XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

59. Sitzung des Nationalrats

12. Dezember 2025

10Beschlüsse
5Angenommen
5Abgelehnt
59. Nationalratssitzung

Dienstrechts-Novelle 2025

319 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 561/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Die Dienstrechts-Novelle 2025 modularisiert und aktualisiert mehrere gesetzliche Regelungen, die das Beamten-Dienstrecht und andere relevante Gesetze betreffen. Es werden insbesondere redaktionelle Anpassungen sowie Aktualisierungen der Ressortbezeichnungen aufgrund einer zuvor durchgeführten Novelle zum Bundesministeriengesetz vorgenommen.

Die Änderungen betreffen eine Vielzahl von Beamten und Vertragsbediensteten in Österreich, da die Gesetzesnovelle wesentliche Bereiche des Beamtenrechts und der Gehaltsregelungen für die betroffenen Personengruppen modifiziert.

Dokumente

Dienstrechts-Novelle 2025

Wesentliche Änderungen

  • Anpassung des Beamten-Dienstrechtsgesetzes 1979 sowie des Gehaltsgesetzes 1956.
  • Änderungen im Vertragsbedienstetengesetz 1948 und weiteren dienstrechtlichen Regelungen.
  • Aktualisierung der Ressortbezeichnungen gemäß der Novelle zum Bundesministeriengesetz 1986.
  • Modifikation des Pensionsgesetzes 1965 und des Bundes-Gleichbehandlungsgesetzes.
  • Betroffene Gesetze umfassen das Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetz, das Bundesbahngesetz, das Bundespensionsamtübertragungs-Gesetz und weitere relevante Gesetze.
  • Die Novelle zielt darauf ab, eine klare und aktuelle Rechtsgrundlage für die Verwaltung und den Dienstbetrieb der öffentlichen Bediensteten bereitzustellen.

Dienstrechts-Novelle 2025

~48 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Werner Herbert

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Vorweg: Bei Tagesordnungspunkt 2 werden wir zustimmen, weil die Beschränkung der Bezüge für Bezieher oberster Einkommen eigentlich genau dem entspricht, was wir auch im Vorfeld dieser Dienstrechtsreform immer gefordert haben. Damit bin ich eigentlich schon beim Hauptpunkt, nämlich dem Tagesordnungspunkt 1, der Dienstrechts-Novelle 2025. Es war mir eigentlich fast klar, dass dazu noch ein Abänderungsantrag kommen wird, weil dieser miserable Lohnabschluss für den öffentlichen Dienst, den die Bundesregierung gemeinsam mit der GÖD verbrochen hat …

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Auch mit der AUF-Gewerkschaft!

FPÖ Werner Herbert

… ja noch irgendwie, ich will nicht sagen, egalisiert werden soll, aber zumindest noch ein bisschen ein Guthaben nachgezogen werden soll, weil sonst nur das Negative überbleibt. So gesehen will ich schon zugestehen, dass die Änderungen in diesem Abänderungsantrag – wie beispielsweise der § 23b, in dem es darum geht, dass der Ersatz für den Verdienstentgang für Kolleginnen und Kollegen, die beispielsweise verletzt wurden, wenn ein Täter unzurechnungsfähig ist oder flüchtig ist und nicht belangt werden kann, vom Staat übernommen wird, oder auch die Regelungen im § 169 Gehaltsgesetz, in dem es endlich bundesweite und einheitliche Regelungen für Personalvertreter und deren Bezüge gibt – eine gute Sache sind, die wir auch grundsätzlich unterstützen, wenn da nicht dieser katastrophale Lohnabschluss wäre, ein miserabler Lohnabschluss, der alles andere ist als ein wertschätzender Umgang mit den Bediensteten im öffentlichen Dienst in unserem Land. (👏 FPÖ) Wenn die teuerste Bundesregierung aller Zeiten – die teuerste Bundesregierung aller Zeiten!, nämlich 14 Minister, 7 Staatssekretäre, 400 Bedienstete in den Kabinetten mit üppigen Sonderverträgen – dann hergeht, gemeinsam mit einer GÖD, die offensichtlich nicht weiß, auf welcher Seite sie bei Verhandlungen zu stehen hat, und den öffentlich Bediensteten keine wertschätzende Entlohnung für die kommenden Jahre zugesteht, dann ist das eigentlich ein Skandal. (👏 FPÖ) Es ist genau das, was man sich im Umgang mit den eigenen Bediensteten nicht erwartet. Was können die Bediensteten dafür, dass die alte Bundesregierung – ÖVP, Grüne – und die jetzige Bundesregierung – SPÖ, ÖVP, NEOS – nicht gescheit haushalten können? Die können nichts dafür, für eure auf Unvermögen zurückzuführenden Finanzhaushalte. Die einen haben das Geld beim Fenster hinausgehaut, als gäbe es kein Morgen, die anderen sparen überhaupt nirgends ein …

ÖVP Brandweiner (Zwischenruf)

Herr Kollege ... selber noch mehr ausgeben wollen! Da bleiben wir schon bei der Wahrheit!

FPÖ Werner Herbert

… schon gar nicht, wenn es darum geht, das Geld ins gute Ausland zu tragen – denn da sind wir natürlich schnell dabei, aber wenn es darum geht, die eigenen Bediensteten wertschätzend zu entlohnen, dann haben wir kein Geld. Übrigens genauso wie bei den Pensionisten: Die werden es schon zahlen!, sage ich einmal. Das Geld, das wir ins Ausland tragen, das wir im Rahmen diverser Hilfen für die Entwicklung oder auch im Ukrainekrieg bereitstellen oder auch für irgendwelche zwielichtigen Projekte sonst wo verwenden, wird schon jemand zahlen, und in diesem Fall halt die heimische Bevölkerung. Das ist euer Grundsatz, den es schwerst zu kritisieren gilt. Es gibt bei dieser Sache aber auch noch eine andere wichtige oder interessante Komponente, nämlich die Gewerkschaft öffentlicher Dienst. Die Gewerkschaft öffentlicher Dienst hat da eigentlich genau das gemacht, worüber man sagen muss, das erwartet man sich nicht von einer Interessenvertretung. Sie hat sich nicht auf die Seite der Bediensteten, sondern sicherheitshalber gleich einmal auf die Seite des Dienstgebers gestellt und hat dort gemeinsam mit dem Dienstgeber die Interessen der Bediensteten – ich sage es einmal ganz salopp – verraten. (👏 FPÖ) Das ist keine Interessenvertretung, was da stattgefunden hat, das ist Interessenverrat – Interessenverrat an den öffentlich Bediensteten durch die GÖD. Ich darf an dieser Stelle gleich einmal festhalten: Die freiheitliche Vorfeldorganisation AUF ist nicht Teil der GÖD – nur damit das auch klar ist. (👏 FPÖ) Unser Zugang wäre ein anderer gewesen – ein wertschätzender, ein sozialerer –, und wir hätten diesem Lohnabschluss, so wie er jetzt vorliegt, jedenfalls nicht zugestimmt. Eine interessante Komponente ist auch: Mir fehlt eigentlich komplett die Strategie der GÖD, die da hinter diesen Verhandlungen gesteckt ist – außer dass sie Ja gesagt hat und auf der falschen Seite gesessen ist. Ich frage mich aber: Wo ist denn da die politische, strategische Komponente? Ich glaube ja schon fast, dass die GÖD mit diesem – leider, zum Nachteil der Bediensteten – negativen Abschluss einen wertvollen Beitrag leisten wollte, um unser Projekt Volkskanzler Kickl zu unterstützen. Ich glaube, das ist die wahre Intention …

ÖVP Brandweiner (Zwischenruf)

Jetzt wird es Zeit, dass die Märchenstunde vorbeigeht, gell!

FPÖ Werner Herbert

… und ich glaube auch, dass das eine gute Sache ist – denn der Volkskanzler Kickl, das ist ja unser Projekt, das wir auch sehr nachhaltig verfolgen –, ich glaube nur, dass die GÖD sich das nicht zu sagen traut.

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Das ist der, der meistens ... der nie da ist! – Abg. Brandweiner [ÖVP]: Wo ist er denn, euer Will-nicht-Kanzler?

FPÖ Werner Herbert

… Ich kann Ihnen aber sagen: Wenn Sie das nicht wollen, sich öffentlich dazu zu bekennen, dann helfen wir als Freiheitliche Partei Ihnen gerne dabei. Wir machen das schon, wir helfen Ihnen – der GÖD, aber auch der Bundesregierung, die auch sehr tatkräftig bei dem Projekt Volkskanzler Kickl mithilft – gerne beim Coming-out. Sie sind dabei in guter Gesellschaft. Sie müssen sich nicht fürchten, denn Sie sind in guter Gesellschaft mit 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung, die das auch wollen. So gesehen würden wir Ihnen da gerne eine Hilfestellung geben. Wir hätten auch das richtige Programm …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... das letzte Aufgebot!

FPÖ Werner Herbert

… Treten Sie zurück, machen wir Neuwahlen, und Sie werden sehen, das ist der richtige Weg, der auch in der Bevölkerung breiten Anklang findet! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Nur weil du Herbert heißt, bist du auch nichts!

FPÖ Werner Herbert

… Aber ungeachtet dessen: Bis es so weit ist, das darf ich Ihnen versichern, werden wir als FPÖ weiterhin auf unsere öffentlich Bediensteten schauen. (👏 ÖVP, FPÖ) Im Gegensatz zu Ihnen und im Gegensatz zur GÖD werden wir das tun, was eigentlich unser aller Job wäre. Ich darf diesen Bediensteten, die diese Republik am Leben erhalten – in den verschiedensten Bereichen …

ÖVP Brandweiner (Zwischenruf)

Zahlen die eigentlich auch einen Strom ...? Waren wir da dabei? Also Leute entlassen ... das habt ihr gestern bewiesen!

FPÖ Werner Herbert

… bei der Sicherheit, in der Landesverteidigung, im Bildungsbereich, im Schul- und Kindergartenwesen oder auch in eigentlichen, normalen Verwaltungsbereichen; dort, wo die Regierung mit ihren Maßnahmen versagt, sind jene Bediensteten trotzdem da, um den Staat am Leben zu erhalten …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wer hat dir denn diesen Blödsinn aufgeschrieben?

FPÖ Werner Herbert

… und das System am Laufen zu halten –, dafür namens meiner Person, aber auch namens der FPÖ meinen besonderen Dank und meine Anerkennung aussprechen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Grüße vom ...!

FPÖ Werner Herbert

… Wir als FPÖ wissen, was wir an diesen Bediensteten haben, und wir wissen auch, was sie leisten. Ich kann Ihnen jetzt schon versprechen: Wenn wir die Volkskanzlerschaft Kickl tatsächlich ( Heiterkeit des Abg. Michael Hammer ) – mit Unterstützung der Gewerkschaft und auch der Bundesregierung, die da tatkräftig mithilft – zeitnah umsetzen, dann werden diese Bediensteten im öffentlichen Dienst einen neuen Stellenwert bekommen, nicht diese Geringschätzung, die Sie jetzt erleben, sondern jene Wertschätzung, die ihnen tatsächlich zusteht. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Deckenbacher. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Romana Deckenbacher

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Für diese Dienstrechts-Novelle, die für unseren öffentlichen Dienst so wesentlich ist und bei der die Freiheitliche Partei ja nicht mitstimmen möchte – bei so wesentlichen Punkten auch für die Polizei, für die Exekutive, für die Justizwache –, wurde viel verhandelt, bis zum Schluss. RN/5.1 Ich möchte gleich den Abänderungsantrag zu TOP 1 der Abgeordneten Romana Deckenbacher , Muna Duzdar , Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen einbringen. Sie sind stark, sie sind verlässlich und sie sind kompetent, sie sind das Rückgrat unseres schönen Österreichs und sie sorgen für Sicherheit und Stabilität in den Bildungseinrichtungen, in den sicherheitspolitischen Einrichtungen – bei der Polizei, bei der Justizwache, beim Bundesheer –, in der Verwaltung – ich rede da von unseren öffentlich Bediensteten. Die aktuelle Imas-Studie der Gewerkschaft öffentlicher Dienst bestätigt das ganz eindrucksvoll. Drei Viertel der Befragten geben dem öffentlichen Dienst, den öffentlich Bediensteten die Bestnote, wenn es um die Lebensqualität in Österreich geht – und das geschieht nicht zufällig. Lebensqualität entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen: wenn sie in Kranken- und Pflegeeinrichtungen rund um die Uhr für die Patientinnen und Patienten arbeiten; wenn Lehrerinnen und Lehrer täglich über ihr Maß hinaus überfüllte Klassen managen müssen und trotzdem für jedes Kind da sind; wenn von der Justizwache Sicherheit hinter den Gefängnismauern gewährleistet wird; wenn die Polizei bei heiklen Einsätzen Ruhe bewahrt; wenn Verwaltungsbedienstete trotz komplexer Vorschriften dafür sorgen, dass Anträge nicht liegen bleiben, sondern erledigt werden; oder wenn unsere Kolleginnen und Kollegen in den Kindergärten und den Betreuungseinrichtungen überhaupt erst die Voraussetzung schaffen, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelingen kann. Ja, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, dort wird Lebensqualität konkret, nämlich im täglichen Einsatz unserer öffentlich Bediensteten. Auch die Bevölkerung erkennt die Leistung unserer Kolleginnen und Kollegen an. Sie werden als professionell, hilfsbereit und verlässlich wahrgenommen. Gleichzeitig wird aber auch der Druck wahrgenommen, unter dem sie stehen. Personalmangel, zunehmende Aufgabenerfüllung, wachsende rechtliche Anforderungen sind Realität. Trotzdem zeigt der OGM-Vertrauensindex, dass unsere Polizei und unser österreichisches Bundesheer an der Spitze stehen. Unsere österreichische Bevölkerung vertraut der Polizei und dem Bundesheer, und darauf können wir stolz sein, denn diese Vertrauensbasis ist keine Selbstverständlichkeit; sie ist ein Auftrag an uns alle, ein Auftrag an die Politik. Das ist ein Auftrag, im Rahmen der Dienstrechts-Novelle – dieser, aber auch zukünftiger – Maßnahmen zu setzen, damit unsere Kolleginnen und Kollegen bessere Arbeitsbedingungen haben. Wir ermöglichen zum Beispiel – wir haben es im Juli ja schon für andere Beschäftigte beschlossen – auch für Beamtinnen und Beamte die Teilpension. Zudem sollen Bedienstete einen Anspruch auf besondere Hilfeleistung bei Dienst- und Arbeitsunfällen haben, auch dann, wenn kein zurechnungsfähiger Dritter vorhanden ist. Ein konkretes Beispiel möchte ich Ihnen nennen: Ein Polizist war auf der A 1 Richtung Melk im Einsatz. Der Einsatzgrund war eine verwirrte Person auf der Fahrbahn. Der Bedienstete musste diese Person von der Fahrbahn holen, aber plötzlich wurde er attackiert, mit einem Messer niedergestochen und wäre vor Ort fast verblutet. Anspruch auf besondere Hilfeleistung gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, weil der Täter zum Tatzeitpunkt aufgrund psychischer Beeinträchtigung nicht zurechnungsfähig war. Das soll jetzt geändert werden. Das betrifft natürlich vor allem auch die Kolleginnen und Kollegen in der Justizwache, die immer wieder davon betroffen sind. Ein anderes Thema haben wir auch schon angesprochen: Aufgrund der budgetären Situation hat die Bundesregierung die Gewerkschaften um Neuverhandlung der Gehälter im öffentlichen Dienst ersucht. Ich sage Ihnen an dieser Stelle ganz offen, es war für keine Seite zu keinem Zeitpunkt eine einfache Situation. Für die Gewerkschaft öffentlicher Dienst und die Younion waren – zu keinem Zeitpunkt – weder eine reine Einmalzahlung noch Nulllohnrunden eine Alternative. Nach intensiven und konstruktiven Verhandlungen zwischen den Regierungsmitgliedern, der Gewerkschaft öffentlicher Dienst und der Younion konnte ein tragfähiger Kompromiss geschlossen werden. Ich sage hier auch ganz offen: Es kann sich dabei nur um einen Krisenabschluss handeln. Als Gewerkschafterin sage ich klar: Man verlässt den Verhandlungstisch nicht mit einer Wunschliste, man verlässt ihn mit Ergebnissen, die auch unter schwierigen Umständen vertretbar sind. Kompromisse sind kein Zeichen von Schwäche, sie sind der Kern einer funktionierenden Demokratie. Wäre die Alternative Polarisierung statt Ausgleich gewesen? – Nein! Konfrontation statt Lösungen? – Sicher nicht! Populistische Versprechungen statt realistischer Verantwortung? – Nein! An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf ein Erfolgsmodell in unserer Republik Bezug nehmen, nämlich auf unsere gelebte Sozialpartnerschaft, für die wir weltweit beneidet werden. Diese Sozialpartnerschaft lebt vom Dialog, lebt von Respekt, von Wertschätzung und, ja, auch von dem Willen, zu Lösungen zu kommen, auch wenn es schwierig wird. Diese Sozialpartnerschaft hat Konflikte immer wieder an den Verhandlungstisch geholt, nicht auf die Straßen. Sie ist und war der Garant für sozialen Frieden in unserem schönen Land. Diesen sozialen Frieden dürfen wir uns nicht schwächen lassen, denn das wäre am Ende des Tages auch eine Schwächung unserer Demokratie. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zu genau jener Stabilität, die unsere Sozialpartnerschaft gewährleistet, trägt auch der öffentliche Dienst bei, Tag für Tag! Wir können auf unsere öffentlich Bediensteten stolz sein. Sie machen nicht nur einfach einen Job, sondern sie leisten einen Dienst an unserer Gesellschaft für ein funktionierendes Österreich. Ich sage Ihnen klar: Was wäre, wenn es sie nicht gäbe, unsere öffentlich Bediensteten? Vieles in diesem Land würde stillstehen! – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 9.25 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/5.2 Dienstrechts-Novelle 2025 (AA-45) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Lausch. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Die schicken heute wirklich die dritte Garnitur raus!

FPÖ Christian Lausch

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Geschätzte öffentlich Bedienstete! Ich kann es einmal vorwegnehmen: Wir werden dieser Dienstrechts-Novelle auf keinen Fall zustimmen, und ich kann es auch begründen.

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Da werden sie sich bedanken ...!

FPÖ Christian Lausch

… Ich kann es Ihnen auch begründen, warum wir das nicht machen: Es ist mir nicht bekannt, dass man schon einmal ein Gehaltsgesetz – vor einem Jahr nach Gehaltsverhandlungen abgeschlossen – zulasten einer Berufsgruppe, die noch vor wenigen Jahren mit Überstunden, mit Mehrstunden die teilweise überbordenden, überzogenen Maßnahmen in der Coronazeit mitgetragen hat, aufgeschnürt hat. Jetzt bekommt sie von dieser Bundesregierung, von Ihnen, Herr Staatssekretär, als Dankeschön mitgeliefert: weniger Geld, weniger Gehalt. Sie finden das vielleicht lustig, ich als öffentlich Bediensteter finde das nicht lustig. Das muss einem einmal einfallen: dass man die öffentlich Bediensteten so bestraft, dass man sich in einer Laune mit dem Verein Gewerkschaft öffentlicher Dienst, einem schwarz-roten Verein, der auch eine Befragung seiner Mitglieder hätte machen können …

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Das entscheiden immer ...!

FPÖ Christian Lausch

… zusammensetzt und einen Einschnitt vornimmt, während gleichzeitig die Außenministerin dieser Bundesregierung herumfährt und in der ganzen Welt das Geld verteilt.

NEOS von Künsberg Sarre (Zwischenruf)

Bitte! – Abg. Shetty [NEOS]: Weil es der Job der Außenministerin ist, im Ausland zu sein!

FPÖ Christian Lausch

… Ich sage Ihnen eines: Das werden Ihnen die öffentlich Bediensteten nicht vergessen, aber auch nicht der GÖD. Wissen Sie, Herr Staatssekretär, was diese Bundesregierung mit der GÖD gemeinsam hat? – Ihnen laufen, zu Recht, die Wähler in Scharen davon und der Gewerkschaft öffentlicher Dienst die Mitglieder.

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Wir haben eine Viertelmillion Mitglieder! Eine Viertelmillion!

FPÖ Christian Lausch

… Und recht haben die Mitglieder, dass sie aus einer Vertretung, aus einem Verein austreten, der für alles da ist, nur nicht für die öffentlich Bediensteten! Schämen Sie sich, Herr Staatssekretär, schämen Sie sich für diesen Eingriff! Was Sie da geleistet haben, war, im Liegen umzufallen. Sie haben in der Coronazeit – „Koste es, was es wolle“, wir wissen es ja noch, auch die öffentlichen Bediensteten – das Geld nur so hinausgeschmissen Diese Berufsgruppe, die damals belastet war – Polizisten, Justizwachebeamte, Krankenpersonal, Verwaltungspersonal …

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Die unterstützen wir jetzt!

FPÖ Christian Lausch

… bestraft ihr jetzt. Geht es noch?! Bitte, geht es noch?! Die bestraft ihr jetzt. Die werden euch das nie vergessen! Eines sage ich noch zum Thema Justizwache: Da gab es eine Klimaschutzministerin in Person der Frau Gewessler – Bundesministerin Gott sei Dank außer Dienst, sagen wir dazu –, die mit beiden Händen den Klimabonus verteilt hat. Wir hatten ja die CO₂-Bepreisung – die gibt es immer noch. Den Klimabonus gibt es nicht mehr. Da haben 10 000 Straftäter, Kriminelle, die in Österreichs Justizanstalten sitzen, den Klimabonus erhalten. Millionen hat das gekostet, Millionen! Und nicht nur, dass das viel gekostet und nichts gebracht hat …

GRÜNE Neßler (Zwischenruf)

Was hat das mit dem Thema zu tun? – Abg. Koza [Grüne]: Zum Thema!

FPÖ Christian Lausch

… man hat auch noch die Justizverwaltung mit den Sodexo-Gutscheinen lahmgelegt. Jetzt greift ihr in Gehälter ein und sagt: Wir haben das mit der Gewerkschaft, mit der schwarz-roten Gewerkschaft, gut ausverhandelt! …

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Hör jetzt auf! Du weißt genau ...!

FPÖ Christian Lausch

… Romana, du sagst: gut ausverhandelt! …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Das ist der Sozialpartner! Heast, lern Sozialpartnerschaft ...!

FPÖ Christian Lausch

… Hat die Gewerkschaft die Mitglieder gefragt? Ich sage Ihnen eines, liebe öffentlich Bediensteten: Die Gewerkschaft öffentlicher Dienst ist ein Verein. In einen Verein kann man eintreten, aber auch austreten. Dieser Verein nimmt Ihnen als Mitglied der Gewerkschaft öffentlicher Dienst pro Monat 1 Prozent Ihres Gehaltes weg. Wenn Sie dem Staatssekretär und dieser Bundesregierung etwas entgegensetzen wollen, empfehle ich Ihnen: Treten Sie aus diesem Verein aus – vertreten hat er Sie eh nicht –, und dann haben Sie 1 Prozent – 1 Prozent, in Zeiten wie diesen, in denen Sie das Geld brauchen – gespart! So einfach ist das! (👏 FPÖ) So einfach ist das, denn die GÖD ist nur die Regierung, ist nur: schwarze Gewerkschafter, rote Gewerkschafter. Die sind dort dabei, und sonst niemand, und diese haben natürlich gut für die Schwarz-Rote-NEOS-Gängelbandregierung gearbeitet, aber nicht für die vielen öffentlich Bediensteten. Diese wurden – verraten darf ich jetzt nicht sagen, sonst kriege ich einen Ordnungsruf - - Man darf in diesem Haus, auch wenn es die Wahrheit ist, schon nichts mehr sagen. Das sage ich also nicht , aber man wird es zu werten wissen. Auch die 3 000 Justizwachebeamte werden es zu werten wissen , was ihr Rechtsbrechern an Bonus gegeben habt und jetzt denen, die das – die Sodexo-Gutscheine dazumal im Regierungsauftrag – verteilen mussten, jetzt wegnehmt. Schämt euch! Als öffentlich Bediensteter sage ich nur: Schämt euch! Ich würde mich wirklich schämen. Es wäre gut, wenn wenigstens jemand herauskommen würde – ihr, die NEOS, seid eh keine Beamtenpartei, das wart ihr noch nie – und wenn ihr euch entschuldigen würdet, wenn ihr sagen würdet: Das alles – dass das so ist – haben wir gar nicht gewusst! Wir entschuldigen uns jetzt bei den öffentlich Bediensteten: bei den Krankenschwestern …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

... Beamtenpartei!

FPÖ Christian Lausch

… bei den Ärzten, bei den Verwaltungsbeamten. Wir entschuldigen uns, dass wir eingegriffen haben, und ich entschuldige mich – das wäre wirklich ein guter Auftrag für dich, lieber Yannick Shetty –, dass unsere Außenministerin in Afrika herumfährt und Millionen von eurem Steuergeld verteilt! – Also das schlägt doch schön langsam dem Fass den Boden aus! (👏 FPÖ) Und wirklich, Herr Staatssekretär, auch von Ihnen würde ich mir dann erwarten …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist eine ziemlich ... Rede!

FPÖ Christian Lausch

… dass auch Sie das sagen, dass Sie das mit Ihren – mit Ihren! – Gewerkschaftern halt einfach so beschlossen haben. Jetzt spart ihr bei den öffentlich Bediensteten, die sich das absolut nicht verdient haben. Ihr spart aber nicht im System, ihr schmeißt auf der anderen Seite mit beiden Händen das Steuergeld im Ausland nur so hinaus – da ändert ihr gar nichts –, sondern ihr spart nur bei der Bevölkerung und sonst nirgends. Spart einmal im System und lasst die Bevölkerung in Ruhe! – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Ich gebe bekannt, dass der von der Vorrednerin des Abgeordneten Lausch, also von Frau Abgeordneter Deckenbacher, eingebrachte Abänderungsantrag, der sehr umfangreich ist, bei mir schriftlich vorliegt, auch ausreichend unterstützt und mittlerweile auch im Netz zugänglich ist – beziehungsweise wird er auch bereits verteilt –, er steht daher mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Duzdar. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

SPÖ Muna Duzdar

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Herr Kollege Lausch, ich verstehe ehrlich gesagt gar nicht, warum du hier so herumschreist.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Das muss man ja! Also, das muss man ja! Es ist ja zum Weinen und zum Schreien! – Abg. Darmann [FPÖ]: Weil er das Herz am rechten Fleck hat!

SPÖ Muna Duzdar

… Du warst derjenige, der im Justizausschuss zu mir gekommen ist und mich auf eine gesetzliche Lücke im Dienstrecht aufmerksam gemacht hat, und diese gesetzliche Lücke schließen wir heute.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ich habe gestern auch nicht verstanden, warum der Herr Babler so herumgeschrien ...!

SPÖ Muna Duzdar

… Eigentlich ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, warum ihr heute nicht mitgeht, denn was wir heute beschließen, ist beispielsweise, dass bisher Justizwachebeamte, die am Körper verletzt wurden, nicht immer eine Entschädigung bekommen haben – beispielsweise wenn der Täter unzurechnungsfähig war, wenn er flüchtig war , wenn es keinen Erfolg gab, wenn die Rechtsverfolgung aussichtslos war. Das war eigentlich ungerecht und einfach nicht einzusehen, und daher schließen wir heute diese gesetzliche Lücke, denn jedem Beamten, der in seinem Dienst am Körper verletzt wird, gebührt eine Hilfeleistung und eine Entschädigung – ausnahmslos! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Der öffentliche Dienst …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Das haben wir euch gesagt!

SPÖ Muna Duzdar

… bitte hör auf, so herumzuschreien! ( Heiterkeit bei der SPÖ ) – ist nicht bloß Verwaltung , sondern er ist die erste Schnittstelle zwischen der österreichischen Bevölkerung und dem Staat. Er ist die Visitenkarte unserer Republik, und da entscheidet sich tagtäglich, ob Menschen Vertrauen in unseren Staat haben, denn der Staat kann immer nur so stark sein wie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn wir heute vom öffentlichen Dienst sprechen, dann sprechen wir über die Lehrer und Lehrerinnen, über die Elementarpädagogen, über die Polizisten, die Justizwachebeamten …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Corona!

SPÖ Muna Duzdar

… die Mitarbeiter bei den Behörden, den Ämtern, über die Kanzleiassistentin bei Gericht, den Rechtspfleger, den Richter, den Verwaltungsbeamten: All diese Berufsgruppen sorgen tagtäglich dafür, dass unser Staat, unser Rechtsstaat funktioniert und die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger gut behandelt werden. Und bei allen – bei allen! – Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen möchte ich mich ganz herzlich auch im Namen meiner Fraktion, der SPÖ, bedanken. (👏 SPÖ) Ja, und es stimmt – es ist schon angesprochen worden –, im Zuge dieser Dienstrechts-Novelle werden wir den Gehaltsabschluss 2026 bis 2028 umsetzen, und es ist richtig, dass der Gehaltsabschluss, der 2024 für 2025 beschlossen wurde, aufgeschnürt wurde. Es war ein bindender Beschluss, und das ist einfach darauf zurückzuführen, dass wir im Jahr 2025 eine katastrophale budgetäre Lage vorgefunden haben, und es auch für die Gewerkschaften, für die Sozialpartnerschaft keineswegs einfach war. Man muss ganz klar sagen, dass es honoriert gehört, wenn man in Zeiten wie diesen – in so schwierigen Zeiten wie diesen – bereit ist, einen Beitrag zu leisten: Dann verdient man auch entsprechende Anerkennung und Respekt, das ist nämlich gelebte Verantwortung.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Gehaltskürzung! Gehaltskürzung!

SPÖ Muna Duzdar

… Was wir heute gleichfalls ändern, ist das Bundesbezügegesetz, denn viele – fast alle – Berufsgruppen, Gruppen aus unserer Gesellschaft erleben natürlich, dass es angesichts dieser angespannten budgetären Situation so ist, dass wir alle einen Beitrag leisten. Daher beschließen wir heute auch die dritte Nulllohnrunde für Politiker und Politikerinnen in Folge, denn auch da gilt: Budgetkonsolidierung ist nur dann fair und ausgewogen, wenn alle einen Beitrag leisten, und dazu gehören auch wir Politikerinnen und Politiker, denn Verantwortung zu tragen heißt, dass alle gemeinsam die Verantwortung übernehmen. Diese Maßnahme zeigt, dass sich die Politik ihrer besonderen Verantwortung bewusst ist. Budgetkonsolidierung beginnt immer auch bei einem selbst, und genau das setzen wir heute um. Abschließend möchte ich mich nochmals bei all jenen bedanken, die unseren Staat tagtäglich stützen. Diese Novelle ist auch ein Ausdruck der Zusammenarbeit zwischen der Politik, dem öffentlichen Dienst, den Gewerkschaften, der Sozialpartnerschaft – gegen die Sie ( in Richtung FPÖ weisend ) immer wettern – und auch ein Zeichen dafür, dass wir den Herausforderungen gemeinsam begegnen. – Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Eisenhut. 4 Minuten eingemeldete Redezeit. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Irene Eisenhut

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor allem: Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Und heute muss man dann dazusagen: Liebe zahlende Mitglieder der Gewerkschaft öffentlicher Dienst! Wir verhandeln heute die Dienstrechts-Novelle 2025. Es ist schon richtig, dass diese Dienstrechts-Novelle durchaus kleine Verbesserungen beinhaltet – das wurde auch schon angesprochen –: Wenn Kollegen im öffentlichen Dienst, vor allem Polizei, Justiz, Bundesheer verletzt werden, dann wird hinkünftig eine Regressforderung erleichtert. Wer aber bei den entsprechenden Besprechungen im Zentralausschuss dabei war, der weiß ganz genau, woher diese Idee stammt: Sie stammt nämlich von der AUF.

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Ja, dann stimmt doch mit! Dann stimmt doch mit!

FPÖ Irene Eisenhut

… Liebe Kollegin, ich kann erklären, warum wir nicht mitstimmen können: weil das halt nur ein ganz kleiner Teil ist.

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Aber ein wichtiger Teil!

FPÖ Irene Eisenhut

… Er ist wichtig, ja, aber es gibt da drin den großen Teil, und das ist der Gehaltsabschluss. Liebe Zuseherinnen und Zuseher, ich möchte auch erklären, wie dieser Gehaltsabschluss zustande gekommen ist: Im Vorjahr gab es bereits einen bestehenden Gehaltsabschluss für 2025 und 2026: 2025 0,3 Prozent unter der Inflation, mit der Zusage – und das fix ausverhandelt und auch gesetzlich niedergeschrieben – für 2026 0,3 Prozent über der Inflation. Was ist passiert? – Aufgrund der Leistung – wenn man es so bezeichnen will – der Vorgängerregierung haben wir ein derart desaströses Budget, dass eine Einsparung notwendig war, und das aber jetzt zulasten jener, die im öffentlichen Dienst tätig sind, die diesen Betrieb – unser Staatsgefüge – überhaupt in Ordnung halten, und das ist eigentlich der große Skandal. (👏 FPÖ) Wenn von Beamten gesprochen wird, dann sprechen wir von Polizisten, von Bundesheerbediensteten, von der Justiz, von den Lehrern – von all jenen, die dafür sorgen, dass unser Staat funktioniert. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, allen dafür ein herzliches Dankeschön zu sagen. (👏 FPÖ) Im Zusammenwirken mit der Gewerkschaft öffentlicher Dienst wurde jedoch im heurigen Jahr einfach das bestehende, gesetzlich niedergeschriebene Versprechen wieder aufgeschnürt. Da frage ich Sie schon: Worauf kann man sich in diesem Staat noch verlassen? Wenn ich mich auf bestehende ausverhandelte Gehaltsabschlüsse nicht mehr verlassen kann, dann ist das ein Vertrauensverlust, der nie wieder gutzumachen ist. Wir haben jetzt einen Gehaltsabschluss, nicht auf zwei Jahre, sondern auf drei Jahre. Was passiert dann nächstes Jahr? Wenn nächstes Jahr die Inflation wieder höher ist als erwartet, vielleicht haben wir dann doch 2027 und 2028 eine Nulllohnrunde, so wie sie bereits nach Brüssel eingemeldet wurde. – Ein Vertrauensverlust, den Sie nie wieder gutmachen können. (👏 FPÖ) Zum Abschluss möchte ich noch einen Tipp an alle Bediensteten des öffentlichen Dienstes geben. Ich bin vor mehr als 15 Jahren aus der Gewerkschaft öffentlicher Dienst ausgetreten …

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Das war ein Fehler! Großer Fehler!

FPÖ Irene Eisenhut

… und ich habe es keine Sekunde bereut. Ich habe mir Geld und Enttäuschungen gespart.

SPÖ Duzdar (Zwischenruf)

Genau, und ... – Abg. Greiner [SPÖ]: Das nennt man Solidarität! – Abg. Duzdar [SPÖ]: Aber von den Lohnerhöhungen der letzten Jahre profitiert! – Weiterer Ruf bei der SPÖ: Kassiert! – Abg. Duzdar [SPÖ]: Genau!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Klubvorsitzender Shetty. Die eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Klubvorsitzender.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Wir beschließen heute im Wesentlichen zwei große Dinge. Erstens schnüren wir den Beamtenabschluss auf – gesetzlich – und zweitens beschließen wir die Nulllohnrunde für Politikerinnen und Politiker. Lassen Sie mich zum Ersten sagen, dass es ungefähr ein Jahr her ist, dass hier im Nationalrat mit den Stimmen aller Parteien außer uns NEOS ein absolut unverantwortlicher Gehaltsabschluss für den öffentlichen Dienst in Höhe von 3,5 Prozent beziehungsweise 3,3 Prozent für die Jahre 2025 und 2026 getroffen wurde. Lassen Sie mich das sagen: nicht deshalb unverantwortlich, weil wir die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Beamten, der Lehrerinnen und Lehrer, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsbereich gering schätzen – ganz im Gegenteil! –, sondern weil wir damals der Überzeugung waren, heute der Überzeugung sind und auch immer der Überzeugung bleiben werden, dass wir dann, wenn in der Wirtschaft Jobs abgebaut werden, wenn in der freien Wirtschaft die Unternehmerinnen und Unternehmer nicht mehr wissen, wie sie die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter in der freien Wirtschaft halten können, nicht im öffentlichen Bereich, im geschützten Bereich die Gehälter, das Lohnniveau einfach raufschnalzen können. Das geht sich einfach nicht aus. (👏 NEOS) Deswegen ist – und ja, das schreibe ich auch uns auf die Fahnen als die, die vor einem Jahr als Einzige dagegen waren, die sich damals viel Kritik anhören mussten – mittlerweile übrigens mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Meinung: Ja, wenn alle sparen müssen, wenn alle niedrigere Gehaltsabschlüsse hinnehmen müssen, dann müssen auch Beamte im öffentlichen Bereich einen niedrigeren Gehaltsabschluss hinnehmen.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Die Bundesregierung, wo spart ihr?

NEOS Yannick Shetty

… Mittlerweile hat sich die öffentliche Meinung gedreht im Vergleich zu vor einem Jahr.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wo spart ihr? Ihr habt ja gar keinen Platz, wenn ihr alle kommt!

NEOS Yannick Shetty

… Herr Lausch, die Mehrheit der Menschen in diesem Land ist nicht Ihrer Meinung. Die Mehrheit der Menschen in diesem Land ist nicht Ihrer Meinung, Herr Lausch. (👏 NEOS) Die öffentliche Meinung hat sich gedreht, aber vor einem Jahr haben wir uns viel Kritik anhören müssen. Deswegen hefte ich uns auch auf die Fahnen, dass wir – was bei den Regierungsverhandlungen nicht möglich war, wo vor einem Jahr alle gegen uns waren, nämlich den Gehaltsabschluss mit 3,5 Prozent und 3,3 Prozent nicht festzulegen – erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik einen bestehenden Lohnabschluss mit der Gewerkschaft neu verhandelt haben und ihn heute auch gesetzlich aufschnüren werden. Ich sage Ihnen: Das ist ein gutes Signal, nicht aus Boshaftigkeit gegenüber den Beamten, sondern weil es für die wirtschaftspolitische Lage in diesem Land einfach notwendig ist, Herr Kollege.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Da sehen wir das! Mit der größten Regierungsbank aller Zeiten sehen wir das schon! Ich nehme das persönlich!

NEOS Yannick Shetty

… Herr Kollege Lausch, ich nehme ja auch an, dass das einige bei Ihnen, die wirtschaftspolitisch versiert sind …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Ich nehme das persönlich! Die größte Regierung aller Zeiten! Wo spart ihr?

NEOS Yannick Shetty

… auch so sehen, dass es natürlich eine Signalwirkung hat und auch eine Signalwirkung hatte in diesem Herbst: Wenn wir im öffentlichen Bereich bei den Lohnverhandlungen und bei den Gehaltsabschlüssen zurückhaltender sind, hat das natürlich eine budgetäre Wirkung, aber darüber hinaus auch eine ganz wichtige Signalwirkung in die freie Wirtschaft. Wir haben es gesehen. Ich möchte auch explizit die Vertreter der Metaller-Gewerkschaft ansprechen – sie sind ja auch hier vertreten –, die es geschafft haben, gemeinsam mit den Arbeitgebern in einer schwierigen Zeit einen verantwortungsvollen Entschluss zu fassen – und das nicht, davon bin ich überzeugt, weil sie es sich leicht gemacht haben oder weil ihnen ihre Mitglieder egal sind, sondern weil sie gemeinsam mit den Arbeitgebern erkannt haben, dass, wenn wir jetzt nicht verantwortungsvoll agieren, Arbeitsplätze in diesem Land wegfallen werden. Das ist die Realität in Österreich.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Größte Bundesregierung aller Zeiten!

NEOS Yannick Shetty

… Herr Kollege Lausch, auch wenn Sie immer wieder die gleiche Schallplatte abspielen und immer wieder die gleichen Zwischenrufe reinbrüllen, die an Schlichtheit nicht zu übertreffen sind, Ihre Kollegen wissen alle ganz genau: Das, was wir heute machen, machen wir nicht einfach aus Jux und Tollerei …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Oja!

NEOS Yannick Shetty

… sondern weil es notwendig ist , und wenn Sie Regierungsverantwortung übernommen hätten, wozu Sie ja nicht bereit waren, dann – das wissen Sie alle, wenn wir uns in die Augen schauen – hätten Sie genau die gleiche Entscheidung treffen müssen, weil die Lage so ist, wie sie ist.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wer sagt das? Was ist das für ein Unsinn?

NEOS Yannick Shetty

… Zum zweiten Punkt, und da komme ich schon auch noch auf Sie zu sprechen: Nulllohnrunde für Politikerinnen und Politiker. Ich möchte auch eine Lanze dafür brechen, auch wenn man dafür vermutlich jetzt nicht viel Zustimmung bekommt …

SPÖ Greiner (Zwischenruf)

Salzburg sieht das sicher genauso!

NEOS Yannick Shetty

… Ich und wir sind der Überzeugung, dass wir in einem demokratischen, zivilisierten Land Politiker auch gut bezahlen sollten, weil ich der Überzeugung bin, dass rechts wie links Politiker:innen sitzen, die fleißig sind, die für ihr Geld arbeiten. Die sollen dafür auch entlohnt werden. Das unterscheidet uns von anderen Ländern, wo das nicht so ist, wo Politiker sehr niedrige Gehälter bekommen und sich halt sonst über alle anderen Methoden die Taschen vollstopfen.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wie es der Haselsteiner mit euch macht, nicht? Der zahlt auch gutes Geld!

NEOS Yannick Shetty

… Deswegen bin ich der Überzeugung, dass gute Gehälter für Politiker grundsätzlich eine vernünftige Sache sind. Deswegen halten wir auch recht wenig davon, dass jedes Jahr die Debatte über eine Nulllohnrunde angezettelt wird, einfach so. Aber wenn es ein Jahr gibt, in dem es gerechtfertigt ist, dann wohl dieses – aus den gleichen Gründen, die ich vorher genannt habe.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... in bestehende Gesetze eingreifen!

NEOS Yannick Shetty

… Man kann nicht von Beamten, von Menschen in der Privatwirtschaft verlangen, dass sie niedrigere Lohnabschlüsse hinnehmen, während Politiker dann eine volle Gehaltserhöhung oder eine Bezugserhöhung bekommen. Dabei ist es ja gerade eine Partei in diesem Haus, die Freiheitliche Partei, die das jedes Jahr fordert. Das ist Ihr gutes Recht, das ist Ihre politische Haltung, Ihre Meinung. Jedes Jahr fordern Sie eine Nulllohnrunde. Jetzt machen wir eine Nulllohnrunde. Da stimmen alle dafür, glaube ich.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Ja, ja! Weil ihr alles vermanscht!

NEOS Yannick Shetty

… Jetzt machen alle Bundesländer eine Nulllohnrunde. Alle Bundesländer …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Ist gut!

NEOS Yannick Shetty

… nur, Herr Kollege Lausch, ein Bundesland nicht. Wissen Sie welches? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie werden es uns sagen!

NEOS Yannick Shetty

… Wissen Sie welches? …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Du wirst es uns jetzt sicher sagen!

NEOS Yannick Shetty

… Ich werde es Ihnen sagen, richtig.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Du wirst es uns jetzt sicher sagen!

NEOS Yannick Shetty

… Oberösterreich. Und wer regiert in Oberösterreich mit? Ganz laut und ganz lautstark: die Freiheitliche Partei. (👏 FPÖ, NEOS) Wissen Sie, sehr geehrte Damen und Herren, das ist genau diese Unehrlichkeit, diese Doppelbödigkeit. Immer Dinge zu fordern, ganz vorne mit dabei zu sein – aber wenn man dann einmal mit dabei ist, die Entscheidungen zu treffen, dann schnalzt man sich in Oberösterreich die Gehälter für die Politiker um 3 Prozent, 3,3 Prozent rauf. Das ist unehrlich, Herr Kollege.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... Stelzer! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Welches Bundesland hat denn ein ausgeglichenes Budget, Herr Kollege?

NEOS Yannick Shetty

… Na, Herr Kollege Kassegger, es ist keine Frage, ob ausgeglichenes Budget oder nicht …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ah, nicht?

NEOS Yannick Shetty

… nein, das glaube ich nicht, nein, das glaube ich nicht! Schauen Sie sich einmal im Archiv an, wann die FPÖ eine Nulllohnrunde gefordert hat, wann das war. – Immer, ohne Ausnahme immer! Wenn Sie es fordern, fangen Sie bei sich an …

NEOS Hofer (Zwischenruf)

72 Milliarden ...!

NEOS Yannick Shetty

… und erhöhen Sie sich nicht dort die Gehälter, wo Sie selber in Verantwortung sind.

NEOS Hofer (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Koza. Die eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Lieber Kollege Lausch! Ich finde es schon sehr interessant, was ich da auf der ORF-Seite vom 12. November 2025 lese. „Land übernimmt Gehaltsabschluss des Bundes.“ – Interessant. Schauen wir einmal, welches Land ist denn das? – „Das Land Steiermark“ ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP ) „wird den Beamten-Gehaltsabschluss des Bundes für die Jahre 2026 bis 2028 übernehmen.“ – So, und wer ist denn dort Landeshauptmann? Ist es ein Roter? – Nein. Ist es ein Schwarzer? – Nein. Ist es ein Grüner? – Sowieso nicht. ( Heiterkeit des Abg. Zarits [ÖVP]. ) Es ist ein Blauer. Es ist ein gewisser Herr Kunasek. Ein gewisser Herr Kunasek von der FPÖ, und die übernehmen dort diesen verräterischen Abschluss – wie die Kollegen der FPÖ gesagt haben –, diesen unmenschlichen Abschluss, diesen nicht wertschätzenden Abschluss. Es ist einfach schon vollkommen absurd und typisch FPÖ: erst reden und reinschreien und irgendetwas behaupten, irgendetwas rüberschmettern und dann, wenn man irgendwo in Verantwortung ist, genau das Gegenteil machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist die Politik der FPÖ seit Jahren, das ist die Politik der FPÖ seit Jahrzehnten. Ihr sprecht etwa in Sonntagsreden ständig darüber, wie wichtig die Pflege ist – und in Salzburg kürzt ihr bei der ersten Gelegenheit den Pflegebonus. Nein, so macht man keine Arbeitnehmer:innenpolitik und so wird man in der Frage auch nicht glaubwürdig, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 SPÖ) Aber bevor ich jetzt zum inhaltlichen Teil des derzeitigen Tagesordnungspunktes komme …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... eine gute Oppositionspolitik!

GRÜNE Markus Koza

… muss ich schon auch zuallererst einmal zum Prozedere etwas sagen. Wie lange ist der Lohnabschluss jetzt her? Zwei Monate, zwei Wochen, zwei Tage? – Nein, zwei Monate. Und wann haben wir diesen 60-seitigen Abänderungsantrag bekommen? – Vor zwei Tagen. Zwei Tage vor der Abstimmung erhalten wir einen 60-seitigen Antrag, den wir heute beschließen sollen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist doch schon ein Witz, aber kein guter. Das ist ein ziemlich schlechter Witz, und ehrlich gesagt haben wir auch nicht besonders darüber gelacht. Jetzt zum inhaltlichen Teil: Am 11. Dezember 2024 – damals liefen schon die Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ, ÖVP und NEOS – wurde in diesem Haus der Gehaltsabschluss für 2025 und 2026 von ÖVP, SPÖ, FPÖ und Grünen beschlossen. Die damalige Vereinbarung für die öffentlich Bediensteten – nicht für Beamt:innen, sondern für öffentlich Bedienstete; das sind Beamt:innen, Vertragsbedienstete, Privatangestellte in ausgegliederten Betrieben und so weiter und so fort; um auch das einmal klarzustellen –: Inflation minus 0,3 Prozent und dafür im nächsten Jahr dann auch Inflationsrate plus 0,3 Prozent. Bei Lohnabschlüssen im öffentlichen Dienst geht es längst nicht nur um die Kaufkraftsicherung. Da geht es immer auch darum, den öffentlichen Dienst attraktiv zu halten und noch attraktiver zu machen, weil wir im öffentlichen Dienst auch mit der Privatwirtschaft in einem massiven Wettstreit um die besten Köpfe sind – um Informatiker:innen, um Jurist:innen, um Ingenieur:innen, um Techniker:innen –, und es geht auch darum, dass wir den dringend notwendigen Personalbedarf dort, wo wir ihn haben, damit unsere Gesellschaft funktioniert, auch entsprechend abdecken können. Es geht darum, entsprechend attraktive Beschäftigungsplätze, Beschäftigungsorte für Elementarpädagog:innen, für Krankenpfleger:innen, für Polizist:innen, für Sozialarbeiter:innen zu schaffen, und diese müssen wir so gestalten, dass die Leute dort gerne und engagiert arbeiten. (👏) Das ist bei Lohn- und Gehaltsverhandlungen immer mitzudenken. Es ist ganz zentral, dass unser öffentlicher Dienst auch funktioniert, weil er eine Säule unseres Rechtsstaates und auch eine wesentliche Säule unserer Demokratie ist. Die neue Regierung hat jetzt unter dem Druck der Budgetkonsolidierung die Gewerkschaften eingeladen, dieses beschlossene Paket aufzuschnüren und neu zu verhandeln. Wir haben das durchaus kritisch gesehen, weil: Verträge sind Verträge und sind einzuhalten, und außerdem hat sich ja das Problem des Wettstreits des öffentlichen Dienstes mit der Privatwirtschaft um die besten Köpfe nicht gelöst. Die Gewerkschaften als Sozialpartner haben aber dieses Angebot angenommen und sind in die Verhandlungen eingetreten. Und das ist von uns als Politik schlichtweg so zu akzeptieren, denn Lohnverhandlungen sind Sozialpartnersache, und dabei hat Parteipolitik nichts verloren. Herausgekommen ist, dass dieses Verhandlungsergebnis aus dem Jahr 2024 um ein halbes Jahr verschoben wurde. Die Löhne werden um die 3,3 Prozent steigen, aber eben erst ab Juli, und darauf aufbauend, auf diesen erhöhten Lohn, gibt es dann die Erhöhung um jeweils 1 Prozent in den Folgejahren. Der Finanzminister darf sich freuen, er erspart sich 300 Millionen Euro, die Gewerkschaften freuen sich, weil sie Nulllohnrunden verhindert haben. Dieses Verhandlungsergebnis ist von der Politik anzuerkennen. Es ist ein Sozialpartner-Lohnverhandlungsergebnis, da haben wir uns nicht einzumischen, deshalb werden wir diesem und auch der Dienstrechts-Novelle zustimmen. Den durchaus verständlichen internen Ärger, den es in den Gewerkschaften gibt, können und wollen wir den Gewerkschaften auch nicht abnehmen, dem werden sie sich auch stellen müssen. Ob dieser Gehaltsabschluss und insbesondere die Art, wie er zustande gekommen ist, jetzt wirklich geeignet sind, den öffentlichen Dienst als besonders attraktiven und wertschätzenden Arbeitgeber erscheinen zu lassen, dahin gehend sind inzwischen durchaus Zweifel angebracht. Das wird nicht zuletzt davon abhängen, wie sich die Einkommen in der Privatwirtschaft weiterentwickeln werden. Das Vertrauen in die Vertragstreue der Politik ist auf jeden Fall sicher nicht gestärkt worden. Es bleibt nur zu hoffen, dass der kurzfristige budgetäre Erfolg sich nicht langfristig als Bumerang für den öffentlichen Dienst, für seine Funktionsfähigkeit und damit auch für einen funktionierenden Rechtsstaat und eine funktionierende Demokratie herausstellt, denn solche Erfolge können wir uns unter den gegebenen politischen Zuständen auf Dauer nicht leisten. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Gerstl. Die eingemeldete Redezeit beträgt 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Wolfgang Gerstl

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Wir haben jetzt viele Reden über den öffentlichen Dienst gehört, aber es geht bei diesem Tagesordnungspunkt auch um die Gehälter für Politiker, und ich möchte mich jetzt ganz bewusst dieser Aufgabe und dieser Fragestellung widmen, weil es, glaube ich, da auch um eine sehr grundsätzliche Frage geht. ( Unruhe im Saal. ) – Ich warte, bis ein bisschen Ruhe in den Saal einkehrt. 1997 – ich mache einmal einen kurzen Abriss, wie das war – haben wir die Bezügepyramide geschaffen. Was heißt Bezügepyramide? – Bezügepyramide – auch für die Bevölkerung – heißt, dass wir den einzelnen Politikerpositionen eine entsprechende Wertigkeit gegeben haben. Die Wertigkeit sah damals so aus: Ein Nationalratsabgeordneter soll so viel verdienen wie der höchste Beamte, ein Sektionschef. Das wären die sogenannten 100 Prozent, und von dort weg werden alle weiteren Gehälter berechnet. Die Wertigkeit war, dass ein Minister doppelt so viel verdienen soll wie ein Nationalratsabgeordneter, ein Bundesrat genau die Hälfte, ein Landtagsabgeordneter irgendwo dazwischen, die Gehälter der Klubobleute und Staatssekretäre auch zwischen jenen von Nationalratsabgeordneten und Ministern liegen sollen, dass der Bundespräsident etwas mehr, Bundeskanzler und Vizekanzler auch noch etwas mehr als die Minister verdienen sollen. Das war sozusagen die Wertigkeit, die man den Einzelnen gegeben hat. – Damals relativ gut im Vergleich zu den Bezügen, die in der Privatwirtschaft gezahlt wurden. Ich glaube jedenfalls, sagen zu können: 1997 – ein gutes Jahr für die Nationalratsabgeordneten, ein gutes Gehalt. Heute, fast 30 Jahre später, zehn Nulllohnrunden später, schaut es mit den Gehältern der Politiker ganz anders aus. (Abg. Lausch [FPÖ] – auf die leere Regierungsbank zeigend –: Wo ist der Staatssekretär? Der ist schon nach Hause gegangen!) Bundespräsident und Bundeskanzler haben rund 10 000 Euro verloren – nicht im Jahr, im Monat! Ein Nationalratsabgeordneter ist nicht mehr vergleichbar mit einem Sektionschef, er ist maximal vergleichbar mit einem Abteilungsleiter in einem Ministerium. ( Ruf bei der SPÖ: Genau! ) Die Wertigkeit, wonach der Minister doppelt so viel verdienen soll wie sein höchster Beamter, hat sich total verändert, denn der Minister verdient heute nur mehr 35 Prozent mehr als der höchste Beamte. Waren die höchsten Beamten noch gleichgestellt mit den Nationalratsabgeordneten, ist es heute so, dass die höchsten Beamten um über 40 Prozent mehr verdienen als die Nationalratsabgeordneten. Meine Damen und Herren, ich glaube, man muss sich einmal die grundsätzliche Frage stellen: Was ist uns Politik wert ( neuerlicher Ruf bei der SPÖ: Genau! ) und was sind uns die einzelnen Politiker wert? Wie viel wollen wir dafür einsetzen? Daher: So verständlich es ist, dass wir diesmal eine Nulllohnrunde machen – Kollege Shetty hat auch gemeint: Wann, wenn nicht jetzt, in dieser wirtschaftlich äußerst angespannten Situation?!; ja, ganz richtig –, müssen wir uns langfristig aber schon überlegen: Was sind wir wert? Soll mit dem Downgrading weitergemacht werden oder nicht; Downgrading nicht nur im Gehalt, Downgrading in der Wertigkeit, Downgrading darin, was wir eigentlich sind, wer wir sind, wofür wir Verantwortung tragen sollen? Ich glaube, dass wir da einen ganz wesentlichen Punkt treffen, über den wir uns in Zukunft werden näher unterhalten müssen. Andreas Khol, der hauptverantwortlich für diese Bezügepyramide 1997 und auch lange Zeit Nationalratsabgeordneter und auch Nationalratspräsident war, hat gesagt, dem Wettbewerb nach unten seien keine Grenzen gesetzt. Wir haben uns diesem Wettbewerb ganz offen gezeigt und wir haben da immer mitgespielt, die Frage ist: Wie weit wollen wir noch nach unten gehen? Meine Damen und Herren, wir müssen uns das auch langfristig überlegen. Wir beschließen heute eine Nulllohnrunde, sie ist richtig und notwendig, aber wir werden zeigen müssen, dass wir auch etwas wert sind – nicht nur inhaltlich, sondern dass wir auch dafür geradestehen, was wir wirklich sind und wie wir uns auch im internationalen Vergleich darstellen. Von der hohen Wertigkeit, die wir im internationalen Vergleich mit den österreichischen Bezügen von 1997 hatten, sind wir weit weggekommen: Unsere Bezüge sind heute im internationalen Vergleich um einiges niedriger, als das 1997 noch der Fall war. Wofür stehen wir in Österreich, und was ist es uns wert, wenn es Menschen gibt, die für andere im Allgemeininteresse arbeiten? – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Sams. Die eingemeldete Redezeit beträgt 4 Minuten. – Bitte schön, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit dieser Dienstrechts-Novelle 2025 bringen wir heute ein verantwortungsvolles Paket auf den Weg, das Stabilität im öffentlichen Dienst sichert und gleichzeitig Rücksicht auf die budgetären Rahmenbedingungen nimmt. Und eines möchte ich auch ganz klar sagen: Wir Sozialdemokrat:innen haben dieses Budgetdesaster nicht zu verantworten, aber wir haben Verantwortung übernommen, um verlässliche Lösungen auf den Weg zu bringen. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei den Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst bedanken: Ihr leistet Tag für Tag hervorragende Arbeit für die Menschen in diesem Land.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Die rote Gewerkschaft ...!

SPÖ Manfred Sams

… Diese Novelle ist das Ergebnis konstruktiver Gespräche mit der Gewerkschaft, und das zeigt auch, dass Sozialpartnerschaft auch in schwierigen Zeiten verlässlich funktioniert. Ein zentraler Bestandteil ist der dreijährige Gehaltsabschluss. Es stimmt, der Gehaltsabschluss musste noch einmal aufgeschnürt werden …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Musste nicht, ihr wolltet es!

SPÖ Manfred Sams

… das ist der herausfordernden Budgetlage geschuldet und war deshalb leider notwendig. In dem Paket enthalten ist aber auch ein sozial gestaffelter Fixbetrag: Wer weniger verdient, bekommt mehr dazu, und die Gesamtentwicklung bleibt budgetär tragbar. Das ist in schwierigen Zeiten eine klare soziale Handschrift. (👏 SPÖ) In dieser Dienstrechts-Novelle geht es aber um viel mehr als um diesen Gehaltsabschluss. Ein weiterer Punkt, der enthalten ist, ist die Einführung der Teilpension. Sie ermöglicht flexible Übergänge in den Ruhestand mit reduzierter Wochendienstzeit. Das hilft bei geordneten Übergängen und verhindert den abrupten Verlust von Wissen. Wir modernisieren auch das Mitarbeitergespräch. Es bleibt bewusst persönlich, wird aber durch eine digitale Anwendung einfacher vorbereitet und dokumentiert. Wie wir schon gehört haben, ist auch ein weiterer wichtiger Punkt enthalten, nämlich die Verbesserung der Hilfeleistungen nach Dienst- und Arbeitsunfällen. Bisher gab es einen Vorschuss nur, wenn klar war, wer den Schaden verursacht hat. Diese gesetzliche Lücke schließen wir. Es muss sichergestellt sein, dass der Staat auch dann unterstützt, wenn der Verursacher unbekannt, geflüchtet oder vielleicht nicht zurechnungsfähig ist. Wenn später die Haftung dann geklärt ist, kann der Bund wie bisher auf den Verursacher Rückgriff nehmen. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die Dienstrechts-Novelle 2025 verbindet Budgetverantwortung mit sozialer Ausgewogenheit und verbessert die Absicherung im Fall von Dienstunfällen. Dieses Paket ist aber vor allem ein Zeichen von Verantwortung und Verlässlichkeit. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete von Künsberg Sarre. Die eingemeldete Redezeit beträgt 5 Minuten. – Bitte schön, Frau Abgeordnete.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer! Wir NEOS haben 2024 als einzige Partei gegen diesen unverantwortlichen Doppelabschluss 2025 und 2026 gestimmt, weil damals bereits ersichtlich und erkennbar war, dass die wirtschaftliche Situation äußerst angespannt und dieser hohe Abschluss unverantwortlich ist. Der Gehaltsabschluss, der erstmals aufgeschnürt und neu verhandelt wurde, ist ein guter Abschluss. Es waren sehr, sehr harte Verhandlungen, aber man sieht, was geschehen kann und was man erreichen kann, wenn man aufeinander zugeht.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Das ist ja eure Gewerkschaft!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Sie wissen, ich bin jetzt nicht die Verteidigerin der Gewerkschaften, aber der Abschluss ist zustande gekommen, weil man aufeinander zugegangen ist, und das ist gut. Der neue Abschluss entlastet das Budget 2026 um über 310 Millionen Euro; die zwei späteren Abschlüsse liegen deutlich unter der Inflationsrate. Was uns wichtig gewesen ist, ist, dass es zielgerichtete Abschlüsse und nicht pauschale Erhöhungen gibt. Es ist ein Unterschied, ob man ein Sektionschefgehalt hat oder ein Junglehrer ist, und das ist in diesem Abschluss auch abgebildet.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

In allen anderen Abschlüssen auch, hat immer ... gegeben!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Angesichts der wirtschaftlichen und budgetären Situation ist es ein notwendiger, wichtiger und richtiger Schritt gewesen. Im Gegensatz zu manchen Redebeiträgen, bei denen man glaubt, dass nur der öffentliche Dienst einen Beitrag leistet, muss ich sagen: Das stimmt nicht. Es müssen alle in Österreich sparen, sämtliche Sparten sparen. Die Metaller haben einen guten und vorbildlichen Abschluss geschafft, der zeigt, dass man auch in Krisenzeiten Verantwortung übernehmen kann. Wir NEOS haben immer gesagt, dass der Bund, um Österreichs Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Verantwortung übernimmt und übernehmen muss und alles tun muss, um die Lohn-Preis-Spirale zu senken oder zu stoppen. Das haben wir mit diesem Abschluss auch gemacht. So schlecht kann der Abschluss gar nicht sein, wenn die Steirer mit einem blauen Landeshauptmann diesen auch übernehmen. Dort wurde offensichtlich verstanden, dass man sparen muss, dass es eine angespannte Situation ist – im Gegensatz zu manchen hier in der FPÖ.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Und was ist mit Oberösterreich? Das ist bewusst ...!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Klar ist auch, dass wir natürlich nicht nur diesen Abschluss mit Einsparungen oder Entlastungen für das Budget haben, sondern dass natürlich Reformen – Strukturreformen – notwendig sind, um das Budget langfristig abzusichern und der nächsten Generation nicht nur Baustellen zu hinterlassen. Dafür werden wir NEOS kämpfen. Reformen sind auch notwendig, damit die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst attraktiver werden. Es geht nämlich nicht immer nur um das Gehalt, sondern es geht darum, dass man seinen Job gut ausführen kann, und dafür stehen NEOS: dass wir Strukturreformen durchbringen. Das ist unser nächstes Ziel. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster hat sich der Herr Staatssekretär zu Wort gemeldet, den ich in unserer Mitte auch herzlich begrüße. – Bitte, Herr Staatssekretär.

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kollegen, Kolleginnen! Im Abänderungsantrag befindet sich noch eine Verbesserung, über die bisher niemand gesprochen hat. Worum geht es? – Heute korrigieren wir einen Fehler, der lange bekannt war und für viele Studierende reale Konsequenzen hatte: Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik bildet seit 2008 Umweltpädagogen und -pädagoginnen aus. Das sind also gut ausgebildete Leute, die es dringend an Schulen braucht, die aber bislang nicht wirklich arbeiten konnten. Stellen Sie sich vor, eine junge Absolventin bewirbt sich als Lehrperson für Naturwissenschaften, sie ist total qualifiziert, doch ein regulärer Vertrag ist nicht möglich, lediglich ein Sondervertrag. Die Begründung: Sie dürfe als Absolventin nur an einer einzigen Schule in Wien unterrichten, weil diese dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist. Das ist absurd und natürlich für niemanden nachvollziehbar. Sie steht sogar schlechter da, als wenn sie als Quereinsteigerin anfangen würde. Ich sage es ganz klar: Gerade im Kontext des Lehrer:innenmangels können wir es uns gar nicht leisten, auf ausgebildetes Personal zu verzichten. Das wäre, als würde man einfach six-seven sagen. Das passt nicht zusammen. Jede ungenützte qualifizierte Lehrperson verschärft das Problem zusätzlich. (👏) Genau deshalb hat unsere Kollegin Sigi Maurer einen entsprechenden Antrag eingebracht, und ich bin sehr froh, dass die Regierungsparteien dieses Anliegen jetzt aufgenommen haben und dass wir diese wichtige Korrektur heute durchführen. Mit der Gesetzesänderung schließen wir diese Lücke endlich. Die Absolvent:innen können nun so eingesetzt werden, dass es ihrer Ausbildung entspricht. Das ist richtig so, längst überfällig und niemand verliert dadurch, im Gegenteil, das ganze System gewinnt. Wir schaffen heute Fairness, geben Rechtssicherheit und stärken ein Berufsbild, das gerade im Bildungssystem extrem wichtig ist. Mein großer Dank gilt meiner Kollegin Sigi Maurer, er gilt auch allen Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien, die daran mitgearbeitet haben, dass es diese Verbesserung gibt. Ein großes Danke vor allem auch an die Studierendenvertretung, die sich mit ihrem offenen Brief an uns gewendet hat, die hartnäckig für ihr Anliegen gekämpft hat. Sie hat gezeigt, wie wichtig das Thema ist und dass es sich rentiert, wenn man sich für eine Sache einsetzt. Umso mehr freut es mich, dass wir das heute beschließen können. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Für eine zweite Wortmeldung hat sich Herr Abgeordneter Herbert gemeldet. Die eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Werner Herbert

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Es ist mir ein Bedürfnis, noch einmal zwei Dinge klarzustellen: Erstens ist die Vorgangsweise, dass wir zwei Tage vor der Debatte im Plenum – oder einen Tag eigentlich – einen Abänderungsantrag in diesem Umfang bekommen, eigentlich haarsträubend, sagen wir es einmal so vorsichtig. Einerseits hat man kaum Zeit, sich vorzubereiten, was jetzt nicht das große Problem ist, aber so geht man einfach mit der Opposition nicht um. Das ist eine Vorgehensweise, die einfach nicht okay ist und schon deswegen eigentlich zum Widerspruch neigt – sagen wir es einmal so. Die zweite Geschichte: Die Verknüpfung eines miserablen Lohnabschlusses mit positiven Aspekten in den dienst- und gehaltsrechtlichen Umständen ist auch nicht unbedingt die feine Art. Ich weiß, das ist ein strategisches Mittel, ist okay, kommt immer wieder vor, aber gescheiter wäre es gewesen, man hätte das auf zwei verschiedenen Ebenen abgehandelt, denn dann hätte es auch einen vernünftigen inhaltlichen Zugang dazu gegeben und wir hätten tatsächlich einen transparenten Abstimmungsvorgang gehabt. (👏 FPÖ) So ist es natürlich ein Problem, dass wir schon allein wegen diesem wirklich schlechtesten Lohnabschluss aller Zeiten von der teuersten Regierung aller Zeiten diesem Abänderungsantrag einfach nicht zustimmen können. (Zwischenruf der Abg. Teiber [SPÖ]. – Abg. Lausch [FPÖ] – auf die Regierungsbank deutend –: Gar keinen Platz habts ihr mehr!) Vielleicht noch kurz ein paar Repliken auf die Vorredner: Kollege Koza, wenn Länder den Abschluss des Bundes übernehmen, dann ist es nicht eine Seltenheit, wurscht, welcher Landeshauptmann das ist. Das ist in den letzten Jahrzehnten Usus gewesen, aber ich bin bei Ihnen, dass die Vorgehensweise, nämlich einerseits ein Gesetz wieder aufzuheben und dann den Kollegen einen verschlechterten Lohnabschluss zukommen zu lassen, nicht wirklich ein repräsentatives Vorgehen ist – als Staat, als Dienstgeber für die Belegschaft –, auch nicht, wenn es darum geht, das Pensionsproblem, das wir ohnedies im öffentlichen Dienst und in nahezu allen Bereichen haben, Stichwort große Pensionsabgänge, nachhaltig zu lösen. Also diesbezüglich ist auch die Strategie wohl weit, weit weg von der Realität. Vielleicht noch zur Kollegin Duzdar: Sie sagen, dass diese Übernahme der Kosten bei verletzten Kollegen eine gute Sache ist – ja, ja, da bin ich schon bei Ihnen. Das ist ja auch eine langjährige Forderung der FPÖ, aber auch der AUF, das haben wir schon gefordert. Dass sie jetzt in diesem Paket verpackt ist, ist wiederum schon fast eine unredliche Geschichte …

ÖVP Deckenbacher (Zwischenruf)

Na, passt eh!

FPÖ Werner Herbert

… denn wir hätten dem gern zugestimmt, können das jetzt aber so nicht.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Herbert, was machst in der Gemeinde für einen Abschluss?

FPÖ Werner Herbert

… Ich hätte mir gewünscht, wir hätten diesen Abänderungsantrag im Vorfeld im Ausschuss diskutieren können. Da hätten wir auch alle Möglichkeiten gehabt, uns gegenseitig auszutauschen und wahrscheinlich eine viel bessere gemeinsame Lösung zu finden als das, was jetzt vorliegt. Aber leider, es ist jetzt das Spiel der Bundesregierung so gewesen – das gefällt uns so nicht, wir wollen uns dem auch nicht beugen. – Danke.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Duzdar zu Wort gemeldet. 2 Minuten sind die Redezeit. – Sie kennen die einschlägigen Bestimmungen. Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Muna Duzdar

Herr Kollege Lausch …

FPÖ Herbert (Zwischenruf)

Herbert!

SPÖ Muna Duzdar

… hat behauptet, dass dieser Gehaltsabschluss heute der schlechteste Gehaltsabschluss für Beamte sei. Ich berichtige tatsächlich, dass unter Schwarz-Blau mehrfach Nulllohnrunden für Beamte beschlossen wurden. (👏 SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. (Abg. Lausch [FPÖ]: Eine Berichtigung!) – Entschuldigung, eine tatsächliche Berichtigung! (Abg. Greiner [SPÖ]: Die Debatte war beendet! – Rufe bei ÖVP, SPÖ und Grünen: ... Debatte geschlossen! ) Herr Abgeordneter, ganz kurz darf ich Ihnen das Wort erteilen, so wie es gehört, bitte. ( Widerspruch bei ÖVP, SPÖ und Grünen. – Abg. Disoski [Grüne]: Sie haben die Debatte bereits geschlossen!) Für eine tatsächliche Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Herbert zu Wort gemeldet. 2 Minuten Redezeit. – Sie kennen die einschlägigen Bestimmungen.

FPÖ Werner Herbert

Kollegin Duzdar hat gerade gemeint, unter Schwarz-Blau hätte es einen schlechteren Lohnabschluss gegeben. Das stimmt so nicht. (Zwischenruf des Abg. Brandweiner [ÖVP]. – Ruf bei der ÖVP: Geh bitte! – Zwischenruf der Abg. Schatz [SPÖ]. – Ruf bei der ÖVP: ... keine tatsächliche Berichtigung! ) Ich darf tatsächlich berichtigen: Der Lohnabschluss, im Jahr 2018 beschlossen, war bei 2,4 Prozent plus einer sozialen Staffelung. Das kommt dieser nicht gleich. – Danke schön. (👏 FPÖ) 10.19

PräsidiumWalter Rosenkranz

Meine Damen und Herren, sie haben die Auslegungen der Geschäftsordnung, die meiner Meinung nach eindeutig ist, gehört. Sie haben auch die bezugnehmenden Gesetzesstellen diesbezüglich gehört. Wenn ein Bedarf besteht, werde ich es gerne den Klubobleuten in der nächsten Präsidialkonferenz entsprechend erläutern. (👏 FPÖ, NEOS) Die Debatte ist geschlossen. ( Rufe bei ÖVP und Grünen: War schon geschlossen! – Rufe bei der ÖVP: Kann nicht zweimal schließen! Schließt du sie zweimal?! ) Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht?

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/25.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 1: Entwurf betreffend Dienstrechts-Novelle 2025 in 319 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Mag. Romana Deckenbacher , Mag. Muna Duzdar , Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Mag. Romana Deckenbacher , Mag. Muna Duzdar , Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Art. 1 bis 9, 12 bis 14, 20, 21, 23 und 24 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen zugleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist ebenfalls mit Mehrheit angenommen. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/25.2 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesbezügegesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 320 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist einstimmig. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Bundesbezügegesetz

320 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 562/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜR
FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Gemeinsam debattiert mit TOP 1

Zusammenfassung

Es wird beschlossen, die Bezüge von Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitikern auf Bundesebene für das kommende Jahr nicht an die Inflation anzupassen, um einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung zu leisten. Die nächste Anpassung soll erst zum 1. Jänner 2027 erfolgen, basierend auf den Ausgangsbeträgen des Jahres 2025.

Betroffen von dieser Regelung sind der Bundespräsident, der Bundeskanzler, der Vizekanzler, Präsidenten und Vizepräsidenten des Nationalrates und des Bundesrates, Bundesministerinnen und -minister, sowie Mitglieder des Nationalrates und des Bundesrates.

Dokumente

Bundesbezügegesetz

Wesentliche Änderungen

  • Die Bezüge von Spitzenpolitikern, einschließlich des Bundespräsidenten und der Bundesminister, werden im Jahr 2026 nicht an die Inflation angepasst.
  • Diese Maßnahme umfasst die Führungskräfte und Mitglieder mehrerer Staatsorgane, darunter der Nationalrat, der Bundesrat und die Volksanwaltschaft.
  • Die nächste Anpassung der Bezüge ist für den 1. Jänner 2027 geplant, wobei die jeweiligen Beträge des Jahres 2025 als Grundlage dienen.
  • Ziel dieser Maßnahme ist es, eine nachhaltige Kostenreduktion im Rahmen der Budgetkonsolidierung zu erreichen.

Digitale Souveränität jetzt umsetzen

318 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 577/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Antrag zur Stärkung der digitalen Souveränität wurde im Nationalrat abgelehnt. Inhaltlich wurde vorgebracht, dass Österreich durch die Abhängigkeit von ausländischen Tech-Konzernen in eine kritische Lage geraten ist, die dringend Gegenmaßnahmen erfordert.

Die digitale Souveränität Österreichs und die österreichische Verwaltung sind von der Abhängigkeit von internationalen Tech-Unternehmen betroffen, was auch europäische Unternehmen und deren Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt.

Das Ziel des abgelehnten Antrags war es, konkrete Schritte zur Reduzierung der digitalen Abhängigkeiten zu initiieren und die Nutzung von Open-Source-Software in der Verwaltung zu fördern.

Dokumente

Digitale Souveränität jetzt umsetzen

Hintergrund

  • Die österreichische Verwaltung gibt jährlich Millionen Euro an außer-europäische Tech-Konzerne für proprietäre Systeme aus.
  • Es wird eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen großen Tech-Konzernen festgestellt, was die digitale Souveränität gefährdet.

Frühere Maßnahmen

  • Im Juli 2023 wurde ein Entschluss zur Stärkung der digitalen Souveränität durch verstärkten Einsatz von Open-Source-Produkten gefasst.
  • Ein Leitfaden zur Nutzung von Open Source Software (OSS) wurde im Februar 2025 veröffentlicht.

Mangelnde Umsetzung

  • Trotz der veröffentlichten Leitfäden hat die Regierung keine weiteren Maßnahmen zur Umsetzung ergriffen.
  • Es fehlt an konkreten Zielvorgaben, Meilensteinen und Konzepten zur digitalen Souveränität.

Selbständiger Entschließungsantrag

  • Ein anderer Antrag zur Stärkung der digitalen Souveränität wurde einstimmig beschlossen.
  • Der Antrag erkennt die Notwendigkeit an, Abhängigkeiten von globalen Anbietern zu reduzieren und eigene Handlungsspielräume zu sichern.

Europäische Dimension

  • Österreich initiiert eine europäische Erklärung zur digitalen Souveränität, die den Rahmen für nationale Bestrebungen bilden soll.
  • Die Erklärung wurde von 27 Mitgliedstaaten unterzeichnet und soll die Zusammenarbeit Europas stärken.

Geopolitische Implikationen

  • Die digitale Souveränität wird als Voraussetzung für Freiheit, Wettbewerbsfähigkeit und Demokratie im 21. Jahrhundert bezeichnet.
  • Digitale Abhängigkeiten stellen eine Gefahr für die Sicherheit und Effizienz der österreichischen und europäischen Wirtschaft dar.

Digitale Souveränität jetzt umsetzen

~34 min Lesezeit
Dafür: FPÖGRÜNE Dagegen: ÖVPSPÖNEOS
FPÖ Gerhard Deimek

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Digitale Souveränität ist kein Schlagwort. Es ist ganz einfach die Entscheidung, ob der Staat gestaltet wird oder ob er nur verwaltet wird und damit von Dritten abhängig ist. Ich beginne ganz bewusst mit dem Antrag des Kollegen Zorba, weil dieser Antrag inhaltlich wesentlich weitergehend ist und den ambitionierteren Zugang zu diesem Thema hat. Darum wird er wahrscheinlich auch von Ihnen abgelehnt. Der Antrag adressiert nämlich genau die zentralen Schwachstellen: die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern, die fehlende Transparenz und die unzureichende strategische Nutzung von Beschaffung und von Förderung. Wer nämlich in der digitalen Verwaltung Software, Datenhaltung, Cloud-Infrastruktur und die Kernprozesse nicht selbst kontrolliert, ist im Ernstfall genau nicht souverän, sondern abhängig und damit potenziell erpressbar. Positiv an diesem Antrag ist auch, dass er nicht nur bei irgendwelchen allgemeinen Zielbildern stehen bleibt, sondern konkrete Instrumente nennt: eine Taskforce, ein Kataster und vor allem strategische Ausschreibungen für Open Source oder alternative Lösungen. Souveränität entsteht nämlich nicht durch Lippenbekenntnisse, sondern durch klare politische und rechtlich verbindliche Entscheidungen, und zwar vor allem dort, wo das Geld auch wirklich ausgegeben wird. Gleichzeitig sage ich, zur politischen Redlichkeit würde auch gehören, dass vieles davon schon wesentlich länger oder längst möglich gewesen wäre. Dass wir das heute diskutieren oder diskutieren müssen, zeugt weniger von Innovationskraft, sondern vielmehr davon, dass lange verzögert wurde. Daher wird die Entscheidung nicht sein, ob diese Strukturen jetzt endlich geschaffen werden, sondern ob wir wirklich zu Änderungen, zu realen Änderungen kommen werden. Nun zum Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen: Ja, wir werden auch dem zustimmen, weil jede formale Festlegung besser ist als jegliche Beliebigkeit. Und ich sage schon wieder: Formal ist es an sich der Auftrag der Regierungsparteien selber. Wir hören immer dieses wunderschöne, allgemeine: Wir werden jetzt! – Herr Staatssekretär, Verbindlichkeiten schauen anders aus. Vor allem geht es nicht um Verbindlichkeiten, es geht darum, ob etwas umgesetzt wird. Das ist das Einzige, woran man bei diesem Thema auch wirklich etwas messen kann. Wir werden es messen: Wie weit kommen Sie in die Gänge, wie schnell kommen Sie in die Gänge und wie rasch werden Sie umsetzen? Denn digitale Souveränität entscheidet sich nicht am Papier, entscheidet sich nicht anhand von Anträgen hier herinnen, die angenommen werden oder nicht, sondern allein in der Umsetzung. Daran wird sich die Bundesregierung messen lassen müssen. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Oberrauner. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön.

SPÖ Petra Oberrauner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Hohes Haus! Die digitale Abhängigkeit ist ein ernstes Risiko geworden. Sie gefährdet unsere Demokratie, sie gefährdet unsere Souveränität und sie gefährdet den Rechtsstaat. Täglich erleben wir, wie die US-Regierung und große amerikanische Techkonzerne versuchen, die wirtschaftliche, digitale und sicherheitspolitische Schwäche Europas auszunutzen, um ihre eigenen Interessen und Regeln bei uns durchzusetzen. Wir müssen alles tun, um uns so schnell wie möglich daraus zu befreien. Dafür brauchen wir nationale Maßnahmen und eine europäische Zusammenarbeit. Die digitale Souveränität bedarf Milliardeninvestitionen in Forschung, Innovation und Infrastruktur, und sie braucht einen starken europäischen Binnenmarkt. Nur so erhalten europäische IT-Unternehmen den Raum, den sie brauchen, um mit den USA und Asien konkurrieren zu können. Die Bundesregierung hat diesbezüglich wichtige Schritte gesetzt. Unsere Bundesregierung hat auf europäischer Ebene die Erklärung zur digitalen Souveränität initiiert, die von 27 Mitgliedstaaten unterzeichnet wurde und die notwendige europäische Kooperation voranbringen soll. Außerdem hat sie mit dem Digital Austrian Act 2.0 den strategischen Rahmen geschaffen, um Österreich unabhängiger zu machen und die digitale Souveränität der österreichischen Verwaltung konsequent zu stärken. Die Beschaffungspolitik spielt dabei eine größere Rolle. Der Staat ist der größte IT-Kunde des Landes. Wenn die öffentliche Hand auf offene, unabhängige Systeme wie Open Source setzt, entscheidet sie maßgeblich, wohin die Wertschöpfung geht, damit die digitale Innovation in der heimischen Wirtschaft ausgelöst wird. Das ist ein Hebel, und zwar ein entscheidender Hebel, den wir jetzt nutzen müssen. Mit dem Entschließungsantrag gemäß § 27 der Regierungsparteien ersuchen wir die Bundesregierung, die Maßnahmen des Digital Austrian Act 2.0 konsequent umzusetzen und dem Parlament halbjährlich Bericht zu erstatten. Der Antrag hat im Forschungs- und Wissenschaftsausschuss die Unterstützung aller Parteien gehabt. Ich möchte Sie um breite Zustimmung bitten. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Zorba. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Herr Staatssekretär! Wir haben in den letzten Monaten und Jahren immer auf dieses Thema gedrängt, auch mit dem Antrag, den wir im Ausschuss eingebracht haben, weil digitale Unabhängigkeit im Jahr 2025 kein nerdiges Nischenthema, sondern wirklich ein sicherheitspolitisches Problem ist, das wir angehen müssen. Zunächst möchte ich mich beim Herrn Staatssekretär für seine Initiative, die er auf europäischer Ebene auch als Vorreiter gestartet hat, bedanken. Es ist aber ganz wichtig, und das muss man wirklich deutlich dazusagen, dass wir die Hausaufgaben hier auch machen müssen, denn sie nur auf europäischer Ebene zu fordern, wird zu wenig sein. Da werden wir dementsprechend Druck machen. (👏) Ich bin etwas über den Umstand irritiert, dass bei diesem Gipfel auch Unternehmen wie Palantir, wie ich den Zeitungen entnommen habe, am Tisch gesessen sind. Ich bin nicht wirklich ganz überzeugt davon, ob wir in dieselbe Richtung wie diese Techkonzerne aus den USA ziehen, die uns in Europa mehr oder weniger zu Feinden erklärt haben. Ich glaube, da muss man vielleicht noch einmal drüberschauen, welche Partner man da mit ins Boot nimmt. Damit sind wir auch ein bisschen beim Kern des Problems, nämlich dass sich die geopolitische Lage ja dramatisch verschärft hat. Kurz: Vor wenigen Tagen hat Elon Musk einen kompletten Meltdown erlebt, weil die Europäische Kommission eine Strafe nach dem Digital Services Act dahin gehend ausgesprochen hat, dass seine Plattform Transparenzpflichten und Berichtspflichten nicht nachkommt. Er hat dann herumgewütet: Die Europäische Union muss abgeschafft werden! Zensur, Zensur, Zensur! – Auch Mitglieder der US-Regierung haben da mit eingestimmt. Vielleicht hierzu ein paar Worte zu den Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ: Danke, dass Sie den Antrag von mir für gut befinden, aber da werden Digitalgesetze von uns in Europa, die wir über Jahre erkämpft haben, angegriffen. Diese Digitalgesetze sind dazu da, dass wir unsere Bürgerinnen und Bürger in Europa vor großen Techkonzernen schützen. Sie stellen sich jedes Mal an die Seite jener, die diese Digitalgesetze angreifen und abschaffen möchten. Das heißt, die FPÖ hat sich ihre Partner ausgesucht: ein Milliardär, der die Europäische Union abschaffen möchte, ein Kreml, der von dieser Spaltung profitiert, eine US-Administration, die die Digitalgesetze, die wir haben, als Angriff auf Europa diffamiert. Und von wem bekommen sie Support in Österreich? – Von Herbert Kickl , also von der angeblich patriotischen Partei. Ich glaube, man muss sich wirklich gut überlegen, welche Personen und Unternehmen man sich als Partner nimmt, um nicht jedes Mal an der Seite von destruktiven Kräften zu stehen, egal ob sie aus Moskau oder aus Washington sind. (👏) Die FPÖ ist aber nicht allein eine Gefahr für die Digitalgesetze, die wir in Europa haben: Im Rahmen des sogenannten digitalen Omnibusses wird jetzt massiv Druck auf unsere europäische Gesetzgebung gemacht. Gesetze, die unsere Bürgerinnen und Bürger vor großen Techkonzernen schützen sollen, sollen jetzt unter dem Vorwand der Vereinfachung aufgeweicht werden, weil Donald Trump aus Washington Druck macht. Dazu muss ich ganz klar sagen, Herr Staatssekretär: Wenn diese Regierung das mit der digitalen Unabhängigkeit ernst meint, müssen wir uns beim Thema digitaler Omnibus ganz klar dagegenstellen, und das klipp und klar. (👏) Denn: Auf der einen Seite versuchen wir, unsere digitale Unabhängigkeit aufzubauen und auf der anderen Seite wird daran gearbeitet, dass man die Digitalgesetze, die wir haben, aufweicht. Dazu muss man klar sagen: Die Techkonzerne aus den USA oder aus China versuchen, europäisches Recht mit Füßen zu treten. Sie sitzen dabei ehrlicherweise auch ein bisschen am längeren Ast, weil wir nicht die Unabhängigkeit besitzen, uns ganz klar dagegenzustellen. Das muss man irgendwo zur Kenntnis nehmen und man muss dementsprechend anfangen, an diesen Aufgaben zu arbeiten. In den letzten Monaten habe ich ja einige parlamentarische Anfragen geschrieben, und bei einer war ich wirklich etwas verwundert. Ich zitiere aus der Beantwortung des Bundeskanzlers: Die Klassifizierung nach europäischen und nicht europäischen Unternehmen sei schwierig, weil man Produkte ja von Zwischenhändlern kaufe, die in der Europäischen Union sitzen. – Mit Verlaub, das ist eine Themenverfehlung. Es geht nicht darum, ob man die Lizenzen von einem Zwischenhändler, der in Europa sitzt, kauft. Das Problem ist, woher diese Software kommt und wohin die Daten gehen. Ich hoffe, dass man sich in Zukunft vielleicht ein bisschen besser anschaut, was genau man denn mit digitaler Unabhängigkeit meint, denn nicht der Zwischenhändler ist das Problem, sondern der Hersteller. (👏 ÖVP) Deshalb haben wir auch diesen Antrag eingebracht, der konkrete Forderungen auflistet: nämlich, dass wir einmal quasi einen digitalen Kataster aufstellen sollten, damit wir überhaupt wissen, wo welches Problem besteht und einen Überblick haben, und dass wir uns dann schrittweise die Rahmenbedingungen anschauen, in welchen Bereichen wir wann umsteigen können. Da hat das österreichische Bundesheer ja ganz gut vorgelegt und auch international damit Schlagzeilen erreicht. Ich wünsche mir, dass wir das dann auch in jedem anderen Ministerium so bekommen. Ein ganz wichtiger Hebel sind die Vergabekriterien, dass die digitale Souveränität als Qualitätsmerkmal mit hineingenommen wird, und Förderprogramme, womit wir freie Software unterstützen, freie europäische Software auch stärker in den Mittelpunkt rücken. Das alles sind Dinge, die auch von der Regierung in einem Ministerratsvortrag festgehalten wurden. Es reicht aber halt eben nicht, wenn es im Ministerratsvortrag festgehalten wird, sondern man muss ins Tun kommen. Unser Antrag, den wir mit ganz konkreten Maßnahmen befüllt haben, wurde leider abgelehnt. Danach gab es einen gemeinsamen Antrag im Ausschuss: Die Regierung fordert die Regierung auf, dass sie innerhalb der nächsten sechs Monate in dem Bereich die Arbeit aufnehmen soll. Ich hoffe also, dass da etwas passiert. Digitale Souveränität ist kein Thema für Sonntagsreden, da geht es wirklich um demokratische Selbstbestimmung auch in Europa, dass wir unabhängig agieren können, uns bewegen können und nicht einer Erpressbarkeit ausgesetzt sind, gegen die wir nichts tun können. Wir müssen da wirklich Fahrt aufnehmen. Wir werden, Herr Staatssekretär, in dem Bereich auch weiterhin Druck machen, aber Sie dort unterstützen, wo Sie unsere Unterstützung benötigen. – Danke schön. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Jeitler-Cincelli. – Ihre eingemeldete Redezeit beträgt 4 Minuten. Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Carmen Jeitler-Cincelli

Danke schön, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Lieber Süley! Zur Erklärung muss man jetzt sagen, dass man ja nicht tendenziell gegen deinen Antrag ist, aber es gab eine zeitliche Überschneidung, wo dann sehr vieles stattgefunden hat. Insofern ist der jetzige Antrag, bei dem bereits die Ergebnisse der Konferenz in Berlin et cetera einbezogen worden sind, halt der aktuellere. Generell einmal auch Danke für dein Tun. Du bist in dem Bereich nicht nur wahnsinnig kompetent, sondern auch sehr aktiv. Es ist auch schön, zu sehen, dass in diesem Bereich – der ist sicher nicht sehr polarisierend – ein guter Austausch stattfindet; wir arbeiten da auch wirklich gut zusammen. Ja, das muss man auch einmal sagen, oder? (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Auch der FPÖ muss man jetzt ein Dankeschön dafür sagen, dass dieser Kurs unterstützt wird. Das ist ein gemeinschaftlicher, europäischer Kurs, und man kann auch einmal dieses Thema draußen lassen: Ist man pro EU oder gegen die EU? Nein, man geht einen europäischen Weg, weil es gar nicht anders möglich ist. Also auch Herrn Deimek von vorhin ein herzliches Dankeschön. Das ist für mich einmal ein Signal der Zuversicht. Digitale Souveränität darf eben nicht ein Schlagwort sein, wie meine Kollegen vorhin schon gesagt haben. Es geht dabei auch nicht nur um die Wettbewerbsfähigkeit, um die demokratische Sicherheit, sondern für mich geht es dabei eigentlich um unsere Freiheit. Und wenn dieser Themenbereich immer wichtiger wird, dann werden wir uns auch überlegen müssen: Wie erhalten wir, wie bewahren wir uns diese Freiheit? Oder eigentlich: Wie erkämpfen wir sie uns gemeinschaftlich wieder zurück? Österreich ist einen führenden Weg gegangen, eine führende Rolle hatte unser Staatssekretär. – Lieber Xandi Pröll, danke dafür. Es wurde auch international so anerkannt, ja, dass einfach der europäische Vorschlag, die österreichische Erklärung quasi angenommen wurde, sich alle da angeschlossen haben und dieser Austausch einmal stattgefunden hat. Das ist ein Signal, dass Europa zusammenhalten will, zusammengehen will. Und das ist auch die einzige Chance, dass wir uns das leisten können, weil es um massive finanzielle Notwendigkeiten geht, und das schaffen wir nur im Schulterschluss miteinander. Wir dürfen eines nicht vergessen: Wir sind eigentlich ein großer Markt, und da könnten wir auch viel mehr Selbstbewusstsein haben. Wir sind 450 Millionen Menschen, und nicht umsonst haben die anderen ja so viel Interesse daran, mit ihren Programmen, mit ihren Systemen bei uns in dieser Breite zu sein. Wir sind ohne Frage sehr, sehr gut. User Experience: Das funktioniert, das verwendet man gerne. Wenn man in ein neues Tool einsteigt, ist das immer so eine Bauchwehgeschichte. Ich mache das gerade in der Verwaltungsdigitalisierung in Baden und denke mir, na ja, natürlich ist es dann wieder gemütlich. Man greift halt eher auf bestehende, gut funktionierende Systeme zurück, als einem neuen eine Chance zu geben, aber miteinander können wir diese Chancen auch bieten. 70 Prozent der bis 2030 entstehenden Wertschöpfungskette werden digital sein. Also da kommt wahnsinnig viel auf uns zu, und wenn wir jetzt nicht reagieren, dann werden wir hintendran sein. Ich möchte eine Geschichte erzählen: Ein Schulkollege von mir – der war mit mir im Gymnasium in Innsbruck – war immer irrsinnig gescheit, hat dann Astronomie, Physik studiert und ist dann in die Neurowissenschaften gegangen, und dieser Schulkollege ist auf einem Weg über die Neurowissenschaften dann zu Open-AI gekommen und ist einer der Chefprogrammierer im Silicon Valley für dieses Chat-GPT gewesen. Und er war da, hat mich letztes Jahr besucht, und es war irrsinnig spannend, auch einmal zu hören: Da gibt es viele Forscher, die würden gerne nach Europa zurückkehren, die möchten gar nicht dortbleiben, auch internationale Leute, die sich sagen, sie können sich vorstellen, die Lebensqualität wäre hier hoch. Das ist auch eine Chance, diese Menschen wieder zurückzuholen. Gerade weil Trump jetzt mehrmals angesprochen worden ist: Beim Salzburg Summit war Gerhard Zeiler, Sozialdemokrat. Am Anfang war ich etwas verwundert über seine Rede, er hat nämlich gesagt, Trump ist ein Geschenk für Europa. Ich habe mir gedacht: Wovon redet der? Und dann ist das bei mir so gesickert: Eigentlich hat er recht. Trump ist ein Geschenk dadurch, dass wir uns jetzt einmal bewusst machen, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass wir immer einen großen Bruder haben, der auf uns schaut, sondern dass wir selber in unsere Eigenverantwortung gehen sollten, sodass wir selber diesen Schulterschluss schaffen und sagen, wir müssen uns von diesen Zwängen freimachen. Auch wenn es vielleicht ein unsexy Thema ist, ja – digitale Souveränität, digitale Programme, Digitalisierung: das ist nichts, von dem man sagt, da gibt es hier herinnen die große Interaktion …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Nein, das ist schon sexy! Das ist schon sexy! – Heiterkeit bei den Grünen sowie der Abgeordneten Holzegger [NEOS]

ÖVP Carmen Jeitler-Cincelli

… ist es eigentlich extrem sexy, weil es unsere Zukunft sein wird. Es wird massiv unsere Zukunft, unsere Freiheit bestimmen. Braindrain: Wir können diese Menschen wieder zurückholen oder sogar Leute anziehen, nach Europa ziehen, die sagen: Ich will hier leben, die Lebensqualität ist großartig, die Sicherheit ist großartig! Allein, wie man in Österreich leben kann: Davon sind wir, glaube ich, alle noch überzeugt, ja. Wir können sie zurückholen, aber dafür braucht es einfach gemeinsame Budgets, eine gemeinsame Strategie, einen gemeinsamen Weg. Und da dürfen wir uns nicht – auch nicht ideologisch, parteipolitisch – auseinanderdividieren lassen. Wir brauchen die besten Köpfe, das muss man entideologisieren. Und da bin ich sehr wohl auch bei Süleyman Zorba . Aber da sind wir uns, glaube ich, alle relativ einig, dass wir da einfach ein System schaffen, das uns frei macht. Zu guter Letzt der Fokus: Welche Alternativen setzen wir ein? – Das wissen wir heute noch gar nicht. Die Welt wird sich innerhalb von zwei Jahren wieder verändern. Wenn wir schauen, wie sich allein unsere Arbeitswelten verändert haben, wie wir unsere Reden schreiben, wie wir Dinge recherchieren: Da wird es in den nächsten Jahren noch ganz viel geben. Also wir wissen noch gar nicht einmal genau: Was brauchen wir konkret? Das, was wir machen müssen, ist, den besten Menschen, den besten Köpfen mit den besten Ideen einen Rechtsrahmen zu geben, einen gemeinsamen europäischen Rahmen zu geben und auch unsere österreichischen Unternehmen, die da reüssieren können, die in dieser Liga mitspielen können, dementsprechend zu unterstützen. Und dafür möchte ich mich bedanken, für diese Qualität möchte ich mich bedanken und bei dir, Xandi, dass du da wirklich auch einen Weitblick gezeigt hast, Leute zusammengebracht hast. Das war nicht selbstverständlich und wurde auch im Ausland gewürdigt. Ich glaube, auch das muss man einmal sagen. Und allen Kolleginnen und Kollegen, inklusive der FPÖ in diesem Fall, danke für diesen gemeinsamen Weg. – Danke schön. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Holzegger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön.

NEOS Ines Holzegger

Danke, Herr Präsident! Werter Herr Staatssekretär! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Hohes Haus! Carmen, ich muss sagen, Digitalisierung ist schon sexy und digitale Souveränität auch. Also ich möchte dafür eine Lanze brechen. (👏 NEOS) Digitale Souveränität heißt nicht Abschottung, sondern selbstbestimmtes Handeln, Selbstbestimmung auch in Bezug auf IT-Infrastruktur und Innovation, speziell, was viele Schlüsseltechnologien angeht. Sie kann Freiheit geben und Innovation und Fortschritt fördern. Wenn wir aber ehrlich sind: Es gibt aktuell keinen echten Wettbewerb in vielen von diesen Schlüsseltechnologien. Wir sind abhängig von chinesischen, US-amerikanischen Herstellern, und das kann wirklich, wirklich gefährlich sein. Es gibt immer höhere Lizenzkosten zum Beispiel, weil es nicht genug starke europäische Alternativen auf dem Markt gibt. Auch der Verlust der Datenhoheit ist ein echtes Problem. Und da gebe ich recht: Da geht es nicht um den Standort des Rechenzentrums, sondern wirklich um europäische Anbieter. Und es ist wirklich wichtig, dass wir das unterstützen. Schauen wir uns einmal an, wie wir in Österreich gerade aufgestellt sind, schauen wir uns den Status quo an! Da finden wir leider ein relativ durchwachsenes Bild. Ein wirklich positives Beispiel ist da das Landesverteidigungsministerium. Dort ist recht früh erkannt worden, wie wichtig es auch für unsere Sicherheit ist, dass wir souverän auch im digitalen Bereich sind. Dort wird auf Open-Source-Lösungen gesetzt. Und das ist leider in anderen Ministerien noch eine Ausnahme. Viel zu oft sehen wir dort die immer gleichen, fast ausschließlich nicht europäischen Anbieter. Wettbewerb – und vor allem fairer Wettbewerb – sieht leider anders aus. Darum müssen wir jetzt – eigentlich schon gestern und vorgestern, aber spätestens jetzt – anpacken und die richtigen Schritte für digitale Souveränität setzen. Öffentliche Beschaffung ist schon genannt worden. Es ist ein Riesenhebel, den wir da haben und den wir auch nutzen sollten. Wir wissen es alle vom Einkaufen: Wenn man mehr für viele einkauft, dann wird es immer günstiger. Das heißt, eine gemeinsame Beschaffung in der IT-Infrastruktur ist essenziell, damit wir günstigere Preise bekommen. Und ganz im Sinne der Reformpartnerschaft braucht es auch eine gesamtstaatliche IT-Konsolidierung. Wir brauchen keine neuen Insellösungen, die im schlimmsten Fall gar nicht miteinander kommunizieren können, sondern wirklich Lösungen, die wir gemeinsam betreiben können, und natürlich auch – und das sollten wir als Österreich selbstbewusst machen – eine Unterstützung und Beschaffung von europäischer Cloud- und Dateninfrastruktur. Ich freue mich jedenfalls, dass wir den Antrag heute alle gemeinsam beschließen werden und möchte auch sagen, dass wir da nicht lockerlassen werden, weitere Schritte, konkrete Maßnahmen zu setzen. Ich freue mich sehr auf die ersten Berichte und viele weitere Diskussionen in diesem Bereich, weil es um Österreich, um die Sicherheit und um unsere Freiheit geht. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Abgeordneter Harrer. Die eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön, Herr Abgeordneter.

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf der Galerie und vor den Fernsehbildschirmen! Erlauben Sie mir, dass ich ein paar grundsätzliche Gedanken äußere, damit ich ein Verständnis dafür bekomme, was Digitalisierung und damit dann auch die digitale Souveränität eigentlich bedeuten. Das ist alles sehr geheimnisumwittert. Wir sprechen da von Dingen, die vor 50 Jahren noch völlig unbekannt waren, obwohl die Prinzipien schon uralt sind. Wir glauben ja, dass diese Systeme unfassbar viel können. Aber warum scheinen sie so viel zu können? Dafür sind drei Punkte wesentlich. Der eine Punkt ist: Dieses Unheimliche liegt an der Lichtgeschwindigkeit, denn alles läuft da mit Lichtgeschwindigkeit ab. Das ist also die Elektrodynamik. In einer Tausendstelsekunde ist das Licht von hier in Salzburg, so schnell arbeiten diese Systeme. Der zweite Punkt ist der, dass man Daten, viele Daten – Daten sind Dinge, die man dann in Nullen und Einsen übersetzen kann – unglaublich klein speichern kann, unfassbar klein speichern kann. Dahinter, dass die Möglichkeit besteht, Daten klein zu speichern, sodass das also sehr schnell in diesen Systemen drinnen steckt, liegt die gesamte Quantentheorie. Der dritte Punkt ist, wie diese Daten verarbeitet werden können, und da ist in Wirklichkeit die Mathematik dahinter. Die Mathematik, die bei der symbolischen KI, wie man es nennt, dafür eingesetzt wird, dass man Programme erstellt, Algorithmen erstellt. Bei der subsymbolischen KI, die jetzt sehr stark darin ist, dass man mit neuronalen Netzen arbeitet, ist es so, dass man Daten, unfassbar viele Daten aufnimmt und mathematisch nach den Systemen verarbeitet, die einst schon Newton und Gauß entwickelt hatten, eigentlich einfache Systeme. In Wirklichkeit sind das, was da entsteht, ja Illusionsmaschinen. Sie tun so, als ob sie denken würden. Sie denken natürlich überhaupt nicht, sie rechnen bloß. Rechnen ist alles andere als denken; sie rechnen also. Und die Rechensysteme, die das machen können, benötigen – insbesondere in der subsymbolischen KI – eine unfassbare Menge an Daten. Mark Zuckerberg will jetzt einen Datenspeicher aufbauen, der so groß ist wie Manhattan! Daten sind das Wertvollste, was es gibt, wenn sie strukturiert sind. Sie brauchen sie, sie müssen sie haben. Darum können Sie ja auch völlig frei im Internet surfen, weil diese Systeme sofort aufnehmen, was Sie selbst suchen, und das wird alles gespeichert. Alles, was sie haben, wird gespeichert, unglaublich viel. Das Aufnehmen dieser Daten, diesen Schatz, den man da hat, wollen auch wir haben, denn das bedeutet dann Souveränität. Darin, dass wir die Daten besitzen und strukturiert verwalten können, besteht die Souveränität. Das anderen zu überlassen, ist natürlich gefährlich. Darum wollen wir versuchen, selbst souverän zu sein mit diesem Datenschatz. (Abg. Kickl [FPÖ] – den Daumen nach oben zeigend –: Festung Daten! Ich bin dafür!) Früher hat es geheißen: Wissen ist Macht. Wir sind in der Position übereingekommen, dass Daten Macht sind. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die digitale Souveränität für einen Staat ist eine wirklich große Aufgabe und ich gratuliere dazu, dass Sie sich dieser Aufgabe widmen. Es gibt aber auch eine digitale Souveränität, mit seinen Daten umzugehen, die man selbst haben sollte.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Datenschutz, ja richtig!

ÖVP Rudolf Taschner

… Das möchte ich zum Abschluss dieser Rede, knapp vor Weihnachten noch sagen. Ich möchte Ihnen ein Geschenk geben. Ein Geschenk wäre, dass die digitale Souveränität darin besteht, dass man sich diesen Daten nicht aussetzt. Dass man weiß, man hat Illusionsmaschinen vor sich – Illusionsmaschinen! – und dass man diese Illusionsmaschinen auch manchmal wegwerfen kann, um sich von den Datenspeichern, die da herumlaufen und die alle anderen verwenden, die in einer Verwendung sind, die man selber nicht mehr überblicken kann, zu entfernen. Es ist oft souverän, mit den digitalen Systemen so umzugehen, dass man sie nicht verwendet. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Dengler. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön, Herr Abgeordneter.

NEOS Veit Valentin Dengler

Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörer:innen zu Hause und hier im Hause! Digitale Souveränität ist wichtig, ist eine strategische Frage für Österreich. Vielleicht sollte man einmal damit anfangen zu erklären, was digitale Souveränität nicht ist. Es wird leider nicht reichen, dass wir auf der Homepage vom Bundeskanzleramt ein Banner hintun: Wir sind neutral, bitte nicht hacken! Die Neutralität schützt uns allgemein vor nichts, aber sie schützt uns ganz besonders nicht im Hinblick auf unsere digitale Souveränität. (👏 NEOS) Zweitens sollten wir auch die Debatte hier ein bisschen unaufgeregter führen. Kollege Zorba hat zum Beispiel gesagt, dass die amerikanischen Unternehmen unsere Feinde sind.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Hab ich nicht gesagt!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Google hat in Europa ungefähr 75 Milliarden Umsatz, Microsoft hat in Europa ungefähr 52 Milliarden Umsatz. Das heißt, ungefähr 700 Milliarden Börsenwert von den beiden Firmen hängt jeweils an Europa. Die werden nicht von heute auf morgen einen Killswitch aktivieren und uns sozusagen von ihren Systemen abkapseln. Wir sollten auch über die politischen Entwicklungen in den USA etwas unaufgeregter sein. Zur nationalen Sicherheitsstrategie, die rausgekommen ist: Wenn man sich die Geschichte der nationalen Sicherheitsstrategien anschaut, sieht man, dass das oft recht blumige Dokumente sind, die nicht immer sehr relevant für die tatsächliche Politik waren. Vor allem auch Präsidenten kommen und gehen, Präsidenten verlieren und gewinnen an Einfluss. Die Interessen eines Landes sind stabiler und langwieriger als das, was ein einzelnes Dokument an Interessen hinausposaunt. Vor allem müssen wir uns aber überlegen – und das ist jetzt der Punkt, bei dem wir, glaube ich, ein bisschen sauer werden sollten –, warum wir eigentlich über die digitale Souveränität reden müssen? Es ist ja nicht gottgewollt, dass Google und Meta und Microsoft und ByteDance und Huawei alle keine europäischen Firmen sind. Warum gibt es in Europa keine großen Champions? Da müssen wir uns in den Spiegel schauen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Das liegt an Europa! Weil es in Europa zu schwierig ist, Forschung – und wir haben hier sehr tolle Forschung – zu kommerzialisieren, hier zu wachsen. Wir haben keinen Binnenmarkt, wir haben keinen einheitlichen Kapitalmarkt, und deswegen gehen auch ganz viele von den tollen Leuten und viel von der tollen Forschung, die wir hier machen, nach Amerika, und sie wird dort kommerzialisiert. Das Problem haben wir entdeckt und das Problem sind wir selbst. Jetzt müssen wir aber trotzdem überlegen: Was machen wir tatsächlich – in der echten Welt kann es natürlich passieren, dass es Erpressung gibt, dass es Handelskriege gibt – und wie schützen wir uns davor? ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Als kleines Land wie Österreich über eine digitale Souveränität zu verfügen ist natürlich unmöglich – im Wortsinn unmöglich –, aber wir können versuchen, eine gewisse strategische Autonomie zu erreichen. Und wie erreichen wir diese Autonomie? Wir können keine Halbleiterindustrie hochziehen, wir werden keine Suchmaschine bauen, aber wir können versuchen, flexibler zu werden, denn wenn wir flexibler sind, reduzieren wir die Wechselkosten. Das heißt, wir können von einem System aufs andere wechseln, ohne dass es zusammenbricht. Dafür kann man einige Sachen machen, und ich fange einmal damit an: nicht zurückschauen, sondern nach vorne schauen. Viele von uns verwenden bereits künstliche Intelligenz. – Wie viele von Ihnen hier verwenden Open-AI oder Gemini und wie viele verwenden Mistral? Ich habe Mistral auf meinem Handy, aber ich glaube, wir sind eine kleine Minderheit. In welche Richtungen können wir also arbeiten? Das Erste ist – das hat Kollegin Holzegger schon erwähnt – die tatsächliche Open Source im staatlichen Bereich. Wenn unsere Verwaltung, unsere Schulen, Universitäten auf Open Source sind, wird vieles einfacher. Das Zweite ist, unsere Daten dürfen nicht unverschlüsselt auf Servern liegen, die dem US-Cloud-Gesetz unterliegen, also auf denen die US-Behörden auf die Daten Zugriff haben oder – schlimmer noch – die chinesische Regierung Zugriff hat. Das können wir erreichen, indem wir zum Beispiel Netzwerke aus lokalen Rechenzentren bauen, wie zum Beispiel das Gaia-X-Projekt in der Europäischen Union. Selbst wenn wir US-Clouds verwenden müssen – AWS oder Azure –, können wir immer noch die Verschlüsselungsschlüssel im eigenen Land behalten, zum Beispiel bei lokalen Treuhändern. Das Dritte ist, man kann als kleines Land auch verhindern, dass das gesamte 5G-Netz oder andere kritische Infrastruktur von einem Anbieter abhängig ist. Das heißt, wir können Komponenten von zumindest zwei verschiedenen Herstellern haben, die aus verschiedenen geopolitischen Lagern kommen. Das Vierte ist der Brüsseleffekt, denn was Österreich mit seinen 9 Millionen Einwohnern macht, ist großen Unternehmern und auch Herrn Trump eigentlich ziemlich wurscht, aber wenn Europa mit 450 Millionen Einwohnern etwas macht, dann kann das eine Wirkung haben. Man kann jetzt über den AI-Act streiten, man kann darüber streiten, ob wir in Europa zu viel Technologie regulieren, anstatt Ergebnisse zu regulieren, aber es hat doch eine gewisse Wirkung auf diese Unternehmen und wie sie sich verhalten. Wir können auch gemeinsam einen Cern für künstliche Intelligenz bauen. Das heißt, dass wir in Zukunft nicht mehr bei Open-AI oder anderen um Rechenleistungen bitten müssen. Wir könnten zum Beispiel eine gemeinsame Recheninfrastruktur in Europa haben, bei der sich Österreich dann auch einkaufen kann. Und das Fünfte ist – da komme ich jetzt zum Anfang zurück, und das ist das Allerwichtigste –, wir müssen in Europa wieder große, erfolgreiche Firmen bauen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Heinrich Himmer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Heinrich Himmer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es geht um die Frage, wie sehr wir uns von der Technik beeinflussen lassen und wie sehr wir als Menschen Technik beeinflussen können. Daher ist es – die Vorrednerinnen und Vorredner haben es ja auch schon angeführt – keine einfache Frage der Technik, sondern eine Frage des Menschen. So sehen wir das auch aus sozialdemokratischer Sicht. Es geht um digitalen Humanismus. Es geht darum, dass wir Technik für Menschen gestalten und dass wir auch selber die Technik mitentscheiden können. Heute sind wir in Europa und in Österreich in vielfacher Weise davon abhängig, dass es internationale Techkonzerne, Plattformen gibt, die mit Algorithmen arbeiten, wobei uns selbst gar nicht mehr bewusst ist, wie sehr sie unser Leben prägen. Wir diskutieren ja zum Beispiel auch immer im Bildungsbereich: Ab welchem Alter gibt es das Handy in der Schule, ab welchem Alter sind soziale Medien und Plattformen geeignet? Das alles zeigt uns, dass diese Frage ganz zentral im Raum steht, und ich bin sehr dankbar dafür, dass wir uns alle hier gemeinsam diesem Thema heute sehr ausführlich widmen, weil es eben kein Randthema ist. Aus sozialdemokratischer Sicht ist klar: Wir brauchen Digitalisierung, die den Menschen dient und nicht umgekehrt. (👏 SPÖ) Daher muss der Staat erstens auch im digitalen Bereich handlungsfähig bleiben. Wir brauchen in der öffentlichen Verwaltung, in der Bildung, in der kritischen Infrastruktur Systeme, die offene Standards, offene Lösungen anbieten und europäische Alternativen erarbeiten. Das ist nicht nur Schutz für unsere Demokratie, sondern auch für unsere Wirtschaft. Zweitens: Digitale Souveränität heißt auch ganz besonders Schutz unserer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Vielfach halten technische Lösungen Einzug auf unseren Arbeitsplätzen, und wir müssen auch die Kontrolle darüber behalten können. Da geht es auch um die langfristige Absicherung unserer Sozialpartnerschaft, da geht es darum, dass wir Lösungen immer noch gemeinsam hier vor Ort gestalten können. Drittens: Datenschutz ist auch ein Grundrechtsschutz. Das heißt, es geht darum – wir sehen das ja auch in vielen Ländern dieser Erde –, dass Eingriffe ganz schnell passieren können und nochmals verstärkt werden, wenn sie digital kommen. Digitale Souveränität ist daher auch eine Frage der Gerechtigkeit. Sie braucht also den Zugang für alle Menschen, das heißt, sie muss so gestaltet sein, dass auch jede und jeder mitgenommen und beteiligt wird. Die Sozialdemokratie steht daher auch im Bereich der digitalen Infrastruktur für eine aktive Rolle des Staates. Unser Ziel als Sozialdemokratie ist und bleibt, dass sie gerecht, solidarisch und demokratisch gestaltet ist; für eine Zukunft, an der wir alle beteiligen und nicht nur wenige. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Lukas Brandweiner . Freiwillige Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Lukas Brandweiner

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Wenn wir über digitale Souveränität sprechen, reden wir über die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes und zugleich über die Sicherheit unserer kritischen Infrastruktur. Ja, wir haben dabei Handlungsbedarf, aber entscheidend ist die Herangehensweise. So ehrlich müssen wir sein: Einen globalen Techgiganten aus dem Silicon Valley oder aus China wird es kaum beeindrucken, wenn Österreich einen Alleingang, ein nationales Gesetz beschließt. Es glaubt ja wohl keiner, dass wir eine strategische Abhängigkeit von Halbleitern und Cloud-Infrastrukturen lösen können, wenn wir nur bis zur österreichischen Staatsgrenze denken. Wenn wir wirklich etwas bewirken wollen, wenn wir unsere Wirtschaft schützen wollen, dann gilt es, unsere Kräfte in Europa zu bündeln. Wir müssen auf EU-Ebene eine starke Stimme sein. Nur als geeinter Binnenmarkt wird es uns gelingen, auf Augenhöhe zu agieren und Schritt für Schritt auch aufzuholen. Genau das tun wir auch. Am 12. September kamen Vertreter aller 27 Mitgliedstaaten auf Einladung unseres Staatssekretärs nach Wien zum Digitalisierungsgipfel, und das Ergebnis ist aus meiner Sicht ein Meilenstein: Alle 27 Staaten haben die von Österreich initiierte Erklärung zur europäischen digitalen Souveränität verabschiedet. Was bedeutet das? – Wir wollen keine Mauern rund um Europa bauen. Wir wollen Handlungsunabhängigkeit - - Ah, Entschuldigung: Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit – umgekehrt wäre es schlecht. Was bedeutet das genau? Es bedeutet, dass wir selbstbestimmt entscheiden können, welche Technologien wir in unserer Verwaltung und in unserer Wirtschaft nutzen. Es bedeutet, dass wir strategische Abhängigkeiten reduzieren, damit wir eben nicht mehr erpressbar sind, wenn Lieferketten brechen oder geopolitische Spannungen auftreten. Es bedeutet vor allem, dass wir unsere Daten vor dem Zugriff außereuropäischer Länder und Mächte schützen. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen genau hier diesen starken Schulterschluss. Dafür darf ich mich auch bedanken – vor allem bei dir, geschätzter Herr Staatssekretär, dass du vorangehst und eine starke Stimme nicht nur in Österreich, sondern in Europa bist. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Antonio Della Rossa . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Antonio Della Rossa

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Zusehende und Zuhörende! Liebe Kolleg:innen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir reden heute über digitale Souveränität und damit eigentlich auch über die Frage: Wem gehört eigentlich der digitale Raum? Den Demokraten oder den Oligarchen, den Staaten oder den Plattformen, den Bürgerinnen und Bürgern oder einzelnen Milliardären? Europa ist da federführend, und wir haben Regeln geschafft: den Digital Services Act, den Digital Markets Act, die europäische KI-Verordnung – Regeln, die Plattformen zwingen, Verantwortung zu übernehmen, Regeln, die Grundrechte schützen, Regeln, die Transparenz herstellen. Genau deshalb hat Elon Musk vor ein paar Tagen Europa frontal angegriffen. Warum? – Weil er im Rahmen des Digital Services Act 120 Millionen Euro Strafe zahlen soll – und zwar, weil er geltendes Recht missachtet hat, weil er Desinformation nicht löscht, weil er Moderationspflichten ignoriert, weil er sich verhält, als wäre er selbst die Rechtsordnung. Was passiert in Österreich? – Sie, Herr Klubobmann Kickl, stellen sich demonstrativ an die Seite von Elon Musk, Sie applaudieren dem reichsten Mann der Welt dafür, dass er europäisches Recht verhöhnt …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Nein, dafür, dass er ...!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Sie applaudieren einem Oligarchen, der glaubt, sich über demokratische Institutionen hinwegsetzen zu können …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ah, geh! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nur weil ihr ... von Meinungsfreiheit keine Ahnung habt!

SPÖ Antonio Della Rossa

… und ich halte das für ein Problem. (👏 SPÖ) Das Problem, meine Damen und Herren, ist nicht die Technologie, sondern dass jene, die den digitalen Raum kontrollieren, immer häufiger autoritäre Muster produzieren und dass manche Österreicher offenbar bereit sind, sich ihnen anzubiedern. Wenn Milliardäre, Autokraten, digitale Plattformen und Plattformherrscher bestimmen, wie öffentliche Debatte funktioniert, dann hat die Demokratie ein Problem, dann verliert sie ihre Stimme …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Immer diese diktatorische ...!

SPÖ Antonio Della Rossa

… und genau deshalb brauchen wir digitale Souveränität …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich glaube, das sollte ...! Besser, wenn die SPÖ ...!

SPÖ Antonio Della Rossa

… nicht als Schlagwort, sondern als staatliche Pflicht, als demokratischen Selbstschutz. Europa hat mit der Deklaration für digitale Souveränität einen klaren Auftrag formuliert: Wir müssen unsere Handlungsfähigkeit sichern, wir müssen Abhängigkeiten reduzieren, und wir müssen sicherstellen, dass demokratische Regeln auch im digitalen Raum gelten – egal, wie reich jemand ist; egal, wem die Plattformen gehören. (👏 SPÖ) Ja, ich bin froh, dass Österreich diesen Prozess federführend angestoßen hat – und deshalb dürfen wir jetzt nicht zögern. Der Ministerratsvortrag legt konkrete Maßnahmen vor; und unser Antrag stellt sicher, dass sie auch umgesetzt werden, wie bereits erwähnt wurde, auch mit halbjährlichen Rechenschaftspflichten an den Nationalrat. Was bedeutet das in der Praxis? Mehr Open Source in der Verwaltung, damit wir nicht weiter von einzelnen globalen Anbietern abhängig sind; europäische Cloud-Standards für sensible Verwaltungsdaten, damit sie nicht zum Spielball geopolitischer Interessen werden; verantwortungsvolle KI-Infrastruktur, damit Innovation nicht von einzelnen Plattformgiganten diktiert wird; IT-Konsolidierung und souveräne Beschaffung, damit öffentliche Mittel nicht jene Strukturen finanzieren, die uns in ungewünschte Abhängigkeit drängen; eine sichere europäische Kommunikationslösung, damit Behördenkommunikation nicht über Systeme läuft, die im Zweifel von außen manipuliert werden können. Sehr geehrte Damen und Herren, digitale Souveränität ist keine theoretische Idee, sie ist Selbstverteidigung der Demokratie; und jeder Tag, an dem wir sie nicht stärken, ist ein Tag, an dem andere diesen Raum füllen – Oligarchen, Autokraten, Staaten, die mit dem demokratischen Prozess nichts am Hut haben wollen. Wir sind hoffentlich nicht so. Wir wollen ein Österreich, das selbst entscheidet, eine Verwaltung, die selbst verfügt, und ein Europa, das nicht erpressbar ist. Ich bitte deshalb um breite Zustimmung. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Martina Diesner-Wais . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Martina Diesner-Wais

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier vor Ort und vor den Fernsehgeräten! Wir sprechen heute über digitale Souveränität, und das ist ein wirklich essenzielles und notwendiges Zukunftsthema. Wir müssen uns die Frage stellen: Wer bestimmt in Zukunft in Europa die technologische Zukunft – wir selbst oder die anderen? Das betrifft nicht nur Hightech, wie viele glauben, sondern das betrifft uns tatsächlich im Alltag: ob es der Verkehr ist, ob es die Schulen sind, die Gemeinden, die Betriebe, die Landwirtschaft. Für mich als Vertreterin des Waldviertels heißt Souveränität Unabhängigkeit und selbstbestimmt zu sein. Viele Technologien kommen aus Drittstaaten. Ja, sie funktionieren; sie funktionieren sogar gut – aber sie schaffen große Abhängigkeiten, und Abhängigkeit bedeutet natürlich großes Risiko: Risiko für die kritische Infrastruktur, für unsere Datensicherheit, für die wirtschaftliche Stabilität und für unsere politische Entscheidungsfreiheit. Ja, deshalb möchte ich mich ganz, ganz herzlich bedanken; denn auf Anstoß unseres Staatssekretärs Alexander Pröll sind die EU-27-Mitgliedstaaten zusammengekommen und haben eine Erklärung zur digitalen Souveränität Europas beschlossen – und das ist kein bloßes Papierprojekt, sondern das ist ein klarer Auftrag: Europa will bei zentralen digitalen Technologien wieder selbstbestimmt werden. Ich denke, das ist etwas ganz, ganz Wichtiges. Österreich war nicht nur Zuseher, sondern Österreich war Antreiber – und dafür möchte ich dir wirklich herzlichen Dank sagen, du hast das Ganze verfasst und hast geschaut, dass die Staaten da mitstimmen. Ich danke dir auch für den Besuch im Waldviertel. Wir waren ja bei einigen IT-Firmen und sie haben dich in deinem Weg bestärkt. Es ist also auch ein Anliegen von den Betrieben draußen – dafür nochmals herzlichen Dank. (👏 ÖVP) Ich möchte auch den Grünen Danke sagen, dass sie den Anstoß gegeben haben, dass wir heute hier über ein so wichtiges Zukunftsthema diskutieren. Der Antrag ist allerdings ein bisschen zu weit gegangen, und darum haben wir einen eigenen Antrag eingebracht, damit wir das Thema auch in Zukunft weitertreiben – denn es ist ein wichtiges Thema und digitale Souveränität entscheidet, ob unsere Schulen, ob unsere Gemeinden, ob unsere Betriebe, unsere Land- und Forstwirtschaft langfristig sicher und unabhängig arbeiten können. Digitale Souveränität kostet einiges, das muss uns bewusst sein, aber sie ist kein Luxusprojekt. Digitale Souveränität stärkt Europa, ist ein Schutzschild für unsere Daten, ein Standortvorteil für unsere Wirtschaft und ein Zukunftsversprechen an unsere Jugend. Daher stimmen wir diesem Antrag zu. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung. RN/39.1 Zunächst lasse ich über den Antrag des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Digitalisierung, seinen Bericht 318 der Beilagen hinsichtlich des Entschließungsantrages 577/A(E) zur Kenntnis zu nehmen, abstimmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit und somit angenommen. RN/39.2 Weiters kommen wir zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 318 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Handlungsbedarf zur Stärkung der digitalen Souveränität der österreichischen Verwaltung“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall und somit angenommen. (xx/E)

Jahresbericht 2024 der Beschaffungs-Prüfkommission (BPK)

321 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage III-248 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Jahresbericht 2024 der Beschaffungs-Prüfkommission (BPK) zur Kenntnis genommen. In diesem Bericht wurden vier Beschaffungsprojekte des Bundesministeriums für Landesverteidigung vorgestellt, die einer intensiven Prüfung unterzogen wurden.

Die Beschaffungsprojekte betreffen das Bundesministerium für Landesverteidigung und dessen Vorhaben zur Modernisierung und Ausrüstung der Bundesheer-Truppen.

Dokumente

Jahresbericht 2024 der Beschaffungs-Prüfkommission (BPK)

Ziele und Aufgaben der Beschaffungs-Prüfkommission

  • Die Kommission wird eingerichtet, um die gesetzmäßige Vollziehung sowie eine sparsame und zweckmäßige Gebarung bei Beschaffungsvorhaben sicherzustellen.
  • Sie hat die Aufgabe, Beschaffungsprojekte zu prüfen, die bestimmte Schwellenwerte überschreiten oder für die ein Einvernehmen mit der Bundesministerin bzw. dem Bundesminister für Finanzen erforderlich ist.

Ausgewählte Vorhaben für 2024

  • Ersatz des C-130 Lufttransport
  • Beschaffung von Fliegerabwehr mittlerer Reichweite (mFAL)
  • Beschaffung von 35.600 Kampfstiefeln für das Bundesheer
  • Bau eines Simulatorgebäudes in Langenlebarn

Debatte und Abstimmung

  • Die Debatte fand statt am 27. November 2025 und befasste sich mit den Schwerpunkten des Berichts.
  • Ein Vertagungsantrag wurde eingebracht, fand jedoch keine Mehrheit.
  • Der Landesverteidigungsausschuss hat dem Nationalrat einstimmig empfohlen, den Bericht zur Kenntnis zu nehmen.

Jahresbericht 2024 der Beschaffungs-Prüfkommission (BPK)

~44 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Volker Reifenberger

Hohes Haus! Wir diskutieren hier unter anderem den Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission 2024, einer Kommission, die durch das Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz mit dem Zweck, die Beschaffungen des österreichischen Bundesheeres zu kontrollieren, eingerichtet wurde. Sehr geehrte Frau Bundesminister, ich kann es Ihnen leider nicht ersparen, so wie im Ausschuss auch jetzt hier im Plenum meine Verärgerung zum Ausdruck zu bringen. Ich bin ja für meine Objektivität bekannt und ich habe Sie in jüngster Vergangenheit auch gegen ungerechtfertigte Angriffe der Grünen verteidigt, aber ich lasse mich nicht gerne – wie man das auf gut Wienerisch sagt – papierln oder – wie bei uns im Westen – pflanzen. (👏 FPÖ) Erstens: Der Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission war bereits seit 11. März fertig.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Ja, gratuliere dir! Verteidiger!

FPÖ Volker Reifenberger

… Sie und Ihre Beamten haben in weiterer Folge sieben Monate lang versucht, die im Bericht enthaltene Kritik zu entkräften oder zumindest abzuschwächen. Das war im Übrigen ein untauglicher Versuch, und die Stellungnahme Ihres Ressorts – sagen wir es einmal diplomatisch – ist von der Formulierung durchaus bemerkenswert. Dafür haben Sie dem Parlament sieben Monate lang diesen Bericht vorenthalten. Zweitens: Ich habe bereits bei der Ausschussdiskussion über den Bericht 2023, also vor mehr als einem Jahr, verlangt, dass die Kommissionsmitglieder, die diesen Bericht geschrieben haben, der Ausschusssitzung beiwohnen, damit wir die Möglichkeit haben, diese direkt zu befragen, und umgekehrt die Kommissionsmitglieder die Chance bekommen, ihren Bericht zu erläutern. Auch heuer haben wir das Ersuchen auf Referentenebene an Ihr Kabinett herangetragen. Was war Ihre Reaktion, Frau Bundesminister? Was war Ihre Reaktion? – Sie haben nur den neuen Vorsitzenden der Kommission, übrigens einen ehemaligen ÖVP-Nationalratsabgeordneten, zur Ausschusssitzung mitgenommen, aber der Vorsitzende ist erst seit April im Amt, das heißt, der hat beim 2024er-Bericht überhaupt nicht mitgewirkt und ist in keinster Weise auskunftsfähig über diesen Bericht. Aus diesem Grund habe ich dann den Antrag auf Vertagung eingebracht, damit wir im Ausschuss die Möglichkeit bekommen, im Rahmen einer weiteren Ausschusssitzung den Bericht mit den Mitgliedern der Beschaffungs-Prüfkommission vielleicht doch noch auch inhaltlich diskutieren zu können …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Was haben Sie denn zu verbergen?

FPÖ Volker Reifenberger

… aber diesen Antrag haben die Regierungsfraktionen natürlich abgelehnt. Das zeigt, dass Sie überhaupt kein Interesse an Transparenz oder an einer parlamentarischen Kontrolle haben. Daher war es die letzte Möglichkeit für uns als Oppositionspartei, ein Verlangen zu stellen, dass der Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission hier im Plenum diskutiert wird und nicht still und heimlich im Ausschuss enderledigt wird, sondern auch hier öffentlich zur Sprache kommt, denn die Bevölkerung soll ruhig wissen, welche Missstände bei Beschaffungen in Ihrem Ressort auftreten und wie hier die Kontrollrechte des Parlaments mit Füßen getreten werden. (👏 FPÖ) Die heutige Diskussion wäre also durchaus vermeidbar gewesen, Frau Bundesminister, wenn Sie dem Ausschuss die Möglichkeit gegeben hätten, vollumfänglich seiner Aufgabe – der parlamentarischen Kontrolle Ihrer Verwaltung – nachzukommen. Als Obmann dieses Ausschusses ist mir das besonders wichtig, aber das wollten Sie offenkundig nicht. Es obliegt den Zuschauern, selbst daraus die Schlüsse zu ziehen. Nun zum Bericht selbst und zu den Beschaffungen: Ich verstehe nicht, warum wir es in Österreich nicht schaffen, militärisches Gerät quasi von der Stange zu kaufen, das bei anderen Armeen längst bestens erprobt ist und sich dort bestens bewährt hat. In Österreich müssen wir immer irgendwelche Goldrandlösungen oder sogenannte Ö-Lösungen beschaffen. Das hat auch zur Folge, dass die Beschaffungen oft lange dauern und natürlich teurer werden. Das Ergebnis ist auch – das hat der Bericht ganz schön aufgezeigt –, dass die Ausschreibungen oft so detailliert und eng formuliert werden, dass am Ende oft nur ein einziger Anbieter übrig bleibt, der Ihre Ausschreibungskriterien erfüllt.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

FPÖ Volker Reifenberger

… Das heißt jetzt nicht zwangsläufig, dass das Gerät schlecht sein muss, aber zumindest bleibt da ein fahler Beigeschmack, wenn Ausschreibungen quasi auf einen Anbieter zugeschnitten werden. Welche Beschaffungen hat die Kommission geprüft? – Unter anderem die Beschaffung der Kampfstiefel. Da haben sie es nicht geschafft, einfach einen bereits in der Praxis bewährten Schuh zu kaufen. Wir reden hier von keinen Science-Fiction-Waffen, wir reden immer noch von Schuhen. Nein, Sie haben mit Ihren Spezifikationen für einen neuen Schuh so übers Ziel hinausgeschossen, dass da nur ein einziger Anbieter Ihre Kriterien erfüllen konnte – zufällig ein Hersteller mit einem Produktionsstandort in Ihrem Heimatbundesland Niederösterreich, der auch noch ein hoher Wirtschaftskammerfunktionär ist. ( Rufe bei der FPÖ: Ah! ) Dass der neue Kampfstiefel in Wahrheit in Rumänien produziert wird, haben Sie in der öffentlichen Kommunikation wohlweislich unter den Tisch fallen lassen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Uh!

FPÖ Volker Reifenberger

… Sie haben aber damit nicht nur das teuerste Produkt gekauft, sondern auch noch ein mangelhaftes – das muss man in dieser Kombination erst einmal schaffen –, der Geröllschutz des Kampfstiefels an den Seitenrändern des Schuhs löst sich nämlich bei vielen Produktionschargen bereits nach ganz kurzer Tragedauer vom Schuh ab. Na bravo!, sage ich da nur. Reden Sie einmal mit der Truppe: Viele Soldaten kaufen sich lieber andere, handelsübliche Schuhe, weil die anscheinend besser als Ihre Spezialschuhe sind.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Aber die zahlen nicht so viel wie ...!

FPÖ Volker Reifenberger

… Schauen wir uns das nächste Beschaffungsprojekt an, das auch von der Kommission geprüft wurde, und zwar die Beschaffung der Fliegerabwehr mittlerer Reichweite, die Sie über das Nato-Projekt Sky Shield beschaffen wollen.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Ist kein Nato-Projekt!

FPÖ Volker Reifenberger

… Sie haben verhandlungstaktisch besonders ungeschickt bei einem Pressehintergrundgespräch im September 2023 gemeinsam mit dem Air Chief bereits verlautbart, wie viel und von welchem Produkt Sie kaufen möchten. Ich habe zahlreiche Pressezitate mit, aber ich zitiere jetzt einfach einmal aus der „Kleinen Zeitung“: Möglich wird das durch die „gemeinsame Beschaffung“ des Luftabwehrsystems Iris-T aus dem Hause „Diehl Defense“ mit Berlin. Wie Verteidigungsministerin Klaudia Tanner , ÖVP, und Luftstreitkräftekommandant Brigadier Gerfried Promberger gestern bekannt gaben, werde schon demnächst „ein entsprechendes ‚Memorandum of Understanding‘“ mit Deutschland unterschrieben. Konkret will Österreich „acht Feuereinheiten“ beschaffen. Vier dieser Systeme verfügen über eine kürzere Reichweite – Iris-T „SLS, 15 bis 20 Kilometer“ –, vier über eine „mittlere Reichweite“ – Iris-T „SLM, 40 bis 50 Kilometer“. Eine Feuereinheit bestehe aus drei Raketenwerfern. Damit kaufen wir „in Summe 24 Raketenwerfer“, erklärte der Air Chief.

FPÖ Hammerl (Zwischenruf)

Ein Wahnsinn!

FPÖ Volker Reifenberger

… Ich kann Ihnen aber auch noch ein Zitat aus der Tageszeitung „Die Presse“ liefern: „Österreich plant, mit Deutschland gemeinsam das Luftabwehrsystem Iris-T anzuschaffen. Insgesamt acht Stück sollen für Österreich gekauft werden, vier Kurzstrecken- und vier Mittelstreckensysteme. Das erklärten Verteidigungsminister[...] Klaudia Tanner (ÖVP) und [...] Luftwaffenchef Gerfried Promberger [...] bei einem Hintergrundgespräch.“ Mit diesem Pressehintergrundgespräch, mit diesen Aussagen, haben Sie, Frau Bundesminister, laut dem Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission faktisch den Vergabewettbewerb ausgeschlossen, sodass nur noch ein bestimmtes Produkt angeschafft werden kann. Ihnen dürfte erst nach dem Pressegespräch bewusst geworden sein, was Sie da vollmundig verkündet haben. Daher sind Sie dann danach zurückgerudert und sagen jetzt: Nein, nein, die Typenentscheidung ist noch in keinster Weise gefallen, es ist noch völlig offen, ob wir wirklich Iris-T oder ein anderes Produkt kaufen! Wäre dem wirklich so, dann würde Ihre eigene Argumentation ja wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen, denn Sie erklären uns ja immer: Sky Shield ist nichts anderes als eine Einkaufsplattform …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... viel zu viel verteidigt!

FPÖ Volker Reifenberger

… dass mehrere Staaten zusammen einen günstigeren Preis bekommen und nicht mehr. Was machen Sie denn, wenn am Ende des Vergabeverfahrens ein anderes Produkt herauskommt und wir dann nicht Iris-T kaufen? Treten wir dann aus dem Projekt Sky Shield wieder aus? Ich meine, abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass das so sein wird, weil im Lagezentrum, im BMLV, hängen ja bereits Fotos von Iris-T, aber dann wäre Ihr Argument von dieser Einkaufsplattform ja weggefallen. – Natürlich werden Sie dann nicht aus Sky Shield austreten, denn das Nato-Projekt Sky Shield ist wesentlich mehr als eine Einkaufsplattform, wie Sie es gerne darstellen.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Ist kein Nato-Projekt!

FPÖ Volker Reifenberger

… Ich darf hiermit mein Wettangebot aus dem Ausschuss wiederholen: Ich wette mit Ihnen um eine gute Flasche österreichischen Rotwein …

SPÖ Laimer (Zwischenruf)

Rotwein ist fein!

FPÖ Volker Reifenberger

… dass Sie nach dem angeblich so objektiven Vergabeverfahren am Ende doch Iris-T und kein anderes Produkt kaufen werden. Sie haben sich im Ausschuss schon nicht getraut, mein Wettangebot anzunehmen, ich bin gespannt, ob Sie sich heute trauen werden.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Die Glücksspiellizenzen sind ein anderes Thema!

FPÖ Volker Reifenberger

… Erhellend im Ausschuss war auch die Ausführung des Rüstungsdirektors, der uns erklärt hat, dass die Wahl des Vergabeverfahrens erst dann erfolgt, wenn bereits die detaillierten Spezifikationen vorliegen. Das heißt also, dass man das Vergabeverfahren erst dann wählt, wenn man eigentlich schon genau weiß, welches Produkt man kaufen möchte, weil wir ja oft die Ausschreibungskriterien so eng machen, dass sowieso nur ein einziger Anbieter diese Kriterien erfüllen kann. ( Heiterkeit des Abg. Deimek [FPÖ]. ) War das vielleicht bei der Beschaffung von den Jet-Trainern von der Firma Leonardo auch so, Frau Bundesminister? …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Ah, jetzt wirst munter!

FPÖ Volker Reifenberger

… So gehen objektive und transparente Vergabeverfahren und Beschaffungen nicht, Frau Bundesminister, da haben Sie eine riesengroße Baustelle! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Hofinger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren heute den Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission. Ich möchte aber vorweg gleich zum Hintergrund dieser Beschaffungskommission einmal feststellen, dass wir einen Turnaround beim Bundesheer, bei unserem Heer, zustande gebracht haben: mit der Mission vorwärts, mit unserem Heer 2032 plus und mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz, einer langfristigen Absicherung der Finanzierung. Wenn so viel beschafft wird, wird es natürlich notwendig, dass wir das genau prüfen, und daher hat sich das Ministerium mit Bundesminister Klaudia Tanner dazu entschieden, eine Prüfkommission einzusetzen, und die wurde 2023 eingesetzt. Es wurden in diesem letzten Prüfzeitraum im Wesentlichen vier Bereiche überprüft: Da geht es um die 35 000 Kampfstiefel, es geht um die Ersatzbeschaffung von der Herkules mit der Embraer 390, um die Beschaffung der Fliegerabwehr über die Sky-Shield-Initiative und natürlich um den Bau des Flugsimulators in Langenlebarn. Eines möchte ich einmal vorweg zu dem Prüfbericht feststellen: Es wird festgestellt, dass für alle Beschaffungen keine Rechtswidrigkeit vorliegt, also es passt alles. Das Rechtliche ist einmal geklärt. Es gibt natürlich wie bei jeder Kommission auch Vorschläge und Verbesserungsvorschläge, und da kommen vor allem die Compliance-Anwendungen zur Sprache. Da hat aber Frau Bundesminister auch schon eine Langzeitstrategie in Auftrag gegeben, um Verbesserungen durchführen zu können. Ich möchte aber schon die Gelegenheit nutzen und auf die letzte Sitzung des Verteidigungsausschusses eingehen, wo die Freiheitliche Partei sehr kritisch war; Herr Reifenberger hat das ja gerade wieder klargemacht, er wettet sogar auf die Sicherheit in Österreich, das finde ich schon sehr spannend. Es wurde alles kritisiert: die Prüfung der Beschaffung der Kampfstiefel, dass es zu lange gedauert hat, dass die Ausschreibungen zu eng gefasst waren und so weiter und so fort. Es wurde der Frau Bundesminister sogar unterstellt, dass sie Priorisierungen durchführt. Auch die Beschaffungen über die Sky-Shield-Initiative wurden kritisiert. Man muss aber schon eines feststellen: Die Sky-Shield-Initiative ermöglicht uns ja, die Flugabwehr kostengünstig für Österreich zu beschaffen, und darum geht es. Also es passt Ihnen überhaupt nichts. Es wird entweder zu lange geprüft, zu wenig geprüft und so weiter und so fort, es passt gar nichts. Ich möchte die Freiheitliche Partei schon dazu aufrufen, dass sie aus der Komfortzone der Totalopposition herausgeht und sich wirklich auch für das Wohl der österreichischen Bürger und Bürgerinnen einsetzt und für die Sicherheit Österreichs sorgt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es wird Folgendes diskutiert: In Summe haben wir in diesem Prüfungszeitraum 4 500 unterschiedliche Beschaffungen, insgesamt eine Investition von 3,2 Milliarden Euro durchgeführt. Da fallen viele Investitionen in die Mobilität, aber genauso in die Infrastruktur hinein, zum Beispiel auch die Sanierung der Kasernen, wie zum Beispiel auch die Zehner-Kaserne in meiner Heimat im Innviertel, in Ried im Innkreis. Abschließend möchte ich noch festhalten, dass die Prüfkommission die gute, professionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den zuständigen Stellen des Ministeriums und mit Ihnen, Frau Bundesminister, ausdrücklich gewürdigt hat. Wir haben noch viele positive Bereiche in unserem Bundesheer mit der umfassenden Landesverteidigung vor. Ich lade Sie alle ein, mitzuwirken. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Axel Kassegger . – Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Kollege Hofinger von der ÖVP hat der Freiheitlichen Partei gerade mehr oder weniger vorgeworfen, dass wir nur kritische Fragen stellen, alles kritisch beobachten und viel zu kritisch sind und so weiter und so fort. Nur zur Erinnerung: Wir sind als Oppositionspartei in der Verpflichtung der österreichischen Bevölkerung und betrachten es als unsere Aufgabe , kritische Fragen zu stellen.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Ist gut, wenn Sie aufwachen!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Aber ich werde jetzt im Laufe der Debatte über diesen Tagesordnungspunkt Ihnen dann die Frage stellen, ob das zu kritisch war oder nicht, was wir da hinterfragt haben. Vorausgesendet sei: Da geht es bitte um Milliarden von österreichischen Steuergeldern. Da geht es um sehr, sehr viel Geld und da geht es auch um die Frage, die wir uns stellen müssen: Ist es ein weiterer Marketingluftballon, den die ÖVP produziert – wir haben ja gestern schon die Billigstrom-Luftballone und ähnliche Marketingblasen erleben müssen –, oder nicht? Das wäre einmal die erste Frage. Es klingt nämlich natürlich schon sehr mächtig: die „Kommission zur Sicherstellung einer gesetzmäßigen Vollziehung sowie einer sparsamen und zweckmäßigen Gebarung bei Beschaffungsvorhaben“ – das ist ja das, was Sie der Öffentlichkeit präsentiert haben. Aber da fehlen halt einige Komponenten, und das ist auch Gegenstand unseres Entschließungsantrages. Da fehlen einige wesentliche Komponenten. Kollege Reifenberger hat es schon angesprochen. Es gibt einen sehr kritischen Bericht der Prüfkommission – ist Ihnen der vielleicht auch zu kritisch? –, was die Prozesse betrifft. Ich möchte aus diesem Prüfbericht zitieren. Das ist also nicht von mir oder von Kollegen Reifenberger, dem so bösen kritischen freiheitlichen Oppositionspolitiker, sondern von dieser Prüfkommission: „Bei den Beschaffungsvorhaben Nachfolge C-130“ – das ist die Embraer – und Fliegerabwehr mittlerer Reichweite „wurden politische Entscheidungen für ein bestimmtes System öffentlichkeitswirksam kommuniziert und, wenn auch unverbindliche, völkerrechtliche Verträge“, Memoranda of Understanding, „geschlossen, die in beiden Fällen faktisch zur Folge haben“ beziehungsweise „hatten, dass der Vergabewettbewerb ausgeschlossen und nur ein bestimmtes Produkt angeschafft werden konnte“ beziehungsweise „kann“. Ich sage jetzt trotzdem dazu: „Die BPK möchte damit nicht sagen, dass rechtswidrige Vergabeverfahren durchgeführt und der Vergabewettbewerb – unzulässigerweise – beschränkt wurde.“ …

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

So ist es!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ja, ich sage es ja auch dazu. Aber trotzdem: Glauben Sie wirklich, dass mit dieser Vorgehensweise der Kaufpreis – und wir reden jetzt da von Milliarden von Euro – günstiger geworden ist? Ich glaube das nicht. (👏 FPÖ) Ein zweites Zitat – jetzt werden wir noch deutlicher, ich zitiere weiter den Bericht: „Versteht man, wie das im BMLV offensichtlich der Fall sein dürfte, MoU oder Festlegungen des Generalstabschefs“, „es solle die Beschaffung eines bestimmten Transportflugzeugs weiterverfolgt werden, als Weisung“ der Frau Bundesminister beziehungsweise des Chefs des Generalstabs, „sind eine vergaberechtliche Prüfung und die verbindliche Festlegung des Vergabeverfahrens erst im Rahmen des ‚Einleiters‘ zu spät, weil sie dann schon durch eine Weisung präjudiziert sind.“ Und weiter: Das ist „weder wirtschaftlich noch zweckmäßig“. – Ja, da sind wir jetzt wieder bei dem Bereich. Wir reden da von Milliarden Euro an Steuergeldern. Also das ist die mächtig klingende Kommission zur Sicherstellung einer gesetzmäßigen Vollziehung. Kollege Reifenberger hat schon gesagt, dass die Mitglieder dieser Kommission nicht einmal in den Ausschuss geladen wurden – wir konnten auch nicht befragen –, sondern der neu implementierte ehemalige ÖVP-Politiker, der natürlich zum Sachverhalt und zu diesen Prüfungen inhaltlich gar nichts sagen konnte. Zum Zweiten: Diese Berichte sind nicht einmal vorlagepflichtig. Das muss man niemandem vorlegen. Die Frau Bundesminister hat ja im Ausschuss auch gesagt, sie macht es nur freiwillig, so quasi gnadenhalber, dass sie den Bericht vorlegt, aus Gründen der Transparenz. Das sind ja massive Lücken in diesem Ablauf. Wir werden mit unserem Entschließungsantrag versuchen, diese Lücken zu schließen. Ein weiterer Punkt: Diese Kommission kann nicht einmal selbst bestimmen, welche Fälle sie prüft. Es gibt ja – glaube ich – 4 000 Beschaffungsfälle, vier sind geprüft worden. Aber das muss natürlich mit der Frau Bundesministerin akkordiert werden, das heißt: Ich bestimme als Geprüfter selbst, welche Fälle geprüft werden. Da bleibt nicht mehr viel übrig von dieser hochtrabenden Kommission zur Sicherstellung einer gesetzmäßigen Vollziehung außer einem Marketingluftballon. Deswegen, um das zu schließen und ordentlich zu machen, stellen wir folgenden Entschließungsantrag: RN/43.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Mag. Volker Reifenberger , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Sicherung der Kontrollfähigkeit der Beschaffungs-Prüfkommission“ „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zur Novellierung des Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetzes zuzuleiten, welche vorsieht, dass die Beschaffungs-Prüfkommission zwingend jährlich einen Prüfbericht zu erstellen und diesen dem Nationalrat zu übermitteln hat. Zudem ist ausdrücklich klarzustellen, dass jedes Kommissionsmitglied selbstständig Beschaffungsvorgänge überprüfen können muss.“ Wenn es Ihnen mit dieser Prüfungskommission ernst ist, dann müssten – müssen! – Sie diesem Entschließungsantrag zustimmen. Wenn Sie das nicht tun, dann entwickelt sich meine Vermutung, dass es sich hierbei um einen weiteren Marketingluftballon handelt, hin zu einer festen Erkenntnis. (👏 FPÖ) 11.38 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/43.2 Sicherung der Kontrollfähigkeit der Beschaffungs-Prüfkommission (159/UEA) Präsident Peter Haubner : Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Robert Laimer . Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein. Vorher halte ich noch fest, dass der eingebrachte Entschließungsantrag ordnungsgemäß eingebracht wurde und somit mit in Verhandlung steht. Herr Abgeordneter, Sie sind am Wort.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Wir reden heute über schnelle Rechtssicherheit in Genehmigungsverfahren für Exporte von Rüstungsgütern. Dabei reden wir nicht über irgendwelche Waren, die mittels Container um die Welt geschifft werden; wir sprechen unter anderem über Kriegsmaterial, über sensible Technologien, über Fragen von internationaler Verantwortung, österreichischer Neutralität und Sicherheitspolitik. Wir sprechen gleichzeitig über heimische Wertschöpfung, Industriearbeitsplätze, technologische Kompetenz, die in Österreich aufgebaut und entwickelt wurde und hier bleiben muss – zugegeben, ein Spannungsfeld, meine Damen und Herren. Ja, unsere Verfahren sind komplex, und das aus gutem Grund: Österreich ist neutral. Deshalb gilt für uns ein strengerer Maßstab als für andere Länder. Unsere Glaubwürdigkeit in der Welt entsteht nicht durch Schlagzeilen, sondern durch Konsequenz: keine Waffenlieferung in aktive Kriegsgebiete, kein Wegschauen, wenn Instabilität droht, und kein automatischer Freibrief. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sagen, wenn ein Unternehmen wie Steyr Arms Aufträge in Millionenhöhe verliert, und das nicht zum ersten Mal, weil Genehmigungen im Verwaltungsnebel hängen bleiben, dann schadet das nicht nur dem Unternehmen selbst. Es trifft Facharbeiter, es trifft Lehrlinge, regionale Zulieferer und technologische Spitzenkompetenz und damit auch die Wertschöpfung in Österreich. Wir als Sozialdemokratie halten hier fest: Sicherheitspolitische Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft schließen einander nicht aus. Was wir nicht akzeptieren können, ist Stillstand durch Überlappung von Zuständigkeiten. Vier Ministerien, kein klarer Zeitplan und am Ende gewinnt vielleicht der Zufall, nicht die Planbarkeit – das darf nicht sein, das soll nicht so bleiben. Unser Weg daher: schneller im Verfahren, konsequent in der Kontrolle. Wir drehen nicht an den sicherheitspolitischen Grundpfeilern unseres Landes. Das Kriegsmaterialgesetz bleibt als Schutzmechanismus natürlich bestehen. Die Neutralität bleibt unsere Leitlinie. Die menschenrechtlichen Prüfungen bleiben, und sie bleiben zu Recht sehr streng. Aber Verfahren müssen zeitgemäß koordiniert und nachvollziehbar sein. Entscheidungen sollen begründet sein, Fristen klar, Abläufe transparent. Der Kunde muss wissen, woran er ist, und zwar rechtzeitig. Export braucht Vertrauen. Das ist kein Geschenk an die Industrie, meine Damen und Herren, sondern ein Schutz vor Willkür und Intransparenz, weil Verfahren nicht an persönlichen Einschätzungen hängen bleiben dürfen, sondern an nachvollziehbaren Kriterien. Ich denke auch, dass das Konsens hier im Hohen Haus ist. Österreich kann stolz sein auf seine industrielle Fertigungstiefe, im Sicherheitsbereich ganz besonders. Hoch qualifizierte Arbeitsplätze im Land zu sichern, ist ein Akt wirtschaftlicher Verantwortung, und die tragen wir alle hier im Haus. Wir lassen nicht zu, dass Schlüsseltechnologie abwandert, nur weil Genehmigungsprozesse im Kreis laufen. Wir treten heute nicht für eine Aufweichung des Rechts ein, sondern wir treten für Klarheit, Fairness und Planbarkeit ein. Wer Kontrolle will, muss auch Struktur liefern. Wer Neutralität ernst nimmt, muss sie auch effizient verwalten können. Wir alle wissen, Sicherheit ist kein Marktprodukt, aber Wertschöpfung, Ausbildungsplätze, industrielle Resilienz sind es sehr wohl. Darum bitte ich heute um Zustimmung zu unserem Antrag. Er stärkt nicht die Rüstung, er stärkt den Rechtsstaat. Er vereinfacht nicht die Normen, sondern beschleunigt die Wege dorthin. Und er schützt, was geschützt werden muss – die Neutralität unseres Landes und die Arbeitsplätze unserer Menschen. Abschließend wünsche ich allen Soldatinnen und Soldaten, ob im In- oder Auslandseinsatz, viel Soldatenglück und frohe Weihnachten, wo immer sie in Ausübung ihrer Tätigkeit den Heiligen Abend verbringen mögen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Pramhofer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Christoph Pramhofer

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseher:innen hier im Saal und zu Hause vor den Bildschirmen! Auch ich möchte über die Evaluierung des Bundesgesetzes für Rüstungsexporte sprechen, ich möchte aber in der Debatte ein bisschen zurückgehen. Wir haben in den letzten Monaten immer wieder über die geopolitische und militärische Souveränität Österreichs und Europas gesprochen. Der militärisch-industrielle Komplex, die Selbstversorgung mit Rüstungsgütern, ist essenziell, um diese Souveränität auch herzustellen. Und wenn wir eine qualitative und quantitativ angemessene Rüstung mit modernstem Material wollen, dann brauchen wir auch die Rüstungsunternehmen, und zwar nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa. Man muss realistisch sein. Wir haben in Österreich und in Europa gute Rüstungsunternehmen, aber mit der heimischen Nachfrage nach heimischen Rüstungsgütern werden diese Unternehmen nicht überleben können. Es ist selbstverständlich, dass wir in einem kleinen Land auch Güter und Produkte dieser Firmen exportieren müssen. Das ist so aufgrund der Größe des Marktes. Daher müssen wir einen Zugang finden, wie wir diese Produkte menschenrechtskonform, konform mit unserer Neutralität, aber auch wirtschaftlich solide exportieren können. Ein Beispiel: Wir haben das Thema Steyr Arms, Steyr AUG, mit dem Export nach Tunesien gehabt, der ja leider gescheitert ist.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Hat super funktioniert!

NEOS Christoph Pramhofer

… Der gescheitert ist, habe ich gesagt.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Sind eh nur 10 Millionen!

NEOS Christoph Pramhofer

… Genau. Die Frage ist jetzt: Warum ist das passiert? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ich kann Ihnen sagen, warum!

NEOS Christoph Pramhofer

… Und zwar nicht, weil die Prozesse im Konkreten wirklich schlecht waren – sie sind verbesserungswürdig, ich komme gleich dazu –, sondern weil der Antrag liegen geblieben ist. Das heißt, wir können uns als Land immer überlegen – und das ist natürlich unser Zugang als NEOS –, effiziente Verwaltungsprozesse zu haben. Wir können schauen, wo man Dinge schneller, besser, günstiger machen kann. Aber wir müssen auch dazusagen: Ein Überschießen, nämlich dass wir eine fiktive Zustimmung nach Ablauf einer Frist geben, das ist mit unserem Anspruch, den wir in Bezug auf Menschenrechte und Neutralität haben, einfach nicht vereinbar. Wir sind Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie das Thema hier ins Hohe Haus gebracht haben – auch wir sind da wirklich offen, hier Verbesserungen zu machen –, aber ich glaube, der ursprüngliche Antrag war überschießend. Deswegen haben wir jetzt auch den gemeinsamen Antrag, mit dem wir, wie wir glauben, den Prozess auf solide Beine stellen zu können. Es soll kein Schnellschuss sein, sondern es geht darum, dass wir gemeinsam eine Lösung finden, um zu diesem Ziel der Souveränität und des soliden Rüstungsexports für unsere heimischen Unternehmen zu kommen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster ist Abgeordneter David Stögmüller zu Wort gemeldet. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

GRÜNE David Stögmüller

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Dieses Jahr neigt sich dem Ende zu. Es war nicht gerade ein politisch angenehmes oder einfaches Jahr – viel wurde gespart. Viele Sparmaßnahmen forderten auch viele Einschnitte und auch eine Fokussierung bei den Entscheidungen. Zum ersten Mal seit Langem stehen Ihrem Ressort wieder Mittel für echte Investitionen zur Verfügung. Das ist auch gut so, denn ein funktionierendes Bundesheer ist aktuell kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Es ist auch notwendig, dass wir über die Parteigrenzen hinweg Einigkeit darüber haben, dass diese Investitionen dringend gebraucht werden. Auch dort, wo sich die Meinungen scheiden, ist die Frage: Wie gehen wir mit diesen Mitteln um? Wie stellen wir sicher, dass jeder Euro auch effizient eingesetzt und transparent dargestellt wird? Vor etwa drei Wochen haben wir im Landesverteidigungsausschuss den Jahresbericht 2024 der Beschaffungs-Prüfkommission erhalten. Ich begrüße ausdrücklich, dass dieser Bericht freiwillig von der Frau Ministerin vorgelegt wurde, aber ich frage mich: Warum hat das bis zum Jahresende gedauert? Warum hat das so lange gedauert, bis wir den bekommen haben? Er ist seit März fertig, wurde uns aber erst am Ende des Jahres zugewiesen. Warum müssen wir auf dieses Instrument der öffentlichen Kontrolle denn so lange warten? Kollege Reifenberger hat, finde ich, sehr gut erläutert, welche Punkte dort genannt worden sind, warum das so lange dauert. Meine Fraktion wird heute diesem Antrag der FPÖ zustimmen, weil – ich glaube es und wir haben den Antrag auch selber eingebracht – es einfach eine Verbesserung, eine Novellierung dieses Gesetzes braucht, damit wir als Parlament die Kontrolle haben können, damit wir darauf schauen können, wo diese Millionen eingesetzt werden. Ich bin froh, dass die FPÖ endlich munter geworden ist in diesem Bereich. Wir haben schon von Anfang an gesagt, dass es bei den Beschaffungen mehr Transparenz und Kontrolle braucht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ihr wart auch immer schon fürs Bundesheer!

GRÜNE David Stögmüller

… Nein, aber ich schon. ( Allgemeine Heiterkeit. ) Aber ihr wart auch schon einmal für den Nato-Beitritt. ( Allgemeine Heiterkeit. ) Kollege Kickl, ich glaube, diese Diskussion wollen wir jetzt nicht wieder anfangen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich sag’s nur! – Abg. Schwarz [Grüne]: ... Trump ...!

GRÜNE David Stögmüller

… Na ja, vielleicht bist auch du im Herzen sicherheitspolitisch ein bisschen weiterdenkend. Jedenfalls zeigt der Bericht viele verschiedene Mängel im Vergabeprozess auf. Ich glaube, das ist auch sinnvoll. Nichts davon ist strafrechtlich relevant, das möchte ich noch einmal unterstreichen, aber politisch. Und da ist die Frage: Was ist denn politisch relevant? Wenn das Beschaffungsvorhaben so zugeschnitten wird, dass am Ende nur ein einziger Anbieter übrig bleibt, dann ist das kein echtes Vergabeverfahren. Dann wird der Wettbewerb quasi verschoben, sodass nur ein vorprogrammierter Sieger gewinnen wird. Und das schadet der Republik, es schadet den Steuerzahlen, es bietet vielleicht nicht das billigste Produkt und es schadet auch dem Vertrauen in das staatliche Handeln. Diese Woche hat sich noch eine zusätzliche Frage ergeben. Dem „Standard“ kann man Folgendes entnehmen: Im Gegensatz zu dem, was von Ihnen und von Herrn Kollegen Hattmannsdorfer immer erwähnt wird, nämlich dass die Finanzprokuratur beziehungsweise Herr Peschorn in persona eingebunden wird in diese neuen Gegengeschäfte beziehungsweise in die Industriekooperationen, sagt dieser: Nein, ich bin da gar nicht drinnen, die Finanzprokuratur ist nicht eingebunden. Herr Peschorn sitzt also nicht bei den Industriekooperationen drinnen. Frau Ministerin, ich würde gerne wissen: Sitzt Herr Peschorn da jetzt drinnen oder nicht? Vielleicht können Sie uns aufklären, denn dieser sagt selber dem „Standard“ gegenüber, nein, er sei nicht dabei. Und genau das ist ja das Problem, das ist wieder genau das Problem (👏): Öffentlich sagen Sie es so und die Finanzprokuratur sagt dann: nein. Also bitte, Frau Ministerin, das ist genau das, was wir immer wieder vermissen: diese Transparenz. Sie erzählen uns hier eine andere Geschichte, als es dann in Wirklichkeit ist. Das ist das Problem dahinter. Ich möchte auch noch einmal ganz kurz zu Steyr Arms, zu diesen Expressrüstungsexporten, die die Regierung jetzt auch mitbeschließen lassen möchte, kommen. Da wird plötzlich Tempo gemacht, aber wiederum ohne Kontrolle. Da fahren die Wehrsprecher zu Steyr Arms, da präsentieren Lobbyisten die Probleme, und dann macht man Husch-husch-Gesetze, man macht Entschließungsanträge. – Nein, Leute, das ist einfach nur Lobbyismusarbeit! Da frage ich mich schon: Sind das die Standards, die wir wirklich wollen? Warum wird jetzt wieder die Regel noch weiter gelockert? Man kann effizienter werden, überhaupt keine Frage, dass etwas schneller und besser gemacht werden soll, aber man soll nicht husch, pfusch irgendwelche Gesetze lockern, nur weil es halt Lobbyisten so wollen. – Na das ist deren Geschäft, dass sie es wollen! Aber die Frage ist schon: Wollen wir als Republik das? – Nein, es braucht auch da europäische Lösungen, klare Regeln, gemeinsame Standards und faire Lastenteilung. Das ist nämlich das, was es eigentlich braucht, denn wenn jedes Land sein eigenes Süppchen kocht, wenn jedes Land seinen eigenen Wettbewerb runterschraubt, dann gewinnt jenes Land, das die schlechtesten, die miesesten Regeln hat, wenn es um Menschenrechte geht, denn dieses kann dann noch mehr exportieren. – Das wollen wir nicht! Wir wollen hohe Standards haben. Diese braucht es auch europaweit, damit eben beim Wettbewerb keine Nivellierung nach unten entsteht. Das schadet nämlich einerseits nicht nur den Interessen der europäischen Sicherheit, sondern auch den Interessen Österreichs, und ich frage mich schon, ob das im Rahmen der UN-Sicherheitskandidatur sinnvoll ist, wenn wir genau jetzt solche Sachen machen: Menschenrechtsnivellierungen nach unten. Die beobachten das nämlich ganz genau, und da müssen Sie sich auch fragen, ob wir das tatsächlich wollen. Wenn wir jetzt noch einmal runtergehen, wenn die Entwicklungshilfe zurückgeht, UN-Menschenrechtsthematiken runtergehen, wäre das, glaube ich, nicht sinnvoll. Daher bringen wir auch einen Entschließungsantrag ein: RN/46.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten David Stögmüller , Kolleginnen und Kollegen betreffend „keine Abstriche bei Menschenrechten und Völkerrecht im Rüstungsexport“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert eine Prinzipienumkehr in den österreichischen Rüstungsexporten umzusetzen. Rüstungsgüter und sicherheitsrelevante Technologien dürfen nur exportiert werden, wenn sie die außenpolitischen Interessen Österreichs und die Sicherheit des Landes, die Menschenrechte und das Leben von Zivilisten in Konflikten schützen und stärken. Die Einhaltung von Völker- und Menschenrechten hat dabei uneingeschränkt gewährleistet zu bleiben und darf durch Beschleunigungs- oder Reformvorhaben nicht geschwächt werden.“ Das wäre notwendig. – Sie halten die Neutralität immer hoch, Frau Ministerin. Auch da ist es eine Frage der Neutralität. Wollen wir unseren Menschenrechten, wollen wir dem Völkerrecht gerecht werden? Dann dürfen wir nicht bei den Exportgeschäften einfach nach unten nivellieren. – Danke. (👏) 11.53 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/46.2 keine Abstriche bei Menschenrechten und Völkerrecht im Rüstungsexport (160/UEA) Präsident Peter Haubner : Danke. Der von Herrn Abgeordneten Stögmüller eingebrachte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin. – Bitte, Frau Bundesministerin.

FPÖ Gerhard Kaniak

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Ich glaube, es steht außer Zweifel, dass auch die Freiheitliche Partei ganz klar hinter der Aufrüstung des österreichischen Bundesheeres steht. Deshalb ist es natürlich umso wichtiger, dass die Mittel, die jetzt investiert werden, und die Neuanschaffungen, die stattfinden, mit Sorgfalt und tatsächlich dem Bedarf Österreichs und des österreichischen Bundesheeres entsprechend durchgeführt werden. Die Beschaffungskommission kann, glaube ich, einen wesentlichen Beitrag leisten, und die Vorschläge, die wir dazu auf den Tisch gelegt haben, um diese Kommission noch effektiver und unabhängiger zu machen, sollten vom Parlament als Kontrollorgan durchaus wohlgeheißen werden. Deshalb hoffe ich, dass sie unterstützt werden. (👏 FPÖ) Ich möchte mich in meinem Redebeitrag jetzt allerdings auf die Probleme im Bereich der Rüstungsgüterexporte und der überbordenden Bürokratie in diesem Bereich konzentrieren. Ich möchte Ihnen aber vorab noch einmal erläutern, warum das kein Industrielobbyismus ist, wenn wir über Erleichterungen und klare Regeln für Rüstungsexporte sprechen, sondern ein wesentlicher Punkt für die nationale Souveränität. Schauen Sie ein paar Jahrzehnte zurück! Wie haben neutrale Länder, die ihre Neutralität und ihre Souveränität tatsächlich gelebt haben, eine wehrhafte Neutralität, so wie es in der österreichischen Verfassung ja auch steht, agiert? Ob das jetzt Österreich war, die Schweiz, Schweden – diese Länder haben starke nationale Rüstungsunternehmen gehabt, die natürlich primär den eigenen Bedarf versorgt haben, aber natürlich auch die nationale Souveränität gewährleistet haben; denn wenn ein neutraler Staat seine Verteidigung nur mithilfe von anderen, vielleicht geopolitisch agierenden Staaten gewährleisten kann, dann ist er von diesen auch erpressbar. Wer in der Vergangenheit seine Neutralität ernst genommen hat, hat also geschaut, dass er auch in diesem Bereich so weit wie möglich unabhängig ist und bleibt. (👏 FPÖ) Jetzt wissen wir natürlich, dass vor allem seit 1990 die Investitionen in das österreichische Bundesheer und damit der nationale Eigenbedarf an Rüstungsgütern massiv zurückgegangen ist. Wie sollen, so wie das Kollege Laimer ja auch gefordert und eingemahnt hat, das Know-how, die Innovationskraft, aber auch die Produktionsstätten denn in Österreich erhalten bleiben, wenn das österreichische Bundesheer mit seinem Abnahmevolumen diese Produktionsstätten und auch diese Forschung gar nicht erhalten kann? – Das geht natürlich nur über einen qualitätsgesicherten und menschenrechtskonformen Export dieser Rüstungsgüter. Das hat Österreich in der Vergangenheit auch ganz ordentlich gemacht. Ich nenne Ihnen eine konkrete Zahl: Zu Höchstzeiten haben sich die österreichischen Rüstungsexporte auf ein Äquivalent von über 260 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Frau Ministerin, wissen Sie, wie hoch die jährlichen Rüstungsexporte Österreichs in Ihrer Amtszeit 2021 bis 2023 waren? – 3 Millionen Euro pro Jahr. Das Jahr 2024 war mit 16 Millionen Euro ein leichter Ausreißer nach oben. Wenn man sich aber überlegt: Allein der gescheiterte Auftrag an Steyr Arms aus Tunesien – 8 000 Gewehre, die nach Tunesien hätten gehen sollen, mit den entsprechenden Nachfolgeaufträgen – hätte neuneinhalb Millionen Euro an unmittelbarem Auftragswert und über 20 Millionen Euro an Folgeaufträgen in den nächsten 20 Jahren bedeutet. Das ist also ein Vielfaches von dem, was wir in den letzten Jahren überhaupt insgesamt an jährlichen Rüstungsexporten gehabt haben (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner ) – darauf komme ich noch zu sprechen –, und somit ein ganz wesentlicher Punkt, eine ganz wesentliche Stütze für dieses Unternehmen. Man könnte jetzt sogar kritisch hinterfragen: Wären die Exportbewilligungen in den letzten Jahren nicht so extrem restriktiv gewesen, offensichtlich restriktiver als in allen Jahren und Jahrzehnten davor, dann wäre vielleicht sogar auch diese Firma noch in österreichischem Besitz und nicht 2024 verkauft worden. (👏 FPÖ) Dasselbe Schicksal droht vielen weiteren innovativen österreichischen Rüstungsgüterproduzenten. Und jetzt kommen wir zu diesem Bürokratiewahnsinn, den wir hier in Österreich haben. Sie haben es richtig gesagt: Wir unterscheiden ja bei den Rüstungsgütern zwischen Verteidigungsgütern und Kriegsmaterial. Für die Verteidigungsgüter ist ausschließlich das Wirtschaftsministerium verantwortlich, für die Kriegsmaterialien ist das Innenministerium im Einvernehmen mit dem Außenministerium und mit der Stellungnahme und der Zusage vom Landesverteidigungsministerium zuständig. In Summe sind also für diesen gesamten Bereich vier Ministerien zuständig und müssen ihre Zustimmung geben – und dann schaffen es diese Ministerien nicht, eine Exportbewilligung für ein paar Musterwaffen zwecks Teilnahme an einer Ausschreibung eines nicht im Krieg befindlichen Staates wie Tunesien zu erteilen. Das ist der wirkliche Skandal! Das ist ein Missstand, der sich eingebürgert hat und der im Endeffekt – langfristig betrachtet und auf gar nicht so lange Zeit gesehen – die nationale Souveränität und Selbstversorgungsfähigkeit Österreichs in diesem Bereich immer weiter einschränken wird. Das ist genau das Gegenteil von dem, was die Bundesregierung auch in den letzten Jahren immer propagiert hat: Steigerung der Unabhängigkeit von ausländischen Lieferanten, Erhöhung der Resilienz. – Auch der ganze Aufbauplan, den Sie, Frau Ministerin, verkaufen, hängt ja damit zusammen, dass der Nachschub gesichert ist, dass die Kapazitäten vorhanden sind und dass wir Österreich, aber natürlich auch unsere europäische Partner zum Beispiel in der Europäischen Union mit Waffen aus Österreich versorgen können und natürlich auch dürfen – das kommt dem österreichischen Bundesheer, dem österreichischen Steuerzahler, aber auch der österreichischen Souveränität à la longue nur zugute. Wenn man sich jetzt den Antrag, den Kollege Reifenberger von der FPÖ eingebracht hat, den wir heute hier auch in Verhandlung haben und den Sie alle ablehnen werden, genau anschaut: Im Vergleich zum Alternativantrag, der von den Regierungsfraktionen gekommen ist, sind zwei Punkte hervorzuheben. Erstens: Wir fordern keine Evaluierung, wir fordern sofortiges Handeln von Ihnen und Ihren Regierungsmitgliedern, und zwar dahin gehend, dass dieser bürokratische Wahnsinn und diese Planungsunsicherheit, diese Willkür, die da herrscht, aufgehoben und klare Regeln geschaffen werden – Punkt eins. Punkt zwei: dass eine verpflichtende Verfahrensbeschleunigung eingeführt wird. Sie wissen es genauso gut wie ich, und im Endeffekt weiß es der Herr Innenminister wahrscheinlich genauso gut wie die Außenministerin: Welche Staaten kritisch zu betrachten sind, bekommen Sie in den regelmäßigen Briefings übermittelt. Das heißt, man weiß natürlich ganz genau, wohin Exporte möglich sind und wohin nicht. Es kann doch nicht sein, dass man länger als sechs Wochen braucht, um eine qualifizierte Stellungnahme abzugeben. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner .) – Sie sind mit Ihrem Ressort viel schneller, deshalb müssten Sie unsere Forderung ja eigentlich unterstützen. Diese Sechswochenfrist ist absolut angemessen und absolut machbar, würde den österreichischen Produzenten, den innovativen Herstellern in Österreich Planungssicherheit und auch die Möglichkeit geben, an den vielen Ausschreibungen, die jetzt international stattfinden, teilzunehmen, und ihnen keine Prügel zwischen die Beine werfen. Tun Sie das im Sinne der österreichischen Souveränität, tun Sie das auch im Sinne einer günstigeren Beschaffungsoption und Reservesituation für das österreichische Bundesheer, tun Sie das für unser Land! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Harald Servus . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Harald Servus

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte heute vor allem die Rolle des Bundesheeres als Konjunkturmotor und die Bedeutung der Rüstungsindustrie in Österreich beleuchten. Das Bundesheer tätigt pro Jahr zwischen 4 000 und 5 000 Beschaffungsvorgänge. Das betrifft Lebensmittel, Infrastruktur, Ausrüstung und natürlich Rüstung, und ja, das gehört geprüft, nämlich durch die Prüfkommission, die auch immer Verbesserungsvorschläge macht; zu diesem Zwecke haben Sie, Frau Bundesminister, diese Prüfkommission ja eingesetzt. In den nächsten Jahren werden zwischen 2 und 3 Milliarden Euro jährlich in das Bundesheer fließen. Das ist viel Geld. Unser gemeinsames Ziel ist es, unsere Verteidigungsausgaben bis 2032 auf 2 Prozent des BIPs zu schrauben. Das ist ein richtiger Schritt in unruhigen Zeiten. – Sehr geehrte Frau Bundesminister, danke schön dafür. (👏 ÖVP) Meine Damen und Herren! Ein Großteil der Ausgaben des Bundesheeres bleibt in unserem Land, bei der Infrastruktur bis zu 99 Prozent, im Bereich der Ausrüstung etwa 60 Prozent. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist unser Radpanzer Pandur, der zu 90 Prozent in Österreich produziert wird und an dem rund 200 österreichische Firmen beteiligt sind. Das ist ein Musterbeispiel für Wertschöpfung made in Austria, sehr geehrte Damen und Herren, und darauf können wir stolz sein. (👏 ÖVP) Erlauben Sie mir hier heute aber auch, einen Blick auf die heimische Rüstungsindustrie zu werfen. Sie umfasst rund 150 Unternehmen, die 11 000 Mitarbeiter beschäftigen und in Summe rund 3,3 Milliarden Euro erwirtschaften. Nur zur Einordnung: Das entspricht ungefähr 0,6 Prozent des BIPs. Das ist nicht wenig, hinsichtlich der Größe vergleichbar mit der Schienenindustrie in Österreich, auf die wir auch sehr stolz sind. Offen gesagt habe ich manchmal den Eindruck, dass wir unsere Leistungen im Bereich der Rüstungsindustrie gerne etwas verschämt verschweigen, aber dafür gibt es überhaupt keinen Grund. Wer den Frieden will, der soll sich für den Krieg rüsten, das sagten schon die alten Römer. Und so gibt es in Österreich viele, viele Rüstungsunternehmen, auf die wir stolz sein sollten – um nur einige zu nennen: Hirtenberger Defence, Steyr Arms, Glock, Rheinmetall, die Firma Schiebel –, von denen auch einige in Niederösterreich beheimatet sind; ich als Niederösterreicher darf das durchaus mit etwas Stolz sagen. Und ja, wenn wir unsere Firmen mit schnelleren Genehmigungen von Exporten unterstützen können, dann sollten wir das tun, und das ist auch zu evaluieren. Sehr geehrte Damen und Herren, was prädestiniert Österreich zu einem international erfolgreichen Standort für die Rüstungsindustrie? – Ganz einfach: exzellente Fachkräfte und eine hohe Forschungsquote. Diese liegt im militärischen Bereich in Österreich bei sagenhaften 7,5 Prozent. 7,5 Prozent: Das ist weltmeisterlich! Dann gibt es natürlich auch Rüstungsgüter, die wir in Österreich nicht anbieten können, zum Beispiel Flugzeuge, Stichwort Leonardo. Was machen wir da? – Ganz einfach: möglichst viele Industriekooperationen für unsere Wirtschaft abschließen, seriös und transparent, liebe FPÖ und liebe Grüne. Sehr geehrte Damen und Herren, die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft hat derzeit in Europa Rückenwind. Europa will in den nächsten Jahren 800 Milliarden Euro investieren. Das ist eine Riesenchance, die wir auch in Österreich nutzen sollten, zum Wohle unserer Wirtschaft. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Petra Tanzler . – Ich stelle auch Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Tanzler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Beim aufmerksamen Zuhören bei dieser Debatte ist mir spontan ein Zitat von Karl Valentin eingefallen. Dieser hat vor 75 Jahren gesagt: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“ – Deshalb darf auch ich noch meinen Beitrag zur Beschaffungs-Prüfkommission leisten. In Zeiten globaler Herausforderungen und vor dem Hintergrund einer sich zunehmend verschärfenden sicherheitspolitischen Lage in Europa ist es wichtig, dass unser Bundesheer gut aufgestellt und ausgerüstet ist. Das steht für uns alle außer Frage. Um größtmögliche Transparenz bei der Beschaffung notwendiger Ausrüstung und Gerätschaften walten zu lassen, wurde 2023 eine externe, unabhängige Expertenkommission gebildet, nämlich die besagte Beschaffungs-Prüfkommission. Diese Kommission ist ein beratendes Gremium. Aktuell liegt nun der zweite Bericht vor, er wurde dem Ausschuss für Landesverteidigung am 27. November vorgelegt. Geprüft wurden im vergangenen Jahr die Nachfolge des C-130 Hercules Transportflugzeuges, die Anschaffung neuer Kampfstiefel oder Systeme für die mittlere Fliegerabwehr. Die Kommission empfiehlt dahin gehend auch, vergaberechtliche Prüfungen in den Planungsprozess zu integrieren, um rechtliche Probleme zu vermeiden. Abschließend möchte ich sagen: Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass es für die Sicherstellung einer gesetzmäßigen Vollziehung notwendig und hilfreich ist, eine ordentliche Transparenz und Dokumentation in Bezug auf Rechtmäßigkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit gewährleisten zu können – und das unterstützen wir. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Lukas Brandweiner . Ich stelle die Redezeit ebenfalls auf 3 Minuten ein.

ÖVP Lukas Brandweiner

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher zu Hause vor den Bildschirmen und hier auf der Galerie! Wir haben zu Beginn dieser Debatte viel Lärm, viele Vorwürfe und, wenn ich ehrlich sein darf, viel künstliche Aufregung erlebt. Die Ministerin hat es angesprochen, alleine mit der Mission vorwärts investieren wir aktuell so viel Geld wie noch nie in der Geschichte der Zweiten Republik in unsere Landesverteidigung. Dafür bin ich auch sehr dankbar, denn – mein Vorredner Harald Servus hat es bereits angesprochen – diese Investitionen sind Investitionen in die Regionen, in unsere Kasernenstandorte. Alleine wenn ich am Truppenübungsplatz Allentsteig in meinem Wahlkreis schaue: ein 14-Millionen-Euro-Investitionspaket in die Infrastruktur, in die Möblierung – wir konnten die M-Blöcke teilweise schon eröffnen –, und das ist eine Investition in unsere Soldatinnen und Soldaten, damit sie auch qualitätsvolle Unterkünfte haben. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bei dir wirklich sehr herzlich bedanken! (👏 ÖVP) Ebenso: Investitionen in eine moderne urbane Trainingsanlage in Höhe von 1,6 Millionen Euro – das ist viel Geld, aber vor allem gut investiertes Geld. Das ist nicht nur eine Trainingsanlage für die Soldatinnen und Soldaten, sie wird auch von den Blaulichtorganisationen genutzt, ob Rotes Kreuz, Samariterbund oder auch die freiwillige Feuerwehr, die dort regelmäßig Übungen abhalten können. Das dient auch zum Schutz unserer Bevölkerung, und auch dafür bin ich sehr dankbar. Und, Herr Abgeordneter Servus hat es richtigerweise gesagt, es ist auch ein enormer Motor für unsere Bauwirtschaft in einer schwierigen Phase – auch dafür zu sorgen, ist unsere Verantwortung als Politikerinnen und Politiker. Ehrlicherweise bin ich etwas überrascht gewesen, dass Kollege Reifenberger kritisiert, dass in österreichischen Unternehmen gekauft wird. Ich finde es durchaus positiv, wenn die Wertschöpfung in unserer Republik, in unserem wunderschönen Land bleibt. Das zu kritisieren, halte ich für falsch. (👏 ÖVP) Wissen Sie, wenn ich in den Kasernen unterwegs bin und mit den Soldatinnen und Soldaten, mit den Kommandanten spreche, dann fragen sie nicht nach Paragrafenreiterei oder dieser blauen Polemik, sondern nach Materialien, die sie für ihren Einsatz, für ihre Tätigkeiten brauchen. Genau dafür sorgen wir mit der Mission vorwärts. Ja, wir brauchen eine gute Beschaffungskommission, denn es geht um viel Geld, und es braucht Kontrolle. Wenn aber kritisiert wird, dass Spezifikationen zu eng seien, muss man festhalten: Das Bundesheer ist kein Büro, es ist unser Sicherheitsgarant. Wir reden hier noch immer über militärische Ausrüstung, wenn wir über die Nachfolge der Hercules, über Sky Shield oder auch über etwas Alltägliches wie Kampfstiefel sprechen. Da darf der Maßstab nicht sein, was sich am leichtesten ausschreiben lässt oder was am billigsten ist, sondern der Maßstab muss sein, was im Ernstfall schützt und funktioniert. Qualität ist kein Luxus, Qualität ist in diesem Bereich eine Überlebensversicherung! (👏 ÖVP) Wir tun das aus Verantwortung für unsere Neutralität. Neutralität heißt nicht, sich wehrlos zu machen. Es bedeutet, dass wir Verantwortung übernehmen – Verantwortung für ein Österreich übernehmen, das sich auch selbst schützen kann. Liebe Frau Ministerin, du bist eine, die das seit Anbeginn in deiner Funktion als Verteidigungsministerin lebt. Ich bekomme das bei deinen Besuchen in den Kasernenstandorten immer wieder mit. Du betonst es nicht nur immer bei deinen Reden, du lebst es auch vor – mit deinen Besuchen und vor allem mit deinen Handlungen. Dafür möchte ich dir wirklich ein großes Dankeschön sagen! (👏 ÖVP) Der Dank gilt aber natürlich auch deinen Soldatinnen und Soldaten, denn sie sind unser Sicherheitsgarant, und dies nicht nur im Ernstfall, wenn es darum geht, die Grenzen zu schützen. Wir haben dieses Jahr im Frühjahr auch eine Seuche, die Maul- und Klauenseuche, erlebt, und auch da waren es die Soldatinnen und Soldaten, die für uns gekämpft haben – kann man in diesem Fall auch sagen – oder, noch besser, einen Ausbruch verhindert haben und damit vor allem auch den bäuerlichen Betrieben sehr geholfen haben. Auch dafür ein großes Danke! (👏 ÖVP) Abschließend: Wir können stolz auf unser österreichisches Bundesheer – von unseren Grundwehrdienern bis hin zum Militärkommandanten – sein. Ich bitte Sie alle, gemeinsam auch die Mission vorwärts voranzutreiben, natürlich mit einer guten Beschaffungskommission. Wir müssen darauf achten, dass das Geld sinnvoll und gut ausgegeben wird, aber schauen wir doch bitte auch darauf, dass das Geld so gut es geht auch zur Wertschöpfung in Österreich dient! Das ist mein Appell. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Bernhard Herzog . Freiwillige Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Bernhard Herzog

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Hohes Haus! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Am heutigen Tag ist der Internationale Tag der Neutralität. Dieser wurde extra von Österreich initiiert und von der UNO mittels Resolution beschlossen. An diesem heutigen Internationalen Tag der Neutralität blicken wir auf einen Grundpfeiler unserer Republik, einen Wert, der für eine überwältigende Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher Teil unserer österreichischen Identität ist. Neutralität bedeutet für uns nicht Passivität und nicht eine Die-Welt-geht-uns-nichts-an-Mentalität. Neutralität bedeutet Verantwortung: Verantwortung für Frieden, für Diplomatie und für die Fähigkeit, in einer Welt der zunehmenden Krisen selbstbestimmt handeln zu können. (👏 SPÖ) Ich möchte festhalten: Als Sozialdemokratie stehen wir für Frieden, und wir stehen felsenfest hinter der österreichischen Neutralität. (👏 SPÖ) Doch eines muss uns klar sein: Neutralität ist nicht der Weg des geringsten Widerstandes. Neutralität ist mutig, Neutralität verpflichtet und sie verlangt auch, dass Österreich sich selbst schützen kann. (👏 SPÖ) Ein neutrales Land braucht ein starkes, modernes und funktionierendes Bundesheer; gerade deshalb müssen wir den aktuellen Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission sehr, sehr ernst nehmen. Es ist sehr gut, dass es die Beschaffungs-Prüfkommission gibt, weil sie wie ein interner Rechnungshof die aktuellen Beschaffungen prüft. Wir haben viel vor, um das Bundesheer wieder fit zu machen, damit wir auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren können. Dafür fließt im Rahmen des Aufbauplans des Bundesheeres viel Geld. Deshalb ist es auch sehr wichtig, dass mit der Beschaffungs-Prüfkommission eine Instanz geschaffen wurde, die zeigt, wie wichtig transparente Ankäufe sind, damit nicht der Anschein von Einflussnahmen entsteht. (👏 SPÖ) Es wurden von der Beschaffungs-Prüfkommission Vorschläge zur Optimierung, zur Verbesserung gemacht. Es gibt im Ministerium eine aktive Diskussion dazu und natürlich den Versuch, so viel wie möglich bestmöglich umzusetzen. Das ist auch richtig und gut so. Wir wollen ein Bundesheer, das gut ausgerüstet ist, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein; aber wir wollen auch, dass jeder Euro rechtskonform, effizient und nachvollziehbar eingesetzt wird, denn ein starkes Heer entsteht nicht nur durch modernes Gerät, es entsteht auch durch saubere Strukturen. Ein starkes und modernes Bundesheer ist unser Schutzschild für unsere Neutralität und damit der Garant für Österreichs Sicherheit und Frieden. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Mario Lindner . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Mario Lindner

Geschätzter Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dass Europa aktuell mit vielfältigen Gefahren und neuen Herausforderungen konfrontiert ist, ist uns allen leider schmerzlich bewusst. Wir stehen heute vor der Herausforderung, die vielfältige liberale Demokratie zu verteidigen, die wir in den vergangenen 80 Jahren mühsam aufgebaut haben. Nicht erst seit Russland mit einem brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine vorgeht, muss uns allen klar sein: Die österreichische Neutralität ist nicht in Stein gemeißelt, und wir müssen unseren Platz in einer Welt im Umbruch neu ausloten. Umso wichtiger ist es, dass wir mit dem heutigen Beschluss auch den Grundstein für die zukünftige Vorgehensweise beim heiklen Thema Waffenexporte setzen. Mir ist es aber auch wichtig, auf das Big Picture zu schauen. Wie wichtig nämlich die Verteidigung unserer Neutralität und unsere Rolle in einem gemeinsamen Europa sind, wurde erst diese Woche wieder deutlich. Wenn nämlich die neue US-Sicherheitsstrategie von Donald Trump laut Medienberichten darauf abzielt, Österreich gemeinsam mit anderen Ländern aus der EU herauszubrechen, dann können wir nur eines sagen: Die Entscheidung über die Zukunft treffen wir in Österreich selbst, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 SPÖ) Egal wie stark manche auf der blauen Seite Herrn Trump auch nacheifern wollen: Österreich liegt in der Mitte Europas und ist das Herzstück einer friedlichen, solidarischen Union; daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Da ich aus einer Region mit einem strategisch wichtigen Kasernenstützpunkt komme – für Kollegen Stögmüller und Schiesser: ja, das ist die Kaserne mit den Hubschraubern; damit habe ich den Auftrag erfüllt, die Hubschrauber wieder einmal in einer Rede unterzubringen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Bravo!

SPÖ Mario Lindner

… möchte ich mich gerade vor den Weihnachtsfeiertagen bei allen Soldatinnen und Soldaten und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesheeres bedanken. – Danke für euren so wichtigen Einsatz für die Sicherheit unseres Landes! (👏 ÖVP, SPÖ) Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen, mich auch bei unseren parlamentarischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu bedanken, die tagtäglich wirklich sensationelle Arbeit für uns leisten; ganz speziell natürlich bei meinen beiden parlamentarischen Mitarbeitern: Jungs, ihr seid Weltklasse! Frohe Feiertage! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Somit kommen wir zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/54.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, den Jahresbericht 2024 der Beschaffungs-Prüfkommission, vorgelegt von der Bundesministerin für Landesverteidigung, III-248 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die für dessen Kenntnisnahme eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. RN/54.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Mag. Volker Reifenberger , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Sicherung der Kontrollfähigkeit der Beschaffungs-Prüfkommission“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. (Abg. Stögmüller [Grüne]: Oppositionspartner!) – Das ist die Minderheit, abgelehnt. ( Ruf bei der ÖVP: Wie geht das zusammen? – Ruf bei der FPÖ: Guter Antrag! ) – Wir sind im Abstimmungsvorgang, bitte! RN/54.3 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5. Wir kommen zunächst zur Abstimmung über den Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 323 der Beilagen hinsichtlich des Entschließungsantrages 569/A(E) zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. (Abg. Lausch [FPÖ] – in Richtung Abg. Obernosterer [ÖVP] –: Aufstehen, wie du gesagt hast, Gabi!) – Dürfte ich um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für den Abstimmungsvorgang bitten? Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/54.4 Weiters kommen wir zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 323 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Evaluierung des Bundesgesetzes vom 18. Oktober 1977 über die Ein-, Aus- und Durchfuhr von Kriegsmaterial (Kriegsmaterialgesetz – KMG)“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierfür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. (xx/E) RN/54.5 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten David Stögmüller , Kolleginnen und Kollegen betreffend „keine Abstriche bei Menschenrechten und Völkerrecht im Rüstungsexport“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt.

Schnelle Rechtssicherheit in Genehmigungsverfahren für Exporte von Rüstungsgütern

323 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 569/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN
FPÖ
ÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Gemeinsam debattiert mit TOP 4

Zusammenfassung

Der Antrag zur Schaffung schneller Rechtssicherheit in den Genehmigungsverfahren für Exporte von Rüstungsgütern wurde abgelehnt. Der Entwurf sah vor, die bestehenden bürokratischen Hürden zu reduzieren und den Prozess zeitlich zu strukturieren, um wirtschaftliche Nachteile für österreichische Unternehmen zu verringern.

Betroffen sind insbesondere österreichische Unternehmen, die Rüstungsgüter exportieren möchten, sowie die Ministerien, die in den Genehmigungsprozess involviert sind.

Das Ziel des abgelehnten Antrags war es, die Genehmigungsverfahren für den Export von Rüstungsgütern zu entbürokratisieren und eine schnellere, transparentere Entscheidungsfindung zu gewährleisten.

Dokumente

Schnelle Rechtssicherheit in Genehmigungsverfahren für Exporte von Rüstungsgütern

Wesentliche Änderungen

  • Der Genehmigungsprozess sollte innerhalb einer gesetzlich festgelegten Frist von 6 Wochen ablaufen, wobei das Fehlen eines Einspruchs der Behörde als automatische Genehmigung des Exports gewertet werden sollte.
  • Eine transparentere und nachvollziehbare Grundlage für die Entscheidungsfindung sollte geschaffen werden, um Unsicherheiten für Unternehmen zu verringern.

Hintergrund und Motivation

  • Der Export von Rüstungsgütern in Österreich ist gegenwärtig stark reglementiert, was zu längeren Wartezeiten und Unsicherheit führt.
  • Konkret hätten zwei Aufträge des Unternehmens Steyr Arms, einer für vollautomatische Gewehre an Tunesien über 9,5 Millionen Euro und einer für 1.000 Scharfschützengewehre an den Irak, aufgrund von bürokratischen Hürden nicht realisiert werden können.
  • Die Debatte um den Entwurf ergab zudem, dass eine intensive Überprüfung des bestehenden Kriegsmaterialgesetzes notwendig sei, um die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen zu stärken.

Reaktionen

  • Der Landesverteidigungsausschuss nahm den Entschließungsantrag zur Kenntnis, wurde jedoch von der Mehrheit der Ausschussmitglieder abgelehnt.
  • Eine separate Initiative zur Evaluierung des Genehmigungsverfahrens wurde von Abgeordneten mehrerer Parteien unterstützt und beschlossen.

5-Punkte-Plan zum Schutz der Neutralität

322 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 568/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der 5-Punkte-Plan zum Schutz der Neutralität, eingebracht von Volker Reifenberger und anderen, wurde im Nationalrat abgelehnt. Der Antrag forderte Maßnahmen zur Wiederherstellung der österreichischen Neutralität, die als durch die EU-Sanktionen und die Unterstützung der Ukraine gefährdet angesehen wird.

Die Ablehnung des Antrags betrifft die österreichische Neutralitätspolitik sowie die Bevölkerung, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen und den damit verbundenen politischen Entscheidungen betroffen ist.

Ziel des abgelehnten Antrags war es, die immerwährende Neutralität Österreichs zu schützen und spezifische Maßnahmen zur Wiederherstellung dieser Neutralität zu implementieren.

Dokumente

5-Punkte-Plan zum Schutz der Neutralität

Wesentliche Änderungen

  • Der Antrag beinhaltete fünf zentrale Punkte zur Wiederherstellung der Neutralität: 1. Vermitteln statt Sanktionieren, 2. Wirtschaft nicht politisieren, 3. No-Transport-Zone für Kriegsgerät, 4. Höheres Budget für die Landesverteidigung, 5. Beenden der EU-Anhängselpolitik und Nutzung der irischen Klausel.
  • Es wurde darauf hingewiesen, dass eine Mehrheit von 75 Prozent der Österreicher für den Neutralitätsstatus ist und dass die Unterstützung der Ukraine durch die Regierung als Verletzung dieser Neutralität betrachtet wird.
  • Die wirtschaftlichen Folgen der EU-Politik, darunter eine Inflationsrate von 11,2 Prozent im Januar 2023, wurden thematisiert und als Grund für die Notwendigkeit des Antrags angeführt.
  • Der Vorschlag beinhaltete auch konkrete Maßnahmen wie ein erhöhtes Verteidigungsbudget von 2 Prozent des BIP, die Notwendigkeit einer Verlängerung des Grundwehrdienstes und verpflichtende Truppenübungen für die Miliz.
  • Der Antrag forderte eine sofortige Einstellug von Militärtransporten über österreichisches Territorium in Kriegsgebiete, um der Neutralität gerecht zu werden.

5-Punkte-Plan zum Schutz der Neutralität

~38 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich habe gar nicht gewusst, dass Kollege Lindner so groß ist. ( Der Redner ändert die Höhe des Rednerinnen- und Rednerpultes. ) – Sehr geehrte Frau Bundesminister! Es ist ja im vorhergehenden Tagesordnungspunkt von den Kollegen Brandweiner, Herzog und Lindner schon die Wichtigkeit und Bedeutung der immerwährenden Neutralität für die Republik Österreich angesprochen worden. Jetzt sind wir beim dazu noch passenderen Tagesordnungspunkt, nämlich jenem des Antrages der Freiheitlichen Partei – der Kollegen Reifenberger, Fürst, Kolleginnen und Kollegen – hinsichtlich eines Fünfpunkteplans zum Schutz der Neutralität. Warum reden wir im Plenum darüber? – Weil dieser Antrag im Ausschuss – was ja nicht die Regel, sondern eher ungewöhnlich ist – von den Regierungsparteien zur Abstimmung gebracht wurde und von allen Regierungsparteien und auch von den Grünen abgelehnt wurde. Sie sind also nicht der Meinung, dass dieser Fünfpunkteplan, auf den ich in weiterer Folge eingehen werde, etwas Gescheites ist …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Absolut richtig!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… beziehungsweise einzuhalten ist.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Absolut!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die immerwährende Neutralität Österreichs, beschlossen am 26. Oktober 1955 in einem eigenen Bundesverfassungsgesetz – deswegen feiern wir auch unseren Nationalfeiertag an diesem Tag –, verpflichtet die Republik zur Aufrechterhaltung dieser Neutralität, verbietet den Beitritt zu Militärbündnissen, verbietet die Errichtung von Militärstützpunkten fremder Staaten auf österreichischem Gebiet. Die Neutralität ist meines Erachtens nicht mehr und nicht weniger als die Republik Österreich, ist nicht mehr und nicht weniger als das Selbstverständnis der Republik und seiner Menschen, ist nicht mehr und nicht weniger als die DNA unserer Republik (👏 FPÖ) – also das ist schon sehr erheblich. Die Neutralität ist allerdings keine Einbahnstraße. Man ist nicht neutral, wenn man sagt, dass man neutral ist, wenn man sich für neutral erklärt. Wir wissen, völkerrechtlich ist die Neutralität auf dem Grundsatz der Wechselseitigkeit, der Reziprozität aufbauend, das heißt, sie muss auch von anderen Ländern als solche de facto anerkannt und gesehen werden. Wir als Republik Österreich müssen auch von anderen Ländern als neutral anerkannt und gesehen werden. Das ist durch das Verhalten der Bundesregierung, insbesondere auch unserer Frau Außenministerin, in den letzten Jahren und Monaten ja leider nicht mehr so, das heißt, de facto werden wir von manchen Ländern eben nicht mehr als neutral gesehen – und das zählt im Ergebnis, weil bei der Neutralität eben nicht nur Willensbekundungen und Resolutionen und das hundertmalige Betonen, dass das so wichtig sei, eine Rolle spielen, sondern das Verhalten. Auf dieses Verhalten zielt auch unser Antrag hinsichtlich der fünf Punkte ab. Fangen wir mit dem ersten Punkt an: Wir sollten uns, die Republik sollte sich als Vermittler in dieser Welt positionieren, da haben wir doch eine jahrzehntelange Tradition – ich schaue jetzt Herrn Professor Taschner an –: Chruschtschow, Kennedy. Wo sind wir heute? – Heute ist Wien als Verhandlungsort – und wir haben ja Krisen ohne Ende – offenbar keine Option mehr, und das ist in Wahrheit eine Schande. (👏 FPÖ)- Man verhandelt in Genf in der Schweiz – die Schweiz ist neutral –; man überlegt jetzt sogar, in Budapest zu verhandeln, und Budapest, also Ungarn, ist Nato-Mitglied. Man überlegt sogar, in Budapest und nicht in Wien zu verhandeln! Also da ist das Verhalten deutlich zu ändern: wieder zurück zum Vermittler. Zweiter Punkt: Als neutrales Land sollte man die Wirtschaft nicht politisieren. Das ist erstens einmal ökonomisch ein Blödsinn, das sehen wir ja gerade bei diesem Sanktionsregime der Europäischen Union aus Anlass des Krieges zwischen Russland und der Ukraine gegenüber Russland – also einer Kriegspartei. Ich glaube, es ist schon das 19. Sanktionspaket. Das hat natürlich zwei Komponenten: die ökonomische; da wird immer klarer – das ist ja das, was wir Freiheitliche von Anfang an gesagt haben –, dass diese Sanktionen im Ergebnis uns selbst schädigen, wirtschaftspolitisch ein Schuss ins Knie sind. Die Daten werden immer klarer, dass das eintritt. Was nicht eintritt, ist eine Verhaltensänderung der Europäischen Union und auch der österreichischen Bundesregierung, die jedes dieser 19 Sanktionspakete – und da gäbe es sehr wohl Vetorechte – vollinhaltlich mitgetragen hat. Dieses Verhalten ist nicht nur ökonomisch schädlich, sondern natürlich auch vom Gesichtspunkt unserer verfassungsmäßig sicherzustellenden Neutralität her, weil dieses Verhalten nicht neutral ist. Der dritte Punkt: Auch in diesem Konflikt oder in diesem Krieg: permanente Truppen- und Rüstungstransporte quer durch unser Land, mit der Bahn, über die Luft und so weiter und so fort. – Auch dieses Verhalten ist nicht besonders neutral. Vierter Punkt: Wir haben ja im Rahmen der Europäischen Union die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Ja, aber es gibt selbstverständlich auch die sogenannte irische Klausel. Was ist die irische – Irland, auch ein neutrales Land – Klausel? – Die irische Klausel ermächtigt jeden Staat, insbesondere aber neutrale Staaten, Ausnahme- und Vorbehaltsregelungen im Hinblick auf die Neutralität zu artikulieren. Das muss man aber auch mit aller Deutlichkeit kommunizieren – und da geht es vor allem um einen allfälligen Bündnisfall –, dass wir entschlossen sind, diese Ausnahmeregelung zur Erhaltung unserer Neutralität in Anspruch zu nehmen.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Also nichts zu tun!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Auch das könnte man deutlicher kommunizieren. (👏 FPÖ) Fünfter und letzter Punkt – der wurde auch schon beim vorhergehenden Tagesordnungspunkt angesprochen –: Selbstverständlich impliziert die Neutralität auch eine Verpflichtung zur Herstellung der eigenen Verteidigungsbereitschaft, und zwar der militärischen Landesverteidigung – ist gleich österreichisches Bundesheer. Ich gehe jetzt nicht darauf ein, was da in den letzten 20, 30 Jahren hinsichtlich der Finanzierung des österreichischen Bundesheeres beschlossen wurde. Also das war - - …

NEOS Hoyos-Trauttmansdorff (Zwischenruf)

Ich freue mich so auf meine Rede! Ganz, ganz ...! – Heiterkeit bei den NEOS.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Bitte? …

NEOS Hoyos-Trauttmansdorff (Zwischenruf)

Ich freue mich schon so auf meine Rede!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ah, Kollege Hoyos freut sich schon auf seine Rede.

NEOS Hoyos-Trauttmansdorff (Zwischenruf)

Das ist so ein Unsinn, was ..., das ist unfassbar!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Dass das österreichische Bundesheer in den letzten 30 Jahren unterfinanziert worden ist …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Da habt ihr ja auch Mitschuld, ja!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… da waren wir uns – zumindest also du noch in der Opposition warst – aber einig. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, ob wir uns hinsichtlich dieses Punktes noch einig sind – aber egal.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Wollt ihr weniger Geld haben für das Bundesheer, oder was jetzt?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ich glaube nicht - - …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Ha! Ha, sag es aus!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Dass wir weniger Geld haben wollen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Für das Bundesheer, ja!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… für das Bundesheer? – Na, das wäre mir jetzt neu, dass wir das fordern. Das wäre etwas ganz Neues. Nein, ganz im Gegenteil – das kann man in allen Protokollen der letzten 20 Jahre auch nachlesen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Okay!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… es geht natürlich um mehr Geld für das österreichische Bundesheer. Unser Fünfpunkteplan sieht vor, dass wir uns da zumindest an den Nato-Standard annähern, also 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Okay!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Und Kollege Kaniak hat es ja beim vorhergehenden Tagesordnungspunkt auch schon angesprochen: Auch die eigene Rüstungsindustrie zur Ausstattung unseres Bundesheeres ist ja de facto mehr oder weniger nicht mehr existent. Es waren, glaube ich, 260 Millionen, wir haben sogar exportiert; mittlerweile sind wir bei drei Millionen – also da ist erheblich nachzubessern. Das waren die fünf Punkte, die zum Schutz der Neutralität im Verhalten anzuwenden sind, das war unser Antrag. Im Ausschuss ist er von allen anderen Parteien abgelehnt worden. Wir wissen, dass es nach der Geschäftsordnung durchaus noch die Möglichkeit gibt, hier im Plenum trotzdem zuzustimmen. Meine Hoffnung, dass das passiert, ist allerdings relativ überschaubar. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Friedrich Ofenauer . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Meine sehr verehrten Zuseherinnen und Zuseher! Ja, die Neutralität Österreichs ist fest in der Identität der Österreicherinnen und Österreicher verankert. Das ist auch vollkommen klar, war sie doch wichtig für die Wiedererlangung der Freiheit Österreichs. Blicken wir etwas zurück in die Geschichte: Im zu Ende gehenden Jahr 2025 feiern wir ja nicht nur 80 Jahre Kriegsende und 70 Jahre Staatsvertrag, sondern auch 70 Jahre Beschluss des Neutralitätsgesetzes. Die Neutralität steht eben nicht im Staatsvertrag, sondern in einem eigenen Neutralitätsgesetz, das aus freien Stücken beschlossen wurde. Man darf auch den Begriff immerwährend im Zusammenhang mit der Neutralität nicht als ewig verstehen, sondern eben als: nicht nur aus Anlass eines Krieges, für den man sich neutral erklärt, sondern auch außerhalb eines solchen Anwendungsfalles der Neutralität. Wichtig ist, dabei auch zu erwähnen – wir feiern nämlich übermorgen noch ein 70-jähriges Jubiläum –, dass Österreich am 14. Dezember 1955 den Vereinten Nationen, also der UNO, beigetreten ist. Obwohl dieser Beitritt zuvor fünf Jahre lang von den USA und von der damaligen UdSSR verhindert wurde, sind wir tatsächlich am 14. Dezember 1955 der UNO beigetreten. Die Schweiz hat das erst viel später als Österreich getan. Wir feiern heuer auch 50 Jahre umfassende Landesverteidigung. Das ist vielleicht auch deshalb nicht uninteressant, weil im Blick zurück die Vergangenheit immer wieder verklärt wird, früher sei alles besser gewesen, tatsächlich aber waren die Siebzigerjahre eine eher unruhige Zeit. Jom-Kippur-Krieg, Ölkrise, ständig ein mit Atomwaffen bestücktes Flugzeug in der Luft, das einen entsprechenden Atomschlag hätte ausführen können – eigentlich nachvollziehbar, dass gerade in einer solchen Zeit die umfassende Landesverteidigung, die militärische, wirtschaftliche, zivile und vor allem die geistige Landesverteidigung, in die Bundesverfassung aufgenommen wurde. Wir feiern auch 30 Jahre Beitritt zur Europäischen Union und mit dem Beitritt zur Europäischen Union auch die entsprechende Anpassung unserer Bundesverfassung an die neuen Möglichkeiten, an die Verpflichtungen, nämlich auch diejenige, die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik auch die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu unterstützen und daran mitzuwirken. Seit damals haben sich die Zeiten verändert, vor allem seit dem Jahr 1989, dem Fall der Berliner Mauer und dem Auflösen zumindest eines der beiden damaligen Blöcke. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Welt seit 1989 beziehungsweise seit 1995 verändert hat und nicht mehr die gleiche wie im Jahr 1955 zu Zeiten des Staatsvertrages, des Beschlusses des Neutralitätsgesetzes oder des Beitritts zu den Vereinten Nationen ist. Wenn man allerdings immer genau zuhört und sich anschaut, was die FPÖ mit dem „5-Punkte-Plan zum Schutz der Neutralität“ meint, kann man sagen: Im Großen und Ganzen versteht die FPÖ in ihrer Auslegung unter Neutralität Isolation, Ablehnung der Europäischen Union und Ablehnung internationaler Zusammenarbeit. Ausgenommen – und das ist immer wieder interessant – von dieser Ablehnung der internationalen Zusammenarbeit ist die Partei von Putin …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Meine Güte!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… weil es diesen Freundschaftsvertrag …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Den gibt es nicht!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… nach wie vor gibt, der wurde bisher noch nicht aufgelöst. Eine zumindest fragwürdige Rolle spielen patriotische Parteien, die vielleicht die Europäische Union aushebeln oder einzelne Länder aus der Europäischen Union herauslösen wollen. Damit wird natürlich auch das konsequente Eintreten der FPÖ gegen die Sanktionen, die gegen den Aggressor Russland verhängt werden, klarer. Die FPÖ negiert auch konsequent die Tatsache, dass Österreichs Neutralität eine militärische, aber keine politische Neutralität ist, das heißt, keinen Militärbündnissen beizutreten und keine fremden Truppen auf österreichischem Staatsgebiet zu haben. Natürlich sind wir politisch nicht neutral, das waren wir noch nie, das waren wir auch 1955 nicht.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Seit wann unterscheidet das Völkerrecht zwischen politisch und militärisch?! Das sage ich Ihnen als Jurist!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Natürlich müssen wir völkerrechtswidrige Angriffskriege verurteilen. Völkerrechtswidrige Angriffskriege müssen verurteilt werden, und Staaten, die davon betroffen sind, müssen im Rahmen unserer rechtlichen Möglichkeiten unterstützt werden, meine Damen und Herren. Die FPÖ ignoriert auch konsequent den Beitritt zur Europäischen Union und die Tatsache, dass mit Artikel 23j des B-VG die Möglichkeit und auch die Verpflichtung zur aktiven Teilnahme an der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und damit auch an der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik besteht; natürlich auch unter Berücksichtigung der irischen Klausel, die es uns ermöglicht, unsere Beiträge und unsere Möglichkeiten der Unterstützung im Einzelfall entsprechend an unsere Neutralität anzupassen, aber umfasst davon sind natürlich auch die Sanktionen gegen den Aggressor Russland. Das gilt zum Beispiel auch für die Schweiz, die auch neutral ist, die aber in der Interpretation ihrer Neutralität durchaus interessante Ansätze hat, wie wir vor einiger Zeit bei einem Vortrag hier im Hohen Haus hören konnten. Aus diesem Grund haben die Regierungsparteien einen Entschließungsantrag eingebracht, der die Bundesregierung auffordert, „die im Ministerratsvortrag ‚Ausrichtung Österreichs in gemeinsamen außen- sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen‘ vom 9. April 2025 dargestellten Prioritäten für Österreichs Sicherheitspolitik im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten schnellstmöglich umzusetzen und in die Überarbeitung der Österreichischen Sicherheitsstrategie zu integrieren“. Dieser Ministerratsvortrag stellt klar, dass sich Österreich zur Neutralität im Einklang mit seiner Verfassung bekennt und sich für multilaterale Engagements im Rahmen der UNO und der OSZE einsetzt. Gerade unsere internationalen Beiträge, sei es jetzt bei Eufor Althea oder bei KFOR oder auch bei Unifil und bei verschiedenen anderen internationalen Missionen, werden im Ausland hoch geschätzt, und vor allem die Arbeit unserer Soldatinnen und Soldaten – bitte, Frau Bundesministerin, das bei deinen Besuchen auch entsprechend auszurichten – wird höchst geschätzt und die Kompetenz der Soldaten als notwendig für diese Einsätze erachtet. Diese internationale Zusammenarbeit, meine Damen und Herren, wird auch weiterhin wichtig sein, um Frieden zu gewährleisten – eben durch die Stärke der Diplomatie –, und darum ist auch unsere Bewerbung für den UNO-Sicherheitsrat so wichtig. Es geht um die Stärke des Rechts – da muss man völkerrechtswidrige Vorgänge auch erkennen, bezeichnen und verurteilen, wenn sie solche sind –, aber auch um militärische Zusammenarbeit. Deshalb sind vor allem auch die Umsetzung des Aufbauplans österreichisches Bundesheer 2032 plus und die damit verbundene Mission vorwärts unserer Bundesministerin Klaudia Tanner notwendig, um Österreich wieder verteidigungsfähig zu machen. Und nicht nur das! Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist es natürlich auch wichtig, dass diese Investitionen in Gerätschaften eine entsprechende Rückkoppelung in der österreichischen Wirtschaft auslösen. Wir haben gehört: 60 Prozent bei Beschaffungen wie zum Beispiel der Pandur-Panzer und sogar bis zu 99 Prozent bei Anschaffungen, was die Infrastruktur betrifft, die auch notwendig, höchst notwendig sind. Der zweite Tagesordnungspunkt in dieser Debatte betrifft einen weiteren Entschließungsantrag. Darin fordert Kollege Stögmüller - - ( Abg Stögmüller [Grüne] spricht mit Abg. Gewessler [Grüne]. ) Kollege Stögmüller fordert, die überarbeitete Sicherheitsstrategie – Kollege Stögmüller! – bis 2025 vorzulegen.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Na ja, das habt ihr seit einem Jahr gesagt!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Jetzt passt er auf. Ich muss dazu sagen: Kollege, du forderst jetzt, diese Sicherheitsstrategie bis 2025 vorzulegen, bis Ende 2025, was schon in zwei Wochen ist. Das ist doch etwas billig, weil die schon Mitte 2022 fertig war, aber aufgrund des hinhaltenden Widerstandes der Grünen erst Ende 2024 beschlossen werden konnte. Also zuerst hinauszuzögern und jetzt eine Beschleunigung zu fordern, das ist etwas widersprüchlich. Außerdem muss man dazusagen, dass mittlerweile auch ein Bürgerbeteiligungsprozess durchgeführt wurde und Experten und auch die Ressorts angehört wurden und das natürlich auch entsprechend eingearbeitet werden muss. Das Positive an diesem Bürgerbeteiligungsprozess – weil ich vorhin die umfassende Landesverteidigung angesprochen habe – ist meines Erachtens doch, dass im Rahmen dieser Prozesse diese Themen der Bedrohungslagen und damit auch die geistige Landesverteidigung bewusst werden; dass bewusst wird, welche Bedrohungen und welche Bedrohungslagen es gibt – da gibt es verschiedenste moderne, beim nächsten Tagesordnungspunkt werden wir auf einige weitere eingehen können –, dass man diese Bedrohungslagen auch in der Bevölkerung verankert, ohne Angst zu machen oder Panik zu verbreiten, dass man bewusst macht, welche Bedrohungen es gibt und wie man auf sie reagieren kann. Meine Damen und Herren, auf jeden Fall wird diese Einarbeitung noch etwas dauern, aber gerade angesichts der Entwicklungen, die ich eingangs angeführt habe – ich erinnere noch einmal an diesen Freundschaftsvertrag mit Putin und gewisse völkerrechtswidrige Angriffe und so weiter –, ist unserem Bundeskanzler Christian Stocker natürlich beizupflichten, der nämlich gesagt hat, dass ein funktionsfähiges transatlantisches Verhältnis sowohl für die USA als auch für uns Österreicherinnen und Österreicher von größtem Interesse ist. Vor allem eines ist auch ganz wichtig: Wir müssen in Europa unsere Sicherheit mehr denn je selbst in die Hand nehmen und in unsere Wehrhaftigkeit investieren, unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und Abhängigkeiten reduzieren, und das, meine Damen und Herren, gilt es, auch auf parlamentarischer Ebene zu unterstützen! – Ich bedanke mich. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter David Stögmüller . – Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE David Stögmüller

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Frau Ministerin, wir diskutieren heute six-seven die Überarbeitung der Österreichischen Sicherheitsstrategie – das ist aktuell ein Jugendwort, six-seven, und vielleicht nehmen wir so auch viele Jugendliche mit, sie sind ja gerade auch Thema in der Sicherheitsstrategie –, also jenes Dokuments, das festlegt, wie sicher, wie resilient Österreich sein wird, wie handlungsfähig dieses Land in den kommenden Jahren sein will. Ich möchte zu Beginn klar sagen: Die sicherheitspolitische Lage in Österreich hat sich grundlegend geändert. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist kein einmaliger Bruch, sondern Ausdruck einer langfristigen Strategie: Destabilisierung, Einschüchterung, Testen von Grenzen – militärisch, wirtschaftlich und politisch. Gerade deshalb ist es richtig, sowohl im Bereich Außen- als auch im Bereich Verteidigungspolitik zu betonen: Sicherheit ist heute vernetzter zu denken als zuvor. Sie besteht aus militärischer Verteidigungsfähigkeit, aus Diplomatie, aus Entwicklungszusammenarbeit, aus Energiesicherheit und aus Klimapolitik. All diese Bereiche greifen ineinander. Frau Ministerin, ich unterstütze ausdrücklich den Ansatz, die Sicherheitsstrategie breiter aufzustellen, Bürger:innen einzubeziehen – ja, das, was die Frau Außenministerin gemacht hat, ist ein richtiger Weg –, aber auch den parlamentarischen Prozess anzukündigen und umzusetzen. Sicherheitspolitik braucht demokratische Legitimation, und Vertrauen entsteht nur durch Transparenz. Wir haben das ja beim vorigen Tagesordnungspunkt schon gehabt. Bringen Sie die Dinge an die Öffentlichkeit, dann können wir ganz viel Gemauschel und viele Probleme verhindern. Genau da liegt aber auch der kritische Punkt. Eine Sicherheitsstrategie darf kein Sammelbecken wohlklingender Absichtserklärungen sein. Sie muss Prioritäten setzen, Risiken klar benennen und auch politische Verantwortung sichtbar machen, denn Sicherheit entsteht nicht durch Unschärfe, sondern durch Klarheit, und Klarheit braucht eben auch Mut. Gerade beim Thema Energie zeigt sich das besonders deutlich. Wir haben in den letzten Jahren schmerzhaft gelernt, dass fossile Abhängigkeiten sicherheitspolitische Risiken sind: Energie wurde als politisches Druckmittel eingesetzt, Preise sind explodiert, soziale Unsicherheiten haben zugenommen. Das stärkt wiederum Parteien, die besonders pro all diese Probleme sind. Vor diesem Hintergrund braucht es eine moderne Sicherheitsstrategie, ein eindeutiges Bekenntnis zur Energieunabhängigkeit. Kollege Ofenauer, wenn du kritisierst, dass wir so lange gebraucht haben, dann musst du dich selber fragen, warum ihr so lange blockiert habt, dass wir vom russischen Gas unabhängig werden. Frag dich das einmal! (👏) Warum habt ihr jahrelang blockiert, als Leonore Gewessler dafür gekämpft hat, dass wir aus dem russischen Gas rauskommen, energieunabhängig werden? Ihr habt blockiert. Das ist ja das Problem, und das ist doch die Wahrheit. Da musst du in deiner eigenen Partei fragen, warum das jetzt wieder die Frage ist. Im Zusammenhang mit der Sicherheitsstrategie ist das jetzt wieder die Diskussion. Ich bin gespannt auf den Entwurf. In den Zeitungen liest man ja, dass das wieder rauskommt. Das Gleiche gilt für den Klimawandel: Er ist kein abstrakter Zukunftstrend, sondern ein realer Krisentreiber: für Migration, für Ressourcenknappheit, für soziale Spannungen und letztlich auch für militärische Einsätze. Das Verteidigungsressort hat das sehr wohl schon erkannt: Er wurde als ein zentrales Sicherheitsrisiko identifiziert, und da gibt es gute Papiere aus Ihrem Ressort, Frau Ministerin, die man ernst nehmen muss. Die Sicherheitsstrategie muss die Realität ernst nehmen, nicht relativieren, sondern politisch in Vorsorge, Resilienz und Krisenprävention übersetzen. Da braucht es mutige Prioritätensetzung. Gerade jetzt braucht es ein klares österreichisches Profil innerhalb der Europäischen Union: Wie leisten wir Solidarität? Wo bringen wir unsere Stärken ein, und welche Unterstützungen erwarten wir selbst im Ernstfall? Dazu gehört auch die Frage der europäischen Verteidigungskooperationen, Frau Ministerin. Sie wissen es, ein klares Bekenntnis: Wir unterstützen Sie bei Sky Shield, das ist ein wichtiges Signal für eine gemeinsame Luftraumverteidigung, für europäische Zusammenarbeit, für glaubwürdige Sicherheitspolitik in dieser angespannten Lage. Da erwarten wir auch schon Antworten, wie wir es finanziell absichern werden. Frau Ministerin, wir werden Sie da unterstützen. Diese Fragen gehören aber ins Parlament, sie gehören öffentlich diskutiert, und sie gehören zeitnah beantwortet. Deshalb, Frau Ministerin, ist es entscheidend, dass die neue Sicherheitsstrategie nicht weiter vertagt wird, sondern noch in diesem Jahr vorgelegt wird, so schnell wie möglich – von mir aus auch Anfang Jänner, auch okay, überhaupt keine Frage, aber das gehört schnellstmöglich beantwortet, sie gehört schnell hier im Haus diskutiert. Wir fragen Sie: Wie schaut der Zeitplan aus? Wann wird das Parlament auch verbindlich eingebunden, damit Sicherheit keine Verwaltungssache ist? Sicherheit ist Vorsorge, Sicherheit ist Verantwortung, und Sicherheit braucht auch entsprechenden Mut, um Realitäten beim Namen zu nennen. Dafür werden wir uns einsetzen, und dafür brauchen wir auch die Diskussion über die Sicherheitsstrategie. – Vielen herzlichen Dank. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Petra Oberrauner . Freiwillige Redezeitbeschränkung: 4 Minuten. – Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Oberrauner

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Die SPÖ wird dem Antrag der FPÖ „5-Punkte-Plan zum Schutz der Neutralität“ nicht zustimmen. Der Titel klingt zwar gut, in Wahrheit verengt er aber Neutralität auf Isolation und Abschottung. Dieser Antrag gefährdet die Sicherheit, die er angeblich schützen soll. Das ist weder verantwortungsvoll noch realistisch. (👏 ÖVP, SPÖ) Die Sicherheit und der Wohlstand Österreichs beruhen auf drei Säulen: der aktiven und wehrhaften Neutralität, einer Weltordnung, in der das Völkerrecht und nicht das Recht des Stärkeren gilt, und der Europäischen Union als Friedensprojekt, das Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Zusammenarbeit stärkt. Mit der Europäischen Union und in der Gemeinschaft der gleichberechtigten Partner stärken wir unsere Demokratie, unsere Sicherheit, unsere Souveränität und unseren wirtschaftlichen Wohlstand. Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten war Neutralität immer militärische Neutralität. Das heißt zum Beispiel, ein Beitritt zu Militärbündnissen wie der Nato ist nicht vorgesehen. Neutralität war aber für uns nie eine Gesinnungsneutralität. Sie bedeutet nicht, passiv zu bleiben; sie bedeutet auch nicht, wegzuschauen. Neutralität heißt: Wir setzen uns aktiv für eine Welt ein, in der Völkerrecht gilt, für eine Welt, die aus Frieden, Zusammenarbeit und Solidarität besteht (👏 ÖVP, SPÖ), deswegen lehnen wir alle Ansätze ab, die Österreich isolieren, wirtschaftlich schwächen oder die Zusammenarbeit mit unseren Partnern einschränken. (👏 ÖVP, SPÖ) Wir unterstützen deshalb den §-27-Antrag der Regierungsparteien – ich zitiere –: Die Bundesregierung wird ersucht, die außen-, sicherheits- und verteidigungspolitischen Prioritäten gemäß Ministerratsvortrag vom 9. April 2025 rasch umzusetzen und in die neue Sicherheitsstrategie aufzunehmen. Dieser Antrag stärkt die sicherheitspolitische Basis unseres Landes; wir verbinden so Neutralität und Zusammenarbeit. Das stärkt unsere Fähigkeit zur Konfliktprävention und hilft uns, verantwortungsbewusst mit den weltpolitischen Veränderungen umzugehen, die kein Staat allein bewältigen kann. Wir setzen auf unsere aktive und wehrhafte Neutralität, um gemeinsam mit unseren europäischen und internationalen Partnern den Frieden, die Demokratie und den Wohlstand zu schützen – unter der Devise: so viel Raushalten wie möglich und so viel Einmischen wie nötig. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Michael Gmeindl . – Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Michael Gmeindl

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Vor allem aber werte Damen und Herren Österreicher! Die österreichische Neutralität ist eines der wertvollsten Güter unseres Staates. Sie schützt unser Land seit 1955. Sie brachte Sicherheit, Wohlstand und internationale Glaubwürdigkeit, doch genau diese Neutralität wird seit Jahren Schritt für Schritt untergraben – politisch, wirtschaftlich und auch militärisch. (👏 FPÖ) Der abgelehnte Fünfpunkteplan zeigt klar auf, wie wir diesen Irrweg beenden und die Neutralität zuverlässig stärken können. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Erstens, vermitteln statt sanktionieren: Österreich hatte über Jahrzehnte eine starke Rolle als Vermittler. Diese glaubwürdige Position haben wir verloren, weil die Bundesregierung blind jede EU-Sanktionsrunde mitgetragen hat – Sanktionen, die laut Antrag Inflation und Kostenlawine in Österreich massiv befeuert haben. Wir müssen wieder Brücken bauen, statt Fronten zu verhärten. (👏 FPÖ) Zweitens, Wirtschaft nicht politisieren: Unternehmen und Arbeitnehmer dürfen nicht länger als außenpolitisches Druckmittel missbraucht werden. Die Sanktionspolitik schadet unserer eigenen Wirtschaft enorm, während andere Staaten diese Maßnahmen mühelos umgehen. Das ist ein Schuss ins eigene Knie. Drittens, eine Keine-Transporte-Zone für Kriegsmaterial: Österreich darf nicht länger Durchzugsland für Truppentransporte und Kriegsgerät sein. Laut Antrag passieren Tausende Transporte unser Land oder unseren Luftraum und landen danach im Kriegsgebiet. Das widerspricht jeder glaubwürdigen Neutralität.

NEOS Hofer (Zwischenruf)

Nein!

FPÖ Michael Gmeindl

… Viertens, höheres Budget für unser Bundesheer: Neutralität ohne Landesverteidigung ist keine Neutralität, daher braucht es 2 Prozent des BIPs für die Verteidigung, mehr Personal, einen stärkeren Grundwehrdienst und die Wiederbelebung unseres Milizsystems. – Alles Maßnahmen, die im Antrag klar gefordert werden. Fünftens, EU-Anhängselpolitik beenden: Österreich muss die irische Klausel und sein Vetorecht nutzen.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

... nicht Mitglied der EU!

FPÖ Michael Gmeindl

… Wir hätten viele EU-Maßnahmen stoppen können, die unsere Neutralität untergraben. Andere Länder tun das, Österreich muss es endlich auch tun. (👏 FPÖ) Meine Damen und Herren, Neutralität ist nicht verhandelbar. Sie ist ein Versprechen an die Österreicherinnen und Österreicher, dass unser Land sicher, unabhängig und frei bleibt. Der Fünfpunkteplan zeigt, wie wir diese Sicherheit wieder stärken können: weniger EU-Gefolgschaft, mehr Selbstbestimmung, weniger Sanktionspolitik, mehr Vernunft, mehr Schutz für unser Bundesheer und unsere Heimat. (👏 FPÖ) Die FPÖ steht klar für diese Linie. Kollege Ofenauer, zu Ihrer Aussage, dass wir nur militärisch neutral sind, aber nicht politisch, darf ich Carl von Clausewitz zitieren: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ – Danke schön.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Das war im 19. Jahrhundert!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff .

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Werte Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie! Ja, wir sehen jetzt hier ein bisschen etwas von der Opposition mit zwei Anträgen, bei denen man ein Stück weit sieht, wie orientierungslos die sind. Das Erste ist der Antrag der Grünen. Kollege Ofenauer ist schon darauf eingegangen, wie lange die grüne Fraktion damals gebraucht hat, um eine ÖSS weiterzuentwickeln. Den Grünen kann es jetzt auch nicht schnell genug gehen, die wieder abzuschaffen und zu erneuern. Das ist ja auch besonders lustig. Dann erachte ich es als durchaus notwendig, zu sagen: Wenn wir gestern die Ergebnisse aus den Bürgerforen präsentieren, nämlich etwas Neues machen, Bürger einbeziehen, mitnehmen auf dieser Reise, und dann heute hier ein Antrag gestellt wird, dass bis Ende des Monats die ganze ÖSS fertig sein soll, ist das halt ein Stück weit unseriös.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Der Antrag ist schon drei Monate alt!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Aber kommen wir zur Partei, bei der unseriös eigentlich im Namen drinnen stehen sollte, nämlich zur FPÖ. Ich habe mir diesen Antrag schon im Ausschuss sehr genau angeschaut. – Kollegen, Sie waren ja dabei. Aber ich habe ihn jetzt danach noch einmal angeschaut: Es ist schon immer wieder aufs Neue frappierend, was Sie von sich geben und wie inkonsistent Sie sind. Herr Kollege Gmeindl hat hier gerade gesagt: Die FPÖ hat eine ganz klare Linie zur Neutralität. Ich werde Ihnen in den nächsten paar Minuten aufzeigen, wie unklar diese Linie eigentlich ist, und nicht über Jahrzehnte, sondern auch über wenige Jahre. Ich finde es besonders bemerkenswert, dass Herr Klubobmann Kickl bei Ihrem Leibthema – das ist nämlich das wichtigste Thema für die FPÖ, hat man manchmal das Gefühl – hier nicht anwesend ist und gleich die Flucht ergreift. Aber auch das wird seine Gründe haben, auch dazu kommen wir. In diesem Antrag haben Sie fünf Punkte. Sie wurden zahlreich vorgetragen, gehen wir sie vielleicht einmal durch. Also das Erste: vermitteln statt Sanktionen. Sie sagen in diesem Absatz zwei Dinge: Österreich soll verhandeln, Verhandlungsort sein und so weiter, sonst still sein. Was sagen Sie damit? – Damit sagen Sie: Österreich soll still sein, wenn Kinder entführt und umgebracht werden, wenn Massaker an Orten stattfinden. – Dann soll Österreich still sein? Dann soll Österreich still sein und sagen: Na ja, verhandeln wir irgendwann einmal! …

FPÖ Fürst (Zwischenruf)

Das ist so lächerlich!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Das ist lächerlich, Frau Kollegin. Da haben Sie vollkommen recht: Das ist lächerlich. (👏 ÖVP, NEOS) Aber dann ist ja die zweite Sache: Sie sind gegen Sanktionen – leider ist Generalsekretär Schnedlitz, glaube ich, gerade nicht da. Sie sagen immer: Sanktionen helfen nichts und wir sind gegen Sanktionen und so weiter. Ich habe Ihnen etwas aus dem Jahr 2020 mitgebracht, das ist jetzt nicht so lange her, und zwar eine OTS des Herrn Generalsekretär Schnedlitz, der ist ja eine wichtige Persönlichkeit, glaube ich, bei Ihnen , nach dem Klubobmann wahrscheinlich eine der wesentlichsten Personen. Schnedlitz, FPÖ, eine OTS von Ihrem Parlamentsklub: „Kriegsdrohungen Erdogans müssen harte, umfassende Sanktionen zur Folge haben“. (👏 ÖVP, NEOS) Also wofür sind Sie jetzt? Sind Sie für Sanktionen oder gegen Sanktionen? Es gibt eigentlich eine ganz einfache Ableitung davon: Sie sind dann für Sanktionen, wenn es Türken sind, wenn es Ihre Feindbilder sind. Sie sind dann gegen Sanktionen, wenn es Ihre Freunde sind, mit denen Sie Freundschaftsverträge haben.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und Sie nicht, oder wie? Meister des Doppelstandards!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Ich bin in beiden Fällen für Sanktionen. Das ist aber eine andere Frage. Kommen wir zum zweiten Punkt: „Wirtschaft nicht politisieren“. Bei dem Punkt habe ich relativ lange gebraucht, um zu verstehen, was Sie wollen, denn der ist eigentlich genauso wie der erste Punkt, es geht eigentlich auch noch um die Sanktionen. Dann habe ich ein bisschen recherchiert – und das sagt auch sehr viel über die Arbeit der FPÖ aus –: Woher kommt denn dieser Antrag? Es gibt einen Antrag von Klubobmann Kickl, zu dem komme ich dann nachher noch einmal, von vor drei oder vier Jahren, aus dem Jahr 2022 ist der, der eigentlich wortident ist.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Wenn wir Forderungen von vor drei Jahren aufgreifen sind wir inkonsistent?!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Dort ist das auch ein bisschen logischer, aber damals war halt die Situation anders. Jetzt haben Sie halt Copy and Paste gemacht, wie Sie es so oft machen, und deswegen macht das heute weniger Sinn. Aber im Prinzip sagen Sie in diesem zweiten Punkt, dass es so ist, dass die Sanktionen nicht treffen. Das ist falsch. Das ist wissenschaftlich falsch. Es gab in Russland im Sommer Gasprobleme beziehungsweise Benzinprobleme, weil es nicht dort ist. In Russland steigt die Staatsverschuldung massiv und die Inflation ist besonders hoch.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Bei uns nicht?!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Wissen Sie, da muss man nur wieder auf die Suche gehen, warum Sie jetzt sagen: Na ja, das wirkt nicht und so weiter! – Na ja, das Problem ist: Dort, wo es wirklich wirkt, das sind wieder Ihre Freunde. Zum Beispiel ein Herr Konstantin Malofejew sagt selber in einem Interview – vielleicht kennen Sie ihn, ich habe ihn nicht gekannt – 2016, er hat so großartige Beziehungen zu Putin und er hat so großartige Beziehungen zur FPÖ. – Aber das sind genau die Personen, die heute leiden. Und er hat jetzt gerade erst in einem Interview gesagt: Die EU ist so böse, diese Sanktionen sind furchtbar!, weil er halt auf einer der Sanktionslisten steht, wie so viele Ihrer Freunde. Genau dort wirken sie und genau dort sollen sie auch wirken.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist so lächerlich!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Kommen wir zum nächsten Punkt: keine Transportzone, keine Kriegsgeräte durch Österreich. – Auch das ist ein besonders schöner Punkt. Jetzt muss man auch da ein bisschen in die Historie gehen. Wissen Sie, auf welchem Gesetz diese ganzen Transporte fußen, die durch Österreich stattfinden? Es ist relativ einfach: Sie fußen auf dem Truppenaufenthaltsgesetz. Wissen Sie, wann das beschlossen wurde? – 2001. Wer war 2001 in der Regierung? – FPÖ und ÖVP.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Oh! – Rufe bei den NEOS: Oh!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Das Gesetz, über das Sie sich tagtäglich aufregen, haben Sie selber eingebracht und verhandelt und beschlossen. Also irgendwie geht sich das alles nicht mehr aus. (👏 SPÖ, NEOS) Kommen wir zu Punkt vier: höheres Budget für Landesverteidigung. Ich finde es auch schön, dass Sie das immer wieder fordern. Ich bin ja der Meinung, dass das vollkommen richtig ist. Es steht auch im Regierungsprogramm.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Jetzt kommt die Kunasek-Schallplatte!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Dann habe ich mich weiter damit beschäftigt und dann habe ich noch einmal diesen Antrag von vor ein paar Jahren gefunden: Klubobmann Kickl, wie gesagt, nahezu wortgleich. Wenn man sich den Punkt dort anschaut, 2022, steht dort plötzlich nur 1 Prozent des BIPs. Jetzt stelle ich mir die Frage: Warum war die FPÖ 2022 für 1 Prozent des BIPs, 2025 für 2 Prozent? …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Das ist ganz einfach: weil es 2020 erst bei ...!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Dann ist die zweite Frage, die ich mir stelle: Wer ist da wesentlicher? Der Klubobmann, der – aus welchen Gründen auch immer – bei so einer Debatte davonläuft, oder der Verteidigungssprecher? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Absurd!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Ich habe ja eine Theorie, wie das kommt. 2022 hat Herr Klubobmann Kickl noch gehofft oder geglaubt oder Angst gehabt, dass er in die Regierung kommt und Verantwortung übernehmen muss. Dann hat er ganz genau gewusst, dass er möglicherweise Schwierigkeiten haben könnte. Deswegen hat er lieber tief gestapelt, anstatt der Realität in die Augen zu schauen. Dann schauen wir uns die Budgetsituation sonst an! Die FPÖ in der Regierung: 2018, Verteidigungsminister Kunasek wird Ihnen alles etwas sagen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ja, ich habe schon gewartet auf die Kunasek-Schallplatte!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Budget Verteidigung: 2,25 Milliarden Euro; 2026 5,184 Milliarden Euro. Das ist nach Adam Riese mehr als doppelt so viel. Also zu kommen und zu sagen: Die Bundesregierung bringt nichts weiter, das Budget ist nicht gesichert! – Wir haben das höchste Verteidigungsbudget aller Zeiten, weil wir zusammengearbeitet haben. Auch Sie haben dankenswerterweise in diesem Punkt mitgearbeitet. Ich glaube, das ist ein Erfolg und das sollte man hier auch nicht schlechtreden. (👏 ÖVP, NEOS) Punkt fünf: Anhängselpolitik beenden, irische Klausel nutzen. – Ja, also erstens einmal müssen wir uns wieder anschauen, wie das historisch ist. 1995: Damals gab es einen klaren Ausschluss dieser Neutralitätsklausel, über die gesprochen wurde. Das haben wir auch schon im Ausschuss debattiert. Die irische Klausel hat eigentlich historisch eine ganz andere Notwendigkeit gehabt, und da ging es eigentlich um die Nato-Staaten, dass die auch weiterhin enger zusammenarbeiten können.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Aber in diesem ganzen Zusammenhang Neutralität habe ich mir dann selber ein Weihnachtsgeschenk gemacht und mir ein Buch geschenkt. Ich habe es leider nicht ausgehalten, mich so lange zurückzuhalten und es nicht zu lesen, habe es dann aber gemacht. Das ist jemand, den Ihr Klubobmann, leider heute nicht anwesend, als besonders wesentliche Person bezeichnet. RN/61.1 Er schreibt im Jahr 2024 auf Facebook über diese Person: „Ich konnte von ihm vieles lernen und unsere gemeinsame politische Zeit ist für mich bis heute sehr bedeutend. Wir werden genau das fortführen, was er leider nicht mehr zu Ende bringen konnte.“ – Jetzt raten Sie einmal, wer das war! Es war Dr. Jörg Haider.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Oh!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Er hat ein tolles Buch geschrieben:„Friede durch Sicherheit / Eine österreichische Philosophie für Europa‟. Das ist ( das genannte Buch in die Höhe haltend ) wirklich lesenswert. Ich empfehle es Ihnen – vielleicht finden auch Sie es unterm Christbaum –, weil man da einiges herausnehmen kann. Ich zitiere ein paar Passagen daraus …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ja, kennen wir!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… aber ich würde viel lieber eine Lesung machen. Ich würde mich auch zur Verfügung stellen, in Ihrem ( in Richtung FPÖ ) Parlamentsklub das ganze Werk vorzutragen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

30 Jahre!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Seite 29: „Selbstbehauptungswille“ – das ist ja etwas, das Ihnen, glaube ich, immer wichtig ist. Das ist ja immer Ihre Herleitung der Neutralität. „Die Einigung Europas ist nicht nur aus sicherheitspolitischen Überlegungen wünschenswert und notwendig. Notwendig ist sie vor allem aus dem Willen zur Selbstbehauptung.“ – Also ein klares proeuropäisches Bekenntnis, weil: Nur Europa macht uns sicher. Das kann man dann weiterlesen. Ich habe ein weiteres Zitat für Sie unter dem Kapitel „Ein sicheres Europa‟: „Langfristiges Ziel ist die Schaffung einer gesamteuropäischen Sicherheitsordnung.‟ (👏 ÖVP, NEOS) – Das sagt der Herr, dessen Vermächtnis Ihr Klubobmann fortführen will. Das will ich Ihnen nur mitgeben. Wir gehen weiter in diesem Buch und kommen zu einem meiner Lieblingsthemen, nämlich Seite 154 – vielleicht mitschreiben, dass Sie es dann schneller finden! – unter dem Kapitel „NATO-Erweiterung vor EU-Erweiterung‟. Da steht dann wortwörtlich: „NATO als einzige funktionierende kollektive Verteidigungsorganisation der Garant für Frieden und Stabilität in Europa.‟ – Ich glaube, das ist auch sehr, sehr klar. Dann, ein paar Zeilen weiter unten: „Österreich hat diese Entwicklung im eigenen Interesse‟ – eigenes Interesse, das ist das, was Sie immer bei Neutralität sagen – „durch einen raschen Beitritt zur NATO zu fördern‟. – Das ist, glaube ich, auch sehr, sehr klar. (👏 NEOS) Zum Thema Neutralität hat er auch einiges geschrieben. Ich habe ein besonders schönes Zitat von Seite 173 herausgenommen : „Auch die Neutralität – ein Mittel zum Zweck und kein Wert an sich –‟ – das sagt der, dessen Vermächtnis Sie fortführen wollen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das genau wollten wir nicht fortführen!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… ist de facto nicht mehr von Bedeutung.‟ …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Sie tun zu sehr verallgemeinern! – Ruf bei der FPÖ: Veraltet!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Verallgemeinert und veraltet ist es wahrscheinlich. Herr Kassegger, ist es veraltet? …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Das ist topaktuell!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Herr Kassegger, finden Sie, es ist veraltet, oder was? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Total unseriös!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Unseriös? Schauen Sie, ich habe mir das angeschaut, das kommt aus dem Jahr 1996.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

30 Jahre ist das her! – Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Wie alt warst denn du da?

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Das ist nämlich das nächste Argument, das immer von da drüben ( in Richtung FPÖ ) kommt: 1996 ist total lange zurück! Ich habe mir das angeschaut. Es steht in jedem Buch ein Impressum drinnen. Im Impressum – herausgegeben hat das damals die Freiheitliche Akademie – steht drinnen, dass dieses Werk nachgedruckt wurde. Wissen Sie, wann es nachgedruckt wurde? – 2020.

FPÖ Fürtbauer (Zwischenruf)

Na und?

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Kommen wir zum Schluss: Wissen Sie, wer es damals hat nachdrucken lassen? Wer war denn Präsident Ihrer Akademie im Jahr 2020? …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Der Herbert!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Genau, es war der leider abwesende Klubobmann Herbert Kickl . (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich glaube, es ist sehr eindeutig, dass sich bei Ihnen alles im Kreis dreht, insbesondere Ihre eigene Position. Ich glaube, Sie sollten dieses Werk über Weihnachten lesen. Ich gebe es Ihnen auch gerne mit. Ich markiere es Ihnen auch gerne und komme auch gerne zu einer Weihnachtslesung. – Ich danke Ihnen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Bundesministerin Klaudia Tanner zu Wort. – Bitte, Frau Ministerin.

FPÖ Christofer Ranzmaier

Vielen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Kollegen! Frau Minister! Liebe Österreicher! Ich persönlich kann Herbert Kickl tatsächlich gut verstehen, dass er hier bei dieser Debatte nicht anwesend ist, denn nicht nur ihm, auch mir und wahrscheinlich damit verbunden einem Großteil der Österreicher bereitet das Geschwurbel, das die Einheitspartei zum Thema Neutralität hier von sich gibt, mittlerweile körperliche Schmerzen. (👏 FPÖ) Wenn wir beim Thema sind, wem das Thema Neutralität nicht wichtig ist: Vielleicht schicken Sie Kollegen Dengler ans Rednerpult, der uns noch einmal ein Referat zum Thema Nato halten soll. Ich glaube nämlich, dann wird die Notwendigkeit unseres Antrages noch einmal sehr schnell deutlich. RN/63.1 Wenn wir beim Thema sind, wem das Thema Neutralität nicht wichtig ist, dann schaue ich auf die Regierungsbank. Ihnen, Frau Minister, kann ich noch ein gewisses Verständnis für das Thema Neutralität abgewinnen, aber wen ich hier auf der Regierungsbank vermisse, das ist die Frau Außenministerin, die mit ihrer pinken – ich will es einmal wertschätzend ausdrücken, wie euer EU-Parlamentarier Brandstätter – Piggy-Partei in dieser Regierung am Ende des Tages nichts anderes zu tun hat als die österreichische Neutralität größtmöglich zu beschädigen. Wo sitzt die Frau Minister denn jetzt? (👏 FPÖ) Unsere österreichische Neutralität ist kein politisches Accessoire, sie ist identitätsstiftend für Österreich; das ist schon mehrmals angesprochen worden. Aktuellen Umfragen zufolge ist sie für eine klare Mehrheit der Bürger ja nicht mehr und nicht weniger so wertvoll, als dass man sie beibehalten oder ausbauen will. Ich glaube, genau diesen Bürgern sind ja wir hier herinnen im Parlament im Wort, denen haben wir hier herinnen zu dienen. Deswegen verstehe ich nicht, warum man jetzt meint, diese Neutralität entsprechend umdeuten zu müssen. Trotzdem stehen wir jetzt vor der Situation, dass die Einheitspartei im Zuge des Ukrainekonflikts draufgekommen ist, dass man halt diese verfassungsmäßig verbriefte Neutralität am Ende des Tages irgendwie einseitig politisch umdefinieren kann. Jetzt ist sie plötzlich nur mehr militärisch und nicht mehr allumfassend und immerwährend. Das ist etwas, das draußen in der Bevölkerung niemand versteht. (👏 FPÖ) Wenn man sich aber nur in den Hinterzimmern der Einheitspartei bewegt und nicht zum Volk und mit dem Volk draußen, dem wir hier herinnen verpflichtet sind, spricht, dann ist natürlich klar, dass dieses Bild entsteht. Wenn man mit den Menschen im Land redet, ist das Bild ein klares und eindeutiges. Fragt man die Bürger, was sie sich von der österreichischen Neutralität erwarten, bleiben unterm Strich genau die fünf Punkte, die wir hier formuliert haben, stehen. Sie sind von den Kollegen schon breit vorgestellt worden, ich will aber noch einmal auf den fünften Punkt eingehen, und zwar: Schluss mit dieser devoten EU-Anhängselpolitik. Die irische Klausel gibt uns durchaus – und da können die NEOS hier heraußen stehen und Unwahrheiten behaupten, wie sie wollen – die Möglichkeit, unsere Neutralität tatsächlich so zu leben, wie es die Bürger von uns erwarten. Stattdessen geht die Einheitspartei den Weg aus Brüssel in Richtung Kriegstreiberei und Eskalationspolitik. Das ist etwas, das gerade bei dem vermeintlichen Friedensprojekt, als das die EU ja eigentlich immer bezeichnet worden ist, schon etwas irritierend ist.

SPÖ Laimer (Zwischenruf)

Märchenstunde!

FPÖ Christofer Ranzmaier

… Man muss ja mittlerweile die Frage stellen, ob EU tatsächlich Europäische Union heißt, oder ob das Kürzel mittlerweile für Europas Untergang steht. Dieser Antrag ist nichts anderes als ein klares Bekenntnis zur österreichischen Verfassung, zum Schutz unserer Neutralität und zur Verantwortung unserer eigenen Bevölkerung gegenüber. Da sagen wir ganz klar: Unsere Neutralität gehört nicht Brüssel, sie gehört nicht der Nato, sie gehört auch nicht der Regierung, sondern sie gehört den Österreichern. (👏 FPÖ) Wer meint, sie still und heimlich über Bord werfen zu können, um sich international anzudienen, schreibt damit nicht Geschichte, sondern wird bald Geschichte sein. Das sei Ihnen allen ins Stammbuch geschrieben. (👏 FPÖ) 13.21

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Ranzmaier, für den Ausdruck „Piggy-Partei“ erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf.

FPÖ Volker Reifenberger

Hohes Haus! Zur Neutralität möchte ich jetzt gar nicht mehr viele Worte verlieren, das haben meine freiheitlichen Vorredner schon perfekt dargelegt. Nur in aller Kürze: Neutralität muss nicht nur wehrhaft sein, sie muss auch glaubwürdig sein. Und dank der, wenn auch vielleicht zu Recht nicht anwesenden, pinken Außenministerin Meinl-Reisinger, die lieber in ukrainischer Tracht herumspringt und schon beinahe öfter in Kiew ist, als hier im Hohen Haus, sind wir das längst nicht mehr. (👏 FPÖ) Und von Schwarz-Rot höre ich zum Thema Neutralität immer nur Sonntagsreden. Würden Sie es ehrlich meinen, dann würden Sie nämlich unserem Antrag für den Fünfpunkteplan zum Schutz der Neutralität zustimmen. Wir sprechen in dieser Debatte aber auch über einen Antrag der Grünen betreffend Vorlage der österreichischen Sicherheitsstrategie bis Jahresende. Ich möchte für das Protokoll ausdrücklich festhalten, dass wir die Begründung dieses Antrages nicht teilen, weil darin die Neutralität Österreichs relativierende Aussagen enthalten sind, dem Entschließungstext dieses Antrages können wir allerdings vollinhaltlich zustimmen. Die Einbindung des Parlaments bei der Erstellung dieser schon wieder neuen Sicherheitsstrategie war bisher eine Farce. In Wahrheit ist es sogar ein demokratiepolitischer Rückschritt, wenn man das mit dem Prozess zur letzten neuen Sicherheitsstrategie vom letzten Jahr – damals noch unter Schwarz-Grün – vergleicht – obwohl ich mir eigentlich dachte, dass es nicht möglich sei, da nochmals einen Rückschritt zu machen. Damals durften wir als Oppositionsparteien zumindest in der Steuerungsgruppe sitzen und Experten nominieren. Das war zwar damals schon ein Schmäh, aber wenigstens hat man versucht, so zu tun, als würde man die Opposition mit einbinden. Nicht einmal das gibt es jetzt mehr. Es gibt aber seit August einen geheimen Entwurf dieser neuen Sicherheitsstrategie. Jetzt haben wir Dezember und man will ihn uns immer noch nicht zeigen. Insofern zielt der Antrag der Grünen hier zu Recht auf die Vorlage im Parlament ab. Übrigens waren bei der letzten Sicherheitsstrategie die NEOS noch in der Opposition, damals haben sie sich über die mangelnde Einbindung des Parlaments noch aufgeregt. Man sieht, wie schnell die NEOS für ein paar Regierungsämter ihre Grundsätze über Bord geworfen haben. Wir Freiheitliche werden uns an dem Prozedere daher erst dann wieder beteiligen, wenn der richtige parlamentarische Prozess gestartet wurde …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Das richtige Parlament? Wie soll das denn ausschauen?

FPÖ Volker Reifenberger

… und wir hier im Hohen Haus diese Sicherheitsstrategie in den dazu zuständigen Gremien entsprechend diskutieren können. Für eine Pseudoeinbindung oder als Feigenblatt oder PR-Aktion für die Regierung stehen wir Freiheitliche jedenfalls nicht zur Verfügung. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/68.1 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Zunächst kommen wir zur Abstimmung über den Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 322 der Beilagen hinsichtlich des Entschließungsantrages 568/A(E) zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die dieser Kenntnisnahme zustimmen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit zur Kenntnis genommen. RN/68.2 Abstimmung über die dem Ausschussbericht 322 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Integration der außen-, sicherheits- und verteidigungspolitischen Prioritäten aus dem Ministerratsvortrag vom 09.04.2025 in die Überarbeitung der Österreichischen Sicherheitsstrategie“. Wer dem zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. ( 64/E ) RN/68.3 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 324 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit zur Kenntnis genommen.

Vorlage der Österreichischen Sicherheitsstrategie bis Jahresende

324 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 605/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN
FPÖGRÜNE
ÖVPSPÖNEOS

Gemeinsam debattiert mit TOP 6

Zusammenfassung

Der Antrag zur Vorlage der Österreichischen Sicherheitsstrategie bis Jahresende wurde abgelehnt. In dem Antrag wurde gefordert, die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen Österreichs angesichts der sich verändernden Sicherheitslage zügig zu überarbeiten und eine neue Strategie zu erarbeiten.

Die Entscheidung betrifft die Bundesregierung und die österreichischen Bürgerinnen und Bürger, da die Sicherheitsstrategie deren Schutz und Unterstützung im europäischen Rahmen behandelt.

Ziel des abgelehnten Antrags war es, eine umfassende und zeitnahe Überarbeitung der Sicherheitsstrategie zu erreichen, um auf die veränderte geopolitische Lage und die Sicherheitssituation adäquat reagieren zu können.

Dokumente

Vorlage der Österreichischen Sicherheitsstrategie bis Jahresende

Hintergrund und Motivation

  • Im April 2025 kündigte die Bundesregierung an, die Österreichische Sicherheitsstrategie 2024 aufgrund der angespannten Sicherheitslage zu überarbeiten.
  • Besonderes Augenmerk wurde auf die Rolle der USA gelegt, die als frühere Schutzmacht Europas betrachtet wurden.
  • Die Überarbeitung sollte auch durch Dialogforen mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Wissenschaftlern erfolgen.

Aktuelle Bedrohungen

  • Russlands Luftraumverletzungen mit Drohnen und Kampfjets stellen eine ernsthafte Herausforderung für die Europäische Union dar.
  • Eine Verschärfung der Bedrohungslage könnte jederzeit eintreten, weshalb eine klare Positionierung Österreichs notwendig ist.

Forderungen des Antrags

  • Es wurde gefordert, dass Österreich seine Unterstützung im Rahmen der EU bei eventuellen Bedrohungen klar definieren sollte.
  • Die Notwendigkeit einer offenen Diskussion über die Vereinbarkeit von Neutralität und Solidarität gegenüber europäischen Partnerstaaten war essenziell.

Bedeutung der Öffentlichkeit

  • Die Öffentlichkeit soll umfassend darüber informiert werden, welche Formen von Unterstützung Österreich leisten kann und wird.
  • Demokratische Legitimität und breite Akzeptanz sind für die Sicherheitsstrategie von großer Bedeutung.

Beschluss des Ausschusses

  • Der Landesverteidigungsausschuss nahm den Entschließungsantrag in seiner Sitzung am 27. November 2025 in Verhandlung.
  • Der Antrag erhielt nicht die Zustimmung der Ausschussmehrheit; die Abstimmung ergab eine Ablehnung des Antrags.

Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 – NISG 2026, Telekommunikationsgesetz 2021, Gesundheitstelematikgesetz 2012

354 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 308 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat das Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 (NISG 2026) beschlossen, das die rechtlichen Rahmenbedingungen für Cybersicherheit in Österreich schafft, um ein hohes Sicherheitsniveau von Netz- und Informationssystemen zu gewährleisten. Zudem werden das Telekommunikationsgesetz 2021 und das Gesundheitstelematikgesetz 2012 geändert, um diese neuen Vorgaben zu integrieren und effektiver auf die Herausforderungen der Cybersicherheit zu reagieren.

Die Änderungen betreffen eine Vielzahl von wesentlichen und wichtigen Einrichtungen sowie Unternehmen in Österreich, die digitale Technologien und Informationssysteme nutzen, und zielen darauf ab, ihre Cyberabwehr zu stärken und gesetzliche Pflichten zur Gewährleistung von Cybersicherheit zu schaffen.

Dokumente

Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 – NISG 2026, Telekommunikationsgesetz 2021, Gesundheitstelematikgesetz 2012

Einführung des NISG 2026

  • Das neue Gesetz wird erlassen, um ein hohes Cybersicherheitsniveau zu gewährleisten.
  • Es reagiert auf die steigenden Bedrohungen durch Cyberangriffe und das zunehmende digitale Risiko für Unternehmen und die Gesellschaft.

Strukturen und Verantwortlichkeiten

  • Einrichtung einer der Cybersicherheitsbehörde nachgeordneten Behörde zur Verwaltung von Cybersicherheitsvorfällen.
  • Festlegung von Aufgaben für Cybersicherheitsbehörden, Computer-Notfallteams (CSIRTs) und unabhängige Stellen.

Regelungen zur Aufsicht

  • Definieren von wesentlichen und wichtigen Einrichtungen als zentrale Normadressaten mit spezifischen Pflichten.
  • Regelung der Aufsicht und Durchsetzung dieser Pflichten durch die Cybersicherheitsbehörde.

Datenverarbeitung und -übermittlung

  • Klare Definition der Zwecke und Modalitäten für die Verarbeitung von Daten zur Erreichung der Cybersicherheitsziele.
  • Einrichtung eines rechtlichen Rahmens für den freiwilligen Informationsaustausch zur Verbesserung der Cybersicherheit.

Sanktionen

  • Festlegung von Verwaltungsstraftatbeständen und Rahmenbedingungen für die Verhängung von Geldstrafen gegen Regelverletzungen.

Anpassungen bestehender Gesetze

  • Änderungen des Telekommunikationsgesetzes 2021 und des Gesundheitstelematikgesetzes 2012, um diese an die neuen Cybersicherheitsanforderungen anzupassen.
  • Integration entsprechender Vorschriften zur Unterstützung der neuen Cybersicherheitsinfrastruktur.

Kompetenzgrundlagen

  • Die Gesetzgebungskompetenzen basieren auf verschiedenen Artikeln des Bundes-Verfassungsgesetzes (B-VG), die die Zuständigkeit des Bundes für Cybersicherheitsmaßnahmen belegen.

Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 – NISG 2026, Telekommunikationsgesetz 2021, Gesundheitstelematikgesetz 2012

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Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Gernot Darmann

Besten Dank, Frau Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Gegen ein Mehr an Cybersicherheit wird wohl niemand etwas einzuwenden haben, aber, werte Kolleginnen und Kollegen, es geht um das Wie: um die Abbildung dieser Cybersicherheit in Strukturen und Maßnahmen. Gegen dieses NIS-Gesetz sprechen wir Freiheitliche uns vehement aus, werte Kollegen. (👏 FPÖ) Ich hätte mir im Zuge dieser Debatte ja gewünscht, dass auch der sogenannte Deregulierungsstaatssekretär Schellhorn anwesend wäre, denn vorige Woche hat er mit zwei Pressekonferenzen und seiner Verliererampel wortreich eine Show, ein Vorgaukeln von Deregulierungsmaßnahmen in einer Anzahl von 113, die in Wahrheit nichts Wirkliches bewegen, zum Besten gegeben. Mit diesem NIS-Gesetz werden aber tatsächlich – man halte sich fest, insbesondere die Vertreter der Wirtschaft, der Industrie und auch 18 weiterer Branchen! – 4 000 österreichische Unternehmen mit deren Lieferketten mit neuer Bürokratie, mit neuer Ineffizienz und in weiterer Folge mit Kostentreiberei belastet. Das ist der Ausfluss dieses NIS-Gesetzes und wie es schlussendlich in der Wirtschaft aufschlagen wird. Das Vorschieben des Begriffs Sicherheit ist in diesem Fall ein Frevel, denn mehr Sicherheit wird damit bei Gott nicht geschaffen, werte Kolleginnen und Kollegen. (👏 FPÖ) Herr Bundesminister, Herr Staatssekretär, Sie peitschen dieses NIS-Gesetz aufgrund der selbstverantworteten Versäumnisse der letzten Jahre durch dieses Parlament, um im alten Jahr noch irgendwelchen Strafmaßnahmen der Europäischen Union zu entkommen. Ich muss Ihnen schon sagen, die Vorgehensweise sucht ihresgleichen. Wir haben im letzten Jahr hier ein laut Fachausschuss annähernd gleiches Gesetz – manche sagen wieder, ein absolut abgeändertes Gesetz – beraten. Im letzten Jahr haben noch NEOS und SPÖ massiv Kritik geäußert. Sie haben deutlich klargemacht: unmöglich, diesem Gesetz zuzustimmen. Und siehe da: Nunmehr stimmt man in diesen Parteien diesem Gesetz zu, weil es notwendig sein soll, diese Belastungen durchzuziehen. Deswegen die Frage nicht nur an die ÖVP, sondern vor allem an die NEOS: Wie kann es sein, dass man derartige Belastungslawinen auf die österreichische Wirtschaft ausrollt, bis hin zu 10-Millionen-Euro-Strafen, darüber hinaus Strafen in der Höhe von bis zu 2 Prozent des globalen Unternehmensumsatzes des Vorjahrs, und zwar – der Geschäftsführung entsprechend zur Haftung zugeleitet – mit dem Auftrag, in diesen Unternehmen der 18 Branchen dann auch noch eigene Teams einzurichten, die das Audit durch das Innenministerium abarbeiten werden? In weiterer Folge wird dort dann auch noch sicherzustellen sein, dass alle Maßnahmen, die vom Innenministerium aufgetragen werden, umgesetzt werden. Diese Unternehmen – das ist auch noch einmal spannend, und das hat mir auch im Fachausschuss keiner beantworten können – werden beauftragt, in ihrer Lieferkette sicherzustellen, dass auch die in der Lieferkette befindlichen Unternehmen – wurscht ob im Inland oder Ausland – all das abzubilden haben, was sich das Innenministerium einbildet. Da frage ich mich – und diese Frage habe ich auch gestellt –, ob man im Ernst glaubt, dass das in der Realität abzubilden sein wird: Wenn ein österreichisches Unternehmen zur drittletzten Unternehmerposition in der Lieferkette hingeht und sagt: Liebe Leute, sagt uns eure Sicherheitsrisiken! Wie habt ihr euch gegen Cybersicherheitseinbrüche gerüstet? Wir möchten das gerne wissen, denn das Innenministerium fragt das ab!, dann würde ich als Unternehmen, das auf seine eigene Sicherheit schaut, natürlich eben nicht diese Information weitergeben, denn ansonsten ist man ja angreifbar. Darüber hinaus kommt der nächste Wahnsinn in diesem ganzen Gesetz: All diese sicherheitsrelevanten, hochsensiblen Informationen der 4 000 österreichischen Unternehmen samt Lieferkette werden dann in einem eigenen Bereich des Innenministeriums zusammengeführt, in jenem Innenministerium, das auf der anderen Seite natürlich ein Interesse daran hat, hochsensible Cyberlücken zu kennen, weil man dieses Wissen ja auch für die Messengerdienstüberwachung braucht. Da gibt es einen Zielkonflikt, der haarsträubend ist und normalerweise jedem Abgeordneten hier herinnen, der seiner Kontrollpflicht gegenüber der Exekutive, der höchsten Exekutive, nämlich der Bundesregierung, nachkommt, auffallen müsste. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, ich bin wirklich verwundert, wie man dieses Gesetz so locker durchschütteln kann. Darüber hinaus wurde auch noch festgeschrieben – das wundert mich ja auch –, dass über die vorhin genannten hohen Strafen für unsere Wirtschaft die Bezirkshauptmannschaften quer durch Österreich entscheiden werden, die ja höchste Cyberkompetenz haben, die ja so viel Personal haben, um all das abzuarbeiten, was nunmehr vom Innenministerium, vom Gesetzgeber, von der Verliererampel beauftragt wird. Dann schaue ich mir nämlich wirklich an, ob nicht tatsächlich – und das müsstet ihr auch wissen – die allermeisten dieser Unternehmen schon aufgrund der eigenen Fürsorge fürs Unternehmen ja um Welten mehr Cybersicherheitskompetenz haben als so manche Bezirkshauptmannschaft, die erst die Beamten auszubilden hat, die es ja anderseits gar nicht gibt, um dann diesen Unternehmen zu sagen, dass sie ihre eigene Cybersicherheit nicht im Griff haben. Da beißt sich die Katze in den Schwanz! Das ist wie dem Dreck eine Watsche zu geben, was uns praktisch von diesem Ministerium als der Weisheit letzter Schluss im Bereich der Cybersicherheit zugeleitet wurde. Ich kann mich nur darüber wundern, dass hier im Ausschuss schon eine Mehrheit gegeben war, darüber hinaus aber auch hier im Nationalrat, im hohen Plenum vermutlich diese große Mehrheit über vier Parteien hinweg zustande kommen wird. Werte Kolleginnen und Kollegen, normalerweise sollten Sie in sich gehen, denn zum Abschluss möchte ich schon noch etwas sagen, das ja fast zum Schmunzeln wäre, wäre es nicht so traurig: Das Innenministerium, das nunmehr im wahrsten Sinne des Wortes die Hoheit über dieses einzurichtende Cybersicherheitsamt hat, ist in Zukunft dafür zuständig oder macht sich selbst dafür zuständig, auf die Cybersicherheit von rund 4 000 Unternehmen zu achten. Es sammelt all diese hochsensiblen Informationen und war heuer, in diesem Jahr nicht in der Lage, den eigenen Stall sauber zu halten. Es ist durch einen Cyberangriff attackiert worden. Auch die Republik Österreich ist im Bereich des Außenministeriums im letzten Jahr ganz massiv Angriffen ausgesetzt gewesen und hat sich selber nicht schützen können. Jetzt sammelt man die ganzen sensiblen Daten in jenem Ministerium, das gerade heuer diesem Cyberangriff ausgesetzt war, und meint, damit nicht ein weiteres Risiko zu schaffen, das in Wahrheit erneut haarsträubend ist. Wenn eine organisierte Kriminalität, irgendwelche Cyberverbrecher meinen, schnell zu umfassenden Daten kommen zu wollen, dann ist es doch das Einfachste, jetzt nicht quer durch 4 000 Unternehmen auf die Suche zu gehen, sondern sich gleich ans Innenministerium zu wenden, um dort alle Daten auf einmal abzusaugen und zu wissen, wie die Wirtschaft, hochsensible Bereiche unserer Branchen aufgestellt sind. (👏 FPÖ) Alles zusammenfassend, werte Kolleginnen und Kollegen, wird es von unserer Seite für diesen Irrsinn namens NIS-Gesetz keine Zustimmung geben, weil es im höchsten Maße verantwortungslos ist, wie da mit dem Thema Cybersicherheit umgegangen wird. Wie gesagt, der Kreis soll sich schließen: Ohne Zweifel ist Cybersicherheit auch uns ein hohes Anliegen, aber nicht mit einem solchen Machwerk. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Friedrich Ofenauer .

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Sehr verehrte Zuseherinnen und Zuseher! Man kann durchaus sagen, dass wir ein wenig unter Druck sind, was den Beschluss des Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetzes betrifft, weil die Frist für die Umsetzung schon abgelaufen ist, auf der anderen Seite aber natürlich auch, was die allgemeine Sicherheitslage betrifft, denn – es wurde bereits angesprochen – vor allem hybride Angriffe nehmen zu und davor ist keiner gefeit, kein privater Betrieb, kein privater Computer und natürlich auch Behörden nicht. Diese Cyberangriffe sind deswegen besonders tückisch, weil sie sehr subtil erfolgen. Sie hinterlassen kein aufgebrochenes Türschloss, keine aufgebrochene Tür, machen keinen lauten Knall, können aber sehr große Auswirkungen haben. Die Hacker dringen in fremde Systeme ein, verändern Datensätze minimal, lösen damit vielleicht Kettenreaktionen aus oder sie stehlen sensible Informationen. Hinter diesen Angriffen stehen längst nicht mehr nur kriminelle Organisationen, sondern manchmal auch geopolitisch und staatlich aktivierte Akteure, manchmal sogar sogenannte Wegwerfagenten. Eines ist klar: Diese Bedrohungslage ist genauso gefährlich wie physische Attacken oder kinetische Angriffe. Die Bedrohungslagen haben sich für unsere Gesellschaft massiv verändert. Sie sollen die Gesellschaft demoralisieren, die Gesellschaft destabilisieren, und deswegen müssen wir als gesamte Gesellschaft gegen solche Angriffe widerstandsfähig werden. Resilienz ist also nicht mehr nur ein Schlagwort, sondern eine Notwendigkeit, denn wir müssen unsere Krankenhäuser, die Energieversorgung, Kommunikationsnetzwerke, unsere gesamte kritische Infrastruktur, die das Nervensystem unseres Landes ist, schützen. Im Jahr 2024 konnte das dafür notwendige Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz nicht beschlossen werden, weil die Zweidrittelmehrheit gefehlt hat. Deswegen wurde gegen Österreich auch ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. 2024 ist schon eine Zeit lang her, deswegen kann ich der Argumentation des Kollegen Darmann gar nichts abgewinnen, wenn er von einem Durchpeitschen dieses Gesetzesvorhabens spricht, da es seit 2024 läuft.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ihr habt jahrelang nichts getan, um jetzt einen Blödsinn vorzulegen!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Ja, wir nehmen nun einen neuen Anlauf, aber von einem Schnellschuss, meine Damen und Herren, kann keine Rede sein. Dass keine Begutachtung stattgefunden hat, schwingt auch immer mit, wurde vor allem auch im Ausschuss releviert. Auch das stimmt nicht, weil das 2024 vorgelegte Gesetz auch entsprechend begutachtet wurde und im Wesentlichen auch den Inhalt dieses Gesetzes, das wir heute beschließen werden, darstellt. Auch dass Experten nicht eingebunden worden sein sollen, stimmt nicht. Im neuen Entwurf wurden Bundesländer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und auch Experten eingebunden. Rückmeldungen sind in die Überarbeitung eingeflossen – auch jene der damaligen Oppositionsparteien SPÖ und NEOS – und vor allem die Grünen haben im letzten Innenausschuss nach entsprechender Überarbeitung und Aufnahme ihrer Vorschläge ihre Zustimmung gegeben. Dafür auch ein Dankeschön, dass da entsprechend mitgestimmt wird. Das NIS 2026 übernimmt zentrale Teile des Entwurfs von 2024, wurde aber in entscheidenden Punkten nachgeschärft. Deswegen bringe folgenden Antrag ein: RN/71.1 Abänderungsantrag der Abgeordneten Friedrich Ofenauer , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regierungsvorlage ( 308 d.B. ) betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz zur Gewährleistung eines hohen Cybersicherheitsniveaus von Netz- und lnformationssystemen (Netz- und Inforrnationssystemsicherheitsgesetz 2026 NISG 2026) erlassen wird und das Telekommunikationsgesetz 2021 und das Gesundheitstelematikgesetz 2012 geändert werden ( 354 d.B. ) – TOP 8. Der Nationalrat möge in 2. Lesung beschließen, dass der vorliegende Gesetzentwurf wie folgt geändert wird – und ich darf jetzt die wesentlichen Punkte dieses Abänderungsantrages vortragen: Es werden nämlich die im Entwurf vorgesehenen Berichtspflichten durch gesetzliche Festlegung von Veröffentlichungs- beziehungsweise Übermittlungsfristen präzisiert, nämlich in § 3b Abs. 6, in § 4 Abs. 3 und in § 42 Abs. 11 sowie ergänzende Ausführungen betreffend die inhaltliche Aufbereitung der Berichte in der Begründung. Dann werden Fristen gemäß § 29 Abs. 4 NISG 2026 an die unionsrechtlichen Vorgaben angepasst. Es werden unionsrechtlich vorgesehene Informationsverpflichtungen in § 29 Abs. 1 NISG 2026 sowie in § 34 Abs. 10 NISG 2026 im Sinne einer einfacheren Notifizierung gegenüber der Europäischen Kommission abgebildet; und es wird durch die Änderung von BMF auf BMWKMS ein redaktionelles Versehen im TKG 2021 beseitigt; und die redaktionelle Anpassung aufgrund der gestrigen Änderungen des Gesundheitstelematikgesetzes wird eingearbeitet. Sie sehen, meine Damen und Herren: Parlamentarische Berichtspflichten wurden präzisiert, der Innenminister muss halbjährlich über die Cybersicherheitslage berichten, Übergangsfristen wurden praxistauglicher gestaltet und der Aufbau der neuen Cybersicherheitsbehörde wurde neu strukturiert. Das ist auch ein wesentlicher Punkt, weil dieser Kritikpunkt auch gekommen ist: Sie wird außerhalb der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit angesiedelt, was die Vorwürfe mit Sicherheitslücken, Messengerüberwachung und so weiter schon wieder einmal ad absurdum führt. Wichtig ist auch für uns als Parlament, dass der Direktor der Cybersicherheitsbehörde sowie sein Stellvertreter künftig den zuständigen Ausschüssen des Nationalrates für Auskünfte zur Verfügung stehen. Meine Damen und Herren, das Ziel dieser neuen Cybersicherheitsbehörde ist Beraten statt strafen. Wichtig ist es, die Unternehmen bei der Risikoanalyse zu unterstützen – und das ist wichtig, um eben Aufmerksamkeit für die angesprochenen neuen Bedrohungslagen zu schaffen, die Awareness zu schärfen, wie man so schön sagt. Das ist bei größeren Betrieben schon vorhanden, weil diese ja bereits über entsprechende ISO-Zertifizierungen verfügen und für sie jetzt vielleicht die neuen NIS2-Anforderungen nicht ganz so überraschend kommen; aber vor allem muss natürlich bei kleineren Betrieben die Aufmerksamkeit für entsprechende Sicherheitsbedrohungen und Sicherheitsrisiken erhöht werden. Ja, das mag vielleicht ein zeitlicher und auch ein finanzieller Aufwand sein, aber vor allem diese Berichtspflichten sind wichtig für die Republik – vor allem auch für das Innenministerium und für die Polizei, um ein Lagebild der Republik zu haben; aber auch für die Unternehmen, um ein eigenes Risikobild für die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, zu haben. Damit bedeutet das auch, in gewisser Weise einen Selbstschutz zu haben. Denn klar ist, Cybesicherheitsrisiken – vor allem Cyberbedrohungen – können alle treffen; und Prävention ist sicherlich günstiger als die Wiederherstellung von Daten. Umso wichtiger ist eine breite Zustimmung, die dieser Entwurf heute von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen erhält, die sich zu mehr Sicherheit vor allem auch im digitalen Raum bekennen. Wenig überraschend, aber doch ist es so, dass die FPÖ, die sich zwar gerne als Sicherheitspartei inszeniert, aber dann wie so oft Maßnahmen, die der Sicherheit dienen, nicht mitträgt und nicht mitstimmt.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Nicht überraschend!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Danke schön. – Nicht überraschend, nicht überraschend. ( Heiterkeit des Abg. Zarits [ÖVP]. – Beifall bei der SPÖ, bei Abgeordneten der NEOS sowie des Abg. Zorba [Grüne]. ) 13.44 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/71.2 TOP8 Abänderungsantrag: AVISO-Dokument gescannt von Mag. Friedrich Ofenauer, Maximilian Köllner, MA, Douglas Hoyos-Trauttmansdorff Präsidentin Doris Bures : Der Abänderungsantrag wurde in den Grundzügen erläutert, wurde bereits an alle Abgeordneten verteilt und steht daher auch mit in Verhandlung. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Irene Eisenhut .

FPÖ Irene Eisenhut

Danke, Frau Präsidentin! Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren heute neuerlich das sogenannte NIS2-Gesetz – ein Gesetz für die Cybersicherheit Österreichs, die Umsetzung einer EU-Richtlinie. Da dieses Gesetz Verfassungsbestimmungen enthält, ist hier im Parlament die notwendige Zweidrittelmehrheit erforderlich. Bereits Anfang 2023 trat eine EU-Richtlinie in Kraft, welche die Cyber- und Informationssicherheit von systemrelevanten Unternehmen und Institutionen unionsweit regelt. Unternehmen sollen auf Cyberattacken vorbereitet sein und in Fällen von Cybercrime wissen, an wen sie sich wenden können und wie sie damit umzugehen haben. Es gibt ja bereits eine bestehende Meldestelle. Da ich im Vorjahr noch nicht hier im Parlament war, habe ich mir natürlich die Abläufe, Meinungen und Äußerungen der einzelnen Fraktionen zu diesem Thema angesehen. Mich hat natürlich interessiert: Was hat die Fraktionen dazu bewogen, ihre Meinung vom Vorjahr zum jetzigen Regierungsentwurf zu ändern? 2024 – die Abstimmung war im Juli –: FPÖ, SPÖ und NEOS haben damals aufgrund erheblicher Sorgen und Bedenken im Hinblick auf Massendatenspeicherung, aber auch im Hinblick auf Massenüberwachung durch die Hintertür gegen die damalige Regierungsvorlage gestimmt. Weiterer Kritikpunkt war die Machtkonzentration im Innenministerium, verbunden mit Zielkonflikten, weil diese Stelle gleichzeitig auch Kontrollorgan war. Seit der Abstimmung im Vorjahr gab es überdies keine Ausschussbegutachtung. Kollege Ofenauer – ich sehe ihn gerade nicht – hat gesagt - - (Abg. Ofenauer [ÖVP] – mit beiden Händen aus der ersten Reihe der ÖVP-Fraktion winkend –: Ausschussbegutachtung ist ja nicht vorgesehen normalerweise im Gesetzgebungsverfahren ...!) Es hat vielleicht interne Gespräche …

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Nein, ...!

FPÖ Irene Eisenhut

… zwischen den Regierungsfraktionen gegeben, es gab definitiv keine Ausschussbegutachtung. Im letzten Ausschuss wollten wir diese noch einmal beantragen, das wurde aber leider abgelehnt. Ich weiß nicht, mit wem Sie gesprochen haben, mit den Oppositionsparteien, zumindest mit der FPÖ hat es seit dem Juli des Vorjahres keine weiteren Gespräche und keine Begutachtung gegeben. Es fehlten Gespräche mit Stakeholdern aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft, Einbindung von Experten; das wurde auch in den Stellungnahmen zu der jetzt vorliegenden Regierungsvorlage kritisiert. Der Kollege von der ÖVP hat weiters im Ausschuss behauptet, es gab keine wesentlichen Änderungen und somit wäre auch eine weitere Ausschussbegutachtung nicht notwendig gewesen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Das stimmt!

FPÖ Irene Eisenhut

… Für SPÖ und NEOS hingegen gab es so wesentliche Änderungen, dass sie auch ihre Meinung des Vorjahres revidiert haben und jetzt voraussichtlich der bestehenden Regierungsvorlage zustimmen werden. In der Rede der SPÖ vom Vorjahr wurde von drei großen Kritikpunkten gesprochen: von der Kritik an alle Macht im Innenministerium, von Zielkonflikten dahin gehend, dass jene Stelle, welche bei den Cybervorfällen Hilfestellungen leistet, auch gleichzeitig als Kontrollorgan agieren soll. Diese Befürchtung wurde angeblich …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Nein, nicht angeblich!

FPÖ Irene Eisenhut

… durch mehr Transparenz beschwichtigt. Die NEOS sahen 2024 noch die große Gefahr einer anlasslosen Massenüberwachung. Es gab jetzt eine Ausweitung der Berichtspflichten und gleichzeitig wollen aber die NEOS – so wurde es zumindest im Ausschuss geäußert – keine zusätzliche Belastung der Unternehmen. Sehr geehrte Damen und Herren, ich weiß nicht, wie das funktionieren soll …

NEOS Holzegger (Zwischenruf)

Ich erklär’s Ihnen dann!

FPÖ Irene Eisenhut

… mehr Berichtspflichten und weniger Belastungen für die Unternehmen, aber ich freue mich schon …

NEOS Holzegger (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Irene Eisenhut

… auf die Erklärungen, vielleicht kann man das dann besser nachvollziehen. Für uns steht auf alle Fälle fest: Es hat sich im Vergleich zum Vorjahr an dieser Regierungsvorlage so gut wie nichts geändert. Die Befürchtungen liegen nach wie vor im Raum; es gibt keinen wesentlichen Unterschied – und auch ein Weisungsrecht des Innenministers zu der neu einzurichtenden Stelle ist noch zu erwähnen. Ich glaube, Kollege Ofenauer hat es auch im Ausschuss gesagt, dass die Stelle ja nicht der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit untergeordnet ist, sondern dass eine eigene Stelle im Bereich des Innenministeriums eingerichtet wird. Nur: Es macht ja keinen Unterschied, ob das die Sektion II betreut oder der Sektion II untergeordnet ist oder als eigenes Bundesamt untergeordnet ist – es ist und bleibt dem Innenminister untergeordnet. Und darum – nochmals – werden wir dieser Regierungsvorlage in der Form nicht zustimmen. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Maximilian Köllner .

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Werter Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz: Man muss gestehen, es ist ein etwas sperriger Begriff, aber vielleicht zur Veranschaulichung ein einfaches Beispiel, das jede und jeden von uns betrifft und auch, um zu zeigen, worum es da eigentlich geht: Ich gehe in den Supermarkt, gehe mit meinem Einkauf an die Kasse und zahle nicht in bar, sondern vielleicht mit der Karte oder mit dem Handy, und dann hoffe ich natürlich, dass diese Zahlung auch klappt und dorthin kommt, wo sie hin soll und nicht durch etwaige Sicherheitslücken irgendwo landet. Da kommt eben dieses Gesetz ins Spiel, da kommen Banken ins Spiel, die wie Energieversorger, wie Flughäfen oder wie Spitäler zur kritischen Infrastruktur zählen. Wir müssen darauf schauen, dass diese kritische Infrastruktur durch hohe Sicherheitsstandards geschützt wird, und das machen wir, indem wir umfassende Sicherheitsmaßnahmen in wichtigen Einrichtungen, in großen Unternehmen umsetzen. Das machen wir, indem wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen und sensibilisieren, und das machen wir natürlich auch im Anlassfall, wenn es einen Cybervorfall gibt, indem es eine umgehende Meldung dieses Vorfalls gibt. Kollege Ofenauer hat es angesprochen: Wir leben in einer sehr dynamischen Zeit. Es gibt hybride Angriffsformen, vielfältige Bedrohungslagen auf unsere Gesellschaft, und Angriffe sind auch von überall aus möglich. Jemand, der uns schaden möchte, der eine wichtige Einrichtung in Österreich zerstören möchte, der kann das von überall auf der Welt aus machen. Ich glaube, deswegen – weil Cyberkriminalität eben keine nationalen Grenzen hat – ist es auch wichtig, dass wir diese Vorgaben EU-weit umsetzen, dass es EU-weite, einheitliche und verbindliche Sicherheitsstandards gibt. Um auch darauf einzugehen, weil die FPÖ ja immer wieder die Europäische Union kritisiert: Ohne Gold-Plating zu betreiben, machen wir das, was notwendig ist – und nicht mehr. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und weil die FPÖ schon ganz interessiert war – was hat sich seit den Entwürfen der letzten Bundesregierung geändert? …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ihr seids in der Regierung!

SPÖ Maximilian Köllner

… und auch, um dem Verfolgungswahn der FPÖ ein bisschen entgegenzutreten: Wir wollten eine eigene Cybersicherheitsbehörde als zentrale Anlaufstelle für sämtliche Cyberangelegenheiten. Wenn ich bedroht werde, wenn ich überfallen werde, dann werde ich auch in Zukunft die Polizei rufen. Wenn ein Unternehmen aber digital angegriffen wird, dann wird das zukünftig der Cybersicherheitsbehörde gemeldet. Und ja, sie ist im BMI angesiedelt, aber – und das ist schon wesentlich – außerhalb der Generaldirektion für öffentliche Sicherheit, außerhalb der Polizeisektion. Das ist im Sinne einer klaren Abgrenzung und im Sinne eines unabhängigen Arbeitens schon wichtig zu betonen: wenn Weisungen, dann schriftlich und mit Berichterstattung an das Parlament. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wenn wir schon bei den Berichtspflichten sind: Im Sinne der Transparenz haben wir gefordert, dass es erweiterte Berichtspflichten ans Parlament gibt. Der Direktor, die Direktorin der neuen Behörde wird auch den Fragen der Parlamentarier Antworten geben, wird für Auskünfte zur Verfügung stehen. Wenn wir über Sicherheit generell sprechen, dann sprechen wir immer auch über einen durchaus herausfordernden Spagat zwischen Sicherheit und Freiheit, Sicherheit und Datenschutz. Im Sinne des Datenschutzes wird es einen Datenschutzbeauftragten geben, der nicht nur jährlich, sondern einen halbjährlichen Bericht über die Datenverarbeitungen auf der BMI-Website veröffentlichen wird, weil es eben auch um umfangreiche Befugnisse zur Verarbeitung von Daten – im Anlassfall auch von personenbezogenen Daten – geht. Zu guter Letzt haben wir im Sinne der Entlastung auch darauf geschaut, dass kleinere und mittlere Unternehmen von diesen Bestimmungen weitestgehend ausgenommen sind. Zusammenfassend möchte ich sagen: Diese Bundesregierung hat in einer sehr schwierigen Zeit übernommen. Es ist nicht populär, wenn man sparen muss. Es gibt auch vielfältige Herausforderungen im Sicherheitsbereich, die nicht angenehm sind, um das auch einmal in aller Deutlichkeit anzusprechen. Wir haben aber bereits in dieser kurzen Zeit, seit März, geliefert, vor allem im Sicherheitsbereich. Wir haben das Asylgesetz verschärft.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Woran erkennt man das?

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir haben die Gefährderüberwachung, die Überwachung von Terroristen, beschlossen. Wir haben für das strengste Waffenrecht seit dem Bestehen dieses Gesetzes gesorgt. Und das Pendant zu diesem Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz ist das Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz – auch ein sperriger Begriff –, auch das haben wir bereits beschlossen. Das RKEG schützt uns physisch, das NIS schützt uns digital. (👏 SPÖ) Es ist ein Riesengesetz, es hat lange gedauert, das stimmt, aber jetzt steht es vor dem Abschluss, und weil es lange gedauert hat, kann es gar kein Schnellschuss gewesen sein. – Danke an alle, die sich da aktiv und konstruktiv eingebracht haben; danke auch an die Grünen für die Vorarbeit in der Vorgängerbundesregierung – das muss man auch einmal ansprechen –, auch an Digitalisierungssprecher Süley Zorba. (👏 SPÖ) An die FPÖ kann ich nur noch einmal appellieren – ein bisschen Zeit ist ja noch bis zur Abstimmung –: Das eine ist über Sicherheit zu reden, das andere ist für Sicherheit zu sorgen. Sie haben es in der Hand, ob Sie wieder einmal aus Prinzip dagegen sind oder im Sinne der Sicherheit für ganz Österreich mit dabei sind. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Köllner, ich ersuche Sie, den Begriff „Verfolgungswahn“ zurückzunehmen. (Abg. Köllner [SPÖ]: Nehm ich zurück!) – Danke vielmals. Dann ist der nächste Redner Abgeordneter Reinhold Maier .

FPÖ Reinhold Maier

Geschätzte Frau Präsident! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Werte Damen und Herren! Wie wir bereits gehört haben, sprechen wir heute über die NIS2-Richtlinien, ein Gesetz, das angeblich die Cyber- und Informationssicherheit verbessern soll. Doch eines darf nicht vergessen werden: NIS2 wurde im Jahr 2024 vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben und ist jetzt in der hier vorliegenden Form in nur wenigen Punkten abgeändert. Damals waren SPÖ und NEOS wirklich strikt dagegen. Und was machen sie heute? – Richtig, sie fallen im Liegen um und stimmen diesem Gesetz einfach zu. Offenbar reichen ein paar Regierungssessel aus, um einen Sinneswandel zu vollziehen. (👏 FPÖ) Das ist aber nichts Neues und wirklich bezeichnend für diese Bundesregierung. Was passiert jetzt wirklich? – Aus ursprünglich sieben Sektionen werden 18 gemacht. Weiters werden 4 000 Unternehmen verpflichtet, eine Fülle an technischen, operativen und organisatorischen Maßnahmen umzusetzen, und das alles unter einer Strafandrohung von bis zu 10 Millionen Euro. Ich wiederhole es: bis zu 10 Millionen Euro. Allein diese Strafandrohung schadet unserem Wirtschaftsstandort und wird Investoren abschrecken, bei uns zu investieren. Der nächste Punkt interessiert mich als Polizist natürlich ganz besonders, Herr Innenminister – vielleicht können Sie jetzt zuhören, es ist speziell an Sie gerichtet –: Im Innenministerium soll ein Bundesamt für Cybersicherheit geschaffen werden. Das ist ein neuer Behördenapparat, der bis 2029 auf 172 Planstellen anwachsen soll und somit personell und budgetär wieder zulasten der Basispolizei geht. Und da ist es ganz egal, Herr Kollege Köllner und Herr Ofenauer, wo das angesiedelt ist – nicht in der Generaldirektion –, es ist Herrn Innenminister Karner unterstellt. Die Sektionen I, II, IV und V sind ja auch dem Herrn Innenminister unterstellt. Deshalb ist das – unter Anführungszeichen – keine „Ausrede“ und keine Bereinigung Ihrer Zustimmung. (👏 FPÖ) Wie gesagt, personell und budgetär geht das zulasten der Basispolizei. Das ist bezeichnend, denn während hier eine neue Behörde geschaffen und aufgebaut wird, werden bei der Polizei aufgrund des Sparzwanges Dienststellen an Wochenenden geschlossen, Überstunden gestrichen und Zuteilungen aufgehoben. Herr Innenminister, das passiert auch bei Spezialeinheiten und Sondereinheiten wie bei der Cobra, und das in Zeiten einer erhöhten Terrorgefahr – das ist wirklich unverantwortlich. (👏 FPÖ) Man kann also wirklich zusammenfassen: Für einen neuen Behördenaufbau, der wahrscheinlich wieder mit schwarzen Schäfchen gespickt werden wird, ist Geld da, aber meinen Kollegen und Kolleginnen wird im gleichen Atemzug die Weihnachtsbelohnung gestrichen. Weiters zwingt man uns – wir haben jetzt eine Besprechung gehabt – auch ein neues Dienstzeitmodell auf, das wieder Gehaltseinbußen für meine Kolleginnen und Kollegen bedeuten wird. Sie wissen, es gibt da Berechnungen – und wenn Sie es nicht wissen, ist es ja noch schlimmer. (👏 FPÖ) Aus unserer Sicht, der Sicht der FPÖ, ist das eine falsche und unverantwortliche Prioritätensetzung in Ihrem Ressort, Herr Innenminister. Reden wir noch über den zusätzlichen Mehraufwand und Bürokratieaufbau, der mit diesem Gesetz verbunden ist. Da frage ich mich wirklich: Wo ist der Deregulierungs-Sepp eigentlich? Da hätte er nämlich wirklich tätig werden müssen. Er hat ja erst vor Kurzem versucht, mit 113 Scheinmaßnahmen seine Daseinsberechtigung – sage ich jetzt einmal – zu machen. Jetzt schaut er wieder tatenlos und still zu und es passiert das Gegenteil: mehr Regulierung, mehr Aufwand und mehr Belastung für unsere Unternehmen. Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass die neue Cybersicherheitsbehörde Unternehmen künftig vorschreiben kann, welche IKT-Produkte, -Dienste und -Prozesse sie verwenden müssen. Das ist Bevormundung und Zentralisierung, meine Damen und Herren, das ist ein direkter Eingriff in die wirtschaftliche Freiheit. (👏 FPÖ) Als Höhepunkt kommt ein sicherheitspolitischer Widerspruch: Das Gesetz soll im Cyberbereich Sicherheitslücken schließen, während dieselbe Regierung die Messengerüberwachung beschlossen hat, die von Sicherheitslücken lebt. Also was wollt ihr jetzt: Wollt ihr Lücken schließen oder wollt ihr sie nutzen? Denn beides geht sich nicht aus. Aus meiner Sicht ist das sicherheitspolitische Schizophrenie. (👏 FPÖ) Fakt ist, zusammenfassend: Die Sicherheit wird mit diesem Gesetz sicher nicht erhöht werden. Im BMI werden erneut falsche Prioritäten gesetzt und unser Wirtschaftsstandort wird durch die neuen Auflagen, durch neue Bürokratie und staatliche Bevormundung weiter beschädigt. Meine Damen und Herren, die Regierung hat es im gesamten abgelaufenen Jahr und auch in den letzten drei Tagen wieder bewiesen: Sie kann es einfach nicht. Mein Appell an die Bundesregierung: Machen Sie den Österreichern ein Weihnachtsgeschenk und machen Sie den Weg frei für Neuwahlen und einen Volkskanzler Herbert Kickl . – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Maier, ich ersuche auch Sie, den Ausdruck „sicherheitspolitische Schizophrenie“ zurückzunehmen. (Abg. Maier [FPÖ]: Es stimmt, aber ich nehme ihn zurück!) – Nein, Sie können ihn nur zurücknehmen. Tun Sie das? (Abg. Maier [FPÖ]: Ja!) – Dann danke ich dafür. (Abg. Köllner [SPÖ]: Brav ist er!) Die nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Ines Holzegger .

NEOS Ines Holzegger

Danke, Frau Präsidentin! Werter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Heute ist ein guter Tag für die Cybersicherheit. Ja, es ist kein Geheimnis, dass es länger gedauert hat, bis wir am heutigen Tag angekommen sind, und ja, ich habe auch vollstes Verständnis, dass es in der Branche schon wirklich Ungeduld gegeben hat, auch wegen der Unsicherheit und der Unklarheit – bis jetzt. Heute können wir endlich Klarheit geben; denn eines ist sicher: Wir werden angegriffen, täglich – in der Verwaltung, in der Wirtschaft, alle sind davon betroffen. Oft laufen aber solche Angriffe fernab von der öffentlichen Wahrnehmung ab. Genau deshalb brauchen wir ganz wichtige Schritte hin zu mehr Awareness und mehr Cybersicherheit. Ich habe Ihnen, Herr Kollege Darmann, ja auch schon im Ausschuss erklärt, warum wir NEOS uns jetzt anders positionieren werden als letztes Jahr, aber ich sage es gerne noch einmal, vielleicht hält es dann: Letztes Jahr waren wir noch gegen den NIS2-Vorschlag, seither hat sich aber auch einiges geändert. Viele wertvolle Stellungnahmen sind eingebunden worden und damit sind auch viele Bedenken ausgeräumt worden.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Glauben Sie das wirklich oder ist das jetzt da eine ...?

NEOS Ines Holzegger

… Kollege Ofenauer hat es schon richtig gesagt: Die künftige NIS-Behörde ist eine eigenständige Behörde …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Aber weisungsgebunden!

NEOS Ines Holzegger

… die lediglich vom Direktor geführt wird – davor wäre sie direkt beim Herrn Innenminister verortet gewesen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

... verlass ich mich nicht!

NEOS Ines Holzegger

… Darüber hinaus ist ein wichtiger Punkt auch die Weisungsfreiheit – und Weisungen des Ministers an den Direktor können ausschließlich schriftlich erfolgen und müssen in einen Weisungsbericht inkludiert werden.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Weisungsfreiheit ... schriftliche Weisungen! Den Satz bitte schreiben wir raus! – Abg. Stefan [FPÖ]: Mündliche Weisungs...!

NEOS Ines Holzegger

… Jetzt möchte ich auch noch einen Punkt zum Bereich Bürokratievermeidung einbringen. Wissen Sie, ich komme aus dem Bereich, ich komme aus der Wirtschaft, deswegen kann ich da auch aus Erfahrung sprechen. Wir haben es geschafft, dass da unnötige Bürokratie vermieden wird.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Durch eine neue Behörde!

NEOS Ines Holzegger

… Wie? – Das kann ich Ihnen gerne erklären: Viele Unternehmen haben schon einschlägige Zertifikate, das ist Usus da draußen, und wir haben es geschafft, dass diese einschlägigen Zertifikate auch als NIS-Zertifizierung gelten. ISO 27001 ist draußen kein Novum, das haben so viele Unternehmen, und damit brauchen sie keine zusätzliche Zertifizierung, sparen sich Zeit und Kosten. Das ist ein wirklicher Faktor für Sicherheit und für den Wirtschaftsstandort. (👏 ÖVP, NEOS) Außerdem – und das ist auch schon erwähnt worden – wird es statt des jährlichen einen halbjährlichen Bericht zum Thema Cybersicherheit geben, denn im digitalen Bereich finden Dinge einfach schneller statt, auf Bedrohungen muss schneller reagiert werden, und kürzere Abstände sind einfach wichtig, weil die Uhren im digitalen Raum einfach schneller gehen. Ich hoffe, dass sich die Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ das vielleicht doch noch einmal überlegen – Sie haben jetzt mehrmals die Argumente gehört ( Ruf bei der FPÖ: Schriftliche Weisungen ...! ), im Ausschuss, hier vom Rednerpult aus – und dass sie doch noch zustimmen werden. Sie schreiben sich ja selber immer Sicherheit auf die Fahnen, aber wenn es dann darauf ankommt …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Dann sind wir für die Freiheit!

NEOS Ines Holzegger

… ducken Sie sich scheinbar weg.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Nein, wirklich!

NEOS Ines Holzegger

… Ich kann Ihnen eines sagen: Vom einfach nur Warten wird es nicht sicher.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Sie schreiben was auf die Fahnen? Und was machen Sie jetzt? Liberal?

NEOS Ines Holzegger

… Sie, Herr Darmann, sagen: Es ist unverantwortlich, dem zuzustimmen. Ich sage: Es ist unverantwortlich, heute hier dagegenzustimmen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das täuscht Sicherheit vor! Die es nicht gibt!

PräsidiumDoris Bures

Bitte, Herr Abgeordneter Süleyman Zorba .

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Dass ich das noch erleben darf, dass wir das NIS-Gesetz hier im Parlament beschließen! ( Heiterkeit bei den Grünen. – Ruf bei der SPÖ: Bist ja noch gar nicht so alt! ) Es ist eines der wichtigsten, zentralen europäischen Cybersicherheitsgesetze der letzten Jahre, und ich glaube, es ist wirklich an der Zeit gewesen, das in Österreich umzusetzen. Ich bin sehr froh, dass wir das mit vier demokratischen Parteien heute durch den Nationalrat bringen werden. (👏 ÖVP, NEOS) Das NIS-Gesetz begleitet mich ja quasi von Anfang an, seit ich im Nationalrat bin. Machen wir gleich mit dieser Zeitreise weiter: Dieser Entwurf war ja schon einmal hier, 2024 – das ist schon einige Zeit her –, und der Text war ja nahezu identisch mit dem, den wir heute beschließen werden. Damals hat uns die notwendige Zweidrittelmehrheit gefehlt, weil die Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ und von den NEOS der Meinung waren, dass das nicht in Ordnung ist. Heute wird quasi derselbe Text durchgebracht. Könnte man jetzt genüsslich auf diesem Umstand herumreiten, auf diese Wendung hinweisen? – Ja. Könnte ich die gleichen Argumente bringen, die Sie damals gebracht haben, und heute gegen diesen Entwurf stimmen? – Ja. Aber was würde es uns bringen? Was bringt es? Wozu? Wenn es um den Schutz unserer kritischen Infrastruktur geht, ist, glaube ich, parteipolitisches Klein-Klein fehl am Platz. (👏) Wir haben heute schon öfter über die geopolitische Lage gesprochen und darüber, was hybride Kriegsführung bedeutet. Kritische Infrastruktur wird angegriffen – wir haben es schon gehört: Ministerien, Krankenhäuser, Energieanbieter, Verkehrsanbieter, alles Mögliche wird Ziel von Sabotage, der Kontinent ist auch Ziel von absichtlicher Desinformation. Auf all das sollten wir ja reagieren, und am besten europäisch und gemeinsam. Aber was heißt das jetzt konkret für den einzelnen Österreicher, die einzelne Österreicherin? – Stellen Sie sich vor, Sie liegen in einem Krankenhaus, erwarten eine sehr, sehr wichtige Operation und auf einmal funktioniert nichts mehr – keine Patientenakte, keine Befunde, kein OP-Plan, die Operation kann nicht durchgeführt werden. Das ist in Barcelona passiert. Nach einem Hackerangriff wurden Hunderte Operationen abgesagt. Und das ist nicht Science-Fiction, das ist Realität, und genau deshalb braucht es eben Gesetze für mehr Cybersicherheit. (👏 SPÖ) Es ist klar, dieses NIS-Gesetz 2026 ist jetzt keine leichte Materie. Zwei Regierungen haben daran gearbeitet, unzählige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist eine Mammutaufgabe, aber es ist wichtig, dass hier ein gemeinsames Fundament geschaffen wird mit besserer Zusammenarbeit, schnellerer Reaktion auf Vorfälle. Und das Wichtigste: Europa zieht hier an einem Strang, und Österreich ist jetzt endlich, mit etwas Verspätung, ein Teil davon. Wir haben in der Debatte ja auch kritische Stimmen gehört – hier im Nationalrat, aber auch von Stakeholdern und NGOs außerhalb. Ich glaube, diese Bedenken muss man auch ernst nehmen. Es stimmt auch, dass das eine Abwägung zwischen verschiedenen Interessen ist. Das Wichtige dabei ist halt, das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren. Cybersicherheit ist eben eine Mammutaufgabe. Es braucht Eingriffsmöglichkeiten, und deshalb sind klare Kontrollmechanismen wichtig, und die sind in diesem Gesetzesvorschlag gegeben. Als Parlament haben wir eine ganz, ganz wichtige Kontrollfunktion. Und ganz ehrlich: Aus Gerhard Karner werden wir jetzt keinen großen Datenschützer machen. Darum ist es umso wichtiger, dass wir ganz genau darauf schauen, was der Herr Innenminister mit diesen Befugnissen macht. Da gibt es ja auch diese Berichte, die entsprechend in einer nahen Zeitabfolge hier im Nationalrat diskutiert werden. Und ich glaube, das ist nicht nur wichtig für die Kontrollfunktion, die wir auszuüben haben, sondern vielleicht gibt es auch Erkenntnisse, Sicherheitslücken, über die wir sprechen, und Vorfälle, die einen Mehrwert für die Bevölkerung bringen, damit sie sich darüber informiert. (👏) Aber ist dieses NIS-2 jetzt das Ende der Fahnenstange? Haben wir nachher keine sicherheitsrelevanten Probleme mehr im digitalen Raum? – Nein. Es ist aber ein wichtiger europaweiter Standardisierungsschritt, und wir werden auch weiterhin daran arbeiten müssen, die Sicherheit hochzuhalten, egal ob es jetzt offline oder online ist. Dieses Gesetz ist also kein Abschluss, sondern quasi der Beginn einer neuen Sicherheitsarchitektur im Cybersicherheitsbereich. (👏) Wir haben jetzt gehört, es ist ein riesengroßes Gesetz. Jetzt ist es wichtig, dieses Gesetz auch mit Leben zu füllen. Wir müssen die Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen, die jetzt einige Dinge haben, die sie umsetzen sollen. Auf der anderen Seite braucht es, wie wir schon gehört haben, ausreichend Personal in den Behörden, Menschen, die mit diesem Gesetz arbeiten. Da müssen wir auch darauf schauen, dass wir genug Fachkräfte haben, denn gute Cybersicherheitsexperten fallen für gewöhnlich nicht vom Himmel. Das heißt, wir werden noch weiter investieren müssen. Und da erwarte ich mir auch Schritte von der Bundesregierung, dass wir in Ausbildung investieren, in Fachhochschulen, in die Lehre. Es muss eben auch eine bildungspolitische Priorität haben, in diesem Bereich gutes Personal hervorzubringen. Zum Schluss: Konstruktive Oppositionsarbeit bedeutet eben, in den wichtigen Punkten auch zuzustimmen, auch Verbesserungen reinzuverhandeln. Wir haben diesem Entwurf, den wir ja von der letzten Gesetzgebungsperiode sehr gut kennen, im Ausschuss zugestimmt und wir werden dem auch hier im Nationalrat zustimmen. So funktioniert eben konstruktive Politik: Dass man dort, wo es problematische Auswüchse gibt, hinschaut, hinweist, vielleicht Verbesserungen reinverhandelt und dann, wenn es darauf ankommt, sich nicht vor der Verantwortung drückt, sondern auch zustimmt. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich möchte einen Dank aussprechen: Es gab in den letzten dreieinhalb, vier Jahren viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Innenministerium, im Bundeskanzleramt, bei uns im Klub, Jessica Grün, Referentin in unserem Klub. Unzählige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sehr viele Leute haben da viel Zeit reingesteckt. Ihnen allen gebührt ein riesengroßes Danke. Wir haben jetzt hier ein NIS-2, das wir auf den Weg bringen können. Danke auch an die Kolleginnen und Kollegen von SPÖ, NEOS und ÖVP dafür, dass wir jetzt doch am Ende noch ein paar Verbesserungen reinbringen konnten. Ich glaube, das ist heute ein guter Tag für die Cybersicherheit. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Bundesminister Gerhard Karner zu Wort gemeldet. – Bitte.

SPÖ Robert Laimer

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Staatssekretär! Hohes Haus! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Beim Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz, kurz NIS2, geht es nicht um taxative Aufzählung von Paragrafen, sondern darum, ob in unserem Land morgen Strom, Wasser, medizinische Versorgung und Datenzugänge funktionieren oder eben nicht. Wir leben in einer Zeit, in der Kraftwerke, Spitäler, Verkehrsnetze, Verwaltungsserver genauso bedroht sind wie ein Tresor oder auch eine Grenze, nur dass der Angriff heute nicht mehr mit Sprengstoff erfolgt, sondern mit Schadsoftware, Erpressungsalgorithmen und Hackergruppen. Cyberangriffe treffen nicht irgendwen im System. Sie treffen Patienten, sie treffen Pendler, Familien, Unternehmen. Wenn ein Krankenhaus erpresst wird – es wurde schon ausgeführt –, dann steht nicht eine Firewall still, sondern die Notaufnahme. Das muss uns bewusst sein. Digitale Ausfälle in der Spitzenmedizin führen unweigerlich zu menschlichen Tragödien. Darum ist unsere Zustimmung heute auch kein Jubelakt, sondern staatliche Pflicht und Verantwortung. Die EU fordert zu Recht die Umsetzung. Europa ist im Fadenkreuz hybrider Angriffe, und Österreich kann es sich schlicht und einfach nicht erlauben, länger zuzuwarten und weiter aufzuschieben. Zugegeben, als SPÖ haben wir im Vorjahr Nein gesagt, weil der Gesetzentwurf Schwächen hatte, erhebliche Schwächen sogar, und wir haben jetzt Ja gesagt, weil diese Schwächen nun gemeinsam ausgemerzt wurden. Von ehemaligen Machtkonzentrationen im Bundesministerium für Inneres ist er nun sozusagen in die Balance gerückt: Die Berichtspflichten sind präzisiert, die Abläufe transparenter, die Rolle der Behörden klar definiert – das war uns besonders wichtig – und das Parlament wurde eingebunden. Wir beschließen keine Überwachung per se, sondern Schutzmechanismen in konsequenter Form auf europäischem Niveau. Wir müssen ehrlich sein: Tausende Unternehmen sind mittlerweile betroffen. Cybersicherheit kostet Budget, ja, es kostet Personal und es bedarf Know-hows. Keine Cybersicherheit kostet Arbeitsplätze, Infrastruktur und, ganz besonders bitter, am Ende Vertrauen, nämlich in die Schutzfunktion unseres Staates. Deshalb haben wir auch darauf gedrängt, dass die neue Cybersicherheitsstelle nicht nur mahnt, sondern auch begleitet, nicht nur straft, sondern auch Lösungen vorgibt, nicht nur Vorgaben macht, sondern erklärt, trainiert und unterstützt, zu unser aller digitaler Sicherheit, denn es hilft niemandem, im Ernstfall Excel-Listen zu aktualisieren. ( Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP sowie Beifall bei SPÖ und Grünen. ) Und glauben Sie mir, damit haben wir unsere Erfahrungen gemacht, während Server kollabieren. Die Sicherheitsarchitektur muss funktionieren, simpel, klar und schnell erreichbar. Hybride Angriffe, Cyberkriminalität, digitale Spionage – das ist längst Alltag, und genau darum geht es. Wir bringen Österreich digital in die Lage, sich selbst zu verteidigen, ohne Grundrechte abzubauen und ohne Unternehmen in Bürokratie zu verfangen. Wir schaffen sozusagen Resilienz für den digitalen Zukunftsraum, für starke Infrastruktur, für starke Grundrechte. Abschließend Dank an die Grünen für die seriöse Mitarbeit, besonders an ihren Experten Kollegen Zorba. Ich hoffe, zu viel Lob schadet nicht in der eigenen Partei. – Vielen Dank. ( Heiterkeit und Beifall bei den Grünen sowie Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP. )

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried zu Wort gemeldet. – Bitte.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir haben jetzt über das NIS-Gesetz schon sehr viel gehört. Allerdings, was wir immer gehört haben, ist: Wir brauchen das, damit wir sicher sind. – Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass wir dadurch immer vor allem geschützt sind; aber wir erreichen damit, dass wir die höchsten Sicherheitsstandards einhalten können, die wir haben. Ich glaube, das ist das Wesentliche und das ist das, was man tun kann und was man tun muss, um Sicherheit zu gewährleisten. Für alle, die nicht immer alle Folgen vom Nationalrat im Fernsehen oder online mitverfolgen: Wir haben in der letzten Sitzung über die Drohnenabwehr gesprochen. Wir haben darüber gesprochen, wie gefährlich Drohnen sind, wie gefährlich Angriffe mit Drohnen sind und dass wir uns davor schützen müssen. Wir haben über Flughäfen gesprochen und wir haben darüber gesprochen, was für eine große Gefahr das für die Flughäfen ist. Nun ist das etwas, das sich jeder gut vorstellen kann: Die sieht man, man sieht sie am Himmel, man sieht sie kommen, man kann sie physisch beseitigen, man kann sich physisch davor schützen. – Das ist bei der Datensicherheit anders; es ist aber um nichts weniger gefährlich. Bleiben wir beim Beispiel des Flughafens: Wenn man sich in die Netzwerke eines Flughafens reinhackt, könnte man zum Beispiel die Schiebetüren beim Duty-free-Shop auf- und zumachen. – Wurscht, oder? Ist jetzt halb so wild. Man kann aber genauso gut zum Beispiel die Gepäckabfertigung manipulieren. Dann kommen halt die Koffer alle irgendwo anders an, wo man sie vielleicht nicht haben will, und dort, wo man sie braucht, sind sie nicht. – Das ist sehr, sehr unangenehm, aber trotzdem noch einigermaßen handelbar. Man könnte sich aber auch in das Betriebssystem des Towers einhacken, und da schaut es dann schon ganz anders aus, denn dann kriegen wir wirklich die größten Probleme: wenn plötzlich zig Flugzeuge im Luftraum über Österreich ungelenkt sind, also keine Ahnung mehr haben, was ober ihnen, unter ihnen ist, was ihnen entgegenkommt, worauf sie zufliegen. – Deshalb ist es wichtig, dass wir Strukturen schaffen, die uns auch vor diesen Gefahren schützen, und das machen wir mit diesem Gesetz. (👏 ÖVP, SPÖ) Ja, natürlich ist es unangenehm. Auf viele Unternehmen kommt ein Aufwand zu, den sie vorher nicht hatten. Ja, das ist nicht angenehm, aber es ist ein Sicherheitsmechanismus und es muss sein. Gewisse Sicherheitsvorkehrungen muss man einfordern und muss man einfordern können, weil es für uns alle, weil es für unsere gesamte Gesellschaft wichtig ist. Kinder mögen es auch nicht immer, wenn sie Schwimmflügerl angezogen bekommen. Aber ehrlich: Würden sie ihre Nichtschwimmerkinder ohne Schwimmflügerl ins Wasser lassen? – Nein.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das sagt eh alles! Genau so werden wir auch gesehen!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Genau dasselbe machen wir mit der Datensicherheit. Deshalb brauchen wir dieses Gesetz, und ich bin sehr froh, dass es so gut funktioniert hat, das gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir gelangen nun zur Abstimmung über den Gesetzentwurf in 308 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Friedrich Ofenauer , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Da der vorliegende Gesetzentwurf Verfassungsbestimmungen enthält, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 1 der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Die Abgeordneten Ofenauer, Köllner, Hoyos-Trauttmansdorff, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend die Artikel 1 bis 3 eingebracht. Wer dem zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung der Regierungsvorlage. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen. Ausdrücklich stelle ich die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit fest. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die in der dritten Lesung zustimmen, um ein Zeichen. – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung, wiederum mit der verfassungsmäßig erforderlichen Zweidrittelmehrheit, beschlossen.

Missbrauchsprävention der Überwachungsmaßnahmen

355 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 579/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Antrag zur Missbrauchsprävention der Überwachungsmaßnahmen wurde abgelehnt. In dem Antrag wurde gefordert, die gesetzliche Grundlage für die Gefährderüberwachung durch zusätzliche strafrechtliche Maßnahmen zu stärken, um Missbrauch zu verhindern.

Der Antrag betrifft die Sicherheitsbehörden, insbesondere den Verfassungsschutz, sowie sämtliche Bürger, deren Kommunikation überwacht werden könnte.

Das Ziel des abgelehnten Antrags war es, strenge Sanktionen für den Missbrauch von Überwachungsbefugnissen zu schaffen und das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit zu stärken.

Dokumente

Missbrauchsprävention der Überwachungsmaßnahmen

Hintergrund der Überwachungsmaßnahmen

  • Am 18. Juni 2025 beschloss die Bundesregierung die Grundlagen für die Gefährderüberwachung, die das Abfangen unverschlüsselter und verschlüsselter Nachrichten ermöglicht.
  • Diese Überwachungsmaßnahme stellt einen tiefgreifenden Eingriff in die Grundrechte der Bürger dar, der von Missbrauchsvorkehrungen begleitet werden sollte.

Forderungen im Antrag

  • Der Antrag stellte die Forderung auf, den Missbrauch der Gefährderüberwachung durch eine Novelle des Strafgesetzbuches (StGB) zu sanktionieren.
  • Die Regierung sollte entweder § 302 Abs. 2 StGB ändern oder einen neuen Straftatbestand schaffen, um die Missbrauchsgefahr zu minimieren.

Gesellschaftliche Auswirkungen

  • Der Chilling Effect beschreibt die befürchtete Selbstzensur der Bevölkerung aus Angst vor Überwachung, was die gesellschaftliche Teilhabe und Meinungsäußerung einschränken könnte.
  • Es wurde darauf hingewiesen, dass durch unzureichende Transparenz und Kontrolle das öffentliche Vertrauen in die Sicherheitsmaßnahmen leidet.

Notwendigkeit der Gesetzgebung

  • Die Abgeordneten forderten eine dringend notwendige gesetzliche Regelung zur Bestrafung des Missbrauchs von Überwachungsbefugnissen.
  • Die Bundesregierung sollte transparente Informationen über Überwachungsmaßnahmen bereitstellen und frühere Vorfälle aufarbeiten, um Vertrauen zu stärken.

Zusätzliche Entschließung

  • In einer weiteren Abstimmung wurde ein selbständiger Entschließungsantrag verabschiedet, der die Bundesregierung auffordert, ihre Zusage zur Stärkung der strafrechtlichen Maßnahmen einzuhalten.
  • Der Antrag wurde einstimmig beschlossen und bestätigte die Notwendigkeit einer angemessenen strafrechtlichen Flankierung der Gefährderüberwachung.

Missbrauchsprävention der Überwachungsmaßnahmen

~40 min Lesezeit
Dafür: FPÖGRÜNE Dagegen: ÖVPSPÖNEOS
FPÖ Gernot Darmann

Danke, Frau Präsident! Hohes Haus! Dieses Mal kann ich mich etwas kürzer fassen, denn: Ehre, wem Ehre gebührt! Danke an Kollegen Zorba, dass er – sogar seitens der Grünen – in diesem Fall die Initiative gestartet hat, die Regierungsfraktionen beziehungsweise die Regierung an und für sich an ihre eigenen Versprechen zu erinnern, die im Zuge der Beschlussfassung rund um die Messengerüberwachung getätigt wurden, nämlich im Falle von missbräuchlicher Ausübung der Überwachungsbefugnisse auch härtere Strafen in unserem Strafrecht zu verankern. Nur hat man, wie es zu erwarten war, natürlich in der Regierung danach auf die eigenen Versprechen vergessen und bei diesen strafrechtlichen Konsequenzen nicht nachgeschärft. Deswegen hat es seitens der Grünen einen No-na-Antrag gegeben, von uns logischerweise entsprechend unterstützt, da die Schrauben anzuziehen, weil es ja an sich hanebüchen wäre, eine missbräuchliche Anwendung der Überwachungsmaßnahmen nicht entsprechend hart zu bestrafen. Nur, werte Kolleginnen und Kollegen, ich muss schon sagen – leicht bezugnehmend auf den vorherigen Tagesordnungspunkt, aber auch hinsichtlich der Argumentationslinie der Bundesregierung zur Messengerüberwachung –: Es gibt schlichtweg keine absolute Sicherheit durch derartige Gesetze. Wenn der Herr Innenminister gerade vorhin noch gesagt hat, dass es durch diese Überwachungs-, Begleit- und Kontrollmaßnahmen, das NIS-Gesetz, Schutz und Sicherheit vor Cyberangriffen gibt, dann ist das die glatte Unwahrheit. Das ist die glatte Unwahrheit – ein anderes Wort würde besser passen, aber zu einem Ordnungsruf führen –, und meines Erachtens ist es genau diese saloppe Umgangsform mit der Öffentlichkeit, mit unseren Bürgern, mit unseren Wirtschaftstreibenden, das als absolut in den Raum zu stellen. (👏 FPÖ) Das ist meines Erachtens brandgefährlich. Es ist brandgefährlich, weil das Einzige, was auch aus den Erfahrungen quer durch die Europäische Union gewiss ist, ist, dass dort, wo es diese Überwachungsmaßnahmen in den letzten Jahren bisher schon gegeben hat, auch missbräuchliche Verwendung stattgefunden hat. Man hat diese Bündelung an Informationen von intern, aber auch von extern, durch einen illegalen Zugriff von außen, für sich verwendet und gegen Privatpersonen, Oppositionspolitiker, gegen Journalisten und – in weiterer Folge nunmehr vielleicht auch möglich – gegen Unternehmen eingesetzt und wird das auch so einsetzen können. Das muss man sich einfach durch den Kopf gehen lassen – um noch einmal das zusammenzuführen, was vorhin diskutiert wurde und was nun betreffend diese strafrechtlichen Maßnahmen zu beschließen sein wird. Wir von unserer Seite sehen es einerseits als nur korrekt an, den Antrag der Grünen zu unterstützen, sehen es andererseits als etwas kindisch an, dass die Regierungsfraktionen gemeint haben, den grünen Antrag nicht unterstützen zu können, aber die Grünen gefragt haben, ob sie nicht mit ihrem Antrag, der praktisch deckungsgleich ist, mitgehen wollen, um diesen dann beschließen und verkaufen zu können. Wir von unserer Seite werden die Intention, den Inhalt beider Anträge unterstützen, weil sie schlüssig und inhaltlich gleich sind, auf das Gleiche abzielen und schlussendlich zu einer massiven Bestrafung eines missbräuchlichen Verwendens dieser Überwachungsmaßnahmen führen werden. Abschließend: Besser wäre es gewesen, weder die Messengerüberwachung noch heute das NIS-Gesetz zu beschließen, denn diese führen in Wahrheit nur zu einem Überwachungsstaat …

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

Ja genau!

FPÖ Gernot Darmann

… und nicht zu einer Besserung der Sicherheitssituation. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Thomas Elian zu Wort.

ÖVP Thomas Elian

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Werter Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute ein Instrument, das tief in die Realität des 21. Jahrhunderts hineinreicht. Terroristen, Extremisten und Spione telefonieren nicht mehr mit dem Festnetz, schreiben sich keine SMS-Nachrichten mehr, sondern sie vernetzen sich in verschlüsselten Chats oder planen Anschläge über moderne Messengerdienste. Österreich hatte bislang einen gefährlichen blinden Fleck. Unsere Sicherheitsbehörden tappten bei verschlüsselter Kommunikation praktisch im Dunkeln und mussten in entscheidenden Fällen auf Hinweise aus dem Ausland hoffen. Wir alle erinnern uns an die vereitelten Anschlagspläne in Wien. Ohne internationale Partner hätte es Tote geben können. Mit der Gefährderüberwachung schließen wir diese Lücke – nicht mit einer massenhaften Überwachung, sondern mit einem präzisen, streng kontrollierten Instrument für den Verfassungsschutz. Wer etwas anderes behauptet, hat den Text nicht gelesen oder will ihn bewusst verdrehen. (👏 ÖVP) Unser Innenminister hat es deutlich gesagt: Unsere Sicherheitsbehörden brauchen moderne Methoden, um Terroristen und Extremisten auf Augenhöhe zu begegnen. Alles andere wäre sicherheitspolitische Naivität, und Naivität können wir uns nicht leisten. Genau deshalb reden wir hier nicht von Tausenden oder Zehntausenden Betroffenen, wir reden hier von wenigen hochgefährlichen Personen, Menschen, die konkrete Anschlagspläne schmieden, und selbst für diese Handvoll gilt ein enges rechtliches Korsett: Jede Maßnahme braucht einen konkreten, begründeten Verdacht. Jede Maßnahme muss von einem Dreirichtersenat des Bundesverwaltungsgerichts genehmigt werden. Jede Maßnahme ist auf drei Monate beschränkt. Und jede Maßnahme wird laufend von einem unabhängigen Rechtsschutzbeauftragten, unterstützt durch mehr Personal, kontrolliert. Deshalb haben auch das Institut für Strafrecht der Universität Wien, die Generalprokuratur und das Bundesverwaltungsgericht keine verfassungsrechtlichen Bedenken geäußert und den Entwurf ausdrücklich unterstützt. Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich eines klar sagen: Die Handys der unbescholtenen Bevölkerung interessieren uns nicht. Es geht nicht um das Mitlesen privater Allgemeinkommunikation, es geht um jene, die unsere demokratische Grundordnung zerstören wollen. Wir setzen außerdem auf starke Missbrauchsschranken. Die technische Sicherheit der eingesetzten Software wird gesetzlich abgesichert, die Bestimmungen betreffend Missbrauch im Strafgesetzbuch werden verschärft, und bei Überschreiten einer klaren Anzahl von Fällen muss der Innenminister dem Parlament zusätzliche Rechenschaft ablegen. Wir gehen auch noch einen Schritt weiter: Bevor die Software überhaupt zum Einsatz kommt, schaffen wir eine klare strafrechtliche Grundlage, die jeden Missbrauch streng und unmissverständlich ahndet. Damit setzen wir ein deutliches Signal: Dieses Instrument dient ausschließlich der Terrorabwehr und niemandem sonst. (👏 ÖVP) Die Kritik der Opposition ist bekannt. Sie reicht von Schlagworten wie Massenüberwachung bis zum Bild eines digitalen Überwachungsstaates. Wenn man sich aber den Gesetzestext genau ansieht, bleibt von diesen Schlagworten wenig übrig. Dieses Gesetz ist das Gegenteil einer verdachtsunabhängigen Massenüberwachung. Es ist auf streng geregelte Anwendungsfälle beschränkt, es ist zeitlich befristet, und es ist mehrfach rechtlich und technisch kontrolliert. Wer hier von Totalüberwachung spricht, verkennt bewusst die Realität oder will bewusst Angst schüren. Sehr geehrte Damen und Herren, abschließend: Ein Rechtsstaat, der aus Angst vor Schlagzeilen wegschaut, schützt niemanden. Wer Gefährder nicht überwachen will, der schützt nicht die Freiheit, sondern gefährdet diese.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das sagt der Trump auch!

ÖVP Thomas Elian

… Sicherheit ist ein Grundrecht, und dieses Grundrecht verteidigen wir. Wir haben das Privileg, für die Menschen in diesem Land arbeiten zu dürfen. Und eines ist klar: Nur weil man die Uhr festhält, bleibt die Zeit nicht stehen. Die Bedrohungen entwickeln sich weiter, und wir müssen unsere Sicherheitsinstrumente weiterentwickeln, wenn wir ihnen gewachsen sein wollen – für ein sicheres Österreich. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sabine Schatz .

SPÖ Sabine Schatz

Danke, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit der Novelle des SNG im Juli dieses Jahres haben wir dem Verfassungsschutz ein neues Instrument in die Hand gegeben, nämlich die konkrete Überwachung von Gefährdern und Gefährderinnen. Der Verfassungsschutz kann damit sozusagen auf verschlüsselte Nachrichten von mutmaßlichen Terroristen, Terroristinnen oder Spioninnen und Spionen zugreifen. Für uns als SPÖ war von Anfang an ganz klar und wichtig, dass wir dabei für maximalen Schutz sorgen wollen, um eben genau auszuschließen, dass es zu einer Massenüberwachung kommen kann, und das haben wir auch im Gesetz mit zahlreichen Kontrollpunkten festgehalten. Das war für uns die Voraussetzung. Wir wollen gezielt gegen mutmaßliche Terroristen, Terroristinnen, Spioninnen und Spione vorgehen und damit für mehr Schutz und Sicherheit in der Bevölkerung sorgen. Deswegen sind eben im Gesetz umfangreiche Missbrauchspräventionsmaßnahmen festgehalten. Wir haben es schon gehört, ich möchte nur noch ein paar beispielhaft erwähnen: etwa dass jeder einzelne Überwachungsfall zeitlich begrenzt ist, dass jeder einzelne Überwachungsfall auch von einem unabhängigen Richtersenat bewilligt werden muss, dass es eine verpflichtende Einbindung des Rechtsschutzbeauftragten braucht, dass wir im Parlament darüber informiert werden müssen, wenn es zu mehr als 30 Fällen von Überwachung im Jahr kommt, und dass es auch eine ausreichende parlamentarische Kontrolle über die technischen Maßnahmen und die Kosten, die durch diese Maßnahmen entstehen, gibt. (👏 SPÖ) Mit dem vorliegenden Antrag halten wir ein Versprechen ein, und wir werden auch ganz klar festhalten, dass wir jeden Missbrauchsversuch in diesem Zusammenhang streng ahnden und streng verfolgen werden. Es ist ein Vierparteienantrag, den wir heute hoffentlich hier auch einstimmig beschließen können, und wir werden damit diese hochsensible Aufgabe, die wir dem Verfassungsschutz übergeben haben, entsprechend weiter ausbauen und vor Missbrauch klar schützen. Wir fordern in diesem Antrag, ein neues Delikt im Strafgesetzbuch zu schaffen, auf dessen Grundlage eben ein etwaiger Missbrauch auch konsequent und klar verfolgt und geahndet wird. Wir werden da nicht zusehen, wir werden das nicht zulassen. Wir werden da Massenüberwachung so gut und so breit wie möglich irgendwie verhindern.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Es hat noch nie jemand gesagt, dass es Massenüberwachung ist!

SPÖ Sabine Schatz

… Sehr geehrte Damen und Herren, mit der Novelle des SNG, die wir geschaffen haben, gehen wir gegen Extremisten, gegen Terroristen, gegen Spione und Spioninnen vor. Wir schützen die Bevölkerung, wir stärken unsere Demokratie, und wir werden mit allen Maßnahmen, die wir geschaffen haben, auch jeden Missbrauch so gut und so weit wie möglich eindämmen und konsequent verfolgen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Innenminister! Lieber Herr Staatssekretär! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, das Thema der Gefährderüberwachung war für uns NEOS, für uns Liberale durchaus kein leichtes. Deshalb war für uns NEOS auch immer klar, dass es bei diesem Gesetz drei Dinge braucht, nämlich größtmöglichen Rechtsschutz, engste Anwendungsgrenzen und auch harte Sanktionen bei Missbrauch. Genau das haben wir in das Gesetz auch hineinverhandelt: dass es einerseits keinen Zugriff geben kann, der unbemerkt stattfindet, dass immer ein Protokoll angefertigt werden muss, dieses Protokoll von einem unabhängigen Rechtsschutzbeauftragten angesehen wird und jeder Zugriff genauestens überprüft wird – und auch, dass jeder Zugriff zuerst von einem Richter genehmigt werden muss, dass hier auch die unabhängige Justiz drübersieht und das nicht die Behörde selbst machen kann. Und ja, auch harte Sanktionen haben wir hineinverhandelt. Die sind im Ministerratsvortrag klar drinnen, die hat unser Klubobmann Yannick Shetty auch klar skizziert, und ja, die werden auch kommen, und zwar im Zeitrahmen, den wir versprochen haben, nämlich bevor diese Software in Anwendung kommt. Dafür stehen wir, das haben wir versprochen, das kommt genau so. Wir haben uns da durchaus auch gefreut, dass ein Antrag von den Grünen gekommen ist. Ich finde, da darf man sich als Koalition auch einmal auf die Schulter klopfen – das tun wir sonst ja nie –, dass wir diesen Antrag von den Grünen nicht einfach vertagt haben, dass wir darauf eingegangen sind …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Danke schön!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… dass wir da – mit kleinen Abänderungen – eine gemeinsame Lösung gefunden haben. Was waren die Abänderungen? – Einerseits hätten die Grünen auch gerne einen umfassenden Bericht gehabt. Wir als NEOS sind ja bekanntlich gerade am Deregulieren, wir wollen nicht ganz, ganz viele neue Berichte einführen, wir wollen vielmehr die Verwaltung effizienter machen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Seid ihr gegen Transparenz, oder wie?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Deshalb haben wir uns da auf einen Text ohne die erweiterten Berichtspflichten, aber mit dem ganz klaren Zeitrahmen und der konkreteren Ausgestaltung für harte Sanktionen geeinigt. (Abg. Wurm [FPÖ] – in Richtung Abg. Shetty –: Yannick, seid ihr gegen Transparenz? Wollt ihr keine Transparenz?) Wie sehen diese harten Sanktionen aus? – Ja, sie resultieren entweder aus einer Qualifikation nach § 302 StGB, Missbrauch der Amtsgewalt, oder aus der Schaffung eines neuen Deliktes. Und was ist da der Strafrahmen? – Bei dem normalen Missbrauch der Amtsgewalt wäre der sechs Monate bis fünf Jahre. Wir wollen, eben weil es so ein kritisches Thema ist, weil es da eben so eine Missbrauchsgefahr gibt, der wir vorbeugen wollen, einen härteren Strafrahmen von über fünf Jahren Maximum, von vermutlich ein bis zehn Jahren, um klarzumachen, klar zu zeigen, so ein Missbrauch kann sich niemals lohnen. Und durch die richterliche Überwachung, durch die Überwachung durch den Rechtsschutzbeauftragten, kann es überhaupt nur in den wenigsten Fällen dazu kommen. – Danke. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Süleyman Zorba .

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Herr Staatssekretär! Der Innenminister ist jetzt, glaube ich, kurz weg. Ja, also ich wollte es eigentlich kurz machen und nicht noch einmal das gesamte Thema der Messengerüberwachung aufmachen. Zuerst danke an Kollegen Darmann, dass er eigentlich ganz gut aufgearbeitet hat, was das Problem mit der Messengerüberwachung ist. Denken wir aber einmal kurz zurück! Was war im Juni 2025? – Da ist Herr Klubobmann Shetty bei der Pressekonferenz zur Messengerüberwachung gestanden und hat uns zwei Dinge versprochen: zum einen, dass sich Österreich gegen die europäische Chatkontrolle stellen wird, und zum anderen, dass es bei der Messengerüberwachung bei Missbrauch eine Novellierung des Strafgesetzbuches geben wird, damit der Missbrauch härter bestraft wird. Jetzt haben wir Dezember, seit Juni sind ein paar Monate vergangen. Mittlerweile hat Österreich der europäischen Chatkontrolle zugestimmt. Und vom anderen Part, nämlich davon, dass es eine Novellierung betreffend den Missbrauch geben soll, sodass der härter bestraft wird, hören wir nichts. So, das haben wir im Ausschuss eingebracht. Es ist gut, dass es jetzt einen gemeinsamen Antrag auch der Regierungsparteien gibt, dass wir die Regierung noch einmal daran erinnern, dass da etwas zu tun ist. Ich werde es bezüglich der Messengerüberwachung ganz kurz machen. Niemand in diesem Haus oder zumindest von unserer Fraktion hat jemals behauptet, dass es sich bei der Messengerüberwachung um Massenüberwachung handelt. Sie ist per Design keine Massenüberwachung. Das ist aber nicht die Problematik bei der Messengerüberwachung, sondern es sind diese vielen, vielen, vielen Dinge, die wir auch in der Sitzung besprochen haben, die bei der Abstimmung darüber vorgebracht wurden. Da ist ein unglaubliches Missbrauchspotenzial. Und da wurde uns ja seitens der Regierung versprochen, dass dieser Prozess transparent ablaufen wird. Und ganz ehrlich: Ich habe in den letzten Monaten von dieser Transparenz nicht viel mitbekommen. Ich habe durchgehend parlamentarische Anfragen an den Herrn Innenminister geschrieben, und die einzige Antwort, die ich bekomme, ist, dass man aufgrund von sicherheitspolizeilichen Gründen da keine Antwort geben kann. Ist das die Transparenz, die uns versprochen wurde? (👏) So, jetzt haben wir immer mehr Überwachungsmaßnahmen, sei es vermehrte Videoüberwachung in den Innenstädten, sei es die Messengerüberwachung. Es würde eigentlich Sinn machen, wenn man einmal eine Überwachungsgesamtrechnung aufstellt, sodass man auch mit der Bevölkerung transparent umgeht und sagt: Hey, das sind die Überwachungsmaßnahmen, die passieren! Vielleicht gibt es welche, die man im Sinne einer Deregulierung abschaffen kann, oder Befugnisse, die man ändern, anpassen, modernisieren muss. Und nichts anderes hat unser Antrag eigentlich verlangt: dass man zum einen diese Missbrauchssituation im Strafgesetzbuch klärt und zum anderen, dass es eine Überwachungsgesamtrechnung geben soll, damit wir einen Überblick bekommen, was los ist. Beides wurde abgelehnt. Zum gemeinsamen Antrag mit den Regierungsparteien: Ja, das ist gut. Jetzt fordern wir die Bundesregierung dazu auf, dass sie ihren Versprechungen nachkommt. Wenn aber Herr Staatssekretär Leichtfried heute schon anwesend ist, möchte er vielleicht jetzt ein bisschen die Transparenz bei der Messengerüberwachung hervorbringen, die er versprochen hat: Wie läuft es mit den Gesprächen? Gibt es Anbieter, die sich schon gemeldet haben? Sind schon Verträge da? Wie ist der Status? Vielleicht können Sie uns einmal darüber informieren. – Danke schön. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Klubobmann Yannick Shetty gemeldet.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Abgeordneter Zorba hat hier behauptet, dass Österreich der Chatkontrolle zugestimmt hat.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ja, ...!

NEOS Yannick Shetty

… Das ist nicht richtig. Ich berichtige tatsächlich: Es gab keine rechtsgültige Entscheidung der Innenminister zur Chatkontrolle. Und unsere Auffassung zur Chatkontrolle, unsere Meinung ist unverändert und wird auch weiterhin so bleiben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... in der Regierung! – Abg. Zorba [Grüne]: Österreich hat nicht zugestimmt! Österreich hat nicht zugestimmt!

NEOS Yannick Shetty

… Wir lehnen eine anlasslose Massenüberwachung ab. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried gemeldet. – Herr Staatssekretär, Sie haben maximal 5 Minuten, weil ich um 15 Uhr die Tagesordnung unterbrechen werde. Bitte.

SPÖ Christian Oxonitsch

Danke schön, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Es freut mich, dass letztendlich das, was in dem Antrag intendiert ist, bereits in Umsetzung ist. Über diese Zusage freue ich mich. Daher können wir rasch zur Abstimmung schreiten. Ich bitte um breite Zustimmung. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Dann gehe ich so vor. Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen zur Abstimmung. RN/91.1 Zunächst lasse ich über den Antrag des Ausschusses für Innere Angelegenheiten, seinen Bericht 355 der Beilagen hinsichtlich des Entschließungsantrages 579/A(E) zur Kenntnis zu nehmen, abstimmen. Wer für die Kenntnisnahme ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit so zur Kenntnis genommen. RN/91.2 Wir kommen zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 355 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Missbrauchsprävention der Überwachungsmaßnahmen“. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. (xx/E) Damit unterbreche ich nun bis 15 Uhr die Sitzung. Ich begrüße die Frau Bundesministerin in unserer Mitte. Die Sitzung ist unterbrochen. Sitzungsunterbrechung, 59. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:57

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Sehr geehrte Frau Ministerin! Es sind nunmehr 1 367 Tage: So lange dauert der völkerrechtswidrige, menschenverachtende Krieg in der Ukraine. 1 386 Tage gelten die EU-Sanktionen zum Schutz der ukrainischen Bevölkerung gegen den Aggressor Russland. Genauso lange geht bereits das Katz-und-Maus-Spiel mit der Raiffeisen International, kurz RBI, die diese Sanktionen für ihren eigenen Vorteil zurechtbiegen will. Die Raiffeisenbank hat über viele Jahre viele Milliarden Euro an Profit in Russland verdient. Das Risiko, das damit einhergeht, dass man mit so einem Regime gemeinsame Sache machen will, will sie nicht tragen. Auf Deutsch gesagt: Die Raiffeisenbank will ihr Problem in Russland aussitzen und die Bundesregierung und auch das NEOS-Außenministerium möchten ihr dabei helfen, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏) Wir haben nicht schlecht gestaunt, als Anfang Oktober dieses Jahres durch Recherchen der Financial Times bekannt wurde, dass sich die österreichische Bundesregierung, ohne nur irgendwie Rücksicht auf die europäischen Partner zu nehmen, dafür einsetzt, dass das europäische Sanktionsregime so aufgeweicht wird, dass – halten Sie sich fest – in Europa zum ersten Mal seit Beginn des Krieges Vermögen eines russischen Oligarchen defreezed, also aufgetaut, wird. In diesem Fall geht es um die Strabag-Aktien. Die sollten aufgetaut werden – nicht, um das Vermögen den Ukrainern zuzuleiten, nein, sondern um die Raiffeisen International für ihr russisches Engagement zu entschädigen. Das Interessante dabei ist, Frau Außenministerin: Haben Sie oder hat der Rest der Bundesregierung sich eigentlich jemals Gedanken darüber gemacht, was das für eine Kettenreaktion in Europa auslösen könnte, just zu dem Zeitpunkt, als überlegt wird, dass eingefrorenes Vermögen russischer Oligarchen der Ukraine zu deren Verteidigung zur Verfügung gestellt wird? – Darüber haben Sie sich keine Gedanken gemacht, und diesen Vorwurf müssen Sie sich auch gefallen lassen, Frau Außenministerin! (👏) Ich habe mich lange gefragt: Warum machen Sie das? Ich habe mir kurzfristig einmal überlegt: Na ja, vielleicht ist es so ein innerkoalitionärer Gefallen, dass die Raiffeisen-Bänkler, also die ÖVP, den Raiffeisen-Bankern sozusagen sagen können: Na, man setzt sich eh auf europäischer Ebene ein!, meint das Ganze aber gar nicht so ernst. Aber weit verfehlt: Sie, Frau Außenministerin, fanden die Idee ja selber so toll. Sie haben sich sehr engagiert, Sie haben stolz verkünden lassen, dass Sie sich doch gern in Brüssel für die Interessen österreichischer Unternehmen einsetzen. Frau Außenministerin, ich sage Ihnen schon: Sie sind keine Bankenvertreterin, Sie repräsentieren Österreich nach außen. Sie sind auch keine Wirtschaftsvertreterin, nein, Sie vertreten – das ist Ihre Aufgabe – die Interessen der Österreicherinnen und Österreicher in ihrer Gesamtheit und nicht eines Einzelnen. Sie haben uns abermals auf europäischer Ebene blamiert. Blamiert haben Sie uns mit diesem Vorgehen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Sehr bezeichnend, Nina! Bezeichnende Rede!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Schwerer wiegt noch, dass Sie mit diesem Vorgehen die Sicherheit der ukrainischen Bevölkerung aufs Spiel setzen, denn die Sanktionen sind ja nicht für Hetz und Gaudi da, sie sind da, um sie vor dem russischen Aggressor zu schützen. Die Ukrainer, das sage ich Ihnen auch ganz offen, haben nichts davon, dass Sie eine ukrainische Tracht tragen und sich dann hintenherum gegen die Interessen der Ukraine verhalten. So schaut es nämlich aus! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Diese Rede kann man eins zu eins teilen! Ist nämlich bezeichnend!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Das Argument übrigens, das Sie öffentlich gesagt haben und auch in der Anfragebeantwortung sagen, dass Sie das ja nur machen, damit ein russischer Oligarch sich nicht doppelt bereichert, ist natürlich Unfug, denn – das wissen Sie ganz genau – die Strabag-Aktien, die Oleg Deripaska zugerechnet werden, sind eingefroren, bleiben auch eingefroren, und nur, weil sie die Raiffeisen nicht kriegt, kriegt sie Oleg Deripaska selbstverständlich auch nicht. Das bitte ich, auch zur Kenntnis zu nehmen. Wegen all dem haben meine Kollegin Meri Disoski und ich eine Anfrage an Sie als Außenministerin gestellt – aber ich weiß nicht, vielleicht hatten Sie einfach keinen Bock, sie zu beantworten. Ich möchte Ihnen nur auszugsweise einmal Fragen vorlesen. Ich habe Sie zum Beispiel gefragt, ob Sie sich im Vorfeld mit RBI-Vertretern getroffen haben. – Keine Antwort. Ich habe gefragt, wie Sie sich in der Verhandlung um das 19. Sanktionspaket verhalten haben. – Keine Antwort. Ich habe Sie gefragt: Sind überhaupt alle Regierungspartner mit der Position einverstanden, also haben Sie das Einvernehmen hergestellt? – Auch das haben Sie nicht beantwortet. Da frage ich mich schon: Was hätte die Oppositionspolitikerin Meinl-Reisinger hier im Parlament zu so einer Anfragebeantwortung gesagt? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hätte der Loacker gemacht!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Wahrscheinlich wären Sie richtiggehend explodiert. Erinnern Sie sich noch an die konstituierende Sitzung, die allererste Sitzung in dieser Periode? Da sind Sie als Klubobfrau, damals noch der Opposition, aufgetreten und haben gesagt: Anfragen werden oft unzureichend oder manchmal auch einfach gar nicht beantwortet, und es sei vor allem die Aufgabe des Präsidenten, das sicherzustellen. Das ist ein Zitat von Ihnen. Soll ich Ihnen etwas sagen: Wessen Aufgabe ist es in erster Linie, Anfragen des Parlaments vollständig zu beantworten? – Die der Ministerin und Minister. Dem kommen Sie nicht nach! (👏) RN/95.1 Es ist aber wohl auch so bei den NEOS ( Heiterkeit der Rednerin ): Die Position bestimmt auch oft den Standpunkt. Interessanterweise waren es die NEOS in Person des Kollegen Nikolaus Scherak , der noch 2019 sogar Sanktionen bei Nichtbeantwortung von parlamentarischen Anfragen gefordert hat. Sie sagen – Zitat –: „Die mangelnde Beantwortung von parlamentarischen Anfragen ist demokratiepolitisch bedenklich“. ( Die Rednerin hält den Ausdruck eines Artikels aus der „Tiroler Tageszeitung“ in die Höhe. ) – Ja, ja, ja, und jetzt sind die NEOS in der Regierung und das Informationsbedürfnis, das Kontrollrecht des Parlaments sinkt in der Priorität ganz nach unten. Nächstes Beispiel: Das mit der Personalakte von Kurt Waldheim – jener Spitzendiplomat mit äußerst unrühmlicher Rolle im Zweiten Weltkrieg – wurde an diesem Wochenende bekannt. Historiker warten seit 40 Jahren auf den Zugang zu dieser Personalakte, und mit dem Informationsfreiheitsgesetz gäbe es nun endlich die Möglichkeit. Da wäre eine historische Aufarbeitung endlich möglich. Was tun Sie? – Mit einem Trick verschieben Sie diese Personalakte ins Staatsarchiv, um einen Zugriff bis 2033 weiterhin zu verwehren. Welches Interesse verfolgen Sie damit, Frau Außenministerin, welches Interesse? (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Meinl-Reisinger .) Sicher nicht das Bedürfnis Transparenz! (👏) Nächstes Beispiel für eine Diskrepanz zwischen der Oppositionspartei NEOS und der Regierungspartei NEOS: Wien. Was haben wir uns da nicht alles anhören müssen? Inserate dies, Inserate jenes, und wenn wir kommen, wird sich alles verändern, ta, ta, ta, wir machen, wir werden, wir müssen. Noch 2023 haben die NEOS eine Pressekonferenz gegeben – groß olé, olé, großer Erfolg. Die NEOS haben das Inseratenbudget dann für 2024 und 2025 jährlich von 23,8 auf 21,6 Millionen Euro gesenkt. Nur liegt jetzt die Abrechnung vor – im übrigen Dank der Grünen, weil es eine neue Transparenzgesetzgebung gibt –: Ausgegeben wurden 23,9 Millionen Euro. ( Rufe bei den Grünen: Oh! Oh! ) Sie haben also mehr ausgegeben und nicht weniger, so schaut es nämlich aus! (👏) Ich sage Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen der NEOS: Genau so erleben wir Sie als Oppositionsparteien hier. Sie stellen sich hier immer hin und lassen sich ausgiebig darüber aus und beschweren sich, wer denn nicht alles doof ist und wer was aus der Opposition nicht richtig macht, nicht richtig tut, nicht richtig denkt – denn wir sind nicht links, wir sind nicht rechts, wir sind, was weiß ich?, die Besseren, die Besten, die Allerbesten; das wissen wir eh. Ich gebe Ihnen jetzt eine Empfehlung: Kehren Sie doch lieber von der eigenen Tür und werden Sie verdammt noch einmal den Versprechen gerecht, die Sie Ihren Wählerinnen und Wählern bei der Wahl gegeben haben! – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Die Redezeit der nunmehr zu Wort gemeldeten Abgeordneten beträgt gemäß Geschäftsordnung 5 Minuten. Stellungnahmen von Mitgliedern der Bundesregierung oder Redebeiträge von Staatssekretärinnen und Staatssekretären sollen nicht länger als 10 Minuten dauern. Zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Meinl-Reisinger. – Bitte, Frau Bundesminister.

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Frau Kollegin Tomaselli, wie können Sie nur? – Ich meine, wir haben da eine Außenministerin sitzen, die kofferweise das Steuergeld in die Ukraine führt, sich wirklich bemüht, dass dort alles passt, sogar vor kulturellen Aneignungsexzessen nicht zurückschreckt, und Sie stellen die Außenministerin dann so her, als ob sie es nicht ernst meinen würde und vielleicht noch einen politischen Vorteil für den Parteispender Haselsteiner herausschlagen möchte. (👏 FPÖ) Das ist wirklich unredlich von Ihnen, Frau Kollegin Tomaselli! –Aber nein, ich habe mich das auch gefragt, und ich habe in diesem Zusammenhang eine ähnliche Anfrage an die Außenministerin gestellt. Was da abläuft, ist ja offensichtlich, Frau Außenministerin. Als Frau Kollegin Tomaselli vorhin gefragt hat, was Sie, Frau Meinl-Reisinger, als Oppositionspolitikerin damals gemacht hätten, hätte ich gesagt: Wahrscheinlich auch nichts. Da hätte die Anfrage wahrscheinlich Herr Kollege Loacker gemacht, der hat noch etwas von seiner Arbeit verstanden. In anderen Bereichen hätte man von Ihnen wahrscheinlich auch nichts erwarten können.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Diese Frauenfeindlichkeit ist ...!

FPÖ Christian Hafenecker

… Zurück zu dem, was uns hier eigentlich beschäftigt: Das ist diese Sanktionspolitik, die wir Freiheitliche aus einem Grund von Anfang an abgelehnt haben: weil wir nämlich der festen Überzeugung sind, dass sie null Beitrag zum Frieden leistet und weil Sie damit schlicht und ergreifend nur einen einzigen Effekt erzielt haben, nämlich der eigenen – der österreichischen –Wirtschaft zu schaden. (👏 FPÖ) Da bringt Ihnen die Argumentation, zu sagen, dass die Teuerung irgendetwas ist, das vom Himmel herabgefallen ist und das überhaupt nichts mit den Sanktionen zu tun hat, nichts. Wenn Sie mit Wirtschaftsexperten sprechen, dann werden Sie relativ rasch eine Bestätigung dafür hören, dass diese Sanktionspakete selbstverständlich mit schuld an diesem ganzen Karussell, an der Preistreiberei, an der Inflation sind. Genau deswegen stehen wir in vielerlei Hinsicht vor den Problemen, vor denen wir stehen und gegen die die Regierung natürlich überhaupt kein Mittel hat. Frau Bundesminister, Neutralität heißt, im Sinne und im Interesse der eigenen Bevölkerung zu agieren. Ich glaube nicht, dass Sie und Ihre Partei dafür gewählt worden sind, sozusagen dem ukrainischen Botschafter den Job abspenstig zu machen; ich glaube, der befürchtet mittlerweile schon, dass man ihn in Österreich nicht mehr braucht. Sie sollten gerade als Außenministerin eines neutralen Staates natürlich auch neutrale Außenpolitik machen und selbstverständlich nicht davor zurückschrecken, auf russische Kriegsverbrechen hinzuweisen; genauso wie man auf ukrainische und andere Kriegsverbrechen immer hinweisen muss. Genau das macht uns Österreicher aus und genau deswegen sind wir auch als Sitz für verschiedenste internationale Organisationen ausgewählt worden, von der UNO bis zur OSZE. Genau deswegen wäre es wichtig, äquidistant zu sein, neutral zu sein, nicht davor zurückzuschrecken, Missstände natürlich auch aufzuzeigen, aber jedenfalls nicht einseitig zu sein, Frau Bundesminister. (👏 FPÖ) Was aber liefern Sie ab? Jetzt sind wir bei den Sanktionen, bei denen wir gesagt haben, wir Freiheitliche sehen das nicht als Lösung des Problems an. Wenn Sie sich dazu durchringen, Sanktionspakete mitzubeschließen, dann machen Sie hintenherum auch gleich die Doppelmoral dieser Bundesregierung mehr als sichtbar. Sie haben ja vorhin gesagt, Sie vertreten die Betriebe und die Firmen in Österreich, auch im Ausland. Da bin ich gespannt, denn wenn Sie das jetzt mitübernehmen – Sie sind ja auch Sicherheitsministerin, wie ich gehört habe, also eigentlich eh alles sozusagen in einem Ministerium vereint –, wenn Sie jetzt auch die Wirtschaftsministerin und die Außenwirtschaftsministerin sind, dann könnten wir uns zumindest auf einen Vorschlag einigen: Dann könnten zumindest die NEOS dabei mitgehen und unseren Antrag unterstützen, die Wirtschaftskammer in dieser Form mit den Zwangsgebühren einmal zu verändern. Wenn Sie das eh alles miterledigen, dann sparen wir uns zumindest diesen Verein endgültig und die Unternehmer werden entlastet. – Erstens. (👏 FPÖ) Zweitens: Wenn Sie auch davon sprechen, dass Sie die Betriebe und deren Interessen schützen, dann stimmt das schlicht und ergreifend nicht. Ihr Sanktionsregime, das Sie mit unterstützt haben, hat dazu geführt, dass wirklich viele österreichische Betriebe mit der vollen Härte der Sanktionen getroffen worden sind. Man hat dann lediglich eines gemacht: Man hat Sonderwege für einzelne schwarze und pinke Betriebe herausgesucht. Genau das ist das, was wir Ihnen vorwerfen, Frau Bundesminister. Wer hätte denn davon profitiert, wenn Sie sich durchgesetzt hätten? Sie sagen ja, die Kommission hat es vorgeschlagen. Das ist ein vollkommener Blödsinn. Österreich hat verlangt, dass man zumindest Sanktionen für Raiffeisen und in weiterer Folge Strabag entsprechend aussetzt. Das heißt, profitiert hätte niemand anderer als das Bankengeflecht Ihres großen Koalitionspartners, nämlich der ÖVP, und in weiterer Folge Ihr Parteihauptsponsor Hans Peter Haselsteiner. Die beiden hätten davon profitiert. Dass man so zugeschnittene Lösungen auf europäischer Ebene durchzufechten versucht, zeigt, mit welcher Energie man in solche Verhandlungen hineingeht. Es ist Ihnen vollkommen egal, wenn die österreichischen Bürger sich das Leben nicht mehr leisten können, wenn österreichische Firmen nicht zuletzt wegen Ihres Sanktionsregimes vor dem Nichts stehen. Ihnen ist nur wichtig, dass auf der einen Seite die Raiffeisenbank immer reicher wird, auf der anderen Seite dem Herrn Haselsteiner noch genug Geld übrig bleibt, um weitere Neos-Parteispenden zu machen. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn das Ihr Anspruch ist, Frau Außenministerin, dann sind Sie definitiv am Holzweg. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Pöttinger. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Eine spannende Diskussion, Herr Kollege Hafenecker, ich war gespannt, wie Sie diesen Spagat jetzt schaffen. Auf der einen Seite sagen Sie, Sie setzen sich für die Wirtschaft ein – aber offensichtlich nicht für alle in der Wirtschaft. Das heißt, Sie differenzieren da ganz stark. Zu allem, was irgendwie ÖVP-nahe oder NEOS-nahe zu sein scheint …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Wirtschaftskammer ...!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… sagen Sie: Nein, das unterstützen wir nicht! – Ist das fair? Ist das gerecht? Ist das Ihr politischer Stil? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Schauts die Umfragen an!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Geht man so miteinander um? – Ich glaube nicht, nein, mit Sicherheit nicht. (👏 ÖVP) Sehr geehrte Frau Tomaselli, Sie haben offenbar eine wirklich ganz, ganz besondere Zuneigung zur ÖVP …

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Falsch! Einspruch!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… und auch zu den NEOS, und offenbar ist alles, was Wirtschaft ist, sowieso suspekt, das kann man nicht unterstützen. Das ist eigentlich unglaublich, es kann doch nicht sein, dass ein Betrieb positiv läuft. Es kann doch nicht sein, dass irgendjemand Gewinne erwirtschaftet. Das kann doch nicht sein. Es müsste doch sein, dass die ihre Vermögen abgeben und dann eher vom Staat leben.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Laurenz, was redest du? – Abg. Tomaselli [Grüne]: Wenn man es nicht versteht ...!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Ja, ich weiß schon, Sie sagen, ich habe es nicht verstanden. Ich würde Ihnen empfehlen, einmal einen Wifi-Kurs über Wirtschaft zu besuchen; das wäre, glaube ich, ratsam. (👏 ÖVP) Österreich steht hinter der Ukraine, und Sie wissen auch ganz genau, warum. Das ist jetzt an die FPÖ gerichtet: Ein Angriffskrieg Russlands ist niemals zu unterstützen beziehungsweise muss aufs Schärfste verurteilt werden.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Haben wir gemacht!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Dazu muss man ganz klar sagen, da gibt es kein Pardon, und darum sind auch die Sanktionen richtig und wichtig. Ganz ehrlich: Wir haben unseren Beitrag geleistet und, die Frau Ministerin hat es schon gesagt, wir stehen auch hinter den Sanktionen. Wir sind seit dem ersten Tag hinter der Ukraine gestanden. Auch in Bezug auf die Sanktionspakete hat Österreich immer die Position vertreten, dass die Sanktionen uns in Österreich nicht mehr schaden dürfen als Russland. Im vorliegenden Fall ging es aber nicht nur um Schadensvermeidung, sondern auch darum, eine mögliche doppelte Bereicherung sanktionierter russischer Oligarchen zu verhindern. Alle auf österreichischer Seite Beteiligten sind sehr bemüht, die Sache korrekt und im Sinne des österreichischen und europäischen Standorts abzuwickeln, und der Aufsicht, national und auch europäisch, ist mit Sicherheit zu vertrauen. Sehr geehrte Damen und Herren, es ist mit Sicherheit nicht die Aufgabe der Regierung oder des Parlaments, österreichische Betriebe absichtlich zu schwächen. (👏 ÖVP, NEOS) In dieser schwierigen Situation ist es eher unsere Aufgabe, zu unterstützen, und das natürlich im Rahmen der Gesetze, das ist überhaupt keine Frage. Die russischen Gerichte üben massiven Druck auf die Betriebe aus und fordern Schadenersatzzahlungen. Die sind absolut ungerechtfertigt. Sehr geehrte Frau Abgeordnete Tomaselli, noch einmal: Es kann doch wirklich nicht in Ihrem Interesse sein, die österreichischen Betriebe absichtlich zusätzlich zu schwächen. Ich hoffe, dass der Frieden in der Ukraine bald Wirklichkeit wird und dass sich die Lage auf dieser Welt beruhigen wird. Ich wünsche allen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Beten wir für diesen Frieden – in diesen Tagen umso mehr! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was heißt zusätzlich, Herr Kollege Pöttinger?

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Krainer. Die vorgegebene Redezeit beträgt 5 Minuten.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vielleicht einmal ein paar Klarstellungen zur Fake-News-Partei FPÖ: Die Inflation ist natürlich nicht Folge der Sanktionen, sondern ist Folge des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine, des Überfalls.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist Ihre Meinung!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Nein, das ist nicht eine Frage von Meinung.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Absolute Wahrheit!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Ich weiß, Sie glauben, es reicht, eine Meinung zu haben.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Absolute Wahrheit! Danke!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Nein, es gibt auch so etwas wie Fakten. Da steht zwar auch ein F am Anfang, aber damit haben Sie nichts zu tun.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Monokausal!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Kollegin Tomaselli bringt ein wichtiges Thema, nämlich parlamentarische Kontrolle der Regierung und deren Tätigkeit. Was erwarten wir uns? – Natürlich muss die Vertretung Österreichs zunächst einmal den allgemeinen Grundsätzen und den allgemeinen Interessen der Republik folgen. Das sind in diesem speziellen Fall natürlich die Solidarität mit der Ukraine und auch das Unterstützen einer sehr zivilisierten Antwort auf einen Angriffskrieg, nämlich dass derjenige, der einen Angriffskrieg macht, mit Sanktionen belegt wird. Das ist einmal die grundsätzliche Linie, die zu vertreten ist und die auch vertreten wird. Natürlich müssen Sanktionen umsetzbar sein, zielgerichtet sein, und man schießt sich mit Sanktionen auch nicht ins eigene Knie – das will niemand. Es ist auch vollkommen richtig, dass Österreich genau auf diese Sachen achtet. Das Zweite würde ich einmal Spezialinteressen nennen. Das können Interessen von allen möglichen Personen sein – juristischen, natürlichen Personen. Auch das ist Aufgabe – sage ich einmal – unserer Vertretungsbehörden und auch unserer Regierung: Spezialinteressen zu vertreten, wenn sie legitim sind. In diesem speziellen Fall geht es ja darum, dass wir als Europäische Union gemeinsam einen russischen Oligarchen mit einer Sanktion bedroht haben, indem ein Aktienpaket von einer österreichischen Firma eingefroren worden ist und er nicht darauf zugreifen kann. Die Russen haben jetzt Folgendes gemacht: Sie haben gesagt, es ist circa 2 Milliarden Euro wert, und die Firma, die zufällig eine österreichische Firma ist, muss die 2 Milliarden Euro an den zahlen. Jetzt gibt es berechtigterweise diese Sorge: Wenn der Krieg vorbei ist und das wieder aufgetaut wird, hat der aus 2 Milliarden Euro 4 Milliarden Euro gemacht. – Das kann ja nicht in unserem Interesse sein. Ich will hoffen, dass niemand das Interesse hat, dass russische Oligarchen, die wir zu Recht mit Sanktionen belegen, aus Sanktionen quasi ein Geschäft machen. (👏 SPÖ, NEOS) Dazu zwei Überlegungen: Es gibt verschiedene Vorschläge, wie man verhindert, dass der ein Geschäft macht. Der Vorschlag, der vorgelegt wurde, hat nicht die erforderliche Mehrheit gefunden. Was ganz, ganz wesentlich ist: Spezialinteressen von einzelnen Personen oder Unternehmen dürfen niemals über die allgemeinen Interessen der Republik gestellt werden. (👏 SPÖ) Auch das ist eingehalten worden, denn der Vorschlag, die Spezialinteressen zu berücksichtigen, ist nicht aufgenommen worden. Österreich hat aber trotzdem im Sinne der allgemeinen Interessen das Sanktionspaket vollumfänglich unterstützt und setzt es auch um. Das ist das Entscheidende: dass Österreich nicht irgendwelche Spezialinteressen über die allgemeinen Interessen setzt. Worüber man in der Zukunft auch reden muss, ist: Wie verhindern wir, dass ein russischer Oligarch doppelt so viel Geld bekommt? – Der Weg, der vorgeschlagen wurde, hat keine Mehrheit gefunden, daher muss man über andere Wege nachdenken. Ehrlich gesagt, kann das zum Beispiel sein, dass diese 2 Milliarden Euro Gewinn dann anders verwendet werden; nicht ein Unternehmen bekommt das Geld, sondern zum Beispiel die Republik – die könnte es ja auch ganz gut gebrauchen –, oder jemand anderer bekommt es. Natürlich ist es nicht Aufgabe der Republik, Geschäftsentscheidungen von Unternehmen, die schiefgehen, zu kompensieren – das ist nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe ist natürlich, eine faire Behandlung von Unternehmen sicherzustellen, aber nicht, Geschäftsentscheidungen, die schiefgehen, zu kompensieren. Insofern kann ich in diesem speziellen Fall sagen, dass die Grundsätze eingehalten wurden, nämlich dass Österreich die allgemeinen Interessen vor Spezialinteressen setzt, und das scheint mir da doch das Wesentliche zu sein. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Hofer. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier im Plenum und zu Hause vor den digitalen Endgeräten! Österreich steht seit dem ersten Tag, seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges, geschlossen an der Seite der Ukraine, ohne Wenn und Aber, denn es ist in unserem ureigensten Interesse, das zu tun, einem aggressiven Russland gegenüber.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

... Peter Haselsteiner ...!

NEOS Markus Hofer

… Nur mit Stärke gemeinsam in Europa werden wir auch Österreich schützen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und den Haselsteiner!

NEOS Markus Hofer

… Auch deswegen sind wir ohne Wenn und Aber …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ohne Wenn und Aber, das ...!

NEOS Markus Hofer

… unterstützend bei allen 19 EU-Sanktionspaketen dabei gewesen. Unsere Außenministerin steht so klar, so präsent, so eindeutig an der Seite der Ukraine wie kaum eine andere Spitzenpolitikerin in Europa. Wir in Österreich sagen, dass es richtig ist, die Sanktionspolitik zu unterstützen – es ist notwendig. Es ist auch klar und notwendig, dass Sanktionen immer stärker auf den, der sanktioniert werden soll, gerichtet sind als auf diejenigen, die diese Sanktionen aussprechen. Es ist notwendig, weil Russland nicht nur einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in der Ukraine führt, sondern gleichzeitig und schon seit Längerem einen hybriden Krieg gegen Europa: gegen unsere Werte, gegen unsere Wertegemeinschaft, mit Desinformation, Cyberangriffen, Energieerpressung und gezielten Sabotageversuchen. Lassen Sie mich in diesem Kontext aber auch noch einmal einen Schritt zurückgehen! Österreich steht und stand immer am Tor zu Osteuropa; Österreich hat von dieser Öffnung nach Osteuropa profitiert. Viele unserer Unternehmen waren auch in Russland aktiv – mit Kundenbeziehungen, mit Geschäftsbeziehungen, mit Vermögen vor Ort und mit vielen Mitarbeitern. Sehr, sehr viele haben sich rasch zurückgezogen. Für einige war und ist dies noch immer schwieriger. Österreich wird auch von einem Neuaufbau der Ukraine wirtschaftlich profitieren. Herr Kollege Hafenecker …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ja, bitte, hier!

NEOS Markus Hofer

… es war ja fast ein Trommelwirbel im Raum. Sie haben uns angekündigt, was da nicht alles von Ihnen kommt, und was war dann? – Leere, eine absolut leere Nullaussage. Dass man dann noch die Wirtschaftskammer – bei der man eine Meinung haben kann, wie man dort reformieren – mit der Ukraine in Verbindung bringt, hat dann zu dieser Sache wirklich genau gar nichts beigetragen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Stimmt, die Wirtschaftskammer steht mit Russland in Verbindung, weil die sind ...!

NEOS Markus Hofer

… Es war wie üblich: Stehsätze aneinandergereiht, aber sicher nicht zum Thema und sicher nicht im Interesse dieses Landes.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Wirtschaftskammer war mit Russland zusammen ...! – Zwischenruf des Abg. Kassegger [FPÖ].

NEOS Markus Hofer

… Liebe Frau Kollegin Tomaselli, ich muss schon sagen, in der Anfrage – auch in der Tonalität dessen, was hier heraußen war – einen Ton zu haben, mit dem man der Republik, dem Außenministerium, der Außenministerin eine angebliche Nähe zu Russland unterstellt: Ich finde, das ist unangebracht …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Das hat niemand gemacht! – Zwischenruf der Abg. Tomaselli [Grüne]

NEOS Markus Hofer

… das ist unredlich – unredlich, weil Sie auch wissen, wie die Angriffe auch persönlich gegen die Außenministerin laufen. Ich glaube, das, was auch die Grünen getan haben – dort damals zu sagen und klar auszusprechen, wo sie stehen –, das wäre auch in dieser Anfrage gut und wichtig gewesen. Das Zweite, Frau Kollegin Tomaselli, da wären wir noch einmal: Auch diese impliziten Unterstellungen, das Außenministerium bevorzuge und unterstütze gezielt gewisse Interessen, sind einfach unredlich. Es ist im Auftrag des Außenministeriums, Österreicherinnen und Österreicher und eben auch österreichische Unternehmen so zu unterstützen – Kollege Krainer hat es ja auch ausgeführt –, wie man das in diesem Rahmen tun kann. Das ist geschehen. Wenn man dann immer sagt: Na ja, wenn irgendwo ein Unternehmen ist, da muss ja irgendetwas falsch laufen!, und dann noch Unterstellungen macht, dass diejenigen, die sich für Unternehmen einsetzen, wahrscheinlich auch noch persönliche Interessen daran hätten, dann braucht ihr euch nicht zu wundern, warum nach fünf Jahren Regierungspolitik mit diesen Grünen die Werte für das Vertrauen der Unternehmen am Boden waren und jetzt erst langsam, Schritt für Schritt, wieder besser werden.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wir reden über die RBI ...! – Abg. Tomaselli [Grüne]: ... die eigenen Abgeordneten!

NEOS Markus Hofer

… Ich möchte abschließen: Die Sanktionen sind wichtig und richtig, und wir stehen mit einer europäischen Politik gemeinsam an der Seite Ukraine. Die Ukraine wird uns das in Zukunft auch zurückgeben. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Disoski. – Bitte, Frau Abgeordnete. (Abg. Hörl [ÖVP]: ... eine Verteidigungsrede!)

GRÜNE Meri Disoski

Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Anfang Oktober – wir haben es schon von Kollegin Tomaselli gehört – hat Österreich international für große Schlagzeilen gesorgt, weil die österreichische Bundesregierung damals das 19. EU-Sanktionspaket gegen Russland blockiert hat. Wieso hat die Regierung das gemacht? – Sie wollte eine Ausnahmeregelung zugunsten der Raiffeisenbank durchsetzen. Ja, sehr geehrte Damen und Herren, Sie haben richtig gehört: eine Ausnahmeregelung nicht zugunsten Europas, nein, nicht zugunsten der Ukraine, nein, sondern zugunsten der Raiffeisenbank. – Frau Außenministerin, wenn Sie sagen, dass Sie österreichische Interessen vertreten, sage ich Ihnen: Unser Land ist nicht die Raiffeisenbank. (👏) Trotzdem hat die Bundesregierung die Interessen eines einzelnen Unternehmens über die europäische Einigkeit, über eine gemeinsame europäische Sicherheits- und Außenpolitik gestellt. Das ist nicht irgendein banaler kleiner Fauxpas, sondern das ist ein politisches Signal, mit dem diese Bundesregierung Europa in der Einigkeit schwächt. Wieso sitzt die RBI heute immer noch in Russland? – Sie hat sich bewusst dafür entschieden, trotz aller Alarmsignale, die es gegeben hat , trotz der Risiken, die bekannt waren – das hat man alles gewusst. Sie hat das gemacht, weil sie jahrelang Milliarden an Gewinnen gescheffelt hat. Wenn Putin jetzt die RBI zur Kasse bittet, dann ist das die Konsequenz Ihrer eigenen Entscheidungen, der eigenen Entscheidungen der RBI – Rubrik unternehmerisches Risiko, würde man meinen, oder? (👏) Aber die Bundesregierung, die sieht das anders. Sie wollten die RBI mit Geldern aus eingefrorenem russischem Vermögen – unter Anführungszeichen – „entschädigen“. – Aber dieses Vermögen ist ja kein Trostpflaster für die RBI, es ist Verhandlungsmasse für den Frieden, es ist Reparationsgeld für die Ukraine, Sicherheitskapital für Europa. Das ist es doch bitte. (👏) Darum haben wir Grüne diese Giebelkreuzblockade der Bundesregierung von Beginn an kritisiert – klar, deutlich, unmissverständlich. Sie war ein schwerer politischer Fehler, der natürlich unseren Ruf als verlässlichen Partner innerhalb der EU ramponiert hat, das kann man doch nicht leugnen. EU-Sanktionen dienen eben nicht den Interessen einzelner Unternehmen, sondern der Sicherheit der Ukraine, der gemeinsamen Sicherheit Europas. Wenn wir zusammenstehen, sind wir stark. Sind wir uneinig, machen wir uns angreifbar. Putin, Trump und Konsorten lachen sich ins Fäustchen. Das haben wir gerade in der Diskussion um die neue US-Sicherheitsstrategie gesehen. Frau Ministerin, hier kommt die Transparenz ins Spiel: Meine Kollegin Tomaselli und ich haben parlamentarische Anfragen an Sie gestellt, um nachvollziehen zu können, wie es denn überhaupt zu dieser Giebelkreuzblockade gekommen ist. Wir haben Ihnen unterschiedliche Fragen gestellt: War das eine konsolidierte Linie in der Bundesregierung? Hat es da im Vorfeld Gespräche mit der RBI gegeben? Wie sind denn die Auswirkungen dieser Giebelkreuzblockade europa-, außen- und sicherheitspolitisch bewertet worden? Frau Ministerin, ich habe Ihnen meine Anfrage mitgebracht. Das war meine Anfrage ( mehrere aneinandergeklebte Blatt Papier in die Höhe haltend ): drei Seiten. Das waren die drei Seiten, die ich der Frau Außenministerin geschickt habe.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Wie war die Antwort?

GRÜNE Meri Disoski

… Und wissen Sie, was als Antwort von der Ministerin zurückgekommen ist? – Drei Zeilen habe ich zurückbekommen (ein Blatt Papier in die Höhe haltend) , drei Zeilen zu zentralen Fragen der europäischen Sicherheits- und Außenpolitik. ( Rufe bei den Grünen: Oh! ) Frau Ministerin, wenn Sie sagen, Sie sehen hier keinen Grund zur Aufregung, ist ja genau das das Problem, dass Sie da keinen Grund zur Aufregung sehen. Das da, was Sie mir geschickt haben (Bundesministerin Meinl-Reisinger : Was steht denn da drinnen?), das ist so aussagekräftig, als hätten Sie mir geantwortet: six-seven; als hätten Sie mir six-seven geantwortet, Frau Ministerin. (👏) Das ist nicht lustig, das ist eine Verhöhnung des Parlaments und der parlamentarischen Kontrolle. Transparenz ist die Grundlage jeder Demokratie.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Wie hätten Sie sich früher aufgeregt?!

GRÜNE Meri Disoski

… Wer Informationen zurückhält, der zerstört Vertrauen hier in diesem Hohen Haus und auch draußen in der Öffentlichkeit – in einer Situation, in der ohnehin das Vertrauen in unsere politischen Systeme schwindet. Und ich frage mich, Frau Ministerin, was hätte denn die Abgeordnete Meinl-Reisinger zu einer solchen Anfrage – unter Anführungszeichen –„-beantwortung“ (neuerlich ein Blatt Papier in die Höhe haltend) gesagt? Was hätten Sie gesagt? …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Genau!

GRÜNE Meri Disoski

… Frau Ministerin, ich habe Ihnen ein Zitat der Abgeordneten Meinl-Reisinger mitgebracht: Wer Fragen nicht beantwortet, hat etwas zu verbergen. Das waren meine Fragen (neuerlich mehrere aneinandergeklebte Blatt Papier in die Höhe haltend) . Das war Ihre Antwort ( neuerlich ein Blatt Papier in die Höhe haltend ) . Haben Sie etwas zu verbergen, Frau Ministerin? (👏) Sie sitzen heute auf der Regierungsbank, und was Sie früher als Verhöhnung des Parlaments kritisiert haben, genau das passiert unter Ihrer Verantwortung. Und als wäre das nicht genug, legt Ihr Ministerium mit einer weiteren Causa nach, die für Kopfschütteln sorgt, die für Stirnrunzeln sorgt. Wir haben es schon gehört, der Personalakt von Kurt Waldheim, den haben Sie aus dem Ministerium ins Staatsarchiv verschwinden lassen. Der ist dort bis 2033 gesperrt, blockiert, fällt auch nicht mehr unter das Informationsfreiheitsgesetz – und das wirft natürlich Fragen auf. Es entsteht hier der Eindruck, dass heikle Aspekte der österreichischen NS-Vergangenheit weiterhin nicht transparent gemacht werden und das schadet auch der österreichischen Glaubwürdigkeit, gerade in einer Phase, wo wir uns um einen UN-Sicherheitsratssitz bewerben. Auch da frage ich mich, Frau Ministerin: Wieso opfern die NEOS ihre alten Transparenzforderungen am Regierungsaltar? Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Schlusssatz bitte! Abgeordnete Mag. Meri Disoski (fortsetzend): Wieso machen Sie das? Mein Schlusssatz: Ich finde es wirklich unglaublich enttäuschend, zu sehen, wie schnell aus der selbst erklärten Aufdeckerpartei NEOS, schwuppdiwupp, die Zudeckerweltmeister geworden sind.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Unglaublich!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu einer weiteren Stellungnahme hat sich die Frau Bundesministerin zu Wort gemeldet.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Frau Abgeordnete! Wenn Sie von Usance sprechen, dann mag das so sein. Ich beziehe mich aber auf den Text und den Wortlaut der Geschäftsordnung, § 57a Kurze Debatten: „Stellungnahmen von Mitgliedern der Bundesregierung oder im Sinne“ und so weiter und so weiter „nicht länger als zehn Minuten“. (Abg. Schwarz [Grüne]: Wir beziehen uns auch ...!) Das ist an sich so wie: Regierungsmitglieder können sich jederzeit zu Wort melden! Aber wir werden es in der Präsidiale besprechen. Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Scherak.

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Mag. Wolfgang Gerstl

370 d.B. · Regierungsvorlage 11/IMMOffizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Immunitätsausschuss empfiehlt dem Nationalrat, dem Ersuchen der Staatsanwaltschaft Wien um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung von Mag. Wolfgang Gerstl nicht zu entsprechen, da kein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit des Abgeordneten besteht. Dieses Ergebnis wird durch eine Stimmenmehrheit im Ausschuss unterstützt, wobei die Abstimmung die Parteien V, S, N, G für und F gegen den Beschluss umfasst.

Betroffen von diesem Beschluss ist Mag. Wolfgang Gerstl, Abgeordneter zum Nationalrat, der unter dem Verdacht einer strafbaren Handlung nach § 310 Abs. 1 StGB steht.

Dokumente

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Mag. Wolfgang Gerstl

Hintergrund und Antrag

  • Die Staatsanwaltschaft Wien ersuchte um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung von Mag. Wolfgang Gerstl wegen eines Verdachts auf eine strafbare Handlung.
  • Das Ersuchen wurde am 14. November 2025 eingereicht und am 20. November 2025 beim Nationalrat eingelangt.

Sitzung des Immunitätsausschusses

  • Der Immunitätsausschuss zog das Ersuchen in seiner Sitzung am 11. Dezember 2025 in Verhandlung.
  • Die Abstimmung im Ausschuss ergab eine Stimmenmehrheit für die Ablehnung des Ersuchens.

Einschätzung des Ausschusses

  • Es wird festgestellt, dass kein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit von Mag. Wolfgang Gerstl besteht.
  • Der Ausschuss stellt in seinem Antrag klar, dass die politische Immunität des Abgeordneten gewahrt bleibt.

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Mag. Wolfgang Gerstl

~8 min Lesezeit
Dafür: SPÖNEOSGRÜNEFPÖÖVP Dagegen:
FPÖ Norbert Nemeth

Danke, Herr Präsident! Hohes Haus! Wir werden dem Bericht des Immunitätsausschusses betreffend die Auslieferung des Abgeordneten Gerstl hier und jetzt zustimmen. Das heißt, dieses Auslieferungsbegehren kann heute einstimmig hier beschlossen werden, und das ist, glaube ich, ein wichtiges Signal, denn der Vorwurf, der von der Staatsanwaltschaft Wien gegenüber dem Abgeordneten Gerstl erhoben wird, ist durchwegs pikant. Es geht nämlich darum, dass dem Abgeordneten Gerstl vorgeworfen wird – zwischen Klammern: Es gilt die Unschuldsvermutung! –, in ein Wahlverfahren, nämlich konkret in ein Wahlverfahren rund um die Wiener Landtagswahl des letzten Jahres, um die Gemeinderatswahl, um die Bezirksvertretungswahl, in einer manipulativen Weise eingegriffen zu haben, und zwar dahin gehend, dass Bürgerinnen und Bürgern das passive Wahlrecht hätte verweigert werden sollen. Konkret vorgeworfen wird ein Bruch der Amtsverschwiegenheit aus der Bezirkswahlbehörde heraus. Um diese Geschichte zu verstehen, muss man auch die Vorgeschichte begreifen – die können wir dem Auslieferungsbegehren nicht entnehmen. Da war ausnahmsweise einmal der „Standard“ hilfreich und hat diese Geschichte sehr schön und durchwegs glaubwürdig in seiner Ausgabe, ich glaube, vom 24. April des letzten Jahres, aufgearbeitet. Und die ganze Malaise des Abgeordneten Gerstl beginnt mit einer Stromrechnung. Man muss wissen, die ÖVP Penzing, um die es hier geht, betreibt ein Parteilokal, und ein Teil dieses Parteilokals ist untervermietet. Und die ÖVP Penzing hat die eigenen Stromkosten an diesen Untermieter in einer heimlichen und wohl eindeutig vereinbarungswidrigen Weise weitergereicht. Das ist lange Zeit nicht aufgefallen, erst als die Energiekrise um sich schlug, wurde das ein Thema, und in weiterer Folge auch in der Bezirkspartei selbst. Es hat sich dann dort eine Fraktionierung ergeben: Ein Teil hat gemeint, das gehe so nicht, die ÖVP Penzing sollte doch ihre Stromkosten selber bezahlen. In weiterer Folge kommt es nicht zu einem Ausgleich, sondern zu einer Eskalation dahin gehend, dass jener Teil der ÖVP, der meint, die ÖVP soll ihre Stromkosten selbst bezahlen, sich innerparteilich nicht durchgesetzt hat. In weiterer Folge spaltet sich dieser Teil der ÖVP-Penzing ab und gründet die Liste Fair 1140 Wien; 1140 Wien, das ist die Postleitzahl von Penzing – für alle Nichtwiener. Im Zuge des Wahlverfahrens will diese Liste antreten und reicht einen Wahlvorschlag ein. Es steht jetzt der Verdacht im Raum, dass Abgeordneter Gerstl als Mitglied der Bezirkswahlbehörde Druck auf die Unterstützer dieser Liste ausgeübt haben soll, ihr passives Wahlrecht doch nicht ausüben zu können. Wie gesagt, es gilt die Unschuldsvermutung. Es ist gut, dass es hier einen einstimmigen Beschluss geben wird, dass dieser potenzielle Missstand untersucht werden kann. Ich habe abschließend ein Ersuchen an die Österreichische Volkspartei. Meine Bitte geht dahin, Abgeordneten Gerstl bis zur Klärung all dieser Vorwürfe aus der Bundeswahlbehörde herauszunominieren. Ich bin selbst Mitglied der Bundeswahlbehörde. Das ist ein unabhängiges Gremium mit richterlichem Einschlag und die Optik, dass dort Mitglieder sitzen, die für die Republik Österreich gewährleisten sollen, dass die Wahlverfahren eingehalten werden und selbst Gegenstand von strafrechtlichen Ermittlungen sind, weil sie ihre Rolle in einer Wahlbehörde möglicherweise missbraucht haben, ist eine Optik, die uns als Kollegialbehörde insgesamt hinunterzieht. Die ÖVP war mit ihren Maßstäben immer sehr streng. Ich kann daran erinnern, dass unser Klubkollege Johannes Hübner, der leider viel zu früh verstorben ist, auch von der ÖVP aufgefordert wurde, ich glaube, sogar vom Abgeordneten Gerstl, sein Mandat in der Bundeswahlbehörde zurückzulegen. Dies nicht, weil er im Verdacht gestanden wäre, irgendetwas angestellt zu haben, sondern weil er eine Afghanistanreise unternommen hatte. Bitte legen Sie den Maßstab, den Sie an andere angelegt haben, an sich selbst an, alles andere wäre unfair. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schilchegger. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. Die Restredezeit der gesamten Fraktion sind 6 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Michael Schilchegger

Danke, Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Ich möchte eine Frage stellen, die sich so zu diesem Thema Auslieferungsbegehren des Kollegen Gerstl noch niemand gestellt hat, meines Wissens auch die Staatsanwaltschaft nicht, nämlich: Was hat er denn getan, der Abgeordnete Gerstl, ungefähr vor einem Jahr, einen Tag früher, also am 11. Dezember 2024, am Nachmittag? Ich kann es Ihnen sagen, er ist vor einem Jahr hier, wo ich jetzt stehe, gestanden und hat eine Rede zu einem anderen Auslieferungsbegehren gehalten. Dabei hat er unter anderem einen, wie ich finde, bemerkenswerten Satz an diesem Rednerpult gesagt. Er hat gesagt – Sie können das Zitat des Kollegen Gerstl in den Parlamentsprotokollen nachlesen –: „Es ist ein wesentlicher Punkt, dass wir in einer liberalen Demokratie von Parlamentariern vertreten werden, denen nicht ständig nachgesagt wird, dass ihnen vielleicht eine strafrechtliche Verurteilung ins Haus stehen könnte und sie deswegen ausgeliefert werden müssen.“ – Zitatende. Und dann ist noch „Beifall bei der ÖVP.“ vermerkt. Ich stelle Ihnen jetzt nur die Frage – ich meine, überlegen wir es einmal durch –: Wem wird denn derzeit ständig nachgesagt, dass ihm vielleicht eine strafrechtliche Verurteilung ins Haus stehen könnte? Also ich denke da ganz persönlich an den Klubobmann Ihrer eigenen Partei, an Klubobmann Wöginger. Und ich stelle Ihnen jetzt die Frage: Was ziehen Sie denn für Konsequenzen daraus? Ich glaube, Sie sind heute gefragt worden, Herr Klubobmann, ob Sie zumindest im Fall einer Verurteilung zurücktreten würden, und ich glaube, Ihre Antwort war: Nein. Aber wenn man jetzt schon sagt, ja gut, das ist ja das gute Recht eines jeden Abgeordneten hier im Hause, selber seine politische Verantwortung hier zu klären, dann frage ich – und Herr Kollege Nemeth hat es ja angesprochen –: Was ist mit den Maßstäben, Herr Kollege Gerstl? Sie setzen diesen Maßstab und wollen offenbar nicht, dass die österreichische Bevölkerung von Parlamentariern vertreten wird, denen nachgesagt wird, dass ihnen vielleicht eine strafrechtliche Verurteilung ins Haus stehen könnte und die deswegen ausgeliefert werden müssen. Deswegen jetzt meine Frage – ganz einfach –: Bleiben Sie bei diesen Maßstäben? Wenn nein, warum nicht? Und wenn ja, ziehen Sie jetzt die Konsequenzen? Treten Sie zurück? (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Zarits. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

ÖVP Christoph Zarits

Danke, Herr Präsident! Meine geschätzten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es interessant, dass Kollege Nemeth und Kollege Schilchegger heute die Redezeit so extrem ausgenutzt haben. Immer wenn es um freiheitliche Abgeordnete und um den Immunitätsausschuss geht, wenn es um Verhetzung, um einen Verstoß gegen das Verbotsgesetz geht, dann reden wir halt nur 1 Minute.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das stimmt ja gar nicht!

ÖVP Christoph Zarits

… Ich finde das also einfach nur feig, was Sie hier abziehen und wie Sie auch gestern den Immunitätsausschuss missbraucht haben. Das möchte ich in aller Klarheit sagen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Sind wir jetzt auf der Ebene der Beschimpfungen?

ÖVP Christoph Zarits

… Und wenn Sie, Herr Kollege Schilchegger, von Verurteilung reden, dann müssen Sie einmal mit Kollegen Hafenecker reden, denn ich glaube, er ist rechtskräftig verurteilt und sonst keiner in diesem Raum – ehrlich gesagt.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Rund um Freiheitsrechte habt ihr 28 ...!

ÖVP Christoph Zarits

… Wir haben uns gestern im Immunitätsausschuss mit Kollegen Gerstl beschäftigt. Er wurde von dritter Seite angezeigt. Bis jetzt konnten keine Ermittlungen beziehungsweise Untersuchungen eingereicht beziehungsweise gemacht werden, weil er eben parlamentarische Immunität hat. Nach dem heutigen Beschluss werden die Untersuchungen aufgenommen. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass sich die Vorwürfe rasch in Luft auflösen werden. Und wenn Sie, Herr Kollege Nemeth, von Wahlkommissionen sprechen – 10 000 Wahlkommissionen, Sprengelkommissionen in den verschiedensten Gemeinden: Ich bin seit 20 Jahren in einer Wahlkommission …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Nicht in Wien, dort sitzt kein ÖVPler! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

ÖVP Christoph Zarits

… und die Freiheitlichen nehmen ihre Pflicht in den wenigsten Gemeinden wahr, um Beisitzer zu melden. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ) Interessant habe ich gestern den Immunitätsausschuss gefunden. Zuerst wurde vorgestern vereinbart, dass die Vorgehensweise der Koalitionsfraktionen auch von den Freiheitlichen goutiert wird beziehungsweise mitgegangen wird, dann hat sich eine sehr, sehr interessante Diskussion entwickelt. Ich würde vorschlagen, Herr Kollege Nemeth, da ich Sie doch sehr schätze, weil Sie natürlich Expertise in diesem Bereich haben, dass wir als Fraktionsführer uns im Immunitätsausschuss vielleicht einmal zusammensetzen und uns gemeinsam einen Leitlinienbeschluss geben lassen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was soll das bringen?

ÖVP Christoph Zarits

… damit wir sozusagen nicht im Einzelfall entscheiden, sondern dass wir wirklich eine Leitlinie haben und diese Fälle auch schneller abhandeln können. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Vorwürfe gegenüber Abgeordnetem Gerstl sehr, sehr schnell in Luft auflösen werden. Meine große Bitte an die Freiheitliche Partei: Da Sie stimmenstärkste Partei in Österreich sind, nehmen Sie bitte Ihre Verantwortung in den Wahlbehörden ernst – das ist eine Stärkung der Demokratie –, sonst machen unsere Beisitzer, die ÖVP- und die SPÖ-Beisitzer, euren Job, und das ist einfach nicht fair. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir gelangen nun zur Abstimmung über den Antrag des Immunitätsausschusses in 370 der Beilagen, Folgendes zu beschließen: „In Behandlung des Ersuchens der Staatsanwaltschaft Wien [...] um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Mag. Wolfgang Gerstl wird im Sinne des Art. 57 Abs. 3 B‑VG festgestellt, dass kein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit des Abgeordneten zum Nationalrat Mag. Wolfgang Gerstl besteht.“ Ich bitte jene Damen und Herren, die sich diesem Antrag anschließen, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall. Die Tagesordnung ist erschöpft. Präsidium, 59. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:58