XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

41. Sitzung des Nationalrats

24. September 2025

24Beschlüsse
22Angenommen
1Abgelehnt
41. Nationalratssitzung

Volksbegehren: "ORF-Haushaltsabgabe NEIN“

200 d.B. · Regierungsvorlage 98 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Dokumente

Volksbegehren: "ORF-Haushaltsabgabe NEIN“

~27 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Markus Tschank

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Kollegen und Kolleginnen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Vorab ein großes Lob und eine Gratulation an die Initiatoren dieses Volksbegehrens „ORF-Haushaltsabgabe Nein“, das rund 120 000 Unterstützungserklärungen erreicht hat. Der ORF und seine Reformbedürftigkeit sind ein Dauerbrenner in dieser Republik, und dem wird entsprechend Rechnung getragen. Die GIS-Gebühr war bereits eine Abzocke der Sonderklasse, und die Einführung der Haushaltsabgabe hat dem Fass noch den Boden ausgeschlagen. Die Menschen in diesem Land sind zu Recht sauer. (👏 FPÖ) Österreich leistet sich die höchsten Rundfunkgebühren pro Kopf in der ganzen Europäischen Union. 180 Euro pro Haushalt und Jahr fließen diesem Moloch zu, über 700 Millionen Euro jährlich. Zum Vergleich, sehr geehrte Damen und Herren: In Italien zahlt man für 14 TV-Sender und drei nationale Radioprogramme nur 90 Euro pro Jahr, das heißt, rund die Hälfte der österreichischen Haushaltsabgabe.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Weißt du, wie viele Menschen in Italien leben?

FPÖ Markus Tschank

… Jeder Haushalt muss voll zahlen, ob das ORF-Angebot konsumiert wird oder nicht. Sehr geehrte Damen und Herren, niemand will für etwas zahlen, das er nicht konsumieren möchte.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Ist das Kritik an Italien?

FPÖ Markus Tschank

… Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, befindet sich im aktuellen ORF-Gesetz noch eine Mehrfachbelastung für Unternehmen, die für jeden Standort eine eigene Haushaltsabgabe bezahlen müssen. Das ist vollkommen absurd. Und wer hat das mitbeschlossen, sehr geehrte Damen und Herren? – Die Wirtschaftspartei ÖVP. Der ORF in seiner jetzigen Form stellt sich keinem Wettbewerb, er agiert unter dem Schutz staatlicher Finanzierung. Er steht für ein wettbewerbsfeindliches, altes, verstaubtes System mit unfassbaren Privilegien für die Führungsriege. Jene Mitarbeiter allerdings, die ehrlich arbeiten – die Kameramänner, die Tonassistenten –, werden mit Mindestlöhnen abgespeist. Das ist die Wahrheit. (👏 FPÖ) Fette Sonderbeauftragungen von Drittfirmen, die angeblich Medienarbeit für den Machterhalt der Führungsriege machen, runden dann das Bild ab. Da fragt man sich: Wozu braucht ein Medienunternehmen, in dem angeblich lauter Medienprofis arbeiten, externe Medienberatung? – Nämlich gar nicht, sehr geehrte Damen und Herren. Derartige Beratungsstrukturen sind nicht notwendig und kosten den Steuerzahler indirekt ein halbes Vermögen. (👏 FPÖ) Das massive Problem der einseitigen Berichterstattung kommt noch hinzu, eine sachliche, objektive Berichterstattung findet de facto nicht statt. Experten werden einseitig ausgewählt, Diskussionen finden in Echokammern statt. Die Experten und Journalisten klopfen sich wechselseitig auf die Schulter und betonen, wie gut nicht die wunderbare Willkommenskultur und die Welle der Wokeness seien und wie böse nicht das rechtskonservative Weltbild sei.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Warum seid ihr dann gegen die Entpolitisierung?

FPÖ Markus Tschank

… Besonders beliebt sind deutsche Experten, egal welcher Fachrichtung, die uns dann erklären, wie gut etwas in Deutschland funktioniert und wie rückschrittlich Österreich ist. Da muss man sagen, das fanden die Österreicher immer schon toll, nämlich deutsche Experten, die uns dann erklären, wie die Welt funktioniert – also sicher nicht in dieser Form! Kennen Sie ORF-Formate über die Familie als Baustein unserer Gesellschaft? – Also ich kenne sie nicht. Kennen Sie ORF-Formate über den Erhalt unserer kulturellen Identität, unserer Sprache, unserer Werte? – Also ich kenne sie nicht. Wird Ihrer Meinung nach im ORF objektiv und unabhängig berichtet? – Schauen wir uns die Covid-Krise an und werfen wir einen Blick darauf, wie es da war: Impfgegner wurden im ORF als Schwurbler, Aluhutträger und Rechtsextremisten diffamiert und medial lächerlich gemacht. Jener ORF, der eigentlich eine kritische Stimme gegen politische Fehlentwicklungen sein sollte, der den Finger auf Missstände legen und diese aufzeigen sollte, genau dieser ORF hat sich gegen die eigene Bevölkerung gestellt. (👏 FPÖ) Für den ORF gibt es nur einen einzigen Weg, und das ist ein Neustart, eine Umstellung auf eine Budgetfinanzierung sowie eine Reduktion der Kosten. Es braucht einen schlanken, schlagkräftigen Apparat und eine Förderung öffentlich-rechtlicher Formate mit wirklicher Qualität. Es braucht eine Entprivilegierung von Bonzen und eine faire Entlohnung für fleißige und anständige Mitarbeiter, und last, but not least eine Objektivierung der Berichterstattung mit klarer Entpolitisierung.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Aber ihr seid ja dagegen!

FPÖ Markus Tschank

… Dieses Volksbegehren ist ein guter Anfang, und wir werden nicht ruhen, bis die Reform des ORF in dieser Republik vollzogen ist. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Nico Marchetti .

ÖVP Nico Marchetti

Sehr geehrter Herr Präsident! Ich darf zu Beginn im Namen meiner Kollegin Gmeinbauer das Kinderparlament aus Graz mit Kinderbürgermeisterin Fabienne und Kinderbürgermeister Fabian im Hohen Haus begrüßen. – Herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Ich hoffe, wir geben als Erwachsenenparlament mindestens so ein gutes Bild ab wie das Kinderparlament, und es ist auch ganz wichtig, dass wir auch über ein Reizthema, wie es der ORF hie und da eines ist, sachlich diskutieren können. Ich verstehe das Anliegen dieses Volksbegehrens, und dafür, dass es Bedarf gibt, auch die Haushaltsabgabe zu diskutieren, habe ich größtes Verständnis und größten Respekt. Ich möchte erklären, warum es diese Haushaltsabgabe überhaupt gibt. Es gab eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes, mit der die bisherige GIS-Gebühr als nicht verfassungskonform aufgehoben wurde. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir gar nichts ändern wollen, aber durch diese Entscheidung waren wir dazu gezwungen und hatten die Wahl zwischen drei Optionen. Option eins war eben die Haushaltsabgabe, Option zwei war eine Budgetfinanzierung und Option drei war gar keine Finanzierung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Option drei will ja nicht einmal die FPÖ, und bei der Budgetfinanzierung würde auch Steuergeld verwendet werden – nur by the way . Das ist ja auch Ihr Geld, das da über den Umweg des Bundesbudgets zum ORF gegangen wäre, also das hätte auch nicht nichts gekostet, sondern wäre nur aus einem anderen Topf gekommen. Wir haben uns für die Haushaltsabgabe entschieden, trotz der Bedenken, die auch wir hatten, weil das der nachhaltigere Weg ist, der auch verfassungskonform ist, das wurde auch 2024 festgestellt. Wir haben das aber schon auch mit Bedingungen verknüpft, weil wir auch wissen – und da ist die Kritik auch berechtigt –, dass man, wenn man etwas zahlen muss, auf der anderen Seite auch etwas einfordern muss. Wir haben daher gesagt: Wenn der ORF diese Haushaltsabgabe als langfristige Finanzierungsmethode erhält, dann ist zu Recht auch einzumahnen, dass der ORF effizient wirtschaftet, dass der ORF objektive Berichterstattung betreibt und dass der ORF seinen Bildungsauftrag erfüllt. Auf diese drei Punkte achten wir als Volkspartei, die fordern wir ein, und wenn sie nicht eingehalten werden, kritisieren wir das auch. (👏 ÖVP) Es ist aber, glaube ich, auch wichtig, dass wir einfordern, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk gut funktioniert. Gerade in Zeiten von Desinformation und Fake News ist die Rolle des ORF in der Medienlandschaft eine wichtige – aber auch, wenn man bedenkt, dass auch internationale Plattformen nach Österreich drängen, die keine regionalen Angebote haben, keine Berichterstattung mit Österreichcontent. Der ORF hat daher eine Verantwortung für den demokratischen Diskurs, für die Medienlandschaft in Österreich, diese muss er wahrnehmen und die kann man auch einmahnen. Ich fasse meine drei Punkte noch einmal zusammen: effizientes Wirtschaften, objektive Berichterstattung und Erfüllung des Bildungsauftrags. Das ist der Auftrag des ORF, das ist auch seine Verantwortung, weil die Bürgerinnen und Bürger diese Haushaltsabgabe zahlen. Und wie gesagt: Da sehen wir uns als Verbündete, das mahnen wir auch ein. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Sams . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Volksbegehren sind ein wichtiges Element unserer Demokratie, sie geben Bürger:innen eine direkte Stimme – das gilt selbstverständlich auch für das Volksbegehren „ORF-Haushaltsabgabe Nein“. Es hat die gesetzliche Unterschriftenhürde überschritten und wird daher heute im Parlament behandelt. Die Argumente der Initiator:innen sind soweit bekannt: Die Haushaltsabgabe sei „unsachlich und unfair“, weil nicht alle den ORF nutzen, es ist die Rede von Dreifachfinanzierung und unfairen Wettbewerbsmethoden. Aber lassen Sie mich klarstellen: Österreich braucht einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk! Der ORF ist weit mehr als nur eine Fernseh- oder Radioanstalt, er ist ein Stück österreichischer Identität. Der ORF ist unser größter Produzent heimischer Inhalte, ich erwähne nur „Kottan ermittelt“, „Ein echter Wiener geht nicht unter“, „Kommissar Rex“ oder „Wir sind Kaiser“. Ohne den ORF gäbe es viele dieser österreichischen Geschichten nicht. (👏 SPÖ) Zugleich ist der ORF ein unverzichtbarer Auftraggeber für unsere Kreativwirtschaft. Ohne einen starken ORF gäbe es weniger Filme, weniger Serien, weniger Musik aus Österreich, und viele Talente müssten ins Ausland gehen. Es geht aber nicht nur um Kultur und Identität, es geht um unsere Demokratie: Gerade in Zeiten von Fake News, Filterblasen und sogenannten alternativen Medien brauchen wir den ORF als Anker des Objektiven. (👏 SPÖ, FPÖ) Was sind nämlich diese Alternativen, FPÖ-TV oder ähnliche Kanäle, die mit Panikmache, Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien arbeiten? – Das sind keine unabhängigen Informationen, sondern das ist Propaganda.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

SPÖ1!

SPÖ Manfred Sams

… Das ist Parteipropaganda mit dem Ziel, Menschen zu verunsichern und zu spalten.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und warum gründet ihr jetzt ein Fernsehen?

SPÖ Manfred Sams

… Genau deshalb brauchen wir den ORF als Garanten für Fakten, als Gegenpol und als Stimme, die allen gehört und nicht einer Partei.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Jetzt macht ihr eh euer eigenes Fernseh...! – Zwischenruf des Abg. Lausch [FPÖ].

SPÖ Manfred Sams

… W enn die Kollegen von der FPÖ mit der Wahrheit konfrontiert werden, dann sind sie immer ganz aufgeregt. Sie können gerne hereinschreien, Sie können sich aber auch gerne hier zu Wort melden und argumentieren.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hab’ ich schon, danke! – Abg. Schartel [FPÖ]: Das hören wir eh noch!

SPÖ Manfred Sams

… Auch diejenigen, die den ORF kaum nutzen, profitieren davon, denn sie sind Teil einer Gesellschaft, die auf eine unabhängige Informations- und Kulturplattform bauen kann. Meine Damen und Herren! Wir dürfen den ORF nicht schwächen, wir müssen ihn sichern und zukunftssicher machen. Die Haushaltsabgabe ist nicht nur eine Investition in den ORF, sondern eine Investition in unabhängige Information …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Sagt es laut, dass ihr das Volksbegehren ablehnt ...!

SPÖ Manfred Sams

… in unsere Kultur und in unsere Demokratie selbst. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Henrike Brandstötter . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher auf der Galerie! Wir behandeln heute ein Volksbegehren mit dem Titel „ORF-Haushaltsabgabe Nein“. Worum geht es den Initiatorinnen und Initiatoren? – Darum, dass sie keine Haushaltsabgabe bezahlen müssen, dass der ORF aus dem Budget finanziert werden soll – was übrigens auch die FPÖ möchte. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Es ist wichtig, dass es ihn gibt. Die Finanzierung desselben muss natürlich auch transparent und gerecht sein. Transparent ist sie; bei dem Thema Gerechtigkeit gibt es natürlich auch Diskussionen. Wir haben uns damals beziehungsweise die Vorgängerregierung hat sich damals für die Haushaltsabgabe entschieden, weil sie unter allen schlechten Möglichkeiten eigentlich die beste Möglichkeit ist. Was wäre denn die Alternative? – Die Alternative wäre eine Budgetfinanzierung. Ja, das Budget speist sich ja auch aus unser aller Steuergeld, das heißt, es ist linke Tasche, rechte Tasche, aber man spürt es nicht jeden Monat mit einem Erlagschein oder alle zwei Monate mit einem Erlagschein, wie das beim ORF auch möglich ist.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Fünf Erlagscheine an eine Firma!

NEOS Henrike Brandstötter

… Was machen denn Unternehmen? – Unternehmen orientieren sich immer daran, wo das Geld herkommt. Wenn das Geld aus dem Budget kommen würde, würden sie sich noch mehr hin zur Politik orientieren, und wir wollen ja, dass der ORF von der Politik wegkommt …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das wollt ihr nicht!

NEOS Henrike Brandstötter

… und weniger abhängig von der Politik ist, weniger politisiert ist. Das heißt, er soll sich hin zu den Bürgerinnen und Bürgern orientieren. Da ist die Haushaltsabgabe natürlich das Mittel der Wahl, denn die Menschen wollen auch, dass sich der ORF rechtfertigt, dass er mit ihnen in Kontakt tritt, dass er eine Basis bildet.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Also, wenn die aus dem Budget kommen ... die Profiteure der Regierung ... NGO-Förderungen!

NEOS Henrike Brandstötter

… Jetzt ruft die FPÖ immer von der Seite rein – Sie hören das vielleicht nicht. Einer der Kritikpunkte, die von euch immer vorgebracht werden, ist Italien. In Italien wäre ja die Haushaltsabgabe viel geringer, man zahlt nämlich 90 Euro im Jahr, was ungefähr die Hälfte der Summe ist, die in Österreich zu bezahlen ist. ( Ruf bei der FPÖ: Pro Kopf! ) Jetzt ist es so, dass sich die Einnahmen aus der italienischen Haushaltsabgabe auf 2 Milliarden Euro pro Jahr belaufen – 2 Milliarden Euro pro Jahr! Der ORF würde jubeln, wenn er dieses Geld hätte. Also: Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil. Was ich den Initiatoren gerne mitgebe: Danke für dieses Volksbegehren, für die Möglichkeit, über den ORF zu sprechen, auch die Relevanz des ORF zu betonen. Ich möchte aber auch sagen: Die Argumentation ist ja, sie würden den ORF nicht nutzen; man soll nur dann bezahlen, wenn man ihn nutzt. Ganz ehrlich, jeder von uns nutzt den ORF und sei es, dass er über die Bande benutzt wird, beispielsweise beim Verkehrsfunk – ich höre ihn vielleicht nicht, aber das Nachbarauto hört ihn und reagiert entsprechend. Das Gleiche gilt für die Nachrichten. Ich höre die Nachrichten vielleicht nicht, aber Kolleginnen und Kollegen hören sie und informieren mich dann im Büro. Das heißt, jeder von uns nutzt auf irgendeine Art und Weise die Angebote des ORF. Zu behaupten, man würde ihn nicht nutzen, stimmt einfach nicht. Deshalb haben wir auch die Initiatoren angehört und bedanken uns für dieses Volksbegehren. Aber den ORF wird es weiterhin geben – und wir brauchen ihn auch. Ganz ehrlich, gerade immer dann, wenn die FPÖ gegen etwas wettert, ist besonderer Alarm angesagt. Das bedeutet, dass Sie einfach den Weg für Ihr FPÖ-TV freimachen wollen ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ ), weil Sie das als Bildungseinrichtung empfinden.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wie heißt das? FPÖ-TV? – Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der ÖVP.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Sigrid Maurer . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Sigrid Maurer

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren einmal mehr ein Volksbegehren zum ORF und seiner Finanzierung – und einmal mehr sagen wir Grüne klar: Wir stehen hinter einem gut finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der unabhängig von der politischen Einmischung und beispielsweise einer Budgetfinanzierung ganz, ganz wichtige Arbeit für die Demokratie in Österreich leistet. (👏 SPÖ) Dieses Volksbegehren bringt einmal mehr den Einwand vor, der ORF würde nicht von allen Menschen genutzt werden und solle deswegen auch nicht von allen bezahlt werden. Wir haben ganz, ganz viele Systeme in Österreich, die wir mit Steuern oder mit anderen Abgaben finanzieren, von denen wir alle hoffen, dass wir sie gar nicht brauchen, beispielsweise unser Gesundheitssystem. Wir haben trotzdem einen Konsens darüber, dass wir unsere Steuern, unsere Abgaben dafür verwenden, dass jede und jeder in Österreich gesundheitlich gut versorgt ist, wenn er oder sie es braucht. Der ORF – Kollegin Brandstötter hat es gerade gesagt – wird von ganz, ganz vielen Menschen in Österreich täglich genutzt, mit seinen ganz vielfältigen Angeboten, egal ob das die blaue Seite ist, egal ob das die Ö3-Verkehrsnachrichten sind, egal ob das die „ZIB 2“ oder der „Musikantenstadl“ ist. Der ORF hat ein ganz vielfältiges Angebot und es ist auch wichtig, dass das so bleibt. Selbstverständlich hat der ORF Sparvorgaben und auch er muss sich den neuen Weiterentwicklungen stellen. Wir haben in der vergangenen Regierungsperiode dafür auch Weichen gestellt, insbesondere was die Weiterentwicklung im digitalen Bereich betrifft. Wir stehen aber dazu, dass das nach diesem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes, der genau diesen Punkt bestätigt hat – da ist es um die sogenannte Streaminglücke gegangen –, zulässig ist. Er hat eigentlich eingefordert, dass es die Haushaltsabgabe, diesen neuen ORF-Beitrag, gibt, dass diese Finanzierung des ORF so ausgestaltet ist. Uns ist ganz, ganz wichtig – wir werden es heute im Laufe des Tages noch weiter diskutieren; es stehen ja auch ORF-Gesetze zum Beschluss an –, dass der ORF unabhängig von politischem Einfluss arbeitet. Das ist mit einem ORF-Beitrag wesentlich besser gegeben als mit einer Budgetfinanzierung, was die Freiheitlichen hier monieren. Das freiheitliche Vorbild in Sachen Medienpolitik ist ganz klar in Ungarn zu suchen – Sie haben es ja heute auch schon wieder ganz unverhohlen bestätigt –, oder auch bei Trump, der gerade massiv gegen Jimmy Kimmel gedroht hat, dessen Show abgesetzt wurde – jetzt läuft sie wieder. Genau das ist die Medienpolitik, die rechtsautoritäre Regierungen verfolgen – und damit auch die Freiheitliche Partei hier im Parlament. Dieser Vorgangsweise stehen wir ganz stark entgegen, auch was den ORF betrifft. Der ORF bietet eine ganz wichtige Informationsgrundlage für die Demokratie in Österreich, genau wie viele andere Medien, und er muss unabhängig und gut ausfinanziert sein. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Lisa Schuch-Gubik . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Herr Präsident! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Liebe Vertreter der Einheitspartei: Wie wichtig sind Ihnen die Bürger eigentlich? Wie ernst nehmen Sie ihre Anliegen und ihre Sorgen? Wir reden von rund 120 000 Unterstützern, die mit diesem Volksbegehren eines ganz klar zum Ausdruck gebracht haben, nämlich: weg mit dieser ORF-Zwangssteuer. (👏 FPÖ) Aber was machen Sie? – Sie ignorieren dieses Anliegen eiskalt. Ist das Ihre Vorstellung von Demokratie? Es wird schubladisiert, was nicht ins Konzept passt. Es wird drübergefahren, wo es unangenehm ist, und vor allem: Sie hören nur dann zu, wenn es in Ihr eigenes politisches Weltbild passt. – Das ist Ihr Zugang zur Demokratie. Aber Sie selbst stellen sich dann dauernd hin und warnen vor dem Untergang der Demokratie, während Sie selbst die Demokratie tagtäglich aushöhlen – das ist die Verliererampel –, und genau so wird mit diesem Volksbegehren umgegangen. (👏 FPÖ) Aber ich sage Ihnen eines, werte Vertreter der Einheitspartei: Wer so mit den Menschen umgeht, der zeigt, Demokratie ist Ihnen nur wichtig und gut, wenn es ins Konzept passt und wenn es Ihnen selbst nützt. Sie vertreten nicht das Volk. Sie machen Politik für die ORF-Bonzen am Küniglberg. Für eine wohlwollende Berichterstattung, damit man Ihre ganze fehlgeleitete Politik irgendwie noch kaschieren kann, ist Ihnen offenbar schon jedes Mittel recht. Obendrauf: Wer darf das bezahlen? – Der leidgeplagte Bürger, der von Ihnen sowieso schon jedes Geld aus der Tasche gezogen bekommt. (👏 FPÖ) Geboten wird dann eine linkslinke einseitige Berichterstattung, bei der kritische Bürger einfach abgedreht werden, so wie vor wenigen Tagen bei „Stöckl live“, wo eine besorgte Bürgerin zu Recht die Willkommenspolitik kritisiert hat. Plötzlich wurde sie mundtot gemacht. So einfach geht das nämlich in den Augen der Küniglbergianer. Da ist es natürlich schon angenehmer, wenn man uralte US-Serien in Dauerschleife zeigt. Da kann nichts passieren. Da hat man alles ganz gut unter Kontrolle, eher schon nach nordkoreanischer Manier. ( Heiterkeit der Abgeordneten Kühberger [ÖVP] und Strasser [ÖVP]. ) Liebe Zwangsgebührenzahler, wissen Sie aber, wofür kein Geld am Küniglberg da ist? – Für den Fortbestand von Kultkinderserien. Serien, die Kinder zum Lachen gebracht haben: Dafür ist kein Geld da, während man für schrille Einmalevents, wie etwa den Songcontest, dann wieder Millionen übrig hat – kein Schmieröl mehr für „Tom Turbo“, dafür aber viele Millionen für ein Event, bei dem man offenbar nur mehr gewinnen kann, wenn man als Mann ein Kleid oder als Frau einen Bart trägt. Es wundert also nicht, dass die Österreicher zu diesen Zwangsgebühren ganz klar Nein sagen, und sie sagen auch Nein zu dieser Verliererampel. Ich sage Ihnen eines: Die Abrechnung wird kommen. Sie kommt spätestens am Wahltag, und dann ist nicht nur die ORF-Zwangsgebühr Geschichte, sondern auch die Verliererkoalition. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Sabine Schatz . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Sabine Schatz

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren das Volksbegehren „ORF-Haushaltsabgabe Nein“ und, Frau Abgeordnete Schuch-Gubik, wir nehmen das sehr ernst. Ich bedanke mich bei knapp über 119 000 Bürgerinnen und Bürgern, die dieses Mittel, dieses Instrument der direkten Demokratie wahrgenommen und ihre Stimme abgegeben haben. Was die Intention dieses Volksbegehrens betrifft – es geht um die Finanzierung des ORF, des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, und das ist ja nichts Neues, wir haben hier im Hohen Haus schon mehrere solcher Volksbegehren besprochen und diskutiert –, so muss ich sagen, dass ich diese Intention nicht teile, und ich erkläre auch genau, warum. Was aber vielleicht noch hilfreich wäre – und da bin ich beim Bildungsauftrag, den der ORF ja auch hat –: Es gibt die Sendung „Helmi“, da kann man sich vielleicht auch informieren, welche Farben die Ampeln haben. Meines Wissens sind sie nämlich nicht türkis, pink und rot. Das wäre vielleicht auch einmal ein guter Hinweis für Sie. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, die Pressefreiheit ist eine unverzichtbare Säule unserer liberalen Demokratie und gerade dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Sender der Bürgerinnen und Bürger kommt da eine immense Stellung und Rolle zu. Der ORF hat einen breiten Informations- und Bildungsauftrag, weil er ja sozusagen aus der Bevölkerung heraus finanziert wird. Gerade in Zeiten – wir haben es schon gehört – von sogenannten alternativen Medien, die sich als Fake-News-Plattformen herausstellen …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

SPÖ1-TV! – Heiterkeit der Abg. Giuliani-Sterrer [FPÖ]

SPÖ Sabine Schatz

… in Zeiten von Populismus …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

SPÖ1-TV, das Erfolgsprojekt!

SPÖ Sabine Schatz

… und in Zeiten von Fake News und Verschwörungstheorien, wie sie in rechten Medien verbreitet werden, braucht es eine Quelle guter …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

SPÖ1-TV!

SPÖ Sabine Schatz

… und wissenschaftlich fundierter Fakten, und das ist auch der Auftrag des ORF. An den Zwischenrufen aus den Reihen der FPÖ merkt man: Sie haben am Wochenende Bundesparteitag, da müssen Sie sich natürlich aufmagazinieren.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Zu uns kommen wenigstens Leute! Zu Ihrer Vorstandssitzung kommt ja niemand mehr! Der Herr Babler ist ja allein zu Hause! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

SPÖ Sabine Schatz

… Woher wissen Sie, wer zu unseren Vorstandssitzungen kommt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie da eingeladen sind.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hat der ORF berichtet! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Sabine Schatz

… Aber wovor haben Sie eigentlich Angst? Wovor haben Sie Angst im ORF? Vor kritischen Fragen in Interviews, wie sie übrigens alle Parteien in diesem Haus gestellt bekommen? (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir sind eben nicht FPÖ-TV, wo das FPÖ-Wunschkonzert in Dauerschleife 24 Stunden heruntergerollt wird. Nein, da gibt es kritische Fragen. Ich habe jetzt schon noch eine Frage: Haben Sie auch Angst vor Satire? Haben Sie für Ihren Bundesparteitag dem Satiriker Peter Klien hoffentlich wieder ein Hausverbot erteilt , damit Sie sich nicht seinen Fragen stellen müssen? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Selbstverständlich!

SPÖ Sabine Schatz

… Ja, ich glaube, das zeigt auch sehr klar, wo Sie stehen. Sehr geehrte Damen und Herren, ja, es gibt Reformbedarf beim ORF. Das haben wir nie abgestritten und das greifen wir auch heute wieder auf.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Deshalb SPÖ1-TV!

SPÖ Sabine Schatz

… Dass die Landeshauptleute mitentscheiden und Mitspracherecht haben, wenn es darum geht, wer die Landesintendanten in den ORF-Landesstudios sind: Das werden wir heute ändern, das wird es künftig nicht mehr geben. Und ja, wir werden auch das ORF-Beitrags-Gesetz ändern und dafür sorgen, dass die Gebührenbefreiungen entsprechend abgesichert und dass Wohnkosten berücksichtigt sind. Sehr geehrte Damen und Herren, abschließend noch: Mit Ihrem Beitrag, mit unserem Beitrag für einen unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Rundfunk leisten wir auch einen unverzichtbaren Beitrag zur Pressefreiheit und zur Demokratie. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christian Hafenecker . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Kollegin Schatz, weil Sie mich gefragt haben, woher ich gewusst habe, dass kaum jemand zu Ihrer Vorstandssitzung gekommen ist: Das hat übrigens der ORF berichtet, den Sie ja gerade als Hort des aktuellen Wissens bezeichnet haben. Der sagt, dass zu Ihnen keiner kommt.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Fake News!

FPÖ Christian Hafenecker

… Und wenn Sie uns fragen, warum wir den Satiriker Peter Klien nicht am Parteitag haben wollen: Das ist schlicht und ergreifend deswegen, weil wir andere Zugänge zu einem Parteitag haben. Bei uns ist ein Parteitag ernst …

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Na, na, na!

FPÖ Christian Hafenecker

… bei Ihnen gibt es immer Probleme mit der Excel-Tabelle, da ist der Satiriker auch besser aufgehoben, Frau Kollegin Schatz. Ich möchte mich – nachdem ich mich noch bei allen Testimonials der anderen Parteien für die ständige Werbung für FPÖ-TV bedankt habe – natürlich jetzt dem Volksbegehren „ORF-Haushaltsabgabe Nein“ zuwenden und ich möchte mich auch bei allen 120 000 Unterstützern, die das auf den Weg gebracht haben, ganz herzlich bedanken. Ich möchte all diesen 120 000 Menschen auch noch einmal in Erinnerung rufen, dass es hier im Haus vier Parteien gibt, denen offensichtlich vollkommen egal ist, wie sehr Sie unter dem ORF und unter der Berichterstattung und vor allem unter der Zwangsgebühr, die am Ende des Tages nichts anderes getan hat, als Ihr aller Leben zu verteuern, zu leiden haben. (👏 FPÖ) Wissen Sie, ich finde es auch schade, dass meine Vorredner immer wieder sagen: Na ja, das ist ein Volksbegehren, das zufälligerweise auch die Meinung der FPÖ abdeckt. – Nichtsdestotrotz ist es zu respektieren, wenn sich Bürger auf die Barrikaden stellen, ein Volksbegehren initiieren. Es kommt aus der Mitte der Bevölkerung und es sagt Ihnen von der Einheitspartei vor allem eines: Die Menschen haben die Nase voll von der ständigen Bevormundung und auch davon, dass Sie ständig in ihre Taschen greifen. Das sollte man einmal so zur Kenntnis nehmen und nicht dieses Rednerpult dazu benutzen, um zu erklären, wie toll und wie gut man ist. Die Umfragen zeigen Ihnen, dass die Systemparteien allesamt abgestraft würden, wenn am Sonntag Neuwahlen wären, und das ist zur Kenntnis zu nehmen. Die 120 000 Menschen, die dieses Volksbegehren unterstützt haben, haben Ihnen genau dieses Signal gegeben, das Sie in Ihrer Arroganz aber übersehen. (👏 FPÖ) Es geht in diesem Volksbegehren um Freiheit statt Zwang, meine sehr geehrten Damen und Herren. Selbstverständlich stehen auch wir Freiheitliche für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk – einer meiner Vorredner hat sich das sogar gemerkt –, was wir aber verlangen, ist ein verschlankter Grundfunk anstatt einer Propagandamaschine, bei der man manchmal nicht weiß: Ist der ORF jetzt schon eine politische Partei geworden? Ist das ein politischer Gegner, der auch in den Wahlkampf zieht, oder was macht der ORF eigentlich? Es ist ja ganz, ganz wichtig, dass genau der öffentlich-rechtliche Rundfunk – darum heißt er auch so – entpolitisiert wird und nicht immer mehr sozusagen zum Propagandainstitut der Einheitsparteien verkommt. Medienvielfalt bedeutet Verantwortung, das bedeutet vor allem, ein Korrektiv zu sein, und eben nicht zu einem zwangsfinanzierten politischen Propagandainstrument zu mutieren, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich kann Ihnen auch zeigen, warum wir mit Fug und Recht all das behaupten: Auf der einen Seite muss man einmal den schludrigen Umgang mit den Zwangsgebühren und mit dem Instrument, das man dem ORF da in die Hand gegeben hat, sehen. Es gibt in diesem Zusammenhang ja Pleiten, Pech und Pannen en masse: 188 000 Haushalte sind falsch berechnet worden. Das hat dann wieder zu einem Budgetloch von 33 Millionen Euro geführt. Also die wissen ja nicht einmal, wem sie aller einen Erlagschein schicken sollen und können. Das geht dann so weit, dass sogar die Katze von Gerald Grosz noch eine Vorschreibung bekommt, Tote bekommen Vorschreibungen vom ORF und insgesamt ist das ja schon einmal ein Bauchfleck der Sonderklasse. Übrigens stehen auch Tausende vor dem Bundesverwaltungsgericht wegen genau dieser Unzulänglichkeiten, die es da gibt. Dass sich dann die Bürger die Frage stellen, ob das so sein kann, ist wohl legitim. Aber es ist auch die politische Propaganda, die ständig stattfindet. Der Fall Charlie Kirk zum Beispiel ist im ORF lapidar kommentiert worden: Na ja, also der ist quasi ums Leben gekommen, er ist ermordet worden, weil es dort halt ein aufgeheiztes politisches Klima gegeben hat. Das sind die Erklärungen des ORF in diesem Zusammenhang, anstatt dass man wirklich nachhaltig verurteilt, was da passiert ist – egal wer ermordet wird. Da wird ein bisschen differenziert und da gibt es offensichtlich nur gute und schlechte Mordopfer, und bei dieser Berichterstattung ist der ORF genauso dabei. Dann gibt es Aufträge an SPÖ-nahe Institute. Die Nachfolgeorganisation von Sora, jetzt Foresight, hat für Sie ein Dirty-Campaigning-Konzept für Wahlen geschrieben. Das sind die Politikinstitute, die dann für den ORF arbeiten. Wenn die dann den Auftrag verlieren, wird die Firma umgegründet und dann wird eine Ausschreibung gemacht, dass wieder nur diese eine Firma zum Zug kommen kann. Jetzt haben wir wieder Foresight drinnen sitzen, die nebenbei noch Studien für Ihren Herrn Vizekanzler – ich hoffe, er ist schon wieder gut aus New York zurückgekommen – zum Thema Kunst und Migration in der Höhe von 600 000 Euro, frei vergeben von Herrn Babler, macht. Und da wundern Sie sich, dass die Menschen in diesem Land mit dieser Situation nicht zufrieden sind? – Der ORF hat jahrelang einen großen Teil der österreichischen Bevölkerung einfach diffamiert, nämlich jene Menschen, die mit den Coronamaßnahmen nicht zufrieden waren, eben nicht hinnehmen wollten, dass in Grund- und Freiheitsrechte eingegriffen wird. Die sind diffamiert worden, die sind in ein rechtsextremes Eck gestellt worden, und dann gab es dazu auch noch verzerrte Wahlanalysen. Dann wundert man sich, dass 120 000 Menschen da eine Änderung haben möchten. Schauen wir uns doch bitte die Politikformate des ORF an, die verunglücken alle, bevor sie gegründet sind. Es ist vollkommen egal, ob jetzt in „Im Zentrum“ ein Tisch steht oder nicht, aber die Menschen können diese Berichterstattung, die immer einseitig ist und immer nur einen Zweck hat, nämlich Herbert Kickl und die FPÖ zu verhindern, nicht mehr sehen. Das muss man doch mitbekommen! Bei jedem Bekenntnis zu einer transparenten und offenen Berichterstattung muss einem doch auffallen, was da tagtäglich stattfindet. Das Ergebnis liegt ja am Tisch: ein Quotenflop nach dem anderen. Die Politiker aller Parteien haben sich – wenn man sich die Quoten anschaut – bei den Sommergesprächen also wirklich bis auf die Knochen blamiert. Bei Frau Gewessler sind sogar die Äpfel freiwillig vom Baum gesprungen, weil sie das, was alles verzapft worden ist, nicht ausgehalten haben.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

... Redefreiheit!

FPÖ Christian Hafenecker

… Der Einzige, den die Menschen sehen wollten, und das sogar im ORF, ist Herbert Kickl gewesen. Das muss man an dieser Stelle einmal festhalten. (👏 FPÖ) Das zeigt, wie weit wir gekommen sind. Luxus und Verschwendung ist es, was die Menschen am ORF wirklich stört. Eine Portierloge um 8 Millionen Euro, ein FM4, das Veranstaltungen promotet, in denen Falco beschimpft wird, in denen die Österreichischer beschimpft werden, Festwochen, die gefilmt werden, bei denen die ehemaligen, verurteilten RAF-Terroristen offen reden dürfen: Das ist das, was uns der ORF mit den Zwangsgebühren liefert, und das ist genau der Punkt, warum die Menschen in diesem Land die Nase schlicht und ergreifend voll haben. Zum Abschluss erlauben Sie mir bitte noch eine kurze Referenz zu einem, ja, ich möchte es fast als Treppenwitz bezeichnen, vor allem, nachdem ich mir vorhin Kollegen Sams angehört habe, der auch offensichtlich neidig ist, dass wir FPÖ-TV gegründet haben und Sie nicht: Jetzt startet die SPÖ aber tatsächlich mit dem Fernsehsender SPÖ1, ich weiß nicht, warum man Ihnen das gesagt hat. Das muss man sich vorstellen: Obwohl es den ORF ja eh schon gibt, brauchen Sie jetzt noch einen Fernsehsender. Das wird Ihnen nichts helfen, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich stelle mir die Frage: Was soll denn das sein? Ist das dann ein Jobfriedhof für irgendwelche, die sogar beim ORF hinausgeflogen sind, zum Beispiel der Palästinaaktivist von der ORF „Am Schauplatz“-Crew? Oder wen wollen Sie da hinsetzen? Wer soll das SPÖ1-TV dann betreiben? Sie haben ja eh den ORF! Also ich weiß nicht, warum das unbedingt notwendig ist. Jetzt wirklich abschließend noch internationale Beispiele, weil sich Kollegin Maurer Sorgen gemacht hat, Kollege Marchetti übrigens auch, dass der ORF mit einer Budgetfinanzierung zum Sterben verurteilt wäre. Erstens war die ÖVP 2017 noch gemeinsam mit der FPÖ dafür, eine Budgetfinanzierung durchzuführen, weil wir ein Ziel hatten, das wir damit verfolgt haben: erstens eine Reorganisation, Umstrukturierung des ORF, nämlich nach Gesichtspunkten der Sparsamkeit. Das wäre eigentlich der Hintergrund gewesen. Zweitens war geplant, dass man den ORF selbstverständlich nicht von einer Legislaturperiode abhängig macht, sondern dass es ein Rahmenbudget über eine Legislaturperiode hinaus geben soll. Drittens – das möchte ich Ihnen in diesem Zusammenhang auch noch sagen – sind in Finnland, in den Niederlanden, in Dänemark und auch in England die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abgeschafft worden. Dort ist nirgends die Sonne vom Himmel gefallen, aber eines ist passiert: Die Berichterstattung ist objektiver geworden, die Politik war weniger drinnen. Ich glaube, das ist unser Ziel, und gerade deswegen unterstützen wir Freiheitliche natürlich dieses Volksbegehren. Ich kann Ihnen eines sagen: Mit einem Volkskanzler Herbert Kickl werden diese unsäglichen Zwangsgebühren auch sofort abgeschafft werden. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen jetzt zur Abstimmung über den Antrag des Verfassungsausschusses, seinen Bericht 200 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig der Fall.

Volksbegehren: "Glyphosat verbieten!"

70 d.B. · Regierungsvorlage 3 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft beantragt, dass der Nationalrat den Bericht über das Volksbegehren „Glyphosat verbieten!“ lediglich zur Kenntnis nimmt. Ein im Ausschuss eingebrachter Antrag auf eine Entschließung für ein rasches Verbot von Glyphosat und PFAS-Pestiziden wurde abgelehnt.

Betroffen sind die parlamentarische Behandlung des Volksbegehrens sowie ein möglicher politischer Auftrag an die Bundesregierung zu einem Glyphosat- (und PFAS-)Verbot, ohne dass damit unmittelbar ein gesetzliches Verbot beschlossen wird.

Dokumente

Volksbegehren: "Glyphosat verbieten!"

Anliegen und Wortlaut des Volksbegehrens

  • Gefordert wird, dass der Bundesverfassungsgesetzgeber ein ausnahmsloses Verbot von Glyphosat „sofort“ umsetzt, nach dem Vorbild Luxemburgs.
  • Glyphosat wird als Pflanzengift bezeichnet, das von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC, Teilorganisation der WHO) für den Menschen als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft sei.
  • Das Volksbegehren verlangt, Glyphosat nicht nur aus der heimischen Nahrungsmittelproduktion zu entfernen, sondern auch aus importierten Lebensmitteln „restlos“ zu verbannen.
  • Als Begründung wird angeführt: „Weil es notwendig ist!“

Unterstützung und formale Feststellung

  • Das Volksbegehren wurde von 121.734 Stimmberechtigten unterstützt (gültige Eintragungen inklusive Unterstützungserklärungen).
  • Die Bundeswahlbehörde stellte fest, dass ein Volksbegehren im Sinn des Art. 41 Abs. 2 B-VG vorliegt, und leitete es zur parlamentarischen Behandlung an den Nationalrat weiter.
  • Als Bevollmächtigter wurde Dominik Schmied genannt; als stellvertretende Bevollmächtigte Felix Oberauer, Florian Oberauer, Philipp Gsöllpointner und Renate Schmied.

Parlamentarische Behandlung und Ausschussbefassung

  • Das Volksbegehren wurde im Nationalrat eingebracht, einer ersten Lesung unterzogen und anschließend dem Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft zugewiesen.
  • In der folgenden Gesetzgebungsperiode wurde es gemäß den Geschäftsordnungsregeln neu verteilt und dem Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft zur weiteren Behandlung zugewiesen.
  • Der Ausschuss nahm das Volksbegehren in Verhandlung; die Beratungen wurden zunächst vertagt und später fortgesetzt.

Öffentliches Hearing und Expert:innenbeiziehung

  • Der Ausschuss beschloss, ein öffentliches Hearing durchzuführen und dafür Expert:innen beizuziehen.
  • Als Expert:innen wurden Dr. Dipl.-Ing. Helmut Burtscher-Schaden, Hans Gnauer und Dr. Thomas Kickinger beigezogen.
  • Im Hearing gaben die Expert:innen Statements ab; anschließend erfolgte eine Debatte im Ausschuss und die Expert:innen beantworteten die aufgeworfenen Fragen.

Anträge im Ausschuss im Zusammenhang mit Glyphosat

  • Im Zuge der Debatte wurde ein selbständiger Antrag auf Beschlussfassung einer Entschließung betreffend ein rasches Verbot von Glyphosat und PFAS-Pestiziden eingebracht.
  • Dieser Entschließungsantrag fand nicht die Zustimmung der Ausschussmehrheit.

Beteiligung der Volksbegehrens-Vertretung

  • Der Bevollmächtigte des Volksbegehrens sowie seine Stellvertreterin und Stellvertreter konnten an den Ausschusssitzungen nicht teilnehmen.
  • Der Bevollmächtigte verzichtete auf die Abgabe einer persönlichen Stellungnahme gemäß Geschäftsordnung.

Ergebnis der Ausschussberatungen

  • Der Ausschuss gelangte zum Ergebnis, dem Nationalrat die Kenntnisnahme des Berichts zu empfehlen.

Volksbegehren: "Glyphosat verbieten!"

~21 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Peter Schmiedlechner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Zuseher! Volksbegehren „Glyphosat verbieten!“: Immerhin haben 121 734 Menschen dieses Volksbegehren unterstützt. Ich glaube, es ist sehr sinnvoll, dass man in dieser Debatte zu diesem Thema offen diskutiert, einige Fakten an den Tag bringt und hier erwähnt. Der Einleitungstext des Volksbegehrens ist klar und deutlich: „Der Bundesverfassungsgesetzgeber wird aufgefordert ein ausnahmsloses Glyphosatverbot nach dem Vorbild Luxemburgs sofort umzusetzen.“ – Nun ja, Luxemburg hat zwar versucht, ein Verbot einzuführen, dieses Verbot wurde jedoch bereits 2023 vom Verwaltungsgerichtshof wieder aufgehoben. Deswegen ist das Volksbegehren an und für sich schon einmal nicht richtig, da kein Verbot möglich ist. Weitere Fakten: Der Anteil am weltweiten Verbrauch beträgt für Europa nur 4 Prozent. Der Hauptkonsum findet im Obst-, Gemüse- und Weinbau statt. Die Menge, die im Getreide- oder im Maisanbau verwendet wird, ist in Europa relativ gering. Der Hauptverbrauch des Wirkstoffes Glyphosat ist in Südamerika, in Südeuropa, in der Ukraine und in Nordamerika. Es sind also genau diese Länder, in denen der Wirkstoff Glyphosat hauptsächlich eingesetzt wird, aus denen wir jetzt massiv Importe vorantreiben, mit denen wir jetzt ein Mercosur-Abkommen vor der Tür stehen haben. Wir importieren jetzt Lebensmittel aus der Ukraine. Ein nationaler Alleingang wäre also wieder ein Wettbewerbsnachteil für unsere heimische Landwirtschaft, ein Alleingang würde unsere Produktion schwächen, und gleichzeitig forcieren wir aber Importe aus diesen Ländern. Da kann man durchaus sagen, dass das eine Politik der Schwachsinnigkeiten wäre, oder man kann auch sagen: Gold-Plating. Das heißt, wir schränken unsere eigene Wirtschaft ein, wir schränken unsere eigene Produktion ein und importieren genau diese Mittel, die wir bei uns verboten haben, und importieren dann genau diese Produkte nach Österreich. Abschließend möchte ich nur noch erwähnen – das ist auch festgestellt worden –: Während NGOs und selbst ernannte Experten stets darauf eingehen und mit Vehemenz dann auch immer die Landwirtschaft als Schuldigen suchen und finden, gerne Bauernbashing betreiben und auf uns Bauern und auf die Landwirtschaft hinhauen, wurde jetzt festgestellt, dass Glyphosat aus Waschmittelzusätzen entstehen kann. Man ist draufgekommen, dass komischerweise in Gebieten, wo kein Glyphosat eingesetzt worden ist, trotzdem im Wasser Rückstände von Glyphosat nachgewiesen werden. Dann ist man der Sache auf den Grund gegangen und es wurde festgestellt: Glyphosat kann aus Waschmittelzusätzen entstehen. Also: Die Landwirtschaft ist nicht immer an allem schuld. In dem Sinne können wir den Unterstützern dieses Volksbegehrens nur für ihren Einsatz danken. Nichtsdestotrotz, ein Alleingang, ein Verbot auf österreichischer Ebene, wäre nicht zielführend und nicht sinnvoll. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Andreas Kühberger . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

ÖVP Andreas Kühberger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen und liebe Österreicherinnen und Österreicher! Ja, meine Damen und Herren, wir debattieren gerade das Volksbegehren „Glyphosat verbieten!“. 120 000 Bürgerinnen und Bürger haben dieses Volksbegehren unterstützt. Das zeigt, dass dieses Thema bewegt. Das zeigt aber auch, dass wir uns als Parlament dieser Verantwortung stellen: der Verantwortung für die Gesundheit, der Verantwortung für Klimaschutz, aber auch der Verantwortung für die bäuerliche Landwirtschaft. Meine Damen und Herren, Pflanzenschutz ist kein Selbstzweck. Pflanzenschutz ist die Grundlage für günstige, für leistbare Lebensmittel in Österreich. Pflanzenschutz ist aber auch die Grundlage für regionale Lebensmittel. Und Pflanzenschutz ist auch die Grundlage dafür, dass wir die Österreicherinnen und Österreicher mit ausreichend österreichischen Lebensmitteln versorgen können, denn das ist auch keine Selbstverständlichkeit. (👏 ÖVP) Wir haben globale Verwerfungen, wir haben Kriege, und wir haben gesehen, wie wichtig da die Versorgungssicherheit durch Lebensmittel in Österreich ist. Ja, wir feiern unsere Bäuerinnen und Bauern immer ab, das ist auch gut so, sie erbringen große Leistungen, aber auf der anderen Seite versuchen wir mit solchen Anträgen, ihnen das Werkzeug wegzunehmen, das Werkzeug, um ihre Äcker, ihre Felder, ihre Flächen im Weinbau zu bestellen. Meine Damen und Herren, das wäre das Gleiche, als würden wir gemeinsam applaudieren, wenn die Feuerwehr ein Haus löscht, und wir, der Gesetzgeber, würden dann den Schlauch verbieten, sodass sie kein Hilfsmittel mehr zum Löschen haben. Das kann es nicht sein. Gerade wir in Österreich haben eines der strengsten Pflanzenschutzgesetze in der Europäischen Union. Die Sikkation, meine Damen und Herren, das direkte Besprühen der Kulturpflanze, ist in Österreich verboten. Auch die Anwendung von Glyphosat im öffentlichen Raum – in Parkanlagen, auf Spielplätzen und Ähnlichem – ist verboten. Die Glyphosatanwendung im privaten Bereich – im Hausgarten, in Kleingärten – ist auch österreichweit verboten. Wer darf nun Glyphosat anwenden? – Wenn jemand einen Sachkundenachweis hat – das bedeutet, dass er diesbezüglich eine Schulung, eine Prüfung macht und sich immer wieder, also laufend weiterbilden muss –, darf er Glyphosat kaufen, dann darf er Glyphosat lagern und auch anwenden. Ja, Glyphosat ist kein Allheilmittel, das sage ich Ihnen auch, meine Damen und Herren, aber es ist ein wichtiges Werkzeug für unsere Bäuerinnen und Bauern. Warum? – Würde dieses Glyphosat verboten werden, würde das bedeuten, dass wieder mehr gepflügt wird. Jeder weiß, mehr Pflügen bedeutet, den CO 2 -Verbrauch zu steigern – klimaschädlich. Bodenschutz, Erosionsschutz wird dann zum Thema. Ich möchte auch auf die Wettbewerbsfähigkeit hinweisen, auf diese müssen wir nämlich im Sinne unserer Bäuerinnen und Bauern auch schauen. Das hat sich voriges Jahr auch am Beispiel des Bierrettichs gezeigt: Dieser wurde in Österreich, das kann man sagen, ausgerottet. Warum? – Weil ein Pflanzenschutzmittel verboten worden ist, und der Radi, wie wir alle sagen, kann in Österreich nicht mehr produziert werden. Er wird aber gegessen. Und damit komme ich zum Kollegen Schmiedlechner: Genau dann haben wir das Problem, dass dieser Radi aus anderen Ländern hereinkommt. Wir wissen nicht, was rauskommt, Hauptsache: aus den Augen, aus dem Sinn! – Meine Damen und Herren, das kann es nicht sein. Vielleicht noch einmal dazu, weil es im Volksbegehren steht: Ja, in Luxemburg wurde es 2021 im Parlament verboten, aber 2023 hat es der luxemburgische Verwaltungsgerichtshof wieder aufgehoben, und zwar mit der Begründung, dass das nicht unter die nationale Zuständigkeit fällt, sondern europaweit geregelt wird. Meine Damen und Herren, wir sehen: Glyphosat ist ein wichtiges Werkzeug. Unseren Bäuerinnen und Bauern, ja, denen vertraue ich, die tragen da große Verantwortung. Ich bin auch bei Ihnen, wenn wir sagen, es muss klare und strenge Regeln geben, aber ein Totalverbot nur ätiologischerweise gibt es mit uns nicht. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elisabeth Feichtinger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Elisabeth Feichtinger

Danke, Herr Präsident! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir beraten heute das Volksbegehren „Glyphosat verbieten!“, das über 120 000 Menschen unterzeichnet haben. Das Anliegen ist ganz klar: ein vollständiges und ausnahmsloses Verbot von Glyphosat, und das sofort. Wir nehmen dieses Anliegen sehr, sehr ernst, denn die Sorgen der Bevölkerung sind auch sehr berechtigt. In den letzten Jahren gab es viel Kritik rund um Glyphosat, nicht zuletzt wegen der Einstufung als wahrscheinlich krebserregend durch die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO. Ein solcher Stoff darf langfristig gesehen nicht in der Landwirtschaft Platz finden und schon gar nicht in unseren Lebensmitteln. (👏 SPÖ) Gleichzeitig müssen wir aber auch festhalten, dass, wie mein Kollege das vorhin schon gesagt hat, in Luxemburg ursprünglich dieses Glyphosatverbot umgesetzt worden ist – das Volksbegehren beruft sich ja auch darauf –, vom dortigen Verwaltungsgerichtshof aber wieder aufgehoben wurde. Das ist auch die Realität. Als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten setzen wir uns schon seit Jahren für die Reduzierung chemisch-synthetischer Pestizide ein und vor allem auch für mehr Transparenz, nämlich wo es ausgebracht wird und vor allem in welchen Mengen. Unser Ziel ist klar: weniger Pestizide auf den Feldern, mehr gesunde Lebensmittel auf den Tellern. Dafür braucht es aber EU-weite Lösungen, denn beim Pflanzenschutz wirken Binnenmarkt und Zulassung europaweit. Österreich kann hier nicht im Alleingang agieren, aber Österreich kann ein starker Motor sein, um etwas zu bewegen. Im Regierungsprogramm haben wir schon klare Zeichen gesetzt und Maßnahmen vereinbart: zum einen: Forschung für Alternativen, Stärkung der Biolandwirtschaft, Ausbau der biologischen Saatgutzüchtung und eine stärkere Berücksichtigung von Biolebensmitteln bei öffentlichen Ausschreibungen. Ich glaube, der Weg ist gemacht. Wir nehmen das Volksbegehren mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zur Kenntnis. Ein Glyphosatverbot darf kein Symbolakt sein, es muss Teil einer breiten, nachhaltigen und vor allem rechtssicheren Agrarwende sein. Dafür stehen wir ein. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Karin Doppelbauer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Karin Doppelbauer

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Werte Initiatoren dieses Volksbegehrens! Ich glaube, Sie alle wissen, wir haben uns in den letzten Jahren nicht nur in diesem Hohen Haus, sondern durchaus auch mit der Wissenschaft viel zu diesem Thema ausgetauscht, auch mit den Akteuren, wie eben unterschiedlichsten Bürgerinitiativen, die zu diesem Thema an uns herangetreten sind, NGOs, aber vor allem natürlich auch mit den Landwirten und den Landwirtinnen, und konnten hier sozusagen schon über viele Jahre unsere Meinungen austauschen und uns sozusagen auf eine gemeinsame Linie einigen. Ich möchte sagen, ich bin sehr froh, dass wir 2021 dieses Teilverbot hier im Parlament beschlossen haben, bei dem es um die Flächen für die Allgemeinheit geht, bei dem es darum geht, dass im Haus- und im Kleingartenbereich kein Glyphosat mehr verwendet werden darf, auch bei der Vorerntebehandlung und generell auch bei der nichtberuflichen Verwendung ist es verboten. Das war ein ganz, ganz wichtiger Schritt, dieser hat uns gutgetan. Jetzt werden Sie mir nicht gram sein, wenn ich Ihnen sage, als Biobäuerin weiß ich, dass man ohne Glyphosat genauso gut wirtschaften kann wie mit Glyphosat. (👏 NEOS) Und wir wissen natürlich auch, dass es unterschiedliche Implikationen gibt und Artensterben – Stichwort Biodiversität –, dass vor allem natürlich auch der Verlust von Insektenpopulationen in Österreich etwas ist, das auf chemische Pflanzenschutzmittel zurückzuführen ist, und deswegen ist uns die Wichtigkeit dieses Themas natürlich bekannt. Und ja, es gibt aber auch – meine Vorrednerinnen und Vorredner haben es schon angesprochen – das andere Faktum: dass Glyphosat natürlich eines der bestuntersuchten Pflanzenschutzmittel ist, die im Augenblick in der konventionellen Landwirtschaft angewendet werden, und dass es natürlich auch darum geht, dass der Ausstieg, wenn er geplant ist, erstens rechtlich hält, so wie es auch meine Vorrednerin schon gesagt hat; das ist ein wichtiger Punkt. Der zweite Punkt ist natürlich, dass dann nicht Substanzen verwendet werden, die eventuell schlimmere Auswirkungen haben als bekannte Pflanzenschutzmittel. Das heißt, in diesem Bereich ist noch einiges zu tun, und deswegen werden wir uns natürlich auf der europäischen Ebene ganz stark dafür einsetzen, dass der Ausstieg über die Zeit gut gelingen kann. (👏 NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Olga Voglauer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein.

GRÜNE Olga Voglauer

Spoštovana Visoka Hiša! Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Danke an die Menschen in Österreich, die dieses Volksbegehren unterstützt haben. Mehr als 121 000 Menschen haben gesagt: Behandelt dieses Anliegen im Parlament, es kann nicht sein, dass wir weiterhin dieses Totalherbizid – das ist nämlich Glyphosat, es macht alles hin – in Verwendung haben. Wenn Sie Glyphosat auf einem Feld ausbringen, dann wird nach wenigen Stunden alles absterben, was dort gewachsen ist. Und da finde ich es schon etwas eigenartig, wenn Kollegen aus dem Nationalrat hier herauskommen und meinen, das wäre nur ein wichtiges Werkzeug. Ein Werkzeug ist vielleicht, wie man Fruchtfolge plant, wie man seinen Acker bestellt – aber Glyphosat ist kein Werkzeug, Glyphosat ist ganz einfach Gift. Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend, sagt die Weltgesundheitsorganisation. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Ich weiß schon, es ist für die Freiheitliche Partei nicht so wichtig, was diese Organisation sagt. Für die Gesundheit der Menschen ist es aber sehr wohl interessant, was solche Institutionen meinen.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Es gibt sicher irgendwelche Kugerl dagegen!

GRÜNE Olga Voglauer

… Auch ich als aktive Landwirtin meine, dass es eben nicht sein kann, dass wir Landwirtinnen und Landwirte sagen: Wir brauchen das für unsere Praxis, deshalb muss es erlaubt sein, und es ist halt so günstig, und die Lebensmittel bleiben dann günstig. – Ja, und wer zahlt die Reparatur für unsere Gesundheit und die gesunde Ernährung und unseren Boden, den wir auf Dauer bewirtschaften wollen und von dem wir leben wollen? – Auch wieder der Steuerzahler und die Steuerzahlerin. Es ist also ganz klar, dass die Grünen für ein Verbot stehen – denn ja, Landwirtschaft ist auch ohne Glyphosat und ohne solche Totalherbizide möglich. Österreich ist ja nicht nur dabei säumig, dass wir uns endlich eingestehen, dass wir da von Gift reden. Wir sind auch dabei säumig, überhaupt zu erkennen und zu erfassen, wo diese Gifte ausgebracht werden – ganz gleich wie bei den PFAS-Pestiziden. Das sind Giftstoffe, die sich im Grundwasser anreichern, die uns allen schaden und uns bei gesunden Lebensmitteln auch nichts helfen. Die machen uns auf Dauer krank, und deshalb gehören Glyphosat, aber auch PFAS-Pestizide eindeutig verboten. (👏 SPÖ) Weil Luxemburg als plakatives Beispiel genannt worden ist, und weil es ja auch im Volksbegehren genannt wird: Ja, Luxemburg hat das Verbot aufgehoben, aber die Politik in Luxemburg hat daraus gelernt. Wissen Sie, was die gemacht haben? Auch in Luxemburg gibt es ein Agrarumweltprogramm, genauso wie in Österreich. Das ist das Förderprogramm, von dem die österreichischen Bäuerinnen und Bauern doch auch einiges für die Umwelt abholen. Im Gegensatz zu Österreich steht seit der Wiedereinführung oder der Zulassung von Glyphosat im Agrarumweltprogramm der Luxemberger ( Ruf bei den Grünen ) – Luxemburger, Entschuldigung –, dass man Agrarumweltförderungen nur dann abholen kann, wenn man auf den Glyphosateinsatz verzichtet. Das heißt: Die Politik hat sehr wohl ihre Lehren gezogen und die Praxis schaut jetzt auch ganz anders aus. In Österreich ist es wurscht, was Sie spritzen.

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Das stimmt nicht! Das stimmt nicht, ... unrichtig!

GRÜNE Olga Voglauer

… Da dürfen Sie spritzen Ende nie und kriegen auch die Agrarförderungen. Wir setzen uns für etwas anderes ein, und deshalb bringe ich auch folgenden Antrag ein, der Ihnen zugegangen ist: RN/58.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Dipl.-Ing. Olga Voglauer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Verbot von Glyphosat und PFAS-Pestiziden“ Der Nationalrat wolle beschließen: Der Landwirtschaftsminister „wird aufgefordert, Glyphosat-hältige Pestizide und PFAS-Pestizide zu verbieten“. Danke schön. (👏) 13.02 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/58.2 Verbot von Glyphosat und PFAS-Pestiziden (119/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Manuel Pfeifer . – Bitte.

FPÖ Manuel Pfeifer

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Österreicherinnen und Österreicher! Volksbegehren sind ein bedeutendes Instrument der direkten Demokratie. Sie ermöglichen es den Bürgern, aktiv an politischen Entscheidungen mitzuwirken. Dafür möchte ich den Initiatoren und den Unterstützern des Volksbegehrens recht herzlich danken. (👏 FPÖ) Es gilt, bald eine Entscheidung zu treffen, die den Schutz der Umwelt und der Gesundheit mit den Bedürfnissen der Landwirtschaft in Einklang bringt. Die EU hat die Zulassung von Glyphosat bis 2033 verlängert. Ein nationales Verbot von Glyphosat würde einen erheblichen Wettbewerbsnachteil für unsere österreichischen Landwirte innerhalb der Europäischen Union bedeuten. Es wäre darüber hinaus rechtlich schwer haltbar, siehe das Beispiel Luxemburg. In Österreich ist der Einsatz von Glyphosat ohnehin bereits stark eingeschränkt. Ein Verbot besteht für die Vorerntebehandlung, sofern das Erntegut für Lebens- oder Futtermittelzwecke bestimmt ist; auf Flächen, die von der Allgemeinheit oder besonders gefährdeten Personengruppen genutzt werden – dazu zählen unter anderem Sport- und Freizeitplätze, Kindergärten, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Friedhöfe –; im Haus- und Kleingartenbereich sowie für nicht berufliche Anwender generell. Darüber hinaus verzichten die ÖBB seit 2022 vollständig auf den Einsatz von Glyphosat. Daraus ergibt sich: Der Einsatz von Glyphosat ist in Österreich bereits heute streng limitiert. Wir sprechen uns daher klar gegen einen österreichischen Alleingang aus. Unser Ziel ist es, unsere Landwirte nicht weiter zu belasten. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Albert Royer . – Bitte.

FPÖ Albert Royer

Danke, Frau Präsidentin! Hohes Haus! Zunächst tut es mir einmal leid, dass sich der Herr Minister nicht die Zeit genommen hat, weil ich schon glaube, dass das ein sehr interessantes, wichtiges Thema ist. Das Thema Glyphosat ist auch ein sehr kontroverses Thema. Ich würde nur darum bitten, dass wir da wirklich Pragmatismus hineinbringen, weil dieses Mittel letztlich von der EU erlaubt ist. In Luxemburg ist die Verbotsgeschichte gescheitert. Die Bauern und Bäuerinnen brauchen es. Sie setzen es eh nur in geringen Maßen ein, aber es gibt halt leider keine vernünftige Alternative. Das Mittel wird derzeit in der Landwirtschaft unbedingt gebraucht – und wenn wir es pragmatisch sehen und kein Gold-Plating machen wollen, dann müssen wir dieses Ansinnen des Volksbegehrens leider ablehnen. Wir haben ja genug andere Probleme. Glyphosat ist ja eigentlich nur ein Baustein in der Agrarpolitik, der den Bauern und Bäuerinnen Probleme macht. Es gibt so viele andere Dinge: Mercosur ist schon angesprochen worden. Der ÖVP-Bauernbund wird wieder ein paar Krokodilstränen zerdrücken, dann werdet ihr gegenüber dem Wirtschaftsbund umfallen und das durchdrücken. Es ist ja alles klar, was da in den nächsten Monaten passieren wird. Die Renaturierungsverordnung kommt auf die Bauern zu. Da gibt es Kräfte, die wollen das Land wieder auf 1995 zurückschrauben. Das geht natürlich so nicht. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP. ) Dann gibt es diese fehlende Herkunftskennzeichnung. Na ja, da kann der Tiroler Landwirtschaftskammerpräsident schon lachen. Seit Jahren verhindert ihr das. Das Thema Herkunftskennzeichnung gibt es ja schon seit Urzeiten …

ÖVP Kühberger (Zwischenruf)

Stimmt ja nicht! – Abg. Baumgartner [ÖVP]: Stimmt ja nicht! Genau!

FPÖ Albert Royer

… immer noch nicht umgesetzt. Es gibt diese Entwaldungsverordnung, auch wieder so eine Wahnsinnigkeit, die aus Brüssel auf uns zukommt. Ich meine, wir wachsen zu: Steiermark, Österreich. Pro Jahr gibt es mehr Zuwachs, als Holz geschlägert wird. Trotzdem sollte man dann bei jedem einzelnen Stamm nachweisen, wo wir ihn geschlägert haben. Es ist ja in Wahrheit alles ein Wahnsinn. (👏 FPÖ) Es gibt zu viel Bürokratie. Ihr redet immer von Bürokratieabbau, ihr tut aber nichts. Ich weiß auch nicht, wo Sepp Schellhorn schon wieder ist. Es passiert ja auf diese Weise nichts. Es gibt noch die neue GAP, die Töpfe werden anders aufgeteilt. Es wird riesige Verteilungskämpfe geben. Das heißt, es kommen massive Probleme auf die Bauern und Bäuerinnen zu. Es wird wieder der alte Spruch gelten: „Bauernbund ist gleich Bauernschwund.“ Es wird so weitergehen …

ÖVP Baumgartner (Zwischenruf)

... glaubst du ja selber nicht!

FPÖ Albert Royer

… weil ihr einfach verfehlte Politik macht. Das ist ein Drama in mehreren Akten – und darum: Bitte lasst die Bauern mit dem Thema Glyphosat in Ruhe! Es kommen genug andere Probleme. – Danke für die Aufmerksamkeit. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alois Kainz . – Bitte.

FPÖ Alois Kainz

Danke, Frau Präsident! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Werte Zuseher zu Hause vor den Bildschirmen und auf der Galerie! Ja, wir diskutieren jetzt das Thema Glyphosatverbot. Mehr als 121 000 Österreicher haben das Volksbegehren unterschrieben, und das zeigt, dass da eine große Besorgnis vorherrscht. Das ist aber nicht erst seit gestern der Fall, sondern das Thema Glyphosat beschäftigt uns schon seit längerer Zeit. Die EU ist auch angehalten worden, darüber zu entscheiden, weil es im Parlament in Brüssel keine qualifizierte Mehrheit gegeben hat. Inzwischen hat man das Thema Glyphosat wieder zehn Jahre verlängert. Es sind natürlich Änderungen und weitere verschärfte Vorgaben eingetreten, aber nach wie vor ist es wirklich ein Thema, das uns beschäftigt. Aber solange auf EU-Ebene bis 2033 Glyphosat erlaubt ist, wird es sehr, sehr schwierig sein, hier einen nationalen Alleingang heraufzubeschwören. Das ist einmal das Thema, das uns wirklich Sorgen macht, weil wir das auf EU-Ebene so lange verlängert haben. Eines ist aber auch klar: Die Last des Glyphosatverbots darf nicht auf dem Rücken unserer Landwirte und Familienbetriebe abgeladen werden. In Österreich gibt es 150 000 bäuerliche, land- und forstwirtschaftliche Betriebe, die unsere alltägliche Lebensmittelversorgung sichern. Sie haben zusätzliche Last zu tragen. Aus unserer Sicht fordern wir Freiheitliche ganz klar ein Ende der EU-Diktatur und einen fairen Wettbewerb. (👏 FPÖ) Importierte Lebensmittel müssen den gleichen Standard aufweisen wie unsere heimischen Produkte. Wir sagen daher Nein zu einer Politik, die unsere Bauern ruiniert, während Brüssel entscheidet und Konzerne profitieren.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das reimt sich sogar! – Zwischenruf des Abg. Kühberger [ÖVP].

FPÖ Alois Kainz

… 13.09 RN/61.1 Präsidentin Doris Bures : Herr Abgeordneter Kainz, der Ausdruck „EU-Diktatur“ hat natürlich weder im EU-Parlament noch bei uns etwas verloren. Ich erteile Ihnen jetzt keinen Ordnungsruf, würde aber darum ersuchen, in weiteren Redebeiträgen davon Abstand zu nehmen. Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Antonio Della Rossa .

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ist Russland so eine super Demokratie?! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Die Frage ist, ob die EU eine Demokratie ist!

SPÖ Antonio Della Rossa

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zusehende und Zuhörende vor den Bildschirmen! Es bleibt mir nichts anderes übrig, als noch ein paar Worte an Sie, liebe FPÖ, zu richten, denn ich bin verwirrt. Sie verwirren mich tatsächlich, und zwar in mehrerer Hinsicht: Vorhin, als es um das Volksbegehren zum ORF ging, sagten Sie uns, wie wichtig Volksbegehren doch sind, aber dieses Volksbegehren ist Ihnen anscheinend nicht mehr so wichtig. Was mir aber besonders komisch vorkommt, ist: 2019 hat Herr Hofer bei Ihnen noch gesagt – und ich zitiere: „Wir haben uns natürlich die europarechtlichen Bedenken im Detail angesehen und verstehen in diesem Zusammenhang auch die Sorgen der Landwirtschaft. Letztendlich muss aber die Gesundheit der Menschen im Vordergrund stehen. Die Landwirtschaft muss jedenfalls beim Glyphosat-Ausstieg unterstützt werden.“ Damals waren Sie also noch für ein Verbot von Glyphosat, und jetzt fallen Sie da um. Das ist eine etwas komische Politik: Für die Waffen sind Sie, für das Gift auf unseren Feldern sind Sie – für die Menschen in diesem Land sind Sie also nicht. Das muss Ihnen gesagt werden. – Danke. (👏 SPÖ, FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Klaus Lindinger .

ÖVP Klaus Lindinger

Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wenn wir hier dieses Volksbegehren, das von rund 120 000 Menschen unterschrieben wurde, diskutieren, dann ist mir vor allem wichtig, dass wir auf der Grundlage wissenschaftlicher Fakten diskutieren. Es ist nämlich von einigen Kolleginnen und Kollegen etwas in den Raum gestellt worden, das ich korrigieren darf: Kollegin Feichtinger hat behauptet, dass wir Glyphosat nicht in den Lebensmitteln wiederfinden. Das passiert auch nicht. Es wird nicht auf Lebensmittel gespritzt, sondern nur auf abgestorbene Böden, und somit kann es auch in den Lebensmitteln nicht wiedergefunden werden. Zu Kollegin Voglauer: Ja, es ist ein Werkzeug …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Das Werkzeug ist ...!

ÖVP Klaus Lindinger

… nämlich eines, um die Lebensmittelproduktion sicherzustellen. Frau Kollegin, Sie erzählen draußen immer allen das Grüne von der Wiese und hier fallen Sie den Bauern in den Rücken. Das geht einfach so nicht! Ich darf auf ein paar Fakten eingehen. Die EU hat nach eingehender wissenschaftlicher Prüfung die Genehmigung von Glyphosat bis 2033 verlängert, das ist schon mehrmals erwähnt worden. Nationale Alleingänge sind nicht EU-gesetzeskonform. Wir haben in Österreich aber bereits Einschränkungen gemacht. 2013 wurde nämlich die Sikkation verboten und 2021 ist der Einsatz von Glyphosat auf öffentlichen Plätzen verboten worden. Das unterstützen wir auch, das haben wir auch hier mitbeschlossen. Da wäre noch ein Punkt, und der soll veranschaulichen, wie wichtig es ist, es vorher wissenschaftlich zu prüfen. Die ÖBB haben gesagt: Wir nehmen das Glyphosat nicht mehr und sehen uns nach anderen Wirkstoffen um. – Jetzt wird ein Chemikalienmix aus vier Wirkstoffen verwendet, obwohl man sich nicht sicher ist, ob das besser ist. Ich glaube, dass man sich wissenschaftlich anschauen muss, welche Wirkstoffe man braucht, um die Lebensmittelsicherheit in Österreich zu gewährleisten. Den Bäuerinnen und Bauern, die ausgebildet sind, die einen Pflanzenschutzmittelsachkundeausweis haben, die regelmäßig Kurse belegen müssen, um ihn auch behalten zu können, setzen Pflanzenschutzmittel ja immer nur nach folgender Regel ein: So wenig wie möglich und so viel wie nötig.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Dürfen wir das nicht ...?

ÖVP Klaus Lindinger

… Es ist auch eine Frage des budgetären Einsatzes: Jeder Pflanzenschutz kostet auch Geld. Deshalb nehmen wir es auch betriebswirtschaftlich und setzen natürlich nur das Nötige ein. Wir haben zu diesem Thema ein Hearing im Hohen Haus gehabt, nämlich im Landwirtschaftsausschuss, und ich darf ein paar Punkte herausnehmen, die der Landwirt Hans Gnauer dort – auch dementsprechend mit wissenschaftlichen Fakten unterlegt – vorgebracht hat: Die Böden müssen als Puffersystem gesichert werden. ( Heiterkeit bei Abgeordneten den Grünen. ) Das schaffen wir mit weniger Bodeneingriffen. Dann schaffen wir einen Humusaufbau, die Böden können mehr CO 2 speichern. Und was heißt das unterm Strich? – Dass die Speicherfähigkeit für Wasser erhöht wird, dass die Böden vor Erosion geschützt werden und schlussendlich, dass die Erträge auch dementsprechend abgesichert werden, damit die Lebensmittelversorgung in Österreich sichergestellt werden kann. Ich finde, es ist ein Wahnsinn, dass da auf die heimische Landwirtschaft, die wettbewerbsfähig produzieren sollte, die nachhaltig produziert, draufgehauen wird. Österreich ist Vorreiter in ganz, ganz vielen Bereichen, wir haben die höchsten Produktionsstandards. Wir von der Volkspartei setzen auf Fakten statt auf Schlagworte und auf strenge Regeln statt auf Symbolpolitik. ( Heiterkeit bei den Grünen. – Ruf bei den Grünen: Seit wann? ) Der Kollege hat es gerade vorgebracht. Die Freiheitlichen sagen hier: Jawohl, wir sind dabei, wir wollen keine nationalen Alleingänge. – Aber was ist in der Vergangenheit passiert? Was habt ihr gemacht? – Ihr habt Verbote mitbeschlossen, ihr habt Sachen kurzfristig nicht mitbeschlossen, wenn es beispielsweise um die Sicherheit im Zusammenhang mit Stalleinbrüchen geht. Da seid ihr säumig. Da wäre es an der Zeit, dass ihr euch bewegt und für die Bäuerinnen und Bauern einsteht. Das hätten sich die österreichischen Bauern verdient. Das gibt es mit der Volkspartei und dem Bauernbund, und dazu stehen wir! (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall. ( Abg. Lindinger [ÖVP] spricht mit Abg. Stefan [FPÖ]. ) – Wenn Sie ausdiskutiert haben, dann können wir zur Abstimmung kommen.

Volksbegehren: "Kein NATO-Beitritt"

199 d.B. · Regierungsvorlage 1 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Dokumente

Volksbegehren: "Kein NATO-Beitritt"

~25 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren jetzt das Volksbegehren „Kein Nato-Beitritt“. Ich darf mich gleich zu Beginn bei den Initiatoren dieses Volksbegehrens herzlich bedanken. Es ist immer ein großer Aufwand und eine Mühe, das zu machen – danke für Ihr Engagement! Man konnte ja gar nicht ahnen, wie brisant und aktuell dieses Thema angesichts des Verhaltens dieser Bundesregierung und insbesondere dieser Außenministerin wird! (👏 FPÖ) Die Grundidee dieses Volksbegehrens besteht darin, das bestehende Neutralitätsgesetz um eine Verfassungsbestimmung zu ergänzen, welche Österreich den Beitritt zur Nato explizit untersagt. Dies ist nun verfassungsrechtlich sowieso nicht möglich, ich kann aber die Idee des Volksbegehrens nur allzu gut verstehen, denn angesichts des Verhaltens von ÖVP und Grünen seit Ausbruch des Krieges im Februar 2022 und jetzt, noch schlimmer, seit dem Amtsantritt des Dreiers mit NEOS-Außenministerin Meinl-Reisinger stellt man sich folgende Fragen: Wissen diese Herrschaften, dass wir neutral sind? Wissen diese Herrschaften, was es bedeutet, dass das eine verfassungsrechtliche und völkerrechtliche Verpflichtung ist, dass es sich eine Regierung nicht aussuchen kann, welchen Grad an Neutralität sie gerne leben möchte oder berücksichtigen will …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Na alles, was ...!

FPÖ Susanne Fürst

… und dass sie nicht berechtigt ist, die Neutralität durch ihr Handeln völlig auszuhöhlen? Nun, Außenministerin Meinl-Reisinger weiß es definitiv nicht! Seit ihrem Amtsantritt lässt sie ihrem Geltungsdrang zum Schaden Österreichs freien Lauf! Sie ignoriert die Handlungsmaximen für eine österreichische Außenpolitik, die aber verpflichtend wären: österreichische Interessen zuerst, ausgleichend und neutral zu vertreten, Österreich aus Konflikten herauszuhalten und nur humanitäre Hilfe zu leisten oder sich als Konferenzort anzubieten. Die Außenministerin macht das Gegenteil: Sie reiste in ihrer kurzen Amtszeit bereits drei Mal nach Kiew …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Na in Moskau ...!

FPÖ Susanne Fürst

… zum Kriegschauen und zum Verteilen von österreichischem Steuergeld. (👏 FPÖ) Sie erklärt dort ihre bedingungslose Solidarität …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ihr laufts ja nur vor’m Kreml herum!

FPÖ Susanne Fürst

… mit einer Kriegspartei, und das ist einfach das Gegenteil von Neutralsein, ob es einem gefällt oder nicht! Sie ist aber zur Neutralität verpflichtet, und es steht ihr daher nicht zu, diese bedingungslose Solidarität zu erklären, wenngleich dies auch Bundeskanzler Stocker – nicht anwesend – genauso hält. Außenministerin Meinl-Reisinger tanzt beim Forum Alpbach – das wird international wahrgenommen – in der ukrainischen Tracht herum. Sie agiert vielmehr als Außenstelle von Kiew in Wien als als österreichische Außenministerin.

ÖVP Gerstl (Zwischenruf)

... Kneissl!

FPÖ Susanne Fürst

… Und sie liefert einen Höhepunkt Ende Juli in einem Interview: Sie sinniert da öffentlich darüber, dass es für einen Beitritt zur Nato im Parlament und in der Bevölkerung derzeit keine Mehrheit gibt; sie bedauert dies, aber man kann wohl darüber debattieren, das kann sehr fruchtbar sein. Jetzt nehmen wir das in Österreich ja nicht so ernst, was Frau Meinl-Reisinger sagt, darum hat sich auch nicht wirklich jemand gekümmert, aber international wird das wahrgenommen, was eine amtierende Außenministerin sagt. Wenn diese den völkerrechtlichen Status ihres Landes infrage stellt, provoziert das Reaktionen, und das hat sie auch geschafft. Es sind Reaktionen gekommen, wie sie noch kein österreichischer Außenpolitiker seit dem Zweiten Weltkrieg bekam. Irgendeine Einsicht bei der Außenministerin? – Na sicher nicht! Irgendeine Zurechtweisung durch die Regierungspartner, durch Bundeskanzler Stocker? – Aber nein! Die ÖVP lässt sie gewähren, die SPÖ steht hinter ihr, voll dahinter; da hat man auch kein kritisches Wort gehört. Daher bringen wir einen Entschließungsantrag ein, der mehr als dringlich ist: RN/66.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Susanne Fürst , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Rückbesinnung auf eine aktive Neutralitäts- und Friedenspolitik“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, sich klar zur österreichischen Neutralität zu bekennen und aktive Friedens- und Neutralitätspolitik auf internationaler und EU-Ebene zu betreiben.“ Bitte, wenn Sie das der Außenministerin ausrichten: Sie soll das berücksichtigen. (👏 FPÖ) 13.22 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/66.2 Rückbesinnung auf eine aktive Neutralitäts- und Friedenspolitik (120/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nächster Redner: Herr Abgeordneter Friedrich Ofenauer .

ÖVP Friedrich Ofenauer

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Sehr verehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ich darf namens meines Kollegen Laurenz Pöttinger ganz besonders die Junge ÖVP aus dem Bezirk Grieskirchen begrüßen. – Herzlich willkommen im Parlament! ( Allgemeiner Beifall. ) Eingangs darf ich mich ebenfalls bei den Unterstützerinnen und Unterstützern des Volksbegehrens „Kein Nato-Beitritt“ bedanken. Ich verstehe das als aktiven Beitrag zur geistigen Landesverteidigung, wenn man sich mit der Sicherheit Österreichs auseinandersetzt. Konkret geht es um die Forderung, ein Verfassungsgesetz zu beschließen, das Österreich den Beitritt zur Nato untersagt. Leider konnte der Proponent des Volksbegehrens beim öffentlichen Hearing im Ausschuss nicht dabei sein, sonst hätte er dort gehört, dass es, abgesehen davon, dass ein solcher Beitritt gar nicht zur Debatte steht, auch aus rechtlicher Sicht nicht notwendig ist, weil das Neutralitätsgesetz bereits ein Verfassungsgesetz ist, das nur mit Zweidrittelmehrheit abgeändert werden kann. Und das Neutralitätsgesetz untersagt uns schon seit 1955 den Beitritt zu einem Militärbündnis wie zum Beispiel zur Nato, aber auch die Errichtung militärischer Stützpunkte fremder Staaten auf unserem Gebiet. Zweck der Neutralität war aber immer schon die Behauptung der Unabhängigkeit und die Unverletzlichkeit des Staatsgebietes Österreichs, und diese Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit hat sich Österreich auch verpflichtet, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Das Neutralitätsgesetz ist eben ein Verfassungsgesetz und kein völkerrechtlicher Vertrag, das ist ein wesentlicher Unterschied. Es ist eine einseitige Erklärung per Verfassungsgesetz und eben kein völkerrechtlicher Vertrag. Damit braucht uns niemand zu erklären, auch aus Russland nicht, wie Österreich im Rahmen seiner Souveränität diese Neutralität interpretiert, ausübt und lebt. (👏 ÖVP) Das Neutralitätsgesetz, meine Damen und Herren, ist am 26. Oktober 1955 beschlossen worden, am 14. Dezember 1955 ist Österreich bereits der UNO beigetreten, 1995 dann der Europäischen Union. Damals Artikel 23f, jetzt Artikel 23j des Bundes-Verfassungsgesetzes legt genau fest, dass sich Österreich im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union aktiv beteiligt und aktiv daran teilnimmt. Und warum, meine Damen und Herren? – Weil die Sicherheit Europas auch die Sicherheit Österreichs bedeutet und mehr Zusammenarbeit, mehr Solidarität – auch mit Opfern, die überfallen werden –, mehr Kooperation notwendig ist und weniger Konfrontation, meine Damen und Herren. Wenn uns das Neutralitätsgesetz verpflichtet, uns auch mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen, dann bedeutet das auch, dass wir mit dem österreichischen Bundesheer auf dem richtigen Weg sind, wenn wir Fähigkeitslücken schließen – und diese Fähigkeitslücken müssen wir auch schließen, in der Luft bei der Raketen- oder Drohnenabwehr, am Boden mit der Modernisierung der Kampfpanzer Leopard, der Schützenpanzer Ulan oder der Neubeschaffung von Pandur Evo oder auch im Cyberraum bis hin zum Weltraum mit Satelliten, die uns bei der Aufklärung selbstständiger und unabhängiger machen. Die Mission vorwärts unserer Bundesministerin Klaudia Tanner ist tatsächlich zu einer Mission aufwärts geworden, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP) Das ist wichtig, weil diese Verteidigungsfähigkeit auch glaubhaft sein muss. Meine Damen und Herren, das ist keine Kriegstreiberei, denn was ist das, wenn Sie Ihr Auto versperren und mit einer Alarmanlage versehen? – Dann ist das auch nicht die Einladung, dass das Auto gestohlen wird. Das Gegenteil ist der Fall: Wäre die Türe offen, würde der Schlüssel stecken und die Geldbörse offen sichtbar am Beifahrersitz liegen, dann wäre das eine Einladung, das Auto zu stehlen oder einzubrechen. Aber verteidigungsfähig zu sein und sich zu schützen, ist sicherlich keine Kriegstreiberei, meine Damen und Herren. Eines sei auch noch – gerade angesichts der Wirtschaftslage – gesagt: Von diesen Beschaffungen profitiert auch die österreichische Wirtschaft zu 60 Prozent und bei Investitionen in bauliche Anlagen, bei Baumaßnahmen sogar zu 99 Prozent. Damit bleibt ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung in Österreich, meine Damen und Herren. Eines muss uns aber auch noch zu denken geben: Ohne Sicherheit wird es nicht die Freiheit geben, die unser Österreich zu einer lebenswerten Republik macht und gemacht hat. Das zu verteidigen, meine Damen und Herren, ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Selma Yildirim .

SPÖ Selma Yildirim

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Werte Damen und Herren! Ich darf eingangs im Namen meiner Abgeordnetenkollegin Karin Greiner die Kolleginnen und Kollegen der Wirtschaftsabteilung des Magistrates Graz ganz herzlich im Hohen Haus begrüßen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ) „Kein Nato-Beitritt“: Sehr geehrte Damen und Herren, die SPÖ hat die österreichische Neutralität immer verteidigt, und das tun wir auch weiterhin. Einen Beitritt zur Nato lehnen wir strikt ab. (👏 SPÖ) Unter SPÖ-Alleinregierungen hat Österreich seine Neutralität globaler und umfassender ausgelebt und engagierte sich intensiv in der Weltpolitik. Neutralität im völkerrechtlichen Sinne meint aber immer militärische Neutralität, niemals politische Neutralität. Sie meint nicht, dass ein neutrales Land und die Vertreter:innen eines neutralen Landes keine Meinung haben dürfen, vor allem, wenn es Aggressoren zu benennen und zu verurteilen gibt. Dass wir uns im Rahmen der Beistandspflicht an diplomatischen Sanktionen, an wirtschaftlichen Sanktionen beteiligen, ist selbstverständlich legitim und das Mindeste, was wir in diesem ganzen Prozess tun können. Nun gibt es die Beteiligung an der Nato-Partnerschaft für den Frieden: Interessant ist nämlich, dass wir mit dieser Beteiligung für den Frieden die Möglichkeit haben, den Schutz der Zivilbevölkerung in Krisenregionen auch mit zu unterstützen, aber es ermöglicht Österreich auch, die Rüstungskontrolle und, noch wichtiger, die Abrüstung zu forcieren. All das ist möglich, weil wir uns an diesen Partnerschaften beteiligen können, aber im Einklang mit unserer immerwährenden Neutralität. Wir können uns zum Beispiel auch an Missionen am Westbalkan wie etwa der KFOR im Kosovo, an Missionen in Jordanien oder im Irak beteiligen – diese Länder, die oft nach langen Kriegen zerstört sind, bei ihrem Wiederaufbau und bei diesen demokratischen Aufbauprozessen unterstützen, also auch humanitäre Projekte forcieren. Wir dürfen aber auch nicht unterschätzen, dass unsere Pflicht, nämlich das eigene Land zu verteidigen, vorsieht, dass wir eine umfassende Landesverteidigung gewährleisten sollen. Da profitiert natürlich die österreichische Landesverteidigung sehr von diesem Know-how, partizipiert daran und lernt auch sonst bei diesen Projekten und Kooperationspartnerschaften mit. Für uns ist aber ganz klar, dass wir den Beitritt zur vertiefenden Partnerschaft für den Frieden, einem Programm der Nato, als maximal mögliche Annäherung an die Nato sehen. Es bleibt dabei, ein Nato-Beitritt ist nach dem Neutralitätsgesetz ausgeschlossen – und das ist damit bereits in der Verfassung festgeschrieben. Ich wiederhole: Die SPÖ lehnt einen Beitritt zur Nato ganz klar ab. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Sie gelangen nun zu Wort.

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Frau Präsidentin! Werte Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie! Liebe Antragsteller dieses Volksbegehrens! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vorweg möchte ich mich ganz kurz – ich hoffe, ich halte es wirklich kurz – auf die Ausführungen von Frau Kollegin Fürst beziehen, weil sie hier schon wieder einmal – ich habe eigentlich nichts anderes erwartet, muss ich offen und ehrlich sagen – Ungeheuerlichkeiten von sich gegeben hat. Es beginnt damit, dass es die Fraktion zu meiner Rechten, die FPÖ, bis heute nicht schafft, die Geschichte so wahrzuhaben, wie sie ist. Die Ukraine wurde überfallen, die Ukraine ist nicht Kriegspartei, die Ukraine ist Opfer in diesem Konflikt – und das sollte endlich einmal auch die FPÖ verstehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Darüber hinaus finde ich es schon immer wieder spannend, wenn Sie sich hinstellen und von Neutralität sprechen, Frau Kollegin Fürst. Sie sind sehr, sehr schnell beim Verurteilen, beispielsweise wenn die Ukraine Drohnen Richtung Russland schickt. Da gibt es zahlreiche Aussendungen, erst vor zwei Wochen. Es gibt aber keine einzige Aussendung von Ihnen beispielsweise zu den Drohnen, die von Russland Richtung Ukraine beziehungsweise letzte Woche sogar Richtung Polen geschickt wurden. Da sind Sie dann immer still. Sie sind dann still, wenn es darum geht, mit den Opfern zu sprechen. Keiner von Ihnen ist jemals bei einer parlamentarischen Reise in die Ukraine mitgefahren und traut sich dort, der Bevölkerung ins Gesicht zu sagen, dass Sie angeblich neutral sind, dass Sie ihren Opferstatus nicht anerkennen.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Das liegt vielleicht am Freundschaftsvertrag!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Das ist die Neutralität, die Sie meinen. (👏 NEOS) Die Neutralität, über die Sie sprechen, ist die der ehemaligen Außenministerin, die jetzt im Kreml sitzt. Es war übrigens Ihre Außenministerin. (👏 SPÖ, NEOS) Da sind wir beim zweiten Thema, das Sie angesprochen haben. Ich verfolge ja die Kanäle, die Sie mit Ihren Verschwörungstheorien bespielen. Ich finde es unfassbar, wie Sie sich regelmäßig darüber beschweren, dass eine Außenministerin das macht, was im Titel ihres Amtes steht, nämlich Österreich außen vertritt und dementsprechend reist , in unsere europäischen Partnerländer fährt – auch in die Ukraine, denn auch die Ukraine ist ein europäischer Partner und so weiter – und dort ihren Job als Außenministerin macht. Seien wir doch endlich froh, dass wir eine Außenministerin haben, die herumreist, die diplomatisch aktiv ist und nicht wie die ehemalige Außenministerin im Kreml herumsitzt! Darüber hinaus behaupten Sie hier: Na ja, die Außenministerin fliegt herum und deswegen sind wir in Gefahr!, und irgendwas von Nato und so weiter. – Niemand hat einen Nato-Beitritt Österreichs gefordert. Die Außenministerin hat den nie gefordert. Sie können schlichtweg nicht vom Englischen ins Deutsche übersetzen, aber das haben wir auch in den Regierungsverhandlungen schon von Ihnen gehört, denn da wollten Sie ja das wissenschaftliche Arbeiten auf Englisch verbieten und lieber auf Deutsch machen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Russisch wäre jetzt der Vorschlag! Russisch! – Ruf bei der FPÖ: Das stimmt doch gar nicht!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Herr Hafenecker, weil sie hereinschreien, Sie sind ja überhaupt einer der Fake-News-Verbreiter in Österreich.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich habe ja wirklich gerade nichts gesagt – ausnahmsweise!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Ich habe Ihre Pressekonferenz letzte Woche gehört. Da sprechen Sie von Sky Shield. Es ist immer besonders schön, wenn die FPÖ über Sicherheitsthemen spricht und insbesondere über Sky Shield spricht. Sie haben dort gesagt: Na ja, Sky Shield und Nato sind quasi dasselbe! – Sie müssen auch da begreifen, Sky Shield – und wir werden heute eh noch darüber diskutieren – ist eine europäische Initiative.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Warum steht 13 Mal Nato drinnen? – Abg. Ofenauer [ÖVP]: Weil die Nato auch dabei ist!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Europa muss gestärkt werden, um genau das zu sichern, was notwendig ist: Die Sicherheit in Europa ist die Sicherheit für Österreich. (👏 ÖVP, NEOS) Die Österreicherinnen und Österreicher haben 1995 mit einem ganz klaren Bekenntnis für die Europäische Union auch ein Bekenntnis dafür abgegeben, dass sie selber über ihre Sicherheit entscheiden – nicht Ihre Freunde im Kreml …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Nicht die EU, Österreich selbst!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… sondern die Österreicherinnen und Österreicher selber –, mit einer starken europäischen Verteidigung, mit einer starken europäischen Außen- und Sicherheitspolitik.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ein EU-Heer war damals noch gar kein Thema!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Genau dafür steht diese Bundesregierung, und sie hat sich dem auch verpflichtet.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Da warst du noch im Kindergarten wahrscheinlich!

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Alma Zadić .

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ähnliche Volksbegehren haben wir in den letzten Jahren ja immer wieder diskutiert, zuletzt im Jänner 2024 im Landesverteidigungsausschuss. Ebenso haben wir im Verfassungsausschuss diesmal Expertinnen und Experten zu dem Thema gehört und uns dort ausgetauscht. Die beiden Experten des Außen- und des Verteidigungsministeriums betonen – das möchte ich schon auch hier noch einmal wiedergeben, weil es ja auch die Linie der Regierung widerspiegelt – ganz klar, dass ein Beitritt zur Nato nicht angestrebt werde und ein solcher mit dem Neutralitätsgesetz bereits jetzt verfassungsrechtlich ausgeschlossen sei. – Es ist also klar – und das sehen wir Grüne genauso –, ein Beitritt zur Nato ist mit unserer Verfassung schlicht und ergreifend unvereinbar. Ja, wir leben in einem der sichersten Länder der Welt. Damit unsere Zukunft und die unserer Kinder auch weiterhin abgesichert ist und auch bleibt, brauchen wir eine enge und eine verlässliche Zusammenarbeit mit unseren Partner:innen. Diese Zusammenarbeit, meine Damen und Herren, das ist aktive Neutralitätspolitik. Aktive Neutralitätspolitik bedeutet nicht, dass wir unsere Augen verschließen und so tun, als wären wir alleine auf der Welt. Aktive Neutralitätspolitik bedeutet, wir gestalten aktiv mit: mit dem wirtschaftlichen Druck, mit dem Geschick unserer Friedensverhandlerinnen und -verhandler und der Zusammenarbeit – der engen und solidarischen Zusammenarbeit – mit unseren Partnerinnen und Partnern und selbstverständlich auch mit unseren europäischen Nachbarn. Ja, es braucht mehr Europa, vor allem jetzt. (👏) Seit 1995 arbeiten wir im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden mit den Nato-Staaten zusammen. Diese engere Zusammenarbeit der letzten Jahre ist eine direkte und notwendige Auswirkung des Ukrainekrieges. Ein illegaler Angriffskrieg an Europas Grenzen muss zu einem Zusammenrücken der westlichen Wertegemeinschaft führen. Putins Invasion in der Ukraine hat die Sicherheitslage in Europa grundlegend erschüttert. Diesen neuen Gegebenheiten muss sich auch Österreich als neutrales Land anpassen. Die Grenzen der Zusammenarbeit setzt selbstverständlich weiterhin unsere Verfassung. Ja, wir als Österreich hatten auch einmal einen ausgezeichneten Ruf in der Diplomatie …

SPÖ Yildirim (Zwischenruf)

Unter SPÖ-Alleinregierung!

GRÜNE Alma Zadić

… und hatten als ein Staat mit UN-Sitz auch den Ruf, gerade wenn es um humanitäre Unterstützung gegangen ist, wenn es um Friedensverhandlungen gegangen ist, da aktiv mitzugestalten. Genau das wünsche ich mir jetzt wieder für Österreich. Ich wünsche mir, dass wir wieder eine Rolle in der internationalen Staatengemeinschaft spielen, dass wir die Intensivierung der diplomatischen Bemühungen nutzen, die Österreich auch als aktiven internationalen Friedensvermittler positionieren. Das ist eine Chance – eine Chance für Österreich in dieser herausfordernden geopolitischen Lage. Die müssen wir nutzen, jetzt, mit mutigen und entschlossenen Schritten. – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Tschank .

FPÖ Markus Tschank

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Zu Kollegen Hoyos-Trauttmansdorff ist zu sagen: Herr Kollege, wenn sich Ihre Außenministerin in die Medien stellt und eine Diskussion über die Nato oder über einen Nato-Beitritt oder über die Sinnhaftigkeit der Neutralität fordert …

NEOS von Künsberg Sarre (Zwischenruf)

Sinnerfassendes Lesen! – Abg. Hoyos-Trauttmansdorff [NEOS]: Zuhören! – Abg. Hofer [NEOS]: Ganze Sätze lesen!

FPÖ Markus Tschank

… dann ist das schon ein gefährliches Spiel, das nämlich darauf abzielt, die Neutralität insgesamt infrage zu stellen – und dafür sind wir nicht zu haben, sehr geehrte Damen und Herren. (👏 FPÖ) Die Nato und Russland befinden sich in einem hybriden Kriegszustand, einem Konflikt, der sich jederzeit zu einer offenen militärischen Auseinandersetzung entwickeln kann. Die Einheitsparteien sprechen mehr und mehr davon, dass uns die immerwährende Neutralität nicht schützen kann.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Geh, Kollege Tschank!

FPÖ Markus Tschank

… Ja, liebe Kollegen, Faktum ist, die Neutralität schützt uns natürlich nur, wenn sie auch tatsächlich von den politischen Verantwortungsträgern entsprechend gelebt und verteidigt wird …

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Und wenn sie aktiviert und respektiert wird, weil der Putin wird nicht ... respektieren und auch Staatsgrenzen nicht!

FPÖ Markus Tschank

… wenn man sie ernst nimmt und wenn sie auch gelebt und umgesetzt wird. Jedoch müssen wir Folgendes erleben – ja, was müssen wir erleben? –: Dass die Verliererkoalition und eine willfährige Außenministerin alles unternehmen, um diese Neutralität zu untergraben. Da wird plötzlich zwischen einer politischen und einer militärischen Neutralität unterschieden, da sagt man: Na ja, wir sind politisch nicht neutral, aber militärisch neutral und können natürlich auch eine Kriegspartei mit Wirtschaftssanktionen entsprechend ins Visier nehmen. – Jeder vernunftbegabte Mensch wird erkennen, dass die Mitwirkung an hybrider Kriegsführung, wie zum Beispiel durch die Mitwirkung bei Wirtschaftssanktionen, eben nicht funktionieren kann und nicht funktionieren wird. Wir verlieren damit unsere Glaubwürdigkeit auf der internationalen Bühne, und damit können Sie die Neutralität gleich auf der Müllhalde der Geschichte entsorgen, sehr geehrte Damen und Herren. Die Sanktionspakete gegen Russland haben nichts bewirkt, keinen Beitrag zum Frieden geleistet, Zigtausende Menschen in den Tod getrieben …

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

... Putin ... Sanktionspaket! ... schon wieder so eine Umkehr ...!

FPÖ Markus Tschank

… unsere Wirtschaft geschädigt, und letztlich sind wir nun aufgrund dieser verfehlten Außenpolitik selbst im Fadenkreuz Russlands. Die Neutralität ist ein Geschenk des Himmels, das wir hegen und pflegen müssen. Geboten ist der Ausbau der immerwährenden Neutralität zu einer wehrhaften Neutralität als Schutzwall gegen jede Form der Aggression. Eine neutrale Festung Österreich, liebe Freunde, das ist das, was wir einfordern. Diese Regierung plant genau das Gegenteil: die Schritt-für-Schritt-Annäherung an die Nato, eine Beteiligung Österreichs an Sky Shield, und das ist nichts anderes, liebe Freunde, als der Nato-Beitritt durch die Hintertüre. Das schützt uns nicht, sondern das macht uns selbst zur Zielscheibe. Lassen Sie mich eines klarstellen: Wer hier mit dem Schicksal und der Sicherheit unseres Landes spielt, wird auf unseren erbitterten Widerstand stoßen; wir werden das nicht tatenlos hinnehmen. Und wir werden unsere Kinder auch nicht in einen Krieg schicken …

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

... Widerstand ...!

FPÖ Markus Tschank

… an dem wir uns nicht beteiligen wollen und betreffend den unsere Bevölkerung auch der Meinung ist, dass das ein sinnloses Sterben wird. (👏 FPÖ) Wir benötigen ein umfassendes Bekenntnis zur wehrhaften Neutralität, das heißt eine Aufwertung, eine Rückbesinnung auf eine echte Neutralitätspolitik. Diese wehrhafte Neutralität müssen wir aus Eigenem ausbauen und finanzieren, auch wenn die Kosten dafür höher sein mögen, als sie für die Beteiligung an Nato-Initiativen sind. Wir behalten damit ein wesentliches Kriterium, und das ist unsere Glaubwürdigkeit als Vermittler zwischen Kriegsparteien und damit auch den Schutz vor Angriffen Dritter. Die Nato ist die niedrige Traube und sie ist sauer und wird uns nicht bekommen. Nach den schönen reifen Trauben weit oben müssen wir greifen und diese pflücken. Das bedeutet mehr Arbeit, mehr Einsatz, mehr Ressourcen, und am Ende wird es sich für Österreich lohnen. Krempeln wir die Ärmel hoch und machen wir die Neutralität zukunftsfit! – Vielen Dank.

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Wolfgang Gerstl .

ÖVP Wolfgang Gerstl

Der Angriffskrieg Russlands hat bereits mehr als 1 Million Tote und Verwundete verursacht, die meisten aufseiten des Angreifers; pro Monat in diesem Jahr rund 20 000 tote Soldaten, an manchen Tagen mehr als 1 000.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Da wart ihr doch immer mit der Wirtschaftskammer unterwegs!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Vor zwei Wochen flogen russische Drohnen Hunderte Kilometer ins Landesinnere von Polen, bis knapp 500 Kilometer vor Österreichs Staatsgrenze. Letzten Freitag versuchten drei russische Kampfjets MIG-31 in den estnischen Luftraum einzudringen. Es gibt zahlreiche hybride Angriffe auf unser Land Österreich, auch von unterschiedlichen Staaten. Unsere Sicherheit in Europa ist eindeutig bedroht. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Wir beraten heute über ein Volksbegehren, das einen verfassungsrechtlichen Ausschluss Österreichs von einem Nato-Beitritt fordert. Dazu möchte ich nur festhalten: Ein solcher ist durch das Neutralitätsgesetz schon gegeben, denn das Neutralitätsgesetz ist ein Verfassungsgesetz, das uns vorschreibt, dass wir keinem militärischen Bündnis beitreten dürfen. Ich möchte diese Gelegenheit aber nutzen, um einen Beitrag zur wichtigen Diskussion über die Sicherheit Österreichs und Europas zu leisten. Ich glaube, es ist ganz klar, dass wir uns die Welt noch vor wenigen Jahren anders vorgestellt haben, als sie heute ist. Heute leben zwei Drittel der Menschen auf der Welt in einer Autokratie. Es gibt nur wenige Menschen auf der Welt, die in einer so liberalen Demokratie leben wie in Österreich, und es sind auch nur ganz wenige Länder, in denen Menschen in einer solchen Demokratie leben können. Unsere Grundrechte, unsere Demokratie, ja unser Staat, wie wir ihn kennen, steht gewaltig unter Druck. Es wirkt, als wäre all das, was unsere Großeltern, unsere Eltern erwirtschaftet haben, in Gefahr, aber genau deshalb müssen wir wieder zu einer wehrhaften Demokratie werden. (👏 ÖVP) Wir müssen unsere Werte nicht nur leben, wir müssen sie auch verteidigen. Wir müssen selbst für unsere Sicherheit sorgen, doch die Realität ist: Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen. Das trifft nicht nur auf Österreich zu, das trifft auf ganz Europa zu. Vor Kurzem wurde dem italienischen Verteidigungsminister die Frage gestellt: Sind Sie auf einen Angriff auf das Land Italien vorbereitet? – Seine Antwort war: Nein. Meine Damen und Herren! Es gibt aber auch Positives zu berichten, denn sowohl in unserem Land als auch in anderen Ländern in Europa hat die Veränderung Platz gegriffen. Wir investieren in die Rüstung, wir investieren in die Sicherung unserer Lufthoheit. Daher sage ich Ihnen: Unterstützen wir die Verteidigungsministerin, unterstützen wir den Innenminister bei der Beschaffung von Drohnen und weiterer moderner Ausrüstung wie beim Projekt Sky Shield, das unsere Lufthoheit weiterhin sichern soll! Wohlstand und Verteidigungsfähigkeit hängen eng zusammen, denn nur, wenn wir wirtschaftlich stark sind, können wir uns die notwendigen Verteidigungsausgaben auch leisten, und diese Ausgaben schützen uns vor einem etwaigen Angriff. Was ich aus dem Volksbegehren mitnehme, ist: Die Diskussion über unsere Verteidigungsfähigkeit und über die Sicherheit in Europa ist notwendiger denn je. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Das Volksbegehren „Kein Nato-Beitritt“ spricht ein Thema an, bei dem es eigentlich keinen Zweifel gibt. Unser Neutralitätsgesetz ist da eindeutig: Die Republik Österreich kann keinem Militärbündnis beitreten und damit auch nicht der Nato – Punkt. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich verstehe ja die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Volksbegehrens absolut, denn ich verstehe, wenn in der Bevölkerung große Sorge herrscht – natürlich auch, wenn man sieht, wie sich die Lage geopolitisch entwickelt, dass wir in Europa wieder Krieg haben –, dass man nicht will, dass Österreich irgendwie in eine kriegerische Situation hineingezogen wird. Deswegen ist es wichtig, dass wir hier im Parlament auch eindeutig klarstellen: Wir stehen zu unserer Neutralität, der Nato-Beitritt ist nicht geplant, und das ist auch im Regierungsprogramm eindeutig so festgeschrieben. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die Sozialdemokratie war es immer, die auf diesem Weg und in dieser Position eindeutig und konsequent war. Wir haben die Neutralität hochgehalten, wir haben sie verteidigt. Wir haben sie verteidigt? – Da könnte man die Frage stellen: Wogegen oder gegen wen verteidigt? – Da blicke ich hier auf die rechte Seite des Saals: unter anderem gegen die Freiheitlichen. (👏 SPÖ) Das haben vielleicht einige von Ihnen schon vergessen, aber in den Neunzigerjahren waren die Freiheitlichen die größten Forderer des Beitritts zur Nato; ein Jörg Haider hat dafür plädiert. Es gibt – man kann einfach hier ins Archiv des Parlaments schauen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Welches Jahr haben wir jetzt?

SPÖ Bernhard Herzog

… zahlreiche Anträge, in denen sich die FPÖ für den Nato-Beitritt einsetzt.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was ist dann passiert? Dann hat sich die FPÖ gespalten! – Abg. Bayr [SPÖ]: Wie immer nix, wenn die FPÖ was ...!

SPÖ Bernhard Herzog

… Die entscheidende Frage ist – ich meine, wenn ich in Ihre Reihen schaue: viele von Ihnen, glaube ich, haben lebhafte Erinnerungen an die Neunzigerjahre –: Wie sind Sie damals dazu gestanden? Was hat Herr Kickl damals gemacht? Vielleicht hat er damals sogar Reden für Jörg Haider geschrieben. Da stellt sich die Frage: Was hat sich da bei Ihnen getan? Ich glaube, man kann sich sehr, sehr gut anschauen, was sich da in der Zwischenzeit getan hat.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und was war dann 2002?

SPÖ Bernhard Herzog

… Ich glaube, Sie sind ein paarmal nach Russland gefahren, haben einen Freundschaftsvertrag abgeschlossen, und auf einmal ist die Neutralität für die Freiheitlichen wieder ganz spannend geworden.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

30 Jahre später ist auf einmal ...!

SPÖ Bernhard Herzog

… Und auf einmal ist Ihre Idee des Nato-Beitritts bei Ihnen schon wieder weg. (👏 SPÖ) Also ich sage ganz eindeutig: Neutralität – dazu muss man auch dauerhaft stehen. Die SPÖ ist da verlässlich. Wir stehen für den österreichischen Weg, wir stehen zu unserer Neutralität, wir stehen für Glaubwürdigkeit, und das unterscheidet uns auch von Ihnen.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Verteidigungsminister gemacht hat, das Bundesheer heruntergewirtschaftet hat!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Gmeindl .

FPÖ Michael Gmeindl

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Aber vor allem werte Österreicherinnen und Österreicher! Erstens: Das Volksbegehren „Kein Nato-Beitritt“ wurde von über 109 000 Österreicherinnen und Österreichern unterstützt. – Das ist kein Randthema, meine Damen und Herren, das ist eine deutliche Botschaft. Die Menschen erwarten, dass ihre Stimme im Parlament nicht nur gehört, sondern auch respektiert wird. (👏 FPÖ) Zweitens: Es ist geradezu absurd, wenn uns ein Regierungsvertreter erzählt, ein Nato-Beitritt stehe ohnehin nicht zur Debatte. Wenn das so wäre, warum dann die Aufregung? ( Ruf bei der ÖVP: Na eben! ) Na warum dann das Abwiegeln? Wer nichts plant, braucht auch nichts zu fürchten. Der Ruf nach einer klaren Verfassungsbestimmung zeigt …

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Klarer als das, was wir haben, geht nicht: kein Beitritt zu einem Militärbündnis!

FPÖ Michael Gmeindl

… Die Bevölkerung vertraut den Beschwichtigungen der Regierung nicht mehr. (👏 FPÖ) Drittens: Österreichs Neutralität ist mehr als ein Stück Papier. Sie ist ein historisches Erfolgsmodell, das uns über Jahrzehnte Sicherheit, Stabilität und Glaubwürdigkeit gebracht hat. Die Neutralität hat Wien zur UNO-Stadt gemacht und Österreich zu einem anerkannten Vermittler in internationalen Konflikten. Wer dieses Kapital leichtfertig verspielt, setzt die Sicherheit junger Österreicher aufs Spiel, und genau das will dieses Volksbegehren verhindern. Viertens: Wir haben im Ausschuss gehört, dass man angeblich schon jetzt verfassungsrechtlich abgesichert sei. Gleichzeitig aber wird Österreich über Umwege – Stichwort Sky Shield – in militärische Strukturen eingebunden. Das ist eine Salamitaktik, meine Damen und Herren. Heute heißt es Kooperation, morgen heißt es gemeinsame Beschaffung und übermorgen sind wir faktisch Teil eines Bündnisses. Das ist ein schleichender Nato-Beitritt durch die Hintertür, und genau davor warnen wir. Fünftens: Neutralität bedeutet nicht Isolation, Neutralität bedeutet aktives Eintreten für Frieden, Diplomatie und Vermittlung. ( Ruf bei den NEOS: Deswegen ...! ) Österreich darf nicht zum Befehlsempfänger militärischer Allianzen werden, sondern muss als Brückenbauer wirken. Das ist unsere Verantwortung und unser Markenkern als Staat. Sechstens: Dieses Volksbegehren zeigt, dass die Bevölkerung klar zwischen Sicherheit und Kriegsgefahr unterscheidet. Sicherheit bedeutet für die Menschen nicht mehr Waffen, nicht mehr Bündnisse, nicht mehr Rüstungsausgaben, Sicherheit bedeutet, junge Österreicherinnen und Österreicher nicht in fremde Kriege zu schicken. (👏 FPÖ) Zum Schluss: Wir fordern Respekt vor dem Volkswillen, wir fordern eine klare Verankerung des Nato-Verbots in der Verfassung und wir fordern ein Ende der Salamitaktik.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Das hat aber die Verfassungssprecherin so gesagt, dass das gar nicht notwendig ist!

FPÖ Michael Gmeindl

… Österreichs Zukunft liegt nicht im Schützengraben, sondern am Verhandlungstisch. – Vielen lieben Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Waffengesetz 1996

204 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 372/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.

Zusammenfassung

Das Waffengesetz 1996 wird umfassend verschärft: u.a. höhere Mindestaltersgrenzen (Kat. A/B grundsätzlich 25, Kat. C 21), Bewilligungspflicht auch für Kat.-C-Waffen, eine vierwöchige Wartefrist beim Ersterwerb sowie strengere Regeln für private Überlassungen (Abwicklung über ermächtigte Gewerbetreibende) und raschere Anzeige-/Registrierungspflichten. Zudem werden Zuverlässigkeitsprüfung und klinisch-psychologische Gutachten ausgebaut (inkl. fünfjähriger „Probephase“ bei Erstausstellung), der Behörden-Datenaustausch erweitert, wesentliche Waffenteile (z.B. Griffstücke) stärker erfasst und Sanktionen deutlich erhöht; Übergangsbestimmungen sollen bestehende Besitzstände geordnet überführen.

Betroffen sind insbesondere Waffenwerber und Waffenbesitzer (inkl. Jäger, Sportschützen, Händler und Privatverkäufer) sowie der Umgang mit Schusswaffen, Munition und wesentlichen Waffenteilen aller Kategorien, vor allem Kategorie C.

Dokumente

Waffengesetz 1996

Ausgangslage, Zielsetzung und Kompetenz

  • Anlass sind die Ereignisse in Graz am 10. Juni 2025; Ziel ist eine deutliche Verschärfung des Waffengesetzes 1996 zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit und zur besseren Prävention (u.a. gegen Impulskäufe, Missbrauch, organisierte Kriminalität).
  • Umsetzung eines Maßnahmenbündels aus dem Ministerratsvortrag vom 18. Juni 2025; im parlamentarischen Prozess wurden die ursprünglich vorgesehenen „ersten Schritte“ durch einen gesamtändernden Abänderungsantrag zu einer umfassenden Novelle ausgebaut.
  • Kompetenzgrundlage: Art. 10 Abs. 1 Z 7 B-VG (Waffen-, Munitions- und Sprengmittelwesen).
  • Zusätzlich: Anpassungen zur ordnungsgemäßen Umsetzung der Richtlinie (EU) 2021/555 (Waffenrichtlinie) aufgrund eines Mahnschreibens/Vertragsverletzungsverfahrens; Schwerpunkt auf Nachverfolgbarkeit, Registrierung/Anzeige-Fristen und wirksamen Sanktionen.

Begriffsbestimmungen und Systematik (u.a. „Erwerb“, wesentliche Bestandteile, umbaubare Gegenstände)

  • Einführung/Präzisierung einer einheitlichen Definition des „Erwerbs“ von Schusswaffen: umfasst nicht nur Kauf, sondern auch Verleih sowie sonstige Rechtsgeschäfte im Zusammenhang mit Verwahrung oder Vermittlung; Entgeltlichkeit und Eigentumsübertragung sind nicht mehr maßgeblich.
  • Klarstellung: Überlassung von Waffen an Gewerbetreibende zum Zweck der Reparatur/Instandsetzung begründet keinen „Besitz“ und ist kein „Erwerb“ im Sinne der neuen Definition.
  • Ausweitung des Begriffs „wesentliche Bestandteile“: Wegfall des Kriteriums der Gasdruckbelastung; damit fallen auch nicht gasdruckbelastete wesentliche Teile in den Anwendungsbereich (Angleichung an Waffenrichtlinie und Schusswaffenkennzeichnungsgesetz).
  • Klarstellung, dass Griffstücke/Gehäuseunterteile von Pistolen wesentliche Bestandteile sind; „Gehäuse“ umfasst bei Gewehren sowohl Gehäuseober- als auch -unterteile.
  • Einsteckläufe (auch unter 5,7 mm) gelten als wesentliche Bestandteile; bisherige Ausnahme entfällt.
  • Zentrales Waffenregister (ZWR): wesentliche Bestandteile sind einzeln zu speichern; bei Wechselsystemen sind Lauf und Verschluss als zwei wesentliche Teile zu erfassen (Seriennummern können ident sein).
  • Regelung, wann ein Gegenstand als Schusswaffe gilt, weil er zu einer Schusswaffe umgebaut werden kann: erforderlich sind kumulativ (1) Aussehen wie Schusswaffe und (2) Eignung zum Umbau aufgrund Bauweise/Material; Beispiel: Böller-/Salutkanonen fallen nicht darunter, weil sie nicht wie Schusswaffen aussehen.
  • Mehrere Bestimmungen werden systematisch in den 7. Abschnitt („Gemeinsame Bestimmungen“) verschoben (u.a. Verwahrung, Zuverlässigkeitsprüfung/-überprüfung, Dokumente), mit entsprechenden Verweis- und Überschriftenanpassungen.

Zuverlässigkeit: Ausschlussgründe, Terminologie und neue Struktur (Prüfung vs. Überprüfung)

  • Terminologische Modernisierung: Ersetzung des Begriffs „Geistesschwach“ durch „psychische Krankheit oder vergleichbare Beeinträchtigung“ ohne inhaltliche Änderung.
  • Klarstellung/Neuordnung: Bestimmungen zur Prüfung der waffenrechtlichen Zuverlässigkeit werden aus den Begriffsbestimmungen herausgelöst und in einem neuen § 41 im 7. Abschnitt geregelt; die periodische Überprüfung bleibt als eigener Regelungsbereich (§ 41a).
  • Ex-lege-Unzuverlässigkeit wird ausdrücklich normiert, wenn das Ergebnis des klinisch-psychologischen Gutachtens ergibt, dass jemand dazu neigt, mit Waffen unvorsichtig umzugehen oder sie leichtfertig zu verwenden (inhaltlich im Ergebnis wie bisher, aber klarer gefasst).
  • Zuverlässigkeitsprüfung künftig auch für Kategorie C relevant, weil für Kategorie C künftig eine behördliche Bewilligung erforderlich ist.

Klinisch-psychologische Gutachten: Qualität, Verfahren, Sperrfristen, Gutachterliste

  • Grundlegende Überarbeitung der Zuverlässigkeitsprüfung: Bei jeder Ausstellung einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenpasses muss die Behörde prüfen, ob Tatsachen mangelnde Zuverlässigkeit nahelegen; dafür ist grundsätzlich das Ergebnis eines klinisch-psychologischen Gutachtens beizubringen (nicht das Vollgutachten, um unnötige sensible Details zu vermeiden).
  • Qualitätssteigerung der Gutachten: verpflichtendes persönliches Explorationsgespräch und psychologische Testungen; Verordnungsermächtigung wird konkretisiert und umfasst auch Anforderungen an die Eignung von Gutachtern.
  • Transparenz: Veröffentlichung und laufende Aktualisierung einer Liste geeigneter klinisch-psychologischer Gutachter durch den Bundesminister für Inneres im Internet.
  • Antragsteller muss bereits im Antrag den ausgewählten Gutachter bekanntgeben; nur an diesen dürfen für die Gutachtenerstellung erforderliche Daten übermittelt werden; Wechsel des Gutachters ist der Behörde mitzuteilen.
  • Ausnahmen/Erleichterungen: Kein neues Gutachten erforderlich, wenn innerhalb der letzten 5 Jahre ein Gutachten positiv war und eine zusätzliche Bewilligung beantragt wird; ebenso kein Gutachten bei bloßer Erhöhung der Stückzahl für Kategorie A/B (nicht für Kriegsmaterial, da dort keine Stückzahlbewilligung).
  • Jagdkarte: Für Inhaber einer gültigen Jagdkarte kann weiterhin sachgerecht von der Beibringung des Gutachtenergebnisses abgesehen werden, weil sie im Rahmen der Jagdprüfung bereits auf waffensicheren Umgang geprüft wurden.
  • Meldepflicht der Gutachter bei negativem Ergebnis bleibt; Sperrfrist für die behördliche Verwertung positiver Gutachten nach negativem Gutachten wird von 6 auf 12 Monate verlängert.
  • Verschärfung bei wiederholten negativen Gutachten: Bereits beim zweiten gemeldeten negativen Gutachten innerhalb der nächsten 10 Jahre darf keine Waffenbesitzkarte/kein Waffenpass ausgestellt werden – auch dann nicht, wenn später ein positives Gutachten vorgelegt wird.
  • Bei negativem Gutachten: Waffenbehörde verständigt künftig auch die Jagdbehörde, die die Jagdkarte ausgestellt hat.

Befristung/„Probephase“ und wiederkehrende Prüfung: Waffenbesitzkarte und Waffenpass (neu § 44c)

  • Einführung einer fünfjährigen Befristung bei der Erstausstellung von Waffenbesitzkarten und Waffenpässen („Probephase“).
  • Definition „Erstausstellung“: liegt vor, wenn die Person die jeweilige Urkunde (WBK oder WP) zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht besitzt; auch bei früherem Besitz, der aktuell nicht mehr besteht, gilt eine erneute Ausstellung als Erstausstellung.
  • Folge: Zuverlässigkeit wird im Zusammenhang mit (Erst-)Ausstellungen häufiger geprüft (Verknüpfung mit § 41).
  • Unterscheidung EWR-Bürger vs. sonstige Personen wird auf alle WBK/WP angewandt: Nach der Probephase unbefristet für EWR-Bürger (sofern keine Erstausstellung), befristet für sonstige Personen zur angemessenen Kontrolle.
  • Erhöhung der erlaubten Anzahl an Schusswaffen beeinflusst die Befristung nicht; es gilt die Restdauer der Urkunde.
  • Rechtzeitige Antragstellung/Fristen und gesetzliche Fiktionen werden geregelt; bei nicht rechtzeitigem Antrag gilt dieser als nicht rechtzeitig eingebracht.
  • Bis zur Entscheidung über einen rechtzeitig eingebrachten Antrag bleibt der Besitz der betroffenen Schusswaffen erlaubt; bei Abweisung: Überlassung an Berechtigte binnen zwei Wochen nach Rechtskraft.
  • Bestehende Waffenbesitzkarten/Waffenpässe bleiben nach bisheriger Rechtslage wirksam (keine rückwirkende Umstellung).
  • Gestaltung der Dokumente wird in § 44b zusammengeführt; künftig ist auch das Ablaufdatum auf WBK/WP ersichtlich.

Mindestalter und Ausnahmen (Kategorie A/B/C, Kriegsmaterial, Sondergruppen)

  • Anhebung des Mindestalters: Kategorie A und B grundsätzlich auf 25 Jahre (mit wenigen Ausnahmen); Kategorie C künftig grundsätzlich ab 21 Jahren.
  • Kategorie A (verbotene Waffen) und Kriegsmaterial: Erwerb grundsätzlich erst ab 25 Jahren; zusätzlich wird bei Kategorie A im Bewilligungsverfahren eine Prüfung nach dem Vorbild der Kategorie-B-Verfahren vorgesehen, ob ein verfassungsgefährdender Angriff (SNG) zu erwarten ist.
  • Ausnahmen: Berufssoldaten dürfen – bei Vorliegen aller übrigen Voraussetzungen – bereits ab 18 Jahren erwerben/besitzen (Milizsoldaten nicht umfasst).
  • Ausnahmen für qualifizierte Sportschützen (§ 11b): Kategorie B ab 21, Kategorie C ab 18, um gegenüber der bisherigen Rechtslage keine Verschlechterung für diesen Personenkreis zu bewirken.
  • Ausnahme für gesetzlich anerkannte Lehr-/Ausbildungsverhältnisse: Unter Aufsicht einer befugten Lehrperson gelten Überlassen/Erwerb/Besitz/Führen sowie Munitionsregeln im Rahmen der Ausbildung nicht.
  • Traditionelle Schützenvereinigungen: Sonderregeln für bestimmte Waffen bei Ausrückungen zu feierlichen/festlichen Anlässen (unter Verpflichtung der Vereinigung zur Verantwortung für sicheren Umgang/Verwahrung); Waffenverbote schließen die Nutzung aus.

Kategorie C: Bewilligungspflicht, Mindestalter, Führen, Jagdbezug, Übergang von Registrierungssystem

  • Grundsatzwechsel: Für Erwerb, Besitz und Führen von Schusswaffen der Kategorie C ist künftig eine behördliche Bewilligung erforderlich (Waffenbesitzkarte oder Waffenpass, jeweils auf Kategorie C eingeschränkt), statt bloßer Registrierung.
  • Mindestalter für Kategorie C wird von 18 auf 21 Jahre angehoben; Ausnahmen für WBK-C ab 18 in bestimmten Fällen (Beruf, Schießsport, Jagd, traditionelle Schützenvereinigung) im Ermessen der Behörde; Waffenpass-C als Ausnahme grundsätzlich nur für Berufsausübung.
  • Personen mit gültiger Jagdkarte, WBK/WP für Kategorie A oder B oder einer kriegsmaterialbezogenen Bewilligung (soweit auf Schusswaffen bezogen) dürfen Kategorie-C-Waffen ohne zusätzliche Bewilligung erwerben und besitzen.
  • Regeln zum Führen von Kategorie-C-Waffen werden systematisch in die Kategorie-C-Bestimmungen verschoben (inhaltlich im Wesentlichen unverändert).
  • Überlassung von Kategorie-C-Waffen nur an Personen, die nach den neuen Regeln zum Erwerb/Besitz berechtigt sind; Personen, die nur aufgrund Übergangsbestimmungen Altbesitz haben, dürfen keine weiteren C-Waffen erhalten.
  • Jagdkarte als Besitzberechtigung für Kategorie C: Bei Ablauf der Jagdkarte bleibt Besitz bis 18 Monate zulässig; innerhalb dieser Frist muss entweder an Berechtigte überlassen oder eine WBK/WP beantragt werden. Bei Entzug der Jagdkarte: Frist 3 Monate für Überlassung oder Antrag; bis zur Entscheidung bleibt Besitz zulässig; bei Abweisung: Überlassung binnen 2 Wochen nach Rechtskraft.
  • Erben/Vermächtnisnehmer: Frist zur Nachweisführung der erforderlichen Berechtigung wird von 6 auf 12 Monate verlängert; Klarstellung zu ausreichenden zusätzlichen Plätzen für Kategorie-B-Nachlasswaffen auf der WBK.

Wartefrist („Abkühlphase“) neu geregelt (§ 41f)

  • Vierwöchige Wartefrist beim Ersterwerb einer Schusswaffe (statt bisher 3 Tage, und nicht mehr nur Kategorie C beim Gewerbetreibenden), um Impulskäufe zu unterbinden.
  • Gilt sowohl beim Erwerb über Gewerbetreibende als auch zwischen Privatpersonen.
  • „Erstmaliger Erwerb“ liegt vor, wenn eine Eigentumsübertragung stattfindet und aktuell keine Schusswaffe dieser Kategorie im ZWR auf den Erwerber eingetragen ist; wer früher Waffen hatte, aber aktuell keine eingetragen hat, unterliegt wieder der Wartefrist.
  • Ausnahmen: Inhaber eines Waffenpasses (insbesondere wegen möglicher akuter Bedrohungslagen) sowie Fälle unverzüglicher Ausfuhr/Verbringung in den Wohnsitzstaat (z.B. mit Erlaubnisschein).
  • Während der Wartefrist ist die Waffe gegen angemessenes Entgelt bei einem Gewerbetreibenden zu lagern; Aushändigung erst nach Ablauf der Frist.

Überlassung/Anzeige/Registrierung: Kategorie B, Kategorie C, Kriegsmaterial; Einbindung von Gewerbetreibenden

  • Einheitliches Verständnis von Überlassung/Erwerb: Anzeige-/Registrierungspflichten sollen unabhängig von Entgeltlichkeit und (teilweise) unabhängig von Eigentumsübertragung konsistent sein; Begriff „Anzeige“ wird vereinheitlicht (statt „Meldung“).
  • Kategorie B: Anzeige der Überlassung künftig unverzüglich (statt binnen 6 Wochen) schriftlich bei der zuständigen Behörde; Datenumfang bleibt im Wesentlichen gleich.
  • Kategorie B: Auch vorübergehende Überlassung/Erwerb ist unverzüglich anzuzeigen; nur wenn die Dauer bis zu 3 Werktage beträgt, sind Daten mindestens 6 Monate aufzubewahren und auf Anfrage vorzulegen (Werktage: Montag bis Freitag).
  • Kategorie B: Zuständigkeit für Entgegennahme der Anzeige wird vereinheitlicht: zuständig ist die für den Erwerber zuständige Behörde (nicht mehr die Behörde, die WBK/WP ausgestellt hat).
  • Kategorie B: Bei Erwerb durch nicht im Bundesgebiet ansässige Personen ist der Wohnsitzmitgliedstaat jedenfalls zu informieren; bisherige Ausnahme (Inlandsbesitz-Erklärung) entfällt.
  • Kategorie B: Klarstellung, dass auch Aufgabe des Besitzes (z.B. Überlassung ins Ausland, Vernichtung) unverzüglich anzuzeigen ist.
  • Kategorie C: Registrierungspflicht wird verschärft: Registrierung unverzüglich (statt binnen 6 Wochen).
  • Kategorie C: Registrierung künftig auch für Personen ohne Wohnsitz im Bundesgebiet (vollständigere ZWR-Erfassung).
  • Kategorie C: Bei Registrierung ist die Berechtigung zum Erwerb/Besitz vorzulegen (gültige Jagdkarte, WBK/WP, Ausnahmebewilligungen, kriegsmaterialbezogene Bewilligung soweit waffenbezogen).
  • Kategorie C: Vorübergehende Überlassung/Erwerb ist unverzüglich zu registrieren; nur bei Dauer bis zu 3 Werktage entfällt Registrierung, aber Daten sind 6 Monate aufzubewahren und auf Anfrage vorzulegen; vorübergehende Überlassung an bloße Inhaber einer Registrierungsbestätigung ist ausgeschlossen.
  • Private Eigentumsübertragungen (Kategorie B, Kategorie C und auch Kriegsmaterial): verpflichtende Einbindung eines nach § 32 ermächtigten Gewerbetreibenden mit ZWR-Zugriff; dieser prüft Identität, Wartefrist, Erwerbsberechtigung und Waffenverbote; bei Waffenverbot Verständigung der Behörde (und bei Kriegsmaterial zusätzlich des BMLV); Gewerbetreibender übernimmt die Anzeige/Abwicklung und erhält angemessenes Entgelt.
  • Kriegsmaterial: Überlassung ist unverzüglich (statt binnen 6 Wochen) dem BMLV anzuzeigen; BMLV verständigt Waffenbehörde über erfolgte Anzeige; bei privaten Eigentumsübertragungen erfolgt die Abwicklung über ermächtigte Gewerbetreibende analog.
  • EU-Wohnsitzfälle: Für Personen mit Lebensmittelpunkt in einem anderen EU-Mitgliedstaat werden Einwilligungs-/Erklärungsanforderungen systematisch in die Bewilligungsverfahren verlagert (siehe auch Abschnitt zu EU-Bezug).

EU-/Auslandsbezug: Einwilligung Wohnsitzstaat, Verbringen/Ausfuhr, Europäischer Feuerwaffenpass, Einfuhr

  • Kategorie B: Einwilligung des Wohnsitzstaates ist künftig bereits im Verfahren zur behördlichen Bewilligung (nicht erst beim konkreten Erwerb) beizubringen; Einwilligung bezieht sich auf Anzahl und Kategorie, nicht auf eine konkrete Waffe.
  • Kategorie B: Bisherige Ausnahme, wonach eine Inlandsbesitz-Erklärung die Einwilligung ersetzen kann, entfällt; zusätzlich wird vorgesehen, dass ohne schriftliche begründete Erklärung der Erwerb nur zulässig ist, wenn die unverzügliche Verbringung in den Wohnsitzstaat glaubhaft gemacht wird (z.B. Erlaubnisschein).
  • Kategorie C: Aushändigung/Überlassung an Personen mit Lebensmittelpunkt in anderem EU-Mitgliedstaat nur bei schriftlicher begründeter Erklärung (Inlandsbesitz) oder – ohne diese – bei Glaubhaftmachung der unverzüglichen Verbringung in den Wohnsitzstaat (z.B. Erlaubnisschein); Versand in den Wohnsitzstaat durch Gewerbetreibende bleibt möglich.
  • Kriegsmaterial: Einwilligung des Wohnsitzstaates wird auch für die behördliche Bewilligung zum Erwerb/Besitz/Führen verlangt; zusätzlich schriftliche begründete Erklärung (Inlandsbesitz) oder Glaubhaftmachung unverzüglicher Ausfuhr/Verbringung.
  • Mitbringen in das Bundesgebiet (EU-Reisen): Jäger und Nachsteller historischer Ereignisse dürfen ohne zusätzliche Bewilligung nur Kategorie-C-Waffen (nicht mehr auch Kategorie B) mitbringen, wenn im Europäischen Feuerwaffenpass eingetragen und Anlass (konkrete Jagd/Nachstellung) nachgewiesen wird; Klarstellung, dass Eintragung im Pass der mitbringenden Person erfolgen soll.
  • Einfuhr aus Drittstaaten: Ausnahmeregelung für kurzfristige Reisen (Jagd, Schießsport, historische Nachstellungen) für Personen ohne EU-Wohnsitz: Einfuhr von Kategorie-C-Waffen und Munition zulässig, wenn Besitzberechtigung im Wohnsitzstaat und Anlassnachweis; Kategorie B weiterhin nur mit Bewilligung über Vertretungsbehörde.
  • Einfuhrbestimmungen werden auf Kategorie C ausgedehnt (weil künftig bewilligungspflichtig) und auf sämtliche Munition (nicht nur bestimmte Faustfeuerwaffenmunition).

Munition: Gleichlauf mit Waffenberechtigungen (Kategorie B und C)

  • Umsetzung Art. 13 Abs. 1 Waffenrichtlinie: Erwerb/Besitz von Munition soll grundsätzlich denselben Regeln folgen wie die Schusswaffen, für die sie bestimmt ist.
  • Kategorie B: Wegfall der bisherigen Einschränkung auf bestimmte Faustfeuerwaffenmunition (Zentralfeuer/ab bestimmtem Kaliber); künftig umfasst die Regelung sämtliche Munition für Schusswaffen der Kategorie B.
  • Kategorie B: Munition darf grundsätzlich nur Inhabern entsprechender waffenrechtlicher Genehmigungen (Kategorie A/B) oder Inhabern einer gültigen Jagdkarte überlassen/ von diesen erworben und besessen werden; zusätzlich auch für Inhaber von WBK/WP Kategorie C oder einer Registrierungsbestätigung für Kategorie C, soweit die Munition für die entsprechende Waffe geeignet ist (Registrierungsbestätigung nur für minderwirksame Waffen und bestimmte Übergangsfälle).
  • Kategorie B: Munitionserwerb/-besitz wird auch für Inhaber von Ausnahmebewilligungen nach § 17 Abs. 3 (wenn die Ausnahmebewilligung Schusswaffen umfasst) sowie für Inhaber einer Bewilligung nach § 18 Abs. 2 (Kriegsmaterial, soweit waffenbezogen) ermöglicht.
  • Kategorie C: Munition für Kategorie C darf nur Inhabern von Genehmigungen für Kategorie C oder Inhabern einer gültigen Jagdkarte überlassen/ von diesen erworben und besessen werden; zusätzlich auch für Inhaber von Genehmigungen für Kategorie A/B oder Registrierungsbestätigung für Kategorie C, soweit passend.
  • Klarstellung durch Einleitung „Soweit in diesem Bundesgesetz nicht anderes bestimmt ist“: Sonderregeln (Mitbringen, Einfuhr) bleiben unberührt.
  • Folgeanpassungen: Terminologische Anpassungen in Bestimmungen, die auf die Munitionsregelung verweisen.

Waffenverbote: zwingende Verbote, vorläufige Verbote, sozialer Nahraum, Opferschutz

  • Ausweitung der Deliktskataloge, bei deren Verurteilung die Voraussetzungen für ein Waffenverbot jedenfalls gegeben sind; Behörde muss in diesen Fällen ein unbefristetes Waffenverbot aussprechen.
  • Einführung/Präzisierung „sozialer Nahraum“: familiäres, partnerschaftliches oder berufliches Umfeld; Bezug für bestimmte Straftaten und präventive Maßnahmen.
  • Vorläufiges Waffenverbot: Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes haben ein vorläufiges Waffenverbot auszusprechen, wenn Staatsanwaltschaft oder Kriminalpolizei die Waffenbehörde über den Beginn eines Ermittlungsverfahrens wegen bestimmter vorsätzlicher Delikte (u.a. gegen Leib und Leben, sexuelle Integrität/Selbstbestimmung sowie bestimmte StGB-Tatbestände) im sozialen Nahraum verständigen.
  • Dauer des vorläufigen Waffenverbots: bis zur rechtskräftigen Beendigung des Strafverfahrens.
  • Vorläufiges Waffenverbot auch bei Verständigung über einstweilige Verfügungen nach EO (382b–382d): gilt bis zur Aufhebung der einstweiligen Verfügung; allgemeine Regeln zu vorläufigen Waffenverboten sind anwendbar.
  • Klarstellung: Auch ohne Verurteilung kann weiterhin ein Waffenverbot verhängt bzw. Unzuverlässigkeit angenommen werden; bei Beurteilung können auch bestimmte Verwaltungsstrafen (Symbole-Gesetz, Verbotsgesetz) in die Gesamtschau einfließen.
  • Erweiterte Verständigungspflichten der Strafgerichte, damit die Waffenbehörde von relevanten Verurteilungen erfährt und Waffenverbote vollziehen kann.

Aufbewahrung/Verwahrung und Schießstätten; Jagdausbildung

  • Neustrukturierung: Verwahrungsregeln werden in § 15 neu gefasst (inhaltlich entsprechend dem bisherigen § 16b); besondere Verwahrung großer Waffenmengen wird als § 16 geführt (inhaltlich wie bisheriger § 41).
  • Schießstätten: Ausnahmen von Überlassen/Besitz/Führen-Regeln werden beibehalten/angepasst; Munitionserleichterung wird auf sämtliche Munition erweitert (nicht nur Faustfeuerwaffenmunition).
  • Minderjährige auf Schießstätten: Gesetzlicher Vertreter trägt Verantwortung für sichere Verwahrung, sofern nicht ein anderer Erwachsener diese übernimmt; dieser muss WBK/WP oder gültige Jagdkarte haben (kann auch Betreiber der Schießstätte sein).
  • Jagd-Ausbildungen: Verwendung von Schusswaffen im Rahmen von Jagdausbildungen zulässig, wenn von Landesjagdverband oder Jagdbehörde abgehalten/anerkannt; scharfe Schüsse weiterhin nur auf behördlich genehmigten Schießstätten.

Dokumente, Sicherstellung, Einziehung, Ersatzdokumente; Verlust/Diebstahl

  • Überprüfung/Verlust/Entfremdung von Urkunden wird als § 41c in die gemeinsamen Bestimmungen verschoben (inhaltlich wie bisher).
  • Sicherstellung von Urkunden und Schusswaffen wird als § 41b geregelt (weitgehend wie bisher), mit Klarstellung: Entziehung muss durch Waffenbehörde erfolgt sein; Entzug einer Jagdkarte durch Jagdbehörde löst diese Regelung nicht automatisch aus.
  • Einziehung/Ablieferung waffenrechtlicher Dokumente wird in § 41d zusammengeführt; Ablieferungspflichten werden auch auf den Europäischen Feuerwaffenpass erstreckt.
  • Ersatzdokumente werden als § 41e geführt (inhaltlich wie bisher).
  • Verlust und Diebstahl von Schusswaffen wird als § 41g geführt (inhaltlich wie bisheriger § 41a, mit klarstellender Überschrift).

Zentrales Waffenregister (ZWR): Datenumfang, Zugriffe, Aufbewahrung, neue Empfänger

  • Erfassung der Wohnanschrift wird um die Wohnsitzqualität ergänzt (insbesondere ob Hauptwohnsitz), um EU-Wohnsitzkonstellationen besser abbilden zu können.
  • Erweiterung um zusätzliche Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail) zur erleichterten Kontaktaufnahme durch Waffenbehörden.
  • Ermächtigte Gewerbetreibende erhalten die für ihre Aufgaben erforderlichen Daten und Informationen über Waffenverbote aus dem ZWR (z.B. für Registrierung/Anzeige, Wartefristprüfung, Munitionsabgabeprüfung).
  • Datenübermittlung aus dem ZWR an Zollbehörden wird ermöglicht (Zollverfahren) für einen Zeitraum von zehn Jahren nach Vernichtung der Schusswaffe (Umsetzung Waffenrichtlinie).
  • Neue Empfänger: Gerichtsvollzieher erhalten Zugriff auf ZWR-Daten (Gefährdungslage im Vollzug); Justizanstalten sollen Daten erhalten können (z.B. für Entscheidungen zum elektronisch überwachten Hausarrest: ob WBK/WP oder Waffenverbot vorliegt).
  • Aufbewahrung/Zugänglichkeit: personenbezogene Daten im ZWR bleiben Behörden jedenfalls bis zehn Jahre nach Vernichtung der Schusswaffe zugänglich (Umsetzung Waffenrichtlinie).
  • Wohnsitzprüfung: Gewerbetreibende dürfen zur Prüfung, ob ein Erwerber einen Wohnsitz im Inland hat, ZMR-Daten heranziehen; physische Wohnsitzbestätigung nur, wenn Person nicht im ZMR erfasst ist (Umsetzung Waffenrichtlinie).
  • Waffenregisterbescheinigung wird in einem neuen § 55a für alle Kategorien zusammengeführt (aus bisherigen Kategorie-C-Regeln).

Datenschutz und Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten

  • Anerkennung, dass in Zuverlässigkeitsverfahren besondere Kategorien personenbezogener Daten (Art. 9 DSGVO) verarbeitet werden können; gesetzliche „spezifische Maßnahmen“ werden vorgesehen.
  • Spezifische Maßnahmen: Übermittlung sensibler Daten nur an den vom Antragsteller bekanntgegebenen klinisch-psychologischen Gutachter; im ZWR dürfen besondere Kategorien personenbezogener Daten grundsätzlich nicht verarbeitet werden (Ausnahme: Zeitpunkt und Ergebnis des Gutachtens, soweit für Sperrfristen erforderlich).
  • Verbot der Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten von Dritten im ZWR; Behörden müssen angemessene Vorkehrungen zur Wahrung der Geheimhaltungsinteressen treffen.
  • Aufbewahrungs- und Löschpflichten: Waffenbehörden haben Aufbewahrungsdauer und Löschung zu beachten; für Gutachter ergeben sich Aufbewahrungspflichten aus Psychologengesetz/Ärztegesetz.

Behördenkooperation und Informationsaustausch (StPO, andere Behörden, Sozialversicherung, Militärdaten)

  • StPO-Datenfluss: Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte dürfen/ sollen Daten auch für Verfahren zur Prüfung (nicht nur Überprüfung) der Zuverlässigkeit übermitteln; Waffenbehörde soll spätestens bei Anklageeinbringung wegen bestimmter Delikte informiert sein, um Waffenverbote zu prüfen.
  • Verpflichtende Verständigung der Waffenbehörde über Beginn bestimmter Ermittlungsverfahren (vorsätzliche Delikte, u.a. im sozialen Nahraum) als Trigger für vorläufige Waffenverbote.
  • Neue/erweiterte Übermittlungsnorm: Andere Behörden der Gebietskörperschaften und Träger der Sozialversicherung dürfen relevante Daten an Waffenbehörden übermitteln; auf Verlangen besteht Übermittlungspflicht, soweit für Prüfung/Überprüfung der Zuverlässigkeit erforderlich.
  • Militärische Eignungsinformationen: Über Verweis auf WG 2001 wird sichergestellt, dass die Militärbehörde auf Verlangen Informationen zur Eignung zum Präsenz-/Ausbildungsdienst übermittelt; diese Informationen können für Zuverlässigkeitsbeurteilung und Gutachtenerstellung relevant sein.
  • Weiterleitung an Gutachter: Waffenbehörde hat dem bekanntgegebenen Gutachter die für die Gutachtenerstellung erforderlichen Informationen zu übermitteln, aber erst nachdem der Gutachter bestätigt hat, das Gutachten zu erstellen; auch der Antrag (inkl. Motive/Bedarf) wird übermittelt, damit Motive in die Beurteilung einfließen können.

Durchsuchungsbefugnisse und Vollzug

  • Erweiterung der Durchsuchungsermächtigung: nicht mehr an Ortsbezug und „dringenden“ Verdacht gebunden; Durchsuchung von Personen, mitgeführten Behältnissen und Fahrzeugen bei Verdacht aufgrund konkreter Hinweise/bestimmter Tatsachen auf Verstöße gegen Einfuhr/Ausfuhr/Besitz/Führen von Waffen/Munition (inkl. Kriegsmaterial).
  • Besondere Erwähnung: Durchsuchungen insbesondere im Umkreis von 100 Metern von Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen.
  • Angleichung an SPG: neben Durchsuchung der Kleidung auch Körpervisitation zulässig, um versteckte kleinere Waffen aufzufinden.

Straf- und Verwaltungsstrafrecht: neue Tatbestände, höhere Strafen, „goldene Brücke“

  • Anpassung gerichtlicher Strafbestimmungen: Unrechtmäßiger Besitz von Waffen/Munition bei vorläufigem Waffenverbot wird von Verwaltungsstrafe auf gerichtliche Strafe umgestellt, um StPO-Maßnahmen (z.B. Hausdurchsuchungen) zu ermöglichen; entsprechender Tatbestand wird in die gerichtlichen Strafbestimmungen verschoben.
  • Klarstellung zur Abgrenzung: gerichtliche Strafbestimmungen gelten nicht für wesentliche Bestandteile von Kriegsmaterial; unbefugter Erwerb/Besitz wesentlicher Bestandteile von Schusswaffen oder Kriegsmaterial wird als Verwaltungsübertretung mit höherem Strafrahmen erfasst.
  • Umsetzung Art. 23 Waffenrichtlinie: Verwaltungsstrafrahmen werden deutlich erhöht (bis 5.000 EUR, im Wiederholungsfall 7.000 EUR) und Mindeststrafen eingeführt (900 EUR bzw. 1.800 EUR im Wiederholungsfall).
  • Ausweitung/Präzisierung von Verwaltungsübertretungen: unbefugter Erwerb/Besitz wesentlicher Bestandteile; unbefugter Erwerb/Besitz von Munition; unbefugter Besitz oder Führen von Kategorie-C-Waffen; Überlassen von Kategorie-C-Waffen an Unbefugte; diverse Verweisanpassungen.
  • Auffangtatbestand wird an den erhöhten Strafrahmen angepasst.
  • Strafaufhebungsgrund („goldene Brücke“) wird auch für Verwaltungsübertretungen eingeführt: freiwillige Ablieferung illegal besessener Waffen/Munition an die Behörde, bevor die Behörde davon erfährt; gilt für Besitzdelikte, nicht für Führen/Überlassen.

Sonderregelungen: Prangerstutzen (minderwirksame Waffen) und traditionelle Schützen

  • Prangerstutzen werden als minderwirksame Waffen in die Ausnahmeregelung aufgenommen; damit unterliegen sie nur ausgewählten Bestimmungen des WaffG.
  • Folge: Prangerstutzenschützen gelten als Angehörige traditioneller Schützenvereinigungen; Führen im Rahmen von Ausrückungen zu feierlichen/festlichen Anlässen wird im Rahmen der einschlägigen Ausnahmebestimmungen ermöglicht.
  • Übergangsregel: Personen, die bei Inkrafttreten Prangerstutzen besitzen und entweder unter 18 sind oder gegen die ein Waffenverbot besteht, müssen diese binnen 6 Monaten an Berechtigte überlassen.

Übergangsrecht: wesentliche Bestandteile (insb. Griffstücke) – Meldung, Registrierung, Bewilligungen

  • Umfassendes Übergangsregime wegen Ausweitung „wesentliche Bestandteile“ (u.a. Griffstücke, Einsteckläufe): Besitz rechtmäßig erworbener, neu erfasster Teile bleibt bis zum Ablauf der Übergangsfristen erlaubt.
  • Stichtag/Start der Fristen: Inkrafttreten der einschlägigen Regelungen erst, wenn technische/organisatorische Voraussetzungen vorliegen; Zeitpunkt wird kundgemacht; ab Stichtag läuft grundsätzlich eine zweijährige Melde-/Nachholfrist.
  • Grundmodell: Betroffene können (a) melden/registrieren und ggf. Bewilligung beantragen/erhalten oder (b) innerhalb der Frist an Berechtigte überlassen; zusätzliche Bewilligungen gelten nur für den konkret gemeldeten Gegenstand (kein genereller Erwerb vergleichbarer Teile).
  • Kategorie A/B – Fallgruppen: (1) Besitz neu erfasster Teile bei bereits passender Bewilligung: Meldung binnen 2 Jahren; Eintragung auf freien Platz/Zubehörplatz; bei ausgeschöpfter Anzahl: Meldung gilt als Antrag auf zusätzliche Bewilligung nach § 23 Abs. 3. (2) Besitz neu erfasster Teile bei vorhandener, aber nicht passender Bewilligung: Meldung binnen 2 Jahren; gilt als Antrag; zusätzliche Bewilligung als Vermerk. (3) Besitz neu erfasster Teile ohne Bewilligung (Kategorie A bzw. Kriegsmaterial): Meldung binnen 2 Jahren; gilt als Antrag; Bescheidbewilligung nur für diesen Gegenstand; bei Abweisung: Überlassung binnen 2 Wochen nach Rechtskraft. (4) Besitz neu erfasster Teile ohne Bewilligung (Kategorie B): Meldung binnen 2 Jahren; gilt als Antrag auf WBK/WP; Mindestalter 25 ist hierfür nicht erforderlich; ggf. zusätzliche Bewilligungen/Anhänge bei Platzmangel; bei Abweisung: Überlassung binnen 2 Wochen.
  • Kriegsmaterial-bezogene wesentliche Bestandteile: Meldungen teils an den Bundesminister für Landesverteidigung; Bewilligungen/Vermerke entsprechend.
  • Kategorie C – Nachregistrierung wesentlicher Bestandteile: binnen 2 Jahren bei ermächtigtem Gewerbetreibenden im ZWR zu registrieren; erforderliche Daten sind nachweislich bekanntzugeben; unter 21-Jährige ohne Bewilligung/Jagdkarte müssen zusätzlich Bewilligung beantragen und Zuverlässigkeitsprüfung inkl. Gutachten nachholen.

Übergangsrecht: Mindestalteranhebung und neue Bewilligungspflicht für Kategorie C (Altbesitz, Nachholung)

  • Ziel: Eingriffe in wohlerworbene Rechte minimieren; wer bereits zuverlässig geprüft ist, soll im Rahmen bestehender Berechtigungen grundsätzlich weiter besitzen/führen dürfen; wer noch nicht geprüft ist, soll Bewilligung nachholen können.
  • Kategorie A/B (inkl. Kriegsmaterial): Personen, die am Stichtag rechtmäßig besitzen, aber noch nicht 25 sind, dürfen im Rahmen ihrer bestehenden WBK/WP weiter erwerben/besitzen/führen.
  • Sonderübergang für Anträge zwischen 1. Juni 2025 und Stichtag: Nicht-Jagdkarteninhaber, die in diesem Zeitraum eine waffenrechtliche Urkunde beantragt haben (nicht bloß Stückzahlerhöhung), müssen bis zur nächsten Zuverlässigkeitsüberprüfung ein klinisch-psychologisches Gutachten nachreichen; negatives Gutachten oder Nichtvorlage führt zur Entziehung der Bewilligung; Gutachter ist vorab bekanntzugeben (Datenübermittlung nur an diesen).
  • Kategorie C – Altbesitz ohne neue Bewilligungspflicht (Bestandsschutz): Personen über 21 (oder Inhaber einer gültigen Jagdkarte), deren Kategorie-C-Waffe bereits mehr als 2 Jahre vor Kundmachung auf sie registriert war, dürfen die am Stichtag auf sie registrierten C-Waffen weiterhin besitzen, auch ohne neue Bewilligung.
  • Kategorie C – Nachholungspflicht („Rückerfassung“): Personen ab 21 ohne Bewilligung/Jagdkarte, deren erste Registrierung einer C-Waffe innerhalb der letzten 2 Jahre vor Kundmachung oder zwischen Kundmachung und Inkrafttreten erfolgte, müssen binnen 2 Jahren eine WBK/WP beantragen oder an Berechtigte überlassen; bis zur Entscheidung bleibt Besitz erlaubt; bei Abweisung: Überlassung binnen 2 Wochen nach Rechtskraft.
  • Kategorie C – Unter 21 ohne Bewilligung/Jagdkarte: binnen 2 Jahren Antrag auf WBK/WP oder Überlassung; bis zur Entscheidung Besitz erlaubt; bei Abweisung: Überlassung binnen 2 Wochen.
  • Kategorie C – wesentliche Bestandteile: Bestandsschutz für über 21/Jagdkarteninhaber, wenn glaubhaft gemacht wird, dass der Teil seit mehr als 2 Jahren vor Kundmachung besessen wird; andernfalls Nachholungspflicht (Antrag oder Überlassung) binnen 2 Jahren; unter 21 analog Antrag/Überlassung.
  • Übergangsregeln sind mit den Übergängen zu wesentlichen Bestandteilen zu kombinieren (z.B. Griffstück ohne Bewilligung: zuerst Übergang für wesentliche Bestandteile, dann ggf. Übergang für Alters-/Bewilligungspflichten).

Übergangsrecht: militärische Eignungsdaten (Präsenz-/Ausbildungsdienst) und Gutachten

  • Übergangsbestimmung stellt sicher, dass Waffenbehörden Informationen zur Eignung zum Präsenz- oder Ausbildungsdienst erhalten, bis eine automatisierte Schnittstelle besteht.
  • Antragsteller hat Ergebnisse nach WG 2001 im Zuge der Antragstellung beizubringen, außer er weist Eignung nach, hat Wehr-/Zivildienst bereits geleistet oder ist nicht wehrpflichtig.
  • Waffenbehörde übermittelt diese Ergebnisse nur an den bekanntgegebenen Gutachter, sofern für die Gutachtenerstellung erforderlich; zuvor wird abgeklärt, ob der Gutachter das Gutachten tatsächlich erstellt; Gutachter hat die Ergebnisse im Gutachten zu berücksichtigen.

Inkrafttreten und technische Umsetzung (ZWR, Schnittstellen)

  • Gestaffeltes Inkrafttreten: Regelungen zur Wartefrist und zur Übermittlung von Informationen zur Eignung zum Präsenz-/Ausbildungsdienst treten bereits mit 1. November 2025 in Kraft.
  • Für die automationsunterstützte Übermittlung militärischer Informationen wird ein kundzumachender Zeitpunkt vorgesehen, sobald technische/organisatorische Voraussetzungen beim Bundesministerium für Landesverteidigung vorliegen (Kundmachung durch BMI im Einvernehmen).
  • Umfangreiche ZWR-Anpassungen erforderlich; da der Zeitpunkt der technischen/organisatorischen Umsetzbarkeit nicht abschätzbar ist, wird BMI ermächtigt, den Zeitpunkt des Inkrafttretens der davon abhängigen Regelungen im Bundesgesetzblatt kundzumachen.

Pyrotechnikgesetz 2010 und Schusswaffenkennzeichnungsgesetz

205 d.B.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Pyrotechnikgesetz 2010 wird angepasst, sodass Abschussgeräte für pyrotechnische Signalpatronen künftig wie Schreckschusswaffen nach dem Waffengesetz behandelt werden und Böllerpatronen nicht mehr als pyrotechnische Gegenstände gelten. Das Schusswaffenkennzeichnungsgesetz wird geändert, um die Kennzeichnungspflicht auf alle wesentlichen Bestandteile (auch getrennte Teile) auszuweiten und die Strafrahmen bei Verstößen deutlich zu erhöhen.

Betroffen sind Besitzer:innen und Händler:innen von Signalabschussgeräten, Böllerpatronen sowie Schusswaffen und deren wesentlichen Bestandteilen (insbesondere bei Inverkehrbringen/Weitergabe), außerdem Personen unter 18 bzw. mit Waffenverbot, die solche Signalabschussgeräte besitzen.

Dokumente

Pyrotechnikgesetz 2010 und Schusswaffenkennzeichnungsgesetz

Ausgangslage und Ziel der Novellen

  • Aufgrund der im Zusammenhang mit der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2021/555 (Waffenrichtlinie) vorgesehenen Änderungen im Waffengesetz 1996 besteht Anpassungsbedarf bei damit zusammenhängenden Normen des Pyrotechnikgesetzes 2010 (PyroTG 2010) und des Schusswaffenkennzeichnungsgesetzes (SchKG).
  • Bisher sind Abschussgeräte für pyrotechnische Signalpatronen nach österreichischem Verständnis weder pyrotechnische Gegenstände iSd PyroTG 2010 noch Waffen iSd WaffG; da sie aber in den Anwendungsbereich der Waffenrichtlinie fallen, sollen für sie künftig die Regelungen für Schreckschusswaffen gelten.
  • Zur Beendigung einer bisherigen Kontroverse wird klargestellt, dass Böllerpatronen künftig nicht mehr in den Anwendungsbereich des PyroTG 2010 fallen.
  • Im SchKG wird die Definition „wesentliche Bestandteile“ angepasst, um die Kennzeichnungspflicht unionsrechtskonform auszuweiten und die Nachverfolgbarkeit zu verbessern.

Änderungen im Pyrotechnikgesetz 2010: Abschussgeräte für pyrotechnische Signalpatronen

  • Umsetzung von Art. 1 Abs. 1 Z 4 der Waffenrichtlinie: Für „Gegenstände mit einem Patronenlager, die zum ausschließlichen Abfeuern von pyrotechnischen Signalpatronen erzeugt wurden“ sollen künftig die für Schreckschusswaffen nach § 3b Abs. 1 WaffG geltenden Regelungen des WaffG und darauf beruhender Verordnungen (zB 1. WaffV) sowie die im PyroTG 2010 vorgesehenen Übergangsregelungen zur Anwendung kommen.
  • Erfasst sind Abschussgeräte, bei denen Abschussgerät und Signalpatronen getrennt sind (zB Signalpistolen, Signalstifte sowie bestimmte Signalgeber).
  • Nicht erfasst sind Signalgeber, bei denen es sich um einen pyrotechnischen Gegenstand handelt und Abschussgerät und Signalpatronen untrennbar verbunden sind.

Änderungen im Pyrotechnikgesetz 2010: Böllerpatronen und Böllerschießen (insb. § 29)

  • Klarstellung: Böllerpatronen zählen künftig nicht mehr zu den pyrotechnischen Gegenständen und fallen daher nicht mehr in den Anwendungsbereich des PyroTG 2010; entsprechende Textstellen mit Bezug auf Böllerpatronen entfallen.
  • Böllerpatronen gelten künftig als Knallpatronen iSd WaffG und unterliegen dessen Bestimmungen, sofern sie ausschließlich Schießmittel iSd § 3 Abs. 1 Z 4 Sprengmittelgesetz 2010 enthalten.
  • Enthalten Böllerpatronen andere pyrotechnische Sätze, gelangt das PyroTG 2010 zur Gänze zur Anwendung.
  • Klarstellung zur Begrifflichkeit: Unter Böller-(Salut-)Kanonen sind auch sogenannte Vorderladerkanonen zu verstehen.
  • Bewilligungen sollen künftig auch erteilt werden können, wenn Böllerschießen bei historischen Aufzügen oder historischen Veranstaltungen üblich ist (zB Mittelalterfeste, Darstellung historischer Schlachten).
  • Unverändert bleibt: Für Prangerstutzen im Rahmen der Brauchtumspflege ist weiterhin keine Bewilligung nach § 29 Abs. 1 erforderlich (Verweis auf § 29 Abs. 5 Z 1).

Änderungen im Pyrotechnikgesetz 2010: Verfall, Inkrafttreten und Übergangsrecht

  • Anpassung der Verfallsregelung (§ 41 Abs. 1): Da Böllerpatronen künftig nicht mehr vom PyroTG 2010 erfasst sind, entfallen bzw. ändern sich Passagen, die auf Böllerpatronen und -kanonen Bezug nehmen; spezielle Verfallsregelungen für Böllerpatronen sind nicht mehr erforderlich.
  • Inkrafttreten wird in § 45 Abs. 8 geregelt.
  • Übergangsregime (§ 47 Abs. 16) für die neu erfassten Abschussgeräte für Signalpatronen: Personen, die zum Inkrafttretenszeitpunkt solche Gegenstände besitzen und entweder das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder gegen die ein Waffenverbot besteht, müssen diese innerhalb von sechs Monaten an einen Berechtigten überlassen.

Änderungen im Schusswaffenkennzeichnungsgesetz: Definition „wesentliche Bestandteile“ und Kennzeichnungspflicht

  • Umsetzung von Art. 4 Abs. 1 lit. a der Waffenrichtlinie: Anpassung der Begriffsbestimmung „wesentliche Bestandteile“ in § 1 Abs. 2.
  • Die bisherige Einschränkung „soweit es sich um Einzelteile handelt“ soll entfallen, weil die Definition die Kennzeichnungspflicht nach § 1 Abs. 1 konkretisiert und künftig alle wesentlichen Bestandteile erfasst werden sollen.
  • Ziel ist, dass alle wesentlichen Bestandteile (zB Lauf, Trommel, Verschluss, Rahmen, Gehäuse oder entsprechende Teile) gekennzeichnet werden, um ausreichende Individualisierung, lückenlose Zuordnung und verbesserte Nachverfolgbarkeit zu gewährleisten.
  • Bei Inverkehrbringen von Schusswaffen sollen sämtliche wesentlichen Bestandteile der Kennzeichnungspflicht unterliegen – unabhängig davon, ob sie als Einzelteil oder als Teil einer Schusswaffe vorliegen.
  • Ergänzung: Bisher nicht gekennzeichnete wesentliche Bestandteile, die von der Schusswaffe getrennt wurden, sind spätestens vor einer allfälligen Weitergabe nach Maßgabe der Kennzeichnungsvorgaben zu kennzeichnen.

Änderungen im Schusswaffenkennzeichnungsgesetz: Strafrahmen und Sanktionen

  • Umsetzung von Art. 23 der Waffenrichtlinie (Sanktionen müssen wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein): Erhöhung des Strafrahmens in § 4 Abs. 1 in Übereinstimmung mit der vorgesehenen Regelung im WaffG.
  • Geldstrafe bis zu 5.000 Euro, im Wiederholungsfall bis zu 7.000 Euro.
  • Einführung einer Mindeststrafe: 900 Euro, im Wiederholungsfall 1.800 Euro.
  • Wenn die Verwaltungsübertretung durch einen Gewerbetreibenden begangen wurde: Geldstrafe bis höchstens 12.000 Euro.

Änderungen im Schusswaffenkennzeichnungsgesetz: Inkrafttreten

  • Die Änderungen sollen gemäß § 9 Abs. 3 zum Zeitpunkt in Kraft treten, der nach § 62 Abs. 23 WaffG kundzumachen ist, weil ein enger inhaltlicher Zusammenhang mit den dort genannten Änderungen besteht.

Pyrotechnikgesetz 2010 und Schusswaffenkennzeichnungsgesetz

~155 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Der Anlass, der uns heute überhaupt erst zu dieser Debatte bringt, ist ein sehr, sehr tragischer. Ich möchte eingangs dieser Diskussion natürlich auch den Hinterbliebenen des schrecklichen Amoklaufs in Graz im Namen meiner ganzen Fraktion unser Mitgefühl ausdrücken. Es sind Vorfälle wie dieser in Graz, die verhindert werden müssen, und damit muss die Politik selbstverständlich auch sorgsam und achtsam umgehen. Ich glaube, da sind wir uns einig. Was aber nicht sein kann, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist, dass ein Vorfall wie jener in Graz dafür herangezogen wird, ganz, ganz andere Dinge zu bezwecken. Denn wenn wir uns das fürchterliche Attentat, den fürchterlichen Amoklauf in Graz genau ansehen, dann sehen wir, dass das mit dem Großteil der Maßnahmen, die Sie da jetzt vorlegen, ja nicht verhindert hätte werden können – übrigens genauso wenig wie der zweifache Frauenmord letzte Woche in Wien: Der ist mit einer illegalen Waffe verübt worden, und vor allem ist er - - …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Aber zwei Drittel aller Frauenmorde werden mit legalen Schusswaffen getätigt!

FPÖ Christian Hafenecker

… Frau Kollegin, ich glaube nicht, dass das jetzt ein Thema ist, bei dem Sie mit Ihrem feministischen Zwischenrufen agieren sollten, sondern ich glaube, man muss sich wirklich - - …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist ein feministischer Zwischenruf, weil es um Morde an Frauen geht!

FPÖ Christian Hafenecker

… Nein, ich will ja zu diesem schrecklichen Mord an zwei Frauen gerade Stellung nehmen, aber Sie schreien dazwischen und ermöglichen mir das nicht. Das heißt, die Frage ist, wie viel Respekt Sie vor den Opfern haben, sehr geehrte Frau Kollegin. Bevor ich aus der ersten Reihe der SPÖ gestört worden bin, wollte ich aber noch fertig ausführen: Der Täter in Wien hatte schon Waffenverbot, war schon längst am Radar der Behörden, man hat es aber nicht verhindern können, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und im Fall von Graz, Herr Bundesminister, hätten Sie das Gesetz – oder vermutlich wir hier gemeinsam – mit einem Federstrich insofern abändern können, dass wir diesen schrecklichen Vorfall, diesen Amoklauf verhindern hätten können, indem wir eine einzige Sache sicherstellen, und zwar dass die Stellungskommission mit den zivilen Behörden spricht und somit das, was das österreichische Bundesheer festgestellt hat, dass dieser Herr nämlich keine Waffe tragen hätte sollen und dürfen, auch den zivilen Behörden zur Kenntnis gelangt wäre. Damit hätte man unter Umständen diesen Anschlag verhindern können. Wenn es nicht auch noch eine zweite Komponente gäbe: nämlich jene, dass der Täter eine fast fertiggestellte und funktionsfähige Rohrbombe zu Hause gehabt hat – eine illegale Waffe in diesem Zusammenhang – und diese unter Umständen auch zum Einsatz gebracht hätte, meine sehr geehrten Damen und Herren. Wir bräuchten aber heute nicht dieses Ungetüm an Gesetzesvorlage, das viel zu wenig lang begutachtet und diskutiert worden ist, hier zu besprechen, wenn genau diese eine Maßnahme gesetzt worden wäre. Dann hätte ich auch den Eindruck gehabt, dass es Ihnen wirklich um Graz geht und darum, solche Vorfälle zu verhindern. Jetzt habe ich den Eindruck, dass man einen Anlassfall nimmt, um am Ende des Tages das zu machen, was ja die meisten Parteien hier im Haus ohnehin schon lange wollen, nämlich den legalen Waffenbesitz noch ein Stück weit mehr zu verunmöglichen, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf eines hinweisen – und das ist jetzt keine Erfindung der Freiheitlichen Partei, sondern das lehrt uns die Geschichte –: Ein Merkmal von Systemen, die immer totalitärer werden …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ha!

FPÖ Christian Hafenecker

… ist jener Umstand, dass man den legalen Waffenbesitz so lange zurückdrängt, bis er nicht mehr vorhanden ist, meine sehr geehrten Damen und Herren. Das haben wir in der DDR gesehen, das haben wir in der Sowjetunion gesehen und das kennen wir auch aus der schlimmsten Zeit unserer Geschichte. Ich möchte darauf nur hinweisen: Das sind Merkmale von Systemen, die sich jedenfalls gegen legalen Waffenbesitz stellen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Christian Hafenecker

… Und wenn man sich schon die Frage stellt, warum der legale Waffenbesitz in Österreich doch stark angestiegen ist: Meine sehr geehrten Damen und Herren – vor allem die Innenminister der ÖVP –, das hat natürlich auch seinen Grund. Das ist nämlich der Umstand, dass das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung in diesem Land immer weiter zurückgeht. Das hat natürlich ursächlich mit der Migrationskrise von 2015 zu tun, als die ÖVP noch am Bahnhof all diesen Herrschaften applaudiert hat, die uns jetzt das Leben schwermachen, warum Sie jetzt bundesweite Messerverbotszonen erlassen wollen – das sind doch die Herrschaften, die damals gekommen sind; da haben Sie sich mit Ihren Parteikollegen noch gefreut. Und das hat dazu geführt, dass sich die Menschen in diesem Land nicht mehr sicher fühlen. Herr Bundesminister, Sie können doch die Zahlen nicht ignorieren, die es da gibt: Auf der einen Seite gibt es 50 Prozent mehr legale Waffen als noch vor zehn Jahren, auf der anderen Seite aber 47 Prozent weniger Taten – mehr Waffen und weniger Taten. Das heißt also, wenn man jetzt weiterverfolgen möchte, wo unser Sicherheitsproblem liegt, dann sind es wohl nicht die legalen Waffen, sondern – Herr Bundesminister, da sprechen Sie ja sozusagen auch ein bisschen mit zwei Stimmen – es sind die illegalen Waffen und, ja, natürlich auch die importierte Messerkriminalität, die die ÖVP bis dato nicht aufzuhalten imstande gewesen ist. (👏 FPÖ) Zwei Drittel aller Morde in Österreich passieren mit illegalen Waffen, Herr Bundesminister, Sie stellen jetzt aber die österreichische Bevölkerung unter Generalverdacht, nämlich jene Menschen, die ihre Waffen legal erworben haben und sich natürlich auch den Gesetzen unterwerfen. Zwei Drittel aller Morde passieren mit illegalen Waffen; Anstieg der Messerkriminalität zwischen 2013 und 2024: von 1 524 Fällen geht es dann weiter auf 2 596 Fälle. Das heißt, der Anstieg zum Vergleichszeitraum davor ist 70 Prozent, Herr Bundesminister, das Messer ist das häufigste Tatmittel. Sie werden aber diesem Problem mit Ihrem bundesweiten Messerverbot trotzdem nicht beikommen , weil es schlicht und ergreifend ein kulturelles Problem ist – Herr Kollege Kucher, ich komme dann noch zu dir, was das betrifft. Es ist ein kulturelles Problem, das man importiert hat, und die richten sich nicht nach Ihren Erlässen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Ein Problem der Unkultur der FPÖ!

FPÖ Christian Hafenecker

… Herr Bundesminister, denken Sie daran, als Sie die Messerverbotszone in Favoriten eröffnet haben. Sie hatten noch nicht einmal den Platz geräumt, nachdem Sie es dort feierlich verkündet haben, hat schon der nächste Anschlag stattgefunden. Das ist diesen Herrschaften egal, die hier in Österreich mit Messern aufeinander und vor allem auf unsere Bevölkerung, auf unsere Österreicher losgehen; das ist denen egal. Die Konsequenz, die man daraus ziehen kann, muss halt auch einmal die sein, zu sagen: Da ist jetzt ein Punkt erreicht, wo man sich umdrehen und gehen muss – aber nicht die Österreicher, sondern die Herrschaften, die wir nicht hergebeten haben. (👏 FPÖ) Sie stellen permanent die österreichische Bevölkerung unter Verdacht, was all das betrifft, und vergessen dabei noch etwas. Ich habe Ihnen gerade berichtet, auf der einen Seite sind in Ihrer Vorzeigehauptstadt Wien – genau da findet das statt – die Messer das Hauptproblem und auf der anderen Seite die illegalen Waffen, die sonst noch woher kommen. Wir haben gerade vorhin auch über das Thema Russland, Ukraine und anderes gesprochen. Welche illegalen Schusswaffen finden momentan hauptsächlich ihren Einsatz in Österreich? – Das sind die Waffen, die aus den Jugoslawienkriegen übergeblieben sind. Die kann man am Schwarzmarkt wahrscheinlich um ein Butterbrot kaufen, Herr Bundesminister. Ich sehe da nichts, keine Initiative von Ihrer Seite, diese illegalen Waffen aus dem Verkehr zu ziehen. Sehr viele Taten passieren nach wie vor genau mit diesen Waffen, also haben Sie mit diesem Gesetz auch wieder nichts geschafft. Und der springende Punkt, der jetzt noch dazukommt, ist: Na, was glauben Sie denn, welche Waffen jetzt noch auf uns warten, wenn hoffentlich irgendwann einmal zwischen Russland und der Ukraine Frieden ist? Was glauben Sie, wie viele Waffen schon jetzt dort in dunklen Kanälen verschwinden und – da relativ nahe an Österreich gelegen – natürlich auch relativ schnell auf unserem illegalen Waffenmarkt verfügbar sein werden? Nichts machen Sie in diese Richtung! Es gibt jetzt schon sehr viele unregistrierte Waffen aus dem Jugoslawienkonflikt, wahrscheinlich bald aus dem Russland-Ukraine-Krieg. All das ist Ihnen vollkommen egal. Ihnen ist nur wichtig, die österreichische Bevölkerung legal zu entwaffnen – unter Anführungszeichen – und sicherzustellen, dass Sie mit Ihren Interessenlagen durchkommen. Vielleicht noch ein Beispiel - - …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Der Herr Hafenecker hat das Gesetz nicht verstanden!

FPÖ Christian Hafenecker

… Frau Kollegin, Sie sind wirklich lästig da auf der Seite, aber ich werde mir jetzt das linke Ohr zuhalten.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Ich bin gerne lästig! Ich werde dafür bezahlt, lästig zu sein gegen solche Ideologien, wie Sie sie haben!

FPÖ Christian Hafenecker

… Eines noch dazu: Das schärfste Waffengesetz weltweit, Herr Bundesminister, gibt es in Mexiko. Sie kennen aber schon auch die Mordzahlen und die Taten, die in Mexiko begangen werden. Hat in Mexiko irgendjemand von der Drogenmafia Respekt davor gehabt, was die Regierung dort erlassen hat? – Nein! Was hat schlussendlich Abhilfe gebracht? – Ein rigoroses Vorgehen gegen die Drogenkartelle. Genau so muss man das natürlich auch in Österreich sehen. Wir machen nichts gegen den politischen Islam, wir machen nichts gegen das Gefährdungspotenzial, das dabei herauskommt, wir machen nichts gegen die illegalen Waffen. Wir stellen einmal mehr die österreichische Bevölkerung unter Generalverdacht, und in weiterer Folge wollen wir ihr dann die Küchenmesser auch noch wegnehmen, die nämlich der Österreicher gemeinhin nicht deswegen hat, um auf irgendwelche anderen Mitbürger loszugehen, sondern schlicht und ergreifend um seine Arbeiten zu verrichten. Das ist der Unterschied, Herr Bundesminister, und ich ersuche Sie wirklich: Ziehen Sie diese verunglückte Novelle des Waffengesetzes schlicht und ergreifend zurück! Es hat nicht einmal zwei Wochen Begutachtungsfrist gegeben, Sie haben auf wesentliche Experten in der Republik nicht gehört; und Sie werden vor allem eines nicht schaffen – und das ist das große Drama daran –: Sie werden solche Fälle und die Fälle, die uns noch bevorstehen, nicht verhindern. Es wird vermutlich schneller gehen, als wir alle zusammen zu denken wagen, es wird schneller gehen, als man glaubt, aber mit diesem Gesetz haben Sie nichts erreicht, außer einmal mehr der Bevölkerung ein Grundrecht zu entziehen oder zumindest etwas zu erschweren. Am Ende des Tages wird einmal mehr ganz Österreich unter Verdacht gestellt, während die Zuwanderer weiterhin machen können, was sie wollen. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Ernst Gödl .

ÖVP Ernst Gödl

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Meine geschätzten Damen und Herren! Hohes Haus! Der tragische Amoklauf von Graz vor etwas mehr als 100 Tagen hat bei den betroffenen Menschen und deren Familien unfassbares Leid ausgelöst und auch uns als Land ganz tief erschüttert – ich komme ja bekannterweise genau aus dieser Region. Er hat natürlich auch viele Fragen aufgeworfen, nämlich: Wie konnte es dazu kommen? Was müssen wir als Gesellschaft insgesamt, im Besonderen aber wir, die wir hier im Parlament die Regeln des Zusammenlebens machen, tun? Was können und sollen wir tun, damit wir solche Taten bestmöglich – man wird sie nie ganz verhindern, aber bestmöglich – verhindern können? Die Bundesregierung hat ganz schnell reagiert. Bereits eine Woche später wurde ein Ministerratsbeschluss gefasst, ein Maßnahmenpaket beschlossen. Eine dieser Maßnahmen, die festgelegt wurden, war eben eine klare Überarbeitung des Waffenrechtes, denn eine Frage, die uns bei persönlichen Gesprächen mit Bürgern vor Ort sehr oft gestellt wird und wurde, ist: Wie konnte dieser junge Täter legal zu Waffen kommen? Wie sind da die Bestimmungen? Und ein Punkt, der besonders aufgeregt hat: Wie kann es sein, dass zwischen verschiedenen Behörden kein Datenaustausch stattfindet, ganz konkret: dass der Gutachter, der die Waffenbesitzkarte für diesen Amoktäter ermöglicht hat, nicht vom Stellungsergebnis in Kenntnis gesetzt wurde? Wir haben vor dem Sommer gesagt und versprochen, dass wir bis Ende des Sommers eine Novelle des Waffenrechtes hier im Parlament vorlegen werden – so schnell wie möglich, natürlich auch so gründlich wie nötig. Und das ist gelungen: Heute liegt eben dieser weitreichende Entwurf, diese weitreichende Novelle vor. Ich möchte nur fünf Punkte exemplarisch herausgreifen. Die Prüfung der waffenrechtlichen Verlässlichkeit wird verbessert, das klinisch-psychologische Gutachten vertieft. Das Mindestalter für den Erwerb von Schusswaffen wird bei den Kategorie-B-Waffen von 21 auf 25 Jahre und bei den C-Waffen auf 21 Jahre erhöht. Auch bei den Kategorie-C-Waffen wird es in Zukunft notwendig sein, eine Bewilligung vorzulegen. Die Abkühlphase beim Ersterwerb wird von drei Tagen auf vier Wochen verlängert. Und – ganz wichtig –: Die Zusammenarbeit zwischen den Behörden wird entscheidend verbessert. Man könnte noch einige Punkte anführen, und ich glaube, meine Nachredner werden das dann auch tun. Ganz wichtig: Die Regelungen für Jäger, Sportschützen, Schützenvereine und Menschen, die in ihrem Beruf mit Waffen zu tun haben, bleiben weitestgehend unverändert, auch was die Altersvorschriften betrifft. Meine Damen und Herren! Diese sehr umfassende Novelle wurde wie gesagt aus guten Gründen in sehr kurzer Zeit umgesetzt und erarbeitet. 460 Stellungnahmen sind eingegangen, wir haben sie wirklich bestmöglich berücksichtigt. Das Ergebnis liegt nun vor, es hat zwei ganz entscheidende Stoßrichtungen, zum einen die Stärkung der Sicherheit der Bevölkerung, zum anderen aber: Der legale Waffenbesitz wird auch weiterhin möglich sein. Ich darf mich wirklich sehr herzlich bei allen, die dazu beigetragen haben, bedanken: bei den Legistinnen und Legisten, die über den Sommer diese umfassende Novelle erarbeitet haben, bei Ihnen, Herr Minister und Herr Staatssekretär, auch bei meinen Sicherheitssprecherkollegen Max Köllner und Douglas Hoyos-Trauttmansdorff und bei allen Mitarbeitern in den Parlamentsklubs. RN/78.1 Einige Änderungen dürfen wir jetzt noch, in dieser Debatte in Form eines Abänderungsantrages einbringen, weil wir heute wie gesagt wirklich eine gelungene und umfassende Novelle beschließen wollen. Dieser Abänderungsantrag, unterschrieben von Gödl, Köllner, Hoyos-Trauttmansdorff zu Tagesordnungspunkt 4 wurde verteilt. Ich darf und muss ihn in den Grundzügen erläutern, und zwar sind das im Wesentlichen vier Punkte: Ausnahmeregelungen zur Beibehaltung der bisherigen Bestimmungen zum Besitz einer Kategorie-B-Waffe für Inhaber einer gültigen Jagdkarte, wenn die Waffe zur Ausübung der Jagd erforderlich ist: Da gilt weiterhin ein Mindestalter von 21 Jahren. Weiters: Zusätzlich zu den Berufssoldaten gilt auch für Offiziere und Unteroffiziere der Miliz aufgrund ihrer mindestens einjährigen Ausbildung an der Waffe ein Mindestalter von 18 Jahren für den Waffenbesitz. Weiters gibt es eine Klarstellung zu Angehörigen von traditionellen Schützenverbänden. Diese dürfen ab 18 Jahren jene C-Waffen erwerben und besitzen, die zum Ausrücken bei feierlichen Anlässen verwendet werden. Damit ist klargestellt, dass es zu keiner Einschränkung im Rahmen der Brauchtumspflege kommt. Viertens gibt es eine detaillierte Regelung der Verständigungspflichten im Fall von Straftaten vonseiten der Staatsanwaltschaft, Strafgerichte und Kriminalpolizei an die Waffenbehörde. Das haben wir jetzt noch ergänzt, damit es wie gesagt eine gelungene Novelle wird. RN/78.2 Meine geschätzten Damen und Herren, nach dieser schrecklichen Tat in Graz erwartet die Bevölkerung eine Antwort, auch eine Antwort von uns politischen Verantwortungsträgern. Das zeigt auch sehr deutlich eine Umfrage, die am vergangenen Sonntag publiziert wurde. Ich darf Ihnen diese noch zu Gemüte führen (eine Tafel mit der Aufschrift „Waffengesetz“ und einem Balken- und einem Kreisdiagramm in die Höhe haltend), vor allem in Richtung FPÖ: 81 Prozent der Bevölkerung erwarten sich, dass wir das Waffengesetz anpassen, und, meine Damen und Herren von der FPÖ, auch die Mehrheit Ihrer Wählerinnen und Wähler von der letzten Wahl erwartet, dass wir da tätig werden. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, dass Sie – wie Sie, Herr Hafenecker, es schon vorgetragen haben – bei dieser Novelle nicht mitstimmen. Das hat ein bisschen den Geruch: 100 Prozent Parteitaktik, 0 Prozent Verantwortungsbewusstsein. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ihr wichtigstes Handlungsmotiv ist in vielen Bereichen inzwischen – es ist ja sehr durchsichtig –: Immer gegen die Regierung, aber nie Verantwortung übernehmen! – Ich erinnere euch an die vergangenen Wochen und Monate hier in diesem Haus, als wir beispielsweise das Asylgesetz angepasst haben, um den Familiennachzug zu stoppen: Sie haben dagegengestimmt, als Justamentstandpunkt gegen die Regierung und damit auch gegen die Interessen der Bevölkerung.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Ihr habt es nicht gestoppt!

ÖVP Ernst Gödl

… Oder ich erinnere an die Überwachung von potenziellen Terroristen: Wir haben eben das Gesetz so gerichtet, dass die Messengerdienste bei potenziellen Terroristen überwacht werden können. Was haben Sie gemacht? – Sie haben dagegengestimmt. Sie sind hier also immer gegen die Sicherheitsinteressen Österreichs aufgetreten, und das ist sehr, sehr bedenklich – eben 100 Prozent Parteitaktik, 0 Prozent Verantwortungsbewusstsein. Und jetzt machen Sie es bei dem Waffengesetz aus reiner Parteitaktik wieder so. Sie hätten sich nur Herrn Landeshauptmann Kunasek aus der Steiermark anhören müssen, der aus Ihrer Partei kommt und der auch einmal Verteidigungsminister war, der ausdrücklich gesagt hat: Ja, eine Verschärfung in manchen Bereichen, die Anhebung des Alters, die Verbesserung der Gutachten, das ist vertretbar, das ist erwünscht! – Also er hat einen anderen Blick auf die Dinge als Sie. Das ist eben wie gesagt eine sehr, sehr bedenkliche Arbeitsverweigerung Ihrerseits zu diesem Gesetz. Daher, meine geschätzten Damen und Herren: Mit dieser Novelle stehen wir absolut in der Mitte der Gesellschaft. Sie soll die bestmögliche Sicherheit für unsere Bevölkerung bringen und wird sie bewirken. Der legale Waffenbesitz wird aber weiterhin möglich sein. Ich bitte wirklich um Ihre uneingeschränkte Zustimmung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 14.13 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/78.3 Waffengesetz 1996 (AA-24) Präsidentin Doris Bures : Der Abänderungsantrag wurde in den Grundzügen erläutert und an die Abgeordneten verteilt und ist daher auch ordnungsgemäß eingebracht. Jetzt gelangt Frau Abgeordnete Susanne Fürst zu Wort. – Bitte.

FPÖ Susanne Fürst

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr gehrte Damen und Herren! Die Novelle des Waffengesetzes soll mehr Sicherheit für die Bevölkerung bringen. Das wünschen wir uns alle, das wird es aber hiermit nicht geben, es wird der Bevölkerung lediglich vorgespiegelt. Dass sie mehr Sicherheit bringt, wird genauso wie bei der Messengerüberwachung, von der Sie – mein Vorredner, ÖVP-Kollege Gödl – gerade gesprochen haben, nur vorgespiegelt. Dass diese Maßnahmen mehr Sicherheit für die Bevölkerung bringen, das ist in der Tat nicht so. Das hat nichts mit verantwortungsvollem Handeln Ihrerseits zu tun. Die Novelle bringt hingegen mehr Bürokratie, mehr mit Papierkram vergeudete Polizeistunden. Sie zwingt Polizisten zur Kontrolle Zigtausender Haushalte, unbescholtener Bürger, statt dass sie sich auf die Kriminellen konzentrieren können. Das heißt, am Ende wird sie weniger Sicherheit bringen. Der Anlassfall, die entsetzliche Tat in Graz, wäre bei besserer Zusammenarbeit der Behörden wohl zu verhindern gewesen …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das steht auch im Gesetz drinnen!

FPÖ Susanne Fürst

… nicht mit dieser Novelle. Mehr Sicherheit gibt es nicht mit Verboten, Einschränkungen für rechtstreue Bürger, sondern, um es ganz kurz zu fassen, mehr Sicherheit gibt es nur mit weniger unkontrollierter Einwanderung. (👏 FPÖ) Das wissen wir alle und das sieht man seit vielen Jahren an vielen internationalen Beispielen. Ich greife nur ein Beispiel heraus, das gut mit Österreich oder auch mit Deutschland vergleichbar ist. Der US-Bundesstaat Kalifornien ist größer als Österreich, aber wir haben vieles gemeinsam: linke Politik, unkontrollierte Einwanderung, in diesem Fall aus Südamerika, unglaubliches Ansteigen der Gewaltkriminalität in den letzten Jahren und laufende Beschränkungen des legalen Waffenbesitzes. Kalifornien hat in den USA das strengste Waffengesetz. Das ist in Summe mittlerweile strenger als das österreichische Waffengesetz. Was brachte es? Hat es mehr Sicherheit gebracht? – Nein. Der Zuwachs an Gewaltverbrechen, auch unter Einsatz von Schusswaffengewalt, geht unverändert weiter.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ist das ein Plädoyer für amerikanische Waffengesetze? Oder wie kann man das deuten?

FPÖ Susanne Fürst

… Man hat das Mindestalter in Kalifornien auf 21 Jahre angehoben. Die Jugendkriminalität ist trotzdem in den letzten Jahren unvermindert gestiegen. Bewaffnete Jugendbanden sind unterwegs, Drogengangs. Es hat sich sogar Bandenkriminalität gerade unter den jungen Leuten, die natürlich dann nur mit illegalen Waffen unterwegs sind, nach Kalifornien verlagert, weil die Bürger jetzt da im Schnitt weniger bewaffnet sind als im Rest der USA und weil die Polizei dank linker Politik zur Zurückhaltung und Deeskalation aufgefordert wurde. Das heißt: Was können wir aus vielen internationalen Beispielen lernen? – Ein vernünftiges Waffenrecht zur Regelung des legalen Waffenbesitzes ist natürlich notwendig und vernünftig. Das haben wir. Aber mehr Sicherheit gibt es nicht mit mehr Einschränkungen, Kontrollen und Verboten für die rechtstreue Bevölkerung. Wir werden dessen mit Messertrageverboten, ob in Zonen oder dann bundesweit, und eben mit Beschränkung legaler Waffen nicht Herr. Mehr Sicherheit gibt es nur, wenn wir der Polizei Zeit lassen, sich auf die Kriminellen, auf die Präventionsarbeit zu konzentrieren, und wir brauchen mehr Abschiebungen und geschlossene Grenzen. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Maximilian Köllner .

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zehn Menschen sind am 10. Juni nicht nach Hause gekommen: Kinder, Jugendliche, eine Lehrerin. Am 11. Juni blieben ihre Plätze am Frühstückstisch leer, ihre Plätze in den Klassen werden auch nie wieder eingenommen. Ich glaube, es ist für alle hier herinnen nach wie vor unvorstellbar, wie sich die Eltern und die Hinterbliebenen der Opfer gefühlt haben müssen und nach wie vor fühlen. Die Frage stellt sich ja nicht nur nach dem Warum, sondern sie lautet vor allem auch: Wie war das Ganze eigentlich möglich? Wie konnte ein junger Mann aus Graz, der bei der Stellung beim Bundesheer aus psychischen Gründen für untauglich befunden wurde, ganz legal zu einer Schusswaffe kommen? Nach dieser schrecklichen Tat standen wir vor der Wahl: wegschauen und hoffen, dass es nie wieder passiert, oder Verantwortung übernehmen und handeln. Und wir haben gehandelt, weil wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen dürfen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Kein bürokratischer Aufwand, kein erhöhter Standard ist jemals so schwer wie das Gewicht eines verlorenen Menschenlebens. Und auch wenn wir wissen, dass wir mit dem besten Gesetz nicht alle Taten verhindern können, müssen wir alles tun, um die Sicherheit in sämtlichen Bereichen zu erhöhen. Das ist unsere gemeinsame Pflicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Schauen wir uns zunächst einmal die Faktenlage an: 380 000 Menschen in Österreich besitzen legal eine oder mehrere Waffen. 1,5 Millionen Schusswaffen sind registriert. 1,5 Millionen – da sind wir in Europa in den Spitzenrängen. Und da reden wir noch lange nicht von den illegalen Waffen. Wenn wir schon bei den illegalen Waffen sind – Kollege Hafenecker hat es eingangs angesprochen –: Ich gebe Ihnen da schon recht, die Herausforderung ist ja, nicht nur den legalen Waffenbesitz neu zu regeln, sondern auch dem illegalen Waffengeschäft einen Riegel vorzuschieben; denn wir wissen, dass unzählige Waffen von der Legalität in die Illegalität und damit auch in die Kriminalität wandern, beispielsweise durch Diebstahl oder private, nicht registrierte Käufe. Am Ende des Tages spielt es aber keine Rolle, ob eine Wahnsinnstat mit einer legalen oder mit einer illegalen Waffe passiert. Ziel muss es sein, die Zahl der verfügbaren Waffen insgesamt zu verringern, um auch die Zahl der Schusswaffentoten zu reduzieren. (👏 ÖVP, SPÖ) Kollege Shetty hat es gerade hineingerufen: Schauen Sie in die USA, was dort tagtäglich passiert! Wollen wir das? – Dort gibt es ein lasches Waffenrecht, aber täglich Schießereien. Schauen wir vielleicht auch nach Australien, wo schon 1996 eine massive Verschärfung des Waffenrechts vorgenommen wurde und sich gezeigt hat: weniger Waffen bedeuten auch weniger Tote. (👏 ÖVP, SPÖ) Der legale Kauf ist in Österreich aktuell einfach und schnell möglich. Das ändern wir jetzt. Kollege Gödl hat es angesprochen: Wir erhöhen das Mindestalter beim Erwerb. Wir erweitern die psychologischen Gutachten, Zuverlässigkeitsprüfungen. Wir verlängern die Abkühlphase auf vier Wochen beim Ersterwerb. Wer zu Hause Gewalt ausübt, erhält ein Waffenverbot. Wir schränken den privaten Verkauf ein, verschärfen die Maßnahmen und Kontrollen gegen den illegalen Handel. Und wir ermöglichen den Datenaustausch zwischen den Behörden. Gleichzeitig haben wir aber auch dafür gesorgt, dass beispielsweise die Nachwuchsarbeit bei Sportschützenvereinen möglich bleibt und auch ein Jäger zukünftig zur Jagd gehen kann. Die Mehrheit der Menschen unterstützt diesen Weg auch. Acht von zehn Österreicherinnen und Österreichern sind dafür, quer durch alle Parteien, besonders junge Menschen und Frauen, die in den letzten Jahren immer wieder Opfer von Waffengewalt wurden. Die alle wollen strengere Regeln – aber nicht nur die, sondern auch sechs von zehn FPÖ-Wählerinnen und FPÖ-Wählern wollen das, und nicht zuletzt einer, der im Gegensatz zu Klubobmann Kickl Verantwortung übernommen hat, nämlich der FPÖ-Landeshauptmann in der Steiermark Mario Kunasek . Er hat nämlich gesagt – ich zitiere –: Ich habe mit Verschärfungen „überhaupt kein Problem“. – Da schau her! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Dennoch stellen Sie sich aus Prinzip auf die Seite der Waffenlobby statt auf die Seite der Sicherheit der Menschen. Da stellt sich schon die Frage: Warum sind Sie so gegen den Willen der Bevölkerung und jetzt sogar gegen den Willen Ihrer eigenen Wählerschaft? …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Weil wir keine Populisten sind!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wen wollen Sie hier schützen, wenn es nicht die Bevölkerung ist? Ich verstehe das nicht ganz, ehrlich gesagt. Offenbar sind es jene im FPÖ-nahen Umfeld, bei denen man immer wieder NS-Devotionalien oder Kriegswaffen findet. Vernunft hat bei Ihnen aber offensichtlich keine Chance. Die Conclusio ist anscheinend, einfach nichts zu tun. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich würde Sie bitten: Hören Sie endlich auf, Waffen mit Freiheit zu verwechseln! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Hör auf so zum groß Herumreden!

SPÖ Maximilian Köllner

… Freiheit heißt, dass Kinder sicher von der Schule nach Hause kommen können.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ihr löst mit dem nicht ein einziges Sicherheitsproblem! Nicht ein einziges!

SPÖ Maximilian Köllner

… Freiheit heißt, dass psychische Probleme oder Konflikte im Haushalt nicht mit Schüssen enden.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ihr gehts nur den Leuten, den Beamten am Nerv!

SPÖ Maximilian Köllner

… Heute muss jedem und jeder hier herinnen klar sein: Wir tragen bei dieser Abstimmung ein hohes Maß an Verantwortung. Daher bitte ich Sie: Schützen wir nicht die Waffen, sondern schützen wir Menschenleben! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sagt die Noricum-Fraktion!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Maximilian Linder .

FPÖ Maximilian Linder

Frau Präsident! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Diese Regierung ist mit dem Thema Verwaltungsvereinfachung angetreten, weniger, vor allem aber umsetzbare Gesetze ins Leben zu rufen und kein Weiter-wie-bisher zu verfolgen. Wenn ich mir aber das heutige Waffengesetz anschaue, so spricht das gegen all diese Vorsätze, die diese Regierung gefasst hat. Als Kommunalsprecher des freiheitlichen Nationalratsklubs möchte ich zu einem speziellen Thema dieses Gesetzes reden: Unter dem Titel Informationsaustausch zwischen den Behörden heißt es wortwörtlich: „Die Behörden des Bundes, der Länder und Gemeinden sowie die Träger der Sozialversicherung sind ermächtigt und auf Anfrage verpflichtet, der Waffenbehörde personenbezogene Daten [...] zu übermitteln“.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Und deswegen seid ihr dagegen?!

FPÖ Maximilian Linder

… Sehr geehrte Damen und Herren! Welche Daten sollen wir Gemeinden übermitteln? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Und deswegen seid ihr dagegen?!

FPÖ Maximilian Linder

… Daten über Bürger, die sich beschweren, dass die Straße nicht in Ordnung ist? Daten über Bürger, die sich beschweren, dass in ihrer Straße nicht als Erstes der Schnee geräumt wird, manchmal vielleicht renitent werden und sagen: Kommt endlich!? Sollen wir Daten über jene übermitteln, die sich beschweren, dass sie den Baubescheid noch nicht erhalten haben und das Ganze zu lange dauert? Sollen wir Daten über Bürger übermitteln, die sich im Nachbarschaftsstreit befinden? Soll ich entscheiden, wer den Streit angefangen hat und wer nur schlichtet? …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Was hat das mit dem Thema zu tun?! – Ruf bei der FPÖ: Das steht bei euch im Gesetz drinnen!

FPÖ Maximilian Linder

… Das steht im Gesetz drinnen! Sollen wir Grenzstreitigkeiten entscheiden und sagen: Der ist der Schlimme und der ist der Gute, den melde ich!? Oder sollen wir es melden, wenn unser Nachbar sagt: Du, pass auf, der ist in der Nacht rauschig heimgekommen und hat dann im Haus ein bissel einen Wirbel geschlagen!? Oder sollen wir Leute melden, die regelmäßig vom Gasthaus heimgehen und zur Friedhofsmauer pinkeln? Meine Damen und Herren, wir werden aufgefordert, zu melden, und haben keine objektiven Daten. Wir haben keine sicherheitsrelevanten Daten auf den Gemeinden. Die haben wir nicht. Wir werden aber per Gesetz aufgefordert, entweder zu vernadern oder subjektiv irgendetwas mitzuteilen: Ich glaube, dass der ein Schlimmer ist! …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Na das wollts doch eigentlich ihr!

FPÖ Maximilian Linder

… Wir haben keine Daten über Personen, und deshalb ist das für mich der schönste Beweis dafür, dass diese Regierung nicht an ihren eigenen Vorsätzen festhält, sondern ein ganz normales Weiter-wie-bisher macht. Und schlimmer noch: Sie wurschteln weiter, um irgendwie an der Macht zu bleiben. Nur: Mit diesem Gesetz, das für uns Gemeinden nicht praktikabel, nicht umsetzbar ist – wir tragen keine Verantwortung dafür –, hat man, glaube ich, wirklich etwas geschaffen, hat man einen Passus im Gesetz drinnen, der für mich als Bürgermeister haarsträubend ist. Deswegen sage ich: Bitte, bitte, bitte macht endlich den Platz frei und macht vernünftige Gesetze! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Eine atemberaubende Rede!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff .

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter Linder, ich bin ja eigentlich fassungslos, dass Sie hier Menschenleben – und um die geht es – damit aufwiegen, dass Sie als Bürgermeister in Zukunft gefragt werden können, ob Sie Informationen haben, die zu einer Person im Zusammenhang mit einem Waffenverbot – und dementsprechend mit mehr Sicherheit – vorliegen. Ich glaube, dass es durchaus die Aufgabe eines Bürgermeisters ist, auch für Sicherheit in der eigenen Gemeinde zu sorgen. Und ich würde das auch Ihnen für die Zukunft raten.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Dossiers anzulegen! – Abg. Erasim [SPÖ]: Gute Bürgermeister können das auch! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: ... Dossiers anzulegen!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Vorweg möchte ich aber noch etwas sagen: Frau Abgeordnete Scheucher-Pichler hat mich gebeten, eine Schulklasse aus meinem Geburtsbundesland zu begrüßen, und zwar aus dem Bundesgymnasium Tanzenberg. – Herzlich willkommen bei uns im Hohen Haus! – Herr Kollege, beruhigen Sie sich wieder, es ist alles in Ordnung! Ich bin zuversichtlich, dass wir, wenn diese Gesetzesänderung zur Abstimmung kommt, heute hier breite Zustimmung haben werden, und ich hoffe, dass noch der eine oder andere von der FPÖ sich das in den nächsten Stunden bis zur Abstimmung überlegt, weil ich glaube, dass das durchaus sinnvoll wäre. Wir haben durch das schreckliche Attentat gesehen – und es ist erwähnt worden –, dass einige Dinge für uns als Regierung zu tun sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Du bist keine Regierung! Du bist Abgeordneter!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Wir haben das auch getan. Wir haben sehr, sehr schnell geliefert. Es hat der Bildungsminister sehr schnell geliefert, insbesondere was Maßnahmen an den Schulstandorten betrifft – mehr Schulpsychologie et cetera. Kollegin Künsberg Sarre wird darauf nachher noch im Detail eingehen. Und wir haben als Bundesregierung rasch geliefert, was das Thema Waffenrecht betrifft …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Du bist nicht Bundesregierung!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… weil wir gesehen haben, dass es Lücken gibt, und weil wir gesehen haben, dass es in erster Linie um die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher geht. Es ist unsere Aufgabe als Bundesregierung und generell auch die Aufgabe des Parlaments, verantwortungsvoll zu handeln. Genau davon zeugt dieser Eingriff. Dieser Eingriff, den wir hier stattfinden lassen, ist ein durchaus ausgewogener. Es besteht auf der einen Seite für diejenigen, die verantwortungsvoll mit Waffen umgehen, weiterhin die Möglichkeit, diese zu haben – wenn man das beruflich braucht, auch wenn man das in seiner Freizeit braucht –, aber verantwortungsvoll, es ist schon ausgeführt worden, mit regelmäßigen Kontrollen, die stattfinden, einem psychologischen Gutachten, das ausgebaut wird. Verantwortungsvoller Waffenbesitz ist also weiterhin möglich. Gleichzeitig sagen wir auch sehr klar: Dort, wo das nicht gewährleistet ist, soll es nicht möglich sein, eine Waffe zu besitzen. Weil von der FPÖ dann regelmäßig der Einwand kommt: Na ja, aber das Problem sind ja die illegalen Waffen!, sei darauf hingewiesen: Es gibt bereits viele Maßnahmen, die das Innenministerium und insbesondere die Exekutive setzen, um illegale Waffen auszuheben. Ich finde das sehr, sehr spannend – es sind ja einige Polizeigewerkschafter unter Ihnen –: Mit diesem Vorwurf, dass nichts gegen illegale Waffen gemacht wird, werfen Sie eigentlich den Exekutivbeamten vor, dass diese zu wenig tun. Im Gegenteil, die haben ja erst vor wenigen Wochen ein Waffendepot im 2. Bezirk ausgehoben. Ich glaube, da passiert wirklich viel. An dieser Stelle auch ein großer Dank an die Exekutive, die da wirklich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder geliefert hat! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es erfolgt darüber hinaus auch eine klare Differenzierung und Verschärfung, was Waffenpass beziehungsweise Waffenkarte betrifft. Es ist nicht mehr möglich, eine Waffe ohne diese zu besitzen. Auch das ist eine Verschärfung und eine klare Regelung, nämlich auch eine Dokumentationsregelung, die dadurch entsteht, die für mehr Sicherheit sorgen wird. Weiters ist von der FPÖ angesprochen worden – es gab noch einen anderen Punkt, den die FPÖ genannt hat, aber dazu komme ich gleich –: der Austausch zwischen den Behörden, insbesondere der Stellungskommission, und den Ländern. Auch das kommt, und ich glaube, das ist sehr wesentlich. Kollege Linder hat versucht, das lächerlich zu machen, aber es ist doch unsere Verantwortung, möglichst schnell die Informationen zu bekommen, um dann der Waffenbehörde auch die Werkzeuge in die Hand zu geben, Maßnahmen zu setzen und ein Waffenverbot auszusprechen. Ein besonderes Anliegen war uns auch der Schutz von Schulen. Schulen dürfen niemals ein Ort der Angst sein …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber das sind sie mit oder ohne die komischen Gesetze!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… sondern Schulen müssen ein sicherer Ort sein – auch das passiert mit dieser Novelle. Es gibt dann einen Kritikpunkt, den ich in der gesamten Ausschussdebatte von der FPÖ gehört habe, einen inhaltlichen Kritikpunkt, der sachlich begründet war und der auch nachvollziehbar war. Das war, dass die Milizsoldaten nicht ausgenommen wurden. Das ändern wir ja mit dem Abänderungsantrag, den Kollege Gödl schon eingebracht hat. RN/82.1 Es ist also eigentlich kein Punkt mehr da, der ein Grund wäre, dass man, wenn man verantwortungsbewusst ist, verantwortungsbewusst hier heute als Parlamentarier in der namentlichen Abstimmung seine Stimme abgibt, gegen dieses Gesetz stimmt. Es gibt keinen Grund. Das sagt übrigens auch der einzige FPÖler, der Verantwortung übernimmt, nämlich Herr Landeshauptmann Kunasek. Er wurde zitiert, aber ich habe es Ihnen bildlich mitgebracht, damit Sie, werte Kolleginnen und Kollegen, sich das auch noch einmal überlegen können. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der unter einem Foto von Landeshauptmann Kunasek folgendes Zitat von diesem aus steiermark.ORF.at wiedergegeben wird: „Es muss weiterhin möglich sein, legal Waffen zu besitzen. Aber natürlich muss man danach trachten, dass nicht alles uneingeschränkt möglich ist. Mit einer Altersverschärfung für gewisse Bereiche habe ich kein Problem, habe auch bei Verschärfungen im psychologischen Bereich wirklich kein Problem und kein Thema.“ ) Landeshauptmann Kunasek sagt ganz klar, dass weiterhin der Waffengebrauch möglich sein soll, nicht alles eingeschränkt werden darf – das ist mit diesem Gesetz so möglich, solange es verantwortungsbewusst geschieht –, aber er spricht sich für Altersverschärfungen aus – das ist übrigens im ORF, Herr Kollege Hafenecker, das ist der Sender, den Sie nicht so gerne mögen, weil er angeblich immer wieder kritisch berichtet , aber Herr Landeshauptmann Kunasek sagt das dort sehr offen – und „Verschärfungen im psychologischen Bereich“ sind für ihn „wirklich kein Problem“ bei diesem Thema. – Rufen Sie beim Landeshauptmann an und fragen Sie, wie es ist, Verantwortung zu übernehmen, und übernehmen Sie heute auch die Verantwortung und stimmen Sie diesem Gesetz zu! …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Danke für die Werbung! Immer FPÖ! Ist wichtig, das zu sehen! Danke! – Abg. Kucher [SPÖ]: Ich hoffe, es nützt was! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ihr werdet es auch noch lernen! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Kucher, auch schon da? – Abg. Herr [SPÖ]: Schon länger als der Herr Schnedlitz! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Bundesminister Gerhard Karner zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Minister.

FPÖ Gernot Darmann

Besten Dank, Frau Präsident, für das erteilte Wort! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Ja, es ist schon richtig: Wut, Trauer, Entsetzen zeichnen nach wie vor das Bild quer durch Österreich nach dem Anschlag, nach diesem entsetzlichen Verbrechen in Graz. Aber, auch wenn ich damit vielleicht den einen oder anderen, insbesondere hier auf der Regierungsbank, verärgern werde: Ich halte es gerade aufgrund dieses entsetzlichen Verbrechens in Graz insbesondere gegenüber den Opfern als aktuellste, aber auch schändlichste Form der Showpolitik, dieses Willkürgesetz, dieses Schikanegesetz namens Novelle des Waffenrechts in Österreich noch dazu als großen Wurf zu verkaufen, werte Kolleginnen und Kollegen! Denn: In Wahrheit – und genau diese hat die Bevölkerung verdient – wird hier nichts anderes getan, als einen Generalverdacht gegenüber legalen Waffenbesitzern in Österreich auszurollen, im Wissen, dass es bei der schändlichen Tat in Graz einen vorsätzlichen Straftäter gegeben hat, der über Monate hinweg diese Straftat geplant hat und – jetzt kommt es …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Mit einer legalen Waffe!

FPÖ Gernot Darmann

… mit einer legalen Waffe diese Tat verüben konnte, weil es einen fehlenden Informationsaustausch zwischen staatlichen Behörden gegeben hat, den man niemandem in der Bevölkerung erklären kann – ein Wahnsinn! (👏 FPÖ) Das Bundesministerium für Landesverteidigung hat im Zuge der Stellung, der Musterung ein psychologisches Begutachtungsverfahren eingeleitet, durchgeführt, und dieser Filter hatte angeschlagen: Dieser Straftäter aus Graz hätte niemals zu einer Waffe kommen dürfen. Nur: Diese Information ist nicht zum Bundesministerium für Inneres, zur Waffenrechtsbehörde, durchgedrungen, weil das BMLV das nicht dem BMI sagen durfte. Das ist der Kern des Problems, das man schlussendlich, wenn man schon nicht nur zugibt, sondern sogar unterstreicht, hier eine Anlassgesetzgebung zu machen, hätte lösen müssen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ändert ja nichts! Unglaublich!

FPÖ Gernot Darmann

… Frau Kollegin, Sie reden schon den ganzen Tag dazwischen, insbesondere bei dieser hochsensiblen Materie. Sie haben keinen Plan von diesem Thema. (👏 FPÖ) Deswegen sollten Sie sich tatsächlich zurücknehmen oder sich auch zu Wort melden und hier Ihr Wissen der Bevölkerung offenbaren.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das werde ich auch machen!

FPÖ Gernot Darmann

… Was halten Sie davon? Das wäre einmal ein interessanter Zugang seitens der SPÖ. Und jetzt insbesondere in Richtung ÖVP: Weil wir im Ausschuss tatsächlich zweimal die Chance hatten, über dieses Willkürgesetz zu reden, sei der Bevölkerung eines mitgegeben, als wesentliches Beispiel auch dir gegenüber, Herr Gödl …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das ist peinlich! Peinlich!

FPÖ Gernot Darmann

… der du an sich Besseres verdient hättest, als diesen Wahnsinn hier auch noch inhaltlich verteidigen zu müssen. Ich habe im Ausschuss nachgefragt: Wie kommt man auf dieses angehobene Alterslimit von 25 Jahren für Faustfeuerwaffen? Mir hat das weder der Herr Bundesminister beantwortet, noch hat es mir der Herr Staatssekretär beantwortet, auch die hohe Fachbeamtenschaft hat das nicht beantwortet. Ich habe mir schon gedacht und habe auch gefragt: Wurde dieses Alter gewürfelt? Wie kommt man dazu? Und schlussendlich, am Ende der Diskussion, kommt der Sicherheitssprecher der SPÖ stellvertretend für die Regierungsfraktionen aus der Deckung – werte Damen und Herren hier im Hohen Haus und zu Hause, halten Sie sich fest, welche Begründung er angeführt hat – und sagt tatsächlich, es gebe wissenschaftliche Studien, die belegen, dass das menschliche Gehirn erst im Alter von 25 Jahren derart vollständig ausgebildet sei, dass man diese notwendige Entscheidung bei der Handhabung einer Waffe treffen könne. – Bumm! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Damit hat er absolut recht!

FPÖ Gernot Darmann

… Jetzt muss ich aber eines festhalten: Wir in unserem Rechtssystem lassen unsere Jugendlichen ab 16 wählen, unter 18 geben wir ihnen einen Führerschein in die Hand, welcher sie berechtigt, unter Berücksichtigung des Vertrauensgrundsatzes im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug zu lenken, das, wie wir alle wissen, im Extremfall auch als Waffe eingesetzt werden könnte. Unsere Rekruten gehen mit 18 zum Bundesheer, müssen den Dienst an der Waffe für die Republik Österreich leisten. Unsere angehenden Polizisten werden mit rund 20 Jahren aus der Polizeischule ausgemustert und versehen im Alter von 20 Jahren tagtäglich bewaffnet den Dienst im Sinne unserer Sicherheit. – Und dann kommt die Regierung daher und sagt, sie haben alle kein Hirn, weil sie noch nicht 25 Jahre alt sind! Wie geht es euch denn überhaupt?! Darüber hinaus sieht das gleiche Gesetz, das angeblich so schlüssig ist, sogar noch vor - - (👏 FPÖ) – Ja, kein Wunder, dass Kollege Gödl jetzt schon im Kreis gegangen ist, weil er das nicht erträgt, was er da selbst fabriziert hat.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Du bist so peinlich! Es ist zum Fremdschämen! So etwas Respektloses! Unglaublich!

FPÖ Gernot Darmann

… Ich sage es noch einmal: Ihr habt gesagt, mit 25 Jahren hat man erst das Hirn, um eine Waffe zu führen, und dann lasst ihr alle ab 21 mit Langwaffen hantieren. Das steht auch in diesem Gesetz, was ja auch sehr schlüssig ist. Wie ihr das der Bevölkerung erklärt, weiß ich nicht. Das Gleiche gilt für die Aufwertung und die Neuerungen in Bezug auf den psychologischen Test. – Und schon wieder ein unqualifizierter Zwischenruf aus der SPÖ-Fanabteilung.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Weil du so peinlich bist!

FPÖ Gernot Darmann

… Werte Kolleginnen und Kollegen, zur Aufwertung der psychologischen Begutachtung: Ich verstehe schon die ÖVP, insbesondere den Innenminister, dass er das jetzt als Neuerung in einem Gesetz verkaufen musste. Wieso verstehe ich das? – Weil der Herr Innenminister laut geltendem Recht über all die Jahre hinweg – nämlich die letzten Jahre seiner Amtsperiode – das Recht gehabt hätte, eine Verordnung zu erlassen, in der er die neuesten Möglichkeiten und Technologien im Bereich der psychologischen Begutachtung beim Waffenrecht hätte einfließen lassen können. Das hätte er selbstständig und alleine verordnen können. Er hat es halt nicht getan, weil es anscheinend eh gepasst hat. Jetzt kommt das sehr gut und passt ins Bild, wenn gesagt wird: Wir müssen das jetzt im Waffengesetz mittels Gesetzesnovelle ändern. Deswegen wird das auch von allen meinen Vorrednern so hervorgehoben: Wir haben diese Novelle gebraucht, um neue psychologische Begutachtungen zu bekommen. – Ist nicht richtig, schaut euch das geltende Recht an, schaut euch die Erläuterungen zum geltenden Recht an, und ihr werdet sehen: All diese Möglichkeiten waren bereits in der bestehenden Handhabe des Innenministers, und er hat sie – vermutlich, ich gehe davon aus, sachlich begründet – nicht genutzt. Zu guter Letzt, werte Damen und Herren: Dieses Bürokratiemonster, das hier geschaffen wurde, wird – und das ist heute schon angeführt worden – dazu führen, dass unsere Polizisten im Kampf gegen die tatsächlich vorhandene Kriminalität von den Straßen abgezogen werden, um in den Wohnzimmern und Häusern unserer rechtstreuen Bürgern Nachschau zu halten, aufgrund dessen, dass in Zukunft auch für Langwaffen eine Waffenbesitzkarte vorgeschrieben ist.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist brandgefährlich und absolut unwahr, was Sie da sagen!

FPÖ Gernot Darmann

… In Wahrheit kann man euch nicht mehr helfen, denn der illegale Waffenhandel wäre zu bekämpfen, und da rührt ihr euch keinen Millimeter. Entsetzlich! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächste ist Frau Klubvorsitzende Leonore Gewessler zu Wort gemeldet. – Bitte.

GRÜNE Leonore Gewessler

Sehr geehrte Frau Präsidentin! – Kurz ein Wort an Herrn Abgeordneten Darmann …

FPÖ Darmann unterhält sich mit Abg. Hafenecker ) – Herr Darmann könnte mir vielleicht kurz zuhören! (Abg. Darmann (Zwischenruf)

Hör eh schon zu!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Sich bei diesem Thema mit so einer Rede hier herauszustellen …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

War alles richtig!

GRÜNE Leonore Gewessler

… zeugt von unglaublicher Respektlosigkeit jedem einzelnen Opfer gegenüber, und es ist eine unglaubliche Chuzpe, da auch noch Haltungsnoten zu verteilen. Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Vor wenigen Monaten bin ich an dieser Stelle gestanden und wir waren alle noch sehr intensiv unter dem Eindruck des wirklich unglaublichen Massenmordes in Graz, der Ermordung von zehn unschuldigen Menschen mit einem völlig legal besessenem Gewehr. Unser Land hat dann aus gutem Grund und völlig gerechtfertigt darüber diskutiert, dass wir eines der laschesten Regelwerke in der gesamten EU haben und dass wir uns das schlicht und ergreifend beim Thema Waffengesetz nicht länger erlauben können. (👏 SPÖ) Dieser Wunsch der Österreicherinnen und Österreicher, der hat mich angetrieben, der hat uns angetrieben. Ich bin hier gestanden und habe die Bundesregierung und den Herrn Minister damals aufgefordert, dahin gehend nachzubessern, weil sie viel zu schwach reagiert haben. Das, was Sie vor dem Sommer angekündigt haben, waren wirklich kosmetische Korrekturen, aber keine in irgendeiner Art und Weise substanzielleren Verbesserungen, und so bitter, so dramatisch das ist, es wurde uns wenig später gleich wieder vor Augen geführt, warum das nicht gereicht hat. Denken wir an den schrecklichen doppelten Frauenmord der vergangenen Woche, einen Mord mit Ankündigung in Traiskirchen, an viele tragische Fälle. Zumindest darüber darf man froh sein: Auch Sie haben es eingesehen, diese Bundesregierung hat noch eingesehen, dass sie nachbessern muss. Beim offensichtlichsten Fehler, dem weiteren freien Verkauf von fast allen Gewehren – das haben Sie vor dem Sommer noch geplant –, haben Sie jetzt nachgebessert und diesen korrigiert. Ich möchte mich deswegen bei allen bedanken – denn so etwas passiert nicht von selber –, die in den letzten Wochen und Monaten mit uns Grünen genau dafür eingestanden sind. Nur durch viele Menschen, die sagen: Das reicht nicht, das reicht nicht, das reicht nicht!, die mit uns darum ringen, gelingt so etwas. Deswegen ein großes Danke an dieser Stelle an alle, die sich dahin gehend einsetzen! Ich verspreche Ihnen allen: Grün hält dich sicher! – Das ist für uns kein leeres Versprechen, dazu stehen wir auch. (👏) Wir sollten aber gleichzeitig auch nicht übermütig werden. Ich sehe schon die Überschriften über den Presseaussendungen: von der größten Novelle haben wir schon gehört; es sind nur mehr ein paar Minuten bis zum besten Waffengesetz aller Zeiten. – Das, so ehrlich muss man sein, haben Sie mit dieser Novelle nicht geleistet. Sie haben die Minimalanforderungen geschafft, aber ich erwarte mir, wir erwarten uns, dass Sie sich damit nicht zufriedengeben, lieber Herr Minister. Sie können nicht gleich am Start stehen bleiben, legen Sie nach: mit ordentlichen psychologischen Untersuchungen, mit regelmäßigen Überprüfungen, mit einem konsequenten Vorgehen gegen illegale Waffen. Wir brauchen nach diesem ersten Schritt weitere, damit wir dort hinkommen, dass wir Waffengesetze haben, die die Menschen schützen und nicht gefährden, und dort sind wir noch lange nicht. Da sind wir noch nicht am Ziel! (👏 SPÖ) Wenn Sie heute beweisen wollen – Sie haben uns alle aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen; auch Kollege Hoyos hat das gerade gemacht –, dass Ihnen das bewusst ist, dass da noch Lücken sind, dass da noch Versprechen offen sind, dann stimmen Sie bitte unseren Anträgen zu – da appelliere ich jetzt an Sie alle, wenn Sie an unsere Verantwortung appellieren –, zum Beispiel diesem, den ich jetzt einbringe: RN/85.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Waffen sichern – Leben schützen. Klare Gesetze für Waffenverwahrung zum Schutz vor Suiziden und Femiziden“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres, wird aufgefordert, strengere Richtlinien für die Verwahrung von Waffen in Privathaushalten festzulegen. Dies muss der Vorbeugung von impulsiver Gewalt gegenüber anderen und sich selbst dienen.“ Wenn 20 Prozent der Waffen in unserem Land an der Wand hängen oder unter dem Kopfpolster liegen, haben wir hier einen Auftrag, und das ist in diesem Gesetz überhaupt noch nicht angesprochen. – Also bitte: Unterstützen Sie diesen und unsere weiteren Anträge! (👏) Sehr geehrte Damen und Herren, die FPÖ hat jetzt in vielen Redebeiträgen versucht, die Debatte irgendwohin zu ziehen. Lassen Sie sich nicht davon täuschen! Es ist völlig klar, wenn weniger Menschen Waffen tragen, macht das Österreich sicherer. Es ist ein erstrebenswertes Ziel, deshalb stimmen wir diesem ersten Schritt heute auch zu – anders, als die Kolleg:innen von der FPÖ –, weil unsere Politik eben nicht von Angst und Unsicherheit lebt, weil wir daran glauben, dass es etwas zu verbessern gibt, weil wir daran arbeiten, dass sich tatsächlich etwas verbessert, weil wir Wort halten. Aber ich sage Ihnen, Herr Minister, Sie sind damit noch lange nicht aus der Verantwortung entlassen und wir werden Sie auch noch lange nicht aus der Verantwortung entlassen. – Herzlichen Dank. (👏) 14.55 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/85.2 Waffen sichern – Leben schützen. Klare Gesetze für Waffenverwahrung zum Schutz vor Suiziden und Femiziden (121/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Herr Abgeordneter Reifenberger, ich erteile Ihnen das Wort. Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, dass ich um 15 Uhr die Debatte zu diesem Tagesordnungspunkt für zwei kurze Debatten, die durchzuführen sind, unterbrechen werde. Sie haben jetzt das Wort.

FPÖ Volker Reifenberger

Danke.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt bin ich gespannt! Zuerst war die Miliz das Problem, die Miliz ist nicht mehr drinnen!

FPÖ Volker Reifenberger

… Hohes Haus! Was uns die Regierungsfraktionen hier vorgelegt haben, ist von vorne bis hinten ein Murks: eine Anlassgesetzgebung, die weit über das Ziel hinausschießt, ein ideologisch motivierter Angriff auf den legalen Waffenbesitz. Die nur zwölf Tage Begutachtungsfrist sind eine Beleidigung für das Hohe Haus in Anbetracht dieser weitreichenden und komplexen Regelungen. Die einzige Lehre, die wir aus der Straftat von Graz hätten ziehen müssen, wäre, das Wehrgesetz zu ändern, und zwar dahin gehend, dass ein Informationsaustausch zwischen der Stellungskommission und der Waffenbehörde zu erfolgen hat – fertig aus, mehr hätte es gar nicht gebraucht. Das habe ich übrigens schon vor dem tragischen Ereignis von Graz gefordert. Bei den gescheiterten Regierungsverhandlungen mit der ÖVP im Jänner dieses Jahres habe ich gefordert, dass eine Untauglichkeit aus psychologischen Gründen auch Konsequenzen fürs Zivilleben haben muss, wie zum Beispiel die Verweigerung der Ausstellung einer Waffenbesitzkarte oder ein Waffenverbot. Die ÖVP hat mir damals sogar zugestimmt, aber anscheinend war es der ÖVP nicht wichtig genug, diesen Punkt auch mit SPÖ und NEOS zu verhandeln. (👏 FPÖ) Aber richtig, damals gab es ja noch keinen Anlass dazu. Unsere Regierung betreibt ja gerne Anlassgesetzgebung und Gold-Plating. Daher bringe ich hiermit folgenden Antrag ein: RN/86.1 Abänderungsantrag gemäß § 53 Abs. 3 GOG des Abgeordneten Mag. Volker Reifenberger und weiterer Abgeordneter zum Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über den Antrag 372/A der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , MA, Douglas Hoyos-Trauttmansdorf, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Waffengesetz 1996 geändert wird ( 204 d.B. ) (TOP 4) Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der vorliegende Gesetzentwurf lautet wie folgt: „Bundesgesetz, mit dem das Waffengesetz 1996 geändert wird Der Nationalrat hat beschlossen: Das Waffengesetz 1996 (WaffG), BGBl. I Nr. 12/1997, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 211/2021, wird wie folgt geändert: Dem § 56a wird folgender Abs. 5 angefügt: „(5) Die Stellungskommission hat der Waffenbehörde auf Verlangen jene Daten der Stellungsuntersuchung zu übermitteln, welche im Verfahren betreffend die Überprüfung der Verlässlichkeit erforderlich sind. Dies umfasst auch die Übermittlung besonderer Kategorien personenbezogener Daten gemäß Art. 9 Abs. I DSGVO.““ Hätte es diesen Informationsaustausch bereits gegeben, bevor das in Graz passiert ist, dann wäre dieser Mörder nicht legal zu einer Pistole gelangt. Ich fürchte aber eines: Ein Mörder, der monatelang minutiös seine Tat plant, hätte auch illegal Waffen erworben …

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Das heißt, man braucht nichts machen?!

FPÖ Volker Reifenberger

… und hätte sich auch durch das strengste Waffengesetz dieser Erde nicht abschrecken lassen, denn Mörder halten sich nicht an Gesetze, und der beste Beweis dafür ist, er hat auch an einer Bombe gebastelt, was per se schon illegal ist. Aber genau das ist unser Kritikpunkt an dieser Waffengesetznovelle. Sie schikaniert nur die rechtstreuen Bürger, aber gegen den illegalen Waffenbesitz wird in dieser Novelle überhaupt nichts getan.

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Das ist völliger Quatsch!

FPÖ Volker Reifenberger

… Die rückwirkenden Regelungen sind eines Rechtsstaates unwürdig und vielleicht sogar verfassungswidrig, die neuen Altersgrenzen vollkommen willkürlich und eine Beleidigung für junge Erwachsene. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Alle paar Tage kommen die Regierungsfraktionen darauf, dass ihr letzter Entwurf doch nicht so gut war und sie korrigieren die Korrektur der Korrektur ihres eigenen Antrages. Dieser ganze Entwurf ist unausgegoren und alles andere als beschlussreif. Sie sollten ihn zurückziehen. (👏 FPÖ) RN/86.2 Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte den Schlusssatz! Abgeordneter Ing. Mag. Volker Reifenberger (fortsetzend): Einzig der gestern Abend übermittelte Abänderungsantrag enthält einen kleinen Lichtblick. Präsident Dr. Walter Rosenkranz (das Glockenzeichen gebend) : Herr Abgeordneter, ich muss Sie jetzt unterbrechen. Vielleicht noch einen Schlusssatz. Abgeordneter Ing. Mag. Volker Reifenberger (fortsetzend): Ich werde den Schlusssatz formulieren: Der Antrag von gestern hat einen kleinen Lichtblick enthalten. Da haben Sie nämlich meine Kritik aufgegriffen und eine Gleichstellung von Berufssoldaten und Milizsoldaten vorgenommen. Dafür darf ich mich herzlich bedanken.

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Jetzt fällt ihm nichts mehr ein, was er kritisieren soll!

FPÖ Volker Reifenberger

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Den Schlusssatz bitte! Abgeordneter Ing. Mag. Volker Reifenberger (fortsetzend): Das ändert aber nichts daran, dass diese ganze Novelle zum Kübeln ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Aber trotzdem dagegen! Wir haben zwar alles aufgenommen von euch, aber trotzdem dagegen!

FPÖ Volker Reifenberger

… 15.00 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/86.3 Waffengesetz 1996 (AA-25) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Meine Damen und Herren! Zunächst: Der eingebrachte Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt und daher auch ordnungsgemäß eingebracht. Ich unterbreche nunmehr die Verhandlungen über die Tagesordnungspunkte 4 bis 6 zur Durchführung von zwei kurzen Debatten. Kurze Debatte über eine Anfragebeantwortung, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:00

FPÖ Michael Schnedlitz

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Staatssekretär! Zur Erklärung für die Zuseher zu Hause: Wir hätten ja gerne mit der Frau Außenministerin diskutiert, diese weilt aber in New York. Geschickt hat sie den Herrn Deregulierungsstaatssekretär. Wir wissen nicht, ob er nicht mitfliegen durfte oder ob die Beinfreiheit in der Economy Class zu gering ist. ( Rufe bei den NEOS: Ha, ha, ha! ) Aber es ist gar nicht schlecht, Herr Staatssekretär, dass Sie hier sind, weil es bei diesem Punkt, bei dieser Besprechung einer Anfragebeantwortung um Steuergeld geht, und genau dafür wären auch Sie zuständig, Herr Staatssekretär. (👏 FPÖ) Sie können die Gelegenheit, wenn Sie sich dann zu Wort melden, gleich nutzen und der Bevölkerung und den Steuerzahlern erklären, wozu es einen Deregulierungsstaatssekretär braucht, der bisher nur Geld gekostet, aber den Steuerzahlern kein Geld gebracht hat und der bisher auch nichts dereguliert hat. Sie können auch gleich erklären, wie Sie Deregulierung definieren: ja wohl nicht als Steuergeldverschwendung. Sie können dann auch gleich mit mir gemeinsam die Deregulierung im gesamten Fördersumpf dieser Republik, auch was die NGOs betrifft, besprechen. Genau darüber werden wir uns nicht nur bei diesem Tagesordnungspunkt unterhalten, sondern ich verspreche Ihnen, genau darüber werden wir uns auch die nächsten Wochen und Monate noch genau unterhalten. Ich nehme an, als Sie für die Vertretung beauftragt wurden, wurde Ihnen die Anfragebeantwortung Ihrer Außenministerin zugestellt. Wenn Sie diese zur Hand nehmen und auch gleichzeitig als zuständiger Deregulierungsstaatssekretär einen Blick auf die Antworten der anderen Ministerien werfen, was diese gesamten Förderungen von NGOs betrifft, dann kommen Sie als Deregulierungsstaatssekretär relativ schnell darauf, dass es da einen Wildwuchs gibt, der die Steuerzahler Milliarden kostet – Milliarden! Wenn Sie dann noch einen nüchternen Blick auf die Lebensrealitäten haben, dann werden Sie auch relativ schnell draufkommen: Diese Bundesregierung spart bei den Falschen! (👏 FPÖ) Sie sparen bei den Familien, bei den Pensionisten und setzen mitten in der österreichischen Bevölkerung den Rotstift an, dabei wäre es ein Leichtes, zum Beispiel genau diese Anfragebeantwortungen herzunehmen und ein Muster zu erkennen, wo man Milliarden holen kann, ohne dass man die Bevölkerung die ganze Zeit zur Kasse bittet. Ich werde jetzt versuchen, Ihnen zu erklären, wie das ein normal denkender Bürger machen würde, wenn er zum Beispiel die Aufgabe eines Deregulierungsstaatssekretärs hätte, oder wie das eine Bundesregierung machen müsste, wenn sie versucht, die Finanzen in den Griff zu bekommen. Das ist nämlich gar nicht so schwer. Man müsste sich grundsätzlich nur anschauen – ich nehme an, eine Familie würde das tun, wenn sie in finanzielle Nöte gerät –: Wenn wir einen Euro Steuergeld ausgeben, bringt der etwas? Jetzt kann man als Politiker noch hinzufügen: Bringt er der Bevölkerung etwas – oder irgendjemand anderem? Denn Aufgabe von uns wäre es ja, grundsätzlich Steuergeld dann auszugeben, wenn das der Bevölkerung etwas bringt. Das heißt, Sie müssten, auch was diese Förderungen betrifft, nur die Frage stellen: Bringen diese Milliardenzahlungen der österreichischen Bevölkerung etwas? Sind sie sinnvoll, werden sie sparsam, wirksam und zweckmäßig ausgegeben oder nicht? Und wenn die Antwort Nein lautet, dann ist genau da der Rotstift anzusetzen und nicht bei den Kindern, bei den Familien und bei den Pensionisten. Genau so würde das eine Familie machen. (👏 FPÖ) Das bedeutet dann Haushaltskonsolidierung im Sinne der Bevölkerung – das wäre unser freiheitlicher Plan – und nicht gegen die Bevölkerung, wie Sie es gerade machen. Jetzt nehmen wir diese Anfragebeantwortung zur Hand – mir geht es in diesem Fall nicht um einzelne Punkte, sondern nur darum, das Muster zu erklären, wie Sie jetzt zum Beispiel als Deregulierungsstaatssekretär vorgehen könnten. Sie könnten die Seite 1 der Förderungen aufschlagen, die die Außenministerin bezahlt: Da finden Sie sechs Förderungen an das Austria-Institut für Europa- und Sicherheitspolitik. Das ist das Institut des ehemaligen ÖVP-Ministers Fasslabend. Dann sehen Sie, dass da mehrere Förderungen getätigt wurden, zum Beispiel drei Förderungen allein im Jahr 2024 für ein Mediationsprojekt im Irak. Jetzt will ich gar nicht sagen, dass es vielleicht diese Förderung nicht wert ist, dass man eine Aufgabe für einen ehemaligen ÖVP-Minister in so einem Institut findet, und das muss man dann zusätzlich fördern, damit dann jeder irgendwo ein Auslangen findet. Also Pensionsprivilegien ist ein schwacher Ausdruck dafür, wenn man sich diese Summen zu Gemüte führt. Das wäre die erste Frage: Braucht es das und ist das sinnvoll eingesetzt? Wenn ich Deregulierungsstaatssekretär wäre, würde ich sagen: Jetzt schaue ich nach, ob die anderen Minister denen auch etwas zahlen oder ob das nur ich mit dem Außenministerium mache. Ich komme dann relativ schnell drauf: Vom Außenministerium wurden über 100 000 Euro bezahlt. Das Landesverteidigungsministerium bezahlt über 1 Million Euro. Dann muss man sich schon die Frage stellen: Ist das wirklich sinnvoll? Ist das wirklich wirtschaftlich? Und ist das zweckmäßig? Oder geht es da nur um den ehemaligen ÖVP-Minister? Und braucht es das Ganze? Braucht das der Steuerzahler während einer Konsolidierungsphase, wo man so weit geht, dass man den Mindestpensionisten die Pensionen kürzt? Das ist ein Beispiel. Schauen wir uns ein zweites Beispiel an: Sie fördern – als Außenministerium wohlgemerkt – die Homosexuelle Initiative Hosi Wien. Ich will das jetzt nicht beurteilen. Die Frage, die ich stellen würde, ist: Ist das die Aufgabe des Außenministeriums? Dann fördern Sie – auch als Außenministerium – die Homosexuelle Initiative Salzburg. Dann schaue ich mit einem Blick drauf: Die einen fördern Sie mit 3 000 Euro, die anderen mit rund 1 000 Euro. Da frage ich mich als Steuerzahler: Wie kommt es zu dieser Berechnung? Ist Hosi Wien das Dreifache wert wie Hosi Salzburg? Oder wie kommt es zu diesen Zahlungen? Wo ist da die Wirksamkeit? Wo ist da die Zweckmäßigkeit? Warum zahlt das das Außenministerium? Dann würde ich wiederum nachschauen: Zahlen da auch andere Ministerien? Die Antwortet lautet: Ja, zum Beispiel das Sozialministerium und das Bildungsministerium. Sehen Sie, Herr Deregulierungsstaatssekretär, weil Sie gerade hier sind, da gibt es einen Haufen an Förderungen, die man sich anschauen könnte und hinsichtlich derer man dann die Frage stellen könnte: Ist das sinnvoll oder nicht? Falls Sie, sehr geehrte Damen und Herren zu Hause, sich fragen, ob da viel Geld drinnen liegt: Die Pensionskürzung heuer macht keine 300 Millionen Euro aus beziehungsweise bringt fürs Budget keine 300 Millionen – eine riesengroße Summe, die man sich schwer vorstellen kann. Sie finden auf der Website So fördert Österreich, wie viel bei den Förderungen drinnen liegt: Da sprechen wir – von 2013 bis jetzt – von über 300 Milliarden, zugegebenermaßen über alle Körperschaften hinweg; alles zusammengerechnet über 305 Milliarden. Die Frage, die Sie sich aber als Deregulierungsstaatssekretär in Zeiten einer Konsolidierung stellen könnten – wir sind ja nicht grundsätzlich gegen Förderungen, es gibt ja sinnvolle Förderungen –: Braucht es über 5 000 Stellen in unserer Republik, die Förderungen auszahlen? Und weiß die eine Stelle, ob jemand schon etwas von jemand anderem bekommt? Stichwort Doppelförderung, wahrscheinlich sind wir bei einer Mehrfachförderung, wenn man nur in die Ministerien schaut. Genau so kann man das Ganze ansetzen. Wenn man da nur ein bisschen vergleicht, sieht man: Es bekommt zum Beispiel Hosi Salzburg im Vergleich zu Hosi Wien zu wenig. Wenn man Transparenz schafft, sieht man auch, wenn jemand zu wenig bekommt, aber das wollen Sie ja nicht. Sie machen es einfach: Sie ziehen den Pensionisten das Geld aus der Tasche. (👏 FPÖ) Genau das, genau diesen Wildwuchs müssten Sie sich anschauen, und genau diesen Wildwuchs werden wir Freiheitliche uns jetzt anschauen. Wir machen da nichts anderes als die Aufgabe der Bundesregierung. Das heißt: Wir leisten einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung, aber nicht am Rücken der Bevölkerung, sondern wir wollen hineinschauen (👏 FPÖ): Was ist da mit diesem Sumpf los? Warum fließen da überhaupt Gelder und helfen die der Bevölkerung? Das ist ja die Aufgabe der Politik. Sie können es auch so sehen: Das ist die Übersetzung der Volkskanzlerschaft auf die Staatsfinanzen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wo ist denn der Volkskanzler eigentlich den ganzen Tag?

FPÖ Michael Schnedlitz

… dass das der Bevölkerung helfen muss und nicht den Parteien, den Politikern und dem eigenen Sumpf. (👏 FPÖ) Die Menschen wissen, wir sind seit Langem falsch abgebogen – schon lang! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Schauts es euch an ...! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Michael Schnedlitz

… Da fließen Milliarden hinaus, aber die Gelder kommen bei den Menschen nicht an – das Geld kommt bei den Menschen nicht an! Sie ziehen den Menschen das Geld raus, aber keiner weiß, was damit passiert, egal ob das jetzt die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge oder die Höhe der Steuern ist. Die Leistung passt im Vergleich dazu nicht mehr. Da können Sie noch so nervös werden, gerade Sie von den NEOS: Sie haben ja einmal wirtschaftlich gedacht. Wenn ein Unternehmer so denkt wie Sie in dieser Regierung, meldet er ja nach drei Monaten Konkurs an, sehr geehrte Damen und Herren. (👏 FPÖ) Wenn Sie dann mit den Förderungen bei den NGOs fertig sind und sich die anderen Förderungen angeschaut haben – die Doppel-, die Mehrfachförderungen, die zigfachen Förderungen und so weiter –, dann schauen Sie sich vielleicht noch die Auftragsvergaben an, zum Beispiel die zig Millionen Euro für Softwareprojekte, bei denen man als Erstes die Frage stellt: Brauchen wir diese Software im Bund? …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... Software ...!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Wenn Sie es mit den Förderungen vergleichen, kommen Sie vielleicht darauf, dass Sie das Produkt, das Sie kaufen, selbst finanziert oder zumindest mitfinanziert haben – über die Forschungsförderung in der Herstellung. So absurd ist es in dieser Republik, so tief geht mittlerweile der Sumpf, und dann sind wir dort, wo es heißt, im System zu sparen – das wäre genau Ihr Auftrag als Deregulierungsstaatssekretär. Dann machen wir Politik für die Menschen und nicht gegen die Menschen, wie es zurzeit der Fall ist. (👏 FPÖ) 15.11 RN/88.1 Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Die Redezeit der nunmehr zu Wort gemeldeten Abgeordneten beträgt gemäß der Geschäftsordnung 5 Minuten. Stellungnahmen von Mitgliedern der Bundesregierung oder zu Wort gemeldeten Staatssekretärinnen und Staatssekretären sollen nicht länger als 10 Minuten dauern. Zu Wort gemeldet hat sich für eine Stellungnahme Herr Staatssekretär Schellhorn. – Bitte, Herr Staatssekretär, Sie gelangen zu Wort.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Man kann jetzt nach diesen Ihren Ausführungen zur Anfragebeantwortung, Herr Staatssekretär, ganz ehrlicherweise fragen: Sepp, was machst du? – Aber besser passt wahrscheinlich mittlerweile: Sepp, was ist aus dir geworden? Sepp, was ist los mit dir? (👏 FPÖ) Es ist unglaublich, wie unterirdisch Sie da jetzt agiert haben. Von wegen er macht das unpolemisch und so weiter – der Schlusssatz allein trieft nur so vor Polemik. Die rinnt noch vom Regierungspult runter, Ihre Polemik – schämen Sie sich! Was ist aus dir geworden, Sepp? …

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Wenn du vom Schämen redest!

FPÖ Christoph Steiner

… Dann herzugehen und so ein dünnes Mapperl mitzuhaben – es reicht ja nicht einmal für eine dicke Mappe – und zu kritisieren, dass eine Oppositionspartei parlamentarische Kontrolle macht: Was ist denn aus dem Abgeordneten Sepp Schellhorn geworden? Der hätte das doch mit Klauen verteidigt, dass Parlamentarier die Regierung kontrollieren. Und wenn wir das nicht gemacht hätten, wären Sie gar nie draufgekommen, dass ihr so viele komische Sachen fördert. (👏 FPÖ) Aber jetzt sind wir schon beim Punkt: Sich dann noch hierherzustellen und die Volkskultur lächerlich zu machen, wo Ihre eigene Außenministerin in der ukrainischen Tracht herumhüpft, und nicht eine einzige Volkskultureinrichtung im Förderbericht Ihres Ministeriums stehen zu haben …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

... Außenministerium ... Österreich!

FPÖ Christoph Steiner

… bedeutet – wieder einmal typisch –: Euch ist die Volkskultur überhaupt kein Anliegen. Dafür ist es aber wichtig, dass man mit über 50 000 Euro die Frauensitzkreise in Nicaragua fördert – na gratuliere! ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Dann geht es weiter mit den linksideologischen Veranstaltungen. Das muss man sich einmal vorstellen: 81 176,87 Euro für die linksideologische Veranstaltung 30-jähriges Jubiläum der Wiener Weltkonferenz über Menschenrechte 2023.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

... Menschenrechte!

FPÖ Christoph Steiner

… Im Vergleich dazu, Herr Staatssekretär: Der Arbeiter-Samariter-Bund, der ja der SPÖ ein bisschen nahesteht, hat für vier Veranstaltungen 2 316 Euro bekommen. Also: Wenn dir schwindlig wird, dann hilft dir sicher die linksideologische Veranstaltung und nicht der Arbeiter-Samariter-Bund. Aber logisch, Herr Schellhorn: Wenn man im Bereich der Deregulation überhaupt nichts liefert, wenn der Deregulator einfach nicht deregulieren will , dann bleibt halt nichts anderes übrig, als ein bisschen zu polemisieren und mit dem Audi A8 durch die Weltgeschichte zu gondeln. – Traurig, was aus Ihnen geworden ist. Sepp, was ist los mit dir? …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Irgendwie fad heute! Ich weiß nicht, war schon stärker!

FPÖ Christoph Steiner

… Die Hosi, die im Übrigen auch die Pride finanziert, ist mit den ÖBB - - Die ÖBB sind ja sowieso die Lustigsten. Ich habe eine Anfrage gestellt, was die ÖBB wieder für das Pride-Month ausgegeben hat, und die hat das dann beantwortet: 2024 waren es 31 000 Euro und 2025 waren es aufgrund des Sparzwanges – jetzt haltet euch fest! – nur noch 26 000 Euro. Also wofür wir in dieser Republik alles Geld haben und für die Pensionisten nicht – traurig, traurig, traurig. (👏 FPÖ) Leider kann ich gar nicht mehr alles aufzählen, was ihr alles mit Steuergeldern fördert; im Förderkatalog: 17 000 Euro, 17 000 Euro, 17 000 Euro – drei Mal hintereinander –, European Union Youth Orchestra Foundation. Googelt bitte einmal, liebe Steuerzahler, was ihr über das Außenministerium alles fördert! Die Österreichische Liga für Menschenrechte mit Zehntausenden von Euros; einen Haufen Refugees-welcome-Vereine: Zigtausende Euros. Und, Herr Staatssekretär, wenn Sie dann behaupten, wir stellen Anfragen zu 2023: völlig falsch. Jetzt haben Sie die ganze Mappe da, schauen Sie noch einmal hinein! Das war 2024 ; denn der letzte Bericht war 2023, und für 2024 gibt es gar keine Daten, Zahlen und Fakten. Deshalb unsere Anfrage. Die Transparenzgeschichte gilt erst seit 2025, und auch da ist nicht alles öffentlich, weil Förderungen unter 1 500 Euro nicht öffentlich gemacht werden müssen. Was heißt das jetzt? – Ich mache mehrfach – doppelt, dreifach, zigfach – Förderungen, und dann brauchen wir es nicht öffentlich zu machen.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Wir sind nicht wie die FPÖ!

FPÖ Christoph Steiner

… Ihr zahlt im Übrigen, liebe Steuerzahler – die letzten Sekunden noch –, für afghanische Kulturvereine, afghanische Sportvereine, ein Magazin „Anschläge“ – was auch immer das sein soll; es gibt ein Magazin „Anschläge“, das gefördert wird –, Fridays for Future, Fridays for Future Wien, Global 2000 – der Verein von Gewessler –, die Gras, die Homosexuellen Initiative und, und, und. – Also, lieber Deregulator, beginne zu deregulieren, besser jetzt als morgen, und dann braucht ihr die armen österreichischen Pensionisten, die dieses Land aufgebaut haben , nicht länger schröpfen!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Lindinger. – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Klaus Lindinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Also was wir hier jetzt von den Freiheitlichen gesehen haben, zuerst von Kollegen Schnedlitz und jetzt von Steiner, ist an Populismus, Fake News und anderen Sachen gar nicht zu übertreffen. ( Widerspruch bei der FPÖ. ) Es ist nicht zu übertreffen, Herr Kollege Steiner! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Schau dir die Anfragebeantwortung an!

ÖVP Klaus Lindinger

… Es stimmt eines: dass wir in diesem Land einen Sparkurs einleiten. Ja, das ist gut.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wann fangt ihr denn an mit dem Sparen?

ÖVP Klaus Lindinger

… Wir nehmen niemandem Geld weg, weder den Familien noch den Pensionisten.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

... Pensionisten! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Klaus Lindinger

… Aber eines ist ganz klar: Wenn wir einen Sparkurs antreten, dann haben wir alle einen Beitrag zu leisten, und diesen Beitrag gibt es auch bei der EZA, wo wir gekürzt haben, gibt es auch bei den Förderungen, wo wir jetzt den Förderdschungel durchforsten, damit wir keine Doppelförderungen haben – und dazu stehen wir. Wir stehen dazu, dass wir das Budget dahin gehend in der Zukunft wieder ins Plus bringen, auf die positive Seite. (👏 ÖVP) Und was macht die FPÖ? – Die FPÖ schickt eine Anfragenflut von über 2 000 Anfragen in jedes Ministerium …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Parlamentarische Kontrolle, du ...!

ÖVP Klaus Lindinger

… die FPÖ versucht, alles zu blockieren, die Verwaltung und darüber hinaus. Das ist aber nicht konstruktiv. Das ist destruktiv, was ihr macht, es ist destruktiv.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Solange das Außenministerium Zeit für Blogaktivitäten hat, können Anfragen auch beantwortet werden!

ÖVP Klaus Lindinger

… Ihr hättet vor einigen Monaten die Möglichkeit gehabt, hier Verantwortung zu übernehmen, für dieses Land, dieses Land in eine gute Zukunft zu führen. Das wolltet ihr nicht! Dagegen seid ihr gewesen. Euer Herbert Kickl war nicht dafür, dass er ein Staatsmann ist und dieses Österreich in die Zukunft führt, und deshalb gibt es drei Parteien, die zusammengefunden haben und miteinander für die Zukunft dieses Landes arbeiten. Und ja, ich sage schon auch, dass wir in gewissen Bereichen mehr Transparenz brauchen. Wir sind dafür, dass mit Steuergeld verantwortungsbewusst umgegangen wird ( Rufe bei der FPÖ: Seit wann? ), dass das auch transparent aufgelistet werden muss. Dazu stehen wir als Volkspartei – na logisch! Mit Steuergeld muss verantwortungsvoll umgegangen werden. Was aber passiert bei den Freiheitlichen bei dieser kurzen Debatte in diesem Haus, meine sehr geehrten Damen und Herren? – Es werden alle NGOs in einen Topf geworfen. Wir haben viele im Bereich der sozialen Dienste, der Pflege, Blaulichtorganisationen …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Die kriegen ein Hundertstel! Vier Veranstaltungen: 2 000 Euro! Im Gegensatz zu 50 000 in Nicaragua!

ÖVP Klaus Lindinger

… und die werden alle von Ihnen, Herr Kollege, in den Dreck gezogen. Das lasse ich hier nicht gelten. Das lasse ich nicht gelten. (👏 ÖVP) Ich habe gesagt, wir brauchen volle Transparenz. Dazu stehen wir. In den NGOs wird unverzichtbare Arbeit geleistet, das sehen wir vor allem, wenn wir ins Inland schauen – welch wichtige Dienste da gemacht werden. Diese Leute verdienen Respekt, diese Leute verdienen Vertrauen und Unterstützung und nicht den Generalverdacht, unter den die Freiheitliche Partei sie stellt. (👏 ÖVP) Zusammenfassend, meine sehr geehrten Damen und Herren, heißt das: Hauen wir die NGOs nicht pauschal in einen Topf, diskreditieren wir sie nicht! Wir müssen das differenziert sehen. Wir haben einen klaren Kurs: Transparenz ja, Missbrauch nein, aber volle Anerkennung für die unbezahlbaren Leistungen unserer NGOs, unserer Ehrenamtlichen, die unsere Gesellschaft so stark machen. – Genau so schaut es aus. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Höfler. – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie gelangen zu Wort.

SPÖ Bernhard Höfler

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Es ist immer ganz beeindruckend, wenn man sich so die letzten Monate vonseiten der FPÖ gibt. Da kriegt man nicht nur Migräneschübe, sondern man kann zu den Wortspenden von Steiner und Schnedlitz nur sagen: unglaublich, was ihr von euch gegeben habt, ja unglaublich! Beim Zillertaler tue ich mir eh schon schwer, denn da kommt eh nur warme Luft. Bei der Verschwörungstheorie, die von euch erzählt wird, kommt durch: Wir haben jetzt die heiße Spur gefunden. (Abg. Steiner [FPÖ] – die sogenannte Scheibenwischerbewegung machend –: Was redest du?) – Ja, wir haben die heiße Spur gefunden! …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Jetzt weißt du wenigstens, wo du da reingeraten bist!

SPÖ Bernhard Höfler

… Ihr kommt ja schon fast an die Spur von Tom Turbo heran. Es ist unglaublich, was hier in diesem Haus seit Monaten erzählt wird. Es kommt mir auch so vor, als ob die FPÖ eine eigene Weltkarte hätte. Da gibt es diesen tiefen Staat und man erzählt dann jeden Tag, was in dieser Republik so passiert – ja, sogar die Feuerwehrsirene wird vom tiefen Staat im Prinzip auch vorgegeben. Dann gibt es die linke Verschwörung. Erinnert euch an die Bergrettung – die kriegt auch Fördergeld –, denn bei der Bergrettung ist es so: Wenn man da mit einem Seil am Berg dranhängt, kurz vor dem Abhang, dann denkt man immer an die linke Verschwörung. Also man denkt nicht daran, dass man sich festhält, sondern man sagt: Die linken Verschwörungstheorien, die Sozialisten! – Der Sozialismus hat heute noch gefehlt, Kollege Steiner, das hättest du noch einbauen können, Sozialismus, das wäre noch wichtig gewesen, dann hättest du die Story ganz, ganz fertig erzählt.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Der Sozialismus hat nur Schlechtes über die Welt gebracht! Nur Schlechtes, egal wo!

SPÖ Bernhard Höfler

… Das Absurde an der ganzen Story, die ihr da mit den Tausenden Anfragen erzählt, ist ja: Die FPÖ hat Angst vor der Feuerwehr, die FPÖ hat Angst vor dem Roten Kreuz, vor dem Samariter-Bund, vor der Caritas und sogar vor der linken Bergrettung. Das heißt, das ist im Prinzip das, was von all diesen Anfragen hängenbleibt. (Abg. Steiner [FPÖ] – die sogenannte Scheibenwischerbewegung machend –: Was redest du?) Ich frage mich ganz ehrlich, ich bin ja selber Familienvater - - Ihr müsst schon auch ein bisschen zuhören. Wenn ihr auf der einen Seite kritisiert, wir würden nicht zuhören, gilt das auf der anderen Seite für euch in diesem Haus hoffentlich auch selbst.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bis jetzt waren Sie völlig unbekannt!

SPÖ Bernhard Höfler

… Hört einfach einmal zu! Man hört sich jetzt seit Monaten diese gesamte gesprungene Platte an, wobei im Prinzip nichts hängenbleibt – außer dass man jemanden unter Generalverdacht stellen will. Das ist das, was da abläuft. Ich als Familienvater – Kollege Steiner, du bist selber Vater geworden – frage mich ganz ehrlich: Wie redet denn ihr mit den eigenen Kindern in den vier Wänden? …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Meiniger ist erst acht Monate!

SPÖ Bernhard Höfler

… Erzählt ihr das dann so: Ihr müsst aufpassen wegen dem bösen Staat, bitte passt auf, der böse Staat kommt euch zu Hause abholen!? – Das ist ja unglaublich absurd, was ihr da teilweise erzählt, das hält man ja wirklich nicht aus. (👏 SPÖ) Ehrlich gesagt: Gegensätze machen ja sicher. Vereine entlasten die Republik, der Herr Staatssekretär hat es angesprochen, die FPÖ belastet sie mit Anfragen – kostet Millionen. Die Vereine schaffen Vertrauen, die FPÖ zerstört Vertrauen – man sieht es am Vertrauensindex; so ganz weit oben seid ihr nicht angesiedelt. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Und die Vereine – und das wurde auch angesprochen – sind notwendig, ohne Vereine funktioniert unser gesellschaftliches Zusammenleben in dieser Republik nicht.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wo leben Sie denn mittlerweile? Wo lebst du mittlerweile?

SPÖ Bernhard Höfler

… Aber ehrlicherweise, und das muss man halt auch sagen, ohne FPÖ fehlt halt auch nichts.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr habt unter 20 Prozent! Du bist erledigt! Geschichte!

SPÖ Bernhard Höfler

… Ja, passt schon. Ich repliziere gerne auf deine Ausführungen: dass du seit Monaten in diesem Haus Menschen diskreditierst und beleidigst.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, ja!

SPÖ Bernhard Höfler

… Da bist du aber kein Gewinner, Kollege Steiner, das sage ich dir auch ehrlich. Seit dem Frühjahr hören wir uns an, wie du mit anderen in diesem Haus umgehst, also rede du nicht von Gewinner und Verlierer. Ein Gewinner diskreditiert andere Menschen nicht! Das gilt auch für dich, hat mit Charakter zu tun. (👏 SPÖ) Ganz ehrlich: Seit Monaten erleben wir dieses FPÖ-Kabarett – es ist ein Kabarett: Volkskanzler, tiefer Staat, Systempartei, Einheitspartei …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja, seids ja!

SPÖ Bernhard Höfler

… alles Beschimpfungen unter der Gürtellinie –, und was mir jetzt noch fehlt – Klubobmann Kickl ist jetzt nicht da, er wurde ja von Norbert Hofer als Orca bezeichnet –: Ich hoffe mittlerweile, dass irgendwann einmal der Volksgoldfisch in diesem Haus erfunden wird, denn der Volksgoldfisch schwimmt nämlich nur im Kreis, in Sekundenschnelle hat er vergessen, wo er war, und landet im Prinzip immer am selben Punkt. Und das ist genau das Gleiche, was ihr seit Monaten von euch gebt: immer dieselben Parolen, immer dieselbe Angst und immer dieselben Schuldzuweisungen, permanent wie eine gesprungene Platte. ( Ruf bei der FPÖ: Nichts zum Inhalt beigetragen! Gar nichts! ) Abschließend: Wir stehen beim Roten Kreuz, wir stehen bei unseren Vereinen in dieser Republik, das sind die Leistungsträger:innen in unserer Gesellschaft – nicht die Platte, die ihr permanent erzählt. Ohne unsere Vereine funktioniert die Demokratie in Österreich nicht. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Brandstötter. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Wenn die FPÖ keine Argumente mehr hat, dann erfindet sie Gespenster, und heute heißt das Gespenst NGO-Business. Angeblich fließen da Steuermillionen in dunkle Kanäle. – Das ist absurd, das ist haltlos und es ist vor allem eine Frechheit, eine Frechheit gegenüber all jenen Menschen, die sich in Österreich ehrenamtlich engagieren. (👏 SPÖ, NEOS) Sie stellen sich hier heraus, mit Schaum vor dem Mund, diskreditieren die Menschen. Ja, ich habe schon ein bisschen Verständnis dafür, denn in Ihrer Welt geht es um Gucci-Handtaschen, da geht es darum, dass man Steuergeld in Sporttaschen durch die Gegend trägt, und darum, dass man auf Kosten der Parteiakademie ganz schön viele Afrikareisen macht. Fragen Sie doch einmal bei Kollegen Kassegger, bei Kollegen Hafenecker nach, die ganz gerne als Touristen auf Steuerzahlerkosten um die Welt fahren! NGOs, meine Damen und Herren, sind keine Unternehmen, die Profite machen. Sie sind Vereine, sie sind Initiativen, sie sind Zusammenschlüsse von Menschen, die ihre Freizeit, ihre Expertise oft ihr ganzes Leben in den Dienst einer Sache stellen. Sie betreiben Frauenhäuser, sie helfen Obdachlosen, sie kümmern sich um geflüchtete Menschen, sie leisten Integrationsarbeit, sie engagieren sich in Umweltbelangen, sie verteidigen die Rechte von Kindern und Jugendlichen. Sie übernehmen Aufgaben, die der Staat oft alleine nicht mehr leisten kann und die unser Zusammenleben überhaupt erst gelingen lassen. Ein gelingendes Zusammenleben will die FPÖ halt nicht, sie lebt von Spaltung, sie lebt von Hetze. Jeder einzelne Cent, meine Damen und Herren, der in eine NGO fließt, ist nachvollziehbar. Die Mittel sind an ganz klare Kriterien gebunden, sie werden geprüft, sie werden kontrolliert, und das ist exakt das Gegenteil von intransparentem Business. (👏 SPÖ, NEOS) Sehen wir uns noch einmal die Fakten an. Die Fakten sind glasklar: Die FPÖ hat auf alle Arten und Weisen versucht, Sand ins Getriebe zu streuen und ein sachliches Arbeiten für unsere Republik zu blockieren. Auf 227 Seiten – Sepp Schellhorn hat es gezeigt – wurden 2 175 Fragen samt Unterfragen dazu gestellt, allen Ministerien, zu jeder nur erdenklichen NGO.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das ist unser Recht!

NEOS Henrike Brandstötter

… Allein 23 Abteilungen im Außenministerium wurden damit befasst, in der Budgetabteilung allein waren vier Arbeitstage notwendig, um diese Gespensterjagd unter Dach und Fach zu bringen. Und – darum geht es! – diese Zahlen sind öffentlich einsehbar.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Nein!

NEOS Henrike Brandstötter

… Sie waren einfach zu faul ( Rufe bei der FPÖ: Nein! Nein! ) , zu faul, um sie sich endlich zusammenzutragen, weil Sie einfach auch sonst nichts arbeiten. Sie können immer nur mit dem Finger auf andere zeigen und immer nur hetzen und einen Blödsinn verfassen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das ist kein Beitrag zur Demokratie, das ist ein Fall von Bürokratieverschwendung. Welchen Erkenntnisgewinn erwarten Sie sich denn eigentlich, warum man für eine Veranstaltung ein Rettungswesen engagiert? – Das ist Gesetz, junger Mann, merken Sie sich das! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Was redest so gscheit? Du Gscheite! Ja, wo sind wir denn?!

NEOS Henrike Brandstötter

… Sie kritisieren, dass man bei einer Veranstaltung für Erste Hilfe sorgt. Wo sind wir denn? Ihnen geht es ja gar nicht um Transparenz, es geht Ihnen um Misstrauen, es geht Ihnen darum, die Zivilgesellschaft zu spalten; das wollen Sie. (👏 SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, NGOs sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Demokratie. Jeder zweite Österreicher, jede zweite Österreicherin engagiert sich in ihrer Freizeit mit Herz, mit Hingabe bei einer NGO, und diese Menschen treten Sie mit Füßen, diese Menschen, die sich beim Roten Kreuz, bei der Caritas, beim Samariterbund, beim Hilfswerk, bei der Volkshilfe, wo auch immer – in kleinen Museen am Land – engagieren. Dieses Engagement stiftet Zusammenhalt und sozialen Frieden und ist einfach unbezahlbar. Unbezahlbar, das kann man in diesem Fall auch volkswirtschaftlich messen: 22 Milliarden Euro Gesamtwertschöpfung leisten gemeinnützige Organisationen jedes Jahr in Österreich. 22 Milliarden Euro: Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

90 Prozent jener, die das leisten, werden nicht gefördert!

NEOS Henrike Brandstötter

… Demgegenüber stehen 3,4 Milliarden Euro staatliche Zahlungen im NGO-Bereich über fünf Jahre. Wer rechnen kann, Kollege, ist klar im Vorteil.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber 90 Prozent von denen werden nicht gefördert!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das heißt, für jeden Euro Förderung bekommt Österreich ein Vielfaches an Wert zurück. Das ist keine Verschwendung, das ist eine Investition ins Gemeinwohl, und genau deshalb sage ich, eine liberale Demokratie braucht NGOs. Sie sind Partnerinnen und Partner, nicht Feindbilder. Sie sind der Beweis, dass Freiheit mehr ist als nur ein Schlagwort. Wer NGOs schwächt, der schwächt unsere Gesellschaft, und genau das habt ihr im Blick. Wer NGOs attackiert, wie ihr es tut, der zeigt einfach nur autoritäres Denken. Es gibt kein NGO-Business, es gibt engagierte Menschen in Österreich, die ihr Bestes geben, die helfen, wo andere einfach nur hetzen, und diesen Menschen gilt unser Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Hammer. – Bitte, Sie gelangen zu Wort.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es eh mutig, dass die FPÖ hier eine Debatte über die verantwortungsvolle Verwendung von Steuergeldern führen will. Ich rate nur allen, die hier zuhören und zusehen, einmal in Google einzugeben: FPÖ Spesenskandal Wien, FPÖ Spesenskandal Graz, FPÖ Finanzminister Gefängnis, FPÖ Sporttasche …

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Das sagt ein Grüner, der uns das eingebrockt hat!

GRÜNE Lukas Hammer

… dann wird sich einiges finden. Es ist besonders mutig, dass Sie hier so große Töne spucken, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, wenn es um Steuergelder geht. (👏 SPÖ) Aber reden wir darüber: Sie haben an alle Ministerien eine Anfrage mit 2 175 Einzelfragen plus Unterfragen gestellt und wollen 725 Organisationen abfragen. Da geht es unter anderen um Organisationen wie das Rote Kreuz, die St.-Anna-Kinderkrebsforschung, die Aids-Hilfe, den Alpenverein, die Wohnungslosenhilfe, den Blinden- und Sehbehindertenverband, die Internationale Rettungshunde Organisation, die Katholische Jugend Österreich oder Licht ins Dunkel; 725 Organisationen, unter anderen diese. Die FPÖ will von jeder dieser Organisationen wissen, ob es Zahlungen des angefragten Ministeriums gab, Herr Kollege Steiner, oder ob Mitglieder des Kabinetts oder der Partei Mitglied, Mitarbeiter oder Aktivist bei den oben genannten NGOs sind. Die Frage ist, Kollege Steiner, warum stellen Sie so eine Anfrage? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Weil es uns interessiert!

GRÜNE Lukas Hammer

… Warum interessiert eine Partei, ob irgendein Bürgermeister Mitglied eines Musikvereins ist, ob ein Gemeinderat beim Roten Kreuz ist oder ob ein Mitarbeiter vom Staatssekretär für Licht ins Dunkel spendet? …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Um das geht es nicht!

GRÜNE Lukas Hammer

… Warum stellen Sie so eine Anfrage? Wenn es Ihnen nicht um das geht, warum fragen Sie das dann!? Das sind sehr bedenkliche Überwachungsfantasien, die da bei Ihnen zutage kommen. Ihnen geht es nicht um Transparenz. Das beweist allein schon die Tatsache, dass Sie sich über die ganzen Organisationen lustig gemacht haben und die Organisationen, die Ihnen nahestehen, nicht abgefragt haben. ( Rufe bei den Grünen: Oh! Was?! ) Da können wir gar nichts sagen. Da frage ich mich: Um was geht es Ihnen eigentlich? Geht es Ihnen um Transparenz? …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Na frag sie ab!

GRÜNE Lukas Hammer

… Wenn es Ihnen um Transparenz gehen würde – ein Beispiel –: Transparenz gibt es schon. Wir haben ein Informationsfreiheitsgesetz hier in diesem Parlament beschlossen , dazugehörig eine Transparenzdatenbank, mit der es möglich sein wird, alle Zahlungen von Ministerien und Organisationen einzusehen …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Welche NGOs ...?!

GRÜNE Lukas Hammer

… also das, was Sie teilweise abgefragt haben. Dreimal dürfen Sie raten, Kollege Steiner, welche Partei gegen das Informationsfreiheitsgesetz gestimmt hat.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, wir!

GRÜNE Lukas Hammer

… Ja, die FPÖ! Sie haben, als es darum ging, gegen Transparenz gestimmt. Es geht Ihnen nicht um Transparenz – Kollegin Brandstötter hat es angesprochen –, es geht Ihnen nur darum, die Zivilgesellschaft mit Dreck zu bewerfen und in ein schiefes Licht zu rücken! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Lies einmal die NGOs vor, die dir peinlich sind!

GRÜNE Lukas Hammer

… Und es geht um ein bekanntes Muster. Zuerst werden NGOs als verdächtig hingestellt, es werden angebliche Skandale konstruiert, geheime Zahlungsflüsse, die eh in Datenbanken gespeichert und veröffentlicht werden. Danach kürzt man ihnen die Mittel und schränkt ihre Rechte ein.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

2024 ist nicht öffentlich!

GRÜNE Lukas Hammer

… Und wenn sie nicht brav sind und auf Linie gebracht werden, dann werden sie verboten. So hat es Ihr Herr Orbán gemacht, so hat es Herr Putin gemacht, und wir sehen das gerade bei dem von Ihnen verehrten Herrn Trump in den USA. Genau diesen Weg wollen Sie auch gehen. Das Ziel ist klar: Es geht Ihnen darum, die lebendige Demokratie, so wie wir sie heute haben, zu zerstören. Das ist Ihr Ziel.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich erinnere an die Coronazeit! Red du nicht über Demokratie!

GRÜNE Lukas Hammer

… Eine Zivilgesellschaft, die sehr viele wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft übernimmt und die hin wieder auch ihr Wort kritisch erhebt, ist das Fundament unserer Demokratie. Anstatt sie so wie die FPÖ mit Dreck zu bewerfen, verdienen diese Menschen unsere Dankbarkeit: Vielen Dank an alle, die sich ehrenamtlich und beruflich in Vereinen, Organisationen organisieren und so unser Land am Laufen halten! – Danke schön. (👏) Liebe Kollegen von der ÖVP! Von einer rechten Partei wie der FPÖ erwarte ich mir nichts anderes. Aber leider müssen wir erleben, insbesondere auf EU-Ebene, dass auch die Konservativen und insbesondere die ÖVP in dieses Narrativ einsteigt.

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Weil wir Missbrauch aufzeigen!

GRÜNE Lukas Hammer

… Herr Kollege, Sie müssen sich entscheiden …

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Ich habe gesagt, Transparenz und kein Missbrauch!

GRÜNE Lukas Hammer

… ob Sie gemeinsam mit uns unsere Demokratie verteidigen oder ob Sie gemeinsame Sache mit den Demokratiefeinden machen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Eine Pseudodemokratie!

GRÜNE Lukas Hammer

… Die Entscheidung liegt bei Ihnen. – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Kurze Debatte über eine Anfragebeantwortung, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:44

GRÜNE David Stögmüller

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich vor, Sie sitzen gerade im Flugzeug, auf dem Weg von einem wunderschönen Urlaub nach Hause, Sie freuen sich schon seit ein paar Stunden, dass Sie endlich nach Hause kommen, in den Garten, um ein bisschen zu relaxen, und plötzlich die Lautsprecherdurchsage im Flugzeug: Sehr geehrte Damen und Herren! Wir werden noch ein paar Kreise ziehen müssen, weil der Flugraum über Salzburg gesperrt worden ist. – Sie kreisen noch ein bisschen, und ein bisschen länger dauert es, bis Sie endlich in Salzburg ankommen. Das Ganze passiert während der Neueröffnung des Hangar-7 von Mateschitz von Red Bull. Die Bundesregierung lässt auf Wunsch der Frau Bundesministerin den Luftraum über Salzburg sperren. Der Betrieb am Flughafen Salzburg wird eingestellt, und das Bundesheer schickt seinen Eurofighter als Programmeinlage für diese tolle Veranstaltung. Das ist keine öffentliche Veranstaltung. Wir reden nicht davon, dass das eine große Luftveranstaltung für Personen ist, die gerne Eurofighter anschauen. Nein, wir reden von einer privaten, von einer geschlossenen Feier von Red Bull mit Mateschitz, der ÖVP und sehr vielen VIPs. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir reden hier über Abfangjäger. Unsere Eurofighter sind keine Partyattraktion, sondern militärisches Gerät! (👏) Was mich noch dazu ärgert: Wir sind in Zeiten, in denen wir alle – jede Bürgerin, jeder Bürger – sparen müssen, in denen wir alle den Gürtel ein bisschen enger schnallen müssen. Ich habe persönlich überhaupt nichts gegen Red Bull ( Ruf bei der ÖVP: Na! ), aber dass man in solchen Zeiten bei der Privatfeier des reichsten Österreichers Steuergeld rausschmeißt, das verstehe ich nicht.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Vermögensteuer!

GRÜNE David Stögmüller

… Ich würde mir wünschen, dass Sie mir das erklären. Wie kann man für den reichsten Steuerzahler …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Reichsten Steuerzahler, ja!

GRÜNE David Stögmüller

… nicht Steuerzahler, den reichsten Menschen Österreichs denn überhaupt diese Privatfeier machen? Können Sie sich auch einen Privatjet, einen Eurofighter, bei der Frau Ministerin mieten, weil Sie Lust darauf haben? Na ja, schauen wir uns das an! Was ist das für ein Bild? Eurofighter fliegen für Steuergeld bei einer VIP-Party der Superreichen in Zeiten wie diesen, in denen wir überall sparen müssen: bei den Pensionen, beim Klimaschutz, bei der Entwicklungszusammenarbeit, bei den Lohnabschlüssen. Es geht noch weiter: Während Europa im Krieg ist, während die Freiheit Europas angegriffen wird, machen wir große PR-Shows mit Steuergeld. Und die Frage ist: Ist das notwendig? RN/96.1 Frau Minister, bei Ihnen wurde ja – und das muss ich jetzt auch erwähnen, ich habe extra etwas mitgenommen – auch schon eine Werbefläche gebucht. Heute haben Sie es ja nicht. Ich zeige es Ihnen. Hier ist es. ( Der Redner stellt eine Tafel auf das Redner:innenpult, auf der Bundesministerin Tanner abgebildet ist. ) Man kann es ja hier ganz gut sehen: eine Werbefläche in lebender Person – ich habe es Ihnen auch vergrößert ausgedruckt. Moment, vielleicht sieht man es dann besser: die Red-Bull-Ohrringe.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Wie peinlich bist du, Oida?!

GRÜNE David Stögmüller

… Red-Bull-Ohrringe hat sich die Frau Ministerin bei einer Pressekonferenz schön und groß anstecken lassen. ( Heiterkeit der Bundesministerin Tanner. – Ruf bei der ÖVP: Was soll denn das?! ) Schön und groß Red Bull, und das ist schon etwas ganz Besonderes. ( Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) Korrigieren Sie mich! Red Bull-Ohrringe! Korrigieren Sie mich! Eine Ministerin als Werbefläche, ich habe das bis jetzt noch nicht erlebt. Ich weiß nicht, ob es die Kolleginnen und Kollegen erlebt haben. Ich bin seit zehn Jahren im Haus. ( Bundesministerin Tanner deutet auf einen Bundesheeranstecker auf ihrem Revers. ) – Ja, das ist ja hoffentlich ein öffentliches Abzeichen, aber Red Bull ist noch nicht verstaatlicht. Ich weiß es nicht. ( Bundesministerin Tanner hält ihr Smartphone in die Höhe, auf dessen Schutzhülle das Bundesheerlogo prangt. ) Ich weiß nicht, ob die schon verstaatlicht sind. Ich habe das aber noch nie gesehen. Vielleicht können sehr erfahrene Kolleginnen und Kollegen da ja widersprechen. Ich würde gerne wissen: Hätten das andere Minister in diesem Haus gemacht – wenn wir das gemacht hätten, wenn Herr Kickl das dazumals gemacht hätte –, na wo wäre da der Aufschrei gewesen? ( Der Redner nimmt die Tafel vom Redner:innenpult und hält sie in die Höhe. ) Aber bei der Frau Ministerin ist mit Red Bull alles in Ordnung, das ist ja ein Kollege und Werbepartner. (👏) – Ja, Sie können schon Trost trinken, Sie können schon ein bissel Spaß machen; ich finde es ein bissel peinlich, Frau Ministerin! Ich finde es ein bissel peinlich. Vielleicht muss man Sie auch loben, dass Sie so transparent sind. Vielleicht ziehen Sie sich gleich in Ihren bekannten Uniformen – ich weiß nicht – Logos an und Logos irgendwo drüber. Dann können Sie sich – ich weiß nicht, der TSV Hartberg hat jetzt so ein Problem – vielleicht bei denen anschauen, wie solche Logos ausschauen. Aber: Was soll das? Was soll das ernsthaft? Eine Ministerin mit Logos von privaten Unternehmen, das geht sich in dieser Republik nicht aus! (👏) In Ihrer Beantwortung sprechen Sie von Übungsflügen, gleichzeitig von einer gelebten Partnerschaft mit Red Bull. Das klingt nach einer ganz klaren Ausrede, die beides sein soll, nämlich Übung und Werbung. Da beginnt der gefährliche Spagat bei dieser gesamten Geschichte, denn entweder reden wir über sicherheitsrelevante Übungen, und wenn wir von sicherheitsrelevanten Übungen reden, dann dürfen sie nicht im Rahmen einer Privatveranstaltung gestellt werden, oder wir reden über PR-Kooperation, dann haben Eurofighter dort einfach nichts zu suchen. Das ist ganz einfach, Übungen ja, aber bitte dort, wo sie sinnvoll sind, nicht bei einem Sektempfang für Superreiche und VIPs. Ich finde das nicht lustig. Ich finde es nicht lustig, dass die Ministerin da „Prost“ oder so etwas schreit. Wir sind in einer kritischen Situation, meine sehr geehrten Damen und Herren , und ich finde das nicht lustig, dass hier im Parlament so etwas irgendwie als Spaß abgetan wird. Europa wird angegriffen, die Freiheit Europas wird tagtäglich angegriffen! Man muss nur die Schlagzeilen lesen: Russische Drohnen und Flugzeuge dringen mehrfach in den Luftraum anderer EU-Länder ein, in Polen, in Estland, in Dänemark, auch in Norwegen – das sind ernsthafte Warnsignale. Ja, da können Sie schon so dreinschauen, Frau Ministerin – wenn Sie es nicht ernst nehmen, dann nehmen Sie es halt nicht ernst, aber das ist ein Anschlag auf unsere Freiheit! ( Ruf bei der ÖVP: Was hat denn das damit zu tun? ) Wenn in Kopenhagen ein Drohnenangriff auf den Flughafen verhindert wird, wenn von Russland auch ganz konkrete Drohungen gegen Österreich kommen, und wir machen nur PR-Shows – na hawidere! Wenn Europa in der Luft bedroht wird, dann muss auch Österreich vorbereitet sein. Ja, wir sind neutral, aber das bedeutet nicht Naivität. Wir brauchen eine starke und verlässliche Luftraumüberwachung, die im Ernstfall sofort reagieren kann. So, Frau Ministerin, die Sommerpause ist vorbei. Erst letzte Woche hat der Nationale Sicherheitsrat getagt, und die Regierung hat es bisher nicht geschafft, eine gemeinsame Erklärung zur Sicherheit Österreichs zu schaffen und umzusetzen. Es geht darum, eine klare Zielvorgabe für den Umgang mit Bedrohungen zu haben, Sie haben es nicht geschafft. Da hätten Sie einmal Ihre Energie investieren sollen! Warum schafft die Bundesregierung in der Sicherheitsstrategie nicht eine gemeinsame Lösung für den Umgang mit hybriden Bedrohungen? Was ist mit Sky Shield? Was ist mit der Österreichischen Sicherheitsstrategie? Frau Ministerin, was ist da los? Ich frage Sie das ernsthaft! Im April hat die Regierung eine neue Sicherheitsstrategie angekündigt, und bis heute ist noch immer nichts da – sehen Sie nicht, wie ernst die Lage in Europa ist? Noch immer kein Plan, keine Strategie, keine Umsetzung. Wieder ist ein Sommer vorübergezogen, und es gibt Ankündigungen, aber leider nichts Konkretes. Was ist mit den Eurofightern, was ist mit dem Primärsystem der österreichischen Luftraumüberwachung? Wir wissen schon lange, dass es für die Eurofighter eine neue Lösung braucht, da sie immer teurer werden und immer höhere Betriebskosten haben. Ich kann mich noch erinnern, als Sie letztes Jahr angekündigt haben, es gebe eine neue Strategie, eine Entscheidung wurde angekündigt. Doch anstatt Klarheit zu schaffen, verschiebt die Regierung diese Entscheidung wieder auf das nächste Jahr und auf das übernächste Jahr; wieder Ankündigungen, Ankündigungen, Ankündigungen. Wieder zieht ein Sommer ins Land, und wieder wird nichts entschieden. Gut, dann warten wir halt wieder einmal. Europa wird angegriffen – wir warten, bis die nächste Entscheidung getroffen wird. Gleichzeitig werden alle Trainingsjets, die Sie ja kaufen wollten, schnell beschafft. Ein Geschäft, das viele Fragen offen lässt: Warum dort so schnell und bei der anderen Entscheidung lassen Sie sich sehr viel Zeit? Das ist ja die nächste Frage, denn das wirkt planlos. Frau Ministerin, das wirkt planlos! Sie sagen auf der einen Seite immer noch, das Primärsystem - - (Bundesministerin Tanner : Sie tun mir so leid!) – Sie können ruhig Wehrsprecher anderer Fraktionen lächerlich machen, Frau Ministerin. Das tut mir nicht leid, Sie tun mir leid! Sie fühlen sich wohl ein bisschen überfordert in Ihrer Position, denn anders kann man das schon nicht mehr erklären. Diese Planlosigkeit, diese Ankündigungen, die Sie ja machen, aber nichts daherbringen, sind schon ein bisschen ein Problem.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Bisschen weniger Red Bull trinken vor der Rede!

GRÜNE David Stögmüller

… Kommen wir zum Thema Transparenz: Was ist denn mit dem Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission? Alle hier haben gehört, die Frau Ministerin werde den vorlegen – der liegt bereits vor, seit Monaten, seit Anfang des Jahres liegt der vor –, sie werde den übermitteln. Sie haben angekündigt, nach dem Sommer würden Sie den Bericht ans Parlament liefern. Na wo ist dieser Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission? Wo ist er? Der Sommer ist vorübergezogen, und es gibt wieder nur Ankündigungen. Sie übermitteln den Bericht nicht, schon wieder nicht, genau das ist das Problem: Sie veröffentlichen die Berichte nicht, Sie mauscheln irgendwie ein bisschen, Sie bringen uns nichts. Frau Minister, wir brauchen in Österreich Sicherheit und klare Entscheidungen, nicht nur irgendwelche Ankündigungen, die Sie ständig machen. Wir brauchen ein Bundesheer, das ausschließlich für die Sicherheit unseres Landes da ist und nicht für irgendwelche Werbeaktionen. Machen wir weniger Showpolitik für Milliardäre, sondern machen wir Sicherheitspolitik für Österreich und für Europa, für unsere Sicherheit. In diesen Zeiten, da die Freiheit Europas tatsächlich von Russland angegriffen wird, brauchen wir nicht irgendwelche Ankündigungen, brauchen wir nicht irgendwelche Werbeflächen von Ihnen, Frau Ministerin, sondern eine tatsächliche Strategie, und die vermissen wir schon seit Monaten und Jahren. – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Die Redezeit der nunmehr zu Wort gemeldeten Abgeordneten beträgt gemäß Geschäftsordnung 5 Minuten. Stellungnahmen von Mitgliedern der Bundesregierung oder Wortmeldungen von Staatssekretärinnen und Staatssekretären sollen nicht länger als 10 Minuten dauern. Zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Tanner. Ich erteile es ihr. – Bitte, Frau Bundesminister.

FPÖ Volker Reifenberger

Hohes Haus! Im Juni wurde der weit über die österreichischen Grenzen hinaus bekannte Hangar-7 in Salzburg nach seinem umfangreichen Umbau feierlich wiedereröffnet – mit einer beeindruckenden Flugshow, internationalen Gästen und einem großen medialen Echo. Einen Monat später ungefähr – auf Zuruf der ehemaligen grünen Landesrätin Astrid Rössler, die sich ja auch hier im Hohen Haus noch ein politisches Ausgedinge gegeben hat, ziemlich farblos und ohne wirkliche Nachhaltigkeit …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Respektlos! Du musst nicht respektlos sein gegenüber Abgeordneten!

FPÖ Volker Reifenberger

… sie hat sich jetzt als Anrainersprecherin des Salzburger Flughafens geriert und versucht, für die Grünen sozusagen noch einen innenpolitischen Aufreger zu erzeugen …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Na! Na! Das ist unwürdig! Sie ist ja nicht einmal da!

FPÖ Volker Reifenberger

… wollte der grüne Abgeordnete Stögmüller nun in einer parlamentarischen Anfrage wissen, warum zwei Eurofighter des Bundesheeres im Rahmen dieser Veranstaltung eine Schleife über den Salzburger Flughafen gezogen haben. Wissen Sie, meine Damen und Herren: Es liegt mir wirklich fern, die Frau Verteidigungsminister zu verteidigen, aber ich frage mich wirklich: Gibt es keine wichtigeren Themen, die wir hier im Hohen Haus diskutieren sollten? (👏 ÖVP, FPÖ) Was ist tatsächlich passiert? – Zwei Eurofighter haben, wie es gerade erzählt wurde, im Rahmen ihrer allgemeinen Einsatzvorbereitung den Salzburger Flughafen überflogen. Dazu muss man wissen, dass der Salzburger Flughafen – so wie alle anderen österreichischen Flughäfen auch – als Ausweichflugplatz für die Eurofighter dient. Also ein ganz normaler Überflug, keine zusätzlichen Kosten, und das Wichtigste: Alles offiziell genehmigt. Es gibt einen Bescheid des Infrastrukturministeriums vom 28. Mai dazu. Die an die Wand gemalte schlimme Einschränkung des zivilen Flugbetriebs dauerte genau 55 Minuten, von 17.05 bis 18 Uhr. Ein Turkish-Airlines-Flug hatte eine 5-minütige Verspätung und einige Abflüge verzögerten sich noch weniger als 5 Minuten. Zitat des Flughafens: „Alles im normalen Bereich“, keine Umleitungen, keine Entschädigungen, kein Chaos. Also bitte, wenn das ein Skandal sein soll, dann weiß ich es wirklich nicht. Als ob wir keine größeren Sorgen hier im Haus haben! Was stattgefunden hat, ist ein positives Ereignis: Wir haben einen enormen Imagewert für Salzburg, für Österreich und für unser Bundesheer generiert, denn der Hangar-7 ist ein international beachtetes Aushängeschild für Technik, Luftfahrt, Kulinarik und Design und wird jedes Jahr von Tausenden Besuchern besucht. Eines möchte ich an dieser Stelle auch erwähnen: Das Museum im Hangar-7 wird kostenlos von Herrn Mateschitz zur Verfügung gestellt, dafür ist kein Eintritt zu bezahlen. (👏 FPÖ, NEOS) Red Bull ist einer der größten Investoren in diesem Land und Steuerzahler, ein großes Unternehmen, das viele Arbeitsplätze schafft, Steuern zahlt, internationale Sichtbarkeit bringt, Unglaubliches im Sport leistet, historisch wertvolle Immobilien liebevoll restauriert, die Paracelsus-Medizinische-Privatuniversität und die Forschung sponsert …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Mit 70 Millionen!

FPÖ Volker Reifenberger

… einen fantastischen Beitrag für die österreichische Medienlandschaft leistet und vieles mehr. Als Salzburger darf ich auch festhalten, wie wichtig dieses Unternehmen für die Region, aber auch weit darüber hinaus ist. Was im Untergrund immer so ein bisschen mitschwingt – bei der Rede von Kollegen Stögmüller und auch von anderen –, ist eine Art Red-Bull-Bashing oder eine Neiddiskussion, eine Neiddebatte.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Geh!

FPÖ Volker Reifenberger

… Da haben aber auch die Roten in der Vergangenheit gehörig dazu beigetragen, ich erinnere nur an die unqualifizierten Wortmeldungen von Andreas Babler und Julia Herr vor zwei Jahren – und dagegen verwahre ich mich ausdrücklich. (👏 FPÖ) Von dieser Veranstaltung, die den Grünen so ein Dorn im Auge ist, profitiert das Bundesheer massiv, denn das ist eine kostenlose Werbung. Gerade in Zeiten von historischem Personalmangel, speziell nämlich bei den Piloten und Fluglotsen, brauchen wir diese Werbung wie einen Bissen Brot.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

... Privatmarkt!

FPÖ Volker Reifenberger

… Was mich als Wehrsprecher aber viel mehr stört, sind die zahlreichen Überflüge von ausländischen Militärmaschinen. Allein im Jahr 2024 gab es 5 580 Überflüge ausländischer Streitkräfte, davon allein 1 355 von den USA, 14 nicht genehmigte Überflüge.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das ist ja eine Kriegserklärung der USA!

FPÖ Volker Reifenberger

… Heuer schauen die Zahlen im Übrigen nicht viel anders aus. Dieses Thema ist der wahre Skandal, denn da wird unsere Neutralität mit Füßen getreten, aber darüber regen sich die Grünen nicht auf. Das zeigt, wes Geistes Kind die Grünen sind. (👏 FPÖ) Flüge unserer österreichischen Eurofighter werden skandalisiert, Überflüge ausländischer Militärmaschinen werden gutgeheißen. Das entlarvt sich von selbst, mehr ist dazu nicht zu sagen. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ofenauer. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr verehrte Zuseherinnen und Zuseher! Bis auf den letzten Satz hätte ich meinem Vorredner zustimmen können. Den Schluss, was die Neutralität betrifft, kann ich natürlich nicht nachvollziehen, genauso wenig, wie ich den Sinn dieser Anfrage des Kollegen Stögmüller nachvollziehen kann.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das ist das Problem, dass ihr nicht seht, was das Problem hinter dieser Anfrage ist!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Ich weiß nicht, ob er sich als Aufdecker à la Peter Pilz gerieren will ( Ruf bei den Grünen: Nein, der Stögi ist besser! ), ob er Aufregung erzeugen will, ob er skandalisieren möchte; ich weiß es nicht. Diese Rede hat jedenfalls eines gezeigt: Sich mit den Ohrringen einer Ministerin auseinanderzusetzen und diese dann als Werbeträgerin zu bezeichnen, das hätte ich einem Grünen nicht zugetraut, meine Damen und Herren.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wieso? – Abg. Egger [ÖVP]: Bravo!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Das ist unterirdisch. (👏 ÖVP) Tatsache ist, meine Damen und Herren, dass an besagtem Tag eine Veranstaltung von Red Bull, von Mark Mateschitz, stattgefunden hat. In diesem Zuge wurde eine Zone über dem Hangar-7, über dem Flughafen Salzburg gesperrt, alles bewilligt, alles genehmigt. Ja, es dürfte dabei, wie den Zeitungsmeldungen zu entnehmen ist, Lärmbeschwerden gegeben haben. Ja, es soll so sein. Ich weiß nur nicht, was das mit dem österreichischen Bundesheer und mit unseren Eurofighterpiloten zu tun haben soll, denn Tatsache ist auch, dass unsere Piloten das machen müssen, was wir uns auch für die Miliz wünschen: üben. Es ist wichtig, dass unsere Piloten ihre Einsatzbereitschaft aufrechterhalten. Genau für solche Fälle, bei denen Alarmstarts notwendig sind, bei denen Luftraumverletzungen passieren, müssen diese Piloten üben – und sie nutzen dafür jede sich bietende Gelegenheit. Eine solche Gelegenheit ist zum Beispiel seit 2003 auch die Airpower, eine Zusammenarbeit auch mit Red Bull, die sehr gute Synergieeffekte bringt – nicht nur für das österreichische Bundesheer, sondern auch für Red Bull, so ehrlich muss man sein, aber auch für das Land Steiermark und für viele andere. Das ist überhaupt kein Problem, sondern bringt allen etwas. (👏 ÖVP) Tatsache ist, dass da eine Skandalisierung durch den Kollegen Stögmüller passiert, die nicht notwendig ist. Seine Rede ist dann auch ein bisschen in eine Kraut-und-Rüben-Rede abgeglitten, er hat die Beschaffungskommission erwähnt, die Beschaffungen, die nicht rechtzeitig und nicht ausreichend kommen würden. Das Gegenteil ist der Fall, meine Damen und Herren. Unter Bundesministerin Klaudia Tanner ist die Mission vorwärts des österreichischen Bundesheeres zu einer Mission aufwärts geworden. Wir haben das höchste Verteidigungsbudget in den letzten Jahren. Wir werden das österreichische Bundesheer wieder verteidigungsfähig machen: mit den notwendigen Beschaffungen in der Luft – Raketenabwehr, Drohnenabwehr, auch Nachbeschaffung der Eurofighter, die dringend notwendig ist, die weiteren Leonardo-Jets, die auch notwendig sein werden –, mit den Nachbeschaffungen am Boden – mit Kampfpanzer Leopard, Ulan und so weiter –, den Ertüchtigungen im Cyberraum bis hin zum Weltall; alles das, was uns wieder verteidigungsfähig macht, weil es leider notwendig ist in dieser Zeit, in dieser Welt, in der wir leben. Gerade angesichts dieser geopolitischen und auch sicherheitspolitischen Herausforderungen ist es nicht zweckdienlich, mit derartigen Anfragen das Image des österreichischen Bundesheeres auch nur etwas anzukratzen, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Laimer. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Vorweg möchte ich sagen: Ich bin Rapid-Anhänger und daher persönlich unverdächtig, die Red-Bull-DNA zu haben. Das gehört nicht zu meiner Hausmarke. Gleichzeitig muss aber auch klar festgehalten werden: Übungen sind Übungen, Kollege Stögmüller …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Das ist ein Zufall! Zufällig!

SPÖ Robert Laimer

… und sie sind unverzichtbar für unser Bundesheer.

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Seit wann ist jetzt die SPÖ bei der Promi-Party?

SPÖ Robert Laimer

… Allgemein gesagt: Wer die Sicherheit und den Schutz in unserem Land ernst nimmt, sollte dazu auch stehen, wenn militärisches Gerät öffentlich sichtbar ist, egal bei welcher Veranstaltung.

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Na bitte!

SPÖ Robert Laimer

… Im Juni wurde der Hangar-7 in Salzburg mit einer Flugshow – eine Show, das stimmt – wiedereröffnet, an der auch – ausdrücklich: auch – das Bundesheer teilnahm.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

War es jetzt eine Show oder eine Übung? – Zwischenruf des Abg. Schwarz [Grüne].

SPÖ Robert Laimer

… Dass man Wochen später daraus eine innenpolitische Affäre konstruieren will, ist ein bisschen künstliche Aufregung würde ich sagen. Es klingt mehr nach Aufregung als nach ernst gemeinter Sorge um den Luftraum.

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Könnten die dann bei meiner Geburtstagsfeier auch ...?

SPÖ Robert Laimer

… Was ich allerdings zugebe: Die Optik ist schief, aber kein Flugskandal. Der Eindruck – und das ist das Problematische –, Eurofighter bestellen zu können, ist natürlich problematisch und wird auch von uns als Sozialdemokratie abgelehnt. Aber das Heer fliegt und das Heer macht keine Show. Den Showteil hat nicht das Bundesheer gemacht, sondern Red Bull. Es war ein Trainingsflug, der auch keine Mehrkosten verursacht hat; bleiben wir bei der Wahrheit. Der Flughafen hat bestätigt, dass alles im normalen Bereich lief …

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Eben nicht!

SPÖ Robert Laimer

… es gab keine nennenswerten Verzögerungen, keine Umleitungen und vor allem auch keine Schäden. Von einer Beeinträchtigung des zivilen Luftraumes kann keine Rede sein. Wir – vor allem auch die Grünen – sprechen sehr gerne von europäischer Zusammenarbeit und gemeinsamer Verteidigung. Wie soll Österreich in Europa ein glaubwürdiger Partner sein, wenn schon bei einem genehmigten Trainingseinsatz in Salzburg ein Politskandal inszeniert wird? Daran sollten wir seriöserweise auch denken. Wer auf europäische Kooperationen setzt, muss zuerst die eigenen Hausaufgaben machen, und dazu gehört auch, dass unser Heer auch im Inland trainiert und seine Flugeinheiten absolviert. Ich will auf die positive Seite kommen: Das Bundesheer verdient unseren Respekt und unsere Unterstützung. Wir wollen ein Heer, das trainiert, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Die Übungsflüge des österreichischen Bundesheers anlässlich der Festveranstaltung haben keine Mehrkosten für den Steuerzahler, für die Steuerzahlerin verursacht. Vielmehr hat die Bundesregierung die Airpower in Zeltweg auf Jahre ausgesetzt. Das ist weder dem Land Steiermark noch der Republik leichtgefallen. Es zeigt aber deutlich einen klaren Sparwillen der Regierung auf, und zwar gemeinsam. Es gibt vieles, das brisant und prioritär ist oder wäre, zum Beispiel die Drohnenabwehr als Gebot der Stunde …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Stimmt!

SPÖ Robert Laimer

… ein Übungsflug der Eurofighter anlässlich einer Veranstaltung ist jedenfalls nicht ausreichend geeignet, um konstruktiv Kritik zu üben. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Hoyos-Trauttmansdorff. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Vielleicht einmal ganz kurz vorweg: Natürlich, das will ich gar nicht verhehlen, ist die Optik der ganzen Geschichte sicher nicht elegant …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… und, wie ich glaube, auch nicht besonders schön. Ich glaube aber trotzdem, dass diese Debatte, und das muss man schon klar sagen, mittlerweile der sicherheitspolitischen Lage von ganz Europa nicht gerecht wird. Wenn wir eine sicherheitspolitische Debatte führen, während Putin die Ukraine überfallen hat und dort nach wie vor Krieg herrscht, während tagtäglich Drohnen in europäische Mitgliedsländer, mittlerweile bis nach Warschau geschickt werden, während wir mittlerweile tagtäglich das Eindringen von russischen Fliegern in europäischen Luftraum registrieren, und wir hier dann über die Ohrringe einer Ministerin diskutieren ( Ruf bei den Grünen: Tun wir ja nicht! ), halte ich das der Schwere der Situation, in der wir als Europa uns befinden, für unangemessen und muss das auch ganz klar so sagen. (👏 ÖVP, NEOS) Wie ich gerade ausgeführt habe, haben wir eine Situation – David, du hast es ja im zweiten Teil deiner Rede auch angesprochen –, in der wir politisch sehr viel gemeinsam lösen müssen. Ich glaube, da braucht es aber auch einen gemeinsamen Schulterschluss hier im Parlament. Es braucht ihn insbesondere deshalb, weil viele der Beschaffungen – David, du hast angesprochen: Nachbeschaffung Eurofighter – Beschaffungen sein werden, die aufgrund der budgetären Lage aus dem Regelbudget nicht machbar sind. Wir müssen uns zusammensetzen und gemeinsam schauen, wie wir das hinbekommen, denn es ist die Verantwortung von uns als Parlamentariern dieses Hauses, dafür zu sorgen, dass unser Luftraum gesichert wird. Wir sehen, die Angriffsszenarien haben sich verändert. Wir leben nicht auf einem heilen Planeten und schon gar nicht auf einem heilen Kontinent, wo wir, wie wir das über Jahrzehnte gedacht haben, in Frieden miteinander leben können. Der Aggressor Putin ist bereit und er ist tagtäglich bereit, auszuloten, was geht, und wir brauchen eine massive Aufrüstung, insbesondere was den Luftraum betrifft, um uns verteidigen zu können. Ich weiß, Klubobmann Kickl schaut schon - - …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich frage nur: Wie viele hundert Flugzeuge brauchen wir denn? Wer wird sie bezahlen?

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Wir brauchen auf jeden Fall mehr, als wir momentan haben, Herr Kollege Kickl. Sie können in die von Ihnen oft zitierte Schweiz schauen, die haben wesentlich mehr Abfangjäger als wir. Ich glaube, wir sollten durchaus schauen, dass wir im europäischen Verband unseren Luftraum schützen können.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die nehmen ihre Neutralität noch ernst!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Da sind wir dann bei Ihrem Lieblingsthema – ich freue mich ja so wahnsinnig, dass Sie jetzt hier sind, denn Sie sind ja nie den ganzen Tag hier …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Jetzt bin ich hier!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… nämlich bei Sky Shield. (👏 ÖVP, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, ich muss die Chance jetzt nutzen, um Herrn Kickl Folgendes zu erklären: dass Sky Shield erstens nicht, wie Sie und Ihr Generalsekretär Hafenecker immer wieder behaupten, eine Nato-Initiative ist. Das ist falsch, es ist eine europäische Initiative, die sehr wertvoll ist. Sie behaupten und haben das auch im „Sommergespräch“ wiederholt – leider waren Sie bei meiner letzten Rede diesbezüglich nicht hier –, dass das ganz gefährlich ist, weil wir damit Russland angreifen können. Sie wissen, wie lange die Middle Range ist – und das ist das, was momentan budgetiert ist. Wir können auch gerne über die Long Range reden, auch diese hat nicht die Reichweite. Sie stellen sich vor, wir schießen damit bis nach Russland, bis nach Moskau. Middle Range, Sky Shield: 60 Kilometer. Long Range, Sky Shield: 100 Kilometer.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich weiß nicht, was Sie gesehen haben, aber auf jeden Fall nicht mein „Sommergespräch“!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… O ja, ich habe Ihr „Sommergespräch“ gesehen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Dann können Sie nicht sinnerfassend zuhören!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Die Distanzen haben nichts mit Ihrer Verschwörungstheorie zu Sky Shield und Ihrer Angst, dass wir hier aktiv werden, zu tun. (👏 ÖVP, NEOS) Ich glaube, das sind aber die Investitionen, die wir als Europa brauchen. Wir brauchen einen gemeinsamen Schutzschirm über dem Luftraum, weil der Luftraum gerade militärisch die bedrohte Dimension ist und dementsprechend sollten wir da investieren.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die Drohnen! Gegen die Drohnen hilft es, oder?

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Natürlich, auch dagegen hilft es. Abfangjäger sind momentan das Mittel Nummer eins gegen Drohnen. Das ist übrigens auch in Polen so gewesen, die Drohnen sind dort nämlich von Abfangjägern abgeschossen worden. Dementsprechend ist es sehr wichtig, dass wir uns zusammensetzen, Herr Kollege, und auch darüber diskutieren, wie wir den Eurofighter in Zukunft gemeinsam machen. Ich glaube, wir sollten uns der politischen Realität stellen und die Diskussionen dort führen, wo sie notwendig sind, nämlich wenn es darum geht, unseren Luftraum zu schützen. Das betrifft Nachbeschaffung Eurofighter, das betrifft Sky Shield schnell auch in der Long-Range-Variante auszubauen und genau diese Beschlüsse hier gemeinsam zu fassen. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Tomaselli. – Bitte, Frau Abgeordnete. (Abg. Shetty [NEOS]: Jetzt geht es wahrscheinlich wieder um Ohrringe!)

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe allen Rednern inklusive der Frau Ministerin aufmerksam zugehört, und ich habe irgendwie das Gefühl, dass der Kern der Debatte verloren gegangen ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ja, das hat mit der Begründung begonnen! – Zwischenrufe bei der ÖVP.

GRÜNE Nina Tomaselli

… Worum geht es? – Es geht um eine Privatparty von 1 500 geladenen Gästen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Da musst du selber lachen!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Promis aus der ganzen Welt werden mit Privatjets ein- und ausgeflogen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

... Klimakonferenz!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Die Privatparty ist übrigens so elitär, dass nicht einmal Medien darüber berichten können. Alle Fotos, die es heute gibt, sind mit dem Teleobjektiv durch den Zaun geschossen worden. Warum kommen die Leute hin? – Es gibt eine Flugshow von Red Bull – keine Flugübung des Bundesheeres, eine Flugshow von Red Bull. Weil der Limohersteller auch auf Du und Du mit Altlandeshauptmann Haslauer ist, wird der zivile Flugverkehr am Flughafen Salzburg für eine Stunde gesperrt. Und jetzt kommt es: Die ohnehin laxen Auflagen, die man bei einer Flugshow eben einhalten muss, werden nicht eingehalten. Zum Dank schicken Sie, Frau Ministerin Tanner, als krönenden Abschluss die Eurofighter, die einen Salut vom Verteidigungsministerium bringen. Das geht auf keine Kuhhaut, sage ich Ihnen. (👏) Wenn man Ihnen zuhört – ich habe Ihnen genau zugehört –: Sie haben null Problembewusstsein, ganz im Gegenteil. Wenn man Ihnen zuhört, kriegt man sogar das Gefühl, wir müssten Red Bull so dankbar sein, dass wir ihnen für den Eurofighterauftritt fast noch Geld geben müssten …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Aber Ihnen wird Red Bull dankbar sein für die Werbeeinschaltung!

GRÜNE Nina Tomaselli

… weil man auf einer geschlossenen Promiparty halt auch noch die Volksnähe zeigen kann. Diese Sponsorings – und da geht es nicht nur um Red Bull – von privaten Firmen haben meiner Meinung nach im öffentlichen Bereich und ganz besonders beim österreichischen Bundesheer gar nichts verloren. Wie schaut denn sonst die Soldatin der Zukunft aus? – Jetzt will ich gar nicht von den Red-Bull-Ohrringen reden, aber hat die dann so ein Emblem wie Skifahrer , hier ( auf die linke Schulter zeigend ) Red Bull und da ( auf die rechte Schulter zeigend ) Raiffeisen und Illwerke? Es macht es nicht besser, wenn Sie diese Frage zu den Ohrringen ins Lächerliche ziehen (Bundesministerin Tanner: Unfassbar, ... Feministin ...!) , denn dann haben Sie einfach den Kern des Problems nicht verstanden. Nein! (👏) Überlegen Sie: Die gesamten Skandale der Rüstungskonzerne in den vergangenen Jahren sind doch nur wegen dieser Deals und Gegendeals mit Megakonzernen entstanden, aber das hat ja nicht einmal Grasser zustande gebracht. Wissen Sie, Frau Tanner, woran mich das erinnert? – Die Nachfolge von Herrn Lüssel und Herrn Lasser könnte Frau Lanner werden, wenn ich mir das so anschaue. (👏) Ihnen hat der Rechnungshof – das sagen nicht nur die Grünen – bereits 2016 gesagt, dass diese Kooperation mit Red Bull so nicht geht. (Bundesministerin Tanner: ... unfassbar!) Nur damit die Zuseherinnen und Zuseher sich auch etwas vorstellen können: Da geht es um rund 1 Million Euro, die von Red Bull an das österreichische Bundesheer als Sponsoring fließt. Das Beispiel in Salzburg zeigt ganz deutlich, dass es eben einen Unterschied macht (Bundesministerin Tanner: Schämen Sie sich!) , ob man Sponsoring macht oder nicht. Sie im BMLV können das nicht auseinanderhalten. (Bundesministerin Tanner: Schämen Sie sich!) Sie sind am Sponsoringauge eben nicht blind, ganz im Gegenteil. Vor lauter Augenzwinkern und Partnerschaft mit Red Bull gönnt man sich solch ein Showhighlight und tauft es im Nachhinein Übung. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) Übrig bleibt einmal mehr: Die Reichen in diesem Land können es sich richten. Das ist Gift für die Demokratie. Sie brauchen mir als Abgeordnete dieses Hohen Hauses nicht fünfmal ins Ohr zu sagen, dass ich mich schämen muss. – Herr Präsident, guten Morgen, in Ihrem Fall. – Schämen Sie sich für dieses Verhalten! (👏) Es ist meine Aufgabe als Abgeordnete, so etwas aufzuzeigen. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) Vor lauter richten: Was Sie sich herrichten, das kann ich Ihnen auch sagen, das sieht man ganz genau: Anfragebeantwortungen an das Hohe Haus. Sie können die simpelsten Fragen nicht beantworten. Selbst wenn der Eurofighterüberflug nur ein kurzer Abstecher war, Kosten hat er verursacht, und deshalb können Sie gegenüber dem Parlament auch darlegen, wie hoch diese Kosten sind. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Was mich besonders ärgert: Ich meine, von den NEOS habe ich mir gar nichts anderes erwartet, aber dass jemand von der SPÖ plötzlich rauskommt und sich für die Privilegien von Superreichen starkmacht – so bequem ist es also schon auf der Regierungsbank geworden. (👏) Das waren eigentlich die breiten Schultern, die nach eurer Meinung mehr tragen wollen , und jetzt haltet ihr eine Verteidigungsrede für solch einen Sponsoringskandal. (👏) 16.22

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu dieser Debatte ist niemand mehr zu Wort gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. (Abg. Tomaselli [Grüne]: Sie sollen noch was zur Ministerin zu „schämen“ sagen, ...!) An dieser Stelle: Frau Bundesminister! So sehr ich Emotionen in der Debatte verstehen kann, gilt für alle Mitglieder der Bundesregierung, dass die Abgeordneten hier eine Kontrollfunktion ausüben. Ich ersuche, auch wenn emotional vielleicht verständlich, trotzdem die Contenance zu wahren, die Abgeordneten auch nicht mit Zwischenrufen - - Sie haben sicher eine starke Fraktion, die Sie entsprechend unterstützt, das weiß ich auch. – Danke, Frau Bundesminister. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 4-6, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 16:23

ÖVP Margreth Falkner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Wenden wir uns nach dieser sehr verhaltensoriginellen Diskussion wieder dem Waffengesetz zu. Ich darf zu Beginn meiner Ausführungen einen Abänderungsantrag einbringen. RN/105.1 Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , MA, Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen zum Bericht und Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten (205 der Beilagen) betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Pyrotechnikgesetz 2010 und das Schusswaffenkennzeichnungsgesetz geändert werden Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der dem eingangs bezeichneten Ausschussbericht angeschlossene Gesetzesentwurf wird wie folgt geändert: 1. In Art. 2 (SchKG) wird nach Z 4 folgende Z 4a eingefügt: „4a. § 5 lautet samt Überschrift: ‚Übergangsregelung § 5. Schusswaffen oder wesentliche Bestandteile von Schusswaffen, die noch nicht gemäß § 1 gekennzeichnet und ab dem 14. September 2018 erworben wurden, sind innerhalb von sechs Monaten ab dem gemäß § 62 Abs. 23 WaffG kundzumachenden Zeitpunkt gemäß § 1 zu kennzeichnen.‘“ 2. In Art. 2 (SchKG) wird in Z 5 (§ 9 Abs. 3) die Wendung „§ 1 Abs. 2 sowie § 4 Abs. 1“ durch die Wendung „§ 1 Abs. 2, § 4 Abs. 1 sowie § 5 samt Überschrift“ ersetzt. Ich darf alle sehr herzlich begrüßen und ganz besonders dort oben die Mittelschule Obdach aus der Steiermark. – Schön, dass ihr hier seid! ( Allgemeiner Beifall. ) Ja, Graz hat uns alle erschüttert, und die Wunden werden wohl niemals ganz verheilen. Solche Taten dürfen einfach nicht hingenommen werden. Wir haben gehandelt – schnell, konsequent und verantwortungsvoll. Heute legen wir die größte Reform des Waffengesetzes seit 30 Jahren vor. Ein klares Signal, denn die Sicherheit der Menschen in Österreich hat oberste Priorität. Was bringen wir mit dieser Novelle auf den Weg? – Wir heben das Mindestalter für den Waffenbesitz an, damit unreife Entscheidungen nicht zu lebensgefährlichen Folgen werden – Waffen sind kein Spielzeug. Wir verschärfen die psychologischen Kontrollen – Verlässlichkeit ist keine Formalität, sie wird überprüft: regelmäßig und gründlich. Nur wer wirklich zuverlässig ist, darf eine Waffe besitzen. Wir verlängern die Wartezeit beim Waffenkauf, weil niemand aus einem spontanen Impuls heraus zur Waffe greifen darf. Wir verbessern die Zusammenarbeit der Behörden, damit Informationen nicht in Schubladen verstauben. Sicherheit erlaubt keinen Kompromiss, sie ist unsere Pflicht. Wir beziehen auch Waffenteile und bisherige Grauzonen ins Gesetz mit ein. Damit schließen wir Schlupflöcher und erschweren den illegalen Handel. Meine Damen und Herren! Ich sage ganz klar: Wer gegen diese Gesetzesvorlage stimmt, sagt Nein zu mehr Sicherheit, denn Schusswaffen treffen oft auch im eigenen Zuhause. Jeder Femizid ist ein Mahnmal, deshalb verschärfen wir dieses Gesetz auch zum Schutz der Frauen, und um potenzielle Täter zu entwaffnen. Wir wissen sehr genau, dass wir damit nicht alles verhindern können, aber wir können das Risiko verringern. Mein Dank gilt Innenminister Karner und allen, die über den Sommer mit sehr großem Einsatz an dieser Novelle gearbeitet haben. In nur zwölf Tagen wurden mehr als 460 Stellungnahmen bearbeitet, das ist Teamwork auf höchstem Niveau – vielen herzlichen Dank! (👏 ÖVP, SPÖ) Damit ist es auch möglich, die Interessen derjenigen, die schon seit jeher verantwortungsvoll mit Waffen umgehen – Jäger, Sportschützen, Schützenkompanien –, zu berücksichtigen. So können die Tiroler Schützen ihre Traditionen bewahren und auch weiterhin wertvolle Jugendarbeit leisten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, mit wie viel Herzblut und Engagement sie dieses Brauchtum leben und für die Gemeinschaft einstehen. Diese Gesetzesvorlage schließt niemanden aus, der verantwortungsvoll handelt, aber sie zieht eine klare Grenze, und auch Tradition braucht Verantwortung. Sehr geehrte Damen und Herren! Wir setzen heute ein Zeichen, denn jeder Mensch in Österreich hat ein Recht, in Sicherheit zu leben: in der Schule, am Arbeitsplatz und auch auf den Straßen. Ich frage in Richtung Opposition auf der rechten Seite: Was ist verantwortungsvoller, meine Damen und Herren: Menschen zu schützen oder Schlagzeilen zu produzieren und Ängste zu schüren? Sie reden von Showpolitik, und ich sage Ihnen eines: Wir machen Politik, Sie machen die Show.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Schlechte Politik, leider!

ÖVP Margreth Falkner

… Dieses Gesetz schützt Menschen, dieses Gesetz kann Straftaten verhindern. Dieses Gesetz ist ein gutes Gesetz. – Ich bitte Sie alle: Stimmen wir gemeinsam für mehr Sicherheit und Verantwortung! (👏 ÖVP) 16.29 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/105.2 Pyrotechnikgesetz 2010 und Schusswaffenkennzeichnungsgesetz (AA-26) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der Abänderungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und ausreichend unterstützt, er steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet und schon am Rednerpult ist Frau Abgeordnete Schatz. – Bitte. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Sabine Schatz

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Ja, wir diskutieren und wir beschließen heute die größte Verschärfung des Waffengesetzes, die wir je durchgeführt haben – und ja, es ist ein längst überfälliger Schritt. Der Zugang zu Waffen wird heute extrem eingeschränkt und erschwert, ob es die psychologischen Testungen sind, wiederkehrende Überprüfungen, die Erhöhung des Mindestalters, Einschränkungen bei Waffenkäufen, die vierwöchige Abkühlphase oder die klaren Regelungen für Waffenverbote bei Ermittlungen und natürlich auch bei Verurteilungen. Wir sorgen heute mit dem Beschluss dieser Novelle für mehr Sicherheit, für Sicherheit vor Waffengewalt. (👏 SPÖ) Wir handeln damit ganz klar im Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Eine erst kürzlich präsentierte Umfrage zeigt das ganz klar: Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung wünschen sich diese Verschärfungen des Waffengesetzes, die längst überfällig sind.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mit Umfragen sollten Sie ein bisschen vorsichtig sein!

SPÖ Sabine Schatz

… Und nicht erst seit diesem tragischen Amoklauf in Graz sehen wir hier dringenden Handlungsbedarf. Es ist schon mehrfach auf die tragischen Femizide – letzte Woche waren es zwei Frauen, die mit Schusswaffen ermordet worden sind – hingewiesen worden. Diese reihen sich ja nur ein in eine Reihe von Femiziden in den letzten Jahren, von Frauen, die durch Schusswaffen ermordet worden sind. Seit 2019 sind in Österreich mindestens 40 Frauen mit Schusswaffen ermordet worden, alleine in diesem Jahr sind es fünf Frauen, die mit Schusswaffen getötet worden sind. Da ist dringender Handlungsbedarf sichtbar. Eine Studie zur Untersuchung von Femiziden in Österreich aus dem Jahr 2023 unterstreicht das auch. Diese Entwicklung, dass bei häuslicher Gewalt immer mehr Schusswaffen involviert sind, zeigt diese Studie klar auf, und natürlich sind, wenn Schusswaffen im Spiel sind, tödliche Auswirkungen entsprechend höher. Ja, wir haben 2021 im Sicherheitspolizeigesetz eine Regelung geschaffen, die zu einem Waffenverbot bei einem Annäherungs- und Betretungsverbot geführt hat. Heute gehen wir mit der Novellierung des Waffengesetzes einen Schritt weiter, indem wir hier weiter gehende Maßnahmen setzen. Künftig kann nämlich schon bei Ermittlungen wegen gefährlicher Delikte und Gewaltverbrechen im sozialen Nahbereich – das ist eben auch häusliche Gewalt – ein vorläufiges Waffenverbot verhängt werden, bei Verurteilungen natürlich sowieso. Ich bedanke mich an dieser Stelle auch ganz klar bei allen Gewaltschutzeinrichtungen, die sich da während der Begutachtungsphase mit ihren Stellungnahmen miteingebracht haben – herzlichen Dank. (👏 SPÖ) Wir regeln jetzt auch ganz klar: Bei Ermittlungen – bei Verurteilungen sowieso – nach dem Verbotsgesetz kann es sofort zu einem Waffenverbot kommen. Die Zahlen rechtsextremer Straftaten steigen wieder massiv an, und wir wissen auch von der großen Waffenaffinität in rechtsextremen Kreisen nicht erst seit den letzten Waffenfunden bei Hausdurchsuchungen Anfang September hier in Österreich. Insgesamt zählen wir mehr als 50 Waffenfunde – teilweise riesengroße Mengen an Waffen und Munition – seit 2019 in der rechtsextremen Szene. Das zeigt den Handlungsbedarf auch in diesem Kontext deutlich auf, und ich bin froh, dass wir dem mit dieser Novelle entsprechend begegnen. (👏 ÖVP, SPÖ) Die einzige Partei, die Schusswaffenbesitz und damit Schusswaffengebrauch weiter verharmlost, ist die FPÖ. Sehr geehrte Damen und Herren, das ist ein Schlag ins Gesicht aller Angehörigen der Opfer von Schusswaffengewalt in Österreich. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Angehörigen der Opfer von Graz, indem Sie nicht zustimmen, dass wir hier verhindern, dass es zukünftig zu solchem Waffeneinsatz kommt. Ja, wir werden das nicht auf null minimieren können, aber wir können dazu beitragen, dass Waffengewalt in Österreich massiv eingeschränkt wird.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wir sind die einzige Partei, die Schusswaffen ...!

SPÖ Sabine Schatz

… Wir setzen heute ein Zeichen der Sicherheit für die Menschen, ein Zeichen der Sicherheit vor Waffengewalt. Setzen Sie mit uns gemeinsam diese Novelle um! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete von Künsberg Sarre; eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Herr Präsident! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Ja, die Schule soll ein sicherer Ort sein, ein Ort der Entfaltung, ein Ort der Wertschätzung und ein Ort, an dem man sich sicher fühlt. Dass das nicht auf alle Schulen zutrifft, hat die Tragödie, der Massenmord in Graz gezeigt, und es hat auch gezeigt, dass wir in vielen Bereichen, auch was die Sicherheit und die psychosoziale Stärkung der Schülerinnen und Schüler betrifft, noch besser werden müssen. Schulen benötigen ein gestärktes Netzwerk an Unterstützung durch Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen, und gleichzeitig braucht es auch Programme, um die Qualifizierung der Lehrpersonen zu verbessern, um Krisen vorzubeugen, zu erkennen und um die Resilienz von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Bis 2027 wird es 140 zusätzliche Planstellen für die Schulpsychologie und 65 neue für die Schulsozialarbeit geben. Erstmals wird Sozialarbeit auch an Bundesschulen möglich sein. Beispielsweise wäre das vielleicht auch am Borg in Graz wichtig gewesen. Die Schulworkshops zum Thema mentale Gesundheit – es gibt die neue Initiative „Starke Schule, starke Gesellschaft“ – beinhalten ein umfassendes Präventionsprogramm. Dieses bietet Schulen kostenlose Workshops sowohl im Bereich Mental Health als auch in der Extremismusprävention und stärkt dadurch die Sensibilisierung und Resilienz von Schülerinnen und Schülern und auch Lehrkräften. Es ist das Nachfolgeprogramm vom bisherigen Programm Extremismusprävention macht Schule und ist deutlich erweitert worden. Was jetzt neu kommen wird, ist die verpflichtende Suspendierungsbegleitung. Bis jetzt waren suspendierte Schüler:innen de facto vom Schulbesuch ausgeschlossen und sich selbst überlassen. Das bringt natürlich wenig. Eine verpflichtende Suspendierungsbegleitung setzt nämlich genau hier an. Kinder und Jugendliche werden künftig pädagogisch und psychologisch, psychosozial begleitet. Man schaut gemeinsam auf ihr Verhalten, schaut, was der Kern oder das Problem ist, warum ein Schüler auffällig wird, und versucht, dieses Thema zu lösen. Auch die Erziehungsberechtigten werden künftig eingebunden und müssen eingebunden werden. Ziel ist es natürlich, dass ein Schüler, eine Schülerin wieder in den Schulunterricht zurückkommen kann. Und ich glaube, es ist wichtig, zu betonen: Kein Kind kommt gewalttätig auf die Welt, viele brauchen Halt, viele brauchen einen Gesprächspartner, einen Rahmen oder einfach nur jemanden, der an sie glaubt. Und genau diese verpflichtende Suspendierungsbegleitung wird zumindest einen Beitrag dazu leisten können. (👏 NEOS) Um Schulabbrüche nicht einfach hinnehmen zu müssen, wird es künftig auch eine gezielte Unterstützung in diesem Bereich geben. Wenn ein Schüler die Schule abbrechen möchte, wird es in der Schule Perspektivengespräche geben, um herauszufinden, was das Thema für den Schüler, die Schülerin ist, was die Ursachen für den Schulabbruch sind, ob das Schulklima beispielsweise auch ausschlaggebend gewesen ist, und auch zu reflektieren beziehungsweise zu erfahren, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, wenn man die Schule abbricht. All das wird notwendig sein, um die Zahl solcher Massenmorde in Österreich – wir werden sie nicht ganz verhindern können – zu minimieren. Es ist wichtig, dass Kinder, die belastet sind, Halt finden, einen Ansprechpartner haben, und ich glaube, dass die Programme, die wir jetzt hier aufsetzen oder vergrößern, zumindest einen guten Beitrag leisten. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Zadić. – Ihre eingemeldete Redezeit beträgt 4 Minuten. Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich muss sagen, ja, ich finde es gut, dass wir heute ein strengeres Waffengesetz beschließen, denn das ist ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit in unserem Land. Ja, das vorliegende Gesetz ist auch eine deutliche Verbesserung gegenüber den Ankündigungen im Sommer einerseits, aber auch gegenüber den bereits bestehenden Regelungen. Eigentlich müsste es heißen, es ist eine Verbesserung gegenüber den bisher kaum bestehenden Regelungen. Warum sage ich das? – Ich sage das, weil man in Österreich bisher Waffen genauso leicht wie eine Flasche Schnaps im Supermarkt kaufen konnte. Nicht eine, nicht zwei, sehr, sehr viele Waffen konnte man einfach so in Österreich kaufen. Und ja, wir in Österreich sind leider europaweit trauriges Schlusslicht, was Waffenbesitz und insgesamt die Waffenvielfalt betrifft. Es ist daher allerhöchste Zeit, dass sich da etwas ändert, und das zeigen immer wieder schreckliche Verbrechen. Erst vergangene Woche hat ein Mann seine Frau und die gemeinsame Tochter brutal erschossen. Das waren bereits der elfte und der zwölfte Frauenmord in diesem Jahr. Gegen den Mann bestand ein aufrechtes Waffenverbot; trotzdem konnte er sich illegal eine Schusswaffe besorgen und hat mit dieser Waffe zwei Leben ausgelöscht – zwei Frauenmorde, zwei Femizide. Das zeigt uns einmal mehr: Wir in Österreich haben ein massives Problem mit Gewalt gegen Frauen und ein massives Problem mit Waffengewalt. Solange das so ist, solange wir jeden Monat von diesen schrecklichen Taten lesen müssen, so lange werden wir Grüne nicht aufhören: Wir werden nicht leise sein, wir werden nicht aufhören, Druck zu machen, bis sich endlich Grundlegendes ändert. (👏 SPÖ) So ehrlich muss man sein: Das, was vor dem Sommer angekündigt wurde, war eigentlich nur eine kosmetische Maßnahme, es war gar keine wirksame Verbesserung. Uns war klar, so geht es nicht. Es war nicht nur uns klar, es war sehr, sehr vielen Menschen klar: Wir brauchen echte, wirksame, strengere Regeln, was Waffen betrifft, denn nur strenge Waffenregeln bedeuten auch mehr Sicherheit in unserem Land. Unzählige Menschen, die unsere Sorge teilen und sich Schutz vor Waffen wünschen, haben sich lautstark in die Diskussion eingebracht. Expertinnen und Experten haben Vorschläge geliefert und unsere Forderungen unterstützt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die sich in diesem Sommer lautstark für ein strengeres Waffengesetz eingesetzt haben. (👏) Wir sind aber noch lange nicht dort, wo wir sein wollen. Wir sind noch lange nicht am Ziel und wir werden nicht lockerlassen, bis wir endlich dort sind – es soll niemand eine Waffe besitzen, der keine braucht. Daher braucht es scharfe Kontrollen, ob Waffenverbote auch eingehalten werden. Es braucht eine Wiederholung der psychologischen Tests, solange man eine Waffe besitzt und nicht erst nur fünf Jahre nach dem Kauf, und es braucht gesetzliche Regelungen, wie Waffen verwahrt werden sollen. Wir Grüne haben versprochen, uns konstruktiv und kritisch einzubringen. Genau das tun wir, deswegen liefern wir ständig Vorschläge für Verbesserungen. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, Sie haben jetzt die Chance, diesen Verbesserungen zuzustimmen. Daher bringe ich auch einen Antrag ein: RN/108.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gleiche Regeln für alle – keine Waffen ohne psychologisches Gutachten“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres, wird aufgefordert dem Nationalrat eine Gesetzesnovelle vorzulegen, wonach psychologische Gutachten von allen Waffenbesitzern in Österreich zu verlangen sind. Dies umfasst auch Waffenbesitzer, die schon vor der nunmehrigen Novelle im Besitz ihrer Waffe waren. Auch Jäger:innen dürfen davon nicht ausgenommen werden, sofern nicht landesgesetzlich gleiche oder strengere Regelungen gelten.“ Eines kann ich Ihnen garantieren: Wir Grüne werden jedenfalls nicht stillhalten und uns weiter einbringen, denn es braucht ein wirksames Waffengesetz. – Vielen Dank. (👏) 16.43 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/108.2 gleiche Regeln für alle – keine Waffen ohne psychologisches Gutachten (122/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt und ordnungsgemäß eingebracht, er steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Staatssekretär Leichtfried. – Bitte schön, Herr Staatssekretär.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Für uns als Regierung ist es oberste Priorität, dass wir in Österreich sicher sind. Zu Beginn möchte ich mich ausdrücklich für die Geschwindigkeit bedanken, mit der hier reagiert wurde, denn es ist nicht leicht, ein Gesetz in dieser Kürze auf den Weg zu bringen, und das unter Einbeziehung aller Interessenvertretungen. Bedanken möchte ich mich auch für das offene Ohr gegenüber Rückmeldungen aus der Praxis, insbesondere auch aus den Reihen der Jägerinnen und Jäger. Es ist wichtig, sich bewusstzumachen, wozu das Waffengesetz dient: Es schützt uns vor Missbrauch und Gewalt und schafft zugleich die Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit Waffen. Diesen verantwortungsvollen Umgang leben insbesondere unsere Jäger. Die Ausbildung zum Jäger wird nicht umsonst die grüne Matura genannt. In Besitz dieser Matura sind in Österreich rund 135 000 Personen. Sowohl die Handhabung der Waffe als auch der sichere Umgang damit stehen dabei an oberster Stelle. Dass alle neun Landesjagdverbände und auch die Jagd Österreich in den Gesetzwerdungsprozess eingebunden waren, war mir besonders wichtig. Denn nur die, die Jagd ausüben, wissen, wie Theorie auch in der Praxis umsetzbar ist. Man muss auch ganz klar feststellen: Wir Jäger gehen seit Generationen verantwortungsvoll mit Waffen um, und das Tag für Tag im Revier. Wir besitzen Waffen nicht zum Spaß. Es ist ein notwendiges Werkzeug, damit wir die Jagd waidgerecht ausüben können. Entscheidend für uns ist daher, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen die Jagd praktikabel machen und unsere Arbeit im Revier unterstützen. (👏 ÖVP) Jagd bedeutet Verantwortung für die Natur, Wild und Sicherheit im Revier. Die vorgesehenen Maßnahmen wie die Verlängerung der Abkühlphase beim Erwerb einer Waffe der Kategorie C oder die bessere Datenlage für die Waffenbehörden erhöhen die Sicherheit. Zugleich wird die Jagd nicht unter Generalverdacht gestellt. Dieses Paket schafft einen guten Ausgleich: mehr Sicherheit für alle, ohne die berechtigten Interessen unserer Jagdgemeinschaft zu übergehen. Abschließend darf ich mich noch bei allen Jägern bedanken, die tagtäglich wertvolle Arbeit für unsere Natur und unser Ökosystem leisten. Über eine Million ehrenamtliche Stunden der Hege und Pflege jedes Jahr sind nicht selbstverständlich. – Waidmannsheil! …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Herr. Ihre eingemeldete Redezeit wird mit 4 Minuten eingestellt, wie gewünscht. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrtes Hohes Haus! Wir treffen heute im Wesentlichen folgende Entscheidung: Wen wollen wir schützen? Schützen wir die Schrotflinte unten im Keller oder die Kinder oben im Wohnzimmer, die Schusswaffe in der Lade oder doch die Schulkinder im Klassenzimmer? Wollen wir den Revolver im Waffenschrank schützen oder doch die Frau vor dem gewaltbereiten Ex-Partner? Schützen wir die Waffen oder schützen wir die Menschen?, das ist im Wesentlichen die Frage. Ich glaube, alles, was hier heute gesprochen wurde, können wir darauf reduzieren. Das ist es, worüber wir abstimmen. Sehr geehrte Abgeordnete der FPÖ! Wollen Sie bei dieser Entscheidung wirklich auf der falschen Seite stehen? ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ. ) Es sind doch unsere Nachbarn, unsere Kolleginnen, unsere Familie, die uns fragen: Muss es wirklich so leicht sein, an eine Waffe zu kommen, ohne irgendeine Hürde? Muss es? Ernsthafte Argumente haben Sie keine. Sie sagen, das Problem sind ja nur die illegalen Waffen und nicht die legalen Waffen. – Haben Sie den Attentäter von Graz schon vergessen, der ganz legal eine Waffe besessen hat, nämlich eine Schrotflinte, die bisher jeder Achtzehnjährige einfach so erwerben konnte? Das kann es doch nicht sein! Es ist absolut notwendig, dass wir das jetzt ändern und so etwas in Zukunft nicht mehr geht! (👏 ÖVP, SPÖ) Haben Sie die vielen Morde an Frauen vergessen? Alleine in den letzten fünf Jahren sind über 40 Frauen mit Schusswaffen ermordet worden, viele davon mit illegalen Waffen, das stimmt, aber viele auch mit legal erworbenen Waffen …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Zwei Drittel mit legalen Waffen!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… zwei Drittel mit legalen Waffen. Und wissen Sie, wir differenzieren da nicht. Gegen beides müssen wir doch vorgehen! Und genau diese Gesetzesnovelle wird natürlich auch den illegalen Waffenbesitz deutlich reduzieren, weil endlich auch der private Waffenverkauf reguliert wird. ( Abg. Leinfellner [FPÖ] – erheitert –: Das ist ja jetzt ein ...! Gute Nacht! ) Sie lachen, okay. Sie lachen. Gut, passt schon. Na gehen wir weiter durch, was Sie sagen, weil es so lustig ist . Sie sagen, Sie stimmen nicht zu, denn beim Attentat in Graz gab es ja eigentlich einen anderen Grund. Sie sagen nämlich, der Attentäter wurde ja schon zuvor bei der Stellung beim Bundesheer auffällig. Da hat man eigentlich schon gemerkt, der ist da nicht zurechnungsfähig, dem wurde keine Waffe ausgeteilt. Und doch durfte er dann trotzdem später eine kaufen. Und wissen Sie, Sie haben ja recht: Es ist ungeheuerlich, was da passiert ist! Nur der Punkt ist: Genau das ändern wir ja mit dem jetzigen Gesetz! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sie sagen – Moment, aufpassen! –, Sie sind dagegen, dass es einen besseren Datenaustausch gibt, was Waffenkäufe betrifft, weil Sie für einen besseren Datenaustausch sind, was Waffenkäufe betrifft. Sie argumentieren dagegen mit einem Argument, das dafür ist. Sie argumentieren gegen sich selbst! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das ist leider so.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Hättest du unseren Antrag gelesen, hättest du das jetzt nicht so ...!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Genau Sie waren das, Herr Kollege Darmann, der da gerade gegen sich selbst argumentiert hat. Vielleicht hören Sie sich Ihre Rede noch einmal an und erkennen da: Ups, das Gegenargument spricht je eigentlich dafür. Das ist vollkommen absurd.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Lies den Antrag von uns!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Also rational ist Ihr Verhalten nicht erklärbar. Deshalb stelle ich mir ernsthaft die Frage: Haben Sie da ein Sponsoring von irgendeiner Waffenlobby? Ist es Glock? Werden Ihnen Geldbeträge überwiesen? Man weiß es ja nicht. ( Ruf bei der FPÖ: Jetzt reicht’s einmal, ja?! ) Rational ist das nicht. Oder schützen Sie doch noch immer die bekannten Leute aus dem rechtsextremen Milieu? Alleine heuer gab es sieben Fälle, bei sieben verschiedenen rechtsextremen Vereinigungen wurden Waffen gefunden. In den letzten fünf Jahren gab es 60 Funde von Waffen in den Händen von extremistischen Gruppen, die sich offensichtlich bewaffnen wollen, gezielt. Da geht es um Schusswaffen im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro. Rechtsextreme in Österreich sitzen auf Waffenbergen! Da geht es um Waffen, Sprengstoff, Granaten und Maschinengewehre. Erst in diesem Monat wurden bei einem bekannten Neonazi Waffen gefunden. Und was sagt die FPÖ dazu? ( Ruf bei der ÖVP: Nix! ) – Nichts! Erinnern wir uns an die letzte Aussage des Parteichefs Kickl zu dieser Bedrohung durch gewaltbereite extremistische Gruppen mitten in unserem Land! – Herr Kickl! Können Sie sich noch an Ihre Aussage erinnern? …

FPÖ Kickl spricht mit Abg. Schnedlitz. ) – Ah (Zwischenruf)

Ja eh! Das ist alles ...!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Sie haben keine einzige Aussage dazu getätigt, dass sich mitten in unserem Land extremistische Gruppen Waffen besorgen und sich zu Hause damit eindecken.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Meinen Sie die Antifa?

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Nennen Sie sich nicht Sicherheitspartei, wenn Sie auf diesem Auge dermaßen blind sind! Das ist wirklich gefährlich.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Meinen Sie die Antifa ...?

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Wotschke. – Ihre eingemeldete Redezeit beträgt wunschgemäß 3 Minuten.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es ist bemerkenswert, dass zu diesem für die FPÖ, wie ihr immer sagt, sehr wichtigen Thema nur die Kollegen Hafenecker, Darmann und Reifenberger sprechen. Sonst gibt sich niemand für diese Position her …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Es wäre gescheiter, bei euch reden auch weniger!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… weil sie ja reichlich absurd ist. Fakt ist, und das sehen nicht nur wir in der Regierung so, das sehen 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher so, dass die Ereignisse in Graz, dass der Amoklauf in der Dreierschützengasse – es ist wirklich nicht der Moment für Zwischenrufe – Lücken aufgezeigt hat, nämlich Lücken nicht nur im Datenaustausch zwischen Behörden, Lücken auch bei der Sicherstellung der psychologischen Eignung von Waffenträger:innen, Lücken im Gesetz, durch die es möglich war, Flinten, Büchsengewehre ohne psychologischen Test zu erwerben, Lücken, durch die es möglich war, solche Waffen unter 21 zu erwerben. Wir schließen diese Lücken nun, aber die FPÖ unter Herbert Kickl stimmt dagegen – weil es von der Bundesregierung kommt, also müssen sie dagegen sein, aus Prinzip.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Lieferts einmal was Vernünftiges, dann können wir drüber reden!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Die Argumente sind flach. Fakt ist auch, dass wir hier einen sehr, sehr schnellen, aber ordentlichen Prozess gemacht haben . Die Stellungnahmen, die umfassend waren, wurden eingearbeitet, und auch von Ihnen, von der FPÖ, wurden Anmerkungen aus der letzten Sitzung des Innenausschusses noch eingearbeitet. Da kam von Ihnen, Herr Kollege Reifenberger, das Argument, dass auch die Miliz mitbedacht werden muss. Genau das passiert! Genau auf diese Änderung gehen wir ein. Und es gibt auch ausgewogene Ausnahmen für Jäger und Jägerinnen, für Sportschützen. Aber dennoch: Es ist von der Bundesregierung, also ist Herbert Kickls FPÖ dagegen, denn was von der Bundesregierung kommt, das ist ja mal sicher schlecht. Dann sieht man aber, wenn man in andere Länder mit FPÖ-Regierungsbeteiligung schaut - - …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ist das ein Redewettbewerb? – Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ.

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie finden das jetzt lustig, aber wissen Sie, wer das nicht so lustig findet? – Ihr Kollege Mario Kunasek, der eine, der in Verantwortung ist und der sich auch zu diesem Waffengesetz geäußert hat, der ganz klar sagt: Er hat mit der Altersverschärfung kein Problem, er hat kein Problem mit den Änderungen im psychologischen Bereich, und es muss auch weiterhin möglich sein, legale Waffen zu besitzen. Im Endeffekt würde Mario Kunasek diesem Gesetz zustimmen. ( Ruf bei der FPÖ: Das hat er nicht gesagt! ) Der Unterschied zwischen ihm und Ihnen ist, dass er in Verantwortung ist und Sie hier sich in der Opposition in Verantwortungslosigkeit suhlen.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wenn ihr so super wärt, dann müsstet ihr über den Mario Kunasek keine Geschichten erfinden, um euch zu rechtfertigen, oder?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Übernehmen Sie doch einmal Verantwortung! Tun Sie einmal was fürs Land! ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Herr Kickl, Sie sitzen da, süffisant lachend, aber ganz im Ernst: Beziehen Sie doch Stellung! Sagen Sie den Österreicher:innen, was Sie für ihre Sicherheit tun, wenn es um Waffenbesitz geht! Denn der Anlassfall in Graz hat uns schmerzlich vorgeführt, was passiert, wenn Lücken nicht geschlossen werden.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Was machen Sie denn, wenn wieder was passiert? Treten dann alle zurück?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Wir nehmen diese Verantwortung wahr und schließen jetzt die Lücken. Diese Verantwortung, die sollten wir alle hier tragen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Meri Disoski. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Stellen Sie sich ein Klassenzimmer im Frühsommer vor. Eine Lehrerin schreibt etwas an die Tafel, die Schülerinnen und Schüler stecken sich unter den Bänken Zettelchen zu, sie kichern, die Sonne scheint durchs Fenster. Und in wenigen Augenblicken ist davon nichts mehr übrig, nichts – zehn Menschen, zehn ausgelöschte Leben, zehn Familien, deren Welt in Scherben liegt. Das sind keine abstrakten Zahlen, das sind keine Statistiken, das war Graz. Das war der 10. Juni. Das war ein schockierender Massenmord, der unsere Gesellschaft erschüttert und eine Stadt traumatisiert hat. Dieser Tag war die bislang sichtbarste Wunde in einer viel größeren Blutspur in unserem Land, denn Graz ist kein Einzelfall. Gewaltschutzexpertinnen, Gewaltschutzexperten warnen seit Jahren und weisen darauf hin, dass die Zahl der mit legalen oder illegalen Schusswaffen verübten Frauenmorde steigt. Es waren in den letzten fünf Jahren 40 Frauen; 40 Frauen, die in den letzten fünf Jahren erschossen worden sind. Eine Studie aus dem Jahr 2023 belegt das und zeigt: Wir haben ein wachsendes Problem mit Schusswaffengewalt in unserem Land. Und die Studie zeigt auch: Viele der Täter waren vorher auffällig. Wir Grüne kämpfen deshalb seit Jahren, seit über 20 Jahren, für schärfere Waffengesetze. Wir haben hier im Haus Anfragen gestellt, wir haben Anträge gestellt, wir haben Diskussionen geführt. Wir haben appelliert und gefordert: Machen wir etwas! Verschärfen wir das Waffengesetz! Wir als Grüne haben in der letzten Gesetzgebungsperiode mühsam, wirklich mühsamst der ÖVP Verbesserungen abgerungen. Die Maßnahmen, die heute hier beschlossen werden, waren vorher aber nicht möglich – und jetzt sind sie möglich. Jetzt ist das, was jahrelang gefordert worden ist, möglich, nicht aus Einsicht, sondern aus Zwang, weil all die Frauenmorde, die Warnungen, die Studien, die Beweise nicht gereicht haben. Erst der Massenmord in Graz, erst zehn Tote, dann beginnt das Umdenken. Was das über den Wert von Frauenleben aussagt, macht mich als Frau und als grüne Frauensprecherin wütend. Und ja, diese Wut ist feministisch! (👏) Es ist die Wut über ein System, das jahrelang zugesehen hat, die Augen verschlossen hat, die Ohren verschlossen hat, nicht hören, nicht sehen wollte, während Frauen erschossen worden sind. Das ist meine persönliche Wut über Politiker, die mit Ausreden wie: Es ist zu kompliziert!, oder: Ich bin nicht zuständig!, vertröstet haben. Das ist meine Wut über all jene, die hier sitzen und meinen, die Entwaffnung von Tätern sei ein Merkmal totalitärer Regime, während unsere Kinder, unsere Freundinnen und Mütter erschossen werden. (👏 SPÖ) Ja, das Gesetz, das heute beschlossen wird, ist ein längst überfälliger Schritt. Viele Vorschläge, die wir in den vergangenen Jahren gemacht haben, sind übernommen worden. Der Druck, den wir Grüne hier gemeinsam mit Hunderttausenden Menschen aus der Zivilgesellschaft aufgebaut haben, mit wichtigen Stakeholderinnen, Stakeholdern persönlich – da möchte ich die Gewaltschutzzentren hervorheben –, hat gewirkt. Das ist gut. Danke für euer Engagement, für Ihr Engagement! Aber ich sage auch: Dieses Gesetz bleibt voller Hintertüren. Die Ausnahmen werden zur Regel, zum Beispiel auch bei der waffenrechtlichen Verlässlichkeitsprüfung. Und um diese Lücken zu schließen, bringe ich folgenden Antrag ein und ersuche die Regierungsparteien um breite Zustimmung dazu: RN/113.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „keine Schusswaffen in Händen von gewaltbereiten Personen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat einen Gesetzesentwurf vorzulegen, mit dem im Waffengesetz (WaffG) eine regelmäßige, psychologische Überprüfung festgelegt wird, die auch eine verpflichtende Gefahrenüberprüfung darstellt. Neben der Gefahreneinschätzung einer gewalttätigen oder missbräuchlichen Nutzung von Schusswaffen muss insbesondere auf Muster von Aggression, Impulsverhalten und Gewaltbereitschaft sowie bekannte Risikofaktoren für häusliche Gewalt abgestellt werden.“ Also ja, dieses Gesetz ist ein Schritt, aber es ist meilenweit davon entfernt, mutig zu sein, auch das möchte ich betonen. Mutig wäre es gewesen, den Waffenbesitz für Privatpersonen zur absoluten Ausnahme zu machen. Das wäre mutig gewesen, denn wir wissen: Je weniger Schusswaffen in Nachtkastln oder unter dem Kopfkissen unseres Landes schlummern, desto besser ist es, desto sicherer ist es.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Im Nachtkastl?! ... Im Nachtkastl darf man sie aber nicht haben, Frau Kollegin!

GRÜNE Meri Disoski

… Schusswaffen haben in einem Zuhause einfach nichts verloren. Sie haben dort nichts verloren, aber die Bundesregierung ist nicht mutig, sie bleibt auf halbem Weg stehen. Sie spricht darüber, wie Waffenbesitz besser organisiert werden kann. Die Bevölkerung ist schon längst weiter. Über 70 Prozent wollen ein Schusswaffenverbot im privaten Bereich, übrigens auch Ihre Wählerinnen und Wähler, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ. Ich verspreche Ihnen, wir Grüne werden nicht aufhören, wir werden weiterhin Druck machen, bis das Recht auf Waffen tatsächlich nicht mehr mehr gilt als das Recht auf ein sicheres Leben. (👏) 17.07 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/113.2 keine Schusswaffen in Händen von gewaltbereiten Personen (123/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Abgeordneten Disoski eingebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Melanie Erasim . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Heute ist nicht nur ein guter Tag für die Sicherheit in Österreich, heute ist sogar ein sehr guter Tag für die Sicherheit Österreichs. Die Kernpunkte dieses neuen, dieses modernen und dieses auch sehr mutigen Waffengesetzes möchte ich kurz zusammenfassen: die Erhöhung des Mindestalters bei Schrotflinten von 18 auf 22 Jahre; die Erhöhung des Mindestalters bei Waffen der Kategorie B, bei Pistolen und Revolvern, von 21 auf 25 Jahre; die strengeren psychologischen Testungen, die auch im Nachgang erfolgen werden, von all jenen, die in den letzten Wochen und Monaten Waffen erstanden haben. Die Abkühlphase werden wir von drei Tagen auf vier Wochen erhöhen. Es kommt zu einer Neuevaluierung der Waffenkategorisierungen und zu der so oft geforderten besseren Zusammenarbeit der Behörden, bei der zum Beispiel auch die Stellungsgutachten herangezogen werden können. Und ganz wichtig ist auch das Waffenverbot bei häuslicher Gewalt. Das alles sind Punkte, gegen die man und gegen die frau normalerweise nichts haben könnte. Und ja, FPÖ: Selbst Ihre eigene Wählerschaft versteht, das habe ich in vielen Gesprächen, die ich in den letzten Tagen und Wochen geführt habe, gehört, Ihre Ablehnung nicht. Doch ich muss Ihnen an dieser Stelle sagen, ich bin darüber nicht verwundert, denn Ihre Geisteshaltung, Ihr Abstimmungsverhalten und Ihr Diskussionsverhalten, auch im Ausschuss und nicht nur hier am Rednerpult, zeigen einmal mehr, welch Geistes Kind Sie sind. Das Einzige, das mich interessieren würde, ist, wie viele Millionen an Sie oder irgendwelche Parteien, an Stiftungen fließen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Seien Sie ein bisschen vorsichtig!

SPÖ Melanie Erasim

… damit Sie hier wirklich als das Sprachrohr der Waffenlobby auftreten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unglaublich! Das ist unglaublich! Unglaublich! – Zwischenruf des Abg. Mölzer [FPÖ].

SPÖ Melanie Erasim

… Also ich finde das wirklich schäbig, was Sie hier tun.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sagen Sie das draußen auch noch einmal, dann können wir gegen Sie vorgehen! Sind Sie so mutig? – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Melanie Erasim

… Denn wenn Sie sich mit der Wahrheit, wenn Sie sich ernsthaft mit der Wahrheit über die Auswirkungen von strengeren Waffengesetzen auseinandersetzen würden, müssten Sie sich schämen. In den Neunzigerjahren wurde dieses Waffengesetz letztmalig enorm verschärft. Ergebnis dessen: Die Mord- und die Selbstmordraten sind daraufhin deutlich gesunken, besonders im privaten Bereich. Das heißt, die heutige Gesetzesänderung bedeutet mehr Schutz für Frauen, Kinder und viele andere. Ein besonders makabres Schmankerl aus den Ausschussberatungen ist, dass Herr Darmann Österreich mit Mexiko verglichen hat, also das ist wirklich ein absoluter Witz. In Mexiko tobt ein Mafia- und Drogenkrieg, und dass die Waffen von paramilitärischen Kartellen nicht beim registrierten Waffenshop an der Ecke erworben werden, liegt wohl auf der Hand. (👏 SPÖ) Ursache dieses Drogenkrieges ist Korruption, viel Korruption der ehemaligen Eliten in Mexiko, Korruption der Polizei. Und genau das werfen Sie mit Ihrer Argumentation indirekt unseren Exekutivbeamten vor …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

So ein Schmarrn!

SPÖ Melanie Erasim

… da stelle ich mich schützend vor unsere Polizistinnen und Polizisten. Ich habe Vertrauen - - …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die werden eine Freude haben! – Abg. Kickl [FPÖ]: Da werden sie sich freuen! Stellen Sie sich sonst auch schützend vor die Polizisten, die ihren Kopf hinhalten für Ihre Zuwanderungspolitik? Ist ja wohl wahr!

SPÖ Melanie Erasim

… Sie haben als Innenminister gar nichts weitergekriegt, außer ein paar Pferderl zu bestellen. Das ist alles, was von Ihrer Ära übrig bleiben wird. (👏 SPÖ, NEOS) Jede seriöse Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen strengeren Waffengesetzen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie stellen sich schützend vor die Antifa mitsamt Ihrer Justizministerin!

SPÖ Melanie Erasim

… und sinkenden Mord- sowie auch Selbstmordraten. Das ist an sich gar nicht schwer zu verstehen – die FPÖ-Fraktion im Bund tut es halt nicht. Müssen wir etwas gegen illegale Waffen tun? – Ja. Wird etwas getan? – Ja.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was denn? Was machen Sie für ...? – Zwischenruf des Abg. Reifenberger [FPÖ].

SPÖ Melanie Erasim

… Entbindet uns diese Tatsache von der Verpflichtung, alles zu tun, um die Bevölkerung mit guten Gesetzen zu schützen? – Nein, ganz im Gegenteil. Deshalb sage ich ein Dankeschön an alle konstruktiven Kräfte, die hier ihre Verantwortung ernst nehmen, denn das Recht, eine Waffe zu besitzen, ist vor allem eine Verpflichtung – eine Verpflichtung, in höchstem Maße verantwortungsvoll damit umzugehen. Danke an alle, die das tun! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Markus Leinfellner . – Ich stelle die Uhr auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Markus Leinfellner

Danke, Herr Präsident! Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Nach so viel heißer Luft – um keinen Ordnungsruf zu bekommen – ist es wirklich schwierig, diese Diskussion wieder auf die sachliche Ebene zurückzuführen. ( Heiterkeit bei Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und NEOS. ) Ich glaube, die Fachkompetenz der Abgeordneten Erasim hat ja jeder in ihrem ersten Satz bereits gehört, wir heben nämlich das Alter in Bezug auf Schrotflinten nicht von 18 auf 22 …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

21!

FPÖ Markus Leinfellner

… sondern von 18 auf 21. – 22 hast du gesagt, du kannst es im Anschluss ja gerne nachhören.

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Wer sich nicht verspricht, werfe den ersten Stein!

FPÖ Markus Leinfellner

… Um wieder auf die sachliche Ebene und auch die inhaltliche Ebene zurückzukommen: Auch unser Landeshauptmann Kunasek wurde hier sehr, sehr oft erwähnt und seine Aussage auch strapaziert, allerdings so weit gedehnt und strapaziert, dass es schlicht und ergreifend nicht mehr der Wahrheit entspricht. Was hat unser Landeshauptmann Kunasek also zu diesem Waffengesetz gesagt? Sie haben gesagt, er vertritt dieselbe Linie wie diese Bundesregierung. – In Wahrheit hat er gesagt, es braucht psychologische Verschärfungen. Und ja, es braucht psychologische Verschärfungen, das sagen auch wir.

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Seit wann? Wann habts das gesagt?

FPÖ Markus Leinfellner

… Es braucht nämlich insofern Verschärfungen, als es die Zusammenarbeit zwischen der Stellungskommission und den Waffenbehörden braucht. (👏 FPÖ) Diese psychologischen Verschärfungen müssten aber in Wahrheit noch viel, viel weiter gehen. Es braucht auch andere Zusammenarbeit in Bezug auf die psychologischen Gutachten. Wenn jemand psychologisch untauglich ist, seinen Dienst an der Waffe zu versehen, seinen Dienst fürs Vaterland zu versehen, dann muss man sich schon auch ehrlich und ernsthaft die Frage stellen, ob diese Person dazu geeignet ist, ein Fahrzeug zu lenken. Ich glaube, wir brauchen nur in die Zeitungen der letzten Jahre zu schauen, um zu erkennen, wie oft Fahrzeuge als Waffen benutzt wurden. Auch diese Diskussion muss man in diesem Haus ehrlich führen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Da braucht es auch eine Zusammenarbeit. Es braucht da von den Führerscheinbehörden, von den Waffenbehörden einen zweiten Blick, einen dritten Blick, einen vierten Blick, um zu sagen: Ja, diese Person ist verlässlich, diese Person kann ein Fahrzeug lenken, oder diese Person ist verlässlich, diese Person kann eine Waffe besitzen! – Nichts in diese Richtung hat man gemacht, das Einzige, was Sie gemacht haben, ist die Zusammenarbeit – Gott sei Dank – mit der Stellungskommission, mit dem Bundesheer. In diesem Punkt hätten Sie auch unsere Zustimmung. Über den Informationsaustausch, den Datenaustausch hat Kollege Linder, glaube ich, schon sehr, sehr ausführlich gesprochen. Das können Sie uns in keiner Art und Weise erklären. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn Sie dieses Land wirklich sicherer machen wollen, dann braucht es ein absolutes Waffenverbot, ein absolutes Waffenverbot für Drittstaatsangehörige, das würde dieses Land um Meilen sicherer machen. Es braucht konkrete Konzepte, um den illegalen Waffenhandel zu unterbinden. Ich glaube, Kollege Köllner war es, der in der Eingangsphase gesagt hat, dass wir so viele Waffenbesitzer haben. – Meine sehr geehrten Damen und Herren! In Österreich kommen 16,9 Waffen auf 100 Einwohner. In Deutschland sind es 19,4 Waffen auf 100 Einwohner, in Finnland 32,4 Waffen und in Amerika 120,5 Waffen auf 100 Einwohner. Ich glaube, wir haben ein sehr, sehr scharfes Waffenrecht und Österreich ist nicht überflutet mit Waffen. Unsere legalen Waffenbesitzer, unsere vernünftigen, rechtschaffenen Österreicher …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Deine vernünftigen Rechtsradikalen ...!

FPÖ Markus Leinfellner

… hier mit dieser Gesetzgebung zu kriminalisieren, ist schlicht und ergreifend der falsche Ansatz. (👏 FPÖ) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich darf Ihnen noch etwas zu diesem Gesetz sagen – Kategorie-C-Waffen mit 21, Kategorie-B-Waffen, sprich halbautomatische Waffen und Pistolen, mit 25 –: Wenn ich mit 17 Jahren zum Bundesheer einrücke, kann ich mit 18 Jahren bereits einen Panzer fahren, ÜSMG schießen und sagen: Ich kann dieses Land verteidigen! – Eine Kategorie-B-Waffe, eine Pistole, kann ich mir dann mit 25 kaufen. Noch etwas zu diesem Waffengesetz, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich habe es im Ausschuss bereits angesprochen: Wenn jemand einen Waffenpass besitzt und seit vielen, vielen Jahren zwei Waffen, zwei Pistolen führen darf und jetzt von seinen Großeltern, von irgendwoher eine Waffe vererbt bekommt und dafür eine Waffenbesitzkarte beantragt, dann ist es nach diesem Gesetz eine Erstausstellung einer Waffenbesitzkarte. Er muss zum Psychologen gehen, ist in einem fünfjährigen Beobachtungszeitraum drinnen, geht nach fünf Jahren abermals zum Psychologen, um sich eine dritte Waffe in den Kasten legen zu dürfen – obwohl er seit 20 Jahren in Österreich eine Waffe führen darf. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dieses Gesetz ist ein Husch-Pfusch. Ich würde sagen: zurück an den Start bei einigen Punkten! – Bei den psychologischen Verschärfungen, insbesondere beim Datenaustausch mit der Stellungskommission, da haben Sie uns abgeholt. Bei den restlichen Punkten gilt: husch, pfusch – wie nahezu alles von dieser Bundesregierung! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Klubobmann Yannick Shetty zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Abgeordneter Leinfellner hat wie schon so oft hier am Rednerpult etwas Falsches gesagt, nämlich dass Herr Landeshauptmann Kunasek nur strengere psychologische Tests gefordert hätte. – Das ist falsch, weil unvollständig. Ich berichtige tatsächlich: Das richtige Zitat des Herrn Landeshauptmanns lautet – er sagte –: „bei Verschärfungen im psychologischen Bereich“ habe ich „wirklich kein“ Thema, und: „Mit einer Altersverschärfung für gewisse Bereiche habe ich kein Problem.“ – Das ist mehr als das, was Sie wollen. Sie sollten endlich ehrlich sagen, was Ihr Problem mit diesem Gesetzesvorhaben der Regierung ist! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es ist heute schon gesagt worden: Seit Jahren haben wir Grüne uns schon dafür eingesetzt und darauf hingewiesen, dass das Waffenrecht in Österreich nicht ausreichend ist, um die Sicherheit der Menschen hier zu gewährleisten. Aber erst jetzt, nach Jahren, nachdem Hunderte Frauen und auch Männer durch Schusswaffen getötet wurden, nachdem zuletzt neun Schülerinnen und Schüler und eine Lehrerin durch Schusswaffen ihr Leben verloren haben, ist es auch der ÖVP gedämmert, dass man da etwas tun muss. Da kam zuerst ein halbherziger Vorschlag, und erst jetzt gibt es durch den Druck, den wir über den ganzen Sommer hin aufgebaut haben ( Heiterkeit des Abg. Gödl [ÖVP] ) und den Hunderttausende Menschen mit uns aufgebaut haben, die Petitionen unterschrieben haben, die Ihnen geschrieben haben, die Stellungnahmen abgegeben haben, Expertinnen und Experten, die gesagt haben, dass das nicht ausreicht, einen Vorschlag, den man tatsächlich als ersten Schritt in eine richtige Richtung bezeichnen kann. Es ist ein erster Schritt, wir sind aber noch lange nicht am Ende des Weges angekommen. Was fehlt? – Wir brauchen regelmäßige psychologische Tests. Lebensumstände ändern sich, Gesundheitszustände ändern sich, und deshalb ist es notwendig, diese Überprüfungen regelmäßig durchzuführen – und zwar für alle, vollkommen unabhängig davon, welches Hobby jemand hat. Und wir brauchen klare Regelungen für eine sichere Verwahrung. Wenn man sich dafür entscheidet, dass Privatpersonen Schusswaffen zu Hause haben dürfen, dann muss man auch dafür sorgen, dass es klare Regelungen gibt, wie diese zu verwahren sind. Es kann nicht sein, dass man diese Waffen im Nachtkastl, unter dem Kopfpolster oder im Handschuhfach hat. Man braucht wirksame Kontrolle, denn sonst ist das alles nur eine schöne Überschrift: Kontrolle bei der Verwahrung und Kontrolle von Waffenverboten, denn wenn man das nicht macht, ist es nicht zu Ende gedacht, ist es nicht zu Ende gegangen. Das ist, wie wenn man ein Tempolimit beschließt und dann sagt: Es werden sich schon alle daran halten, Radarkastl brauchen wir keines! Vor allem müssen wir etwas gegen die illegalen Waffen tun, denn die sind zwangsläufig in den falschen Händen: Die sind in Händen von Männern, die Gewalt gegen ihre Frauen ausüben, die sind in Händen von Rechtsextremen, die sind in Händen der organisierten Kriminalität. Aber da tut die Regierung gar nichts – und das, obwohl es durch die vielen Übergangsbestimmungen vorprogrammiert ist, dass die Zahl der illegalen Waffen zunimmt. Es gibt keine Daten, es gibt kein Rücknahmeprogramm, es gibt keinen Plan und es gibt keinen Mut. Wir müssen dafür sorgen, dass illegale Waffen aus den Kellern und aus den Nachtkastln verschwinden, und deshalb möchte ich einen Antrag einbringen, nämlich folgenden Entschließungsantrag: RN/117.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Sicherheit erhöhen – unkomplizierte Rückgabe illegaler Waffen ermöglichen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres, wird aufgefordert ein bundesweites, gezieltes Rückgabeprogramm für illegale Waffen einzurichten. Es benötigt gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Anreize zur Rückgabe, um den illegalen Waffenbesitz nachhaltig zu reduzieren.“ Wir brauchen solche Programme. Wir brauchen sie, damit die Waffen aus den Kellern verschwinden, damit die Waffen unter den Kopfpolstern verschwinden, damit die Waffen als Drohung verschwinden und als Gefahrenquelle verschwinden, und damit sie auch diejenigen zurückgeben können, die sich vor den Besitzern dieser Waffen und vor den Waffen fürchten. (👏) Dieses Gesetz ist ein erster Schritt – es ist ein wichtiger und richtiger Schritt –, aber es ist ein Schritt. Wir sind noch nicht am Ende des Weges angelangt. Es muss uns gelingen, dass wir ein Land schaffen, in dem die Menschen wirklich sicher sein können, ein Land, in dem sie sicher sind und sich sicher fühlen, und ein Land, ein Österreich, in dem es Freiheit von Waffen gibt und nicht Freiheit für Waffen. – Danke. (👏) 17.23 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/117.2 Sicherheit erhöhen – unkomplizierte Rückgabe illegaler Waffen ermöglichen (124/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Abgeordneten Prammer verlesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Philip Kucher . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Klubobmann.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Regierungsmitglieder! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Das ist zugegeben keine ganz einfache Debatte für mich, und irgendwie enttäuscht es mich, dass das jetzt auch so emotional abgelaufen ist und in ein klassisches parteipolitisches Hickhack ausgeartet ist, und ich möchte offen auch in dieser Runde sagen: Herr Präsident Rosenkranz, ich bin vielleicht nicht bekannt als jemand, der Sie sozusagen groß lobt, aber Sie haben nach dem Massaker in Graz hier in diesem Saal eine Rede gehalten, und ich habe oft an Ihre Worte denken müssen. Das ist mir persönlich auch nahegegangen. Sie haben von den Stimmen der Familien gesprochen, der Jugend, von Elternvertretern und vielen, vielen Menschen im Land, die zu Recht auch mit klaren Forderungen an uns herantreten und die von uns erwarten, dass wir in Zukunft ein derartiges Unglück verhindern. Und dann haben Sie gesagt, dass wir alle miteinander dieser Verantwortung gerecht werden müssen. Ich habe dann oft an Sie gedacht, nämlich an den Satz, als Sie gesagt haben, man soll nicht nur zum stillen Gedenken aufstehen, sondern dass wir alle uns dieser Verantwortung auch bewusst sind und uns auch selber in den Spiegel schauen können – so habe ich das für mich selbst gedeutet. Die Kollegen aus den Regierungsfraktionen können es bezeugen: Wir haben sehr, sehr lange auch miteinander dafür gekämpft, dass es Verschärfungen gibt, aber dieses Nachdenken, dieses Sich-selbst-in-den-Spiegel-schauen-Können, das war mir in der Frage ganz, ganz wichtig. Ich war beim ersten Ministerratsvortrag, das sage ich offen, nicht ganz zufrieden. Ich bin heute froh über das, was miteinander gelungen ist, weil wir nicht jedes Risiko in diesem Land, nicht jede Gefahr und auch nicht jeden Horror verhindern können, aber wir haben gemeinsam die Pflicht, diesbezüglich alles zu tun. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was ich persönlich nicht verstehen kann, ist Folgendes: Mir hat eine Pensionistin in Klagenfurt einen Satz gesagt, den man leider vielleicht öfter hört: Muss denn zuerst irgendetwas passieren? Muss zuerst einmal etwas passieren, bevor man etwas tut? …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

40 Frauenmorde ...!

SPÖ Philip Kucher

… Nach diesen zehn Todesopfern, nach diesen zehn ermordeten Menschen in Graz frage ich ganz ehrlich: Was muss denn noch passieren, dass wir alle einen Schritt zurück machen und uns miteinander überlegen, wie wir das Waffenrecht verschärfen können? Ich möchte jetzt nicht in diese parteipolitische Polemik hineinkippen, aber die FPÖ hätte es ganz, ganz ehrlich machen können und sagen können: Eigentlich wollen wir gar nichts ändern. Wir wollen gar nichts ändern. – Denn man hat der Reihe nach versucht, eine Kaskade aufzubauen, zu erklären, welche möglichen Gründe es gibt, damit man sozusagen nicht mitstimmen muss, hat Ausreden gefunden, hat einen Schmäh entwickelt, bis man gemerkt hat, der Schmäh zieht nicht mehr, dann hat man versucht, die nächste Geschichte zu erzählen. – Ich sage offen: So funktioniert das nicht miteinander. Der eine Punkt ist die Geschichte, dass man behauptet, die Freiheit sei bedroht – um Gottes willen, die Freiheit ist bedroht! –, wenn man vorher ein psychologisches Gutachten machen muss und wenn vorher die Polizei nachschaut, ob Gewalt im Spiel ist, ob der Mann zu Hause die Frau verdroschen hat, ob es vorher ein Risikobild gibt, ob es Vorstrafen gibt. Sich das vorher anzuschauen, das bedroht doch nicht die Freiheit! Mir persönlich geht es schon auch um die Freiheit, dass Kinder nach der Schule einfach wieder nach Hause kommen, auch die Freiheit, frei von Waffengewalt in Sicherheit leben zu können. Das ist in dem Fall die Freiheit der vielen, und ja, da müssen wir abwägen. Das ist ein Spannungsverhältnis von Sicherheit und Freiheit, das bedingt sich auch und schließt sich natürlich nicht aus, aber dieses Abwägen müssen wir miteinander schaffen. Also an der Freiheit kann es nicht liegen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Dann war der andere Punkt, dass es immer wieder geheißen hat: Mit den legalen Waffen haben wir in Österreich überhaupt keine Probleme, das funktioniert klass; das Problem sind nur die illegalen Waffen. – Ja, eh! Da haben wir ein Thema, das ist eine Kernaufgabe der Polizei. Dagegen kämpfen unsere Polizistinnen und Polizisten, der Staatsschutz. Die schauen natürlich, dass wir auch gegen den Schwarzmarkt vorgehen. Wir verschärfen natürlich auch hier wieder in diesem Gesetzespaket den Zugang zu illegalen Waffen. Das ist ja eigentlich ein Wahnsinn gewesen, dass man über das Internet Waffen bestellen kann; das schränken wir in Zukunft ein. Das ist eine richtige Maßnahme, und wir setzen weitere Maßnahmen. Aber wenn wir nur von den illegalen Waffen reden, dann stimmt das halt auch nicht: Der Täter in Graz hat seine Waffe völlig legal gekauft. Jetzt kann man über das psychologische Gutachten reden – super, wenn ihr da mit dabei seid; das wäre eh die Minimalvariante –, aber die Schrotflinte, die so schwere, tödliche Verletzungen verursacht hat, hat er sich völlig ohne Überprüfung kaufen können.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Die hätte er nie haben dürfen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... das ist ein Behördenversagen!

SPÖ Philip Kucher

… Also so weit kann dieses Argument natürlich auch nicht greifen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Schließen wir das Thema hier; es ist passiert, aber wir müssen weitergehen, liebe Dagmar Belakowitsch . Ich persönlich verstehe in der Frage auch die FPÖ nicht – wir alle kennen ja auch die unterschiedlichen Positionen –: dass man auf der einen Seite immer wieder ganz stark für Sicherheit eintritt und auf der anderen Seite dann wieder auf die Sicherheit pfeift. Wenn es nämlich gegen die sogenannten Ausländer geht, dann ist man für Sicherheit, und wenn es dann um den Schutz vor Schusswaffen geht, dann pfeift man auf die Sicherheit. Das passt nicht zusammen. Unsere Aufgabe muss es doch sein, dass wir miteinander – egal, wer die Sicherheit in diesem Land bedroht …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Das behauptet ...!

SPÖ Philip Kucher

… auch Maßnahmen setzen, um Menschenleben zu schützen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist unglaublich!

SPÖ Philip Kucher

… Ich darf wirklich noch einmal bitten: Das darf keine parteipolitische Frage sein! Und ich darf noch einmal an die Worte von Präsident Rosenkranz erinnern. Das heute ist nicht nur eine parteipolitische Frage, wo man abstimmen muss – ich weiß, es gibt auch einen Klubzwang; Landeshauptmann Kunasek hat gesagt, dass er sich sozusagen auch weitere Schritte vorstellen kann. Ich darf gerade die Kolleginnen und Kollegen der FPÖ bitten: Bitte gebt euch einen Ruck! Ich weiß, wir werden nie alles verhindern können, aber es kann doch nicht euer Zugang sein, dass wir, nachdem zehn Menschen gestorben sind, sagen, wir tun gar nichts. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ernst Gödl . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Herr Präsident. – Ich melde mich bewusst noch einmal zu Wort und möchte an den Appell meines Vorredners Herrn Klubobmann Kucher an die Freiheitliche Partei anschließen, sich das wirklich zu überlegen, wenn es um mehr Sicherheit für die Bevölkerung geht, wobei gleichzeitig der legale Waffenbesitz möglich bleibt, auch wirklich mitzugehen. Ich möchte noch ein paar weitere Aspekte beleuchten. Es ist interessant, es gab – und das gibt es eigentlich fast nie bei der Freiheitlichen Partei – eine wundersame Rednerverminderung. Als wir heute in der Früh hier die Redner eingemeldet haben – Herr Kassegger seitens der Freiheitlichen und eben wir, die Ordner der Parteien –, wurden sieben Redner für dieses Thema eingemeldet. Schlussendlich haben bis jetzt vier geredet, andere haben sich gar nicht mehr zu Wort gemeldet; zum Beispiel war der Vertreter der Gewerkschaft, Herr Herbert, auch eingemeldet.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Sechs haben geredet, ... sechs von sieben!

ÖVP Ernst Gödl

… Also man sieht, dass Sie quasi doch einsehen, dass Sie mit Ihrer Argumentation hier irgendwie nicht ganz schlüssig sind. Ich bin froh, dass sich Herr Leinfellner jetzt am Schluss noch gemeldet hat, obwohl es auch exemplarisch war. Sie wollten irgendwie mit Herrn Landeshauptmann Kunasek in der Steiermark die Kurve kratzen, weil er eben ganz etwas anderes gesagt hat und gefordert hat, als Sie hier vertreten.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist der nächste ...!

ÖVP Ernst Gödl

… Er hat nämlich ganz klar gesagt – und ich zitiere wörtlich –: „Mit einer Altersverschärfung für gewisse Bereiche habe ich kein Problem“. Das hat er gesagt. Sie können das nicht zurechtrücken, sondern Sie machen genau das Gegenteil dessen, was Ihr eigener Landeshauptmann in der Steiermark angesichts des Vorfalls in der Steiermark wörtlich gesagt hat. Und dann noch etwas: Was in der Bevölkerung wirklich aufgeregt hat – das stimmt –, war dieser mangelnde Datenaustausch. Ich habe mir gedacht, ich schaue einmal nach: Wie ist das überhaupt entstanden? – Da lohnt sich ein Blick zurück. Sie haben es ja immer wieder vorwurfsvoll hier erwähnt, auch nach dem Amoklauf: ein Versagen der Behörden, weil es den Datenaustausch nicht gab; und dann wurde auch Minister Darabos als damaliger Verteidigungsminister zitiert. – Ja, es stimmt, es gab im Jahr 2009 eine Novelle, mit der dieser Datenaustausch eben insofern verhindert wurde, als gesagt wurde, die Daten, die beim Bundesheer erhoben werden, sollen und dürfen nur beim Bundesheer bleiben. Das Pikante dabei ist aber, dass es erstens ein einstimmiger Beschluss im Nationalrat war und dass zweitens viele von denen, die heute in Ihrer ersten Reihe sitzen, das mitbeschlossen haben : etwa Herr Klubobmann Kickl – der hat das im Jahr 2008 mitbeschlossen; Abgeordnete Belakowitsch – die hat das im Jahr 2008 mitbeschlossen; Abgeordneter Zanger aus der Steiermark hat das im Jahr 2008 mitbeschlossen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ihr nicht? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Da war er ja noch nicht da!

ÖVP Ernst Gödl

… Und eine besondere Pikanterie ist, dass Ihr Sicherheitssprecher, Herr Darmann ( Ruf bei der ÖVP: Ja, genau! ), damals einer Ihrer erbittertsten Gegner war, weil er damals Mitglied des BZÖ war. Der war auch im Parlament. Das heißt, Sie haben diesen Beschluss auch mit gefasst. Ich will das nur der Vollständigkeit halber sagen, weil Sie immer mit erhobenem Zeigefinger hier hervorne stehen. Dann gab es auch noch im Jahr 2018 eine Novelle. Im Zuge der Datenschutzbestimmungen gab es eine Novelle zum Waffengesetz und gab es auch eine Novelle zum Wehrgesetz. Beim Waffengesetz war ein gewisser Herr Innenminister Kickl zuständig. Da gab es auch einige Veränderungen, und Herr Innenminister Kickl hat da auch gesagt – ich zitiere wörtlich –: „Ich denke, bei aller Berechtigung des Waffenbesitzes ist es durchaus auch notwendig, dafür zu sorgen, dass nicht die falschen Personen diejenigen sind, die in den Besitz einer Waffe kommen. Eine Waffe, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist kein Spielzeug.“ Mit dieser Maßnahme – und er meinte damit die Änderung des Waffengesetzes 2018 – gelingt es uns, „die Sicherheit der österreichischen Bevölkerung wieder um ein Stück zu erhöhen“. – Das, Herr Klubobmann Kickl, waren Ihre Worte seinerzeit, als Sie in Regierungsfunktion waren.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja eh!

ÖVP Ernst Gödl

… Auch das Wehrgesetz wurde diesbezüglich präzisiert, dass es eben nicht zu diesem Datenaustausch kommt. Und wer war damals der zuständige Innenminister? – Es war der jetzige Landeshauptmann der Steiermark Mario Kunasek .

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Der war nie Innenminister, aber ist ja wurscht!

ÖVP Ernst Gödl

… Ich will Ihnen nur sagen, weil Sie immer mit gar so erhobenem Zeigefinger hier hervorne stehen, wie das überhaupt entstanden ist. Jetzt ändern wir das, dass dieser Datenaustausch wieder möglich wird, und jetzt – Kollegin Herr hat es gut ausgeführt – stimmen Sie direkt und indirekt auch gegen diese Änderung, indem Sie das Waffengesetz per se ablehnen. Da muss ich Ihnen sagen – Sie reklamieren immer das Thema Sicherheit so stark für sich –: Sie waren in den letzten Monaten dagegen, als wir das Asylgesetz geändert haben, um den Stopp des Familiennachzugs zu ermöglichen. (Abg. Belakowitsch [FPÖ] – erheitert –: Den haben Sie ja nicht gestoppt!) Sie waren dagegen und haben nicht mitgeholfen, die Sicherheit zu erhöhen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo ist der Stopp eingetreten?

ÖVP Ernst Gödl

… Sie waren dagegen, als wir die Gefährderüberwachung hier beschlossen haben, um die Sicherheit in Österreich zu erhöhen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Das ist ein schlechtes Beispiel!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie waren dagegen, und Sie sind jetzt wieder dagegen, für die Sicherheit der Bevölkerung einen Schritt nach vorne zu machen. Das, was Sie verfolgen, ist augenscheinlich: nämlich aus Prinzip immer gegen die Regierung zu sein – 100 Prozent Parteitaktik und null Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Michael Schnedlitz . – Ich stelle die Uhr für Sie auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Michael Schnedlitz

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin ja wirklich fast dankbar für die Redebeiträge meiner zwei Vorredner, auf der einen Seite des Kollegen Kucher und auf der anderen Seite des Kollegen Gödl, denn in Wahrheit habt ihr es jetzt einfach übertrieben, sodass bei einem wirklich wichtigen und ernsten Thema …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Oje!

FPÖ Michael Schnedlitz

… die Bevölkerung durchschaut, worum es euch wirklich geht.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Es sind ja auch 81 Prozent dafür!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Das ist, dass Sie irgendwie versuchen, die FPÖ schlechtzumachen, weil wir der Meinung sind, dass das Gesetz, dass die Verschärfung, wie sie jetzt kommt, einfach absurd und auch für die Sicherheit nicht zielführend ist. Kollege Kucher hat auf den Punkt gebracht, wie man so etwas wirklich falsch angeht, nämlich indem man der FPÖ etwas unterstellt: Die Freiheitliche Partei ist ja immer dann für die Sicherheit, hat er gesagt, wenn es um Ausländer geht, aber sonst nicht. – Wissen Sie, was Sie damit ausgedrückt haben? – Dass alle Österreicherinnen und Österreicher die Sicherheit gefährden …

SPÖ Schatz (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Michael Schnedlitz

… denn gegen die richtet sich jetzt Ihr Gesetz ( Rufe bei ÖVP und SPÖ: Ah! Geh bitte! ), und dagegen verwahren wir uns. (👏 FPÖ) Davon haben auch die Menschen draußen genug.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Jetzt wird’s aber skurril!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Sie werfen alle in einen Topf – alle! Alle Staatsbürger, alle rechtschaffenen Staatsbürger werfen Sie mit in einen Topf, weil Sie mit den Verbrechern nicht mehr umgehen können und der Verbrecher nicht Herr werden. Und das wissen die Menschen, das ist ja nicht zum ersten Mal so. Messengerüberwachung: Sie wissen nicht, wie Sie den Terroristen begegnen – also lesen wir bei den Whatsapp-Nachrichten aller Österreicher mit! …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

So ein Blödsinn! – Weitere Zwischenrufe bei ÖVP und SPÖ.

FPÖ Michael Schnedlitz

… Das ist Ihre Antwort gewesen. Das ist Ihre Antwort. ( Unruhe im Saal. – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Dann sagt Herr Gödl: Wir verschärfen den Familiennachzug. – Sie versuchen mittlerweile sogar, den Menschen klarzumachen, dass Sie Weltmeister sind, wenn Sie zwei Syrer abschieben. Der Herr Innenminister lässt sich da Fotos und Plakate für Social Media zimmern, dass er zwei Personen abgeschoben hat. – Wir sind in einer Republik und sind keine Rausschmeißer in einer Disco; da könnten Sie dann sagen: Ich habe zwei Personen, zwei Störer hinausgebracht! (👏 FPÖ) Wir haben Zehntausende hier, die Problemfälle sind. Und gleichzeitig stellen Sie auch in diesem Bereich immer die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht. Nächster Schritt des Herrn Innenministers – jetzt hat er ein Interview gegeben –: Messerverbot für alle Österreicher. Messer, Feuer, Gabel, Schere, Licht ist für die österreichische Bevölkerung nicht! – Das ist das Thema des Innenministers. Jetzt werden Jausenmesser verboten, Leathermans verboten, Teppichmesser verboten. (👏 FPÖ) Und die echten Verbrecher in den Waffenverbotszonen? – Sie sehen, wie viele Vorfälle es in den Waffenverbotszonen gibt. Weil Sie dort irgendetwas verboten haben? – Das hilft doch nichts! Jeder Betroffene, der sich dort nicht mehr durchzugehen traut, durchschaut das, nur der Herr Innenminister sagt: Wir müssen jetzt ganz Österreich zu einer Waffenverbotszone machen! Die Verbrecher halten sich zwar nicht einmal in den Verbotszonen im 10. Bezirk daran, aber machen wir das in ganz Österreich, weil wir dann in Murau oder sonst irgendwo die Handwerker mit dem Leatherman auch kontrollieren und verfolgen können! Das sagt ja nicht nur die Freiheitliche Partei, dass das absurd ist, das sagt ja sogar die Polizeigewerkschaft, und da meine ich jetzt nicht Werner Herbert , sondern die schwarze und die rote. Ihre eigenen Leute in der Polizei sagen: Jetzt haben wir wirklich ein Maß erreicht, bei dem es nicht mehr sinnvoll ist und bei dem das nicht die Sicherheit erhöht, sondern die Sicherheit verringert! Ich versuche es jetzt mit einem Spruch, weil es dann vielleicht greifbarer ist. Wissen Sie, wohin solche Aktionen führen? – Da gibt es dann den Spruch: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Wenn Sie als Politiker jetzt die Verantwortung auf die Polizisten abschieben wollen und sagen: Nein, es darf keine Messerübergriffe mehr geben , weil die Polizisten jetzt überall kontrollieren dürfen!, und diese plötzlich neun Millionen rechtschaffene Österreicher kontrollieren müssen, dann sehen sie die Verbrecher nicht mehr, weil sie dafür keine Zeit mehr haben. – Das ist Sicherheitspolitik? …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Das ist nur peinlich!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Im Endeffekt machen Sie jetzt, was das Waffengesetz betrifft, wieder genau dasselbe: Sie wissen nicht, wie Sie der Problemfälle in unserem Land wirklich Herr werden, und dann werden wieder alle unter Generalverdacht gestellt. Dann geht man wieder gegen alle vor. Und dann geht man schlussendlich noch heraus und sagt, wir müssten ja zustimmen, sonst sind die ein, zwei guten Punkte, die in diesem Waffengesetz drinnen sind …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... das war nix!

FPÖ Michael Schnedlitz

… auch von uns abgelehnt. Die Bevölkerung hat es durchschaut, Sie haben es nicht durchschaut. ( Heiterkeit des Abg. Gödl [ÖVP]. ) In aller Deutlichkeit: Die Menschen draußen, die längst gemerkt haben, dass Sie die Sicherheit nicht mehr im Griff haben, durchschauen auch dieses Schauspiel rund um das Waffengesetz. Was Sie da aufführen, sind Fantasien, die komplette rechtschaffene Bevölkerung zu verfolgen. Verbrecher verfolgen Sie schon lange nicht mehr.

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/121.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Waffengesetz geändert wird, in 204 der Beilagen. Hiezu liegen ein gesamtändernder Abänderungsantrag der Abgeordneten Ing. Mag. Volker Reifenberger , Kolleginnen und Kollegen sowie ein Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde zunächst über den erwähnten gesamtändernden Abänderungsantrag, im Falle seiner Ablehnung über die vom erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Wir gelangen nun zur Abstimmung über den gesamtändernden Abänderungsantrag der Abgeordneten Ing. Mag. Volker Reifenberger , Kolleginnen und Kollegen. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Die Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Änderungen der Ziffern 29, 43, 46, 77, 87, 114, 116 und 117 sowie Einfügung einer neuen Ziffer 48a eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. RN/121.2 Es ist namentliche Abstimmung verlangt worden, ich gehe daher so vor. Die Stimmzettel, die zu benützen sind, befinden sich in den Laden der Abgeordnetenpulte und tragen den Namen der Abgeordneten sowie die Bezeichnungen „Ja“, das sind die grauen Stimmzettel, beziehungsweise „Nein“, das sind die rosafarbenen. Für die Abstimmung können ausschließlich diese amtlichen Stimmzettel verwendet werden. Gemäß der Geschäftsordnung werden die Abgeordneten namentlich aufgerufen, den Stimmzettel in die bereitgestellte Urne zu werfen. Ich ersuche jene Abgeordneten, die in dritter Lesung für den vorliegenden Gesetzentwurf stimmen, „Ja“-Stimmzettel, jene, die dagegenstimmen, „Nein“-Stimmzettel in die Urne zu werfen. Bitte achten Sie sorgfältig darauf, nur einen Stimmzettel einzuwerfen. Ich bitte nunmehr die Frau Schriftführerin, Abgeordnete Petra Tanzler , mit dem Namensaufruf zu beginnen. RN/121.3 (Über Namensaufruf durch die Schriftführerinnen Tanzler und Ricarda Berger werfen die Abgeordneten den Stimmzettel in die Wahlurne.) Präsident Peter Haubner : Die Stimmabgabe ist beendet. Die damit beauftragten Bediensteten des Hauses werden nunmehr unter Aufsicht der Schriftführung die Stimmenzählung vornehmen. Die Sitzung wird zu diesem Zweck für einige Minuten unterbrochen. RN/121.4 Sitzungsunterbrechung von 17.52 Uhr bis 17.57 Uhr (Die zuständigen Bediensteten nehmen die Stimmenzählung vor.) RN/121.5 Fortsetzung der Abstimmung, Ergebnis der namentlichen Abstimmung Präsident Peter Haubner : Ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf und gebe das Abstimmungsergebnis bekannt: Abgegebene Stimmen: 171; davon „Ja“ -Stimmen: 121, „Nein“ -Stimmen: 50. Der Gesetzentwurf ist somit in dritter Lesung angenommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Gemäß § 66 Abs. 8 der Geschäftsordnung werden die Namen der Abgeordneten unter Angabe ihres Abstimmungsverhaltens in das Stenographische Protokoll aufgenommen. RN/121.6 Mit „Ja“ stimmten die Abgeordneten: Auer, Auinger-Oberzaucher; Baumann, Baumgartner, Bayr, Bernhard, Bogner-Strauß, Brandstötter, Brandweiner, Bures; Deckenbacher, Della Rossa, Dengler, Diesner-Wais, Disoski, Doppelbauer, Duzdar; Eder, Egger Kurt , Elian, Erasim; Falkner, Feichtinger, Fiedler; Gasser, Gerstl, Gewessler, Gmeinbauer, Gödl, Götze, Graf Tanja , Greiner Karin , Grünberg, Grüner; Haitzer, Hammer Lukas , Hammer Michael , Hanel-Torsch, Hanger, Harrer, Haubner, Hechenberger, Herr, Herzog, Himmer, Hofer Markus , Höfinger Johann , Hofinger Manfred , Höfler, Holzegger, Hörl, Hoyos-Trauttmansdorff; Jachs, Jantscher, Jeitler-Cincelli, Juvan; Kocevar, Köllner, Koza, Krainer Kai Jan , Krisper, Kucher, Kugler, Kühberger, Kumpan-Takacs, von Künsberg Sarre; Laimer, Lindinger, Lindner Mario ; Mair Klaus , Marchetti, Maurer, Minnich, Moitzi, Muchitsch; Neßler, Neumann, Neumann-Hartberger, Nussbaum; Oberhofer, Obernosterer, Oberrauner, Ofenauer, Ottenschläger, Oxonitsch; Pöttinger, Pramhofer, Prammer; Reiter; Sams, Schallmeiner, Schatz, Scherak, Scheucher-Pichler, Schmuckenschlager, Schnabel, Schroll, Schwarz, Seemayer, Seltenheim, Servus, Shetty, Sieber, Silvan, Stark, Stich, Stögmüller; Tanzler, Taschner, Tomaselli, Totter; Voglauer; Weber, Wieninger, Wöginger, Wotschke; Yildirim; Zadić, Zarits, Zopf, Zorba. Mit „Nein“ stimmten die Abgeordneten: Belakowitsch, Berger Ricarda , Berger Tina Angela , Brückl; Darmann, Deimek; Ecker Rosa , Eisenhut; Fürtbauer; Giuliani-Sterrer, Gmeindl, Graf Martin ; Hammerl Paul , Herbert; Kainz, Kaniak, Kassegger, Kickl, Kolm; Lausch, Leinfellner, Linder Maximilian , Litzke; Maier Reinhold , Mölzer; Nemeth; Petschnig, Pfeifer, Pracher-Hilander; Ragger, Ranzmaier, Reifenberger, Rosenkranz, Royer; Schandor, Schartel, Schiefer, Schilchegger, Schmiedlechner, Schnedlitz, Schuch-Gubik, Schuh, Schwaighofer, Spalt, Steiner, Sunitsch; Thau, Tschank; Wurm; Zanger. RN/121.7 Präsident Peter Haubner : Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Waffen sichern – Leben schützen. Klare Gesetze für Waffenverwahrung zum Schutz vor Suiziden und Femiziden“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/121.8 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gleiche Regeln für alle - keine Waffen ohne psychologisches Gutachten“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. (Abg. Disoski [Grüne]: Wie kann man jetzt gegen mehr Schutz stimmen?!) RN/121.9 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „keine Schusswaffen in Händen von gewaltbereiten Personen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/121.10 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend – Pscht! – „Sicherheit erhöhen – unkomplizierte Rückgabe illegaler Waffen ermöglichen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. (Abg. Kickl [FPÖ]: Nicht einmal da fällt euch was Eigenes ein!) RN/121.11 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Pyrotechnikgesetz und das Schusswaffenkennzeichnungsgesetz geändert werden, in 205 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zuerst über die vom erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 2 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Somit ist der Gesetzentwurf auch in dritter Lesung angenommen. RN/121.12 Wir gelangen schließlich zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 206 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

Reform Waffengesetz

206 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 243/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag zur Reform des Waffengesetzes ab. Damit gibt es keinen Auftrag an die Bundesregierung, die vorgeschlagenen Verschärfungen bei Zuverlässigkeitsprüfungen, Waffenverboten, Verwahrung, Privatverkauf, Datenerhebung und Rückgabe illegaler Waffen umzusetzen.

Betroffen wären Waffenbesitzer:innen und -werber:innen (inkl. Jäger:innen), Personen mit Annäherungs- und Betretungsverbot nach § 38a SPG, private Waffenverkäufer:innen sowie das Bundesministerium für Inneres und die Vollzugsbehörden.

Ziel war, den Zugang zu Schusswaffen – insbesondere für Gefährder und Personen mit psychischen Risikofaktoren – stärker zu begrenzen und so Gewaltprävention bzw. die Verhinderung (versuchter) Tötungsdelikte, insbesondere an Frauen, zu verbessern.

Dokumente

Reform Waffengesetz

Ausgangslage und Problemaufriss

  • Das österreichische Waffengesetz wird als eines der liberalsten in Europa beschrieben; zugleich wird auf eine hohe Zahl an Frauenmorden verwiesen, wobei Schusswaffen eine zentrale Rolle spielen.
  • Als auffällig wird hervorgehoben, dass ein erheblicher Anteil der Tötungsdelikte an Frauen mit Schusswaffen begangen wird; der Einsatz von Schusswaffen erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Ausgangs deutlich.
  • Es wird ein starker Anstieg legal besessener und registrierungspflichtiger Schusswaffen in Österreich betont (rund 1,5 Mio.; deutlicher Zuwachs innerhalb eines Jahrzehnts) sowie eine hohe Schusswaffendichte.
  • Die Zahl der mit legalen Schusswaffen verübten (versuchten) Morde habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen; der Anteil legaler Tatwaffen sei gegenüber früheren Zeiträumen stark gestiegen.
  • Als wesentlicher Risikofaktor im Gewaltschutz wird der Zugang zu Waffen für Personen genannt, deren psychische Gesundheit ein Risiko darstellen könnte; fast jeder zweite Gewalttäter gegen Frauen habe laut angeführter Studie eine psychische Erkrankung.

Kritikpunkte am bestehenden Waffenrecht (laut Antrag)

  • Die einmalige psychologische Prüfung bei Ausstellung der Waffenbesitzkarte wird als unzureichend für wirksame Gewaltprävention bewertet; gefordert wird eine wiederkehrende Kontrolle der psychischen Eignung.
  • Das psychologische Gutachten soll auf Waffen der Kategorie C ausgeweitet werden, da dort derzeit eine Lücke gesehen wird.
  • Die Ausnahme von der waffenrechtlichen Verlässlichkeitsprüfung beim Erwerb von Kategorie-B-Waffen für Inhaber:innen von Jagdkarten wird als nicht gerechtfertigt kritisiert; die jagdrechtlichen Eignungsanforderungen in den Ländern würden psychische Gesundheit nicht standardisiert und nicht regelmäßig unter Beiziehung von Sachverständigen prüfen.
  • Die gesetzlichen Vorgaben zur sicheren Verwahrung von Waffen in Wohnräumen werden als zu unpräzise/ungenügend dargestellt (u.a. fehlende verbindliche Widerstandsklassen für Aufbewahrungsbehältnisse).
  • Beim Annäherungs- und Betretungsverbot (AV/BV) nach § 38a SPG wird zwar die automatische vorübergehende Abnahme von Schusswaffen als wichtiger Schritt anerkannt, jedoch wird kritisiert, dass die Wirksamkeit mangels ausreichender Datenerfassung nicht überprüfbar sei.
  • Es wird beanstandet, dass das Innenministerium keine Auskunft geben könne, wie viele Schusswaffen im Zusammenhang mit AV/BV tatsächlich abgenommen wurden, obwohl eine Dokumentation nach der Waffengesetz-Durchführungsverordnung vorgesehen sei; dadurch bleibe unklar, ob bekannten Gefährdern wieder Zugang zu Waffen gewährt werde.
  • Der illegale Waffenbesitz wird als erhebliches Problem beschrieben; die Größenordnung sei kaum abschätzbar, und in mehr als der Hälfte der Straftaten mit Schusswaffeneinsatz seien die Waffen nicht registriert gewesen.

Zielsetzung des Reformanliegens

  • Gefährder sollen wirksam und dauerhaft am Zugang zu Schusswaffen gehindert werden, insbesondere im Kontext häuslicher Gewalt und Gewalt gegen Frauen.
  • Die gesetzlichen Vorkehrungen im Bereich des legalen Waffenbesitzes sollen treffsicherer werden, um (versuchte) Tötungsdelikte zu verhindern.
  • Für den illegalen Waffenbereich sollen neue Lösungen geschaffen werden, um nicht registrierte Waffen aus dem Verkehr zu ziehen.
  • Die Datengrundlagen sollen verbessert werden, um die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen im Waffenbereich evaluieren zu können.

Reformkatalog: Verschärfung der waffenrechtlichen Verlässlichkeitsprüfung

  • Regelmäßige Überprüfung der psychischen Verlässlichkeit durch Gutachten, mindestens alle fünf Jahre (in Verbindung mit einem wiederkehrenden „Waffenführerschein“).
  • Überprüfung/Weiterentwicklung des Testverfahrens in Zusammenarbeit mit klinischen Psycholog:innen bzw. Gutachter:innen.
  • Erhöhung der Kosten zur Qualitätssicherung der psychologischen Begutachtung.
  • Abschaffung von Ausnahmen von der Verlässlichkeitsprüfung für Jäger:innen beim Erwerb von Waffen der Kategorie B.
  • Ausweitung der Überprüfung der psychologischen Verlässlichkeit auch auf Waffen der Kategorie C.

Reformkatalog: Überprüfung des Privatwaffenverkaufs

  • Gesetzliche Verpflichtung, beim Überlassen und Verkauf von Waffen die Berechtigung zum Waffenbesitz behördlich prüfen zu lassen (als Referenz wird eine Regelung nach deutschem Recht genannt).
  • Einführung von „Abkühlphasen“ (Warte-/Cooling-off-Zeiten) im Zusammenhang mit privaten Waffenüberlassungen bzw. -käufen.

Reformkatalog: Konsequenzen nach Annäherungs- und Betretungsverbot (§ 38a SPG)

  • Ein dauerhaftes Waffenverbot für Gefährder nach Verhängung eines Annäherungs- und Betretungsverbots nach § 38a SPG.

Reformkatalog: Sichere Waffenverwahrung

  • Präzise gesetzliche Vorgaben für die sichere Verwahrung von Waffen, orientiert an einschlägigen Richtlinien/Empfehlungen (genannt werden TRVE 10-4 des VSÖ und KFV).

Reformkatalog: Umgang mit illegalen Waffen

  • Schaffung anonymer Rückgabemöglichkeiten bzw. Amnestie-ähnlicher Programme für illegale Waffen, um freiwillige Abgaben ohne Anzeige zu ermöglichen.
  • Als Begründung werden internationale Beispiele angeführt, in denen durch Amnestieaktionen große Mengen illegaler Waffen eingesammelt wurden.

Reformkatalog: Datenerhebung und Evaluierung durch das Innenministerium

  • Detailliertere Erhebung relevanter Daten zur Überprüfung der Wirksamkeit gesetzlicher Maßnahmen im Waffenbereich.
  • Erfassung u.a. der Häufigkeit des Nichtbestehens der waffenrechtlichen Verlässlichkeitsprüfung.
  • Erfassung u.a. der Anzahl aufgehobener Waffenverbote nach verhängten Annäherungs- und Betretungsverboten (AV/BV).

Reform Waffengesetz

~155 min Lesezeit
Dafür: GRÜNE Dagegen: FPÖÖVPSPÖNEOS
FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Der Anlass, der uns heute überhaupt erst zu dieser Debatte bringt, ist ein sehr, sehr tragischer. Ich möchte eingangs dieser Diskussion natürlich auch den Hinterbliebenen des schrecklichen Amoklaufs in Graz im Namen meiner ganzen Fraktion unser Mitgefühl ausdrücken. Es sind Vorfälle wie dieser in Graz, die verhindert werden müssen, und damit muss die Politik selbstverständlich auch sorgsam und achtsam umgehen. Ich glaube, da sind wir uns einig. Was aber nicht sein kann, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist, dass ein Vorfall wie jener in Graz dafür herangezogen wird, ganz, ganz andere Dinge zu bezwecken. Denn wenn wir uns das fürchterliche Attentat, den fürchterlichen Amoklauf in Graz genau ansehen, dann sehen wir, dass das mit dem Großteil der Maßnahmen, die Sie da jetzt vorlegen, ja nicht verhindert hätte werden können – übrigens genauso wenig wie der zweifache Frauenmord letzte Woche in Wien: Der ist mit einer illegalen Waffe verübt worden, und vor allem ist er - - …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Aber zwei Drittel aller Frauenmorde werden mit legalen Schusswaffen getätigt!

FPÖ Christian Hafenecker

… Frau Kollegin, ich glaube nicht, dass das jetzt ein Thema ist, bei dem Sie mit Ihrem feministischen Zwischenrufen agieren sollten, sondern ich glaube, man muss sich wirklich - - …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist ein feministischer Zwischenruf, weil es um Morde an Frauen geht!

FPÖ Christian Hafenecker

… Nein, ich will ja zu diesem schrecklichen Mord an zwei Frauen gerade Stellung nehmen, aber Sie schreien dazwischen und ermöglichen mir das nicht. Das heißt, die Frage ist, wie viel Respekt Sie vor den Opfern haben, sehr geehrte Frau Kollegin. Bevor ich aus der ersten Reihe der SPÖ gestört worden bin, wollte ich aber noch fertig ausführen: Der Täter in Wien hatte schon Waffenverbot, war schon längst am Radar der Behörden, man hat es aber nicht verhindern können, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und im Fall von Graz, Herr Bundesminister, hätten Sie das Gesetz – oder vermutlich wir hier gemeinsam – mit einem Federstrich insofern abändern können, dass wir diesen schrecklichen Vorfall, diesen Amoklauf verhindern hätten können, indem wir eine einzige Sache sicherstellen, und zwar dass die Stellungskommission mit den zivilen Behörden spricht und somit das, was das österreichische Bundesheer festgestellt hat, dass dieser Herr nämlich keine Waffe tragen hätte sollen und dürfen, auch den zivilen Behörden zur Kenntnis gelangt wäre. Damit hätte man unter Umständen diesen Anschlag verhindern können. Wenn es nicht auch noch eine zweite Komponente gäbe: nämlich jene, dass der Täter eine fast fertiggestellte und funktionsfähige Rohrbombe zu Hause gehabt hat – eine illegale Waffe in diesem Zusammenhang – und diese unter Umständen auch zum Einsatz gebracht hätte, meine sehr geehrten Damen und Herren. Wir bräuchten aber heute nicht dieses Ungetüm an Gesetzesvorlage, das viel zu wenig lang begutachtet und diskutiert worden ist, hier zu besprechen, wenn genau diese eine Maßnahme gesetzt worden wäre. Dann hätte ich auch den Eindruck gehabt, dass es Ihnen wirklich um Graz geht und darum, solche Vorfälle zu verhindern. Jetzt habe ich den Eindruck, dass man einen Anlassfall nimmt, um am Ende des Tages das zu machen, was ja die meisten Parteien hier im Haus ohnehin schon lange wollen, nämlich den legalen Waffenbesitz noch ein Stück weit mehr zu verunmöglichen, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf eines hinweisen – und das ist jetzt keine Erfindung der Freiheitlichen Partei, sondern das lehrt uns die Geschichte –: Ein Merkmal von Systemen, die immer totalitärer werden …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ha!

FPÖ Christian Hafenecker

… ist jener Umstand, dass man den legalen Waffenbesitz so lange zurückdrängt, bis er nicht mehr vorhanden ist, meine sehr geehrten Damen und Herren. Das haben wir in der DDR gesehen, das haben wir in der Sowjetunion gesehen und das kennen wir auch aus der schlimmsten Zeit unserer Geschichte. Ich möchte darauf nur hinweisen: Das sind Merkmale von Systemen, die sich jedenfalls gegen legalen Waffenbesitz stellen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Christian Hafenecker

… Und wenn man sich schon die Frage stellt, warum der legale Waffenbesitz in Österreich doch stark angestiegen ist: Meine sehr geehrten Damen und Herren – vor allem die Innenminister der ÖVP –, das hat natürlich auch seinen Grund. Das ist nämlich der Umstand, dass das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung in diesem Land immer weiter zurückgeht. Das hat natürlich ursächlich mit der Migrationskrise von 2015 zu tun, als die ÖVP noch am Bahnhof all diesen Herrschaften applaudiert hat, die uns jetzt das Leben schwermachen, warum Sie jetzt bundesweite Messerverbotszonen erlassen wollen – das sind doch die Herrschaften, die damals gekommen sind; da haben Sie sich mit Ihren Parteikollegen noch gefreut. Und das hat dazu geführt, dass sich die Menschen in diesem Land nicht mehr sicher fühlen. Herr Bundesminister, Sie können doch die Zahlen nicht ignorieren, die es da gibt: Auf der einen Seite gibt es 50 Prozent mehr legale Waffen als noch vor zehn Jahren, auf der anderen Seite aber 47 Prozent weniger Taten – mehr Waffen und weniger Taten. Das heißt also, wenn man jetzt weiterverfolgen möchte, wo unser Sicherheitsproblem liegt, dann sind es wohl nicht die legalen Waffen, sondern – Herr Bundesminister, da sprechen Sie ja sozusagen auch ein bisschen mit zwei Stimmen – es sind die illegalen Waffen und, ja, natürlich auch die importierte Messerkriminalität, die die ÖVP bis dato nicht aufzuhalten imstande gewesen ist. (👏 FPÖ) Zwei Drittel aller Morde in Österreich passieren mit illegalen Waffen, Herr Bundesminister, Sie stellen jetzt aber die österreichische Bevölkerung unter Generalverdacht, nämlich jene Menschen, die ihre Waffen legal erworben haben und sich natürlich auch den Gesetzen unterwerfen. Zwei Drittel aller Morde passieren mit illegalen Waffen; Anstieg der Messerkriminalität zwischen 2013 und 2024: von 1 524 Fällen geht es dann weiter auf 2 596 Fälle. Das heißt, der Anstieg zum Vergleichszeitraum davor ist 70 Prozent, Herr Bundesminister, das Messer ist das häufigste Tatmittel. Sie werden aber diesem Problem mit Ihrem bundesweiten Messerverbot trotzdem nicht beikommen , weil es schlicht und ergreifend ein kulturelles Problem ist – Herr Kollege Kucher, ich komme dann noch zu dir, was das betrifft. Es ist ein kulturelles Problem, das man importiert hat, und die richten sich nicht nach Ihren Erlässen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Ein Problem der Unkultur der FPÖ!

FPÖ Christian Hafenecker

… Herr Bundesminister, denken Sie daran, als Sie die Messerverbotszone in Favoriten eröffnet haben. Sie hatten noch nicht einmal den Platz geräumt, nachdem Sie es dort feierlich verkündet haben, hat schon der nächste Anschlag stattgefunden. Das ist diesen Herrschaften egal, die hier in Österreich mit Messern aufeinander und vor allem auf unsere Bevölkerung, auf unsere Österreicher losgehen; das ist denen egal. Die Konsequenz, die man daraus ziehen kann, muss halt auch einmal die sein, zu sagen: Da ist jetzt ein Punkt erreicht, wo man sich umdrehen und gehen muss – aber nicht die Österreicher, sondern die Herrschaften, die wir nicht hergebeten haben. (👏 FPÖ) Sie stellen permanent die österreichische Bevölkerung unter Verdacht, was all das betrifft, und vergessen dabei noch etwas. Ich habe Ihnen gerade berichtet, auf der einen Seite sind in Ihrer Vorzeigehauptstadt Wien – genau da findet das statt – die Messer das Hauptproblem und auf der anderen Seite die illegalen Waffen, die sonst noch woher kommen. Wir haben gerade vorhin auch über das Thema Russland, Ukraine und anderes gesprochen. Welche illegalen Schusswaffen finden momentan hauptsächlich ihren Einsatz in Österreich? – Das sind die Waffen, die aus den Jugoslawienkriegen übergeblieben sind. Die kann man am Schwarzmarkt wahrscheinlich um ein Butterbrot kaufen, Herr Bundesminister. Ich sehe da nichts, keine Initiative von Ihrer Seite, diese illegalen Waffen aus dem Verkehr zu ziehen. Sehr viele Taten passieren nach wie vor genau mit diesen Waffen, also haben Sie mit diesem Gesetz auch wieder nichts geschafft. Und der springende Punkt, der jetzt noch dazukommt, ist: Na, was glauben Sie denn, welche Waffen jetzt noch auf uns warten, wenn hoffentlich irgendwann einmal zwischen Russland und der Ukraine Frieden ist? Was glauben Sie, wie viele Waffen schon jetzt dort in dunklen Kanälen verschwinden und – da relativ nahe an Österreich gelegen – natürlich auch relativ schnell auf unserem illegalen Waffenmarkt verfügbar sein werden? Nichts machen Sie in diese Richtung! Es gibt jetzt schon sehr viele unregistrierte Waffen aus dem Jugoslawienkonflikt, wahrscheinlich bald aus dem Russland-Ukraine-Krieg. All das ist Ihnen vollkommen egal. Ihnen ist nur wichtig, die österreichische Bevölkerung legal zu entwaffnen – unter Anführungszeichen – und sicherzustellen, dass Sie mit Ihren Interessenlagen durchkommen. Vielleicht noch ein Beispiel - - …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Der Herr Hafenecker hat das Gesetz nicht verstanden!

FPÖ Christian Hafenecker

… Frau Kollegin, Sie sind wirklich lästig da auf der Seite, aber ich werde mir jetzt das linke Ohr zuhalten.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Ich bin gerne lästig! Ich werde dafür bezahlt, lästig zu sein gegen solche Ideologien, wie Sie sie haben!

FPÖ Christian Hafenecker

… Eines noch dazu: Das schärfste Waffengesetz weltweit, Herr Bundesminister, gibt es in Mexiko. Sie kennen aber schon auch die Mordzahlen und die Taten, die in Mexiko begangen werden. Hat in Mexiko irgendjemand von der Drogenmafia Respekt davor gehabt, was die Regierung dort erlassen hat? – Nein! Was hat schlussendlich Abhilfe gebracht? – Ein rigoroses Vorgehen gegen die Drogenkartelle. Genau so muss man das natürlich auch in Österreich sehen. Wir machen nichts gegen den politischen Islam, wir machen nichts gegen das Gefährdungspotenzial, das dabei herauskommt, wir machen nichts gegen die illegalen Waffen. Wir stellen einmal mehr die österreichische Bevölkerung unter Generalverdacht, und in weiterer Folge wollen wir ihr dann die Küchenmesser auch noch wegnehmen, die nämlich der Österreicher gemeinhin nicht deswegen hat, um auf irgendwelche anderen Mitbürger loszugehen, sondern schlicht und ergreifend um seine Arbeiten zu verrichten. Das ist der Unterschied, Herr Bundesminister, und ich ersuche Sie wirklich: Ziehen Sie diese verunglückte Novelle des Waffengesetzes schlicht und ergreifend zurück! Es hat nicht einmal zwei Wochen Begutachtungsfrist gegeben, Sie haben auf wesentliche Experten in der Republik nicht gehört; und Sie werden vor allem eines nicht schaffen – und das ist das große Drama daran –: Sie werden solche Fälle und die Fälle, die uns noch bevorstehen, nicht verhindern. Es wird vermutlich schneller gehen, als wir alle zusammen zu denken wagen, es wird schneller gehen, als man glaubt, aber mit diesem Gesetz haben Sie nichts erreicht, außer einmal mehr der Bevölkerung ein Grundrecht zu entziehen oder zumindest etwas zu erschweren. Am Ende des Tages wird einmal mehr ganz Österreich unter Verdacht gestellt, während die Zuwanderer weiterhin machen können, was sie wollen. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Ernst Gödl .

ÖVP Ernst Gödl

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Meine geschätzten Damen und Herren! Hohes Haus! Der tragische Amoklauf von Graz vor etwas mehr als 100 Tagen hat bei den betroffenen Menschen und deren Familien unfassbares Leid ausgelöst und auch uns als Land ganz tief erschüttert – ich komme ja bekannterweise genau aus dieser Region. Er hat natürlich auch viele Fragen aufgeworfen, nämlich: Wie konnte es dazu kommen? Was müssen wir als Gesellschaft insgesamt, im Besonderen aber wir, die wir hier im Parlament die Regeln des Zusammenlebens machen, tun? Was können und sollen wir tun, damit wir solche Taten bestmöglich – man wird sie nie ganz verhindern, aber bestmöglich – verhindern können? Die Bundesregierung hat ganz schnell reagiert. Bereits eine Woche später wurde ein Ministerratsbeschluss gefasst, ein Maßnahmenpaket beschlossen. Eine dieser Maßnahmen, die festgelegt wurden, war eben eine klare Überarbeitung des Waffenrechtes, denn eine Frage, die uns bei persönlichen Gesprächen mit Bürgern vor Ort sehr oft gestellt wird und wurde, ist: Wie konnte dieser junge Täter legal zu Waffen kommen? Wie sind da die Bestimmungen? Und ein Punkt, der besonders aufgeregt hat: Wie kann es sein, dass zwischen verschiedenen Behörden kein Datenaustausch stattfindet, ganz konkret: dass der Gutachter, der die Waffenbesitzkarte für diesen Amoktäter ermöglicht hat, nicht vom Stellungsergebnis in Kenntnis gesetzt wurde? Wir haben vor dem Sommer gesagt und versprochen, dass wir bis Ende des Sommers eine Novelle des Waffenrechtes hier im Parlament vorlegen werden – so schnell wie möglich, natürlich auch so gründlich wie nötig. Und das ist gelungen: Heute liegt eben dieser weitreichende Entwurf, diese weitreichende Novelle vor. Ich möchte nur fünf Punkte exemplarisch herausgreifen. Die Prüfung der waffenrechtlichen Verlässlichkeit wird verbessert, das klinisch-psychologische Gutachten vertieft. Das Mindestalter für den Erwerb von Schusswaffen wird bei den Kategorie-B-Waffen von 21 auf 25 Jahre und bei den C-Waffen auf 21 Jahre erhöht. Auch bei den Kategorie-C-Waffen wird es in Zukunft notwendig sein, eine Bewilligung vorzulegen. Die Abkühlphase beim Ersterwerb wird von drei Tagen auf vier Wochen verlängert. Und – ganz wichtig –: Die Zusammenarbeit zwischen den Behörden wird entscheidend verbessert. Man könnte noch einige Punkte anführen, und ich glaube, meine Nachredner werden das dann auch tun. Ganz wichtig: Die Regelungen für Jäger, Sportschützen, Schützenvereine und Menschen, die in ihrem Beruf mit Waffen zu tun haben, bleiben weitestgehend unverändert, auch was die Altersvorschriften betrifft. Meine Damen und Herren! Diese sehr umfassende Novelle wurde wie gesagt aus guten Gründen in sehr kurzer Zeit umgesetzt und erarbeitet. 460 Stellungnahmen sind eingegangen, wir haben sie wirklich bestmöglich berücksichtigt. Das Ergebnis liegt nun vor, es hat zwei ganz entscheidende Stoßrichtungen, zum einen die Stärkung der Sicherheit der Bevölkerung, zum anderen aber: Der legale Waffenbesitz wird auch weiterhin möglich sein. Ich darf mich wirklich sehr herzlich bei allen, die dazu beigetragen haben, bedanken: bei den Legistinnen und Legisten, die über den Sommer diese umfassende Novelle erarbeitet haben, bei Ihnen, Herr Minister und Herr Staatssekretär, auch bei meinen Sicherheitssprecherkollegen Max Köllner und Douglas Hoyos-Trauttmansdorff und bei allen Mitarbeitern in den Parlamentsklubs. RN/78.1 Einige Änderungen dürfen wir jetzt noch, in dieser Debatte in Form eines Abänderungsantrages einbringen, weil wir heute wie gesagt wirklich eine gelungene und umfassende Novelle beschließen wollen. Dieser Abänderungsantrag, unterschrieben von Gödl, Köllner, Hoyos-Trauttmansdorff zu Tagesordnungspunkt 4 wurde verteilt. Ich darf und muss ihn in den Grundzügen erläutern, und zwar sind das im Wesentlichen vier Punkte: Ausnahmeregelungen zur Beibehaltung der bisherigen Bestimmungen zum Besitz einer Kategorie-B-Waffe für Inhaber einer gültigen Jagdkarte, wenn die Waffe zur Ausübung der Jagd erforderlich ist: Da gilt weiterhin ein Mindestalter von 21 Jahren. Weiters: Zusätzlich zu den Berufssoldaten gilt auch für Offiziere und Unteroffiziere der Miliz aufgrund ihrer mindestens einjährigen Ausbildung an der Waffe ein Mindestalter von 18 Jahren für den Waffenbesitz. Weiters gibt es eine Klarstellung zu Angehörigen von traditionellen Schützenverbänden. Diese dürfen ab 18 Jahren jene C-Waffen erwerben und besitzen, die zum Ausrücken bei feierlichen Anlässen verwendet werden. Damit ist klargestellt, dass es zu keiner Einschränkung im Rahmen der Brauchtumspflege kommt. Viertens gibt es eine detaillierte Regelung der Verständigungspflichten im Fall von Straftaten vonseiten der Staatsanwaltschaft, Strafgerichte und Kriminalpolizei an die Waffenbehörde. Das haben wir jetzt noch ergänzt, damit es wie gesagt eine gelungene Novelle wird. RN/78.2 Meine geschätzten Damen und Herren, nach dieser schrecklichen Tat in Graz erwartet die Bevölkerung eine Antwort, auch eine Antwort von uns politischen Verantwortungsträgern. Das zeigt auch sehr deutlich eine Umfrage, die am vergangenen Sonntag publiziert wurde. Ich darf Ihnen diese noch zu Gemüte führen (eine Tafel mit der Aufschrift „Waffengesetz“ und einem Balken- und einem Kreisdiagramm in die Höhe haltend), vor allem in Richtung FPÖ: 81 Prozent der Bevölkerung erwarten sich, dass wir das Waffengesetz anpassen, und, meine Damen und Herren von der FPÖ, auch die Mehrheit Ihrer Wählerinnen und Wähler von der letzten Wahl erwartet, dass wir da tätig werden. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, dass Sie – wie Sie, Herr Hafenecker, es schon vorgetragen haben – bei dieser Novelle nicht mitstimmen. Das hat ein bisschen den Geruch: 100 Prozent Parteitaktik, 0 Prozent Verantwortungsbewusstsein. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ihr wichtigstes Handlungsmotiv ist in vielen Bereichen inzwischen – es ist ja sehr durchsichtig –: Immer gegen die Regierung, aber nie Verantwortung übernehmen! – Ich erinnere euch an die vergangenen Wochen und Monate hier in diesem Haus, als wir beispielsweise das Asylgesetz angepasst haben, um den Familiennachzug zu stoppen: Sie haben dagegengestimmt, als Justamentstandpunkt gegen die Regierung und damit auch gegen die Interessen der Bevölkerung.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Ihr habt es nicht gestoppt!

ÖVP Ernst Gödl

… Oder ich erinnere an die Überwachung von potenziellen Terroristen: Wir haben eben das Gesetz so gerichtet, dass die Messengerdienste bei potenziellen Terroristen überwacht werden können. Was haben Sie gemacht? – Sie haben dagegengestimmt. Sie sind hier also immer gegen die Sicherheitsinteressen Österreichs aufgetreten, und das ist sehr, sehr bedenklich – eben 100 Prozent Parteitaktik, 0 Prozent Verantwortungsbewusstsein. Und jetzt machen Sie es bei dem Waffengesetz aus reiner Parteitaktik wieder so. Sie hätten sich nur Herrn Landeshauptmann Kunasek aus der Steiermark anhören müssen, der aus Ihrer Partei kommt und der auch einmal Verteidigungsminister war, der ausdrücklich gesagt hat: Ja, eine Verschärfung in manchen Bereichen, die Anhebung des Alters, die Verbesserung der Gutachten, das ist vertretbar, das ist erwünscht! – Also er hat einen anderen Blick auf die Dinge als Sie. Das ist eben wie gesagt eine sehr, sehr bedenkliche Arbeitsverweigerung Ihrerseits zu diesem Gesetz. Daher, meine geschätzten Damen und Herren: Mit dieser Novelle stehen wir absolut in der Mitte der Gesellschaft. Sie soll die bestmögliche Sicherheit für unsere Bevölkerung bringen und wird sie bewirken. Der legale Waffenbesitz wird aber weiterhin möglich sein. Ich bitte wirklich um Ihre uneingeschränkte Zustimmung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 14.13 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/78.3 Waffengesetz 1996 (AA-24) Präsidentin Doris Bures : Der Abänderungsantrag wurde in den Grundzügen erläutert und an die Abgeordneten verteilt und ist daher auch ordnungsgemäß eingebracht. Jetzt gelangt Frau Abgeordnete Susanne Fürst zu Wort. – Bitte.

FPÖ Susanne Fürst

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr gehrte Damen und Herren! Die Novelle des Waffengesetzes soll mehr Sicherheit für die Bevölkerung bringen. Das wünschen wir uns alle, das wird es aber hiermit nicht geben, es wird der Bevölkerung lediglich vorgespiegelt. Dass sie mehr Sicherheit bringt, wird genauso wie bei der Messengerüberwachung, von der Sie – mein Vorredner, ÖVP-Kollege Gödl – gerade gesprochen haben, nur vorgespiegelt. Dass diese Maßnahmen mehr Sicherheit für die Bevölkerung bringen, das ist in der Tat nicht so. Das hat nichts mit verantwortungsvollem Handeln Ihrerseits zu tun. Die Novelle bringt hingegen mehr Bürokratie, mehr mit Papierkram vergeudete Polizeistunden. Sie zwingt Polizisten zur Kontrolle Zigtausender Haushalte, unbescholtener Bürger, statt dass sie sich auf die Kriminellen konzentrieren können. Das heißt, am Ende wird sie weniger Sicherheit bringen. Der Anlassfall, die entsetzliche Tat in Graz, wäre bei besserer Zusammenarbeit der Behörden wohl zu verhindern gewesen …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das steht auch im Gesetz drinnen!

FPÖ Susanne Fürst

… nicht mit dieser Novelle. Mehr Sicherheit gibt es nicht mit Verboten, Einschränkungen für rechtstreue Bürger, sondern, um es ganz kurz zu fassen, mehr Sicherheit gibt es nur mit weniger unkontrollierter Einwanderung. (👏 FPÖ) Das wissen wir alle und das sieht man seit vielen Jahren an vielen internationalen Beispielen. Ich greife nur ein Beispiel heraus, das gut mit Österreich oder auch mit Deutschland vergleichbar ist. Der US-Bundesstaat Kalifornien ist größer als Österreich, aber wir haben vieles gemeinsam: linke Politik, unkontrollierte Einwanderung, in diesem Fall aus Südamerika, unglaubliches Ansteigen der Gewaltkriminalität in den letzten Jahren und laufende Beschränkungen des legalen Waffenbesitzes. Kalifornien hat in den USA das strengste Waffengesetz. Das ist in Summe mittlerweile strenger als das österreichische Waffengesetz. Was brachte es? Hat es mehr Sicherheit gebracht? – Nein. Der Zuwachs an Gewaltverbrechen, auch unter Einsatz von Schusswaffengewalt, geht unverändert weiter.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ist das ein Plädoyer für amerikanische Waffengesetze? Oder wie kann man das deuten?

FPÖ Susanne Fürst

… Man hat das Mindestalter in Kalifornien auf 21 Jahre angehoben. Die Jugendkriminalität ist trotzdem in den letzten Jahren unvermindert gestiegen. Bewaffnete Jugendbanden sind unterwegs, Drogengangs. Es hat sich sogar Bandenkriminalität gerade unter den jungen Leuten, die natürlich dann nur mit illegalen Waffen unterwegs sind, nach Kalifornien verlagert, weil die Bürger jetzt da im Schnitt weniger bewaffnet sind als im Rest der USA und weil die Polizei dank linker Politik zur Zurückhaltung und Deeskalation aufgefordert wurde. Das heißt: Was können wir aus vielen internationalen Beispielen lernen? – Ein vernünftiges Waffenrecht zur Regelung des legalen Waffenbesitzes ist natürlich notwendig und vernünftig. Das haben wir. Aber mehr Sicherheit gibt es nicht mit mehr Einschränkungen, Kontrollen und Verboten für die rechtstreue Bevölkerung. Wir werden dessen mit Messertrageverboten, ob in Zonen oder dann bundesweit, und eben mit Beschränkung legaler Waffen nicht Herr. Mehr Sicherheit gibt es nur, wenn wir der Polizei Zeit lassen, sich auf die Kriminellen, auf die Präventionsarbeit zu konzentrieren, und wir brauchen mehr Abschiebungen und geschlossene Grenzen. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Maximilian Köllner .

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zehn Menschen sind am 10. Juni nicht nach Hause gekommen: Kinder, Jugendliche, eine Lehrerin. Am 11. Juni blieben ihre Plätze am Frühstückstisch leer, ihre Plätze in den Klassen werden auch nie wieder eingenommen. Ich glaube, es ist für alle hier herinnen nach wie vor unvorstellbar, wie sich die Eltern und die Hinterbliebenen der Opfer gefühlt haben müssen und nach wie vor fühlen. Die Frage stellt sich ja nicht nur nach dem Warum, sondern sie lautet vor allem auch: Wie war das Ganze eigentlich möglich? Wie konnte ein junger Mann aus Graz, der bei der Stellung beim Bundesheer aus psychischen Gründen für untauglich befunden wurde, ganz legal zu einer Schusswaffe kommen? Nach dieser schrecklichen Tat standen wir vor der Wahl: wegschauen und hoffen, dass es nie wieder passiert, oder Verantwortung übernehmen und handeln. Und wir haben gehandelt, weil wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen dürfen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Kein bürokratischer Aufwand, kein erhöhter Standard ist jemals so schwer wie das Gewicht eines verlorenen Menschenlebens. Und auch wenn wir wissen, dass wir mit dem besten Gesetz nicht alle Taten verhindern können, müssen wir alles tun, um die Sicherheit in sämtlichen Bereichen zu erhöhen. Das ist unsere gemeinsame Pflicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Schauen wir uns zunächst einmal die Faktenlage an: 380 000 Menschen in Österreich besitzen legal eine oder mehrere Waffen. 1,5 Millionen Schusswaffen sind registriert. 1,5 Millionen – da sind wir in Europa in den Spitzenrängen. Und da reden wir noch lange nicht von den illegalen Waffen. Wenn wir schon bei den illegalen Waffen sind – Kollege Hafenecker hat es eingangs angesprochen –: Ich gebe Ihnen da schon recht, die Herausforderung ist ja, nicht nur den legalen Waffenbesitz neu zu regeln, sondern auch dem illegalen Waffengeschäft einen Riegel vorzuschieben; denn wir wissen, dass unzählige Waffen von der Legalität in die Illegalität und damit auch in die Kriminalität wandern, beispielsweise durch Diebstahl oder private, nicht registrierte Käufe. Am Ende des Tages spielt es aber keine Rolle, ob eine Wahnsinnstat mit einer legalen oder mit einer illegalen Waffe passiert. Ziel muss es sein, die Zahl der verfügbaren Waffen insgesamt zu verringern, um auch die Zahl der Schusswaffentoten zu reduzieren. (👏 ÖVP, SPÖ) Kollege Shetty hat es gerade hineingerufen: Schauen Sie in die USA, was dort tagtäglich passiert! Wollen wir das? – Dort gibt es ein lasches Waffenrecht, aber täglich Schießereien. Schauen wir vielleicht auch nach Australien, wo schon 1996 eine massive Verschärfung des Waffenrechts vorgenommen wurde und sich gezeigt hat: weniger Waffen bedeuten auch weniger Tote. (👏 ÖVP, SPÖ) Der legale Kauf ist in Österreich aktuell einfach und schnell möglich. Das ändern wir jetzt. Kollege Gödl hat es angesprochen: Wir erhöhen das Mindestalter beim Erwerb. Wir erweitern die psychologischen Gutachten, Zuverlässigkeitsprüfungen. Wir verlängern die Abkühlphase auf vier Wochen beim Ersterwerb. Wer zu Hause Gewalt ausübt, erhält ein Waffenverbot. Wir schränken den privaten Verkauf ein, verschärfen die Maßnahmen und Kontrollen gegen den illegalen Handel. Und wir ermöglichen den Datenaustausch zwischen den Behörden. Gleichzeitig haben wir aber auch dafür gesorgt, dass beispielsweise die Nachwuchsarbeit bei Sportschützenvereinen möglich bleibt und auch ein Jäger zukünftig zur Jagd gehen kann. Die Mehrheit der Menschen unterstützt diesen Weg auch. Acht von zehn Österreicherinnen und Österreichern sind dafür, quer durch alle Parteien, besonders junge Menschen und Frauen, die in den letzten Jahren immer wieder Opfer von Waffengewalt wurden. Die alle wollen strengere Regeln – aber nicht nur die, sondern auch sechs von zehn FPÖ-Wählerinnen und FPÖ-Wählern wollen das, und nicht zuletzt einer, der im Gegensatz zu Klubobmann Kickl Verantwortung übernommen hat, nämlich der FPÖ-Landeshauptmann in der Steiermark Mario Kunasek . Er hat nämlich gesagt – ich zitiere –: Ich habe mit Verschärfungen „überhaupt kein Problem“. – Da schau her! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Dennoch stellen Sie sich aus Prinzip auf die Seite der Waffenlobby statt auf die Seite der Sicherheit der Menschen. Da stellt sich schon die Frage: Warum sind Sie so gegen den Willen der Bevölkerung und jetzt sogar gegen den Willen Ihrer eigenen Wählerschaft? …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Weil wir keine Populisten sind!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wen wollen Sie hier schützen, wenn es nicht die Bevölkerung ist? Ich verstehe das nicht ganz, ehrlich gesagt. Offenbar sind es jene im FPÖ-nahen Umfeld, bei denen man immer wieder NS-Devotionalien oder Kriegswaffen findet. Vernunft hat bei Ihnen aber offensichtlich keine Chance. Die Conclusio ist anscheinend, einfach nichts zu tun. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich würde Sie bitten: Hören Sie endlich auf, Waffen mit Freiheit zu verwechseln! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Hör auf so zum groß Herumreden!

SPÖ Maximilian Köllner

… Freiheit heißt, dass Kinder sicher von der Schule nach Hause kommen können.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ihr löst mit dem nicht ein einziges Sicherheitsproblem! Nicht ein einziges!

SPÖ Maximilian Köllner

… Freiheit heißt, dass psychische Probleme oder Konflikte im Haushalt nicht mit Schüssen enden.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ihr gehts nur den Leuten, den Beamten am Nerv!

SPÖ Maximilian Köllner

… Heute muss jedem und jeder hier herinnen klar sein: Wir tragen bei dieser Abstimmung ein hohes Maß an Verantwortung. Daher bitte ich Sie: Schützen wir nicht die Waffen, sondern schützen wir Menschenleben! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sagt die Noricum-Fraktion!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Maximilian Linder .

FPÖ Maximilian Linder

Frau Präsident! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Diese Regierung ist mit dem Thema Verwaltungsvereinfachung angetreten, weniger, vor allem aber umsetzbare Gesetze ins Leben zu rufen und kein Weiter-wie-bisher zu verfolgen. Wenn ich mir aber das heutige Waffengesetz anschaue, so spricht das gegen all diese Vorsätze, die diese Regierung gefasst hat. Als Kommunalsprecher des freiheitlichen Nationalratsklubs möchte ich zu einem speziellen Thema dieses Gesetzes reden: Unter dem Titel Informationsaustausch zwischen den Behörden heißt es wortwörtlich: „Die Behörden des Bundes, der Länder und Gemeinden sowie die Träger der Sozialversicherung sind ermächtigt und auf Anfrage verpflichtet, der Waffenbehörde personenbezogene Daten [...] zu übermitteln“.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Und deswegen seid ihr dagegen?!

FPÖ Maximilian Linder

… Sehr geehrte Damen und Herren! Welche Daten sollen wir Gemeinden übermitteln? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Und deswegen seid ihr dagegen?!

FPÖ Maximilian Linder

… Daten über Bürger, die sich beschweren, dass die Straße nicht in Ordnung ist? Daten über Bürger, die sich beschweren, dass in ihrer Straße nicht als Erstes der Schnee geräumt wird, manchmal vielleicht renitent werden und sagen: Kommt endlich!? Sollen wir Daten über jene übermitteln, die sich beschweren, dass sie den Baubescheid noch nicht erhalten haben und das Ganze zu lange dauert? Sollen wir Daten über Bürger übermitteln, die sich im Nachbarschaftsstreit befinden? Soll ich entscheiden, wer den Streit angefangen hat und wer nur schlichtet? …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Was hat das mit dem Thema zu tun?! – Ruf bei der FPÖ: Das steht bei euch im Gesetz drinnen!

FPÖ Maximilian Linder

… Das steht im Gesetz drinnen! Sollen wir Grenzstreitigkeiten entscheiden und sagen: Der ist der Schlimme und der ist der Gute, den melde ich!? Oder sollen wir es melden, wenn unser Nachbar sagt: Du, pass auf, der ist in der Nacht rauschig heimgekommen und hat dann im Haus ein bissel einen Wirbel geschlagen!? Oder sollen wir Leute melden, die regelmäßig vom Gasthaus heimgehen und zur Friedhofsmauer pinkeln? Meine Damen und Herren, wir werden aufgefordert, zu melden, und haben keine objektiven Daten. Wir haben keine sicherheitsrelevanten Daten auf den Gemeinden. Die haben wir nicht. Wir werden aber per Gesetz aufgefordert, entweder zu vernadern oder subjektiv irgendetwas mitzuteilen: Ich glaube, dass der ein Schlimmer ist! …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Na das wollts doch eigentlich ihr!

FPÖ Maximilian Linder

… Wir haben keine Daten über Personen, und deshalb ist das für mich der schönste Beweis dafür, dass diese Regierung nicht an ihren eigenen Vorsätzen festhält, sondern ein ganz normales Weiter-wie-bisher macht. Und schlimmer noch: Sie wurschteln weiter, um irgendwie an der Macht zu bleiben. Nur: Mit diesem Gesetz, das für uns Gemeinden nicht praktikabel, nicht umsetzbar ist – wir tragen keine Verantwortung dafür –, hat man, glaube ich, wirklich etwas geschaffen, hat man einen Passus im Gesetz drinnen, der für mich als Bürgermeister haarsträubend ist. Deswegen sage ich: Bitte, bitte, bitte macht endlich den Platz frei und macht vernünftige Gesetze! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Eine atemberaubende Rede!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff .

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter Linder, ich bin ja eigentlich fassungslos, dass Sie hier Menschenleben – und um die geht es – damit aufwiegen, dass Sie als Bürgermeister in Zukunft gefragt werden können, ob Sie Informationen haben, die zu einer Person im Zusammenhang mit einem Waffenverbot – und dementsprechend mit mehr Sicherheit – vorliegen. Ich glaube, dass es durchaus die Aufgabe eines Bürgermeisters ist, auch für Sicherheit in der eigenen Gemeinde zu sorgen. Und ich würde das auch Ihnen für die Zukunft raten.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Dossiers anzulegen! – Abg. Erasim [SPÖ]: Gute Bürgermeister können das auch! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: ... Dossiers anzulegen!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Vorweg möchte ich aber noch etwas sagen: Frau Abgeordnete Scheucher-Pichler hat mich gebeten, eine Schulklasse aus meinem Geburtsbundesland zu begrüßen, und zwar aus dem Bundesgymnasium Tanzenberg. – Herzlich willkommen bei uns im Hohen Haus! – Herr Kollege, beruhigen Sie sich wieder, es ist alles in Ordnung! Ich bin zuversichtlich, dass wir, wenn diese Gesetzesänderung zur Abstimmung kommt, heute hier breite Zustimmung haben werden, und ich hoffe, dass noch der eine oder andere von der FPÖ sich das in den nächsten Stunden bis zur Abstimmung überlegt, weil ich glaube, dass das durchaus sinnvoll wäre. Wir haben durch das schreckliche Attentat gesehen – und es ist erwähnt worden –, dass einige Dinge für uns als Regierung zu tun sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Du bist keine Regierung! Du bist Abgeordneter!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Wir haben das auch getan. Wir haben sehr, sehr schnell geliefert. Es hat der Bildungsminister sehr schnell geliefert, insbesondere was Maßnahmen an den Schulstandorten betrifft – mehr Schulpsychologie et cetera. Kollegin Künsberg Sarre wird darauf nachher noch im Detail eingehen. Und wir haben als Bundesregierung rasch geliefert, was das Thema Waffenrecht betrifft …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Du bist nicht Bundesregierung!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… weil wir gesehen haben, dass es Lücken gibt, und weil wir gesehen haben, dass es in erster Linie um die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher geht. Es ist unsere Aufgabe als Bundesregierung und generell auch die Aufgabe des Parlaments, verantwortungsvoll zu handeln. Genau davon zeugt dieser Eingriff. Dieser Eingriff, den wir hier stattfinden lassen, ist ein durchaus ausgewogener. Es besteht auf der einen Seite für diejenigen, die verantwortungsvoll mit Waffen umgehen, weiterhin die Möglichkeit, diese zu haben – wenn man das beruflich braucht, auch wenn man das in seiner Freizeit braucht –, aber verantwortungsvoll, es ist schon ausgeführt worden, mit regelmäßigen Kontrollen, die stattfinden, einem psychologischen Gutachten, das ausgebaut wird. Verantwortungsvoller Waffenbesitz ist also weiterhin möglich. Gleichzeitig sagen wir auch sehr klar: Dort, wo das nicht gewährleistet ist, soll es nicht möglich sein, eine Waffe zu besitzen. Weil von der FPÖ dann regelmäßig der Einwand kommt: Na ja, aber das Problem sind ja die illegalen Waffen!, sei darauf hingewiesen: Es gibt bereits viele Maßnahmen, die das Innenministerium und insbesondere die Exekutive setzen, um illegale Waffen auszuheben. Ich finde das sehr, sehr spannend – es sind ja einige Polizeigewerkschafter unter Ihnen –: Mit diesem Vorwurf, dass nichts gegen illegale Waffen gemacht wird, werfen Sie eigentlich den Exekutivbeamten vor, dass diese zu wenig tun. Im Gegenteil, die haben ja erst vor wenigen Wochen ein Waffendepot im 2. Bezirk ausgehoben. Ich glaube, da passiert wirklich viel. An dieser Stelle auch ein großer Dank an die Exekutive, die da wirklich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder geliefert hat! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es erfolgt darüber hinaus auch eine klare Differenzierung und Verschärfung, was Waffenpass beziehungsweise Waffenkarte betrifft. Es ist nicht mehr möglich, eine Waffe ohne diese zu besitzen. Auch das ist eine Verschärfung und eine klare Regelung, nämlich auch eine Dokumentationsregelung, die dadurch entsteht, die für mehr Sicherheit sorgen wird. Weiters ist von der FPÖ angesprochen worden – es gab noch einen anderen Punkt, den die FPÖ genannt hat, aber dazu komme ich gleich –: der Austausch zwischen den Behörden, insbesondere der Stellungskommission, und den Ländern. Auch das kommt, und ich glaube, das ist sehr wesentlich. Kollege Linder hat versucht, das lächerlich zu machen, aber es ist doch unsere Verantwortung, möglichst schnell die Informationen zu bekommen, um dann der Waffenbehörde auch die Werkzeuge in die Hand zu geben, Maßnahmen zu setzen und ein Waffenverbot auszusprechen. Ein besonderes Anliegen war uns auch der Schutz von Schulen. Schulen dürfen niemals ein Ort der Angst sein …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber das sind sie mit oder ohne die komischen Gesetze!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… sondern Schulen müssen ein sicherer Ort sein – auch das passiert mit dieser Novelle. Es gibt dann einen Kritikpunkt, den ich in der gesamten Ausschussdebatte von der FPÖ gehört habe, einen inhaltlichen Kritikpunkt, der sachlich begründet war und der auch nachvollziehbar war. Das war, dass die Milizsoldaten nicht ausgenommen wurden. Das ändern wir ja mit dem Abänderungsantrag, den Kollege Gödl schon eingebracht hat. RN/82.1 Es ist also eigentlich kein Punkt mehr da, der ein Grund wäre, dass man, wenn man verantwortungsbewusst ist, verantwortungsbewusst hier heute als Parlamentarier in der namentlichen Abstimmung seine Stimme abgibt, gegen dieses Gesetz stimmt. Es gibt keinen Grund. Das sagt übrigens auch der einzige FPÖler, der Verantwortung übernimmt, nämlich Herr Landeshauptmann Kunasek. Er wurde zitiert, aber ich habe es Ihnen bildlich mitgebracht, damit Sie, werte Kolleginnen und Kollegen, sich das auch noch einmal überlegen können. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der unter einem Foto von Landeshauptmann Kunasek folgendes Zitat von diesem aus steiermark.ORF.at wiedergegeben wird: „Es muss weiterhin möglich sein, legal Waffen zu besitzen. Aber natürlich muss man danach trachten, dass nicht alles uneingeschränkt möglich ist. Mit einer Altersverschärfung für gewisse Bereiche habe ich kein Problem, habe auch bei Verschärfungen im psychologischen Bereich wirklich kein Problem und kein Thema.“ ) Landeshauptmann Kunasek sagt ganz klar, dass weiterhin der Waffengebrauch möglich sein soll, nicht alles eingeschränkt werden darf – das ist mit diesem Gesetz so möglich, solange es verantwortungsbewusst geschieht –, aber er spricht sich für Altersverschärfungen aus – das ist übrigens im ORF, Herr Kollege Hafenecker, das ist der Sender, den Sie nicht so gerne mögen, weil er angeblich immer wieder kritisch berichtet , aber Herr Landeshauptmann Kunasek sagt das dort sehr offen – und „Verschärfungen im psychologischen Bereich“ sind für ihn „wirklich kein Problem“ bei diesem Thema. – Rufen Sie beim Landeshauptmann an und fragen Sie, wie es ist, Verantwortung zu übernehmen, und übernehmen Sie heute auch die Verantwortung und stimmen Sie diesem Gesetz zu! …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Danke für die Werbung! Immer FPÖ! Ist wichtig, das zu sehen! Danke! – Abg. Kucher [SPÖ]: Ich hoffe, es nützt was! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ihr werdet es auch noch lernen! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Kucher, auch schon da? – Abg. Herr [SPÖ]: Schon länger als der Herr Schnedlitz! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Bundesminister Gerhard Karner zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Minister.

FPÖ Gernot Darmann

Besten Dank, Frau Präsident, für das erteilte Wort! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Ja, es ist schon richtig: Wut, Trauer, Entsetzen zeichnen nach wie vor das Bild quer durch Österreich nach dem Anschlag, nach diesem entsetzlichen Verbrechen in Graz. Aber, auch wenn ich damit vielleicht den einen oder anderen, insbesondere hier auf der Regierungsbank, verärgern werde: Ich halte es gerade aufgrund dieses entsetzlichen Verbrechens in Graz insbesondere gegenüber den Opfern als aktuellste, aber auch schändlichste Form der Showpolitik, dieses Willkürgesetz, dieses Schikanegesetz namens Novelle des Waffenrechts in Österreich noch dazu als großen Wurf zu verkaufen, werte Kolleginnen und Kollegen! Denn: In Wahrheit – und genau diese hat die Bevölkerung verdient – wird hier nichts anderes getan, als einen Generalverdacht gegenüber legalen Waffenbesitzern in Österreich auszurollen, im Wissen, dass es bei der schändlichen Tat in Graz einen vorsätzlichen Straftäter gegeben hat, der über Monate hinweg diese Straftat geplant hat und – jetzt kommt es …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Mit einer legalen Waffe!

FPÖ Gernot Darmann

… mit einer legalen Waffe diese Tat verüben konnte, weil es einen fehlenden Informationsaustausch zwischen staatlichen Behörden gegeben hat, den man niemandem in der Bevölkerung erklären kann – ein Wahnsinn! (👏 FPÖ) Das Bundesministerium für Landesverteidigung hat im Zuge der Stellung, der Musterung ein psychologisches Begutachtungsverfahren eingeleitet, durchgeführt, und dieser Filter hatte angeschlagen: Dieser Straftäter aus Graz hätte niemals zu einer Waffe kommen dürfen. Nur: Diese Information ist nicht zum Bundesministerium für Inneres, zur Waffenrechtsbehörde, durchgedrungen, weil das BMLV das nicht dem BMI sagen durfte. Das ist der Kern des Problems, das man schlussendlich, wenn man schon nicht nur zugibt, sondern sogar unterstreicht, hier eine Anlassgesetzgebung zu machen, hätte lösen müssen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ändert ja nichts! Unglaublich!

FPÖ Gernot Darmann

… Frau Kollegin, Sie reden schon den ganzen Tag dazwischen, insbesondere bei dieser hochsensiblen Materie. Sie haben keinen Plan von diesem Thema. (👏 FPÖ) Deswegen sollten Sie sich tatsächlich zurücknehmen oder sich auch zu Wort melden und hier Ihr Wissen der Bevölkerung offenbaren.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das werde ich auch machen!

FPÖ Gernot Darmann

… Was halten Sie davon? Das wäre einmal ein interessanter Zugang seitens der SPÖ. Und jetzt insbesondere in Richtung ÖVP: Weil wir im Ausschuss tatsächlich zweimal die Chance hatten, über dieses Willkürgesetz zu reden, sei der Bevölkerung eines mitgegeben, als wesentliches Beispiel auch dir gegenüber, Herr Gödl …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das ist peinlich! Peinlich!

FPÖ Gernot Darmann

… der du an sich Besseres verdient hättest, als diesen Wahnsinn hier auch noch inhaltlich verteidigen zu müssen. Ich habe im Ausschuss nachgefragt: Wie kommt man auf dieses angehobene Alterslimit von 25 Jahren für Faustfeuerwaffen? Mir hat das weder der Herr Bundesminister beantwortet, noch hat es mir der Herr Staatssekretär beantwortet, auch die hohe Fachbeamtenschaft hat das nicht beantwortet. Ich habe mir schon gedacht und habe auch gefragt: Wurde dieses Alter gewürfelt? Wie kommt man dazu? Und schlussendlich, am Ende der Diskussion, kommt der Sicherheitssprecher der SPÖ stellvertretend für die Regierungsfraktionen aus der Deckung – werte Damen und Herren hier im Hohen Haus und zu Hause, halten Sie sich fest, welche Begründung er angeführt hat – und sagt tatsächlich, es gebe wissenschaftliche Studien, die belegen, dass das menschliche Gehirn erst im Alter von 25 Jahren derart vollständig ausgebildet sei, dass man diese notwendige Entscheidung bei der Handhabung einer Waffe treffen könne. – Bumm! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Damit hat er absolut recht!

FPÖ Gernot Darmann

… Jetzt muss ich aber eines festhalten: Wir in unserem Rechtssystem lassen unsere Jugendlichen ab 16 wählen, unter 18 geben wir ihnen einen Führerschein in die Hand, welcher sie berechtigt, unter Berücksichtigung des Vertrauensgrundsatzes im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug zu lenken, das, wie wir alle wissen, im Extremfall auch als Waffe eingesetzt werden könnte. Unsere Rekruten gehen mit 18 zum Bundesheer, müssen den Dienst an der Waffe für die Republik Österreich leisten. Unsere angehenden Polizisten werden mit rund 20 Jahren aus der Polizeischule ausgemustert und versehen im Alter von 20 Jahren tagtäglich bewaffnet den Dienst im Sinne unserer Sicherheit. – Und dann kommt die Regierung daher und sagt, sie haben alle kein Hirn, weil sie noch nicht 25 Jahre alt sind! Wie geht es euch denn überhaupt?! Darüber hinaus sieht das gleiche Gesetz, das angeblich so schlüssig ist, sogar noch vor - - (👏 FPÖ) – Ja, kein Wunder, dass Kollege Gödl jetzt schon im Kreis gegangen ist, weil er das nicht erträgt, was er da selbst fabriziert hat.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Du bist so peinlich! Es ist zum Fremdschämen! So etwas Respektloses! Unglaublich!

FPÖ Gernot Darmann

… Ich sage es noch einmal: Ihr habt gesagt, mit 25 Jahren hat man erst das Hirn, um eine Waffe zu führen, und dann lasst ihr alle ab 21 mit Langwaffen hantieren. Das steht auch in diesem Gesetz, was ja auch sehr schlüssig ist. Wie ihr das der Bevölkerung erklärt, weiß ich nicht. Das Gleiche gilt für die Aufwertung und die Neuerungen in Bezug auf den psychologischen Test. – Und schon wieder ein unqualifizierter Zwischenruf aus der SPÖ-Fanabteilung.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Weil du so peinlich bist!

FPÖ Gernot Darmann

… Werte Kolleginnen und Kollegen, zur Aufwertung der psychologischen Begutachtung: Ich verstehe schon die ÖVP, insbesondere den Innenminister, dass er das jetzt als Neuerung in einem Gesetz verkaufen musste. Wieso verstehe ich das? – Weil der Herr Innenminister laut geltendem Recht über all die Jahre hinweg – nämlich die letzten Jahre seiner Amtsperiode – das Recht gehabt hätte, eine Verordnung zu erlassen, in der er die neuesten Möglichkeiten und Technologien im Bereich der psychologischen Begutachtung beim Waffenrecht hätte einfließen lassen können. Das hätte er selbstständig und alleine verordnen können. Er hat es halt nicht getan, weil es anscheinend eh gepasst hat. Jetzt kommt das sehr gut und passt ins Bild, wenn gesagt wird: Wir müssen das jetzt im Waffengesetz mittels Gesetzesnovelle ändern. Deswegen wird das auch von allen meinen Vorrednern so hervorgehoben: Wir haben diese Novelle gebraucht, um neue psychologische Begutachtungen zu bekommen. – Ist nicht richtig, schaut euch das geltende Recht an, schaut euch die Erläuterungen zum geltenden Recht an, und ihr werdet sehen: All diese Möglichkeiten waren bereits in der bestehenden Handhabe des Innenministers, und er hat sie – vermutlich, ich gehe davon aus, sachlich begründet – nicht genutzt. Zu guter Letzt, werte Damen und Herren: Dieses Bürokratiemonster, das hier geschaffen wurde, wird – und das ist heute schon angeführt worden – dazu führen, dass unsere Polizisten im Kampf gegen die tatsächlich vorhandene Kriminalität von den Straßen abgezogen werden, um in den Wohnzimmern und Häusern unserer rechtstreuen Bürgern Nachschau zu halten, aufgrund dessen, dass in Zukunft auch für Langwaffen eine Waffenbesitzkarte vorgeschrieben ist.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist brandgefährlich und absolut unwahr, was Sie da sagen!

FPÖ Gernot Darmann

… In Wahrheit kann man euch nicht mehr helfen, denn der illegale Waffenhandel wäre zu bekämpfen, und da rührt ihr euch keinen Millimeter. Entsetzlich! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächste ist Frau Klubvorsitzende Leonore Gewessler zu Wort gemeldet. – Bitte.

GRÜNE Leonore Gewessler

Sehr geehrte Frau Präsidentin! – Kurz ein Wort an Herrn Abgeordneten Darmann …

FPÖ Darmann unterhält sich mit Abg. Hafenecker ) – Herr Darmann könnte mir vielleicht kurz zuhören! (Abg. Darmann (Zwischenruf)

Hör eh schon zu!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Sich bei diesem Thema mit so einer Rede hier herauszustellen …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

War alles richtig!

GRÜNE Leonore Gewessler

… zeugt von unglaublicher Respektlosigkeit jedem einzelnen Opfer gegenüber, und es ist eine unglaubliche Chuzpe, da auch noch Haltungsnoten zu verteilen. Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Vor wenigen Monaten bin ich an dieser Stelle gestanden und wir waren alle noch sehr intensiv unter dem Eindruck des wirklich unglaublichen Massenmordes in Graz, der Ermordung von zehn unschuldigen Menschen mit einem völlig legal besessenem Gewehr. Unser Land hat dann aus gutem Grund und völlig gerechtfertigt darüber diskutiert, dass wir eines der laschesten Regelwerke in der gesamten EU haben und dass wir uns das schlicht und ergreifend beim Thema Waffengesetz nicht länger erlauben können. (👏 SPÖ) Dieser Wunsch der Österreicherinnen und Österreicher, der hat mich angetrieben, der hat uns angetrieben. Ich bin hier gestanden und habe die Bundesregierung und den Herrn Minister damals aufgefordert, dahin gehend nachzubessern, weil sie viel zu schwach reagiert haben. Das, was Sie vor dem Sommer angekündigt haben, waren wirklich kosmetische Korrekturen, aber keine in irgendeiner Art und Weise substanzielleren Verbesserungen, und so bitter, so dramatisch das ist, es wurde uns wenig später gleich wieder vor Augen geführt, warum das nicht gereicht hat. Denken wir an den schrecklichen doppelten Frauenmord der vergangenen Woche, einen Mord mit Ankündigung in Traiskirchen, an viele tragische Fälle. Zumindest darüber darf man froh sein: Auch Sie haben es eingesehen, diese Bundesregierung hat noch eingesehen, dass sie nachbessern muss. Beim offensichtlichsten Fehler, dem weiteren freien Verkauf von fast allen Gewehren – das haben Sie vor dem Sommer noch geplant –, haben Sie jetzt nachgebessert und diesen korrigiert. Ich möchte mich deswegen bei allen bedanken – denn so etwas passiert nicht von selber –, die in den letzten Wochen und Monaten mit uns Grünen genau dafür eingestanden sind. Nur durch viele Menschen, die sagen: Das reicht nicht, das reicht nicht, das reicht nicht!, die mit uns darum ringen, gelingt so etwas. Deswegen ein großes Danke an dieser Stelle an alle, die sich dahin gehend einsetzen! Ich verspreche Ihnen allen: Grün hält dich sicher! – Das ist für uns kein leeres Versprechen, dazu stehen wir auch. (👏) Wir sollten aber gleichzeitig auch nicht übermütig werden. Ich sehe schon die Überschriften über den Presseaussendungen: von der größten Novelle haben wir schon gehört; es sind nur mehr ein paar Minuten bis zum besten Waffengesetz aller Zeiten. – Das, so ehrlich muss man sein, haben Sie mit dieser Novelle nicht geleistet. Sie haben die Minimalanforderungen geschafft, aber ich erwarte mir, wir erwarten uns, dass Sie sich damit nicht zufriedengeben, lieber Herr Minister. Sie können nicht gleich am Start stehen bleiben, legen Sie nach: mit ordentlichen psychologischen Untersuchungen, mit regelmäßigen Überprüfungen, mit einem konsequenten Vorgehen gegen illegale Waffen. Wir brauchen nach diesem ersten Schritt weitere, damit wir dort hinkommen, dass wir Waffengesetze haben, die die Menschen schützen und nicht gefährden, und dort sind wir noch lange nicht. Da sind wir noch nicht am Ziel! (👏 SPÖ) Wenn Sie heute beweisen wollen – Sie haben uns alle aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen; auch Kollege Hoyos hat das gerade gemacht –, dass Ihnen das bewusst ist, dass da noch Lücken sind, dass da noch Versprechen offen sind, dann stimmen Sie bitte unseren Anträgen zu – da appelliere ich jetzt an Sie alle, wenn Sie an unsere Verantwortung appellieren –, zum Beispiel diesem, den ich jetzt einbringe: RN/85.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Waffen sichern – Leben schützen. Klare Gesetze für Waffenverwahrung zum Schutz vor Suiziden und Femiziden“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres, wird aufgefordert, strengere Richtlinien für die Verwahrung von Waffen in Privathaushalten festzulegen. Dies muss der Vorbeugung von impulsiver Gewalt gegenüber anderen und sich selbst dienen.“ Wenn 20 Prozent der Waffen in unserem Land an der Wand hängen oder unter dem Kopfpolster liegen, haben wir hier einen Auftrag, und das ist in diesem Gesetz überhaupt noch nicht angesprochen. – Also bitte: Unterstützen Sie diesen und unsere weiteren Anträge! (👏) Sehr geehrte Damen und Herren, die FPÖ hat jetzt in vielen Redebeiträgen versucht, die Debatte irgendwohin zu ziehen. Lassen Sie sich nicht davon täuschen! Es ist völlig klar, wenn weniger Menschen Waffen tragen, macht das Österreich sicherer. Es ist ein erstrebenswertes Ziel, deshalb stimmen wir diesem ersten Schritt heute auch zu – anders, als die Kolleg:innen von der FPÖ –, weil unsere Politik eben nicht von Angst und Unsicherheit lebt, weil wir daran glauben, dass es etwas zu verbessern gibt, weil wir daran arbeiten, dass sich tatsächlich etwas verbessert, weil wir Wort halten. Aber ich sage Ihnen, Herr Minister, Sie sind damit noch lange nicht aus der Verantwortung entlassen und wir werden Sie auch noch lange nicht aus der Verantwortung entlassen. – Herzlichen Dank. (👏) 14.55 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/85.2 Waffen sichern – Leben schützen. Klare Gesetze für Waffenverwahrung zum Schutz vor Suiziden und Femiziden (121/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Herr Abgeordneter Reifenberger, ich erteile Ihnen das Wort. Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, dass ich um 15 Uhr die Debatte zu diesem Tagesordnungspunkt für zwei kurze Debatten, die durchzuführen sind, unterbrechen werde. Sie haben jetzt das Wort.

FPÖ Volker Reifenberger

Danke.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Jetzt bin ich gespannt! Zuerst war die Miliz das Problem, die Miliz ist nicht mehr drinnen!

FPÖ Volker Reifenberger

… Hohes Haus! Was uns die Regierungsfraktionen hier vorgelegt haben, ist von vorne bis hinten ein Murks: eine Anlassgesetzgebung, die weit über das Ziel hinausschießt, ein ideologisch motivierter Angriff auf den legalen Waffenbesitz. Die nur zwölf Tage Begutachtungsfrist sind eine Beleidigung für das Hohe Haus in Anbetracht dieser weitreichenden und komplexen Regelungen. Die einzige Lehre, die wir aus der Straftat von Graz hätten ziehen müssen, wäre, das Wehrgesetz zu ändern, und zwar dahin gehend, dass ein Informationsaustausch zwischen der Stellungskommission und der Waffenbehörde zu erfolgen hat – fertig aus, mehr hätte es gar nicht gebraucht. Das habe ich übrigens schon vor dem tragischen Ereignis von Graz gefordert. Bei den gescheiterten Regierungsverhandlungen mit der ÖVP im Jänner dieses Jahres habe ich gefordert, dass eine Untauglichkeit aus psychologischen Gründen auch Konsequenzen fürs Zivilleben haben muss, wie zum Beispiel die Verweigerung der Ausstellung einer Waffenbesitzkarte oder ein Waffenverbot. Die ÖVP hat mir damals sogar zugestimmt, aber anscheinend war es der ÖVP nicht wichtig genug, diesen Punkt auch mit SPÖ und NEOS zu verhandeln. (👏 FPÖ) Aber richtig, damals gab es ja noch keinen Anlass dazu. Unsere Regierung betreibt ja gerne Anlassgesetzgebung und Gold-Plating. Daher bringe ich hiermit folgenden Antrag ein: RN/86.1 Abänderungsantrag gemäß § 53 Abs. 3 GOG des Abgeordneten Mag. Volker Reifenberger und weiterer Abgeordneter zum Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über den Antrag 372/A der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , MA, Douglas Hoyos-Trauttmansdorf, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Waffengesetz 1996 geändert wird ( 204 d.B. ) (TOP 4) Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der vorliegende Gesetzentwurf lautet wie folgt: „Bundesgesetz, mit dem das Waffengesetz 1996 geändert wird Der Nationalrat hat beschlossen: Das Waffengesetz 1996 (WaffG), BGBl. I Nr. 12/1997, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 211/2021, wird wie folgt geändert: Dem § 56a wird folgender Abs. 5 angefügt: „(5) Die Stellungskommission hat der Waffenbehörde auf Verlangen jene Daten der Stellungsuntersuchung zu übermitteln, welche im Verfahren betreffend die Überprüfung der Verlässlichkeit erforderlich sind. Dies umfasst auch die Übermittlung besonderer Kategorien personenbezogener Daten gemäß Art. 9 Abs. I DSGVO.““ Hätte es diesen Informationsaustausch bereits gegeben, bevor das in Graz passiert ist, dann wäre dieser Mörder nicht legal zu einer Pistole gelangt. Ich fürchte aber eines: Ein Mörder, der monatelang minutiös seine Tat plant, hätte auch illegal Waffen erworben …

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Das heißt, man braucht nichts machen?!

FPÖ Volker Reifenberger

… und hätte sich auch durch das strengste Waffengesetz dieser Erde nicht abschrecken lassen, denn Mörder halten sich nicht an Gesetze, und der beste Beweis dafür ist, er hat auch an einer Bombe gebastelt, was per se schon illegal ist. Aber genau das ist unser Kritikpunkt an dieser Waffengesetznovelle. Sie schikaniert nur die rechtstreuen Bürger, aber gegen den illegalen Waffenbesitz wird in dieser Novelle überhaupt nichts getan.

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Das ist völliger Quatsch!

FPÖ Volker Reifenberger

… Die rückwirkenden Regelungen sind eines Rechtsstaates unwürdig und vielleicht sogar verfassungswidrig, die neuen Altersgrenzen vollkommen willkürlich und eine Beleidigung für junge Erwachsene. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Alle paar Tage kommen die Regierungsfraktionen darauf, dass ihr letzter Entwurf doch nicht so gut war und sie korrigieren die Korrektur der Korrektur ihres eigenen Antrages. Dieser ganze Entwurf ist unausgegoren und alles andere als beschlussreif. Sie sollten ihn zurückziehen. (👏 FPÖ) RN/86.2 Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte den Schlusssatz! Abgeordneter Ing. Mag. Volker Reifenberger (fortsetzend): Einzig der gestern Abend übermittelte Abänderungsantrag enthält einen kleinen Lichtblick. Präsident Dr. Walter Rosenkranz (das Glockenzeichen gebend) : Herr Abgeordneter, ich muss Sie jetzt unterbrechen. Vielleicht noch einen Schlusssatz. Abgeordneter Ing. Mag. Volker Reifenberger (fortsetzend): Ich werde den Schlusssatz formulieren: Der Antrag von gestern hat einen kleinen Lichtblick enthalten. Da haben Sie nämlich meine Kritik aufgegriffen und eine Gleichstellung von Berufssoldaten und Milizsoldaten vorgenommen. Dafür darf ich mich herzlich bedanken.

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Jetzt fällt ihm nichts mehr ein, was er kritisieren soll!

FPÖ Volker Reifenberger

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Den Schlusssatz bitte! Abgeordneter Ing. Mag. Volker Reifenberger (fortsetzend): Das ändert aber nichts daran, dass diese ganze Novelle zum Kübeln ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Aber trotzdem dagegen! Wir haben zwar alles aufgenommen von euch, aber trotzdem dagegen!

FPÖ Volker Reifenberger

… 15.00 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/86.3 Waffengesetz 1996 (AA-25) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Meine Damen und Herren! Zunächst: Der eingebrachte Abänderungsantrag ist ausreichend unterstützt und daher auch ordnungsgemäß eingebracht. Ich unterbreche nunmehr die Verhandlungen über die Tagesordnungspunkte 4 bis 6 zur Durchführung von zwei kurzen Debatten. Kurze Debatte über eine Anfragebeantwortung, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:00

FPÖ Michael Schnedlitz

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Staatssekretär! Zur Erklärung für die Zuseher zu Hause: Wir hätten ja gerne mit der Frau Außenministerin diskutiert, diese weilt aber in New York. Geschickt hat sie den Herrn Deregulierungsstaatssekretär. Wir wissen nicht, ob er nicht mitfliegen durfte oder ob die Beinfreiheit in der Economy Class zu gering ist. ( Rufe bei den NEOS: Ha, ha, ha! ) Aber es ist gar nicht schlecht, Herr Staatssekretär, dass Sie hier sind, weil es bei diesem Punkt, bei dieser Besprechung einer Anfragebeantwortung um Steuergeld geht, und genau dafür wären auch Sie zuständig, Herr Staatssekretär. (👏 FPÖ) Sie können die Gelegenheit, wenn Sie sich dann zu Wort melden, gleich nutzen und der Bevölkerung und den Steuerzahlern erklären, wozu es einen Deregulierungsstaatssekretär braucht, der bisher nur Geld gekostet, aber den Steuerzahlern kein Geld gebracht hat und der bisher auch nichts dereguliert hat. Sie können auch gleich erklären, wie Sie Deregulierung definieren: ja wohl nicht als Steuergeldverschwendung. Sie können dann auch gleich mit mir gemeinsam die Deregulierung im gesamten Fördersumpf dieser Republik, auch was die NGOs betrifft, besprechen. Genau darüber werden wir uns nicht nur bei diesem Tagesordnungspunkt unterhalten, sondern ich verspreche Ihnen, genau darüber werden wir uns auch die nächsten Wochen und Monate noch genau unterhalten. Ich nehme an, als Sie für die Vertretung beauftragt wurden, wurde Ihnen die Anfragebeantwortung Ihrer Außenministerin zugestellt. Wenn Sie diese zur Hand nehmen und auch gleichzeitig als zuständiger Deregulierungsstaatssekretär einen Blick auf die Antworten der anderen Ministerien werfen, was diese gesamten Förderungen von NGOs betrifft, dann kommen Sie als Deregulierungsstaatssekretär relativ schnell darauf, dass es da einen Wildwuchs gibt, der die Steuerzahler Milliarden kostet – Milliarden! Wenn Sie dann noch einen nüchternen Blick auf die Lebensrealitäten haben, dann werden Sie auch relativ schnell draufkommen: Diese Bundesregierung spart bei den Falschen! (👏 FPÖ) Sie sparen bei den Familien, bei den Pensionisten und setzen mitten in der österreichischen Bevölkerung den Rotstift an, dabei wäre es ein Leichtes, zum Beispiel genau diese Anfragebeantwortungen herzunehmen und ein Muster zu erkennen, wo man Milliarden holen kann, ohne dass man die Bevölkerung die ganze Zeit zur Kasse bittet. Ich werde jetzt versuchen, Ihnen zu erklären, wie das ein normal denkender Bürger machen würde, wenn er zum Beispiel die Aufgabe eines Deregulierungsstaatssekretärs hätte, oder wie das eine Bundesregierung machen müsste, wenn sie versucht, die Finanzen in den Griff zu bekommen. Das ist nämlich gar nicht so schwer. Man müsste sich grundsätzlich nur anschauen – ich nehme an, eine Familie würde das tun, wenn sie in finanzielle Nöte gerät –: Wenn wir einen Euro Steuergeld ausgeben, bringt der etwas? Jetzt kann man als Politiker noch hinzufügen: Bringt er der Bevölkerung etwas – oder irgendjemand anderem? Denn Aufgabe von uns wäre es ja, grundsätzlich Steuergeld dann auszugeben, wenn das der Bevölkerung etwas bringt. Das heißt, Sie müssten, auch was diese Förderungen betrifft, nur die Frage stellen: Bringen diese Milliardenzahlungen der österreichischen Bevölkerung etwas? Sind sie sinnvoll, werden sie sparsam, wirksam und zweckmäßig ausgegeben oder nicht? Und wenn die Antwort Nein lautet, dann ist genau da der Rotstift anzusetzen und nicht bei den Kindern, bei den Familien und bei den Pensionisten. Genau so würde das eine Familie machen. (👏 FPÖ) Das bedeutet dann Haushaltskonsolidierung im Sinne der Bevölkerung – das wäre unser freiheitlicher Plan – und nicht gegen die Bevölkerung, wie Sie es gerade machen. Jetzt nehmen wir diese Anfragebeantwortung zur Hand – mir geht es in diesem Fall nicht um einzelne Punkte, sondern nur darum, das Muster zu erklären, wie Sie jetzt zum Beispiel als Deregulierungsstaatssekretär vorgehen könnten. Sie könnten die Seite 1 der Förderungen aufschlagen, die die Außenministerin bezahlt: Da finden Sie sechs Förderungen an das Austria-Institut für Europa- und Sicherheitspolitik. Das ist das Institut des ehemaligen ÖVP-Ministers Fasslabend. Dann sehen Sie, dass da mehrere Förderungen getätigt wurden, zum Beispiel drei Förderungen allein im Jahr 2024 für ein Mediationsprojekt im Irak. Jetzt will ich gar nicht sagen, dass es vielleicht diese Förderung nicht wert ist, dass man eine Aufgabe für einen ehemaligen ÖVP-Minister in so einem Institut findet, und das muss man dann zusätzlich fördern, damit dann jeder irgendwo ein Auslangen findet. Also Pensionsprivilegien ist ein schwacher Ausdruck dafür, wenn man sich diese Summen zu Gemüte führt. Das wäre die erste Frage: Braucht es das und ist das sinnvoll eingesetzt? Wenn ich Deregulierungsstaatssekretär wäre, würde ich sagen: Jetzt schaue ich nach, ob die anderen Minister denen auch etwas zahlen oder ob das nur ich mit dem Außenministerium mache. Ich komme dann relativ schnell drauf: Vom Außenministerium wurden über 100 000 Euro bezahlt. Das Landesverteidigungsministerium bezahlt über 1 Million Euro. Dann muss man sich schon die Frage stellen: Ist das wirklich sinnvoll? Ist das wirklich wirtschaftlich? Und ist das zweckmäßig? Oder geht es da nur um den ehemaligen ÖVP-Minister? Und braucht es das Ganze? Braucht das der Steuerzahler während einer Konsolidierungsphase, wo man so weit geht, dass man den Mindestpensionisten die Pensionen kürzt? Das ist ein Beispiel. Schauen wir uns ein zweites Beispiel an: Sie fördern – als Außenministerium wohlgemerkt – die Homosexuelle Initiative Hosi Wien. Ich will das jetzt nicht beurteilen. Die Frage, die ich stellen würde, ist: Ist das die Aufgabe des Außenministeriums? Dann fördern Sie – auch als Außenministerium – die Homosexuelle Initiative Salzburg. Dann schaue ich mit einem Blick drauf: Die einen fördern Sie mit 3 000 Euro, die anderen mit rund 1 000 Euro. Da frage ich mich als Steuerzahler: Wie kommt es zu dieser Berechnung? Ist Hosi Wien das Dreifache wert wie Hosi Salzburg? Oder wie kommt es zu diesen Zahlungen? Wo ist da die Wirksamkeit? Wo ist da die Zweckmäßigkeit? Warum zahlt das das Außenministerium? Dann würde ich wiederum nachschauen: Zahlen da auch andere Ministerien? Die Antwortet lautet: Ja, zum Beispiel das Sozialministerium und das Bildungsministerium. Sehen Sie, Herr Deregulierungsstaatssekretär, weil Sie gerade hier sind, da gibt es einen Haufen an Förderungen, die man sich anschauen könnte und hinsichtlich derer man dann die Frage stellen könnte: Ist das sinnvoll oder nicht? Falls Sie, sehr geehrte Damen und Herren zu Hause, sich fragen, ob da viel Geld drinnen liegt: Die Pensionskürzung heuer macht keine 300 Millionen Euro aus beziehungsweise bringt fürs Budget keine 300 Millionen – eine riesengroße Summe, die man sich schwer vorstellen kann. Sie finden auf der Website So fördert Österreich, wie viel bei den Förderungen drinnen liegt: Da sprechen wir – von 2013 bis jetzt – von über 300 Milliarden, zugegebenermaßen über alle Körperschaften hinweg; alles zusammengerechnet über 305 Milliarden. Die Frage, die Sie sich aber als Deregulierungsstaatssekretär in Zeiten einer Konsolidierung stellen könnten – wir sind ja nicht grundsätzlich gegen Förderungen, es gibt ja sinnvolle Förderungen –: Braucht es über 5 000 Stellen in unserer Republik, die Förderungen auszahlen? Und weiß die eine Stelle, ob jemand schon etwas von jemand anderem bekommt? Stichwort Doppelförderung, wahrscheinlich sind wir bei einer Mehrfachförderung, wenn man nur in die Ministerien schaut. Genau so kann man das Ganze ansetzen. Wenn man da nur ein bisschen vergleicht, sieht man: Es bekommt zum Beispiel Hosi Salzburg im Vergleich zu Hosi Wien zu wenig. Wenn man Transparenz schafft, sieht man auch, wenn jemand zu wenig bekommt, aber das wollen Sie ja nicht. Sie machen es einfach: Sie ziehen den Pensionisten das Geld aus der Tasche. (👏 FPÖ) Genau das, genau diesen Wildwuchs müssten Sie sich anschauen, und genau diesen Wildwuchs werden wir Freiheitliche uns jetzt anschauen. Wir machen da nichts anderes als die Aufgabe der Bundesregierung. Das heißt: Wir leisten einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung, aber nicht am Rücken der Bevölkerung, sondern wir wollen hineinschauen (👏 FPÖ): Was ist da mit diesem Sumpf los? Warum fließen da überhaupt Gelder und helfen die der Bevölkerung? Das ist ja die Aufgabe der Politik. Sie können es auch so sehen: Das ist die Übersetzung der Volkskanzlerschaft auf die Staatsfinanzen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wo ist denn der Volkskanzler eigentlich den ganzen Tag?

FPÖ Michael Schnedlitz

… dass das der Bevölkerung helfen muss und nicht den Parteien, den Politikern und dem eigenen Sumpf. (👏 FPÖ) Die Menschen wissen, wir sind seit Langem falsch abgebogen – schon lang! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Schauts es euch an ...! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Michael Schnedlitz

… Da fließen Milliarden hinaus, aber die Gelder kommen bei den Menschen nicht an – das Geld kommt bei den Menschen nicht an! Sie ziehen den Menschen das Geld raus, aber keiner weiß, was damit passiert, egal ob das jetzt die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge oder die Höhe der Steuern ist. Die Leistung passt im Vergleich dazu nicht mehr. Da können Sie noch so nervös werden, gerade Sie von den NEOS: Sie haben ja einmal wirtschaftlich gedacht. Wenn ein Unternehmer so denkt wie Sie in dieser Regierung, meldet er ja nach drei Monaten Konkurs an, sehr geehrte Damen und Herren. (👏 FPÖ) Wenn Sie dann mit den Förderungen bei den NGOs fertig sind und sich die anderen Förderungen angeschaut haben – die Doppel-, die Mehrfachförderungen, die zigfachen Förderungen und so weiter –, dann schauen Sie sich vielleicht noch die Auftragsvergaben an, zum Beispiel die zig Millionen Euro für Softwareprojekte, bei denen man als Erstes die Frage stellt: Brauchen wir diese Software im Bund? …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... Software ...!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Wenn Sie es mit den Förderungen vergleichen, kommen Sie vielleicht darauf, dass Sie das Produkt, das Sie kaufen, selbst finanziert oder zumindest mitfinanziert haben – über die Forschungsförderung in der Herstellung. So absurd ist es in dieser Republik, so tief geht mittlerweile der Sumpf, und dann sind wir dort, wo es heißt, im System zu sparen – das wäre genau Ihr Auftrag als Deregulierungsstaatssekretär. Dann machen wir Politik für die Menschen und nicht gegen die Menschen, wie es zurzeit der Fall ist. (👏 FPÖ) 15.11 RN/88.1 Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Die Redezeit der nunmehr zu Wort gemeldeten Abgeordneten beträgt gemäß der Geschäftsordnung 5 Minuten. Stellungnahmen von Mitgliedern der Bundesregierung oder zu Wort gemeldeten Staatssekretärinnen und Staatssekretären sollen nicht länger als 10 Minuten dauern. Zu Wort gemeldet hat sich für eine Stellungnahme Herr Staatssekretär Schellhorn. – Bitte, Herr Staatssekretär, Sie gelangen zu Wort.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Man kann jetzt nach diesen Ihren Ausführungen zur Anfragebeantwortung, Herr Staatssekretär, ganz ehrlicherweise fragen: Sepp, was machst du? – Aber besser passt wahrscheinlich mittlerweile: Sepp, was ist aus dir geworden? Sepp, was ist los mit dir? (👏 FPÖ) Es ist unglaublich, wie unterirdisch Sie da jetzt agiert haben. Von wegen er macht das unpolemisch und so weiter – der Schlusssatz allein trieft nur so vor Polemik. Die rinnt noch vom Regierungspult runter, Ihre Polemik – schämen Sie sich! Was ist aus dir geworden, Sepp? …

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Wenn du vom Schämen redest!

FPÖ Christoph Steiner

… Dann herzugehen und so ein dünnes Mapperl mitzuhaben – es reicht ja nicht einmal für eine dicke Mappe – und zu kritisieren, dass eine Oppositionspartei parlamentarische Kontrolle macht: Was ist denn aus dem Abgeordneten Sepp Schellhorn geworden? Der hätte das doch mit Klauen verteidigt, dass Parlamentarier die Regierung kontrollieren. Und wenn wir das nicht gemacht hätten, wären Sie gar nie draufgekommen, dass ihr so viele komische Sachen fördert. (👏 FPÖ) Aber jetzt sind wir schon beim Punkt: Sich dann noch hierherzustellen und die Volkskultur lächerlich zu machen, wo Ihre eigene Außenministerin in der ukrainischen Tracht herumhüpft, und nicht eine einzige Volkskultureinrichtung im Förderbericht Ihres Ministeriums stehen zu haben …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

... Außenministerium ... Österreich!

FPÖ Christoph Steiner

… bedeutet – wieder einmal typisch –: Euch ist die Volkskultur überhaupt kein Anliegen. Dafür ist es aber wichtig, dass man mit über 50 000 Euro die Frauensitzkreise in Nicaragua fördert – na gratuliere! ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Dann geht es weiter mit den linksideologischen Veranstaltungen. Das muss man sich einmal vorstellen: 81 176,87 Euro für die linksideologische Veranstaltung 30-jähriges Jubiläum der Wiener Weltkonferenz über Menschenrechte 2023.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

... Menschenrechte!

FPÖ Christoph Steiner

… Im Vergleich dazu, Herr Staatssekretär: Der Arbeiter-Samariter-Bund, der ja der SPÖ ein bisschen nahesteht, hat für vier Veranstaltungen 2 316 Euro bekommen. Also: Wenn dir schwindlig wird, dann hilft dir sicher die linksideologische Veranstaltung und nicht der Arbeiter-Samariter-Bund. Aber logisch, Herr Schellhorn: Wenn man im Bereich der Deregulation überhaupt nichts liefert, wenn der Deregulator einfach nicht deregulieren will , dann bleibt halt nichts anderes übrig, als ein bisschen zu polemisieren und mit dem Audi A8 durch die Weltgeschichte zu gondeln. – Traurig, was aus Ihnen geworden ist. Sepp, was ist los mit dir? …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Irgendwie fad heute! Ich weiß nicht, war schon stärker!

FPÖ Christoph Steiner

… Die Hosi, die im Übrigen auch die Pride finanziert, ist mit den ÖBB - - Die ÖBB sind ja sowieso die Lustigsten. Ich habe eine Anfrage gestellt, was die ÖBB wieder für das Pride-Month ausgegeben hat, und die hat das dann beantwortet: 2024 waren es 31 000 Euro und 2025 waren es aufgrund des Sparzwanges – jetzt haltet euch fest! – nur noch 26 000 Euro. Also wofür wir in dieser Republik alles Geld haben und für die Pensionisten nicht – traurig, traurig, traurig. (👏 FPÖ) Leider kann ich gar nicht mehr alles aufzählen, was ihr alles mit Steuergeldern fördert; im Förderkatalog: 17 000 Euro, 17 000 Euro, 17 000 Euro – drei Mal hintereinander –, European Union Youth Orchestra Foundation. Googelt bitte einmal, liebe Steuerzahler, was ihr über das Außenministerium alles fördert! Die Österreichische Liga für Menschenrechte mit Zehntausenden von Euros; einen Haufen Refugees-welcome-Vereine: Zigtausende Euros. Und, Herr Staatssekretär, wenn Sie dann behaupten, wir stellen Anfragen zu 2023: völlig falsch. Jetzt haben Sie die ganze Mappe da, schauen Sie noch einmal hinein! Das war 2024 ; denn der letzte Bericht war 2023, und für 2024 gibt es gar keine Daten, Zahlen und Fakten. Deshalb unsere Anfrage. Die Transparenzgeschichte gilt erst seit 2025, und auch da ist nicht alles öffentlich, weil Förderungen unter 1 500 Euro nicht öffentlich gemacht werden müssen. Was heißt das jetzt? – Ich mache mehrfach – doppelt, dreifach, zigfach – Förderungen, und dann brauchen wir es nicht öffentlich zu machen.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Wir sind nicht wie die FPÖ!

FPÖ Christoph Steiner

… Ihr zahlt im Übrigen, liebe Steuerzahler – die letzten Sekunden noch –, für afghanische Kulturvereine, afghanische Sportvereine, ein Magazin „Anschläge“ – was auch immer das sein soll; es gibt ein Magazin „Anschläge“, das gefördert wird –, Fridays for Future, Fridays for Future Wien, Global 2000 – der Verein von Gewessler –, die Gras, die Homosexuellen Initiative und, und, und. – Also, lieber Deregulator, beginne zu deregulieren, besser jetzt als morgen, und dann braucht ihr die armen österreichischen Pensionisten, die dieses Land aufgebaut haben , nicht länger schröpfen!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Lindinger. – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Klaus Lindinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Also was wir hier jetzt von den Freiheitlichen gesehen haben, zuerst von Kollegen Schnedlitz und jetzt von Steiner, ist an Populismus, Fake News und anderen Sachen gar nicht zu übertreffen. ( Widerspruch bei der FPÖ. ) Es ist nicht zu übertreffen, Herr Kollege Steiner! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Schau dir die Anfragebeantwortung an!

ÖVP Klaus Lindinger

… Es stimmt eines: dass wir in diesem Land einen Sparkurs einleiten. Ja, das ist gut.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wann fangt ihr denn an mit dem Sparen?

ÖVP Klaus Lindinger

… Wir nehmen niemandem Geld weg, weder den Familien noch den Pensionisten.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

... Pensionisten! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Klaus Lindinger

… Aber eines ist ganz klar: Wenn wir einen Sparkurs antreten, dann haben wir alle einen Beitrag zu leisten, und diesen Beitrag gibt es auch bei der EZA, wo wir gekürzt haben, gibt es auch bei den Förderungen, wo wir jetzt den Förderdschungel durchforsten, damit wir keine Doppelförderungen haben – und dazu stehen wir. Wir stehen dazu, dass wir das Budget dahin gehend in der Zukunft wieder ins Plus bringen, auf die positive Seite. (👏 ÖVP) Und was macht die FPÖ? – Die FPÖ schickt eine Anfragenflut von über 2 000 Anfragen in jedes Ministerium …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Parlamentarische Kontrolle, du ...!

ÖVP Klaus Lindinger

… die FPÖ versucht, alles zu blockieren, die Verwaltung und darüber hinaus. Das ist aber nicht konstruktiv. Das ist destruktiv, was ihr macht, es ist destruktiv.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Solange das Außenministerium Zeit für Blogaktivitäten hat, können Anfragen auch beantwortet werden!

ÖVP Klaus Lindinger

… Ihr hättet vor einigen Monaten die Möglichkeit gehabt, hier Verantwortung zu übernehmen, für dieses Land, dieses Land in eine gute Zukunft zu führen. Das wolltet ihr nicht! Dagegen seid ihr gewesen. Euer Herbert Kickl war nicht dafür, dass er ein Staatsmann ist und dieses Österreich in die Zukunft führt, und deshalb gibt es drei Parteien, die zusammengefunden haben und miteinander für die Zukunft dieses Landes arbeiten. Und ja, ich sage schon auch, dass wir in gewissen Bereichen mehr Transparenz brauchen. Wir sind dafür, dass mit Steuergeld verantwortungsbewusst umgegangen wird ( Rufe bei der FPÖ: Seit wann? ), dass das auch transparent aufgelistet werden muss. Dazu stehen wir als Volkspartei – na logisch! Mit Steuergeld muss verantwortungsvoll umgegangen werden. Was aber passiert bei den Freiheitlichen bei dieser kurzen Debatte in diesem Haus, meine sehr geehrten Damen und Herren? – Es werden alle NGOs in einen Topf geworfen. Wir haben viele im Bereich der sozialen Dienste, der Pflege, Blaulichtorganisationen …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Die kriegen ein Hundertstel! Vier Veranstaltungen: 2 000 Euro! Im Gegensatz zu 50 000 in Nicaragua!

ÖVP Klaus Lindinger

… und die werden alle von Ihnen, Herr Kollege, in den Dreck gezogen. Das lasse ich hier nicht gelten. Das lasse ich nicht gelten. (👏 ÖVP) Ich habe gesagt, wir brauchen volle Transparenz. Dazu stehen wir. In den NGOs wird unverzichtbare Arbeit geleistet, das sehen wir vor allem, wenn wir ins Inland schauen – welch wichtige Dienste da gemacht werden. Diese Leute verdienen Respekt, diese Leute verdienen Vertrauen und Unterstützung und nicht den Generalverdacht, unter den die Freiheitliche Partei sie stellt. (👏 ÖVP) Zusammenfassend, meine sehr geehrten Damen und Herren, heißt das: Hauen wir die NGOs nicht pauschal in einen Topf, diskreditieren wir sie nicht! Wir müssen das differenziert sehen. Wir haben einen klaren Kurs: Transparenz ja, Missbrauch nein, aber volle Anerkennung für die unbezahlbaren Leistungen unserer NGOs, unserer Ehrenamtlichen, die unsere Gesellschaft so stark machen. – Genau so schaut es aus. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Höfler. – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie gelangen zu Wort.

SPÖ Bernhard Höfler

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Es ist immer ganz beeindruckend, wenn man sich so die letzten Monate vonseiten der FPÖ gibt. Da kriegt man nicht nur Migräneschübe, sondern man kann zu den Wortspenden von Steiner und Schnedlitz nur sagen: unglaublich, was ihr von euch gegeben habt, ja unglaublich! Beim Zillertaler tue ich mir eh schon schwer, denn da kommt eh nur warme Luft. Bei der Verschwörungstheorie, die von euch erzählt wird, kommt durch: Wir haben jetzt die heiße Spur gefunden. (Abg. Steiner [FPÖ] – die sogenannte Scheibenwischerbewegung machend –: Was redest du?) – Ja, wir haben die heiße Spur gefunden! …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Jetzt weißt du wenigstens, wo du da reingeraten bist!

SPÖ Bernhard Höfler

… Ihr kommt ja schon fast an die Spur von Tom Turbo heran. Es ist unglaublich, was hier in diesem Haus seit Monaten erzählt wird. Es kommt mir auch so vor, als ob die FPÖ eine eigene Weltkarte hätte. Da gibt es diesen tiefen Staat und man erzählt dann jeden Tag, was in dieser Republik so passiert – ja, sogar die Feuerwehrsirene wird vom tiefen Staat im Prinzip auch vorgegeben. Dann gibt es die linke Verschwörung. Erinnert euch an die Bergrettung – die kriegt auch Fördergeld –, denn bei der Bergrettung ist es so: Wenn man da mit einem Seil am Berg dranhängt, kurz vor dem Abhang, dann denkt man immer an die linke Verschwörung. Also man denkt nicht daran, dass man sich festhält, sondern man sagt: Die linken Verschwörungstheorien, die Sozialisten! – Der Sozialismus hat heute noch gefehlt, Kollege Steiner, das hättest du noch einbauen können, Sozialismus, das wäre noch wichtig gewesen, dann hättest du die Story ganz, ganz fertig erzählt.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Der Sozialismus hat nur Schlechtes über die Welt gebracht! Nur Schlechtes, egal wo!

SPÖ Bernhard Höfler

… Das Absurde an der ganzen Story, die ihr da mit den Tausenden Anfragen erzählt, ist ja: Die FPÖ hat Angst vor der Feuerwehr, die FPÖ hat Angst vor dem Roten Kreuz, vor dem Samariter-Bund, vor der Caritas und sogar vor der linken Bergrettung. Das heißt, das ist im Prinzip das, was von all diesen Anfragen hängenbleibt. (Abg. Steiner [FPÖ] – die sogenannte Scheibenwischerbewegung machend –: Was redest du?) Ich frage mich ganz ehrlich, ich bin ja selber Familienvater - - Ihr müsst schon auch ein bisschen zuhören. Wenn ihr auf der einen Seite kritisiert, wir würden nicht zuhören, gilt das auf der anderen Seite für euch in diesem Haus hoffentlich auch selbst.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bis jetzt waren Sie völlig unbekannt!

SPÖ Bernhard Höfler

… Hört einfach einmal zu! Man hört sich jetzt seit Monaten diese gesamte gesprungene Platte an, wobei im Prinzip nichts hängenbleibt – außer dass man jemanden unter Generalverdacht stellen will. Das ist das, was da abläuft. Ich als Familienvater – Kollege Steiner, du bist selber Vater geworden – frage mich ganz ehrlich: Wie redet denn ihr mit den eigenen Kindern in den vier Wänden? …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Meiniger ist erst acht Monate!

SPÖ Bernhard Höfler

… Erzählt ihr das dann so: Ihr müsst aufpassen wegen dem bösen Staat, bitte passt auf, der böse Staat kommt euch zu Hause abholen!? – Das ist ja unglaublich absurd, was ihr da teilweise erzählt, das hält man ja wirklich nicht aus. (👏 SPÖ) Ehrlich gesagt: Gegensätze machen ja sicher. Vereine entlasten die Republik, der Herr Staatssekretär hat es angesprochen, die FPÖ belastet sie mit Anfragen – kostet Millionen. Die Vereine schaffen Vertrauen, die FPÖ zerstört Vertrauen – man sieht es am Vertrauensindex; so ganz weit oben seid ihr nicht angesiedelt. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Und die Vereine – und das wurde auch angesprochen – sind notwendig, ohne Vereine funktioniert unser gesellschaftliches Zusammenleben in dieser Republik nicht.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wo leben Sie denn mittlerweile? Wo lebst du mittlerweile?

SPÖ Bernhard Höfler

… Aber ehrlicherweise, und das muss man halt auch sagen, ohne FPÖ fehlt halt auch nichts.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr habt unter 20 Prozent! Du bist erledigt! Geschichte!

SPÖ Bernhard Höfler

… Ja, passt schon. Ich repliziere gerne auf deine Ausführungen: dass du seit Monaten in diesem Haus Menschen diskreditierst und beleidigst.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, ja!

SPÖ Bernhard Höfler

… Da bist du aber kein Gewinner, Kollege Steiner, das sage ich dir auch ehrlich. Seit dem Frühjahr hören wir uns an, wie du mit anderen in diesem Haus umgehst, also rede du nicht von Gewinner und Verlierer. Ein Gewinner diskreditiert andere Menschen nicht! Das gilt auch für dich, hat mit Charakter zu tun. (👏 SPÖ) Ganz ehrlich: Seit Monaten erleben wir dieses FPÖ-Kabarett – es ist ein Kabarett: Volkskanzler, tiefer Staat, Systempartei, Einheitspartei …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja, seids ja!

SPÖ Bernhard Höfler

… alles Beschimpfungen unter der Gürtellinie –, und was mir jetzt noch fehlt – Klubobmann Kickl ist jetzt nicht da, er wurde ja von Norbert Hofer als Orca bezeichnet –: Ich hoffe mittlerweile, dass irgendwann einmal der Volksgoldfisch in diesem Haus erfunden wird, denn der Volksgoldfisch schwimmt nämlich nur im Kreis, in Sekundenschnelle hat er vergessen, wo er war, und landet im Prinzip immer am selben Punkt. Und das ist genau das Gleiche, was ihr seit Monaten von euch gebt: immer dieselben Parolen, immer dieselbe Angst und immer dieselben Schuldzuweisungen, permanent wie eine gesprungene Platte. ( Ruf bei der FPÖ: Nichts zum Inhalt beigetragen! Gar nichts! ) Abschließend: Wir stehen beim Roten Kreuz, wir stehen bei unseren Vereinen in dieser Republik, das sind die Leistungsträger:innen in unserer Gesellschaft – nicht die Platte, die ihr permanent erzählt. Ohne unsere Vereine funktioniert die Demokratie in Österreich nicht. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Brandstötter. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Wenn die FPÖ keine Argumente mehr hat, dann erfindet sie Gespenster, und heute heißt das Gespenst NGO-Business. Angeblich fließen da Steuermillionen in dunkle Kanäle. – Das ist absurd, das ist haltlos und es ist vor allem eine Frechheit, eine Frechheit gegenüber all jenen Menschen, die sich in Österreich ehrenamtlich engagieren. (👏 SPÖ, NEOS) Sie stellen sich hier heraus, mit Schaum vor dem Mund, diskreditieren die Menschen. Ja, ich habe schon ein bisschen Verständnis dafür, denn in Ihrer Welt geht es um Gucci-Handtaschen, da geht es darum, dass man Steuergeld in Sporttaschen durch die Gegend trägt, und darum, dass man auf Kosten der Parteiakademie ganz schön viele Afrikareisen macht. Fragen Sie doch einmal bei Kollegen Kassegger, bei Kollegen Hafenecker nach, die ganz gerne als Touristen auf Steuerzahlerkosten um die Welt fahren! NGOs, meine Damen und Herren, sind keine Unternehmen, die Profite machen. Sie sind Vereine, sie sind Initiativen, sie sind Zusammenschlüsse von Menschen, die ihre Freizeit, ihre Expertise oft ihr ganzes Leben in den Dienst einer Sache stellen. Sie betreiben Frauenhäuser, sie helfen Obdachlosen, sie kümmern sich um geflüchtete Menschen, sie leisten Integrationsarbeit, sie engagieren sich in Umweltbelangen, sie verteidigen die Rechte von Kindern und Jugendlichen. Sie übernehmen Aufgaben, die der Staat oft alleine nicht mehr leisten kann und die unser Zusammenleben überhaupt erst gelingen lassen. Ein gelingendes Zusammenleben will die FPÖ halt nicht, sie lebt von Spaltung, sie lebt von Hetze. Jeder einzelne Cent, meine Damen und Herren, der in eine NGO fließt, ist nachvollziehbar. Die Mittel sind an ganz klare Kriterien gebunden, sie werden geprüft, sie werden kontrolliert, und das ist exakt das Gegenteil von intransparentem Business. (👏 SPÖ, NEOS) Sehen wir uns noch einmal die Fakten an. Die Fakten sind glasklar: Die FPÖ hat auf alle Arten und Weisen versucht, Sand ins Getriebe zu streuen und ein sachliches Arbeiten für unsere Republik zu blockieren. Auf 227 Seiten – Sepp Schellhorn hat es gezeigt – wurden 2 175 Fragen samt Unterfragen dazu gestellt, allen Ministerien, zu jeder nur erdenklichen NGO.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das ist unser Recht!

NEOS Henrike Brandstötter

… Allein 23 Abteilungen im Außenministerium wurden damit befasst, in der Budgetabteilung allein waren vier Arbeitstage notwendig, um diese Gespensterjagd unter Dach und Fach zu bringen. Und – darum geht es! – diese Zahlen sind öffentlich einsehbar.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Nein!

NEOS Henrike Brandstötter

… Sie waren einfach zu faul ( Rufe bei der FPÖ: Nein! Nein! ) , zu faul, um sie sich endlich zusammenzutragen, weil Sie einfach auch sonst nichts arbeiten. Sie können immer nur mit dem Finger auf andere zeigen und immer nur hetzen und einen Blödsinn verfassen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das ist kein Beitrag zur Demokratie, das ist ein Fall von Bürokratieverschwendung. Welchen Erkenntnisgewinn erwarten Sie sich denn eigentlich, warum man für eine Veranstaltung ein Rettungswesen engagiert? – Das ist Gesetz, junger Mann, merken Sie sich das! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Was redest so gscheit? Du Gscheite! Ja, wo sind wir denn?!

NEOS Henrike Brandstötter

… Sie kritisieren, dass man bei einer Veranstaltung für Erste Hilfe sorgt. Wo sind wir denn? Ihnen geht es ja gar nicht um Transparenz, es geht Ihnen um Misstrauen, es geht Ihnen darum, die Zivilgesellschaft zu spalten; das wollen Sie. (👏 SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, NGOs sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Demokratie. Jeder zweite Österreicher, jede zweite Österreicherin engagiert sich in ihrer Freizeit mit Herz, mit Hingabe bei einer NGO, und diese Menschen treten Sie mit Füßen, diese Menschen, die sich beim Roten Kreuz, bei der Caritas, beim Samariterbund, beim Hilfswerk, bei der Volkshilfe, wo auch immer – in kleinen Museen am Land – engagieren. Dieses Engagement stiftet Zusammenhalt und sozialen Frieden und ist einfach unbezahlbar. Unbezahlbar, das kann man in diesem Fall auch volkswirtschaftlich messen: 22 Milliarden Euro Gesamtwertschöpfung leisten gemeinnützige Organisationen jedes Jahr in Österreich. 22 Milliarden Euro: Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

90 Prozent jener, die das leisten, werden nicht gefördert!

NEOS Henrike Brandstötter

… Demgegenüber stehen 3,4 Milliarden Euro staatliche Zahlungen im NGO-Bereich über fünf Jahre. Wer rechnen kann, Kollege, ist klar im Vorteil.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber 90 Prozent von denen werden nicht gefördert!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das heißt, für jeden Euro Förderung bekommt Österreich ein Vielfaches an Wert zurück. Das ist keine Verschwendung, das ist eine Investition ins Gemeinwohl, und genau deshalb sage ich, eine liberale Demokratie braucht NGOs. Sie sind Partnerinnen und Partner, nicht Feindbilder. Sie sind der Beweis, dass Freiheit mehr ist als nur ein Schlagwort. Wer NGOs schwächt, der schwächt unsere Gesellschaft, und genau das habt ihr im Blick. Wer NGOs attackiert, wie ihr es tut, der zeigt einfach nur autoritäres Denken. Es gibt kein NGO-Business, es gibt engagierte Menschen in Österreich, die ihr Bestes geben, die helfen, wo andere einfach nur hetzen, und diesen Menschen gilt unser Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Hammer. – Bitte, Sie gelangen zu Wort.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es eh mutig, dass die FPÖ hier eine Debatte über die verantwortungsvolle Verwendung von Steuergeldern führen will. Ich rate nur allen, die hier zuhören und zusehen, einmal in Google einzugeben: FPÖ Spesenskandal Wien, FPÖ Spesenskandal Graz, FPÖ Finanzminister Gefängnis, FPÖ Sporttasche …

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Das sagt ein Grüner, der uns das eingebrockt hat!

GRÜNE Lukas Hammer

… dann wird sich einiges finden. Es ist besonders mutig, dass Sie hier so große Töne spucken, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, wenn es um Steuergelder geht. (👏 SPÖ) Aber reden wir darüber: Sie haben an alle Ministerien eine Anfrage mit 2 175 Einzelfragen plus Unterfragen gestellt und wollen 725 Organisationen abfragen. Da geht es unter anderen um Organisationen wie das Rote Kreuz, die St.-Anna-Kinderkrebsforschung, die Aids-Hilfe, den Alpenverein, die Wohnungslosenhilfe, den Blinden- und Sehbehindertenverband, die Internationale Rettungshunde Organisation, die Katholische Jugend Österreich oder Licht ins Dunkel; 725 Organisationen, unter anderen diese. Die FPÖ will von jeder dieser Organisationen wissen, ob es Zahlungen des angefragten Ministeriums gab, Herr Kollege Steiner, oder ob Mitglieder des Kabinetts oder der Partei Mitglied, Mitarbeiter oder Aktivist bei den oben genannten NGOs sind. Die Frage ist, Kollege Steiner, warum stellen Sie so eine Anfrage? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Weil es uns interessiert!

GRÜNE Lukas Hammer

… Warum interessiert eine Partei, ob irgendein Bürgermeister Mitglied eines Musikvereins ist, ob ein Gemeinderat beim Roten Kreuz ist oder ob ein Mitarbeiter vom Staatssekretär für Licht ins Dunkel spendet? …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Um das geht es nicht!

GRÜNE Lukas Hammer

… Warum stellen Sie so eine Anfrage? Wenn es Ihnen nicht um das geht, warum fragen Sie das dann!? Das sind sehr bedenkliche Überwachungsfantasien, die da bei Ihnen zutage kommen. Ihnen geht es nicht um Transparenz. Das beweist allein schon die Tatsache, dass Sie sich über die ganzen Organisationen lustig gemacht haben und die Organisationen, die Ihnen nahestehen, nicht abgefragt haben. ( Rufe bei den Grünen: Oh! Was?! ) Da können wir gar nichts sagen. Da frage ich mich: Um was geht es Ihnen eigentlich? Geht es Ihnen um Transparenz? …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Na frag sie ab!

GRÜNE Lukas Hammer

… Wenn es Ihnen um Transparenz gehen würde – ein Beispiel –: Transparenz gibt es schon. Wir haben ein Informationsfreiheitsgesetz hier in diesem Parlament beschlossen , dazugehörig eine Transparenzdatenbank, mit der es möglich sein wird, alle Zahlungen von Ministerien und Organisationen einzusehen …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Welche NGOs ...?!

GRÜNE Lukas Hammer

… also das, was Sie teilweise abgefragt haben. Dreimal dürfen Sie raten, Kollege Steiner, welche Partei gegen das Informationsfreiheitsgesetz gestimmt hat.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, wir!

GRÜNE Lukas Hammer

… Ja, die FPÖ! Sie haben, als es darum ging, gegen Transparenz gestimmt. Es geht Ihnen nicht um Transparenz – Kollegin Brandstötter hat es angesprochen –, es geht Ihnen nur darum, die Zivilgesellschaft mit Dreck zu bewerfen und in ein schiefes Licht zu rücken! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Lies einmal die NGOs vor, die dir peinlich sind!

GRÜNE Lukas Hammer

… Und es geht um ein bekanntes Muster. Zuerst werden NGOs als verdächtig hingestellt, es werden angebliche Skandale konstruiert, geheime Zahlungsflüsse, die eh in Datenbanken gespeichert und veröffentlicht werden. Danach kürzt man ihnen die Mittel und schränkt ihre Rechte ein.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

2024 ist nicht öffentlich!

GRÜNE Lukas Hammer

… Und wenn sie nicht brav sind und auf Linie gebracht werden, dann werden sie verboten. So hat es Ihr Herr Orbán gemacht, so hat es Herr Putin gemacht, und wir sehen das gerade bei dem von Ihnen verehrten Herrn Trump in den USA. Genau diesen Weg wollen Sie auch gehen. Das Ziel ist klar: Es geht Ihnen darum, die lebendige Demokratie, so wie wir sie heute haben, zu zerstören. Das ist Ihr Ziel.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich erinnere an die Coronazeit! Red du nicht über Demokratie!

GRÜNE Lukas Hammer

… Eine Zivilgesellschaft, die sehr viele wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft übernimmt und die hin wieder auch ihr Wort kritisch erhebt, ist das Fundament unserer Demokratie. Anstatt sie so wie die FPÖ mit Dreck zu bewerfen, verdienen diese Menschen unsere Dankbarkeit: Vielen Dank an alle, die sich ehrenamtlich und beruflich in Vereinen, Organisationen organisieren und so unser Land am Laufen halten! – Danke schön. (👏) Liebe Kollegen von der ÖVP! Von einer rechten Partei wie der FPÖ erwarte ich mir nichts anderes. Aber leider müssen wir erleben, insbesondere auf EU-Ebene, dass auch die Konservativen und insbesondere die ÖVP in dieses Narrativ einsteigt.

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Weil wir Missbrauch aufzeigen!

GRÜNE Lukas Hammer

… Herr Kollege, Sie müssen sich entscheiden …

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Ich habe gesagt, Transparenz und kein Missbrauch!

GRÜNE Lukas Hammer

… ob Sie gemeinsam mit uns unsere Demokratie verteidigen oder ob Sie gemeinsame Sache mit den Demokratiefeinden machen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Eine Pseudodemokratie!

GRÜNE Lukas Hammer

… Die Entscheidung liegt bei Ihnen. – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Kurze Debatte über eine Anfragebeantwortung, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:44

GRÜNE David Stögmüller

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich vor, Sie sitzen gerade im Flugzeug, auf dem Weg von einem wunderschönen Urlaub nach Hause, Sie freuen sich schon seit ein paar Stunden, dass Sie endlich nach Hause kommen, in den Garten, um ein bisschen zu relaxen, und plötzlich die Lautsprecherdurchsage im Flugzeug: Sehr geehrte Damen und Herren! Wir werden noch ein paar Kreise ziehen müssen, weil der Flugraum über Salzburg gesperrt worden ist. – Sie kreisen noch ein bisschen, und ein bisschen länger dauert es, bis Sie endlich in Salzburg ankommen. Das Ganze passiert während der Neueröffnung des Hangar-7 von Mateschitz von Red Bull. Die Bundesregierung lässt auf Wunsch der Frau Bundesministerin den Luftraum über Salzburg sperren. Der Betrieb am Flughafen Salzburg wird eingestellt, und das Bundesheer schickt seinen Eurofighter als Programmeinlage für diese tolle Veranstaltung. Das ist keine öffentliche Veranstaltung. Wir reden nicht davon, dass das eine große Luftveranstaltung für Personen ist, die gerne Eurofighter anschauen. Nein, wir reden von einer privaten, von einer geschlossenen Feier von Red Bull mit Mateschitz, der ÖVP und sehr vielen VIPs. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir reden hier über Abfangjäger. Unsere Eurofighter sind keine Partyattraktion, sondern militärisches Gerät! (👏) Was mich noch dazu ärgert: Wir sind in Zeiten, in denen wir alle – jede Bürgerin, jeder Bürger – sparen müssen, in denen wir alle den Gürtel ein bisschen enger schnallen müssen. Ich habe persönlich überhaupt nichts gegen Red Bull ( Ruf bei der ÖVP: Na! ), aber dass man in solchen Zeiten bei der Privatfeier des reichsten Österreichers Steuergeld rausschmeißt, das verstehe ich nicht.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Vermögensteuer!

GRÜNE David Stögmüller

… Ich würde mir wünschen, dass Sie mir das erklären. Wie kann man für den reichsten Steuerzahler …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Reichsten Steuerzahler, ja!

GRÜNE David Stögmüller

… nicht Steuerzahler, den reichsten Menschen Österreichs denn überhaupt diese Privatfeier machen? Können Sie sich auch einen Privatjet, einen Eurofighter, bei der Frau Ministerin mieten, weil Sie Lust darauf haben? Na ja, schauen wir uns das an! Was ist das für ein Bild? Eurofighter fliegen für Steuergeld bei einer VIP-Party der Superreichen in Zeiten wie diesen, in denen wir überall sparen müssen: bei den Pensionen, beim Klimaschutz, bei der Entwicklungszusammenarbeit, bei den Lohnabschlüssen. Es geht noch weiter: Während Europa im Krieg ist, während die Freiheit Europas angegriffen wird, machen wir große PR-Shows mit Steuergeld. Und die Frage ist: Ist das notwendig? RN/96.1 Frau Minister, bei Ihnen wurde ja – und das muss ich jetzt auch erwähnen, ich habe extra etwas mitgenommen – auch schon eine Werbefläche gebucht. Heute haben Sie es ja nicht. Ich zeige es Ihnen. Hier ist es. ( Der Redner stellt eine Tafel auf das Redner:innenpult, auf der Bundesministerin Tanner abgebildet ist. ) Man kann es ja hier ganz gut sehen: eine Werbefläche in lebender Person – ich habe es Ihnen auch vergrößert ausgedruckt. Moment, vielleicht sieht man es dann besser: die Red-Bull-Ohrringe.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Wie peinlich bist du, Oida?!

GRÜNE David Stögmüller

… Red-Bull-Ohrringe hat sich die Frau Ministerin bei einer Pressekonferenz schön und groß anstecken lassen. ( Heiterkeit der Bundesministerin Tanner. – Ruf bei der ÖVP: Was soll denn das?! ) Schön und groß Red Bull, und das ist schon etwas ganz Besonderes. ( Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) Korrigieren Sie mich! Red Bull-Ohrringe! Korrigieren Sie mich! Eine Ministerin als Werbefläche, ich habe das bis jetzt noch nicht erlebt. Ich weiß nicht, ob es die Kolleginnen und Kollegen erlebt haben. Ich bin seit zehn Jahren im Haus. ( Bundesministerin Tanner deutet auf einen Bundesheeranstecker auf ihrem Revers. ) – Ja, das ist ja hoffentlich ein öffentliches Abzeichen, aber Red Bull ist noch nicht verstaatlicht. Ich weiß es nicht. ( Bundesministerin Tanner hält ihr Smartphone in die Höhe, auf dessen Schutzhülle das Bundesheerlogo prangt. ) Ich weiß nicht, ob die schon verstaatlicht sind. Ich habe das aber noch nie gesehen. Vielleicht können sehr erfahrene Kolleginnen und Kollegen da ja widersprechen. Ich würde gerne wissen: Hätten das andere Minister in diesem Haus gemacht – wenn wir das gemacht hätten, wenn Herr Kickl das dazumals gemacht hätte –, na wo wäre da der Aufschrei gewesen? ( Der Redner nimmt die Tafel vom Redner:innenpult und hält sie in die Höhe. ) Aber bei der Frau Ministerin ist mit Red Bull alles in Ordnung, das ist ja ein Kollege und Werbepartner. (👏) – Ja, Sie können schon Trost trinken, Sie können schon ein bissel Spaß machen; ich finde es ein bissel peinlich, Frau Ministerin! Ich finde es ein bissel peinlich. Vielleicht muss man Sie auch loben, dass Sie so transparent sind. Vielleicht ziehen Sie sich gleich in Ihren bekannten Uniformen – ich weiß nicht – Logos an und Logos irgendwo drüber. Dann können Sie sich – ich weiß nicht, der TSV Hartberg hat jetzt so ein Problem – vielleicht bei denen anschauen, wie solche Logos ausschauen. Aber: Was soll das? Was soll das ernsthaft? Eine Ministerin mit Logos von privaten Unternehmen, das geht sich in dieser Republik nicht aus! (👏) In Ihrer Beantwortung sprechen Sie von Übungsflügen, gleichzeitig von einer gelebten Partnerschaft mit Red Bull. Das klingt nach einer ganz klaren Ausrede, die beides sein soll, nämlich Übung und Werbung. Da beginnt der gefährliche Spagat bei dieser gesamten Geschichte, denn entweder reden wir über sicherheitsrelevante Übungen, und wenn wir von sicherheitsrelevanten Übungen reden, dann dürfen sie nicht im Rahmen einer Privatveranstaltung gestellt werden, oder wir reden über PR-Kooperation, dann haben Eurofighter dort einfach nichts zu suchen. Das ist ganz einfach, Übungen ja, aber bitte dort, wo sie sinnvoll sind, nicht bei einem Sektempfang für Superreiche und VIPs. Ich finde das nicht lustig. Ich finde es nicht lustig, dass die Ministerin da „Prost“ oder so etwas schreit. Wir sind in einer kritischen Situation, meine sehr geehrten Damen und Herren , und ich finde das nicht lustig, dass hier im Parlament so etwas irgendwie als Spaß abgetan wird. Europa wird angegriffen, die Freiheit Europas wird tagtäglich angegriffen! Man muss nur die Schlagzeilen lesen: Russische Drohnen und Flugzeuge dringen mehrfach in den Luftraum anderer EU-Länder ein, in Polen, in Estland, in Dänemark, auch in Norwegen – das sind ernsthafte Warnsignale. Ja, da können Sie schon so dreinschauen, Frau Ministerin – wenn Sie es nicht ernst nehmen, dann nehmen Sie es halt nicht ernst, aber das ist ein Anschlag auf unsere Freiheit! ( Ruf bei der ÖVP: Was hat denn das damit zu tun? ) Wenn in Kopenhagen ein Drohnenangriff auf den Flughafen verhindert wird, wenn von Russland auch ganz konkrete Drohungen gegen Österreich kommen, und wir machen nur PR-Shows – na hawidere! Wenn Europa in der Luft bedroht wird, dann muss auch Österreich vorbereitet sein. Ja, wir sind neutral, aber das bedeutet nicht Naivität. Wir brauchen eine starke und verlässliche Luftraumüberwachung, die im Ernstfall sofort reagieren kann. So, Frau Ministerin, die Sommerpause ist vorbei. Erst letzte Woche hat der Nationale Sicherheitsrat getagt, und die Regierung hat es bisher nicht geschafft, eine gemeinsame Erklärung zur Sicherheit Österreichs zu schaffen und umzusetzen. Es geht darum, eine klare Zielvorgabe für den Umgang mit Bedrohungen zu haben, Sie haben es nicht geschafft. Da hätten Sie einmal Ihre Energie investieren sollen! Warum schafft die Bundesregierung in der Sicherheitsstrategie nicht eine gemeinsame Lösung für den Umgang mit hybriden Bedrohungen? Was ist mit Sky Shield? Was ist mit der Österreichischen Sicherheitsstrategie? Frau Ministerin, was ist da los? Ich frage Sie das ernsthaft! Im April hat die Regierung eine neue Sicherheitsstrategie angekündigt, und bis heute ist noch immer nichts da – sehen Sie nicht, wie ernst die Lage in Europa ist? Noch immer kein Plan, keine Strategie, keine Umsetzung. Wieder ist ein Sommer vorübergezogen, und es gibt Ankündigungen, aber leider nichts Konkretes. Was ist mit den Eurofightern, was ist mit dem Primärsystem der österreichischen Luftraumüberwachung? Wir wissen schon lange, dass es für die Eurofighter eine neue Lösung braucht, da sie immer teurer werden und immer höhere Betriebskosten haben. Ich kann mich noch erinnern, als Sie letztes Jahr angekündigt haben, es gebe eine neue Strategie, eine Entscheidung wurde angekündigt. Doch anstatt Klarheit zu schaffen, verschiebt die Regierung diese Entscheidung wieder auf das nächste Jahr und auf das übernächste Jahr; wieder Ankündigungen, Ankündigungen, Ankündigungen. Wieder zieht ein Sommer ins Land, und wieder wird nichts entschieden. Gut, dann warten wir halt wieder einmal. Europa wird angegriffen – wir warten, bis die nächste Entscheidung getroffen wird. Gleichzeitig werden alle Trainingsjets, die Sie ja kaufen wollten, schnell beschafft. Ein Geschäft, das viele Fragen offen lässt: Warum dort so schnell und bei der anderen Entscheidung lassen Sie sich sehr viel Zeit? Das ist ja die nächste Frage, denn das wirkt planlos. Frau Ministerin, das wirkt planlos! Sie sagen auf der einen Seite immer noch, das Primärsystem - - (Bundesministerin Tanner : Sie tun mir so leid!) – Sie können ruhig Wehrsprecher anderer Fraktionen lächerlich machen, Frau Ministerin. Das tut mir nicht leid, Sie tun mir leid! Sie fühlen sich wohl ein bisschen überfordert in Ihrer Position, denn anders kann man das schon nicht mehr erklären. Diese Planlosigkeit, diese Ankündigungen, die Sie ja machen, aber nichts daherbringen, sind schon ein bisschen ein Problem.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Bisschen weniger Red Bull trinken vor der Rede!

GRÜNE David Stögmüller

… Kommen wir zum Thema Transparenz: Was ist denn mit dem Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission? Alle hier haben gehört, die Frau Ministerin werde den vorlegen – der liegt bereits vor, seit Monaten, seit Anfang des Jahres liegt der vor –, sie werde den übermitteln. Sie haben angekündigt, nach dem Sommer würden Sie den Bericht ans Parlament liefern. Na wo ist dieser Bericht der Beschaffungs-Prüfkommission? Wo ist er? Der Sommer ist vorübergezogen, und es gibt wieder nur Ankündigungen. Sie übermitteln den Bericht nicht, schon wieder nicht, genau das ist das Problem: Sie veröffentlichen die Berichte nicht, Sie mauscheln irgendwie ein bisschen, Sie bringen uns nichts. Frau Minister, wir brauchen in Österreich Sicherheit und klare Entscheidungen, nicht nur irgendwelche Ankündigungen, die Sie ständig machen. Wir brauchen ein Bundesheer, das ausschließlich für die Sicherheit unseres Landes da ist und nicht für irgendwelche Werbeaktionen. Machen wir weniger Showpolitik für Milliardäre, sondern machen wir Sicherheitspolitik für Österreich und für Europa, für unsere Sicherheit. In diesen Zeiten, da die Freiheit Europas tatsächlich von Russland angegriffen wird, brauchen wir nicht irgendwelche Ankündigungen, brauchen wir nicht irgendwelche Werbeflächen von Ihnen, Frau Ministerin, sondern eine tatsächliche Strategie, und die vermissen wir schon seit Monaten und Jahren. – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Die Redezeit der nunmehr zu Wort gemeldeten Abgeordneten beträgt gemäß Geschäftsordnung 5 Minuten. Stellungnahmen von Mitgliedern der Bundesregierung oder Wortmeldungen von Staatssekretärinnen und Staatssekretären sollen nicht länger als 10 Minuten dauern. Zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Tanner. Ich erteile es ihr. – Bitte, Frau Bundesminister.

FPÖ Volker Reifenberger

Hohes Haus! Im Juni wurde der weit über die österreichischen Grenzen hinaus bekannte Hangar-7 in Salzburg nach seinem umfangreichen Umbau feierlich wiedereröffnet – mit einer beeindruckenden Flugshow, internationalen Gästen und einem großen medialen Echo. Einen Monat später ungefähr – auf Zuruf der ehemaligen grünen Landesrätin Astrid Rössler, die sich ja auch hier im Hohen Haus noch ein politisches Ausgedinge gegeben hat, ziemlich farblos und ohne wirkliche Nachhaltigkeit …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Respektlos! Du musst nicht respektlos sein gegenüber Abgeordneten!

FPÖ Volker Reifenberger

… sie hat sich jetzt als Anrainersprecherin des Salzburger Flughafens geriert und versucht, für die Grünen sozusagen noch einen innenpolitischen Aufreger zu erzeugen …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Na! Na! Das ist unwürdig! Sie ist ja nicht einmal da!

FPÖ Volker Reifenberger

… wollte der grüne Abgeordnete Stögmüller nun in einer parlamentarischen Anfrage wissen, warum zwei Eurofighter des Bundesheeres im Rahmen dieser Veranstaltung eine Schleife über den Salzburger Flughafen gezogen haben. Wissen Sie, meine Damen und Herren: Es liegt mir wirklich fern, die Frau Verteidigungsminister zu verteidigen, aber ich frage mich wirklich: Gibt es keine wichtigeren Themen, die wir hier im Hohen Haus diskutieren sollten? (👏 ÖVP, FPÖ) Was ist tatsächlich passiert? – Zwei Eurofighter haben, wie es gerade erzählt wurde, im Rahmen ihrer allgemeinen Einsatzvorbereitung den Salzburger Flughafen überflogen. Dazu muss man wissen, dass der Salzburger Flughafen – so wie alle anderen österreichischen Flughäfen auch – als Ausweichflugplatz für die Eurofighter dient. Also ein ganz normaler Überflug, keine zusätzlichen Kosten, und das Wichtigste: Alles offiziell genehmigt. Es gibt einen Bescheid des Infrastrukturministeriums vom 28. Mai dazu. Die an die Wand gemalte schlimme Einschränkung des zivilen Flugbetriebs dauerte genau 55 Minuten, von 17.05 bis 18 Uhr. Ein Turkish-Airlines-Flug hatte eine 5-minütige Verspätung und einige Abflüge verzögerten sich noch weniger als 5 Minuten. Zitat des Flughafens: „Alles im normalen Bereich“, keine Umleitungen, keine Entschädigungen, kein Chaos. Also bitte, wenn das ein Skandal sein soll, dann weiß ich es wirklich nicht. Als ob wir keine größeren Sorgen hier im Haus haben! Was stattgefunden hat, ist ein positives Ereignis: Wir haben einen enormen Imagewert für Salzburg, für Österreich und für unser Bundesheer generiert, denn der Hangar-7 ist ein international beachtetes Aushängeschild für Technik, Luftfahrt, Kulinarik und Design und wird jedes Jahr von Tausenden Besuchern besucht. Eines möchte ich an dieser Stelle auch erwähnen: Das Museum im Hangar-7 wird kostenlos von Herrn Mateschitz zur Verfügung gestellt, dafür ist kein Eintritt zu bezahlen. (👏 FPÖ, NEOS) Red Bull ist einer der größten Investoren in diesem Land und Steuerzahler, ein großes Unternehmen, das viele Arbeitsplätze schafft, Steuern zahlt, internationale Sichtbarkeit bringt, Unglaubliches im Sport leistet, historisch wertvolle Immobilien liebevoll restauriert, die Paracelsus-Medizinische-Privatuniversität und die Forschung sponsert …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Mit 70 Millionen!

FPÖ Volker Reifenberger

… einen fantastischen Beitrag für die österreichische Medienlandschaft leistet und vieles mehr. Als Salzburger darf ich auch festhalten, wie wichtig dieses Unternehmen für die Region, aber auch weit darüber hinaus ist. Was im Untergrund immer so ein bisschen mitschwingt – bei der Rede von Kollegen Stögmüller und auch von anderen –, ist eine Art Red-Bull-Bashing oder eine Neiddiskussion, eine Neiddebatte.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Geh!

FPÖ Volker Reifenberger

… Da haben aber auch die Roten in der Vergangenheit gehörig dazu beigetragen, ich erinnere nur an die unqualifizierten Wortmeldungen von Andreas Babler und Julia Herr vor zwei Jahren – und dagegen verwahre ich mich ausdrücklich. (👏 FPÖ) Von dieser Veranstaltung, die den Grünen so ein Dorn im Auge ist, profitiert das Bundesheer massiv, denn das ist eine kostenlose Werbung. Gerade in Zeiten von historischem Personalmangel, speziell nämlich bei den Piloten und Fluglotsen, brauchen wir diese Werbung wie einen Bissen Brot.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

... Privatmarkt!

FPÖ Volker Reifenberger

… Was mich als Wehrsprecher aber viel mehr stört, sind die zahlreichen Überflüge von ausländischen Militärmaschinen. Allein im Jahr 2024 gab es 5 580 Überflüge ausländischer Streitkräfte, davon allein 1 355 von den USA, 14 nicht genehmigte Überflüge.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das ist ja eine Kriegserklärung der USA!

FPÖ Volker Reifenberger

… Heuer schauen die Zahlen im Übrigen nicht viel anders aus. Dieses Thema ist der wahre Skandal, denn da wird unsere Neutralität mit Füßen getreten, aber darüber regen sich die Grünen nicht auf. Das zeigt, wes Geistes Kind die Grünen sind. (👏 FPÖ) Flüge unserer österreichischen Eurofighter werden skandalisiert, Überflüge ausländischer Militärmaschinen werden gutgeheißen. Das entlarvt sich von selbst, mehr ist dazu nicht zu sagen. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ofenauer. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr verehrte Zuseherinnen und Zuseher! Bis auf den letzten Satz hätte ich meinem Vorredner zustimmen können. Den Schluss, was die Neutralität betrifft, kann ich natürlich nicht nachvollziehen, genauso wenig, wie ich den Sinn dieser Anfrage des Kollegen Stögmüller nachvollziehen kann.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das ist das Problem, dass ihr nicht seht, was das Problem hinter dieser Anfrage ist!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Ich weiß nicht, ob er sich als Aufdecker à la Peter Pilz gerieren will ( Ruf bei den Grünen: Nein, der Stögi ist besser! ), ob er Aufregung erzeugen will, ob er skandalisieren möchte; ich weiß es nicht. Diese Rede hat jedenfalls eines gezeigt: Sich mit den Ohrringen einer Ministerin auseinanderzusetzen und diese dann als Werbeträgerin zu bezeichnen, das hätte ich einem Grünen nicht zugetraut, meine Damen und Herren.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wieso? – Abg. Egger [ÖVP]: Bravo!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Das ist unterirdisch. (👏 ÖVP) Tatsache ist, meine Damen und Herren, dass an besagtem Tag eine Veranstaltung von Red Bull, von Mark Mateschitz, stattgefunden hat. In diesem Zuge wurde eine Zone über dem Hangar-7, über dem Flughafen Salzburg gesperrt, alles bewilligt, alles genehmigt. Ja, es dürfte dabei, wie den Zeitungsmeldungen zu entnehmen ist, Lärmbeschwerden gegeben haben. Ja, es soll so sein. Ich weiß nur nicht, was das mit dem österreichischen Bundesheer und mit unseren Eurofighterpiloten zu tun haben soll, denn Tatsache ist auch, dass unsere Piloten das machen müssen, was wir uns auch für die Miliz wünschen: üben. Es ist wichtig, dass unsere Piloten ihre Einsatzbereitschaft aufrechterhalten. Genau für solche Fälle, bei denen Alarmstarts notwendig sind, bei denen Luftraumverletzungen passieren, müssen diese Piloten üben – und sie nutzen dafür jede sich bietende Gelegenheit. Eine solche Gelegenheit ist zum Beispiel seit 2003 auch die Airpower, eine Zusammenarbeit auch mit Red Bull, die sehr gute Synergieeffekte bringt – nicht nur für das österreichische Bundesheer, sondern auch für Red Bull, so ehrlich muss man sein, aber auch für das Land Steiermark und für viele andere. Das ist überhaupt kein Problem, sondern bringt allen etwas. (👏 ÖVP) Tatsache ist, dass da eine Skandalisierung durch den Kollegen Stögmüller passiert, die nicht notwendig ist. Seine Rede ist dann auch ein bisschen in eine Kraut-und-Rüben-Rede abgeglitten, er hat die Beschaffungskommission erwähnt, die Beschaffungen, die nicht rechtzeitig und nicht ausreichend kommen würden. Das Gegenteil ist der Fall, meine Damen und Herren. Unter Bundesministerin Klaudia Tanner ist die Mission vorwärts des österreichischen Bundesheeres zu einer Mission aufwärts geworden. Wir haben das höchste Verteidigungsbudget in den letzten Jahren. Wir werden das österreichische Bundesheer wieder verteidigungsfähig machen: mit den notwendigen Beschaffungen in der Luft – Raketenabwehr, Drohnenabwehr, auch Nachbeschaffung der Eurofighter, die dringend notwendig ist, die weiteren Leonardo-Jets, die auch notwendig sein werden –, mit den Nachbeschaffungen am Boden – mit Kampfpanzer Leopard, Ulan und so weiter –, den Ertüchtigungen im Cyberraum bis hin zum Weltall; alles das, was uns wieder verteidigungsfähig macht, weil es leider notwendig ist in dieser Zeit, in dieser Welt, in der wir leben. Gerade angesichts dieser geopolitischen und auch sicherheitspolitischen Herausforderungen ist es nicht zweckdienlich, mit derartigen Anfragen das Image des österreichischen Bundesheeres auch nur etwas anzukratzen, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Laimer. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Vorweg möchte ich sagen: Ich bin Rapid-Anhänger und daher persönlich unverdächtig, die Red-Bull-DNA zu haben. Das gehört nicht zu meiner Hausmarke. Gleichzeitig muss aber auch klar festgehalten werden: Übungen sind Übungen, Kollege Stögmüller …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Das ist ein Zufall! Zufällig!

SPÖ Robert Laimer

… und sie sind unverzichtbar für unser Bundesheer.

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Seit wann ist jetzt die SPÖ bei der Promi-Party?

SPÖ Robert Laimer

… Allgemein gesagt: Wer die Sicherheit und den Schutz in unserem Land ernst nimmt, sollte dazu auch stehen, wenn militärisches Gerät öffentlich sichtbar ist, egal bei welcher Veranstaltung.

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Na bitte!

SPÖ Robert Laimer

… Im Juni wurde der Hangar-7 in Salzburg mit einer Flugshow – eine Show, das stimmt – wiedereröffnet, an der auch – ausdrücklich: auch – das Bundesheer teilnahm.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

War es jetzt eine Show oder eine Übung? – Zwischenruf des Abg. Schwarz [Grüne].

SPÖ Robert Laimer

… Dass man Wochen später daraus eine innenpolitische Affäre konstruieren will, ist ein bisschen künstliche Aufregung würde ich sagen. Es klingt mehr nach Aufregung als nach ernst gemeinter Sorge um den Luftraum.

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Könnten die dann bei meiner Geburtstagsfeier auch ...?

SPÖ Robert Laimer

… Was ich allerdings zugebe: Die Optik ist schief, aber kein Flugskandal. Der Eindruck – und das ist das Problematische –, Eurofighter bestellen zu können, ist natürlich problematisch und wird auch von uns als Sozialdemokratie abgelehnt. Aber das Heer fliegt und das Heer macht keine Show. Den Showteil hat nicht das Bundesheer gemacht, sondern Red Bull. Es war ein Trainingsflug, der auch keine Mehrkosten verursacht hat; bleiben wir bei der Wahrheit. Der Flughafen hat bestätigt, dass alles im normalen Bereich lief …

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Eben nicht!

SPÖ Robert Laimer

… es gab keine nennenswerten Verzögerungen, keine Umleitungen und vor allem auch keine Schäden. Von einer Beeinträchtigung des zivilen Luftraumes kann keine Rede sein. Wir – vor allem auch die Grünen – sprechen sehr gerne von europäischer Zusammenarbeit und gemeinsamer Verteidigung. Wie soll Österreich in Europa ein glaubwürdiger Partner sein, wenn schon bei einem genehmigten Trainingseinsatz in Salzburg ein Politskandal inszeniert wird? Daran sollten wir seriöserweise auch denken. Wer auf europäische Kooperationen setzt, muss zuerst die eigenen Hausaufgaben machen, und dazu gehört auch, dass unser Heer auch im Inland trainiert und seine Flugeinheiten absolviert. Ich will auf die positive Seite kommen: Das Bundesheer verdient unseren Respekt und unsere Unterstützung. Wir wollen ein Heer, das trainiert, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Die Übungsflüge des österreichischen Bundesheers anlässlich der Festveranstaltung haben keine Mehrkosten für den Steuerzahler, für die Steuerzahlerin verursacht. Vielmehr hat die Bundesregierung die Airpower in Zeltweg auf Jahre ausgesetzt. Das ist weder dem Land Steiermark noch der Republik leichtgefallen. Es zeigt aber deutlich einen klaren Sparwillen der Regierung auf, und zwar gemeinsam. Es gibt vieles, das brisant und prioritär ist oder wäre, zum Beispiel die Drohnenabwehr als Gebot der Stunde …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Stimmt!

SPÖ Robert Laimer

… ein Übungsflug der Eurofighter anlässlich einer Veranstaltung ist jedenfalls nicht ausreichend geeignet, um konstruktiv Kritik zu üben. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Hoyos-Trauttmansdorff. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Vielleicht einmal ganz kurz vorweg: Natürlich, das will ich gar nicht verhehlen, ist die Optik der ganzen Geschichte sicher nicht elegant …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… und, wie ich glaube, auch nicht besonders schön. Ich glaube aber trotzdem, dass diese Debatte, und das muss man schon klar sagen, mittlerweile der sicherheitspolitischen Lage von ganz Europa nicht gerecht wird. Wenn wir eine sicherheitspolitische Debatte führen, während Putin die Ukraine überfallen hat und dort nach wie vor Krieg herrscht, während tagtäglich Drohnen in europäische Mitgliedsländer, mittlerweile bis nach Warschau geschickt werden, während wir mittlerweile tagtäglich das Eindringen von russischen Fliegern in europäischen Luftraum registrieren, und wir hier dann über die Ohrringe einer Ministerin diskutieren ( Ruf bei den Grünen: Tun wir ja nicht! ), halte ich das der Schwere der Situation, in der wir als Europa uns befinden, für unangemessen und muss das auch ganz klar so sagen. (👏 ÖVP, NEOS) Wie ich gerade ausgeführt habe, haben wir eine Situation – David, du hast es ja im zweiten Teil deiner Rede auch angesprochen –, in der wir politisch sehr viel gemeinsam lösen müssen. Ich glaube, da braucht es aber auch einen gemeinsamen Schulterschluss hier im Parlament. Es braucht ihn insbesondere deshalb, weil viele der Beschaffungen – David, du hast angesprochen: Nachbeschaffung Eurofighter – Beschaffungen sein werden, die aufgrund der budgetären Lage aus dem Regelbudget nicht machbar sind. Wir müssen uns zusammensetzen und gemeinsam schauen, wie wir das hinbekommen, denn es ist die Verantwortung von uns als Parlamentariern dieses Hauses, dafür zu sorgen, dass unser Luftraum gesichert wird. Wir sehen, die Angriffsszenarien haben sich verändert. Wir leben nicht auf einem heilen Planeten und schon gar nicht auf einem heilen Kontinent, wo wir, wie wir das über Jahrzehnte gedacht haben, in Frieden miteinander leben können. Der Aggressor Putin ist bereit und er ist tagtäglich bereit, auszuloten, was geht, und wir brauchen eine massive Aufrüstung, insbesondere was den Luftraum betrifft, um uns verteidigen zu können. Ich weiß, Klubobmann Kickl schaut schon - - …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich frage nur: Wie viele hundert Flugzeuge brauchen wir denn? Wer wird sie bezahlen?

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Wir brauchen auf jeden Fall mehr, als wir momentan haben, Herr Kollege Kickl. Sie können in die von Ihnen oft zitierte Schweiz schauen, die haben wesentlich mehr Abfangjäger als wir. Ich glaube, wir sollten durchaus schauen, dass wir im europäischen Verband unseren Luftraum schützen können.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die nehmen ihre Neutralität noch ernst!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Da sind wir dann bei Ihrem Lieblingsthema – ich freue mich ja so wahnsinnig, dass Sie jetzt hier sind, denn Sie sind ja nie den ganzen Tag hier …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Jetzt bin ich hier!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… nämlich bei Sky Shield. (👏 ÖVP, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, ich muss die Chance jetzt nutzen, um Herrn Kickl Folgendes zu erklären: dass Sky Shield erstens nicht, wie Sie und Ihr Generalsekretär Hafenecker immer wieder behaupten, eine Nato-Initiative ist. Das ist falsch, es ist eine europäische Initiative, die sehr wertvoll ist. Sie behaupten und haben das auch im „Sommergespräch“ wiederholt – leider waren Sie bei meiner letzten Rede diesbezüglich nicht hier –, dass das ganz gefährlich ist, weil wir damit Russland angreifen können. Sie wissen, wie lange die Middle Range ist – und das ist das, was momentan budgetiert ist. Wir können auch gerne über die Long Range reden, auch diese hat nicht die Reichweite. Sie stellen sich vor, wir schießen damit bis nach Russland, bis nach Moskau. Middle Range, Sky Shield: 60 Kilometer. Long Range, Sky Shield: 100 Kilometer.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich weiß nicht, was Sie gesehen haben, aber auf jeden Fall nicht mein „Sommergespräch“!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… O ja, ich habe Ihr „Sommergespräch“ gesehen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Dann können Sie nicht sinnerfassend zuhören!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Die Distanzen haben nichts mit Ihrer Verschwörungstheorie zu Sky Shield und Ihrer Angst, dass wir hier aktiv werden, zu tun. (👏 ÖVP, NEOS) Ich glaube, das sind aber die Investitionen, die wir als Europa brauchen. Wir brauchen einen gemeinsamen Schutzschirm über dem Luftraum, weil der Luftraum gerade militärisch die bedrohte Dimension ist und dementsprechend sollten wir da investieren.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die Drohnen! Gegen die Drohnen hilft es, oder?

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Natürlich, auch dagegen hilft es. Abfangjäger sind momentan das Mittel Nummer eins gegen Drohnen. Das ist übrigens auch in Polen so gewesen, die Drohnen sind dort nämlich von Abfangjägern abgeschossen worden. Dementsprechend ist es sehr wichtig, dass wir uns zusammensetzen, Herr Kollege, und auch darüber diskutieren, wie wir den Eurofighter in Zukunft gemeinsam machen. Ich glaube, wir sollten uns der politischen Realität stellen und die Diskussionen dort führen, wo sie notwendig sind, nämlich wenn es darum geht, unseren Luftraum zu schützen. Das betrifft Nachbeschaffung Eurofighter, das betrifft Sky Shield schnell auch in der Long-Range-Variante auszubauen und genau diese Beschlüsse hier gemeinsam zu fassen. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Tomaselli. – Bitte, Frau Abgeordnete. (Abg. Shetty [NEOS]: Jetzt geht es wahrscheinlich wieder um Ohrringe!)

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe allen Rednern inklusive der Frau Ministerin aufmerksam zugehört, und ich habe irgendwie das Gefühl, dass der Kern der Debatte verloren gegangen ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ja, das hat mit der Begründung begonnen! – Zwischenrufe bei der ÖVP.

GRÜNE Nina Tomaselli

… Worum geht es? – Es geht um eine Privatparty von 1 500 geladenen Gästen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Da musst du selber lachen!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Promis aus der ganzen Welt werden mit Privatjets ein- und ausgeflogen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

... Klimakonferenz!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Die Privatparty ist übrigens so elitär, dass nicht einmal Medien darüber berichten können. Alle Fotos, die es heute gibt, sind mit dem Teleobjektiv durch den Zaun geschossen worden. Warum kommen die Leute hin? – Es gibt eine Flugshow von Red Bull – keine Flugübung des Bundesheeres, eine Flugshow von Red Bull. Weil der Limohersteller auch auf Du und Du mit Altlandeshauptmann Haslauer ist, wird der zivile Flugverkehr am Flughafen Salzburg für eine Stunde gesperrt. Und jetzt kommt es: Die ohnehin laxen Auflagen, die man bei einer Flugshow eben einhalten muss, werden nicht eingehalten. Zum Dank schicken Sie, Frau Ministerin Tanner, als krönenden Abschluss die Eurofighter, die einen Salut vom Verteidigungsministerium bringen. Das geht auf keine Kuhhaut, sage ich Ihnen. (👏) Wenn man Ihnen zuhört – ich habe Ihnen genau zugehört –: Sie haben null Problembewusstsein, ganz im Gegenteil. Wenn man Ihnen zuhört, kriegt man sogar das Gefühl, wir müssten Red Bull so dankbar sein, dass wir ihnen für den Eurofighterauftritt fast noch Geld geben müssten …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Aber Ihnen wird Red Bull dankbar sein für die Werbeeinschaltung!

GRÜNE Nina Tomaselli

… weil man auf einer geschlossenen Promiparty halt auch noch die Volksnähe zeigen kann. Diese Sponsorings – und da geht es nicht nur um Red Bull – von privaten Firmen haben meiner Meinung nach im öffentlichen Bereich und ganz besonders beim österreichischen Bundesheer gar nichts verloren. Wie schaut denn sonst die Soldatin der Zukunft aus? – Jetzt will ich gar nicht von den Red-Bull-Ohrringen reden, aber hat die dann so ein Emblem wie Skifahrer , hier ( auf die linke Schulter zeigend ) Red Bull und da ( auf die rechte Schulter zeigend ) Raiffeisen und Illwerke? Es macht es nicht besser, wenn Sie diese Frage zu den Ohrringen ins Lächerliche ziehen (Bundesministerin Tanner: Unfassbar, ... Feministin ...!) , denn dann haben Sie einfach den Kern des Problems nicht verstanden. Nein! (👏) Überlegen Sie: Die gesamten Skandale der Rüstungskonzerne in den vergangenen Jahren sind doch nur wegen dieser Deals und Gegendeals mit Megakonzernen entstanden, aber das hat ja nicht einmal Grasser zustande gebracht. Wissen Sie, Frau Tanner, woran mich das erinnert? – Die Nachfolge von Herrn Lüssel und Herrn Lasser könnte Frau Lanner werden, wenn ich mir das so anschaue. (👏) Ihnen hat der Rechnungshof – das sagen nicht nur die Grünen – bereits 2016 gesagt, dass diese Kooperation mit Red Bull so nicht geht. (Bundesministerin Tanner: ... unfassbar!) Nur damit die Zuseherinnen und Zuseher sich auch etwas vorstellen können: Da geht es um rund 1 Million Euro, die von Red Bull an das österreichische Bundesheer als Sponsoring fließt. Das Beispiel in Salzburg zeigt ganz deutlich, dass es eben einen Unterschied macht (Bundesministerin Tanner: Schämen Sie sich!) , ob man Sponsoring macht oder nicht. Sie im BMLV können das nicht auseinanderhalten. (Bundesministerin Tanner: Schämen Sie sich!) Sie sind am Sponsoringauge eben nicht blind, ganz im Gegenteil. Vor lauter Augenzwinkern und Partnerschaft mit Red Bull gönnt man sich solch ein Showhighlight und tauft es im Nachhinein Übung. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) Übrig bleibt einmal mehr: Die Reichen in diesem Land können es sich richten. Das ist Gift für die Demokratie. Sie brauchen mir als Abgeordnete dieses Hohen Hauses nicht fünfmal ins Ohr zu sagen, dass ich mich schämen muss. – Herr Präsident, guten Morgen, in Ihrem Fall. – Schämen Sie sich für dieses Verhalten! (👏) Es ist meine Aufgabe als Abgeordnete, so etwas aufzuzeigen. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) Vor lauter richten: Was Sie sich herrichten, das kann ich Ihnen auch sagen, das sieht man ganz genau: Anfragebeantwortungen an das Hohe Haus. Sie können die simpelsten Fragen nicht beantworten. Selbst wenn der Eurofighterüberflug nur ein kurzer Abstecher war, Kosten hat er verursacht, und deshalb können Sie gegenüber dem Parlament auch darlegen, wie hoch diese Kosten sind. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Was mich besonders ärgert: Ich meine, von den NEOS habe ich mir gar nichts anderes erwartet, aber dass jemand von der SPÖ plötzlich rauskommt und sich für die Privilegien von Superreichen starkmacht – so bequem ist es also schon auf der Regierungsbank geworden. (👏) Das waren eigentlich die breiten Schultern, die nach eurer Meinung mehr tragen wollen , und jetzt haltet ihr eine Verteidigungsrede für solch einen Sponsoringskandal. (👏) 16.22

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu dieser Debatte ist niemand mehr zu Wort gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. (Abg. Tomaselli [Grüne]: Sie sollen noch was zur Ministerin zu „schämen“ sagen, ...!) An dieser Stelle: Frau Bundesminister! So sehr ich Emotionen in der Debatte verstehen kann, gilt für alle Mitglieder der Bundesregierung, dass die Abgeordneten hier eine Kontrollfunktion ausüben. Ich ersuche, auch wenn emotional vielleicht verständlich, trotzdem die Contenance zu wahren, die Abgeordneten auch nicht mit Zwischenrufen - - Sie haben sicher eine starke Fraktion, die Sie entsprechend unterstützt, das weiß ich auch. – Danke, Frau Bundesminister. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 4-6, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 16:23

ÖVP Margreth Falkner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Wenden wir uns nach dieser sehr verhaltensoriginellen Diskussion wieder dem Waffengesetz zu. Ich darf zu Beginn meiner Ausführungen einen Abänderungsantrag einbringen. RN/105.1 Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , MA, Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen zum Bericht und Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten (205 der Beilagen) betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Pyrotechnikgesetz 2010 und das Schusswaffenkennzeichnungsgesetz geändert werden Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der dem eingangs bezeichneten Ausschussbericht angeschlossene Gesetzesentwurf wird wie folgt geändert: 1. In Art. 2 (SchKG) wird nach Z 4 folgende Z 4a eingefügt: „4a. § 5 lautet samt Überschrift: ‚Übergangsregelung § 5. Schusswaffen oder wesentliche Bestandteile von Schusswaffen, die noch nicht gemäß § 1 gekennzeichnet und ab dem 14. September 2018 erworben wurden, sind innerhalb von sechs Monaten ab dem gemäß § 62 Abs. 23 WaffG kundzumachenden Zeitpunkt gemäß § 1 zu kennzeichnen.‘“ 2. In Art. 2 (SchKG) wird in Z 5 (§ 9 Abs. 3) die Wendung „§ 1 Abs. 2 sowie § 4 Abs. 1“ durch die Wendung „§ 1 Abs. 2, § 4 Abs. 1 sowie § 5 samt Überschrift“ ersetzt. Ich darf alle sehr herzlich begrüßen und ganz besonders dort oben die Mittelschule Obdach aus der Steiermark. – Schön, dass ihr hier seid! ( Allgemeiner Beifall. ) Ja, Graz hat uns alle erschüttert, und die Wunden werden wohl niemals ganz verheilen. Solche Taten dürfen einfach nicht hingenommen werden. Wir haben gehandelt – schnell, konsequent und verantwortungsvoll. Heute legen wir die größte Reform des Waffengesetzes seit 30 Jahren vor. Ein klares Signal, denn die Sicherheit der Menschen in Österreich hat oberste Priorität. Was bringen wir mit dieser Novelle auf den Weg? – Wir heben das Mindestalter für den Waffenbesitz an, damit unreife Entscheidungen nicht zu lebensgefährlichen Folgen werden – Waffen sind kein Spielzeug. Wir verschärfen die psychologischen Kontrollen – Verlässlichkeit ist keine Formalität, sie wird überprüft: regelmäßig und gründlich. Nur wer wirklich zuverlässig ist, darf eine Waffe besitzen. Wir verlängern die Wartezeit beim Waffenkauf, weil niemand aus einem spontanen Impuls heraus zur Waffe greifen darf. Wir verbessern die Zusammenarbeit der Behörden, damit Informationen nicht in Schubladen verstauben. Sicherheit erlaubt keinen Kompromiss, sie ist unsere Pflicht. Wir beziehen auch Waffenteile und bisherige Grauzonen ins Gesetz mit ein. Damit schließen wir Schlupflöcher und erschweren den illegalen Handel. Meine Damen und Herren! Ich sage ganz klar: Wer gegen diese Gesetzesvorlage stimmt, sagt Nein zu mehr Sicherheit, denn Schusswaffen treffen oft auch im eigenen Zuhause. Jeder Femizid ist ein Mahnmal, deshalb verschärfen wir dieses Gesetz auch zum Schutz der Frauen, und um potenzielle Täter zu entwaffnen. Wir wissen sehr genau, dass wir damit nicht alles verhindern können, aber wir können das Risiko verringern. Mein Dank gilt Innenminister Karner und allen, die über den Sommer mit sehr großem Einsatz an dieser Novelle gearbeitet haben. In nur zwölf Tagen wurden mehr als 460 Stellungnahmen bearbeitet, das ist Teamwork auf höchstem Niveau – vielen herzlichen Dank! (👏 ÖVP, SPÖ) Damit ist es auch möglich, die Interessen derjenigen, die schon seit jeher verantwortungsvoll mit Waffen umgehen – Jäger, Sportschützen, Schützenkompanien –, zu berücksichtigen. So können die Tiroler Schützen ihre Traditionen bewahren und auch weiterhin wertvolle Jugendarbeit leisten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, mit wie viel Herzblut und Engagement sie dieses Brauchtum leben und für die Gemeinschaft einstehen. Diese Gesetzesvorlage schließt niemanden aus, der verantwortungsvoll handelt, aber sie zieht eine klare Grenze, und auch Tradition braucht Verantwortung. Sehr geehrte Damen und Herren! Wir setzen heute ein Zeichen, denn jeder Mensch in Österreich hat ein Recht, in Sicherheit zu leben: in der Schule, am Arbeitsplatz und auch auf den Straßen. Ich frage in Richtung Opposition auf der rechten Seite: Was ist verantwortungsvoller, meine Damen und Herren: Menschen zu schützen oder Schlagzeilen zu produzieren und Ängste zu schüren? Sie reden von Showpolitik, und ich sage Ihnen eines: Wir machen Politik, Sie machen die Show.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Schlechte Politik, leider!

ÖVP Margreth Falkner

… Dieses Gesetz schützt Menschen, dieses Gesetz kann Straftaten verhindern. Dieses Gesetz ist ein gutes Gesetz. – Ich bitte Sie alle: Stimmen wir gemeinsam für mehr Sicherheit und Verantwortung! (👏 ÖVP) 16.29 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/105.2 Pyrotechnikgesetz 2010 und Schusswaffenkennzeichnungsgesetz (AA-26) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der Abänderungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und ausreichend unterstützt, er steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet und schon am Rednerpult ist Frau Abgeordnete Schatz. – Bitte. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Sabine Schatz

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Ja, wir diskutieren und wir beschließen heute die größte Verschärfung des Waffengesetzes, die wir je durchgeführt haben – und ja, es ist ein längst überfälliger Schritt. Der Zugang zu Waffen wird heute extrem eingeschränkt und erschwert, ob es die psychologischen Testungen sind, wiederkehrende Überprüfungen, die Erhöhung des Mindestalters, Einschränkungen bei Waffenkäufen, die vierwöchige Abkühlphase oder die klaren Regelungen für Waffenverbote bei Ermittlungen und natürlich auch bei Verurteilungen. Wir sorgen heute mit dem Beschluss dieser Novelle für mehr Sicherheit, für Sicherheit vor Waffengewalt. (👏 SPÖ) Wir handeln damit ganz klar im Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Eine erst kürzlich präsentierte Umfrage zeigt das ganz klar: Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung wünschen sich diese Verschärfungen des Waffengesetzes, die längst überfällig sind.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mit Umfragen sollten Sie ein bisschen vorsichtig sein!

SPÖ Sabine Schatz

… Und nicht erst seit diesem tragischen Amoklauf in Graz sehen wir hier dringenden Handlungsbedarf. Es ist schon mehrfach auf die tragischen Femizide – letzte Woche waren es zwei Frauen, die mit Schusswaffen ermordet worden sind – hingewiesen worden. Diese reihen sich ja nur ein in eine Reihe von Femiziden in den letzten Jahren, von Frauen, die durch Schusswaffen ermordet worden sind. Seit 2019 sind in Österreich mindestens 40 Frauen mit Schusswaffen ermordet worden, alleine in diesem Jahr sind es fünf Frauen, die mit Schusswaffen getötet worden sind. Da ist dringender Handlungsbedarf sichtbar. Eine Studie zur Untersuchung von Femiziden in Österreich aus dem Jahr 2023 unterstreicht das auch. Diese Entwicklung, dass bei häuslicher Gewalt immer mehr Schusswaffen involviert sind, zeigt diese Studie klar auf, und natürlich sind, wenn Schusswaffen im Spiel sind, tödliche Auswirkungen entsprechend höher. Ja, wir haben 2021 im Sicherheitspolizeigesetz eine Regelung geschaffen, die zu einem Waffenverbot bei einem Annäherungs- und Betretungsverbot geführt hat. Heute gehen wir mit der Novellierung des Waffengesetzes einen Schritt weiter, indem wir hier weiter gehende Maßnahmen setzen. Künftig kann nämlich schon bei Ermittlungen wegen gefährlicher Delikte und Gewaltverbrechen im sozialen Nahbereich – das ist eben auch häusliche Gewalt – ein vorläufiges Waffenverbot verhängt werden, bei Verurteilungen natürlich sowieso. Ich bedanke mich an dieser Stelle auch ganz klar bei allen Gewaltschutzeinrichtungen, die sich da während der Begutachtungsphase mit ihren Stellungnahmen miteingebracht haben – herzlichen Dank. (👏 SPÖ) Wir regeln jetzt auch ganz klar: Bei Ermittlungen – bei Verurteilungen sowieso – nach dem Verbotsgesetz kann es sofort zu einem Waffenverbot kommen. Die Zahlen rechtsextremer Straftaten steigen wieder massiv an, und wir wissen auch von der großen Waffenaffinität in rechtsextremen Kreisen nicht erst seit den letzten Waffenfunden bei Hausdurchsuchungen Anfang September hier in Österreich. Insgesamt zählen wir mehr als 50 Waffenfunde – teilweise riesengroße Mengen an Waffen und Munition – seit 2019 in der rechtsextremen Szene. Das zeigt den Handlungsbedarf auch in diesem Kontext deutlich auf, und ich bin froh, dass wir dem mit dieser Novelle entsprechend begegnen. (👏 ÖVP, SPÖ) Die einzige Partei, die Schusswaffenbesitz und damit Schusswaffengebrauch weiter verharmlost, ist die FPÖ. Sehr geehrte Damen und Herren, das ist ein Schlag ins Gesicht aller Angehörigen der Opfer von Schusswaffengewalt in Österreich. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Angehörigen der Opfer von Graz, indem Sie nicht zustimmen, dass wir hier verhindern, dass es zukünftig zu solchem Waffeneinsatz kommt. Ja, wir werden das nicht auf null minimieren können, aber wir können dazu beitragen, dass Waffengewalt in Österreich massiv eingeschränkt wird.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wir sind die einzige Partei, die Schusswaffen ...!

SPÖ Sabine Schatz

… Wir setzen heute ein Zeichen der Sicherheit für die Menschen, ein Zeichen der Sicherheit vor Waffengewalt. Setzen Sie mit uns gemeinsam diese Novelle um! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete von Künsberg Sarre; eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Herr Präsident! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Ja, die Schule soll ein sicherer Ort sein, ein Ort der Entfaltung, ein Ort der Wertschätzung und ein Ort, an dem man sich sicher fühlt. Dass das nicht auf alle Schulen zutrifft, hat die Tragödie, der Massenmord in Graz gezeigt, und es hat auch gezeigt, dass wir in vielen Bereichen, auch was die Sicherheit und die psychosoziale Stärkung der Schülerinnen und Schüler betrifft, noch besser werden müssen. Schulen benötigen ein gestärktes Netzwerk an Unterstützung durch Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen, und gleichzeitig braucht es auch Programme, um die Qualifizierung der Lehrpersonen zu verbessern, um Krisen vorzubeugen, zu erkennen und um die Resilienz von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Bis 2027 wird es 140 zusätzliche Planstellen für die Schulpsychologie und 65 neue für die Schulsozialarbeit geben. Erstmals wird Sozialarbeit auch an Bundesschulen möglich sein. Beispielsweise wäre das vielleicht auch am Borg in Graz wichtig gewesen. Die Schulworkshops zum Thema mentale Gesundheit – es gibt die neue Initiative „Starke Schule, starke Gesellschaft“ – beinhalten ein umfassendes Präventionsprogramm. Dieses bietet Schulen kostenlose Workshops sowohl im Bereich Mental Health als auch in der Extremismusprävention und stärkt dadurch die Sensibilisierung und Resilienz von Schülerinnen und Schülern und auch Lehrkräften. Es ist das Nachfolgeprogramm vom bisherigen Programm Extremismusprävention macht Schule und ist deutlich erweitert worden. Was jetzt neu kommen wird, ist die verpflichtende Suspendierungsbegleitung. Bis jetzt waren suspendierte Schüler:innen de facto vom Schulbesuch ausgeschlossen und sich selbst überlassen. Das bringt natürlich wenig. Eine verpflichtende Suspendierungsbegleitung setzt nämlich genau hier an. Kinder und Jugendliche werden künftig pädagogisch und psychologisch, psychosozial begleitet. Man schaut gemeinsam auf ihr Verhalten, schaut, was der Kern oder das Problem ist, warum ein Schüler auffällig wird, und versucht, dieses Thema zu lösen. Auch die Erziehungsberechtigten werden künftig eingebunden und müssen eingebunden werden. Ziel ist es natürlich, dass ein Schüler, eine Schülerin wieder in den Schulunterricht zurückkommen kann. Und ich glaube, es ist wichtig, zu betonen: Kein Kind kommt gewalttätig auf die Welt, viele brauchen Halt, viele brauchen einen Gesprächspartner, einen Rahmen oder einfach nur jemanden, der an sie glaubt. Und genau diese verpflichtende Suspendierungsbegleitung wird zumindest einen Beitrag dazu leisten können. (👏 NEOS) Um Schulabbrüche nicht einfach hinnehmen zu müssen, wird es künftig auch eine gezielte Unterstützung in diesem Bereich geben. Wenn ein Schüler die Schule abbrechen möchte, wird es in der Schule Perspektivengespräche geben, um herauszufinden, was das Thema für den Schüler, die Schülerin ist, was die Ursachen für den Schulabbruch sind, ob das Schulklima beispielsweise auch ausschlaggebend gewesen ist, und auch zu reflektieren beziehungsweise zu erfahren, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, wenn man die Schule abbricht. All das wird notwendig sein, um die Zahl solcher Massenmorde in Österreich – wir werden sie nicht ganz verhindern können – zu minimieren. Es ist wichtig, dass Kinder, die belastet sind, Halt finden, einen Ansprechpartner haben, und ich glaube, dass die Programme, die wir jetzt hier aufsetzen oder vergrößern, zumindest einen guten Beitrag leisten. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Zadić. – Ihre eingemeldete Redezeit beträgt 4 Minuten. Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich muss sagen, ja, ich finde es gut, dass wir heute ein strengeres Waffengesetz beschließen, denn das ist ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit in unserem Land. Ja, das vorliegende Gesetz ist auch eine deutliche Verbesserung gegenüber den Ankündigungen im Sommer einerseits, aber auch gegenüber den bereits bestehenden Regelungen. Eigentlich müsste es heißen, es ist eine Verbesserung gegenüber den bisher kaum bestehenden Regelungen. Warum sage ich das? – Ich sage das, weil man in Österreich bisher Waffen genauso leicht wie eine Flasche Schnaps im Supermarkt kaufen konnte. Nicht eine, nicht zwei, sehr, sehr viele Waffen konnte man einfach so in Österreich kaufen. Und ja, wir in Österreich sind leider europaweit trauriges Schlusslicht, was Waffenbesitz und insgesamt die Waffenvielfalt betrifft. Es ist daher allerhöchste Zeit, dass sich da etwas ändert, und das zeigen immer wieder schreckliche Verbrechen. Erst vergangene Woche hat ein Mann seine Frau und die gemeinsame Tochter brutal erschossen. Das waren bereits der elfte und der zwölfte Frauenmord in diesem Jahr. Gegen den Mann bestand ein aufrechtes Waffenverbot; trotzdem konnte er sich illegal eine Schusswaffe besorgen und hat mit dieser Waffe zwei Leben ausgelöscht – zwei Frauenmorde, zwei Femizide. Das zeigt uns einmal mehr: Wir in Österreich haben ein massives Problem mit Gewalt gegen Frauen und ein massives Problem mit Waffengewalt. Solange das so ist, solange wir jeden Monat von diesen schrecklichen Taten lesen müssen, so lange werden wir Grüne nicht aufhören: Wir werden nicht leise sein, wir werden nicht aufhören, Druck zu machen, bis sich endlich Grundlegendes ändert. (👏 SPÖ) So ehrlich muss man sein: Das, was vor dem Sommer angekündigt wurde, war eigentlich nur eine kosmetische Maßnahme, es war gar keine wirksame Verbesserung. Uns war klar, so geht es nicht. Es war nicht nur uns klar, es war sehr, sehr vielen Menschen klar: Wir brauchen echte, wirksame, strengere Regeln, was Waffen betrifft, denn nur strenge Waffenregeln bedeuten auch mehr Sicherheit in unserem Land. Unzählige Menschen, die unsere Sorge teilen und sich Schutz vor Waffen wünschen, haben sich lautstark in die Diskussion eingebracht. Expertinnen und Experten haben Vorschläge geliefert und unsere Forderungen unterstützt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die sich in diesem Sommer lautstark für ein strengeres Waffengesetz eingesetzt haben. (👏) Wir sind aber noch lange nicht dort, wo wir sein wollen. Wir sind noch lange nicht am Ziel und wir werden nicht lockerlassen, bis wir endlich dort sind – es soll niemand eine Waffe besitzen, der keine braucht. Daher braucht es scharfe Kontrollen, ob Waffenverbote auch eingehalten werden. Es braucht eine Wiederholung der psychologischen Tests, solange man eine Waffe besitzt und nicht erst nur fünf Jahre nach dem Kauf, und es braucht gesetzliche Regelungen, wie Waffen verwahrt werden sollen. Wir Grüne haben versprochen, uns konstruktiv und kritisch einzubringen. Genau das tun wir, deswegen liefern wir ständig Vorschläge für Verbesserungen. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, Sie haben jetzt die Chance, diesen Verbesserungen zuzustimmen. Daher bringe ich auch einen Antrag ein: RN/108.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gleiche Regeln für alle – keine Waffen ohne psychologisches Gutachten“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres, wird aufgefordert dem Nationalrat eine Gesetzesnovelle vorzulegen, wonach psychologische Gutachten von allen Waffenbesitzern in Österreich zu verlangen sind. Dies umfasst auch Waffenbesitzer, die schon vor der nunmehrigen Novelle im Besitz ihrer Waffe waren. Auch Jäger:innen dürfen davon nicht ausgenommen werden, sofern nicht landesgesetzlich gleiche oder strengere Regelungen gelten.“ Eines kann ich Ihnen garantieren: Wir Grüne werden jedenfalls nicht stillhalten und uns weiter einbringen, denn es braucht ein wirksames Waffengesetz. – Vielen Dank. (👏) 16.43 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/108.2 gleiche Regeln für alle – keine Waffen ohne psychologisches Gutachten (122/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt und ordnungsgemäß eingebracht, er steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Staatssekretär Leichtfried. – Bitte schön, Herr Staatssekretär.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Für uns als Regierung ist es oberste Priorität, dass wir in Österreich sicher sind. Zu Beginn möchte ich mich ausdrücklich für die Geschwindigkeit bedanken, mit der hier reagiert wurde, denn es ist nicht leicht, ein Gesetz in dieser Kürze auf den Weg zu bringen, und das unter Einbeziehung aller Interessenvertretungen. Bedanken möchte ich mich auch für das offene Ohr gegenüber Rückmeldungen aus der Praxis, insbesondere auch aus den Reihen der Jägerinnen und Jäger. Es ist wichtig, sich bewusstzumachen, wozu das Waffengesetz dient: Es schützt uns vor Missbrauch und Gewalt und schafft zugleich die Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit Waffen. Diesen verantwortungsvollen Umgang leben insbesondere unsere Jäger. Die Ausbildung zum Jäger wird nicht umsonst die grüne Matura genannt. In Besitz dieser Matura sind in Österreich rund 135 000 Personen. Sowohl die Handhabung der Waffe als auch der sichere Umgang damit stehen dabei an oberster Stelle. Dass alle neun Landesjagdverbände und auch die Jagd Österreich in den Gesetzwerdungsprozess eingebunden waren, war mir besonders wichtig. Denn nur die, die Jagd ausüben, wissen, wie Theorie auch in der Praxis umsetzbar ist. Man muss auch ganz klar feststellen: Wir Jäger gehen seit Generationen verantwortungsvoll mit Waffen um, und das Tag für Tag im Revier. Wir besitzen Waffen nicht zum Spaß. Es ist ein notwendiges Werkzeug, damit wir die Jagd waidgerecht ausüben können. Entscheidend für uns ist daher, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen die Jagd praktikabel machen und unsere Arbeit im Revier unterstützen. (👏 ÖVP) Jagd bedeutet Verantwortung für die Natur, Wild und Sicherheit im Revier. Die vorgesehenen Maßnahmen wie die Verlängerung der Abkühlphase beim Erwerb einer Waffe der Kategorie C oder die bessere Datenlage für die Waffenbehörden erhöhen die Sicherheit. Zugleich wird die Jagd nicht unter Generalverdacht gestellt. Dieses Paket schafft einen guten Ausgleich: mehr Sicherheit für alle, ohne die berechtigten Interessen unserer Jagdgemeinschaft zu übergehen. Abschließend darf ich mich noch bei allen Jägern bedanken, die tagtäglich wertvolle Arbeit für unsere Natur und unser Ökosystem leisten. Über eine Million ehrenamtliche Stunden der Hege und Pflege jedes Jahr sind nicht selbstverständlich. – Waidmannsheil! …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Herr. Ihre eingemeldete Redezeit wird mit 4 Minuten eingestellt, wie gewünscht. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrtes Hohes Haus! Wir treffen heute im Wesentlichen folgende Entscheidung: Wen wollen wir schützen? Schützen wir die Schrotflinte unten im Keller oder die Kinder oben im Wohnzimmer, die Schusswaffe in der Lade oder doch die Schulkinder im Klassenzimmer? Wollen wir den Revolver im Waffenschrank schützen oder doch die Frau vor dem gewaltbereiten Ex-Partner? Schützen wir die Waffen oder schützen wir die Menschen?, das ist im Wesentlichen die Frage. Ich glaube, alles, was hier heute gesprochen wurde, können wir darauf reduzieren. Das ist es, worüber wir abstimmen. Sehr geehrte Abgeordnete der FPÖ! Wollen Sie bei dieser Entscheidung wirklich auf der falschen Seite stehen? ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ. ) Es sind doch unsere Nachbarn, unsere Kolleginnen, unsere Familie, die uns fragen: Muss es wirklich so leicht sein, an eine Waffe zu kommen, ohne irgendeine Hürde? Muss es? Ernsthafte Argumente haben Sie keine. Sie sagen, das Problem sind ja nur die illegalen Waffen und nicht die legalen Waffen. – Haben Sie den Attentäter von Graz schon vergessen, der ganz legal eine Waffe besessen hat, nämlich eine Schrotflinte, die bisher jeder Achtzehnjährige einfach so erwerben konnte? Das kann es doch nicht sein! Es ist absolut notwendig, dass wir das jetzt ändern und so etwas in Zukunft nicht mehr geht! (👏 ÖVP, SPÖ) Haben Sie die vielen Morde an Frauen vergessen? Alleine in den letzten fünf Jahren sind über 40 Frauen mit Schusswaffen ermordet worden, viele davon mit illegalen Waffen, das stimmt, aber viele auch mit legal erworbenen Waffen …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Zwei Drittel mit legalen Waffen!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… zwei Drittel mit legalen Waffen. Und wissen Sie, wir differenzieren da nicht. Gegen beides müssen wir doch vorgehen! Und genau diese Gesetzesnovelle wird natürlich auch den illegalen Waffenbesitz deutlich reduzieren, weil endlich auch der private Waffenverkauf reguliert wird. ( Abg. Leinfellner [FPÖ] – erheitert –: Das ist ja jetzt ein ...! Gute Nacht! ) Sie lachen, okay. Sie lachen. Gut, passt schon. Na gehen wir weiter durch, was Sie sagen, weil es so lustig ist . Sie sagen, Sie stimmen nicht zu, denn beim Attentat in Graz gab es ja eigentlich einen anderen Grund. Sie sagen nämlich, der Attentäter wurde ja schon zuvor bei der Stellung beim Bundesheer auffällig. Da hat man eigentlich schon gemerkt, der ist da nicht zurechnungsfähig, dem wurde keine Waffe ausgeteilt. Und doch durfte er dann trotzdem später eine kaufen. Und wissen Sie, Sie haben ja recht: Es ist ungeheuerlich, was da passiert ist! Nur der Punkt ist: Genau das ändern wir ja mit dem jetzigen Gesetz! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sie sagen – Moment, aufpassen! –, Sie sind dagegen, dass es einen besseren Datenaustausch gibt, was Waffenkäufe betrifft, weil Sie für einen besseren Datenaustausch sind, was Waffenkäufe betrifft. Sie argumentieren dagegen mit einem Argument, das dafür ist. Sie argumentieren gegen sich selbst! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das ist leider so.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Hättest du unseren Antrag gelesen, hättest du das jetzt nicht so ...!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Genau Sie waren das, Herr Kollege Darmann, der da gerade gegen sich selbst argumentiert hat. Vielleicht hören Sie sich Ihre Rede noch einmal an und erkennen da: Ups, das Gegenargument spricht je eigentlich dafür. Das ist vollkommen absurd.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Lies den Antrag von uns!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Also rational ist Ihr Verhalten nicht erklärbar. Deshalb stelle ich mir ernsthaft die Frage: Haben Sie da ein Sponsoring von irgendeiner Waffenlobby? Ist es Glock? Werden Ihnen Geldbeträge überwiesen? Man weiß es ja nicht. ( Ruf bei der FPÖ: Jetzt reicht’s einmal, ja?! ) Rational ist das nicht. Oder schützen Sie doch noch immer die bekannten Leute aus dem rechtsextremen Milieu? Alleine heuer gab es sieben Fälle, bei sieben verschiedenen rechtsextremen Vereinigungen wurden Waffen gefunden. In den letzten fünf Jahren gab es 60 Funde von Waffen in den Händen von extremistischen Gruppen, die sich offensichtlich bewaffnen wollen, gezielt. Da geht es um Schusswaffen im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro. Rechtsextreme in Österreich sitzen auf Waffenbergen! Da geht es um Waffen, Sprengstoff, Granaten und Maschinengewehre. Erst in diesem Monat wurden bei einem bekannten Neonazi Waffen gefunden. Und was sagt die FPÖ dazu? ( Ruf bei der ÖVP: Nix! ) – Nichts! Erinnern wir uns an die letzte Aussage des Parteichefs Kickl zu dieser Bedrohung durch gewaltbereite extremistische Gruppen mitten in unserem Land! – Herr Kickl! Können Sie sich noch an Ihre Aussage erinnern? …

FPÖ Kickl spricht mit Abg. Schnedlitz. ) – Ah (Zwischenruf)

Ja eh! Das ist alles ...!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Sie haben keine einzige Aussage dazu getätigt, dass sich mitten in unserem Land extremistische Gruppen Waffen besorgen und sich zu Hause damit eindecken.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Meinen Sie die Antifa?

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Nennen Sie sich nicht Sicherheitspartei, wenn Sie auf diesem Auge dermaßen blind sind! Das ist wirklich gefährlich.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Meinen Sie die Antifa ...?

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Wotschke. – Ihre eingemeldete Redezeit beträgt wunschgemäß 3 Minuten.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es ist bemerkenswert, dass zu diesem für die FPÖ, wie ihr immer sagt, sehr wichtigen Thema nur die Kollegen Hafenecker, Darmann und Reifenberger sprechen. Sonst gibt sich niemand für diese Position her …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Es wäre gescheiter, bei euch reden auch weniger!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… weil sie ja reichlich absurd ist. Fakt ist, und das sehen nicht nur wir in der Regierung so, das sehen 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher so, dass die Ereignisse in Graz, dass der Amoklauf in der Dreierschützengasse – es ist wirklich nicht der Moment für Zwischenrufe – Lücken aufgezeigt hat, nämlich Lücken nicht nur im Datenaustausch zwischen Behörden, Lücken auch bei der Sicherstellung der psychologischen Eignung von Waffenträger:innen, Lücken im Gesetz, durch die es möglich war, Flinten, Büchsengewehre ohne psychologischen Test zu erwerben, Lücken, durch die es möglich war, solche Waffen unter 21 zu erwerben. Wir schließen diese Lücken nun, aber die FPÖ unter Herbert Kickl stimmt dagegen – weil es von der Bundesregierung kommt, also müssen sie dagegen sein, aus Prinzip.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Lieferts einmal was Vernünftiges, dann können wir drüber reden!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Die Argumente sind flach. Fakt ist auch, dass wir hier einen sehr, sehr schnellen, aber ordentlichen Prozess gemacht haben . Die Stellungnahmen, die umfassend waren, wurden eingearbeitet, und auch von Ihnen, von der FPÖ, wurden Anmerkungen aus der letzten Sitzung des Innenausschusses noch eingearbeitet. Da kam von Ihnen, Herr Kollege Reifenberger, das Argument, dass auch die Miliz mitbedacht werden muss. Genau das passiert! Genau auf diese Änderung gehen wir ein. Und es gibt auch ausgewogene Ausnahmen für Jäger und Jägerinnen, für Sportschützen. Aber dennoch: Es ist von der Bundesregierung, also ist Herbert Kickls FPÖ dagegen, denn was von der Bundesregierung kommt, das ist ja mal sicher schlecht. Dann sieht man aber, wenn man in andere Länder mit FPÖ-Regierungsbeteiligung schaut - - …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ist das ein Redewettbewerb? – Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ.

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie finden das jetzt lustig, aber wissen Sie, wer das nicht so lustig findet? – Ihr Kollege Mario Kunasek, der eine, der in Verantwortung ist und der sich auch zu diesem Waffengesetz geäußert hat, der ganz klar sagt: Er hat mit der Altersverschärfung kein Problem, er hat kein Problem mit den Änderungen im psychologischen Bereich, und es muss auch weiterhin möglich sein, legale Waffen zu besitzen. Im Endeffekt würde Mario Kunasek diesem Gesetz zustimmen. ( Ruf bei der FPÖ: Das hat er nicht gesagt! ) Der Unterschied zwischen ihm und Ihnen ist, dass er in Verantwortung ist und Sie hier sich in der Opposition in Verantwortungslosigkeit suhlen.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wenn ihr so super wärt, dann müsstet ihr über den Mario Kunasek keine Geschichten erfinden, um euch zu rechtfertigen, oder?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Übernehmen Sie doch einmal Verantwortung! Tun Sie einmal was fürs Land! ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Herr Kickl, Sie sitzen da, süffisant lachend, aber ganz im Ernst: Beziehen Sie doch Stellung! Sagen Sie den Österreicher:innen, was Sie für ihre Sicherheit tun, wenn es um Waffenbesitz geht! Denn der Anlassfall in Graz hat uns schmerzlich vorgeführt, was passiert, wenn Lücken nicht geschlossen werden.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Was machen Sie denn, wenn wieder was passiert? Treten dann alle zurück?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Wir nehmen diese Verantwortung wahr und schließen jetzt die Lücken. Diese Verantwortung, die sollten wir alle hier tragen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Meri Disoski. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Stellen Sie sich ein Klassenzimmer im Frühsommer vor. Eine Lehrerin schreibt etwas an die Tafel, die Schülerinnen und Schüler stecken sich unter den Bänken Zettelchen zu, sie kichern, die Sonne scheint durchs Fenster. Und in wenigen Augenblicken ist davon nichts mehr übrig, nichts – zehn Menschen, zehn ausgelöschte Leben, zehn Familien, deren Welt in Scherben liegt. Das sind keine abstrakten Zahlen, das sind keine Statistiken, das war Graz. Das war der 10. Juni. Das war ein schockierender Massenmord, der unsere Gesellschaft erschüttert und eine Stadt traumatisiert hat. Dieser Tag war die bislang sichtbarste Wunde in einer viel größeren Blutspur in unserem Land, denn Graz ist kein Einzelfall. Gewaltschutzexpertinnen, Gewaltschutzexperten warnen seit Jahren und weisen darauf hin, dass die Zahl der mit legalen oder illegalen Schusswaffen verübten Frauenmorde steigt. Es waren in den letzten fünf Jahren 40 Frauen; 40 Frauen, die in den letzten fünf Jahren erschossen worden sind. Eine Studie aus dem Jahr 2023 belegt das und zeigt: Wir haben ein wachsendes Problem mit Schusswaffengewalt in unserem Land. Und die Studie zeigt auch: Viele der Täter waren vorher auffällig. Wir Grüne kämpfen deshalb seit Jahren, seit über 20 Jahren, für schärfere Waffengesetze. Wir haben hier im Haus Anfragen gestellt, wir haben Anträge gestellt, wir haben Diskussionen geführt. Wir haben appelliert und gefordert: Machen wir etwas! Verschärfen wir das Waffengesetz! Wir als Grüne haben in der letzten Gesetzgebungsperiode mühsam, wirklich mühsamst der ÖVP Verbesserungen abgerungen. Die Maßnahmen, die heute hier beschlossen werden, waren vorher aber nicht möglich – und jetzt sind sie möglich. Jetzt ist das, was jahrelang gefordert worden ist, möglich, nicht aus Einsicht, sondern aus Zwang, weil all die Frauenmorde, die Warnungen, die Studien, die Beweise nicht gereicht haben. Erst der Massenmord in Graz, erst zehn Tote, dann beginnt das Umdenken. Was das über den Wert von Frauenleben aussagt, macht mich als Frau und als grüne Frauensprecherin wütend. Und ja, diese Wut ist feministisch! (👏) Es ist die Wut über ein System, das jahrelang zugesehen hat, die Augen verschlossen hat, die Ohren verschlossen hat, nicht hören, nicht sehen wollte, während Frauen erschossen worden sind. Das ist meine persönliche Wut über Politiker, die mit Ausreden wie: Es ist zu kompliziert!, oder: Ich bin nicht zuständig!, vertröstet haben. Das ist meine Wut über all jene, die hier sitzen und meinen, die Entwaffnung von Tätern sei ein Merkmal totalitärer Regime, während unsere Kinder, unsere Freundinnen und Mütter erschossen werden. (👏 SPÖ) Ja, das Gesetz, das heute beschlossen wird, ist ein längst überfälliger Schritt. Viele Vorschläge, die wir in den vergangenen Jahren gemacht haben, sind übernommen worden. Der Druck, den wir Grüne hier gemeinsam mit Hunderttausenden Menschen aus der Zivilgesellschaft aufgebaut haben, mit wichtigen Stakeholderinnen, Stakeholdern persönlich – da möchte ich die Gewaltschutzzentren hervorheben –, hat gewirkt. Das ist gut. Danke für euer Engagement, für Ihr Engagement! Aber ich sage auch: Dieses Gesetz bleibt voller Hintertüren. Die Ausnahmen werden zur Regel, zum Beispiel auch bei der waffenrechtlichen Verlässlichkeitsprüfung. Und um diese Lücken zu schließen, bringe ich folgenden Antrag ein und ersuche die Regierungsparteien um breite Zustimmung dazu: RN/113.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „keine Schusswaffen in Händen von gewaltbereiten Personen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat einen Gesetzesentwurf vorzulegen, mit dem im Waffengesetz (WaffG) eine regelmäßige, psychologische Überprüfung festgelegt wird, die auch eine verpflichtende Gefahrenüberprüfung darstellt. Neben der Gefahreneinschätzung einer gewalttätigen oder missbräuchlichen Nutzung von Schusswaffen muss insbesondere auf Muster von Aggression, Impulsverhalten und Gewaltbereitschaft sowie bekannte Risikofaktoren für häusliche Gewalt abgestellt werden.“ Also ja, dieses Gesetz ist ein Schritt, aber es ist meilenweit davon entfernt, mutig zu sein, auch das möchte ich betonen. Mutig wäre es gewesen, den Waffenbesitz für Privatpersonen zur absoluten Ausnahme zu machen. Das wäre mutig gewesen, denn wir wissen: Je weniger Schusswaffen in Nachtkastln oder unter dem Kopfkissen unseres Landes schlummern, desto besser ist es, desto sicherer ist es.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Im Nachtkastl?! ... Im Nachtkastl darf man sie aber nicht haben, Frau Kollegin!

GRÜNE Meri Disoski

… Schusswaffen haben in einem Zuhause einfach nichts verloren. Sie haben dort nichts verloren, aber die Bundesregierung ist nicht mutig, sie bleibt auf halbem Weg stehen. Sie spricht darüber, wie Waffenbesitz besser organisiert werden kann. Die Bevölkerung ist schon längst weiter. Über 70 Prozent wollen ein Schusswaffenverbot im privaten Bereich, übrigens auch Ihre Wählerinnen und Wähler, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ. Ich verspreche Ihnen, wir Grüne werden nicht aufhören, wir werden weiterhin Druck machen, bis das Recht auf Waffen tatsächlich nicht mehr mehr gilt als das Recht auf ein sicheres Leben. (👏) 17.07 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/113.2 keine Schusswaffen in Händen von gewaltbereiten Personen (123/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Abgeordneten Disoski eingebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Melanie Erasim . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Heute ist nicht nur ein guter Tag für die Sicherheit in Österreich, heute ist sogar ein sehr guter Tag für die Sicherheit Österreichs. Die Kernpunkte dieses neuen, dieses modernen und dieses auch sehr mutigen Waffengesetzes möchte ich kurz zusammenfassen: die Erhöhung des Mindestalters bei Schrotflinten von 18 auf 22 Jahre; die Erhöhung des Mindestalters bei Waffen der Kategorie B, bei Pistolen und Revolvern, von 21 auf 25 Jahre; die strengeren psychologischen Testungen, die auch im Nachgang erfolgen werden, von all jenen, die in den letzten Wochen und Monaten Waffen erstanden haben. Die Abkühlphase werden wir von drei Tagen auf vier Wochen erhöhen. Es kommt zu einer Neuevaluierung der Waffenkategorisierungen und zu der so oft geforderten besseren Zusammenarbeit der Behörden, bei der zum Beispiel auch die Stellungsgutachten herangezogen werden können. Und ganz wichtig ist auch das Waffenverbot bei häuslicher Gewalt. Das alles sind Punkte, gegen die man und gegen die frau normalerweise nichts haben könnte. Und ja, FPÖ: Selbst Ihre eigene Wählerschaft versteht, das habe ich in vielen Gesprächen, die ich in den letzten Tagen und Wochen geführt habe, gehört, Ihre Ablehnung nicht. Doch ich muss Ihnen an dieser Stelle sagen, ich bin darüber nicht verwundert, denn Ihre Geisteshaltung, Ihr Abstimmungsverhalten und Ihr Diskussionsverhalten, auch im Ausschuss und nicht nur hier am Rednerpult, zeigen einmal mehr, welch Geistes Kind Sie sind. Das Einzige, das mich interessieren würde, ist, wie viele Millionen an Sie oder irgendwelche Parteien, an Stiftungen fließen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Seien Sie ein bisschen vorsichtig!

SPÖ Melanie Erasim

… damit Sie hier wirklich als das Sprachrohr der Waffenlobby auftreten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unglaublich! Das ist unglaublich! Unglaublich! – Zwischenruf des Abg. Mölzer [FPÖ].

SPÖ Melanie Erasim

… Also ich finde das wirklich schäbig, was Sie hier tun.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sagen Sie das draußen auch noch einmal, dann können wir gegen Sie vorgehen! Sind Sie so mutig? – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Melanie Erasim

… Denn wenn Sie sich mit der Wahrheit, wenn Sie sich ernsthaft mit der Wahrheit über die Auswirkungen von strengeren Waffengesetzen auseinandersetzen würden, müssten Sie sich schämen. In den Neunzigerjahren wurde dieses Waffengesetz letztmalig enorm verschärft. Ergebnis dessen: Die Mord- und die Selbstmordraten sind daraufhin deutlich gesunken, besonders im privaten Bereich. Das heißt, die heutige Gesetzesänderung bedeutet mehr Schutz für Frauen, Kinder und viele andere. Ein besonders makabres Schmankerl aus den Ausschussberatungen ist, dass Herr Darmann Österreich mit Mexiko verglichen hat, also das ist wirklich ein absoluter Witz. In Mexiko tobt ein Mafia- und Drogenkrieg, und dass die Waffen von paramilitärischen Kartellen nicht beim registrierten Waffenshop an der Ecke erworben werden, liegt wohl auf der Hand. (👏 SPÖ) Ursache dieses Drogenkrieges ist Korruption, viel Korruption der ehemaligen Eliten in Mexiko, Korruption der Polizei. Und genau das werfen Sie mit Ihrer Argumentation indirekt unseren Exekutivbeamten vor …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

So ein Schmarrn!

SPÖ Melanie Erasim

… da stelle ich mich schützend vor unsere Polizistinnen und Polizisten. Ich habe Vertrauen - - …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die werden eine Freude haben! – Abg. Kickl [FPÖ]: Da werden sie sich freuen! Stellen Sie sich sonst auch schützend vor die Polizisten, die ihren Kopf hinhalten für Ihre Zuwanderungspolitik? Ist ja wohl wahr!

SPÖ Melanie Erasim

… Sie haben als Innenminister gar nichts weitergekriegt, außer ein paar Pferderl zu bestellen. Das ist alles, was von Ihrer Ära übrig bleiben wird. (👏 SPÖ, NEOS) Jede seriöse Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen strengeren Waffengesetzen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie stellen sich schützend vor die Antifa mitsamt Ihrer Justizministerin!

SPÖ Melanie Erasim

… und sinkenden Mord- sowie auch Selbstmordraten. Das ist an sich gar nicht schwer zu verstehen – die FPÖ-Fraktion im Bund tut es halt nicht. Müssen wir etwas gegen illegale Waffen tun? – Ja. Wird etwas getan? – Ja.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was denn? Was machen Sie für ...? – Zwischenruf des Abg. Reifenberger [FPÖ].

SPÖ Melanie Erasim

… Entbindet uns diese Tatsache von der Verpflichtung, alles zu tun, um die Bevölkerung mit guten Gesetzen zu schützen? – Nein, ganz im Gegenteil. Deshalb sage ich ein Dankeschön an alle konstruktiven Kräfte, die hier ihre Verantwortung ernst nehmen, denn das Recht, eine Waffe zu besitzen, ist vor allem eine Verpflichtung – eine Verpflichtung, in höchstem Maße verantwortungsvoll damit umzugehen. Danke an alle, die das tun! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Markus Leinfellner . – Ich stelle die Uhr auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Markus Leinfellner

Danke, Herr Präsident! Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Nach so viel heißer Luft – um keinen Ordnungsruf zu bekommen – ist es wirklich schwierig, diese Diskussion wieder auf die sachliche Ebene zurückzuführen. ( Heiterkeit bei Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und NEOS. ) Ich glaube, die Fachkompetenz der Abgeordneten Erasim hat ja jeder in ihrem ersten Satz bereits gehört, wir heben nämlich das Alter in Bezug auf Schrotflinten nicht von 18 auf 22 …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

21!

FPÖ Markus Leinfellner

… sondern von 18 auf 21. – 22 hast du gesagt, du kannst es im Anschluss ja gerne nachhören.

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Wer sich nicht verspricht, werfe den ersten Stein!

FPÖ Markus Leinfellner

… Um wieder auf die sachliche Ebene und auch die inhaltliche Ebene zurückzukommen: Auch unser Landeshauptmann Kunasek wurde hier sehr, sehr oft erwähnt und seine Aussage auch strapaziert, allerdings so weit gedehnt und strapaziert, dass es schlicht und ergreifend nicht mehr der Wahrheit entspricht. Was hat unser Landeshauptmann Kunasek also zu diesem Waffengesetz gesagt? Sie haben gesagt, er vertritt dieselbe Linie wie diese Bundesregierung. – In Wahrheit hat er gesagt, es braucht psychologische Verschärfungen. Und ja, es braucht psychologische Verschärfungen, das sagen auch wir.

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Seit wann? Wann habts das gesagt?

FPÖ Markus Leinfellner

… Es braucht nämlich insofern Verschärfungen, als es die Zusammenarbeit zwischen der Stellungskommission und den Waffenbehörden braucht. (👏 FPÖ) Diese psychologischen Verschärfungen müssten aber in Wahrheit noch viel, viel weiter gehen. Es braucht auch andere Zusammenarbeit in Bezug auf die psychologischen Gutachten. Wenn jemand psychologisch untauglich ist, seinen Dienst an der Waffe zu versehen, seinen Dienst fürs Vaterland zu versehen, dann muss man sich schon auch ehrlich und ernsthaft die Frage stellen, ob diese Person dazu geeignet ist, ein Fahrzeug zu lenken. Ich glaube, wir brauchen nur in die Zeitungen der letzten Jahre zu schauen, um zu erkennen, wie oft Fahrzeuge als Waffen benutzt wurden. Auch diese Diskussion muss man in diesem Haus ehrlich führen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Da braucht es auch eine Zusammenarbeit. Es braucht da von den Führerscheinbehörden, von den Waffenbehörden einen zweiten Blick, einen dritten Blick, einen vierten Blick, um zu sagen: Ja, diese Person ist verlässlich, diese Person kann ein Fahrzeug lenken, oder diese Person ist verlässlich, diese Person kann eine Waffe besitzen! – Nichts in diese Richtung hat man gemacht, das Einzige, was Sie gemacht haben, ist die Zusammenarbeit – Gott sei Dank – mit der Stellungskommission, mit dem Bundesheer. In diesem Punkt hätten Sie auch unsere Zustimmung. Über den Informationsaustausch, den Datenaustausch hat Kollege Linder, glaube ich, schon sehr, sehr ausführlich gesprochen. Das können Sie uns in keiner Art und Weise erklären. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn Sie dieses Land wirklich sicherer machen wollen, dann braucht es ein absolutes Waffenverbot, ein absolutes Waffenverbot für Drittstaatsangehörige, das würde dieses Land um Meilen sicherer machen. Es braucht konkrete Konzepte, um den illegalen Waffenhandel zu unterbinden. Ich glaube, Kollege Köllner war es, der in der Eingangsphase gesagt hat, dass wir so viele Waffenbesitzer haben. – Meine sehr geehrten Damen und Herren! In Österreich kommen 16,9 Waffen auf 100 Einwohner. In Deutschland sind es 19,4 Waffen auf 100 Einwohner, in Finnland 32,4 Waffen und in Amerika 120,5 Waffen auf 100 Einwohner. Ich glaube, wir haben ein sehr, sehr scharfes Waffenrecht und Österreich ist nicht überflutet mit Waffen. Unsere legalen Waffenbesitzer, unsere vernünftigen, rechtschaffenen Österreicher …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Deine vernünftigen Rechtsradikalen ...!

FPÖ Markus Leinfellner

… hier mit dieser Gesetzgebung zu kriminalisieren, ist schlicht und ergreifend der falsche Ansatz. (👏 FPÖ) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich darf Ihnen noch etwas zu diesem Gesetz sagen – Kategorie-C-Waffen mit 21, Kategorie-B-Waffen, sprich halbautomatische Waffen und Pistolen, mit 25 –: Wenn ich mit 17 Jahren zum Bundesheer einrücke, kann ich mit 18 Jahren bereits einen Panzer fahren, ÜSMG schießen und sagen: Ich kann dieses Land verteidigen! – Eine Kategorie-B-Waffe, eine Pistole, kann ich mir dann mit 25 kaufen. Noch etwas zu diesem Waffengesetz, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich habe es im Ausschuss bereits angesprochen: Wenn jemand einen Waffenpass besitzt und seit vielen, vielen Jahren zwei Waffen, zwei Pistolen führen darf und jetzt von seinen Großeltern, von irgendwoher eine Waffe vererbt bekommt und dafür eine Waffenbesitzkarte beantragt, dann ist es nach diesem Gesetz eine Erstausstellung einer Waffenbesitzkarte. Er muss zum Psychologen gehen, ist in einem fünfjährigen Beobachtungszeitraum drinnen, geht nach fünf Jahren abermals zum Psychologen, um sich eine dritte Waffe in den Kasten legen zu dürfen – obwohl er seit 20 Jahren in Österreich eine Waffe führen darf. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dieses Gesetz ist ein Husch-Pfusch. Ich würde sagen: zurück an den Start bei einigen Punkten! – Bei den psychologischen Verschärfungen, insbesondere beim Datenaustausch mit der Stellungskommission, da haben Sie uns abgeholt. Bei den restlichen Punkten gilt: husch, pfusch – wie nahezu alles von dieser Bundesregierung! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Klubobmann Yannick Shetty zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Abgeordneter Leinfellner hat wie schon so oft hier am Rednerpult etwas Falsches gesagt, nämlich dass Herr Landeshauptmann Kunasek nur strengere psychologische Tests gefordert hätte. – Das ist falsch, weil unvollständig. Ich berichtige tatsächlich: Das richtige Zitat des Herrn Landeshauptmanns lautet – er sagte –: „bei Verschärfungen im psychologischen Bereich“ habe ich „wirklich kein“ Thema, und: „Mit einer Altersverschärfung für gewisse Bereiche habe ich kein Problem.“ – Das ist mehr als das, was Sie wollen. Sie sollten endlich ehrlich sagen, was Ihr Problem mit diesem Gesetzesvorhaben der Regierung ist! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es ist heute schon gesagt worden: Seit Jahren haben wir Grüne uns schon dafür eingesetzt und darauf hingewiesen, dass das Waffenrecht in Österreich nicht ausreichend ist, um die Sicherheit der Menschen hier zu gewährleisten. Aber erst jetzt, nach Jahren, nachdem Hunderte Frauen und auch Männer durch Schusswaffen getötet wurden, nachdem zuletzt neun Schülerinnen und Schüler und eine Lehrerin durch Schusswaffen ihr Leben verloren haben, ist es auch der ÖVP gedämmert, dass man da etwas tun muss. Da kam zuerst ein halbherziger Vorschlag, und erst jetzt gibt es durch den Druck, den wir über den ganzen Sommer hin aufgebaut haben ( Heiterkeit des Abg. Gödl [ÖVP] ) und den Hunderttausende Menschen mit uns aufgebaut haben, die Petitionen unterschrieben haben, die Ihnen geschrieben haben, die Stellungnahmen abgegeben haben, Expertinnen und Experten, die gesagt haben, dass das nicht ausreicht, einen Vorschlag, den man tatsächlich als ersten Schritt in eine richtige Richtung bezeichnen kann. Es ist ein erster Schritt, wir sind aber noch lange nicht am Ende des Weges angekommen. Was fehlt? – Wir brauchen regelmäßige psychologische Tests. Lebensumstände ändern sich, Gesundheitszustände ändern sich, und deshalb ist es notwendig, diese Überprüfungen regelmäßig durchzuführen – und zwar für alle, vollkommen unabhängig davon, welches Hobby jemand hat. Und wir brauchen klare Regelungen für eine sichere Verwahrung. Wenn man sich dafür entscheidet, dass Privatpersonen Schusswaffen zu Hause haben dürfen, dann muss man auch dafür sorgen, dass es klare Regelungen gibt, wie diese zu verwahren sind. Es kann nicht sein, dass man diese Waffen im Nachtkastl, unter dem Kopfpolster oder im Handschuhfach hat. Man braucht wirksame Kontrolle, denn sonst ist das alles nur eine schöne Überschrift: Kontrolle bei der Verwahrung und Kontrolle von Waffenverboten, denn wenn man das nicht macht, ist es nicht zu Ende gedacht, ist es nicht zu Ende gegangen. Das ist, wie wenn man ein Tempolimit beschließt und dann sagt: Es werden sich schon alle daran halten, Radarkastl brauchen wir keines! Vor allem müssen wir etwas gegen die illegalen Waffen tun, denn die sind zwangsläufig in den falschen Händen: Die sind in Händen von Männern, die Gewalt gegen ihre Frauen ausüben, die sind in Händen von Rechtsextremen, die sind in Händen der organisierten Kriminalität. Aber da tut die Regierung gar nichts – und das, obwohl es durch die vielen Übergangsbestimmungen vorprogrammiert ist, dass die Zahl der illegalen Waffen zunimmt. Es gibt keine Daten, es gibt kein Rücknahmeprogramm, es gibt keinen Plan und es gibt keinen Mut. Wir müssen dafür sorgen, dass illegale Waffen aus den Kellern und aus den Nachtkastln verschwinden, und deshalb möchte ich einen Antrag einbringen, nämlich folgenden Entschließungsantrag: RN/117.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Sicherheit erhöhen – unkomplizierte Rückgabe illegaler Waffen ermöglichen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres, wird aufgefordert ein bundesweites, gezieltes Rückgabeprogramm für illegale Waffen einzurichten. Es benötigt gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Anreize zur Rückgabe, um den illegalen Waffenbesitz nachhaltig zu reduzieren.“ Wir brauchen solche Programme. Wir brauchen sie, damit die Waffen aus den Kellern verschwinden, damit die Waffen unter den Kopfpolstern verschwinden, damit die Waffen als Drohung verschwinden und als Gefahrenquelle verschwinden, und damit sie auch diejenigen zurückgeben können, die sich vor den Besitzern dieser Waffen und vor den Waffen fürchten. (👏) Dieses Gesetz ist ein erster Schritt – es ist ein wichtiger und richtiger Schritt –, aber es ist ein Schritt. Wir sind noch nicht am Ende des Weges angelangt. Es muss uns gelingen, dass wir ein Land schaffen, in dem die Menschen wirklich sicher sein können, ein Land, in dem sie sicher sind und sich sicher fühlen, und ein Land, ein Österreich, in dem es Freiheit von Waffen gibt und nicht Freiheit für Waffen. – Danke. (👏) 17.23 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/117.2 Sicherheit erhöhen – unkomplizierte Rückgabe illegaler Waffen ermöglichen (124/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Abgeordneten Prammer verlesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Philip Kucher . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Klubobmann.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Regierungsmitglieder! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Das ist zugegeben keine ganz einfache Debatte für mich, und irgendwie enttäuscht es mich, dass das jetzt auch so emotional abgelaufen ist und in ein klassisches parteipolitisches Hickhack ausgeartet ist, und ich möchte offen auch in dieser Runde sagen: Herr Präsident Rosenkranz, ich bin vielleicht nicht bekannt als jemand, der Sie sozusagen groß lobt, aber Sie haben nach dem Massaker in Graz hier in diesem Saal eine Rede gehalten, und ich habe oft an Ihre Worte denken müssen. Das ist mir persönlich auch nahegegangen. Sie haben von den Stimmen der Familien gesprochen, der Jugend, von Elternvertretern und vielen, vielen Menschen im Land, die zu Recht auch mit klaren Forderungen an uns herantreten und die von uns erwarten, dass wir in Zukunft ein derartiges Unglück verhindern. Und dann haben Sie gesagt, dass wir alle miteinander dieser Verantwortung gerecht werden müssen. Ich habe dann oft an Sie gedacht, nämlich an den Satz, als Sie gesagt haben, man soll nicht nur zum stillen Gedenken aufstehen, sondern dass wir alle uns dieser Verantwortung auch bewusst sind und uns auch selber in den Spiegel schauen können – so habe ich das für mich selbst gedeutet. Die Kollegen aus den Regierungsfraktionen können es bezeugen: Wir haben sehr, sehr lange auch miteinander dafür gekämpft, dass es Verschärfungen gibt, aber dieses Nachdenken, dieses Sich-selbst-in-den-Spiegel-schauen-Können, das war mir in der Frage ganz, ganz wichtig. Ich war beim ersten Ministerratsvortrag, das sage ich offen, nicht ganz zufrieden. Ich bin heute froh über das, was miteinander gelungen ist, weil wir nicht jedes Risiko in diesem Land, nicht jede Gefahr und auch nicht jeden Horror verhindern können, aber wir haben gemeinsam die Pflicht, diesbezüglich alles zu tun. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was ich persönlich nicht verstehen kann, ist Folgendes: Mir hat eine Pensionistin in Klagenfurt einen Satz gesagt, den man leider vielleicht öfter hört: Muss denn zuerst irgendetwas passieren? Muss zuerst einmal etwas passieren, bevor man etwas tut? …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

40 Frauenmorde ...!

SPÖ Philip Kucher

… Nach diesen zehn Todesopfern, nach diesen zehn ermordeten Menschen in Graz frage ich ganz ehrlich: Was muss denn noch passieren, dass wir alle einen Schritt zurück machen und uns miteinander überlegen, wie wir das Waffenrecht verschärfen können? Ich möchte jetzt nicht in diese parteipolitische Polemik hineinkippen, aber die FPÖ hätte es ganz, ganz ehrlich machen können und sagen können: Eigentlich wollen wir gar nichts ändern. Wir wollen gar nichts ändern. – Denn man hat der Reihe nach versucht, eine Kaskade aufzubauen, zu erklären, welche möglichen Gründe es gibt, damit man sozusagen nicht mitstimmen muss, hat Ausreden gefunden, hat einen Schmäh entwickelt, bis man gemerkt hat, der Schmäh zieht nicht mehr, dann hat man versucht, die nächste Geschichte zu erzählen. – Ich sage offen: So funktioniert das nicht miteinander. Der eine Punkt ist die Geschichte, dass man behauptet, die Freiheit sei bedroht – um Gottes willen, die Freiheit ist bedroht! –, wenn man vorher ein psychologisches Gutachten machen muss und wenn vorher die Polizei nachschaut, ob Gewalt im Spiel ist, ob der Mann zu Hause die Frau verdroschen hat, ob es vorher ein Risikobild gibt, ob es Vorstrafen gibt. Sich das vorher anzuschauen, das bedroht doch nicht die Freiheit! Mir persönlich geht es schon auch um die Freiheit, dass Kinder nach der Schule einfach wieder nach Hause kommen, auch die Freiheit, frei von Waffengewalt in Sicherheit leben zu können. Das ist in dem Fall die Freiheit der vielen, und ja, da müssen wir abwägen. Das ist ein Spannungsverhältnis von Sicherheit und Freiheit, das bedingt sich auch und schließt sich natürlich nicht aus, aber dieses Abwägen müssen wir miteinander schaffen. Also an der Freiheit kann es nicht liegen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Dann war der andere Punkt, dass es immer wieder geheißen hat: Mit den legalen Waffen haben wir in Österreich überhaupt keine Probleme, das funktioniert klass; das Problem sind nur die illegalen Waffen. – Ja, eh! Da haben wir ein Thema, das ist eine Kernaufgabe der Polizei. Dagegen kämpfen unsere Polizistinnen und Polizisten, der Staatsschutz. Die schauen natürlich, dass wir auch gegen den Schwarzmarkt vorgehen. Wir verschärfen natürlich auch hier wieder in diesem Gesetzespaket den Zugang zu illegalen Waffen. Das ist ja eigentlich ein Wahnsinn gewesen, dass man über das Internet Waffen bestellen kann; das schränken wir in Zukunft ein. Das ist eine richtige Maßnahme, und wir setzen weitere Maßnahmen. Aber wenn wir nur von den illegalen Waffen reden, dann stimmt das halt auch nicht: Der Täter in Graz hat seine Waffe völlig legal gekauft. Jetzt kann man über das psychologische Gutachten reden – super, wenn ihr da mit dabei seid; das wäre eh die Minimalvariante –, aber die Schrotflinte, die so schwere, tödliche Verletzungen verursacht hat, hat er sich völlig ohne Überprüfung kaufen können.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Die hätte er nie haben dürfen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... das ist ein Behördenversagen!

SPÖ Philip Kucher

… Also so weit kann dieses Argument natürlich auch nicht greifen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Schließen wir das Thema hier; es ist passiert, aber wir müssen weitergehen, liebe Dagmar Belakowitsch . Ich persönlich verstehe in der Frage auch die FPÖ nicht – wir alle kennen ja auch die unterschiedlichen Positionen –: dass man auf der einen Seite immer wieder ganz stark für Sicherheit eintritt und auf der anderen Seite dann wieder auf die Sicherheit pfeift. Wenn es nämlich gegen die sogenannten Ausländer geht, dann ist man für Sicherheit, und wenn es dann um den Schutz vor Schusswaffen geht, dann pfeift man auf die Sicherheit. Das passt nicht zusammen. Unsere Aufgabe muss es doch sein, dass wir miteinander – egal, wer die Sicherheit in diesem Land bedroht …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Das behauptet ...!

SPÖ Philip Kucher

… auch Maßnahmen setzen, um Menschenleben zu schützen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist unglaublich!

SPÖ Philip Kucher

… Ich darf wirklich noch einmal bitten: Das darf keine parteipolitische Frage sein! Und ich darf noch einmal an die Worte von Präsident Rosenkranz erinnern. Das heute ist nicht nur eine parteipolitische Frage, wo man abstimmen muss – ich weiß, es gibt auch einen Klubzwang; Landeshauptmann Kunasek hat gesagt, dass er sich sozusagen auch weitere Schritte vorstellen kann. Ich darf gerade die Kolleginnen und Kollegen der FPÖ bitten: Bitte gebt euch einen Ruck! Ich weiß, wir werden nie alles verhindern können, aber es kann doch nicht euer Zugang sein, dass wir, nachdem zehn Menschen gestorben sind, sagen, wir tun gar nichts. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ernst Gödl . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Herr Präsident. – Ich melde mich bewusst noch einmal zu Wort und möchte an den Appell meines Vorredners Herrn Klubobmann Kucher an die Freiheitliche Partei anschließen, sich das wirklich zu überlegen, wenn es um mehr Sicherheit für die Bevölkerung geht, wobei gleichzeitig der legale Waffenbesitz möglich bleibt, auch wirklich mitzugehen. Ich möchte noch ein paar weitere Aspekte beleuchten. Es ist interessant, es gab – und das gibt es eigentlich fast nie bei der Freiheitlichen Partei – eine wundersame Rednerverminderung. Als wir heute in der Früh hier die Redner eingemeldet haben – Herr Kassegger seitens der Freiheitlichen und eben wir, die Ordner der Parteien –, wurden sieben Redner für dieses Thema eingemeldet. Schlussendlich haben bis jetzt vier geredet, andere haben sich gar nicht mehr zu Wort gemeldet; zum Beispiel war der Vertreter der Gewerkschaft, Herr Herbert, auch eingemeldet.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Sechs haben geredet, ... sechs von sieben!

ÖVP Ernst Gödl

… Also man sieht, dass Sie quasi doch einsehen, dass Sie mit Ihrer Argumentation hier irgendwie nicht ganz schlüssig sind. Ich bin froh, dass sich Herr Leinfellner jetzt am Schluss noch gemeldet hat, obwohl es auch exemplarisch war. Sie wollten irgendwie mit Herrn Landeshauptmann Kunasek in der Steiermark die Kurve kratzen, weil er eben ganz etwas anderes gesagt hat und gefordert hat, als Sie hier vertreten.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist der nächste ...!

ÖVP Ernst Gödl

… Er hat nämlich ganz klar gesagt – und ich zitiere wörtlich –: „Mit einer Altersverschärfung für gewisse Bereiche habe ich kein Problem“. Das hat er gesagt. Sie können das nicht zurechtrücken, sondern Sie machen genau das Gegenteil dessen, was Ihr eigener Landeshauptmann in der Steiermark angesichts des Vorfalls in der Steiermark wörtlich gesagt hat. Und dann noch etwas: Was in der Bevölkerung wirklich aufgeregt hat – das stimmt –, war dieser mangelnde Datenaustausch. Ich habe mir gedacht, ich schaue einmal nach: Wie ist das überhaupt entstanden? – Da lohnt sich ein Blick zurück. Sie haben es ja immer wieder vorwurfsvoll hier erwähnt, auch nach dem Amoklauf: ein Versagen der Behörden, weil es den Datenaustausch nicht gab; und dann wurde auch Minister Darabos als damaliger Verteidigungsminister zitiert. – Ja, es stimmt, es gab im Jahr 2009 eine Novelle, mit der dieser Datenaustausch eben insofern verhindert wurde, als gesagt wurde, die Daten, die beim Bundesheer erhoben werden, sollen und dürfen nur beim Bundesheer bleiben. Das Pikante dabei ist aber, dass es erstens ein einstimmiger Beschluss im Nationalrat war und dass zweitens viele von denen, die heute in Ihrer ersten Reihe sitzen, das mitbeschlossen haben : etwa Herr Klubobmann Kickl – der hat das im Jahr 2008 mitbeschlossen; Abgeordnete Belakowitsch – die hat das im Jahr 2008 mitbeschlossen; Abgeordneter Zanger aus der Steiermark hat das im Jahr 2008 mitbeschlossen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ihr nicht? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Da war er ja noch nicht da!

ÖVP Ernst Gödl

… Und eine besondere Pikanterie ist, dass Ihr Sicherheitssprecher, Herr Darmann ( Ruf bei der ÖVP: Ja, genau! ), damals einer Ihrer erbittertsten Gegner war, weil er damals Mitglied des BZÖ war. Der war auch im Parlament. Das heißt, Sie haben diesen Beschluss auch mit gefasst. Ich will das nur der Vollständigkeit halber sagen, weil Sie immer mit erhobenem Zeigefinger hier hervorne stehen. Dann gab es auch noch im Jahr 2018 eine Novelle. Im Zuge der Datenschutzbestimmungen gab es eine Novelle zum Waffengesetz und gab es auch eine Novelle zum Wehrgesetz. Beim Waffengesetz war ein gewisser Herr Innenminister Kickl zuständig. Da gab es auch einige Veränderungen, und Herr Innenminister Kickl hat da auch gesagt – ich zitiere wörtlich –: „Ich denke, bei aller Berechtigung des Waffenbesitzes ist es durchaus auch notwendig, dafür zu sorgen, dass nicht die falschen Personen diejenigen sind, die in den Besitz einer Waffe kommen. Eine Waffe, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist kein Spielzeug.“ Mit dieser Maßnahme – und er meinte damit die Änderung des Waffengesetzes 2018 – gelingt es uns, „die Sicherheit der österreichischen Bevölkerung wieder um ein Stück zu erhöhen“. – Das, Herr Klubobmann Kickl, waren Ihre Worte seinerzeit, als Sie in Regierungsfunktion waren.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja eh!

ÖVP Ernst Gödl

… Auch das Wehrgesetz wurde diesbezüglich präzisiert, dass es eben nicht zu diesem Datenaustausch kommt. Und wer war damals der zuständige Innenminister? – Es war der jetzige Landeshauptmann der Steiermark Mario Kunasek .

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Der war nie Innenminister, aber ist ja wurscht!

ÖVP Ernst Gödl

… Ich will Ihnen nur sagen, weil Sie immer mit gar so erhobenem Zeigefinger hier hervorne stehen, wie das überhaupt entstanden ist. Jetzt ändern wir das, dass dieser Datenaustausch wieder möglich wird, und jetzt – Kollegin Herr hat es gut ausgeführt – stimmen Sie direkt und indirekt auch gegen diese Änderung, indem Sie das Waffengesetz per se ablehnen. Da muss ich Ihnen sagen – Sie reklamieren immer das Thema Sicherheit so stark für sich –: Sie waren in den letzten Monaten dagegen, als wir das Asylgesetz geändert haben, um den Stopp des Familiennachzugs zu ermöglichen. (Abg. Belakowitsch [FPÖ] – erheitert –: Den haben Sie ja nicht gestoppt!) Sie waren dagegen und haben nicht mitgeholfen, die Sicherheit zu erhöhen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo ist der Stopp eingetreten?

ÖVP Ernst Gödl

… Sie waren dagegen, als wir die Gefährderüberwachung hier beschlossen haben, um die Sicherheit in Österreich zu erhöhen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Das ist ein schlechtes Beispiel!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie waren dagegen, und Sie sind jetzt wieder dagegen, für die Sicherheit der Bevölkerung einen Schritt nach vorne zu machen. Das, was Sie verfolgen, ist augenscheinlich: nämlich aus Prinzip immer gegen die Regierung zu sein – 100 Prozent Parteitaktik und null Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Michael Schnedlitz . – Ich stelle die Uhr für Sie auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Michael Schnedlitz

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin ja wirklich fast dankbar für die Redebeiträge meiner zwei Vorredner, auf der einen Seite des Kollegen Kucher und auf der anderen Seite des Kollegen Gödl, denn in Wahrheit habt ihr es jetzt einfach übertrieben, sodass bei einem wirklich wichtigen und ernsten Thema …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Oje!

FPÖ Michael Schnedlitz

… die Bevölkerung durchschaut, worum es euch wirklich geht.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Es sind ja auch 81 Prozent dafür!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Das ist, dass Sie irgendwie versuchen, die FPÖ schlechtzumachen, weil wir der Meinung sind, dass das Gesetz, dass die Verschärfung, wie sie jetzt kommt, einfach absurd und auch für die Sicherheit nicht zielführend ist. Kollege Kucher hat auf den Punkt gebracht, wie man so etwas wirklich falsch angeht, nämlich indem man der FPÖ etwas unterstellt: Die Freiheitliche Partei ist ja immer dann für die Sicherheit, hat er gesagt, wenn es um Ausländer geht, aber sonst nicht. – Wissen Sie, was Sie damit ausgedrückt haben? – Dass alle Österreicherinnen und Österreicher die Sicherheit gefährden …

SPÖ Schatz (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Michael Schnedlitz

… denn gegen die richtet sich jetzt Ihr Gesetz ( Rufe bei ÖVP und SPÖ: Ah! Geh bitte! ), und dagegen verwahren wir uns. (👏 FPÖ) Davon haben auch die Menschen draußen genug.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Jetzt wird’s aber skurril!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Sie werfen alle in einen Topf – alle! Alle Staatsbürger, alle rechtschaffenen Staatsbürger werfen Sie mit in einen Topf, weil Sie mit den Verbrechern nicht mehr umgehen können und der Verbrecher nicht Herr werden. Und das wissen die Menschen, das ist ja nicht zum ersten Mal so. Messengerüberwachung: Sie wissen nicht, wie Sie den Terroristen begegnen – also lesen wir bei den Whatsapp-Nachrichten aller Österreicher mit! …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

So ein Blödsinn! – Weitere Zwischenrufe bei ÖVP und SPÖ.

FPÖ Michael Schnedlitz

… Das ist Ihre Antwort gewesen. Das ist Ihre Antwort. ( Unruhe im Saal. – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Dann sagt Herr Gödl: Wir verschärfen den Familiennachzug. – Sie versuchen mittlerweile sogar, den Menschen klarzumachen, dass Sie Weltmeister sind, wenn Sie zwei Syrer abschieben. Der Herr Innenminister lässt sich da Fotos und Plakate für Social Media zimmern, dass er zwei Personen abgeschoben hat. – Wir sind in einer Republik und sind keine Rausschmeißer in einer Disco; da könnten Sie dann sagen: Ich habe zwei Personen, zwei Störer hinausgebracht! (👏 FPÖ) Wir haben Zehntausende hier, die Problemfälle sind. Und gleichzeitig stellen Sie auch in diesem Bereich immer die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht. Nächster Schritt des Herrn Innenministers – jetzt hat er ein Interview gegeben –: Messerverbot für alle Österreicher. Messer, Feuer, Gabel, Schere, Licht ist für die österreichische Bevölkerung nicht! – Das ist das Thema des Innenministers. Jetzt werden Jausenmesser verboten, Leathermans verboten, Teppichmesser verboten. (👏 FPÖ) Und die echten Verbrecher in den Waffenverbotszonen? – Sie sehen, wie viele Vorfälle es in den Waffenverbotszonen gibt. Weil Sie dort irgendetwas verboten haben? – Das hilft doch nichts! Jeder Betroffene, der sich dort nicht mehr durchzugehen traut, durchschaut das, nur der Herr Innenminister sagt: Wir müssen jetzt ganz Österreich zu einer Waffenverbotszone machen! Die Verbrecher halten sich zwar nicht einmal in den Verbotszonen im 10. Bezirk daran, aber machen wir das in ganz Österreich, weil wir dann in Murau oder sonst irgendwo die Handwerker mit dem Leatherman auch kontrollieren und verfolgen können! Das sagt ja nicht nur die Freiheitliche Partei, dass das absurd ist, das sagt ja sogar die Polizeigewerkschaft, und da meine ich jetzt nicht Werner Herbert , sondern die schwarze und die rote. Ihre eigenen Leute in der Polizei sagen: Jetzt haben wir wirklich ein Maß erreicht, bei dem es nicht mehr sinnvoll ist und bei dem das nicht die Sicherheit erhöht, sondern die Sicherheit verringert! Ich versuche es jetzt mit einem Spruch, weil es dann vielleicht greifbarer ist. Wissen Sie, wohin solche Aktionen führen? – Da gibt es dann den Spruch: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Wenn Sie als Politiker jetzt die Verantwortung auf die Polizisten abschieben wollen und sagen: Nein, es darf keine Messerübergriffe mehr geben , weil die Polizisten jetzt überall kontrollieren dürfen!, und diese plötzlich neun Millionen rechtschaffene Österreicher kontrollieren müssen, dann sehen sie die Verbrecher nicht mehr, weil sie dafür keine Zeit mehr haben. – Das ist Sicherheitspolitik? …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Das ist nur peinlich!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Im Endeffekt machen Sie jetzt, was das Waffengesetz betrifft, wieder genau dasselbe: Sie wissen nicht, wie Sie der Problemfälle in unserem Land wirklich Herr werden, und dann werden wieder alle unter Generalverdacht gestellt. Dann geht man wieder gegen alle vor. Und dann geht man schlussendlich noch heraus und sagt, wir müssten ja zustimmen, sonst sind die ein, zwei guten Punkte, die in diesem Waffengesetz drinnen sind …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... das war nix!

FPÖ Michael Schnedlitz

… auch von uns abgelehnt. Die Bevölkerung hat es durchschaut, Sie haben es nicht durchschaut. ( Heiterkeit des Abg. Gödl [ÖVP]. ) In aller Deutlichkeit: Die Menschen draußen, die längst gemerkt haben, dass Sie die Sicherheit nicht mehr im Griff haben, durchschauen auch dieses Schauspiel rund um das Waffengesetz. Was Sie da aufführen, sind Fantasien, die komplette rechtschaffene Bevölkerung zu verfolgen. Verbrecher verfolgen Sie schon lange nicht mehr.

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/121.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Waffengesetz geändert wird, in 204 der Beilagen. Hiezu liegen ein gesamtändernder Abänderungsantrag der Abgeordneten Ing. Mag. Volker Reifenberger , Kolleginnen und Kollegen sowie ein Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde zunächst über den erwähnten gesamtändernden Abänderungsantrag, im Falle seiner Ablehnung über die vom erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Wir gelangen nun zur Abstimmung über den gesamtändernden Abänderungsantrag der Abgeordneten Ing. Mag. Volker Reifenberger , Kolleginnen und Kollegen. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Die Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Änderungen der Ziffern 29, 43, 46, 77, 87, 114, 116 und 117 sowie Einfügung einer neuen Ziffer 48a eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. RN/121.2 Es ist namentliche Abstimmung verlangt worden, ich gehe daher so vor. Die Stimmzettel, die zu benützen sind, befinden sich in den Laden der Abgeordnetenpulte und tragen den Namen der Abgeordneten sowie die Bezeichnungen „Ja“, das sind die grauen Stimmzettel, beziehungsweise „Nein“, das sind die rosafarbenen. Für die Abstimmung können ausschließlich diese amtlichen Stimmzettel verwendet werden. Gemäß der Geschäftsordnung werden die Abgeordneten namentlich aufgerufen, den Stimmzettel in die bereitgestellte Urne zu werfen. Ich ersuche jene Abgeordneten, die in dritter Lesung für den vorliegenden Gesetzentwurf stimmen, „Ja“-Stimmzettel, jene, die dagegenstimmen, „Nein“-Stimmzettel in die Urne zu werfen. Bitte achten Sie sorgfältig darauf, nur einen Stimmzettel einzuwerfen. Ich bitte nunmehr die Frau Schriftführerin, Abgeordnete Petra Tanzler , mit dem Namensaufruf zu beginnen. RN/121.3 (Über Namensaufruf durch die Schriftführerinnen Tanzler und Ricarda Berger werfen die Abgeordneten den Stimmzettel in die Wahlurne.) Präsident Peter Haubner : Die Stimmabgabe ist beendet. Die damit beauftragten Bediensteten des Hauses werden nunmehr unter Aufsicht der Schriftführung die Stimmenzählung vornehmen. Die Sitzung wird zu diesem Zweck für einige Minuten unterbrochen. RN/121.4 Sitzungsunterbrechung von 17.52 Uhr bis 17.57 Uhr (Die zuständigen Bediensteten nehmen die Stimmenzählung vor.) RN/121.5 Fortsetzung der Abstimmung, Ergebnis der namentlichen Abstimmung Präsident Peter Haubner : Ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf und gebe das Abstimmungsergebnis bekannt: Abgegebene Stimmen: 171; davon „Ja“ -Stimmen: 121, „Nein“ -Stimmen: 50. Der Gesetzentwurf ist somit in dritter Lesung angenommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Gemäß § 66 Abs. 8 der Geschäftsordnung werden die Namen der Abgeordneten unter Angabe ihres Abstimmungsverhaltens in das Stenographische Protokoll aufgenommen. RN/121.6 Mit „Ja“ stimmten die Abgeordneten: Auer, Auinger-Oberzaucher; Baumann, Baumgartner, Bayr, Bernhard, Bogner-Strauß, Brandstötter, Brandweiner, Bures; Deckenbacher, Della Rossa, Dengler, Diesner-Wais, Disoski, Doppelbauer, Duzdar; Eder, Egger Kurt , Elian, Erasim; Falkner, Feichtinger, Fiedler; Gasser, Gerstl, Gewessler, Gmeinbauer, Gödl, Götze, Graf Tanja , Greiner Karin , Grünberg, Grüner; Haitzer, Hammer Lukas , Hammer Michael , Hanel-Torsch, Hanger, Harrer, Haubner, Hechenberger, Herr, Herzog, Himmer, Hofer Markus , Höfinger Johann , Hofinger Manfred , Höfler, Holzegger, Hörl, Hoyos-Trauttmansdorff; Jachs, Jantscher, Jeitler-Cincelli, Juvan; Kocevar, Köllner, Koza, Krainer Kai Jan , Krisper, Kucher, Kugler, Kühberger, Kumpan-Takacs, von Künsberg Sarre; Laimer, Lindinger, Lindner Mario ; Mair Klaus , Marchetti, Maurer, Minnich, Moitzi, Muchitsch; Neßler, Neumann, Neumann-Hartberger, Nussbaum; Oberhofer, Obernosterer, Oberrauner, Ofenauer, Ottenschläger, Oxonitsch; Pöttinger, Pramhofer, Prammer; Reiter; Sams, Schallmeiner, Schatz, Scherak, Scheucher-Pichler, Schmuckenschlager, Schnabel, Schroll, Schwarz, Seemayer, Seltenheim, Servus, Shetty, Sieber, Silvan, Stark, Stich, Stögmüller; Tanzler, Taschner, Tomaselli, Totter; Voglauer; Weber, Wieninger, Wöginger, Wotschke; Yildirim; Zadić, Zarits, Zopf, Zorba. Mit „Nein“ stimmten die Abgeordneten: Belakowitsch, Berger Ricarda , Berger Tina Angela , Brückl; Darmann, Deimek; Ecker Rosa , Eisenhut; Fürtbauer; Giuliani-Sterrer, Gmeindl, Graf Martin ; Hammerl Paul , Herbert; Kainz, Kaniak, Kassegger, Kickl, Kolm; Lausch, Leinfellner, Linder Maximilian , Litzke; Maier Reinhold , Mölzer; Nemeth; Petschnig, Pfeifer, Pracher-Hilander; Ragger, Ranzmaier, Reifenberger, Rosenkranz, Royer; Schandor, Schartel, Schiefer, Schilchegger, Schmiedlechner, Schnedlitz, Schuch-Gubik, Schuh, Schwaighofer, Spalt, Steiner, Sunitsch; Thau, Tschank; Wurm; Zanger. RN/121.7 Präsident Peter Haubner : Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Waffen sichern – Leben schützen. Klare Gesetze für Waffenverwahrung zum Schutz vor Suiziden und Femiziden“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/121.8 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gleiche Regeln für alle - keine Waffen ohne psychologisches Gutachten“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. (Abg. Disoski [Grüne]: Wie kann man jetzt gegen mehr Schutz stimmen?!) RN/121.9 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „keine Schusswaffen in Händen von gewaltbereiten Personen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/121.10 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend – Pscht! – „Sicherheit erhöhen – unkomplizierte Rückgabe illegaler Waffen ermöglichen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. (Abg. Kickl [FPÖ]: Nicht einmal da fällt euch was Eigenes ein!) RN/121.11 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Pyrotechnikgesetz und das Schusswaffenkennzeichnungsgesetz geändert werden, in 205 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zuerst über die vom erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilian Köllner , Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 2 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Somit ist der Gesetzentwurf auch in dritter Lesung angenommen. RN/121.12 Wir gelangen schließlich zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 206 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz und Tilgungsgesetz 1972

207 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 186 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz (RKEG) wird beschlossen und setzt die EU-Richtlinie (EU) 2022/2557 um: Es schafft eine nationale Strategie, Risikoanalysen, die behördliche Einstufung kritischer Einrichtungen, Pflichten zu Resilienzmaßnahmen und Vorfallmeldungen sowie Aufsicht, Durchsetzung und Sanktionen. Gleichzeitig wird das Tilgungsgesetz 1972 geändert, um für Zuverlässigkeitsprüfungen nach dem RKEG unbeschränkte Strafregisterauskünfte zu ermöglichen und es werden Informations- und Berichtspflichten (u.a. gegenüber EU und Nationalrat) präzisiert.

Betroffen sind als „kritische Einrichtungen“ eingestufte Betreiber wesentlicher Dienste in elf Sektoren (z.B. Energie, Verkehr, Gesundheit, Wasser, digitale Infrastruktur, öffentliche Verwaltung, Weltraum, Lebensmittel) sowie die zuständigen Behörden, insbesondere das Innenministerium, und Personen, die Zuverlässigkeitsprüfungen unterliegen.

Dokumente

Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz und Tilgungsgesetz 1972

Gegenstand des Ausschussberichts

  • Behandelt wird die Regierungsvorlage für ein Bundesgesetz zur Sicherstellung eines hohen Resilienzniveaus von kritischen Einrichtungen (Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz – RKEG) sowie eine Änderung des Tilgungsgesetzes 1972.
  • Ziel ist die nationale Umsetzung der Richtlinie (EU) 2022/2557 über die Resilienz kritischer Einrichtungen (RKE-RL) und die Schaffung der dafür erforderlichen innerstaatlichen Strukturen, Pflichten, Aufsicht und Sanktionen.
  • Begleitend wird das Tilgungsgesetz 1972 angepasst, um Zuverlässigkeitsüberprüfungen nach dem RKEG strafregisterrechtlich zu ermöglichen.

EU-Ausgangslage und Gründe für die Neuregelung

  • Die frühere Richtlinie 2008/114/EG (ECI-RL) sah ein Verfahren zur Ausweisung „europäischer kritischer Infrastrukturen“ nur in den Sektoren Energie und Verkehr vor, wenn Störung/Zerstörung erhebliche grenzüberschreitende Auswirkungen in mindestens zwei Mitgliedstaaten hätte.
  • Eine Evaluierung 2019 zeigte, dass angesichts zunehmender Vernetzung und grenzüberschreitender Abhängigkeiten reine objektspezifische Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, um Störungen umfassend zu verhindern.
  • Die Europäische Kommission folgerte, dass ein Ansatz nötig ist, der Risiken besser berücksichtigt und die Rolle/Verpflichtungen kritischer Einrichtungen als Erbringer binnenmarktrelevanter wesentlicher Dienste einheitlich festlegt.
  • Im Rahmen der EU-Cybersicherheitsstrategie wurden am 16.12.2020 neue Legislativvorschläge zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Einrichtungen mit essenziellen gesellschaftlichen Funktionen bzw. wirtschaftlichen Tätigkeiten im Binnenmarkt präsentiert.
  • Die Verhandlungen mündeten in zwei Richtlinien, veröffentlicht am 27.12.2022 und in Kraft seit 16.01.2023: RKE-RL (physische/gesamtresiliente Dimension) und NIS-2-RL (Cybersicherheit).
  • Die RKE-RL hebt die ECI-RL auf, erweitert Anwendungsbereich und Umfang und folgt großteils der Systematik der NIS-1-RL (Vorgängerin der NIS-2-RL).
  • Die RKE-RL verfolgt einen „All-Gefahren-Ansatz“: Abdeckung aller relevanten natürlichen und menschengemachten Risiken (Unfälle, Naturkatastrophen, feindliche Bedrohungen inkl. terroristischer Straftaten, öffentliche Gesundheitsnotlagen wie Pandemien) und unterscheidet sich damit von der ECI-RL, die primär Terrorismus fokussierte.
  • Rechtsgrundlage auf EU-Ebene ist Art. 114 AEUV (Binnenmarktangleichung), begründet durch grenzüberschreitende wechselseitige Abhängigkeiten in den erfassten Sektoren und die Notwendigkeit harmonisierter Mindestvorgaben.
  • Zweck der RKE-RL: Resilienz/physische Widerstandsfähigkeit kritischer Einrichtungen stärken, Schwachstellen verringern, harmonisiertes Mindestmaß an Verpflichtungen sowie kohärente Unterstützungs- und Aufsichtsmaßnahmen schaffen.
  • Kritische Einrichtungen sollen ihre Fähigkeit verbessern, Sicherheitsvorfälle zu verhindern, sich zu schützen, zu reagieren, Folgen zu begrenzen, Vorfälle zu bewältigen und sich zu erholen.

Verzahnung von physischer Resilienz (RKE) und Cybersicherheit (NIS-2)

  • Aufgrund der Zusammenhänge zwischen Cyber- und physischer Sicherheit sollen beide Richtlinien mit möglichst kohärentem „All-Gefahren-Ansatz“ umgesetzt werden, um eine isolierte Betrachtung physischer und digitaler Risiken zu überwinden.
  • Vorgesehen ist eine Verzahnung der RKE- und NIS-Regime samt Informationsaustausch zwischen den zuständigen Behörden.
  • Kritische Einrichtungen nach RKE-RL sollen automatisch als „wesentliche Einrichtungen“ im Sinne der NIS-2-RL gelten und damit jedenfalls einer strengen ex-ante Kontrolle durch NIS-Behörden unterliegen (im Unterschied zur ex-post Kontrolle bei „wichtigen Einrichtungen“ nach Art. 33 Abs. 1 NIS-2-RL).
  • Mitgliedstaaten sollen sicherstellen, dass die nach RKE-RL und NIS-2-RL erforderlichen nationalen Strategien einen politischen Rahmen für die Koordinierung zwischen zuständigen nationalen Behörden vorsehen.
  • Behörden sollen eng zusammenarbeiten und Informationen austauschen, insbesondere zur Ermittlung kritischer Einrichtungen, zu Risiken/Bedrohungen/Vorfällen, zu ergriffenen Cyber- und physischen Resilienzmaßnahmen sowie zu Ergebnissen von Aufsichts- und Durchsetzungstätigkeiten.
  • Zur Straffung von Aufsicht/Durchsetzung und zur Minimierung des Verwaltungsaufwands sollen Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen sowie behördliche Aufsichts- und Durchsetzungsverfahren harmonisiert werden.
  • Die Umsetzung erfordert eine eng abgestimmte Vorgehensweise und intensive Zusammenarbeit sowie umfassenden Informationsaustausch der national zuständigen Behörden.

Anwendungsbereich der RKE-RL (Sektoren) und zentrale EU-Pflichten

  • Die RKE-RL umfasst grundsätzlich elf Sektoren (mit Teilsektoren): Energie (Strom, Fernwärme/-kälte, Erdöl, Erdgas, Wasserstoff), Verkehr (Luftfahrt, Schienenverkehr, Schifffahrt, Straßenverkehr, öffentlicher Verkehr), Bankwesen, Finanzmarktinfrastrukturen, Gesundheit, Trinkwasser, Abwasser, digitale Infrastruktur, öffentliche Verwaltung, Weltraum, Lebensmittelproduktion/-verarbeitung/-vertrieb.
  • Mitgliedstaaten müssen eine nationale Strategie zur Verbesserung der Resilienz kritischer Einrichtungen erstellen (Art. 4 RKE-RL).
  • Zuständige Behörden müssen regelmäßig Risikobewertungen durchführen; heranzuziehen ist u.a. eine von der Kommission per delegiertem Rechtsakt erlassene, nicht erschöpfende Liste wesentlicher Dienste in den Sektoren/Teilsektoren (Art. 5 RKE-RL).
  • Auf Basis der Risikobewertungen hat jeder Mitgliedstaat kritische Einrichtungen zu ermitteln, die zumindest einen wesentlichen Dienst erbringen (Art. 6 RKE-RL).
  • Ermittelte kritische Einrichtungen müssen auf Grundlage der staatlichen Risikobewertungen jene Risiken bewerten, die die Erbringung ihrer wesentlichen Dienste stören können (Art. 12 RKE-RL).
  • Kritische Einrichtungen müssen geeignete und verhältnismäßige Resilienzmaßnahmen für den physischen Schutz treffen (Art. 13 RKE-RL), u.a. technische/sicherheitsbezogene/organisatorische Maßnahmen, Resilienzplan, Benennung eines Verbindungsbeauftragten.
  • Kritische Einrichtungen müssen Sicherheitsvorfälle, die die Erbringung wesentlicher Dienste erheblich stören oder stören könnten, unverzüglich der zuständigen Behörde melden (Art. 15 RKE-RL).
  • Mitgliedstaaten sollen Unterstützungsmaßnahmen bereitstellen (z.B. Leitfäden, Schulungen).
  • Es ist ein spezifisches Aufsichts- und Durchsetzungsregime vorgesehen: Behörden können Resilienzmaßnahmen überprüfen und verbindliche Anweisungen zur Beseitigung von Verstößen erteilen (Art. 21 RKE-RL).
  • Zur Durchsetzung sind wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen vorzusehen (Art. 22 RKE-RL).

Umsetzung in Österreich durch das RKEG – Kernelemente

  • Benennung einer zuständigen Behörde, die zugleich als zentrale Anlaufstelle fungieren soll.
  • Festlegung einer nationalen Strategie zur Verbesserung der Resilienz kritischer Einrichtungen.
  • Durchführung einer Risikoanalyse durch die zuständige Behörde zur Bewertung sämtlicher natürlicher und menschengemachter Risiken (All-Gefahren-Ansatz).
  • Bescheidmäßige Ermittlung kritischer Einrichtungen auf Basis der nationalen Strategie und der Risikoanalyse.
  • Festlegung von Unterstützungsmaßnahmen für kritische Einrichtungen durch die zuständige Behörde.
  • Pflichten kritischer Einrichtungen: Durchführung eigener Risikoanalysen, Ergreifen von Resilienzmaßnahmen, Meldung von Sicherheitsvorfällen.
  • Verpflichtung zur Durchführung von Zuverlässigkeitsüberprüfungen durch die zuständige Behörde.
  • Aufsichts- und Durchsetzungsmaßnahmen der zuständigen Behörde zur Überprüfung der Einhaltung der Pflichten kritischer Einrichtungen.
  • Festlegung eines effektiven Sanktionsregimes.

Änderung des Tilgungsgesetzes 1972 (Strafregister) – Zweck

  • Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für unbeschränkte Auskünfte aus dem Strafregister zum Zweck der Zuverlässigkeitsüberprüfung nach Maßgabe des RKEG.

Kompetenzgrundlagen (Bund)

  • Artikel 1 (RKEG): Kompetenz des Bundes nach Art. 10 Abs. 1 B-VG; in Bereichen mit Länderzuständigkeiten stützt sich die Bundeszuständigkeit auf die im RKEG (§ 1) geschaffene Kompetenzgrundlage.
  • Artikel 2 (Änderung Tilgungsgesetz 1972): Art. 10 Abs. 1 Z 6 B-VG („Strafrechtswesen“).

Besonderheiten des Normerzeugungsverfahrens (Verfassungsbestimmungen)

  • Der Entwurf enthält Verfassungsbestimmungen (genannt: § 1, § 4 Abs. 2, § 24 sowie § 30 Abs. 1 des Artikels 1) und unterliegt daher Art. 44 Abs. 1 B-VG: Beschluss im Nationalrat nur bei Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Mitglieder und mit Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen.
  • Zusätzlich bedarf der Entwurf im Hinblick auf § 1 (Kompetenzdeckungsklausel) des Artikels 1 gemäß Art. 44 Abs. 2 B-VG der Zustimmung des Bundesrates (ebenfalls bei Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Mitglieder und mit Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen).

Inhalt des im Ausschuss eingebrachten Abänderungsantrags (Z 1 bis Z 9)

  • Z 1: Bereinigung eines redaktionellen Versehens.
  • Z 2: Da die Veröffentlichung von Sicherheitsvorfällen nur erfolgen soll, soweit dadurch keine Gefahr für öffentliche Ordnung/Sicherheit oder nationale Sicherheit (einschließlich militärischer Landesverteidigung) entsteht und keine schutzwürdigen Interessen kritischer Einrichtungen beeinträchtigt werden, wird zur starken Einbindung des Nationalrats ein umfassender Informationsfluss an diesen sichergestellt.
  • Z 3: Die von der Bundesregierung zu beschließende Strategie nach § 9 RKEG soll strategische Ziele und politische Maßnahmen für ein hohes Resilienzniveau festlegen; in § 9 Abs. 2 RKEG wird entsprechend Art. 4 Abs. 2 RKE-RL ein Mindestinhalt aufgelistet.
  • Z 3 (fortgeführt – KMU/weitere Kategorien): Die Strategie soll insbesondere auch bestehende nationale Maßnahmen beschreiben, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU iSd Empfehlung 2003/361/EG), die nach § 11 RKEG als kritische Einrichtungen eingestuft wurden, die Umsetzung der Pflichten nach §§ 14 bis 17 RKEG erleichtern (insb. Z 8 des Mindestinhalts).
  • Z 3 (fortgeführt – Verordnungsermächtigung): Vor dem Hintergrund unionsrechtlicher Überlegungen, solche Erleichterungsmaßnahmen auch auf als kritisch eingestufte „small mid-cap enterprises“ auszudehnen (Hinweis auf COM(2025) 502 final), soll eine Verordnungsermächtigung der Bundesregierung vorgesehen werden, um weitere in der Strategie zu berücksichtigende Unternehmenskategorien festzulegen.
  • Z 4 bis Z 6: Abbildung unionsrechtlicher Informationsverpflichtungen (gegenüber Kommission und anderen Mitgliedstaaten) im Gesetz.
  • Z 4 bis Z 6 – § 17 Abs. 8 RKEG (Art. 15 Abs. 3 RKE-RL): Der Bundesminister für Inneres wird verpflichtet, bei Sicherheitsvorfällen mit (potenziell) erheblichen Auswirkungen auf kritische Einrichtungen und wesentliche Dienste in/für andere Mitgliedstaaten die zentralen Anlaufstellen der betroffenen Mitgliedstaaten zu informieren; dies erfolgt in seiner Rolle als zentrale Anlaufstelle (Verbindungsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit).
  • Z 4 bis Z 6 – Grundlage der Information: Die Information soll auf den Meldungen der kritischen Einrichtung nach § 17 Abs. 1 und 3 RKEG beruhen, da der Bundesminister typischerweise auf diesem Weg Kenntnis erlangt.
  • Z 4 bis Z 6 – § 17 Abs. 8 (Art. 15 Abs. 1 UAbs. 2 RKE-RL): Wenn ein Sicherheitsvorfall erhebliche Auswirkungen auf die Kontinuität wesentlicher Dienste für oder in mindestens sechs Mitgliedstaaten hat oder haben könnte, ist eine Meldung an die Europäische Kommission vorzusehen.
  • Z 4 bis Z 6 – § 19 Abs. 1 letzter Satz (Art. 17 Abs. 2 UAbs. 1 RKE-RL): Der Bundesminister für Inneres muss die Kommission unverzüglich über die Identität der als kritisch eingestuften Einrichtungen unterrichten, die wesentliche Dienste für oder in mindestens sechs Mitgliedstaaten erbringen, und der Kommission die von der kritischen Einrichtung nach § 19 Abs. 1 übermittelten Informationen zur Verfügung stellen.
  • Z 4 bis Z 6 – Beratungsmissionen (§ 19 Abs. 5; Art. 18 Abs. 3 RKE-RL): Bei kritischen Einrichtungen von besonderer Bedeutung für Europa muss der Bundesminister der Kommission auf begründetes Ersuchen (der Kommission oder eines betroffenen Mitgliedstaats) relevante Elemente der Risikoanalyse (§ 14), eine Auflistung der Resilienzmaßnahmen (§ 15) sowie der ergriffenen Aufsichts- und Durchsetzungsmaßnahmen (§ 20) übermitteln, soweit für die Beratungsmission erforderlich.
  • Z 4 bis Z 6 – Mitwirkung bei Konsultationen (§ 19 Abs. 6; Art. 17 Abs. 2 UAbs. 2 RKE-RL): Der Bundesminister muss der Kommission im Zuge von Konsultationen mitteilen, ob es sich nach seiner Einschätzung bei den von kritischen Einrichtungen von besonderer Bedeutung für Europa erbrachten Diensten um wesentliche Dienste handelt; klargestellt wird, dass sich diese Einschätzung nur auf Dienste mit Inlandsbezug bezieht (im Inland oder für das Inland erbracht).
  • Z 7: Zur starken Einbindung des Nationalrats und größtmöglicher Transparenz wird der Bundesminister für Inneres verpflichtet, dem Nationalrat jährlich einen Bericht über ergriffene Aufsichts- und Durchsetzungsmaßnahmen zu übermitteln; dabei wird hervorgehoben, dass der Bundesminister die in § 20 Abs. 1 bis 3 vorgesehenen Maßnahmen nicht mit Zwangsgewalt durchsetzen kann.
  • Z 8: Bereinigung redaktioneller Versehen; zudem soll wegen der unionsrechtlich vorgegebenen Fristen (Strategiebeschluss der Bundesregierung nach § 9 Abs. 1 und Risikoanalyse des Bundesministers nach § 10 Abs. 1 jeweils spätestens bis 17.01.2026) ein vorzeitiges Inkrafttreten dieser Vorgaben vorgesehen werden.
  • Z 9: Bereinigung eines redaktionellen Versehens.

Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz und Tilgungsgesetz 1972

~25 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Michael Schilchegger

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit dieser Beschlussvorlage beantragen die Regierungsfraktionen die Erlassung eines Gesetzes zur Sicherstellung eines hohen Resilienzniveaus von kritischen Einrichtungen, mit dem Ziel einer verbesserten Widerstandsfähigkeit von für die Gesellschaft wichtigen Anlagen und Einrichtungen zur Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser, Energie, Eisenbahnen und so weiter. Und wie wollen Sie das angehen? Will nun das Innenministerium auf die betroffenen Unternehmen, Anlagenbetreiber zugehen? Erarbeiten, empfehlen Sie bewährte Sicherheitskonzepte in Abstimmung mit Polizei, Bundesheer, den Sicherheitsorganen im Wege der Kooperation? Das wäre ein verantwortungsvoller Zugang. Aber genau das tun Sie nicht! Ihre Vorlage zeigt vielmehr beispielhaft, wie diese Bundesregierung nicht etwa das Land durch die und aus der Krise führt, sondern die Krise durch das Land, denn Sie kooperieren nicht in Sicherheitsfragen mit betroffenen Unternehmen, sondern Sie verpflichten alle betroffenen Unternehmen, selbst Risikoanalysen für ihre Betriebe auszuarbeiten und diese dem Innenminister mitzuteilen. Und tun sie das nicht, wird eine Verwaltungsstrafe von bis zu 50 000 Euro angedroht. Und wenn Ihnen als Unternehmer, Geschäftsführer oder verantwortlicher Beauftragter nach dieser Beschlussvorlage bauliche Maßnahmen in Umsetzung eines Resilienzniveaus vorgeschrieben werden und Sie dann diesen Pflichten nicht rechtzeitig nachkommen, bezahlen Sie sogar eine Verwaltungsstrafe von bis zu einer halben Million Euro. Eine Strafe in der Höhe einer halben Million Euro für eine reine Ordnungswidrigkeit! Das ist bemerkenswert. Das waren nur zwei kleine Beispiele für zahlreiche neue Zumutungen und Verpflichtungen, denen betroffene Unternehmen künftig nachzukommen haben. Dieses Gesetz ist in Wahrheit ein Paradebeispiel für den wirklich verantwortungslosen Zugang Ihrer Politik, denn Sie ändern mit dieser Beschlussvorlage die verfassungsmäßige Kompetenzverteilung, Sie bedrohen Unternehmer mit drakonischen Verwaltungsstrafen – Beispiele habe ich genannt –, Sie geben dem Innenminister neue Befugnisse, und zwar in die Betriebe betroffener Unternehmen einzumarschieren, Vor-Ort-Kontrollen durchzuführen und Einsicht in vertrauliche Geschäftsunterlagen zu nehmen. Etwas anderes – und das ist so bemerkenswert – fällt Ihnen ja gar nicht mehr ein. Vernünftige Formen einer Rechtssetzung, die auch in Übereinstimmung mit dem verfassungsmäßigen Bestimmtheitsgebot stehen würden, kennen Sie ja gar nicht mehr. Und welche Unternehmen werden betroffen sein? Auch das wissen Sie selbst noch nicht so genau. Das soll dann der Herr Innenminister zu einem späteren Zeitpunkt bestimmen. Meine Damen und Herren von den Regierungsfraktionen und den Grünen, was tun Sie? Sie sollten Unternehmen das Leben erleichtern, Sie sollten deregulieren, Bürokratie abbauen. Mit diesem neuen Gesetz tun Sie genau das Gegenteil, Sie regulieren, bauen eine neue staatliche Bürokratie auf. Sie sollten die Teuerung bekämpfen. Sie tun mit diesem Gesetz das genaue Gegenteil, Sie befeuern die Teuerung, denn das Gesetz kostet die betroffenen Unternehmen im Bereich der Daseinsvorsorge pro Jahr mindestens zweieinhalb Millionen Euro. Wie viel genau es sein wird, wissen Sie selbst nicht, das hat auch die Diskussion im Ausschuss gezeigt. Klar ist aber, dass natürlich alle Unternehmen diese Zusatzkosten in ihren Produktpreisen einkalkulieren müssen. Das Leben wird also noch teurer. Sie erhöhen natürlich auch die Staatsschulden weiter. An Kosten für den Staat – Sie wissen auch das nicht so genau – rechnen Sie mit zumindest 2 Millionen Euro an zusätzlichem Personalaufwand, zusätzlich 5 Millionen Euro für IKT-Infrastruktur, also 7 Millionen Euro Steuergeld jährlich. Um dieses Geld könnte zum Beispiel ein Staatssekretär 50 Dienstwägen, Modell Audi A8, mit Steuergeld kaufen, und Herr Vizekanzler Babler könnte beispielsweise 1 200 Mal ein Medientraining auf Kosten des Steuerzahlers absolvieren, und das aber nicht nur einmal, sondern jedes Jahr. Das sind, wie gesagt, lediglich die Kosten, die das Bundesbudget weiter belasten werden. Meine Damen und Herren, dieses Gesetz ist ein Paradebeispiel für standortschädigende Politik – wieder einmal alles zulasten der österreichischen Wirtschaft, zulasten des österreichischen Steuerzahlers, der das alles doppelt bezahlen wird, einmal eben mit Steuergeld und ein weiteres Mal an der Supermarktkasse, wenn die erhöhten Produktpreise dann zu bezahlen sind. Und wer ist wieder mit dabei? – Die Grünen als Teil der gesamten Einheitspartei. Alle diese vier Parteien in diesem Haus unterstützen also dieses teure Überwachungs- und Bestrafungspaket für die österreichische Wirtschaft. Allein eine Partei tut das nicht, und diese Partei trägt die Freiheit in ihrem Namen. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Wolfgang Gerstl . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Wolfgang Gerstl

Gefährliche Drohnen über dem Flughafen Kopenhagen: der bislang schwerwiegendste Angriff auf die kritische Infrastruktur Dänemarks, sagt die dänische Ministerpräsidentin. In Österreich Cyberangriffe auf das Außenministerium, auf das Verteidigungsministerium, auf das Innenministerium, Spionageangriffe auf viele österreichische Topunternehmen – das sind nur ein paar wenige Beispiele, warum wir die kritische Infrastruktur Österreichs schützen müssen. Sehr geehrter Herr Präsident! Genau das machen wir mit dem Gesetz, das wir hier beschließen wollen. Wir beschließen heute ein Gesetz, um die Widerstandsfähigkeit unserer kritischen Infrastruktur deutlich zu erhöhen. Da geht es um das Funktionieren des Staates, da geht es um das Funktionieren der Wirtschaft, da geht es um das Funktionieren der Gesellschaft. Es geht um den Strom, den wir täglich brauchen, es geht um den öffentlichen Verkehr, es geht um den Individualverkehr. Es geht um das Bankwesen, wo wir täglich Geld überweisen, wo wir Geld von Bankomaten abheben wollen. Es geht um den Betrieb der Krankenhäuser, es geht um die Intensivstationen, die am Leben erhalten werden müssen, die Menschenleben retten können. Es geht um die digitale Infrastruktur, es geht um den Betrieb der Handys und der Computer, und es geht vor allem um die Produktion und den Vertrieb von Lebensmitteln, die wir für unsere Ernährung brauchen. Unser Stromsystem ist mit über 30 Ländern verbunden, Banken agieren weltweit, Lieferketten überschreiten seit Langem nationale Grenzen. Meine Damen und Herren, Sicherheit beginnt und endet nicht an österreichischen Grenzen. Sie muss europäisch und noch weit größer darüber hinaus gedacht werden. Daher setzen wir heute auch eine europäische Richtlinie um, denn es geht darum, die gesamte kritische Infrastruktur in ganz Europa zu sichern. (👏 ÖVP) Sie ist bedroht, wie gesagt, und die Schlagzeilen zeigen es täglich, nicht nur der Drohnenangriff in Kopenhagen: Die französische Bahn meldet zum Beispiel einen massiven Angriff auf das französische Schnellzugnetz. Glasfaserkabel in der Ostsee sind beschädigt. Es gibt Angriffe gegen Ministerien und Politiker. Brandsätze werden per Luftfracht versendet, um logistische Infrastruktur in westlichen Staaten zu schädigen. All das lesen wir in den Tageszeitungen, das passiert täglich. Diese Gefahren sind real, diese Dinge finden täglich statt, und davon sind eben nicht nur staatliche Einrichtungen, sondern auch viele private Unternehmungen betroffen. Daher machen wir das. Von dieser kritischen Infrastruktur sind 400 bis 600 österreichische Unternehmen im Besonderen betroffen. Diese Unternehmen werden nicht nur verpflichtet, wie mein Vorredner gesagt hat, sondern sie wünschen sich das. Sie wünschen sich den Schutz der DSN, sie wünschen sich die Unterstützung bei der Abwehr von Spionageangriffen und sie entwickeln gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden eine Sicherheitsstrategie, damit sie alle besser auf kriminelle Angriffe und vor allem auch auf Angriffe fremder Staaten vorbereitet sind, meine Damen und Herren. Es gibt nur eine Partei in diesem Land, die sich darüber aufregt, dass wir die kritische Infrastruktur stärken und dass wir alle Menschen in diesem Land vor Angriffen fremder Staaten schützen wollen: Das ist die FPÖ. Nur eine Partei! Und: Was kann da dahinterstecken? – Vielleicht ein Freundschaftsvertrag, den Sie mit Russland haben, vielleicht ein Freundschaftsvertrag, den Sie auch noch mit China schließen wollen? Anders ist es nicht zu verstehen. Die konstruktiven Kräfte in Österreich arbeiten lieber an der Sicherheit Österreichs, als dass sie einfach dagegen sind. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Barbara Kolm . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

FPÖ Barbara Kolm

Danke sehr, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bundesminister! Geschätzte Zuseher zu Hause! Und wieder eine EU-Richtlinie, ein Allgefahrenansatz, ein Paradebeispiel für wettbewerbsschädliche EU-Bürokratie, aufgefettet mit Metternich’scher Überwachung à la ÖVP. (👏 FPÖ) Zu den Kernaufgaben des Staates gehört die Gewährleistung von Sicherheit nach innen und außen, damit die Unternehmen mit ihren Mitarbeitern in Frieden und Freiheit wertschöpfend tätig sein können. Sicherheit muss verhältnismäßig und wirtschaftstauglich bleiben – so weit, so gut. Aber das, was wir hier haben, ist nach der Chatkontrolle über jedermann ein weiterer Schritt in Richtung Überwachungsstaat. Dieses Gesetz verwechselt unternehmerische Freiheit – Kollege Gerstl hat gesagt, wahrscheinlich sind 600 Unternehmen plus hier in Österreich davon betroffen – mit Überwachung und will Sicherheit durch noch mehr Bürokratie, durch ein noch größeres EU-Bürokratiemonster und ein noch größeres österreichisches Bürokratiemonster austauschen. Resilienz braucht Vernunft und nicht einen neuen Aktenberg. Die Gründe, die vorhin schon mein Kollege Schilchegger genannt hat, sind eigentlich genug für eine Ablehnung, aber man darf es noch deutlicher sagen: Erstens: Die Regierung schafft ein weiteres Bürokratiemonster. Zweitens: Das Gesetz konzentriert viel zu viel Macht, und zwar ausgerechnet im ÖVP-Innenministerium anstatt im Wirtschaftsministerium. Es kontrolliert, auditiert privatwirtschaftliche Sektoren wie Energie, Verkehr, Lebensmittelindustrie et cetera und bietet der EU-Kommission weitere Einsichtsrechte, wenn der Herr Innenminister das für gut befindet. Ich glaube, das ist eigentlich einer Wirtschaftspartei nicht würdig. (👏 FPÖ) Was hier zum Ausdruck gebracht wird, ist ÖVP-Etatismus vom Feinsten, und das ist für privatwirtschaftliche Unternehmen eigentlich der Untergang. Drittens: Wirtschaft gehört ins Wirtschaftsressort und eben nicht ins Innenministerium. Standortpolitik ist nicht Aufgabe der Sicherheitspolizei. Und viertens: Das alles kostet natürlich und ist mit Strafen verbunden, was schon gesagt wurde. Geschätzte Damen und Herren, eine halbe Million, bis zu dieser Höhe kann die Strafe ausfallen. Das macht keine Infrastruktur resilient, das macht Unternehmen nur nervös. Es braucht Abhilfe vor Strafe, nicht Ruin vor Resilienz. Denken Sie einmal darüber nach: Unternehmer, Unternehmen wissen ganz genau, wie sie ihre Ressourcen einsetzen. Sie wissen selbst, wie sie vorsorgen und sind mit ihren Mitarbeitern schließlich denkende und handelnde Personen und mündige Bürger, die genau wissen, dass sie diese Art der Bevormundung nicht brauchen, weil sie sich nämlich am Markt des Know-hows der Versicherungswirtschaft oder eben der Cybersecurity-Industrie et cetera bedienen können, die genau diese Themen aufgreifen und lösen. Das heißt also, wir brauchen nicht noch mehr Bürokratie, wir lehnen diesen Überwachungsentwurf ab. Es gibt Sicherheit auch ohne Bürokratiemonster und ohne dieses Machtmonopol. Resilienz mit Maß und unternehmerischer Verantwortung bitte! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Robert Laimer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz, kurz RKEG, klingt nach einem trockenen Gesetzestitel. In Wahrheit geht es aber um etwas Existenzielles, um nicht mehr und nicht weniger als die Sicherung jener Einrichtungen in elf Sektoren, die unser Land am Laufen halten, unter anderem um Strom, Wasser, Telekommunikation, Transport, Gesundheit. Mit anderen Worten: Es geht um die Lebensadern unserer Republik. Es ist die Frage, ob wir in Krisen bestehen können, ob Krankenhäuser weiterarbeiten können, ob Licht und Wärme verfügbar sind, ob wir die Kommunikation aufrechterhalten können. Es ist die Frage, ob wir handlungsfähig bleiben können und damit unserer ureigenen Aufgabe gerecht werden: den Schutz unserer Republik zu sichern. Der Schutz kritischer Infrastruktur ist kein isoliertes Projekt einzelner Behörden oder Institutionen, es ist ein gesamtstaatlicher Auftrag, und genau diesen gesamtstaatlichen Auftrag kann nicht ein Markt alleine regeln. Politik, Verwaltung, Unternehmen, Einsatzorganisationen tragen Verantwortung dafür, dass unsere Lebensadern geschützt bleiben. (👏 ÖVP, SPÖ) Gerade in einer global vernetzten und hoch digitalisierten Welt kann nur ein Zusammenspiel aller Kräfte Resilienz schaffen. Wenn etwas Gröberes passiert, spielt das Bundesheer auch eine zentrale Rolle. Kritische Infrastruktur zu schützen, ist auch eine sicherheitspolitische Aufgabe. Kritische Infrastruktur zu schützen, heißt nicht, Kasernen, Kraftwerke oder nur Datennetze abzusichern, es heißt, unser tägliches Leben zu schützen. Sicherheit ist keine abstrakte Größe, sondern Teil unseres Zusammenhaltes. Unsere Soldaten, die Miliz, üben seit Jahren gemeinsam mit Polizei, Blaulichtorganisationen, Behörden genau diesen Ernstfall. Denken wir an die Übungsreihe Netzwerk in Wien: Dort wurde realitätsnah durchgespielt, wie ein Anschlag auf ein Umspannwerk abgewehrt werden kann. Soldaten, Polizei, Drohnenaufklärung, Festnahmen – ein Zusammenspiel, das zeigt: Ohne Bundesheer, ohne Exekutive geht es nicht. Auch in Salzburg wurde im Rahmen der Übungsserie Pionierschild der Schutz kritischer Infrastruktur trainiert. Soldaten übten gemeinsam mit Milizpionierkompanien aus Salzburg und Tirol die Sicherung sensibler Objekte in mehreren Gemeinden. Gerade diese Übungen zeigten auch, wie wertvoll die Miliz ist: Bürgerinnen und Bürger in Uniform, die ihr ziviles Fachwissen mit militärischer Praxis verbinden und so einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit in unserem Land leisten. Oder nehmen wir die internationale Dimension: Bei einer Cyberabwehrübung in Estland war Österreich mit einem starken Team vertreten. Militärs, Experten aus dem Bereich der kritischen Infrastruktur, internationale Partner – gemeinsam wurden Tausende koordinierte Cyberangriffe abgewehrt. Das zeigt, wie wichtig, ja wie unverzichtbar unsere Kompetenzen auch im digitalen Raum des Militärs geworden sind. Kritische Infrastruktur zu schützen, heißt, das Funktionieren unseres Staates zu garantieren. Hier müssen wir auch ein Versprechen abgeben, es heißt, dafür zu sorgen, dass eben nicht das Licht ausgeht – genauso wie die Exekutive und ihre Sicherheitspartner Tag für Tag dafür einstehen. Dieses Gesetz ist kein technisches Gesetz, es ist ein Stück Zukunftssicherung, es ist eine Schutzpolizze, es ist gut investiertes Geld für die Republik, für die Bevölkerung, denn ehrlich gesagt, die lange Phase der Sorglosigkeit in Europa, in Österreich ist vorbei, wahrscheinlich für lange Zeit. Denken wir an den massiven Anstieg von Cyberkriminalität! Das Beispiel Drohnen ist heute schon gefallen, aktuell betrifft das viele europäische Flughäfen, die beinahe lahmgelegt wurden. Dahinter steht neben geopolitischen Verwerfungen auch die globale digitale Vernetzung – eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Die entsprechenden Rahmenbedingungen in Bezug auf kritische Infrastruktur und in Folge auch in Bezug auf eine resiliente Gesellschaft werden wir in Zukunft brauchen, nämlich dafür, um unsere Staats- und Kulturform der freien und sozialen Demokratie nachhaltig abzusichern. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Alois Kainz . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Alois Kainz

Danke, Herr Vorsitzender! Herr Bundesminister! Geschätzte Kollegen! Werte Zuseher! Wir diskutieren das Bundesgesetz über die angebliche Resilienz kritischer Einrichtungen …

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Noch nicht!

FPÖ Alois Kainz

… ein Gesetz, das tief in die Strukturen unseres Staates, unserer Wirtschaft und unserer Unternehmen eingreifen wird. Mir als Zivilschutzsprecher ist es besonders wichtig, auf Folgendes hinzuweisen – ich glaube, jeder hier im Hohen Haus, der sich damit intensiv auseinandergesetzt hat, weiß das –: Zum Ablauf, der hier gewählt wurde, ist erstens einmal zu sagen, dass wir bereits ein EU-Vertragsverletzungsverfahren laufen haben und es aus diesem Grund jetzt höchst an der Zeit und notwendig ist, dieses Gesetz durchzupeitschen , aber es sind sehr viele Fragen offen, sie bleiben unbeantwortet. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind sehr viele Fragen, wichtige Fragen in diesem Gesetzentwurf unbeantwortet geblieben. Die grundsätzliche Frage ist einmal: Wer ist aller davon betroffen? – Das Innenministerium spricht selbst von 400 bis 600 Unternehmen. Es fehlt eine klare Aufstellung über die Unternehmen, man kann nicht sagen, wer tatsächlich davon betroffen ist. Wie ist die zeitliche Abfolge? – Bis 17. Jänner 2026 muss der Innenminister eine nationale Strategie ausarbeiten und dann in weiterer Folge dem Nationalrat übermitteln. Erst danach erfolgt eine Risikoanalyse durch das Bundesministerium für Inneres. Auf Basis dieser Analyse sollen dann die kritischen Einrichtungen überhaupt erst ermittelt werden. Das heißt, heute beschließen wir ein Gesetz, das enorme Pflichten und Strafen vorsieht, aber niemand weiß, wen es konkret betrifft. Wie geht es dann weiter? – Der Herr Innenminister wird ermächtigt, Vor-Ort-Kontrollen durchzuführen und Einschau in Unterlagen zu nehmen. Meine Damen und Herren, das ist ein gewaltiger Eingriff – nicht nur in die Wirtschaft, sondern auch in die föderalen Strukturen. Die nächste große Frage betrifft die Kosten der Bürokratie, des Aufwandes. Der Herr Innenminister schreibt selbst, dass die Einrichtungen durch dieses Gesetz finanziellen und personellen Belastungen ausgesetzt werden. Die wirkungsorientierte Folgenabschätzung sagt hinsichtlich der Kosten klar und deutlich, dass eine genaue Aufstellung der Kosten nicht möglich ist, das wäre erst möglich, wenn klar ist, welche Einrichtungen betroffen sind. Gleichzeitig rechnet man aber damit, dass die Gesamtbelastung bei über 2,5 Millionen Euro pro Jahr liegen wird. Das heißt im Klartext: Wir beschließen jetzt ein Gesetz mit massiven Pflichten, mit Kontrollen, aber wir wissen weder, wer betroffen ist, noch, wie hoch die Kosten sind, stattdessen drohen Strafen bis zu 500 000 Euro. Für manche Unternehmen ist das existenzbedrohend. Sehr geschätzte Damen und Herren, wir haben es hier mit einem Gesetz zu tun, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Wer sind die betroffenen Einrichtungen? Wie ist die genaue zeitliche Abfolge? Wer übernimmt welche Rolle? Welche Kosten entstehen dem Bund, den Ländern, den Gemeinden, den Unternehmen? – Ohne klare Antworten auf diese Fragen ist ein solches Gesetz nicht nur ein Risiko für die Wirtschaft, sondern auch ein Bürokratiemonster, das auf dem Rücken unserer Unternehmen und unserer föderalen Strukturen abgeladen wird. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Veit Valentin Dengler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Veit Valentin Dengler

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleg:innen und liebe Zuschauer:innen! Es gibt das schöne Zitat von Karl Kraus: Wenn die Welt untergeht, sollte man in Wien sein, denn da passiert alles zehn Jahre später. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ sowie des Abg. Zorba [Grüne]. ) – An dieses Zitat fühlt man sich erinnert, auch wenn man die Neutralitätsdebatte vorhin mitverfolgt hat, denn wir reden so, als ob es 2005 wäre oder so. In Wahrheit aber gibt es Drohnen über Polen, die die Russen geschickt haben, und wahrscheinlich waren sie auch diejenigen, die jetzt die Drohnen über die Flughäfen in Oslo und in Kopenhagen geschickt haben. Es gab einen großen Stromausfall in Berlin, der sehr lange gedauert hat. Hackerangriffe gab es übrigens auch in Österreich – nur falls Sie glauben, dass uns die Neutralität schützt –, wenn man jetzt an die Landesverwaltung in Kärnten oder auch an das Außenministerium denkt. Also: Es gibt hybride Kriegsführung, das ist real, und wir müssen unsere Infrastruktur dagegen schützen. Frau Kolm, Sie haben ja das Wort Allgefahrenansatz verwendet, als ob das etwas Unanständiges sei. Ich glaube, Herr Schiefer bei Ihnen und ich sind die Einzigen, die hier jemals ein großes Unternehmen geführt haben. Ich kann Ihnen garantieren, wir machen alle Risikomanagement. Wenn man Risikomanagement macht, machen sie nicht ein Kapitel für Naturkatastrophen …

FPÖ Kolm (Zwischenruf)

Deswegen haben Sie ja eine Versicherung und einen Berater ...!

NEOS Veit Valentin Dengler

… und dann einen anderen Ansatz für Hybrid und einen dritten Ansatz für Terrorangriffe, sondern sie machen einen Allgefahrenansatz. Das heißt, sie schauen sich alles an: Was kann passieren, was ist die Business-Continuity, was muss man sicherstellen, dass passiert?, und dann führt man Pläne dafür ein. Das ist jetzt auch das Überraschende dabei - - …

FPÖ Kolm (Zwischenruf)

... sie machen das selber!

NEOS Veit Valentin Dengler

… G enau, die meisten Unternehmen machen das von selber. Was wir hier jetzt machen: Es ist nämlich sehr wohl eine Staatsaufgabe, sicherzustellen, dass die kritische Infrastruktur dann auch funktioniert und dass man im Zweifelsfall miteinander kommunizieren kann, damit man weiß, was der eine und was der andere macht. Deswegen ist dieses Gesetz auch sehr sinnvoll. Wir haben einen Gesetzentwurf von der schwarz-grünen Koalition geerbt. Ich glaube, da haben wir jetzt einige Sachen nachgebessert. Weil Sie (i n Richtung Abg. Kolm [FPÖ] ) auch zum Strafausmaß gesprochen haben: Es gibt Länder wie Italien zum Beispiel, die Strafen in Höhe von 5 Millionen Euro haben. Das haben wir herabgesetzt. Wir sind jetzt auf demselben Niveau wie, ich glaube, Finnland und Irland, die haben einen Strafrahmen von bis zu 500 000 Euro. Ich glaube, das ist durchaus vernünftig. Gold-Plating haben wir vermieden, obwohl Gold steigt. Was ist dazu noch zu sagen? – Ich glaube, über das Ziel sind wir uns alle einig, aber darüber, wie man da hinkommt, gibt es offenbar noch Differenzen. Was tatsächlich wichtig ist, ist, wie das durchgeführt wird. Deswegen ist es für uns auch sehr wichtig, dass die Verordnungen, die da verabschiedet werden, auch sinnvoll sind und dass es bei diesen Verordnungen ein ordentliches Begutachtungsverfahren gibt, um die jeweiligen Stakeholder da gut abzuholen. Wenn das sichergestellt ist, dann bin ich davon überzeugt, dass wir diese Umsetzung des europäischen Rechts – was wir ja auch machen müssen, wie wir wissen – auf den Weg bringen. Worum geht es eigentlich bei einem hohen Resilienzniveau? – Dass, wenn die hybride Kriegsführung uns das nächste Mal wieder trifft oder wenn es eine Naturkatastrophe gibt, unsere Infrastruktur auch tatsächlich geschützt ist. Deswegen, glaube ich, ist es ein sehr vernünftiges Gesetz, und ich würde allseits bitten, dass wir da zustimmen. – Danke schön. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer . – Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Was hier jetzt kommt, ist ein sehr wichtiges Gesetz, und es kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Wie wir alle sehen, nehmen die Gefahren, die unsere Infrastruktur bedrohen, zu, sowohl die Naturgefahren als auch die Gefahren durch Terrorismus, die Gefahren durch Spionage und nicht zuletzt auch reale Kriegsdrohungen, sowohl physisch als auch durch hybride Angriffe. Wir wissen das, wir sehen das, und ich bin froh, dass mit diesem Gesetz darauf reagiert wird. Das, was Sie ( in Richtung FPÖ ) hier als Gängelung von Unternehmen beschreiben, ist in Wirklichkeit eine ganz, ganz wichtige Maßnahme für die Sicherheit aller Menschen hier in diesem Land. Kritische Infrastruktur heißt nicht umsonst kritische Infrastruktur. Wenn es da Ausfälle gibt, wenn es da Probleme gibt, dann betrifft das jede Einzelne und jeden Einzelnen, und zwar im alltäglichen Lebensbereich. Das beginnt mit dem Geld, das ich nicht mehr vom Bankomaten abheben kann, und es betrifft genauso die Klospülung, die nicht mehr funktioniert, wenn der Strom ausfällt. Es betrifft das tägliche Leben. Deshalb ist es so wichtig, sich auch vor Augen zu führen, was es bedeutet, gegen so ein Gesetz zu sein und so etwas als Schikane zu bezeichnen, so wie Sie es hier gemacht haben, denn das bedeutet in Wirklichkeit, mir ist die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen hier in diesem Land vollkommen wurscht. Uns ist es nicht wurscht, und deshalb stimmen wir diesem Gesetz zu. Ich bin sehr froh, dass wir mit diesem Gesetz auch erreichen konnten, dass über sicherheitsrelevante Vorfälle diesem Haus, diesem Parlament berichtet wird. Das ist eine wesentliche Ergänzung. Deshalb können wir diesem Gesetz auch wirklich mit voller Überzeugung zustimmen. Ein Problem gibt es schon noch, und das ist, dass die größte Bedrohung, vor der wir gerade stehen, eine ist, für die es noch keine geeigneten Pläne gibt, wie wir dieser begegnen. Diese Bedrohung ist in der Luft: Es sind Drohnen, die zu unterschiedlichsten Zwecken eingesetzt werden. Es gibt Hunderte Überflüge von Drohnen über kritische Infrastruktur. Kein Mensch weiß, was die machen – ob das ein Spielzeug vom Nachbarskind ist, ob es eine Spionagedrohne ist oder ob es eine Drohne ist, mit der Terroristen ihr nächstes Ziel auskundschaften. Niemand kann es wissen, niemand kann es sagen, und vor allem können wir uns nicht dagegen wehren. Unsere Behörden haben auch keine Maßnahmen und keine Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Wenn ich die Polizei rufe, weil eine Drohne über mein Haus fliegt, können sie genauso wenig tun, wie wenn ich die Polizei rufe, weil eine Drohne über mein Kraftwerk fliegt. Das ist ein Problem, und deshalb ist es wichtig, dass wir hier einen Plan entwickeln. Es braucht eine nationale Drohnenschutzstrategie. Eine Strategie bedeutet: Man ist sich aller Gefahren bewusst, man ist sich aller Umstände bewusst, die man mit in Betracht ziehen muss, und man hat für jedes Szenario einen Eingriffsplan, einen Zugriffsplan. Und: Die einzelnen Behörden wissen, was ihre Aufgaben sind und wie sie im Falle einer echten Bedrohung miteinander kommunizieren und miteinander arbeiten müssen. – Deshalb brauchen wir diese nationale Drohnenschutzstrategie. Deshalb bringe ich folgenden Antrag ein: RN/129.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Österreich braucht eine nationale Drohnenschutz-Strategie“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres, wird zur raschen Ausarbeitung und Umsetzung einer umfassenden, nationalen Drohnenschutz-Strategie aufgefordert. Dabei müssen relevante Akteure, wie Betreiber kritischer Infrastruktur, eingebunden werden.“ Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, stimmen Sie bitte diesem Antrag zu, denn es ist höchste Zeit! – Vielen Dank. (👏 SPÖ) 18.31 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/129.2 Österreich braucht eine nationale Drohnenschutz-Strategie (125/UEA) Präsident Peter Haubner : Der eingebrachte Entschließungsantrag von Kollegin Agnes Sirkka Prammer wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundesminister. – Herr Bundesminister Karner, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Sehr verehrte Zuseherinnen und Zuseher! Wenn nach knapp 10 Stunden Sitzungszeit am heutigen Tag eines klar ist, dann: dass die FPÖ, sollte sie jemals eine Sicherheitspartei gewesen sein, es jetzt jedenfalls nicht mehr ist. (👏 ÖVP) Ich erinnere nur daran, was bereits erwähnt wurde: gegen den Stopp des Familiennachzuges, gegen Messengerüberwachung, heute gegen die Verschärfung des Waffengesetzes, gegen das Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz. Stattdessen flüchtet sich die FPÖ in ihren Kanälen in eine Parallelwelt, wo sie von Generalverdacht fabuliert, von Einheitspartei, von Systemmedien, von Metternich’scher Überwachung, vom totalitären Staat – eine Welt, in der niemand leben will, meine Damen und Herren.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ich glaube eher, dass du dich in eine Parallelwelt ...!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Tatsache ist, dass die Resilienz einer Gesellschaft und eines Staates angesichts der Bedrohungen, vor denen wir stehen, wichtiger denn je ist. Sie brauchen nur die Nachrichten der letzten Tage zu verfolgen: Drohnen aus Russland verletzen den Luftraum in Polen; Drohnen stören den Flugbetrieb auf den Flughäfen in Kopenhagen und Oslo. Nachrichten von Cyberattacken auf Computersysteme zeigen – und man braucht das dann gar nicht mehr zu erklären –, wie wichtig die Resilienz und wie wichtig der Schutz kritischer Einrichtungen ist. Dazu zählen Stromversorgung, Wasserversorgung, die Gesundheitsversorgung, die Lebensmittelversorgung, alle Einrichtungen und alles, was das öffentliche Leben am Laufen hält und was für das Funktionieren des öffentlichen Lebens notwendig ist. Dazu braucht es natürlich auch Risikoanalysen – der Herr Bundesminister hat es angeführt –, auch entsprechende Unterstützung bei der Gestaltung solcher Risikoanalysen durch die Experten in den Behörden, die wir haben. Ein wesentlicher Vorteil, der dadurch entsteht, ist: Es schafft Bewusstsein. Vor 50 Jahren haben wir in unserer Bundesverfassung die umfassende Landesverteidigung normiert, weil eben Landesverteidigung umfassend zu sehen ist: wirtschaftlich, militärisch, zivil und auch geistig. Auch eine solche Risikoanalyse kann ein Beitrag zur geistigen Landesverteidigung sein. Dabei müssen wir aber auch so ehrlich sein, zu sagen, dass wir bei der Drohnenabwehr noch deutlich Luft nach oben haben. Wir brauchen da noch faktische und vor allem auch rechtliche Möglichkeiten, um wirklich effektive Maßnahmen zur Drohnenabwehr setzen zu können. So tragisch das ist: Wir werden dabei vielleicht auch auf die Erfahrungen aus dem Ukrainekrieg zurückgreifen müssen, darauf, wie in diesen Bereichen die Drohnenabwehr erfolgt, denn dort sieht man, dass sich das täglich verändern kann und sich auch die Abwehrmaßnahmen entsprechend rasch ändern müssen. Meine Damen und Herren, alles in allem ist dieser Gesetzentwurf ein richtiger Schritt in Richtung der Resilienz Österreichs. – Danke schön. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christian Oxonitsch . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Christian Oxonitsch

Danke schön. – Keine Sorge, Herr Präsident, es wird nicht so lange sein. – Sehr geehrter Herr Innenminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist ja viel diskutiert worden, warum die Freiheitlichen heute zum zweiten Mal eigentlich ein bisschen ein sonderbares Abstimmungsverhalten haben. Es war schon der Verdacht da, es gehe da vielleicht tatsächlich um den Freundschaftsvertrag. Wo sind – vorhin beim Waffengesetz – die Interessen der Waffenlobbyisten? Ich glaube, es ist ja viel banaler. Ich glaube, man hat im Gesetz öfters „kritisch“ gelesen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wir haben es nicht verstanden, oder?

SPÖ Christian Oxonitsch

… und man will mit kritischen Medien nichts zu tun haben, man will mit kritischen Journalisten nichts zu tun haben …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Messerscharf analysiert! Wir sind so doof, wir haben es nicht verstanden!

SPÖ Christian Oxonitsch

… man will mit kritischen Zeitungen nichts zu tun haben, und da hat man einfach aufgehört. Ich kann Ihnen nur sagen: Es ist etwas, an dem gerade auch Sie eigentlich großes Interesse haben müssten.

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Mir sind diese Ferndiagnosen die liebsten! Irgendetwas reinstottern!

SPÖ Christian Oxonitsch

… Wenn hier gesagt wird, und das ist ja ganz spannend, der Markt, die Wettbewerbsfähigkeit: Wissen Sie, wenn wir diese Sicherheitsmaßnahmen in weiterer Folge im gesamten europäischen Raum nicht haben, dann wird sich für das eine oder andere Unternehmen diese Frage gar nicht stellen, denn wenn Lieferketten unterbrochen sind, wenn Verkehrsinfrastruktur nicht funktioniert, wenn die Telekominfrastruktur nicht funktioniert, dann können die Betriebe wettbewerbsfähig sein, so viel sie wollen. Sie werden ein ganz anderes Problem haben und das wird nicht dieses Gesetz sein. Das heißt, ich glaube, es ist gut und richtig, dass wir heute dieses Gesetz beschließen, weil eben die Infrastruktur vernetzt ist und es ja nicht nur um einzelne Sektoren geht, sondern tatsächlich eine Infrastruktur viele andere wesentliche Infrastrukturen mitbeeinflusst. Daher ist es, glaube ich, gut, dass wir das machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Ein Dankeschön an dieser Stelle für die Anregung – ich glaube, das ist durchaus eine wichtige Anregung –, die sich in dem Antrag der Grünen widerspiegelt, sich tatsächlich den Kopf über eine Drohnenstrategie zu zerbrechen. Ich glaube nur, es überfordert uns alle, darüber jetzt eine seriöse Debatte zu führen. Ich nehme an, es wird diesen Antrag ja im Ausschuss auch noch geben – so, wie es üblich ist. Wir werden ihn hier ablehnen, aber ich glaube, es ist wirklich wichtig, dass wir uns im Ausschuss sehr seriös über dieses ganz wichtige und wesentliche Thema unterhalten, obwohl natürlich auch das ein Bestandteil dieser gesamten Gesetzesmaterie ist. Aber ich glaube, man sollte sich die Zeit nehmen, denn wir haben in den letzten Tagen feststellen können, wie groß diese Bedrohung tatsächlich ist, die im Übrigen auch große Auswirkungen auf viele der Bereiche in der Wirtschaft hat, die Kollegin Kolm angesprochen hat. Wenn die Flieger nicht fliegen, dann ist das Problem nicht die Wettbewerbsfähigkeit, sondern das Problem ist, dass Unternehmen die diversen Materialien et cetera nicht kriegen. Ich glaube also, das Problem ist viel weiter und größer zu sehen, und insofern bitte ich um Zustimmung zu diesem Gesetz. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

ORF-Gesetz

201 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 409/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das ORF-Gesetz wird geändert, um ein Redaktionsversehen zu korrigieren. Zudem wird das im Regierungsprogramm vorgesehene Anhörungsrecht der Landeshauptleute gestrichen.

Betroffen sind Bestimmungen des ORF-Gesetzes (u.a. § 14 Abs. 5a Z 4 und § 23 Abs. 2 Z 3) sowie die Landeshauptleute, deren Anhörungsrecht entfällt.

Dokumente

ORF-Gesetz

Gegenstand

  • Änderung des ORF-Gesetzes durch einen Initiativantrag (409/A).

Begründung des Initiativantrags

  • Die Änderung dient der Beseitigung eines Redaktionsversehens.

Änderungen durch den gesamtändernden Abänderungsantrag

  • § 14 Abs. 5a Z 4: Beseitigung eines Redaktionsversehens.
  • § 23 Abs. 2 Z 3: Umsetzung der im Regierungsprogramm vorgesehenen Abschaffung des Anhörungsrechts der Landeshauptleute.

Ergebnis der Ausschussberatung

  • Empfehlung, dem angeschlossenen Gesetzentwurf die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen.

ORF-Gesetz

~26 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Michael Schilchegger

Danke, sehr geehrter Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Kollegen der Regierungsfraktionen, mit der ORF-Zwangsabgabe haben Sie seinerzeit sich selbst und den Österreichern nicht nur ein Ei gelegt, sondern den Österreichern einen Misthaufen in den Vorgarten gesetzt. Was tun Sie mit dieser Beschlussvorlage? – Sie läuten an der Tür eines jeden Haushaltes und sagen: Guten Tag, grüß Gott, wir haben Ihnen einen Misthaufen geliefert und gehört, Sie haben einen Stein in Ihrem Misthaufen! Wir möchten Ihnen helfen, diesen Stein aus dem Misthaufen zu holen. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Was ist, naheliegend, die Antwort? – Sie sollen nicht Steine aus dem Misthaufen klauben, sondern den ganzen Misthaufen wegschaffen! Ich habe keinen Misthaufen bestellt! Aber nun werden Sie, liebe Damen und Herren von der Einheitspartei, von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen, den Leuten erklären, warum es so wichtig und lobenswert ist, diesen einen Stein aus dem Misthaufen zu beseitigen. Ihr Plan zur Beseitigung dieses Steins ist die Beschlussvorlage, über die wir nun sprechen. Sie wollen erstens bei Anträgen auf Befreiung von dieser ORF-Zwangsabgabe, dass auch der Wohnaufwand berücksichtigt wird, zweitens, dass Mehrfachbelastungen für Unternehmer wegfallen, die derzeit mehrere ORF-Zwangsbeiträge zu bezahlen haben, und drittens, dass Landeshauptleute kein Recht mehr haben sollen, bei der Bestellung von ORF-Landesdirektoren eine Stellungnahme abzugeben. Und nicht einmal das bringen Sie zustande! Gehen wir es einmal der Reihe nach durch! Erstens, Anrechnung von Wohnaufwand: Ihre Anträge enthalten überbürokratische Regelungen. In den Jahren 2026 und 2027 anerkennen Sie einen Pauschalbetrag von 500 Euro – okay. Im Jahr 2028 wird das dann so sein, dass sich der Wohnaufwand für alle, die sozusagen nicht im mietergeschützten Bereich sind, auf 140 Euro reduziert. Überlegen Sie einmal selber, meine Damen und Herren: 140 Euro Wohnaufwand für Betriebskosten und sonstige Zahlungen in Bezug auf die Wohnung – und ob das gegenüber Mietern angemessen ist, die geschützt sind, bei denen dann die volle Miete plus Betriebskosten anerkannt wird. Also dieser Punkt Ihres Gesetzespaketes ist eine schlichte, skandalöse Ungleichbehandlung. Zweiter Punkt, Mehrfachbelastung von Unternehmen: Bisher verlangen Sie von den Unternehmen, ORF-Beiträge mitunter mehrfach zu bezahlen, und zwar gestaffelt nach der Summe der Kosten für die Arbeitnehmer, die sie beschäftigen. An dieser Mehrfachbelastung halten Sie fest; also auch künftig werden Unternehmer mehrere ORF-Beiträge zu bezahlen haben, und zwar abhängig von der Summe der Arbeitskosten. Sie beseitigen nur eine zusätzliche Mehrbelastung, die nämlich daraus entsteht, dass Unternehmen bisweilen mehrere Betriebsstätten in Österreich haben. Das ist eine klassische Mogelpackung, damit Sie in der Debatte behaupten können, dass Sie Mehrfachbelastungen für Unternehmer beseitigen würden. Ihr Paket ist aber sogar eine doppelte Mogelpackung, denn Sie lassen diese Änderung nur übergangsweise gelten und ab 2028 gilt wieder die vorherige Regelung. Das ist Ihre Übergangsbestimmung! Und zum Punkt drei, zum Anhörungsrecht der Länder in Bezug auf die ORF-Landesdirektion: Wir haben nichts dagegen, diese Passage aus dem Gesetz zu streichen. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber der Punkt ist: Es ist völlig bedeutungslos. Denn Landeshauptleute werden natürlich auch zukünftig in der Lage sein, den ORF-Generaldirektoren mitzuteilen, wen Sie gerne als Landesdirektor hätten.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Ja, macht das der Kunasek? – Abg. Shetty [NEOS]: Ah so!

FPÖ Michael Schilchegger

… Dafür braucht es überhaupt keine gesetzliche Grundlage. Dieser Punkt des Gesetzespaketes ist schlichtweg bedeutungslose Symbolpolitik.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ah so! Plötzlich!

FPÖ Michael Schilchegger

… Was bleibt also von Ihrer Absicht, da einen Stein aus dem Misthaufen der ORF-Zwangsabgabe zu beseitigen? – Ich fasse zusammen: eine skandalöse Ungleichbehandlung für Befreiungsanträge im Bereich des Wohnaufwandes, eine Mogelpackung für Unternehmer, die mehrere ORF-Beiträge zu entrichten haben, und eine bedeutungslose Symbolpolitik.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Plötzlich ist die FPÖ nicht mehr gegen die Entpolitisierung, gell, wo wir selber den Landeshauptmann stellen!

FPÖ Michael Schilchegger

… Und jetzt kommen wir noch einmal zur ORF-Zwangsabgabe: Auch ohne ORF-Zwangsabgabe – denkt man sich diese Einnahme aufseiten des ORF einmal völlig weg – erhält der ORF ja bereits heute Mittel aus dem Budget. Sie bezahlen dem ORF aus dem Budget auf Kosten der Steuerzahler 70 Millionen Euro jährlich unter dem Titel der Kompensationsabgabe auf Grundlage von § 31 Abs. 11 des ORF-Gesetzes. 70 Millionen Euro! Das sind 500 Audi-A8-Dienstwägen für Staatssekretäre. Zusätzlich erhält der ORF noch etwas, und zwar 300 Millionen Euro, weil Sie ihm ja erlauben, auch Werbeeinnahmen zu generieren. Das heißt: also 300 Millionen Euro Werbeeinnahmen, 70 Millionen Euro aus dem Staatsbudget. Der ORF braucht überhaupt keine ORF-Zwangsabgabe. Wir brauchen die Zwangsabgabe für dieses ORF-Luxusmärchenschloss nicht. (👏 FPÖ) Sie sollten endlich aufhören, meine Damen und Herren von den Regierungsfraktionen, Steine aus dem Misthaufen klauben zu wollen – und nicht einmal das schaffen Sie. Niemand will diesen Misthaufen, Sie sollten den ganzen Misthaufen beseitigen! Daher bringe ich abschließend den folgenden Antrag ein: RN/135.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Christian Hafenecker , MA, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Abschaffung der ORF-Zwangsabgabe“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zur Abschaffung der im ORF-Beitrags-Gesetz 2024 verankerten ORF-Haushaltsabgabe zuzuleiten. Damit einhergehend soll eine Umstellung der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich auf eine Finanzierung aus dem Bundesbudget, auf Basis eines mehrjährigen Finanzrahmenplans, stattfinden.“ (👏 FPÖ) 18.49 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/135.2 Abschaffung der ORF-Zwangsabgabe (126/UEA) Präsident Peter Haubner : Der soeben verlesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Klaus Seltenheim . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Klaus Seltenheim

Danke schön, sehr geehrter Präsident! Sehr geehrter Vizekanzler! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Liebe Zuseher:innen zu Hause vor den Bildschirmen! Weltweit stehen Journalist:innen, steht die freie Meinungsäußerung unter Druck. Jüngstes Beispiel: Jimmy Kimmel in den USA – und jetzt auch gerade der Kollege von der FPÖ, der den ORF als Misthaufen bezeichnet, als ein weiteres Beispiel dafür. Die unheilige Allianz der Tech-Giganten und der Rechtspopulisten setzt die Medienwelt und den Medienmarkt unter Druck. Nicht nur deswegen, aber auch deshalb stärken wir die Unabhängigkeit des ORF. (👏 SPÖ) Es fällt das Anhörungsrecht der Landeshauptleute für die Landesdirektoren. Wir stehen zu unserem Wort, was die Entpolitisierung des ORF betrifft. Wir halten auch Wort, was das Recht auf analoges Leben betrifft, denn es ist weiterhin möglich, dass man die ORF-Gebühr mit Erlagschein zahlen kann, und das auch noch gestückelt und nicht alles auf einmal zu Jahresbeginn. Und wir halten auch Wort, was die Entlastungen für das Geldbörsel jedes Einzelnen in Österreich betrifft. Wir bekämpfen die Teuerung mit der Mietpreisbremse und sorgen aber auch noch dafür, dass all jene, die dennoch unter den explodierenden Wohnkosten leiden müssen, weiterhin vom ORF-Beitrag verschont werden. Mit den heutigen Beschlüssen stärken wir die Unabhängigkeit des ORF, wir entlasten sozial treffsicher und vereinfachen die Beitragsverfahren. Verantwortungsvolle Medienpolitik im Dienst der Demokratie, unabhängig, verlässlich für alle – das schlagen wir heute vor, und ich bitte daher um Ihre Zustimmung. Nun zu dem vorliegenden Abänderungsantrag: RN/136.1 Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. (FH) Kurt Egger , Klaus Seltenheim , Henrike Brandstötter , Kolleginnen und Kollegen „Das Bundesgesetz über den Österreichischen Rundfunk (ORF-Gesetz, ORF-G), BGBI. Nr. 379/1984, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBI. I Nr. 50/2025, wird wie folgt geändert:“ 2. Z 2 lautet: „2. In § 23 Abs. 2 Z 3 entfällt die Wortfolge „ , bei Letzteren nach Einholung einer Stellungnahme des betreffenden Landes“.“ 3. Z 3 lautet: „In § 49 erhält der mit der Novelle BGBl. I Nr. 50/2025 angefügte Abs. 24 die Absatzbezeichnung „(25)“; dem § 49 wird folgender Abs. 26 angefügt: „(26) § 14 Abs. 5a Z 4 und § 23 Abs. 2 Z 3 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBI. I Nr. xxx/2025 treten mit 1. Jänner 2026 in Kraft.““ Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS) 18.53 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/136.2 ORF-Gesetz (AA-27) Präsident Peter Haubner : Der Abänderungsantrag, der soeben verlesen wurde, wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Kurt Egger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Michael Schilchegger

Mein Vorvorredner, Abgeordneter Seltenheim, hat behauptet, wir Freiheitliche, beziehungsweise ich als Redner, hätten behauptet, der ORF wäre ein Misthaufen. Ich berichtige tatsächlich: Ich habe nicht gesagt, der ORF ist ein Misthaufen, sondern die „ORF-Zwangsabgabe“ ist ein Misthaufen. Der ORF ist das „Luxusmärchenschloss“. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Klubobmann.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! ORF Niederösterreich, ORF Tirol, ORF Wien, alle ORF-Landesstudios haben einen Chef, den sogenannten ORF-Landesdirektor. Was soll der für Qualifikationen haben? – Kaufmännische Erfahrung, journalistisch versiert sollte er sein, Managementqualitäten. Was ist definitiv keine Qualifikation, die er mitbringen muss? – Das richtige Parteibuch! Und da sind wir genau bei dem Punkt, über den wir heute reden. Derzeit ist es nämlich so – das wissen vielleicht viele Menschen nicht –, dass, wenn jemand Chef eines ORF-Landesstudios werden möchte, im Gesetz vorgesehen ist, dass er beim Landeshauptmann oder der Landeshauptfrau auf eine Audienz vorbeischauen muss. Da kann man sich vorstellen, wie der Landeshauptmann, die Landeshauptfrau dann reagiert ( mit dem Daumen der rechten Hand auch die entsprechenden Gesten zeigend ): Daumen rauf oder Daumen runter. Das sind Zustände wie in der Monarchie, das ist nicht etwas, das ins 21. Jahrhundert passt, und deswegen machen wir mit der heutigen Politik-raus-aus-dem-ORF-Novelle Schluss damit. Wir entmachten die Landeshauptleute im ORF, wir schaffen diese Audienzregelungen ab – etwas, das wir NEOS seit unserer Gründung fordern. Das Anhörungsrecht der Landeshauptleute ist mit dem heutigen Beschluss Geschichte. (👏 NEOS) Warum ist das so wichtig? Man könnte ja die Meinung vertreten, das sind nur neun ORF-Landeschefs, das ist eh schon wurscht, wenn da die Politik mitredet. – Nein, im Gegenteil, denn es hat den Anschein, dass im ORF politische Packelei zählt, dass es darauf ankommt, wen man kennt, und nicht, was man kann! Gerade in einer Zeit, in der die Unabhängigkeit des ORF und der Medien besonders in der Öffentlichkeit steht, ist es Gift für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn der Anschein bekräftigt wird, dass Landeshauptleute sich ihre ORF-Landesdirektoren handverlesen aussuchen. Deswegen ist es gut, dass wir den ORF mit dieser Politik-raus-aus-dem-ORF-Novelle heute unabhängiger machen, objektiver machen und damit auch entpolitisieren. Das ist ein erster Schritt von mehreren im Regierungsprogramm, wie wir den ORF entpolitisieren und die Politik raus aus dem ORF bringen. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Jetzt gibt es eine Sache, die ich nicht ganz verstehe, wenn ich mir die Rede vom Kollegen von der FPÖ anhöre: warum die FPÖ da dagegen ist. Also ich habe mir gedacht, dass die FPÖ auch für die Entpolitisierung des ORF ist.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

... anderer mitreden soll!

NEOS Yannick Shetty

… Aber jetzt habe ich hier rausgehört und andererseits bei der sehr langen Pressekonferenz des Herrn Generalsekretärs Hafenecker, dass er davon gesprochen hat – er ist, glaube ich, gerade nicht hier –, dass das jetzt eine Mogelpackung sei, weil just jetzt, wo die FPÖ einen Landeshauptmann stellt, das Anhörungsrecht der Landeshauptleute abgeschafft werden soll. – Also damit entlarven Sie sich schon selber. Die FPÖ zeigt, dass es ihr nicht um die Entpolitisierung von Rot-Schwarz geht, sondern um eine Politisierung in Blau, und das ist das komplette Gegenteil. Das wollen wir nicht! Die Politik hat im ORF nichts zu suchen, und wir wollen auch nicht aus dem ORF FPÖ-TV machen. Das ist nämlich Ihr Ziel. Zum zweiten Teil des Pakets: Wir haben heute zwei Gesetzesänderungen, einerseits Politik raus aus dem ORF und zweitens eine Änderung des ORF-Beitrags-Gesetzes, auch etwas, was für eine bestimmte Gruppe – betrifft nicht alle, aber für die – eine große Erleichterung und Entlastung darstellen wird, nämlich für alle kleineren und mittleren Unternehmen, Betriebe, die mehrere Standorte haben. Da wird der ORF-Beitrag jetzt nämlich mehrmals vorgeschrieben. Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn: Wenn man ein Unternehmen mit zehn Filialen, zehn Standorten in Österreich hat, muss man zehnmal den ORF-Beitrag zahlen. Damit machen wir jetzt auch Schluss! Das betrifft 20 000 Betriebe in Österreich mit mehreren Standorten, die bisher doppelt und dreifach zur Kasse gebeten worden sind. Wir werden jetzt auch rückwirkend beschließen, dass diese Regelung nicht mehr gilt. Also zwei Novellen heute: Einerseits bringen wir die Politik ein Stück weit raus aus dem ORF, andererseits entlasten wir die Betriebe und stoppen die Schikane von kleinen und mittleren Unternehmen. Ich würde sagen, heute ist ein guter Tag für die Medienpolitik in Österreich. – Vielen Dank für Ihre Unterstützung. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sigrid Maurer .

GRÜNE Sigrid Maurer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler, schön, dass Sie es jetzt wenigstens zu dieser Debatte ins Parlament geschafft haben! …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Schon wieder peinlich!

GRÜNE Sigrid Maurer

… Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren hier heute zwei kleine Änderungen im ORF-Gesetz, die wir beide für sinnvoll erachten: Wir entlasten kleine und mittlere Betriebe einerseits, und wir schaffen andererseits das Anhörungsrecht der Landeshauptleute bei der Bestellung von ORF-Landesdirektionen ab; und ich stehe nicht an, an dieser Stelle anzuerkennen, dass es insbesondere der Sozialdemokratie und der ÖVP gelungen ist, ihre eigenen Landeshauptleute endlich davon zu überzeugen, dass dieses Anhörungsrecht fallen muss, einfach deswegen, weil es absolut unzeitgemäß und mit einem unabhängigen öffentlichen Rundfunk unvereinbar ist. So erfreulich diese kleine Änderung auch ist, sosehr muss ich aber leider sagen: Bei den großen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem ORF stellen, bleibt diese Regierung weit hinter ihren eigenen Ankündigungen zurück. Im Regierungsprogramm sind zum ORF ganz viele große Reformen genannt, unter anderem auch eine echte Gremienreform unter breiter Einbindung, mit einer Stärkung der Unabhängigkeit der Gremien. Jetzt überprüfen wir doch diese Ansage im Regierungsprogramm einmal an der Realität. Denn was wurde aus dieser Ankündigung vom Vizekanzler der Superlative? – Genau: Es ist nicht nur das nicht passiert, was er angekündigt hat, es ist sogar das absolute Gegenteil davon passiert! Nicht nur hat diese Bundesregierung den politischen Einfluss auf den ORF einfach vom Stiftungsrat in den Publikumsrat verschoben, nein, sie hat sich auch noch die extreme Peinlichkeit geleistet, dass gleich vier nominierte Kandidat:innen für den Publikumsrat wieder zurückgezogen werden mussten. Und warum? – Weil diese vier Personen eine absolut eindeutige Parteizugehörigkeit hatten, die mit dem ORF-Gesetz nicht vereinbar ist. Da muss ich Sie leider fragen, Herr Vizekanzler: Welches Chaos haben Sie in Ihrem Kabinett, dass ein derart schwerer Fehler nicht verhindert wird? Sie haben dann in irgendeinem Ausschuss gesagt: Ja, die haben halt irgendein Formular unterzeichnet, und wir haben das nicht überprüft! – Das kann aber doch bitte nicht der Anspruch eines Medienministers und Vizekanzlers in diesem Staat sein, dass man selber nicht überprüft, was in der eigenen Vollziehung passiert! (👏) Doch damit nicht genug: Der neue Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, ehemaliger SPÖ-Kommunikationschef und damit entsprechend eindeutig zuordenbar, hat uns via „Standard“ wissen lassen, wie er sich denn das mit der Bestellung des Generaldirektors oder der Generaldirektorin des ORF – steht ja bald wieder an – so vorstellt. Was sagt er da? – „Man wird einen Konsens suchen in der Koalition.“ – Das sagt Heinz Lederer, SPÖ-Stiftungsratsvorsitzender, zur Bestellung des Generaldirektors des ORF. (Abg. Gewessler [Grüne] – erheitert –: Im Ernst?) Von wegen politische Unabhängigkeit! Sie, Herr Babler, haben hier in diesem Parlament – da waren Sie anwesend – am 27. März Folgendes von sich gegeben: „Und weil die Abgeordneten von den Grünen und oft auch von der FPÖ dazwischenrufen, sage ich jetzt schon etwas in Ihre Richtung: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Sie Derartiges, die Stärkung der Unabhängigkeit des ORF, auch nur ein einziges Mal in Ihrer eigenen jahrelangen Regierungsverantwortung zustande gebracht haben – das in aller Deutlichkeit!“ Das hat der zuständige Medienminister gesagt, der den politischen Einfluss auf den ORF nicht reduziert, sondern sogar verstärkt hat. Und an dieser Stelle möchte ich auch sagen, Kollege Kurt Egger hat es vorhin gerade genannt: Also ich bin schon der Überzeugung, dass die vergangene Regierung mit Susi Raab als Medienministerin extrem viel für die Stärkung des unabhängigen ORF getan hat. Sie hat nämlich seine Finanzierung nach einem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes auf stabile Beine gestellt, und das ist einmal die Basis dafür, dass der ORF überhaupt arbeiten kann. Das war gut so, und das war richtig so (👏 ÖVP), und ich glaube, da haben Sie noch viel vor, um diese Leistung auch zu erbringen. Ich frage mich jetzt: Wo ist sie denn, die angebliche große Stärkung der Unabhängigkeit des ORF, wenn der eigene Stiftungsratsvorsitzende ohne jeden Genierer öffentlich ankündigt, gesetzeswidrig die Koalition bestehend aus ÖVP, SPÖ und NEOS über den nächsten Generaldirektor des ORF bestimmen zu lassen? Ich muss das leider so sagen: Herr Babler ist ein Weltmeister im Ankündigen, aber bei der Umsetzung spielt er maximal in der Regionalliga. – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Muna Duzdar zu Wort. - Bitte.

SPÖ Muna Duzdar

Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Sigi, ich bin immer davon ausgegangen, dass die Grünen eine seriöse Oppositionspartei sind …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Na, seriöser als ihr auf jeden Fall!

SPÖ Muna Duzdar

… aber das, was du heute geboten hast, dass du dich nämlich hierherstellst und Falschinformationen über den Vizekanzler verbreitest und behauptest, er hätte Kaffee in der Cafeteria getrunken …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Ich habe gesagt, ich bin ihm draußen über den Weg gelaufen!

SPÖ Muna Duzdar

… wirklich, ich sage dir eines, das ist letztklassig, das war ich eigentlich immer nur von den Freiheitlichen gewohnt! Und dass du im Anschluss daran die Boulevardmedien anrufst …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Die haben das schon selber gehört!

SPÖ Muna Duzdar

… um diese Falschinformationen auch noch zu platzieren, das ist wirklich unterste Schublade! …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Peinlich! Äußerst peinlich! – Zwischenrufe bei den Grünen.

SPÖ Muna Duzdar

… Der Ministerrat hat heute in diesem Hohen Haus getagt, und im Anschluss wurden offizielle Termine wahrgenommen. Wenn du ein bisschen Anstand hast, kommst du heute hier raus und entschuldigst dich! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wenn ihr einen Anstand habt, dann ... ihr euren Vizekanzler da her zur Debatte!

SPÖ Muna Duzdar

… Apropos Entpolitisierung des ORF: Ihr wart fünf Jahre lang in Regierungsverantwortung. Ihr habt nichts für die Entpolitisierung getan ( Heiterkeit des Abg. Schallmeiner [Grüne] ), absolut nichts! Ihr habt den ORF grün umgefärbt. Sich heute hierherzustellen und von der Unabhängigkeit des ORF zu reden, das ist wirklich eine Farce. Wir wissen, wie wichtig der öffentlich-rechtliche Rundfunk in einer liberalen Demokratie ist, welche tragende Rolle er einnimmt, welche Aufgaben er erfüllt. Ja, es ist richtig: Die Allgemeinheit finanziert den ORF, und der ORF ist daher auch der Allgemeinheit verpflichtet, nämlich zur Rechenschaft. Das ist auch der Unterschied zu privaten Medien. Der ORF ist entscheidend in einer demokratischen Gesellschaft. Überall, wo wir hinblicken, merken wir, dass medienrechtliche öffentliche Unternehmen unter Druck gesetzt werden, politisch zunehmend kontrolliert werden. Wenn wir nach Ungarn schauen, sehen wir, wie regierungsnahe Medien – staatlich oder privat – unter direkter Kontrolle des Kabinettchefs des ungarischen Premierministers stehen und wie regionale Medien im Eigentum von Orbán-freundlichen Unternehmen stehen. Wir sehen, wie kritische Medien eingestellt werden und unliebsame Journalisten auf schwarzen Listen auftauchen und überwacht werden. Wenn wir in die Vereinigten Staaten schauen, wo der Präsident Millionenklagen gegen amerikanische Fernsehsender führt, wo Fernsehsendungen abgesetzt und Medien, die kritisch über Trump berichten, mundtot gemacht und eingeschüchtert werden, dann sehen wir, welcher Gefahr öffentlich-rechtliche Medien ausgesetzt sind. Warum sage ich das? – Weil wir in Österreich erleben, wie eine Partei wie die FPÖ seit Jahren gegen den öffentlichen Rundfunk kampagnisiert und keine Gelegenheit auslässt, gegen den ORF zu hetzen. Sie, Herr Kollege Schilchegger, sagten heute, Sie hätten den ORF nicht direkt mit einem Misthaufen in Verbindung gebracht. – Natürlich haben Sie das getan! Sie haben im Zusammenhang mit der Erwähnung des ORF von „Misthaufen“ geredet, und daran sieht man, wes Geistes Kind Sie sind und wie Sie versuchen, den ORF zu zerschlagen. Denn Ihre Vorschläge, Herr Hafenecker, Ihre finanziellen Vorschläge sind darauf ausgerichtet, den ORF zu zerschlagen. Eines möchte ich Ihnen zum Abschluss sagen: Sie behaupten immer, Sie wären Patrioten – Sie sind aber keine Patrioten! Sie sind keine österreichischen Patrioten, denn wenn Sie das wären, dann wüssten Sie, welche Bedeutung der ORF für die österreichische Filmwirtschaft und für die heimische Musikwirtschaft hat. Das wissen Sie anscheinend nicht, denn sonst wäre Ihnen bewusst, welchen Stellenwert der ORF für die österreichische Kultur hat. RN/141.1 Abschließend möchte ich noch einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. (FH) Kurt Egger , Klaus Seltenheim , Henrike Brandstötter , Kolleginnen und Kollegen zu TOP 9 einbringen. In diesem Abänderungsantrag geht es im Wesentlichen darum, dass redaktionelle Versehen bereinigt und Klarstellungen in Hinblick auf Inkrafttreten und Außerkrafttreten einzelner Bestimmungen getroffen werden. Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) 19.12 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/141.2 ORF-Beitrags-Gesetz 2024 (AA-28) Präsidentin Doris Bures : Der Abänderungsantrag wurde an die Abgeordneten verteilt, er ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nun hat sich Herr Vizekanzler Andreas Babler zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Vizekanzler.

GRÜNE Sigrid Maurer

Herr Vizekanzler Babler hat gerade behauptet, ich hätte einen Wunsch verspürt, ihn öfter zu sehen. Ich berichtige tatsächlich: Die grüne Fraktion hat ein Verlangen der Abgeordneten Leonore Gewessler , Kolleginnen und Kollegen auf Durchführung einer Aktuellen Europastunde in der Nationalratssitzung am 24.9.2025 mit dem Vizekanzler in Vertretung des Bundeskanzlers eingebracht. Es ist kein Wunsch, den wir haben, weil wir Sie so gerne mögen, sondern es ist ein Verlangen einer Fraktion dieses Parlaments auf Ihre Anwesenheit bei einer Debatte zu den Klimazielen – eine Debatte, zu der Sie ganz viel gesagt haben.

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete, Sie waren lange genug Klubvorsitzende, Sie kennen die Bestimmungen der Geschäftsordnung. Bei Einen-Wunsch-Verspüren handelt es sich an sich schon nicht um einen Sachverhalt. Aber ich würde Sie jetzt bitten, Ihren Satz zu beenden und sich an die Geschäftsordnung zu halten.

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete, wir haben auch die Zeit für die tatsächliche Berichtigung schon überschritten, und ich halte noch einmal fest – und ich werde das gerne in der Präsidialkonferenz auf die Tagesordnung nehmen –: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat der Vorsitz führende Nationalratspräsident festgehalten, dass die Vertretungsregelungen nach der Geschäftsordnung erfolgt sind. Aber wenn Sie daran Zweifel haben, schlage ich vor, dass wir uns in der nächsten Präsidialkonferenz darüber auch noch einmal unterhalten und uns die Geschäftsordnung und die Protokolle auch dazunehmen. (Abg. Maurer [Grüne] – auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz –: Das ist eine Frechheit! – Abg. Schallmeiner [Grüne]: Frechheit!) Damit erteile ich dem nächsten Redner – der nächsten Rednerin, in dem Fall – das Wort: Frau Abgeordnete Tanja Graf .

ÖVP Tanja Graf

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzter Vizekanzler! Liebe Kollegen und Kolleginnen hier im Haus! Liebe Zuschauer hier im Hause beziehungsweise noch vor dem Bildschirm! Ich darf jetzt wieder zur Debatte zurückkehren, bevor wir über Wünsche und Verlangen diskutieren – darüber kann man, glaube ich, Nächte verbringen. Als wir die GIS-Gebühr in eine Haushaltsabgabe umgestellt haben, war, glaube ich, klar, dass wir zwei Ziele haben: Wir wollten mehr Fairness und wir wollten auch die Finanzierung besser aufstellen. Da war das allgemeine Interesse groß. Als Unternehmerin war natürlich die Freude, dass die Unternehmer auch einen Beitrag dazu leisten sollten, nicht sehr groß – aber als Unternehmerin sage ich auch: Wir sind bereit, einen Beitrag zu leisten. Wenn eine Systemumstellung stattfindet, dann kommt es auch vor, dass bei einem neuen System vielleicht ein bisschen Sand im Getriebe ist. Daher ist es mir auch ein besonderes Anliegen, diesen Sand, der im Getriebe dieser Umstellung vorhanden ist, wieder herauszubekommen , indem wir mit diesem Abänderungsantrag klarstellen, dass gerade für Betriebe, die einen Beitrag zur Haushaltsabgabe leisten, keine Doppelbelastungen vorgesehen sind, sondern dass klargestellt ist, dass es eine Betriebsstätte mit einer Lohnsumme und einem Beitrag gibt. Vorher zielte es leider auf die Kommunalsteuer ab: Ein Betrieb, der eine Betriebsstätte hat und in mehreren Gemeinden eine Dienstleistung vollbracht hat, wurde somit doppelt belastet. Das werden wir jetzt abschaffen. Ich als Unternehmerin bin sehr dankbar, dass wir das machen. Ich sehe es auch sehr positiv, dass wir das rückwirkend machen, dass wir klarstellen, dass es zu keinen zusätzlichen Forderungen kommen kann. Etwas ist mir ganz wichtig – vielleicht ein kleiner Kritikpunkt, den ich als Unternehmerin schon aussprechen darf, denn wir sind ja Unternehmerinnen und Unternehmer, die immer Rahmenbedingungen, Planungssicherheit brauchen –, eine Kritik oder vielleicht auch das Verlangen oder den Wunsch, den ich an Sie, Herr Vizekanzler, richten darf: dass wir bei dem Thema der Befristung dieser Einstellung bis Ende 2027 noch einmal ins Gespräch kommen, damit wir auch ein bisschen Planungssicherheit haben und nicht 2027 wieder vor neuen Verhandlungen stehen, um das wieder zu diskutieren. Vielleicht kann man das mitnehmen. Was mir auch persönlich ein Wunsch ist, weil wir ja nicht nur vom ORF sprechen, sondern auch von regionalen Medien, ein persönliches Anliegen: dass wir auch regionale Medien, wie zum Beispiel bei mir in Salzburg RTS, ein bisschen mehr unterstützen und nicht den Eindruck vermitteln, dass wir nur die großen Player wie den ORF unterstützen. Unsere kleinen, regionalen Medien wie RTS in Salzburg brauchen auch Ihre Unterstützung. Sie sind das Rückgrat unserer Gemeinden, genau wie die Betriebe das Rückgrat unseres Landes sind. Daher bitte ich auch dabei um mehr Unterstützung der Regionalität. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Henrike Brandstötter .

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Kolleginnen und Kollegen! Sigi, jetzt lach doch einmal! Ich meine, es ist doch ein guter Tag! Wir haben etwas zu feiern: Wir haben so viel zusammengebracht wie ihr in fünf Jahren nicht.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Was redest du?

NEOS Henrike Brandstötter

… Das ist doch einmal ein Anlass, sich zu freuen! (👏 SPÖ, NEOS) Der Grund der Freude ist: mehr Unabhängigkeit im ORF und eine spürbare Entlastung für Unternehmerinnen und Unternehmer. Das ist doch einmal eine positive Nachricht! Seit unserer Gründung haben wir NEOS immer wieder gefordert: Schluss mit der Postenschacherei, Schluss mit parteipolitischem Einfluss im ORF! Und jetzt passiert der erste Schritt: Die Landeshauptleute haben ab sofort bei der Bestellung der Landesdirektorinnen und -direktoren nichts mehr mitzureden, auch wenn die FPÖ der Meinung ist, das sei jetzt ein bisschen unangenehm, sie würden da doch gerne eine Ausnahme für ihren steirischen Landeshauptmann Kunasek haben. Früher war das Gesetz auch auf der Seite der Landeshauptleute. In Zukunft ist es das nicht mehr. Ganz ehrlich: Wie soll unabhängiger Journalismus funktionieren, wenn Politikerinnen und Politiker über ihre eigenen Kritikerinnen und Kritiker mitbestimmen? Ich lasse auch nicht den Fuchs auf den Hühnerstall aufpassen! Das ergibt ja keinen Sinn. Damit ist jetzt Schluss, weil unabhängiger Journalismus auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk frei arbeiten muss. Das Beste ist aber: Das war erst der Anfang. Wir arbeiten ab nächstem Jahr an einer größeren ORF-Reform. (👏 NEOS) Es mag Frau Kollegin Maurer noch zu wenig sein, aber wir schätzen prozesshaftes Arbeiten und werden uns Schritt für Schritt einer großen Reform nähern.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Deswegen habt ihr den Publikumsrat und Aufsichtsrat so besetzt?

NEOS Henrike Brandstötter

… Ja, es war die Kritik am Stiftungsratsvorsitzenden auch berechtigt. Wir haben machtbewusste Stiftungsratsmitglieder, wir haben verhaltenskreative Stiftungsratsmitglieder wie Herrn Westenthaler, und die muss man natürlich dann auch einmal in ihre Schranken weisen. Der zweite Punkt ist – neben der Abschaffung des Landeshauptmannanhörungsrechts – die Entlastung der Betriebe. Das alte System war absurd und ungerecht. Stellen Sie sich vor, ein Reinigungsunternehmen, eine Putzerei, hat zehn Standorte in zehn Gemeinden mit jeweils einem Mitarbeiter. Diese musste zehnmal die Haushaltsabgabe bezahlen. Das ist absurd. Das schaffen wir ab und wir rückabwickeln es auch. In Zukunft gilt: Ein Unternehmen zahlt nur einmal und die Höhe bemisst sich an der Lohnsumme. Damit entlasten wir 20 000 heimische Betriebe, vor allem die kleinen Betriebe, mit insgesamt 10 Millionen Euro pro Jahr. Das ist doch einmal eine ordentliche Entlastung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das Beste ist: Diese Ersparnis von 10 Millionen Euro bedeutet überhaupt keinen Einschnitt im Programm, denn der ORF darf über die Haushaltsabgabe ohnehin nur 710 Millionen Euro pro Jahr einnehmen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Nur!

NEOS Henrike Brandstötter

… Also er nimmt mehr ein, aber er darf nur 710 Millionen Euro pro Jahr verwenden …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wie will er denn damit durchkommen?

NEOS Henrike Brandstötter

… der Rest kommt auf ein Sperrkonto. Er hat auch 2024 deutlich mehr eingenommen als geplant. Er hat mit 722 Millionen Euro gerechnet und es wurden dann noch einmal 13 Millionen Euro mehr. Das heißt, dem ORF fehlt auch gleichzeitig kein Cent für das Programm. Wir nehmen also diese Übereinnahmen und machen daraus eine Entlastung für die Wirtschaft. Das ist eine gute Nachricht. Wir sparen nebenbei auch noch in der Bürokratie, denn 500 000 Euro Verwaltungskosten fallen durch diese Vereinfachung weg. Ein weiterer wichtiger Punkt auch noch für Haushalte mit einem geringeren Einkommen: Auch weiterhin kann man mit Erlagschein zweimonatlich bezahlen und muss nicht am Jahresanfang den ganzen Beitrag auf einmal bezahlen. Was heißt das alles? – Wir machen den ORF Schritt für Schritt politikunabhängiger. Wir entlasten die Betriebe quer durchs Land und wir schützen Familien vor unnötigen Belastungen. – Und jetzt lacht doch einmal! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Markus Hofer zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher – kaum mehr hier im Raum, aber sicher zu Hause vor den digitalen Endgeräten! Was dieses Land braucht, um weiterzukommen – und diesen Aspekt aus dem ORF-Gesetz möchte ich herausheben – sind, und das wissen wir, Entlastungsschritte, Entlastung für Unternehmer und Entlastung für Bürgerinnen und Bürger. Jetzt werden Sie sagen, das ist ja kein großer Schritt. Herr Kollege Schilchegger, soweit ich das Ihrem Wordrap-Stakkato entnehmen konnte – und dass Kollege Seltenheim da vielleicht etwas nicht genauso gehört hat, das kann ich ihm auch nachsehen –, haben Sie irgendetwas von einer Doppelmogelpackung gesagt. Das ist keine Doppelmogelpackung. Das ist ein Schritt der Entlastung, der konsistent und konsequent das tut – in einem Schritt –, was diese Regierung tut.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das ist keine Entlastung ...!

NEOS Markus Hofer

… Wenn Sie zuhören würden, würden Sie es auch noch erfahren. Was wir tun, ist - - – Sie waren alle genauso wie wir dabei, diese Regel zu kritisieren, als sie eingeführt wurde. Es tut uns allen gut, das auch einmal anzuerkennen, wenn man einen Korrekturschritt macht. Wir tun genau das. 20 000, vor allem Klein- und Mittelunternehmen, die an mehreren Standorten arbeiten, werden entlastet – und das in einem Ausmaß von 10 Millionen Euro. Was neben der Entlastung dazukommt, ist die Erleichterung in der Bürokratie. Wir haben das geschafft und auch Rechtssicherheit, weil wir es rückwirkend ab 2024 beschlossen haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Jetzt noch einmal: Ich will diesen Schritt einfach nicht allein stehen lassen, denn er zeigt an diesen drei Dimensionen – Entlastung, Entbürokratisierung und Rechtssicherheit –, was diese Regierung seit dem ersten Tag tut. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele: Wir haben schon das Mittelstandspaket verabschiedet, wir sind bei der Erhöhung der Basispauschalen schon in der Umsetzung gewesen, wir haben die Themen des SAG in der Pipeline, um energieintensive Betriebe zu entlasten, wir haben das Thema Investitionsfreibetrag in der Pipeline.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Deshalb ist die Wirtschaft so zufrieden! Die freut sich total!

NEOS Markus Hofer

… Sie wissen genauso wie wir, dass wir daran arbeiten, nicht nur konjunkturelle, sondern strukturelle Probleme zu ändern, und Sie werden eines sehen: Wenn diese Regierungsperiode vorbei ist, wenn diese Legislaturperiode vorbei ist, ist dieses Land wirtschaftlich stärker und mit mehr Optimismus ausgestattet. Es würde mich freuen, wenn alle dazu beitragen. – Danke dafür. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

ORF-Beitrags-Gesetz 2024

202 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 410/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das ORF-Beitrags-Gesetz 2024 wird geändert, u.a. mit einer neuen Berechnungslogik für den ORF-Beitrag von Unternehmen (Anknüpfung an die gesamte Lohnsumme statt an Betriebsstätten je Gemeinde) sowie Anpassungen bei Befreiung/Ermäßigung (Wohnaufwand-Pauschale), Abrechnung, Verfahren und Datenzugriff. Mehrere dieser Änderungen gelten vorerst nur bis 31.12.2027; danach treten wieder bisherige bzw. entsprechende Regelungen in Kraft.

Betroffen sind beitragspflichtige Unternehmen, private Haushalte (insbesondere bei Befreiung/Ermäßigung), die ORF-Beitrags Service GmbH und der ORF sowie beteiligte Behörden/Inkassodienstleister im Vollzug.

Dokumente

ORF-Beitrags-Gesetz 2024

Gegenstand und Ziel

  • Änderung des ORF-Beitrags-Gesetzes 2024.
  • Ausgangspunkt war ein Initiativantrag mit der Begründung einer redaktionellen Änderung; im Ausschuss wurde ein gesamtändernder Abänderungsantrag mit inhaltlichen Anpassungen vorgelegt.

Redaktionelle Anpassung

  • In § 3 Abs. 1 wird eine redaktionelle Änderung vorgenommen.

Neuregelung der Beitragsstaffelung für Unternehmen (Lohnsumme statt Gemeinde-/Betriebsstättenbezug)

  • § 4 Abs. 1 und 2: Die bisherige Staffelung des ORF-Beitrags knüpfte an die Summe der Arbeitslöhne an, die an Dienstnehmer von Betriebsstätten in der jeweiligen Gemeinde gewährt wurden.
  • Diese Anknüpfung führte zu Mehrfachbelastungen, wenn Unternehmen Mitarbeiter an mehreren Standorten in verschiedenen Gemeinden einsetzen.
  • Künftig soll auf die gesamte Lohnsumme eines Unternehmens abgestellt werden – unabhängig von der jeweiligen Gemeinde.

Folgeänderungen wegen Wegfall des Gemeinde-/Betriebsstättenbezugs

  • § 8 Abs. 2 bis 4 sowie § 9 Abs. 5 werden angepasst, weil durch die Änderung in § 4 nicht mehr auf Betriebsstätten in einzelnen Gemeinden abzustellen ist.

Befreiung/Ermäßigung: Wohnaufwand als abzugsfähige Ausgabe (Pauschale und Nachweis)

  • § 5 Abs. 3 sowie § 5 Abs. 4 bis 6: Als abzugsfähige Ausgabe wird ein monatlicher Pauschalbetrag von 500 Euro als Wohnaufwand berücksichtigt, wenn das Haushaltsnettoeinkommen die für eine Befreiung maßgebliche Grenze überschreitet.
  • Wenn der nachgewiesene tatsächliche Wohnaufwand den Pauschalbetrag übersteigt, tritt der höhere nachgewiesene Wohnaufwand an die Stelle des Pauschalbetrags.

Befreiung: Erlöschen bei Aufgabe des Hauptwohnsitzes

  • § 15 Abs. 8a: Die Aufgabe des Hauptwohnsitzes der befreiten Person soll weiterhin ex lege zum Erlöschen der Befreiung führen (entsprechend der bisherigen Regelung in der Fernmeldegebührenordnung).

Übergangs-/Ablaufregelungen und Rückkehr zu bisherigen/entsprechenden Bestimmungen

  • § 5 Abs. 2a: Da § 5 Abs. 3 und 4 mit Ablauf des 31. Dezember 2027 außer Kraft treten, soll zu diesem Zeitpunkt eine Bestimmung in Kraft treten, die der derzeit in § 48 Abs. 5 Fernmeldegebührenordnung vorgesehenen Regelung entspricht.
  • § 22 Abs. 3: Die Regelungen in § 4, § 8, § 9 sowie § 5 Abs. 3 und 4 sollen vorerst nur bis 31. Dezember 2027 in Kraft bleiben; danach sollen wieder die bisherigen bzw. entsprechende Regelungen gelten.

Abrechnung ORF-Beitrags Service GmbH mit dem ORF (Liquiditätssteuerung)

  • § 10 Abs. 7: Die Abrechnung der ORF-Beitrags Service GmbH mit dem ORF wird neu geregelt, um dem ORF eine bedarfsorientierte Liquiditätssteuerung zu ermöglichen (entsprechend einer Empfehlung des Rechnungshofes).

Verfahrensvereinfachung durch automatisierte Erledigung

  • § 12 Abs. 4: Für Verfahren nach § 12 Abs. 2 soll aus Gründen kostengünstiger und effizienter Vollziehung dasselbe Prozedere gelten wie in § 15 Abs. 9 für Befreiungsverfahren (automatisierte Erledigung).

Transparenzdatenbank: Klarstellung/Anpassung der Abfrageberechtigung

  • § 15 Abs. 4: Der Umfang der Abfrageberechtigung der ORF-Beitrags Service GmbH hinsichtlich nicht sensibler Leistungen in der Transparenzdatenbank wird zur Rechtssicherheit und zur Sicherstellung des ordnungsgemäßen Vollzugs an den Umfang anderer abfrageberechtigter Stellen angeglichen.
  • Orientierung an § 32 Abs. 5 erster Satz TDBG 2012: Leseberechtigung für jene Daten, die für Gewährung, Einstellung oder Rückforderung einer Leistung durch die jeweilige abfrageberechtigte Stelle für eine bestimmte Aufgabe erforderlich sind.

Datenschutzrechtliche Klarstellung zu Inkassobüros

  • § 17 Abs. 8: Es wird klargestellt, dass Inkassobüros als Verantwortliche im Sinne der DSGVO zu qualifizieren sind.

Zahlungsmodalitäten: jährliche Entrichtung und SEPA-Lastschrift

  • § 21 Abs. 2: Die Regel, dass Beiträge einmal jährlich zu entrichten sind, außer es wird ein SEPA-Lastschriftmandat erteilt, ist technisch und operativ schwer umsetzbar.
  • Daher soll die bisherige Regelung bis zum 31. Dezember 2027 in Kraft bleiben.

ORF-Beitrags-Gesetz 2024

~26 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Michael Schilchegger

Danke, sehr geehrter Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Kollegen der Regierungsfraktionen, mit der ORF-Zwangsabgabe haben Sie seinerzeit sich selbst und den Österreichern nicht nur ein Ei gelegt, sondern den Österreichern einen Misthaufen in den Vorgarten gesetzt. Was tun Sie mit dieser Beschlussvorlage? – Sie läuten an der Tür eines jeden Haushaltes und sagen: Guten Tag, grüß Gott, wir haben Ihnen einen Misthaufen geliefert und gehört, Sie haben einen Stein in Ihrem Misthaufen! Wir möchten Ihnen helfen, diesen Stein aus dem Misthaufen zu holen. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Was ist, naheliegend, die Antwort? – Sie sollen nicht Steine aus dem Misthaufen klauben, sondern den ganzen Misthaufen wegschaffen! Ich habe keinen Misthaufen bestellt! Aber nun werden Sie, liebe Damen und Herren von der Einheitspartei, von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen, den Leuten erklären, warum es so wichtig und lobenswert ist, diesen einen Stein aus dem Misthaufen zu beseitigen. Ihr Plan zur Beseitigung dieses Steins ist die Beschlussvorlage, über die wir nun sprechen. Sie wollen erstens bei Anträgen auf Befreiung von dieser ORF-Zwangsabgabe, dass auch der Wohnaufwand berücksichtigt wird, zweitens, dass Mehrfachbelastungen für Unternehmer wegfallen, die derzeit mehrere ORF-Zwangsbeiträge zu bezahlen haben, und drittens, dass Landeshauptleute kein Recht mehr haben sollen, bei der Bestellung von ORF-Landesdirektoren eine Stellungnahme abzugeben. Und nicht einmal das bringen Sie zustande! Gehen wir es einmal der Reihe nach durch! Erstens, Anrechnung von Wohnaufwand: Ihre Anträge enthalten überbürokratische Regelungen. In den Jahren 2026 und 2027 anerkennen Sie einen Pauschalbetrag von 500 Euro – okay. Im Jahr 2028 wird das dann so sein, dass sich der Wohnaufwand für alle, die sozusagen nicht im mietergeschützten Bereich sind, auf 140 Euro reduziert. Überlegen Sie einmal selber, meine Damen und Herren: 140 Euro Wohnaufwand für Betriebskosten und sonstige Zahlungen in Bezug auf die Wohnung – und ob das gegenüber Mietern angemessen ist, die geschützt sind, bei denen dann die volle Miete plus Betriebskosten anerkannt wird. Also dieser Punkt Ihres Gesetzespaketes ist eine schlichte, skandalöse Ungleichbehandlung. Zweiter Punkt, Mehrfachbelastung von Unternehmen: Bisher verlangen Sie von den Unternehmen, ORF-Beiträge mitunter mehrfach zu bezahlen, und zwar gestaffelt nach der Summe der Kosten für die Arbeitnehmer, die sie beschäftigen. An dieser Mehrfachbelastung halten Sie fest; also auch künftig werden Unternehmer mehrere ORF-Beiträge zu bezahlen haben, und zwar abhängig von der Summe der Arbeitskosten. Sie beseitigen nur eine zusätzliche Mehrbelastung, die nämlich daraus entsteht, dass Unternehmen bisweilen mehrere Betriebsstätten in Österreich haben. Das ist eine klassische Mogelpackung, damit Sie in der Debatte behaupten können, dass Sie Mehrfachbelastungen für Unternehmer beseitigen würden. Ihr Paket ist aber sogar eine doppelte Mogelpackung, denn Sie lassen diese Änderung nur übergangsweise gelten und ab 2028 gilt wieder die vorherige Regelung. Das ist Ihre Übergangsbestimmung! Und zum Punkt drei, zum Anhörungsrecht der Länder in Bezug auf die ORF-Landesdirektion: Wir haben nichts dagegen, diese Passage aus dem Gesetz zu streichen. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber der Punkt ist: Es ist völlig bedeutungslos. Denn Landeshauptleute werden natürlich auch zukünftig in der Lage sein, den ORF-Generaldirektoren mitzuteilen, wen Sie gerne als Landesdirektor hätten.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Ja, macht das der Kunasek? – Abg. Shetty [NEOS]: Ah so!

FPÖ Michael Schilchegger

… Dafür braucht es überhaupt keine gesetzliche Grundlage. Dieser Punkt des Gesetzespaketes ist schlichtweg bedeutungslose Symbolpolitik.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ah so! Plötzlich!

FPÖ Michael Schilchegger

… Was bleibt also von Ihrer Absicht, da einen Stein aus dem Misthaufen der ORF-Zwangsabgabe zu beseitigen? – Ich fasse zusammen: eine skandalöse Ungleichbehandlung für Befreiungsanträge im Bereich des Wohnaufwandes, eine Mogelpackung für Unternehmer, die mehrere ORF-Beiträge zu entrichten haben, und eine bedeutungslose Symbolpolitik.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Plötzlich ist die FPÖ nicht mehr gegen die Entpolitisierung, gell, wo wir selber den Landeshauptmann stellen!

FPÖ Michael Schilchegger

… Und jetzt kommen wir noch einmal zur ORF-Zwangsabgabe: Auch ohne ORF-Zwangsabgabe – denkt man sich diese Einnahme aufseiten des ORF einmal völlig weg – erhält der ORF ja bereits heute Mittel aus dem Budget. Sie bezahlen dem ORF aus dem Budget auf Kosten der Steuerzahler 70 Millionen Euro jährlich unter dem Titel der Kompensationsabgabe auf Grundlage von § 31 Abs. 11 des ORF-Gesetzes. 70 Millionen Euro! Das sind 500 Audi-A8-Dienstwägen für Staatssekretäre. Zusätzlich erhält der ORF noch etwas, und zwar 300 Millionen Euro, weil Sie ihm ja erlauben, auch Werbeeinnahmen zu generieren. Das heißt: also 300 Millionen Euro Werbeeinnahmen, 70 Millionen Euro aus dem Staatsbudget. Der ORF braucht überhaupt keine ORF-Zwangsabgabe. Wir brauchen die Zwangsabgabe für dieses ORF-Luxusmärchenschloss nicht. (👏 FPÖ) Sie sollten endlich aufhören, meine Damen und Herren von den Regierungsfraktionen, Steine aus dem Misthaufen klauben zu wollen – und nicht einmal das schaffen Sie. Niemand will diesen Misthaufen, Sie sollten den ganzen Misthaufen beseitigen! Daher bringe ich abschließend den folgenden Antrag ein: RN/135.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Christian Hafenecker , MA, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Abschaffung der ORF-Zwangsabgabe“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zur Abschaffung der im ORF-Beitrags-Gesetz 2024 verankerten ORF-Haushaltsabgabe zuzuleiten. Damit einhergehend soll eine Umstellung der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich auf eine Finanzierung aus dem Bundesbudget, auf Basis eines mehrjährigen Finanzrahmenplans, stattfinden.“ (👏 FPÖ) 18.49 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/135.2 Abschaffung der ORF-Zwangsabgabe (126/UEA) Präsident Peter Haubner : Der soeben verlesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Klaus Seltenheim . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Klaus Seltenheim

Danke schön, sehr geehrter Präsident! Sehr geehrter Vizekanzler! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Liebe Zuseher:innen zu Hause vor den Bildschirmen! Weltweit stehen Journalist:innen, steht die freie Meinungsäußerung unter Druck. Jüngstes Beispiel: Jimmy Kimmel in den USA – und jetzt auch gerade der Kollege von der FPÖ, der den ORF als Misthaufen bezeichnet, als ein weiteres Beispiel dafür. Die unheilige Allianz der Tech-Giganten und der Rechtspopulisten setzt die Medienwelt und den Medienmarkt unter Druck. Nicht nur deswegen, aber auch deshalb stärken wir die Unabhängigkeit des ORF. (👏 SPÖ) Es fällt das Anhörungsrecht der Landeshauptleute für die Landesdirektoren. Wir stehen zu unserem Wort, was die Entpolitisierung des ORF betrifft. Wir halten auch Wort, was das Recht auf analoges Leben betrifft, denn es ist weiterhin möglich, dass man die ORF-Gebühr mit Erlagschein zahlen kann, und das auch noch gestückelt und nicht alles auf einmal zu Jahresbeginn. Und wir halten auch Wort, was die Entlastungen für das Geldbörsel jedes Einzelnen in Österreich betrifft. Wir bekämpfen die Teuerung mit der Mietpreisbremse und sorgen aber auch noch dafür, dass all jene, die dennoch unter den explodierenden Wohnkosten leiden müssen, weiterhin vom ORF-Beitrag verschont werden. Mit den heutigen Beschlüssen stärken wir die Unabhängigkeit des ORF, wir entlasten sozial treffsicher und vereinfachen die Beitragsverfahren. Verantwortungsvolle Medienpolitik im Dienst der Demokratie, unabhängig, verlässlich für alle – das schlagen wir heute vor, und ich bitte daher um Ihre Zustimmung. Nun zu dem vorliegenden Abänderungsantrag: RN/136.1 Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. (FH) Kurt Egger , Klaus Seltenheim , Henrike Brandstötter , Kolleginnen und Kollegen „Das Bundesgesetz über den Österreichischen Rundfunk (ORF-Gesetz, ORF-G), BGBI. Nr. 379/1984, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBI. I Nr. 50/2025, wird wie folgt geändert:“ 2. Z 2 lautet: „2. In § 23 Abs. 2 Z 3 entfällt die Wortfolge „ , bei Letzteren nach Einholung einer Stellungnahme des betreffenden Landes“.“ 3. Z 3 lautet: „In § 49 erhält der mit der Novelle BGBl. I Nr. 50/2025 angefügte Abs. 24 die Absatzbezeichnung „(25)“; dem § 49 wird folgender Abs. 26 angefügt: „(26) § 14 Abs. 5a Z 4 und § 23 Abs. 2 Z 3 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBI. I Nr. xxx/2025 treten mit 1. Jänner 2026 in Kraft.““ Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS) 18.53 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/136.2 ORF-Gesetz (AA-27) Präsident Peter Haubner : Der Abänderungsantrag, der soeben verlesen wurde, wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Kurt Egger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Michael Schilchegger

Mein Vorvorredner, Abgeordneter Seltenheim, hat behauptet, wir Freiheitliche, beziehungsweise ich als Redner, hätten behauptet, der ORF wäre ein Misthaufen. Ich berichtige tatsächlich: Ich habe nicht gesagt, der ORF ist ein Misthaufen, sondern die „ORF-Zwangsabgabe“ ist ein Misthaufen. Der ORF ist das „Luxusmärchenschloss“. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Klubobmann.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! ORF Niederösterreich, ORF Tirol, ORF Wien, alle ORF-Landesstudios haben einen Chef, den sogenannten ORF-Landesdirektor. Was soll der für Qualifikationen haben? – Kaufmännische Erfahrung, journalistisch versiert sollte er sein, Managementqualitäten. Was ist definitiv keine Qualifikation, die er mitbringen muss? – Das richtige Parteibuch! Und da sind wir genau bei dem Punkt, über den wir heute reden. Derzeit ist es nämlich so – das wissen vielleicht viele Menschen nicht –, dass, wenn jemand Chef eines ORF-Landesstudios werden möchte, im Gesetz vorgesehen ist, dass er beim Landeshauptmann oder der Landeshauptfrau auf eine Audienz vorbeischauen muss. Da kann man sich vorstellen, wie der Landeshauptmann, die Landeshauptfrau dann reagiert ( mit dem Daumen der rechten Hand auch die entsprechenden Gesten zeigend ): Daumen rauf oder Daumen runter. Das sind Zustände wie in der Monarchie, das ist nicht etwas, das ins 21. Jahrhundert passt, und deswegen machen wir mit der heutigen Politik-raus-aus-dem-ORF-Novelle Schluss damit. Wir entmachten die Landeshauptleute im ORF, wir schaffen diese Audienzregelungen ab – etwas, das wir NEOS seit unserer Gründung fordern. Das Anhörungsrecht der Landeshauptleute ist mit dem heutigen Beschluss Geschichte. (👏 NEOS) Warum ist das so wichtig? Man könnte ja die Meinung vertreten, das sind nur neun ORF-Landeschefs, das ist eh schon wurscht, wenn da die Politik mitredet. – Nein, im Gegenteil, denn es hat den Anschein, dass im ORF politische Packelei zählt, dass es darauf ankommt, wen man kennt, und nicht, was man kann! Gerade in einer Zeit, in der die Unabhängigkeit des ORF und der Medien besonders in der Öffentlichkeit steht, ist es Gift für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn der Anschein bekräftigt wird, dass Landeshauptleute sich ihre ORF-Landesdirektoren handverlesen aussuchen. Deswegen ist es gut, dass wir den ORF mit dieser Politik-raus-aus-dem-ORF-Novelle heute unabhängiger machen, objektiver machen und damit auch entpolitisieren. Das ist ein erster Schritt von mehreren im Regierungsprogramm, wie wir den ORF entpolitisieren und die Politik raus aus dem ORF bringen. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Jetzt gibt es eine Sache, die ich nicht ganz verstehe, wenn ich mir die Rede vom Kollegen von der FPÖ anhöre: warum die FPÖ da dagegen ist. Also ich habe mir gedacht, dass die FPÖ auch für die Entpolitisierung des ORF ist.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

... anderer mitreden soll!

NEOS Yannick Shetty

… Aber jetzt habe ich hier rausgehört und andererseits bei der sehr langen Pressekonferenz des Herrn Generalsekretärs Hafenecker, dass er davon gesprochen hat – er ist, glaube ich, gerade nicht hier –, dass das jetzt eine Mogelpackung sei, weil just jetzt, wo die FPÖ einen Landeshauptmann stellt, das Anhörungsrecht der Landeshauptleute abgeschafft werden soll. – Also damit entlarven Sie sich schon selber. Die FPÖ zeigt, dass es ihr nicht um die Entpolitisierung von Rot-Schwarz geht, sondern um eine Politisierung in Blau, und das ist das komplette Gegenteil. Das wollen wir nicht! Die Politik hat im ORF nichts zu suchen, und wir wollen auch nicht aus dem ORF FPÖ-TV machen. Das ist nämlich Ihr Ziel. Zum zweiten Teil des Pakets: Wir haben heute zwei Gesetzesänderungen, einerseits Politik raus aus dem ORF und zweitens eine Änderung des ORF-Beitrags-Gesetzes, auch etwas, was für eine bestimmte Gruppe – betrifft nicht alle, aber für die – eine große Erleichterung und Entlastung darstellen wird, nämlich für alle kleineren und mittleren Unternehmen, Betriebe, die mehrere Standorte haben. Da wird der ORF-Beitrag jetzt nämlich mehrmals vorgeschrieben. Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn: Wenn man ein Unternehmen mit zehn Filialen, zehn Standorten in Österreich hat, muss man zehnmal den ORF-Beitrag zahlen. Damit machen wir jetzt auch Schluss! Das betrifft 20 000 Betriebe in Österreich mit mehreren Standorten, die bisher doppelt und dreifach zur Kasse gebeten worden sind. Wir werden jetzt auch rückwirkend beschließen, dass diese Regelung nicht mehr gilt. Also zwei Novellen heute: Einerseits bringen wir die Politik ein Stück weit raus aus dem ORF, andererseits entlasten wir die Betriebe und stoppen die Schikane von kleinen und mittleren Unternehmen. Ich würde sagen, heute ist ein guter Tag für die Medienpolitik in Österreich. – Vielen Dank für Ihre Unterstützung. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sigrid Maurer .

GRÜNE Sigrid Maurer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler, schön, dass Sie es jetzt wenigstens zu dieser Debatte ins Parlament geschafft haben! …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Schon wieder peinlich!

GRÜNE Sigrid Maurer

… Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren hier heute zwei kleine Änderungen im ORF-Gesetz, die wir beide für sinnvoll erachten: Wir entlasten kleine und mittlere Betriebe einerseits, und wir schaffen andererseits das Anhörungsrecht der Landeshauptleute bei der Bestellung von ORF-Landesdirektionen ab; und ich stehe nicht an, an dieser Stelle anzuerkennen, dass es insbesondere der Sozialdemokratie und der ÖVP gelungen ist, ihre eigenen Landeshauptleute endlich davon zu überzeugen, dass dieses Anhörungsrecht fallen muss, einfach deswegen, weil es absolut unzeitgemäß und mit einem unabhängigen öffentlichen Rundfunk unvereinbar ist. So erfreulich diese kleine Änderung auch ist, sosehr muss ich aber leider sagen: Bei den großen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem ORF stellen, bleibt diese Regierung weit hinter ihren eigenen Ankündigungen zurück. Im Regierungsprogramm sind zum ORF ganz viele große Reformen genannt, unter anderem auch eine echte Gremienreform unter breiter Einbindung, mit einer Stärkung der Unabhängigkeit der Gremien. Jetzt überprüfen wir doch diese Ansage im Regierungsprogramm einmal an der Realität. Denn was wurde aus dieser Ankündigung vom Vizekanzler der Superlative? – Genau: Es ist nicht nur das nicht passiert, was er angekündigt hat, es ist sogar das absolute Gegenteil davon passiert! Nicht nur hat diese Bundesregierung den politischen Einfluss auf den ORF einfach vom Stiftungsrat in den Publikumsrat verschoben, nein, sie hat sich auch noch die extreme Peinlichkeit geleistet, dass gleich vier nominierte Kandidat:innen für den Publikumsrat wieder zurückgezogen werden mussten. Und warum? – Weil diese vier Personen eine absolut eindeutige Parteizugehörigkeit hatten, die mit dem ORF-Gesetz nicht vereinbar ist. Da muss ich Sie leider fragen, Herr Vizekanzler: Welches Chaos haben Sie in Ihrem Kabinett, dass ein derart schwerer Fehler nicht verhindert wird? Sie haben dann in irgendeinem Ausschuss gesagt: Ja, die haben halt irgendein Formular unterzeichnet, und wir haben das nicht überprüft! – Das kann aber doch bitte nicht der Anspruch eines Medienministers und Vizekanzlers in diesem Staat sein, dass man selber nicht überprüft, was in der eigenen Vollziehung passiert! (👏) Doch damit nicht genug: Der neue Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, ehemaliger SPÖ-Kommunikationschef und damit entsprechend eindeutig zuordenbar, hat uns via „Standard“ wissen lassen, wie er sich denn das mit der Bestellung des Generaldirektors oder der Generaldirektorin des ORF – steht ja bald wieder an – so vorstellt. Was sagt er da? – „Man wird einen Konsens suchen in der Koalition.“ – Das sagt Heinz Lederer, SPÖ-Stiftungsratsvorsitzender, zur Bestellung des Generaldirektors des ORF. (Abg. Gewessler [Grüne] – erheitert –: Im Ernst?) Von wegen politische Unabhängigkeit! Sie, Herr Babler, haben hier in diesem Parlament – da waren Sie anwesend – am 27. März Folgendes von sich gegeben: „Und weil die Abgeordneten von den Grünen und oft auch von der FPÖ dazwischenrufen, sage ich jetzt schon etwas in Ihre Richtung: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Sie Derartiges, die Stärkung der Unabhängigkeit des ORF, auch nur ein einziges Mal in Ihrer eigenen jahrelangen Regierungsverantwortung zustande gebracht haben – das in aller Deutlichkeit!“ Das hat der zuständige Medienminister gesagt, der den politischen Einfluss auf den ORF nicht reduziert, sondern sogar verstärkt hat. Und an dieser Stelle möchte ich auch sagen, Kollege Kurt Egger hat es vorhin gerade genannt: Also ich bin schon der Überzeugung, dass die vergangene Regierung mit Susi Raab als Medienministerin extrem viel für die Stärkung des unabhängigen ORF getan hat. Sie hat nämlich seine Finanzierung nach einem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes auf stabile Beine gestellt, und das ist einmal die Basis dafür, dass der ORF überhaupt arbeiten kann. Das war gut so, und das war richtig so (👏 ÖVP), und ich glaube, da haben Sie noch viel vor, um diese Leistung auch zu erbringen. Ich frage mich jetzt: Wo ist sie denn, die angebliche große Stärkung der Unabhängigkeit des ORF, wenn der eigene Stiftungsratsvorsitzende ohne jeden Genierer öffentlich ankündigt, gesetzeswidrig die Koalition bestehend aus ÖVP, SPÖ und NEOS über den nächsten Generaldirektor des ORF bestimmen zu lassen? Ich muss das leider so sagen: Herr Babler ist ein Weltmeister im Ankündigen, aber bei der Umsetzung spielt er maximal in der Regionalliga. – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Muna Duzdar zu Wort. - Bitte.

SPÖ Muna Duzdar

Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Sigi, ich bin immer davon ausgegangen, dass die Grünen eine seriöse Oppositionspartei sind …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Na, seriöser als ihr auf jeden Fall!

SPÖ Muna Duzdar

… aber das, was du heute geboten hast, dass du dich nämlich hierherstellst und Falschinformationen über den Vizekanzler verbreitest und behauptest, er hätte Kaffee in der Cafeteria getrunken …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Ich habe gesagt, ich bin ihm draußen über den Weg gelaufen!

SPÖ Muna Duzdar

… wirklich, ich sage dir eines, das ist letztklassig, das war ich eigentlich immer nur von den Freiheitlichen gewohnt! Und dass du im Anschluss daran die Boulevardmedien anrufst …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Die haben das schon selber gehört!

SPÖ Muna Duzdar

… um diese Falschinformationen auch noch zu platzieren, das ist wirklich unterste Schublade! …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Peinlich! Äußerst peinlich! – Zwischenrufe bei den Grünen.

SPÖ Muna Duzdar

… Der Ministerrat hat heute in diesem Hohen Haus getagt, und im Anschluss wurden offizielle Termine wahrgenommen. Wenn du ein bisschen Anstand hast, kommst du heute hier raus und entschuldigst dich! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wenn ihr einen Anstand habt, dann ... ihr euren Vizekanzler da her zur Debatte!

SPÖ Muna Duzdar

… Apropos Entpolitisierung des ORF: Ihr wart fünf Jahre lang in Regierungsverantwortung. Ihr habt nichts für die Entpolitisierung getan ( Heiterkeit des Abg. Schallmeiner [Grüne] ), absolut nichts! Ihr habt den ORF grün umgefärbt. Sich heute hierherzustellen und von der Unabhängigkeit des ORF zu reden, das ist wirklich eine Farce. Wir wissen, wie wichtig der öffentlich-rechtliche Rundfunk in einer liberalen Demokratie ist, welche tragende Rolle er einnimmt, welche Aufgaben er erfüllt. Ja, es ist richtig: Die Allgemeinheit finanziert den ORF, und der ORF ist daher auch der Allgemeinheit verpflichtet, nämlich zur Rechenschaft. Das ist auch der Unterschied zu privaten Medien. Der ORF ist entscheidend in einer demokratischen Gesellschaft. Überall, wo wir hinblicken, merken wir, dass medienrechtliche öffentliche Unternehmen unter Druck gesetzt werden, politisch zunehmend kontrolliert werden. Wenn wir nach Ungarn schauen, sehen wir, wie regierungsnahe Medien – staatlich oder privat – unter direkter Kontrolle des Kabinettchefs des ungarischen Premierministers stehen und wie regionale Medien im Eigentum von Orbán-freundlichen Unternehmen stehen. Wir sehen, wie kritische Medien eingestellt werden und unliebsame Journalisten auf schwarzen Listen auftauchen und überwacht werden. Wenn wir in die Vereinigten Staaten schauen, wo der Präsident Millionenklagen gegen amerikanische Fernsehsender führt, wo Fernsehsendungen abgesetzt und Medien, die kritisch über Trump berichten, mundtot gemacht und eingeschüchtert werden, dann sehen wir, welcher Gefahr öffentlich-rechtliche Medien ausgesetzt sind. Warum sage ich das? – Weil wir in Österreich erleben, wie eine Partei wie die FPÖ seit Jahren gegen den öffentlichen Rundfunk kampagnisiert und keine Gelegenheit auslässt, gegen den ORF zu hetzen. Sie, Herr Kollege Schilchegger, sagten heute, Sie hätten den ORF nicht direkt mit einem Misthaufen in Verbindung gebracht. – Natürlich haben Sie das getan! Sie haben im Zusammenhang mit der Erwähnung des ORF von „Misthaufen“ geredet, und daran sieht man, wes Geistes Kind Sie sind und wie Sie versuchen, den ORF zu zerschlagen. Denn Ihre Vorschläge, Herr Hafenecker, Ihre finanziellen Vorschläge sind darauf ausgerichtet, den ORF zu zerschlagen. Eines möchte ich Ihnen zum Abschluss sagen: Sie behaupten immer, Sie wären Patrioten – Sie sind aber keine Patrioten! Sie sind keine österreichischen Patrioten, denn wenn Sie das wären, dann wüssten Sie, welche Bedeutung der ORF für die österreichische Filmwirtschaft und für die heimische Musikwirtschaft hat. Das wissen Sie anscheinend nicht, denn sonst wäre Ihnen bewusst, welchen Stellenwert der ORF für die österreichische Kultur hat. RN/141.1 Abschließend möchte ich noch einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. (FH) Kurt Egger , Klaus Seltenheim , Henrike Brandstötter , Kolleginnen und Kollegen zu TOP 9 einbringen. In diesem Abänderungsantrag geht es im Wesentlichen darum, dass redaktionelle Versehen bereinigt und Klarstellungen in Hinblick auf Inkrafttreten und Außerkrafttreten einzelner Bestimmungen getroffen werden. Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) 19.12 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/141.2 ORF-Beitrags-Gesetz 2024 (AA-28) Präsidentin Doris Bures : Der Abänderungsantrag wurde an die Abgeordneten verteilt, er ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nun hat sich Herr Vizekanzler Andreas Babler zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Vizekanzler.

GRÜNE Sigrid Maurer

Herr Vizekanzler Babler hat gerade behauptet, ich hätte einen Wunsch verspürt, ihn öfter zu sehen. Ich berichtige tatsächlich: Die grüne Fraktion hat ein Verlangen der Abgeordneten Leonore Gewessler , Kolleginnen und Kollegen auf Durchführung einer Aktuellen Europastunde in der Nationalratssitzung am 24.9.2025 mit dem Vizekanzler in Vertretung des Bundeskanzlers eingebracht. Es ist kein Wunsch, den wir haben, weil wir Sie so gerne mögen, sondern es ist ein Verlangen einer Fraktion dieses Parlaments auf Ihre Anwesenheit bei einer Debatte zu den Klimazielen – eine Debatte, zu der Sie ganz viel gesagt haben.

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete, Sie waren lange genug Klubvorsitzende, Sie kennen die Bestimmungen der Geschäftsordnung. Bei Einen-Wunsch-Verspüren handelt es sich an sich schon nicht um einen Sachverhalt. Aber ich würde Sie jetzt bitten, Ihren Satz zu beenden und sich an die Geschäftsordnung zu halten.

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete, wir haben auch die Zeit für die tatsächliche Berichtigung schon überschritten, und ich halte noch einmal fest – und ich werde das gerne in der Präsidialkonferenz auf die Tagesordnung nehmen –: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat der Vorsitz führende Nationalratspräsident festgehalten, dass die Vertretungsregelungen nach der Geschäftsordnung erfolgt sind. Aber wenn Sie daran Zweifel haben, schlage ich vor, dass wir uns in der nächsten Präsidialkonferenz darüber auch noch einmal unterhalten und uns die Geschäftsordnung und die Protokolle auch dazunehmen. (Abg. Maurer [Grüne] – auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz –: Das ist eine Frechheit! – Abg. Schallmeiner [Grüne]: Frechheit!) Damit erteile ich dem nächsten Redner – der nächsten Rednerin, in dem Fall – das Wort: Frau Abgeordnete Tanja Graf .

ÖVP Tanja Graf

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzter Vizekanzler! Liebe Kollegen und Kolleginnen hier im Haus! Liebe Zuschauer hier im Hause beziehungsweise noch vor dem Bildschirm! Ich darf jetzt wieder zur Debatte zurückkehren, bevor wir über Wünsche und Verlangen diskutieren – darüber kann man, glaube ich, Nächte verbringen. Als wir die GIS-Gebühr in eine Haushaltsabgabe umgestellt haben, war, glaube ich, klar, dass wir zwei Ziele haben: Wir wollten mehr Fairness und wir wollten auch die Finanzierung besser aufstellen. Da war das allgemeine Interesse groß. Als Unternehmerin war natürlich die Freude, dass die Unternehmer auch einen Beitrag dazu leisten sollten, nicht sehr groß – aber als Unternehmerin sage ich auch: Wir sind bereit, einen Beitrag zu leisten. Wenn eine Systemumstellung stattfindet, dann kommt es auch vor, dass bei einem neuen System vielleicht ein bisschen Sand im Getriebe ist. Daher ist es mir auch ein besonderes Anliegen, diesen Sand, der im Getriebe dieser Umstellung vorhanden ist, wieder herauszubekommen , indem wir mit diesem Abänderungsantrag klarstellen, dass gerade für Betriebe, die einen Beitrag zur Haushaltsabgabe leisten, keine Doppelbelastungen vorgesehen sind, sondern dass klargestellt ist, dass es eine Betriebsstätte mit einer Lohnsumme und einem Beitrag gibt. Vorher zielte es leider auf die Kommunalsteuer ab: Ein Betrieb, der eine Betriebsstätte hat und in mehreren Gemeinden eine Dienstleistung vollbracht hat, wurde somit doppelt belastet. Das werden wir jetzt abschaffen. Ich als Unternehmerin bin sehr dankbar, dass wir das machen. Ich sehe es auch sehr positiv, dass wir das rückwirkend machen, dass wir klarstellen, dass es zu keinen zusätzlichen Forderungen kommen kann. Etwas ist mir ganz wichtig – vielleicht ein kleiner Kritikpunkt, den ich als Unternehmerin schon aussprechen darf, denn wir sind ja Unternehmerinnen und Unternehmer, die immer Rahmenbedingungen, Planungssicherheit brauchen –, eine Kritik oder vielleicht auch das Verlangen oder den Wunsch, den ich an Sie, Herr Vizekanzler, richten darf: dass wir bei dem Thema der Befristung dieser Einstellung bis Ende 2027 noch einmal ins Gespräch kommen, damit wir auch ein bisschen Planungssicherheit haben und nicht 2027 wieder vor neuen Verhandlungen stehen, um das wieder zu diskutieren. Vielleicht kann man das mitnehmen. Was mir auch persönlich ein Wunsch ist, weil wir ja nicht nur vom ORF sprechen, sondern auch von regionalen Medien, ein persönliches Anliegen: dass wir auch regionale Medien, wie zum Beispiel bei mir in Salzburg RTS, ein bisschen mehr unterstützen und nicht den Eindruck vermitteln, dass wir nur die großen Player wie den ORF unterstützen. Unsere kleinen, regionalen Medien wie RTS in Salzburg brauchen auch Ihre Unterstützung. Sie sind das Rückgrat unserer Gemeinden, genau wie die Betriebe das Rückgrat unseres Landes sind. Daher bitte ich auch dabei um mehr Unterstützung der Regionalität. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Henrike Brandstötter .

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Kolleginnen und Kollegen! Sigi, jetzt lach doch einmal! Ich meine, es ist doch ein guter Tag! Wir haben etwas zu feiern: Wir haben so viel zusammengebracht wie ihr in fünf Jahren nicht.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Was redest du?

NEOS Henrike Brandstötter

… Das ist doch einmal ein Anlass, sich zu freuen! (👏 SPÖ, NEOS) Der Grund der Freude ist: mehr Unabhängigkeit im ORF und eine spürbare Entlastung für Unternehmerinnen und Unternehmer. Das ist doch einmal eine positive Nachricht! Seit unserer Gründung haben wir NEOS immer wieder gefordert: Schluss mit der Postenschacherei, Schluss mit parteipolitischem Einfluss im ORF! Und jetzt passiert der erste Schritt: Die Landeshauptleute haben ab sofort bei der Bestellung der Landesdirektorinnen und -direktoren nichts mehr mitzureden, auch wenn die FPÖ der Meinung ist, das sei jetzt ein bisschen unangenehm, sie würden da doch gerne eine Ausnahme für ihren steirischen Landeshauptmann Kunasek haben. Früher war das Gesetz auch auf der Seite der Landeshauptleute. In Zukunft ist es das nicht mehr. Ganz ehrlich: Wie soll unabhängiger Journalismus funktionieren, wenn Politikerinnen und Politiker über ihre eigenen Kritikerinnen und Kritiker mitbestimmen? Ich lasse auch nicht den Fuchs auf den Hühnerstall aufpassen! Das ergibt ja keinen Sinn. Damit ist jetzt Schluss, weil unabhängiger Journalismus auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk frei arbeiten muss. Das Beste ist aber: Das war erst der Anfang. Wir arbeiten ab nächstem Jahr an einer größeren ORF-Reform. (👏 NEOS) Es mag Frau Kollegin Maurer noch zu wenig sein, aber wir schätzen prozesshaftes Arbeiten und werden uns Schritt für Schritt einer großen Reform nähern.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Deswegen habt ihr den Publikumsrat und Aufsichtsrat so besetzt?

NEOS Henrike Brandstötter

… Ja, es war die Kritik am Stiftungsratsvorsitzenden auch berechtigt. Wir haben machtbewusste Stiftungsratsmitglieder, wir haben verhaltenskreative Stiftungsratsmitglieder wie Herrn Westenthaler, und die muss man natürlich dann auch einmal in ihre Schranken weisen. Der zweite Punkt ist – neben der Abschaffung des Landeshauptmannanhörungsrechts – die Entlastung der Betriebe. Das alte System war absurd und ungerecht. Stellen Sie sich vor, ein Reinigungsunternehmen, eine Putzerei, hat zehn Standorte in zehn Gemeinden mit jeweils einem Mitarbeiter. Diese musste zehnmal die Haushaltsabgabe bezahlen. Das ist absurd. Das schaffen wir ab und wir rückabwickeln es auch. In Zukunft gilt: Ein Unternehmen zahlt nur einmal und die Höhe bemisst sich an der Lohnsumme. Damit entlasten wir 20 000 heimische Betriebe, vor allem die kleinen Betriebe, mit insgesamt 10 Millionen Euro pro Jahr. Das ist doch einmal eine ordentliche Entlastung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das Beste ist: Diese Ersparnis von 10 Millionen Euro bedeutet überhaupt keinen Einschnitt im Programm, denn der ORF darf über die Haushaltsabgabe ohnehin nur 710 Millionen Euro pro Jahr einnehmen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Nur!

NEOS Henrike Brandstötter

… Also er nimmt mehr ein, aber er darf nur 710 Millionen Euro pro Jahr verwenden …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wie will er denn damit durchkommen?

NEOS Henrike Brandstötter

… der Rest kommt auf ein Sperrkonto. Er hat auch 2024 deutlich mehr eingenommen als geplant. Er hat mit 722 Millionen Euro gerechnet und es wurden dann noch einmal 13 Millionen Euro mehr. Das heißt, dem ORF fehlt auch gleichzeitig kein Cent für das Programm. Wir nehmen also diese Übereinnahmen und machen daraus eine Entlastung für die Wirtschaft. Das ist eine gute Nachricht. Wir sparen nebenbei auch noch in der Bürokratie, denn 500 000 Euro Verwaltungskosten fallen durch diese Vereinfachung weg. Ein weiterer wichtiger Punkt auch noch für Haushalte mit einem geringeren Einkommen: Auch weiterhin kann man mit Erlagschein zweimonatlich bezahlen und muss nicht am Jahresanfang den ganzen Beitrag auf einmal bezahlen. Was heißt das alles? – Wir machen den ORF Schritt für Schritt politikunabhängiger. Wir entlasten die Betriebe quer durchs Land und wir schützen Familien vor unnötigen Belastungen. – Und jetzt lacht doch einmal! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Markus Hofer zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher – kaum mehr hier im Raum, aber sicher zu Hause vor den digitalen Endgeräten! Was dieses Land braucht, um weiterzukommen – und diesen Aspekt aus dem ORF-Gesetz möchte ich herausheben – sind, und das wissen wir, Entlastungsschritte, Entlastung für Unternehmer und Entlastung für Bürgerinnen und Bürger. Jetzt werden Sie sagen, das ist ja kein großer Schritt. Herr Kollege Schilchegger, soweit ich das Ihrem Wordrap-Stakkato entnehmen konnte – und dass Kollege Seltenheim da vielleicht etwas nicht genauso gehört hat, das kann ich ihm auch nachsehen –, haben Sie irgendetwas von einer Doppelmogelpackung gesagt. Das ist keine Doppelmogelpackung. Das ist ein Schritt der Entlastung, der konsistent und konsequent das tut – in einem Schritt –, was diese Regierung tut.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das ist keine Entlastung ...!

NEOS Markus Hofer

… Wenn Sie zuhören würden, würden Sie es auch noch erfahren. Was wir tun, ist - - – Sie waren alle genauso wie wir dabei, diese Regel zu kritisieren, als sie eingeführt wurde. Es tut uns allen gut, das auch einmal anzuerkennen, wenn man einen Korrekturschritt macht. Wir tun genau das. 20 000, vor allem Klein- und Mittelunternehmen, die an mehreren Standorten arbeiten, werden entlastet – und das in einem Ausmaß von 10 Millionen Euro. Was neben der Entlastung dazukommt, ist die Erleichterung in der Bürokratie. Wir haben das geschafft und auch Rechtssicherheit, weil wir es rückwirkend ab 2024 beschlossen haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Jetzt noch einmal: Ich will diesen Schritt einfach nicht allein stehen lassen, denn er zeigt an diesen drei Dimensionen – Entlastung, Entbürokratisierung und Rechtssicherheit –, was diese Regierung seit dem ersten Tag tut. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele: Wir haben schon das Mittelstandspaket verabschiedet, wir sind bei der Erhöhung der Basispauschalen schon in der Umsetzung gewesen, wir haben die Themen des SAG in der Pipeline, um energieintensive Betriebe zu entlasten, wir haben das Thema Investitionsfreibetrag in der Pipeline.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Deshalb ist die Wirtschaft so zufrieden! Die freut sich total!

NEOS Markus Hofer

… Sie wissen genauso wie wir, dass wir daran arbeiten, nicht nur konjunkturelle, sondern strukturelle Probleme zu ändern, und Sie werden eines sehen: Wenn diese Regierungsperiode vorbei ist, wenn diese Legislaturperiode vorbei ist, ist dieses Land wirtschaftlich stärker und mit mehr Optimismus ausgestattet. Es würde mich freuen, wenn alle dazu beitragen. – Danke dafür. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Bericht des Rechnungshofes betreffend INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH – Reihe BUND 2025/5

141 d.B. · Regierungsvorlage III-106 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes betreffend INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH (Reihe BUND 2025/5) zur Kenntnis. Damit wird der Empfehlung des Rechnungshofausschusses einstimmig gefolgt.

Betroffen sind die INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH sowie der Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Stadt Wien.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH – Reihe BUND 2025/5

Gegenstand des Ausschussberichts

  • Behandlung eines Berichts des Rechnungshofes über die INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH (Reihe BUND 2025/5).
  • Der Rechnungshofbericht beruht auf Wahrnehmungen aus einer Gebarungsüberprüfung.

Rechtsgrundlage und Prüfungsrahmen

  • Vorlage des Rechnungshofberichts gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG.
  • Gebarungsüberprüfung im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie der Stadt Wien in Bezug auf INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH.

Parlamentarische Behandlung im Rechnungshofausschuss

  • Der Rechnungshofausschuss nahm den Bericht zur Fristwahrung in Verhandlung und vertagte die Beratungen.
  • In einer weiteren Sitzung wurde der Bericht erneut behandelt und dazu eine Debatte geführt.
  • Als Auskunftsperson im Sinne des § 40 Abs. 1 GOG war die Geschäftsführerin von INiTS, Dr. Irene Fialka, anwesend.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltliche Empfehlung)

  • Der Rechnungshofausschuss empfiehlt dem Nationalrat, den Bericht des Rechnungshofes betreffend INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH (Reihe BUND 2025/5) zur Kenntnis zu nehmen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH – Reihe BUND 2025/5

~18 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
ÖVP Angela Baumgartner

Danke schön, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Wir diskutieren heute den Bericht des Rechnungshofes über die Inits Universitäre Gründerservice Wien GesmbH. Dies zeigt sehr deutlich: Forschung und Innovation sind die Lebensadern unserer Zukunft. Österreich kann nur dann ein starkes, wettbewerbsfähiges Land sein, wenn es uns gelingt, exzellente Forschungsergebnisse aus den Universitäten in die Praxis, nämlich in erfolgreiche Unternehmensgründungen zu übersetzen. Der Gedanke hinter Inits, nämlich Spin-offs aus der Wissenschaft in die Wirtschaft zu bringen, ist und bleibt absolut richtig. Wir haben aber auch die Verantwortung und müssen dafür sorgen, dass die Strukturen solide sind, dass Effizienz und Transparenz gewährleistet sind, dass mit öffentlichen Mitteln sorgsam und nachhaltig umgegangen wird. Der Rechnungshof hat da wichtige Punkte aufgezeigt. Wir brauchen klare Regeln für die Organe, ein starkes internes Kontrollsystem und eine faire, transparente Gestaltung der Geschäftsführerverträge. Vor allem aber müssen wir sicherstellen, dass Rückflüsse aus Beteiligungen dort ankommen, wo sie gebraucht werden und wo sie auch hingehören, nämlich bei der Gesellschaft selbst, damit diese nachhaltig weiterarbeiten kann. Inits muss sich irgendwann selber tragen können, und unser Ziel muss es sein, dass die Inits GesmbH über 2027 hinaus bestehen kann. Wir sollten gemeinsam die Empfehlungen des Rechnungshofes angehen, denn nur wenn Forschung, Unternehmergeist und verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Geldern Hand in Hand gehen, sichern wir Arbeitsplätze, stärken wir unseren Standort und schaffen Zukunft für die nächsten Generationen. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich beziehe mich auch kurz auf die Inits Universitäre Gründerservice Wien GmbH. Was ist der Unternehmenszweck? – Das ist, die Verwertung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen durch Unternehmensgründungen und Spin-offs im universitären Umfeld voranzutreiben. Was hat der Rechnungshof in seinem Bericht alles angeschaut und aufgezeigt? – Der Bericht weist ein negatives Betriebsergebnis aus. Jahresfehlbeträge hat man durch Rücklagen ausgeglichen, die mittlerweile aufgebraucht sind, und der Rechnungshof sieht den Fortbestand nach 2027 gefährdet, sofern man nicht wirklich griffige Gegenmaßnahmen setzt. Welche Maßnahmen sollten das sein? – Da geht es zuallererst um ein funktionierendes internes Kontrollsystem. Man hat zwar im Aufsichtsrat über finanzielle Risken diskutiert, aber mögliche weitere nicht benannt und nicht festgeschrieben, nicht identifiziert. Compliance-Regeln waren schlichtweg nicht vorhanden, das heißt Unsicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Genauso gefehlt haben klare Prozess- und Arbeitsabläufe, was natürlich zu Unsicherheit führt und nicht transparent ist. Für die Geschäftsführung war die eindeutige Empfehlung, Dienstverträge mit fixen Gehältern auszumachen und auszuhandeln. Ein Punkt, der bei derartigen Institutionen ganz wichtig ist: dass man Berichtspflichten über Beteiligungen auch ernst nimmt und das Ganze festhält. Conclusio: Die teilweise eingeleiteten Verbesserungen sind zwar zu begrüßen, sie müssen aber deutlich verstärkt werden. Effizienzen müssen gesteigert werden. Die zuständige Ministerin hat uns im Ausschuss darüber informiert, dass eine Evaluierung der Universitätsfinanzierung für Anfang 2026 erwartet wird. Das heißt, da wird man sich auch einiges genauer anschauen. Sehr geehrte Damen und Herren, die Verbesserungen sind wie gesagt begrüßenswert und sind unbedingt weiterzuführen, damit das Universitäre Gründerservice verstärkt dafür sorgen kann, dass ein gelungener Transfer von Forschung zur Wirtschaft stattfindet. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre .

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Sehr geehrte Frau Präsidentin und – auch – sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich möchte mich zuerst sehr herzlich bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern für diese wie immer guten und, wie ich finde, sehr brauchbaren Berichte bedanken. Ich möchte mich vor allem auf die Universitätsfinanzierung neu beziehen. Zwei der Grundaussagen des Berichts sind, dass sich zum einen die Anteile einzelner Universitäten am Gesamtbudget trotz stärkerer Bindung des Verteilungsschlüssels an die Indikatoren kaum veränderten. Im Wettbewerbsindikator der Säule Forschung bestand kein Anreiz, Forschungserlöse aus nicht öffentlichen Mitteln zu steigern. Das ist natürlich schade, denn gerade jetzt, in Zeiten wie diesen wäre es besonders wichtig, dass es ein größerer Wettbewerbsindikator ist, private Mittel zu lukrieren. (👏 NEOS) Der Rechnungshof sagt auch, dass es eine Anpassung der Verteilungsschlüssel und eine Vorabfestlegung nachvollziehbarer Kriterien in allen Finanzierungssäulen bräuchte und Steuerungsmaßnahmen eingesetzt werden sollten, da ansonsten keine Lenkungsfunktion der Leistungsvereinbarungen besteht. Das ist wirklich wichtig, und ich habe es auch im Ausschuss gesagt, dass wir das im Regierungsprogramm sehr stark eingefordert haben und dort ist es auch abgebildet, also beispielsweise wird die Wettbewerbskomponente bei den Leistungsvereinbarungen hoffentlich bald ausgebaut. Wir wissen, es ist wichtig, dass Universitäten auch untereinander in einer Art Wettbewerb stehen und dass es natürlich nicht egal ist, wie die Universitäten arbeiten und welche Leistungen sie bringen. Das muss auch in Leistungsvereinbarungen abgebildet sein, denn sonst macht ja die ganze Vergabe über Globalbudgets keinen Sinn. Die Hochschulen sind Zugpferde für den Wirtschaftsstandort, das wissen wir. Wir brauchen wettbewerbsfähige Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, damit wir auch einen wettbewerbsfähigen Industriestandort haben und behalten. Die Förderung von Exzellenz ist für uns NEOS ganz, ganz wesentlich. Es geht in der Hochschulpolitik nicht um die Gießkanne, sondern es geht um Exzellenz, um exzellente Projekte sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung. Gerade in der angewandten Forschung ist es wichtig, dass Universitäten stark mit Unternehmen kooperieren, um auch innovative Projekte und Innovationen hervorzubringen. (👏 ÖVP, NEOS) Ein großer Punkt, der für uns im Regierungsprogramm ganz, ganz wichtig ist, ist die Hochschulstrategie 2040, für die wir uns gemeinsam darüber Gedanken machen müssen, wie unser Hochschulstandort in 15 Jahren aussehen soll – was sind die Ziele in diesem Bereich? –, denn es gibt im Moment zu wenige Ziele für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreich. Wie werden die budgetären Mittel bestmöglich eingesetzt? Wie gehen wir mit kleiner werdenden Kohorten um? Und vor allem: Wie steigern wir den Wettbewerb in den Einrichtungen und innerhalb der bestehenden Einrichtungen? All das wird die Hochschulstrategie 2040 sein. Wir NEOS werden uns stark dafür einsetzen, dass da auch wirklich brauchbare Ziele definiert werden und auch ein brauchbarer Pfad entsteht, den wir in den nächsten Jahren entschlossen gehen, um diesen Wissenschaftsstandort zu stärken. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Götze .

GRÜNE Elisabeth Götze

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und vor allem: Werte Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Es ist Abend, und ich entführe Sie ganz kurz in den Weltraum, gemeinsam mit der Firma Gate Space. Warum? – Das ist ein Spin-off der TU Wien, das eine Antriebstechnik für einen Satelliten entwickelt hat, der ab 2026 die Erde umkreisen wird. Damit sind wir beim Rechnungshofbericht, der die Inits GmbH zum Thema hat. Danke für Ihren Bericht und auch von meiner Seite vielen Dank für all die Empfehlungen, die Sie abgeben. Der Rechnungshof übt massive Kritik an der Inits GmbH. Die Inits GmbH soll Unternehmensausgründungen, solche Spin-offs, wie ich sie gerade beschrieben habe – erfolgreiche Ausgründungen aus Unis –, unterstützen. Warum ist uns das so wichtig? – Weil wir wissen, dass Österreich extrem viel Geld in Forschung investiert. Wir sind gut, was die Forschungsquote betrifft, wir sind auch noch gut, was die Patente und Publikationen betrifft – da sind wir Nummer zehn in Europa –, wir sacken aber ab, was die Verwertung dieser Forschungsergebnisse betrifft. Wenn wir von den Spin-offs, also von diesen Unternehmensausgründungen sprechen, dann zeigt sich: Es ist keine Uni Österreichs unter den Top zehn im deutschsprachigen Raum, was die Anzahl der Ausgründungen betrifft, und unter den Top 25 sind nur drei österreichische Unis. Das heißt, da haben wir wirklich Aufholbedarf – wie gesagt, Aufholbedarf unter anderem mit der Inits GmbH. Es gibt Empfehlungen des Rechnungshofes, es gibt jetzt auch einen Wechsel der Geschäftsführung, der möglicherweise damit zu tun hat. Ich hoffe sehr, dass die Empfehlungen des Rechnungshofes auch gut umgesetzt werden und dass das zu vielen Neugründungen, Ausgründungen, Spin-offs führen wird: im Umfeld der TU Wien, der Uni Wien wie bei der Inits GmbH, aber auch von weiteren Unis, und ich wünsche dem neuen Geschäftsführer dafür alles Gute. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich die Präsidentin des Rechnungshofes zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Präsidentin Kraker.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Abgeordnete! Hohes Haus! Die Herbstarbeit des Nationalrates startet mit Berichten des Rechnungshofes. Zum Teil haben wir Berichte schon vor dem Sommer besprochen, zum Teil im Rechnungshofausschuss im September oder eben auch im Budgetausschuss, wenn ich an den Bundesrechnungsabschluss denke. Sieben der Berichte sind dem Bildungs- und Wissenschaftsbereich gewidmet, und deshalb darf ich im ersten Block zunächst mit den Wissenschaftsberichten starten. Da geht es vor allem um unsere umfassende Prüfung zum System der Universitätsfinanzierung neu. Das haben wir besonders aufgrund des hohen Gebarungsvolumens beleuchtet, denn in der Leistungsvereinbarungsperiode 2022 bis 2024 betrug das Gesamtbudget der Universitäten in Österreich rund 12 Milliarden Euro, in der neuen Leistungsvereinbarungsperiode – das ist die Periode, die wir nicht geprüft haben – von 2025 bis 2027 ist ein Gesamtbudget von 16,2 Milliarden Euro vorgesehen. Das ist also schon relevant. Deshalb haben wir uns die Frage gestellt, wie sich das neue Finanzierungssystem auswirkt, insbesondere hinsichtlich der Mittelverteilung im Hochschulbereich und der verwendeten Indikatoren zur Zielerreichung. Geprüft haben wir neben dem Wissenschaftsministerium auch die Universität Wien und die Technische Universität Wien. Wie Sie alle wissen, basiert das System der Universitätsfinanzierung neu auf drei Säulen – erste Säule: Lehre, zweite Säule: Forschung und Entwicklung, und dritte Säule: Infrastruktur und strategische Entwicklung. Die Mittel der ersten beiden Säulen werden über Basis- und Wettbewerbsindikatoren vergeben, jene der Säule Infrastruktur nach dem ermittelten Bedarf. Dazu gibt es dann auch Leistungsvereinbarungen. Die Grundlage bilden das Universitätsgesetz und die Universitätsfinanzierungsverordnung. Für die dritte Säule existierten relativ wenige Vorgaben im Gesetz, sodass es einen hohen Gestaltungsspielraum des Ministeriums dazu gab. Das Ganze ist kein Kostenmodell, sondern ein Verteilungsmodell. Das heißt, die ermittelten Finanzierungssätze stellten nicht die Vollkosten eines Studienplatzes beziehungsweise eines Forschungsvollzeitäquivalents dar. Was wir letztlich eben auch gesehen haben, ist, dass sich die Budgetanteile der einzelnen Universitäten seit der Einführung der Universitätsfinanzierung neu und eigentlich auch schon vorher nur geringfügig verändert haben. Es wurden Entscheidungen getroffen, die dann die indikatorbedingten Verteilungswirkungen wieder abschwächten, damit alle ein wirtschaftliches Auskommen haben. Der überwiegende Teil der Mittel für die Säule drei wurde für die wirtschaftliche Absicherung und für den Ausgleich größenskalierender Effekte eingesetzt. Es wurden bei der Abrechnung der Teile des Bereichs Lehre Mittel einbehalten, und diese Mittel wurden dann wieder verteilt – ohne vorab festgelegte Kriterien. Die finanziellen Konsequenzen bei Nichterreichen der Zielwerte wurden für die Periode 2022 bis 2024 dann auch ausgesetzt. Wir sehen als Rechnungshof schon, dass die indikatorbasierten Finanzierungsbestandteile Anreize zur Leistungsverbesserung an den Universitäten sind – die Zahl der prüfungsaktiven Studierenden et cetera; das anerkennen wir. Auch die politische Zielsetzung sehen wir als zweckmäßig an, nämlich die wirtschaftliche Stabilität der Universitäten sicherzustellen. Die Budgets sind aber angestiegen, und die Umsetzungsmaßnahmen haben diese indikatorbasierte Universitätsfinanzierung neu eben vermindert. Deshalb haben wir Empfehlungen hinsichtlich der Gewichtung der Fächergruppen aufgestellt. Für die Bemessung und Verteilung des strategischen Betrags in Säule drei verlangen wir nachvollziehbare Kriterien. Es geht auch darum, dass man zum Beispiel die gesetzlich nicht mehr vorgesehenen Studienbeitragsersätze überdenken könnte. Bei den einbehaltenen Mitteln bei der Nichterfüllung der Basisindikatoren könnte man auch Kriterien festlegen. Und es geht um die Steuerungswirkung der Leistungsvereinbarungen. Deshalb appellieren wir an alle, die Ziele der Reform des Finanzierungssystems der Universitäten – also die Verbesserung der Qualität in Lehre und Forschung, aber auch der Studienqualität, den Ausbau der Studienplätze – im Einklang mit dem österreichischen Bedarf nicht aus dem Blick zu verlieren und unter Berücksichtigung der notwendigen kritischen Größe von Universitäten trotzdem auch eine Profilschärfung einzelner Standorte anzustreben, damit wir uns noch weiter verbessern. Die zweite Prüfung, auf die ich eingehen möchte, ist eine Follow-up-Überprüfung zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privathochschulen. Das ist eine Follow-up-Überprüfung, bei der die Umsetzungsquote nicht so hoch ist, denn von elf geprüften Empfehlungen wurden eine vollständig, fünf teilweise und fünf nicht umgesetzt. Es gab die Novelle zur Akkreditierungsverordnung, aber die AQ Austria nutzte verfügbare Datenquellen zur Wahrnehmung ihrer Aufsichtstätigkeit, zur Erfüllung ihrer Aufsichtspflicht wie etwa im Bereich der Statistik Austria eben nicht. Und es geht um die Finanzierung der AQ Austria. Auch da empfehlen wir, Maßnahmen und Strategien zur Steigerung der eigenen Erlöse der AQ Austria zu entwickeln. Dem Ministerium empfehlen wir, für eine ausgewogene und aufgabenorientierte Finanzierung der AQ Austria Sorge zu tragen. Die Inits wurde schon mehrmals angesprochen, da hat uns natürlich das Betriebsergebnis Sorge gemacht, es gab Jahresfehlbeträge. Es geht um das Weiterbestehen der Gesellschaft. Wir haben empfohlen, Effizienzpotenziale zu identifizieren und zu realisieren und nach Möglichkeit zusätzliche Einnahmen im Non-A-plus-B-Bereich – so heißt das – zu generieren, und das wäre unsere wesentliche Empfehlung. – Danke. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 19.50 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nun ist Herr Abgeordneter Harald Servus zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist schön, dass wir heute so viel über Bildung diskutieren, beginnend schon mit der Aktuellen Stunde heute Morgen. Unser Bildungssystem prägt und leitet – junge – Menschen oft das erste Viertel ihres Lebens – vom Kindergarten bis zur Hochschule. Eine fundierte Bildung ist entscheidend und eine Grundlage für eine erfolgreiche Berufskarriere und Basis für unseren wirtschaftlichen Erfolg und vor allem auch für die Wettbewerbsfähigkeit in unserem Land. Lassen Sie mich zu Beginn aber eines auch ganz klar sagen: Bildung ist nie einfach nur eine Ausgabe im Budget, Bildung ist immer eine Investition in die Zukunft. Deshalb sind die 12 Milliarden Euro – beziehungsweise 5 Prozent unseres BIPs –, die wir jährlich in unser Bildungssystem investieren, gut angelegt. Dass dies alles mit Effizienz und Sparsamkeit passiert, darauf achtet der Rechnungshof. – Vielen Dank an dieser Stelle an Sie, Frau Präsidentin. Wir behandeln und debattieren jetzt gerade Rechnungshofberichte aus dem tertiären Bildungssektor. Ich darf daraus den Bericht zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privatuniversitäten exemplarisch herausgreifen. Privatuniversitäten sind ein relativ neuer Player in unserer Bildungslandschaft, es gibt sie erst seit 1999. Mittlerweile ist ihre Zahl auf 19 – mit über 21 000 Studienplätzen – angestiegen. Die Agentur ist, wenn man so will, ein behördliches Genehmigungsorgan, das als Begleiter in wissenschaftlicher und auch infrastruktureller Qualitätssicherung fungieren soll. Es gibt zwei Hauptkritikpunkte des Rechnungshofes, einen haben Sie schon erwähnt, Frau Präsidentin. Der erste Kritikpunkt betrifft die Finanzierung: Weil die Bundesmittel zuletzt deutlich gestiegen, die Eigenerlöse dagegen zurückgegangen sind, hat man 2023 sogar auf die Rücklagen ausweichen müssen. Ja, es wäre gut, wenn die Eigenerlöse wieder steigen würden, indem man schaut, dass die Verfahren auch kostendeckend sind. Vielleicht kann man aber auch auf neue Geschäftsfelder ausweichen, zum Beispiel könnte man auch im benachbarten Ausland anbieten. Der zweite Kritikpunkt des Rechnungshofes betrifft die Dokumentationslücken bei den einzelnen Prüfschritten. Klar ist, wenn manche Aberkennungen und versagte Akkreditierungen vor Gericht landen, ist eine genau Nachvollziehbarkeit aller Punkte essenziell. Nach dem Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!, darf ich der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria weiterhin alles Gute wünschen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Pia Maria Wieninger .

SPÖ Pia Maria Wieninger

Geschätzte Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Hohes Haus! Zum Rechnungshofbericht zur Universitätsfinanzierung neu, auf den ich mich beziehe, hat die Frau Rechnungshofpräsidentin ja schon ausführlich die technischen Details erläutert. Er enthält aber auch zentrale Befunde, die uns Sozialdemokrat:innen aufhorchen lassen. So wurden laut dem vorliegenden Bericht im Zeitraum 2016/17 bis 2020/21 rund 40 Prozent der belegten Studien nicht prüfungsaktiv betrieben, mehr als die Hälfte davon ohne jede Prüfungsleistung. Das sogenannte Finanzierungssystem neu hat den Anspruch, Qualität zu sichern und Studienabschlüsse zu fördern. Doch gerade bei Studierenden aus benachteiligten sozialen Verhältnissen greift dieses System zu kurz. Es berücksichtigt viel zu wenig die strukturellen Hürden, mit denen insbesondere Kinder aus nicht akademischen Haushalten konfrontiert sind, denn Bildung wird in Österreich nach wie vor vererbt. Während 61 Prozent der Kinder von Akademiker:innen ein Studium abschließen, schaffen das nur 9 Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Diese Ungleichheit ist keine Naturgegebenheit, sie ist das Ergebnis politischer Versäumnisse. Die Antwort auf prüfungsinaktive Studien kann daher nicht nur Effizienzdenken sein. Wir müssen die Ursachen adressieren, und das sind oft soziale. Studierende aus einkommensschwachen Familien müssen häufiger neben dem Studium arbeiten. Sie stehen unter mehr Druck, haben weniger Zeit und oft keinen Rückhalt aus dem Elternhaus. Sie brauchen daher eine Universität, die sich an ihre Lebensrealitäten anpasst. Es braucht mehr digitale Lehrangebote, damit Lernzeiten flexibel gestaltet werden können, Lehrveranstaltungen zu Randzeiten, die Vereinbarkeit mit Nebenjobs ermöglichen, Toleranzsemester für arbeitende Studierende statt starrer Fristen. Unser Ziel als Sozialdemokratie ist aber klar: Ein Studium muss auch ohne Nebenjob möglich sein. Erst dann sprechen wir von echter Chancengerechtigkeit. (👏 SPÖ) Die Studienbeihilfe muss zum Leben reichen. Gerade Arbeiter:innenkinder sind auf diese Unterstützung angewiesen. Es freut mich daher wirklich sehr, dass Wissenschaftsministerin Holzleitner und Finanzminister Marterbauer sichergestellt haben, dass die Studienbeihilfe auch für 2026 valorisiert wird. Wir Sozialdemokrat:innen sagen ganz klar: Statt Elitenförderung endlich Talente fördern, unabhängig vom Elternhaus. Wenn daher, wie im Rechnungshofbericht dargelegt, 40 Prozent der belegten Studien nicht prüfungsaktiv sind, dürfen wir nicht mit reiner Sparlogik antworten, sondern mit einem Ausbau sozialer Unterstützungsstrukturen, denn das Studieren darf nicht vom Börserl abhängen. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In meinem Beitrag geht es um die Universitätsfinanzierung neu, die wir 2019 eingeführt haben. Bis dorthin hatten wir ein etwas veraltetes Finanzierungssystem. Bei den Universitäten hat es sich rein um die Anzahl der Studierenden gedreht, egal ob die aktiv gewesen sind oder ob es eben Karteileichen gewesen sind. Das führte damals dazu, dass es zu erhöhten Zahlen in den Hörsälen gekommen ist, die Qualität eine schlechte gewesen ist und das eigentlich zu überarbeiten gewesen ist. 2019 haben wir unter Bundesminister Heinz Faßmann die Wende eingeführt: mehr Leistungsorientierung in der Finanzierung. Wir haben das Dreisäulenmodell mit der Lehre, der Forschung und der Infrastruktur eingeführt. Jetzt geht es darum, wie viele prüfungsaktive Studenten man hat, dass die Forschung erfolgreich ist und dass die Studentinnen und Studenten gut betreut werden, also sozusagen um die Infrastruktur. Es führt dazu, dass die Universitäten mehr Anreiz für den Studienerfolg, mehr Planungssicherheit haben – der Mehrjährige Finanzrahmen über drei Jahre bringt wesentlich mehr Planbarkeit für die Universitäten –, sie orientieren sich mehr am Arbeitsmarkt und fördern dadurch auch die Mint-Fächer. Der Rechnungshof stellt bei der Prüfung eindeutig fest, die Universitätsfinanzierung neu ist ein wichtiger Schritt in Richtung Leistungsfähigkeit, Nachvollziehbarkeit und Planbarkeit, kritisiert aber zum Teil die Umsetzung. Da haben wir Aufholbedarf und Nachholbedarf und da müssen wir weiterarbeiten. Wir sind aber, glaube ich, auf einem sehr guten Weg. Was ich noch ansprechen möchte: Bei den Reformen gab es auch negative Entwicklungen, sage ich einmal, und zwar wurde zum Beispiel 2019 die Quotenregelung für die Zahnmedizin abgeschafft, die wir ja 2006 für die Humanmedizin gemeinsam mit der Zahnmedizin eingeführt haben. Aufgrund der EU mussten wir diese Quotenregelung aufgeben, was dazu führt, dass wir zum Beispiel in Oberösterreich schon jetzt einen Zahnärztemangel feststellen. 10 Prozent der Ordinationen können nicht mehr nachbesetzt werden – und in den nächsten zehn Jahren geht die Hälfte der Zahnmediziner in Pension. Das heißt schlussendlich, wir brauchen mehr Zahnärzte. Es gibt momentan 1 100 Studentinnen und Studenten in der Zahnmedizin; 700 sind Österreicher und die restlichen sind aus der EU oder aus Drittstaaten, was dazu führt, dass die meistens wieder in ihre Ursprungsländer zurückgehen und wir eine schlechtere Versorgung haben. Daher brauchen wir unbedingt eine Reform und wir brauchen einfach eine europarechtskonforme Quotenregelung, damit wir die zahnmedizinische Versorgung in Österreich sicherstellen können. Grundsätzlich sind wir von der ÖVP für eine leistungsorientierte Finanzierung der Universitäten, für Planbarkeit, für die Zukunftsinvestitionen in Forschung und für die Standortsicherheit. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung – Herr Abgeordneter Marchetti, wir sind im Abstimmungsvorgang ( Abg. Marchetti [ÖVP] begibt sich zu seinem Sitzplatz ) – danke vielmals –, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/160.1 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Inits Universitäres Gründerservice Wien GmbH, III-106 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer für die Kenntnisnahme ist, den bitte ich um ein entsprechendes Zeichen. – Der Bericht einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.2 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Akkreditierung und öffentliche Finanzierung von Privathochschulen; Follow-up-Überprüfung, III-78 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Das ist mehrheitlich zur Kenntnis genommen, Entschuldigung, einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.3 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Universitätsfinanzierung neu, III-105 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.4 Schließlich kommen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 13: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg, III-45 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Auch dieser Bericht ist einstimmig zur Kenntnis genommen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Akkreditierung und öffentliche Finanzierung von Privathochschulen; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2024/38

142 d.B. · Regierungsvorlage III-78 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privathochschulen (Follow-up, Reihe BUND 2024/38) zur Kenntnis. Damit wird keine inhaltliche Gesetzesänderung beschlossen, sondern die Kenntnisnahme des Prüfberichts bestätigt.

Betroffen sind das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria) sowie Privathochschulen, deren Akkreditierung und öffentliche Finanzierung geprüft wurden.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Akkreditierung und öffentliche Finanzierung von Privathochschulen; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2024/38

Gegenstand und rechtliche Grundlage

  • Behandlung eines Berichts des Rechnungshofes zur „Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privathochschulen“ als Follow-up-Überprüfung.
  • Der Bericht erfolgte gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und betrifft Wahrnehmungen aus einer Gebarungsüberprüfung im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Inhaltlicher Fokus der Follow-up-Überprüfung

  • Überprüfung der Themenbereiche Akkreditierung von Privathochschulen und deren öffentliche Finanzierung im Zuständigkeitsbereich des Bundes.
  • Darstellung von Wahrnehmungen/Ergebnissen des Rechnungshofes aus der Follow-up-Prüfung zur Umsetzung bzw. zum Stand von Maßnahmen im geprüften Bereich.

Ausschussbehandlung und Debatte (inhaltliche Eckpunkte)

  • Der Bericht wurde im Rechnungshofausschuss verhandelt; in der weiteren Behandlung fand eine Debatte unter Beteiligung von Abgeordneten sowie der zuständigen Bundesministerin statt.
  • Als Auskunftsperson war der Geschäftsführer der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria) beigezogen; zudem nahm die Präsidentin des Rechnungshofes teil.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltliche Schlussfolgerung)

  • Der Ausschuss gelangte zur Empfehlung, den Bericht des Rechnungshofes durch den Nationalrat zur Kenntnis zu nehmen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Akkreditierung und öffentliche Finanzierung von Privathochschulen; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2024/38

~18 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
ÖVP Angela Baumgartner

Danke schön, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Wir diskutieren heute den Bericht des Rechnungshofes über die Inits Universitäre Gründerservice Wien GesmbH. Dies zeigt sehr deutlich: Forschung und Innovation sind die Lebensadern unserer Zukunft. Österreich kann nur dann ein starkes, wettbewerbsfähiges Land sein, wenn es uns gelingt, exzellente Forschungsergebnisse aus den Universitäten in die Praxis, nämlich in erfolgreiche Unternehmensgründungen zu übersetzen. Der Gedanke hinter Inits, nämlich Spin-offs aus der Wissenschaft in die Wirtschaft zu bringen, ist und bleibt absolut richtig. Wir haben aber auch die Verantwortung und müssen dafür sorgen, dass die Strukturen solide sind, dass Effizienz und Transparenz gewährleistet sind, dass mit öffentlichen Mitteln sorgsam und nachhaltig umgegangen wird. Der Rechnungshof hat da wichtige Punkte aufgezeigt. Wir brauchen klare Regeln für die Organe, ein starkes internes Kontrollsystem und eine faire, transparente Gestaltung der Geschäftsführerverträge. Vor allem aber müssen wir sicherstellen, dass Rückflüsse aus Beteiligungen dort ankommen, wo sie gebraucht werden und wo sie auch hingehören, nämlich bei der Gesellschaft selbst, damit diese nachhaltig weiterarbeiten kann. Inits muss sich irgendwann selber tragen können, und unser Ziel muss es sein, dass die Inits GesmbH über 2027 hinaus bestehen kann. Wir sollten gemeinsam die Empfehlungen des Rechnungshofes angehen, denn nur wenn Forschung, Unternehmergeist und verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Geldern Hand in Hand gehen, sichern wir Arbeitsplätze, stärken wir unseren Standort und schaffen Zukunft für die nächsten Generationen. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich beziehe mich auch kurz auf die Inits Universitäre Gründerservice Wien GmbH. Was ist der Unternehmenszweck? – Das ist, die Verwertung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen durch Unternehmensgründungen und Spin-offs im universitären Umfeld voranzutreiben. Was hat der Rechnungshof in seinem Bericht alles angeschaut und aufgezeigt? – Der Bericht weist ein negatives Betriebsergebnis aus. Jahresfehlbeträge hat man durch Rücklagen ausgeglichen, die mittlerweile aufgebraucht sind, und der Rechnungshof sieht den Fortbestand nach 2027 gefährdet, sofern man nicht wirklich griffige Gegenmaßnahmen setzt. Welche Maßnahmen sollten das sein? – Da geht es zuallererst um ein funktionierendes internes Kontrollsystem. Man hat zwar im Aufsichtsrat über finanzielle Risken diskutiert, aber mögliche weitere nicht benannt und nicht festgeschrieben, nicht identifiziert. Compliance-Regeln waren schlichtweg nicht vorhanden, das heißt Unsicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Genauso gefehlt haben klare Prozess- und Arbeitsabläufe, was natürlich zu Unsicherheit führt und nicht transparent ist. Für die Geschäftsführung war die eindeutige Empfehlung, Dienstverträge mit fixen Gehältern auszumachen und auszuhandeln. Ein Punkt, der bei derartigen Institutionen ganz wichtig ist: dass man Berichtspflichten über Beteiligungen auch ernst nimmt und das Ganze festhält. Conclusio: Die teilweise eingeleiteten Verbesserungen sind zwar zu begrüßen, sie müssen aber deutlich verstärkt werden. Effizienzen müssen gesteigert werden. Die zuständige Ministerin hat uns im Ausschuss darüber informiert, dass eine Evaluierung der Universitätsfinanzierung für Anfang 2026 erwartet wird. Das heißt, da wird man sich auch einiges genauer anschauen. Sehr geehrte Damen und Herren, die Verbesserungen sind wie gesagt begrüßenswert und sind unbedingt weiterzuführen, damit das Universitäre Gründerservice verstärkt dafür sorgen kann, dass ein gelungener Transfer von Forschung zur Wirtschaft stattfindet. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre .

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Sehr geehrte Frau Präsidentin und – auch – sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich möchte mich zuerst sehr herzlich bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern für diese wie immer guten und, wie ich finde, sehr brauchbaren Berichte bedanken. Ich möchte mich vor allem auf die Universitätsfinanzierung neu beziehen. Zwei der Grundaussagen des Berichts sind, dass sich zum einen die Anteile einzelner Universitäten am Gesamtbudget trotz stärkerer Bindung des Verteilungsschlüssels an die Indikatoren kaum veränderten. Im Wettbewerbsindikator der Säule Forschung bestand kein Anreiz, Forschungserlöse aus nicht öffentlichen Mitteln zu steigern. Das ist natürlich schade, denn gerade jetzt, in Zeiten wie diesen wäre es besonders wichtig, dass es ein größerer Wettbewerbsindikator ist, private Mittel zu lukrieren. (👏 NEOS) Der Rechnungshof sagt auch, dass es eine Anpassung der Verteilungsschlüssel und eine Vorabfestlegung nachvollziehbarer Kriterien in allen Finanzierungssäulen bräuchte und Steuerungsmaßnahmen eingesetzt werden sollten, da ansonsten keine Lenkungsfunktion der Leistungsvereinbarungen besteht. Das ist wirklich wichtig, und ich habe es auch im Ausschuss gesagt, dass wir das im Regierungsprogramm sehr stark eingefordert haben und dort ist es auch abgebildet, also beispielsweise wird die Wettbewerbskomponente bei den Leistungsvereinbarungen hoffentlich bald ausgebaut. Wir wissen, es ist wichtig, dass Universitäten auch untereinander in einer Art Wettbewerb stehen und dass es natürlich nicht egal ist, wie die Universitäten arbeiten und welche Leistungen sie bringen. Das muss auch in Leistungsvereinbarungen abgebildet sein, denn sonst macht ja die ganze Vergabe über Globalbudgets keinen Sinn. Die Hochschulen sind Zugpferde für den Wirtschaftsstandort, das wissen wir. Wir brauchen wettbewerbsfähige Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, damit wir auch einen wettbewerbsfähigen Industriestandort haben und behalten. Die Förderung von Exzellenz ist für uns NEOS ganz, ganz wesentlich. Es geht in der Hochschulpolitik nicht um die Gießkanne, sondern es geht um Exzellenz, um exzellente Projekte sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung. Gerade in der angewandten Forschung ist es wichtig, dass Universitäten stark mit Unternehmen kooperieren, um auch innovative Projekte und Innovationen hervorzubringen. (👏 ÖVP, NEOS) Ein großer Punkt, der für uns im Regierungsprogramm ganz, ganz wichtig ist, ist die Hochschulstrategie 2040, für die wir uns gemeinsam darüber Gedanken machen müssen, wie unser Hochschulstandort in 15 Jahren aussehen soll – was sind die Ziele in diesem Bereich? –, denn es gibt im Moment zu wenige Ziele für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreich. Wie werden die budgetären Mittel bestmöglich eingesetzt? Wie gehen wir mit kleiner werdenden Kohorten um? Und vor allem: Wie steigern wir den Wettbewerb in den Einrichtungen und innerhalb der bestehenden Einrichtungen? All das wird die Hochschulstrategie 2040 sein. Wir NEOS werden uns stark dafür einsetzen, dass da auch wirklich brauchbare Ziele definiert werden und auch ein brauchbarer Pfad entsteht, den wir in den nächsten Jahren entschlossen gehen, um diesen Wissenschaftsstandort zu stärken. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Götze .

GRÜNE Elisabeth Götze

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und vor allem: Werte Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Es ist Abend, und ich entführe Sie ganz kurz in den Weltraum, gemeinsam mit der Firma Gate Space. Warum? – Das ist ein Spin-off der TU Wien, das eine Antriebstechnik für einen Satelliten entwickelt hat, der ab 2026 die Erde umkreisen wird. Damit sind wir beim Rechnungshofbericht, der die Inits GmbH zum Thema hat. Danke für Ihren Bericht und auch von meiner Seite vielen Dank für all die Empfehlungen, die Sie abgeben. Der Rechnungshof übt massive Kritik an der Inits GmbH. Die Inits GmbH soll Unternehmensausgründungen, solche Spin-offs, wie ich sie gerade beschrieben habe – erfolgreiche Ausgründungen aus Unis –, unterstützen. Warum ist uns das so wichtig? – Weil wir wissen, dass Österreich extrem viel Geld in Forschung investiert. Wir sind gut, was die Forschungsquote betrifft, wir sind auch noch gut, was die Patente und Publikationen betrifft – da sind wir Nummer zehn in Europa –, wir sacken aber ab, was die Verwertung dieser Forschungsergebnisse betrifft. Wenn wir von den Spin-offs, also von diesen Unternehmensausgründungen sprechen, dann zeigt sich: Es ist keine Uni Österreichs unter den Top zehn im deutschsprachigen Raum, was die Anzahl der Ausgründungen betrifft, und unter den Top 25 sind nur drei österreichische Unis. Das heißt, da haben wir wirklich Aufholbedarf – wie gesagt, Aufholbedarf unter anderem mit der Inits GmbH. Es gibt Empfehlungen des Rechnungshofes, es gibt jetzt auch einen Wechsel der Geschäftsführung, der möglicherweise damit zu tun hat. Ich hoffe sehr, dass die Empfehlungen des Rechnungshofes auch gut umgesetzt werden und dass das zu vielen Neugründungen, Ausgründungen, Spin-offs führen wird: im Umfeld der TU Wien, der Uni Wien wie bei der Inits GmbH, aber auch von weiteren Unis, und ich wünsche dem neuen Geschäftsführer dafür alles Gute. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich die Präsidentin des Rechnungshofes zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Präsidentin Kraker.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Abgeordnete! Hohes Haus! Die Herbstarbeit des Nationalrates startet mit Berichten des Rechnungshofes. Zum Teil haben wir Berichte schon vor dem Sommer besprochen, zum Teil im Rechnungshofausschuss im September oder eben auch im Budgetausschuss, wenn ich an den Bundesrechnungsabschluss denke. Sieben der Berichte sind dem Bildungs- und Wissenschaftsbereich gewidmet, und deshalb darf ich im ersten Block zunächst mit den Wissenschaftsberichten starten. Da geht es vor allem um unsere umfassende Prüfung zum System der Universitätsfinanzierung neu. Das haben wir besonders aufgrund des hohen Gebarungsvolumens beleuchtet, denn in der Leistungsvereinbarungsperiode 2022 bis 2024 betrug das Gesamtbudget der Universitäten in Österreich rund 12 Milliarden Euro, in der neuen Leistungsvereinbarungsperiode – das ist die Periode, die wir nicht geprüft haben – von 2025 bis 2027 ist ein Gesamtbudget von 16,2 Milliarden Euro vorgesehen. Das ist also schon relevant. Deshalb haben wir uns die Frage gestellt, wie sich das neue Finanzierungssystem auswirkt, insbesondere hinsichtlich der Mittelverteilung im Hochschulbereich und der verwendeten Indikatoren zur Zielerreichung. Geprüft haben wir neben dem Wissenschaftsministerium auch die Universität Wien und die Technische Universität Wien. Wie Sie alle wissen, basiert das System der Universitätsfinanzierung neu auf drei Säulen – erste Säule: Lehre, zweite Säule: Forschung und Entwicklung, und dritte Säule: Infrastruktur und strategische Entwicklung. Die Mittel der ersten beiden Säulen werden über Basis- und Wettbewerbsindikatoren vergeben, jene der Säule Infrastruktur nach dem ermittelten Bedarf. Dazu gibt es dann auch Leistungsvereinbarungen. Die Grundlage bilden das Universitätsgesetz und die Universitätsfinanzierungsverordnung. Für die dritte Säule existierten relativ wenige Vorgaben im Gesetz, sodass es einen hohen Gestaltungsspielraum des Ministeriums dazu gab. Das Ganze ist kein Kostenmodell, sondern ein Verteilungsmodell. Das heißt, die ermittelten Finanzierungssätze stellten nicht die Vollkosten eines Studienplatzes beziehungsweise eines Forschungsvollzeitäquivalents dar. Was wir letztlich eben auch gesehen haben, ist, dass sich die Budgetanteile der einzelnen Universitäten seit der Einführung der Universitätsfinanzierung neu und eigentlich auch schon vorher nur geringfügig verändert haben. Es wurden Entscheidungen getroffen, die dann die indikatorbedingten Verteilungswirkungen wieder abschwächten, damit alle ein wirtschaftliches Auskommen haben. Der überwiegende Teil der Mittel für die Säule drei wurde für die wirtschaftliche Absicherung und für den Ausgleich größenskalierender Effekte eingesetzt. Es wurden bei der Abrechnung der Teile des Bereichs Lehre Mittel einbehalten, und diese Mittel wurden dann wieder verteilt – ohne vorab festgelegte Kriterien. Die finanziellen Konsequenzen bei Nichterreichen der Zielwerte wurden für die Periode 2022 bis 2024 dann auch ausgesetzt. Wir sehen als Rechnungshof schon, dass die indikatorbasierten Finanzierungsbestandteile Anreize zur Leistungsverbesserung an den Universitäten sind – die Zahl der prüfungsaktiven Studierenden et cetera; das anerkennen wir. Auch die politische Zielsetzung sehen wir als zweckmäßig an, nämlich die wirtschaftliche Stabilität der Universitäten sicherzustellen. Die Budgets sind aber angestiegen, und die Umsetzungsmaßnahmen haben diese indikatorbasierte Universitätsfinanzierung neu eben vermindert. Deshalb haben wir Empfehlungen hinsichtlich der Gewichtung der Fächergruppen aufgestellt. Für die Bemessung und Verteilung des strategischen Betrags in Säule drei verlangen wir nachvollziehbare Kriterien. Es geht auch darum, dass man zum Beispiel die gesetzlich nicht mehr vorgesehenen Studienbeitragsersätze überdenken könnte. Bei den einbehaltenen Mitteln bei der Nichterfüllung der Basisindikatoren könnte man auch Kriterien festlegen. Und es geht um die Steuerungswirkung der Leistungsvereinbarungen. Deshalb appellieren wir an alle, die Ziele der Reform des Finanzierungssystems der Universitäten – also die Verbesserung der Qualität in Lehre und Forschung, aber auch der Studienqualität, den Ausbau der Studienplätze – im Einklang mit dem österreichischen Bedarf nicht aus dem Blick zu verlieren und unter Berücksichtigung der notwendigen kritischen Größe von Universitäten trotzdem auch eine Profilschärfung einzelner Standorte anzustreben, damit wir uns noch weiter verbessern. Die zweite Prüfung, auf die ich eingehen möchte, ist eine Follow-up-Überprüfung zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privathochschulen. Das ist eine Follow-up-Überprüfung, bei der die Umsetzungsquote nicht so hoch ist, denn von elf geprüften Empfehlungen wurden eine vollständig, fünf teilweise und fünf nicht umgesetzt. Es gab die Novelle zur Akkreditierungsverordnung, aber die AQ Austria nutzte verfügbare Datenquellen zur Wahrnehmung ihrer Aufsichtstätigkeit, zur Erfüllung ihrer Aufsichtspflicht wie etwa im Bereich der Statistik Austria eben nicht. Und es geht um die Finanzierung der AQ Austria. Auch da empfehlen wir, Maßnahmen und Strategien zur Steigerung der eigenen Erlöse der AQ Austria zu entwickeln. Dem Ministerium empfehlen wir, für eine ausgewogene und aufgabenorientierte Finanzierung der AQ Austria Sorge zu tragen. Die Inits wurde schon mehrmals angesprochen, da hat uns natürlich das Betriebsergebnis Sorge gemacht, es gab Jahresfehlbeträge. Es geht um das Weiterbestehen der Gesellschaft. Wir haben empfohlen, Effizienzpotenziale zu identifizieren und zu realisieren und nach Möglichkeit zusätzliche Einnahmen im Non-A-plus-B-Bereich – so heißt das – zu generieren, und das wäre unsere wesentliche Empfehlung. – Danke. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 19.50 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nun ist Herr Abgeordneter Harald Servus zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist schön, dass wir heute so viel über Bildung diskutieren, beginnend schon mit der Aktuellen Stunde heute Morgen. Unser Bildungssystem prägt und leitet – junge – Menschen oft das erste Viertel ihres Lebens – vom Kindergarten bis zur Hochschule. Eine fundierte Bildung ist entscheidend und eine Grundlage für eine erfolgreiche Berufskarriere und Basis für unseren wirtschaftlichen Erfolg und vor allem auch für die Wettbewerbsfähigkeit in unserem Land. Lassen Sie mich zu Beginn aber eines auch ganz klar sagen: Bildung ist nie einfach nur eine Ausgabe im Budget, Bildung ist immer eine Investition in die Zukunft. Deshalb sind die 12 Milliarden Euro – beziehungsweise 5 Prozent unseres BIPs –, die wir jährlich in unser Bildungssystem investieren, gut angelegt. Dass dies alles mit Effizienz und Sparsamkeit passiert, darauf achtet der Rechnungshof. – Vielen Dank an dieser Stelle an Sie, Frau Präsidentin. Wir behandeln und debattieren jetzt gerade Rechnungshofberichte aus dem tertiären Bildungssektor. Ich darf daraus den Bericht zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privatuniversitäten exemplarisch herausgreifen. Privatuniversitäten sind ein relativ neuer Player in unserer Bildungslandschaft, es gibt sie erst seit 1999. Mittlerweile ist ihre Zahl auf 19 – mit über 21 000 Studienplätzen – angestiegen. Die Agentur ist, wenn man so will, ein behördliches Genehmigungsorgan, das als Begleiter in wissenschaftlicher und auch infrastruktureller Qualitätssicherung fungieren soll. Es gibt zwei Hauptkritikpunkte des Rechnungshofes, einen haben Sie schon erwähnt, Frau Präsidentin. Der erste Kritikpunkt betrifft die Finanzierung: Weil die Bundesmittel zuletzt deutlich gestiegen, die Eigenerlöse dagegen zurückgegangen sind, hat man 2023 sogar auf die Rücklagen ausweichen müssen. Ja, es wäre gut, wenn die Eigenerlöse wieder steigen würden, indem man schaut, dass die Verfahren auch kostendeckend sind. Vielleicht kann man aber auch auf neue Geschäftsfelder ausweichen, zum Beispiel könnte man auch im benachbarten Ausland anbieten. Der zweite Kritikpunkt des Rechnungshofes betrifft die Dokumentationslücken bei den einzelnen Prüfschritten. Klar ist, wenn manche Aberkennungen und versagte Akkreditierungen vor Gericht landen, ist eine genau Nachvollziehbarkeit aller Punkte essenziell. Nach dem Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!, darf ich der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria weiterhin alles Gute wünschen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Pia Maria Wieninger .

SPÖ Pia Maria Wieninger

Geschätzte Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Hohes Haus! Zum Rechnungshofbericht zur Universitätsfinanzierung neu, auf den ich mich beziehe, hat die Frau Rechnungshofpräsidentin ja schon ausführlich die technischen Details erläutert. Er enthält aber auch zentrale Befunde, die uns Sozialdemokrat:innen aufhorchen lassen. So wurden laut dem vorliegenden Bericht im Zeitraum 2016/17 bis 2020/21 rund 40 Prozent der belegten Studien nicht prüfungsaktiv betrieben, mehr als die Hälfte davon ohne jede Prüfungsleistung. Das sogenannte Finanzierungssystem neu hat den Anspruch, Qualität zu sichern und Studienabschlüsse zu fördern. Doch gerade bei Studierenden aus benachteiligten sozialen Verhältnissen greift dieses System zu kurz. Es berücksichtigt viel zu wenig die strukturellen Hürden, mit denen insbesondere Kinder aus nicht akademischen Haushalten konfrontiert sind, denn Bildung wird in Österreich nach wie vor vererbt. Während 61 Prozent der Kinder von Akademiker:innen ein Studium abschließen, schaffen das nur 9 Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Diese Ungleichheit ist keine Naturgegebenheit, sie ist das Ergebnis politischer Versäumnisse. Die Antwort auf prüfungsinaktive Studien kann daher nicht nur Effizienzdenken sein. Wir müssen die Ursachen adressieren, und das sind oft soziale. Studierende aus einkommensschwachen Familien müssen häufiger neben dem Studium arbeiten. Sie stehen unter mehr Druck, haben weniger Zeit und oft keinen Rückhalt aus dem Elternhaus. Sie brauchen daher eine Universität, die sich an ihre Lebensrealitäten anpasst. Es braucht mehr digitale Lehrangebote, damit Lernzeiten flexibel gestaltet werden können, Lehrveranstaltungen zu Randzeiten, die Vereinbarkeit mit Nebenjobs ermöglichen, Toleranzsemester für arbeitende Studierende statt starrer Fristen. Unser Ziel als Sozialdemokratie ist aber klar: Ein Studium muss auch ohne Nebenjob möglich sein. Erst dann sprechen wir von echter Chancengerechtigkeit. (👏 SPÖ) Die Studienbeihilfe muss zum Leben reichen. Gerade Arbeiter:innenkinder sind auf diese Unterstützung angewiesen. Es freut mich daher wirklich sehr, dass Wissenschaftsministerin Holzleitner und Finanzminister Marterbauer sichergestellt haben, dass die Studienbeihilfe auch für 2026 valorisiert wird. Wir Sozialdemokrat:innen sagen ganz klar: Statt Elitenförderung endlich Talente fördern, unabhängig vom Elternhaus. Wenn daher, wie im Rechnungshofbericht dargelegt, 40 Prozent der belegten Studien nicht prüfungsaktiv sind, dürfen wir nicht mit reiner Sparlogik antworten, sondern mit einem Ausbau sozialer Unterstützungsstrukturen, denn das Studieren darf nicht vom Börserl abhängen. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In meinem Beitrag geht es um die Universitätsfinanzierung neu, die wir 2019 eingeführt haben. Bis dorthin hatten wir ein etwas veraltetes Finanzierungssystem. Bei den Universitäten hat es sich rein um die Anzahl der Studierenden gedreht, egal ob die aktiv gewesen sind oder ob es eben Karteileichen gewesen sind. Das führte damals dazu, dass es zu erhöhten Zahlen in den Hörsälen gekommen ist, die Qualität eine schlechte gewesen ist und das eigentlich zu überarbeiten gewesen ist. 2019 haben wir unter Bundesminister Heinz Faßmann die Wende eingeführt: mehr Leistungsorientierung in der Finanzierung. Wir haben das Dreisäulenmodell mit der Lehre, der Forschung und der Infrastruktur eingeführt. Jetzt geht es darum, wie viele prüfungsaktive Studenten man hat, dass die Forschung erfolgreich ist und dass die Studentinnen und Studenten gut betreut werden, also sozusagen um die Infrastruktur. Es führt dazu, dass die Universitäten mehr Anreiz für den Studienerfolg, mehr Planungssicherheit haben – der Mehrjährige Finanzrahmen über drei Jahre bringt wesentlich mehr Planbarkeit für die Universitäten –, sie orientieren sich mehr am Arbeitsmarkt und fördern dadurch auch die Mint-Fächer. Der Rechnungshof stellt bei der Prüfung eindeutig fest, die Universitätsfinanzierung neu ist ein wichtiger Schritt in Richtung Leistungsfähigkeit, Nachvollziehbarkeit und Planbarkeit, kritisiert aber zum Teil die Umsetzung. Da haben wir Aufholbedarf und Nachholbedarf und da müssen wir weiterarbeiten. Wir sind aber, glaube ich, auf einem sehr guten Weg. Was ich noch ansprechen möchte: Bei den Reformen gab es auch negative Entwicklungen, sage ich einmal, und zwar wurde zum Beispiel 2019 die Quotenregelung für die Zahnmedizin abgeschafft, die wir ja 2006 für die Humanmedizin gemeinsam mit der Zahnmedizin eingeführt haben. Aufgrund der EU mussten wir diese Quotenregelung aufgeben, was dazu führt, dass wir zum Beispiel in Oberösterreich schon jetzt einen Zahnärztemangel feststellen. 10 Prozent der Ordinationen können nicht mehr nachbesetzt werden – und in den nächsten zehn Jahren geht die Hälfte der Zahnmediziner in Pension. Das heißt schlussendlich, wir brauchen mehr Zahnärzte. Es gibt momentan 1 100 Studentinnen und Studenten in der Zahnmedizin; 700 sind Österreicher und die restlichen sind aus der EU oder aus Drittstaaten, was dazu führt, dass die meistens wieder in ihre Ursprungsländer zurückgehen und wir eine schlechtere Versorgung haben. Daher brauchen wir unbedingt eine Reform und wir brauchen einfach eine europarechtskonforme Quotenregelung, damit wir die zahnmedizinische Versorgung in Österreich sicherstellen können. Grundsätzlich sind wir von der ÖVP für eine leistungsorientierte Finanzierung der Universitäten, für Planbarkeit, für die Zukunftsinvestitionen in Forschung und für die Standortsicherheit. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung – Herr Abgeordneter Marchetti, wir sind im Abstimmungsvorgang ( Abg. Marchetti [ÖVP] begibt sich zu seinem Sitzplatz ) – danke vielmals –, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/160.1 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Inits Universitäres Gründerservice Wien GmbH, III-106 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer für die Kenntnisnahme ist, den bitte ich um ein entsprechendes Zeichen. – Der Bericht einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.2 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Akkreditierung und öffentliche Finanzierung von Privathochschulen; Follow-up-Überprüfung, III-78 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Das ist mehrheitlich zur Kenntnis genommen, Entschuldigung, einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.3 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Universitätsfinanzierung neu, III-105 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.4 Schließlich kommen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 13: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg, III-45 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Auch dieser Bericht ist einstimmig zur Kenntnis genommen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Universitätsfinanzierung NEU – Reihe BUND 2025/4

143 d.B. · Regierungsvorlage III-105 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zur „Universitätsfinanzierung NEU“ (Reihe BUND 2025/4) zur Kenntnis. Damit wird der Empfehlung des Rechnungshofausschusses einstimmig entsprochen.

Betroffen sind die Universitätsfinanzierung NEU sowie die Gebarung und Zuständigkeiten des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung im Bereich der Universitätsfinanzierung.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Universitätsfinanzierung NEU – Reihe BUND 2025/4

Gegenstand und Rechtsgrundlage

  • Behandlung eines Berichts des Rechnungshofes zur „Universitätsfinanzierung NEU“ (Reihe BUND 2025/4).
  • Der Bericht erfolgte gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und betrifft Wahrnehmungen aus einer Gebarungsüberprüfung im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung zur Universitätsfinanzierung NEU.

Parlamentarische Behandlung im Rechnungshofausschuss

  • Der Rechnungshofausschuss nahm den Bericht zur Fristwahrung in Verhandlung und vertagte die Beratungen nach einer Berichterstattung.
  • In einer weiteren Sitzung wurde der Bericht erneut behandelt und dazu eine Debatte geführt.

Inhaltliches Ergebnis der Ausschussberatungen

  • Der Ausschuss gelangte zum Ergebnis, dem Nationalrat die Kenntnisnahme des Rechnungshofberichts zu empfehlen.
  • Antrag an den Nationalrat: Der Bericht des Rechnungshofes betreffend „Universitätsfinanzierung NEU – Reihe BUND 2025/4“ wird zur Kenntnis genommen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Universitätsfinanzierung NEU – Reihe BUND 2025/4

~18 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
ÖVP Angela Baumgartner

Danke schön, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Wir diskutieren heute den Bericht des Rechnungshofes über die Inits Universitäre Gründerservice Wien GesmbH. Dies zeigt sehr deutlich: Forschung und Innovation sind die Lebensadern unserer Zukunft. Österreich kann nur dann ein starkes, wettbewerbsfähiges Land sein, wenn es uns gelingt, exzellente Forschungsergebnisse aus den Universitäten in die Praxis, nämlich in erfolgreiche Unternehmensgründungen zu übersetzen. Der Gedanke hinter Inits, nämlich Spin-offs aus der Wissenschaft in die Wirtschaft zu bringen, ist und bleibt absolut richtig. Wir haben aber auch die Verantwortung und müssen dafür sorgen, dass die Strukturen solide sind, dass Effizienz und Transparenz gewährleistet sind, dass mit öffentlichen Mitteln sorgsam und nachhaltig umgegangen wird. Der Rechnungshof hat da wichtige Punkte aufgezeigt. Wir brauchen klare Regeln für die Organe, ein starkes internes Kontrollsystem und eine faire, transparente Gestaltung der Geschäftsführerverträge. Vor allem aber müssen wir sicherstellen, dass Rückflüsse aus Beteiligungen dort ankommen, wo sie gebraucht werden und wo sie auch hingehören, nämlich bei der Gesellschaft selbst, damit diese nachhaltig weiterarbeiten kann. Inits muss sich irgendwann selber tragen können, und unser Ziel muss es sein, dass die Inits GesmbH über 2027 hinaus bestehen kann. Wir sollten gemeinsam die Empfehlungen des Rechnungshofes angehen, denn nur wenn Forschung, Unternehmergeist und verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Geldern Hand in Hand gehen, sichern wir Arbeitsplätze, stärken wir unseren Standort und schaffen Zukunft für die nächsten Generationen. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich beziehe mich auch kurz auf die Inits Universitäre Gründerservice Wien GmbH. Was ist der Unternehmenszweck? – Das ist, die Verwertung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen durch Unternehmensgründungen und Spin-offs im universitären Umfeld voranzutreiben. Was hat der Rechnungshof in seinem Bericht alles angeschaut und aufgezeigt? – Der Bericht weist ein negatives Betriebsergebnis aus. Jahresfehlbeträge hat man durch Rücklagen ausgeglichen, die mittlerweile aufgebraucht sind, und der Rechnungshof sieht den Fortbestand nach 2027 gefährdet, sofern man nicht wirklich griffige Gegenmaßnahmen setzt. Welche Maßnahmen sollten das sein? – Da geht es zuallererst um ein funktionierendes internes Kontrollsystem. Man hat zwar im Aufsichtsrat über finanzielle Risken diskutiert, aber mögliche weitere nicht benannt und nicht festgeschrieben, nicht identifiziert. Compliance-Regeln waren schlichtweg nicht vorhanden, das heißt Unsicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Genauso gefehlt haben klare Prozess- und Arbeitsabläufe, was natürlich zu Unsicherheit führt und nicht transparent ist. Für die Geschäftsführung war die eindeutige Empfehlung, Dienstverträge mit fixen Gehältern auszumachen und auszuhandeln. Ein Punkt, der bei derartigen Institutionen ganz wichtig ist: dass man Berichtspflichten über Beteiligungen auch ernst nimmt und das Ganze festhält. Conclusio: Die teilweise eingeleiteten Verbesserungen sind zwar zu begrüßen, sie müssen aber deutlich verstärkt werden. Effizienzen müssen gesteigert werden. Die zuständige Ministerin hat uns im Ausschuss darüber informiert, dass eine Evaluierung der Universitätsfinanzierung für Anfang 2026 erwartet wird. Das heißt, da wird man sich auch einiges genauer anschauen. Sehr geehrte Damen und Herren, die Verbesserungen sind wie gesagt begrüßenswert und sind unbedingt weiterzuführen, damit das Universitäre Gründerservice verstärkt dafür sorgen kann, dass ein gelungener Transfer von Forschung zur Wirtschaft stattfindet. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre .

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Sehr geehrte Frau Präsidentin und – auch – sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich möchte mich zuerst sehr herzlich bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern für diese wie immer guten und, wie ich finde, sehr brauchbaren Berichte bedanken. Ich möchte mich vor allem auf die Universitätsfinanzierung neu beziehen. Zwei der Grundaussagen des Berichts sind, dass sich zum einen die Anteile einzelner Universitäten am Gesamtbudget trotz stärkerer Bindung des Verteilungsschlüssels an die Indikatoren kaum veränderten. Im Wettbewerbsindikator der Säule Forschung bestand kein Anreiz, Forschungserlöse aus nicht öffentlichen Mitteln zu steigern. Das ist natürlich schade, denn gerade jetzt, in Zeiten wie diesen wäre es besonders wichtig, dass es ein größerer Wettbewerbsindikator ist, private Mittel zu lukrieren. (👏 NEOS) Der Rechnungshof sagt auch, dass es eine Anpassung der Verteilungsschlüssel und eine Vorabfestlegung nachvollziehbarer Kriterien in allen Finanzierungssäulen bräuchte und Steuerungsmaßnahmen eingesetzt werden sollten, da ansonsten keine Lenkungsfunktion der Leistungsvereinbarungen besteht. Das ist wirklich wichtig, und ich habe es auch im Ausschuss gesagt, dass wir das im Regierungsprogramm sehr stark eingefordert haben und dort ist es auch abgebildet, also beispielsweise wird die Wettbewerbskomponente bei den Leistungsvereinbarungen hoffentlich bald ausgebaut. Wir wissen, es ist wichtig, dass Universitäten auch untereinander in einer Art Wettbewerb stehen und dass es natürlich nicht egal ist, wie die Universitäten arbeiten und welche Leistungen sie bringen. Das muss auch in Leistungsvereinbarungen abgebildet sein, denn sonst macht ja die ganze Vergabe über Globalbudgets keinen Sinn. Die Hochschulen sind Zugpferde für den Wirtschaftsstandort, das wissen wir. Wir brauchen wettbewerbsfähige Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, damit wir auch einen wettbewerbsfähigen Industriestandort haben und behalten. Die Förderung von Exzellenz ist für uns NEOS ganz, ganz wesentlich. Es geht in der Hochschulpolitik nicht um die Gießkanne, sondern es geht um Exzellenz, um exzellente Projekte sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung. Gerade in der angewandten Forschung ist es wichtig, dass Universitäten stark mit Unternehmen kooperieren, um auch innovative Projekte und Innovationen hervorzubringen. (👏 ÖVP, NEOS) Ein großer Punkt, der für uns im Regierungsprogramm ganz, ganz wichtig ist, ist die Hochschulstrategie 2040, für die wir uns gemeinsam darüber Gedanken machen müssen, wie unser Hochschulstandort in 15 Jahren aussehen soll – was sind die Ziele in diesem Bereich? –, denn es gibt im Moment zu wenige Ziele für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreich. Wie werden die budgetären Mittel bestmöglich eingesetzt? Wie gehen wir mit kleiner werdenden Kohorten um? Und vor allem: Wie steigern wir den Wettbewerb in den Einrichtungen und innerhalb der bestehenden Einrichtungen? All das wird die Hochschulstrategie 2040 sein. Wir NEOS werden uns stark dafür einsetzen, dass da auch wirklich brauchbare Ziele definiert werden und auch ein brauchbarer Pfad entsteht, den wir in den nächsten Jahren entschlossen gehen, um diesen Wissenschaftsstandort zu stärken. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Götze .

GRÜNE Elisabeth Götze

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und vor allem: Werte Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Es ist Abend, und ich entführe Sie ganz kurz in den Weltraum, gemeinsam mit der Firma Gate Space. Warum? – Das ist ein Spin-off der TU Wien, das eine Antriebstechnik für einen Satelliten entwickelt hat, der ab 2026 die Erde umkreisen wird. Damit sind wir beim Rechnungshofbericht, der die Inits GmbH zum Thema hat. Danke für Ihren Bericht und auch von meiner Seite vielen Dank für all die Empfehlungen, die Sie abgeben. Der Rechnungshof übt massive Kritik an der Inits GmbH. Die Inits GmbH soll Unternehmensausgründungen, solche Spin-offs, wie ich sie gerade beschrieben habe – erfolgreiche Ausgründungen aus Unis –, unterstützen. Warum ist uns das so wichtig? – Weil wir wissen, dass Österreich extrem viel Geld in Forschung investiert. Wir sind gut, was die Forschungsquote betrifft, wir sind auch noch gut, was die Patente und Publikationen betrifft – da sind wir Nummer zehn in Europa –, wir sacken aber ab, was die Verwertung dieser Forschungsergebnisse betrifft. Wenn wir von den Spin-offs, also von diesen Unternehmensausgründungen sprechen, dann zeigt sich: Es ist keine Uni Österreichs unter den Top zehn im deutschsprachigen Raum, was die Anzahl der Ausgründungen betrifft, und unter den Top 25 sind nur drei österreichische Unis. Das heißt, da haben wir wirklich Aufholbedarf – wie gesagt, Aufholbedarf unter anderem mit der Inits GmbH. Es gibt Empfehlungen des Rechnungshofes, es gibt jetzt auch einen Wechsel der Geschäftsführung, der möglicherweise damit zu tun hat. Ich hoffe sehr, dass die Empfehlungen des Rechnungshofes auch gut umgesetzt werden und dass das zu vielen Neugründungen, Ausgründungen, Spin-offs führen wird: im Umfeld der TU Wien, der Uni Wien wie bei der Inits GmbH, aber auch von weiteren Unis, und ich wünsche dem neuen Geschäftsführer dafür alles Gute. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich die Präsidentin des Rechnungshofes zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Präsidentin Kraker.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Abgeordnete! Hohes Haus! Die Herbstarbeit des Nationalrates startet mit Berichten des Rechnungshofes. Zum Teil haben wir Berichte schon vor dem Sommer besprochen, zum Teil im Rechnungshofausschuss im September oder eben auch im Budgetausschuss, wenn ich an den Bundesrechnungsabschluss denke. Sieben der Berichte sind dem Bildungs- und Wissenschaftsbereich gewidmet, und deshalb darf ich im ersten Block zunächst mit den Wissenschaftsberichten starten. Da geht es vor allem um unsere umfassende Prüfung zum System der Universitätsfinanzierung neu. Das haben wir besonders aufgrund des hohen Gebarungsvolumens beleuchtet, denn in der Leistungsvereinbarungsperiode 2022 bis 2024 betrug das Gesamtbudget der Universitäten in Österreich rund 12 Milliarden Euro, in der neuen Leistungsvereinbarungsperiode – das ist die Periode, die wir nicht geprüft haben – von 2025 bis 2027 ist ein Gesamtbudget von 16,2 Milliarden Euro vorgesehen. Das ist also schon relevant. Deshalb haben wir uns die Frage gestellt, wie sich das neue Finanzierungssystem auswirkt, insbesondere hinsichtlich der Mittelverteilung im Hochschulbereich und der verwendeten Indikatoren zur Zielerreichung. Geprüft haben wir neben dem Wissenschaftsministerium auch die Universität Wien und die Technische Universität Wien. Wie Sie alle wissen, basiert das System der Universitätsfinanzierung neu auf drei Säulen – erste Säule: Lehre, zweite Säule: Forschung und Entwicklung, und dritte Säule: Infrastruktur und strategische Entwicklung. Die Mittel der ersten beiden Säulen werden über Basis- und Wettbewerbsindikatoren vergeben, jene der Säule Infrastruktur nach dem ermittelten Bedarf. Dazu gibt es dann auch Leistungsvereinbarungen. Die Grundlage bilden das Universitätsgesetz und die Universitätsfinanzierungsverordnung. Für die dritte Säule existierten relativ wenige Vorgaben im Gesetz, sodass es einen hohen Gestaltungsspielraum des Ministeriums dazu gab. Das Ganze ist kein Kostenmodell, sondern ein Verteilungsmodell. Das heißt, die ermittelten Finanzierungssätze stellten nicht die Vollkosten eines Studienplatzes beziehungsweise eines Forschungsvollzeitäquivalents dar. Was wir letztlich eben auch gesehen haben, ist, dass sich die Budgetanteile der einzelnen Universitäten seit der Einführung der Universitätsfinanzierung neu und eigentlich auch schon vorher nur geringfügig verändert haben. Es wurden Entscheidungen getroffen, die dann die indikatorbedingten Verteilungswirkungen wieder abschwächten, damit alle ein wirtschaftliches Auskommen haben. Der überwiegende Teil der Mittel für die Säule drei wurde für die wirtschaftliche Absicherung und für den Ausgleich größenskalierender Effekte eingesetzt. Es wurden bei der Abrechnung der Teile des Bereichs Lehre Mittel einbehalten, und diese Mittel wurden dann wieder verteilt – ohne vorab festgelegte Kriterien. Die finanziellen Konsequenzen bei Nichterreichen der Zielwerte wurden für die Periode 2022 bis 2024 dann auch ausgesetzt. Wir sehen als Rechnungshof schon, dass die indikatorbasierten Finanzierungsbestandteile Anreize zur Leistungsverbesserung an den Universitäten sind – die Zahl der prüfungsaktiven Studierenden et cetera; das anerkennen wir. Auch die politische Zielsetzung sehen wir als zweckmäßig an, nämlich die wirtschaftliche Stabilität der Universitäten sicherzustellen. Die Budgets sind aber angestiegen, und die Umsetzungsmaßnahmen haben diese indikatorbasierte Universitätsfinanzierung neu eben vermindert. Deshalb haben wir Empfehlungen hinsichtlich der Gewichtung der Fächergruppen aufgestellt. Für die Bemessung und Verteilung des strategischen Betrags in Säule drei verlangen wir nachvollziehbare Kriterien. Es geht auch darum, dass man zum Beispiel die gesetzlich nicht mehr vorgesehenen Studienbeitragsersätze überdenken könnte. Bei den einbehaltenen Mitteln bei der Nichterfüllung der Basisindikatoren könnte man auch Kriterien festlegen. Und es geht um die Steuerungswirkung der Leistungsvereinbarungen. Deshalb appellieren wir an alle, die Ziele der Reform des Finanzierungssystems der Universitäten – also die Verbesserung der Qualität in Lehre und Forschung, aber auch der Studienqualität, den Ausbau der Studienplätze – im Einklang mit dem österreichischen Bedarf nicht aus dem Blick zu verlieren und unter Berücksichtigung der notwendigen kritischen Größe von Universitäten trotzdem auch eine Profilschärfung einzelner Standorte anzustreben, damit wir uns noch weiter verbessern. Die zweite Prüfung, auf die ich eingehen möchte, ist eine Follow-up-Überprüfung zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privathochschulen. Das ist eine Follow-up-Überprüfung, bei der die Umsetzungsquote nicht so hoch ist, denn von elf geprüften Empfehlungen wurden eine vollständig, fünf teilweise und fünf nicht umgesetzt. Es gab die Novelle zur Akkreditierungsverordnung, aber die AQ Austria nutzte verfügbare Datenquellen zur Wahrnehmung ihrer Aufsichtstätigkeit, zur Erfüllung ihrer Aufsichtspflicht wie etwa im Bereich der Statistik Austria eben nicht. Und es geht um die Finanzierung der AQ Austria. Auch da empfehlen wir, Maßnahmen und Strategien zur Steigerung der eigenen Erlöse der AQ Austria zu entwickeln. Dem Ministerium empfehlen wir, für eine ausgewogene und aufgabenorientierte Finanzierung der AQ Austria Sorge zu tragen. Die Inits wurde schon mehrmals angesprochen, da hat uns natürlich das Betriebsergebnis Sorge gemacht, es gab Jahresfehlbeträge. Es geht um das Weiterbestehen der Gesellschaft. Wir haben empfohlen, Effizienzpotenziale zu identifizieren und zu realisieren und nach Möglichkeit zusätzliche Einnahmen im Non-A-plus-B-Bereich – so heißt das – zu generieren, und das wäre unsere wesentliche Empfehlung. – Danke. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 19.50 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nun ist Herr Abgeordneter Harald Servus zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist schön, dass wir heute so viel über Bildung diskutieren, beginnend schon mit der Aktuellen Stunde heute Morgen. Unser Bildungssystem prägt und leitet – junge – Menschen oft das erste Viertel ihres Lebens – vom Kindergarten bis zur Hochschule. Eine fundierte Bildung ist entscheidend und eine Grundlage für eine erfolgreiche Berufskarriere und Basis für unseren wirtschaftlichen Erfolg und vor allem auch für die Wettbewerbsfähigkeit in unserem Land. Lassen Sie mich zu Beginn aber eines auch ganz klar sagen: Bildung ist nie einfach nur eine Ausgabe im Budget, Bildung ist immer eine Investition in die Zukunft. Deshalb sind die 12 Milliarden Euro – beziehungsweise 5 Prozent unseres BIPs –, die wir jährlich in unser Bildungssystem investieren, gut angelegt. Dass dies alles mit Effizienz und Sparsamkeit passiert, darauf achtet der Rechnungshof. – Vielen Dank an dieser Stelle an Sie, Frau Präsidentin. Wir behandeln und debattieren jetzt gerade Rechnungshofberichte aus dem tertiären Bildungssektor. Ich darf daraus den Bericht zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privatuniversitäten exemplarisch herausgreifen. Privatuniversitäten sind ein relativ neuer Player in unserer Bildungslandschaft, es gibt sie erst seit 1999. Mittlerweile ist ihre Zahl auf 19 – mit über 21 000 Studienplätzen – angestiegen. Die Agentur ist, wenn man so will, ein behördliches Genehmigungsorgan, das als Begleiter in wissenschaftlicher und auch infrastruktureller Qualitätssicherung fungieren soll. Es gibt zwei Hauptkritikpunkte des Rechnungshofes, einen haben Sie schon erwähnt, Frau Präsidentin. Der erste Kritikpunkt betrifft die Finanzierung: Weil die Bundesmittel zuletzt deutlich gestiegen, die Eigenerlöse dagegen zurückgegangen sind, hat man 2023 sogar auf die Rücklagen ausweichen müssen. Ja, es wäre gut, wenn die Eigenerlöse wieder steigen würden, indem man schaut, dass die Verfahren auch kostendeckend sind. Vielleicht kann man aber auch auf neue Geschäftsfelder ausweichen, zum Beispiel könnte man auch im benachbarten Ausland anbieten. Der zweite Kritikpunkt des Rechnungshofes betrifft die Dokumentationslücken bei den einzelnen Prüfschritten. Klar ist, wenn manche Aberkennungen und versagte Akkreditierungen vor Gericht landen, ist eine genau Nachvollziehbarkeit aller Punkte essenziell. Nach dem Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!, darf ich der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria weiterhin alles Gute wünschen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Pia Maria Wieninger .

SPÖ Pia Maria Wieninger

Geschätzte Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Hohes Haus! Zum Rechnungshofbericht zur Universitätsfinanzierung neu, auf den ich mich beziehe, hat die Frau Rechnungshofpräsidentin ja schon ausführlich die technischen Details erläutert. Er enthält aber auch zentrale Befunde, die uns Sozialdemokrat:innen aufhorchen lassen. So wurden laut dem vorliegenden Bericht im Zeitraum 2016/17 bis 2020/21 rund 40 Prozent der belegten Studien nicht prüfungsaktiv betrieben, mehr als die Hälfte davon ohne jede Prüfungsleistung. Das sogenannte Finanzierungssystem neu hat den Anspruch, Qualität zu sichern und Studienabschlüsse zu fördern. Doch gerade bei Studierenden aus benachteiligten sozialen Verhältnissen greift dieses System zu kurz. Es berücksichtigt viel zu wenig die strukturellen Hürden, mit denen insbesondere Kinder aus nicht akademischen Haushalten konfrontiert sind, denn Bildung wird in Österreich nach wie vor vererbt. Während 61 Prozent der Kinder von Akademiker:innen ein Studium abschließen, schaffen das nur 9 Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Diese Ungleichheit ist keine Naturgegebenheit, sie ist das Ergebnis politischer Versäumnisse. Die Antwort auf prüfungsinaktive Studien kann daher nicht nur Effizienzdenken sein. Wir müssen die Ursachen adressieren, und das sind oft soziale. Studierende aus einkommensschwachen Familien müssen häufiger neben dem Studium arbeiten. Sie stehen unter mehr Druck, haben weniger Zeit und oft keinen Rückhalt aus dem Elternhaus. Sie brauchen daher eine Universität, die sich an ihre Lebensrealitäten anpasst. Es braucht mehr digitale Lehrangebote, damit Lernzeiten flexibel gestaltet werden können, Lehrveranstaltungen zu Randzeiten, die Vereinbarkeit mit Nebenjobs ermöglichen, Toleranzsemester für arbeitende Studierende statt starrer Fristen. Unser Ziel als Sozialdemokratie ist aber klar: Ein Studium muss auch ohne Nebenjob möglich sein. Erst dann sprechen wir von echter Chancengerechtigkeit. (👏 SPÖ) Die Studienbeihilfe muss zum Leben reichen. Gerade Arbeiter:innenkinder sind auf diese Unterstützung angewiesen. Es freut mich daher wirklich sehr, dass Wissenschaftsministerin Holzleitner und Finanzminister Marterbauer sichergestellt haben, dass die Studienbeihilfe auch für 2026 valorisiert wird. Wir Sozialdemokrat:innen sagen ganz klar: Statt Elitenförderung endlich Talente fördern, unabhängig vom Elternhaus. Wenn daher, wie im Rechnungshofbericht dargelegt, 40 Prozent der belegten Studien nicht prüfungsaktiv sind, dürfen wir nicht mit reiner Sparlogik antworten, sondern mit einem Ausbau sozialer Unterstützungsstrukturen, denn das Studieren darf nicht vom Börserl abhängen. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In meinem Beitrag geht es um die Universitätsfinanzierung neu, die wir 2019 eingeführt haben. Bis dorthin hatten wir ein etwas veraltetes Finanzierungssystem. Bei den Universitäten hat es sich rein um die Anzahl der Studierenden gedreht, egal ob die aktiv gewesen sind oder ob es eben Karteileichen gewesen sind. Das führte damals dazu, dass es zu erhöhten Zahlen in den Hörsälen gekommen ist, die Qualität eine schlechte gewesen ist und das eigentlich zu überarbeiten gewesen ist. 2019 haben wir unter Bundesminister Heinz Faßmann die Wende eingeführt: mehr Leistungsorientierung in der Finanzierung. Wir haben das Dreisäulenmodell mit der Lehre, der Forschung und der Infrastruktur eingeführt. Jetzt geht es darum, wie viele prüfungsaktive Studenten man hat, dass die Forschung erfolgreich ist und dass die Studentinnen und Studenten gut betreut werden, also sozusagen um die Infrastruktur. Es führt dazu, dass die Universitäten mehr Anreiz für den Studienerfolg, mehr Planungssicherheit haben – der Mehrjährige Finanzrahmen über drei Jahre bringt wesentlich mehr Planbarkeit für die Universitäten –, sie orientieren sich mehr am Arbeitsmarkt und fördern dadurch auch die Mint-Fächer. Der Rechnungshof stellt bei der Prüfung eindeutig fest, die Universitätsfinanzierung neu ist ein wichtiger Schritt in Richtung Leistungsfähigkeit, Nachvollziehbarkeit und Planbarkeit, kritisiert aber zum Teil die Umsetzung. Da haben wir Aufholbedarf und Nachholbedarf und da müssen wir weiterarbeiten. Wir sind aber, glaube ich, auf einem sehr guten Weg. Was ich noch ansprechen möchte: Bei den Reformen gab es auch negative Entwicklungen, sage ich einmal, und zwar wurde zum Beispiel 2019 die Quotenregelung für die Zahnmedizin abgeschafft, die wir ja 2006 für die Humanmedizin gemeinsam mit der Zahnmedizin eingeführt haben. Aufgrund der EU mussten wir diese Quotenregelung aufgeben, was dazu führt, dass wir zum Beispiel in Oberösterreich schon jetzt einen Zahnärztemangel feststellen. 10 Prozent der Ordinationen können nicht mehr nachbesetzt werden – und in den nächsten zehn Jahren geht die Hälfte der Zahnmediziner in Pension. Das heißt schlussendlich, wir brauchen mehr Zahnärzte. Es gibt momentan 1 100 Studentinnen und Studenten in der Zahnmedizin; 700 sind Österreicher und die restlichen sind aus der EU oder aus Drittstaaten, was dazu führt, dass die meistens wieder in ihre Ursprungsländer zurückgehen und wir eine schlechtere Versorgung haben. Daher brauchen wir unbedingt eine Reform und wir brauchen einfach eine europarechtskonforme Quotenregelung, damit wir die zahnmedizinische Versorgung in Österreich sicherstellen können. Grundsätzlich sind wir von der ÖVP für eine leistungsorientierte Finanzierung der Universitäten, für Planbarkeit, für die Zukunftsinvestitionen in Forschung und für die Standortsicherheit. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung – Herr Abgeordneter Marchetti, wir sind im Abstimmungsvorgang ( Abg. Marchetti [ÖVP] begibt sich zu seinem Sitzplatz ) – danke vielmals –, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/160.1 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Inits Universitäres Gründerservice Wien GmbH, III-106 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer für die Kenntnisnahme ist, den bitte ich um ein entsprechendes Zeichen. – Der Bericht einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.2 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Akkreditierung und öffentliche Finanzierung von Privathochschulen; Follow-up-Überprüfung, III-78 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Das ist mehrheitlich zur Kenntnis genommen, Entschuldigung, einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.3 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Universitätsfinanzierung neu, III-105 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.4 Schließlich kommen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 13: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg, III-45 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Auch dieser Bericht ist einstimmig zur Kenntnis genommen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg – Reihe BUND 2024/22

144 d.B. · Regierungsvorlage III-45 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg (Reihe BUND 2024/22) zur Kenntnis. Damit wird der Empfehlung des Rechnungshofausschusses einstimmig gefolgt.

Betroffen sind die Fachhochschule Burgenland und die Fachhochschule Vorarlberg sowie der Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Länder Burgenland und Vorarlberg.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg – Reihe BUND 2024/22

Gegenstand und Grundlage des Ausschussberichts

  • Behandelt wird der Bericht des Rechnungshofes betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg (Reihe BUND 2024/22; Vorlage: III-45 der Beilagen).
  • Der Bericht erfolgte gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und betrifft Wahrnehmungen des Rechnungshofes aus einer Gebarungsüberprüfung.

Prüfungs- und Zuständigkeitsbereich

  • Die Gebarungsüberprüfung erfolgte im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.
  • Zusätzlich betraf die Prüfung die Wirkungsbereiche der Länder Burgenland und Vorarlberg.
  • Inhaltlich bezog sich die Gebarungsüberprüfung auf die FH Burgenland und die FH Vorarlberg.

Ergebnis der Ausschussberatung

  • Der Ausschuss empfiehlt dem Nationalrat, den Bericht des Rechnungshofes betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg (Reihe BUND 2024/22) zur Kenntnis zu nehmen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg – Reihe BUND 2024/22

~18 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
ÖVP Angela Baumgartner

Danke schön, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Wir diskutieren heute den Bericht des Rechnungshofes über die Inits Universitäre Gründerservice Wien GesmbH. Dies zeigt sehr deutlich: Forschung und Innovation sind die Lebensadern unserer Zukunft. Österreich kann nur dann ein starkes, wettbewerbsfähiges Land sein, wenn es uns gelingt, exzellente Forschungsergebnisse aus den Universitäten in die Praxis, nämlich in erfolgreiche Unternehmensgründungen zu übersetzen. Der Gedanke hinter Inits, nämlich Spin-offs aus der Wissenschaft in die Wirtschaft zu bringen, ist und bleibt absolut richtig. Wir haben aber auch die Verantwortung und müssen dafür sorgen, dass die Strukturen solide sind, dass Effizienz und Transparenz gewährleistet sind, dass mit öffentlichen Mitteln sorgsam und nachhaltig umgegangen wird. Der Rechnungshof hat da wichtige Punkte aufgezeigt. Wir brauchen klare Regeln für die Organe, ein starkes internes Kontrollsystem und eine faire, transparente Gestaltung der Geschäftsführerverträge. Vor allem aber müssen wir sicherstellen, dass Rückflüsse aus Beteiligungen dort ankommen, wo sie gebraucht werden und wo sie auch hingehören, nämlich bei der Gesellschaft selbst, damit diese nachhaltig weiterarbeiten kann. Inits muss sich irgendwann selber tragen können, und unser Ziel muss es sein, dass die Inits GesmbH über 2027 hinaus bestehen kann. Wir sollten gemeinsam die Empfehlungen des Rechnungshofes angehen, denn nur wenn Forschung, Unternehmergeist und verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Geldern Hand in Hand gehen, sichern wir Arbeitsplätze, stärken wir unseren Standort und schaffen Zukunft für die nächsten Generationen. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich beziehe mich auch kurz auf die Inits Universitäre Gründerservice Wien GmbH. Was ist der Unternehmenszweck? – Das ist, die Verwertung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen durch Unternehmensgründungen und Spin-offs im universitären Umfeld voranzutreiben. Was hat der Rechnungshof in seinem Bericht alles angeschaut und aufgezeigt? – Der Bericht weist ein negatives Betriebsergebnis aus. Jahresfehlbeträge hat man durch Rücklagen ausgeglichen, die mittlerweile aufgebraucht sind, und der Rechnungshof sieht den Fortbestand nach 2027 gefährdet, sofern man nicht wirklich griffige Gegenmaßnahmen setzt. Welche Maßnahmen sollten das sein? – Da geht es zuallererst um ein funktionierendes internes Kontrollsystem. Man hat zwar im Aufsichtsrat über finanzielle Risken diskutiert, aber mögliche weitere nicht benannt und nicht festgeschrieben, nicht identifiziert. Compliance-Regeln waren schlichtweg nicht vorhanden, das heißt Unsicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Genauso gefehlt haben klare Prozess- und Arbeitsabläufe, was natürlich zu Unsicherheit führt und nicht transparent ist. Für die Geschäftsführung war die eindeutige Empfehlung, Dienstverträge mit fixen Gehältern auszumachen und auszuhandeln. Ein Punkt, der bei derartigen Institutionen ganz wichtig ist: dass man Berichtspflichten über Beteiligungen auch ernst nimmt und das Ganze festhält. Conclusio: Die teilweise eingeleiteten Verbesserungen sind zwar zu begrüßen, sie müssen aber deutlich verstärkt werden. Effizienzen müssen gesteigert werden. Die zuständige Ministerin hat uns im Ausschuss darüber informiert, dass eine Evaluierung der Universitätsfinanzierung für Anfang 2026 erwartet wird. Das heißt, da wird man sich auch einiges genauer anschauen. Sehr geehrte Damen und Herren, die Verbesserungen sind wie gesagt begrüßenswert und sind unbedingt weiterzuführen, damit das Universitäre Gründerservice verstärkt dafür sorgen kann, dass ein gelungener Transfer von Forschung zur Wirtschaft stattfindet. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre .

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Sehr geehrte Frau Präsidentin und – auch – sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich möchte mich zuerst sehr herzlich bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern für diese wie immer guten und, wie ich finde, sehr brauchbaren Berichte bedanken. Ich möchte mich vor allem auf die Universitätsfinanzierung neu beziehen. Zwei der Grundaussagen des Berichts sind, dass sich zum einen die Anteile einzelner Universitäten am Gesamtbudget trotz stärkerer Bindung des Verteilungsschlüssels an die Indikatoren kaum veränderten. Im Wettbewerbsindikator der Säule Forschung bestand kein Anreiz, Forschungserlöse aus nicht öffentlichen Mitteln zu steigern. Das ist natürlich schade, denn gerade jetzt, in Zeiten wie diesen wäre es besonders wichtig, dass es ein größerer Wettbewerbsindikator ist, private Mittel zu lukrieren. (👏 NEOS) Der Rechnungshof sagt auch, dass es eine Anpassung der Verteilungsschlüssel und eine Vorabfestlegung nachvollziehbarer Kriterien in allen Finanzierungssäulen bräuchte und Steuerungsmaßnahmen eingesetzt werden sollten, da ansonsten keine Lenkungsfunktion der Leistungsvereinbarungen besteht. Das ist wirklich wichtig, und ich habe es auch im Ausschuss gesagt, dass wir das im Regierungsprogramm sehr stark eingefordert haben und dort ist es auch abgebildet, also beispielsweise wird die Wettbewerbskomponente bei den Leistungsvereinbarungen hoffentlich bald ausgebaut. Wir wissen, es ist wichtig, dass Universitäten auch untereinander in einer Art Wettbewerb stehen und dass es natürlich nicht egal ist, wie die Universitäten arbeiten und welche Leistungen sie bringen. Das muss auch in Leistungsvereinbarungen abgebildet sein, denn sonst macht ja die ganze Vergabe über Globalbudgets keinen Sinn. Die Hochschulen sind Zugpferde für den Wirtschaftsstandort, das wissen wir. Wir brauchen wettbewerbsfähige Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, damit wir auch einen wettbewerbsfähigen Industriestandort haben und behalten. Die Förderung von Exzellenz ist für uns NEOS ganz, ganz wesentlich. Es geht in der Hochschulpolitik nicht um die Gießkanne, sondern es geht um Exzellenz, um exzellente Projekte sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung. Gerade in der angewandten Forschung ist es wichtig, dass Universitäten stark mit Unternehmen kooperieren, um auch innovative Projekte und Innovationen hervorzubringen. (👏 ÖVP, NEOS) Ein großer Punkt, der für uns im Regierungsprogramm ganz, ganz wichtig ist, ist die Hochschulstrategie 2040, für die wir uns gemeinsam darüber Gedanken machen müssen, wie unser Hochschulstandort in 15 Jahren aussehen soll – was sind die Ziele in diesem Bereich? –, denn es gibt im Moment zu wenige Ziele für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreich. Wie werden die budgetären Mittel bestmöglich eingesetzt? Wie gehen wir mit kleiner werdenden Kohorten um? Und vor allem: Wie steigern wir den Wettbewerb in den Einrichtungen und innerhalb der bestehenden Einrichtungen? All das wird die Hochschulstrategie 2040 sein. Wir NEOS werden uns stark dafür einsetzen, dass da auch wirklich brauchbare Ziele definiert werden und auch ein brauchbarer Pfad entsteht, den wir in den nächsten Jahren entschlossen gehen, um diesen Wissenschaftsstandort zu stärken. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Götze .

GRÜNE Elisabeth Götze

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und vor allem: Werte Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Es ist Abend, und ich entführe Sie ganz kurz in den Weltraum, gemeinsam mit der Firma Gate Space. Warum? – Das ist ein Spin-off der TU Wien, das eine Antriebstechnik für einen Satelliten entwickelt hat, der ab 2026 die Erde umkreisen wird. Damit sind wir beim Rechnungshofbericht, der die Inits GmbH zum Thema hat. Danke für Ihren Bericht und auch von meiner Seite vielen Dank für all die Empfehlungen, die Sie abgeben. Der Rechnungshof übt massive Kritik an der Inits GmbH. Die Inits GmbH soll Unternehmensausgründungen, solche Spin-offs, wie ich sie gerade beschrieben habe – erfolgreiche Ausgründungen aus Unis –, unterstützen. Warum ist uns das so wichtig? – Weil wir wissen, dass Österreich extrem viel Geld in Forschung investiert. Wir sind gut, was die Forschungsquote betrifft, wir sind auch noch gut, was die Patente und Publikationen betrifft – da sind wir Nummer zehn in Europa –, wir sacken aber ab, was die Verwertung dieser Forschungsergebnisse betrifft. Wenn wir von den Spin-offs, also von diesen Unternehmensausgründungen sprechen, dann zeigt sich: Es ist keine Uni Österreichs unter den Top zehn im deutschsprachigen Raum, was die Anzahl der Ausgründungen betrifft, und unter den Top 25 sind nur drei österreichische Unis. Das heißt, da haben wir wirklich Aufholbedarf – wie gesagt, Aufholbedarf unter anderem mit der Inits GmbH. Es gibt Empfehlungen des Rechnungshofes, es gibt jetzt auch einen Wechsel der Geschäftsführung, der möglicherweise damit zu tun hat. Ich hoffe sehr, dass die Empfehlungen des Rechnungshofes auch gut umgesetzt werden und dass das zu vielen Neugründungen, Ausgründungen, Spin-offs führen wird: im Umfeld der TU Wien, der Uni Wien wie bei der Inits GmbH, aber auch von weiteren Unis, und ich wünsche dem neuen Geschäftsführer dafür alles Gute. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich die Präsidentin des Rechnungshofes zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Präsidentin Kraker.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Abgeordnete! Hohes Haus! Die Herbstarbeit des Nationalrates startet mit Berichten des Rechnungshofes. Zum Teil haben wir Berichte schon vor dem Sommer besprochen, zum Teil im Rechnungshofausschuss im September oder eben auch im Budgetausschuss, wenn ich an den Bundesrechnungsabschluss denke. Sieben der Berichte sind dem Bildungs- und Wissenschaftsbereich gewidmet, und deshalb darf ich im ersten Block zunächst mit den Wissenschaftsberichten starten. Da geht es vor allem um unsere umfassende Prüfung zum System der Universitätsfinanzierung neu. Das haben wir besonders aufgrund des hohen Gebarungsvolumens beleuchtet, denn in der Leistungsvereinbarungsperiode 2022 bis 2024 betrug das Gesamtbudget der Universitäten in Österreich rund 12 Milliarden Euro, in der neuen Leistungsvereinbarungsperiode – das ist die Periode, die wir nicht geprüft haben – von 2025 bis 2027 ist ein Gesamtbudget von 16,2 Milliarden Euro vorgesehen. Das ist also schon relevant. Deshalb haben wir uns die Frage gestellt, wie sich das neue Finanzierungssystem auswirkt, insbesondere hinsichtlich der Mittelverteilung im Hochschulbereich und der verwendeten Indikatoren zur Zielerreichung. Geprüft haben wir neben dem Wissenschaftsministerium auch die Universität Wien und die Technische Universität Wien. Wie Sie alle wissen, basiert das System der Universitätsfinanzierung neu auf drei Säulen – erste Säule: Lehre, zweite Säule: Forschung und Entwicklung, und dritte Säule: Infrastruktur und strategische Entwicklung. Die Mittel der ersten beiden Säulen werden über Basis- und Wettbewerbsindikatoren vergeben, jene der Säule Infrastruktur nach dem ermittelten Bedarf. Dazu gibt es dann auch Leistungsvereinbarungen. Die Grundlage bilden das Universitätsgesetz und die Universitätsfinanzierungsverordnung. Für die dritte Säule existierten relativ wenige Vorgaben im Gesetz, sodass es einen hohen Gestaltungsspielraum des Ministeriums dazu gab. Das Ganze ist kein Kostenmodell, sondern ein Verteilungsmodell. Das heißt, die ermittelten Finanzierungssätze stellten nicht die Vollkosten eines Studienplatzes beziehungsweise eines Forschungsvollzeitäquivalents dar. Was wir letztlich eben auch gesehen haben, ist, dass sich die Budgetanteile der einzelnen Universitäten seit der Einführung der Universitätsfinanzierung neu und eigentlich auch schon vorher nur geringfügig verändert haben. Es wurden Entscheidungen getroffen, die dann die indikatorbedingten Verteilungswirkungen wieder abschwächten, damit alle ein wirtschaftliches Auskommen haben. Der überwiegende Teil der Mittel für die Säule drei wurde für die wirtschaftliche Absicherung und für den Ausgleich größenskalierender Effekte eingesetzt. Es wurden bei der Abrechnung der Teile des Bereichs Lehre Mittel einbehalten, und diese Mittel wurden dann wieder verteilt – ohne vorab festgelegte Kriterien. Die finanziellen Konsequenzen bei Nichterreichen der Zielwerte wurden für die Periode 2022 bis 2024 dann auch ausgesetzt. Wir sehen als Rechnungshof schon, dass die indikatorbasierten Finanzierungsbestandteile Anreize zur Leistungsverbesserung an den Universitäten sind – die Zahl der prüfungsaktiven Studierenden et cetera; das anerkennen wir. Auch die politische Zielsetzung sehen wir als zweckmäßig an, nämlich die wirtschaftliche Stabilität der Universitäten sicherzustellen. Die Budgets sind aber angestiegen, und die Umsetzungsmaßnahmen haben diese indikatorbasierte Universitätsfinanzierung neu eben vermindert. Deshalb haben wir Empfehlungen hinsichtlich der Gewichtung der Fächergruppen aufgestellt. Für die Bemessung und Verteilung des strategischen Betrags in Säule drei verlangen wir nachvollziehbare Kriterien. Es geht auch darum, dass man zum Beispiel die gesetzlich nicht mehr vorgesehenen Studienbeitragsersätze überdenken könnte. Bei den einbehaltenen Mitteln bei der Nichterfüllung der Basisindikatoren könnte man auch Kriterien festlegen. Und es geht um die Steuerungswirkung der Leistungsvereinbarungen. Deshalb appellieren wir an alle, die Ziele der Reform des Finanzierungssystems der Universitäten – also die Verbesserung der Qualität in Lehre und Forschung, aber auch der Studienqualität, den Ausbau der Studienplätze – im Einklang mit dem österreichischen Bedarf nicht aus dem Blick zu verlieren und unter Berücksichtigung der notwendigen kritischen Größe von Universitäten trotzdem auch eine Profilschärfung einzelner Standorte anzustreben, damit wir uns noch weiter verbessern. Die zweite Prüfung, auf die ich eingehen möchte, ist eine Follow-up-Überprüfung zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privathochschulen. Das ist eine Follow-up-Überprüfung, bei der die Umsetzungsquote nicht so hoch ist, denn von elf geprüften Empfehlungen wurden eine vollständig, fünf teilweise und fünf nicht umgesetzt. Es gab die Novelle zur Akkreditierungsverordnung, aber die AQ Austria nutzte verfügbare Datenquellen zur Wahrnehmung ihrer Aufsichtstätigkeit, zur Erfüllung ihrer Aufsichtspflicht wie etwa im Bereich der Statistik Austria eben nicht. Und es geht um die Finanzierung der AQ Austria. Auch da empfehlen wir, Maßnahmen und Strategien zur Steigerung der eigenen Erlöse der AQ Austria zu entwickeln. Dem Ministerium empfehlen wir, für eine ausgewogene und aufgabenorientierte Finanzierung der AQ Austria Sorge zu tragen. Die Inits wurde schon mehrmals angesprochen, da hat uns natürlich das Betriebsergebnis Sorge gemacht, es gab Jahresfehlbeträge. Es geht um das Weiterbestehen der Gesellschaft. Wir haben empfohlen, Effizienzpotenziale zu identifizieren und zu realisieren und nach Möglichkeit zusätzliche Einnahmen im Non-A-plus-B-Bereich – so heißt das – zu generieren, und das wäre unsere wesentliche Empfehlung. – Danke. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 19.50 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nun ist Herr Abgeordneter Harald Servus zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist schön, dass wir heute so viel über Bildung diskutieren, beginnend schon mit der Aktuellen Stunde heute Morgen. Unser Bildungssystem prägt und leitet – junge – Menschen oft das erste Viertel ihres Lebens – vom Kindergarten bis zur Hochschule. Eine fundierte Bildung ist entscheidend und eine Grundlage für eine erfolgreiche Berufskarriere und Basis für unseren wirtschaftlichen Erfolg und vor allem auch für die Wettbewerbsfähigkeit in unserem Land. Lassen Sie mich zu Beginn aber eines auch ganz klar sagen: Bildung ist nie einfach nur eine Ausgabe im Budget, Bildung ist immer eine Investition in die Zukunft. Deshalb sind die 12 Milliarden Euro – beziehungsweise 5 Prozent unseres BIPs –, die wir jährlich in unser Bildungssystem investieren, gut angelegt. Dass dies alles mit Effizienz und Sparsamkeit passiert, darauf achtet der Rechnungshof. – Vielen Dank an dieser Stelle an Sie, Frau Präsidentin. Wir behandeln und debattieren jetzt gerade Rechnungshofberichte aus dem tertiären Bildungssektor. Ich darf daraus den Bericht zur Akkreditierung und öffentlichen Finanzierung von Privatuniversitäten exemplarisch herausgreifen. Privatuniversitäten sind ein relativ neuer Player in unserer Bildungslandschaft, es gibt sie erst seit 1999. Mittlerweile ist ihre Zahl auf 19 – mit über 21 000 Studienplätzen – angestiegen. Die Agentur ist, wenn man so will, ein behördliches Genehmigungsorgan, das als Begleiter in wissenschaftlicher und auch infrastruktureller Qualitätssicherung fungieren soll. Es gibt zwei Hauptkritikpunkte des Rechnungshofes, einen haben Sie schon erwähnt, Frau Präsidentin. Der erste Kritikpunkt betrifft die Finanzierung: Weil die Bundesmittel zuletzt deutlich gestiegen, die Eigenerlöse dagegen zurückgegangen sind, hat man 2023 sogar auf die Rücklagen ausweichen müssen. Ja, es wäre gut, wenn die Eigenerlöse wieder steigen würden, indem man schaut, dass die Verfahren auch kostendeckend sind. Vielleicht kann man aber auch auf neue Geschäftsfelder ausweichen, zum Beispiel könnte man auch im benachbarten Ausland anbieten. Der zweite Kritikpunkt des Rechnungshofes betrifft die Dokumentationslücken bei den einzelnen Prüfschritten. Klar ist, wenn manche Aberkennungen und versagte Akkreditierungen vor Gericht landen, ist eine genau Nachvollziehbarkeit aller Punkte essenziell. Nach dem Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!, darf ich der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria weiterhin alles Gute wünschen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Pia Maria Wieninger .

SPÖ Pia Maria Wieninger

Geschätzte Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Hohes Haus! Zum Rechnungshofbericht zur Universitätsfinanzierung neu, auf den ich mich beziehe, hat die Frau Rechnungshofpräsidentin ja schon ausführlich die technischen Details erläutert. Er enthält aber auch zentrale Befunde, die uns Sozialdemokrat:innen aufhorchen lassen. So wurden laut dem vorliegenden Bericht im Zeitraum 2016/17 bis 2020/21 rund 40 Prozent der belegten Studien nicht prüfungsaktiv betrieben, mehr als die Hälfte davon ohne jede Prüfungsleistung. Das sogenannte Finanzierungssystem neu hat den Anspruch, Qualität zu sichern und Studienabschlüsse zu fördern. Doch gerade bei Studierenden aus benachteiligten sozialen Verhältnissen greift dieses System zu kurz. Es berücksichtigt viel zu wenig die strukturellen Hürden, mit denen insbesondere Kinder aus nicht akademischen Haushalten konfrontiert sind, denn Bildung wird in Österreich nach wie vor vererbt. Während 61 Prozent der Kinder von Akademiker:innen ein Studium abschließen, schaffen das nur 9 Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Diese Ungleichheit ist keine Naturgegebenheit, sie ist das Ergebnis politischer Versäumnisse. Die Antwort auf prüfungsinaktive Studien kann daher nicht nur Effizienzdenken sein. Wir müssen die Ursachen adressieren, und das sind oft soziale. Studierende aus einkommensschwachen Familien müssen häufiger neben dem Studium arbeiten. Sie stehen unter mehr Druck, haben weniger Zeit und oft keinen Rückhalt aus dem Elternhaus. Sie brauchen daher eine Universität, die sich an ihre Lebensrealitäten anpasst. Es braucht mehr digitale Lehrangebote, damit Lernzeiten flexibel gestaltet werden können, Lehrveranstaltungen zu Randzeiten, die Vereinbarkeit mit Nebenjobs ermöglichen, Toleranzsemester für arbeitende Studierende statt starrer Fristen. Unser Ziel als Sozialdemokratie ist aber klar: Ein Studium muss auch ohne Nebenjob möglich sein. Erst dann sprechen wir von echter Chancengerechtigkeit. (👏 SPÖ) Die Studienbeihilfe muss zum Leben reichen. Gerade Arbeiter:innenkinder sind auf diese Unterstützung angewiesen. Es freut mich daher wirklich sehr, dass Wissenschaftsministerin Holzleitner und Finanzminister Marterbauer sichergestellt haben, dass die Studienbeihilfe auch für 2026 valorisiert wird. Wir Sozialdemokrat:innen sagen ganz klar: Statt Elitenförderung endlich Talente fördern, unabhängig vom Elternhaus. Wenn daher, wie im Rechnungshofbericht dargelegt, 40 Prozent der belegten Studien nicht prüfungsaktiv sind, dürfen wir nicht mit reiner Sparlogik antworten, sondern mit einem Ausbau sozialer Unterstützungsstrukturen, denn das Studieren darf nicht vom Börserl abhängen. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In meinem Beitrag geht es um die Universitätsfinanzierung neu, die wir 2019 eingeführt haben. Bis dorthin hatten wir ein etwas veraltetes Finanzierungssystem. Bei den Universitäten hat es sich rein um die Anzahl der Studierenden gedreht, egal ob die aktiv gewesen sind oder ob es eben Karteileichen gewesen sind. Das führte damals dazu, dass es zu erhöhten Zahlen in den Hörsälen gekommen ist, die Qualität eine schlechte gewesen ist und das eigentlich zu überarbeiten gewesen ist. 2019 haben wir unter Bundesminister Heinz Faßmann die Wende eingeführt: mehr Leistungsorientierung in der Finanzierung. Wir haben das Dreisäulenmodell mit der Lehre, der Forschung und der Infrastruktur eingeführt. Jetzt geht es darum, wie viele prüfungsaktive Studenten man hat, dass die Forschung erfolgreich ist und dass die Studentinnen und Studenten gut betreut werden, also sozusagen um die Infrastruktur. Es führt dazu, dass die Universitäten mehr Anreiz für den Studienerfolg, mehr Planungssicherheit haben – der Mehrjährige Finanzrahmen über drei Jahre bringt wesentlich mehr Planbarkeit für die Universitäten –, sie orientieren sich mehr am Arbeitsmarkt und fördern dadurch auch die Mint-Fächer. Der Rechnungshof stellt bei der Prüfung eindeutig fest, die Universitätsfinanzierung neu ist ein wichtiger Schritt in Richtung Leistungsfähigkeit, Nachvollziehbarkeit und Planbarkeit, kritisiert aber zum Teil die Umsetzung. Da haben wir Aufholbedarf und Nachholbedarf und da müssen wir weiterarbeiten. Wir sind aber, glaube ich, auf einem sehr guten Weg. Was ich noch ansprechen möchte: Bei den Reformen gab es auch negative Entwicklungen, sage ich einmal, und zwar wurde zum Beispiel 2019 die Quotenregelung für die Zahnmedizin abgeschafft, die wir ja 2006 für die Humanmedizin gemeinsam mit der Zahnmedizin eingeführt haben. Aufgrund der EU mussten wir diese Quotenregelung aufgeben, was dazu führt, dass wir zum Beispiel in Oberösterreich schon jetzt einen Zahnärztemangel feststellen. 10 Prozent der Ordinationen können nicht mehr nachbesetzt werden – und in den nächsten zehn Jahren geht die Hälfte der Zahnmediziner in Pension. Das heißt schlussendlich, wir brauchen mehr Zahnärzte. Es gibt momentan 1 100 Studentinnen und Studenten in der Zahnmedizin; 700 sind Österreicher und die restlichen sind aus der EU oder aus Drittstaaten, was dazu führt, dass die meistens wieder in ihre Ursprungsländer zurückgehen und wir eine schlechtere Versorgung haben. Daher brauchen wir unbedingt eine Reform und wir brauchen einfach eine europarechtskonforme Quotenregelung, damit wir die zahnmedizinische Versorgung in Österreich sicherstellen können. Grundsätzlich sind wir von der ÖVP für eine leistungsorientierte Finanzierung der Universitäten, für Planbarkeit, für die Zukunftsinvestitionen in Forschung und für die Standortsicherheit. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung – Herr Abgeordneter Marchetti, wir sind im Abstimmungsvorgang ( Abg. Marchetti [ÖVP] begibt sich zu seinem Sitzplatz ) – danke vielmals –, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/160.1 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Inits Universitäres Gründerservice Wien GmbH, III-106 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer für die Kenntnisnahme ist, den bitte ich um ein entsprechendes Zeichen. – Der Bericht einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.2 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Akkreditierung und öffentliche Finanzierung von Privathochschulen; Follow-up-Überprüfung, III-78 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Das ist mehrheitlich zur Kenntnis genommen, Entschuldigung, einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.3 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Universitätsfinanzierung neu, III-105 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/160.4 Schließlich kommen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 13: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend FH Burgenland und FH Vorarlberg, III-45 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer spricht sich dafür aus? – Auch dieser Bericht ist einstimmig zur Kenntnis genommen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Innovationsstiftung für Bildung – Reihe BUND 2025/13

190 d.B. · Regierungsvorlage III-131 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zur Innovationsstiftung für Bildung (Reihe BUND 2025/13) zur Kenntnis. Damit folgt er der einstimmigen Empfehlung des Rechnungshofausschusses.

Betroffen sind die Innovationsstiftung für Bildung sowie das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung im Hinblick auf die vom Rechnungshof geprüfte Gebarung.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Innovationsstiftung für Bildung – Reihe BUND 2025/13

Gegenstand und Rechtsgrundlage

  • Behandelt wird ein Bericht des Rechnungshofes zur „Innovationsstiftung für Bildung“ (Reihe BUND 2025/13; Zitation: 190 d.B.; zugrunde liegend: III-131 der Beilagen).
  • Der Bericht erfolgte gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und betrifft Wahrnehmungen des Rechnungshofes aus einer Gebarungsüberprüfung.
  • Die Gebarungsüberprüfung erfolgte im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und bezog sich auf die Innovationsstiftung für Bildung.

Parlamentarische Behandlung im Rechnungshofausschuss

  • Der Rechnungshofausschuss nahm den Bericht zur Fristwahrung in Verhandlung und vertagte nach einer Berichterstattung die Beratungen.
  • In einer weiteren Sitzung wurde der Bericht erneut behandelt und dazu eine Debatte geführt.
  • An der Debatte nahmen Abgeordnete, der Bundesminister für Bildung sowie die Präsidentin des Rechnungshofes teil.
  • Als Auskunftsperson im Sinne des § 40 Abs. 1 GOG war der Vorstand der Innovationsstiftung für Bildung anwesend.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltlich)

  • Der Ausschuss empfiehlt dem Nationalrat die Kenntnisnahme des Rechnungshofberichtes zur Innovationsstiftung für Bildung.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Innovationsstiftung für Bildung – Reihe BUND 2025/13

~32 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir debattieren hier mehrere Rechnungshofberichte und drei davon behandeln den Bildungsbereich. Ich möchte mich bei Ihnen, Frau Präsidentin, sehr herzlich bedanken, dass Sie die Prüfungen und diesen Bericht sehr unbeeindruckt, aber vor allem auch sehr schonungslos gestaltet haben. In einem dieser Berichte geht es um die Innovationsstiftung für Bildung – eine Stiftung, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde, die auch kaum jemand kennt. Diese Stiftung wurde 2017 gegründet, um das allgemeine Bildungsniveau in Österreich anzuheben. Dotiert war diese Stiftung innerhalb von sechs Jahren mit 27 Millionen Euro. Was war das Ergebnis dieses Rechnungshofberichtes? – Es war in Wirklichkeit ein beispiellos vernichtendes Urteil, und es hat aufgezeigt, wie führungslos man im Bildungsministerium in den vergangenen Jahren agiert hat. Was schreibt der Rechnungshof? – Organisatorisch war diese Stiftung viel zu groß aufgestellt. Es gibt fünf Substiftungen, zu denen der Rechnungshof im Übrigen sagt, dass das eine für österreichische Verhältnisse völlig unübliche Rechtskonstruktion ist. Der Stiftungsvorstand und der OeAD-Geschäftsführer, das war eine Personalunion – also eine Person. Der Rechnungshof weist auf hohe Fluktuationsraten bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle hin. Es fehlte vielfach die Expertise in der Umsetzung. Diese hat man dann wieder extern zugekauft. Es fehlten Vorgaben zum Finanzplan, zu Förderrichtlinien und definierte Prozessen – da war überhaupt kein internes Kontrollsystem gewährleistet, und auch das hat der Rechnungshof kritisiert. Vor allem waren es aber zwei Punkte: nämlich dass es keine langfristige Strategie gegeben hat, dass eine solche nicht erkennbar war, und zuletzt – und das ist nicht nur nicht schmeichelhaft, sondern ist wirklich ein vernichtendes Urteil für diese Stiftung – hat er die zentrale Empfehlung ausgegeben: „Eine gesamthafte Evaluierung der Innovationsstiftung für Bildung“. Das ist gleichbedeutend mit, landläufig: Ja, löst sie auf, schafft sie ab, oder liquidiert sie! Was immer ihr damit tut, überlegt euch: Vielleicht können bestehende Institutionen wie das Ministerium oder auch der OeAD da Aufgaben wahrnehmen. Man muss ja schon auch irgendwann erkennen: Wenn etwas seinen Zweck nicht erfüllt, ja, dann muss man sich davon auch trennen. (👏 FPÖ) Denn was hat es am Ende des Tages gebracht? – Was hat es den Schulen gebracht, was hat es den Lehrern gebracht, was hat es den Kindern, den Schülern gebracht, was hat es den Eltern gebracht? Verbesserung in den Grundkompetenzen? – Nein. Wurde der Lehrermangel in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise beseitigt? – Nein. Wurde der Leistungsgedanke in den Schulen irgendwie forciert? – Nein. Konfliktmanagement, das man vielleicht mit innovativen Ideen unterstützt hätte? – Nein. Bürokratie abgebaut? – Nein. Wirtschaftliche Ausbildung auch im Hinblick auf die Lehre, dass man da irgendwie innovativ gewesen wäre? – Nein. Innovativ wäre es zum Beispiel gewesen, wenn man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie man neue Ausbildungsmöglichkeiten schaffen kann, zum Beispiel Handwerksschulen, zum Beispiel Gewerbeschulen. Das alles ist nicht geschehen. Am Ende des Tages sage ich Ihnen: Diese Stiftung hat sich tatsächlich nur selbst verwaltet – und ich glaube, das ist nicht der Sinn und Zweck einer Stiftung. Der Herr Bundesminister für Bildung wäre aufgefordert, da entsprechend zu handeln. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Servus . – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Ja, sehr geehrte Damen und Herren, noch einmal Bildung. Bildung, Forschung und Innovation gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren in einer modernen Volkswirtschaft und sie bestimmen maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, aber auch Wettbewerbsstärke und den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wurde auch 2017 – der Herr Kollege hat es gesagt – die Innovationsstiftung für Bildung gegründet, mit dem strategischen Ziel, die innovativen Kräfte in Österreich für die Weiterentwicklung im Bildungsbereich zu bündeln. Ich kann den Herrn Kollegen von der FPÖ beruhigen: Es steht im Regierungsprogramm, dass die Innovationsstiftung evaluiert und auch reformiert werden soll. Dafür wird unter anderem auch der Rechnungshofbericht beziehungsweise werden die Empfehlungen des Rechnungshofes eingearbeitet. Der Fokus soll wieder mehr auf Innovation und Wettbewerb gelegt und die Anforderungen sollen erhöht werden, geht es doch schließlich auch darum, „unbürokratisch und rasch“, so steht es im Regierungsprogramm, Bildungsinnovation ins Bildungssystem zu bringen. Erfolgversprechende Projekte sollen nicht direkt aus dem Ministerium, sondern quasi als kleine Schnellboote rasch und ohne hierarchische Hindernisse umgesetzt und realisiert werden. Einige Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes – danke an dieser Stelle auch Ihnen, Frau Rechnungshofpräsidentin –: Verbessert werden soll unter anderem der Abwicklungsaufwand, der aktuell bei durchschnittlich 15 Prozent der ausgezahlten Fördermittel liegt; das ist ein bisschen viel. Auch soll die auf 20 Mitglieder etwas aufgeblähte Organisationsstruktur von Stiftungsrat, Aufsichtsorgan und wissenschaftlichem Beirat reduziert werden. Weiter ausgebaut und forciert werden soll die Möglichkeit, Spender aus der Privatwirtschaft anzuwerben. Seit 2023 ist das ja mit der Spendenabsetzbarkeit für Bildung auch möglich – beschlossen hier von diesem Haus. Ich finde es gut, dass die Innovationsstiftung bereits mit einer Vielzahl von privaten Akteuren im Austausch steht. Wenn Mäzene, Spender und natürlich auch Großspender aus der Wirtschaft vermehrt in Erscheinung treten und die Innovationsstiftung mit ihrem privaten Kapital und privaten Engagement dabei unterstützen, dann ist das sicherlich von Vorteil. Es wäre schön, wenn auch andere dem Beispiel Mateschitz und Co folgen würden und ihr Geld in Richtung Bildung investieren würden. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel muss es weiterhin sein, das Bildungsniveau anzuheben, die tertiären Bildungsabschlüsse weiter zu steigern. Und auch bei der Zahl der Patentanträge oder Start-up-Gründungen gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche der Innovationsstiftung, dass sie diese Ziele weiter unterstützen kann und dabei viel Erfolg. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich werde mich kurz auf die Innovationsstiftung für Bildung beziehen. Was ist das Ziel dieser Stiftung? – Ziel ist es, die innovative Bildungspolitik voranzutreiben und wirklich in alle Altersstufen der Kinder zu bringen. Der Rechnungshof hat sich folgende Punkte angeschaut: Wie funktioniert die Organisationsstruktur? Wie werden die Aufgaben wahrgenommen? Entsprechen sie dem, was geplant war? Und wie hat sich die finanzielle Entwicklung in den Jahren 2017 bis 2023 gestaltet? Danke, Frau Rechnungshofpräsidentin, das ist einer von vielen sehr ausführlichen Berichten. Wir haben vorhin über den Wissenschaftsblock gesprochen, jetzt sind wir beim Bildungsblock angelangt, und das waren dank der sehr fundierten Berichte wirklich intensive Debatten. Was hat der Rechnungshof festgestellt? – Er hat festgestellt, dass es sehr hohe Ausgaben für externe, zugekaufte Leistungen gegeben hat. Man hat sich viel Expertise zugekauft, und da lohnt es sich wirklich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es haben konsolidierte Kostendarstellungen gefehlt – das sollte keinesfalls passieren –, und es hat auch da, wie im vorigen Block schon angesprochen, keine standardisierten Abläufe gegeben – dennoch fehlt ein wichtiges Kontrollinstrument –, und das Risikomanagement war sehr stark vernachlässigt, nicht systemisiert. Ein Punkt, der uns wirklich auch Auftrag sein sollte: Die Förderkriterien waren unklar. Es ist, glaube ich, in unser aller Interesse, Kriterien für Förderungen, die ausgeschüttet werden, wirklich sehr klar, nachvollziehbar und transparent zu gestalten, sodass dann jeder weiß, wohin das Geld geflossen ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Der Rechnungshof hat festgestellt: Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der gesamten Strukturen und der Wirkungsweisen. Ich habe vorhin schon gesagt, das Ziel dieser Innovationsstiftung ist es, innovative Bildungspolitik auf den Boden zu bringen und für alle Altersstufen zu gewährleisten, und ich habe den Herrn Bundesminister dann gefragt, ob man valide Daten hat, welche Altersgruppen am meisten von genau diesen innovativen Ansätzen profitiert haben. Die Sekundarstufe, hat er geantwortet, hat am stärksten nachgefragt. Aber natürlich waren wir uns auch im Ausschuss einig, und das wurde auch unisono bestätigt, dass die Elementarstufe besonders im Fokus sein sollte. Das sollten wir wirklich als gemeinsames Ziel haben, einfach um zu gewährleisten – das ist, glaube ich, für uns alle wichtig –, dass bereits die Jüngsten mit innovativer Politik in der Bildung arbeiten dürfen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Zuerst möchte auch ich mich bei Ihnen für die ausführlichen Berichte bedanken. Der Rechnungshof ist eine zentrale Institution in unserer liberalen Demokratie. Die Analysen und die Arbeit zur Verwendung öffentlicher Mittel, all unserer Steuergelder, sind von unschätzbarem Wert. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei allen Prüferinnen und Prüfern sowie bei Ihnen persönlich bedanken. Die Berichte des Rechnungshofes – ich werde in der Folge über den Bericht zum Lehrpersonaleinsatz und über den Achtpunkteplan für eine digitale Schule sprechen – zeigen einmal mehr: Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass sich diese Regierung den Problemen stellt, denn genau das erwarten sich die Bürgerinnen und Bürger. Die Probleme sind massiv: Unser Bildungssystem, unsere Lehrer:innen und Schüler:innen leiden seit über einem Jahrzehnt unter dem Lehrpersonalmangel. Lange Zeit versuchte man, das Problem mit punktuellen Eingriffen zu beheben – ohne Erfolg. Kein Wunder, denn sowohl bei der Beurteilung des tatsächlichen Lehrer:innenbedarfs und in der Folge auch bei den gesetzten Maßnahmen zur Deckung verfehlte man klar das selbst gesteckte Ziel. Die schließlich im Jahre 2022 anlaufende umfassende Initiative Klasse Job zur Behebung des Lehrermangels war im Kern eine gute Idee, aber auch da haperte es an der Umsetzung. Ähnliches hat der Rechnungshof bei der Überprüfung des Achtpunkteplans für eine digitale Schule festgestellt. Mehrfach schienen in der Vergangenheit Umsetzungsstände von Teilprojekten nicht bekannt zu sein, existierten Daten zur Erhebung von Projektfortschritten nicht, und das Ministerium wich von Vergabestandards ab. Letztlich waren die Ziele des Projekts nicht ausreichend genau abgesteckt, sodass sich ein Erfolg oder Misserfolg auch nur schwer einschätzen ließ. Glauben Sie mir, als ehemalige Volksschullehrerin kenne ich einige Probleme unseres Bildungssystems nur zu gut, und sie sind auch der Grund dafür, dass ich heute hier vor Ihnen und nicht mehr vor einer Klasse stehe. Daher beklage ich die ausführliche Kritik und die Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes auch nicht, sondern begrüße sie besonders. Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass wir Teil dieser Regierung sind, weil wir mit uns in der Regierung die Finanzierung des Bildungsbereichs auch in den Zeiten des größten Spardrucks sicherstellen, weil nur mit uns sich bereits heute erste Verbesserungen beim Lehrpersonal einstellen und nur mit uns es mit der stiefmütterlichen Behandlung der Bildung in diesem Land vorbei ist, die doch Kern von so vielen Aspekten unserer Gesellschaft ist. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Präsidentin Margit Kraker zu Wort gemeldet. – Bitte.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, in diesem Block stehen mehrere Berichte aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung. Wir haben das am 9. September im Rechnungshofausschuss besprochen. Der erste Punkt ist der Lehrpersonaleinsatz. Ich denke, der Rechnungshof gibt da eine umfassende Übersicht über die Maßnahmen, die getroffen wurden, um dem Lehrpersonalbedarf in den Schulen Rechnung zu tragen beziehungsweise um einem allfälligen Lehrermangel entgegenzuwirken. Wir haben untersucht und eben festgestellt, dass das Bildungsministerium schon seit dem Jahr 2009 Lehrpersonalbedarfsprognosen erstellte, die auf einen Personalmangel ab dem Jahr 2018/2019 hinwiesen. Diesen Prognosen fehlten die notwendigen Steuerungselemente, bei denen man zum Beispiel auch die Angebotsseite mitbetrachtet hätte. Bis zum Jahr 2022 gab es keine umfangreichen und systematischen Maßnahmen, um diesem Mangel zu begegnen. Warum gab es dann dennoch nicht so viele offene Stellen? – Weil kompensiert wurde. Es wurde mit Mehrdienstleistungen, fachfremdem Unterricht, mit Sonderverträgen an Personen, die keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung vorweisen konnten, kompensiert. All diese Faktoren haben naturgemäß Auswirkungen auf den Unterricht und auf die Organisation in den Schulen. Das Projekt Klasse Job haben wir eigentlich positiv beurteilt, denn wir haben gesagt, das ist ein Projekt, das aus acht Teilprojekten bestand, um da systemisch entgegenzuwirken. Die Kosten dafür betrugen in zwei Jahren 2,6 Millionen Euro. Ein Teilprojekt war der Quereinstieg und dass eben Personen mit fachverwandtem Studium die Möglichkeit haben, als Lehrpersonen zu arbeiten, und da gab es eine Zertifizierungskommission. Diese Zertifizierungskommission verursachte in zwei Jahren Kosten und Auszahlungen von 604 000 Euro, und es gab in diesem Zeitraum ungefähr 5 000 Bewerberinnen und Bewerber. Die Hälfte wurde zertifiziert, und von den zertifizierten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern unterrichtete weniger als ein Drittel tatsächlich.Es hätte die Möglichkeit gegeben, auch einen Selbstbehalt einzuheben, aber darauf hat man verzichtet. Ein weiterer Punkt ist – und da appelliere ich an die Verwaltungsstellen, an die Bildungsverwaltungsstellen –, dass die Dienstverträge rasch ausgestellt werden und dass man die Vordienstzeiten und das Besoldungsdienstalter rascher errechnet, denn die Lehrpersonen brauchen natürlich auch einen Nachweis für ihr Dienstverhältnis. Es gab dann Spannungsfelder bezüglich der Anstellungsvoraussetzungen zwischen der Zertifizierungskommission und der Bildungsdirektion, sodass sich ergab, dass man die rechtliche Qualität der Zertifikate klären muss und dass tatsächlich die Bildungsdirektionen über die Anstellung entscheiden. Die PädagogInnenbildung neu, sehr geehrte Damen und Herren, wurde im Jahr 2013 für die Sekundarstufe auf ein sechsjähriges Lehramtsstudium verlängert. Für die Primarstufe wurde die Ausbildungszeit von drei auf fünf Jahre erhöht. 2024 wurde sie dann wieder verkürzt, weil man gemerkt hat, dass da eine Lücke bei den Absolventinnen und Absolventen entsteht, und man hat dann auf drei plus zwei Jahre mit berufsbegleitendem Masterstudium umgestellt. Dieses berufsbegleitende Studium führt natürlich dazu, dass Studierende, Bachelorstudierende auch hohe Belastungen auf sich nehmen müssen, und erhöht auch den Teilzeitanteil an den Schulen dementsprechend. Zum Qualitätssicherungsrat haben wir auch einen Exkurs gemacht. Dieser hat die Aufgabe gehabt, die PädagogInnenbildung neu zu begleiten. Diese Aufgabe ist weitgehend erfüllt, die Kosten lagen bei 2,42 Millionen Euro. Studierende konnten einen Regelvertrag haben, wenn sie schon ein gewisses Niveau an Ausbildungsstunden hatten, sonst hatten sie einen Sondervertrag. 9 Prozent aller Lehrpersonen waren im Schuljahr 2023/24 mit Sondervertrag angestellt. Insbesondere gab es einen hohen Anteil im Bereich der Landeslehrpersonen – das sehen wir kritisch. Auch die Mittelschulen sind darüber hinaus sehr stark mit dem Thema fachfremder Unterricht konfrontiert, das haben wir natürlich auch kritisch gesehen. Der Teilzeitanteil an den Schulen liegt bei 39,5 Prozent. Ich habe es schon gesagt, das liegt neben der Tatsache, dass es überwiegend Frauen sind, natürlich auch daran, dass es berufsbegleitende Studien gibt. Wenn man eine hohe Teilzeitquote hat, erfordert das natürlich ein Management beim Personaleinsatz der Lehrpersonen. Wir haben daher verschiedene Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen, um im Bereich der Mehrdienstleistungen, im Bereich der berufsbegleitenden Studierenden nicht zu viele Belastungen zu haben. Und wir haben bei den Quereinsteiger:innen festgestellt, dass es auch da einen hohen Teilzeitanteil gab und dass sie auch schon im ersten Schuljahr fachfremd unterrichtet haben. Ich möchte zum Abschluss sagen: Für den Fall, dass wir einmal zu viele Lehrerinnen und Lehrer haben, weil wir jetzt sehr viele qualifizieren, wäre dies natürlich der ideale Zeitpunkt, auf ganztägige Schulen umzustellen – aber das ist eine Anmerkung meinerseits und steht in dem Sinn nicht im Bericht. (👏 SPÖ, NEOS) Zur Innovationsstiftung wurde schon viel gesagt. Auch da geht es uns um die Wirkung, um einen transparenten Mitteleinsatz, um eine kompetitive Förderausrichtung, sodass man einen Mehrwert erkennen kann. Wir wollen tatsächlich, dass es hier eine grundlegende Evaluierung gibt und dass der Bericht diesbezüglich auch ernst genommen wird. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 20.24 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Rechnungshof zeigt es schwarz auf weiß: Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist kein Zufall, sondern er ist seit 15 Jahren bekannt – seit 15 Jahren. Trotzdem wurde viel zu spät gehandelt, und den Preis zahlen jetzt die Kinder. In Tirol beispielsweise wird fast jede zweite Stunde in der Mittelschule fachfremd unterrichtet, das heißt, es gibt dann Mathematik ohne Mathematiklehrer und -lehrerinnen, Informatik ohne Informatiklehrer und -lehrerinnen – Letzteres beispielsweise in Tirol bis zu 90 Prozent. Das muss man sich einmal vorstellen. Lehrer und Lehrerinnen stemmen längst Unmenschliches: Mehrstunden, fachfremden Unterricht, kaum Unterstützung. Ich glaube, da muss man sich nicht wundern, dass ganz viele ausbrennen. Wir Grüne sagen klar: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte und vor allem eine echte Entlastung, das heißt junge Lehrkräfte, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, und diese brauchen eine Begleitung, damit sie nicht von Anfang an wieder frustriert den Arbeitsplatz verlassen. Das heißt auch: Unterstützungspersonal, psychosoziale Unterstützung und Schulsozialarbeit. Apropos: Da sind wir bei einem Thema, einer Sache, die wir immer wieder angesprochen haben, und jedes Mal hieß es vonseiten der Regierungsparteien: Nein, nein, wir haben alles im Griff. – Die Realität schaut anders aus. Seit dem 17. Juni gibt es keinen einzigen freien Platz mehr im Programm Gesund aus der Krise. Das ist ein Programm – das einzige! –, das jungen Menschen eine Gratispsychotherapie ermöglicht, oftmals ein Rettungsanker, den Tausende Jugendliche dringend brauchen. Gerade jetzt, da die Zahl psychischer Erkrankungen steigt, da Wartezeiten bis ins Unermessliche gehen, wird ihnen diese Tür zugeschlagen – und das ist nichts anderes als ein Verrat an jungen Menschen, die dringend Hilfe bräuchten. (👏) Liebe Regierungsparteien – vor allem die SPÖ muss ich hier in die Pflicht nehmen, denn es ist ihr Ressort –: Das darf es bitte wirklich nicht geben! Jugendlichen mit einer Depression oder Angstzuständen zu erklären: Sorry, wir haben keinen Platz für euch!, liebe Kollegen und Kolleginnen, das darf es sicher nicht sein. Es wurde uns mehrfach versprochen, dass man das in den Griff bekommt, bisher wurde nichts getan. Wir hoffen ernsthaft, dass sich dieses Problem bald regeln lässt und dass die jungen Menschen nicht länger im Stich gelassen werden. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer .

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Zuhörer! Wenn wir heute über den Lehrpersonaleinsatz sprechen, dann geht es um weit mehr als um Tabellen, Deputate, Stundenpläne – es geht um unsere Kinder, um ihre Chancen, ihre Zukunft, um das, was sie einmal werden können. Das Lernen passiert im Jetzt, und zu sagen: Es wird alles besser!, hilft jetzt leider niemandem. Genau deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen. Österreich gibt in diesem Bereich im internationalen Vergleich sehr viel Geld aus, und trotzdem sind die Leistungen unserer Schüler oft nur Mittelmaß. Was läuft falsch im System? – Das System ist sehr unübersichtlich. Wir haben bei Lehrern eine Teilzeitquote von circa 40 Prozent. Fachfremder Unterricht ist fast schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme, wie meine Vorrednerin gesagt hat; in Tirol liegt er bei ungefähr 50 Prozent. Es fallen Überstunden im Ausmaß von 7 100 Vollzeitstellen an. Richten Sie bitte der Frau Sozialminister und dem Herrn Wirtschaftsminister aus, da können sie den Unternehmern zeigen, wie es geht, die Arbeitszeit zu heben oder länger im Berufsleben zu bleiben, ohne mit dem Finger auf andere zu deuten! Kurz noch zum Achtpunkteplan: Die App Digitales Lernen hat sich von 3 Millionen auf 12 Millionen Euro verteuert, ohne nennenswerte Zugriffe. Kurz gesagt: Die Erfolgsgeschichte von Kaufhaus Österreich wurde fortgeschrieben, wieder wurden Millionen in den Sand gesetzt. Ganz nebenbei sind Aufträge in Millionenhöhe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergeben worden. Transparenz: Fehlanzeige, Kontrolle: leider nein. In allen drei Bereichen fehlt es an definierten, überprüfbaren Zielen und Indikatoren, um die Wirkung messen zu können. Nur Geld in ein System zu geben, ist zu wenig. Auf die Frage im Rechnungshofausschuss, wie der Herr Minister die Arbeit seines Vorgängers bewerten würde, meinte er nur: Er habe eine Basis, auf der man aufbauen könne. – Im Arbeitszeugnis würde stehen: Herr Polaschek hat sich immer redlich bemüht!, oder im Schulnotensystem: Herr Polaschek, setzen, Fünf! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Jakob Grüner gelangt nun zu Wort. – Bitte.

ÖVP Jakob Grüner

Frau Präsidentin! Geschätzte Präsidentin des Rechnungshofes! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Bericht des Rechnungshofes zum Lehrermangel. Wir alle wissen, dass es da große Herausforderungen gibt. Wir haben es schon gehört. Eines ist klar: Bildung, Bildung, Bildung, Bildung und noch einmal Bildung, denn Bildung ist die Antwort auf alle unsere Probleme – sozial, wirtschaftlich, gesellschaftlich. War der Lehrermangel vor einigen Jahren vielleicht noch ein Zukunftsproblem, so steht er heute mitten in der Klasse, mitten im Raum – oder eben nicht. Es ist ja doch so – seien wir ehrlich –: Speziell im Bildungsbereich stehen wir uns regelmäßig selbst im Weg, indem wir dauernd alle ideologisch hineinbuttern, was nur geht, und Reformen verhindern beziehungsweise am Ende des Tages Mindestkompromisse herauskommen – speziell im Bildungsbereich! Im Bildungsministerium, manche nennen es auch K.-und-k.-Ministerium, ändert man keinen einzigen Beistrich, ohne jahrelang darüber zu diskutieren. Wir wissen, Lehrer wachsen nicht auf Bäumen, aber wir pflanzen uns regelmäßig gegenseitig. Wir sollten vielleicht weniger über Fridays for Future – eine wichtige Initiative – und mehr darüber diskutieren, wie wir unsere Lehrer von Montag bis Freitag in die Schulklassen bekommen. Hohes Haus! Der Bericht des Rechnungshofes streicht ein Problem deutlich heraus, und das möchte ich herausgreifen: Sehr viele starten in die Ausbildung und gehen dann nicht in den Beruf. Das ist ein Phänomen, das wir branchenweit in ganz Österreich erkennen, das ist ein großes Problem und sollte uns alle beunruhigen, denn unser Staat kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Arbeitsbeitrag leistet. Wenn manche nicht mehr arbeiten wollen, dann haben wir vermutlich ein anderes Problem, ein gesellschaftliches Problem, vielleicht ein kulturelles Problem, aber nicht immer ein wirtschaftliches Problem, denn auch im Bildungsbereich kommt das Geld nicht aus dem Bankomaten. Wir müssen dieses Wohlstandsproblem, das wir, glaube ich, ganz offensichtlich haben, also dringend gemeinsam in den Griff bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte positiv abschließen und mich ganz herzlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern im Land bedanken, die tagtäglich Großartiges leisten, für unsere Kinder da sind und sie auf das Leben vorbereiten. Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Volksschulalter und habe am Montag beim Elternabend gesehen und gespürt, mit wie viel Liebe und Einsatz unsere Kinder das Rechnen, das Schreiben, das Lesen, soziale Fähigkeiten, Freundschaften, Emotion, Verantwortung, Zuversicht et cetera lernen. – Sie geben unseren Kindern damit viel auf den Weg. Sie geben ihnen die Welt und prägen junge Persönlichkeiten. Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Abschließend: Wir gemeinsam haben sehr viel aus dem Rechnungshofbericht gelernt. Vielleicht sollten wir uns vornehmen, diese Empfehlungen schnellstmöglich gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Wolfgang Moitzi zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrte Frau Präsidentinnen – es kommt ja nicht so oft vor, dass zwei Präsidentinnen im Raum sind! Ich kann die Frau Präsidentin des Rechnungshofes beruhigen. Sie hat gesagt, sie wünscht sich, dass der Rechnungshofbericht über den Lehrpersonaleinsatz ernst genommen wird. Ich glaube, wir als Parlament und auch die Bundesregierung nehmen diesen Bericht extrem ernst, denn der Rechnungshofbericht zeigt uns leider sehr deutlich auf, was schon seit vielen Jahren gewusst wurde und uns auch gedroht hat, nämlich ein Lehrpersonalmangel. Trotzdem haben die letzten beiden Regierungen lange zugeschaut und zu spät Maßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis – Barbara Neßler hat es ja angesprochen –, dass in Tirol zum Beispiel 46 Prozent der Fächer von fachfremdem Personal unterrichtet werden. In Oberösterreich sind es 35 Prozent. Allein im Jahr 2023 mussten Mehrdienstleistungen im Umfang von circa 7 000 Vollzeitäquivalenten geleistet werden und dadurch also rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte kompensiert werden. Das ist weder fair gegenüber den Lehrkräften noch gegenüber unseren Kindern in den Klassenzimmern. Die zentrale Schlussfolgerung aus diesem Bericht ist klar: Wir dürfen nicht mehr in Notlösungen hineinstolpern, sondern müssen endlich den Lehrerinnen- und Lehrerberuf wieder attraktiver machen. Genau deshalb haben wir den Bericht ernst genommen und im Regierungsprogramm auch schon Maßnahmen festgeschrieben, nämlich mehr Ausbildungsplätze für Pädagoginnen und Pädagogen, Ausbau der Schulsozialarbeit zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen, Investitionen in die und eine Verkürzung der Pädagog:innenausbildung. Wir wollen auch ein mittleres Management zur Unterstützung von Lehrpersonal an den Schulen einsetzen, damit Probleme delegiert und die Lehrer:innen so unterstützt werden können. Damit machen wir mit der Attraktivierung des Lehrberufs Ernst, nicht nur mit Kampagnen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und kürzeren Ausbildungswegen. (👏 ÖVP, SPÖ) Den notwendigen Quereinsteigern wollen wir den Quereinstieg erleichtern: Es wird größtmögliche und nachvollziehbare Anrechnungen von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft geben, und wir begleiten sie dann besser im neuen Beruf, damit sie im Klassenzimmer nicht allein gelassen werden. Auch die Volksschulen wollen wir für den Quereinstieg öffnen. Die Zahlen bestätigen den eingeschlagenen Weg dieser Bundesregierung. Auf 6 500 freie Stellen haben sich in diesem Schuljahr 16 000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das zeigt schon einen ersten guten Erfolg. Abschließend: Wir werden das sehr ernst nehmen, denn für uns als Sozialdemokratie und auch für diese Bundesregierung ist klar, unsere Kinder verdienen nicht den zweitbesten Unterricht, sondern die beste Bildung. Dafür tragen wir hier gemeinsam die Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren, die noch auf der Galerie und vor den Bildschirmen sind! Wir wechseln jetzt das Thema – die Rechnungshofberichte sind ja sehr umfangreich und sehr umfassend –, es geht jetzt um die Kultur. Der Rechnungshof wiederholt ja nicht das Offensichtliche, sondern macht das Verborgene und Notwendige sichtbar – und das sorgt für Transparenz. Die Berichte sind auch immer wieder unmittelbar dafür verantwortlich, dass Grundlagen für Reformen geschaffen werden. Nicht nur deswegen lesen wir NEOS sie so besonders gerne. Daher bedanken wir uns sehr herzlich beim Team des Rechnungshofes für diese Lektüre, die es uns etwas einfacher macht, Reformen anzugehen. (👏 NEOS) Der Auslandskultur attestiert der Rechnungshof, dass es da ein sehr dichtes Netz an Strukturen und Institutionen gibt. Dieses Netz ist ein Schatz, und es ist auch eine Chance. Uns ist natürlich sehr klar, dass Präsenz der Auslandskultur alleine nicht reicht. Wirkung entsteht auch in der Kultur erst, wenn die Verantwortungen ganz klar geregelt sind und Ziele konsequent verfolgt werden können. Die österreichische Auslandskultur ist das internationale Schaufenster der Kulturnation Österreich. Da entstehen Themenjahre, es gibt gezielte Förderschienen, Künstler:innen und Institutionen bekommen so Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich auch im Ausland zu präsentieren. Und sie ist vor allem auch eine Chance für Österreich, wahrgenommen zu werden. Das aktuelle Grundlagendokument der Auslandskultur markiert zwar wichtige Schwerpunkte, aber es braucht auf jeden Fall mehr. Das stellt auch der Rechnungshof fest. 2026 wird das Jahr, in dem die Auslandskultur auch strategisch neu aufgestellt wird – mit gebündelten Kräften, mit klarer Verantwortung im Außenministerium, abgestimmt mit allen Partnern, Ministerien wie Bundesländern, denn Auslandskultur ist Teil der Außenpolitik. Wer Österreich im Ausland begegnet, sieht nicht neun Bundesländer, sondern eine Kulturnation. (👏 NEOS) Unsere Kulturforen stärken den Standort Österreich. Sie sind die Softpower der Diplomatie sowie der Außenwirtschaft, und sie öffnen Türen. Vom Rechnungshof geprüft wurde allerdings auch die Spanische Hofreitschule – das ist schon so etwas wie ein Dauerbrenner im Rechnungshof –, sie ist ein Kultur- und Tourismusbetrieb, ressortiert allerdings im Landwirtschaftsministerium. Sie hat drei Standorte, drei Logiken, ist dennoch ein einziges Unternehmen, eine Institution mit internationaler Bedeutung, aber auch mit großen Herausforderungen. So lautet auch der Schluss des Rechnungshofes. Das zentrale Thema ist neben der anhaltenden Unruhe in und rund um die Spanische Hofreitschule die Finanzierung. Der Rechnungshof empfiehlt mehrjährige Vereinbarungen mit Kennzahlen, eine transparente Kostenrechnung und ein tragfähiges Unternehmenskonzept – nicht wirklich etwas Neues und das nicht zum ersten Mal. Ziel muss sein: Die Hofreitschule darf nicht zum Spielball werden und muss aus den Schlagzeilen kommen. Sie braucht Verlässlichkeit (👏 NEOS), denn nur dann kann sie zeigen, was sie ist: höchste klassische Reitkunst, lebendiges – im wahrsten Sinne des Wortes – Weltkulturerbe und eine österreichische Institution mit internationaler Strahlkraft. Sehr geehrte Damen und Herren! Die Rechnungshofberichte eröffnen Chancen in der Auslandskultur, aber auch für die Spanische Hofreitschule und für alle anderen geprüften Institutionen. Eine kleine Werbeeinschaltung am Ende: Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofes hat noch niemandem geschadet. Sie hat Institutionen gestärkt, und sie hat Reformen eingeleitet. – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich glaube, ich muss jetzt die gute Stimmung der heutigen Debatte doch noch einmal stören. Ich schaffe es jetzt nicht, wie die Vorrednerin eine Rede über die Spanische Hofreitschule zu halten, ohne auf die aktuellen Ereignisse einzugehen. Wissen Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich ja oft gefragt, wo eigentlich der Begriff des Intrigantenstadls herkommt. Wenn man sich die Artikel der letzten Wochen über die Spanische Hofreitschule anschaut, bekommt man eine Idee davon, denn die Berichte zeichnen meiner Meinung nach ganz klar das Bild einer verschwörerischen Hinterzimmeroperette. (👏) Unsere Spanische Hofreitschule ist mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist lebendiges Kulturgut, sie ist Welterbe und Sinnbild österreichischer Tradition – und genau dieses Kulturgut steht jetzt auf dem Spiel, und das ganz klar wegen völligen politischen Totalversagens, und dieses Versagen hat einen Namen: Das ist das ÖVP-Landwirtschaftsministerium. (👏) Die Spanische Hofreitschule – Sie haben es sicher alle gelesen – braucht einen neuen Geschäftsführer. In dem Zusammenhang kann man sagen: schon wieder, denn die Querelen gehen ja jetzt schon über Jahre – so lange nämlich, wie das ÖVP-Landwirtschaftsministerium auch für die Spanische Hofreitschule zuständig ist. Was aber neu ist, ist eigentlich, wie der jetzige Geschäftsführer auch gegangen worden ist, denn man kann schon sagen, er ist nach allen Regeln der Intrigenkunst – auf gut Wienerisch – geschasst worden. Wenn man sich zum Beispiel die Recherchen des Magazins „Profil“ anschaut, dann sieht man, dass da Entscheidungen getroffen worden sind, bevor Prüfungen überhaupt abgeschlossen worden sind – eigentlich haben sie erst angefangen. Das Ministerium hat eine Anzeige erstattet, obwohl im Nachhinein durch unabhängige Wirtschaftsprüfer herausgekommen ist, dass es keinen systematischen Machtmissbrauch über Spesenabrechnungen gegeben hat, und das alles ohne Einbindung des Aufsichtsrates. Ich sage Ihnen, auch uns liegen interne Akten vor, und da gibt es ein Schreiben des Aufsichtsrates, das relativ aktuell ist – es ist nur neun Tage alt –, und es ist an Minister Totschnig gerichtet. Da steht: Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme des Aufsichtsrates ignoriert der politisch zuständige Minister Totschnig diesen Aufsichtsrat. – Da frage ich mich, bitte, liebe ÖVP: Was ist los und was macht Ihr Minister eigentlich beruflich? Das alles geht doch überhaupt gar nicht! Wenn Sie mich fragen, wird der Aufsichtsrat da mit voller Absicht ignoriert. Das stinkt förmlich nach einer Intrige aus dem Handbuch des Bauernbundes, ganz, ganz klar. In meinen Augen ist das alles unverantwortlich! Sie setzen den Ruf einer 500 Jahre alten Institution aufs Spiel. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein ÖVP-Minister das so zulassen konnte. Wir verlangen hier vollständige Aufklärung auch über die Rolle des Generalsekretärs aus diesem Landwirtschaftsministerium. Liebe Frau Präsidentin! Ich hoffe, gerade bei der Spanischen Hofreitschule gilt – wie so oft –: Nach der Rechnungshofprüfung ist vor der Rechnungshofprüfung. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manuel Litzke zu Wort. – Bitte.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frauen Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin, es ist eine Fülle von Berichten, die Sie uns sowohl im Ausschuss als auch hier vorgelegt haben, wo wir auch schon die Möglichkeit hatten, darüber zu diskutieren, auch so manches zu hinterfragen. Wie wir wissen, geht es ja nicht nur um diese nackte Analyse, die der Rechnungshof vorlegt, sondern es geht auch darum, Empfehlungen zu erhalten, Umsetzungsvorschläge zu bekommen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben für alle geprüften Instanzen, diese ernst zu nehmen: nicht nur analysiert zu werden, sondern diese Empfehlungen auch anzunehmen. Lassen Sie auch mich auf den Achtpunkteplan für eine digitale Schule eingehen, aber denken wir ganz kurz an die Entstehung dieses Achtpunkteplans und daran, in welcher Kürze und in welch raschem Prozess dies dann eigentlich vonstattengegangen ist – was ja auch die Erwartungshaltung von uns allen war, was die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Eltern dahinter für das ganze Bildungssystem war. Denn Ausgangspunkt war im Jahr 2020, dass es um die schnelle Umsetzung von E-Learning, von Homeschooling gegangen ist, da eben auch in dieser Phase, in der nicht alle Schulen durchgehend geöffnet haben konnten, die Schüler bestmöglich betreut werden mussten. Das ist verständlich, dazu braucht es Endgeräte, dazu braucht es natürlich auch Software, dazu braucht es auch einen entsprechenden Bildungsplan, und umso rascher hatte diese Umsetzung auch zu erfolgen. Da ist es – und das haben Sie in Ihrem Bericht gut aufgearbeitet – natürlich passiert, dass manches, was hätte dokumentiert werden müssen, nicht in dieser Art und Weise geschehen ist. Ja, wir sehen das auch so: Das ist notwendig, und da muss sicherlich einiges nachgeholt werden, was die Zielbestimmungen angeht. Wir müssen wissen, wo Schüler am Anfang dieses Lernprozesses stehen, wo sie stehen sollen, wenn der Lernprozess abgeschlossen ist, aber das Gleiche gilt natürlich auch für das Lehrpersonal. Wir müssen schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, da ein konsequentes Vorgehen, was Bildungsziele betrifft, wirklich zu verankern und umzusetzen. Wie gesagt: Auch wenn das alles hat rasch gehen müssen, so ist es jetzt höchst an der Zeit, zu evaluieren: Wo stehen wir? Welche Ziele lassen sich daraus ableiten? Und auch was den finanziellen Background betrifft: Wie stellen wir in Zukunft sicher, dass Endgeräte auch wirklich effizient eingesetzt werden können und wir wissen, was genau mit diesen Geräten passiert, wie und wo sie eingesetzt werden? – Also wirklich vielen herzlichen Dank für diese Hinweise. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal auf die Innovationsstiftung für Bildung zu sprechen kommen, weil sie aus meiner Sicht eine Einrichtung ist, die es angesichts der großen Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, eigentlich unbedingt braucht. Wir brauchen zum Beispiel im Angesicht der Revolution durch die künstliche Intelligenz gerade jetzt Expert:innen, die darüber nachdenken, wie man als Lehrende, aber auch als Lernende damit umgeht, wie man sie nutzt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir brauchen Bildungsinnovation im Bereich des Spracherwerbs, und wir brauchen Bildungsinnovation für die Zukunft unserer Wirtschaft. In Zeiten des Sparens brauchen wir auch schlanke Verwaltungsstrukturen, die gewährleisten, dass möglichst viel Geld in die inhaltliche Arbeit und in die Projekte fließt. Der Rechnungshof hat jetzt im vorliegenden Bericht einige Kritikpunkte geäußert. Ich möchte sie jetzt nicht alle wiederholen, sie sind schon mehrfach erwähnt worden. Vielleicht kurz einige: Der Förderbegriff sei zu weit gefasst, die Stiftung sei zu groß dimensioniert, und es fehle auch an Transparenz. Und es gibt auch klare Empfehlungen durch den Rechnungshof. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Präsidentin, und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedanken, weil Sie dazu beitragen, dass unsere Verwaltung, die Arbeit der Behörden und der vielen Einrichtungen und Unternehmen immer wieder verbessert werden kann. Ich glaube, Verbesserung ist auch bei der Innovationsstiftung angesagt. Der Herr Bundesminister hat ja bereits im Ausschuss angekündigt, dass eine umfassende Reform der Organisationsstruktur bevorsteht und der parlamentarische Prozess dafür auch bereits im kommenden Jahr starten soll. Ich bin froh, dass die Regierungsparteien die Berichte des Rechnungshofes ernst nehmen und dass sie dann auch rasch an einer Umsetzung der Empfehlungen arbeiten. So funktioniert das, so nimmt man auch die parlamentarischen Instrumente und die Berichte ernst, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der Rechnungshofbericht zum Achtpunkteplan für eine digitale Schule war jetzt schon öfter Thema. Er hat ganz klare Kritikpunkte und auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, und das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, wenn wir zukünftige Digitalisierungsprojekte umsetzen. Und ich will betonen: Gerade im Bildungsbereich ist die Digitalisierung enorm wichtig, und da müssen wir auch investieren. Im Regierungsprogramm ist dafür eine umfassende Kompetenzoffensive vorgesehen, ganz im Sinne des Achtpunkteplans, und dazu gehört auch die volle Ausrollung der Geräteinitiative. Aber nicht nur das, es geht auch um neue Schritte bei der künstlichen Intelligenz, etwa KI-Pilotschulen, digitale Lernprojekte und – das finde ich besonders wichtig – KI-gestütztes individualisiertes Lernen. Ebenso wichtig ist die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, denn Digitalisierung funktioniert nicht ohne die Pädagoginnen und Pädagogen. Sie brauchen die besten Werkzeuge und auch Unterstützung beim Umgang mit diesen modernen Medien. Wir müssen in Österreich entschlossen interaktive und digitale Lernprogramme entwickeln und flächendeckend einsetzen, denn Digitalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, das ist die Zukunft. Unsere Schulen haben die Verantwortung, die Kinder auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Und diese Welt verändert sich rasant: Entwicklungen, die wir in Echtzeit vor unseren Augen erleben. Es geht um die Zukunft unseres Landes, und genau deshalb müssen wir die Digitalisierung auch weiter stärken. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen nun zu den Abstimmungen. RN/177.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Innovationsstiftung für Bildung, III-131 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/177.2 Tagesordnungspunkt 15: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Lehrpersonaleinsatz, III-167 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.3 Tagesordnungspunkt 16: Bericht betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule, III-52 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.4 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Bericht betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz, III‑1 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.5 Tagesordnungspunkt 18: Bericht betreffend Österreich Institut G.m.b.H., Follow-up-Überprüfung, III‑2 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.6 Tagesordnungspunkt 19: Bericht betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien, Follow-up-Überprüfung, III-3 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.7 Tagesordnungspunkt 20: Bericht betreffend Österreichische Kulturforen, Follow-up-Überprüfung, III‑4 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.8 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 21: Bericht betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber, III-5 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig so zur Kenntnis genommen. Abstimmung über TOP 8 und 9, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 20:57

Bericht des Rechnungshofes betreffend Lehrpersonaleinsatz – Reihe BUND 2025/18

191 d.B. · Regierungsvorlage III-167 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zum Lehrpersonaleinsatz (Reihe BUND 2025/18) zur Kenntnis. Damit wird die Empfehlung des Rechnungshofausschusses einstimmig angenommen.

Betroffen sind der Lehrpersonaleinsatz im Wirkungsbereich der Bundesministerien für Bildung sowie Frauen, Wissenschaft und Forschung sowie der Länder Oberösterreich und Tirol.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Lehrpersonaleinsatz – Reihe BUND 2025/18

Gegenstand und Rechtsgrundlage

  • Behandelt wird ein Bericht des Rechnungshofes zum Thema „Lehrpersonaleinsatz“ (Reihe BUND 2025/18).
  • Der Bericht erfolgte gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und beruht auf Wahrnehmungen aus einer Gebarungsüberprüfung.

Prüfungs- und Zuständigkeitsbereich der Gebarungsüberprüfung

  • Die Gebarungsüberprüfung betraf den Wirkungsbereich der Bundesministerien für Bildung sowie für Frauen, Wissenschaft und Forschung.
  • Zusätzlich umfasste die Prüfung die Länder Oberösterreich und Tirol.
  • Inhaltlicher Fokus der Prüfung war der Lehrpersonaleinsatz.

Parlamentarische Behandlung im Rechnungshofausschuss

  • Der Rechnungshofausschuss nahm den Bericht in Verhandlung und setzte die Beratungen nach einer ersten Behandlung fort.
  • In der weiteren Behandlung fand eine Debatte unter Beteiligung von Abgeordneten sowie dem Bundesminister für Bildung und der Präsidentin des Rechnungshofes statt.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltlicher Beschlussgegenstand)

  • Der Ausschuss gelangte zum Ergebnis, dem Nationalrat die Kenntnisnahme des Rechnungshofberichtes zu empfehlen.
  • Beschlussgegenstand ist die Kenntnisnahme des Berichts des Rechnungshofes betreffend Lehrpersonaleinsatz (Reihe BUND 2025/18).

Bericht des Rechnungshofes betreffend Lehrpersonaleinsatz – Reihe BUND 2025/18

~32 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir debattieren hier mehrere Rechnungshofberichte und drei davon behandeln den Bildungsbereich. Ich möchte mich bei Ihnen, Frau Präsidentin, sehr herzlich bedanken, dass Sie die Prüfungen und diesen Bericht sehr unbeeindruckt, aber vor allem auch sehr schonungslos gestaltet haben. In einem dieser Berichte geht es um die Innovationsstiftung für Bildung – eine Stiftung, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde, die auch kaum jemand kennt. Diese Stiftung wurde 2017 gegründet, um das allgemeine Bildungsniveau in Österreich anzuheben. Dotiert war diese Stiftung innerhalb von sechs Jahren mit 27 Millionen Euro. Was war das Ergebnis dieses Rechnungshofberichtes? – Es war in Wirklichkeit ein beispiellos vernichtendes Urteil, und es hat aufgezeigt, wie führungslos man im Bildungsministerium in den vergangenen Jahren agiert hat. Was schreibt der Rechnungshof? – Organisatorisch war diese Stiftung viel zu groß aufgestellt. Es gibt fünf Substiftungen, zu denen der Rechnungshof im Übrigen sagt, dass das eine für österreichische Verhältnisse völlig unübliche Rechtskonstruktion ist. Der Stiftungsvorstand und der OeAD-Geschäftsführer, das war eine Personalunion – also eine Person. Der Rechnungshof weist auf hohe Fluktuationsraten bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle hin. Es fehlte vielfach die Expertise in der Umsetzung. Diese hat man dann wieder extern zugekauft. Es fehlten Vorgaben zum Finanzplan, zu Förderrichtlinien und definierte Prozessen – da war überhaupt kein internes Kontrollsystem gewährleistet, und auch das hat der Rechnungshof kritisiert. Vor allem waren es aber zwei Punkte: nämlich dass es keine langfristige Strategie gegeben hat, dass eine solche nicht erkennbar war, und zuletzt – und das ist nicht nur nicht schmeichelhaft, sondern ist wirklich ein vernichtendes Urteil für diese Stiftung – hat er die zentrale Empfehlung ausgegeben: „Eine gesamthafte Evaluierung der Innovationsstiftung für Bildung“. Das ist gleichbedeutend mit, landläufig: Ja, löst sie auf, schafft sie ab, oder liquidiert sie! Was immer ihr damit tut, überlegt euch: Vielleicht können bestehende Institutionen wie das Ministerium oder auch der OeAD da Aufgaben wahrnehmen. Man muss ja schon auch irgendwann erkennen: Wenn etwas seinen Zweck nicht erfüllt, ja, dann muss man sich davon auch trennen. (👏 FPÖ) Denn was hat es am Ende des Tages gebracht? – Was hat es den Schulen gebracht, was hat es den Lehrern gebracht, was hat es den Kindern, den Schülern gebracht, was hat es den Eltern gebracht? Verbesserung in den Grundkompetenzen? – Nein. Wurde der Lehrermangel in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise beseitigt? – Nein. Wurde der Leistungsgedanke in den Schulen irgendwie forciert? – Nein. Konfliktmanagement, das man vielleicht mit innovativen Ideen unterstützt hätte? – Nein. Bürokratie abgebaut? – Nein. Wirtschaftliche Ausbildung auch im Hinblick auf die Lehre, dass man da irgendwie innovativ gewesen wäre? – Nein. Innovativ wäre es zum Beispiel gewesen, wenn man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie man neue Ausbildungsmöglichkeiten schaffen kann, zum Beispiel Handwerksschulen, zum Beispiel Gewerbeschulen. Das alles ist nicht geschehen. Am Ende des Tages sage ich Ihnen: Diese Stiftung hat sich tatsächlich nur selbst verwaltet – und ich glaube, das ist nicht der Sinn und Zweck einer Stiftung. Der Herr Bundesminister für Bildung wäre aufgefordert, da entsprechend zu handeln. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Servus . – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Ja, sehr geehrte Damen und Herren, noch einmal Bildung. Bildung, Forschung und Innovation gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren in einer modernen Volkswirtschaft und sie bestimmen maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, aber auch Wettbewerbsstärke und den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wurde auch 2017 – der Herr Kollege hat es gesagt – die Innovationsstiftung für Bildung gegründet, mit dem strategischen Ziel, die innovativen Kräfte in Österreich für die Weiterentwicklung im Bildungsbereich zu bündeln. Ich kann den Herrn Kollegen von der FPÖ beruhigen: Es steht im Regierungsprogramm, dass die Innovationsstiftung evaluiert und auch reformiert werden soll. Dafür wird unter anderem auch der Rechnungshofbericht beziehungsweise werden die Empfehlungen des Rechnungshofes eingearbeitet. Der Fokus soll wieder mehr auf Innovation und Wettbewerb gelegt und die Anforderungen sollen erhöht werden, geht es doch schließlich auch darum, „unbürokratisch und rasch“, so steht es im Regierungsprogramm, Bildungsinnovation ins Bildungssystem zu bringen. Erfolgversprechende Projekte sollen nicht direkt aus dem Ministerium, sondern quasi als kleine Schnellboote rasch und ohne hierarchische Hindernisse umgesetzt und realisiert werden. Einige Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes – danke an dieser Stelle auch Ihnen, Frau Rechnungshofpräsidentin –: Verbessert werden soll unter anderem der Abwicklungsaufwand, der aktuell bei durchschnittlich 15 Prozent der ausgezahlten Fördermittel liegt; das ist ein bisschen viel. Auch soll die auf 20 Mitglieder etwas aufgeblähte Organisationsstruktur von Stiftungsrat, Aufsichtsorgan und wissenschaftlichem Beirat reduziert werden. Weiter ausgebaut und forciert werden soll die Möglichkeit, Spender aus der Privatwirtschaft anzuwerben. Seit 2023 ist das ja mit der Spendenabsetzbarkeit für Bildung auch möglich – beschlossen hier von diesem Haus. Ich finde es gut, dass die Innovationsstiftung bereits mit einer Vielzahl von privaten Akteuren im Austausch steht. Wenn Mäzene, Spender und natürlich auch Großspender aus der Wirtschaft vermehrt in Erscheinung treten und die Innovationsstiftung mit ihrem privaten Kapital und privaten Engagement dabei unterstützen, dann ist das sicherlich von Vorteil. Es wäre schön, wenn auch andere dem Beispiel Mateschitz und Co folgen würden und ihr Geld in Richtung Bildung investieren würden. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel muss es weiterhin sein, das Bildungsniveau anzuheben, die tertiären Bildungsabschlüsse weiter zu steigern. Und auch bei der Zahl der Patentanträge oder Start-up-Gründungen gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche der Innovationsstiftung, dass sie diese Ziele weiter unterstützen kann und dabei viel Erfolg. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich werde mich kurz auf die Innovationsstiftung für Bildung beziehen. Was ist das Ziel dieser Stiftung? – Ziel ist es, die innovative Bildungspolitik voranzutreiben und wirklich in alle Altersstufen der Kinder zu bringen. Der Rechnungshof hat sich folgende Punkte angeschaut: Wie funktioniert die Organisationsstruktur? Wie werden die Aufgaben wahrgenommen? Entsprechen sie dem, was geplant war? Und wie hat sich die finanzielle Entwicklung in den Jahren 2017 bis 2023 gestaltet? Danke, Frau Rechnungshofpräsidentin, das ist einer von vielen sehr ausführlichen Berichten. Wir haben vorhin über den Wissenschaftsblock gesprochen, jetzt sind wir beim Bildungsblock angelangt, und das waren dank der sehr fundierten Berichte wirklich intensive Debatten. Was hat der Rechnungshof festgestellt? – Er hat festgestellt, dass es sehr hohe Ausgaben für externe, zugekaufte Leistungen gegeben hat. Man hat sich viel Expertise zugekauft, und da lohnt es sich wirklich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es haben konsolidierte Kostendarstellungen gefehlt – das sollte keinesfalls passieren –, und es hat auch da, wie im vorigen Block schon angesprochen, keine standardisierten Abläufe gegeben – dennoch fehlt ein wichtiges Kontrollinstrument –, und das Risikomanagement war sehr stark vernachlässigt, nicht systemisiert. Ein Punkt, der uns wirklich auch Auftrag sein sollte: Die Förderkriterien waren unklar. Es ist, glaube ich, in unser aller Interesse, Kriterien für Förderungen, die ausgeschüttet werden, wirklich sehr klar, nachvollziehbar und transparent zu gestalten, sodass dann jeder weiß, wohin das Geld geflossen ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Der Rechnungshof hat festgestellt: Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der gesamten Strukturen und der Wirkungsweisen. Ich habe vorhin schon gesagt, das Ziel dieser Innovationsstiftung ist es, innovative Bildungspolitik auf den Boden zu bringen und für alle Altersstufen zu gewährleisten, und ich habe den Herrn Bundesminister dann gefragt, ob man valide Daten hat, welche Altersgruppen am meisten von genau diesen innovativen Ansätzen profitiert haben. Die Sekundarstufe, hat er geantwortet, hat am stärksten nachgefragt. Aber natürlich waren wir uns auch im Ausschuss einig, und das wurde auch unisono bestätigt, dass die Elementarstufe besonders im Fokus sein sollte. Das sollten wir wirklich als gemeinsames Ziel haben, einfach um zu gewährleisten – das ist, glaube ich, für uns alle wichtig –, dass bereits die Jüngsten mit innovativer Politik in der Bildung arbeiten dürfen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Zuerst möchte auch ich mich bei Ihnen für die ausführlichen Berichte bedanken. Der Rechnungshof ist eine zentrale Institution in unserer liberalen Demokratie. Die Analysen und die Arbeit zur Verwendung öffentlicher Mittel, all unserer Steuergelder, sind von unschätzbarem Wert. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei allen Prüferinnen und Prüfern sowie bei Ihnen persönlich bedanken. Die Berichte des Rechnungshofes – ich werde in der Folge über den Bericht zum Lehrpersonaleinsatz und über den Achtpunkteplan für eine digitale Schule sprechen – zeigen einmal mehr: Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass sich diese Regierung den Problemen stellt, denn genau das erwarten sich die Bürgerinnen und Bürger. Die Probleme sind massiv: Unser Bildungssystem, unsere Lehrer:innen und Schüler:innen leiden seit über einem Jahrzehnt unter dem Lehrpersonalmangel. Lange Zeit versuchte man, das Problem mit punktuellen Eingriffen zu beheben – ohne Erfolg. Kein Wunder, denn sowohl bei der Beurteilung des tatsächlichen Lehrer:innenbedarfs und in der Folge auch bei den gesetzten Maßnahmen zur Deckung verfehlte man klar das selbst gesteckte Ziel. Die schließlich im Jahre 2022 anlaufende umfassende Initiative Klasse Job zur Behebung des Lehrermangels war im Kern eine gute Idee, aber auch da haperte es an der Umsetzung. Ähnliches hat der Rechnungshof bei der Überprüfung des Achtpunkteplans für eine digitale Schule festgestellt. Mehrfach schienen in der Vergangenheit Umsetzungsstände von Teilprojekten nicht bekannt zu sein, existierten Daten zur Erhebung von Projektfortschritten nicht, und das Ministerium wich von Vergabestandards ab. Letztlich waren die Ziele des Projekts nicht ausreichend genau abgesteckt, sodass sich ein Erfolg oder Misserfolg auch nur schwer einschätzen ließ. Glauben Sie mir, als ehemalige Volksschullehrerin kenne ich einige Probleme unseres Bildungssystems nur zu gut, und sie sind auch der Grund dafür, dass ich heute hier vor Ihnen und nicht mehr vor einer Klasse stehe. Daher beklage ich die ausführliche Kritik und die Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes auch nicht, sondern begrüße sie besonders. Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass wir Teil dieser Regierung sind, weil wir mit uns in der Regierung die Finanzierung des Bildungsbereichs auch in den Zeiten des größten Spardrucks sicherstellen, weil nur mit uns sich bereits heute erste Verbesserungen beim Lehrpersonal einstellen und nur mit uns es mit der stiefmütterlichen Behandlung der Bildung in diesem Land vorbei ist, die doch Kern von so vielen Aspekten unserer Gesellschaft ist. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Präsidentin Margit Kraker zu Wort gemeldet. – Bitte.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, in diesem Block stehen mehrere Berichte aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung. Wir haben das am 9. September im Rechnungshofausschuss besprochen. Der erste Punkt ist der Lehrpersonaleinsatz. Ich denke, der Rechnungshof gibt da eine umfassende Übersicht über die Maßnahmen, die getroffen wurden, um dem Lehrpersonalbedarf in den Schulen Rechnung zu tragen beziehungsweise um einem allfälligen Lehrermangel entgegenzuwirken. Wir haben untersucht und eben festgestellt, dass das Bildungsministerium schon seit dem Jahr 2009 Lehrpersonalbedarfsprognosen erstellte, die auf einen Personalmangel ab dem Jahr 2018/2019 hinwiesen. Diesen Prognosen fehlten die notwendigen Steuerungselemente, bei denen man zum Beispiel auch die Angebotsseite mitbetrachtet hätte. Bis zum Jahr 2022 gab es keine umfangreichen und systematischen Maßnahmen, um diesem Mangel zu begegnen. Warum gab es dann dennoch nicht so viele offene Stellen? – Weil kompensiert wurde. Es wurde mit Mehrdienstleistungen, fachfremdem Unterricht, mit Sonderverträgen an Personen, die keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung vorweisen konnten, kompensiert. All diese Faktoren haben naturgemäß Auswirkungen auf den Unterricht und auf die Organisation in den Schulen. Das Projekt Klasse Job haben wir eigentlich positiv beurteilt, denn wir haben gesagt, das ist ein Projekt, das aus acht Teilprojekten bestand, um da systemisch entgegenzuwirken. Die Kosten dafür betrugen in zwei Jahren 2,6 Millionen Euro. Ein Teilprojekt war der Quereinstieg und dass eben Personen mit fachverwandtem Studium die Möglichkeit haben, als Lehrpersonen zu arbeiten, und da gab es eine Zertifizierungskommission. Diese Zertifizierungskommission verursachte in zwei Jahren Kosten und Auszahlungen von 604 000 Euro, und es gab in diesem Zeitraum ungefähr 5 000 Bewerberinnen und Bewerber. Die Hälfte wurde zertifiziert, und von den zertifizierten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern unterrichtete weniger als ein Drittel tatsächlich.Es hätte die Möglichkeit gegeben, auch einen Selbstbehalt einzuheben, aber darauf hat man verzichtet. Ein weiterer Punkt ist – und da appelliere ich an die Verwaltungsstellen, an die Bildungsverwaltungsstellen –, dass die Dienstverträge rasch ausgestellt werden und dass man die Vordienstzeiten und das Besoldungsdienstalter rascher errechnet, denn die Lehrpersonen brauchen natürlich auch einen Nachweis für ihr Dienstverhältnis. Es gab dann Spannungsfelder bezüglich der Anstellungsvoraussetzungen zwischen der Zertifizierungskommission und der Bildungsdirektion, sodass sich ergab, dass man die rechtliche Qualität der Zertifikate klären muss und dass tatsächlich die Bildungsdirektionen über die Anstellung entscheiden. Die PädagogInnenbildung neu, sehr geehrte Damen und Herren, wurde im Jahr 2013 für die Sekundarstufe auf ein sechsjähriges Lehramtsstudium verlängert. Für die Primarstufe wurde die Ausbildungszeit von drei auf fünf Jahre erhöht. 2024 wurde sie dann wieder verkürzt, weil man gemerkt hat, dass da eine Lücke bei den Absolventinnen und Absolventen entsteht, und man hat dann auf drei plus zwei Jahre mit berufsbegleitendem Masterstudium umgestellt. Dieses berufsbegleitende Studium führt natürlich dazu, dass Studierende, Bachelorstudierende auch hohe Belastungen auf sich nehmen müssen, und erhöht auch den Teilzeitanteil an den Schulen dementsprechend. Zum Qualitätssicherungsrat haben wir auch einen Exkurs gemacht. Dieser hat die Aufgabe gehabt, die PädagogInnenbildung neu zu begleiten. Diese Aufgabe ist weitgehend erfüllt, die Kosten lagen bei 2,42 Millionen Euro. Studierende konnten einen Regelvertrag haben, wenn sie schon ein gewisses Niveau an Ausbildungsstunden hatten, sonst hatten sie einen Sondervertrag. 9 Prozent aller Lehrpersonen waren im Schuljahr 2023/24 mit Sondervertrag angestellt. Insbesondere gab es einen hohen Anteil im Bereich der Landeslehrpersonen – das sehen wir kritisch. Auch die Mittelschulen sind darüber hinaus sehr stark mit dem Thema fachfremder Unterricht konfrontiert, das haben wir natürlich auch kritisch gesehen. Der Teilzeitanteil an den Schulen liegt bei 39,5 Prozent. Ich habe es schon gesagt, das liegt neben der Tatsache, dass es überwiegend Frauen sind, natürlich auch daran, dass es berufsbegleitende Studien gibt. Wenn man eine hohe Teilzeitquote hat, erfordert das natürlich ein Management beim Personaleinsatz der Lehrpersonen. Wir haben daher verschiedene Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen, um im Bereich der Mehrdienstleistungen, im Bereich der berufsbegleitenden Studierenden nicht zu viele Belastungen zu haben. Und wir haben bei den Quereinsteiger:innen festgestellt, dass es auch da einen hohen Teilzeitanteil gab und dass sie auch schon im ersten Schuljahr fachfremd unterrichtet haben. Ich möchte zum Abschluss sagen: Für den Fall, dass wir einmal zu viele Lehrerinnen und Lehrer haben, weil wir jetzt sehr viele qualifizieren, wäre dies natürlich der ideale Zeitpunkt, auf ganztägige Schulen umzustellen – aber das ist eine Anmerkung meinerseits und steht in dem Sinn nicht im Bericht. (👏 SPÖ, NEOS) Zur Innovationsstiftung wurde schon viel gesagt. Auch da geht es uns um die Wirkung, um einen transparenten Mitteleinsatz, um eine kompetitive Förderausrichtung, sodass man einen Mehrwert erkennen kann. Wir wollen tatsächlich, dass es hier eine grundlegende Evaluierung gibt und dass der Bericht diesbezüglich auch ernst genommen wird. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 20.24 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Rechnungshof zeigt es schwarz auf weiß: Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist kein Zufall, sondern er ist seit 15 Jahren bekannt – seit 15 Jahren. Trotzdem wurde viel zu spät gehandelt, und den Preis zahlen jetzt die Kinder. In Tirol beispielsweise wird fast jede zweite Stunde in der Mittelschule fachfremd unterrichtet, das heißt, es gibt dann Mathematik ohne Mathematiklehrer und -lehrerinnen, Informatik ohne Informatiklehrer und -lehrerinnen – Letzteres beispielsweise in Tirol bis zu 90 Prozent. Das muss man sich einmal vorstellen. Lehrer und Lehrerinnen stemmen längst Unmenschliches: Mehrstunden, fachfremden Unterricht, kaum Unterstützung. Ich glaube, da muss man sich nicht wundern, dass ganz viele ausbrennen. Wir Grüne sagen klar: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte und vor allem eine echte Entlastung, das heißt junge Lehrkräfte, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, und diese brauchen eine Begleitung, damit sie nicht von Anfang an wieder frustriert den Arbeitsplatz verlassen. Das heißt auch: Unterstützungspersonal, psychosoziale Unterstützung und Schulsozialarbeit. Apropos: Da sind wir bei einem Thema, einer Sache, die wir immer wieder angesprochen haben, und jedes Mal hieß es vonseiten der Regierungsparteien: Nein, nein, wir haben alles im Griff. – Die Realität schaut anders aus. Seit dem 17. Juni gibt es keinen einzigen freien Platz mehr im Programm Gesund aus der Krise. Das ist ein Programm – das einzige! –, das jungen Menschen eine Gratispsychotherapie ermöglicht, oftmals ein Rettungsanker, den Tausende Jugendliche dringend brauchen. Gerade jetzt, da die Zahl psychischer Erkrankungen steigt, da Wartezeiten bis ins Unermessliche gehen, wird ihnen diese Tür zugeschlagen – und das ist nichts anderes als ein Verrat an jungen Menschen, die dringend Hilfe bräuchten. (👏) Liebe Regierungsparteien – vor allem die SPÖ muss ich hier in die Pflicht nehmen, denn es ist ihr Ressort –: Das darf es bitte wirklich nicht geben! Jugendlichen mit einer Depression oder Angstzuständen zu erklären: Sorry, wir haben keinen Platz für euch!, liebe Kollegen und Kolleginnen, das darf es sicher nicht sein. Es wurde uns mehrfach versprochen, dass man das in den Griff bekommt, bisher wurde nichts getan. Wir hoffen ernsthaft, dass sich dieses Problem bald regeln lässt und dass die jungen Menschen nicht länger im Stich gelassen werden. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer .

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Zuhörer! Wenn wir heute über den Lehrpersonaleinsatz sprechen, dann geht es um weit mehr als um Tabellen, Deputate, Stundenpläne – es geht um unsere Kinder, um ihre Chancen, ihre Zukunft, um das, was sie einmal werden können. Das Lernen passiert im Jetzt, und zu sagen: Es wird alles besser!, hilft jetzt leider niemandem. Genau deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen. Österreich gibt in diesem Bereich im internationalen Vergleich sehr viel Geld aus, und trotzdem sind die Leistungen unserer Schüler oft nur Mittelmaß. Was läuft falsch im System? – Das System ist sehr unübersichtlich. Wir haben bei Lehrern eine Teilzeitquote von circa 40 Prozent. Fachfremder Unterricht ist fast schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme, wie meine Vorrednerin gesagt hat; in Tirol liegt er bei ungefähr 50 Prozent. Es fallen Überstunden im Ausmaß von 7 100 Vollzeitstellen an. Richten Sie bitte der Frau Sozialminister und dem Herrn Wirtschaftsminister aus, da können sie den Unternehmern zeigen, wie es geht, die Arbeitszeit zu heben oder länger im Berufsleben zu bleiben, ohne mit dem Finger auf andere zu deuten! Kurz noch zum Achtpunkteplan: Die App Digitales Lernen hat sich von 3 Millionen auf 12 Millionen Euro verteuert, ohne nennenswerte Zugriffe. Kurz gesagt: Die Erfolgsgeschichte von Kaufhaus Österreich wurde fortgeschrieben, wieder wurden Millionen in den Sand gesetzt. Ganz nebenbei sind Aufträge in Millionenhöhe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergeben worden. Transparenz: Fehlanzeige, Kontrolle: leider nein. In allen drei Bereichen fehlt es an definierten, überprüfbaren Zielen und Indikatoren, um die Wirkung messen zu können. Nur Geld in ein System zu geben, ist zu wenig. Auf die Frage im Rechnungshofausschuss, wie der Herr Minister die Arbeit seines Vorgängers bewerten würde, meinte er nur: Er habe eine Basis, auf der man aufbauen könne. – Im Arbeitszeugnis würde stehen: Herr Polaschek hat sich immer redlich bemüht!, oder im Schulnotensystem: Herr Polaschek, setzen, Fünf! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Jakob Grüner gelangt nun zu Wort. – Bitte.

ÖVP Jakob Grüner

Frau Präsidentin! Geschätzte Präsidentin des Rechnungshofes! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Bericht des Rechnungshofes zum Lehrermangel. Wir alle wissen, dass es da große Herausforderungen gibt. Wir haben es schon gehört. Eines ist klar: Bildung, Bildung, Bildung, Bildung und noch einmal Bildung, denn Bildung ist die Antwort auf alle unsere Probleme – sozial, wirtschaftlich, gesellschaftlich. War der Lehrermangel vor einigen Jahren vielleicht noch ein Zukunftsproblem, so steht er heute mitten in der Klasse, mitten im Raum – oder eben nicht. Es ist ja doch so – seien wir ehrlich –: Speziell im Bildungsbereich stehen wir uns regelmäßig selbst im Weg, indem wir dauernd alle ideologisch hineinbuttern, was nur geht, und Reformen verhindern beziehungsweise am Ende des Tages Mindestkompromisse herauskommen – speziell im Bildungsbereich! Im Bildungsministerium, manche nennen es auch K.-und-k.-Ministerium, ändert man keinen einzigen Beistrich, ohne jahrelang darüber zu diskutieren. Wir wissen, Lehrer wachsen nicht auf Bäumen, aber wir pflanzen uns regelmäßig gegenseitig. Wir sollten vielleicht weniger über Fridays for Future – eine wichtige Initiative – und mehr darüber diskutieren, wie wir unsere Lehrer von Montag bis Freitag in die Schulklassen bekommen. Hohes Haus! Der Bericht des Rechnungshofes streicht ein Problem deutlich heraus, und das möchte ich herausgreifen: Sehr viele starten in die Ausbildung und gehen dann nicht in den Beruf. Das ist ein Phänomen, das wir branchenweit in ganz Österreich erkennen, das ist ein großes Problem und sollte uns alle beunruhigen, denn unser Staat kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Arbeitsbeitrag leistet. Wenn manche nicht mehr arbeiten wollen, dann haben wir vermutlich ein anderes Problem, ein gesellschaftliches Problem, vielleicht ein kulturelles Problem, aber nicht immer ein wirtschaftliches Problem, denn auch im Bildungsbereich kommt das Geld nicht aus dem Bankomaten. Wir müssen dieses Wohlstandsproblem, das wir, glaube ich, ganz offensichtlich haben, also dringend gemeinsam in den Griff bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte positiv abschließen und mich ganz herzlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern im Land bedanken, die tagtäglich Großartiges leisten, für unsere Kinder da sind und sie auf das Leben vorbereiten. Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Volksschulalter und habe am Montag beim Elternabend gesehen und gespürt, mit wie viel Liebe und Einsatz unsere Kinder das Rechnen, das Schreiben, das Lesen, soziale Fähigkeiten, Freundschaften, Emotion, Verantwortung, Zuversicht et cetera lernen. – Sie geben unseren Kindern damit viel auf den Weg. Sie geben ihnen die Welt und prägen junge Persönlichkeiten. Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Abschließend: Wir gemeinsam haben sehr viel aus dem Rechnungshofbericht gelernt. Vielleicht sollten wir uns vornehmen, diese Empfehlungen schnellstmöglich gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Wolfgang Moitzi zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrte Frau Präsidentinnen – es kommt ja nicht so oft vor, dass zwei Präsidentinnen im Raum sind! Ich kann die Frau Präsidentin des Rechnungshofes beruhigen. Sie hat gesagt, sie wünscht sich, dass der Rechnungshofbericht über den Lehrpersonaleinsatz ernst genommen wird. Ich glaube, wir als Parlament und auch die Bundesregierung nehmen diesen Bericht extrem ernst, denn der Rechnungshofbericht zeigt uns leider sehr deutlich auf, was schon seit vielen Jahren gewusst wurde und uns auch gedroht hat, nämlich ein Lehrpersonalmangel. Trotzdem haben die letzten beiden Regierungen lange zugeschaut und zu spät Maßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis – Barbara Neßler hat es ja angesprochen –, dass in Tirol zum Beispiel 46 Prozent der Fächer von fachfremdem Personal unterrichtet werden. In Oberösterreich sind es 35 Prozent. Allein im Jahr 2023 mussten Mehrdienstleistungen im Umfang von circa 7 000 Vollzeitäquivalenten geleistet werden und dadurch also rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte kompensiert werden. Das ist weder fair gegenüber den Lehrkräften noch gegenüber unseren Kindern in den Klassenzimmern. Die zentrale Schlussfolgerung aus diesem Bericht ist klar: Wir dürfen nicht mehr in Notlösungen hineinstolpern, sondern müssen endlich den Lehrerinnen- und Lehrerberuf wieder attraktiver machen. Genau deshalb haben wir den Bericht ernst genommen und im Regierungsprogramm auch schon Maßnahmen festgeschrieben, nämlich mehr Ausbildungsplätze für Pädagoginnen und Pädagogen, Ausbau der Schulsozialarbeit zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen, Investitionen in die und eine Verkürzung der Pädagog:innenausbildung. Wir wollen auch ein mittleres Management zur Unterstützung von Lehrpersonal an den Schulen einsetzen, damit Probleme delegiert und die Lehrer:innen so unterstützt werden können. Damit machen wir mit der Attraktivierung des Lehrberufs Ernst, nicht nur mit Kampagnen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und kürzeren Ausbildungswegen. (👏 ÖVP, SPÖ) Den notwendigen Quereinsteigern wollen wir den Quereinstieg erleichtern: Es wird größtmögliche und nachvollziehbare Anrechnungen von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft geben, und wir begleiten sie dann besser im neuen Beruf, damit sie im Klassenzimmer nicht allein gelassen werden. Auch die Volksschulen wollen wir für den Quereinstieg öffnen. Die Zahlen bestätigen den eingeschlagenen Weg dieser Bundesregierung. Auf 6 500 freie Stellen haben sich in diesem Schuljahr 16 000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das zeigt schon einen ersten guten Erfolg. Abschließend: Wir werden das sehr ernst nehmen, denn für uns als Sozialdemokratie und auch für diese Bundesregierung ist klar, unsere Kinder verdienen nicht den zweitbesten Unterricht, sondern die beste Bildung. Dafür tragen wir hier gemeinsam die Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren, die noch auf der Galerie und vor den Bildschirmen sind! Wir wechseln jetzt das Thema – die Rechnungshofberichte sind ja sehr umfangreich und sehr umfassend –, es geht jetzt um die Kultur. Der Rechnungshof wiederholt ja nicht das Offensichtliche, sondern macht das Verborgene und Notwendige sichtbar – und das sorgt für Transparenz. Die Berichte sind auch immer wieder unmittelbar dafür verantwortlich, dass Grundlagen für Reformen geschaffen werden. Nicht nur deswegen lesen wir NEOS sie so besonders gerne. Daher bedanken wir uns sehr herzlich beim Team des Rechnungshofes für diese Lektüre, die es uns etwas einfacher macht, Reformen anzugehen. (👏 NEOS) Der Auslandskultur attestiert der Rechnungshof, dass es da ein sehr dichtes Netz an Strukturen und Institutionen gibt. Dieses Netz ist ein Schatz, und es ist auch eine Chance. Uns ist natürlich sehr klar, dass Präsenz der Auslandskultur alleine nicht reicht. Wirkung entsteht auch in der Kultur erst, wenn die Verantwortungen ganz klar geregelt sind und Ziele konsequent verfolgt werden können. Die österreichische Auslandskultur ist das internationale Schaufenster der Kulturnation Österreich. Da entstehen Themenjahre, es gibt gezielte Förderschienen, Künstler:innen und Institutionen bekommen so Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich auch im Ausland zu präsentieren. Und sie ist vor allem auch eine Chance für Österreich, wahrgenommen zu werden. Das aktuelle Grundlagendokument der Auslandskultur markiert zwar wichtige Schwerpunkte, aber es braucht auf jeden Fall mehr. Das stellt auch der Rechnungshof fest. 2026 wird das Jahr, in dem die Auslandskultur auch strategisch neu aufgestellt wird – mit gebündelten Kräften, mit klarer Verantwortung im Außenministerium, abgestimmt mit allen Partnern, Ministerien wie Bundesländern, denn Auslandskultur ist Teil der Außenpolitik. Wer Österreich im Ausland begegnet, sieht nicht neun Bundesländer, sondern eine Kulturnation. (👏 NEOS) Unsere Kulturforen stärken den Standort Österreich. Sie sind die Softpower der Diplomatie sowie der Außenwirtschaft, und sie öffnen Türen. Vom Rechnungshof geprüft wurde allerdings auch die Spanische Hofreitschule – das ist schon so etwas wie ein Dauerbrenner im Rechnungshof –, sie ist ein Kultur- und Tourismusbetrieb, ressortiert allerdings im Landwirtschaftsministerium. Sie hat drei Standorte, drei Logiken, ist dennoch ein einziges Unternehmen, eine Institution mit internationaler Bedeutung, aber auch mit großen Herausforderungen. So lautet auch der Schluss des Rechnungshofes. Das zentrale Thema ist neben der anhaltenden Unruhe in und rund um die Spanische Hofreitschule die Finanzierung. Der Rechnungshof empfiehlt mehrjährige Vereinbarungen mit Kennzahlen, eine transparente Kostenrechnung und ein tragfähiges Unternehmenskonzept – nicht wirklich etwas Neues und das nicht zum ersten Mal. Ziel muss sein: Die Hofreitschule darf nicht zum Spielball werden und muss aus den Schlagzeilen kommen. Sie braucht Verlässlichkeit (👏 NEOS), denn nur dann kann sie zeigen, was sie ist: höchste klassische Reitkunst, lebendiges – im wahrsten Sinne des Wortes – Weltkulturerbe und eine österreichische Institution mit internationaler Strahlkraft. Sehr geehrte Damen und Herren! Die Rechnungshofberichte eröffnen Chancen in der Auslandskultur, aber auch für die Spanische Hofreitschule und für alle anderen geprüften Institutionen. Eine kleine Werbeeinschaltung am Ende: Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofes hat noch niemandem geschadet. Sie hat Institutionen gestärkt, und sie hat Reformen eingeleitet. – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich glaube, ich muss jetzt die gute Stimmung der heutigen Debatte doch noch einmal stören. Ich schaffe es jetzt nicht, wie die Vorrednerin eine Rede über die Spanische Hofreitschule zu halten, ohne auf die aktuellen Ereignisse einzugehen. Wissen Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich ja oft gefragt, wo eigentlich der Begriff des Intrigantenstadls herkommt. Wenn man sich die Artikel der letzten Wochen über die Spanische Hofreitschule anschaut, bekommt man eine Idee davon, denn die Berichte zeichnen meiner Meinung nach ganz klar das Bild einer verschwörerischen Hinterzimmeroperette. (👏) Unsere Spanische Hofreitschule ist mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist lebendiges Kulturgut, sie ist Welterbe und Sinnbild österreichischer Tradition – und genau dieses Kulturgut steht jetzt auf dem Spiel, und das ganz klar wegen völligen politischen Totalversagens, und dieses Versagen hat einen Namen: Das ist das ÖVP-Landwirtschaftsministerium. (👏) Die Spanische Hofreitschule – Sie haben es sicher alle gelesen – braucht einen neuen Geschäftsführer. In dem Zusammenhang kann man sagen: schon wieder, denn die Querelen gehen ja jetzt schon über Jahre – so lange nämlich, wie das ÖVP-Landwirtschaftsministerium auch für die Spanische Hofreitschule zuständig ist. Was aber neu ist, ist eigentlich, wie der jetzige Geschäftsführer auch gegangen worden ist, denn man kann schon sagen, er ist nach allen Regeln der Intrigenkunst – auf gut Wienerisch – geschasst worden. Wenn man sich zum Beispiel die Recherchen des Magazins „Profil“ anschaut, dann sieht man, dass da Entscheidungen getroffen worden sind, bevor Prüfungen überhaupt abgeschlossen worden sind – eigentlich haben sie erst angefangen. Das Ministerium hat eine Anzeige erstattet, obwohl im Nachhinein durch unabhängige Wirtschaftsprüfer herausgekommen ist, dass es keinen systematischen Machtmissbrauch über Spesenabrechnungen gegeben hat, und das alles ohne Einbindung des Aufsichtsrates. Ich sage Ihnen, auch uns liegen interne Akten vor, und da gibt es ein Schreiben des Aufsichtsrates, das relativ aktuell ist – es ist nur neun Tage alt –, und es ist an Minister Totschnig gerichtet. Da steht: Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme des Aufsichtsrates ignoriert der politisch zuständige Minister Totschnig diesen Aufsichtsrat. – Da frage ich mich, bitte, liebe ÖVP: Was ist los und was macht Ihr Minister eigentlich beruflich? Das alles geht doch überhaupt gar nicht! Wenn Sie mich fragen, wird der Aufsichtsrat da mit voller Absicht ignoriert. Das stinkt förmlich nach einer Intrige aus dem Handbuch des Bauernbundes, ganz, ganz klar. In meinen Augen ist das alles unverantwortlich! Sie setzen den Ruf einer 500 Jahre alten Institution aufs Spiel. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein ÖVP-Minister das so zulassen konnte. Wir verlangen hier vollständige Aufklärung auch über die Rolle des Generalsekretärs aus diesem Landwirtschaftsministerium. Liebe Frau Präsidentin! Ich hoffe, gerade bei der Spanischen Hofreitschule gilt – wie so oft –: Nach der Rechnungshofprüfung ist vor der Rechnungshofprüfung. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manuel Litzke zu Wort. – Bitte.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frauen Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin, es ist eine Fülle von Berichten, die Sie uns sowohl im Ausschuss als auch hier vorgelegt haben, wo wir auch schon die Möglichkeit hatten, darüber zu diskutieren, auch so manches zu hinterfragen. Wie wir wissen, geht es ja nicht nur um diese nackte Analyse, die der Rechnungshof vorlegt, sondern es geht auch darum, Empfehlungen zu erhalten, Umsetzungsvorschläge zu bekommen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben für alle geprüften Instanzen, diese ernst zu nehmen: nicht nur analysiert zu werden, sondern diese Empfehlungen auch anzunehmen. Lassen Sie auch mich auf den Achtpunkteplan für eine digitale Schule eingehen, aber denken wir ganz kurz an die Entstehung dieses Achtpunkteplans und daran, in welcher Kürze und in welch raschem Prozess dies dann eigentlich vonstattengegangen ist – was ja auch die Erwartungshaltung von uns allen war, was die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Eltern dahinter für das ganze Bildungssystem war. Denn Ausgangspunkt war im Jahr 2020, dass es um die schnelle Umsetzung von E-Learning, von Homeschooling gegangen ist, da eben auch in dieser Phase, in der nicht alle Schulen durchgehend geöffnet haben konnten, die Schüler bestmöglich betreut werden mussten. Das ist verständlich, dazu braucht es Endgeräte, dazu braucht es natürlich auch Software, dazu braucht es auch einen entsprechenden Bildungsplan, und umso rascher hatte diese Umsetzung auch zu erfolgen. Da ist es – und das haben Sie in Ihrem Bericht gut aufgearbeitet – natürlich passiert, dass manches, was hätte dokumentiert werden müssen, nicht in dieser Art und Weise geschehen ist. Ja, wir sehen das auch so: Das ist notwendig, und da muss sicherlich einiges nachgeholt werden, was die Zielbestimmungen angeht. Wir müssen wissen, wo Schüler am Anfang dieses Lernprozesses stehen, wo sie stehen sollen, wenn der Lernprozess abgeschlossen ist, aber das Gleiche gilt natürlich auch für das Lehrpersonal. Wir müssen schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, da ein konsequentes Vorgehen, was Bildungsziele betrifft, wirklich zu verankern und umzusetzen. Wie gesagt: Auch wenn das alles hat rasch gehen müssen, so ist es jetzt höchst an der Zeit, zu evaluieren: Wo stehen wir? Welche Ziele lassen sich daraus ableiten? Und auch was den finanziellen Background betrifft: Wie stellen wir in Zukunft sicher, dass Endgeräte auch wirklich effizient eingesetzt werden können und wir wissen, was genau mit diesen Geräten passiert, wie und wo sie eingesetzt werden? – Also wirklich vielen herzlichen Dank für diese Hinweise. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal auf die Innovationsstiftung für Bildung zu sprechen kommen, weil sie aus meiner Sicht eine Einrichtung ist, die es angesichts der großen Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, eigentlich unbedingt braucht. Wir brauchen zum Beispiel im Angesicht der Revolution durch die künstliche Intelligenz gerade jetzt Expert:innen, die darüber nachdenken, wie man als Lehrende, aber auch als Lernende damit umgeht, wie man sie nutzt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir brauchen Bildungsinnovation im Bereich des Spracherwerbs, und wir brauchen Bildungsinnovation für die Zukunft unserer Wirtschaft. In Zeiten des Sparens brauchen wir auch schlanke Verwaltungsstrukturen, die gewährleisten, dass möglichst viel Geld in die inhaltliche Arbeit und in die Projekte fließt. Der Rechnungshof hat jetzt im vorliegenden Bericht einige Kritikpunkte geäußert. Ich möchte sie jetzt nicht alle wiederholen, sie sind schon mehrfach erwähnt worden. Vielleicht kurz einige: Der Förderbegriff sei zu weit gefasst, die Stiftung sei zu groß dimensioniert, und es fehle auch an Transparenz. Und es gibt auch klare Empfehlungen durch den Rechnungshof. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Präsidentin, und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedanken, weil Sie dazu beitragen, dass unsere Verwaltung, die Arbeit der Behörden und der vielen Einrichtungen und Unternehmen immer wieder verbessert werden kann. Ich glaube, Verbesserung ist auch bei der Innovationsstiftung angesagt. Der Herr Bundesminister hat ja bereits im Ausschuss angekündigt, dass eine umfassende Reform der Organisationsstruktur bevorsteht und der parlamentarische Prozess dafür auch bereits im kommenden Jahr starten soll. Ich bin froh, dass die Regierungsparteien die Berichte des Rechnungshofes ernst nehmen und dass sie dann auch rasch an einer Umsetzung der Empfehlungen arbeiten. So funktioniert das, so nimmt man auch die parlamentarischen Instrumente und die Berichte ernst, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der Rechnungshofbericht zum Achtpunkteplan für eine digitale Schule war jetzt schon öfter Thema. Er hat ganz klare Kritikpunkte und auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, und das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, wenn wir zukünftige Digitalisierungsprojekte umsetzen. Und ich will betonen: Gerade im Bildungsbereich ist die Digitalisierung enorm wichtig, und da müssen wir auch investieren. Im Regierungsprogramm ist dafür eine umfassende Kompetenzoffensive vorgesehen, ganz im Sinne des Achtpunkteplans, und dazu gehört auch die volle Ausrollung der Geräteinitiative. Aber nicht nur das, es geht auch um neue Schritte bei der künstlichen Intelligenz, etwa KI-Pilotschulen, digitale Lernprojekte und – das finde ich besonders wichtig – KI-gestütztes individualisiertes Lernen. Ebenso wichtig ist die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, denn Digitalisierung funktioniert nicht ohne die Pädagoginnen und Pädagogen. Sie brauchen die besten Werkzeuge und auch Unterstützung beim Umgang mit diesen modernen Medien. Wir müssen in Österreich entschlossen interaktive und digitale Lernprogramme entwickeln und flächendeckend einsetzen, denn Digitalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, das ist die Zukunft. Unsere Schulen haben die Verantwortung, die Kinder auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Und diese Welt verändert sich rasant: Entwicklungen, die wir in Echtzeit vor unseren Augen erleben. Es geht um die Zukunft unseres Landes, und genau deshalb müssen wir die Digitalisierung auch weiter stärken. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen nun zu den Abstimmungen. RN/177.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Innovationsstiftung für Bildung, III-131 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/177.2 Tagesordnungspunkt 15: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Lehrpersonaleinsatz, III-167 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.3 Tagesordnungspunkt 16: Bericht betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule, III-52 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.4 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Bericht betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz, III‑1 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.5 Tagesordnungspunkt 18: Bericht betreffend Österreich Institut G.m.b.H., Follow-up-Überprüfung, III‑2 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.6 Tagesordnungspunkt 19: Bericht betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien, Follow-up-Überprüfung, III-3 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.7 Tagesordnungspunkt 20: Bericht betreffend Österreichische Kulturforen, Follow-up-Überprüfung, III‑4 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.8 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 21: Bericht betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber, III-5 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig so zur Kenntnis genommen. Abstimmung über TOP 8 und 9, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 20:57

Bericht des Rechnungshofes betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule – Reihe BUND 2024/29

192 d.B. · Regierungsvorlage III-52 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zum 8‑Punkte‑Plan für eine digitale Schule (Reihe BUND 2024/29) zur Kenntnis. Damit wird der Ausschussantrag auf Kenntnisnahme angenommen.

Betroffen sind der 8‑Punkte‑Plan „Digitale Schule“ sowie die Gebarung und Umsetzung im Zuständigkeitsbereich des Bildungsministeriums und der Länder Kärnten und Niederösterreich.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule – Reihe BUND 2024/29

Gegenstand und Rechtsgrundlage des Berichts

  • Behandelt wird ein Bericht des Rechnungshofes zum „8-Punkte-Plan für eine digitale Schule“ (Reihe BUND 2024/29).
  • Der Bericht erfolgte gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und beruht auf Wahrnehmungen aus einer Gebarungsüberprüfung.

Prüfungsumfang und betroffene Zuständigkeitsbereiche

  • Geprüft wurde im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.
  • Zusätzlich umfasste die Gebarungsüberprüfung die Länder Kärnten und Niederösterreich.

Parlamentarische Weiterbehandlung eines nicht erledigten Rechnungshofberichts

  • Der Bericht war bereits in der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode Verhandlungsgegenstand, wurde dort jedoch nicht erledigt.
  • Auf Grundlage von Art. 28 Abs. 4 B-VG iVm § 21 Abs. 1a GOG sind nicht erledigte Rechnungshofberichte der Vorperiode im neu gewählten Nationalrat weiter zu verhandeln und in den Ausschüssen vorzuberaten.

Bericht des Rechnungshofes betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule – Reihe BUND 2024/29

~32 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir debattieren hier mehrere Rechnungshofberichte und drei davon behandeln den Bildungsbereich. Ich möchte mich bei Ihnen, Frau Präsidentin, sehr herzlich bedanken, dass Sie die Prüfungen und diesen Bericht sehr unbeeindruckt, aber vor allem auch sehr schonungslos gestaltet haben. In einem dieser Berichte geht es um die Innovationsstiftung für Bildung – eine Stiftung, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde, die auch kaum jemand kennt. Diese Stiftung wurde 2017 gegründet, um das allgemeine Bildungsniveau in Österreich anzuheben. Dotiert war diese Stiftung innerhalb von sechs Jahren mit 27 Millionen Euro. Was war das Ergebnis dieses Rechnungshofberichtes? – Es war in Wirklichkeit ein beispiellos vernichtendes Urteil, und es hat aufgezeigt, wie führungslos man im Bildungsministerium in den vergangenen Jahren agiert hat. Was schreibt der Rechnungshof? – Organisatorisch war diese Stiftung viel zu groß aufgestellt. Es gibt fünf Substiftungen, zu denen der Rechnungshof im Übrigen sagt, dass das eine für österreichische Verhältnisse völlig unübliche Rechtskonstruktion ist. Der Stiftungsvorstand und der OeAD-Geschäftsführer, das war eine Personalunion – also eine Person. Der Rechnungshof weist auf hohe Fluktuationsraten bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle hin. Es fehlte vielfach die Expertise in der Umsetzung. Diese hat man dann wieder extern zugekauft. Es fehlten Vorgaben zum Finanzplan, zu Förderrichtlinien und definierte Prozessen – da war überhaupt kein internes Kontrollsystem gewährleistet, und auch das hat der Rechnungshof kritisiert. Vor allem waren es aber zwei Punkte: nämlich dass es keine langfristige Strategie gegeben hat, dass eine solche nicht erkennbar war, und zuletzt – und das ist nicht nur nicht schmeichelhaft, sondern ist wirklich ein vernichtendes Urteil für diese Stiftung – hat er die zentrale Empfehlung ausgegeben: „Eine gesamthafte Evaluierung der Innovationsstiftung für Bildung“. Das ist gleichbedeutend mit, landläufig: Ja, löst sie auf, schafft sie ab, oder liquidiert sie! Was immer ihr damit tut, überlegt euch: Vielleicht können bestehende Institutionen wie das Ministerium oder auch der OeAD da Aufgaben wahrnehmen. Man muss ja schon auch irgendwann erkennen: Wenn etwas seinen Zweck nicht erfüllt, ja, dann muss man sich davon auch trennen. (👏 FPÖ) Denn was hat es am Ende des Tages gebracht? – Was hat es den Schulen gebracht, was hat es den Lehrern gebracht, was hat es den Kindern, den Schülern gebracht, was hat es den Eltern gebracht? Verbesserung in den Grundkompetenzen? – Nein. Wurde der Lehrermangel in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise beseitigt? – Nein. Wurde der Leistungsgedanke in den Schulen irgendwie forciert? – Nein. Konfliktmanagement, das man vielleicht mit innovativen Ideen unterstützt hätte? – Nein. Bürokratie abgebaut? – Nein. Wirtschaftliche Ausbildung auch im Hinblick auf die Lehre, dass man da irgendwie innovativ gewesen wäre? – Nein. Innovativ wäre es zum Beispiel gewesen, wenn man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie man neue Ausbildungsmöglichkeiten schaffen kann, zum Beispiel Handwerksschulen, zum Beispiel Gewerbeschulen. Das alles ist nicht geschehen. Am Ende des Tages sage ich Ihnen: Diese Stiftung hat sich tatsächlich nur selbst verwaltet – und ich glaube, das ist nicht der Sinn und Zweck einer Stiftung. Der Herr Bundesminister für Bildung wäre aufgefordert, da entsprechend zu handeln. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Servus . – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Ja, sehr geehrte Damen und Herren, noch einmal Bildung. Bildung, Forschung und Innovation gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren in einer modernen Volkswirtschaft und sie bestimmen maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, aber auch Wettbewerbsstärke und den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wurde auch 2017 – der Herr Kollege hat es gesagt – die Innovationsstiftung für Bildung gegründet, mit dem strategischen Ziel, die innovativen Kräfte in Österreich für die Weiterentwicklung im Bildungsbereich zu bündeln. Ich kann den Herrn Kollegen von der FPÖ beruhigen: Es steht im Regierungsprogramm, dass die Innovationsstiftung evaluiert und auch reformiert werden soll. Dafür wird unter anderem auch der Rechnungshofbericht beziehungsweise werden die Empfehlungen des Rechnungshofes eingearbeitet. Der Fokus soll wieder mehr auf Innovation und Wettbewerb gelegt und die Anforderungen sollen erhöht werden, geht es doch schließlich auch darum, „unbürokratisch und rasch“, so steht es im Regierungsprogramm, Bildungsinnovation ins Bildungssystem zu bringen. Erfolgversprechende Projekte sollen nicht direkt aus dem Ministerium, sondern quasi als kleine Schnellboote rasch und ohne hierarchische Hindernisse umgesetzt und realisiert werden. Einige Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes – danke an dieser Stelle auch Ihnen, Frau Rechnungshofpräsidentin –: Verbessert werden soll unter anderem der Abwicklungsaufwand, der aktuell bei durchschnittlich 15 Prozent der ausgezahlten Fördermittel liegt; das ist ein bisschen viel. Auch soll die auf 20 Mitglieder etwas aufgeblähte Organisationsstruktur von Stiftungsrat, Aufsichtsorgan und wissenschaftlichem Beirat reduziert werden. Weiter ausgebaut und forciert werden soll die Möglichkeit, Spender aus der Privatwirtschaft anzuwerben. Seit 2023 ist das ja mit der Spendenabsetzbarkeit für Bildung auch möglich – beschlossen hier von diesem Haus. Ich finde es gut, dass die Innovationsstiftung bereits mit einer Vielzahl von privaten Akteuren im Austausch steht. Wenn Mäzene, Spender und natürlich auch Großspender aus der Wirtschaft vermehrt in Erscheinung treten und die Innovationsstiftung mit ihrem privaten Kapital und privaten Engagement dabei unterstützen, dann ist das sicherlich von Vorteil. Es wäre schön, wenn auch andere dem Beispiel Mateschitz und Co folgen würden und ihr Geld in Richtung Bildung investieren würden. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel muss es weiterhin sein, das Bildungsniveau anzuheben, die tertiären Bildungsabschlüsse weiter zu steigern. Und auch bei der Zahl der Patentanträge oder Start-up-Gründungen gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche der Innovationsstiftung, dass sie diese Ziele weiter unterstützen kann und dabei viel Erfolg. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich werde mich kurz auf die Innovationsstiftung für Bildung beziehen. Was ist das Ziel dieser Stiftung? – Ziel ist es, die innovative Bildungspolitik voranzutreiben und wirklich in alle Altersstufen der Kinder zu bringen. Der Rechnungshof hat sich folgende Punkte angeschaut: Wie funktioniert die Organisationsstruktur? Wie werden die Aufgaben wahrgenommen? Entsprechen sie dem, was geplant war? Und wie hat sich die finanzielle Entwicklung in den Jahren 2017 bis 2023 gestaltet? Danke, Frau Rechnungshofpräsidentin, das ist einer von vielen sehr ausführlichen Berichten. Wir haben vorhin über den Wissenschaftsblock gesprochen, jetzt sind wir beim Bildungsblock angelangt, und das waren dank der sehr fundierten Berichte wirklich intensive Debatten. Was hat der Rechnungshof festgestellt? – Er hat festgestellt, dass es sehr hohe Ausgaben für externe, zugekaufte Leistungen gegeben hat. Man hat sich viel Expertise zugekauft, und da lohnt es sich wirklich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es haben konsolidierte Kostendarstellungen gefehlt – das sollte keinesfalls passieren –, und es hat auch da, wie im vorigen Block schon angesprochen, keine standardisierten Abläufe gegeben – dennoch fehlt ein wichtiges Kontrollinstrument –, und das Risikomanagement war sehr stark vernachlässigt, nicht systemisiert. Ein Punkt, der uns wirklich auch Auftrag sein sollte: Die Förderkriterien waren unklar. Es ist, glaube ich, in unser aller Interesse, Kriterien für Förderungen, die ausgeschüttet werden, wirklich sehr klar, nachvollziehbar und transparent zu gestalten, sodass dann jeder weiß, wohin das Geld geflossen ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Der Rechnungshof hat festgestellt: Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der gesamten Strukturen und der Wirkungsweisen. Ich habe vorhin schon gesagt, das Ziel dieser Innovationsstiftung ist es, innovative Bildungspolitik auf den Boden zu bringen und für alle Altersstufen zu gewährleisten, und ich habe den Herrn Bundesminister dann gefragt, ob man valide Daten hat, welche Altersgruppen am meisten von genau diesen innovativen Ansätzen profitiert haben. Die Sekundarstufe, hat er geantwortet, hat am stärksten nachgefragt. Aber natürlich waren wir uns auch im Ausschuss einig, und das wurde auch unisono bestätigt, dass die Elementarstufe besonders im Fokus sein sollte. Das sollten wir wirklich als gemeinsames Ziel haben, einfach um zu gewährleisten – das ist, glaube ich, für uns alle wichtig –, dass bereits die Jüngsten mit innovativer Politik in der Bildung arbeiten dürfen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Zuerst möchte auch ich mich bei Ihnen für die ausführlichen Berichte bedanken. Der Rechnungshof ist eine zentrale Institution in unserer liberalen Demokratie. Die Analysen und die Arbeit zur Verwendung öffentlicher Mittel, all unserer Steuergelder, sind von unschätzbarem Wert. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei allen Prüferinnen und Prüfern sowie bei Ihnen persönlich bedanken. Die Berichte des Rechnungshofes – ich werde in der Folge über den Bericht zum Lehrpersonaleinsatz und über den Achtpunkteplan für eine digitale Schule sprechen – zeigen einmal mehr: Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass sich diese Regierung den Problemen stellt, denn genau das erwarten sich die Bürgerinnen und Bürger. Die Probleme sind massiv: Unser Bildungssystem, unsere Lehrer:innen und Schüler:innen leiden seit über einem Jahrzehnt unter dem Lehrpersonalmangel. Lange Zeit versuchte man, das Problem mit punktuellen Eingriffen zu beheben – ohne Erfolg. Kein Wunder, denn sowohl bei der Beurteilung des tatsächlichen Lehrer:innenbedarfs und in der Folge auch bei den gesetzten Maßnahmen zur Deckung verfehlte man klar das selbst gesteckte Ziel. Die schließlich im Jahre 2022 anlaufende umfassende Initiative Klasse Job zur Behebung des Lehrermangels war im Kern eine gute Idee, aber auch da haperte es an der Umsetzung. Ähnliches hat der Rechnungshof bei der Überprüfung des Achtpunkteplans für eine digitale Schule festgestellt. Mehrfach schienen in der Vergangenheit Umsetzungsstände von Teilprojekten nicht bekannt zu sein, existierten Daten zur Erhebung von Projektfortschritten nicht, und das Ministerium wich von Vergabestandards ab. Letztlich waren die Ziele des Projekts nicht ausreichend genau abgesteckt, sodass sich ein Erfolg oder Misserfolg auch nur schwer einschätzen ließ. Glauben Sie mir, als ehemalige Volksschullehrerin kenne ich einige Probleme unseres Bildungssystems nur zu gut, und sie sind auch der Grund dafür, dass ich heute hier vor Ihnen und nicht mehr vor einer Klasse stehe. Daher beklage ich die ausführliche Kritik und die Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes auch nicht, sondern begrüße sie besonders. Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass wir Teil dieser Regierung sind, weil wir mit uns in der Regierung die Finanzierung des Bildungsbereichs auch in den Zeiten des größten Spardrucks sicherstellen, weil nur mit uns sich bereits heute erste Verbesserungen beim Lehrpersonal einstellen und nur mit uns es mit der stiefmütterlichen Behandlung der Bildung in diesem Land vorbei ist, die doch Kern von so vielen Aspekten unserer Gesellschaft ist. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Präsidentin Margit Kraker zu Wort gemeldet. – Bitte.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, in diesem Block stehen mehrere Berichte aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung. Wir haben das am 9. September im Rechnungshofausschuss besprochen. Der erste Punkt ist der Lehrpersonaleinsatz. Ich denke, der Rechnungshof gibt da eine umfassende Übersicht über die Maßnahmen, die getroffen wurden, um dem Lehrpersonalbedarf in den Schulen Rechnung zu tragen beziehungsweise um einem allfälligen Lehrermangel entgegenzuwirken. Wir haben untersucht und eben festgestellt, dass das Bildungsministerium schon seit dem Jahr 2009 Lehrpersonalbedarfsprognosen erstellte, die auf einen Personalmangel ab dem Jahr 2018/2019 hinwiesen. Diesen Prognosen fehlten die notwendigen Steuerungselemente, bei denen man zum Beispiel auch die Angebotsseite mitbetrachtet hätte. Bis zum Jahr 2022 gab es keine umfangreichen und systematischen Maßnahmen, um diesem Mangel zu begegnen. Warum gab es dann dennoch nicht so viele offene Stellen? – Weil kompensiert wurde. Es wurde mit Mehrdienstleistungen, fachfremdem Unterricht, mit Sonderverträgen an Personen, die keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung vorweisen konnten, kompensiert. All diese Faktoren haben naturgemäß Auswirkungen auf den Unterricht und auf die Organisation in den Schulen. Das Projekt Klasse Job haben wir eigentlich positiv beurteilt, denn wir haben gesagt, das ist ein Projekt, das aus acht Teilprojekten bestand, um da systemisch entgegenzuwirken. Die Kosten dafür betrugen in zwei Jahren 2,6 Millionen Euro. Ein Teilprojekt war der Quereinstieg und dass eben Personen mit fachverwandtem Studium die Möglichkeit haben, als Lehrpersonen zu arbeiten, und da gab es eine Zertifizierungskommission. Diese Zertifizierungskommission verursachte in zwei Jahren Kosten und Auszahlungen von 604 000 Euro, und es gab in diesem Zeitraum ungefähr 5 000 Bewerberinnen und Bewerber. Die Hälfte wurde zertifiziert, und von den zertifizierten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern unterrichtete weniger als ein Drittel tatsächlich.Es hätte die Möglichkeit gegeben, auch einen Selbstbehalt einzuheben, aber darauf hat man verzichtet. Ein weiterer Punkt ist – und da appelliere ich an die Verwaltungsstellen, an die Bildungsverwaltungsstellen –, dass die Dienstverträge rasch ausgestellt werden und dass man die Vordienstzeiten und das Besoldungsdienstalter rascher errechnet, denn die Lehrpersonen brauchen natürlich auch einen Nachweis für ihr Dienstverhältnis. Es gab dann Spannungsfelder bezüglich der Anstellungsvoraussetzungen zwischen der Zertifizierungskommission und der Bildungsdirektion, sodass sich ergab, dass man die rechtliche Qualität der Zertifikate klären muss und dass tatsächlich die Bildungsdirektionen über die Anstellung entscheiden. Die PädagogInnenbildung neu, sehr geehrte Damen und Herren, wurde im Jahr 2013 für die Sekundarstufe auf ein sechsjähriges Lehramtsstudium verlängert. Für die Primarstufe wurde die Ausbildungszeit von drei auf fünf Jahre erhöht. 2024 wurde sie dann wieder verkürzt, weil man gemerkt hat, dass da eine Lücke bei den Absolventinnen und Absolventen entsteht, und man hat dann auf drei plus zwei Jahre mit berufsbegleitendem Masterstudium umgestellt. Dieses berufsbegleitende Studium führt natürlich dazu, dass Studierende, Bachelorstudierende auch hohe Belastungen auf sich nehmen müssen, und erhöht auch den Teilzeitanteil an den Schulen dementsprechend. Zum Qualitätssicherungsrat haben wir auch einen Exkurs gemacht. Dieser hat die Aufgabe gehabt, die PädagogInnenbildung neu zu begleiten. Diese Aufgabe ist weitgehend erfüllt, die Kosten lagen bei 2,42 Millionen Euro. Studierende konnten einen Regelvertrag haben, wenn sie schon ein gewisses Niveau an Ausbildungsstunden hatten, sonst hatten sie einen Sondervertrag. 9 Prozent aller Lehrpersonen waren im Schuljahr 2023/24 mit Sondervertrag angestellt. Insbesondere gab es einen hohen Anteil im Bereich der Landeslehrpersonen – das sehen wir kritisch. Auch die Mittelschulen sind darüber hinaus sehr stark mit dem Thema fachfremder Unterricht konfrontiert, das haben wir natürlich auch kritisch gesehen. Der Teilzeitanteil an den Schulen liegt bei 39,5 Prozent. Ich habe es schon gesagt, das liegt neben der Tatsache, dass es überwiegend Frauen sind, natürlich auch daran, dass es berufsbegleitende Studien gibt. Wenn man eine hohe Teilzeitquote hat, erfordert das natürlich ein Management beim Personaleinsatz der Lehrpersonen. Wir haben daher verschiedene Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen, um im Bereich der Mehrdienstleistungen, im Bereich der berufsbegleitenden Studierenden nicht zu viele Belastungen zu haben. Und wir haben bei den Quereinsteiger:innen festgestellt, dass es auch da einen hohen Teilzeitanteil gab und dass sie auch schon im ersten Schuljahr fachfremd unterrichtet haben. Ich möchte zum Abschluss sagen: Für den Fall, dass wir einmal zu viele Lehrerinnen und Lehrer haben, weil wir jetzt sehr viele qualifizieren, wäre dies natürlich der ideale Zeitpunkt, auf ganztägige Schulen umzustellen – aber das ist eine Anmerkung meinerseits und steht in dem Sinn nicht im Bericht. (👏 SPÖ, NEOS) Zur Innovationsstiftung wurde schon viel gesagt. Auch da geht es uns um die Wirkung, um einen transparenten Mitteleinsatz, um eine kompetitive Förderausrichtung, sodass man einen Mehrwert erkennen kann. Wir wollen tatsächlich, dass es hier eine grundlegende Evaluierung gibt und dass der Bericht diesbezüglich auch ernst genommen wird. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 20.24 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Rechnungshof zeigt es schwarz auf weiß: Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist kein Zufall, sondern er ist seit 15 Jahren bekannt – seit 15 Jahren. Trotzdem wurde viel zu spät gehandelt, und den Preis zahlen jetzt die Kinder. In Tirol beispielsweise wird fast jede zweite Stunde in der Mittelschule fachfremd unterrichtet, das heißt, es gibt dann Mathematik ohne Mathematiklehrer und -lehrerinnen, Informatik ohne Informatiklehrer und -lehrerinnen – Letzteres beispielsweise in Tirol bis zu 90 Prozent. Das muss man sich einmal vorstellen. Lehrer und Lehrerinnen stemmen längst Unmenschliches: Mehrstunden, fachfremden Unterricht, kaum Unterstützung. Ich glaube, da muss man sich nicht wundern, dass ganz viele ausbrennen. Wir Grüne sagen klar: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte und vor allem eine echte Entlastung, das heißt junge Lehrkräfte, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, und diese brauchen eine Begleitung, damit sie nicht von Anfang an wieder frustriert den Arbeitsplatz verlassen. Das heißt auch: Unterstützungspersonal, psychosoziale Unterstützung und Schulsozialarbeit. Apropos: Da sind wir bei einem Thema, einer Sache, die wir immer wieder angesprochen haben, und jedes Mal hieß es vonseiten der Regierungsparteien: Nein, nein, wir haben alles im Griff. – Die Realität schaut anders aus. Seit dem 17. Juni gibt es keinen einzigen freien Platz mehr im Programm Gesund aus der Krise. Das ist ein Programm – das einzige! –, das jungen Menschen eine Gratispsychotherapie ermöglicht, oftmals ein Rettungsanker, den Tausende Jugendliche dringend brauchen. Gerade jetzt, da die Zahl psychischer Erkrankungen steigt, da Wartezeiten bis ins Unermessliche gehen, wird ihnen diese Tür zugeschlagen – und das ist nichts anderes als ein Verrat an jungen Menschen, die dringend Hilfe bräuchten. (👏) Liebe Regierungsparteien – vor allem die SPÖ muss ich hier in die Pflicht nehmen, denn es ist ihr Ressort –: Das darf es bitte wirklich nicht geben! Jugendlichen mit einer Depression oder Angstzuständen zu erklären: Sorry, wir haben keinen Platz für euch!, liebe Kollegen und Kolleginnen, das darf es sicher nicht sein. Es wurde uns mehrfach versprochen, dass man das in den Griff bekommt, bisher wurde nichts getan. Wir hoffen ernsthaft, dass sich dieses Problem bald regeln lässt und dass die jungen Menschen nicht länger im Stich gelassen werden. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer .

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Zuhörer! Wenn wir heute über den Lehrpersonaleinsatz sprechen, dann geht es um weit mehr als um Tabellen, Deputate, Stundenpläne – es geht um unsere Kinder, um ihre Chancen, ihre Zukunft, um das, was sie einmal werden können. Das Lernen passiert im Jetzt, und zu sagen: Es wird alles besser!, hilft jetzt leider niemandem. Genau deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen. Österreich gibt in diesem Bereich im internationalen Vergleich sehr viel Geld aus, und trotzdem sind die Leistungen unserer Schüler oft nur Mittelmaß. Was läuft falsch im System? – Das System ist sehr unübersichtlich. Wir haben bei Lehrern eine Teilzeitquote von circa 40 Prozent. Fachfremder Unterricht ist fast schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme, wie meine Vorrednerin gesagt hat; in Tirol liegt er bei ungefähr 50 Prozent. Es fallen Überstunden im Ausmaß von 7 100 Vollzeitstellen an. Richten Sie bitte der Frau Sozialminister und dem Herrn Wirtschaftsminister aus, da können sie den Unternehmern zeigen, wie es geht, die Arbeitszeit zu heben oder länger im Berufsleben zu bleiben, ohne mit dem Finger auf andere zu deuten! Kurz noch zum Achtpunkteplan: Die App Digitales Lernen hat sich von 3 Millionen auf 12 Millionen Euro verteuert, ohne nennenswerte Zugriffe. Kurz gesagt: Die Erfolgsgeschichte von Kaufhaus Österreich wurde fortgeschrieben, wieder wurden Millionen in den Sand gesetzt. Ganz nebenbei sind Aufträge in Millionenhöhe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergeben worden. Transparenz: Fehlanzeige, Kontrolle: leider nein. In allen drei Bereichen fehlt es an definierten, überprüfbaren Zielen und Indikatoren, um die Wirkung messen zu können. Nur Geld in ein System zu geben, ist zu wenig. Auf die Frage im Rechnungshofausschuss, wie der Herr Minister die Arbeit seines Vorgängers bewerten würde, meinte er nur: Er habe eine Basis, auf der man aufbauen könne. – Im Arbeitszeugnis würde stehen: Herr Polaschek hat sich immer redlich bemüht!, oder im Schulnotensystem: Herr Polaschek, setzen, Fünf! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Jakob Grüner gelangt nun zu Wort. – Bitte.

ÖVP Jakob Grüner

Frau Präsidentin! Geschätzte Präsidentin des Rechnungshofes! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Bericht des Rechnungshofes zum Lehrermangel. Wir alle wissen, dass es da große Herausforderungen gibt. Wir haben es schon gehört. Eines ist klar: Bildung, Bildung, Bildung, Bildung und noch einmal Bildung, denn Bildung ist die Antwort auf alle unsere Probleme – sozial, wirtschaftlich, gesellschaftlich. War der Lehrermangel vor einigen Jahren vielleicht noch ein Zukunftsproblem, so steht er heute mitten in der Klasse, mitten im Raum – oder eben nicht. Es ist ja doch so – seien wir ehrlich –: Speziell im Bildungsbereich stehen wir uns regelmäßig selbst im Weg, indem wir dauernd alle ideologisch hineinbuttern, was nur geht, und Reformen verhindern beziehungsweise am Ende des Tages Mindestkompromisse herauskommen – speziell im Bildungsbereich! Im Bildungsministerium, manche nennen es auch K.-und-k.-Ministerium, ändert man keinen einzigen Beistrich, ohne jahrelang darüber zu diskutieren. Wir wissen, Lehrer wachsen nicht auf Bäumen, aber wir pflanzen uns regelmäßig gegenseitig. Wir sollten vielleicht weniger über Fridays for Future – eine wichtige Initiative – und mehr darüber diskutieren, wie wir unsere Lehrer von Montag bis Freitag in die Schulklassen bekommen. Hohes Haus! Der Bericht des Rechnungshofes streicht ein Problem deutlich heraus, und das möchte ich herausgreifen: Sehr viele starten in die Ausbildung und gehen dann nicht in den Beruf. Das ist ein Phänomen, das wir branchenweit in ganz Österreich erkennen, das ist ein großes Problem und sollte uns alle beunruhigen, denn unser Staat kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Arbeitsbeitrag leistet. Wenn manche nicht mehr arbeiten wollen, dann haben wir vermutlich ein anderes Problem, ein gesellschaftliches Problem, vielleicht ein kulturelles Problem, aber nicht immer ein wirtschaftliches Problem, denn auch im Bildungsbereich kommt das Geld nicht aus dem Bankomaten. Wir müssen dieses Wohlstandsproblem, das wir, glaube ich, ganz offensichtlich haben, also dringend gemeinsam in den Griff bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte positiv abschließen und mich ganz herzlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern im Land bedanken, die tagtäglich Großartiges leisten, für unsere Kinder da sind und sie auf das Leben vorbereiten. Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Volksschulalter und habe am Montag beim Elternabend gesehen und gespürt, mit wie viel Liebe und Einsatz unsere Kinder das Rechnen, das Schreiben, das Lesen, soziale Fähigkeiten, Freundschaften, Emotion, Verantwortung, Zuversicht et cetera lernen. – Sie geben unseren Kindern damit viel auf den Weg. Sie geben ihnen die Welt und prägen junge Persönlichkeiten. Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Abschließend: Wir gemeinsam haben sehr viel aus dem Rechnungshofbericht gelernt. Vielleicht sollten wir uns vornehmen, diese Empfehlungen schnellstmöglich gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Wolfgang Moitzi zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrte Frau Präsidentinnen – es kommt ja nicht so oft vor, dass zwei Präsidentinnen im Raum sind! Ich kann die Frau Präsidentin des Rechnungshofes beruhigen. Sie hat gesagt, sie wünscht sich, dass der Rechnungshofbericht über den Lehrpersonaleinsatz ernst genommen wird. Ich glaube, wir als Parlament und auch die Bundesregierung nehmen diesen Bericht extrem ernst, denn der Rechnungshofbericht zeigt uns leider sehr deutlich auf, was schon seit vielen Jahren gewusst wurde und uns auch gedroht hat, nämlich ein Lehrpersonalmangel. Trotzdem haben die letzten beiden Regierungen lange zugeschaut und zu spät Maßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis – Barbara Neßler hat es ja angesprochen –, dass in Tirol zum Beispiel 46 Prozent der Fächer von fachfremdem Personal unterrichtet werden. In Oberösterreich sind es 35 Prozent. Allein im Jahr 2023 mussten Mehrdienstleistungen im Umfang von circa 7 000 Vollzeitäquivalenten geleistet werden und dadurch also rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte kompensiert werden. Das ist weder fair gegenüber den Lehrkräften noch gegenüber unseren Kindern in den Klassenzimmern. Die zentrale Schlussfolgerung aus diesem Bericht ist klar: Wir dürfen nicht mehr in Notlösungen hineinstolpern, sondern müssen endlich den Lehrerinnen- und Lehrerberuf wieder attraktiver machen. Genau deshalb haben wir den Bericht ernst genommen und im Regierungsprogramm auch schon Maßnahmen festgeschrieben, nämlich mehr Ausbildungsplätze für Pädagoginnen und Pädagogen, Ausbau der Schulsozialarbeit zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen, Investitionen in die und eine Verkürzung der Pädagog:innenausbildung. Wir wollen auch ein mittleres Management zur Unterstützung von Lehrpersonal an den Schulen einsetzen, damit Probleme delegiert und die Lehrer:innen so unterstützt werden können. Damit machen wir mit der Attraktivierung des Lehrberufs Ernst, nicht nur mit Kampagnen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und kürzeren Ausbildungswegen. (👏 ÖVP, SPÖ) Den notwendigen Quereinsteigern wollen wir den Quereinstieg erleichtern: Es wird größtmögliche und nachvollziehbare Anrechnungen von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft geben, und wir begleiten sie dann besser im neuen Beruf, damit sie im Klassenzimmer nicht allein gelassen werden. Auch die Volksschulen wollen wir für den Quereinstieg öffnen. Die Zahlen bestätigen den eingeschlagenen Weg dieser Bundesregierung. Auf 6 500 freie Stellen haben sich in diesem Schuljahr 16 000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das zeigt schon einen ersten guten Erfolg. Abschließend: Wir werden das sehr ernst nehmen, denn für uns als Sozialdemokratie und auch für diese Bundesregierung ist klar, unsere Kinder verdienen nicht den zweitbesten Unterricht, sondern die beste Bildung. Dafür tragen wir hier gemeinsam die Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren, die noch auf der Galerie und vor den Bildschirmen sind! Wir wechseln jetzt das Thema – die Rechnungshofberichte sind ja sehr umfangreich und sehr umfassend –, es geht jetzt um die Kultur. Der Rechnungshof wiederholt ja nicht das Offensichtliche, sondern macht das Verborgene und Notwendige sichtbar – und das sorgt für Transparenz. Die Berichte sind auch immer wieder unmittelbar dafür verantwortlich, dass Grundlagen für Reformen geschaffen werden. Nicht nur deswegen lesen wir NEOS sie so besonders gerne. Daher bedanken wir uns sehr herzlich beim Team des Rechnungshofes für diese Lektüre, die es uns etwas einfacher macht, Reformen anzugehen. (👏 NEOS) Der Auslandskultur attestiert der Rechnungshof, dass es da ein sehr dichtes Netz an Strukturen und Institutionen gibt. Dieses Netz ist ein Schatz, und es ist auch eine Chance. Uns ist natürlich sehr klar, dass Präsenz der Auslandskultur alleine nicht reicht. Wirkung entsteht auch in der Kultur erst, wenn die Verantwortungen ganz klar geregelt sind und Ziele konsequent verfolgt werden können. Die österreichische Auslandskultur ist das internationale Schaufenster der Kulturnation Österreich. Da entstehen Themenjahre, es gibt gezielte Förderschienen, Künstler:innen und Institutionen bekommen so Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich auch im Ausland zu präsentieren. Und sie ist vor allem auch eine Chance für Österreich, wahrgenommen zu werden. Das aktuelle Grundlagendokument der Auslandskultur markiert zwar wichtige Schwerpunkte, aber es braucht auf jeden Fall mehr. Das stellt auch der Rechnungshof fest. 2026 wird das Jahr, in dem die Auslandskultur auch strategisch neu aufgestellt wird – mit gebündelten Kräften, mit klarer Verantwortung im Außenministerium, abgestimmt mit allen Partnern, Ministerien wie Bundesländern, denn Auslandskultur ist Teil der Außenpolitik. Wer Österreich im Ausland begegnet, sieht nicht neun Bundesländer, sondern eine Kulturnation. (👏 NEOS) Unsere Kulturforen stärken den Standort Österreich. Sie sind die Softpower der Diplomatie sowie der Außenwirtschaft, und sie öffnen Türen. Vom Rechnungshof geprüft wurde allerdings auch die Spanische Hofreitschule – das ist schon so etwas wie ein Dauerbrenner im Rechnungshof –, sie ist ein Kultur- und Tourismusbetrieb, ressortiert allerdings im Landwirtschaftsministerium. Sie hat drei Standorte, drei Logiken, ist dennoch ein einziges Unternehmen, eine Institution mit internationaler Bedeutung, aber auch mit großen Herausforderungen. So lautet auch der Schluss des Rechnungshofes. Das zentrale Thema ist neben der anhaltenden Unruhe in und rund um die Spanische Hofreitschule die Finanzierung. Der Rechnungshof empfiehlt mehrjährige Vereinbarungen mit Kennzahlen, eine transparente Kostenrechnung und ein tragfähiges Unternehmenskonzept – nicht wirklich etwas Neues und das nicht zum ersten Mal. Ziel muss sein: Die Hofreitschule darf nicht zum Spielball werden und muss aus den Schlagzeilen kommen. Sie braucht Verlässlichkeit (👏 NEOS), denn nur dann kann sie zeigen, was sie ist: höchste klassische Reitkunst, lebendiges – im wahrsten Sinne des Wortes – Weltkulturerbe und eine österreichische Institution mit internationaler Strahlkraft. Sehr geehrte Damen und Herren! Die Rechnungshofberichte eröffnen Chancen in der Auslandskultur, aber auch für die Spanische Hofreitschule und für alle anderen geprüften Institutionen. Eine kleine Werbeeinschaltung am Ende: Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofes hat noch niemandem geschadet. Sie hat Institutionen gestärkt, und sie hat Reformen eingeleitet. – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich glaube, ich muss jetzt die gute Stimmung der heutigen Debatte doch noch einmal stören. Ich schaffe es jetzt nicht, wie die Vorrednerin eine Rede über die Spanische Hofreitschule zu halten, ohne auf die aktuellen Ereignisse einzugehen. Wissen Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich ja oft gefragt, wo eigentlich der Begriff des Intrigantenstadls herkommt. Wenn man sich die Artikel der letzten Wochen über die Spanische Hofreitschule anschaut, bekommt man eine Idee davon, denn die Berichte zeichnen meiner Meinung nach ganz klar das Bild einer verschwörerischen Hinterzimmeroperette. (👏) Unsere Spanische Hofreitschule ist mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist lebendiges Kulturgut, sie ist Welterbe und Sinnbild österreichischer Tradition – und genau dieses Kulturgut steht jetzt auf dem Spiel, und das ganz klar wegen völligen politischen Totalversagens, und dieses Versagen hat einen Namen: Das ist das ÖVP-Landwirtschaftsministerium. (👏) Die Spanische Hofreitschule – Sie haben es sicher alle gelesen – braucht einen neuen Geschäftsführer. In dem Zusammenhang kann man sagen: schon wieder, denn die Querelen gehen ja jetzt schon über Jahre – so lange nämlich, wie das ÖVP-Landwirtschaftsministerium auch für die Spanische Hofreitschule zuständig ist. Was aber neu ist, ist eigentlich, wie der jetzige Geschäftsführer auch gegangen worden ist, denn man kann schon sagen, er ist nach allen Regeln der Intrigenkunst – auf gut Wienerisch – geschasst worden. Wenn man sich zum Beispiel die Recherchen des Magazins „Profil“ anschaut, dann sieht man, dass da Entscheidungen getroffen worden sind, bevor Prüfungen überhaupt abgeschlossen worden sind – eigentlich haben sie erst angefangen. Das Ministerium hat eine Anzeige erstattet, obwohl im Nachhinein durch unabhängige Wirtschaftsprüfer herausgekommen ist, dass es keinen systematischen Machtmissbrauch über Spesenabrechnungen gegeben hat, und das alles ohne Einbindung des Aufsichtsrates. Ich sage Ihnen, auch uns liegen interne Akten vor, und da gibt es ein Schreiben des Aufsichtsrates, das relativ aktuell ist – es ist nur neun Tage alt –, und es ist an Minister Totschnig gerichtet. Da steht: Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme des Aufsichtsrates ignoriert der politisch zuständige Minister Totschnig diesen Aufsichtsrat. – Da frage ich mich, bitte, liebe ÖVP: Was ist los und was macht Ihr Minister eigentlich beruflich? Das alles geht doch überhaupt gar nicht! Wenn Sie mich fragen, wird der Aufsichtsrat da mit voller Absicht ignoriert. Das stinkt förmlich nach einer Intrige aus dem Handbuch des Bauernbundes, ganz, ganz klar. In meinen Augen ist das alles unverantwortlich! Sie setzen den Ruf einer 500 Jahre alten Institution aufs Spiel. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein ÖVP-Minister das so zulassen konnte. Wir verlangen hier vollständige Aufklärung auch über die Rolle des Generalsekretärs aus diesem Landwirtschaftsministerium. Liebe Frau Präsidentin! Ich hoffe, gerade bei der Spanischen Hofreitschule gilt – wie so oft –: Nach der Rechnungshofprüfung ist vor der Rechnungshofprüfung. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manuel Litzke zu Wort. – Bitte.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frauen Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin, es ist eine Fülle von Berichten, die Sie uns sowohl im Ausschuss als auch hier vorgelegt haben, wo wir auch schon die Möglichkeit hatten, darüber zu diskutieren, auch so manches zu hinterfragen. Wie wir wissen, geht es ja nicht nur um diese nackte Analyse, die der Rechnungshof vorlegt, sondern es geht auch darum, Empfehlungen zu erhalten, Umsetzungsvorschläge zu bekommen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben für alle geprüften Instanzen, diese ernst zu nehmen: nicht nur analysiert zu werden, sondern diese Empfehlungen auch anzunehmen. Lassen Sie auch mich auf den Achtpunkteplan für eine digitale Schule eingehen, aber denken wir ganz kurz an die Entstehung dieses Achtpunkteplans und daran, in welcher Kürze und in welch raschem Prozess dies dann eigentlich vonstattengegangen ist – was ja auch die Erwartungshaltung von uns allen war, was die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Eltern dahinter für das ganze Bildungssystem war. Denn Ausgangspunkt war im Jahr 2020, dass es um die schnelle Umsetzung von E-Learning, von Homeschooling gegangen ist, da eben auch in dieser Phase, in der nicht alle Schulen durchgehend geöffnet haben konnten, die Schüler bestmöglich betreut werden mussten. Das ist verständlich, dazu braucht es Endgeräte, dazu braucht es natürlich auch Software, dazu braucht es auch einen entsprechenden Bildungsplan, und umso rascher hatte diese Umsetzung auch zu erfolgen. Da ist es – und das haben Sie in Ihrem Bericht gut aufgearbeitet – natürlich passiert, dass manches, was hätte dokumentiert werden müssen, nicht in dieser Art und Weise geschehen ist. Ja, wir sehen das auch so: Das ist notwendig, und da muss sicherlich einiges nachgeholt werden, was die Zielbestimmungen angeht. Wir müssen wissen, wo Schüler am Anfang dieses Lernprozesses stehen, wo sie stehen sollen, wenn der Lernprozess abgeschlossen ist, aber das Gleiche gilt natürlich auch für das Lehrpersonal. Wir müssen schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, da ein konsequentes Vorgehen, was Bildungsziele betrifft, wirklich zu verankern und umzusetzen. Wie gesagt: Auch wenn das alles hat rasch gehen müssen, so ist es jetzt höchst an der Zeit, zu evaluieren: Wo stehen wir? Welche Ziele lassen sich daraus ableiten? Und auch was den finanziellen Background betrifft: Wie stellen wir in Zukunft sicher, dass Endgeräte auch wirklich effizient eingesetzt werden können und wir wissen, was genau mit diesen Geräten passiert, wie und wo sie eingesetzt werden? – Also wirklich vielen herzlichen Dank für diese Hinweise. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal auf die Innovationsstiftung für Bildung zu sprechen kommen, weil sie aus meiner Sicht eine Einrichtung ist, die es angesichts der großen Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, eigentlich unbedingt braucht. Wir brauchen zum Beispiel im Angesicht der Revolution durch die künstliche Intelligenz gerade jetzt Expert:innen, die darüber nachdenken, wie man als Lehrende, aber auch als Lernende damit umgeht, wie man sie nutzt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir brauchen Bildungsinnovation im Bereich des Spracherwerbs, und wir brauchen Bildungsinnovation für die Zukunft unserer Wirtschaft. In Zeiten des Sparens brauchen wir auch schlanke Verwaltungsstrukturen, die gewährleisten, dass möglichst viel Geld in die inhaltliche Arbeit und in die Projekte fließt. Der Rechnungshof hat jetzt im vorliegenden Bericht einige Kritikpunkte geäußert. Ich möchte sie jetzt nicht alle wiederholen, sie sind schon mehrfach erwähnt worden. Vielleicht kurz einige: Der Förderbegriff sei zu weit gefasst, die Stiftung sei zu groß dimensioniert, und es fehle auch an Transparenz. Und es gibt auch klare Empfehlungen durch den Rechnungshof. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Präsidentin, und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedanken, weil Sie dazu beitragen, dass unsere Verwaltung, die Arbeit der Behörden und der vielen Einrichtungen und Unternehmen immer wieder verbessert werden kann. Ich glaube, Verbesserung ist auch bei der Innovationsstiftung angesagt. Der Herr Bundesminister hat ja bereits im Ausschuss angekündigt, dass eine umfassende Reform der Organisationsstruktur bevorsteht und der parlamentarische Prozess dafür auch bereits im kommenden Jahr starten soll. Ich bin froh, dass die Regierungsparteien die Berichte des Rechnungshofes ernst nehmen und dass sie dann auch rasch an einer Umsetzung der Empfehlungen arbeiten. So funktioniert das, so nimmt man auch die parlamentarischen Instrumente und die Berichte ernst, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der Rechnungshofbericht zum Achtpunkteplan für eine digitale Schule war jetzt schon öfter Thema. Er hat ganz klare Kritikpunkte und auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, und das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, wenn wir zukünftige Digitalisierungsprojekte umsetzen. Und ich will betonen: Gerade im Bildungsbereich ist die Digitalisierung enorm wichtig, und da müssen wir auch investieren. Im Regierungsprogramm ist dafür eine umfassende Kompetenzoffensive vorgesehen, ganz im Sinne des Achtpunkteplans, und dazu gehört auch die volle Ausrollung der Geräteinitiative. Aber nicht nur das, es geht auch um neue Schritte bei der künstlichen Intelligenz, etwa KI-Pilotschulen, digitale Lernprojekte und – das finde ich besonders wichtig – KI-gestütztes individualisiertes Lernen. Ebenso wichtig ist die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, denn Digitalisierung funktioniert nicht ohne die Pädagoginnen und Pädagogen. Sie brauchen die besten Werkzeuge und auch Unterstützung beim Umgang mit diesen modernen Medien. Wir müssen in Österreich entschlossen interaktive und digitale Lernprogramme entwickeln und flächendeckend einsetzen, denn Digitalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, das ist die Zukunft. Unsere Schulen haben die Verantwortung, die Kinder auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Und diese Welt verändert sich rasant: Entwicklungen, die wir in Echtzeit vor unseren Augen erleben. Es geht um die Zukunft unseres Landes, und genau deshalb müssen wir die Digitalisierung auch weiter stärken. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen nun zu den Abstimmungen. RN/177.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Innovationsstiftung für Bildung, III-131 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/177.2 Tagesordnungspunkt 15: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Lehrpersonaleinsatz, III-167 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.3 Tagesordnungspunkt 16: Bericht betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule, III-52 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.4 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Bericht betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz, III‑1 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.5 Tagesordnungspunkt 18: Bericht betreffend Österreich Institut G.m.b.H., Follow-up-Überprüfung, III‑2 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.6 Tagesordnungspunkt 19: Bericht betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien, Follow-up-Überprüfung, III-3 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.7 Tagesordnungspunkt 20: Bericht betreffend Österreichische Kulturforen, Follow-up-Überprüfung, III‑4 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.8 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 21: Bericht betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber, III-5 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig so zur Kenntnis genommen. Abstimmung über TOP 8 und 9, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 20:57

Bericht des Rechnungshofes betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz – Reihe BUND 2020/24

193 d.B. · Regierungsvorlage III-1 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zu Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz (Reihe BUND 2020/24) zur Kenntnis. Damit wird der Ausschussantrag auf Kenntnisnahme angenommen.

Betroffen sind die Vollziehung und Gebarung des Bundesministeriums für Arbeit, Familie und Jugend im Bereich der Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz – Reihe BUND 2020/24

Gegenstand und Rechtsgrundlage des Berichts

  • Der Ausschussbericht betrifft einen Bericht des Rechnungshofes über Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz (Reihe BUND 2020/24).
  • Der Bericht wurde gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG erstattet und beruht auf Wahrnehmungen des Rechnungshofes aus einer Gebarungsüberprüfung.
  • Die Gebarungsüberprüfung erfolgte im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Arbeit, Familie und Jugend und bezog sich auf Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz.

Parlamentarische Behandlung und Fortführung in der neuen Gesetzgebungsperiode

  • Der Rechnungshofbericht war bereits in der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode als Beilage (III-158 d.B., XXVII. GP) Verhandlungsgegenstand, wurde dort jedoch nicht erledigt.
  • Auf Grundlage von Art. 28 Abs. 4 B-VG in Verbindung mit § 21 Abs. 1a GOG werden nicht erledigte Rechnungshofberichte der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode im nächst gewählten Nationalrat erneut zum Gegenstand der Verhandlung und der Vorberatung in den Ausschüssen.
  • Der Bericht wurde in der aktuellen Gesetzgebungsperiode neuerlich dem Rechnungshofausschuss zugewiesen (als III-1 d.B., XXVIII. GP).
  • Der Rechnungshofausschuss nahm den Bericht zur Fristwahrung in Verhandlung, nach einer Berichterstattung wurden die Beratungen vertagt und in einer weiteren Sitzung fortgesetzt.

Inhaltliche Schlussfolgerung des Ausschusses

  • Der Rechnungshofausschuss gelangt als Ergebnis seiner Beratungen zur Empfehlung, dass der Nationalrat den Bericht des Rechnungshofes betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz (Reihe BUND 2020/24) zur Kenntnis nimmt.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz – Reihe BUND 2020/24

~32 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir debattieren hier mehrere Rechnungshofberichte und drei davon behandeln den Bildungsbereich. Ich möchte mich bei Ihnen, Frau Präsidentin, sehr herzlich bedanken, dass Sie die Prüfungen und diesen Bericht sehr unbeeindruckt, aber vor allem auch sehr schonungslos gestaltet haben. In einem dieser Berichte geht es um die Innovationsstiftung für Bildung – eine Stiftung, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde, die auch kaum jemand kennt. Diese Stiftung wurde 2017 gegründet, um das allgemeine Bildungsniveau in Österreich anzuheben. Dotiert war diese Stiftung innerhalb von sechs Jahren mit 27 Millionen Euro. Was war das Ergebnis dieses Rechnungshofberichtes? – Es war in Wirklichkeit ein beispiellos vernichtendes Urteil, und es hat aufgezeigt, wie führungslos man im Bildungsministerium in den vergangenen Jahren agiert hat. Was schreibt der Rechnungshof? – Organisatorisch war diese Stiftung viel zu groß aufgestellt. Es gibt fünf Substiftungen, zu denen der Rechnungshof im Übrigen sagt, dass das eine für österreichische Verhältnisse völlig unübliche Rechtskonstruktion ist. Der Stiftungsvorstand und der OeAD-Geschäftsführer, das war eine Personalunion – also eine Person. Der Rechnungshof weist auf hohe Fluktuationsraten bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle hin. Es fehlte vielfach die Expertise in der Umsetzung. Diese hat man dann wieder extern zugekauft. Es fehlten Vorgaben zum Finanzplan, zu Förderrichtlinien und definierte Prozessen – da war überhaupt kein internes Kontrollsystem gewährleistet, und auch das hat der Rechnungshof kritisiert. Vor allem waren es aber zwei Punkte: nämlich dass es keine langfristige Strategie gegeben hat, dass eine solche nicht erkennbar war, und zuletzt – und das ist nicht nur nicht schmeichelhaft, sondern ist wirklich ein vernichtendes Urteil für diese Stiftung – hat er die zentrale Empfehlung ausgegeben: „Eine gesamthafte Evaluierung der Innovationsstiftung für Bildung“. Das ist gleichbedeutend mit, landläufig: Ja, löst sie auf, schafft sie ab, oder liquidiert sie! Was immer ihr damit tut, überlegt euch: Vielleicht können bestehende Institutionen wie das Ministerium oder auch der OeAD da Aufgaben wahrnehmen. Man muss ja schon auch irgendwann erkennen: Wenn etwas seinen Zweck nicht erfüllt, ja, dann muss man sich davon auch trennen. (👏 FPÖ) Denn was hat es am Ende des Tages gebracht? – Was hat es den Schulen gebracht, was hat es den Lehrern gebracht, was hat es den Kindern, den Schülern gebracht, was hat es den Eltern gebracht? Verbesserung in den Grundkompetenzen? – Nein. Wurde der Lehrermangel in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise beseitigt? – Nein. Wurde der Leistungsgedanke in den Schulen irgendwie forciert? – Nein. Konfliktmanagement, das man vielleicht mit innovativen Ideen unterstützt hätte? – Nein. Bürokratie abgebaut? – Nein. Wirtschaftliche Ausbildung auch im Hinblick auf die Lehre, dass man da irgendwie innovativ gewesen wäre? – Nein. Innovativ wäre es zum Beispiel gewesen, wenn man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie man neue Ausbildungsmöglichkeiten schaffen kann, zum Beispiel Handwerksschulen, zum Beispiel Gewerbeschulen. Das alles ist nicht geschehen. Am Ende des Tages sage ich Ihnen: Diese Stiftung hat sich tatsächlich nur selbst verwaltet – und ich glaube, das ist nicht der Sinn und Zweck einer Stiftung. Der Herr Bundesminister für Bildung wäre aufgefordert, da entsprechend zu handeln. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Servus . – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Ja, sehr geehrte Damen und Herren, noch einmal Bildung. Bildung, Forschung und Innovation gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren in einer modernen Volkswirtschaft und sie bestimmen maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, aber auch Wettbewerbsstärke und den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wurde auch 2017 – der Herr Kollege hat es gesagt – die Innovationsstiftung für Bildung gegründet, mit dem strategischen Ziel, die innovativen Kräfte in Österreich für die Weiterentwicklung im Bildungsbereich zu bündeln. Ich kann den Herrn Kollegen von der FPÖ beruhigen: Es steht im Regierungsprogramm, dass die Innovationsstiftung evaluiert und auch reformiert werden soll. Dafür wird unter anderem auch der Rechnungshofbericht beziehungsweise werden die Empfehlungen des Rechnungshofes eingearbeitet. Der Fokus soll wieder mehr auf Innovation und Wettbewerb gelegt und die Anforderungen sollen erhöht werden, geht es doch schließlich auch darum, „unbürokratisch und rasch“, so steht es im Regierungsprogramm, Bildungsinnovation ins Bildungssystem zu bringen. Erfolgversprechende Projekte sollen nicht direkt aus dem Ministerium, sondern quasi als kleine Schnellboote rasch und ohne hierarchische Hindernisse umgesetzt und realisiert werden. Einige Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes – danke an dieser Stelle auch Ihnen, Frau Rechnungshofpräsidentin –: Verbessert werden soll unter anderem der Abwicklungsaufwand, der aktuell bei durchschnittlich 15 Prozent der ausgezahlten Fördermittel liegt; das ist ein bisschen viel. Auch soll die auf 20 Mitglieder etwas aufgeblähte Organisationsstruktur von Stiftungsrat, Aufsichtsorgan und wissenschaftlichem Beirat reduziert werden. Weiter ausgebaut und forciert werden soll die Möglichkeit, Spender aus der Privatwirtschaft anzuwerben. Seit 2023 ist das ja mit der Spendenabsetzbarkeit für Bildung auch möglich – beschlossen hier von diesem Haus. Ich finde es gut, dass die Innovationsstiftung bereits mit einer Vielzahl von privaten Akteuren im Austausch steht. Wenn Mäzene, Spender und natürlich auch Großspender aus der Wirtschaft vermehrt in Erscheinung treten und die Innovationsstiftung mit ihrem privaten Kapital und privaten Engagement dabei unterstützen, dann ist das sicherlich von Vorteil. Es wäre schön, wenn auch andere dem Beispiel Mateschitz und Co folgen würden und ihr Geld in Richtung Bildung investieren würden. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel muss es weiterhin sein, das Bildungsniveau anzuheben, die tertiären Bildungsabschlüsse weiter zu steigern. Und auch bei der Zahl der Patentanträge oder Start-up-Gründungen gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche der Innovationsstiftung, dass sie diese Ziele weiter unterstützen kann und dabei viel Erfolg. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich werde mich kurz auf die Innovationsstiftung für Bildung beziehen. Was ist das Ziel dieser Stiftung? – Ziel ist es, die innovative Bildungspolitik voranzutreiben und wirklich in alle Altersstufen der Kinder zu bringen. Der Rechnungshof hat sich folgende Punkte angeschaut: Wie funktioniert die Organisationsstruktur? Wie werden die Aufgaben wahrgenommen? Entsprechen sie dem, was geplant war? Und wie hat sich die finanzielle Entwicklung in den Jahren 2017 bis 2023 gestaltet? Danke, Frau Rechnungshofpräsidentin, das ist einer von vielen sehr ausführlichen Berichten. Wir haben vorhin über den Wissenschaftsblock gesprochen, jetzt sind wir beim Bildungsblock angelangt, und das waren dank der sehr fundierten Berichte wirklich intensive Debatten. Was hat der Rechnungshof festgestellt? – Er hat festgestellt, dass es sehr hohe Ausgaben für externe, zugekaufte Leistungen gegeben hat. Man hat sich viel Expertise zugekauft, und da lohnt es sich wirklich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es haben konsolidierte Kostendarstellungen gefehlt – das sollte keinesfalls passieren –, und es hat auch da, wie im vorigen Block schon angesprochen, keine standardisierten Abläufe gegeben – dennoch fehlt ein wichtiges Kontrollinstrument –, und das Risikomanagement war sehr stark vernachlässigt, nicht systemisiert. Ein Punkt, der uns wirklich auch Auftrag sein sollte: Die Förderkriterien waren unklar. Es ist, glaube ich, in unser aller Interesse, Kriterien für Förderungen, die ausgeschüttet werden, wirklich sehr klar, nachvollziehbar und transparent zu gestalten, sodass dann jeder weiß, wohin das Geld geflossen ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Der Rechnungshof hat festgestellt: Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der gesamten Strukturen und der Wirkungsweisen. Ich habe vorhin schon gesagt, das Ziel dieser Innovationsstiftung ist es, innovative Bildungspolitik auf den Boden zu bringen und für alle Altersstufen zu gewährleisten, und ich habe den Herrn Bundesminister dann gefragt, ob man valide Daten hat, welche Altersgruppen am meisten von genau diesen innovativen Ansätzen profitiert haben. Die Sekundarstufe, hat er geantwortet, hat am stärksten nachgefragt. Aber natürlich waren wir uns auch im Ausschuss einig, und das wurde auch unisono bestätigt, dass die Elementarstufe besonders im Fokus sein sollte. Das sollten wir wirklich als gemeinsames Ziel haben, einfach um zu gewährleisten – das ist, glaube ich, für uns alle wichtig –, dass bereits die Jüngsten mit innovativer Politik in der Bildung arbeiten dürfen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Zuerst möchte auch ich mich bei Ihnen für die ausführlichen Berichte bedanken. Der Rechnungshof ist eine zentrale Institution in unserer liberalen Demokratie. Die Analysen und die Arbeit zur Verwendung öffentlicher Mittel, all unserer Steuergelder, sind von unschätzbarem Wert. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei allen Prüferinnen und Prüfern sowie bei Ihnen persönlich bedanken. Die Berichte des Rechnungshofes – ich werde in der Folge über den Bericht zum Lehrpersonaleinsatz und über den Achtpunkteplan für eine digitale Schule sprechen – zeigen einmal mehr: Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass sich diese Regierung den Problemen stellt, denn genau das erwarten sich die Bürgerinnen und Bürger. Die Probleme sind massiv: Unser Bildungssystem, unsere Lehrer:innen und Schüler:innen leiden seit über einem Jahrzehnt unter dem Lehrpersonalmangel. Lange Zeit versuchte man, das Problem mit punktuellen Eingriffen zu beheben – ohne Erfolg. Kein Wunder, denn sowohl bei der Beurteilung des tatsächlichen Lehrer:innenbedarfs und in der Folge auch bei den gesetzten Maßnahmen zur Deckung verfehlte man klar das selbst gesteckte Ziel. Die schließlich im Jahre 2022 anlaufende umfassende Initiative Klasse Job zur Behebung des Lehrermangels war im Kern eine gute Idee, aber auch da haperte es an der Umsetzung. Ähnliches hat der Rechnungshof bei der Überprüfung des Achtpunkteplans für eine digitale Schule festgestellt. Mehrfach schienen in der Vergangenheit Umsetzungsstände von Teilprojekten nicht bekannt zu sein, existierten Daten zur Erhebung von Projektfortschritten nicht, und das Ministerium wich von Vergabestandards ab. Letztlich waren die Ziele des Projekts nicht ausreichend genau abgesteckt, sodass sich ein Erfolg oder Misserfolg auch nur schwer einschätzen ließ. Glauben Sie mir, als ehemalige Volksschullehrerin kenne ich einige Probleme unseres Bildungssystems nur zu gut, und sie sind auch der Grund dafür, dass ich heute hier vor Ihnen und nicht mehr vor einer Klasse stehe. Daher beklage ich die ausführliche Kritik und die Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes auch nicht, sondern begrüße sie besonders. Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass wir Teil dieser Regierung sind, weil wir mit uns in der Regierung die Finanzierung des Bildungsbereichs auch in den Zeiten des größten Spardrucks sicherstellen, weil nur mit uns sich bereits heute erste Verbesserungen beim Lehrpersonal einstellen und nur mit uns es mit der stiefmütterlichen Behandlung der Bildung in diesem Land vorbei ist, die doch Kern von so vielen Aspekten unserer Gesellschaft ist. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Präsidentin Margit Kraker zu Wort gemeldet. – Bitte.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, in diesem Block stehen mehrere Berichte aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung. Wir haben das am 9. September im Rechnungshofausschuss besprochen. Der erste Punkt ist der Lehrpersonaleinsatz. Ich denke, der Rechnungshof gibt da eine umfassende Übersicht über die Maßnahmen, die getroffen wurden, um dem Lehrpersonalbedarf in den Schulen Rechnung zu tragen beziehungsweise um einem allfälligen Lehrermangel entgegenzuwirken. Wir haben untersucht und eben festgestellt, dass das Bildungsministerium schon seit dem Jahr 2009 Lehrpersonalbedarfsprognosen erstellte, die auf einen Personalmangel ab dem Jahr 2018/2019 hinwiesen. Diesen Prognosen fehlten die notwendigen Steuerungselemente, bei denen man zum Beispiel auch die Angebotsseite mitbetrachtet hätte. Bis zum Jahr 2022 gab es keine umfangreichen und systematischen Maßnahmen, um diesem Mangel zu begegnen. Warum gab es dann dennoch nicht so viele offene Stellen? – Weil kompensiert wurde. Es wurde mit Mehrdienstleistungen, fachfremdem Unterricht, mit Sonderverträgen an Personen, die keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung vorweisen konnten, kompensiert. All diese Faktoren haben naturgemäß Auswirkungen auf den Unterricht und auf die Organisation in den Schulen. Das Projekt Klasse Job haben wir eigentlich positiv beurteilt, denn wir haben gesagt, das ist ein Projekt, das aus acht Teilprojekten bestand, um da systemisch entgegenzuwirken. Die Kosten dafür betrugen in zwei Jahren 2,6 Millionen Euro. Ein Teilprojekt war der Quereinstieg und dass eben Personen mit fachverwandtem Studium die Möglichkeit haben, als Lehrpersonen zu arbeiten, und da gab es eine Zertifizierungskommission. Diese Zertifizierungskommission verursachte in zwei Jahren Kosten und Auszahlungen von 604 000 Euro, und es gab in diesem Zeitraum ungefähr 5 000 Bewerberinnen und Bewerber. Die Hälfte wurde zertifiziert, und von den zertifizierten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern unterrichtete weniger als ein Drittel tatsächlich.Es hätte die Möglichkeit gegeben, auch einen Selbstbehalt einzuheben, aber darauf hat man verzichtet. Ein weiterer Punkt ist – und da appelliere ich an die Verwaltungsstellen, an die Bildungsverwaltungsstellen –, dass die Dienstverträge rasch ausgestellt werden und dass man die Vordienstzeiten und das Besoldungsdienstalter rascher errechnet, denn die Lehrpersonen brauchen natürlich auch einen Nachweis für ihr Dienstverhältnis. Es gab dann Spannungsfelder bezüglich der Anstellungsvoraussetzungen zwischen der Zertifizierungskommission und der Bildungsdirektion, sodass sich ergab, dass man die rechtliche Qualität der Zertifikate klären muss und dass tatsächlich die Bildungsdirektionen über die Anstellung entscheiden. Die PädagogInnenbildung neu, sehr geehrte Damen und Herren, wurde im Jahr 2013 für die Sekundarstufe auf ein sechsjähriges Lehramtsstudium verlängert. Für die Primarstufe wurde die Ausbildungszeit von drei auf fünf Jahre erhöht. 2024 wurde sie dann wieder verkürzt, weil man gemerkt hat, dass da eine Lücke bei den Absolventinnen und Absolventen entsteht, und man hat dann auf drei plus zwei Jahre mit berufsbegleitendem Masterstudium umgestellt. Dieses berufsbegleitende Studium führt natürlich dazu, dass Studierende, Bachelorstudierende auch hohe Belastungen auf sich nehmen müssen, und erhöht auch den Teilzeitanteil an den Schulen dementsprechend. Zum Qualitätssicherungsrat haben wir auch einen Exkurs gemacht. Dieser hat die Aufgabe gehabt, die PädagogInnenbildung neu zu begleiten. Diese Aufgabe ist weitgehend erfüllt, die Kosten lagen bei 2,42 Millionen Euro. Studierende konnten einen Regelvertrag haben, wenn sie schon ein gewisses Niveau an Ausbildungsstunden hatten, sonst hatten sie einen Sondervertrag. 9 Prozent aller Lehrpersonen waren im Schuljahr 2023/24 mit Sondervertrag angestellt. Insbesondere gab es einen hohen Anteil im Bereich der Landeslehrpersonen – das sehen wir kritisch. Auch die Mittelschulen sind darüber hinaus sehr stark mit dem Thema fachfremder Unterricht konfrontiert, das haben wir natürlich auch kritisch gesehen. Der Teilzeitanteil an den Schulen liegt bei 39,5 Prozent. Ich habe es schon gesagt, das liegt neben der Tatsache, dass es überwiegend Frauen sind, natürlich auch daran, dass es berufsbegleitende Studien gibt. Wenn man eine hohe Teilzeitquote hat, erfordert das natürlich ein Management beim Personaleinsatz der Lehrpersonen. Wir haben daher verschiedene Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen, um im Bereich der Mehrdienstleistungen, im Bereich der berufsbegleitenden Studierenden nicht zu viele Belastungen zu haben. Und wir haben bei den Quereinsteiger:innen festgestellt, dass es auch da einen hohen Teilzeitanteil gab und dass sie auch schon im ersten Schuljahr fachfremd unterrichtet haben. Ich möchte zum Abschluss sagen: Für den Fall, dass wir einmal zu viele Lehrerinnen und Lehrer haben, weil wir jetzt sehr viele qualifizieren, wäre dies natürlich der ideale Zeitpunkt, auf ganztägige Schulen umzustellen – aber das ist eine Anmerkung meinerseits und steht in dem Sinn nicht im Bericht. (👏 SPÖ, NEOS) Zur Innovationsstiftung wurde schon viel gesagt. Auch da geht es uns um die Wirkung, um einen transparenten Mitteleinsatz, um eine kompetitive Förderausrichtung, sodass man einen Mehrwert erkennen kann. Wir wollen tatsächlich, dass es hier eine grundlegende Evaluierung gibt und dass der Bericht diesbezüglich auch ernst genommen wird. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 20.24 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Rechnungshof zeigt es schwarz auf weiß: Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist kein Zufall, sondern er ist seit 15 Jahren bekannt – seit 15 Jahren. Trotzdem wurde viel zu spät gehandelt, und den Preis zahlen jetzt die Kinder. In Tirol beispielsweise wird fast jede zweite Stunde in der Mittelschule fachfremd unterrichtet, das heißt, es gibt dann Mathematik ohne Mathematiklehrer und -lehrerinnen, Informatik ohne Informatiklehrer und -lehrerinnen – Letzteres beispielsweise in Tirol bis zu 90 Prozent. Das muss man sich einmal vorstellen. Lehrer und Lehrerinnen stemmen längst Unmenschliches: Mehrstunden, fachfremden Unterricht, kaum Unterstützung. Ich glaube, da muss man sich nicht wundern, dass ganz viele ausbrennen. Wir Grüne sagen klar: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte und vor allem eine echte Entlastung, das heißt junge Lehrkräfte, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, und diese brauchen eine Begleitung, damit sie nicht von Anfang an wieder frustriert den Arbeitsplatz verlassen. Das heißt auch: Unterstützungspersonal, psychosoziale Unterstützung und Schulsozialarbeit. Apropos: Da sind wir bei einem Thema, einer Sache, die wir immer wieder angesprochen haben, und jedes Mal hieß es vonseiten der Regierungsparteien: Nein, nein, wir haben alles im Griff. – Die Realität schaut anders aus. Seit dem 17. Juni gibt es keinen einzigen freien Platz mehr im Programm Gesund aus der Krise. Das ist ein Programm – das einzige! –, das jungen Menschen eine Gratispsychotherapie ermöglicht, oftmals ein Rettungsanker, den Tausende Jugendliche dringend brauchen. Gerade jetzt, da die Zahl psychischer Erkrankungen steigt, da Wartezeiten bis ins Unermessliche gehen, wird ihnen diese Tür zugeschlagen – und das ist nichts anderes als ein Verrat an jungen Menschen, die dringend Hilfe bräuchten. (👏) Liebe Regierungsparteien – vor allem die SPÖ muss ich hier in die Pflicht nehmen, denn es ist ihr Ressort –: Das darf es bitte wirklich nicht geben! Jugendlichen mit einer Depression oder Angstzuständen zu erklären: Sorry, wir haben keinen Platz für euch!, liebe Kollegen und Kolleginnen, das darf es sicher nicht sein. Es wurde uns mehrfach versprochen, dass man das in den Griff bekommt, bisher wurde nichts getan. Wir hoffen ernsthaft, dass sich dieses Problem bald regeln lässt und dass die jungen Menschen nicht länger im Stich gelassen werden. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer .

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Zuhörer! Wenn wir heute über den Lehrpersonaleinsatz sprechen, dann geht es um weit mehr als um Tabellen, Deputate, Stundenpläne – es geht um unsere Kinder, um ihre Chancen, ihre Zukunft, um das, was sie einmal werden können. Das Lernen passiert im Jetzt, und zu sagen: Es wird alles besser!, hilft jetzt leider niemandem. Genau deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen. Österreich gibt in diesem Bereich im internationalen Vergleich sehr viel Geld aus, und trotzdem sind die Leistungen unserer Schüler oft nur Mittelmaß. Was läuft falsch im System? – Das System ist sehr unübersichtlich. Wir haben bei Lehrern eine Teilzeitquote von circa 40 Prozent. Fachfremder Unterricht ist fast schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme, wie meine Vorrednerin gesagt hat; in Tirol liegt er bei ungefähr 50 Prozent. Es fallen Überstunden im Ausmaß von 7 100 Vollzeitstellen an. Richten Sie bitte der Frau Sozialminister und dem Herrn Wirtschaftsminister aus, da können sie den Unternehmern zeigen, wie es geht, die Arbeitszeit zu heben oder länger im Berufsleben zu bleiben, ohne mit dem Finger auf andere zu deuten! Kurz noch zum Achtpunkteplan: Die App Digitales Lernen hat sich von 3 Millionen auf 12 Millionen Euro verteuert, ohne nennenswerte Zugriffe. Kurz gesagt: Die Erfolgsgeschichte von Kaufhaus Österreich wurde fortgeschrieben, wieder wurden Millionen in den Sand gesetzt. Ganz nebenbei sind Aufträge in Millionenhöhe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergeben worden. Transparenz: Fehlanzeige, Kontrolle: leider nein. In allen drei Bereichen fehlt es an definierten, überprüfbaren Zielen und Indikatoren, um die Wirkung messen zu können. Nur Geld in ein System zu geben, ist zu wenig. Auf die Frage im Rechnungshofausschuss, wie der Herr Minister die Arbeit seines Vorgängers bewerten würde, meinte er nur: Er habe eine Basis, auf der man aufbauen könne. – Im Arbeitszeugnis würde stehen: Herr Polaschek hat sich immer redlich bemüht!, oder im Schulnotensystem: Herr Polaschek, setzen, Fünf! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Jakob Grüner gelangt nun zu Wort. – Bitte.

ÖVP Jakob Grüner

Frau Präsidentin! Geschätzte Präsidentin des Rechnungshofes! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Bericht des Rechnungshofes zum Lehrermangel. Wir alle wissen, dass es da große Herausforderungen gibt. Wir haben es schon gehört. Eines ist klar: Bildung, Bildung, Bildung, Bildung und noch einmal Bildung, denn Bildung ist die Antwort auf alle unsere Probleme – sozial, wirtschaftlich, gesellschaftlich. War der Lehrermangel vor einigen Jahren vielleicht noch ein Zukunftsproblem, so steht er heute mitten in der Klasse, mitten im Raum – oder eben nicht. Es ist ja doch so – seien wir ehrlich –: Speziell im Bildungsbereich stehen wir uns regelmäßig selbst im Weg, indem wir dauernd alle ideologisch hineinbuttern, was nur geht, und Reformen verhindern beziehungsweise am Ende des Tages Mindestkompromisse herauskommen – speziell im Bildungsbereich! Im Bildungsministerium, manche nennen es auch K.-und-k.-Ministerium, ändert man keinen einzigen Beistrich, ohne jahrelang darüber zu diskutieren. Wir wissen, Lehrer wachsen nicht auf Bäumen, aber wir pflanzen uns regelmäßig gegenseitig. Wir sollten vielleicht weniger über Fridays for Future – eine wichtige Initiative – und mehr darüber diskutieren, wie wir unsere Lehrer von Montag bis Freitag in die Schulklassen bekommen. Hohes Haus! Der Bericht des Rechnungshofes streicht ein Problem deutlich heraus, und das möchte ich herausgreifen: Sehr viele starten in die Ausbildung und gehen dann nicht in den Beruf. Das ist ein Phänomen, das wir branchenweit in ganz Österreich erkennen, das ist ein großes Problem und sollte uns alle beunruhigen, denn unser Staat kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Arbeitsbeitrag leistet. Wenn manche nicht mehr arbeiten wollen, dann haben wir vermutlich ein anderes Problem, ein gesellschaftliches Problem, vielleicht ein kulturelles Problem, aber nicht immer ein wirtschaftliches Problem, denn auch im Bildungsbereich kommt das Geld nicht aus dem Bankomaten. Wir müssen dieses Wohlstandsproblem, das wir, glaube ich, ganz offensichtlich haben, also dringend gemeinsam in den Griff bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte positiv abschließen und mich ganz herzlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern im Land bedanken, die tagtäglich Großartiges leisten, für unsere Kinder da sind und sie auf das Leben vorbereiten. Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Volksschulalter und habe am Montag beim Elternabend gesehen und gespürt, mit wie viel Liebe und Einsatz unsere Kinder das Rechnen, das Schreiben, das Lesen, soziale Fähigkeiten, Freundschaften, Emotion, Verantwortung, Zuversicht et cetera lernen. – Sie geben unseren Kindern damit viel auf den Weg. Sie geben ihnen die Welt und prägen junge Persönlichkeiten. Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Abschließend: Wir gemeinsam haben sehr viel aus dem Rechnungshofbericht gelernt. Vielleicht sollten wir uns vornehmen, diese Empfehlungen schnellstmöglich gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Wolfgang Moitzi zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrte Frau Präsidentinnen – es kommt ja nicht so oft vor, dass zwei Präsidentinnen im Raum sind! Ich kann die Frau Präsidentin des Rechnungshofes beruhigen. Sie hat gesagt, sie wünscht sich, dass der Rechnungshofbericht über den Lehrpersonaleinsatz ernst genommen wird. Ich glaube, wir als Parlament und auch die Bundesregierung nehmen diesen Bericht extrem ernst, denn der Rechnungshofbericht zeigt uns leider sehr deutlich auf, was schon seit vielen Jahren gewusst wurde und uns auch gedroht hat, nämlich ein Lehrpersonalmangel. Trotzdem haben die letzten beiden Regierungen lange zugeschaut und zu spät Maßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis – Barbara Neßler hat es ja angesprochen –, dass in Tirol zum Beispiel 46 Prozent der Fächer von fachfremdem Personal unterrichtet werden. In Oberösterreich sind es 35 Prozent. Allein im Jahr 2023 mussten Mehrdienstleistungen im Umfang von circa 7 000 Vollzeitäquivalenten geleistet werden und dadurch also rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte kompensiert werden. Das ist weder fair gegenüber den Lehrkräften noch gegenüber unseren Kindern in den Klassenzimmern. Die zentrale Schlussfolgerung aus diesem Bericht ist klar: Wir dürfen nicht mehr in Notlösungen hineinstolpern, sondern müssen endlich den Lehrerinnen- und Lehrerberuf wieder attraktiver machen. Genau deshalb haben wir den Bericht ernst genommen und im Regierungsprogramm auch schon Maßnahmen festgeschrieben, nämlich mehr Ausbildungsplätze für Pädagoginnen und Pädagogen, Ausbau der Schulsozialarbeit zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen, Investitionen in die und eine Verkürzung der Pädagog:innenausbildung. Wir wollen auch ein mittleres Management zur Unterstützung von Lehrpersonal an den Schulen einsetzen, damit Probleme delegiert und die Lehrer:innen so unterstützt werden können. Damit machen wir mit der Attraktivierung des Lehrberufs Ernst, nicht nur mit Kampagnen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und kürzeren Ausbildungswegen. (👏 ÖVP, SPÖ) Den notwendigen Quereinsteigern wollen wir den Quereinstieg erleichtern: Es wird größtmögliche und nachvollziehbare Anrechnungen von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft geben, und wir begleiten sie dann besser im neuen Beruf, damit sie im Klassenzimmer nicht allein gelassen werden. Auch die Volksschulen wollen wir für den Quereinstieg öffnen. Die Zahlen bestätigen den eingeschlagenen Weg dieser Bundesregierung. Auf 6 500 freie Stellen haben sich in diesem Schuljahr 16 000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das zeigt schon einen ersten guten Erfolg. Abschließend: Wir werden das sehr ernst nehmen, denn für uns als Sozialdemokratie und auch für diese Bundesregierung ist klar, unsere Kinder verdienen nicht den zweitbesten Unterricht, sondern die beste Bildung. Dafür tragen wir hier gemeinsam die Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren, die noch auf der Galerie und vor den Bildschirmen sind! Wir wechseln jetzt das Thema – die Rechnungshofberichte sind ja sehr umfangreich und sehr umfassend –, es geht jetzt um die Kultur. Der Rechnungshof wiederholt ja nicht das Offensichtliche, sondern macht das Verborgene und Notwendige sichtbar – und das sorgt für Transparenz. Die Berichte sind auch immer wieder unmittelbar dafür verantwortlich, dass Grundlagen für Reformen geschaffen werden. Nicht nur deswegen lesen wir NEOS sie so besonders gerne. Daher bedanken wir uns sehr herzlich beim Team des Rechnungshofes für diese Lektüre, die es uns etwas einfacher macht, Reformen anzugehen. (👏 NEOS) Der Auslandskultur attestiert der Rechnungshof, dass es da ein sehr dichtes Netz an Strukturen und Institutionen gibt. Dieses Netz ist ein Schatz, und es ist auch eine Chance. Uns ist natürlich sehr klar, dass Präsenz der Auslandskultur alleine nicht reicht. Wirkung entsteht auch in der Kultur erst, wenn die Verantwortungen ganz klar geregelt sind und Ziele konsequent verfolgt werden können. Die österreichische Auslandskultur ist das internationale Schaufenster der Kulturnation Österreich. Da entstehen Themenjahre, es gibt gezielte Förderschienen, Künstler:innen und Institutionen bekommen so Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich auch im Ausland zu präsentieren. Und sie ist vor allem auch eine Chance für Österreich, wahrgenommen zu werden. Das aktuelle Grundlagendokument der Auslandskultur markiert zwar wichtige Schwerpunkte, aber es braucht auf jeden Fall mehr. Das stellt auch der Rechnungshof fest. 2026 wird das Jahr, in dem die Auslandskultur auch strategisch neu aufgestellt wird – mit gebündelten Kräften, mit klarer Verantwortung im Außenministerium, abgestimmt mit allen Partnern, Ministerien wie Bundesländern, denn Auslandskultur ist Teil der Außenpolitik. Wer Österreich im Ausland begegnet, sieht nicht neun Bundesländer, sondern eine Kulturnation. (👏 NEOS) Unsere Kulturforen stärken den Standort Österreich. Sie sind die Softpower der Diplomatie sowie der Außenwirtschaft, und sie öffnen Türen. Vom Rechnungshof geprüft wurde allerdings auch die Spanische Hofreitschule – das ist schon so etwas wie ein Dauerbrenner im Rechnungshof –, sie ist ein Kultur- und Tourismusbetrieb, ressortiert allerdings im Landwirtschaftsministerium. Sie hat drei Standorte, drei Logiken, ist dennoch ein einziges Unternehmen, eine Institution mit internationaler Bedeutung, aber auch mit großen Herausforderungen. So lautet auch der Schluss des Rechnungshofes. Das zentrale Thema ist neben der anhaltenden Unruhe in und rund um die Spanische Hofreitschule die Finanzierung. Der Rechnungshof empfiehlt mehrjährige Vereinbarungen mit Kennzahlen, eine transparente Kostenrechnung und ein tragfähiges Unternehmenskonzept – nicht wirklich etwas Neues und das nicht zum ersten Mal. Ziel muss sein: Die Hofreitschule darf nicht zum Spielball werden und muss aus den Schlagzeilen kommen. Sie braucht Verlässlichkeit (👏 NEOS), denn nur dann kann sie zeigen, was sie ist: höchste klassische Reitkunst, lebendiges – im wahrsten Sinne des Wortes – Weltkulturerbe und eine österreichische Institution mit internationaler Strahlkraft. Sehr geehrte Damen und Herren! Die Rechnungshofberichte eröffnen Chancen in der Auslandskultur, aber auch für die Spanische Hofreitschule und für alle anderen geprüften Institutionen. Eine kleine Werbeeinschaltung am Ende: Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofes hat noch niemandem geschadet. Sie hat Institutionen gestärkt, und sie hat Reformen eingeleitet. – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich glaube, ich muss jetzt die gute Stimmung der heutigen Debatte doch noch einmal stören. Ich schaffe es jetzt nicht, wie die Vorrednerin eine Rede über die Spanische Hofreitschule zu halten, ohne auf die aktuellen Ereignisse einzugehen. Wissen Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich ja oft gefragt, wo eigentlich der Begriff des Intrigantenstadls herkommt. Wenn man sich die Artikel der letzten Wochen über die Spanische Hofreitschule anschaut, bekommt man eine Idee davon, denn die Berichte zeichnen meiner Meinung nach ganz klar das Bild einer verschwörerischen Hinterzimmeroperette. (👏) Unsere Spanische Hofreitschule ist mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist lebendiges Kulturgut, sie ist Welterbe und Sinnbild österreichischer Tradition – und genau dieses Kulturgut steht jetzt auf dem Spiel, und das ganz klar wegen völligen politischen Totalversagens, und dieses Versagen hat einen Namen: Das ist das ÖVP-Landwirtschaftsministerium. (👏) Die Spanische Hofreitschule – Sie haben es sicher alle gelesen – braucht einen neuen Geschäftsführer. In dem Zusammenhang kann man sagen: schon wieder, denn die Querelen gehen ja jetzt schon über Jahre – so lange nämlich, wie das ÖVP-Landwirtschaftsministerium auch für die Spanische Hofreitschule zuständig ist. Was aber neu ist, ist eigentlich, wie der jetzige Geschäftsführer auch gegangen worden ist, denn man kann schon sagen, er ist nach allen Regeln der Intrigenkunst – auf gut Wienerisch – geschasst worden. Wenn man sich zum Beispiel die Recherchen des Magazins „Profil“ anschaut, dann sieht man, dass da Entscheidungen getroffen worden sind, bevor Prüfungen überhaupt abgeschlossen worden sind – eigentlich haben sie erst angefangen. Das Ministerium hat eine Anzeige erstattet, obwohl im Nachhinein durch unabhängige Wirtschaftsprüfer herausgekommen ist, dass es keinen systematischen Machtmissbrauch über Spesenabrechnungen gegeben hat, und das alles ohne Einbindung des Aufsichtsrates. Ich sage Ihnen, auch uns liegen interne Akten vor, und da gibt es ein Schreiben des Aufsichtsrates, das relativ aktuell ist – es ist nur neun Tage alt –, und es ist an Minister Totschnig gerichtet. Da steht: Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme des Aufsichtsrates ignoriert der politisch zuständige Minister Totschnig diesen Aufsichtsrat. – Da frage ich mich, bitte, liebe ÖVP: Was ist los und was macht Ihr Minister eigentlich beruflich? Das alles geht doch überhaupt gar nicht! Wenn Sie mich fragen, wird der Aufsichtsrat da mit voller Absicht ignoriert. Das stinkt förmlich nach einer Intrige aus dem Handbuch des Bauernbundes, ganz, ganz klar. In meinen Augen ist das alles unverantwortlich! Sie setzen den Ruf einer 500 Jahre alten Institution aufs Spiel. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein ÖVP-Minister das so zulassen konnte. Wir verlangen hier vollständige Aufklärung auch über die Rolle des Generalsekretärs aus diesem Landwirtschaftsministerium. Liebe Frau Präsidentin! Ich hoffe, gerade bei der Spanischen Hofreitschule gilt – wie so oft –: Nach der Rechnungshofprüfung ist vor der Rechnungshofprüfung. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manuel Litzke zu Wort. – Bitte.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frauen Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin, es ist eine Fülle von Berichten, die Sie uns sowohl im Ausschuss als auch hier vorgelegt haben, wo wir auch schon die Möglichkeit hatten, darüber zu diskutieren, auch so manches zu hinterfragen. Wie wir wissen, geht es ja nicht nur um diese nackte Analyse, die der Rechnungshof vorlegt, sondern es geht auch darum, Empfehlungen zu erhalten, Umsetzungsvorschläge zu bekommen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben für alle geprüften Instanzen, diese ernst zu nehmen: nicht nur analysiert zu werden, sondern diese Empfehlungen auch anzunehmen. Lassen Sie auch mich auf den Achtpunkteplan für eine digitale Schule eingehen, aber denken wir ganz kurz an die Entstehung dieses Achtpunkteplans und daran, in welcher Kürze und in welch raschem Prozess dies dann eigentlich vonstattengegangen ist – was ja auch die Erwartungshaltung von uns allen war, was die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Eltern dahinter für das ganze Bildungssystem war. Denn Ausgangspunkt war im Jahr 2020, dass es um die schnelle Umsetzung von E-Learning, von Homeschooling gegangen ist, da eben auch in dieser Phase, in der nicht alle Schulen durchgehend geöffnet haben konnten, die Schüler bestmöglich betreut werden mussten. Das ist verständlich, dazu braucht es Endgeräte, dazu braucht es natürlich auch Software, dazu braucht es auch einen entsprechenden Bildungsplan, und umso rascher hatte diese Umsetzung auch zu erfolgen. Da ist es – und das haben Sie in Ihrem Bericht gut aufgearbeitet – natürlich passiert, dass manches, was hätte dokumentiert werden müssen, nicht in dieser Art und Weise geschehen ist. Ja, wir sehen das auch so: Das ist notwendig, und da muss sicherlich einiges nachgeholt werden, was die Zielbestimmungen angeht. Wir müssen wissen, wo Schüler am Anfang dieses Lernprozesses stehen, wo sie stehen sollen, wenn der Lernprozess abgeschlossen ist, aber das Gleiche gilt natürlich auch für das Lehrpersonal. Wir müssen schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, da ein konsequentes Vorgehen, was Bildungsziele betrifft, wirklich zu verankern und umzusetzen. Wie gesagt: Auch wenn das alles hat rasch gehen müssen, so ist es jetzt höchst an der Zeit, zu evaluieren: Wo stehen wir? Welche Ziele lassen sich daraus ableiten? Und auch was den finanziellen Background betrifft: Wie stellen wir in Zukunft sicher, dass Endgeräte auch wirklich effizient eingesetzt werden können und wir wissen, was genau mit diesen Geräten passiert, wie und wo sie eingesetzt werden? – Also wirklich vielen herzlichen Dank für diese Hinweise. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal auf die Innovationsstiftung für Bildung zu sprechen kommen, weil sie aus meiner Sicht eine Einrichtung ist, die es angesichts der großen Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, eigentlich unbedingt braucht. Wir brauchen zum Beispiel im Angesicht der Revolution durch die künstliche Intelligenz gerade jetzt Expert:innen, die darüber nachdenken, wie man als Lehrende, aber auch als Lernende damit umgeht, wie man sie nutzt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir brauchen Bildungsinnovation im Bereich des Spracherwerbs, und wir brauchen Bildungsinnovation für die Zukunft unserer Wirtschaft. In Zeiten des Sparens brauchen wir auch schlanke Verwaltungsstrukturen, die gewährleisten, dass möglichst viel Geld in die inhaltliche Arbeit und in die Projekte fließt. Der Rechnungshof hat jetzt im vorliegenden Bericht einige Kritikpunkte geäußert. Ich möchte sie jetzt nicht alle wiederholen, sie sind schon mehrfach erwähnt worden. Vielleicht kurz einige: Der Förderbegriff sei zu weit gefasst, die Stiftung sei zu groß dimensioniert, und es fehle auch an Transparenz. Und es gibt auch klare Empfehlungen durch den Rechnungshof. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Präsidentin, und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedanken, weil Sie dazu beitragen, dass unsere Verwaltung, die Arbeit der Behörden und der vielen Einrichtungen und Unternehmen immer wieder verbessert werden kann. Ich glaube, Verbesserung ist auch bei der Innovationsstiftung angesagt. Der Herr Bundesminister hat ja bereits im Ausschuss angekündigt, dass eine umfassende Reform der Organisationsstruktur bevorsteht und der parlamentarische Prozess dafür auch bereits im kommenden Jahr starten soll. Ich bin froh, dass die Regierungsparteien die Berichte des Rechnungshofes ernst nehmen und dass sie dann auch rasch an einer Umsetzung der Empfehlungen arbeiten. So funktioniert das, so nimmt man auch die parlamentarischen Instrumente und die Berichte ernst, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der Rechnungshofbericht zum Achtpunkteplan für eine digitale Schule war jetzt schon öfter Thema. Er hat ganz klare Kritikpunkte und auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, und das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, wenn wir zukünftige Digitalisierungsprojekte umsetzen. Und ich will betonen: Gerade im Bildungsbereich ist die Digitalisierung enorm wichtig, und da müssen wir auch investieren. Im Regierungsprogramm ist dafür eine umfassende Kompetenzoffensive vorgesehen, ganz im Sinne des Achtpunkteplans, und dazu gehört auch die volle Ausrollung der Geräteinitiative. Aber nicht nur das, es geht auch um neue Schritte bei der künstlichen Intelligenz, etwa KI-Pilotschulen, digitale Lernprojekte und – das finde ich besonders wichtig – KI-gestütztes individualisiertes Lernen. Ebenso wichtig ist die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, denn Digitalisierung funktioniert nicht ohne die Pädagoginnen und Pädagogen. Sie brauchen die besten Werkzeuge und auch Unterstützung beim Umgang mit diesen modernen Medien. Wir müssen in Österreich entschlossen interaktive und digitale Lernprogramme entwickeln und flächendeckend einsetzen, denn Digitalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, das ist die Zukunft. Unsere Schulen haben die Verantwortung, die Kinder auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Und diese Welt verändert sich rasant: Entwicklungen, die wir in Echtzeit vor unseren Augen erleben. Es geht um die Zukunft unseres Landes, und genau deshalb müssen wir die Digitalisierung auch weiter stärken. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen nun zu den Abstimmungen. RN/177.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Innovationsstiftung für Bildung, III-131 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/177.2 Tagesordnungspunkt 15: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Lehrpersonaleinsatz, III-167 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.3 Tagesordnungspunkt 16: Bericht betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule, III-52 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.4 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Bericht betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz, III‑1 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.5 Tagesordnungspunkt 18: Bericht betreffend Österreich Institut G.m.b.H., Follow-up-Überprüfung, III‑2 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.6 Tagesordnungspunkt 19: Bericht betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien, Follow-up-Überprüfung, III-3 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.7 Tagesordnungspunkt 20: Bericht betreffend Österreichische Kulturforen, Follow-up-Überprüfung, III‑4 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.8 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 21: Bericht betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber, III-5 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig so zur Kenntnis genommen. Abstimmung über TOP 8 und 9, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 20:57

Bericht des Rechnungshofes betreffend Österreich Institut G.m.b.H.; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2020/44

194 d.B. · Regierungsvorlage III-2 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zur Follow-up-Überprüfung der Österreich Institut G.m.b.H. (Reihe BUND 2020/44) zur Kenntnis. Damit wird der Ausschussempfehlung einstimmig gefolgt, ohne weitere inhaltliche Maßnahmen zu beschließen.

Betroffen sind die Österreich Institut G.m.b.H. sowie das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten im Zusammenhang mit den vom Rechnungshof geprüften Gebarungs- und Umsetzungsmaßnahmen.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Österreich Institut G.m.b.H.; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2020/44

Gegenstand und Rechtsgrundlage

  • Behandelt wird ein Bericht des Rechnungshofes über Wahrnehmungen aus einer Gebarungsüberprüfung im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten zur Österreich Institut G.m.b.H. (Follow-up-Überprüfung, Reihe BUND 2020/44).
  • Der Bericht erfolgte gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG.

Parlamentarische Behandlung und Überleitung in die neue Gesetzgebungsperiode

  • Der Rechnungshofbericht war bereits in der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode als III-203 d.B. (XXVII. GP) Verhandlungsgegenstand, wurde dort jedoch nicht erledigt.
  • Nach Art. 28 Abs. 4 B-VG iVm § 21 Abs. 1a GOG gelten nicht erledigte Rechnungshofberichte der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode als Gegenstände der Verhandlung des neu gewählten Nationalrates und der Vorberatung seiner Ausschüsse.
  • Der Bericht wurde dem Rechnungshofausschuss in der XXVIII. Gesetzgebungsperiode erneut zugewiesen (Beilagenbezeichnung III-2 d.B.).
  • Der Rechnungshofausschuss nahm den Bericht zur Fristwahrung in Verhandlung, vertagte die Beratungen und behandelte ihn in einer weiteren Sitzung erneut.

Ergebnis der Ausschussberatung

  • Der Rechnungshofausschuss empfiehlt dem Nationalrat, den Bericht des Rechnungshofes betreffend Österreich Institut G.m.b.H.; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2020/44 zur Kenntnis zu nehmen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Österreich Institut G.m.b.H.; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2020/44

~32 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir debattieren hier mehrere Rechnungshofberichte und drei davon behandeln den Bildungsbereich. Ich möchte mich bei Ihnen, Frau Präsidentin, sehr herzlich bedanken, dass Sie die Prüfungen und diesen Bericht sehr unbeeindruckt, aber vor allem auch sehr schonungslos gestaltet haben. In einem dieser Berichte geht es um die Innovationsstiftung für Bildung – eine Stiftung, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde, die auch kaum jemand kennt. Diese Stiftung wurde 2017 gegründet, um das allgemeine Bildungsniveau in Österreich anzuheben. Dotiert war diese Stiftung innerhalb von sechs Jahren mit 27 Millionen Euro. Was war das Ergebnis dieses Rechnungshofberichtes? – Es war in Wirklichkeit ein beispiellos vernichtendes Urteil, und es hat aufgezeigt, wie führungslos man im Bildungsministerium in den vergangenen Jahren agiert hat. Was schreibt der Rechnungshof? – Organisatorisch war diese Stiftung viel zu groß aufgestellt. Es gibt fünf Substiftungen, zu denen der Rechnungshof im Übrigen sagt, dass das eine für österreichische Verhältnisse völlig unübliche Rechtskonstruktion ist. Der Stiftungsvorstand und der OeAD-Geschäftsführer, das war eine Personalunion – also eine Person. Der Rechnungshof weist auf hohe Fluktuationsraten bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle hin. Es fehlte vielfach die Expertise in der Umsetzung. Diese hat man dann wieder extern zugekauft. Es fehlten Vorgaben zum Finanzplan, zu Förderrichtlinien und definierte Prozessen – da war überhaupt kein internes Kontrollsystem gewährleistet, und auch das hat der Rechnungshof kritisiert. Vor allem waren es aber zwei Punkte: nämlich dass es keine langfristige Strategie gegeben hat, dass eine solche nicht erkennbar war, und zuletzt – und das ist nicht nur nicht schmeichelhaft, sondern ist wirklich ein vernichtendes Urteil für diese Stiftung – hat er die zentrale Empfehlung ausgegeben: „Eine gesamthafte Evaluierung der Innovationsstiftung für Bildung“. Das ist gleichbedeutend mit, landläufig: Ja, löst sie auf, schafft sie ab, oder liquidiert sie! Was immer ihr damit tut, überlegt euch: Vielleicht können bestehende Institutionen wie das Ministerium oder auch der OeAD da Aufgaben wahrnehmen. Man muss ja schon auch irgendwann erkennen: Wenn etwas seinen Zweck nicht erfüllt, ja, dann muss man sich davon auch trennen. (👏 FPÖ) Denn was hat es am Ende des Tages gebracht? – Was hat es den Schulen gebracht, was hat es den Lehrern gebracht, was hat es den Kindern, den Schülern gebracht, was hat es den Eltern gebracht? Verbesserung in den Grundkompetenzen? – Nein. Wurde der Lehrermangel in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise beseitigt? – Nein. Wurde der Leistungsgedanke in den Schulen irgendwie forciert? – Nein. Konfliktmanagement, das man vielleicht mit innovativen Ideen unterstützt hätte? – Nein. Bürokratie abgebaut? – Nein. Wirtschaftliche Ausbildung auch im Hinblick auf die Lehre, dass man da irgendwie innovativ gewesen wäre? – Nein. Innovativ wäre es zum Beispiel gewesen, wenn man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie man neue Ausbildungsmöglichkeiten schaffen kann, zum Beispiel Handwerksschulen, zum Beispiel Gewerbeschulen. Das alles ist nicht geschehen. Am Ende des Tages sage ich Ihnen: Diese Stiftung hat sich tatsächlich nur selbst verwaltet – und ich glaube, das ist nicht der Sinn und Zweck einer Stiftung. Der Herr Bundesminister für Bildung wäre aufgefordert, da entsprechend zu handeln. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Servus . – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Ja, sehr geehrte Damen und Herren, noch einmal Bildung. Bildung, Forschung und Innovation gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren in einer modernen Volkswirtschaft und sie bestimmen maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, aber auch Wettbewerbsstärke und den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wurde auch 2017 – der Herr Kollege hat es gesagt – die Innovationsstiftung für Bildung gegründet, mit dem strategischen Ziel, die innovativen Kräfte in Österreich für die Weiterentwicklung im Bildungsbereich zu bündeln. Ich kann den Herrn Kollegen von der FPÖ beruhigen: Es steht im Regierungsprogramm, dass die Innovationsstiftung evaluiert und auch reformiert werden soll. Dafür wird unter anderem auch der Rechnungshofbericht beziehungsweise werden die Empfehlungen des Rechnungshofes eingearbeitet. Der Fokus soll wieder mehr auf Innovation und Wettbewerb gelegt und die Anforderungen sollen erhöht werden, geht es doch schließlich auch darum, „unbürokratisch und rasch“, so steht es im Regierungsprogramm, Bildungsinnovation ins Bildungssystem zu bringen. Erfolgversprechende Projekte sollen nicht direkt aus dem Ministerium, sondern quasi als kleine Schnellboote rasch und ohne hierarchische Hindernisse umgesetzt und realisiert werden. Einige Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes – danke an dieser Stelle auch Ihnen, Frau Rechnungshofpräsidentin –: Verbessert werden soll unter anderem der Abwicklungsaufwand, der aktuell bei durchschnittlich 15 Prozent der ausgezahlten Fördermittel liegt; das ist ein bisschen viel. Auch soll die auf 20 Mitglieder etwas aufgeblähte Organisationsstruktur von Stiftungsrat, Aufsichtsorgan und wissenschaftlichem Beirat reduziert werden. Weiter ausgebaut und forciert werden soll die Möglichkeit, Spender aus der Privatwirtschaft anzuwerben. Seit 2023 ist das ja mit der Spendenabsetzbarkeit für Bildung auch möglich – beschlossen hier von diesem Haus. Ich finde es gut, dass die Innovationsstiftung bereits mit einer Vielzahl von privaten Akteuren im Austausch steht. Wenn Mäzene, Spender und natürlich auch Großspender aus der Wirtschaft vermehrt in Erscheinung treten und die Innovationsstiftung mit ihrem privaten Kapital und privaten Engagement dabei unterstützen, dann ist das sicherlich von Vorteil. Es wäre schön, wenn auch andere dem Beispiel Mateschitz und Co folgen würden und ihr Geld in Richtung Bildung investieren würden. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel muss es weiterhin sein, das Bildungsniveau anzuheben, die tertiären Bildungsabschlüsse weiter zu steigern. Und auch bei der Zahl der Patentanträge oder Start-up-Gründungen gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche der Innovationsstiftung, dass sie diese Ziele weiter unterstützen kann und dabei viel Erfolg. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich werde mich kurz auf die Innovationsstiftung für Bildung beziehen. Was ist das Ziel dieser Stiftung? – Ziel ist es, die innovative Bildungspolitik voranzutreiben und wirklich in alle Altersstufen der Kinder zu bringen. Der Rechnungshof hat sich folgende Punkte angeschaut: Wie funktioniert die Organisationsstruktur? Wie werden die Aufgaben wahrgenommen? Entsprechen sie dem, was geplant war? Und wie hat sich die finanzielle Entwicklung in den Jahren 2017 bis 2023 gestaltet? Danke, Frau Rechnungshofpräsidentin, das ist einer von vielen sehr ausführlichen Berichten. Wir haben vorhin über den Wissenschaftsblock gesprochen, jetzt sind wir beim Bildungsblock angelangt, und das waren dank der sehr fundierten Berichte wirklich intensive Debatten. Was hat der Rechnungshof festgestellt? – Er hat festgestellt, dass es sehr hohe Ausgaben für externe, zugekaufte Leistungen gegeben hat. Man hat sich viel Expertise zugekauft, und da lohnt es sich wirklich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es haben konsolidierte Kostendarstellungen gefehlt – das sollte keinesfalls passieren –, und es hat auch da, wie im vorigen Block schon angesprochen, keine standardisierten Abläufe gegeben – dennoch fehlt ein wichtiges Kontrollinstrument –, und das Risikomanagement war sehr stark vernachlässigt, nicht systemisiert. Ein Punkt, der uns wirklich auch Auftrag sein sollte: Die Förderkriterien waren unklar. Es ist, glaube ich, in unser aller Interesse, Kriterien für Förderungen, die ausgeschüttet werden, wirklich sehr klar, nachvollziehbar und transparent zu gestalten, sodass dann jeder weiß, wohin das Geld geflossen ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Der Rechnungshof hat festgestellt: Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der gesamten Strukturen und der Wirkungsweisen. Ich habe vorhin schon gesagt, das Ziel dieser Innovationsstiftung ist es, innovative Bildungspolitik auf den Boden zu bringen und für alle Altersstufen zu gewährleisten, und ich habe den Herrn Bundesminister dann gefragt, ob man valide Daten hat, welche Altersgruppen am meisten von genau diesen innovativen Ansätzen profitiert haben. Die Sekundarstufe, hat er geantwortet, hat am stärksten nachgefragt. Aber natürlich waren wir uns auch im Ausschuss einig, und das wurde auch unisono bestätigt, dass die Elementarstufe besonders im Fokus sein sollte. Das sollten wir wirklich als gemeinsames Ziel haben, einfach um zu gewährleisten – das ist, glaube ich, für uns alle wichtig –, dass bereits die Jüngsten mit innovativer Politik in der Bildung arbeiten dürfen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Zuerst möchte auch ich mich bei Ihnen für die ausführlichen Berichte bedanken. Der Rechnungshof ist eine zentrale Institution in unserer liberalen Demokratie. Die Analysen und die Arbeit zur Verwendung öffentlicher Mittel, all unserer Steuergelder, sind von unschätzbarem Wert. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei allen Prüferinnen und Prüfern sowie bei Ihnen persönlich bedanken. Die Berichte des Rechnungshofes – ich werde in der Folge über den Bericht zum Lehrpersonaleinsatz und über den Achtpunkteplan für eine digitale Schule sprechen – zeigen einmal mehr: Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass sich diese Regierung den Problemen stellt, denn genau das erwarten sich die Bürgerinnen und Bürger. Die Probleme sind massiv: Unser Bildungssystem, unsere Lehrer:innen und Schüler:innen leiden seit über einem Jahrzehnt unter dem Lehrpersonalmangel. Lange Zeit versuchte man, das Problem mit punktuellen Eingriffen zu beheben – ohne Erfolg. Kein Wunder, denn sowohl bei der Beurteilung des tatsächlichen Lehrer:innenbedarfs und in der Folge auch bei den gesetzten Maßnahmen zur Deckung verfehlte man klar das selbst gesteckte Ziel. Die schließlich im Jahre 2022 anlaufende umfassende Initiative Klasse Job zur Behebung des Lehrermangels war im Kern eine gute Idee, aber auch da haperte es an der Umsetzung. Ähnliches hat der Rechnungshof bei der Überprüfung des Achtpunkteplans für eine digitale Schule festgestellt. Mehrfach schienen in der Vergangenheit Umsetzungsstände von Teilprojekten nicht bekannt zu sein, existierten Daten zur Erhebung von Projektfortschritten nicht, und das Ministerium wich von Vergabestandards ab. Letztlich waren die Ziele des Projekts nicht ausreichend genau abgesteckt, sodass sich ein Erfolg oder Misserfolg auch nur schwer einschätzen ließ. Glauben Sie mir, als ehemalige Volksschullehrerin kenne ich einige Probleme unseres Bildungssystems nur zu gut, und sie sind auch der Grund dafür, dass ich heute hier vor Ihnen und nicht mehr vor einer Klasse stehe. Daher beklage ich die ausführliche Kritik und die Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes auch nicht, sondern begrüße sie besonders. Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass wir Teil dieser Regierung sind, weil wir mit uns in der Regierung die Finanzierung des Bildungsbereichs auch in den Zeiten des größten Spardrucks sicherstellen, weil nur mit uns sich bereits heute erste Verbesserungen beim Lehrpersonal einstellen und nur mit uns es mit der stiefmütterlichen Behandlung der Bildung in diesem Land vorbei ist, die doch Kern von so vielen Aspekten unserer Gesellschaft ist. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Präsidentin Margit Kraker zu Wort gemeldet. – Bitte.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, in diesem Block stehen mehrere Berichte aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung. Wir haben das am 9. September im Rechnungshofausschuss besprochen. Der erste Punkt ist der Lehrpersonaleinsatz. Ich denke, der Rechnungshof gibt da eine umfassende Übersicht über die Maßnahmen, die getroffen wurden, um dem Lehrpersonalbedarf in den Schulen Rechnung zu tragen beziehungsweise um einem allfälligen Lehrermangel entgegenzuwirken. Wir haben untersucht und eben festgestellt, dass das Bildungsministerium schon seit dem Jahr 2009 Lehrpersonalbedarfsprognosen erstellte, die auf einen Personalmangel ab dem Jahr 2018/2019 hinwiesen. Diesen Prognosen fehlten die notwendigen Steuerungselemente, bei denen man zum Beispiel auch die Angebotsseite mitbetrachtet hätte. Bis zum Jahr 2022 gab es keine umfangreichen und systematischen Maßnahmen, um diesem Mangel zu begegnen. Warum gab es dann dennoch nicht so viele offene Stellen? – Weil kompensiert wurde. Es wurde mit Mehrdienstleistungen, fachfremdem Unterricht, mit Sonderverträgen an Personen, die keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung vorweisen konnten, kompensiert. All diese Faktoren haben naturgemäß Auswirkungen auf den Unterricht und auf die Organisation in den Schulen. Das Projekt Klasse Job haben wir eigentlich positiv beurteilt, denn wir haben gesagt, das ist ein Projekt, das aus acht Teilprojekten bestand, um da systemisch entgegenzuwirken. Die Kosten dafür betrugen in zwei Jahren 2,6 Millionen Euro. Ein Teilprojekt war der Quereinstieg und dass eben Personen mit fachverwandtem Studium die Möglichkeit haben, als Lehrpersonen zu arbeiten, und da gab es eine Zertifizierungskommission. Diese Zertifizierungskommission verursachte in zwei Jahren Kosten und Auszahlungen von 604 000 Euro, und es gab in diesem Zeitraum ungefähr 5 000 Bewerberinnen und Bewerber. Die Hälfte wurde zertifiziert, und von den zertifizierten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern unterrichtete weniger als ein Drittel tatsächlich.Es hätte die Möglichkeit gegeben, auch einen Selbstbehalt einzuheben, aber darauf hat man verzichtet. Ein weiterer Punkt ist – und da appelliere ich an die Verwaltungsstellen, an die Bildungsverwaltungsstellen –, dass die Dienstverträge rasch ausgestellt werden und dass man die Vordienstzeiten und das Besoldungsdienstalter rascher errechnet, denn die Lehrpersonen brauchen natürlich auch einen Nachweis für ihr Dienstverhältnis. Es gab dann Spannungsfelder bezüglich der Anstellungsvoraussetzungen zwischen der Zertifizierungskommission und der Bildungsdirektion, sodass sich ergab, dass man die rechtliche Qualität der Zertifikate klären muss und dass tatsächlich die Bildungsdirektionen über die Anstellung entscheiden. Die PädagogInnenbildung neu, sehr geehrte Damen und Herren, wurde im Jahr 2013 für die Sekundarstufe auf ein sechsjähriges Lehramtsstudium verlängert. Für die Primarstufe wurde die Ausbildungszeit von drei auf fünf Jahre erhöht. 2024 wurde sie dann wieder verkürzt, weil man gemerkt hat, dass da eine Lücke bei den Absolventinnen und Absolventen entsteht, und man hat dann auf drei plus zwei Jahre mit berufsbegleitendem Masterstudium umgestellt. Dieses berufsbegleitende Studium führt natürlich dazu, dass Studierende, Bachelorstudierende auch hohe Belastungen auf sich nehmen müssen, und erhöht auch den Teilzeitanteil an den Schulen dementsprechend. Zum Qualitätssicherungsrat haben wir auch einen Exkurs gemacht. Dieser hat die Aufgabe gehabt, die PädagogInnenbildung neu zu begleiten. Diese Aufgabe ist weitgehend erfüllt, die Kosten lagen bei 2,42 Millionen Euro. Studierende konnten einen Regelvertrag haben, wenn sie schon ein gewisses Niveau an Ausbildungsstunden hatten, sonst hatten sie einen Sondervertrag. 9 Prozent aller Lehrpersonen waren im Schuljahr 2023/24 mit Sondervertrag angestellt. Insbesondere gab es einen hohen Anteil im Bereich der Landeslehrpersonen – das sehen wir kritisch. Auch die Mittelschulen sind darüber hinaus sehr stark mit dem Thema fachfremder Unterricht konfrontiert, das haben wir natürlich auch kritisch gesehen. Der Teilzeitanteil an den Schulen liegt bei 39,5 Prozent. Ich habe es schon gesagt, das liegt neben der Tatsache, dass es überwiegend Frauen sind, natürlich auch daran, dass es berufsbegleitende Studien gibt. Wenn man eine hohe Teilzeitquote hat, erfordert das natürlich ein Management beim Personaleinsatz der Lehrpersonen. Wir haben daher verschiedene Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen, um im Bereich der Mehrdienstleistungen, im Bereich der berufsbegleitenden Studierenden nicht zu viele Belastungen zu haben. Und wir haben bei den Quereinsteiger:innen festgestellt, dass es auch da einen hohen Teilzeitanteil gab und dass sie auch schon im ersten Schuljahr fachfremd unterrichtet haben. Ich möchte zum Abschluss sagen: Für den Fall, dass wir einmal zu viele Lehrerinnen und Lehrer haben, weil wir jetzt sehr viele qualifizieren, wäre dies natürlich der ideale Zeitpunkt, auf ganztägige Schulen umzustellen – aber das ist eine Anmerkung meinerseits und steht in dem Sinn nicht im Bericht. (👏 SPÖ, NEOS) Zur Innovationsstiftung wurde schon viel gesagt. Auch da geht es uns um die Wirkung, um einen transparenten Mitteleinsatz, um eine kompetitive Förderausrichtung, sodass man einen Mehrwert erkennen kann. Wir wollen tatsächlich, dass es hier eine grundlegende Evaluierung gibt und dass der Bericht diesbezüglich auch ernst genommen wird. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 20.24 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Rechnungshof zeigt es schwarz auf weiß: Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist kein Zufall, sondern er ist seit 15 Jahren bekannt – seit 15 Jahren. Trotzdem wurde viel zu spät gehandelt, und den Preis zahlen jetzt die Kinder. In Tirol beispielsweise wird fast jede zweite Stunde in der Mittelschule fachfremd unterrichtet, das heißt, es gibt dann Mathematik ohne Mathematiklehrer und -lehrerinnen, Informatik ohne Informatiklehrer und -lehrerinnen – Letzteres beispielsweise in Tirol bis zu 90 Prozent. Das muss man sich einmal vorstellen. Lehrer und Lehrerinnen stemmen längst Unmenschliches: Mehrstunden, fachfremden Unterricht, kaum Unterstützung. Ich glaube, da muss man sich nicht wundern, dass ganz viele ausbrennen. Wir Grüne sagen klar: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte und vor allem eine echte Entlastung, das heißt junge Lehrkräfte, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, und diese brauchen eine Begleitung, damit sie nicht von Anfang an wieder frustriert den Arbeitsplatz verlassen. Das heißt auch: Unterstützungspersonal, psychosoziale Unterstützung und Schulsozialarbeit. Apropos: Da sind wir bei einem Thema, einer Sache, die wir immer wieder angesprochen haben, und jedes Mal hieß es vonseiten der Regierungsparteien: Nein, nein, wir haben alles im Griff. – Die Realität schaut anders aus. Seit dem 17. Juni gibt es keinen einzigen freien Platz mehr im Programm Gesund aus der Krise. Das ist ein Programm – das einzige! –, das jungen Menschen eine Gratispsychotherapie ermöglicht, oftmals ein Rettungsanker, den Tausende Jugendliche dringend brauchen. Gerade jetzt, da die Zahl psychischer Erkrankungen steigt, da Wartezeiten bis ins Unermessliche gehen, wird ihnen diese Tür zugeschlagen – und das ist nichts anderes als ein Verrat an jungen Menschen, die dringend Hilfe bräuchten. (👏) Liebe Regierungsparteien – vor allem die SPÖ muss ich hier in die Pflicht nehmen, denn es ist ihr Ressort –: Das darf es bitte wirklich nicht geben! Jugendlichen mit einer Depression oder Angstzuständen zu erklären: Sorry, wir haben keinen Platz für euch!, liebe Kollegen und Kolleginnen, das darf es sicher nicht sein. Es wurde uns mehrfach versprochen, dass man das in den Griff bekommt, bisher wurde nichts getan. Wir hoffen ernsthaft, dass sich dieses Problem bald regeln lässt und dass die jungen Menschen nicht länger im Stich gelassen werden. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer .

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Zuhörer! Wenn wir heute über den Lehrpersonaleinsatz sprechen, dann geht es um weit mehr als um Tabellen, Deputate, Stundenpläne – es geht um unsere Kinder, um ihre Chancen, ihre Zukunft, um das, was sie einmal werden können. Das Lernen passiert im Jetzt, und zu sagen: Es wird alles besser!, hilft jetzt leider niemandem. Genau deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen. Österreich gibt in diesem Bereich im internationalen Vergleich sehr viel Geld aus, und trotzdem sind die Leistungen unserer Schüler oft nur Mittelmaß. Was läuft falsch im System? – Das System ist sehr unübersichtlich. Wir haben bei Lehrern eine Teilzeitquote von circa 40 Prozent. Fachfremder Unterricht ist fast schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme, wie meine Vorrednerin gesagt hat; in Tirol liegt er bei ungefähr 50 Prozent. Es fallen Überstunden im Ausmaß von 7 100 Vollzeitstellen an. Richten Sie bitte der Frau Sozialminister und dem Herrn Wirtschaftsminister aus, da können sie den Unternehmern zeigen, wie es geht, die Arbeitszeit zu heben oder länger im Berufsleben zu bleiben, ohne mit dem Finger auf andere zu deuten! Kurz noch zum Achtpunkteplan: Die App Digitales Lernen hat sich von 3 Millionen auf 12 Millionen Euro verteuert, ohne nennenswerte Zugriffe. Kurz gesagt: Die Erfolgsgeschichte von Kaufhaus Österreich wurde fortgeschrieben, wieder wurden Millionen in den Sand gesetzt. Ganz nebenbei sind Aufträge in Millionenhöhe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergeben worden. Transparenz: Fehlanzeige, Kontrolle: leider nein. In allen drei Bereichen fehlt es an definierten, überprüfbaren Zielen und Indikatoren, um die Wirkung messen zu können. Nur Geld in ein System zu geben, ist zu wenig. Auf die Frage im Rechnungshofausschuss, wie der Herr Minister die Arbeit seines Vorgängers bewerten würde, meinte er nur: Er habe eine Basis, auf der man aufbauen könne. – Im Arbeitszeugnis würde stehen: Herr Polaschek hat sich immer redlich bemüht!, oder im Schulnotensystem: Herr Polaschek, setzen, Fünf! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Jakob Grüner gelangt nun zu Wort. – Bitte.

ÖVP Jakob Grüner

Frau Präsidentin! Geschätzte Präsidentin des Rechnungshofes! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Bericht des Rechnungshofes zum Lehrermangel. Wir alle wissen, dass es da große Herausforderungen gibt. Wir haben es schon gehört. Eines ist klar: Bildung, Bildung, Bildung, Bildung und noch einmal Bildung, denn Bildung ist die Antwort auf alle unsere Probleme – sozial, wirtschaftlich, gesellschaftlich. War der Lehrermangel vor einigen Jahren vielleicht noch ein Zukunftsproblem, so steht er heute mitten in der Klasse, mitten im Raum – oder eben nicht. Es ist ja doch so – seien wir ehrlich –: Speziell im Bildungsbereich stehen wir uns regelmäßig selbst im Weg, indem wir dauernd alle ideologisch hineinbuttern, was nur geht, und Reformen verhindern beziehungsweise am Ende des Tages Mindestkompromisse herauskommen – speziell im Bildungsbereich! Im Bildungsministerium, manche nennen es auch K.-und-k.-Ministerium, ändert man keinen einzigen Beistrich, ohne jahrelang darüber zu diskutieren. Wir wissen, Lehrer wachsen nicht auf Bäumen, aber wir pflanzen uns regelmäßig gegenseitig. Wir sollten vielleicht weniger über Fridays for Future – eine wichtige Initiative – und mehr darüber diskutieren, wie wir unsere Lehrer von Montag bis Freitag in die Schulklassen bekommen. Hohes Haus! Der Bericht des Rechnungshofes streicht ein Problem deutlich heraus, und das möchte ich herausgreifen: Sehr viele starten in die Ausbildung und gehen dann nicht in den Beruf. Das ist ein Phänomen, das wir branchenweit in ganz Österreich erkennen, das ist ein großes Problem und sollte uns alle beunruhigen, denn unser Staat kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Arbeitsbeitrag leistet. Wenn manche nicht mehr arbeiten wollen, dann haben wir vermutlich ein anderes Problem, ein gesellschaftliches Problem, vielleicht ein kulturelles Problem, aber nicht immer ein wirtschaftliches Problem, denn auch im Bildungsbereich kommt das Geld nicht aus dem Bankomaten. Wir müssen dieses Wohlstandsproblem, das wir, glaube ich, ganz offensichtlich haben, also dringend gemeinsam in den Griff bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte positiv abschließen und mich ganz herzlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern im Land bedanken, die tagtäglich Großartiges leisten, für unsere Kinder da sind und sie auf das Leben vorbereiten. Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Volksschulalter und habe am Montag beim Elternabend gesehen und gespürt, mit wie viel Liebe und Einsatz unsere Kinder das Rechnen, das Schreiben, das Lesen, soziale Fähigkeiten, Freundschaften, Emotion, Verantwortung, Zuversicht et cetera lernen. – Sie geben unseren Kindern damit viel auf den Weg. Sie geben ihnen die Welt und prägen junge Persönlichkeiten. Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Abschließend: Wir gemeinsam haben sehr viel aus dem Rechnungshofbericht gelernt. Vielleicht sollten wir uns vornehmen, diese Empfehlungen schnellstmöglich gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Wolfgang Moitzi zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrte Frau Präsidentinnen – es kommt ja nicht so oft vor, dass zwei Präsidentinnen im Raum sind! Ich kann die Frau Präsidentin des Rechnungshofes beruhigen. Sie hat gesagt, sie wünscht sich, dass der Rechnungshofbericht über den Lehrpersonaleinsatz ernst genommen wird. Ich glaube, wir als Parlament und auch die Bundesregierung nehmen diesen Bericht extrem ernst, denn der Rechnungshofbericht zeigt uns leider sehr deutlich auf, was schon seit vielen Jahren gewusst wurde und uns auch gedroht hat, nämlich ein Lehrpersonalmangel. Trotzdem haben die letzten beiden Regierungen lange zugeschaut und zu spät Maßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis – Barbara Neßler hat es ja angesprochen –, dass in Tirol zum Beispiel 46 Prozent der Fächer von fachfremdem Personal unterrichtet werden. In Oberösterreich sind es 35 Prozent. Allein im Jahr 2023 mussten Mehrdienstleistungen im Umfang von circa 7 000 Vollzeitäquivalenten geleistet werden und dadurch also rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte kompensiert werden. Das ist weder fair gegenüber den Lehrkräften noch gegenüber unseren Kindern in den Klassenzimmern. Die zentrale Schlussfolgerung aus diesem Bericht ist klar: Wir dürfen nicht mehr in Notlösungen hineinstolpern, sondern müssen endlich den Lehrerinnen- und Lehrerberuf wieder attraktiver machen. Genau deshalb haben wir den Bericht ernst genommen und im Regierungsprogramm auch schon Maßnahmen festgeschrieben, nämlich mehr Ausbildungsplätze für Pädagoginnen und Pädagogen, Ausbau der Schulsozialarbeit zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen, Investitionen in die und eine Verkürzung der Pädagog:innenausbildung. Wir wollen auch ein mittleres Management zur Unterstützung von Lehrpersonal an den Schulen einsetzen, damit Probleme delegiert und die Lehrer:innen so unterstützt werden können. Damit machen wir mit der Attraktivierung des Lehrberufs Ernst, nicht nur mit Kampagnen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und kürzeren Ausbildungswegen. (👏 ÖVP, SPÖ) Den notwendigen Quereinsteigern wollen wir den Quereinstieg erleichtern: Es wird größtmögliche und nachvollziehbare Anrechnungen von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft geben, und wir begleiten sie dann besser im neuen Beruf, damit sie im Klassenzimmer nicht allein gelassen werden. Auch die Volksschulen wollen wir für den Quereinstieg öffnen. Die Zahlen bestätigen den eingeschlagenen Weg dieser Bundesregierung. Auf 6 500 freie Stellen haben sich in diesem Schuljahr 16 000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das zeigt schon einen ersten guten Erfolg. Abschließend: Wir werden das sehr ernst nehmen, denn für uns als Sozialdemokratie und auch für diese Bundesregierung ist klar, unsere Kinder verdienen nicht den zweitbesten Unterricht, sondern die beste Bildung. Dafür tragen wir hier gemeinsam die Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren, die noch auf der Galerie und vor den Bildschirmen sind! Wir wechseln jetzt das Thema – die Rechnungshofberichte sind ja sehr umfangreich und sehr umfassend –, es geht jetzt um die Kultur. Der Rechnungshof wiederholt ja nicht das Offensichtliche, sondern macht das Verborgene und Notwendige sichtbar – und das sorgt für Transparenz. Die Berichte sind auch immer wieder unmittelbar dafür verantwortlich, dass Grundlagen für Reformen geschaffen werden. Nicht nur deswegen lesen wir NEOS sie so besonders gerne. Daher bedanken wir uns sehr herzlich beim Team des Rechnungshofes für diese Lektüre, die es uns etwas einfacher macht, Reformen anzugehen. (👏 NEOS) Der Auslandskultur attestiert der Rechnungshof, dass es da ein sehr dichtes Netz an Strukturen und Institutionen gibt. Dieses Netz ist ein Schatz, und es ist auch eine Chance. Uns ist natürlich sehr klar, dass Präsenz der Auslandskultur alleine nicht reicht. Wirkung entsteht auch in der Kultur erst, wenn die Verantwortungen ganz klar geregelt sind und Ziele konsequent verfolgt werden können. Die österreichische Auslandskultur ist das internationale Schaufenster der Kulturnation Österreich. Da entstehen Themenjahre, es gibt gezielte Förderschienen, Künstler:innen und Institutionen bekommen so Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich auch im Ausland zu präsentieren. Und sie ist vor allem auch eine Chance für Österreich, wahrgenommen zu werden. Das aktuelle Grundlagendokument der Auslandskultur markiert zwar wichtige Schwerpunkte, aber es braucht auf jeden Fall mehr. Das stellt auch der Rechnungshof fest. 2026 wird das Jahr, in dem die Auslandskultur auch strategisch neu aufgestellt wird – mit gebündelten Kräften, mit klarer Verantwortung im Außenministerium, abgestimmt mit allen Partnern, Ministerien wie Bundesländern, denn Auslandskultur ist Teil der Außenpolitik. Wer Österreich im Ausland begegnet, sieht nicht neun Bundesländer, sondern eine Kulturnation. (👏 NEOS) Unsere Kulturforen stärken den Standort Österreich. Sie sind die Softpower der Diplomatie sowie der Außenwirtschaft, und sie öffnen Türen. Vom Rechnungshof geprüft wurde allerdings auch die Spanische Hofreitschule – das ist schon so etwas wie ein Dauerbrenner im Rechnungshof –, sie ist ein Kultur- und Tourismusbetrieb, ressortiert allerdings im Landwirtschaftsministerium. Sie hat drei Standorte, drei Logiken, ist dennoch ein einziges Unternehmen, eine Institution mit internationaler Bedeutung, aber auch mit großen Herausforderungen. So lautet auch der Schluss des Rechnungshofes. Das zentrale Thema ist neben der anhaltenden Unruhe in und rund um die Spanische Hofreitschule die Finanzierung. Der Rechnungshof empfiehlt mehrjährige Vereinbarungen mit Kennzahlen, eine transparente Kostenrechnung und ein tragfähiges Unternehmenskonzept – nicht wirklich etwas Neues und das nicht zum ersten Mal. Ziel muss sein: Die Hofreitschule darf nicht zum Spielball werden und muss aus den Schlagzeilen kommen. Sie braucht Verlässlichkeit (👏 NEOS), denn nur dann kann sie zeigen, was sie ist: höchste klassische Reitkunst, lebendiges – im wahrsten Sinne des Wortes – Weltkulturerbe und eine österreichische Institution mit internationaler Strahlkraft. Sehr geehrte Damen und Herren! Die Rechnungshofberichte eröffnen Chancen in der Auslandskultur, aber auch für die Spanische Hofreitschule und für alle anderen geprüften Institutionen. Eine kleine Werbeeinschaltung am Ende: Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofes hat noch niemandem geschadet. Sie hat Institutionen gestärkt, und sie hat Reformen eingeleitet. – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich glaube, ich muss jetzt die gute Stimmung der heutigen Debatte doch noch einmal stören. Ich schaffe es jetzt nicht, wie die Vorrednerin eine Rede über die Spanische Hofreitschule zu halten, ohne auf die aktuellen Ereignisse einzugehen. Wissen Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich ja oft gefragt, wo eigentlich der Begriff des Intrigantenstadls herkommt. Wenn man sich die Artikel der letzten Wochen über die Spanische Hofreitschule anschaut, bekommt man eine Idee davon, denn die Berichte zeichnen meiner Meinung nach ganz klar das Bild einer verschwörerischen Hinterzimmeroperette. (👏) Unsere Spanische Hofreitschule ist mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist lebendiges Kulturgut, sie ist Welterbe und Sinnbild österreichischer Tradition – und genau dieses Kulturgut steht jetzt auf dem Spiel, und das ganz klar wegen völligen politischen Totalversagens, und dieses Versagen hat einen Namen: Das ist das ÖVP-Landwirtschaftsministerium. (👏) Die Spanische Hofreitschule – Sie haben es sicher alle gelesen – braucht einen neuen Geschäftsführer. In dem Zusammenhang kann man sagen: schon wieder, denn die Querelen gehen ja jetzt schon über Jahre – so lange nämlich, wie das ÖVP-Landwirtschaftsministerium auch für die Spanische Hofreitschule zuständig ist. Was aber neu ist, ist eigentlich, wie der jetzige Geschäftsführer auch gegangen worden ist, denn man kann schon sagen, er ist nach allen Regeln der Intrigenkunst – auf gut Wienerisch – geschasst worden. Wenn man sich zum Beispiel die Recherchen des Magazins „Profil“ anschaut, dann sieht man, dass da Entscheidungen getroffen worden sind, bevor Prüfungen überhaupt abgeschlossen worden sind – eigentlich haben sie erst angefangen. Das Ministerium hat eine Anzeige erstattet, obwohl im Nachhinein durch unabhängige Wirtschaftsprüfer herausgekommen ist, dass es keinen systematischen Machtmissbrauch über Spesenabrechnungen gegeben hat, und das alles ohne Einbindung des Aufsichtsrates. Ich sage Ihnen, auch uns liegen interne Akten vor, und da gibt es ein Schreiben des Aufsichtsrates, das relativ aktuell ist – es ist nur neun Tage alt –, und es ist an Minister Totschnig gerichtet. Da steht: Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme des Aufsichtsrates ignoriert der politisch zuständige Minister Totschnig diesen Aufsichtsrat. – Da frage ich mich, bitte, liebe ÖVP: Was ist los und was macht Ihr Minister eigentlich beruflich? Das alles geht doch überhaupt gar nicht! Wenn Sie mich fragen, wird der Aufsichtsrat da mit voller Absicht ignoriert. Das stinkt förmlich nach einer Intrige aus dem Handbuch des Bauernbundes, ganz, ganz klar. In meinen Augen ist das alles unverantwortlich! Sie setzen den Ruf einer 500 Jahre alten Institution aufs Spiel. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein ÖVP-Minister das so zulassen konnte. Wir verlangen hier vollständige Aufklärung auch über die Rolle des Generalsekretärs aus diesem Landwirtschaftsministerium. Liebe Frau Präsidentin! Ich hoffe, gerade bei der Spanischen Hofreitschule gilt – wie so oft –: Nach der Rechnungshofprüfung ist vor der Rechnungshofprüfung. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manuel Litzke zu Wort. – Bitte.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frauen Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin, es ist eine Fülle von Berichten, die Sie uns sowohl im Ausschuss als auch hier vorgelegt haben, wo wir auch schon die Möglichkeit hatten, darüber zu diskutieren, auch so manches zu hinterfragen. Wie wir wissen, geht es ja nicht nur um diese nackte Analyse, die der Rechnungshof vorlegt, sondern es geht auch darum, Empfehlungen zu erhalten, Umsetzungsvorschläge zu bekommen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben für alle geprüften Instanzen, diese ernst zu nehmen: nicht nur analysiert zu werden, sondern diese Empfehlungen auch anzunehmen. Lassen Sie auch mich auf den Achtpunkteplan für eine digitale Schule eingehen, aber denken wir ganz kurz an die Entstehung dieses Achtpunkteplans und daran, in welcher Kürze und in welch raschem Prozess dies dann eigentlich vonstattengegangen ist – was ja auch die Erwartungshaltung von uns allen war, was die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Eltern dahinter für das ganze Bildungssystem war. Denn Ausgangspunkt war im Jahr 2020, dass es um die schnelle Umsetzung von E-Learning, von Homeschooling gegangen ist, da eben auch in dieser Phase, in der nicht alle Schulen durchgehend geöffnet haben konnten, die Schüler bestmöglich betreut werden mussten. Das ist verständlich, dazu braucht es Endgeräte, dazu braucht es natürlich auch Software, dazu braucht es auch einen entsprechenden Bildungsplan, und umso rascher hatte diese Umsetzung auch zu erfolgen. Da ist es – und das haben Sie in Ihrem Bericht gut aufgearbeitet – natürlich passiert, dass manches, was hätte dokumentiert werden müssen, nicht in dieser Art und Weise geschehen ist. Ja, wir sehen das auch so: Das ist notwendig, und da muss sicherlich einiges nachgeholt werden, was die Zielbestimmungen angeht. Wir müssen wissen, wo Schüler am Anfang dieses Lernprozesses stehen, wo sie stehen sollen, wenn der Lernprozess abgeschlossen ist, aber das Gleiche gilt natürlich auch für das Lehrpersonal. Wir müssen schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, da ein konsequentes Vorgehen, was Bildungsziele betrifft, wirklich zu verankern und umzusetzen. Wie gesagt: Auch wenn das alles hat rasch gehen müssen, so ist es jetzt höchst an der Zeit, zu evaluieren: Wo stehen wir? Welche Ziele lassen sich daraus ableiten? Und auch was den finanziellen Background betrifft: Wie stellen wir in Zukunft sicher, dass Endgeräte auch wirklich effizient eingesetzt werden können und wir wissen, was genau mit diesen Geräten passiert, wie und wo sie eingesetzt werden? – Also wirklich vielen herzlichen Dank für diese Hinweise. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal auf die Innovationsstiftung für Bildung zu sprechen kommen, weil sie aus meiner Sicht eine Einrichtung ist, die es angesichts der großen Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, eigentlich unbedingt braucht. Wir brauchen zum Beispiel im Angesicht der Revolution durch die künstliche Intelligenz gerade jetzt Expert:innen, die darüber nachdenken, wie man als Lehrende, aber auch als Lernende damit umgeht, wie man sie nutzt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir brauchen Bildungsinnovation im Bereich des Spracherwerbs, und wir brauchen Bildungsinnovation für die Zukunft unserer Wirtschaft. In Zeiten des Sparens brauchen wir auch schlanke Verwaltungsstrukturen, die gewährleisten, dass möglichst viel Geld in die inhaltliche Arbeit und in die Projekte fließt. Der Rechnungshof hat jetzt im vorliegenden Bericht einige Kritikpunkte geäußert. Ich möchte sie jetzt nicht alle wiederholen, sie sind schon mehrfach erwähnt worden. Vielleicht kurz einige: Der Förderbegriff sei zu weit gefasst, die Stiftung sei zu groß dimensioniert, und es fehle auch an Transparenz. Und es gibt auch klare Empfehlungen durch den Rechnungshof. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Präsidentin, und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedanken, weil Sie dazu beitragen, dass unsere Verwaltung, die Arbeit der Behörden und der vielen Einrichtungen und Unternehmen immer wieder verbessert werden kann. Ich glaube, Verbesserung ist auch bei der Innovationsstiftung angesagt. Der Herr Bundesminister hat ja bereits im Ausschuss angekündigt, dass eine umfassende Reform der Organisationsstruktur bevorsteht und der parlamentarische Prozess dafür auch bereits im kommenden Jahr starten soll. Ich bin froh, dass die Regierungsparteien die Berichte des Rechnungshofes ernst nehmen und dass sie dann auch rasch an einer Umsetzung der Empfehlungen arbeiten. So funktioniert das, so nimmt man auch die parlamentarischen Instrumente und die Berichte ernst, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der Rechnungshofbericht zum Achtpunkteplan für eine digitale Schule war jetzt schon öfter Thema. Er hat ganz klare Kritikpunkte und auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, und das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, wenn wir zukünftige Digitalisierungsprojekte umsetzen. Und ich will betonen: Gerade im Bildungsbereich ist die Digitalisierung enorm wichtig, und da müssen wir auch investieren. Im Regierungsprogramm ist dafür eine umfassende Kompetenzoffensive vorgesehen, ganz im Sinne des Achtpunkteplans, und dazu gehört auch die volle Ausrollung der Geräteinitiative. Aber nicht nur das, es geht auch um neue Schritte bei der künstlichen Intelligenz, etwa KI-Pilotschulen, digitale Lernprojekte und – das finde ich besonders wichtig – KI-gestütztes individualisiertes Lernen. Ebenso wichtig ist die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, denn Digitalisierung funktioniert nicht ohne die Pädagoginnen und Pädagogen. Sie brauchen die besten Werkzeuge und auch Unterstützung beim Umgang mit diesen modernen Medien. Wir müssen in Österreich entschlossen interaktive und digitale Lernprogramme entwickeln und flächendeckend einsetzen, denn Digitalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, das ist die Zukunft. Unsere Schulen haben die Verantwortung, die Kinder auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Und diese Welt verändert sich rasant: Entwicklungen, die wir in Echtzeit vor unseren Augen erleben. Es geht um die Zukunft unseres Landes, und genau deshalb müssen wir die Digitalisierung auch weiter stärken. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen nun zu den Abstimmungen. RN/177.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Innovationsstiftung für Bildung, III-131 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/177.2 Tagesordnungspunkt 15: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Lehrpersonaleinsatz, III-167 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.3 Tagesordnungspunkt 16: Bericht betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule, III-52 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.4 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Bericht betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz, III‑1 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.5 Tagesordnungspunkt 18: Bericht betreffend Österreich Institut G.m.b.H., Follow-up-Überprüfung, III‑2 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.6 Tagesordnungspunkt 19: Bericht betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien, Follow-up-Überprüfung, III-3 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.7 Tagesordnungspunkt 20: Bericht betreffend Österreichische Kulturforen, Follow-up-Überprüfung, III‑4 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.8 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 21: Bericht betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber, III-5 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig so zur Kenntnis genommen. Abstimmung über TOP 8 und 9, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 20:57

Bericht des Rechnungshofes betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2021/10

195 d.B. · Regierungsvorlage III-3 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zu Korruptionspräventionssystemen in ausgewählten Bundesministerien (Follow-up, Reihe BUND 2021/10) zur Kenntnis. Damit wird keine inhaltliche Gesetzesänderung beschlossen, sondern die Behandlung und Kenntnisnahme des Prüfberichts formell abgeschlossen.

Betroffen sind das Bundeskanzleramt sowie die Bundesministerien für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Inneres sowie Landwirtschaft, Regionen und Tourismus und deren Korruptionspräventionssysteme.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2021/10

Gegenstand und Rechtsgrundlage

  • Der Ausschussbericht behandelt einen Bericht des Rechnungshofes über Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien (Follow-up-Überprüfung, Reihe BUND 2021/10).
  • Der Bericht erfolgt gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und beruht auf Wahrnehmungen des Rechnungshofes aus einer Gebarungsüberprüfung.

Geprüfte Stellen und thematischer Fokus

  • Die Gebarungsüberprüfung betraf den Wirkungsbereich des Bundeskanzleramtes.
  • Weiters betroffen waren die Bundesministerien für Bildung, Wissenschaft und Forschung, für Inneres sowie für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus.
  • Inhaltlicher Fokus sind Korruptionspräventionssysteme und deren Follow-up-Überprüfung in diesen Ressorts.

Parlamentarische Behandlung und Kontinuität über Gesetzgebungsperioden

  • Der Rechnungshofbericht war bereits in der XXVII. Gesetzgebungsperiode als III-251 d.B. Verhandlungsgegenstand, wurde dort jedoch nicht erledigt.
  • Auf Grundlage von Art. 28 Abs. 4 B-VG iVm § 21 Abs. 1a GOG sind nicht erledigte Rechnungshofberichte der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode im neu gewählten Nationalrat erneut zu verhandeln und in den Ausschüssen vorzuberaten.
  • Der Bericht wurde daher in der XXVIII. Gesetzgebungsperiode neuerlich dem Rechnungshofausschuss zugewiesen und dort weiterbehandelt.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltliche Empfehlung)

  • Der Rechnungshofausschuss gelangt als Ergebnis seiner Beratungen zur Empfehlung, dass der Nationalrat den Bericht des Rechnungshofes über die Korruptionspräventionssysteme (Follow-up-Überprüfung) zur Kenntnis nimmt.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2021/10

~32 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir debattieren hier mehrere Rechnungshofberichte und drei davon behandeln den Bildungsbereich. Ich möchte mich bei Ihnen, Frau Präsidentin, sehr herzlich bedanken, dass Sie die Prüfungen und diesen Bericht sehr unbeeindruckt, aber vor allem auch sehr schonungslos gestaltet haben. In einem dieser Berichte geht es um die Innovationsstiftung für Bildung – eine Stiftung, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde, die auch kaum jemand kennt. Diese Stiftung wurde 2017 gegründet, um das allgemeine Bildungsniveau in Österreich anzuheben. Dotiert war diese Stiftung innerhalb von sechs Jahren mit 27 Millionen Euro. Was war das Ergebnis dieses Rechnungshofberichtes? – Es war in Wirklichkeit ein beispiellos vernichtendes Urteil, und es hat aufgezeigt, wie führungslos man im Bildungsministerium in den vergangenen Jahren agiert hat. Was schreibt der Rechnungshof? – Organisatorisch war diese Stiftung viel zu groß aufgestellt. Es gibt fünf Substiftungen, zu denen der Rechnungshof im Übrigen sagt, dass das eine für österreichische Verhältnisse völlig unübliche Rechtskonstruktion ist. Der Stiftungsvorstand und der OeAD-Geschäftsführer, das war eine Personalunion – also eine Person. Der Rechnungshof weist auf hohe Fluktuationsraten bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle hin. Es fehlte vielfach die Expertise in der Umsetzung. Diese hat man dann wieder extern zugekauft. Es fehlten Vorgaben zum Finanzplan, zu Förderrichtlinien und definierte Prozessen – da war überhaupt kein internes Kontrollsystem gewährleistet, und auch das hat der Rechnungshof kritisiert. Vor allem waren es aber zwei Punkte: nämlich dass es keine langfristige Strategie gegeben hat, dass eine solche nicht erkennbar war, und zuletzt – und das ist nicht nur nicht schmeichelhaft, sondern ist wirklich ein vernichtendes Urteil für diese Stiftung – hat er die zentrale Empfehlung ausgegeben: „Eine gesamthafte Evaluierung der Innovationsstiftung für Bildung“. Das ist gleichbedeutend mit, landläufig: Ja, löst sie auf, schafft sie ab, oder liquidiert sie! Was immer ihr damit tut, überlegt euch: Vielleicht können bestehende Institutionen wie das Ministerium oder auch der OeAD da Aufgaben wahrnehmen. Man muss ja schon auch irgendwann erkennen: Wenn etwas seinen Zweck nicht erfüllt, ja, dann muss man sich davon auch trennen. (👏 FPÖ) Denn was hat es am Ende des Tages gebracht? – Was hat es den Schulen gebracht, was hat es den Lehrern gebracht, was hat es den Kindern, den Schülern gebracht, was hat es den Eltern gebracht? Verbesserung in den Grundkompetenzen? – Nein. Wurde der Lehrermangel in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise beseitigt? – Nein. Wurde der Leistungsgedanke in den Schulen irgendwie forciert? – Nein. Konfliktmanagement, das man vielleicht mit innovativen Ideen unterstützt hätte? – Nein. Bürokratie abgebaut? – Nein. Wirtschaftliche Ausbildung auch im Hinblick auf die Lehre, dass man da irgendwie innovativ gewesen wäre? – Nein. Innovativ wäre es zum Beispiel gewesen, wenn man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie man neue Ausbildungsmöglichkeiten schaffen kann, zum Beispiel Handwerksschulen, zum Beispiel Gewerbeschulen. Das alles ist nicht geschehen. Am Ende des Tages sage ich Ihnen: Diese Stiftung hat sich tatsächlich nur selbst verwaltet – und ich glaube, das ist nicht der Sinn und Zweck einer Stiftung. Der Herr Bundesminister für Bildung wäre aufgefordert, da entsprechend zu handeln. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Servus . – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Ja, sehr geehrte Damen und Herren, noch einmal Bildung. Bildung, Forschung und Innovation gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren in einer modernen Volkswirtschaft und sie bestimmen maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, aber auch Wettbewerbsstärke und den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wurde auch 2017 – der Herr Kollege hat es gesagt – die Innovationsstiftung für Bildung gegründet, mit dem strategischen Ziel, die innovativen Kräfte in Österreich für die Weiterentwicklung im Bildungsbereich zu bündeln. Ich kann den Herrn Kollegen von der FPÖ beruhigen: Es steht im Regierungsprogramm, dass die Innovationsstiftung evaluiert und auch reformiert werden soll. Dafür wird unter anderem auch der Rechnungshofbericht beziehungsweise werden die Empfehlungen des Rechnungshofes eingearbeitet. Der Fokus soll wieder mehr auf Innovation und Wettbewerb gelegt und die Anforderungen sollen erhöht werden, geht es doch schließlich auch darum, „unbürokratisch und rasch“, so steht es im Regierungsprogramm, Bildungsinnovation ins Bildungssystem zu bringen. Erfolgversprechende Projekte sollen nicht direkt aus dem Ministerium, sondern quasi als kleine Schnellboote rasch und ohne hierarchische Hindernisse umgesetzt und realisiert werden. Einige Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes – danke an dieser Stelle auch Ihnen, Frau Rechnungshofpräsidentin –: Verbessert werden soll unter anderem der Abwicklungsaufwand, der aktuell bei durchschnittlich 15 Prozent der ausgezahlten Fördermittel liegt; das ist ein bisschen viel. Auch soll die auf 20 Mitglieder etwas aufgeblähte Organisationsstruktur von Stiftungsrat, Aufsichtsorgan und wissenschaftlichem Beirat reduziert werden. Weiter ausgebaut und forciert werden soll die Möglichkeit, Spender aus der Privatwirtschaft anzuwerben. Seit 2023 ist das ja mit der Spendenabsetzbarkeit für Bildung auch möglich – beschlossen hier von diesem Haus. Ich finde es gut, dass die Innovationsstiftung bereits mit einer Vielzahl von privaten Akteuren im Austausch steht. Wenn Mäzene, Spender und natürlich auch Großspender aus der Wirtschaft vermehrt in Erscheinung treten und die Innovationsstiftung mit ihrem privaten Kapital und privaten Engagement dabei unterstützen, dann ist das sicherlich von Vorteil. Es wäre schön, wenn auch andere dem Beispiel Mateschitz und Co folgen würden und ihr Geld in Richtung Bildung investieren würden. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel muss es weiterhin sein, das Bildungsniveau anzuheben, die tertiären Bildungsabschlüsse weiter zu steigern. Und auch bei der Zahl der Patentanträge oder Start-up-Gründungen gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche der Innovationsstiftung, dass sie diese Ziele weiter unterstützen kann und dabei viel Erfolg. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich werde mich kurz auf die Innovationsstiftung für Bildung beziehen. Was ist das Ziel dieser Stiftung? – Ziel ist es, die innovative Bildungspolitik voranzutreiben und wirklich in alle Altersstufen der Kinder zu bringen. Der Rechnungshof hat sich folgende Punkte angeschaut: Wie funktioniert die Organisationsstruktur? Wie werden die Aufgaben wahrgenommen? Entsprechen sie dem, was geplant war? Und wie hat sich die finanzielle Entwicklung in den Jahren 2017 bis 2023 gestaltet? Danke, Frau Rechnungshofpräsidentin, das ist einer von vielen sehr ausführlichen Berichten. Wir haben vorhin über den Wissenschaftsblock gesprochen, jetzt sind wir beim Bildungsblock angelangt, und das waren dank der sehr fundierten Berichte wirklich intensive Debatten. Was hat der Rechnungshof festgestellt? – Er hat festgestellt, dass es sehr hohe Ausgaben für externe, zugekaufte Leistungen gegeben hat. Man hat sich viel Expertise zugekauft, und da lohnt es sich wirklich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es haben konsolidierte Kostendarstellungen gefehlt – das sollte keinesfalls passieren –, und es hat auch da, wie im vorigen Block schon angesprochen, keine standardisierten Abläufe gegeben – dennoch fehlt ein wichtiges Kontrollinstrument –, und das Risikomanagement war sehr stark vernachlässigt, nicht systemisiert. Ein Punkt, der uns wirklich auch Auftrag sein sollte: Die Förderkriterien waren unklar. Es ist, glaube ich, in unser aller Interesse, Kriterien für Förderungen, die ausgeschüttet werden, wirklich sehr klar, nachvollziehbar und transparent zu gestalten, sodass dann jeder weiß, wohin das Geld geflossen ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Der Rechnungshof hat festgestellt: Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der gesamten Strukturen und der Wirkungsweisen. Ich habe vorhin schon gesagt, das Ziel dieser Innovationsstiftung ist es, innovative Bildungspolitik auf den Boden zu bringen und für alle Altersstufen zu gewährleisten, und ich habe den Herrn Bundesminister dann gefragt, ob man valide Daten hat, welche Altersgruppen am meisten von genau diesen innovativen Ansätzen profitiert haben. Die Sekundarstufe, hat er geantwortet, hat am stärksten nachgefragt. Aber natürlich waren wir uns auch im Ausschuss einig, und das wurde auch unisono bestätigt, dass die Elementarstufe besonders im Fokus sein sollte. Das sollten wir wirklich als gemeinsames Ziel haben, einfach um zu gewährleisten – das ist, glaube ich, für uns alle wichtig –, dass bereits die Jüngsten mit innovativer Politik in der Bildung arbeiten dürfen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Zuerst möchte auch ich mich bei Ihnen für die ausführlichen Berichte bedanken. Der Rechnungshof ist eine zentrale Institution in unserer liberalen Demokratie. Die Analysen und die Arbeit zur Verwendung öffentlicher Mittel, all unserer Steuergelder, sind von unschätzbarem Wert. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei allen Prüferinnen und Prüfern sowie bei Ihnen persönlich bedanken. Die Berichte des Rechnungshofes – ich werde in der Folge über den Bericht zum Lehrpersonaleinsatz und über den Achtpunkteplan für eine digitale Schule sprechen – zeigen einmal mehr: Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass sich diese Regierung den Problemen stellt, denn genau das erwarten sich die Bürgerinnen und Bürger. Die Probleme sind massiv: Unser Bildungssystem, unsere Lehrer:innen und Schüler:innen leiden seit über einem Jahrzehnt unter dem Lehrpersonalmangel. Lange Zeit versuchte man, das Problem mit punktuellen Eingriffen zu beheben – ohne Erfolg. Kein Wunder, denn sowohl bei der Beurteilung des tatsächlichen Lehrer:innenbedarfs und in der Folge auch bei den gesetzten Maßnahmen zur Deckung verfehlte man klar das selbst gesteckte Ziel. Die schließlich im Jahre 2022 anlaufende umfassende Initiative Klasse Job zur Behebung des Lehrermangels war im Kern eine gute Idee, aber auch da haperte es an der Umsetzung. Ähnliches hat der Rechnungshof bei der Überprüfung des Achtpunkteplans für eine digitale Schule festgestellt. Mehrfach schienen in der Vergangenheit Umsetzungsstände von Teilprojekten nicht bekannt zu sein, existierten Daten zur Erhebung von Projektfortschritten nicht, und das Ministerium wich von Vergabestandards ab. Letztlich waren die Ziele des Projekts nicht ausreichend genau abgesteckt, sodass sich ein Erfolg oder Misserfolg auch nur schwer einschätzen ließ. Glauben Sie mir, als ehemalige Volksschullehrerin kenne ich einige Probleme unseres Bildungssystems nur zu gut, und sie sind auch der Grund dafür, dass ich heute hier vor Ihnen und nicht mehr vor einer Klasse stehe. Daher beklage ich die ausführliche Kritik und die Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes auch nicht, sondern begrüße sie besonders. Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass wir Teil dieser Regierung sind, weil wir mit uns in der Regierung die Finanzierung des Bildungsbereichs auch in den Zeiten des größten Spardrucks sicherstellen, weil nur mit uns sich bereits heute erste Verbesserungen beim Lehrpersonal einstellen und nur mit uns es mit der stiefmütterlichen Behandlung der Bildung in diesem Land vorbei ist, die doch Kern von so vielen Aspekten unserer Gesellschaft ist. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Präsidentin Margit Kraker zu Wort gemeldet. – Bitte.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, in diesem Block stehen mehrere Berichte aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung. Wir haben das am 9. September im Rechnungshofausschuss besprochen. Der erste Punkt ist der Lehrpersonaleinsatz. Ich denke, der Rechnungshof gibt da eine umfassende Übersicht über die Maßnahmen, die getroffen wurden, um dem Lehrpersonalbedarf in den Schulen Rechnung zu tragen beziehungsweise um einem allfälligen Lehrermangel entgegenzuwirken. Wir haben untersucht und eben festgestellt, dass das Bildungsministerium schon seit dem Jahr 2009 Lehrpersonalbedarfsprognosen erstellte, die auf einen Personalmangel ab dem Jahr 2018/2019 hinwiesen. Diesen Prognosen fehlten die notwendigen Steuerungselemente, bei denen man zum Beispiel auch die Angebotsseite mitbetrachtet hätte. Bis zum Jahr 2022 gab es keine umfangreichen und systematischen Maßnahmen, um diesem Mangel zu begegnen. Warum gab es dann dennoch nicht so viele offene Stellen? – Weil kompensiert wurde. Es wurde mit Mehrdienstleistungen, fachfremdem Unterricht, mit Sonderverträgen an Personen, die keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung vorweisen konnten, kompensiert. All diese Faktoren haben naturgemäß Auswirkungen auf den Unterricht und auf die Organisation in den Schulen. Das Projekt Klasse Job haben wir eigentlich positiv beurteilt, denn wir haben gesagt, das ist ein Projekt, das aus acht Teilprojekten bestand, um da systemisch entgegenzuwirken. Die Kosten dafür betrugen in zwei Jahren 2,6 Millionen Euro. Ein Teilprojekt war der Quereinstieg und dass eben Personen mit fachverwandtem Studium die Möglichkeit haben, als Lehrpersonen zu arbeiten, und da gab es eine Zertifizierungskommission. Diese Zertifizierungskommission verursachte in zwei Jahren Kosten und Auszahlungen von 604 000 Euro, und es gab in diesem Zeitraum ungefähr 5 000 Bewerberinnen und Bewerber. Die Hälfte wurde zertifiziert, und von den zertifizierten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern unterrichtete weniger als ein Drittel tatsächlich.Es hätte die Möglichkeit gegeben, auch einen Selbstbehalt einzuheben, aber darauf hat man verzichtet. Ein weiterer Punkt ist – und da appelliere ich an die Verwaltungsstellen, an die Bildungsverwaltungsstellen –, dass die Dienstverträge rasch ausgestellt werden und dass man die Vordienstzeiten und das Besoldungsdienstalter rascher errechnet, denn die Lehrpersonen brauchen natürlich auch einen Nachweis für ihr Dienstverhältnis. Es gab dann Spannungsfelder bezüglich der Anstellungsvoraussetzungen zwischen der Zertifizierungskommission und der Bildungsdirektion, sodass sich ergab, dass man die rechtliche Qualität der Zertifikate klären muss und dass tatsächlich die Bildungsdirektionen über die Anstellung entscheiden. Die PädagogInnenbildung neu, sehr geehrte Damen und Herren, wurde im Jahr 2013 für die Sekundarstufe auf ein sechsjähriges Lehramtsstudium verlängert. Für die Primarstufe wurde die Ausbildungszeit von drei auf fünf Jahre erhöht. 2024 wurde sie dann wieder verkürzt, weil man gemerkt hat, dass da eine Lücke bei den Absolventinnen und Absolventen entsteht, und man hat dann auf drei plus zwei Jahre mit berufsbegleitendem Masterstudium umgestellt. Dieses berufsbegleitende Studium führt natürlich dazu, dass Studierende, Bachelorstudierende auch hohe Belastungen auf sich nehmen müssen, und erhöht auch den Teilzeitanteil an den Schulen dementsprechend. Zum Qualitätssicherungsrat haben wir auch einen Exkurs gemacht. Dieser hat die Aufgabe gehabt, die PädagogInnenbildung neu zu begleiten. Diese Aufgabe ist weitgehend erfüllt, die Kosten lagen bei 2,42 Millionen Euro. Studierende konnten einen Regelvertrag haben, wenn sie schon ein gewisses Niveau an Ausbildungsstunden hatten, sonst hatten sie einen Sondervertrag. 9 Prozent aller Lehrpersonen waren im Schuljahr 2023/24 mit Sondervertrag angestellt. Insbesondere gab es einen hohen Anteil im Bereich der Landeslehrpersonen – das sehen wir kritisch. Auch die Mittelschulen sind darüber hinaus sehr stark mit dem Thema fachfremder Unterricht konfrontiert, das haben wir natürlich auch kritisch gesehen. Der Teilzeitanteil an den Schulen liegt bei 39,5 Prozent. Ich habe es schon gesagt, das liegt neben der Tatsache, dass es überwiegend Frauen sind, natürlich auch daran, dass es berufsbegleitende Studien gibt. Wenn man eine hohe Teilzeitquote hat, erfordert das natürlich ein Management beim Personaleinsatz der Lehrpersonen. Wir haben daher verschiedene Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen, um im Bereich der Mehrdienstleistungen, im Bereich der berufsbegleitenden Studierenden nicht zu viele Belastungen zu haben. Und wir haben bei den Quereinsteiger:innen festgestellt, dass es auch da einen hohen Teilzeitanteil gab und dass sie auch schon im ersten Schuljahr fachfremd unterrichtet haben. Ich möchte zum Abschluss sagen: Für den Fall, dass wir einmal zu viele Lehrerinnen und Lehrer haben, weil wir jetzt sehr viele qualifizieren, wäre dies natürlich der ideale Zeitpunkt, auf ganztägige Schulen umzustellen – aber das ist eine Anmerkung meinerseits und steht in dem Sinn nicht im Bericht. (👏 SPÖ, NEOS) Zur Innovationsstiftung wurde schon viel gesagt. Auch da geht es uns um die Wirkung, um einen transparenten Mitteleinsatz, um eine kompetitive Förderausrichtung, sodass man einen Mehrwert erkennen kann. Wir wollen tatsächlich, dass es hier eine grundlegende Evaluierung gibt und dass der Bericht diesbezüglich auch ernst genommen wird. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 20.24 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Rechnungshof zeigt es schwarz auf weiß: Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist kein Zufall, sondern er ist seit 15 Jahren bekannt – seit 15 Jahren. Trotzdem wurde viel zu spät gehandelt, und den Preis zahlen jetzt die Kinder. In Tirol beispielsweise wird fast jede zweite Stunde in der Mittelschule fachfremd unterrichtet, das heißt, es gibt dann Mathematik ohne Mathematiklehrer und -lehrerinnen, Informatik ohne Informatiklehrer und -lehrerinnen – Letzteres beispielsweise in Tirol bis zu 90 Prozent. Das muss man sich einmal vorstellen. Lehrer und Lehrerinnen stemmen längst Unmenschliches: Mehrstunden, fachfremden Unterricht, kaum Unterstützung. Ich glaube, da muss man sich nicht wundern, dass ganz viele ausbrennen. Wir Grüne sagen klar: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte und vor allem eine echte Entlastung, das heißt junge Lehrkräfte, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, und diese brauchen eine Begleitung, damit sie nicht von Anfang an wieder frustriert den Arbeitsplatz verlassen. Das heißt auch: Unterstützungspersonal, psychosoziale Unterstützung und Schulsozialarbeit. Apropos: Da sind wir bei einem Thema, einer Sache, die wir immer wieder angesprochen haben, und jedes Mal hieß es vonseiten der Regierungsparteien: Nein, nein, wir haben alles im Griff. – Die Realität schaut anders aus. Seit dem 17. Juni gibt es keinen einzigen freien Platz mehr im Programm Gesund aus der Krise. Das ist ein Programm – das einzige! –, das jungen Menschen eine Gratispsychotherapie ermöglicht, oftmals ein Rettungsanker, den Tausende Jugendliche dringend brauchen. Gerade jetzt, da die Zahl psychischer Erkrankungen steigt, da Wartezeiten bis ins Unermessliche gehen, wird ihnen diese Tür zugeschlagen – und das ist nichts anderes als ein Verrat an jungen Menschen, die dringend Hilfe bräuchten. (👏) Liebe Regierungsparteien – vor allem die SPÖ muss ich hier in die Pflicht nehmen, denn es ist ihr Ressort –: Das darf es bitte wirklich nicht geben! Jugendlichen mit einer Depression oder Angstzuständen zu erklären: Sorry, wir haben keinen Platz für euch!, liebe Kollegen und Kolleginnen, das darf es sicher nicht sein. Es wurde uns mehrfach versprochen, dass man das in den Griff bekommt, bisher wurde nichts getan. Wir hoffen ernsthaft, dass sich dieses Problem bald regeln lässt und dass die jungen Menschen nicht länger im Stich gelassen werden. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer .

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Zuhörer! Wenn wir heute über den Lehrpersonaleinsatz sprechen, dann geht es um weit mehr als um Tabellen, Deputate, Stundenpläne – es geht um unsere Kinder, um ihre Chancen, ihre Zukunft, um das, was sie einmal werden können. Das Lernen passiert im Jetzt, und zu sagen: Es wird alles besser!, hilft jetzt leider niemandem. Genau deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen. Österreich gibt in diesem Bereich im internationalen Vergleich sehr viel Geld aus, und trotzdem sind die Leistungen unserer Schüler oft nur Mittelmaß. Was läuft falsch im System? – Das System ist sehr unübersichtlich. Wir haben bei Lehrern eine Teilzeitquote von circa 40 Prozent. Fachfremder Unterricht ist fast schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme, wie meine Vorrednerin gesagt hat; in Tirol liegt er bei ungefähr 50 Prozent. Es fallen Überstunden im Ausmaß von 7 100 Vollzeitstellen an. Richten Sie bitte der Frau Sozialminister und dem Herrn Wirtschaftsminister aus, da können sie den Unternehmern zeigen, wie es geht, die Arbeitszeit zu heben oder länger im Berufsleben zu bleiben, ohne mit dem Finger auf andere zu deuten! Kurz noch zum Achtpunkteplan: Die App Digitales Lernen hat sich von 3 Millionen auf 12 Millionen Euro verteuert, ohne nennenswerte Zugriffe. Kurz gesagt: Die Erfolgsgeschichte von Kaufhaus Österreich wurde fortgeschrieben, wieder wurden Millionen in den Sand gesetzt. Ganz nebenbei sind Aufträge in Millionenhöhe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergeben worden. Transparenz: Fehlanzeige, Kontrolle: leider nein. In allen drei Bereichen fehlt es an definierten, überprüfbaren Zielen und Indikatoren, um die Wirkung messen zu können. Nur Geld in ein System zu geben, ist zu wenig. Auf die Frage im Rechnungshofausschuss, wie der Herr Minister die Arbeit seines Vorgängers bewerten würde, meinte er nur: Er habe eine Basis, auf der man aufbauen könne. – Im Arbeitszeugnis würde stehen: Herr Polaschek hat sich immer redlich bemüht!, oder im Schulnotensystem: Herr Polaschek, setzen, Fünf! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Jakob Grüner gelangt nun zu Wort. – Bitte.

ÖVP Jakob Grüner

Frau Präsidentin! Geschätzte Präsidentin des Rechnungshofes! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Bericht des Rechnungshofes zum Lehrermangel. Wir alle wissen, dass es da große Herausforderungen gibt. Wir haben es schon gehört. Eines ist klar: Bildung, Bildung, Bildung, Bildung und noch einmal Bildung, denn Bildung ist die Antwort auf alle unsere Probleme – sozial, wirtschaftlich, gesellschaftlich. War der Lehrermangel vor einigen Jahren vielleicht noch ein Zukunftsproblem, so steht er heute mitten in der Klasse, mitten im Raum – oder eben nicht. Es ist ja doch so – seien wir ehrlich –: Speziell im Bildungsbereich stehen wir uns regelmäßig selbst im Weg, indem wir dauernd alle ideologisch hineinbuttern, was nur geht, und Reformen verhindern beziehungsweise am Ende des Tages Mindestkompromisse herauskommen – speziell im Bildungsbereich! Im Bildungsministerium, manche nennen es auch K.-und-k.-Ministerium, ändert man keinen einzigen Beistrich, ohne jahrelang darüber zu diskutieren. Wir wissen, Lehrer wachsen nicht auf Bäumen, aber wir pflanzen uns regelmäßig gegenseitig. Wir sollten vielleicht weniger über Fridays for Future – eine wichtige Initiative – und mehr darüber diskutieren, wie wir unsere Lehrer von Montag bis Freitag in die Schulklassen bekommen. Hohes Haus! Der Bericht des Rechnungshofes streicht ein Problem deutlich heraus, und das möchte ich herausgreifen: Sehr viele starten in die Ausbildung und gehen dann nicht in den Beruf. Das ist ein Phänomen, das wir branchenweit in ganz Österreich erkennen, das ist ein großes Problem und sollte uns alle beunruhigen, denn unser Staat kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Arbeitsbeitrag leistet. Wenn manche nicht mehr arbeiten wollen, dann haben wir vermutlich ein anderes Problem, ein gesellschaftliches Problem, vielleicht ein kulturelles Problem, aber nicht immer ein wirtschaftliches Problem, denn auch im Bildungsbereich kommt das Geld nicht aus dem Bankomaten. Wir müssen dieses Wohlstandsproblem, das wir, glaube ich, ganz offensichtlich haben, also dringend gemeinsam in den Griff bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte positiv abschließen und mich ganz herzlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern im Land bedanken, die tagtäglich Großartiges leisten, für unsere Kinder da sind und sie auf das Leben vorbereiten. Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Volksschulalter und habe am Montag beim Elternabend gesehen und gespürt, mit wie viel Liebe und Einsatz unsere Kinder das Rechnen, das Schreiben, das Lesen, soziale Fähigkeiten, Freundschaften, Emotion, Verantwortung, Zuversicht et cetera lernen. – Sie geben unseren Kindern damit viel auf den Weg. Sie geben ihnen die Welt und prägen junge Persönlichkeiten. Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Abschließend: Wir gemeinsam haben sehr viel aus dem Rechnungshofbericht gelernt. Vielleicht sollten wir uns vornehmen, diese Empfehlungen schnellstmöglich gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Wolfgang Moitzi zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrte Frau Präsidentinnen – es kommt ja nicht so oft vor, dass zwei Präsidentinnen im Raum sind! Ich kann die Frau Präsidentin des Rechnungshofes beruhigen. Sie hat gesagt, sie wünscht sich, dass der Rechnungshofbericht über den Lehrpersonaleinsatz ernst genommen wird. Ich glaube, wir als Parlament und auch die Bundesregierung nehmen diesen Bericht extrem ernst, denn der Rechnungshofbericht zeigt uns leider sehr deutlich auf, was schon seit vielen Jahren gewusst wurde und uns auch gedroht hat, nämlich ein Lehrpersonalmangel. Trotzdem haben die letzten beiden Regierungen lange zugeschaut und zu spät Maßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis – Barbara Neßler hat es ja angesprochen –, dass in Tirol zum Beispiel 46 Prozent der Fächer von fachfremdem Personal unterrichtet werden. In Oberösterreich sind es 35 Prozent. Allein im Jahr 2023 mussten Mehrdienstleistungen im Umfang von circa 7 000 Vollzeitäquivalenten geleistet werden und dadurch also rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte kompensiert werden. Das ist weder fair gegenüber den Lehrkräften noch gegenüber unseren Kindern in den Klassenzimmern. Die zentrale Schlussfolgerung aus diesem Bericht ist klar: Wir dürfen nicht mehr in Notlösungen hineinstolpern, sondern müssen endlich den Lehrerinnen- und Lehrerberuf wieder attraktiver machen. Genau deshalb haben wir den Bericht ernst genommen und im Regierungsprogramm auch schon Maßnahmen festgeschrieben, nämlich mehr Ausbildungsplätze für Pädagoginnen und Pädagogen, Ausbau der Schulsozialarbeit zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen, Investitionen in die und eine Verkürzung der Pädagog:innenausbildung. Wir wollen auch ein mittleres Management zur Unterstützung von Lehrpersonal an den Schulen einsetzen, damit Probleme delegiert und die Lehrer:innen so unterstützt werden können. Damit machen wir mit der Attraktivierung des Lehrberufs Ernst, nicht nur mit Kampagnen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und kürzeren Ausbildungswegen. (👏 ÖVP, SPÖ) Den notwendigen Quereinsteigern wollen wir den Quereinstieg erleichtern: Es wird größtmögliche und nachvollziehbare Anrechnungen von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft geben, und wir begleiten sie dann besser im neuen Beruf, damit sie im Klassenzimmer nicht allein gelassen werden. Auch die Volksschulen wollen wir für den Quereinstieg öffnen. Die Zahlen bestätigen den eingeschlagenen Weg dieser Bundesregierung. Auf 6 500 freie Stellen haben sich in diesem Schuljahr 16 000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das zeigt schon einen ersten guten Erfolg. Abschließend: Wir werden das sehr ernst nehmen, denn für uns als Sozialdemokratie und auch für diese Bundesregierung ist klar, unsere Kinder verdienen nicht den zweitbesten Unterricht, sondern die beste Bildung. Dafür tragen wir hier gemeinsam die Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren, die noch auf der Galerie und vor den Bildschirmen sind! Wir wechseln jetzt das Thema – die Rechnungshofberichte sind ja sehr umfangreich und sehr umfassend –, es geht jetzt um die Kultur. Der Rechnungshof wiederholt ja nicht das Offensichtliche, sondern macht das Verborgene und Notwendige sichtbar – und das sorgt für Transparenz. Die Berichte sind auch immer wieder unmittelbar dafür verantwortlich, dass Grundlagen für Reformen geschaffen werden. Nicht nur deswegen lesen wir NEOS sie so besonders gerne. Daher bedanken wir uns sehr herzlich beim Team des Rechnungshofes für diese Lektüre, die es uns etwas einfacher macht, Reformen anzugehen. (👏 NEOS) Der Auslandskultur attestiert der Rechnungshof, dass es da ein sehr dichtes Netz an Strukturen und Institutionen gibt. Dieses Netz ist ein Schatz, und es ist auch eine Chance. Uns ist natürlich sehr klar, dass Präsenz der Auslandskultur alleine nicht reicht. Wirkung entsteht auch in der Kultur erst, wenn die Verantwortungen ganz klar geregelt sind und Ziele konsequent verfolgt werden können. Die österreichische Auslandskultur ist das internationale Schaufenster der Kulturnation Österreich. Da entstehen Themenjahre, es gibt gezielte Förderschienen, Künstler:innen und Institutionen bekommen so Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich auch im Ausland zu präsentieren. Und sie ist vor allem auch eine Chance für Österreich, wahrgenommen zu werden. Das aktuelle Grundlagendokument der Auslandskultur markiert zwar wichtige Schwerpunkte, aber es braucht auf jeden Fall mehr. Das stellt auch der Rechnungshof fest. 2026 wird das Jahr, in dem die Auslandskultur auch strategisch neu aufgestellt wird – mit gebündelten Kräften, mit klarer Verantwortung im Außenministerium, abgestimmt mit allen Partnern, Ministerien wie Bundesländern, denn Auslandskultur ist Teil der Außenpolitik. Wer Österreich im Ausland begegnet, sieht nicht neun Bundesländer, sondern eine Kulturnation. (👏 NEOS) Unsere Kulturforen stärken den Standort Österreich. Sie sind die Softpower der Diplomatie sowie der Außenwirtschaft, und sie öffnen Türen. Vom Rechnungshof geprüft wurde allerdings auch die Spanische Hofreitschule – das ist schon so etwas wie ein Dauerbrenner im Rechnungshof –, sie ist ein Kultur- und Tourismusbetrieb, ressortiert allerdings im Landwirtschaftsministerium. Sie hat drei Standorte, drei Logiken, ist dennoch ein einziges Unternehmen, eine Institution mit internationaler Bedeutung, aber auch mit großen Herausforderungen. So lautet auch der Schluss des Rechnungshofes. Das zentrale Thema ist neben der anhaltenden Unruhe in und rund um die Spanische Hofreitschule die Finanzierung. Der Rechnungshof empfiehlt mehrjährige Vereinbarungen mit Kennzahlen, eine transparente Kostenrechnung und ein tragfähiges Unternehmenskonzept – nicht wirklich etwas Neues und das nicht zum ersten Mal. Ziel muss sein: Die Hofreitschule darf nicht zum Spielball werden und muss aus den Schlagzeilen kommen. Sie braucht Verlässlichkeit (👏 NEOS), denn nur dann kann sie zeigen, was sie ist: höchste klassische Reitkunst, lebendiges – im wahrsten Sinne des Wortes – Weltkulturerbe und eine österreichische Institution mit internationaler Strahlkraft. Sehr geehrte Damen und Herren! Die Rechnungshofberichte eröffnen Chancen in der Auslandskultur, aber auch für die Spanische Hofreitschule und für alle anderen geprüften Institutionen. Eine kleine Werbeeinschaltung am Ende: Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofes hat noch niemandem geschadet. Sie hat Institutionen gestärkt, und sie hat Reformen eingeleitet. – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich glaube, ich muss jetzt die gute Stimmung der heutigen Debatte doch noch einmal stören. Ich schaffe es jetzt nicht, wie die Vorrednerin eine Rede über die Spanische Hofreitschule zu halten, ohne auf die aktuellen Ereignisse einzugehen. Wissen Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich ja oft gefragt, wo eigentlich der Begriff des Intrigantenstadls herkommt. Wenn man sich die Artikel der letzten Wochen über die Spanische Hofreitschule anschaut, bekommt man eine Idee davon, denn die Berichte zeichnen meiner Meinung nach ganz klar das Bild einer verschwörerischen Hinterzimmeroperette. (👏) Unsere Spanische Hofreitschule ist mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist lebendiges Kulturgut, sie ist Welterbe und Sinnbild österreichischer Tradition – und genau dieses Kulturgut steht jetzt auf dem Spiel, und das ganz klar wegen völligen politischen Totalversagens, und dieses Versagen hat einen Namen: Das ist das ÖVP-Landwirtschaftsministerium. (👏) Die Spanische Hofreitschule – Sie haben es sicher alle gelesen – braucht einen neuen Geschäftsführer. In dem Zusammenhang kann man sagen: schon wieder, denn die Querelen gehen ja jetzt schon über Jahre – so lange nämlich, wie das ÖVP-Landwirtschaftsministerium auch für die Spanische Hofreitschule zuständig ist. Was aber neu ist, ist eigentlich, wie der jetzige Geschäftsführer auch gegangen worden ist, denn man kann schon sagen, er ist nach allen Regeln der Intrigenkunst – auf gut Wienerisch – geschasst worden. Wenn man sich zum Beispiel die Recherchen des Magazins „Profil“ anschaut, dann sieht man, dass da Entscheidungen getroffen worden sind, bevor Prüfungen überhaupt abgeschlossen worden sind – eigentlich haben sie erst angefangen. Das Ministerium hat eine Anzeige erstattet, obwohl im Nachhinein durch unabhängige Wirtschaftsprüfer herausgekommen ist, dass es keinen systematischen Machtmissbrauch über Spesenabrechnungen gegeben hat, und das alles ohne Einbindung des Aufsichtsrates. Ich sage Ihnen, auch uns liegen interne Akten vor, und da gibt es ein Schreiben des Aufsichtsrates, das relativ aktuell ist – es ist nur neun Tage alt –, und es ist an Minister Totschnig gerichtet. Da steht: Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme des Aufsichtsrates ignoriert der politisch zuständige Minister Totschnig diesen Aufsichtsrat. – Da frage ich mich, bitte, liebe ÖVP: Was ist los und was macht Ihr Minister eigentlich beruflich? Das alles geht doch überhaupt gar nicht! Wenn Sie mich fragen, wird der Aufsichtsrat da mit voller Absicht ignoriert. Das stinkt förmlich nach einer Intrige aus dem Handbuch des Bauernbundes, ganz, ganz klar. In meinen Augen ist das alles unverantwortlich! Sie setzen den Ruf einer 500 Jahre alten Institution aufs Spiel. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein ÖVP-Minister das so zulassen konnte. Wir verlangen hier vollständige Aufklärung auch über die Rolle des Generalsekretärs aus diesem Landwirtschaftsministerium. Liebe Frau Präsidentin! Ich hoffe, gerade bei der Spanischen Hofreitschule gilt – wie so oft –: Nach der Rechnungshofprüfung ist vor der Rechnungshofprüfung. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manuel Litzke zu Wort. – Bitte.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frauen Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin, es ist eine Fülle von Berichten, die Sie uns sowohl im Ausschuss als auch hier vorgelegt haben, wo wir auch schon die Möglichkeit hatten, darüber zu diskutieren, auch so manches zu hinterfragen. Wie wir wissen, geht es ja nicht nur um diese nackte Analyse, die der Rechnungshof vorlegt, sondern es geht auch darum, Empfehlungen zu erhalten, Umsetzungsvorschläge zu bekommen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben für alle geprüften Instanzen, diese ernst zu nehmen: nicht nur analysiert zu werden, sondern diese Empfehlungen auch anzunehmen. Lassen Sie auch mich auf den Achtpunkteplan für eine digitale Schule eingehen, aber denken wir ganz kurz an die Entstehung dieses Achtpunkteplans und daran, in welcher Kürze und in welch raschem Prozess dies dann eigentlich vonstattengegangen ist – was ja auch die Erwartungshaltung von uns allen war, was die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Eltern dahinter für das ganze Bildungssystem war. Denn Ausgangspunkt war im Jahr 2020, dass es um die schnelle Umsetzung von E-Learning, von Homeschooling gegangen ist, da eben auch in dieser Phase, in der nicht alle Schulen durchgehend geöffnet haben konnten, die Schüler bestmöglich betreut werden mussten. Das ist verständlich, dazu braucht es Endgeräte, dazu braucht es natürlich auch Software, dazu braucht es auch einen entsprechenden Bildungsplan, und umso rascher hatte diese Umsetzung auch zu erfolgen. Da ist es – und das haben Sie in Ihrem Bericht gut aufgearbeitet – natürlich passiert, dass manches, was hätte dokumentiert werden müssen, nicht in dieser Art und Weise geschehen ist. Ja, wir sehen das auch so: Das ist notwendig, und da muss sicherlich einiges nachgeholt werden, was die Zielbestimmungen angeht. Wir müssen wissen, wo Schüler am Anfang dieses Lernprozesses stehen, wo sie stehen sollen, wenn der Lernprozess abgeschlossen ist, aber das Gleiche gilt natürlich auch für das Lehrpersonal. Wir müssen schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, da ein konsequentes Vorgehen, was Bildungsziele betrifft, wirklich zu verankern und umzusetzen. Wie gesagt: Auch wenn das alles hat rasch gehen müssen, so ist es jetzt höchst an der Zeit, zu evaluieren: Wo stehen wir? Welche Ziele lassen sich daraus ableiten? Und auch was den finanziellen Background betrifft: Wie stellen wir in Zukunft sicher, dass Endgeräte auch wirklich effizient eingesetzt werden können und wir wissen, was genau mit diesen Geräten passiert, wie und wo sie eingesetzt werden? – Also wirklich vielen herzlichen Dank für diese Hinweise. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal auf die Innovationsstiftung für Bildung zu sprechen kommen, weil sie aus meiner Sicht eine Einrichtung ist, die es angesichts der großen Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, eigentlich unbedingt braucht. Wir brauchen zum Beispiel im Angesicht der Revolution durch die künstliche Intelligenz gerade jetzt Expert:innen, die darüber nachdenken, wie man als Lehrende, aber auch als Lernende damit umgeht, wie man sie nutzt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir brauchen Bildungsinnovation im Bereich des Spracherwerbs, und wir brauchen Bildungsinnovation für die Zukunft unserer Wirtschaft. In Zeiten des Sparens brauchen wir auch schlanke Verwaltungsstrukturen, die gewährleisten, dass möglichst viel Geld in die inhaltliche Arbeit und in die Projekte fließt. Der Rechnungshof hat jetzt im vorliegenden Bericht einige Kritikpunkte geäußert. Ich möchte sie jetzt nicht alle wiederholen, sie sind schon mehrfach erwähnt worden. Vielleicht kurz einige: Der Förderbegriff sei zu weit gefasst, die Stiftung sei zu groß dimensioniert, und es fehle auch an Transparenz. Und es gibt auch klare Empfehlungen durch den Rechnungshof. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Präsidentin, und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedanken, weil Sie dazu beitragen, dass unsere Verwaltung, die Arbeit der Behörden und der vielen Einrichtungen und Unternehmen immer wieder verbessert werden kann. Ich glaube, Verbesserung ist auch bei der Innovationsstiftung angesagt. Der Herr Bundesminister hat ja bereits im Ausschuss angekündigt, dass eine umfassende Reform der Organisationsstruktur bevorsteht und der parlamentarische Prozess dafür auch bereits im kommenden Jahr starten soll. Ich bin froh, dass die Regierungsparteien die Berichte des Rechnungshofes ernst nehmen und dass sie dann auch rasch an einer Umsetzung der Empfehlungen arbeiten. So funktioniert das, so nimmt man auch die parlamentarischen Instrumente und die Berichte ernst, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der Rechnungshofbericht zum Achtpunkteplan für eine digitale Schule war jetzt schon öfter Thema. Er hat ganz klare Kritikpunkte und auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, und das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, wenn wir zukünftige Digitalisierungsprojekte umsetzen. Und ich will betonen: Gerade im Bildungsbereich ist die Digitalisierung enorm wichtig, und da müssen wir auch investieren. Im Regierungsprogramm ist dafür eine umfassende Kompetenzoffensive vorgesehen, ganz im Sinne des Achtpunkteplans, und dazu gehört auch die volle Ausrollung der Geräteinitiative. Aber nicht nur das, es geht auch um neue Schritte bei der künstlichen Intelligenz, etwa KI-Pilotschulen, digitale Lernprojekte und – das finde ich besonders wichtig – KI-gestütztes individualisiertes Lernen. Ebenso wichtig ist die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, denn Digitalisierung funktioniert nicht ohne die Pädagoginnen und Pädagogen. Sie brauchen die besten Werkzeuge und auch Unterstützung beim Umgang mit diesen modernen Medien. Wir müssen in Österreich entschlossen interaktive und digitale Lernprogramme entwickeln und flächendeckend einsetzen, denn Digitalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, das ist die Zukunft. Unsere Schulen haben die Verantwortung, die Kinder auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Und diese Welt verändert sich rasant: Entwicklungen, die wir in Echtzeit vor unseren Augen erleben. Es geht um die Zukunft unseres Landes, und genau deshalb müssen wir die Digitalisierung auch weiter stärken. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen nun zu den Abstimmungen. RN/177.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Innovationsstiftung für Bildung, III-131 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/177.2 Tagesordnungspunkt 15: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Lehrpersonaleinsatz, III-167 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.3 Tagesordnungspunkt 16: Bericht betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule, III-52 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.4 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Bericht betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz, III‑1 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.5 Tagesordnungspunkt 18: Bericht betreffend Österreich Institut G.m.b.H., Follow-up-Überprüfung, III‑2 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.6 Tagesordnungspunkt 19: Bericht betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien, Follow-up-Überprüfung, III-3 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.7 Tagesordnungspunkt 20: Bericht betreffend Österreichische Kulturforen, Follow-up-Überprüfung, III‑4 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.8 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 21: Bericht betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber, III-5 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig so zur Kenntnis genommen. Abstimmung über TOP 8 und 9, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 20:57

Bericht des Rechnungshofes betreffend Österreichische Kulturforen; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2021/18

196 d.B. · Regierungsvorlage III-4 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zu den Österreichischen Kulturforen (Follow-up-Überprüfung, Reihe BUND 2021/18) zur Kenntnis. Damit wird keine inhaltliche Maßnahme beschlossen, sondern die Kenntnisnahme des Prüfberichts formell bestätigt.

Betroffen sind die Österreichischen Kulturforen und die Gebarung im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Österreichische Kulturforen; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2021/18

Gegenstand und Rechtsgrundlage

  • Behandelt wird ein Bericht des Rechnungshofes zu „Österreichische Kulturforen; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2021/18“.
  • Der Bericht erfolgte gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und betrifft Wahrnehmungen aus einer Gebarungsüberprüfung im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten.

Parlamentarische Behandlung und Kontinuität über Gesetzgebungsperioden

  • Der Rechnungshofbericht war bereits in der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode als III-315 d.B. (XXVII. GP) Verhandlungsgegenstand, wurde dort jedoch nicht erledigt.
  • Auf Grundlage von Art. 28 Abs. 4 B-VG iVm § 21 Abs. 1a GOG werden nicht erledigte Rechnungshofberichte der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode in der nächsten Gesetzgebungsperiode erneut zum Gegenstand der Verhandlung und Ausschussvorberatung.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltliche Empfehlung)

  • Der Rechnungshofausschuss gelangt in seinem Antrag an den Nationalrat zur Empfehlung, den Bericht des Rechnungshofes „Österreichische Kulturforen; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2021/18“ zur Kenntnis zu nehmen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Österreichische Kulturforen; Follow-up-Überprüfung – Reihe BUND 2021/18

~32 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir debattieren hier mehrere Rechnungshofberichte und drei davon behandeln den Bildungsbereich. Ich möchte mich bei Ihnen, Frau Präsidentin, sehr herzlich bedanken, dass Sie die Prüfungen und diesen Bericht sehr unbeeindruckt, aber vor allem auch sehr schonungslos gestaltet haben. In einem dieser Berichte geht es um die Innovationsstiftung für Bildung – eine Stiftung, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde, die auch kaum jemand kennt. Diese Stiftung wurde 2017 gegründet, um das allgemeine Bildungsniveau in Österreich anzuheben. Dotiert war diese Stiftung innerhalb von sechs Jahren mit 27 Millionen Euro. Was war das Ergebnis dieses Rechnungshofberichtes? – Es war in Wirklichkeit ein beispiellos vernichtendes Urteil, und es hat aufgezeigt, wie führungslos man im Bildungsministerium in den vergangenen Jahren agiert hat. Was schreibt der Rechnungshof? – Organisatorisch war diese Stiftung viel zu groß aufgestellt. Es gibt fünf Substiftungen, zu denen der Rechnungshof im Übrigen sagt, dass das eine für österreichische Verhältnisse völlig unübliche Rechtskonstruktion ist. Der Stiftungsvorstand und der OeAD-Geschäftsführer, das war eine Personalunion – also eine Person. Der Rechnungshof weist auf hohe Fluktuationsraten bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle hin. Es fehlte vielfach die Expertise in der Umsetzung. Diese hat man dann wieder extern zugekauft. Es fehlten Vorgaben zum Finanzplan, zu Förderrichtlinien und definierte Prozessen – da war überhaupt kein internes Kontrollsystem gewährleistet, und auch das hat der Rechnungshof kritisiert. Vor allem waren es aber zwei Punkte: nämlich dass es keine langfristige Strategie gegeben hat, dass eine solche nicht erkennbar war, und zuletzt – und das ist nicht nur nicht schmeichelhaft, sondern ist wirklich ein vernichtendes Urteil für diese Stiftung – hat er die zentrale Empfehlung ausgegeben: „Eine gesamthafte Evaluierung der Innovationsstiftung für Bildung“. Das ist gleichbedeutend mit, landläufig: Ja, löst sie auf, schafft sie ab, oder liquidiert sie! Was immer ihr damit tut, überlegt euch: Vielleicht können bestehende Institutionen wie das Ministerium oder auch der OeAD da Aufgaben wahrnehmen. Man muss ja schon auch irgendwann erkennen: Wenn etwas seinen Zweck nicht erfüllt, ja, dann muss man sich davon auch trennen. (👏 FPÖ) Denn was hat es am Ende des Tages gebracht? – Was hat es den Schulen gebracht, was hat es den Lehrern gebracht, was hat es den Kindern, den Schülern gebracht, was hat es den Eltern gebracht? Verbesserung in den Grundkompetenzen? – Nein. Wurde der Lehrermangel in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise beseitigt? – Nein. Wurde der Leistungsgedanke in den Schulen irgendwie forciert? – Nein. Konfliktmanagement, das man vielleicht mit innovativen Ideen unterstützt hätte? – Nein. Bürokratie abgebaut? – Nein. Wirtschaftliche Ausbildung auch im Hinblick auf die Lehre, dass man da irgendwie innovativ gewesen wäre? – Nein. Innovativ wäre es zum Beispiel gewesen, wenn man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie man neue Ausbildungsmöglichkeiten schaffen kann, zum Beispiel Handwerksschulen, zum Beispiel Gewerbeschulen. Das alles ist nicht geschehen. Am Ende des Tages sage ich Ihnen: Diese Stiftung hat sich tatsächlich nur selbst verwaltet – und ich glaube, das ist nicht der Sinn und Zweck einer Stiftung. Der Herr Bundesminister für Bildung wäre aufgefordert, da entsprechend zu handeln. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Servus . – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Ja, sehr geehrte Damen und Herren, noch einmal Bildung. Bildung, Forschung und Innovation gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren in einer modernen Volkswirtschaft und sie bestimmen maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, aber auch Wettbewerbsstärke und den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wurde auch 2017 – der Herr Kollege hat es gesagt – die Innovationsstiftung für Bildung gegründet, mit dem strategischen Ziel, die innovativen Kräfte in Österreich für die Weiterentwicklung im Bildungsbereich zu bündeln. Ich kann den Herrn Kollegen von der FPÖ beruhigen: Es steht im Regierungsprogramm, dass die Innovationsstiftung evaluiert und auch reformiert werden soll. Dafür wird unter anderem auch der Rechnungshofbericht beziehungsweise werden die Empfehlungen des Rechnungshofes eingearbeitet. Der Fokus soll wieder mehr auf Innovation und Wettbewerb gelegt und die Anforderungen sollen erhöht werden, geht es doch schließlich auch darum, „unbürokratisch und rasch“, so steht es im Regierungsprogramm, Bildungsinnovation ins Bildungssystem zu bringen. Erfolgversprechende Projekte sollen nicht direkt aus dem Ministerium, sondern quasi als kleine Schnellboote rasch und ohne hierarchische Hindernisse umgesetzt und realisiert werden. Einige Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes – danke an dieser Stelle auch Ihnen, Frau Rechnungshofpräsidentin –: Verbessert werden soll unter anderem der Abwicklungsaufwand, der aktuell bei durchschnittlich 15 Prozent der ausgezahlten Fördermittel liegt; das ist ein bisschen viel. Auch soll die auf 20 Mitglieder etwas aufgeblähte Organisationsstruktur von Stiftungsrat, Aufsichtsorgan und wissenschaftlichem Beirat reduziert werden. Weiter ausgebaut und forciert werden soll die Möglichkeit, Spender aus der Privatwirtschaft anzuwerben. Seit 2023 ist das ja mit der Spendenabsetzbarkeit für Bildung auch möglich – beschlossen hier von diesem Haus. Ich finde es gut, dass die Innovationsstiftung bereits mit einer Vielzahl von privaten Akteuren im Austausch steht. Wenn Mäzene, Spender und natürlich auch Großspender aus der Wirtschaft vermehrt in Erscheinung treten und die Innovationsstiftung mit ihrem privaten Kapital und privaten Engagement dabei unterstützen, dann ist das sicherlich von Vorteil. Es wäre schön, wenn auch andere dem Beispiel Mateschitz und Co folgen würden und ihr Geld in Richtung Bildung investieren würden. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel muss es weiterhin sein, das Bildungsniveau anzuheben, die tertiären Bildungsabschlüsse weiter zu steigern. Und auch bei der Zahl der Patentanträge oder Start-up-Gründungen gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche der Innovationsstiftung, dass sie diese Ziele weiter unterstützen kann und dabei viel Erfolg. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich werde mich kurz auf die Innovationsstiftung für Bildung beziehen. Was ist das Ziel dieser Stiftung? – Ziel ist es, die innovative Bildungspolitik voranzutreiben und wirklich in alle Altersstufen der Kinder zu bringen. Der Rechnungshof hat sich folgende Punkte angeschaut: Wie funktioniert die Organisationsstruktur? Wie werden die Aufgaben wahrgenommen? Entsprechen sie dem, was geplant war? Und wie hat sich die finanzielle Entwicklung in den Jahren 2017 bis 2023 gestaltet? Danke, Frau Rechnungshofpräsidentin, das ist einer von vielen sehr ausführlichen Berichten. Wir haben vorhin über den Wissenschaftsblock gesprochen, jetzt sind wir beim Bildungsblock angelangt, und das waren dank der sehr fundierten Berichte wirklich intensive Debatten. Was hat der Rechnungshof festgestellt? – Er hat festgestellt, dass es sehr hohe Ausgaben für externe, zugekaufte Leistungen gegeben hat. Man hat sich viel Expertise zugekauft, und da lohnt es sich wirklich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es haben konsolidierte Kostendarstellungen gefehlt – das sollte keinesfalls passieren –, und es hat auch da, wie im vorigen Block schon angesprochen, keine standardisierten Abläufe gegeben – dennoch fehlt ein wichtiges Kontrollinstrument –, und das Risikomanagement war sehr stark vernachlässigt, nicht systemisiert. Ein Punkt, der uns wirklich auch Auftrag sein sollte: Die Förderkriterien waren unklar. Es ist, glaube ich, in unser aller Interesse, Kriterien für Förderungen, die ausgeschüttet werden, wirklich sehr klar, nachvollziehbar und transparent zu gestalten, sodass dann jeder weiß, wohin das Geld geflossen ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Der Rechnungshof hat festgestellt: Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der gesamten Strukturen und der Wirkungsweisen. Ich habe vorhin schon gesagt, das Ziel dieser Innovationsstiftung ist es, innovative Bildungspolitik auf den Boden zu bringen und für alle Altersstufen zu gewährleisten, und ich habe den Herrn Bundesminister dann gefragt, ob man valide Daten hat, welche Altersgruppen am meisten von genau diesen innovativen Ansätzen profitiert haben. Die Sekundarstufe, hat er geantwortet, hat am stärksten nachgefragt. Aber natürlich waren wir uns auch im Ausschuss einig, und das wurde auch unisono bestätigt, dass die Elementarstufe besonders im Fokus sein sollte. Das sollten wir wirklich als gemeinsames Ziel haben, einfach um zu gewährleisten – das ist, glaube ich, für uns alle wichtig –, dass bereits die Jüngsten mit innovativer Politik in der Bildung arbeiten dürfen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Zuerst möchte auch ich mich bei Ihnen für die ausführlichen Berichte bedanken. Der Rechnungshof ist eine zentrale Institution in unserer liberalen Demokratie. Die Analysen und die Arbeit zur Verwendung öffentlicher Mittel, all unserer Steuergelder, sind von unschätzbarem Wert. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei allen Prüferinnen und Prüfern sowie bei Ihnen persönlich bedanken. Die Berichte des Rechnungshofes – ich werde in der Folge über den Bericht zum Lehrpersonaleinsatz und über den Achtpunkteplan für eine digitale Schule sprechen – zeigen einmal mehr: Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass sich diese Regierung den Problemen stellt, denn genau das erwarten sich die Bürgerinnen und Bürger. Die Probleme sind massiv: Unser Bildungssystem, unsere Lehrer:innen und Schüler:innen leiden seit über einem Jahrzehnt unter dem Lehrpersonalmangel. Lange Zeit versuchte man, das Problem mit punktuellen Eingriffen zu beheben – ohne Erfolg. Kein Wunder, denn sowohl bei der Beurteilung des tatsächlichen Lehrer:innenbedarfs und in der Folge auch bei den gesetzten Maßnahmen zur Deckung verfehlte man klar das selbst gesteckte Ziel. Die schließlich im Jahre 2022 anlaufende umfassende Initiative Klasse Job zur Behebung des Lehrermangels war im Kern eine gute Idee, aber auch da haperte es an der Umsetzung. Ähnliches hat der Rechnungshof bei der Überprüfung des Achtpunkteplans für eine digitale Schule festgestellt. Mehrfach schienen in der Vergangenheit Umsetzungsstände von Teilprojekten nicht bekannt zu sein, existierten Daten zur Erhebung von Projektfortschritten nicht, und das Ministerium wich von Vergabestandards ab. Letztlich waren die Ziele des Projekts nicht ausreichend genau abgesteckt, sodass sich ein Erfolg oder Misserfolg auch nur schwer einschätzen ließ. Glauben Sie mir, als ehemalige Volksschullehrerin kenne ich einige Probleme unseres Bildungssystems nur zu gut, und sie sind auch der Grund dafür, dass ich heute hier vor Ihnen und nicht mehr vor einer Klasse stehe. Daher beklage ich die ausführliche Kritik und die Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes auch nicht, sondern begrüße sie besonders. Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass wir Teil dieser Regierung sind, weil wir mit uns in der Regierung die Finanzierung des Bildungsbereichs auch in den Zeiten des größten Spardrucks sicherstellen, weil nur mit uns sich bereits heute erste Verbesserungen beim Lehrpersonal einstellen und nur mit uns es mit der stiefmütterlichen Behandlung der Bildung in diesem Land vorbei ist, die doch Kern von so vielen Aspekten unserer Gesellschaft ist. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Präsidentin Margit Kraker zu Wort gemeldet. – Bitte.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, in diesem Block stehen mehrere Berichte aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung. Wir haben das am 9. September im Rechnungshofausschuss besprochen. Der erste Punkt ist der Lehrpersonaleinsatz. Ich denke, der Rechnungshof gibt da eine umfassende Übersicht über die Maßnahmen, die getroffen wurden, um dem Lehrpersonalbedarf in den Schulen Rechnung zu tragen beziehungsweise um einem allfälligen Lehrermangel entgegenzuwirken. Wir haben untersucht und eben festgestellt, dass das Bildungsministerium schon seit dem Jahr 2009 Lehrpersonalbedarfsprognosen erstellte, die auf einen Personalmangel ab dem Jahr 2018/2019 hinwiesen. Diesen Prognosen fehlten die notwendigen Steuerungselemente, bei denen man zum Beispiel auch die Angebotsseite mitbetrachtet hätte. Bis zum Jahr 2022 gab es keine umfangreichen und systematischen Maßnahmen, um diesem Mangel zu begegnen. Warum gab es dann dennoch nicht so viele offene Stellen? – Weil kompensiert wurde. Es wurde mit Mehrdienstleistungen, fachfremdem Unterricht, mit Sonderverträgen an Personen, die keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung vorweisen konnten, kompensiert. All diese Faktoren haben naturgemäß Auswirkungen auf den Unterricht und auf die Organisation in den Schulen. Das Projekt Klasse Job haben wir eigentlich positiv beurteilt, denn wir haben gesagt, das ist ein Projekt, das aus acht Teilprojekten bestand, um da systemisch entgegenzuwirken. Die Kosten dafür betrugen in zwei Jahren 2,6 Millionen Euro. Ein Teilprojekt war der Quereinstieg und dass eben Personen mit fachverwandtem Studium die Möglichkeit haben, als Lehrpersonen zu arbeiten, und da gab es eine Zertifizierungskommission. Diese Zertifizierungskommission verursachte in zwei Jahren Kosten und Auszahlungen von 604 000 Euro, und es gab in diesem Zeitraum ungefähr 5 000 Bewerberinnen und Bewerber. Die Hälfte wurde zertifiziert, und von den zertifizierten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern unterrichtete weniger als ein Drittel tatsächlich.Es hätte die Möglichkeit gegeben, auch einen Selbstbehalt einzuheben, aber darauf hat man verzichtet. Ein weiterer Punkt ist – und da appelliere ich an die Verwaltungsstellen, an die Bildungsverwaltungsstellen –, dass die Dienstverträge rasch ausgestellt werden und dass man die Vordienstzeiten und das Besoldungsdienstalter rascher errechnet, denn die Lehrpersonen brauchen natürlich auch einen Nachweis für ihr Dienstverhältnis. Es gab dann Spannungsfelder bezüglich der Anstellungsvoraussetzungen zwischen der Zertifizierungskommission und der Bildungsdirektion, sodass sich ergab, dass man die rechtliche Qualität der Zertifikate klären muss und dass tatsächlich die Bildungsdirektionen über die Anstellung entscheiden. Die PädagogInnenbildung neu, sehr geehrte Damen und Herren, wurde im Jahr 2013 für die Sekundarstufe auf ein sechsjähriges Lehramtsstudium verlängert. Für die Primarstufe wurde die Ausbildungszeit von drei auf fünf Jahre erhöht. 2024 wurde sie dann wieder verkürzt, weil man gemerkt hat, dass da eine Lücke bei den Absolventinnen und Absolventen entsteht, und man hat dann auf drei plus zwei Jahre mit berufsbegleitendem Masterstudium umgestellt. Dieses berufsbegleitende Studium führt natürlich dazu, dass Studierende, Bachelorstudierende auch hohe Belastungen auf sich nehmen müssen, und erhöht auch den Teilzeitanteil an den Schulen dementsprechend. Zum Qualitätssicherungsrat haben wir auch einen Exkurs gemacht. Dieser hat die Aufgabe gehabt, die PädagogInnenbildung neu zu begleiten. Diese Aufgabe ist weitgehend erfüllt, die Kosten lagen bei 2,42 Millionen Euro. Studierende konnten einen Regelvertrag haben, wenn sie schon ein gewisses Niveau an Ausbildungsstunden hatten, sonst hatten sie einen Sondervertrag. 9 Prozent aller Lehrpersonen waren im Schuljahr 2023/24 mit Sondervertrag angestellt. Insbesondere gab es einen hohen Anteil im Bereich der Landeslehrpersonen – das sehen wir kritisch. Auch die Mittelschulen sind darüber hinaus sehr stark mit dem Thema fachfremder Unterricht konfrontiert, das haben wir natürlich auch kritisch gesehen. Der Teilzeitanteil an den Schulen liegt bei 39,5 Prozent. Ich habe es schon gesagt, das liegt neben der Tatsache, dass es überwiegend Frauen sind, natürlich auch daran, dass es berufsbegleitende Studien gibt. Wenn man eine hohe Teilzeitquote hat, erfordert das natürlich ein Management beim Personaleinsatz der Lehrpersonen. Wir haben daher verschiedene Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen, um im Bereich der Mehrdienstleistungen, im Bereich der berufsbegleitenden Studierenden nicht zu viele Belastungen zu haben. Und wir haben bei den Quereinsteiger:innen festgestellt, dass es auch da einen hohen Teilzeitanteil gab und dass sie auch schon im ersten Schuljahr fachfremd unterrichtet haben. Ich möchte zum Abschluss sagen: Für den Fall, dass wir einmal zu viele Lehrerinnen und Lehrer haben, weil wir jetzt sehr viele qualifizieren, wäre dies natürlich der ideale Zeitpunkt, auf ganztägige Schulen umzustellen – aber das ist eine Anmerkung meinerseits und steht in dem Sinn nicht im Bericht. (👏 SPÖ, NEOS) Zur Innovationsstiftung wurde schon viel gesagt. Auch da geht es uns um die Wirkung, um einen transparenten Mitteleinsatz, um eine kompetitive Förderausrichtung, sodass man einen Mehrwert erkennen kann. Wir wollen tatsächlich, dass es hier eine grundlegende Evaluierung gibt und dass der Bericht diesbezüglich auch ernst genommen wird. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 20.24 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Rechnungshof zeigt es schwarz auf weiß: Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist kein Zufall, sondern er ist seit 15 Jahren bekannt – seit 15 Jahren. Trotzdem wurde viel zu spät gehandelt, und den Preis zahlen jetzt die Kinder. In Tirol beispielsweise wird fast jede zweite Stunde in der Mittelschule fachfremd unterrichtet, das heißt, es gibt dann Mathematik ohne Mathematiklehrer und -lehrerinnen, Informatik ohne Informatiklehrer und -lehrerinnen – Letzteres beispielsweise in Tirol bis zu 90 Prozent. Das muss man sich einmal vorstellen. Lehrer und Lehrerinnen stemmen längst Unmenschliches: Mehrstunden, fachfremden Unterricht, kaum Unterstützung. Ich glaube, da muss man sich nicht wundern, dass ganz viele ausbrennen. Wir Grüne sagen klar: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte und vor allem eine echte Entlastung, das heißt junge Lehrkräfte, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, und diese brauchen eine Begleitung, damit sie nicht von Anfang an wieder frustriert den Arbeitsplatz verlassen. Das heißt auch: Unterstützungspersonal, psychosoziale Unterstützung und Schulsozialarbeit. Apropos: Da sind wir bei einem Thema, einer Sache, die wir immer wieder angesprochen haben, und jedes Mal hieß es vonseiten der Regierungsparteien: Nein, nein, wir haben alles im Griff. – Die Realität schaut anders aus. Seit dem 17. Juni gibt es keinen einzigen freien Platz mehr im Programm Gesund aus der Krise. Das ist ein Programm – das einzige! –, das jungen Menschen eine Gratispsychotherapie ermöglicht, oftmals ein Rettungsanker, den Tausende Jugendliche dringend brauchen. Gerade jetzt, da die Zahl psychischer Erkrankungen steigt, da Wartezeiten bis ins Unermessliche gehen, wird ihnen diese Tür zugeschlagen – und das ist nichts anderes als ein Verrat an jungen Menschen, die dringend Hilfe bräuchten. (👏) Liebe Regierungsparteien – vor allem die SPÖ muss ich hier in die Pflicht nehmen, denn es ist ihr Ressort –: Das darf es bitte wirklich nicht geben! Jugendlichen mit einer Depression oder Angstzuständen zu erklären: Sorry, wir haben keinen Platz für euch!, liebe Kollegen und Kolleginnen, das darf es sicher nicht sein. Es wurde uns mehrfach versprochen, dass man das in den Griff bekommt, bisher wurde nichts getan. Wir hoffen ernsthaft, dass sich dieses Problem bald regeln lässt und dass die jungen Menschen nicht länger im Stich gelassen werden. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer .

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Zuhörer! Wenn wir heute über den Lehrpersonaleinsatz sprechen, dann geht es um weit mehr als um Tabellen, Deputate, Stundenpläne – es geht um unsere Kinder, um ihre Chancen, ihre Zukunft, um das, was sie einmal werden können. Das Lernen passiert im Jetzt, und zu sagen: Es wird alles besser!, hilft jetzt leider niemandem. Genau deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen. Österreich gibt in diesem Bereich im internationalen Vergleich sehr viel Geld aus, und trotzdem sind die Leistungen unserer Schüler oft nur Mittelmaß. Was läuft falsch im System? – Das System ist sehr unübersichtlich. Wir haben bei Lehrern eine Teilzeitquote von circa 40 Prozent. Fachfremder Unterricht ist fast schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme, wie meine Vorrednerin gesagt hat; in Tirol liegt er bei ungefähr 50 Prozent. Es fallen Überstunden im Ausmaß von 7 100 Vollzeitstellen an. Richten Sie bitte der Frau Sozialminister und dem Herrn Wirtschaftsminister aus, da können sie den Unternehmern zeigen, wie es geht, die Arbeitszeit zu heben oder länger im Berufsleben zu bleiben, ohne mit dem Finger auf andere zu deuten! Kurz noch zum Achtpunkteplan: Die App Digitales Lernen hat sich von 3 Millionen auf 12 Millionen Euro verteuert, ohne nennenswerte Zugriffe. Kurz gesagt: Die Erfolgsgeschichte von Kaufhaus Österreich wurde fortgeschrieben, wieder wurden Millionen in den Sand gesetzt. Ganz nebenbei sind Aufträge in Millionenhöhe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergeben worden. Transparenz: Fehlanzeige, Kontrolle: leider nein. In allen drei Bereichen fehlt es an definierten, überprüfbaren Zielen und Indikatoren, um die Wirkung messen zu können. Nur Geld in ein System zu geben, ist zu wenig. Auf die Frage im Rechnungshofausschuss, wie der Herr Minister die Arbeit seines Vorgängers bewerten würde, meinte er nur: Er habe eine Basis, auf der man aufbauen könne. – Im Arbeitszeugnis würde stehen: Herr Polaschek hat sich immer redlich bemüht!, oder im Schulnotensystem: Herr Polaschek, setzen, Fünf! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Jakob Grüner gelangt nun zu Wort. – Bitte.

ÖVP Jakob Grüner

Frau Präsidentin! Geschätzte Präsidentin des Rechnungshofes! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Bericht des Rechnungshofes zum Lehrermangel. Wir alle wissen, dass es da große Herausforderungen gibt. Wir haben es schon gehört. Eines ist klar: Bildung, Bildung, Bildung, Bildung und noch einmal Bildung, denn Bildung ist die Antwort auf alle unsere Probleme – sozial, wirtschaftlich, gesellschaftlich. War der Lehrermangel vor einigen Jahren vielleicht noch ein Zukunftsproblem, so steht er heute mitten in der Klasse, mitten im Raum – oder eben nicht. Es ist ja doch so – seien wir ehrlich –: Speziell im Bildungsbereich stehen wir uns regelmäßig selbst im Weg, indem wir dauernd alle ideologisch hineinbuttern, was nur geht, und Reformen verhindern beziehungsweise am Ende des Tages Mindestkompromisse herauskommen – speziell im Bildungsbereich! Im Bildungsministerium, manche nennen es auch K.-und-k.-Ministerium, ändert man keinen einzigen Beistrich, ohne jahrelang darüber zu diskutieren. Wir wissen, Lehrer wachsen nicht auf Bäumen, aber wir pflanzen uns regelmäßig gegenseitig. Wir sollten vielleicht weniger über Fridays for Future – eine wichtige Initiative – und mehr darüber diskutieren, wie wir unsere Lehrer von Montag bis Freitag in die Schulklassen bekommen. Hohes Haus! Der Bericht des Rechnungshofes streicht ein Problem deutlich heraus, und das möchte ich herausgreifen: Sehr viele starten in die Ausbildung und gehen dann nicht in den Beruf. Das ist ein Phänomen, das wir branchenweit in ganz Österreich erkennen, das ist ein großes Problem und sollte uns alle beunruhigen, denn unser Staat kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Arbeitsbeitrag leistet. Wenn manche nicht mehr arbeiten wollen, dann haben wir vermutlich ein anderes Problem, ein gesellschaftliches Problem, vielleicht ein kulturelles Problem, aber nicht immer ein wirtschaftliches Problem, denn auch im Bildungsbereich kommt das Geld nicht aus dem Bankomaten. Wir müssen dieses Wohlstandsproblem, das wir, glaube ich, ganz offensichtlich haben, also dringend gemeinsam in den Griff bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte positiv abschließen und mich ganz herzlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern im Land bedanken, die tagtäglich Großartiges leisten, für unsere Kinder da sind und sie auf das Leben vorbereiten. Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Volksschulalter und habe am Montag beim Elternabend gesehen und gespürt, mit wie viel Liebe und Einsatz unsere Kinder das Rechnen, das Schreiben, das Lesen, soziale Fähigkeiten, Freundschaften, Emotion, Verantwortung, Zuversicht et cetera lernen. – Sie geben unseren Kindern damit viel auf den Weg. Sie geben ihnen die Welt und prägen junge Persönlichkeiten. Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Abschließend: Wir gemeinsam haben sehr viel aus dem Rechnungshofbericht gelernt. Vielleicht sollten wir uns vornehmen, diese Empfehlungen schnellstmöglich gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Wolfgang Moitzi zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrte Frau Präsidentinnen – es kommt ja nicht so oft vor, dass zwei Präsidentinnen im Raum sind! Ich kann die Frau Präsidentin des Rechnungshofes beruhigen. Sie hat gesagt, sie wünscht sich, dass der Rechnungshofbericht über den Lehrpersonaleinsatz ernst genommen wird. Ich glaube, wir als Parlament und auch die Bundesregierung nehmen diesen Bericht extrem ernst, denn der Rechnungshofbericht zeigt uns leider sehr deutlich auf, was schon seit vielen Jahren gewusst wurde und uns auch gedroht hat, nämlich ein Lehrpersonalmangel. Trotzdem haben die letzten beiden Regierungen lange zugeschaut und zu spät Maßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis – Barbara Neßler hat es ja angesprochen –, dass in Tirol zum Beispiel 46 Prozent der Fächer von fachfremdem Personal unterrichtet werden. In Oberösterreich sind es 35 Prozent. Allein im Jahr 2023 mussten Mehrdienstleistungen im Umfang von circa 7 000 Vollzeitäquivalenten geleistet werden und dadurch also rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte kompensiert werden. Das ist weder fair gegenüber den Lehrkräften noch gegenüber unseren Kindern in den Klassenzimmern. Die zentrale Schlussfolgerung aus diesem Bericht ist klar: Wir dürfen nicht mehr in Notlösungen hineinstolpern, sondern müssen endlich den Lehrerinnen- und Lehrerberuf wieder attraktiver machen. Genau deshalb haben wir den Bericht ernst genommen und im Regierungsprogramm auch schon Maßnahmen festgeschrieben, nämlich mehr Ausbildungsplätze für Pädagoginnen und Pädagogen, Ausbau der Schulsozialarbeit zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen, Investitionen in die und eine Verkürzung der Pädagog:innenausbildung. Wir wollen auch ein mittleres Management zur Unterstützung von Lehrpersonal an den Schulen einsetzen, damit Probleme delegiert und die Lehrer:innen so unterstützt werden können. Damit machen wir mit der Attraktivierung des Lehrberufs Ernst, nicht nur mit Kampagnen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und kürzeren Ausbildungswegen. (👏 ÖVP, SPÖ) Den notwendigen Quereinsteigern wollen wir den Quereinstieg erleichtern: Es wird größtmögliche und nachvollziehbare Anrechnungen von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft geben, und wir begleiten sie dann besser im neuen Beruf, damit sie im Klassenzimmer nicht allein gelassen werden. Auch die Volksschulen wollen wir für den Quereinstieg öffnen. Die Zahlen bestätigen den eingeschlagenen Weg dieser Bundesregierung. Auf 6 500 freie Stellen haben sich in diesem Schuljahr 16 000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das zeigt schon einen ersten guten Erfolg. Abschließend: Wir werden das sehr ernst nehmen, denn für uns als Sozialdemokratie und auch für diese Bundesregierung ist klar, unsere Kinder verdienen nicht den zweitbesten Unterricht, sondern die beste Bildung. Dafür tragen wir hier gemeinsam die Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren, die noch auf der Galerie und vor den Bildschirmen sind! Wir wechseln jetzt das Thema – die Rechnungshofberichte sind ja sehr umfangreich und sehr umfassend –, es geht jetzt um die Kultur. Der Rechnungshof wiederholt ja nicht das Offensichtliche, sondern macht das Verborgene und Notwendige sichtbar – und das sorgt für Transparenz. Die Berichte sind auch immer wieder unmittelbar dafür verantwortlich, dass Grundlagen für Reformen geschaffen werden. Nicht nur deswegen lesen wir NEOS sie so besonders gerne. Daher bedanken wir uns sehr herzlich beim Team des Rechnungshofes für diese Lektüre, die es uns etwas einfacher macht, Reformen anzugehen. (👏 NEOS) Der Auslandskultur attestiert der Rechnungshof, dass es da ein sehr dichtes Netz an Strukturen und Institutionen gibt. Dieses Netz ist ein Schatz, und es ist auch eine Chance. Uns ist natürlich sehr klar, dass Präsenz der Auslandskultur alleine nicht reicht. Wirkung entsteht auch in der Kultur erst, wenn die Verantwortungen ganz klar geregelt sind und Ziele konsequent verfolgt werden können. Die österreichische Auslandskultur ist das internationale Schaufenster der Kulturnation Österreich. Da entstehen Themenjahre, es gibt gezielte Förderschienen, Künstler:innen und Institutionen bekommen so Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich auch im Ausland zu präsentieren. Und sie ist vor allem auch eine Chance für Österreich, wahrgenommen zu werden. Das aktuelle Grundlagendokument der Auslandskultur markiert zwar wichtige Schwerpunkte, aber es braucht auf jeden Fall mehr. Das stellt auch der Rechnungshof fest. 2026 wird das Jahr, in dem die Auslandskultur auch strategisch neu aufgestellt wird – mit gebündelten Kräften, mit klarer Verantwortung im Außenministerium, abgestimmt mit allen Partnern, Ministerien wie Bundesländern, denn Auslandskultur ist Teil der Außenpolitik. Wer Österreich im Ausland begegnet, sieht nicht neun Bundesländer, sondern eine Kulturnation. (👏 NEOS) Unsere Kulturforen stärken den Standort Österreich. Sie sind die Softpower der Diplomatie sowie der Außenwirtschaft, und sie öffnen Türen. Vom Rechnungshof geprüft wurde allerdings auch die Spanische Hofreitschule – das ist schon so etwas wie ein Dauerbrenner im Rechnungshof –, sie ist ein Kultur- und Tourismusbetrieb, ressortiert allerdings im Landwirtschaftsministerium. Sie hat drei Standorte, drei Logiken, ist dennoch ein einziges Unternehmen, eine Institution mit internationaler Bedeutung, aber auch mit großen Herausforderungen. So lautet auch der Schluss des Rechnungshofes. Das zentrale Thema ist neben der anhaltenden Unruhe in und rund um die Spanische Hofreitschule die Finanzierung. Der Rechnungshof empfiehlt mehrjährige Vereinbarungen mit Kennzahlen, eine transparente Kostenrechnung und ein tragfähiges Unternehmenskonzept – nicht wirklich etwas Neues und das nicht zum ersten Mal. Ziel muss sein: Die Hofreitschule darf nicht zum Spielball werden und muss aus den Schlagzeilen kommen. Sie braucht Verlässlichkeit (👏 NEOS), denn nur dann kann sie zeigen, was sie ist: höchste klassische Reitkunst, lebendiges – im wahrsten Sinne des Wortes – Weltkulturerbe und eine österreichische Institution mit internationaler Strahlkraft. Sehr geehrte Damen und Herren! Die Rechnungshofberichte eröffnen Chancen in der Auslandskultur, aber auch für die Spanische Hofreitschule und für alle anderen geprüften Institutionen. Eine kleine Werbeeinschaltung am Ende: Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofes hat noch niemandem geschadet. Sie hat Institutionen gestärkt, und sie hat Reformen eingeleitet. – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich glaube, ich muss jetzt die gute Stimmung der heutigen Debatte doch noch einmal stören. Ich schaffe es jetzt nicht, wie die Vorrednerin eine Rede über die Spanische Hofreitschule zu halten, ohne auf die aktuellen Ereignisse einzugehen. Wissen Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich ja oft gefragt, wo eigentlich der Begriff des Intrigantenstadls herkommt. Wenn man sich die Artikel der letzten Wochen über die Spanische Hofreitschule anschaut, bekommt man eine Idee davon, denn die Berichte zeichnen meiner Meinung nach ganz klar das Bild einer verschwörerischen Hinterzimmeroperette. (👏) Unsere Spanische Hofreitschule ist mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist lebendiges Kulturgut, sie ist Welterbe und Sinnbild österreichischer Tradition – und genau dieses Kulturgut steht jetzt auf dem Spiel, und das ganz klar wegen völligen politischen Totalversagens, und dieses Versagen hat einen Namen: Das ist das ÖVP-Landwirtschaftsministerium. (👏) Die Spanische Hofreitschule – Sie haben es sicher alle gelesen – braucht einen neuen Geschäftsführer. In dem Zusammenhang kann man sagen: schon wieder, denn die Querelen gehen ja jetzt schon über Jahre – so lange nämlich, wie das ÖVP-Landwirtschaftsministerium auch für die Spanische Hofreitschule zuständig ist. Was aber neu ist, ist eigentlich, wie der jetzige Geschäftsführer auch gegangen worden ist, denn man kann schon sagen, er ist nach allen Regeln der Intrigenkunst – auf gut Wienerisch – geschasst worden. Wenn man sich zum Beispiel die Recherchen des Magazins „Profil“ anschaut, dann sieht man, dass da Entscheidungen getroffen worden sind, bevor Prüfungen überhaupt abgeschlossen worden sind – eigentlich haben sie erst angefangen. Das Ministerium hat eine Anzeige erstattet, obwohl im Nachhinein durch unabhängige Wirtschaftsprüfer herausgekommen ist, dass es keinen systematischen Machtmissbrauch über Spesenabrechnungen gegeben hat, und das alles ohne Einbindung des Aufsichtsrates. Ich sage Ihnen, auch uns liegen interne Akten vor, und da gibt es ein Schreiben des Aufsichtsrates, das relativ aktuell ist – es ist nur neun Tage alt –, und es ist an Minister Totschnig gerichtet. Da steht: Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme des Aufsichtsrates ignoriert der politisch zuständige Minister Totschnig diesen Aufsichtsrat. – Da frage ich mich, bitte, liebe ÖVP: Was ist los und was macht Ihr Minister eigentlich beruflich? Das alles geht doch überhaupt gar nicht! Wenn Sie mich fragen, wird der Aufsichtsrat da mit voller Absicht ignoriert. Das stinkt förmlich nach einer Intrige aus dem Handbuch des Bauernbundes, ganz, ganz klar. In meinen Augen ist das alles unverantwortlich! Sie setzen den Ruf einer 500 Jahre alten Institution aufs Spiel. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein ÖVP-Minister das so zulassen konnte. Wir verlangen hier vollständige Aufklärung auch über die Rolle des Generalsekretärs aus diesem Landwirtschaftsministerium. Liebe Frau Präsidentin! Ich hoffe, gerade bei der Spanischen Hofreitschule gilt – wie so oft –: Nach der Rechnungshofprüfung ist vor der Rechnungshofprüfung. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manuel Litzke zu Wort. – Bitte.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frauen Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin, es ist eine Fülle von Berichten, die Sie uns sowohl im Ausschuss als auch hier vorgelegt haben, wo wir auch schon die Möglichkeit hatten, darüber zu diskutieren, auch so manches zu hinterfragen. Wie wir wissen, geht es ja nicht nur um diese nackte Analyse, die der Rechnungshof vorlegt, sondern es geht auch darum, Empfehlungen zu erhalten, Umsetzungsvorschläge zu bekommen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben für alle geprüften Instanzen, diese ernst zu nehmen: nicht nur analysiert zu werden, sondern diese Empfehlungen auch anzunehmen. Lassen Sie auch mich auf den Achtpunkteplan für eine digitale Schule eingehen, aber denken wir ganz kurz an die Entstehung dieses Achtpunkteplans und daran, in welcher Kürze und in welch raschem Prozess dies dann eigentlich vonstattengegangen ist – was ja auch die Erwartungshaltung von uns allen war, was die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Eltern dahinter für das ganze Bildungssystem war. Denn Ausgangspunkt war im Jahr 2020, dass es um die schnelle Umsetzung von E-Learning, von Homeschooling gegangen ist, da eben auch in dieser Phase, in der nicht alle Schulen durchgehend geöffnet haben konnten, die Schüler bestmöglich betreut werden mussten. Das ist verständlich, dazu braucht es Endgeräte, dazu braucht es natürlich auch Software, dazu braucht es auch einen entsprechenden Bildungsplan, und umso rascher hatte diese Umsetzung auch zu erfolgen. Da ist es – und das haben Sie in Ihrem Bericht gut aufgearbeitet – natürlich passiert, dass manches, was hätte dokumentiert werden müssen, nicht in dieser Art und Weise geschehen ist. Ja, wir sehen das auch so: Das ist notwendig, und da muss sicherlich einiges nachgeholt werden, was die Zielbestimmungen angeht. Wir müssen wissen, wo Schüler am Anfang dieses Lernprozesses stehen, wo sie stehen sollen, wenn der Lernprozess abgeschlossen ist, aber das Gleiche gilt natürlich auch für das Lehrpersonal. Wir müssen schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, da ein konsequentes Vorgehen, was Bildungsziele betrifft, wirklich zu verankern und umzusetzen. Wie gesagt: Auch wenn das alles hat rasch gehen müssen, so ist es jetzt höchst an der Zeit, zu evaluieren: Wo stehen wir? Welche Ziele lassen sich daraus ableiten? Und auch was den finanziellen Background betrifft: Wie stellen wir in Zukunft sicher, dass Endgeräte auch wirklich effizient eingesetzt werden können und wir wissen, was genau mit diesen Geräten passiert, wie und wo sie eingesetzt werden? – Also wirklich vielen herzlichen Dank für diese Hinweise. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal auf die Innovationsstiftung für Bildung zu sprechen kommen, weil sie aus meiner Sicht eine Einrichtung ist, die es angesichts der großen Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, eigentlich unbedingt braucht. Wir brauchen zum Beispiel im Angesicht der Revolution durch die künstliche Intelligenz gerade jetzt Expert:innen, die darüber nachdenken, wie man als Lehrende, aber auch als Lernende damit umgeht, wie man sie nutzt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir brauchen Bildungsinnovation im Bereich des Spracherwerbs, und wir brauchen Bildungsinnovation für die Zukunft unserer Wirtschaft. In Zeiten des Sparens brauchen wir auch schlanke Verwaltungsstrukturen, die gewährleisten, dass möglichst viel Geld in die inhaltliche Arbeit und in die Projekte fließt. Der Rechnungshof hat jetzt im vorliegenden Bericht einige Kritikpunkte geäußert. Ich möchte sie jetzt nicht alle wiederholen, sie sind schon mehrfach erwähnt worden. Vielleicht kurz einige: Der Förderbegriff sei zu weit gefasst, die Stiftung sei zu groß dimensioniert, und es fehle auch an Transparenz. Und es gibt auch klare Empfehlungen durch den Rechnungshof. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Präsidentin, und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedanken, weil Sie dazu beitragen, dass unsere Verwaltung, die Arbeit der Behörden und der vielen Einrichtungen und Unternehmen immer wieder verbessert werden kann. Ich glaube, Verbesserung ist auch bei der Innovationsstiftung angesagt. Der Herr Bundesminister hat ja bereits im Ausschuss angekündigt, dass eine umfassende Reform der Organisationsstruktur bevorsteht und der parlamentarische Prozess dafür auch bereits im kommenden Jahr starten soll. Ich bin froh, dass die Regierungsparteien die Berichte des Rechnungshofes ernst nehmen und dass sie dann auch rasch an einer Umsetzung der Empfehlungen arbeiten. So funktioniert das, so nimmt man auch die parlamentarischen Instrumente und die Berichte ernst, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der Rechnungshofbericht zum Achtpunkteplan für eine digitale Schule war jetzt schon öfter Thema. Er hat ganz klare Kritikpunkte und auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, und das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, wenn wir zukünftige Digitalisierungsprojekte umsetzen. Und ich will betonen: Gerade im Bildungsbereich ist die Digitalisierung enorm wichtig, und da müssen wir auch investieren. Im Regierungsprogramm ist dafür eine umfassende Kompetenzoffensive vorgesehen, ganz im Sinne des Achtpunkteplans, und dazu gehört auch die volle Ausrollung der Geräteinitiative. Aber nicht nur das, es geht auch um neue Schritte bei der künstlichen Intelligenz, etwa KI-Pilotschulen, digitale Lernprojekte und – das finde ich besonders wichtig – KI-gestütztes individualisiertes Lernen. Ebenso wichtig ist die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, denn Digitalisierung funktioniert nicht ohne die Pädagoginnen und Pädagogen. Sie brauchen die besten Werkzeuge und auch Unterstützung beim Umgang mit diesen modernen Medien. Wir müssen in Österreich entschlossen interaktive und digitale Lernprogramme entwickeln und flächendeckend einsetzen, denn Digitalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, das ist die Zukunft. Unsere Schulen haben die Verantwortung, die Kinder auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Und diese Welt verändert sich rasant: Entwicklungen, die wir in Echtzeit vor unseren Augen erleben. Es geht um die Zukunft unseres Landes, und genau deshalb müssen wir die Digitalisierung auch weiter stärken. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen nun zu den Abstimmungen. RN/177.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Innovationsstiftung für Bildung, III-131 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/177.2 Tagesordnungspunkt 15: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Lehrpersonaleinsatz, III-167 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.3 Tagesordnungspunkt 16: Bericht betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule, III-52 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.4 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Bericht betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz, III‑1 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.5 Tagesordnungspunkt 18: Bericht betreffend Österreich Institut G.m.b.H., Follow-up-Überprüfung, III‑2 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.6 Tagesordnungspunkt 19: Bericht betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien, Follow-up-Überprüfung, III-3 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.7 Tagesordnungspunkt 20: Bericht betreffend Österreichische Kulturforen, Follow-up-Überprüfung, III‑4 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.8 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 21: Bericht betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber, III-5 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig so zur Kenntnis genommen. Abstimmung über TOP 8 und 9, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 20:57

Bericht des Rechnungshofes betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber – Reihe BUND 2021/36

197 d.B. · Regierungsvorlage III-5 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes zur Spanischen Hofreitschule und zum Lipizzanergestüt Piber (Reihe BUND 2021/36) zur Kenntnis. Damit wird der Ausschussantrag auf Kenntnisnahme des Rechnungshofberichts angenommen.

Betroffen sind die Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber sowie der zuständige Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus.

Dokumente

Bericht des Rechnungshofes betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber – Reihe BUND 2021/36

Gegenstand und Rechtsgrundlage

  • Behandelt wird ein Bericht des Rechnungshofes zur „Spanischen Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber“ (Reihe BUND 2021/36).
  • Der Bericht erging gemäß Art. 126d Abs. 1 zweiter Satz B-VG und betrifft Wahrnehmungen aus einer Gebarungsüberprüfung im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus.

Parlamentarische Behandlung und Fortführung

  • Der Rechnungshofbericht war bereits in der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode als Beilage (III-455 d.B., XXVII. GP) Verhandlungsgegenstand, wurde dort jedoch nicht erledigt.
  • Auf Grundlage von Art. 28 Abs. 4 B-VG iVm § 21 Abs. 1a GOG werden nicht erledigte Rechnungshofberichte der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode im nächst gewählten Nationalrat und in dessen Ausschüssen weiterverhandelt.
  • Der Bericht wurde in der XXVIII. Gesetzgebungsperiode neuerlich dem Rechnungshofausschuss zugewiesen und dort zunächst zur Fristwahrung in Verhandlung genommen; die Beratungen wurden vertagt und später fortgesetzt.

Ergebnis der Ausschussberatungen

  • Der Rechnungshofausschuss empfiehlt dem Nationalrat, den Bericht des Rechnungshofes betreffend „Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber“ (Reihe BUND 2021/36) zur Kenntnis zu nehmen.

Bericht des Rechnungshofes betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber – Reihe BUND 2021/36

~32 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Wir debattieren hier mehrere Rechnungshofberichte und drei davon behandeln den Bildungsbereich. Ich möchte mich bei Ihnen, Frau Präsidentin, sehr herzlich bedanken, dass Sie die Prüfungen und diesen Bericht sehr unbeeindruckt, aber vor allem auch sehr schonungslos gestaltet haben. In einem dieser Berichte geht es um die Innovationsstiftung für Bildung – eine Stiftung, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurde, die auch kaum jemand kennt. Diese Stiftung wurde 2017 gegründet, um das allgemeine Bildungsniveau in Österreich anzuheben. Dotiert war diese Stiftung innerhalb von sechs Jahren mit 27 Millionen Euro. Was war das Ergebnis dieses Rechnungshofberichtes? – Es war in Wirklichkeit ein beispiellos vernichtendes Urteil, und es hat aufgezeigt, wie führungslos man im Bildungsministerium in den vergangenen Jahren agiert hat. Was schreibt der Rechnungshof? – Organisatorisch war diese Stiftung viel zu groß aufgestellt. Es gibt fünf Substiftungen, zu denen der Rechnungshof im Übrigen sagt, dass das eine für österreichische Verhältnisse völlig unübliche Rechtskonstruktion ist. Der Stiftungsvorstand und der OeAD-Geschäftsführer, das war eine Personalunion – also eine Person. Der Rechnungshof weist auf hohe Fluktuationsraten bei den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle hin. Es fehlte vielfach die Expertise in der Umsetzung. Diese hat man dann wieder extern zugekauft. Es fehlten Vorgaben zum Finanzplan, zu Förderrichtlinien und definierte Prozessen – da war überhaupt kein internes Kontrollsystem gewährleistet, und auch das hat der Rechnungshof kritisiert. Vor allem waren es aber zwei Punkte: nämlich dass es keine langfristige Strategie gegeben hat, dass eine solche nicht erkennbar war, und zuletzt – und das ist nicht nur nicht schmeichelhaft, sondern ist wirklich ein vernichtendes Urteil für diese Stiftung – hat er die zentrale Empfehlung ausgegeben: „Eine gesamthafte Evaluierung der Innovationsstiftung für Bildung“. Das ist gleichbedeutend mit, landläufig: Ja, löst sie auf, schafft sie ab, oder liquidiert sie! Was immer ihr damit tut, überlegt euch: Vielleicht können bestehende Institutionen wie das Ministerium oder auch der OeAD da Aufgaben wahrnehmen. Man muss ja schon auch irgendwann erkennen: Wenn etwas seinen Zweck nicht erfüllt, ja, dann muss man sich davon auch trennen. (👏 FPÖ) Denn was hat es am Ende des Tages gebracht? – Was hat es den Schulen gebracht, was hat es den Lehrern gebracht, was hat es den Kindern, den Schülern gebracht, was hat es den Eltern gebracht? Verbesserung in den Grundkompetenzen? – Nein. Wurde der Lehrermangel in irgendeiner Art und Weise auch nur ansatzweise beseitigt? – Nein. Wurde der Leistungsgedanke in den Schulen irgendwie forciert? – Nein. Konfliktmanagement, das man vielleicht mit innovativen Ideen unterstützt hätte? – Nein. Bürokratie abgebaut? – Nein. Wirtschaftliche Ausbildung auch im Hinblick auf die Lehre, dass man da irgendwie innovativ gewesen wäre? – Nein. Innovativ wäre es zum Beispiel gewesen, wenn man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie man neue Ausbildungsmöglichkeiten schaffen kann, zum Beispiel Handwerksschulen, zum Beispiel Gewerbeschulen. Das alles ist nicht geschehen. Am Ende des Tages sage ich Ihnen: Diese Stiftung hat sich tatsächlich nur selbst verwaltet – und ich glaube, das ist nicht der Sinn und Zweck einer Stiftung. Der Herr Bundesminister für Bildung wäre aufgefordert, da entsprechend zu handeln. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Servus . – Bitte.

ÖVP Harald Servus

Danke, Frau Präsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Ja, sehr geehrte Damen und Herren, noch einmal Bildung. Bildung, Forschung und Innovation gehören zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren in einer modernen Volkswirtschaft und sie bestimmen maßgeblich Wohlstand, Lebensqualität, aber auch Wettbewerbsstärke und den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wurde auch 2017 – der Herr Kollege hat es gesagt – die Innovationsstiftung für Bildung gegründet, mit dem strategischen Ziel, die innovativen Kräfte in Österreich für die Weiterentwicklung im Bildungsbereich zu bündeln. Ich kann den Herrn Kollegen von der FPÖ beruhigen: Es steht im Regierungsprogramm, dass die Innovationsstiftung evaluiert und auch reformiert werden soll. Dafür wird unter anderem auch der Rechnungshofbericht beziehungsweise werden die Empfehlungen des Rechnungshofes eingearbeitet. Der Fokus soll wieder mehr auf Innovation und Wettbewerb gelegt und die Anforderungen sollen erhöht werden, geht es doch schließlich auch darum, „unbürokratisch und rasch“, so steht es im Regierungsprogramm, Bildungsinnovation ins Bildungssystem zu bringen. Erfolgversprechende Projekte sollen nicht direkt aus dem Ministerium, sondern quasi als kleine Schnellboote rasch und ohne hierarchische Hindernisse umgesetzt und realisiert werden. Einige Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes – danke an dieser Stelle auch Ihnen, Frau Rechnungshofpräsidentin –: Verbessert werden soll unter anderem der Abwicklungsaufwand, der aktuell bei durchschnittlich 15 Prozent der ausgezahlten Fördermittel liegt; das ist ein bisschen viel. Auch soll die auf 20 Mitglieder etwas aufgeblähte Organisationsstruktur von Stiftungsrat, Aufsichtsorgan und wissenschaftlichem Beirat reduziert werden. Weiter ausgebaut und forciert werden soll die Möglichkeit, Spender aus der Privatwirtschaft anzuwerben. Seit 2023 ist das ja mit der Spendenabsetzbarkeit für Bildung auch möglich – beschlossen hier von diesem Haus. Ich finde es gut, dass die Innovationsstiftung bereits mit einer Vielzahl von privaten Akteuren im Austausch steht. Wenn Mäzene, Spender und natürlich auch Großspender aus der Wirtschaft vermehrt in Erscheinung treten und die Innovationsstiftung mit ihrem privaten Kapital und privaten Engagement dabei unterstützen, dann ist das sicherlich von Vorteil. Es wäre schön, wenn auch andere dem Beispiel Mateschitz und Co folgen würden und ihr Geld in Richtung Bildung investieren würden. Sehr geehrte Damen und Herren, unser Ziel muss es weiterhin sein, das Bildungsniveau anzuheben, die tertiären Bildungsabschlüsse weiter zu steigern. Und auch bei der Zahl der Patentanträge oder Start-up-Gründungen gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche der Innovationsstiftung, dass sie diese Ziele weiter unterstützen kann und dabei viel Erfolg. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich werde mich kurz auf die Innovationsstiftung für Bildung beziehen. Was ist das Ziel dieser Stiftung? – Ziel ist es, die innovative Bildungspolitik voranzutreiben und wirklich in alle Altersstufen der Kinder zu bringen. Der Rechnungshof hat sich folgende Punkte angeschaut: Wie funktioniert die Organisationsstruktur? Wie werden die Aufgaben wahrgenommen? Entsprechen sie dem, was geplant war? Und wie hat sich die finanzielle Entwicklung in den Jahren 2017 bis 2023 gestaltet? Danke, Frau Rechnungshofpräsidentin, das ist einer von vielen sehr ausführlichen Berichten. Wir haben vorhin über den Wissenschaftsblock gesprochen, jetzt sind wir beim Bildungsblock angelangt, und das waren dank der sehr fundierten Berichte wirklich intensive Debatten. Was hat der Rechnungshof festgestellt? – Er hat festgestellt, dass es sehr hohe Ausgaben für externe, zugekaufte Leistungen gegeben hat. Man hat sich viel Expertise zugekauft, und da lohnt es sich wirklich, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Es haben konsolidierte Kostendarstellungen gefehlt – das sollte keinesfalls passieren –, und es hat auch da, wie im vorigen Block schon angesprochen, keine standardisierten Abläufe gegeben – dennoch fehlt ein wichtiges Kontrollinstrument –, und das Risikomanagement war sehr stark vernachlässigt, nicht systemisiert. Ein Punkt, der uns wirklich auch Auftrag sein sollte: Die Förderkriterien waren unklar. Es ist, glaube ich, in unser aller Interesse, Kriterien für Förderungen, die ausgeschüttet werden, wirklich sehr klar, nachvollziehbar und transparent zu gestalten, sodass dann jeder weiß, wohin das Geld geflossen ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Der Rechnungshof hat festgestellt: Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der gesamten Strukturen und der Wirkungsweisen. Ich habe vorhin schon gesagt, das Ziel dieser Innovationsstiftung ist es, innovative Bildungspolitik auf den Boden zu bringen und für alle Altersstufen zu gewährleisten, und ich habe den Herrn Bundesminister dann gefragt, ob man valide Daten hat, welche Altersgruppen am meisten von genau diesen innovativen Ansätzen profitiert haben. Die Sekundarstufe, hat er geantwortet, hat am stärksten nachgefragt. Aber natürlich waren wir uns auch im Ausschuss einig, und das wurde auch unisono bestätigt, dass die Elementarstufe besonders im Fokus sein sollte. Das sollten wir wirklich als gemeinsames Ziel haben, einfach um zu gewährleisten – das ist, glaube ich, für uns alle wichtig –, dass bereits die Jüngsten mit innovativer Politik in der Bildung arbeiten dürfen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Zuerst möchte auch ich mich bei Ihnen für die ausführlichen Berichte bedanken. Der Rechnungshof ist eine zentrale Institution in unserer liberalen Demokratie. Die Analysen und die Arbeit zur Verwendung öffentlicher Mittel, all unserer Steuergelder, sind von unschätzbarem Wert. In diesem Sinne möchte ich mich auch bei allen Prüferinnen und Prüfern sowie bei Ihnen persönlich bedanken. Die Berichte des Rechnungshofes – ich werde in der Folge über den Bericht zum Lehrpersonaleinsatz und über den Achtpunkteplan für eine digitale Schule sprechen – zeigen einmal mehr: Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass sich diese Regierung den Problemen stellt, denn genau das erwarten sich die Bürgerinnen und Bürger. Die Probleme sind massiv: Unser Bildungssystem, unsere Lehrer:innen und Schüler:innen leiden seit über einem Jahrzehnt unter dem Lehrpersonalmangel. Lange Zeit versuchte man, das Problem mit punktuellen Eingriffen zu beheben – ohne Erfolg. Kein Wunder, denn sowohl bei der Beurteilung des tatsächlichen Lehrer:innenbedarfs und in der Folge auch bei den gesetzten Maßnahmen zur Deckung verfehlte man klar das selbst gesteckte Ziel. Die schließlich im Jahre 2022 anlaufende umfassende Initiative Klasse Job zur Behebung des Lehrermangels war im Kern eine gute Idee, aber auch da haperte es an der Umsetzung. Ähnliches hat der Rechnungshof bei der Überprüfung des Achtpunkteplans für eine digitale Schule festgestellt. Mehrfach schienen in der Vergangenheit Umsetzungsstände von Teilprojekten nicht bekannt zu sein, existierten Daten zur Erhebung von Projektfortschritten nicht, und das Ministerium wich von Vergabestandards ab. Letztlich waren die Ziele des Projekts nicht ausreichend genau abgesteckt, sodass sich ein Erfolg oder Misserfolg auch nur schwer einschätzen ließ. Glauben Sie mir, als ehemalige Volksschullehrerin kenne ich einige Probleme unseres Bildungssystems nur zu gut, und sie sind auch der Grund dafür, dass ich heute hier vor Ihnen und nicht mehr vor einer Klasse stehe. Daher beklage ich die ausführliche Kritik und die Verbesserungsvorschläge des Rechnungshofes auch nicht, sondern begrüße sie besonders. Unsere Regierung hat große Probleme geerbt, budgetär und bildungspolitisch. Umso wichtiger ist es, dass wir Teil dieser Regierung sind, weil wir mit uns in der Regierung die Finanzierung des Bildungsbereichs auch in den Zeiten des größten Spardrucks sicherstellen, weil nur mit uns sich bereits heute erste Verbesserungen beim Lehrpersonal einstellen und nur mit uns es mit der stiefmütterlichen Behandlung der Bildung in diesem Land vorbei ist, die doch Kern von so vielen Aspekten unserer Gesellschaft ist. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Präsidentin Margit Kraker zu Wort gemeldet. – Bitte.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, in diesem Block stehen mehrere Berichte aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung. Wir haben das am 9. September im Rechnungshofausschuss besprochen. Der erste Punkt ist der Lehrpersonaleinsatz. Ich denke, der Rechnungshof gibt da eine umfassende Übersicht über die Maßnahmen, die getroffen wurden, um dem Lehrpersonalbedarf in den Schulen Rechnung zu tragen beziehungsweise um einem allfälligen Lehrermangel entgegenzuwirken. Wir haben untersucht und eben festgestellt, dass das Bildungsministerium schon seit dem Jahr 2009 Lehrpersonalbedarfsprognosen erstellte, die auf einen Personalmangel ab dem Jahr 2018/2019 hinwiesen. Diesen Prognosen fehlten die notwendigen Steuerungselemente, bei denen man zum Beispiel auch die Angebotsseite mitbetrachtet hätte. Bis zum Jahr 2022 gab es keine umfangreichen und systematischen Maßnahmen, um diesem Mangel zu begegnen. Warum gab es dann dennoch nicht so viele offene Stellen? – Weil kompensiert wurde. Es wurde mit Mehrdienstleistungen, fachfremdem Unterricht, mit Sonderverträgen an Personen, die keine oder keine abgeschlossene Lehramtsausbildung vorweisen konnten, kompensiert. All diese Faktoren haben naturgemäß Auswirkungen auf den Unterricht und auf die Organisation in den Schulen. Das Projekt Klasse Job haben wir eigentlich positiv beurteilt, denn wir haben gesagt, das ist ein Projekt, das aus acht Teilprojekten bestand, um da systemisch entgegenzuwirken. Die Kosten dafür betrugen in zwei Jahren 2,6 Millionen Euro. Ein Teilprojekt war der Quereinstieg und dass eben Personen mit fachverwandtem Studium die Möglichkeit haben, als Lehrpersonen zu arbeiten, und da gab es eine Zertifizierungskommission. Diese Zertifizierungskommission verursachte in zwei Jahren Kosten und Auszahlungen von 604 000 Euro, und es gab in diesem Zeitraum ungefähr 5 000 Bewerberinnen und Bewerber. Die Hälfte wurde zertifiziert, und von den zertifizierten Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern unterrichtete weniger als ein Drittel tatsächlich.Es hätte die Möglichkeit gegeben, auch einen Selbstbehalt einzuheben, aber darauf hat man verzichtet. Ein weiterer Punkt ist – und da appelliere ich an die Verwaltungsstellen, an die Bildungsverwaltungsstellen –, dass die Dienstverträge rasch ausgestellt werden und dass man die Vordienstzeiten und das Besoldungsdienstalter rascher errechnet, denn die Lehrpersonen brauchen natürlich auch einen Nachweis für ihr Dienstverhältnis. Es gab dann Spannungsfelder bezüglich der Anstellungsvoraussetzungen zwischen der Zertifizierungskommission und der Bildungsdirektion, sodass sich ergab, dass man die rechtliche Qualität der Zertifikate klären muss und dass tatsächlich die Bildungsdirektionen über die Anstellung entscheiden. Die PädagogInnenbildung neu, sehr geehrte Damen und Herren, wurde im Jahr 2013 für die Sekundarstufe auf ein sechsjähriges Lehramtsstudium verlängert. Für die Primarstufe wurde die Ausbildungszeit von drei auf fünf Jahre erhöht. 2024 wurde sie dann wieder verkürzt, weil man gemerkt hat, dass da eine Lücke bei den Absolventinnen und Absolventen entsteht, und man hat dann auf drei plus zwei Jahre mit berufsbegleitendem Masterstudium umgestellt. Dieses berufsbegleitende Studium führt natürlich dazu, dass Studierende, Bachelorstudierende auch hohe Belastungen auf sich nehmen müssen, und erhöht auch den Teilzeitanteil an den Schulen dementsprechend. Zum Qualitätssicherungsrat haben wir auch einen Exkurs gemacht. Dieser hat die Aufgabe gehabt, die PädagogInnenbildung neu zu begleiten. Diese Aufgabe ist weitgehend erfüllt, die Kosten lagen bei 2,42 Millionen Euro. Studierende konnten einen Regelvertrag haben, wenn sie schon ein gewisses Niveau an Ausbildungsstunden hatten, sonst hatten sie einen Sondervertrag. 9 Prozent aller Lehrpersonen waren im Schuljahr 2023/24 mit Sondervertrag angestellt. Insbesondere gab es einen hohen Anteil im Bereich der Landeslehrpersonen – das sehen wir kritisch. Auch die Mittelschulen sind darüber hinaus sehr stark mit dem Thema fachfremder Unterricht konfrontiert, das haben wir natürlich auch kritisch gesehen. Der Teilzeitanteil an den Schulen liegt bei 39,5 Prozent. Ich habe es schon gesagt, das liegt neben der Tatsache, dass es überwiegend Frauen sind, natürlich auch daran, dass es berufsbegleitende Studien gibt. Wenn man eine hohe Teilzeitquote hat, erfordert das natürlich ein Management beim Personaleinsatz der Lehrpersonen. Wir haben daher verschiedene Empfehlungen in diese Richtung ausgesprochen, um im Bereich der Mehrdienstleistungen, im Bereich der berufsbegleitenden Studierenden nicht zu viele Belastungen zu haben. Und wir haben bei den Quereinsteiger:innen festgestellt, dass es auch da einen hohen Teilzeitanteil gab und dass sie auch schon im ersten Schuljahr fachfremd unterrichtet haben. Ich möchte zum Abschluss sagen: Für den Fall, dass wir einmal zu viele Lehrerinnen und Lehrer haben, weil wir jetzt sehr viele qualifizieren, wäre dies natürlich der ideale Zeitpunkt, auf ganztägige Schulen umzustellen – aber das ist eine Anmerkung meinerseits und steht in dem Sinn nicht im Bericht. (👏 SPÖ, NEOS) Zur Innovationsstiftung wurde schon viel gesagt. Auch da geht es uns um die Wirkung, um einen transparenten Mitteleinsatz, um eine kompetitive Förderausrichtung, sodass man einen Mehrwert erkennen kann. Wir wollen tatsächlich, dass es hier eine grundlegende Evaluierung gibt und dass der Bericht diesbezüglich auch ernst genommen wird. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 20.24 Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Der Rechnungshof zeigt es schwarz auf weiß: Der Lehrer- und Lehrerinnenmangel ist kein Zufall, sondern er ist seit 15 Jahren bekannt – seit 15 Jahren. Trotzdem wurde viel zu spät gehandelt, und den Preis zahlen jetzt die Kinder. In Tirol beispielsweise wird fast jede zweite Stunde in der Mittelschule fachfremd unterrichtet, das heißt, es gibt dann Mathematik ohne Mathematiklehrer und -lehrerinnen, Informatik ohne Informatiklehrer und -lehrerinnen – Letzteres beispielsweise in Tirol bis zu 90 Prozent. Das muss man sich einmal vorstellen. Lehrer und Lehrerinnen stemmen längst Unmenschliches: Mehrstunden, fachfremden Unterricht, kaum Unterstützung. Ich glaube, da muss man sich nicht wundern, dass ganz viele ausbrennen. Wir Grüne sagen klar: Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte und vor allem eine echte Entlastung, das heißt junge Lehrkräfte, Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen, und diese brauchen eine Begleitung, damit sie nicht von Anfang an wieder frustriert den Arbeitsplatz verlassen. Das heißt auch: Unterstützungspersonal, psychosoziale Unterstützung und Schulsozialarbeit. Apropos: Da sind wir bei einem Thema, einer Sache, die wir immer wieder angesprochen haben, und jedes Mal hieß es vonseiten der Regierungsparteien: Nein, nein, wir haben alles im Griff. – Die Realität schaut anders aus. Seit dem 17. Juni gibt es keinen einzigen freien Platz mehr im Programm Gesund aus der Krise. Das ist ein Programm – das einzige! –, das jungen Menschen eine Gratispsychotherapie ermöglicht, oftmals ein Rettungsanker, den Tausende Jugendliche dringend brauchen. Gerade jetzt, da die Zahl psychischer Erkrankungen steigt, da Wartezeiten bis ins Unermessliche gehen, wird ihnen diese Tür zugeschlagen – und das ist nichts anderes als ein Verrat an jungen Menschen, die dringend Hilfe bräuchten. (👏) Liebe Regierungsparteien – vor allem die SPÖ muss ich hier in die Pflicht nehmen, denn es ist ihr Ressort –: Das darf es bitte wirklich nicht geben! Jugendlichen mit einer Depression oder Angstzuständen zu erklären: Sorry, wir haben keinen Platz für euch!, liebe Kollegen und Kolleginnen, das darf es sicher nicht sein. Es wurde uns mehrfach versprochen, dass man das in den Griff bekommt, bisher wurde nichts getan. Wir hoffen ernsthaft, dass sich dieses Problem bald regeln lässt und dass die jungen Menschen nicht länger im Stich gelassen werden. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer .

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrte Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Zuhörer! Wenn wir heute über den Lehrpersonaleinsatz sprechen, dann geht es um weit mehr als um Tabellen, Deputate, Stundenpläne – es geht um unsere Kinder, um ihre Chancen, ihre Zukunft, um das, was sie einmal werden können. Das Lernen passiert im Jetzt, und zu sagen: Es wird alles besser!, hilft jetzt leider niemandem. Genau deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen. Österreich gibt in diesem Bereich im internationalen Vergleich sehr viel Geld aus, und trotzdem sind die Leistungen unserer Schüler oft nur Mittelmaß. Was läuft falsch im System? – Das System ist sehr unübersichtlich. Wir haben bei Lehrern eine Teilzeitquote von circa 40 Prozent. Fachfremder Unterricht ist fast schon die Regel, nicht mehr die Ausnahme, wie meine Vorrednerin gesagt hat; in Tirol liegt er bei ungefähr 50 Prozent. Es fallen Überstunden im Ausmaß von 7 100 Vollzeitstellen an. Richten Sie bitte der Frau Sozialminister und dem Herrn Wirtschaftsminister aus, da können sie den Unternehmern zeigen, wie es geht, die Arbeitszeit zu heben oder länger im Berufsleben zu bleiben, ohne mit dem Finger auf andere zu deuten! Kurz noch zum Achtpunkteplan: Die App Digitales Lernen hat sich von 3 Millionen auf 12 Millionen Euro verteuert, ohne nennenswerte Zugriffe. Kurz gesagt: Die Erfolgsgeschichte von Kaufhaus Österreich wurde fortgeschrieben, wieder wurden Millionen in den Sand gesetzt. Ganz nebenbei sind Aufträge in Millionenhöhe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergeben worden. Transparenz: Fehlanzeige, Kontrolle: leider nein. In allen drei Bereichen fehlt es an definierten, überprüfbaren Zielen und Indikatoren, um die Wirkung messen zu können. Nur Geld in ein System zu geben, ist zu wenig. Auf die Frage im Rechnungshofausschuss, wie der Herr Minister die Arbeit seines Vorgängers bewerten würde, meinte er nur: Er habe eine Basis, auf der man aufbauen könne. – Im Arbeitszeugnis würde stehen: Herr Polaschek hat sich immer redlich bemüht!, oder im Schulnotensystem: Herr Polaschek, setzen, Fünf! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Jakob Grüner gelangt nun zu Wort. – Bitte.

ÖVP Jakob Grüner

Frau Präsidentin! Geschätzte Präsidentin des Rechnungshofes! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute einen Bericht des Rechnungshofes zum Lehrermangel. Wir alle wissen, dass es da große Herausforderungen gibt. Wir haben es schon gehört. Eines ist klar: Bildung, Bildung, Bildung, Bildung und noch einmal Bildung, denn Bildung ist die Antwort auf alle unsere Probleme – sozial, wirtschaftlich, gesellschaftlich. War der Lehrermangel vor einigen Jahren vielleicht noch ein Zukunftsproblem, so steht er heute mitten in der Klasse, mitten im Raum – oder eben nicht. Es ist ja doch so – seien wir ehrlich –: Speziell im Bildungsbereich stehen wir uns regelmäßig selbst im Weg, indem wir dauernd alle ideologisch hineinbuttern, was nur geht, und Reformen verhindern beziehungsweise am Ende des Tages Mindestkompromisse herauskommen – speziell im Bildungsbereich! Im Bildungsministerium, manche nennen es auch K.-und-k.-Ministerium, ändert man keinen einzigen Beistrich, ohne jahrelang darüber zu diskutieren. Wir wissen, Lehrer wachsen nicht auf Bäumen, aber wir pflanzen uns regelmäßig gegenseitig. Wir sollten vielleicht weniger über Fridays for Future – eine wichtige Initiative – und mehr darüber diskutieren, wie wir unsere Lehrer von Montag bis Freitag in die Schulklassen bekommen. Hohes Haus! Der Bericht des Rechnungshofes streicht ein Problem deutlich heraus, und das möchte ich herausgreifen: Sehr viele starten in die Ausbildung und gehen dann nicht in den Beruf. Das ist ein Phänomen, das wir branchenweit in ganz Österreich erkennen, das ist ein großes Problem und sollte uns alle beunruhigen, denn unser Staat kann nur funktionieren, wenn jeder seinen Arbeitsbeitrag leistet. Wenn manche nicht mehr arbeiten wollen, dann haben wir vermutlich ein anderes Problem, ein gesellschaftliches Problem, vielleicht ein kulturelles Problem, aber nicht immer ein wirtschaftliches Problem, denn auch im Bildungsbereich kommt das Geld nicht aus dem Bankomaten. Wir müssen dieses Wohlstandsproblem, das wir, glaube ich, ganz offensichtlich haben, also dringend gemeinsam in den Griff bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte positiv abschließen und mich ganz herzlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern im Land bedanken, die tagtäglich Großartiges leisten, für unsere Kinder da sind und sie auf das Leben vorbereiten. Ich bin selbst Vater zweier Kinder im Volksschulalter und habe am Montag beim Elternabend gesehen und gespürt, mit wie viel Liebe und Einsatz unsere Kinder das Rechnen, das Schreiben, das Lesen, soziale Fähigkeiten, Freundschaften, Emotion, Verantwortung, Zuversicht et cetera lernen. – Sie geben unseren Kindern damit viel auf den Weg. Sie geben ihnen die Welt und prägen junge Persönlichkeiten. Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Abschließend: Wir gemeinsam haben sehr viel aus dem Rechnungshofbericht gelernt. Vielleicht sollten wir uns vornehmen, diese Empfehlungen schnellstmöglich gemeinsam umzusetzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Wolfgang Moitzi zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrte Frau Präsidentinnen – es kommt ja nicht so oft vor, dass zwei Präsidentinnen im Raum sind! Ich kann die Frau Präsidentin des Rechnungshofes beruhigen. Sie hat gesagt, sie wünscht sich, dass der Rechnungshofbericht über den Lehrpersonaleinsatz ernst genommen wird. Ich glaube, wir als Parlament und auch die Bundesregierung nehmen diesen Bericht extrem ernst, denn der Rechnungshofbericht zeigt uns leider sehr deutlich auf, was schon seit vielen Jahren gewusst wurde und uns auch gedroht hat, nämlich ein Lehrpersonalmangel. Trotzdem haben die letzten beiden Regierungen lange zugeschaut und zu spät Maßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis – Barbara Neßler hat es ja angesprochen –, dass in Tirol zum Beispiel 46 Prozent der Fächer von fachfremdem Personal unterrichtet werden. In Oberösterreich sind es 35 Prozent. Allein im Jahr 2023 mussten Mehrdienstleistungen im Umfang von circa 7 000 Vollzeitäquivalenten geleistet werden und dadurch also rund 7 000 Vollzeitbeschäftigte kompensiert werden. Das ist weder fair gegenüber den Lehrkräften noch gegenüber unseren Kindern in den Klassenzimmern. Die zentrale Schlussfolgerung aus diesem Bericht ist klar: Wir dürfen nicht mehr in Notlösungen hineinstolpern, sondern müssen endlich den Lehrerinnen- und Lehrerberuf wieder attraktiver machen. Genau deshalb haben wir den Bericht ernst genommen und im Regierungsprogramm auch schon Maßnahmen festgeschrieben, nämlich mehr Ausbildungsplätze für Pädagoginnen und Pädagogen, Ausbau der Schulsozialarbeit zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen, Investitionen in die und eine Verkürzung der Pädagog:innenausbildung. Wir wollen auch ein mittleres Management zur Unterstützung von Lehrpersonal an den Schulen einsetzen, damit Probleme delegiert und die Lehrer:innen so unterstützt werden können. Damit machen wir mit der Attraktivierung des Lehrberufs Ernst, nicht nur mit Kampagnen, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und kürzeren Ausbildungswegen. (👏 ÖVP, SPÖ) Den notwendigen Quereinsteigern wollen wir den Quereinstieg erleichtern: Es wird größtmögliche und nachvollziehbare Anrechnungen von Vordienstzeiten aus der Privatwirtschaft geben, und wir begleiten sie dann besser im neuen Beruf, damit sie im Klassenzimmer nicht allein gelassen werden. Auch die Volksschulen wollen wir für den Quereinstieg öffnen. Die Zahlen bestätigen den eingeschlagenen Weg dieser Bundesregierung. Auf 6 500 freie Stellen haben sich in diesem Schuljahr 16 000 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das zeigt schon einen ersten guten Erfolg. Abschließend: Wir werden das sehr ernst nehmen, denn für uns als Sozialdemokratie und auch für diese Bundesregierung ist klar, unsere Kinder verdienen nicht den zweitbesten Unterricht, sondern die beste Bildung. Dafür tragen wir hier gemeinsam die Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren, die noch auf der Galerie und vor den Bildschirmen sind! Wir wechseln jetzt das Thema – die Rechnungshofberichte sind ja sehr umfangreich und sehr umfassend –, es geht jetzt um die Kultur. Der Rechnungshof wiederholt ja nicht das Offensichtliche, sondern macht das Verborgene und Notwendige sichtbar – und das sorgt für Transparenz. Die Berichte sind auch immer wieder unmittelbar dafür verantwortlich, dass Grundlagen für Reformen geschaffen werden. Nicht nur deswegen lesen wir NEOS sie so besonders gerne. Daher bedanken wir uns sehr herzlich beim Team des Rechnungshofes für diese Lektüre, die es uns etwas einfacher macht, Reformen anzugehen. (👏 NEOS) Der Auslandskultur attestiert der Rechnungshof, dass es da ein sehr dichtes Netz an Strukturen und Institutionen gibt. Dieses Netz ist ein Schatz, und es ist auch eine Chance. Uns ist natürlich sehr klar, dass Präsenz der Auslandskultur alleine nicht reicht. Wirkung entsteht auch in der Kultur erst, wenn die Verantwortungen ganz klar geregelt sind und Ziele konsequent verfolgt werden können. Die österreichische Auslandskultur ist das internationale Schaufenster der Kulturnation Österreich. Da entstehen Themenjahre, es gibt gezielte Förderschienen, Künstler:innen und Institutionen bekommen so Sichtbarkeit und die Möglichkeit, sich auch im Ausland zu präsentieren. Und sie ist vor allem auch eine Chance für Österreich, wahrgenommen zu werden. Das aktuelle Grundlagendokument der Auslandskultur markiert zwar wichtige Schwerpunkte, aber es braucht auf jeden Fall mehr. Das stellt auch der Rechnungshof fest. 2026 wird das Jahr, in dem die Auslandskultur auch strategisch neu aufgestellt wird – mit gebündelten Kräften, mit klarer Verantwortung im Außenministerium, abgestimmt mit allen Partnern, Ministerien wie Bundesländern, denn Auslandskultur ist Teil der Außenpolitik. Wer Österreich im Ausland begegnet, sieht nicht neun Bundesländer, sondern eine Kulturnation. (👏 NEOS) Unsere Kulturforen stärken den Standort Österreich. Sie sind die Softpower der Diplomatie sowie der Außenwirtschaft, und sie öffnen Türen. Vom Rechnungshof geprüft wurde allerdings auch die Spanische Hofreitschule – das ist schon so etwas wie ein Dauerbrenner im Rechnungshof –, sie ist ein Kultur- und Tourismusbetrieb, ressortiert allerdings im Landwirtschaftsministerium. Sie hat drei Standorte, drei Logiken, ist dennoch ein einziges Unternehmen, eine Institution mit internationaler Bedeutung, aber auch mit großen Herausforderungen. So lautet auch der Schluss des Rechnungshofes. Das zentrale Thema ist neben der anhaltenden Unruhe in und rund um die Spanische Hofreitschule die Finanzierung. Der Rechnungshof empfiehlt mehrjährige Vereinbarungen mit Kennzahlen, eine transparente Kostenrechnung und ein tragfähiges Unternehmenskonzept – nicht wirklich etwas Neues und das nicht zum ersten Mal. Ziel muss sein: Die Hofreitschule darf nicht zum Spielball werden und muss aus den Schlagzeilen kommen. Sie braucht Verlässlichkeit (👏 NEOS), denn nur dann kann sie zeigen, was sie ist: höchste klassische Reitkunst, lebendiges – im wahrsten Sinne des Wortes – Weltkulturerbe und eine österreichische Institution mit internationaler Strahlkraft. Sehr geehrte Damen und Herren! Die Rechnungshofberichte eröffnen Chancen in der Auslandskultur, aber auch für die Spanische Hofreitschule und für alle anderen geprüften Institutionen. Eine kleine Werbeeinschaltung am Ende: Die Umsetzung der Empfehlungen des Rechnungshofes hat noch niemandem geschadet. Sie hat Institutionen gestärkt, und sie hat Reformen eingeleitet. – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich glaube, ich muss jetzt die gute Stimmung der heutigen Debatte doch noch einmal stören. Ich schaffe es jetzt nicht, wie die Vorrednerin eine Rede über die Spanische Hofreitschule zu halten, ohne auf die aktuellen Ereignisse einzugehen. Wissen Sie, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, ich habe mich ja oft gefragt, wo eigentlich der Begriff des Intrigantenstadls herkommt. Wenn man sich die Artikel der letzten Wochen über die Spanische Hofreitschule anschaut, bekommt man eine Idee davon, denn die Berichte zeichnen meiner Meinung nach ganz klar das Bild einer verschwörerischen Hinterzimmeroperette. (👏) Unsere Spanische Hofreitschule ist mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist lebendiges Kulturgut, sie ist Welterbe und Sinnbild österreichischer Tradition – und genau dieses Kulturgut steht jetzt auf dem Spiel, und das ganz klar wegen völligen politischen Totalversagens, und dieses Versagen hat einen Namen: Das ist das ÖVP-Landwirtschaftsministerium. (👏) Die Spanische Hofreitschule – Sie haben es sicher alle gelesen – braucht einen neuen Geschäftsführer. In dem Zusammenhang kann man sagen: schon wieder, denn die Querelen gehen ja jetzt schon über Jahre – so lange nämlich, wie das ÖVP-Landwirtschaftsministerium auch für die Spanische Hofreitschule zuständig ist. Was aber neu ist, ist eigentlich, wie der jetzige Geschäftsführer auch gegangen worden ist, denn man kann schon sagen, er ist nach allen Regeln der Intrigenkunst – auf gut Wienerisch – geschasst worden. Wenn man sich zum Beispiel die Recherchen des Magazins „Profil“ anschaut, dann sieht man, dass da Entscheidungen getroffen worden sind, bevor Prüfungen überhaupt abgeschlossen worden sind – eigentlich haben sie erst angefangen. Das Ministerium hat eine Anzeige erstattet, obwohl im Nachhinein durch unabhängige Wirtschaftsprüfer herausgekommen ist, dass es keinen systematischen Machtmissbrauch über Spesenabrechnungen gegeben hat, und das alles ohne Einbindung des Aufsichtsrates. Ich sage Ihnen, auch uns liegen interne Akten vor, und da gibt es ein Schreiben des Aufsichtsrates, das relativ aktuell ist – es ist nur neun Tage alt –, und es ist an Minister Totschnig gerichtet. Da steht: Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme des Aufsichtsrates ignoriert der politisch zuständige Minister Totschnig diesen Aufsichtsrat. – Da frage ich mich, bitte, liebe ÖVP: Was ist los und was macht Ihr Minister eigentlich beruflich? Das alles geht doch überhaupt gar nicht! Wenn Sie mich fragen, wird der Aufsichtsrat da mit voller Absicht ignoriert. Das stinkt förmlich nach einer Intrige aus dem Handbuch des Bauernbundes, ganz, ganz klar. In meinen Augen ist das alles unverantwortlich! Sie setzen den Ruf einer 500 Jahre alten Institution aufs Spiel. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ein ÖVP-Minister das so zulassen konnte. Wir verlangen hier vollständige Aufklärung auch über die Rolle des Generalsekretärs aus diesem Landwirtschaftsministerium. Liebe Frau Präsidentin! Ich hoffe, gerade bei der Spanischen Hofreitschule gilt – wie so oft –: Nach der Rechnungshofprüfung ist vor der Rechnungshofprüfung. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manuel Litzke zu Wort. – Bitte.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frauen Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin, es ist eine Fülle von Berichten, die Sie uns sowohl im Ausschuss als auch hier vorgelegt haben, wo wir auch schon die Möglichkeit hatten, darüber zu diskutieren, auch so manches zu hinterfragen. Wie wir wissen, geht es ja nicht nur um diese nackte Analyse, die der Rechnungshof vorlegt, sondern es geht auch darum, Empfehlungen zu erhalten, Umsetzungsvorschläge zu bekommen. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben für alle geprüften Instanzen, diese ernst zu nehmen: nicht nur analysiert zu werden, sondern diese Empfehlungen auch anzunehmen. Lassen Sie auch mich auf den Achtpunkteplan für eine digitale Schule eingehen, aber denken wir ganz kurz an die Entstehung dieses Achtpunkteplans und daran, in welcher Kürze und in welch raschem Prozess dies dann eigentlich vonstattengegangen ist – was ja auch die Erwartungshaltung von uns allen war, was die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Eltern dahinter für das ganze Bildungssystem war. Denn Ausgangspunkt war im Jahr 2020, dass es um die schnelle Umsetzung von E-Learning, von Homeschooling gegangen ist, da eben auch in dieser Phase, in der nicht alle Schulen durchgehend geöffnet haben konnten, die Schüler bestmöglich betreut werden mussten. Das ist verständlich, dazu braucht es Endgeräte, dazu braucht es natürlich auch Software, dazu braucht es auch einen entsprechenden Bildungsplan, und umso rascher hatte diese Umsetzung auch zu erfolgen. Da ist es – und das haben Sie in Ihrem Bericht gut aufgearbeitet – natürlich passiert, dass manches, was hätte dokumentiert werden müssen, nicht in dieser Art und Weise geschehen ist. Ja, wir sehen das auch so: Das ist notwendig, und da muss sicherlich einiges nachgeholt werden, was die Zielbestimmungen angeht. Wir müssen wissen, wo Schüler am Anfang dieses Lernprozesses stehen, wo sie stehen sollen, wenn der Lernprozess abgeschlossen ist, aber das Gleiche gilt natürlich auch für das Lehrpersonal. Wir müssen schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, da ein konsequentes Vorgehen, was Bildungsziele betrifft, wirklich zu verankern und umzusetzen. Wie gesagt: Auch wenn das alles hat rasch gehen müssen, so ist es jetzt höchst an der Zeit, zu evaluieren: Wo stehen wir? Welche Ziele lassen sich daraus ableiten? Und auch was den finanziellen Background betrifft: Wie stellen wir in Zukunft sicher, dass Endgeräte auch wirklich effizient eingesetzt werden können und wir wissen, was genau mit diesen Geräten passiert, wie und wo sie eingesetzt werden? – Also wirklich vielen herzlichen Dank für diese Hinweise. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte noch einmal auf die Innovationsstiftung für Bildung zu sprechen kommen, weil sie aus meiner Sicht eine Einrichtung ist, die es angesichts der großen Herausforderungen, vor denen unser Bildungssystem steht, eigentlich unbedingt braucht. Wir brauchen zum Beispiel im Angesicht der Revolution durch die künstliche Intelligenz gerade jetzt Expert:innen, die darüber nachdenken, wie man als Lehrende, aber auch als Lernende damit umgeht, wie man sie nutzt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir brauchen Bildungsinnovation im Bereich des Spracherwerbs, und wir brauchen Bildungsinnovation für die Zukunft unserer Wirtschaft. In Zeiten des Sparens brauchen wir auch schlanke Verwaltungsstrukturen, die gewährleisten, dass möglichst viel Geld in die inhaltliche Arbeit und in die Projekte fließt. Der Rechnungshof hat jetzt im vorliegenden Bericht einige Kritikpunkte geäußert. Ich möchte sie jetzt nicht alle wiederholen, sie sind schon mehrfach erwähnt worden. Vielleicht kurz einige: Der Förderbegriff sei zu weit gefasst, die Stiftung sei zu groß dimensioniert, und es fehle auch an Transparenz. Und es gibt auch klare Empfehlungen durch den Rechnungshof. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Frau Präsidentin, und bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bedanken, weil Sie dazu beitragen, dass unsere Verwaltung, die Arbeit der Behörden und der vielen Einrichtungen und Unternehmen immer wieder verbessert werden kann. Ich glaube, Verbesserung ist auch bei der Innovationsstiftung angesagt. Der Herr Bundesminister hat ja bereits im Ausschuss angekündigt, dass eine umfassende Reform der Organisationsstruktur bevorsteht und der parlamentarische Prozess dafür auch bereits im kommenden Jahr starten soll. Ich bin froh, dass die Regierungsparteien die Berichte des Rechnungshofes ernst nehmen und dass sie dann auch rasch an einer Umsetzung der Empfehlungen arbeiten. So funktioniert das, so nimmt man auch die parlamentarischen Instrumente und die Berichte ernst, und das ist aus meiner Sicht ein gutes Zeichen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Herzog .

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Präsidentinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der Rechnungshofbericht zum Achtpunkteplan für eine digitale Schule war jetzt schon öfter Thema. Er hat ganz klare Kritikpunkte und auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, und das müssen wir sehr, sehr ernst nehmen. Wir müssen aus den Erfahrungen lernen, wenn wir zukünftige Digitalisierungsprojekte umsetzen. Und ich will betonen: Gerade im Bildungsbereich ist die Digitalisierung enorm wichtig, und da müssen wir auch investieren. Im Regierungsprogramm ist dafür eine umfassende Kompetenzoffensive vorgesehen, ganz im Sinne des Achtpunkteplans, und dazu gehört auch die volle Ausrollung der Geräteinitiative. Aber nicht nur das, es geht auch um neue Schritte bei der künstlichen Intelligenz, etwa KI-Pilotschulen, digitale Lernprojekte und – das finde ich besonders wichtig – KI-gestütztes individualisiertes Lernen. Ebenso wichtig ist die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung, denn Digitalisierung funktioniert nicht ohne die Pädagoginnen und Pädagogen. Sie brauchen die besten Werkzeuge und auch Unterstützung beim Umgang mit diesen modernen Medien. Wir müssen in Österreich entschlossen interaktive und digitale Lernprogramme entwickeln und flächendeckend einsetzen, denn Digitalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, das ist die Zukunft. Unsere Schulen haben die Verantwortung, die Kinder auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorzubereiten. Und diese Welt verändert sich rasant: Entwicklungen, die wir in Echtzeit vor unseren Augen erleben. Es geht um die Zukunft unseres Landes, und genau deshalb müssen wir die Digitalisierung auch weiter stärken. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen nun zu den Abstimmungen. RN/177.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Innovationsstiftung für Bildung, III-131 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/177.2 Tagesordnungspunkt 15: Antrag des Rechnungshofausschusses, den Bericht betreffend Lehrpersonaleinsatz, III-167 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.3 Tagesordnungspunkt 16: Bericht betreffend 8-Punkte-Plan für eine digitale Schule, III-52 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.4 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Bericht betreffend Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz, III‑1 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.5 Tagesordnungspunkt 18: Bericht betreffend Österreich Institut G.m.b.H., Follow-up-Überprüfung, III‑2 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.6 Tagesordnungspunkt 19: Bericht betreffend Korruptionspräventionssysteme in ausgewählten Bundesministerien, Follow-up-Überprüfung, III-3 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.7 Tagesordnungspunkt 20: Bericht betreffend Österreichische Kulturforen, Follow-up-Überprüfung, III‑4 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. – Auch das ist einstimmig zur Kenntnis genommen. RN/177.8 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 21: Bericht betreffend Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber, III-5 der Beilagen. Bitte um Kenntnisnahme. – Das ist einstimmig so zur Kenntnis genommen. Abstimmung über TOP 8 und 9, 41. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 20:57

Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2024

208 d.B. · Regierungsvorlage III-179 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat genehmigt den vom Rechnungshof vorgelegten Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2024 (III-179) gemäß Art. 42 Abs. 5 B-VG. Die Genehmigung erfolgt durch einen entsprechenden Gesetzesbeschluss.

Betroffen ist der Bundeshaushalt 2024 samt Abschlussrechnungen des Bundes und seiner Untergliederungen sowie die dazugehörige Rechnungslegung und Kontrolle durch den Rechnungshof.

Dokumente

Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2024

Gegenstand und Übermittlung

  • Der Rechnungshof übermittelte dem Nationalrat seinen Bericht über den Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2024.

Aufbau und Veröffentlichungsform des Bundesrechnungsabschlusses 2024

  • Der Bundesrechnungsabschluss 2024 besteht aus vier Textteilen sowie einem gedruckten Zahlenteil.
  • Der Zahlenteil wird zusätzlich vollständig online veröffentlicht; ebenso werden die Abschlüsse der einzelnen Untergliederungen online bereitgestellt.
  • Die Abschlussrechnungen der vom Bund verwalteten Rechtsträger werden ausschließlich online veröffentlicht.

Textteil Band 1: Bund – Inhalte und Gliederung

  • Band 1 enthält die Abschlussrechnungen auf Bundesebene (Vermögensrechnung, Ergebnisrechnung, Finanzierungsrechnung) sowie Voranschlagsvergleichsrechnungen für Finanzierungs- und Ergebnishaushalt.
  • Die Gliederung orientiert sich an IPSAS 1 („Darstellung der Rechnungsabschlüsse“).
  • Positionen der Abschlussrechnungen und Voranschlagsabweichungen werden erläutert.
  • Zusätzlich umfasst Band 1: Darstellung der Rücklagengebarung, der Mittelverwendungsüberschreitungen sowie der Entwicklung der Auszahlungsobergrenze für 2024.

Textteil Band 2: Untergliederungen – Segmentberichterstattung

  • Band 2 stellt die Abschlussrechnungen der Untergliederungen dar.
  • Für jede Untergliederung werden Aufgaben, zentrale Positionen der konsolidierten Abschlussrechnungen sowie wesentliche Voranschlagsabweichungen beschrieben.
  • Band 2 ist nur elektronisch verfügbar und integraler Bestandteil des Bundesrechnungsabschlusses.
  • Durch die elektronische Verfügbarkeit werden Informationen zu den Untergliederungen in unterschiedlichen Detaillierungsstufen bereitgestellt.
  • Ergänzend werden Erläuterungen zur Vermögensrechnung, zu Unterschieden zwischen Ergebnis- und Finanzierungsrechnung sowie die Darstellung der Erträge sämtlicher Untergliederungen angeboten.
  • Die interaktive Darstellung der Daten soll das Verständnis komplexer Sachverhalte und Informationen fördern.
  • Der Rechnungshof betont Beiträge zur Erreichung der SDGs (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen.
  • Mit der interaktiven Segmentberichterstattung soll Transparenz in zeitgemäßer Form gestärkt werden; zugleich wird durch den Verzicht auf eine gedruckte Version von Band 2 ein Beitrag zu reduziertem Ressourcenverbrauch geleistet.

Textteil Band 3: Schulden, Haftungen und Entwicklung der öffentlichen Finanzen

  • Band 3 enthält Darstellungen zu den Finanzschulden des Bundes, zu Bundeshaftungen sowie zu Eventualverbindlichkeiten und -forderungen.
  • Weitere Inhalte: Entwicklung der öffentlichen Finanzen nach ESVG 2010 (Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen).
  • Darstellung der gesamtstaatlichen Haushaltsplanung.
  • Behandlung der Einhaltung fiskalischer und wirtschaftspolitischer Vorgaben der Europäischen Union.
  • Darstellung mittelfristiger budgetpolitischer Herausforderungen.

Textteil Band 4: Prüfung gemäß § 9 RHG – Ordnungsmäßigkeits- und Belegprüfung 2024

  • Band 4 enthält den Bericht des Rechnungshofes zur Prüfung der Abschlussrechnungen.
  • Enthalten sind Prüfungsergebnisse zu analytischen und systematischen Prüfungshandlungen sowie zur Ordnungsmäßigkeits- und Belegprüfung.
  • Zusätzlich werden Ergebnisse von Schwerpunktprüfungen dargestellt: „finanzielle Beziehungen zwischen Bund und Beteiligungen des Bundes“ sowie „Schnittstelle Abgabeneinhebung“.

Gedruckter Zahlenteil und Online-Zahlenteil

  • Der gedruckte Zahlenteil umfasst wichtige Überblickstabellen zu den Voranschlagsvergleichsrechnungen und zum Budgetvollzug.
  • Enthalten sind außerdem die konsolidierten Abschlussrechnungen sowie auszugsweise Anhangsangaben gemäß Rechnungslegungsverordnung 2013 (RLV 2013).
  • Der vollständige Zahlenteil ist online abrufbar und umfasst Daten zu Bund, Untergliederungen und vom Bund verwalteten Rechtsträgern.
  • Der Rechnungshof stellt die Abschlussrechnungen auch elektronisch zur Verfügung.

Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2024

~55 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Arnold Schiefer

Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Herzlichen Dank an den Rechnungshof und die Mitarbeiter für den ausgezeichneten Bericht für das Jahr 2024! Insbesondere die grafische Aufarbeitung der Schuldenentwicklung, die die Tragödie dieser letzten fünf Jahre, dieser schwarz-grünen Regierung optimal visualisiert, ist auf eindringliche Art und Weise gelungen. Man könnte auch sagen, es ist nahezu die erste Stufe einer griechischen Tragödie. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Es ist eine traurige Bilanz, und dieses Ergebnis wird noch viele Menschen und Unternehmer in den nächsten Jahren in ihrer Entwicklung behindern. Deshalb, glaube ich, kann man neben der Kritik, die wir immer daran üben, auch eine gewisse Art von Sarkasmus, Galgenhumor für so eine Diskussion mitbringen. Ich glaube auch – wie im Ausschuss schon gesagt –, dass wir, wenn das mit dem Budget so weitergeht, wahrscheinlich alle eine Portion Antidepressiva brauchen werden. (👏 FPÖ) Es wurden 100 Milliarden Euro an neuen Schulden in nur fünf Jahren aufgebaut, trotz Nulldefizit 2019. Kollege Krainer wird sagen, die Vorarbeiten für das Nulldefizit habe die SPÖ geleistet und an den 100 Milliarden Euro seien auch wir schuld. – Geschenkt! Vom Hero zum Zero in fünf Jahren, müsste der Buchtitel diesbezüglich lauten; man kann auch sagen: vom europäischen Spitzenfeld zum europäischen Schlusslicht in fünf Jahren. Damit ganz Europa in den Genuss der extremen Kompetenz des damals zuständigen Bundeskanzlers und Finanzministers kommt, hat man beiden gleich ordentliche Jobs in Brüssel besorgt, was uns wiederum klarmacht, dass wir keinerlei Hilfe aus Brüssel zu erwarten haben, denn ich glaube kaum, dass die im Bereich Investitionen, die für uns notwendig wären, oder im Bereich Zuwanderung irgendetwas Positives für Österreich bewirken werden. (👏 FPÖ) Es tut mir leid, wenn ich Ihnen hinsichtlich Budget auch die Hoffnung nehmen muss, dass es irgendwelche Konjunkturwellen aus Deutschland geben wird, die uns positiv stimulieren. Die Autobahngesellschaft in Deutschland hat momentan alle Vergaben abgesagt, weil sie nicht in der Lage waren, die Budgetzuweisungen vom Bund tatsächlich auf den Boden zu bringen. Das heißt, wenn aus der Konjunkturecke, aus Deutschland etwas kommt, wird das in drei bis fünf Jahren vielleicht einzelne Betriebe in Österreich treffen. Zu guter Letzt das Thema Hoffnung auf Hilfe von ganz außen – in Hollywoodfilmen, in sogenannten Wildwestfilmen ist dann immer in letzter Sekunde die US-Kavallerie mit Trompetengetöse eingeritten –: Ich kann Ihnen versichern, dieses Mal brauchen wir nicht auf die US-Kavallerie zu warten. Das heißt, wir werden uns selbst helfen müssen. Dazu hat der Rechnungshof in seinem Bericht ja auch einige Empfehlungen abgegeben. Die Empfehlungen des Rechnungshofes decken sich über weite Strecken fast mit Allgemeinwissen und auch mit den FPÖ-Forderungen. Ich werde sie hier noch einmal wiederholen, damit Sie diese abarbeiten können; bei manchen sind Sie ja schon dran und haben zumindest Arbeitsgruppen gegründet. Die erste Empfehlung des Rechnungshofes ist, Reformen im Gesundheitssystem, in der Pflege und in der Bildung anzugehen. Die zweite Forderung des Rechnungshofes ist, leistbare Energie zur Verfügung zu stellen. Wir sehen das auch an der Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe; da ist noch nichts geschehen. Die dritte Forderung ist, die Förderlandschaft des Staates zu durchforsten und eine Strukturreform im Föderalismus zu machen. Ich ergänze noch: die Staatsausgaben auf Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Effizienz zu überprüfen; ich sage dazu: die Staatsquote zu senken. Ein lieber Gruß an die NEOS! Im Moment heißt es ja: mehr Staat und weniger privat; vielleicht könnt ihr euch da ein bisschen stärker in diese Proporzregierung einbringen, damit wir doch wieder in die andere Richtung marschieren. Das müsste ursprünglich auch ein Anliegen der ÖVP gewesen sein. Meine Empfehlung wäre, im Overheadbereich in der Beamtenschaft einfach radikal nicht nachzubesetzen; ich nehme ausdrücklich die operativen Bereiche – Sicherheit, Pflege et cetera – aus. Wenn man die Köpfe und die Planposten dort auf natürliche Art und Weise einspart – weil es einen Abgang gibt und man sie nicht nachbesetzt –, kommt gezwungenermaßen auch eine Aufgabenreform heraus, denn wenn man Dinge nicht machen kann, muss man sie weglassen. Das würde ich Ihnen empfehlen. Ich hoffe auch, dass die Standort- und Wirtschaftsstrategie nicht nur wieder eine teure Powerpoint-Präsentation wird, sondern dass da tatsächlich auch ein Fahrplan mit legistischen Maßnahmen drinnen steht, der Ihnen hilft, die Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu verbessern. Wenn das alles nicht hilft, wenn Sie auch die Strukturreformen nicht bald angehen – die echten Strukturreformen, nicht nur auf Einmaleffekte zu setzen, nicht nur das Geld über Dividenden et cetera für das 2025er-Ergebnis und auch für 2026/27 zusammenzukratzen – und die echten Kostensenkungsmaßnahmen nicht endlich angehen, dann bleibt mir abschließend nur noch ein Investitionstipp: Kaufen Sie sich Aktien von Pharmakonzernen, die Antidepressiva herstellen! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Hanger. Die eingemeldete Redezeit beträgt 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Andreas Hanger

Danke, Herr Präsident! Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Eine ganz kurze Replik auf Kollegen Schiefer: Herr Kollege Schiefer, es ist natürlich Ihr Recht als Oppositionspartei, zu kritisieren, aber wenn Sie Reformvorschläge einbringen, dann würde ich vorschlagen, irgendwann einmal den Konkretisierungsgrad zu erhöhen.

FPÖ Petschnig (Zwischenruf)

Du solltest die Anträge ...!

ÖVP Andreas Hanger

… Die Überschriften, die Sie uns immer vorbeten: ja eh; aber es wäre wirklich auch gut, ganz konkret vorzuschlagen, wenn es um Verwaltungsreformen geht, wenn es um Gesundheitsreformen geht, wenn es darum - - ( Ruf bei der FPÖ: Ist nicht unsere Aufgabe! Das ist die Aufgabe der Regierung! ) – Ja, aber wenn Sie sich als Oppositionspartei ernst nehmen wollen ( Ruf bei der FPÖ: Das ist schon eure Aufgabe! Das ist schon eure Aufgabe! ), wäre es schon gut, auch konkrete Vorschläge zu bringen, die wir dann diskutieren können; nur Überschriften sind ein bisschen wenig, finde ich immer. (👏 ÖVP, FPÖ) – Okay, ich nehme zur Kenntnis, das ist eine Selbstaufgabe der Opposition; sie sagt, Reformvorschläge müssen ausschließlich von Regierungsseite kommen. Ja, okay, ich nehme zur Kenntnis, dass ihr euch selber aufgebt.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... FPÖ!

ÖVP Andreas Hanger

… Ich schaue jetzt eh zur FPÖ, das muss ich dazusagen. Ich nehme das so zur Kenntnis, aber das sollten auch alle Zuhörerinnen und Zuhörer wissen. Einleitend, um jetzt positiv zu argumentieren, möchte ich insbesondere dem Rechnungshof für den sehr detaillierten Bericht über den Bundesrechnungsabschluss 2024 danken. Ich möchte auch unserem Budgetdienst danken, der das exzellent aufbereitet hat; und die Datengrundlage kommt natürlich aus dem Finanzministerium. Was will ich damit sagen? – Wenn sich jemand mit der Finanzlage der Republik auseinandersetzen will, dann kann man das sehr detailliert und sehr genau tun. All die Diskussionen, dass da zu wenig Transparenz herrsche, kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Wir machen Vergangenheitsbewältigung – ja, wir müssen auf Basis dieser Vergangenheitsbewältigung in die Zukunft agieren –, aber mir ist es wichtig, da noch ein paar Dinge einzuordnen, die immer wieder ein wenig vermischt werden. Zentral ist, und das ist immer wieder zu betonen: Die Grundlage für die Budgeterstellung 2024 war natürlich die Wirtschaftsprognose für 2024. Die passiert nicht irgendwie auf Regierungsseite, sondern es gibt unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitute, die eine Budgetprognose, eine Wachstumsprognose vorlegen. Die Basis für die Budgeterstellung war ein Wachstum von 1,2 Prozent. Was war leider die Realität? – Wir hatten ein Minuswachstum von 1,2 Prozent, das heißt ein Delta von 2,4 Prozent. Das hat zur Konsequenz, dass wir natürlich auch ein negatives BIP-Wachstum hatten. Ganz einfach erklärt: Wenn wir bei einer sehr hohen Abgabenquote 10 Milliarden Euro weniger Bruttoinlandsprodukt haben, bedeutet das natürlich, dass wir über alle Gebietskörperschaften hinweg 50 Prozent – in diesem Fall 5 Milliarden Euro – weniger Einnahmen haben. Das – und das möchte ich schon betonen – ist die zentrale Herausforderung, auch für die Zukunft. Wir müssen dringend wieder auf einen Wachstumspfad kommen, denn damit schaffen wir die Grundlage dafür, die Haushalte zu gesunden. Gestatten Sie mir aber doch auch, auf zwei positive Aspekte aus Sicht des Bundes hinzuweisen; wir werden noch über Maastricht reden, wo wir alle Gebietskörperschaften mit im Boot haben: die Länder, die Gemeinden und die Sozialversicherungsträger. Für mich bemerkenswert ist nämlich, dass wir, wenn wir uns den Vollzug auf Bundesebene anschauen, feststellen, dass das Ergebnis besser war als budgetiert. Wir haben 2 Milliarden Euro weniger Schulden aufgenommen als geplant. Das hilft uns in der Maastrichtbetrachtung natürlich wenig, weil das BIP-Wachstum nicht gegeben war. Ein anderer Aspekt ist mir bis jetzt immer noch ein bisschen zu kurz gekommen – für mich selbst als gelernten Betriebswirt ist ja nicht die Finanzierungsrechnung so relevant, sondern die Ergebnisrechnung –: Siehe da, in der Ergebnisrechnung waren wir sogar um 9 Milliarden Euro besser als budgetiert. Das heißt, ich gehe davon aus, dass diese 9 Milliarden Euro 2025 in den Vollzug kommen; das sind nämlich Erträge, die wir buchhalterisch 2024 sehen, die liquiditätsmäßig aber 2025 kommen. Ich möchte das jetzt nicht irgendwie schönreden, aber das ist ein bisschen ein Lichtblick, den wir sehen müssen. Ich komme zu einem Punkt, der mir ganz, ganz wichtig ist: Ja, wir haben gesamtstaatlich maastrichtmäßig 4,7 Prozent Defizit. Das ist zu hoch – wir haben ja auch ein Defizitverfahren der Europäischen Union – und es braucht da eine gemeinsame Kraftanstrengung. Da ist die Bundesebene gefordert. Wir haben natürlich mit dem Doppelbudget 2025/2026 schon deutliche Maßnahmen gesetzt. Man kann über jede einzelne Maßnahme diskutieren, aber ja, die Bundesebene hat da agiert; wir müssen natürlich sehr genau beobachten, wie sich das weiterentwickelt. Mein Appell und meine Aufforderung ist aber: Das Budget in Ordnung zu bringen, ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, und da sind insbesondere auch die Länder gefragt. Und jetzt schaue ich so in die Runde: Alle Parteien hier im Plenum tragen in den Ländern Verantwortung. Die SPÖ in zwei bis drei Bundesländern, sogar die Freiheitlichen mittlerweile. Das heißt, alle können sich – insbesondere auch die FPÖ – nicht davonstehlen, sondern sie müssen auch die Haushalte zum Beispiel in der Steiermark und darüber hinaus entsprechend konsolidieren. Das heißt, es ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Alle Parteien hier im österreichischen Parlament sind gefordert, sich hier konstruktiv einzubringen. Nur zu kritisieren, ist meiner Meinung nach zu wenig. Abschließend, vor allem auch für die Bundesebene: Es kommt immer wieder die Kritik, da wurde etwas verheimlicht oder nicht gesagt. – Ich betone einmal mehr, dass wir ins Parlament Monat für Monat genaueste Vollzugsberichte bekommen, ganz genaue. Der Bundesvollzug ist mehr als transparent. Die Frage ist natürlich: Wann melden die Länder ihre Defizite in das Maastrichtverfahren ein? Und ich sage auch ganz offen: Wenn wir das genaue Defizit der Länder und der Gemeinden und der Sozialversicherungsträger immer erst im März des Folgejahres kennen, ist das zu spät. Da würde ich mir einen engeren Informationsaustausch zwischen den Gebietskörperschaften wünschen. Es wird ja derzeit der Stabilitätspakt verhandelt, wo gemeinsam festgelegt wird, wie viel Defizit die Gebietskörperschaften in der Zukunft machen dürfen. Für diese Verhandlungen wünsche ich uns viel Erfolg, aber wir sind alle gefordert, einen Beitrag zu leisten. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächster Redner zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Linder. Die eingemeldete Redezeit beträgt 3 Minuten.

FPÖ Maximilian Linder

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen! Sehr geehrte Zuhörer:innen! Herr Abgeordneter Hanger, du kannst noch so salbungsvoll reden – es liegt ein katastrophaler Jahresrechnungsabschluss 2024 vor. Ein katastrophaler Rechnungsabschluss: 22,5 Milliarden Euro Maastrichtdefizit, 4,7 Prozent minus. Was noch schlimmer ist, ist der Ausblick bis 2028: 450 Milliarden Euro Schulden und 87 Prozent Anteil der Verschuldung am BIP. Man kann es noch so gut schönreden: Ja, vielleicht sind wir doch um ein paar Milliarden besser. Weißt du, was als Faktum übrig bleibt? – Dass unsere Wirtschaft krank ist, dass unsere Wirtschaft den Bach hinuntergeht. Die Pleitewelle rollt über das Land, besonders betroffen sind Gastronomie und dergleichen.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Hast einen Vorschlag auch?!

FPÖ Maximilian Linder

… Das wisst ihr alle gut genug: Die Arbeitsplätze gehen verloren, die Industrie wandert ab von uns – mit Tausenden Arbeitsplätzen. Wir erleben das jeden Tag. Und das Schlimme ist: Jetzt beginnen die Menschen, es zu spüren. Die Teuerung schaffen sie nicht mehr, die Pensionisten müssen von ihrem gesetzlichen Anspruch auf Inflationsausgleich Abstriche hinnehmen, und du stellst dich heraus und versuchst, das noch schönzureden.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Hast du einen Vorschlag auch?!

FPÖ Maximilian Linder

… Die Präsidentin des Rechnungshofes hat sehr wohl gesagt: Gesamtstaatlich denken und das Datenmaterial verbessern! Und auch da gibt es eine ganz klare Aussage. Die ÖVP sitzt seit 40 Jahren in der Regierung. Ihr hättet das schon längst tun können! Jetzt, wo alles drunter und drüber geht, sagt ihr: Ma, das ist viel zu spät, wann wir die Daten kriegen! – Nein. 40 Jahre seid ihr in Verantwortung in den wirtschaftlichen und in den finanziellen Bereichen, und heute fangt ihr an zu jammern, dass es nicht geht. – Nein! Es mag sein, dass die Daten durchaus spät kommen. Aber das große Problem an diesem ganzen Dilemma, in dem wir sitzen, ist diese Bundesregierung, die in der Vergangenheit gearbeitet hat, und wir werden es an Beispielen sehen, dass wir auch in der Zukunft auf genau dasselbe wieder zusteuern. Wir sind – das ist schon erwähnt worden – von Bundesminister Brunner damals angelogen worden, was das Budget betroffen hat, als er noch gesagt hat: Alles in Ordnung! Kollege Kaniak hat ihn darauf noch im Ausschuss angeredet: Überhaupt kein Problem, tuts nicht schlechtreden! – Drei Tage nach der Wahl ist das Dilemma offenkundig geworden. Bundeskanzler Nehammer hat groß verkündet: 500 Millionen Euro kriegen wir von der EU zur Katastrophenbewältigung! – Heute wissen wir, 42 Millionen Euro werden wir vielleicht kriegen, 10 Millionen Euro sind erst geflossen. Dann kam die große Erleichterung: Kein Weiter-wie-bisher! Wir werden jetzt alles anders und besser machen! – ( Ruf bei der ÖVP: Ja ihr nicht! ) Das war eure Aussage. Dann kam das EU-Defizitverfahren, dann hat die Bundesregierung gesagt: Keine Auswirkung auf das Rating, die Ratingagenturen werden uns weiterhin positiv bewerten! Ihr braucht keine Angst zu haben, es wird gar nichts passieren! Der Finanzminister hat das gesagt, fast glücklich war er, dass ein Defizitverfahren kommt.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Ein konkretes ...!

FPÖ Maximilian Linder

… Jetzt hat die erste Ratingagentur Österreich den Ausblick auf negativ gestellt. Es wird keine erhöhte Zinsbelastung geben, hat es geheißen – und wir wissen alle schon, dass auch die Zinsen für uns steigen werden, dass die Republik Österreich höhere Zinsen zahlen wird. Meine Damen und Herren, das Budget 2025/2026 wurde nicht mit dem Zusatz beschlossen, dass die Renten gekürzt werden müssen oder dass bei den Beamten die Erhöhungen nicht so ausfallen, wie sie vereinbart waren. – Und plötzlich muss man das tun, plötzlich muss man den Pensionisten Geld nehmen, plötzlich muss man den Beamten Geld nehmen. Und Bundeskanzler Stocker sagt schon: Wir wissen es nicht, es kann schon sein, dass wir ein weiteres Sparpaket brauchen! – Das sind für mich Anzeichen, dass das Budget 2025 wieder nicht halten wird. Ich bin der Meinung und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass uns wieder nicht die Wahrheit gesagt wird. ( Ruf bei der ÖVP: Aber geh! ) Liebe Österreicherinnen, liebe Österreicher, wahrscheinlich werden wir in ein paar Monaten wieder vor der Situation stehen, dass ein großes schwarzes Loch klafft und niemand weiß, wie das zu finanzieren ist. Von dieser vollmundigen Aussage: Kein Weiter-wie-bisher!, ist leider nur mehr eines übrig geblieben, und das ist viel schlimmer: Weiterwurschteln zum Schaden der Republik Österreich, der österreichischen Bürger. Vor allem dient das nur dazu, um diesen drei Parteien den Machterhalt zu sichern, und nicht dazu, das Land zu sanieren.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Krainer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Bundesrechnungsabschluss liegt vor, das ist quasi die Bilanz der Republik. Da sieht man den Zustand, den wir Ende 2024 hatten. Zunächst ein Dankeschön an die Frau Präsidentin des Rechnungshofes und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier immer sehr zeitgerecht und sehr transparent einfach die Zahlen auf den Tisch legen, und das sehr nüchtern. Und die Bilanz kann man sich nüchtern anschauen. Da gibt es viele Sachen, die alles andere als gut sind. 2024 war das zweite Jahr der Rezession, die längste seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Inflation in Österreich war in den letzten Jahren die höchste – mit den vergleichbaren Staaten. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, das Defizit ist auf unglaubliche 4,7 Prozent gestiegen. Es gibt auch positive Seiten, die muss man halt auch sehen: Wir haben eine sehr starke, sehr gute Industrie. Wir haben tolle Betriebe, wir haben tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die haben wir in Österreich. Nicht, dass es da keine Probleme gibt, aber die jetzt krankzujammern - - …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Gibt es aber auch Kennzahlen zur Industrie! Geht auch runter!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Sie können gerne die Industrie und die Firmen in Österreich krankjammern, das werde ich nicht tun. Wir haben eine sehr innovative Wirtschaft, wir haben eine sehr hohe Investitionsquote, vor allem, was die öffentlichen Investitionen betrifft. Die ist nach wie vor hoch und die bleibt auch hoch. Es ist ganz, ganz wichtig, dass wir nicht jene Fehler machen, die zum Beispiel Deutschland gemacht hat, die aufgehört haben, in die öffentliche Infrastruktur zu investieren. Man sieht das auch, wenn man in Deutschland ist, dass dort ein wahnsinniger Aufholbedarf ist. – Es ist nicht alles schlecht. Das darf man nicht vergessen. Einen Punkt muss ich ansprechen, denn das ist man als Budgetpolitiker dem Hohen Haus schuldig, nämlich auch zu sagen: Wie kam es zu dieser Farce mit dem Defizit? Das war von Anfang an einfach eine Farce. Der Budgetprozess ist so, dass immer im August die Länder und Gemeinden und die Sozialversicherungsträger einmelden, wie hoch ihr Defizit circa sein wird. Im August 2023 haben die Länder und Gemeinden für 2024 gesagt: Unser Defizit wird circa 1,1 Prozent minus sein, im Verhältnis zum BIP.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Der Herr Kaiser hat das mit null angesetzt!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Die Bundesregierung hat dann hier dem Hohen Haus vorgestellt: Die machen bloß 0,1. – Und das ist bis heute nicht erklärbar, dieser Zaubertrick, aus minus 1,1 plus 0,1 zu machen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ist das ein Zaubertrick oder gelogen?

SPÖ Kai Jan Krainer

… Dafür gibt es keine Grundlage und keine Rechtfertigung. (👏 FPÖ) Und das noch dazu, nachdem die Länder im Jahr davor minus 0,55 gemacht haben. Das darf man ja nicht vergessen. Das wurde dann einfach verheimlicht, und in Wahrheit wurde das Parlament getäuscht und wurde die Öffentlichkeit getäuscht.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

„Getäuscht“!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Und wir müssen alle, alle hier, nachdenken, wie wir verhindern, dass so etwas überhaupt passieren kann. Ich muss hier ehrlicherweise sagen, dass alle drei Regierungsparteien gesagt haben: Wir machen das nicht. Auch Staatssekretärin Eibinger-Miedl hat ja sehr wohl betont, gerade im Ausschuss hat sie eigentlich fast wortwörtlich dasselbe wie Finanzminister Marterbauer gesagt – und das ist auch das, was die NEOS sagen –: dass diese Regierung angetreten ist, um mit Fakten und mit Transparenz zu arbeiten, einfach basierend auf wissenschaftlichen Fakten und in einer transparenten Art und Weise vorzugehen. Das ist auch wirklich notwendig. (👏 SPÖ, NEOS) Wir müssen uns nicht einig sein über die Vergangenheit, über alles in der Vergangenheit – nein, müssen wir nicht –, aber wir müssen uns darüber einig sein, wo wir hinwollen. Dort, wo wir jetzt stehen, ist, dass wir als Österreich in vielen Bereichen gut dastehen, aber in einigen Bereichen sehr schlecht. Wir sind beim Wirtschaftswachstum bei den schlechtesten, und wir wollen bei den besten fünf Ländern sein, nicht bei den schlechtesten fünf. Wir wollen, was die Defizitentwicklung betrifft, nicht bei den schlechtesten fünf Ländern sein, sondern bei den besten fünf Ländern. Wir wollen, was die Inflation betrifft, nicht bei den schlechtesten, sondern wir wollen bei den besten fünf Ländern sein. Das ist nichts, was wir auf Knopfdruck hinkriegen werden. Das wird nicht morgen oder in zwei Monaten der Fall sein, sondern das ist eine knallharte Arbeit, und es wird ein, zwei Jahre dauern, bis man das überhaupt merkt, und in Wahrheit werden wir dann erst in drei oder vier Jahren die Früchte ernten können. Wir alle werden sehr, sehr viel arbeiten müssen, um dort hinzukommen, und das werden wir nicht gegeneinander schaffen, sondern nur miteinander. Ich weiß, dass hier drei Parteien, auch wenn sie sehr unterschiedliche Zugänge haben, daran arbeiten, dass wir diese Ziele erreichen. Es sind eigentlich alle fünf Parteien eingeladen und gefordert, das zu machen. Ein Punkt stimmt: Es geht hier um eine gesamtstaatliche Sicht – das ist nicht nur die Bundesebene, sondern es geht auch wirklich um jede Stadt, um jede Gemeinde und um jedes Bundesland –, dass wir gemeinsam daran arbeiten, dass wir statt dieser Bilanz, die wir jetzt sehen und die stimmt, in fünf Jahren eine tolle Bilanz haben, auf die wir alle gemeinsam stolz sein können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Petschnig. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön.

FPÖ Alexander Petschnig

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Beim Bundesrechnungsabschluss 2024, wie er im Budgetausschuss schon präsentiert worden ist, hat irgendwie eine künstlich gelockerte Stimmung Platz gegriffen. Kollege Hanger jubelt ja bis heute. Ich verstehe schon: 4,7 Prozent Defizit schönreden zu müssen, ist eine sehr undankbare Aufgabe. Nur um das einmal auch klar auszusprechen: Wir schreiben 2024 ein Defizit von 19,1 Milliarden Euro. Das ist eine kontinuierliche Entwicklung durch die ganze letzte Legislaturperiode gewesen. Die Finanzschulden des Bundes stiegen in dieser schwarz-grünen Periode um 90,5 Milliarden Euro. Das heißt, ungefähr jeder dritte Euro Schulden ist von dieser Regierung gemacht worden. Das heißt, dieser Blick zurück, den der Bundesrechnungsabschluss uns gibt, ist schon trüb genug, genauso aber der Ausblick in die Zukunft: wirtschaftliche Stagnation, hohe Inflation – es wurde ja bereits darüber gesprochen –, kein Wunder übrigens bei der Steuer-, Beitrags- und Gebührenerhöhungsorgie, über die wir uns ohnehin schon ausgetauscht haben. Wenn man sich dann auch noch überlegt, dass der Bundesminister für Finanzen immer sagt, diese Konsolidierung wäre front-loaded – das heißt, die echten Wirkungen kommen eher am Anfang dieser Konsolidierungsphase –, dann muss man ganz ehrlich sagen: Wir sind im Budgetvollzug heuer um 300 Millionen Euro schlechter als voriges Jahr, das heißt, wir setzen sogar noch eins drauf, und das ist natürlich ein sehr, sehr betrüblicher Ausblick auf die kommenden Jahre. Weil auch immer wieder gefragt wird: Wo sind die konkreten Vorschläge?, weise ich darauf hin: Es gibt mehrere. Es gibt etliche konkrete Vorschläge, zum Beispiel jene des Rechnungshofes, die sehr transparent am Tisch liegen: Reformen in finanzierungsintensiven Bereichen, Sicherung preiswerter Energieversorgung – Sie wissen, das ist das mit dem Industriestandort, wo wir seit Monaten auf die Strategie warten –, Durchforstung des Förderwesens – wir haben Ihnen entsprechende Anträge vorgelegt –, wo Milliarden zu heben wären. Sie schaffen es zwar, die Opposition schräg anzuquatschen, aber nicht, eine einzige echte Reformmaßnahme, die vom Rechnungshof vorgeschlagen oder auch von unserer Seite als Antrag eingebracht wurde, umzusetzen. (👏 FPÖ) Man muss daher kein großer Prophet sein, um zu sagen, dass Folgendes passieren wird: Das Wachstum wird wieder sinken, die Inflation wird hoch bleiben, das Defizit wird weiter ansteigen, die Staatsverschuldung wird in Richtung 90 Prozent marschieren und die Ratingagenturen werden früher oder später echte Konsequenzen ziehen, nicht nur den Ausblick senken. Und die Zinskosten, die bereits in dieser Periode mit einer Verdoppelung, von 5,5 auf 11 Milliarden Euro, veranschlagt worden sind, werden sich natürlich noch weiter erhöhen. In dem Sinne würde ich auf das, was vorhin Kollege Hofer und jetzt auch Kollege Krainer gesagt haben, dass dieses Land am Ende der Legislaturperiode wirtschaftlich stärker aus ihr herausgehen wird, als es in sie hineingegangen ist, also auf diese Voodooökonomie – um Sie zu zitieren, Herr Kollege –, nicht allzu viel wetten. Das wird es so nicht spielen. Im Übrigen, mediale Meldungen wie zum Beispiel: „Budget-Hammer – wir schulden [...] 12 Milliarden“ Euro aus dem Corona-Wiederaufbaufonds, „Genaue Pläne würden laut Rechnungshof fehlen“, verbindliche Tilgungspläne würden uns laut Rechnungshof fehlen, tragen auch nicht unbedingt zur Vertrauensbildung bei. Daher liegt ein bekanntes Wirtschaftsmagazin mit seinem Titel „Österreich droht ein verlorenes Jahrzehnt“ richtig. Jene Parteien, die in diesem Jahrzehnt regiert haben, tragen Schuld daran, und sie brauchen sich nicht zu wundern, wenn sich die Wähler bei den Wahlen dafür bedanken werden. (👏 SPÖ, FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Doppelbauer. Die eingemeldete Redezeit wird mit 5 Minuten eingestellt.

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Auch ich möchte damit beginnen, dass ich mich zuerst einmal beim Rechnungshof für die Darlegung der Fakten bedanken möchte – wir haben das auch alle in einem guten Gespräch miteinander diskutieren können; das war sehr, sehr wertvoll, ist es auch immer – und im gleichen Atemzug natürlich auch beim Budgetdienst für die Zurverfügungstellung der Analysen, die wie immer sehr, sehr wertvoll sind. Ich möchte aber auch damit beginnen, uns alle daran zu erinnern, wo wir heute vor einem Jahr gestanden sind, nämlich ungefähr zur gleichen Zeit hier vor der Nationalratswahl, und wir NEOS haben eine Aktuelle Stunde zum Thema Budgetvollzug eingebracht. Damals hat es geheißen: Nein, nein, wir sind im Plan, es ist alles gut, so wie es ist. – Zwei Wochen nach der Nationalratswahl, und daran werden sich auch noch einige erinnern, kamen dann die ersten Meldungen: Na ja, das Budget wird doch nicht so halten, wie es ist, und wir werden die Maastrichtkriterien wahrscheinlich nicht erfüllen. – Sie wissen, wie es weitergegangen ist: Zum Jahresende hin hat man dann schon bei den Ländern und Gemeinden im Vollzug gesehen, dass auch das nicht halten wird. Das heißt, am Ende des Tages haben wir dann das gesehen, was jetzt im Bundesrechnungsabschluss auch verschriftlicht worden ist: dass die letzte Bundesregierung wirklich ein desaströses Budget hinterlassen hat – anders kann man es nicht sagen. Wir haben es gehört: Es gab ein gesamtstaatliches Defizit von 4,7 Prozent, eine Schuldenquote von 82 Prozent – 2019 waren es übrigens noch 71 Prozent. Also ja, da ist wirklich sehr, sehr viel schiefgegangen. Jetzt verstehe ich, wenn man sagt, es waren die Jahre 2023, 2024 getragen von einer schwächeren Wirtschaft, von einer hohen Inflation, aber die Wahlzuckerl, meine Damen und Herren – ich erinnere an den Sockelbetrag beim Klimabonus, der zum Beispiel im Wahljahr noch ausgeschüttet worden ist –, waren natürlich aus unserer Sicht auch unverantwortlich. (👏 NEOS) So, jetzt sprechen wir aber davon, was wir tun. Ja, da gibt es natürlich einiges, was schon auf den Weg gebracht worden ist. Ich erinnere an die Budgetsanierungsmaßnahmenpakete I und II. Ich erinnere an das Doppelbudget, das viele in diesem Raum offenbar auch schon wieder vergessen haben. Und ja, wir beginnen zu sparen – und das ist nicht lustig; es ist für eine neue Bundesregierung sicher nicht lustig, mit diesem Rucksack sozusagen loszustarten –, und wir werden es smart machen, und wir werden es verträglich für den Standort machen. Es gibt auch wenige gezielte Investitionen, die die Industrie zum Beispiel stärken sollen, die den Wirtschaftsstandort stärken sollen, und wir hoffen, dass da noch sehr, sehr viele Maßnahmen auf den Weg gebracht werden. Was ich aber schon ein wenig hinterfragen muss, und das geht jetzt natürlich auch in Richtung FPÖ, ist die Aussage, wir tun nichts im Energiebereich. Wir haben zwei riesige Gesetzespakete auf den Weg gebracht: Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz ist am Weg, das EABG ist in Begutachtung, und wir sind mit dem EAG natürlich auch schon an der nächsten Gesetzesmaterie dran. Das heißt, wenn Sie sich hierherstellen und sagen, es sei da nichts passiert, dann verkennen Sie durchaus die großen Schritte, die im Augenblick auch schon gemacht werden.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Es ist noch kein einziges im Parlament!

NEOS Karin Doppelbauer

… Wir haben uns weiters gemeinsam eine Reformagenda gegeben, und ich kann da an Jan Krainer anschließen, der sehr richtig gesagt hat: Wir gehen aus unterschiedlichen Richtungen an diese Reformagenda heran, aber was uns allen klar ist, ist, dass es so nicht weitergehen kann und dass wir die Schritte setzen müssen. Und wir haben die ersten Schritte gesetzt und ich möchte auch, dass das hier noch einmal aufgezählt wird: Wir haben eine Förder-Taskforce. Wir schauen uns bei den Förderungen ganz genau an: Wo ist es eventuell möglich, etwas zu streichen? …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Dienstwagen ...!

NEOS Karin Doppelbauer

… Wir sind im Pensionsbereich unterwegs – das sind die Empfehlungen des Rechnungshofes, die wir hier auf den Weg bringen, meine Damen und Herren –, und ja, wir sind auch im öffentlichen Dienst dran, dort die ersten Maßnahmen zu setzen. Das sind übrigens Dinge, die die FPÖ zwar jetzt fordert, aber in der Vergangenheit nie umgesetzt hat. (👏 NEOS) Ich möchte weiters betonen, dass es zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Reformpartnerschaft gibt, die durchaus schwierig ist – auch das, glaube ich, muss allen klar sein –, in der es aber echte Bestrebungen von Ländern und vom Bund gibt, hier auch erste Schritte zu setzen, und es wurde in den Bereichen Gesundheit und Pflege auch vom Rechnungshof empfohlen, hier hineinzugehen, und natürlich auch in die Bereiche Energie, Bildung, aber auch in die Verwaltung, denn das eine wissen wir auch: dass eine Aufgabenreform notwendig ist und auch der Finanzausgleich neu gedacht werden muss. Auch das steht in dieser Regierungsperiode an, auch das wird nicht einfach werden, aber wir brauchen im Gegensatz zur FPÖ keine Antidepressiva, wir gehen mit Zuversicht an diese Dinge heran. (👏 NEOS) Zum Thema Transparenz noch ein Punkt, und da möchte ich mich auch beim Herrn Finanzminister ausdrücklich bedanken: Es ging ja beim Transparenzthema, auch bei der Empfehlung des Rechnungshofes vor allem auch darum, dass die Länder und Gemeinden einfach zu spät eingemeldet haben. Und das, was Sie jetzt im Ministerium machen, auch mit Ihrer Unterstützung, Frau Staatssekretärin, nämlich den Stabipakt anzugehen und jetzt einmal auch das Statistikgesetz heranzuziehen, das finde ich übrigens auch eine sehr, sehr smarte Idee. Die hätte man auch schon früher haben können. Ich möchte mit guten Nachrichten enden: Die Menschen in diesem Land verstehen, dass wir sparen müssen, die wissen das, die ziehen auch mit – das hat man auch bei den Metallerabschlüssen gesehen. Deswegen glauben wir, dass da noch einiges geht. Also haben Sie ein bisschen Geduld und ein wenig Zuversicht, liebe FPÖ! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Kolm. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

FPÖ Barbara Kolm

Herr Präsident! Frau Präsident! Frau Staatssekretär! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren Zuseher! Der Bundesrechnungsabschluss des Rechnungshofes für 2024 ist ein Spiegelbild der wirtschafts- und finanzpolitischen Fehlentwicklungen der letzten Jahre, und es hat sich nichts gebessert. Wir würden gerne mit Zuversicht in die Zukunft schauen, aber die Daten zeigen anderes, und nicht nur deswegen, weil bei uns in Österreich fehlgewirtschaftet wird, sondern auch, weil die Gesamtlage einfach nicht so rosig ist, wie sie für uns sein sollte, damit wir auch positive Zahlen schreiben können. Letztes Jahr war Österreich mit einem realen BIP-Rückgang von minus 1,2 Prozent das Schlusslicht in der Europäischen Union. Arbeitslosenquote: 7 Prozent; Inflation: 2,9 Prozent, klar über dem EZB-Ziel – hausgemacht bitte, andere Länder haben das nicht. Die Staatsverschuldung des Bundes erreichte mit rund 300 Milliarden Euro einen neuen Höchststand; das entspricht 62,1 Prozent des BIPs. Die Inflation ist 2025 auf 4,1 Prozent gestiegen, wenn wir die neuen Zahlen anschauen – die Kollegen haben sie ja bereits genannt. Ich möchte nur noch die Staatsverschuldung mit rund 415 Milliarden Euro herausgreifen: Rekordwert; das sind 85 Prozent des BIPs. Also die Rechnung stimmt nicht und es ist auch nicht besser geworden. Diese sogenannten Reformen, die Sie ansprechen, haben entweder noch nicht gegriffen beziehungsweise sind keine Reformen, denn: Damit Sie das Land wieder auf Vordermann bringen, müssen Sie strukturelle Reformen machen, müssen Sie angebotsorientierte Wirtschaftspolitik machen, anstatt einmal dort und einmal da ein bisschen an einer Stellschraube zu drehen. (👏 FPÖ) Der Rechnungshof hat dankenswerterweise sehr deutlich dargestellt, wo es fehlgelaufen ist und an welchen großen Stellschrauben gedreht werden müsste. Wir haben ja laufend Belastungsfaktoren; ich möchte nur einen noch herausgreifen. Es wurde unsere freiheitliche Kritik am EU-Zentralismus angeprangert. – Die ist aber bitte berechtigt. Schauen Sie sich einfach nur den österreichischen Aufbau- und Resilienzplan an: Was ist da schon wieder passiert? – Am letzten Freitag hat der Rechnungshof diesen Bericht veröffentlicht, mit einer eindrucksvollen Warnung: Für die sogenannten 4 Milliarden Euro – 3,98 sind es, glaube ich – an EU-Zuschüssen müssen wir in Österreich am Ende – auch das Finanzministerium hat es bereits 2020 gesagt – 12 Milliarden Euro hinlegen. Das ist wirklich ein gutes Geschäft, wie man so schön auf Österreichisch sagt: Der Steuerzahler zahlt für die 4 Milliarden Euro dann das Dreifache. Noch dazu ist diese nationale Kofinanzierung und Rückzahlung einfach - - Diese Mittel werden einfach viel zu spät abgeholt, das ist ein Milliardengrab für den Steuerzahler. Das Finanzministerium hat bis jetzt noch kein Konzept, um die zusätzlich aufgewendeten nationalen Mittel darzustellen, und es ist auch nicht nachvollziehbar, wie viel Geld aus diesem Budget noch in die Projekte fließt. Leider ist Herr Kollege Hanger jetzt nicht da, aber er kennt die Vorschläge der FPÖ aus den Verhandlungen ganz genau.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Überschriften!

FPÖ Barbara Kolm

… Entschuldigung, ich habe dich nicht gesehen. – Nein, das sind keine Überschriften, du weißt ganz genau, dass wir Dinge im Detail ausverhandelt haben, und ihr habt es einfach in die Schublade gesteckt. – Ich sage es gern noch einmal, dann können Sie es mitschreiben und vielleicht bei Ihrem Partner einfordern. (👏 FPÖ) Ich nehme mir gern jetzt die Zeit: Senkung der Lohnnebenkosten , damit ist natürlich auch die Abschaffung der Kammerzwangsmitgliedschaft gemeint …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Der Hanger versteht es nicht! – Beifall bei der FPÖ

FPÖ Barbara Kolm

… Entlastung bei der Körperschaftsteuer; radikale Entbürokratisierung. – Wir haben es ja heute erlebt, was Kollege Schellhorn heute wieder nicht gesagt hat. – Weiterer Punkt: Kapitalmarktinitiativen, damit sofort Investitionskapital bereitgestellt werden kann. – Ihr wisst ja nicht einmal, was Venture-Capital bedeutet. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Weiters: Stopp der Alimentierung der Asylindustrie, da kann man ordentlich einsparen; interessengeleitete Energiepolitik und nicht auf Zukunft gebaute; effiziente Verwaltung, die haben wir noch immer nicht. Also wir können da ordentlich etwas tun, wenn Sie nur wollten. Aber das ist natürlich nicht Ihre Klientel, denn Sie wollen einfach umverteilen, wollen Menschen mit noch höheren Steuerbelastungen aus dem Land treiben. Und das ist nicht das, was wir Freiheitliche wollen. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Schwarz. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Hanger [ÖVP]: Innovativer Vorschlag: effiziente Verwaltung!)

GRÜNE Jakob Schwarz

Danke schön, Herr Präsident! Frau Präsidentin! Sehr geehrte Staatssekretärin! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Budgetsanierung durch die Senkung von Lohnnebenkosten – das habe ich auch noch nie als Vorschlag gehört, aber es ist zumindest ein neuer Vorschlag. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Lohnnebenkostensenkungen das Budget vor allem etwas kosten. Aber vielleicht lernt man da etwas Neues dazu.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Kammerbeitrag! Nicht zugehört? Was kostet der Kammerbeitrag das Budget?

GRÜNE Jakob Schwarz

… Sie können sich danach noch zu Wort melden. Der Rechnungshof hat den Bundesrechnungsabschluss für 2024 vorgelegt. – Ich möchte mich hier ausdrücklich bei Präsidentin Kraker und ihren Mitarbeiter:innen im Rechnungshof bedanken. Es ist ein sehr gut gestaltetes, hilfreiches Dokument, das unter anderem eines der kontroversesten Themen der letzten Monate behandelt, nämlich wie das Budget 2024 in so eine Schieflage geraten konnte, dass wir jetzt einem Defizitverfahren der EU unterliegen. Da wird immer wieder so unterschwellig ein bisschen angedeutet, dass auch die Klimaförderungen daran schuld sein könnten. Das finde ich aus verschiedensten Gründen problematisch, darum werde ich kurz darauf eingehen. Die wirksamen Klimamaßnahmen – wenn man an Gebote, Verbote denkt – sind politisch nicht sehr populär, ebenso steuerliche Maßnahmen; die CO 2 -Steuer wird von der FPÖ immer als Strafsteuer bezeichnet. Und mittlerweile werden auch Förderungen, also positive Anreize, quasi diskreditiert.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was ist da ein positiver Anreiz? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Die Förderungen muss ja wer bezahlen, die bringt ja nicht der Weihnachtsmann!

GRÜNE Jakob Schwarz

… Also: Wie soll man noch wirksame Klimapolitik machen, wenn die Instrumente alle verteufelt werden? Dann bleibt halt nur mehr die Luftnummer übrig – und das ist halt auch die Klimapolitik der aktuellen Bundesregierung. Der Bundesrechnungsabschluss hält aber fest, dass trotz der massiven Erhöhungen der Klimaförderungen, die wir als Grüne in der Bundesregierung ja bewusst gemacht haben, damit wir die Emissionen endlich senken – und das ist auch gelungen –, die gesamten Klima- und Umweltförderungen immer noch nicht einmal ein Fünfundzwanzigstel des Budgets ausmachen. Das heißt, das kann maximal eine Nebenrolle in der Frage des übermäßigen Defizits gespielt haben, aber nicht eine solche, wie das oft hier dargestellt wird. (👏) Der Bundesrechnungsabschluss des Rechnungshofes zeigt – das ist auch von Kollegen Hanger schon ausgeführt worden –, dass es sogar darüber hinausgeht: Nicht nur bei den Klimaförderungen wurde das Budget, das sich die Regierung im Oktober 2023 für 2024 gegeben hat, eingehalten, sondern in allen Bereichen wurde das Budget in der Umsetzung im Jahr 2024 eingehalten. Sogar trotz Wirtschaftsabschwungs hat man um 1,7 Milliarden Euro weniger ausgegeben als im Budget veranschlagt. Das heißt, dieser Teil kann nicht das Problem gewesen sein, warum das Defizit sich dann im Vollzug so erhöht hat. Wenn man der Frage nachgeht – das ist mittlerweile auch unbestritten, es sind auch die kritischen Töne diesbezüglich sowohl bei den NEOS als auch bei der SPÖ leiser geworden –, dann kommt man drauf: Natürlich lag es daran, dass die Einzigen, die die Planungen des Finanzministeriums nicht eingehalten haben, die Länder und Gemeinden waren. Es wurde vom Finanzministerium geplant, dass sie circa wieder dort landen werden, wo sie 2022/2023 hätten landen sollen. Stattdessen haben sie zusätzlich 6 Milliarden Euro Minus gemacht. Das erklärt natürlich einen großen Teil dieses Budgetdefizits. Jetzt kann man darüber streiten. Jan Krainer meint, das Finanzministerium hätte da sozusagen zu Unrecht zu optimistisch geschätzt, oder aber man könnte die zu hohen Ausgaben der Länder kritisieren – es bleibt jedenfalls ein Gap. Da komme ich jetzt zur Frage, warum das hier und jetzt relevant ist und nicht nur Vergangenheitsbewältigung: weil auch aktuell das Gleiche passiert. Wenn man sich das anschaut, sieht man, dass das Finanzministerium unter Brunner 2023 angenommen hat, dass die Länder und die Gemeinden mit ihren Finanzen ins Jahr 2024 hinein ungefähr stabil bleiben, und die Länder haben gesagt: Das wird sich nicht ausgehen. – Es ist sich nicht ausgegangen, und am Ende sind wir im Defizitverfahren gelandet. Jetzt geht das Finanzministerium unter Finanzminister Marterbauer davon aus, dass sich die Länder und Gemeinden jährlich um 0,3 Prozent des BIP zusätzlich im Defizit verbessern. Um 3,7 Milliarden Euro bis 2029 sollen sich Länder und Gemeinden in Summe verbessern. Und die Länder und Gemeinden sagen wieder: Das geht sich nicht aus, das kriegen wir nicht hin. – Und das sagen sie nicht nur so, denn wenn man sich anschaut, wo ihre Aufgaben liegen – im Bereich Gesundheit, Pflege und so weiter –, sieht man: Da entwickeln sich die Ausgaben sehr dynamisch. Also ich habe ein bisschen die Sorge, dass Herr Marterbauer da einen Brunner-Moment erleben wird. Ich wünsche es ihm nicht, ich wünsche es auch der Republik nicht. Übrigens, kleiner Spartipp: Klimaschädliche Subventionen abzuschaffen, ist nicht nur gut für das Bundesbudget, sondern auch gut für die Länderbudgets, denn es handelt sich dabei ja meistens um gemeinschaftliche Bundesabgaben – das also bitte so schnell wie möglich angehen! – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste um das Wort gebeten hat die Frau Präsidentin des Rechnungshofes. Ich darf es ihr erteilen.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Auf die Gefahr hin, dass schon vieles gesagt wurde, möchte ich jetzt trotzdem, weil der Rechnungshof ja dafür zuständig ist, dem Hohen Haus den Bundesrechnungsabschluss vorzulegen, noch einmal kurz auch dem Plenum des Nationalrates die Ergebnisse des Jahres 2024 präsentieren. Wir haben das im Budgetausschuss letzte Woche gemacht, es ist aber wichtig, dass ich hier die gesamten Daten für das Plenum noch einmal kurz wiederhole, denn es ist ja auch Ihre Aufgabe, den Bundesrechnungsabschluss jährlich in Form eines Gesetzes zu beschließen. Der Bundesrechnungsabschluss für das vergangene Jahr ergibt folgendes Bild: Sowohl das Nettoergebnis als auch der Nettofinanzierungssaldo waren das fünfte Jahr in Folge hoch negativ. Das Nettoergebnis betrug minus 13,8 Milliarden Euro und der Nettofinanzierungssaldo belief sich auf minus 19,1 Milliarden Euro. Damit verschlechterte sich das Nettoergebnis um 3 Milliarden Euro gegenüber dem Jahr 2023 und der Nettofinanzierungssaldo verschlechterte sich um 11,1 Milliarden Euro. Folglich vergrößerte sich auch das negative Nettovermögen der Republik auf minus 228,6 Milliarden Euro. Sehr geehrte Damen und Herren, die Finanzschulden des Bundes dominierten mit 299,3 Milliarden Euro die Passivseite der Vermögensrechnung und sie stiegen im Vergleich zum Jahr 2023 um 16 Milliarden Euro oder plus 5,6 Prozent an. Seit dem Jahr 2019 stiegen die bereinigten Finanzschulden des Bundes insgesamt um 90,484 Milliarden Euro an. Im Verhältnis zum BIP stiegen damit die Finanzschulden in diesem Zeitraum von 52,8 Prozent auf 62,1 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 9,3 Prozentpunkten. Die Gründe dafür waren vielfältig. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie, zur Abfederung der Teuerung sowie zur Stützung der Konjunktur erhöhten in den Jahren 2020 bis 2024 den Finanzierungsbedarf stark. Allein die Auszahlungen des Bundes für die Bewältigung der Pandemie betrugen 45,845 Milliarden Euro. Die Auszahlung von Entlastungsmaßnahmen infolge der Teuerung und für die Energiediversifizierung in den Jahren 2022 bis 2024 betrugen 16,252 Milliarden Euro. Im Jahr 2022 stiegen auch die Auszahlungen für die Verzinsung der Finanzschulden deutlich an und sie blieben in den Jahren 2023 und 2024 auf hohem Niveau. Im Jahr 2024 betrugen die Zinsen für die Finanzschulden, also die Auszahlungen, 6,922 Milliarden Euro; im Jahr 2021 lagen sie noch bei 3,27 Milliarden Euro. Durch die hohen Teuerungsraten in den Jahren 2022 und 2023 hat sich zeitverzögert damit auch der Finanzierungsbedarf für den Personalaufwand der öffentlich Bediensteten und die Auszahlungen der Pensionen erhöht. Die Auszahlungen für die Pensionen stiegen von 2023 auf 2024 um 4,574 Milliarden Euro, die Auszahlungen für den Personalaufwand um gut 1 Milliarde Euro. Hinzu kamen budgetäre Schwerpunkte, insbesondere ab 2021, etwa in den Bereichen Klima, Umwelt, Mobilität und Energie. Erwähnen möchte ich aber auch den neuen Finanzausgleich, der ab 2024 wirksam war. Die Mittel aus dem neu geschaffenen Zukunftsfonds der Länder erhöhten die Auszahlungen um 1,1 Milliarden Euro. Die Aussetzung des Erneuerbaren-Förderbeitrags und der Erneuerbaren-Förderpauschale kompensierte der Bund mit 908 Millionen Euro. Sehr geehrte Damen und Herren, der Stand der Haushaltsrücklagen belief sich Ende Dezember 2024 auf 28,7 Milliarden Euro. Das ist ein Höchststand seit Einführung der Haushaltsrechtsreform. Freilich ist dieser Betrag nicht finanziert, aber es zeigt den Reformbedarf im Haushaltsrecht. Die Ergebnisse des Jahres 2024 sind vor dem Hintergrund der anhaltenden Rezession zu sehen – wir haben das schon gehört – und einer zunehmend schwierigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Erschwerend kam die im EU-Vergleich weiterhin hohe Inflation hinzu, und die heimische Wirtschaft schrumpfte real im Jahr 2024 um 1,2 Prozent mit Stand März 2025. Die Arbeitslosenquote betrug 7 Prozent und die Inflation betrug 2,9 Prozent. Diese von Krisen geprägte, sich rasch ändernde Konjunkturentwicklung erschwerte eine präzise Prognose der Erträge und Aufwendungen, vor allem in jenen Untergliederungen, deren Haushalte besonders von volkswirtschaftlichen Parametern abhängen, wie etwa Abgaben, Arbeit oder Pensionsversicherung. Was aber auch wahr ist: Die Einzahlungen konnten den dynamischen Anstieg der Auszahlungen, insbesondere der Transfers, nämlich plus 10,9 Milliarden Euro, nicht kompensieren. Das Auszahlungswachstum belief sich 2024 auf 10,4 Prozent, die Einzahlungen stagnierten hingegen mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent. Die Erträge stiegen zwar gegenüber 2023 im Ergebnishaushalt deutlich, plus 6,9 Milliarden Euro – das war auf höhere Steuereinnahmen infolge des gestiegenen Lohnniveaus und die Inflation zurückzuführen –, und auch Erträge aus Transfers stiegen um plus 3,2 Milliarden Euro an – das ergab sich zum Beispiel aus Zuschüssen der Europäischen Union aus der Aufbau- und Resilienzfazilität –, aber die Aufwendungen nahmen noch stärker zu, plus 9,9 Milliarden Euro. Den größten Anstieg verzeichnete der Transferaufwand, plus 9,3 Milliarden Euro, insbesondere Transfers an private Haushalte für den Klimabonus, höhere Förderungen für erneuerbare Energieträger, Sanierungen im Gebäudebereich und die Transfers an die Sozial- und Pensionsversicherungsträger aufgrund höherer Bundesbeiträge. Stark angestiegen sind, wie schon betont, die Transfers an die Länder aufgrund des Finanzausgleichs. Der Personalaufwand verzeichnete ebenfalls einen Anstieg. Inflationsbedingt fielen die Gehaltsabschlüsse im öffentlichen Dienst deutlich höher aus. Rückläufig war hingegen der betriebliche Sachaufwand, insbesondere weil die Maßnahmen zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie ausliefen. Ich komme jetzt zum Maastrichtdefizit: Die Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung für das Jahr 2024 und auch 2025 wurden nach der Budgetierung im Herbst 2023 mehrmals markant revidiert. Gesamtstaatlich erzielte Österreich im Jahr 2024 schließlich ein öffentliches Defizit von minus 4,7 Prozent des BIP. Das ist eine Verschlechterung um 2 Prozentpunkte gegenüber den Annahmen. Der gesamtstaatliche Schuldenstand – also alle Gebietskörperschaften plus Sozialversicherung – stieg durch die weiteren Schuldaufnahmen auf 394,1 Milliarden Euro an. Die Schuldenquote stieg von 78,5 Prozent des BIP im Jahr 2023 auf 81,8 Prozent des BIP im Jahr 2024, das ist ein Anstieg von 22,6 Milliarden Euro. Im Juli wurde das Defizitverfahren gegen die Republik Österreich eingeleitet, weil die EU-Fiskalregeln im Jahr 2024 wieder in Kraft traten und Österreich jetzt das übermäßige Defizit durch Einhaltung eines strikten Nettoausgabenpfads abbauen muss. Ende März dieses Jahres lag die Schuldenquote schon bei 84,9 Prozent des BIP, der gesamtstaatliche Schuldenstand bei 412,6 Milliarden Euro. Mit Blick auf diese Verschuldung weisen wir als Rechnungshof natürlich erneut – und wir haben das auch beschrieben – auf die Wichtigkeit einer nachhaltigen Budgetpolitik hin. Für die zukünftigen Ausgaben, die wir alle zu bewältigen haben, ist es notwendig, dass fiskalpolitische Spielräume geschaffen werden. Wir brauchen eine strikte Budget- und Ausgabendisziplin und zugleich den ernsthaften Willen, die Strukturen zukunftsfit aufzustellen. Bei einer Staatsausgabenquote von 56,3 Prozent müssen wir auf einen nachhaltigen Ausgabenpfad zurückfinden, um die Kernaufgaben des Staates aus den laufenden Budgets finanzieren zu können. Das gilt für den Gesamtstaat, für alle Gebietskörperschaften und für die Sozialversicherung. Dafür müssen wir als Staat ein Zielbild für die Zukunft entwickeln, das wurde schon angesprochen, um nicht dauerhaft über unsere Verhältnisse zu leben; denn die steigenden Ausgaben sind leider nicht im gleichen Maß von einer steigenden Leistungsfähigkeit in unserem Land gedeckt. Die Finanzierungslücke des Bundes betrug im Jahr 2024 rund 19 Milliarden Euro. Auf Basis der geplanten Budgets liegen wir bei rund 18 Milliarden Euro Defizit. Daher ist es notwendig, neben der Budgetsanierung auch Reformen zu machen, strukturelle Reformen. Wir dürfen Reformen nicht weiter aufschieben, sonst verschärfen sich die Probleme weiter, und das würde sich in einer noch deutlicheren Schuldenentwicklung niederschlagen. (👏 FPÖ) Denken wir beispielsweise nur an die Ausgaben in jenen Bereichen, die die demografische Entwicklung nach sich zieht. Es ist wichtig, dass wir jetzt eine strukturelle Veränderung einleiten. Wir haben das im Rechnungsabschluss beschrieben. Es geht um die finanzierungsintensiven Ausgabenbereiche, Sie kennen sie alle, zum Beispiel Gesundheit. Wir brauchen Steuerungsmechanismen im Energiebereich, daran arbeitet die Regierung schon, oder im Bereich Digitalisierung. Es ist wichtig, dass wir die Förderungen auf Zweckmäßigkeit und Treffsicherheit überprüfen und das Niveau der jährlich steigenden Transferleistungen immer wieder hinterfragen. Auch die Bereitschaft zu einer Föderalismusreform ist notwendig, denn es geht um eine Entflechtung der Finanzierungsströme in Österreich, es geht um einen effizienten Mitteleinsatz und es geht um eine klare Aufgabenzuordnung in dieser Republik, damit wir die öffentlichen Mittel zweckmäßig und zielgerichtet einsetzen. Und natürlich müssen wir das Prinzip einhalten, dass zusätzliche fiskalpolitische Maßnahmen, wenn wir sie für notwendig erachten, eine nachvollziehbare Gegenfinanzierung aufweisen. Es wurde heute schon betont, und ich bin auch fest davon überzeugt, dass die Konsolidierung der Staatsfinanzen nur gesamtstaatlich gelingen kann und nur gemeinsam gelingen kann. Hier sind alle Gebietskörperschaften und Selbstverwaltungskörper einzubeziehen. Der Informationsaustausch ist wichtig, die Kenntnis der Finanzlage des Gegenübers, denn wir sind nicht gegenüber, sondern wir sind miteinander verantwortlich dafür, dass wir das Geld des einen Steuerzahlers und der einen Steuerzahlerin gut ausgeben. Dafür brauchen wir einen innerstaatlichen Stabilitätspakt, der ein gesamtstaatliches Commitment zu einer nachhaltigen Budget- und Schuldenentwicklung bedeuten muss. Deshalb appelliere ich an alle Verantwortungsträger, an Regierung und Opposition, ernsthafte Konsolidierungsbemühungen zu unterstützen, zur Erhaltung von Stabilität und zur Generierung von Wachstum in Österreich. Ich glaube, nur in diesem Miteinander können wir den fiskalischen Turnaround in Österreich schaffen und die notwendigen Impulse für die Zukunft setzen. – Ich bedanke mich. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 21.53 Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schuh. Ihre eingemeldete Redezeit beträgt 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Harald Schuh

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Damen! Werte Herren! In meiner ersten Rede im Hohen Haus vor ungefähr einem halben Jahr habe ich der neuen Bundesregierung ein paar Möglichkeiten aufgezeigt, wie man in Österreich sinnvoll sparen könnte, ohne den Leistungsträgern im Land auch nur einen einzigen Cent wegnehmen zu müssen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

So, erstens?!

FPÖ Harald Schuh

… Ich erinnere da an die besonders bizarren Zahlungen an Kokosnussbauern in Sri Lanka. Was ist seitdem passiert? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Nix!

FPÖ Harald Schuh

… Nun, die Ausgaben sind weiter gestiegen, der Staat bläht sich unaufhaltsam auf. Im Finanzministerium werden einzelnen Bediensteten Belohnungen über 10 000 Euro gewährt, und das Justizministerium spendiert Häftlingen Ersatzdrogen, Gratisplomben, Gebetsteppiche und neuerdings Telefone in den Zellen. Das sind dann Telefonzellen, neu interpretiert. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Statt fragwürdige Ausgaben zu streichen, haben Sie also entschieden, lieber bei den Familien und Pensionisten zu sparen. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wir auch nicht!

FPÖ Harald Schuh

… deswegen verrate ich Ihnen heute noch einmal eine ganz konkrete Möglichkeit, wie wir richtig viel Geld sparen könnten. Österreich zahlt heuer 44 Millionen Euro für eineinhalb Millionen Covid-19-Impfdosen, von denen bis zur Jahresmitte – da passen Sie jetzt auf, bitte – 10 000 verimpft worden sind! Die Entsorger freuen sich schon. Aktuell halten wir in Summe bei 18 Millionen vernichteten Dosen im Wert von über 300 Millionen Euro. Weitere 10 Millionen Dosen sind ins Ausland verschenkt worden. Geschätzte Damen und Herren, das ist doch Geldvernichtung in Reinkultur! (👏 FPÖ) Der Grund dafür ist ein von der Europäischen Kommission verhandelter Vertrag, der uns zur Beschaffung von etwas verpflichtet, was in dieser Menge offenbar nicht nachgefragt wird. Deswegen bringe ich folgenden Antrag ein: RN/189.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Harald Schuh , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Beendigung der Abnahme nicht benötigter Covid-19-Impfstoffe“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, auf EU-Ebene bzw. direkt mit dem Hersteller unverzüglich in Verhandlungen einzutreten, mit dem Ziel, alle noch offenen Liefer- und Zahlungsverpflichtungen für Covid-19-Impfstoffe zu beenden und zumindest eine Umwidmung dieser Verpflichtungen auf tatsächlich in Österreich benötigte Arzneimittel oder medizinische Produkte zu erreichen.“ Seien wir ehrlich, geschätzte Abgeordnete, wer einen Funken wirtschaftlichen Gespürs hat, der kann diesem Antrag nur zustimmen. Oder haben Sie angesichts der jüngsten internationalen Deals vielleicht Ihr Vertrauen in das Verhandlungsgeschick unserer Spitzenpolitiker verloren? (👏 FPÖ) 21.57 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/189.2 Beendigung der Abnahme nicht benötigter Covid-19-Impfstoffe (127/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Obernosterer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Gabriel Obernosterer

Danke vielmals, Herr Präsident! Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehschirmen! Ja, Herr Kollege Schuh, Sie sind mir sicher nicht böse, wenn ich nicht auf Ihre Worte eingehe.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist ja genau der Punkt! Ihr horcht ja auf unsere Vorschläge nicht! Das ist eure Arroganz! Ihr horcht ja nicht einmal auf die Vorschläge! Ihr geht nicht einmal drauf ein und sagt gleichzeitig, wir haben keine Vorschläge! – Zwischenrufe der Abgeordneten Michael Hammer [ÖVP] und Hanger [ÖVP].

ÖVP Gabriel Obernosterer

… Ich glaube, das sollte nicht der Inhalt sein. Da wir aber die Worte von der Frau Präsidentin bereits gehört haben, möchte ich hier nicht noch einmal ins Detail gehen. Einzelne Redner tun so, als ob dieser Abschluss etwas Neues wäre. 2023 im Herbst haben wir das Budget beschlossen, wir ihr alle wisst. Jeder hat damals den Inhalt gekannt. Die Experten haben damals von einem Wachstum von 1,2 Prozent gesprochen. Am Ende des Jahres 2024, das wissen wir genau, sind es minus 1,2 Prozent gewesen. Das Budget ist nicht schön. Es müssen neue Schulden aufgenommen werden, und wir wissen genau, dass wir im Grunde genommen zu viel Geld ausgeben. Einnehmen können wir nicht mehr, weil wir auf die Steuerlast, die wir in Österreich haben, das sage ich ganz ehrlich, im Grunde genommen nichts mehr draufpacken können. Das heißt, kurz gesagt, wir haben im Grunde genommen ein Ausgabenproblem und nicht ein Einnahmenproblem. (👏 ÖVP, NEOS) Aber wenn man immer hört, wir sind die Schlechtesten in der EU, wir sind so katastrophal und die Leute müssen bei uns hungern und was weiß ich alles, dann kann ich nur sagen: Bitte schauen wir wirklich ein bisschen über den Tellerrand! Wir leben inmitten Europas. Wir wissen, dass bei uns die Mindestpension gleich hoch ist wie in Deutschland eine Durchschnittspension. Wie stehen wir denn da, was den Schuldenstand betrifft? Es ist nicht gut, dass wir inzwischen bei 84,9 Prozent Verschuldung gegenüber dem BIP liegen. Aber wisst ihr, was der Schnitt der EU-Staaten ist? – Im Schnitt liegen sie bei 88 Prozent. Wir brauchen uns damit nicht zu rühmen, aber dass wir was weiß ich wie schlecht dastehen, das ist bei Weitem nicht so. Unsere Infrastruktur ist auf Vordermann. Schaut euch unsere Autobahnen an und schaut euch die deutschen Autobahnen an! Schaut euch unsere Infrastruktur an – im Glasfaserbereich und so weiter ist noch viel zu tun –, und schaut euch die von anderen draußen im Ausland an! Schaut euch das an, dann seht ihr, wo wir stehen. Wir sind bei den Investitionen, auch durch den Staat, auf Vordermann. (👏 ÖVP) RN/190.1 Weil die Oppositionsparteien von diesen großen Schulden reden – ich habe es mir nur herausgesucht, die Zeit ist zu kurz –: Das ( einige Schriftstücke in die Höhe haltend ) sind Anträge von den Oppositionsparteien aus den Jahren 2024 und 2023 mit Kosten von in Summe 16 Milliarden Euro. Hätten wir das auch noch machen müssen, damit ihr heute nicht sagen würdet, wie schlecht die Regierung war? …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... 16 ... zu viel ausgegeben habts ...!

ÖVP Gabriel Obernosterer

… Wir haben zu viel ausgegeben, aber wenn es damals nach euch Oppositionsparteien gegangen wäre, hätten wir wesentlich mehr Schulden.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Nein! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nein, ihr habt nicht zu viel, nein! ...! – Abg. Kaniak [FPÖ]: 80 Milliarden! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Gabriel Obernosterer

… Bei dem Geld, das wir in der Zeit von Corona und der Teuerung ausgegeben haben, das bei den Menschen auch angekommen ist, die inzwischen über 8 Milliarden Euro mehr auf dem Konto haben …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Bei 64 Milliarden ... wären wir gewesen!

ÖVP Gabriel Obernosterer

… bei diesen Ausgaben, bei dieser Brotverteilung habt ihr die Hände alle offen gehabt, und heute kritisiert ihr es. (👏 ÖVP, NEOS) Halten wir zusammen, schauen wir, dass wir es in den Griff kriegen! Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Österreich braucht sich nicht zu verstecken, aber wir haben einige Hausaufgaben zu erfüllen, damit wir auch in Zukunft so dastehen. – Danke vielmals.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Viele Hausaufgaben, viele Hausaufgaben! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Und ihr habts ... ausgegeben, ist das besser?

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste um das Wort gebeten hat Frau Staatssekretärin Eibinger-Miedl. Ich darf es ihr auch erteilen. – Bitte, Frau Staatssekretärin.

SPÖ Karin Greiner

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Es wurde bereits mehrfach der Befund ausgestellt: Wir stehen bei einem negativen Nettoergebnis des Bundes von 13,7 Milliarden Euro. Klar ist, die jetzige Bundesregierung, die seit wenigen Monaten im Amt ist, hat dieses Defizit nicht verursacht, und der Vollständigkeit halber möchte ich festhalten, dass die SPÖ 2017 ein ausgeglichenes Budget übergeben hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was? Glaubts ihr das wirklich?

SPÖ Karin Greiner

… Die darauffolgenden Regierungen haben von 2017 bis 2024 großzügig Geld ausgegeben, Gegenfinanzierung war leider mehr ein Fremdwort denn gelebte Praxis. Die jetzige Bundesregierung hat sich aber nicht gedrückt, sondern hat definitiv im großen Einvernehmen und sehr ambitioniert die Verantwortung übernommen. Sie steht natürlich vor der großen Herausforderung, den Scherbenhaufen aufzuräumen. Ja, wir wissen, es war alles schwierig: die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen et cetera, Inflation, alles, was wir schon oft besprochen haben. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, was wirklich bitter war – und in der Nachbetrachtung bitter ist –: Wir als Abgeordnete hier in diesem österreichischen Parlament wurden getäuscht; getäuscht, immer wenn darüber gesprochen wurde, wie die realen Budgetzahlen ausschauen, wo wir stehen. Man hat uns über den wirklichen Status quo im Dunkeln gelassen, und das trotz vieler engagierter, kritischer, ambitionierter und konstruktiver Nachfragen seitens unserer Fraktion. Kurz zum Nachvollziehen – das gesamtstaatliche Defizit nach Maastricht laut Bundesvoranschlag: 2,7 Prozent des BIPs. Im Oktober 2024 konnte man auf der BMF-Website nachlesen: 3,3 Prozent. Wir haben immer gesagt: Das wird sich nicht ausgehen, das ist leider noch nicht alles! Was ist wirklich der Befund? – Wir sind bei 4,7 Prozent, und es ist wirklich bedauerlich, dass wir keine klaren Informationen, keine realen Zahlen hatten. Jetzt möchte ich mit einem positiven Ausblick schließen: Die Bundesregierung, die jetzt Verantwortung übernommen hat, arbeitet mit einem gesamtstaatlichen Blick auf das Gesamte, auf die Aufgaben des Staates, agiert und entscheidet auf Basis von Daten, Fakten und Zahlen und kommuniziert das auch transparent. Dass die Transparenz gelebt wird, zeigt sich – es wurde schon erwähnt – in den zwischen Bund, Ländern und Gemeinden stattfindenden Gesprächen, und diese Zusammenarbeit ist ja von enormer Wichtigkeit, wenn man genau die kritischen Bereiche wie Pflege, Gesundheit, Energie nachhaltig auf gute Beine stellen will. Da braucht es eine klare Kommunikation miteinander, und das nicht vielleicht einmal im Jahr und nicht irgendwie verschleiert, sondern man setzt sich regelmäßig an den Tisch, fragt: Wie geht es dir, wo sind deine Zahlen, wo stehst du wirklich?, und aufgrund dieser Zahlen – das ist auch eine Empfehlung des Rechnungshofes – sind dann die entsprechenden politischen Entscheidungen zu treffen. Es ist nicht per Knopfdruck möglich, dass sich das verändert, dass wir wieder positiv dastehen, zu den Besten zählen, aber wenn wir als Fraktionen zusammenarbeiten, Bund, Länder und Gemeinden, wirklich alle, das ernst nehmen – was zurzeit erfreulicherweise passiert –, dann wird es uns gelingen, wieder unter den Besten in Europa zu sein. Arbeiten wir gemeinsam daran! – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Baumgartner. Die eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön.

ÖVP Angela Baumgartner

Danke schön, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Der Bundesrechnungsabschluss 2024 zeigt uns eindrucksvoll, welche enormen Herausforderungen unser Land in den letzten Jahren zu bewältigen hatte. Ohne Corona, ohne die massiven Hilfen während der Krisen, von der Kurzarbeit über Unterstützungen für Gastronomie und Tourismus bis hin zu Künstler- und Energiekostenzuschüssen, würde unser Haushalt heute völlig anders dastehen. Vor allem aber würde ohne diese Hilfen unsere Wirtschaft, würden sehr viele Betriebe, würden sehr viele, Hunderttausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht da stehen, wo sie heute stehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, es sind eh genug ...!

ÖVP Angela Baumgartner

… Diese Maßnahmen waren notwendig, und sie waren richtig.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, sie waren nur notwendig, ... zum Thema ...! Ihr habt Lockdowns eingeführt, aber ...!

ÖVP Angela Baumgartner

… Die Budgetsanierungsmaßnahmen, die wir beschlossen haben, beginnen zu greifen, die Zahlen vom August zeigen das eindeutig. Und wir werden Reformen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Verwaltung und Energie vornehmen – die Frau Staatssekretärin hat es schon erwähnt; nicht sparen um des Sparens willen, sondern um Strukturen zu verbessern, Doppelgleisigkeiten abzubauen und die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Gemeinden neu zu überdenken. (👏 ÖVP) Weil Frau Kollegin Belakowitsch gerade dazwischengerufen hat: Ich glaube, die FPÖ hat Erinnerungslücken. – Sie waren bei sehr vielen Maßnahmen dabei. Sie haben diese während Corona mitbeschlossen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was denn? Welche? Corona, oder was haben wir da mitbeschlossen?

ÖVP Angela Baumgartner

… zum Beispiel die Kurzarbeit. 10 Milliarden Euro Kurzarbeit haben Sie mitbeschlossen, damit wir die Kaufkraft - - …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Keinen einzigen Lockdown haben wir mitbeschlossen, nicht einen!

ÖVP Angela Baumgartner

… Aber freilich haben Sie es mitbeschlossen, das ist Kindesweglegung, was Sie da jetzt machen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, ich glaube, Sie haben Erinnerungslücken!

ÖVP Angela Baumgartner

… Und was wollte die FPÖ? Was wollte die FPÖ? – Die FPÖ wollte für jeden Staatsbürger 1 000 Euro! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Keinen Lockdown! Nicht einen einzigen!

ÖVP Angela Baumgartner

… Das hätte eine budgetäre Belastung von 7,5 Milliarden Euro gebracht …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und wie viel haben wir jetzt? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Ja und? Und jetzt machen wir 20 Milliarden ...!

ÖVP Angela Baumgartner

… und dann hätten wir heute eine andere budgetäre Herausforderung.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie viel haben wir jetzt? Wie viel haben wir jetzt?

ÖVP Angela Baumgartner

… Offensichtlich habe ich recht, denn sonst würden Sie sich nicht so aufregen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich rege mich nicht auf! Aber ich glaub’, Sie ...!

ÖVP Angela Baumgartner

… Sie haben mitgestimmt, bei sehr vielen Sachen haben Sie mitgestimmt, und auch die SPÖ hat mitgestimmt.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

... und nicht für die ganze Welt!

ÖVP Angela Baumgartner

… Und eines, das muss ich ehrlich sagen, habe ich wirklich schon satt: uns immer zu unterstellen, wir hätten nicht die Wahrheit gesagt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Habt ihr ja nicht! Ja, habt ihr ja nicht! – Abg. Darmann [FPÖ]: Das sagt sogar euer Koalitionspartner!

ÖVP Angela Baumgartner

… Jeden Monat werden dem Parlament ausführliche Vollzugsberichte übermittelt. Jeder Abgeordnete des Budgetausschusses bekommt diese.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das hat die Kollegin Greiner bestätigt, dass ihr nicht die Wahrheit gesagt habt! Das ist euer Koalitionspartner!

ÖVP Angela Baumgartner

… Ja, ich schaue nicht nur euch an, ich schaue auch Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ an, die haben das auch gesagt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Nein, Sie schauen jetzt in unsere Richtung!

ÖVP Angela Baumgartner

… Ausführliche Vollzugsberichte werden dem Parlament übermittelt, sind von jedem Abgeordneten abrufbar. Und auf einmal weiß keiner mehr was, und das ist Kindesweglegung.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ihr habt es gewusst! Das heißt, die ÖVP hat es gewusst!

ÖVP Angela Baumgartner

… Genau so, wie ihr es gewusst habt, haben wir es auch gewusst.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ah so! – Abg. Stefan [FPÖ]: Ach so, warum habts dann nicht entsprechend budgetiert?

ÖVP Angela Baumgartner

… Genau! Ja, wir werden weiter konsolidieren, reformieren und investieren. Nicht den einfachsten, sondern den besten Weg für Österreich zu gehen, das ist unser Anspruch als Volkspartei. – Danke schön. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster in der Rednerliste: Herr Abgeordneter Harrer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte sehr. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Haben Sie’s gewusst?)

ÖVP Christoph Stark

Herr Präsident! Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Der Bundesrechnungsabschluss ist an sich eine sehr komplexe Materie mit vielen Zahlen und wer nicht budgetaffin ist, der tut sich wahrscheinlich schwer, dieses Werk zu fassen. In Summe ist es aber ein Rückspiegel auf das, was feststeht, was eigentlich in Zahlen gegossen und unveränderlich ist. Und – das möchte ich hinzufügen – der Bundesrechnungsabschluss ist kein Grund, um irgendwie zu frohlocken. Da gibt es nichts schönzureden, wir blicken auf eine sehr schwierige Zeit zurück und wir blicken auch auf eine schwierige Zeit nach vorne. Warum? – Wir haben ein ausgesprochen hohes Defizit, Finanzschulden, ein gesamtstaatliches Defizit des BIPs und eine Staatsschuldenquote, die auch extrem hoch ist. All das hat natürlich einen Grund, das kommt nicht von ungefähr: Wir haben in einer sehr schwierigen Zeit die Bevölkerung, die Wirtschaft, die Gastronomie und viele andere mit viel Geld unterstützt, es konnte – so kam es aus allen Reihen des Parlaments – gar nie genug sein. Ich denke auch an jene, die jetzt das Budget geißeln, ob Opposition oder vormals Opposition, auch da gab es Vorschläge, die dem Budget alles andere als dienlich gewesen wären, die uns heute mehrere Milliarden Euro jährlich gekostet hätten. Das haben wir nicht getan. Vielleicht einen kurzen Exkurs zum Kollegen Schuh, wenn es darum geht, die Covid-Impfdosen zu reduzieren: Ich gehe am Freitag zu meiner Influenza- samt Covid-Impfung. So können wir, wenn wir alle impfen gehen, die Covid-Impfdosen auch reduzieren. Wenn wir all diese Maßnahmen gesetzt hätten, dann würden wir heute über ganz andere Budgetdefizite reden. Es ging zu all diesen Zeiten immer um die Erhaltung der Kaufkraft, um die Unterstützung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, all das waren unsere Ziele. Jetzt, meine Damen und Herren, geht es aber mit dem Blick nach vorne. Es bringt nichts, wir müssen uns nach vorne orientieren und wir müssen auch den Blick nach vorne richten, und da bin ich bei der Frau Staatssekretärin: Die Konsolidierungsmaßnahmen, die jetzt im Budget stehen, werden erst im zweiten Halbjahr zu wirken beginnen, also die Auswirkungen werden wir erst später sehen. Ich sehe als Ziel das unseres Bundeskanzlers Christian Stocker nach der Formel 2-1-0, nämlich: 2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wirtschaftswachstum und 0 Prozent Toleranz gegen Staatsgegner, das muss das Ziel sein. Ich wiederhole auch noch einmal die Ziele von Staatssekretärin Eibinger-Miedl: konsolidieren, reformieren und wachsen. Meine Damen und Herren, arbeiten wir weiter für Österreich, es zahlt sich aus! (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Bayr. Eingemeldete Redezeit: ebenfalls 3 Minuten. – Bitte schön, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Bayr

Danke, Herr Präsident! Der Bundesrechnungsabschluss 2024 ist zweifellos ein sehr schwieriges und ein sehr schwerwiegendes Erbe, das eine ganz klare Sprache spricht. 13,8 Milliarden Euro Defizit, fast 5 Prozent unserer Wirtschaftsleistung und eine Schuldenquote allein für den Bund von 62 Prozent. Ein Maastrichtdefizit von 81,8 Prozent. Das zeigt, wir müssen handeln, denn hohe Defizite bedeuten auch steigende Zinsen, weniger Spielraum für Investitionen und mehr Abhängigkeit von den Finanzmärkten. Wenn wir Zukunft gestalten wollen, dann müssen wir diese Fesseln loswerden, weshalb wir mit dem Doppelbudget 2025/2026 einen Kurswechsel beschlossen haben. Wir sanieren die Staatsfinanzen, die andere herabgewirtschaftet haben, nicht aus Spaß an der Strenge, sondern aus Verantwortung, und dabei gilt: Wer mehr tragen kann, der soll auch mehr beitragen. Breite Schultern gibt es wahrlich auch in Österreich, wir wissen das. Es sind die großen Banken, es ist die Energiewirtschaft, es sind Spitzenverdiener, die stärker herangezogen werden.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Die Reichen sollen endlich einmal etwas beitragen!

SPÖ Petra Bayr

… Dabei geht es nämlich nicht nur ums Sparen, sondern es geht schlicht und ergreifend auch um Fairness. Gleichzeitig gilt: Wir sparen nicht blind. Wie sichern Investitionen in Zukunftsbereiche, in das, was das Land wieder stark machen soll, in Bildung, in Gesundheit, in Forschung, in den Arbeitsmarkt und in den Klimaschutz, denn eines ist ganz klar: Österreich darf sich nicht kaputtsparen! Ja, die kommenden Jahre werden finanziell für uns alle schmerzlich spürbar sein, aber diese Anstrengung gibt uns das zurück, was wir brauchen, nämlich Stabilität, Zuversicht und Unabhängigkeit. Und dafür sorgen allen voran unser Finanzminister Markus Marterbauer mit seiner Umsicht, mit seinem fundierten Wissen über das Gestalten von öffentlichen Haushalten und mit seinem sozialen Gewissen und auch Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl mit ihrem Engagement und ihrer Expertise. Das ist wichtig. Dieser Abschluss 2024, sehr geehrte Damen und Herren, ist eine Mahnung. Mit unserem Budgetkurs, denke ich, machen wir das Richtige für solide Finanzen, für Gerechtigkeit und für die Zukunft Österreichs. – Danke sehr. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist niemand mehr dazu gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

"She goes AI" – Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der KI!

198 d.B. · Antrag vonSPÖÖVPNEOS · Entschließungsantrag 380/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt die Entschließung „She goes AI“ an und beauftragt die Bundesregierung, Geschlechtergerechtigkeit in Nutzung, Ausbildung, Forschung und Entwicklung von KI gezielt zu stärken sowie Gender-Bias und Stereotype in KI-Systemen zu adressieren. Ein zusätzlicher Antrag „Fairness by Design – Geschlechtergerechtigkeit bei KI durchsetzen“ wurde im Ausschuss abgelehnt und nicht übernommen.

Betroffen sind vor allem Frauen und Mädchen in Bildung, Arbeitsmarkt sowie Forschung/Entwicklung im KI-Bereich und indirekt alle Nutzer:innen von KI-Systemen, insbesondere in sensiblen Anwendungsfeldern wie der Medizin.

Dokumente

"She goes AI" – Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der KI!

Ausgangslage und Problemstellung

  • Künstliche Intelligenz (KI) ist zunehmend ohne technisches Vorwissen nutzbar; große Sprachmodelle (LLM) sind über Tools wie ChatGPT breit verfügbar.
  • Trotz breiter Verfügbarkeit zeigt sich ein deutlicher Trend: KI wird von Männern dominiert – sowohl in der Nutzung/Bedienung als auch in Entwicklung, Forschung und Gestaltung.
  • Zentrale Grundsatzfrage ist die Voreingenommenheit von KI-Systemen und Algorithmen (Gender-Bias).
  • Bias entsteht meist nicht absichtlich, sondern als unbeabsichtigte Nebenwirkung der Datenbasis; daher braucht es Wissen über diese Verzerrungen.
  • Nicht nur Daten sind von Bias geprägt: In Europa sind 78 % der Personen, die KI mit Programmen und Algorithmen aktiv gestalten, Männer; dadurch können Verzerrungen weiter repliziert werden.
  • Besonders problematisch ist dies in sensiblen Bereichen wie medizinischen Anwendungen.

Begründeter Handlungsbedarf: Mehr Frauen in KI-Studium, -Beruf und -Gestaltung

  • Um eine geschlechtergerechtere KI-Entwicklung sicherzustellen, braucht es verstärkt Frauen, die in KI-nahen Bereichen studieren und arbeiten.
  • Geschlechtergerechtigkeit soll als zentraler politischer Schwerpunkt in Nutzung, Steuerung und Entwicklung von KI verankert werden.
  • Ziel ist, Stereotype aufzubrechen und Frauen auf allen Ebenen an Technologien zu beteiligen, die das Leben künftig noch stärker beeinflussen werden.

Empirische Befunde (Statistik Austria: „Künstliche Intelligenz – Nutzung und Einstellung in Österreich“)

  • Selbsteinschätzung des KI-Wissens: Frauen schätzen ihr Wissen deutlich geringer ein; 20,6 % der Frauen geben an, (sehr) viel Wissen über KI zu haben, gegenüber 33 % der Männer.
  • Einstellung zur KI-Nutzung: Frauen beurteilen die zunehmende KI-Nutzung in der Gesellschaft kritischer; 48,7 % der Frauen bewerten sie als (sehr) negativ, gegenüber 42,3 % der Männer.
  • Nützlichkeit von KI im Beruf: Frauen bewerten KI im eigenen Beruf weniger positiv; 38,9 % der Frauen sehen KI als (sehr) nützlich, gegenüber 47,3 % der Männer.
  • Sorge vor Jobverlust durch KI: Frauen sind etwas besorgter, durch KI ersetzt zu werden; 14,7 % der Frauen sind (sehr) besorgt, gegenüber 12,2 % der Männer.
  • Nutzung generativer KI-Tools: Frauen nutzen generative KI-Tools seltener; 24,7 % der Frauen haben solche Tools in den letzten drei Monaten verwendet, gegenüber 31,4 % der Männer.
  • Interesse am KI-Lernen: Frauen zeigen weniger Interesse, mehr über KI zu lernen; 25,6 % der Frauen haben ein (sehr) starkes Interesse, gegenüber 38,5 % der Männer.
  • Zusammenfassung der Erhebung: Frauen trauen sich weniger KI-Wissen zu, sind kritischer gegenüber KI-Nutzung, verwenden generative Tools seltener und zeigen weniger Lerninteresse; daraus wird ein erheblicher Handlungsauftrag zu KI und Geschlechtergerechtigkeit abgeleitet.

Kernanliegen des Entschließungsantrags „She goes AI“

  • Geschlechtergerechtigkeit in der KI stärken und als politischen Schwerpunkt setzen.
  • Bewusstsein und Wissen über (Gender-)Bias in KI-Systemen erhöhen, da Verzerrungen häufig aus der Datenbasis resultieren.
  • Mehr Frauen für KI-relevante Ausbildung, Forschung, Entwicklung und berufliche Anwendung gewinnen, um geschlechtergerechte Gestaltung sicherzustellen.
  • Stereotype im Kontext von KI-Nutzung und -Kompetenz abbauen und Frauen zur aktiven Mitgestaltung auf allen Ebenen befähigen.

Zusätzlicher Antrag in der Debatte: „Fairness by Design – Geschlechtergerechtigkeit bei KI durchsetzen“

  • Im Zuge der Ausschussdebatte wurde ein zusätzlicher, selbständiger Entschließungsantrag mit dem Titel „Fairness by Design – Geschlechtergerechtigkeit bei KI durchsetzen“ eingebracht.
  • Der Antrag zielte darauf ab, Geschlechtergerechtigkeit bei KI explizit durchzusetzen (Fairness-by-Design-Ansatz).

"She goes AI" – Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der KI!

~31 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Rosa Ecker

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Minister! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Saal und vielleicht noch vor dem Laptop oder wo immer Sie uns zuhören! Wir diskutieren jetzt über die Initiative She goes AI. Auf den ersten Blick klingt das ja ganz gut: mehr Frauen in der KI, weniger Diskriminierung, mehr Chancengleichheit. Ja wer kann denn da dagegen sein? Das Ganze ist vielleicht gut gemeint, aber mit Sicherheit schlecht gemacht. Warum? – Erstens: Das Projekt stützt sich, ich habe es im Ausschuss ziemlich klar dargelegt, auf Selbsteinschätzungsstudien. Frauen haben weniger Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, so ist die Begründung im Antrag. Das sind aber keine objektiven Messungen von Wissen oder Können, und daraus jetzt ein großes staatliches Förderprojekt abzuleiten, ist wissenschaftlich mehr als fragwürdig. Zweitens: KI ist eine der größten technologischen Umwälzungen – in unserer Zeit befindet sich alles im Wandel –, und sie betrifft uns alle, Frauen, Männer, Junge, Ältere, alle. Doch Sie, Frau Minister, und die Regierung setzen auf ein einseitiges Genderprojekt, anstatt eine sofortige breite Ausbildungsoffensive zu starten, die diejenigen erreicht, die sie brauchen beziehungsweise brauchen werden, denn KI frisst sukzessive viele Arbeitsplätze weg. (👏 FPÖ) Es wird schon lange von Mint-Fächern und von Mint-Ausbildung gesprochen, und es wird auch viel Geld verbraucht, um Frauen in den Mint-Bereich zu bringen. Sie, Frau Minister, wollen den Mädchen und Frauen den Einstieg und den Umstieg in den KI-Bereich erleichtern – aber Sie kennen schon auch die ganz aktuelle Studie im Auftrag des Fonds LEA? Diese stellt fest, dass Frauen zwar den Weg in die Technik finden, aber dort nicht bleiben, denn weniger als ein Drittel der Frauen bleiben dauerhaft in Mint-Berufen, 69 Prozent steigen wieder aus. Das zeigt ganz klar, es geht nicht um weitere Workshops, sondern darum, endlich die Rahmenbedingungen zu verbessern, von der Vereinbarkeit über Karrierechancen bis hin zu echter Wertschätzung von Frauen in technischen Berufen. Drittens: Vergessen wir nicht die soziale Realität! Wer sich keinen Computer, keine teure Software, keine App-Verträge oder keine entsprechende Ausbildung leisten kann, den interessiert auch kein sogenannter Bias-Gap. Diese Menschen brauchen Zugang zu Infrastruktur und leistbarer Technik sowie Ausbildungschancen und keine ideologischen Schlagworte! (👏 FPÖ) Ob nämlich die KI den Begriff Krankenschwester verwendet – der den Grünen anscheinend so ein Dorn im Auge ist, weil er ganz explizit in ihrem Antrag auch noch angeführt wird –, ist den Menschen draußen völlig egal, denn die sind froh, wenn sie im Krankheitsfall von einer Krankenschwester versorgt werden.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Haben Sie den Antrag ...?

FPÖ Rosa Ecker

… Sehr geehrte Damen und Herren, auch die Kosten-Nutzen-Frage bleibt völlig offen. Wie viel Steuergeld fließt da künftig eigentlich hinein? Steigert sich das Budgetdefizit noch weiter? Wird dadurch wirklich ein Mehrwert geschaffen oder ist es, wie wir leider immer wieder feststellen, erneut nur Symbolpolitik, mit der die Regierung Schlagzeilen macht, ohne echte Ergebnisse zu liefern? Zum Schluss, und das ist der entscheidendste Punkt: Österreich ist kein Land, das maßgeblich Einfluss auf die weltweite KI-Entwicklung nehmen kann. Die Fäden halten internationale Tech-Giganten in der Hand: In den USA sind es Open-AI, Microsoft, Google, Meta und Amazon, in China Baidu, Tencent, Alibaba, Bytedance. Dazu kommen die großen Player bei Infrastruktur und Chips wie TSMC oder Intel. Die EU versucht jetzt mit Regulierungen wie dem AI-Act Standards zu setzen, aber verbindlich sind diese nur selten. Wer das Geld hat, hat auch großen Einfluss auf die Richtung der Entwicklung – aber mit Geld schaut es in Österreich sowieso mau aus. Abgesehen davon hat Österreich keine eigene Tech-Industrie in dieser Größenordnung. Umso wichtiger wäre es, dass wir unsere knappen Mittel nicht in ideologische Einzelprojekte versenken, die nichts an der internationalen Realität ändern, Frau Minister. Sehr geehrte Damen und Herren, Österreich kann die globale KI-Entwicklung nicht maßgeblich beeinflussen – wer glaubt, Österreich könnte die weltweite KI-Entwicklung bestimmen, der lebt in Wolkenkuckucksheim. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Schatz. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Sabine Schatz

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vor ein paar Jahren war KI, also künstliche Intelligenz, noch eine vage Zukunftsvision, mittlerweile durchflutet sie alle unsere Gesellschafts- und Lebensbereiche. Einmal eine Frage hier in den Saal gerichtet: Ganz ehrlich, wer von Ihnen hat noch nie Chat-GPT oder andere KI-Plattformen genutzt, privat oder auch am Arbeitsplatz – möglicherweise, um Informationen zu sammeln oder zusammenzufassen, um Texte zu formulieren und Bilder zu bearbeiten, ja, vielleicht auch für die Vorbereitung der Redebeiträge in den Sitzungen? Wenn Sie es nicht aktiv genutzt haben, so konsumieren Sie laufend und jeden Tag Produkte der KI, sie ist längst in unser aller Alltag angekommen. Und nein, KI ist eben nicht neutral, gerade deshalb müssen wir jetzt dafür sorgen, dass sich über Jahrhunderte festgesetzte Ungleichheiten nicht auch in der digitalen Welt von heute und der Zukunft fortsetzen. Ja, negative Beispiele dafür gibt es, auch hier in Österreich. Es geht also auch konkret darum, Problemlösungen für Österreich zu definieren, und nicht nur darum, irgendwelche riesengroßen internationalen Plattformen zu beeinflussen. Kollege Baumann wird später noch genauer darauf eingehen. Die Daten, mit denen die Systeme heute angelernt und gefüttert werden, bestimmen maßgeblich die Datenbasis der Zukunft. Wir müssen sicherstellen, dass der sogenannte Genderbias, also Vorurteile und Verzerrungen aufgrund des Geschlechts, sich eben nicht in der digitalen Welt fortsetzen. Aktuell stellen wir fest, und das ist keine Selbsteinschätzung, sondern das sind Fakten – Frau Kollegin Ecker, Sie wissen ja gar nicht, was ich sagen will! –, dass diese Technologie in Europa sowohl in der Nutzung als auch in der Programmierung zu 79 Prozent von Männern gestaltet wird. Das heißt, die Daten, die da gefüttert werden, kommen von Männern. Das ist keine Selbsteinschätzung, sondern das sind Fakten, das ist Realität. Da geht es genau darum, dass da – vielleicht auch unbewusst – Ungleichheiten fortgeschrieben werden, und das müssen wir entsprechend beeinflussen und beenden! (👏 ÖVP, SPÖ) Sie haben die Erhebungen der Statistik Austria zur Nutzung von KI und auch zur Einstellung dieser gegenüber angesprochen: Frauen sehen KI skeptischer und nutzen sie weniger, auch deswegen ist es dringend notwendig, da Maßnahmen zu setzen. Mit diesem Antrag betreffend die Initiative She goes AI, mit dieser Initiative Maßnahmen auf den Weg zu bringen, tun wir genau das. Wir wollen Frauen verstärkt in diesem Bereich unterbringen, sowohl als Programmiererinnen auf der einen Seite als auch als Nutzerinnen auf der anderen Seite. Wir wollen mit diesem Antrag eine entsprechende Entwicklung anstoßen. Es ist ohnehin höchst an der Zeit, diese Entwicklung aus frauenpolitischer Sicht nicht zu verschlafen und digitale Verzerrungen zu verhindern, denn eine gerechte Zukunft lässt sich nicht programmieren, wenn die Hälfte der Gesellschaft nicht mitschreibt. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Schuch-Gubik. Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Und in diesem Fall: Liebe Frauen! Wenn Sie sich in der Dämmerung nicht mehr auf die Straße trauen, wenn Sie Angst um Ihre Töchter auf dem Schulweg haben, wenn Sie ein mulmiges Gefühl in der U-Bahn haben, wenn Sie als Mutter vielleicht nicht mehr wissen, wie Sie Ihren Kindern ein warmes Essen auf den Tisch stellen sollen, oder wenn Sie als Pensionistin wieder einmal jeden Cent zweimal umdrehen müssen, dann kann ich Ihnen sagen, Sie können beruhigt sein, die Verliererampel hat genau die richtige Antwort auf Ihre Probleme: „‚She goes AI‘ – Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der KI!“ – Gratulation, liebe Einheitspartei, ihr habt es wieder einmal bewiesen, ihr habt keinerlei Ahnung von den Lebensrealitäten der Menschen da draußen. (👏 FPÖ) Da haben wir es jetzt wieder, das typische Gender-Bla-bla: viel Gerede, null Wirkung. Keine einzige Frau in diesem Land erfährt durch diese heutige Initiative mehr Sicherheit, mehr Chancen oder mehr Gerechtigkeit. Es gibt keine Vergewaltigung und keine Belästigung durch einen illegalen Migranten weniger. Es bleibt kein Cent mehr im Börserl unserer Pensionistinnen und es gibt auch keine Sorge weniger für junge Mütter.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wie ist das mit FPÖ-Funktionären? Wie viele FPÖ-Funktionäre ... verurteilt?

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Frauen in Österreich brauchen keine ideologischen Experimente, sie brauchen klare Maßnahmen! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wie viele FPÖ-Funktionäre? – Zwischenruf der Abg. Erasim [SPÖ].

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Anstatt Frauen mit leeren Phrasen abzuspeisen, legen wir konkrete Lösungen auf den Tisch, ganz ohne Zwang und ganz ohne Gender-Bla-bla. Ich bringe damit hier folgenden Antrag ein: RN/201.1 Entschließungsantrag der Abgeordneten Lisa Schuch-Gubik , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Maßnahmenpaket zur Erhöhung des Mädchenanteils an Höheren Technischen Lehranstalten (HTL)“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung sowie der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert, das freiheitlichen Maßnahmenpaket zur Förderung der Chancengleichheit von Mädchen im technisch-gewerblichen Bildungswesen umzusetzen.“ Danke. (👏 FPÖ) 22.40 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/201.2 Maßnahmenpaket zur Erhöhung des Mädchenanteils an Höheren Technischen Lehranstalten (HTL (128/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Elian. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Thomas Elian

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen an einem Wendepunkt der technologischen Entwicklung. Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsmusik mehr, sie prägt bereits heute unseren Alltag, unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft – und sie entscheidet über unsere Wettbewerbsfähigkeit aktiv mit. Darum ist es entscheidend, jetzt die richtigen Weichen zu stellen. Dieser Antrag, den wir heute diskutieren, ist ein solcher Weichensteller, denn künstliche Intelligenz kann Motor für Fortschritt und Innovation sein, oder – wenn wir nichts tun – unseren jetzigen Standpunkt und unsere bestehenden Ungleichheiten verfestigen. Die Fakten sind eindeutig: Künstliche Intelligenz wird vorwiegend von Männern entwickelt. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Frauen künstliche Intelligenz viel seltener nutzen und ihr weit kritischer gegenüberstehen. Das Ergebnis sind verzerrte Systeme, einseitige Perspektiven und das Fehlen jener Stimmen, die wir so dringend brauchen. Wenn Frauen im Entwicklungsprozess fehlen, fehlen auch ihre Ideen und ihre Sichtweisen, und das schwächt Qualität und Akzeptanz der künstlichen Intelligenz. Genau da setzt unser Antrag an: Mit Initiativen wie She goes AI bekämpfen wir die geschlechterspezifische Voreingenommenheit aktiv. Wir öffnen Mädchen und Frauen Türen in die Welt der künstlichen Intelligenz, in Forschung und in Unternehmen. Wir schaffen auch Bedingungen, damit Frauen in diesem Zukunftsfeld selbstverständlich dazugehören. Es geht aber nicht nur um die Fachkräfte von heute, es geht auch um die nächsten Generationen. Darum müssen wir in den Schulen ansetzen. Junge Menschen brauchen nicht nur die Fähigkeit, künstliche Intelligenz zu bedienen, sondern auch die Fähigkeit, sie zu verstehen. Wo liegen Chancen, wo liegen Risiken? Wie erkenne ich, dass ein Algorithmus nicht neutral ist, sondern von Daten geprägt wird? Genau dieses kritische Denken müssen wir fördern – bei Mädchen und Burschen gleichermaßen. Meine geschätzten Damen und Herren, Vielfalt ist kein nettes Extra. Vielfalt ist die Voraussetzung dafür, dass künstliche Intelligenz fair, innovativ und vertrauenswürdig ist. KI ist ein Werkzeug, das über Teilhabe, Innovation und Wohlstand entscheidet. Deshalb dürfen wir Frauen nicht nur ermutigen, sich kritisch einzubringen, sondern müssen sie aktiv dabei unterstützen, diese Zukunft mitzugestalten. Darum begrüße ich diesen Antrag ausdrücklich, denn er schafft Chancen, öffnet Türen und sendet ein klares Signal. Geschlechtergerechtigkeit in der künstlichen Intelligenz ist keine Randnotiz, sie ist Grundbedingung für Fortschritt, Qualität und Fairness in Österreich und darüber hinaus. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Ricarda Berger . Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten.

FPÖ Ricarda Berger

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Geschätzte Kollegen! Liebe Österreicher! Heute liegt uns ein Antrag vor, der zeigt, wie weit die Genderideologie mittlerweile getrieben wird. Man will nicht mehr nur im Kindergarten, in der Schule und auf der Uni umerziehen, nein, jetzt sogar in der künstlichen Intelligenz. Ich frage Sie ernsthaft: Geht’s noch? Spürt ihr euch eigentlich noch? Ich frage Sie ernsthaft! – Während nämlich Familien ihre Rechnungen nicht zahlen können, die Lehrer fehlen, wie wir heute gehört haben, die Kinder nicht lesen können, beschäftigt man sich hier mit Genderkorrekturen in der KI. Das ist absurd, abgehoben und vor allem weltfremd, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 FPÖ) Beschönigend nennt man das die Beseitigung des Genderbias. In Wahrheit ist es der nächste linke Angriff auf Sprache, Denken und Freiheit.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh, bitte!

FPÖ Ricarda Berger

… Vorhin ist es auch schon erwähnt worden: KI ist ein Werkzeug. Ja, es ist ein Tool, aber die Linken machen daraus wieder ein Umerziehungsprogramm : Statt Objektivität und Wissenschaft gibt es wieder den linken Dreiklang aus Ideologie, Illusion und Indoktrination. Man muss sich das vorstellen. Eine KI schlägt einem jungen Menschen zum Beispiel einen Beruf vor – und wenn dieser dann öfter von Männern ausgeübt wird, dann rufen die Genderideologen: Diskriminierung! Da wird schon auch der Algorithmus verbogen. Das ist keine Gerechtigkeit, das ist Manipulation.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ihr wollt gerade einen Antrag ...!

FPÖ Ricarda Berger

… Das Ganze passiert auch auf einer sehr, sehr schwachen Grundlage, nämlich auf einer bloßen Befragung der Statistik Austria zur Selbsteinschätzung. Wir wissen alle, dass sich gerade Frauen – überhaupt was den Mint-Bereich anbelangt – einfach schlechter einschätzen. Da hinkt einfach die Statistik, und die Politik hinkt hinterher. Natürlich kann ein Arzt auch eine Frau sein und ein Ingenieur auch eine Frau sein, dazu braucht man keine Quoten-KI und schon gar keine staatlichen Bevormundungen. Denn: Soll ich Ihnen etwas sagen? – Menschen sind klug, sie sind klüger, als Sie das glauben, und dazu braucht man auch keine linke Umerziehung. Wir Freiheitliche lehnen dieses ideologische Experiment klar ab.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Sprache ...!

FPÖ Ricarda Berger

… KI muss neutral sein – im Gegensatz zu dem, was Sie gesagt haben, Frau Schatz –, nicht links, nicht rechts, nicht schwarz, nicht weiß. Das echte Leben verlangt Leistung, Freiheit, Verantwortung, und genau dafür stehen wir. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Brandstötter. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete, Sie gelangen zu Wort.

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Ja, da bleibt einem schon die Spucke weg. Puh. ( Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ sowie Beifall bei den NEOS und des Abg. Elian [ÖVP]. ) Bei der FPÖ scheint das Motto zu sein: künstliche Aufregung statt künstlicher Intelligenz. Ich weiß nicht, ob Sie sich vor künstlich oder vor Intelligenz fürchten. (👏 SPÖ, NEOS) Aber es macht mich auch betroffen, als Frauenpolitikerin und als Feministin, womit sich Frauen hierher stellen, die Erbinnen sind, Profiteurinnen einer Emanzipation sind (👏 SPÖ), die viele Frauen vor ihnen erkämpft haben, die auch dafür bestraft worden sind.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das waren unsere Mütter!

NEOS Henrike Brandstötter

… Sie sitzen hier, Sie haben ein Mandat, Sie haben die Möglichkeit, sich zu äußern und zu sprechen, weil sich das Frauen vor Ihnen erkämpft haben.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das waren keine Feministinnen!

NEOS Henrike Brandstötter

… Diese Backlash-Haltung, dieses Hinhauen auf Gleichstellungspolitik, das Verunglimpfen dann auch noch als „Gender-Bla-bla“ …

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Bla, bla, bla!

NEOS Henrike Brandstötter

… das ist wirklich atemberaubend. Es gibt sicher einen Ausdruck dafür, einen Fachbegriff, wenn man ein feministisches Stockholmsyndrom hat, also wenn man als Frau, um Männern zu gefallen – die über diese Listen offenbar bestimmen, denn die FPÖ ist eine Männerpartei –, dann hier den Herren nach dem Mund redet.

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Ich lade Sie einmal ein...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Was? – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Das ist diskriminierend gewesen! – Abg. Stefan [FPÖ]: Das ist Diskriminierung! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist echt frauenfeindlich! Und ihr bezeichnet euch als Feministinnen! – Abg. Schartel [FPÖ]: Gender-Bla-bla-bla!

NEOS Henrike Brandstötter

… Wir kommen zur künstlichen Intelligenz. Einmal mehr zeigt sich: Es braucht sie, aber wir müssen sie auch gemeinsam entwickeln, denn KI ist, genauso wie die FPÖ, ein Männerklub – und das mit ebenso verheerenden Folgen. 73 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher geben an, sie hätten wenig bis gar kein Wissen über KI und nur ein Viertel schätzt ihr Verständnis als gut ein. Das basiert auf einer Umfrage der Statistik Austria. 40 Prozent der Männer geben an, ihre Fähigkeiten im Einsatz von KI seien ausreichend ausgeprägt. Ja, wir wissen, dass Männer sich sehr schnell als gut und positiv einschätzen, während Frauen sich da oft ein bisschen schwerer tun: Nur 25 Prozent der Frauen sagen, ihre Fähigkeiten sind ausreichend. Fakt ist auch, dass in Österreich nur 16 Prozent der in der IT-Branche Beschäftigten Frauen sind. Das heißt: In den Schlüsselberufen der Digitalisierung fehlen Frauen fast vollständig, und das ist nicht nur ein Bildungsproblem, das ist ein Kulturproblem. Viele Frauen, die in Mint-Berufen arbeiten, berichten von männlich geprägten Strukturen, von fehlenden Role-Models, von schlechter Vereinbarkeit mit Familienaufgaben. Wer eine Branche so organisiert, dass Frauen kaum bleiben können, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie dann auch als Fachkräfte fehlen.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Vielleicht schaut ihr sie böse an!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das wiederum ist ein technologisches Risiko, und darum geht es ja gerade in diesem Antrag. Studien zeigen, dass Gesichtserkennungssoftware, die auf KI basiert, People of Colour signifikant schlechter erkennt als weiße Männer – und das passiert dann, wenn weiße Männer die Trainingsdaten erstellen. Eine KI ohne Frauen führt zu Bias und Ungerechtigkeit.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die SPÖ wird jetzt die Gerechtigkeit da hineinsetzen! Wollen Sie die SPÖ-Gerechtigkeit da drinnen haben?

NEOS Henrike Brandstötter

… Diese Zahlen, die ich vorher genannt habe, sind nicht nur deprimierend, sie sind auch gefährlich, denn wenn Frauen fehlen, fehlen Perspektiven; wenn Frauen nicht mitdenken, wird KI verzerrt; wenn Frauen keinen Zugang haben, bleibt KI ein Machtinstrument männlicher Kreise. Ja, das verstehe ich schon, dass das die Herren von der FPÖ total aufregt, wenn man darüber spricht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das regt mich überhaupt nicht total auf!

NEOS Henrike Brandstötter

… Mit She goes AI wollen wir genau diesen Zustand ändern. Wir wollen eine Bewegung. Wir wollen kein Alibi, keine Feigenblätter. Wir wollen Frauen von der Basis bis an die Spitze, Nutzerinnen, Entwicklerinnen und Entscheiderinnen. Denn wenn wir heute nicht entschieden handeln, dann kaufen wir morgen Systeme, die ferngesteuert sind.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ihr müsstet euch selber einmal zuhören!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tina Angela Berger . Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Tina Angela Berger

Geschätzter Herr Präsident! Frau Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich muss wirklich sagen: Was man da so hört – ich bin fassungslos, es ist unfassbar.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Mindblowing! – Heiterkeit und Zwischenrufe bei SPÖ und Grünen.

FPÖ Tina Angela Berger

… Ich muss auch sagen, dieser Antrag wirkt ja auf den ersten Blick positiv und vermittelt den Eindruck, man würde nur die Chancen für Frauen im technischen Bereich verbessern wollen. Wer könnte da eigentlich etwas dagegen haben? Ich sage Ihnen aber, was ich dagegen habe: Während Frauen in unserem Land noch immer schlechter bezahlt werden als Männer …

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Ja, genau deswegen!

FPÖ Tina Angela Berger

… während Mütter keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder finden und während zahlreiche Frauen mit Teilzeitbeschäftigung direkt in die Altersarmut schlittern …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Ihr wollt die Herdprämie haben!

FPÖ Tina Angela Berger

… diskutieren wir heute allen Ernstes über mehr Geschlechtergerechtigkeit in der künstlichen Intelligenz.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Got a point!

FPÖ Tina Angela Berger

… Statt die echten Herausforderungen von Frauen und Mädchen anzugehen …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Dann sezieren wir mal das frauenpolitische Konzept der FPÖ!

FPÖ Tina Angela Berger

… flüchtet sich die Verliererampel immer mehr in Showpolitik. Man kümmert sich lieber um theoretische Fragen in der digitalen Welt, statt den Alltag jener Frauen zu verbessern, die jeden Tag schuften, die am Ende des Monats nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen …

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Deswegen sollen sie in die Mint-Berufe!

FPÖ Tina Angela Berger

… und die sich auf dem Heimweg im Dunkeln nicht mehr sicher fühlen. Dieser Antrag ist nichts anderes als Alibipolitik, die von den wirklichen Sorgen ablenken will. (👏 FPÖ) Statt Motivation und Anreize für Frauen in Mint-Berufen zu schaffen, fordert man ideologische Eingriffe in Algorithmen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was ist daran ein ideologischer Eingriff?

FPÖ Tina Angela Berger

… Das ist ein gefährlicher Irrweg. Damit werden Manipulation und politischer Einflussnahme Tür und Tor weit aufgestoßen. Künstliche Intelligenz ist ein technisches Werkzeug, sie muss unabhängig von parteipolitischen Interessen bleiben. Meine Damen und Herren, wir Freiheitliche lehnen diesen Antrag aber sowas von ab. Der bringt keiner einzigen Frau in diesem Land konkrete Verbesserungen.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

... echt die Amish unter den Parteien!

FPÖ Tina Angela Berger

… Er ist ein weiteres Beispiel für die abgehobene, realitätsfremde Frauenpolitik der Einheitspartei, fernab des Alltags, fernab dessen, was Frauen in Österreich wirklich bewegt.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Herdprämie!

FPÖ Tina Angela Berger

… Zu diesem Gendertheater sagen wir einmal klar: Nein. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Zorba. 3 Minuten eingemeldete Redezeit. – Bitte schön.

GRÜNE Süleyman Zorba

Sehr geschätzter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Frau Ministerin! Als ich heute Vormittag auf die Redner:innenliste geschaut habe, habe ich als Digitalisierungssprecher mich ja eigentlich gefreut. Ich habe mir gedacht, es gibt ein Digitalisierungsthema, bei dem auch einmal 14, 15 Redner:innen eingemeldet sind. Nachdem ich dann aber gesehen habe, dass acht, neun davon FPÖler sind, hätte ich mir denken können, in welche Richtung es gehen wird. Wir diskutieren ja heute über den Antrag betreffend „She goes AI“.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Wenn der Antrag durchgeht, brauchst eh nicht mehr denken, das macht die künstliche Intelligenz dann!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Herr Kollege, du kannst ja herauskommen, vielleicht gibt es irgendeinen Punkt, den du da jetzt konkret vorbringen kannst, ohne einen Kulturkampf auszulösen …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Nein, gibt es nicht!

GRÜNE Süleyman Zorba

… oder Bluthochdruck zu bekommen, sobald man das Wort Gender sagt. Eigentlich geht es ja um etwas Technisches, das kann man ja ganz klar kommunizieren, diskutieren und debattieren. Aber worüber debattieren wir heute? – Es ist ein Antrag der Regierungsparteien, die darin die Regierung ersuchen, doch endlich etwas in diesem Bereich zu machen. Mit anderen Worten: Die Regierungsparteien beauftragen sich selber damit, etwas zu tun. Anträge dieser Art sind nichts Neues …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Das ist sogar schon den Abgeordneten aufgefallen, dass die Regierung nichts ...!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Sie bieten ja auch eine Möglichkeit, Dinge anzukündigen. Ich bin aber ehrlich gesagt ein bisschen von dem Antrag enttäuscht, obwohl ich die Stoßrichtung sehr wichtig finde. Wir haben eine sehr engagierte Ministerin. Ich glaube, als selbstbewusstes Parlament könnten wir ihr auch konkrete Forderungen mitgeben, an denen sie arbeiten könnte. Die Geschlechterdiskriminierung durch die künstliche Intelligenz ist ja keine Verschwörungstheorie oder irgendeine woke, ideologische Geschichte. Heute ist es schon so, dass Bewerbungstools Frauen systematisch schlechter bewerten. Bei Kreditwürdigkeitsprüfungen bekommen Frauen schlechtere Konditionen. Die ganzen Chatbots, die wir kennen, funktionieren ja eigentlich auf einer Datenbasis, und diese Datenbasis ist nicht unbedingt sehr frauenfreundlich, sie ist sehr männerlastig. Ich glaube, damit sich die Probleme der Vergangenheit nicht auch in der Zukunft manifestieren, muss man da entsprechend eingreifen. (👏 NEOS) Der Genderbias ist also real, er ist problematisch, an dem muss man arbeiten, und ich finde, das sollte nicht ein weiterer Sitzkreis sein, in dem man irgendwelche Forderungen vielleicht in Zukunft ausarbeiten möchte, sondern es gibt ganz konkrete Dinge, an denen man arbeiten könnte. Es gibt eine Thematik, die ich wirklich sehr problematisch finde: Seit dem 2. August hätte Österreich eine KI-Behörde haben müssen. Leider fehlt diese bis heute. Es gab eine Ankündigung, dass sie im Herbst kommen soll. Man muss dazu sagen, dass die Vorarbeiten für diese KI-Behörde schon längst abgeschlossen waren. Jetzt haben wir den Herbst, es gibt nach wie vor keine KI-Behörde, aber es gibt Entschließungsanträge der Regierungsparteien an die Regierung ohne konkrete Forderungen. Mit Ankündigungspolitik geht es aber nicht immer gut, man muss ja auch ein bisschen Substanz bieten. Als konstruktive Oppositionspartei haben wir uns etwas überlegt. Wir haben einen Antrag mit 14 konkreten Punkten, die man abarbeiten könnte, eingebracht. (👏) RN/206.1 Wir bringen deshalb einen Entschließungsantrag ein, und ich werde ein paar dieser Punkte aufzählen. Auf der einen Seite behandelt dieser Dinge auf der europäischen Ebene, die die Ministerin ja mitnehmen kann, und auf der anderen Seite gibt es auch auf nationaler Ebene Dinge, die man abarbeiten muss und könnte. Zum einen Punkt: Das Gleichbehandlungsgesetz muss modernisiert werden, damit Diskriminierung durch künstliche Intelligenz überhaupt erfasst wird, weil das ja ein Graubereich ist. Wir brauchen eine gute Datenbasis, um eben auch gezielter fördern zu können. Ich glaube, da gibt es auch keine ganz guten Zahlen, an denen man arbeiten könnte. Auf der europäischen Ebene könnte man sich dafür einsetzen, dass Hersteller von KI-Systemen verpflichtet werden, ihre Algorithmen diskriminierungsfrei zu gestalten und jährlich über ihre Maßnahmen zu berichten. Diese und viele weitere Maßnahmen – also 14 Stück – haben wir im Antrag niedergeschrieben. Im Ausschuss wurde er von den Regierungsparteien abgelehnt, weil es zu wenig Zeit gab, sich diese Forderungen anzuschauen. Ich glaube, seither gab es genug Zeit, sich das anzuschauen. Wir geben also der engagierten Ministerin konkrete Forderungen mit, damit sie diese abarbeiten kann. Ich freue mich, wenn es Zustimmung zu unserem Antrag gibt. – Danke schön. (👏) 22.57 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/206.2 Fairness by Design – Geschlechtergerechtigkeit bei KI durchsetzen (129/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der gegenständliche Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt, wurde in seinen Grundzügen erörtert und ist aufgrund seiner Länge gemäß § 53 Abs. 4 GOG an die Abgeordneten verteilt worden. Er steht sohin mit in Verhandlung. Als Nächste hat sich die Frau Bundesministerin zu Wort gemeldet. – Bitte sehr.

FPÖ Markus Leinfellner

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Also wir Freiheitliche freuen uns ja immer, wenn es um eine Verbesserung bei den Problemen der Frauen geht. ( Ruf: Wir glauben Ihnen nicht! ) Und dieser Tagesordnungspunkt heute zeigt wieder einmal, dass sich diese Bundesregierung um die wirklichen Probleme unserer Frauen kümmert. Es geht nämlich in Österreich nicht um eine volle Anrechnung von Kindererziehungszeiten bei der Kinderbetreuung! ( Ruf: Was hat das alles mit dem Thema zu tun? ) Es geht nicht darum, dass Frauen, die zu Hause die Kinderbetreuung leisten wollen, endlich einmal eine Anerkennung dafür bekommen oder zumindest das bekommen, was jeder Wirtschaftsflüchtling am ersten Tag, wenn er über die Grenze kommt, bekommt! Da würden wir uns freuen. Das wären Verbesserungen für die Frauen: gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Stattdessen beschäftigen wir uns aber mit einer gendergerechten künstlichen Intelligenz.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Du hast noch kein einziges Wort zum Thema gesagt! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen. – Abg. Brandstötter [NEOS]: ... Ruf zur Sache!

FPÖ Markus Leinfellner

… Kollege Zorba – jetzt schreit er gerade heraus – hat vorhin gesagt, dass die Grünen 14 Punkte eingebracht haben …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Markus Leinfellner

… und hat Strafbestimmungen nach dem Gleichbehandlungsgesetz erwähnt.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Markus Leinfellner

… Kollege Zorba …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ja?

FPÖ Markus Leinfellner

… jetzt würde mich Folgendes interessieren …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Bitte!

FPÖ Markus Leinfellner

… Elon Musk ist, glaube ich, einer der Hauptbetreiber von Chat-GPT.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

... nicht wahr! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Markus Leinfellner

… Inwiefern können wir Elon Musk mit 350 Euro für eine Verwaltungsübertretung in Österreich beeindrucken? Meine sehr geehrten Damen und Herren! Irgendwann werden sie einen Schalter umlegen und uns Chat-GPT in Österreich abdrehen …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Nein! Sie nehmen die Europäische Union nicht wahr, aber wir sind Teil der Europäischen Union!

FPÖ Markus Leinfellner

… und dann kommt wieder ein Erfolgsprojekt dieser Einheitspartei à la Kaufhaus Österreich. Wir alle wissen, was dabei herausgekommen ist. – Gute Nacht, Österreich! …

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Wie wär’s, wenn du dich niederlegst? Gute Nacht!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Petra Oberrauner . – Ich stelle die Uhr auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Oberrauner

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Hohes Haus! Nur eine KI-Forschung, in die Frauen involviert sind, ist kraftvoll, vielfältig und vollständig. Unterschiedliche Zugänge sind die Voraussetzung für Innovation und Fortschritt. Zurzeit liegt der Frauenanteil in der KI zwischen 22 und 30 Prozent. Das heißt aber auch, dass viel zu oft die Stimmen der Frauen fehlen, in einer Technologie, die unsere Zukunft prägen wird – für alle, für Männer und für Frauen. Eine Studie der Boston Consulting Group zeigt: Paritätisch besetzte Teams erzielen 19 Prozent mehr Umsatz über Innovation. Und Fakt ist: Unterschiedliche Blickwinkel führen zu besseren Lösungen und zu besseren Produkten. Ein Beispiel möchte ich da nennen, damit wir die künstliche Intelligenz endlich als Intelligenz wahrnehmen: Entwickelt ein rein männliches Team eine KI für Herzkrankheiten, bezieht es seine Informationen meistens aus männlichen Daten, männlichen Erfahrungen und männlichen Bedürfnissen. Typische Symptome, die bei Frauen anders sind und damit andere Bedürfnisse nach sich ziehen, werden übersehen. Ein Team mit Frauen und Männern erkennt solche Lücken besser und schneller. Es erweitert die Daten und den Blickwinkel und entwickelt eine KI, die allen dient. So ist es auch in der Medizin. (👏 ÖVP, SPÖ) Genau darum geht es bei der Maßnahme She goes AI. Es geht darum, mehr Frauen für den KI-Bereich von Forschung und Wirtschaft zu interessieren. Damit entsteht Folgendes: Es entstehen KI-Systeme, die gleichberechtigte Gesellschaften unterstützen. Es werden Produkte geschaffen, die für alle interessant sind, und es werden vertrauenswürdige Technologen made in Austria und made in Europe entwickelt, die auf der ganzen Welt gefragt sind. So sichern wir Gleichbehandlung auch in neuen Technologien, so gewinnen unsere Unternehmen an Stärke und so wird die Forschung immer innovativer. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die KI darf nicht nur zur Hälfte richtig sein. Sorgen wir mit Programmen wie She goes AI dafür, dass alle Bedürfnisse von Männern und Frauen abgedeckt und in die KI eingebracht sind, um Gleichbehandlung offline und online sicherzustellen! Ich möchte noch einen Satz zu den Beiträgen der Freiheitlichen Partei verlieren: Ich bin wirklich bestürzt darüber, dass Sie Vergleiche bringen, die weder Hand noch Fuß haben, obwohl Sie wirklich intelligente Personen sind.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Das glaub ich nicht, dass Sie bestürzt sind!

SPÖ Petra Oberrauner

… Frauen in Mint-Berufe zu schicken – wenn Sie schon solche Vergleiche machen –, wird keine einzige Frau auf der Straße retten. Also ich weiß nicht, welche Vergleiche ihr zieht, aber ich weiß, dass ihr gar keine Ahnung von der künstlichen Intelligenz habt. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Romana Deckenbacher . – Ich stelle die Uhr auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Romana Deckenbacher

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Hohes Haus! Künstliche Intelligenz prägt unseren Alltag, prägt unsere Arbeitswelt und prägt vor allem auch die Art und Weise, wie wir Zukunft gestalten. Bei aller Innovationskraft, die so wichtig ist, müssen wir aber auch teilweise sehr kritisch hinschauen. Warum sprechen wir eigentlich von Alexa und nicht von Alex? – Virtuelle Sprachassistenten wie Siri und Alexa haben zu Beginn ausschließlich weibliche Stimmen programmiert. Dahinter steckt ein gesellschaftliches Rollenbild, das bei Weitem nicht mehr zeitgemäß ist und auch in unserer Technologie keinen Platz finden soll. Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant, dabei dürfen wir eines nicht übersehen: erstens einmal die Art und Weise, wer KI entwickelt und für wen sie entwickelt wird. 78 Prozent der Personen in Europa, die künstliche Intelligenz mit ihren Programmen und ihren Algorithmen gestalten, sind Männer – eine klare Unterrepräsentation der Frauen. Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen, warum Frauen genau aus diesem Grund vor allem auch diskriminiert werden: Wir haben schon gehört, es gibt KI-gestützte Bewerbungssysteme, die Frauen benachteiligen, weil sie aus Daten der Vergangenheit, in denen viele Branchen auch noch männerdominiert waren, gelernt haben. Auch in der Medizin liefern KI-Systeme oft weniger präzise Diagnosen für Frauen, da sie überwiegend mit Daten männlicher Personen trainiert wurden. Hinzu kommt auch noch der Missbrauch von KI, etwa durch manipulierte Videos, Fotos oder Audios, die täuschend echt wirken und zunehmend für Gewalt gegen Frauen eingesetzt werden. Das zeigt, KI kann bestehende Ungleichheiten verstärken, wenn wir nicht bewusst entgegensteuern. Wir müssen KI aber auch als Chance verstehen, denn künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Sie ist heute fester Bestandteil unseres Alltags und wird uns auch in Zukunft noch präsenter erscheinen. (👏 ÖVP, SPÖ) Vielleicht ist es für den einen oder anderen auch überraschend, dass hinter Chat-GPT eine Frau steht, nämlich Mira Murati. Sie ist eine Inspiration für Frauen weltweit, die eine Karriere im Technikbereich anstreben. Wenn Frauen die KI der Zukunft mitgestalten – und es geht um Mitgestaltung –, wird auch Technologie inklusiver, aber vor allem gerechter. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Ines Holzegger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Ines Holzegger

Uff, wir haben jetzt viel – nennen wir es – Interessantes zum Thema KI gehört, auch von der FPÖ. Zum Factchecken komme ich dann nachher – kleine Preview. Es ist viel über Frauen im KI-Bereich gesprochen worden, jetzt würde ich gerne als Frau in der Technik einmal meine Geschichte erzählen. Eigentlich wäre mein beruflicher Weg ja ganz linear gewesen. Ich habe ein sprachliches Gymnasium gemacht, habe Lehramt studiert und hätte dann bis zur Pension – sollte es sie dann noch geben – unterrichtet. Sprachlich interessiert war ich immer, deswegen war für mich die technische Laufbahn eigentlich relativ schnell vom Tisch. Aber warum? Warum geht nicht beides? Technik und Sprachen: Warum nicht? Wie Sie sehen, stehe ich ja jetzt vor Ihnen und spreche über Frauen in der Technik, weil ich mich spät, aber doch dafür entschieden habe, einen neuen Weg zu gehen, in eine Branche einzutauchen, die mir bis dahin sehr fremd war. Das ist natürlich ein Risiko. Ich habe es gemeistert, aber ich wäre sehr dankbar über Orientierungshilfen und Hilfestellungen gewesen: Wie geht es? Wie komme ich von einer ganz anderen Branche in die Technik? Ich habe es aber – und das kann ich allen sagen, die sich vielleicht überlegen, umzusteigen – keine Sekunde bereut, in die IT zu gehen. Wir sind uns hoffentlich alle einig – ich bin mir nicht so sicher, aber hoffentlich –, dass wir mehr Frauen in technische Berufe bringen wollen, nicht um Quoten zu erfüllen, sondern weil Frauen wichtige Erfahrungen und Blickwinkel einbringen, die auch wirtschaftlich einen positiven Effekt haben. Dass das offensichtlich kein Selbstläufer ist, sehen wir alleine deswegen, weil wir schon seit Jahrzehnten davon sprechen; es gibt ja auch schon viele Initiativen in diesem Bereich. Darum, Frau Ministerin, habe ich auch sehr hohe Erwartungen an das Maßnahmenpaket – dass es eben nicht zu einem Marketinggag verkommt, sondern tatsächliche nachhaltige Effekte haben wird. Ich bin da aber guter Dinge, dass das was wirklich Gutes und Großartiges für Frauen in der Technik sein wird. Eines möchte ich aber auch sagen: Die Statistiken, die auf Selbsteinschätzung basieren, sagen rein gar nichts über die Eignung von Frauen für die Technik aus. Vor zehn Jahren hätte ich mich vermutlich selbst noch unterschätzt, heute darf ich hier stehen und zu Ihnen sprechen, dass es – hoffentlich bald – in Zukunft mehr Frauen in die Technik, in die IT oder zur KI zieht. Ich möchte mir ganz zum Schluss noch erlauben, ein bisschen Facts zu checken, weil mich das wirklich sehr sprachlos gemacht hat, was da teilweise von den Kolleginnen und Kollegen der FPÖ gekommen ist: Zu Kollegin Berger: Wir wollen nicht in die Algorithmen eingreifen, die Datenbasis ist das Problem. (👏 SPÖ, NEOS) Kollege Leinfellner, Sie sollten wirklich einmal googeln, wer da hinter Chat-GPT und anderem steckt. Das wäre sicher ein Bildungsauftrag. (👏 SPÖ, NEOS) Und zur FPÖ: Wenn Sie sich wirklich für die Sicherheit und die Rechte von Frauen einsetzen wollten, dann hätten Sie heute für die Änderung des Waffengesetzes gestimmt.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Roland Baumann . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Kollege.

SPÖ Roland Baumann

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ich weiß ja, dass Unbekanntes und Veränderung Angst machen können, aber mit dem Versuch, aus dieser Angst heraus dieses Thema zu einer Gender- und Migrationsdebatte zu machen, zeigt die Freiheitliche Partei, dass mit ihr in dieser Schockstarre kein Staat zu machen wäre. Das ist der Beweis dafür. (👏 SPÖ, NEOS) Ich bin ganz klar bei Kollegen Elian, der gesagt hat, es sei eine Frage von Wohlstand und Teilhabe. Es geht um die Frage, ob wir in Österreich in Zukunft auch eine funktionierende Wirtschaft und ordentliche, gut bezahlte Arbeitsplätze haben – und das für Männer und Frauen. Warum sage ich das? – Eine schlecht programmierte KI verbraucht bis zu einem Drittel mehr Strom, mehr Energie als eine gut programmierte, und das größte Problem, das die österreichische Wirtschaft gerade hat, sind die Energiepreise. Ihr gefährdet das gerade mit eurer Debatte. Gleichzeitig hat man beim AMS gesehen, wozu es führt, wenn ein Chatbot schlecht programmiert ist. Dieser Chatbot hat strukturell Frauen benachteiligt.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

... Gender!

SPÖ Roland Baumann

… Er hat strukturell Männer in die gut bezahlte IT- und Metallindustriebranche geschickt und hat Frauen in die Hotellerie, in das Gastgewerbe und so weiter geschickt – also in Branchen, die strukturell schlechter bezahlt sind.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

KI ... kann eine Kleinstadt mit ...!

SPÖ Roland Baumann

… Das kann es nicht sein. Wie funktioniert eine KI? – KIs sind Systeme, die mit Daten gefüttert werden. Dann entstehen Muster, und auf Basis dieser Muster werden dann Regeln erstellt und dann werden Vorhersagen und Entscheidungen getroffen. Diese Daten an der Basis kann man beeinflussen, und da ist die Einbindung von Frauen unumgänglich.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... auf Trainingsdaten!

SPÖ Roland Baumann

… Es ist eine rasante Technologieentwicklung, die da gerade passiert, und unsere Organisationen tun sich oft schwer, da mitzukommen. Ja, es wird zu Veränderungen in der Arbeitswelt kommen. Es werden gewisse Tätigkeiten wegfallen, es werden sich welche verändern. Es werden aber auch neue Tätigkeiten hinzukommen. Dazu braucht es auf jeden Fall Maßnahmen, um lebenslanges Lernen und Umschulungen zu ermöglichen. Genau da setzt dieser Antrag auch an. Wir haben das ja in diesem Haus schon oft diskutiert: Es gibt ein Problem, es gab es in der Vergangenheit. Wir sehen das im Gender-Pay-Gap, wir sehen das in den schlechteren Karrieremöglichkeiten von Frauen und in den Möglichkeiten von medizinischen Behandlungen. Wir dürfen diese Fehler von früher nicht in die Zukunft mitnehmen. Deshalb ist es so notwendig, dass wir diese Technologie, die so irrsinnig viele Möglichkeiten bietet, auch mitgestalten. Da wird es notwendig, dass wir alle zusammenhelfen, dass wir Frauen einbinden, dass wir Frauen diese Möglichkeit geben und somit dafür sorgen, dass wir diese Technologie für eine gleichberechtigte Zukunft …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Wir werden diesen Antrag dem Zuckerberg und dem Elon Musk schicken, damit ...!

SPÖ Roland Baumann

… und für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort Österreich nutzen. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ich glaube, dass ... nächsten UNO-Auftritt Österreich wieder erwähnt wird als ... Ort!)

Sammelbericht des Ausschusses für Petitionen und Bürgerinitiativen

159 d.B.

Zusammenfassung

Der Ausschuss für Petitionen und Bürgerinitiativen erledigt die Petition Nr. 1 („Waldviertel Gütesiegel“) sowie die Bürgerinitiativen Nr. 5, 8, 9, 10, 12, 13 und 16 durch bloße Kenntnisnahme des Ausschussberichts. Der Nationalrat soll diesen Sammelbericht ebenfalls zur Kenntnis nehmen; inhaltliche Maßnahmen oder Gesetzesänderungen werden damit nicht beschlossen.

Betroffen sind die Einbringer:innen und Unterstützer:innen der genannten Petition/Bürgerinitiativen sowie die jeweils angesprochenen Politikfelder (Regionalgütesiegel, E‑Bike-Regeln, Denkmalschutz, WHO-Pandemievertrag, Friedens-/Neutralitätspolitik, A22-Lärmschutz, Gaza-Waffenstillstand, gratis Klimaticket/ÖV-Ausbau).

Dokumente

Sammelbericht des Ausschusses für Petitionen und Bürgerinitiativen

Gegenstand und Aufbau des Sammelberichts

  • Der Sammelbericht behandelt eine parlamentarische Petition (Nr. 1) sowie mehrere Bürgerinitiativen (Nr. 5, 8, 9, 10, 12, 13 und 16).
  • Zur Übersicht wird der Verhandlungsverlauf jeder Petition/Bürgerinitiative tabellarisch dargestellt (Betreff, Einbringer:in, Einlangen, Behandlung im Ausschuss, angeforderte Stellungnahmen, Art der Erledigung).
  • Der Bericht ist so gegliedert, dass zuerst die berichtspflichtigen Petitionen/Bürgerinitiativen dargestellt werden und danach jene, die anderen Ausschüssen zugewiesen wurden.

Stellungnahmen und elektronische Unterstützung

  • Seit 1. August 2021 können Bürger:innen, Institutionen und Einrichtungen während des gesamten parlamentarischen Verfahrens zu Petitionen und Bürgerinitiativen Stellungnahmen abgeben.
  • Petitionen/Bürgerinitiativen sowie einzelne Stellungnahmen können elektronisch unterstützt werden.
  • Elektronische Zustimmungserklärungen sind vom Einlangen bis zum Ende des gesamten parlamentarischen Verfahrens möglich (nicht nur bis zum Ende der Ausschussbehandlung).

Fortführung aus der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode

  • Die im Bericht behandelten Bürgerinitiativen waren bereits Gegenstände der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode, wurden dort jedoch nicht erledigt.
  • Nicht erledigte Bürgerinitiativen der vorangegangenen Gesetzgebungsperiode werden in der nächsten Gesetzgebungsperiode erneut Verhandlungsgegenstände des Nationalrates und seiner Ausschüsse.

Petition Nr. 1: „Waldviertel Gütesiegel“

  • Anliegen ist die Etablierung eines eigenen „Waldviertel Gütesiegels“ für Produkte und Dienstleistungen aus der Region.
  • Begründung: Bestehende Gütesiegel in Österreich werden als entweder zu eng oder zu weit gefasst wahrgenommen; ein regionales Gütesiegel soll die Unverwechselbarkeit des Waldviertels abbilden.
  • Erwartete Wirkungen: Stärkung der Marke „Waldviertel“, Förderung der Qualität heimischer Produkte, Erhalt regionaler Arbeitsplätze, Attraktivierung der Region als Wirtschaftsstandort, Beitrag zu Klimaschutz und hohem Tierwohl.

Bürgerinitiative Nr. 5: „Kennzeichnung von E-Bikes als Motorkraftfahrzeuge!“

  • Ziel ist die Kennzeichnung von E-Bikes als Motorkraftfahrzeuge, um das Zusammenspiel zwischen Erholungssuchenden, ländlichen Grundbesitzer:innen und E‑Mountainbiker:innen zu verbessern.
  • Begründung: E‑Mountainbiker:innen seien mit immer stärkeren Energiespeichern in Wäldern und alpinen Regionen unterwegs, wo deren Nutzung meist verboten sei; eine Ausweispflicht solle dieser Entwicklung entgegenwirken.
  • Zusätzliche Argumentation: Es wird auf eine steigende Anzahl von Verletzungen verwiesen.
  • Weitere vorgeschlagene Maßnahmen: Haftpflichtversicherung sowie eine Mautabgabe zugunsten der Gemeinden.

Bürgerinitiative Nr. 8: „Wirkungsvoller Schutz gefährdeter Kulturgüter in Österreich“

  • Gefordert wird die Ratifizierung der „Konvention von Granada“ (Übereinkommen zum Schutz des architektonischen Erbes Europas).
  • Problemaufriss: Denkmalgeschützte Kulturgüter würden ohne Konsequenzen dem Verfall überlassen, da es keine Erhaltungspflicht im Denkmalschutz gebe, sondern nur ein Verbot aktiver Zerstörung.
  • Finanzierungsthema: Der Denkmalfonds zur Rettung von unter Denkmalschutz stehenden Objekten sei nicht ausreichend dotiert.
  • Verfahrensproblem: Es werden Fälle angeführt, in denen architektonische Kulturgüter während eines laufenden Unterschutzstellungsverfahrens zerstört worden seien; es wird an Lösungen appelliert.

Bürgerinitiative Nr. 9: „Nein zum Pandemievertrag der WHO“

  • Gefordert wird, dass der Nationalrat beschließt, den Pandemievertrag mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht zu unterzeichnen.
  • Befürchtungen der Unterstützer:innen: Gefährdung von Autonomie und Demokratie sowie massive Eingriffe in nationales Recht.
  • Konkret abgelehnt werden internationale Gesundheitsvorschriften seitens der WHO.
  • Gefordert wird Selbstbestimmung der Bürger:innen über Behandlungen und Untersuchungen; Impfzwänge werden abgelehnt.
  • Ebenso werden Lockdowns für gesunde Menschen abgelehnt.

Bürgerinitiative Nr. 10: „Die Waffen nieder“

  • Hintergrund ist der Krieg in der Ukraine.
  • Gefordert wird, dass sich Österreich aktiv an einer Friedenspolitik für eine neutrale und souveräne Ukraine beteiligt.
  • Österreich solle sich nicht verpflichten lassen, massiv aufzurüsten oder bei EU‑Kriegseinsätzen mitzumarschieren bzw. diese mitzufinanzieren und logistisch zu unterstützen.
  • Angestrebt wird die „Wiederherstellung einer neutralitätskonformen österreichischen Verfassung“.
  • Finanzpolitische Priorität: Geld solle statt in Aufrüstung in den Klimaschutz fließen.

Bürgerinitiative Nr. 12: „Wir fordern einen wirksamen Schutz gegen den A22‑Lärm zwischen Stockerau Ost und Stockerau Nord“

  • Anliegen ist ein wirksamer Schutz gegen Lärm der A22, da in weiten Bereichen von Stockerau Überschreitungen der Lärm‑Grenzwerte behauptet werden.
  • Gefordert wird ein flexibles Tempolimit auf beiden Richtungsfahrbahnen zwischen Stockerau Ost und Stockerau Nord.
  • Zusätzlich wird eine permanente Tempoüberwachung verlangt.
  • Kontext: Ein Ausbauprojekt der ASFINAG (eingereicht 2016) enthalte bauliche Lärmschutzmaßnahmen (Lärmschutzwände), gleichzeitig solle aber das bestehende Tempolimit aufgehoben werden; befürchtet wird dadurch eine neuerliche Überschreitung der Lärm‑Grenzwerte.

Bürgerinitiative Nr. 13: „Für einen Waffenstillstand in Gaza im Sinne der Neutralität“

  • Gefordert wird, dass die Bundesregierung für einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand in Gaza „im Sinne der Neutralität“ eintritt.
  • Dies soll insbesondere im Rahmen der Vereinten Nationen (UNO) erfolgen.

Bürgerinitiative Nr. 16: „Jugend bewegt – gratis Klimaticket und Öffiausbau jetzt!“

  • Gefordert wird ein gratis Klimaticket bis 25 Jahre.
  • Die Finanzierung/Umsetzung soll als Teil des Bundesbudgets bzw. des Budgetbegleitgesetzes vorgesehen werden.
  • Zusätzlich wird ein „Bundesverkehrszielgesetz“ nach dem Vorschlag der SPÖ gefordert, um den aktiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs umzusetzen.

Ergebnis auf Berichtsebene

  • Der Bericht mündet in das Ergebnis, dass der Nationalrat den Sammelbericht in Bezug auf die behandelte Petition und die genannten Bürgerinitiativen zur Kenntnis nehmen soll.