XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

46. Sitzung des Nationalrats

16. Oktober 2025

16Beschlüsse
13Angenommen
3Abgelehnt
46. Nationalratssitzung

Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch, Arbeitsverfassungsgesetz und Landarbeitsgesetz 2021

229 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 212 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Das ABGB wird um Kündigungsregelungen für freie Dienstverhältnisse nach § 4 Abs. 4 ASVG ergänzt und es wird klargestellt, dass diese Rechte vertraglich nicht aufgehoben oder beschränkt werden können. Im Arbeitsverfassungsgesetz (und parallel im Landarbeitsgesetz 2021) wird die Möglichkeit geschaffen, Kollektivverträge auf diese arbeitnehmerähnlichen freien Dienstnehmer:innen anzuwenden, inklusive Regeln zur Satzung (v. a. Mindestentgelt/Auslagenersatz) und Informationspflichten über kollektivrechtliche Normen.

Betroffen sind freie Dienstnehmer:innen im Sinne des § 4 Abs. 4 ASVG (auch in der Land- und Forstwirtschaft) sowie deren Auftraggeber:innen/Arbeitgeber:innen und die Kollektivvertragsparteien, die künftig Mindeststandards für diese Vertragsform festlegen können.

Dokumente

Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch, Arbeitsverfassungsgesetz und Landarbeitsgesetz 2021

Ausgangslage und Problemstellung

  • Arbeitsverhältnisse betreffen die Erbringung von Arbeitsleistungen gegen Entgelt und werden durch schriftlichen oder mündlichen Arbeitsvertrag begründet.
  • Zentrales Merkmal des Arbeitsvertrags ist die persönliche Abhängigkeit der Arbeitnehmerin/des Arbeitnehmers.
  • Typische Merkmale persönlicher Abhängigkeit: Einordnung in den betrieblichen Organisationsablauf, vorgegebene Arbeitszeit, zugewiesener Arbeitsort, festgelegte Arbeitsabfolge, Weisungsgebundenheit, laufende Kontrolle durch die Arbeitgeberseite.
  • Diese Abgrenzung wird durch wirtschaftlichen, technischen und arbeitsorganisatorischen Wandel zunehmend weniger passend; Unterordnung unter vorgegebene Arbeitsstrukturen verliert tendenziell an Bedeutung.
  • Vertragsverhältnisse, die früher als Arbeitsvertrag ausgestaltet waren, werden häufiger als freier Dienstvertrag formuliert.

Freier Dienstvertrag: Charakteristika und Rechtsfolgen

  • Der freie Dienstvertrag ist im Arbeitsrecht gesetzlich nicht geregelt.
  • Nach herrschender Auffassung ist er insbesondere gekennzeichnet durch: Verpflichtung zur Erbringung von Dienstleistungen ohne persönliche Abhängigkeit im Sinn der Unterworfenheit unter funktionelle Autorität; Möglichkeit, den Arbeitsablauf selbst zu gestalten und jederzeit zu ändern; Fehlen laufender Kontrollen und fehlende Bindung an bestimmte Arbeitszeiten bzw. an für Arbeitsverträge prägende persönliche Weisungen; Vereinbarung einer generellen Vertretungsbefugnis.
  • Entscheidend ist eine Gesamtbetrachtung: Ob die Merkmale persönlicher Abhängigkeit ihrem Gewicht und ihrer Bedeutung nach überwiegen oder nicht.
  • Freie Dienstverträge sind keine Arbeitsverträge iSd §§ 1151 ff ABGB; diese Bestimmungen sind nicht unmittelbar anwendbar, grundsätzlich gelten nur die allgemeinen vertragsrechtlichen ABGB-Regeln.
  • Arbeitsrechtliche Schutzvorschriften, die an persönliche Abhängigkeit anknüpfen und die sozial schwächere Partei schützen sollen, kommen auf freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer daher grundsätzlich nicht zur Anwendung.

Zielrichtung der Novelle (ABGB, ArbVG, LAG 2021)

  • Schaffung von Kündigungsregelungen für freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer im ABGB.
  • Schaffung der Möglichkeit, Kollektivverträge auf freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer nach § 4 Abs. 4 ASVG anzuwenden (ArbVG) und entsprechende Nachvollziehung im Bereich der Land- und Forstwirtschaft (LAG 2021).
  • Hintergrund: Freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer tragen – anders als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – bestimmte Aspekte des Unternehmerrisikos.
  • Durch Einbeziehung in Kollektivverträge sollen Mindeststandards für diese Personengruppe festgelegt werden, wodurch Beschäftigung auf Basis solcher Vertragsverhältnisse und die Umgehung arbeitsrechtlicher Bestimmungen weniger attraktiv werden soll.
  • Umsetzung einer Vereinbarung aus dem Regierungsprogramm, die Anwendungsmöglichkeit von Kollektivverträgen auf freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer zu schaffen.

Bezug zu § 4 Abs. 4 ASVG und bestehende Anknüpfungen in anderen Gesetzen

  • § 4 Abs. 4 ASVG erfasst freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer als Personen, die sich aufgrund freier Dienstverträge auf bestimmte oder unbestimmte Zeit zur Erbringung von Dienstleistungen verpflichten, wenn sie daraus ein Entgelt beziehen, die Dienstleistungen im Wesentlichen persönlich erbringen und über keine wesentlichen eigenen Betriebsmittel verfügen.
  • Diese Definition wurde bereits in anderen Rechtsmaterien übernommen bzw. als Anknüpfung verwendet: im Betrieblichen Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz (Geltungsbereich), im ABGB (Dienstzettel für freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer) und im Arbeiterkammergesetz (Arbeiterkammerzugehörigkeit).
  • Freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer iSd § 4 Abs. 4 ASVG sind zudem in das Insolvenzentgeltsicherungsgesetz einbezogen; einzelne Bestimmungen des Mutterschutzgesetzes sind auf freie Dienstnehmerinnen nach § 4 Abs. 4 ASVG anwendbar.
  • Kollektivverträge waren bisher nicht auf freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer anwendbar; dies soll durch die Novelle geändert werden.

Änderungen im ABGB (Artikel 1) – Kündigung und Informationspflichten

  • Klarstellung in § 1159 Abs. 6 erster Satz ABGB, dass freie Dienstverhältnisse im Sinne des § 4 Abs. 4 ASVG erfasst sind und von beiden Vertragsparteien nach Maßgabe dieser Bestimmung unter Einhaltung einer bestimmten Kündigungsfrist und eines Kündigungstermins gekündigt werden können.
  • Textliche Verdeutlichung, dass die Rechte, die freien Dienstnehmerinnen und Dienstnehmern aufgrund dieses Absatzes zustehen, durch den freien Dienstvertrag weder aufgehoben noch beschränkt werden können.
  • Ergänzung in § 1164a Abs. 1 Z 9 ABGB (nach Vorbild von § 2 Abs. 2 Z 12 AVRAG): Freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer iSd § 4 Abs. 4 ASVG sind über die für sie geltenden Normen der kollektiven Rechtsgestaltung (Kollektivvertrag, Satzung, Mindestlohntarif) zu informieren.
  • Regelung des Inkrafttretens der neu hinzugefügten Bestimmung des § 1164a Abs. 1 Z 9 (über § 1503 Abs. 29 ABGB).
  • Klarstellung im Hinblick auf § 1164a Abs. 4 ABGB: Die Änderung zur Informationspflicht gilt nur für nach Inkrafttreten neu abgeschlossene freie Dienstverträge mit freien Dienstnehmerinnen und Dienstnehmern iSd § 4 Abs. 4 ASVG.

Änderungen im ArbVG (Artikel 2) – Kollektivvertragsfähigkeit und Anwendungsbereich

  • Schaffung der Möglichkeit, Kollektivverträge auch für freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer nach § 4 Abs. 4 ASVG abzuschließen (Einbeziehung in den Anwendungsbereich der Kollektivverträge).
  • Klarstellung in § 1 Abs. 1 ArbVG zur Vermeidung von Missverständnissen: Freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer iSd § 4 Abs. 4 ASVG werden nur in den Geltungsbereich des 1. bis 3. Hauptstückes des I. Teiles des ArbVG einbezogen.
  • Einbezogen werden sollen nur arbeitnehmerähnliche freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer.
  • Keine Ausdehnung auf freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer, die gemäß § 4 Abs. 4 ASVG von der Versicherungspflicht ausgenommen sind (zB Gewerbetreibende, die bereits gemäß § 2 Abs. 1 Z 1 bis 3 GSVG versichert sind).
  • Klarstellung zur Abgrenzung: Die Erfüllung kollektivvertraglicher Verpflichtungen durch Dienstgeberinnen und Dienstgeber freier Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer ist für sich betrachtet bei der Beurteilung, ob ein echter Arbeitsvertrag oder ein freier Dienstvertrag iSd § 4 Abs. 4 ASVG vorliegt, außer Betracht zu lassen.

ArbVG – Satzung (Erstreckung) und Mindestentgeltlogik bei fehlender Arbeitszeitfestlegung

  • Die Regierungsvorlage schränkt in § 18 Abs. 3 ArbVG den Umfang der Satzung eines Kollektivvertrags, der ursprünglich nur für klassische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer iSd § 1 Abs. 1 erster Satz abgeschlossen wurde, für freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer iSd § 4 Abs. 4 ASVG ein.
  • Danach darf die Satzung für freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer nur Regelungen zu Mindestentgelten und Mindestbeträgen für den Ersatz von Auslagen umfassen.
  • Problem: In freien Dienstverträgen ist das Ausmaß der aufzuwendenden Arbeitszeit häufig nicht festgelegt; Mindestentgelte in Kollektivverträgen für klassische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hängen jedoch typischerweise von der Arbeitszeit ab und beziehen sich meist auf Vollzeit.
  • Lösung: Festlegung, dass im Fall einer Satzung die kollektivvertraglichen Mindestentgelte für jene Arbeitsstunden gelten, die zur Erfüllung des freien Dienstvertrags tatsächlich aufgewendet werden müssen.

ArbVG – Übergangs-/Klarstellungsregel zur Kollektivvertragsfähigkeit bestehender Körperschaften/Organisationen

  • Die Regierungsvorlage regelt in § 272 Abs. 40 ArbVG, dass für zum Zeitpunkt des Inkrafttretens bestehende gesetzliche Interessenvertretungen und freiwillige Berufsvereinigungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine ausdrückliche Prüfung erfolgen soll, ob die Kollektivvertragsfähigkeit auch für freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer iSd § 4 Abs. 4 ASVG vorliegt.
  • Erstreckung dieser Regelung auch auf: juristische Personen öffentlichen Rechts mit Kollektivvertragsfähigkeit gemäß § 7 ArbVG; Vereine mit zuerkannter Kollektivvertragsfähigkeit gemäß § 4 Abs. 3 ArbVG; sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, denen die Kollektivvertragsfähigkeit mit Gesetz verliehen wurde.
  • Zweck: Auch diese sollen auf Arbeitgeberseite für bei ihnen beschäftigte freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer Kollektivverträge abschließen können.

Änderungen im Landarbeitsgesetz 2021 (Artikel 3)

  • Die Änderungen im ArbVG werden für den Bereich der Land- und Forstwirtschaft im LAG nachvollzogen.
  • Die Änderungen des § 1164a ABGB werden im LAG nicht nachvollzogen, weil § 1164a ABGB auch für freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer in Betrieben der Land- und Forstwirtschaft gilt.

Kompetenzgrundlagen

  • Bundeszuständigkeit für die Regelung auf Grundlage von Art. 10 Abs. 1 Z 11 B-VG (Arbeitsrecht und Sozialversicherungsrecht).
  • Hinsichtlich land- und forstwirtschaftlicher Arbeiterinnen und Arbeiter zusätzlich Art. 11 Abs. 1 Z 9 B-VG (Arbeiterrecht sowie Arbeiter- und Angestelltenschutz, soweit es sich um land- und forstwirtschaftliche Arbeiter und Angestellte handelt).

Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch, Arbeitsverfassungsgesetz und Landarbeitsgesetz 2021

~22 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren hier herinnen und daheim vor den elektrischen Geräten! Zunächst noch ganz kurz zum vorigen Tagesordnungspunkt, zur Fragestunde, in Richtung Frau Kollegin Teiber: Sie haben natürlich recht, es gibt eine Ombudsstelle, das war mein Fehler, aber es gibt keine Schlichtungsstelle. Insoweit war meine Kritik natürlich richtig, dass jeder, der einen falschen Bescheid bekommt, vors Arbeits- und Sozialgericht gehen muss – und das ist gerade für die älteren Personen tatsächlich auch schwierig. Nur so viel noch dazu; da haben Sie selbstverständlich recht gehabt, das war mein Fehler. Jetzt kommen wir zu einem Bundesgesetz, das das Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch, das Arbeitsverfassungsgesetz und das Landarbeitsgesetz ändert. Was so technisch klingt, ist in Wirklichkeit Folgendes: Es werden jetzt neue Regeln für die freien Dienstnehmer beschlossen. Das ist an und für sich etwas, dem wir unsere Zustimmung geben werden, wiewohl ich jetzt schon auch sagen möchte: Aus unserer Sicht könnte man freie Dienstverträge ganz abschaffen. Es ist vor wenigen Monaten, weil ein Essenszusteller alle seine Mitarbeiter gekündigt und sie zu freien Dienstnehmern degradiert hat, eine große Debatte in Österreich entstanden. Ich nenne jetzt bewusst nicht den Namen, aber ich möchte schon darauf hinweisen, dass das Instrument des freien Dienstnehmers in den letzten 20 Jahren sehr, sehr häufig eingesetzt worden ist. Es ist bei allen anderen Essenszustellbetrieben von Anfang an so gewesen, das heißt, da gab es natürlich auch einen Konkurrenzdruck – ohne jetzt irgendjemanden in Schutz nehmen zu wollen. Freie Dienstnehmer haben überhaupt keine soziale Absicherung, und leider Gottes werden sie diese soziale Absicherung auch mit dieser Reform nicht bekommen. Es sollen jetzt Kündigungsfristen eingeführt werden. Das ist natürlich zu begrüßen, und dem werden wir selbstverständlich unsere Zustimmung geben, ich glaube allerdings, dass man generell einmal überlegen soll, Frau Bundesminister, ob man diese freien Dienstnehmer in Österreich tatsächlich braucht. Ich halte das nicht für den richtigen Weg, weil ich glaube, viele dieser freien Dienstnehmer stehen auch nach der Kündigungsfrist, die wir jetzt beschließen, dann da: Es gibt keinerlei Möglichkeiten, Arbeitslosengeld zu bekommen, Urlaubsgeld zu bekommen. All das sind eben Errungenschaften des österreichischen Wohlfahrstaats, und ich glaube, es sollten einfach alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Genuss derselben kommen. (👏 FPÖ) Für uns ist völlig klar: Die geringfügig Beschäftigten sollen erhalten bleiben, aber das Instrument des freien Dienstnehmers sollten wir, Frau Bundesminister, tatsächlich komplett abschaffen; daher unsere Zustimmung! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Teiber. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Frau Ministerin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! Ja, lange ist es her, dass in diesem Hohen Haus zuletzt eine Verbesserung für freie Dienstnehmer und Dienstnehmerinnen beschlossen worden ist. Es war 2007, dass unter dem sozialdemokratischen Sozial- und Arbeitsminister Erwin Buchinger die freien Dienstnehmer in die Arbeitslosenversicherung miteinbezogen worden sind – insofern war das nicht korrekt –; seither gibt es diese Absicherung. Das ist ganz, ganz wichtig, da gebe ich Ihnen recht, aber es ist eben schon der Fall gewesen, es ist unter einem sozialdemokratischen Arbeitsminister beschlossen worden. 2015 hat es dann unter dem leider mittlerweile verstorbenen Rudi Hundstorfer wieder eine Verbesserung gegeben, wodurch freie Dienstnehmerinnen in das Mutterschutzgesetz mit aufgenommen worden sind. Heute, zehn Jahre danach – lange hat es gedauert, es hat eine sozialdemokratische Arbeitsministerin gebraucht –, wird wieder eine Verbesserung für freie Dienstnehmer beschlossen. (👏 ÖVP, SPÖ) Ja, man kann über die Sinnhaftigkeit von freien Dienstverträgen nachdenken und diskutieren – das sehen wir als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auch kritisch –, aber diese sukzessive Absicherung ist enorm wichtig. Das gelingt uns heute mit der Regelung, dass es endlich auch für freie Dienstnehmer und Dienstnehmerinnen Kündigungsfristen und auch Kündigungstermine gibt. Das war bis jetzt im Gesetz nicht geregelt. Sie können sich vorstellen, wie es Leuten geht, die hart arbeiten, wenn sie teilweise an einem Tag erfahren, dass sie morgen keinen Job mehr haben, vor dem Nichts stehen. Das ist brutal, und das schaffen wir heute mit einer einmonatigen Kündigungsfrist beziehungsweise bei einer Dienstdauer von zwei Jahren sogar mit einer sechswöchigen Kündigungsfrist ab. Das ist wirklich eine sozialpolitische Absicherung! (👏 SPÖ) Wir schaffen auch die Möglichkeit, dass freie Dienstnehmer und Dienstnehmerinnen in den Geltungsbereich von Kollektivverträgen miteinbezogen werden können, aber dazu mein Kollege etwas später. Ja, ich kann gerade als Arbeitnehmerinteressenvertreterin einfach nur sagen: Danke, Frau Ministerin! Es ist ganz wichtig, dass das durchaus auch so schnell, schon im ersten Jahr der Regierung, passiert ist. Wenn ich beim Danken bin, möchte ich Ihrem Ressort noch einen weiteren Dank ausrichten, ganz konkret Konsumentenschutzstaatssekretärin Königsberger-Ludwig, die mit der von ihr initiierten Aktion scharf gegen versteckte Preiserhöhungen und irreführende Rabatte wirklich ein wichtiges Thema angegangen ist, denn Rabattbetrug ist kein Kavaliersdelikt! (👏 SPÖ) Konsumenten und Konsumentinnen zu täuschen, das geht einfach nicht, und unser Fokus als Sozialdemokratie in der Regierung – ja, ich möchte sagen: als gesamte Regierung – liegt bei der Teuerungsbekämpfung: beim Wohnen, bei den Energiekosten, aber ja, auch bei den Lebensmittelpreisen, beim Einkaufen. Da braucht es ein Bündel an Maßnahmen. Dazu gehört das konsequente, entschlossene Vorgehen gegen den sogenannten Österreichzuschlag. Es geht darum, territorialen Lieferbeschränkungen den Kampf anzusagen. Der Binnenmarkt muss auch bei den Konsumenten ankommen. Es geht darum, auch der Billigeinfuhr von – ich möchte sagen – teilweise Ramschprodukten von den Onlineplattformen aus China den Kampf anzusagen. Da sind wir uns als Sozialpartner einig. Wirklich die Spucke bleibt einem weg – ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht –, wenn – wie gestern im Ö1- „Morgenjournal“ zu hören – der Geschäftsführer des Handelsverbands, angesprochen auf die hohen Preise im Handel, die hohen Löhne erwähnt – ein Hochlohnland! Da bleibt einem wirklich die Spucke weg, gerade wenn es um die Beschäftigten im Handel geht. 47 Prozent geben an, dass ihr Einkommen gerade ausreicht, um auszukommen. Für 9 Prozent reicht es gar nicht aus. Ich sage Ihnen, gerade die Beschäftigten im Handel, die unsere Versorgung sicherstellen, die hart hackeln, die in ihrem Berufsleben teilweise Tonnen schleppen, Tonnen einschlichten, haben sich einen guten Lohn, ein gutes Gehalt verdient. Sie haben es sich verdient, mit ihrem Einkommen auch auszukommen. – Vielen Dank.

SPÖ Duzdar (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Michael Hammer . – Ihre eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. Bitte schön, Herr Abgeordneter.

ÖVP Michael Hammer

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir beschließen heute wichtige und gute Änderungen im Bereich der Beschäftigung freier Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer. Ich möchte das gar nicht allzu weit ausführen, da es eine der wenigen Materien ist, bei denen heute alles einstimmig ist. Man braucht nicht alles zu wiederholen. Wir haben uns schon im Regierungsprogramm auf diese Novelle, auf diese Reform verständigt. Ich kann für meine Fraktion sagen: Freie Dienstverhältnisse, flexible Dienstverhältnisse haben schon ihre Berechtigung, aber, und das setzen wir mit dieser Reform auch um, es braucht klare Rahmenbedingungen und auch Fairness und Schutz. Dahin gehend wollen wir mit der Gesetzesänderung diese Rechte und vor allem den Kündigungsschutz entsprechend etablieren. Es gibt auch die Neueinführung von Kündigungsfristen – ich glaube, das ist sehr fair, dass man nicht von einem Tag auf den anderen gekündigt werden kann und am nächsten Tag keinen Arbeitsplatz mehr hat – und auch die Regelung, dass es einen Probemonat gibt. Das gibt auch eine gewisse Planbarkeit und entsprechende Sicherheit. Das ist auf jeden Fall positiv, auch was die Mindestlöhne und das Heranführen an kollektivvertragsrechtliche Regelungen betrifft. Wir versuchen auch, die Transparenz zu erhöhen, damit jeder freie Dienstnehmer und jede freie Dienstnehmerin weiß: Welche Rechte habe ich? Wie schaut es mit den Löhnen aus? Worauf kann ich mich einstellen? – Das soll keine Umgehung anderer arbeitsrechtlicher Beschäftigungsformen sein, aber es soll doch flexible Beschäftigungsmodelle geben; diese aber klar geregelt durch Transparenz, Fairness und eindeutig definierte Rechte. In diesem Sinne ist es eine wirklich gute Reform, und ich bitte, dem zuzustimmen, was ja heute auch – einstimmig – erfolgen wird. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner, Herr Abgeordneter Gasser. – Ihre eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. Bitte schön.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Die Arbeitswelt wird vielfältiger, sie wird flexibler, sie wird auch digitaler. Genau deshalb ist es wichtig, dass wir verschiedene Modelle haben, um dieser Vielfalt gerecht zu werden, und deshalb ist es auch gut, dass wir in Österreich die freien Dienstnehmer als ein Modell haben, das diese Vielfalt und Flexibilität ermöglicht. Mit dem heutigen Gesetz schaffen wir eine Grundlage dafür, dass eben für diese freien Dienstnehmer auch Kollektivverträge erlassen werden können. Das bringt mehr Sicherheit, das bringt mehr Fairness, ohne dass die Flexibilität dieses Beschäftigungsmodells verloren geht. Gerade bei der Plattformarbeit – bei Lieferdiensten, bei digitalen Dienstleistern, bei kreativen Tätigkeiten – sehen wir, wie wichtig diese Flexibilität in der Arbeitswelt ist. Eine Befragung bei einem Lieferdienst hat gezeigt, dass 80 Prozent der Fahrer:innen eben genau diese Flexibilität besonders schätzen. Sie sind in diesen Tätigkeiten auch nicht Vollzeit tätig, sondern machen das oft als Nebenverdienst, als Aufstockung, als Aushilfe. In vielen Fällen ist das auch –freiwillig – kein Dauerbeschäftigungsverhältnis, sondern tatsächlich auch eine Form der flexiblen unterjährigen Beschäftigung. Für viele Plattformarbeitende ist dadurch die Möglichkeit, dort zu arbeiten, eine ergänzende Beschäftigung und sicher nicht die Haupteinkommensquelle. Sie schätzen es auch, dass sie für mehrere Plattformen gleichzeitig tätig sein können. Genau deshalb ist es wichtig, dass das Modell der freien Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer weiterhin erhalten bleibt, um die Flexibilität auch mit einem Mindestmaß an sozialer Absicherung, die es gibt, sicherzustellen. Ich danke Kollegin Teiber auch für die Klarstellung gegenüber Kollegin Belakowitsch, denn es gibt eine entsprechende Absicherung. Wie groß diese in Zukunft sein kann, wird auch ein Thema sein, das die Kollektivvertragspartner miteinander ausverhandeln werden. Gerade auch die Plattformen selber begrüßen es und haben es in der Begutachtung begrüßt, dass es die Möglichkeit gibt, in Zukunft solche Kollektivverträge abzuschließen. Ich glaube, es ist wichtig, dass jetzt einmal die Möglichkeit geschaffen wurde, das zu verhandeln. In die Umsetzung wird es dann kommen, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind. Das gibt den Unternehmen, aber auch den freien Dienstnehmern genug Planungsmöglichkeit, bis es zu einer Umsetzung kommt, und Rechtssicherheit für beide Seiten. Ich glaube, ich habe deutlich gemacht, dass wir die freien Dienstverträge nicht abschaffen wollen, sondern dass wir die freien Dienstnehmer absichern wollen. Wir brauchen eine klare Abgrenzung zwischen Arbeitsverhältnissen, freien Dienstverhältnissen und selbstständigen Tätigkeiten. Heute stellen wir sicher, dass diese Flexibilität nicht verloren geht. Wie das in Zukunft weitergehen wird, wird auch Diskussion bei der Umsetzung der EU-Plattformarbeitsrichtlinie sein, die bis Ende 2026 erfolgen muss. Die Umsetzung bietet sich auch dafür an, die Differenzierung zwischen Arbeitsverhältnis, freiem Dienstvertrag und selbstständiger Tätigkeit zu schärfen, weil es auch notwendig sein wird, einen einheitlichen Arbeitnehmerbegriff zu schaffen und damit Klarheit zu schaffen, statt Grenzen zu verwischen. (👏 NEOS) Die Vielfalt der Modelle, die wir am österreichischen Arbeitsmarkt, in der Wirtschaft haben, ist keine Schwäche, sondern die Vielfalt ist eine Stärke. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Koza. – Ich darf Ihnen 5 Minuten Redezeit einstellen. Bitte schön.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, ich gestehe ganz offen, bei der Frage hinsichtlich der Aufnahme von freien Dienstnehmer:innen in den Kollektivvertrag wohnen zwei Seelen in meiner Brust: Einerseits wird der freie Dienstvertrag damit gesetzlich aufgewertet und geradezu normalisiert, und das halte ich schon für problematisch. Bei freien Dienstverträgen handelt es sich nämlich tatsächlich oft genug um besonders prekäre und unsichere Formen der Beschäftigung und wir haben allzu oft erlebt, dass der freie Dienstvertrag missbraucht wird, um reguläre Beschäftigungsverhältnisse, um sichere Beschäftigungsverhältnisse auszuhebeln – gerade Essenszusteller:innen können davon ein Lied singen. Andererseits ist aber natürlich jeder Schritt zu begrüßen, durch den freie Dienstnehmer:innen mehr Arbeitsrechte bekommen, denn das wirkt doppelt: Einerseits sind die Betroffenen sozial besser abgesichert, je ähnlicher sie Arbeitnehmer:innen werden, andererseits wird es natürlich auch für Unternehmer unattraktiver, freie Dienstnehmer:innen statt fixer Beschäftigter anzustellen. Deshalb werden wir natürlich der Regierungsvorlage heute zustimmen. Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrte Frau Ministerin, wer A wie Arbeitnehmer:in oder arbeitnehmer:innenähnlich sagt, der muss auch B wie Betriebsrat sagen. Weil: Mir bringen die zusätzlichen Rechte nur relativ wenig, wenn ich sie im Betrieb nicht umsetzen kann, nicht durchsetzen kann, wenn ich auch niemanden habe, der mich dabei unterstützt. Das ist nun einmal der Betriebsrat, der dafür sorgt, dass meine Rechte im Betrieb auch eingehalten werden. In dem Sinne auch einen solidarischen Gruß an alle Betriebsrät:innen da draußen, die Tag für Tag für die Rechte der Arbeitnehmer:innen kämpfen. (👏 SPÖ) Freie Dienstnehmer:innen können heute bereits ihre überbetriebliche Interessenvertretung – nämlich die AK-Vollversammlungen – wählen und dorthin gewählt werden. Warum da bitte nicht auch den Betriebsrat? Die Frage von freien Dienstnehmer:innen im Betriebsrat gewinnt nicht zuletzt darum an Brisanz und Wichtigkeit, weil es immer mehr Branchen gibt, die fast nur mehr freie Dienstnehmer:innen beschäftigen. Wir haben zuletzt erlebt, was das für die Betroffenen bedeutet, als ein großer Essenszusteller Hunderte angestellte Essenslieferanten mehr oder weniger von heute auf morgen gekündigt und durch freie Dienstnehmer:innen ersetzt hat. Das hat für den Konzern einen praktischen Nebeneffekt: Wo es nämlich keine festen Arbeitnehmer:innen mehr gibt, da gibt es auch keine Betriebsräte mehr. Dort schaut niemand mehr auf die Rechte der Mitarbeiter:innen. Genau solche Praktiken gehören abgestellt, und darum bringen wir auch folgenden Antrag ein: RN/20.1 Abänderungsantrag der Abgeordneten Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der dem oben zitierten Ausschussbericht angeschlossene Gesetzesentwurf wird wie folgt geändert: In Artikel 2 werden folgende Z 3a und 3b eingefügt: „3a. In § 31 Abs. 2 wird nach der Wortfolge ‚für Heimarbeiter‘ die Wortfolge ‚und für freie Dienstnehmer:innen nach § 4 Abs. 4 ASVG‘ eingefügt. 3b. In § 36 Abs. 1 wird nach der Wortfolge ‚und der Heimarbeiter‘ die Wortfolge ‚und freie Dienstnehmer:innen nach § 4 Abs. 4 ASVG‘ eingefügt.“ Meine sehr geehrten Damen und Herren! Betriebliche Mitbestimmung ist ein wesentlicher Pfeiler unserer sozialen Demokratie, stimmen Sie dem Abänderungsantrag zu und sorgen Sie dafür, dass auch freie Dienstnehmer:innen eine starke Stimme in den Betrieben haben! – Danke. (👏) 10.30 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/20.2 Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch, das Arbeitsverfassungsgesetz und das Landarbeitsgesetz 2021 (AA-34) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der gegenständliche Abänderungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht, ist ausreichend unterstützt und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin. – Bitte schön.

FPÖ Andrea Michaela Schartel

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Frau Minister! Zuerst möchte ich Ihnen sagen: Meine Kollegin Belakowitsch war sich vollkommen bewusst, dass natürlich auch freie Dienstnehmer wie normale Dienstnehmer komplett, umfänglich in der Pflichtversicherung erfasst sind. Es gehört aber zur sozialen Absicherung auch dazu, dass man für Urlaub Anspruch auf Urlaubsentgelt und, wenn man krank ist, Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Auftraggeber hat. Derzeit bekommen sie nur Krankengeld über die ÖGK. Also das meinte sie mit der umfangreichen sozialen Absicherung. Wie gesagt, es ist begrüßenswert, dass es zumindest zum Teil eine Regelung geben wird, indem man sagt, man schützt die freien Dienstnehmer, dass sie nicht von heute auf morgen auf die Straße gesetzt werden können. Wobei ich schon daran erinnern möchte, dass wir auch Kollektivverträge hatten – bevor sozusagen die Novellierung des Kündigungsgesetzes kam –, in denen sogar eine tägliche Kündigungsfrist gestanden ist. Also ein Spezifikum der freien Dienstnehmer ist das nicht. Sie alle sagen, es sei eine ganz tolle Errungenschaft, dass man jetzt sozusagen gesetzlich formuliert, dass eben unter Umständen der 13. und 14. Bezug, dass zum Beispiel die Entlohnung, dass Mindestlöhne über Kollektivverträge geregelt werden können. Wir wissen, Kollektivverträge macht – leider, sage ich jetzt, weil ich dafür bin, dass die Arbeiterkammer das machen soll – die Sozialpartnerschaft, sprich Gewerkschaften und auf der anderen Seite die Wirtschaftskammer. Wenn Sie sich aber in der Presse anschauen, was die Wirtschaftskammer momentan zu dieser Thematik veröffentlicht, dann zweifle ich heute und sage Ihnen: Es wird Ihnen nicht gelingen. Es wird einfach bei dieser kleinen Schraube Regelung der Kündigungsfristen bleiben, aber im Großen und Ganzen wird es keine Besserstellung geben. Deswegen wäre wirklich ernsthaft darüber nachzudenken, ob wir weiterhin freie Dienstnehmer in so hoher Zahl beschäftigen sollen, und wirklich genau zu überlegen, in welchen Berufsgruppen es richtig ist. Ich möchte ehrlich fragen: Ein Essenszusteller, wo hat der keine wirtschaftliche Abhängigkeit? Das Vertretungsrecht, okay, das wird wahrscheinlich funktionieren, aber er ist natürlich in ein Betriebssystem eingebunden. Und ob das Radl jetzt wirklich das geeignete Arbeitsmittel ist, das bezweifle ich auch. Also, ich bin dafür: Tun wir einmal wirklich etwas für die arbeitende Bevölkerung und schauen wir, ob wir nicht ein besseres Gesetz im Allgemeinen zusammenbringen! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Höfler. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Bernhard Höfler

Herr Präsident! Frau Ministerin! Zu Beginn möchte ich mich ganz persönlich bei ( in Richtung Bundesministerin Schumann ) Ihnen bedanken, dass wir das in dieser kurzen Zeit nach der Angelobung durchgeboxt haben, und allen Parteien und allen Kolleg:innen in diesem Haus, die heute dieser Regierungsvorlage zustimmen, auch ein großes Dankeschön. (👏 SPÖ) Kollege Steiner fällt wieder negativ heraus, eh klar, wie immer. (👏 ÖVP, SPÖ) Kollege Steiner hat nicht einmal die Fragestunde am Beginn der Sitzung verstanden, aber das ist eine andere Geschichte.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die Ministerin nicht! Die hat keine Antwort gegeben, keine einzige!

SPÖ Bernhard Höfler

… Die Kollegin vor mir hat etwas erwähnt, das schon etwas paradox ist: Die FPÖ steht für die Abschaffung der Arbeiterkammer …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nicht der Arbeiterkammer, Herr Kollege!

SPÖ Bernhard Höfler

… und fordert heute gleichzeitig die Kollektivvertragsfähigkeit und ein Verhandlungspouvoir für die Arbeiterkammer. Das passt nicht zusammen. Ich möchte zu Beginn gleich festhalten: Ich würde dazu übergehen, die Gewerkschaften zu stärken, Mitglied bei den Gewerkschaften zu werden, damit wir im Rahmen einer funktionierenden Sozialpartnerschaft nächstes Jahr diese kollektivvertraglichen Regelungen festlegen können. (👏 SPÖ) Das sind halt Menschen, die keine klare soziale Absicherung hatten, die von einem Tag auf den anderen auf der Straße gestanden sind, die keinen Kündigungsschutz hatten und jetzt das Glück haben – die Notwendigkeit wird hoffentlich auch im Rahmen der Sozialpartnerschaft mitgetragen –, dass wir nächstes Jahr diesen Kollektivvertrag vereinbaren. Es gibt zwei Möglichkeiten, die kurz angesprochen wurden: Es gibt die Möglichkeit eines eigenen Kollektivvertrages, wo man dann gewisse Dinge wie Entgeltbestimmungen, Entgeltfortzahlungen, möglicherweise auch die Sonderzahlungen Weihnachts- und Urlaubsgeld regeln kann, aber es gibt auch die Möglichkeit, die freien Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer in bestehende Geltungsbereiche von Kollektivverträgen aufzunehmen. Auf Kollegen Koza bezüglich passives/aktives Wahlrecht replizierend: Ja, natürlich, es wäre ein Schritt für die Zukunft, den auch Arbeiterkammer und ÖGB in den Stellungnahmen berücksichtigt haben, das ist klar, habe ich auch gelesen, nur der Punkt ist: Das ist jetzt einmal der erste Schritt, dass wir für diese freien Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer diese Kollektivvertragsregelungen schaffen. Natürlich sollten wir für die Zukunft auch auf die Mitbestimmung, auf die demokratischen Grundwerte in den Betrieben setzen. Da bin ich guter Dinge, dass wir das für die nächsten Jahre hoffentlich gemeinsam in diesem Haus auch zustande bringen werden. Abschließend: Wer in diesem Land arbeitet – das möchte ich schon noch erwähnen –, hat Anspruch auf Fairness, Sicherheit und Respekt, und das gilt ab 2026 auch für die freien Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer. – Vielen herzlichen Dank und: Weitermachen! (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Belakowitsch zu Wort gemeldet. – Sie kennen die einschlägigen Bestimmungen. Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Herr Präsident. – Mein Vorredner, Herr Abgeordneter Höfler, hat hier behauptet, die FPÖ wäre für die Abschaffung der Arbeiterkammer. – Das ist unrichtig. Ich berichtige tatsächlich: Die FPÖ ist nur für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in der Arbeiterkammer. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Stich. – Ihre eingemeldete Redezeit beträgt 3 Minuten. Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Paul Stich

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle von uns oder zumindest jene, die ein Smartphone besitzen, sich irgendwann schon einmal per App etwas zu essen bestellt haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, ich nicht, noch nie! Ich habe mir noch nie was bestellt!

SPÖ Paul Stich

… vielleicht nach langen Sitzungstagen, zum Familiengeburtstag, vielleicht nach einem Date, wer weiß, wer weiß. Wer das macht, nimmt das Essen dann von Lieferbotinnen und Lieferboten entgegen, und – seien wir uns ehrlich – all jene, die das schon gemacht haben, kennen das Gefühl, wenn man denkt: Wow, ich esse jetzt gemütlich meine Pizza und der Kollege muss weiterfahren, der muss wieder raus, der muss auf das Rad, bei Wolkenbrüchen, bei Schnee, bei Eis, bei Temperaturen, die nicht immer ganz so gemütlich sind. Respekt einmal dafür und ein Danke an alle, die diese Arbeit jeden Tag für uns erledigen! (👏 ÖVP, SPÖ) Fahrradboten sind also ohne Zweifel Leistungsträger in unserer Gesellschaft, das Problem ist nur: Sie werden nicht wie solche behandelt. Erst vor wenigen Monaten war das sichtbar, als der Essenszusteller Lieferando mehrere Hundert Beschäftigte, die als Arbeitnehmer:innen angestellt waren, vor die Tür gesetzt hat; nicht aber, weil es gerade irgendwie schlecht läuft, weil das Unternehmen rote Zahlen schreiben würde, sondern deshalb, um sie eins zu eins als freie Dienstnehmer:innen wieder einzustellen. Das bedeutet weniger Kosten für den Konzern und wesentlich weniger Sicherheit für die Beschäftigten. Die Detektive unter uns sehen schon: Man kann sagen, das ist eigentlich eine beinahe klassische Umgehungskonstruktion von Arbeitsrecht. Sprechen wir aus, was da direkt vor unseren Augen passiert: Konzerne treiben Leistungsträger ins Prekariat! Da können wir nicht zuschauen, das geht sich mit uns ganz sicher nicht aus. (👏 SPÖ) Wer viel arbeitet und jeden Tag seine Leistung bringt, der muss die Chance haben, durch seine Leistung auch voranzukommen, und soll nicht auf Förderungen oder Beihilfen angewiesen sein. Wohlstand durch Arbeit muss möglich sein, und in kaum einem Fall sind wir davon weiter entfernt als bei Essenszustellern im Speziellen und bei freien Dienstnehmer:innen im Allgemeinen. Das Problem ist ja nicht nur auf diese eine Gruppe beschränkt, auch wenn wir jetzt viel über Fahrradbot:innen reden. Freie Dienstnehmer:innen sind ein Phänomen, das auch in Österreich immer mehr Fuß fasst und in das ganz besonders junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch ein bisschen hineingedrängt werden, kann man fast sagen, weil die Möglichkeit, nachzuverhandeln, ob es ein freier oder ein regulärer Dienstvertrag wird, natürlich nicht gegeben ist. Das schafft Unsicherheit in Bezug auf den Lohn, auf die Arbeitszeiten und auf die Perspektive. Man kann auch ruhig festhalten, was es ist: Es ist vor allem ungerecht. Denn die Wohnung ist jeden Monat zu zahlen, ganz unabhängig davon, wie viele Nächte man darin schläft. Gerade bei freien Dienstnehmer:innen, die eigentlich klassische Arbeitnehmer:innen sind, braucht es diese Sicherheit. Es ist wichtig, dass beim Lohn und bei ganz vielen anderen Dingen dasselbe Prinzip wie bei der eigenen Wohnung gilt. (👏 SPÖ) RN/25.1 Es gibt aber schon ein paar Dinge, über die wir auch in dieser parlamentarischen Debatte reden müssen. Ich verstehe und teile den Grundsatz, dass wir freie Dienstnehmer:innen absichern müssen und dass es im eigenen Beschäftigungsverhältnis gar nicht genug Sicherheit geben kann. Ich habe mir aber schon die Mühe gemacht – und sowohl Kollegin Teiber als auch die Frau Ministerin haben das ausgeführt –, mir noch einmal ganz konkret anzuschauen: Was ist denn eigentlich in Perioden, in denen die Sozialdemokratie nicht regiert hat, für freie Dienstnehmer:innen gesetzlich weitergegangen? Was ist da tatsächlich gemacht worden? ( Ruf bei der SPÖ: Nix! ) Wo unterscheiden sich vielleicht auch Ausführungen, die in der Opposition gemacht werden, von Ausführungen, die während der Zeit in der Regierung gemacht wurden? – Ich habe es mitgebracht ( ein leeres Blatt Papier in die Höhe haltend ): Es ist tatsächlich relativ wenig. Ich würde mir wünschen, dass es nicht bei Sonntagsreden bleibt, sondern dass freie Dienstnehmer:innen auch tatsächlich so abgesichert werden, wie sie das brauchen, und dass über freie Dienstnehmer:innen keine Unwahrheiten verbreitet werden. Kollegin Belakowitsch hat gemeint, sie wären nicht arbeitslosenversichert, auch das hat die Frau Ministerin schon richtiggestellt. Das ist auch eine wichtige Lehre des heutigen Tages: Bei der FPÖ muss man manchmal Dinge auch zwei- oder mehrmals prüfen. Das sind aber die Dinge, auf die wir uns auch weiterhin fokussieren. Wir stellen sicher, dass freie Dienstnehmer:innen künftig von Kollektivverträgen erfasst werden können. Wir geben und eröffnen die Möglichkeit für mehr Sicherheit für diese Gruppe an Leistungsträger:innen. Das heißt, Dinge wie Mindestlöhne, wie Krankenstände, wie Arbeitszeiten können künftig verbindlich geregelt werden. Das ist ein erster wichtiger Schritt für mehr Sicherheit.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo steht denn das? Wo steht das?

SPÖ Paul Stich

… Die EU-Richtlinie zur Plattformarbeit ist heute schon angesprochen worden, auch die steht noch auf unserer Agenda, denn ich sage euch ganz ehrlich: Die Pizza, die ich mir bestelle, schmeckt auch besser, wenn hinter dem Fahrradboten, der sie mir bringt, kein Lohndumping, keine Ausbeutung und nichts, was in irgendeiner Form Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schadet, steht. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung über den Gesetzentwurf in 229 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Mag. Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag als Zusatzantrag eingebracht. Ich werde daher zunächst über den erwähnten Zusatzantrag und anschließend über den Gesetzentwurf abstimmen lassen. Die Abgeordneten Mag. Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatzantrag betreffend Artikel 2 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über den gegenständlichen Gesetzentwurf in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist ebenfalls einstimmig. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Allgemeines Sozialversicherungsgesetz und Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz

230 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 210 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das ASVG wird geändert, um die beitragsrechtliche Berücksichtigung von Trinkgeldern in der gesetzlichen Sozialversicherung zu aktualisieren und die Schätzungsbefugnis für Trinkgelder ausdrücklich durch einen nach § 44 Abs. 3 festgesetzten Maximalbetrag zu begrenzen. Das AVRAG wird ergänzt, damit Arbeitnehmer/innen über bargeldlos eingehobene Trinkgelder und den Aufteilungsschlüssel informiert werden; für bestehende Arbeitsverhältnisse ist diese Information spätestens bis 28. Februar 2026 nachzuholen.

Betroffen sind vor allem Arbeitnehmer/innen und Betriebe mit Trinkgeldsystemen (insbesondere in Gastronomie/Hotellerie) sowie die sozialversicherungsrechtliche Beitragsbemessung von Trinkgeldern.

Dokumente

Allgemeines Sozialversicherungsgesetz und Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz

Ziel und Gegenstand

  • Aktualisierung der beitragsrechtlichen Berücksichtigung von Trinkgeldern in der gesetzlichen Sozialversicherung.
  • Schaffung arbeitsrechtlicher Regelungen, wonach Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über bargeldlos eingehobene Trinkgelder zu informieren sind.

Kompetenzrechtliche Grundlage

  • Gesetzgebungskompetenz gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Z 11 B-VG ("Sozialversicherungswesen" und "Arbeitsrecht").

Änderungen im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG)

  • Korrektur der im Einleitungssatz zitierten Fundstelle, da das ASVG zuletzt durch das Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz, BGBl. I Nr. 50/2025, geändert wurde.
  • § 42 Abs. 3 ASVG: Klarstellung durch ausdrückliche Bezugnahme auf einen nach § 44 Abs. 3 festgesetzten Maximalbetrag, dass die Schätzungsbefugnis in Bezug auf Trinkgelder nach § 42 Abs. 3 der Höhe dieses Maximalbetrags unterliegt, sofern ein solcher festgelegt wurde.
  • § 816 ASVG: Redaktionelle Richtigstellungen.

Änderungen im Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG) – Informationspflichten zu Trinkgeldern

  • Einführung/Regelung in § 2j Abs. 1 AVRAG: Arbeitnehmer/innen, die an einem Trinkgeld-Verteilsystem beteiligt sind, sind zu Beginn des Arbeitsverhältnisses unverzüglich über den Aufteilungsschlüssel zu informieren.
  • Regelung in § 2j Abs. 2 AVRAG für den häufigsten Praxisfall: Verteilung der Trinkgelder am Ende des Arbeitstages durch eine Person aus dem Kreis der Arbeitnehmer/innen des Betriebs.
  • Diese verteilende Person hat vollen Einblick in bargeldlos gegebene Trinkgelder, in bar gegebene Trinkgelder sowie in die Umsätze (Kosten für Speisen und Getränke).
  • Das rechnerisch ermittelte Trinkgeld wird am Ende des Arbeitstages sofort entnommen und in bar unter den Arbeitnehmer/innen verteilt; dabei besteht grundsätzlich keine Einbindung des/der Arbeitgeber/in oder einer dem/der Arbeitgeber/in nahestehenden Person.
  • Greift der/die Arbeitgeber/in in die Verteilung ein, besteht (wieder) ein Auskunftsrecht über die bargeldlos eingehobenen Trinkgelder.
  • Gleiches gilt, wenn die Verteilung durch eine/n leitende/n Arbeitnehmer/in iSd § 36 Abs. 2 Z 1 oder 3 ArbVG erfolgt.

Inkrafttreten und Übergangsregelung (AVRAG)

  • § 19 Abs. 1 AVRAG: Anpassung der Inkrafttretensbestimmung (Ziffernbezeichnung wird auf „62“ gestellt).
  • Klarstellung zur Anwendung von § 2j auf im Zeitpunkt des Inkrafttretens bereits aufrechte Arbeitsverhältnisse: Die Information nach § 2j Abs. 1 hat spätestens bis 28. Februar 2026 zu erfolgen.

Allgemeines Sozialversicherungsgesetz und Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz

~30 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke schön, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren hier herinnen und vor den Bildschirmgeräten! Herr Kollege Stich ist ja ein unverbesserlicher Optimist, wenn er sich hierherstellt und sagt, was alles kommen wird. Wir werden sehen – das noch zum vorhergegangenen Punkt –, ob das auch wirklich alles so durchgesetzt wird, wie Sie sich das jetzt erträumen. Ich bin da eher kritisch. Wir gehen nämlich jetzt gleich weiter und besprechen die sogenannte Trinkgeldpauschale. Schauen wir uns das an: Es kommt da jetzt zu einer massiven Belastung der betroffenen Berufsgruppen und damit natürlich auch ein bisschen der Arbeitgeber. Frau Bundesminister, wir haben im Ausschuss sehr lange und sehr gründlich darüber diskutiert. Sie haben es auch heute in der Fragestunde wieder gesagt: Es wird zu einer phänomenalen, besseren Absicherung kommen, und zwar nicht nur im Bereich der Pensionen, sondern Sie haben es ja auf Krankengeld, Mutterschutzgeld ausgeweitet. Kollege Steiner wird Ihnen das dann noch mit den genauen Zahlen vorrechnen. Ich sage Ihnen aber Folgendes – ich gehe hier jetzt auf die prinzipiell politische Ebene –: Es wird jetzt einer Berufsgruppe, vor allem den Kellner:innen – das Ganze ist ja durch die Digitalisierung passiert, man weiß jetzt, wie viel Trinkgeld gegeben wird –, tatsächlich sozusagen etwas auferlegt: Sie müssen jetzt vom Trinkgeld mehr Abgaben, mehr Steuern bezahlen. Trinkgeld ist eine Leistung, die ich freiwillig gebe, wenn jemand besonders freundlich zu mir ist, vielleicht besonders zuvorkommend war. Wenn jemand nämlich nicht freundlich ist, kriegt er gar kein Trinkgeld – die Trinkgeldpauschale muss er aber trotzdem bezahlen. Allein diesen Widerspruch müssten Sie also sehen. Ich habe Sie schon im Ausschuss gefragt, ob Sie meinen, dass es tatsächlich gerechtfertigt ist, das über alle – bleiben wir bei der Berufsgruppe der Kellner – zu legen, weil es natürlich einen Unterschied macht, ob jemand in einem Haubenlokal, in einem ganz kleinen Lokal oder in einem mittelständischen Gasthaus arbeitet.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Deshalb gibt es unterschiedliche Sätze!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Überall werden unterschiedliche Trinkgelder gegeben, überall hat man eine unterschiedliche Fluktuation an Gästen. All das macht Unterschiede, aber trotzdem scheren Sie alle über einen Kamm. Ich halte das nicht für gerecht. Ja, Sie kommen jetzt wieder damit, dass man da Ausnahmen machen kann – ist ja nicht viel Bürokratieaufwand, wenn man nachweisen kann, dass man weniger Trinkgeld bekommen hat. – Also der Bürokratieaufwand ist enorm. Die Kostenbelastung für die Kellner:innen, die noch dazu in einem Niedriglohnsektor arbeiten, ist enorm. Jetzt sage ich Ihnen noch etwas, und das habe ich Ihnen auch schon im Ausschuss gesagt: Sie hätten den Kellnerinnen und Kellnern - - …

ÖVP Hörl (Zwischenruf)

Weshalb Niedriglohnsektor?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Was Niedriglohn heißt, Herr Kollege Hörl? – Das können Sie als Millionenförderempfänger sich nicht vorstellen. ( Ruf bei der ÖVP: Geh bitte! ) Das sind Personengruppen, die eher im unteren Segment des Einkommens daheim sind …

ÖVP Hörl (Zwischenruf)

Was reden Sie für einen Blödsinn? – Ruf bei der ÖVP: Letztklassig!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… also eben Kellnerinnen und Kellner. Hören Sie jetzt gut zu! Ein Gutteil der Kellner – nicht alle, das sage ich auch gleich, es gibt natürlich auch Arbeitgeber, die ordentlich anmelden, aber sehr, sehr, sehr viele Kellner; gerade in dieser Branche – ist gar nicht Vollzeit angemeldet, obwohl sie Vollzeit arbeiten. ( Ruf bei der ÖVP: Unterstellung! ) Da hätten Sie hinschauen müssen. Sie würden den Kellnern weit mehr helfen, wenn Sie dafür Sorge tragen würden, dass die Strafen für die Arbeitgeber, die falsch anmelden, drastisch erhöht werden. Davon hätten die Kellner weit mehr gehabt, als wenn Sie ihnen den Nettobetrag jetzt mit dem Versprechen, dass sie in 20, 30 Jahren vielleicht bei der Pension ein paar Euro mehr haben, wegnehmen. Die Kellner haben wahrscheinlich mehr davon, wenn sie jetzt die erhöhte Pauschale auf ein Sparbuch legen, und das trotz Nullzinspolitik, Frau Bundesminister. Das ist die Wahrheit. Sie belasten eine Gruppe von Personen, die ohnehin wenig hat. Daher werden wir dem jedenfalls niemals unsere Zustimmung geben. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Muchitsch. Die eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Josef Muchitsch

Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Sehr geschätzte Damen und Herren! Das Thema Trinkgeldpauschale begleitet uns schon viele, viele Jahre. Ich frage mich immer: Wo hat die FPÖ während ihrer Regierungsbeteiligung mit ihren Ideen zur Trinkgeldpauschale Maßnahmen gesetzt? (👏 SPÖ, NEOS) Die FPÖ war in den letzten 25 Jahren acht Jahre in Regierungsverantwortung. Wo sind Maßnahmen gesetzt worden? Auch was Frau Abgeordnete Belakowitsch angesprochen hat, was die Strafen betrifft: Wenn euch das wirklich so wichtig gewesen wäre, hättet ihr das alles machen können. Fakt ist: Wir haben eine bestehende Regelung, die steuerfrei ist. Da wird so viel Falsches interpretiert und auch kommuniziert. Die Trinkgeldpauschale ist steuerfrei. Fakt Nummer eins. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Fakt Nummer zwei: Ja, die Sozialversicherungspflicht ist da, und es ist gut, dass sie da ist. Die Frau Ministerin hat das in der Fragestunde auch schon angesprochen. Erinnern wir uns bitte, was in der Coronazeit war! Im März, April 2020 waren 500 000 Menschen beim AMS gemeldet, vor allem aus diesem Dienstleistungsbereich, aus der Gastronomie. Alle diese Menschen waren beim AMS mit einem ganz niedrigen Arbeitslosengeldanspruch abgestellt. Deswegen ist es wichtig, dass die Sozialversicherungspflicht bleibt, weil die Menschen dadurch einen Rechtsanspruch bei Arbeitslosengeld, bei Krankengeld und auch bei der Pension erreichen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was war – weil ich gerade Kurt Egger vor mir sehe – der Auslöser dieser Debatte? – Der Auslöser der Debatte war: Ja, es kann viel transparenter geprüft werden, weil immer mehr Leute mit der Plastikkarte zahlen und dadurch natürlich größere Transparenz da ist, was tatsächlich an Trinkgeld abgeliefert wurde. Aber zum Beispiel dieser Mythos von der Gastronomie im Fokus der ÖGK: Auch das ist unrichtig. Wir haben uns auch da die Prüfberichte der letzten fünf Jahre bei den Verhandlungen genau angeschaut: Es sind insgesamt 880 Betriebe im Dienstleistungsbereich in fünf Jahren geprüft worden, wo es zu einer Nachverrechnung gekommen ist. Das sind 176 Betriebe im Jahr bei über 40 000 betroffenen Betrieben. Kann man da sagen, das war eine Schwerpunktaktion der ÖGK? – Nein. Und wissen Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, wie hoch die Strafen bei dieser Nachprüfung im Durchschnitt in der Gastronomie waren? – 800 Euro im Durchschnitt. Aber es hat Einzelfälle gegeben, bei denen das natürlich schon eine schöne Kiste an Belastung war, vollkommen richtig. Auch diese Zahlen haben wir uns in den Verhandlungen angeschaut, und es ist auch wichtig, dass wir zur Lösung gekommen sind, bei höheren Nachzahlungen für diese betroffenen Betriebe – da geht es um die Selbstverwaltung – ein Instrument zu schaffen, um da auch eine Härtefallregelung zu ermöglichen, und das, ohne dass die Dienstnehmer Ansprüche verlieren. Das war uns auch ganz wichtig. Also wir haben da schon eine Reparatur gemacht, die wirklich dringend notwendig war. Und ich weiß, die einen wollten null und die anderen wollten mehr. Aber das, was da jetzt als Kompromiss herausgekommen ist, ist eine Lösung, die Rechtssicherheit schafft, die auch für die Zukunft eine Vereinfachung ist. Vergessen wir nicht: neun Bundesländer, vier Dienstleistungsbereiche, 36 verschiedene Regelungen. Es hat sich ja keiner mehr ausgekannt, was für wen wo gilt. Das ist jetzt beseitigt, und deshalb bedanke ich mich – in dieser schwierigen Zeit, in der das das Sommerthema Nummer eins war; wir erinnern uns, die Wogen sind hochgegangen, es war das Thema Nummer eins – bei den Koalitionspartnern, bei Kurt Egger von der ÖVP und bei Kollegen Hofer von den NEOS für diese Verhandlungen. Es waren schwierige, emotionale Verhandlungen, aber letztendlich haben wir ein gemeinsames Ergebnis für alle Beteiligten erreicht, das sich sehen lassen kann. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Wurm. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte schön.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Frau Staatssekretärin! Wertes Hohes Haus! Werte Zuseher! Ja, da haben wir auch wieder ein Superexempel dafür, wie sinnlos ein Kompromiss in letzter Konsequenz sein kann. Sie loben immer diesen Kompromiss, aber da muss ich sagen, eine Kompromisslösung kann auch ganz etwas Dummes sein, und das haben wir heute hier vorliegen. Liebe Sozialdemokratie, ich weiß nicht, wie es euch gegangen ist. Ich bin relativ viel in der Gastronomie unterwegs ( Heiterkeit bei Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und NEOS ), es gibt auch unzählige Presseartikel dazu. Was sagen die Arbeitnehmer in der Gastronomie zu eurer Idee? – Schwachsinn! Lasst uns in Ruhe! – Das sagen Kellnerinnen und Kellner. (👏 FPÖ) In Richtung ÖVP gewandt: Was sagen denn Gastronomen zu eurem Superkompromiss? – Die sagen: Wir haben jetzt schon kein Personal mehr in der Gastronomie!, und: Sauerei! – Das kommt von Unternehmern in der Gastronomie zum berühmten Kompromiss. Das, was wir heute diskutieren, ist ja wirklich wieder ein exemplarisches Beispiel dafür, dass ihr in dieser Regierung nichts zusammenbringt, was Hand und Fuß hat, nichts, gar nichts. Aber vielleicht für die Zuseher noch einmal ganz kurz: Was ist der Auslöser, warum ist das überhaupt heute Thema, warum kommt das jetzt? – Aus zwei Gründen: Da immer mehr digital bezahlt wird – und ihr vier wollt das Bargeld sowieso abschaffen –, hat man jetzt halt von Finanzamt, Gebietskrankenkasse genauere Zahlen, Daten, was an Trinkgeld in manchen Betrieben fließt. Es hat auch riesige Nachzahlungen an Unternehmer, an Gastronomen gegeben. Dann ist noch die Wirtschaftskammer aktiv geworden, und jetzt versucht man, die Kuh vom Eis zu bringen, damit die keine Strafen zahlen müssen. Und die Frau Sozialministerin und die Sozialdemokraten sind draufgekommen: Das wäre eine Supermöglichkeit, die desolaten Krankenkassen ein bisschen zu sanieren , damit wir für die Asylanten halt weiterhin eine Gratiskrankenversicherung finanzieren können. Also ein Superkompromiss von Schwarz und Rot.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Wo ist die Patientenmilliarde?

FPÖ Peter Wurm

… Wir kennen das seit Jahrzehnten. Ich meine, lustig sind ja die NEOS. Die sind mittlerweile überhaupt verschollen. Die NEOS spielen da im Kompromiss eine Superrolle, die nicken das alles noch ab. Also darüber kann man nur noch lachen. Die Realität ist jetzt folgende: Jetzt müssen also diese Pauschale – und die steigt jährlich; ihr habt das jetzt angepasst; das geht bis auf 100 Euro hinauf – die Arbeitnehmer und die Dienstgeber bezahlen. Und Sie erzählen dann jedem, dass das die Pension erhöht. Man muss jetzt aber vielleicht jedem noch einmal erklären: Der überwiegende Teil dieser Abgabe fließt natürlich nicht in das Pensionskonto des Arbeitnehmers, sondern dient zur Erhaltung des Systems. Das ist eine ganz einfache Rechnung, das kann sich jeder anschauen. Das ist das, was ich Ihnen vorwerfe, Frau Minister. Sie erzählen den Kellnerinnen und Kellnern, sie bekommen mehr Pension, dabei dient die Pauschale hauptsächlich dazu, das desolate Krankenkassensystem mitzufinanzieren. Das halten wir für absolut falsch. (👏 FPÖ) Unsere Position ist da glasklar – es ist offensichtlich wieder so: wir haben eine Position, ihr habt gar nichts, ihr habt einen miesen Kompromiss –: Das Trinkgeld ist ein Geschenk, das man einem Kellner, einer Kellnerin gibt. Und ein Geschenk ist ein Geschenk und hat weder vom Finanzminister besteuert noch durch Sozialabgaben belastet zu werden. Das ist eine ganz klare Aussage. Das, bitte schön, ist für jeden Mitarbeiter in der Gastronomie klar: Das bekommt er, weil er Leistung erbringt. (Rufe bei den Grünen: Dann ist es aber kein Geschenk! Dann ist es kein Geschenk!) Und ihr bestraft wieder einmal Leistungsträger. (👏 FPÖ) Die ÖVP spielt da mit. Leistung soll sich lohnen, ist immer euer Wahlmotto, und dann bestraft ihr bei jeder Gesetzesgeschichte immer die, die Leistung bringen. Der fleißige Kellner, die fleißige Kellnerin, die ganz tüchtig sind, bekommen Trinkgeld, und jetzt sackelt ihr sie aus – ein vollkommener Wahnsinn. Es ist ein Bürokratiemonster, wir haben es erklärt. Ich meine, der berühmte Sepp Schellhorn ist eh kaum da, aber das wäre wieder ein exemplarisches Beispiel dafür, wie man das in der Gastronomie mit Teilzeitkräften und Sonstigen abrechnet. Also das ist ja ganz super in der Gastronomie, wo jeder bei einem Dreimannbetrieb einen Supersteuerberater hat – ein Wahnsinn. Für mich stellt sich auch die Frage: Wie geht das jetzt weiter? Was kommt als Nächstes? Der Taxifahrer? Der Friseur? Wie regelt ihr das? Gibt es da eine Lösung? Fahrt ihr da auch in die Tasche hinein, oder gibt es da irgendeinen Kompromiss, einen Superkompromiss? Es ist ja auch schon die Frage aufgetaucht, was euch als Nächstes einfällt, weil ja kein Geld mehr da ist. Vielleicht kommt dann die Besteuerung des Taschengelds. Das wäre wahrscheinlich das Nächste, was euch einfällt. Auch da werden wir dagegen sein. – Schöne Grüße. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Muchitsch zu Wort gemeldet. – Sie kennen die einschlägigen Bestimmungen. Bitte.

SPÖ Josef Muchitsch

Herr Präsident! Herr Abgeordneter Wurm hat hier von sich gegeben, dass die Beiträge zur Pensionsversicherung nicht zum Arbeitnehmer, sondern ins System fließen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Nein, das hat er nicht gesagt!

SPÖ Josef Muchitsch

… Ich stelle richtig: Der Pensionsversicherungsbeitrag mit 22,5 Prozent, geleistet durch den Arbeitnehmer mit 10,25 und den Arbeitgeber mit 12,25 fließt ausschließlich …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ja, der schon, aber nicht die ganze Pauschale! Nicht die ganze Pauschale!

SPÖ Josef Muchitsch

… direkt auf das persönliche Pensionskonto des oder der Versicherten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Egger. Die eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte schön.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Ja, die Ausführungen des Kollegen von der ÖVP waren jetzt sehr interessant. Sie haben sich, glaube ich, im Tag geirrt, denn den Tourismusbericht haben wir gestern im TOP 1 diskutiert. Jetzt sind wir beim Trinkgeld, Tagesordnungspunkt 2. Heute haben wir Donnerstag, gestern haben wir Mittwoch gehabt. Ich wollte es nur richtigstellen. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Jetzt geht es um das Trinkgeld – und da seid ihr einfach frech! Aber ich verstehe das; ich verstehe dich, Herr Kollege von der ÖVP. Du wolltest nicht darüber reden, weil es dir zu peinlich ist, weil ihr wieder einmal wo mit dabei wart, wo ihr all eure Wahlversprechen gebrochen habt, und das binnen kürzester Zeit. (👏 FPÖ) Leistung muss sich lohnen – und jetzt bestraft ihr die Leistungsträger wieder. Ihr seid wieder mit dabei. Ich weiß nicht, wer meinen Kollegen Wurm erwähnt hat – genau, da ist der Kollege von der SPÖ heraußen gewesen und hat gesagt, das stimmt nicht, was er da gesagt hat. Natürlich stimmt das.

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Nein!

FPÖ Christoph Steiner

… Der Großteil dieser Pauschale – egal, ob ich das Pauschale oder Steuer nenne – geht einfach weg. Ihr greift einfach in die Kellnergeldtasche, fertig, aus! Frau Ministerin, Sie können noch zehnmal sagen: Es ist keine Steuer! – Für den Betroffenen macht es keinen Unterschied, ob der Titel Steuer oder Pauschale heißt, wenn man ihm Geld wegnimmt. Das ist völlig egal, wie das heißt. (👏 FPÖ) Natürlich pumpt ihr einen Großteil in das marode System …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ist das Los der Frau Ministerin, oder?!

FPÖ Christoph Steiner

… um dann den seit 2015 zugewanderten Fachkräften die neuen weißen Zähne, die Hüfte und die Knie zu finanzieren.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh, bitte!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich frage mich ja wirklich – Frau Staatssekretärin, es trifft wieder Sie, aber interessant wäre ja einmal der Kollege Staatssekretär Deregulator –: Wo ist er denn? Das Trinkgeldgschichtl ist so aufgebläht geworden, so an Bürokratie überbordend. Wo ist er jetzt, der Deregulator? Haben Sie ihn eingesperrt, weil schon wieder Sie anstatt des Deregulators da sind? Ich verstehe das nicht. Wo ist der Sepp? Sepp, was hast du schon wieder gemacht? (👏 FPÖ) Man muss schon ganz ehrlich sagen, wenn man auf die Homepage der SPÖ, der ehemaligen Arbeiterpartei, schaut, dann schreiben die dort allen Ernstes: Trinkgeld bleibt steuerfrei, weil wir jetzt eine Pauschale haben. ( Heiterkeit des Redners sowie bei der FPÖ. ) Die Pensionen sind gesichert. Also: Lieber Kellner, aufgrund deiner Pauschale ist jetzt die Pension gesichert , denn – und sie schreiben weiter – wenn du 30 Jahre in der Gastronomie gearbeitet hast, bekommst du dann eventuell 27 Euro mehr Pension. – Na gratuliere! Jetzt habe ich es Ihnen ausgerechnet, jetzt können Sie sich die Beantwortung von heute in der Früh sparen. Es ist doch unglaublich, wie frech und wie ungeniert man das dann auch noch hinschreibt. Buckle 30 Jahre, erhalte das System, wir nehmen uns Geld und dann kriegst du 27 Euro retour. Das ist doch beinhart und eiskalt. (👏 FPÖ) Die ÖVP ist sowieso das beste Beispiel – wenn man sich anschaut, was die da alles herausgelassen haben –: Präsidentin Thaler, deine Kollegin, Herr Hörl, die du in der Wirtschaftskammer eingesetzt hast, hat noch im Mai 2025 gesagt: Trinkgelder steuer- und abgabenfrei – da geht nichts drüber! – So, was ist jetzt? – Eine Steuer ist eine Abgabe.

ÖVP Hörl (Zwischenruf)

... steuerfrei ...!

FPÖ Christoph Steiner

… Was habt ihr jetzt gemacht? Das Lässige, das Interessante ist aber: Dann rückt der Wirtschaftskammerpräsident himself aus und sagt am 8.9., ein paar Monate später: Na, der Kompromiss ist jetzt gut. Der Kompromiss ist gut. – Zuerst tritt aber jemand von der Wirtschaftskammer auf und sagt: Trinkgeldabgaben und -steuern sind ein Wahnsinn, das darf nicht passieren! – Was ist das für eine Vertretung, Herr Hörl? Schämt euch in Grund und Boden mit eurer tiefschwarz triefenden Wirtschaftskammer! (👏 FPÖ) RN/33.1 Die NEOS sind sowieso die Besten – meine Redezeit ist bald um –: Sie sind in der Regierung und machen dann eine Petition: Trinkgelder müssen zu 100 Prozent steuer- und abgabenfrei sein. Dann kommen sie drauf: Auweh, auweh, jetzt haben das ganze 900 Leute unterschrieben. Dann schreiben sie auf die Homepage ( eine Tafel mit der Aufschrift „Danke für deine Unterschrift! 100 % Trinkgeld. 100 % abgabenfrei.“ in die Höhe haltend ) : Liebe Unterstützer unserer Petition, da wir jetzt den supertollen Kompromiss haben – es ist zwar nicht zu 100 Prozent steuer- und abgabenfrei, weil wir ja in die Tasche greifen –, setzen wir die Petition einmal aus. Peinlich, NEOS! ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Ihr schafft euch gerade selber ab. Wir sind natürlich für hundertprozentige Steuer- und Abgabenfreiheit auf Trinkgeld. Deswegen bringen die Abgeordneten Christoph Steiner , Dagmar Belakowitsch , Peter Wurm , Kolleginnen und Kollegen folgenden Entschließungsantrag ein: RN/33.2 Entschließungsantrag der Abgeordneten Christoph Steiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Stopp den Abgaben auf Trinkgeld – gerade in Zeiten der Teuerung braucht es Entlastung!“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, dem Nationalrat umgehend eine Regierungsvorlage zuzuleiten, die – neben der bestehenden Steuerfreiheit – die Abgabenbefreiung von Trinkgeldern zu 100 Prozent sicherstellt.“ Herr Kollege Hörl, es wäre besser gewesen, du hättest dich für die Abgabenfreiheit von Trinkgeld eingesetzt, als ganze Berufsgruppen im Plenum schlechtzumachen. (👏 FPÖ) 11.07 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/33.3 Stopp den Abgaben auf Trinkgeld - gerade in Zeiten der Teuerung braucht es Entlastung! (140/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Antrag des Kollegen Steiner ist ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Danke, Herr Präsident! …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Der hat sicher seine eigene Petition ... zurückgezogen!

NEOS Dominik Oberhofer

… Hoher Nationalrat! Herr Kollege Wurm und Herr Kollege Steiner suchen hier im Parlament tatsächlich einen Staatssekretär. Ich als Abgeordneter suche einen anderen Abgeordneten, nämlich Herrn Kickl, und frage mich: Wo bist du, Herbert? Er sitzt nie im Plenum, vor allem bei diesem angeblich für die FPÖ so wichtigen Thema Trinkgeld.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo ist euer Klubobmann? – Abg. Steiner [FPÖ]: Wo ist der Herr Klubobmann Shetty? – Weitere Rufe bei der FPÖ: Wo ist denn der Shetty?

NEOS Dominik Oberhofer

… Wo ist Herr Klubobmann Kickl? – Nicht hier. Ein Abgeordneter hat schon die Verpflichtung, irgendwann einmal im Nationalrat aufzutauchen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das ist ein Eigentor!

NEOS Dominik Oberhofer

… Das würde ich so sehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Eigentor! – Abg. Steiner [FPÖ]: Wo ist der Shetty? – Abg. Wurm [FPÖ]: Shetty! Shetty!

NEOS Dominik Oberhofer

… Die Aufregung bei der FPÖ ist natürlich groß, wenn man einmal mehr ertappt wird. Präsident Peter Haubner : Bitte, am Wort ist Herr Abgeordneter Oberhofer.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

100 Punkte! – Abg. Lindinger [ÖVP]: Hafi ist auch wieder mal da!

NEOS Dominik Oberhofer

… Abgeordneter Dominik Oberhofer (fortsetzend): Frau Belakowitsch, Herr Steiner – Sie haben ja noch nie ein Unternehmen geführt. ( Ruf bei der FPÖ: Was? ) Wenn man nur nett in ein Restaurant abendessen geht, kennt man leider Gottes offenbar nicht die steuerlichen Voraussetzungen in der Gastronomie und in der Hotellerie. Natürlich bleibt das Trinkgeld steuerfrei. Das ist ja keine Frage. Wir in der Regierung haben uns damit beschäftigt, dass wir aus 36 verschiedenen Regeln eine machen, die in ganz Österreich für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzbar ist, die aber vor allem auch Rechtssicherheit bei den Unternehmerinnen und Unternehmern schafft. Jetzt sage ich Ihnen schon etwas, sehr geehrte Frau Belakowitsch: Die Realität in einem Unternehmen schaut nämlich ganz anders aus, als Sie sich das vorstellen können und als ihr Kollege Steiner das hier heraußen skizziert hat. Faktum ist, dass ich als Unternehmer sehr froh bin, dass in Zukunft auf dem Lohnzettel meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich auch steht, was sie im Monat an Trinkgeld bekommen, weil es beim Gehalt Transparenz schafft, weil es logischerweise bei Gehaltsverhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern natürlich von Vorteil ist. Es schafft auch in einem Betrieb Transparenz, weil es zwischen der Etage und den Kellner:innen immer auch eine Diskussion über das Trinkgeld gibt. Lieber Herr Kollege Steiner, du stellst dich da heraus und kündigst einen Antrag an.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Nein, den hab ich eingebracht!

NEOS Dominik Oberhofer

… Eingebracht! Das mag zwar superflott klingen, aber das ist in Wirklichkeit kein Antrag, weil es ja im Prinzip ein Auftrag an die Bundesregierung ist, etwas zu machen, was du offenbar nicht fähig bist auszuarbeiten, nämlich einen konkreten Vorschlag. Man könnte doch einmal mit einem konkreten Vorschlag hier im Nationalrat auftauchen, das wäre doch eigentlich die Arbeit eines Abgeordneten …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das haben die NEOS ... blamiert!

NEOS Dominik Oberhofer

… aber deine Anträge sind entweder von uns NEOS eins zu eins geklaut – wo sogar noch der Name des Einreichers draufsteht, nämlich Sepp Schellhorn – …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Herr Kollege, manchmal ist es besser, wenn man schweigt!

NEOS Dominik Oberhofer

… oder es sind Aufträge an die Bundesregierung. Sonst kommt da nichts, sonst kommt da nichts. – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ. ) Sehr geehrte Damen und Herren, schauen wir uns doch einmal die Regelungen - - …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie sind ja sogar der eigenen Fraktion unangenehm! – Abg. Steiner [FPÖ]: Ja, peinlich ...!

NEOS Dominik Oberhofer

… RN/34.1 Präsident Peter Haubner : Darf ich bitten, den Lärmpegel ein wenig zu senken, damit man den Herrn Abgeordneten versteht? – Danke. Abgeordneter Dominik Oberhofer (fortsetzend): Offenbar ist die Debattenkultur der FPÖ in diesem Nationalrat so unter jeder Würde, dass ein Abgeordneter hier heraußen nicht einmal mehr reden kann.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Können Sie eh! Reden Sie einfach!

NEOS Dominik Oberhofer

… Wenn die FPÖ einmal hergehen und sich anschauen würde, wie das Trinkgeld zum Beispiel in Deutschland, in der oft von euch zitierten Schweiz oder in Italien geregelt wird, dann würde man sehen, dass es im Gegenzug dazu bei uns in Österreich nach wie vor steuerfrei ist. In der Schweiz ist es bis zu 10 Prozent des Jahreslohnes steuerfrei und danach wird es komplett versteuert, in Deutschland ist es wie in Italien gar nicht steuerfrei. – Danke vielmals für die Aufmerksamkeit! …

FPÖ Fürtbauer (Zwischenruf)

Stimmt auch wieder nicht!

NEOS Dominik Oberhofer

… 11.12 RN/34.2 Präsident Peter Haubner : Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Steiner gemeldet. – Sie kennen die Bedingungen. Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christoph Steiner

Ihr habt euch so gefreut. ( Unruhe im Saal. – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Kollege Oberhofer hat gerade in seinem Redebeitrag behauptet, ich würde kein Unternehmen führen. Herr Kollege Oberhofer, ich berichtige Sie tatsächlich: Ich führe zwei Unternehmen – und Sie haben wieder einmal bewiesen, das war einer Ihrer schlechten Tage. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elisabeth Götze . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Elisabeth Götze

Werte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Mit so vielen Abgeordneten von der FPÖ vor mir ist das eine Steilvorlage.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Glaub ich, ja! Gut, dass Sie das erkannt haben!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Es sind hier im Haus nicht alle so, sage ich an die Zuseherinnen und Zuseher! (👏 SPÖ, NEOS) Es geht ums Trinkgeld und ich oute mich: Im Gegensatz zu manchen Kollegen – Kollege Wurm hat gesagt, er kennt die Gastronomie, weil er oft dort ist – habe ich auch in dem Bereich gearbeitet und weiß daher aus eigener Erfahrung: Ja, Trinkgeld ist super. Man freut sich, wenn man Trinkgeld bekommt, und es ist ein wichtiger Teil des Einkommens. Ich habe daher die Debatte, die im Sommer gelaufen ist, sehr interessiert verfolgt – nicht nur aus dieser privaten Perspektive, sondern auch als Wirtschaftssprecherin. Ich möchte auch jetzt diese Rede nutzen, um etwas klarzustellen. Kollege Steiner hat ja heute schon wieder behauptet, das Trinkgeld wird besteuert: Nein, Trinkgeld war immer und bleibt weiterhin steuerfrei. (👏 ÖVP) Das ist also eine Begünstigung des Trinkgelds und das bleibt auch so. Worüber wir heute reden, sind die Beiträge, die für die Sozialversicherung geleistet werden sollen – und das hat aus meiner Sicht und auch aus meiner Erfahrung absolute Berechtigung. Es geht also um Krankenversicherung, es geht um Pensionsversicherung, es geht um Arbeitslosengeld, es geht um sonstige Leistungen, die der Arbeitnehmer, die Arbeitnehmerin bezieht. Da möchte ich eine persönliche Geschichte erzählen: Eine sehr gute Freundin von mir hat sehr lange in der Gastronomie gearbeitet und beklagt jetzt, dass sie zwar über das Trinkgeld viel verdient hat, aber das jetzt nicht in diesem Ausmaß in ihre Pension einfließt. Das ist ein Nachteil. Wenn man davon spricht, Trinkgeld wäre ein Geschenk an die Arbeitnehmer:innen – und leider haben das auch Sie gemacht, Frau Staatssekretärin –, dann stimmt das zwar bis zu einem gewissen Grad; aber von einem Geschenk, für das man eine Leistung erbracht hat, und das wurde sehr klar gesagt, ist es sinnvoll, auch Beiträge zu zahlen, damit die später auf das, was man braucht, also auf die soziale Absicherung gerechnet werden. Insofern freue ich mich, dass es eine Einigung der Sozialpartnerschaft gegeben hat, dass Rechtssicherheit für die Arbeitnehmer:innen und für die Arbeitgeber:innen hergestellt wird – auch wichtig und auch eine österreichweit einheitliche Lösung. Ich glaube, das ist jetzt wirklich eine gute Lösung, die wir hier unterstützen. (👏 SPÖ, NEOS) Was ich bei der Gelegenheit auch noch sagen möchte, vom Kleinen zum Großen: Wir sprechen vom Trinkgeld, aber auch in den Ausschüssen ist immer wieder die Rede von der Industriestrategie. Auch da warten wir noch dringend auf eine gute Lösung – und vielleicht kann auch da die Sozialpartnerschaft dazu beitragen, dass es ein bisschen schneller geht. – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Staatssekretärin. – Bitte, Frau Staatssekretärin.

SPÖ Michael Seemayer

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Frau Staatssekretärin! Bei all der emotionalen Aufregung um das Thema: Worum geht es, oder anders gesagt, worum geht es nicht? – Es geht nämlich nicht darum, dass Trinkgeld versteuert wird, Trinkgeld ist steuerfrei und bleibt auch steuerfrei. (👏 SPÖ) Es geht vielmehr um die Schaffung einer Grundlage für die Festsetzung von bundesweit einheitlichen Trinkgeldpauschalen. Diese Pauschalen gelten dann als Bemessungsgrundlage, von der dann die Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden. Das heißt, nicht die Pauschale wird bezahlt, sondern davon werden die Sozialversicherungsbeiträge bezahlt und die gehen eins zu eins direkt in die Leistungen für die Kolleginnen und Kollegen. Damit ist aber auch sichergestellt, dass sich das Trinkgeld positiv auf die Leistungen aus der Krankenversicherung, aus der Arbeitslosenversicherung und aus der Pensionsversicherung auswirkt. Die Höhe der Pauschalen ab 2026: Es sind 65 Euro für Kellnerinnen und Kellner, die selber kassieren; für Kellnerinnen und Kellner, die nicht selber kassieren, sind es 45 Euro. Die Pauschalen steigen bis 2028, ab 2029 werden sie valorisiert. Damit ist auch der Werterhalt der Leistungen aus dem System gesichert. Worum es aber auch nicht geht, ist, dass irgendjemand in Zukunft weniger Trinkgeld bekommen wird. Durch das Recht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Auskunft über die Höhe der bargeldlos eingenommenen Trinkgelder wird ein Beitrag dazu geleistet, dass das Trinkgeld auch bei jenen ankommt, für die es ursprünglich gedacht ist: bei den Kolleginnen und Kollegen, die die Arbeitsleistung erbracht haben. (👏 SPÖ) Zusammengefasst, noch einmal: Natürlich würden die meisten Menschen in diesem Land keine Steuern zahlen, keine Abgaben leisten und trotzdem die vollen Leistungen und das Maximum aus dem System bekommen wollen. Nur: So funktioniert das nicht. So funktioniert das auch nicht im Universum der FPÖ. Mit diesem Gesetz schaffen wir Rechtssicherheit dafür, wie Trinkgeld beitragsrechtlich behandelt wird. Wir schaffen mehr Transparenz über bargeldlos gegebenes Trinkgeld. Wir sichern Leistungen aus der Pension, Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Das ist kein Skandal und auch kein Raub, wie das im Vorfeld bezeichnet worden ist, das ist ein wichtiger Beitrag im Sinne der Kolleginnen und Kollegen in der Branche. Wenn man sich das durchrechnet, sieht man: Ein Leben lang nach diesen Regeln in der Gastronomie einzubezahlen, würde eine Pensionsleistung über die gesamte Pensionsdauer von über 10 000 Euro für die Kolleginnen und Kollegen bedeuten. Der wahre Raub wäre das, was ihr wollt, nämlich, dass man die Leistungen, das Trinkgeld, nicht in die Sozialversicherungsbemessungsgrundlage einbezieht, denn das wäre der wahre Pensionsraub. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Tanja Graf . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Tanja Graf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Ministerin! Geschätzte Staatssekretärin! Liebe Zuschauer hier im Hause und auch vor den Bildschirmen! Liebe Kolleginnen und Kollegen hier im Haus! Wenn man der FPÖ bei ihren letzten Redebeiträgen zugehört hat, könnte man ja wirklich den Eindruck gewinnen, dass sie sich für den kleinen Mann, für die kleine Frau und auch für die Wirtschaft einsetzt …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Tanja, genau so ist es!

ÖVP Tanja Graf

… wäre da nicht die Tatsache, dass Sie mit der Wahrheit sehr sparsam umgehen, liebe FPÖ …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wo genau?

ÖVP Tanja Graf

… und zwar verschweigen Sie eines – das haben wir schon mehrmals gehört –: Diese Trinkgeldpauschale hat es schon gegeben. Seit 2002 gibt es sie, und seit 2002 wird sie auch sozialversicherungspflichtig abgerechnet.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr wollt sie wieder ... abschaffen!

ÖVP Tanja Graf

… Was es nicht gegeben hat, war ein Deckel nach oben, und das war das Problem, das wir jetzt lösen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Habe ich erklärt!

ÖVP Tanja Graf

… Was es aber gegeben hat, waren unterschiedliche Bundesländerregelungen, und das werden wir jetzt vereinheitlichen. Daher darf ich Ihnen schon etwas mitgeben, liebe FPÖ: Sie stellen sich hier heraußen her, tun so, als würden Sie die Kellnerin oder den Kellner schützen, Sie stehen dann da und was machen Sie? – Sie stimmen gegen einen Antrag, mit dem wir klar regeln wollen, dass es eine einheitliche Regelung zum Sozialversicherungsbeitrag gibt (Abg. Steiner [FPÖ] – ein Dokument in die Höhe haltend –: Wir haben einen eigenen Antrag!), die es schon vorher gegeben hat. Sie stimmen gegen einen Antrag, mit dem wir etwas klarstellen wollen, denn wir wissen genau, dass die Wirte heuer mit horrenden Nachzahlungen konfrontiert waren. Bei mir in Salzburg hatte alleine das Sternbräu eine Nachzahlungsaufforderung von 100 000 Euro. Das wollen wir jetzt lösen. Also ich wünsche Ihnen, dass Sie beim nächsten Wirten, bei dem Sie sitzen, auf dieses Problem angesprochen werden – dann ein Problem aus der Vergangenheit, das von uns gelöst worden ist. ( Heiterkeit des Abg. Steiner [FPÖ]. ) Zum Kollege Steiner, weil er seine Anträge erwähnt: Sie waren in der Vergangenheit nicht dabei, da Lösungen zu schaffen. Sie waren an keinem Regierungsprogramm der FPÖ beteiligt, in dem es um das Thema Trinkgeld gegangen ist. Erst jetzt, als das Thema aufgepoppt ist, als wir uns darum gekümmert haben , sind Sie dann mit Ihren scheinheiligen – aber das darf man nicht sagen – Anträgen ins Parlament gekommen. Tatsache ist: Ich wünsche Ihnen wirklich viel Spaß, wenn Sie beim nächsten Wirten sitzen und ihm sagen: Sie haben 100 000 Euro Nachzahlung, weil wir gegen diesen Antrag sind, wir sind für diese Lösung, die jetzt vorhanden ist! – Das ist nämlich keine Lösung. ( Ruf bei der FPÖ: Wenn ... ist es scheinheilig, aber wenn ... Abgaben ... Leuten in die Taschen greifst, dann ist es ehrlich! ) Herr Steiner, ich darf Ihnen sagen: Sie stellen sich hier heraus und formulieren etwas sehr bildhaft, aber laute Reden zu halten, bringt keine Lösungen. Eines merkt man schon: Die FPÖ ist eines, und zwar ist sie nicht für den kleinen Mann, nicht für die kleine Frau und auch nicht für die Wirtschaft oder den Wirten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was Sie machen, ist: Sie suchen ein Haar in der Suppe, finden es nicht und dann legen Sie eines hinein. – Das ist das, was Sie machen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumPeter Haubner

Frau Kollegin, da Sie gesagt haben, scheinheilig darf man nicht sagen, nehme ich an, Sie haben es zurückgezogen. (Abg. Tanja Graf [ÖVP]: Ja!) – Danke vielmals. Als Nächstes zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesminister Schumann. – Bitte, Frau Bundesminister.

NEOS Michael Bernhard

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Damen auf der Regierungsbank! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Von der Freiheitlichen Partei sind einige Behauptungen aufgestellt worden, die in einem Ausmaß unwahr sind, dass ich sie gerne hier zurechtrücken möchte. Vieles ist aber auch schon gesagt worden. Was war denn die Ausgangssituation bei der Trinkgeldpauschale? – Es gab die Trinkgeldpauschale seit 2002, und es gab eine ganze Reihe von wesentlichen Problemen, eines ist angesprochen worden: Es gab 36 unterschiedliche Lösungen, denn neun Bundesländer und vier Fachbereiche in der Wirtschaftskammerlogik waren betroffen; es gab auch die Situation einer großen Intransparenz, wenn es um die bargeldlose Zahlung gegangen ist; es gab eine wesentliche Rechtsunsicherheit für Betriebe, einerseits, weil es in den unterschiedlichen Bundesländern eine unterschiedliche Prüfpraxis gegeben hat, weil es eine langjährige Nachforderung hat geben können, und auch, weil der Arbeitgeber die Arbeitnehmeranteile hat übernehmen müssen, wenn der Arbeitnehmer für den Betrieb nicht mehr auffindbar war. Das bedeutet, dass tatsächlich einfach für beide Seiten – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber – Unsicherheit bestanden hat. Wir haben – das hat Kollege Steiner ein bisschen vermischt, es waren nicht die NEOS, sondern es waren die UNOS, das unternehmerische Österreich …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ah!

NEOS Michael Bernhard

… zugegebenermaßen Teil der liberalen Familie – eine Petition eingebracht. Der große Unterschied war: Die UNOS sitzen ja nicht im Parlament, sondern in der Wirtschaftskammer …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ah so!

NEOS Michael Bernhard

… sie haben sich als entsprechende Fraktion an den Nationalrat gewandt, dass man eine entsprechende Lösung möchte. – Kleine Werbeeinschaltung für alle Unternehmerinnen und Unternehmer: Sie können jederzeit gerne bei uns mitmachen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ah, doch bei euch mitmachen!

NEOS Michael Bernhard

… Inhaltlich haben wir natürlich weitergehende Forderungen gehabt. Wir teilen – anders als Beppo Muchitsch – eben diese Sichtweise nicht, dass es eine Sozialversicherung auf Trinkgeld braucht. In unserer perfekten Welt wäre es so, dass das Trinkgeld eins zu eins beim Arbeitnehmer ankommt, das möchte ich schon auch ganz klar sagen. Das war eines der Verhandlungsziele, die wir hatten. Es gab aber auch eine Reihe von anderen: Es ging um die Vereinfachung, es ging um Entbürokratisierung, es ging um Rechtssicherheit für beide Seiten, und es ging auch darum, dass es langfristig eine Finanzierung gibt, dass es eine Valorisierung gibt. Es gab eine ganze Reihe von Zielen, und wir haben alle Ziele mit Ausnahme des einen geschafft. Genau das ist dann am Schluss auch ein guter Kompromiss, wenn es ein gemeinsames Bild von der Sozialdemokratie, der Volkspartei und von den NEOS gibt. Wenn es dann für alle besser ist, als es war, dann ist es ein guter Kompromiss. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wenn ich jetzt noch einmal auf die Freiheitliche Partei eingehen darf: Natürlich kann man weitere Ziele fordern. Man kann sagen, es muss komplett abgabenfrei sein, das ist ja unbestritten, das ist auch unsere Debatte, das ist weiterhin ein langfristiges Ziel, aber dann muss man sich auch mit der Situation auseinandersetzen, dass dann eine Finanzierungslücke in der sozialen Absicherung entsteht …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ah, doch!

NEOS Michael Bernhard

… die im Moment da ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aha!

NEOS Michael Bernhard

… und dann muss man hier auch konkrete Vorschläge auf den Tisch legen. Wir NEOS sind jederzeit gesprächsbereit für konkrete, gute Ideen, die haben wir aber heute von Ihnen nicht gehört. Wir freuen uns, wenn es das nächste Mal passiert. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist nun dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Arbeitsmarktservicegesetz, Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz und Landarbeitsgesetz 2021

231 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 209 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Beschlossen wird eine Nachfolgeregelung für das ausgelaufene Weiterbildungsgeld ab 2026 mit strengeren zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen, stärkerer Kontrolle, Erfolgs- und Meldepflichten sowie Rückforderungsmöglichkeiten. Zudem werden steuerliche und redaktionelle Anpassungen vorgenommen, u.a. wird die Steuerbefreiung des Arbeitgeberzuschusses zur Weiterbildungsbeihilfe ins Einkommensteuergesetz verlagert und Erleichterungen für Personen mit Kinderbetreuungspflichten nur bei fehlender längerer Betreuungsmöglichkeit vorgesehen.

Betroffen sind Personen, die eine geförderte Weiterbildung/Bildungskarenz in Anspruch nehmen, deren Arbeitgeber (Zuschüsse) sowie das AMS und die Vollziehung in den Bereichen Arbeitsvertragsrecht und Landarbeitsrecht.

Dokumente

Arbeitsmarktservicegesetz, Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz und Landarbeitsgesetz 2021

Ziel und Hintergrund der Vorlage

  • Einführung einer treffsicheren Nachfolgeregelung für das außer Kraft getretene Weiterbildungsgeld im Jahr 2026.
  • Das neue Modell soll Empfehlungen des Rechnungshofes sowie Vorschläge des WIFO aus der „Evaluierung der Bildungskarenz 2023“ umsetzen.

Inhaltliche Leitlinien der neuen Regelung (Weiterbildungsbeihilfe/Weiterbildung)

  • Höhere zeitliche Anforderungen an die Weiterbildung.
  • Höhere inhaltliche Anforderungen an die Weiterbildung.
  • Stärkere Kontrolle der Weiterbildung.
  • Einführung/Verstärkung von Erfolgsnachweisen.
  • Einführung/Verstärkung von Meldepflichten.
  • Schaffung/Erweiterung von Rückforderungsmöglichkeiten.

Änderungsantrag: Steuerliche Behandlung von Arbeitgeberzuschüssen

  • Die Steuerbefreiung der Zuschussleistung des Arbeitgebers zur Weiterbildungsbeihilfe soll im Einkommensteuergesetz 1988 (§ 3) geregelt werden.
  • Dadurch kann die entsprechende Anordnung in § 37e Abs. 7 AMSG entfallen.

Änderungsantrag: Erleichterungen bei Betreuungspflichten

  • Die Reduzierung des erforderlichen Ausmaßes der Wochenstunden und ECTS-Punkte für Personen mit Betreuungspflichten für Kinder soll nur dann gelten, wenn keine längere Betreuungsmöglichkeit besteht.
  • Eine gleichartige Regelung bestand bereits beim bis Ende März 2025 geltenden (danach außer Kraft getretenen) Weiterbildungsgeld.

Änderungsantrag: Redaktionelle Korrekturen

  • Weitere Änderungen dienen der Beseitigung von Redaktionsversehen.
  • Diese Korrekturen stellen keine inhaltlichen Änderungen dar.

Betroffene Rechtsmaterien (laut Titel und Änderungsstellen)

  • Änderungen im Arbeitsmarktservicegesetz (u.a. § 37e AMSG).
  • Änderungen im Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (u.a. § 11 Abs. 1a AVRAG).
  • Änderungen im Landarbeitsgesetz 2021 (u.a. § 58 Abs. 2 und § 430 Abs. 21 LAG).
  • Änderungen im Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz (als Teil des Gesamtpakets laut Titel).

Arbeitsmarktservicegesetz, Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz und Landarbeitsgesetz 2021

~46 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Herr Präsident! Bevor ich mit meiner Rede beginne, darf ich an dieser Stelle die Polizei Eisenstadt ganz herzlich begrüßen! Schön, dass ihr heute bei uns seid und danke für euren Einsatz trotz der Sparmaßnahmen dieser Bundesregierung! ( Allgemeiner Beifall. ) Herr Präsident! Hohes Haus! Frau Minister! Sie stellen uns heute hier ein neues Modell, eine Reform der Bildungskarenz unter dem sogenannten Titel Weiterbildungshilfe vor. Hinter diesem vielleicht gut klingenden Namen versteckt sich nichts anderes als eine Verschlechterung. Wer zahlt am Ende drauf? – Die Frauen, die Mütter, die jungen Familien. Bevor Sie uns aber jetzt dieses nicht zielführende neue Modell präsentieren, hätten Sie sich vielleicht lieber um jene gekümmert, die noch immer unter dem alten Modell leiden: Frauen, die völlig unverschuldet Rückforderungsbescheide in der Höhe von teilweise 20 000 Euro erhalten haben. Die haben sie erhalten, obwohl ihnen die Bildungskarenz rechtmäßig anerkannt und bewilligt wurde. Wir reden da nicht über Reiche, wir reden nicht über Konzerne, wir reden über Frauen, wir reden über junge Mütter, wir reden über Familien, die jetzt schon jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Was aber bekommen viele von denen? – Die bekommen einen Rückforderungsbescheid in horrender Höhe, über Geld, das längst ausgegeben wurde, weil sie sich darauf verlassen haben, dass ihnen dieses Geld zusteht, das ihnen auch bewilligt wurde. Frau Minister, können Sie sich vorstellen, wie es diesen Frauen geht, wenn auf einmal so ein Brief im Postkasten liegt, wenn man nächtelang nicht schlafen kann, weil man nicht weiß, wie man dieses Geld irgendwie zurückzahlen soll? (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Schumann .) Da geht es nicht um finanzielle Belastung, das ist gar kein Begriff dafür, was das ist. Das ist eine existenzielle Krise für diese Familien. (👏 FPÖ) Diese Frauen haben nichts falsch gemacht, ganz im Gegenteil, sie wollten sich weiterbilden, sie wollten was aus ihrem Leben machen, sie wollten ihren Kindern damit auch ein gutes Leben bieten. Die lassen Sie aber eiskalt im Stich. Ich sage Ihnen etwas, Frau Minister: So geht man nicht mit Frauen um, so geht man nicht mit Müttern um, so geht man nicht mit der eigenen Bevölkerung um. (👏 FPÖ) Genau das ist aber der Punkt: Familien bekommen Rückforderungsbescheide, aber andere, die nie einen Cent in unser System eingezahlt haben, kriegen das All-inclusive-Service vom Staat auf Kosten der Steuerzahler. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! (👏 FPÖ) Noch einmal zurück zum neuen Modell: Wenn man sich das genau anschaut, sieht man ganz klar, für wen Sie wieder einmal nicht Politik machen, nämlich für die eigene Bevölkerung. Die sogenannte Weiterbildungshilfe sollen vor allem weniger qualifizierte Personen erhalten. Wie schaut das dann in der Realität aus? Bekommen dann einen Großteil dieser 150 Millionen Euro, die dafür budgetiert sind, wieder nicht die Österreicher, ist das Geld dann wieder für Programme, die vor allem auf die Qualifizierung, auf Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind? Landet das dann wieder bei Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten statt bei der eigenen Bevölkerung? Wird das dann das Ziel dieses neuen Modells sein? …

SPÖ Teiber (Zwischenruf)

Sie haben das Modell nicht verstanden!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Das ist kein Fortschritt, das ist ein absoluter Rückschritt, ausgetragen am Rücken der Österreicher. (👏 FPÖ) Sie haben das Ganze möglichst schwierig, möglichst unattraktiv für die eigene Bevölkerung gestaltet. Was man auch nicht übersehen darf: Mit dem neuen Modell nehmen Sie Arbeitnehmern ein ganz, ganz großes Stück ihrer eigenen Freiheit, denn eine berufliche Neuorientierung wird de facto ausgeschlossen. Es zählt jetzt nur mehr noch, ob die Weiterbildung auch in das Konzept des Betriebes passt, denn sonst gibt es kein Geld mehr. Das heißt: Sie nehmen den Arbeitnehmern ihre Freiheit, sich beruflich neu zu orientieren.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

... faktenbefreite Rede!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Frau Minister, wir sagen ganz klar: Das ist ein absoluter Bauchfleck, zurück an den Start. Ich bringe hiermit einen Antrag ein: RN/44.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungshilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, welche Arbeitnehmern einen fairen Zugang zu Weiterbildungen ermöglicht. Dabei soll der Fokus auf einer Qualitätsoffensive statt einem bürokratischen Kostendeckel liegen.“ Frau Minister, ich sage es Ihnen ganz ehrlich als Abgeordnete, als Bürgerin, aber auch als junge Mutter: Es tut wirklich weh, zu sehen, wie Sie und Ihre Regierungskollegen wieder einmal Politik fernab der Interessen der eigenen Bevölkerung und vor allem der Frauen und Mütter in diesem Land machen. (👏 FPÖ) 11.39 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/44.2 Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit (141/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag der Abgeordneten Schuch-Gubik wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Danke, Herr Präsident. – Kollegin Schuch-Gubik hat in den Raum gestellt und behauptet, dass subsidiär Schutzberechtigte und Asylberechtigte von dieser Weiterbildungszeit profitieren könnten. Ich berichtige tatsächlich: Um Anspruch auf eine Weiterbildungsbeihilfe zu haben, ist ein arbeitslosenversicherungsrechtliches Beschäftigungsverhältnis von einer bestimmten Versicherungsdauer notwendig.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung! – Zwischenruf des Abg. Wurm [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: Wenn alles falsch war, muss man lang berichtigen, so ist es halt! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist ja keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Es ist auch notwendig, dass man entsprechend in Beschäftigung war. Dementsprechend muss ich sagen: Mir tut es weh, wie faktenbefreit man hier am Pult argumentieren kann. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste ist Frau Abgeordnete Barbara Teiber zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete. (Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: 20 Falschbehauptungen kann man nicht in 1 Minute berichtigen! Ist halt so! – Abg. Steiner [FPÖ]: Aber Asylanten ...!)

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen, Kolleginnen! Liebe Zuseher, liebe Zuseherinnen! Also ich kann mich meinem Vorredner jetzt nur anschließen. Man bleibt fassungslos zurück …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, man bleibt stecken!

SPÖ Barbara Teiber

… wenn man erlebt, welcher Blödsinn da vonseiten der FPÖ verzapft wird. ( Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS. ) Ich kann es wirklich nicht anders sagen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist in ihrer DNA!

SPÖ Barbara Teiber

… Also erstens einmal: Die jungen Frauen tun uns alle leid. Wissen Sie, wer die einzige Institution ist, die ihnen hilft? Die Arbeiterkammer, die Sie abschaffen wollen! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unwahr!

SPÖ Barbara Teiber

… Das ist unglaublich! Man kann jetzt das noch einmal berichtigen. Wenn Sie davon sprechen, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus der gesetzlichen Interessenvertretung hinausnehmen können, dann muss ich sagen: So schwächt man die Arbeiterkammer! Und noch eines, weil es eben vorhin von der Kollegin Schartel erwähnt worden ist: Geht es nur um die Schwächung der Arbeitnehmerseite, oder geht es dann auch, dass man nicht mehr Wirtschaftskammermitglied ist? …

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Richtig, ja!

SPÖ Barbara Teiber

… Sie wissen, was daran geknüpft ist. Daran ist geknüpft, dass Arbeitgeber in Österreich einen Kollektivvertragslohn und -gehalt zahlen müssen ; wenn Ihre Pläne Realität werden, dann ist das Geschichte. Sie schwächen die Arbeitnehmer ein für alle Mal! Das muss man da endlich einmal sagen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Nächster Punkt: Die Bildungskarenz hat die große Koalition eingeführt, und der Kollege hat es vorhin gesagt: Auch das Nachfolgemodell können nur Kollegen und Kolleginnen in Anspruch nehmen, die in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis stehen. Was ist das schon wieder für ein Blödsinn, was Sie da sagen!? Präsident Peter Haubner : Frau Abgeordnete! Darf ich Sie ersuchen, das Wort Blödsinn zurückzuziehen? Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Es geht fast nicht anders, aber ja, ich mach das. ( Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und NEOS. ) Präsident Peter Haubner : Danke. Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Noch eines: Da Sie jetzt einen Antrag zum Thema Bildungskarenz einbringen, muss ich sagen: Sie, FPÖ und ÖVP, haben das, nämlich die Abschaffung der Bildungskarenz ohne neues Modell, nach Brüssel geschickt. Das war Ihre Idee mit der Unterschrift von Ihrem Klubobmann darunter. Oder ist Ihre Unterschrift nichts wert? ( Ruf bei der FPÖ: Wieso? ) Das muss man sich auch fragen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was wir heute hier beschließen wollen – und ich sage das durchaus als Gewerkschafterin –, ist ein bitterer Kompromiss, weil uns wirklich leere Kassen hinterlassen worden sind. Es ist ein Kompromiss mit gewissen Sparnotwendigkeiten, aber es ist ein Nachfolgemodell, das auch viele Vorschläge und Empfehlungen des Rechnungshofes und des Wifo mit aufnimmt, indem es nämlich – das ist ja Ihr Kritikpunkt – den Fokus auf formal gering qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen legt. Da ist ein toller Fortschritt passiert. Wir haben eine extreme Erhöhung des Mindestsatzes erreicht: von 14,53 Euro pro Tag auf 40,40 Euro pro Tag. Das heißt, es wird jetzt 1 212 Euro mindestens geben, sodass man, wenn man aus einer schlechter bezahlten Branche kommt und eben geringe Qualifikation hat, sich auf Weiterbildung einlassen kann – das ist ganz, ganz wichtig, Wurscht, welchen Pass man hat, man leistet ja hier eine Arbeit –, dass man sich aufqualifizieren kann. Das ist das beste Mittel, um zukünftig nicht arbeitslos zu werden. Das ist eine gute Nachricht für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Meine Bitte an alle: Lassen Sie sich von diesen Unwahrheiten der FPÖ nicht verunsichern! Jeder Beitrag zeigt: Die FPÖ steht nicht auf der Seite der Beschäftigten, derer, die in diesem Land wirklich Leistung erbringen. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Herr Präsident. – Meine Vorrednerin, Frau Abgeordnete Teiber, hat behauptet: Die FPÖ möchte gerne die Arbeiterkammer abschaffen. Das ist unrichtig. Die FPÖ möchte die Zwangsmitgliedschaft abschaffen, also ein Opting-out für alle Kammern.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alle Kammern! – Zwischenrufe bei der SPÖ.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das besprechen wir nachher in einem Redebeitrag. Ich berichtige weiters tatsächlich: Frau Abgeordnete Teiber hat ebenso behauptet, wir hätten einen Entschließungsantrag zur Wiedereinführung dieser Weiterbildungskarenz eingebracht. Ich berichtige tatsächlich: Im Entschließungsantrag geht es wohl um Weiterbildung, aber von einer Weiterbildungskarenz steht hier kein Wort. Hier geht es vielmehr darum, dass der Fokus auf eine Qualitätsoffensive statt auf einen Kostendeckel gelegt werden soll. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Markus Koza zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Zur Weiterbildungszeit: Meine sehr geehrten Damen und Herren, die neue Weiterbildungszeit mag vieles sein, aber eines ist sie mit Sicherheit nicht: eine Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz, die diesen Namen tatsächlich verdient. (👏) Warum? Ganz einfach: weil sämtliche Kennzeichen einer Bildungskarenz nicht mehr da sind. Das zentrale Kennzeichen der Bildungskarenz – und das war ein einzigartiges Kennzeichen –, war …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wer bezahlt jetzt ...?

GRÜNE Markus Koza

… dass ich als Arbeitnehmer:in selbstbestimmt meine Weiterbildung, meine Qualifizierung, meine berufliche Umorientierung wählen konnte. Und im Zentrum gestanden ist dabei eben nicht, was gut für den Betrieb ist …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sondern ...!

GRÜNE Markus Koza

… sondern im Zentrum ist dabei gestanden, was gut für mich ist, damit ich am Arbeitsmarkt besser reüssieren und mich beruflich weiterentwickeln kann, meine sehr geehrten Damen und Herren. Bei der neuen Weiterbildungszeit ist es jetzt eigentlich genau umgekehrt: Die steht vor allem im Zeichen der betrieblichen Verwertbarkeit von Weiterbildung. Nicht mehr das berufliche Interesse, das berufliche Weiterkommen, der Arbeitsmarktfokus des Arbeitnehmers stehen im Zentrum, sondern das Verwertungsinteresse des Betriebs. Es steht auch im Gesetz ganz klar drinnen, dass erstens bei einer Weiterbildungsmaßnahme auf die Erfordernisse des Betriebs Rücksicht zu nehmen ist und dass zweitens ab einem Einkommen von 3 225 Euro brutto – und das ist jetzt kein Luxuseinkommen – der Arbeitgeber 15 Prozent des Weiterbildungsgelds zu übernehmen hat. Da frage ich Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren: Was wird der Arbeitgeber mit seinem Geld wohl mitfinanzieren? Eine berufliche Umorientierung , wenn sich der Arbeitnehmer verändern will, wenn er den Job wechseln will? Eine Weiterbildung, beispielsweise einen Fremdsprachenkurs, wenn das dem Unternehmen nicht unmittelbar was nutzt? – Nein, wohl eher nicht, und das ist ja auch verständlich aus der Sicht des Unternehmens. Der Arbeitgeber wird das fördern und mitfinanzieren, was dem Betrieb nutzt (Abg. Egger [ÖVP] – erheitert –: Ah! Ah!) , und zwar am besten, was nur dem Betrieb nutzt. Und damit bleibt von der Bildungskarenz schlichtweg nichts mehr über. (👏) Diese Weiterbildungszeit ist nichts anderes als eine Form der betrieblichen Weiterbildung. Ja, auch die Bildungskarenz war Vereinbarungssache zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen, aber jetzt entscheidet de facto ganz zentral der Arbeitgeber, ob eine Bildungsmaßnahme, eine Qualifizierungsmaßnahme in Anspruch genommen werden kann oder nicht. Und wer draufzahlt, wissen wir auch schon, das steht nämlich auch im Gesetz. Das ist eine ganz große Gruppe, nämlich Mütter, die sich nach der Elternkarenz beruflich weiterentwickeln, beruflich umorientieren und verbessern wollen. Die sind aus der Weiterbildungszeit nämlich de facto ausgeschlossen. Wer auch draufzahlt, sind Menschen mit Behinderung. Denn während für Eltern mit Betreuungspflichten der Leistungsnachweis von 20 auf 16 Wochenstunden gesenkt wird, gibt es für Menschen mit Behinderung keine entsprechende Regelung. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist Exklusion und gehört repariert, Frau Ministerin! (👏) Man muss eines sagen: Die Regierung hat ihre Chance auf eine faire und sinnvolle Reform der Bildungskarenz und Bildungsteilzeit vertan. Die wenigen guten Ansätze – wie etwa die gesteigerte Mindesthöhe beim Weiterbildungsgeld – gleichen leider die ganzen negativen Aspekte bei Weitem nicht aus. Einmal mehr werden die Interessen von Arbeitnehmer:innen jenen von Unternehmen untergeordnet, die Möglichkeit einer selbstbestimmten beruflichen Verbesserung wird de facto abgeschafft, und das ist so falsch wie wenig zukunftsweisend. Darum lehnen wir diese Weiterbildungszeit ab. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Bettina Zopf . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehbildschirmen! Heute behandeln wir eine Regierungsvorlage, die auf den ersten Blick technisch wirkt, aber in Wahrheit ist es eine wichtige Lücke im österreichischen Aufenthalts- und Arbeitsrecht – wir werden sie schließen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aufenthaltsrecht, genau!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel für Grenzgänger aus Drittstaaten, also für Menschen, die in unseren Nachbarländern leben, dort einen Daueraufenthaltstitel mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang besitzen und in einem grenznahen Betrieb in Österreich arbeiten möchten. Diese Personen wohnen nicht in Österreich, sie beziehen keine Sozialleistungen, aber sie leisten einen wertvollen Beitrag für die österreichische Wirtschaft. Warum ist das notwendig? – Wir alle wissen, dass der Fachkräftemangel eines der größten wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit ist. Von der Pflege über das Handwerk bis zur Gastronomie: Überall fehlen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das AMS hat in den letzten Jahren immer wieder Fälle gehabt, in denen hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus einem Nachbarstaat pendeln wollten, aber nicht durften, weil es für sie keinen passenden Aufenthaltstitel gab. Das war weder im Interesse der Betriebe noch im Sinne einer geordneten Migrationspolitik. Mit dieser Novelle schaffen wir Rechtssicherheit. Wie das System funktioniert: Die Voraussetzungen sind streng und klar. Es braucht einen konkreten Arbeitsvertrag in einem grenznahen Betrieb. Das AMS muss vorher bestätigen, dass keine geeignete Ersatzarbeitskraft in Österreich gefunden werden kann. Der Aufenthaltstitel gilt maximal ein Jahr, kann dann verlängert werden, und er gilt nur für die Dauer der Beschäftigung, wobei das mindestens sechs Monate sind. Es gibt keinen Familiennachzug, keinen Anspruch auf Sozialleistungen, keinen Wohnsitz in Österreich. Dieser Aufenthaltstitel dient einzig und allein der Erwerbstätigkeit. Die Entlohnung muss dem Kollektivvertrag entsprechen, es gibt also auch kein Lohndumping. Im Gegenteil: Die Arbeitskräfte leisten ihren Beitrag über Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und helfen, dass unsere Betriebe weiterarbeiten können, und unterstützen sogar unser System mit ihren Beiträgen. Damit sorgen wir für Klarheit, Kontrolle und Fairness – genau das, was der Arbeitsmarkt braucht. (👏 ÖVP, NEOS) Liebe Kolleginnen und Kollegen der Opposition, danke für eure Kritik! Kritik ist ja wichtig, damit wir auch wirklich nach besten Lösungen suchen können, aber bitte sachlich bleiben! (👏 ÖVP) Zur FPÖ möchte ich an dieser Stelle Folgendes sagen: Diese Maßnahmen sind keine Türöffner für Migration , sie sind ein Werkzeug für wirtschaftliche Stabilität. (👏 ÖVP) Wir bekennen uns zu einem attraktiven Standort, deshalb ist Tun angesagt.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Ja!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir bauen Hemmnisse ab und bieten vernünftige Lösungen an. Diese Regierungsvorlage ist genau das: eine vernünftige, ausgewogene und kontrollierte Lösung für unsere Betriebe und einen guten und attraktiven Wirtschaftsstandort Österreich. (👏 ÖVP, NEOS) Genauso haben wir die Bildungskarenz weiterentwickelt. Wir haben geschaut, dass die Bildungskarenz auch wirklich anständig und ordentlich genützt wird. Es hat sich in der Vergangenheit das eine oder andere eingeschlichen, sodass dort ein Missbrauch getätigt worden ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch?

ÖVP Bettina Zopf

… und dass sie nicht ordentlich verwendet wurde.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch? Welcher Missbrauch? – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].

ÖVP Bettina Zopf

… Es waren Menschen in Bildungskarenz und das war dann nicht als Bildungskarenz für den Betrieb gut …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist nicht für den Betrieb, sondern für die Person gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… sondern es war einfach eine weitere Auszeit für Personen. Für das ist eine Bildungskarenz nicht da, sondern wir müssen schon die Bildungskarenz auch wirtschaftlich nutzen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war ja nicht für den Betrieb, sondern für die ... gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir haben sie weiterentwickelt und die beste Lösung daraus gemacht. Wir lassen uns das auch nicht kritisieren, denn die Bildungskarenz ist dazu da, dass sie wirtschaftlich wertvoll und gut für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt werden kann. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Werte Damen und Herren! Ja, gleich zu meiner Vorrednerin: Also von einem Missbrauch bei der Bildungskarenz wäre mir gar nichts bekannt gewesen ( Rufe bei der ÖVP: Ah! ), aber wenn Sie es als Missbrauch bezeichnen, dass Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen sich weiterbilden und das nicht für den Betrieb, in dem sie gerade arbeiten, tun, sondern die Weiterbildung für sich selbst wählen, um sich möglicherweise in weiterer Folge auch beruflich verändern zu können, dann war genau das die Intention der Bildungskarenz. Somit war das kein Missbrauch, sondern eigentlich sind diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genau dieser Intention gefolgt.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Und warum wollten Sie sie dann abschaffen, oder Ihr Klubobmann?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Was Sie jetzt gemacht haben – und die SPÖ ist da aus mir nicht ganz erklärlichen Gründen mitgegangen, aber Sie sind ja überall dabei –, ist, dass Sie sie jetzt gestrichen haben und gesagt haben: Nein, das machen wir jetzt nicht mehr, jetzt machen wir die Weiterbildung und dieses Weiterbildungsgeld! – Und wissen Sie, was das Problem ist? Das ist jetzt genau dieser Systemwechsel. Jetzt, Frau Kollegin Zopf, ist es so: Jetzt kann der Betrieb mitreden: Brauchen wir das oder nicht?, weil er dann ja auch irgendwann mitbezahlen muss. Deshalb: Wenn sich jetzt die Buchhalterin oder der Buchhalter für sich selber weiterbilden möchte und sagt: Ich würde gerne die Ausbildung zum Bilanzbuchhalter machen!, und der Betrieb, der Chef, sagt: Nein, das unterstütze ich nicht , weil ich schon einen Bilanzbuchhalter habe!, wird es eben nicht genehmigt. Das ist der große Unterschied: Vorher konnte er das, weil es darum ging, dass sich der Arbeitnehmer für sich weiterbildet. Daher ist es auch nicht die Fortführung und es ist kein Nachfolgemodell, sondern es ist ein Systemumbruch, den Sie hier begehen. (👏 FPÖ) Dieser Systemumbruch ist überhaupt insoweit noch zusätzlich beschränkt, weil da ja nur maximal 180 000 Euro im Jahr vergeben werden, das heißt: Wer zuerst kommt, gewinnt! …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

150 Millionen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das ist nur für einige wenige, der Fokus soll auf ganz niedrige Bildung gelegt werden. Insoweit hat natürlich meine Kollegin Schuch-Gubik vollkommen recht, Frau Bundesministerin: Es geht natürlich wieder um einen Personenkreis – und da können die NEOS tatsächliche Berichtigungen machen, wie sie wollen –, der überhaupt keine Ausbildung hat, und das sind nun einmal genau jene Herrschaften aus dem Asylbereich, die gekommen sind. Und jetzt können Sie mir hundertmal sagen: Nein, nein, aber die - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das stimmt einfach nicht! Na, lesen Sie doch das Gesetz!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ja, Herr Shetty ist bekannt dafür, dass Sie alles wissen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nein, wir wissen, was im Gesetz drinsteht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… aber wir wissen natürlich, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. (Zwischenruf des Abg. Egger [ÖVP]. – Ruf: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! ) Wir wissen, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. Das passt genau in all diese Maßnahmen der Bundesregierung hinein: Überall wird bei den eigenen Leuten reingeschnitten; beim nächsten Tagesordnungspunkt werden wir uns noch über die Pensionen unterhalten, auch da wird reingeschnitten; bei den Familien wird reingeschnitten; die Weiterbildungskarenz wird abgeschafft – aber überall, wo es darum geht, dass man vielleicht Migranten einmal etwas wegnehmen sollte, dass man dort hinschaut: Schweigen. Das ist die Politik dieser Dreierkoalition. Das kann man machen, muss man nicht machen, aber es ist ein politischer Wille, dem Sie sich untergeordnet haben: die ÖVP, die SPÖ und die NEOS. Das ist Ihre Politik. (👏 FPÖ) Das ist nicht die Politik, die wir machen würden, und das ist schon gar nicht die Politik, die die Österreicherinnen und Österreicher sich wünschen – das sollten Sie sich einmal überlegen. Und Sie müssen nicht permanent uns angreifen – ich weiß schon, es macht unheimlich viel Spaß, der FPÖ den schwarzen Peter zu geben, das machen Sie ja permanent. ( Rufe bei der SPÖ: Oh! ) Überlegen Sie doch einmal, ob es nicht Ihre eigene Politik ist, die dazu führt, dass die Umfragen so sind, wie sie sind, dass Sie vielleicht Politik an den Bedürfnissen der Mehrheit vorbei machen! (👏 FPÖ) Ändern Sie doch die Politik – dann müssen Sie sich nicht auf uns einschießen –, machen Sie endlich wieder Sachpolitik, meine Damen und Herren! Das sage ich vor allem Ihnen in der SPÖ, denn Sie haben die Arbeitnehmer bisher in jedem Bereich verraten, und auch hier haben Sie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verraten. Frau Bundesminister! Das ist sehr, sehr ernst gewesen: Es gibt wahnsinnig viele Personen, die damit konfrontiert sind, dass sie jetzt Rückzahlungen ans AMS leisten müssen, obwohl das AMS diese Weiterbildungskurse vorher genehmigt hat. Da wären wir wieder bei dem, was wir heute in der Früh schon besprochen haben: bei der Willkür, die da passiert ist. – Setzen Sie sich da endlich einmal ein! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Zopf gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen, Frau Abgeordnete. Bitte, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Bettina Zopf

Frau Kollegin Belakowitsch hat gesagt, dass die Betriebe erst jetzt unterschreiben müssen, wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mitzahlen müssen, nicht unterschreiben! Mitzahlen, habe ich gesagt!

ÖVP Bettina Zopf

… unterschreiben müssen, zustimmen müssen, wenn eine Weiterbildung in Anspruch genommen werden will.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie müssen bezahlen! Man muss auch zuhören!

ÖVP Bettina Zopf

… Ich berichtige tatsächlich, Frau Kollegin Belakowitsch: Das mussten sie auch schon vorher tun.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das habe ich nicht gesagt! Ich habe gesagt, die Betriebe müssen mitbezahlen! Zahlen, Frau Kollegin! – Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen, hast du gesagt! – Abg. Wöginger [ÖVP] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen hast du gesagt, genehmigen!

ÖVP Bettina Zopf

… Wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt, dann musste der Arbeitgeber vorher schon die Zustimmung geben und auch jetzt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bezahlen! – Abg. Wöginger [ÖVP]: Genehmigen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich hab vorher gesagt, sie müssen es zahlen! Ihr müssts zuhören!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johannes Gasser . – Ich stelle Ihre Redezeit ebenfalls auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Kollegin Belakowitsch hat verlangt, dass wir zu Sachpolitik zurückkehren. Im Unterschied zu Ihnen möchte ich das jetzt auch machen und nicht nur den Menschen Sand in die Augen streuen, sondern auch aufzeigen, wieso wir die Bildungskarenz weiterentwickeln müssen und wieso die Lösung, die wir jetzt mit der Weiterbildungsbeihilfe gefunden haben, eine gute ist. Wir verhandeln hier zwei arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Gesetzesvorlagen, die aus meiner Sicht wichtig sind. Ich möchte einmal mit der Weiterbildungsbeihilfe als Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz beginnen. Bei der Bildungskarenz haben wir in den letzten Jahren einfach eine Kostenexplosion erlebt. Als sie in den Nullerjahren noch von der großen Koalition eingeführt worden ist, waren es ein paar Millionen Euro, die das gekostet hat, in den letzten Jahren hat sich das zu einem Ausgabenposten von fast 700 Millionen Euro entwickelt. Wenn so ein Förderungsinstrument in diesem Ausmaß wächst, dann muss man sich natürlich anschauen: Werden Ziele damit erreicht oder werden Ziele da verfehlt? Nicht nur der Rechnungshof, auch eine Wifo-Analyse haben gezeigt: Die Ziele werden nicht für niedrig qualifizierte Menschen erreicht, und es werden auch arbeitsmarktpolitische Ziele nicht damit erreicht. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch von Unternehmen verwendet, um Mitarbeiter eigentlich auf eine steuerfinanzierte Auszeit zu schicken, in der sie in einer gewissen Weise tun und lassen konnten, was sie wollten. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch als Verlängerung der Elternkarenz herangezogen, in der Alibikurse gemacht wurden; es haben sich sogar Institute explizit darauf spezialisiert, Kurse dafür anzubieten, damit man eben diese Karenzverlängerung in Anspruch nehmen kann. Diese Schieflage haben wir NEOS immer schon kritisiert und immer wieder auch Vorschläge gemacht, wie man das verbessern kann. Der Leidensdruck ist mit dem Budgetdefizit jetzt so groß geworden, dass wir im März einen Schlussstrich ziehen mussten und mit der Weiterbildungsbeihilfe nun das nächste Kapitel in der betrieblichen und in der arbeitsmarktpolitischen Weiterbildung starten können. (👏 ÖVP, NEOS) Das neue Modell wird die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Erstens: Ausbildungen müssen arbeitsmarktpolitische Relevanz haben. Dafür sorgt die verpflichtende AMS-Beratung, gerade bei Menschen, bei denen es keine Arbeitgeberbeteiligung ab 3 500 Euro geben wird. Zweitens: Menschen mit niedriger Qualifikation haben auch einen höheren finanziellen Anreiz beziehungsweise in Zukunft eine bessere finanzielle Absicherung, wenn sie Weiterbildungsbeihilfe beziehen, weil die Mindestsätze angehoben werden. Drittens: Die Weiterbildungsbeihilfe kann nicht zu einer Verlängerung der Elternteilzeit herangezogen werden. Und viertens: Wer ein mittleres oder hohes Einkommen hat, kann sich nicht länger auf Steuerzahlerkosten, mit dem Arbeitgeber abgesprochen, ein Jahr in eine Auszeit begeben, weil wir mit der Arbeitgeberbeteiligung ab der halben Höchstbeitragsgrundlage sicherstellen, dass die Weiterbildung vor allem einem betrieblichen Zweck dient. Ich glaube, es ist ganz wichtig, das auch klarzustellen: Wir haben uns innerhalb der Koalition auf diese Differenzierung geeinigt, dass bei einem Einkommen bis zur halben Höchstbeitragsgrundlage die Möglichkeit zur Umqualifizierung, zur Höherqualifizierung besteht, vielleicht auch, um in eine andere Branche, in einen anderen Betrieb zu wechseln, weil da keine Arbeitgeberbeteiligung stattfinden wird. Die Arbeitgeberbeteiligung gibt es erst ab einer bestimmten Höhe.

GRÜNE Neßler (Zwischenruf)

Der Arbeitgeber wird das sicher ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist eine Kannbestimmung!

NEOS Johannes Gasser

… Ich glaube, die Frau Ministerin wird nachher auch noch einmal klarstellen, wie wir es schon im Ausschuss gemacht haben, dass es sich um keine Kannbestimmung handelt, sondern dass wir sicherstellen, dass diese Arbeitgeberbeteiligung erst ab der halben Höchstbeitragsgrundlage schlagend wird.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie kann eh alles erklären, aber wenn es im Gesetz so steht ...!

NEOS Johannes Gasser

… Die Weiterbildungsbeihilfe, so wie sie hier vorliegt, ist damit gut für den Arbeitsmarkt, sie ist gut im Kampf gegen den Fachkräftemangel und vor allem ist sie gut für das Budget und für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. (👏 ÖVP, NEOS) Die zweite Vorlage, auf die ich noch kurz zu sprechen kommen möchte, ist die neue Grenzgängerregelung für Drittstaatsangehörige, die wir schaffen. Künftig können Drittstaatsangehörige, die im benachbarten Ausland leben, nach Österreich in grenznahe Bezirke einpendeln und dort arbeiten. Es wurde schon ausgeführt, es wird auch eine entsprechende Arbeitsmarktprüfung geben. Wieso ist das für manche Regionen wichtig? – Ich kann ein konkretes Beispiel aus meinem Heimatbundesland Vorarlberg bringen: Es gibt gerade um den Bodensee herum – wenn ich an Friedrichshafen oder Lindau denke – viele Industriebetriebe, viele Wirtschaftsbetriebe im hoch spezialisierten Bereich, die schon Fachkräfte haben, die aber nur für Deutschland eine Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligung haben. Jetzt ist es in der Vergangenheit oft passiert – weil diese Menschen mit den europäischen Grenzen sozusagen nicht so konfrontiert sind –, dass sie in Vorarlberg eigentlich einen Job in einem hoch spezialisierten Wirtschaftsbetrieb, in einem unserer Hidden Champions, die wir auch unterstützen wollen, gefunden hätten. Nur war es rechtlich nicht möglich, dass sie diesen Job in Österreich annehmen, weil sie dafür nicht nur den Wohnort verlegen – vielleicht nur über einen Fluss, nämlich von Lindau nach Lochau –, sondern sogar auch noch das ganze Verfahren mit der Rot-Weiß-Rot-Karte durchlaufen hätten müssen. Wir schaffen da eine unbürokratische Regelung – eine unbürokratische Regelung, die hilft, Teile des Fachkräftemangels gerade in grenznahen Regionen weiter zu bekämpfen. Es werden nicht die Massen sein, die von dieser Regelung profitieren, aber es ist ein wichtiger Baustein zur Bewältigung des Fachkräftemangels, bei dem wir noch weitere Maßnahmen zu setzen haben. Dementsprechend kann man, wenn die FPÖ heute gegen diese Grenzgängerregelung stimmt, auch wenn es nur ein paar Hundert Menschen pro Jahr betrifft, nur sagen: Offensichtlich ist die Stärkung unserer Unternehmen, gerade auch wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit im Kampf gegen den Fachkräftemangel geht, kein Anliegen der FPÖ, die Schwächung der Unternehmen offensichtlich schon. – Danke. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin. – Bitte, Frau Bundesministerin.

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Jetzt ist sie also da, die neue Bildungskarenz, auf die Tausende Betroffene gewartet haben, die nicht gewusst haben, wie es jetzt mit ihren Zukunftsplänen weitergeht, die eh nur ein halbes Jahr in der Luft hängen gelassen wurden. Wir haben bis zuletzt gehofft und auch darum gerungen, dass die Regierung noch die Kurve kriegt und die Bildungskarenz ordentlich reformiert. Doch das Einzige, was man dieser Neuregelung zuschreiben kann, ist: Es ist besser als nichts. Aber das war es dann auch schon. Was uns die Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien hier salbungsvoll als großen Fortschritt verkaufen, ist in Wahrheit ein Rückschritt, ein Rückschritt für Frauen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

... den Rechnungshofbericht auch nicht gelesen!

GRÜNE Barbara Neßler

… Während die Regierung Milliarden in die Zerstörung der Natur investiert, kürzt sie dort, wo Zukunft beginnt: bei den Mamas, die versuchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. (👏) Gerade sie haben die bisherige Bildungskarenz genutzt, um sich weiterzuentwickeln, um neue Wege zu gehen, um ihre Einkommenssituation zu verbessern – und genau das wird ihnen jetzt eiskalt genommen, denn nichts anderes passiert mit der Wartefrist von 26 Wochen nach der Elternkarenz und der Abhängigkeit vom Wohlwollen des Arbeitgebers. Müttern werden so weitere Steine in den Weg gelegt. Und weil die Wifo-Studie so oft zitiert wurde: Die Wifo-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt ganz klar und deutlich: Die alte Bildungskarenz war sinnvoll, erfolgreich und hat ganz besonders Frauen nachhaltig gestärkt. Die neue Regelung nimmt ihnen Chancen, die Chancen, sich neu zu orientieren, sich weiterzuentwickeln, stärker zu werden und aufzusteigen. Wenn Frauen durch Weiterbildung bessere Jobs bekommen und mehr verdienen, dann profitieren alle davon – sie profitieren davon, die Familien profitieren davon, die heimische Wirtschaft profitiert davon, die Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt profitiert. Wer bei Bildung kürzt, kürzt Chancen und verhindert echte Gleichstellung und wirtschaftlichen Fortschritt. (👏) Gestern hat der Wirtschaftsminister genau diese Bildungskarenz als leistungsfeindlich deklariert, derselbe Wirtschaftsminister, der auch den Müttern in diesem Land ausgerichtet hat, sie wären de facto faul ( Ruf bei der ÖVP: Das hat er nicht gesagt! ) und lehnen sich auf eine Lifestyle-Teilzeit zurück. Ich würde mich ja grundsätzlich nicht so aufregen, wenn die Bundesregierung sonst beim Thema Kinderbetreuung weiterkommen würde. Wie schaut es da aber aus? – Die Frau Ministerin hat angesprochen, dass hier viel investiert wird, aber die traurige Wahrheit ist: Familien werden nach wie vor im Stich gelassen. ( Ruf bei der ÖVP: Ah geh! ) Es gibt keine verbindlichen Ziele, es gibt keinen Ausbauplan. Was passiert? Was macht die Regierung? – Die 80 Millionen Euro für das zweite verpflichtende Kindergartenjahr sind ein Ankündigungsschmäh, denn es gibt dadurch keinen einzigen zusätzlichen Platz, keine besseren Arbeitsbedingungen für die Pädagogen und Pädagoginnen, keine längeren Öffnungszeiten, und es wird keine Betreuungslücke im Sommer geschlossen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das ist aber schon Landessache, oder?

GRÜNE Barbara Neßler

… Mit diesem Plan der Bundesregierung kommen wir nicht weiter! Und ja, ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet. (👏) Ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet, aber was sie liefert, ist einfach nur eine Bla-bla-Bablerpolitik auf dem Rücken der Familie. Für Verkehrsprojekte aus dem letzten Jahrhundert ist das Geld da, aber bei den Familien in diesem Land wird schonungslos gekürzt, auch wenn ihnen damit Zukunftschancen genommen werden – und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist wirklich deppert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Oje, jetzt gibt’s einen Ordnungsruf!

GRÜNE Barbara Neßler

… 12.15

PräsidiumPeter Haubner

Frau Kollegin, können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? Können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? ( Abg. Neßler [Grüne] – auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz – nickt. ) – Danke. Gut. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist aber kein ganzer Satz, Herr Präsident!) Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Verena Nussbaum . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte auch eine Besuchergruppe der FSG Perg, Freistadt und Urfahr recht herzlich bei uns im Parlament begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Wenn wir heute über die Weiterbildungszeit und Weiterbildungsbeihilfe sprechen, dann sprechen wir über Chancen für Menschen, die sich weiterentwickeln wollen. Wir sprechen über jene, die arbeiten und trotzdem sagen: Ich will mehr wissen, ich will Neues lernen, ich will meine Zukunft selbst in die Hand nehmen! – Genau dafür schaffen wir heute den Rahmen. Zur alten Bildungskarenz: Wir haben inzwischen recherchiert. Wir sind der Meinung, dass 1997, als diese eingeführt wurde, die FPÖ dieser nicht zugestimmt hat. Also heute so die große Verteidigerin zu spielen, kommt uns irgendwie komisch vor, da ihr das ja auch nach Brüssel übermittelt habt. Offensichtlich schaut Bildungspolitik bei der FPÖ aber auch so aus: In der Steiermark haben wir einen Landesrat der FPÖ, der für Bildung zuständig ist, und heute ist die Nachricht gekommen, dass ab Herbst 2026 bei der Fachhochschule Joanneum wieder Studiengebühren eingeführt werden. Da sieht man also, wofür die FPÖ steht, wenn es um Bildung geht. (👏 SPÖ) Wir haben als sozialdemokratischer Teil der Bundesregierung aber gesagt, wir wollen ein modernes, faires und zukunftstaugliches System für die Weiterbildung aufstellen, nämlich dort, wo sie gebraucht wird: bei Menschen mit niedrigerem Einkommen, mit weniger Ausbildung und dadurch weniger Chancen am Arbeitsmarkt. Ja, die Zugangskriterien sind strenger geworden, aber das ist kein Nachteil, sondern das ist eine Qualitätssicherung, denn wir wollen, dass die Mittel dort wirken, wo sie wirklich Zukunft schaffen – und nicht für Kurse ohne Abschluss, für Auszeiten ohne Nutzen, sondern für echte Qualifizierung, für bessere Jobs und für stabile Einkommen. Ich möchte auch noch einmal erwähnen, dass es für die Weiterbildungszeit keinen Rechtsanspruch gibt – so wie es früher auch keinen Rechtsanspruch für die Bildungskarenz gegeben hat. Wesentlich ist: Der Arbeitgeber muss dem immer zustimmen, und man muss mindestens ein Jahr arbeitslosenversicherungspflichtig gewesen sein, damit man überhaupt so einen Antrag stellen kann. Ich verstehe daher nicht, was da die FPÖ in diesem Zusammenhang über Flüchtlinge und Asylwerber spricht; das hängt damit gar nicht zusammen, es steht in absolut keinem Zusammenhang. Die Arbeitgeber holen wir in eine Verantwortung, denn sie haben sich mit 15 Prozent an den Kosten zu beteiligen, aber nur, wenn das Einkommen im Monat 3 225 Euro übersteigt. Das heißt, es ist alles klar: Die, deren Einkommen darunter liegt, kommen zu einer Bildungsberatung beim AMS, damit sie sich zielgerichtet weiterbilden können, und es liegt noch immer am Arbeitgeber, ob er einer Weiterbildungszeit zustimmt oder nicht. Und wir sehen schon: Jede Person, die sich weiterbildet, verringert das Risiko, arbeitslos zu werden, und jede Investition in Bildung ist auch eine Investition in ein sicheres und soziales Österreich. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Wurm . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Ein spannender Vormittag heute mit sehr, sehr vielen sozialpolitischen Themen, auch bei dem Block, den wir jetzt diskutieren: Bei diesem geht es zuerst um die Weiterbildungsbeihilfe – also um die Bildungskarenz –, und dann geht es logischerweise auch um diese Grenzgängergeschichte. Bevor ich jetzt losstarte: Frau Kollegin Teiber – sie ist, glaube ich, nicht mehr im Haus – hat ja uns Freiheitliche hier sehr massiv angegriffen und behauptet, dass wir irgendwie Unwahrheiten verbreiten würden oder den Leuten Sand in die Augen streuen würden. Die Entscheidung, ob das, was Sie immer erzählen, der Bevölkerung hilft und richtig ist, oder ob das, was wir der Bevölkerung erzählen und wollen, richtig ist, werden in letzter Konsequenz Gott sei Dank nicht Sie entscheiden …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Aber du auch nicht!

FPÖ Peter Wurm

… sondern die Wähler draußen, und da sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg, weil der Zuspruch jeden Tag steigt – und ich verstehe es auch, denn wenn das heute jemand – Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – den ganzen Vormittag gesehen hat, dann wird der, glaube ich, sein Urteil eindeutig fällen können, wem er künftig sein Vertrauen schenkt. Frau Kollegin Teiber – erzählen Sie es ihr vielleicht –, man sollte schon auch einmal klarstellen, weil ja die Diskussion wegen der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und der Zwangsmitgliedschaft geführt wurde: Immer dann, wenn jemand hier herauskommt, sollten Sie zu Hause vielleicht nachschauen, wo diese Person herkommt. Wenn man natürlich als Vertreter der Wirtschaftskammer oder der Arbeiterkammer von der Zwangsmitgliedschaft profitiert und dort in der Funktion bereits mehr verdient als als Nationalrat, dann ist klar, dass man die Zwangsmitgliedschaft unbedingt weiterbehalten will, weil es dann ja um das eigene Einkommen geht. Das muss man auch einmal klarstellen. (👏 FPÖ) Die Grenzgängergeschichte ist, glaube ich, ganz klar: Das lehnen wir ab. Da geht es auch nicht um Fachkräfte, wie es von den NEOS so schön erzählt wird – also das wird den Fachkräftemangel in Österreich nicht beheben.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Habe ich nicht gesagt!

FPÖ Peter Wurm

… Sie machen halt wieder ein Türchen für illegale Zuwanderung auf.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... ist jetzt legal!

FPÖ Peter Wurm

… Das ist nichts Neues, das kennen wir seit mehr als zehn Jahren, aber wie gesagt: Da spielen halt alle mit – wir sind da klar dagegen. Wir haben nichts gegen Grenzgänger, das heißt, die sollen in Österreich arbeiten, das sind mittlerweile 150 000 aus Nachbarländern wie Ungarn und so weiter, das ist alles okay, aber das, was Sie für Drittstaatsangehörige wollen, lehnen wir natürlich ab. Auch ein Thema heute ist diese Altersteilzeit, die sich auch dementsprechend verändert. Noch einmal: Sie erzählen ja die Dinge, wie wenn das jetzt alles eine Verbesserung wäre. In Wahrheit sind da bei diesem Block, den wir heute diskutieren, alle Sparmaßnahmen dabei, einfach weil diese Regierung und diese Parteien, die da beteiligt sind – die NEOS nehme ich vielleicht ein bissel aus –, dieses Land in eine Krise geführt haben. Wir sind pleite, jetzt müsst ihr überall Geld suchen, und ihr seid nicht in der Lage, diese Geldströme vielleicht auch anders zu gestalten. Es gibt nach wie vor für Asylanten genug Geld, für die Ukraine genug Geld …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt kommt das Bingo schon wieder!

FPÖ Peter Wurm

… und jetzt sucht ihr halt überall Beiträge, beim Trinkgeld angefangen über die Altersteilzeit und so weiter, um den Leuten einfach Geld zu nehmen und Budgetlöcher zu stopfen. Das ist die Wahrheit, es ist alles eine Verschlechterung für Arbeitnehmer und teilweise natürlich auch für Arbeitgeber, und diese Wahrheit ist der Bevölkerung ja zumutbar. (👏 FPÖ) Durch diese Teilpension, die Sie nächstes Jahr einführen, verkürzt sich selbstverständlich die Bezugsdauer der Altersteilzeit. Das steht ja eindeutig da, das kann man auch auf der Homepage nachlesen. Es gibt strengere Zugangsvoraussetzungen für die Altersteilzeit. Es gibt eine Reduzierung beim Lohnausgleich, Überstunden und Überstundenpauschalen werden nicht eingerechnet. Es gibt ein Beschäftigungsverbot bei anderen Arbeitgebern während der Altersteilzeit. Also, Frau Kollegin Teiber, Kollegen von der Sozialdemokratie, wenn das falsch sein sollte, dann bitte ich um eine Berichtigung. Das sind die Tatsachen. Das heißt: eine Verschlechterung. Das haben ja die Leute, die in Pension gehen wollen oder das Thema haben, mittlerweile mitbekommen, das werdet ihr ja hoffentlich auch von euren ehemaligen Wählern mitgeteilt bekommen haben. RN/57.1 Dann kommen wir noch zum letzten Punkt, zu dieser Bildungskarenz und dieser Weiterentwicklung, wie ihr das so schön nennt. Also die Weiterentwicklung ist ganz klar: Auch hier eine Übersicht ( ein Schriftstück in die Höhe haltend ), das kann man sich alles anschauen, keine Zahlen von uns, sondern alle teilweise auch vom Ministerium: Vorher hat es halt 512 Millionen Euro gekostet, jetzt kostet es 150 Millionen Euro. Das heißt, es gibt auch einen Deckel, es darf nicht mehr kosten. Das heißt, es ist einfach eine klare Einsparung zulasten der Arbeitnehmer, die ihr früher einmal vertreten habt, und vor allem der Frauen – das ist ja doppelt schlimm. Treffen wird dieses Programm vor allem die Frauen. So, und das macht ihr heute, und da stimmen alle zu. Die Fakten liegen ja am Tisch, bitte, das ist ja gar kein Thema. Die Kolleginnen und Kollegen haben es ja schon erklärt, sogar die Grünen haben es dann nachher deutlich gesagt. Das sind ja alles Verschlechterungen und ihr helft da niemandem, sondern das ist nichts anderes als ein Sparprogramm zulasten der normalen Bevölkerung. Das, bitte schön, ist ja nichts, was ich heute schönreden kann. Wenn wir das als Freiheitliche kritisieren, dann wird das wohl hoffentlich erstens erlaubt sein, denn es wird zweitens auch zutreffend sein. (👏 FPÖ) Noch einmal: Man kann sich ja alles anschauen. Das kann man mittlerweile sogar in der Presse nachlesen. Stellt euch also bitte schön ehrlich her und sagt: Okay, wir müssen jetzt sparen, und wir sparen halt bei den Arbeitnehmern und teilweise bei den Unternehmern, und einige nehmen wir halt vom Sparprogramm aus! – So, und das wollen wir eben anders haben. Man kann durchaus sagen, es müssen jetzt alle sparen, aber ihr spart nicht bei allen: Ihr spart nicht bei der Ukrainehilfe, bei Waffenlieferungen, bei anderen Blödheiten, auch im Asylbereich wird nicht gespart, sondern ihr spart zulasten der Pensionisten – nächster Tagesordnungspunkt –, ihr spart zulasten der Arbeitnehmer und vor allem der Frauen. Dafür dürft ihr euch kein Lob von uns Freiheitlichen erwarten und mit Sicherheit auch kein Lob und keine Zustimmung der Wähler und Wählerinnen in Österreich. – Gott sei Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident. – Abgeordneter Wurm hat behauptet, dass wir mit der Grenzgängerregelung die Tür für illegale Migration öffnen. Ich berichtige tatsächlich: Wir schaffen heute ein Gesetz, bei dem wir einen legalen Aufenthaltstitel schaffen, aber nicht dafür, dass Menschen dann nach Österreich ziehen, sondern sie behalten ihren Hauptwohnsitz natürlich im Ausland und können, in einer grenznahen Region wohnend, nach Österreich zum Zweck der Arbeitsaufnahme einpendeln.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Man sollte vielleicht das Gesetz lesen, wenn man es kritisiert. – Danke schön.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Norbert Sieber . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Norbert Sieber

Danke, Herr Präsident! Frau Minister – gute Besserung! Hohes Haus! Nun, wir sind jetzt also so weit und werden heute hier die Reform der Bildungskarenz hin zur Weiterbildungshilfe beschließen. Frau Minister, wir sind uns wahrscheinlich einig: Wir tun das nicht aus Jux und Tollerei oder weil es uns so leichtfällt oder weil wir irgendjemandem etwas wegnehmen wollen, sondern weil es einfach eine Notwendigkeit ist, und ja, auch weil wir sparen müssen.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Doch, ihr wolltet das immer!

ÖVP Norbert Sieber

… Liebe Grüne, mit dieser Situation, dass wir jetzt sparen müssen, habt ihr schon auch ein bisschen etwas zu tun, würde ich einmal sagen, also tut nicht ganz so großspurig. Aber, meine Damen und Herren, nur dass man das auch weiß, weil das so massiv vonseiten der Freiheitlichen abgelehnt wird: Eines ist schon klar, auch wir haben uns in den Verhandlungen dazu bekannt, dass wir sparen müssen, und die Bildungskarenz wäre auch in unserem Programm gestrichen worden, nur wäre bei uns eben keine Nachfolgeregelung geplant gewesen, vielleicht hätten wir eine gemacht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unser Programm gibt es nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… Jetzt aber wird mir auch klar, warum, Herr Kickl – ich begrüße Sie sehr herzlich –, wir nicht zusammengekommen sind, warum Sie das Sparpaket mit uns nicht machen wollten, den Ihrer Logik von Niederösterreich folgend hätten Sie sich ja selber ausschließen müssen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wer vernünftig ist, wird ausgeschlossen!

ÖVP Norbert Sieber

… Im Jahr 1998, meine Damen und Herren, wurde diese Bildungskarenz von den damals zuständigen Ministern – Sozialministerin Eleonora Hostasch und Bildungsministerin Liesl Gehrer – praktisch ins Leben gerufen, nicht als einzelne Maßnahme, sondern im Rahmen eines Nationalen Aktionsplanes: Berufsbildung und Jugendbeschäftigung. Und diesem Nationalen Aktionsplan, Kollegin Nussbaum, hat die FPÖ dann wirklich nicht zugestimmt. Dem einzelnen Beschluss hätte sie vielleicht zugestimmt, aber dem Plan als solchem hat sie damals nicht zugestimmt. Nun, die Bildungskarenz war aber als eine Qualifikationsmöglichkeit für gering oder gar nicht ausgebildete Arbeitnehmer gedacht, um sich entsprechend zu verbessern und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Mit den Jahren hat sich das dann etwas verändert und auch andere Gruppen haben die Möglichkeiten erkannt und für sich genutzt. Ich spreche dabei nicht von einem Missbrauch, Kollegin Belakowitsch …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich auch nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… es ist aber nicht im Sinne dessen, was beschlossen wurde, ausbezahlt worden. Deswegen ist es richtig, so wie Kollege Gasser es gesagt hat, dass wir schlussendlich bei beinahe 800 Millionen Euro gelandet sind. Das ist ein Wert, den man schon hinterfragen muss, und das haben nicht nur wir getan, das hat auch der Rechnungshof getan. Auch Ihre Ausführungen bei der Besprechung des Rechnungshofberichts waren ja durchaus von einem Verständnis dafür getragen, dass man da etwas machen muss …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP Norbert Sieber

… so viel, um der Wahrheit zu entsprechen. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut hat natürlich gesagt, dass da entsprechender Reformbedarf besteht. Das geht so nicht. Deswegen machen wir jetzt eben diese Weiterentwicklung hin zur Weiterbildungsbeihilfe, in die die Vorschläge des Wifo und des Rechnungshofberichts, den Sie ja unterstützt haben, eingearbeitet sind. Eigentlich würde man also meinen, dass diese Weiterbildungsbeihilfe auch von Ihnen mitgetragen werden könnte …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das machen Sie ja nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… nur der politische Alltag macht es leider unmöglich. Nun ist es also so: Arbeitnehmer und Arbeitgeber können eine Bildungskarenz gegen Entfall des Arbeitsentgelts für die Dauer von mindestens zwei Monaten bis zu einem Jahr vereinbaren, sofern das Arbeitsverhältnis ununterbrochen zwölf Monate gedauert hat. Höher Qualifizierte, also vom Master aufwärts, können das erst nach durchgehender vierjähriger Erwerbstätigkeit beantragen. Ich glaube, dass das dem Sinn dieses Gesetzes entspricht beziehungsweise nahekommt. Ein direkter Anschluss der Bildungskarenz an eine Elternkarenz soll nicht mehr möglich sein, es müssen zumindest sechs Monate dazwischenliegen. Wichtig ist, dass die Höhe der Beihilfe eine Bandbreite von mindestens 40,40 Euro bis 67,94 Euro pro Tag aufweisen wird, also der Mindestsatz ist deutlich erhöht worden. Meine Damen und Herren, es wurde vieles bereits gesagt. Ich möchte die Zeit hier nicht über Gebühr strapazieren. Ich glaube, es ist eine vernünftige Weiterentwicklung, und ich bitte um Zustimmung. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Redebeiträge der Grünen zeigen, dass das Modell der Bildungskarenz nicht ganz verstanden wurde. Die Bildungskarenz, das hat ja Kollege Sieber gerade gesagt, wurde ursprünglich für niedrig Qualifizierte eingeführt …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Nein, stimmt nicht! – Abg. Neßler [Grüne]: Stimmt nicht!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und es ging uns um Treffsicherheit. Treffsicherheit ist ein Wort, das in Ihrem Wortschatz nicht vorkommt, denn sonst würden wir nicht vor diesem budgetären Scherbenhaufen stehen, den Sie uns hinterlassen haben. Es geht auch nicht darum, Herr Kollege Koza, dass allen Leuten alle Wünsche erfüllt werden, sondern es geht darum, dass die Leute Kurse machen, Weiterbildungen machen, die für sie persönlich, aber auch für die Gesamtheit sinnvoll sind. Die Zahlen zeigen es ja: 2023 hatten 2 500 der mehr als 22 000 Bezieher einen Pflichtschulabschluss. Über 50 Prozent hatten einen AHS- oder BHS-Abschluss oder waren Akademiker. Das zeigt, dass die Bildungskarenz in den letzten Jahren am Thema vorbeigegangen ist. Fast 800 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Und, Frau Kollegin Neßler, sie war auch nicht dazu gedacht, dass sie die Karenz für Mütter verlängert. Es ist eine Bildungskarenz und keine Mütterkarenz. Von 2010 bis 2021 stieg die Zahl der Karenzzeitverlängerungen von 500 auf 7 200. Davon war ein Großteil gut ausgebildete Frauen. Auch da war also die Treffsicherheit nicht gegeben. Die Bildungskarenz sollte nicht auf Kosten der Allgemeinheit finanziert werden. Und weil Sie immer Angst haben, dass jetzt höher Qualifizierte nichts mehr in diese Richtung machen können: Es gibt das Studienabschlussstipendium, es gibt das Selbsterhalterstipendium, es gibt das Fachkräftestipendium für Umschulungen, das Pflegestipendium. Wir sind in Österreich: Sie werden ganz viele weitere Stipendien für jede Situation finden. Deswegen ist es gut und richtig, dass die Weiterbildungsbeihilfe dafür sorgt, dass die Mittel, die zur Verfügung stehen, treffsicher vergeben werden. Das ist wirklich gut so. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Geschätzter Herr Präsident! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ganz besonders begrüßen möchte ich den Betriebsratsvorsitzenden Klaus Sölkner und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LKH Rottenmann aus dem Bezirk Liezen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ebenso herzlich willkommen heißen möchte ich die Betriebsseelsorge der Diözese Linz aus Steyr – herzlich willkommen! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ihr habt euch eine sehr spannende Debatte ausgesucht, der ihr hier jetzt auf der Galerie folgen könnt. Ich habe auch sehr gut zugehört, was die Weiterbildung betrifft, liebe FPÖ. Ganz versteht man es nicht, denn ihr habt Anfang dieses Jahres mit Unterschrift eures Klubobmannes, von Ihnen, Herr Kickl – schön, dass Sie auch da sind –, die ersatzlose Streichung der Bildungskarenz nach Brüssel geschickt. Jetzt weiß ich nicht: Entweder Sie haben Ihren Abgeordneten davon nichts erzählt oder die Abgeordneten haben das bis heute vergessen.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Oder Sie haben eine Lesestörung!

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

… Ich möchte aber heute auf die Novelle für Grenzgänger, die wir heute auch beschließen, eingehen. Abgeordneter Gasser hat es bereits richtiggestellt: Es ist kein Türöffner für illegale Zuwanderung. Die Menschen brauchen eine Arbeitsstelle, ein aufrechtes Arbeitsverhältnis, und die Grenzen sollen in Zukunft keine Hürde mehr für qualifizierte Arbeitskräfte sein, die wir in österreichischen Unternehmen dringend brauchen. Wir beschließen daher heute eine Verwaltungsvereinfachung im Sinne aller Betroffenen. EU-Bürger:innen dürfen unbeschränkt in Österreich arbeiten, anders aber ist das bei Drittstaatsangehörigen, die ihren Wohnsitz sowie einen Daueraufenthaltstitel in einem unserer Nachbarländer haben und in einen angrenzenden Bezirk, den Grenzbezirk, einpendeln. Wir haben zuvor von einer Britin gesprochen, einer Schlüsselkraft, die in Bayern wohnt und nach Tirol pendelt. Was ist neu? – Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel – das heißt eine Aufenthaltsbewilligung – für Grenzgänger, der unter engen Voraussetzungen nun vom Kriterium des nötigen Wohnsitzes in Österreich absieht. Weiterhin notwendig, also was bleibt, ist die Zulassung zur Beschäftigung durch ein positives AMS-Gutachten. Sorgen, dass es dadurch zu einem vermehrten Druck auf den österreichischen Arbeitsmarkt kommt, sind aus diesen Gründen unberechtigt, weil sich an den inhaltlichen Kriterien eben nichts ändert. Wir haben es von unserer Frau Ministerin heute bereits in der Fragestunde gehört: Es geht um rund 250 Schlüsselkräfte. Die Maßnahme soll zu keiner Verdrängung österreichischer Kräfte führen, zu keinem Geschäftsmodell werden, sondern sie ist ein Beitrag zum Bürokratieabbau, zur Entlastung der Verwaltung und ist eine Erleichterung und Wertschätzung für jene Menschen, die ihre Arbeitsleistung Österreich zur Verfügung stellen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitsmarktservicegesetz, das Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz und das Landarbeitsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 231 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/62.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/62.3 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz und das Arbeitslosenversicherungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 232 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung geben, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung angenommen. RN/62.4 Wir kommen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 233 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 234 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.6 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und das Ausländerbeschäftigungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 211 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist auch in dritter Lesung angenommen.

Einkommensteuergesetz 1988 und Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977

232 d.B.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Die Steuerbefreiung im Einkommensteuergesetz 1988 wird ausgeweitet: Zuschussleistungen des Arbeitgebers zur AMS-Weiterbildungsbeihilfe sowie Schulungszuschläge werden beim Arbeitnehmer steuerfrei gestellt. Gleichzeitig wird das Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977 redaktionell angepasst, sodass die steuerliche Behandlung ausschließlich im EStG geregelt ist.

Betroffen sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Weiterbildungsbeihilfe bzw. Schulungszuschläge erhalten, sowie Arbeitgeber und das AMS als auszahlende Stellen.

Dokumente

Einkommensteuergesetz 1988 und Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977

Gegenstand und Anlass

  • Der Ausschussbericht betrifft einen selbständigen Antrag auf Novellen zum Einkommensteuergesetz 1988 (EStG 1988) und zum Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977 (AlVG).
  • Auslöser ist die Einführung der Weiterbildungsbeihilfe gemäß § 37e Arbeitsmarktservicegesetz (AMSG) durch ein anderes Bundesgesetz; dazu werden steuerliche und systematische Folgeanpassungen vorgenommen.

Änderungen im Einkommensteuergesetz 1988

  • Die Weiterbildungsbeihilfe des AMS nach § 37e AMSG ist bereits als Leistung nach § 3 Abs. 1 Z 5 lit. d EStG 1988 steuerfrei; diese Steuerbefreiung bleibt aufrecht.
  • § 37e Abs. 7 AMSG sieht vor, dass Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen Zuschussleistungen zur Weiterbildungsbeihilfe an Arbeitnehmer leisten müssen; diese Arbeitgeber-Zuschüsse sollen beim Arbeitnehmer ebenfalls steuerfrei gestellt werden.
  • Die Steuerbefreiung für die Arbeitgeber-Zuschüsse soll zeitgleich mit der Weiterbildungsbeihilfe in Kraft treten.
  • Für Schulungszuschläge besteht eine ähnliche Regelung in § 20 Abs. 6 AlVG; diese Leistungen sollen durch Ergänzung in § 3 Abs. 1 Z 5 lit. d EStG 1988 bei Auszahlung durch das AMS steuerfrei sein.
  • Zusätzlich sollen Schulungszuschläge auch bei Auszahlung durch den Arbeitgeber steuerfrei sein (Einbeziehung über § 3 Abs. 1 Z 5 lit. f EStG 1988).
  • Damit wird die bisher in § 20 Abs. 6 AlVG enthaltene steuerrechtliche Behandlung systematisch korrekt in das EStG 1988 überführt.
  • Umsetzung über Anpassungen in § 3 Abs. 1 Z 5 lit. d und lit. f sowie eine Inkrafttretens-/Übergangsbestimmung in § 124b Z 479 EStG 1988.

Änderungen im Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977

  • Redaktionelle Anpassungen in § 20 Abs. 6 und eine Inkrafttretens-/Übergangsbestimmung in § 79 Abs. 191 AlVG.
  • Ziel ist, dass die steuerliche Behandlung ausschließlich im EStG 1988 geregelt wird; entsprechende steuerliche Regelungsinhalte werden im AlVG nicht mehr geführt.

Ergebnis der Beratungen

  • Der Ausschuss beantragt die verfassungsmäßige Zustimmung des Nationalrates zum angeschlossenen Gesetzentwurf.

Einkommensteuergesetz 1988 und Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977

~46 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Herr Präsident! Bevor ich mit meiner Rede beginne, darf ich an dieser Stelle die Polizei Eisenstadt ganz herzlich begrüßen! Schön, dass ihr heute bei uns seid und danke für euren Einsatz trotz der Sparmaßnahmen dieser Bundesregierung! ( Allgemeiner Beifall. ) Herr Präsident! Hohes Haus! Frau Minister! Sie stellen uns heute hier ein neues Modell, eine Reform der Bildungskarenz unter dem sogenannten Titel Weiterbildungshilfe vor. Hinter diesem vielleicht gut klingenden Namen versteckt sich nichts anderes als eine Verschlechterung. Wer zahlt am Ende drauf? – Die Frauen, die Mütter, die jungen Familien. Bevor Sie uns aber jetzt dieses nicht zielführende neue Modell präsentieren, hätten Sie sich vielleicht lieber um jene gekümmert, die noch immer unter dem alten Modell leiden: Frauen, die völlig unverschuldet Rückforderungsbescheide in der Höhe von teilweise 20 000 Euro erhalten haben. Die haben sie erhalten, obwohl ihnen die Bildungskarenz rechtmäßig anerkannt und bewilligt wurde. Wir reden da nicht über Reiche, wir reden nicht über Konzerne, wir reden über Frauen, wir reden über junge Mütter, wir reden über Familien, die jetzt schon jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Was aber bekommen viele von denen? – Die bekommen einen Rückforderungsbescheid in horrender Höhe, über Geld, das längst ausgegeben wurde, weil sie sich darauf verlassen haben, dass ihnen dieses Geld zusteht, das ihnen auch bewilligt wurde. Frau Minister, können Sie sich vorstellen, wie es diesen Frauen geht, wenn auf einmal so ein Brief im Postkasten liegt, wenn man nächtelang nicht schlafen kann, weil man nicht weiß, wie man dieses Geld irgendwie zurückzahlen soll? (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Schumann .) Da geht es nicht um finanzielle Belastung, das ist gar kein Begriff dafür, was das ist. Das ist eine existenzielle Krise für diese Familien. (👏 FPÖ) Diese Frauen haben nichts falsch gemacht, ganz im Gegenteil, sie wollten sich weiterbilden, sie wollten was aus ihrem Leben machen, sie wollten ihren Kindern damit auch ein gutes Leben bieten. Die lassen Sie aber eiskalt im Stich. Ich sage Ihnen etwas, Frau Minister: So geht man nicht mit Frauen um, so geht man nicht mit Müttern um, so geht man nicht mit der eigenen Bevölkerung um. (👏 FPÖ) Genau das ist aber der Punkt: Familien bekommen Rückforderungsbescheide, aber andere, die nie einen Cent in unser System eingezahlt haben, kriegen das All-inclusive-Service vom Staat auf Kosten der Steuerzahler. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! (👏 FPÖ) Noch einmal zurück zum neuen Modell: Wenn man sich das genau anschaut, sieht man ganz klar, für wen Sie wieder einmal nicht Politik machen, nämlich für die eigene Bevölkerung. Die sogenannte Weiterbildungshilfe sollen vor allem weniger qualifizierte Personen erhalten. Wie schaut das dann in der Realität aus? Bekommen dann einen Großteil dieser 150 Millionen Euro, die dafür budgetiert sind, wieder nicht die Österreicher, ist das Geld dann wieder für Programme, die vor allem auf die Qualifizierung, auf Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind? Landet das dann wieder bei Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten statt bei der eigenen Bevölkerung? Wird das dann das Ziel dieses neuen Modells sein? …

SPÖ Teiber (Zwischenruf)

Sie haben das Modell nicht verstanden!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Das ist kein Fortschritt, das ist ein absoluter Rückschritt, ausgetragen am Rücken der Österreicher. (👏 FPÖ) Sie haben das Ganze möglichst schwierig, möglichst unattraktiv für die eigene Bevölkerung gestaltet. Was man auch nicht übersehen darf: Mit dem neuen Modell nehmen Sie Arbeitnehmern ein ganz, ganz großes Stück ihrer eigenen Freiheit, denn eine berufliche Neuorientierung wird de facto ausgeschlossen. Es zählt jetzt nur mehr noch, ob die Weiterbildung auch in das Konzept des Betriebes passt, denn sonst gibt es kein Geld mehr. Das heißt: Sie nehmen den Arbeitnehmern ihre Freiheit, sich beruflich neu zu orientieren.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

... faktenbefreite Rede!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Frau Minister, wir sagen ganz klar: Das ist ein absoluter Bauchfleck, zurück an den Start. Ich bringe hiermit einen Antrag ein: RN/44.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungshilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, welche Arbeitnehmern einen fairen Zugang zu Weiterbildungen ermöglicht. Dabei soll der Fokus auf einer Qualitätsoffensive statt einem bürokratischen Kostendeckel liegen.“ Frau Minister, ich sage es Ihnen ganz ehrlich als Abgeordnete, als Bürgerin, aber auch als junge Mutter: Es tut wirklich weh, zu sehen, wie Sie und Ihre Regierungskollegen wieder einmal Politik fernab der Interessen der eigenen Bevölkerung und vor allem der Frauen und Mütter in diesem Land machen. (👏 FPÖ) 11.39 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/44.2 Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit (141/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag der Abgeordneten Schuch-Gubik wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Danke, Herr Präsident. – Kollegin Schuch-Gubik hat in den Raum gestellt und behauptet, dass subsidiär Schutzberechtigte und Asylberechtigte von dieser Weiterbildungszeit profitieren könnten. Ich berichtige tatsächlich: Um Anspruch auf eine Weiterbildungsbeihilfe zu haben, ist ein arbeitslosenversicherungsrechtliches Beschäftigungsverhältnis von einer bestimmten Versicherungsdauer notwendig.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung! – Zwischenruf des Abg. Wurm [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: Wenn alles falsch war, muss man lang berichtigen, so ist es halt! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist ja keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Es ist auch notwendig, dass man entsprechend in Beschäftigung war. Dementsprechend muss ich sagen: Mir tut es weh, wie faktenbefreit man hier am Pult argumentieren kann. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste ist Frau Abgeordnete Barbara Teiber zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete. (Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: 20 Falschbehauptungen kann man nicht in 1 Minute berichtigen! Ist halt so! – Abg. Steiner [FPÖ]: Aber Asylanten ...!)

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen, Kolleginnen! Liebe Zuseher, liebe Zuseherinnen! Also ich kann mich meinem Vorredner jetzt nur anschließen. Man bleibt fassungslos zurück …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, man bleibt stecken!

SPÖ Barbara Teiber

… wenn man erlebt, welcher Blödsinn da vonseiten der FPÖ verzapft wird. ( Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS. ) Ich kann es wirklich nicht anders sagen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist in ihrer DNA!

SPÖ Barbara Teiber

… Also erstens einmal: Die jungen Frauen tun uns alle leid. Wissen Sie, wer die einzige Institution ist, die ihnen hilft? Die Arbeiterkammer, die Sie abschaffen wollen! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unwahr!

SPÖ Barbara Teiber

… Das ist unglaublich! Man kann jetzt das noch einmal berichtigen. Wenn Sie davon sprechen, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus der gesetzlichen Interessenvertretung hinausnehmen können, dann muss ich sagen: So schwächt man die Arbeiterkammer! Und noch eines, weil es eben vorhin von der Kollegin Schartel erwähnt worden ist: Geht es nur um die Schwächung der Arbeitnehmerseite, oder geht es dann auch, dass man nicht mehr Wirtschaftskammermitglied ist? …

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Richtig, ja!

SPÖ Barbara Teiber

… Sie wissen, was daran geknüpft ist. Daran ist geknüpft, dass Arbeitgeber in Österreich einen Kollektivvertragslohn und -gehalt zahlen müssen ; wenn Ihre Pläne Realität werden, dann ist das Geschichte. Sie schwächen die Arbeitnehmer ein für alle Mal! Das muss man da endlich einmal sagen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Nächster Punkt: Die Bildungskarenz hat die große Koalition eingeführt, und der Kollege hat es vorhin gesagt: Auch das Nachfolgemodell können nur Kollegen und Kolleginnen in Anspruch nehmen, die in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis stehen. Was ist das schon wieder für ein Blödsinn, was Sie da sagen!? Präsident Peter Haubner : Frau Abgeordnete! Darf ich Sie ersuchen, das Wort Blödsinn zurückzuziehen? Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Es geht fast nicht anders, aber ja, ich mach das. ( Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und NEOS. ) Präsident Peter Haubner : Danke. Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Noch eines: Da Sie jetzt einen Antrag zum Thema Bildungskarenz einbringen, muss ich sagen: Sie, FPÖ und ÖVP, haben das, nämlich die Abschaffung der Bildungskarenz ohne neues Modell, nach Brüssel geschickt. Das war Ihre Idee mit der Unterschrift von Ihrem Klubobmann darunter. Oder ist Ihre Unterschrift nichts wert? ( Ruf bei der FPÖ: Wieso? ) Das muss man sich auch fragen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was wir heute hier beschließen wollen – und ich sage das durchaus als Gewerkschafterin –, ist ein bitterer Kompromiss, weil uns wirklich leere Kassen hinterlassen worden sind. Es ist ein Kompromiss mit gewissen Sparnotwendigkeiten, aber es ist ein Nachfolgemodell, das auch viele Vorschläge und Empfehlungen des Rechnungshofes und des Wifo mit aufnimmt, indem es nämlich – das ist ja Ihr Kritikpunkt – den Fokus auf formal gering qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen legt. Da ist ein toller Fortschritt passiert. Wir haben eine extreme Erhöhung des Mindestsatzes erreicht: von 14,53 Euro pro Tag auf 40,40 Euro pro Tag. Das heißt, es wird jetzt 1 212 Euro mindestens geben, sodass man, wenn man aus einer schlechter bezahlten Branche kommt und eben geringe Qualifikation hat, sich auf Weiterbildung einlassen kann – das ist ganz, ganz wichtig, Wurscht, welchen Pass man hat, man leistet ja hier eine Arbeit –, dass man sich aufqualifizieren kann. Das ist das beste Mittel, um zukünftig nicht arbeitslos zu werden. Das ist eine gute Nachricht für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Meine Bitte an alle: Lassen Sie sich von diesen Unwahrheiten der FPÖ nicht verunsichern! Jeder Beitrag zeigt: Die FPÖ steht nicht auf der Seite der Beschäftigten, derer, die in diesem Land wirklich Leistung erbringen. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Herr Präsident. – Meine Vorrednerin, Frau Abgeordnete Teiber, hat behauptet: Die FPÖ möchte gerne die Arbeiterkammer abschaffen. Das ist unrichtig. Die FPÖ möchte die Zwangsmitgliedschaft abschaffen, also ein Opting-out für alle Kammern.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alle Kammern! – Zwischenrufe bei der SPÖ.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das besprechen wir nachher in einem Redebeitrag. Ich berichtige weiters tatsächlich: Frau Abgeordnete Teiber hat ebenso behauptet, wir hätten einen Entschließungsantrag zur Wiedereinführung dieser Weiterbildungskarenz eingebracht. Ich berichtige tatsächlich: Im Entschließungsantrag geht es wohl um Weiterbildung, aber von einer Weiterbildungskarenz steht hier kein Wort. Hier geht es vielmehr darum, dass der Fokus auf eine Qualitätsoffensive statt auf einen Kostendeckel gelegt werden soll. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Markus Koza zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Zur Weiterbildungszeit: Meine sehr geehrten Damen und Herren, die neue Weiterbildungszeit mag vieles sein, aber eines ist sie mit Sicherheit nicht: eine Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz, die diesen Namen tatsächlich verdient. (👏) Warum? Ganz einfach: weil sämtliche Kennzeichen einer Bildungskarenz nicht mehr da sind. Das zentrale Kennzeichen der Bildungskarenz – und das war ein einzigartiges Kennzeichen –, war …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wer bezahlt jetzt ...?

GRÜNE Markus Koza

… dass ich als Arbeitnehmer:in selbstbestimmt meine Weiterbildung, meine Qualifizierung, meine berufliche Umorientierung wählen konnte. Und im Zentrum gestanden ist dabei eben nicht, was gut für den Betrieb ist …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sondern ...!

GRÜNE Markus Koza

… sondern im Zentrum ist dabei gestanden, was gut für mich ist, damit ich am Arbeitsmarkt besser reüssieren und mich beruflich weiterentwickeln kann, meine sehr geehrten Damen und Herren. Bei der neuen Weiterbildungszeit ist es jetzt eigentlich genau umgekehrt: Die steht vor allem im Zeichen der betrieblichen Verwertbarkeit von Weiterbildung. Nicht mehr das berufliche Interesse, das berufliche Weiterkommen, der Arbeitsmarktfokus des Arbeitnehmers stehen im Zentrum, sondern das Verwertungsinteresse des Betriebs. Es steht auch im Gesetz ganz klar drinnen, dass erstens bei einer Weiterbildungsmaßnahme auf die Erfordernisse des Betriebs Rücksicht zu nehmen ist und dass zweitens ab einem Einkommen von 3 225 Euro brutto – und das ist jetzt kein Luxuseinkommen – der Arbeitgeber 15 Prozent des Weiterbildungsgelds zu übernehmen hat. Da frage ich Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren: Was wird der Arbeitgeber mit seinem Geld wohl mitfinanzieren? Eine berufliche Umorientierung , wenn sich der Arbeitnehmer verändern will, wenn er den Job wechseln will? Eine Weiterbildung, beispielsweise einen Fremdsprachenkurs, wenn das dem Unternehmen nicht unmittelbar was nutzt? – Nein, wohl eher nicht, und das ist ja auch verständlich aus der Sicht des Unternehmens. Der Arbeitgeber wird das fördern und mitfinanzieren, was dem Betrieb nutzt (Abg. Egger [ÖVP] – erheitert –: Ah! Ah!) , und zwar am besten, was nur dem Betrieb nutzt. Und damit bleibt von der Bildungskarenz schlichtweg nichts mehr über. (👏) Diese Weiterbildungszeit ist nichts anderes als eine Form der betrieblichen Weiterbildung. Ja, auch die Bildungskarenz war Vereinbarungssache zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen, aber jetzt entscheidet de facto ganz zentral der Arbeitgeber, ob eine Bildungsmaßnahme, eine Qualifizierungsmaßnahme in Anspruch genommen werden kann oder nicht. Und wer draufzahlt, wissen wir auch schon, das steht nämlich auch im Gesetz. Das ist eine ganz große Gruppe, nämlich Mütter, die sich nach der Elternkarenz beruflich weiterentwickeln, beruflich umorientieren und verbessern wollen. Die sind aus der Weiterbildungszeit nämlich de facto ausgeschlossen. Wer auch draufzahlt, sind Menschen mit Behinderung. Denn während für Eltern mit Betreuungspflichten der Leistungsnachweis von 20 auf 16 Wochenstunden gesenkt wird, gibt es für Menschen mit Behinderung keine entsprechende Regelung. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist Exklusion und gehört repariert, Frau Ministerin! (👏) Man muss eines sagen: Die Regierung hat ihre Chance auf eine faire und sinnvolle Reform der Bildungskarenz und Bildungsteilzeit vertan. Die wenigen guten Ansätze – wie etwa die gesteigerte Mindesthöhe beim Weiterbildungsgeld – gleichen leider die ganzen negativen Aspekte bei Weitem nicht aus. Einmal mehr werden die Interessen von Arbeitnehmer:innen jenen von Unternehmen untergeordnet, die Möglichkeit einer selbstbestimmten beruflichen Verbesserung wird de facto abgeschafft, und das ist so falsch wie wenig zukunftsweisend. Darum lehnen wir diese Weiterbildungszeit ab. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Bettina Zopf . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehbildschirmen! Heute behandeln wir eine Regierungsvorlage, die auf den ersten Blick technisch wirkt, aber in Wahrheit ist es eine wichtige Lücke im österreichischen Aufenthalts- und Arbeitsrecht – wir werden sie schließen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aufenthaltsrecht, genau!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel für Grenzgänger aus Drittstaaten, also für Menschen, die in unseren Nachbarländern leben, dort einen Daueraufenthaltstitel mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang besitzen und in einem grenznahen Betrieb in Österreich arbeiten möchten. Diese Personen wohnen nicht in Österreich, sie beziehen keine Sozialleistungen, aber sie leisten einen wertvollen Beitrag für die österreichische Wirtschaft. Warum ist das notwendig? – Wir alle wissen, dass der Fachkräftemangel eines der größten wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit ist. Von der Pflege über das Handwerk bis zur Gastronomie: Überall fehlen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das AMS hat in den letzten Jahren immer wieder Fälle gehabt, in denen hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus einem Nachbarstaat pendeln wollten, aber nicht durften, weil es für sie keinen passenden Aufenthaltstitel gab. Das war weder im Interesse der Betriebe noch im Sinne einer geordneten Migrationspolitik. Mit dieser Novelle schaffen wir Rechtssicherheit. Wie das System funktioniert: Die Voraussetzungen sind streng und klar. Es braucht einen konkreten Arbeitsvertrag in einem grenznahen Betrieb. Das AMS muss vorher bestätigen, dass keine geeignete Ersatzarbeitskraft in Österreich gefunden werden kann. Der Aufenthaltstitel gilt maximal ein Jahr, kann dann verlängert werden, und er gilt nur für die Dauer der Beschäftigung, wobei das mindestens sechs Monate sind. Es gibt keinen Familiennachzug, keinen Anspruch auf Sozialleistungen, keinen Wohnsitz in Österreich. Dieser Aufenthaltstitel dient einzig und allein der Erwerbstätigkeit. Die Entlohnung muss dem Kollektivvertrag entsprechen, es gibt also auch kein Lohndumping. Im Gegenteil: Die Arbeitskräfte leisten ihren Beitrag über Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und helfen, dass unsere Betriebe weiterarbeiten können, und unterstützen sogar unser System mit ihren Beiträgen. Damit sorgen wir für Klarheit, Kontrolle und Fairness – genau das, was der Arbeitsmarkt braucht. (👏 ÖVP, NEOS) Liebe Kolleginnen und Kollegen der Opposition, danke für eure Kritik! Kritik ist ja wichtig, damit wir auch wirklich nach besten Lösungen suchen können, aber bitte sachlich bleiben! (👏 ÖVP) Zur FPÖ möchte ich an dieser Stelle Folgendes sagen: Diese Maßnahmen sind keine Türöffner für Migration , sie sind ein Werkzeug für wirtschaftliche Stabilität. (👏 ÖVP) Wir bekennen uns zu einem attraktiven Standort, deshalb ist Tun angesagt.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Ja!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir bauen Hemmnisse ab und bieten vernünftige Lösungen an. Diese Regierungsvorlage ist genau das: eine vernünftige, ausgewogene und kontrollierte Lösung für unsere Betriebe und einen guten und attraktiven Wirtschaftsstandort Österreich. (👏 ÖVP, NEOS) Genauso haben wir die Bildungskarenz weiterentwickelt. Wir haben geschaut, dass die Bildungskarenz auch wirklich anständig und ordentlich genützt wird. Es hat sich in der Vergangenheit das eine oder andere eingeschlichen, sodass dort ein Missbrauch getätigt worden ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch?

ÖVP Bettina Zopf

… und dass sie nicht ordentlich verwendet wurde.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch? Welcher Missbrauch? – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].

ÖVP Bettina Zopf

… Es waren Menschen in Bildungskarenz und das war dann nicht als Bildungskarenz für den Betrieb gut …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist nicht für den Betrieb, sondern für die Person gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… sondern es war einfach eine weitere Auszeit für Personen. Für das ist eine Bildungskarenz nicht da, sondern wir müssen schon die Bildungskarenz auch wirtschaftlich nutzen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war ja nicht für den Betrieb, sondern für die ... gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir haben sie weiterentwickelt und die beste Lösung daraus gemacht. Wir lassen uns das auch nicht kritisieren, denn die Bildungskarenz ist dazu da, dass sie wirtschaftlich wertvoll und gut für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt werden kann. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Werte Damen und Herren! Ja, gleich zu meiner Vorrednerin: Also von einem Missbrauch bei der Bildungskarenz wäre mir gar nichts bekannt gewesen ( Rufe bei der ÖVP: Ah! ), aber wenn Sie es als Missbrauch bezeichnen, dass Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen sich weiterbilden und das nicht für den Betrieb, in dem sie gerade arbeiten, tun, sondern die Weiterbildung für sich selbst wählen, um sich möglicherweise in weiterer Folge auch beruflich verändern zu können, dann war genau das die Intention der Bildungskarenz. Somit war das kein Missbrauch, sondern eigentlich sind diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genau dieser Intention gefolgt.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Und warum wollten Sie sie dann abschaffen, oder Ihr Klubobmann?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Was Sie jetzt gemacht haben – und die SPÖ ist da aus mir nicht ganz erklärlichen Gründen mitgegangen, aber Sie sind ja überall dabei –, ist, dass Sie sie jetzt gestrichen haben und gesagt haben: Nein, das machen wir jetzt nicht mehr, jetzt machen wir die Weiterbildung und dieses Weiterbildungsgeld! – Und wissen Sie, was das Problem ist? Das ist jetzt genau dieser Systemwechsel. Jetzt, Frau Kollegin Zopf, ist es so: Jetzt kann der Betrieb mitreden: Brauchen wir das oder nicht?, weil er dann ja auch irgendwann mitbezahlen muss. Deshalb: Wenn sich jetzt die Buchhalterin oder der Buchhalter für sich selber weiterbilden möchte und sagt: Ich würde gerne die Ausbildung zum Bilanzbuchhalter machen!, und der Betrieb, der Chef, sagt: Nein, das unterstütze ich nicht , weil ich schon einen Bilanzbuchhalter habe!, wird es eben nicht genehmigt. Das ist der große Unterschied: Vorher konnte er das, weil es darum ging, dass sich der Arbeitnehmer für sich weiterbildet. Daher ist es auch nicht die Fortführung und es ist kein Nachfolgemodell, sondern es ist ein Systemumbruch, den Sie hier begehen. (👏 FPÖ) Dieser Systemumbruch ist überhaupt insoweit noch zusätzlich beschränkt, weil da ja nur maximal 180 000 Euro im Jahr vergeben werden, das heißt: Wer zuerst kommt, gewinnt! …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

150 Millionen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das ist nur für einige wenige, der Fokus soll auf ganz niedrige Bildung gelegt werden. Insoweit hat natürlich meine Kollegin Schuch-Gubik vollkommen recht, Frau Bundesministerin: Es geht natürlich wieder um einen Personenkreis – und da können die NEOS tatsächliche Berichtigungen machen, wie sie wollen –, der überhaupt keine Ausbildung hat, und das sind nun einmal genau jene Herrschaften aus dem Asylbereich, die gekommen sind. Und jetzt können Sie mir hundertmal sagen: Nein, nein, aber die - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das stimmt einfach nicht! Na, lesen Sie doch das Gesetz!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ja, Herr Shetty ist bekannt dafür, dass Sie alles wissen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nein, wir wissen, was im Gesetz drinsteht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… aber wir wissen natürlich, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. (Zwischenruf des Abg. Egger [ÖVP]. – Ruf: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! ) Wir wissen, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. Das passt genau in all diese Maßnahmen der Bundesregierung hinein: Überall wird bei den eigenen Leuten reingeschnitten; beim nächsten Tagesordnungspunkt werden wir uns noch über die Pensionen unterhalten, auch da wird reingeschnitten; bei den Familien wird reingeschnitten; die Weiterbildungskarenz wird abgeschafft – aber überall, wo es darum geht, dass man vielleicht Migranten einmal etwas wegnehmen sollte, dass man dort hinschaut: Schweigen. Das ist die Politik dieser Dreierkoalition. Das kann man machen, muss man nicht machen, aber es ist ein politischer Wille, dem Sie sich untergeordnet haben: die ÖVP, die SPÖ und die NEOS. Das ist Ihre Politik. (👏 FPÖ) Das ist nicht die Politik, die wir machen würden, und das ist schon gar nicht die Politik, die die Österreicherinnen und Österreicher sich wünschen – das sollten Sie sich einmal überlegen. Und Sie müssen nicht permanent uns angreifen – ich weiß schon, es macht unheimlich viel Spaß, der FPÖ den schwarzen Peter zu geben, das machen Sie ja permanent. ( Rufe bei der SPÖ: Oh! ) Überlegen Sie doch einmal, ob es nicht Ihre eigene Politik ist, die dazu führt, dass die Umfragen so sind, wie sie sind, dass Sie vielleicht Politik an den Bedürfnissen der Mehrheit vorbei machen! (👏 FPÖ) Ändern Sie doch die Politik – dann müssen Sie sich nicht auf uns einschießen –, machen Sie endlich wieder Sachpolitik, meine Damen und Herren! Das sage ich vor allem Ihnen in der SPÖ, denn Sie haben die Arbeitnehmer bisher in jedem Bereich verraten, und auch hier haben Sie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verraten. Frau Bundesminister! Das ist sehr, sehr ernst gewesen: Es gibt wahnsinnig viele Personen, die damit konfrontiert sind, dass sie jetzt Rückzahlungen ans AMS leisten müssen, obwohl das AMS diese Weiterbildungskurse vorher genehmigt hat. Da wären wir wieder bei dem, was wir heute in der Früh schon besprochen haben: bei der Willkür, die da passiert ist. – Setzen Sie sich da endlich einmal ein! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Zopf gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen, Frau Abgeordnete. Bitte, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Bettina Zopf

Frau Kollegin Belakowitsch hat gesagt, dass die Betriebe erst jetzt unterschreiben müssen, wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mitzahlen müssen, nicht unterschreiben! Mitzahlen, habe ich gesagt!

ÖVP Bettina Zopf

… unterschreiben müssen, zustimmen müssen, wenn eine Weiterbildung in Anspruch genommen werden will.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie müssen bezahlen! Man muss auch zuhören!

ÖVP Bettina Zopf

… Ich berichtige tatsächlich, Frau Kollegin Belakowitsch: Das mussten sie auch schon vorher tun.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das habe ich nicht gesagt! Ich habe gesagt, die Betriebe müssen mitbezahlen! Zahlen, Frau Kollegin! – Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen, hast du gesagt! – Abg. Wöginger [ÖVP] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen hast du gesagt, genehmigen!

ÖVP Bettina Zopf

… Wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt, dann musste der Arbeitgeber vorher schon die Zustimmung geben und auch jetzt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bezahlen! – Abg. Wöginger [ÖVP]: Genehmigen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich hab vorher gesagt, sie müssen es zahlen! Ihr müssts zuhören!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johannes Gasser . – Ich stelle Ihre Redezeit ebenfalls auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Kollegin Belakowitsch hat verlangt, dass wir zu Sachpolitik zurückkehren. Im Unterschied zu Ihnen möchte ich das jetzt auch machen und nicht nur den Menschen Sand in die Augen streuen, sondern auch aufzeigen, wieso wir die Bildungskarenz weiterentwickeln müssen und wieso die Lösung, die wir jetzt mit der Weiterbildungsbeihilfe gefunden haben, eine gute ist. Wir verhandeln hier zwei arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Gesetzesvorlagen, die aus meiner Sicht wichtig sind. Ich möchte einmal mit der Weiterbildungsbeihilfe als Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz beginnen. Bei der Bildungskarenz haben wir in den letzten Jahren einfach eine Kostenexplosion erlebt. Als sie in den Nullerjahren noch von der großen Koalition eingeführt worden ist, waren es ein paar Millionen Euro, die das gekostet hat, in den letzten Jahren hat sich das zu einem Ausgabenposten von fast 700 Millionen Euro entwickelt. Wenn so ein Förderungsinstrument in diesem Ausmaß wächst, dann muss man sich natürlich anschauen: Werden Ziele damit erreicht oder werden Ziele da verfehlt? Nicht nur der Rechnungshof, auch eine Wifo-Analyse haben gezeigt: Die Ziele werden nicht für niedrig qualifizierte Menschen erreicht, und es werden auch arbeitsmarktpolitische Ziele nicht damit erreicht. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch von Unternehmen verwendet, um Mitarbeiter eigentlich auf eine steuerfinanzierte Auszeit zu schicken, in der sie in einer gewissen Weise tun und lassen konnten, was sie wollten. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch als Verlängerung der Elternkarenz herangezogen, in der Alibikurse gemacht wurden; es haben sich sogar Institute explizit darauf spezialisiert, Kurse dafür anzubieten, damit man eben diese Karenzverlängerung in Anspruch nehmen kann. Diese Schieflage haben wir NEOS immer schon kritisiert und immer wieder auch Vorschläge gemacht, wie man das verbessern kann. Der Leidensdruck ist mit dem Budgetdefizit jetzt so groß geworden, dass wir im März einen Schlussstrich ziehen mussten und mit der Weiterbildungsbeihilfe nun das nächste Kapitel in der betrieblichen und in der arbeitsmarktpolitischen Weiterbildung starten können. (👏 ÖVP, NEOS) Das neue Modell wird die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Erstens: Ausbildungen müssen arbeitsmarktpolitische Relevanz haben. Dafür sorgt die verpflichtende AMS-Beratung, gerade bei Menschen, bei denen es keine Arbeitgeberbeteiligung ab 3 500 Euro geben wird. Zweitens: Menschen mit niedriger Qualifikation haben auch einen höheren finanziellen Anreiz beziehungsweise in Zukunft eine bessere finanzielle Absicherung, wenn sie Weiterbildungsbeihilfe beziehen, weil die Mindestsätze angehoben werden. Drittens: Die Weiterbildungsbeihilfe kann nicht zu einer Verlängerung der Elternteilzeit herangezogen werden. Und viertens: Wer ein mittleres oder hohes Einkommen hat, kann sich nicht länger auf Steuerzahlerkosten, mit dem Arbeitgeber abgesprochen, ein Jahr in eine Auszeit begeben, weil wir mit der Arbeitgeberbeteiligung ab der halben Höchstbeitragsgrundlage sicherstellen, dass die Weiterbildung vor allem einem betrieblichen Zweck dient. Ich glaube, es ist ganz wichtig, das auch klarzustellen: Wir haben uns innerhalb der Koalition auf diese Differenzierung geeinigt, dass bei einem Einkommen bis zur halben Höchstbeitragsgrundlage die Möglichkeit zur Umqualifizierung, zur Höherqualifizierung besteht, vielleicht auch, um in eine andere Branche, in einen anderen Betrieb zu wechseln, weil da keine Arbeitgeberbeteiligung stattfinden wird. Die Arbeitgeberbeteiligung gibt es erst ab einer bestimmten Höhe.

GRÜNE Neßler (Zwischenruf)

Der Arbeitgeber wird das sicher ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist eine Kannbestimmung!

NEOS Johannes Gasser

… Ich glaube, die Frau Ministerin wird nachher auch noch einmal klarstellen, wie wir es schon im Ausschuss gemacht haben, dass es sich um keine Kannbestimmung handelt, sondern dass wir sicherstellen, dass diese Arbeitgeberbeteiligung erst ab der halben Höchstbeitragsgrundlage schlagend wird.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie kann eh alles erklären, aber wenn es im Gesetz so steht ...!

NEOS Johannes Gasser

… Die Weiterbildungsbeihilfe, so wie sie hier vorliegt, ist damit gut für den Arbeitsmarkt, sie ist gut im Kampf gegen den Fachkräftemangel und vor allem ist sie gut für das Budget und für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. (👏 ÖVP, NEOS) Die zweite Vorlage, auf die ich noch kurz zu sprechen kommen möchte, ist die neue Grenzgängerregelung für Drittstaatsangehörige, die wir schaffen. Künftig können Drittstaatsangehörige, die im benachbarten Ausland leben, nach Österreich in grenznahe Bezirke einpendeln und dort arbeiten. Es wurde schon ausgeführt, es wird auch eine entsprechende Arbeitsmarktprüfung geben. Wieso ist das für manche Regionen wichtig? – Ich kann ein konkretes Beispiel aus meinem Heimatbundesland Vorarlberg bringen: Es gibt gerade um den Bodensee herum – wenn ich an Friedrichshafen oder Lindau denke – viele Industriebetriebe, viele Wirtschaftsbetriebe im hoch spezialisierten Bereich, die schon Fachkräfte haben, die aber nur für Deutschland eine Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligung haben. Jetzt ist es in der Vergangenheit oft passiert – weil diese Menschen mit den europäischen Grenzen sozusagen nicht so konfrontiert sind –, dass sie in Vorarlberg eigentlich einen Job in einem hoch spezialisierten Wirtschaftsbetrieb, in einem unserer Hidden Champions, die wir auch unterstützen wollen, gefunden hätten. Nur war es rechtlich nicht möglich, dass sie diesen Job in Österreich annehmen, weil sie dafür nicht nur den Wohnort verlegen – vielleicht nur über einen Fluss, nämlich von Lindau nach Lochau –, sondern sogar auch noch das ganze Verfahren mit der Rot-Weiß-Rot-Karte durchlaufen hätten müssen. Wir schaffen da eine unbürokratische Regelung – eine unbürokratische Regelung, die hilft, Teile des Fachkräftemangels gerade in grenznahen Regionen weiter zu bekämpfen. Es werden nicht die Massen sein, die von dieser Regelung profitieren, aber es ist ein wichtiger Baustein zur Bewältigung des Fachkräftemangels, bei dem wir noch weitere Maßnahmen zu setzen haben. Dementsprechend kann man, wenn die FPÖ heute gegen diese Grenzgängerregelung stimmt, auch wenn es nur ein paar Hundert Menschen pro Jahr betrifft, nur sagen: Offensichtlich ist die Stärkung unserer Unternehmen, gerade auch wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit im Kampf gegen den Fachkräftemangel geht, kein Anliegen der FPÖ, die Schwächung der Unternehmen offensichtlich schon. – Danke. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin. – Bitte, Frau Bundesministerin.

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Jetzt ist sie also da, die neue Bildungskarenz, auf die Tausende Betroffene gewartet haben, die nicht gewusst haben, wie es jetzt mit ihren Zukunftsplänen weitergeht, die eh nur ein halbes Jahr in der Luft hängen gelassen wurden. Wir haben bis zuletzt gehofft und auch darum gerungen, dass die Regierung noch die Kurve kriegt und die Bildungskarenz ordentlich reformiert. Doch das Einzige, was man dieser Neuregelung zuschreiben kann, ist: Es ist besser als nichts. Aber das war es dann auch schon. Was uns die Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien hier salbungsvoll als großen Fortschritt verkaufen, ist in Wahrheit ein Rückschritt, ein Rückschritt für Frauen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

... den Rechnungshofbericht auch nicht gelesen!

GRÜNE Barbara Neßler

… Während die Regierung Milliarden in die Zerstörung der Natur investiert, kürzt sie dort, wo Zukunft beginnt: bei den Mamas, die versuchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. (👏) Gerade sie haben die bisherige Bildungskarenz genutzt, um sich weiterzuentwickeln, um neue Wege zu gehen, um ihre Einkommenssituation zu verbessern – und genau das wird ihnen jetzt eiskalt genommen, denn nichts anderes passiert mit der Wartefrist von 26 Wochen nach der Elternkarenz und der Abhängigkeit vom Wohlwollen des Arbeitgebers. Müttern werden so weitere Steine in den Weg gelegt. Und weil die Wifo-Studie so oft zitiert wurde: Die Wifo-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt ganz klar und deutlich: Die alte Bildungskarenz war sinnvoll, erfolgreich und hat ganz besonders Frauen nachhaltig gestärkt. Die neue Regelung nimmt ihnen Chancen, die Chancen, sich neu zu orientieren, sich weiterzuentwickeln, stärker zu werden und aufzusteigen. Wenn Frauen durch Weiterbildung bessere Jobs bekommen und mehr verdienen, dann profitieren alle davon – sie profitieren davon, die Familien profitieren davon, die heimische Wirtschaft profitiert davon, die Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt profitiert. Wer bei Bildung kürzt, kürzt Chancen und verhindert echte Gleichstellung und wirtschaftlichen Fortschritt. (👏) Gestern hat der Wirtschaftsminister genau diese Bildungskarenz als leistungsfeindlich deklariert, derselbe Wirtschaftsminister, der auch den Müttern in diesem Land ausgerichtet hat, sie wären de facto faul ( Ruf bei der ÖVP: Das hat er nicht gesagt! ) und lehnen sich auf eine Lifestyle-Teilzeit zurück. Ich würde mich ja grundsätzlich nicht so aufregen, wenn die Bundesregierung sonst beim Thema Kinderbetreuung weiterkommen würde. Wie schaut es da aber aus? – Die Frau Ministerin hat angesprochen, dass hier viel investiert wird, aber die traurige Wahrheit ist: Familien werden nach wie vor im Stich gelassen. ( Ruf bei der ÖVP: Ah geh! ) Es gibt keine verbindlichen Ziele, es gibt keinen Ausbauplan. Was passiert? Was macht die Regierung? – Die 80 Millionen Euro für das zweite verpflichtende Kindergartenjahr sind ein Ankündigungsschmäh, denn es gibt dadurch keinen einzigen zusätzlichen Platz, keine besseren Arbeitsbedingungen für die Pädagogen und Pädagoginnen, keine längeren Öffnungszeiten, und es wird keine Betreuungslücke im Sommer geschlossen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das ist aber schon Landessache, oder?

GRÜNE Barbara Neßler

… Mit diesem Plan der Bundesregierung kommen wir nicht weiter! Und ja, ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet. (👏) Ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet, aber was sie liefert, ist einfach nur eine Bla-bla-Bablerpolitik auf dem Rücken der Familie. Für Verkehrsprojekte aus dem letzten Jahrhundert ist das Geld da, aber bei den Familien in diesem Land wird schonungslos gekürzt, auch wenn ihnen damit Zukunftschancen genommen werden – und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist wirklich deppert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Oje, jetzt gibt’s einen Ordnungsruf!

GRÜNE Barbara Neßler

… 12.15

PräsidiumPeter Haubner

Frau Kollegin, können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? Können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? ( Abg. Neßler [Grüne] – auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz – nickt. ) – Danke. Gut. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist aber kein ganzer Satz, Herr Präsident!) Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Verena Nussbaum . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte auch eine Besuchergruppe der FSG Perg, Freistadt und Urfahr recht herzlich bei uns im Parlament begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Wenn wir heute über die Weiterbildungszeit und Weiterbildungsbeihilfe sprechen, dann sprechen wir über Chancen für Menschen, die sich weiterentwickeln wollen. Wir sprechen über jene, die arbeiten und trotzdem sagen: Ich will mehr wissen, ich will Neues lernen, ich will meine Zukunft selbst in die Hand nehmen! – Genau dafür schaffen wir heute den Rahmen. Zur alten Bildungskarenz: Wir haben inzwischen recherchiert. Wir sind der Meinung, dass 1997, als diese eingeführt wurde, die FPÖ dieser nicht zugestimmt hat. Also heute so die große Verteidigerin zu spielen, kommt uns irgendwie komisch vor, da ihr das ja auch nach Brüssel übermittelt habt. Offensichtlich schaut Bildungspolitik bei der FPÖ aber auch so aus: In der Steiermark haben wir einen Landesrat der FPÖ, der für Bildung zuständig ist, und heute ist die Nachricht gekommen, dass ab Herbst 2026 bei der Fachhochschule Joanneum wieder Studiengebühren eingeführt werden. Da sieht man also, wofür die FPÖ steht, wenn es um Bildung geht. (👏 SPÖ) Wir haben als sozialdemokratischer Teil der Bundesregierung aber gesagt, wir wollen ein modernes, faires und zukunftstaugliches System für die Weiterbildung aufstellen, nämlich dort, wo sie gebraucht wird: bei Menschen mit niedrigerem Einkommen, mit weniger Ausbildung und dadurch weniger Chancen am Arbeitsmarkt. Ja, die Zugangskriterien sind strenger geworden, aber das ist kein Nachteil, sondern das ist eine Qualitätssicherung, denn wir wollen, dass die Mittel dort wirken, wo sie wirklich Zukunft schaffen – und nicht für Kurse ohne Abschluss, für Auszeiten ohne Nutzen, sondern für echte Qualifizierung, für bessere Jobs und für stabile Einkommen. Ich möchte auch noch einmal erwähnen, dass es für die Weiterbildungszeit keinen Rechtsanspruch gibt – so wie es früher auch keinen Rechtsanspruch für die Bildungskarenz gegeben hat. Wesentlich ist: Der Arbeitgeber muss dem immer zustimmen, und man muss mindestens ein Jahr arbeitslosenversicherungspflichtig gewesen sein, damit man überhaupt so einen Antrag stellen kann. Ich verstehe daher nicht, was da die FPÖ in diesem Zusammenhang über Flüchtlinge und Asylwerber spricht; das hängt damit gar nicht zusammen, es steht in absolut keinem Zusammenhang. Die Arbeitgeber holen wir in eine Verantwortung, denn sie haben sich mit 15 Prozent an den Kosten zu beteiligen, aber nur, wenn das Einkommen im Monat 3 225 Euro übersteigt. Das heißt, es ist alles klar: Die, deren Einkommen darunter liegt, kommen zu einer Bildungsberatung beim AMS, damit sie sich zielgerichtet weiterbilden können, und es liegt noch immer am Arbeitgeber, ob er einer Weiterbildungszeit zustimmt oder nicht. Und wir sehen schon: Jede Person, die sich weiterbildet, verringert das Risiko, arbeitslos zu werden, und jede Investition in Bildung ist auch eine Investition in ein sicheres und soziales Österreich. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Wurm . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Ein spannender Vormittag heute mit sehr, sehr vielen sozialpolitischen Themen, auch bei dem Block, den wir jetzt diskutieren: Bei diesem geht es zuerst um die Weiterbildungsbeihilfe – also um die Bildungskarenz –, und dann geht es logischerweise auch um diese Grenzgängergeschichte. Bevor ich jetzt losstarte: Frau Kollegin Teiber – sie ist, glaube ich, nicht mehr im Haus – hat ja uns Freiheitliche hier sehr massiv angegriffen und behauptet, dass wir irgendwie Unwahrheiten verbreiten würden oder den Leuten Sand in die Augen streuen würden. Die Entscheidung, ob das, was Sie immer erzählen, der Bevölkerung hilft und richtig ist, oder ob das, was wir der Bevölkerung erzählen und wollen, richtig ist, werden in letzter Konsequenz Gott sei Dank nicht Sie entscheiden …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Aber du auch nicht!

FPÖ Peter Wurm

… sondern die Wähler draußen, und da sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg, weil der Zuspruch jeden Tag steigt – und ich verstehe es auch, denn wenn das heute jemand – Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – den ganzen Vormittag gesehen hat, dann wird der, glaube ich, sein Urteil eindeutig fällen können, wem er künftig sein Vertrauen schenkt. Frau Kollegin Teiber – erzählen Sie es ihr vielleicht –, man sollte schon auch einmal klarstellen, weil ja die Diskussion wegen der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und der Zwangsmitgliedschaft geführt wurde: Immer dann, wenn jemand hier herauskommt, sollten Sie zu Hause vielleicht nachschauen, wo diese Person herkommt. Wenn man natürlich als Vertreter der Wirtschaftskammer oder der Arbeiterkammer von der Zwangsmitgliedschaft profitiert und dort in der Funktion bereits mehr verdient als als Nationalrat, dann ist klar, dass man die Zwangsmitgliedschaft unbedingt weiterbehalten will, weil es dann ja um das eigene Einkommen geht. Das muss man auch einmal klarstellen. (👏 FPÖ) Die Grenzgängergeschichte ist, glaube ich, ganz klar: Das lehnen wir ab. Da geht es auch nicht um Fachkräfte, wie es von den NEOS so schön erzählt wird – also das wird den Fachkräftemangel in Österreich nicht beheben.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Habe ich nicht gesagt!

FPÖ Peter Wurm

… Sie machen halt wieder ein Türchen für illegale Zuwanderung auf.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... ist jetzt legal!

FPÖ Peter Wurm

… Das ist nichts Neues, das kennen wir seit mehr als zehn Jahren, aber wie gesagt: Da spielen halt alle mit – wir sind da klar dagegen. Wir haben nichts gegen Grenzgänger, das heißt, die sollen in Österreich arbeiten, das sind mittlerweile 150 000 aus Nachbarländern wie Ungarn und so weiter, das ist alles okay, aber das, was Sie für Drittstaatsangehörige wollen, lehnen wir natürlich ab. Auch ein Thema heute ist diese Altersteilzeit, die sich auch dementsprechend verändert. Noch einmal: Sie erzählen ja die Dinge, wie wenn das jetzt alles eine Verbesserung wäre. In Wahrheit sind da bei diesem Block, den wir heute diskutieren, alle Sparmaßnahmen dabei, einfach weil diese Regierung und diese Parteien, die da beteiligt sind – die NEOS nehme ich vielleicht ein bissel aus –, dieses Land in eine Krise geführt haben. Wir sind pleite, jetzt müsst ihr überall Geld suchen, und ihr seid nicht in der Lage, diese Geldströme vielleicht auch anders zu gestalten. Es gibt nach wie vor für Asylanten genug Geld, für die Ukraine genug Geld …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt kommt das Bingo schon wieder!

FPÖ Peter Wurm

… und jetzt sucht ihr halt überall Beiträge, beim Trinkgeld angefangen über die Altersteilzeit und so weiter, um den Leuten einfach Geld zu nehmen und Budgetlöcher zu stopfen. Das ist die Wahrheit, es ist alles eine Verschlechterung für Arbeitnehmer und teilweise natürlich auch für Arbeitgeber, und diese Wahrheit ist der Bevölkerung ja zumutbar. (👏 FPÖ) Durch diese Teilpension, die Sie nächstes Jahr einführen, verkürzt sich selbstverständlich die Bezugsdauer der Altersteilzeit. Das steht ja eindeutig da, das kann man auch auf der Homepage nachlesen. Es gibt strengere Zugangsvoraussetzungen für die Altersteilzeit. Es gibt eine Reduzierung beim Lohnausgleich, Überstunden und Überstundenpauschalen werden nicht eingerechnet. Es gibt ein Beschäftigungsverbot bei anderen Arbeitgebern während der Altersteilzeit. Also, Frau Kollegin Teiber, Kollegen von der Sozialdemokratie, wenn das falsch sein sollte, dann bitte ich um eine Berichtigung. Das sind die Tatsachen. Das heißt: eine Verschlechterung. Das haben ja die Leute, die in Pension gehen wollen oder das Thema haben, mittlerweile mitbekommen, das werdet ihr ja hoffentlich auch von euren ehemaligen Wählern mitgeteilt bekommen haben. RN/57.1 Dann kommen wir noch zum letzten Punkt, zu dieser Bildungskarenz und dieser Weiterentwicklung, wie ihr das so schön nennt. Also die Weiterentwicklung ist ganz klar: Auch hier eine Übersicht ( ein Schriftstück in die Höhe haltend ), das kann man sich alles anschauen, keine Zahlen von uns, sondern alle teilweise auch vom Ministerium: Vorher hat es halt 512 Millionen Euro gekostet, jetzt kostet es 150 Millionen Euro. Das heißt, es gibt auch einen Deckel, es darf nicht mehr kosten. Das heißt, es ist einfach eine klare Einsparung zulasten der Arbeitnehmer, die ihr früher einmal vertreten habt, und vor allem der Frauen – das ist ja doppelt schlimm. Treffen wird dieses Programm vor allem die Frauen. So, und das macht ihr heute, und da stimmen alle zu. Die Fakten liegen ja am Tisch, bitte, das ist ja gar kein Thema. Die Kolleginnen und Kollegen haben es ja schon erklärt, sogar die Grünen haben es dann nachher deutlich gesagt. Das sind ja alles Verschlechterungen und ihr helft da niemandem, sondern das ist nichts anderes als ein Sparprogramm zulasten der normalen Bevölkerung. Das, bitte schön, ist ja nichts, was ich heute schönreden kann. Wenn wir das als Freiheitliche kritisieren, dann wird das wohl hoffentlich erstens erlaubt sein, denn es wird zweitens auch zutreffend sein. (👏 FPÖ) Noch einmal: Man kann sich ja alles anschauen. Das kann man mittlerweile sogar in der Presse nachlesen. Stellt euch also bitte schön ehrlich her und sagt: Okay, wir müssen jetzt sparen, und wir sparen halt bei den Arbeitnehmern und teilweise bei den Unternehmern, und einige nehmen wir halt vom Sparprogramm aus! – So, und das wollen wir eben anders haben. Man kann durchaus sagen, es müssen jetzt alle sparen, aber ihr spart nicht bei allen: Ihr spart nicht bei der Ukrainehilfe, bei Waffenlieferungen, bei anderen Blödheiten, auch im Asylbereich wird nicht gespart, sondern ihr spart zulasten der Pensionisten – nächster Tagesordnungspunkt –, ihr spart zulasten der Arbeitnehmer und vor allem der Frauen. Dafür dürft ihr euch kein Lob von uns Freiheitlichen erwarten und mit Sicherheit auch kein Lob und keine Zustimmung der Wähler und Wählerinnen in Österreich. – Gott sei Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident. – Abgeordneter Wurm hat behauptet, dass wir mit der Grenzgängerregelung die Tür für illegale Migration öffnen. Ich berichtige tatsächlich: Wir schaffen heute ein Gesetz, bei dem wir einen legalen Aufenthaltstitel schaffen, aber nicht dafür, dass Menschen dann nach Österreich ziehen, sondern sie behalten ihren Hauptwohnsitz natürlich im Ausland und können, in einer grenznahen Region wohnend, nach Österreich zum Zweck der Arbeitsaufnahme einpendeln.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Man sollte vielleicht das Gesetz lesen, wenn man es kritisiert. – Danke schön.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Norbert Sieber . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Norbert Sieber

Danke, Herr Präsident! Frau Minister – gute Besserung! Hohes Haus! Nun, wir sind jetzt also so weit und werden heute hier die Reform der Bildungskarenz hin zur Weiterbildungshilfe beschließen. Frau Minister, wir sind uns wahrscheinlich einig: Wir tun das nicht aus Jux und Tollerei oder weil es uns so leichtfällt oder weil wir irgendjemandem etwas wegnehmen wollen, sondern weil es einfach eine Notwendigkeit ist, und ja, auch weil wir sparen müssen.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Doch, ihr wolltet das immer!

ÖVP Norbert Sieber

… Liebe Grüne, mit dieser Situation, dass wir jetzt sparen müssen, habt ihr schon auch ein bisschen etwas zu tun, würde ich einmal sagen, also tut nicht ganz so großspurig. Aber, meine Damen und Herren, nur dass man das auch weiß, weil das so massiv vonseiten der Freiheitlichen abgelehnt wird: Eines ist schon klar, auch wir haben uns in den Verhandlungen dazu bekannt, dass wir sparen müssen, und die Bildungskarenz wäre auch in unserem Programm gestrichen worden, nur wäre bei uns eben keine Nachfolgeregelung geplant gewesen, vielleicht hätten wir eine gemacht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unser Programm gibt es nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… Jetzt aber wird mir auch klar, warum, Herr Kickl – ich begrüße Sie sehr herzlich –, wir nicht zusammengekommen sind, warum Sie das Sparpaket mit uns nicht machen wollten, den Ihrer Logik von Niederösterreich folgend hätten Sie sich ja selber ausschließen müssen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wer vernünftig ist, wird ausgeschlossen!

ÖVP Norbert Sieber

… Im Jahr 1998, meine Damen und Herren, wurde diese Bildungskarenz von den damals zuständigen Ministern – Sozialministerin Eleonora Hostasch und Bildungsministerin Liesl Gehrer – praktisch ins Leben gerufen, nicht als einzelne Maßnahme, sondern im Rahmen eines Nationalen Aktionsplanes: Berufsbildung und Jugendbeschäftigung. Und diesem Nationalen Aktionsplan, Kollegin Nussbaum, hat die FPÖ dann wirklich nicht zugestimmt. Dem einzelnen Beschluss hätte sie vielleicht zugestimmt, aber dem Plan als solchem hat sie damals nicht zugestimmt. Nun, die Bildungskarenz war aber als eine Qualifikationsmöglichkeit für gering oder gar nicht ausgebildete Arbeitnehmer gedacht, um sich entsprechend zu verbessern und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Mit den Jahren hat sich das dann etwas verändert und auch andere Gruppen haben die Möglichkeiten erkannt und für sich genutzt. Ich spreche dabei nicht von einem Missbrauch, Kollegin Belakowitsch …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich auch nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… es ist aber nicht im Sinne dessen, was beschlossen wurde, ausbezahlt worden. Deswegen ist es richtig, so wie Kollege Gasser es gesagt hat, dass wir schlussendlich bei beinahe 800 Millionen Euro gelandet sind. Das ist ein Wert, den man schon hinterfragen muss, und das haben nicht nur wir getan, das hat auch der Rechnungshof getan. Auch Ihre Ausführungen bei der Besprechung des Rechnungshofberichts waren ja durchaus von einem Verständnis dafür getragen, dass man da etwas machen muss …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP Norbert Sieber

… so viel, um der Wahrheit zu entsprechen. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut hat natürlich gesagt, dass da entsprechender Reformbedarf besteht. Das geht so nicht. Deswegen machen wir jetzt eben diese Weiterentwicklung hin zur Weiterbildungsbeihilfe, in die die Vorschläge des Wifo und des Rechnungshofberichts, den Sie ja unterstützt haben, eingearbeitet sind. Eigentlich würde man also meinen, dass diese Weiterbildungsbeihilfe auch von Ihnen mitgetragen werden könnte …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das machen Sie ja nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… nur der politische Alltag macht es leider unmöglich. Nun ist es also so: Arbeitnehmer und Arbeitgeber können eine Bildungskarenz gegen Entfall des Arbeitsentgelts für die Dauer von mindestens zwei Monaten bis zu einem Jahr vereinbaren, sofern das Arbeitsverhältnis ununterbrochen zwölf Monate gedauert hat. Höher Qualifizierte, also vom Master aufwärts, können das erst nach durchgehender vierjähriger Erwerbstätigkeit beantragen. Ich glaube, dass das dem Sinn dieses Gesetzes entspricht beziehungsweise nahekommt. Ein direkter Anschluss der Bildungskarenz an eine Elternkarenz soll nicht mehr möglich sein, es müssen zumindest sechs Monate dazwischenliegen. Wichtig ist, dass die Höhe der Beihilfe eine Bandbreite von mindestens 40,40 Euro bis 67,94 Euro pro Tag aufweisen wird, also der Mindestsatz ist deutlich erhöht worden. Meine Damen und Herren, es wurde vieles bereits gesagt. Ich möchte die Zeit hier nicht über Gebühr strapazieren. Ich glaube, es ist eine vernünftige Weiterentwicklung, und ich bitte um Zustimmung. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Redebeiträge der Grünen zeigen, dass das Modell der Bildungskarenz nicht ganz verstanden wurde. Die Bildungskarenz, das hat ja Kollege Sieber gerade gesagt, wurde ursprünglich für niedrig Qualifizierte eingeführt …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Nein, stimmt nicht! – Abg. Neßler [Grüne]: Stimmt nicht!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und es ging uns um Treffsicherheit. Treffsicherheit ist ein Wort, das in Ihrem Wortschatz nicht vorkommt, denn sonst würden wir nicht vor diesem budgetären Scherbenhaufen stehen, den Sie uns hinterlassen haben. Es geht auch nicht darum, Herr Kollege Koza, dass allen Leuten alle Wünsche erfüllt werden, sondern es geht darum, dass die Leute Kurse machen, Weiterbildungen machen, die für sie persönlich, aber auch für die Gesamtheit sinnvoll sind. Die Zahlen zeigen es ja: 2023 hatten 2 500 der mehr als 22 000 Bezieher einen Pflichtschulabschluss. Über 50 Prozent hatten einen AHS- oder BHS-Abschluss oder waren Akademiker. Das zeigt, dass die Bildungskarenz in den letzten Jahren am Thema vorbeigegangen ist. Fast 800 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Und, Frau Kollegin Neßler, sie war auch nicht dazu gedacht, dass sie die Karenz für Mütter verlängert. Es ist eine Bildungskarenz und keine Mütterkarenz. Von 2010 bis 2021 stieg die Zahl der Karenzzeitverlängerungen von 500 auf 7 200. Davon war ein Großteil gut ausgebildete Frauen. Auch da war also die Treffsicherheit nicht gegeben. Die Bildungskarenz sollte nicht auf Kosten der Allgemeinheit finanziert werden. Und weil Sie immer Angst haben, dass jetzt höher Qualifizierte nichts mehr in diese Richtung machen können: Es gibt das Studienabschlussstipendium, es gibt das Selbsterhalterstipendium, es gibt das Fachkräftestipendium für Umschulungen, das Pflegestipendium. Wir sind in Österreich: Sie werden ganz viele weitere Stipendien für jede Situation finden. Deswegen ist es gut und richtig, dass die Weiterbildungsbeihilfe dafür sorgt, dass die Mittel, die zur Verfügung stehen, treffsicher vergeben werden. Das ist wirklich gut so. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Geschätzter Herr Präsident! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ganz besonders begrüßen möchte ich den Betriebsratsvorsitzenden Klaus Sölkner und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LKH Rottenmann aus dem Bezirk Liezen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ebenso herzlich willkommen heißen möchte ich die Betriebsseelsorge der Diözese Linz aus Steyr – herzlich willkommen! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ihr habt euch eine sehr spannende Debatte ausgesucht, der ihr hier jetzt auf der Galerie folgen könnt. Ich habe auch sehr gut zugehört, was die Weiterbildung betrifft, liebe FPÖ. Ganz versteht man es nicht, denn ihr habt Anfang dieses Jahres mit Unterschrift eures Klubobmannes, von Ihnen, Herr Kickl – schön, dass Sie auch da sind –, die ersatzlose Streichung der Bildungskarenz nach Brüssel geschickt. Jetzt weiß ich nicht: Entweder Sie haben Ihren Abgeordneten davon nichts erzählt oder die Abgeordneten haben das bis heute vergessen.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Oder Sie haben eine Lesestörung!

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

… Ich möchte aber heute auf die Novelle für Grenzgänger, die wir heute auch beschließen, eingehen. Abgeordneter Gasser hat es bereits richtiggestellt: Es ist kein Türöffner für illegale Zuwanderung. Die Menschen brauchen eine Arbeitsstelle, ein aufrechtes Arbeitsverhältnis, und die Grenzen sollen in Zukunft keine Hürde mehr für qualifizierte Arbeitskräfte sein, die wir in österreichischen Unternehmen dringend brauchen. Wir beschließen daher heute eine Verwaltungsvereinfachung im Sinne aller Betroffenen. EU-Bürger:innen dürfen unbeschränkt in Österreich arbeiten, anders aber ist das bei Drittstaatsangehörigen, die ihren Wohnsitz sowie einen Daueraufenthaltstitel in einem unserer Nachbarländer haben und in einen angrenzenden Bezirk, den Grenzbezirk, einpendeln. Wir haben zuvor von einer Britin gesprochen, einer Schlüsselkraft, die in Bayern wohnt und nach Tirol pendelt. Was ist neu? – Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel – das heißt eine Aufenthaltsbewilligung – für Grenzgänger, der unter engen Voraussetzungen nun vom Kriterium des nötigen Wohnsitzes in Österreich absieht. Weiterhin notwendig, also was bleibt, ist die Zulassung zur Beschäftigung durch ein positives AMS-Gutachten. Sorgen, dass es dadurch zu einem vermehrten Druck auf den österreichischen Arbeitsmarkt kommt, sind aus diesen Gründen unberechtigt, weil sich an den inhaltlichen Kriterien eben nichts ändert. Wir haben es von unserer Frau Ministerin heute bereits in der Fragestunde gehört: Es geht um rund 250 Schlüsselkräfte. Die Maßnahme soll zu keiner Verdrängung österreichischer Kräfte führen, zu keinem Geschäftsmodell werden, sondern sie ist ein Beitrag zum Bürokratieabbau, zur Entlastung der Verwaltung und ist eine Erleichterung und Wertschätzung für jene Menschen, die ihre Arbeitsleistung Österreich zur Verfügung stellen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitsmarktservicegesetz, das Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz und das Landarbeitsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 231 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/62.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/62.3 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz und das Arbeitslosenversicherungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 232 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung geben, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung angenommen. RN/62.4 Wir kommen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 233 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 234 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.6 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und das Ausländerbeschäftigungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 211 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist auch in dritter Lesung angenommen.

zielsichere und zeitnahe Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

233 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 164/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, der eine rasche Nachfolgeregelung für die abgeschaffte Bildungskarenz und Bildungsteilzeit verlangte. Damit gibt es keinen parlamentarischen Auftrag, bis vor Sommer 2025 eine Reform bzw. Ersatzregelung vorzulegen.

Betroffen sind Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen, die Bildungskarenz oder Bildungsteilzeit vereinbaren bzw. geplant hatten, insbesondere Personen ohne ausreichende finanzielle Eigenmittel (z.B. junge Mütter).

Ziel war, nach der Abschaffung von Weiterbildungsgeld und Bildungsteilzeitgeld ab 1. April 2025 schnell eine zielsichere Nachfolgeregelung zu schaffen, um Verunsicherung zu beenden und Planbarkeit zu gewährleisten.

Dokumente

zielsichere und zeitnahe Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

Gegenstand und Ziel des Antrags

  • Der Antrag fordert eine zielsichere und zeitnahe Reform bzw. Nachfolgeregelung für Bildungskarenz und Bildungsteilzeit.
  • Die Nachfolgeregelung soll rasch erarbeitet werden, jedenfalls vor Sommer 2025, um Verunsicherung zu beenden und verlässliche Berufs- und Lebensplanung zu ermöglichen.

Bisherige Funktion von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

  • Bildungskarenz und Bildungsteilzeit werden als bislang einzigartige Möglichkeiten beschrieben, sich für einen begrenzten Zeitraum von der Arbeit freistellen zu lassen, um eine selbst gewählte Qualifizierung bzw. Weiterbildung zu absolvieren.
  • Voraussetzung war jeweils eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in.
  • Die Bildungsteilzeit wurde zuletzt deutlich seltener genutzt als die Bildungskarenz (5.702 vs. 35.633 Inanspruchnahmen).

Abschaffung der finanziellen Leistungen und Übergangsregel

  • Mit Nationalratsbeschluss vom 7. März 2025 wurden das Weiterbildungsgeld (Einkommensersatzleistung bei Bildungskarenz) und das Bildungsteilzeitgeld (Einkommensersatzleistung bei Bildungsteilzeit) abgeschafft.
  • Die Abschaffung gilt beginnend ab 1. April 2025.
  • Als Ausnahme wird eine Übergangsregel genannt: wenn eine nachweislich getroffene Vereinbarung vor dem 28. Februar 2025 bestand.

Kritik an der Abschaffung und deren Folgen laut Begründung

  • Durch die Abschaffung der Einkommensersatzleistungen sei die Inanspruchnahme von Bildungskarenz bzw. Bildungsteilzeit faktisch nur noch Arbeitnehmer:innen mit ausreichend hohen finanziellen Eigenmitteln möglich.
  • Es würden auch positive arbeitsmarkt- und frauenpolitische Aspekte verloren gehen.
  • Die Abschaffung wird als überstürzt dargestellt; Reaktionen Betroffener und mediale Berichte werden als Hinweise dafür angeführt.
  • Die Übergangsbestimmungen werden als unzureichend und unrealistisch kritisiert.
  • Für betroffene Arbeitnehmer:innen bedeute die rasche Abschaffung einen massiven Eingriff in die zeitnahe Berufs- und Lebensplanung und könne existenzielle Probleme verursachen.
  • Es wird ein hohes Maß an Verunsicherung beschrieben; insbesondere sei die Abschaffung der Bildungsteilzeit nie öffentlich diskutiert worden und daher für Betroffene völlig unerwartet gekommen.
  • Junge Mütter ohne verfügbaren Kindergartenplatz, die häusliche Kinderbetreuung mit Weiterbildung/Qualifikation verbinden wollten, würden mit kaum lösbaren Betreuungsproblemen konfrontiert.
  • Arbeitnehmer:innen, die bereits für den Herbst eine Bildungskarenz bzw. -teilzeit mit dem/der Arbeitgeber:in vereinbart hätten, stünden vor der Entscheidung, diese zu verschieben, nicht in Anspruch zu nehmen oder schlimmstenfalls das Arbeitsverhältnis auflösen zu müssen.

Fehlende Nachfolgeregelung und geforderte Planungssicherheit

  • Die Unsicherheit werde dadurch verstärkt, dass weder eine Nachfolgeregelung noch ein Zeitplan für deren Beschlussfassung vorliege.
  • Das Tempo der Abschaffung wird aus Sicht des Vertrauensschutzes als hochproblematisch bezeichnet.
  • Das Fehlen einer zeitnahen Nachfolgeregelung lasse tausende Betroffene in Ungewissheit über ihre weitere berufliche Zukunft zurück; diese Ungewissheit wird als politisch verschuldet dargestellt.
  • Gefordert wird, diese Ungewissheit so schnell wie möglich zu beenden, indem eine Nachfolgeregelung rasch erarbeitet wird.

zielsichere und zeitnahe Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

~46 min Lesezeit
Dafür: GRÜNE Dagegen: FPÖÖVPSPÖNEOS
FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Herr Präsident! Bevor ich mit meiner Rede beginne, darf ich an dieser Stelle die Polizei Eisenstadt ganz herzlich begrüßen! Schön, dass ihr heute bei uns seid und danke für euren Einsatz trotz der Sparmaßnahmen dieser Bundesregierung! ( Allgemeiner Beifall. ) Herr Präsident! Hohes Haus! Frau Minister! Sie stellen uns heute hier ein neues Modell, eine Reform der Bildungskarenz unter dem sogenannten Titel Weiterbildungshilfe vor. Hinter diesem vielleicht gut klingenden Namen versteckt sich nichts anderes als eine Verschlechterung. Wer zahlt am Ende drauf? – Die Frauen, die Mütter, die jungen Familien. Bevor Sie uns aber jetzt dieses nicht zielführende neue Modell präsentieren, hätten Sie sich vielleicht lieber um jene gekümmert, die noch immer unter dem alten Modell leiden: Frauen, die völlig unverschuldet Rückforderungsbescheide in der Höhe von teilweise 20 000 Euro erhalten haben. Die haben sie erhalten, obwohl ihnen die Bildungskarenz rechtmäßig anerkannt und bewilligt wurde. Wir reden da nicht über Reiche, wir reden nicht über Konzerne, wir reden über Frauen, wir reden über junge Mütter, wir reden über Familien, die jetzt schon jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Was aber bekommen viele von denen? – Die bekommen einen Rückforderungsbescheid in horrender Höhe, über Geld, das längst ausgegeben wurde, weil sie sich darauf verlassen haben, dass ihnen dieses Geld zusteht, das ihnen auch bewilligt wurde. Frau Minister, können Sie sich vorstellen, wie es diesen Frauen geht, wenn auf einmal so ein Brief im Postkasten liegt, wenn man nächtelang nicht schlafen kann, weil man nicht weiß, wie man dieses Geld irgendwie zurückzahlen soll? (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Schumann .) Da geht es nicht um finanzielle Belastung, das ist gar kein Begriff dafür, was das ist. Das ist eine existenzielle Krise für diese Familien. (👏 FPÖ) Diese Frauen haben nichts falsch gemacht, ganz im Gegenteil, sie wollten sich weiterbilden, sie wollten was aus ihrem Leben machen, sie wollten ihren Kindern damit auch ein gutes Leben bieten. Die lassen Sie aber eiskalt im Stich. Ich sage Ihnen etwas, Frau Minister: So geht man nicht mit Frauen um, so geht man nicht mit Müttern um, so geht man nicht mit der eigenen Bevölkerung um. (👏 FPÖ) Genau das ist aber der Punkt: Familien bekommen Rückforderungsbescheide, aber andere, die nie einen Cent in unser System eingezahlt haben, kriegen das All-inclusive-Service vom Staat auf Kosten der Steuerzahler. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! (👏 FPÖ) Noch einmal zurück zum neuen Modell: Wenn man sich das genau anschaut, sieht man ganz klar, für wen Sie wieder einmal nicht Politik machen, nämlich für die eigene Bevölkerung. Die sogenannte Weiterbildungshilfe sollen vor allem weniger qualifizierte Personen erhalten. Wie schaut das dann in der Realität aus? Bekommen dann einen Großteil dieser 150 Millionen Euro, die dafür budgetiert sind, wieder nicht die Österreicher, ist das Geld dann wieder für Programme, die vor allem auf die Qualifizierung, auf Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind? Landet das dann wieder bei Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten statt bei der eigenen Bevölkerung? Wird das dann das Ziel dieses neuen Modells sein? …

SPÖ Teiber (Zwischenruf)

Sie haben das Modell nicht verstanden!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Das ist kein Fortschritt, das ist ein absoluter Rückschritt, ausgetragen am Rücken der Österreicher. (👏 FPÖ) Sie haben das Ganze möglichst schwierig, möglichst unattraktiv für die eigene Bevölkerung gestaltet. Was man auch nicht übersehen darf: Mit dem neuen Modell nehmen Sie Arbeitnehmern ein ganz, ganz großes Stück ihrer eigenen Freiheit, denn eine berufliche Neuorientierung wird de facto ausgeschlossen. Es zählt jetzt nur mehr noch, ob die Weiterbildung auch in das Konzept des Betriebes passt, denn sonst gibt es kein Geld mehr. Das heißt: Sie nehmen den Arbeitnehmern ihre Freiheit, sich beruflich neu zu orientieren.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

... faktenbefreite Rede!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Frau Minister, wir sagen ganz klar: Das ist ein absoluter Bauchfleck, zurück an den Start. Ich bringe hiermit einen Antrag ein: RN/44.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungshilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, welche Arbeitnehmern einen fairen Zugang zu Weiterbildungen ermöglicht. Dabei soll der Fokus auf einer Qualitätsoffensive statt einem bürokratischen Kostendeckel liegen.“ Frau Minister, ich sage es Ihnen ganz ehrlich als Abgeordnete, als Bürgerin, aber auch als junge Mutter: Es tut wirklich weh, zu sehen, wie Sie und Ihre Regierungskollegen wieder einmal Politik fernab der Interessen der eigenen Bevölkerung und vor allem der Frauen und Mütter in diesem Land machen. (👏 FPÖ) 11.39 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/44.2 Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit (141/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag der Abgeordneten Schuch-Gubik wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Danke, Herr Präsident. – Kollegin Schuch-Gubik hat in den Raum gestellt und behauptet, dass subsidiär Schutzberechtigte und Asylberechtigte von dieser Weiterbildungszeit profitieren könnten. Ich berichtige tatsächlich: Um Anspruch auf eine Weiterbildungsbeihilfe zu haben, ist ein arbeitslosenversicherungsrechtliches Beschäftigungsverhältnis von einer bestimmten Versicherungsdauer notwendig.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung! – Zwischenruf des Abg. Wurm [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: Wenn alles falsch war, muss man lang berichtigen, so ist es halt! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist ja keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Es ist auch notwendig, dass man entsprechend in Beschäftigung war. Dementsprechend muss ich sagen: Mir tut es weh, wie faktenbefreit man hier am Pult argumentieren kann. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste ist Frau Abgeordnete Barbara Teiber zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete. (Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: 20 Falschbehauptungen kann man nicht in 1 Minute berichtigen! Ist halt so! – Abg. Steiner [FPÖ]: Aber Asylanten ...!)

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen, Kolleginnen! Liebe Zuseher, liebe Zuseherinnen! Also ich kann mich meinem Vorredner jetzt nur anschließen. Man bleibt fassungslos zurück …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, man bleibt stecken!

SPÖ Barbara Teiber

… wenn man erlebt, welcher Blödsinn da vonseiten der FPÖ verzapft wird. ( Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS. ) Ich kann es wirklich nicht anders sagen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist in ihrer DNA!

SPÖ Barbara Teiber

… Also erstens einmal: Die jungen Frauen tun uns alle leid. Wissen Sie, wer die einzige Institution ist, die ihnen hilft? Die Arbeiterkammer, die Sie abschaffen wollen! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unwahr!

SPÖ Barbara Teiber

… Das ist unglaublich! Man kann jetzt das noch einmal berichtigen. Wenn Sie davon sprechen, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus der gesetzlichen Interessenvertretung hinausnehmen können, dann muss ich sagen: So schwächt man die Arbeiterkammer! Und noch eines, weil es eben vorhin von der Kollegin Schartel erwähnt worden ist: Geht es nur um die Schwächung der Arbeitnehmerseite, oder geht es dann auch, dass man nicht mehr Wirtschaftskammermitglied ist? …

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Richtig, ja!

SPÖ Barbara Teiber

… Sie wissen, was daran geknüpft ist. Daran ist geknüpft, dass Arbeitgeber in Österreich einen Kollektivvertragslohn und -gehalt zahlen müssen ; wenn Ihre Pläne Realität werden, dann ist das Geschichte. Sie schwächen die Arbeitnehmer ein für alle Mal! Das muss man da endlich einmal sagen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Nächster Punkt: Die Bildungskarenz hat die große Koalition eingeführt, und der Kollege hat es vorhin gesagt: Auch das Nachfolgemodell können nur Kollegen und Kolleginnen in Anspruch nehmen, die in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis stehen. Was ist das schon wieder für ein Blödsinn, was Sie da sagen!? Präsident Peter Haubner : Frau Abgeordnete! Darf ich Sie ersuchen, das Wort Blödsinn zurückzuziehen? Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Es geht fast nicht anders, aber ja, ich mach das. ( Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und NEOS. ) Präsident Peter Haubner : Danke. Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Noch eines: Da Sie jetzt einen Antrag zum Thema Bildungskarenz einbringen, muss ich sagen: Sie, FPÖ und ÖVP, haben das, nämlich die Abschaffung der Bildungskarenz ohne neues Modell, nach Brüssel geschickt. Das war Ihre Idee mit der Unterschrift von Ihrem Klubobmann darunter. Oder ist Ihre Unterschrift nichts wert? ( Ruf bei der FPÖ: Wieso? ) Das muss man sich auch fragen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was wir heute hier beschließen wollen – und ich sage das durchaus als Gewerkschafterin –, ist ein bitterer Kompromiss, weil uns wirklich leere Kassen hinterlassen worden sind. Es ist ein Kompromiss mit gewissen Sparnotwendigkeiten, aber es ist ein Nachfolgemodell, das auch viele Vorschläge und Empfehlungen des Rechnungshofes und des Wifo mit aufnimmt, indem es nämlich – das ist ja Ihr Kritikpunkt – den Fokus auf formal gering qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen legt. Da ist ein toller Fortschritt passiert. Wir haben eine extreme Erhöhung des Mindestsatzes erreicht: von 14,53 Euro pro Tag auf 40,40 Euro pro Tag. Das heißt, es wird jetzt 1 212 Euro mindestens geben, sodass man, wenn man aus einer schlechter bezahlten Branche kommt und eben geringe Qualifikation hat, sich auf Weiterbildung einlassen kann – das ist ganz, ganz wichtig, Wurscht, welchen Pass man hat, man leistet ja hier eine Arbeit –, dass man sich aufqualifizieren kann. Das ist das beste Mittel, um zukünftig nicht arbeitslos zu werden. Das ist eine gute Nachricht für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Meine Bitte an alle: Lassen Sie sich von diesen Unwahrheiten der FPÖ nicht verunsichern! Jeder Beitrag zeigt: Die FPÖ steht nicht auf der Seite der Beschäftigten, derer, die in diesem Land wirklich Leistung erbringen. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Herr Präsident. – Meine Vorrednerin, Frau Abgeordnete Teiber, hat behauptet: Die FPÖ möchte gerne die Arbeiterkammer abschaffen. Das ist unrichtig. Die FPÖ möchte die Zwangsmitgliedschaft abschaffen, also ein Opting-out für alle Kammern.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alle Kammern! – Zwischenrufe bei der SPÖ.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das besprechen wir nachher in einem Redebeitrag. Ich berichtige weiters tatsächlich: Frau Abgeordnete Teiber hat ebenso behauptet, wir hätten einen Entschließungsantrag zur Wiedereinführung dieser Weiterbildungskarenz eingebracht. Ich berichtige tatsächlich: Im Entschließungsantrag geht es wohl um Weiterbildung, aber von einer Weiterbildungskarenz steht hier kein Wort. Hier geht es vielmehr darum, dass der Fokus auf eine Qualitätsoffensive statt auf einen Kostendeckel gelegt werden soll. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Markus Koza zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Zur Weiterbildungszeit: Meine sehr geehrten Damen und Herren, die neue Weiterbildungszeit mag vieles sein, aber eines ist sie mit Sicherheit nicht: eine Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz, die diesen Namen tatsächlich verdient. (👏) Warum? Ganz einfach: weil sämtliche Kennzeichen einer Bildungskarenz nicht mehr da sind. Das zentrale Kennzeichen der Bildungskarenz – und das war ein einzigartiges Kennzeichen –, war …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wer bezahlt jetzt ...?

GRÜNE Markus Koza

… dass ich als Arbeitnehmer:in selbstbestimmt meine Weiterbildung, meine Qualifizierung, meine berufliche Umorientierung wählen konnte. Und im Zentrum gestanden ist dabei eben nicht, was gut für den Betrieb ist …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sondern ...!

GRÜNE Markus Koza

… sondern im Zentrum ist dabei gestanden, was gut für mich ist, damit ich am Arbeitsmarkt besser reüssieren und mich beruflich weiterentwickeln kann, meine sehr geehrten Damen und Herren. Bei der neuen Weiterbildungszeit ist es jetzt eigentlich genau umgekehrt: Die steht vor allem im Zeichen der betrieblichen Verwertbarkeit von Weiterbildung. Nicht mehr das berufliche Interesse, das berufliche Weiterkommen, der Arbeitsmarktfokus des Arbeitnehmers stehen im Zentrum, sondern das Verwertungsinteresse des Betriebs. Es steht auch im Gesetz ganz klar drinnen, dass erstens bei einer Weiterbildungsmaßnahme auf die Erfordernisse des Betriebs Rücksicht zu nehmen ist und dass zweitens ab einem Einkommen von 3 225 Euro brutto – und das ist jetzt kein Luxuseinkommen – der Arbeitgeber 15 Prozent des Weiterbildungsgelds zu übernehmen hat. Da frage ich Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren: Was wird der Arbeitgeber mit seinem Geld wohl mitfinanzieren? Eine berufliche Umorientierung , wenn sich der Arbeitnehmer verändern will, wenn er den Job wechseln will? Eine Weiterbildung, beispielsweise einen Fremdsprachenkurs, wenn das dem Unternehmen nicht unmittelbar was nutzt? – Nein, wohl eher nicht, und das ist ja auch verständlich aus der Sicht des Unternehmens. Der Arbeitgeber wird das fördern und mitfinanzieren, was dem Betrieb nutzt (Abg. Egger [ÖVP] – erheitert –: Ah! Ah!) , und zwar am besten, was nur dem Betrieb nutzt. Und damit bleibt von der Bildungskarenz schlichtweg nichts mehr über. (👏) Diese Weiterbildungszeit ist nichts anderes als eine Form der betrieblichen Weiterbildung. Ja, auch die Bildungskarenz war Vereinbarungssache zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen, aber jetzt entscheidet de facto ganz zentral der Arbeitgeber, ob eine Bildungsmaßnahme, eine Qualifizierungsmaßnahme in Anspruch genommen werden kann oder nicht. Und wer draufzahlt, wissen wir auch schon, das steht nämlich auch im Gesetz. Das ist eine ganz große Gruppe, nämlich Mütter, die sich nach der Elternkarenz beruflich weiterentwickeln, beruflich umorientieren und verbessern wollen. Die sind aus der Weiterbildungszeit nämlich de facto ausgeschlossen. Wer auch draufzahlt, sind Menschen mit Behinderung. Denn während für Eltern mit Betreuungspflichten der Leistungsnachweis von 20 auf 16 Wochenstunden gesenkt wird, gibt es für Menschen mit Behinderung keine entsprechende Regelung. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist Exklusion und gehört repariert, Frau Ministerin! (👏) Man muss eines sagen: Die Regierung hat ihre Chance auf eine faire und sinnvolle Reform der Bildungskarenz und Bildungsteilzeit vertan. Die wenigen guten Ansätze – wie etwa die gesteigerte Mindesthöhe beim Weiterbildungsgeld – gleichen leider die ganzen negativen Aspekte bei Weitem nicht aus. Einmal mehr werden die Interessen von Arbeitnehmer:innen jenen von Unternehmen untergeordnet, die Möglichkeit einer selbstbestimmten beruflichen Verbesserung wird de facto abgeschafft, und das ist so falsch wie wenig zukunftsweisend. Darum lehnen wir diese Weiterbildungszeit ab. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Bettina Zopf . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehbildschirmen! Heute behandeln wir eine Regierungsvorlage, die auf den ersten Blick technisch wirkt, aber in Wahrheit ist es eine wichtige Lücke im österreichischen Aufenthalts- und Arbeitsrecht – wir werden sie schließen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aufenthaltsrecht, genau!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel für Grenzgänger aus Drittstaaten, also für Menschen, die in unseren Nachbarländern leben, dort einen Daueraufenthaltstitel mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang besitzen und in einem grenznahen Betrieb in Österreich arbeiten möchten. Diese Personen wohnen nicht in Österreich, sie beziehen keine Sozialleistungen, aber sie leisten einen wertvollen Beitrag für die österreichische Wirtschaft. Warum ist das notwendig? – Wir alle wissen, dass der Fachkräftemangel eines der größten wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit ist. Von der Pflege über das Handwerk bis zur Gastronomie: Überall fehlen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das AMS hat in den letzten Jahren immer wieder Fälle gehabt, in denen hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus einem Nachbarstaat pendeln wollten, aber nicht durften, weil es für sie keinen passenden Aufenthaltstitel gab. Das war weder im Interesse der Betriebe noch im Sinne einer geordneten Migrationspolitik. Mit dieser Novelle schaffen wir Rechtssicherheit. Wie das System funktioniert: Die Voraussetzungen sind streng und klar. Es braucht einen konkreten Arbeitsvertrag in einem grenznahen Betrieb. Das AMS muss vorher bestätigen, dass keine geeignete Ersatzarbeitskraft in Österreich gefunden werden kann. Der Aufenthaltstitel gilt maximal ein Jahr, kann dann verlängert werden, und er gilt nur für die Dauer der Beschäftigung, wobei das mindestens sechs Monate sind. Es gibt keinen Familiennachzug, keinen Anspruch auf Sozialleistungen, keinen Wohnsitz in Österreich. Dieser Aufenthaltstitel dient einzig und allein der Erwerbstätigkeit. Die Entlohnung muss dem Kollektivvertrag entsprechen, es gibt also auch kein Lohndumping. Im Gegenteil: Die Arbeitskräfte leisten ihren Beitrag über Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und helfen, dass unsere Betriebe weiterarbeiten können, und unterstützen sogar unser System mit ihren Beiträgen. Damit sorgen wir für Klarheit, Kontrolle und Fairness – genau das, was der Arbeitsmarkt braucht. (👏 ÖVP, NEOS) Liebe Kolleginnen und Kollegen der Opposition, danke für eure Kritik! Kritik ist ja wichtig, damit wir auch wirklich nach besten Lösungen suchen können, aber bitte sachlich bleiben! (👏 ÖVP) Zur FPÖ möchte ich an dieser Stelle Folgendes sagen: Diese Maßnahmen sind keine Türöffner für Migration , sie sind ein Werkzeug für wirtschaftliche Stabilität. (👏 ÖVP) Wir bekennen uns zu einem attraktiven Standort, deshalb ist Tun angesagt.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Ja!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir bauen Hemmnisse ab und bieten vernünftige Lösungen an. Diese Regierungsvorlage ist genau das: eine vernünftige, ausgewogene und kontrollierte Lösung für unsere Betriebe und einen guten und attraktiven Wirtschaftsstandort Österreich. (👏 ÖVP, NEOS) Genauso haben wir die Bildungskarenz weiterentwickelt. Wir haben geschaut, dass die Bildungskarenz auch wirklich anständig und ordentlich genützt wird. Es hat sich in der Vergangenheit das eine oder andere eingeschlichen, sodass dort ein Missbrauch getätigt worden ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch?

ÖVP Bettina Zopf

… und dass sie nicht ordentlich verwendet wurde.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch? Welcher Missbrauch? – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].

ÖVP Bettina Zopf

… Es waren Menschen in Bildungskarenz und das war dann nicht als Bildungskarenz für den Betrieb gut …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist nicht für den Betrieb, sondern für die Person gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… sondern es war einfach eine weitere Auszeit für Personen. Für das ist eine Bildungskarenz nicht da, sondern wir müssen schon die Bildungskarenz auch wirtschaftlich nutzen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war ja nicht für den Betrieb, sondern für die ... gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir haben sie weiterentwickelt und die beste Lösung daraus gemacht. Wir lassen uns das auch nicht kritisieren, denn die Bildungskarenz ist dazu da, dass sie wirtschaftlich wertvoll und gut für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt werden kann. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Werte Damen und Herren! Ja, gleich zu meiner Vorrednerin: Also von einem Missbrauch bei der Bildungskarenz wäre mir gar nichts bekannt gewesen ( Rufe bei der ÖVP: Ah! ), aber wenn Sie es als Missbrauch bezeichnen, dass Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen sich weiterbilden und das nicht für den Betrieb, in dem sie gerade arbeiten, tun, sondern die Weiterbildung für sich selbst wählen, um sich möglicherweise in weiterer Folge auch beruflich verändern zu können, dann war genau das die Intention der Bildungskarenz. Somit war das kein Missbrauch, sondern eigentlich sind diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genau dieser Intention gefolgt.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Und warum wollten Sie sie dann abschaffen, oder Ihr Klubobmann?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Was Sie jetzt gemacht haben – und die SPÖ ist da aus mir nicht ganz erklärlichen Gründen mitgegangen, aber Sie sind ja überall dabei –, ist, dass Sie sie jetzt gestrichen haben und gesagt haben: Nein, das machen wir jetzt nicht mehr, jetzt machen wir die Weiterbildung und dieses Weiterbildungsgeld! – Und wissen Sie, was das Problem ist? Das ist jetzt genau dieser Systemwechsel. Jetzt, Frau Kollegin Zopf, ist es so: Jetzt kann der Betrieb mitreden: Brauchen wir das oder nicht?, weil er dann ja auch irgendwann mitbezahlen muss. Deshalb: Wenn sich jetzt die Buchhalterin oder der Buchhalter für sich selber weiterbilden möchte und sagt: Ich würde gerne die Ausbildung zum Bilanzbuchhalter machen!, und der Betrieb, der Chef, sagt: Nein, das unterstütze ich nicht , weil ich schon einen Bilanzbuchhalter habe!, wird es eben nicht genehmigt. Das ist der große Unterschied: Vorher konnte er das, weil es darum ging, dass sich der Arbeitnehmer für sich weiterbildet. Daher ist es auch nicht die Fortführung und es ist kein Nachfolgemodell, sondern es ist ein Systemumbruch, den Sie hier begehen. (👏 FPÖ) Dieser Systemumbruch ist überhaupt insoweit noch zusätzlich beschränkt, weil da ja nur maximal 180 000 Euro im Jahr vergeben werden, das heißt: Wer zuerst kommt, gewinnt! …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

150 Millionen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das ist nur für einige wenige, der Fokus soll auf ganz niedrige Bildung gelegt werden. Insoweit hat natürlich meine Kollegin Schuch-Gubik vollkommen recht, Frau Bundesministerin: Es geht natürlich wieder um einen Personenkreis – und da können die NEOS tatsächliche Berichtigungen machen, wie sie wollen –, der überhaupt keine Ausbildung hat, und das sind nun einmal genau jene Herrschaften aus dem Asylbereich, die gekommen sind. Und jetzt können Sie mir hundertmal sagen: Nein, nein, aber die - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das stimmt einfach nicht! Na, lesen Sie doch das Gesetz!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ja, Herr Shetty ist bekannt dafür, dass Sie alles wissen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nein, wir wissen, was im Gesetz drinsteht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… aber wir wissen natürlich, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. (Zwischenruf des Abg. Egger [ÖVP]. – Ruf: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! ) Wir wissen, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. Das passt genau in all diese Maßnahmen der Bundesregierung hinein: Überall wird bei den eigenen Leuten reingeschnitten; beim nächsten Tagesordnungspunkt werden wir uns noch über die Pensionen unterhalten, auch da wird reingeschnitten; bei den Familien wird reingeschnitten; die Weiterbildungskarenz wird abgeschafft – aber überall, wo es darum geht, dass man vielleicht Migranten einmal etwas wegnehmen sollte, dass man dort hinschaut: Schweigen. Das ist die Politik dieser Dreierkoalition. Das kann man machen, muss man nicht machen, aber es ist ein politischer Wille, dem Sie sich untergeordnet haben: die ÖVP, die SPÖ und die NEOS. Das ist Ihre Politik. (👏 FPÖ) Das ist nicht die Politik, die wir machen würden, und das ist schon gar nicht die Politik, die die Österreicherinnen und Österreicher sich wünschen – das sollten Sie sich einmal überlegen. Und Sie müssen nicht permanent uns angreifen – ich weiß schon, es macht unheimlich viel Spaß, der FPÖ den schwarzen Peter zu geben, das machen Sie ja permanent. ( Rufe bei der SPÖ: Oh! ) Überlegen Sie doch einmal, ob es nicht Ihre eigene Politik ist, die dazu führt, dass die Umfragen so sind, wie sie sind, dass Sie vielleicht Politik an den Bedürfnissen der Mehrheit vorbei machen! (👏 FPÖ) Ändern Sie doch die Politik – dann müssen Sie sich nicht auf uns einschießen –, machen Sie endlich wieder Sachpolitik, meine Damen und Herren! Das sage ich vor allem Ihnen in der SPÖ, denn Sie haben die Arbeitnehmer bisher in jedem Bereich verraten, und auch hier haben Sie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verraten. Frau Bundesminister! Das ist sehr, sehr ernst gewesen: Es gibt wahnsinnig viele Personen, die damit konfrontiert sind, dass sie jetzt Rückzahlungen ans AMS leisten müssen, obwohl das AMS diese Weiterbildungskurse vorher genehmigt hat. Da wären wir wieder bei dem, was wir heute in der Früh schon besprochen haben: bei der Willkür, die da passiert ist. – Setzen Sie sich da endlich einmal ein! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Zopf gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen, Frau Abgeordnete. Bitte, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Bettina Zopf

Frau Kollegin Belakowitsch hat gesagt, dass die Betriebe erst jetzt unterschreiben müssen, wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mitzahlen müssen, nicht unterschreiben! Mitzahlen, habe ich gesagt!

ÖVP Bettina Zopf

… unterschreiben müssen, zustimmen müssen, wenn eine Weiterbildung in Anspruch genommen werden will.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie müssen bezahlen! Man muss auch zuhören!

ÖVP Bettina Zopf

… Ich berichtige tatsächlich, Frau Kollegin Belakowitsch: Das mussten sie auch schon vorher tun.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das habe ich nicht gesagt! Ich habe gesagt, die Betriebe müssen mitbezahlen! Zahlen, Frau Kollegin! – Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen, hast du gesagt! – Abg. Wöginger [ÖVP] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen hast du gesagt, genehmigen!

ÖVP Bettina Zopf

… Wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt, dann musste der Arbeitgeber vorher schon die Zustimmung geben und auch jetzt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bezahlen! – Abg. Wöginger [ÖVP]: Genehmigen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich hab vorher gesagt, sie müssen es zahlen! Ihr müssts zuhören!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johannes Gasser . – Ich stelle Ihre Redezeit ebenfalls auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Kollegin Belakowitsch hat verlangt, dass wir zu Sachpolitik zurückkehren. Im Unterschied zu Ihnen möchte ich das jetzt auch machen und nicht nur den Menschen Sand in die Augen streuen, sondern auch aufzeigen, wieso wir die Bildungskarenz weiterentwickeln müssen und wieso die Lösung, die wir jetzt mit der Weiterbildungsbeihilfe gefunden haben, eine gute ist. Wir verhandeln hier zwei arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Gesetzesvorlagen, die aus meiner Sicht wichtig sind. Ich möchte einmal mit der Weiterbildungsbeihilfe als Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz beginnen. Bei der Bildungskarenz haben wir in den letzten Jahren einfach eine Kostenexplosion erlebt. Als sie in den Nullerjahren noch von der großen Koalition eingeführt worden ist, waren es ein paar Millionen Euro, die das gekostet hat, in den letzten Jahren hat sich das zu einem Ausgabenposten von fast 700 Millionen Euro entwickelt. Wenn so ein Förderungsinstrument in diesem Ausmaß wächst, dann muss man sich natürlich anschauen: Werden Ziele damit erreicht oder werden Ziele da verfehlt? Nicht nur der Rechnungshof, auch eine Wifo-Analyse haben gezeigt: Die Ziele werden nicht für niedrig qualifizierte Menschen erreicht, und es werden auch arbeitsmarktpolitische Ziele nicht damit erreicht. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch von Unternehmen verwendet, um Mitarbeiter eigentlich auf eine steuerfinanzierte Auszeit zu schicken, in der sie in einer gewissen Weise tun und lassen konnten, was sie wollten. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch als Verlängerung der Elternkarenz herangezogen, in der Alibikurse gemacht wurden; es haben sich sogar Institute explizit darauf spezialisiert, Kurse dafür anzubieten, damit man eben diese Karenzverlängerung in Anspruch nehmen kann. Diese Schieflage haben wir NEOS immer schon kritisiert und immer wieder auch Vorschläge gemacht, wie man das verbessern kann. Der Leidensdruck ist mit dem Budgetdefizit jetzt so groß geworden, dass wir im März einen Schlussstrich ziehen mussten und mit der Weiterbildungsbeihilfe nun das nächste Kapitel in der betrieblichen und in der arbeitsmarktpolitischen Weiterbildung starten können. (👏 ÖVP, NEOS) Das neue Modell wird die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Erstens: Ausbildungen müssen arbeitsmarktpolitische Relevanz haben. Dafür sorgt die verpflichtende AMS-Beratung, gerade bei Menschen, bei denen es keine Arbeitgeberbeteiligung ab 3 500 Euro geben wird. Zweitens: Menschen mit niedriger Qualifikation haben auch einen höheren finanziellen Anreiz beziehungsweise in Zukunft eine bessere finanzielle Absicherung, wenn sie Weiterbildungsbeihilfe beziehen, weil die Mindestsätze angehoben werden. Drittens: Die Weiterbildungsbeihilfe kann nicht zu einer Verlängerung der Elternteilzeit herangezogen werden. Und viertens: Wer ein mittleres oder hohes Einkommen hat, kann sich nicht länger auf Steuerzahlerkosten, mit dem Arbeitgeber abgesprochen, ein Jahr in eine Auszeit begeben, weil wir mit der Arbeitgeberbeteiligung ab der halben Höchstbeitragsgrundlage sicherstellen, dass die Weiterbildung vor allem einem betrieblichen Zweck dient. Ich glaube, es ist ganz wichtig, das auch klarzustellen: Wir haben uns innerhalb der Koalition auf diese Differenzierung geeinigt, dass bei einem Einkommen bis zur halben Höchstbeitragsgrundlage die Möglichkeit zur Umqualifizierung, zur Höherqualifizierung besteht, vielleicht auch, um in eine andere Branche, in einen anderen Betrieb zu wechseln, weil da keine Arbeitgeberbeteiligung stattfinden wird. Die Arbeitgeberbeteiligung gibt es erst ab einer bestimmten Höhe.

GRÜNE Neßler (Zwischenruf)

Der Arbeitgeber wird das sicher ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist eine Kannbestimmung!

NEOS Johannes Gasser

… Ich glaube, die Frau Ministerin wird nachher auch noch einmal klarstellen, wie wir es schon im Ausschuss gemacht haben, dass es sich um keine Kannbestimmung handelt, sondern dass wir sicherstellen, dass diese Arbeitgeberbeteiligung erst ab der halben Höchstbeitragsgrundlage schlagend wird.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie kann eh alles erklären, aber wenn es im Gesetz so steht ...!

NEOS Johannes Gasser

… Die Weiterbildungsbeihilfe, so wie sie hier vorliegt, ist damit gut für den Arbeitsmarkt, sie ist gut im Kampf gegen den Fachkräftemangel und vor allem ist sie gut für das Budget und für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. (👏 ÖVP, NEOS) Die zweite Vorlage, auf die ich noch kurz zu sprechen kommen möchte, ist die neue Grenzgängerregelung für Drittstaatsangehörige, die wir schaffen. Künftig können Drittstaatsangehörige, die im benachbarten Ausland leben, nach Österreich in grenznahe Bezirke einpendeln und dort arbeiten. Es wurde schon ausgeführt, es wird auch eine entsprechende Arbeitsmarktprüfung geben. Wieso ist das für manche Regionen wichtig? – Ich kann ein konkretes Beispiel aus meinem Heimatbundesland Vorarlberg bringen: Es gibt gerade um den Bodensee herum – wenn ich an Friedrichshafen oder Lindau denke – viele Industriebetriebe, viele Wirtschaftsbetriebe im hoch spezialisierten Bereich, die schon Fachkräfte haben, die aber nur für Deutschland eine Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligung haben. Jetzt ist es in der Vergangenheit oft passiert – weil diese Menschen mit den europäischen Grenzen sozusagen nicht so konfrontiert sind –, dass sie in Vorarlberg eigentlich einen Job in einem hoch spezialisierten Wirtschaftsbetrieb, in einem unserer Hidden Champions, die wir auch unterstützen wollen, gefunden hätten. Nur war es rechtlich nicht möglich, dass sie diesen Job in Österreich annehmen, weil sie dafür nicht nur den Wohnort verlegen – vielleicht nur über einen Fluss, nämlich von Lindau nach Lochau –, sondern sogar auch noch das ganze Verfahren mit der Rot-Weiß-Rot-Karte durchlaufen hätten müssen. Wir schaffen da eine unbürokratische Regelung – eine unbürokratische Regelung, die hilft, Teile des Fachkräftemangels gerade in grenznahen Regionen weiter zu bekämpfen. Es werden nicht die Massen sein, die von dieser Regelung profitieren, aber es ist ein wichtiger Baustein zur Bewältigung des Fachkräftemangels, bei dem wir noch weitere Maßnahmen zu setzen haben. Dementsprechend kann man, wenn die FPÖ heute gegen diese Grenzgängerregelung stimmt, auch wenn es nur ein paar Hundert Menschen pro Jahr betrifft, nur sagen: Offensichtlich ist die Stärkung unserer Unternehmen, gerade auch wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit im Kampf gegen den Fachkräftemangel geht, kein Anliegen der FPÖ, die Schwächung der Unternehmen offensichtlich schon. – Danke. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin. – Bitte, Frau Bundesministerin.

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Jetzt ist sie also da, die neue Bildungskarenz, auf die Tausende Betroffene gewartet haben, die nicht gewusst haben, wie es jetzt mit ihren Zukunftsplänen weitergeht, die eh nur ein halbes Jahr in der Luft hängen gelassen wurden. Wir haben bis zuletzt gehofft und auch darum gerungen, dass die Regierung noch die Kurve kriegt und die Bildungskarenz ordentlich reformiert. Doch das Einzige, was man dieser Neuregelung zuschreiben kann, ist: Es ist besser als nichts. Aber das war es dann auch schon. Was uns die Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien hier salbungsvoll als großen Fortschritt verkaufen, ist in Wahrheit ein Rückschritt, ein Rückschritt für Frauen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

... den Rechnungshofbericht auch nicht gelesen!

GRÜNE Barbara Neßler

… Während die Regierung Milliarden in die Zerstörung der Natur investiert, kürzt sie dort, wo Zukunft beginnt: bei den Mamas, die versuchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. (👏) Gerade sie haben die bisherige Bildungskarenz genutzt, um sich weiterzuentwickeln, um neue Wege zu gehen, um ihre Einkommenssituation zu verbessern – und genau das wird ihnen jetzt eiskalt genommen, denn nichts anderes passiert mit der Wartefrist von 26 Wochen nach der Elternkarenz und der Abhängigkeit vom Wohlwollen des Arbeitgebers. Müttern werden so weitere Steine in den Weg gelegt. Und weil die Wifo-Studie so oft zitiert wurde: Die Wifo-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt ganz klar und deutlich: Die alte Bildungskarenz war sinnvoll, erfolgreich und hat ganz besonders Frauen nachhaltig gestärkt. Die neue Regelung nimmt ihnen Chancen, die Chancen, sich neu zu orientieren, sich weiterzuentwickeln, stärker zu werden und aufzusteigen. Wenn Frauen durch Weiterbildung bessere Jobs bekommen und mehr verdienen, dann profitieren alle davon – sie profitieren davon, die Familien profitieren davon, die heimische Wirtschaft profitiert davon, die Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt profitiert. Wer bei Bildung kürzt, kürzt Chancen und verhindert echte Gleichstellung und wirtschaftlichen Fortschritt. (👏) Gestern hat der Wirtschaftsminister genau diese Bildungskarenz als leistungsfeindlich deklariert, derselbe Wirtschaftsminister, der auch den Müttern in diesem Land ausgerichtet hat, sie wären de facto faul ( Ruf bei der ÖVP: Das hat er nicht gesagt! ) und lehnen sich auf eine Lifestyle-Teilzeit zurück. Ich würde mich ja grundsätzlich nicht so aufregen, wenn die Bundesregierung sonst beim Thema Kinderbetreuung weiterkommen würde. Wie schaut es da aber aus? – Die Frau Ministerin hat angesprochen, dass hier viel investiert wird, aber die traurige Wahrheit ist: Familien werden nach wie vor im Stich gelassen. ( Ruf bei der ÖVP: Ah geh! ) Es gibt keine verbindlichen Ziele, es gibt keinen Ausbauplan. Was passiert? Was macht die Regierung? – Die 80 Millionen Euro für das zweite verpflichtende Kindergartenjahr sind ein Ankündigungsschmäh, denn es gibt dadurch keinen einzigen zusätzlichen Platz, keine besseren Arbeitsbedingungen für die Pädagogen und Pädagoginnen, keine längeren Öffnungszeiten, und es wird keine Betreuungslücke im Sommer geschlossen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das ist aber schon Landessache, oder?

GRÜNE Barbara Neßler

… Mit diesem Plan der Bundesregierung kommen wir nicht weiter! Und ja, ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet. (👏) Ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet, aber was sie liefert, ist einfach nur eine Bla-bla-Bablerpolitik auf dem Rücken der Familie. Für Verkehrsprojekte aus dem letzten Jahrhundert ist das Geld da, aber bei den Familien in diesem Land wird schonungslos gekürzt, auch wenn ihnen damit Zukunftschancen genommen werden – und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist wirklich deppert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Oje, jetzt gibt’s einen Ordnungsruf!

GRÜNE Barbara Neßler

… 12.15

PräsidiumPeter Haubner

Frau Kollegin, können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? Können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? ( Abg. Neßler [Grüne] – auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz – nickt. ) – Danke. Gut. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist aber kein ganzer Satz, Herr Präsident!) Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Verena Nussbaum . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte auch eine Besuchergruppe der FSG Perg, Freistadt und Urfahr recht herzlich bei uns im Parlament begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Wenn wir heute über die Weiterbildungszeit und Weiterbildungsbeihilfe sprechen, dann sprechen wir über Chancen für Menschen, die sich weiterentwickeln wollen. Wir sprechen über jene, die arbeiten und trotzdem sagen: Ich will mehr wissen, ich will Neues lernen, ich will meine Zukunft selbst in die Hand nehmen! – Genau dafür schaffen wir heute den Rahmen. Zur alten Bildungskarenz: Wir haben inzwischen recherchiert. Wir sind der Meinung, dass 1997, als diese eingeführt wurde, die FPÖ dieser nicht zugestimmt hat. Also heute so die große Verteidigerin zu spielen, kommt uns irgendwie komisch vor, da ihr das ja auch nach Brüssel übermittelt habt. Offensichtlich schaut Bildungspolitik bei der FPÖ aber auch so aus: In der Steiermark haben wir einen Landesrat der FPÖ, der für Bildung zuständig ist, und heute ist die Nachricht gekommen, dass ab Herbst 2026 bei der Fachhochschule Joanneum wieder Studiengebühren eingeführt werden. Da sieht man also, wofür die FPÖ steht, wenn es um Bildung geht. (👏 SPÖ) Wir haben als sozialdemokratischer Teil der Bundesregierung aber gesagt, wir wollen ein modernes, faires und zukunftstaugliches System für die Weiterbildung aufstellen, nämlich dort, wo sie gebraucht wird: bei Menschen mit niedrigerem Einkommen, mit weniger Ausbildung und dadurch weniger Chancen am Arbeitsmarkt. Ja, die Zugangskriterien sind strenger geworden, aber das ist kein Nachteil, sondern das ist eine Qualitätssicherung, denn wir wollen, dass die Mittel dort wirken, wo sie wirklich Zukunft schaffen – und nicht für Kurse ohne Abschluss, für Auszeiten ohne Nutzen, sondern für echte Qualifizierung, für bessere Jobs und für stabile Einkommen. Ich möchte auch noch einmal erwähnen, dass es für die Weiterbildungszeit keinen Rechtsanspruch gibt – so wie es früher auch keinen Rechtsanspruch für die Bildungskarenz gegeben hat. Wesentlich ist: Der Arbeitgeber muss dem immer zustimmen, und man muss mindestens ein Jahr arbeitslosenversicherungspflichtig gewesen sein, damit man überhaupt so einen Antrag stellen kann. Ich verstehe daher nicht, was da die FPÖ in diesem Zusammenhang über Flüchtlinge und Asylwerber spricht; das hängt damit gar nicht zusammen, es steht in absolut keinem Zusammenhang. Die Arbeitgeber holen wir in eine Verantwortung, denn sie haben sich mit 15 Prozent an den Kosten zu beteiligen, aber nur, wenn das Einkommen im Monat 3 225 Euro übersteigt. Das heißt, es ist alles klar: Die, deren Einkommen darunter liegt, kommen zu einer Bildungsberatung beim AMS, damit sie sich zielgerichtet weiterbilden können, und es liegt noch immer am Arbeitgeber, ob er einer Weiterbildungszeit zustimmt oder nicht. Und wir sehen schon: Jede Person, die sich weiterbildet, verringert das Risiko, arbeitslos zu werden, und jede Investition in Bildung ist auch eine Investition in ein sicheres und soziales Österreich. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Wurm . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Ein spannender Vormittag heute mit sehr, sehr vielen sozialpolitischen Themen, auch bei dem Block, den wir jetzt diskutieren: Bei diesem geht es zuerst um die Weiterbildungsbeihilfe – also um die Bildungskarenz –, und dann geht es logischerweise auch um diese Grenzgängergeschichte. Bevor ich jetzt losstarte: Frau Kollegin Teiber – sie ist, glaube ich, nicht mehr im Haus – hat ja uns Freiheitliche hier sehr massiv angegriffen und behauptet, dass wir irgendwie Unwahrheiten verbreiten würden oder den Leuten Sand in die Augen streuen würden. Die Entscheidung, ob das, was Sie immer erzählen, der Bevölkerung hilft und richtig ist, oder ob das, was wir der Bevölkerung erzählen und wollen, richtig ist, werden in letzter Konsequenz Gott sei Dank nicht Sie entscheiden …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Aber du auch nicht!

FPÖ Peter Wurm

… sondern die Wähler draußen, und da sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg, weil der Zuspruch jeden Tag steigt – und ich verstehe es auch, denn wenn das heute jemand – Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – den ganzen Vormittag gesehen hat, dann wird der, glaube ich, sein Urteil eindeutig fällen können, wem er künftig sein Vertrauen schenkt. Frau Kollegin Teiber – erzählen Sie es ihr vielleicht –, man sollte schon auch einmal klarstellen, weil ja die Diskussion wegen der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und der Zwangsmitgliedschaft geführt wurde: Immer dann, wenn jemand hier herauskommt, sollten Sie zu Hause vielleicht nachschauen, wo diese Person herkommt. Wenn man natürlich als Vertreter der Wirtschaftskammer oder der Arbeiterkammer von der Zwangsmitgliedschaft profitiert und dort in der Funktion bereits mehr verdient als als Nationalrat, dann ist klar, dass man die Zwangsmitgliedschaft unbedingt weiterbehalten will, weil es dann ja um das eigene Einkommen geht. Das muss man auch einmal klarstellen. (👏 FPÖ) Die Grenzgängergeschichte ist, glaube ich, ganz klar: Das lehnen wir ab. Da geht es auch nicht um Fachkräfte, wie es von den NEOS so schön erzählt wird – also das wird den Fachkräftemangel in Österreich nicht beheben.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Habe ich nicht gesagt!

FPÖ Peter Wurm

… Sie machen halt wieder ein Türchen für illegale Zuwanderung auf.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... ist jetzt legal!

FPÖ Peter Wurm

… Das ist nichts Neues, das kennen wir seit mehr als zehn Jahren, aber wie gesagt: Da spielen halt alle mit – wir sind da klar dagegen. Wir haben nichts gegen Grenzgänger, das heißt, die sollen in Österreich arbeiten, das sind mittlerweile 150 000 aus Nachbarländern wie Ungarn und so weiter, das ist alles okay, aber das, was Sie für Drittstaatsangehörige wollen, lehnen wir natürlich ab. Auch ein Thema heute ist diese Altersteilzeit, die sich auch dementsprechend verändert. Noch einmal: Sie erzählen ja die Dinge, wie wenn das jetzt alles eine Verbesserung wäre. In Wahrheit sind da bei diesem Block, den wir heute diskutieren, alle Sparmaßnahmen dabei, einfach weil diese Regierung und diese Parteien, die da beteiligt sind – die NEOS nehme ich vielleicht ein bissel aus –, dieses Land in eine Krise geführt haben. Wir sind pleite, jetzt müsst ihr überall Geld suchen, und ihr seid nicht in der Lage, diese Geldströme vielleicht auch anders zu gestalten. Es gibt nach wie vor für Asylanten genug Geld, für die Ukraine genug Geld …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt kommt das Bingo schon wieder!

FPÖ Peter Wurm

… und jetzt sucht ihr halt überall Beiträge, beim Trinkgeld angefangen über die Altersteilzeit und so weiter, um den Leuten einfach Geld zu nehmen und Budgetlöcher zu stopfen. Das ist die Wahrheit, es ist alles eine Verschlechterung für Arbeitnehmer und teilweise natürlich auch für Arbeitgeber, und diese Wahrheit ist der Bevölkerung ja zumutbar. (👏 FPÖ) Durch diese Teilpension, die Sie nächstes Jahr einführen, verkürzt sich selbstverständlich die Bezugsdauer der Altersteilzeit. Das steht ja eindeutig da, das kann man auch auf der Homepage nachlesen. Es gibt strengere Zugangsvoraussetzungen für die Altersteilzeit. Es gibt eine Reduzierung beim Lohnausgleich, Überstunden und Überstundenpauschalen werden nicht eingerechnet. Es gibt ein Beschäftigungsverbot bei anderen Arbeitgebern während der Altersteilzeit. Also, Frau Kollegin Teiber, Kollegen von der Sozialdemokratie, wenn das falsch sein sollte, dann bitte ich um eine Berichtigung. Das sind die Tatsachen. Das heißt: eine Verschlechterung. Das haben ja die Leute, die in Pension gehen wollen oder das Thema haben, mittlerweile mitbekommen, das werdet ihr ja hoffentlich auch von euren ehemaligen Wählern mitgeteilt bekommen haben. RN/57.1 Dann kommen wir noch zum letzten Punkt, zu dieser Bildungskarenz und dieser Weiterentwicklung, wie ihr das so schön nennt. Also die Weiterentwicklung ist ganz klar: Auch hier eine Übersicht ( ein Schriftstück in die Höhe haltend ), das kann man sich alles anschauen, keine Zahlen von uns, sondern alle teilweise auch vom Ministerium: Vorher hat es halt 512 Millionen Euro gekostet, jetzt kostet es 150 Millionen Euro. Das heißt, es gibt auch einen Deckel, es darf nicht mehr kosten. Das heißt, es ist einfach eine klare Einsparung zulasten der Arbeitnehmer, die ihr früher einmal vertreten habt, und vor allem der Frauen – das ist ja doppelt schlimm. Treffen wird dieses Programm vor allem die Frauen. So, und das macht ihr heute, und da stimmen alle zu. Die Fakten liegen ja am Tisch, bitte, das ist ja gar kein Thema. Die Kolleginnen und Kollegen haben es ja schon erklärt, sogar die Grünen haben es dann nachher deutlich gesagt. Das sind ja alles Verschlechterungen und ihr helft da niemandem, sondern das ist nichts anderes als ein Sparprogramm zulasten der normalen Bevölkerung. Das, bitte schön, ist ja nichts, was ich heute schönreden kann. Wenn wir das als Freiheitliche kritisieren, dann wird das wohl hoffentlich erstens erlaubt sein, denn es wird zweitens auch zutreffend sein. (👏 FPÖ) Noch einmal: Man kann sich ja alles anschauen. Das kann man mittlerweile sogar in der Presse nachlesen. Stellt euch also bitte schön ehrlich her und sagt: Okay, wir müssen jetzt sparen, und wir sparen halt bei den Arbeitnehmern und teilweise bei den Unternehmern, und einige nehmen wir halt vom Sparprogramm aus! – So, und das wollen wir eben anders haben. Man kann durchaus sagen, es müssen jetzt alle sparen, aber ihr spart nicht bei allen: Ihr spart nicht bei der Ukrainehilfe, bei Waffenlieferungen, bei anderen Blödheiten, auch im Asylbereich wird nicht gespart, sondern ihr spart zulasten der Pensionisten – nächster Tagesordnungspunkt –, ihr spart zulasten der Arbeitnehmer und vor allem der Frauen. Dafür dürft ihr euch kein Lob von uns Freiheitlichen erwarten und mit Sicherheit auch kein Lob und keine Zustimmung der Wähler und Wählerinnen in Österreich. – Gott sei Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident. – Abgeordneter Wurm hat behauptet, dass wir mit der Grenzgängerregelung die Tür für illegale Migration öffnen. Ich berichtige tatsächlich: Wir schaffen heute ein Gesetz, bei dem wir einen legalen Aufenthaltstitel schaffen, aber nicht dafür, dass Menschen dann nach Österreich ziehen, sondern sie behalten ihren Hauptwohnsitz natürlich im Ausland und können, in einer grenznahen Region wohnend, nach Österreich zum Zweck der Arbeitsaufnahme einpendeln.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Man sollte vielleicht das Gesetz lesen, wenn man es kritisiert. – Danke schön.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Norbert Sieber . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Norbert Sieber

Danke, Herr Präsident! Frau Minister – gute Besserung! Hohes Haus! Nun, wir sind jetzt also so weit und werden heute hier die Reform der Bildungskarenz hin zur Weiterbildungshilfe beschließen. Frau Minister, wir sind uns wahrscheinlich einig: Wir tun das nicht aus Jux und Tollerei oder weil es uns so leichtfällt oder weil wir irgendjemandem etwas wegnehmen wollen, sondern weil es einfach eine Notwendigkeit ist, und ja, auch weil wir sparen müssen.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Doch, ihr wolltet das immer!

ÖVP Norbert Sieber

… Liebe Grüne, mit dieser Situation, dass wir jetzt sparen müssen, habt ihr schon auch ein bisschen etwas zu tun, würde ich einmal sagen, also tut nicht ganz so großspurig. Aber, meine Damen und Herren, nur dass man das auch weiß, weil das so massiv vonseiten der Freiheitlichen abgelehnt wird: Eines ist schon klar, auch wir haben uns in den Verhandlungen dazu bekannt, dass wir sparen müssen, und die Bildungskarenz wäre auch in unserem Programm gestrichen worden, nur wäre bei uns eben keine Nachfolgeregelung geplant gewesen, vielleicht hätten wir eine gemacht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unser Programm gibt es nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… Jetzt aber wird mir auch klar, warum, Herr Kickl – ich begrüße Sie sehr herzlich –, wir nicht zusammengekommen sind, warum Sie das Sparpaket mit uns nicht machen wollten, den Ihrer Logik von Niederösterreich folgend hätten Sie sich ja selber ausschließen müssen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wer vernünftig ist, wird ausgeschlossen!

ÖVP Norbert Sieber

… Im Jahr 1998, meine Damen und Herren, wurde diese Bildungskarenz von den damals zuständigen Ministern – Sozialministerin Eleonora Hostasch und Bildungsministerin Liesl Gehrer – praktisch ins Leben gerufen, nicht als einzelne Maßnahme, sondern im Rahmen eines Nationalen Aktionsplanes: Berufsbildung und Jugendbeschäftigung. Und diesem Nationalen Aktionsplan, Kollegin Nussbaum, hat die FPÖ dann wirklich nicht zugestimmt. Dem einzelnen Beschluss hätte sie vielleicht zugestimmt, aber dem Plan als solchem hat sie damals nicht zugestimmt. Nun, die Bildungskarenz war aber als eine Qualifikationsmöglichkeit für gering oder gar nicht ausgebildete Arbeitnehmer gedacht, um sich entsprechend zu verbessern und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Mit den Jahren hat sich das dann etwas verändert und auch andere Gruppen haben die Möglichkeiten erkannt und für sich genutzt. Ich spreche dabei nicht von einem Missbrauch, Kollegin Belakowitsch …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich auch nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… es ist aber nicht im Sinne dessen, was beschlossen wurde, ausbezahlt worden. Deswegen ist es richtig, so wie Kollege Gasser es gesagt hat, dass wir schlussendlich bei beinahe 800 Millionen Euro gelandet sind. Das ist ein Wert, den man schon hinterfragen muss, und das haben nicht nur wir getan, das hat auch der Rechnungshof getan. Auch Ihre Ausführungen bei der Besprechung des Rechnungshofberichts waren ja durchaus von einem Verständnis dafür getragen, dass man da etwas machen muss …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP Norbert Sieber

… so viel, um der Wahrheit zu entsprechen. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut hat natürlich gesagt, dass da entsprechender Reformbedarf besteht. Das geht so nicht. Deswegen machen wir jetzt eben diese Weiterentwicklung hin zur Weiterbildungsbeihilfe, in die die Vorschläge des Wifo und des Rechnungshofberichts, den Sie ja unterstützt haben, eingearbeitet sind. Eigentlich würde man also meinen, dass diese Weiterbildungsbeihilfe auch von Ihnen mitgetragen werden könnte …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das machen Sie ja nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… nur der politische Alltag macht es leider unmöglich. Nun ist es also so: Arbeitnehmer und Arbeitgeber können eine Bildungskarenz gegen Entfall des Arbeitsentgelts für die Dauer von mindestens zwei Monaten bis zu einem Jahr vereinbaren, sofern das Arbeitsverhältnis ununterbrochen zwölf Monate gedauert hat. Höher Qualifizierte, also vom Master aufwärts, können das erst nach durchgehender vierjähriger Erwerbstätigkeit beantragen. Ich glaube, dass das dem Sinn dieses Gesetzes entspricht beziehungsweise nahekommt. Ein direkter Anschluss der Bildungskarenz an eine Elternkarenz soll nicht mehr möglich sein, es müssen zumindest sechs Monate dazwischenliegen. Wichtig ist, dass die Höhe der Beihilfe eine Bandbreite von mindestens 40,40 Euro bis 67,94 Euro pro Tag aufweisen wird, also der Mindestsatz ist deutlich erhöht worden. Meine Damen und Herren, es wurde vieles bereits gesagt. Ich möchte die Zeit hier nicht über Gebühr strapazieren. Ich glaube, es ist eine vernünftige Weiterentwicklung, und ich bitte um Zustimmung. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Redebeiträge der Grünen zeigen, dass das Modell der Bildungskarenz nicht ganz verstanden wurde. Die Bildungskarenz, das hat ja Kollege Sieber gerade gesagt, wurde ursprünglich für niedrig Qualifizierte eingeführt …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Nein, stimmt nicht! – Abg. Neßler [Grüne]: Stimmt nicht!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und es ging uns um Treffsicherheit. Treffsicherheit ist ein Wort, das in Ihrem Wortschatz nicht vorkommt, denn sonst würden wir nicht vor diesem budgetären Scherbenhaufen stehen, den Sie uns hinterlassen haben. Es geht auch nicht darum, Herr Kollege Koza, dass allen Leuten alle Wünsche erfüllt werden, sondern es geht darum, dass die Leute Kurse machen, Weiterbildungen machen, die für sie persönlich, aber auch für die Gesamtheit sinnvoll sind. Die Zahlen zeigen es ja: 2023 hatten 2 500 der mehr als 22 000 Bezieher einen Pflichtschulabschluss. Über 50 Prozent hatten einen AHS- oder BHS-Abschluss oder waren Akademiker. Das zeigt, dass die Bildungskarenz in den letzten Jahren am Thema vorbeigegangen ist. Fast 800 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Und, Frau Kollegin Neßler, sie war auch nicht dazu gedacht, dass sie die Karenz für Mütter verlängert. Es ist eine Bildungskarenz und keine Mütterkarenz. Von 2010 bis 2021 stieg die Zahl der Karenzzeitverlängerungen von 500 auf 7 200. Davon war ein Großteil gut ausgebildete Frauen. Auch da war also die Treffsicherheit nicht gegeben. Die Bildungskarenz sollte nicht auf Kosten der Allgemeinheit finanziert werden. Und weil Sie immer Angst haben, dass jetzt höher Qualifizierte nichts mehr in diese Richtung machen können: Es gibt das Studienabschlussstipendium, es gibt das Selbsterhalterstipendium, es gibt das Fachkräftestipendium für Umschulungen, das Pflegestipendium. Wir sind in Österreich: Sie werden ganz viele weitere Stipendien für jede Situation finden. Deswegen ist es gut und richtig, dass die Weiterbildungsbeihilfe dafür sorgt, dass die Mittel, die zur Verfügung stehen, treffsicher vergeben werden. Das ist wirklich gut so. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Geschätzter Herr Präsident! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ganz besonders begrüßen möchte ich den Betriebsratsvorsitzenden Klaus Sölkner und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LKH Rottenmann aus dem Bezirk Liezen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ebenso herzlich willkommen heißen möchte ich die Betriebsseelsorge der Diözese Linz aus Steyr – herzlich willkommen! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ihr habt euch eine sehr spannende Debatte ausgesucht, der ihr hier jetzt auf der Galerie folgen könnt. Ich habe auch sehr gut zugehört, was die Weiterbildung betrifft, liebe FPÖ. Ganz versteht man es nicht, denn ihr habt Anfang dieses Jahres mit Unterschrift eures Klubobmannes, von Ihnen, Herr Kickl – schön, dass Sie auch da sind –, die ersatzlose Streichung der Bildungskarenz nach Brüssel geschickt. Jetzt weiß ich nicht: Entweder Sie haben Ihren Abgeordneten davon nichts erzählt oder die Abgeordneten haben das bis heute vergessen.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Oder Sie haben eine Lesestörung!

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

… Ich möchte aber heute auf die Novelle für Grenzgänger, die wir heute auch beschließen, eingehen. Abgeordneter Gasser hat es bereits richtiggestellt: Es ist kein Türöffner für illegale Zuwanderung. Die Menschen brauchen eine Arbeitsstelle, ein aufrechtes Arbeitsverhältnis, und die Grenzen sollen in Zukunft keine Hürde mehr für qualifizierte Arbeitskräfte sein, die wir in österreichischen Unternehmen dringend brauchen. Wir beschließen daher heute eine Verwaltungsvereinfachung im Sinne aller Betroffenen. EU-Bürger:innen dürfen unbeschränkt in Österreich arbeiten, anders aber ist das bei Drittstaatsangehörigen, die ihren Wohnsitz sowie einen Daueraufenthaltstitel in einem unserer Nachbarländer haben und in einen angrenzenden Bezirk, den Grenzbezirk, einpendeln. Wir haben zuvor von einer Britin gesprochen, einer Schlüsselkraft, die in Bayern wohnt und nach Tirol pendelt. Was ist neu? – Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel – das heißt eine Aufenthaltsbewilligung – für Grenzgänger, der unter engen Voraussetzungen nun vom Kriterium des nötigen Wohnsitzes in Österreich absieht. Weiterhin notwendig, also was bleibt, ist die Zulassung zur Beschäftigung durch ein positives AMS-Gutachten. Sorgen, dass es dadurch zu einem vermehrten Druck auf den österreichischen Arbeitsmarkt kommt, sind aus diesen Gründen unberechtigt, weil sich an den inhaltlichen Kriterien eben nichts ändert. Wir haben es von unserer Frau Ministerin heute bereits in der Fragestunde gehört: Es geht um rund 250 Schlüsselkräfte. Die Maßnahme soll zu keiner Verdrängung österreichischer Kräfte führen, zu keinem Geschäftsmodell werden, sondern sie ist ein Beitrag zum Bürokratieabbau, zur Entlastung der Verwaltung und ist eine Erleichterung und Wertschätzung für jene Menschen, die ihre Arbeitsleistung Österreich zur Verfügung stellen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitsmarktservicegesetz, das Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz und das Landarbeitsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 231 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/62.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/62.3 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz und das Arbeitslosenversicherungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 232 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung geben, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung angenommen. RN/62.4 Wir kommen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 233 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 234 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.6 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und das Ausländerbeschäftigungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 211 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist auch in dritter Lesung angenommen.

Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977

234 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Initiativantrag 464/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Initiativantrag zur Änderung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes 1977 ab. Damit wird keine Sonderregel geschaffen, die eine fünfjährige Altersteilzeit unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin ermöglicht.

Betroffen sind insbesondere Beschäftigte, die aus gesundheitlichen Gründen, wegen einer Behinderung oder wegen Pflege- und Betreuungsverpflichtungen für sehr nahe Angehörige ihre Arbeitszeit ab etwa 60 reduzieren müssten, sowie deren Arbeitgeber:innen.

Ziel war, für klar definierte Personengruppen die Möglichkeit einer fünfjährigen Altersteilzeit zu erhalten bzw. auszuweiten, um längere Beschäftigung statt vorzeitiger Pensionierung oder Arbeitslosigkeit zu ermöglichen.

Dokumente

Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Initiativantrag (464/A) auf Änderung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes 1977 (AlVG 1977), zuletzt geändert mit BGBl. 47/2025.
  • Zielrichtung des Antrags ist das Weiterbestehen bzw. die (wieder) erweiterte Möglichkeit einer fünfjährigen Altersteilzeit unter bestimmten Voraussetzungen.

Ausgangslage und Problemstellung laut Antrag

  • Durch die Verkürzung der Möglichkeit, in Altersteilzeit zu gehen, würden Menschen vom Arbeitsmarkt verdrängt, die grundsätzlich weiter in ihrem Betrieb bleiben möchten, aber Einschränkungen haben, die Vollzeitarbeit unmöglich machen.
  • In der Vergangenheit konnten Betroffene – nach Vereinbarung mit dem/der Arbeitgeber:in – in Altersteilzeit wechseln und dadurch trotz erheblicher gesundheitlicher oder sozialer Einschränkungen länger im Erwerbsleben bleiben.
  • Künftig hätten bestimmte Gruppen, die bisher mit 60 Jahren Altersteilzeit antreten konnten, keine Möglichkeit mehr, ihre Arbeitszeit an die gesundheitliche oder familiäre Situation anzupassen, ohne aus Beschäftigung bzw. Arbeitsmarkt aussteigen zu müssen.
  • Betroffene würden dadurch faktisch vor die Wahl gestellt, gesundheitliche Probleme oder Betreuungsbedarf zu ignorieren, frühzeitig eine Berufsunfähigkeitspension anzustreben oder Arbeitslosigkeit in Kauf zu nehmen.

Vorgeschlagene Regelung: Fünfjährige Altersteilzeit für klar definierte Gruppen

  • Die Ausweitung/Beibehaltung der Altersteilzeit auf fünf Jahre soll für Beschäftigtengruppen gelten, die keine Möglichkeit haben, mit (zukünftig) 63 Jahren die Voraussetzungen für die Korridorpension zu erfüllen.
  • Erfasst werden sollen Personen, die aus gesundheitlichen Gründen mit 60 Jahren nicht mehr in Vollzeit arbeiten können, ohne erhebliche Gefahr einer unmittelbar drohenden Invalidität oder Berufsunfähigkeit.
  • Erfasst werden sollen Personen, die aufgrund einer originären Behinderung die volle Erwerbstätigkeit nicht länger aufrechterhalten können.
  • Erfasst werden sollen Personen, die ihre Arbeitszeit zur Erfüllung von Pflege- und Betreuungsverpflichtungen für sehr nahe Angehörige (in der Regel Partner:innen oder Eltern) reduzieren müssen.
  • Der Gesetzesvorschlag knüpft an das Weiterbestehen einer fünfjährigen Altersteilzeit an, jedoch nur bei Vorliegen sehr bestimmter und klar umrissener Voraussetzungen.

Begründung und erwartete Wirkungen laut Antrag

  • Die Regelung entspreche den Wünschen der unmittelbar betroffenen Arbeitnehmer:innen und biete zugleich Betrieben eine Möglichkeit, Menschen trotz gesundheitlicher oder sozialer Einschränkungen länger in Beschäftigung zu halten.
  • Den Kosten einer fortbestehenden fünfjährigen Altersteilzeit seien in einer rationalen Analyse jene Kosten gegenüberzustellen, die bei Eintritt von Pension oder Arbeitslosigkeit entstünden; diese seien in jedem Einzelfall höher als die Kosten der Altersteilzeit.

Anknüpfung an bestehende Rechtsgrundlagen (Voraussetzungen)

  • Die Voraussetzungen orientieren sich an bereits bestehenden gesetzlichen Regelungen.
  • Im Fall gesundheitlicher Einschränkungen oder Verschlechterungen soll an Voraussetzungen zur Inanspruchnahme von Leistungen nach dem Arbeits- und Gesundheitsgesetz angeknüpft werden.
  • Im Fall der Altersteilzeit zur Pflege naher Angehöriger soll an Regelungen des Bundespflegegeldgesetzes angeknüpft werden.

Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977

~46 min Lesezeit
Dafür: GRÜNE Dagegen: FPÖÖVPSPÖNEOS
FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Herr Präsident! Bevor ich mit meiner Rede beginne, darf ich an dieser Stelle die Polizei Eisenstadt ganz herzlich begrüßen! Schön, dass ihr heute bei uns seid und danke für euren Einsatz trotz der Sparmaßnahmen dieser Bundesregierung! ( Allgemeiner Beifall. ) Herr Präsident! Hohes Haus! Frau Minister! Sie stellen uns heute hier ein neues Modell, eine Reform der Bildungskarenz unter dem sogenannten Titel Weiterbildungshilfe vor. Hinter diesem vielleicht gut klingenden Namen versteckt sich nichts anderes als eine Verschlechterung. Wer zahlt am Ende drauf? – Die Frauen, die Mütter, die jungen Familien. Bevor Sie uns aber jetzt dieses nicht zielführende neue Modell präsentieren, hätten Sie sich vielleicht lieber um jene gekümmert, die noch immer unter dem alten Modell leiden: Frauen, die völlig unverschuldet Rückforderungsbescheide in der Höhe von teilweise 20 000 Euro erhalten haben. Die haben sie erhalten, obwohl ihnen die Bildungskarenz rechtmäßig anerkannt und bewilligt wurde. Wir reden da nicht über Reiche, wir reden nicht über Konzerne, wir reden über Frauen, wir reden über junge Mütter, wir reden über Familien, die jetzt schon jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Was aber bekommen viele von denen? – Die bekommen einen Rückforderungsbescheid in horrender Höhe, über Geld, das längst ausgegeben wurde, weil sie sich darauf verlassen haben, dass ihnen dieses Geld zusteht, das ihnen auch bewilligt wurde. Frau Minister, können Sie sich vorstellen, wie es diesen Frauen geht, wenn auf einmal so ein Brief im Postkasten liegt, wenn man nächtelang nicht schlafen kann, weil man nicht weiß, wie man dieses Geld irgendwie zurückzahlen soll? (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Schumann .) Da geht es nicht um finanzielle Belastung, das ist gar kein Begriff dafür, was das ist. Das ist eine existenzielle Krise für diese Familien. (👏 FPÖ) Diese Frauen haben nichts falsch gemacht, ganz im Gegenteil, sie wollten sich weiterbilden, sie wollten was aus ihrem Leben machen, sie wollten ihren Kindern damit auch ein gutes Leben bieten. Die lassen Sie aber eiskalt im Stich. Ich sage Ihnen etwas, Frau Minister: So geht man nicht mit Frauen um, so geht man nicht mit Müttern um, so geht man nicht mit der eigenen Bevölkerung um. (👏 FPÖ) Genau das ist aber der Punkt: Familien bekommen Rückforderungsbescheide, aber andere, die nie einen Cent in unser System eingezahlt haben, kriegen das All-inclusive-Service vom Staat auf Kosten der Steuerzahler. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! (👏 FPÖ) Noch einmal zurück zum neuen Modell: Wenn man sich das genau anschaut, sieht man ganz klar, für wen Sie wieder einmal nicht Politik machen, nämlich für die eigene Bevölkerung. Die sogenannte Weiterbildungshilfe sollen vor allem weniger qualifizierte Personen erhalten. Wie schaut das dann in der Realität aus? Bekommen dann einen Großteil dieser 150 Millionen Euro, die dafür budgetiert sind, wieder nicht die Österreicher, ist das Geld dann wieder für Programme, die vor allem auf die Qualifizierung, auf Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind? Landet das dann wieder bei Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten statt bei der eigenen Bevölkerung? Wird das dann das Ziel dieses neuen Modells sein? …

SPÖ Teiber (Zwischenruf)

Sie haben das Modell nicht verstanden!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Das ist kein Fortschritt, das ist ein absoluter Rückschritt, ausgetragen am Rücken der Österreicher. (👏 FPÖ) Sie haben das Ganze möglichst schwierig, möglichst unattraktiv für die eigene Bevölkerung gestaltet. Was man auch nicht übersehen darf: Mit dem neuen Modell nehmen Sie Arbeitnehmern ein ganz, ganz großes Stück ihrer eigenen Freiheit, denn eine berufliche Neuorientierung wird de facto ausgeschlossen. Es zählt jetzt nur mehr noch, ob die Weiterbildung auch in das Konzept des Betriebes passt, denn sonst gibt es kein Geld mehr. Das heißt: Sie nehmen den Arbeitnehmern ihre Freiheit, sich beruflich neu zu orientieren.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

... faktenbefreite Rede!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Frau Minister, wir sagen ganz klar: Das ist ein absoluter Bauchfleck, zurück an den Start. Ich bringe hiermit einen Antrag ein: RN/44.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungshilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, welche Arbeitnehmern einen fairen Zugang zu Weiterbildungen ermöglicht. Dabei soll der Fokus auf einer Qualitätsoffensive statt einem bürokratischen Kostendeckel liegen.“ Frau Minister, ich sage es Ihnen ganz ehrlich als Abgeordnete, als Bürgerin, aber auch als junge Mutter: Es tut wirklich weh, zu sehen, wie Sie und Ihre Regierungskollegen wieder einmal Politik fernab der Interessen der eigenen Bevölkerung und vor allem der Frauen und Mütter in diesem Land machen. (👏 FPÖ) 11.39 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/44.2 Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit (141/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag der Abgeordneten Schuch-Gubik wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Danke, Herr Präsident. – Kollegin Schuch-Gubik hat in den Raum gestellt und behauptet, dass subsidiär Schutzberechtigte und Asylberechtigte von dieser Weiterbildungszeit profitieren könnten. Ich berichtige tatsächlich: Um Anspruch auf eine Weiterbildungsbeihilfe zu haben, ist ein arbeitslosenversicherungsrechtliches Beschäftigungsverhältnis von einer bestimmten Versicherungsdauer notwendig.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung! – Zwischenruf des Abg. Wurm [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: Wenn alles falsch war, muss man lang berichtigen, so ist es halt! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist ja keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Es ist auch notwendig, dass man entsprechend in Beschäftigung war. Dementsprechend muss ich sagen: Mir tut es weh, wie faktenbefreit man hier am Pult argumentieren kann. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste ist Frau Abgeordnete Barbara Teiber zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete. (Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: 20 Falschbehauptungen kann man nicht in 1 Minute berichtigen! Ist halt so! – Abg. Steiner [FPÖ]: Aber Asylanten ...!)

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen, Kolleginnen! Liebe Zuseher, liebe Zuseherinnen! Also ich kann mich meinem Vorredner jetzt nur anschließen. Man bleibt fassungslos zurück …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, man bleibt stecken!

SPÖ Barbara Teiber

… wenn man erlebt, welcher Blödsinn da vonseiten der FPÖ verzapft wird. ( Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS. ) Ich kann es wirklich nicht anders sagen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist in ihrer DNA!

SPÖ Barbara Teiber

… Also erstens einmal: Die jungen Frauen tun uns alle leid. Wissen Sie, wer die einzige Institution ist, die ihnen hilft? Die Arbeiterkammer, die Sie abschaffen wollen! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unwahr!

SPÖ Barbara Teiber

… Das ist unglaublich! Man kann jetzt das noch einmal berichtigen. Wenn Sie davon sprechen, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus der gesetzlichen Interessenvertretung hinausnehmen können, dann muss ich sagen: So schwächt man die Arbeiterkammer! Und noch eines, weil es eben vorhin von der Kollegin Schartel erwähnt worden ist: Geht es nur um die Schwächung der Arbeitnehmerseite, oder geht es dann auch, dass man nicht mehr Wirtschaftskammermitglied ist? …

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Richtig, ja!

SPÖ Barbara Teiber

… Sie wissen, was daran geknüpft ist. Daran ist geknüpft, dass Arbeitgeber in Österreich einen Kollektivvertragslohn und -gehalt zahlen müssen ; wenn Ihre Pläne Realität werden, dann ist das Geschichte. Sie schwächen die Arbeitnehmer ein für alle Mal! Das muss man da endlich einmal sagen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Nächster Punkt: Die Bildungskarenz hat die große Koalition eingeführt, und der Kollege hat es vorhin gesagt: Auch das Nachfolgemodell können nur Kollegen und Kolleginnen in Anspruch nehmen, die in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis stehen. Was ist das schon wieder für ein Blödsinn, was Sie da sagen!? Präsident Peter Haubner : Frau Abgeordnete! Darf ich Sie ersuchen, das Wort Blödsinn zurückzuziehen? Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Es geht fast nicht anders, aber ja, ich mach das. ( Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und NEOS. ) Präsident Peter Haubner : Danke. Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Noch eines: Da Sie jetzt einen Antrag zum Thema Bildungskarenz einbringen, muss ich sagen: Sie, FPÖ und ÖVP, haben das, nämlich die Abschaffung der Bildungskarenz ohne neues Modell, nach Brüssel geschickt. Das war Ihre Idee mit der Unterschrift von Ihrem Klubobmann darunter. Oder ist Ihre Unterschrift nichts wert? ( Ruf bei der FPÖ: Wieso? ) Das muss man sich auch fragen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was wir heute hier beschließen wollen – und ich sage das durchaus als Gewerkschafterin –, ist ein bitterer Kompromiss, weil uns wirklich leere Kassen hinterlassen worden sind. Es ist ein Kompromiss mit gewissen Sparnotwendigkeiten, aber es ist ein Nachfolgemodell, das auch viele Vorschläge und Empfehlungen des Rechnungshofes und des Wifo mit aufnimmt, indem es nämlich – das ist ja Ihr Kritikpunkt – den Fokus auf formal gering qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen legt. Da ist ein toller Fortschritt passiert. Wir haben eine extreme Erhöhung des Mindestsatzes erreicht: von 14,53 Euro pro Tag auf 40,40 Euro pro Tag. Das heißt, es wird jetzt 1 212 Euro mindestens geben, sodass man, wenn man aus einer schlechter bezahlten Branche kommt und eben geringe Qualifikation hat, sich auf Weiterbildung einlassen kann – das ist ganz, ganz wichtig, Wurscht, welchen Pass man hat, man leistet ja hier eine Arbeit –, dass man sich aufqualifizieren kann. Das ist das beste Mittel, um zukünftig nicht arbeitslos zu werden. Das ist eine gute Nachricht für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Meine Bitte an alle: Lassen Sie sich von diesen Unwahrheiten der FPÖ nicht verunsichern! Jeder Beitrag zeigt: Die FPÖ steht nicht auf der Seite der Beschäftigten, derer, die in diesem Land wirklich Leistung erbringen. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Herr Präsident. – Meine Vorrednerin, Frau Abgeordnete Teiber, hat behauptet: Die FPÖ möchte gerne die Arbeiterkammer abschaffen. Das ist unrichtig. Die FPÖ möchte die Zwangsmitgliedschaft abschaffen, also ein Opting-out für alle Kammern.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alle Kammern! – Zwischenrufe bei der SPÖ.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das besprechen wir nachher in einem Redebeitrag. Ich berichtige weiters tatsächlich: Frau Abgeordnete Teiber hat ebenso behauptet, wir hätten einen Entschließungsantrag zur Wiedereinführung dieser Weiterbildungskarenz eingebracht. Ich berichtige tatsächlich: Im Entschließungsantrag geht es wohl um Weiterbildung, aber von einer Weiterbildungskarenz steht hier kein Wort. Hier geht es vielmehr darum, dass der Fokus auf eine Qualitätsoffensive statt auf einen Kostendeckel gelegt werden soll. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Markus Koza zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Zur Weiterbildungszeit: Meine sehr geehrten Damen und Herren, die neue Weiterbildungszeit mag vieles sein, aber eines ist sie mit Sicherheit nicht: eine Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz, die diesen Namen tatsächlich verdient. (👏) Warum? Ganz einfach: weil sämtliche Kennzeichen einer Bildungskarenz nicht mehr da sind. Das zentrale Kennzeichen der Bildungskarenz – und das war ein einzigartiges Kennzeichen –, war …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wer bezahlt jetzt ...?

GRÜNE Markus Koza

… dass ich als Arbeitnehmer:in selbstbestimmt meine Weiterbildung, meine Qualifizierung, meine berufliche Umorientierung wählen konnte. Und im Zentrum gestanden ist dabei eben nicht, was gut für den Betrieb ist …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sondern ...!

GRÜNE Markus Koza

… sondern im Zentrum ist dabei gestanden, was gut für mich ist, damit ich am Arbeitsmarkt besser reüssieren und mich beruflich weiterentwickeln kann, meine sehr geehrten Damen und Herren. Bei der neuen Weiterbildungszeit ist es jetzt eigentlich genau umgekehrt: Die steht vor allem im Zeichen der betrieblichen Verwertbarkeit von Weiterbildung. Nicht mehr das berufliche Interesse, das berufliche Weiterkommen, der Arbeitsmarktfokus des Arbeitnehmers stehen im Zentrum, sondern das Verwertungsinteresse des Betriebs. Es steht auch im Gesetz ganz klar drinnen, dass erstens bei einer Weiterbildungsmaßnahme auf die Erfordernisse des Betriebs Rücksicht zu nehmen ist und dass zweitens ab einem Einkommen von 3 225 Euro brutto – und das ist jetzt kein Luxuseinkommen – der Arbeitgeber 15 Prozent des Weiterbildungsgelds zu übernehmen hat. Da frage ich Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren: Was wird der Arbeitgeber mit seinem Geld wohl mitfinanzieren? Eine berufliche Umorientierung , wenn sich der Arbeitnehmer verändern will, wenn er den Job wechseln will? Eine Weiterbildung, beispielsweise einen Fremdsprachenkurs, wenn das dem Unternehmen nicht unmittelbar was nutzt? – Nein, wohl eher nicht, und das ist ja auch verständlich aus der Sicht des Unternehmens. Der Arbeitgeber wird das fördern und mitfinanzieren, was dem Betrieb nutzt (Abg. Egger [ÖVP] – erheitert –: Ah! Ah!) , und zwar am besten, was nur dem Betrieb nutzt. Und damit bleibt von der Bildungskarenz schlichtweg nichts mehr über. (👏) Diese Weiterbildungszeit ist nichts anderes als eine Form der betrieblichen Weiterbildung. Ja, auch die Bildungskarenz war Vereinbarungssache zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen, aber jetzt entscheidet de facto ganz zentral der Arbeitgeber, ob eine Bildungsmaßnahme, eine Qualifizierungsmaßnahme in Anspruch genommen werden kann oder nicht. Und wer draufzahlt, wissen wir auch schon, das steht nämlich auch im Gesetz. Das ist eine ganz große Gruppe, nämlich Mütter, die sich nach der Elternkarenz beruflich weiterentwickeln, beruflich umorientieren und verbessern wollen. Die sind aus der Weiterbildungszeit nämlich de facto ausgeschlossen. Wer auch draufzahlt, sind Menschen mit Behinderung. Denn während für Eltern mit Betreuungspflichten der Leistungsnachweis von 20 auf 16 Wochenstunden gesenkt wird, gibt es für Menschen mit Behinderung keine entsprechende Regelung. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist Exklusion und gehört repariert, Frau Ministerin! (👏) Man muss eines sagen: Die Regierung hat ihre Chance auf eine faire und sinnvolle Reform der Bildungskarenz und Bildungsteilzeit vertan. Die wenigen guten Ansätze – wie etwa die gesteigerte Mindesthöhe beim Weiterbildungsgeld – gleichen leider die ganzen negativen Aspekte bei Weitem nicht aus. Einmal mehr werden die Interessen von Arbeitnehmer:innen jenen von Unternehmen untergeordnet, die Möglichkeit einer selbstbestimmten beruflichen Verbesserung wird de facto abgeschafft, und das ist so falsch wie wenig zukunftsweisend. Darum lehnen wir diese Weiterbildungszeit ab. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Bettina Zopf . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehbildschirmen! Heute behandeln wir eine Regierungsvorlage, die auf den ersten Blick technisch wirkt, aber in Wahrheit ist es eine wichtige Lücke im österreichischen Aufenthalts- und Arbeitsrecht – wir werden sie schließen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aufenthaltsrecht, genau!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel für Grenzgänger aus Drittstaaten, also für Menschen, die in unseren Nachbarländern leben, dort einen Daueraufenthaltstitel mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang besitzen und in einem grenznahen Betrieb in Österreich arbeiten möchten. Diese Personen wohnen nicht in Österreich, sie beziehen keine Sozialleistungen, aber sie leisten einen wertvollen Beitrag für die österreichische Wirtschaft. Warum ist das notwendig? – Wir alle wissen, dass der Fachkräftemangel eines der größten wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit ist. Von der Pflege über das Handwerk bis zur Gastronomie: Überall fehlen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das AMS hat in den letzten Jahren immer wieder Fälle gehabt, in denen hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus einem Nachbarstaat pendeln wollten, aber nicht durften, weil es für sie keinen passenden Aufenthaltstitel gab. Das war weder im Interesse der Betriebe noch im Sinne einer geordneten Migrationspolitik. Mit dieser Novelle schaffen wir Rechtssicherheit. Wie das System funktioniert: Die Voraussetzungen sind streng und klar. Es braucht einen konkreten Arbeitsvertrag in einem grenznahen Betrieb. Das AMS muss vorher bestätigen, dass keine geeignete Ersatzarbeitskraft in Österreich gefunden werden kann. Der Aufenthaltstitel gilt maximal ein Jahr, kann dann verlängert werden, und er gilt nur für die Dauer der Beschäftigung, wobei das mindestens sechs Monate sind. Es gibt keinen Familiennachzug, keinen Anspruch auf Sozialleistungen, keinen Wohnsitz in Österreich. Dieser Aufenthaltstitel dient einzig und allein der Erwerbstätigkeit. Die Entlohnung muss dem Kollektivvertrag entsprechen, es gibt also auch kein Lohndumping. Im Gegenteil: Die Arbeitskräfte leisten ihren Beitrag über Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und helfen, dass unsere Betriebe weiterarbeiten können, und unterstützen sogar unser System mit ihren Beiträgen. Damit sorgen wir für Klarheit, Kontrolle und Fairness – genau das, was der Arbeitsmarkt braucht. (👏 ÖVP, NEOS) Liebe Kolleginnen und Kollegen der Opposition, danke für eure Kritik! Kritik ist ja wichtig, damit wir auch wirklich nach besten Lösungen suchen können, aber bitte sachlich bleiben! (👏 ÖVP) Zur FPÖ möchte ich an dieser Stelle Folgendes sagen: Diese Maßnahmen sind keine Türöffner für Migration , sie sind ein Werkzeug für wirtschaftliche Stabilität. (👏 ÖVP) Wir bekennen uns zu einem attraktiven Standort, deshalb ist Tun angesagt.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Ja!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir bauen Hemmnisse ab und bieten vernünftige Lösungen an. Diese Regierungsvorlage ist genau das: eine vernünftige, ausgewogene und kontrollierte Lösung für unsere Betriebe und einen guten und attraktiven Wirtschaftsstandort Österreich. (👏 ÖVP, NEOS) Genauso haben wir die Bildungskarenz weiterentwickelt. Wir haben geschaut, dass die Bildungskarenz auch wirklich anständig und ordentlich genützt wird. Es hat sich in der Vergangenheit das eine oder andere eingeschlichen, sodass dort ein Missbrauch getätigt worden ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch?

ÖVP Bettina Zopf

… und dass sie nicht ordentlich verwendet wurde.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch? Welcher Missbrauch? – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].

ÖVP Bettina Zopf

… Es waren Menschen in Bildungskarenz und das war dann nicht als Bildungskarenz für den Betrieb gut …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist nicht für den Betrieb, sondern für die Person gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… sondern es war einfach eine weitere Auszeit für Personen. Für das ist eine Bildungskarenz nicht da, sondern wir müssen schon die Bildungskarenz auch wirtschaftlich nutzen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war ja nicht für den Betrieb, sondern für die ... gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir haben sie weiterentwickelt und die beste Lösung daraus gemacht. Wir lassen uns das auch nicht kritisieren, denn die Bildungskarenz ist dazu da, dass sie wirtschaftlich wertvoll und gut für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt werden kann. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Werte Damen und Herren! Ja, gleich zu meiner Vorrednerin: Also von einem Missbrauch bei der Bildungskarenz wäre mir gar nichts bekannt gewesen ( Rufe bei der ÖVP: Ah! ), aber wenn Sie es als Missbrauch bezeichnen, dass Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen sich weiterbilden und das nicht für den Betrieb, in dem sie gerade arbeiten, tun, sondern die Weiterbildung für sich selbst wählen, um sich möglicherweise in weiterer Folge auch beruflich verändern zu können, dann war genau das die Intention der Bildungskarenz. Somit war das kein Missbrauch, sondern eigentlich sind diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genau dieser Intention gefolgt.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Und warum wollten Sie sie dann abschaffen, oder Ihr Klubobmann?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Was Sie jetzt gemacht haben – und die SPÖ ist da aus mir nicht ganz erklärlichen Gründen mitgegangen, aber Sie sind ja überall dabei –, ist, dass Sie sie jetzt gestrichen haben und gesagt haben: Nein, das machen wir jetzt nicht mehr, jetzt machen wir die Weiterbildung und dieses Weiterbildungsgeld! – Und wissen Sie, was das Problem ist? Das ist jetzt genau dieser Systemwechsel. Jetzt, Frau Kollegin Zopf, ist es so: Jetzt kann der Betrieb mitreden: Brauchen wir das oder nicht?, weil er dann ja auch irgendwann mitbezahlen muss. Deshalb: Wenn sich jetzt die Buchhalterin oder der Buchhalter für sich selber weiterbilden möchte und sagt: Ich würde gerne die Ausbildung zum Bilanzbuchhalter machen!, und der Betrieb, der Chef, sagt: Nein, das unterstütze ich nicht , weil ich schon einen Bilanzbuchhalter habe!, wird es eben nicht genehmigt. Das ist der große Unterschied: Vorher konnte er das, weil es darum ging, dass sich der Arbeitnehmer für sich weiterbildet. Daher ist es auch nicht die Fortführung und es ist kein Nachfolgemodell, sondern es ist ein Systemumbruch, den Sie hier begehen. (👏 FPÖ) Dieser Systemumbruch ist überhaupt insoweit noch zusätzlich beschränkt, weil da ja nur maximal 180 000 Euro im Jahr vergeben werden, das heißt: Wer zuerst kommt, gewinnt! …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

150 Millionen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das ist nur für einige wenige, der Fokus soll auf ganz niedrige Bildung gelegt werden. Insoweit hat natürlich meine Kollegin Schuch-Gubik vollkommen recht, Frau Bundesministerin: Es geht natürlich wieder um einen Personenkreis – und da können die NEOS tatsächliche Berichtigungen machen, wie sie wollen –, der überhaupt keine Ausbildung hat, und das sind nun einmal genau jene Herrschaften aus dem Asylbereich, die gekommen sind. Und jetzt können Sie mir hundertmal sagen: Nein, nein, aber die - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das stimmt einfach nicht! Na, lesen Sie doch das Gesetz!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ja, Herr Shetty ist bekannt dafür, dass Sie alles wissen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nein, wir wissen, was im Gesetz drinsteht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… aber wir wissen natürlich, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. (Zwischenruf des Abg. Egger [ÖVP]. – Ruf: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! ) Wir wissen, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. Das passt genau in all diese Maßnahmen der Bundesregierung hinein: Überall wird bei den eigenen Leuten reingeschnitten; beim nächsten Tagesordnungspunkt werden wir uns noch über die Pensionen unterhalten, auch da wird reingeschnitten; bei den Familien wird reingeschnitten; die Weiterbildungskarenz wird abgeschafft – aber überall, wo es darum geht, dass man vielleicht Migranten einmal etwas wegnehmen sollte, dass man dort hinschaut: Schweigen. Das ist die Politik dieser Dreierkoalition. Das kann man machen, muss man nicht machen, aber es ist ein politischer Wille, dem Sie sich untergeordnet haben: die ÖVP, die SPÖ und die NEOS. Das ist Ihre Politik. (👏 FPÖ) Das ist nicht die Politik, die wir machen würden, und das ist schon gar nicht die Politik, die die Österreicherinnen und Österreicher sich wünschen – das sollten Sie sich einmal überlegen. Und Sie müssen nicht permanent uns angreifen – ich weiß schon, es macht unheimlich viel Spaß, der FPÖ den schwarzen Peter zu geben, das machen Sie ja permanent. ( Rufe bei der SPÖ: Oh! ) Überlegen Sie doch einmal, ob es nicht Ihre eigene Politik ist, die dazu führt, dass die Umfragen so sind, wie sie sind, dass Sie vielleicht Politik an den Bedürfnissen der Mehrheit vorbei machen! (👏 FPÖ) Ändern Sie doch die Politik – dann müssen Sie sich nicht auf uns einschießen –, machen Sie endlich wieder Sachpolitik, meine Damen und Herren! Das sage ich vor allem Ihnen in der SPÖ, denn Sie haben die Arbeitnehmer bisher in jedem Bereich verraten, und auch hier haben Sie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verraten. Frau Bundesminister! Das ist sehr, sehr ernst gewesen: Es gibt wahnsinnig viele Personen, die damit konfrontiert sind, dass sie jetzt Rückzahlungen ans AMS leisten müssen, obwohl das AMS diese Weiterbildungskurse vorher genehmigt hat. Da wären wir wieder bei dem, was wir heute in der Früh schon besprochen haben: bei der Willkür, die da passiert ist. – Setzen Sie sich da endlich einmal ein! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Zopf gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen, Frau Abgeordnete. Bitte, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Bettina Zopf

Frau Kollegin Belakowitsch hat gesagt, dass die Betriebe erst jetzt unterschreiben müssen, wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mitzahlen müssen, nicht unterschreiben! Mitzahlen, habe ich gesagt!

ÖVP Bettina Zopf

… unterschreiben müssen, zustimmen müssen, wenn eine Weiterbildung in Anspruch genommen werden will.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie müssen bezahlen! Man muss auch zuhören!

ÖVP Bettina Zopf

… Ich berichtige tatsächlich, Frau Kollegin Belakowitsch: Das mussten sie auch schon vorher tun.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das habe ich nicht gesagt! Ich habe gesagt, die Betriebe müssen mitbezahlen! Zahlen, Frau Kollegin! – Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen, hast du gesagt! – Abg. Wöginger [ÖVP] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen hast du gesagt, genehmigen!

ÖVP Bettina Zopf

… Wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt, dann musste der Arbeitgeber vorher schon die Zustimmung geben und auch jetzt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bezahlen! – Abg. Wöginger [ÖVP]: Genehmigen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich hab vorher gesagt, sie müssen es zahlen! Ihr müssts zuhören!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johannes Gasser . – Ich stelle Ihre Redezeit ebenfalls auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Kollegin Belakowitsch hat verlangt, dass wir zu Sachpolitik zurückkehren. Im Unterschied zu Ihnen möchte ich das jetzt auch machen und nicht nur den Menschen Sand in die Augen streuen, sondern auch aufzeigen, wieso wir die Bildungskarenz weiterentwickeln müssen und wieso die Lösung, die wir jetzt mit der Weiterbildungsbeihilfe gefunden haben, eine gute ist. Wir verhandeln hier zwei arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Gesetzesvorlagen, die aus meiner Sicht wichtig sind. Ich möchte einmal mit der Weiterbildungsbeihilfe als Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz beginnen. Bei der Bildungskarenz haben wir in den letzten Jahren einfach eine Kostenexplosion erlebt. Als sie in den Nullerjahren noch von der großen Koalition eingeführt worden ist, waren es ein paar Millionen Euro, die das gekostet hat, in den letzten Jahren hat sich das zu einem Ausgabenposten von fast 700 Millionen Euro entwickelt. Wenn so ein Förderungsinstrument in diesem Ausmaß wächst, dann muss man sich natürlich anschauen: Werden Ziele damit erreicht oder werden Ziele da verfehlt? Nicht nur der Rechnungshof, auch eine Wifo-Analyse haben gezeigt: Die Ziele werden nicht für niedrig qualifizierte Menschen erreicht, und es werden auch arbeitsmarktpolitische Ziele nicht damit erreicht. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch von Unternehmen verwendet, um Mitarbeiter eigentlich auf eine steuerfinanzierte Auszeit zu schicken, in der sie in einer gewissen Weise tun und lassen konnten, was sie wollten. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch als Verlängerung der Elternkarenz herangezogen, in der Alibikurse gemacht wurden; es haben sich sogar Institute explizit darauf spezialisiert, Kurse dafür anzubieten, damit man eben diese Karenzverlängerung in Anspruch nehmen kann. Diese Schieflage haben wir NEOS immer schon kritisiert und immer wieder auch Vorschläge gemacht, wie man das verbessern kann. Der Leidensdruck ist mit dem Budgetdefizit jetzt so groß geworden, dass wir im März einen Schlussstrich ziehen mussten und mit der Weiterbildungsbeihilfe nun das nächste Kapitel in der betrieblichen und in der arbeitsmarktpolitischen Weiterbildung starten können. (👏 ÖVP, NEOS) Das neue Modell wird die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Erstens: Ausbildungen müssen arbeitsmarktpolitische Relevanz haben. Dafür sorgt die verpflichtende AMS-Beratung, gerade bei Menschen, bei denen es keine Arbeitgeberbeteiligung ab 3 500 Euro geben wird. Zweitens: Menschen mit niedriger Qualifikation haben auch einen höheren finanziellen Anreiz beziehungsweise in Zukunft eine bessere finanzielle Absicherung, wenn sie Weiterbildungsbeihilfe beziehen, weil die Mindestsätze angehoben werden. Drittens: Die Weiterbildungsbeihilfe kann nicht zu einer Verlängerung der Elternteilzeit herangezogen werden. Und viertens: Wer ein mittleres oder hohes Einkommen hat, kann sich nicht länger auf Steuerzahlerkosten, mit dem Arbeitgeber abgesprochen, ein Jahr in eine Auszeit begeben, weil wir mit der Arbeitgeberbeteiligung ab der halben Höchstbeitragsgrundlage sicherstellen, dass die Weiterbildung vor allem einem betrieblichen Zweck dient. Ich glaube, es ist ganz wichtig, das auch klarzustellen: Wir haben uns innerhalb der Koalition auf diese Differenzierung geeinigt, dass bei einem Einkommen bis zur halben Höchstbeitragsgrundlage die Möglichkeit zur Umqualifizierung, zur Höherqualifizierung besteht, vielleicht auch, um in eine andere Branche, in einen anderen Betrieb zu wechseln, weil da keine Arbeitgeberbeteiligung stattfinden wird. Die Arbeitgeberbeteiligung gibt es erst ab einer bestimmten Höhe.

GRÜNE Neßler (Zwischenruf)

Der Arbeitgeber wird das sicher ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist eine Kannbestimmung!

NEOS Johannes Gasser

… Ich glaube, die Frau Ministerin wird nachher auch noch einmal klarstellen, wie wir es schon im Ausschuss gemacht haben, dass es sich um keine Kannbestimmung handelt, sondern dass wir sicherstellen, dass diese Arbeitgeberbeteiligung erst ab der halben Höchstbeitragsgrundlage schlagend wird.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie kann eh alles erklären, aber wenn es im Gesetz so steht ...!

NEOS Johannes Gasser

… Die Weiterbildungsbeihilfe, so wie sie hier vorliegt, ist damit gut für den Arbeitsmarkt, sie ist gut im Kampf gegen den Fachkräftemangel und vor allem ist sie gut für das Budget und für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. (👏 ÖVP, NEOS) Die zweite Vorlage, auf die ich noch kurz zu sprechen kommen möchte, ist die neue Grenzgängerregelung für Drittstaatsangehörige, die wir schaffen. Künftig können Drittstaatsangehörige, die im benachbarten Ausland leben, nach Österreich in grenznahe Bezirke einpendeln und dort arbeiten. Es wurde schon ausgeführt, es wird auch eine entsprechende Arbeitsmarktprüfung geben. Wieso ist das für manche Regionen wichtig? – Ich kann ein konkretes Beispiel aus meinem Heimatbundesland Vorarlberg bringen: Es gibt gerade um den Bodensee herum – wenn ich an Friedrichshafen oder Lindau denke – viele Industriebetriebe, viele Wirtschaftsbetriebe im hoch spezialisierten Bereich, die schon Fachkräfte haben, die aber nur für Deutschland eine Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligung haben. Jetzt ist es in der Vergangenheit oft passiert – weil diese Menschen mit den europäischen Grenzen sozusagen nicht so konfrontiert sind –, dass sie in Vorarlberg eigentlich einen Job in einem hoch spezialisierten Wirtschaftsbetrieb, in einem unserer Hidden Champions, die wir auch unterstützen wollen, gefunden hätten. Nur war es rechtlich nicht möglich, dass sie diesen Job in Österreich annehmen, weil sie dafür nicht nur den Wohnort verlegen – vielleicht nur über einen Fluss, nämlich von Lindau nach Lochau –, sondern sogar auch noch das ganze Verfahren mit der Rot-Weiß-Rot-Karte durchlaufen hätten müssen. Wir schaffen da eine unbürokratische Regelung – eine unbürokratische Regelung, die hilft, Teile des Fachkräftemangels gerade in grenznahen Regionen weiter zu bekämpfen. Es werden nicht die Massen sein, die von dieser Regelung profitieren, aber es ist ein wichtiger Baustein zur Bewältigung des Fachkräftemangels, bei dem wir noch weitere Maßnahmen zu setzen haben. Dementsprechend kann man, wenn die FPÖ heute gegen diese Grenzgängerregelung stimmt, auch wenn es nur ein paar Hundert Menschen pro Jahr betrifft, nur sagen: Offensichtlich ist die Stärkung unserer Unternehmen, gerade auch wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit im Kampf gegen den Fachkräftemangel geht, kein Anliegen der FPÖ, die Schwächung der Unternehmen offensichtlich schon. – Danke. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin. – Bitte, Frau Bundesministerin.

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Jetzt ist sie also da, die neue Bildungskarenz, auf die Tausende Betroffene gewartet haben, die nicht gewusst haben, wie es jetzt mit ihren Zukunftsplänen weitergeht, die eh nur ein halbes Jahr in der Luft hängen gelassen wurden. Wir haben bis zuletzt gehofft und auch darum gerungen, dass die Regierung noch die Kurve kriegt und die Bildungskarenz ordentlich reformiert. Doch das Einzige, was man dieser Neuregelung zuschreiben kann, ist: Es ist besser als nichts. Aber das war es dann auch schon. Was uns die Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien hier salbungsvoll als großen Fortschritt verkaufen, ist in Wahrheit ein Rückschritt, ein Rückschritt für Frauen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

... den Rechnungshofbericht auch nicht gelesen!

GRÜNE Barbara Neßler

… Während die Regierung Milliarden in die Zerstörung der Natur investiert, kürzt sie dort, wo Zukunft beginnt: bei den Mamas, die versuchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. (👏) Gerade sie haben die bisherige Bildungskarenz genutzt, um sich weiterzuentwickeln, um neue Wege zu gehen, um ihre Einkommenssituation zu verbessern – und genau das wird ihnen jetzt eiskalt genommen, denn nichts anderes passiert mit der Wartefrist von 26 Wochen nach der Elternkarenz und der Abhängigkeit vom Wohlwollen des Arbeitgebers. Müttern werden so weitere Steine in den Weg gelegt. Und weil die Wifo-Studie so oft zitiert wurde: Die Wifo-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt ganz klar und deutlich: Die alte Bildungskarenz war sinnvoll, erfolgreich und hat ganz besonders Frauen nachhaltig gestärkt. Die neue Regelung nimmt ihnen Chancen, die Chancen, sich neu zu orientieren, sich weiterzuentwickeln, stärker zu werden und aufzusteigen. Wenn Frauen durch Weiterbildung bessere Jobs bekommen und mehr verdienen, dann profitieren alle davon – sie profitieren davon, die Familien profitieren davon, die heimische Wirtschaft profitiert davon, die Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt profitiert. Wer bei Bildung kürzt, kürzt Chancen und verhindert echte Gleichstellung und wirtschaftlichen Fortschritt. (👏) Gestern hat der Wirtschaftsminister genau diese Bildungskarenz als leistungsfeindlich deklariert, derselbe Wirtschaftsminister, der auch den Müttern in diesem Land ausgerichtet hat, sie wären de facto faul ( Ruf bei der ÖVP: Das hat er nicht gesagt! ) und lehnen sich auf eine Lifestyle-Teilzeit zurück. Ich würde mich ja grundsätzlich nicht so aufregen, wenn die Bundesregierung sonst beim Thema Kinderbetreuung weiterkommen würde. Wie schaut es da aber aus? – Die Frau Ministerin hat angesprochen, dass hier viel investiert wird, aber die traurige Wahrheit ist: Familien werden nach wie vor im Stich gelassen. ( Ruf bei der ÖVP: Ah geh! ) Es gibt keine verbindlichen Ziele, es gibt keinen Ausbauplan. Was passiert? Was macht die Regierung? – Die 80 Millionen Euro für das zweite verpflichtende Kindergartenjahr sind ein Ankündigungsschmäh, denn es gibt dadurch keinen einzigen zusätzlichen Platz, keine besseren Arbeitsbedingungen für die Pädagogen und Pädagoginnen, keine längeren Öffnungszeiten, und es wird keine Betreuungslücke im Sommer geschlossen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das ist aber schon Landessache, oder?

GRÜNE Barbara Neßler

… Mit diesem Plan der Bundesregierung kommen wir nicht weiter! Und ja, ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet. (👏) Ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet, aber was sie liefert, ist einfach nur eine Bla-bla-Bablerpolitik auf dem Rücken der Familie. Für Verkehrsprojekte aus dem letzten Jahrhundert ist das Geld da, aber bei den Familien in diesem Land wird schonungslos gekürzt, auch wenn ihnen damit Zukunftschancen genommen werden – und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist wirklich deppert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Oje, jetzt gibt’s einen Ordnungsruf!

GRÜNE Barbara Neßler

… 12.15

PräsidiumPeter Haubner

Frau Kollegin, können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? Können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? ( Abg. Neßler [Grüne] – auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz – nickt. ) – Danke. Gut. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist aber kein ganzer Satz, Herr Präsident!) Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Verena Nussbaum . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte auch eine Besuchergruppe der FSG Perg, Freistadt und Urfahr recht herzlich bei uns im Parlament begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Wenn wir heute über die Weiterbildungszeit und Weiterbildungsbeihilfe sprechen, dann sprechen wir über Chancen für Menschen, die sich weiterentwickeln wollen. Wir sprechen über jene, die arbeiten und trotzdem sagen: Ich will mehr wissen, ich will Neues lernen, ich will meine Zukunft selbst in die Hand nehmen! – Genau dafür schaffen wir heute den Rahmen. Zur alten Bildungskarenz: Wir haben inzwischen recherchiert. Wir sind der Meinung, dass 1997, als diese eingeführt wurde, die FPÖ dieser nicht zugestimmt hat. Also heute so die große Verteidigerin zu spielen, kommt uns irgendwie komisch vor, da ihr das ja auch nach Brüssel übermittelt habt. Offensichtlich schaut Bildungspolitik bei der FPÖ aber auch so aus: In der Steiermark haben wir einen Landesrat der FPÖ, der für Bildung zuständig ist, und heute ist die Nachricht gekommen, dass ab Herbst 2026 bei der Fachhochschule Joanneum wieder Studiengebühren eingeführt werden. Da sieht man also, wofür die FPÖ steht, wenn es um Bildung geht. (👏 SPÖ) Wir haben als sozialdemokratischer Teil der Bundesregierung aber gesagt, wir wollen ein modernes, faires und zukunftstaugliches System für die Weiterbildung aufstellen, nämlich dort, wo sie gebraucht wird: bei Menschen mit niedrigerem Einkommen, mit weniger Ausbildung und dadurch weniger Chancen am Arbeitsmarkt. Ja, die Zugangskriterien sind strenger geworden, aber das ist kein Nachteil, sondern das ist eine Qualitätssicherung, denn wir wollen, dass die Mittel dort wirken, wo sie wirklich Zukunft schaffen – und nicht für Kurse ohne Abschluss, für Auszeiten ohne Nutzen, sondern für echte Qualifizierung, für bessere Jobs und für stabile Einkommen. Ich möchte auch noch einmal erwähnen, dass es für die Weiterbildungszeit keinen Rechtsanspruch gibt – so wie es früher auch keinen Rechtsanspruch für die Bildungskarenz gegeben hat. Wesentlich ist: Der Arbeitgeber muss dem immer zustimmen, und man muss mindestens ein Jahr arbeitslosenversicherungspflichtig gewesen sein, damit man überhaupt so einen Antrag stellen kann. Ich verstehe daher nicht, was da die FPÖ in diesem Zusammenhang über Flüchtlinge und Asylwerber spricht; das hängt damit gar nicht zusammen, es steht in absolut keinem Zusammenhang. Die Arbeitgeber holen wir in eine Verantwortung, denn sie haben sich mit 15 Prozent an den Kosten zu beteiligen, aber nur, wenn das Einkommen im Monat 3 225 Euro übersteigt. Das heißt, es ist alles klar: Die, deren Einkommen darunter liegt, kommen zu einer Bildungsberatung beim AMS, damit sie sich zielgerichtet weiterbilden können, und es liegt noch immer am Arbeitgeber, ob er einer Weiterbildungszeit zustimmt oder nicht. Und wir sehen schon: Jede Person, die sich weiterbildet, verringert das Risiko, arbeitslos zu werden, und jede Investition in Bildung ist auch eine Investition in ein sicheres und soziales Österreich. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Wurm . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Ein spannender Vormittag heute mit sehr, sehr vielen sozialpolitischen Themen, auch bei dem Block, den wir jetzt diskutieren: Bei diesem geht es zuerst um die Weiterbildungsbeihilfe – also um die Bildungskarenz –, und dann geht es logischerweise auch um diese Grenzgängergeschichte. Bevor ich jetzt losstarte: Frau Kollegin Teiber – sie ist, glaube ich, nicht mehr im Haus – hat ja uns Freiheitliche hier sehr massiv angegriffen und behauptet, dass wir irgendwie Unwahrheiten verbreiten würden oder den Leuten Sand in die Augen streuen würden. Die Entscheidung, ob das, was Sie immer erzählen, der Bevölkerung hilft und richtig ist, oder ob das, was wir der Bevölkerung erzählen und wollen, richtig ist, werden in letzter Konsequenz Gott sei Dank nicht Sie entscheiden …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Aber du auch nicht!

FPÖ Peter Wurm

… sondern die Wähler draußen, und da sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg, weil der Zuspruch jeden Tag steigt – und ich verstehe es auch, denn wenn das heute jemand – Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – den ganzen Vormittag gesehen hat, dann wird der, glaube ich, sein Urteil eindeutig fällen können, wem er künftig sein Vertrauen schenkt. Frau Kollegin Teiber – erzählen Sie es ihr vielleicht –, man sollte schon auch einmal klarstellen, weil ja die Diskussion wegen der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und der Zwangsmitgliedschaft geführt wurde: Immer dann, wenn jemand hier herauskommt, sollten Sie zu Hause vielleicht nachschauen, wo diese Person herkommt. Wenn man natürlich als Vertreter der Wirtschaftskammer oder der Arbeiterkammer von der Zwangsmitgliedschaft profitiert und dort in der Funktion bereits mehr verdient als als Nationalrat, dann ist klar, dass man die Zwangsmitgliedschaft unbedingt weiterbehalten will, weil es dann ja um das eigene Einkommen geht. Das muss man auch einmal klarstellen. (👏 FPÖ) Die Grenzgängergeschichte ist, glaube ich, ganz klar: Das lehnen wir ab. Da geht es auch nicht um Fachkräfte, wie es von den NEOS so schön erzählt wird – also das wird den Fachkräftemangel in Österreich nicht beheben.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Habe ich nicht gesagt!

FPÖ Peter Wurm

… Sie machen halt wieder ein Türchen für illegale Zuwanderung auf.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... ist jetzt legal!

FPÖ Peter Wurm

… Das ist nichts Neues, das kennen wir seit mehr als zehn Jahren, aber wie gesagt: Da spielen halt alle mit – wir sind da klar dagegen. Wir haben nichts gegen Grenzgänger, das heißt, die sollen in Österreich arbeiten, das sind mittlerweile 150 000 aus Nachbarländern wie Ungarn und so weiter, das ist alles okay, aber das, was Sie für Drittstaatsangehörige wollen, lehnen wir natürlich ab. Auch ein Thema heute ist diese Altersteilzeit, die sich auch dementsprechend verändert. Noch einmal: Sie erzählen ja die Dinge, wie wenn das jetzt alles eine Verbesserung wäre. In Wahrheit sind da bei diesem Block, den wir heute diskutieren, alle Sparmaßnahmen dabei, einfach weil diese Regierung und diese Parteien, die da beteiligt sind – die NEOS nehme ich vielleicht ein bissel aus –, dieses Land in eine Krise geführt haben. Wir sind pleite, jetzt müsst ihr überall Geld suchen, und ihr seid nicht in der Lage, diese Geldströme vielleicht auch anders zu gestalten. Es gibt nach wie vor für Asylanten genug Geld, für die Ukraine genug Geld …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt kommt das Bingo schon wieder!

FPÖ Peter Wurm

… und jetzt sucht ihr halt überall Beiträge, beim Trinkgeld angefangen über die Altersteilzeit und so weiter, um den Leuten einfach Geld zu nehmen und Budgetlöcher zu stopfen. Das ist die Wahrheit, es ist alles eine Verschlechterung für Arbeitnehmer und teilweise natürlich auch für Arbeitgeber, und diese Wahrheit ist der Bevölkerung ja zumutbar. (👏 FPÖ) Durch diese Teilpension, die Sie nächstes Jahr einführen, verkürzt sich selbstverständlich die Bezugsdauer der Altersteilzeit. Das steht ja eindeutig da, das kann man auch auf der Homepage nachlesen. Es gibt strengere Zugangsvoraussetzungen für die Altersteilzeit. Es gibt eine Reduzierung beim Lohnausgleich, Überstunden und Überstundenpauschalen werden nicht eingerechnet. Es gibt ein Beschäftigungsverbot bei anderen Arbeitgebern während der Altersteilzeit. Also, Frau Kollegin Teiber, Kollegen von der Sozialdemokratie, wenn das falsch sein sollte, dann bitte ich um eine Berichtigung. Das sind die Tatsachen. Das heißt: eine Verschlechterung. Das haben ja die Leute, die in Pension gehen wollen oder das Thema haben, mittlerweile mitbekommen, das werdet ihr ja hoffentlich auch von euren ehemaligen Wählern mitgeteilt bekommen haben. RN/57.1 Dann kommen wir noch zum letzten Punkt, zu dieser Bildungskarenz und dieser Weiterentwicklung, wie ihr das so schön nennt. Also die Weiterentwicklung ist ganz klar: Auch hier eine Übersicht ( ein Schriftstück in die Höhe haltend ), das kann man sich alles anschauen, keine Zahlen von uns, sondern alle teilweise auch vom Ministerium: Vorher hat es halt 512 Millionen Euro gekostet, jetzt kostet es 150 Millionen Euro. Das heißt, es gibt auch einen Deckel, es darf nicht mehr kosten. Das heißt, es ist einfach eine klare Einsparung zulasten der Arbeitnehmer, die ihr früher einmal vertreten habt, und vor allem der Frauen – das ist ja doppelt schlimm. Treffen wird dieses Programm vor allem die Frauen. So, und das macht ihr heute, und da stimmen alle zu. Die Fakten liegen ja am Tisch, bitte, das ist ja gar kein Thema. Die Kolleginnen und Kollegen haben es ja schon erklärt, sogar die Grünen haben es dann nachher deutlich gesagt. Das sind ja alles Verschlechterungen und ihr helft da niemandem, sondern das ist nichts anderes als ein Sparprogramm zulasten der normalen Bevölkerung. Das, bitte schön, ist ja nichts, was ich heute schönreden kann. Wenn wir das als Freiheitliche kritisieren, dann wird das wohl hoffentlich erstens erlaubt sein, denn es wird zweitens auch zutreffend sein. (👏 FPÖ) Noch einmal: Man kann sich ja alles anschauen. Das kann man mittlerweile sogar in der Presse nachlesen. Stellt euch also bitte schön ehrlich her und sagt: Okay, wir müssen jetzt sparen, und wir sparen halt bei den Arbeitnehmern und teilweise bei den Unternehmern, und einige nehmen wir halt vom Sparprogramm aus! – So, und das wollen wir eben anders haben. Man kann durchaus sagen, es müssen jetzt alle sparen, aber ihr spart nicht bei allen: Ihr spart nicht bei der Ukrainehilfe, bei Waffenlieferungen, bei anderen Blödheiten, auch im Asylbereich wird nicht gespart, sondern ihr spart zulasten der Pensionisten – nächster Tagesordnungspunkt –, ihr spart zulasten der Arbeitnehmer und vor allem der Frauen. Dafür dürft ihr euch kein Lob von uns Freiheitlichen erwarten und mit Sicherheit auch kein Lob und keine Zustimmung der Wähler und Wählerinnen in Österreich. – Gott sei Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident. – Abgeordneter Wurm hat behauptet, dass wir mit der Grenzgängerregelung die Tür für illegale Migration öffnen. Ich berichtige tatsächlich: Wir schaffen heute ein Gesetz, bei dem wir einen legalen Aufenthaltstitel schaffen, aber nicht dafür, dass Menschen dann nach Österreich ziehen, sondern sie behalten ihren Hauptwohnsitz natürlich im Ausland und können, in einer grenznahen Region wohnend, nach Österreich zum Zweck der Arbeitsaufnahme einpendeln.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Man sollte vielleicht das Gesetz lesen, wenn man es kritisiert. – Danke schön.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Norbert Sieber . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Norbert Sieber

Danke, Herr Präsident! Frau Minister – gute Besserung! Hohes Haus! Nun, wir sind jetzt also so weit und werden heute hier die Reform der Bildungskarenz hin zur Weiterbildungshilfe beschließen. Frau Minister, wir sind uns wahrscheinlich einig: Wir tun das nicht aus Jux und Tollerei oder weil es uns so leichtfällt oder weil wir irgendjemandem etwas wegnehmen wollen, sondern weil es einfach eine Notwendigkeit ist, und ja, auch weil wir sparen müssen.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Doch, ihr wolltet das immer!

ÖVP Norbert Sieber

… Liebe Grüne, mit dieser Situation, dass wir jetzt sparen müssen, habt ihr schon auch ein bisschen etwas zu tun, würde ich einmal sagen, also tut nicht ganz so großspurig. Aber, meine Damen und Herren, nur dass man das auch weiß, weil das so massiv vonseiten der Freiheitlichen abgelehnt wird: Eines ist schon klar, auch wir haben uns in den Verhandlungen dazu bekannt, dass wir sparen müssen, und die Bildungskarenz wäre auch in unserem Programm gestrichen worden, nur wäre bei uns eben keine Nachfolgeregelung geplant gewesen, vielleicht hätten wir eine gemacht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unser Programm gibt es nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… Jetzt aber wird mir auch klar, warum, Herr Kickl – ich begrüße Sie sehr herzlich –, wir nicht zusammengekommen sind, warum Sie das Sparpaket mit uns nicht machen wollten, den Ihrer Logik von Niederösterreich folgend hätten Sie sich ja selber ausschließen müssen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wer vernünftig ist, wird ausgeschlossen!

ÖVP Norbert Sieber

… Im Jahr 1998, meine Damen und Herren, wurde diese Bildungskarenz von den damals zuständigen Ministern – Sozialministerin Eleonora Hostasch und Bildungsministerin Liesl Gehrer – praktisch ins Leben gerufen, nicht als einzelne Maßnahme, sondern im Rahmen eines Nationalen Aktionsplanes: Berufsbildung und Jugendbeschäftigung. Und diesem Nationalen Aktionsplan, Kollegin Nussbaum, hat die FPÖ dann wirklich nicht zugestimmt. Dem einzelnen Beschluss hätte sie vielleicht zugestimmt, aber dem Plan als solchem hat sie damals nicht zugestimmt. Nun, die Bildungskarenz war aber als eine Qualifikationsmöglichkeit für gering oder gar nicht ausgebildete Arbeitnehmer gedacht, um sich entsprechend zu verbessern und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Mit den Jahren hat sich das dann etwas verändert und auch andere Gruppen haben die Möglichkeiten erkannt und für sich genutzt. Ich spreche dabei nicht von einem Missbrauch, Kollegin Belakowitsch …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich auch nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… es ist aber nicht im Sinne dessen, was beschlossen wurde, ausbezahlt worden. Deswegen ist es richtig, so wie Kollege Gasser es gesagt hat, dass wir schlussendlich bei beinahe 800 Millionen Euro gelandet sind. Das ist ein Wert, den man schon hinterfragen muss, und das haben nicht nur wir getan, das hat auch der Rechnungshof getan. Auch Ihre Ausführungen bei der Besprechung des Rechnungshofberichts waren ja durchaus von einem Verständnis dafür getragen, dass man da etwas machen muss …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP Norbert Sieber

… so viel, um der Wahrheit zu entsprechen. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut hat natürlich gesagt, dass da entsprechender Reformbedarf besteht. Das geht so nicht. Deswegen machen wir jetzt eben diese Weiterentwicklung hin zur Weiterbildungsbeihilfe, in die die Vorschläge des Wifo und des Rechnungshofberichts, den Sie ja unterstützt haben, eingearbeitet sind. Eigentlich würde man also meinen, dass diese Weiterbildungsbeihilfe auch von Ihnen mitgetragen werden könnte …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das machen Sie ja nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… nur der politische Alltag macht es leider unmöglich. Nun ist es also so: Arbeitnehmer und Arbeitgeber können eine Bildungskarenz gegen Entfall des Arbeitsentgelts für die Dauer von mindestens zwei Monaten bis zu einem Jahr vereinbaren, sofern das Arbeitsverhältnis ununterbrochen zwölf Monate gedauert hat. Höher Qualifizierte, also vom Master aufwärts, können das erst nach durchgehender vierjähriger Erwerbstätigkeit beantragen. Ich glaube, dass das dem Sinn dieses Gesetzes entspricht beziehungsweise nahekommt. Ein direkter Anschluss der Bildungskarenz an eine Elternkarenz soll nicht mehr möglich sein, es müssen zumindest sechs Monate dazwischenliegen. Wichtig ist, dass die Höhe der Beihilfe eine Bandbreite von mindestens 40,40 Euro bis 67,94 Euro pro Tag aufweisen wird, also der Mindestsatz ist deutlich erhöht worden. Meine Damen und Herren, es wurde vieles bereits gesagt. Ich möchte die Zeit hier nicht über Gebühr strapazieren. Ich glaube, es ist eine vernünftige Weiterentwicklung, und ich bitte um Zustimmung. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Redebeiträge der Grünen zeigen, dass das Modell der Bildungskarenz nicht ganz verstanden wurde. Die Bildungskarenz, das hat ja Kollege Sieber gerade gesagt, wurde ursprünglich für niedrig Qualifizierte eingeführt …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Nein, stimmt nicht! – Abg. Neßler [Grüne]: Stimmt nicht!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und es ging uns um Treffsicherheit. Treffsicherheit ist ein Wort, das in Ihrem Wortschatz nicht vorkommt, denn sonst würden wir nicht vor diesem budgetären Scherbenhaufen stehen, den Sie uns hinterlassen haben. Es geht auch nicht darum, Herr Kollege Koza, dass allen Leuten alle Wünsche erfüllt werden, sondern es geht darum, dass die Leute Kurse machen, Weiterbildungen machen, die für sie persönlich, aber auch für die Gesamtheit sinnvoll sind. Die Zahlen zeigen es ja: 2023 hatten 2 500 der mehr als 22 000 Bezieher einen Pflichtschulabschluss. Über 50 Prozent hatten einen AHS- oder BHS-Abschluss oder waren Akademiker. Das zeigt, dass die Bildungskarenz in den letzten Jahren am Thema vorbeigegangen ist. Fast 800 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Und, Frau Kollegin Neßler, sie war auch nicht dazu gedacht, dass sie die Karenz für Mütter verlängert. Es ist eine Bildungskarenz und keine Mütterkarenz. Von 2010 bis 2021 stieg die Zahl der Karenzzeitverlängerungen von 500 auf 7 200. Davon war ein Großteil gut ausgebildete Frauen. Auch da war also die Treffsicherheit nicht gegeben. Die Bildungskarenz sollte nicht auf Kosten der Allgemeinheit finanziert werden. Und weil Sie immer Angst haben, dass jetzt höher Qualifizierte nichts mehr in diese Richtung machen können: Es gibt das Studienabschlussstipendium, es gibt das Selbsterhalterstipendium, es gibt das Fachkräftestipendium für Umschulungen, das Pflegestipendium. Wir sind in Österreich: Sie werden ganz viele weitere Stipendien für jede Situation finden. Deswegen ist es gut und richtig, dass die Weiterbildungsbeihilfe dafür sorgt, dass die Mittel, die zur Verfügung stehen, treffsicher vergeben werden. Das ist wirklich gut so. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Geschätzter Herr Präsident! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ganz besonders begrüßen möchte ich den Betriebsratsvorsitzenden Klaus Sölkner und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LKH Rottenmann aus dem Bezirk Liezen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ebenso herzlich willkommen heißen möchte ich die Betriebsseelsorge der Diözese Linz aus Steyr – herzlich willkommen! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ihr habt euch eine sehr spannende Debatte ausgesucht, der ihr hier jetzt auf der Galerie folgen könnt. Ich habe auch sehr gut zugehört, was die Weiterbildung betrifft, liebe FPÖ. Ganz versteht man es nicht, denn ihr habt Anfang dieses Jahres mit Unterschrift eures Klubobmannes, von Ihnen, Herr Kickl – schön, dass Sie auch da sind –, die ersatzlose Streichung der Bildungskarenz nach Brüssel geschickt. Jetzt weiß ich nicht: Entweder Sie haben Ihren Abgeordneten davon nichts erzählt oder die Abgeordneten haben das bis heute vergessen.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Oder Sie haben eine Lesestörung!

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

… Ich möchte aber heute auf die Novelle für Grenzgänger, die wir heute auch beschließen, eingehen. Abgeordneter Gasser hat es bereits richtiggestellt: Es ist kein Türöffner für illegale Zuwanderung. Die Menschen brauchen eine Arbeitsstelle, ein aufrechtes Arbeitsverhältnis, und die Grenzen sollen in Zukunft keine Hürde mehr für qualifizierte Arbeitskräfte sein, die wir in österreichischen Unternehmen dringend brauchen. Wir beschließen daher heute eine Verwaltungsvereinfachung im Sinne aller Betroffenen. EU-Bürger:innen dürfen unbeschränkt in Österreich arbeiten, anders aber ist das bei Drittstaatsangehörigen, die ihren Wohnsitz sowie einen Daueraufenthaltstitel in einem unserer Nachbarländer haben und in einen angrenzenden Bezirk, den Grenzbezirk, einpendeln. Wir haben zuvor von einer Britin gesprochen, einer Schlüsselkraft, die in Bayern wohnt und nach Tirol pendelt. Was ist neu? – Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel – das heißt eine Aufenthaltsbewilligung – für Grenzgänger, der unter engen Voraussetzungen nun vom Kriterium des nötigen Wohnsitzes in Österreich absieht. Weiterhin notwendig, also was bleibt, ist die Zulassung zur Beschäftigung durch ein positives AMS-Gutachten. Sorgen, dass es dadurch zu einem vermehrten Druck auf den österreichischen Arbeitsmarkt kommt, sind aus diesen Gründen unberechtigt, weil sich an den inhaltlichen Kriterien eben nichts ändert. Wir haben es von unserer Frau Ministerin heute bereits in der Fragestunde gehört: Es geht um rund 250 Schlüsselkräfte. Die Maßnahme soll zu keiner Verdrängung österreichischer Kräfte führen, zu keinem Geschäftsmodell werden, sondern sie ist ein Beitrag zum Bürokratieabbau, zur Entlastung der Verwaltung und ist eine Erleichterung und Wertschätzung für jene Menschen, die ihre Arbeitsleistung Österreich zur Verfügung stellen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitsmarktservicegesetz, das Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz und das Landarbeitsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 231 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/62.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/62.3 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz und das Arbeitslosenversicherungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 232 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung geben, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung angenommen. RN/62.4 Wir kommen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 233 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 234 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.6 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und das Ausländerbeschäftigungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 211 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist auch in dritter Lesung angenommen.

Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und Ausländerbeschäftigungsgesetz

235 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 211 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und das Ausländerbeschäftigungsgesetz werden geändert, um eine Lücke bei der Arbeitsmarktzulassung zu schließen. Im NAG wird ein neuer Aufenthaltstitel für Grenzgänger geschaffen, der die regelmäßige Einreise und den Aufenthalt während der Arbeitszeit zur unselbständigen Beschäftigung in grenznahen Bezirken ermöglicht.

Betroffen sind Drittstaatsangehörige mit Wohnsitz in einem Nachbarstaat Österreichs, die dort einen Daueraufenthaltstitel mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang haben und in grenznahen politischen Bezirken in Österreich unselbständig arbeiten wollen.

Dokumente

Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und Ausländerbeschäftigungsgesetz

Gegenstand und Ziel der Vorlage

  • Änderung des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes (NAG) und des Ausländerbeschäftigungsgesetzes (AuslBG).
  • Schließung einer Lücke bei der Zulassung von Ausländern zum österreichischen Arbeitsmarkt.
  • Ermöglichung einer Beschäftigung auch für Grenzgänger ohne Wohnsitz im Bundesgebiet.

Kernmaßnahme im Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz (NAG)

  • Schaffung eines neuen Aufenthaltstitels für Grenzgänger.
  • Zweck: Drittstaatsangehörigen die regelmäßige Einreise ins Bundesgebiet und den Aufenthalt für die Dauer der Arbeitszeit zu ermöglichen, um eine unselbstständige Erwerbstätigkeit auszuüben.

Adressatenkreis und Voraussetzungen

  • Adressaten sind Drittstaatsangehörige mit Wohnsitz in einem Nachbarstaat der Republik Österreich.
  • Voraussetzung ist ein Daueraufenthaltstitel im Wohnsitzstaat mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang.
  • Die Beschäftigung soll in Betrieben in grenznahen politischen Bezirken erfolgen.
  • Die Einreise soll täglich bzw. regelmäßig erfolgen; der Aufenthalt im Bundesgebiet ist auf die Dauer der Arbeitszeit bezogen.
  • Bezugnahme auf die Grenzgänger-Definition gemäß § 2 Abs. 7 AuslBG (BGBl. Nr. 218/1975 idF BGBl. I Nr. 67/2024).

Beabsichtigte Wirkungen

  • Beitrag zur Bewältigung des Fachkräftemangels.
  • Stärkung der österreichischen Wirtschaft durch erleichterten Zugang zu Arbeitskräften im grenznahen Raum.

Kompetenzgrundlagen

  • Für Artikel 1 (NAG): Art. 10 Abs. 1 Z 3 B-VG (Ein- und Auswanderungswesen).
  • Für Artikel 2 (AuslBG): Art. 10 Abs. 1 Z 3 und Art. 11 B-VG (Ein- und Auswanderungswesen sowie Arbeitsrecht, soweit es nicht unter Art. 11 fällt).

Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und Ausländerbeschäftigungsgesetz

~46 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Herr Präsident! Bevor ich mit meiner Rede beginne, darf ich an dieser Stelle die Polizei Eisenstadt ganz herzlich begrüßen! Schön, dass ihr heute bei uns seid und danke für euren Einsatz trotz der Sparmaßnahmen dieser Bundesregierung! ( Allgemeiner Beifall. ) Herr Präsident! Hohes Haus! Frau Minister! Sie stellen uns heute hier ein neues Modell, eine Reform der Bildungskarenz unter dem sogenannten Titel Weiterbildungshilfe vor. Hinter diesem vielleicht gut klingenden Namen versteckt sich nichts anderes als eine Verschlechterung. Wer zahlt am Ende drauf? – Die Frauen, die Mütter, die jungen Familien. Bevor Sie uns aber jetzt dieses nicht zielführende neue Modell präsentieren, hätten Sie sich vielleicht lieber um jene gekümmert, die noch immer unter dem alten Modell leiden: Frauen, die völlig unverschuldet Rückforderungsbescheide in der Höhe von teilweise 20 000 Euro erhalten haben. Die haben sie erhalten, obwohl ihnen die Bildungskarenz rechtmäßig anerkannt und bewilligt wurde. Wir reden da nicht über Reiche, wir reden nicht über Konzerne, wir reden über Frauen, wir reden über junge Mütter, wir reden über Familien, die jetzt schon jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Was aber bekommen viele von denen? – Die bekommen einen Rückforderungsbescheid in horrender Höhe, über Geld, das längst ausgegeben wurde, weil sie sich darauf verlassen haben, dass ihnen dieses Geld zusteht, das ihnen auch bewilligt wurde. Frau Minister, können Sie sich vorstellen, wie es diesen Frauen geht, wenn auf einmal so ein Brief im Postkasten liegt, wenn man nächtelang nicht schlafen kann, weil man nicht weiß, wie man dieses Geld irgendwie zurückzahlen soll? (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Schumann .) Da geht es nicht um finanzielle Belastung, das ist gar kein Begriff dafür, was das ist. Das ist eine existenzielle Krise für diese Familien. (👏 FPÖ) Diese Frauen haben nichts falsch gemacht, ganz im Gegenteil, sie wollten sich weiterbilden, sie wollten was aus ihrem Leben machen, sie wollten ihren Kindern damit auch ein gutes Leben bieten. Die lassen Sie aber eiskalt im Stich. Ich sage Ihnen etwas, Frau Minister: So geht man nicht mit Frauen um, so geht man nicht mit Müttern um, so geht man nicht mit der eigenen Bevölkerung um. (👏 FPÖ) Genau das ist aber der Punkt: Familien bekommen Rückforderungsbescheide, aber andere, die nie einen Cent in unser System eingezahlt haben, kriegen das All-inclusive-Service vom Staat auf Kosten der Steuerzahler. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit! (👏 FPÖ) Noch einmal zurück zum neuen Modell: Wenn man sich das genau anschaut, sieht man ganz klar, für wen Sie wieder einmal nicht Politik machen, nämlich für die eigene Bevölkerung. Die sogenannte Weiterbildungshilfe sollen vor allem weniger qualifizierte Personen erhalten. Wie schaut das dann in der Realität aus? Bekommen dann einen Großteil dieser 150 Millionen Euro, die dafür budgetiert sind, wieder nicht die Österreicher, ist das Geld dann wieder für Programme, die vor allem auf die Qualifizierung, auf Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind? Landet das dann wieder bei Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten statt bei der eigenen Bevölkerung? Wird das dann das Ziel dieses neuen Modells sein? …

SPÖ Teiber (Zwischenruf)

Sie haben das Modell nicht verstanden!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Das ist kein Fortschritt, das ist ein absoluter Rückschritt, ausgetragen am Rücken der Österreicher. (👏 FPÖ) Sie haben das Ganze möglichst schwierig, möglichst unattraktiv für die eigene Bevölkerung gestaltet. Was man auch nicht übersehen darf: Mit dem neuen Modell nehmen Sie Arbeitnehmern ein ganz, ganz großes Stück ihrer eigenen Freiheit, denn eine berufliche Neuorientierung wird de facto ausgeschlossen. Es zählt jetzt nur mehr noch, ob die Weiterbildung auch in das Konzept des Betriebes passt, denn sonst gibt es kein Geld mehr. Das heißt: Sie nehmen den Arbeitnehmern ihre Freiheit, sich beruflich neu zu orientieren.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

... faktenbefreite Rede!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Frau Minister, wir sagen ganz klar: Das ist ein absoluter Bauchfleck, zurück an den Start. Ich bringe hiermit einen Antrag ein: RN/44.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungshilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, welche Arbeitnehmern einen fairen Zugang zu Weiterbildungen ermöglicht. Dabei soll der Fokus auf einer Qualitätsoffensive statt einem bürokratischen Kostendeckel liegen.“ Frau Minister, ich sage es Ihnen ganz ehrlich als Abgeordnete, als Bürgerin, aber auch als junge Mutter: Es tut wirklich weh, zu sehen, wie Sie und Ihre Regierungskollegen wieder einmal Politik fernab der Interessen der eigenen Bevölkerung und vor allem der Frauen und Mütter in diesem Land machen. (👏 FPÖ) 11.39 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/44.2 Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit (141/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag der Abgeordneten Schuch-Gubik wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Danke, Herr Präsident. – Kollegin Schuch-Gubik hat in den Raum gestellt und behauptet, dass subsidiär Schutzberechtigte und Asylberechtigte von dieser Weiterbildungszeit profitieren könnten. Ich berichtige tatsächlich: Um Anspruch auf eine Weiterbildungsbeihilfe zu haben, ist ein arbeitslosenversicherungsrechtliches Beschäftigungsverhältnis von einer bestimmten Versicherungsdauer notwendig.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung! – Zwischenruf des Abg. Wurm [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: Wenn alles falsch war, muss man lang berichtigen, so ist es halt! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist ja keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Es ist auch notwendig, dass man entsprechend in Beschäftigung war. Dementsprechend muss ich sagen: Mir tut es weh, wie faktenbefreit man hier am Pult argumentieren kann. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste ist Frau Abgeordnete Barbara Teiber zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete. (Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: 20 Falschbehauptungen kann man nicht in 1 Minute berichtigen! Ist halt so! – Abg. Steiner [FPÖ]: Aber Asylanten ...!)

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen, Kolleginnen! Liebe Zuseher, liebe Zuseherinnen! Also ich kann mich meinem Vorredner jetzt nur anschließen. Man bleibt fassungslos zurück …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, man bleibt stecken!

SPÖ Barbara Teiber

… wenn man erlebt, welcher Blödsinn da vonseiten der FPÖ verzapft wird. ( Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS. ) Ich kann es wirklich nicht anders sagen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist in ihrer DNA!

SPÖ Barbara Teiber

… Also erstens einmal: Die jungen Frauen tun uns alle leid. Wissen Sie, wer die einzige Institution ist, die ihnen hilft? Die Arbeiterkammer, die Sie abschaffen wollen! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unwahr!

SPÖ Barbara Teiber

… Das ist unglaublich! Man kann jetzt das noch einmal berichtigen. Wenn Sie davon sprechen, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen aus der gesetzlichen Interessenvertretung hinausnehmen können, dann muss ich sagen: So schwächt man die Arbeiterkammer! Und noch eines, weil es eben vorhin von der Kollegin Schartel erwähnt worden ist: Geht es nur um die Schwächung der Arbeitnehmerseite, oder geht es dann auch, dass man nicht mehr Wirtschaftskammermitglied ist? …

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Richtig, ja!

SPÖ Barbara Teiber

… Sie wissen, was daran geknüpft ist. Daran ist geknüpft, dass Arbeitgeber in Österreich einen Kollektivvertragslohn und -gehalt zahlen müssen ; wenn Ihre Pläne Realität werden, dann ist das Geschichte. Sie schwächen die Arbeitnehmer ein für alle Mal! Das muss man da endlich einmal sagen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Nächster Punkt: Die Bildungskarenz hat die große Koalition eingeführt, und der Kollege hat es vorhin gesagt: Auch das Nachfolgemodell können nur Kollegen und Kolleginnen in Anspruch nehmen, die in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis stehen. Was ist das schon wieder für ein Blödsinn, was Sie da sagen!? Präsident Peter Haubner : Frau Abgeordnete! Darf ich Sie ersuchen, das Wort Blödsinn zurückzuziehen? Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Es geht fast nicht anders, aber ja, ich mach das. ( Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten von SPÖ, ÖVP und NEOS. ) Präsident Peter Haubner : Danke. Abgeordnete Barbara Teiber , MA (fortsetzend): Noch eines: Da Sie jetzt einen Antrag zum Thema Bildungskarenz einbringen, muss ich sagen: Sie, FPÖ und ÖVP, haben das, nämlich die Abschaffung der Bildungskarenz ohne neues Modell, nach Brüssel geschickt. Das war Ihre Idee mit der Unterschrift von Ihrem Klubobmann darunter. Oder ist Ihre Unterschrift nichts wert? ( Ruf bei der FPÖ: Wieso? ) Das muss man sich auch fragen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was wir heute hier beschließen wollen – und ich sage das durchaus als Gewerkschafterin –, ist ein bitterer Kompromiss, weil uns wirklich leere Kassen hinterlassen worden sind. Es ist ein Kompromiss mit gewissen Sparnotwendigkeiten, aber es ist ein Nachfolgemodell, das auch viele Vorschläge und Empfehlungen des Rechnungshofes und des Wifo mit aufnimmt, indem es nämlich – das ist ja Ihr Kritikpunkt – den Fokus auf formal gering qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen legt. Da ist ein toller Fortschritt passiert. Wir haben eine extreme Erhöhung des Mindestsatzes erreicht: von 14,53 Euro pro Tag auf 40,40 Euro pro Tag. Das heißt, es wird jetzt 1 212 Euro mindestens geben, sodass man, wenn man aus einer schlechter bezahlten Branche kommt und eben geringe Qualifikation hat, sich auf Weiterbildung einlassen kann – das ist ganz, ganz wichtig, Wurscht, welchen Pass man hat, man leistet ja hier eine Arbeit –, dass man sich aufqualifizieren kann. Das ist das beste Mittel, um zukünftig nicht arbeitslos zu werden. Das ist eine gute Nachricht für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Meine Bitte an alle: Lassen Sie sich von diesen Unwahrheiten der FPÖ nicht verunsichern! Jeder Beitrag zeigt: Die FPÖ steht nicht auf der Seite der Beschäftigten, derer, die in diesem Land wirklich Leistung erbringen. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Herr Präsident. – Meine Vorrednerin, Frau Abgeordnete Teiber, hat behauptet: Die FPÖ möchte gerne die Arbeiterkammer abschaffen. Das ist unrichtig. Die FPÖ möchte die Zwangsmitgliedschaft abschaffen, also ein Opting-out für alle Kammern.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alle Kammern! – Zwischenrufe bei der SPÖ.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das besprechen wir nachher in einem Redebeitrag. Ich berichtige weiters tatsächlich: Frau Abgeordnete Teiber hat ebenso behauptet, wir hätten einen Entschließungsantrag zur Wiedereinführung dieser Weiterbildungskarenz eingebracht. Ich berichtige tatsächlich: Im Entschließungsantrag geht es wohl um Weiterbildung, aber von einer Weiterbildungskarenz steht hier kein Wort. Hier geht es vielmehr darum, dass der Fokus auf eine Qualitätsoffensive statt auf einen Kostendeckel gelegt werden soll. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Markus Koza zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Zur Weiterbildungszeit: Meine sehr geehrten Damen und Herren, die neue Weiterbildungszeit mag vieles sein, aber eines ist sie mit Sicherheit nicht: eine Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz, die diesen Namen tatsächlich verdient. (👏) Warum? Ganz einfach: weil sämtliche Kennzeichen einer Bildungskarenz nicht mehr da sind. Das zentrale Kennzeichen der Bildungskarenz – und das war ein einzigartiges Kennzeichen –, war …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wer bezahlt jetzt ...?

GRÜNE Markus Koza

… dass ich als Arbeitnehmer:in selbstbestimmt meine Weiterbildung, meine Qualifizierung, meine berufliche Umorientierung wählen konnte. Und im Zentrum gestanden ist dabei eben nicht, was gut für den Betrieb ist …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sondern ...!

GRÜNE Markus Koza

… sondern im Zentrum ist dabei gestanden, was gut für mich ist, damit ich am Arbeitsmarkt besser reüssieren und mich beruflich weiterentwickeln kann, meine sehr geehrten Damen und Herren. Bei der neuen Weiterbildungszeit ist es jetzt eigentlich genau umgekehrt: Die steht vor allem im Zeichen der betrieblichen Verwertbarkeit von Weiterbildung. Nicht mehr das berufliche Interesse, das berufliche Weiterkommen, der Arbeitsmarktfokus des Arbeitnehmers stehen im Zentrum, sondern das Verwertungsinteresse des Betriebs. Es steht auch im Gesetz ganz klar drinnen, dass erstens bei einer Weiterbildungsmaßnahme auf die Erfordernisse des Betriebs Rücksicht zu nehmen ist und dass zweitens ab einem Einkommen von 3 225 Euro brutto – und das ist jetzt kein Luxuseinkommen – der Arbeitgeber 15 Prozent des Weiterbildungsgelds zu übernehmen hat. Da frage ich Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren: Was wird der Arbeitgeber mit seinem Geld wohl mitfinanzieren? Eine berufliche Umorientierung , wenn sich der Arbeitnehmer verändern will, wenn er den Job wechseln will? Eine Weiterbildung, beispielsweise einen Fremdsprachenkurs, wenn das dem Unternehmen nicht unmittelbar was nutzt? – Nein, wohl eher nicht, und das ist ja auch verständlich aus der Sicht des Unternehmens. Der Arbeitgeber wird das fördern und mitfinanzieren, was dem Betrieb nutzt (Abg. Egger [ÖVP] – erheitert –: Ah! Ah!) , und zwar am besten, was nur dem Betrieb nutzt. Und damit bleibt von der Bildungskarenz schlichtweg nichts mehr über. (👏) Diese Weiterbildungszeit ist nichts anderes als eine Form der betrieblichen Weiterbildung. Ja, auch die Bildungskarenz war Vereinbarungssache zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen, aber jetzt entscheidet de facto ganz zentral der Arbeitgeber, ob eine Bildungsmaßnahme, eine Qualifizierungsmaßnahme in Anspruch genommen werden kann oder nicht. Und wer draufzahlt, wissen wir auch schon, das steht nämlich auch im Gesetz. Das ist eine ganz große Gruppe, nämlich Mütter, die sich nach der Elternkarenz beruflich weiterentwickeln, beruflich umorientieren und verbessern wollen. Die sind aus der Weiterbildungszeit nämlich de facto ausgeschlossen. Wer auch draufzahlt, sind Menschen mit Behinderung. Denn während für Eltern mit Betreuungspflichten der Leistungsnachweis von 20 auf 16 Wochenstunden gesenkt wird, gibt es für Menschen mit Behinderung keine entsprechende Regelung. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist Exklusion und gehört repariert, Frau Ministerin! (👏) Man muss eines sagen: Die Regierung hat ihre Chance auf eine faire und sinnvolle Reform der Bildungskarenz und Bildungsteilzeit vertan. Die wenigen guten Ansätze – wie etwa die gesteigerte Mindesthöhe beim Weiterbildungsgeld – gleichen leider die ganzen negativen Aspekte bei Weitem nicht aus. Einmal mehr werden die Interessen von Arbeitnehmer:innen jenen von Unternehmen untergeordnet, die Möglichkeit einer selbstbestimmten beruflichen Verbesserung wird de facto abgeschafft, und das ist so falsch wie wenig zukunftsweisend. Darum lehnen wir diese Weiterbildungszeit ab. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Bettina Zopf . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehbildschirmen! Heute behandeln wir eine Regierungsvorlage, die auf den ersten Blick technisch wirkt, aber in Wahrheit ist es eine wichtige Lücke im österreichischen Aufenthalts- und Arbeitsrecht – wir werden sie schließen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aufenthaltsrecht, genau!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel für Grenzgänger aus Drittstaaten, also für Menschen, die in unseren Nachbarländern leben, dort einen Daueraufenthaltstitel mit unbeschränktem Arbeitsmarktzugang besitzen und in einem grenznahen Betrieb in Österreich arbeiten möchten. Diese Personen wohnen nicht in Österreich, sie beziehen keine Sozialleistungen, aber sie leisten einen wertvollen Beitrag für die österreichische Wirtschaft. Warum ist das notwendig? – Wir alle wissen, dass der Fachkräftemangel eines der größten wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit ist. Von der Pflege über das Handwerk bis zur Gastronomie: Überall fehlen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das AMS hat in den letzten Jahren immer wieder Fälle gehabt, in denen hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus einem Nachbarstaat pendeln wollten, aber nicht durften, weil es für sie keinen passenden Aufenthaltstitel gab. Das war weder im Interesse der Betriebe noch im Sinne einer geordneten Migrationspolitik. Mit dieser Novelle schaffen wir Rechtssicherheit. Wie das System funktioniert: Die Voraussetzungen sind streng und klar. Es braucht einen konkreten Arbeitsvertrag in einem grenznahen Betrieb. Das AMS muss vorher bestätigen, dass keine geeignete Ersatzarbeitskraft in Österreich gefunden werden kann. Der Aufenthaltstitel gilt maximal ein Jahr, kann dann verlängert werden, und er gilt nur für die Dauer der Beschäftigung, wobei das mindestens sechs Monate sind. Es gibt keinen Familiennachzug, keinen Anspruch auf Sozialleistungen, keinen Wohnsitz in Österreich. Dieser Aufenthaltstitel dient einzig und allein der Erwerbstätigkeit. Die Entlohnung muss dem Kollektivvertrag entsprechen, es gibt also auch kein Lohndumping. Im Gegenteil: Die Arbeitskräfte leisten ihren Beitrag über Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und helfen, dass unsere Betriebe weiterarbeiten können, und unterstützen sogar unser System mit ihren Beiträgen. Damit sorgen wir für Klarheit, Kontrolle und Fairness – genau das, was der Arbeitsmarkt braucht. (👏 ÖVP, NEOS) Liebe Kolleginnen und Kollegen der Opposition, danke für eure Kritik! Kritik ist ja wichtig, damit wir auch wirklich nach besten Lösungen suchen können, aber bitte sachlich bleiben! (👏 ÖVP) Zur FPÖ möchte ich an dieser Stelle Folgendes sagen: Diese Maßnahmen sind keine Türöffner für Migration , sie sind ein Werkzeug für wirtschaftliche Stabilität. (👏 ÖVP) Wir bekennen uns zu einem attraktiven Standort, deshalb ist Tun angesagt.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Ja!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir bauen Hemmnisse ab und bieten vernünftige Lösungen an. Diese Regierungsvorlage ist genau das: eine vernünftige, ausgewogene und kontrollierte Lösung für unsere Betriebe und einen guten und attraktiven Wirtschaftsstandort Österreich. (👏 ÖVP, NEOS) Genauso haben wir die Bildungskarenz weiterentwickelt. Wir haben geschaut, dass die Bildungskarenz auch wirklich anständig und ordentlich genützt wird. Es hat sich in der Vergangenheit das eine oder andere eingeschlichen, sodass dort ein Missbrauch getätigt worden ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch?

ÖVP Bettina Zopf

… und dass sie nicht ordentlich verwendet wurde.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch? Welcher Missbrauch? – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].

ÖVP Bettina Zopf

… Es waren Menschen in Bildungskarenz und das war dann nicht als Bildungskarenz für den Betrieb gut …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist nicht für den Betrieb, sondern für die Person gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… sondern es war einfach eine weitere Auszeit für Personen. Für das ist eine Bildungskarenz nicht da, sondern wir müssen schon die Bildungskarenz auch wirtschaftlich nutzen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war ja nicht für den Betrieb, sondern für die ... gewesen, für den Arbeitnehmer!

ÖVP Bettina Zopf

… Wir haben sie weiterentwickelt und die beste Lösung daraus gemacht. Wir lassen uns das auch nicht kritisieren, denn die Bildungskarenz ist dazu da, dass sie wirtschaftlich wertvoll und gut für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genutzt werden kann. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Werte Damen und Herren! Ja, gleich zu meiner Vorrednerin: Also von einem Missbrauch bei der Bildungskarenz wäre mir gar nichts bekannt gewesen ( Rufe bei der ÖVP: Ah! ), aber wenn Sie es als Missbrauch bezeichnen, dass Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen sich weiterbilden und das nicht für den Betrieb, in dem sie gerade arbeiten, tun, sondern die Weiterbildung für sich selbst wählen, um sich möglicherweise in weiterer Folge auch beruflich verändern zu können, dann war genau das die Intention der Bildungskarenz. Somit war das kein Missbrauch, sondern eigentlich sind diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genau dieser Intention gefolgt.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Und warum wollten Sie sie dann abschaffen, oder Ihr Klubobmann?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Was Sie jetzt gemacht haben – und die SPÖ ist da aus mir nicht ganz erklärlichen Gründen mitgegangen, aber Sie sind ja überall dabei –, ist, dass Sie sie jetzt gestrichen haben und gesagt haben: Nein, das machen wir jetzt nicht mehr, jetzt machen wir die Weiterbildung und dieses Weiterbildungsgeld! – Und wissen Sie, was das Problem ist? Das ist jetzt genau dieser Systemwechsel. Jetzt, Frau Kollegin Zopf, ist es so: Jetzt kann der Betrieb mitreden: Brauchen wir das oder nicht?, weil er dann ja auch irgendwann mitbezahlen muss. Deshalb: Wenn sich jetzt die Buchhalterin oder der Buchhalter für sich selber weiterbilden möchte und sagt: Ich würde gerne die Ausbildung zum Bilanzbuchhalter machen!, und der Betrieb, der Chef, sagt: Nein, das unterstütze ich nicht , weil ich schon einen Bilanzbuchhalter habe!, wird es eben nicht genehmigt. Das ist der große Unterschied: Vorher konnte er das, weil es darum ging, dass sich der Arbeitnehmer für sich weiterbildet. Daher ist es auch nicht die Fortführung und es ist kein Nachfolgemodell, sondern es ist ein Systemumbruch, den Sie hier begehen. (👏 FPÖ) Dieser Systemumbruch ist überhaupt insoweit noch zusätzlich beschränkt, weil da ja nur maximal 180 000 Euro im Jahr vergeben werden, das heißt: Wer zuerst kommt, gewinnt! …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

150 Millionen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das ist nur für einige wenige, der Fokus soll auf ganz niedrige Bildung gelegt werden. Insoweit hat natürlich meine Kollegin Schuch-Gubik vollkommen recht, Frau Bundesministerin: Es geht natürlich wieder um einen Personenkreis – und da können die NEOS tatsächliche Berichtigungen machen, wie sie wollen –, der überhaupt keine Ausbildung hat, und das sind nun einmal genau jene Herrschaften aus dem Asylbereich, die gekommen sind. Und jetzt können Sie mir hundertmal sagen: Nein, nein, aber die - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das stimmt einfach nicht! Na, lesen Sie doch das Gesetz!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ja, Herr Shetty ist bekannt dafür, dass Sie alles wissen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nein, wir wissen, was im Gesetz drinsteht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… aber wir wissen natürlich, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. (Zwischenruf des Abg. Egger [ÖVP]. – Ruf: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! ) Wir wissen, wer die geringste Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt hat. Das passt genau in all diese Maßnahmen der Bundesregierung hinein: Überall wird bei den eigenen Leuten reingeschnitten; beim nächsten Tagesordnungspunkt werden wir uns noch über die Pensionen unterhalten, auch da wird reingeschnitten; bei den Familien wird reingeschnitten; die Weiterbildungskarenz wird abgeschafft – aber überall, wo es darum geht, dass man vielleicht Migranten einmal etwas wegnehmen sollte, dass man dort hinschaut: Schweigen. Das ist die Politik dieser Dreierkoalition. Das kann man machen, muss man nicht machen, aber es ist ein politischer Wille, dem Sie sich untergeordnet haben: die ÖVP, die SPÖ und die NEOS. Das ist Ihre Politik. (👏 FPÖ) Das ist nicht die Politik, die wir machen würden, und das ist schon gar nicht die Politik, die die Österreicherinnen und Österreicher sich wünschen – das sollten Sie sich einmal überlegen. Und Sie müssen nicht permanent uns angreifen – ich weiß schon, es macht unheimlich viel Spaß, der FPÖ den schwarzen Peter zu geben, das machen Sie ja permanent. ( Rufe bei der SPÖ: Oh! ) Überlegen Sie doch einmal, ob es nicht Ihre eigene Politik ist, die dazu führt, dass die Umfragen so sind, wie sie sind, dass Sie vielleicht Politik an den Bedürfnissen der Mehrheit vorbei machen! (👏 FPÖ) Ändern Sie doch die Politik – dann müssen Sie sich nicht auf uns einschießen –, machen Sie endlich wieder Sachpolitik, meine Damen und Herren! Das sage ich vor allem Ihnen in der SPÖ, denn Sie haben die Arbeitnehmer bisher in jedem Bereich verraten, und auch hier haben Sie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verraten. Frau Bundesminister! Das ist sehr, sehr ernst gewesen: Es gibt wahnsinnig viele Personen, die damit konfrontiert sind, dass sie jetzt Rückzahlungen ans AMS leisten müssen, obwohl das AMS diese Weiterbildungskurse vorher genehmigt hat. Da wären wir wieder bei dem, was wir heute in der Früh schon besprochen haben: bei der Willkür, die da passiert ist. – Setzen Sie sich da endlich einmal ein! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Zopf gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen, Frau Abgeordnete. Bitte, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Bettina Zopf

Frau Kollegin Belakowitsch hat gesagt, dass die Betriebe erst jetzt unterschreiben müssen, wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mitzahlen müssen, nicht unterschreiben! Mitzahlen, habe ich gesagt!

ÖVP Bettina Zopf

… unterschreiben müssen, zustimmen müssen, wenn eine Weiterbildung in Anspruch genommen werden will.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie müssen bezahlen! Man muss auch zuhören!

ÖVP Bettina Zopf

… Ich berichtige tatsächlich, Frau Kollegin Belakowitsch: Das mussten sie auch schon vorher tun.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das habe ich nicht gesagt! Ich habe gesagt, die Betriebe müssen mitbezahlen! Zahlen, Frau Kollegin! – Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen, hast du gesagt! – Abg. Wöginger [ÖVP] – in Richtung Abg. Belakowitsch [FPÖ] –: Genehmigen hast du gesagt, genehmigen!

ÖVP Bettina Zopf

… Wenn man eine Weiterbildungsteilzeit in Anspruch nimmt, dann musste der Arbeitgeber vorher schon die Zustimmung geben und auch jetzt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bezahlen! – Abg. Wöginger [ÖVP]: Genehmigen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich hab vorher gesagt, sie müssen es zahlen! Ihr müssts zuhören!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johannes Gasser . – Ich stelle Ihre Redezeit ebenfalls auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Kollegin Belakowitsch hat verlangt, dass wir zu Sachpolitik zurückkehren. Im Unterschied zu Ihnen möchte ich das jetzt auch machen und nicht nur den Menschen Sand in die Augen streuen, sondern auch aufzeigen, wieso wir die Bildungskarenz weiterentwickeln müssen und wieso die Lösung, die wir jetzt mit der Weiterbildungsbeihilfe gefunden haben, eine gute ist. Wir verhandeln hier zwei arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Gesetzesvorlagen, die aus meiner Sicht wichtig sind. Ich möchte einmal mit der Weiterbildungsbeihilfe als Nachfolgeregelung für die Bildungskarenz beginnen. Bei der Bildungskarenz haben wir in den letzten Jahren einfach eine Kostenexplosion erlebt. Als sie in den Nullerjahren noch von der großen Koalition eingeführt worden ist, waren es ein paar Millionen Euro, die das gekostet hat, in den letzten Jahren hat sich das zu einem Ausgabenposten von fast 700 Millionen Euro entwickelt. Wenn so ein Förderungsinstrument in diesem Ausmaß wächst, dann muss man sich natürlich anschauen: Werden Ziele damit erreicht oder werden Ziele da verfehlt? Nicht nur der Rechnungshof, auch eine Wifo-Analyse haben gezeigt: Die Ziele werden nicht für niedrig qualifizierte Menschen erreicht, und es werden auch arbeitsmarktpolitische Ziele nicht damit erreicht. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch von Unternehmen verwendet, um Mitarbeiter eigentlich auf eine steuerfinanzierte Auszeit zu schicken, in der sie in einer gewissen Weise tun und lassen konnten, was sie wollten. Zu oft wurde die Bildungskarenz auch als Verlängerung der Elternkarenz herangezogen, in der Alibikurse gemacht wurden; es haben sich sogar Institute explizit darauf spezialisiert, Kurse dafür anzubieten, damit man eben diese Karenzverlängerung in Anspruch nehmen kann. Diese Schieflage haben wir NEOS immer schon kritisiert und immer wieder auch Vorschläge gemacht, wie man das verbessern kann. Der Leidensdruck ist mit dem Budgetdefizit jetzt so groß geworden, dass wir im März einen Schlussstrich ziehen mussten und mit der Weiterbildungsbeihilfe nun das nächste Kapitel in der betrieblichen und in der arbeitsmarktpolitischen Weiterbildung starten können. (👏 ÖVP, NEOS) Das neue Modell wird die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Erstens: Ausbildungen müssen arbeitsmarktpolitische Relevanz haben. Dafür sorgt die verpflichtende AMS-Beratung, gerade bei Menschen, bei denen es keine Arbeitgeberbeteiligung ab 3 500 Euro geben wird. Zweitens: Menschen mit niedriger Qualifikation haben auch einen höheren finanziellen Anreiz beziehungsweise in Zukunft eine bessere finanzielle Absicherung, wenn sie Weiterbildungsbeihilfe beziehen, weil die Mindestsätze angehoben werden. Drittens: Die Weiterbildungsbeihilfe kann nicht zu einer Verlängerung der Elternteilzeit herangezogen werden. Und viertens: Wer ein mittleres oder hohes Einkommen hat, kann sich nicht länger auf Steuerzahlerkosten, mit dem Arbeitgeber abgesprochen, ein Jahr in eine Auszeit begeben, weil wir mit der Arbeitgeberbeteiligung ab der halben Höchstbeitragsgrundlage sicherstellen, dass die Weiterbildung vor allem einem betrieblichen Zweck dient. Ich glaube, es ist ganz wichtig, das auch klarzustellen: Wir haben uns innerhalb der Koalition auf diese Differenzierung geeinigt, dass bei einem Einkommen bis zur halben Höchstbeitragsgrundlage die Möglichkeit zur Umqualifizierung, zur Höherqualifizierung besteht, vielleicht auch, um in eine andere Branche, in einen anderen Betrieb zu wechseln, weil da keine Arbeitgeberbeteiligung stattfinden wird. Die Arbeitgeberbeteiligung gibt es erst ab einer bestimmten Höhe.

GRÜNE Neßler (Zwischenruf)

Der Arbeitgeber wird das sicher ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist eine Kannbestimmung!

NEOS Johannes Gasser

… Ich glaube, die Frau Ministerin wird nachher auch noch einmal klarstellen, wie wir es schon im Ausschuss gemacht haben, dass es sich um keine Kannbestimmung handelt, sondern dass wir sicherstellen, dass diese Arbeitgeberbeteiligung erst ab der halben Höchstbeitragsgrundlage schlagend wird.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie kann eh alles erklären, aber wenn es im Gesetz so steht ...!

NEOS Johannes Gasser

… Die Weiterbildungsbeihilfe, so wie sie hier vorliegt, ist damit gut für den Arbeitsmarkt, sie ist gut im Kampf gegen den Fachkräftemangel und vor allem ist sie gut für das Budget und für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. (👏 ÖVP, NEOS) Die zweite Vorlage, auf die ich noch kurz zu sprechen kommen möchte, ist die neue Grenzgängerregelung für Drittstaatsangehörige, die wir schaffen. Künftig können Drittstaatsangehörige, die im benachbarten Ausland leben, nach Österreich in grenznahe Bezirke einpendeln und dort arbeiten. Es wurde schon ausgeführt, es wird auch eine entsprechende Arbeitsmarktprüfung geben. Wieso ist das für manche Regionen wichtig? – Ich kann ein konkretes Beispiel aus meinem Heimatbundesland Vorarlberg bringen: Es gibt gerade um den Bodensee herum – wenn ich an Friedrichshafen oder Lindau denke – viele Industriebetriebe, viele Wirtschaftsbetriebe im hoch spezialisierten Bereich, die schon Fachkräfte haben, die aber nur für Deutschland eine Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligung haben. Jetzt ist es in der Vergangenheit oft passiert – weil diese Menschen mit den europäischen Grenzen sozusagen nicht so konfrontiert sind –, dass sie in Vorarlberg eigentlich einen Job in einem hoch spezialisierten Wirtschaftsbetrieb, in einem unserer Hidden Champions, die wir auch unterstützen wollen, gefunden hätten. Nur war es rechtlich nicht möglich, dass sie diesen Job in Österreich annehmen, weil sie dafür nicht nur den Wohnort verlegen – vielleicht nur über einen Fluss, nämlich von Lindau nach Lochau –, sondern sogar auch noch das ganze Verfahren mit der Rot-Weiß-Rot-Karte durchlaufen hätten müssen. Wir schaffen da eine unbürokratische Regelung – eine unbürokratische Regelung, die hilft, Teile des Fachkräftemangels gerade in grenznahen Regionen weiter zu bekämpfen. Es werden nicht die Massen sein, die von dieser Regelung profitieren, aber es ist ein wichtiger Baustein zur Bewältigung des Fachkräftemangels, bei dem wir noch weitere Maßnahmen zu setzen haben. Dementsprechend kann man, wenn die FPÖ heute gegen diese Grenzgängerregelung stimmt, auch wenn es nur ein paar Hundert Menschen pro Jahr betrifft, nur sagen: Offensichtlich ist die Stärkung unserer Unternehmen, gerade auch wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit im Kampf gegen den Fachkräftemangel geht, kein Anliegen der FPÖ, die Schwächung der Unternehmen offensichtlich schon. – Danke. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundesministerin. – Bitte, Frau Bundesministerin.

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Jetzt ist sie also da, die neue Bildungskarenz, auf die Tausende Betroffene gewartet haben, die nicht gewusst haben, wie es jetzt mit ihren Zukunftsplänen weitergeht, die eh nur ein halbes Jahr in der Luft hängen gelassen wurden. Wir haben bis zuletzt gehofft und auch darum gerungen, dass die Regierung noch die Kurve kriegt und die Bildungskarenz ordentlich reformiert. Doch das Einzige, was man dieser Neuregelung zuschreiben kann, ist: Es ist besser als nichts. Aber das war es dann auch schon. Was uns die Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien hier salbungsvoll als großen Fortschritt verkaufen, ist in Wahrheit ein Rückschritt, ein Rückschritt für Frauen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

... den Rechnungshofbericht auch nicht gelesen!

GRÜNE Barbara Neßler

… Während die Regierung Milliarden in die Zerstörung der Natur investiert, kürzt sie dort, wo Zukunft beginnt: bei den Mamas, die versuchen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. (👏) Gerade sie haben die bisherige Bildungskarenz genutzt, um sich weiterzuentwickeln, um neue Wege zu gehen, um ihre Einkommenssituation zu verbessern – und genau das wird ihnen jetzt eiskalt genommen, denn nichts anderes passiert mit der Wartefrist von 26 Wochen nach der Elternkarenz und der Abhängigkeit vom Wohlwollen des Arbeitgebers. Müttern werden so weitere Steine in den Weg gelegt. Und weil die Wifo-Studie so oft zitiert wurde: Die Wifo-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt ganz klar und deutlich: Die alte Bildungskarenz war sinnvoll, erfolgreich und hat ganz besonders Frauen nachhaltig gestärkt. Die neue Regelung nimmt ihnen Chancen, die Chancen, sich neu zu orientieren, sich weiterzuentwickeln, stärker zu werden und aufzusteigen. Wenn Frauen durch Weiterbildung bessere Jobs bekommen und mehr verdienen, dann profitieren alle davon – sie profitieren davon, die Familien profitieren davon, die heimische Wirtschaft profitiert davon, die Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt profitiert. Wer bei Bildung kürzt, kürzt Chancen und verhindert echte Gleichstellung und wirtschaftlichen Fortschritt. (👏) Gestern hat der Wirtschaftsminister genau diese Bildungskarenz als leistungsfeindlich deklariert, derselbe Wirtschaftsminister, der auch den Müttern in diesem Land ausgerichtet hat, sie wären de facto faul ( Ruf bei der ÖVP: Das hat er nicht gesagt! ) und lehnen sich auf eine Lifestyle-Teilzeit zurück. Ich würde mich ja grundsätzlich nicht so aufregen, wenn die Bundesregierung sonst beim Thema Kinderbetreuung weiterkommen würde. Wie schaut es da aber aus? – Die Frau Ministerin hat angesprochen, dass hier viel investiert wird, aber die traurige Wahrheit ist: Familien werden nach wie vor im Stich gelassen. ( Ruf bei der ÖVP: Ah geh! ) Es gibt keine verbindlichen Ziele, es gibt keinen Ausbauplan. Was passiert? Was macht die Regierung? – Die 80 Millionen Euro für das zweite verpflichtende Kindergartenjahr sind ein Ankündigungsschmäh, denn es gibt dadurch keinen einzigen zusätzlichen Platz, keine besseren Arbeitsbedingungen für die Pädagogen und Pädagoginnen, keine längeren Öffnungszeiten, und es wird keine Betreuungslücke im Sommer geschlossen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das ist aber schon Landessache, oder?

GRÜNE Barbara Neßler

… Mit diesem Plan der Bundesregierung kommen wir nicht weiter! Und ja, ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet. (👏) Ich hätte mir von der SPÖ mehr erwartet, aber was sie liefert, ist einfach nur eine Bla-bla-Bablerpolitik auf dem Rücken der Familie. Für Verkehrsprojekte aus dem letzten Jahrhundert ist das Geld da, aber bei den Familien in diesem Land wird schonungslos gekürzt, auch wenn ihnen damit Zukunftschancen genommen werden – und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist wirklich deppert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Oje, jetzt gibt’s einen Ordnungsruf!

GRÜNE Barbara Neßler

… 12.15

PräsidiumPeter Haubner

Frau Kollegin, können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? Können wir das Wort „deppert“ zurückziehen? ( Abg. Neßler [Grüne] – auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz – nickt. ) – Danke. Gut. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist aber kein ganzer Satz, Herr Präsident!) Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Verena Nussbaum . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte auch eine Besuchergruppe der FSG Perg, Freistadt und Urfahr recht herzlich bei uns im Parlament begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Wenn wir heute über die Weiterbildungszeit und Weiterbildungsbeihilfe sprechen, dann sprechen wir über Chancen für Menschen, die sich weiterentwickeln wollen. Wir sprechen über jene, die arbeiten und trotzdem sagen: Ich will mehr wissen, ich will Neues lernen, ich will meine Zukunft selbst in die Hand nehmen! – Genau dafür schaffen wir heute den Rahmen. Zur alten Bildungskarenz: Wir haben inzwischen recherchiert. Wir sind der Meinung, dass 1997, als diese eingeführt wurde, die FPÖ dieser nicht zugestimmt hat. Also heute so die große Verteidigerin zu spielen, kommt uns irgendwie komisch vor, da ihr das ja auch nach Brüssel übermittelt habt. Offensichtlich schaut Bildungspolitik bei der FPÖ aber auch so aus: In der Steiermark haben wir einen Landesrat der FPÖ, der für Bildung zuständig ist, und heute ist die Nachricht gekommen, dass ab Herbst 2026 bei der Fachhochschule Joanneum wieder Studiengebühren eingeführt werden. Da sieht man also, wofür die FPÖ steht, wenn es um Bildung geht. (👏 SPÖ) Wir haben als sozialdemokratischer Teil der Bundesregierung aber gesagt, wir wollen ein modernes, faires und zukunftstaugliches System für die Weiterbildung aufstellen, nämlich dort, wo sie gebraucht wird: bei Menschen mit niedrigerem Einkommen, mit weniger Ausbildung und dadurch weniger Chancen am Arbeitsmarkt. Ja, die Zugangskriterien sind strenger geworden, aber das ist kein Nachteil, sondern das ist eine Qualitätssicherung, denn wir wollen, dass die Mittel dort wirken, wo sie wirklich Zukunft schaffen – und nicht für Kurse ohne Abschluss, für Auszeiten ohne Nutzen, sondern für echte Qualifizierung, für bessere Jobs und für stabile Einkommen. Ich möchte auch noch einmal erwähnen, dass es für die Weiterbildungszeit keinen Rechtsanspruch gibt – so wie es früher auch keinen Rechtsanspruch für die Bildungskarenz gegeben hat. Wesentlich ist: Der Arbeitgeber muss dem immer zustimmen, und man muss mindestens ein Jahr arbeitslosenversicherungspflichtig gewesen sein, damit man überhaupt so einen Antrag stellen kann. Ich verstehe daher nicht, was da die FPÖ in diesem Zusammenhang über Flüchtlinge und Asylwerber spricht; das hängt damit gar nicht zusammen, es steht in absolut keinem Zusammenhang. Die Arbeitgeber holen wir in eine Verantwortung, denn sie haben sich mit 15 Prozent an den Kosten zu beteiligen, aber nur, wenn das Einkommen im Monat 3 225 Euro übersteigt. Das heißt, es ist alles klar: Die, deren Einkommen darunter liegt, kommen zu einer Bildungsberatung beim AMS, damit sie sich zielgerichtet weiterbilden können, und es liegt noch immer am Arbeitgeber, ob er einer Weiterbildungszeit zustimmt oder nicht. Und wir sehen schon: Jede Person, die sich weiterbildet, verringert das Risiko, arbeitslos zu werden, und jede Investition in Bildung ist auch eine Investition in ein sicheres und soziales Österreich. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Wurm . – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Ein spannender Vormittag heute mit sehr, sehr vielen sozialpolitischen Themen, auch bei dem Block, den wir jetzt diskutieren: Bei diesem geht es zuerst um die Weiterbildungsbeihilfe – also um die Bildungskarenz –, und dann geht es logischerweise auch um diese Grenzgängergeschichte. Bevor ich jetzt losstarte: Frau Kollegin Teiber – sie ist, glaube ich, nicht mehr im Haus – hat ja uns Freiheitliche hier sehr massiv angegriffen und behauptet, dass wir irgendwie Unwahrheiten verbreiten würden oder den Leuten Sand in die Augen streuen würden. Die Entscheidung, ob das, was Sie immer erzählen, der Bevölkerung hilft und richtig ist, oder ob das, was wir der Bevölkerung erzählen und wollen, richtig ist, werden in letzter Konsequenz Gott sei Dank nicht Sie entscheiden …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Aber du auch nicht!

FPÖ Peter Wurm

… sondern die Wähler draußen, und da sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg, weil der Zuspruch jeden Tag steigt – und ich verstehe es auch, denn wenn das heute jemand – Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – den ganzen Vormittag gesehen hat, dann wird der, glaube ich, sein Urteil eindeutig fällen können, wem er künftig sein Vertrauen schenkt. Frau Kollegin Teiber – erzählen Sie es ihr vielleicht –, man sollte schon auch einmal klarstellen, weil ja die Diskussion wegen der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und der Zwangsmitgliedschaft geführt wurde: Immer dann, wenn jemand hier herauskommt, sollten Sie zu Hause vielleicht nachschauen, wo diese Person herkommt. Wenn man natürlich als Vertreter der Wirtschaftskammer oder der Arbeiterkammer von der Zwangsmitgliedschaft profitiert und dort in der Funktion bereits mehr verdient als als Nationalrat, dann ist klar, dass man die Zwangsmitgliedschaft unbedingt weiterbehalten will, weil es dann ja um das eigene Einkommen geht. Das muss man auch einmal klarstellen. (👏 FPÖ) Die Grenzgängergeschichte ist, glaube ich, ganz klar: Das lehnen wir ab. Da geht es auch nicht um Fachkräfte, wie es von den NEOS so schön erzählt wird – also das wird den Fachkräftemangel in Österreich nicht beheben.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Habe ich nicht gesagt!

FPÖ Peter Wurm

… Sie machen halt wieder ein Türchen für illegale Zuwanderung auf.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... ist jetzt legal!

FPÖ Peter Wurm

… Das ist nichts Neues, das kennen wir seit mehr als zehn Jahren, aber wie gesagt: Da spielen halt alle mit – wir sind da klar dagegen. Wir haben nichts gegen Grenzgänger, das heißt, die sollen in Österreich arbeiten, das sind mittlerweile 150 000 aus Nachbarländern wie Ungarn und so weiter, das ist alles okay, aber das, was Sie für Drittstaatsangehörige wollen, lehnen wir natürlich ab. Auch ein Thema heute ist diese Altersteilzeit, die sich auch dementsprechend verändert. Noch einmal: Sie erzählen ja die Dinge, wie wenn das jetzt alles eine Verbesserung wäre. In Wahrheit sind da bei diesem Block, den wir heute diskutieren, alle Sparmaßnahmen dabei, einfach weil diese Regierung und diese Parteien, die da beteiligt sind – die NEOS nehme ich vielleicht ein bissel aus –, dieses Land in eine Krise geführt haben. Wir sind pleite, jetzt müsst ihr überall Geld suchen, und ihr seid nicht in der Lage, diese Geldströme vielleicht auch anders zu gestalten. Es gibt nach wie vor für Asylanten genug Geld, für die Ukraine genug Geld …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt kommt das Bingo schon wieder!

FPÖ Peter Wurm

… und jetzt sucht ihr halt überall Beiträge, beim Trinkgeld angefangen über die Altersteilzeit und so weiter, um den Leuten einfach Geld zu nehmen und Budgetlöcher zu stopfen. Das ist die Wahrheit, es ist alles eine Verschlechterung für Arbeitnehmer und teilweise natürlich auch für Arbeitgeber, und diese Wahrheit ist der Bevölkerung ja zumutbar. (👏 FPÖ) Durch diese Teilpension, die Sie nächstes Jahr einführen, verkürzt sich selbstverständlich die Bezugsdauer der Altersteilzeit. Das steht ja eindeutig da, das kann man auch auf der Homepage nachlesen. Es gibt strengere Zugangsvoraussetzungen für die Altersteilzeit. Es gibt eine Reduzierung beim Lohnausgleich, Überstunden und Überstundenpauschalen werden nicht eingerechnet. Es gibt ein Beschäftigungsverbot bei anderen Arbeitgebern während der Altersteilzeit. Also, Frau Kollegin Teiber, Kollegen von der Sozialdemokratie, wenn das falsch sein sollte, dann bitte ich um eine Berichtigung. Das sind die Tatsachen. Das heißt: eine Verschlechterung. Das haben ja die Leute, die in Pension gehen wollen oder das Thema haben, mittlerweile mitbekommen, das werdet ihr ja hoffentlich auch von euren ehemaligen Wählern mitgeteilt bekommen haben. RN/57.1 Dann kommen wir noch zum letzten Punkt, zu dieser Bildungskarenz und dieser Weiterentwicklung, wie ihr das so schön nennt. Also die Weiterentwicklung ist ganz klar: Auch hier eine Übersicht ( ein Schriftstück in die Höhe haltend ), das kann man sich alles anschauen, keine Zahlen von uns, sondern alle teilweise auch vom Ministerium: Vorher hat es halt 512 Millionen Euro gekostet, jetzt kostet es 150 Millionen Euro. Das heißt, es gibt auch einen Deckel, es darf nicht mehr kosten. Das heißt, es ist einfach eine klare Einsparung zulasten der Arbeitnehmer, die ihr früher einmal vertreten habt, und vor allem der Frauen – das ist ja doppelt schlimm. Treffen wird dieses Programm vor allem die Frauen. So, und das macht ihr heute, und da stimmen alle zu. Die Fakten liegen ja am Tisch, bitte, das ist ja gar kein Thema. Die Kolleginnen und Kollegen haben es ja schon erklärt, sogar die Grünen haben es dann nachher deutlich gesagt. Das sind ja alles Verschlechterungen und ihr helft da niemandem, sondern das ist nichts anderes als ein Sparprogramm zulasten der normalen Bevölkerung. Das, bitte schön, ist ja nichts, was ich heute schönreden kann. Wenn wir das als Freiheitliche kritisieren, dann wird das wohl hoffentlich erstens erlaubt sein, denn es wird zweitens auch zutreffend sein. (👏 FPÖ) Noch einmal: Man kann sich ja alles anschauen. Das kann man mittlerweile sogar in der Presse nachlesen. Stellt euch also bitte schön ehrlich her und sagt: Okay, wir müssen jetzt sparen, und wir sparen halt bei den Arbeitnehmern und teilweise bei den Unternehmern, und einige nehmen wir halt vom Sparprogramm aus! – So, und das wollen wir eben anders haben. Man kann durchaus sagen, es müssen jetzt alle sparen, aber ihr spart nicht bei allen: Ihr spart nicht bei der Ukrainehilfe, bei Waffenlieferungen, bei anderen Blödheiten, auch im Asylbereich wird nicht gespart, sondern ihr spart zulasten der Pensionisten – nächster Tagesordnungspunkt –, ihr spart zulasten der Arbeitnehmer und vor allem der Frauen. Dafür dürft ihr euch kein Lob von uns Freiheitlichen erwarten und mit Sicherheit auch kein Lob und keine Zustimmung der Wähler und Wählerinnen in Österreich. – Gott sei Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident. – Abgeordneter Wurm hat behauptet, dass wir mit der Grenzgängerregelung die Tür für illegale Migration öffnen. Ich berichtige tatsächlich: Wir schaffen heute ein Gesetz, bei dem wir einen legalen Aufenthaltstitel schaffen, aber nicht dafür, dass Menschen dann nach Österreich ziehen, sondern sie behalten ihren Hauptwohnsitz natürlich im Ausland und können, in einer grenznahen Region wohnend, nach Österreich zum Zweck der Arbeitsaufnahme einpendeln.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist aber keine tatsächliche Berichtigung!

NEOS Johannes Gasser

… Man sollte vielleicht das Gesetz lesen, wenn man es kritisiert. – Danke schön.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Norbert Sieber . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Norbert Sieber

Danke, Herr Präsident! Frau Minister – gute Besserung! Hohes Haus! Nun, wir sind jetzt also so weit und werden heute hier die Reform der Bildungskarenz hin zur Weiterbildungshilfe beschließen. Frau Minister, wir sind uns wahrscheinlich einig: Wir tun das nicht aus Jux und Tollerei oder weil es uns so leichtfällt oder weil wir irgendjemandem etwas wegnehmen wollen, sondern weil es einfach eine Notwendigkeit ist, und ja, auch weil wir sparen müssen.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Doch, ihr wolltet das immer!

ÖVP Norbert Sieber

… Liebe Grüne, mit dieser Situation, dass wir jetzt sparen müssen, habt ihr schon auch ein bisschen etwas zu tun, würde ich einmal sagen, also tut nicht ganz so großspurig. Aber, meine Damen und Herren, nur dass man das auch weiß, weil das so massiv vonseiten der Freiheitlichen abgelehnt wird: Eines ist schon klar, auch wir haben uns in den Verhandlungen dazu bekannt, dass wir sparen müssen, und die Bildungskarenz wäre auch in unserem Programm gestrichen worden, nur wäre bei uns eben keine Nachfolgeregelung geplant gewesen, vielleicht hätten wir eine gemacht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unser Programm gibt es nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… Jetzt aber wird mir auch klar, warum, Herr Kickl – ich begrüße Sie sehr herzlich –, wir nicht zusammengekommen sind, warum Sie das Sparpaket mit uns nicht machen wollten, den Ihrer Logik von Niederösterreich folgend hätten Sie sich ja selber ausschließen müssen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wer vernünftig ist, wird ausgeschlossen!

ÖVP Norbert Sieber

… Im Jahr 1998, meine Damen und Herren, wurde diese Bildungskarenz von den damals zuständigen Ministern – Sozialministerin Eleonora Hostasch und Bildungsministerin Liesl Gehrer – praktisch ins Leben gerufen, nicht als einzelne Maßnahme, sondern im Rahmen eines Nationalen Aktionsplanes: Berufsbildung und Jugendbeschäftigung. Und diesem Nationalen Aktionsplan, Kollegin Nussbaum, hat die FPÖ dann wirklich nicht zugestimmt. Dem einzelnen Beschluss hätte sie vielleicht zugestimmt, aber dem Plan als solchem hat sie damals nicht zugestimmt. Nun, die Bildungskarenz war aber als eine Qualifikationsmöglichkeit für gering oder gar nicht ausgebildete Arbeitnehmer gedacht, um sich entsprechend zu verbessern und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Mit den Jahren hat sich das dann etwas verändert und auch andere Gruppen haben die Möglichkeiten erkannt und für sich genutzt. Ich spreche dabei nicht von einem Missbrauch, Kollegin Belakowitsch …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich auch nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… es ist aber nicht im Sinne dessen, was beschlossen wurde, ausbezahlt worden. Deswegen ist es richtig, so wie Kollege Gasser es gesagt hat, dass wir schlussendlich bei beinahe 800 Millionen Euro gelandet sind. Das ist ein Wert, den man schon hinterfragen muss, und das haben nicht nur wir getan, das hat auch der Rechnungshof getan. Auch Ihre Ausführungen bei der Besprechung des Rechnungshofberichts waren ja durchaus von einem Verständnis dafür getragen, dass man da etwas machen muss …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP Norbert Sieber

… so viel, um der Wahrheit zu entsprechen. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut hat natürlich gesagt, dass da entsprechender Reformbedarf besteht. Das geht so nicht. Deswegen machen wir jetzt eben diese Weiterentwicklung hin zur Weiterbildungsbeihilfe, in die die Vorschläge des Wifo und des Rechnungshofberichts, den Sie ja unterstützt haben, eingearbeitet sind. Eigentlich würde man also meinen, dass diese Weiterbildungsbeihilfe auch von Ihnen mitgetragen werden könnte …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das machen Sie ja nicht!

ÖVP Norbert Sieber

… nur der politische Alltag macht es leider unmöglich. Nun ist es also so: Arbeitnehmer und Arbeitgeber können eine Bildungskarenz gegen Entfall des Arbeitsentgelts für die Dauer von mindestens zwei Monaten bis zu einem Jahr vereinbaren, sofern das Arbeitsverhältnis ununterbrochen zwölf Monate gedauert hat. Höher Qualifizierte, also vom Master aufwärts, können das erst nach durchgehender vierjähriger Erwerbstätigkeit beantragen. Ich glaube, dass das dem Sinn dieses Gesetzes entspricht beziehungsweise nahekommt. Ein direkter Anschluss der Bildungskarenz an eine Elternkarenz soll nicht mehr möglich sein, es müssen zumindest sechs Monate dazwischenliegen. Wichtig ist, dass die Höhe der Beihilfe eine Bandbreite von mindestens 40,40 Euro bis 67,94 Euro pro Tag aufweisen wird, also der Mindestsatz ist deutlich erhöht worden. Meine Damen und Herren, es wurde vieles bereits gesagt. Ich möchte die Zeit hier nicht über Gebühr strapazieren. Ich glaube, es ist eine vernünftige Weiterentwicklung, und ich bitte um Zustimmung. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Die Redebeiträge der Grünen zeigen, dass das Modell der Bildungskarenz nicht ganz verstanden wurde. Die Bildungskarenz, das hat ja Kollege Sieber gerade gesagt, wurde ursprünglich für niedrig Qualifizierte eingeführt …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Nein, stimmt nicht! – Abg. Neßler [Grüne]: Stimmt nicht!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und es ging uns um Treffsicherheit. Treffsicherheit ist ein Wort, das in Ihrem Wortschatz nicht vorkommt, denn sonst würden wir nicht vor diesem budgetären Scherbenhaufen stehen, den Sie uns hinterlassen haben. Es geht auch nicht darum, Herr Kollege Koza, dass allen Leuten alle Wünsche erfüllt werden, sondern es geht darum, dass die Leute Kurse machen, Weiterbildungen machen, die für sie persönlich, aber auch für die Gesamtheit sinnvoll sind. Die Zahlen zeigen es ja: 2023 hatten 2 500 der mehr als 22 000 Bezieher einen Pflichtschulabschluss. Über 50 Prozent hatten einen AHS- oder BHS-Abschluss oder waren Akademiker. Das zeigt, dass die Bildungskarenz in den letzten Jahren am Thema vorbeigegangen ist. Fast 800 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Und, Frau Kollegin Neßler, sie war auch nicht dazu gedacht, dass sie die Karenz für Mütter verlängert. Es ist eine Bildungskarenz und keine Mütterkarenz. Von 2010 bis 2021 stieg die Zahl der Karenzzeitverlängerungen von 500 auf 7 200. Davon war ein Großteil gut ausgebildete Frauen. Auch da war also die Treffsicherheit nicht gegeben. Die Bildungskarenz sollte nicht auf Kosten der Allgemeinheit finanziert werden. Und weil Sie immer Angst haben, dass jetzt höher Qualifizierte nichts mehr in diese Richtung machen können: Es gibt das Studienabschlussstipendium, es gibt das Selbsterhalterstipendium, es gibt das Fachkräftestipendium für Umschulungen, das Pflegestipendium. Wir sind in Österreich: Sie werden ganz viele weitere Stipendien für jede Situation finden. Deswegen ist es gut und richtig, dass die Weiterbildungsbeihilfe dafür sorgt, dass die Mittel, die zur Verfügung stehen, treffsicher vergeben werden. Das ist wirklich gut so. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Geschätzter Herr Präsident! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ganz besonders begrüßen möchte ich den Betriebsratsvorsitzenden Klaus Sölkner und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LKH Rottenmann aus dem Bezirk Liezen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ebenso herzlich willkommen heißen möchte ich die Betriebsseelsorge der Diözese Linz aus Steyr – herzlich willkommen! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ihr habt euch eine sehr spannende Debatte ausgesucht, der ihr hier jetzt auf der Galerie folgen könnt. Ich habe auch sehr gut zugehört, was die Weiterbildung betrifft, liebe FPÖ. Ganz versteht man es nicht, denn ihr habt Anfang dieses Jahres mit Unterschrift eures Klubobmannes, von Ihnen, Herr Kickl – schön, dass Sie auch da sind –, die ersatzlose Streichung der Bildungskarenz nach Brüssel geschickt. Jetzt weiß ich nicht: Entweder Sie haben Ihren Abgeordneten davon nichts erzählt oder die Abgeordneten haben das bis heute vergessen.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Oder Sie haben eine Lesestörung!

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

… Ich möchte aber heute auf die Novelle für Grenzgänger, die wir heute auch beschließen, eingehen. Abgeordneter Gasser hat es bereits richtiggestellt: Es ist kein Türöffner für illegale Zuwanderung. Die Menschen brauchen eine Arbeitsstelle, ein aufrechtes Arbeitsverhältnis, und die Grenzen sollen in Zukunft keine Hürde mehr für qualifizierte Arbeitskräfte sein, die wir in österreichischen Unternehmen dringend brauchen. Wir beschließen daher heute eine Verwaltungsvereinfachung im Sinne aller Betroffenen. EU-Bürger:innen dürfen unbeschränkt in Österreich arbeiten, anders aber ist das bei Drittstaatsangehörigen, die ihren Wohnsitz sowie einen Daueraufenthaltstitel in einem unserer Nachbarländer haben und in einen angrenzenden Bezirk, den Grenzbezirk, einpendeln. Wir haben zuvor von einer Britin gesprochen, einer Schlüsselkraft, die in Bayern wohnt und nach Tirol pendelt. Was ist neu? – Wir schaffen einen neuen Aufenthaltstitel – das heißt eine Aufenthaltsbewilligung – für Grenzgänger, der unter engen Voraussetzungen nun vom Kriterium des nötigen Wohnsitzes in Österreich absieht. Weiterhin notwendig, also was bleibt, ist die Zulassung zur Beschäftigung durch ein positives AMS-Gutachten. Sorgen, dass es dadurch zu einem vermehrten Druck auf den österreichischen Arbeitsmarkt kommt, sind aus diesen Gründen unberechtigt, weil sich an den inhaltlichen Kriterien eben nichts ändert. Wir haben es von unserer Frau Ministerin heute bereits in der Fragestunde gehört: Es geht um rund 250 Schlüsselkräfte. Die Maßnahme soll zu keiner Verdrängung österreichischer Kräfte führen, zu keinem Geschäftsmodell werden, sondern sie ist ein Beitrag zum Bürokratieabbau, zur Entlastung der Verwaltung und ist eine Erleichterung und Wertschätzung für jene Menschen, die ihre Arbeitsleistung Österreich zur Verfügung stellen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitsmarktservicegesetz, das Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz und das Landarbeitsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 231 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/62.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Weiterbildungsbeihilfe zurück an den Start – für eine zielgerichtete und faire Reform von Bildungskarenz und Bildungsteilzeit“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/62.3 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz und das Arbeitslosenversicherungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 232 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung geben, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung angenommen. RN/62.4 Wir kommen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 233 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht in 234 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/62.6 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz und das Ausländerbeschäftigungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 211 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzesantrag auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist auch in dritter Lesung angenommen.

Pensionsanpassungsgesetz 2026 – PAG 2026

236 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 473/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Für 2026 wird die Pensionsanpassung in ASVG, GSVG und BSVG nach einem Anpassungsfaktor von 1,027 gestaltet: bis zu einem Gesamtpensionseinkommen von 2.500 € gibt es +2,7 %, darüber einen Fixbetrag von 67,50 € (inkl. Sonderpensionen im Gesamtpensionseinkommen). Die gleichen Anpassungsregeln werden per Verweis auch für Bundesbeamt:innen, Bundestheater- und Bundesbahn-Pensionen übernommen; zudem wird klargestellt, dass die Regel zur erstmaligen Anpassung (§ 108h Abs. 1a ASVG/Parallelrecht) auch 2026 anzuwenden ist.

Betroffen sind Pensionist:innen in der gesetzlichen Pensionsversicherung (inkl. Bezieher:innen von Sonderpensionen) sowie Empfänger:innen von Ruhe- und Versorgungsbezügen nach dem Pensionsgesetz 1965, dem Bundestheaterpensionsgesetz und dem Bundesbahn-Pensionsgesetz.

Dokumente

Pensionsanpassungsgesetz 2026 – PAG 2026

Ziel und Gegenstand des Gesetzes (PAG 2026)

  • Änderung mehrerer Pensions- und Sozialversicherungsgesetze zur Pensionsanpassung 2026: Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG), Gewerbliches Sozialversicherungsgesetz (GSVG), Bauern-Sozialversicherungsgesetz (BSVG), Pensionsgesetz 1965, Bundestheaterpensionsgesetz, Bundesbahn-Pensionsgesetz.
  • Regelung der Pensionsanpassung 2026 nach einem festzulegenden Anpassungsfaktor und nach dem Konzept des Gesamtpensionseinkommens (wie in den Vorjahren).
  • Einbeziehung von „Sonderpensionen“ nach dem Sonderpensionenbegrenzungsgesetz (BGBl. I Nr. 46/2014) in die Bemessungsgrundlage (Gesamtpensionseinkommen) für die Pensionsanpassung 2026.

Anpassungsfaktor 2026 und Grundmechanismus (ASVG/GSVG/BSVG)

  • Der Anpassungsfaktor für 2026 soll per Verordnung unter Bedachtnahme auf den Richtwert mit 1,027 festgesetzt werden (entspricht 2,7%).
  • Die Pensionsanpassung 2026 erfolgt grundsätzlich unter Heranziehung dieses Anpassungsfaktors, wobei auf das Gesamtpensionseinkommen abgestellt wird.
  • Ab einer bestimmten Höhe des Gesamtpensionseinkommens erfolgt die Erhöhung nicht prozentuell, sondern um einen gleichbleibenden Fixbetrag.

Konkrete Ausgestaltung der Pensionsanpassung 2026 (Deckelung und Fixbetrag)

  • Volle prozentuelle Anpassung (2,7% in Höhe des Anpassungsfaktors 2026) nur für Gesamtpensionseinkommen bis einschließlich 2.500 €.
  • Für Gesamtpensionseinkommen über 2.500 € (unter Einbeziehung von Sonderpensionen) erfolgt die Anpassung mit einem Fixbetrag von 67,50 €.
  • Der Fixbetrag von 67,50 € entspricht 2,7% von 2.500 € und begrenzt damit die Anpassung höherer Pensionseinkommen.

Erstmalige Anpassung von Pensionsleistungen (Klarstellung für 2026)

  • Die Regelung zur erstmaligen Anpassung von Pensionsleistungen gemäß § 108h Abs. 1a ASVG (bzw. Parallelbestimmungen) soll auch für das Jahr 2026 angewendet werden.
  • Dabei ist von jenen Erhöhungsbeträgen auszugehen, die sich aus der Anpassung für das Jahr 2026 ergeben.
  • Für die erstmalige Anpassung gemäß § 108h Abs. 1a idF BGBl. I Nr. 47/2025 ergibt sich durch die Ausgestaltung (2,7% bis 2.500 €) keine Änderung.

Einbeziehung und Meldung von Sonderpensionen (Datenfluss über Dachverband)

  • Sonderpensionen gelten als Teil des Gesamtpensionseinkommens, das der Pensionsanpassung 2026 zugrunde gelegt wird.
  • Zur Begrenzung der Anpassung hoher Pensionen, die sich aus Sonderpensionen ergeben, ist eine Meldeverpflichtung vorgesehen: Die Höhe der jeweiligen Sonderpension ist durch die auszahlende Stelle an den in Betracht kommenden Pensionsversicherungsträger zu melden.
  • Die Meldung bzw. Rückmeldung des Gesamtpensionseinkommens erfolgt über die Meldeschiene beim Dachverband (inkl. Rückmeldung durch den Pensionsversicherungsträger).

Begründungszusammenhang: Budgetkonsolidierung und Verteilungswirkung

  • Die Pensionsanpassung 2026 wird ausdrücklich im Kontext einer Vielzahl von Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung gesehen.
  • Durch die Fixbetragsregelung wird die Anpassung höherer Pensionseinkommen begrenzt.
  • Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass das Leistungsniveau der meisten Pensionseinkommen (über 70%) trotz angespannter finanzieller Situation dauerhaft erhöht wird.

Übertragung auf Bundesdienst- und Sonderpensionssysteme (PG 1965, Bundestheater, Bundesbahn)

  • Ruhe- und Versorgungsbezüge der Beamtinnen und Beamten des Bundes, der vom Bundestheaterpensionsgesetz erfassten Bundestheaterbediensteten sowie der pensionierten „ÖBB-Beamtinnen und -Beamten“ sind grundsätzlich zum selben Zeitpunkt und im selben Ausmaß wie die Pensionen in der gesetzlichen Pensionsversicherung anzupassen.
  • Die für 2026 im ASVG, GSVG und BSVG vorgesehenen Maßnahmen (Anpassungsfaktor, Deckelung bis 2.500 €, Fixbetrag darüber, Einbeziehung von Sonderpensionen, Mechanik über Gesamtpensionseinkommen) sollen durch entsprechende Verweise in diesen Gesetzen übernommen werden.

Pensionsanpassungsgesetz 2026 – PAG 2026

~103 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke schön, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Es geht eigentlich fast so weiter wie im vorherigen Tagesordnungspunkt: an den Interessen der Österreicherinnen und Österreicher vollkommen vorbeireformiert. Bevor ich zur Pensionsreform komme, möchte ich mit dem zweiten Punkt anfangen, das ist die Beschränkung der Luxuspensionen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist interessant!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Der werden wir unsere Zustimmung geben, Frau Bundesminister. Allerdings bin ich schon einigermaßen enttäuscht, dass Sie da nicht das Gespräch gesucht haben – wir sind die stärkste Fraktion im Haus, die größte Oppositionspartei. Aber es ist ja nicht notwendig, mit uns zu verhandeln. Dieser Antrag ist nicht so umwerfend grandios, aber wir finden, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es kann aber damit nicht beendet sein, die Luxuspensionen tatsächlich auch zu kürzen; das möchte ich Ihnen schon auch noch gerne sagen, meine Damen und Herren der Regierungsparteien. Ich glaube, es ist längst überfällig, diese Ungerechtigkeiten wirklich zurückzuschrauben. (👏 FPÖ) Kommen wir jetzt aber zur Pensionsanpassung. Die betrifft jetzt tatsächlich die Pensionisten und Pensionistinnen in Österreich, und zwar alle, da die Pensionen nicht im vollen Ausmaß der Inflationsrate angepasst werden. Wir haben es bei den letzten Tagesordnungspunkten gesehen: Wir machen Politik, indem wir allen etwas wegnehmen. Wir kürzen die Weiterbildung, wir nehmen den Familien etwas weg und jetzt gibt es keine komplette Anpassung der Pensionen. – Wissen Sie, Frau Bundesminister, zwei Bereiche sparen Sie aus: Das eine sind die Migranten und das andere sind die NGOs. Im Idealfall machen Sie beides gemeinsam, das heißt, Sie fördern NGOs …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Das Rote Kreuz!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… die für die Migranten Politik hier in Österreich machen, meine Damen und Herren. – Ich weiß nicht, warum Sie da drüben ( in Richtung SPÖ ) so nervös sind. Die NGOs müssen sich aber keiner Wahl stellen, betreiben politische Agitation und werden auch aus Ihrem Haus sehr, sehr fürstlich unterstützt. Nur ein paar Beispiele: Der Verein Afya, Verein zur interkulturellen Gesundheitsförderung, bekam 322 661 Euro, die Asylkoordination Österreich – ich weiß eigentlich gar nicht, warum die Asylkoordination vom Sozialministerium so fürstlich unterstützt werden muss, das ist eigentlich eine BMI-Angelegenheit – 7,5 Millionen Euro. So geht das dann weiter: Es gibt zum Beispiel den Verein Grenzenlos – Interkultureller Austausch mit über 700 000 Euro; Hosi Salzburg: 11 337 Euro – das weiß ich nicht, warum das vom Sozialministerium gefördert werden muss …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Kannst das nächste Mal mitgehen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… das Integrationshaus: fast 600 000 Euro, nämlich 598 838 Euro; Migrare – Zentrum für MigrantInnen Oberösterreich – auch interessant –: über 3 Millionen Euro. (Bundesministerin Schumann : Förderliste von wann?) Das ist eine Förderliste, die unglaublich ist, Frau Bundesminister. (Bundesministerin Schumann : Von wann?) Das sage ich Ihnen ganz ehrlich, meine Damen und Herren (Bundesministerin Schumann : Von wann?): Für die Migranten ist immer Geld da, für die NGOs ist immer Geld da, aber, liebe Pensionistinnen und Pensionisten , bei Ihnen wird jetzt eingespart. ( Ruf bei der SPÖ: Stimmt nicht! ) Genau das – und das ist jetzt nur die erste Seite, Frau Minister, die ich Ihnen vorgelesen habe – geht so weiter und dahin. (Bundesministerin Schumann : Von wann?) Jetzt fragt mich die Frau Minister „von wann“. Na, das ist Ihre Anfragebeantwortung gewesen: aus dem letzten Jahr natürlich. (Bundesministerin Schumann : Das ist eine alte Geschichte!) Da waren Sie nicht Minister, na genau, und das werden Sie jetzt alles auf null setzen. Na, das schauen wir uns an, ob die Frau Minister im Jahr 2025 all diese NGOs auf null gesetzt hat. Da freue ich mich ja schon auf die Anfragebeantwortung nächstes Jahr. (👏 FPÖ) Ich garantiere, das werden Sie natürlich nicht tun, Frau Bundesminister, weil – ich verrate Ihnen jetzt etwas! –: Viele Förderungen hat es auch schon unter sozialistischen Sozialministern gegeben. Ich habe damals und schon früher immer einzelne NGOs und Vereine abgefragt, vor allem solche, deren einzige Aufgabe es ist, Migranten zu unterstützen, Asylanten zu unterstützen, zu beraten, ihnen zu zeigen, wo sie unser Steuergeld noch weiter abgreifen können. ( Ruf bei der SPÖ: Geh bitte! ) Wenn Sie sich das alles zusammenrechnen, da ein paar Millionen, dort ein paar Millionen, dann kommen Sie bald auf einen zweistelligen bis dreistelligen Millionenbetrag. Das ist ungefähr das - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wow!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ja „wow“. Das finden Sie vielleicht lächerlich …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Die Rettungsorganisationen?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… aber das ist das, was Sie den Pensionisten jetzt abgreifen, was Sie bei den Pensionisten einsparen. ( Ruf bei der SPÖ: Stimmt nicht! ) Laut der Ministerin werden circa 300 bis 350 Millionen Euro durch die Nichtvalorisierung aller Pensionen in Österreich eingespart. Dass man den Pensionisten erneut in die Taschen greift! …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Ja, mit Sporttaschen kennt ihr euch eh aus!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Wir haben heute schon gehört, was die Pensionisten schon alles aushalten mussten, seit Sie in dieser unsäglichen Dreierkoalition, in dieser unsäglichen Verliererkoalition angetreten sind. Sie machen es wieder und wieder und wieder. Und wo wird nicht gespart? – Das sind die Migrantenvereine, meine Damen und Herren, da sparen Sie überhaupt nicht ein; bei den NGOs wird nicht eingespart. Die haben nur eine Agenda, nämlich gegen die eigene Bevölkerung Stimmung zu machen. Darum bezahlen Sie sie ja auch so fürstlich. Das ist genau der Grund. – Wir werden auf diesem Thema draufbleiben. Frau Minister, jetzt haben Sie noch die Ausrede: Nein, da kann ich nichts dafür, da war ich noch nicht Minister! – Nächstes Jahr haben Sie diese Ausrede nicht, und ich bin gespannt auf die Zahlen, die wir nächstes Jahr bekommen werden. Wir werden Sie beim Wort nehmen, und dann werden wir Ihnen das wieder vorlegen und vorrechnen. Dann rechne ich Ihnen vor, was Sie eingespart haben allein nur bei den Pensionisten, allein bei den Pensionen, was Sie bei den Krankenkassenbeiträgen der Pensionisten eingespart haben oder mehr eingenommen haben, was Sie bei den neuen Selbstbehalten bei den Krankentransporten eingenommen haben und so weiter und so fort. Wie viele Pensionisten müssen jetzt die E-Card-Gebühr neu zahlen? All das, Frau Bundesminister, werde ich Ihnen vorrechnen und vorlegen, und dann werden wir schauen, ob Sie tatsächlich auch bei den NGOs eingespart haben. Darauf sind wir schon sehr gespannt. (👏 FPÖ) Ich sage Ihnen eines: Es wäre im Sinne einer Gerechtigkeit, jene Personengruppe, die dieses Land aufgebaut hat, die dieses Land viele, viele Jahrzehnte erhalten hat, die den Wohlstand in dieses Land gebracht hat, auch jetzt in der Pension so zu behandeln, wie sie es verdient. Da geht es nämlich nicht um Pensionserhöhung, wie das hier oft so herumgeht, sondern da geht es um eine Inflationsanpassung. Wenn man nicht die volle Inflationsanpassung bekommt , Frau Bundesminister, ist es eine numerische Kürzung. Das heißt, die Leute haben weniger zur Verfügung – es ist eine Kürzung. Eine Kürzung für unsere Pensionisten kann es mit der Freiheitlichen Partei nicht geben. Daher haben wir auch unseren eigenen Antrag: Alle ASVG-Pensionisten in Österreich sollen die volle Inflationsabgeltung bekommen. – Da bitte ich Sie jetzt um Zustimmung, Frau Minister.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Die Frau Ministerin ...!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Josef Muchitsch . – Herr Abgeordneter, ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein.

SPÖ Josef Muchitsch

Sehr geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn man da jetzt zugehört hat, weiß man eigentlich nicht, wo wir gerade sind. Fakt ist – nur einen Satz dazu –: Wir sind jetzt schon bei den Pensionen, aber trotzdem von dieser Stelle ein großes Danke an alle NGOs, vom Roten Kreuz über den Samariterbund bis zu den Feuerwehren, die ehrenamtliche Leistungen erbringen. Jetzt kommen wir zu den Pensionen. Ich möchte versuchen, meine sehr geehrten Damen und Herren, es faktenbasiert zu machen – faktenbasiert; vielleicht gelingt das den anderen Rednern auch. Die Fakten sind: 1,73 Milliarden Euro werden für die Pensionserhöhung aus dem Budget 2026 aufgewendet. Es gibt die volle Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent für über 70 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten, für alle Pensionen bis 2 500 Euro. Die Pensionen, die über 2 500 Euro liegen, das sind die anderen 30 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten, werden einheitlich um 67,50 Euro pro Monat, das sind 945 Euro pro Jahr, erhöht. Und weil die Medien geschrieben haben, dass die Erhöhung bei jenen, die eine Pension von über 2 500 Euro beziehen, eine Einmalzahlung ist, muss ich sagen: Das ist ein völliger – um kein falsches Wort zu sagen – Irrtum, ein völliger Irrtum! Diese 67,50 Euro werden den Pensionistinnen und Pensionisten monatlich auf ihr Pensionskonto gebucht und sind somit auch nachhaltig für die Zukunft, für die nächsten Pensionsanpassungen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ) Nächster Punkt: Auch die Luxuspensionen und die Mehrfachpensionen werden mit diesen Beschlüssen heute gedeckelt. Noch einmal: Von den 2,3 Millionen Pensionistinnen und Pensionisten in der gesetzlichen Pensionsversicherung bekommen 71,4 Prozent die volle Inflationsabgeltung, also eine Erhöhung um 2,7 Prozent. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich weiß schon, Geld auszugeben ist viel einfacher, das ist viel populärer – das haben wir die letzten Jahre eh gesehen –, als Geld einzusparen. Die budgetäre Situation, die wir als SPÖ nicht verursacht haben, ist allen bekannt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja! Ihr wart auch ...! – Abg. Kickl [FPÖ]: In Wien schon ...!

SPÖ Josef Muchitsch

… Ihnen ist auch die Ausgangslage – neben der budgetären Ausgangslage – bei den Verhandlungen zur Pensionsanpassung bekannt. Was haben wir von den Medien gehört? – Null Pensionsanpassung ist gefordert worden; 2 Prozent, hat uns der Bundeskanzler ausgerichtet, wünscht er sich, und nicht mehr. – Fakt ist: Für uns als SPÖ war es immer ganz klar, trotz dieser schwierigen budgetären Situation eine volle Inflationsabgeltung von plus 2,7 Prozent für niedrigere und mittlere Pensionen zu erreichen. Das haben wir geschafft, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 SPÖ) Danke, Frau Bundesministerin, für deine Hartnäckigkeit, das so durchzuziehen. Natürlich ist Sparen jetzt wichtig, aber wir versuchen, auch jeden Spielraum auszuschöpfen, um Verbesserungen bei den Pensionistinnen und Pensionisten zu erreichen. Nur drei Beispiele: Wir werden ab 1. Jänner 2026 eine Entlastung für Rezeptgebühren herbeiführen. Das bringt den Pensionistinnen und Pensionisten wieder einiges. Wir werden einen lang gehegten Wunsch erfüllen, und viele sagen, das ist notwendig: dass wir die Pflege in die Schwerarbeit bringen. Damit ist der Pflegeberuf viel interessanter. Somit ist auch das ein wichtiger Beitrag für die Pensionistinnen und Pensionisten, da es da um den Fachkräftemangel geht. Der dritte Punkt, und den kommunizieren wir viel zu wenig, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Pensionistinnen und Pensionisten, ist, dass das Pflegegeld ab 1. Jänner über alle sieben Stufen erhöht werden wird. Auch das ist ein wichtiger Beitrag für die Pensionistinnen und Pensionisten, dort, wo Pflegebedarf herrscht. (👏 ÖVP, SPÖ) Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Koalition wird weitere Maßnahmen setzen. Ja, wir haben uns da auf das verständigt, weil wir unser Pensionssystem auch nachhaltig sichern wollen. Die Ziele dazu müssen wir beschließen, diskutieren, beraten, keine Frage. Wir haben eine große gemeinsame Aufgabe übernommen: diesen Staat wieder zu sanieren und Österreich auf Kurs zu bringen. Letzter Satz: Die FPÖ bringt heute einen Antrag ein – volle Inflationsabgeltung statt Bestrafung der Leistungsträger. Ich sage Ihnen abschließend etwas: Die größten Pensionseinschnitte hat es immer dann gegeben, wenn die FPÖ das Sozialministerium besetzt hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

SPÖ Josef Muchitsch

… Da hat es immer die größten Pensionseinschnitte gegeben. Nur eine Zahl: Von 2000 bis 2006, als ihr als FPÖ dieses Ministerium gehabt habt, war die Gesamtinflation 14,6 Prozent. Die Pensionen wurden in diesen sechs Jahren nur um 6,2 Prozent erhöht. Wo war dort euer Aufschrei für die Leistungsträger? Wo war da euer Selbstbewusstsein, das zu vertreten? (👏 ÖVP, SPÖ) Wir erhöhen die Pensionen – ja, es sind schwierige Zeiten –, die Pensionistinnen und Pensionisten können sich weiterhin auf die Sozialdemokratie verlassen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Markus Koza . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Heute wird die Pensionserhöhung für 2026 beschlossen. Die Eckpunkte hat Kollege Muchitsch bereits erwähnt. Pensionen bis 2 500 Euro brutto werden um die volle Inflationsrate erhöht. Alle Pensionen darüber erhalten einen Fixbetrag von 67 Euro pro Monat, also eine dauerhafte Erhöhung. Die Erhöhung bezieht sich auf die Gesamtpension, also die Summe der Pensionsbezüge. Dazu braucht es dann auch eine Zweidrittelmehrheit. Was war uns das Wichtigste im Rahmen dieser Pensionsdebatte? – Das war, dass Bezieher:innen mit niedrigeren und mittleren Pensionen, und das sind mehrheitlich Frauen, die jetzt schon jeden Euro zweimal umdrehen müssen, die volle Inflationsabgeltung bekommen, weil steigende Preise beim Wohnen, bei den Lebensmitteln, bei der Energie ja bekanntlich vor allem jene treffen, die das niedrigste Einkommen haben. Umso wichtiger war es, dass es da die volle Abgeltung gibt, und auch, weil Pensionist:innen von dieser Regierung bereits Kürzungen erfahren mussten. Da sei die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge sowie auch die Streichung des Klimabonus erwähnt, Letzteres hat so manchen Pensionistenhaushalt Hunderte Euro pro Jahr gekostet. Daher ist es dringend notwendig, dass gerade die kleinen und die mittleren Pensionistenhaushalte ihre Einkommensverluste zumindest einigermaßen ausgeglichen bekommen. (👏) Wir sehen diese zentrale Forderung auch erfüllt. 70 Prozent der Pensionist:innen erhalten die volle Inflationsabgeltung und alle anderen einen Fixbetrag. Das ist auch gut so. (👏 SPÖ) Was aber fehlt, meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist der Beitrag der Luxuspensionist:innen, nämlich all jener, die 6 450 Euro und mehr Pension bekommen. Das sind nicht viele, das sind circa 10 000 Menschen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Na, na, Kollege!

GRÜNE Markus Koza

… aber es ist eine Frage der Fairness, dass die vielbeschworenen breiten Schultern auch einen entsprechend hohen Beitrag leisten. Seit 2015 zahlen Luxuspensionisten einen Sicherungsbeitrag für jenen Teil der Pension, der über der Höchstbeitragsgrundlage liegt. Das ist soweit auch gut, nur paradoxerweise wird dieser Sicherungsbeitrag immer kleiner, je stärker die Luxuspension steigt, weil nämlich die Höchstbeitragsgrundlage in der Regel schneller steigt als die Gesamtpension. RN/66.1 Ich habe Ihnen ein Beispiel mitgebracht. ( Der Redner hält eine Tafel, auf der unter der Überschrift „Luxuspensionen/Sicherungsbeitrag“ ein Säulendiagramm abgebildet ist, in die Höhe. ) Ein Luxuspensionist, der im Jahr 2019 7 000 Euro bekommen hat, hat damals 178 Euro Pensionssicherungsbeitrag zahlen müssen, nämlich von dem roten Teil ( auf die entsprechende Stelle des Säulendiagramms weisend ), der über der Höchstbeitragsgrundlage liegt. Bis 2026 ist die Pension – die Luxuspension! – um circa 20 Prozent gestiegen, er kriegt heute über 8 300 Euro, aber der Sicherungsbeitrag ist interessanterweise von 178 Euro auf 144 Euro gesunken. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wie geht das? Wer soll das verstehen? Wo ist da die Fairness? Wo ist da die Gerechtigkeit? (👏) Das ist einfach nur absurd! Dieser Konstruktionsfehler, meine sehr geehrten Damen und Herren, gehört repariert, der gehört dringend repariert, weil dem Staat dadurch jährlich Millionen Euro an Einnahmen von Luxuspensionisten entgehen. (👏) Wir haben versucht, gemeinsam mit ÖVP, SPÖ und NEOS eine gerechte Lösung zu finden, um einen gerechten Beitrag der Luxuspensionist:innen sicherzustellen. Mit NEOS und SPÖ – ein großes Dankeschön – waren wir eigentlich auch schon ziemlich weit; gescheitert ist es – einmal mehr – an der ÖVP.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wahnsinn! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

GRÜNE Markus Koza

… Ja, es ist halt so! Sparpakete für die breite Masse: jederzeit! Geht es aber einmal an die Privilegien der Reichen, dann ist Schluss mit lustig, die sind tabu – und es ist egal, ob es um Millionenerben geht, um Stiftungsmilliardäre oder wie in diesem Fall um Luxuspensionisten. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Liebe ÖVP, diese Debatte werdet ihr trotzdem nimmer los, weil wir dranbleiben werden und wieder und wieder einen fairen Beitrag der Luxuspensionisten wie auch von allen anderen mit den breiten Schultern einfordern werden. Aber – bei allem Ärger – wir werden sowohl der Pensionserhöhung als auch der Zweidrittelregelung unsere Zustimmung geben …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Na bitte, das wird einstimmig!

GRÜNE Markus Koza

… ganz einfach deshalb, weil der Abschluss trotz allen Fehlens des Beitrags der Luxuspenionisten unsere wesentlichsten Forderungen beinhaltet und es diesen Verfassungsbeschluss natürlich braucht, damit Luxuspensionen nicht noch größer werden, Luxuspensionist:innen nicht noch reicher werden, denn das wollen wir mit Sicherheit nicht. – Danke. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Klubobmann August Wöginger.

ÖVP August Wöginger

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte zu Beginn kurz auf die zwei Parlamentstage, die Nationalratstage eingehen, weil es etliche Gesetze gibt, die von den Regierungsparteien nicht nur hier eingebracht wurden, sondern auch beschlossen werden: der Stromkostenausgleich für die Industrie; die Verdoppelung des Investitionsfreibetrages für die Unternehmer, für die Betriebe von 10 auf 20 Prozent; die Förderung und die Absicherung unserer Biogasanlagen; eine Regelung für die freien Dienstnehmer, wenn es um Kündigungsfristen geht; ein einheitliches Trinkgeldpauschale – da sei erwähnt: das gibt es in Österreich schon, nur hat es das neunmal unterschiedlich gegeben –; ein neues Modell für die Bildungskarenz, die sogenannte Weiterbildungszeit; eine neue Grenzgängerregelung , und das ist nichts Böses, sondern das ist eigentlich etwas, was unserer Wirtschaft hilft; ein Pensionsanpassungsgesetz 2026; und ein Gesundheitstelematikgesetz steht heute auch noch auf der Tagesordnung. Nebenbei sind Energiegesetze in Begutachtung gewesen, sind jetzt herausgekommen; da hören wir schon, dass es da die notwendige Zweidrittelmehrheit wahrscheinlich nicht gibt, obwohl es darum geht, den Strom insgesamt billiger zu machen, sowohl für die Wirtschaft, für die Industrie als auch für die Haushalte. Mietgesetze sind aus der Begutachtung herauskommen, ebenso die Verfahrensbeschleunigung bei Verfahren im Energiebereich oder generell auch bei Großanlagen. Zu guter Letzter ist noch das Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen in Begutachtung. Das heißt – um das einmal zu verdeutlichen –, zu dieser Klein-Klein-Diskussion, die hier geführt wird, möchte ich einfach zu Beginn sagen: Diese Regierung arbeitet; diese Regierung arbeitet für die Menschen, diese Regierung bringt die wichtigen Punkte auf den Weg, und sie werden hier im Parlament auch beschlossen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Im Übrigen stimmt die Freiheitliche Partei von all diesen Gesetzen ganzen zwei zu, und wir hören die ganze Zeit: Njet, nein, wollen wir nicht, geht nicht! Betreffend Bildungskarenz: Kollege Schiefer – du bist ja da; ich schätze dich mit deiner Fachexpertise und deiner Kenntnis sehr –, wir haben ja zu Beginn des Jahres gemeinsam Budgetverhandlungen geführt, und der Klimabonus und die Bildungskarenz waren die beiden Punkte, die immer auf der Liste mit jenen Punkten gestanden sind, die wir nicht fortsetzen können und zum Teil auch nicht wollen, weil die Bildungskarenz extrem missbrauchsanfällig war.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch?

ÖVP August Wöginger

… Betreffend KV, bei den Pensionisten sind wir uns nimmer einig, aber in Wahrheit ist das auch auf dieser Liste gestanden, um eben zu sanieren, zu reformieren, um auch wieder wachsen zu können. Das ist eigentlich der Hintergrund dieser Konsolidierungsmaßnahmen, die wir sowohl in dieser Dreierkoalition gemeinsam vereinbart haben als auch in den Gesprächen mit der Freiheitlichen Partei für das Jahr 2025 besiegelt und gemeinsam nach Brüssel geschickt haben; das soll auch noch einmal gesagt werden, das sei der Korrektheit halber auch erwähnt. (👏 ÖVP, NEOS) Aber nun zu den Pensionsanpassungen für das kommende Jahr: Eines möchte ich schon einmal dazusagen, weil man heute so tut, als wäre es das erste Mal, dass man eine derartige Pensionsanpassung macht: In 16 Jahren Sozialsprechertätigkeit der Volkspartei war es fast immer der Fall, dass man im untersten Bereich die Inflation, diesen Wert hernimmt und die Inflation abgilt und dann irgendwo eine Grenze einzieht, und ab dort gilt ein Sockelbetrag. Das ist keine Einmalzahlung, das ist ein Sockelbetrag. Ich habe fünf Jahre lang Kollektivverträge verhandelt, da hat es manchmal einen freiheitlichen Arbeitnehmervertreter gegeben, und wenn der- oder diejenige – meistens war es ein Er – in Kollektivvertragsverhandlungen etwas gefordert hat, dann war es eine Sockelbetragserhöhung – aus sozialem Gerechtigkeitsempfinden heraus, aus einem Empfinden heraus, dass man sagt, man hebt einen gewissen Teil prozentuell an, aber dann soll es mit einem Sockelbetrag gehen. Da stelle ich die Frage: Warum geht das dann bei dieser Anpassung nicht? Warum soll das nicht funktionieren? Ich möchte als einer, der sich zum Versicherungsprinzip bekennt und auch dazu steht – das Pensionskonto, im Übrigen, bildet dieses Versicherungsprinzip zu 100 Prozent ab; das, was ich einzahle, bekomme ich auch heraus …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber schon lang nimmer!

ÖVP August Wöginger

… sagen: Wir haben mit der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage in Österreich ein System, das funktioniert. Für diejenigen, die noch im Beamtensystem sind, werden ja höhere Beträge einbezahlt, sowohl vom Dienstnehmer als auch vom Dienstgeber, daher gibt es da im Endeffekt höhere Pensionen, aber ganz viele Kolleginnen und Kollegen aus dem öffentlichen Dienst sind ja bereits in das sogenannte ASVG-System gekommen. Ich verstehe einfach die Aufregung nicht, ich verstehe nicht, warum man da dagegen sein kann, wenn man sagt: Wir heben bis 2 500 Euro brutto mit 2,7 Prozent voll an, und dann gibt es einen Sockelbetrag von 67,50 Euro! Das müsst ihr mir einmal erklären, was daran sozialpolitisch gesehen falsch sein soll! (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist richtig, meine Damen und Herren, und es ist auch eine Lösung, die in Zeiten wie diesen mehr als vertretbar ist. Eine andere Mär möchte ich auch noch durchbrechen; Falschmeldungen, die leider in allen Reihen immer wieder kommuniziert werden: Wenn ich bei 2 500 Euro, bei 3 000 Euro, bei 4 000 Euro, bei 5 000 Euro pro Monat 67,50 Euro dazubekomme – im Übrigen sind das pro Jahr 945 Euro …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Brutto!

ÖVP August Wöginger

… brutto, das ist fast ein Tausender –, wenn ich das dazubekomme, dann geht die Pensionshöhe jedenfalls auseinander, denn bei 1 500 Euro kriege ich 40 Euro, bei 2 000 Euro kriege ich 54 Euro, und dann bekomme ich eben diese 67,50 Euro. Also rein vom nominellen Betrag her geht die Spreizung natürlich auseinander und nicht zusammen, das muss man auch einmal sagen. (👏 ÖVP, NEOS) Daher: Ja, Bekenntnis zum Versicherungsprinzip, Bekenntnis dazu, die Pensionen angesichts der Inflation abzusichern, aber bitte keine Märchenerzählungen in diesem Bereich! Es geht nicht zusammen, das ist einfach falsch und nicht richtig; das heute zu betonen, ist mir wichtig. (👏 ÖVP, NEOS) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Warum machen wir das? – Wir tun das nicht aus Jux und Tollerei, und wir bitten natürlich die Pensionistinnen und Pensionisten – 2,5 Millionen an der Zahl – in Österreich um Verständnis dafür. Insgesamt werden zwei Drittel mit 2,7 Prozent abgegolten – im ASVG-System sind es über 71 Prozent, wie Kollege Muchitsch gesagt hat –, und dann gibt es eben diese 67,50 Euro pro Monat und pro Pensionistin, pro Pensionist. Wir haben die Pensionen in den letzten drei Jahren – und das möchte ich auch einmal sagen, weil die Vorgängerregierung hier im Parlament genug gescholten wird –, und ich stehe dazu, 2023, 2024 und 2025 angehoben. Wissen Sie, um wie viel? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie war die Inflationsrate?

ÖVP August Wöginger

… Die Inflation war hoch, Frau Kollegin! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie war die Inflationsrate? – Abg. Gasser [NEOS]: Niedriger als die Erhöhungen!

ÖVP August Wöginger

… Die Inflation war hoch, aber wir haben die Pensionen in drei Jahren um 20,1 Prozent angehoben – um 20,1 Prozent! Zeigt mir einmal, ob es irgendwo auf der Welt – irgendwo! – ein Land gibt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... niedrigere Inflationsraten gehabt!

ÖVP August Wöginger

… das die Pensionen in drei Jahren um ein Fünftel angehoben hat! Jetzt haben wir im oberen Drittel einen Bereich, wo wir nicht zur Gänze abgelten, das ist richtig, aber im Schnitt macht die Pensionsanpassung 2,25 Prozent aus, und zwei Drittel bekommen die vollen 2,7 Prozent. Warum machen wir das als Bundesregierung? – Um der hohen Inflation, die nach wie vor bei 4 Prozent liegt, entgegenzuwirken! Wir haben mit 2,25 Prozent im Schnitt ein wichtiges Signal gesetzt, entsprechend der Formel, die der Bundeskanzler ausgegeben hat, 2-1-0: 2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wirtschaftswachstum und null Toleranz bei illegaler Migration. Deshalb haben wir das gemacht und nicht aus Jux und Tollerei, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 ÖVP) Abschließend ist es mir wichtig, allen, die im Bereich der Sozialversicherung tätig sind und dort arbeiten, Danke zu sagen. Ich meine, man weiß ja gar nicht, welch gutes System wir in Österreich haben. Es wird immer gesagt: Na, es ist eh klar, die Regierungsparteien sagen immer, es ist alles super, es ist alles gut! – Nein, das sage ich nicht, aber ich sage, dass wir ein gut funktionierendes System haben. Und wenn man an der deutschen Grenze daheim ist und dort lebt, dann weiß man, welch gutes Pensionssystem wir in Österreich haben, dass die Pensionen 14-mal und nicht zwölfmal ausgezahlt werden (👏 ÖVP, SPÖ), dass wir Pensionshöhen haben, die in anderen Ländern nicht einmal zur Hälfte erreicht werden, und dass wir Berufsgruppen haben, die in unserem System besonders berücksichtigt und auch abgesichert werden. Das sind jene, die im Mindestpensionsbereich angesiedelt sind. Die Mindestpension für Einzelpersonenen steigt auf über 1 300 Euro, und weil es ganz viele – vor allem Frauen – gibt, die keine Pension beziehen, weil sie Kinder erzogen haben, weil sie gepflegt haben – noch ohne Pflegegeld gepflegt haben –, steigt der Familienausgleichszulagenrichtsatz auf über 2 000 Euro, auf 2 009 Euro, an. Das ist sozial gerechtfertigt, es ist auch notwendig, das zu tun. Wir haben im ASVG-System insgesamt 63 Milliarden Euro, und 50 Milliarden Euro sind durch Beiträge gedeckt. Wir haben in dieser Bundesregierung bereits drei wesentliche Maßnahmen beschlossen: die Teilpension, die ich allen wirklich ans Herz legen möchte. Man kann sich das einfach einmal anschauen und sagen: Ich nehme mir einen Teil der Pension, ich arbeite zu einem Teil weiter, weil es eine Win-win-Situation ist. Ja, wir haben Veränderungen bei der Korridorpension wegen der Nachhaltigkeit durchgeführt: das Alter um ein Jahr angehoben, die Versicherungsjahre um zwei Jahre angehoben. Und wir haben wieder den Nachhaltigkeitsmechanismus eingeführt, den ursprünglich Wolfgang Schüssel bei der großen Reform 2003/2004 bereits gesetzlich verankert hat, der fünf Jahre später herausgeflogen ist und den wir jetzt wieder im Gesetz haben, weil wir eine Nachhaltigkeit in einem sehr guten, funktionierenden Pensionssystem brauchen. Dazu bekennen wir uns auch. Wir beschließen jene Maßnahmen, die durchaus die Nachhaltigkeit im Vordergrund sehen, für die Pensionistinnen und Pensionisten und vor allem für jene – das ist mir wichtig; in einem Umlagesystem geht es vor allem auch um jene –, die jetzt in das System einzahlen und ein Recht darauf haben, noch auf eine gesetzliche Pension vertrauen zu können. Das ist ein wichtiges Signal, das die Politik mit dem hier gibt. Schüssel hat das Pensionskonto eingeführt, mit Minister Hundstorfer haben wir es umgesetzt. Das Pensionskonto läuft seit elf Jahren, alle Bürgerinnen und Bürger, die einzahlen, können per Knopfdruck abrufen, wie hoch der Stand des Pensionskontos ist und welche Pension sie zu erwarten haben. Das ist Entbürokratisierung und das ist auch eine Information, die für viele Menschen ganz wichtig ist – auf Knopfdruck. Wir haben das Pensionssystem in den letzten Jahrzehnten gut weiterentwickelt und eine Pensionsanpassung vorliegen, die den Namen verdient, die sozial gerechtfertigt ist und natürlich Rücksicht auf die jetzige Zeit nimmt. Man kann sie hier jedenfalls geschlossen mitbeschließen, und nicht nur die Verfassungsbestimmung, meine sehr geehrten Damen und Herren von der FPÖ, weil es da ja auch um die Länderpensionen und um das, was in den Kammern ausbezahlt wird, geht. Man könnte dieser Anpassung durchaus zustimmen, was Sie früher in Regierungsbeteiligungszeiten auch gemacht haben. Daher ist es eine reine Oppositionswillkür – es gibt keinen fachlichen und sachlichen Hintergrund –, dieser Pensionsanpassung nicht zuzustimmen. Wir wollen unsere Pensionistinnen und Pensionisten unterstützen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, habe ich eh gesagt!

ÖVP August Wöginger

… Wir danken auch für das Verständnis und dafür, dass man das auch sieht. Wir stehen zu unseren Seniorinnen und Senioren, die dieses Land aufgebaut haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nur nehmts ihnen alles weg!

ÖVP August Wöginger

… daher ist diese Pensionsanpassung auch eine gute. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Peter Wurm . (Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung Abg. Wurm –: Sollen wir schon eine tatsächliche Berichtigung einmelden?)

FPÖ Peter Wurm

Danke, Frau Präsidentin! Frau Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher! Zuerst möchte ich Besucher aus Krakaudorf in der Steiermark und das Demo-Team Spittal begrüßen. – Danke für Ihren Besuch! ( Allgemeiner Beifall. ) Ja, das war eine sehr feurige Rede, Kollege Wöginger, mit sehr viel Feuer, sehr viel Emotion. Ich glaube, es gibt auch viel von euch, vor allem von der ÖVP, zu erklären, warum man jetzt die Pensionisten quasi schröpft und kürzt. Man muss das erklären: Bei einer Inflation von 4 Prozent nur um 2,7 Prozent zu erhöhen, ist - - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Geh bitte, Peter!

FPÖ Peter Wurm

… Kollege Wöginger, wenn die offizielle Inflation 4 Prozent ist und wir die Pensionen um 2,7 Prozent erhöhen, dann ist das weniger, liebe SPÖ, oder? Es ist also eine Kürzung.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Aber wir haben ein gesetzliches System, das weißt du schon?!

FPÖ Peter Wurm

… An sich ist es intellektuell nicht schwer nachzuvollziehen, dass 2,7 weniger als 4 sind. Können wir uns darauf einigen? Das, glaube ich, schaffen wir alle noch. (👏 FPÖ) Für jene, die über diese 2 500 Euro brutto Pension haben, geht es dann hinunter in Richtung 2 Prozent. Das ist die Hälfte von 4 Prozent, also ganz real auch eine Kürzung. Dazusagen muss man noch einmal – das ist ja ein anderes Thema –, dass diese offizielle Inflation, die wir mit 4 Prozent haben, natürlich nicht dem entspricht, was ein normaler Pensionist an Teuerung verspürt. Das ist ja wesentlich höher, da reden wir von 6, 7, 8 Prozent. Deshalb haben auch – das sage ich ganz deutlich – ganz, ganz viele Pensionisten, mit denen ich gesprochen habe – und zwar mit niedrigen und hohen Pensionen –, das Gefühl, dass sie unter die Räder kommen. Das ist, glaube ich, ganz eindeutig, deshalb auch die 12-Minuten-Rede des Kollegen Wöginger, um das zu erklären. Klarerweise ist die Sozialdemokratie da mit im Boot, die ÖVP sowieso, die NEOS auch. Liebe Sozialdemokratie, ihr solltet aufpassen, dass ihr nicht irgendwann die eigene Propaganda glaubt. Wir als Freiheitliche stehen für die Pensionisten. Ich darf kurz erwähnen: 2018 haben wir die kleinen Pensionen überproportional über der Inflation erhöht. Vielleicht erinnert man sich daran, man kann es auch recherchieren. Das ist das Letzte, das wir gemacht haben. Interessanterweise sagt Kollege Wöginger: gemeinsam mit der SPÖ. Es war damals auch Jörg Haider dabei, der das Pensionskonto neu eingeführt hat; diese Reform darf man vielleicht nicht vergessen. Es ist also plötzlich doch etwas Gutes, auch vonseiten der Sozialdemokratie. Dann bitte nicht immer behaupten, wir Freiheitliche würden bei Pensionen kürzen, denn das stimmt de facto nicht! (👏 FPÖ) Liebe Sozialdemokratie, ihr habt heute die Nagelprobe: Wir als Freiheitliche bringen einen Antrag ein, womit die Pensionisten besser abschneiden. Da könnt ihr zustimmen. Wenn ihr nicht zustimmt, könnte ich ja die nächsten zehn Jahre die Propaganda fortsetzen, dass die Sozialdemokratie bei den Pensionisten kürzt, oder? Das ist ja auch relativ logisch. Wir werden sehen, was bei der Abstimmung heute herauskommt. (👏 FPÖ) Ein Thema, das mich seitdem ich im Nationalrat bin, schon sehr lange, beschäftigt – es ist ja heute teilweise auch ein Thema –, sind die Luxuspensionen. Es ist interessant, dass die Grünen diesbezüglich plötzlich in die Gänge kommen. Wir werden da auch zustimmen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ah jetzt doch?

FPÖ Peter Wurm

… Wir werden da zustimmen, weil es natürlich eine Verbesserung ist …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt doch? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Habe ich ja auch schon gesagt, ihr müsst zuhören!

FPÖ Peter Wurm

… aber, und jetzt kommt das große Aber …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Habts euch jetzt durchgesetzt?

FPÖ Peter Wurm

… das muss man ja einmal erklären –: Der Sündenfall der Luxuspensionen damals ist von den Grünen ermöglicht worden, Kollege Kogler war sogar dabei. Die Kollegin Schwentner hat das damals mit der Verfassungsmehrheit gemacht, dass wir bis 2070, liebe Zuseher – bis das Jahr 2070 erreicht ist –, in Österreich Luxuspensionen bezahlen werden. Das betrifft relativ viele. Der Letzte, der das halbwegs genau recherchiert hat, war Prof. Marin, falls man den noch kennt. Wir sprechen da von 50 000, die so eine Luxuspension haben, und die geht in Höhen von monatlich 20 000 Euro; ein ganz großer Teil – auch interessant natürlich – sind von Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Wirtschaftskammer. 12 000 Personen betrifft es immer noch – das sage ich nur am Rande, weil das ja auch immer von der Sozialdemokratie erwähnt wird. Das heißt, diese Luxuspensionen haben wir bis 2070. Wir haben schon ganz, ganz oft Anträge dahin gehend eingebracht, das einfach auf eine ASVG-Höchstbemessungsgrundlage zu reduzieren. Wenn jetzt gesagt wurde – ich glaube, von der Sozialdemokratie oder von den NEOS –, man hätte eine Mehrheit gehabt, aber die ÖVP spielt bei dieser Zweidrittelmehrheit nicht mit, darf ich noch einmal anbieten: Dann machen wir es ohne ÖVP. Mit uns gemeinsam haben wir die Zweidrittelmehrheit. Dann können wir das machen. Ich sage, es wäre ganz einfach, die Luxuspensionen abzuschaffen. Wir stehen seit vielen, vielen Jahren dafür bereit, weil ich es ja auch einer Mindestpensionisten oder einem normalen Pensionisten erklären möchte, dass wir das beendet haben, und nicht erst 2070, sondern schon 2025/26. Es versteht ja keiner, warum jemand 18 000 Euro Bruttopension bekommt – ORF-Generaldirektoren, Nationalbank, alles, was da kreucht und fleucht. (👏 FPÖ) Wie gesagt, uns betrifft es ja in der Regel eben nicht …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Warum habts dann dagegen gestimmt?

FPÖ Peter Wurm

… diese Luxuspensionen betreffen halt das alte schwarz-rote System. Zusammenfassend kann man sagen: Natürlich kürzen Sie bei den Pensionisten, weil sie eine falsche Politik gemacht haben, vor allem in den letzten Jahren, die ÖVP gemeinsam mit den Grünen. Wir haben eine hohe Inflation, wir haben eine schlechte Wirtschaftspolitik. Das geht zulasten der gesamten Bevölkerung, und ein Großteil wird jetzt auch von den Pensionisten getragen, die natürlich real Geld verlieren; ist ja relativ logisch: 4 Prozent, 2 Prozent, da verliert man. Die Pensionisten verstehen das auch relativ einfach, wir erklären es ihnen auch relativ deutlich. Also wir werden heute dieser Pensionsanpassung, die Sie vorhaben, nicht zustimmen. Bei den Luxuspensionen erfolgt ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber der große Schritt wäre, sie abzuschaffen. Wir stehen bereit, wenn ihr mit uns reden wollt, jederzeit. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Klubobmann Yannick Shetty .

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wenn ich Ihr Vermögensberater wäre, dann würde ich sagen, es gibt vermutlich in den letzten 20 Jahren bessere Investments, als in Österreich Steuern zu zahlen. Warum? – Vor allem aufgrund eines reformresistenten Pensionssystems ist unser Budget so unter Druck geraten, in Schieflage gekommen, dass wir mittlerweile ein Viertel des Gesamtbudgets in unser Pensionssystem zuzahlen.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Nein!

NEOS Yannick Shetty

… Also welcher Vermögensberater würde sagen: Investiere, aber ich sage dir jetzt schon, ein Viertel dessen, was du investierst, ist futsch!? Jeder vierte Euro, 25 Prozent, verpufft, weil wir das brauchen, um in ein Pensionssystem zuzuzahlen, das eben schon lange hätte reformiert werden sollen. Das ist in Österreich der Fall. 30 Milliarden Euro brauchen wir jedes Jahr zusätzlich zu den Beiträgen der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, um das Pensionssystem zu erhalten. Das ist ein Viertel des Gesamtbudgets, das für wichtige andere Bereiche fehlt. Ich möchte auch explizit sagen, auch den Zuseherinnen und Zusehern hier oder zu Hause: Nicht schuld daran – nicht schuld – sind jene, die jetzt in Pension sind und die Teil dieses Systems sind. Die Menschen, die fleißig gearbeitet haben, die eingezahlt haben, die sich an die Gesetze halten, die sind nicht schuld – logischerweise –, schuld und verantwortlich waren vor allem in den letzten 20 Jahren populistische Entscheidungen, Wahlzuckerln vor jeder Wahl hier im Parlament, die das System immer weiter kaputt gemacht haben. Diese Reformresistenz war dafür verantwortlich. Und ich kann Ihnen auch etwas Positives sagen: Damit ist jetzt Schluss. (👏 NEOS) Viele Menschen denken – und das würde einem ja auch der Hausverstand irgendwie so sagen –, das Pensionssystem funktioniert vereinfacht gesagt so: Ich zahle wie auf ein Sparbuch ein und wenn ich in Pension gehen, bekomme ich das raus, was ich eingezahlt habe.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Nein!

NEOS Yannick Shetty

… Nur ist das Problem in Österreich: Aufgrund unseres Umlageverfahrens gibt es immer weniger Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, immer weniger junge Menschen, aber immer mehr ältere Menschen, Pensionistinnen und Pensionisten. Es ist ja etwas Gutes, dass wir immer länger und gesund leben, aber wenn die Situation so ist, wie ich sie gerade dargestellt habe, dann wird das dazu führen, dass für diese finanzielle Lücke jemand zahlen muss, weil die Beiträge immer niedriger, aber die Pensionszahlungen immer höher werden, und diese Lücke sind diese 30 Milliarden Euro, die wir jedes Jahr ausgeben. Nur um es in Relation zu setzen: 10 Milliarden Euro Bildungsbudget jedes Jahr, 30 Milliarden Euro nur um zuzuzahlen, damit das Pensionssystem nicht kollabiert. Das müssen wir wieder geradebiegen, diese Schieflage müssen wir beenden – und das machen wir jetzt Schritt für Schritt. Wir folgen damit dem Beispiel von Ländern wie Norwegen, Schweden oder den Niederlanden, die schon vor vielen Jahren den Kurs gewechselt haben. Übrigens sind das keine Länder, die zusammengebrochen sind. Im Gegenteil, diesen Ländern geht es in vielen Indikatoren, in vielen Fragen besser als Österreich. Diesem Kurs werden wir folgen, das ist dringend notwendig. (👏 NEOS) Diese 30 Milliarden Euro, die wir jedes Jahr aufbringen müssen, um das System zu reparieren, fehlen nämlich für Investitionen in die Bildung, für Investitionen in die Zukunft, für Investitionen in die Jugend. Ich kann sagen, dass wir in den sechs Monaten seit Antritt dieser Bundesregierung schon einige wichtige Schritte gesetzt haben und den Reformmotor angeworfen haben. Wir haben die Teilpension eingeführt, wir haben die Korridorpension reformiert und, was echt ein Gamechanger ist, wir haben einen Reformautomatismus im Gesetz verankert, der vereinfacht gesagt vorsieht: Gerät das Budget aus den Fugen, ist die Regierung verpflichtet, gesetzliche Maßnahmen zu treffen. Das wird sicherstellen, dass das Budget, dass das Pensionssystem wieder auf Kurs kommen. Was wir heute mit der Pensionsanpassung für 2026 beschließen werden, ist auch ein klares Signal an die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, an alle Menschen in Österreich, dass wir nach Jahren – Kollege Klubobmann Wöginger hat es gesagt, nach Jahren – der Anpassung über der Inflation dieses Jahr im Sinne des Budgets und im Sinne des Gesamtzusammenhangs in Österreich einen Kurswechsel einleiten. Und ja, ich sage auch, das war nicht Teil des Regierungsprogramms, aber wir haben uns in dieser Koalition an den Tisch gesetzt, um jetzt – das ist ja auch der Titel des Regierungsprogramms – das Richtige zu tun und zu überlegen, wo wir nachschärfen müssen. Das ist ein Ausdruck dessen. Das haben wir in zwei Bereichen gemacht, nämlich einerseits bei der Anpassung der Pensionen, die nicht Teil des Regierungsprogramms waren, und bei dem Aufschnüren des Beamtenabschlusses. Etwas auch in die Richtung des hier anwesenden ehemaligen Beamtenministers gesagt …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Es gibt keinen Beamtenminister! Wann wirst du das lernen?

NEOS Yannick Shetty

… Absolut unverantwortlich zu der Zeit war, dass Sie 3,3 Prozent für den Staatsdienst abgeschlossen haben, wohingegen die Privatwirtschaft, die Metallindustrie, deren Gewerkschaften jetzt bei 1,4 Prozent für 2026 abschließen.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Vierparteienbeschluss!

NEOS Yannick Shetty

… Unverantwortlich! Wir schnüren das wieder auf, das war für das Budget dringend notwendig. (👏 NEOS) Es war auch eine Frage der Gerechtigkeit, weil – so sehr wir den größten Respekt vor Menschen haben, die im Staatsdienst arbeiten und die einen essenziellen Beitrag dazu leisten, dass dieses Land funktioniert – es unverantwortlich wäre, zu sagen, dass sich jene Menschen, die im Handel arbeiten, jene Menschen, die in der Industrie arbeiten, jene Menschen, die in jenen Bereich arbeiten, in denen ihr Job gefährdet ist, mit 1 Prozent zufriedengeben müssen, während wir dort, wo der Job nicht gefährdet ist, im Staatsdienst, 3,3 Prozent raufschnalzen. Das ist nicht fair und nicht gerecht und das haben wir rückgängig gemacht, Herr Kogler. (👏 NEOS) Wie sieht jetzt diese Regelung aus, die wir heute im Bereich der Pensionen beschließen? – Pensionen bis 2 500 Euro werden nicht über der Inflation erhöht, sondern um 2,7 Prozent, Pensionen darüber, über 2 500 Euro, werden um einem Fixbetrag von 67,5 Euro erhöht und wir stellen eine Stopptafel für sogenannte Luxuspensionisten auf. Und wir werden sehr genau darauf schauen, wie die FPÖ hier heute abstimmen wird, weil sie im Ausschuss noch dagegen war. – Dort haben Sie dagegengestimmt, obwohl Sie in der Vergangenheit immer dafür waren, dass wir bei den Luxuspensionisten eine Grenze einziehen. Sie haben im Ausschuss sogar gegen unseren Antrag argumentiert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was?

NEOS Yannick Shetty

… Umso zufriedenstellender ist, dass Sie vielleicht diesen Konflikt jetzt beigelegt haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir waren ja gar nicht im Ausschuss! Wir waren ja gar nicht dabei!

NEOS Yannick Shetty

… und heute sagen: Ja, bei Luxuspensionisten müssen wir eine Grenze einziehen. Da geht es nämlich nicht um 2 000 Euro Pension, da geht es nicht um 3 000 Euro Pension, sondern da geht es um 6 000, 7 000, 10 000 Euro Pension für Spitzenbeamte, Kammerfunktionäre, Ex-Nationalbanker. Niemand kann einsehen, warum wir dort die Pensionen weiter raufbringen, wenn alle den Gürtel enger schnallen müssen. Wir werden sehr genau darauf schauen, wie die FPÖ sich heute hier verhalten wird.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, ja, Linientreue ist auch in anderen Dingen gefragt! Da hat die NEOS-Partie auch schon andere Einschätzungen bei Gerichtsurteilen ...!

NEOS Yannick Shetty

… Aber, Herr Kickl, wir begrüßen es, wenn Sie Ihre Meinung geändert haben. Wir haben uns ja schon seit einer Woche, seit der letzten Ausschusssitzung, gefragt, warum die FPÖ jetzt dagegenstimmt. Wir haben ja Anträge von Ihnen, von Kollegin Belakowitsch, in denen Sie genau das fordern. Es gibt zwei Optionen: entweder immer nur Nein, Nein, Nein, immer gegen alles sein oder vielleicht deshalb, weil man jetzt selber in Oberösterreich, in Salzburg, in der Steiermark – wie würden Sie sagen? – Teil des Systems geworden ist. Aber wenn es hier vonseiten der FPÖ einen Kurswechsel gibt, dann begrüßen wir das ausdrücklich. (👏 NEOS) Also ich werbe hier abschießend um Ihre Zustimmung zu diesem Paket, das wir heute hier beschließen. Es ist auf den ersten Blick sicher nicht das Populäre, aber es ist das Richtige. Wir werden damit niedrige und mittlere Pensionen erhöhen, wir werden höhere Pensionen niedriger anpassen und Luxuspensionen werden wir kappen. Das ist ein faires Paket, bitte stimmen Sie dem heute zu! (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet. – Bitte.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Frau Präsidentin. – Herr Abgeordneter Shetty hat hier heraußen behauptet, wir als Freiheitliche hätten im Ausschuss gegen die Luxuspensionen argumentiert. Das ist unrichtig. Wir haben wohl dagegengestimmt, das war richtig, aber wir haben mit der Begründung dagegengestimmt, dass es sich um eine Zweidrittelmaterie handelt und niemand mit uns davor gesprochen hat. (👏 FPÖ) 13.28

PräsidiumDoris Bures

Na ja, die Aussage: Man hat dagegengestimmt°-°- (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nein! Dagegen argumentiert! Dagegen argumentiert haben wir nicht!) – Die Berichtigung war jetzt sozusagen die Begründung, aber ich nehme das trotz der Geschäftsordnung in den Händen einmal so zur Kenntnis. (Abg. Krainer [SPÖ]: Eine tatsächliche Bestätigung! Man könnte auch Geständnis dazu sagen!) Nun hat sich Frau Bundesministerin Korinna Schumann zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Ministerin. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Eure Außenministerin sagt, sie soll auf kein Fußballmatch mehr gehen, weil: Ich will nicht wieder verlieren! – Bundesministerin Schumann: Na passt!)

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir sprechen seit circa einer halben Stunde über Pensionen, und wenn wir über Pensionen sprechen, dann müssen wir natürlich – und ich stehe hier als Frauensprecherin – auch über jenen Preis sprechen, den Frauen jeden Tag für unbezahlte Arbeit, die sie verrichten, für Teilzeitarbeit, für die Kinderbetreuung, die sie übernehmen, für die Pflege, die sie übernehmen, und auch für die Lücken, die ihnen ein System seit Jahrzehnten vorsetzt, bezahlen. Die Zahlen haben wir heute noch nicht genannt, ich rufe sie uns in Erinnerung, ich muss das leider tun: Frauen haben um 40 Prozent weniger Pension als Männer; gesamt ergibt das über ein gesamtes Pensionsleben gerechnet einen Verlust von circa 204 000 Euro. Eine aktuelle Studie der Caritas zeigt: Jede dritte Frau in Österreich ist armutsgefährdet. Jede dritte Frau in Österreich. Das sind nicht irgendwelche abstrakten Zahlen auf Papier, das sind unsere Mütter, unsere Tanten, unsere Großmütter; das sind Frauen, die vielleicht heute hier auf der Galerie sitzen und diese Debatte verfolgen, oder die uns gerade vor dem Fernseher bei dieser Debatte zuschauen; das sind Frauen, die Großartiges und viel geleistet haben und viel zu oft in der Altersarmut landen, weil das System sie kleinrechnet. Die Armut von Frauen ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, und ja, dahinter liegt ein Muster. Erinnern wir uns beispielsweise an einen ehemaligen ÖVP-Minister und späteren Bundeskanzler, der ein Bundesland aufhetzen wollte, um den Ausbau von Kinderbetreuung aufzuhalten; erinnern wir uns an eine Debatte in diesem Sommer, als ein ÖVP-Minister Frauen Lifestyleteilzeit vorgeworfen hat und versucht hat, Frauen zu beschämen. Da frage ich mich: Wie ignorant und wie respektlos kann Mann Frauen gegenüber sein? (👏) Schauen wir ganz aktuell in das Bundesland Salzburg, wo die dortige Landesregierung jetzt die Kinderbetreuung kürzt, gleichzeitig aber in den vergangenen zwei Jahren 6,6 Millionen Euro aus Bundesmitteln zum Ausbau der Kinderbetreuung nicht abgeholt hat.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Die können aber auch in den nächsten Jahren noch abgeholt werden! Wie kann man eine Geschichte so verbiegen?

GRÜNE Meri Disoski

… Das heißt, sie haben Geld liegengelassen, gleichzeitig kürzen Sie beim Ausbau der Kinderbetreuung, statt Frauen echte Wahlfreiheit zu geben. Das ist alles kein Zufall, das ist politisch gewollt, das ist auch ideologisch gewollt, Frauen sollen offenbar abhängig bleiben. Wir Grüne wollen das ganz anders, deswegen haben wir als Teil der letzten Bundesregierung eine Vielzahl an Maßnahmen im Kampf gegen die geschlechtsspezifische Pensionslücke gesetzt, beispielsweise haben wir mehrere Milliarden Euro in den österreichweiten Ausbau der Kinderbetreuung investiert, wir haben – Sie erinnern sich – aus der Hacklerregelung, die ein Männerbevorzugungsprogramm war, den sogenannten Frühstarter:innenbonus gemacht, von dem vor allem Frauen profitieren. (👏) Wir haben eine große Pflegereform umgesetzt, die bessere Gehälter für jene, die in der Pflege arbeiten – 80 Prozent davon sind Frauen –, mit sich gebracht hat, und wir haben – darauf sind wir sehr stolz – die Mindestpensionen über die Inflation hinaus erhöht, um ein Abrutschen in Armut zu verhindern. (👏) Ja, wir stimmen heute der Pensionsanpassung zu, vor allem, weil niedrige und mittlere Pensionen und damit vor allem Frauenpensionen die volle Inflationsabgeltung bekommen. Wir sagen aber auch ganz klar – und Kollege Koza hat das auch schon gemacht –: Das reicht uns nicht. Wir brauchen einen gerechten Beitrag bei den Luxuspensionen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Jawohl!

GRÜNE Meri Disoski

… einen Beitrag der oberen Zehntausend, einen Beitrag der viel beschworenen starken Schultern. Der fehlt uns. (👏) Wir brauchen außerdem endlich gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit von Frauen und einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, denn dieser Pensionsgap, von dem ich hier spreche, die geschlechtsspezifische Pensionslücke entsteht nicht erst im Alter, nicht erst in der Pension, sondern ab dem ersten Arbeitstag, bei der ersten Gehaltsverhandlung und in der ersten Schwangerschaft. Der Befund liegt am Tisch, die Ungleichheit ist messbar, die Ursachen sind bekannt, aber die Bundesregierung tut nichts dagegen. Wo bleibt denn die so dringende Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie? Wo bleibt denn der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr? Das waren beides Gassenhauer im SPÖ-Wahlkampf. – Nichts, man sieht nichts davon. Sehr geschätzte Vertreterinnen und Vertreter der Regierungsparteien und geschätzte Frau Ministerin, auch in Zeiten der Budgetkonsolidierung gilt: Wofür eine Regierung Geld ausgibt oder auch nicht, ist immer eine Frage der politischen Prioritätensetzung. (👏) Das ist immer eine Frage der politischen Prioritätensetzung, und da komme ich nicht umhin, festzuhalten: Frauen haben einfach für diese Bundesregierung keine Priorität. Diese Regierung spart dort, wo es Frauen besonders hart trifft, und das wohlgemerkt mit der SPÖ in der Bundesregierung: automatische Inflationsanpassung von Familien- und Sozialleistungen gestrichen, Klimabonus gestrichen. Das trifft vor allem Alleinerzieherinnen besonders hart. Gibt es aber wenigstens mit sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung mehr Geld für Frauenpolitik, wenigstens das? – Nein, leider Fehlanzeige. Milliarden Euro fließen aber in Beton, in Asphalt, in Autobahnen. Es werden mehrspurige Straßen aus Asphalt gebaut, und riesengroße Schlaglöcher in der Gerechtigkeit und Gleichstellung bleiben über. Das ist die Politik dieser Bundesregierung. ( Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von SPÖ und Grünen. ) – Unser Weg als Grüne ist ein anderer: Wir setzen auf gleiche Chancen, auf gleiche Löhne. Ja, ich verstehe die Aufregung im SPÖ-Sektor. Mir wäre es auch peinlich, wenn ich das jetzt hier wie einen Spiegel vorgehalten bekommen würde. Unser Weg als Grüne ist aber ein anderer. Wir setzen auf faire Chancen, gleiche Löhne, faire Pensionen, auf eine Gesellschaft die Frauen nicht kleinrechnet, sondern ihre Leistungen anerkennt, auch finanziell. Kollege Shetty ist jetzt leider nicht mehr da, aber vielleicht können das die Kolleg:innen von den NEOS ihm noch mitgeben: Ich will ihm sehr, sehr entschieden widersprechen. Er hat davon gesprochen, dass das Geld, mit dem Pensionen finanziert werden, verpuffe und plötzlich futsch sei. Dieses Geld ist aber nicht futsch, sondern es ermöglicht Menschen, Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet, gepflegt und erzogen haben, das, was sie verdienen, nämlich ein Leben in Würde. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Verena Nussbaum zu Wort. – Bitte.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, Kollegin Disoski, ihr habt uns leere Kassen hinterlassen. Die Frauenministerin hat es geschafft, dass das Budget für 2026 nicht reduziert wird, und die Bundesregierung ist seit sieben Monaten im Amt und hat sehr viel in der Pipeline, auch was Frauenvorhaben betrifft. Ich erwähne nur den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen. (👏 SPÖ) Und mir fällt jetzt auf die Schnelle gar nichts ein, was in diesem Haus in der letzten Legislaturperiode Großartiges für Frauen geschehen ist. Kommen wir aber wieder auf die Pensionen zurück! Wir wissen, mehr als 2,3 Millionen Menschen beziehen in Österreich eine Pension. Die Durchschnittspension beträgt bei Männern 2 238 Euro, bei Frauen leider nur 1 557 Euro. Mit der Erhöhung entsprechend der rollierenden Inflation – und Lerneffekt für die FPÖ: es wird die rollierende Inflation herangezogen, Kollege Wurm, und nicht irgend eine Rosinenpickerei gemacht, indem man irgendeine Inflationszahl von einem Monat herausnimmt – ergeben sich eben 2,7 Prozent. Wir freuen uns, dass eben aufgrund der Durchschnittspensionen die es in Österreich gibt, mehr als 1 650 000 Menschen von der vollen Erhöhung profitieren, und die Pensionistinnen und Pensionisten mit über 2 500 Euro Pension gehen mit 67,50 Euro pro Monat, nachhaltig, auch nicht leer aus. Schön ist es auch, dass jetzt die FPÖ und auch die Grünen signalisiert haben, dass sie der Anpassung von 67,50 Euro für die sogenannten Luxuspensionen zustimmen werden. In den Zeiten, als die FPÖ in Regierung war, hat man eigentlich nie irgendwelche Vorschläge gesehen, die Luxuspensionen irgendwie zu ändern.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Da waren Sie nicht im Haus, Frau Kollegin! Deshalb wahrscheinlich!

SPÖ Verena Nussbaum

… Na ja, ich habe mich darüber informiert. Es hat mir niemand sagen können, dass da etwas ist.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wo haben Sie sich informiert? Wo haben Sie sich informiert? Wo? Wo?

SPÖ Verena Nussbaum

… Tatsache ist, dass bei uns in der Regierung aktive Politik gegen die Teuerung auf der Tagesordnung steht. ( Rufe bei der FPÖ: Wo? ) Ich möchte da noch einmal auf die Entlastungsmaßnahmen im Gesundheitsbereich hinweisen, die wir bereits beschlossen haben und die vor allem ein Vorteil für Pensionistinnen und Pensionisten sind, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter von schlechter Gesundheit betroffen sind. Ich möchte da den neu eingeführten Medikamentenkostendeckel von maximal 2 Prozent des Nettojahreseinkommens erwähnen, der nun alle verschriebenen Medikamente betrifft. Die Rezeptgebühr wird 2026 nicht erhöht werden, das Pflegegeld wird jedoch sehr wohl valorisiert werden, ja. (👏 SPÖ) Im Sommer wurden auch schon der Mietpreisstopp 2025 und die Mietpreisbremse von maximal 1 Prozent für alle regulierten Mieten umgesetzt. Weitere Maßnahmen gegen die Teuerung im Bereich Wohnen und der Kampf gegen hohe Lebensmittelpreise sind bereits in Vorbereitung. Im Sommer sind Stimmen laut geworden, die überhaupt keine Erhöhungen für Pensionisten gefordert haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo waren die Stimmen?

SPÖ Verena Nussbaum

… Wir haben jedoch sehr wohl erreicht, dass Pensionen bis 2 500 Euro mit 2,7 Prozent die volle Inflationsabgeltung bekommen. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Andrea Michaela Schartel zu Wort.

FPÖ Andrea Michaela Schartel

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Frau Kollegin Nussbaum, sich da jetzt herauszustellen und zu sagen, was Sie nicht alles Tolles für die Pensionisten im Gesundheitswesen und bei den Krankenkassen gemacht haben: Ich meine, das ist ja wirklich sehr, sehr mutig. Mut kann man anscheinend nicht kaufen. Darf ich Sie daran erinnern: 1.6.2025: Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Danke, Herbert! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… 1.7.2025: Einführung des Selbstbehalts für Krankentransporte, ja; 1.11.2025: E-Card-Gebühr-Einführung. Aber: Wir tun ja so viel für die Pensionisten! – Nein, ihr macht es eben nicht. Und was das Ganze wirklich ist – und das finde ich beschämend und skandalös –: Jetzt haben wir ein halbes Jahr eine Regierung, eine sozialdemokratische Sozialministerin, bei der man annimmt, sie stellt sich schützend gerade vor die Arbeitnehmer, gerade vor die Pensionisten, vor jene Gruppe, der wir zu verdanken haben, dass wir überhaupt darüber nachdenken können, was Wohlstand war, die unter Entbehrungen und mit Fleiß dieses Land wieder aufgebaut haben. Und was macht ihr in sechs Monaten Regierung? – Ihr nehmt den Menschen nur die Dinge weg, ihr beschneidet die Arbeitnehmer, die Pensionisten, wo ihr nur könnt. Das kann man sich nicht schönreden. 4,1 Prozent derzeitige echte Inflation sind 4,1 Prozent. Und einem Pensionisten hilft es nichts, wenn Sie ihm erklären, es geht um eine Anpassung an die rollierende Inflation. Der spürt, dass er weniger Geld hat. Krankenversicherungsbeitragserhöhung, E-Card-Gebühr-Einführung, Selbstbehalt bei Krankentransporten, und Sie stellen sich her und sagen: Meine Güte, was wir nicht alles Positives für die Pensionisten tun! – Also das glaubt man ja nicht. So, und weil Sie anscheinend wirklich das Bewusstsein für sehr, sehr viele Dinge verloren haben, habe ich mir die Mühe gemacht, zu schauen: Was hat eigentlich die SPÖ seinerzeit, vor den Nationalratswahlen, nicht alles gerade für unsere Pensionisten versprochen? Und da habe ich zum Beispiel entdeckt: „Gesetzliches Pensionssystem in die Verfassung!“ „Um das staatliche Pensionssystem besser vor Eingriffen zu schützen, fordern wir, dass die Grundsätze unserer solidarischen Pflichtversicherung in Verfassungsrang gehoben werden.“ Jetzt wollen Sie davon nichts mehr wissen. Es gibt eine gesetzlich vereinbarte Anpassung, aber die SPÖ sagt: Nein, aber nicht für alle! – Jene, die mehr einbezahlt haben, müssen jetzt halt damit leben, dass sie das, worauf sie seinerzeit vertraut haben, nicht mehr vom Staat zurückbekommen. Herr Wöginger ist nicht da, Herr Shetty ist nicht da. Der hat ja heute schon wieder eine Unwahrheit gesagt. Der hat gesagt, Sie können sich darauf verlassen, dass Sie jeden Cent, den Sie in die Pension, auf das Pensionskonto, einzahlen, dann auch wieder herausbekommen. Der weiß nicht, wie die Pensionen bei uns berechnet werden. Jeder, der jetzt Pensionsbeiträge zahlt, stellt sie den Pensionsversicherungsanstalten zur Auszahlung der aktuellen Pensionen zur Verfügung. Wir wissen alle, es gibt eine Grundlage, einen Umrechnungsfaktor, eine Teilgutschrift. Wenn jemand 1 000 Euro verdient, sind davon 228 Euro Arbeitgeber-/Arbeitnehmeranteil, und auf dem Pensionskonto werden 178 Euro gutgeschrieben. Also dass man jeden Cent, den man da einzahlt, wieder herausbekommt, stimmt leider auch nicht. – Sie brauchen nicht so groß zu schauen, sehen Sie auf den Pensionsrechner bei der SVS! Da können Sie es nachlesen. (👏 FPÖ) Und Sie sagen immer, dass wir eigentlich diejenigen sind, die die Menschen verunsichern. (👏 SPÖ, NEOS) – Das stimmt nicht, nein. Wir sagen den Menschen die Wahrheit. Und was Sie machen, ist, die Menschen zu verunsichern. Was bekommen zum Beispiel viele, viele junge Menschen jetzt mit? – Dass man sich auf Dinge, die immer Gültigkeit hatten, auf den Vertrauensgrundsatz, nicht mehr verlassen kann, weil wir leider momentan Politiker haben, denen die Wahrheit vollkommen wurscht ist, koste es, was es wolle …

ÖVP Kühberger (Zwischenruf)

Es sind aber genau die ..., denen sie wurscht ist, die Wahrheit, genau die Freiheitlichen, die ...!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… und die nur auf das Eigene bedacht sind. Das finde ich wirklich sehr traurig. Frau Minister, wir haben zusammen im Bundesrat gemeinsam wirklich Seite an Seite gekämpft. Ich kann mich erinnern, im Jahr 2024 haben Sie einen Antrag zum Pensionssystem gestellt. Jetzt sind Sie in der Verantwortung und machen in Wirklichkeit das Gegenteil. Das hat sich unsere ältere Bevölkerung absolut nicht verdient! (👏 FPÖ) Deshalb muss ich Ihnen eines sagen: Vielleicht sollte man sich, auch wenn man in Regierungsverantwortung ist, wieder auf seine eigenen Werte besinnen. Vielleicht sollte man auch einmal darüber nachdenken, warum die Menschen Ihnen nicht mehr folgen können. Es geht nämlich darum – erklären Sie das jemandem –: Warum war eine Ihrer ersten Handlungen, dass wir als Staat die Krankenversicherungsbeiträge für Ukrainer bezahlen müssen? Ein paar Monate später erhöhen Sie die Krankenversicherungsbeiträge der österreichischen Pensionisten. Warum, zum Beispiel, gibt es bei uns Menschen, die eigentlich fürs Nichtstun 9 000 Euro – der spezielle Fall – als Mindestsicherung erhalten, aber Sie gewähren den Pensionisten die normale Anpassung nicht? Das sind die Dinge, die keiner versteht.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

... sparen!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Natürlich muss gespart werden, aber nicht immer nur an unserer Bevölkerung und an der so, so wertvollen und geschätzten älteren Generation. Damit muss jetzt endlich einmal Schluss sein. (👏 FPÖ) Wissen Sie, es ist sehr, sehr viel Vertrauen zerstört. Österreich braucht …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Einen Volkskanzler!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… damit es wirklich wieder eine gute Chance hat und wir in die Zukunft blicken können …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Volkskanzler!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Politiker, die einfach ehrlich sind, die wirklich im Interesse der Menschen, der Bevölkerung handeln, und die nicht mehr oder minder nur jene bestrafen, die dieses Land aufgebaut haben. Deshalb – Sie werden es nicht hören wollen – brauchen wir einen Volkskanzler Herbert Kickl .

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Heike Eder zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Heike Eder

Danke, Frau Präsidentin! Liebe Frau Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier auf der Galerie und zu Hause! Liebe Kollegin Schartel, wir kennen uns ja schon eine längere Zeit, schon aus dem Bundesrat. Ich würde Ihnen wirklich gerne einmal recht geben, aber wenn ich das täte, dann hätten wir einfach beide unrecht ( Heiterkeit bei ÖVP, SPÖ und Grünen ) und deswegen komme ich lieber zur Tagesordnung zurück. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Wenn meine Oma einkaufen geht, dann rechnet sie mit, jede einzelne Woche.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Rechnet sie auch noch in Schilling um? – Heiterkeit der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

ÖVP Heike Eder

… Sie lebt bescheiden, wie viele ältere Menschen in Österreich, aber sie hat zeit ihres Lebens gearbeitet, sie hat gespart und sie hat ihre Kinder großgezogen und so mit ihrem Fleiß maßgeblich auch zum Wohlstand unserer Republik beigetragen. Genau diesen Menschen wollen wir auch weiterhin Sicherheit gewähren. Darum werden wir mit 1.1.2026 die Pensionen bis 2 500 Euro brutto mit dem gesetzlichen Pensionsanpassungsfaktor von 2,7 Prozent und alle Pensionen über 2 500 Euro brutto mit dem Fixbetrag von 57,50 Euro erhöhen. Von dieser Erhöhung um 2,7 Prozent sind über 70 Prozent aller Pensionistinnen und Pensionisten betroffen, meine Damen und Herren! Ganz unbestritten waren die letzten Jahre herausfordernd und schwierig: hohe Mieten, hohe Lebensmittelkosten, hohe Energiepreise. Die Pensionen sind in den letzten drei Jahren um 20,1 Prozent gestiegen – im Vergleich dazu: die Gehälter in der Metallbranche beispielsweise um 20 Prozent, im Handel um 19 Prozent. Das heißt, meine Damen und Herren, die Pensionen sind in den letzten drei Jahren stärker gestiegen als die Gehälter und Löhne der größten Beschäftigungsgruppen in Österreich – und auch über der Inflation. (👏 ÖVP, NEOS) Gerade deshalb, meine Damen und Herren, braucht es Maß und Verantwortung. Wir wollen, dass die ältere Generation sicher leben kann, aber wir müssen auch auf die junge Generation schauen, die heute arbeitet, die heute Kinder erzieht und die auch das System in der Zukunft trägt (👏 ÖVP, NEOS), denn Generationengerechtigkeit heißt auch: Wir tragen Verantwortung füreinander, sowohl jung als auch alt. Nun noch kurz zur Kritik der FPÖ: Ihr empört euch ja maßgeblich darüber, dass die hohen Pensionen nur mit einem Fixbetrag angepasst wurden und nicht mit dem Anpassungsfaktor.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Mit 2 500 Euro brutto sind sie nicht hoch!

ÖVP Heike Eder

… Jetzt möchte ich euch schon noch daran erinnern: 2019, als ihr auch in Regierungsbeteiligung wart, war es eine ähnliche Situation. Auch da war es so – wie im Übrigen schon viele Jahre Gepflogenheit –, dass die hohen Pensionen mit einem Fixbetrag angepasst wurden. Damals habt ihr es als sozial gerechtfertigt definiert. Sie, Frau Belakowitsch, haben das damals auch so gesagt. Heute ist es eine andere Situation, heute ist es ein absoluter Skandal. Es ist also ganz offensichtlich: Der Standort bestimmt halt einfach den Standpunkt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ein neuer Obmann!

ÖVP Heike Eder

… Wenn wir schon über soziale Gerechtigkeit sprechen, dann möchte ich schon auch über die abschlagsfreie Hacklerregelung reden, die ihr so lautstark fordert und unbedingt wieder einführen möchtet. Ich möchte schon dazusagen, dass es ja auch legitim ist, wenn man Pensionistinnen und Pensionisten unterstützen muss, man dann aber auch ehrlich sein muss: Es ist nicht so, dass das Geld vom Himmel fällt, sondern es ist eine Umverteilung.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Na, das wissen wir! Wir wissen das!

ÖVP Heike Eder

… Das heißt, wenn man es irgendwo hingibt, muss es irgendwo anders weggenommen werden …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau!

ÖVP Heike Eder

… und das geht auf Kosten der jetzigen und zukünftigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die diese Leistungen auch zahlen müssen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Geld wird in Koffern getragen bei der FPÖ!

ÖVP Heike Eder

… Dann schauen wir uns an, wer die Profiteure der abschlagsfreien Hacklerregelung waren. Das war nämlich eine relativ kleine Gruppe …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau!

ÖVP Heike Eder

… 7 000 Anspruchsberechtigte jährlich, fast ausschließlich Männer, mit einer überdurchschnittlich hohen Pension.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Also die Wahrscheinlichkeit eines schwarzen oder roten Parteibuchs!

ÖVP Heike Eder

… Jetzt frage ich Sie schon, liebe FPÖ: Ist das fair für Sie, ist das sozial gerechtfertigt oder ist es eventuell einfach zukunftsvergessen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ich erkläre es Ihnen gern, Frau Kollegin!

ÖVP Heike Eder

… weil Sie die nächsten Generationen für den heutigen Applaus bezahlen lassen? …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ich erklär es Ihnen gern!

ÖVP Heike Eder

… Meine Damen und Herren, die Pensionsanpassung 2026 schützt die Kaufkraft der älteren Generationen – mit einem Blick auf das Budget. Wir werden die niedrigeren Pensionen erhöhen, die höheren Pensionen werden geringer angepasst und Luxuspensionen werden gekappt. – Danke schön. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alexander Petschnig .

FPÖ Alexander Petschnig

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren ja recht lebhaft über das Pensionsanpassungsgesetz, dem schon seit Wochen einiger medialer Ärger vorausgegangen ist, weil es nämlich nach den Erhöhungen der Sozialversicherungsbeiträge vor einigen Monaten – wir haben es ja vorher gehört – in diesem Jahr bereits der zweite Griff in die Taschen der Pensionisten ist, den diese Bundesregierung vornimmt. Es ist auch das Wording recht interessant. Wenn man sich das ein bisschen auf der Zunge zergehen lässt – 2,7 Prozent volle Abgeltung, das ist halt die Frage. Bei einer Inflation von 4 oder 4,1 Prozent, was bekanntlich größer ist als 2,7 – ich hoffe, wir müssen dafür keinen mathematischen Nachweis bringen –, ist diese natürlich nicht abgegolten, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass diese Indizes ja am Bruttoinlandsprodukt gemessen werden. Der Pensionistenindex – Sie wissen es, die haben da bestimmte Dinge vom Warenkorb, die sie regelmäßig beziehen – ist ja noch höher: Von 6, 7, 8 Prozent war vorhin die Rede. Das kommt, glaube ich, hin. Insofern sind wir von der vollen Abgeltung ja noch weiter weg. Frau Kollegin Eder: Das mit dem Sockelbetrag ist schon in Ordnung, es ist halt die Frage, wie hoch der Sockel ist. Wenn man schon unterhalb der vollen Abgeltung ansetzt und dann mit dem Sockelbetrag noch weiter darunter bleibt, dann haben wir natürlich ein gewisses Problem damit.

ÖVP Eder (Zwischenruf)

Wie war das mit dem ...?

FPÖ Alexander Petschnig

… Interessant ist auch – das hört man lustigerweise eher aus den Reihen der SPÖ oder liest man nachher aus den Reihen der SPÖ –: Na ja, es wird ja nicht gekürzt, es wird ja eh erhöht, es kriegt ja eh jeder mehr. Ja eh, man kann sich halt nur weniger darum kaufen. Das Ganze nennt sich Realeinkommensverlust und ist natürlich genauso abzulehnen. Die Österreicherinnen und Österreicher sehen – als zweiten Punkt – natürlich, dass sich Leistung nicht lohnt. Eine Pension von 2 500 Euro brutto – bitte, da sind wir von Luxuspensionen aber weit weg. Da sollte man auch wirklich einmal die Zahlen ein bisschen genauer auf sich wirken lassen. Andererseits treffen wir damit natürlich Leistungsträgerinnen und Leistungsträger der vergangenen Jahre: Einzelunternehmer, Kleinunternehmer, Arbeitnehmer:innen, viele davon, vielleicht auch die in der vorigen Debatte bereits erwähnten Kellnerinnen und Kellner, die sich in ihrem Berufsleben entsprechend eingebracht haben. Sie alle kommen jetzt zum Handkuss. Da sieht man auch, das ist der dritte Punkt, dass Versprechungen von Bundesregierungen und insbesondere von der SPÖ – wie man es halt im Wahlkampf immer wieder vor sich herträgt: Pensionen wären angeblich eben sicher – nicht wirklich etwas wert sind. Man muss auch sagen, dass die Teuerung – das ist das, was die Pensionistinnen und Pensionisten ja voll trifft – vor allem von der SPÖ induziert wird. Sie sind also nicht dagegen, sondern sie fördern sie. Der Finanzminister erhöht die Steuern, die Justizministerin erhöht die Gebühren, die Stadt Wien erhöht Beiträge und Gebühren und die Sozialministerin führt eine Sparorgie durch, die Kollege Wurm vorhin in aller Breite dargelegt hat. Eine Spezies haben wir dabei aber gefunden – und das ist eine Erkenntnis, die wir gewonnen haben –: nämlich die breiten Schultern des großen Vorsitzenden. Bisher hat niemand gewusst, was damit eigentlich gemeint ist. Jetzt weiß man, was die SPÖ meint: Es sind die Pensionistinnen und Pensionisten in diesem Land. (👏 FPÖ) Interessant ist natürlich auch, wie Kollegin Belakowitsch vorhin gesagt hat: Wenn man auf der einen Seite einspart, dann braucht man das Geld für etwas anderes, und wenn man sich anschaut, wofür diese Bundesregierung Geld ausgibt, und zwar bewusst ausgibt, ist das auch interessant: Asylindustrie: 2,2 Milliarden Euro pro Jahr; NGOs, zumindest die paar, die wir bisher abgefragt haben …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Rettungsorganisationen!

FPÖ Alexander Petschnig

… 900 Millionen Euro pro Jahr; EU-Nettobeitrag: plus 1,2 Milliarden Euro pro Jahr; eine Sonderförderung Elektromobilität: 1,2 Milliarden Euro pro Jahr; Klimafetischismus, Ukrainehilfe, Nussbauern in Burkina Faso, Geldgeschenke für Islamisten in Syrien und so weiter und so fort; es ist also offensichtlich – das haben Sie damit ja klargestellt – Geld da. Man kann vielleicht sogar sagen: Es wäre genug Geld da. Es ist halt eine politische Entscheidung, wofür dieses Geld verwendet wird, und da muss man in aller Klarheit festhalten: Es ist die politische Entscheidung dieser drei Regierungsparteien, das nicht den Pensionisten zu geben, sondern es für andere Zwecke zu entfremden. Es gibt auch intern in Ihren Parteien immer wieder warnende Stimmen aus den eigenen Reihen, die wurden nicht gehört, die werden ignoriert. Was übrig bleibt, ist: Die Leistungsträger von früher werden genauso mies behandelt wie die Leistungsträger von heute. Ich kann Ihnen eines garantieren: Die Pensionistinnen und Pensionisten werden sich bei Ihnen bedanken. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Johannes Gasser .

NEOS Johannes Gasser

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Mit dem heutigen Gesetzesbeschluss, mit dem Pensionsanpassungsgesetz 2026, übernehmen wir Verantwortung – Verantwortung für alle Generationen, Verantwortung für ein Pensionssystem, das auch in Zukunft finanzierbar ist. Mit dem Beschluss stellen wir vor allem auch in den Vordergrund, dass wir Verantwortung fürs Budget für das kommende Jahr übernehmen, weil es darum geht, die Ausgaben im Griff zu halten und das Budget zu stabilisieren. Und ja, alle Gruppen müssen in einer Form einen Beitrag leisten. Zu den Ausgaben, die jetzt ständig von der FPÖ angesprochen werden: Es gibt die entsprechende Förder-Taskforce. Sie sprechen immer Ausgaben an, die 2024 stattgefunden haben. Wir werden uns genau in dieser Förder-Taskforce anschauen, dass wir diese Ausgaben in den Griff bekommen , damit eben sichergestellt ist, dass sozusagen alle einen Beitrag leisten. Wir müssen uns aufgrund dieses hohen budgetären Drucks leider natürlich auch bei den Pensionen ganz genau anschauen: Was können wir uns angesichts dessen leisten?, und vor allem: Was können wir uns auch angesichts dessen leisten, was wir uns in den letzten Jahren bei den Pensionsanpassungen immer wieder geleistet haben? Ich habe Ihnen die Übersicht mitgebracht ( eine Tafel mit der Aufschrift „Erste unterinflationäre Pensionserhöhung seit 2014“ und einem Säulendiagramm in die Höhe haltend ) – falls Sie ( in Richtung FPÖ ) sich nicht daran erinnern können; Sie haben größtenteils auch selber mitgestimmt –: Die Pensionen wurden von 2018 weg – da war, glaube ich, eine FPÖlerin Sozialministerin, wenn ich mich richtig erinnere – immer über Inflation erhöht, und das Spannende ist, sie wurden auch meistens sozial gestaffelt über Inflation erhöht. Kollege Wöginger hat es schon ausgeführt: Das waren in den letzten Jahren Erhöhungen von über 20 Prozent. Ich danke auch Kollegin Eder, die ausgeführt hat, dass die Erhöhungen bei den Pensionen in den letzten Jahren immer wieder auch höher waren, als wir es aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, der da war, bei den Beschäftigtenlohnerhöhungen machen konnten. Wenn nun im nächsten Jahr die Pensionserhöhung im Durchschnitt minimal unter der Inflation sein wird – man sieht es fast gar nicht! –, dann ist das, glaube ich, angesichts dessen, was wir in den letzten Jahren gesehen haben, durchaus verkraftbar, und es ist auch gut, dass wir da entsprechend einlenken. (👏 NEOS) Das ist nämlich kein Kahlschlag, es ist kein Pensionsraub; es ist ein Ausgleich dessen, was wir in den letzten Jahren erlebt haben. Da ist es auch gut, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie die Pensionsanpassungen immer wieder gemacht werden: Es wird die rollierende Inflation des letzten Jahres angeschaut – wie hoch denn die Inflation im letzten Jahr war –, die Pensionserhöhung ist dann dem entsprechend; und vielleicht, wenn hier kritisiert wird, aktuell, im September sei die Inflation 4 Prozent gewesen, kann es dann sein, dass halt nächstes Jahr die Pensionsanpassung höher sein wird. Wir als Bundesregierung haben uns aber zum Ziel gesetzt, die Inflation auf 2 Prozent zu senken …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

In welchem Zeitrahmen? Aber in welchem Zeitrahmen wollt ihr es senken?

NEOS Johannes Gasser

… und dementsprechend keine Pensionsanpassung von 4 Prozent notwendig zu machen, weil dann auch die Inflation im kommenden Jahr nicht 4 Prozent im Durchschnitt betragen haben wird. Mit dem heutigen Vorschlag entlasten wir das Budget fürs kommende Jahr um 350 Millionen Euro. Das hat natürlich auch Folgeeffekte für die kommenden Jahre. Das sind Einsparungen, die uns helfen, im Umfang von 1,4 Milliarden Euro, Geld, das wir in dieser Legislaturperiode brauchen, um das Budget zu sanieren, Spielräume für Zukunftsinvestitionen zu schaffen. Uns NEOS war dabei natürlich auch wichtig, die Treffsicherheit herzustellen. Ja, da kommen natürlich bei den Verhandlungen verschiedene Positionen zusammen, aber ich glaube, es ist uns ein guter Weg gelungen, indem wir über 70 Prozent der Pensionen mit der vollen Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent erhöhen, ab 2 500 Euro einen Fixbetrag von 67,50 Euro schaffen und damit auch sicherstellen, dass beispielsweise bis zur ASVG-Höchstpension – das sind Pensionen in Höhe von ungefähr 4 500 Euro – eine Inflationsabgeltung von 1,5 Prozent erfolgt. Wer wird den größten Beitrag leisten, wer wird es am meisten spüren? – Es werden die Luxuspensionistinnen und -pensionisten sein, bei denen 67,50 Euro natürlich keinen so hohen Beitrag ausmachen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Manche spüren das gar nicht, Herr Kollege!

NEOS Johannes Gasser

… Wie stellen wir das sicher? – Indem wir eben mit der Verfassungsbestimmung – da bedanke ich mich auch für die Zweidrittelmehrheit – die Luxuspensionen miteinbeziehen und das gesamte Pensionseinkommen anschauen können. Es ist nämlich oft der Fall, dass eine Person nicht nur eine – niedrige – Pension, sondern mehrere mittlere bezieht. Deshalb ist es nur gerecht, dass beispielsweise der Beamte, der eine relativ hohe Pension bekommt und daneben noch selbstständig tätig war, nicht für beide Tätigkeiten die sozusagen normale Pensionsanpassung bekommt, sondern die Pensionen zusammengezählt werden und das Gesamtpensionseinkommen zählt. Eine Sache ist mir noch wichtig: die soziale Staffelung, die es gibt. Das ist natürlich nichts, was wir als Dauerleistung machen können. Es ist in den letzten Jahren immer wieder passiert, dass wir die Pensionen unterschiedlich erhöht haben. Ich mache keinen Hehl daraus, dass das aus unserer Sicht kein Dauerinstrument sein kann, weil natürlich das, was ich einbezahlt habe und dann schlussendlich als Pension bekomme, und die Pensionsanpassung unterschiedlich sind und nicht mehr in einem entsprechenden Verhältnis stehen. Das sagen nicht nur wir NEOS, es sagen inzwischen auch Verfassungsrechtler, dass man da wirklich aufpassen muss. Wir werden auf jeden Fall darauf schauen, und wir wollen vor allem eines sicherstellen – ich glaube, es ist ganz wichtig, das an den Schluss zu stellen –: Wir wollen sicherstellen, dass wir in den nächsten Jahren vielleicht gar keine Pensionsanpassungsgesetze mehr im Parlament beschließen müssen, denn eigentlich gibt es einen Automatismus, wie die Pensionen angepasst gehören, nämlich eben mit der rollierenden Inflation. Das wäre das, worauf wir vertrauen können sollten. Dafür müssen wir natürlich auch sicherstellen, dass die Finanzierbarkeit der ersten Säule, der staatlichen Säule, sichergestellt ist, dass das nachhaltig gesichert ist und wir dementsprechend diese Abgeltung immer machen können. Wir wissen aber auch, dass wir, wenn es darum geht, Pensionen für die Zukunft abzusichern, die Leistungsfähigkeit der ersten Säule auch aufgrund längerer Durchrechnungszeiträume vielleicht nicht mehr in diesem Ausmaß, in dieser Höhe sicherstellen können. Um das hohe Pensionsniveau, das wir haben, zu stärken, ist es deshalb gerade uns als NEOS wichtig, dass wir die zweite und dritte Säule stärker in den Fokus nehmen, dass wir gerade auch auf die Pensionskassen beziehungsweise auf die Betriebspensionskassen – die zweite Säule – einen stärkeren Fokus legen. Ich finde es besonders lustig, dass Kollege Petschnig heraußen war und das Leistungsprinzip, das ich in gewisser Weise jetzt eh schon angesprochen habe, kritisiert hat. Es war gerade die FPÖ, die, als sie in Verantwortung war – 2018, 2019, 2020 –, dieses Leistungsprinzip immer wieder mit sozialen Staffelungen ausgehebelt hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, 2020, Herr Kollege, da sind Sie jetzt auf dem falschen Dampfer!

NEOS Johannes Gasser

… Die Krönung war ja schlussendlich eigentlich die Einführung des Pensions- und des Ausgleichszulagenbonus, wenn wir ganz ehrlich sind, denn unabhängig davon, wie viel ich einbezahlt habe, ob ich vielleicht 30 Jahre nur für 700 Euro, die ich verdient habe, Pensionsversicherungsbeiträge bezahlt habe, bekomme ich dann plötzlich eine Pension von 1 500 Euro. Na was das mit dem Leistungsprinzip zu tun hat, weiß ich nicht genau! Sie sind die Meister, wenn es darum geht, das Leistungsprinzip in der Pensionsversicherung auszuhebeln, mit Gesamtkosten – all die gestaffelten Pensionserhöhungen und Boni, die Sie da verteilt haben – von heute 0,5 Milliarden Euro. Ich weiß, Sie sind noch nicht klüger geworden, das sieht man an den anderen Anträgen betreffend Pensionen, die im Sozialausschuss liegen. Ich würde mir wünschen, dass Sie Verantwortung übernehmen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich würde mir wünschen, Sie würden besser recherchieren!

NEOS Johannes Gasser

… Verantwortung nicht nur fürs Budget, sondern auch für kommende Generationen, so wie es diese Bundesregierung tut. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler .

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ja, die Budgets sind derzeit schwierig, im Bund, in den Ländern, in den Gemeinden, und das ist eine große Herausforderung, auch im Bereich der Pensionen. Die Pensionen müssen langfristig gesichert sein, aber es braucht vernünftige und umsichtige Lösungen. Diese gibt es offensichtlich auch in der FPÖ: Gerade wurde in der Steiermark – mit einem freiheitlichen Landeshauptmann – ein Sparpaket verkündet, in Salzburg auch. Offensichtlich gibt es auch in der FPÖ Kräfte, die vernünftige Lösungen sehen. Davon merkt man hier im Hohen Haus, derzeit zumindest, meiner Ansicht nach zu wenig, meine Damen und Herren! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Werden eh alle ausgeschlossen!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Erlauben Sie mir, dass ich einige Worte an die Seniorinnen und Senioren richte, bevor ich dann noch auf andere Details eingehe. Ich glaube, jeder Pensionist und jede Pensionistin hätte sich die volle Inflationsanpassung verdient; denn die ältere Generation – das wurde ja heute auch schon gesagt – hat mit ihrer enormen Leistung, mit ihrer enormen Leistungsbereitschaft und mit ihrem Verantwortungsbewusstsein auch in schwierigen Zeiten dafür gesorgt, dass die Basis für unseren Sozialstaat und für unser Österreich, für ein Land mit hohem Wohlstand, gelegt wurde. Davon profitieren auch jetzt noch Jung und Alt. Jung und Alt profitieren davon! Meine Damen und Herren! Die Pensionist:innen leisten aktuell auch in der Pension Enormes – und darüber wurde auch, Frau Bundesministerin, im Bundesseniorenrat ausführlich diskutiert. Unsere Gesellschaft würde nicht so funktionieren, gäbe es nicht den großen Einsatz der älteren Generation in den Familien, der Großeltern für ihre Enkel, in der Freiwilligenarbeit, in der Angehörigenpflege, in der Wirtschaft, auch im ländlichen Bereich. Die österreichischen Seniorinnen und Senioren leisten unbezahlte Arbeit im Wert von 8,6 Milliarden Euro. Diese Woche – ich habe es schon gesagt, als der Bundesseniorenrat neu konstituiert wurde –, wurde auch darüber gesprochen, dass die Seniorenvertretung, die ja Sozialpartnerstatus hat, in Zukunft mehr gehört werden muss und auch mehr in die Verhandlungen einbezogen werden muss. Die Seniorenvertreter haben gekämpft. Sie haben gekämpft, und wir haben für 71 Prozent der Pensionist:innen die volle Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent erreicht. Das ist das Ergebnis des Beobachtungszeitraums. Herr Kollege Wurm, Sie wissen das ganz genau. Das heißt, 71 Prozent – das sind zwei Drittel der Pensionist:innen – erreichen die volle Inflationsabgeltung. Darüber hinaus gibt es monatlich diesen Fixbetrag, über den heute ja auch schon mehrmals gesprochen wurde; das sind immerhin 975 Euro pro Jahr. Ich sage aber auch: Das kann kein Dauerzustand sein. Das ist eben ein Kompromiss zwischen sozialer Fairness und Budgetverantwortung. Ja, wir müssen alles tun, um dieses Pensionssystem nachhaltig abzusichern. Da setzen wir auch einige wichtige Maßnahmen wie eben die Heranführung des faktischen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter. Da Maßnahmen zu setzen, ist eine der wichtigsten Herausforderungen, meine Damen und Herren! Die Generation der Babyboomer ist aktiv, viele wollen auch freiwillig weiterarbeiten, und da gilt es anzusetzen; das wurde auch schon gesagt. Neben dem Nachhaltigkeitsmechanismus und der Erhöhung der Versicherungsjahre bei der Korridorpension ist eine ganz wichtige Maßnahme die Teilpension, die mehr Beschäftigung bringen soll. Beschäftige können einen Teil ihrer Pension beziehen und reduziert weiterarbeiten. Ich glaube, das ist ein wichtiger Ansatz. Wir müssen es aber auch schaffen, mehr altersgerechte Arbeitsplätze zu haben. Da gibt es Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung, die wir erhöhen sollten, verstärkt Angebote in Richtung Stressprävention, mentale Angebote; aber auch im Gesundheitsreformfonds, Frau Bundesministerin, wo ja 500 Millionen Euro zur Verfügung stehen, müssen wir verstärkt präventive Maßnahmen und Vorsorge initiieren. Das ist ganz, ganz wichtig. Das Letzte, was ich auch noch betonen möchte: Das freiwillige Weiterarbeiten nach dem gesetzlichen Pensionsantritt muss sich lohnen, das muss sich steuerlich lohnen. Leistung muss sich lohnen. Da gilt es wirklich, ab 2046, und das wird ja verhandelt …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

2026!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Entschuldigung, ab 2026 natürlich, also mit Beginn des nächsten Jahres –, Maßnahmen zu setzen, die dann ein ganz wichtiger Schritt wären, den wir auch vonseiten der Seniorenvertretung seit Längerem fordern und den auch die Wirtschaft braucht; denn die Wirtschaft braucht ja die ältere Generation mit ihrem Know-how, mit ihrem Wissen, auch mit ihren sozialen Kompetenzen, so dringend! Ich denke, wir setzen da richtige und wichtige Maßnahmen. Die älteren Menschen, die Pensionistinnen und die Pensionisten, die Großeltern, denken nicht nur an sich, sondern sie denken auch daran, dass es vor allem natürlich ihren Kindern, aber auch ihren Enkeln und ihren Urenkeln in Zukunft gut geht – und sie leisten da immer einen verlässlichen Beitrag. Das geht nur in einem generationenübergreifenden Miteinander. Wir brauchen die Leistungsbereitschaft der Jugend, und wir brauchen die ältere Generation. Ich bedanke mich bei den Seniorinnen und Senioren noch einmal ganz ausdrücklich für alles, was sie in diesem Staat geleistet haben und was sie auch weiterhin leisten. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, es wurde bereits angesprochen: Es braucht nicht nur die ältere Generation, es braucht auch die jüngere Generation an Bord. Wir brauchen ein System, das enkelfit ist, ein System, von dem alle profitieren können – und genau daran arbeitet diese Bundesregierung. Nach der Änderung der Korridorgrenze, nach der Erhöhung der benötigten Anzahl an Versicherungsjahren, um eben das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, nach der Einführung der Teilpension folgt jetzt ein nächster Meilenstein – wie wir schon in der Debatte gehört haben, etwas völlig Neues …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Meilenstein?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Nicht nur, dass wir das erste Mal nicht über der Inflation erhöhen – man würde ja meinen, dass das selbstverständlich ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja keine Erhöhung!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… nein, wir sind die erste Regierung, die ihre Budgetverantwortung so ernst nimmt, dass sie es jetzt auch schafft, generationengerecht auch bei den älteren Generationen, auch bei den Pensionen Sparmaßnahmen zu setzen und da auch das allererste Mal die Inflation zu drosseln. Das ist ein Riesenriesenschritt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Tragischerweise stimmt nicht einmal das!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Wir haben es vorhin in der Diskussion schon gehört: Die Inflationsanpassungen der letzten drei Jahre lagen bei 20,11 Prozent.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, und wie hoch war die Inflation?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Welche Arbeitnehmerin und welcher Arbeitnehmer hatte in den letzten drei Jahren eine Erhöhung des Gehalts um 20 Prozent, um ein Fünftel? Ich habe das als Arbeitnehmerin nicht. Kein einziger Arbeitnehmer hatte so eine Erhöhung, und das ist ja das Kernproblem. Hier sehen wir vier Parteien, die sich darum streiten: Wer hat denn am meisten erhöht? Wer hat am meisten übertrieben? Wer hat die größten Wahlzuckerl verteilt? Es gibt aber einfach keine Lobby für die Leute, die in Österreich arbeiten, die das gesamte System finanzieren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, das ist ja peinlich, was Sie da machen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Als junger Mensch kann ich nur sagen: Das ist eine Tragödie. Das ist peinlich, was Sie da machen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, Ihre Rede ist eine Tragödie!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Was mich schon auch etwas irritiert, wenn wir uns jetzt hier im Raum umschauen, bei den Grünen – zur FPÖ kann ich noch kommen –: Wenn wir uns die Klimafrage anschauen, wenn wir uns CO₂ anschauen, da rechnen Sie, da denken Sie heute an übermorgen, da bleiben Sie bei den Fakten – und bei den Pensionen: jegliche Regel der Mathematik vom Tisch, völlig egal! Wir sind beim Populismus angekommen, Jung gegen Alt, ein System, das langfristig nicht halten kann. Wieso? – Wir baden es nicht aus, in der nächsten Regierung sind wir nicht mehr! Bei den ungedeckten Schecks waren wir ja schon.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Unsere Anträge lesen täte helfen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Dann haben wir die FPÖ, die Erhöhungen beschließen will, die nicht gedeckt sind, die nicht zu finanzieren sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Erhöhungen?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie haben Leute bei sich sitzen – jetzt gerade nicht in der ersten Reihe, aber in den hinteren Reihen –, die ganz genau wissen, dass sich das mathematisch nicht ausgehen kann, dass diese Erhöhungen, die Sie hier schon wieder beschließen, die Steuererhöhungen von übermorgen sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Erhöhungen? Was für Erhöhungen?! Was reden Sie?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ganz im Ernst, wenn ich an Ihre Migrationspolitik denke, dass Sie sagen: null Migration, kein einziger neuer Arbeitnehmer in ganz Österreich!, dann frage ich mich mit Blick auf unsere Demografie …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir wollen keine Erhöhung, wir wollen eine Inflations...!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… in der die Zahl der Arbeitnehmer sinkt und sinkt, weil einfach weniger Leute in Österreich sind, schon: Wer soll denn Ihre Pension zahlen, Frau Belakowitsch? Am Ende werden es die ausländischen Arbeitnehmer in Österreich sein, die wir auch brauchen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ist wahrscheinlich eh eine Luxus...!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Andreas Kühberger zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Andreas Kühberger

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Ganz besonders möchte ich heute zwei Klassen der HTL Kapfenberg aus meinem Wahlkreis begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Die Bundesregierung ist angetreten, um gemeinsam die richtigen und wichtigen Schritte für unser Österreich zu setzen. Mit diesem Schritt, den wir heute mit der Pensionsanpassung 2026 setzen, gehen wir in eine gute Zukunft für unser Land. Wir sichern die Pensionen – und das haben unsere Pensionistinnen und Pensionisten auch verdient, die mit viel Fleiß, mit Eigenleistung und viel harter Arbeit unser Land, unser Österreich – das Fundament –, in dem wir heute leben, aufgebaut haben, meine Damen und Herren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber auf welchem Niveau?

ÖVP Andreas Kühberger

… Den Pensionistinnen und Pensionisten gebührt Dank und Anerkennung , ihnen gebührt aber auch …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber das hätten sie gern monetär auch ...!

ÖVP Andreas Kühberger

… Sicherheit bis ins hohe Alter – und mit dem Pensionsanpassungsgesetz 2026 schaffen wir diese Sicherheit und auch die Balance, damit sie ihre Pension auch im hohen Alter noch beziehen können. Wir haben es gehört: Bei bis zu 2 500 Euro brutto wird komplett inflationsangepasst …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Tu das Podium noch ein bissl hinauf!

ÖVP Andreas Kühberger

… mit 2,7 Prozent, meine Damen und Herren –, und ab 2 500 Euro brutto gibt es die 67,50 Euro. Es sind 71 Prozent unserer Pensionistinnen und Pensionisten, die da den vollen Ausgleich bekommen, und das ist auch gut so. Warum? – Weil das genau die niedrigsten und die wichtigsten Pensionen sind, die gebraucht werden, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Lieber Herr Kollege Schnedlitz, du als Generalsekretär, du hast jetzt am lautesten hineingeschrien.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ich habe gesagt, du sollst das Podium weiter rauftun!

ÖVP Andreas Kühberger

… Ich frage dich: Welche Verantwortung übernehmt ihr, wenn es um unsere Pensionistinnen und Pensionisten geht? RN/81.1 Eine Schulklasse ist zu Besuch auf der Galerie, auch der Seniorenbund Krakaudorf war heute da. Es gibt aber noch eine Generation: die kommende. Wo ist eure Verantwortung? Wo könnt ihr sparen? Ihr könnt bei der Zeit sparen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Bei der Zuwanderung! Beim Asyl!

ÖVP Andreas Kühberger

… das haben wir bei der Koalitionsverhandlung gesehen: Kollege Kickl verhandelt 8 Stunden …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Bei der Freunderlwirtschaft! Bei der Korruption!

ÖVP Andreas Kühberger

… und jetzt ist er auch nicht da, weil er Zeit spart. So schaut es aus! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Es gibt einen Haufen zu sparen!

ÖVP Andreas Kühberger

… Ja, wahrscheinlich, meine Damen und Herren, pflanzt er gerade die Bäume, auf denen das Geld wächst ; ich kann mir sonst nämlich nicht vorstellen, wie ihr diese Forderung finanzieren könnt. ( Ruf bei der FPÖ: Wir können auch bei deiner Redezeit sparen! ) Mit eurem Populismus werdet ihr die Inflation auch nicht drücken. ( Abg. Schnedlitz [FPÖ] hält ein mehrseitiges Dokument in die Höhe. ) Kollege Schnedlitz, genau du kommst aus der Gegend Wiener Neustadt, Neunkirchen, wo man Gemeinderatsmitglieder der Freiheitlichen Partei ausgeschlossen hat, weil sie gespart haben. Ich frage mich: Wie machst du das jetzt in der Steiermark, wo dank der ÖVP auch ein Sparpaket vorliegt? ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Was machst du in Salzburg? Was machst du mit deinem Landeshauptmann? Schließt du ihn auch von der Partei aus? Ich glaube, die Parteigremien haben jetzt sehr, sehr viel Arbeit. Meine Damen und Herren, ich habe den Seniorenbund erwähnt, ich habe gesagt, die Jugend ist da. Das sind die Generationen für ein stabiles Pensionssystem …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wir haben den Drexler eingespart!

ÖVP Andreas Kühberger

… in dem es Gerechtigkeit geben muss, auch für die kommende – und nicht so, wie ihr es behauptet, mit diesem Sparpaket auf Kosten der Älteren. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Nein, meine Damen und Herren, wir übernehmen Verantwortung für dieses Land, damit diese Pensionen gesichert sind. Jetzt komme ich noch auf etwas zurück: Unser Klubobmann hat heute die Stocker-Formel angesprochen: 2-1-0 ( Heiterkeit bei der FPÖ ), 2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wachstum und null Toleranz. Ihr könnt schon lachen. Es stimmt schon, Innenminister Kickl hat schon eines gemeinsam mit unserem Innenminister Karner. Soll ich euch sagen, was das ist? – Er hat keinen einzigen Syrer abgeschoben und Minister Karner hat als Einziger in Europa schon mehrere abgeschoben. – Danke. 14.22 RN/81.2 Präsidentin Doris Bures : Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich ersuche, den Lärmpegel wieder ein wenig zu senken.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Nur fürs Protokoll: Das hilft den Pensionisten!

ÖVP Andreas Kühberger

… Gut, dann können wir in der Debatte fortfahren.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... Redezeit gespart! – Zwischenruf des Abg. Sieber [ÖVP].

ÖVP Andreas Kühberger

… Als Nächster zu Wort gelangt Herr Klubobmann Philip Kucher .

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Es war ja heute während der gesamten Debatte fast ein bisschen rührend, mit welcher kindlichen Unschuld sich Vertreter der Freiheitlichen da zum Rednerpult heraus verirrt haben, die Vergangenheit etwas vergessen haben: Budgetdesaster – daran hat sich von euch niemand so recht erinnern können; blaue Pensionskürzungen – war da etwas? Daran hat sich niemand erinnern können. Ich weiß jetzt nicht, war das aus Sicht der FPÖ eine gewisse Vergesslichkeit oder war das eher so, dass ihr euch ein bisschen für die Vergangenheit geniert habt? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was da gewesen ist. (👏 SPÖ) Ich kann ja verstehen, dass man sich an die Regierungsbeteiligung der FPÖ nicht mehr erinnert – es ist ein paar Jahre her, das kann passieren, dass ihr euch nicht mehr erinnert! Was ich aber gar nicht verstehen kann, ist die Vergesslichkeit von Herbert Kickl . Ich meine, es ist ein paar Monate her! Er erinnert sich ja nicht einmal mehr ans Frühjahr, an seine Unterschrift und an sein eigenes Wort, das er damals gegeben hat. Wenn es mit der Vergesslichkeit bei der FPÖ so weitergeht, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen. Da fahrt ihr am Montag zur Nationalratssitzung nach Wien und wisst am Freitag nicht einmal mehr, wie ihr nach Hause kommt. Also die Vergesslichkeit der FPÖ im Bereich der blauen Budgetpolitik macht mir Sorgen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zur Sache, Herr Kollege!

SPÖ Philip Kucher

… Zur Sache – danke für den Hinweis! –: Da ich Sachpolitiker bin, ist es mir wichtig, jetzt an die Fakten zu erinnern. Also: Es ist ja nicht so, dass Herbert Kickl es nicht in der Hand gehabt hätte, aber gescheitert ist es ja nicht an Inhalten, da wart ihr relativ billig unterwegs, gescheitert ist es im Frühjahr ja dann an den Postenschacherdebatten.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zur Sache! Pensionen!

SPÖ Philip Kucher

… Herbert Kickl hätte zwei Varianten gehabt: Er hätte sagen können: Ärmel aufkrempeln in schwierigen Zeiten, Verantwortung übernehmen!, aber er hat es sich sehr, sehr einfach gemacht. In Wahrheit sind die Leidtragenden die Menschen in Österreich gewesen, die euch monatelang oder wochenlang in einer ganz, ganz schwierigen Situation bei diesem Postenschacher zugeschaut haben. Das Einzige, das Kickl dann hinterlassen hat, war eine Liste, über die er ganz stolz gesagt hat, dass er dafür nur drei Tage gebraucht hat. Drei Tage hat er verhandelt, da war nichts von Gerechtigkeit: Bankenabgabe, Stiftungen, Energiekonzerne – das hat er alles vergessen. Wo Kickl dann schnell war, das waren die Pensionskürzungen; ganz real, von Herrn Kickl. Da hat er gesagt, es braucht einen höheren Krankenversicherungsbeitrag. Da gab es die Unterschrift von Herbert Kickl , an die sich heute in den blauen Reihen niemand mehr erinnern kann. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wenn wir schon von der Vergangenheit und der Vergesslichkeit reden, dann macht der Vergleich auch sicher. Wir hätten es uns gerade als Sozialdemokratie ganz einfach machen können; ich könnte mich herausstellen und sagen: Wir waren sieben Jahre nicht in der Regierung, und wir haben – unter Christian Kern – ein strukturell ausgeglichenes Budget hinterlassen! ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die Frage ist: Was ist in den letzten Jahren passiert? – Das war schon durchaus auch die FPÖ, die schuld daran ist, dass dieses Budget aus dem Ruder gelaufen ist.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wirklich? Weil?

SPÖ Philip Kucher

… Ich bin jetzt nicht übertrieben nachtragend. Es waren nicht die goldenen Kugelschreiber von Herbert Kickl , in seinem Büro; die werden es nicht gewesen sein. ( Ruf bei der FPÖ: Glaub’ ich auch! ) Es waren auch nicht die Pferde. Es war auch nicht das größte Ministerbüro …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was war es dann?

SPÖ Philip Kucher

… das jemals ein Regierungsmitglied in dieser Republik gehabt hat. Was aber schon ein Thema war, waren halt die Konzernsteuersenkungen, bei denen die FPÖ mit dabei war: 1 Milliarde Euro Konzernsteuersenkungen ohne Gegenfinanzierung. Da würde uns allen einiges einfallen, was wir damit machen würden, oder? – Pflege, Gesundheit. (👏 SPÖ) Aber schauen wir doch ganz kurz zurück in die Vergangenheit – weil ihr ja nie dabei wart, ihr habt ja nie Verantwortung übernommen –, was in ganz anderen Zeiten, in wirtschaftlich leichteren Zeiten eigentlich passiert ist! Anfang der 2000er-Jahre hat es eine blaue Sozialministerin gegeben. Wir haben damals kritisiert, dass es eine mickrige Pensionserhöhung gibt. Die Pensionserhöhung unter der FPÖ, damals in wirtschaftlich leichteren Zeiten, waren – das müsst ihr euch vorstellen – 10 Euro und 2 Cent pro Monat; 1,5 Prozent Pensionserhöhung unter der FPÖ-Sozialministerin.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

2000? Da haben wir noch Schilling gehabt! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: ... Inflationsrate!

SPÖ Philip Kucher

… So gut kannst du schon rechnen! Da haben wir gesagt, dass das mickrig ist; schon ein bisschen wenig, 1,5 Prozent. Dann hat es eine Rede hier im Haus gegeben, die Bundesregierung war sehr bemüht, „für die Pensionistinnen und Pensionisten das Maximum [...] herauszuholen“ – „das Maximum [...] herauszuholen“, hat die FPÖ uns ausgerichtet –, und da hat sie gesagt: „Daher verwahre ich mich wirklich striktest dagegen, dass es nur mickrige Pensionser­höhungen gibt.“ – 10 Euro und 2 Cent unter der FPÖ! (👏 SPÖ) Und das war nicht ein Jahr, sondern es waren sechs Jahre in Folge nur die Hälfte der Inflation. Das ist die blaue Verantwortung gewesen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und wie war’s 2013/14?

SPÖ Philip Kucher

… Ich bringe es auf den Punkt, weil ich ein Sachpolitiker bin: Wir erhöhen: Bis 2 500 Euro gibt es die volle Inflationsabgeltung und danach pauschal einen Fixbetrag von knapp 1 000 Euro. Was war unter der blauen Sozialministerin der Fall? – Ihr habt auch voll erhöht: bis 670 Euro, und danach war es nicht ein Pauschalbetrag 1 000 Euro, sondern 140 Euro im Jahr. Das passt gut ins Bild der FPÖ, auch da macht der Vergleich sicher.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja aber auch schon 25 Jahre her, Philip! Rechne die Inflationsrate ein!

SPÖ Philip Kucher

… Das passt gut ins Bild der FPÖ. Ihr habt eine Sozialministerin gehabt, die sich allen Ernstes hingestellt hat und gesagt hat: von 150 Euro kann man gut leben. – Das war die Frau Hartinger-Klein. Da habt ihr alle mit Herzerl in den Augen zu Hartinger-Klein geschaut, als sie mit dem Herbert getuschelt hat; das war die Hartinger-Klein als Sozialministerin. Und auch hier macht der Vergleich sicher: Ich bin dankbar, dass Korinna Schumann mit ganzer Kraft dagegen ankämpft und nicht zuschaut, wie sich die Leute das Leben nicht mehr leisten können, dass sie zum Beispiel gegen die Teuerung kämpft, gegen Lebensmittelkonzerne, weil sie sagt, es ist einfach unfair, dass man in Österreich für Lebensmittel 1 000 Euro pro Jahr mehr als in Deutschland zahlt. Deswegen kämpfen wir dafür, dass das Leben, auch im Bereich Lebensmittel, wieder leistbar wird. Das ist der Unterschied in diesem Bereich. (👏 ÖVP, SPÖ) Ein Satz zur Gesundheit: Das ist genauso schwierig für uns alle in Österreich, vor allem für die Leute, die monatelang auf Operationen warten müssen, auf Arzttermine warten müssen. Hat irgendjemand von euch den Anstand gehabt, herauszugehen und sich zu entschuldigen – für die Kassenzerschlagung, für die versprochene Patientenmilliarde, die heute in Wahrheit eine negative Patientenmilliarde ist , und für Schulden, die wir gemeinsam aufräumen müssen? Hat irgendjemand von euch den Anstand gehabt, zu sagen: Hartinger-Klein nur zu hofieren und Herzerl in den Augen zu haben, war zu wenig; in Wahrheit ist es nicht gut gewesen für dieses Land!, und zu Korinna Schumann zu gehen und zu sagen: Danke, dass du das aufräumst, was die FPÖ kaputt gemacht hat!? Um es noch einmal zusammenzufassen, weil es heute auch gefallen ist: Ihr redet dann immer vom Volk und von den kleinen Leuten, aber wir können faktisch belegen: Immer wenn ihr in der Regierung wart, habt ihr die kleinen Leute im Stich gelassen und verraten. – Das ist ein Faktum. Und dasselbe gilt auch bei den Pensionen: Da sich Herbert Kickl neuerdings sehr bibelfest gibt …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Super!

SPÖ Philip Kucher

… ich meine, der neue Erzbischof ist, glaube ich, der einzige Kirchenvertreter, den er noch nicht beleidigt hat, aber okay ( Heiterkeit bei der ÖVP ) – und um ihm das mitzugeben: Ehe der Hahn dreimal gekräht hat, hat Herbert Kickl die Pensionisten verraten. Merken wir uns das! Das war in der Vergangenheit so, und das ist auch heute so. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich bitte uns also alle in dieser schwierigen Situation für unsere Republik, für unser Heimatland, dass wir ein bisschen in uns gehen, dass wir ehrlich sind, die Ärmel aufkrempeln und versuchen, dieses Land gemeinsam wieder auf Kurs zu bringen, dass wir alle miteinander anpacken, nicht schlechtreden, nicht so tun, als hätte die FPÖ gar nichts mit diesem Schuldendesaster zu tun. Das ist nämlich einfach nicht wahr, das bringt aber auch das Land nicht weiter. Versuchen wir, miteinander mehr Gerechtigkeit zu schaffen, Verantwortung zu übernehmen für eine gute Zukunft, für alle Menschen in diesem Land!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Michael Schnedlitz zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter. ( Zwischenrufe bei der ÖVP. – Abg. Schnedlitz [FPÖ] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Na heute habe ich den Ordner geschickt!)

FPÖ Michael Schnedlitz

Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Präsidentin! Vielen Dank: Ich darf mich bei meinem Vorredner bedanken, der den Unterschied zwischen der Freiheitlichen Partei und der Einheitspartei sehr gut herausgearbeitet hat. Vorher nur ein kurzer Faktencheck: 2018 wurden unter Herbert Kickl die Pensionisten nicht verraten, sondern die ÖVP-FPÖ-Regierung hat die Pensionen in Inflationshöhe und die niedrigen Pensionen sogar über der Inflationsrate angepasst. Jetzt, wo die Sozialdemokraten dabei sind, genau jetzt, werden die Pensionisten verraten. (👏 FPÖ) Gleichzeitig wurde gespart, gleichzeitig wurde mit dem Budget vernünftig umgegangen. 2019 – Kollege Kucher, wahrscheinlich haben Sie die falsche Excel-Liste heraußen mitgehabt! ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ ) – hat diese Bundesregierung einen Budgetüberschuss von 0,5 Prozent übergeben. Überschuss ist etwas Gutes – wenn man mehr erwirtschaftet als man ausgibt. (👏 FPÖ) So hat die Freiheitliche Partei gearbeitet, das sind Fakten. Daran können sich die Menschen auch noch erinnern. Und ja, wir sind uns auch einig, man muss jetzt das Budget konsolidieren – no na, natürlich. Die Frage ist aber, bei wem konsolidiere ich das Budget und wie konsolidiere ich das Budget. Weil einige Zuseher dabei sind: Wir stellen uns vor, ich habe zu Hause bei mir in der Familie ein Problem mit den Finanzen. Jede vernünftige Familie würde hergehen und ein paar ganz einfache Fragen stellen. Dann würde die Familie zum Beispiel die Frage stellen: Geben wir irgendwo Geld aus, zahlen wir irgendwo etwas, das uns selbst, der Familie, nichts bringt, das keinen Mehrwert schafft? …

NEOS Hoyos-Trauttmansdorff (Zwischenruf)

Kickl ...!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Das wäre eine ganz einfache Frage. Oder zum Beispiel die Frage: Zahlen wir irgendetwas doppelt oder sogar dreifach oder vierfach? – So würde eine Familie an das Problem herangehen. Man könnte natürlich auch hergehen und sagen: Kürzen wir bei der Oma und beim Opa das Geld für das Essen! – Das ist das, was Sie jetzt mit den Pensionskürzungen machen, anstatt da wirklich in der Substanz und im System kürzen zu wollen. (👏 FPÖ) Wir haben heute schon von Frau Kollegin Belakowitsch gehört, wo allein im Sozialressort, im Sozialministerium überall Einsparungsmaßnahmen möglich sind, und sie hat mehrere Beispiele aufgezählt, wo einfach Förderungen in Millionenhöhe ausgeschüttet werden. Wir haben Ihnen das letzte Mal auch gezeigt, Frau Ministerin - - ( Zwischenbemerkung von Bundesministerin Schumann. ) – Was heißt Nein, Frau Ministerin? Ich weiß, dass Sie sich als Sozialdemokratin mit dem Lesen von Excel-Listen schwertun, aber die haben Sie, Ihre Mitarbeiter sogar in der Anfragebeantwortung zur Verfügung gestellt. Dann lassen Sie es sich erklären! (👏 FPÖ) Eine Million ist eine Zahl, bei der vorne eine Ziffer steht und dann hat sie sechs weitere Stellen ohne Beistrich. Das sind dann Millionen. Das kann ja nicht so schwierig sein! Sie bezahlen das für Dinge, die in Österreich kein Mensch braucht. So einfach ist die Rechnung und so einfach sind die Fakten. (👏 FPÖ) Genau da muss man schauen, ob man sparen kann. Wenn man da spart, ist jeder Pensionist, wie schon in der Vergangenheit, hundertprozentig dazu bereit, dass er auch einen Beitrag leistet, aber nicht, wenn man die ganze Zeit bei den Pensionisten nimmt, aber zum Beispiel für NGOs, für Vereine und für Förderungen Geld hat, mehrfach Geld hat oder zum Beispiel Familien 9 000 Euro im Monat fürs Nichtstun gibt. Wenn man dann bei den Pensionisten einschneidet, ist das nicht gerecht, und genau damit haben die Pensionisten, die dieses Land aufgebaut haben, auch ein Problem. (👏 FPÖ) Das ist der Unterschied. Das ist der Unterschied zwischen uns Freiheitlichen und der Einheitspartei. Weil auch Neunkirchen angesprochen wurde: Das zieht sich ja von der Bundesebene über die Länderebene durch – da haben wir natürlich in der Steiermark euren Kollegen Drexler eingespart; das war eine gute Sparmaßnahme, glaube ich, das sehen auch viele von euch so (👏 FPÖ) – bis hinunter auf die Gemeindeebene. In Neunkirchen ist das genau gleich. Das Budget der Stadtgemeinde Neunkirchen hat 308 Seiten. In diese 308 Seiten muss man hineinschauen – ob man im System sparen kann. Die Sparmaßnahmen in der Stadt Neunkirchen haben drei Seiten und diese drei Seiten setzen sich aus Gebührenerhöhungen, Kürzungen bei Leistungen, zum Beispiel an die Feuerwehren und so weiter, und massiven Verteuerungen, zum Beispiel auch für die Pensionisten, zusammen. Die Pensionisten in Neunkirchen trifft es jetzt zum Beispiel doppelt, nämlich von Bundesebene und von Neunkirchner Ebene. Dann hat man noch ein paar Sachen hineingeschrieben, dass man zum Beispiel Mitgliedsbeiträge ab dem 1.1.2026 streicht. Jetzt sage ich Ihnen, warum wir in Neunkirchen uns von unseren Gemeinderäten getrennt haben: Weil wir als Freiheitliche Partei das nicht mittragen können, was da auch auf Bundesebene passiert, dass man Placebomaßnahmen einmeldet.

ÖVP Kühberger (Zwischenruf)

Konsolidiert, gell?

FPÖ Michael Schnedlitz

… Die Bediensteten in Neunkirchen haben sich abgesichert, als die ÖVP Neunkirchen mit diesen abtrünnigen Neunkirchnern Folgendes beschlossen hat: Ausstieg aus Mitgliedsbeiträgen, zum Beispiel aus dem Städtebund, mit 1.1.26.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wo warst ...?

FPÖ Michael Schnedlitz

… Die Bediensteten haben in die Gemeinderatsvorbereitung reingeschrieben, dass das in der Septembersitzung des Gemeinderates beschlossen und per 30.9. per eingeschriebenem Brief zugestellt werden müsste. Das war in der Oktobersitzung. Der hat sich abgeputzt. Dann haben sie beschlossen, Mitgliedsbeiträge ab 2026 auszusetzen.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

Schuldeingeständnis!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Der Bedienstete schreibt rein: Ist erst ab 2030 möglich. Das einzige, das zutrifft – und da sind wir wieder beim Konnex mit der Bundesebene –, ist, dass sie immer den Menschen in die Geldtasche greifen. Das funktioniert auch in Neunkirchen. (👏 FPÖ) Das sind Fantasiebeschlüsse. Das ist nicht sparen, das ist eher irgendwo im Bereich zwischen grober Fahrlässigkeit, Amtsmissbrauch oder sonst irgendetwas, wenn man solche Beschlüsse fasst. Dafür geben wir Freiheitliche und die Freiheitliche Partei sicher nicht den Namen her. (👏 FPÖ) Wir geben unseren Namen auch nicht für all das her, was Sie auf allen Ebenen machen: Dass Sie den Menschen in die Tasche greifen, dass Sie vor der Wahl immer etwas anderes versprechen und den Menschen nicht sagen, was auf Sie zukommt. Nach der Wahl ist plötzlich ein Budgetloch da und dann muss man das Budgetloch stopfen. Anstatt dass Sie, Frau Minister, zum Beispiel das Budgetloch stopfen oder in Neunkirchen in die Substanz eingreifen und reinschauen, wo man sparen könnte, gehen Sie immer her und ziehen den Menschen das Geld aus der Tasche. Das haben die Neunkirchner durchschaut, das hat die österreichische Bevölkerung durchschaut und deshalb ist die Lage auch politisch genau so, wie sie ist. Da können Sie noch so viele Dinge erfinden, wie Sie auch wollen. Ich sage Ihnen noch einmal in aller Deutlichkeit – und deshalb können Sie diese Kollegen aus Neunkirchen von uns gern haben, Herrn Berlosnig, der anscheinend irgendwie mit den Systemmedien versucht, sich selbst zu therapieren –: Wenn jemand, egal auf welcher Ebene, die österreichische Bevölkerung verrät, auch aus unseren eigenen Reihen, dann hat er bei uns nichts verloren. Wir gehen einen schnurgeraden Weg. (👏 FPÖ) Das wird immer so sein, da stehen wir auch dazu, ohne Probleme. Wir gehen einen schnurgeraden Weg, die Menschen wissen das zu schätzen, und da weichen wir nicht ab, auch nicht, wenn es um uns selbst geht, sonst wären wir auch vollkommen unglaubwürdig.

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Werner Kogler .

GRÜNE Werner Kogler

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Kolleginnen und Kollegen – die sich dann beruhigen, denke ich! Pensionsanpassungsgesetz, Pensionsanpassungsregelungen: Das hätten wir jetzt fast schon aus dem Auge verloren. Es fällt einem mit Verlauf der Debatte ja wirklich schwer, noch einen positiven Beitrag einzubringen, aber ich werde es versuchen. Zuerst einmal möchte ich schon meiner Irritation Ausdruck verleihen – und viele haben es ja fast ein bisschen überhört, glaube ich – und das für meine Fraktion festhalten: Ich finde, wenn bei diesen Pensionsproblemen – die man ja diagnostizieren mag; wir tun das nicht in der Form, aber sei es drum, ist ja der ÖVP unbenommen – mehr oder weniger unwidersprochen in Ihren eigenen Reihen der Eindruck erweckt wird, als ob man die österreichischen angeblichen Pensionsprobleme auf den Trümmern von Damaskus, Aleppo oder Idlib lösen wird, mit der Streiterei, ob Sie jetzt zwei oder drei dorthin abgeschoben haben, dann ist das ein Niveau, das nicht einmal die Freiheitlichen zusammenbringen. – Sorry, aber wirklich! (👏 SPÖ) Jetzt zum Positiven im Sinne von Konstruktivem: Ja, es ist richtig. Es ist die Wirtschaftslage, die ursächlich für die Budgetlage ist, und im Übrigen nicht umgekehrt. Das werden wir heute nicht diskutieren, da werden wir sonst noch Gelegenheit haben. Sie ist schwierig, da können wir ja überlegen, alles gemeinsam: Was machen wir zukünftig anders? Was hätten wir vorher anders machen können? Was ist eh gut gewesen? Es muss gespart werden. Das ist ja an sich ein positiver Begriff, und aus diesem Grund werden wir diesen Pensionsanpassungsregelungen, obwohl von den NEOS so getan worden ist, als ob wir anders abstimmen würden, auch zustimmen. D ie Abwägung ist erkennbar, dass man ein bisschen etwas holen muss – in Anführungszeichen – und trotzdem eine gewisse Ausgewogenheit erreicht werden soll. Das erkennen wir ausdrücklich an. Vielleicht hätten wir es gar nicht so viel anders gemacht, das darf man ja einmal sagen. (👏 SPÖ) Richtig ist auch, und umso leichter geht es – ihr dürft auch einmal klatschen, ja ( Heiterkeit und Beifall bei den Grünen, Beifall bei Abgeordneten der SPÖ sowie des Abg. Shetty [NEOS] ) –, dass ja auch – aber in besseren Zeiten, alles klar – die Vorgängerregierungen – vor allem, wenn man über viele Jahre zurückgeht, aber vor allem die letzten – das entweder mindestens mit der Inflation abgeschlossen haben – was die NEOS aus ihrer Perspektive kritisieren; das kann man auch, ist ihre Haltung, die ist ja bekannt – oder sogar darüber. In vielen Fragen wäre es gut, wenn man das über fünf Jahre rechnet, seit dauernd diese Krisen einschlagen – das führt mich dazu –, ansonsten hätte ich vielleicht auch eine größere Kritik an dieser Vorgangsweise. – So weit bis hierher. Wir haben das vor wenigen Tagen, am Montag, hier herinnen auch mit dem Seniorenrat diskutiert, es war über weite Strecken auch eine sehr konstruktive Diskussion. Ich möchte ausdrücklich meine Anerkennung für die beiden Präsidentinnen aussprechen, weil wir uns da wirklich – die Frau Bundesministerin war ja auch eine Zeit lang zugegen – konstruktiv ausgetauscht haben. Ich glaube, das ist essenziell, wenn wir gemeinsam die Krisen angehen wollen. Jetzt komme ich aber zum anderen, bei dem wir unterschiedliche Sichtweisen haben. Ich kann es nicht auslassen, denn es ist ja jetzt aus verschiedenen Gründen Mode geworden – das kann man parteitaktisch herleiten –, dass eh immer die Grünen an allem schuld sind. Das weiß ich ja schon länger: Die Grünen sind schuld, selbst wenn das Wetter schlecht ist, wir wissen es. Schaut her, es ist so: Beim Sparen ist es doch so, dass wir immer schauen müssen, wo wir Geld ausgeben und wo nicht. Wie Frau Kollegin Disoski gesagt hat: Das ist eine Frage von Ressourcen. Das ist das Wesen von Sozial- und Wirtschaftspolitik. Die Ressourcen sind begrenzt, sonst bräuchten wir gar keine Politik. Also: Wo wird was ausgegeben und wo wird weniger ausgegeben, mithin gekürzt – das ist nämlich etwas anderes, als sparen? Wir kommen nicht umhin, noch einmal festzustellen – auch wenn das jetzt aus Ihrer Sicht mit anderen Dingen zu tun hat, ich bleibe aber dabei –, dass es schon sehr seltsam ist: Dieselprivileg muss bleiben; Dienstwagenprivileg muss bleiben; Autobahn mit vielen, vielen Milliarden Euro betonieren muss wieder her. Das ist ja fast schon wie im Hooligansektor: muss so sein. Jetzt warte ich noch, bis die NEOS und die Sozialdemokraten dazu irgendwann einmal etwas sagen – oder reiht ihr euch auch in diesen Sektor ein? Da geht es nicht um ein paar Millionen Euro, da geht es um viele, viele Milliarden Euro für Naturzerstörung (👏) , aber das ist gar nicht primär, für das Anheizen von Transit und für irgendetwas, und das Geld fehlt woanders. – Das ist der Zusammenhang.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Um wie viel habt ihr das Dieselprivileg gekürzt? Um wie viel? Um keinen Cent!

GRÜNE Werner Kogler

… Wenn die Feinspitze unter Ihnen – da bin ich ja sehr froh darüber – draufkommen, dass das verschiedene Rechenkreise im Budget sind! Das mag einmal auf den ersten Blick stimmen. Aber warum haben Sie dann – das haben wir ja schon länger und das soll ja noch mehr werden – die Dividenden aus der Asfinag in diesem Budget eingestellt? Ich fordere Sie auf, darauf zu verzichten, wenn da null Zusammenhang besteht. Das wäre doch konsequent – aber das tun Sie nicht. Das Gleiche passiert bis hinunter zu den Gemeinden, in denen ja manche Bürgermeister noch immer wie die Asphaltcowboys unterwegs sind und in der Gegend herumasphaltieren. – Ja, das ist so. Die Erhaltungskosten fressen diesen Gemeinden wirklich die Haare vom Kopf. Ich komme aus der Oststeiermark, reden Sie einmal mit den Bürgermeistern dort! Jetzt zu Klubobmann Abgeordneten Shetty: Das kann ich abkürzen, denn der hat ja auch von etwas geredet, das primär nicht hierher gehört. Es ist schon aufreizend falsch, wenn Sie die Gehaltsverhandlungen des öffentlichen Dienstes dauernd hereinziehen. Erstens einmal sage ich Ihnen: Ja, es ist 0,3 Prozent über der Inflation abgeschlossen worden, immerhin nach gültigem Gesetz. Sie sagen aber nie dazu, dass es im Vorjahr – oder für das heurige geltend – 0,3 Prozent unter der Inflation waren. Das heißt, in der Summe waren wir genau entlang der Inflation. –Sei’s drum, das kann man, so konstruktiv bin ich auch noch, auch wieder aufmachen, wenn es bei allen anderen so ist, weil sich die Lage geändert hat.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Es war ja absehbar!

GRÜNE Werner Kogler

… Nein, nein, alles war nicht absehbar.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Sicher!

GRÜNE Werner Kogler

… Ich sage Ihnen noch etwas: Lesen Sie im Übrigen im Bundesministeriengesetz nach, dann werden Sie draufkommen, dass dort nicht Beamtenministerium steht, sondern „für öffentlichen Dienst“. Alle, die immer mit Beamtenministerium kommen, haben schon eine bestimmte Intention. Wissen Sie, um wen es da am Schluss vor allem geht, denn die schließen ja alle entlang dieser Abschlüsse ab? – Um viel, viel mehr als den typischen Beamten, den Sie da apostrophieren …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

... Pensionsthema!

GRÜNE Werner Kogler

… Es geht um die Pfleger:innen in den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen, die Polizist:innen. Um die geht es da, um die, die so viel tun, die viel leisten, aber im Verhältnis zu den anderen relativ wenig verdienen. Um die geht es. Ich habe mir das über 15, 20 Jahre angeschaut, ich habe die letzten fünf Jahre angeschaut, und das war der Grund, warum SPÖ und ÖVP das ja so verhandelt haben. Ich habe das moderiert, aber im Unterschied zu den anderen, die jetzt am Tisch sitzen, stehe ich auch dazu – das war nicht verkehrt. Man kann es ändern, wenn man bei den Privaten auch überall etwas ändert, aber eines geht nicht: dass der öffentliche Dienst, an dem die alle dranhängen, die ich Ihnen genannt habe, schlechter behandelt wird als die Privaten, denn dann werden wir noch mehr Schwierigkeiten kriegen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das Gegenteil ist der Fall!

GRÜNE Werner Kogler

… Das ist doch der Hintergrund. Wissen Sie, Sie lassen das meiste immer weg, Sie stellen sich – das ist ein Phänomen – mit einer Reihe von Halbwahrheiten hierher, aber in der Summe ergibt das die totale Unwahrheit. In Wahrheit müsste man bei Ihren Redebeiträgen eine Fake-News-Anzeige vorne hinschreiben. Das ist wirklich ein Problem, und das passt auch zum Thema, denn Sie reden nämlich gar nicht mehr für hier herinnen, Sie reden für Ihre Videos. Das ist auch nicht gut für den Parlamentarismus, das gehört einmal gesagt. (👏) Jetzt zu den Luxuspensionen – freut euch nicht zu früh! Schaut, es ist schon so, wenn wir schauen, wer in diesem Land denn etwas geleistet hat : Beim Leistungsprinzip bin ich wieder bei Abgeordneter Disoski. Was haben die Großmütter und die Mütter unserer Generation alles geleistet und was kriegen die jetzt für Pensionen? Und dann schauen wir uns die Luxuspensionen an. Das ist zum Teil ein Zehnfaches. Das ist kein Schmäh: ein Zehnfaches! Warum man da nichts tun soll, ist schon schlimm genug, aber dass es so sein soll, dass man, je höher die Luxuspensionen sind, desto weniger zahlen soll: Das geht sich nicht mehr aus. (👏) Das ist das Gegenteil von Leistungsprinzip, aber das ist ja nicht neu bei euch. Es ist auch nicht christlich und auch nicht sozial. Vielleicht nehmt ihr das einmal raus aus dem Parteiprogramm, damit ihr wieder konsistent werdet. Es gibt das gleiche Thema ja auch bei den Millionenerben. Das ist nicht christlich, nicht sozial und gegen das Leistungsprinzip. So, weil wir gerade wieder bei christlich und sozial sind: Es ist heute viel von der Bibel die Rede gewesen. Ich freue mich immer, wenn die ÖVPler die Bibel fest in der Hand haben, aber wisst ihr was: Dreht sie einmal um und lest sie nicht verkehrt! (👏) 14.47

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Kogler, die Bezeichnung Hooligansektor hat natürlich in dieser Debatte keinen Platz. Sie wissen als ehemaliger Sportminister sehr gut, dass jene Gruppierungen, die gewalttätige Übergriffe und Randale machen, so bezeichnet werden. Ich gehe also davon aus, dass Sie das entweder zurücknehmen oder wir jedenfalls diesen Ausdruck hier nicht mehr verwenden. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Wir haben uns eh nicht betroffen gefühlt!) Nun gelangt Abgeordneter Kai Jan Krainer zu Wort.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Man muss ja mit dem Inhalt dessen, was Kollege Kogler gesagt hat, nicht immer einverstanden sein, aber jedenfalls war der Vortrag eine Wohltat im Vergleich zu jenen seiner Vorredner. Was wir heute debattieren, ist einfach, wie wir in unserem solidarischen, in unserem sehr gut funktionierenden Pensionssystem die Erhöhungen für das nächste Jahr gestalten. Circa 1,7 Milliarden Euro werden nächstes Jahr mehr für diese Erhöhung ausgegeben, die volle Anpassung an die Inflation wären 300 Millionen Euro mehr gewesen. Im Verhältnis sieht man, dass die Inflation fast zur Gänze abgegolten wird. Für mehr als 70 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten ist das die volle Abgeltung der Inflation. Ja, für etwas weniger als ein Drittel ist es nicht die volle, sondern nur eine Teilabgeltung. Die sind nicht Schuld am Budgetdesaster, die haben das nicht verantwortet, aber – ich weiß das aus vielen Gesprächen, aus E-Mails und Anrufen – es gibt viel Verständnis, dass jeder einen Beitrag dafür leistet, dass wir unseren Haushalt konsolidieren. Auch viele Pensionistinnen und Pensionisten sagen: Ich habe ein bisschen eine höhere Pension, keine Hochpension mit 3 000, 4 000 Euro, und ja, die 10, die 15 Euro, die ich jetzt im Monat weniger Erhöhung bekomme, sind mein Beitrag zur Sanierung des Budgets. Für dieses Verständnis muss man einfach auch Danke sagen. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist das, was wir brauchen: dass nämlich von Anfang an klar war, dass die budgetäre Situation in Österreich so ist, dass jede und jeder einen Beitrag wird leisten müssen. Was wesentlich ist, ist, dass halt auch Banken und Stiftungen, Energiekonzerne und dergleichen einen Beitrag leisten – etwas, das die Freiheitlichen bei ihren Regierungsverhandlungen vergessen haben –, damit jeder das Gefühl hat: Ja, ich zahle einen Beitrag, aber jene, denen es besser geht, zahlen auch einen Beitrag, und der ist höher als mein Beitrag! – Das ist, glaube ich, ganz wesentlich: dass jeder in Österreich weiß, dass der, der mehr hat, auch mehr beitragen muss, und dafür sorgt diese Bundesregierung. (👏 SPÖ) Die Freiheitlichen tun jetzt so, als ob für alle Milch und Honig fließen würde, wenn sie in der Regierung wären.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, nicht für alle! Nein, nein! Nicht für alle! – Abg. Deimek [FPÖ]: Nicht für Syrer und Afghanen! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Kai Jan Krainer

… Da empfehle ich dann immer einen Blick zurück. Achtmal ist ein freiheitlicher Sozialminister oder eine freiheitliche Sozialministerin hier auf der Regierungsbank gesessen und hat die Pensionserhöhung angekündigt.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Schon wieder die falsche ... Excel-Liste!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Einmal war das so ähnlich wie heute: die Inflation für die meisten und, abgestuft, für höhere Pensionen einmal ein Sockelbetrag. Siebenmal ist es gekürzt worden und deutlich unter der Inflation abgeschlossen worden. Sieben- von achtmal waren Sie im Schnitt nicht einmal bei der Hälfte der Inflation. Das ist die Bilanz von freiheitlicher Politik, wenn Sie hier auf der Regierungsbank sitzen! Was Sie da sagen, was Sie machen, wenn Sie auf der Oppositionsbank sitzen, ist nicht relevant. Wenn Sie hier auf der Regierungsbank sitzen, dann haben sie sieben- von achtmal die Pensionen gekürzt, und das ist keine gute Bilanz. (👏 ÖVP, SPÖ) Wenn Kollege Schnedlitz hier so etwas sagt wie: Das waren die früher, die kenne ich nicht einmal mehr! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Da war ich noch relativ jung ...! – Abg. Wöginger [ÖVP]: Kennst den Kickl auch nicht?

SPÖ Kai Jan Krainer

… dann schauen wir uns doch an, was die Freiheitlichen dort, wo sie heute Verantwortung tragen, machen: In Oberösterreich zum Beispiel, wo die Freiheitlichen fürs Wohnen zuständig sind, sind die Mieten um 80 Prozent gestiegen. Die Wohnbeihilfe ist was? – Um 40 Prozent gesunken. Na ja, das soll eine soziale Handschrift sein? – Schauen Sie, die Zahlen lügen nicht. Ich kann Zahlen lesen und die ist um 40 Prozent gesunken. Das Nächste, in Salzburg: Die Landeshauptfraustellvertreterin Svazek genehmigt sich selber 800 Euro im Monat plus – 800 Euro im Monat plus! Was ist mit denen, die nicht genug Geld zum Heizen haben und die einen Heizkostenzuschuss bekommen? – Denen wird der Heizkostenzuschuss gekürzt, nämlich von 600 Euro auf 250 Euro. Das soll eine soziale Handschrift in der Praxis sein?! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

In Wien gibt’s gar keinen, als was regst dich da auf?

SPÖ Kai Jan Krainer

… Das stimmt, was Sie in Salzburg schon machen – ( Abg. Schiefer [FPÖ] führt die Arme mehrmals von oben nach unten und klatscht anschließend in die Hände) – weil ich diese Bewegung ( den abgewinkelten rechten Arm von oben nach unten bewegend ) hier sehe –: Dafür stellen Sie in Salzburg jetzt einige hundert Glücksspielautomaten auf, denn das ist anscheinend die soziale Handschrift der FPÖ. Und was haben Sie in Niederösterreich, in Ihrem Bundesland, Herr Schnedlitz, gemacht? – Sie haben das Schulstartgeld gekürzt. Wissen Sie, mit welcher Begründung? – Weil die Inflation vorbei ist. In Niederösterreich ist also offenbar die Inflation vorbei ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ ), auf Bundesebene nicht. Die Politik, die Sie betreiben, ist keine verantwortungsvolle. Wenn Sie hier ( auf die Regierungsbank weisend ) sitzen, kürzen Sie die Pensionen. Wenn Sie dort ( auf die Abgeordnetenreihen weisend ) sind und andere sie nicht kürzen, dann regen Sie sich darüber auf. Das ist keine verantwortliche Politik und dafür werden Sie auch nicht gewählt werden. – Vielen Dank.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Eine nette Märchenstunde! – Abg. Deimek [FPÖ]: Bei uns wird’s immer mehr und bei euch ... lustig! Das ist aber auch ...! – Abg. Krainer [SPÖ] – auf dem Weg zu seinem Sitzplatz –: So eine Hochschaubahn wie ihr fahrt!

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Doppelbauer .

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich bin wirklich nicht bekannt dafür, dass man mich als Scharfmacherin am Schluss nach einer Rede hinausschickt, aber jetzt musste ich mich doch noch einmal kurz zu Wort melden. Kollege Kogler, die Gehälter im öffentlichen Dienst wurden letzten November erhöht, für zwei Jahre. Bei allem Respekt, Sie können sich jetzt nicht hierherstellen und sagen, da war nicht absehbar, wie die budgetäre Situation dieser Republik eigentlich ausschaut. Also gerade Sie als Volkswirt haben genau gewusst, worauf Sie sich da einlassen, und das war etwas, das Sie mitgegeben haben. (👏 SPÖ, NEOS) Ganz ehrlich, auch jetzt hat man sich darauf geeinigt, dass es natürlich auch bei den niedrigeren Gehältern im öffentlichen Dienst eine Staffelung gibt und dass natürlich auch die, die am Weg sind, die starten, fair behandelt werden. Aber ja, jeder muss seinen Beitrag leisten. Das war eigentlich nicht der Grund, warum ich mich jetzt noch einmal zu Wort gemeldet habe. Was mich nämlich wirklich irritiert, ist, wenn Sie sich hierherstellen und tatsächlich laut sagen: Im privaten Sektor hat sich ja nichts getan! Ganz ehrlich, ich weiß nicht, mit wem Sie sprechen. Ich kenne so viele Betriebe, ich kenne so viele Mitarbeiter! Die haben Gehaltsverzichte. Da geht es nicht darum, dass ich über die Inflation noch ein Gehalt angepasst kriege. Da geht es darum, dass mein Gehalt gekürzt wird, damit mein Unternehmen überlebt, damit ich nicht andere Kollegen hinauswerfen muss und damit ich exportieren kann und in diesem Land wettbewerbsfähig bleibe! (👏 ÖVP, NEOS) Ich glaube, das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht jeder Unternehmerin und jedes Unternehmers, was Sie da gerade gesagt haben.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

... reden nicht über die Abschlüsse!

NEOS Karin Doppelbauer

… Ich kenne die Situation wirklich gut. Ich arbeite seit 20 Jahren in der Wirtschaft. Und das zu vergleichen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... die Gehaltsabschlüsse, Karin!

NEOS Karin Doppelbauer

… wo Mitarbeiter entlassen werden – täglich lesen wir es in der Zeitung, AVL, Lenzing, egal wo Sie hingehen –, ist wirklich der falsche Ansatz! Ich würde mir wünschen, dass Sie da mit mehr Weitblick und Ihrer Erfahrung geschuldet agieren. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Ich ersuche die Abgeordneten, Ihre Plätze einzunehmen. Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/88.1 Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 8, Entwurf betreffend Pensionsanpassungsgesetz 2026 samt Titel und Eingang in 236 der Beilagen: Ich ersuche jene Damen und Herren, die diesem Gesetzentwurf ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich ersuche um Zustimmung zum Gesetzentwurf in dritter Lesung. – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung mit Mehrheit angenommen. RN/88.2 Wir gelangen zur Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 9: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 237 der Beilagen. Da der vorliegende Gesetzentwurf eine Verfassungsbestimmung enthält, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 1 der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte nun jene Abgeordneten, die dem vorliegenden Gesetzentwurf zustimmen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. Daher erspare ich mir auch die Feststellung, dass dieser die erforderliche Zweidrittelmehrheit hat. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Wer stimmt in dritter Lesung zu? – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung einstimmig angenommen. RN/88.3 Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 10, Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht 238 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen: Wer ist für die Kenntnisnahme des Berichtes? – Das ist mit Mehrheit angenommen. Damit ist der Abstimmungsvorgang abgeschlossen. Bevor wir dann den Tagesordnungspunkt 11 aufrufen – Frau Staatssekretärin Königsberger-Ludwig ist ja schon seit der vorigen Debatte da –, werde ich aber die Sitzung bis 15 Uhr unterbrechen und den Vorsitz an den Präsidenten übergeben. Die Sitzung ist bis 15 Uhr unterbrochen. Sitzungsunterbrechung, 46. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:58

Allgemeines Sozialversicherungsgesetz

237 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 472/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜR

Zusammenfassung

Das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz wird geändert und eine Verfassungsbestimmung eingeführt, die klarstellt, dass auch Sonderpensionen nur nach der sozialen Staffelung des Pensionsanpassungsgesetzes 2026 angepasst werden dürfen. Erhöhungen von Sonderpensionen sind damit unter Berücksichtigung des Gesamtpensionseinkommens begrenzt.

Betroffen sind Bezieherinnen und Bezieher von Sonderpensionen (auch in Landeszuständigkeit) sowie die für deren Anpassung zuständigen Stellen.

Dokumente

Allgemeines Sozialversicherungsgesetz

Gegenstand und Ziel

  • Änderung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG) durch einen Initiativantrag.
  • Klarstellung durch eine Verfassungsbestimmung, wie Sonderpensionen im Rahmen der Pensionsanpassung 2026 zu behandeln sind.

Kerninhalt der Verfassungsbestimmung

  • Es wird klargestellt, dass auch die Anpassung (Erhöhung) von Sonderpensionen entsprechend der sozialen Staffelung nach dem Pensionsanpassungsgesetz 2026 limitiert ist.
  • Die Erhöhung von Sonderpensionen hat unter Berücksichtigung des Gesamtpensionseinkommens zu erfolgen (Gesamtbetrachtung der Pensionseinkünfte als Maßstab für die soziale Staffelung und die Limitierung).

Begründung / Kompetenzaspekt

  • Die Verfassungsbestimmung wird als erforderlich dargestellt, weil Sonderpensionen auch in den Kompetenzbereich der Länder fallen und daher eine verfassungsrechtliche Klarstellung zur einheitlichen Anwendung der Limitierung notwendig ist.

Allgemeines Sozialversicherungsgesetz

~103 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke schön, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Es geht eigentlich fast so weiter wie im vorherigen Tagesordnungspunkt: an den Interessen der Österreicherinnen und Österreicher vollkommen vorbeireformiert. Bevor ich zur Pensionsreform komme, möchte ich mit dem zweiten Punkt anfangen, das ist die Beschränkung der Luxuspensionen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist interessant!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Der werden wir unsere Zustimmung geben, Frau Bundesminister. Allerdings bin ich schon einigermaßen enttäuscht, dass Sie da nicht das Gespräch gesucht haben – wir sind die stärkste Fraktion im Haus, die größte Oppositionspartei. Aber es ist ja nicht notwendig, mit uns zu verhandeln. Dieser Antrag ist nicht so umwerfend grandios, aber wir finden, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es kann aber damit nicht beendet sein, die Luxuspensionen tatsächlich auch zu kürzen; das möchte ich Ihnen schon auch noch gerne sagen, meine Damen und Herren der Regierungsparteien. Ich glaube, es ist längst überfällig, diese Ungerechtigkeiten wirklich zurückzuschrauben. (👏 FPÖ) Kommen wir jetzt aber zur Pensionsanpassung. Die betrifft jetzt tatsächlich die Pensionisten und Pensionistinnen in Österreich, und zwar alle, da die Pensionen nicht im vollen Ausmaß der Inflationsrate angepasst werden. Wir haben es bei den letzten Tagesordnungspunkten gesehen: Wir machen Politik, indem wir allen etwas wegnehmen. Wir kürzen die Weiterbildung, wir nehmen den Familien etwas weg und jetzt gibt es keine komplette Anpassung der Pensionen. – Wissen Sie, Frau Bundesminister, zwei Bereiche sparen Sie aus: Das eine sind die Migranten und das andere sind die NGOs. Im Idealfall machen Sie beides gemeinsam, das heißt, Sie fördern NGOs …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Das Rote Kreuz!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… die für die Migranten Politik hier in Österreich machen, meine Damen und Herren. – Ich weiß nicht, warum Sie da drüben ( in Richtung SPÖ ) so nervös sind. Die NGOs müssen sich aber keiner Wahl stellen, betreiben politische Agitation und werden auch aus Ihrem Haus sehr, sehr fürstlich unterstützt. Nur ein paar Beispiele: Der Verein Afya, Verein zur interkulturellen Gesundheitsförderung, bekam 322 661 Euro, die Asylkoordination Österreich – ich weiß eigentlich gar nicht, warum die Asylkoordination vom Sozialministerium so fürstlich unterstützt werden muss, das ist eigentlich eine BMI-Angelegenheit – 7,5 Millionen Euro. So geht das dann weiter: Es gibt zum Beispiel den Verein Grenzenlos – Interkultureller Austausch mit über 700 000 Euro; Hosi Salzburg: 11 337 Euro – das weiß ich nicht, warum das vom Sozialministerium gefördert werden muss …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Kannst das nächste Mal mitgehen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… das Integrationshaus: fast 600 000 Euro, nämlich 598 838 Euro; Migrare – Zentrum für MigrantInnen Oberösterreich – auch interessant –: über 3 Millionen Euro. (Bundesministerin Schumann : Förderliste von wann?) Das ist eine Förderliste, die unglaublich ist, Frau Bundesminister. (Bundesministerin Schumann : Von wann?) Das sage ich Ihnen ganz ehrlich, meine Damen und Herren (Bundesministerin Schumann : Von wann?): Für die Migranten ist immer Geld da, für die NGOs ist immer Geld da, aber, liebe Pensionistinnen und Pensionisten , bei Ihnen wird jetzt eingespart. ( Ruf bei der SPÖ: Stimmt nicht! ) Genau das – und das ist jetzt nur die erste Seite, Frau Minister, die ich Ihnen vorgelesen habe – geht so weiter und dahin. (Bundesministerin Schumann : Von wann?) Jetzt fragt mich die Frau Minister „von wann“. Na, das ist Ihre Anfragebeantwortung gewesen: aus dem letzten Jahr natürlich. (Bundesministerin Schumann : Das ist eine alte Geschichte!) Da waren Sie nicht Minister, na genau, und das werden Sie jetzt alles auf null setzen. Na, das schauen wir uns an, ob die Frau Minister im Jahr 2025 all diese NGOs auf null gesetzt hat. Da freue ich mich ja schon auf die Anfragebeantwortung nächstes Jahr. (👏 FPÖ) Ich garantiere, das werden Sie natürlich nicht tun, Frau Bundesminister, weil – ich verrate Ihnen jetzt etwas! –: Viele Förderungen hat es auch schon unter sozialistischen Sozialministern gegeben. Ich habe damals und schon früher immer einzelne NGOs und Vereine abgefragt, vor allem solche, deren einzige Aufgabe es ist, Migranten zu unterstützen, Asylanten zu unterstützen, zu beraten, ihnen zu zeigen, wo sie unser Steuergeld noch weiter abgreifen können. ( Ruf bei der SPÖ: Geh bitte! ) Wenn Sie sich das alles zusammenrechnen, da ein paar Millionen, dort ein paar Millionen, dann kommen Sie bald auf einen zweistelligen bis dreistelligen Millionenbetrag. Das ist ungefähr das - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wow!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ja „wow“. Das finden Sie vielleicht lächerlich …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Die Rettungsorganisationen?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… aber das ist das, was Sie den Pensionisten jetzt abgreifen, was Sie bei den Pensionisten einsparen. ( Ruf bei der SPÖ: Stimmt nicht! ) Laut der Ministerin werden circa 300 bis 350 Millionen Euro durch die Nichtvalorisierung aller Pensionen in Österreich eingespart. Dass man den Pensionisten erneut in die Taschen greift! …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Ja, mit Sporttaschen kennt ihr euch eh aus!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Wir haben heute schon gehört, was die Pensionisten schon alles aushalten mussten, seit Sie in dieser unsäglichen Dreierkoalition, in dieser unsäglichen Verliererkoalition angetreten sind. Sie machen es wieder und wieder und wieder. Und wo wird nicht gespart? – Das sind die Migrantenvereine, meine Damen und Herren, da sparen Sie überhaupt nicht ein; bei den NGOs wird nicht eingespart. Die haben nur eine Agenda, nämlich gegen die eigene Bevölkerung Stimmung zu machen. Darum bezahlen Sie sie ja auch so fürstlich. Das ist genau der Grund. – Wir werden auf diesem Thema draufbleiben. Frau Minister, jetzt haben Sie noch die Ausrede: Nein, da kann ich nichts dafür, da war ich noch nicht Minister! – Nächstes Jahr haben Sie diese Ausrede nicht, und ich bin gespannt auf die Zahlen, die wir nächstes Jahr bekommen werden. Wir werden Sie beim Wort nehmen, und dann werden wir Ihnen das wieder vorlegen und vorrechnen. Dann rechne ich Ihnen vor, was Sie eingespart haben allein nur bei den Pensionisten, allein bei den Pensionen, was Sie bei den Krankenkassenbeiträgen der Pensionisten eingespart haben oder mehr eingenommen haben, was Sie bei den neuen Selbstbehalten bei den Krankentransporten eingenommen haben und so weiter und so fort. Wie viele Pensionisten müssen jetzt die E-Card-Gebühr neu zahlen? All das, Frau Bundesminister, werde ich Ihnen vorrechnen und vorlegen, und dann werden wir schauen, ob Sie tatsächlich auch bei den NGOs eingespart haben. Darauf sind wir schon sehr gespannt. (👏 FPÖ) Ich sage Ihnen eines: Es wäre im Sinne einer Gerechtigkeit, jene Personengruppe, die dieses Land aufgebaut hat, die dieses Land viele, viele Jahrzehnte erhalten hat, die den Wohlstand in dieses Land gebracht hat, auch jetzt in der Pension so zu behandeln, wie sie es verdient. Da geht es nämlich nicht um Pensionserhöhung, wie das hier oft so herumgeht, sondern da geht es um eine Inflationsanpassung. Wenn man nicht die volle Inflationsanpassung bekommt , Frau Bundesminister, ist es eine numerische Kürzung. Das heißt, die Leute haben weniger zur Verfügung – es ist eine Kürzung. Eine Kürzung für unsere Pensionisten kann es mit der Freiheitlichen Partei nicht geben. Daher haben wir auch unseren eigenen Antrag: Alle ASVG-Pensionisten in Österreich sollen die volle Inflationsabgeltung bekommen. – Da bitte ich Sie jetzt um Zustimmung, Frau Minister.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Die Frau Ministerin ...!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Josef Muchitsch . – Herr Abgeordneter, ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein.

SPÖ Josef Muchitsch

Sehr geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn man da jetzt zugehört hat, weiß man eigentlich nicht, wo wir gerade sind. Fakt ist – nur einen Satz dazu –: Wir sind jetzt schon bei den Pensionen, aber trotzdem von dieser Stelle ein großes Danke an alle NGOs, vom Roten Kreuz über den Samariterbund bis zu den Feuerwehren, die ehrenamtliche Leistungen erbringen. Jetzt kommen wir zu den Pensionen. Ich möchte versuchen, meine sehr geehrten Damen und Herren, es faktenbasiert zu machen – faktenbasiert; vielleicht gelingt das den anderen Rednern auch. Die Fakten sind: 1,73 Milliarden Euro werden für die Pensionserhöhung aus dem Budget 2026 aufgewendet. Es gibt die volle Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent für über 70 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten, für alle Pensionen bis 2 500 Euro. Die Pensionen, die über 2 500 Euro liegen, das sind die anderen 30 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten, werden einheitlich um 67,50 Euro pro Monat, das sind 945 Euro pro Jahr, erhöht. Und weil die Medien geschrieben haben, dass die Erhöhung bei jenen, die eine Pension von über 2 500 Euro beziehen, eine Einmalzahlung ist, muss ich sagen: Das ist ein völliger – um kein falsches Wort zu sagen – Irrtum, ein völliger Irrtum! Diese 67,50 Euro werden den Pensionistinnen und Pensionisten monatlich auf ihr Pensionskonto gebucht und sind somit auch nachhaltig für die Zukunft, für die nächsten Pensionsanpassungen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ) Nächster Punkt: Auch die Luxuspensionen und die Mehrfachpensionen werden mit diesen Beschlüssen heute gedeckelt. Noch einmal: Von den 2,3 Millionen Pensionistinnen und Pensionisten in der gesetzlichen Pensionsversicherung bekommen 71,4 Prozent die volle Inflationsabgeltung, also eine Erhöhung um 2,7 Prozent. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich weiß schon, Geld auszugeben ist viel einfacher, das ist viel populärer – das haben wir die letzten Jahre eh gesehen –, als Geld einzusparen. Die budgetäre Situation, die wir als SPÖ nicht verursacht haben, ist allen bekannt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja! Ihr wart auch ...! – Abg. Kickl [FPÖ]: In Wien schon ...!

SPÖ Josef Muchitsch

… Ihnen ist auch die Ausgangslage – neben der budgetären Ausgangslage – bei den Verhandlungen zur Pensionsanpassung bekannt. Was haben wir von den Medien gehört? – Null Pensionsanpassung ist gefordert worden; 2 Prozent, hat uns der Bundeskanzler ausgerichtet, wünscht er sich, und nicht mehr. – Fakt ist: Für uns als SPÖ war es immer ganz klar, trotz dieser schwierigen budgetären Situation eine volle Inflationsabgeltung von plus 2,7 Prozent für niedrigere und mittlere Pensionen zu erreichen. Das haben wir geschafft, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 SPÖ) Danke, Frau Bundesministerin, für deine Hartnäckigkeit, das so durchzuziehen. Natürlich ist Sparen jetzt wichtig, aber wir versuchen, auch jeden Spielraum auszuschöpfen, um Verbesserungen bei den Pensionistinnen und Pensionisten zu erreichen. Nur drei Beispiele: Wir werden ab 1. Jänner 2026 eine Entlastung für Rezeptgebühren herbeiführen. Das bringt den Pensionistinnen und Pensionisten wieder einiges. Wir werden einen lang gehegten Wunsch erfüllen, und viele sagen, das ist notwendig: dass wir die Pflege in die Schwerarbeit bringen. Damit ist der Pflegeberuf viel interessanter. Somit ist auch das ein wichtiger Beitrag für die Pensionistinnen und Pensionisten, da es da um den Fachkräftemangel geht. Der dritte Punkt, und den kommunizieren wir viel zu wenig, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Pensionistinnen und Pensionisten, ist, dass das Pflegegeld ab 1. Jänner über alle sieben Stufen erhöht werden wird. Auch das ist ein wichtiger Beitrag für die Pensionistinnen und Pensionisten, dort, wo Pflegebedarf herrscht. (👏 ÖVP, SPÖ) Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Koalition wird weitere Maßnahmen setzen. Ja, wir haben uns da auf das verständigt, weil wir unser Pensionssystem auch nachhaltig sichern wollen. Die Ziele dazu müssen wir beschließen, diskutieren, beraten, keine Frage. Wir haben eine große gemeinsame Aufgabe übernommen: diesen Staat wieder zu sanieren und Österreich auf Kurs zu bringen. Letzter Satz: Die FPÖ bringt heute einen Antrag ein – volle Inflationsabgeltung statt Bestrafung der Leistungsträger. Ich sage Ihnen abschließend etwas: Die größten Pensionseinschnitte hat es immer dann gegeben, wenn die FPÖ das Sozialministerium besetzt hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

SPÖ Josef Muchitsch

… Da hat es immer die größten Pensionseinschnitte gegeben. Nur eine Zahl: Von 2000 bis 2006, als ihr als FPÖ dieses Ministerium gehabt habt, war die Gesamtinflation 14,6 Prozent. Die Pensionen wurden in diesen sechs Jahren nur um 6,2 Prozent erhöht. Wo war dort euer Aufschrei für die Leistungsträger? Wo war da euer Selbstbewusstsein, das zu vertreten? (👏 ÖVP, SPÖ) Wir erhöhen die Pensionen – ja, es sind schwierige Zeiten –, die Pensionistinnen und Pensionisten können sich weiterhin auf die Sozialdemokratie verlassen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Markus Koza . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Heute wird die Pensionserhöhung für 2026 beschlossen. Die Eckpunkte hat Kollege Muchitsch bereits erwähnt. Pensionen bis 2 500 Euro brutto werden um die volle Inflationsrate erhöht. Alle Pensionen darüber erhalten einen Fixbetrag von 67 Euro pro Monat, also eine dauerhafte Erhöhung. Die Erhöhung bezieht sich auf die Gesamtpension, also die Summe der Pensionsbezüge. Dazu braucht es dann auch eine Zweidrittelmehrheit. Was war uns das Wichtigste im Rahmen dieser Pensionsdebatte? – Das war, dass Bezieher:innen mit niedrigeren und mittleren Pensionen, und das sind mehrheitlich Frauen, die jetzt schon jeden Euro zweimal umdrehen müssen, die volle Inflationsabgeltung bekommen, weil steigende Preise beim Wohnen, bei den Lebensmitteln, bei der Energie ja bekanntlich vor allem jene treffen, die das niedrigste Einkommen haben. Umso wichtiger war es, dass es da die volle Abgeltung gibt, und auch, weil Pensionist:innen von dieser Regierung bereits Kürzungen erfahren mussten. Da sei die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge sowie auch die Streichung des Klimabonus erwähnt, Letzteres hat so manchen Pensionistenhaushalt Hunderte Euro pro Jahr gekostet. Daher ist es dringend notwendig, dass gerade die kleinen und die mittleren Pensionistenhaushalte ihre Einkommensverluste zumindest einigermaßen ausgeglichen bekommen. (👏) Wir sehen diese zentrale Forderung auch erfüllt. 70 Prozent der Pensionist:innen erhalten die volle Inflationsabgeltung und alle anderen einen Fixbetrag. Das ist auch gut so. (👏 SPÖ) Was aber fehlt, meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist der Beitrag der Luxuspensionist:innen, nämlich all jener, die 6 450 Euro und mehr Pension bekommen. Das sind nicht viele, das sind circa 10 000 Menschen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Na, na, Kollege!

GRÜNE Markus Koza

… aber es ist eine Frage der Fairness, dass die vielbeschworenen breiten Schultern auch einen entsprechend hohen Beitrag leisten. Seit 2015 zahlen Luxuspensionisten einen Sicherungsbeitrag für jenen Teil der Pension, der über der Höchstbeitragsgrundlage liegt. Das ist soweit auch gut, nur paradoxerweise wird dieser Sicherungsbeitrag immer kleiner, je stärker die Luxuspension steigt, weil nämlich die Höchstbeitragsgrundlage in der Regel schneller steigt als die Gesamtpension. RN/66.1 Ich habe Ihnen ein Beispiel mitgebracht. ( Der Redner hält eine Tafel, auf der unter der Überschrift „Luxuspensionen/Sicherungsbeitrag“ ein Säulendiagramm abgebildet ist, in die Höhe. ) Ein Luxuspensionist, der im Jahr 2019 7 000 Euro bekommen hat, hat damals 178 Euro Pensionssicherungsbeitrag zahlen müssen, nämlich von dem roten Teil ( auf die entsprechende Stelle des Säulendiagramms weisend ), der über der Höchstbeitragsgrundlage liegt. Bis 2026 ist die Pension – die Luxuspension! – um circa 20 Prozent gestiegen, er kriegt heute über 8 300 Euro, aber der Sicherungsbeitrag ist interessanterweise von 178 Euro auf 144 Euro gesunken. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wie geht das? Wer soll das verstehen? Wo ist da die Fairness? Wo ist da die Gerechtigkeit? (👏) Das ist einfach nur absurd! Dieser Konstruktionsfehler, meine sehr geehrten Damen und Herren, gehört repariert, der gehört dringend repariert, weil dem Staat dadurch jährlich Millionen Euro an Einnahmen von Luxuspensionisten entgehen. (👏) Wir haben versucht, gemeinsam mit ÖVP, SPÖ und NEOS eine gerechte Lösung zu finden, um einen gerechten Beitrag der Luxuspensionist:innen sicherzustellen. Mit NEOS und SPÖ – ein großes Dankeschön – waren wir eigentlich auch schon ziemlich weit; gescheitert ist es – einmal mehr – an der ÖVP.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wahnsinn! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

GRÜNE Markus Koza

… Ja, es ist halt so! Sparpakete für die breite Masse: jederzeit! Geht es aber einmal an die Privilegien der Reichen, dann ist Schluss mit lustig, die sind tabu – und es ist egal, ob es um Millionenerben geht, um Stiftungsmilliardäre oder wie in diesem Fall um Luxuspensionisten. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Liebe ÖVP, diese Debatte werdet ihr trotzdem nimmer los, weil wir dranbleiben werden und wieder und wieder einen fairen Beitrag der Luxuspensionisten wie auch von allen anderen mit den breiten Schultern einfordern werden. Aber – bei allem Ärger – wir werden sowohl der Pensionserhöhung als auch der Zweidrittelregelung unsere Zustimmung geben …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Na bitte, das wird einstimmig!

GRÜNE Markus Koza

… ganz einfach deshalb, weil der Abschluss trotz allen Fehlens des Beitrags der Luxuspenionisten unsere wesentlichsten Forderungen beinhaltet und es diesen Verfassungsbeschluss natürlich braucht, damit Luxuspensionen nicht noch größer werden, Luxuspensionist:innen nicht noch reicher werden, denn das wollen wir mit Sicherheit nicht. – Danke. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Klubobmann August Wöginger.

ÖVP August Wöginger

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte zu Beginn kurz auf die zwei Parlamentstage, die Nationalratstage eingehen, weil es etliche Gesetze gibt, die von den Regierungsparteien nicht nur hier eingebracht wurden, sondern auch beschlossen werden: der Stromkostenausgleich für die Industrie; die Verdoppelung des Investitionsfreibetrages für die Unternehmer, für die Betriebe von 10 auf 20 Prozent; die Förderung und die Absicherung unserer Biogasanlagen; eine Regelung für die freien Dienstnehmer, wenn es um Kündigungsfristen geht; ein einheitliches Trinkgeldpauschale – da sei erwähnt: das gibt es in Österreich schon, nur hat es das neunmal unterschiedlich gegeben –; ein neues Modell für die Bildungskarenz, die sogenannte Weiterbildungszeit; eine neue Grenzgängerregelung , und das ist nichts Böses, sondern das ist eigentlich etwas, was unserer Wirtschaft hilft; ein Pensionsanpassungsgesetz 2026; und ein Gesundheitstelematikgesetz steht heute auch noch auf der Tagesordnung. Nebenbei sind Energiegesetze in Begutachtung gewesen, sind jetzt herausgekommen; da hören wir schon, dass es da die notwendige Zweidrittelmehrheit wahrscheinlich nicht gibt, obwohl es darum geht, den Strom insgesamt billiger zu machen, sowohl für die Wirtschaft, für die Industrie als auch für die Haushalte. Mietgesetze sind aus der Begutachtung herauskommen, ebenso die Verfahrensbeschleunigung bei Verfahren im Energiebereich oder generell auch bei Großanlagen. Zu guter Letzter ist noch das Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen in Begutachtung. Das heißt – um das einmal zu verdeutlichen –, zu dieser Klein-Klein-Diskussion, die hier geführt wird, möchte ich einfach zu Beginn sagen: Diese Regierung arbeitet; diese Regierung arbeitet für die Menschen, diese Regierung bringt die wichtigen Punkte auf den Weg, und sie werden hier im Parlament auch beschlossen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Im Übrigen stimmt die Freiheitliche Partei von all diesen Gesetzen ganzen zwei zu, und wir hören die ganze Zeit: Njet, nein, wollen wir nicht, geht nicht! Betreffend Bildungskarenz: Kollege Schiefer – du bist ja da; ich schätze dich mit deiner Fachexpertise und deiner Kenntnis sehr –, wir haben ja zu Beginn des Jahres gemeinsam Budgetverhandlungen geführt, und der Klimabonus und die Bildungskarenz waren die beiden Punkte, die immer auf der Liste mit jenen Punkten gestanden sind, die wir nicht fortsetzen können und zum Teil auch nicht wollen, weil die Bildungskarenz extrem missbrauchsanfällig war.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch?

ÖVP August Wöginger

… Betreffend KV, bei den Pensionisten sind wir uns nimmer einig, aber in Wahrheit ist das auch auf dieser Liste gestanden, um eben zu sanieren, zu reformieren, um auch wieder wachsen zu können. Das ist eigentlich der Hintergrund dieser Konsolidierungsmaßnahmen, die wir sowohl in dieser Dreierkoalition gemeinsam vereinbart haben als auch in den Gesprächen mit der Freiheitlichen Partei für das Jahr 2025 besiegelt und gemeinsam nach Brüssel geschickt haben; das soll auch noch einmal gesagt werden, das sei der Korrektheit halber auch erwähnt. (👏 ÖVP, NEOS) Aber nun zu den Pensionsanpassungen für das kommende Jahr: Eines möchte ich schon einmal dazusagen, weil man heute so tut, als wäre es das erste Mal, dass man eine derartige Pensionsanpassung macht: In 16 Jahren Sozialsprechertätigkeit der Volkspartei war es fast immer der Fall, dass man im untersten Bereich die Inflation, diesen Wert hernimmt und die Inflation abgilt und dann irgendwo eine Grenze einzieht, und ab dort gilt ein Sockelbetrag. Das ist keine Einmalzahlung, das ist ein Sockelbetrag. Ich habe fünf Jahre lang Kollektivverträge verhandelt, da hat es manchmal einen freiheitlichen Arbeitnehmervertreter gegeben, und wenn der- oder diejenige – meistens war es ein Er – in Kollektivvertragsverhandlungen etwas gefordert hat, dann war es eine Sockelbetragserhöhung – aus sozialem Gerechtigkeitsempfinden heraus, aus einem Empfinden heraus, dass man sagt, man hebt einen gewissen Teil prozentuell an, aber dann soll es mit einem Sockelbetrag gehen. Da stelle ich die Frage: Warum geht das dann bei dieser Anpassung nicht? Warum soll das nicht funktionieren? Ich möchte als einer, der sich zum Versicherungsprinzip bekennt und auch dazu steht – das Pensionskonto, im Übrigen, bildet dieses Versicherungsprinzip zu 100 Prozent ab; das, was ich einzahle, bekomme ich auch heraus …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber schon lang nimmer!

ÖVP August Wöginger

… sagen: Wir haben mit der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage in Österreich ein System, das funktioniert. Für diejenigen, die noch im Beamtensystem sind, werden ja höhere Beträge einbezahlt, sowohl vom Dienstnehmer als auch vom Dienstgeber, daher gibt es da im Endeffekt höhere Pensionen, aber ganz viele Kolleginnen und Kollegen aus dem öffentlichen Dienst sind ja bereits in das sogenannte ASVG-System gekommen. Ich verstehe einfach die Aufregung nicht, ich verstehe nicht, warum man da dagegen sein kann, wenn man sagt: Wir heben bis 2 500 Euro brutto mit 2,7 Prozent voll an, und dann gibt es einen Sockelbetrag von 67,50 Euro! Das müsst ihr mir einmal erklären, was daran sozialpolitisch gesehen falsch sein soll! (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist richtig, meine Damen und Herren, und es ist auch eine Lösung, die in Zeiten wie diesen mehr als vertretbar ist. Eine andere Mär möchte ich auch noch durchbrechen; Falschmeldungen, die leider in allen Reihen immer wieder kommuniziert werden: Wenn ich bei 2 500 Euro, bei 3 000 Euro, bei 4 000 Euro, bei 5 000 Euro pro Monat 67,50 Euro dazubekomme – im Übrigen sind das pro Jahr 945 Euro …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Brutto!

ÖVP August Wöginger

… brutto, das ist fast ein Tausender –, wenn ich das dazubekomme, dann geht die Pensionshöhe jedenfalls auseinander, denn bei 1 500 Euro kriege ich 40 Euro, bei 2 000 Euro kriege ich 54 Euro, und dann bekomme ich eben diese 67,50 Euro. Also rein vom nominellen Betrag her geht die Spreizung natürlich auseinander und nicht zusammen, das muss man auch einmal sagen. (👏 ÖVP, NEOS) Daher: Ja, Bekenntnis zum Versicherungsprinzip, Bekenntnis dazu, die Pensionen angesichts der Inflation abzusichern, aber bitte keine Märchenerzählungen in diesem Bereich! Es geht nicht zusammen, das ist einfach falsch und nicht richtig; das heute zu betonen, ist mir wichtig. (👏 ÖVP, NEOS) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Warum machen wir das? – Wir tun das nicht aus Jux und Tollerei, und wir bitten natürlich die Pensionistinnen und Pensionisten – 2,5 Millionen an der Zahl – in Österreich um Verständnis dafür. Insgesamt werden zwei Drittel mit 2,7 Prozent abgegolten – im ASVG-System sind es über 71 Prozent, wie Kollege Muchitsch gesagt hat –, und dann gibt es eben diese 67,50 Euro pro Monat und pro Pensionistin, pro Pensionist. Wir haben die Pensionen in den letzten drei Jahren – und das möchte ich auch einmal sagen, weil die Vorgängerregierung hier im Parlament genug gescholten wird –, und ich stehe dazu, 2023, 2024 und 2025 angehoben. Wissen Sie, um wie viel? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie war die Inflationsrate?

ÖVP August Wöginger

… Die Inflation war hoch, Frau Kollegin! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie war die Inflationsrate? – Abg. Gasser [NEOS]: Niedriger als die Erhöhungen!

ÖVP August Wöginger

… Die Inflation war hoch, aber wir haben die Pensionen in drei Jahren um 20,1 Prozent angehoben – um 20,1 Prozent! Zeigt mir einmal, ob es irgendwo auf der Welt – irgendwo! – ein Land gibt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... niedrigere Inflationsraten gehabt!

ÖVP August Wöginger

… das die Pensionen in drei Jahren um ein Fünftel angehoben hat! Jetzt haben wir im oberen Drittel einen Bereich, wo wir nicht zur Gänze abgelten, das ist richtig, aber im Schnitt macht die Pensionsanpassung 2,25 Prozent aus, und zwei Drittel bekommen die vollen 2,7 Prozent. Warum machen wir das als Bundesregierung? – Um der hohen Inflation, die nach wie vor bei 4 Prozent liegt, entgegenzuwirken! Wir haben mit 2,25 Prozent im Schnitt ein wichtiges Signal gesetzt, entsprechend der Formel, die der Bundeskanzler ausgegeben hat, 2-1-0: 2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wirtschaftswachstum und null Toleranz bei illegaler Migration. Deshalb haben wir das gemacht und nicht aus Jux und Tollerei, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 ÖVP) Abschließend ist es mir wichtig, allen, die im Bereich der Sozialversicherung tätig sind und dort arbeiten, Danke zu sagen. Ich meine, man weiß ja gar nicht, welch gutes System wir in Österreich haben. Es wird immer gesagt: Na, es ist eh klar, die Regierungsparteien sagen immer, es ist alles super, es ist alles gut! – Nein, das sage ich nicht, aber ich sage, dass wir ein gut funktionierendes System haben. Und wenn man an der deutschen Grenze daheim ist und dort lebt, dann weiß man, welch gutes Pensionssystem wir in Österreich haben, dass die Pensionen 14-mal und nicht zwölfmal ausgezahlt werden (👏 ÖVP, SPÖ), dass wir Pensionshöhen haben, die in anderen Ländern nicht einmal zur Hälfte erreicht werden, und dass wir Berufsgruppen haben, die in unserem System besonders berücksichtigt und auch abgesichert werden. Das sind jene, die im Mindestpensionsbereich angesiedelt sind. Die Mindestpension für Einzelpersonenen steigt auf über 1 300 Euro, und weil es ganz viele – vor allem Frauen – gibt, die keine Pension beziehen, weil sie Kinder erzogen haben, weil sie gepflegt haben – noch ohne Pflegegeld gepflegt haben –, steigt der Familienausgleichszulagenrichtsatz auf über 2 000 Euro, auf 2 009 Euro, an. Das ist sozial gerechtfertigt, es ist auch notwendig, das zu tun. Wir haben im ASVG-System insgesamt 63 Milliarden Euro, und 50 Milliarden Euro sind durch Beiträge gedeckt. Wir haben in dieser Bundesregierung bereits drei wesentliche Maßnahmen beschlossen: die Teilpension, die ich allen wirklich ans Herz legen möchte. Man kann sich das einfach einmal anschauen und sagen: Ich nehme mir einen Teil der Pension, ich arbeite zu einem Teil weiter, weil es eine Win-win-Situation ist. Ja, wir haben Veränderungen bei der Korridorpension wegen der Nachhaltigkeit durchgeführt: das Alter um ein Jahr angehoben, die Versicherungsjahre um zwei Jahre angehoben. Und wir haben wieder den Nachhaltigkeitsmechanismus eingeführt, den ursprünglich Wolfgang Schüssel bei der großen Reform 2003/2004 bereits gesetzlich verankert hat, der fünf Jahre später herausgeflogen ist und den wir jetzt wieder im Gesetz haben, weil wir eine Nachhaltigkeit in einem sehr guten, funktionierenden Pensionssystem brauchen. Dazu bekennen wir uns auch. Wir beschließen jene Maßnahmen, die durchaus die Nachhaltigkeit im Vordergrund sehen, für die Pensionistinnen und Pensionisten und vor allem für jene – das ist mir wichtig; in einem Umlagesystem geht es vor allem auch um jene –, die jetzt in das System einzahlen und ein Recht darauf haben, noch auf eine gesetzliche Pension vertrauen zu können. Das ist ein wichtiges Signal, das die Politik mit dem hier gibt. Schüssel hat das Pensionskonto eingeführt, mit Minister Hundstorfer haben wir es umgesetzt. Das Pensionskonto läuft seit elf Jahren, alle Bürgerinnen und Bürger, die einzahlen, können per Knopfdruck abrufen, wie hoch der Stand des Pensionskontos ist und welche Pension sie zu erwarten haben. Das ist Entbürokratisierung und das ist auch eine Information, die für viele Menschen ganz wichtig ist – auf Knopfdruck. Wir haben das Pensionssystem in den letzten Jahrzehnten gut weiterentwickelt und eine Pensionsanpassung vorliegen, die den Namen verdient, die sozial gerechtfertigt ist und natürlich Rücksicht auf die jetzige Zeit nimmt. Man kann sie hier jedenfalls geschlossen mitbeschließen, und nicht nur die Verfassungsbestimmung, meine sehr geehrten Damen und Herren von der FPÖ, weil es da ja auch um die Länderpensionen und um das, was in den Kammern ausbezahlt wird, geht. Man könnte dieser Anpassung durchaus zustimmen, was Sie früher in Regierungsbeteiligungszeiten auch gemacht haben. Daher ist es eine reine Oppositionswillkür – es gibt keinen fachlichen und sachlichen Hintergrund –, dieser Pensionsanpassung nicht zuzustimmen. Wir wollen unsere Pensionistinnen und Pensionisten unterstützen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, habe ich eh gesagt!

ÖVP August Wöginger

… Wir danken auch für das Verständnis und dafür, dass man das auch sieht. Wir stehen zu unseren Seniorinnen und Senioren, die dieses Land aufgebaut haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nur nehmts ihnen alles weg!

ÖVP August Wöginger

… daher ist diese Pensionsanpassung auch eine gute. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Peter Wurm . (Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung Abg. Wurm –: Sollen wir schon eine tatsächliche Berichtigung einmelden?)

FPÖ Peter Wurm

Danke, Frau Präsidentin! Frau Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher! Zuerst möchte ich Besucher aus Krakaudorf in der Steiermark und das Demo-Team Spittal begrüßen. – Danke für Ihren Besuch! ( Allgemeiner Beifall. ) Ja, das war eine sehr feurige Rede, Kollege Wöginger, mit sehr viel Feuer, sehr viel Emotion. Ich glaube, es gibt auch viel von euch, vor allem von der ÖVP, zu erklären, warum man jetzt die Pensionisten quasi schröpft und kürzt. Man muss das erklären: Bei einer Inflation von 4 Prozent nur um 2,7 Prozent zu erhöhen, ist - - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Geh bitte, Peter!

FPÖ Peter Wurm

… Kollege Wöginger, wenn die offizielle Inflation 4 Prozent ist und wir die Pensionen um 2,7 Prozent erhöhen, dann ist das weniger, liebe SPÖ, oder? Es ist also eine Kürzung.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Aber wir haben ein gesetzliches System, das weißt du schon?!

FPÖ Peter Wurm

… An sich ist es intellektuell nicht schwer nachzuvollziehen, dass 2,7 weniger als 4 sind. Können wir uns darauf einigen? Das, glaube ich, schaffen wir alle noch. (👏 FPÖ) Für jene, die über diese 2 500 Euro brutto Pension haben, geht es dann hinunter in Richtung 2 Prozent. Das ist die Hälfte von 4 Prozent, also ganz real auch eine Kürzung. Dazusagen muss man noch einmal – das ist ja ein anderes Thema –, dass diese offizielle Inflation, die wir mit 4 Prozent haben, natürlich nicht dem entspricht, was ein normaler Pensionist an Teuerung verspürt. Das ist ja wesentlich höher, da reden wir von 6, 7, 8 Prozent. Deshalb haben auch – das sage ich ganz deutlich – ganz, ganz viele Pensionisten, mit denen ich gesprochen habe – und zwar mit niedrigen und hohen Pensionen –, das Gefühl, dass sie unter die Räder kommen. Das ist, glaube ich, ganz eindeutig, deshalb auch die 12-Minuten-Rede des Kollegen Wöginger, um das zu erklären. Klarerweise ist die Sozialdemokratie da mit im Boot, die ÖVP sowieso, die NEOS auch. Liebe Sozialdemokratie, ihr solltet aufpassen, dass ihr nicht irgendwann die eigene Propaganda glaubt. Wir als Freiheitliche stehen für die Pensionisten. Ich darf kurz erwähnen: 2018 haben wir die kleinen Pensionen überproportional über der Inflation erhöht. Vielleicht erinnert man sich daran, man kann es auch recherchieren. Das ist das Letzte, das wir gemacht haben. Interessanterweise sagt Kollege Wöginger: gemeinsam mit der SPÖ. Es war damals auch Jörg Haider dabei, der das Pensionskonto neu eingeführt hat; diese Reform darf man vielleicht nicht vergessen. Es ist also plötzlich doch etwas Gutes, auch vonseiten der Sozialdemokratie. Dann bitte nicht immer behaupten, wir Freiheitliche würden bei Pensionen kürzen, denn das stimmt de facto nicht! (👏 FPÖ) Liebe Sozialdemokratie, ihr habt heute die Nagelprobe: Wir als Freiheitliche bringen einen Antrag ein, womit die Pensionisten besser abschneiden. Da könnt ihr zustimmen. Wenn ihr nicht zustimmt, könnte ich ja die nächsten zehn Jahre die Propaganda fortsetzen, dass die Sozialdemokratie bei den Pensionisten kürzt, oder? Das ist ja auch relativ logisch. Wir werden sehen, was bei der Abstimmung heute herauskommt. (👏 FPÖ) Ein Thema, das mich seitdem ich im Nationalrat bin, schon sehr lange, beschäftigt – es ist ja heute teilweise auch ein Thema –, sind die Luxuspensionen. Es ist interessant, dass die Grünen diesbezüglich plötzlich in die Gänge kommen. Wir werden da auch zustimmen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ah jetzt doch?

FPÖ Peter Wurm

… Wir werden da zustimmen, weil es natürlich eine Verbesserung ist …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt doch? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Habe ich ja auch schon gesagt, ihr müsst zuhören!

FPÖ Peter Wurm

… aber, und jetzt kommt das große Aber …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Habts euch jetzt durchgesetzt?

FPÖ Peter Wurm

… das muss man ja einmal erklären –: Der Sündenfall der Luxuspensionen damals ist von den Grünen ermöglicht worden, Kollege Kogler war sogar dabei. Die Kollegin Schwentner hat das damals mit der Verfassungsmehrheit gemacht, dass wir bis 2070, liebe Zuseher – bis das Jahr 2070 erreicht ist –, in Österreich Luxuspensionen bezahlen werden. Das betrifft relativ viele. Der Letzte, der das halbwegs genau recherchiert hat, war Prof. Marin, falls man den noch kennt. Wir sprechen da von 50 000, die so eine Luxuspension haben, und die geht in Höhen von monatlich 20 000 Euro; ein ganz großer Teil – auch interessant natürlich – sind von Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Wirtschaftskammer. 12 000 Personen betrifft es immer noch – das sage ich nur am Rande, weil das ja auch immer von der Sozialdemokratie erwähnt wird. Das heißt, diese Luxuspensionen haben wir bis 2070. Wir haben schon ganz, ganz oft Anträge dahin gehend eingebracht, das einfach auf eine ASVG-Höchstbemessungsgrundlage zu reduzieren. Wenn jetzt gesagt wurde – ich glaube, von der Sozialdemokratie oder von den NEOS –, man hätte eine Mehrheit gehabt, aber die ÖVP spielt bei dieser Zweidrittelmehrheit nicht mit, darf ich noch einmal anbieten: Dann machen wir es ohne ÖVP. Mit uns gemeinsam haben wir die Zweidrittelmehrheit. Dann können wir das machen. Ich sage, es wäre ganz einfach, die Luxuspensionen abzuschaffen. Wir stehen seit vielen, vielen Jahren dafür bereit, weil ich es ja auch einer Mindestpensionisten oder einem normalen Pensionisten erklären möchte, dass wir das beendet haben, und nicht erst 2070, sondern schon 2025/26. Es versteht ja keiner, warum jemand 18 000 Euro Bruttopension bekommt – ORF-Generaldirektoren, Nationalbank, alles, was da kreucht und fleucht. (👏 FPÖ) Wie gesagt, uns betrifft es ja in der Regel eben nicht …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Warum habts dann dagegen gestimmt?

FPÖ Peter Wurm

… diese Luxuspensionen betreffen halt das alte schwarz-rote System. Zusammenfassend kann man sagen: Natürlich kürzen Sie bei den Pensionisten, weil sie eine falsche Politik gemacht haben, vor allem in den letzten Jahren, die ÖVP gemeinsam mit den Grünen. Wir haben eine hohe Inflation, wir haben eine schlechte Wirtschaftspolitik. Das geht zulasten der gesamten Bevölkerung, und ein Großteil wird jetzt auch von den Pensionisten getragen, die natürlich real Geld verlieren; ist ja relativ logisch: 4 Prozent, 2 Prozent, da verliert man. Die Pensionisten verstehen das auch relativ einfach, wir erklären es ihnen auch relativ deutlich. Also wir werden heute dieser Pensionsanpassung, die Sie vorhaben, nicht zustimmen. Bei den Luxuspensionen erfolgt ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber der große Schritt wäre, sie abzuschaffen. Wir stehen bereit, wenn ihr mit uns reden wollt, jederzeit. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Klubobmann Yannick Shetty .

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wenn ich Ihr Vermögensberater wäre, dann würde ich sagen, es gibt vermutlich in den letzten 20 Jahren bessere Investments, als in Österreich Steuern zu zahlen. Warum? – Vor allem aufgrund eines reformresistenten Pensionssystems ist unser Budget so unter Druck geraten, in Schieflage gekommen, dass wir mittlerweile ein Viertel des Gesamtbudgets in unser Pensionssystem zuzahlen.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Nein!

NEOS Yannick Shetty

… Also welcher Vermögensberater würde sagen: Investiere, aber ich sage dir jetzt schon, ein Viertel dessen, was du investierst, ist futsch!? Jeder vierte Euro, 25 Prozent, verpufft, weil wir das brauchen, um in ein Pensionssystem zuzuzahlen, das eben schon lange hätte reformiert werden sollen. Das ist in Österreich der Fall. 30 Milliarden Euro brauchen wir jedes Jahr zusätzlich zu den Beiträgen der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, um das Pensionssystem zu erhalten. Das ist ein Viertel des Gesamtbudgets, das für wichtige andere Bereiche fehlt. Ich möchte auch explizit sagen, auch den Zuseherinnen und Zusehern hier oder zu Hause: Nicht schuld daran – nicht schuld – sind jene, die jetzt in Pension sind und die Teil dieses Systems sind. Die Menschen, die fleißig gearbeitet haben, die eingezahlt haben, die sich an die Gesetze halten, die sind nicht schuld – logischerweise –, schuld und verantwortlich waren vor allem in den letzten 20 Jahren populistische Entscheidungen, Wahlzuckerln vor jeder Wahl hier im Parlament, die das System immer weiter kaputt gemacht haben. Diese Reformresistenz war dafür verantwortlich. Und ich kann Ihnen auch etwas Positives sagen: Damit ist jetzt Schluss. (👏 NEOS) Viele Menschen denken – und das würde einem ja auch der Hausverstand irgendwie so sagen –, das Pensionssystem funktioniert vereinfacht gesagt so: Ich zahle wie auf ein Sparbuch ein und wenn ich in Pension gehen, bekomme ich das raus, was ich eingezahlt habe.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Nein!

NEOS Yannick Shetty

… Nur ist das Problem in Österreich: Aufgrund unseres Umlageverfahrens gibt es immer weniger Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, immer weniger junge Menschen, aber immer mehr ältere Menschen, Pensionistinnen und Pensionisten. Es ist ja etwas Gutes, dass wir immer länger und gesund leben, aber wenn die Situation so ist, wie ich sie gerade dargestellt habe, dann wird das dazu führen, dass für diese finanzielle Lücke jemand zahlen muss, weil die Beiträge immer niedriger, aber die Pensionszahlungen immer höher werden, und diese Lücke sind diese 30 Milliarden Euro, die wir jedes Jahr ausgeben. Nur um es in Relation zu setzen: 10 Milliarden Euro Bildungsbudget jedes Jahr, 30 Milliarden Euro nur um zuzuzahlen, damit das Pensionssystem nicht kollabiert. Das müssen wir wieder geradebiegen, diese Schieflage müssen wir beenden – und das machen wir jetzt Schritt für Schritt. Wir folgen damit dem Beispiel von Ländern wie Norwegen, Schweden oder den Niederlanden, die schon vor vielen Jahren den Kurs gewechselt haben. Übrigens sind das keine Länder, die zusammengebrochen sind. Im Gegenteil, diesen Ländern geht es in vielen Indikatoren, in vielen Fragen besser als Österreich. Diesem Kurs werden wir folgen, das ist dringend notwendig. (👏 NEOS) Diese 30 Milliarden Euro, die wir jedes Jahr aufbringen müssen, um das System zu reparieren, fehlen nämlich für Investitionen in die Bildung, für Investitionen in die Zukunft, für Investitionen in die Jugend. Ich kann sagen, dass wir in den sechs Monaten seit Antritt dieser Bundesregierung schon einige wichtige Schritte gesetzt haben und den Reformmotor angeworfen haben. Wir haben die Teilpension eingeführt, wir haben die Korridorpension reformiert und, was echt ein Gamechanger ist, wir haben einen Reformautomatismus im Gesetz verankert, der vereinfacht gesagt vorsieht: Gerät das Budget aus den Fugen, ist die Regierung verpflichtet, gesetzliche Maßnahmen zu treffen. Das wird sicherstellen, dass das Budget, dass das Pensionssystem wieder auf Kurs kommen. Was wir heute mit der Pensionsanpassung für 2026 beschließen werden, ist auch ein klares Signal an die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, an alle Menschen in Österreich, dass wir nach Jahren – Kollege Klubobmann Wöginger hat es gesagt, nach Jahren – der Anpassung über der Inflation dieses Jahr im Sinne des Budgets und im Sinne des Gesamtzusammenhangs in Österreich einen Kurswechsel einleiten. Und ja, ich sage auch, das war nicht Teil des Regierungsprogramms, aber wir haben uns in dieser Koalition an den Tisch gesetzt, um jetzt – das ist ja auch der Titel des Regierungsprogramms – das Richtige zu tun und zu überlegen, wo wir nachschärfen müssen. Das ist ein Ausdruck dessen. Das haben wir in zwei Bereichen gemacht, nämlich einerseits bei der Anpassung der Pensionen, die nicht Teil des Regierungsprogramms waren, und bei dem Aufschnüren des Beamtenabschlusses. Etwas auch in die Richtung des hier anwesenden ehemaligen Beamtenministers gesagt …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Es gibt keinen Beamtenminister! Wann wirst du das lernen?

NEOS Yannick Shetty

… Absolut unverantwortlich zu der Zeit war, dass Sie 3,3 Prozent für den Staatsdienst abgeschlossen haben, wohingegen die Privatwirtschaft, die Metallindustrie, deren Gewerkschaften jetzt bei 1,4 Prozent für 2026 abschließen.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Vierparteienbeschluss!

NEOS Yannick Shetty

… Unverantwortlich! Wir schnüren das wieder auf, das war für das Budget dringend notwendig. (👏 NEOS) Es war auch eine Frage der Gerechtigkeit, weil – so sehr wir den größten Respekt vor Menschen haben, die im Staatsdienst arbeiten und die einen essenziellen Beitrag dazu leisten, dass dieses Land funktioniert – es unverantwortlich wäre, zu sagen, dass sich jene Menschen, die im Handel arbeiten, jene Menschen, die in der Industrie arbeiten, jene Menschen, die in jenen Bereich arbeiten, in denen ihr Job gefährdet ist, mit 1 Prozent zufriedengeben müssen, während wir dort, wo der Job nicht gefährdet ist, im Staatsdienst, 3,3 Prozent raufschnalzen. Das ist nicht fair und nicht gerecht und das haben wir rückgängig gemacht, Herr Kogler. (👏 NEOS) Wie sieht jetzt diese Regelung aus, die wir heute im Bereich der Pensionen beschließen? – Pensionen bis 2 500 Euro werden nicht über der Inflation erhöht, sondern um 2,7 Prozent, Pensionen darüber, über 2 500 Euro, werden um einem Fixbetrag von 67,5 Euro erhöht und wir stellen eine Stopptafel für sogenannte Luxuspensionisten auf. Und wir werden sehr genau darauf schauen, wie die FPÖ hier heute abstimmen wird, weil sie im Ausschuss noch dagegen war. – Dort haben Sie dagegengestimmt, obwohl Sie in der Vergangenheit immer dafür waren, dass wir bei den Luxuspensionisten eine Grenze einziehen. Sie haben im Ausschuss sogar gegen unseren Antrag argumentiert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was?

NEOS Yannick Shetty

… Umso zufriedenstellender ist, dass Sie vielleicht diesen Konflikt jetzt beigelegt haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir waren ja gar nicht im Ausschuss! Wir waren ja gar nicht dabei!

NEOS Yannick Shetty

… und heute sagen: Ja, bei Luxuspensionisten müssen wir eine Grenze einziehen. Da geht es nämlich nicht um 2 000 Euro Pension, da geht es nicht um 3 000 Euro Pension, sondern da geht es um 6 000, 7 000, 10 000 Euro Pension für Spitzenbeamte, Kammerfunktionäre, Ex-Nationalbanker. Niemand kann einsehen, warum wir dort die Pensionen weiter raufbringen, wenn alle den Gürtel enger schnallen müssen. Wir werden sehr genau darauf schauen, wie die FPÖ sich heute hier verhalten wird.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, ja, Linientreue ist auch in anderen Dingen gefragt! Da hat die NEOS-Partie auch schon andere Einschätzungen bei Gerichtsurteilen ...!

NEOS Yannick Shetty

… Aber, Herr Kickl, wir begrüßen es, wenn Sie Ihre Meinung geändert haben. Wir haben uns ja schon seit einer Woche, seit der letzten Ausschusssitzung, gefragt, warum die FPÖ jetzt dagegenstimmt. Wir haben ja Anträge von Ihnen, von Kollegin Belakowitsch, in denen Sie genau das fordern. Es gibt zwei Optionen: entweder immer nur Nein, Nein, Nein, immer gegen alles sein oder vielleicht deshalb, weil man jetzt selber in Oberösterreich, in Salzburg, in der Steiermark – wie würden Sie sagen? – Teil des Systems geworden ist. Aber wenn es hier vonseiten der FPÖ einen Kurswechsel gibt, dann begrüßen wir das ausdrücklich. (👏 NEOS) Also ich werbe hier abschießend um Ihre Zustimmung zu diesem Paket, das wir heute hier beschließen. Es ist auf den ersten Blick sicher nicht das Populäre, aber es ist das Richtige. Wir werden damit niedrige und mittlere Pensionen erhöhen, wir werden höhere Pensionen niedriger anpassen und Luxuspensionen werden wir kappen. Das ist ein faires Paket, bitte stimmen Sie dem heute zu! (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet. – Bitte.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Frau Präsidentin. – Herr Abgeordneter Shetty hat hier heraußen behauptet, wir als Freiheitliche hätten im Ausschuss gegen die Luxuspensionen argumentiert. Das ist unrichtig. Wir haben wohl dagegengestimmt, das war richtig, aber wir haben mit der Begründung dagegengestimmt, dass es sich um eine Zweidrittelmaterie handelt und niemand mit uns davor gesprochen hat. (👏 FPÖ) 13.28

PräsidiumDoris Bures

Na ja, die Aussage: Man hat dagegengestimmt°-°- (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nein! Dagegen argumentiert! Dagegen argumentiert haben wir nicht!) – Die Berichtigung war jetzt sozusagen die Begründung, aber ich nehme das trotz der Geschäftsordnung in den Händen einmal so zur Kenntnis. (Abg. Krainer [SPÖ]: Eine tatsächliche Bestätigung! Man könnte auch Geständnis dazu sagen!) Nun hat sich Frau Bundesministerin Korinna Schumann zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Ministerin. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Eure Außenministerin sagt, sie soll auf kein Fußballmatch mehr gehen, weil: Ich will nicht wieder verlieren! – Bundesministerin Schumann: Na passt!)

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir sprechen seit circa einer halben Stunde über Pensionen, und wenn wir über Pensionen sprechen, dann müssen wir natürlich – und ich stehe hier als Frauensprecherin – auch über jenen Preis sprechen, den Frauen jeden Tag für unbezahlte Arbeit, die sie verrichten, für Teilzeitarbeit, für die Kinderbetreuung, die sie übernehmen, für die Pflege, die sie übernehmen, und auch für die Lücken, die ihnen ein System seit Jahrzehnten vorsetzt, bezahlen. Die Zahlen haben wir heute noch nicht genannt, ich rufe sie uns in Erinnerung, ich muss das leider tun: Frauen haben um 40 Prozent weniger Pension als Männer; gesamt ergibt das über ein gesamtes Pensionsleben gerechnet einen Verlust von circa 204 000 Euro. Eine aktuelle Studie der Caritas zeigt: Jede dritte Frau in Österreich ist armutsgefährdet. Jede dritte Frau in Österreich. Das sind nicht irgendwelche abstrakten Zahlen auf Papier, das sind unsere Mütter, unsere Tanten, unsere Großmütter; das sind Frauen, die vielleicht heute hier auf der Galerie sitzen und diese Debatte verfolgen, oder die uns gerade vor dem Fernseher bei dieser Debatte zuschauen; das sind Frauen, die Großartiges und viel geleistet haben und viel zu oft in der Altersarmut landen, weil das System sie kleinrechnet. Die Armut von Frauen ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, und ja, dahinter liegt ein Muster. Erinnern wir uns beispielsweise an einen ehemaligen ÖVP-Minister und späteren Bundeskanzler, der ein Bundesland aufhetzen wollte, um den Ausbau von Kinderbetreuung aufzuhalten; erinnern wir uns an eine Debatte in diesem Sommer, als ein ÖVP-Minister Frauen Lifestyleteilzeit vorgeworfen hat und versucht hat, Frauen zu beschämen. Da frage ich mich: Wie ignorant und wie respektlos kann Mann Frauen gegenüber sein? (👏) Schauen wir ganz aktuell in das Bundesland Salzburg, wo die dortige Landesregierung jetzt die Kinderbetreuung kürzt, gleichzeitig aber in den vergangenen zwei Jahren 6,6 Millionen Euro aus Bundesmitteln zum Ausbau der Kinderbetreuung nicht abgeholt hat.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Die können aber auch in den nächsten Jahren noch abgeholt werden! Wie kann man eine Geschichte so verbiegen?

GRÜNE Meri Disoski

… Das heißt, sie haben Geld liegengelassen, gleichzeitig kürzen Sie beim Ausbau der Kinderbetreuung, statt Frauen echte Wahlfreiheit zu geben. Das ist alles kein Zufall, das ist politisch gewollt, das ist auch ideologisch gewollt, Frauen sollen offenbar abhängig bleiben. Wir Grüne wollen das ganz anders, deswegen haben wir als Teil der letzten Bundesregierung eine Vielzahl an Maßnahmen im Kampf gegen die geschlechtsspezifische Pensionslücke gesetzt, beispielsweise haben wir mehrere Milliarden Euro in den österreichweiten Ausbau der Kinderbetreuung investiert, wir haben – Sie erinnern sich – aus der Hacklerregelung, die ein Männerbevorzugungsprogramm war, den sogenannten Frühstarter:innenbonus gemacht, von dem vor allem Frauen profitieren. (👏) Wir haben eine große Pflegereform umgesetzt, die bessere Gehälter für jene, die in der Pflege arbeiten – 80 Prozent davon sind Frauen –, mit sich gebracht hat, und wir haben – darauf sind wir sehr stolz – die Mindestpensionen über die Inflation hinaus erhöht, um ein Abrutschen in Armut zu verhindern. (👏) Ja, wir stimmen heute der Pensionsanpassung zu, vor allem, weil niedrige und mittlere Pensionen und damit vor allem Frauenpensionen die volle Inflationsabgeltung bekommen. Wir sagen aber auch ganz klar – und Kollege Koza hat das auch schon gemacht –: Das reicht uns nicht. Wir brauchen einen gerechten Beitrag bei den Luxuspensionen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Jawohl!

GRÜNE Meri Disoski

… einen Beitrag der oberen Zehntausend, einen Beitrag der viel beschworenen starken Schultern. Der fehlt uns. (👏) Wir brauchen außerdem endlich gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit von Frauen und einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, denn dieser Pensionsgap, von dem ich hier spreche, die geschlechtsspezifische Pensionslücke entsteht nicht erst im Alter, nicht erst in der Pension, sondern ab dem ersten Arbeitstag, bei der ersten Gehaltsverhandlung und in der ersten Schwangerschaft. Der Befund liegt am Tisch, die Ungleichheit ist messbar, die Ursachen sind bekannt, aber die Bundesregierung tut nichts dagegen. Wo bleibt denn die so dringende Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie? Wo bleibt denn der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr? Das waren beides Gassenhauer im SPÖ-Wahlkampf. – Nichts, man sieht nichts davon. Sehr geschätzte Vertreterinnen und Vertreter der Regierungsparteien und geschätzte Frau Ministerin, auch in Zeiten der Budgetkonsolidierung gilt: Wofür eine Regierung Geld ausgibt oder auch nicht, ist immer eine Frage der politischen Prioritätensetzung. (👏) Das ist immer eine Frage der politischen Prioritätensetzung, und da komme ich nicht umhin, festzuhalten: Frauen haben einfach für diese Bundesregierung keine Priorität. Diese Regierung spart dort, wo es Frauen besonders hart trifft, und das wohlgemerkt mit der SPÖ in der Bundesregierung: automatische Inflationsanpassung von Familien- und Sozialleistungen gestrichen, Klimabonus gestrichen. Das trifft vor allem Alleinerzieherinnen besonders hart. Gibt es aber wenigstens mit sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung mehr Geld für Frauenpolitik, wenigstens das? – Nein, leider Fehlanzeige. Milliarden Euro fließen aber in Beton, in Asphalt, in Autobahnen. Es werden mehrspurige Straßen aus Asphalt gebaut, und riesengroße Schlaglöcher in der Gerechtigkeit und Gleichstellung bleiben über. Das ist die Politik dieser Bundesregierung. ( Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von SPÖ und Grünen. ) – Unser Weg als Grüne ist ein anderer: Wir setzen auf gleiche Chancen, auf gleiche Löhne. Ja, ich verstehe die Aufregung im SPÖ-Sektor. Mir wäre es auch peinlich, wenn ich das jetzt hier wie einen Spiegel vorgehalten bekommen würde. Unser Weg als Grüne ist aber ein anderer. Wir setzen auf faire Chancen, gleiche Löhne, faire Pensionen, auf eine Gesellschaft die Frauen nicht kleinrechnet, sondern ihre Leistungen anerkennt, auch finanziell. Kollege Shetty ist jetzt leider nicht mehr da, aber vielleicht können das die Kolleg:innen von den NEOS ihm noch mitgeben: Ich will ihm sehr, sehr entschieden widersprechen. Er hat davon gesprochen, dass das Geld, mit dem Pensionen finanziert werden, verpuffe und plötzlich futsch sei. Dieses Geld ist aber nicht futsch, sondern es ermöglicht Menschen, Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet, gepflegt und erzogen haben, das, was sie verdienen, nämlich ein Leben in Würde. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Verena Nussbaum zu Wort. – Bitte.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, Kollegin Disoski, ihr habt uns leere Kassen hinterlassen. Die Frauenministerin hat es geschafft, dass das Budget für 2026 nicht reduziert wird, und die Bundesregierung ist seit sieben Monaten im Amt und hat sehr viel in der Pipeline, auch was Frauenvorhaben betrifft. Ich erwähne nur den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen. (👏 SPÖ) Und mir fällt jetzt auf die Schnelle gar nichts ein, was in diesem Haus in der letzten Legislaturperiode Großartiges für Frauen geschehen ist. Kommen wir aber wieder auf die Pensionen zurück! Wir wissen, mehr als 2,3 Millionen Menschen beziehen in Österreich eine Pension. Die Durchschnittspension beträgt bei Männern 2 238 Euro, bei Frauen leider nur 1 557 Euro. Mit der Erhöhung entsprechend der rollierenden Inflation – und Lerneffekt für die FPÖ: es wird die rollierende Inflation herangezogen, Kollege Wurm, und nicht irgend eine Rosinenpickerei gemacht, indem man irgendeine Inflationszahl von einem Monat herausnimmt – ergeben sich eben 2,7 Prozent. Wir freuen uns, dass eben aufgrund der Durchschnittspensionen die es in Österreich gibt, mehr als 1 650 000 Menschen von der vollen Erhöhung profitieren, und die Pensionistinnen und Pensionisten mit über 2 500 Euro Pension gehen mit 67,50 Euro pro Monat, nachhaltig, auch nicht leer aus. Schön ist es auch, dass jetzt die FPÖ und auch die Grünen signalisiert haben, dass sie der Anpassung von 67,50 Euro für die sogenannten Luxuspensionen zustimmen werden. In den Zeiten, als die FPÖ in Regierung war, hat man eigentlich nie irgendwelche Vorschläge gesehen, die Luxuspensionen irgendwie zu ändern.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Da waren Sie nicht im Haus, Frau Kollegin! Deshalb wahrscheinlich!

SPÖ Verena Nussbaum

… Na ja, ich habe mich darüber informiert. Es hat mir niemand sagen können, dass da etwas ist.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wo haben Sie sich informiert? Wo haben Sie sich informiert? Wo? Wo?

SPÖ Verena Nussbaum

… Tatsache ist, dass bei uns in der Regierung aktive Politik gegen die Teuerung auf der Tagesordnung steht. ( Rufe bei der FPÖ: Wo? ) Ich möchte da noch einmal auf die Entlastungsmaßnahmen im Gesundheitsbereich hinweisen, die wir bereits beschlossen haben und die vor allem ein Vorteil für Pensionistinnen und Pensionisten sind, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter von schlechter Gesundheit betroffen sind. Ich möchte da den neu eingeführten Medikamentenkostendeckel von maximal 2 Prozent des Nettojahreseinkommens erwähnen, der nun alle verschriebenen Medikamente betrifft. Die Rezeptgebühr wird 2026 nicht erhöht werden, das Pflegegeld wird jedoch sehr wohl valorisiert werden, ja. (👏 SPÖ) Im Sommer wurden auch schon der Mietpreisstopp 2025 und die Mietpreisbremse von maximal 1 Prozent für alle regulierten Mieten umgesetzt. Weitere Maßnahmen gegen die Teuerung im Bereich Wohnen und der Kampf gegen hohe Lebensmittelpreise sind bereits in Vorbereitung. Im Sommer sind Stimmen laut geworden, die überhaupt keine Erhöhungen für Pensionisten gefordert haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo waren die Stimmen?

SPÖ Verena Nussbaum

… Wir haben jedoch sehr wohl erreicht, dass Pensionen bis 2 500 Euro mit 2,7 Prozent die volle Inflationsabgeltung bekommen. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Andrea Michaela Schartel zu Wort.

FPÖ Andrea Michaela Schartel

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Frau Kollegin Nussbaum, sich da jetzt herauszustellen und zu sagen, was Sie nicht alles Tolles für die Pensionisten im Gesundheitswesen und bei den Krankenkassen gemacht haben: Ich meine, das ist ja wirklich sehr, sehr mutig. Mut kann man anscheinend nicht kaufen. Darf ich Sie daran erinnern: 1.6.2025: Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Danke, Herbert! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… 1.7.2025: Einführung des Selbstbehalts für Krankentransporte, ja; 1.11.2025: E-Card-Gebühr-Einführung. Aber: Wir tun ja so viel für die Pensionisten! – Nein, ihr macht es eben nicht. Und was das Ganze wirklich ist – und das finde ich beschämend und skandalös –: Jetzt haben wir ein halbes Jahr eine Regierung, eine sozialdemokratische Sozialministerin, bei der man annimmt, sie stellt sich schützend gerade vor die Arbeitnehmer, gerade vor die Pensionisten, vor jene Gruppe, der wir zu verdanken haben, dass wir überhaupt darüber nachdenken können, was Wohlstand war, die unter Entbehrungen und mit Fleiß dieses Land wieder aufgebaut haben. Und was macht ihr in sechs Monaten Regierung? – Ihr nehmt den Menschen nur die Dinge weg, ihr beschneidet die Arbeitnehmer, die Pensionisten, wo ihr nur könnt. Das kann man sich nicht schönreden. 4,1 Prozent derzeitige echte Inflation sind 4,1 Prozent. Und einem Pensionisten hilft es nichts, wenn Sie ihm erklären, es geht um eine Anpassung an die rollierende Inflation. Der spürt, dass er weniger Geld hat. Krankenversicherungsbeitragserhöhung, E-Card-Gebühr-Einführung, Selbstbehalt bei Krankentransporten, und Sie stellen sich her und sagen: Meine Güte, was wir nicht alles Positives für die Pensionisten tun! – Also das glaubt man ja nicht. So, und weil Sie anscheinend wirklich das Bewusstsein für sehr, sehr viele Dinge verloren haben, habe ich mir die Mühe gemacht, zu schauen: Was hat eigentlich die SPÖ seinerzeit, vor den Nationalratswahlen, nicht alles gerade für unsere Pensionisten versprochen? Und da habe ich zum Beispiel entdeckt: „Gesetzliches Pensionssystem in die Verfassung!“ „Um das staatliche Pensionssystem besser vor Eingriffen zu schützen, fordern wir, dass die Grundsätze unserer solidarischen Pflichtversicherung in Verfassungsrang gehoben werden.“ Jetzt wollen Sie davon nichts mehr wissen. Es gibt eine gesetzlich vereinbarte Anpassung, aber die SPÖ sagt: Nein, aber nicht für alle! – Jene, die mehr einbezahlt haben, müssen jetzt halt damit leben, dass sie das, worauf sie seinerzeit vertraut haben, nicht mehr vom Staat zurückbekommen. Herr Wöginger ist nicht da, Herr Shetty ist nicht da. Der hat ja heute schon wieder eine Unwahrheit gesagt. Der hat gesagt, Sie können sich darauf verlassen, dass Sie jeden Cent, den Sie in die Pension, auf das Pensionskonto, einzahlen, dann auch wieder herausbekommen. Der weiß nicht, wie die Pensionen bei uns berechnet werden. Jeder, der jetzt Pensionsbeiträge zahlt, stellt sie den Pensionsversicherungsanstalten zur Auszahlung der aktuellen Pensionen zur Verfügung. Wir wissen alle, es gibt eine Grundlage, einen Umrechnungsfaktor, eine Teilgutschrift. Wenn jemand 1 000 Euro verdient, sind davon 228 Euro Arbeitgeber-/Arbeitnehmeranteil, und auf dem Pensionskonto werden 178 Euro gutgeschrieben. Also dass man jeden Cent, den man da einzahlt, wieder herausbekommt, stimmt leider auch nicht. – Sie brauchen nicht so groß zu schauen, sehen Sie auf den Pensionsrechner bei der SVS! Da können Sie es nachlesen. (👏 FPÖ) Und Sie sagen immer, dass wir eigentlich diejenigen sind, die die Menschen verunsichern. (👏 SPÖ, NEOS) – Das stimmt nicht, nein. Wir sagen den Menschen die Wahrheit. Und was Sie machen, ist, die Menschen zu verunsichern. Was bekommen zum Beispiel viele, viele junge Menschen jetzt mit? – Dass man sich auf Dinge, die immer Gültigkeit hatten, auf den Vertrauensgrundsatz, nicht mehr verlassen kann, weil wir leider momentan Politiker haben, denen die Wahrheit vollkommen wurscht ist, koste es, was es wolle …

ÖVP Kühberger (Zwischenruf)

Es sind aber genau die ..., denen sie wurscht ist, die Wahrheit, genau die Freiheitlichen, die ...!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… und die nur auf das Eigene bedacht sind. Das finde ich wirklich sehr traurig. Frau Minister, wir haben zusammen im Bundesrat gemeinsam wirklich Seite an Seite gekämpft. Ich kann mich erinnern, im Jahr 2024 haben Sie einen Antrag zum Pensionssystem gestellt. Jetzt sind Sie in der Verantwortung und machen in Wirklichkeit das Gegenteil. Das hat sich unsere ältere Bevölkerung absolut nicht verdient! (👏 FPÖ) Deshalb muss ich Ihnen eines sagen: Vielleicht sollte man sich, auch wenn man in Regierungsverantwortung ist, wieder auf seine eigenen Werte besinnen. Vielleicht sollte man auch einmal darüber nachdenken, warum die Menschen Ihnen nicht mehr folgen können. Es geht nämlich darum – erklären Sie das jemandem –: Warum war eine Ihrer ersten Handlungen, dass wir als Staat die Krankenversicherungsbeiträge für Ukrainer bezahlen müssen? Ein paar Monate später erhöhen Sie die Krankenversicherungsbeiträge der österreichischen Pensionisten. Warum, zum Beispiel, gibt es bei uns Menschen, die eigentlich fürs Nichtstun 9 000 Euro – der spezielle Fall – als Mindestsicherung erhalten, aber Sie gewähren den Pensionisten die normale Anpassung nicht? Das sind die Dinge, die keiner versteht.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

... sparen!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Natürlich muss gespart werden, aber nicht immer nur an unserer Bevölkerung und an der so, so wertvollen und geschätzten älteren Generation. Damit muss jetzt endlich einmal Schluss sein. (👏 FPÖ) Wissen Sie, es ist sehr, sehr viel Vertrauen zerstört. Österreich braucht …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Einen Volkskanzler!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… damit es wirklich wieder eine gute Chance hat und wir in die Zukunft blicken können …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Volkskanzler!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Politiker, die einfach ehrlich sind, die wirklich im Interesse der Menschen, der Bevölkerung handeln, und die nicht mehr oder minder nur jene bestrafen, die dieses Land aufgebaut haben. Deshalb – Sie werden es nicht hören wollen – brauchen wir einen Volkskanzler Herbert Kickl .

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Heike Eder zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Heike Eder

Danke, Frau Präsidentin! Liebe Frau Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier auf der Galerie und zu Hause! Liebe Kollegin Schartel, wir kennen uns ja schon eine längere Zeit, schon aus dem Bundesrat. Ich würde Ihnen wirklich gerne einmal recht geben, aber wenn ich das täte, dann hätten wir einfach beide unrecht ( Heiterkeit bei ÖVP, SPÖ und Grünen ) und deswegen komme ich lieber zur Tagesordnung zurück. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Wenn meine Oma einkaufen geht, dann rechnet sie mit, jede einzelne Woche.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Rechnet sie auch noch in Schilling um? – Heiterkeit der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

ÖVP Heike Eder

… Sie lebt bescheiden, wie viele ältere Menschen in Österreich, aber sie hat zeit ihres Lebens gearbeitet, sie hat gespart und sie hat ihre Kinder großgezogen und so mit ihrem Fleiß maßgeblich auch zum Wohlstand unserer Republik beigetragen. Genau diesen Menschen wollen wir auch weiterhin Sicherheit gewähren. Darum werden wir mit 1.1.2026 die Pensionen bis 2 500 Euro brutto mit dem gesetzlichen Pensionsanpassungsfaktor von 2,7 Prozent und alle Pensionen über 2 500 Euro brutto mit dem Fixbetrag von 57,50 Euro erhöhen. Von dieser Erhöhung um 2,7 Prozent sind über 70 Prozent aller Pensionistinnen und Pensionisten betroffen, meine Damen und Herren! Ganz unbestritten waren die letzten Jahre herausfordernd und schwierig: hohe Mieten, hohe Lebensmittelkosten, hohe Energiepreise. Die Pensionen sind in den letzten drei Jahren um 20,1 Prozent gestiegen – im Vergleich dazu: die Gehälter in der Metallbranche beispielsweise um 20 Prozent, im Handel um 19 Prozent. Das heißt, meine Damen und Herren, die Pensionen sind in den letzten drei Jahren stärker gestiegen als die Gehälter und Löhne der größten Beschäftigungsgruppen in Österreich – und auch über der Inflation. (👏 ÖVP, NEOS) Gerade deshalb, meine Damen und Herren, braucht es Maß und Verantwortung. Wir wollen, dass die ältere Generation sicher leben kann, aber wir müssen auch auf die junge Generation schauen, die heute arbeitet, die heute Kinder erzieht und die auch das System in der Zukunft trägt (👏 ÖVP, NEOS), denn Generationengerechtigkeit heißt auch: Wir tragen Verantwortung füreinander, sowohl jung als auch alt. Nun noch kurz zur Kritik der FPÖ: Ihr empört euch ja maßgeblich darüber, dass die hohen Pensionen nur mit einem Fixbetrag angepasst wurden und nicht mit dem Anpassungsfaktor.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Mit 2 500 Euro brutto sind sie nicht hoch!

ÖVP Heike Eder

… Jetzt möchte ich euch schon noch daran erinnern: 2019, als ihr auch in Regierungsbeteiligung wart, war es eine ähnliche Situation. Auch da war es so – wie im Übrigen schon viele Jahre Gepflogenheit –, dass die hohen Pensionen mit einem Fixbetrag angepasst wurden. Damals habt ihr es als sozial gerechtfertigt definiert. Sie, Frau Belakowitsch, haben das damals auch so gesagt. Heute ist es eine andere Situation, heute ist es ein absoluter Skandal. Es ist also ganz offensichtlich: Der Standort bestimmt halt einfach den Standpunkt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ein neuer Obmann!

ÖVP Heike Eder

… Wenn wir schon über soziale Gerechtigkeit sprechen, dann möchte ich schon auch über die abschlagsfreie Hacklerregelung reden, die ihr so lautstark fordert und unbedingt wieder einführen möchtet. Ich möchte schon dazusagen, dass es ja auch legitim ist, wenn man Pensionistinnen und Pensionisten unterstützen muss, man dann aber auch ehrlich sein muss: Es ist nicht so, dass das Geld vom Himmel fällt, sondern es ist eine Umverteilung.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Na, das wissen wir! Wir wissen das!

ÖVP Heike Eder

… Das heißt, wenn man es irgendwo hingibt, muss es irgendwo anders weggenommen werden …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau!

ÖVP Heike Eder

… und das geht auf Kosten der jetzigen und zukünftigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die diese Leistungen auch zahlen müssen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Geld wird in Koffern getragen bei der FPÖ!

ÖVP Heike Eder

… Dann schauen wir uns an, wer die Profiteure der abschlagsfreien Hacklerregelung waren. Das war nämlich eine relativ kleine Gruppe …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau!

ÖVP Heike Eder

… 7 000 Anspruchsberechtigte jährlich, fast ausschließlich Männer, mit einer überdurchschnittlich hohen Pension.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Also die Wahrscheinlichkeit eines schwarzen oder roten Parteibuchs!

ÖVP Heike Eder

… Jetzt frage ich Sie schon, liebe FPÖ: Ist das fair für Sie, ist das sozial gerechtfertigt oder ist es eventuell einfach zukunftsvergessen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ich erkläre es Ihnen gern, Frau Kollegin!

ÖVP Heike Eder

… weil Sie die nächsten Generationen für den heutigen Applaus bezahlen lassen? …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ich erklär es Ihnen gern!

ÖVP Heike Eder

… Meine Damen und Herren, die Pensionsanpassung 2026 schützt die Kaufkraft der älteren Generationen – mit einem Blick auf das Budget. Wir werden die niedrigeren Pensionen erhöhen, die höheren Pensionen werden geringer angepasst und Luxuspensionen werden gekappt. – Danke schön. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alexander Petschnig .

FPÖ Alexander Petschnig

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren ja recht lebhaft über das Pensionsanpassungsgesetz, dem schon seit Wochen einiger medialer Ärger vorausgegangen ist, weil es nämlich nach den Erhöhungen der Sozialversicherungsbeiträge vor einigen Monaten – wir haben es ja vorher gehört – in diesem Jahr bereits der zweite Griff in die Taschen der Pensionisten ist, den diese Bundesregierung vornimmt. Es ist auch das Wording recht interessant. Wenn man sich das ein bisschen auf der Zunge zergehen lässt – 2,7 Prozent volle Abgeltung, das ist halt die Frage. Bei einer Inflation von 4 oder 4,1 Prozent, was bekanntlich größer ist als 2,7 – ich hoffe, wir müssen dafür keinen mathematischen Nachweis bringen –, ist diese natürlich nicht abgegolten, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass diese Indizes ja am Bruttoinlandsprodukt gemessen werden. Der Pensionistenindex – Sie wissen es, die haben da bestimmte Dinge vom Warenkorb, die sie regelmäßig beziehen – ist ja noch höher: Von 6, 7, 8 Prozent war vorhin die Rede. Das kommt, glaube ich, hin. Insofern sind wir von der vollen Abgeltung ja noch weiter weg. Frau Kollegin Eder: Das mit dem Sockelbetrag ist schon in Ordnung, es ist halt die Frage, wie hoch der Sockel ist. Wenn man schon unterhalb der vollen Abgeltung ansetzt und dann mit dem Sockelbetrag noch weiter darunter bleibt, dann haben wir natürlich ein gewisses Problem damit.

ÖVP Eder (Zwischenruf)

Wie war das mit dem ...?

FPÖ Alexander Petschnig

… Interessant ist auch – das hört man lustigerweise eher aus den Reihen der SPÖ oder liest man nachher aus den Reihen der SPÖ –: Na ja, es wird ja nicht gekürzt, es wird ja eh erhöht, es kriegt ja eh jeder mehr. Ja eh, man kann sich halt nur weniger darum kaufen. Das Ganze nennt sich Realeinkommensverlust und ist natürlich genauso abzulehnen. Die Österreicherinnen und Österreicher sehen – als zweiten Punkt – natürlich, dass sich Leistung nicht lohnt. Eine Pension von 2 500 Euro brutto – bitte, da sind wir von Luxuspensionen aber weit weg. Da sollte man auch wirklich einmal die Zahlen ein bisschen genauer auf sich wirken lassen. Andererseits treffen wir damit natürlich Leistungsträgerinnen und Leistungsträger der vergangenen Jahre: Einzelunternehmer, Kleinunternehmer, Arbeitnehmer:innen, viele davon, vielleicht auch die in der vorigen Debatte bereits erwähnten Kellnerinnen und Kellner, die sich in ihrem Berufsleben entsprechend eingebracht haben. Sie alle kommen jetzt zum Handkuss. Da sieht man auch, das ist der dritte Punkt, dass Versprechungen von Bundesregierungen und insbesondere von der SPÖ – wie man es halt im Wahlkampf immer wieder vor sich herträgt: Pensionen wären angeblich eben sicher – nicht wirklich etwas wert sind. Man muss auch sagen, dass die Teuerung – das ist das, was die Pensionistinnen und Pensionisten ja voll trifft – vor allem von der SPÖ induziert wird. Sie sind also nicht dagegen, sondern sie fördern sie. Der Finanzminister erhöht die Steuern, die Justizministerin erhöht die Gebühren, die Stadt Wien erhöht Beiträge und Gebühren und die Sozialministerin führt eine Sparorgie durch, die Kollege Wurm vorhin in aller Breite dargelegt hat. Eine Spezies haben wir dabei aber gefunden – und das ist eine Erkenntnis, die wir gewonnen haben –: nämlich die breiten Schultern des großen Vorsitzenden. Bisher hat niemand gewusst, was damit eigentlich gemeint ist. Jetzt weiß man, was die SPÖ meint: Es sind die Pensionistinnen und Pensionisten in diesem Land. (👏 FPÖ) Interessant ist natürlich auch, wie Kollegin Belakowitsch vorhin gesagt hat: Wenn man auf der einen Seite einspart, dann braucht man das Geld für etwas anderes, und wenn man sich anschaut, wofür diese Bundesregierung Geld ausgibt, und zwar bewusst ausgibt, ist das auch interessant: Asylindustrie: 2,2 Milliarden Euro pro Jahr; NGOs, zumindest die paar, die wir bisher abgefragt haben …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Rettungsorganisationen!

FPÖ Alexander Petschnig

… 900 Millionen Euro pro Jahr; EU-Nettobeitrag: plus 1,2 Milliarden Euro pro Jahr; eine Sonderförderung Elektromobilität: 1,2 Milliarden Euro pro Jahr; Klimafetischismus, Ukrainehilfe, Nussbauern in Burkina Faso, Geldgeschenke für Islamisten in Syrien und so weiter und so fort; es ist also offensichtlich – das haben Sie damit ja klargestellt – Geld da. Man kann vielleicht sogar sagen: Es wäre genug Geld da. Es ist halt eine politische Entscheidung, wofür dieses Geld verwendet wird, und da muss man in aller Klarheit festhalten: Es ist die politische Entscheidung dieser drei Regierungsparteien, das nicht den Pensionisten zu geben, sondern es für andere Zwecke zu entfremden. Es gibt auch intern in Ihren Parteien immer wieder warnende Stimmen aus den eigenen Reihen, die wurden nicht gehört, die werden ignoriert. Was übrig bleibt, ist: Die Leistungsträger von früher werden genauso mies behandelt wie die Leistungsträger von heute. Ich kann Ihnen eines garantieren: Die Pensionistinnen und Pensionisten werden sich bei Ihnen bedanken. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Johannes Gasser .

NEOS Johannes Gasser

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Mit dem heutigen Gesetzesbeschluss, mit dem Pensionsanpassungsgesetz 2026, übernehmen wir Verantwortung – Verantwortung für alle Generationen, Verantwortung für ein Pensionssystem, das auch in Zukunft finanzierbar ist. Mit dem Beschluss stellen wir vor allem auch in den Vordergrund, dass wir Verantwortung fürs Budget für das kommende Jahr übernehmen, weil es darum geht, die Ausgaben im Griff zu halten und das Budget zu stabilisieren. Und ja, alle Gruppen müssen in einer Form einen Beitrag leisten. Zu den Ausgaben, die jetzt ständig von der FPÖ angesprochen werden: Es gibt die entsprechende Förder-Taskforce. Sie sprechen immer Ausgaben an, die 2024 stattgefunden haben. Wir werden uns genau in dieser Förder-Taskforce anschauen, dass wir diese Ausgaben in den Griff bekommen , damit eben sichergestellt ist, dass sozusagen alle einen Beitrag leisten. Wir müssen uns aufgrund dieses hohen budgetären Drucks leider natürlich auch bei den Pensionen ganz genau anschauen: Was können wir uns angesichts dessen leisten?, und vor allem: Was können wir uns auch angesichts dessen leisten, was wir uns in den letzten Jahren bei den Pensionsanpassungen immer wieder geleistet haben? Ich habe Ihnen die Übersicht mitgebracht ( eine Tafel mit der Aufschrift „Erste unterinflationäre Pensionserhöhung seit 2014“ und einem Säulendiagramm in die Höhe haltend ) – falls Sie ( in Richtung FPÖ ) sich nicht daran erinnern können; Sie haben größtenteils auch selber mitgestimmt –: Die Pensionen wurden von 2018 weg – da war, glaube ich, eine FPÖlerin Sozialministerin, wenn ich mich richtig erinnere – immer über Inflation erhöht, und das Spannende ist, sie wurden auch meistens sozial gestaffelt über Inflation erhöht. Kollege Wöginger hat es schon ausgeführt: Das waren in den letzten Jahren Erhöhungen von über 20 Prozent. Ich danke auch Kollegin Eder, die ausgeführt hat, dass die Erhöhungen bei den Pensionen in den letzten Jahren immer wieder auch höher waren, als wir es aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, der da war, bei den Beschäftigtenlohnerhöhungen machen konnten. Wenn nun im nächsten Jahr die Pensionserhöhung im Durchschnitt minimal unter der Inflation sein wird – man sieht es fast gar nicht! –, dann ist das, glaube ich, angesichts dessen, was wir in den letzten Jahren gesehen haben, durchaus verkraftbar, und es ist auch gut, dass wir da entsprechend einlenken. (👏 NEOS) Das ist nämlich kein Kahlschlag, es ist kein Pensionsraub; es ist ein Ausgleich dessen, was wir in den letzten Jahren erlebt haben. Da ist es auch gut, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie die Pensionsanpassungen immer wieder gemacht werden: Es wird die rollierende Inflation des letzten Jahres angeschaut – wie hoch denn die Inflation im letzten Jahr war –, die Pensionserhöhung ist dann dem entsprechend; und vielleicht, wenn hier kritisiert wird, aktuell, im September sei die Inflation 4 Prozent gewesen, kann es dann sein, dass halt nächstes Jahr die Pensionsanpassung höher sein wird. Wir als Bundesregierung haben uns aber zum Ziel gesetzt, die Inflation auf 2 Prozent zu senken …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

In welchem Zeitrahmen? Aber in welchem Zeitrahmen wollt ihr es senken?

NEOS Johannes Gasser

… und dementsprechend keine Pensionsanpassung von 4 Prozent notwendig zu machen, weil dann auch die Inflation im kommenden Jahr nicht 4 Prozent im Durchschnitt betragen haben wird. Mit dem heutigen Vorschlag entlasten wir das Budget fürs kommende Jahr um 350 Millionen Euro. Das hat natürlich auch Folgeeffekte für die kommenden Jahre. Das sind Einsparungen, die uns helfen, im Umfang von 1,4 Milliarden Euro, Geld, das wir in dieser Legislaturperiode brauchen, um das Budget zu sanieren, Spielräume für Zukunftsinvestitionen zu schaffen. Uns NEOS war dabei natürlich auch wichtig, die Treffsicherheit herzustellen. Ja, da kommen natürlich bei den Verhandlungen verschiedene Positionen zusammen, aber ich glaube, es ist uns ein guter Weg gelungen, indem wir über 70 Prozent der Pensionen mit der vollen Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent erhöhen, ab 2 500 Euro einen Fixbetrag von 67,50 Euro schaffen und damit auch sicherstellen, dass beispielsweise bis zur ASVG-Höchstpension – das sind Pensionen in Höhe von ungefähr 4 500 Euro – eine Inflationsabgeltung von 1,5 Prozent erfolgt. Wer wird den größten Beitrag leisten, wer wird es am meisten spüren? – Es werden die Luxuspensionistinnen und -pensionisten sein, bei denen 67,50 Euro natürlich keinen so hohen Beitrag ausmachen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Manche spüren das gar nicht, Herr Kollege!

NEOS Johannes Gasser

… Wie stellen wir das sicher? – Indem wir eben mit der Verfassungsbestimmung – da bedanke ich mich auch für die Zweidrittelmehrheit – die Luxuspensionen miteinbeziehen und das gesamte Pensionseinkommen anschauen können. Es ist nämlich oft der Fall, dass eine Person nicht nur eine – niedrige – Pension, sondern mehrere mittlere bezieht. Deshalb ist es nur gerecht, dass beispielsweise der Beamte, der eine relativ hohe Pension bekommt und daneben noch selbstständig tätig war, nicht für beide Tätigkeiten die sozusagen normale Pensionsanpassung bekommt, sondern die Pensionen zusammengezählt werden und das Gesamtpensionseinkommen zählt. Eine Sache ist mir noch wichtig: die soziale Staffelung, die es gibt. Das ist natürlich nichts, was wir als Dauerleistung machen können. Es ist in den letzten Jahren immer wieder passiert, dass wir die Pensionen unterschiedlich erhöht haben. Ich mache keinen Hehl daraus, dass das aus unserer Sicht kein Dauerinstrument sein kann, weil natürlich das, was ich einbezahlt habe und dann schlussendlich als Pension bekomme, und die Pensionsanpassung unterschiedlich sind und nicht mehr in einem entsprechenden Verhältnis stehen. Das sagen nicht nur wir NEOS, es sagen inzwischen auch Verfassungsrechtler, dass man da wirklich aufpassen muss. Wir werden auf jeden Fall darauf schauen, und wir wollen vor allem eines sicherstellen – ich glaube, es ist ganz wichtig, das an den Schluss zu stellen –: Wir wollen sicherstellen, dass wir in den nächsten Jahren vielleicht gar keine Pensionsanpassungsgesetze mehr im Parlament beschließen müssen, denn eigentlich gibt es einen Automatismus, wie die Pensionen angepasst gehören, nämlich eben mit der rollierenden Inflation. Das wäre das, worauf wir vertrauen können sollten. Dafür müssen wir natürlich auch sicherstellen, dass die Finanzierbarkeit der ersten Säule, der staatlichen Säule, sichergestellt ist, dass das nachhaltig gesichert ist und wir dementsprechend diese Abgeltung immer machen können. Wir wissen aber auch, dass wir, wenn es darum geht, Pensionen für die Zukunft abzusichern, die Leistungsfähigkeit der ersten Säule auch aufgrund längerer Durchrechnungszeiträume vielleicht nicht mehr in diesem Ausmaß, in dieser Höhe sicherstellen können. Um das hohe Pensionsniveau, das wir haben, zu stärken, ist es deshalb gerade uns als NEOS wichtig, dass wir die zweite und dritte Säule stärker in den Fokus nehmen, dass wir gerade auch auf die Pensionskassen beziehungsweise auf die Betriebspensionskassen – die zweite Säule – einen stärkeren Fokus legen. Ich finde es besonders lustig, dass Kollege Petschnig heraußen war und das Leistungsprinzip, das ich in gewisser Weise jetzt eh schon angesprochen habe, kritisiert hat. Es war gerade die FPÖ, die, als sie in Verantwortung war – 2018, 2019, 2020 –, dieses Leistungsprinzip immer wieder mit sozialen Staffelungen ausgehebelt hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, 2020, Herr Kollege, da sind Sie jetzt auf dem falschen Dampfer!

NEOS Johannes Gasser

… Die Krönung war ja schlussendlich eigentlich die Einführung des Pensions- und des Ausgleichszulagenbonus, wenn wir ganz ehrlich sind, denn unabhängig davon, wie viel ich einbezahlt habe, ob ich vielleicht 30 Jahre nur für 700 Euro, die ich verdient habe, Pensionsversicherungsbeiträge bezahlt habe, bekomme ich dann plötzlich eine Pension von 1 500 Euro. Na was das mit dem Leistungsprinzip zu tun hat, weiß ich nicht genau! Sie sind die Meister, wenn es darum geht, das Leistungsprinzip in der Pensionsversicherung auszuhebeln, mit Gesamtkosten – all die gestaffelten Pensionserhöhungen und Boni, die Sie da verteilt haben – von heute 0,5 Milliarden Euro. Ich weiß, Sie sind noch nicht klüger geworden, das sieht man an den anderen Anträgen betreffend Pensionen, die im Sozialausschuss liegen. Ich würde mir wünschen, dass Sie Verantwortung übernehmen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich würde mir wünschen, Sie würden besser recherchieren!

NEOS Johannes Gasser

… Verantwortung nicht nur fürs Budget, sondern auch für kommende Generationen, so wie es diese Bundesregierung tut. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler .

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ja, die Budgets sind derzeit schwierig, im Bund, in den Ländern, in den Gemeinden, und das ist eine große Herausforderung, auch im Bereich der Pensionen. Die Pensionen müssen langfristig gesichert sein, aber es braucht vernünftige und umsichtige Lösungen. Diese gibt es offensichtlich auch in der FPÖ: Gerade wurde in der Steiermark – mit einem freiheitlichen Landeshauptmann – ein Sparpaket verkündet, in Salzburg auch. Offensichtlich gibt es auch in der FPÖ Kräfte, die vernünftige Lösungen sehen. Davon merkt man hier im Hohen Haus, derzeit zumindest, meiner Ansicht nach zu wenig, meine Damen und Herren! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Werden eh alle ausgeschlossen!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Erlauben Sie mir, dass ich einige Worte an die Seniorinnen und Senioren richte, bevor ich dann noch auf andere Details eingehe. Ich glaube, jeder Pensionist und jede Pensionistin hätte sich die volle Inflationsanpassung verdient; denn die ältere Generation – das wurde ja heute auch schon gesagt – hat mit ihrer enormen Leistung, mit ihrer enormen Leistungsbereitschaft und mit ihrem Verantwortungsbewusstsein auch in schwierigen Zeiten dafür gesorgt, dass die Basis für unseren Sozialstaat und für unser Österreich, für ein Land mit hohem Wohlstand, gelegt wurde. Davon profitieren auch jetzt noch Jung und Alt. Jung und Alt profitieren davon! Meine Damen und Herren! Die Pensionist:innen leisten aktuell auch in der Pension Enormes – und darüber wurde auch, Frau Bundesministerin, im Bundesseniorenrat ausführlich diskutiert. Unsere Gesellschaft würde nicht so funktionieren, gäbe es nicht den großen Einsatz der älteren Generation in den Familien, der Großeltern für ihre Enkel, in der Freiwilligenarbeit, in der Angehörigenpflege, in der Wirtschaft, auch im ländlichen Bereich. Die österreichischen Seniorinnen und Senioren leisten unbezahlte Arbeit im Wert von 8,6 Milliarden Euro. Diese Woche – ich habe es schon gesagt, als der Bundesseniorenrat neu konstituiert wurde –, wurde auch darüber gesprochen, dass die Seniorenvertretung, die ja Sozialpartnerstatus hat, in Zukunft mehr gehört werden muss und auch mehr in die Verhandlungen einbezogen werden muss. Die Seniorenvertreter haben gekämpft. Sie haben gekämpft, und wir haben für 71 Prozent der Pensionist:innen die volle Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent erreicht. Das ist das Ergebnis des Beobachtungszeitraums. Herr Kollege Wurm, Sie wissen das ganz genau. Das heißt, 71 Prozent – das sind zwei Drittel der Pensionist:innen – erreichen die volle Inflationsabgeltung. Darüber hinaus gibt es monatlich diesen Fixbetrag, über den heute ja auch schon mehrmals gesprochen wurde; das sind immerhin 975 Euro pro Jahr. Ich sage aber auch: Das kann kein Dauerzustand sein. Das ist eben ein Kompromiss zwischen sozialer Fairness und Budgetverantwortung. Ja, wir müssen alles tun, um dieses Pensionssystem nachhaltig abzusichern. Da setzen wir auch einige wichtige Maßnahmen wie eben die Heranführung des faktischen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter. Da Maßnahmen zu setzen, ist eine der wichtigsten Herausforderungen, meine Damen und Herren! Die Generation der Babyboomer ist aktiv, viele wollen auch freiwillig weiterarbeiten, und da gilt es anzusetzen; das wurde auch schon gesagt. Neben dem Nachhaltigkeitsmechanismus und der Erhöhung der Versicherungsjahre bei der Korridorpension ist eine ganz wichtige Maßnahme die Teilpension, die mehr Beschäftigung bringen soll. Beschäftige können einen Teil ihrer Pension beziehen und reduziert weiterarbeiten. Ich glaube, das ist ein wichtiger Ansatz. Wir müssen es aber auch schaffen, mehr altersgerechte Arbeitsplätze zu haben. Da gibt es Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung, die wir erhöhen sollten, verstärkt Angebote in Richtung Stressprävention, mentale Angebote; aber auch im Gesundheitsreformfonds, Frau Bundesministerin, wo ja 500 Millionen Euro zur Verfügung stehen, müssen wir verstärkt präventive Maßnahmen und Vorsorge initiieren. Das ist ganz, ganz wichtig. Das Letzte, was ich auch noch betonen möchte: Das freiwillige Weiterarbeiten nach dem gesetzlichen Pensionsantritt muss sich lohnen, das muss sich steuerlich lohnen. Leistung muss sich lohnen. Da gilt es wirklich, ab 2046, und das wird ja verhandelt …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

2026!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Entschuldigung, ab 2026 natürlich, also mit Beginn des nächsten Jahres –, Maßnahmen zu setzen, die dann ein ganz wichtiger Schritt wären, den wir auch vonseiten der Seniorenvertretung seit Längerem fordern und den auch die Wirtschaft braucht; denn die Wirtschaft braucht ja die ältere Generation mit ihrem Know-how, mit ihrem Wissen, auch mit ihren sozialen Kompetenzen, so dringend! Ich denke, wir setzen da richtige und wichtige Maßnahmen. Die älteren Menschen, die Pensionistinnen und die Pensionisten, die Großeltern, denken nicht nur an sich, sondern sie denken auch daran, dass es vor allem natürlich ihren Kindern, aber auch ihren Enkeln und ihren Urenkeln in Zukunft gut geht – und sie leisten da immer einen verlässlichen Beitrag. Das geht nur in einem generationenübergreifenden Miteinander. Wir brauchen die Leistungsbereitschaft der Jugend, und wir brauchen die ältere Generation. Ich bedanke mich bei den Seniorinnen und Senioren noch einmal ganz ausdrücklich für alles, was sie in diesem Staat geleistet haben und was sie auch weiterhin leisten. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, es wurde bereits angesprochen: Es braucht nicht nur die ältere Generation, es braucht auch die jüngere Generation an Bord. Wir brauchen ein System, das enkelfit ist, ein System, von dem alle profitieren können – und genau daran arbeitet diese Bundesregierung. Nach der Änderung der Korridorgrenze, nach der Erhöhung der benötigten Anzahl an Versicherungsjahren, um eben das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, nach der Einführung der Teilpension folgt jetzt ein nächster Meilenstein – wie wir schon in der Debatte gehört haben, etwas völlig Neues …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Meilenstein?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Nicht nur, dass wir das erste Mal nicht über der Inflation erhöhen – man würde ja meinen, dass das selbstverständlich ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja keine Erhöhung!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… nein, wir sind die erste Regierung, die ihre Budgetverantwortung so ernst nimmt, dass sie es jetzt auch schafft, generationengerecht auch bei den älteren Generationen, auch bei den Pensionen Sparmaßnahmen zu setzen und da auch das allererste Mal die Inflation zu drosseln. Das ist ein Riesenriesenschritt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Tragischerweise stimmt nicht einmal das!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Wir haben es vorhin in der Diskussion schon gehört: Die Inflationsanpassungen der letzten drei Jahre lagen bei 20,11 Prozent.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, und wie hoch war die Inflation?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Welche Arbeitnehmerin und welcher Arbeitnehmer hatte in den letzten drei Jahren eine Erhöhung des Gehalts um 20 Prozent, um ein Fünftel? Ich habe das als Arbeitnehmerin nicht. Kein einziger Arbeitnehmer hatte so eine Erhöhung, und das ist ja das Kernproblem. Hier sehen wir vier Parteien, die sich darum streiten: Wer hat denn am meisten erhöht? Wer hat am meisten übertrieben? Wer hat die größten Wahlzuckerl verteilt? Es gibt aber einfach keine Lobby für die Leute, die in Österreich arbeiten, die das gesamte System finanzieren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, das ist ja peinlich, was Sie da machen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Als junger Mensch kann ich nur sagen: Das ist eine Tragödie. Das ist peinlich, was Sie da machen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, Ihre Rede ist eine Tragödie!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Was mich schon auch etwas irritiert, wenn wir uns jetzt hier im Raum umschauen, bei den Grünen – zur FPÖ kann ich noch kommen –: Wenn wir uns die Klimafrage anschauen, wenn wir uns CO₂ anschauen, da rechnen Sie, da denken Sie heute an übermorgen, da bleiben Sie bei den Fakten – und bei den Pensionen: jegliche Regel der Mathematik vom Tisch, völlig egal! Wir sind beim Populismus angekommen, Jung gegen Alt, ein System, das langfristig nicht halten kann. Wieso? – Wir baden es nicht aus, in der nächsten Regierung sind wir nicht mehr! Bei den ungedeckten Schecks waren wir ja schon.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Unsere Anträge lesen täte helfen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Dann haben wir die FPÖ, die Erhöhungen beschließen will, die nicht gedeckt sind, die nicht zu finanzieren sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Erhöhungen?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie haben Leute bei sich sitzen – jetzt gerade nicht in der ersten Reihe, aber in den hinteren Reihen –, die ganz genau wissen, dass sich das mathematisch nicht ausgehen kann, dass diese Erhöhungen, die Sie hier schon wieder beschließen, die Steuererhöhungen von übermorgen sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Erhöhungen? Was für Erhöhungen?! Was reden Sie?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ganz im Ernst, wenn ich an Ihre Migrationspolitik denke, dass Sie sagen: null Migration, kein einziger neuer Arbeitnehmer in ganz Österreich!, dann frage ich mich mit Blick auf unsere Demografie …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir wollen keine Erhöhung, wir wollen eine Inflations...!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… in der die Zahl der Arbeitnehmer sinkt und sinkt, weil einfach weniger Leute in Österreich sind, schon: Wer soll denn Ihre Pension zahlen, Frau Belakowitsch? Am Ende werden es die ausländischen Arbeitnehmer in Österreich sein, die wir auch brauchen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ist wahrscheinlich eh eine Luxus...!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Andreas Kühberger zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Andreas Kühberger

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Ganz besonders möchte ich heute zwei Klassen der HTL Kapfenberg aus meinem Wahlkreis begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Die Bundesregierung ist angetreten, um gemeinsam die richtigen und wichtigen Schritte für unser Österreich zu setzen. Mit diesem Schritt, den wir heute mit der Pensionsanpassung 2026 setzen, gehen wir in eine gute Zukunft für unser Land. Wir sichern die Pensionen – und das haben unsere Pensionistinnen und Pensionisten auch verdient, die mit viel Fleiß, mit Eigenleistung und viel harter Arbeit unser Land, unser Österreich – das Fundament –, in dem wir heute leben, aufgebaut haben, meine Damen und Herren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber auf welchem Niveau?

ÖVP Andreas Kühberger

… Den Pensionistinnen und Pensionisten gebührt Dank und Anerkennung , ihnen gebührt aber auch …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber das hätten sie gern monetär auch ...!

ÖVP Andreas Kühberger

… Sicherheit bis ins hohe Alter – und mit dem Pensionsanpassungsgesetz 2026 schaffen wir diese Sicherheit und auch die Balance, damit sie ihre Pension auch im hohen Alter noch beziehen können. Wir haben es gehört: Bei bis zu 2 500 Euro brutto wird komplett inflationsangepasst …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Tu das Podium noch ein bissl hinauf!

ÖVP Andreas Kühberger

… mit 2,7 Prozent, meine Damen und Herren –, und ab 2 500 Euro brutto gibt es die 67,50 Euro. Es sind 71 Prozent unserer Pensionistinnen und Pensionisten, die da den vollen Ausgleich bekommen, und das ist auch gut so. Warum? – Weil das genau die niedrigsten und die wichtigsten Pensionen sind, die gebraucht werden, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Lieber Herr Kollege Schnedlitz, du als Generalsekretär, du hast jetzt am lautesten hineingeschrien.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ich habe gesagt, du sollst das Podium weiter rauftun!

ÖVP Andreas Kühberger

… Ich frage dich: Welche Verantwortung übernehmt ihr, wenn es um unsere Pensionistinnen und Pensionisten geht? RN/81.1 Eine Schulklasse ist zu Besuch auf der Galerie, auch der Seniorenbund Krakaudorf war heute da. Es gibt aber noch eine Generation: die kommende. Wo ist eure Verantwortung? Wo könnt ihr sparen? Ihr könnt bei der Zeit sparen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Bei der Zuwanderung! Beim Asyl!

ÖVP Andreas Kühberger

… das haben wir bei der Koalitionsverhandlung gesehen: Kollege Kickl verhandelt 8 Stunden …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Bei der Freunderlwirtschaft! Bei der Korruption!

ÖVP Andreas Kühberger

… und jetzt ist er auch nicht da, weil er Zeit spart. So schaut es aus! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Es gibt einen Haufen zu sparen!

ÖVP Andreas Kühberger

… Ja, wahrscheinlich, meine Damen und Herren, pflanzt er gerade die Bäume, auf denen das Geld wächst ; ich kann mir sonst nämlich nicht vorstellen, wie ihr diese Forderung finanzieren könnt. ( Ruf bei der FPÖ: Wir können auch bei deiner Redezeit sparen! ) Mit eurem Populismus werdet ihr die Inflation auch nicht drücken. ( Abg. Schnedlitz [FPÖ] hält ein mehrseitiges Dokument in die Höhe. ) Kollege Schnedlitz, genau du kommst aus der Gegend Wiener Neustadt, Neunkirchen, wo man Gemeinderatsmitglieder der Freiheitlichen Partei ausgeschlossen hat, weil sie gespart haben. Ich frage mich: Wie machst du das jetzt in der Steiermark, wo dank der ÖVP auch ein Sparpaket vorliegt? ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Was machst du in Salzburg? Was machst du mit deinem Landeshauptmann? Schließt du ihn auch von der Partei aus? Ich glaube, die Parteigremien haben jetzt sehr, sehr viel Arbeit. Meine Damen und Herren, ich habe den Seniorenbund erwähnt, ich habe gesagt, die Jugend ist da. Das sind die Generationen für ein stabiles Pensionssystem …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wir haben den Drexler eingespart!

ÖVP Andreas Kühberger

… in dem es Gerechtigkeit geben muss, auch für die kommende – und nicht so, wie ihr es behauptet, mit diesem Sparpaket auf Kosten der Älteren. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Nein, meine Damen und Herren, wir übernehmen Verantwortung für dieses Land, damit diese Pensionen gesichert sind. Jetzt komme ich noch auf etwas zurück: Unser Klubobmann hat heute die Stocker-Formel angesprochen: 2-1-0 ( Heiterkeit bei der FPÖ ), 2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wachstum und null Toleranz. Ihr könnt schon lachen. Es stimmt schon, Innenminister Kickl hat schon eines gemeinsam mit unserem Innenminister Karner. Soll ich euch sagen, was das ist? – Er hat keinen einzigen Syrer abgeschoben und Minister Karner hat als Einziger in Europa schon mehrere abgeschoben. – Danke. 14.22 RN/81.2 Präsidentin Doris Bures : Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich ersuche, den Lärmpegel wieder ein wenig zu senken.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Nur fürs Protokoll: Das hilft den Pensionisten!

ÖVP Andreas Kühberger

… Gut, dann können wir in der Debatte fortfahren.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... Redezeit gespart! – Zwischenruf des Abg. Sieber [ÖVP].

ÖVP Andreas Kühberger

… Als Nächster zu Wort gelangt Herr Klubobmann Philip Kucher .

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Es war ja heute während der gesamten Debatte fast ein bisschen rührend, mit welcher kindlichen Unschuld sich Vertreter der Freiheitlichen da zum Rednerpult heraus verirrt haben, die Vergangenheit etwas vergessen haben: Budgetdesaster – daran hat sich von euch niemand so recht erinnern können; blaue Pensionskürzungen – war da etwas? Daran hat sich niemand erinnern können. Ich weiß jetzt nicht, war das aus Sicht der FPÖ eine gewisse Vergesslichkeit oder war das eher so, dass ihr euch ein bisschen für die Vergangenheit geniert habt? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was da gewesen ist. (👏 SPÖ) Ich kann ja verstehen, dass man sich an die Regierungsbeteiligung der FPÖ nicht mehr erinnert – es ist ein paar Jahre her, das kann passieren, dass ihr euch nicht mehr erinnert! Was ich aber gar nicht verstehen kann, ist die Vergesslichkeit von Herbert Kickl . Ich meine, es ist ein paar Monate her! Er erinnert sich ja nicht einmal mehr ans Frühjahr, an seine Unterschrift und an sein eigenes Wort, das er damals gegeben hat. Wenn es mit der Vergesslichkeit bei der FPÖ so weitergeht, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen. Da fahrt ihr am Montag zur Nationalratssitzung nach Wien und wisst am Freitag nicht einmal mehr, wie ihr nach Hause kommt. Also die Vergesslichkeit der FPÖ im Bereich der blauen Budgetpolitik macht mir Sorgen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zur Sache, Herr Kollege!

SPÖ Philip Kucher

… Zur Sache – danke für den Hinweis! –: Da ich Sachpolitiker bin, ist es mir wichtig, jetzt an die Fakten zu erinnern. Also: Es ist ja nicht so, dass Herbert Kickl es nicht in der Hand gehabt hätte, aber gescheitert ist es ja nicht an Inhalten, da wart ihr relativ billig unterwegs, gescheitert ist es im Frühjahr ja dann an den Postenschacherdebatten.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zur Sache! Pensionen!

SPÖ Philip Kucher

… Herbert Kickl hätte zwei Varianten gehabt: Er hätte sagen können: Ärmel aufkrempeln in schwierigen Zeiten, Verantwortung übernehmen!, aber er hat es sich sehr, sehr einfach gemacht. In Wahrheit sind die Leidtragenden die Menschen in Österreich gewesen, die euch monatelang oder wochenlang in einer ganz, ganz schwierigen Situation bei diesem Postenschacher zugeschaut haben. Das Einzige, das Kickl dann hinterlassen hat, war eine Liste, über die er ganz stolz gesagt hat, dass er dafür nur drei Tage gebraucht hat. Drei Tage hat er verhandelt, da war nichts von Gerechtigkeit: Bankenabgabe, Stiftungen, Energiekonzerne – das hat er alles vergessen. Wo Kickl dann schnell war, das waren die Pensionskürzungen; ganz real, von Herrn Kickl. Da hat er gesagt, es braucht einen höheren Krankenversicherungsbeitrag. Da gab es die Unterschrift von Herbert Kickl , an die sich heute in den blauen Reihen niemand mehr erinnern kann. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wenn wir schon von der Vergangenheit und der Vergesslichkeit reden, dann macht der Vergleich auch sicher. Wir hätten es uns gerade als Sozialdemokratie ganz einfach machen können; ich könnte mich herausstellen und sagen: Wir waren sieben Jahre nicht in der Regierung, und wir haben – unter Christian Kern – ein strukturell ausgeglichenes Budget hinterlassen! ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die Frage ist: Was ist in den letzten Jahren passiert? – Das war schon durchaus auch die FPÖ, die schuld daran ist, dass dieses Budget aus dem Ruder gelaufen ist.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wirklich? Weil?

SPÖ Philip Kucher

… Ich bin jetzt nicht übertrieben nachtragend. Es waren nicht die goldenen Kugelschreiber von Herbert Kickl , in seinem Büro; die werden es nicht gewesen sein. ( Ruf bei der FPÖ: Glaub’ ich auch! ) Es waren auch nicht die Pferde. Es war auch nicht das größte Ministerbüro …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was war es dann?

SPÖ Philip Kucher

… das jemals ein Regierungsmitglied in dieser Republik gehabt hat. Was aber schon ein Thema war, waren halt die Konzernsteuersenkungen, bei denen die FPÖ mit dabei war: 1 Milliarde Euro Konzernsteuersenkungen ohne Gegenfinanzierung. Da würde uns allen einiges einfallen, was wir damit machen würden, oder? – Pflege, Gesundheit. (👏 SPÖ) Aber schauen wir doch ganz kurz zurück in die Vergangenheit – weil ihr ja nie dabei wart, ihr habt ja nie Verantwortung übernommen –, was in ganz anderen Zeiten, in wirtschaftlich leichteren Zeiten eigentlich passiert ist! Anfang der 2000er-Jahre hat es eine blaue Sozialministerin gegeben. Wir haben damals kritisiert, dass es eine mickrige Pensionserhöhung gibt. Die Pensionserhöhung unter der FPÖ, damals in wirtschaftlich leichteren Zeiten, waren – das müsst ihr euch vorstellen – 10 Euro und 2 Cent pro Monat; 1,5 Prozent Pensionserhöhung unter der FPÖ-Sozialministerin.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

2000? Da haben wir noch Schilling gehabt! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: ... Inflationsrate!

SPÖ Philip Kucher

… So gut kannst du schon rechnen! Da haben wir gesagt, dass das mickrig ist; schon ein bisschen wenig, 1,5 Prozent. Dann hat es eine Rede hier im Haus gegeben, die Bundesregierung war sehr bemüht, „für die Pensionistinnen und Pensionisten das Maximum [...] herauszuholen“ – „das Maximum [...] herauszuholen“, hat die FPÖ uns ausgerichtet –, und da hat sie gesagt: „Daher verwahre ich mich wirklich striktest dagegen, dass es nur mickrige Pensionser­höhungen gibt.“ – 10 Euro und 2 Cent unter der FPÖ! (👏 SPÖ) Und das war nicht ein Jahr, sondern es waren sechs Jahre in Folge nur die Hälfte der Inflation. Das ist die blaue Verantwortung gewesen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und wie war’s 2013/14?

SPÖ Philip Kucher

… Ich bringe es auf den Punkt, weil ich ein Sachpolitiker bin: Wir erhöhen: Bis 2 500 Euro gibt es die volle Inflationsabgeltung und danach pauschal einen Fixbetrag von knapp 1 000 Euro. Was war unter der blauen Sozialministerin der Fall? – Ihr habt auch voll erhöht: bis 670 Euro, und danach war es nicht ein Pauschalbetrag 1 000 Euro, sondern 140 Euro im Jahr. Das passt gut ins Bild der FPÖ, auch da macht der Vergleich sicher.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja aber auch schon 25 Jahre her, Philip! Rechne die Inflationsrate ein!

SPÖ Philip Kucher

… Das passt gut ins Bild der FPÖ. Ihr habt eine Sozialministerin gehabt, die sich allen Ernstes hingestellt hat und gesagt hat: von 150 Euro kann man gut leben. – Das war die Frau Hartinger-Klein. Da habt ihr alle mit Herzerl in den Augen zu Hartinger-Klein geschaut, als sie mit dem Herbert getuschelt hat; das war die Hartinger-Klein als Sozialministerin. Und auch hier macht der Vergleich sicher: Ich bin dankbar, dass Korinna Schumann mit ganzer Kraft dagegen ankämpft und nicht zuschaut, wie sich die Leute das Leben nicht mehr leisten können, dass sie zum Beispiel gegen die Teuerung kämpft, gegen Lebensmittelkonzerne, weil sie sagt, es ist einfach unfair, dass man in Österreich für Lebensmittel 1 000 Euro pro Jahr mehr als in Deutschland zahlt. Deswegen kämpfen wir dafür, dass das Leben, auch im Bereich Lebensmittel, wieder leistbar wird. Das ist der Unterschied in diesem Bereich. (👏 ÖVP, SPÖ) Ein Satz zur Gesundheit: Das ist genauso schwierig für uns alle in Österreich, vor allem für die Leute, die monatelang auf Operationen warten müssen, auf Arzttermine warten müssen. Hat irgendjemand von euch den Anstand gehabt, herauszugehen und sich zu entschuldigen – für die Kassenzerschlagung, für die versprochene Patientenmilliarde, die heute in Wahrheit eine negative Patientenmilliarde ist , und für Schulden, die wir gemeinsam aufräumen müssen? Hat irgendjemand von euch den Anstand gehabt, zu sagen: Hartinger-Klein nur zu hofieren und Herzerl in den Augen zu haben, war zu wenig; in Wahrheit ist es nicht gut gewesen für dieses Land!, und zu Korinna Schumann zu gehen und zu sagen: Danke, dass du das aufräumst, was die FPÖ kaputt gemacht hat!? Um es noch einmal zusammenzufassen, weil es heute auch gefallen ist: Ihr redet dann immer vom Volk und von den kleinen Leuten, aber wir können faktisch belegen: Immer wenn ihr in der Regierung wart, habt ihr die kleinen Leute im Stich gelassen und verraten. – Das ist ein Faktum. Und dasselbe gilt auch bei den Pensionen: Da sich Herbert Kickl neuerdings sehr bibelfest gibt …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Super!

SPÖ Philip Kucher

… ich meine, der neue Erzbischof ist, glaube ich, der einzige Kirchenvertreter, den er noch nicht beleidigt hat, aber okay ( Heiterkeit bei der ÖVP ) – und um ihm das mitzugeben: Ehe der Hahn dreimal gekräht hat, hat Herbert Kickl die Pensionisten verraten. Merken wir uns das! Das war in der Vergangenheit so, und das ist auch heute so. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich bitte uns also alle in dieser schwierigen Situation für unsere Republik, für unser Heimatland, dass wir ein bisschen in uns gehen, dass wir ehrlich sind, die Ärmel aufkrempeln und versuchen, dieses Land gemeinsam wieder auf Kurs zu bringen, dass wir alle miteinander anpacken, nicht schlechtreden, nicht so tun, als hätte die FPÖ gar nichts mit diesem Schuldendesaster zu tun. Das ist nämlich einfach nicht wahr, das bringt aber auch das Land nicht weiter. Versuchen wir, miteinander mehr Gerechtigkeit zu schaffen, Verantwortung zu übernehmen für eine gute Zukunft, für alle Menschen in diesem Land!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Michael Schnedlitz zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter. ( Zwischenrufe bei der ÖVP. – Abg. Schnedlitz [FPÖ] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Na heute habe ich den Ordner geschickt!)

FPÖ Michael Schnedlitz

Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Präsidentin! Vielen Dank: Ich darf mich bei meinem Vorredner bedanken, der den Unterschied zwischen der Freiheitlichen Partei und der Einheitspartei sehr gut herausgearbeitet hat. Vorher nur ein kurzer Faktencheck: 2018 wurden unter Herbert Kickl die Pensionisten nicht verraten, sondern die ÖVP-FPÖ-Regierung hat die Pensionen in Inflationshöhe und die niedrigen Pensionen sogar über der Inflationsrate angepasst. Jetzt, wo die Sozialdemokraten dabei sind, genau jetzt, werden die Pensionisten verraten. (👏 FPÖ) Gleichzeitig wurde gespart, gleichzeitig wurde mit dem Budget vernünftig umgegangen. 2019 – Kollege Kucher, wahrscheinlich haben Sie die falsche Excel-Liste heraußen mitgehabt! ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ ) – hat diese Bundesregierung einen Budgetüberschuss von 0,5 Prozent übergeben. Überschuss ist etwas Gutes – wenn man mehr erwirtschaftet als man ausgibt. (👏 FPÖ) So hat die Freiheitliche Partei gearbeitet, das sind Fakten. Daran können sich die Menschen auch noch erinnern. Und ja, wir sind uns auch einig, man muss jetzt das Budget konsolidieren – no na, natürlich. Die Frage ist aber, bei wem konsolidiere ich das Budget und wie konsolidiere ich das Budget. Weil einige Zuseher dabei sind: Wir stellen uns vor, ich habe zu Hause bei mir in der Familie ein Problem mit den Finanzen. Jede vernünftige Familie würde hergehen und ein paar ganz einfache Fragen stellen. Dann würde die Familie zum Beispiel die Frage stellen: Geben wir irgendwo Geld aus, zahlen wir irgendwo etwas, das uns selbst, der Familie, nichts bringt, das keinen Mehrwert schafft? …

NEOS Hoyos-Trauttmansdorff (Zwischenruf)

Kickl ...!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Das wäre eine ganz einfache Frage. Oder zum Beispiel die Frage: Zahlen wir irgendetwas doppelt oder sogar dreifach oder vierfach? – So würde eine Familie an das Problem herangehen. Man könnte natürlich auch hergehen und sagen: Kürzen wir bei der Oma und beim Opa das Geld für das Essen! – Das ist das, was Sie jetzt mit den Pensionskürzungen machen, anstatt da wirklich in der Substanz und im System kürzen zu wollen. (👏 FPÖ) Wir haben heute schon von Frau Kollegin Belakowitsch gehört, wo allein im Sozialressort, im Sozialministerium überall Einsparungsmaßnahmen möglich sind, und sie hat mehrere Beispiele aufgezählt, wo einfach Förderungen in Millionenhöhe ausgeschüttet werden. Wir haben Ihnen das letzte Mal auch gezeigt, Frau Ministerin - - ( Zwischenbemerkung von Bundesministerin Schumann. ) – Was heißt Nein, Frau Ministerin? Ich weiß, dass Sie sich als Sozialdemokratin mit dem Lesen von Excel-Listen schwertun, aber die haben Sie, Ihre Mitarbeiter sogar in der Anfragebeantwortung zur Verfügung gestellt. Dann lassen Sie es sich erklären! (👏 FPÖ) Eine Million ist eine Zahl, bei der vorne eine Ziffer steht und dann hat sie sechs weitere Stellen ohne Beistrich. Das sind dann Millionen. Das kann ja nicht so schwierig sein! Sie bezahlen das für Dinge, die in Österreich kein Mensch braucht. So einfach ist die Rechnung und so einfach sind die Fakten. (👏 FPÖ) Genau da muss man schauen, ob man sparen kann. Wenn man da spart, ist jeder Pensionist, wie schon in der Vergangenheit, hundertprozentig dazu bereit, dass er auch einen Beitrag leistet, aber nicht, wenn man die ganze Zeit bei den Pensionisten nimmt, aber zum Beispiel für NGOs, für Vereine und für Förderungen Geld hat, mehrfach Geld hat oder zum Beispiel Familien 9 000 Euro im Monat fürs Nichtstun gibt. Wenn man dann bei den Pensionisten einschneidet, ist das nicht gerecht, und genau damit haben die Pensionisten, die dieses Land aufgebaut haben, auch ein Problem. (👏 FPÖ) Das ist der Unterschied. Das ist der Unterschied zwischen uns Freiheitlichen und der Einheitspartei. Weil auch Neunkirchen angesprochen wurde: Das zieht sich ja von der Bundesebene über die Länderebene durch – da haben wir natürlich in der Steiermark euren Kollegen Drexler eingespart; das war eine gute Sparmaßnahme, glaube ich, das sehen auch viele von euch so (👏 FPÖ) – bis hinunter auf die Gemeindeebene. In Neunkirchen ist das genau gleich. Das Budget der Stadtgemeinde Neunkirchen hat 308 Seiten. In diese 308 Seiten muss man hineinschauen – ob man im System sparen kann. Die Sparmaßnahmen in der Stadt Neunkirchen haben drei Seiten und diese drei Seiten setzen sich aus Gebührenerhöhungen, Kürzungen bei Leistungen, zum Beispiel an die Feuerwehren und so weiter, und massiven Verteuerungen, zum Beispiel auch für die Pensionisten, zusammen. Die Pensionisten in Neunkirchen trifft es jetzt zum Beispiel doppelt, nämlich von Bundesebene und von Neunkirchner Ebene. Dann hat man noch ein paar Sachen hineingeschrieben, dass man zum Beispiel Mitgliedsbeiträge ab dem 1.1.2026 streicht. Jetzt sage ich Ihnen, warum wir in Neunkirchen uns von unseren Gemeinderäten getrennt haben: Weil wir als Freiheitliche Partei das nicht mittragen können, was da auch auf Bundesebene passiert, dass man Placebomaßnahmen einmeldet.

ÖVP Kühberger (Zwischenruf)

Konsolidiert, gell?

FPÖ Michael Schnedlitz

… Die Bediensteten in Neunkirchen haben sich abgesichert, als die ÖVP Neunkirchen mit diesen abtrünnigen Neunkirchnern Folgendes beschlossen hat: Ausstieg aus Mitgliedsbeiträgen, zum Beispiel aus dem Städtebund, mit 1.1.26.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wo warst ...?

FPÖ Michael Schnedlitz

… Die Bediensteten haben in die Gemeinderatsvorbereitung reingeschrieben, dass das in der Septembersitzung des Gemeinderates beschlossen und per 30.9. per eingeschriebenem Brief zugestellt werden müsste. Das war in der Oktobersitzung. Der hat sich abgeputzt. Dann haben sie beschlossen, Mitgliedsbeiträge ab 2026 auszusetzen.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

Schuldeingeständnis!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Der Bedienstete schreibt rein: Ist erst ab 2030 möglich. Das einzige, das zutrifft – und da sind wir wieder beim Konnex mit der Bundesebene –, ist, dass sie immer den Menschen in die Geldtasche greifen. Das funktioniert auch in Neunkirchen. (👏 FPÖ) Das sind Fantasiebeschlüsse. Das ist nicht sparen, das ist eher irgendwo im Bereich zwischen grober Fahrlässigkeit, Amtsmissbrauch oder sonst irgendetwas, wenn man solche Beschlüsse fasst. Dafür geben wir Freiheitliche und die Freiheitliche Partei sicher nicht den Namen her. (👏 FPÖ) Wir geben unseren Namen auch nicht für all das her, was Sie auf allen Ebenen machen: Dass Sie den Menschen in die Tasche greifen, dass Sie vor der Wahl immer etwas anderes versprechen und den Menschen nicht sagen, was auf Sie zukommt. Nach der Wahl ist plötzlich ein Budgetloch da und dann muss man das Budgetloch stopfen. Anstatt dass Sie, Frau Minister, zum Beispiel das Budgetloch stopfen oder in Neunkirchen in die Substanz eingreifen und reinschauen, wo man sparen könnte, gehen Sie immer her und ziehen den Menschen das Geld aus der Tasche. Das haben die Neunkirchner durchschaut, das hat die österreichische Bevölkerung durchschaut und deshalb ist die Lage auch politisch genau so, wie sie ist. Da können Sie noch so viele Dinge erfinden, wie Sie auch wollen. Ich sage Ihnen noch einmal in aller Deutlichkeit – und deshalb können Sie diese Kollegen aus Neunkirchen von uns gern haben, Herrn Berlosnig, der anscheinend irgendwie mit den Systemmedien versucht, sich selbst zu therapieren –: Wenn jemand, egal auf welcher Ebene, die österreichische Bevölkerung verrät, auch aus unseren eigenen Reihen, dann hat er bei uns nichts verloren. Wir gehen einen schnurgeraden Weg. (👏 FPÖ) Das wird immer so sein, da stehen wir auch dazu, ohne Probleme. Wir gehen einen schnurgeraden Weg, die Menschen wissen das zu schätzen, und da weichen wir nicht ab, auch nicht, wenn es um uns selbst geht, sonst wären wir auch vollkommen unglaubwürdig.

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Werner Kogler .

GRÜNE Werner Kogler

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Kolleginnen und Kollegen – die sich dann beruhigen, denke ich! Pensionsanpassungsgesetz, Pensionsanpassungsregelungen: Das hätten wir jetzt fast schon aus dem Auge verloren. Es fällt einem mit Verlauf der Debatte ja wirklich schwer, noch einen positiven Beitrag einzubringen, aber ich werde es versuchen. Zuerst einmal möchte ich schon meiner Irritation Ausdruck verleihen – und viele haben es ja fast ein bisschen überhört, glaube ich – und das für meine Fraktion festhalten: Ich finde, wenn bei diesen Pensionsproblemen – die man ja diagnostizieren mag; wir tun das nicht in der Form, aber sei es drum, ist ja der ÖVP unbenommen – mehr oder weniger unwidersprochen in Ihren eigenen Reihen der Eindruck erweckt wird, als ob man die österreichischen angeblichen Pensionsprobleme auf den Trümmern von Damaskus, Aleppo oder Idlib lösen wird, mit der Streiterei, ob Sie jetzt zwei oder drei dorthin abgeschoben haben, dann ist das ein Niveau, das nicht einmal die Freiheitlichen zusammenbringen. – Sorry, aber wirklich! (👏 SPÖ) Jetzt zum Positiven im Sinne von Konstruktivem: Ja, es ist richtig. Es ist die Wirtschaftslage, die ursächlich für die Budgetlage ist, und im Übrigen nicht umgekehrt. Das werden wir heute nicht diskutieren, da werden wir sonst noch Gelegenheit haben. Sie ist schwierig, da können wir ja überlegen, alles gemeinsam: Was machen wir zukünftig anders? Was hätten wir vorher anders machen können? Was ist eh gut gewesen? Es muss gespart werden. Das ist ja an sich ein positiver Begriff, und aus diesem Grund werden wir diesen Pensionsanpassungsregelungen, obwohl von den NEOS so getan worden ist, als ob wir anders abstimmen würden, auch zustimmen. D ie Abwägung ist erkennbar, dass man ein bisschen etwas holen muss – in Anführungszeichen – und trotzdem eine gewisse Ausgewogenheit erreicht werden soll. Das erkennen wir ausdrücklich an. Vielleicht hätten wir es gar nicht so viel anders gemacht, das darf man ja einmal sagen. (👏 SPÖ) Richtig ist auch, und umso leichter geht es – ihr dürft auch einmal klatschen, ja ( Heiterkeit und Beifall bei den Grünen, Beifall bei Abgeordneten der SPÖ sowie des Abg. Shetty [NEOS] ) –, dass ja auch – aber in besseren Zeiten, alles klar – die Vorgängerregierungen – vor allem, wenn man über viele Jahre zurückgeht, aber vor allem die letzten – das entweder mindestens mit der Inflation abgeschlossen haben – was die NEOS aus ihrer Perspektive kritisieren; das kann man auch, ist ihre Haltung, die ist ja bekannt – oder sogar darüber. In vielen Fragen wäre es gut, wenn man das über fünf Jahre rechnet, seit dauernd diese Krisen einschlagen – das führt mich dazu –, ansonsten hätte ich vielleicht auch eine größere Kritik an dieser Vorgangsweise. – So weit bis hierher. Wir haben das vor wenigen Tagen, am Montag, hier herinnen auch mit dem Seniorenrat diskutiert, es war über weite Strecken auch eine sehr konstruktive Diskussion. Ich möchte ausdrücklich meine Anerkennung für die beiden Präsidentinnen aussprechen, weil wir uns da wirklich – die Frau Bundesministerin war ja auch eine Zeit lang zugegen – konstruktiv ausgetauscht haben. Ich glaube, das ist essenziell, wenn wir gemeinsam die Krisen angehen wollen. Jetzt komme ich aber zum anderen, bei dem wir unterschiedliche Sichtweisen haben. Ich kann es nicht auslassen, denn es ist ja jetzt aus verschiedenen Gründen Mode geworden – das kann man parteitaktisch herleiten –, dass eh immer die Grünen an allem schuld sind. Das weiß ich ja schon länger: Die Grünen sind schuld, selbst wenn das Wetter schlecht ist, wir wissen es. Schaut her, es ist so: Beim Sparen ist es doch so, dass wir immer schauen müssen, wo wir Geld ausgeben und wo nicht. Wie Frau Kollegin Disoski gesagt hat: Das ist eine Frage von Ressourcen. Das ist das Wesen von Sozial- und Wirtschaftspolitik. Die Ressourcen sind begrenzt, sonst bräuchten wir gar keine Politik. Also: Wo wird was ausgegeben und wo wird weniger ausgegeben, mithin gekürzt – das ist nämlich etwas anderes, als sparen? Wir kommen nicht umhin, noch einmal festzustellen – auch wenn das jetzt aus Ihrer Sicht mit anderen Dingen zu tun hat, ich bleibe aber dabei –, dass es schon sehr seltsam ist: Dieselprivileg muss bleiben; Dienstwagenprivileg muss bleiben; Autobahn mit vielen, vielen Milliarden Euro betonieren muss wieder her. Das ist ja fast schon wie im Hooligansektor: muss so sein. Jetzt warte ich noch, bis die NEOS und die Sozialdemokraten dazu irgendwann einmal etwas sagen – oder reiht ihr euch auch in diesen Sektor ein? Da geht es nicht um ein paar Millionen Euro, da geht es um viele, viele Milliarden Euro für Naturzerstörung (👏) , aber das ist gar nicht primär, für das Anheizen von Transit und für irgendetwas, und das Geld fehlt woanders. – Das ist der Zusammenhang.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Um wie viel habt ihr das Dieselprivileg gekürzt? Um wie viel? Um keinen Cent!

GRÜNE Werner Kogler

… Wenn die Feinspitze unter Ihnen – da bin ich ja sehr froh darüber – draufkommen, dass das verschiedene Rechenkreise im Budget sind! Das mag einmal auf den ersten Blick stimmen. Aber warum haben Sie dann – das haben wir ja schon länger und das soll ja noch mehr werden – die Dividenden aus der Asfinag in diesem Budget eingestellt? Ich fordere Sie auf, darauf zu verzichten, wenn da null Zusammenhang besteht. Das wäre doch konsequent – aber das tun Sie nicht. Das Gleiche passiert bis hinunter zu den Gemeinden, in denen ja manche Bürgermeister noch immer wie die Asphaltcowboys unterwegs sind und in der Gegend herumasphaltieren. – Ja, das ist so. Die Erhaltungskosten fressen diesen Gemeinden wirklich die Haare vom Kopf. Ich komme aus der Oststeiermark, reden Sie einmal mit den Bürgermeistern dort! Jetzt zu Klubobmann Abgeordneten Shetty: Das kann ich abkürzen, denn der hat ja auch von etwas geredet, das primär nicht hierher gehört. Es ist schon aufreizend falsch, wenn Sie die Gehaltsverhandlungen des öffentlichen Dienstes dauernd hereinziehen. Erstens einmal sage ich Ihnen: Ja, es ist 0,3 Prozent über der Inflation abgeschlossen worden, immerhin nach gültigem Gesetz. Sie sagen aber nie dazu, dass es im Vorjahr – oder für das heurige geltend – 0,3 Prozent unter der Inflation waren. Das heißt, in der Summe waren wir genau entlang der Inflation. –Sei’s drum, das kann man, so konstruktiv bin ich auch noch, auch wieder aufmachen, wenn es bei allen anderen so ist, weil sich die Lage geändert hat.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Es war ja absehbar!

GRÜNE Werner Kogler

… Nein, nein, alles war nicht absehbar.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Sicher!

GRÜNE Werner Kogler

… Ich sage Ihnen noch etwas: Lesen Sie im Übrigen im Bundesministeriengesetz nach, dann werden Sie draufkommen, dass dort nicht Beamtenministerium steht, sondern „für öffentlichen Dienst“. Alle, die immer mit Beamtenministerium kommen, haben schon eine bestimmte Intention. Wissen Sie, um wen es da am Schluss vor allem geht, denn die schließen ja alle entlang dieser Abschlüsse ab? – Um viel, viel mehr als den typischen Beamten, den Sie da apostrophieren …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

... Pensionsthema!

GRÜNE Werner Kogler

… Es geht um die Pfleger:innen in den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen, die Polizist:innen. Um die geht es da, um die, die so viel tun, die viel leisten, aber im Verhältnis zu den anderen relativ wenig verdienen. Um die geht es. Ich habe mir das über 15, 20 Jahre angeschaut, ich habe die letzten fünf Jahre angeschaut, und das war der Grund, warum SPÖ und ÖVP das ja so verhandelt haben. Ich habe das moderiert, aber im Unterschied zu den anderen, die jetzt am Tisch sitzen, stehe ich auch dazu – das war nicht verkehrt. Man kann es ändern, wenn man bei den Privaten auch überall etwas ändert, aber eines geht nicht: dass der öffentliche Dienst, an dem die alle dranhängen, die ich Ihnen genannt habe, schlechter behandelt wird als die Privaten, denn dann werden wir noch mehr Schwierigkeiten kriegen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das Gegenteil ist der Fall!

GRÜNE Werner Kogler

… Das ist doch der Hintergrund. Wissen Sie, Sie lassen das meiste immer weg, Sie stellen sich – das ist ein Phänomen – mit einer Reihe von Halbwahrheiten hierher, aber in der Summe ergibt das die totale Unwahrheit. In Wahrheit müsste man bei Ihren Redebeiträgen eine Fake-News-Anzeige vorne hinschreiben. Das ist wirklich ein Problem, und das passt auch zum Thema, denn Sie reden nämlich gar nicht mehr für hier herinnen, Sie reden für Ihre Videos. Das ist auch nicht gut für den Parlamentarismus, das gehört einmal gesagt. (👏) Jetzt zu den Luxuspensionen – freut euch nicht zu früh! Schaut, es ist schon so, wenn wir schauen, wer in diesem Land denn etwas geleistet hat : Beim Leistungsprinzip bin ich wieder bei Abgeordneter Disoski. Was haben die Großmütter und die Mütter unserer Generation alles geleistet und was kriegen die jetzt für Pensionen? Und dann schauen wir uns die Luxuspensionen an. Das ist zum Teil ein Zehnfaches. Das ist kein Schmäh: ein Zehnfaches! Warum man da nichts tun soll, ist schon schlimm genug, aber dass es so sein soll, dass man, je höher die Luxuspensionen sind, desto weniger zahlen soll: Das geht sich nicht mehr aus. (👏) Das ist das Gegenteil von Leistungsprinzip, aber das ist ja nicht neu bei euch. Es ist auch nicht christlich und auch nicht sozial. Vielleicht nehmt ihr das einmal raus aus dem Parteiprogramm, damit ihr wieder konsistent werdet. Es gibt das gleiche Thema ja auch bei den Millionenerben. Das ist nicht christlich, nicht sozial und gegen das Leistungsprinzip. So, weil wir gerade wieder bei christlich und sozial sind: Es ist heute viel von der Bibel die Rede gewesen. Ich freue mich immer, wenn die ÖVPler die Bibel fest in der Hand haben, aber wisst ihr was: Dreht sie einmal um und lest sie nicht verkehrt! (👏) 14.47

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Kogler, die Bezeichnung Hooligansektor hat natürlich in dieser Debatte keinen Platz. Sie wissen als ehemaliger Sportminister sehr gut, dass jene Gruppierungen, die gewalttätige Übergriffe und Randale machen, so bezeichnet werden. Ich gehe also davon aus, dass Sie das entweder zurücknehmen oder wir jedenfalls diesen Ausdruck hier nicht mehr verwenden. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Wir haben uns eh nicht betroffen gefühlt!) Nun gelangt Abgeordneter Kai Jan Krainer zu Wort.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Man muss ja mit dem Inhalt dessen, was Kollege Kogler gesagt hat, nicht immer einverstanden sein, aber jedenfalls war der Vortrag eine Wohltat im Vergleich zu jenen seiner Vorredner. Was wir heute debattieren, ist einfach, wie wir in unserem solidarischen, in unserem sehr gut funktionierenden Pensionssystem die Erhöhungen für das nächste Jahr gestalten. Circa 1,7 Milliarden Euro werden nächstes Jahr mehr für diese Erhöhung ausgegeben, die volle Anpassung an die Inflation wären 300 Millionen Euro mehr gewesen. Im Verhältnis sieht man, dass die Inflation fast zur Gänze abgegolten wird. Für mehr als 70 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten ist das die volle Abgeltung der Inflation. Ja, für etwas weniger als ein Drittel ist es nicht die volle, sondern nur eine Teilabgeltung. Die sind nicht Schuld am Budgetdesaster, die haben das nicht verantwortet, aber – ich weiß das aus vielen Gesprächen, aus E-Mails und Anrufen – es gibt viel Verständnis, dass jeder einen Beitrag dafür leistet, dass wir unseren Haushalt konsolidieren. Auch viele Pensionistinnen und Pensionisten sagen: Ich habe ein bisschen eine höhere Pension, keine Hochpension mit 3 000, 4 000 Euro, und ja, die 10, die 15 Euro, die ich jetzt im Monat weniger Erhöhung bekomme, sind mein Beitrag zur Sanierung des Budgets. Für dieses Verständnis muss man einfach auch Danke sagen. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist das, was wir brauchen: dass nämlich von Anfang an klar war, dass die budgetäre Situation in Österreich so ist, dass jede und jeder einen Beitrag wird leisten müssen. Was wesentlich ist, ist, dass halt auch Banken und Stiftungen, Energiekonzerne und dergleichen einen Beitrag leisten – etwas, das die Freiheitlichen bei ihren Regierungsverhandlungen vergessen haben –, damit jeder das Gefühl hat: Ja, ich zahle einen Beitrag, aber jene, denen es besser geht, zahlen auch einen Beitrag, und der ist höher als mein Beitrag! – Das ist, glaube ich, ganz wesentlich: dass jeder in Österreich weiß, dass der, der mehr hat, auch mehr beitragen muss, und dafür sorgt diese Bundesregierung. (👏 SPÖ) Die Freiheitlichen tun jetzt so, als ob für alle Milch und Honig fließen würde, wenn sie in der Regierung wären.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, nicht für alle! Nein, nein! Nicht für alle! – Abg. Deimek [FPÖ]: Nicht für Syrer und Afghanen! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Kai Jan Krainer

… Da empfehle ich dann immer einen Blick zurück. Achtmal ist ein freiheitlicher Sozialminister oder eine freiheitliche Sozialministerin hier auf der Regierungsbank gesessen und hat die Pensionserhöhung angekündigt.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Schon wieder die falsche ... Excel-Liste!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Einmal war das so ähnlich wie heute: die Inflation für die meisten und, abgestuft, für höhere Pensionen einmal ein Sockelbetrag. Siebenmal ist es gekürzt worden und deutlich unter der Inflation abgeschlossen worden. Sieben- von achtmal waren Sie im Schnitt nicht einmal bei der Hälfte der Inflation. Das ist die Bilanz von freiheitlicher Politik, wenn Sie hier auf der Regierungsbank sitzen! Was Sie da sagen, was Sie machen, wenn Sie auf der Oppositionsbank sitzen, ist nicht relevant. Wenn Sie hier auf der Regierungsbank sitzen, dann haben sie sieben- von achtmal die Pensionen gekürzt, und das ist keine gute Bilanz. (👏 ÖVP, SPÖ) Wenn Kollege Schnedlitz hier so etwas sagt wie: Das waren die früher, die kenne ich nicht einmal mehr! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Da war ich noch relativ jung ...! – Abg. Wöginger [ÖVP]: Kennst den Kickl auch nicht?

SPÖ Kai Jan Krainer

… dann schauen wir uns doch an, was die Freiheitlichen dort, wo sie heute Verantwortung tragen, machen: In Oberösterreich zum Beispiel, wo die Freiheitlichen fürs Wohnen zuständig sind, sind die Mieten um 80 Prozent gestiegen. Die Wohnbeihilfe ist was? – Um 40 Prozent gesunken. Na ja, das soll eine soziale Handschrift sein? – Schauen Sie, die Zahlen lügen nicht. Ich kann Zahlen lesen und die ist um 40 Prozent gesunken. Das Nächste, in Salzburg: Die Landeshauptfraustellvertreterin Svazek genehmigt sich selber 800 Euro im Monat plus – 800 Euro im Monat plus! Was ist mit denen, die nicht genug Geld zum Heizen haben und die einen Heizkostenzuschuss bekommen? – Denen wird der Heizkostenzuschuss gekürzt, nämlich von 600 Euro auf 250 Euro. Das soll eine soziale Handschrift in der Praxis sein?! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

In Wien gibt’s gar keinen, als was regst dich da auf?

SPÖ Kai Jan Krainer

… Das stimmt, was Sie in Salzburg schon machen – ( Abg. Schiefer [FPÖ] führt die Arme mehrmals von oben nach unten und klatscht anschließend in die Hände) – weil ich diese Bewegung ( den abgewinkelten rechten Arm von oben nach unten bewegend ) hier sehe –: Dafür stellen Sie in Salzburg jetzt einige hundert Glücksspielautomaten auf, denn das ist anscheinend die soziale Handschrift der FPÖ. Und was haben Sie in Niederösterreich, in Ihrem Bundesland, Herr Schnedlitz, gemacht? – Sie haben das Schulstartgeld gekürzt. Wissen Sie, mit welcher Begründung? – Weil die Inflation vorbei ist. In Niederösterreich ist also offenbar die Inflation vorbei ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ ), auf Bundesebene nicht. Die Politik, die Sie betreiben, ist keine verantwortungsvolle. Wenn Sie hier ( auf die Regierungsbank weisend ) sitzen, kürzen Sie die Pensionen. Wenn Sie dort ( auf die Abgeordnetenreihen weisend ) sind und andere sie nicht kürzen, dann regen Sie sich darüber auf. Das ist keine verantwortliche Politik und dafür werden Sie auch nicht gewählt werden. – Vielen Dank.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Eine nette Märchenstunde! – Abg. Deimek [FPÖ]: Bei uns wird’s immer mehr und bei euch ... lustig! Das ist aber auch ...! – Abg. Krainer [SPÖ] – auf dem Weg zu seinem Sitzplatz –: So eine Hochschaubahn wie ihr fahrt!

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Doppelbauer .

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich bin wirklich nicht bekannt dafür, dass man mich als Scharfmacherin am Schluss nach einer Rede hinausschickt, aber jetzt musste ich mich doch noch einmal kurz zu Wort melden. Kollege Kogler, die Gehälter im öffentlichen Dienst wurden letzten November erhöht, für zwei Jahre. Bei allem Respekt, Sie können sich jetzt nicht hierherstellen und sagen, da war nicht absehbar, wie die budgetäre Situation dieser Republik eigentlich ausschaut. Also gerade Sie als Volkswirt haben genau gewusst, worauf Sie sich da einlassen, und das war etwas, das Sie mitgegeben haben. (👏 SPÖ, NEOS) Ganz ehrlich, auch jetzt hat man sich darauf geeinigt, dass es natürlich auch bei den niedrigeren Gehältern im öffentlichen Dienst eine Staffelung gibt und dass natürlich auch die, die am Weg sind, die starten, fair behandelt werden. Aber ja, jeder muss seinen Beitrag leisten. Das war eigentlich nicht der Grund, warum ich mich jetzt noch einmal zu Wort gemeldet habe. Was mich nämlich wirklich irritiert, ist, wenn Sie sich hierherstellen und tatsächlich laut sagen: Im privaten Sektor hat sich ja nichts getan! Ganz ehrlich, ich weiß nicht, mit wem Sie sprechen. Ich kenne so viele Betriebe, ich kenne so viele Mitarbeiter! Die haben Gehaltsverzichte. Da geht es nicht darum, dass ich über die Inflation noch ein Gehalt angepasst kriege. Da geht es darum, dass mein Gehalt gekürzt wird, damit mein Unternehmen überlebt, damit ich nicht andere Kollegen hinauswerfen muss und damit ich exportieren kann und in diesem Land wettbewerbsfähig bleibe! (👏 ÖVP, NEOS) Ich glaube, das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht jeder Unternehmerin und jedes Unternehmers, was Sie da gerade gesagt haben.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

... reden nicht über die Abschlüsse!

NEOS Karin Doppelbauer

… Ich kenne die Situation wirklich gut. Ich arbeite seit 20 Jahren in der Wirtschaft. Und das zu vergleichen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... die Gehaltsabschlüsse, Karin!

NEOS Karin Doppelbauer

… wo Mitarbeiter entlassen werden – täglich lesen wir es in der Zeitung, AVL, Lenzing, egal wo Sie hingehen –, ist wirklich der falsche Ansatz! Ich würde mir wünschen, dass Sie da mit mehr Weitblick und Ihrer Erfahrung geschuldet agieren. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Ich ersuche die Abgeordneten, Ihre Plätze einzunehmen. Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/88.1 Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 8, Entwurf betreffend Pensionsanpassungsgesetz 2026 samt Titel und Eingang in 236 der Beilagen: Ich ersuche jene Damen und Herren, die diesem Gesetzentwurf ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich ersuche um Zustimmung zum Gesetzentwurf in dritter Lesung. – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung mit Mehrheit angenommen. RN/88.2 Wir gelangen zur Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 9: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 237 der Beilagen. Da der vorliegende Gesetzentwurf eine Verfassungsbestimmung enthält, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 1 der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte nun jene Abgeordneten, die dem vorliegenden Gesetzentwurf zustimmen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. Daher erspare ich mir auch die Feststellung, dass dieser die erforderliche Zweidrittelmehrheit hat. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Wer stimmt in dritter Lesung zu? – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung einstimmig angenommen. RN/88.3 Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 10, Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht 238 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen: Wer ist für die Kenntnisnahme des Berichtes? – Das ist mit Mehrheit angenommen. Damit ist der Abstimmungsvorgang abgeschlossen. Bevor wir dann den Tagesordnungspunkt 11 aufrufen – Frau Staatssekretärin Königsberger-Ludwig ist ja schon seit der vorigen Debatte da –, werde ich aber die Sitzung bis 15 Uhr unterbrechen und den Vorsitz an den Präsidenten übergeben. Die Sitzung ist bis 15 Uhr unterbrochen. Sitzungsunterbrechung, 46. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:58

Volle gesetzliche Pensionsanpassung statt Bestrafung der Leistungsträger

238 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 442/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, der eine volle gesetzliche Pensionsanpassung 2026 für alle Pensionen ohne Deckelung bzw. Fixbetrag gefordert hätte. Damit bleibt die von der Regierung vorgesehene Staffelung bestehen (volle Anpassung bis 2.500 Euro brutto, darüber ein fixer Betrag von 67,50 Euro).

Betroffen sind Pensionistinnen und Pensionisten, insbesondere Bezieher höherer Pensionen sowie Personen, deren Nettopension durch Steuern und nur teilweise Abgeltung der kalten Progression weniger stark steigt.

Ziel war, die Inflationsanpassung 2026 für alle Pensionen vollständig nach Gesetz zu gewähren und Kaufkraftverluste durch die gestaffelte Erhöhung zu verhindern.

Dokumente

Volle gesetzliche Pensionsanpassung statt Bestrafung der Leistungsträger

Gegenstand und Ziel des Entschließungsantrags

  • Der Antrag fordert eine volle gesetzliche Pensionsanpassung (Inflationsausgleich) auch für höhere Pensionen und wendet sich gegen eine gestaffelte Anpassung, die als „Bestrafung der Leistungsträger“ dargestellt wird.
  • Pensionen werden als über Jahrzehnte erarbeitete Versicherungsleistung beschrieben; die Inflationsanpassung sei kein „Geschenk“ und dürfe nicht als sozialer Gnadenakt behandelt werden.
  • Die Regierung werde kritisiert, die Anpassung als „Erhöhung“ zu bezeichnen; tatsächlich handle es sich um eine gesetzlich zustehende Wertanpassung zur Abgeltung der Teuerung, nicht um einen realen Zugewinn.

Kritik an der geplanten Pensionsanpassung 2026 (Staffelung)

  • Für 2026 werde dargestellt: Bis 2.500 Euro brutto Pension soll der gesetzlich vorgesehene Inflationsausgleich von 2,7 % gewährt werden; darüber hinaus nur ein fixer Betrag von 67,50 Euro.
  • Diese Staffelung führe laut Antrag für viele Pensionistinnen und Pensionisten zu einem realen Kaufkraftverlust und werde als Angriff auf jene bewertet, die durch ihre Arbeitsleistung den Wohlstand späterer Generationen mitbegründet hätten.

Argumentation zur Generationenfrage und zur Finanzierung des Pensionssystems

  • Es wird kritisiert, dass ein Konflikt zwischen Jung und Alt inszeniert werde; die Debatte solle nicht als Gegeneinander der Generationen geführt werden.
  • Als zentrale Herausforderung für das Pensionssystem wird die sinkende Zahl an Beitragszahlern genannt; jeder verlorene Arbeitsplatz bedeute einen Beitragszahler weniger.
  • Die Entwicklung wird als Folge einer verfehlten Wirtschaftspolitik der Regierung beschrieben, die Unternehmenspleiten und steigende Arbeitslosigkeit verursache und keine effizienten, nachhaltigen Maßnahmen zur Stärkung des Standorts sowie zur Sicherung/Schaffung von Arbeitsplätzen setze.
  • Dadurch werde die Grundlage des Generationenvertrags geschwächt; der Regierung wird eine Hauptverantwortung für eine finanzielle Schieflage zugeschrieben.

Einordnung in weitere als belastend dargestellte Maßnahmen gegenüber Pensionisten

  • Die Staffelung der Inflationsanpassung wird als weiterer Schritt in einer Reihe von Maßnahmen dargestellt, die Pensionistinnen und Pensionisten belasten.
  • Genannt werden: Einführung der E-Card-Gebühr, Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für Pensionisten, Wiedereinführung der Aliquotierung, neue Selbstbehalte bei Krankentransporten, Verschärfungen bei der Altersteilzeit sowie die als „Mogelpackung“ bezeichnete Teilpension.

Argument: Kaufkraftverlust auch unterhalb von 2.500 Euro brutto (Netto-Betrachtung, kalte Progression)

  • Es wird behauptet, die Staffelung treffe mehr Seniorinnen und Senioren als dargestellt, weil für den Alltag die Nettopension entscheidend sei und der Wertverlust netto bereits bei niedrigeren Bruttopensionen eintreten könne.
  • Unter Bezug auf eine Medienberichterstattung wird ausgeführt, dass durch die Erhöhung viele in höhere Steuerklassen rutschen und dadurch weniger „im Börsel“ bleibt.
  • Als Hintergrund wird genannt: Um zu sparen, würden die Lohnsteuerstufen 2026 nur zu zwei Dritteln an die Inflation angepasst; dadurch werde die volle Anpassung durch nur teilweise abgegoltene kalte Progression geschmälert.
  • Es wird die Aussage wiedergegeben, dass ab rund 1.625 Euro Bruttopension Kaufkraftverlust eintreten könne, weil die Nettoerhöhung unter der rollierenden Inflation von 2,7 % liege.

Beispielrechnungen zur Nettoentwicklung (aus der zitierten Darstellung)

  • Beispiel 1: 1.700 Euro brutto entsprechen aktuell 1.583,80 Euro netto; ab 2026 1.623,60 Euro netto (Plus 2,5 %) und damit unter 2,7 % Inflation → Kaufkraft sinkt.
  • Beispiel 2: 2.000 Euro brutto entsprechen aktuell 1.790,10 Euro netto; ab 2026 1.832,10 Euro netto (Plus 2,3 %) → unter Inflation.
  • Beispiel 3: 3.000 Euro brutto entsprechen aktuell 2.375,90 Euro netto; ab 2026 2.427,30 Euro netto (Plus 2,2 %) → unter Inflation.
  • Beispiel 4: Bei hohen Pensionen von 3.900 bis 4.000 Euro brutto wird ein Netto-Plus von nur 1,7 % genannt.

Volle gesetzliche Pensionsanpassung statt Bestrafung der Leistungsträger

~103 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke schön, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Es geht eigentlich fast so weiter wie im vorherigen Tagesordnungspunkt: an den Interessen der Österreicherinnen und Österreicher vollkommen vorbeireformiert. Bevor ich zur Pensionsreform komme, möchte ich mit dem zweiten Punkt anfangen, das ist die Beschränkung der Luxuspensionen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist interessant!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Der werden wir unsere Zustimmung geben, Frau Bundesminister. Allerdings bin ich schon einigermaßen enttäuscht, dass Sie da nicht das Gespräch gesucht haben – wir sind die stärkste Fraktion im Haus, die größte Oppositionspartei. Aber es ist ja nicht notwendig, mit uns zu verhandeln. Dieser Antrag ist nicht so umwerfend grandios, aber wir finden, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es kann aber damit nicht beendet sein, die Luxuspensionen tatsächlich auch zu kürzen; das möchte ich Ihnen schon auch noch gerne sagen, meine Damen und Herren der Regierungsparteien. Ich glaube, es ist längst überfällig, diese Ungerechtigkeiten wirklich zurückzuschrauben. (👏 FPÖ) Kommen wir jetzt aber zur Pensionsanpassung. Die betrifft jetzt tatsächlich die Pensionisten und Pensionistinnen in Österreich, und zwar alle, da die Pensionen nicht im vollen Ausmaß der Inflationsrate angepasst werden. Wir haben es bei den letzten Tagesordnungspunkten gesehen: Wir machen Politik, indem wir allen etwas wegnehmen. Wir kürzen die Weiterbildung, wir nehmen den Familien etwas weg und jetzt gibt es keine komplette Anpassung der Pensionen. – Wissen Sie, Frau Bundesminister, zwei Bereiche sparen Sie aus: Das eine sind die Migranten und das andere sind die NGOs. Im Idealfall machen Sie beides gemeinsam, das heißt, Sie fördern NGOs …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Das Rote Kreuz!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… die für die Migranten Politik hier in Österreich machen, meine Damen und Herren. – Ich weiß nicht, warum Sie da drüben ( in Richtung SPÖ ) so nervös sind. Die NGOs müssen sich aber keiner Wahl stellen, betreiben politische Agitation und werden auch aus Ihrem Haus sehr, sehr fürstlich unterstützt. Nur ein paar Beispiele: Der Verein Afya, Verein zur interkulturellen Gesundheitsförderung, bekam 322 661 Euro, die Asylkoordination Österreich – ich weiß eigentlich gar nicht, warum die Asylkoordination vom Sozialministerium so fürstlich unterstützt werden muss, das ist eigentlich eine BMI-Angelegenheit – 7,5 Millionen Euro. So geht das dann weiter: Es gibt zum Beispiel den Verein Grenzenlos – Interkultureller Austausch mit über 700 000 Euro; Hosi Salzburg: 11 337 Euro – das weiß ich nicht, warum das vom Sozialministerium gefördert werden muss …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Kannst das nächste Mal mitgehen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… das Integrationshaus: fast 600 000 Euro, nämlich 598 838 Euro; Migrare – Zentrum für MigrantInnen Oberösterreich – auch interessant –: über 3 Millionen Euro. (Bundesministerin Schumann : Förderliste von wann?) Das ist eine Förderliste, die unglaublich ist, Frau Bundesminister. (Bundesministerin Schumann : Von wann?) Das sage ich Ihnen ganz ehrlich, meine Damen und Herren (Bundesministerin Schumann : Von wann?): Für die Migranten ist immer Geld da, für die NGOs ist immer Geld da, aber, liebe Pensionistinnen und Pensionisten , bei Ihnen wird jetzt eingespart. ( Ruf bei der SPÖ: Stimmt nicht! ) Genau das – und das ist jetzt nur die erste Seite, Frau Minister, die ich Ihnen vorgelesen habe – geht so weiter und dahin. (Bundesministerin Schumann : Von wann?) Jetzt fragt mich die Frau Minister „von wann“. Na, das ist Ihre Anfragebeantwortung gewesen: aus dem letzten Jahr natürlich. (Bundesministerin Schumann : Das ist eine alte Geschichte!) Da waren Sie nicht Minister, na genau, und das werden Sie jetzt alles auf null setzen. Na, das schauen wir uns an, ob die Frau Minister im Jahr 2025 all diese NGOs auf null gesetzt hat. Da freue ich mich ja schon auf die Anfragebeantwortung nächstes Jahr. (👏 FPÖ) Ich garantiere, das werden Sie natürlich nicht tun, Frau Bundesminister, weil – ich verrate Ihnen jetzt etwas! –: Viele Förderungen hat es auch schon unter sozialistischen Sozialministern gegeben. Ich habe damals und schon früher immer einzelne NGOs und Vereine abgefragt, vor allem solche, deren einzige Aufgabe es ist, Migranten zu unterstützen, Asylanten zu unterstützen, zu beraten, ihnen zu zeigen, wo sie unser Steuergeld noch weiter abgreifen können. ( Ruf bei der SPÖ: Geh bitte! ) Wenn Sie sich das alles zusammenrechnen, da ein paar Millionen, dort ein paar Millionen, dann kommen Sie bald auf einen zweistelligen bis dreistelligen Millionenbetrag. Das ist ungefähr das - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wow!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ja „wow“. Das finden Sie vielleicht lächerlich …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Die Rettungsorganisationen?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… aber das ist das, was Sie den Pensionisten jetzt abgreifen, was Sie bei den Pensionisten einsparen. ( Ruf bei der SPÖ: Stimmt nicht! ) Laut der Ministerin werden circa 300 bis 350 Millionen Euro durch die Nichtvalorisierung aller Pensionen in Österreich eingespart. Dass man den Pensionisten erneut in die Taschen greift! …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Ja, mit Sporttaschen kennt ihr euch eh aus!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Wir haben heute schon gehört, was die Pensionisten schon alles aushalten mussten, seit Sie in dieser unsäglichen Dreierkoalition, in dieser unsäglichen Verliererkoalition angetreten sind. Sie machen es wieder und wieder und wieder. Und wo wird nicht gespart? – Das sind die Migrantenvereine, meine Damen und Herren, da sparen Sie überhaupt nicht ein; bei den NGOs wird nicht eingespart. Die haben nur eine Agenda, nämlich gegen die eigene Bevölkerung Stimmung zu machen. Darum bezahlen Sie sie ja auch so fürstlich. Das ist genau der Grund. – Wir werden auf diesem Thema draufbleiben. Frau Minister, jetzt haben Sie noch die Ausrede: Nein, da kann ich nichts dafür, da war ich noch nicht Minister! – Nächstes Jahr haben Sie diese Ausrede nicht, und ich bin gespannt auf die Zahlen, die wir nächstes Jahr bekommen werden. Wir werden Sie beim Wort nehmen, und dann werden wir Ihnen das wieder vorlegen und vorrechnen. Dann rechne ich Ihnen vor, was Sie eingespart haben allein nur bei den Pensionisten, allein bei den Pensionen, was Sie bei den Krankenkassenbeiträgen der Pensionisten eingespart haben oder mehr eingenommen haben, was Sie bei den neuen Selbstbehalten bei den Krankentransporten eingenommen haben und so weiter und so fort. Wie viele Pensionisten müssen jetzt die E-Card-Gebühr neu zahlen? All das, Frau Bundesminister, werde ich Ihnen vorrechnen und vorlegen, und dann werden wir schauen, ob Sie tatsächlich auch bei den NGOs eingespart haben. Darauf sind wir schon sehr gespannt. (👏 FPÖ) Ich sage Ihnen eines: Es wäre im Sinne einer Gerechtigkeit, jene Personengruppe, die dieses Land aufgebaut hat, die dieses Land viele, viele Jahrzehnte erhalten hat, die den Wohlstand in dieses Land gebracht hat, auch jetzt in der Pension so zu behandeln, wie sie es verdient. Da geht es nämlich nicht um Pensionserhöhung, wie das hier oft so herumgeht, sondern da geht es um eine Inflationsanpassung. Wenn man nicht die volle Inflationsanpassung bekommt , Frau Bundesminister, ist es eine numerische Kürzung. Das heißt, die Leute haben weniger zur Verfügung – es ist eine Kürzung. Eine Kürzung für unsere Pensionisten kann es mit der Freiheitlichen Partei nicht geben. Daher haben wir auch unseren eigenen Antrag: Alle ASVG-Pensionisten in Österreich sollen die volle Inflationsabgeltung bekommen. – Da bitte ich Sie jetzt um Zustimmung, Frau Minister.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Die Frau Ministerin ...!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Josef Muchitsch . – Herr Abgeordneter, ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein.

SPÖ Josef Muchitsch

Sehr geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn man da jetzt zugehört hat, weiß man eigentlich nicht, wo wir gerade sind. Fakt ist – nur einen Satz dazu –: Wir sind jetzt schon bei den Pensionen, aber trotzdem von dieser Stelle ein großes Danke an alle NGOs, vom Roten Kreuz über den Samariterbund bis zu den Feuerwehren, die ehrenamtliche Leistungen erbringen. Jetzt kommen wir zu den Pensionen. Ich möchte versuchen, meine sehr geehrten Damen und Herren, es faktenbasiert zu machen – faktenbasiert; vielleicht gelingt das den anderen Rednern auch. Die Fakten sind: 1,73 Milliarden Euro werden für die Pensionserhöhung aus dem Budget 2026 aufgewendet. Es gibt die volle Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent für über 70 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten, für alle Pensionen bis 2 500 Euro. Die Pensionen, die über 2 500 Euro liegen, das sind die anderen 30 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten, werden einheitlich um 67,50 Euro pro Monat, das sind 945 Euro pro Jahr, erhöht. Und weil die Medien geschrieben haben, dass die Erhöhung bei jenen, die eine Pension von über 2 500 Euro beziehen, eine Einmalzahlung ist, muss ich sagen: Das ist ein völliger – um kein falsches Wort zu sagen – Irrtum, ein völliger Irrtum! Diese 67,50 Euro werden den Pensionistinnen und Pensionisten monatlich auf ihr Pensionskonto gebucht und sind somit auch nachhaltig für die Zukunft, für die nächsten Pensionsanpassungen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ) Nächster Punkt: Auch die Luxuspensionen und die Mehrfachpensionen werden mit diesen Beschlüssen heute gedeckelt. Noch einmal: Von den 2,3 Millionen Pensionistinnen und Pensionisten in der gesetzlichen Pensionsversicherung bekommen 71,4 Prozent die volle Inflationsabgeltung, also eine Erhöhung um 2,7 Prozent. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich weiß schon, Geld auszugeben ist viel einfacher, das ist viel populärer – das haben wir die letzten Jahre eh gesehen –, als Geld einzusparen. Die budgetäre Situation, die wir als SPÖ nicht verursacht haben, ist allen bekannt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja! Ihr wart auch ...! – Abg. Kickl [FPÖ]: In Wien schon ...!

SPÖ Josef Muchitsch

… Ihnen ist auch die Ausgangslage – neben der budgetären Ausgangslage – bei den Verhandlungen zur Pensionsanpassung bekannt. Was haben wir von den Medien gehört? – Null Pensionsanpassung ist gefordert worden; 2 Prozent, hat uns der Bundeskanzler ausgerichtet, wünscht er sich, und nicht mehr. – Fakt ist: Für uns als SPÖ war es immer ganz klar, trotz dieser schwierigen budgetären Situation eine volle Inflationsabgeltung von plus 2,7 Prozent für niedrigere und mittlere Pensionen zu erreichen. Das haben wir geschafft, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 SPÖ) Danke, Frau Bundesministerin, für deine Hartnäckigkeit, das so durchzuziehen. Natürlich ist Sparen jetzt wichtig, aber wir versuchen, auch jeden Spielraum auszuschöpfen, um Verbesserungen bei den Pensionistinnen und Pensionisten zu erreichen. Nur drei Beispiele: Wir werden ab 1. Jänner 2026 eine Entlastung für Rezeptgebühren herbeiführen. Das bringt den Pensionistinnen und Pensionisten wieder einiges. Wir werden einen lang gehegten Wunsch erfüllen, und viele sagen, das ist notwendig: dass wir die Pflege in die Schwerarbeit bringen. Damit ist der Pflegeberuf viel interessanter. Somit ist auch das ein wichtiger Beitrag für die Pensionistinnen und Pensionisten, da es da um den Fachkräftemangel geht. Der dritte Punkt, und den kommunizieren wir viel zu wenig, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Pensionistinnen und Pensionisten, ist, dass das Pflegegeld ab 1. Jänner über alle sieben Stufen erhöht werden wird. Auch das ist ein wichtiger Beitrag für die Pensionistinnen und Pensionisten, dort, wo Pflegebedarf herrscht. (👏 ÖVP, SPÖ) Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Koalition wird weitere Maßnahmen setzen. Ja, wir haben uns da auf das verständigt, weil wir unser Pensionssystem auch nachhaltig sichern wollen. Die Ziele dazu müssen wir beschließen, diskutieren, beraten, keine Frage. Wir haben eine große gemeinsame Aufgabe übernommen: diesen Staat wieder zu sanieren und Österreich auf Kurs zu bringen. Letzter Satz: Die FPÖ bringt heute einen Antrag ein – volle Inflationsabgeltung statt Bestrafung der Leistungsträger. Ich sage Ihnen abschließend etwas: Die größten Pensionseinschnitte hat es immer dann gegeben, wenn die FPÖ das Sozialministerium besetzt hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

SPÖ Josef Muchitsch

… Da hat es immer die größten Pensionseinschnitte gegeben. Nur eine Zahl: Von 2000 bis 2006, als ihr als FPÖ dieses Ministerium gehabt habt, war die Gesamtinflation 14,6 Prozent. Die Pensionen wurden in diesen sechs Jahren nur um 6,2 Prozent erhöht. Wo war dort euer Aufschrei für die Leistungsträger? Wo war da euer Selbstbewusstsein, das zu vertreten? (👏 ÖVP, SPÖ) Wir erhöhen die Pensionen – ja, es sind schwierige Zeiten –, die Pensionistinnen und Pensionisten können sich weiterhin auf die Sozialdemokratie verlassen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Markus Koza . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Heute wird die Pensionserhöhung für 2026 beschlossen. Die Eckpunkte hat Kollege Muchitsch bereits erwähnt. Pensionen bis 2 500 Euro brutto werden um die volle Inflationsrate erhöht. Alle Pensionen darüber erhalten einen Fixbetrag von 67 Euro pro Monat, also eine dauerhafte Erhöhung. Die Erhöhung bezieht sich auf die Gesamtpension, also die Summe der Pensionsbezüge. Dazu braucht es dann auch eine Zweidrittelmehrheit. Was war uns das Wichtigste im Rahmen dieser Pensionsdebatte? – Das war, dass Bezieher:innen mit niedrigeren und mittleren Pensionen, und das sind mehrheitlich Frauen, die jetzt schon jeden Euro zweimal umdrehen müssen, die volle Inflationsabgeltung bekommen, weil steigende Preise beim Wohnen, bei den Lebensmitteln, bei der Energie ja bekanntlich vor allem jene treffen, die das niedrigste Einkommen haben. Umso wichtiger war es, dass es da die volle Abgeltung gibt, und auch, weil Pensionist:innen von dieser Regierung bereits Kürzungen erfahren mussten. Da sei die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge sowie auch die Streichung des Klimabonus erwähnt, Letzteres hat so manchen Pensionistenhaushalt Hunderte Euro pro Jahr gekostet. Daher ist es dringend notwendig, dass gerade die kleinen und die mittleren Pensionistenhaushalte ihre Einkommensverluste zumindest einigermaßen ausgeglichen bekommen. (👏) Wir sehen diese zentrale Forderung auch erfüllt. 70 Prozent der Pensionist:innen erhalten die volle Inflationsabgeltung und alle anderen einen Fixbetrag. Das ist auch gut so. (👏 SPÖ) Was aber fehlt, meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist der Beitrag der Luxuspensionist:innen, nämlich all jener, die 6 450 Euro und mehr Pension bekommen. Das sind nicht viele, das sind circa 10 000 Menschen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Na, na, Kollege!

GRÜNE Markus Koza

… aber es ist eine Frage der Fairness, dass die vielbeschworenen breiten Schultern auch einen entsprechend hohen Beitrag leisten. Seit 2015 zahlen Luxuspensionisten einen Sicherungsbeitrag für jenen Teil der Pension, der über der Höchstbeitragsgrundlage liegt. Das ist soweit auch gut, nur paradoxerweise wird dieser Sicherungsbeitrag immer kleiner, je stärker die Luxuspension steigt, weil nämlich die Höchstbeitragsgrundlage in der Regel schneller steigt als die Gesamtpension. RN/66.1 Ich habe Ihnen ein Beispiel mitgebracht. ( Der Redner hält eine Tafel, auf der unter der Überschrift „Luxuspensionen/Sicherungsbeitrag“ ein Säulendiagramm abgebildet ist, in die Höhe. ) Ein Luxuspensionist, der im Jahr 2019 7 000 Euro bekommen hat, hat damals 178 Euro Pensionssicherungsbeitrag zahlen müssen, nämlich von dem roten Teil ( auf die entsprechende Stelle des Säulendiagramms weisend ), der über der Höchstbeitragsgrundlage liegt. Bis 2026 ist die Pension – die Luxuspension! – um circa 20 Prozent gestiegen, er kriegt heute über 8 300 Euro, aber der Sicherungsbeitrag ist interessanterweise von 178 Euro auf 144 Euro gesunken. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wie geht das? Wer soll das verstehen? Wo ist da die Fairness? Wo ist da die Gerechtigkeit? (👏) Das ist einfach nur absurd! Dieser Konstruktionsfehler, meine sehr geehrten Damen und Herren, gehört repariert, der gehört dringend repariert, weil dem Staat dadurch jährlich Millionen Euro an Einnahmen von Luxuspensionisten entgehen. (👏) Wir haben versucht, gemeinsam mit ÖVP, SPÖ und NEOS eine gerechte Lösung zu finden, um einen gerechten Beitrag der Luxuspensionist:innen sicherzustellen. Mit NEOS und SPÖ – ein großes Dankeschön – waren wir eigentlich auch schon ziemlich weit; gescheitert ist es – einmal mehr – an der ÖVP.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wahnsinn! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

GRÜNE Markus Koza

… Ja, es ist halt so! Sparpakete für die breite Masse: jederzeit! Geht es aber einmal an die Privilegien der Reichen, dann ist Schluss mit lustig, die sind tabu – und es ist egal, ob es um Millionenerben geht, um Stiftungsmilliardäre oder wie in diesem Fall um Luxuspensionisten. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Liebe ÖVP, diese Debatte werdet ihr trotzdem nimmer los, weil wir dranbleiben werden und wieder und wieder einen fairen Beitrag der Luxuspensionisten wie auch von allen anderen mit den breiten Schultern einfordern werden. Aber – bei allem Ärger – wir werden sowohl der Pensionserhöhung als auch der Zweidrittelregelung unsere Zustimmung geben …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Na bitte, das wird einstimmig!

GRÜNE Markus Koza

… ganz einfach deshalb, weil der Abschluss trotz allen Fehlens des Beitrags der Luxuspenionisten unsere wesentlichsten Forderungen beinhaltet und es diesen Verfassungsbeschluss natürlich braucht, damit Luxuspensionen nicht noch größer werden, Luxuspensionist:innen nicht noch reicher werden, denn das wollen wir mit Sicherheit nicht. – Danke. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Klubobmann August Wöginger.

ÖVP August Wöginger

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte zu Beginn kurz auf die zwei Parlamentstage, die Nationalratstage eingehen, weil es etliche Gesetze gibt, die von den Regierungsparteien nicht nur hier eingebracht wurden, sondern auch beschlossen werden: der Stromkostenausgleich für die Industrie; die Verdoppelung des Investitionsfreibetrages für die Unternehmer, für die Betriebe von 10 auf 20 Prozent; die Förderung und die Absicherung unserer Biogasanlagen; eine Regelung für die freien Dienstnehmer, wenn es um Kündigungsfristen geht; ein einheitliches Trinkgeldpauschale – da sei erwähnt: das gibt es in Österreich schon, nur hat es das neunmal unterschiedlich gegeben –; ein neues Modell für die Bildungskarenz, die sogenannte Weiterbildungszeit; eine neue Grenzgängerregelung , und das ist nichts Böses, sondern das ist eigentlich etwas, was unserer Wirtschaft hilft; ein Pensionsanpassungsgesetz 2026; und ein Gesundheitstelematikgesetz steht heute auch noch auf der Tagesordnung. Nebenbei sind Energiegesetze in Begutachtung gewesen, sind jetzt herausgekommen; da hören wir schon, dass es da die notwendige Zweidrittelmehrheit wahrscheinlich nicht gibt, obwohl es darum geht, den Strom insgesamt billiger zu machen, sowohl für die Wirtschaft, für die Industrie als auch für die Haushalte. Mietgesetze sind aus der Begutachtung herauskommen, ebenso die Verfahrensbeschleunigung bei Verfahren im Energiebereich oder generell auch bei Großanlagen. Zu guter Letzter ist noch das Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen in Begutachtung. Das heißt – um das einmal zu verdeutlichen –, zu dieser Klein-Klein-Diskussion, die hier geführt wird, möchte ich einfach zu Beginn sagen: Diese Regierung arbeitet; diese Regierung arbeitet für die Menschen, diese Regierung bringt die wichtigen Punkte auf den Weg, und sie werden hier im Parlament auch beschlossen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Im Übrigen stimmt die Freiheitliche Partei von all diesen Gesetzen ganzen zwei zu, und wir hören die ganze Zeit: Njet, nein, wollen wir nicht, geht nicht! Betreffend Bildungskarenz: Kollege Schiefer – du bist ja da; ich schätze dich mit deiner Fachexpertise und deiner Kenntnis sehr –, wir haben ja zu Beginn des Jahres gemeinsam Budgetverhandlungen geführt, und der Klimabonus und die Bildungskarenz waren die beiden Punkte, die immer auf der Liste mit jenen Punkten gestanden sind, die wir nicht fortsetzen können und zum Teil auch nicht wollen, weil die Bildungskarenz extrem missbrauchsanfällig war.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welcher Missbrauch?

ÖVP August Wöginger

… Betreffend KV, bei den Pensionisten sind wir uns nimmer einig, aber in Wahrheit ist das auch auf dieser Liste gestanden, um eben zu sanieren, zu reformieren, um auch wieder wachsen zu können. Das ist eigentlich der Hintergrund dieser Konsolidierungsmaßnahmen, die wir sowohl in dieser Dreierkoalition gemeinsam vereinbart haben als auch in den Gesprächen mit der Freiheitlichen Partei für das Jahr 2025 besiegelt und gemeinsam nach Brüssel geschickt haben; das soll auch noch einmal gesagt werden, das sei der Korrektheit halber auch erwähnt. (👏 ÖVP, NEOS) Aber nun zu den Pensionsanpassungen für das kommende Jahr: Eines möchte ich schon einmal dazusagen, weil man heute so tut, als wäre es das erste Mal, dass man eine derartige Pensionsanpassung macht: In 16 Jahren Sozialsprechertätigkeit der Volkspartei war es fast immer der Fall, dass man im untersten Bereich die Inflation, diesen Wert hernimmt und die Inflation abgilt und dann irgendwo eine Grenze einzieht, und ab dort gilt ein Sockelbetrag. Das ist keine Einmalzahlung, das ist ein Sockelbetrag. Ich habe fünf Jahre lang Kollektivverträge verhandelt, da hat es manchmal einen freiheitlichen Arbeitnehmervertreter gegeben, und wenn der- oder diejenige – meistens war es ein Er – in Kollektivvertragsverhandlungen etwas gefordert hat, dann war es eine Sockelbetragserhöhung – aus sozialem Gerechtigkeitsempfinden heraus, aus einem Empfinden heraus, dass man sagt, man hebt einen gewissen Teil prozentuell an, aber dann soll es mit einem Sockelbetrag gehen. Da stelle ich die Frage: Warum geht das dann bei dieser Anpassung nicht? Warum soll das nicht funktionieren? Ich möchte als einer, der sich zum Versicherungsprinzip bekennt und auch dazu steht – das Pensionskonto, im Übrigen, bildet dieses Versicherungsprinzip zu 100 Prozent ab; das, was ich einzahle, bekomme ich auch heraus …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber schon lang nimmer!

ÖVP August Wöginger

… sagen: Wir haben mit der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage in Österreich ein System, das funktioniert. Für diejenigen, die noch im Beamtensystem sind, werden ja höhere Beträge einbezahlt, sowohl vom Dienstnehmer als auch vom Dienstgeber, daher gibt es da im Endeffekt höhere Pensionen, aber ganz viele Kolleginnen und Kollegen aus dem öffentlichen Dienst sind ja bereits in das sogenannte ASVG-System gekommen. Ich verstehe einfach die Aufregung nicht, ich verstehe nicht, warum man da dagegen sein kann, wenn man sagt: Wir heben bis 2 500 Euro brutto mit 2,7 Prozent voll an, und dann gibt es einen Sockelbetrag von 67,50 Euro! Das müsst ihr mir einmal erklären, was daran sozialpolitisch gesehen falsch sein soll! (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist richtig, meine Damen und Herren, und es ist auch eine Lösung, die in Zeiten wie diesen mehr als vertretbar ist. Eine andere Mär möchte ich auch noch durchbrechen; Falschmeldungen, die leider in allen Reihen immer wieder kommuniziert werden: Wenn ich bei 2 500 Euro, bei 3 000 Euro, bei 4 000 Euro, bei 5 000 Euro pro Monat 67,50 Euro dazubekomme – im Übrigen sind das pro Jahr 945 Euro …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Brutto!

ÖVP August Wöginger

… brutto, das ist fast ein Tausender –, wenn ich das dazubekomme, dann geht die Pensionshöhe jedenfalls auseinander, denn bei 1 500 Euro kriege ich 40 Euro, bei 2 000 Euro kriege ich 54 Euro, und dann bekomme ich eben diese 67,50 Euro. Also rein vom nominellen Betrag her geht die Spreizung natürlich auseinander und nicht zusammen, das muss man auch einmal sagen. (👏 ÖVP, NEOS) Daher: Ja, Bekenntnis zum Versicherungsprinzip, Bekenntnis dazu, die Pensionen angesichts der Inflation abzusichern, aber bitte keine Märchenerzählungen in diesem Bereich! Es geht nicht zusammen, das ist einfach falsch und nicht richtig; das heute zu betonen, ist mir wichtig. (👏 ÖVP, NEOS) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Warum machen wir das? – Wir tun das nicht aus Jux und Tollerei, und wir bitten natürlich die Pensionistinnen und Pensionisten – 2,5 Millionen an der Zahl – in Österreich um Verständnis dafür. Insgesamt werden zwei Drittel mit 2,7 Prozent abgegolten – im ASVG-System sind es über 71 Prozent, wie Kollege Muchitsch gesagt hat –, und dann gibt es eben diese 67,50 Euro pro Monat und pro Pensionistin, pro Pensionist. Wir haben die Pensionen in den letzten drei Jahren – und das möchte ich auch einmal sagen, weil die Vorgängerregierung hier im Parlament genug gescholten wird –, und ich stehe dazu, 2023, 2024 und 2025 angehoben. Wissen Sie, um wie viel? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie war die Inflationsrate?

ÖVP August Wöginger

… Die Inflation war hoch, Frau Kollegin! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie war die Inflationsrate? – Abg. Gasser [NEOS]: Niedriger als die Erhöhungen!

ÖVP August Wöginger

… Die Inflation war hoch, aber wir haben die Pensionen in drei Jahren um 20,1 Prozent angehoben – um 20,1 Prozent! Zeigt mir einmal, ob es irgendwo auf der Welt – irgendwo! – ein Land gibt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... niedrigere Inflationsraten gehabt!

ÖVP August Wöginger

… das die Pensionen in drei Jahren um ein Fünftel angehoben hat! Jetzt haben wir im oberen Drittel einen Bereich, wo wir nicht zur Gänze abgelten, das ist richtig, aber im Schnitt macht die Pensionsanpassung 2,25 Prozent aus, und zwei Drittel bekommen die vollen 2,7 Prozent. Warum machen wir das als Bundesregierung? – Um der hohen Inflation, die nach wie vor bei 4 Prozent liegt, entgegenzuwirken! Wir haben mit 2,25 Prozent im Schnitt ein wichtiges Signal gesetzt, entsprechend der Formel, die der Bundeskanzler ausgegeben hat, 2-1-0: 2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wirtschaftswachstum und null Toleranz bei illegaler Migration. Deshalb haben wir das gemacht und nicht aus Jux und Tollerei, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 ÖVP) Abschließend ist es mir wichtig, allen, die im Bereich der Sozialversicherung tätig sind und dort arbeiten, Danke zu sagen. Ich meine, man weiß ja gar nicht, welch gutes System wir in Österreich haben. Es wird immer gesagt: Na, es ist eh klar, die Regierungsparteien sagen immer, es ist alles super, es ist alles gut! – Nein, das sage ich nicht, aber ich sage, dass wir ein gut funktionierendes System haben. Und wenn man an der deutschen Grenze daheim ist und dort lebt, dann weiß man, welch gutes Pensionssystem wir in Österreich haben, dass die Pensionen 14-mal und nicht zwölfmal ausgezahlt werden (👏 ÖVP, SPÖ), dass wir Pensionshöhen haben, die in anderen Ländern nicht einmal zur Hälfte erreicht werden, und dass wir Berufsgruppen haben, die in unserem System besonders berücksichtigt und auch abgesichert werden. Das sind jene, die im Mindestpensionsbereich angesiedelt sind. Die Mindestpension für Einzelpersonenen steigt auf über 1 300 Euro, und weil es ganz viele – vor allem Frauen – gibt, die keine Pension beziehen, weil sie Kinder erzogen haben, weil sie gepflegt haben – noch ohne Pflegegeld gepflegt haben –, steigt der Familienausgleichszulagenrichtsatz auf über 2 000 Euro, auf 2 009 Euro, an. Das ist sozial gerechtfertigt, es ist auch notwendig, das zu tun. Wir haben im ASVG-System insgesamt 63 Milliarden Euro, und 50 Milliarden Euro sind durch Beiträge gedeckt. Wir haben in dieser Bundesregierung bereits drei wesentliche Maßnahmen beschlossen: die Teilpension, die ich allen wirklich ans Herz legen möchte. Man kann sich das einfach einmal anschauen und sagen: Ich nehme mir einen Teil der Pension, ich arbeite zu einem Teil weiter, weil es eine Win-win-Situation ist. Ja, wir haben Veränderungen bei der Korridorpension wegen der Nachhaltigkeit durchgeführt: das Alter um ein Jahr angehoben, die Versicherungsjahre um zwei Jahre angehoben. Und wir haben wieder den Nachhaltigkeitsmechanismus eingeführt, den ursprünglich Wolfgang Schüssel bei der großen Reform 2003/2004 bereits gesetzlich verankert hat, der fünf Jahre später herausgeflogen ist und den wir jetzt wieder im Gesetz haben, weil wir eine Nachhaltigkeit in einem sehr guten, funktionierenden Pensionssystem brauchen. Dazu bekennen wir uns auch. Wir beschließen jene Maßnahmen, die durchaus die Nachhaltigkeit im Vordergrund sehen, für die Pensionistinnen und Pensionisten und vor allem für jene – das ist mir wichtig; in einem Umlagesystem geht es vor allem auch um jene –, die jetzt in das System einzahlen und ein Recht darauf haben, noch auf eine gesetzliche Pension vertrauen zu können. Das ist ein wichtiges Signal, das die Politik mit dem hier gibt. Schüssel hat das Pensionskonto eingeführt, mit Minister Hundstorfer haben wir es umgesetzt. Das Pensionskonto läuft seit elf Jahren, alle Bürgerinnen und Bürger, die einzahlen, können per Knopfdruck abrufen, wie hoch der Stand des Pensionskontos ist und welche Pension sie zu erwarten haben. Das ist Entbürokratisierung und das ist auch eine Information, die für viele Menschen ganz wichtig ist – auf Knopfdruck. Wir haben das Pensionssystem in den letzten Jahrzehnten gut weiterentwickelt und eine Pensionsanpassung vorliegen, die den Namen verdient, die sozial gerechtfertigt ist und natürlich Rücksicht auf die jetzige Zeit nimmt. Man kann sie hier jedenfalls geschlossen mitbeschließen, und nicht nur die Verfassungsbestimmung, meine sehr geehrten Damen und Herren von der FPÖ, weil es da ja auch um die Länderpensionen und um das, was in den Kammern ausbezahlt wird, geht. Man könnte dieser Anpassung durchaus zustimmen, was Sie früher in Regierungsbeteiligungszeiten auch gemacht haben. Daher ist es eine reine Oppositionswillkür – es gibt keinen fachlichen und sachlichen Hintergrund –, dieser Pensionsanpassung nicht zuzustimmen. Wir wollen unsere Pensionistinnen und Pensionisten unterstützen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, habe ich eh gesagt!

ÖVP August Wöginger

… Wir danken auch für das Verständnis und dafür, dass man das auch sieht. Wir stehen zu unseren Seniorinnen und Senioren, die dieses Land aufgebaut haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nur nehmts ihnen alles weg!

ÖVP August Wöginger

… daher ist diese Pensionsanpassung auch eine gute. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Peter Wurm . (Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung Abg. Wurm –: Sollen wir schon eine tatsächliche Berichtigung einmelden?)

FPÖ Peter Wurm

Danke, Frau Präsidentin! Frau Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher! Zuerst möchte ich Besucher aus Krakaudorf in der Steiermark und das Demo-Team Spittal begrüßen. – Danke für Ihren Besuch! ( Allgemeiner Beifall. ) Ja, das war eine sehr feurige Rede, Kollege Wöginger, mit sehr viel Feuer, sehr viel Emotion. Ich glaube, es gibt auch viel von euch, vor allem von der ÖVP, zu erklären, warum man jetzt die Pensionisten quasi schröpft und kürzt. Man muss das erklären: Bei einer Inflation von 4 Prozent nur um 2,7 Prozent zu erhöhen, ist - - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Geh bitte, Peter!

FPÖ Peter Wurm

… Kollege Wöginger, wenn die offizielle Inflation 4 Prozent ist und wir die Pensionen um 2,7 Prozent erhöhen, dann ist das weniger, liebe SPÖ, oder? Es ist also eine Kürzung.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Aber wir haben ein gesetzliches System, das weißt du schon?!

FPÖ Peter Wurm

… An sich ist es intellektuell nicht schwer nachzuvollziehen, dass 2,7 weniger als 4 sind. Können wir uns darauf einigen? Das, glaube ich, schaffen wir alle noch. (👏 FPÖ) Für jene, die über diese 2 500 Euro brutto Pension haben, geht es dann hinunter in Richtung 2 Prozent. Das ist die Hälfte von 4 Prozent, also ganz real auch eine Kürzung. Dazusagen muss man noch einmal – das ist ja ein anderes Thema –, dass diese offizielle Inflation, die wir mit 4 Prozent haben, natürlich nicht dem entspricht, was ein normaler Pensionist an Teuerung verspürt. Das ist ja wesentlich höher, da reden wir von 6, 7, 8 Prozent. Deshalb haben auch – das sage ich ganz deutlich – ganz, ganz viele Pensionisten, mit denen ich gesprochen habe – und zwar mit niedrigen und hohen Pensionen –, das Gefühl, dass sie unter die Räder kommen. Das ist, glaube ich, ganz eindeutig, deshalb auch die 12-Minuten-Rede des Kollegen Wöginger, um das zu erklären. Klarerweise ist die Sozialdemokratie da mit im Boot, die ÖVP sowieso, die NEOS auch. Liebe Sozialdemokratie, ihr solltet aufpassen, dass ihr nicht irgendwann die eigene Propaganda glaubt. Wir als Freiheitliche stehen für die Pensionisten. Ich darf kurz erwähnen: 2018 haben wir die kleinen Pensionen überproportional über der Inflation erhöht. Vielleicht erinnert man sich daran, man kann es auch recherchieren. Das ist das Letzte, das wir gemacht haben. Interessanterweise sagt Kollege Wöginger: gemeinsam mit der SPÖ. Es war damals auch Jörg Haider dabei, der das Pensionskonto neu eingeführt hat; diese Reform darf man vielleicht nicht vergessen. Es ist also plötzlich doch etwas Gutes, auch vonseiten der Sozialdemokratie. Dann bitte nicht immer behaupten, wir Freiheitliche würden bei Pensionen kürzen, denn das stimmt de facto nicht! (👏 FPÖ) Liebe Sozialdemokratie, ihr habt heute die Nagelprobe: Wir als Freiheitliche bringen einen Antrag ein, womit die Pensionisten besser abschneiden. Da könnt ihr zustimmen. Wenn ihr nicht zustimmt, könnte ich ja die nächsten zehn Jahre die Propaganda fortsetzen, dass die Sozialdemokratie bei den Pensionisten kürzt, oder? Das ist ja auch relativ logisch. Wir werden sehen, was bei der Abstimmung heute herauskommt. (👏 FPÖ) Ein Thema, das mich seitdem ich im Nationalrat bin, schon sehr lange, beschäftigt – es ist ja heute teilweise auch ein Thema –, sind die Luxuspensionen. Es ist interessant, dass die Grünen diesbezüglich plötzlich in die Gänge kommen. Wir werden da auch zustimmen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ah jetzt doch?

FPÖ Peter Wurm

… Wir werden da zustimmen, weil es natürlich eine Verbesserung ist …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt doch? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Habe ich ja auch schon gesagt, ihr müsst zuhören!

FPÖ Peter Wurm

… aber, und jetzt kommt das große Aber …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Habts euch jetzt durchgesetzt?

FPÖ Peter Wurm

… das muss man ja einmal erklären –: Der Sündenfall der Luxuspensionen damals ist von den Grünen ermöglicht worden, Kollege Kogler war sogar dabei. Die Kollegin Schwentner hat das damals mit der Verfassungsmehrheit gemacht, dass wir bis 2070, liebe Zuseher – bis das Jahr 2070 erreicht ist –, in Österreich Luxuspensionen bezahlen werden. Das betrifft relativ viele. Der Letzte, der das halbwegs genau recherchiert hat, war Prof. Marin, falls man den noch kennt. Wir sprechen da von 50 000, die so eine Luxuspension haben, und die geht in Höhen von monatlich 20 000 Euro; ein ganz großer Teil – auch interessant natürlich – sind von Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Wirtschaftskammer. 12 000 Personen betrifft es immer noch – das sage ich nur am Rande, weil das ja auch immer von der Sozialdemokratie erwähnt wird. Das heißt, diese Luxuspensionen haben wir bis 2070. Wir haben schon ganz, ganz oft Anträge dahin gehend eingebracht, das einfach auf eine ASVG-Höchstbemessungsgrundlage zu reduzieren. Wenn jetzt gesagt wurde – ich glaube, von der Sozialdemokratie oder von den NEOS –, man hätte eine Mehrheit gehabt, aber die ÖVP spielt bei dieser Zweidrittelmehrheit nicht mit, darf ich noch einmal anbieten: Dann machen wir es ohne ÖVP. Mit uns gemeinsam haben wir die Zweidrittelmehrheit. Dann können wir das machen. Ich sage, es wäre ganz einfach, die Luxuspensionen abzuschaffen. Wir stehen seit vielen, vielen Jahren dafür bereit, weil ich es ja auch einer Mindestpensionisten oder einem normalen Pensionisten erklären möchte, dass wir das beendet haben, und nicht erst 2070, sondern schon 2025/26. Es versteht ja keiner, warum jemand 18 000 Euro Bruttopension bekommt – ORF-Generaldirektoren, Nationalbank, alles, was da kreucht und fleucht. (👏 FPÖ) Wie gesagt, uns betrifft es ja in der Regel eben nicht …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Warum habts dann dagegen gestimmt?

FPÖ Peter Wurm

… diese Luxuspensionen betreffen halt das alte schwarz-rote System. Zusammenfassend kann man sagen: Natürlich kürzen Sie bei den Pensionisten, weil sie eine falsche Politik gemacht haben, vor allem in den letzten Jahren, die ÖVP gemeinsam mit den Grünen. Wir haben eine hohe Inflation, wir haben eine schlechte Wirtschaftspolitik. Das geht zulasten der gesamten Bevölkerung, und ein Großteil wird jetzt auch von den Pensionisten getragen, die natürlich real Geld verlieren; ist ja relativ logisch: 4 Prozent, 2 Prozent, da verliert man. Die Pensionisten verstehen das auch relativ einfach, wir erklären es ihnen auch relativ deutlich. Also wir werden heute dieser Pensionsanpassung, die Sie vorhaben, nicht zustimmen. Bei den Luxuspensionen erfolgt ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber der große Schritt wäre, sie abzuschaffen. Wir stehen bereit, wenn ihr mit uns reden wollt, jederzeit. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Klubobmann Yannick Shetty .

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wenn ich Ihr Vermögensberater wäre, dann würde ich sagen, es gibt vermutlich in den letzten 20 Jahren bessere Investments, als in Österreich Steuern zu zahlen. Warum? – Vor allem aufgrund eines reformresistenten Pensionssystems ist unser Budget so unter Druck geraten, in Schieflage gekommen, dass wir mittlerweile ein Viertel des Gesamtbudgets in unser Pensionssystem zuzahlen.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Nein!

NEOS Yannick Shetty

… Also welcher Vermögensberater würde sagen: Investiere, aber ich sage dir jetzt schon, ein Viertel dessen, was du investierst, ist futsch!? Jeder vierte Euro, 25 Prozent, verpufft, weil wir das brauchen, um in ein Pensionssystem zuzuzahlen, das eben schon lange hätte reformiert werden sollen. Das ist in Österreich der Fall. 30 Milliarden Euro brauchen wir jedes Jahr zusätzlich zu den Beiträgen der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, um das Pensionssystem zu erhalten. Das ist ein Viertel des Gesamtbudgets, das für wichtige andere Bereiche fehlt. Ich möchte auch explizit sagen, auch den Zuseherinnen und Zusehern hier oder zu Hause: Nicht schuld daran – nicht schuld – sind jene, die jetzt in Pension sind und die Teil dieses Systems sind. Die Menschen, die fleißig gearbeitet haben, die eingezahlt haben, die sich an die Gesetze halten, die sind nicht schuld – logischerweise –, schuld und verantwortlich waren vor allem in den letzten 20 Jahren populistische Entscheidungen, Wahlzuckerln vor jeder Wahl hier im Parlament, die das System immer weiter kaputt gemacht haben. Diese Reformresistenz war dafür verantwortlich. Und ich kann Ihnen auch etwas Positives sagen: Damit ist jetzt Schluss. (👏 NEOS) Viele Menschen denken – und das würde einem ja auch der Hausverstand irgendwie so sagen –, das Pensionssystem funktioniert vereinfacht gesagt so: Ich zahle wie auf ein Sparbuch ein und wenn ich in Pension gehen, bekomme ich das raus, was ich eingezahlt habe.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Nein!

NEOS Yannick Shetty

… Nur ist das Problem in Österreich: Aufgrund unseres Umlageverfahrens gibt es immer weniger Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, immer weniger junge Menschen, aber immer mehr ältere Menschen, Pensionistinnen und Pensionisten. Es ist ja etwas Gutes, dass wir immer länger und gesund leben, aber wenn die Situation so ist, wie ich sie gerade dargestellt habe, dann wird das dazu führen, dass für diese finanzielle Lücke jemand zahlen muss, weil die Beiträge immer niedriger, aber die Pensionszahlungen immer höher werden, und diese Lücke sind diese 30 Milliarden Euro, die wir jedes Jahr ausgeben. Nur um es in Relation zu setzen: 10 Milliarden Euro Bildungsbudget jedes Jahr, 30 Milliarden Euro nur um zuzuzahlen, damit das Pensionssystem nicht kollabiert. Das müssen wir wieder geradebiegen, diese Schieflage müssen wir beenden – und das machen wir jetzt Schritt für Schritt. Wir folgen damit dem Beispiel von Ländern wie Norwegen, Schweden oder den Niederlanden, die schon vor vielen Jahren den Kurs gewechselt haben. Übrigens sind das keine Länder, die zusammengebrochen sind. Im Gegenteil, diesen Ländern geht es in vielen Indikatoren, in vielen Fragen besser als Österreich. Diesem Kurs werden wir folgen, das ist dringend notwendig. (👏 NEOS) Diese 30 Milliarden Euro, die wir jedes Jahr aufbringen müssen, um das System zu reparieren, fehlen nämlich für Investitionen in die Bildung, für Investitionen in die Zukunft, für Investitionen in die Jugend. Ich kann sagen, dass wir in den sechs Monaten seit Antritt dieser Bundesregierung schon einige wichtige Schritte gesetzt haben und den Reformmotor angeworfen haben. Wir haben die Teilpension eingeführt, wir haben die Korridorpension reformiert und, was echt ein Gamechanger ist, wir haben einen Reformautomatismus im Gesetz verankert, der vereinfacht gesagt vorsieht: Gerät das Budget aus den Fugen, ist die Regierung verpflichtet, gesetzliche Maßnahmen zu treffen. Das wird sicherstellen, dass das Budget, dass das Pensionssystem wieder auf Kurs kommen. Was wir heute mit der Pensionsanpassung für 2026 beschließen werden, ist auch ein klares Signal an die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, an alle Menschen in Österreich, dass wir nach Jahren – Kollege Klubobmann Wöginger hat es gesagt, nach Jahren – der Anpassung über der Inflation dieses Jahr im Sinne des Budgets und im Sinne des Gesamtzusammenhangs in Österreich einen Kurswechsel einleiten. Und ja, ich sage auch, das war nicht Teil des Regierungsprogramms, aber wir haben uns in dieser Koalition an den Tisch gesetzt, um jetzt – das ist ja auch der Titel des Regierungsprogramms – das Richtige zu tun und zu überlegen, wo wir nachschärfen müssen. Das ist ein Ausdruck dessen. Das haben wir in zwei Bereichen gemacht, nämlich einerseits bei der Anpassung der Pensionen, die nicht Teil des Regierungsprogramms waren, und bei dem Aufschnüren des Beamtenabschlusses. Etwas auch in die Richtung des hier anwesenden ehemaligen Beamtenministers gesagt …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Es gibt keinen Beamtenminister! Wann wirst du das lernen?

NEOS Yannick Shetty

… Absolut unverantwortlich zu der Zeit war, dass Sie 3,3 Prozent für den Staatsdienst abgeschlossen haben, wohingegen die Privatwirtschaft, die Metallindustrie, deren Gewerkschaften jetzt bei 1,4 Prozent für 2026 abschließen.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Vierparteienbeschluss!

NEOS Yannick Shetty

… Unverantwortlich! Wir schnüren das wieder auf, das war für das Budget dringend notwendig. (👏 NEOS) Es war auch eine Frage der Gerechtigkeit, weil – so sehr wir den größten Respekt vor Menschen haben, die im Staatsdienst arbeiten und die einen essenziellen Beitrag dazu leisten, dass dieses Land funktioniert – es unverantwortlich wäre, zu sagen, dass sich jene Menschen, die im Handel arbeiten, jene Menschen, die in der Industrie arbeiten, jene Menschen, die in jenen Bereich arbeiten, in denen ihr Job gefährdet ist, mit 1 Prozent zufriedengeben müssen, während wir dort, wo der Job nicht gefährdet ist, im Staatsdienst, 3,3 Prozent raufschnalzen. Das ist nicht fair und nicht gerecht und das haben wir rückgängig gemacht, Herr Kogler. (👏 NEOS) Wie sieht jetzt diese Regelung aus, die wir heute im Bereich der Pensionen beschließen? – Pensionen bis 2 500 Euro werden nicht über der Inflation erhöht, sondern um 2,7 Prozent, Pensionen darüber, über 2 500 Euro, werden um einem Fixbetrag von 67,5 Euro erhöht und wir stellen eine Stopptafel für sogenannte Luxuspensionisten auf. Und wir werden sehr genau darauf schauen, wie die FPÖ hier heute abstimmen wird, weil sie im Ausschuss noch dagegen war. – Dort haben Sie dagegengestimmt, obwohl Sie in der Vergangenheit immer dafür waren, dass wir bei den Luxuspensionisten eine Grenze einziehen. Sie haben im Ausschuss sogar gegen unseren Antrag argumentiert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was?

NEOS Yannick Shetty

… Umso zufriedenstellender ist, dass Sie vielleicht diesen Konflikt jetzt beigelegt haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir waren ja gar nicht im Ausschuss! Wir waren ja gar nicht dabei!

NEOS Yannick Shetty

… und heute sagen: Ja, bei Luxuspensionisten müssen wir eine Grenze einziehen. Da geht es nämlich nicht um 2 000 Euro Pension, da geht es nicht um 3 000 Euro Pension, sondern da geht es um 6 000, 7 000, 10 000 Euro Pension für Spitzenbeamte, Kammerfunktionäre, Ex-Nationalbanker. Niemand kann einsehen, warum wir dort die Pensionen weiter raufbringen, wenn alle den Gürtel enger schnallen müssen. Wir werden sehr genau darauf schauen, wie die FPÖ sich heute hier verhalten wird.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, ja, Linientreue ist auch in anderen Dingen gefragt! Da hat die NEOS-Partie auch schon andere Einschätzungen bei Gerichtsurteilen ...!

NEOS Yannick Shetty

… Aber, Herr Kickl, wir begrüßen es, wenn Sie Ihre Meinung geändert haben. Wir haben uns ja schon seit einer Woche, seit der letzten Ausschusssitzung, gefragt, warum die FPÖ jetzt dagegenstimmt. Wir haben ja Anträge von Ihnen, von Kollegin Belakowitsch, in denen Sie genau das fordern. Es gibt zwei Optionen: entweder immer nur Nein, Nein, Nein, immer gegen alles sein oder vielleicht deshalb, weil man jetzt selber in Oberösterreich, in Salzburg, in der Steiermark – wie würden Sie sagen? – Teil des Systems geworden ist. Aber wenn es hier vonseiten der FPÖ einen Kurswechsel gibt, dann begrüßen wir das ausdrücklich. (👏 NEOS) Also ich werbe hier abschießend um Ihre Zustimmung zu diesem Paket, das wir heute hier beschließen. Es ist auf den ersten Blick sicher nicht das Populäre, aber es ist das Richtige. Wir werden damit niedrige und mittlere Pensionen erhöhen, wir werden höhere Pensionen niedriger anpassen und Luxuspensionen werden wir kappen. Das ist ein faires Paket, bitte stimmen Sie dem heute zu! (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet. – Bitte.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke, Frau Präsidentin. – Herr Abgeordneter Shetty hat hier heraußen behauptet, wir als Freiheitliche hätten im Ausschuss gegen die Luxuspensionen argumentiert. Das ist unrichtig. Wir haben wohl dagegengestimmt, das war richtig, aber wir haben mit der Begründung dagegengestimmt, dass es sich um eine Zweidrittelmaterie handelt und niemand mit uns davor gesprochen hat. (👏 FPÖ) 13.28

PräsidiumDoris Bures

Na ja, die Aussage: Man hat dagegengestimmt°-°- (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nein! Dagegen argumentiert! Dagegen argumentiert haben wir nicht!) – Die Berichtigung war jetzt sozusagen die Begründung, aber ich nehme das trotz der Geschäftsordnung in den Händen einmal so zur Kenntnis. (Abg. Krainer [SPÖ]: Eine tatsächliche Bestätigung! Man könnte auch Geständnis dazu sagen!) Nun hat sich Frau Bundesministerin Korinna Schumann zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Ministerin. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Eure Außenministerin sagt, sie soll auf kein Fußballmatch mehr gehen, weil: Ich will nicht wieder verlieren! – Bundesministerin Schumann: Na passt!)

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir sprechen seit circa einer halben Stunde über Pensionen, und wenn wir über Pensionen sprechen, dann müssen wir natürlich – und ich stehe hier als Frauensprecherin – auch über jenen Preis sprechen, den Frauen jeden Tag für unbezahlte Arbeit, die sie verrichten, für Teilzeitarbeit, für die Kinderbetreuung, die sie übernehmen, für die Pflege, die sie übernehmen, und auch für die Lücken, die ihnen ein System seit Jahrzehnten vorsetzt, bezahlen. Die Zahlen haben wir heute noch nicht genannt, ich rufe sie uns in Erinnerung, ich muss das leider tun: Frauen haben um 40 Prozent weniger Pension als Männer; gesamt ergibt das über ein gesamtes Pensionsleben gerechnet einen Verlust von circa 204 000 Euro. Eine aktuelle Studie der Caritas zeigt: Jede dritte Frau in Österreich ist armutsgefährdet. Jede dritte Frau in Österreich. Das sind nicht irgendwelche abstrakten Zahlen auf Papier, das sind unsere Mütter, unsere Tanten, unsere Großmütter; das sind Frauen, die vielleicht heute hier auf der Galerie sitzen und diese Debatte verfolgen, oder die uns gerade vor dem Fernseher bei dieser Debatte zuschauen; das sind Frauen, die Großartiges und viel geleistet haben und viel zu oft in der Altersarmut landen, weil das System sie kleinrechnet. Die Armut von Frauen ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, und ja, dahinter liegt ein Muster. Erinnern wir uns beispielsweise an einen ehemaligen ÖVP-Minister und späteren Bundeskanzler, der ein Bundesland aufhetzen wollte, um den Ausbau von Kinderbetreuung aufzuhalten; erinnern wir uns an eine Debatte in diesem Sommer, als ein ÖVP-Minister Frauen Lifestyleteilzeit vorgeworfen hat und versucht hat, Frauen zu beschämen. Da frage ich mich: Wie ignorant und wie respektlos kann Mann Frauen gegenüber sein? (👏) Schauen wir ganz aktuell in das Bundesland Salzburg, wo die dortige Landesregierung jetzt die Kinderbetreuung kürzt, gleichzeitig aber in den vergangenen zwei Jahren 6,6 Millionen Euro aus Bundesmitteln zum Ausbau der Kinderbetreuung nicht abgeholt hat.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Die können aber auch in den nächsten Jahren noch abgeholt werden! Wie kann man eine Geschichte so verbiegen?

GRÜNE Meri Disoski

… Das heißt, sie haben Geld liegengelassen, gleichzeitig kürzen Sie beim Ausbau der Kinderbetreuung, statt Frauen echte Wahlfreiheit zu geben. Das ist alles kein Zufall, das ist politisch gewollt, das ist auch ideologisch gewollt, Frauen sollen offenbar abhängig bleiben. Wir Grüne wollen das ganz anders, deswegen haben wir als Teil der letzten Bundesregierung eine Vielzahl an Maßnahmen im Kampf gegen die geschlechtsspezifische Pensionslücke gesetzt, beispielsweise haben wir mehrere Milliarden Euro in den österreichweiten Ausbau der Kinderbetreuung investiert, wir haben – Sie erinnern sich – aus der Hacklerregelung, die ein Männerbevorzugungsprogramm war, den sogenannten Frühstarter:innenbonus gemacht, von dem vor allem Frauen profitieren. (👏) Wir haben eine große Pflegereform umgesetzt, die bessere Gehälter für jene, die in der Pflege arbeiten – 80 Prozent davon sind Frauen –, mit sich gebracht hat, und wir haben – darauf sind wir sehr stolz – die Mindestpensionen über die Inflation hinaus erhöht, um ein Abrutschen in Armut zu verhindern. (👏) Ja, wir stimmen heute der Pensionsanpassung zu, vor allem, weil niedrige und mittlere Pensionen und damit vor allem Frauenpensionen die volle Inflationsabgeltung bekommen. Wir sagen aber auch ganz klar – und Kollege Koza hat das auch schon gemacht –: Das reicht uns nicht. Wir brauchen einen gerechten Beitrag bei den Luxuspensionen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Jawohl!

GRÜNE Meri Disoski

… einen Beitrag der oberen Zehntausend, einen Beitrag der viel beschworenen starken Schultern. Der fehlt uns. (👏) Wir brauchen außerdem endlich gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit von Frauen und einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, denn dieser Pensionsgap, von dem ich hier spreche, die geschlechtsspezifische Pensionslücke entsteht nicht erst im Alter, nicht erst in der Pension, sondern ab dem ersten Arbeitstag, bei der ersten Gehaltsverhandlung und in der ersten Schwangerschaft. Der Befund liegt am Tisch, die Ungleichheit ist messbar, die Ursachen sind bekannt, aber die Bundesregierung tut nichts dagegen. Wo bleibt denn die so dringende Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie? Wo bleibt denn der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr? Das waren beides Gassenhauer im SPÖ-Wahlkampf. – Nichts, man sieht nichts davon. Sehr geschätzte Vertreterinnen und Vertreter der Regierungsparteien und geschätzte Frau Ministerin, auch in Zeiten der Budgetkonsolidierung gilt: Wofür eine Regierung Geld ausgibt oder auch nicht, ist immer eine Frage der politischen Prioritätensetzung. (👏) Das ist immer eine Frage der politischen Prioritätensetzung, und da komme ich nicht umhin, festzuhalten: Frauen haben einfach für diese Bundesregierung keine Priorität. Diese Regierung spart dort, wo es Frauen besonders hart trifft, und das wohlgemerkt mit der SPÖ in der Bundesregierung: automatische Inflationsanpassung von Familien- und Sozialleistungen gestrichen, Klimabonus gestrichen. Das trifft vor allem Alleinerzieherinnen besonders hart. Gibt es aber wenigstens mit sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung mehr Geld für Frauenpolitik, wenigstens das? – Nein, leider Fehlanzeige. Milliarden Euro fließen aber in Beton, in Asphalt, in Autobahnen. Es werden mehrspurige Straßen aus Asphalt gebaut, und riesengroße Schlaglöcher in der Gerechtigkeit und Gleichstellung bleiben über. Das ist die Politik dieser Bundesregierung. ( Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von SPÖ und Grünen. ) – Unser Weg als Grüne ist ein anderer: Wir setzen auf gleiche Chancen, auf gleiche Löhne. Ja, ich verstehe die Aufregung im SPÖ-Sektor. Mir wäre es auch peinlich, wenn ich das jetzt hier wie einen Spiegel vorgehalten bekommen würde. Unser Weg als Grüne ist aber ein anderer. Wir setzen auf faire Chancen, gleiche Löhne, faire Pensionen, auf eine Gesellschaft die Frauen nicht kleinrechnet, sondern ihre Leistungen anerkennt, auch finanziell. Kollege Shetty ist jetzt leider nicht mehr da, aber vielleicht können das die Kolleg:innen von den NEOS ihm noch mitgeben: Ich will ihm sehr, sehr entschieden widersprechen. Er hat davon gesprochen, dass das Geld, mit dem Pensionen finanziert werden, verpuffe und plötzlich futsch sei. Dieses Geld ist aber nicht futsch, sondern es ermöglicht Menschen, Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet, gepflegt und erzogen haben, das, was sie verdienen, nämlich ein Leben in Würde. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Verena Nussbaum zu Wort. – Bitte.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, Kollegin Disoski, ihr habt uns leere Kassen hinterlassen. Die Frauenministerin hat es geschafft, dass das Budget für 2026 nicht reduziert wird, und die Bundesregierung ist seit sieben Monaten im Amt und hat sehr viel in der Pipeline, auch was Frauenvorhaben betrifft. Ich erwähne nur den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen. (👏 SPÖ) Und mir fällt jetzt auf die Schnelle gar nichts ein, was in diesem Haus in der letzten Legislaturperiode Großartiges für Frauen geschehen ist. Kommen wir aber wieder auf die Pensionen zurück! Wir wissen, mehr als 2,3 Millionen Menschen beziehen in Österreich eine Pension. Die Durchschnittspension beträgt bei Männern 2 238 Euro, bei Frauen leider nur 1 557 Euro. Mit der Erhöhung entsprechend der rollierenden Inflation – und Lerneffekt für die FPÖ: es wird die rollierende Inflation herangezogen, Kollege Wurm, und nicht irgend eine Rosinenpickerei gemacht, indem man irgendeine Inflationszahl von einem Monat herausnimmt – ergeben sich eben 2,7 Prozent. Wir freuen uns, dass eben aufgrund der Durchschnittspensionen die es in Österreich gibt, mehr als 1 650 000 Menschen von der vollen Erhöhung profitieren, und die Pensionistinnen und Pensionisten mit über 2 500 Euro Pension gehen mit 67,50 Euro pro Monat, nachhaltig, auch nicht leer aus. Schön ist es auch, dass jetzt die FPÖ und auch die Grünen signalisiert haben, dass sie der Anpassung von 67,50 Euro für die sogenannten Luxuspensionen zustimmen werden. In den Zeiten, als die FPÖ in Regierung war, hat man eigentlich nie irgendwelche Vorschläge gesehen, die Luxuspensionen irgendwie zu ändern.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Da waren Sie nicht im Haus, Frau Kollegin! Deshalb wahrscheinlich!

SPÖ Verena Nussbaum

… Na ja, ich habe mich darüber informiert. Es hat mir niemand sagen können, dass da etwas ist.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wo haben Sie sich informiert? Wo haben Sie sich informiert? Wo? Wo?

SPÖ Verena Nussbaum

… Tatsache ist, dass bei uns in der Regierung aktive Politik gegen die Teuerung auf der Tagesordnung steht. ( Rufe bei der FPÖ: Wo? ) Ich möchte da noch einmal auf die Entlastungsmaßnahmen im Gesundheitsbereich hinweisen, die wir bereits beschlossen haben und die vor allem ein Vorteil für Pensionistinnen und Pensionisten sind, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter von schlechter Gesundheit betroffen sind. Ich möchte da den neu eingeführten Medikamentenkostendeckel von maximal 2 Prozent des Nettojahreseinkommens erwähnen, der nun alle verschriebenen Medikamente betrifft. Die Rezeptgebühr wird 2026 nicht erhöht werden, das Pflegegeld wird jedoch sehr wohl valorisiert werden, ja. (👏 SPÖ) Im Sommer wurden auch schon der Mietpreisstopp 2025 und die Mietpreisbremse von maximal 1 Prozent für alle regulierten Mieten umgesetzt. Weitere Maßnahmen gegen die Teuerung im Bereich Wohnen und der Kampf gegen hohe Lebensmittelpreise sind bereits in Vorbereitung. Im Sommer sind Stimmen laut geworden, die überhaupt keine Erhöhungen für Pensionisten gefordert haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo waren die Stimmen?

SPÖ Verena Nussbaum

… Wir haben jedoch sehr wohl erreicht, dass Pensionen bis 2 500 Euro mit 2,7 Prozent die volle Inflationsabgeltung bekommen. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Andrea Michaela Schartel zu Wort.

FPÖ Andrea Michaela Schartel

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Frau Kollegin Nussbaum, sich da jetzt herauszustellen und zu sagen, was Sie nicht alles Tolles für die Pensionisten im Gesundheitswesen und bei den Krankenkassen gemacht haben: Ich meine, das ist ja wirklich sehr, sehr mutig. Mut kann man anscheinend nicht kaufen. Darf ich Sie daran erinnern: 1.6.2025: Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Danke, Herbert! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… 1.7.2025: Einführung des Selbstbehalts für Krankentransporte, ja; 1.11.2025: E-Card-Gebühr-Einführung. Aber: Wir tun ja so viel für die Pensionisten! – Nein, ihr macht es eben nicht. Und was das Ganze wirklich ist – und das finde ich beschämend und skandalös –: Jetzt haben wir ein halbes Jahr eine Regierung, eine sozialdemokratische Sozialministerin, bei der man annimmt, sie stellt sich schützend gerade vor die Arbeitnehmer, gerade vor die Pensionisten, vor jene Gruppe, der wir zu verdanken haben, dass wir überhaupt darüber nachdenken können, was Wohlstand war, die unter Entbehrungen und mit Fleiß dieses Land wieder aufgebaut haben. Und was macht ihr in sechs Monaten Regierung? – Ihr nehmt den Menschen nur die Dinge weg, ihr beschneidet die Arbeitnehmer, die Pensionisten, wo ihr nur könnt. Das kann man sich nicht schönreden. 4,1 Prozent derzeitige echte Inflation sind 4,1 Prozent. Und einem Pensionisten hilft es nichts, wenn Sie ihm erklären, es geht um eine Anpassung an die rollierende Inflation. Der spürt, dass er weniger Geld hat. Krankenversicherungsbeitragserhöhung, E-Card-Gebühr-Einführung, Selbstbehalt bei Krankentransporten, und Sie stellen sich her und sagen: Meine Güte, was wir nicht alles Positives für die Pensionisten tun! – Also das glaubt man ja nicht. So, und weil Sie anscheinend wirklich das Bewusstsein für sehr, sehr viele Dinge verloren haben, habe ich mir die Mühe gemacht, zu schauen: Was hat eigentlich die SPÖ seinerzeit, vor den Nationalratswahlen, nicht alles gerade für unsere Pensionisten versprochen? Und da habe ich zum Beispiel entdeckt: „Gesetzliches Pensionssystem in die Verfassung!“ „Um das staatliche Pensionssystem besser vor Eingriffen zu schützen, fordern wir, dass die Grundsätze unserer solidarischen Pflichtversicherung in Verfassungsrang gehoben werden.“ Jetzt wollen Sie davon nichts mehr wissen. Es gibt eine gesetzlich vereinbarte Anpassung, aber die SPÖ sagt: Nein, aber nicht für alle! – Jene, die mehr einbezahlt haben, müssen jetzt halt damit leben, dass sie das, worauf sie seinerzeit vertraut haben, nicht mehr vom Staat zurückbekommen. Herr Wöginger ist nicht da, Herr Shetty ist nicht da. Der hat ja heute schon wieder eine Unwahrheit gesagt. Der hat gesagt, Sie können sich darauf verlassen, dass Sie jeden Cent, den Sie in die Pension, auf das Pensionskonto, einzahlen, dann auch wieder herausbekommen. Der weiß nicht, wie die Pensionen bei uns berechnet werden. Jeder, der jetzt Pensionsbeiträge zahlt, stellt sie den Pensionsversicherungsanstalten zur Auszahlung der aktuellen Pensionen zur Verfügung. Wir wissen alle, es gibt eine Grundlage, einen Umrechnungsfaktor, eine Teilgutschrift. Wenn jemand 1 000 Euro verdient, sind davon 228 Euro Arbeitgeber-/Arbeitnehmeranteil, und auf dem Pensionskonto werden 178 Euro gutgeschrieben. Also dass man jeden Cent, den man da einzahlt, wieder herausbekommt, stimmt leider auch nicht. – Sie brauchen nicht so groß zu schauen, sehen Sie auf den Pensionsrechner bei der SVS! Da können Sie es nachlesen. (👏 FPÖ) Und Sie sagen immer, dass wir eigentlich diejenigen sind, die die Menschen verunsichern. (👏 SPÖ, NEOS) – Das stimmt nicht, nein. Wir sagen den Menschen die Wahrheit. Und was Sie machen, ist, die Menschen zu verunsichern. Was bekommen zum Beispiel viele, viele junge Menschen jetzt mit? – Dass man sich auf Dinge, die immer Gültigkeit hatten, auf den Vertrauensgrundsatz, nicht mehr verlassen kann, weil wir leider momentan Politiker haben, denen die Wahrheit vollkommen wurscht ist, koste es, was es wolle …

ÖVP Kühberger (Zwischenruf)

Es sind aber genau die ..., denen sie wurscht ist, die Wahrheit, genau die Freiheitlichen, die ...!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… und die nur auf das Eigene bedacht sind. Das finde ich wirklich sehr traurig. Frau Minister, wir haben zusammen im Bundesrat gemeinsam wirklich Seite an Seite gekämpft. Ich kann mich erinnern, im Jahr 2024 haben Sie einen Antrag zum Pensionssystem gestellt. Jetzt sind Sie in der Verantwortung und machen in Wirklichkeit das Gegenteil. Das hat sich unsere ältere Bevölkerung absolut nicht verdient! (👏 FPÖ) Deshalb muss ich Ihnen eines sagen: Vielleicht sollte man sich, auch wenn man in Regierungsverantwortung ist, wieder auf seine eigenen Werte besinnen. Vielleicht sollte man auch einmal darüber nachdenken, warum die Menschen Ihnen nicht mehr folgen können. Es geht nämlich darum – erklären Sie das jemandem –: Warum war eine Ihrer ersten Handlungen, dass wir als Staat die Krankenversicherungsbeiträge für Ukrainer bezahlen müssen? Ein paar Monate später erhöhen Sie die Krankenversicherungsbeiträge der österreichischen Pensionisten. Warum, zum Beispiel, gibt es bei uns Menschen, die eigentlich fürs Nichtstun 9 000 Euro – der spezielle Fall – als Mindestsicherung erhalten, aber Sie gewähren den Pensionisten die normale Anpassung nicht? Das sind die Dinge, die keiner versteht.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

... sparen!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Natürlich muss gespart werden, aber nicht immer nur an unserer Bevölkerung und an der so, so wertvollen und geschätzten älteren Generation. Damit muss jetzt endlich einmal Schluss sein. (👏 FPÖ) Wissen Sie, es ist sehr, sehr viel Vertrauen zerstört. Österreich braucht …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Einen Volkskanzler!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… damit es wirklich wieder eine gute Chance hat und wir in die Zukunft blicken können …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Volkskanzler!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Politiker, die einfach ehrlich sind, die wirklich im Interesse der Menschen, der Bevölkerung handeln, und die nicht mehr oder minder nur jene bestrafen, die dieses Land aufgebaut haben. Deshalb – Sie werden es nicht hören wollen – brauchen wir einen Volkskanzler Herbert Kickl .

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Heike Eder zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Heike Eder

Danke, Frau Präsidentin! Liebe Frau Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier auf der Galerie und zu Hause! Liebe Kollegin Schartel, wir kennen uns ja schon eine längere Zeit, schon aus dem Bundesrat. Ich würde Ihnen wirklich gerne einmal recht geben, aber wenn ich das täte, dann hätten wir einfach beide unrecht ( Heiterkeit bei ÖVP, SPÖ und Grünen ) und deswegen komme ich lieber zur Tagesordnung zurück. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Wenn meine Oma einkaufen geht, dann rechnet sie mit, jede einzelne Woche.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Rechnet sie auch noch in Schilling um? – Heiterkeit der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

ÖVP Heike Eder

… Sie lebt bescheiden, wie viele ältere Menschen in Österreich, aber sie hat zeit ihres Lebens gearbeitet, sie hat gespart und sie hat ihre Kinder großgezogen und so mit ihrem Fleiß maßgeblich auch zum Wohlstand unserer Republik beigetragen. Genau diesen Menschen wollen wir auch weiterhin Sicherheit gewähren. Darum werden wir mit 1.1.2026 die Pensionen bis 2 500 Euro brutto mit dem gesetzlichen Pensionsanpassungsfaktor von 2,7 Prozent und alle Pensionen über 2 500 Euro brutto mit dem Fixbetrag von 57,50 Euro erhöhen. Von dieser Erhöhung um 2,7 Prozent sind über 70 Prozent aller Pensionistinnen und Pensionisten betroffen, meine Damen und Herren! Ganz unbestritten waren die letzten Jahre herausfordernd und schwierig: hohe Mieten, hohe Lebensmittelkosten, hohe Energiepreise. Die Pensionen sind in den letzten drei Jahren um 20,1 Prozent gestiegen – im Vergleich dazu: die Gehälter in der Metallbranche beispielsweise um 20 Prozent, im Handel um 19 Prozent. Das heißt, meine Damen und Herren, die Pensionen sind in den letzten drei Jahren stärker gestiegen als die Gehälter und Löhne der größten Beschäftigungsgruppen in Österreich – und auch über der Inflation. (👏 ÖVP, NEOS) Gerade deshalb, meine Damen und Herren, braucht es Maß und Verantwortung. Wir wollen, dass die ältere Generation sicher leben kann, aber wir müssen auch auf die junge Generation schauen, die heute arbeitet, die heute Kinder erzieht und die auch das System in der Zukunft trägt (👏 ÖVP, NEOS), denn Generationengerechtigkeit heißt auch: Wir tragen Verantwortung füreinander, sowohl jung als auch alt. Nun noch kurz zur Kritik der FPÖ: Ihr empört euch ja maßgeblich darüber, dass die hohen Pensionen nur mit einem Fixbetrag angepasst wurden und nicht mit dem Anpassungsfaktor.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Mit 2 500 Euro brutto sind sie nicht hoch!

ÖVP Heike Eder

… Jetzt möchte ich euch schon noch daran erinnern: 2019, als ihr auch in Regierungsbeteiligung wart, war es eine ähnliche Situation. Auch da war es so – wie im Übrigen schon viele Jahre Gepflogenheit –, dass die hohen Pensionen mit einem Fixbetrag angepasst wurden. Damals habt ihr es als sozial gerechtfertigt definiert. Sie, Frau Belakowitsch, haben das damals auch so gesagt. Heute ist es eine andere Situation, heute ist es ein absoluter Skandal. Es ist also ganz offensichtlich: Der Standort bestimmt halt einfach den Standpunkt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ein neuer Obmann!

ÖVP Heike Eder

… Wenn wir schon über soziale Gerechtigkeit sprechen, dann möchte ich schon auch über die abschlagsfreie Hacklerregelung reden, die ihr so lautstark fordert und unbedingt wieder einführen möchtet. Ich möchte schon dazusagen, dass es ja auch legitim ist, wenn man Pensionistinnen und Pensionisten unterstützen muss, man dann aber auch ehrlich sein muss: Es ist nicht so, dass das Geld vom Himmel fällt, sondern es ist eine Umverteilung.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Na, das wissen wir! Wir wissen das!

ÖVP Heike Eder

… Das heißt, wenn man es irgendwo hingibt, muss es irgendwo anders weggenommen werden …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau!

ÖVP Heike Eder

… und das geht auf Kosten der jetzigen und zukünftigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die diese Leistungen auch zahlen müssen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Geld wird in Koffern getragen bei der FPÖ!

ÖVP Heike Eder

… Dann schauen wir uns an, wer die Profiteure der abschlagsfreien Hacklerregelung waren. Das war nämlich eine relativ kleine Gruppe …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau!

ÖVP Heike Eder

… 7 000 Anspruchsberechtigte jährlich, fast ausschließlich Männer, mit einer überdurchschnittlich hohen Pension.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Also die Wahrscheinlichkeit eines schwarzen oder roten Parteibuchs!

ÖVP Heike Eder

… Jetzt frage ich Sie schon, liebe FPÖ: Ist das fair für Sie, ist das sozial gerechtfertigt oder ist es eventuell einfach zukunftsvergessen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ich erkläre es Ihnen gern, Frau Kollegin!

ÖVP Heike Eder

… weil Sie die nächsten Generationen für den heutigen Applaus bezahlen lassen? …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ich erklär es Ihnen gern!

ÖVP Heike Eder

… Meine Damen und Herren, die Pensionsanpassung 2026 schützt die Kaufkraft der älteren Generationen – mit einem Blick auf das Budget. Wir werden die niedrigeren Pensionen erhöhen, die höheren Pensionen werden geringer angepasst und Luxuspensionen werden gekappt. – Danke schön. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alexander Petschnig .

FPÖ Alexander Petschnig

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren ja recht lebhaft über das Pensionsanpassungsgesetz, dem schon seit Wochen einiger medialer Ärger vorausgegangen ist, weil es nämlich nach den Erhöhungen der Sozialversicherungsbeiträge vor einigen Monaten – wir haben es ja vorher gehört – in diesem Jahr bereits der zweite Griff in die Taschen der Pensionisten ist, den diese Bundesregierung vornimmt. Es ist auch das Wording recht interessant. Wenn man sich das ein bisschen auf der Zunge zergehen lässt – 2,7 Prozent volle Abgeltung, das ist halt die Frage. Bei einer Inflation von 4 oder 4,1 Prozent, was bekanntlich größer ist als 2,7 – ich hoffe, wir müssen dafür keinen mathematischen Nachweis bringen –, ist diese natürlich nicht abgegolten, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass diese Indizes ja am Bruttoinlandsprodukt gemessen werden. Der Pensionistenindex – Sie wissen es, die haben da bestimmte Dinge vom Warenkorb, die sie regelmäßig beziehen – ist ja noch höher: Von 6, 7, 8 Prozent war vorhin die Rede. Das kommt, glaube ich, hin. Insofern sind wir von der vollen Abgeltung ja noch weiter weg. Frau Kollegin Eder: Das mit dem Sockelbetrag ist schon in Ordnung, es ist halt die Frage, wie hoch der Sockel ist. Wenn man schon unterhalb der vollen Abgeltung ansetzt und dann mit dem Sockelbetrag noch weiter darunter bleibt, dann haben wir natürlich ein gewisses Problem damit.

ÖVP Eder (Zwischenruf)

Wie war das mit dem ...?

FPÖ Alexander Petschnig

… Interessant ist auch – das hört man lustigerweise eher aus den Reihen der SPÖ oder liest man nachher aus den Reihen der SPÖ –: Na ja, es wird ja nicht gekürzt, es wird ja eh erhöht, es kriegt ja eh jeder mehr. Ja eh, man kann sich halt nur weniger darum kaufen. Das Ganze nennt sich Realeinkommensverlust und ist natürlich genauso abzulehnen. Die Österreicherinnen und Österreicher sehen – als zweiten Punkt – natürlich, dass sich Leistung nicht lohnt. Eine Pension von 2 500 Euro brutto – bitte, da sind wir von Luxuspensionen aber weit weg. Da sollte man auch wirklich einmal die Zahlen ein bisschen genauer auf sich wirken lassen. Andererseits treffen wir damit natürlich Leistungsträgerinnen und Leistungsträger der vergangenen Jahre: Einzelunternehmer, Kleinunternehmer, Arbeitnehmer:innen, viele davon, vielleicht auch die in der vorigen Debatte bereits erwähnten Kellnerinnen und Kellner, die sich in ihrem Berufsleben entsprechend eingebracht haben. Sie alle kommen jetzt zum Handkuss. Da sieht man auch, das ist der dritte Punkt, dass Versprechungen von Bundesregierungen und insbesondere von der SPÖ – wie man es halt im Wahlkampf immer wieder vor sich herträgt: Pensionen wären angeblich eben sicher – nicht wirklich etwas wert sind. Man muss auch sagen, dass die Teuerung – das ist das, was die Pensionistinnen und Pensionisten ja voll trifft – vor allem von der SPÖ induziert wird. Sie sind also nicht dagegen, sondern sie fördern sie. Der Finanzminister erhöht die Steuern, die Justizministerin erhöht die Gebühren, die Stadt Wien erhöht Beiträge und Gebühren und die Sozialministerin führt eine Sparorgie durch, die Kollege Wurm vorhin in aller Breite dargelegt hat. Eine Spezies haben wir dabei aber gefunden – und das ist eine Erkenntnis, die wir gewonnen haben –: nämlich die breiten Schultern des großen Vorsitzenden. Bisher hat niemand gewusst, was damit eigentlich gemeint ist. Jetzt weiß man, was die SPÖ meint: Es sind die Pensionistinnen und Pensionisten in diesem Land. (👏 FPÖ) Interessant ist natürlich auch, wie Kollegin Belakowitsch vorhin gesagt hat: Wenn man auf der einen Seite einspart, dann braucht man das Geld für etwas anderes, und wenn man sich anschaut, wofür diese Bundesregierung Geld ausgibt, und zwar bewusst ausgibt, ist das auch interessant: Asylindustrie: 2,2 Milliarden Euro pro Jahr; NGOs, zumindest die paar, die wir bisher abgefragt haben …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Rettungsorganisationen!

FPÖ Alexander Petschnig

… 900 Millionen Euro pro Jahr; EU-Nettobeitrag: plus 1,2 Milliarden Euro pro Jahr; eine Sonderförderung Elektromobilität: 1,2 Milliarden Euro pro Jahr; Klimafetischismus, Ukrainehilfe, Nussbauern in Burkina Faso, Geldgeschenke für Islamisten in Syrien und so weiter und so fort; es ist also offensichtlich – das haben Sie damit ja klargestellt – Geld da. Man kann vielleicht sogar sagen: Es wäre genug Geld da. Es ist halt eine politische Entscheidung, wofür dieses Geld verwendet wird, und da muss man in aller Klarheit festhalten: Es ist die politische Entscheidung dieser drei Regierungsparteien, das nicht den Pensionisten zu geben, sondern es für andere Zwecke zu entfremden. Es gibt auch intern in Ihren Parteien immer wieder warnende Stimmen aus den eigenen Reihen, die wurden nicht gehört, die werden ignoriert. Was übrig bleibt, ist: Die Leistungsträger von früher werden genauso mies behandelt wie die Leistungsträger von heute. Ich kann Ihnen eines garantieren: Die Pensionistinnen und Pensionisten werden sich bei Ihnen bedanken. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Johannes Gasser .

NEOS Johannes Gasser

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Mit dem heutigen Gesetzesbeschluss, mit dem Pensionsanpassungsgesetz 2026, übernehmen wir Verantwortung – Verantwortung für alle Generationen, Verantwortung für ein Pensionssystem, das auch in Zukunft finanzierbar ist. Mit dem Beschluss stellen wir vor allem auch in den Vordergrund, dass wir Verantwortung fürs Budget für das kommende Jahr übernehmen, weil es darum geht, die Ausgaben im Griff zu halten und das Budget zu stabilisieren. Und ja, alle Gruppen müssen in einer Form einen Beitrag leisten. Zu den Ausgaben, die jetzt ständig von der FPÖ angesprochen werden: Es gibt die entsprechende Förder-Taskforce. Sie sprechen immer Ausgaben an, die 2024 stattgefunden haben. Wir werden uns genau in dieser Förder-Taskforce anschauen, dass wir diese Ausgaben in den Griff bekommen , damit eben sichergestellt ist, dass sozusagen alle einen Beitrag leisten. Wir müssen uns aufgrund dieses hohen budgetären Drucks leider natürlich auch bei den Pensionen ganz genau anschauen: Was können wir uns angesichts dessen leisten?, und vor allem: Was können wir uns auch angesichts dessen leisten, was wir uns in den letzten Jahren bei den Pensionsanpassungen immer wieder geleistet haben? Ich habe Ihnen die Übersicht mitgebracht ( eine Tafel mit der Aufschrift „Erste unterinflationäre Pensionserhöhung seit 2014“ und einem Säulendiagramm in die Höhe haltend ) – falls Sie ( in Richtung FPÖ ) sich nicht daran erinnern können; Sie haben größtenteils auch selber mitgestimmt –: Die Pensionen wurden von 2018 weg – da war, glaube ich, eine FPÖlerin Sozialministerin, wenn ich mich richtig erinnere – immer über Inflation erhöht, und das Spannende ist, sie wurden auch meistens sozial gestaffelt über Inflation erhöht. Kollege Wöginger hat es schon ausgeführt: Das waren in den letzten Jahren Erhöhungen von über 20 Prozent. Ich danke auch Kollegin Eder, die ausgeführt hat, dass die Erhöhungen bei den Pensionen in den letzten Jahren immer wieder auch höher waren, als wir es aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, der da war, bei den Beschäftigtenlohnerhöhungen machen konnten. Wenn nun im nächsten Jahr die Pensionserhöhung im Durchschnitt minimal unter der Inflation sein wird – man sieht es fast gar nicht! –, dann ist das, glaube ich, angesichts dessen, was wir in den letzten Jahren gesehen haben, durchaus verkraftbar, und es ist auch gut, dass wir da entsprechend einlenken. (👏 NEOS) Das ist nämlich kein Kahlschlag, es ist kein Pensionsraub; es ist ein Ausgleich dessen, was wir in den letzten Jahren erlebt haben. Da ist es auch gut, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie die Pensionsanpassungen immer wieder gemacht werden: Es wird die rollierende Inflation des letzten Jahres angeschaut – wie hoch denn die Inflation im letzten Jahr war –, die Pensionserhöhung ist dann dem entsprechend; und vielleicht, wenn hier kritisiert wird, aktuell, im September sei die Inflation 4 Prozent gewesen, kann es dann sein, dass halt nächstes Jahr die Pensionsanpassung höher sein wird. Wir als Bundesregierung haben uns aber zum Ziel gesetzt, die Inflation auf 2 Prozent zu senken …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

In welchem Zeitrahmen? Aber in welchem Zeitrahmen wollt ihr es senken?

NEOS Johannes Gasser

… und dementsprechend keine Pensionsanpassung von 4 Prozent notwendig zu machen, weil dann auch die Inflation im kommenden Jahr nicht 4 Prozent im Durchschnitt betragen haben wird. Mit dem heutigen Vorschlag entlasten wir das Budget fürs kommende Jahr um 350 Millionen Euro. Das hat natürlich auch Folgeeffekte für die kommenden Jahre. Das sind Einsparungen, die uns helfen, im Umfang von 1,4 Milliarden Euro, Geld, das wir in dieser Legislaturperiode brauchen, um das Budget zu sanieren, Spielräume für Zukunftsinvestitionen zu schaffen. Uns NEOS war dabei natürlich auch wichtig, die Treffsicherheit herzustellen. Ja, da kommen natürlich bei den Verhandlungen verschiedene Positionen zusammen, aber ich glaube, es ist uns ein guter Weg gelungen, indem wir über 70 Prozent der Pensionen mit der vollen Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent erhöhen, ab 2 500 Euro einen Fixbetrag von 67,50 Euro schaffen und damit auch sicherstellen, dass beispielsweise bis zur ASVG-Höchstpension – das sind Pensionen in Höhe von ungefähr 4 500 Euro – eine Inflationsabgeltung von 1,5 Prozent erfolgt. Wer wird den größten Beitrag leisten, wer wird es am meisten spüren? – Es werden die Luxuspensionistinnen und -pensionisten sein, bei denen 67,50 Euro natürlich keinen so hohen Beitrag ausmachen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Manche spüren das gar nicht, Herr Kollege!

NEOS Johannes Gasser

… Wie stellen wir das sicher? – Indem wir eben mit der Verfassungsbestimmung – da bedanke ich mich auch für die Zweidrittelmehrheit – die Luxuspensionen miteinbeziehen und das gesamte Pensionseinkommen anschauen können. Es ist nämlich oft der Fall, dass eine Person nicht nur eine – niedrige – Pension, sondern mehrere mittlere bezieht. Deshalb ist es nur gerecht, dass beispielsweise der Beamte, der eine relativ hohe Pension bekommt und daneben noch selbstständig tätig war, nicht für beide Tätigkeiten die sozusagen normale Pensionsanpassung bekommt, sondern die Pensionen zusammengezählt werden und das Gesamtpensionseinkommen zählt. Eine Sache ist mir noch wichtig: die soziale Staffelung, die es gibt. Das ist natürlich nichts, was wir als Dauerleistung machen können. Es ist in den letzten Jahren immer wieder passiert, dass wir die Pensionen unterschiedlich erhöht haben. Ich mache keinen Hehl daraus, dass das aus unserer Sicht kein Dauerinstrument sein kann, weil natürlich das, was ich einbezahlt habe und dann schlussendlich als Pension bekomme, und die Pensionsanpassung unterschiedlich sind und nicht mehr in einem entsprechenden Verhältnis stehen. Das sagen nicht nur wir NEOS, es sagen inzwischen auch Verfassungsrechtler, dass man da wirklich aufpassen muss. Wir werden auf jeden Fall darauf schauen, und wir wollen vor allem eines sicherstellen – ich glaube, es ist ganz wichtig, das an den Schluss zu stellen –: Wir wollen sicherstellen, dass wir in den nächsten Jahren vielleicht gar keine Pensionsanpassungsgesetze mehr im Parlament beschließen müssen, denn eigentlich gibt es einen Automatismus, wie die Pensionen angepasst gehören, nämlich eben mit der rollierenden Inflation. Das wäre das, worauf wir vertrauen können sollten. Dafür müssen wir natürlich auch sicherstellen, dass die Finanzierbarkeit der ersten Säule, der staatlichen Säule, sichergestellt ist, dass das nachhaltig gesichert ist und wir dementsprechend diese Abgeltung immer machen können. Wir wissen aber auch, dass wir, wenn es darum geht, Pensionen für die Zukunft abzusichern, die Leistungsfähigkeit der ersten Säule auch aufgrund längerer Durchrechnungszeiträume vielleicht nicht mehr in diesem Ausmaß, in dieser Höhe sicherstellen können. Um das hohe Pensionsniveau, das wir haben, zu stärken, ist es deshalb gerade uns als NEOS wichtig, dass wir die zweite und dritte Säule stärker in den Fokus nehmen, dass wir gerade auch auf die Pensionskassen beziehungsweise auf die Betriebspensionskassen – die zweite Säule – einen stärkeren Fokus legen. Ich finde es besonders lustig, dass Kollege Petschnig heraußen war und das Leistungsprinzip, das ich in gewisser Weise jetzt eh schon angesprochen habe, kritisiert hat. Es war gerade die FPÖ, die, als sie in Verantwortung war – 2018, 2019, 2020 –, dieses Leistungsprinzip immer wieder mit sozialen Staffelungen ausgehebelt hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, 2020, Herr Kollege, da sind Sie jetzt auf dem falschen Dampfer!

NEOS Johannes Gasser

… Die Krönung war ja schlussendlich eigentlich die Einführung des Pensions- und des Ausgleichszulagenbonus, wenn wir ganz ehrlich sind, denn unabhängig davon, wie viel ich einbezahlt habe, ob ich vielleicht 30 Jahre nur für 700 Euro, die ich verdient habe, Pensionsversicherungsbeiträge bezahlt habe, bekomme ich dann plötzlich eine Pension von 1 500 Euro. Na was das mit dem Leistungsprinzip zu tun hat, weiß ich nicht genau! Sie sind die Meister, wenn es darum geht, das Leistungsprinzip in der Pensionsversicherung auszuhebeln, mit Gesamtkosten – all die gestaffelten Pensionserhöhungen und Boni, die Sie da verteilt haben – von heute 0,5 Milliarden Euro. Ich weiß, Sie sind noch nicht klüger geworden, das sieht man an den anderen Anträgen betreffend Pensionen, die im Sozialausschuss liegen. Ich würde mir wünschen, dass Sie Verantwortung übernehmen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich würde mir wünschen, Sie würden besser recherchieren!

NEOS Johannes Gasser

… Verantwortung nicht nur fürs Budget, sondern auch für kommende Generationen, so wie es diese Bundesregierung tut. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler .

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ja, die Budgets sind derzeit schwierig, im Bund, in den Ländern, in den Gemeinden, und das ist eine große Herausforderung, auch im Bereich der Pensionen. Die Pensionen müssen langfristig gesichert sein, aber es braucht vernünftige und umsichtige Lösungen. Diese gibt es offensichtlich auch in der FPÖ: Gerade wurde in der Steiermark – mit einem freiheitlichen Landeshauptmann – ein Sparpaket verkündet, in Salzburg auch. Offensichtlich gibt es auch in der FPÖ Kräfte, die vernünftige Lösungen sehen. Davon merkt man hier im Hohen Haus, derzeit zumindest, meiner Ansicht nach zu wenig, meine Damen und Herren! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Werden eh alle ausgeschlossen!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Erlauben Sie mir, dass ich einige Worte an die Seniorinnen und Senioren richte, bevor ich dann noch auf andere Details eingehe. Ich glaube, jeder Pensionist und jede Pensionistin hätte sich die volle Inflationsanpassung verdient; denn die ältere Generation – das wurde ja heute auch schon gesagt – hat mit ihrer enormen Leistung, mit ihrer enormen Leistungsbereitschaft und mit ihrem Verantwortungsbewusstsein auch in schwierigen Zeiten dafür gesorgt, dass die Basis für unseren Sozialstaat und für unser Österreich, für ein Land mit hohem Wohlstand, gelegt wurde. Davon profitieren auch jetzt noch Jung und Alt. Jung und Alt profitieren davon! Meine Damen und Herren! Die Pensionist:innen leisten aktuell auch in der Pension Enormes – und darüber wurde auch, Frau Bundesministerin, im Bundesseniorenrat ausführlich diskutiert. Unsere Gesellschaft würde nicht so funktionieren, gäbe es nicht den großen Einsatz der älteren Generation in den Familien, der Großeltern für ihre Enkel, in der Freiwilligenarbeit, in der Angehörigenpflege, in der Wirtschaft, auch im ländlichen Bereich. Die österreichischen Seniorinnen und Senioren leisten unbezahlte Arbeit im Wert von 8,6 Milliarden Euro. Diese Woche – ich habe es schon gesagt, als der Bundesseniorenrat neu konstituiert wurde –, wurde auch darüber gesprochen, dass die Seniorenvertretung, die ja Sozialpartnerstatus hat, in Zukunft mehr gehört werden muss und auch mehr in die Verhandlungen einbezogen werden muss. Die Seniorenvertreter haben gekämpft. Sie haben gekämpft, und wir haben für 71 Prozent der Pensionist:innen die volle Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent erreicht. Das ist das Ergebnis des Beobachtungszeitraums. Herr Kollege Wurm, Sie wissen das ganz genau. Das heißt, 71 Prozent – das sind zwei Drittel der Pensionist:innen – erreichen die volle Inflationsabgeltung. Darüber hinaus gibt es monatlich diesen Fixbetrag, über den heute ja auch schon mehrmals gesprochen wurde; das sind immerhin 975 Euro pro Jahr. Ich sage aber auch: Das kann kein Dauerzustand sein. Das ist eben ein Kompromiss zwischen sozialer Fairness und Budgetverantwortung. Ja, wir müssen alles tun, um dieses Pensionssystem nachhaltig abzusichern. Da setzen wir auch einige wichtige Maßnahmen wie eben die Heranführung des faktischen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter. Da Maßnahmen zu setzen, ist eine der wichtigsten Herausforderungen, meine Damen und Herren! Die Generation der Babyboomer ist aktiv, viele wollen auch freiwillig weiterarbeiten, und da gilt es anzusetzen; das wurde auch schon gesagt. Neben dem Nachhaltigkeitsmechanismus und der Erhöhung der Versicherungsjahre bei der Korridorpension ist eine ganz wichtige Maßnahme die Teilpension, die mehr Beschäftigung bringen soll. Beschäftige können einen Teil ihrer Pension beziehen und reduziert weiterarbeiten. Ich glaube, das ist ein wichtiger Ansatz. Wir müssen es aber auch schaffen, mehr altersgerechte Arbeitsplätze zu haben. Da gibt es Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung, die wir erhöhen sollten, verstärkt Angebote in Richtung Stressprävention, mentale Angebote; aber auch im Gesundheitsreformfonds, Frau Bundesministerin, wo ja 500 Millionen Euro zur Verfügung stehen, müssen wir verstärkt präventive Maßnahmen und Vorsorge initiieren. Das ist ganz, ganz wichtig. Das Letzte, was ich auch noch betonen möchte: Das freiwillige Weiterarbeiten nach dem gesetzlichen Pensionsantritt muss sich lohnen, das muss sich steuerlich lohnen. Leistung muss sich lohnen. Da gilt es wirklich, ab 2046, und das wird ja verhandelt …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

2026!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Entschuldigung, ab 2026 natürlich, also mit Beginn des nächsten Jahres –, Maßnahmen zu setzen, die dann ein ganz wichtiger Schritt wären, den wir auch vonseiten der Seniorenvertretung seit Längerem fordern und den auch die Wirtschaft braucht; denn die Wirtschaft braucht ja die ältere Generation mit ihrem Know-how, mit ihrem Wissen, auch mit ihren sozialen Kompetenzen, so dringend! Ich denke, wir setzen da richtige und wichtige Maßnahmen. Die älteren Menschen, die Pensionistinnen und die Pensionisten, die Großeltern, denken nicht nur an sich, sondern sie denken auch daran, dass es vor allem natürlich ihren Kindern, aber auch ihren Enkeln und ihren Urenkeln in Zukunft gut geht – und sie leisten da immer einen verlässlichen Beitrag. Das geht nur in einem generationenübergreifenden Miteinander. Wir brauchen die Leistungsbereitschaft der Jugend, und wir brauchen die ältere Generation. Ich bedanke mich bei den Seniorinnen und Senioren noch einmal ganz ausdrücklich für alles, was sie in diesem Staat geleistet haben und was sie auch weiterhin leisten. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, es wurde bereits angesprochen: Es braucht nicht nur die ältere Generation, es braucht auch die jüngere Generation an Bord. Wir brauchen ein System, das enkelfit ist, ein System, von dem alle profitieren können – und genau daran arbeitet diese Bundesregierung. Nach der Änderung der Korridorgrenze, nach der Erhöhung der benötigten Anzahl an Versicherungsjahren, um eben das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, nach der Einführung der Teilpension folgt jetzt ein nächster Meilenstein – wie wir schon in der Debatte gehört haben, etwas völlig Neues …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Meilenstein?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Nicht nur, dass wir das erste Mal nicht über der Inflation erhöhen – man würde ja meinen, dass das selbstverständlich ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja keine Erhöhung!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… nein, wir sind die erste Regierung, die ihre Budgetverantwortung so ernst nimmt, dass sie es jetzt auch schafft, generationengerecht auch bei den älteren Generationen, auch bei den Pensionen Sparmaßnahmen zu setzen und da auch das allererste Mal die Inflation zu drosseln. Das ist ein Riesenriesenschritt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Tragischerweise stimmt nicht einmal das!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Wir haben es vorhin in der Diskussion schon gehört: Die Inflationsanpassungen der letzten drei Jahre lagen bei 20,11 Prozent.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, und wie hoch war die Inflation?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Welche Arbeitnehmerin und welcher Arbeitnehmer hatte in den letzten drei Jahren eine Erhöhung des Gehalts um 20 Prozent, um ein Fünftel? Ich habe das als Arbeitnehmerin nicht. Kein einziger Arbeitnehmer hatte so eine Erhöhung, und das ist ja das Kernproblem. Hier sehen wir vier Parteien, die sich darum streiten: Wer hat denn am meisten erhöht? Wer hat am meisten übertrieben? Wer hat die größten Wahlzuckerl verteilt? Es gibt aber einfach keine Lobby für die Leute, die in Österreich arbeiten, die das gesamte System finanzieren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, das ist ja peinlich, was Sie da machen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Als junger Mensch kann ich nur sagen: Das ist eine Tragödie. Das ist peinlich, was Sie da machen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, Ihre Rede ist eine Tragödie!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Was mich schon auch etwas irritiert, wenn wir uns jetzt hier im Raum umschauen, bei den Grünen – zur FPÖ kann ich noch kommen –: Wenn wir uns die Klimafrage anschauen, wenn wir uns CO₂ anschauen, da rechnen Sie, da denken Sie heute an übermorgen, da bleiben Sie bei den Fakten – und bei den Pensionen: jegliche Regel der Mathematik vom Tisch, völlig egal! Wir sind beim Populismus angekommen, Jung gegen Alt, ein System, das langfristig nicht halten kann. Wieso? – Wir baden es nicht aus, in der nächsten Regierung sind wir nicht mehr! Bei den ungedeckten Schecks waren wir ja schon.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Unsere Anträge lesen täte helfen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Dann haben wir die FPÖ, die Erhöhungen beschließen will, die nicht gedeckt sind, die nicht zu finanzieren sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Erhöhungen?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie haben Leute bei sich sitzen – jetzt gerade nicht in der ersten Reihe, aber in den hinteren Reihen –, die ganz genau wissen, dass sich das mathematisch nicht ausgehen kann, dass diese Erhöhungen, die Sie hier schon wieder beschließen, die Steuererhöhungen von übermorgen sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Erhöhungen? Was für Erhöhungen?! Was reden Sie?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ganz im Ernst, wenn ich an Ihre Migrationspolitik denke, dass Sie sagen: null Migration, kein einziger neuer Arbeitnehmer in ganz Österreich!, dann frage ich mich mit Blick auf unsere Demografie …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir wollen keine Erhöhung, wir wollen eine Inflations...!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… in der die Zahl der Arbeitnehmer sinkt und sinkt, weil einfach weniger Leute in Österreich sind, schon: Wer soll denn Ihre Pension zahlen, Frau Belakowitsch? Am Ende werden es die ausländischen Arbeitnehmer in Österreich sein, die wir auch brauchen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ist wahrscheinlich eh eine Luxus...!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Andreas Kühberger zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Andreas Kühberger

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Ganz besonders möchte ich heute zwei Klassen der HTL Kapfenberg aus meinem Wahlkreis begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Die Bundesregierung ist angetreten, um gemeinsam die richtigen und wichtigen Schritte für unser Österreich zu setzen. Mit diesem Schritt, den wir heute mit der Pensionsanpassung 2026 setzen, gehen wir in eine gute Zukunft für unser Land. Wir sichern die Pensionen – und das haben unsere Pensionistinnen und Pensionisten auch verdient, die mit viel Fleiß, mit Eigenleistung und viel harter Arbeit unser Land, unser Österreich – das Fundament –, in dem wir heute leben, aufgebaut haben, meine Damen und Herren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber auf welchem Niveau?

ÖVP Andreas Kühberger

… Den Pensionistinnen und Pensionisten gebührt Dank und Anerkennung , ihnen gebührt aber auch …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber das hätten sie gern monetär auch ...!

ÖVP Andreas Kühberger

… Sicherheit bis ins hohe Alter – und mit dem Pensionsanpassungsgesetz 2026 schaffen wir diese Sicherheit und auch die Balance, damit sie ihre Pension auch im hohen Alter noch beziehen können. Wir haben es gehört: Bei bis zu 2 500 Euro brutto wird komplett inflationsangepasst …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Tu das Podium noch ein bissl hinauf!

ÖVP Andreas Kühberger

… mit 2,7 Prozent, meine Damen und Herren –, und ab 2 500 Euro brutto gibt es die 67,50 Euro. Es sind 71 Prozent unserer Pensionistinnen und Pensionisten, die da den vollen Ausgleich bekommen, und das ist auch gut so. Warum? – Weil das genau die niedrigsten und die wichtigsten Pensionen sind, die gebraucht werden, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Lieber Herr Kollege Schnedlitz, du als Generalsekretär, du hast jetzt am lautesten hineingeschrien.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ich habe gesagt, du sollst das Podium weiter rauftun!

ÖVP Andreas Kühberger

… Ich frage dich: Welche Verantwortung übernehmt ihr, wenn es um unsere Pensionistinnen und Pensionisten geht? RN/81.1 Eine Schulklasse ist zu Besuch auf der Galerie, auch der Seniorenbund Krakaudorf war heute da. Es gibt aber noch eine Generation: die kommende. Wo ist eure Verantwortung? Wo könnt ihr sparen? Ihr könnt bei der Zeit sparen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Bei der Zuwanderung! Beim Asyl!

ÖVP Andreas Kühberger

… das haben wir bei der Koalitionsverhandlung gesehen: Kollege Kickl verhandelt 8 Stunden …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Bei der Freunderlwirtschaft! Bei der Korruption!

ÖVP Andreas Kühberger

… und jetzt ist er auch nicht da, weil er Zeit spart. So schaut es aus! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Es gibt einen Haufen zu sparen!

ÖVP Andreas Kühberger

… Ja, wahrscheinlich, meine Damen und Herren, pflanzt er gerade die Bäume, auf denen das Geld wächst ; ich kann mir sonst nämlich nicht vorstellen, wie ihr diese Forderung finanzieren könnt. ( Ruf bei der FPÖ: Wir können auch bei deiner Redezeit sparen! ) Mit eurem Populismus werdet ihr die Inflation auch nicht drücken. ( Abg. Schnedlitz [FPÖ] hält ein mehrseitiges Dokument in die Höhe. ) Kollege Schnedlitz, genau du kommst aus der Gegend Wiener Neustadt, Neunkirchen, wo man Gemeinderatsmitglieder der Freiheitlichen Partei ausgeschlossen hat, weil sie gespart haben. Ich frage mich: Wie machst du das jetzt in der Steiermark, wo dank der ÖVP auch ein Sparpaket vorliegt? ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Was machst du in Salzburg? Was machst du mit deinem Landeshauptmann? Schließt du ihn auch von der Partei aus? Ich glaube, die Parteigremien haben jetzt sehr, sehr viel Arbeit. Meine Damen und Herren, ich habe den Seniorenbund erwähnt, ich habe gesagt, die Jugend ist da. Das sind die Generationen für ein stabiles Pensionssystem …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wir haben den Drexler eingespart!

ÖVP Andreas Kühberger

… in dem es Gerechtigkeit geben muss, auch für die kommende – und nicht so, wie ihr es behauptet, mit diesem Sparpaket auf Kosten der Älteren. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Nein, meine Damen und Herren, wir übernehmen Verantwortung für dieses Land, damit diese Pensionen gesichert sind. Jetzt komme ich noch auf etwas zurück: Unser Klubobmann hat heute die Stocker-Formel angesprochen: 2-1-0 ( Heiterkeit bei der FPÖ ), 2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wachstum und null Toleranz. Ihr könnt schon lachen. Es stimmt schon, Innenminister Kickl hat schon eines gemeinsam mit unserem Innenminister Karner. Soll ich euch sagen, was das ist? – Er hat keinen einzigen Syrer abgeschoben und Minister Karner hat als Einziger in Europa schon mehrere abgeschoben. – Danke. 14.22 RN/81.2 Präsidentin Doris Bures : Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich ersuche, den Lärmpegel wieder ein wenig zu senken.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Nur fürs Protokoll: Das hilft den Pensionisten!

ÖVP Andreas Kühberger

… Gut, dann können wir in der Debatte fortfahren.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... Redezeit gespart! – Zwischenruf des Abg. Sieber [ÖVP].

ÖVP Andreas Kühberger

… Als Nächster zu Wort gelangt Herr Klubobmann Philip Kucher .

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Es war ja heute während der gesamten Debatte fast ein bisschen rührend, mit welcher kindlichen Unschuld sich Vertreter der Freiheitlichen da zum Rednerpult heraus verirrt haben, die Vergangenheit etwas vergessen haben: Budgetdesaster – daran hat sich von euch niemand so recht erinnern können; blaue Pensionskürzungen – war da etwas? Daran hat sich niemand erinnern können. Ich weiß jetzt nicht, war das aus Sicht der FPÖ eine gewisse Vergesslichkeit oder war das eher so, dass ihr euch ein bisschen für die Vergangenheit geniert habt? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was da gewesen ist. (👏 SPÖ) Ich kann ja verstehen, dass man sich an die Regierungsbeteiligung der FPÖ nicht mehr erinnert – es ist ein paar Jahre her, das kann passieren, dass ihr euch nicht mehr erinnert! Was ich aber gar nicht verstehen kann, ist die Vergesslichkeit von Herbert Kickl . Ich meine, es ist ein paar Monate her! Er erinnert sich ja nicht einmal mehr ans Frühjahr, an seine Unterschrift und an sein eigenes Wort, das er damals gegeben hat. Wenn es mit der Vergesslichkeit bei der FPÖ so weitergeht, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen. Da fahrt ihr am Montag zur Nationalratssitzung nach Wien und wisst am Freitag nicht einmal mehr, wie ihr nach Hause kommt. Also die Vergesslichkeit der FPÖ im Bereich der blauen Budgetpolitik macht mir Sorgen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zur Sache, Herr Kollege!

SPÖ Philip Kucher

… Zur Sache – danke für den Hinweis! –: Da ich Sachpolitiker bin, ist es mir wichtig, jetzt an die Fakten zu erinnern. Also: Es ist ja nicht so, dass Herbert Kickl es nicht in der Hand gehabt hätte, aber gescheitert ist es ja nicht an Inhalten, da wart ihr relativ billig unterwegs, gescheitert ist es im Frühjahr ja dann an den Postenschacherdebatten.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zur Sache! Pensionen!

SPÖ Philip Kucher

… Herbert Kickl hätte zwei Varianten gehabt: Er hätte sagen können: Ärmel aufkrempeln in schwierigen Zeiten, Verantwortung übernehmen!, aber er hat es sich sehr, sehr einfach gemacht. In Wahrheit sind die Leidtragenden die Menschen in Österreich gewesen, die euch monatelang oder wochenlang in einer ganz, ganz schwierigen Situation bei diesem Postenschacher zugeschaut haben. Das Einzige, das Kickl dann hinterlassen hat, war eine Liste, über die er ganz stolz gesagt hat, dass er dafür nur drei Tage gebraucht hat. Drei Tage hat er verhandelt, da war nichts von Gerechtigkeit: Bankenabgabe, Stiftungen, Energiekonzerne – das hat er alles vergessen. Wo Kickl dann schnell war, das waren die Pensionskürzungen; ganz real, von Herrn Kickl. Da hat er gesagt, es braucht einen höheren Krankenversicherungsbeitrag. Da gab es die Unterschrift von Herbert Kickl , an die sich heute in den blauen Reihen niemand mehr erinnern kann. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wenn wir schon von der Vergangenheit und der Vergesslichkeit reden, dann macht der Vergleich auch sicher. Wir hätten es uns gerade als Sozialdemokratie ganz einfach machen können; ich könnte mich herausstellen und sagen: Wir waren sieben Jahre nicht in der Regierung, und wir haben – unter Christian Kern – ein strukturell ausgeglichenes Budget hinterlassen! ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die Frage ist: Was ist in den letzten Jahren passiert? – Das war schon durchaus auch die FPÖ, die schuld daran ist, dass dieses Budget aus dem Ruder gelaufen ist.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wirklich? Weil?

SPÖ Philip Kucher

… Ich bin jetzt nicht übertrieben nachtragend. Es waren nicht die goldenen Kugelschreiber von Herbert Kickl , in seinem Büro; die werden es nicht gewesen sein. ( Ruf bei der FPÖ: Glaub’ ich auch! ) Es waren auch nicht die Pferde. Es war auch nicht das größte Ministerbüro …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was war es dann?

SPÖ Philip Kucher

… das jemals ein Regierungsmitglied in dieser Republik gehabt hat. Was aber schon ein Thema war, waren halt die Konzernsteuersenkungen, bei denen die FPÖ mit dabei war: 1 Milliarde Euro Konzernsteuersenkungen ohne Gegenfinanzierung. Da würde uns allen einiges einfallen, was wir damit machen würden, oder? – Pflege, Gesundheit. (👏 SPÖ) Aber schauen wir doch ganz kurz zurück in die Vergangenheit – weil ihr ja nie dabei wart, ihr habt ja nie Verantwortung übernommen –, was in ganz anderen Zeiten, in wirtschaftlich leichteren Zeiten eigentlich passiert ist! Anfang der 2000er-Jahre hat es eine blaue Sozialministerin gegeben. Wir haben damals kritisiert, dass es eine mickrige Pensionserhöhung gibt. Die Pensionserhöhung unter der FPÖ, damals in wirtschaftlich leichteren Zeiten, waren – das müsst ihr euch vorstellen – 10 Euro und 2 Cent pro Monat; 1,5 Prozent Pensionserhöhung unter der FPÖ-Sozialministerin.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

2000? Da haben wir noch Schilling gehabt! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: ... Inflationsrate!

SPÖ Philip Kucher

… So gut kannst du schon rechnen! Da haben wir gesagt, dass das mickrig ist; schon ein bisschen wenig, 1,5 Prozent. Dann hat es eine Rede hier im Haus gegeben, die Bundesregierung war sehr bemüht, „für die Pensionistinnen und Pensionisten das Maximum [...] herauszuholen“ – „das Maximum [...] herauszuholen“, hat die FPÖ uns ausgerichtet –, und da hat sie gesagt: „Daher verwahre ich mich wirklich striktest dagegen, dass es nur mickrige Pensionser­höhungen gibt.“ – 10 Euro und 2 Cent unter der FPÖ! (👏 SPÖ) Und das war nicht ein Jahr, sondern es waren sechs Jahre in Folge nur die Hälfte der Inflation. Das ist die blaue Verantwortung gewesen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und wie war’s 2013/14?

SPÖ Philip Kucher

… Ich bringe es auf den Punkt, weil ich ein Sachpolitiker bin: Wir erhöhen: Bis 2 500 Euro gibt es die volle Inflationsabgeltung und danach pauschal einen Fixbetrag von knapp 1 000 Euro. Was war unter der blauen Sozialministerin der Fall? – Ihr habt auch voll erhöht: bis 670 Euro, und danach war es nicht ein Pauschalbetrag 1 000 Euro, sondern 140 Euro im Jahr. Das passt gut ins Bild der FPÖ, auch da macht der Vergleich sicher.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja aber auch schon 25 Jahre her, Philip! Rechne die Inflationsrate ein!

SPÖ Philip Kucher

… Das passt gut ins Bild der FPÖ. Ihr habt eine Sozialministerin gehabt, die sich allen Ernstes hingestellt hat und gesagt hat: von 150 Euro kann man gut leben. – Das war die Frau Hartinger-Klein. Da habt ihr alle mit Herzerl in den Augen zu Hartinger-Klein geschaut, als sie mit dem Herbert getuschelt hat; das war die Hartinger-Klein als Sozialministerin. Und auch hier macht der Vergleich sicher: Ich bin dankbar, dass Korinna Schumann mit ganzer Kraft dagegen ankämpft und nicht zuschaut, wie sich die Leute das Leben nicht mehr leisten können, dass sie zum Beispiel gegen die Teuerung kämpft, gegen Lebensmittelkonzerne, weil sie sagt, es ist einfach unfair, dass man in Österreich für Lebensmittel 1 000 Euro pro Jahr mehr als in Deutschland zahlt. Deswegen kämpfen wir dafür, dass das Leben, auch im Bereich Lebensmittel, wieder leistbar wird. Das ist der Unterschied in diesem Bereich. (👏 ÖVP, SPÖ) Ein Satz zur Gesundheit: Das ist genauso schwierig für uns alle in Österreich, vor allem für die Leute, die monatelang auf Operationen warten müssen, auf Arzttermine warten müssen. Hat irgendjemand von euch den Anstand gehabt, herauszugehen und sich zu entschuldigen – für die Kassenzerschlagung, für die versprochene Patientenmilliarde, die heute in Wahrheit eine negative Patientenmilliarde ist , und für Schulden, die wir gemeinsam aufräumen müssen? Hat irgendjemand von euch den Anstand gehabt, zu sagen: Hartinger-Klein nur zu hofieren und Herzerl in den Augen zu haben, war zu wenig; in Wahrheit ist es nicht gut gewesen für dieses Land!, und zu Korinna Schumann zu gehen und zu sagen: Danke, dass du das aufräumst, was die FPÖ kaputt gemacht hat!? Um es noch einmal zusammenzufassen, weil es heute auch gefallen ist: Ihr redet dann immer vom Volk und von den kleinen Leuten, aber wir können faktisch belegen: Immer wenn ihr in der Regierung wart, habt ihr die kleinen Leute im Stich gelassen und verraten. – Das ist ein Faktum. Und dasselbe gilt auch bei den Pensionen: Da sich Herbert Kickl neuerdings sehr bibelfest gibt …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Super!

SPÖ Philip Kucher

… ich meine, der neue Erzbischof ist, glaube ich, der einzige Kirchenvertreter, den er noch nicht beleidigt hat, aber okay ( Heiterkeit bei der ÖVP ) – und um ihm das mitzugeben: Ehe der Hahn dreimal gekräht hat, hat Herbert Kickl die Pensionisten verraten. Merken wir uns das! Das war in der Vergangenheit so, und das ist auch heute so. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich bitte uns also alle in dieser schwierigen Situation für unsere Republik, für unser Heimatland, dass wir ein bisschen in uns gehen, dass wir ehrlich sind, die Ärmel aufkrempeln und versuchen, dieses Land gemeinsam wieder auf Kurs zu bringen, dass wir alle miteinander anpacken, nicht schlechtreden, nicht so tun, als hätte die FPÖ gar nichts mit diesem Schuldendesaster zu tun. Das ist nämlich einfach nicht wahr, das bringt aber auch das Land nicht weiter. Versuchen wir, miteinander mehr Gerechtigkeit zu schaffen, Verantwortung zu übernehmen für eine gute Zukunft, für alle Menschen in diesem Land!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Michael Schnedlitz zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter. ( Zwischenrufe bei der ÖVP. – Abg. Schnedlitz [FPÖ] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Na heute habe ich den Ordner geschickt!)

FPÖ Michael Schnedlitz

Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Präsidentin! Vielen Dank: Ich darf mich bei meinem Vorredner bedanken, der den Unterschied zwischen der Freiheitlichen Partei und der Einheitspartei sehr gut herausgearbeitet hat. Vorher nur ein kurzer Faktencheck: 2018 wurden unter Herbert Kickl die Pensionisten nicht verraten, sondern die ÖVP-FPÖ-Regierung hat die Pensionen in Inflationshöhe und die niedrigen Pensionen sogar über der Inflationsrate angepasst. Jetzt, wo die Sozialdemokraten dabei sind, genau jetzt, werden die Pensionisten verraten. (👏 FPÖ) Gleichzeitig wurde gespart, gleichzeitig wurde mit dem Budget vernünftig umgegangen. 2019 – Kollege Kucher, wahrscheinlich haben Sie die falsche Excel-Liste heraußen mitgehabt! ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ ) – hat diese Bundesregierung einen Budgetüberschuss von 0,5 Prozent übergeben. Überschuss ist etwas Gutes – wenn man mehr erwirtschaftet als man ausgibt. (👏 FPÖ) So hat die Freiheitliche Partei gearbeitet, das sind Fakten. Daran können sich die Menschen auch noch erinnern. Und ja, wir sind uns auch einig, man muss jetzt das Budget konsolidieren – no na, natürlich. Die Frage ist aber, bei wem konsolidiere ich das Budget und wie konsolidiere ich das Budget. Weil einige Zuseher dabei sind: Wir stellen uns vor, ich habe zu Hause bei mir in der Familie ein Problem mit den Finanzen. Jede vernünftige Familie würde hergehen und ein paar ganz einfache Fragen stellen. Dann würde die Familie zum Beispiel die Frage stellen: Geben wir irgendwo Geld aus, zahlen wir irgendwo etwas, das uns selbst, der Familie, nichts bringt, das keinen Mehrwert schafft? …

NEOS Hoyos-Trauttmansdorff (Zwischenruf)

Kickl ...!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Das wäre eine ganz einfache Frage. Oder zum Beispiel die Frage: Zahlen wir irgendetwas doppelt oder sogar dreifach oder vierfach? – So würde eine Familie an das Problem herangehen. Man könnte natürlich auch hergehen und sagen: Kürzen wir bei der Oma und beim Opa das Geld für das Essen! – Das ist das, was Sie jetzt mit den Pensionskürzungen machen, anstatt da wirklich in der Substanz und im System kürzen zu wollen. (👏 FPÖ) Wir haben heute schon von Frau Kollegin Belakowitsch gehört, wo allein im Sozialressort, im Sozialministerium überall Einsparungsmaßnahmen möglich sind, und sie hat mehrere Beispiele aufgezählt, wo einfach Förderungen in Millionenhöhe ausgeschüttet werden. Wir haben Ihnen das letzte Mal auch gezeigt, Frau Ministerin - - ( Zwischenbemerkung von Bundesministerin Schumann. ) – Was heißt Nein, Frau Ministerin? Ich weiß, dass Sie sich als Sozialdemokratin mit dem Lesen von Excel-Listen schwertun, aber die haben Sie, Ihre Mitarbeiter sogar in der Anfragebeantwortung zur Verfügung gestellt. Dann lassen Sie es sich erklären! (👏 FPÖ) Eine Million ist eine Zahl, bei der vorne eine Ziffer steht und dann hat sie sechs weitere Stellen ohne Beistrich. Das sind dann Millionen. Das kann ja nicht so schwierig sein! Sie bezahlen das für Dinge, die in Österreich kein Mensch braucht. So einfach ist die Rechnung und so einfach sind die Fakten. (👏 FPÖ) Genau da muss man schauen, ob man sparen kann. Wenn man da spart, ist jeder Pensionist, wie schon in der Vergangenheit, hundertprozentig dazu bereit, dass er auch einen Beitrag leistet, aber nicht, wenn man die ganze Zeit bei den Pensionisten nimmt, aber zum Beispiel für NGOs, für Vereine und für Förderungen Geld hat, mehrfach Geld hat oder zum Beispiel Familien 9 000 Euro im Monat fürs Nichtstun gibt. Wenn man dann bei den Pensionisten einschneidet, ist das nicht gerecht, und genau damit haben die Pensionisten, die dieses Land aufgebaut haben, auch ein Problem. (👏 FPÖ) Das ist der Unterschied. Das ist der Unterschied zwischen uns Freiheitlichen und der Einheitspartei. Weil auch Neunkirchen angesprochen wurde: Das zieht sich ja von der Bundesebene über die Länderebene durch – da haben wir natürlich in der Steiermark euren Kollegen Drexler eingespart; das war eine gute Sparmaßnahme, glaube ich, das sehen auch viele von euch so (👏 FPÖ) – bis hinunter auf die Gemeindeebene. In Neunkirchen ist das genau gleich. Das Budget der Stadtgemeinde Neunkirchen hat 308 Seiten. In diese 308 Seiten muss man hineinschauen – ob man im System sparen kann. Die Sparmaßnahmen in der Stadt Neunkirchen haben drei Seiten und diese drei Seiten setzen sich aus Gebührenerhöhungen, Kürzungen bei Leistungen, zum Beispiel an die Feuerwehren und so weiter, und massiven Verteuerungen, zum Beispiel auch für die Pensionisten, zusammen. Die Pensionisten in Neunkirchen trifft es jetzt zum Beispiel doppelt, nämlich von Bundesebene und von Neunkirchner Ebene. Dann hat man noch ein paar Sachen hineingeschrieben, dass man zum Beispiel Mitgliedsbeiträge ab dem 1.1.2026 streicht. Jetzt sage ich Ihnen, warum wir in Neunkirchen uns von unseren Gemeinderäten getrennt haben: Weil wir als Freiheitliche Partei das nicht mittragen können, was da auch auf Bundesebene passiert, dass man Placebomaßnahmen einmeldet.

ÖVP Kühberger (Zwischenruf)

Konsolidiert, gell?

FPÖ Michael Schnedlitz

… Die Bediensteten in Neunkirchen haben sich abgesichert, als die ÖVP Neunkirchen mit diesen abtrünnigen Neunkirchnern Folgendes beschlossen hat: Ausstieg aus Mitgliedsbeiträgen, zum Beispiel aus dem Städtebund, mit 1.1.26.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wo warst ...?

FPÖ Michael Schnedlitz

… Die Bediensteten haben in die Gemeinderatsvorbereitung reingeschrieben, dass das in der Septembersitzung des Gemeinderates beschlossen und per 30.9. per eingeschriebenem Brief zugestellt werden müsste. Das war in der Oktobersitzung. Der hat sich abgeputzt. Dann haben sie beschlossen, Mitgliedsbeiträge ab 2026 auszusetzen.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

Schuldeingeständnis!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Der Bedienstete schreibt rein: Ist erst ab 2030 möglich. Das einzige, das zutrifft – und da sind wir wieder beim Konnex mit der Bundesebene –, ist, dass sie immer den Menschen in die Geldtasche greifen. Das funktioniert auch in Neunkirchen. (👏 FPÖ) Das sind Fantasiebeschlüsse. Das ist nicht sparen, das ist eher irgendwo im Bereich zwischen grober Fahrlässigkeit, Amtsmissbrauch oder sonst irgendetwas, wenn man solche Beschlüsse fasst. Dafür geben wir Freiheitliche und die Freiheitliche Partei sicher nicht den Namen her. (👏 FPÖ) Wir geben unseren Namen auch nicht für all das her, was Sie auf allen Ebenen machen: Dass Sie den Menschen in die Tasche greifen, dass Sie vor der Wahl immer etwas anderes versprechen und den Menschen nicht sagen, was auf Sie zukommt. Nach der Wahl ist plötzlich ein Budgetloch da und dann muss man das Budgetloch stopfen. Anstatt dass Sie, Frau Minister, zum Beispiel das Budgetloch stopfen oder in Neunkirchen in die Substanz eingreifen und reinschauen, wo man sparen könnte, gehen Sie immer her und ziehen den Menschen das Geld aus der Tasche. Das haben die Neunkirchner durchschaut, das hat die österreichische Bevölkerung durchschaut und deshalb ist die Lage auch politisch genau so, wie sie ist. Da können Sie noch so viele Dinge erfinden, wie Sie auch wollen. Ich sage Ihnen noch einmal in aller Deutlichkeit – und deshalb können Sie diese Kollegen aus Neunkirchen von uns gern haben, Herrn Berlosnig, der anscheinend irgendwie mit den Systemmedien versucht, sich selbst zu therapieren –: Wenn jemand, egal auf welcher Ebene, die österreichische Bevölkerung verrät, auch aus unseren eigenen Reihen, dann hat er bei uns nichts verloren. Wir gehen einen schnurgeraden Weg. (👏 FPÖ) Das wird immer so sein, da stehen wir auch dazu, ohne Probleme. Wir gehen einen schnurgeraden Weg, die Menschen wissen das zu schätzen, und da weichen wir nicht ab, auch nicht, wenn es um uns selbst geht, sonst wären wir auch vollkommen unglaubwürdig.

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Werner Kogler .

GRÜNE Werner Kogler

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesministerin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Kolleginnen und Kollegen – die sich dann beruhigen, denke ich! Pensionsanpassungsgesetz, Pensionsanpassungsregelungen: Das hätten wir jetzt fast schon aus dem Auge verloren. Es fällt einem mit Verlauf der Debatte ja wirklich schwer, noch einen positiven Beitrag einzubringen, aber ich werde es versuchen. Zuerst einmal möchte ich schon meiner Irritation Ausdruck verleihen – und viele haben es ja fast ein bisschen überhört, glaube ich – und das für meine Fraktion festhalten: Ich finde, wenn bei diesen Pensionsproblemen – die man ja diagnostizieren mag; wir tun das nicht in der Form, aber sei es drum, ist ja der ÖVP unbenommen – mehr oder weniger unwidersprochen in Ihren eigenen Reihen der Eindruck erweckt wird, als ob man die österreichischen angeblichen Pensionsprobleme auf den Trümmern von Damaskus, Aleppo oder Idlib lösen wird, mit der Streiterei, ob Sie jetzt zwei oder drei dorthin abgeschoben haben, dann ist das ein Niveau, das nicht einmal die Freiheitlichen zusammenbringen. – Sorry, aber wirklich! (👏 SPÖ) Jetzt zum Positiven im Sinne von Konstruktivem: Ja, es ist richtig. Es ist die Wirtschaftslage, die ursächlich für die Budgetlage ist, und im Übrigen nicht umgekehrt. Das werden wir heute nicht diskutieren, da werden wir sonst noch Gelegenheit haben. Sie ist schwierig, da können wir ja überlegen, alles gemeinsam: Was machen wir zukünftig anders? Was hätten wir vorher anders machen können? Was ist eh gut gewesen? Es muss gespart werden. Das ist ja an sich ein positiver Begriff, und aus diesem Grund werden wir diesen Pensionsanpassungsregelungen, obwohl von den NEOS so getan worden ist, als ob wir anders abstimmen würden, auch zustimmen. D ie Abwägung ist erkennbar, dass man ein bisschen etwas holen muss – in Anführungszeichen – und trotzdem eine gewisse Ausgewogenheit erreicht werden soll. Das erkennen wir ausdrücklich an. Vielleicht hätten wir es gar nicht so viel anders gemacht, das darf man ja einmal sagen. (👏 SPÖ) Richtig ist auch, und umso leichter geht es – ihr dürft auch einmal klatschen, ja ( Heiterkeit und Beifall bei den Grünen, Beifall bei Abgeordneten der SPÖ sowie des Abg. Shetty [NEOS] ) –, dass ja auch – aber in besseren Zeiten, alles klar – die Vorgängerregierungen – vor allem, wenn man über viele Jahre zurückgeht, aber vor allem die letzten – das entweder mindestens mit der Inflation abgeschlossen haben – was die NEOS aus ihrer Perspektive kritisieren; das kann man auch, ist ihre Haltung, die ist ja bekannt – oder sogar darüber. In vielen Fragen wäre es gut, wenn man das über fünf Jahre rechnet, seit dauernd diese Krisen einschlagen – das führt mich dazu –, ansonsten hätte ich vielleicht auch eine größere Kritik an dieser Vorgangsweise. – So weit bis hierher. Wir haben das vor wenigen Tagen, am Montag, hier herinnen auch mit dem Seniorenrat diskutiert, es war über weite Strecken auch eine sehr konstruktive Diskussion. Ich möchte ausdrücklich meine Anerkennung für die beiden Präsidentinnen aussprechen, weil wir uns da wirklich – die Frau Bundesministerin war ja auch eine Zeit lang zugegen – konstruktiv ausgetauscht haben. Ich glaube, das ist essenziell, wenn wir gemeinsam die Krisen angehen wollen. Jetzt komme ich aber zum anderen, bei dem wir unterschiedliche Sichtweisen haben. Ich kann es nicht auslassen, denn es ist ja jetzt aus verschiedenen Gründen Mode geworden – das kann man parteitaktisch herleiten –, dass eh immer die Grünen an allem schuld sind. Das weiß ich ja schon länger: Die Grünen sind schuld, selbst wenn das Wetter schlecht ist, wir wissen es. Schaut her, es ist so: Beim Sparen ist es doch so, dass wir immer schauen müssen, wo wir Geld ausgeben und wo nicht. Wie Frau Kollegin Disoski gesagt hat: Das ist eine Frage von Ressourcen. Das ist das Wesen von Sozial- und Wirtschaftspolitik. Die Ressourcen sind begrenzt, sonst bräuchten wir gar keine Politik. Also: Wo wird was ausgegeben und wo wird weniger ausgegeben, mithin gekürzt – das ist nämlich etwas anderes, als sparen? Wir kommen nicht umhin, noch einmal festzustellen – auch wenn das jetzt aus Ihrer Sicht mit anderen Dingen zu tun hat, ich bleibe aber dabei –, dass es schon sehr seltsam ist: Dieselprivileg muss bleiben; Dienstwagenprivileg muss bleiben; Autobahn mit vielen, vielen Milliarden Euro betonieren muss wieder her. Das ist ja fast schon wie im Hooligansektor: muss so sein. Jetzt warte ich noch, bis die NEOS und die Sozialdemokraten dazu irgendwann einmal etwas sagen – oder reiht ihr euch auch in diesen Sektor ein? Da geht es nicht um ein paar Millionen Euro, da geht es um viele, viele Milliarden Euro für Naturzerstörung (👏) , aber das ist gar nicht primär, für das Anheizen von Transit und für irgendetwas, und das Geld fehlt woanders. – Das ist der Zusammenhang.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Um wie viel habt ihr das Dieselprivileg gekürzt? Um wie viel? Um keinen Cent!

GRÜNE Werner Kogler

… Wenn die Feinspitze unter Ihnen – da bin ich ja sehr froh darüber – draufkommen, dass das verschiedene Rechenkreise im Budget sind! Das mag einmal auf den ersten Blick stimmen. Aber warum haben Sie dann – das haben wir ja schon länger und das soll ja noch mehr werden – die Dividenden aus der Asfinag in diesem Budget eingestellt? Ich fordere Sie auf, darauf zu verzichten, wenn da null Zusammenhang besteht. Das wäre doch konsequent – aber das tun Sie nicht. Das Gleiche passiert bis hinunter zu den Gemeinden, in denen ja manche Bürgermeister noch immer wie die Asphaltcowboys unterwegs sind und in der Gegend herumasphaltieren. – Ja, das ist so. Die Erhaltungskosten fressen diesen Gemeinden wirklich die Haare vom Kopf. Ich komme aus der Oststeiermark, reden Sie einmal mit den Bürgermeistern dort! Jetzt zu Klubobmann Abgeordneten Shetty: Das kann ich abkürzen, denn der hat ja auch von etwas geredet, das primär nicht hierher gehört. Es ist schon aufreizend falsch, wenn Sie die Gehaltsverhandlungen des öffentlichen Dienstes dauernd hereinziehen. Erstens einmal sage ich Ihnen: Ja, es ist 0,3 Prozent über der Inflation abgeschlossen worden, immerhin nach gültigem Gesetz. Sie sagen aber nie dazu, dass es im Vorjahr – oder für das heurige geltend – 0,3 Prozent unter der Inflation waren. Das heißt, in der Summe waren wir genau entlang der Inflation. –Sei’s drum, das kann man, so konstruktiv bin ich auch noch, auch wieder aufmachen, wenn es bei allen anderen so ist, weil sich die Lage geändert hat.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Es war ja absehbar!

GRÜNE Werner Kogler

… Nein, nein, alles war nicht absehbar.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Sicher!

GRÜNE Werner Kogler

… Ich sage Ihnen noch etwas: Lesen Sie im Übrigen im Bundesministeriengesetz nach, dann werden Sie draufkommen, dass dort nicht Beamtenministerium steht, sondern „für öffentlichen Dienst“. Alle, die immer mit Beamtenministerium kommen, haben schon eine bestimmte Intention. Wissen Sie, um wen es da am Schluss vor allem geht, denn die schließen ja alle entlang dieser Abschlüsse ab? – Um viel, viel mehr als den typischen Beamten, den Sie da apostrophieren …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

... Pensionsthema!

GRÜNE Werner Kogler

… Es geht um die Pfleger:innen in den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen, die Polizist:innen. Um die geht es da, um die, die so viel tun, die viel leisten, aber im Verhältnis zu den anderen relativ wenig verdienen. Um die geht es. Ich habe mir das über 15, 20 Jahre angeschaut, ich habe die letzten fünf Jahre angeschaut, und das war der Grund, warum SPÖ und ÖVP das ja so verhandelt haben. Ich habe das moderiert, aber im Unterschied zu den anderen, die jetzt am Tisch sitzen, stehe ich auch dazu – das war nicht verkehrt. Man kann es ändern, wenn man bei den Privaten auch überall etwas ändert, aber eines geht nicht: dass der öffentliche Dienst, an dem die alle dranhängen, die ich Ihnen genannt habe, schlechter behandelt wird als die Privaten, denn dann werden wir noch mehr Schwierigkeiten kriegen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das Gegenteil ist der Fall!

GRÜNE Werner Kogler

… Das ist doch der Hintergrund. Wissen Sie, Sie lassen das meiste immer weg, Sie stellen sich – das ist ein Phänomen – mit einer Reihe von Halbwahrheiten hierher, aber in der Summe ergibt das die totale Unwahrheit. In Wahrheit müsste man bei Ihren Redebeiträgen eine Fake-News-Anzeige vorne hinschreiben. Das ist wirklich ein Problem, und das passt auch zum Thema, denn Sie reden nämlich gar nicht mehr für hier herinnen, Sie reden für Ihre Videos. Das ist auch nicht gut für den Parlamentarismus, das gehört einmal gesagt. (👏) Jetzt zu den Luxuspensionen – freut euch nicht zu früh! Schaut, es ist schon so, wenn wir schauen, wer in diesem Land denn etwas geleistet hat : Beim Leistungsprinzip bin ich wieder bei Abgeordneter Disoski. Was haben die Großmütter und die Mütter unserer Generation alles geleistet und was kriegen die jetzt für Pensionen? Und dann schauen wir uns die Luxuspensionen an. Das ist zum Teil ein Zehnfaches. Das ist kein Schmäh: ein Zehnfaches! Warum man da nichts tun soll, ist schon schlimm genug, aber dass es so sein soll, dass man, je höher die Luxuspensionen sind, desto weniger zahlen soll: Das geht sich nicht mehr aus. (👏) Das ist das Gegenteil von Leistungsprinzip, aber das ist ja nicht neu bei euch. Es ist auch nicht christlich und auch nicht sozial. Vielleicht nehmt ihr das einmal raus aus dem Parteiprogramm, damit ihr wieder konsistent werdet. Es gibt das gleiche Thema ja auch bei den Millionenerben. Das ist nicht christlich, nicht sozial und gegen das Leistungsprinzip. So, weil wir gerade wieder bei christlich und sozial sind: Es ist heute viel von der Bibel die Rede gewesen. Ich freue mich immer, wenn die ÖVPler die Bibel fest in der Hand haben, aber wisst ihr was: Dreht sie einmal um und lest sie nicht verkehrt! (👏) 14.47

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Kogler, die Bezeichnung Hooligansektor hat natürlich in dieser Debatte keinen Platz. Sie wissen als ehemaliger Sportminister sehr gut, dass jene Gruppierungen, die gewalttätige Übergriffe und Randale machen, so bezeichnet werden. Ich gehe also davon aus, dass Sie das entweder zurücknehmen oder wir jedenfalls diesen Ausdruck hier nicht mehr verwenden. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Wir haben uns eh nicht betroffen gefühlt!) Nun gelangt Abgeordneter Kai Jan Krainer zu Wort.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Man muss ja mit dem Inhalt dessen, was Kollege Kogler gesagt hat, nicht immer einverstanden sein, aber jedenfalls war der Vortrag eine Wohltat im Vergleich zu jenen seiner Vorredner. Was wir heute debattieren, ist einfach, wie wir in unserem solidarischen, in unserem sehr gut funktionierenden Pensionssystem die Erhöhungen für das nächste Jahr gestalten. Circa 1,7 Milliarden Euro werden nächstes Jahr mehr für diese Erhöhung ausgegeben, die volle Anpassung an die Inflation wären 300 Millionen Euro mehr gewesen. Im Verhältnis sieht man, dass die Inflation fast zur Gänze abgegolten wird. Für mehr als 70 Prozent der Pensionistinnen und Pensionisten ist das die volle Abgeltung der Inflation. Ja, für etwas weniger als ein Drittel ist es nicht die volle, sondern nur eine Teilabgeltung. Die sind nicht Schuld am Budgetdesaster, die haben das nicht verantwortet, aber – ich weiß das aus vielen Gesprächen, aus E-Mails und Anrufen – es gibt viel Verständnis, dass jeder einen Beitrag dafür leistet, dass wir unseren Haushalt konsolidieren. Auch viele Pensionistinnen und Pensionisten sagen: Ich habe ein bisschen eine höhere Pension, keine Hochpension mit 3 000, 4 000 Euro, und ja, die 10, die 15 Euro, die ich jetzt im Monat weniger Erhöhung bekomme, sind mein Beitrag zur Sanierung des Budgets. Für dieses Verständnis muss man einfach auch Danke sagen. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist das, was wir brauchen: dass nämlich von Anfang an klar war, dass die budgetäre Situation in Österreich so ist, dass jede und jeder einen Beitrag wird leisten müssen. Was wesentlich ist, ist, dass halt auch Banken und Stiftungen, Energiekonzerne und dergleichen einen Beitrag leisten – etwas, das die Freiheitlichen bei ihren Regierungsverhandlungen vergessen haben –, damit jeder das Gefühl hat: Ja, ich zahle einen Beitrag, aber jene, denen es besser geht, zahlen auch einen Beitrag, und der ist höher als mein Beitrag! – Das ist, glaube ich, ganz wesentlich: dass jeder in Österreich weiß, dass der, der mehr hat, auch mehr beitragen muss, und dafür sorgt diese Bundesregierung. (👏 SPÖ) Die Freiheitlichen tun jetzt so, als ob für alle Milch und Honig fließen würde, wenn sie in der Regierung wären.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, nicht für alle! Nein, nein! Nicht für alle! – Abg. Deimek [FPÖ]: Nicht für Syrer und Afghanen! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Kai Jan Krainer

… Da empfehle ich dann immer einen Blick zurück. Achtmal ist ein freiheitlicher Sozialminister oder eine freiheitliche Sozialministerin hier auf der Regierungsbank gesessen und hat die Pensionserhöhung angekündigt.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Schon wieder die falsche ... Excel-Liste!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Einmal war das so ähnlich wie heute: die Inflation für die meisten und, abgestuft, für höhere Pensionen einmal ein Sockelbetrag. Siebenmal ist es gekürzt worden und deutlich unter der Inflation abgeschlossen worden. Sieben- von achtmal waren Sie im Schnitt nicht einmal bei der Hälfte der Inflation. Das ist die Bilanz von freiheitlicher Politik, wenn Sie hier auf der Regierungsbank sitzen! Was Sie da sagen, was Sie machen, wenn Sie auf der Oppositionsbank sitzen, ist nicht relevant. Wenn Sie hier auf der Regierungsbank sitzen, dann haben sie sieben- von achtmal die Pensionen gekürzt, und das ist keine gute Bilanz. (👏 ÖVP, SPÖ) Wenn Kollege Schnedlitz hier so etwas sagt wie: Das waren die früher, die kenne ich nicht einmal mehr! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Da war ich noch relativ jung ...! – Abg. Wöginger [ÖVP]: Kennst den Kickl auch nicht?

SPÖ Kai Jan Krainer

… dann schauen wir uns doch an, was die Freiheitlichen dort, wo sie heute Verantwortung tragen, machen: In Oberösterreich zum Beispiel, wo die Freiheitlichen fürs Wohnen zuständig sind, sind die Mieten um 80 Prozent gestiegen. Die Wohnbeihilfe ist was? – Um 40 Prozent gesunken. Na ja, das soll eine soziale Handschrift sein? – Schauen Sie, die Zahlen lügen nicht. Ich kann Zahlen lesen und die ist um 40 Prozent gesunken. Das Nächste, in Salzburg: Die Landeshauptfraustellvertreterin Svazek genehmigt sich selber 800 Euro im Monat plus – 800 Euro im Monat plus! Was ist mit denen, die nicht genug Geld zum Heizen haben und die einen Heizkostenzuschuss bekommen? – Denen wird der Heizkostenzuschuss gekürzt, nämlich von 600 Euro auf 250 Euro. Das soll eine soziale Handschrift in der Praxis sein?! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

In Wien gibt’s gar keinen, als was regst dich da auf?

SPÖ Kai Jan Krainer

… Das stimmt, was Sie in Salzburg schon machen – ( Abg. Schiefer [FPÖ] führt die Arme mehrmals von oben nach unten und klatscht anschließend in die Hände) – weil ich diese Bewegung ( den abgewinkelten rechten Arm von oben nach unten bewegend ) hier sehe –: Dafür stellen Sie in Salzburg jetzt einige hundert Glücksspielautomaten auf, denn das ist anscheinend die soziale Handschrift der FPÖ. Und was haben Sie in Niederösterreich, in Ihrem Bundesland, Herr Schnedlitz, gemacht? – Sie haben das Schulstartgeld gekürzt. Wissen Sie, mit welcher Begründung? – Weil die Inflation vorbei ist. In Niederösterreich ist also offenbar die Inflation vorbei ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ ), auf Bundesebene nicht. Die Politik, die Sie betreiben, ist keine verantwortungsvolle. Wenn Sie hier ( auf die Regierungsbank weisend ) sitzen, kürzen Sie die Pensionen. Wenn Sie dort ( auf die Abgeordnetenreihen weisend ) sind und andere sie nicht kürzen, dann regen Sie sich darüber auf. Das ist keine verantwortliche Politik und dafür werden Sie auch nicht gewählt werden. – Vielen Dank.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Eine nette Märchenstunde! – Abg. Deimek [FPÖ]: Bei uns wird’s immer mehr und bei euch ... lustig! Das ist aber auch ...! – Abg. Krainer [SPÖ] – auf dem Weg zu seinem Sitzplatz –: So eine Hochschaubahn wie ihr fahrt!

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Doppelbauer .

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich bin wirklich nicht bekannt dafür, dass man mich als Scharfmacherin am Schluss nach einer Rede hinausschickt, aber jetzt musste ich mich doch noch einmal kurz zu Wort melden. Kollege Kogler, die Gehälter im öffentlichen Dienst wurden letzten November erhöht, für zwei Jahre. Bei allem Respekt, Sie können sich jetzt nicht hierherstellen und sagen, da war nicht absehbar, wie die budgetäre Situation dieser Republik eigentlich ausschaut. Also gerade Sie als Volkswirt haben genau gewusst, worauf Sie sich da einlassen, und das war etwas, das Sie mitgegeben haben. (👏 SPÖ, NEOS) Ganz ehrlich, auch jetzt hat man sich darauf geeinigt, dass es natürlich auch bei den niedrigeren Gehältern im öffentlichen Dienst eine Staffelung gibt und dass natürlich auch die, die am Weg sind, die starten, fair behandelt werden. Aber ja, jeder muss seinen Beitrag leisten. Das war eigentlich nicht der Grund, warum ich mich jetzt noch einmal zu Wort gemeldet habe. Was mich nämlich wirklich irritiert, ist, wenn Sie sich hierherstellen und tatsächlich laut sagen: Im privaten Sektor hat sich ja nichts getan! Ganz ehrlich, ich weiß nicht, mit wem Sie sprechen. Ich kenne so viele Betriebe, ich kenne so viele Mitarbeiter! Die haben Gehaltsverzichte. Da geht es nicht darum, dass ich über die Inflation noch ein Gehalt angepasst kriege. Da geht es darum, dass mein Gehalt gekürzt wird, damit mein Unternehmen überlebt, damit ich nicht andere Kollegen hinauswerfen muss und damit ich exportieren kann und in diesem Land wettbewerbsfähig bleibe! (👏 ÖVP, NEOS) Ich glaube, das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht jeder Unternehmerin und jedes Unternehmers, was Sie da gerade gesagt haben.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

... reden nicht über die Abschlüsse!

NEOS Karin Doppelbauer

… Ich kenne die Situation wirklich gut. Ich arbeite seit 20 Jahren in der Wirtschaft. Und das zu vergleichen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... die Gehaltsabschlüsse, Karin!

NEOS Karin Doppelbauer

… wo Mitarbeiter entlassen werden – täglich lesen wir es in der Zeitung, AVL, Lenzing, egal wo Sie hingehen –, ist wirklich der falsche Ansatz! Ich würde mir wünschen, dass Sie da mit mehr Weitblick und Ihrer Erfahrung geschuldet agieren. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Ich ersuche die Abgeordneten, Ihre Plätze einzunehmen. Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/88.1 Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 8, Entwurf betreffend Pensionsanpassungsgesetz 2026 samt Titel und Eingang in 236 der Beilagen: Ich ersuche jene Damen und Herren, die diesem Gesetzentwurf ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich ersuche um Zustimmung zum Gesetzentwurf in dritter Lesung. – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung mit Mehrheit angenommen. RN/88.2 Wir gelangen zur Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 9: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 237 der Beilagen. Da der vorliegende Gesetzentwurf eine Verfassungsbestimmung enthält, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 1 der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte nun jene Abgeordneten, die dem vorliegenden Gesetzentwurf zustimmen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. Daher erspare ich mir auch die Feststellung, dass dieser die erforderliche Zweidrittelmehrheit hat. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Wer stimmt in dritter Lesung zu? – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung einstimmig angenommen. RN/88.3 Abstimmung über den Tagesordnungspunkt 10, Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, seinen Bericht 238 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen: Wer ist für die Kenntnisnahme des Berichtes? – Das ist mit Mehrheit angenommen. Damit ist der Abstimmungsvorgang abgeschlossen. Bevor wir dann den Tagesordnungspunkt 11 aufrufen – Frau Staatssekretärin Königsberger-Ludwig ist ja schon seit der vorigen Debatte da –, werde ich aber die Sitzung bis 15 Uhr unterbrechen und den Vorsitz an den Präsidenten übergeben. Die Sitzung ist bis 15 Uhr unterbrochen. Sitzungsunterbrechung, 46. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:58

Gesundheitstelematikgesetz 2012 und Allgemeines Sozialversicherungsgesetz

243 d.B. · Antrag vonSPÖÖVPNEOS · Initiativantrag 413/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN
ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ

Zusammenfassung

Das Gesundheitstelematikgesetz 2012 wird novelliert, um MyHealth@EU-Anwendungen (EU‑Rezept und EU‑Patientenkurzakte) samt nationaler Kontaktstelle, Zugriffs-/Identitätsprüfungen, Protokollierung, Opt‑in und Datenschutzrollen rechtlich zu verankern. Zudem werden Pflege- und ELGA-Regeln präzisiert (u.a. Einbeziehung mobiler Pflegedienste, Ausschluss von Einrichtungen der Behindertenhilfe von der Pflege-Definition/ELGA-Zugriff) und im ASVG die Nutzung des e‑Rezepts zur Erstellung von EU‑Rezepten sowie eine verlängerte Übergangsfrist für den Betrieb des Zugangsportals geregelt.

Betroffen sind ELGA-Teilnehmer:innen und Gesundheitsdiensteanbieter (insbesondere Apotheken, Ärzt:innen, Pflegeeinrichtungen), der Dachverband der Sozialversicherungsträger sowie Einrichtungen der Behindertenhilfe/Teilhabe im Zusammenhang mit ELGA- und MyHealth@EU‑Zugriffen.

Dokumente

Gesundheitstelematikgesetz 2012 und Allgemeines Sozialversicherungsgesetz

Gegenstand und Zielsetzung der Novelle

  • Änderung des Gesundheitstelematikgesetzes 2012 (GTelG 2012) und des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG).
  • Schaffung einer nationalen Rechtsgrundlage für grenzüberschreitende eHealth-Anwendungen über die EU-Infrastruktur „MyHealth@EU“: insbesondere EU‑Rezept (ePrescription/eDispensation) und EU‑Patientenkurzakte (Patient Summary).
  • Vorgriff auf verpflichtende Inhalte der Verordnung (EU) 2025/327 über den Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS), deren Primärnutzungs‑Vorgaben ab März 2029 anwendbar werden; vorzeitige Implementierung in Österreich zur Nutzung einer zeitlich nur jetzt möglichen EU‑Kofinanzierung (EU4Health).
  • Ziele: Behandlungskontinuität, Patient:innensicherheit, Qualitätssteigerung, Aufrechterhaltung einer hochwertigen und zugänglichen Versorgung sowie Stärkung der Patient:innenrechte (Zugang/Kontrolle über elektronische Gesundheitsdaten) im grenzüberschreitenden Kontext.
  • Klarstellung, dass sozialversicherungsrechtliche Vorschriften durch die grenzüberschreitenden Anwendungen nicht geändert werden und daraus keine neuen sozialversicherungsrechtlichen Ansprüche abgeleitet werden können.

Klarstellungen zur Definition „Einrichtung der Pflege“ und Behindertenhilfe

  • Klarstellung, dass Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen („Einrichtungen der Behindertenhilfe/Teilhabe“) nicht als „Einrichtung der Pflege“ im Sinn des GTelG 2012 gelten.
  • Folge: Diese Einrichtungen sind keine ELGA‑Gesundheitsdiensteanbieter, haben keinen ELGA‑Zugriff und sind weder zur Speicherung des Pflegesituationsberichts verpflichtet noch dazu berechtigt.
  • Begründung: Behinderteneinrichtungen sind keine Pflegeeinrichtungen im klassischen Sinn; Fokus liegt auf sozialer Teilhabe. Eine pauschale Zuordnung zur Pflege würde eine medizinische Sicht auf Behinderung fördern und dem sozialen/menschenrechtlichen Modell der UN‑Behindertenrechtskonvention widersprechen.
  • Gleichzeitig Klarstellung/Erweiterung, dass auch mobile Pflegeeinrichtungen erfasst sind, die in mehreren Bundesländern im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung auf Basis von Vereinbarungen betrieben werden und (auch) durch ein Bundesland finanziert werden; „von einem Bundesland finanziert“ umfasst auch Förderungen aus Sozialfonds (Land/Gemeinden).

ELGA‑Pflichten: Pflegesituationsbericht und Medikationsdaten

  • Durch die erweiterte Definition der „Einrichtung der Pflege“ werden bisher teils nicht erfasste mobile Pflegedienste künftig ELGA‑Gesundheitsdiensteanbieter und damit grundsätzlich speicherverpflichtet.
  • Um Vorbereitungszeit für die ELGA‑Anbindung zu schaffen, wird der Beginn der Speicherverpflichtung für den Pflegesituationsbericht (13 Abs. 3 Z 6) um ein Jahr verschoben; die Verschiebung wird zur Harmonisierung auf die Speicherverpflichtungen insgesamt ausgedehnt (nicht nur für mobile Pflegedienste).
  • Klarstellung zu 13 Abs. 3 Z 4: Unter „Krankenanstalten“ fallen auch selbständige Ambulatorien nach KAKuG, soweit sie Aufgaben ärztlicher Berufe umfassen; wenn eine Krankenanstalt nicht selbst verordnet, trifft die Pflicht zur Speicherung der Medikationsdaten jene Ärztin/jenen Arzt, die/der tatsächlich verordnet.
  • Neue/erweiterte Möglichkeit bzw. Pflicht, dass auch Einrichtungen der Pflege Medikationsdaten speichern: Damit können Gesundheitsberufe in Pflegeeinrichtungen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit Verordnungen ausstellen, diese in der eMedikation speichern.

Strukturelle Änderungen im GTelG 2012 (Inhaltsverzeichnis, Entfall/Neustrukturierung)

  • Einfügung eines neuen 6. Abschnitts für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung über MyHealth@EU; Anpassungen im Inhaltsverzeichnis (neuer 6. Abschnitt, Entfall eines bisherigen Eintrags).
  • Entfall einer bisherigen Bestimmung (12) im Zusammenhang mit der neuen Abschnittsstruktur.

Erweiterung der Ziele und Begriffe im GTelG 2012 für grenzüberschreitende Anwendungen

  • Ergänzung der Ziele des GTelG 2012 um einheitliche Regelungen für ungerichtete Kommunikation elektronischer Gesundheitsdaten (und genetischer Daten als Regelungsgegenstand des Gesetzes) im Rahmen spezifischer Anwendungen der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung.
  • Klarstellung: Die Novelle umfasst nicht die unmittelbare Verarbeitung „direkter“ genetischer Daten (z.B. ganze Genome); es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass in künftigen prioritären Dokumentkategorien (z.B. Entlassungsbriefe) indirekte Hinweise auf genetische Aspekte enthalten sind; direkte genetische Datensätze sind in MyHealth@EU‑Katalogen/Leitfäden nicht vorgesehen und daher nicht als ELGA‑Dokumente für diese Anwendungen verfügbar.
  • Erweiterung der Definition „Gesundheitsdiensteanbieter“: formell auf Gesundheitsdiensteanbieter in MyHealth@EU‑Mitgliedstaaten (nicht nur österreichische) und inhaltlich um den Zweck der Unterstützung der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung; Einbeziehung von Apotheker:innen in MyHealth@EU‑Mitgliedstaaten für den Anwendungsfall der elektronischen Abgabe.
  • Neuer Zweckbestandteil zur Erfassung der notwendigen Infrastruktur (Nationale Kontaktstelle für digitale Gesundheit) sowie des Zugriffs bestimmter ELGA‑Gesundheitsdiensteanbieter auf die EU‑Patientenkurzakte.
  • Hinweis auf Behandlungslandprinzip: konkrete Zugriffsrechte werden durch das Recht des Behandlungsmitgliedstaats bestimmt; Datenzugriffe sind nach DSGVO auf das Notwendige („need‑to‑know“) zu beschränken und durch nationale Datenschutzaufsicht zu kontrollieren.
  • Entfall der bisherigen, aus der Patientenmobilitätsrichtlinie stammenden Definition „patient summary“, da nun detaillierte Regelung im Rahmen von MyHealth@EU/EHDS vorgesehen ist.
  • Neue Begriffsdefinitionen für den 6. Abschnitt: „MyHealth@EU‑Mitgliedstaat“ nur bei aufrechter Verbindung zur österreichischen Nationalen Kontaktstelle (Interoperabilitäts‑Tests vor Produktivbetrieb); Definitionen von Herkunfts‑ und Behandlungsmitgliedstaat; abweichendes Begriffsverständnis „Bürger:innen“ im 6. Abschnitt (Wohnsitz oder aufrechtes Sozialversicherungsverhältnis in Österreich oder einem anderen Herkunftsstaat; Eintragung im Patientenindex nicht zwingend).

Öffentliches Gesundheitsportal und Plattformen: Erweiterung für grenzüberschreitende Anwendungen

  • Anpassungen, damit bestehende Plattformen (Öffentliches Gesundheitsportal, Plattform für Gesundheitsdiensteanbieter) für grenzüberschreitende Anwendungen genutzt/erweitert werden können.

Öffnung der ELGA‑Infrastruktur für MyHealth@EU‑Anwendungen

  • Erweiterung der ELGA‑Infrastruktur (u.a. Patientenindex, Identitäts‑/Berechtigungs‑/Protokollierungs‑ und Zugangsportal‑Komponenten) zur Nutzung nicht nur für nationale eHealth‑Anwendungen (5. Abschnitt), sondern auch für Anwendungen der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung (6. Abschnitt).
  • Legistische Klarstellung zur Identitätsprüfung: Personalausweise als Passersatz können für Identitätsüberprüfungen herangezogen werden; bestimmte Dokumente ohne Datenträger (z.B. „Notpass“/Reisepässe für bestimmte Anlassfälle) sind nicht geeignet.

Protokollierung und Nachvollziehbarkeit im grenzüberschreitenden Kontext

  • Ausdehnung des Protokollierungssystems auf Anwendungen des 6. Abschnitts, um ELGA‑Systematik auch grenzüberschreitend zu übernehmen.
  • Einschränkung: Protokollierungspflichten können nur für österreichische Gesundheitsdiensteanbieter normiert werden; für ausländische Anbieter kann österreichisches Recht (z.B. Erfassung der Namen natürlicher Personen, die für sie tätig werden) nicht verbindlich vorgeschrieben werden.

6. Abschnitt GTelG 2012: MyHealth@EU – Grundkonzept und gemeinsame Prozesslogik

  • MyHealth@EU als unionsweite Infrastruktur für grenzüberschreitende Verarbeitung/Austausch elektronischer Gesundheitsdaten: nationale Kontaktstellen der Mitgliedstaaten plus zentrale Plattform der EU‑Kommission.
  • Erste prioritäre Services: EU‑Rezept (eVerschreibung/eAbgabe) und EU‑Patientenkurzakte; weitere prioritäre Datenkategorien (z.B. Bilddaten, Labor, Entlassungsberichte) sind perspektivisch vorgesehen.
  • Gemeinsame Charakteristika der MyHealth@EU‑Services: ungerichtete Kommunikation (zeit‑/ortsunabhängige Bereitstellung für berechtigte Empfänger), standardisierte Prozessschritte (Anfrage über nationale Infrastruktur → Kontaktstellen → zentrale Plattform → Herkunftsstaat → Rückübermittlung), sowie EU‑weit bereitgestellte Datenschutzinformation („Patient Information Notice“) ergänzt durch eine nationale Informationswebsite (GÖG) für Öffentlichkeitsarbeit.
  • Technische/organisatorische Einbettung: Kommunikation zwischen Kontaktstellen über das TESTA‑Netzwerk (private, vom Internet getrennte Infrastruktur; Verschlüsselung; Sicherheitsmechanismen).

24i: Ziele, Rechtsgrundlage und Opt‑in für MyHealth@EU‑Teilnahme

  • Festlegung der übergeordneten Zwecke der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung (Kontinuität, Sicherheit, Qualität, Zugänglichkeit, Patient:innenrechte) als Rahmen für die konkreten Anwendungsfälle.
  • Rechtmäßigkeit der Verarbeitung von Gesundheitsdaten: Art. 9 Abs. 2 lit. h und i DSGVO iVm Art. 6 Abs. 1 lit. c/e DSGVO; Opt‑in ist keine Einwilligung nach Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO, sondern zusätzliche Schutzmaßnahme.
  • Opt‑in: Teilnahme an MyHealth@EU ist freiwillig; Opt‑in kann zentral verwaltet und pro Anwendungsfall spezifiziert werden; Rückzug wirkt nur für die Zukunft (keine weiteren Verarbeitungen), ohne bestehende Löschfristen zu verändern.
  • Opt‑in ist unabhängig vom ELGA‑Widerspruch (Opt‑out) nach 15 GTelG 2012; auch bei ELGA‑Widerspruch kann Opt‑in für EU‑Rezept erklärt werden, da e‑Rezept keinen Widerspruchsmechanismus wie ELGA vorsieht.
  • Explizite Klarstellung: sozialversicherungsrechtliche Vorschriften bleiben unberührt; keine Ableitung neuer Ansprüche.

24j: Nationale Kontaktstelle für digitale Gesundheit (NCPeH) – Rolle, Verantwortlichkeit, Löschung

  • Einrichtung/Benennung der Nationalen Kontaktstelle für digitale Gesundheit als zentrale Datendrehscheibe für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung; Anknüpfung an ELGA‑Infrastruktur.
  • Datenschutzrollen auf EU‑Ebene: Mitgliedstaaten sind Verantwortliche für die von ihnen über MyHealth@EU verarbeiteten Daten; EU‑Kommission betreibt die zentrale Plattform als Auftragsverarbeiterin (Durchführungsbeschluss 2019/1765). Nationale Regelung beschränkt sich auf nationale Ebene.
  • Nationale Kontaktstelle und EU‑Rezept‑Anwendung werden als Teil der öffentlichen Gesundheitstelematik‑Infrastruktur (Zielsteuerung‑Gesundheit) klargestellt.
  • Löschfrist: Protokollierungs-/Verarbeitungsdaten bei der Nationalen Kontaktstelle sind spätestens 10 Jahre nach Abschluss des jeweiligen Vorgangs zu löschen (z.B. nach erfolgreicher Einlösung und Rückmeldung der Abgabe bzw. nach Abruf der EU‑Patientenkurzakte); 10 Jahre als Maximalfrist, kürzere Fristen je nach Erforderlichkeit möglich.

24k: Grundsätze der Datenverarbeitung und verpflichtende ELGA‑Komponenten

  • Festlegung verbindlicher technischer und organisatorischer Grundsätze (über DSGVO‑Mindestniveau hinaus) unter Nutzung der Öffnungsklausel (Art. 9 Abs. 4 DSGVO iVm Art. 168 Abs. 7 AEUV).
  • Pflicht zur eindeutigen Identifizierung von Bürger:innen und Gesundheitsdiensteanbietern; Zweckbindung und Rollenbezogenheit der Verarbeitung.
  • Taxative Aufzählung der zu verwendenden ELGA‑Komponenten für MyHealth@EU‑Anwendungen (u.a. Patientenindex/Identitätsmanagement, Verzeichnis-/Indexdienste, Protokollierungssystem, Zugangsportal) als Standardarchitektur; Abweichungen/Erweiterungen nur durch spezielle Regelungen in den anwendungsspezifischen Unterabschnitten.

24l: Identitätsprüfung von Bürger:innen im grenzüberschreitenden Prozess

  • Vor jedem Abruf ist eine Identitätsprüfung zwingend; ohne Identifizierungsmerkmal (Token/Ausweisnummer) ist ein Abruf technisch ausgeschlossen.
  • Zwei Methoden: (1) E‑ID‑basierte Identifizierung mit einer E‑ID‑tauglichen Anwendung; Erzeugung eines einmalig und zeitlich begrenzt nutzbaren One‑Time‑Tokens (OTT) nach 2‑Faktor‑Authentifizierung. (2) Identifizierung über Ausweisnummern/Abgleichmechanismen (Anknüpfung an bestehende Identitätsprüfung nach 18 GTelG 2012).
  • Territorialitätsprinzip: Für Gesundheitsdiensteanbieter im Ausland kann Österreich keine verbindlichen Detailvorschriften erlassen; deren Rechtsgrundlagen richten sich nach dem Recht des Behandlungsmitgliedstaats.
  • Verwendung des bPK‑GH im österreichischen Prozess; falls in abgerufenen Dokumenten kein bPK‑GH enthalten ist, darf zur Ermittlung der Zuordnung der zentrale Patientenindex herangezogen werden.
  • Vor grenzüberschreitender Übermittlung wird bPK‑GH in eine pseudonyme „MyHealth@EU‑ID“ umgewandelt (kryptographische Ableitung/Hashing), um Identifizierung innerhalb MyHealth@EU ohne Preisgabe des bPK‑GH zu ermöglichen.
  • Maximaler Umfang der dabei verarbeiteten Identitätsdaten wird beschrieben; konkrete Ausprägungen können je Mitgliedstaat variieren (Vertrauenskreis).

24m: Identitätsprüfung von Gesundheitsdiensteanbietern

  • Identitätsprüfung grundsätzlich über etablierte ELGA‑Register/Komponenten; differenzierte Anforderungen je nach Rolle (direkter Zugriff auf Inhaltsdaten vs. administrative Rollen).
  • Für EU‑Rezept in Österreich als Behandlungsmitgliedstaat: Teilnahmevoraussetzung ist die Einbindung als Vertragspartner im e‑Card‑System mit Ausprägung „öffentliche Apotheke“; zusätzlich Zuordnung einer Admin‑Karte zu einer konkreten natürlichen Person (Mitarbeitende).
  • Protokollierung der Abgaben mit Name der handelnden Person, Laufnummer der Admin‑Karte und Apotheke; 2‑Faktor‑Authentifizierung durch physische Karte + PIN; Änderungen der Zuordnung nur pro futuro.
  • Für Österreich als Herkunftsmitgliedstaat gilt für die Identifizierung/Authentifizierung ausländischer Gesundheitsdiensteanbieter ausschließlich deren nationales Recht; Vertrauen in EU‑Standards (2‑Faktor, Protokollierung auf Ebene natürlicher Personen, rechtliche Zulässigkeit, zuständige Stellen).

24n: Rechte der Bürger:innen und Ausübung der DSGVO‑Betroffenenrechte

  • Niederschwellige Ausübung von Rechten über das Zugangsportal sowie über die ELGA‑ und eHealth‑Supporteinrichtung (als erste Anlaufstellen, inkl. 24/7‑Support).
  • Über diese Stellen können Betroffenenrechte nach Kapitel III DSGVO wahrgenommen werden; direkte Geltendmachung gegenüber Verantwortlichen bleibt möglich.
  • Opt‑in nach 24i Abs. 2 kann nur zentral über diese Stellen abgegeben oder zurückgezogen werden (nicht bei jedem Verantwortlichen), um einheitliche Verwaltung sicherzustellen.
  • Regel zur Rechtsausübung bei Minderjährigen: im Zweifel steht die Ausübung mündigen Minderjährigen ab 14 Jahren zu (Anknüpfung an ABGB‑Grundsätze).
  • Wenn Anfragen auch Verantwortliche außerhalb Österreichs betreffen, können sie dennoch bei den österreichischen Stellen eingebracht werden; dies reduziert Hürden (z.B. Sprachbarrieren) und erspart die Suche nach ausländischen Verantwortlichen.

EU‑Rezept (24o–24r): Aufbau, Zwecke, Datenflüsse und Verantwortlichkeiten

  • 24o: Der Dachverband errichtet und betreibt im übertragenen Wirkungsbereich ein EU‑Rezept‑Service; es ist Privatwirtschaftsverwaltung. Der Dachverband darf ELGA‑Komponenten sowie das elektronische Verwaltungssystem (ELSY) nutzen; Zugriff auf die Anwendung „e‑Rezept“ ist für die Erstellung des EU‑Rezepts erforderlich.
  • Klarstellung: Betrieb/Verantwortlichkeit/Haftung für die nationale Anwendung „e‑Rezept“ im eigenen Wirkungsbereich der Sozialversicherung bleibt unverändert; EU‑Rezept nutzt nationale e‑Rezepte als Grundlage.
  • EU‑Rezept‑Zweck: sichere, fälschungssichere grenzüberschreitende Einlösung österreichischer Verschreibungen; Abbau bürokratischer Hürden (Übersetzungen, Bestätigung der Abgabe) und Erleichterung der Kostenerstattung; besonderer Nutzen u.a. für Pensionist:innen mit regelmäßiger Einlösung im EU‑Ausland.
  • Umwandlung „on‑the‑fly“: Ein österreichisches e‑Rezept wird erst bei tatsächlicher Einlösung im Ausland ad hoc in ein EU‑Rezept transformiert; für EU‑Semantik/Übersetzung wird neben Handelsname auch Wirkstoffname herangezogen (national ohne Auswirkung).
  • 24p (Österreich als Herkunftsmitgliedstaat): Abruf wird durch Einlösungsereignis im Behandlungsmitgliedstaat ausgelöst; Identitätsprüfung der Person ist zwingend (nach den im Behandlungsstaat umzusetzenden Rahmenbedingungen); österreichische Kontaktstelle leitet Anfragen an das EU‑Rezept‑Service/Dachverband weiter und stellt Daten bereit.
  • 24q (Österreich als Behandlungsmitgliedstaat): Österreichische öffentliche Apotheken können freiwillig teilnehmen, um ausländische e‑Verschreibungen elektronisch abzugeben; berufsrechtliche Grenzen bleiben unverändert (Rezeptpflicht, Verbote/Restriktionen, Suchtmittel‑Ausnahmen etc.).
  • Wenn ein über MyHealth@EU übermitteltes Arzneimittel nach österreichischem Recht nicht abgegeben werden darf, muss die Apotheke die Einlösung verweigern.
  • Teilnehmende Apotheken müssen neben Berufsrecht die Pflichten des 6. Abschnitts (insb. Identitätsprüfung, Protokollierung, Meldung der elektronischen Abgabe) erfüllen; Apotheke ist nicht verantwortlich für den Erfolg der grenzüberschreitenden Übermittlung der Abgabemeldung in den Herkunftsstaat.
  • 24r: Grundsätze der Datenverarbeitung werden für EU‑Rezept nochmals festgeschrieben; spezielle datenschutzrechtliche Rollenverteilung: gemeinsame Verantwortlichkeit je nach Fallkonstellation.
  • Bei Österreich als Herkunftsmitgliedstaat: gemeinsame Verantwortlichkeit zwischen Gesundheitsminister:in (Infrastruktur/NCP) und verschreibender Ärztin/verschreibendem Arzt.
  • Bei Österreich als Behandlungsmitgliedstaat: zusätzlich gemeinsame Verantwortlichkeit der abgebenden Apotheke (wegen freiwilliger Teilnahme und freiem Beruf; keine inhaltlichen Vorgaben durch Ministerium).
  • Konkretisierung der gemeinsamen Verantwortlichkeit (Art. 26 DSGVO) erfolgt durch Verordnung der/des Gesundheitsminister:in.

EU‑Patientenkurzakte (24s–24u): Aufbau, Zugriff und Verantwortlichkeiten

  • 24s: Gesundheitsminister:in richtet eine grenzüberschreitende Anwendung zum Abruf der EU‑Patientenkurzakte ein und betreibt sie; Zugang für österreichische Gesundheitsdiensteanbieter zunächst über die Plattform für Gesundheitsdiensteanbieter, später auch über Software‑Schnittstellen.
  • Gesundheitsminister:in darf dafür die in 24k Abs. 3 genannten ELGA‑Komponenten verwenden; Anwendung ist Teil der öffentlichen Gesundheitstelematik‑Infrastruktur.
  • 24t (Österreich als Behandlungsmitgliedstaat): Bestimmte ELGA‑Gesundheitsdiensteanbieter (insb. nach 2 Z 10 lit. a GTelG 2012) können freiwillig teilnehmen und EU‑Patientenkurzakten aus anderen Mitgliedstaaten abrufen; Berufsrecht bleibt unberührt, ist aber Teilnahmevoraussetzung.
  • Teilnehmende Gesundheitsdiensteanbieter müssen Pflichten des 6. Abschnitts erfüllen (Identitätsprüfung der Person, Identitätsprüfung des Anbieters, Protokollierung etc.).
  • 24u: Grundsätze der Datenverarbeitung werden für EU‑Patientenkurzakte nochmals festgeschrieben; spezielle gemeinsame Verantwortlichkeit zwischen Gesundheitsminister:in (Infrastruktur/NCP) und dem jeweils behandelnden, zugreifenden ELGA‑Gesundheitsdiensteanbieter; Konkretisierung per Verordnung nach Art. 26 DSGVO.

ASVG‑Änderungen: ELSY/e‑Rezept‑Nutzung für EU‑Rezept und Zugangsportal‑Übergangsfrist

  • 31a Abs. 4: Ergänzung eines ausdrücklichen Zwecks, dass Bestandteile der ELSY‑Infrastruktur (inkl. Anwendung „e‑Rezept“) auch zur Erstellung von EU‑Rezepten verwendet werden dürfen; dient Rechtssicherheit und Transparenz, obwohl die Regelung auch allein im GTelG 2012 möglich wäre.
  • Klarstellung zur Kostentragung: Der/die Gesundheitsminister:in hat den dem Dachverband durch die Verarbeitung von ELSY‑Bestandteilen entstehenden Aufwand nach Maßgabe einer vertraglichen Regelung zu vergüten.
  • 31d Abs. 3 Z 3: Verlängerung einer Übergangsfrist, weil der Betrieb des Zugangsportals nach geplanter Integration in das Gesundheitsportal künftig nicht mehr durch den Dachverband im übertragenen Wirkungsbereich erfolgen soll; erhebliche technische Änderungen erfordern längere Übergangszeit.

Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) für 6. Abschnitt: EU‑Rezept und EU‑Patientenkurzakte

  • DSFA wird als erforderlich begründet (Art. 35 DSGVO), weil großvolumige Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten und Daten schutzbedürftiger Betroffener (Patient:innen) erfolgt; DSFA soll auch Haftungs-/Schadenersatzrisiken (Art. 82 DSGVO) minimieren.
  • Systematische Beschreibung: Verarbeitung als Server‑Client‑Applikation; technische Details werden aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt.
  • Gemeinsam Verantwortliche: beim EU‑Rezept Gesundheitsminister:in und Apotheken (sowie je nach Konstellation weitere Verantwortliche gemäß Rollenverteilung); bei EU‑Patientenkurzakte Gesundheitsminister:in und behandelnde Gesundheitsdiensteanbieter.
  • Umfang/Geografie: potenziell EU‑weit; tatsächliche grenzüberschreitende Verarbeitung nur anlassbezogen (Einlösung/Abruf).
  • Datenkategorien EU‑Rezept: Medikationsdaten (Verschreibungen/Abgaben), Identitätsdaten (Name, Geburtsdaten, Adressen, SV‑Nummer, lokale Kennungen, bPK‑GH, ID Austria), Metadaten/Protokollierungsdaten.
  • Datenkategorien EU‑Patientenkurzakte: je Herkunftsstaat; maximal u.a. Identitäts-/Kontaktdaten, Allergien, Warnhinweise, Impfungen, medizinische Probleme/Vorgeschichte, Implantate/Medizinprodukte, Verfahren/Pflege, Funktionsstatus, Medikation, sozialer Hintergrund, Schwangerschaft, patientengenerierte Daten, beobachteter Zustand, Versorgungsplan, seltene Krankheiten, Untersuchungsergebnisse.
  • Empfänger:innen: je Anwendung Gesundheitsdiensteanbieter/Apotheken, Nationale Kontaktstelle/Supporteinrichtung, Dachverband (EU‑Rezept), Vertreter:innen der Betroffenen, Auftragsverarbeiter.
  • Speicherdauer: bei der Nationalen Kontaktstelle keine Speicherung von Gesundheitsinhalten, sondern Protokollierungsdaten; Löschung spätestens nach 10 Jahren ab Abschluss des Vorgangs; erneute Anforderung bei späterem Bedarf möglich.
  • Bewertung Notwendigkeit/Verhältnismäßigkeit: Zwecke gesetzlich festgelegt; Rechtmäßigkeit über Art. 9 Abs. 2 lit. h/i DSGVO; Opt‑in als zusätzliche Schutzmaßnahme; Datenminimierung durch Weiterleitungsprinzip und Zweckbindung; Speicherbegrenzung durch Löschfrist.
  • Betroffenenrechte: Auskunft/Berichtigung/Einschränkung über Zugangsportal und Supporteinrichtung; Datenübertragbarkeit nicht anwendbar (keine Einwilligung/kein Vertrag); Löschung regelmäßig ausgeschlossen (Art. 17 Abs. 3 lit. b DSGVO) wegen rechtlicher Verpflichtung; Widerspruchsrecht nicht einschlägig, da Verarbeitung nicht auf Art. 6 Abs. 1 lit. e/f DSGVO beruht.
  • Auftragsverarbeiter: konkrete Festlegung abhängig von Umsetzung/Ausschreibungen; Art. 28 DSGVO ist durch Auftragsverarbeitungsvereinbarungen sicherzustellen.
  • Keine Drittlandübermittlungen vorgesehen.
  • Vorherige Konsultation der Datenschutzbehörde wird als nicht erforderlich bewertet, da umfangreiche Risikominderungsmaßnahmen vorgesehen sind (Freiwilligkeit/Opt‑in, Zweckbindung, Löschfrist, Privacy by Design/Art. 25, Sicherheit/Art. 32, Protokollierung, starke Identifizierung, straf- und disziplinarrechtliche Sanktionen, Sicherheitskonzeptmaßnahmen).
  • Risikokatalog: physische/materielle/immaterielle Schäden (insb. bei Manipulation/Offenlegung), Kontrollverlust, Diskriminierung, Identitätsdiebstahl/-betrug, finanzielle Verluste, Rufschädigung, Verlust von Berufsgeheimnissen, wirtschaftliche/gesellschaftliche Nachteile; Eintrittswahrscheinlichkeit wird aufgrund der vorgesehenen Maßnahmen als gering eingeschätzt.
  • Abhilfemaßnahmen: Datenminimierung, Transparenz (Gesetz/Materialien/Datenschutzhinweise), Betroffenenrechte über Portal/Support, umfangreiche Datensicherheitsmaßnahmen nach Sicherheitskonzept; Pseudonymisierung als generelles Mittel für Versorgung nicht möglich, aber pseudonyme MyHealth@EU‑ID für grenzüberschreitende Identifikation vorgesehen.
  • Berücksichtigung von Datenschutzinteressen: Einbindung/Einholung von Stellungnahmen der Datenschutzbeauftragten vorgesehen; Möglichkeit zur Stellungnahme betroffener Personen über eine (noch einzurichtende) zentrale Anlaufstelle im Rahmen der Art. 26‑Umsetzung.

nachhaltige Absicherung des Projektes "Gesund aus der Krise"

244 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 99/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜR
FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat fasst eine Entschließung zur nachhaltigen Absicherung und Fortführung des Förderprogramms „Gesund aus der Krise“ zur psychologischen/psychotherapeutischen Versorgung junger Menschen. Die Bundesregierung wird damit aufgefordert, die Finanzierung und Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass das Angebot dauerhaft und verlässlich weitergeführt werden kann.

Betroffen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (bis 21 Jahre) mit psychischen Belastungen sowie die an der Umsetzung beteiligten psychologischen und psychotherapeutischen Versorgungsstrukturen.

Dokumente

nachhaltige Absicherung des Projektes "Gesund aus der Krise"

Ausgangslage und Problemstellung

  • Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist weiterhin durch gesellschaftliche Herausforderungen stark belastet.
  • Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter zählen Angststörungen, Depressionen und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS).
  • Schätzungen zufolge ist etwa ein Drittel aller jungen Menschen im Laufe ihres Lebens von einer psychischen Erkrankung betroffen.
  • Während die durchschnittliche Lebenszufriedenheit von Erwachsenen weitgehend stabil blieb, ist jene von Jugendlichen in den vergangenen Jahren signifikant gesunken.
  • Aktuelle Daten zeigen einen signifikanten Anstieg des Konsums gesundheitsgefährdender Substanzen infolge psychischer Belastungen.
  • Notfalleinsätze aufgrund von Drogen- und Medikamentenmissbrauch nahmen zwischen 2018 und 2023 stark zu: Verdoppelung bei Erwachsenen und Verdreifachung bei Personen unter 18 Jahren.

Versorgungsdefizite in Österreich

  • Die psychische Gesundheitsversorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird als zentrale Baustelle im österreichischen Gesundheitswesen beschrieben.
  • Unabhängig von akuten Krisen besteht eine strukturelle Unterversorgung, insbesondere bei kassenfinanzierten psychotherapeutischen sowie klinisch-psychologischen Behandlungen.
  • Bereits vor der COVID-19-Pandemie war ein Anstieg psychischer Erkrankungen unter jungen Menschen zu verzeichnen.

Pandemiebedingte Verschärfung der Lage

  • Die pandemiebedingten Einschränkungen ab 2020 führten zu tiefgreifenden Veränderungen im Alltag von Kindern und Jugendlichen.
  • Genannt werden insbesondere Schulschließungen, der Wegfall sozialer Aktivitäten sowie gesundheitliche und wirtschaftliche Unsicherheiten im familiären Umfeld.

Programm „Gesund aus der Krise“: Zielsetzung und Grundkonzept

  • Als Reaktion wurde im April 2022 das Förderprogramm „Gesund aus der Krise“ gestartet.
  • Ziel war ein rascher, kostenloser und qualitätsgesicherter Zugang zu psychotherapeutischer und psychologischer Unterstützung für betroffene Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
  • In der Gründungsphase richtete sich das Programm an Personen bis 21 Jahre, die infolge der COVID-19-Pandemie unter psychischen Belastungen litten.
  • Es wurde eine zentrale Servicestelle eingerichtet; Betroffene wurden nach einer Clearingphase einer geeigneten Fachkraft zugewiesen.

Finanzierung und umgesetzte Leistungen

  • Über das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) wurden Mittel in Höhe von 12,2 Millionen Euro jährlich bereitgestellt.
  • Mit den Mitteln sollten klinisch-psychologische, gesundheitspsychologische sowie psychotherapeutische Beratungen und Behandlungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ermöglicht werden.
  • Die Umsetzung erfolgte durch den Berufsverband Österreichischer Psycholog:innen (BÖP) in Kooperation mit dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP).

Projektphasen und Fortsetzungen

  • Erster Durchführungszeitraum: 1. April 2022 bis 30. Juni 2023.
  • Aufgrund weiterhin hohen Bedarfs wurde „Gesund aus der Krise II“ von April 2023 bis Juni 2024 mit einem Fördervolumen von 19 Millionen Euro umgesetzt.
  • Im Frühjahr 2024 wurde „Gesund aus der Krise III“ mit weiteren 19 Millionen Euro durch das BMSGPK fortgeführt.
  • Als Gründe für die Fortsetzung werden der große Erfolg des Projekts, die anhaltende Unterversorgung sowie multiple gesellschaftliche Krisen genannt (u. a. Klimawandel, Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit).

Attraktivierung der Einjährig-Freiwilligen-Ausbildung

224 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 425/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜR
FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt eine Entschließung an, wonach die Wehrdienstkommission eine evidenzbasierte Beurteilung zur Verleihung des Dienstgrades „Fähnrich“ an Absolventinnen und Absolventen der Einjährig-Freiwilligen-Ausbildung erarbeiten und vorlegen soll. Damit wird die mögliche Einführung dieses Anreizes zur Attraktivierung der EF-Ausbildung als Entscheidungsgrundlage geprüft, ohne die Beförderung sofort verbindlich festzulegen.

Betroffen sind Einjährig-Freiwillige (künftige Berufs- und Milizoffiziere) sowie die Wehrdienstkommission und das Bundesministerium für Landesverteidigung im Rahmen der Weiterentwicklung von Wehr- und Ausbildungsmodellen.

Dokumente

Attraktivierung der Einjährig-Freiwilligen-Ausbildung

Ausgangslage und Bedeutung der Einjährig-Freiwilligen-Ausbildung (EF)

  • Mit Anfang September 2025 startete erneut die Ausbildung der Einjährig-Freiwilligen (EF).
  • Der Beginn des EF-Jahres wird ausdrücklich begrüßt, da die Teilnehmer künftig Berufs- und Milizoffiziere stellen sollen.
  • Die EF-Ausbildung wird als wertvoll für die jungen Soldaten und für den Staat dargestellt, weil sie zur Sicherheit Österreichs und zur Fähigkeit der militärischen Landesverteidigung beiträgt.
  • Der EF-Dienst wird als große Verpflichtung beschrieben und als Faktor, der eine Bindung junger Staatsbürger an den Staat schafft.
  • Die Ausbildung fördert Kameradschaft und kann den Ausgangspunkt lebenslanger Verbundenheit bilden.

Personalbedarf und Ziel der Attraktivierung

  • Es wird ein großer Bedarf an Berufs- und Milizoffizieren betont.
  • Die Attraktivierung des Soldatenberufs in Österreich wird als notwendig bezeichnet, um Personalzuwächse zu erreichen.
  • Die EF-Ausbildung wird als ein Hebel gesehen, um motivierte und gut ausgebildete Soldaten für das Bundesheer zu gewinnen.

Kernforderung des ursprünglichen Entschließungsantrags

  • Einjährig-Freiwillige sollen nach erfolgreicher Absolvierung der zwölf Monate langen EF-Ausbildung am Ende des EF-Jahres den Dienstgrad „Fähnrich“ erhalten.
  • Die Verleihung des Dienstgrades wird als Anreiz zur Absolvierung der EF-Ausbildung begründet.
  • Damit soll ein Gleichklang in der Ausbildung zwischen Berufs- und Milizoffizieren erreicht werden.
  • „Fähnrich“ soll als Einstiegsdienstgrad bei den Offizieren etabliert werden.
  • Die Maßnahme soll die Milizarmee stärken.
  • Die Dienstgradverleihung soll Wertschätzung für die Leistungen der EF ausdrücken, ihrer Einsatzbereitschaft Respekt zollen und gesellschaftliche Anerkennung bewirken.

Begründung und Einordnung im Abänderungsantrag (Status quo „Fähnrich“)

  • Der Dienstgrad „Fähnrich“ ist seit 1996 den Frequentanten der Berufsoffiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie (TherMilAk) nach bestandenem Assessmentcenter und getroffener Berufsentscheidung für den Offiziersberuf vorbehalten.
  • Aktuell wird „Fähnrich“ auch Militärmedizinstudenten als Verwendungsbezeichnung für die Dauer der Ausbildung zuerkannt.
  • Seit 2011 werden auch Personen im Ausbildungsdienst mit Beginn der Truppenoffiziersausbildung an der TherMilAk zum „Fähnrich“ befördert.
  • Seit 2022 können auch Milizangehörige mit dem Dienstgrad Wachtmeister nach Absolvierung einer Ausbildungspraxis sowie des Seminars „Führungsverhalten“ und des Zugskommandantenlehrgangs (1. Teil) zum „Fähnrich“ befördert werden.

Weiteres Vorgehen laut Abänderungsantrag (evidenzbasierte Prüfung)

  • Die Verleihung des Dienstgrades „Fähnrich“ für EF-Absolventinnen und -Absolventen wird als potenziell motivierende und wertschätzende Maßnahme eingeordnet.
  • Im Bundesministerium für Landesverteidigung wurde im Juni 2025 eine Wehrdienstkommission eingerichtet, die als Expertenkommission bis Jahresende Modelle zur Weiterentwicklung von Wehr- und Zivildienst sowie zur personellen Befüllung ausarbeiten soll.
  • Die Wehrdienstkommission soll in diesem Zusammenhang beauftragt werden, eine evidenzbasierte Beurteilung als Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten und vorzulegen.

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Klubobmann Herbert Kickl

245 d.B. · Regierungsvorlage 7/IMMOffizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR
FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll feststellen, dass zwischen der vorgeworfenen Handlung und der politischen Tätigkeit von Herbert Kickl ein Zusammenhang besteht. Daher soll der behördlichen Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft Wien nicht zugestimmt werden.

Betroffen ist der Abgeordnete zum Nationalrat und Klubobmann Herbert Kickl sowie das Ersuchen der Staatsanwaltschaft Wien um Zustimmung zur strafrechtlichen Verfolgung wegen des Verdachts nach §§ 115 Abs. 1 und 117 Abs. 3 StGB.

Dokumente

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Klubobmann Herbert Kickl

Gegenstand des Berichts

  • Behandlung eines Ersuchens der Staatsanwaltschaft Wien um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Klubobmann Herbert Kickl gemäß Art. 57 Abs. 3 B-VG.

Inhalt des Ersuchens der Staatsanwaltschaft

  • Das Ersuchen betrifft den Verdacht einer strafbaren Handlung nach § 115 Abs. 1 StGB sowie § 117 Abs. 3 StGB.

Beurteilung durch den Immunitätsausschuss

  • Der Immunitätsausschuss gelangt zur Auffassung, dass ein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit des Abgeordneten Herbert Kickl besteht.

Empfehlung/Antrag an den Nationalrat

  • Der Nationalrat soll feststellen, dass im Sinne des Art. 57 Abs. 3 B-VG ein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit des Abgeordneten Herbert Kickl besteht.
  • Der Nationalrat soll einer behördlichen Verfolgung des Abgeordneten Herbert Kickl nicht zustimmen.

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Christofer Ranzmaier

246 d.B. · Regierungsvorlage 8/IMMOffizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN
FPÖÖVPSPÖNEOS
GRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll feststellen, dass die vorgeworfene Handlung im Zusammenhang mit der politischen Tätigkeit des Abgeordneten Christofer Ranzmaier steht. Einer behördlichen Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft Innsbruck wird daher nicht zugestimmt.

Betroffen ist der Abgeordnete zum Nationalrat Christofer Ranzmaier und das Ersuchen der Staatsanwaltschaft Innsbruck (GZ 28 St 42/25a) um Zustimmung zu seiner behördlichen Verfolgung.

Dokumente

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Christofer Ranzmaier

Gegenstand des Berichts

  • Behandlung eines Ersuchens der Staatsanwaltschaft Innsbruck um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Christofer Ranzmaier gemäß Art. 57 Abs. 3 B-VG.

Ersuchen der Staatsanwaltschaft

  • Das Ersuchen betrifft den Verdacht strafbarer Handlungen nach § 282 Abs. 2, § 283 Abs. 1 Z 1 und Abs. 2 StGB in Verbindung mit § 1 Abs. 1 Z 12 MedienG.

Feststellungen und Empfehlung des Immunitätsausschusses

  • Es wird festgestellt, dass ein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit des Abgeordneten besteht.
  • Es wird empfohlen, der behördlichen Verfolgung des Abgeordneten nicht zuzustimmen.

Antrag an den Nationalrat

  • Der Nationalrat soll im Sinne des Art. 57 Abs. 3 B-VG feststellen, dass ein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit des Abgeordneten Christofer Ranzmaier besteht.
  • Der Nationalrat soll der behördlichen Verfolgung des Abgeordneten Christofer Ranzmaier nicht zustimmen.

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Dipl.-Ing. Gerhard Deimek

247 d.B. · Regierungsvorlage 9/IMMOffizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN
ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll feststellen, dass zwischen der dem Abgeordneten vorgeworfenen Handlung und seiner politischen Tätigkeit kein Zusammenhang besteht. Damit soll die behördliche Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft Steyr nach Art. 57 Abs. 3 B-VG ermöglicht werden.

Betroffen ist der Abgeordnete zum Nationalrat Dipl.-Ing. Gerhard Deimek im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren wegen Verdachts nach § 3g Abs. 1 und 2 VerbotsG.

Dokumente

Ersuchen um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Dipl.-Ing. Gerhard Deimek

Gegenstand des Berichts

  • Behandlung eines Ersuchens um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung eines Abgeordneten zum Nationalrat gemäß Art. 57 Abs. 3 B-VG.

Ersuchen der Staatsanwaltschaft

  • Die Staatsanwaltschaft Steyr ersucht um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Dipl.-Ing. Gerhard Deimek.
  • Grundlage ist der Verdacht einer strafbaren Handlung nach § 3g Abs. 1 und Abs. 2 Verbotsgesetz (VerbotsG).

Inhaltliche Beurteilung im Immunitätsverfahren

  • Es wird festgestellt, dass kein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit des Abgeordneten besteht.

Antrag an den Nationalrat

  • Der Nationalrat soll im Sinne des Art. 57 Abs. 3 B-VG feststellen, dass kein Zusammenhang zwischen der inkriminierten Handlung und der politischen Tätigkeit des Abgeordneten zum Nationalrat Dipl.-Ing. Gerhard Deimek besteht.