XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

39. Sitzung des Nationalrats

11. Juli 2025

13Beschlüsse
8Angenommen
5Abgelehnt
39. Nationalratssitzung

VN-Sicherheitsratskandidatur unter Einbindung des Parlaments

112 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOSGRÜNE · Entschließungsantrag 278/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat fasst eine Entschließung, mit der die Bundesregierung aufgefordert wird, die österreichische Kandidatur für einen nichtständigen Sitz im VN-Sicherheitsrat 2027/2028 aktiv voranzutreiben. Dabei soll das Parlament systematisch in die Bewerbung und internationale Kontaktpflege auf parlamentarischer Ebene eingebunden werden.

Betroffen sind die Bundesregierung (insbesondere das Außenministerium) und der Nationalrat, die gemeinsam die Bewerbung Österreichs für den VN-Sicherheitsrat 2027/2028 unterstützen und parlamentarisch begleiten sollen.

Dokumente

VN-Sicherheitsratskandidatur unter Einbindung des Parlaments

Ausgangslage und Begründung der Initiative

  • Österreich als kleiner Staat mit stark exportorientierter Volkswirtschaft ist für Sicherheit und Wohlstand auf funktionierende internationale Institutionen und eine regelbasierte internationale Ordnung angewiesen.
  • In einer zunehmend instabilen Welt wird die Einhaltung völkerrechtlicher Verträge und Regeln als besonders wichtig hervorgehoben; dafür soll Verantwortung übernommen werden.
  • Multilateralismus wird als für Österreich lebensnotwendig beschrieben (kein „Luxus“); er soll vor nachhaltiger Beschädigung geschützt und aktiv verteidigt werden.

Ziel: Kandidatur für einen nicht-ständigen Sitz im VN-Sicherheitsrat

  • Österreich kandidiert für einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat für die Periode 2027/2028; die Wahl erfolgt in der VN-Generalversammlung im Juni 2026.
  • Österreich war bereits dreimal nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat.
  • Die Kandidatur soll Österreichs Position und Rolle in der internationalen Diplomatie weiter stärken.

Österreichs besondere Rolle im Multilateralismus und Standort Wien

  • Österreich wird eine besondere Verantwortung im multilateralen Bereich zugeschrieben; Wien ist Sitz mehrerer internationaler Organisationen (u.a. Vereinte Nationen, OSZE) und damit ein Zentrum des Multilateralismus.
  • Österreich habe sich bereits im Kalten Krieg als Partner für Dialog und Verständigung angeboten und gelte als anerkannter Vermittler sowie aktiver Friedensförderer.
  • Die in Wien ansässigen Organisationen verleihen internationales Gewicht und bringen wirtschaftlichen Nutzen; laut WIFO beträgt die Wertschöpfung rund 1,7 Mrd. Euro, etwa 20.000 Arbeitsplätze hängen am Amtssitz Wien.

Geopolitischer Kontext und inhaltliche Stärken Österreichs

  • Seit dem Ende des Kalten Krieges habe sich die geopolitische Lage stark verändert; vor diesem Hintergrund wird die Sicherheitsratskandidatur als strategisch bedeutsam dargestellt.
  • Österreich kann auf Aktivitäten als vertrauenswerter Partner aufbauen, insbesondere bei Initiativen zum Verbot von Massenvernichtungswaffen.
  • Einsatz für menschliche Kontrolle autonomer Waffensysteme wird als Schwerpunkt genannt.
  • Weitere genannte Schwerpunkte: Rechtsstaatlichkeit, Frauen- und Menschenrechte, Friedenssicherung und -förderung sowie globale Sicherheit.
  • Als neutraler Staat wird Österreich eine Vorreiterrolle bei Abrüstung und Rüstungskontrolle sowie bei der Beteiligung an VN-Friedensmissionen zugeschrieben.
  • Österreichs Stärke wird auch im Eintreten für Interessen kleinerer und mittlerer Staaten, im Engagement für Multilateralismus und für die Reform des VN-Sicherheitsrates gesehen.

Erwarteter Mehrwert einer Sicherheitsratsmitgliedschaft

  • Als nicht-ständiges Mitglied soll Österreich die Möglichkeit haben, inhaltliche Schwerpunkte zu setzen und Brücken zwischen Staaten zu bauen, auch bei Themen mit unmittelbarem Österreich-Bezug.
  • Österreich soll gezielt an der Eindämmung von Krisen mitwirken können, die maßgeblich zur irregulären Migration beitragen.
  • Traditionelle Schwerpunkte Österreichs in humanitärer Hilfe, Menschenrechten und Friedenssicherung sollen gezielt weiterverfolgt werden.

Ressourcen und Einbindung des Parlaments

  • Die Bundesregierung habe für die Bewerbung der Sicherheitsratskandidatur budgetär vorgesorgt.
  • Für die Bewerbung soll das österreichische Parlament aktiv eingebunden werden; die internationale Kontaktpflege auf parlamentarischer Ebene soll genutzt werden.
  • Die aktive Einbindung des Parlaments wird als wertvoller Multiplikatoreffekt beschrieben, um Österreichs Position weiter und breiter international zu vermitteln.

VN-Sicherheitsratskandidatur unter Einbindung des Parlaments

~44 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir besprechen jetzt die Bewerbung Österreichs um einen nichtständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat für 2027 und 2028. Die Kandidatur wurde bereits vor mehreren Jahren in die Wege geleitet, nun wird es final. Der UN-Sicherheitsrat, wichtigstes Organ der UNO, ist verantwortlich für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit – eine schöne Sache. Es wäre natürlich grundsätzlich eine gute Sache, wenn Österreich darin wieder für zwei Jahre vertreten ist, noch dazu, wo sich Österreich international wirklich wieder als neutraler Staat positionieren und profilieren könnte. Das wäre der Sinn der Sache – und nur dann macht es auch wirklich Sinn. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Daher fragt man sich, warum Sie überhaupt an diesem Sitz in der UN Interesse haben. Was wurde denn aus unserer Neutralität in den letzten Jahren, die nur jetzt, auch angesichts dieser Kandidatur, kurz am Papier wieder heraufbeschworen wird? – Sie wurde speziell seit Beginn des Russland-ukrainischen Kriegs zunächst von ÖVP und Grünen, nun auch von der jetzigen Regierung und Außenminister Stück für Stück abgetragen, bis nichts mehr da ist. Es wird keine Gelegenheit ausgelassen, unsere verfassungsrechtlich verankerte immerwährende Neutralität zu torpedieren und auszuhöhlen. (👏 FPÖ) Sie wird ignoriert wie ein ungeliebtes Kind. Dabei sollte sie eigentlich Richtschnur sein – gerade auch für das Handeln einer Außenministerin. Gerade auch in Ihren Ausführungen in der Fragestunde haben Sie aber wieder einmal bewiesen, dass die Neutralität Ihnen rein gar nichts bedeutet, auch angesichts dessen, was Sie zum Sondertribunal für die russischen Kriegsverbrechen von sich gegeben haben, wo Sie sich offensichtlich in den Vordergrund spielen. Natürlich müssen Kriegsverbrechen aufgeklärt werden – das ist immer etwas, was dann in Friedenszeiten aufgearbeitet wird. Jetzt haben wir aber immer noch Krieg dort, und im Moment schürt das eher den Konflikt. Daher macht es keinen Sinn, und mit Neutralität hat es nichts zu tun. Auch Ihr Grinser dazu – daran merkt man, dass Sie es einfach nicht verstehen. (👏 FPÖ) Das ist sehr problematisch für unser Land und das reiht sich auch in Ihre Aussagen ein: „Österreich ist politisch ‚nicht neutral‘“. Die „Neutralität schützt uns nicht“ und wir stehen natürlich immer bedingungslos auf einer Seite im Krieg. Verstehen Sie es nicht? Dann geht das eben nicht mit Neutralität! Was soll davon noch übrig bleiben? – Nicht einmal die Restneutralität, von der Sie dann immer sprechen. Die militärische Neutralität wird seit mehreren Jahren brutal verletzt: durch die Zahlungen, Milliardenzahlungen Österreichs an Brüssel in den Friedensfazilitätsfonds – was für ein Zynismus, dieser Name, denn daraus werden die Waffen für die Ukraine finanziert. Und Österreich ist voll dabei. Zur Verteidigung und Rechtfertigung für dieses Handeln kommt ja immer die Moral ins Spiel – wobei ich das neue Wording gerade in der Fragestunde interessant gefunden habe. Sie sind nicht nur von der Moral geleitet. Offensichtlich wird Ihnen das wirklich nicht mehr abgenommen. Trotzdem ist ja Moral, Moralismus immer Ihr wesentlicher Kompass – und Sie sagen ja auch, das neutrale Österreich muss Haltung und Moral zeigen. Ja, das sollten wir. Aber Mitläufertum bei einem verantwortungslosen EU-Kurs hat nichts mit Haltung und Moral zu tun. (👏 FPÖ) Das findet leider seit 2022, seit dem Beginn des Kriegs statt. Der Westen, der Wertewesten, von dem Sie immer sprechen, vor allen Dingen Biden-USA und Großbritannien, verhinderte eine vernünftige Lösung im Frühjahr 2022. Seither werden Waffen geliefert, was das Zeug hält, die Ukraine zerstört; Tod von Hunderttausenden Soldaten und Zivilisten. Das ist es, was es für die Ukraine gibt: Zerstörung und Tod. Was gibt es aber für den ach so moralischen Westen? – Money, money. Money makes the world go round. Da gibt es Milliardengeschäfte. Der korrekte Begriff dafür: Wiederaufbau. Da befindet man sich gerade in Rom, auch ÖVP-Kollege Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer, bei der großen Wiederaufbaukonferenz. Es ist immer noch Krieg. Es ist dort nicht die Rede von Friedenslösungen, von Diplomatie, von: Was macht man, damit das endlich beendet wird? Im Gegenteil: Die europäischen Politiker hetzen, was das Zeug hält. England und Frankreich sprechen von der Stationierung von 50 000 Soldaten. Die Äußerungen von Kanzler Merz möchte ich gar nicht wiederholen. Gibt es irgendwelche Äußerungen dazu? Das alles befeuert den Krieg, und dennoch trifft man sich dort und spricht über den Wiederaufbau und teilt sich schon die Ukraine und die Milliarden auf. Sagen Sie nicht, wie gerade zuerst in der Fragestunde, dass wir österreichische Unternehmen diskreditieren, die dort in der Ukraine etwas verdienen. Ich vergönne es ihnen, denn unsere Wirtschaft leidet unter der Wirtschaftspolitik – hier in Österreich und von der EU – und wird kaputt gemacht. Ich gönne es den österreichischen Unternehmen, wenn es auch – wir werden uns das schon anschauen – wenige sein werden, die wahrscheinlich besonders gute Beziehungen zur Regierung, sage ich einmal, halten. Die werden davon profitieren. Aber tun Sie nicht so, als ob die österreichische Wirtschaft oder die Bevölkerung in der EU oder in Österreich profitieren. Das ist nicht der Fall, denn: Von wem werden denn der Wiederaufbau, die Baukonzerne dort bezahlt? – Nein, das ist nicht die Ukraine, die das bezahlt. Das sind wir Europäer, denn der ukrainische Staatshaushalt wird längst von der EU finanziert.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Was wollt ihr denn? Was wollt ihr eigentlich?

FPÖ Susanne Fürst

… Das heißt, das ist unser Geld, mit dem die österreichischen Unternehmen bezahlt werden. (👏 FPÖ) So ist der Kreislauf, genau – sagen Sie es dazu. Sie sprechen in der Fragestunde von einer vernünftigen Energiepolitik. Das ist das, was die Wirtschaft in der EU gerade kaputtmacht. Alle unsere Unternehmen, jeder Unternehmer sagt: Die Energie, die teure Energie lässt uns einfach nicht mehr im Wettbewerb bestehen. Und Sie stehen hier und sagen und verkünden: Österreich oder auch die EU ist befreit vom russischen Gas. – Wir sind befreit vom zuverlässigen und günstigen Gas, toll! Lassen Sie sich dafür feiern! Zahlen tun das die österreichischen Bürger, die Bevölkerung und unsere Wirtschaft. Wir müssen das Zwei- bis Dreifache dafür bezahlen. Die Österreicher können sich das nicht mehr leisten, die Pensionisten. Sie reden von der Freiheitsenergie. Die Österreicher sollen das schlucken. Das ist moralisch, dann müssen sie halt ein bisschen mehr dafür zahlen. Moralisch ist gar nichts. Das kommt jetzt aus anderen Quellen oder über Umwege immer noch aus Russland. Mehr diversifizieren, Abbau – dass wir alles von Russland bekommen haben, alles, das war nicht gut. Jahrzehntelang haben ÖVP, SPÖ gerade so eingetütet. Ja, man hat da auch gut verdient.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ihr habt bis zu ...

FPÖ Susanne Fürst

… Aber so, wie es jetzt gemacht wird, ist es viel zu schnell. Da zahlt nur die Bevölkerung drauf. – Dies zu Ihren Anmerkungen in Ihrer Fragestunde, die eigentlich unglaublich waren. (👏 FPÖ) Aufgrund Ihres außenpolitischen Kurses, der nicht die Interessen Österreichs im Auge hat , und vor allen Dingen des Kurses der EU, der zutiefst verantwortungslos ist: Das ist ja das, was Sie uns hier verkünden. Das ist ja nicht Ihr Kurs, das sind ja nicht Ihre Überlegungen! – Wir schwimmen mit im EU-Kurs, und zwar bedingungslos. Sie scheuen sich ja nicht einmal, dieselben Wörter, dieselben Floskeln zu verwenden wie Frau von der Leyen, wie Frau Kallas. Alle reden dasselbe. Das hat überhaupt nichts mit einem eigenständigen Kurs zu tun. Das ist Mitläufertum pur. Angesichts dessen muss ich sagen: Wenn Österreich den Sitz im UN-Sicherheitsrat bekommt und das 2027/2028 stattfindet und Sie tatsächlich noch im Amt sind, weiß ich nicht, ob das für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit gut ist und ob Sie da einen konstruktiven Beitrag leisten könnten. Das ziehe ich in Zweifel. (👏 FPÖ) Ja, Sie tragen dazu überhaupt nichts bei – bisher nicht; vielleicht kommt es zu einer Umkehr, endlich einmal. Abgesehen davon müsste man bei so einer Kandidatur für den UN-Sicherheitsrat eben mit Qualität und mit der Politik und mit der außenpolitischen Linie überzeugen und nicht mit viel Geld. Österreich zahlt jährlich 140 Millionen Euro an die UNO, das müsste doch reichen. Jetzt werden noch zusätzliche 20 Millionen Euro für die Bewerbung budgetiert. 8 Millionen Euro, wie Sie im Ausschuss zugegeben haben, werden einmal so an die UNO ohne besondere Zweckwidmung überwiesen. Das finde ich schon interessant. Wenn sich ein Land als Kandidat für den Austragungsort einer Fußball-WM bewirbt und da einmal einfach 8 Millionen Euro ohne jeden Zweck überweist – also da hat es nachher schon viele rechtliche Probleme gegeben.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Sie sind etwas Großem auf der Spur, Frau Kollegin Fürst!

FPÖ Susanne Fürst

… Ich sage jetzt nicht, wie man so etwas nennt. Ich würde also davon Abstand halten.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wie viele Rubel sind das eigentlich? – Ruf bei der FPÖ: Was seids denn so nervös?

FPÖ Susanne Fürst

… Angesichts dieser vielen Millionen würde ich schon bedenken: Sie sind Außenministerin, Sie haben gerade wieder davon gesprochen, dass Sie ja in der ganzen Welt herumfliegen. Ja, Sie sind Außenministerin, aber als Außenministerin hat man eben die Interessen des eigenen Landes im Ausland zu vertreten und nicht die Interessen des Auslands hier in Österreich! (👏 FPÖ) Außerdem sollte auch Ihnen als Außenministerin unsere desaströse Budgetsituation eigentlich ein Begriff sein, und daher sollten auch Sie eine sparsame Linie vertreten. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Veit Valentin Dengler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Veit Valentin Dengler

Herr Präsident! Frau Außenministerin! Liebe Beate! Nach dieser kurzen Belangsendung des russischen Außenministeriums …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das ist nicht einmal lustig!

NEOS Veit Valentin Dengler

… würde sich die FPÖ jetzt natürlich wünschen, dass wir dann sozusagen Punkt für Punkt darauf eingehen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Entweder man kann es oder man kann es nicht!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Was aber, glaube ich, wichtiger ist, ist, dass wir darüber reden: Warum kandidieren wir …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

... schon den Totschnig gebraucht!

NEOS Veit Valentin Dengler

… für den Sicherheitsrat? – Österreich macht das nicht zum ersten Mal, der UNO-Sicherheitsrat ist ein wichtiges Gremium, das wichtigste Gremium – das war ja, glaube ich, auch in Ihrer Rede unstrittig, Frau Fürst. Es ist nun mal leider so, dass die internationalen Organisationen manchmal besser und manchmal schlechter funktionieren. Anfang der 1950er-Jahre hat sogar die Sowjetunion selber das UNO-System boykottiert; nicht sehr lange, weil sie dann gemerkt haben, dass sie dann Resolutionen gegen sich kriegen. Es geht mit dem Weltfrieden und den internationalen Beziehungen auf und ab, aber es bleibt ein wichtiges Gremium. Einige Organisationen haben ihren Sitz in Wien, wie die Internationale Atomenergiebehörde. Wir müssen uns nur einmal vorstellen, wie zum Beispiel die letzten 20, 30 Jahre betreffend Iran abgelaufen wären, wenn es die IAEA nicht gegeben hätte. Abgesehen davon ist die UNO auch ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor für uns, alleine in Wien hängen wahrscheinlich über 20 000 Jobs direkt oder indirekt an der UNO. Österreich war schon dreimal im Sicherheitsrat, und zwar das erste Mal 1973/1974, dann 1991/1992 und dann 2009/2010. Man muss kein Mathematikprofessor ( in Richtung Abg. Taschner [ÖVP] deutend ) sein, um zu sehen, dass das ein sehr sauberer 18-Jahre-Zyklus ist, ( in Richtung Bundesministerin Meinl-Reisinger: ) also das nächste Mal wäre dann bitte 2045. Es ist eine besondere Ehre, da drinnen zu sein. Es ist auch nicht einfach, 59 UNO-Mitgliedsländer waren noch nie im Sicherheitsrat. Da sind natürlich auch viele kleinere dabei, aber auch große; Israel zum Beispiel war noch nie drinnen. Es gibt immer diese Vermutung: Oh, wir kommen in den Sicherheitsrat, weil wir neutral sind!, und wie wichtig die Neutralität dafür ist. Wenn wir uns vergleichbare Länder anschauen, die neutral sind, sehen wir: Die Schweiz war bisher einmal im Sicherheitsrat, Finnland zweimal, als es noch neutral war, Schweden viermal, als es noch neutral war. Aber dann gibt es die Nato-Gründungsmitglieder: Dänemark war schon fünfmal drinnen, Norwegen war schon fünfmal drinnen und die Niederlande sogar sechsmal. Man sieht also: Es geht nicht darum, ob man neutral ist oder nicht, sondern es geht darum, ob man einen konstruktiven, professionellen Beitrag zur internationalen Völkergemeinschaft leistet. Zur Kritik an den 20 Millionen Euro Sonderbudget: Ich würde diese Regierung ausdrücklich dafür loben, dass sie das explizit ausschildert. Frau Minister Plassnik hat hier im Hohen Haus nämlich bei der letzten Kandidatur 2008 gesagt, dass wir dafür kein Sonderbudget haben. Das hat so nicht ganz gestimmt, weil wir damals auch schon zwei Jahre lang freiwillige Sonderbeiträge an die UNO geleistet haben, damals zweimal 5 Millionen Euro, 2007 und 2008. Das wäre, wenn man das valorisiert, 16 Millionen Euro in heutigem Geld. Das heißt, doppelt so viel, wie wir jetzt dafür ausgeben, haben Sie das schon 2007, 2008 gemacht. Es gab damals zum Beispiel auch schon Sonderbotschafter. Ihr ehemaliger Kollege Scheibner war damals auch schon Sonderbotschafter und der ehemaliger Außenminister Jankowitsch von der SPÖ war damals auch Sonderbotschafter. Es gab auch einige Konferenzen zum Thema Streumunitionen in Wien, und in New York haben wir Konferenzen zum Thema Sicherheitsrat und Rechtsstaatlichkeit organisiert, daraus gab es dann auch Publikationen. Also ein ganz ähnliches Programm gab es damals schon, und wir haben damals erfolgreich für die UNO kandidiert. Was mir da wichtig ist – ich habe mir das ausheben lassen –: 2008 kam dann nach der erfolgreichen Wahl in den Sicherheitsrat der damalige Staatssekretär Winkler in dieses Haus und hat damals explizit gesagt: „Ich danke auch für die anerkennenden Worte für unsere erfolgreiche Sicherheitsrats­kandidatur. Ganz ausdrücklich möchte ich betonen, dass wir, glaube ich, deswegen er­folgreich waren, weil das gesamte offizielle Österreich hinter dieser Kandidatur gestan­den ist. Der Herr Bundespräsident hat sich dafür eingesetzt, der Bundeskanzler hat sich dafür eingesetzt, alle Minister haben sich dafür eingesetzt, auch die Abgeordneten haben sich bei ihren Kontakten mit ausländischen Gesprächspartnern dafür eingesetzt. Daher ist, glaube ich, auch vermittelt worden, dass Österreich insgesamt dahinter steht.“ – Dieser Punkt scheint mir wichtig zu sein. Ich verstehe, dass wir uns in der Innenpolitik wild streiten, es gibt hier verschiedene Ansichten entlang des gesamten Spektrums. Ich verstehe auch, dass wir uns bei EU-Themen streiten, denn das ist ja de facto schon Innenpolitik geworden. Aber wenn es über die Grenzen der Europäischen Union hinausgeht, ist es wichtig, glaube ich, dass wir unsere kleinen parteipolitischen Ambitionen im Zaum halten und dass wir aufs große Ganze schauen, dass wir auch einen nationalen Schulterschluss machen. Gerade heute, am 30. Jahrestag des Massakers von Srebrenica, wäre es besonders wichtig, dass wir diese Initiative gemeinsam in einem nationalen Schulterschluss vorantreiben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Axel Kassegger . – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Danke, Herr Präsident! – Herr Kollege Dengler, wenn Sie mir jetzt den unmittelbaren Nutzen erklären, den die Bevölkerung der Republik Österreich aus dieser Initiative hat, und mir darlegen, dass die Kosten – wir reden ja da von 20 Millionen Euro zusätzlichen Kosten an Steuergeld – in einer gesunden Relation zu diesem Nutzen stehen, dann kann man durchaus mit uns reden. Bis jetzt ist Ihnen das noch nicht gelungen. (👏 FPÖ) Ich spreche zum 2. Tagesordnungspunkt, der mit dem 1. Tagesordnungspunkt unter einem verhandelt wird. Da geht es um das Thema Transparenz der Finanzierung internationaler Organisationen beziehungsweise auch Transparenz der Finanzierung sogenannter NGOs, Non-Governmental Organizations. In Wirklichkeit ist die Bezeichnung falsch – wir gehen in unserem Antrag darauf ein –, das sind jedenfalls Governmental-Financed Organizations, und da hat der Steuerzahler, der Bürger durchaus ein absolutes Recht, dass da die größtmögliche Transparenz herrscht, was nicht der Fall ist. Zu den internationalen Organisationen – da sind wir schon im grundsätzlichen außenpolitischen Bereich beziehungsweise im grundsätzlichen Selbstverständnis dessen, was eine Republik, die Republik Österreich, in der Völkergemeinschaft darstellen soll und wie sie sich positionieren soll – haben die Freiheitlichen einen ganz klaren Standpunkt, der vom Standpunkt aller anderen Parteien abweicht. Unser Standpunkt ist jener, dass sich die Republik Österreich als starker, souveräner, mit entsprechenden Kompetenzen und Ressourcen ausgestatteter Nationalstaat im Rahmen einer Völkergemeinschaft als verlässlicher, neutraler Partner auf Grundlage von möglichst vielen bilateralen Verträgen einfügt. Das ist unser Zugang. Das ist im Übrigen Demokratie, demos kratein, die Herrschaft des Volkes, vertreten durch den Nationalrat hier – und nicht vertreten, nicht prioritär, durch internationale Organisationen, mögen sie jetzt Europäische Union, UNO, WHO oder sonst wie heißen. Wir stellen eine Entwicklung fest – das wird offensichtlich von Ihnen gutgeheißen, das ist ja auch Ihr gutes Recht; von uns nicht –, dass ein Shift an Macht stattfindet, nämlich an Gestaltungsmacht hinsichtlich dessen, was unser aller Leben als Österreicher beeinflusst – ich sage jetzt einmal: bis ins Wohnzimmer. Der Shift geht weg vom nationalen Parlament der Republik Österreich hin zu supranationalen Organisationen, die sich als Völkerrechtssubjekte verselbstständigen. Das wollen wir nicht. Wir wollen die Republik Österreich als Völkerrechtssubjekt als Partner in einem völkerrechtlichen Gesamtzusammenhang. (👏 FPÖ) Wir stellen fest, dass immer mehr Macht, Mittel, Ressourcen et cetera an diese Organisationen gehen. Das ist grundsätzlich nicht gut. Zum Beispiel – das wissen ja die wenigsten – haben wir gestern beschlossen, der WHO ( Ruf bei den Grünen: WHO? Oh! ) , einem ganz kleinen Gremium, der Weltgesundheitsorganisation, in Wahrheit enorme Kompetenzen, einen Freibrief zu geben, nämlich Pandemien zu erklären. Wir wissen – wir haben die Erfahrung aus der Coronazeit –, was das, Pandemien zu erklären, dann bedeuten kann.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

... Corona ...!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die WHO, da glaubt jeder: Ja, das ist die Weltgesundheitsorganisation, das ist eine öffentlich finanzierte Institution. – Irrglaube! 70 Prozent privat! Da ist Herr Bill Gates mit seinen Stiftungen drinnen. Das lehnen wir ab. Jetzt könnten Sie sagen: Ja, das ist bloßes Mäzenatentum (👏 FPÖ) und vollkommen selbstlos; Bill Gates hat Milliarden verdient, der ist so ein guter Mensch und der spendet jetzt halt der Weltgesundheitsorganisation.

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Das kannst du dir nicht vorstellen, Axel!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Da werfe ich Ihnen entgegen, was das Executive Board des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen und des Büros für Projektdienste der Vereinten Nationen bereits im Jahr 2012 festgehalten hat. Ich zitiere: „Stiftungen“ – ich ergänze: solche, wie Bill Gates hat – „sehen sich eher als vollwertige Entwicklungspartner denn als Spendengeber und erwarten eine enge Einbindung in Aktivitäten wie politische Diskussionen, Interessenvertretung und Problemanalyse. Sie sind zu einer Quelle für wertvolles Entwicklungswissen geworden. Sie führen sehr sichtbare Kampagnen in den Medien durch und nehmen Einfluss auf die internationale Entwicklungspolitik.“ – Das ist der Punkt. Da sind wir ganz weit weg von Demokratie und von demokratischer Legitimation. Deswegen wollten wir in diesem Antrag sicherstellen, dass da zumindest maximale Transparenz herrscht. Das Zweite sind die NGOs ( Ruf: Englisches Wort! ) , die ja in Wahrheit auch vollkommen intransparent sind, die staatliche und auch private Gelder beziehen, also große Mittel haben, aber in Wahrheit vollkommen intransparent sind und sich selbstverständlich über die Medien, über Experten et cetera in den politischen Entscheidungsfindungsprozess massiv einbringen – einmischen würde ich gar nicht sagen, aber einbringen. Wo ist da die demokratische Legitimation? – Punkt eins. Punkt zwei: Wo ist die Transparenz und die Offenlegung, welche Finanzierungsflüsse da stattfinden? Das ist der Zusammenhang für unseren Entschließungsantrag. Das ist jetzt ein relativ langer Entschließungstext, den ich vorlesen muss. Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Transparenzpflicht für öffentlich subventionierte NGOs und Einrichtung einer Stelle zum Schutz der nationalen Souveränität“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage vorzulegen, die folgende Maßnahmen umfasst: Definition von ‚lnteressensträgern‘: Einführung des Begriffs ‚lnteressensträger‘ als Synonym für NGOs nach dem Vorbild der EU, wie in Artikel 2 Buchstabe a der lnterinstitutionellen Vereinbarung vom 20. Mai 2021 über ein verbindliches Transparenz-Register definiert. Dieser Begriff soll im Lobbying- und lnteressenvertretungs-Transparenz-Gesetz [...] verankert oder in einem eigenen Gesetz geregelt werden. Verwaltungsstrafen bei Nichtregistrierung: Festlegung von Verwaltungsstrafen für lnteressensträger, die ihrer Registrierungspflicht nicht nachkommen. Offenlegung von Auslandsfinanzierungen: Gewährung von Förderungen zugunsten eines lnteressensträgers nur bei vollständiger Offenlegung bestehender Auslandsfinanzierungen gegenüber der Förderstelle.“ …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ist das Gesetz aus Ungarn ...?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Hierzu ist eine Anpassung der Verordnung des Bundesministers für Finanzen über Allgemeine Rahmenrichtlinien für die Gewährung von Förderungen aus Bundesmitteln [...] erforderlich. Verwendungsbeschränkung staatlicher Fördermittel: Verbot der Verwendung staatlicher Fördermittel für bereits anderweitig abgedeckte Tätigkeiten von lnteressensträgern. Zudem ist ein Einsichtsrecht in die Finanzen des geförderten lnteressensträgers zur Kontrolle bei Bezug von Förderungen einzuführen. Veröffentlichung eines Transparenzberichts: Verpflichtung für lnteressensträger, die als begünstigte Einrichtungen Förderungen beziehen, einen umfassenden, eigenständig erarbeiteten Transparenzbericht auf ihrer Homepage zu veröffentlichen. Einrichtung einer Stelle zum Schutz der nationalen Souveränität: Schaffung einer unabhängigen Behörde, die die Aufgabe hat, ausländische Einflussnahmen auf staatliche, gesellschaftliche und politische Entscheidungsprozesse zu identifizieren, zu untersuchen und zu bewerten. Diese Stelle soll insbesondere Aktivitäten von Organisationen und Einzelpersonen überwachen, die darauf abzielen, die nationale Souveränität zu untergraben oder den demokratischen Willensbildungsprozess zu beeinflussen. Die Behörde soll mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet werden, um effektiv gegen solche Einflussnahmen vorgehen zu können.“ Wem Transparenz wichtig und nicht nur eine Plattitüde, eine hohle Worthülse ist, der kann diesem Antrag eigentlich nur zustimmen. – Vielen Dank. (👏 FPÖ) 11.25 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/18.1 Transparenzpflicht für öffentliche subventionierte NGOs und Einrichtung einer Stelle zum Schutz der nationalen Souveränität (113/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von Kollegen Kassegger …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ist das Gesetz aus Ungarn, oder was ist das?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… soeben eingebrachte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Andreas Minnich . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Andreas Minnich

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister! Werte Abgeordnetenkollegen hier im Hohen Haus! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Wir stehen an einem entscheidenden Punkt für unsere rot-weiß-rote Diplomatie, für unsere internationale Rolle, aber auch für unseren Wirtschaftsstandort. Deswegen ist diese Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat etwas ganz besonders Wichtiges. Es wurde schon von meinen Vorrednern ausgeführt: Der Amtssitz Wien hat auch ganz besonders wirtschaftliche Bedeutung. Wir haben da eine Bruttowertschöpfung von über 1,7 Milliarden Euro für all diese über 50 internationalen Organisationen, die bei uns in Wien ihren Amtssitz angesiedelt haben. Damit sind auch über 16 000 Arbeitsplätze verbunden. Wenn man diese Fakten betrachtet, dann sieht man, wie wichtig es auch jetzt ist, sich nach 20 Jahren wieder für diesen Sitz zu bewerben. (👏 ÖVP) Warum ist das jetzt wichtig, warum gerade jetzt? – Weil die Weltordnung, so wie wir sie über viele Jahrzehnte kannten, unter Druck geraten ist, weil nationale Alleingänge, geopolitische Spannungen, Kriege und Krisen wieder Alltag geworden sind und weil Multilateralismus – das Prinzip des gemeinsamen, des gleichberechtigten Handelns – jetzt wieder mutige Verteidiger braucht. Da kann Österreich einen ganz wichtigen, besonderen Beitrag leisten. Da hilft uns auch unsere Neutralität. Wir sind keine Großmacht, wir sind ein kleines Land, wir sind auf den Multilateralismus angewiesen, auf eine regelbasierte Weltordnung, in der das Völkerrecht und die Rechtsstaatlichkeit gelten. Deswegen ist Österreich ein idealer Kandidat für diese Kandidatur. (👏 ÖVP, SPÖ) Österreich hat es in der Geschichte oft genug bewiesen: Bei unzähligen UN-Friedensmissionen, bei vielen Atomgesprächsverhandlungen, bei vielen OSZE-Dialogen und Verhandlungen auf höchstem Level hat Österreich immer für den Frieden gekämpft, sich für den Frieden eingesetzt und hat es immer geschafft, erfolgreich für gute, konstruktive Friedensbemühungen in der Welt zu sorgen. Ja, ein Sitz im Sicherheitsrat ist ein sichtbares Zeichen Österreichs. Es ist nicht aus reinem Eigennutz, sondern weil wir überzeugt sind, etwas beitragen zu können. So muss ich den Kollegen von der FPÖ hier schon auch sagen: Ich bitte Sie um mehr Patriotismus! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wir sind patriotisch genug!

ÖVP Andreas Minnich

… Sehen wir das auch nach einem gewissen Sportsmanship! Machen wir uns stark für unser Land! Bringen wir hier auch Begeisterung hinein, dass wir uns da bewerben können, dass wir uns da einbringen können, dass wir unseren Wertekanon da auch international einbringen ( Ruf bei den Grünen: Glaub an Österreich! ) und vermitteln können! …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Glauben Sie an dieses Österreich, Kollege!

ÖVP Andreas Minnich

… Deswegen bitte ich um kräftige Unterstützung. Ziehen wir alle an einem Strang, machen wir hier einen nationalen Schulterschluss! Dann wird es hoffentlich klappen, dann wird Österreich sich hoffentlich positiv im Sinne des Friedens einbringen können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Petra Bayr . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Bayr

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Frau Außenministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Einbeziehung des Parlaments in die Kampagne zur Sicherheitsratskandidatur von Österreich ist auch durchaus eine Würdigung dessen, dass wir natürlich alle miteinander sehr viele internationale Kontakte haben, dass parlamentarische Diplomatie auch wirklich gelebt werden kann und dass wir auch ein Faktor in dieser Frage sind – das finde ich gut so. Ich finde es auch gut, dass Österreich eine starke neutrale Stimme in diesem Sicherheitsrat werden soll. Wenn man sich anschaut, was in der letzten Periode, als wir Mitglied des Sicherheitsrates waren – 2009, 2010 –, unter durchaus der Federführung von Österreich alles passiert ist, dann, denke ich mir, ist das eine recht beachtliche Auflistung von richtig wichtigen Fragen auf internationaler Ebene: die Frage der nuklearen Abrüstung und Nichtverbreitung zum Beispiel, wo Österreich ja auch bei sehr vielen internationalen Konferenzen und Vereinbarungen eine wirklich federführende Rolle gespielt hat und auch nach wie vor spielt; ebenso der Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten, die Einhaltung von Völkerrecht und der Zugang von humanitärer Hilfe – leider heute aktueller denn je auch wieder ein Thema, an dem wir arbeiten müssen. Ich möchte auch daran erinnern, dass zwei sehr wichtige Resolutionen zum gesamten Komplex Frauen, Frieden und Sicherheit in diesen zwei Jahren beschlossen worden sind und wir vor allem einen Schwerpunkt auf sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten gelegt haben. Der Internationale Strafgerichtshof ist beauftragt worden, Omar al-Baschir zu verfolgen. Sie erinnern sich sicher an Darfur und daran, was damals im Sudan für Gräueltaten passiert sind. Auch die Sanktionen gegenüber dem Iran und Nordkorea wegen Nuklearprogrammen waren durchaus etwas, was wir initiiert und weitergebracht haben, ebenso wie Friedensmissionen – etwa in der Demokratischen Republik Kongo, Liberia und der Elfenbeinküste. Österreich ist also ein verlässlicher multilateraler Akteur, und unsere Priorität sind die Rechtsstaatlichkeit, der Schutz der Menschenrechte, des Völkerrechts und von internationaler Gerichtsbarkeit. Darum, glaube ich, waren wir damals Brückenbauer:innen und können wieder Brückenbauer:innen werden. Das ist durchaus ein Nutzen, wenn die Welt aufgrund unserer Aktivitäten nach diesen zwei Jahren ein Stückchen sicherer ist, als sie es davor gewesen ist. Ich glaube, das zahlt sich aus. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Da wir bei dieser Debatte auch zwei FPÖ-Anträge mit diskutieren, lassen Sie mich auf beide auch kurz eingehen. Ich beginne mit jenem Antrag, in dem es darum geht, dass öffentlich subventionierte NGOs quasi unter Kuratel gestellt werden sollen. Wenn man alle diese Punkte, die in diesem Antrag stehen, zusammennimmt, dann ist das nichts anderes als das, was das Ausländische-Agenten-Gesetz in der Russischen Föderation, in Georgien ist beziehungsweise in Ungarn gerade noch einmal verhindert werden konnte – dort ist es nicht eingebracht worden. Ich denke, wenn Sie wirklich eine absolut mundtote Zivilgesellschaft haben wollen – und nichts anderes bezweckt dieser Antrag –, dann würde ich ein Zitat aus den Siebzigern und Achtzigern bemühen: Geh doch rüber – geh doch rüber in die Sowjetunion war es damals, geh doch rüber in die Russische Föderation ist es heute –, wenn es dort offensichtlich so viel schöner und so viel besser ist! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Oder in den Schrebergarten! ... der Gusenbauer gemacht! Der Herr Gusenbauer hat russische Erde geküsst!

SPÖ Petra Bayr

… Der zweite Antrag, den wir mit diskutieren, ist jener, der im Außenpolitischen Ausschuss abgelehnt worden ist, bei dem es auch vermeintlich um Transparenz geht, wo die FPÖ mich eigentlich sehr ratlos zurücklässt, weil es den Augenschein hat, dass Sie von Parlamentarismus, von Budgetgestaltung keinerlei Ahnung haben. Wenn Sie wollen, dass es einen regelmäßigen Bericht mit Zahlen und Inhalten gibt, was denn im internationalen Bereich passiert, dann rate ich sehr zur Lektüre des Budgets. Da gibt es ein Verzeichnis der veranschlagten Konten, da können Sie sehr genau nachlesen, welche internationale Organisation mit wie viel Geld bedacht wird. Das wird übrigens auch im Bundesrechnungsabschluss genau dargelegt. Es gibt die Transparenzdatenbank, wo all diese Zahlen eingetragen werden, wo jeder nachschauen kann, und es gibt den Außenpolitischen Bericht, wenn es darum geht, sich für Akteure oder Inhalte oder Themensetzung beziehungsweise Themenschwerpunkte zu interessieren. Wissen Sie, der Eindruck, der da bleibt, ist, dass Sie von den beiden Grundprinzipien des Parlamentarismus keine Ahnung haben – nämlich von Tuten und von Blasen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Hallo! Hallo! Hallo! Ja was ist denn das für eine Ausdrucksweise? – Ruf: Das sind die Grundprinzipien des Parlamentarismus?

SPÖ Petra Bayr

… 11.34 RN/20.1 Präsident Peter Haubner : Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Meri Disoski . Ich ersuche Sie, die Wortwahl wieder der Würde des Hauses anzupassen. – ( In Richtung Abg. Disoski [Grüne]: ) Es waren nicht Sie gemeint, Frau Kollegin, sondern grundsätzlich. – Sie sind am Wort.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Frau Außenministerin, wir beide sind vielleicht nicht immer in allem, was wir sagen, und in unseren Ansichten einer Meinung, aber ich habe jetzt der Rede, den Ausführungen von Kollegin Fürst sehr genau zugehört und dann ist mir eingeschossen: In einer FPÖ-ÖVP-Regierung wäre sie möglicherweise Außenministerin geworden. Ich sage Ihnen, Frau Außenministerin: Ich bin sehr froh, dass es anders gekommen ist und dass wir mit Ihnen eine klar proeuropäische Außenministerin haben, die auch den Multilateralismus hochhält. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das tun auch wir Grüne, deshalb unterstützen wir auch diese Kandidatur Österreichs um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, weil sie ja tatsächlich auch mit dem Anspruch verbunden ist und den Anspruch formuliert, sich unermüdlich für den Schutz von Menschenrechten für alle einzusetzen und auch die Rechtsstaatlichkeit auf allen Ebenen zu stärken. Wir sagen aber auch: Eine solche Kandidatur muss natürlich glaubwürdig sein. Es reicht nicht, wenn man Werbebroschüren druckt, besonders dann nicht, wenn gleichzeitig jene Mittel gekürzt werden, mit denen die Ziele, die in dieser Sicherheitsratskandidatur formuliert werden, erst umgesetzt werden können. Frau Ministerin, das ist ein krasser Widerspruch – wir haben das auch im Ausschuss schon diskutiert, – ein krasser Widerspruch, wenn Sie die Entwicklungszusammenarbeit und auch die Mittel der ADA kürzen, sich das aber gleichzeitig in dieser Kandidatur auf die Fahnen heften. Das passt nicht zusammen. Es ist auch ein Widerspruch, wenn die Bundesregierung über Menschenrechte spricht, aber im eigenen außenpolitischen Handeln nicht immer und nicht immer konsequent auf deren Einhaltung pocht. Das aktuelle Beispiel, das ich Ihnen dafür geben möchte, ist Serbien. Wir wissen – wir haben das hier im Hohen Haus schon oft diskutiert –, dass seit Ende 2024 dort Hunderttausende Menschen auf die Straße gehen. Es sind vor allem junge Leute, Studierende, Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, die sehr engagiert gegen die Aushöhlung von Demokratie, gegen die Aushöhlung von Rechtsstaatlichkeit, gegen Repression, gegen Korruption protestieren – und das tun sie friedlich. Das Regime unter Vučić antwortet aber nicht friedlich, sondern mit Polizeigewalt, mit willkürlichen Festnahmen. Massive Verletzungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind in den vergangenen Wochen gezählt worden, eine NGO berichtet von über 180 Straßenblockaden im ganzen Land, die zum Teil mit Gewalt aufgelöst worden sind. Diese außenpolitischen Entwicklungen sind erschütternd, sie sind auch ein außenpolitischer Prüfstein – sowohl für die Europäische Union als auch für Österreich. Serbien ist ja nicht irgendein Land – das sagen Sie, Frau Ministerin, ja auch immer –, Serbien ist ein EU-Beitrittskandidat, und Österreich hat – auch das betonen Sie immer – in der Region eine besondere Rolle, sowohl historisch, kulturell als auch wirtschaftlich. Wir finden, dass deshalb unsere Reaktion als Österreich nicht zögerlich sein darf. Ich bringe deshalb den Entschließungsantrag der Abgeordneten Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung der Demokratiebewegung in Serbien und klare Haltung der österreichischen Bundesregierung zu den jüngsten Entwicklungen“ ein, den ich auch kurz in seinen Grundzügen erläutern möchte: Wir fordern hier, Frau Ministerin, Sie und die Bundesregierung insgesamt dazu auf, sich öffentlich klar und unmissverständlich für die Achtung der demokratischen Grundrechte in Serbien einzusetzen. Polizeigewalt und Repressionen durch das Regime müssen klar benannt und verurteilt werden. Und die serbische Regierung muss zu einem echten Dialog mit der Zivilgesellschaft bewegt werden, das Ziel müssen freie und faire Neuwahlen sein. (👏) Klar ist auch: In den EU-Beitrittsverhandlungen soll und muss Österreich konsequent auf die Rechtsstaatlichkeit, auf die Menschenrechte hinweisen und darauf pochen, dass sie eingehalten werden. Wieso ist das wichtig? – Ich darf Ihnen die Kopenhagener Kriterien der Europäischen Union in Erinnerung rufen: Sie verlangen demokratische Institutionen, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit, und Serbien erfüllt als EU-Beitrittskandidat diese Kriterien im Moment de facto nicht. Trotzdem wird sowohl auf EU-Ebene als auch von österreichischer Seite nicht genügend Druck gemacht. Das steht unserer Meinung nach in einem klaren Widerspruch zum erklärten Ziel der österreichischen Außenpolitik, auch die Demokratisierungsprozesse am Westbalkan zu fördern und – da sind wir jetzt wieder bei der VN-Sicherheitsratskandidatur, das steht auch ein Stück weit im Widerspruch zu dieser Kandidatur – sich glaubwürdig für Menschenrechte und für Rechtsstaatlichkeit einzusetzen. Deshalb sagen wir: Es braucht eine entschlossene Linie in der EU und bilateral auch im Umgang mit der serbischen Regierung, und gleichzeitig – und das ist uns besonders wichtig – müssen wir auch die Zivilgesellschaft unterstützen, weil sie dort wirklich unglaublichen Repressionen ausgesetzt ist. Studierende, Universitäten, unabhängige Medien, NGOs und auch Gewerkschaften – das sind die, die unter schweren Bedingungen für Demokratie, für Transparenz und für Grundrechte kämpfen, sie brauchen unsere Unterstützung. Wenn wir Ernst machen mit Menschenrechten, mit Demokratie, mit der europäischen Perspektive, dann dürfen wir jetzt nicht schweigen. Wer im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mitreden will, muss auch in der eigenen Außenpolitik konsequent – konsequent! – Haltung zeigen. (👏) 11.40 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/21.1 Unterstützung der Demokratiebewegung in Serbien und klare Haltung der österreichischen Bundesregierung zu den jüngsten Entwicklungen (111/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Frau Abgeordneten erläuterte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, wurde auch elektronisch verteilt und steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Meinl-Reisinger. – Bitte, Frau Bundesministerin.

ÖVP Gudrun Kugler

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesminister! Kolleginnen und Kollegen! Zurück zur UN-Sicherheitsratskandidatur: Es wurde von Kollegen Kassegger gefragt: Was ist der Nutzen? – Vielleicht ist es für uns alle gut, noch einmal auf diesen Nutzen zu blicken. Das eine ist natürlich: Wenn wir erfolgreich sind, dann können wir für die Anliegen Österreichs mitgestalten, und wir haben trotz aller Diversität in diesem Haus da einen ganz starken Konsens. Da geht es um die Menschenrechte, um die Förderung von Diplomatie, um das Verbot von Massenvernichtungswaffen, um die Eindämmung von Krisen, die zu illegaler Migration führen, und so weiter und so fort. Aber selbst wenn es nur die Kandidatur wäre und wir nicht erfolgreich wären, gäbe es einen Nutzen, nämlich positive Nebeneffekte dieser Kandidatur. Das ist eine Art Werbung für Österreich als vertrauenswürdiger Partner in der Welt. Es ist gut, immer wieder genannt zu werden. Es ist auch Werbung für Österreich als Wirtschaftsstandort. Wir sind ein stark exportorientiertes Land. Es ist wichtig, dass wir zeigen, dass wir ein stabiler Wirtschaftspartner sind. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Österreich ist ein Sitzland für die Vereinten Nationen und für andere internationale Institutionen. Das hat auch einen Effekt auf die jungen Menschen in unserem Land, auf die Art und Weise, wie Bildung bei uns funktioniert. Man stelle sich vor: Die UNO hat ihre Hauptzentralen in New York, in Genf, in Nairobi und in Wien. Wir haben an Hunderten von Friedens- und Beobachtermissionen teilgenommen. All das ist Teil der Identitätsbildung der jungen Menschen auch in Österreich. Ich glaube, dass es bei dem Antrag, den wir heute besprechen, ganz wichtig ist, dass wir in die Kandidatur auch die Rolle des Parlaments miteinbeziehen. Wir haben schon gehört, die parlamentarische Diplomatie wird immer wichtiger. Es gibt zahlreiche internationale Parlamente, in denen unsere Abgeordneten mitwirken: bei der OSZE in der Parlamentarischen Versammlung, bei der NATO, im Europarat. Überall soll die Rolle unseres Parlaments für die Kandidatur sichtbarer werden. Das ist der Antrag. Ich glaube aber auch, dass wir die Freundschaftsgruppen, unsere bilateralen Freundschaftsgruppen da richtig einspannen können und müssen. In diesem Sinn unterstütze ich aus ganzem Herzen diesen Antrag heute (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS), denn der Multilateralismus ist nicht optional. Er ist nicht optional für irgendjemanden, und schon gar nicht für ein kleines oder mittelgroßes Land wie Österreich. Wenn wir über Österreich als Sitzstaat von internationalen Organisationen sprechen, dann darf ich ein Datum in der nahen Zukunft nicht auslassen, und zwar ist der 1. August 1975 das Gründungsdatum der damaligen KSZE – Helsinki-Schlussakte –, aus der 1995 die OSZE hervorgegangen ist. 1. August, 50 Jahre: Damals war sie eine Brücke im Kalten Krieg und Unterstützung der Dissidenten, heute ist sie eine Organisation mit 57 Teilnehmerstaaten mit permanentem Sitz in Wien, wichtig für die Friedenssicherung und die Sicherheit in Europa. Einer dieser teilnehmenden Staaten der OSZE ist Georgien, und ich muss jetzt noch – ja, nicht mehr im Rest meiner Redezeit – ganz kurz überziehen, um einen Antrag zum Thema Georgien einzubringen. Der georgische Traum ist zu einem demokratischen Albtraum geworden. Wir sehen Einschränkungen der Medien und der Meinungsfreiheit. Wir sehen willkürliche, politisch motivierte Verhaftungen und in den letzten Wochen da noch einmal einen starken Anstieg, und wir sehen eine Abwendung von Europa. Wir haben einen Antrag dazu zusammengestellt – ich möchte ganz besonders meinem Kollegen Veit Dengler danken, der da die Initiative ergriffen hat –, mit dem wir die Bundesregierung bitten, das aufzugreifen. Ich glaube, ich muss den Text vorlesen. Ich versuche, es ganz schnell zu machen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Gudrun Kugler , Petra Bayr , MA MLS, Veit Valentin Dengler , Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Georgiens demokratischen Albtraums“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten, wird aufgefordert, sich bilateral und auf europäischer Ebene für die sofortige und bedingungslose Freilassung von politischen Gefangenen in Georgien einzusetzen. Da Georgien ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist, sollen österreichische EZA-Mittel auch im Sinne der im EZA-Dreijahresprogramm angeführten Priorität ‚demokratische Regierungsführung und resiliente Gesellschaften‘, eingesetzt werden.“ Die Menschenrechte sind ein Kernanliegen Österreichs, der OSZE, der Vereinten Nationen. Ich hoffe auf breite Zustimmung für diesen Antrag. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 11.49 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/25.1 Georgiens demokratischen Albtraums (112/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von Kollegin Kugler verlesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Pia Maria Wieninger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Pia Maria Wieninger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Hohes Haus! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Österreich bewirbt sich um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für die Jahre 2027 und 2028. Das ist ein starkes Signal für eine Außenpolitik, die Verantwortung übernimmt, die Brücken baut und auf Kooperation und nicht auf Konfrontation setzt. Österreich bringt auch wertvolle Assets dafür mit. Wir sind ein neutraler Staat, wir haben einen von vier Hauptsitzen der UNO und wir sind bei friedenserhaltenden Missionen der UN auch sehr aktiv. Österreich ist ein verlässlicher Partner für Frieden, für Dialog, für Menschenrechte, und genau in diesem Bereich möchten wir uns auch als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat stark engagieren. Bereits in der Vergangenheit hat unser Land entscheidende Akzente gesetzt. Ich möchte etwa an die österreichische Präsidentschaft im Sicherheitsrat im Jahr 2009 erinnern und an die wegweisende Resolution zum Schutz von Zivilistinnen und Zivilisten. Dieses Engagement war aber nicht nur symbolisch, sondern wurde auch durch konkrete Maßnahmen wie das Ausbildungsprogramm für Friedensmissionen des Friedenszentrums Stadtschlaining mit Leben erfüllt. Dieses Programm ist bis heute internationale Referenz. Unser langjähriges Engagement für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte war ausschlaggebend für die Einrichtung des Amtes des UN-Hochkommissars für Menschenrechte im Anschluss an die bahnbrechende Wiener Weltkonferenz über Menschenrechte im Jahr 1993. Und aus diesem Verständnis heraus, als neutrales Land im Herzen Europas, das Multilateralismus als Teil seiner außenpolitischen DNA versteht, sollten wir unsere aktuelle Kandidatur auch nützen, um selbstbewusst wieder verstärkt über außenpolitische Fragen und globale Entwicklungen zu diskutieren. (👏 ÖVP, SPÖ) Wie kann in einer Welt zunehmender Spannungen, Rivalitäten und Konflikte, in einer Welt der Trumps und Putins die Rückkehr zu einer Politik der Entspannung und des Ausgleichs gefunden werden, zu einer Politik, in der das Völkerrecht zählt und nicht das Recht des Stärkeren? Liebe Kolleg:innen von der FPÖ! Ich finde es wirklich sehr schade und auch unverständlich, dass Sie dieser Kandidatur nicht zustimmen oder sie nicht unterstützen. Denn im Gegensatz zu dem, was Sie hier von sich geben, profitieren Wien und Österreich enorm vom Sitz der Vereinten Nationen und von dem mit der Kandidatur zum Ausdruck kommenden Engagement. Wien ist Zentrum der internationalen Diplomatie, und das wirkt sich auch positiv auf die Wirtschaft der Stadt Wien und Österreichs aus. Wir sprechen da von einem Wertschöpfungseffekt von 1,7 Milliarden Euro jährlich. Rund 20 000 Arbeitsplätze sind durch den UNO-Sitz in Österreich gesichert. Heimatverbunden und im Interesse Österreichs ist Ihre Ablehnung der Kandidatur für den Sicherheitsrat jedenfalls nicht. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich appelliere daher an Sie alle, liebe Kolleginnen und Kollegen: Unterstützen wir diese Kandidatur mit einer breiten parlamentarischen Rückendeckung als klares Bekenntnis zu Frieden, zu Menschenrechten und zur multilateralen Zusammenarbeit! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste ist Frau Abgeordnete Alma Zadić zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! 8 372. Genau heute vor 30 Jahren, am 11. Juli 1995, wurden mehr als 8 372 Männer und Buben aus dem Leben gerissen – einzig und allein wegen ihrer Religion, ihres Namens, ihrer Zugehörigkeit brutal und systematisch hingerichtet. Es war ein Akt der Grausamkeit vor unseren Augen – viele von Ihnen können sich noch erinnern – und kurz vor dem Friedensabkommen, ein Akt, der einzig und allein dem Ziel diente, eine Gruppe von Menschen, die bosnischen Muslime, in der Region auszulöschen. Der Völkermord von Srebrenica, das größte Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, ist ein erschreckendes Mahnmal dafür, was passieren kann, wenn Hass, Hetze und Diskriminierung in unserer Gesellschaft überhandnehmen, was passieren kann, wenn Nationalismus und nationalistische Rhetorik unsere Gesellschaft spalten, was passieren kann, wenn Menschen entmenschlicht werden, sodass Humanität keine Rolle mehr spielt. Es ist ein Mahnmal dafür, dass es immer und überall passieren kann. Wenn man Geschichten von Überlebenden hört, dann hört man oft eine Geschichte der Hoffnung, dass es doch bald vorbei sein wird, dass die Schüsse bald aufhören werden, dass es nicht passieren wird. Aber es passierte trotzdem. Es passierte vor den Augen der internationalen Gemeinschaft, es passierte sogar in einer UN-Schutzzone, die für Menschen, die Schutz suchten, errichtet wurde. Es passierte, dass tagelang Männer und Buben von ihren Müttern, Schwestern, ihren Töchtern getrennt wurden. Es passierte in nur wenigen Tagen, dass Männer und Buben durchgehend hingerichtet wurden, so lang, bis niemand mehr da war. Nicht nur heute, sondern jeden Tag müssen wir uns gemeinsam für ein würdevolles Gedenken einsetzen, für eine Gedenkkultur, die sich erfolgreich widersetzen kann, wenn versucht wird, Geschichte und Fakten umzuschreiben, wenn Genozidleugnung betrieben wird. Warum ist das wichtig? – Weil wir den jüngeren Generationen erlauben müssen, die richtigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen, damit so etwas nie wieder passieren kann. Jeder und jede von uns kann dabei einen Beitrag leisten, sei es im UN-Sicherheitsrat, sei es in Österreich, überall, indem wir uns jeden Tag für den Schutz von Menschenrechten, die Gleichberechtigung und den Respekt für alle Menschen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrer Herkunft, einsetzen (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS), indem wir uns dafür einsetzen, dass der Völkermord von Srebrenica und die Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina niemals in Vergessenheit geraten, und dafür, dass sich so etwas niemals wiederholt. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Rudolf Taschner zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein.

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Es war im Jahre 1955, knapp nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags, da hat die österreichische Post eine Briefmarke herausgegeben. Darauf war die Weltkugel abgebildet, und um den Äquator herum wurden alle Fahnen der Vereinten Nationen aufgelistet, weil gerade das zehnjährige Jubiläum seit Gründung der Vereinten Nationen gefeiert wurde. Statt der österreichischen Fahne war da eine Lücke mit einem Fragezeichen, weil wir damals noch nicht Mitglied waren. Wir versuchten, Mitglied zu werden, weil diese Vereinten Nationen für uns ein Zeichen für den Beginn einer guten, neuen Zeit sind, einer Zeit, in der Krieg und so etwas, was Sie, Frau Kollegin Zadić, uns jetzt erzählt haben, niemals vorkommen soll. Daher wollten wir dort hineinkommen. Und wir haben es sehr bald geschafft, 1956. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Meinl-Reisinger. ) – 1955 doch noch, ja. Und die Schweiz hat ein bisschen (Bundesministerin Meinl-Reisinger: Sehr lange!) – die hat sehr lange gebraucht, bis sie dahin gekommen ist, ja, aus Neutralitätsgründen interessanterweise. Aber man kann Neutralität verschieden betrachten, das muss man durchaus zugestehen. Wir haben in der Neutralität kein Hindernis dafür gesehen, UNO-Mitglied zu werden. Im Gegenteil, wir haben die UNO gleichsam als eine Möglichkeit empfunden, zur Erreichung des Weltfriedens beitragen zu können – in verschiedenster Art und Weise, bis hin dazu, dass wir dann zum UNO-Sitz geworden sind, die UNO-City in Wien aufgebaut haben. All das ist wirklich aus Hochachtung den Vereinten Nationen gegenüber erfolgt, die damals noch in einer etwas besseren Verfassung waren als jetzt. Ich kann mich erinnern, Dag Hammarskjöld, der damalige Generalsekretär, dessen Engagement und dessen Einsatz für den Frieden ihn dann sein Leben gekostet haben, war mehr ein General als ein Sekretär, die Nachfolger von ihm sind eher mehr Sekretäre als Generäle. Ich glaube, die Chance, dass wir, wenn wir in den Sicherheitsrat hineinkommen, dann versuchen, nicht nur für Österreich einen Beitrag zu leisten, sondern auch für die UNO selbst – dass die UNO wieder an Reputation und an Möglichkeit, sich in der Welt darzustellen, gewinnt –, wäre auch ein Grund, dass wir diese Sicherheitsratsstelle anstreben werden. Nebenbei gesagt, Frau Bundesministerin: Sie haben da ein Proponentenkomitee von sehr ehrenwerten Personen aufgestellt, aber das sind eher Personen von lokalem Interesse. Ich würde vorschlagen, nehmen Sie insbesondere Thomas Mayr-Harting. Das ist jemand, der in New York, der in der UNO unglaublich bekannt ist – der Österreicher, der zeigt, dass Österreich wirklich dafür steht, dass wir in den Vereinten Nationen einen wesentlichen Beitrag leisten können. Ich glaube, das wäre ein wichtiger Aspekt, den man noch dazugeben sollte: Wir sollen darstellen, dass wir ein Land sind, in dem wir Diplomatie wirklich beherrscht haben. Wir sind das Land, in dem große außenpolitische Geister gewesen sind, angefangen von Kaunitz bis hin zu Kreisky. Wir haben wirklich die Expertise, und diese Expertise ist so groß, dass ich glaube, wir brauchen gar keine 20 Millionen Euro aufzuwenden, sondern wir brauchen nur zu sagen: Wir kommen aus Österreich, wir können es! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Hast du das gehört? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Was? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Er glaubt, wir brauchen gar keine 20 Millionen ...! – Sie tun es aber!

ÖVP Rudolf Taschner

… Ich glaube, das wäre wirklich etwas, womit wir stolz dastehen könnten und sagen könnten: Die UNO ist für uns ein Herzensanliegen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ist ja nur Steuergeld!

ÖVP Rudolf Taschner

… und wir wollen nicht nur uns dort einbringen, sondern wir wollen die UNO sogar noch besser machen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Herr Professor, es ist ja nur Steuergeld!

ÖVP Rudolf Taschner

… besser für den Frieden in der Zukunft! (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Alois Schroll . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Alois Schroll

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Geschätzte Damen und Herren hier auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Ich darf heute hier zur Außenpolitik, genauer gesagt zur Bewerbung Österreichs für einen Sitz im Sicherheitsrat in den Jahren 2027 und 2028, sprechen. Diese Bewerbung ist für unser Land sicherlich eine ganz große Sache – so viel ist klar. Der Sicherheitsrat der UN ist eines ihrer wichtigsten Gremien. So können durch Beschlüsse im Sicherheitsrat Blauhelmmissionen der UN genehmigt, Sanktionen verhängt oder auch wichtige Beschlüsse mit Symbolwirkung für die ganze Welt gefasst werden. Wir sehen also: Wer in dieser Runde mit am Tisch sitzt, kann entscheidend am Weltgeschehen mitwirken und eine starke Stimme für Demokratie, Freiheit, die Wahrung der Menschenrechte und vor allem eine starke Stimme für den Frieden sein. (👏 ÖVP, SPÖ) Neben den fünf ständigen Mitgliedern Frankreich, Großbritannien, USA, Russland und China wird der Rat durch zehn nichtständige Mitglieder ergänzt, die für zwei Jahre gewählt werden. Dass sich Österreich genau für solch einen Sitz bewirbt, ist eine ganz großartige Gelegenheit für unser Land, sich international als ehrlicher, verlässlicher Partner in den großen Fragen der globalen Politik zu positionieren. Daher unterstützen wir als Sozialdemokratie diese Initiative, Frau Außenministerin, voll und ganz. Österreich blickt auf eine jahrzehntelange Tradition der Diplomatie zurück, auf die wir zu Recht stolz sein können. Egal ob es das Treffen zwischen US-Präsident John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow 1961 in Wien war, die Errichtung eines der vier offiziellen Sitze der UNO mit der UNO-City in Wien oder etwa auch die Gespräche zum Atomabkommen mit dem Iran im Jahr 2015, Wien und damit die Republik Österreich haben schon oft genug bewiesen, dass wir gerade aufgrund unserer Neutralität ein ehrlicher, geschätzter und wichtiger Partner für internationale diplomatische Fragen sind und eine große Bereicherung für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wären. Nicht zuletzt die große Zahl an internationalen Organisationen, die ihren Sitz in Wien haben, spricht hier eine eindeutige Sprache: Wien, Österreich und internationale Angelegenheiten, das passt zusammen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was ich angesichts dessen umso erstaunlicher finde – diese Bemerkung sei mir nur zum Schluss gestattet –, ist die Positionierung der Freiheitlichen Partei. Ich denke da an die Ausschusssitzung am 11. Juni, bei der der Abgeordnete von der FPÖ Peter Wurm wortwörtlich meinte, es sei doch egal, ob Österreich, Deutschland oder Portugal diesen Sitz bekomme. – Den Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ sei eines ins Stammbuch geschrieben: Ihr könnt euch euren Pseudopatriotismus in Zukunft gerne sparen, denn wenn es wirklich darauf ankommt, sich im Interesse Österreichs einzusetzen, ist es euch völlig egal. Das habt ihr mit eurer Haltung in dieser Frage bewiesen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Sie vertreten ja nicht die Interessen Österreichs! Das ist ja das Problem!

SPÖ Alois Schroll

… Aber genug der FPÖ, halten wir uns damit nicht länger auf. Liebe Kolleginnen und Kollegen, sorgen wir gemeinsam dafür, dass Österreich diesen Sitz erhält und sich auf der internationalen Bühne gut positioniert! Mein Dank gilt daher allen Beteiligten, Frau Ministerin, in Ihrem Haus, Ihrem Sonderbeauftragten Botschafter Jan Kickert, den Sonderemissären Heinz Fischer, Johannes Hahn, Ulrike Lunacek und Herbert Scheibner und allen anderen, die sich mit Hochdruck für dieses Projekt einsetzen. Arbeiten wir gemeinsam an diesem Erfolg! – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/30.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 1, die dem Ausschussbericht 112 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „VN-Sicherheitsratskandidatur unter Einbindung des Parlaments“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierfür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, somit angenommen. ( 33/E ) RN/30.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordnenten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung der Demokratiebewegung in Serbien und klare Haltung der österreichischen Bundesregierung zu den jüngsten Entwicklungen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die sich für diesen Entschließungsantrag aussprechen, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/30.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Gudrun Kugler , Petra Bayr , Veit Valentin Dengler , Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Georgiens demokratischen Albtraums“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, somit angenommen. ( 34/E ) RN/30.4 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Antrag des Außenpolitischen Ausschusses, seinen Bericht 113 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, somit angenommen. RN/30.5 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Transparenzpflicht für öffentlich subventionierte NGOs und Einrichtung einer Stelle zum Schutz der nationalen Souveränität“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, somit abgelehnt.

Fehlende Transparenz bei der Finanzierung internationaler Organisationen

113 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 231/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, der mehr Transparenz über private Finanzierungen internationaler Organisationen einfordern wollte. Damit werden keine zusätzlichen Offenlegungs-, Berichtspflichten oder sonstigen Maßnahmen gegenüber der Bundesregierung bzw. in internationalen Gremien beschlossen.

Betroffen wären vor allem internationale Organisationen (insbesondere UN-Organisationen, Europarat u.a.) sowie die österreichische Außen- und Europapolitik bzw. deren Umgang mit privat finanzierten IO-Entscheidungen.

Ziel des Antrags war, den Einfluss privater Stiftungen, NGOs und Unternehmen auf internationale Organisationen durch mehr Transparenz über deren Finanzierung sichtbar zu machen und damit Abhängigkeiten bzw. undemokratische Einflussnahme zu begrenzen.

Dokumente

Fehlende Transparenz bei der Finanzierung internationaler Organisationen

Ausgangslage und Problemaufriss

  • Der Antrag thematisiert, dass Staaten im Zuge der Globalisierung zunehmend Verantwortung an internationale Organisationen (IOs) übertragen, die dadurch erhebliche Macht ausüben.
  • Politische Entscheidungen würden häufig im Rahmen von „Global Governance“ vorbereitet und damit teilweise aus demokratisch-parlamentarischen Prozessen verlagert.
  • Kleine Staaten stünden in IO-Strukturen privaten Akteuren (Stiftungen, NGOs, Unternehmen) gegenüber, die über große Budgets, Expertise und strategische Agilität verfügen und dadurch faktisch auf Augenhöhe oder darüber agieren könnten.
  • IOs binden nichtstaatliche Akteure grundsätzlich ein; dadurch würden Grenzen zwischen öffentlichen und privaten Akteuren verwischt, was das Risiko von Einflussnahme „über Gebühr“ erhöhe.
  • Es wird vor einem Übergang von sinnvoller Komplementarität zu Abhängigkeit internationaler Organisationen von privaten Geldgebern gewarnt.

Private Finanzierung internationaler Organisationen: Umfang und Beispiele

  • Insbesondere Organisationen der Vereinten Nationen würden in zunehmendem Maß von privaten Akteuren mit globalen Interessen finanziert.
  • Genannte Beispiele für private Einnahmen/Zuwendungen: UNICEF nahm 2020 fast 1,5 Milliarden US-Dollar ein; die WHO überschritt 2017 die Milliardengrenze; das UNHCR erhielt 2020 540 Millionen US-Dollar; an UNFPA gingen 2019 77,5 Millionen US-Dollar; die UNESCO erhielt 2020 69 Millionen US-Dollar.
  • Ähnliche private Finanzierungsstrukturen werden auch für den Europarat (einschließlich Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) behauptet.
  • Selbst der Internationale Strafgerichtshof erhalte private Mittel.

Hauptakteure unter den privaten Geldgebern

  • Ein großer Teil privater Mittel stamme laut Begründung von einer kleinen Zahl von Stiftungen und NGOs, insbesondere: Bill & Melinda Gates Foundation, Ford Foundation, Open Society Foundations, MacArthur Foundation und Oak Foundation.
  • Als Beispiel für Unternehmensfinanzierung wird u.a. Microsoft genannt.

Charakter der Finanzierung: Von Spenden zu politischer Mitgestaltung

  • Das Finanzierungsmodell solle nicht als bloßes Mäzenatentum verstanden werden.
  • Als Beleg wird eine Aussage aus einem UN-Dokument (2012) angeführt: Stiftungen sähen sich eher als vollwertige Entwicklungspartner denn als reine Spender und erwarteten enge Einbindung in politische Diskussionen, Interessenvertretung und Problemanalyse.
  • Stiftungen würden als Quelle von Entwicklungswissen beschrieben, führten sichtbare Medienkampagnen und nähmen Einfluss auf internationale Entwicklungspolitik.

Erklärungsmodell: Symbiose und Machtverschiebung

  • Die Begründung beschreibt eine Symbiose: Internationale Organisationen hätten politische Macht, wollten aber mehr finanzielle Mittel; private Akteure verfügten über finanzielle Mittel und strebten nach mehr politischer Macht.
  • Problematisch werde diese Entwicklung, wenn Staaten in ihrem nationalen Recht auf Entscheidungen privat finanzierter internationaler Organisationen Bezug nehmen, ohne dass Unabhängigkeit, Transparenz und demokratische Entscheidungsfindung in diesen Organisationen ausreichend sichergestellt seien.

Bezug zum nationalen Recht: Beispiele für Anknüpfung an internationale Vorgaben

  • Als Beispiel wird die Verordnungsermächtigung im Epidemiegesetz (§ 1 Abs. 2 EpiG) genannt, wonach der zuständige Bundesminister weitere übertragbare Krankheiten der Meldepflicht unterwerfen oder Meldepflichten erweitern kann, wenn dies epidemiologisch gerechtfertigt oder aufgrund internationaler Verpflichtungen erforderlich ist.
  • Als weiteres, „plakativeres“ Beispiel wird eine Passage aus Materialien zu einer Änderung des Epidemiegesetzes 1950 angeführt: Wenn und solange die WHO eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausruft, setzen die in den Internationalen Gesundheitsvorschriften vorgesehenen Informationsflüsse ein.

Fehlende Transparenz bei der Finanzierung internationaler Organisationen

~44 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir besprechen jetzt die Bewerbung Österreichs um einen nichtständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat für 2027 und 2028. Die Kandidatur wurde bereits vor mehreren Jahren in die Wege geleitet, nun wird es final. Der UN-Sicherheitsrat, wichtigstes Organ der UNO, ist verantwortlich für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit – eine schöne Sache. Es wäre natürlich grundsätzlich eine gute Sache, wenn Österreich darin wieder für zwei Jahre vertreten ist, noch dazu, wo sich Österreich international wirklich wieder als neutraler Staat positionieren und profilieren könnte. Das wäre der Sinn der Sache – und nur dann macht es auch wirklich Sinn. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Daher fragt man sich, warum Sie überhaupt an diesem Sitz in der UN Interesse haben. Was wurde denn aus unserer Neutralität in den letzten Jahren, die nur jetzt, auch angesichts dieser Kandidatur, kurz am Papier wieder heraufbeschworen wird? – Sie wurde speziell seit Beginn des Russland-ukrainischen Kriegs zunächst von ÖVP und Grünen, nun auch von der jetzigen Regierung und Außenminister Stück für Stück abgetragen, bis nichts mehr da ist. Es wird keine Gelegenheit ausgelassen, unsere verfassungsrechtlich verankerte immerwährende Neutralität zu torpedieren und auszuhöhlen. (👏 FPÖ) Sie wird ignoriert wie ein ungeliebtes Kind. Dabei sollte sie eigentlich Richtschnur sein – gerade auch für das Handeln einer Außenministerin. Gerade auch in Ihren Ausführungen in der Fragestunde haben Sie aber wieder einmal bewiesen, dass die Neutralität Ihnen rein gar nichts bedeutet, auch angesichts dessen, was Sie zum Sondertribunal für die russischen Kriegsverbrechen von sich gegeben haben, wo Sie sich offensichtlich in den Vordergrund spielen. Natürlich müssen Kriegsverbrechen aufgeklärt werden – das ist immer etwas, was dann in Friedenszeiten aufgearbeitet wird. Jetzt haben wir aber immer noch Krieg dort, und im Moment schürt das eher den Konflikt. Daher macht es keinen Sinn, und mit Neutralität hat es nichts zu tun. Auch Ihr Grinser dazu – daran merkt man, dass Sie es einfach nicht verstehen. (👏 FPÖ) Das ist sehr problematisch für unser Land und das reiht sich auch in Ihre Aussagen ein: „Österreich ist politisch ‚nicht neutral‘“. Die „Neutralität schützt uns nicht“ und wir stehen natürlich immer bedingungslos auf einer Seite im Krieg. Verstehen Sie es nicht? Dann geht das eben nicht mit Neutralität! Was soll davon noch übrig bleiben? – Nicht einmal die Restneutralität, von der Sie dann immer sprechen. Die militärische Neutralität wird seit mehreren Jahren brutal verletzt: durch die Zahlungen, Milliardenzahlungen Österreichs an Brüssel in den Friedensfazilitätsfonds – was für ein Zynismus, dieser Name, denn daraus werden die Waffen für die Ukraine finanziert. Und Österreich ist voll dabei. Zur Verteidigung und Rechtfertigung für dieses Handeln kommt ja immer die Moral ins Spiel – wobei ich das neue Wording gerade in der Fragestunde interessant gefunden habe. Sie sind nicht nur von der Moral geleitet. Offensichtlich wird Ihnen das wirklich nicht mehr abgenommen. Trotzdem ist ja Moral, Moralismus immer Ihr wesentlicher Kompass – und Sie sagen ja auch, das neutrale Österreich muss Haltung und Moral zeigen. Ja, das sollten wir. Aber Mitläufertum bei einem verantwortungslosen EU-Kurs hat nichts mit Haltung und Moral zu tun. (👏 FPÖ) Das findet leider seit 2022, seit dem Beginn des Kriegs statt. Der Westen, der Wertewesten, von dem Sie immer sprechen, vor allen Dingen Biden-USA und Großbritannien, verhinderte eine vernünftige Lösung im Frühjahr 2022. Seither werden Waffen geliefert, was das Zeug hält, die Ukraine zerstört; Tod von Hunderttausenden Soldaten und Zivilisten. Das ist es, was es für die Ukraine gibt: Zerstörung und Tod. Was gibt es aber für den ach so moralischen Westen? – Money, money. Money makes the world go round. Da gibt es Milliardengeschäfte. Der korrekte Begriff dafür: Wiederaufbau. Da befindet man sich gerade in Rom, auch ÖVP-Kollege Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer, bei der großen Wiederaufbaukonferenz. Es ist immer noch Krieg. Es ist dort nicht die Rede von Friedenslösungen, von Diplomatie, von: Was macht man, damit das endlich beendet wird? Im Gegenteil: Die europäischen Politiker hetzen, was das Zeug hält. England und Frankreich sprechen von der Stationierung von 50 000 Soldaten. Die Äußerungen von Kanzler Merz möchte ich gar nicht wiederholen. Gibt es irgendwelche Äußerungen dazu? Das alles befeuert den Krieg, und dennoch trifft man sich dort und spricht über den Wiederaufbau und teilt sich schon die Ukraine und die Milliarden auf. Sagen Sie nicht, wie gerade zuerst in der Fragestunde, dass wir österreichische Unternehmen diskreditieren, die dort in der Ukraine etwas verdienen. Ich vergönne es ihnen, denn unsere Wirtschaft leidet unter der Wirtschaftspolitik – hier in Österreich und von der EU – und wird kaputt gemacht. Ich gönne es den österreichischen Unternehmen, wenn es auch – wir werden uns das schon anschauen – wenige sein werden, die wahrscheinlich besonders gute Beziehungen zur Regierung, sage ich einmal, halten. Die werden davon profitieren. Aber tun Sie nicht so, als ob die österreichische Wirtschaft oder die Bevölkerung in der EU oder in Österreich profitieren. Das ist nicht der Fall, denn: Von wem werden denn der Wiederaufbau, die Baukonzerne dort bezahlt? – Nein, das ist nicht die Ukraine, die das bezahlt. Das sind wir Europäer, denn der ukrainische Staatshaushalt wird längst von der EU finanziert.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Was wollt ihr denn? Was wollt ihr eigentlich?

FPÖ Susanne Fürst

… Das heißt, das ist unser Geld, mit dem die österreichischen Unternehmen bezahlt werden. (👏 FPÖ) So ist der Kreislauf, genau – sagen Sie es dazu. Sie sprechen in der Fragestunde von einer vernünftigen Energiepolitik. Das ist das, was die Wirtschaft in der EU gerade kaputtmacht. Alle unsere Unternehmen, jeder Unternehmer sagt: Die Energie, die teure Energie lässt uns einfach nicht mehr im Wettbewerb bestehen. Und Sie stehen hier und sagen und verkünden: Österreich oder auch die EU ist befreit vom russischen Gas. – Wir sind befreit vom zuverlässigen und günstigen Gas, toll! Lassen Sie sich dafür feiern! Zahlen tun das die österreichischen Bürger, die Bevölkerung und unsere Wirtschaft. Wir müssen das Zwei- bis Dreifache dafür bezahlen. Die Österreicher können sich das nicht mehr leisten, die Pensionisten. Sie reden von der Freiheitsenergie. Die Österreicher sollen das schlucken. Das ist moralisch, dann müssen sie halt ein bisschen mehr dafür zahlen. Moralisch ist gar nichts. Das kommt jetzt aus anderen Quellen oder über Umwege immer noch aus Russland. Mehr diversifizieren, Abbau – dass wir alles von Russland bekommen haben, alles, das war nicht gut. Jahrzehntelang haben ÖVP, SPÖ gerade so eingetütet. Ja, man hat da auch gut verdient.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ihr habt bis zu ...

FPÖ Susanne Fürst

… Aber so, wie es jetzt gemacht wird, ist es viel zu schnell. Da zahlt nur die Bevölkerung drauf. – Dies zu Ihren Anmerkungen in Ihrer Fragestunde, die eigentlich unglaublich waren. (👏 FPÖ) Aufgrund Ihres außenpolitischen Kurses, der nicht die Interessen Österreichs im Auge hat , und vor allen Dingen des Kurses der EU, der zutiefst verantwortungslos ist: Das ist ja das, was Sie uns hier verkünden. Das ist ja nicht Ihr Kurs, das sind ja nicht Ihre Überlegungen! – Wir schwimmen mit im EU-Kurs, und zwar bedingungslos. Sie scheuen sich ja nicht einmal, dieselben Wörter, dieselben Floskeln zu verwenden wie Frau von der Leyen, wie Frau Kallas. Alle reden dasselbe. Das hat überhaupt nichts mit einem eigenständigen Kurs zu tun. Das ist Mitläufertum pur. Angesichts dessen muss ich sagen: Wenn Österreich den Sitz im UN-Sicherheitsrat bekommt und das 2027/2028 stattfindet und Sie tatsächlich noch im Amt sind, weiß ich nicht, ob das für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit gut ist und ob Sie da einen konstruktiven Beitrag leisten könnten. Das ziehe ich in Zweifel. (👏 FPÖ) Ja, Sie tragen dazu überhaupt nichts bei – bisher nicht; vielleicht kommt es zu einer Umkehr, endlich einmal. Abgesehen davon müsste man bei so einer Kandidatur für den UN-Sicherheitsrat eben mit Qualität und mit der Politik und mit der außenpolitischen Linie überzeugen und nicht mit viel Geld. Österreich zahlt jährlich 140 Millionen Euro an die UNO, das müsste doch reichen. Jetzt werden noch zusätzliche 20 Millionen Euro für die Bewerbung budgetiert. 8 Millionen Euro, wie Sie im Ausschuss zugegeben haben, werden einmal so an die UNO ohne besondere Zweckwidmung überwiesen. Das finde ich schon interessant. Wenn sich ein Land als Kandidat für den Austragungsort einer Fußball-WM bewirbt und da einmal einfach 8 Millionen Euro ohne jeden Zweck überweist – also da hat es nachher schon viele rechtliche Probleme gegeben.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Sie sind etwas Großem auf der Spur, Frau Kollegin Fürst!

FPÖ Susanne Fürst

… Ich sage jetzt nicht, wie man so etwas nennt. Ich würde also davon Abstand halten.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wie viele Rubel sind das eigentlich? – Ruf bei der FPÖ: Was seids denn so nervös?

FPÖ Susanne Fürst

… Angesichts dieser vielen Millionen würde ich schon bedenken: Sie sind Außenministerin, Sie haben gerade wieder davon gesprochen, dass Sie ja in der ganzen Welt herumfliegen. Ja, Sie sind Außenministerin, aber als Außenministerin hat man eben die Interessen des eigenen Landes im Ausland zu vertreten und nicht die Interessen des Auslands hier in Österreich! (👏 FPÖ) Außerdem sollte auch Ihnen als Außenministerin unsere desaströse Budgetsituation eigentlich ein Begriff sein, und daher sollten auch Sie eine sparsame Linie vertreten. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Veit Valentin Dengler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Veit Valentin Dengler

Herr Präsident! Frau Außenministerin! Liebe Beate! Nach dieser kurzen Belangsendung des russischen Außenministeriums …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das ist nicht einmal lustig!

NEOS Veit Valentin Dengler

… würde sich die FPÖ jetzt natürlich wünschen, dass wir dann sozusagen Punkt für Punkt darauf eingehen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Entweder man kann es oder man kann es nicht!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Was aber, glaube ich, wichtiger ist, ist, dass wir darüber reden: Warum kandidieren wir …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

... schon den Totschnig gebraucht!

NEOS Veit Valentin Dengler

… für den Sicherheitsrat? – Österreich macht das nicht zum ersten Mal, der UNO-Sicherheitsrat ist ein wichtiges Gremium, das wichtigste Gremium – das war ja, glaube ich, auch in Ihrer Rede unstrittig, Frau Fürst. Es ist nun mal leider so, dass die internationalen Organisationen manchmal besser und manchmal schlechter funktionieren. Anfang der 1950er-Jahre hat sogar die Sowjetunion selber das UNO-System boykottiert; nicht sehr lange, weil sie dann gemerkt haben, dass sie dann Resolutionen gegen sich kriegen. Es geht mit dem Weltfrieden und den internationalen Beziehungen auf und ab, aber es bleibt ein wichtiges Gremium. Einige Organisationen haben ihren Sitz in Wien, wie die Internationale Atomenergiebehörde. Wir müssen uns nur einmal vorstellen, wie zum Beispiel die letzten 20, 30 Jahre betreffend Iran abgelaufen wären, wenn es die IAEA nicht gegeben hätte. Abgesehen davon ist die UNO auch ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor für uns, alleine in Wien hängen wahrscheinlich über 20 000 Jobs direkt oder indirekt an der UNO. Österreich war schon dreimal im Sicherheitsrat, und zwar das erste Mal 1973/1974, dann 1991/1992 und dann 2009/2010. Man muss kein Mathematikprofessor ( in Richtung Abg. Taschner [ÖVP] deutend ) sein, um zu sehen, dass das ein sehr sauberer 18-Jahre-Zyklus ist, ( in Richtung Bundesministerin Meinl-Reisinger: ) also das nächste Mal wäre dann bitte 2045. Es ist eine besondere Ehre, da drinnen zu sein. Es ist auch nicht einfach, 59 UNO-Mitgliedsländer waren noch nie im Sicherheitsrat. Da sind natürlich auch viele kleinere dabei, aber auch große; Israel zum Beispiel war noch nie drinnen. Es gibt immer diese Vermutung: Oh, wir kommen in den Sicherheitsrat, weil wir neutral sind!, und wie wichtig die Neutralität dafür ist. Wenn wir uns vergleichbare Länder anschauen, die neutral sind, sehen wir: Die Schweiz war bisher einmal im Sicherheitsrat, Finnland zweimal, als es noch neutral war, Schweden viermal, als es noch neutral war. Aber dann gibt es die Nato-Gründungsmitglieder: Dänemark war schon fünfmal drinnen, Norwegen war schon fünfmal drinnen und die Niederlande sogar sechsmal. Man sieht also: Es geht nicht darum, ob man neutral ist oder nicht, sondern es geht darum, ob man einen konstruktiven, professionellen Beitrag zur internationalen Völkergemeinschaft leistet. Zur Kritik an den 20 Millionen Euro Sonderbudget: Ich würde diese Regierung ausdrücklich dafür loben, dass sie das explizit ausschildert. Frau Minister Plassnik hat hier im Hohen Haus nämlich bei der letzten Kandidatur 2008 gesagt, dass wir dafür kein Sonderbudget haben. Das hat so nicht ganz gestimmt, weil wir damals auch schon zwei Jahre lang freiwillige Sonderbeiträge an die UNO geleistet haben, damals zweimal 5 Millionen Euro, 2007 und 2008. Das wäre, wenn man das valorisiert, 16 Millionen Euro in heutigem Geld. Das heißt, doppelt so viel, wie wir jetzt dafür ausgeben, haben Sie das schon 2007, 2008 gemacht. Es gab damals zum Beispiel auch schon Sonderbotschafter. Ihr ehemaliger Kollege Scheibner war damals auch schon Sonderbotschafter und der ehemaliger Außenminister Jankowitsch von der SPÖ war damals auch Sonderbotschafter. Es gab auch einige Konferenzen zum Thema Streumunitionen in Wien, und in New York haben wir Konferenzen zum Thema Sicherheitsrat und Rechtsstaatlichkeit organisiert, daraus gab es dann auch Publikationen. Also ein ganz ähnliches Programm gab es damals schon, und wir haben damals erfolgreich für die UNO kandidiert. Was mir da wichtig ist – ich habe mir das ausheben lassen –: 2008 kam dann nach der erfolgreichen Wahl in den Sicherheitsrat der damalige Staatssekretär Winkler in dieses Haus und hat damals explizit gesagt: „Ich danke auch für die anerkennenden Worte für unsere erfolgreiche Sicherheitsrats­kandidatur. Ganz ausdrücklich möchte ich betonen, dass wir, glaube ich, deswegen er­folgreich waren, weil das gesamte offizielle Österreich hinter dieser Kandidatur gestan­den ist. Der Herr Bundespräsident hat sich dafür eingesetzt, der Bundeskanzler hat sich dafür eingesetzt, alle Minister haben sich dafür eingesetzt, auch die Abgeordneten haben sich bei ihren Kontakten mit ausländischen Gesprächspartnern dafür eingesetzt. Daher ist, glaube ich, auch vermittelt worden, dass Österreich insgesamt dahinter steht.“ – Dieser Punkt scheint mir wichtig zu sein. Ich verstehe, dass wir uns in der Innenpolitik wild streiten, es gibt hier verschiedene Ansichten entlang des gesamten Spektrums. Ich verstehe auch, dass wir uns bei EU-Themen streiten, denn das ist ja de facto schon Innenpolitik geworden. Aber wenn es über die Grenzen der Europäischen Union hinausgeht, ist es wichtig, glaube ich, dass wir unsere kleinen parteipolitischen Ambitionen im Zaum halten und dass wir aufs große Ganze schauen, dass wir auch einen nationalen Schulterschluss machen. Gerade heute, am 30. Jahrestag des Massakers von Srebrenica, wäre es besonders wichtig, dass wir diese Initiative gemeinsam in einem nationalen Schulterschluss vorantreiben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Axel Kassegger . – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Danke, Herr Präsident! – Herr Kollege Dengler, wenn Sie mir jetzt den unmittelbaren Nutzen erklären, den die Bevölkerung der Republik Österreich aus dieser Initiative hat, und mir darlegen, dass die Kosten – wir reden ja da von 20 Millionen Euro zusätzlichen Kosten an Steuergeld – in einer gesunden Relation zu diesem Nutzen stehen, dann kann man durchaus mit uns reden. Bis jetzt ist Ihnen das noch nicht gelungen. (👏 FPÖ) Ich spreche zum 2. Tagesordnungspunkt, der mit dem 1. Tagesordnungspunkt unter einem verhandelt wird. Da geht es um das Thema Transparenz der Finanzierung internationaler Organisationen beziehungsweise auch Transparenz der Finanzierung sogenannter NGOs, Non-Governmental Organizations. In Wirklichkeit ist die Bezeichnung falsch – wir gehen in unserem Antrag darauf ein –, das sind jedenfalls Governmental-Financed Organizations, und da hat der Steuerzahler, der Bürger durchaus ein absolutes Recht, dass da die größtmögliche Transparenz herrscht, was nicht der Fall ist. Zu den internationalen Organisationen – da sind wir schon im grundsätzlichen außenpolitischen Bereich beziehungsweise im grundsätzlichen Selbstverständnis dessen, was eine Republik, die Republik Österreich, in der Völkergemeinschaft darstellen soll und wie sie sich positionieren soll – haben die Freiheitlichen einen ganz klaren Standpunkt, der vom Standpunkt aller anderen Parteien abweicht. Unser Standpunkt ist jener, dass sich die Republik Österreich als starker, souveräner, mit entsprechenden Kompetenzen und Ressourcen ausgestatteter Nationalstaat im Rahmen einer Völkergemeinschaft als verlässlicher, neutraler Partner auf Grundlage von möglichst vielen bilateralen Verträgen einfügt. Das ist unser Zugang. Das ist im Übrigen Demokratie, demos kratein, die Herrschaft des Volkes, vertreten durch den Nationalrat hier – und nicht vertreten, nicht prioritär, durch internationale Organisationen, mögen sie jetzt Europäische Union, UNO, WHO oder sonst wie heißen. Wir stellen eine Entwicklung fest – das wird offensichtlich von Ihnen gutgeheißen, das ist ja auch Ihr gutes Recht; von uns nicht –, dass ein Shift an Macht stattfindet, nämlich an Gestaltungsmacht hinsichtlich dessen, was unser aller Leben als Österreicher beeinflusst – ich sage jetzt einmal: bis ins Wohnzimmer. Der Shift geht weg vom nationalen Parlament der Republik Österreich hin zu supranationalen Organisationen, die sich als Völkerrechtssubjekte verselbstständigen. Das wollen wir nicht. Wir wollen die Republik Österreich als Völkerrechtssubjekt als Partner in einem völkerrechtlichen Gesamtzusammenhang. (👏 FPÖ) Wir stellen fest, dass immer mehr Macht, Mittel, Ressourcen et cetera an diese Organisationen gehen. Das ist grundsätzlich nicht gut. Zum Beispiel – das wissen ja die wenigsten – haben wir gestern beschlossen, der WHO ( Ruf bei den Grünen: WHO? Oh! ) , einem ganz kleinen Gremium, der Weltgesundheitsorganisation, in Wahrheit enorme Kompetenzen, einen Freibrief zu geben, nämlich Pandemien zu erklären. Wir wissen – wir haben die Erfahrung aus der Coronazeit –, was das, Pandemien zu erklären, dann bedeuten kann.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

... Corona ...!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die WHO, da glaubt jeder: Ja, das ist die Weltgesundheitsorganisation, das ist eine öffentlich finanzierte Institution. – Irrglaube! 70 Prozent privat! Da ist Herr Bill Gates mit seinen Stiftungen drinnen. Das lehnen wir ab. Jetzt könnten Sie sagen: Ja, das ist bloßes Mäzenatentum (👏 FPÖ) und vollkommen selbstlos; Bill Gates hat Milliarden verdient, der ist so ein guter Mensch und der spendet jetzt halt der Weltgesundheitsorganisation.

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Das kannst du dir nicht vorstellen, Axel!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Da werfe ich Ihnen entgegen, was das Executive Board des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen und des Büros für Projektdienste der Vereinten Nationen bereits im Jahr 2012 festgehalten hat. Ich zitiere: „Stiftungen“ – ich ergänze: solche, wie Bill Gates hat – „sehen sich eher als vollwertige Entwicklungspartner denn als Spendengeber und erwarten eine enge Einbindung in Aktivitäten wie politische Diskussionen, Interessenvertretung und Problemanalyse. Sie sind zu einer Quelle für wertvolles Entwicklungswissen geworden. Sie führen sehr sichtbare Kampagnen in den Medien durch und nehmen Einfluss auf die internationale Entwicklungspolitik.“ – Das ist der Punkt. Da sind wir ganz weit weg von Demokratie und von demokratischer Legitimation. Deswegen wollten wir in diesem Antrag sicherstellen, dass da zumindest maximale Transparenz herrscht. Das Zweite sind die NGOs ( Ruf: Englisches Wort! ) , die ja in Wahrheit auch vollkommen intransparent sind, die staatliche und auch private Gelder beziehen, also große Mittel haben, aber in Wahrheit vollkommen intransparent sind und sich selbstverständlich über die Medien, über Experten et cetera in den politischen Entscheidungsfindungsprozess massiv einbringen – einmischen würde ich gar nicht sagen, aber einbringen. Wo ist da die demokratische Legitimation? – Punkt eins. Punkt zwei: Wo ist die Transparenz und die Offenlegung, welche Finanzierungsflüsse da stattfinden? Das ist der Zusammenhang für unseren Entschließungsantrag. Das ist jetzt ein relativ langer Entschließungstext, den ich vorlesen muss. Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Transparenzpflicht für öffentlich subventionierte NGOs und Einrichtung einer Stelle zum Schutz der nationalen Souveränität“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage vorzulegen, die folgende Maßnahmen umfasst: Definition von ‚lnteressensträgern‘: Einführung des Begriffs ‚lnteressensträger‘ als Synonym für NGOs nach dem Vorbild der EU, wie in Artikel 2 Buchstabe a der lnterinstitutionellen Vereinbarung vom 20. Mai 2021 über ein verbindliches Transparenz-Register definiert. Dieser Begriff soll im Lobbying- und lnteressenvertretungs-Transparenz-Gesetz [...] verankert oder in einem eigenen Gesetz geregelt werden. Verwaltungsstrafen bei Nichtregistrierung: Festlegung von Verwaltungsstrafen für lnteressensträger, die ihrer Registrierungspflicht nicht nachkommen. Offenlegung von Auslandsfinanzierungen: Gewährung von Förderungen zugunsten eines lnteressensträgers nur bei vollständiger Offenlegung bestehender Auslandsfinanzierungen gegenüber der Förderstelle.“ …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ist das Gesetz aus Ungarn ...?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Hierzu ist eine Anpassung der Verordnung des Bundesministers für Finanzen über Allgemeine Rahmenrichtlinien für die Gewährung von Förderungen aus Bundesmitteln [...] erforderlich. Verwendungsbeschränkung staatlicher Fördermittel: Verbot der Verwendung staatlicher Fördermittel für bereits anderweitig abgedeckte Tätigkeiten von lnteressensträgern. Zudem ist ein Einsichtsrecht in die Finanzen des geförderten lnteressensträgers zur Kontrolle bei Bezug von Förderungen einzuführen. Veröffentlichung eines Transparenzberichts: Verpflichtung für lnteressensträger, die als begünstigte Einrichtungen Förderungen beziehen, einen umfassenden, eigenständig erarbeiteten Transparenzbericht auf ihrer Homepage zu veröffentlichen. Einrichtung einer Stelle zum Schutz der nationalen Souveränität: Schaffung einer unabhängigen Behörde, die die Aufgabe hat, ausländische Einflussnahmen auf staatliche, gesellschaftliche und politische Entscheidungsprozesse zu identifizieren, zu untersuchen und zu bewerten. Diese Stelle soll insbesondere Aktivitäten von Organisationen und Einzelpersonen überwachen, die darauf abzielen, die nationale Souveränität zu untergraben oder den demokratischen Willensbildungsprozess zu beeinflussen. Die Behörde soll mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet werden, um effektiv gegen solche Einflussnahmen vorgehen zu können.“ Wem Transparenz wichtig und nicht nur eine Plattitüde, eine hohle Worthülse ist, der kann diesem Antrag eigentlich nur zustimmen. – Vielen Dank. (👏 FPÖ) 11.25 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/18.1 Transparenzpflicht für öffentliche subventionierte NGOs und Einrichtung einer Stelle zum Schutz der nationalen Souveränität (113/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von Kollegen Kassegger …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ist das Gesetz aus Ungarn, oder was ist das?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… soeben eingebrachte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Andreas Minnich . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Andreas Minnich

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister! Werte Abgeordnetenkollegen hier im Hohen Haus! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Wir stehen an einem entscheidenden Punkt für unsere rot-weiß-rote Diplomatie, für unsere internationale Rolle, aber auch für unseren Wirtschaftsstandort. Deswegen ist diese Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat etwas ganz besonders Wichtiges. Es wurde schon von meinen Vorrednern ausgeführt: Der Amtssitz Wien hat auch ganz besonders wirtschaftliche Bedeutung. Wir haben da eine Bruttowertschöpfung von über 1,7 Milliarden Euro für all diese über 50 internationalen Organisationen, die bei uns in Wien ihren Amtssitz angesiedelt haben. Damit sind auch über 16 000 Arbeitsplätze verbunden. Wenn man diese Fakten betrachtet, dann sieht man, wie wichtig es auch jetzt ist, sich nach 20 Jahren wieder für diesen Sitz zu bewerben. (👏 ÖVP) Warum ist das jetzt wichtig, warum gerade jetzt? – Weil die Weltordnung, so wie wir sie über viele Jahrzehnte kannten, unter Druck geraten ist, weil nationale Alleingänge, geopolitische Spannungen, Kriege und Krisen wieder Alltag geworden sind und weil Multilateralismus – das Prinzip des gemeinsamen, des gleichberechtigten Handelns – jetzt wieder mutige Verteidiger braucht. Da kann Österreich einen ganz wichtigen, besonderen Beitrag leisten. Da hilft uns auch unsere Neutralität. Wir sind keine Großmacht, wir sind ein kleines Land, wir sind auf den Multilateralismus angewiesen, auf eine regelbasierte Weltordnung, in der das Völkerrecht und die Rechtsstaatlichkeit gelten. Deswegen ist Österreich ein idealer Kandidat für diese Kandidatur. (👏 ÖVP, SPÖ) Österreich hat es in der Geschichte oft genug bewiesen: Bei unzähligen UN-Friedensmissionen, bei vielen Atomgesprächsverhandlungen, bei vielen OSZE-Dialogen und Verhandlungen auf höchstem Level hat Österreich immer für den Frieden gekämpft, sich für den Frieden eingesetzt und hat es immer geschafft, erfolgreich für gute, konstruktive Friedensbemühungen in der Welt zu sorgen. Ja, ein Sitz im Sicherheitsrat ist ein sichtbares Zeichen Österreichs. Es ist nicht aus reinem Eigennutz, sondern weil wir überzeugt sind, etwas beitragen zu können. So muss ich den Kollegen von der FPÖ hier schon auch sagen: Ich bitte Sie um mehr Patriotismus! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wir sind patriotisch genug!

ÖVP Andreas Minnich

… Sehen wir das auch nach einem gewissen Sportsmanship! Machen wir uns stark für unser Land! Bringen wir hier auch Begeisterung hinein, dass wir uns da bewerben können, dass wir uns da einbringen können, dass wir unseren Wertekanon da auch international einbringen ( Ruf bei den Grünen: Glaub an Österreich! ) und vermitteln können! …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Glauben Sie an dieses Österreich, Kollege!

ÖVP Andreas Minnich

… Deswegen bitte ich um kräftige Unterstützung. Ziehen wir alle an einem Strang, machen wir hier einen nationalen Schulterschluss! Dann wird es hoffentlich klappen, dann wird Österreich sich hoffentlich positiv im Sinne des Friedens einbringen können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Petra Bayr . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Bayr

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Frau Außenministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Einbeziehung des Parlaments in die Kampagne zur Sicherheitsratskandidatur von Österreich ist auch durchaus eine Würdigung dessen, dass wir natürlich alle miteinander sehr viele internationale Kontakte haben, dass parlamentarische Diplomatie auch wirklich gelebt werden kann und dass wir auch ein Faktor in dieser Frage sind – das finde ich gut so. Ich finde es auch gut, dass Österreich eine starke neutrale Stimme in diesem Sicherheitsrat werden soll. Wenn man sich anschaut, was in der letzten Periode, als wir Mitglied des Sicherheitsrates waren – 2009, 2010 –, unter durchaus der Federführung von Österreich alles passiert ist, dann, denke ich mir, ist das eine recht beachtliche Auflistung von richtig wichtigen Fragen auf internationaler Ebene: die Frage der nuklearen Abrüstung und Nichtverbreitung zum Beispiel, wo Österreich ja auch bei sehr vielen internationalen Konferenzen und Vereinbarungen eine wirklich federführende Rolle gespielt hat und auch nach wie vor spielt; ebenso der Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten, die Einhaltung von Völkerrecht und der Zugang von humanitärer Hilfe – leider heute aktueller denn je auch wieder ein Thema, an dem wir arbeiten müssen. Ich möchte auch daran erinnern, dass zwei sehr wichtige Resolutionen zum gesamten Komplex Frauen, Frieden und Sicherheit in diesen zwei Jahren beschlossen worden sind und wir vor allem einen Schwerpunkt auf sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten gelegt haben. Der Internationale Strafgerichtshof ist beauftragt worden, Omar al-Baschir zu verfolgen. Sie erinnern sich sicher an Darfur und daran, was damals im Sudan für Gräueltaten passiert sind. Auch die Sanktionen gegenüber dem Iran und Nordkorea wegen Nuklearprogrammen waren durchaus etwas, was wir initiiert und weitergebracht haben, ebenso wie Friedensmissionen – etwa in der Demokratischen Republik Kongo, Liberia und der Elfenbeinküste. Österreich ist also ein verlässlicher multilateraler Akteur, und unsere Priorität sind die Rechtsstaatlichkeit, der Schutz der Menschenrechte, des Völkerrechts und von internationaler Gerichtsbarkeit. Darum, glaube ich, waren wir damals Brückenbauer:innen und können wieder Brückenbauer:innen werden. Das ist durchaus ein Nutzen, wenn die Welt aufgrund unserer Aktivitäten nach diesen zwei Jahren ein Stückchen sicherer ist, als sie es davor gewesen ist. Ich glaube, das zahlt sich aus. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Da wir bei dieser Debatte auch zwei FPÖ-Anträge mit diskutieren, lassen Sie mich auf beide auch kurz eingehen. Ich beginne mit jenem Antrag, in dem es darum geht, dass öffentlich subventionierte NGOs quasi unter Kuratel gestellt werden sollen. Wenn man alle diese Punkte, die in diesem Antrag stehen, zusammennimmt, dann ist das nichts anderes als das, was das Ausländische-Agenten-Gesetz in der Russischen Föderation, in Georgien ist beziehungsweise in Ungarn gerade noch einmal verhindert werden konnte – dort ist es nicht eingebracht worden. Ich denke, wenn Sie wirklich eine absolut mundtote Zivilgesellschaft haben wollen – und nichts anderes bezweckt dieser Antrag –, dann würde ich ein Zitat aus den Siebzigern und Achtzigern bemühen: Geh doch rüber – geh doch rüber in die Sowjetunion war es damals, geh doch rüber in die Russische Föderation ist es heute –, wenn es dort offensichtlich so viel schöner und so viel besser ist! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Oder in den Schrebergarten! ... der Gusenbauer gemacht! Der Herr Gusenbauer hat russische Erde geküsst!

SPÖ Petra Bayr

… Der zweite Antrag, den wir mit diskutieren, ist jener, der im Außenpolitischen Ausschuss abgelehnt worden ist, bei dem es auch vermeintlich um Transparenz geht, wo die FPÖ mich eigentlich sehr ratlos zurücklässt, weil es den Augenschein hat, dass Sie von Parlamentarismus, von Budgetgestaltung keinerlei Ahnung haben. Wenn Sie wollen, dass es einen regelmäßigen Bericht mit Zahlen und Inhalten gibt, was denn im internationalen Bereich passiert, dann rate ich sehr zur Lektüre des Budgets. Da gibt es ein Verzeichnis der veranschlagten Konten, da können Sie sehr genau nachlesen, welche internationale Organisation mit wie viel Geld bedacht wird. Das wird übrigens auch im Bundesrechnungsabschluss genau dargelegt. Es gibt die Transparenzdatenbank, wo all diese Zahlen eingetragen werden, wo jeder nachschauen kann, und es gibt den Außenpolitischen Bericht, wenn es darum geht, sich für Akteure oder Inhalte oder Themensetzung beziehungsweise Themenschwerpunkte zu interessieren. Wissen Sie, der Eindruck, der da bleibt, ist, dass Sie von den beiden Grundprinzipien des Parlamentarismus keine Ahnung haben – nämlich von Tuten und von Blasen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Hallo! Hallo! Hallo! Ja was ist denn das für eine Ausdrucksweise? – Ruf: Das sind die Grundprinzipien des Parlamentarismus?

SPÖ Petra Bayr

… 11.34 RN/20.1 Präsident Peter Haubner : Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Meri Disoski . Ich ersuche Sie, die Wortwahl wieder der Würde des Hauses anzupassen. – ( In Richtung Abg. Disoski [Grüne]: ) Es waren nicht Sie gemeint, Frau Kollegin, sondern grundsätzlich. – Sie sind am Wort.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Frau Außenministerin, wir beide sind vielleicht nicht immer in allem, was wir sagen, und in unseren Ansichten einer Meinung, aber ich habe jetzt der Rede, den Ausführungen von Kollegin Fürst sehr genau zugehört und dann ist mir eingeschossen: In einer FPÖ-ÖVP-Regierung wäre sie möglicherweise Außenministerin geworden. Ich sage Ihnen, Frau Außenministerin: Ich bin sehr froh, dass es anders gekommen ist und dass wir mit Ihnen eine klar proeuropäische Außenministerin haben, die auch den Multilateralismus hochhält. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das tun auch wir Grüne, deshalb unterstützen wir auch diese Kandidatur Österreichs um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, weil sie ja tatsächlich auch mit dem Anspruch verbunden ist und den Anspruch formuliert, sich unermüdlich für den Schutz von Menschenrechten für alle einzusetzen und auch die Rechtsstaatlichkeit auf allen Ebenen zu stärken. Wir sagen aber auch: Eine solche Kandidatur muss natürlich glaubwürdig sein. Es reicht nicht, wenn man Werbebroschüren druckt, besonders dann nicht, wenn gleichzeitig jene Mittel gekürzt werden, mit denen die Ziele, die in dieser Sicherheitsratskandidatur formuliert werden, erst umgesetzt werden können. Frau Ministerin, das ist ein krasser Widerspruch – wir haben das auch im Ausschuss schon diskutiert, – ein krasser Widerspruch, wenn Sie die Entwicklungszusammenarbeit und auch die Mittel der ADA kürzen, sich das aber gleichzeitig in dieser Kandidatur auf die Fahnen heften. Das passt nicht zusammen. Es ist auch ein Widerspruch, wenn die Bundesregierung über Menschenrechte spricht, aber im eigenen außenpolitischen Handeln nicht immer und nicht immer konsequent auf deren Einhaltung pocht. Das aktuelle Beispiel, das ich Ihnen dafür geben möchte, ist Serbien. Wir wissen – wir haben das hier im Hohen Haus schon oft diskutiert –, dass seit Ende 2024 dort Hunderttausende Menschen auf die Straße gehen. Es sind vor allem junge Leute, Studierende, Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, die sehr engagiert gegen die Aushöhlung von Demokratie, gegen die Aushöhlung von Rechtsstaatlichkeit, gegen Repression, gegen Korruption protestieren – und das tun sie friedlich. Das Regime unter Vučić antwortet aber nicht friedlich, sondern mit Polizeigewalt, mit willkürlichen Festnahmen. Massive Verletzungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind in den vergangenen Wochen gezählt worden, eine NGO berichtet von über 180 Straßenblockaden im ganzen Land, die zum Teil mit Gewalt aufgelöst worden sind. Diese außenpolitischen Entwicklungen sind erschütternd, sie sind auch ein außenpolitischer Prüfstein – sowohl für die Europäische Union als auch für Österreich. Serbien ist ja nicht irgendein Land – das sagen Sie, Frau Ministerin, ja auch immer –, Serbien ist ein EU-Beitrittskandidat, und Österreich hat – auch das betonen Sie immer – in der Region eine besondere Rolle, sowohl historisch, kulturell als auch wirtschaftlich. Wir finden, dass deshalb unsere Reaktion als Österreich nicht zögerlich sein darf. Ich bringe deshalb den Entschließungsantrag der Abgeordneten Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung der Demokratiebewegung in Serbien und klare Haltung der österreichischen Bundesregierung zu den jüngsten Entwicklungen“ ein, den ich auch kurz in seinen Grundzügen erläutern möchte: Wir fordern hier, Frau Ministerin, Sie und die Bundesregierung insgesamt dazu auf, sich öffentlich klar und unmissverständlich für die Achtung der demokratischen Grundrechte in Serbien einzusetzen. Polizeigewalt und Repressionen durch das Regime müssen klar benannt und verurteilt werden. Und die serbische Regierung muss zu einem echten Dialog mit der Zivilgesellschaft bewegt werden, das Ziel müssen freie und faire Neuwahlen sein. (👏) Klar ist auch: In den EU-Beitrittsverhandlungen soll und muss Österreich konsequent auf die Rechtsstaatlichkeit, auf die Menschenrechte hinweisen und darauf pochen, dass sie eingehalten werden. Wieso ist das wichtig? – Ich darf Ihnen die Kopenhagener Kriterien der Europäischen Union in Erinnerung rufen: Sie verlangen demokratische Institutionen, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit, und Serbien erfüllt als EU-Beitrittskandidat diese Kriterien im Moment de facto nicht. Trotzdem wird sowohl auf EU-Ebene als auch von österreichischer Seite nicht genügend Druck gemacht. Das steht unserer Meinung nach in einem klaren Widerspruch zum erklärten Ziel der österreichischen Außenpolitik, auch die Demokratisierungsprozesse am Westbalkan zu fördern und – da sind wir jetzt wieder bei der VN-Sicherheitsratskandidatur, das steht auch ein Stück weit im Widerspruch zu dieser Kandidatur – sich glaubwürdig für Menschenrechte und für Rechtsstaatlichkeit einzusetzen. Deshalb sagen wir: Es braucht eine entschlossene Linie in der EU und bilateral auch im Umgang mit der serbischen Regierung, und gleichzeitig – und das ist uns besonders wichtig – müssen wir auch die Zivilgesellschaft unterstützen, weil sie dort wirklich unglaublichen Repressionen ausgesetzt ist. Studierende, Universitäten, unabhängige Medien, NGOs und auch Gewerkschaften – das sind die, die unter schweren Bedingungen für Demokratie, für Transparenz und für Grundrechte kämpfen, sie brauchen unsere Unterstützung. Wenn wir Ernst machen mit Menschenrechten, mit Demokratie, mit der europäischen Perspektive, dann dürfen wir jetzt nicht schweigen. Wer im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mitreden will, muss auch in der eigenen Außenpolitik konsequent – konsequent! – Haltung zeigen. (👏) 11.40 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/21.1 Unterstützung der Demokratiebewegung in Serbien und klare Haltung der österreichischen Bundesregierung zu den jüngsten Entwicklungen (111/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Frau Abgeordneten erläuterte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, wurde auch elektronisch verteilt und steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Meinl-Reisinger. – Bitte, Frau Bundesministerin.

ÖVP Gudrun Kugler

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesminister! Kolleginnen und Kollegen! Zurück zur UN-Sicherheitsratskandidatur: Es wurde von Kollegen Kassegger gefragt: Was ist der Nutzen? – Vielleicht ist es für uns alle gut, noch einmal auf diesen Nutzen zu blicken. Das eine ist natürlich: Wenn wir erfolgreich sind, dann können wir für die Anliegen Österreichs mitgestalten, und wir haben trotz aller Diversität in diesem Haus da einen ganz starken Konsens. Da geht es um die Menschenrechte, um die Förderung von Diplomatie, um das Verbot von Massenvernichtungswaffen, um die Eindämmung von Krisen, die zu illegaler Migration führen, und so weiter und so fort. Aber selbst wenn es nur die Kandidatur wäre und wir nicht erfolgreich wären, gäbe es einen Nutzen, nämlich positive Nebeneffekte dieser Kandidatur. Das ist eine Art Werbung für Österreich als vertrauenswürdiger Partner in der Welt. Es ist gut, immer wieder genannt zu werden. Es ist auch Werbung für Österreich als Wirtschaftsstandort. Wir sind ein stark exportorientiertes Land. Es ist wichtig, dass wir zeigen, dass wir ein stabiler Wirtschaftspartner sind. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Österreich ist ein Sitzland für die Vereinten Nationen und für andere internationale Institutionen. Das hat auch einen Effekt auf die jungen Menschen in unserem Land, auf die Art und Weise, wie Bildung bei uns funktioniert. Man stelle sich vor: Die UNO hat ihre Hauptzentralen in New York, in Genf, in Nairobi und in Wien. Wir haben an Hunderten von Friedens- und Beobachtermissionen teilgenommen. All das ist Teil der Identitätsbildung der jungen Menschen auch in Österreich. Ich glaube, dass es bei dem Antrag, den wir heute besprechen, ganz wichtig ist, dass wir in die Kandidatur auch die Rolle des Parlaments miteinbeziehen. Wir haben schon gehört, die parlamentarische Diplomatie wird immer wichtiger. Es gibt zahlreiche internationale Parlamente, in denen unsere Abgeordneten mitwirken: bei der OSZE in der Parlamentarischen Versammlung, bei der NATO, im Europarat. Überall soll die Rolle unseres Parlaments für die Kandidatur sichtbarer werden. Das ist der Antrag. Ich glaube aber auch, dass wir die Freundschaftsgruppen, unsere bilateralen Freundschaftsgruppen da richtig einspannen können und müssen. In diesem Sinn unterstütze ich aus ganzem Herzen diesen Antrag heute (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS), denn der Multilateralismus ist nicht optional. Er ist nicht optional für irgendjemanden, und schon gar nicht für ein kleines oder mittelgroßes Land wie Österreich. Wenn wir über Österreich als Sitzstaat von internationalen Organisationen sprechen, dann darf ich ein Datum in der nahen Zukunft nicht auslassen, und zwar ist der 1. August 1975 das Gründungsdatum der damaligen KSZE – Helsinki-Schlussakte –, aus der 1995 die OSZE hervorgegangen ist. 1. August, 50 Jahre: Damals war sie eine Brücke im Kalten Krieg und Unterstützung der Dissidenten, heute ist sie eine Organisation mit 57 Teilnehmerstaaten mit permanentem Sitz in Wien, wichtig für die Friedenssicherung und die Sicherheit in Europa. Einer dieser teilnehmenden Staaten der OSZE ist Georgien, und ich muss jetzt noch – ja, nicht mehr im Rest meiner Redezeit – ganz kurz überziehen, um einen Antrag zum Thema Georgien einzubringen. Der georgische Traum ist zu einem demokratischen Albtraum geworden. Wir sehen Einschränkungen der Medien und der Meinungsfreiheit. Wir sehen willkürliche, politisch motivierte Verhaftungen und in den letzten Wochen da noch einmal einen starken Anstieg, und wir sehen eine Abwendung von Europa. Wir haben einen Antrag dazu zusammengestellt – ich möchte ganz besonders meinem Kollegen Veit Dengler danken, der da die Initiative ergriffen hat –, mit dem wir die Bundesregierung bitten, das aufzugreifen. Ich glaube, ich muss den Text vorlesen. Ich versuche, es ganz schnell zu machen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Gudrun Kugler , Petra Bayr , MA MLS, Veit Valentin Dengler , Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Georgiens demokratischen Albtraums“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten, wird aufgefordert, sich bilateral und auf europäischer Ebene für die sofortige und bedingungslose Freilassung von politischen Gefangenen in Georgien einzusetzen. Da Georgien ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist, sollen österreichische EZA-Mittel auch im Sinne der im EZA-Dreijahresprogramm angeführten Priorität ‚demokratische Regierungsführung und resiliente Gesellschaften‘, eingesetzt werden.“ Die Menschenrechte sind ein Kernanliegen Österreichs, der OSZE, der Vereinten Nationen. Ich hoffe auf breite Zustimmung für diesen Antrag. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 11.49 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/25.1 Georgiens demokratischen Albtraums (112/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von Kollegin Kugler verlesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Pia Maria Wieninger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Pia Maria Wieninger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Hohes Haus! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Österreich bewirbt sich um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für die Jahre 2027 und 2028. Das ist ein starkes Signal für eine Außenpolitik, die Verantwortung übernimmt, die Brücken baut und auf Kooperation und nicht auf Konfrontation setzt. Österreich bringt auch wertvolle Assets dafür mit. Wir sind ein neutraler Staat, wir haben einen von vier Hauptsitzen der UNO und wir sind bei friedenserhaltenden Missionen der UN auch sehr aktiv. Österreich ist ein verlässlicher Partner für Frieden, für Dialog, für Menschenrechte, und genau in diesem Bereich möchten wir uns auch als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat stark engagieren. Bereits in der Vergangenheit hat unser Land entscheidende Akzente gesetzt. Ich möchte etwa an die österreichische Präsidentschaft im Sicherheitsrat im Jahr 2009 erinnern und an die wegweisende Resolution zum Schutz von Zivilistinnen und Zivilisten. Dieses Engagement war aber nicht nur symbolisch, sondern wurde auch durch konkrete Maßnahmen wie das Ausbildungsprogramm für Friedensmissionen des Friedenszentrums Stadtschlaining mit Leben erfüllt. Dieses Programm ist bis heute internationale Referenz. Unser langjähriges Engagement für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte war ausschlaggebend für die Einrichtung des Amtes des UN-Hochkommissars für Menschenrechte im Anschluss an die bahnbrechende Wiener Weltkonferenz über Menschenrechte im Jahr 1993. Und aus diesem Verständnis heraus, als neutrales Land im Herzen Europas, das Multilateralismus als Teil seiner außenpolitischen DNA versteht, sollten wir unsere aktuelle Kandidatur auch nützen, um selbstbewusst wieder verstärkt über außenpolitische Fragen und globale Entwicklungen zu diskutieren. (👏 ÖVP, SPÖ) Wie kann in einer Welt zunehmender Spannungen, Rivalitäten und Konflikte, in einer Welt der Trumps und Putins die Rückkehr zu einer Politik der Entspannung und des Ausgleichs gefunden werden, zu einer Politik, in der das Völkerrecht zählt und nicht das Recht des Stärkeren? Liebe Kolleg:innen von der FPÖ! Ich finde es wirklich sehr schade und auch unverständlich, dass Sie dieser Kandidatur nicht zustimmen oder sie nicht unterstützen. Denn im Gegensatz zu dem, was Sie hier von sich geben, profitieren Wien und Österreich enorm vom Sitz der Vereinten Nationen und von dem mit der Kandidatur zum Ausdruck kommenden Engagement. Wien ist Zentrum der internationalen Diplomatie, und das wirkt sich auch positiv auf die Wirtschaft der Stadt Wien und Österreichs aus. Wir sprechen da von einem Wertschöpfungseffekt von 1,7 Milliarden Euro jährlich. Rund 20 000 Arbeitsplätze sind durch den UNO-Sitz in Österreich gesichert. Heimatverbunden und im Interesse Österreichs ist Ihre Ablehnung der Kandidatur für den Sicherheitsrat jedenfalls nicht. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich appelliere daher an Sie alle, liebe Kolleginnen und Kollegen: Unterstützen wir diese Kandidatur mit einer breiten parlamentarischen Rückendeckung als klares Bekenntnis zu Frieden, zu Menschenrechten und zur multilateralen Zusammenarbeit! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste ist Frau Abgeordnete Alma Zadić zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! 8 372. Genau heute vor 30 Jahren, am 11. Juli 1995, wurden mehr als 8 372 Männer und Buben aus dem Leben gerissen – einzig und allein wegen ihrer Religion, ihres Namens, ihrer Zugehörigkeit brutal und systematisch hingerichtet. Es war ein Akt der Grausamkeit vor unseren Augen – viele von Ihnen können sich noch erinnern – und kurz vor dem Friedensabkommen, ein Akt, der einzig und allein dem Ziel diente, eine Gruppe von Menschen, die bosnischen Muslime, in der Region auszulöschen. Der Völkermord von Srebrenica, das größte Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, ist ein erschreckendes Mahnmal dafür, was passieren kann, wenn Hass, Hetze und Diskriminierung in unserer Gesellschaft überhandnehmen, was passieren kann, wenn Nationalismus und nationalistische Rhetorik unsere Gesellschaft spalten, was passieren kann, wenn Menschen entmenschlicht werden, sodass Humanität keine Rolle mehr spielt. Es ist ein Mahnmal dafür, dass es immer und überall passieren kann. Wenn man Geschichten von Überlebenden hört, dann hört man oft eine Geschichte der Hoffnung, dass es doch bald vorbei sein wird, dass die Schüsse bald aufhören werden, dass es nicht passieren wird. Aber es passierte trotzdem. Es passierte vor den Augen der internationalen Gemeinschaft, es passierte sogar in einer UN-Schutzzone, die für Menschen, die Schutz suchten, errichtet wurde. Es passierte, dass tagelang Männer und Buben von ihren Müttern, Schwestern, ihren Töchtern getrennt wurden. Es passierte in nur wenigen Tagen, dass Männer und Buben durchgehend hingerichtet wurden, so lang, bis niemand mehr da war. Nicht nur heute, sondern jeden Tag müssen wir uns gemeinsam für ein würdevolles Gedenken einsetzen, für eine Gedenkkultur, die sich erfolgreich widersetzen kann, wenn versucht wird, Geschichte und Fakten umzuschreiben, wenn Genozidleugnung betrieben wird. Warum ist das wichtig? – Weil wir den jüngeren Generationen erlauben müssen, die richtigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen, damit so etwas nie wieder passieren kann. Jeder und jede von uns kann dabei einen Beitrag leisten, sei es im UN-Sicherheitsrat, sei es in Österreich, überall, indem wir uns jeden Tag für den Schutz von Menschenrechten, die Gleichberechtigung und den Respekt für alle Menschen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrer Herkunft, einsetzen (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS), indem wir uns dafür einsetzen, dass der Völkermord von Srebrenica und die Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina niemals in Vergessenheit geraten, und dafür, dass sich so etwas niemals wiederholt. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster ist Herr Abgeordneter Rudolf Taschner zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein.

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Es war im Jahre 1955, knapp nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags, da hat die österreichische Post eine Briefmarke herausgegeben. Darauf war die Weltkugel abgebildet, und um den Äquator herum wurden alle Fahnen der Vereinten Nationen aufgelistet, weil gerade das zehnjährige Jubiläum seit Gründung der Vereinten Nationen gefeiert wurde. Statt der österreichischen Fahne war da eine Lücke mit einem Fragezeichen, weil wir damals noch nicht Mitglied waren. Wir versuchten, Mitglied zu werden, weil diese Vereinten Nationen für uns ein Zeichen für den Beginn einer guten, neuen Zeit sind, einer Zeit, in der Krieg und so etwas, was Sie, Frau Kollegin Zadić, uns jetzt erzählt haben, niemals vorkommen soll. Daher wollten wir dort hineinkommen. Und wir haben es sehr bald geschafft, 1956. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Meinl-Reisinger. ) – 1955 doch noch, ja. Und die Schweiz hat ein bisschen (Bundesministerin Meinl-Reisinger: Sehr lange!) – die hat sehr lange gebraucht, bis sie dahin gekommen ist, ja, aus Neutralitätsgründen interessanterweise. Aber man kann Neutralität verschieden betrachten, das muss man durchaus zugestehen. Wir haben in der Neutralität kein Hindernis dafür gesehen, UNO-Mitglied zu werden. Im Gegenteil, wir haben die UNO gleichsam als eine Möglichkeit empfunden, zur Erreichung des Weltfriedens beitragen zu können – in verschiedenster Art und Weise, bis hin dazu, dass wir dann zum UNO-Sitz geworden sind, die UNO-City in Wien aufgebaut haben. All das ist wirklich aus Hochachtung den Vereinten Nationen gegenüber erfolgt, die damals noch in einer etwas besseren Verfassung waren als jetzt. Ich kann mich erinnern, Dag Hammarskjöld, der damalige Generalsekretär, dessen Engagement und dessen Einsatz für den Frieden ihn dann sein Leben gekostet haben, war mehr ein General als ein Sekretär, die Nachfolger von ihm sind eher mehr Sekretäre als Generäle. Ich glaube, die Chance, dass wir, wenn wir in den Sicherheitsrat hineinkommen, dann versuchen, nicht nur für Österreich einen Beitrag zu leisten, sondern auch für die UNO selbst – dass die UNO wieder an Reputation und an Möglichkeit, sich in der Welt darzustellen, gewinnt –, wäre auch ein Grund, dass wir diese Sicherheitsratsstelle anstreben werden. Nebenbei gesagt, Frau Bundesministerin: Sie haben da ein Proponentenkomitee von sehr ehrenwerten Personen aufgestellt, aber das sind eher Personen von lokalem Interesse. Ich würde vorschlagen, nehmen Sie insbesondere Thomas Mayr-Harting. Das ist jemand, der in New York, der in der UNO unglaublich bekannt ist – der Österreicher, der zeigt, dass Österreich wirklich dafür steht, dass wir in den Vereinten Nationen einen wesentlichen Beitrag leisten können. Ich glaube, das wäre ein wichtiger Aspekt, den man noch dazugeben sollte: Wir sollen darstellen, dass wir ein Land sind, in dem wir Diplomatie wirklich beherrscht haben. Wir sind das Land, in dem große außenpolitische Geister gewesen sind, angefangen von Kaunitz bis hin zu Kreisky. Wir haben wirklich die Expertise, und diese Expertise ist so groß, dass ich glaube, wir brauchen gar keine 20 Millionen Euro aufzuwenden, sondern wir brauchen nur zu sagen: Wir kommen aus Österreich, wir können es! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Hast du das gehört? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Was? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Er glaubt, wir brauchen gar keine 20 Millionen ...! – Sie tun es aber!

ÖVP Rudolf Taschner

… Ich glaube, das wäre wirklich etwas, womit wir stolz dastehen könnten und sagen könnten: Die UNO ist für uns ein Herzensanliegen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ist ja nur Steuergeld!

ÖVP Rudolf Taschner

… und wir wollen nicht nur uns dort einbringen, sondern wir wollen die UNO sogar noch besser machen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Herr Professor, es ist ja nur Steuergeld!

ÖVP Rudolf Taschner

… besser für den Frieden in der Zukunft! (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Alois Schroll . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Alois Schroll

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Geschätzte Damen und Herren hier auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Ich darf heute hier zur Außenpolitik, genauer gesagt zur Bewerbung Österreichs für einen Sitz im Sicherheitsrat in den Jahren 2027 und 2028, sprechen. Diese Bewerbung ist für unser Land sicherlich eine ganz große Sache – so viel ist klar. Der Sicherheitsrat der UN ist eines ihrer wichtigsten Gremien. So können durch Beschlüsse im Sicherheitsrat Blauhelmmissionen der UN genehmigt, Sanktionen verhängt oder auch wichtige Beschlüsse mit Symbolwirkung für die ganze Welt gefasst werden. Wir sehen also: Wer in dieser Runde mit am Tisch sitzt, kann entscheidend am Weltgeschehen mitwirken und eine starke Stimme für Demokratie, Freiheit, die Wahrung der Menschenrechte und vor allem eine starke Stimme für den Frieden sein. (👏 ÖVP, SPÖ) Neben den fünf ständigen Mitgliedern Frankreich, Großbritannien, USA, Russland und China wird der Rat durch zehn nichtständige Mitglieder ergänzt, die für zwei Jahre gewählt werden. Dass sich Österreich genau für solch einen Sitz bewirbt, ist eine ganz großartige Gelegenheit für unser Land, sich international als ehrlicher, verlässlicher Partner in den großen Fragen der globalen Politik zu positionieren. Daher unterstützen wir als Sozialdemokratie diese Initiative, Frau Außenministerin, voll und ganz. Österreich blickt auf eine jahrzehntelange Tradition der Diplomatie zurück, auf die wir zu Recht stolz sein können. Egal ob es das Treffen zwischen US-Präsident John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow 1961 in Wien war, die Errichtung eines der vier offiziellen Sitze der UNO mit der UNO-City in Wien oder etwa auch die Gespräche zum Atomabkommen mit dem Iran im Jahr 2015, Wien und damit die Republik Österreich haben schon oft genug bewiesen, dass wir gerade aufgrund unserer Neutralität ein ehrlicher, geschätzter und wichtiger Partner für internationale diplomatische Fragen sind und eine große Bereicherung für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wären. Nicht zuletzt die große Zahl an internationalen Organisationen, die ihren Sitz in Wien haben, spricht hier eine eindeutige Sprache: Wien, Österreich und internationale Angelegenheiten, das passt zusammen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was ich angesichts dessen umso erstaunlicher finde – diese Bemerkung sei mir nur zum Schluss gestattet –, ist die Positionierung der Freiheitlichen Partei. Ich denke da an die Ausschusssitzung am 11. Juni, bei der der Abgeordnete von der FPÖ Peter Wurm wortwörtlich meinte, es sei doch egal, ob Österreich, Deutschland oder Portugal diesen Sitz bekomme. – Den Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ sei eines ins Stammbuch geschrieben: Ihr könnt euch euren Pseudopatriotismus in Zukunft gerne sparen, denn wenn es wirklich darauf ankommt, sich im Interesse Österreichs einzusetzen, ist es euch völlig egal. Das habt ihr mit eurer Haltung in dieser Frage bewiesen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Sie vertreten ja nicht die Interessen Österreichs! Das ist ja das Problem!

SPÖ Alois Schroll

… Aber genug der FPÖ, halten wir uns damit nicht länger auf. Liebe Kolleginnen und Kollegen, sorgen wir gemeinsam dafür, dass Österreich diesen Sitz erhält und sich auf der internationalen Bühne gut positioniert! Mein Dank gilt daher allen Beteiligten, Frau Ministerin, in Ihrem Haus, Ihrem Sonderbeauftragten Botschafter Jan Kickert, den Sonderemissären Heinz Fischer, Johannes Hahn, Ulrike Lunacek und Herbert Scheibner und allen anderen, die sich mit Hochdruck für dieses Projekt einsetzen. Arbeiten wir gemeinsam an diesem Erfolg! – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/30.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 1, die dem Ausschussbericht 112 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „VN-Sicherheitsratskandidatur unter Einbindung des Parlaments“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierfür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, somit angenommen. ( 33/E ) RN/30.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordnenten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung der Demokratiebewegung in Serbien und klare Haltung der österreichischen Bundesregierung zu den jüngsten Entwicklungen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die sich für diesen Entschließungsantrag aussprechen, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/30.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Gudrun Kugler , Petra Bayr , Veit Valentin Dengler , Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Georgiens demokratischen Albtraums“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, somit angenommen. ( 34/E ) RN/30.4 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Antrag des Außenpolitischen Ausschusses, seinen Bericht 113 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, somit angenommen. RN/30.5 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Transparenzpflicht für öffentlich subventionierte NGOs und Einrichtung einer Stelle zum Schutz der nationalen Souveränität“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, somit abgelehnt.

Autonomiereform in Südtirol

114 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOSGRÜNE · Entschließungsantrag 277/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt eine Entschließung an, die die zwischen Italien, der Region Trentino-Südtirol und den Autonomen Provinzen erzielte Einigung zur Reform des Zweiten Autonomiestatuts ausdrücklich begrüßt. Die Bundesregierung wird damit politisch unterstützt bzw. aufgefordert, die Wiederherstellung, Weiterentwicklung und stärkere Absicherung der Südtirol-Autonomie in enger Abstimmung mit den deutsch- und ladinischsprachigen Volksgruppen weiter zu begleiten.

Betroffen sind die Autonomie und Kompetenzen Südtirols (sowie der Region Trentino-Südtirol) und damit insbesondere die deutsch- und ladinischsprachigen Minderheiten sowie die österreichisch-italienische Zusammenarbeit in dieser Frage.

Dokumente

Autonomiereform in Südtirol

Ausgangslage: Autonomie Südtirols seit 1972

  • Mit dem Inkrafttreten des Zweiten Autonomiestatuts 1972 begann nach jahrelangen Verhandlungen eine erfolgreiche Autonomieentwicklung Südtirols.
  • Die Südtirol-Autonomie gilt auf europäischer und internationaler Ebene als Vorzeigemodell im Umgang mit Minderheiten.
  • Das Autonomiestatut garantiert Südtirol weitreichende autonome Gesetzgebungs- und Verwaltungskompetenzen innerhalb Italiens.

Entwicklung seit 1992 und 2001: Erweiterungen und Einschränkungen

  • Seit der Streitbeilegung 1992 und der italienischen Verfassungsreform 2001 kam es teils zu positiven Erweiterungen der Gesetzgebungs- und Verwaltungskompetenzen.
  • Gleichzeitig wurden im Autonomiestatut verankerte Zuständigkeiten eingeschränkt.
  • Durch die Rechtsprechung des italienischen Verfassungsgerichts wurden seit 2001 Kompetenzen schrittweise inhaltlich reduziert.
  • Weitere Kompetenzbereiche wurden ab 1992 an die Europäische Union übertragen.

Ziel der aktuellen Autonomiereform

  • Südtirol verfolgt das Ziel, eingeschränkte bzw. verlorene Kompetenzen durch eine Revision des Zweiten Autonomiestatuts wiederherzustellen.
  • Zusätzlich soll ein stärkerer Schutz der Autonomie erreicht werden.

Politische Zusage und Verhandlungsergebnis 2025

  • Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni sagte 2022 in ihrer Regierungserklärung zu, die seit der Verfassungsreform 2001 durch Verfassungsgerichtsbarkeit eingeschränkten Kompetenzen Südtirols wiederherzustellen.
  • Am 3. April 2025 wurde zwischen der italienischen Regierung sowie der Region Trentino-Südtirol und den Autonomen Provinzen Trient und Bozen eine Einigung über einen gemeinsamen Text zur Änderung des Zweiten Autonomiestatuts erzielt.
  • Dieser gemeinsame Text wurde am 9. April 2025 vom italienischen Ministerrat genehmigt.

Inhaltliche Stoßrichtung der Reform: Wiederherstellung, Ausbau, Absicherung

  • Die Reform stellt verlorene Kompetenzen wieder her.
  • Sie baut weitere Kompetenzen aus, beispielhaft genannt werden Umweltschutz und Handel.
  • Die Autonomie soll insgesamt stärker abgesichert werden.

Zentrale Schutzmechanismen und rechtliche Änderungen

  • Verankerung einer Schutzniveausicherungsklausel: Bei künftigen Änderungen des Autonomiestatuts soll das bislang erreichte Schutzniveau nicht reduziert werden können.
  • Streichung der Grenze der „grundlegenden Bestimmungen der wirtschaftlich-sozialen Reformen der Republik“, die in der Vergangenheit zur Aufhebung von Landesgesetzen durch das italienische Verfassungsgericht geführt hatte.

Weitere punktuelle Änderungen

  • Die Reform enthält punktuelle Änderungen, die auf politische Forderungen der italienischen Volksgruppe in Südtirol zurückgehen.

Weiteres Verfahren und Zeithorizont in Italien

  • Die Genehmigung des Verfassungsgesetzes soll noch in der laufenden italienischen Legislaturperiode bis Sommer 2027 abgeschlossen werden.

Bewertung des Verhandlungsergebnisses

  • Das Verhandlungsergebnis wird als weiterer wichtiger und richtiger Schritt zur Wiederherstellung, Weiterentwicklung und Sicherung der Autonomie Südtirols dargestellt.
  • Es wird insgesamt positiv bewertet.

Rolle Österreichs und Bezug zum Regierungsprogramm 2025–2029

  • Im österreichischen Regierungsprogramm 2025–2029 ist festgehalten, dass Österreich und Italien gemeinsam Verantwortung tragen, die eigenständige Entwicklung Südtirols zu garantieren.
  • Die Weiterentwicklung der Autonomie soll in enger Abstimmung mit den Vertreterinnen und Vertretern der deutsch- und ladinischsprachigen Volksgruppen in Südtirol erfolgen.

Autonomiereform in Südtirol

~26 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Christofer Ranzmaier

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätztes Mitglied der Bundesregierung, liebe Außenministerin! Geschätzte Zuseher auf der Galerie und vor den Bildschirmen zu Hause, insbesondere auch im südlichen Landesteil! Wenn wir heute im Nationalrat über Südtirol sprechen, dann stellt sich zu Beginn dieser Debatte vor allem eine Gretchenfrage, wie man an den medialen Debatten rund um die Südtirolautonomie bereits seit langer Zeit sieht, nämlich die Gretchenfrage: Wer ist eigentlich die Schutzmacht, und wen soll sie denn eigentlich schützen? Da gibt es hier im Haus wahrscheinlich mehrere Antworten, aber es gibt eine einzige, die richtig ist, und die ist: Österreich ist die Schutzmacht, nicht Italien und auch nicht der Südtiroler Landeshauptmann, sonst stünde das ja im Pariser Abkommen und wir würden das heute hier ganz sicher nicht diskutieren müssen, und zu schützen sind natürlich die deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler. – Punkt, aus, Ende. ( In Richtung Bundesministerin Meinl-Reisinger: ) Und da haben Sie Ihr Amt vielleicht wirklich falsch verstanden, wie Sie heute im Zuge der Fragestunde bereits angedeutet haben. Nur wenn man das verstanden hat, dann weiß man auch, wie man sich im Zuge dieser Autonomiereform in der Debatte hätte verhalten müssen: nicht technokratisch, nicht zurückhaltend, sondern mit Haltung, mit einem klaren Ziel, nämlich die Minderheitenrechte und damit die Identität unserer historischen Volksgruppe zu schützen. (👏 FPÖ) Es ging in dieser ganzen Debatte von Beginn an um die Zurückholung gestohlener Autonomierechte. Ich weiß ja nicht, wie die NEOS verhandeln – beziehungsweise weiß man es aufgrund der Regierungsverhandlungen ja schon –, vielleicht ist das wirklich Ihr Zugang, aber wenn ich mit dem Dieb verhandele, dass ich ihm für die Übergabe des Diebesguts noch mein Haus, mein Auto und mein Grundstück übergeben muss, dann ist das nicht der große Wurf, als der das Ganze dargestellt wird. Denn die Frage ist, was künftig von dieser Schutzfunktion übrig bleibt, wenn es zwar umfangreiche Kompetenzen gibt, die zu Schützenden aber durch identitätspolitische Eingriffe und aufgeweichte Ansprüche und insbesondere auch politische Gleichgültigkeit der eigenen Schutzmacht zunehmend marginalisiert werden. Wen will Österreich denn schützen, wenn es diese Minderheit am Ende des Tages nicht mehr gibt? Was macht aber die Bundesregierung in dieser Debatte? – In einer Anfragebeantwortung haben Sie, Frau Außenministerin, mir ganz klipp und klar gesagt, wie Sie zu Ihrer Expertise im Zuge dieser Beurteilung gekommen sind, nämlich: Sie haben den Südtirolern zugehört, dem Landeshauptmann – Sie haben sich von ihm erzählen lassen, was gut ist –, Sie haben den Römern zugehört – okay, passt, die haben auch gesagt, es ist gut –, und damit war die Sache vom Tisch. Es gab keine externe Expertise, keine eigene Beurteilung, kein kritisches Hinterfragen von all dem, was da auf dem Tisch liegt – und genau das sieht man am Ende des Tages auch am Ergebnis. (👏 FPÖ) Denn sowohl Rom als auch Kompatscher vertreten ja nicht die Schutzinteressen Österreichs. Die haben in dieser Debatte alle eigene Interessen, was ja politisch völlig legitim ist. Genau deswegen gibt es ja Österreich als Schutzmacht, die da eben einzuschreiten hätte. In Wahrheit geht es nämlich nicht um Jagdrecht oder Umweltverwaltung oder was sonst noch alles kompetenzrechtlich den Besitzer wechselt. Es geht um Proporz, es geht um Sprachgebrauch, es geht um demokratische Mitbestimmung und kulturelle Selbstbestimmung. Und genau bei diesen Punkten ist in dieser Autonomiereform leider vieles vergraben, das man vielleicht in einem geschickten Spiel mit dem Landeshauptmann und den Italienern noch hätte beseitigen können. So wie es jetzt ausschaut, herrscht daran aber kein Interesse. Mit einer aktiven Ausübung dieser Schutzmachtfunktion, nicht als simples Beiwagerl in Roms Pressetexten, hätten wir da noch vieles bewegen können. Genau das ist aber der Unterschied zwischen den beiden Anträgen, die heute hier im Plenum auf dem Tisch liegen. Das, was die Regierungsfraktionen gemeinsam mit den Grünen eingebracht haben, ist leider ein Weiter-wie-bisher; das heißt: Wir hören zu und, ja, im Prinzip interessiert es uns nicht! Auf der anderen Seite gibt es einen freiheitlichen Antrag, der ja gerade der ÖVP die Zustimmung sehr, sehr einfach gemacht hätte, denn wir haben nicht mehr und nicht weniger da hineingeschrieben als das, was uns Karl Nehammer damals in seiner Funktion als Bundeskanzler versprochen hat, nämlich eine Rückkehr zu den Autonomiestandards von 1992, von denen in diesem Konvolut, das auf dem Tisch liegt, ja weit und breit nichts zu sehen ist. Wir sehen auf jeden Fall: Das Interesse der Regierungsfraktionen ist derart enden wollend, dass man mittlerweile ja sogar den Südtirolausschuss vor die Tür des Parlaments setzt, was natürlich auch wieder die Südtirolfeinde in Italien, aber mit Sicherheit nicht die Südtiroler freut. Wir nehmen das einmal zur Kenntnis und werden schauen, wie sich die Debatte weiterentwickelt. Genau deswegen ergibt sich daraus aber unser zweiter Antrag, der in dieser Debatte auf dem Tisch liegt, nämlich betreffend Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler. Sie werden mir jetzt in der Debatte erklären: Es gibt da zu wenig Bedarf, das will ja in Südtirol niemand! – Ich war, seitdem ich Südtirolsprecher unserer Fraktion bin, x-mal in Südtirol, und ich spreche dort mit den Menschen. Alleine ich könnte euch jetzt hier eine Liste von Menschen vorlegen, die Interesse an einer derartigen Doppelstaatsbürgerschaft hätten, einfach aus diesem Schutzinteresse heraus, und die ist wahrscheinlich länger als die Einbürgerungsliste aus gewissen Staaten aus aller Herren Länder, wo ihr regelmäßig Staatsbürgerschaften verscherbelt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Verscherbelt hat sie der Scheuch! ... das ist eine Kernkompetenz der FPÖ!

FPÖ Christofer Ranzmaier

… Genau deswegen liegt dieser Antrag auf dem Tisch, und ich hoffe auch, dass ihr irgendwann begreift, wie wichtig diese Doppelstaatsbürgerschaft ist. Denn, meine Damen und Herren, Südtirol ist augenscheinlich, so wie es aktuell ausschaut, in diesem Hohen Haus nur mehr der FPÖ ein ehrliches Herzensanliegen, und das tut mir als Tiroler wirklich im Herzen weh. Ihr liefert Sonntagsreden, wir liefern Mut und Haltung.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das war ja eine Finanzierungsquelle der Kärntner FPÖ! Eigentlich gar keine blöde Rede ...!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher österreichischer Nationalrat! Als ich hier herein gewählt worden bin, war einer meiner ersten Wege der in den Bundesversammlungssaal. Da gibt es den legendären Sitzplatz 103. Wahrscheinlich weiß Herr Kollege Ranzmaier, wer auf 103 gesessen ist, nämlich ein wirklicher europäischer Staatsmann: der junge De Gasperi. Alcide De Gasperi hat hier in Wien studiert und hat sich während seiner Studienzeit 1905 ganz massiv für eine italienische Fakultät der Rechtswissenschaften eingesetzt, entweder in Wien oder im Trentino, wo er hergekommen ist. Er war Abgeordneter, der jüngste Abgeordnete hier im österreichischen, im cisleithanischen Parlament, und später, nach dem Ersten Weltkrieg, ist er ohne Revanchegefühle und ohne Nationalismus zu einem großen europäischen Staatsmann geworden, Ministerpräsident Italiens, der am Endes des Tages auch die Autonomie und das Autonomiepaket Südtirols mit dem legendären Außenminister Gruber aus Tirol verhandelt hat und auf die Reise gebracht hat. (👏 ÖVP, NEOS) Genau dieser De Gasperi zeigt uns eines: Von dem, was De Gasperi dazumal erträumt hat, profitieren in Wirklichkeit wir heute in dieser Südtirolfrage, nämlich von der europäischen Staatsbürgerschaft. Ich meine, die Diskussionen, die von der FPÖ kommen – mittlerweile ja nicht mehr von der FPÖ in Südtirol, weil diese FPÖ ja Teil der Landesregierung ist, beziehungsweise will sie ja mit der österreichischen - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

In Südtirol gibt es keine FPÖ, du Dodel!

NEOS Dominik Oberhofer

… Es gibt die Freiheitlichen Südtirol …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber keine FPÖ!

NEOS Dominik Oberhofer

… die eine FPÖ-Teilorganisation waren. Du weißt es vielleicht nicht, Herr Steiner, aber im Parteistatut deiner Partei in Tirol steht, dass der Obmann der FPÖ in Südtirol …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Mit Sitz und Stimme im Parteivorstand!

NEOS Dominik Oberhofer

… der Freiheitlichen Südtirol, einen Sitz in eurem Parteivorstand hat.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Auch Stimmrecht! Auch Stimmrecht hat er!

NEOS Dominik Oberhofer

… Das willst du nicht mehr wissen und nicht zur Kenntnis nehmen, aber diese Diskussion, die ihr die ganze Zeit vorantreibt, ist ja nichts anderes als die, die ihr in Kärnten gehabt habt mit den zweisprachigen Ortsschildern.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ortstafeln! – Abg. Ragger [FPÖ]: Was hat das damit zu tun jetzt?

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich möchte den ehemaligen Landeshauptmann von Kärnten zitieren: Es ist ein Kampf um das Deutschtum, ein Kampf um jedes Dorf, ein Kampf um jede Tafel. – Zitatende. Das ist das, was ihr hier heraußen haben wollt.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Dominik Oberhofer

… Und am Ende des Tages: Hätte es nicht BZÖ-Landeshauptmann Dörfler und Staatssekretär Ostermayer von der SPÖ gegeben, dann hätten wir wahrscheinlich in den letzten 15 Jahren die gleichen Diskussionen hier gehabt. Euch geht es am Ende des Tages nicht um Südtirol. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Euch geht es am Ende des Tages nicht um etwas, das einzigartig in Europa ist …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Eine Unrechtsgrenze!

NEOS Dominik Oberhofer

… nämlich diese Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Fahrt einmal nach Brüssel und schaut es euch an: Da werdet ihr sehen, dass Wien eine eigene Vertretung hat, da werdet ihr sehen, dass Oberösterreich, das Burgenland, Vorarlberg, Salzburg, jedes Bundesland dort in Brüssel eine eigene Vertretung hat.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Könnte man alles einsparen! – Heiterkeit des Abg. Steiner [FPÖ].

NEOS Dominik Oberhofer

… Das ist wahrscheinlich auch richtig und wichtig, aber wir Tirolerinnen und Tiroler, wir haben eine gemeinsame Vertretung, nämlich aus Südtirol, Trentino und Nordtirol. Warum? – Weil wir ein Leuchtturmprojekt in diesem Europa sind, nämlich ein Leuchtturmprojekt für ein Europa der Regionen. Eure Spalterei hat überhaupt nichts mit diesem Autonomiepaket zu tun. Dieses Autonomiepaket sichert nämlich eines, und das hat damit zu tun, was in den letzten 20 Jahren passiert ist: Bei jeder Staatsreform in Italien wurde die Autonomie beschnitten, auch teilweise mit euren Freunden; mit der Lega Nord in der Regierung ist man hergegangen und hat die Rechte der Südtirolerinnen und Südtiroler beschnitten. Frau Außenministerin Kneissl hat gerade einmal eine einzige Presseaussendung im Dezember 2018 zusammengebracht, als es in Italien darum gegangen ist, die Anzahl der Abgeordneten im Senat zu beschneiden und es im Senat nicht mehr drei, sondern nur mehr zwei Abgeordnete aus Südtirol gegeben hat. Das war eure Schutzmacht gegenüber Südtirol: eine Presseaussendung der Frau Außenministerin, und sonst kein Wort dazu! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Schwachsinn, Herr Kollege!

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich bin ja kein Parteigänger des Herrn Kompatscher, ganz im Gegenteil, unsere Freunde sind die zweitgrößte Partei im Südtiroler Landtag, das Team K, eine liberale Mitgliedsorganisation der ALDE und der Renew auf europäischer Ebene – das sind meine Freunde –, aber ich kann sehr wohl anerkennen, dass das, was Herr Landeshauptmann Kompatscher und Frau Ministerpräsidentin Meloni – die gehört ja überhaupt nicht zu mir und zu unserer Parteienfamilie – in Italien zusammengebracht haben: am Ende des Tages genau diese Einschnitte in die Autonomie der letzten 20 Jahre repariert und das abgesichert, und zwar verfassungstechnisch so abgesichert, dass es in Zukunft eine Zweidrittelmehrheit brauchen wird, um diese Errungenschaften wieder rückgängig zu machen. Die wird es in Italien so in dieser Form nie wieder geben. Das ist ein großer Wurf! – Danke für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Wendelin Mölzer zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bedingungen. Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Wendelin Mölzer

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Abgeordneter Oberhofer von den NEOS hat behauptet, dass Herr Landeshauptmann Gerhard Dörfler in seiner Zeit als Landeshauptmann dem BZÖ angehört hat. – Das ist nicht richtig. Er war der Freiheitlichen Partei Kärntens oder den Freiheitlichen Kärntens angehörig. Somit hat ein freiheitlicher Landeshauptmann die Ortstafellösung in Kärnten herbeigeführt. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Josef Hechenberger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Josef Hechenberger

Geschätzter Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher hier und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Wir sind froh, dass wir heute ausführlich dieses Thema Südtirol diskutieren können. An und für sich war es jetzt auch so, dass meine Vorredner sehr viel dazu gesagt haben, aber ich glaube, dass es bis dato gar nicht für jeden zu verstehen war, worum es genau geht. Es geht darum, dass man mit dem Vertrag von Paris im Jahr 1946 die Minderheiten der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler entsprechend schützen wollte. 1972 ist nach langen, zähen Verhandlungen das Zweite Autonomiestatut in Kraft getreten, bis zur Umsetzung dauerte es letztendlich bis 1992. 2001 hat es eine Verfassungsreform in Italien gegeben, die dann mehr oder weniger der Anlass dafür war, Kompetenzen des Autonomievertrages zu beschneiden. Worum geht es jetzt wirklich? – Es geht jetzt faktisch darum, dass man seit geraumer Zeit an dieser Autonomiereform arbeitet. Es hat im April 2025 eine Einigung gegeben, und dieses Abkommen hat auch bereits den italienischen Ministerrat passiert. Wie geht das Ganze jetzt weiter? – Es geht darum, die Kompetenzen von 1992 wiederherzustellen beziehungsweise zu verbessern. Ich darf auch ein bissl auf das eingehen, was Kollege Ranzmaier gesagt hat. Faktum ist, dass Südtirol und das Trentino mehr oder weniger die Möglichkeiten, die Kompetenzen zurückbekommen, also wie im Ergebnis von 1992, und dass es sogar noch weiter geht, nämlich dass die Südtirolerinnen und Südtiroler zusätzliche Kompetenzen erhalten. Zukünftig soll unter anderem in den Bereichen Handel und Umweltschutz, Ökosystem- und Wildtiermanagement nicht mehr nationalstaatlich in Rom …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Hauptsächlich in Brüssel!

ÖVP Josef Hechenberger

… sondern regionalpolitisch in Bozen beziehungsweise im Trentino entschieden werden. Es wird immer wieder gesagt, es gebe eine große Ablehnung vonseiten Südtirols, Kollege Ranzmaier sagt, alle in Südtirol seien dagegen: Ich habe mir genau angeschaut, wie zum Beispiel das Abstimmungsverhältnis in Südtirol gewesen ist. Schauen wir uns das an, wie von jenen Abgeordneten …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Alle sagen, außer dem Aggressor, es ist wie eine Schutzmacht!

ÖVP Josef Hechenberger

… die durch den Wähler legitimiert das Mandat ausüben, wirklich abgestimmt wurde: Es ist so, dass von den 32 Abgeordneten 26 Abgeordnete das Abkommen unterstützt haben und es lediglich sechs Gegenstimmen für diese Autonomiereform gab. (👏 ÖVP) Wie geht das Ganze weiter? – Wir gehen davon aus, dass in den Jahren 2026/2027 die zwei Kammern in Italien dieses Autonomieabkommen hoffentlich verabschieden werden. Unsere Aufgabe ist es, denke ich, in der Schutzfunktion Österreichs weiterhin genau zu beurteilen, wie das Ganze funktioniert, und auch mit unseren politischen Parteien und Schwesterparteien entsprechend Druck auszuüben, dass dieses Autonomieabkommen umgesetzt wird. Was mir in diesem Zusammenhang noch viel wichtiger ist – ich habe jetzt sehr ausführlich darüber geredet, was alles drinnen steht –: Wir leben in Tirol; die Partnerschaft in der Europaregion Tirol ist sehr intensiv: mit Südtirol, mit dem Trentino und mit Tirol, zum Beispiel der Dreier-Landtag, zum Beispiel auch die Aktivitäten in Brüssel, wie von Kollegen Ranzmaier von der FPÖ zitiert. Was mich als jemanden, der aus dem Alpbachtal kommt, besonders stolz macht, ist, dass man das Forum Alpbach auch positiv gemeinsam weiterentwickelt – ich darf nur an den Ausbau des Forums erinnern. Es gibt da also immer wieder Aktivitäten, mit denen abseits der Grenzen versucht wird, diese Gemeinschaft, diese Region zu intensivieren und zu leben. Frau Bundesminister, wir werden weiterhin unserer Schutzfunktion nachkommen und auf alle Fälle sehr genau darauf schauen, dass letztendlich die Kompetenzen und die Möglichkeiten in die Regionen zurückkommen und so die Region gestärkt wird. – Herzlichen Dank.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Sags ganz ehrlich, es ist euch eigentlich wurscht!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Selma Yildirim . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Kollegin.

SPÖ Selma Yildirim

Danke sehr, Herr Präsident! Werte Frau Ministerin! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit Blick auf Südtirol können wir nicht oft genug betonen: Die Autonomie bei unserem Nachbarn ist eine große Erfolgsgeschichte. Sie ist ein internationales Vorzeigemodell für Minderheitenschutz und friedliche Konfliktbeilegung, und darauf sollten wir alle gemeinsam stolz sein. Nicht der Nationalismus bringt Frieden, sondern die Menschlichkeit, der Internationalismus und das Miteinanderreden. Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben selbstverständlich die Gespräche mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus dem Südtiroler Landtag sehr ernst genommen und sind uns auch unserer Schutzfunktion gegenüber unseren Südtiroler und auch Trentiner Freundinnen und Freunden sehr bewusst. Was wir beobachten und sehen, ist eine Verfassungsrechtsänderung vor etwas mehr als 20 Jahren im italienischen Parlament, die an und für sich die Gleichstellung aller Autonomieregionen in Italien, also durchaus hehre Überlegungen, zum Ziel hatte. Allerdings hat das Höchstgericht vor allem in den vergangenen zehn Jahren mit mehreren Entscheidungen eine Richtung eingeschlagen, die unsere Südtiroler Kolleginnen und Kollegen mit Sorge beobachtet haben. Die Sorge ist – es ist bereits angesprochen worden –, dass da gerade in der Gesetzgebung einige Einschränkungen passiert sind. Wir haben in engem Austausch auch mit dem Südtiroler Landeshauptmann eine Bitte aber auch wirklich respektiert, nämlich jene, nur dann zu agieren und nur dann ins Gespräch zu kommen, wenn sie uns ausdrücklich darum bitten. Er hat eines gesagt: Pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten. Und seine Bitte war, immer in Kooperation, gemeinsam mit den Beschlüssen im Südtiroler Landtag, diese Schritte der Gespräche und des Dialogs fortzuführen. Ich kann Ihnen in dieser Frage nur recht geben, Frau Ministerin, dass Sie, wenn Sie in Rom sind, die Gespräche führen und uns als österreichischem Parlament und insbesondere als Tiroler Abgeordneten, die natürlich in engerem Austausch mit Südtirolern sind, dann über diese Gespräche und über die Entwicklungen berichten. Dort, wo wir unterstützen können, unterstützen wir. Das Arbeitsgruppenergebnis, das dann im Südtiroler Landtag beschlossen wurde, regelt ja an und für sich, dass das Schutzniveau mit einer Klausel versehen wurde, dass bei der Gesetzgebung das Einvernehmensprinzip eingehalten wird. Beim Einvernehmensprinzip geht es mehr oder weniger darum, dass bei jeder Reform, die Südtirol speziell betreffen könnte …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Das ist wie das Blockaderecht unseres Bundesrates!

SPÖ Selma Yildirim

… bei Gesetzesänderungen und so weiter, das Einvernehmen mit der italienischen Regierung, gegeben sein muss. Und vergessen wir nicht: Weltweit schaut man auf Südtirol, weil es wirklich eine Erfolgsgeschichte ist. Diese Erfolgsgeschichte dürfen wir nicht mit nationalistischem Geplänkel konterkarieren, sondern leben wir dieses Vorzeige- und Erfolgsmodell gemeinsam weiter! – Ich danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Barbara Neßler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Ministerin! Meine Vorredner und Vorrednerinnen haben bereits einiges zum Autonomieantrag gesagt. Ich glaube, da muss ich nicht alles wiederholen, daher ein paar Gedanken zum Antrag der FPÖ betreffend Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler und Südtirolerinnen, der wenig überraschend ist und noch weniger sinnvoll. Was die FPÖ da vorschlägt, ist nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern es ist politisch brandgefährlicher Geschichtskitsch, den vor allem auch die Südtiroler und Südtirolerinnen nicht wollen. Wenn man sich das anschaut, dann tut die FPÖ hier wie so oft das, was gegen die Realität vor Ort ist. Es geht da nicht um Menschen, die eine familiäre Bindung zu Österreich haben und ohnehin schon die Doppelstaatsbürgerschaft beantragen können. Was die FPÖ will, ist etwas anderes, und zwar eine kollektive Staatsbürgerschaft basierend auf der Abstammung oder Sprachgruppe. Genau hier haben wir das Problem, denn: Wer soll entscheiden, wer ladinisch genug ist oder deutsch genug? Da müsste man in alten Taufbüchern nachblättern. Und: Was ist mit den Italienischsprachigen oder mit den Mehrsprachigen, die auch dazugehören, aber nicht ins Weltbild der FPÖ passen? …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Antragsprinzip!

GRÜNE Barbara Neßler

… Mit diesem Antrag stochert die FPÖ bewusst in alten Wunden …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Sie sollten vielleicht einmal darüber nachdenken!

GRÜNE Barbara Neßler

… denn sie will spalten, wo über Jahrzehnte sensibles, oft mühsames, aber funktionierendes Zusammenleben gewachsen ist. (👏 SPÖ) Warum machen sie das? – Sie wollen, dass alte Feindschaften, dass alte Konflikte wieder hochkochen, denn nur dann können sie sich inszenieren.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Wir wollen historisches Unrecht wiedergutmachen, nicht mehr und nicht weniger!

GRÜNE Barbara Neßler

… Das, was sie brauchen, sind Hass, Konflikte und Ausgrenzung, und genau darum säen sie Hass, Konflikte und Ausgrenzung.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Nicht von sich selbst auf andere schließen!

GRÜNE Barbara Neßler

… Zum Thema Mehrsprachigkeit: Mehrsprachigkeit ist kein Problem, sie ist ein Schatz. Sie ist gelebte Realität in Südtirol, sie ist europäischer Alltag. Nur passt das leider auch nicht ins Weltbild der FPÖ. Darum bringt sie auch immer wieder Anträge ein, dass Schüler und Schülerinnen in der Schule – Achtung! – auf dem Pausenhof Standardsprache sprechen müssen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Deutsch sprechen! – Abg. Ranzmaier [FPÖ]: Das ist ja grundvernünftig in Sachen Integration, oder?

GRÜNE Barbara Neßler

… Und da frage ich dich wirklich, Kollege Steiner: Ist das dein Ernst? Möchtest du, dass die Schüler und Schülerinnen im Zillertal Hochdeutsch miteinander sprechen müssen? …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Da geht es um Integration, Frau Kollegin!

GRÜNE Barbara Neßler

… Das tun nicht einmal wir hier im Hohen Haus, inklusive mir. Und das ist auch gut so, denn der Dialekt ist Ausdruck gelebter Vielfalt, Identität und gehört zu uns. Ich glaube, das ist auch gut so. – Herr Kollege Steiner, ich glaube nicht, dass das Hochdeutsch ist, was Sie hier vorne immer sprechen. Euer Antrag schwächt die Autonomie Südtirols, er stärkt sie nicht, und das ist kein Zufall, denn die FPÖ hat kein Interesse an gelebter Autonomie. Sie will spalten, wo es Brücken braucht. Da sind wir sicher nicht dabei. Wir stehen für ein Europa, das verbindet. – Danke schön.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Sie sollten den Antrag einmal lesen!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Meinl-Reisinger. – Frau Bundesministerin, Sie haben das Wort.

ÖVP Jakob Grüner

Herr Präsident! Frau Außenministerin! Hohes Haus! Es wurde zur Autonomie schon sehr viel gesagt; ich erspare mir Wiederholungen, ich möchte aber einige Dinge zum Anliegen der FPÖ ergänzen. Die Schutzfunktion Österreichs ergibt sich bekanntlich – wir haben es schon gehört – aus dem Pariser Vertrag von 1946. Österreich nimmt diese Verantwortung seit jeher sehr ernst. Österreich ist sich dieser Verantwortung auch bewusst – die Frau Außenministerin war gerade in Rom, das ist bekannt. Klar ist auch, geschätzte Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ: Dieses Selbstbestimmungsrecht, von dem Sie immer sprechen, ist völkerrechtlich verankert. Das Selbstbestimmungsrecht ist das Selbstbestimmungsrecht des Volkes, des Südtiroler Volkes, das Selbstbestimmungsrecht ist nicht das Selbstbestimmungsrecht der FPÖ in Vertretung Südtirols, es ist auch nicht das Recht der ÖVP, der NEOS, der Grünen oder der SPÖ. Das Selbstbestimmungsrecht betrifft die Südtiroler selbst.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Herr Kollege, Sie scheinen meine Rede nicht verstanden zu haben!

ÖVP Jakob Grüner

… Ich lese auch sehr aufmerksam das, was Sie publizieren, und deswegen repliziere ich auch darauf. Die Schutzfunktion Österreichs heißt, für Südtirol da zu sein und bereit zu sein, wenn Südtirol das braucht und wenn Südtirol das will – und das tun wir auch. Zu Ihrer Kritik möchte ich Ihnen zuerst auch etwas Positives sagen. Sie werden es mir nicht glauben und Sie fühlen sich gerade durch mich provoziert, aber man kann mir nicht absprechen, dass auch mein Herz für das historische Tirol schlägt. Ich habe sehr viel mit Südtirol zu tun, bin auch sehr viel unten, unsere Standpunkte sind jedoch völlig unterschiedlich. Sie tun immer so, als wären Sie die Einzigen, die sich für Südtirol interessieren und sich für Südtirol einsetzen. Diesbezüglich möchte ich Ihnen ein paar Beispiele nennen, aktuelle Beispiele: Wo war Ihr Beitrag, als beispielsweise der Landeshauptmann von Südtirol – übrigens auf Einladung der NEOS – im März im Hohen Haus war? Kein einziger Tiroler FPÖ-Abgeordneter war da. Sie waren nicht da und Ihre beiden Kollegen waren auch nicht da.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

... ich bin im Kreißsaal gesessen bei der Geburt meiner Tochter! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

ÖVP Jakob Grüner

… Nein, aber Sie kritisieren ja uns, dass wir uns nicht mit der Thematik beschäftigen. Betreffend Autonomieverhandlungen sind die Standpunkte völlig unterschiedlich, das ist mir auch klar. Ich glaube nicht, dass Sie alles ablehnen. Sie sind mir in den letzten Jahren auch nicht besonders aufgefallen, wenn es um die Unterstützung der Südtiroler Landesregierung gegangen ist. Ein ganz großes Thema – das ist vielleicht nicht ganz so bekannt, in Südtirol aber auf der Titelseite –, für uns in Österreich ganz wichtig, ist die Anerkennung der Abschlüsse von FH-Studien österreichischer Studierender in Italien. Das ist ein riesengroßes Thema, das betrifft Hunderte bis Tausende Südtirolerinnen und Südtiroler in Südtirol, das betrifft unsere Landsleute, wenn sie nach Bozen studieren gehen. Da haben sich das Land Tirol, der Bund und das Außenministerium sehr verdient gemacht und jahrelang mit Italien verhandelt. Da waren Sie nirgendwo dabei. ( Heiterkeit des Abg. Ranzmaier [FPÖ]. ) Abschließend der Klassiker: Haben Sie mit Ihrem Parteifreund Salvini gesprochen, wenn es darum geht, dass Italien Österreich betreffend Transit vor dem EuGH klagt? Die Position Ihrer Parteifreunde in Tirol zur Transitthematik, bei der wir einen breiten Konsens haben, ist ja bekannt.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Interessen sind ...! So machen das Politiker!

ÖVP Jakob Grüner

… Ich möchte Ihnen nicht absprechen, dass Sie die Interessen Südtirols sehr unterstützen wollen und auch dahinterstehen – das macht auch, glaube ich, niemand –, aber ich hätte eine Bitte: dass Sie generell darauf verzichten, so zu tun, als wären Sie die Einzigen, die sich für Südtirol interessieren.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Da sollten Sie ...!

ÖVP Jakob Grüner

… Ein abschließendes Beispiel, weil Sie sagen, ich höre nicht zu und ich lese nicht: Ich habe das Ausschussprotokoll gelesen. Ich nenne jetzt keine Namen, aber es wurde auch heute wiederholt, wie wichtig die Standards sind, die wir im Rahmen der Streitbeilegung von 1992 geschaffen haben – wie wichtig diese Standards sind. Das Hohe Haus hat 1992 und in der Folge darüber abgestimmt und alle haben mitgestimmt, außer die FPÖ – das dazu. Meine Damen und Herren, ich möchte zusammenfassen: Südtirol ist kein Spielball für parteipolitische Inszenierung. Die Geschichte ist sehr ernst, die Geschichte ist traurig. Die Zukunft ist noch wichtiger, wir leben in einem vereinten Europa, Gott sei Dank! Wenn Sie spielen wollen, dann empfehle ich Ihnen Tischfußball. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Steiner . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Herr Kollege Grüner, nur zur Richtigstellung - - Wo ist er denn? Ah, da! – Herr Kollege Grüner, nur zur Richtigstellung: Natürlich wäre unser Südtirolsprecher anwesend gewesen, als der Herr Landeshauptmann von Südtirol in Wien war, aber er hatte ein anderes freudiges Ereignis: Er war gerade im Kreißsaal bei der Geburt seiner Tochter – dazu herzlichen Glückwunsch! Ich glaube, das darf man dann schon als Entschuldigung akzeptieren, Herr Kollege. Aber wenn wir jetzt schon immer hören, wie toll und wie super man sich für Südtirol einsetzt, wenn es dann um Taten geht - - …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Der letzte Tiroler war so angenehm!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich habe Sie jetzt nicht gehört, Herr Kollege. – Wenn es dann um Taten geht, wäre es ganz einfach. Jetzt haben wir uns hier herinnen nach der Nationalratswahl konstituiert, und das ist schon einige Zeit her. Es gibt bis heute – bis heute! – keinen konstituierten Südtirolausschuss im Parlament. Jeder sagt, wie wichtig ihm das ist: Bis heute war Ihnen die Konstituierung des Südtirolausschusses nicht wichtig. Worum geht es dabei wahrscheinlich? – Weil die ÖVP nicht Platz eins hat und wahrscheinlich nicht das Vorrecht auf den Vorsitz hat, das wir hätten, und darum ist er bis heute - - (👏 FPÖ) Das ist heuchlerisch, liebe Kollegen von der ÖVP.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

He! He!

FPÖ Christoph Steiner

… Wenn sich das die Gründerväter der Zweiten Republik jetzt so anschauen müssten, würden sie sich wahrscheinlich im Grab umdrehen.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Bei deiner Rede auch!

FPÖ Christoph Steiner

… Es ist halt einmal eine Unrechtsgrenze und es ist dort halt einmal Unrecht passiert, Frau Kollegin Neßler. Das ist so! Und wenn man schon überall Unrechtsgrenzen kritisiert und daraus eine ganze Show macht ( Ruf bei der ÖVP: Show?! ), auch bei der Ukrainegeschichte, aber dann bei der Unrechtsgrenze in Tirol alles wurscht ist – und das Wort Unrechtsgrenze ist von niemandem von euch gefallen –, bleibt es deswegen trotzdem eine Unrechtsgrenze. (👏 FPÖ) Der Dreier-Landtag ist erwähnt worden. Gestern hat Kollege Ranzmaier einen Antrag, einen Leitantrag aus dem Dreier-Landtag hier ins Plenum gebracht. In schönen Worten redet ihr immer davon, wie wunderbar der Dreier-Landtag ist – ich weiß schon, da gibt es gute Buffets und so –, aber dann hier herinnen dagegenzustimmen, das ist doch die Wahrheit dieser ÖVP, dieser Sozialisten und der NEOS sowieso. Man kann ja nicht andauernd Dinge hoch loben, weil es ein gutes Buffet gibt, weil man gerne hinfährt , und dann hier herinnen aber einfach gegen diese Beschlüsse, die der Dreier-Landtag fasst, stimmen. Das ist das wahre Gesicht der ÖVP – nicht nur in den Fragen, wenn es um Südtirol geht. (👏 FPÖ) Dann kann man schon über die Sinnhaftigkeit des Dreier-Landtages reden; darüber müssen wir uns vielleicht auch einmal unterhalten. Frau Meinl-Reisinger, weil Sie sagen, wir lehnen das Autonomiestatut jetzt ab: Das stimmt ja überhaupt nicht. Wir kritisieren es nur, auch aufgrund der Minderheitenrechte, die da drinnen zu wenig bedacht wurden. Das ist unsere Kritik. Wir lehnen es aber um Gottes willen nicht ab. (Bundesministerin Meinl-Reisinger : Dann unterstützen ...!) – Wir unterstützen es dann, wenn es unterstützenswert ist, aber derzeit ist es aus unserer Sicht für die Minderheit in Südtirol nicht unterstützenswert, ganz einfach, Frau Außenministerin. Ich hätte noch mehr zu sagen, aber ein paar Repliken muss ich jetzt ehrlich machen. Herr Kollege Oberhofer, ich weiß jetzt, warum der gesamte Tiroler Landtag monatlich auf Wallfahrt geht: weil du nicht mehr im Landtag und jetzt hier in Wien bist. Also der Tiroler Landtag geht gesamt wallfahren …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Macht der Bundesrat auch gerade!

FPÖ Christoph Steiner

… weil du jetzt in Wien bist. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ. ) Zu deinem Redebeitrag: echt unglaublich! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wir würden auch gerne wallfahren ...!

FPÖ Christoph Steiner

… Kollege Hechenberger hätte einfach ehrlich sein müssen, nicht hier heraußen eine Geschichtserzählung machen, wie das die ÖVP halt gerne macht, wenn sie nichts zu sagen hat. Dann hättest du dich hinstellen müssen, Herr Kollege Hechenberger, und hättest sagen müssen: Der ÖVP ist die Südtirolangelegenheit wurscht! – Das wäre zumindest ehrlich gewesen, ganz, ganz klar. (👏 FPÖ) Zur Frau Kollegin Neßler schon noch ein Wort …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Ein Wort!

FPÖ Christoph Steiner

… Wir wollen nur das Unrecht wiedergutmachen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was glaubst du eigentlich, wie froh der Bundesrat ist, dass du weg bist!

FPÖ Christoph Steiner

… Setzen Sie sich genauso dafür ein, das Unrecht wiedergutzumachen, wie Sie das überall auf der ganzen Welt machen! Setzen Sie sich auch dafür ein, dass das Unrecht und die Unrechtsgrenzgeschichte in Südtirol ein gutes Ende finden, auch für die Südtiroler! Eine erste Geschichte wäre gewesen, wenn Sie die vor Kurzem verstorbene Katakombenlehrerin doch noch bei ihrem letzten Wunsch – auch von Ihrer Seite, vom Herrn Bundespräsidenten aus – unterstützt hätten, denn Frau Hermine Orian hätte sich gewünscht, als Österreicherin und nicht als Italienerin zu sterben. Das hätte sie sich verdient und das haben Sie ihr verwehrt. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer . – Sie kennen die Bedingungen der tatsächlichen Berichtigung. Bitte, Herr Kollege.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher österreichischer Nationalrat! Herr Kollege Steiner hat in seiner Rede behauptet, dass sich der Südtirolausschuss bis jetzt nicht konstituiert hat. Ich berichtige deshalb tatsächlich: Das ist unrichtig. Es gibt den Unterausschuss des Außenpolitischen Ausschusses noch nicht.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Geh bitte, das ist ja ganz was anderes! Das ist ja keine tatsächliche Berichtigung! Herr Präsident!

NEOS Dominik Oberhofer

… Wenn man keine Ahnung von der Geschäftsordnung dieses Hauses hat, dann sollte man eventuell gar nicht ans Rednerpult kommen. – Danke.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist echt keine tatsächliche Berichtigung!

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist niemand mehr dazu gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. – Ich bitte um Aufmerksamkeit. Die Debatte ist geschlossen.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, meine sehr geehrten Damen und Herren, und ich ersuche um die entsprechende Aufmerksamkeit. Ich nehme die Abstimmung so vor, dass ich über jeden Ausschussantrag getrennt abstimmen lasse. RN/42.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: die dem Ausschussbericht 114 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Autonomiereform in Südtirol“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. ( 35/E ) RN/42.2 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Antrag des Außenpolitischen Ausschusses, seinen Bericht 115 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/42.3 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Antrag des Außenpolitischen Ausschusses, seinen Bericht 116 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

Wahrung der Schutzfunktion Österreichs gegenüber Südtirol im Zuge der laufenden Autonomiereform

115 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 225/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag abgelehnt, der eine aktive Wahrnehmung und klare Positionierung Österreichs als Schutzmacht gegenüber Südtirol im Zuge der laufenden Autonomiereform verlangt hätte. Damit gibt es keinen parlamentarischen Auftrag an die Bundesregierung, die kritisierten Reformpunkte gegenüber Italien offiziell zu adressieren oder dagegen einzuschreiten.

Betroffen sind die österreichische Außen- und Minderheitenpolitik sowie die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung Südtirols im Kontext der Reform des Autonomiestatuts in Italien.

Ziel des Antrags war, Österreichs Schutzfunktion aus dem Pariser Abkommen zu bekräftigen und die Bundesregierung zu veranlassen, gegen eine aus Sicht der Antragsteller nachteilige Abkehr vom Autonomiestandard von 1992 in der geplanten Reform aufzutreten.

Dokumente

Wahrung der Schutzfunktion Österreichs gegenüber Südtirol im Zuge der laufenden Autonomiereform

Gegenstand und Ziel des Entschließungsantrags

  • Behandlung eines Entschließungsantrags zur Wahrung der Schutzfunktion Österreichs gegenüber Südtirol im Zuge der laufenden Reform des Autonomiestatuts.
  • Forderung, dass Österreich Entwicklungen, die den erreichten Autonomiestandard zu Lasten der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung verändern könnten, klar adressiert.

Völkerrechtliche Grundlage und Bedeutung der Schutzfunktion

  • Österreich hat sich mit dem Pariser Abkommen vom 5. September 1946 völkerrechtlich verpflichtet, eine Schutzfunktion für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung in Südtirol wahrzunehmen.
  • Diese Schutzfunktion wird als zentrales Element österreichischer Außen- und Minderheitenpolitik sowie als Beitrag zur Stabilität im Alpenraum dargestellt.

Bezug auf den Autonomiestandard 1992 und spätere Abweichungen

  • 1992 wurde auf Basis der erreichten Autonomierechte die Streitbeilegung zwischen Österreich und Italien vor den Vereinten Nationen offiziell vollzogen.
  • Der Autonomiestandard von 1992 wird aus österreichischer Sicht als Erfüllung der Schutzverantwortung beschrieben; weitere Verschiebungen zu Lasten der deutschsprachigen Volksgruppe seien damit ausgeschlossen gewesen.
  • Es wird behauptet, dass man sich im Laufe der Jahre – beispielhaft genannt wird die italienische Verfassungsreform 2001 – weit von diesem Standard entfernt habe.

Einordnung der aktuellen Autonomiereform

  • Die aktuell diskutierte Autonomiereform wird im Antrag als Vorhaben beschrieben, den Standard von 1992 wiederherzustellen (unter Bezug auf Aussagen von Landeshauptmann Kompatscher und Bundeskanzler Nehammer).
  • Gleichzeitig wird kritisiert, dass die vom Ministerrat in Rom vorgelegte Reform des Autonomiestatuts in mehreren zentralen Punkten eine Abkehr vom Standard 1992 darstelle.

Kritikpunkte an der Reform: Bezeichnung/Umbenennung der Region

  • Kritisiert wird eine Umbenennung bzw. Bezeichnungsänderung der Region, wonach künftig auch im Deutschen eine Koppelung des im italienischen Faschismus erfundenen Begriffs „Alto Adige“ an die Bezeichnung Südtirol vorgesehen sei.
  • Diese Koppelung wird als historisch belastet und als mögliche Provokation interpretiert.
  • Es wird auf mögliche weitreichende Folgen hingewiesen, etwa im Bereich der Toponomastik (Ortsnamengebung).

Kritikpunkte an der Reform: Ansässigkeitsklausel und Wahlrecht

  • Beanstandet wird eine Änderung der Ansässigkeitsklausel, wonach künftig bereits nach zwei Jahren (statt vier) die Möglichkeit bestehen soll, auf Landes- und Gemeindeebene zu wählen.

Kritikpunkte an der Reform: Proporz und Minderheitenrechte

  • Kritisiert wird eine Reform des Proporzes, die nach Darstellung des Antrags das Minderheitenrecht der deutschsprachigen Minderheit „quasi ins Gegenteil“ verkehre.
  • Der Proporz solle demnach auch für die Vertretung der italienischen Bevölkerungsgruppe gelten, die in Südtirol als Minderheit beschrieben wird.
  • Als Folge wird dargestellt, dass diese Minderheit ungeachtet von Wahlergebnissen automatisch in Landtagsausschüssen und in Gemeinden vertreten wäre.

Kritikpunkte an der Reform: Einseitige Änderbarkeit der Autonomie

  • Als weiterer Kritikpunkt wird angeführt, dass die Autonomie durch einen einfachen Beharrungsbeschluss bei absoluter Mehrheit im Parlament in Rom einseitig geändert werden könne.

Kritik am Reformprozess und Bezug zum Geist des Pariser Abkommens

  • Es wird kritisiert, dass Bozen und Rom die Autonomie „in Hinterzimmern“ reformieren würden.
  • Viele Kritikpunkte seien dadurch niemals öffentlich diskutiert worden und hätten keinen Eingang in den Reformprozess gefunden.
  • Eine solche Entwicklung wird als Widerspruch zum Geist des Pariser Abkommens bezeichnet und als Anlass gesehen, dass Österreich klar Stellung beziehen solle.

Wahrung der Schutzfunktion Österreichs gegenüber Südtirol im Zuge der laufenden Autonomiereform

~26 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Christofer Ranzmaier

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätztes Mitglied der Bundesregierung, liebe Außenministerin! Geschätzte Zuseher auf der Galerie und vor den Bildschirmen zu Hause, insbesondere auch im südlichen Landesteil! Wenn wir heute im Nationalrat über Südtirol sprechen, dann stellt sich zu Beginn dieser Debatte vor allem eine Gretchenfrage, wie man an den medialen Debatten rund um die Südtirolautonomie bereits seit langer Zeit sieht, nämlich die Gretchenfrage: Wer ist eigentlich die Schutzmacht, und wen soll sie denn eigentlich schützen? Da gibt es hier im Haus wahrscheinlich mehrere Antworten, aber es gibt eine einzige, die richtig ist, und die ist: Österreich ist die Schutzmacht, nicht Italien und auch nicht der Südtiroler Landeshauptmann, sonst stünde das ja im Pariser Abkommen und wir würden das heute hier ganz sicher nicht diskutieren müssen, und zu schützen sind natürlich die deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler. – Punkt, aus, Ende. ( In Richtung Bundesministerin Meinl-Reisinger: ) Und da haben Sie Ihr Amt vielleicht wirklich falsch verstanden, wie Sie heute im Zuge der Fragestunde bereits angedeutet haben. Nur wenn man das verstanden hat, dann weiß man auch, wie man sich im Zuge dieser Autonomiereform in der Debatte hätte verhalten müssen: nicht technokratisch, nicht zurückhaltend, sondern mit Haltung, mit einem klaren Ziel, nämlich die Minderheitenrechte und damit die Identität unserer historischen Volksgruppe zu schützen. (👏 FPÖ) Es ging in dieser ganzen Debatte von Beginn an um die Zurückholung gestohlener Autonomierechte. Ich weiß ja nicht, wie die NEOS verhandeln – beziehungsweise weiß man es aufgrund der Regierungsverhandlungen ja schon –, vielleicht ist das wirklich Ihr Zugang, aber wenn ich mit dem Dieb verhandele, dass ich ihm für die Übergabe des Diebesguts noch mein Haus, mein Auto und mein Grundstück übergeben muss, dann ist das nicht der große Wurf, als der das Ganze dargestellt wird. Denn die Frage ist, was künftig von dieser Schutzfunktion übrig bleibt, wenn es zwar umfangreiche Kompetenzen gibt, die zu Schützenden aber durch identitätspolitische Eingriffe und aufgeweichte Ansprüche und insbesondere auch politische Gleichgültigkeit der eigenen Schutzmacht zunehmend marginalisiert werden. Wen will Österreich denn schützen, wenn es diese Minderheit am Ende des Tages nicht mehr gibt? Was macht aber die Bundesregierung in dieser Debatte? – In einer Anfragebeantwortung haben Sie, Frau Außenministerin, mir ganz klipp und klar gesagt, wie Sie zu Ihrer Expertise im Zuge dieser Beurteilung gekommen sind, nämlich: Sie haben den Südtirolern zugehört, dem Landeshauptmann – Sie haben sich von ihm erzählen lassen, was gut ist –, Sie haben den Römern zugehört – okay, passt, die haben auch gesagt, es ist gut –, und damit war die Sache vom Tisch. Es gab keine externe Expertise, keine eigene Beurteilung, kein kritisches Hinterfragen von all dem, was da auf dem Tisch liegt – und genau das sieht man am Ende des Tages auch am Ergebnis. (👏 FPÖ) Denn sowohl Rom als auch Kompatscher vertreten ja nicht die Schutzinteressen Österreichs. Die haben in dieser Debatte alle eigene Interessen, was ja politisch völlig legitim ist. Genau deswegen gibt es ja Österreich als Schutzmacht, die da eben einzuschreiten hätte. In Wahrheit geht es nämlich nicht um Jagdrecht oder Umweltverwaltung oder was sonst noch alles kompetenzrechtlich den Besitzer wechselt. Es geht um Proporz, es geht um Sprachgebrauch, es geht um demokratische Mitbestimmung und kulturelle Selbstbestimmung. Und genau bei diesen Punkten ist in dieser Autonomiereform leider vieles vergraben, das man vielleicht in einem geschickten Spiel mit dem Landeshauptmann und den Italienern noch hätte beseitigen können. So wie es jetzt ausschaut, herrscht daran aber kein Interesse. Mit einer aktiven Ausübung dieser Schutzmachtfunktion, nicht als simples Beiwagerl in Roms Pressetexten, hätten wir da noch vieles bewegen können. Genau das ist aber der Unterschied zwischen den beiden Anträgen, die heute hier im Plenum auf dem Tisch liegen. Das, was die Regierungsfraktionen gemeinsam mit den Grünen eingebracht haben, ist leider ein Weiter-wie-bisher; das heißt: Wir hören zu und, ja, im Prinzip interessiert es uns nicht! Auf der anderen Seite gibt es einen freiheitlichen Antrag, der ja gerade der ÖVP die Zustimmung sehr, sehr einfach gemacht hätte, denn wir haben nicht mehr und nicht weniger da hineingeschrieben als das, was uns Karl Nehammer damals in seiner Funktion als Bundeskanzler versprochen hat, nämlich eine Rückkehr zu den Autonomiestandards von 1992, von denen in diesem Konvolut, das auf dem Tisch liegt, ja weit und breit nichts zu sehen ist. Wir sehen auf jeden Fall: Das Interesse der Regierungsfraktionen ist derart enden wollend, dass man mittlerweile ja sogar den Südtirolausschuss vor die Tür des Parlaments setzt, was natürlich auch wieder die Südtirolfeinde in Italien, aber mit Sicherheit nicht die Südtiroler freut. Wir nehmen das einmal zur Kenntnis und werden schauen, wie sich die Debatte weiterentwickelt. Genau deswegen ergibt sich daraus aber unser zweiter Antrag, der in dieser Debatte auf dem Tisch liegt, nämlich betreffend Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler. Sie werden mir jetzt in der Debatte erklären: Es gibt da zu wenig Bedarf, das will ja in Südtirol niemand! – Ich war, seitdem ich Südtirolsprecher unserer Fraktion bin, x-mal in Südtirol, und ich spreche dort mit den Menschen. Alleine ich könnte euch jetzt hier eine Liste von Menschen vorlegen, die Interesse an einer derartigen Doppelstaatsbürgerschaft hätten, einfach aus diesem Schutzinteresse heraus, und die ist wahrscheinlich länger als die Einbürgerungsliste aus gewissen Staaten aus aller Herren Länder, wo ihr regelmäßig Staatsbürgerschaften verscherbelt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Verscherbelt hat sie der Scheuch! ... das ist eine Kernkompetenz der FPÖ!

FPÖ Christofer Ranzmaier

… Genau deswegen liegt dieser Antrag auf dem Tisch, und ich hoffe auch, dass ihr irgendwann begreift, wie wichtig diese Doppelstaatsbürgerschaft ist. Denn, meine Damen und Herren, Südtirol ist augenscheinlich, so wie es aktuell ausschaut, in diesem Hohen Haus nur mehr der FPÖ ein ehrliches Herzensanliegen, und das tut mir als Tiroler wirklich im Herzen weh. Ihr liefert Sonntagsreden, wir liefern Mut und Haltung.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das war ja eine Finanzierungsquelle der Kärntner FPÖ! Eigentlich gar keine blöde Rede ...!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher österreichischer Nationalrat! Als ich hier herein gewählt worden bin, war einer meiner ersten Wege der in den Bundesversammlungssaal. Da gibt es den legendären Sitzplatz 103. Wahrscheinlich weiß Herr Kollege Ranzmaier, wer auf 103 gesessen ist, nämlich ein wirklicher europäischer Staatsmann: der junge De Gasperi. Alcide De Gasperi hat hier in Wien studiert und hat sich während seiner Studienzeit 1905 ganz massiv für eine italienische Fakultät der Rechtswissenschaften eingesetzt, entweder in Wien oder im Trentino, wo er hergekommen ist. Er war Abgeordneter, der jüngste Abgeordnete hier im österreichischen, im cisleithanischen Parlament, und später, nach dem Ersten Weltkrieg, ist er ohne Revanchegefühle und ohne Nationalismus zu einem großen europäischen Staatsmann geworden, Ministerpräsident Italiens, der am Endes des Tages auch die Autonomie und das Autonomiepaket Südtirols mit dem legendären Außenminister Gruber aus Tirol verhandelt hat und auf die Reise gebracht hat. (👏 ÖVP, NEOS) Genau dieser De Gasperi zeigt uns eines: Von dem, was De Gasperi dazumal erträumt hat, profitieren in Wirklichkeit wir heute in dieser Südtirolfrage, nämlich von der europäischen Staatsbürgerschaft. Ich meine, die Diskussionen, die von der FPÖ kommen – mittlerweile ja nicht mehr von der FPÖ in Südtirol, weil diese FPÖ ja Teil der Landesregierung ist, beziehungsweise will sie ja mit der österreichischen - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

In Südtirol gibt es keine FPÖ, du Dodel!

NEOS Dominik Oberhofer

… Es gibt die Freiheitlichen Südtirol …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber keine FPÖ!

NEOS Dominik Oberhofer

… die eine FPÖ-Teilorganisation waren. Du weißt es vielleicht nicht, Herr Steiner, aber im Parteistatut deiner Partei in Tirol steht, dass der Obmann der FPÖ in Südtirol …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Mit Sitz und Stimme im Parteivorstand!

NEOS Dominik Oberhofer

… der Freiheitlichen Südtirol, einen Sitz in eurem Parteivorstand hat.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Auch Stimmrecht! Auch Stimmrecht hat er!

NEOS Dominik Oberhofer

… Das willst du nicht mehr wissen und nicht zur Kenntnis nehmen, aber diese Diskussion, die ihr die ganze Zeit vorantreibt, ist ja nichts anderes als die, die ihr in Kärnten gehabt habt mit den zweisprachigen Ortsschildern.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ortstafeln! – Abg. Ragger [FPÖ]: Was hat das damit zu tun jetzt?

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich möchte den ehemaligen Landeshauptmann von Kärnten zitieren: Es ist ein Kampf um das Deutschtum, ein Kampf um jedes Dorf, ein Kampf um jede Tafel. – Zitatende. Das ist das, was ihr hier heraußen haben wollt.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Dominik Oberhofer

… Und am Ende des Tages: Hätte es nicht BZÖ-Landeshauptmann Dörfler und Staatssekretär Ostermayer von der SPÖ gegeben, dann hätten wir wahrscheinlich in den letzten 15 Jahren die gleichen Diskussionen hier gehabt. Euch geht es am Ende des Tages nicht um Südtirol. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Euch geht es am Ende des Tages nicht um etwas, das einzigartig in Europa ist …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Eine Unrechtsgrenze!

NEOS Dominik Oberhofer

… nämlich diese Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Fahrt einmal nach Brüssel und schaut es euch an: Da werdet ihr sehen, dass Wien eine eigene Vertretung hat, da werdet ihr sehen, dass Oberösterreich, das Burgenland, Vorarlberg, Salzburg, jedes Bundesland dort in Brüssel eine eigene Vertretung hat.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Könnte man alles einsparen! – Heiterkeit des Abg. Steiner [FPÖ].

NEOS Dominik Oberhofer

… Das ist wahrscheinlich auch richtig und wichtig, aber wir Tirolerinnen und Tiroler, wir haben eine gemeinsame Vertretung, nämlich aus Südtirol, Trentino und Nordtirol. Warum? – Weil wir ein Leuchtturmprojekt in diesem Europa sind, nämlich ein Leuchtturmprojekt für ein Europa der Regionen. Eure Spalterei hat überhaupt nichts mit diesem Autonomiepaket zu tun. Dieses Autonomiepaket sichert nämlich eines, und das hat damit zu tun, was in den letzten 20 Jahren passiert ist: Bei jeder Staatsreform in Italien wurde die Autonomie beschnitten, auch teilweise mit euren Freunden; mit der Lega Nord in der Regierung ist man hergegangen und hat die Rechte der Südtirolerinnen und Südtiroler beschnitten. Frau Außenministerin Kneissl hat gerade einmal eine einzige Presseaussendung im Dezember 2018 zusammengebracht, als es in Italien darum gegangen ist, die Anzahl der Abgeordneten im Senat zu beschneiden und es im Senat nicht mehr drei, sondern nur mehr zwei Abgeordnete aus Südtirol gegeben hat. Das war eure Schutzmacht gegenüber Südtirol: eine Presseaussendung der Frau Außenministerin, und sonst kein Wort dazu! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Schwachsinn, Herr Kollege!

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich bin ja kein Parteigänger des Herrn Kompatscher, ganz im Gegenteil, unsere Freunde sind die zweitgrößte Partei im Südtiroler Landtag, das Team K, eine liberale Mitgliedsorganisation der ALDE und der Renew auf europäischer Ebene – das sind meine Freunde –, aber ich kann sehr wohl anerkennen, dass das, was Herr Landeshauptmann Kompatscher und Frau Ministerpräsidentin Meloni – die gehört ja überhaupt nicht zu mir und zu unserer Parteienfamilie – in Italien zusammengebracht haben: am Ende des Tages genau diese Einschnitte in die Autonomie der letzten 20 Jahre repariert und das abgesichert, und zwar verfassungstechnisch so abgesichert, dass es in Zukunft eine Zweidrittelmehrheit brauchen wird, um diese Errungenschaften wieder rückgängig zu machen. Die wird es in Italien so in dieser Form nie wieder geben. Das ist ein großer Wurf! – Danke für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Wendelin Mölzer zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bedingungen. Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Wendelin Mölzer

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Abgeordneter Oberhofer von den NEOS hat behauptet, dass Herr Landeshauptmann Gerhard Dörfler in seiner Zeit als Landeshauptmann dem BZÖ angehört hat. – Das ist nicht richtig. Er war der Freiheitlichen Partei Kärntens oder den Freiheitlichen Kärntens angehörig. Somit hat ein freiheitlicher Landeshauptmann die Ortstafellösung in Kärnten herbeigeführt. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Josef Hechenberger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Josef Hechenberger

Geschätzter Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher hier und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Wir sind froh, dass wir heute ausführlich dieses Thema Südtirol diskutieren können. An und für sich war es jetzt auch so, dass meine Vorredner sehr viel dazu gesagt haben, aber ich glaube, dass es bis dato gar nicht für jeden zu verstehen war, worum es genau geht. Es geht darum, dass man mit dem Vertrag von Paris im Jahr 1946 die Minderheiten der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler entsprechend schützen wollte. 1972 ist nach langen, zähen Verhandlungen das Zweite Autonomiestatut in Kraft getreten, bis zur Umsetzung dauerte es letztendlich bis 1992. 2001 hat es eine Verfassungsreform in Italien gegeben, die dann mehr oder weniger der Anlass dafür war, Kompetenzen des Autonomievertrages zu beschneiden. Worum geht es jetzt wirklich? – Es geht jetzt faktisch darum, dass man seit geraumer Zeit an dieser Autonomiereform arbeitet. Es hat im April 2025 eine Einigung gegeben, und dieses Abkommen hat auch bereits den italienischen Ministerrat passiert. Wie geht das Ganze jetzt weiter? – Es geht darum, die Kompetenzen von 1992 wiederherzustellen beziehungsweise zu verbessern. Ich darf auch ein bissl auf das eingehen, was Kollege Ranzmaier gesagt hat. Faktum ist, dass Südtirol und das Trentino mehr oder weniger die Möglichkeiten, die Kompetenzen zurückbekommen, also wie im Ergebnis von 1992, und dass es sogar noch weiter geht, nämlich dass die Südtirolerinnen und Südtiroler zusätzliche Kompetenzen erhalten. Zukünftig soll unter anderem in den Bereichen Handel und Umweltschutz, Ökosystem- und Wildtiermanagement nicht mehr nationalstaatlich in Rom …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Hauptsächlich in Brüssel!

ÖVP Josef Hechenberger

… sondern regionalpolitisch in Bozen beziehungsweise im Trentino entschieden werden. Es wird immer wieder gesagt, es gebe eine große Ablehnung vonseiten Südtirols, Kollege Ranzmaier sagt, alle in Südtirol seien dagegen: Ich habe mir genau angeschaut, wie zum Beispiel das Abstimmungsverhältnis in Südtirol gewesen ist. Schauen wir uns das an, wie von jenen Abgeordneten …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Alle sagen, außer dem Aggressor, es ist wie eine Schutzmacht!

ÖVP Josef Hechenberger

… die durch den Wähler legitimiert das Mandat ausüben, wirklich abgestimmt wurde: Es ist so, dass von den 32 Abgeordneten 26 Abgeordnete das Abkommen unterstützt haben und es lediglich sechs Gegenstimmen für diese Autonomiereform gab. (👏 ÖVP) Wie geht das Ganze weiter? – Wir gehen davon aus, dass in den Jahren 2026/2027 die zwei Kammern in Italien dieses Autonomieabkommen hoffentlich verabschieden werden. Unsere Aufgabe ist es, denke ich, in der Schutzfunktion Österreichs weiterhin genau zu beurteilen, wie das Ganze funktioniert, und auch mit unseren politischen Parteien und Schwesterparteien entsprechend Druck auszuüben, dass dieses Autonomieabkommen umgesetzt wird. Was mir in diesem Zusammenhang noch viel wichtiger ist – ich habe jetzt sehr ausführlich darüber geredet, was alles drinnen steht –: Wir leben in Tirol; die Partnerschaft in der Europaregion Tirol ist sehr intensiv: mit Südtirol, mit dem Trentino und mit Tirol, zum Beispiel der Dreier-Landtag, zum Beispiel auch die Aktivitäten in Brüssel, wie von Kollegen Ranzmaier von der FPÖ zitiert. Was mich als jemanden, der aus dem Alpbachtal kommt, besonders stolz macht, ist, dass man das Forum Alpbach auch positiv gemeinsam weiterentwickelt – ich darf nur an den Ausbau des Forums erinnern. Es gibt da also immer wieder Aktivitäten, mit denen abseits der Grenzen versucht wird, diese Gemeinschaft, diese Region zu intensivieren und zu leben. Frau Bundesminister, wir werden weiterhin unserer Schutzfunktion nachkommen und auf alle Fälle sehr genau darauf schauen, dass letztendlich die Kompetenzen und die Möglichkeiten in die Regionen zurückkommen und so die Region gestärkt wird. – Herzlichen Dank.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Sags ganz ehrlich, es ist euch eigentlich wurscht!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Selma Yildirim . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Kollegin.

SPÖ Selma Yildirim

Danke sehr, Herr Präsident! Werte Frau Ministerin! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit Blick auf Südtirol können wir nicht oft genug betonen: Die Autonomie bei unserem Nachbarn ist eine große Erfolgsgeschichte. Sie ist ein internationales Vorzeigemodell für Minderheitenschutz und friedliche Konfliktbeilegung, und darauf sollten wir alle gemeinsam stolz sein. Nicht der Nationalismus bringt Frieden, sondern die Menschlichkeit, der Internationalismus und das Miteinanderreden. Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben selbstverständlich die Gespräche mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus dem Südtiroler Landtag sehr ernst genommen und sind uns auch unserer Schutzfunktion gegenüber unseren Südtiroler und auch Trentiner Freundinnen und Freunden sehr bewusst. Was wir beobachten und sehen, ist eine Verfassungsrechtsänderung vor etwas mehr als 20 Jahren im italienischen Parlament, die an und für sich die Gleichstellung aller Autonomieregionen in Italien, also durchaus hehre Überlegungen, zum Ziel hatte. Allerdings hat das Höchstgericht vor allem in den vergangenen zehn Jahren mit mehreren Entscheidungen eine Richtung eingeschlagen, die unsere Südtiroler Kolleginnen und Kollegen mit Sorge beobachtet haben. Die Sorge ist – es ist bereits angesprochen worden –, dass da gerade in der Gesetzgebung einige Einschränkungen passiert sind. Wir haben in engem Austausch auch mit dem Südtiroler Landeshauptmann eine Bitte aber auch wirklich respektiert, nämlich jene, nur dann zu agieren und nur dann ins Gespräch zu kommen, wenn sie uns ausdrücklich darum bitten. Er hat eines gesagt: Pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten. Und seine Bitte war, immer in Kooperation, gemeinsam mit den Beschlüssen im Südtiroler Landtag, diese Schritte der Gespräche und des Dialogs fortzuführen. Ich kann Ihnen in dieser Frage nur recht geben, Frau Ministerin, dass Sie, wenn Sie in Rom sind, die Gespräche führen und uns als österreichischem Parlament und insbesondere als Tiroler Abgeordneten, die natürlich in engerem Austausch mit Südtirolern sind, dann über diese Gespräche und über die Entwicklungen berichten. Dort, wo wir unterstützen können, unterstützen wir. Das Arbeitsgruppenergebnis, das dann im Südtiroler Landtag beschlossen wurde, regelt ja an und für sich, dass das Schutzniveau mit einer Klausel versehen wurde, dass bei der Gesetzgebung das Einvernehmensprinzip eingehalten wird. Beim Einvernehmensprinzip geht es mehr oder weniger darum, dass bei jeder Reform, die Südtirol speziell betreffen könnte …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Das ist wie das Blockaderecht unseres Bundesrates!

SPÖ Selma Yildirim

… bei Gesetzesänderungen und so weiter, das Einvernehmen mit der italienischen Regierung, gegeben sein muss. Und vergessen wir nicht: Weltweit schaut man auf Südtirol, weil es wirklich eine Erfolgsgeschichte ist. Diese Erfolgsgeschichte dürfen wir nicht mit nationalistischem Geplänkel konterkarieren, sondern leben wir dieses Vorzeige- und Erfolgsmodell gemeinsam weiter! – Ich danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Barbara Neßler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Ministerin! Meine Vorredner und Vorrednerinnen haben bereits einiges zum Autonomieantrag gesagt. Ich glaube, da muss ich nicht alles wiederholen, daher ein paar Gedanken zum Antrag der FPÖ betreffend Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler und Südtirolerinnen, der wenig überraschend ist und noch weniger sinnvoll. Was die FPÖ da vorschlägt, ist nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern es ist politisch brandgefährlicher Geschichtskitsch, den vor allem auch die Südtiroler und Südtirolerinnen nicht wollen. Wenn man sich das anschaut, dann tut die FPÖ hier wie so oft das, was gegen die Realität vor Ort ist. Es geht da nicht um Menschen, die eine familiäre Bindung zu Österreich haben und ohnehin schon die Doppelstaatsbürgerschaft beantragen können. Was die FPÖ will, ist etwas anderes, und zwar eine kollektive Staatsbürgerschaft basierend auf der Abstammung oder Sprachgruppe. Genau hier haben wir das Problem, denn: Wer soll entscheiden, wer ladinisch genug ist oder deutsch genug? Da müsste man in alten Taufbüchern nachblättern. Und: Was ist mit den Italienischsprachigen oder mit den Mehrsprachigen, die auch dazugehören, aber nicht ins Weltbild der FPÖ passen? …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Antragsprinzip!

GRÜNE Barbara Neßler

… Mit diesem Antrag stochert die FPÖ bewusst in alten Wunden …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Sie sollten vielleicht einmal darüber nachdenken!

GRÜNE Barbara Neßler

… denn sie will spalten, wo über Jahrzehnte sensibles, oft mühsames, aber funktionierendes Zusammenleben gewachsen ist. (👏 SPÖ) Warum machen sie das? – Sie wollen, dass alte Feindschaften, dass alte Konflikte wieder hochkochen, denn nur dann können sie sich inszenieren.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Wir wollen historisches Unrecht wiedergutmachen, nicht mehr und nicht weniger!

GRÜNE Barbara Neßler

… Das, was sie brauchen, sind Hass, Konflikte und Ausgrenzung, und genau darum säen sie Hass, Konflikte und Ausgrenzung.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Nicht von sich selbst auf andere schließen!

GRÜNE Barbara Neßler

… Zum Thema Mehrsprachigkeit: Mehrsprachigkeit ist kein Problem, sie ist ein Schatz. Sie ist gelebte Realität in Südtirol, sie ist europäischer Alltag. Nur passt das leider auch nicht ins Weltbild der FPÖ. Darum bringt sie auch immer wieder Anträge ein, dass Schüler und Schülerinnen in der Schule – Achtung! – auf dem Pausenhof Standardsprache sprechen müssen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Deutsch sprechen! – Abg. Ranzmaier [FPÖ]: Das ist ja grundvernünftig in Sachen Integration, oder?

GRÜNE Barbara Neßler

… Und da frage ich dich wirklich, Kollege Steiner: Ist das dein Ernst? Möchtest du, dass die Schüler und Schülerinnen im Zillertal Hochdeutsch miteinander sprechen müssen? …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Da geht es um Integration, Frau Kollegin!

GRÜNE Barbara Neßler

… Das tun nicht einmal wir hier im Hohen Haus, inklusive mir. Und das ist auch gut so, denn der Dialekt ist Ausdruck gelebter Vielfalt, Identität und gehört zu uns. Ich glaube, das ist auch gut so. – Herr Kollege Steiner, ich glaube nicht, dass das Hochdeutsch ist, was Sie hier vorne immer sprechen. Euer Antrag schwächt die Autonomie Südtirols, er stärkt sie nicht, und das ist kein Zufall, denn die FPÖ hat kein Interesse an gelebter Autonomie. Sie will spalten, wo es Brücken braucht. Da sind wir sicher nicht dabei. Wir stehen für ein Europa, das verbindet. – Danke schön.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Sie sollten den Antrag einmal lesen!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Meinl-Reisinger. – Frau Bundesministerin, Sie haben das Wort.

ÖVP Jakob Grüner

Herr Präsident! Frau Außenministerin! Hohes Haus! Es wurde zur Autonomie schon sehr viel gesagt; ich erspare mir Wiederholungen, ich möchte aber einige Dinge zum Anliegen der FPÖ ergänzen. Die Schutzfunktion Österreichs ergibt sich bekanntlich – wir haben es schon gehört – aus dem Pariser Vertrag von 1946. Österreich nimmt diese Verantwortung seit jeher sehr ernst. Österreich ist sich dieser Verantwortung auch bewusst – die Frau Außenministerin war gerade in Rom, das ist bekannt. Klar ist auch, geschätzte Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ: Dieses Selbstbestimmungsrecht, von dem Sie immer sprechen, ist völkerrechtlich verankert. Das Selbstbestimmungsrecht ist das Selbstbestimmungsrecht des Volkes, des Südtiroler Volkes, das Selbstbestimmungsrecht ist nicht das Selbstbestimmungsrecht der FPÖ in Vertretung Südtirols, es ist auch nicht das Recht der ÖVP, der NEOS, der Grünen oder der SPÖ. Das Selbstbestimmungsrecht betrifft die Südtiroler selbst.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Herr Kollege, Sie scheinen meine Rede nicht verstanden zu haben!

ÖVP Jakob Grüner

… Ich lese auch sehr aufmerksam das, was Sie publizieren, und deswegen repliziere ich auch darauf. Die Schutzfunktion Österreichs heißt, für Südtirol da zu sein und bereit zu sein, wenn Südtirol das braucht und wenn Südtirol das will – und das tun wir auch. Zu Ihrer Kritik möchte ich Ihnen zuerst auch etwas Positives sagen. Sie werden es mir nicht glauben und Sie fühlen sich gerade durch mich provoziert, aber man kann mir nicht absprechen, dass auch mein Herz für das historische Tirol schlägt. Ich habe sehr viel mit Südtirol zu tun, bin auch sehr viel unten, unsere Standpunkte sind jedoch völlig unterschiedlich. Sie tun immer so, als wären Sie die Einzigen, die sich für Südtirol interessieren und sich für Südtirol einsetzen. Diesbezüglich möchte ich Ihnen ein paar Beispiele nennen, aktuelle Beispiele: Wo war Ihr Beitrag, als beispielsweise der Landeshauptmann von Südtirol – übrigens auf Einladung der NEOS – im März im Hohen Haus war? Kein einziger Tiroler FPÖ-Abgeordneter war da. Sie waren nicht da und Ihre beiden Kollegen waren auch nicht da.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

... ich bin im Kreißsaal gesessen bei der Geburt meiner Tochter! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

ÖVP Jakob Grüner

… Nein, aber Sie kritisieren ja uns, dass wir uns nicht mit der Thematik beschäftigen. Betreffend Autonomieverhandlungen sind die Standpunkte völlig unterschiedlich, das ist mir auch klar. Ich glaube nicht, dass Sie alles ablehnen. Sie sind mir in den letzten Jahren auch nicht besonders aufgefallen, wenn es um die Unterstützung der Südtiroler Landesregierung gegangen ist. Ein ganz großes Thema – das ist vielleicht nicht ganz so bekannt, in Südtirol aber auf der Titelseite –, für uns in Österreich ganz wichtig, ist die Anerkennung der Abschlüsse von FH-Studien österreichischer Studierender in Italien. Das ist ein riesengroßes Thema, das betrifft Hunderte bis Tausende Südtirolerinnen und Südtiroler in Südtirol, das betrifft unsere Landsleute, wenn sie nach Bozen studieren gehen. Da haben sich das Land Tirol, der Bund und das Außenministerium sehr verdient gemacht und jahrelang mit Italien verhandelt. Da waren Sie nirgendwo dabei. ( Heiterkeit des Abg. Ranzmaier [FPÖ]. ) Abschließend der Klassiker: Haben Sie mit Ihrem Parteifreund Salvini gesprochen, wenn es darum geht, dass Italien Österreich betreffend Transit vor dem EuGH klagt? Die Position Ihrer Parteifreunde in Tirol zur Transitthematik, bei der wir einen breiten Konsens haben, ist ja bekannt.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Interessen sind ...! So machen das Politiker!

ÖVP Jakob Grüner

… Ich möchte Ihnen nicht absprechen, dass Sie die Interessen Südtirols sehr unterstützen wollen und auch dahinterstehen – das macht auch, glaube ich, niemand –, aber ich hätte eine Bitte: dass Sie generell darauf verzichten, so zu tun, als wären Sie die Einzigen, die sich für Südtirol interessieren.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Da sollten Sie ...!

ÖVP Jakob Grüner

… Ein abschließendes Beispiel, weil Sie sagen, ich höre nicht zu und ich lese nicht: Ich habe das Ausschussprotokoll gelesen. Ich nenne jetzt keine Namen, aber es wurde auch heute wiederholt, wie wichtig die Standards sind, die wir im Rahmen der Streitbeilegung von 1992 geschaffen haben – wie wichtig diese Standards sind. Das Hohe Haus hat 1992 und in der Folge darüber abgestimmt und alle haben mitgestimmt, außer die FPÖ – das dazu. Meine Damen und Herren, ich möchte zusammenfassen: Südtirol ist kein Spielball für parteipolitische Inszenierung. Die Geschichte ist sehr ernst, die Geschichte ist traurig. Die Zukunft ist noch wichtiger, wir leben in einem vereinten Europa, Gott sei Dank! Wenn Sie spielen wollen, dann empfehle ich Ihnen Tischfußball. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Steiner . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Herr Kollege Grüner, nur zur Richtigstellung - - Wo ist er denn? Ah, da! – Herr Kollege Grüner, nur zur Richtigstellung: Natürlich wäre unser Südtirolsprecher anwesend gewesen, als der Herr Landeshauptmann von Südtirol in Wien war, aber er hatte ein anderes freudiges Ereignis: Er war gerade im Kreißsaal bei der Geburt seiner Tochter – dazu herzlichen Glückwunsch! Ich glaube, das darf man dann schon als Entschuldigung akzeptieren, Herr Kollege. Aber wenn wir jetzt schon immer hören, wie toll und wie super man sich für Südtirol einsetzt, wenn es dann um Taten geht - - …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Der letzte Tiroler war so angenehm!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich habe Sie jetzt nicht gehört, Herr Kollege. – Wenn es dann um Taten geht, wäre es ganz einfach. Jetzt haben wir uns hier herinnen nach der Nationalratswahl konstituiert, und das ist schon einige Zeit her. Es gibt bis heute – bis heute! – keinen konstituierten Südtirolausschuss im Parlament. Jeder sagt, wie wichtig ihm das ist: Bis heute war Ihnen die Konstituierung des Südtirolausschusses nicht wichtig. Worum geht es dabei wahrscheinlich? – Weil die ÖVP nicht Platz eins hat und wahrscheinlich nicht das Vorrecht auf den Vorsitz hat, das wir hätten, und darum ist er bis heute - - (👏 FPÖ) Das ist heuchlerisch, liebe Kollegen von der ÖVP.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

He! He!

FPÖ Christoph Steiner

… Wenn sich das die Gründerväter der Zweiten Republik jetzt so anschauen müssten, würden sie sich wahrscheinlich im Grab umdrehen.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Bei deiner Rede auch!

FPÖ Christoph Steiner

… Es ist halt einmal eine Unrechtsgrenze und es ist dort halt einmal Unrecht passiert, Frau Kollegin Neßler. Das ist so! Und wenn man schon überall Unrechtsgrenzen kritisiert und daraus eine ganze Show macht ( Ruf bei der ÖVP: Show?! ), auch bei der Ukrainegeschichte, aber dann bei der Unrechtsgrenze in Tirol alles wurscht ist – und das Wort Unrechtsgrenze ist von niemandem von euch gefallen –, bleibt es deswegen trotzdem eine Unrechtsgrenze. (👏 FPÖ) Der Dreier-Landtag ist erwähnt worden. Gestern hat Kollege Ranzmaier einen Antrag, einen Leitantrag aus dem Dreier-Landtag hier ins Plenum gebracht. In schönen Worten redet ihr immer davon, wie wunderbar der Dreier-Landtag ist – ich weiß schon, da gibt es gute Buffets und so –, aber dann hier herinnen dagegenzustimmen, das ist doch die Wahrheit dieser ÖVP, dieser Sozialisten und der NEOS sowieso. Man kann ja nicht andauernd Dinge hoch loben, weil es ein gutes Buffet gibt, weil man gerne hinfährt , und dann hier herinnen aber einfach gegen diese Beschlüsse, die der Dreier-Landtag fasst, stimmen. Das ist das wahre Gesicht der ÖVP – nicht nur in den Fragen, wenn es um Südtirol geht. (👏 FPÖ) Dann kann man schon über die Sinnhaftigkeit des Dreier-Landtages reden; darüber müssen wir uns vielleicht auch einmal unterhalten. Frau Meinl-Reisinger, weil Sie sagen, wir lehnen das Autonomiestatut jetzt ab: Das stimmt ja überhaupt nicht. Wir kritisieren es nur, auch aufgrund der Minderheitenrechte, die da drinnen zu wenig bedacht wurden. Das ist unsere Kritik. Wir lehnen es aber um Gottes willen nicht ab. (Bundesministerin Meinl-Reisinger : Dann unterstützen ...!) – Wir unterstützen es dann, wenn es unterstützenswert ist, aber derzeit ist es aus unserer Sicht für die Minderheit in Südtirol nicht unterstützenswert, ganz einfach, Frau Außenministerin. Ich hätte noch mehr zu sagen, aber ein paar Repliken muss ich jetzt ehrlich machen. Herr Kollege Oberhofer, ich weiß jetzt, warum der gesamte Tiroler Landtag monatlich auf Wallfahrt geht: weil du nicht mehr im Landtag und jetzt hier in Wien bist. Also der Tiroler Landtag geht gesamt wallfahren …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Macht der Bundesrat auch gerade!

FPÖ Christoph Steiner

… weil du jetzt in Wien bist. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ. ) Zu deinem Redebeitrag: echt unglaublich! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wir würden auch gerne wallfahren ...!

FPÖ Christoph Steiner

… Kollege Hechenberger hätte einfach ehrlich sein müssen, nicht hier heraußen eine Geschichtserzählung machen, wie das die ÖVP halt gerne macht, wenn sie nichts zu sagen hat. Dann hättest du dich hinstellen müssen, Herr Kollege Hechenberger, und hättest sagen müssen: Der ÖVP ist die Südtirolangelegenheit wurscht! – Das wäre zumindest ehrlich gewesen, ganz, ganz klar. (👏 FPÖ) Zur Frau Kollegin Neßler schon noch ein Wort …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Ein Wort!

FPÖ Christoph Steiner

… Wir wollen nur das Unrecht wiedergutmachen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was glaubst du eigentlich, wie froh der Bundesrat ist, dass du weg bist!

FPÖ Christoph Steiner

… Setzen Sie sich genauso dafür ein, das Unrecht wiedergutzumachen, wie Sie das überall auf der ganzen Welt machen! Setzen Sie sich auch dafür ein, dass das Unrecht und die Unrechtsgrenzgeschichte in Südtirol ein gutes Ende finden, auch für die Südtiroler! Eine erste Geschichte wäre gewesen, wenn Sie die vor Kurzem verstorbene Katakombenlehrerin doch noch bei ihrem letzten Wunsch – auch von Ihrer Seite, vom Herrn Bundespräsidenten aus – unterstützt hätten, denn Frau Hermine Orian hätte sich gewünscht, als Österreicherin und nicht als Italienerin zu sterben. Das hätte sie sich verdient und das haben Sie ihr verwehrt. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer . – Sie kennen die Bedingungen der tatsächlichen Berichtigung. Bitte, Herr Kollege.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher österreichischer Nationalrat! Herr Kollege Steiner hat in seiner Rede behauptet, dass sich der Südtirolausschuss bis jetzt nicht konstituiert hat. Ich berichtige deshalb tatsächlich: Das ist unrichtig. Es gibt den Unterausschuss des Außenpolitischen Ausschusses noch nicht.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Geh bitte, das ist ja ganz was anderes! Das ist ja keine tatsächliche Berichtigung! Herr Präsident!

NEOS Dominik Oberhofer

… Wenn man keine Ahnung von der Geschäftsordnung dieses Hauses hat, dann sollte man eventuell gar nicht ans Rednerpult kommen. – Danke.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist echt keine tatsächliche Berichtigung!

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist niemand mehr dazu gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. – Ich bitte um Aufmerksamkeit. Die Debatte ist geschlossen.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, meine sehr geehrten Damen und Herren, und ich ersuche um die entsprechende Aufmerksamkeit. Ich nehme die Abstimmung so vor, dass ich über jeden Ausschussantrag getrennt abstimmen lasse. RN/42.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: die dem Ausschussbericht 114 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Autonomiereform in Südtirol“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. ( 35/E ) RN/42.2 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Antrag des Außenpolitischen Ausschusses, seinen Bericht 115 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/42.3 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Antrag des Außenpolitischen Ausschusses, seinen Bericht 116 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler

116 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 226/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag abgelehnt, der die Bundesregierung zu Schritten für eine Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler auffordern sollte. Damit wird keine neue Möglichkeit geschaffen, zusätzlich zur italienischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft zu erwerben.

Betroffen wären Angehörige der deutschen und ladinischen Volksgruppe in Südtirol sowie die zuständigen österreichischen Behörden im Staatsbürgerschaftsrecht.

Ziel war, Südtirolern deutscher und ladinischer Muttersprache den Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft zusätzlich zur italienischen zu ermöglichen und damit Österreichs Schutzfunktion zu stärken.

Dokumente

Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag (226/A(E)) zur Ermöglichung einer Doppelstaatsbürgerschaft für Südtirolerinnen und Südtiroler.
  • Adressiert werden insbesondere Angehörige der Volksgruppen deutscher und ladinischer Muttersprache in Südtirol.

Historischer und völkerrechtlicher Hintergrund laut Antrag

  • Der Antrag stellt auf die historische Trennung Südtirols von Österreich ab und bezeichnet die Grenzziehung als „Unrechtsgrenze“.
  • Als Bezugspunkt wird Artikel 27 des Vertrags von Saint-Germain genannt, der Südtirol Italien zusprach und Südtirol sowie seine Bewohner aus Österreich „herausschnitt“.
  • Der Antrag argumentiert, die Frage, ob Südtirol Teil des italienischen Staates bleibt oder sich löst, solle dem Selbstbestimmungsrecht der Südtiroler obliegen.

Begründung: Zuständigkeit Österreichs und Schutzfunktion

  • Der Antrag betont die Souveränität der Republik Österreich in der Frage, wer österreichische Staatsbürger ist bzw. die Staatsbürgerschaft erwerben kann.
  • Gegenüber Südtirolerinnen und Südtirolern wird eine aktive Schutzfunktion Österreichs behauptet.
  • Als „bester Schutz“ wird die Vergabe der österreichischen Staatsbürgerschaft an Angehörige der deutschen und ladinischen Volksgruppe in Südtirol dargestellt.

Politische Vorarbeiten und bisherige Initiativen laut Antrag

  • Der Antrag verweist darauf, dass die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler 2017 als wesentlicher Bestandteil des Regierungsprogramms 2017–2022 verankert worden sei.
  • Zielsetzung im Regierungsprogramm: Im Geist der europäischen Integration und zur Förderung einer engeren Union der Bürgerinnen und Bürger der Mitgliedstaaten sollte Angehörigen der deutschen und ladinischen Volksgruppe in Südtirol, für die Österreich auf Grundlage des Pariser Vertrags und nachfolgender Praxis eine Schutzfunktion ausübe, die Möglichkeit eingeräumt werden, zusätzlich zur italienischen die österreichische Staatsbürgerschaft zu erwerben.
  • Der Antrag führt an, dass eine dafür eingesetzte Arbeitsgruppe einen entsprechenden Gesetzesentwurf fertiggestellt habe.
  • Zudem wird auf einen bereits mit Mehrheit angenommenen Entschließungsantrag des Nationalrates verwiesen, der enge bilaterale Gespräche zur Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler zum Gegenstand hatte (Entschließung vom 19. September 2019, 121/E).
  • Trotz dieser Vorarbeiten sei es Südtirolern bis zum Zeitpunkt des Antrags weiterhin verwehrt, die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Ziel und Intention des neuen Anlaufs

  • Mit dem vorliegenden Entschließungsantrag soll ein neuer Anlauf unternommen werden, um Südtirolerinnen und Südtirolern die Möglichkeit zu eröffnen, die österreichische Staatsbürgerschaft zusätzlich zur italienischen zu erwerben.
  • Der Antrag formuliert dies als „historische Möglichkeit“, von „Herzensösterreichern“ zu österreichischen Staatsbürgern zu werden.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltlich)

  • Der Ausschussbericht hält als Ergebnis fest, dass dem Nationalrat die Kenntnisnahme des Berichts empfohlen wird.

Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler

~26 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Christofer Ranzmaier

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätztes Mitglied der Bundesregierung, liebe Außenministerin! Geschätzte Zuseher auf der Galerie und vor den Bildschirmen zu Hause, insbesondere auch im südlichen Landesteil! Wenn wir heute im Nationalrat über Südtirol sprechen, dann stellt sich zu Beginn dieser Debatte vor allem eine Gretchenfrage, wie man an den medialen Debatten rund um die Südtirolautonomie bereits seit langer Zeit sieht, nämlich die Gretchenfrage: Wer ist eigentlich die Schutzmacht, und wen soll sie denn eigentlich schützen? Da gibt es hier im Haus wahrscheinlich mehrere Antworten, aber es gibt eine einzige, die richtig ist, und die ist: Österreich ist die Schutzmacht, nicht Italien und auch nicht der Südtiroler Landeshauptmann, sonst stünde das ja im Pariser Abkommen und wir würden das heute hier ganz sicher nicht diskutieren müssen, und zu schützen sind natürlich die deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler. – Punkt, aus, Ende. ( In Richtung Bundesministerin Meinl-Reisinger: ) Und da haben Sie Ihr Amt vielleicht wirklich falsch verstanden, wie Sie heute im Zuge der Fragestunde bereits angedeutet haben. Nur wenn man das verstanden hat, dann weiß man auch, wie man sich im Zuge dieser Autonomiereform in der Debatte hätte verhalten müssen: nicht technokratisch, nicht zurückhaltend, sondern mit Haltung, mit einem klaren Ziel, nämlich die Minderheitenrechte und damit die Identität unserer historischen Volksgruppe zu schützen. (👏 FPÖ) Es ging in dieser ganzen Debatte von Beginn an um die Zurückholung gestohlener Autonomierechte. Ich weiß ja nicht, wie die NEOS verhandeln – beziehungsweise weiß man es aufgrund der Regierungsverhandlungen ja schon –, vielleicht ist das wirklich Ihr Zugang, aber wenn ich mit dem Dieb verhandele, dass ich ihm für die Übergabe des Diebesguts noch mein Haus, mein Auto und mein Grundstück übergeben muss, dann ist das nicht der große Wurf, als der das Ganze dargestellt wird. Denn die Frage ist, was künftig von dieser Schutzfunktion übrig bleibt, wenn es zwar umfangreiche Kompetenzen gibt, die zu Schützenden aber durch identitätspolitische Eingriffe und aufgeweichte Ansprüche und insbesondere auch politische Gleichgültigkeit der eigenen Schutzmacht zunehmend marginalisiert werden. Wen will Österreich denn schützen, wenn es diese Minderheit am Ende des Tages nicht mehr gibt? Was macht aber die Bundesregierung in dieser Debatte? – In einer Anfragebeantwortung haben Sie, Frau Außenministerin, mir ganz klipp und klar gesagt, wie Sie zu Ihrer Expertise im Zuge dieser Beurteilung gekommen sind, nämlich: Sie haben den Südtirolern zugehört, dem Landeshauptmann – Sie haben sich von ihm erzählen lassen, was gut ist –, Sie haben den Römern zugehört – okay, passt, die haben auch gesagt, es ist gut –, und damit war die Sache vom Tisch. Es gab keine externe Expertise, keine eigene Beurteilung, kein kritisches Hinterfragen von all dem, was da auf dem Tisch liegt – und genau das sieht man am Ende des Tages auch am Ergebnis. (👏 FPÖ) Denn sowohl Rom als auch Kompatscher vertreten ja nicht die Schutzinteressen Österreichs. Die haben in dieser Debatte alle eigene Interessen, was ja politisch völlig legitim ist. Genau deswegen gibt es ja Österreich als Schutzmacht, die da eben einzuschreiten hätte. In Wahrheit geht es nämlich nicht um Jagdrecht oder Umweltverwaltung oder was sonst noch alles kompetenzrechtlich den Besitzer wechselt. Es geht um Proporz, es geht um Sprachgebrauch, es geht um demokratische Mitbestimmung und kulturelle Selbstbestimmung. Und genau bei diesen Punkten ist in dieser Autonomiereform leider vieles vergraben, das man vielleicht in einem geschickten Spiel mit dem Landeshauptmann und den Italienern noch hätte beseitigen können. So wie es jetzt ausschaut, herrscht daran aber kein Interesse. Mit einer aktiven Ausübung dieser Schutzmachtfunktion, nicht als simples Beiwagerl in Roms Pressetexten, hätten wir da noch vieles bewegen können. Genau das ist aber der Unterschied zwischen den beiden Anträgen, die heute hier im Plenum auf dem Tisch liegen. Das, was die Regierungsfraktionen gemeinsam mit den Grünen eingebracht haben, ist leider ein Weiter-wie-bisher; das heißt: Wir hören zu und, ja, im Prinzip interessiert es uns nicht! Auf der anderen Seite gibt es einen freiheitlichen Antrag, der ja gerade der ÖVP die Zustimmung sehr, sehr einfach gemacht hätte, denn wir haben nicht mehr und nicht weniger da hineingeschrieben als das, was uns Karl Nehammer damals in seiner Funktion als Bundeskanzler versprochen hat, nämlich eine Rückkehr zu den Autonomiestandards von 1992, von denen in diesem Konvolut, das auf dem Tisch liegt, ja weit und breit nichts zu sehen ist. Wir sehen auf jeden Fall: Das Interesse der Regierungsfraktionen ist derart enden wollend, dass man mittlerweile ja sogar den Südtirolausschuss vor die Tür des Parlaments setzt, was natürlich auch wieder die Südtirolfeinde in Italien, aber mit Sicherheit nicht die Südtiroler freut. Wir nehmen das einmal zur Kenntnis und werden schauen, wie sich die Debatte weiterentwickelt. Genau deswegen ergibt sich daraus aber unser zweiter Antrag, der in dieser Debatte auf dem Tisch liegt, nämlich betreffend Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler. Sie werden mir jetzt in der Debatte erklären: Es gibt da zu wenig Bedarf, das will ja in Südtirol niemand! – Ich war, seitdem ich Südtirolsprecher unserer Fraktion bin, x-mal in Südtirol, und ich spreche dort mit den Menschen. Alleine ich könnte euch jetzt hier eine Liste von Menschen vorlegen, die Interesse an einer derartigen Doppelstaatsbürgerschaft hätten, einfach aus diesem Schutzinteresse heraus, und die ist wahrscheinlich länger als die Einbürgerungsliste aus gewissen Staaten aus aller Herren Länder, wo ihr regelmäßig Staatsbürgerschaften verscherbelt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Verscherbelt hat sie der Scheuch! ... das ist eine Kernkompetenz der FPÖ!

FPÖ Christofer Ranzmaier

… Genau deswegen liegt dieser Antrag auf dem Tisch, und ich hoffe auch, dass ihr irgendwann begreift, wie wichtig diese Doppelstaatsbürgerschaft ist. Denn, meine Damen und Herren, Südtirol ist augenscheinlich, so wie es aktuell ausschaut, in diesem Hohen Haus nur mehr der FPÖ ein ehrliches Herzensanliegen, und das tut mir als Tiroler wirklich im Herzen weh. Ihr liefert Sonntagsreden, wir liefern Mut und Haltung.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das war ja eine Finanzierungsquelle der Kärntner FPÖ! Eigentlich gar keine blöde Rede ...!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher österreichischer Nationalrat! Als ich hier herein gewählt worden bin, war einer meiner ersten Wege der in den Bundesversammlungssaal. Da gibt es den legendären Sitzplatz 103. Wahrscheinlich weiß Herr Kollege Ranzmaier, wer auf 103 gesessen ist, nämlich ein wirklicher europäischer Staatsmann: der junge De Gasperi. Alcide De Gasperi hat hier in Wien studiert und hat sich während seiner Studienzeit 1905 ganz massiv für eine italienische Fakultät der Rechtswissenschaften eingesetzt, entweder in Wien oder im Trentino, wo er hergekommen ist. Er war Abgeordneter, der jüngste Abgeordnete hier im österreichischen, im cisleithanischen Parlament, und später, nach dem Ersten Weltkrieg, ist er ohne Revanchegefühle und ohne Nationalismus zu einem großen europäischen Staatsmann geworden, Ministerpräsident Italiens, der am Endes des Tages auch die Autonomie und das Autonomiepaket Südtirols mit dem legendären Außenminister Gruber aus Tirol verhandelt hat und auf die Reise gebracht hat. (👏 ÖVP, NEOS) Genau dieser De Gasperi zeigt uns eines: Von dem, was De Gasperi dazumal erträumt hat, profitieren in Wirklichkeit wir heute in dieser Südtirolfrage, nämlich von der europäischen Staatsbürgerschaft. Ich meine, die Diskussionen, die von der FPÖ kommen – mittlerweile ja nicht mehr von der FPÖ in Südtirol, weil diese FPÖ ja Teil der Landesregierung ist, beziehungsweise will sie ja mit der österreichischen - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

In Südtirol gibt es keine FPÖ, du Dodel!

NEOS Dominik Oberhofer

… Es gibt die Freiheitlichen Südtirol …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber keine FPÖ!

NEOS Dominik Oberhofer

… die eine FPÖ-Teilorganisation waren. Du weißt es vielleicht nicht, Herr Steiner, aber im Parteistatut deiner Partei in Tirol steht, dass der Obmann der FPÖ in Südtirol …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Mit Sitz und Stimme im Parteivorstand!

NEOS Dominik Oberhofer

… der Freiheitlichen Südtirol, einen Sitz in eurem Parteivorstand hat.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Auch Stimmrecht! Auch Stimmrecht hat er!

NEOS Dominik Oberhofer

… Das willst du nicht mehr wissen und nicht zur Kenntnis nehmen, aber diese Diskussion, die ihr die ganze Zeit vorantreibt, ist ja nichts anderes als die, die ihr in Kärnten gehabt habt mit den zweisprachigen Ortsschildern.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ortstafeln! – Abg. Ragger [FPÖ]: Was hat das damit zu tun jetzt?

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich möchte den ehemaligen Landeshauptmann von Kärnten zitieren: Es ist ein Kampf um das Deutschtum, ein Kampf um jedes Dorf, ein Kampf um jede Tafel. – Zitatende. Das ist das, was ihr hier heraußen haben wollt.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Dominik Oberhofer

… Und am Ende des Tages: Hätte es nicht BZÖ-Landeshauptmann Dörfler und Staatssekretär Ostermayer von der SPÖ gegeben, dann hätten wir wahrscheinlich in den letzten 15 Jahren die gleichen Diskussionen hier gehabt. Euch geht es am Ende des Tages nicht um Südtirol. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Euch geht es am Ende des Tages nicht um etwas, das einzigartig in Europa ist …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Eine Unrechtsgrenze!

NEOS Dominik Oberhofer

… nämlich diese Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Fahrt einmal nach Brüssel und schaut es euch an: Da werdet ihr sehen, dass Wien eine eigene Vertretung hat, da werdet ihr sehen, dass Oberösterreich, das Burgenland, Vorarlberg, Salzburg, jedes Bundesland dort in Brüssel eine eigene Vertretung hat.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Könnte man alles einsparen! – Heiterkeit des Abg. Steiner [FPÖ].

NEOS Dominik Oberhofer

… Das ist wahrscheinlich auch richtig und wichtig, aber wir Tirolerinnen und Tiroler, wir haben eine gemeinsame Vertretung, nämlich aus Südtirol, Trentino und Nordtirol. Warum? – Weil wir ein Leuchtturmprojekt in diesem Europa sind, nämlich ein Leuchtturmprojekt für ein Europa der Regionen. Eure Spalterei hat überhaupt nichts mit diesem Autonomiepaket zu tun. Dieses Autonomiepaket sichert nämlich eines, und das hat damit zu tun, was in den letzten 20 Jahren passiert ist: Bei jeder Staatsreform in Italien wurde die Autonomie beschnitten, auch teilweise mit euren Freunden; mit der Lega Nord in der Regierung ist man hergegangen und hat die Rechte der Südtirolerinnen und Südtiroler beschnitten. Frau Außenministerin Kneissl hat gerade einmal eine einzige Presseaussendung im Dezember 2018 zusammengebracht, als es in Italien darum gegangen ist, die Anzahl der Abgeordneten im Senat zu beschneiden und es im Senat nicht mehr drei, sondern nur mehr zwei Abgeordnete aus Südtirol gegeben hat. Das war eure Schutzmacht gegenüber Südtirol: eine Presseaussendung der Frau Außenministerin, und sonst kein Wort dazu! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Schwachsinn, Herr Kollege!

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich bin ja kein Parteigänger des Herrn Kompatscher, ganz im Gegenteil, unsere Freunde sind die zweitgrößte Partei im Südtiroler Landtag, das Team K, eine liberale Mitgliedsorganisation der ALDE und der Renew auf europäischer Ebene – das sind meine Freunde –, aber ich kann sehr wohl anerkennen, dass das, was Herr Landeshauptmann Kompatscher und Frau Ministerpräsidentin Meloni – die gehört ja überhaupt nicht zu mir und zu unserer Parteienfamilie – in Italien zusammengebracht haben: am Ende des Tages genau diese Einschnitte in die Autonomie der letzten 20 Jahre repariert und das abgesichert, und zwar verfassungstechnisch so abgesichert, dass es in Zukunft eine Zweidrittelmehrheit brauchen wird, um diese Errungenschaften wieder rückgängig zu machen. Die wird es in Italien so in dieser Form nie wieder geben. Das ist ein großer Wurf! – Danke für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Wendelin Mölzer zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bedingungen. Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Wendelin Mölzer

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Abgeordneter Oberhofer von den NEOS hat behauptet, dass Herr Landeshauptmann Gerhard Dörfler in seiner Zeit als Landeshauptmann dem BZÖ angehört hat. – Das ist nicht richtig. Er war der Freiheitlichen Partei Kärntens oder den Freiheitlichen Kärntens angehörig. Somit hat ein freiheitlicher Landeshauptmann die Ortstafellösung in Kärnten herbeigeführt. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Josef Hechenberger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Josef Hechenberger

Geschätzter Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher hier und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Wir sind froh, dass wir heute ausführlich dieses Thema Südtirol diskutieren können. An und für sich war es jetzt auch so, dass meine Vorredner sehr viel dazu gesagt haben, aber ich glaube, dass es bis dato gar nicht für jeden zu verstehen war, worum es genau geht. Es geht darum, dass man mit dem Vertrag von Paris im Jahr 1946 die Minderheiten der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler entsprechend schützen wollte. 1972 ist nach langen, zähen Verhandlungen das Zweite Autonomiestatut in Kraft getreten, bis zur Umsetzung dauerte es letztendlich bis 1992. 2001 hat es eine Verfassungsreform in Italien gegeben, die dann mehr oder weniger der Anlass dafür war, Kompetenzen des Autonomievertrages zu beschneiden. Worum geht es jetzt wirklich? – Es geht jetzt faktisch darum, dass man seit geraumer Zeit an dieser Autonomiereform arbeitet. Es hat im April 2025 eine Einigung gegeben, und dieses Abkommen hat auch bereits den italienischen Ministerrat passiert. Wie geht das Ganze jetzt weiter? – Es geht darum, die Kompetenzen von 1992 wiederherzustellen beziehungsweise zu verbessern. Ich darf auch ein bissl auf das eingehen, was Kollege Ranzmaier gesagt hat. Faktum ist, dass Südtirol und das Trentino mehr oder weniger die Möglichkeiten, die Kompetenzen zurückbekommen, also wie im Ergebnis von 1992, und dass es sogar noch weiter geht, nämlich dass die Südtirolerinnen und Südtiroler zusätzliche Kompetenzen erhalten. Zukünftig soll unter anderem in den Bereichen Handel und Umweltschutz, Ökosystem- und Wildtiermanagement nicht mehr nationalstaatlich in Rom …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Hauptsächlich in Brüssel!

ÖVP Josef Hechenberger

… sondern regionalpolitisch in Bozen beziehungsweise im Trentino entschieden werden. Es wird immer wieder gesagt, es gebe eine große Ablehnung vonseiten Südtirols, Kollege Ranzmaier sagt, alle in Südtirol seien dagegen: Ich habe mir genau angeschaut, wie zum Beispiel das Abstimmungsverhältnis in Südtirol gewesen ist. Schauen wir uns das an, wie von jenen Abgeordneten …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Alle sagen, außer dem Aggressor, es ist wie eine Schutzmacht!

ÖVP Josef Hechenberger

… die durch den Wähler legitimiert das Mandat ausüben, wirklich abgestimmt wurde: Es ist so, dass von den 32 Abgeordneten 26 Abgeordnete das Abkommen unterstützt haben und es lediglich sechs Gegenstimmen für diese Autonomiereform gab. (👏 ÖVP) Wie geht das Ganze weiter? – Wir gehen davon aus, dass in den Jahren 2026/2027 die zwei Kammern in Italien dieses Autonomieabkommen hoffentlich verabschieden werden. Unsere Aufgabe ist es, denke ich, in der Schutzfunktion Österreichs weiterhin genau zu beurteilen, wie das Ganze funktioniert, und auch mit unseren politischen Parteien und Schwesterparteien entsprechend Druck auszuüben, dass dieses Autonomieabkommen umgesetzt wird. Was mir in diesem Zusammenhang noch viel wichtiger ist – ich habe jetzt sehr ausführlich darüber geredet, was alles drinnen steht –: Wir leben in Tirol; die Partnerschaft in der Europaregion Tirol ist sehr intensiv: mit Südtirol, mit dem Trentino und mit Tirol, zum Beispiel der Dreier-Landtag, zum Beispiel auch die Aktivitäten in Brüssel, wie von Kollegen Ranzmaier von der FPÖ zitiert. Was mich als jemanden, der aus dem Alpbachtal kommt, besonders stolz macht, ist, dass man das Forum Alpbach auch positiv gemeinsam weiterentwickelt – ich darf nur an den Ausbau des Forums erinnern. Es gibt da also immer wieder Aktivitäten, mit denen abseits der Grenzen versucht wird, diese Gemeinschaft, diese Region zu intensivieren und zu leben. Frau Bundesminister, wir werden weiterhin unserer Schutzfunktion nachkommen und auf alle Fälle sehr genau darauf schauen, dass letztendlich die Kompetenzen und die Möglichkeiten in die Regionen zurückkommen und so die Region gestärkt wird. – Herzlichen Dank.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Sags ganz ehrlich, es ist euch eigentlich wurscht!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Selma Yildirim . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Kollegin.

SPÖ Selma Yildirim

Danke sehr, Herr Präsident! Werte Frau Ministerin! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit Blick auf Südtirol können wir nicht oft genug betonen: Die Autonomie bei unserem Nachbarn ist eine große Erfolgsgeschichte. Sie ist ein internationales Vorzeigemodell für Minderheitenschutz und friedliche Konfliktbeilegung, und darauf sollten wir alle gemeinsam stolz sein. Nicht der Nationalismus bringt Frieden, sondern die Menschlichkeit, der Internationalismus und das Miteinanderreden. Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben selbstverständlich die Gespräche mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus dem Südtiroler Landtag sehr ernst genommen und sind uns auch unserer Schutzfunktion gegenüber unseren Südtiroler und auch Trentiner Freundinnen und Freunden sehr bewusst. Was wir beobachten und sehen, ist eine Verfassungsrechtsänderung vor etwas mehr als 20 Jahren im italienischen Parlament, die an und für sich die Gleichstellung aller Autonomieregionen in Italien, also durchaus hehre Überlegungen, zum Ziel hatte. Allerdings hat das Höchstgericht vor allem in den vergangenen zehn Jahren mit mehreren Entscheidungen eine Richtung eingeschlagen, die unsere Südtiroler Kolleginnen und Kollegen mit Sorge beobachtet haben. Die Sorge ist – es ist bereits angesprochen worden –, dass da gerade in der Gesetzgebung einige Einschränkungen passiert sind. Wir haben in engem Austausch auch mit dem Südtiroler Landeshauptmann eine Bitte aber auch wirklich respektiert, nämlich jene, nur dann zu agieren und nur dann ins Gespräch zu kommen, wenn sie uns ausdrücklich darum bitten. Er hat eines gesagt: Pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten. Und seine Bitte war, immer in Kooperation, gemeinsam mit den Beschlüssen im Südtiroler Landtag, diese Schritte der Gespräche und des Dialogs fortzuführen. Ich kann Ihnen in dieser Frage nur recht geben, Frau Ministerin, dass Sie, wenn Sie in Rom sind, die Gespräche führen und uns als österreichischem Parlament und insbesondere als Tiroler Abgeordneten, die natürlich in engerem Austausch mit Südtirolern sind, dann über diese Gespräche und über die Entwicklungen berichten. Dort, wo wir unterstützen können, unterstützen wir. Das Arbeitsgruppenergebnis, das dann im Südtiroler Landtag beschlossen wurde, regelt ja an und für sich, dass das Schutzniveau mit einer Klausel versehen wurde, dass bei der Gesetzgebung das Einvernehmensprinzip eingehalten wird. Beim Einvernehmensprinzip geht es mehr oder weniger darum, dass bei jeder Reform, die Südtirol speziell betreffen könnte …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Das ist wie das Blockaderecht unseres Bundesrates!

SPÖ Selma Yildirim

… bei Gesetzesänderungen und so weiter, das Einvernehmen mit der italienischen Regierung, gegeben sein muss. Und vergessen wir nicht: Weltweit schaut man auf Südtirol, weil es wirklich eine Erfolgsgeschichte ist. Diese Erfolgsgeschichte dürfen wir nicht mit nationalistischem Geplänkel konterkarieren, sondern leben wir dieses Vorzeige- und Erfolgsmodell gemeinsam weiter! – Ich danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Barbara Neßler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Ministerin! Meine Vorredner und Vorrednerinnen haben bereits einiges zum Autonomieantrag gesagt. Ich glaube, da muss ich nicht alles wiederholen, daher ein paar Gedanken zum Antrag der FPÖ betreffend Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler und Südtirolerinnen, der wenig überraschend ist und noch weniger sinnvoll. Was die FPÖ da vorschlägt, ist nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern es ist politisch brandgefährlicher Geschichtskitsch, den vor allem auch die Südtiroler und Südtirolerinnen nicht wollen. Wenn man sich das anschaut, dann tut die FPÖ hier wie so oft das, was gegen die Realität vor Ort ist. Es geht da nicht um Menschen, die eine familiäre Bindung zu Österreich haben und ohnehin schon die Doppelstaatsbürgerschaft beantragen können. Was die FPÖ will, ist etwas anderes, und zwar eine kollektive Staatsbürgerschaft basierend auf der Abstammung oder Sprachgruppe. Genau hier haben wir das Problem, denn: Wer soll entscheiden, wer ladinisch genug ist oder deutsch genug? Da müsste man in alten Taufbüchern nachblättern. Und: Was ist mit den Italienischsprachigen oder mit den Mehrsprachigen, die auch dazugehören, aber nicht ins Weltbild der FPÖ passen? …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Antragsprinzip!

GRÜNE Barbara Neßler

… Mit diesem Antrag stochert die FPÖ bewusst in alten Wunden …

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Sie sollten vielleicht einmal darüber nachdenken!

GRÜNE Barbara Neßler

… denn sie will spalten, wo über Jahrzehnte sensibles, oft mühsames, aber funktionierendes Zusammenleben gewachsen ist. (👏 SPÖ) Warum machen sie das? – Sie wollen, dass alte Feindschaften, dass alte Konflikte wieder hochkochen, denn nur dann können sie sich inszenieren.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Wir wollen historisches Unrecht wiedergutmachen, nicht mehr und nicht weniger!

GRÜNE Barbara Neßler

… Das, was sie brauchen, sind Hass, Konflikte und Ausgrenzung, und genau darum säen sie Hass, Konflikte und Ausgrenzung.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Nicht von sich selbst auf andere schließen!

GRÜNE Barbara Neßler

… Zum Thema Mehrsprachigkeit: Mehrsprachigkeit ist kein Problem, sie ist ein Schatz. Sie ist gelebte Realität in Südtirol, sie ist europäischer Alltag. Nur passt das leider auch nicht ins Weltbild der FPÖ. Darum bringt sie auch immer wieder Anträge ein, dass Schüler und Schülerinnen in der Schule – Achtung! – auf dem Pausenhof Standardsprache sprechen müssen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Deutsch sprechen! – Abg. Ranzmaier [FPÖ]: Das ist ja grundvernünftig in Sachen Integration, oder?

GRÜNE Barbara Neßler

… Und da frage ich dich wirklich, Kollege Steiner: Ist das dein Ernst? Möchtest du, dass die Schüler und Schülerinnen im Zillertal Hochdeutsch miteinander sprechen müssen? …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Da geht es um Integration, Frau Kollegin!

GRÜNE Barbara Neßler

… Das tun nicht einmal wir hier im Hohen Haus, inklusive mir. Und das ist auch gut so, denn der Dialekt ist Ausdruck gelebter Vielfalt, Identität und gehört zu uns. Ich glaube, das ist auch gut so. – Herr Kollege Steiner, ich glaube nicht, dass das Hochdeutsch ist, was Sie hier vorne immer sprechen. Euer Antrag schwächt die Autonomie Südtirols, er stärkt sie nicht, und das ist kein Zufall, denn die FPÖ hat kein Interesse an gelebter Autonomie. Sie will spalten, wo es Brücken braucht. Da sind wir sicher nicht dabei. Wir stehen für ein Europa, das verbindet. – Danke schön.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Sie sollten den Antrag einmal lesen!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Meinl-Reisinger. – Frau Bundesministerin, Sie haben das Wort.

ÖVP Jakob Grüner

Herr Präsident! Frau Außenministerin! Hohes Haus! Es wurde zur Autonomie schon sehr viel gesagt; ich erspare mir Wiederholungen, ich möchte aber einige Dinge zum Anliegen der FPÖ ergänzen. Die Schutzfunktion Österreichs ergibt sich bekanntlich – wir haben es schon gehört – aus dem Pariser Vertrag von 1946. Österreich nimmt diese Verantwortung seit jeher sehr ernst. Österreich ist sich dieser Verantwortung auch bewusst – die Frau Außenministerin war gerade in Rom, das ist bekannt. Klar ist auch, geschätzte Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ: Dieses Selbstbestimmungsrecht, von dem Sie immer sprechen, ist völkerrechtlich verankert. Das Selbstbestimmungsrecht ist das Selbstbestimmungsrecht des Volkes, des Südtiroler Volkes, das Selbstbestimmungsrecht ist nicht das Selbstbestimmungsrecht der FPÖ in Vertretung Südtirols, es ist auch nicht das Recht der ÖVP, der NEOS, der Grünen oder der SPÖ. Das Selbstbestimmungsrecht betrifft die Südtiroler selbst.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Herr Kollege, Sie scheinen meine Rede nicht verstanden zu haben!

ÖVP Jakob Grüner

… Ich lese auch sehr aufmerksam das, was Sie publizieren, und deswegen repliziere ich auch darauf. Die Schutzfunktion Österreichs heißt, für Südtirol da zu sein und bereit zu sein, wenn Südtirol das braucht und wenn Südtirol das will – und das tun wir auch. Zu Ihrer Kritik möchte ich Ihnen zuerst auch etwas Positives sagen. Sie werden es mir nicht glauben und Sie fühlen sich gerade durch mich provoziert, aber man kann mir nicht absprechen, dass auch mein Herz für das historische Tirol schlägt. Ich habe sehr viel mit Südtirol zu tun, bin auch sehr viel unten, unsere Standpunkte sind jedoch völlig unterschiedlich. Sie tun immer so, als wären Sie die Einzigen, die sich für Südtirol interessieren und sich für Südtirol einsetzen. Diesbezüglich möchte ich Ihnen ein paar Beispiele nennen, aktuelle Beispiele: Wo war Ihr Beitrag, als beispielsweise der Landeshauptmann von Südtirol – übrigens auf Einladung der NEOS – im März im Hohen Haus war? Kein einziger Tiroler FPÖ-Abgeordneter war da. Sie waren nicht da und Ihre beiden Kollegen waren auch nicht da.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

... ich bin im Kreißsaal gesessen bei der Geburt meiner Tochter! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

ÖVP Jakob Grüner

… Nein, aber Sie kritisieren ja uns, dass wir uns nicht mit der Thematik beschäftigen. Betreffend Autonomieverhandlungen sind die Standpunkte völlig unterschiedlich, das ist mir auch klar. Ich glaube nicht, dass Sie alles ablehnen. Sie sind mir in den letzten Jahren auch nicht besonders aufgefallen, wenn es um die Unterstützung der Südtiroler Landesregierung gegangen ist. Ein ganz großes Thema – das ist vielleicht nicht ganz so bekannt, in Südtirol aber auf der Titelseite –, für uns in Österreich ganz wichtig, ist die Anerkennung der Abschlüsse von FH-Studien österreichischer Studierender in Italien. Das ist ein riesengroßes Thema, das betrifft Hunderte bis Tausende Südtirolerinnen und Südtiroler in Südtirol, das betrifft unsere Landsleute, wenn sie nach Bozen studieren gehen. Da haben sich das Land Tirol, der Bund und das Außenministerium sehr verdient gemacht und jahrelang mit Italien verhandelt. Da waren Sie nirgendwo dabei. ( Heiterkeit des Abg. Ranzmaier [FPÖ]. ) Abschließend der Klassiker: Haben Sie mit Ihrem Parteifreund Salvini gesprochen, wenn es darum geht, dass Italien Österreich betreffend Transit vor dem EuGH klagt? Die Position Ihrer Parteifreunde in Tirol zur Transitthematik, bei der wir einen breiten Konsens haben, ist ja bekannt.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Interessen sind ...! So machen das Politiker!

ÖVP Jakob Grüner

… Ich möchte Ihnen nicht absprechen, dass Sie die Interessen Südtirols sehr unterstützen wollen und auch dahinterstehen – das macht auch, glaube ich, niemand –, aber ich hätte eine Bitte: dass Sie generell darauf verzichten, so zu tun, als wären Sie die Einzigen, die sich für Südtirol interessieren.

FPÖ Ranzmaier (Zwischenruf)

Da sollten Sie ...!

ÖVP Jakob Grüner

… Ein abschließendes Beispiel, weil Sie sagen, ich höre nicht zu und ich lese nicht: Ich habe das Ausschussprotokoll gelesen. Ich nenne jetzt keine Namen, aber es wurde auch heute wiederholt, wie wichtig die Standards sind, die wir im Rahmen der Streitbeilegung von 1992 geschaffen haben – wie wichtig diese Standards sind. Das Hohe Haus hat 1992 und in der Folge darüber abgestimmt und alle haben mitgestimmt, außer die FPÖ – das dazu. Meine Damen und Herren, ich möchte zusammenfassen: Südtirol ist kein Spielball für parteipolitische Inszenierung. Die Geschichte ist sehr ernst, die Geschichte ist traurig. Die Zukunft ist noch wichtiger, wir leben in einem vereinten Europa, Gott sei Dank! Wenn Sie spielen wollen, dann empfehle ich Ihnen Tischfußball. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Steiner . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Herr Kollege Grüner, nur zur Richtigstellung - - Wo ist er denn? Ah, da! – Herr Kollege Grüner, nur zur Richtigstellung: Natürlich wäre unser Südtirolsprecher anwesend gewesen, als der Herr Landeshauptmann von Südtirol in Wien war, aber er hatte ein anderes freudiges Ereignis: Er war gerade im Kreißsaal bei der Geburt seiner Tochter – dazu herzlichen Glückwunsch! Ich glaube, das darf man dann schon als Entschuldigung akzeptieren, Herr Kollege. Aber wenn wir jetzt schon immer hören, wie toll und wie super man sich für Südtirol einsetzt, wenn es dann um Taten geht - - …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Der letzte Tiroler war so angenehm!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich habe Sie jetzt nicht gehört, Herr Kollege. – Wenn es dann um Taten geht, wäre es ganz einfach. Jetzt haben wir uns hier herinnen nach der Nationalratswahl konstituiert, und das ist schon einige Zeit her. Es gibt bis heute – bis heute! – keinen konstituierten Südtirolausschuss im Parlament. Jeder sagt, wie wichtig ihm das ist: Bis heute war Ihnen die Konstituierung des Südtirolausschusses nicht wichtig. Worum geht es dabei wahrscheinlich? – Weil die ÖVP nicht Platz eins hat und wahrscheinlich nicht das Vorrecht auf den Vorsitz hat, das wir hätten, und darum ist er bis heute - - (👏 FPÖ) Das ist heuchlerisch, liebe Kollegen von der ÖVP.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

He! He!

FPÖ Christoph Steiner

… Wenn sich das die Gründerväter der Zweiten Republik jetzt so anschauen müssten, würden sie sich wahrscheinlich im Grab umdrehen.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Bei deiner Rede auch!

FPÖ Christoph Steiner

… Es ist halt einmal eine Unrechtsgrenze und es ist dort halt einmal Unrecht passiert, Frau Kollegin Neßler. Das ist so! Und wenn man schon überall Unrechtsgrenzen kritisiert und daraus eine ganze Show macht ( Ruf bei der ÖVP: Show?! ), auch bei der Ukrainegeschichte, aber dann bei der Unrechtsgrenze in Tirol alles wurscht ist – und das Wort Unrechtsgrenze ist von niemandem von euch gefallen –, bleibt es deswegen trotzdem eine Unrechtsgrenze. (👏 FPÖ) Der Dreier-Landtag ist erwähnt worden. Gestern hat Kollege Ranzmaier einen Antrag, einen Leitantrag aus dem Dreier-Landtag hier ins Plenum gebracht. In schönen Worten redet ihr immer davon, wie wunderbar der Dreier-Landtag ist – ich weiß schon, da gibt es gute Buffets und so –, aber dann hier herinnen dagegenzustimmen, das ist doch die Wahrheit dieser ÖVP, dieser Sozialisten und der NEOS sowieso. Man kann ja nicht andauernd Dinge hoch loben, weil es ein gutes Buffet gibt, weil man gerne hinfährt , und dann hier herinnen aber einfach gegen diese Beschlüsse, die der Dreier-Landtag fasst, stimmen. Das ist das wahre Gesicht der ÖVP – nicht nur in den Fragen, wenn es um Südtirol geht. (👏 FPÖ) Dann kann man schon über die Sinnhaftigkeit des Dreier-Landtages reden; darüber müssen wir uns vielleicht auch einmal unterhalten. Frau Meinl-Reisinger, weil Sie sagen, wir lehnen das Autonomiestatut jetzt ab: Das stimmt ja überhaupt nicht. Wir kritisieren es nur, auch aufgrund der Minderheitenrechte, die da drinnen zu wenig bedacht wurden. Das ist unsere Kritik. Wir lehnen es aber um Gottes willen nicht ab. (Bundesministerin Meinl-Reisinger : Dann unterstützen ...!) – Wir unterstützen es dann, wenn es unterstützenswert ist, aber derzeit ist es aus unserer Sicht für die Minderheit in Südtirol nicht unterstützenswert, ganz einfach, Frau Außenministerin. Ich hätte noch mehr zu sagen, aber ein paar Repliken muss ich jetzt ehrlich machen. Herr Kollege Oberhofer, ich weiß jetzt, warum der gesamte Tiroler Landtag monatlich auf Wallfahrt geht: weil du nicht mehr im Landtag und jetzt hier in Wien bist. Also der Tiroler Landtag geht gesamt wallfahren …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Macht der Bundesrat auch gerade!

FPÖ Christoph Steiner

… weil du jetzt in Wien bist. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ. ) Zu deinem Redebeitrag: echt unglaublich! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wir würden auch gerne wallfahren ...!

FPÖ Christoph Steiner

… Kollege Hechenberger hätte einfach ehrlich sein müssen, nicht hier heraußen eine Geschichtserzählung machen, wie das die ÖVP halt gerne macht, wenn sie nichts zu sagen hat. Dann hättest du dich hinstellen müssen, Herr Kollege Hechenberger, und hättest sagen müssen: Der ÖVP ist die Südtirolangelegenheit wurscht! – Das wäre zumindest ehrlich gewesen, ganz, ganz klar. (👏 FPÖ) Zur Frau Kollegin Neßler schon noch ein Wort …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Ein Wort!

FPÖ Christoph Steiner

… Wir wollen nur das Unrecht wiedergutmachen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was glaubst du eigentlich, wie froh der Bundesrat ist, dass du weg bist!

FPÖ Christoph Steiner

… Setzen Sie sich genauso dafür ein, das Unrecht wiedergutzumachen, wie Sie das überall auf der ganzen Welt machen! Setzen Sie sich auch dafür ein, dass das Unrecht und die Unrechtsgrenzgeschichte in Südtirol ein gutes Ende finden, auch für die Südtiroler! Eine erste Geschichte wäre gewesen, wenn Sie die vor Kurzem verstorbene Katakombenlehrerin doch noch bei ihrem letzten Wunsch – auch von Ihrer Seite, vom Herrn Bundespräsidenten aus – unterstützt hätten, denn Frau Hermine Orian hätte sich gewünscht, als Österreicherin und nicht als Italienerin zu sterben. Das hätte sie sich verdient und das haben Sie ihr verwehrt. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer . – Sie kennen die Bedingungen der tatsächlichen Berichtigung. Bitte, Herr Kollege.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher österreichischer Nationalrat! Herr Kollege Steiner hat in seiner Rede behauptet, dass sich der Südtirolausschuss bis jetzt nicht konstituiert hat. Ich berichtige deshalb tatsächlich: Das ist unrichtig. Es gibt den Unterausschuss des Außenpolitischen Ausschusses noch nicht.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Geh bitte, das ist ja ganz was anderes! Das ist ja keine tatsächliche Berichtigung! Herr Präsident!

NEOS Dominik Oberhofer

… Wenn man keine Ahnung von der Geschäftsordnung dieses Hauses hat, dann sollte man eventuell gar nicht ans Rednerpult kommen. – Danke.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist echt keine tatsächliche Berichtigung!

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist niemand mehr dazu gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. – Ich bitte um Aufmerksamkeit. Die Debatte ist geschlossen.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, meine sehr geehrten Damen und Herren, und ich ersuche um die entsprechende Aufmerksamkeit. Ich nehme die Abstimmung so vor, dass ich über jeden Ausschussantrag getrennt abstimmen lasse. RN/42.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: die dem Ausschussbericht 114 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Autonomiereform in Südtirol“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. ( 35/E ) RN/42.2 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Antrag des Außenpolitischen Ausschusses, seinen Bericht 115 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/42.3 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Antrag des Außenpolitischen Ausschusses, seinen Bericht 116 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

humanitäre Hilfsleistungen nach Gaza

117 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOSGRÜNE · Entschließungsantrag 320/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt eine Entschließung an, die die Bundesregierung auffordert, sich für ungehinderten humanitären Zugang und ausreichende Hilfslieferungen in den Gazastreifen in Zusammenarbeit mit UNO und Hilfsorganisationen einzusetzen. Zugleich soll Österreich auf eine Rückkehr zu einem Waffenstillstand sowie auf Schritte zu einem nachhaltigen Frieden auf Basis der Zweistaatenlösung drängen und die Freilassung der von der Hamas festgehaltenen Geiseln einfordern.

Betroffen sind die österreichische Außenpolitik bzw. die Bundesregierung (insbesondere das Außenministerium) sowie die Zivilbevölkerung im Gazastreifen und die humanitäre Versorgungslage vor Ort.

Dokumente

humanitäre Hilfsleistungen nach Gaza

Ausgangslage und Begründung des Entschließungsantrags

  • Seit 2. März 2025 blockiert Israel die Versorgung des Gazastreifens mit Lebensmitteln, Benzin und anderen lebenswichtigen Gütern.
  • Am 18. März 2025 endete die zwischen Israel und Hamas vereinbarte Waffenruhe; Israel nahm Angriffe auf den Gazastreifen wieder auf.
  • Hilfslieferungen wurden zuletzt wieder zugelassen, decken nach Einschätzung von Hilfsorganisationen und der UNO den Bedarf jedoch bei weitem nicht ab.

Einordnung des Konfliktauslösers und Position zur Hamas

  • Als Auslöser des israelischen Angriffs wird der Terrorangriff der Hamas auf Israel mit mehr als 1.200 Toten und Geiselnahmen genannt.
  • Diese Verbrechen werden als in keiner Weise zu rechtfertigen bezeichnet.
  • Der Terror der Hamas müsse enden; die Hamas dürfe in Zukunft keine Macht mehr in Gaza haben.
  • Die noch verbliebenen von der Hamas festgehaltenen Geiseln müssten freigelassen werden.

Position zu Israels Rechten und völkerrechtlichen Pflichten

  • Israel wird das Recht zugestanden, die verbleibenden Geiseln zu befreien und sich gegen Terror zu verteidigen, jedoch unter strikter Einhaltung des Völkerrechts.
  • Als Ziel wird genannt, Israels Sicherheit und jene der israelischen Bevölkerung zu gewährleisten.
  • Gleichzeitig wird betont, dass Israel eine humanitäre Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung im Gazastreifen habe.
  • Humanitäre Hilfsgüter müssten wieder ungehindert nach Gaza zur Versorgung der Bevölkerung gelassen werden.
  • Die palästinensische Zivilbevölkerung dürfe nicht den Preis für den Terror der Hamas bezahlen.

Humanitäre Lage im Gazastreifen

  • UNO, Amnesty International und verschiedene Hilfsorganisationen sprechen von einer unerträglichen humanitären Krise.
  • Es fehle an Lebensmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und Dingen des täglichen Bedarfs.
  • Der Beginn einer neuen Militäroffensive in Gaza werde den humanitären Notstand der Bevölkerung weiter verschärfen.

Internationale und europäische Bezugnahmen

  • Mehrere Fraktionsvorsitzende des Europäischen Parlaments forderten am 11. Mai 2025 in einer gemeinsamen Erklärung Israel auf, umgehend wieder Hilfsgüter in den Gazastreifen zu lassen.
  • Israel solle in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und humanitären Organisationen unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen ungehinderten Zugang zu lebenswichtiger humanitärer Hilfe sicherzustellen.

Politische Zielsetzungen: Waffenstillstand, Frieden und Zweistaatenlösung

  • Es wird eine Rückkehr zu einem dringend notwendigen Waffenstillstand gefordert.
  • Als weiterer Schritt wird ein nachhaltiger und dauerhafter Frieden auf Basis der Zweistaatenlösung genannt.
  • Auch wenn dieses Ziel derzeit weit entfernt liege, wird die Zweistaatenlösung als beste Chance zur Bekämpfung von Extremismus und für langfristige Sicherheit im Nahen Osten bezeichnet.
  • Grausamkeiten, die auch nur im Ansatz jenen des furchtbaren und barbarischen Übergriffs am 7. Oktober 2023 ähneln, müssten mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verhindert werden.

Bezug zur österreichischen Außenpolitik

  • Das aktuelle Regierungsübereinkommen zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS halte fest, dass Menschenrechte und internationales Recht im Zentrum der österreichischen Außenpolitik stehen.
  • Vor dem Hintergrund des österreichischen Engagements für das humanitäre Völkerrecht und den Schutz von Zivilistinnen und Zivilisten in Kriegen wird der Entschließungsantrag begründet.

Wesentliche Änderungen im Ausschuss

  • Aufgrund rezenter Entwicklungen vor Ort wurde der Antrag im Ausschuss aktualisiert (gesamtändernder Abänderungsantrag).

humanitäre Hilfsleistungen nach Gaza

~24 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Herr Bundesminister! Ja, auch liebe Aktivistinnen und Aktivisten auf der Galerie! Falls noch mehr Aktivistinnen und Aktivisten oben auf der Galerie sind – geben Sie mir ein paar Minuten und hören Sie mir zu, vielleicht spreche ich auch in Ihrem Sinne! Die humanitäre Krise in Gaza ist dramatisch, das steht außer Zweifel. Hunderttausende Menschen kämpfen täglich ums Überleben, und das, was wir in den letzten Wochen erlebt haben, sehr geehrte Damen und Herren, ist nicht nur eine humanitäre Tragödie, es ist auch ein politisches Versagen internationaler Akteure. Da spreche ich auch ganz bewusst von der Rolle der angeblichen NGO Gaza Humanitarian Foundation. Das ist eine privat organisierte, aber politisch hoch sensible Initiative mit Sitz in der Schweiz. Ihr derzeitiger Chef ist der Trump nahestehende evangelikale Geschäftsmann Johnnie Moore Jr. Offiziell soll die Gaza Humanitarian Foundation humanitäre Hilfe für den Gazastreifen organisieren, in Wirklichkeit ersetzt sie aber nach und nach multilaterale Akteure wie zum Beispiel das Internationale Rote Kreuz. Dadurch entsteht auch ein System, in dem Hilfe strategisch instrumentalisiert wird. Die Gaza Humanitarian Foundation gibt vor, Lebensmittelhilfe zu leisten, produziert aber dabei vor allem eines: Chaos, Intransparenz und politische Inszenierung. Humanitäre Hilfe darf nie zum Spielball geopolitischer Interessen werden, aber genau das passiert hier. Mit PR-wirksamen Einzelaktionen abseits etablierter Strukturen hat diese Organisation nicht nachhaltige Hilfe geleistet, sondern eben bestehende humanitäre Korridore auch gefährdet. Sie hat Misstrauen zwischen den Akteuren vertieft, sie hat internationale Koordination unterlaufen und letztlich auch das Leben von Helferinnen und Helfern aufs Spiel gesetzt. Die tragischen Folgen: Über 400 Menschen sind gestorben, ermordet worden – beim Versuch, Lebensmittel zu erhalten. Wir wissen, wenn man humanitäre Hilfe leistet, wenn man Lebensmittel verteilt, dann ist es wichtig, dass man nicht wenige große Verteilzentren hat, sondern sehr dezentral arbeitet. Die Hilfe muss immer zu den Menschen kommen, nicht die Menschen – vor allem oft unter gefährlichen Umständen – zur Hilfe. Das heißt, das, was hier gemacht worden ist, ist gefährlich. Gott sei Dank hat Israel nun eingelenkt, es wird mehr Verteilzentren geben. Die Sicherheit für die Menschen wird dadurch auch erhöht. Unter anderem sollen mehr Lastwägen mit Hilfsgütern in die Gebiete kommen und auch Grenzübergänge an bestimmten Routen geöffnet werden. Es kommt also Bewegung rein, daher werden wir auch dem Antrag der Grünen auf Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens nicht zustimmen, weil wir in Gaza generell nicht mehr Show brauchen, sondern mehr Struktur. Wir brauchen Hilfe, die verlässlich ist, die koordiniert ist und die professionell erfolgt; Hilfe, die mit UN-Organisationen, mit dem Roten Kreuz und mit lokalen Partnern abgestimmt ist; und vor allem Hilfe, die dem internationalen humanitären Völkerrecht verpflichtet ist und nicht der nächsten Schlagzeile. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Carina Reiter . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Carina Reiter

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer! Ja, die Lage im Gazastreifen ist mehr als besorgniserregend. Es ist unsere Pflicht als Vertreter eines demokratischen, humanitären und wertebasierten Staates, auf diese Realität zu reagieren, und das klar und deutlich. Die nunmehr mit Israel getroffene Vereinbarung über die Ausweitung der humanitären Hilfe für den Gazastreifen ist ein wichtiger und notwendiger Schritt, um die humanitäre Lage in Gaza zu verbessern. Die Hilfsgüter müssen jetzt schnell und direkt an die Bevölkerung geliefert werden, und es muss auch sichergestellt werden, dass keine Hilfsgüter an die Hamas umgeleitet werden. Das, was bisher an Hilfe durchgekommen ist, ist schlichtweg nicht ausreichend. Wir verstehen die israelischen Sicherheitsbedenken – ja, die Gefahr, dass die Hamas Hilfsgüter missbraucht, ist real –, aber lassen Sie mich klar sagen: Die palästinensische Zivilbevölkerung darf nicht den Preis für den Terror der Hamas zahlen. Das wäre zutiefst unmenschlich, und es widerspricht jedem Grundsatz des humanitären Völkerrechtes. Gleichzeitig dürfen wir eines nicht vergessen: Der Ursprung dieser Eskalation war der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Über 1 200 Menschen wurden ermordet, darunter Frauen, Kinder und alte Menschen. Wir verurteilen diesen brutalen Terrorangriff natürlich auf das Schärfste. Wir verstehen und begreifen, dass dieser Tag in Israel ein Trauma ausgelöst hat. Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung und Terrorismusbekämpfung, aber, meine Damen und Herren, wir sehen auf beiden Seiten viel zu viele Opfer, zu viel Leid, zu viele Tränen. Es ist höchste Zeit für einen dauerhaften Waffenstillstand als ersten Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen politischen Lösung. Die Hamas muss endlich die noch immer festgehaltenen Geiseln freilassen, ohne Wenn und Aber, und auch Israel muss mehr tun, um ziviles Leid zu vermeiden. Das betrifft nicht nur den Zugang für Hilfsgüter, sondern auch die klare Unterscheidung zwischen zivilen Zielen und militanten Kämpfern. Das ist nicht nur moralisch geboten, es ist völkerrechtlich verpflichtend. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Und in diesem Zusammenhang möchten wir betonen: Die Perspektive einer Zweistaatenlösung bleibt zentral. Es muss dauerhaft ausgeschlossen sein, dass es zu einer Wiederholung des Terrors vom 7. Oktober und der blutigen Auseinandersetzung in Gaza danach kommt. Für uns ist klar, dass die Sicherheit Israels unter allen Umständen dauerhaft geschützt und gewährleistet sein muss, aber auch Gaza soll palästinensisch bleiben, aber ohne die Hamas. (👏 ÖVP, SPÖ) Die Region braucht eine neue politische und humanitäre Perspektive unter Einbindung der palästinensischen Autonomiebehörde und mit internationaler Unterstützung; auch die Nachbarstaaten spielen da eine wichtige Rolle. Das ist kein einfacher Weg, aber es ist der einzig verantwortbare Weg. Ja, wir stehen an der Seite Israels und unterhalten eine enge Partnerschaft; zugleich ist die Möglichkeit der Kritik ein unverzichtbares Merkmal unserer demokratischen Gesellschaften. In diesem Sinne dürfen und müssen wir Missstände klar benennen: illegale Siedlungen, Siedlergewalt im Westjordanland, Vertreibungsrhetorik – all das verurteilen wir. Solche Vorkommnisse erschweren nicht nur die Lage vor Ort, sondern auch den Weg zu einem nachhaltigen Frieden. Seit fünf Tagen wird in Doha bereits verhandelt mit dem Ziel einer Waffenruhe, der Freilassung der Geiseln und einer langfristigen Friedensperspektive. Wer langfristigen Frieden will, muss heute handeln, und humanitäre Hilfe ist kein Akt der Schwäche, sondern ein Ausdruck unserer Stärke, unserer Werte und unserer Verantwortung. (👏 ÖVP, SPÖ) Bei aller Unterstützung für Israel – wirklich bei aller Unterstützung – appelliere ich dringend, mehr humanitäre Hilfe für Gaza zuzulassen, ohne Einschränkungen und entlang der Prinzipien Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit. Lassen Sie uns also gemeinsam ein Signal setzen, auch mit diesem Antrag, für Menschlichkeit, für Verantwortung und für die Hoffnung, dass auf Gewalt nicht noch mehr Gewalt folgt, sondern ein ernsthafter Weg zum Frieden. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Pia Maria Wieninger .

SPÖ Pia Maria Wieninger

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Regierungsmitglieder! Sehr geehrte Damen und Herren! Heute, am 11. Juli, gedenken wir zum 30. Mal der Opfer und der Überlebenden des Völkermords in Srebrenica. Nicht vergessen werden sollte auch, dass damals nahezu 30 000 Frauen, Kinder und alte Menschen in einer groß angelegten ethnischen Säuberungsaktion zwangsweise vertrieben wurden. Gleichzeitig ist dieser Tag für uns ein Aufruf, bei Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenrechte nicht zu schweigen (👏 SPÖ), egal wo und von wem sie begangen werden. Dies betrifft auch die unerträgliche Situation in Gaza; Frau Außenministerin, Sie haben diese völlig zu Recht so bezeichnet. Internationale Medien und Hilfsorganisationen berichten, dass es rund um die Verteilzentren wiederholt zu schockierenden Szenen kommt und es Angriffe auf Zivilistinnen und Zivilisten gibt; Frau Kollegin Brandstötter hat es vorhin schon ausgeführt. Die private Stiftung, die von der israelischen Regierung für die Verteilung von Hilfsgütern eingesetzt wurde, wird von den Vereinten Nationen und von internationalen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen massiv kritisiert und sogar als Todesfalle bezeichnet. Laut Unicef stirbt im Durchschnitt jede Stunde ein Kind in Gaza. Es ist daher extrem wichtig, dass auch wir einen Beitrag leisten: Mit 3 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds werden vor Ort mit dem Partner Internationales Komitee vom Roten Kreuz lebensnotwendiges Trinkwasser, Nahrung, medizinische Erstversorgung und Notunterkünfte bereitgestellt. Es ist dringend zu hoffen, dass durch die gestrige Einigung zwischen der EU und Israel ab jetzt mehr Hilfsgüter in den Gazastreifen gelangen können. Frau Ministerin, setzen Sie sich bitte im Rahmen der EU und auch bei Ihren israelischen Gesprächspartnern weiterhin mit Nachdruck dafür ein, dass Israel seiner humanitären Verantwortung gerecht wird. Ich möchte aber heute eine weitere bedrohliche Eskalation des Konflikts ansprechen, und zwar den vom israelischen Verteidigungsminister präsentierten Plan, ein Lager für Hunderttausende Palästinenserinnen und Palästinenser im Süden des Gazastreifens zu schaffen und diese in weiterer Folge dorthin umzusiedeln. Dazu dürfen wir, dazu darf die österreichische Bundesregierung nicht schweigen. (👏 SPÖ) Nehmen wir unsere humanitären und unsere völkerrechtlichen Verpflichtungen wahr! Setzen wir uns gemeinsam auf allen politischen Ebenen dafür ein, dass die palästinensische Zivilbevölkerung nicht den Preis für den Terror der Hamas zahlt! Lassen Sie uns klare Worte zu Verstößen gegen Menschenrechte und Völkerrecht sprechen! Lassen Sie uns alle politischen, alle diplomatischen Bemühungen unterstützen: für einen dauerhaften Waffenstillstand, für die Freilassung der verbleibenden israelischen Geiseln und für eine Perspektive auf Frieden durch eine Zweistaatenlösung mit einem Staat Israel in anerkannten und dauerhaft sicheren Grenzen sowie einem unabhängigen demokratischen und lebensfähigen palästinensischen Staat. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Meri Disoski .

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Frau Präsidentin! Frau Ministerin, Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Stellen Sie sich einen Mann vor, vielleicht ist er Vater. Er geht zu einem Verteilzentrum im Gazastreifen in der Hoffnung auf ein Päckchen Reis, vielleicht ein bisschen Wasser. Und dann fallen Schüsse. Statt Hilfe trifft ihn Gewalt, er stirbt. Diese Geschichte ist kein Einzelfall, es sind genau solche Szenen, die sich im Moment Tag für Tag in Gaza abspielen. Die BBC hat am 3. Juli Videomaterial veröffentlicht, das Szenen in einem Verteilzentrum in Gaza zeigt. Darauf ist zu sehen, wie aus der Distanz auf eine Menschenmenge geschossen wird, dann hört man eine Männerstimme, die auf Englisch sagt: I think you got one – ich glaube, du hast einen erwischt –, und es folgt Gelächter. Diese Aufnahmen werfen schwerwiegende menschenrechtliche und auch völkerrechtliche Fragen auf. Sie sind in einer Zone passiert, die unter vollständiger Kontrolle der israelischen Armee steht. Die Lage ist katastrophal, die Vereinten Nationen sprechen von einer drohenden Hungersnot für alle 2,2 Millionen Menschen in Gaza. Kinder sterben an Unterernährung, ganze Familien sind auf der Flucht, ohne Schutz, ohne Versorgung. Gleichzeitig leidet die Bevölkerung prolongiert unter der Hamas, die mit Gewalt und Unterdrückung herrscht. Es ist ganz klar zu benennen: Solange die Hamas in Gaza an der Macht ist, bleibt der Weg zu einer echten Veränderung versperrt. Was die Menschen in Gaza verdienen, ist eine Zukunft ohne Terror und Angst, frei von der Kontrolle extremistischer Kräfte. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Frau Außenministerin, wir schätzen Ihren Einsatz, Ihre Bemühungen und Ihr wirklich außerordentliches Engagement für Frieden sehr; ich mag das wirklich in sehr ehrlicher Wertschätzung hier betonen. Was Sie in den vergangenen Wochen an Terminen absolviert haben, ist wirklich außerordentlich – ich ziehe meinen Hut ( die entsprechende Geste andeutend ) vor Ihnen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir finden auch richtig und wichtig, dass Sie im EU-Außenminister:innenrat damals wegen der prolongierten humanitären Krise für eine Prüfung des EU-Israel-Assoziierungsabkommens gestimmt haben. Seit Juni liegt jetzt dieser Prüfbericht vor – er ist unter der Federführung der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas entstanden –, und der Bericht hält schwarz auf weiß fest: Israel verletzt Artikel 2 dieses Abkommens. Artikel 2 ist kein Nebensatz, er ist die Grundlage. Er verpflichtet zur Achtung der Menschenrechte und demokratischen Grundsätze. Wenn diese Grundlage wegfällt, dann darf es keine politische Normalität geben. Ja, es ist absolut unabdingbar, die furchtbaren Verbrechen der Hamas vom 7. Oktober mit über 1 200 Toten und die anhaltende Geiselnahme klar und sehr, sehr unmissverständlich zu verurteilen, wie wir das hier in diesem Hohen Haus schon oft gemacht haben. Diese Taten sind abscheulich, sie bleiben abscheulich, und sie sind durch nichts, durch absolut nichts zu rechtfertigen. (👏 SPÖ, NEOS) Gleichzeitig darf dies aber nicht dazu führen, dass Israel von seiner völkerrechtlichen Verantwortung entbunden wird. Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht gelten für alle Seiten, immer und ohne Ausnahme. Wir haben die Bilder gesehen. Wir kennen den Bericht der EU-Kommission. Wir wissen, was unsere Verfassung und unsere Außenpolitik verlangen: Menschenrechte sind nicht verhandelbar – Menschenrechte sind nicht verhandelbar! Deshalb bringe ich folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Konsequenzen aufgrund der Ergebnisse des menschenrechtlichen Prüfberichts zum EU-Assoziierungsabkommen mit Israel“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten, wird aufgefordert, im Rat der EU-Außenminister:innen am 15. Juli 2025 für eine temporäre“ – für eine temporäre! – „Aussetzung des Assoziierungsabkommens mit Israel gemäß Artikel 2 des Abkommens zu stimmen, solange Israel weiterhin schwerwiegend und systematisch gegen das humanitäre Völkerrecht verstößt; sowie sich für eine sofortige Waffenruhe in Gaza, schnelle uneingeschränkte humanitäre Hilfe, die sofortige Freilassung der Geiseln und eine langfristige Friedenslösung auf Basis der Zwei-Staaten-Lösung einzusetzen.“ Lassen Sie mich bei der Zweistaatenlösung noch einhaken. Frau Ministerin, der israelische Außenminister meinte gestern wörtlich – wörtlich! –: „Die Zweistaatenlösung ist keine Lösung“. – Das stimmt mich nicht zuversichtlich, dass Gespräche allein wirken werden. Das überzeugt mich vielmehr in meiner Haltung, dass es diplomatischen Druck braucht. Frau Ministerin, deshalb: Bitte stimmen Sie am 15. Juli beim nächsten Treffen der EU-Außenministerinnen und -Außenminister für diese temporäre Aussetzung des Assoziierungsabkommens, solange Israel schwerwiegend gegen das humanitäre Völkerrecht verstößt. (👏 SPÖ) 13.12 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/49.1 Konsequenzen aufgrund der Ergebnisse des menschenrechtlichen Prüfberichts zum EU-Assoziierungsabkommen mit Israel (114/UEA) Präsidentin Doris Bures : Nun hat sich Frau Bundesministerin Beate Meinl-Reisinger zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Ministerin.

SPÖ Muna Duzdar

Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Herr Minister! „Nach über 20 Monaten Krieg gleicht Gaza einem Friedhof. Für die Menschen, die dort noch leben, ist es die Hölle auf Erden. Stadtviertel liegen in Trümmern, Krankenhäuser sind zerstört, Hilfslieferungen werden systematisch blockiert. Und das neue Verteilsystem der Gaza Humanitarian Foundation ist nicht nur menschenunwürdig, sondern für viele Menschen tödlich.“ – Zitat von Ärzte ohne Grenzen. Diese Situation wird nicht nur von Ärzte ohne Grenzen so beschrieben, sondern auch vom Roten Kreuz, auch von der Caritas, auch von der Diakonie. Man hat den Palästinensern im Gazastreifen die letzte menschliche Würde genommen. Und es ist richtig, wir haben in Österreich auf die humanitäre Krise in Gaza reagiert, und es ist begrüßenswert, dass die Bundesregierung beschlossen hat, dem Gazastreifen 3 Millionen Euro an Hilfsmitteln zur Verfügung zu stellen. Dennoch geht es nicht nur um die humanitäre Situation, sondern es geht auch um die politische Komponente, um die politische Situation der Palästinenser und Palästinenserinnen. (👏 SPÖ) Mittlerweile wurden die Palästinenser und Palästinenserinnen im Gazastreifen sechsmal vertrieben: vom Norden in den Süden, vom Süden zurück in Trümmer, in Ruinen. Es geht um die Vertreibungspolitik der israelischen Regierung gegenüber der palästinensischen Bevölkerung, und das ist nicht nur eine Vertreibungsrhetorik, es gibt ganz klare Pläne dazu, die palästinensische Bevölkerung aus dem Gazastreifen zu vertreiben. Meine Kollegin Pia Maria Wieninger hat das heute auch erwähnt: Der israelische Verteidigungsminister hat Pläne offengelegt, 600 000 Palästinenser:innen in einem Auffanglager zusammenzupferchen, um sie auf eine freiwillige Ausreise vorzubereiten. Die österreichische Bundesregierung darf dazu nicht schweigen und muss Verbrechen, die es sind, auch beim Namen nennen. (👏 SPÖ) Da geht es nicht um eine freiwillige Ausreise, es geht auch nicht um Umsiedelung, sondern es geht um eine zwangsweise Vertreibung von Millionen von Menschen, so wie es das in der Weltgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg im Nahen Osten in dieser Form noch nie gegeben hat. Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und das muss man auch so klar benennen, auch vonseiten der österreichischen Bundesregierung. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich möchte nicht, dass die ganze Welt zusieht und nichts tut. Es ist ein Appell an uns alle: Jetzt ist es noch nicht zu spät. Sollten diese Pläne umgesetzt werden, wird man eines Tages die Weltgemeinschaft und Europa fragen, warum man nichts gemacht hat, warum man geschwiegen hat, aber vor allem, warum man nicht gehandelt hat. Ich bin der Meinung, dass Worte und Verurteilungen verbaler Natur zu wenig sind, Frau Ministerin. (Bundesministerin Meinl-Reisinger : Ich auch! Jetzt bin ich hingefahren!) – Genau. Der politische Dialog: Glauben Sie mir, ich bin eine der größten Verfechter:innen eines politischen Dialogs, aber da geht es um Kriegsverbrechen und geplante Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und daher braucht es auch Taten und Maßnahmen. Es ist ein Appell an uns alle, zu handeln, bevor es zu spät ist. Wissen Sie, was das Schlimmste ist? – Das Schlimmste ist die Ohnmacht: die Ohnmacht, wenn Schlimmes passiert und das nicht verhindert wird. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Axel Kassegger .

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Das war jetzt sehr beeindruckend, was Kollegin Muna Duzdar in ihrer Rede vorgebracht hat. Es ist ein Krieg, der einmal grundsätzlich nicht unser Krieg ist, genauso wenig, wie andere Kriege auf der Welt grundsätzlich unsere Kriege sind. Es ist ein Krieg, der unendliches Leid verursacht, der Menschen sterben lässt, Kinder sterben lässt, Soldaten sterben lässt – und der zu vermeiden ist. Jede Sekunde, um die Frieden schneller kommt, ist eine gewonnene Sekunde. Sie haben Ärzte ohne Grenzen zitiert: „Friedhof“, „Hölle auf Erden“. – Das ist alles ein Wahnsinn. Diese Beschreibungen gelten ja nicht nur für den Gazastreifen, sondern die gelten auch für die Ukraine, die gelten auch für den Irakkrieg vor mittlerweile 20 Jahren, die gelten grundsätzlich für alle Kriege auf dieser Welt, und man sollte diese dann auch gleich behandeln. Das heißt, man sollte vermeiden, Doppelstandards anzuwenden, dieselben Sachverhalte unterschiedlich zu behandeln. Ich habe Ihnen genau zugehört, Frau Bundesminister: Wenn Ihre Wortmeldung logisch zu Ende geführt gewesen wäre – da waren sehr viele Absichtserklärungen, sehr viele schöne Worte dabei –, müsste die Conclusio eigentlich sein – oder ich frage Sie –: Warum verlangen Sie dann keine Sanktionen gegen Israel? Warum verlangen Sie hier nicht das Tätigwerden des Internationalen Strafgerichtshofes, so wie Sie das in der Ukraine verlangen? (Bundesministerin Meinl-Reisinger : Der IStGH ist schon unterwegs in der Frage!) – Also das ist nicht ganz logisch, da sind wir unseres Erachtens im Bereich der Doppelstandards. Warum wird nicht über präventive Raketenangriffe auf den Iran gesprochen? Dann wird noch – ich versuche jetzt, das nicht zu kommentieren – so dargestellt: Wir sind jetzt doch sehr zufrieden, dass man 20 führende Wissenschaftler getroffen, ermordet hat. Wo ist da der Aufschrei? Also das ist zum einen von Doppelstandards geprägt, und das ist zum anderen auch von einer allgemeinen Entwicklung geprägt, die uns Sorge bereitet. Das haben wir eigentlich vor 20, 25 Jahren mit George W. Bush gehabt, da schießen wir uns wieder zurück in die Zeiten, in denen die Welt – und das macht uns Sorge – in die Guten und die Bösen geteilt wurde, Schwarz-Weiß, also die Koalition der Willigen – die Guten – und die Bösen, die Achse des Bösen. Auch solche Termini werden wieder verwendet. Die Guten sind natürlich die Europäische Union, UK, USA, Kanada, Japan et cetera. Die Bösen, die Achse des Bösen, das sind natürlich die Russen, die Chinesen, die Iraner, die Brics-Staaten et cetera.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was sind die Russen für euch?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Nicht gefragt werden – die gehören aber auch zur Welt – ganz Afrika, ganz Südamerika, das restliche Asien. Das ist der nächste Punkt, der sehr kritisch ist …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Die Iraner sind super!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… nämlich dass wir – nicht wir, sondern Sie als Vertreterin der österreichischen Bundesregierung und totale Befürworterin all dessen, was die Europäische Union so macht und von sich gibt; wir sind der Meinung, sie ist in vielen Bereichen auf Irrwegen – glauben, das, was unsere Werte sind, ist das Wesentliche für die ganze Welt. Da schwingt eine gewisse Hybris, ein gewisses Gefühl der Überlegenheit mit – das lehnen wir ab. Wir fühlen uns nicht überlegen, sondern wir respektieren, dass es auf der Welt – und das ist ja die Vielfalt – verschiedene Möglichkeiten des Zusammenlebens gibt, auch verschiedene Systeme. Wir respektieren das und sind nicht missionarisch, indem wir sagen: Die ganze Welt hat nach unseren Standards zu leben, und wenn ihr das nicht macht, dann gehört ihr gleich zur Achse des Bösen! – Das ist doch eine vollkommene Überschätzung Europas – leider – und der Europäischen Union. Schauen Sie einmal auf die Landkarte! Mit diesem Mindset fahren Sie sozusagen durch die Welt. Das ist kein gutes Mindset, insbesondere für die Außenministerin eines neutralen Landes wie der Republik Österreich. Uns fehlt da die Perspektive, wie man in dieser sich abzeichnenden geopolitischen Verfestigung der Einteilung in die Guten und die Bösen, in Schwarz und Weiß, wo ja dann immer wieder Kriege ausbrechen - - Es glaubt doch keiner, dass der Ukrainekrieg und der Gazakrieg lokale Kriege sind …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Die Taliban sind die Freunde von ... genau!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… natürlich haben die eine geopolitische Komponente, die Guten gegen die Bösen, und da haben wir jetzt nicht unbedingt das Vertrauen, dass Sie - - (Bundesministerin Meinl-Reisinger : Haben Sie mir nicht zugehört?) – Ich habe Ihnen schon zugehört. – Die Frau Ministerin fragt, ob ich nicht zugehört habe. – Ja, ich habe Ihnen schon zugehört, ich habe allerdings wenig Konkretes gehört, insbesondere nicht in die Richtung, was jetzt in diesem Bereich die Rolle eines kleinen neutralen Landes ist.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Zu den Taliban fahren!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Da hauen wir uns doch nicht als lauteste Schreier der sich selbst als Gute bezeichnenden Koalition der Willigen sozusagen ins Geschehen und sind nicht die Ersten, die in die Ukraine fahren …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

... die Ersten, die nach Kabul gefahren sind!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… und dort Millionen Steuergelder ausgeben – die Ukraine ist ein kriegsführendes Land. Das ist der falsche Weg, den Sie beschreiten. Dann sind da immer so Luftblasen: Die Stärke des Rechts soll es sein, „nicht das Recht des Stärkeren“. – Gilt das auch für die USA? – Offensichtlich nicht, also das wird punktuell verwendet. Dann heißt es immer: Die Guten verteidigen unsere Werte; wir verteidigen unsere Werte. – Was sind unsere Werte? – Dann kommen immer Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, und Sie hinterfragen das nicht.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ich hoffe, das sind auch eure!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das sind Überschriften. Wir verteidigen das natürlich auch - - …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Auf die Werte seid ihr auch angelobt worden, nur mal so nebenbei! Oder nicht?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ja, aber was machen Sie unter dem Titel der Freiheit? – Sie sperren unter einem Coronaregime jahrelang die Menschen ein.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Gewessler [Grüne]: Wir sind in einer Debatte über Gaza, in einer Debatte über Israel und Gaza!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Sie haben gestern eine globale Handyüberwachung beschlossen, Sie stierln in den Handys jedes einzelnen Bürgers …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Jetzt redet er wieder von dem, wo er eine Ahnung hat!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… und dann rennen Sie in der Welt herum und sagen, wir verteidigen die Freiheit, so wie Sie die Demokratie verteidigen, allerdings nur dann, wenn der Richtige gewinnt – siehe Rumänien, siehe Georgien. Wenn der Falsche gewinnt, dann drehen wir das um, so wie Sie Demos kratein, die Demokratie, insofern verteidigen, als Sie sie immer weiter weg von den Menschen bringen und immer mehr Kompetenzen in supranationale Organisationen bringen. Das ist ja ein Widerspruch in sich, das sind Worthülsen. (👏 FPÖ) Sie verteidigen die Menschenrechte und tragen sie wie eine Monstranz vor sich her. – Ja, aber wir verstehen darunter etwas anderes als Sie.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Sie finden sie in Baku! Baku ist Ihre ...! Die Taliban sind Ihr Gradmesser! – Zwischenruf der Abg. Doppelbauer [NEOS].

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Sie verstehen darunter die SDGs und so weiter und so fort, verschweigen aber, dass auf der anderen Seite der Medaille der Menschenrechte Pflichten stehen. Wer wird denn da dauernd verpflichtet? – Die Industriestaaten, Europa et cetera. Jeder Mensch hat ein Recht auf was auch immer, gesundes Wasser, dass er leben kann, wo er will. – Na ja, aber Sie sagen nicht dazu, wer der Verpflichtete ist.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Du bist ja für die Privatisierung, oder?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das sind dauernd wir! Das sind die Republik Österreich beziehungsweise die wohlhabenden europäischen Länder. Das hinkt doch total! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ist recht, machts eure Selfies am Tian’anmen-Platz!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Rechte, die unseren Menschen zustehen, gibt es bei Ihnen nicht! Die bezeichnen Sie dann als hinterwäldlerisch, rechtsextrem oder sonst irgendwas. Wir sind der Meinung, es gibt auch ein Recht auf Tradition. Es gibt ein Recht auf Bräuche. Es gibt ein Recht auf Eigentum. Es gibt ein Recht auf sozialen Frieden. Es gibt ein Recht auf Sicherheit. Und es gibt ein Recht auf Heimat. Das ist genauso ein Menschenrecht.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Es gibt kein Recht auf Kriegsverbrechen! Was reden Sie da zusammen! Das ist ja die falsche Debatte schon wieder! – Abg. Shetty [NEOS]: Es geht um die humanitäre Situation in Gaza!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Also kommen Sie über das Produzieren von leeren Worthülsen hinaus, auch in diesem Gazakonflikt, und kommen Sie einmal in eine Aktion, denn leere Worthülsen helfen hier nicht! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Werner Kogler zu Wort gemeldet.

GRÜNE Werner Kogler

Danke, Frau Präsidentin. – Nach meinem Vorredner kann der Frömmste nicht nicht darauf eingehen. Als Nächstes macht ihr eure Selfies dann wieder am Roten Platz oder am Tian’anmen-Platz. Ich sage Ihnen, es gibt natürlich ein Menschenrecht, das einen vor Kriegsverbrechen schützt. Das ist auch der Zusammenhang zu dieser Debatte. Ich begrüße ausdrücklich – wirklich, sehr geschätzte Außenministerin: ausdrücklich! –, dass Sie Ihre erste Reise in die Ukraine gemacht haben – im Übrigen nicht irgendein Land, sondern ein Land, das angegriffen wurde. Das nur nochmals fürs Protokoll. Wir begrüßen auch – Abgeordnete Disoski hat es genau so ausgeführt – Ihre diplomatischen Bemühungen und Ihre Reisetätigkeit in den Nahen Osten.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Der Van der Bellen hat das anders gesehen!

GRÜNE Werner Kogler

… Hut ab, wie Sie das angegangen sind! Wir haben das auch intern sehr positiv diskutiert. Aber: Es geht dann in dieser Debatte und bei diesem gegenständlichen Antrag, der jetzt in Ihrer Replik am meisten Raum eingenommen hat, schon auch noch um etwas Zusätzliches. Bei aller Möglichkeit und Sinnhaftigkeit der Diplomatie – die muss es immer geben, ja – würde ich Sie bitten, Ihren Gedanken zu Ende zu denken. Was Sie sagen, heißt nämlich nichts anderes als: Wenn man nicht einmal ein Signal setzt, auch einer israelischen Regierung gegenüber – einer Regierung wohlgemerkt, nicht dem israelischen Staat oder dem israelischen Volk gegenüber; es muss auch klar sein, dass es nicht Antisemitismus ist, wenn man eine Politik einer völlig rechten israelischen Regierung kritisiert und auch das, was sie tut - - (👏 SPÖ) Wir haben es von der ersten Kundgebung nach dem schrecklichen Oktober 2023 an gesagt – ich war ja als Vizekanzler auch ständig eingeladen –: Auch die palästinensischen Kinder haben ein Recht auf Leben. Das werden Sie nicht bestreiten, aber es muss dem irgendetwas folgen. Wenn die Union selber eine Untersuchung beauftragt, und dann kommt raus, dass es massive Verletzungen gegen Artikel 2 der Menschenrechtskonvention gibt, dann kann das ja nicht ohne Folge bleiben. Dieser Antrag insinuiert ja nichts anderes als Folgendes: nicht dass Sie allein etwas ausrichten oder Österreich allein etwas ausrichtet – die Zeiten sind lange vorbei – , aber in Gemeinschaft mit der Europäischen Union einmal ein Zeichen setzen, das mehr erzeugt als die bloße Diplomatie. Im Übrigen kann ich es auch umdrehen: Nur die Diplomatie bringt auch nicht mehr Lebensmittel dorthin. Das ist ja offensichtlich. Es geht ja nicht einmal nur um Lebensmittel. Es geht um weitere massive, systematische Menschenrechtsverletzungen. Da ist gar nichts einfach. Ich kann Ihnen da wieder nur recht geben. Wenn sich die Hamas hinter der eigenen Bevölkerung verschanzt, dann ist das problematisch. Das war von Anfang weg das Problem, das haben wir immer benannt, und das wird ein Problem bleiben, aber wenn man das jetzt zu Ende denkt, kann es ja umgekehrt nicht heißen, nur weil sich die Hamas hinter der eigenen Bevölkerung verschanzt, was schändlich genug ist - - Meines Erachtens gehört die, um eine israelische Terminologie zu verwenden, tatsächlich ausgelöscht als Terrororganisation. Trotzdem bleibt es eine der schwierigsten Abwägungsfragen: Wie weit kann das gehen? Wenn am Schluss die Hamas ausgelöscht ist und große Teile der palästinensischen Bevölkerung des Gazastreifens aber auch, dann sehen wir, dass das einerseits nicht einfach ist, aber dass das auch nicht das Ende dieses Gedankens sein kann. Deshalb darf man schon erwarten und verlangen, dass Sie sich in Gemeinschaft mit anderen Europäern zusammentun und einmal ein Zeichen setzen, das mehr ist, als Worte zu spenden. (👏) Diese Diplomatie war nämlich offensichtlich nicht erfolgreich, so wichtig sie ist. Diesen Unterschied wollten wir herausarbeiten und dass Sie hier wirklich darüber nachdenken und nicht der Abgeordneten Disoski etwas vorhalten, noch dazu falsche Vorhalte machen. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Damit ist diese Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Schulunterrichtsgesetz, Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz und Hochschulgesetz 2005

148 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 128 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Schulunterrichtsgesetz, das Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz und das Hochschulgesetz 2005 werden geändert, um befristete Orientierungsklassen (Orientierungsunterricht) für zugewanderte schulpflichtige Kinder und Jugendliche ohne ausreichende Schulerfahrung zu ermöglichen. Der Orientierungsunterricht dauert höchstens sechs Monate, der Übertritt in Deutschförderklassen soll flexibel erfolgen und eine Rückstufung aus Deutschförderklassen in Orientierungsklassen ist ausgeschlossen.

Betroffen sind vor allem neu zugewanderte, quereinsteigende schulpflichtige Kinder und Jugendliche ohne ausreichende (vor-)schulische Erfahrung sowie deren Eltern und die Schulen (insbesondere in Stadtregionen).

Dokumente

Schulunterrichtsgesetz, Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz und Hochschulgesetz 2005

Ausgangslage und Problemstellung

  • Durch verstärkten Familiennachzug kam es in den letzten Jahren zu einem starken Zuzug von Angehörigen von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten nach Österreich; damit verbunden ist eine vermehrte Migration von Kindern und Jugendlichen.
  • Viele Familien hielten sich vor der Ankunft in Österreich in (hauptsächlich) in der Türkei und im Libanon eingerichteten Lagern auf.
  • Mit der Ankunft in Österreich sind viele dieser Kinder schulpflichtig.
  • Besondere Herausforderung: Viele Kinder und Jugendliche kommen aus einem anderen Kulturkreis und haben keine Vorerfahrung mit einem beständigen, institutionalisierten Bildungssystem wie in Österreich.
  • Es fehlen grundlegende Kompetenzen für den Einstieg in die Schullaufbahn (keine bzw. unzureichende Vermittlung von Basisfertigkeiten).
  • Typische Defizite: fehlende Vorläuferfertigkeiten für Sprache und Schrift, fehlende soziale Kompetenzen; in vielen Fällen Analphabetismus in einem Alter, in dem Kinder/Jugendliche in Österreich bereits alphabetisiert sind – teils auch in der Erstsprache.
  • Folge: starke Überlastung des Bildungssystems, insbesondere in Stadtregionen.

Zielsetzung: Orientierungsklassen / Orientierungsunterricht

  • Die Bundesregierung hat im Regierungsprogramm vereinbart, sogenannte Orientierungsklassen zu ermöglichen.
  • Der Orientierungsunterricht richtet sich an zugewanderte, quereinsteigende Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter ohne ausreichende institutionelle (vor-)schulische Erfahrung.
  • Ziel ist die Vorbereitung auf den Einstieg in das österreichische Schulsystem und die Entlastung/Unterstützung der Schulen bei der Integration neu aufzunehmender Schülerinnen und Schüler.

Orientierungsgespräch und Zuweisungsentscheidung

  • Mit allen Kindern ohne ausreichende schulische Vorerfahrungen soll ein Orientierungsgespräch geführt werden.
  • Im Orientierungsgespräch werden schulische Vorerfahrungen, Alphabetisierungsstand sowie weitere für den Schulalltag wichtige Informationen erhoben.
  • Auf Basis dieser Erhebung wird über die Notwendigkeit von Orientierung (Orientierungsunterricht) entschieden.

Inhalte und Schwerpunkte des Orientierungsunterrichts

  • Vermittlung grundlegenden Wissens darüber, wie das System „Schule“ in Österreich funktioniert.
  • Vermittlung erster Vorläuferfertigkeiten für Sprache und Schrift.
  • Vermittlung von Grundwerten und Grundregeln für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft (zB Respekt, Gleichberechtigung, Toleranz, Partizipation, Gemeinschaft, Verantwortung, Selbstbestimmung).

Einbindung und Pflichten der Eltern als Schulpartner

  • Die Arbeit mit den Eltern als Schulpartner soll intensiviert werden.
  • Eltern sollen verpflichtend über bestehende Regeln und Pflichten in der Gesellschaft und im schulischen Kontext informiert werden.
  • Eltern sollen Informationen über das österreichische (Schul-)System erhalten.
  • Die Beachtung der bereitgestellten Informationen und Maßnahmen wird als entscheidend für erfolgreiche Zusammenarbeit und Integration der Schülerinnen und Schüler dargestellt.
  • Bei Nichtnachkommen dieser Verpflichtung sollen Eltern nach bestehenden gesetzlichen Regelungen sanktioniert werden.

Koordination mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF)

  • Zur Unterstützung der Schulen und zur Vermeidung von Doppelgleisigkeiten soll eine enge Abstimmung mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) erfolgen.
  • Erfahrungen des ÖIF sollen einbezogen werden.
  • Inhaltlich gleiche Informationen sollen sprachlich gleich kommuniziert werden.

Dauer, Übergänge und Abgrenzung zur Deutschförderklasse

  • Der Besuch einer Orientierungsklasse soll zeitlich befristet sein und höchstens sechs Monate dauern.
  • Der Übertritt in eine Deutschförderklasse soll flexibel möglich sein, sobald die notwendigen Voraussetzungen bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen geschaffen wurden.
  • Eine Rückstufung aus einer Deutschförderklasse in eine Orientierungsklasse ist nicht zulässig.

Schulunterrichtsgesetz, Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz und Hochschulgesetz 2005

~86 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Hermann Brückl

Vielen Dank, Frau Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Jetzt geht es um Bildungspolitik. Es ist eine Reihe von bildungspolitischen Gesetzen, über die wir jetzt sprechen, die geändert werden soll, die auch neu gestaltet werden soll. Unter anderem geht es um die Installation, die Einführung von sogenannten Orientierungsklassen, die für Kinder, für Jugendliche vorgesehen sind, die im Rahmen des Familiennachzugs, den es ja laut Regierung nicht mehr gibt, oder als Einwanderer – möglicherweise auch unter dem Titel Asyl – zu uns kommen, die keine Deutschkenntnisse haben und die auch keine grundlegende Bildung haben. Diesen Kindern, diesen Jugendlichen sollen jetzt in diesen Orientierungsklassen für die Dauer von sechs Monaten beispielsweise – so steht es in den Erläuterungen – Kenntnisse von Symbolen und Schriftzeichen, die Handhabung von Bleistift, Kinderscheren et cetera, die Orientierung in größeren Räumen, in größeren Gruppen, Verhalten im Hinblick auf Pünktlichkeit, auf Rechtzeitigkeit oder ein demokratisches Verständnis vermittelt werden. Ja, das macht man, aber ich sage Ihnen: Das hat alles nichts mit Bildung zu tun. Das sind reine Integrationsmaßnahmen. Das sind Integrationsmaßnahmen in Reinkultur. Es ist nicht Aufgabe der Schule, dass man sich dieser Dinge annimmt, sondern es ist Aufgabe einer Integrationsministerin – die wir haben. Wenn es diese nicht kann, möge sie es bitte an jene übergeben, die es können. Es gibt zig, Hunderte Vereine in Österreich, die sich genau mit dieser Thematik auseinandersetzen, ob es die Diakonie ist, ob es die Volkshilfe ist, ob es die Caritas ist, ob es die Bunte Wirtschaft ist, ob es Refugees Wien oder wer auch immer ist. Die können das, die kriegen dafür sehr, sehr viel Steuergeld, die sollen das auch machen. Worüber sprechen wir bei diesen Orientierungsklassen? – Auch das muss man betonen: Wir reden da von jährlich 600 Kindern in den nächsten zwei Jahren und in der Folge dann von jeweils 200 Kindern. In Wirklichkeit ist das eine Placebomaßnahme. Das ist eine Symptombekämpfung. Das ist ähnlich wie mit den Schulpsychologen. Die Regierung meldet: 150 Schulpsychologen gibt es jetzt mehr. – Ja, jetzt haben wir dann statt 250 Schulpsychologen 400, aber wie viele Schüler stehen dem gegenüber? – 1,1 Millionen? 1,2 Millionen? Das ist also alles nur eine Symptombekämpfung. Da geht es nicht um Bildung. Da geht es nicht um die gute Ausbildung unserer Schüler, unserer Kinder. Seit Jahren übertragen wir die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme, die wir im Land haben, den Schulen, den Lehrern, und die sind allesamt überfordert, allesamt überladen. Und wir wundern uns dann. Hinzu kommen dann noch die völlig aus den Ufern getretene Zuwanderung, das Asylversagen, das Versagen der Politik in Asylfragen, eine katastrophale Coronapolitik. All das sorgt dafür, dass unser Bildungsniveau in den vergangenen Jahren massiv gesunken ist. Respekt, Disziplin sind aus den Klassenzimmern gewichen, viel zu sehr haben Gewalt und Konflikte überhandgenommen, wie auch generell das Gewalt- und Konfliktpotenzial in den Schulen gestiegen ist. Wir lesen es ja jeden Tag in den Zeitungen, das geht von Mobbing bis zu körperlicher Gewalt. Bis heute haben wir in den Schulen aber kein funktionierendes Konfliktmanagement. (👏 FPÖ) Damit wir zumindest dieses Problem in den Griff bekommen, weise ich wieder einmal auf unseren Neunpunkteplan hin. Es ist ein Plan, der darauf abzielt, Konflikte in den Schulen schon im Vorfeld abzuschwächen oder zu verhindern. Er ist geteilt in die Prävention, in die Konfliktresilienz – als zweiten Bereich – und kümmert sich am Ende auch darum, was passiert, wenn die ganze Situation eskaliert. Daher darf ich in diesem Zusammenhang folgenden Entschließungsantrag einbringen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Hermann Brückl , MA, Kolleginnen und Kollegen betreffend „9-Punkte-Maßnahmenkatalog für eine gewaltfreie Schule“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, die die Umsetzung der dargestellten Maßnahmen des 9-Punkte-Maßnahmenkatalogs für eine gewaltfreie Schule beinhaltet.“ (👏 FPÖ) Zum Schluss kommend möchte ich schon noch etwas zum Bildungssystem sagen. Mittlerweile bin ich wirklich zu der Meinung gekommen, dass wir Schule neu denken müssen. Wir haben in den vergangenen Jahren so viel Boden verloren. Herr Bundesminister, ich glaube, für viele in diesem Land, vor allem für die politisch interessierten Menschen, waren Sie irgendwo eine Hoffnung. Diese Hoffnung ist aber verflogen, ich sage Ihnen das ganz offen, weil Sie in den vergangenen Monaten Maßnahmen gesetzt haben, die zwar öffentlichkeitswirksam waren, die vielleicht auch populistisch waren – Handyverbot: okay, kann man machen; die Geschichte mit den Schulpsychologen; jetzt die Orientierungsklassen –, wir uns aber keine einzige Minute mit der Frage auseinandergesetzt haben: Wie ändern wir unser Schulsystem so, dass wir am Ende des Tages wieder Schüler aus den Schulen kommen sehen, die ordentlich lesen, ordentlich rechnen, ordentlich schreiben können? Das ist ja am Ende des Tages der Knackpunkt. (👏 FPÖ) Wir sind weit von dem entfernt, was in unserer Verfassung steht, nämlich dass wir für unsere Kinder, für unsere Jugendlichen das höchstmögliche Bildungsniveau haben und erreichen wollen. Auch wenn ich vorhin schon betont habe, dass man Schule neu denken muss, so sage ich Ihnen am Ende noch: Schule muss auch ganz einfach wieder Schule werden. Das ist sie heute nicht mehr. Ich glaube, das muss das Ziel sein, und das ist die Aufgabe von allen. – Danke sehr. (👏 FPÖ) 13.53 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/56.1 9-Punkte-Maßnahmenkatalog für eine gewaltfreie Schule (115/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre .

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bildungsminister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Ich freue mich total, dass die FPÖ, zumindest der Bildungssprecher, der von mir durchaus geschätzte Hermann Brückl , auch erkannt hat, dass man Schule neu denken muss.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wir denken sie anders als ihr!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Das war einer der Gründe, warum wir 2012 die NEOS gegründet haben: um dieses System zu verändern.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit Wiederkehr könnt ihr euch wieder auflösen! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Jetzt freue ich mich sehr, dass es mit dieser Bundesregierung gelungen ist, den Bildungsbereich wieder als Schwerpunktthema zu haben, was Sie sehen, wenn Sie das Regierungsprogramm anschauen. Ich kann es nur immer wieder wiederholen, es ist, glaube ich, ganz wichtig, dass wir eine Aufholjagd in der Bildung gestartet haben, weil eben in den letzten Jahrzehnten – auch unter Beteiligung der FPÖ in der Regierung – die Bildung einfach immer zu kurz gekommen ist.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Ist ja nicht wahr!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Deswegen sind auch ganz viele der vom Kollegen Brückl durchaus richtig genannten Themen vorhanden.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Bildung ist zu Sebastian Kurz gekommen!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Aber – das war ja gestern bei Frau Kollegin Fürst auch schon so – es wird immer eine Zustandsbeschreibung gegeben, aber es gibt irgendwie keine Lösungen. ( Rufe bei der FPÖ: Der Neunpunkteplan ...! ) Die Punkte, die wir auf den Weg gebracht haben, sind natürlich wichtig. Auch die Verdoppelung der Zahl der Schulpsychologen, die wir jetzt angegangen sind …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ist das nur Ignoranz oder Berufsignoranz? – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Ignoranz oder Arroganz? – Abg. Deimek [FPÖ]: Beides!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… ist wichtig und richtig, weil Kinder eben aus unterschiedlichen Gründen belastet sind und Unterstützung brauchen.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Bitte sagt eurem Pressesprecher, er soll ...! Das ist ja fad!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Jetzt zu den Orientierungsklassen: Es gab in den vergangenen Jahren einen starken Zuzug und jetzt haben wir viele Kinder hier – und einige werden noch kommen –, die das System Schule nicht kennen, die ein Schulhaus nicht kennen, die noch nie einen Stift in der Hand gehalten haben. In ganz Österreich gibt es sehr, sehr viele außerordentliche Schüler und Schülerinnen, die Zahlen verdeutlichen das durchaus. Ich hätte eigentlich erwartet, dass die FPÖ sagt: Endlich wird da etwas getan!, denn es ist laut FPÖ ja immer eine Gruppe von Menschen in Österreich schuld daran, dass alles so furchtbar ist.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Nein, nicht die Gruppe von Menschen ist schuld; die Politik, die Sie machen, ist schuld! Das ist ein Unterschied!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Wir wollen Kindern, die Unterstützung brauchen, diese auch geben, und das hat mit den Orientierungsklassen zu tun. Es freut mich, dass auch die Grünen da mitstimmen. Wir brauchen bestmögliche Unterstützung für alle Kinder, nämlich für die zugezogenen und natürlich auch für die Kinder, die schon hier leben. Die Orientierungsklassen werden im Vordergrund haben, dass man grundlegendes Wissen über das System Schule in Österreich erlernt, aber auch lernt, und das ist ganz wichtig, wie wir hier in Österreich miteinander leben und leben wollen, nämlich in einer Demokratie, in der Gleichberechtigung, Respekt und Toleranz wichtig sind und von allen akzeptiert werden. Das wird den Kindern helfen und das wird vor allem auch den anderen Kindern und den Lehrerinnen und Lehrern helfen, weil sich so kleinere Gruppen bilden können, in denen man mehr Unterstützung hat. Der weitere Fokus ist auch sehr erfreulich, das möchte ich noch kurz anmerken, es ist ja ein NEOS-Thema seit der ersten Stunde: die Elementarbildung, der Kindergarten als erste Bildungseinrichtung. Wir beschließen hier heute beziehungsweise erweitern das Anstellungserfordernis-Gesetz, und das ist ein wichtiger Akzent. Es ist ein wichtiger und notwendiger Akzent, weil wir erstmals ein grundständiges Studium im Bereich Elementarpädagogik anbieten werden. Wir sind in Österreich diesbezüglich Schlusslicht, in allen anderen Ländern ist es längst Usus, dass man auch einen Bachelor in Elementarpädagogik machen kann. Warum ist das so wichtig? – Weil wir damit neue Personengruppen erschließen wollen. Wir wollen beispielsweise den Weg in die Elementarpädagogik auch für AHS-Maturant:innen öffnen. Warum ist es noch wichtig? – Weil wir dadurch einen Weg finden, den Fachkräftemangel zu reduzieren und die Qualität im Kindergarten zu stärken. Das wird ja wohl hoffentlich für alle von uns wichtig sein. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzter Herr Minister! Kinder sind die Zukunft: Diesen Satz hört man ganz oft. – Ich weiß nicht, wieso die FPÖ jetzt schon schreit.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Er hat sich nur verschluckt!

GRÜNE Barbara Neßler

… Kinder sind die Zukunft, hört man ganz oft, und es stimmt ja. Wer sie in den ersten Lebensjahren begleitet, formt das Fundament, von dem aus sich die Kinder weiterentwickeln können. Elementarpädagogen und -pädagoginnen tun genau das – mit Kopf, mit Herz, mit Haltung. Liebe Kollegin von den NEOS, Sie haben gesagt, Sie starten jetzt eine Aufholjagd. Ich frage mich da ein bisschen, wo die ist. Die Elementarpädagogik wird nach wie vor wie der Sandkasten am Rande des Bildungssystems behandelt: ganz nett, aber irgendwie nebensächlich. – Dabei wissen wir längst, dass die ersten Jahre extrem entscheidend für den gesamten Bildungsweg sind. Was es braucht, sind mutige Schritte. Und ja, wir begrüßen die Regierungsvorlage, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wir sagen: Es braucht mehr. Wir fordern ja nichts Revolutionäres, sondern etwas, was schon längst europäischer Standard ist: dass es eine tertiäre Ausbildung für Elementarpädagogen und -pädagoginnen gibt, denn Österreich – es wurde angesprochen – ist Schlusslicht. Ja, wir bilden Pädagoginnen und Pädagogen in der Schule aus, aber nicht einmal die Hälfte bleibt danach im Beruf, und wir tun so, als ob das ein Naturgesetz wäre, als ob das völlig normal wäre und wir nicht gegensteuern könnten. Das ist nicht so. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Bafep-Schulen sind extrem wichtig, leisten viel, aber es braucht eine Weiterentwicklung. Darum fordern wir ja mit unserem Antrag – er war im Ausschuss – eine österreichweite Ausbildung auch für Leitungspersonen im Kindergarten. Wer ein Haus baut, braucht ein Fundament, und wer eine Bildungseinrichtung leitet, braucht eine fundierte Ausbildung, und das wollen auch die Pädagogen und Pädagoginnen selber, denn wir wissen, dass rund 25 Prozent des Bildungserfolgs – und das ist nicht nichts – von der jeweiligen Leitung abhängt. Herr Minister, im Regierungsprogramm gibt es ein ganzes Kapitel zur Stärkung der Schulleitung, nur zum Thema Kinderbetreuung ist in diesem Bereich nichts zu finden. Das finde ich schon bezeichnend. Unser Antrag wurde leider vertagt, nicht angenommen, aber damit es gesagt ist: Die beste Ausbildung bringt uns halt nichts, wenn die Leute schneller wieder aussteigen, als wir alle zusammen Morgenkreis sagen können. Was es braucht – das haben wir schon öfters hier diskutiert –, sind kleinere Gruppen, mehr Zeit für Pädagogik, bessere Bezahlung und echte Wertschätzung. Elementarpädagogik ist wichtig, weil sie das Fundament ist– darüber haben wir gesprochen –, aber es darf kein Job sein, in dem die Pädagogen und Pädagoginnen schneller ausbrennen als die Geburtstagskerze im Wind. (👏) Ich hoffe, dass da endlich mehr kommt, denn die traurige Realität ist – und davon bin ich wirklich enttäuscht –: Ich habe mir erwartet, dass im Regierungsprogramm so etwas wie eine Verpflichtung zum Ausbau der Kinderbetreuung enthalten ist, und ich musste feststellen, dass das nicht so ist. Es wird keinen zusätzlichen Betreuungsplatz geben, keine kleineren Gruppen, und genau damit lassen wir die Pädagoginnen und Pädagogen im Stich. Vor allem aber lassen wir auch die Eltern im Stich. Ich glaube, gerade im Kontext von Mitarbeiter-, Mitarbeiterinnenmangel können wir uns ein Zuwenig an Kinderbetreuung ganz einfach nicht mehr leisten. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Nico Marchetti .

ÖVP Nico Marchetti

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bildungsminister! Ich möchte, weil wir heute auch einen Beschluss zu den Orientierungsklassen fassen, drei Schwerpunkte der Volkspartei im Bildungskapitel noch einmal hervorstreichen. Das eine ist: Für uns ist es ganz, ganz wichtig, dass Kinder, bevor sie ins Regelschulwesen kommen, auch fit dafür sind. Das entlastet die Klassen, die Klassenkolleginnen und -kollegen, es entlastet auch die Lehrkräfte und es stellt sicher, dass das Regelschulwesen gut funktionieren kann. (👏 ÖVP) Deswegen ist einerseits wichtig, dass die zu integrierende Anzahl an Kindern auch eine bewältigbare ist. Deshalb haben wir auch gesagt, wir stoppen den Familiennachzug, das haben wir ja auch schon beschlossen, damit eine Entlastung im Bildungswesen auch spürbar wird.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Remigration ...!

ÖVP Nico Marchetti

… Das andere ist, dass wir eben auch die Orientierungsklassen haben, dass wir sagen, wenn Kinder ins Bildungssystem quer einsteigen, auch während des Schuljahres oder eben nicht am Anfang des Schuljahres, muss es Systeme geben, in denen die Kinder fit fürs Regelschulwesen gemacht werden, damit das auch gut funktioniert. Das beschließen wir heute. Ich halte es für eine sehr sinnvolle Maßnahme, für die Kinder, für das Bildungssystem an sich, und deswegen zahlt es auch auf genau jenes Ziel ein, das uns als Volkspartei wichtig ist: Die Kinder sollen erst dann ins Regelschulwesen kommen, wenn sie dafür fit genug sind. (👏 ÖVP) Das Zweite ist, dass uns als Volkspartei wichtig ist, dass die Schule vor allem ein Ziel hat, ein Grundziel erfüllen muss, und das ist, dass die Kinder lesen, schreiben und rechnen können und dass auch die österreichische Lebensart in der Schule mitgegeben wird. Das halten wir für das, was sein muss. Auch da gibt es viele Dinge, die wir in diesem Sinne machen, und wir müssen da einfach besser werden. Die Analyse ist richtig: Gerade wenn es um Lesen und Schreiben geht, gibt es Defizite. In diesen Kernkompetenzen müssen wir also besser werden, aber auch die österreichische Lebensart muss in der Schule Platz finden. Und da gehört einiges dazu. Zum Beispiel habe ich heute den Antrag von Ricarda Berger und Christoph Steiner zum Kopftuchverbot an den Schulen gesehen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, aber für Lehrerinnen! Für Lehrerinnen!

ÖVP Nico Marchetti

… Das steht ja im Regierungsprogramm, und das ist ja auch etwas, was wir gerade verhandeln. Ich finde es wichtig, dass Mädchen vor der Geschlechtsreife kein Kopftuch tragen, denn das ist einfach nicht der Standard, den selbst die IGGÖ festlegt, und alles andere ist eine extreme Auslegung von Religion …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber auch die Lehrerinnen! Nehmen wir die Lehrerinnen auch mit!

ÖVP Nico Marchetti

… und das brauchen wir in der Schule nicht. Es gehört zu einer Normsetzung des Gesetzgebers, dass es so etwas nicht gibt, und deswegen widmen wir uns dem im Regierungsprogramm und in unserer Politik im Bildungsbereich. Das Dritte, das uns als Volkspartei wichtig ist, ist, dass auch Exzellenz in der Schule eine Rolle spielt, dass auch Talente eine Rolle spielen, dass wir das Beste aus den Kindern herausholen, dass wir sagen, es ist gut, wenn man sich anstrengt, wenn man etwas besonders gut kann; das ist etwas Schönes, das wollen wir auch, das wollen wir fördern, das wollen wir auch wertschätzen. Das ist etwas, das uns als Volkspartei wichtig ist. (👏 ÖVP) Erstens also sollen Kinder erst ins Regelschulwesen kommen, wenn sie dafür auch fit sind. Das Zweite ist, die Schule muss unbedingt besser in der Vermittlung der Kernkompetenzen werden – Lesen, Schreiben und Rechnen – und in der Vermittlung der österreichischen Lebensart. Das ist für uns oberste Priorität. Und das Dritte ist, dass wir eben auch Talente und Exzellenz in der Schule wollen und es nicht als etwas Elitäres abtun. Es ist egal, woher ein Kind kommt, von wo es abstammt, es kann jedes Kind besondere Talente haben, insofern ist es auch dahin gehend eine gerechte Sache. Abschließend: Die Reformpartnerschaft, die wir jetzt gerade mit den Bundesländern, mit den Gemeinden ins Leben gerufen haben, ist auch ein sehr wesentlicher Punkt, um im Bildungssystem an den großen Schrauben zu drehen. Ich würde mich freuen, wenn alle Parteien, die aufgrund der Mitgliedschaft in einer Bundesregierung oder auch in den Landesregierungen ja automatisch irgendwo am Tisch sitzen, auch wirklich schauen, dass wir uns nicht nur in der Problemanalyse einig sind, sondern uns vielleicht auch bei Lösungen einig werden. Ich glaube, das wäre notwendig, damit wir vorankommen. Ich freue mich dahin gehend schon auf die Zusammenarbeit. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Ricarda Berger .

FPÖ Ricarda Berger

Danke, Frau Präsident! Herr Minister! Geschätzte Damen und Herren! Diese Regierungsvorlage ist eine absolute Bankrotterklärung. Sie ist ein Schuldeingeständnis, eine Selbstanklage vom Feinsten, meine sehr geehrten Damen und Herren! …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Die Rede haben Sie schon einmal gehalten! – Heiterkeit bei SPÖ und NEOS. – Abg. Shetty [NEOS]: Das ist gleich ganz dezent aufgetragen!

FPÖ Ricarda Berger

… Hören Sie mir einfach einmal zu! …

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Da hat sie aber recht! Kommt uns bekannt vor!

FPÖ Ricarda Berger

… Wieder einmal erleben wir ein Stück verfehlter Integrationspolitik, und, Kollege Brückl hat es schon erwähnt, das ist in Wahrheit schon wieder nur eine Placebomaßnahme. Die Regierung präsentiert ganz großspurig ein Gesetzespaket zur Orientierung, Beschulung von Kindern, die aus völlig fremden Kulturen zu uns kommen, während gleichzeitig Innenminister Karner uns erklärt, dass der Zuzug gestoppt wird. – So, also was jetzt? Wenn angeblich kein Zuzug mehr stattfindet: Wozu brauchen wir all diese Maßnahmen?, frage ich Sie nur.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Vielleicht weil es schon Kinder im Land gibt; also, ich weiß nicht, ob das in den Kopf reingeht! – Zwischenruf der Abg. Totter [ÖVP.]

FPÖ Ricarda Berger

… Es zeigt sich einfach wieder einmal das alte Spiel, nämlich das Spiel Ihrer Schönrederei. Man will die Österreicher beruhigen, besänftigen, so wie Sie es immer machen, indem man ihnen sagt, es käme eh niemand mehr her. Gleichzeitig, im gleichen Atemzug, wird aber ein millionenschweres Integrationsprogramm beschlossen, weil offenbar doch Tausende schulpflichtige Kinder ohne Sprachkenntnisse ins Land kommen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Oder im Land sind! – Ruf bei den Grünen: Vielleicht sind die schon da!

FPÖ Ricarda Berger

… Das passt nicht ganz zusammen und es geht sich einfach nicht mehr aus. (👏 FPÖ) Wir Freiheitliche sagen ganz klar: Integration beginnt mit klaren Grenzen. Integration beginnt damit, dass wir die illegale Migration konsequent verhindern und nicht mit immer neuen Programmen zementieren. Diese Orientierungsklassen sind ein weiteres Symbol, ich habe es schon erwähnt, für eine gescheiterte Integrationspolitik, die nicht den Schutz unserer Kinder im Fokus hat, sondern nur das permanente Durchwinken von Parallelgesellschaften.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Sie wissen ja nicht einmal, was Integration heißt!

FPÖ Ricarda Berger

… Schauen wir uns das genauer an, Kollege Brückl hat schon einiges erwähnt. Es werden Sprachförderkurse, Alphabetisierung, Grundwerteunterricht angeboten.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das will alles die FPÖ nicht, weil dann verlieren Sie ihr Hetzthema!

FPÖ Ricarda Berger

… Ich habe mir das jetzt genau durchgeschaut: Es wird auf „Grundkompetenzen in [...] dem Erkennen von Symbolen und Schriftzeichen [...] Motorik [...] Kennen von Abläufen in einer Bildungseinrichtung und [...] dem Erkennen und Verstehen von sozialen Regeln“ geschaut, also man lernt ihnen, wie man in einer demokratischen Gesellschaft lebt …

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Lehrt sie!

FPÖ Ricarda Berger

… dass es Respekt gibt, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Toleranz, Partizipation – all diese Sachen, und alles auf Kosten der Steuerzahler, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das hat mit Bildung wahrlich nichts mehr zu tun. ( Rufe bei den NEOS: Was? ) Das ist Integration, und das alles auf Kosten unserer eigenen Bevölkerung, für Menschen, die überhaupt nie eine Aufenthaltsperspektive in Österreich haben sollten. Warum investiert diese Regierung nicht lieber in unsere eigenen Schulen, endlich in die Entlastung der Lehrer, in kleinere Klassen und in eine bessere Ausstattung für unsere eigenen Kinder? (👏 FPÖ) Wir sagen ganz deutlich: Wenn der Zuzug – also laut Innenminister Karner, ÖVP – gestoppt wurde, dann ist dieses Gesetz ja eigentlich völlig überflüssig. Wenn er doch nicht gestoppt wurde, dann ist dieses Gesetz der vollkommen falsche Weg. Es kann nämlich nicht sein, dass Kinder ohne jede Vorbereitung einfach in unser Schulsystem eingegliedert werden, ohne dass wir vorher für Sicherheit, für eine gesicherte Bleibeperspektive und vor allem für eine klare Integrationsbereitschaft sorgen.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Mamma mia! Es sollen die Kinder ja nichts ...! Meine Güte! – Abg. Erasim [SPÖ]: Es wird immer schlimmer!

FPÖ Ricarda Berger

… Wir Freiheitliche stehen für ein System, das unsere Werte schützt …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Und die Kinder missachtet!

FPÖ Ricarda Berger

… mit Respekt vor unserer Sprache, unserer Kultur und unseren Bildungsstandards. Es darf einfach keine dauerhafte Parallelgesellschaft geben …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Aber Sie fordern das ja gerade! Diese Parallelgesellschaften fordern Sie ja gerade!

FPÖ Ricarda Berger

… und es darf schon gar nicht sein, dass unsere eigenen Kinder hintangestellt werden, nur damit integrationsunwillige Zuwanderer in diesem Land wieder einen Vorteil genießen.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Völliger Widerspruch!

FPÖ Ricarda Berger

… Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum Sie so unruhig sind.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Wir sind nicht unruhig! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ. – Abg. Silvan [SPÖ]: Weil es nicht stimmig ist! – Abg. Erasim [SPÖ]: Weil es die widersprüchlichste Rede der Plenarwoche ist!

FPÖ Ricarda Berger

… Wahrscheinlich, weil es wahr ist, gell? Daher und genau aus diesem Grund werden wir dieser Maßnahme selbstverständlich nicht zustimmen, denn wir fordern stattdessen ein konsequentes Ende dieser unsäglichen illegalen Migration und endlich eine Stärkung unseres eigenen Bildungssystems, nämlich für unsere Kinder, die Familien und die Zukunft dieses Landes.

SPÖ Yildirim (Zwischenruf)

Für alle Kinder!

PräsidiumDoris Bures

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Abgeordneter Yannik Shetty zu Wort gemeldet.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Abgeordnete Berger hat viel Unrichtiges gesagt. ( Heiterkeit des Abg. Silvan [SPÖ]. ) Ich werde einen Fakt davon tatsächlich berichtigen, und zwar hat sie gesagt, dass das Integrationsprogramm der Regierung sich ausschließlich an neu Zugewanderte richtet, an die, die neu zuwandern. – Das ist nicht richtig. Ich berichtige tatsächlich: Das Programm Integration ab Tag eins richtet sich an alle Migranten mit Integrationsbedarf, vor allem an die, die schon jetzt da sind.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Eine tatsächliche Berichtigung ist das nicht! Das ist eine politische Bewertung! – Ruf bei der FPÖ: Ja! – (Abg. Steiner [FPÖ]: Herr Klubobmann! Noch einmal ... die Geschäftsordnung, Herr Klubobmann!

NEOS Yannick Shetty

… Aber Ihre Wortmeldung zeigt schon wieder: Sie wollen die Probleme großmachen und nicht die Lösungen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Und der Schlüssel zum Glück ist Remigration! – Abg. Erasim [SPÖ]: „Der Schlüssel zum Glück ist Remigration“, das ist der Satz vom Herrn Abgeordneten Steiner! – Abg. Steiner [FPÖ]: Richtig! Das hab ich da draußen schon dreißigmal gesagt, glaub ich! Musst du besser zuhören! Das sage ich auch heute wieder!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Heinrich Himmer zu Wort. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Heinrich Himmer

Danke, Frau Präsidentin! Herr Bildungsminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und liebe Zuseher! Danke, Herr Klubobmann Shetty, Sie haben einen Teil dessen - - Bei den vielen Dingen, die Sie, Frau Kollegin Berger, uns gerade zu Ihrem Bild von Integration und Menschen präsentiert haben, haben Sie auch gleichzeitig bewiesen, warum Sie mit Integration und Menschen wenig zu tun haben. Menschen mitzunehmen und zu begleiten, ein Teil der Gesellschaft zu werden, ist Integration; Grenzen zu ziehen, ist es nicht.

FPÖ Ricarda Berger (Zwischenruf)

Die wollen nicht Teil dieser Gesellschaft sein! Die wollen das nicht!

SPÖ Heinrich Himmer

… Das hat mit Integration gar nichts zu tun.

FPÖ Ricarda Berger (Zwischenruf)

Die, die wollen, brauchen das alles nicht; die machen das alles allein!

SPÖ Heinrich Himmer

… Auch unsere Pädagoginnen und Pädagogen werden nicht dadurch entlastet, dass wir Kinder und Jugendliche, die eine andere Form von Begleitung brauchen, einfach in bestehende Klassen setzen.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Oho!

SPÖ Heinrich Himmer

… Damit werden die überlastet, die in den letzten Jahren tatsächlich auch ganz massiv dafür gearbeitet haben.

FPÖ Ricarda Berger (Zwischenruf)

Sie haben es nicht verstanden! Tut mir leid, Sie haben es nicht verstanden!

SPÖ Heinrich Himmer

… Sondern: Wir sollten sie unterstützen, indem sie dort ein Angebot bekommen – nämlich die Schüler:innen, die Familien und auch die Pädagoginnen und Pädagogen. Ich danke auch dafür, dass gerade die Sprachförderkräfte in der Schule massiv ausgebaut werden, denn das gehört dazu. Wenn wir Pädagog:innen entlasten wollen, brauchen wir auch Menschen, die diese Menschen begleiten.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Hört, hört! – Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Taschner [ÖVP]: Hört, hört!

SPÖ Heinrich Himmer

… Das wollen Sie nicht, das ist spürbar und hörbar. Sie setzen sich auch überhaupt nicht mit dem Angebot auseinander. Es geht ja darum: Diese Orientierungsklassen sind ja eine Erfindung, die wir in Wien schon länger ausprobiert haben …

FPÖ Ricarda Berger (Zwischenruf)

Hat gut funktioniert!

SPÖ Heinrich Himmer

… die in Vorarlberg ausprobiert worden sind - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, das hat ja gut funktioniert! – Abg. Ricarda Berger [FPÖ]: Grandios!

SPÖ Heinrich Himmer

… Ja, genau, Herr Steiner. Sie haben vollkommen recht. Das hat so gut funktioniert …

FPÖ Schuch-Gubik (Zwischenruf)

Da muss er selber lachen!

SPÖ Heinrich Himmer

… dass wir heute dieses Programm in das Schulprogramm mitaufnehmen, weil das Angebot von Bildung allen offenstehen muss. Damit Schulunterricht funktioniert, braucht es auch eine Vorbereitung darauf. (Abg. Gasser [NEOS] – in Richtung FPÖ –: In Vorarlberg seid ihr übrigens in der Landesregierung!) Darüber haben wir auch heute den ganzen Vormittag …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, leider! Da haben wir zu wenig Einfluss!

SPÖ Heinrich Himmer

… Herr Steiner! – diskutiert , gemeinsam mit der Außenministerin: dass die Welt an vielen Ecken und Enden durchaus riskant ist und wir für viele Menschen auch Heimat werden. Wir wollen diese Heimat so gut gestalten, dass alle Menschen sich hier wohlfühlen. (👏 SPÖ, NEOS) Daher - - – Herr Mölzer, auch für Sie: Wir freuen uns, wenn wir ein Schulangebot schaffen können, das Pädagog:innen entlastet, wofür man wirklich Danke sagen muss, denn die haben - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit 2015 habt ihr sie nur belastet! – Ruf bei der FPÖ: Genau!

SPÖ Heinrich Himmer

… Die haben in den letzten Jahren - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit 2015! Seit 2015!

SPÖ Heinrich Himmer

… Nicht Sie, Herr Steiner, Sie haben nichts dazu beigetragen, dass unser Schulsystem funktioniert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das sind die Pädagoginnen und Pädagogen. Bei denen bedanken wir uns alle.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit 2015 habt ihr sie belastet!

SPÖ Heinrich Himmer

… Herr Steiner, Sie können hier herauskommen …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, ich komme ja noch!

SPÖ Heinrich Himmer

… und sich auch bei den Pädagoginnen und Pädagogen bedanken …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich komme noch! Ich komme noch! – Heiterkeit der Abg. Ricarda Berger [FPÖ]

SPÖ Heinrich Himmer

… das wäre einmal ein Mehrwert einer Rede eines freiheitlichen Abgeordneten. Da freuen wir uns alle darauf.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich komme noch! Ich stehe sogar auf der Rednerliste!

SPÖ Heinrich Himmer

… Ich danke Ihnen, Herr Minister, für die Zusammenarbeit in dieser Reformpartnerschaft, in dieser Regierung, dass wir Kindern die Perspektiven geben, die sie brauchen, und dass wir alle dazu beitragen, dass Bildung bei jedem Kind Talente fördert und ermöglicht. – Danke.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Bravo! – Abg. Wurm [FPÖ]: Bla, bla, bla!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Bundesminister Christoph Wiederkehr zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Minister.

FPÖ Katayun Pracher-Hilander

Vielen Dank, werte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Wiederkehr! Werte Anwesende und Zuseher! Wir haben jetzt schon einiges zum schulischen Thema gehört. Ich möchte auf ein anderes Thema eingehen, nämlich auf das Thema Mobbing, Mobbing an Schulen. Wir alle haben in den vergangenen Monaten wiederholt über massive Mobbingvorfälle in heimischen Schulen gehört und gelesen – sie sind ans Tageslicht gekommen –, bei denen es um gravierende körperliche und psychische Übergriffe auf österreichische Schüler gegangen ist. Aktuell ist uns allen wahrscheinlich noch der Fall von Vöcklabruck in Erinnerung, bei dem der 15-jährige HTL-Schüler von mehreren älteren, teils sehr viel älteren Mitschülern mit Migrationshintergrund systematisch gemobbt wurde.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aus dem Fenster geschmissen!

FPÖ Katayun Pracher-Hilander

… Das Opfer wurde hierbei über mehrere Monate hinweg geschlagen, gewürgt, psychisch misshandelt, schließlich sogar aus einem Fenster gedrängt und hat sich dabei auch erheblich verletzt. Aber auch anderswo in Österreich kommt es immer wieder zu ähnlichen Mobbingfällen, von denen wir aber so in der Tagespresse nichts lesen, aber es gibt sie. Diese Einzelfälle sind wirklich nur die Spitze eines extrem massiven Eisbergs. Mobbing wird in Österreich leider nach wie vor – ob im schulischen oder im Arbeitskontext – wirklich als Kavaliersdelikt heruntergespielt und abgetan, und das ist einer Gesellschaft unwürdig. Betroffene berichten, dass Lehrer im schulischen Kontext häufig aus falsch verstandener Toleranz, Überforderung oder aber aus purer Angst vor den Familien der migrantischen Schüler nichts sagen, wegschauen und schweigen. ( Ruf bei der ÖVP: Das ist eine Unterstellung! ) In diesem Zusammenhang möchte ich aus einer sehr interessanten und oft zitierten Studie, nämlich einer Public-Health-Studie, die über 33 Länder hinweg das schulische Mobbing untersucht hat, zwei wichtige Teilbefunde zitieren. Erster Teilbefund: Österreich gehört in dieser länderübergreifenden Langzeitstudie zu den Ländern mit der prozentual höchsten Nennung von Buben und Mädchen, die angegeben haben, bereits Opfer von Mobbing gewesen zu sein. Zweite Teilerkenntnis: Die Tendenz ist statistisch signifikant steigend. Dazu möchte ich aber ergänzend anführen, dass sich diese Zahlen auf den Erhebungszeitraum 2001 bis 2020 beziehen. Jetzt können wir uns alle vorstellen, wie dramatisch sich diese Zahlen zwischen 2015 bis heute verändert haben müssen, und zwar dank einer unkontrollierten Masseneinwanderung und gescheiterten Integrationspolitik unter Schwarz-Rot. Österreich muss sich bitte dringend den schwedischen Weg einer Nulltoleranzgrenze bei Mobbing zum Vorbild nehmen, Herr Minister Wiederkehr. (👏 FPÖ) Und zwar deshalb, weil nämlich Schweden in dieser ländervergleichenden Studie am besten, was das schulische Mobbing betrifft – wie auch bei Corona übrigens –, abgeschnitten hat. Dort ist schulisches Mobbing ein Nulltoleranzthema. Das gibt es nicht. Es gibt es, aber es wird nicht toleriert. Es ist daher wirklich dringend notwendig, dass auch die Schulleitungen in diesem Zusammenhang, und zwar im Sinne der Schutzverantwortung und der damit verbundenen Handlungs- und Meldepflicht, dazu angehalten werden, wirklich gegen Mobbing zwingend und aktiv vorzugehen und nicht länger wegzusehen. Mobbing muss daher mit konsequenten Maßnahmen begegnet werden: erstens mit einer verbindlichen Meldepflicht für Mobbing und Gewaltvorfälle an Schulen durch die jeweilige Schulleitung; zweitens mit Sanktionen bei unterlassener Meldung durch Schulleitungen mittels abgestufter Disziplinarmaßnahmen im Dienstrecht; und drittens mit Sofortmaßnahmen bei körperlichen Übergriffen mittels zumindest zeitlicher Suspendierung der Täter. Daher stelle ich folgenden Antrag: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Katayun Pracher-Hilander , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Wirksame Maßnahmen gegen Mobbing und Gewalt an Schulen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert, dem Nationalrat ehestmöglich eine Regierungsvorlage zur Umsetzung der Sofortmaßnahmen gegen Mobbing und Gewalt an Schulen zuzuleiten.“ Vielen Dank. (👏 FPÖ) 14.25 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/64.1 Wirksame Maßnahmen gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (116/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht mit in Verhandlung. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! ( Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend: ) Liebe gehörlose Menschen! Wir werden nicht müde, den Kindergarten als erste Bildungseinrichtung zu betonen. Warum? – Weil in der elementarpädagogischen Bildung die Zukunft unserer Kinder die ersten Züge annimmt. Im Kindergarten erlernen die Kinder soziale Kompetenzen, Sprache, aber auch Gesundheitskompetenz und vieles, vieles mehr. Von der Bildungserfahrung in den Kindergärten hängt der weitere Bildungsverlauf der Kinder ab. Versäumnisse von eben dort können in der Schule nur mehr schwer aufgeholt werden. Das heißt, wir haben eine große Chance, wir haben aber auch eine große Verantwortung. Wir setzen viel Hoffnung in den Kindergarten, und mit unserem Bildungsminister wird diese Bildungseinrichtung ihr volles Potenzial entfalten.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das glauben nicht einmal die eigenen!

NEOS Fiona Fiedler

… Besonders wichtige Punkte im Regierungsprogramm sind aus meiner Sicht die Überarbeitung des Bafep-Curriculums mit Fokus auf mehr Inklusion, der Einsatz von multiprofessionellen Teams zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen sowie Therapieangebote, Nursing-Dienste und vieles weitere mehr. Das sind sehr viele Maßnahmen. Ja, man muss irgendwo anfangen, und das tun wir jetzt mit der Einführung eines Studiums als Ausbildungsmöglichkeit für Elementarpädagog:innen. Denn all diese Maßnahmen, alle Qualitätssteigerungen und jeglicher Ausbau funktionieren nicht, wenn beim Fundament dieser Bildungsinstitution der Personalmangel droht. – Kleinere Gruppen, Frau Kollegin Neßler, ja, natürlich, aber ohne Personal sind die nicht umsetzbar. Für ein zukunftsfittes Bildungssystem braucht es Investitionen, aber natürlich auch das Schaffen der geeigneten rechtlichen Rahmenbedingungen. Um den wachsenden Herausforderungen etwas zu entgegnen und Elementarpädagog:innen zu entlasten, ist eine Erweiterung der möglichen Zugänge ein wichtiger erster Schritt. Hochschullehrgänge und außerordentliche Bachelorstudien richten sich an berufserfahrene Assistenzkräfte in der Elementarpädagogik, die zu höher qualifizierten Fachkräften werden sollen, und ordentliche Bachelorstudien stellen unter anderem für AHS-Maturantinnen und -Maturanten einen attraktiven Weg in die Elementarpädagogik dar. Es ist auch eine Frage der Wertschätzung. Wenn vom Kindergarten und von den Elementarpädagog:innen der weitere Bildungsverlauf sowie die Schulerfahrung der Kinder abhängt, dann ist eine höhere Qualifizierung, mit der auch höhere Anerkennung verbunden ist, nur gerecht. – ( Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend: ) Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Lisa Schuch-Gubik zu Wort gemeldet. – Bitte.

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Minister! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Was Sie uns heute hier mit den Orientierungsklassen präsentieren, ist in Wahrheit nichts anderes als ein Offenbarungseid Ihrer verfehlten Migrationspolitik. Sie sprechen von Integration, in Wahrheit ist das der nächste Schritt in Richtung Kapitulation. Statt eines echten Grenzschutzes, statt eines Asylstopps, statt einer strikten No-Way-Politik betreiben Sie eine Politik, die sagt: Kommt alle herein, wir bauen euch sogar noch eigene Klassen! Und ja, ich habe auch keine Scheu davor, zu sagen: Es reicht jetzt einmal mit all diesen Integrationsmaßnahmen. Wie lange will man uns dieses Integrationsmärchen eigentlich noch erzählen? Wenn Sie als Österreicher in ein anderes Land gehen, nehmen Sie die USA, die Emirate – es ist eigentlich wurscht, wohin; es wird überall ziemlich gleich sein –, dann müssen Sie sich anpassen, dann müssen Sie die Sprache lernen. Und wenn Sie das nicht tun, ja, dann wird man Sie relativ schnell wieder nach Hause schicken. Es wird Ihnen nicht alles hinterhergeworfen, so wie es bei uns der Fall ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das Land, bei dem ihr euch anpassen könnt, ist Russland!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Auch die Gastarbeiter, die früher zu uns gekommen sind, haben sich angepasst und haben die Sprache gelernt. Viele von denen wählen übrigens schon die FPÖ, weil es ihnen auch schon reicht. Was passiert aber aktuell bei uns? – Es gibt eine Orientierungsklasse da, einen Integrationskurs dort, alles wird hinterhergeworfen; und der, den das nicht interessiert, der weiter in der Parallelwelt lebt, wird trotzdem mitfinanziert und mitgetragen, dem passiert nämlich genau gar nichts. Remigration statt Einwanderung, muss die Devise heißen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Na bitte, hören Sie auf mit dem Sermon!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… weil wir dann auch wieder Geld für die haben, die es in unserem Land wirklich brauchen: für die Familien, für die Kinder, für die Pensionisten – aber denen nehmen Sie es weg! Anstatt nur einen einzigen Syrer abzuschieben, so wie es Herr Karner jetzt getan hat, und sich dann auch noch auf peinlichste Art und Weise medial feiern zu lassen, hätte er Tausende Syrer abschieben müssen – aber er bespitzelt ja lieber die eigene Bevölkerung.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

... Kickl abgeschoben?

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Kommen wir aber noch einmal zurück zu den Orientierungsklassen: Sie sprechen da von 75 und 25 zusätzlichen Lehrerplanstellen. Woher nehmen Sie diese? Kommen die einfach so? Hokuspokus, zaubern Sie die aus dem Hut? Falls Sie es nicht schon merken: Wir haben jetzt schon einen eklatanten Lehrermangel.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, warum? Weil Mehrsprachlichkeit so verurteilt wird!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Sie binden jetzt aber zusätzliches Personal für Personen, die gar nicht bei uns sein sollten. Das geht sich am Ende des Tages sicher nicht aus. Herr Bildungsminister! Ich habe ein Interview von Ihnen vom letzten Jahr gelesen ( Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von ÖVP, Grünen und FPÖ ), da wünschen Sie sich ein NEOS-geführtes Bildungsministerium, damit die Bildung in Österreich endlich wieder visionärer wird. Ich glaube Ihnen das schon. Sie wollten wirklich etwas verändern, aber wahrscheinlich ist auch Ihnen in den letzten Wochen klar geworden: Das wird nichts. Sie sind kein Reformminister geworden, stattdessen sind Sie nur ein Verwalter dieses Integrationsversagens. Bedanken können Sie sich bei der ÖVP, weil die das angerichtet hat. (👏 FPÖ) Während Ihre Parteichefin Meinl-Reisinger – Sie hat uns ja heute davon berichtet – als High-Class-Jetterin in der Weltgeschichte herumfliegt , im Geldkoffer das Steuergeld der Österreicher, und dabei in jede Kamera lacht, dürfen Sie lediglich das Versagen in Österreich verwalten, ganz nach dem Motto: pinkes Grinsen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... Mercedes!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… in Brüssel und Schulchaos in Österreich.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Auch eine Sporttasche kann ein Geldkoffer sein!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Ich nehme es Ihnen ab, dass es Ihnen bewusst ist, dass da etwas schiefläuft, aber das ändert nichts an der Tatsache.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... Privatjet vom ...!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Sie machen sich zum Erfüllungsgehilfen einer gescheiterten Migrationspolitik. Liebe Regierung, bitte stellen Sie sich heute nicht hierher und feiern sich für etwas, für das Sie sich nicht feiern dürfen! Sie sind nicht Teil der Lösung, Sie sind das größte Problem. Es gibt nur eine Lösung, und die lautet: Festung Österreich! – Danke.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Mit Geldkoffern kennt sie sich eh aus, die FPÖ! – Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: Nur, weils ausschaut wie eine Sporttasche?!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Rudolf Taschner zu Wort.

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Frau Kollegin Schuch-Gubik - - ( Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von NEOS und Abg. Steiner [FPÖ]. ) – Herr Steiner! Sie kommen dann nachher noch zu Wort. Darf ich? – Das ist sehr lieb von Ihnen, danke! Frau Kollegin Schuch-Gubik, Sie haben davon gesprochen, dass wir diese Orientierungsklassen nicht brauchten. Wie wäre es dann aber überhaupt möglich, dass, wenn jemand zu uns kommt, er tatsächliche diese Bringschuld bringt, dass er zum Österreicher wird? …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Na, dann sollen es jene machen, Herr Professor, die das ohnehin machen!

ÖVP Rudolf Taschner

… Das muss man doch gelehrt werden, deshalb brauchen wir diese Klassen, und ich hoffe, dass diese Klassen auch dementsprechend funktionieren.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wie hat das früher funktioniert, zu Ihrer Zeit?

ÖVP Rudolf Taschner

… Natürlich haben Sie recht, es wird sicher Probleme geben. Herr Minister, es ist ein großes Bündel, dass Sie da aufschnüren müssen, denn für diese Orientierungsklassen braucht man Personal. Man braucht das Wissen, wie man es macht, dass die Kinder so erzogen werden, dass, wenn sie dann in die Schulen kommen, die Lehrerinnen und Lehrer, die in den Schulen unterrichten, Kinder vor sich haben, die schulreif sind, die die Sprache können und die sozial mit den anderen Kindern umgehen können. Das ist das, was ich davon verlange. Ich verlange das für die Lehrer, die in den Schulen unterrichten, dass sie Kinder bekommen, die für diese Lehrer wirklich auch – wie soll ich sagen? – eine Arbeitsmöglichkeit darstellen, dass man diesen Kindern ermöglicht, dass sie lebenstüchtig werden, denn das ist ja der Sinn unserer Schulen. (👏 ÖVP) Was die Sprache anbelangt, möchte ich gerne ein paar Bemerkungen machen. Damals, als wir die Deutschförderklassen eingeführt hatten, gab es einen Riesenaufschrei: Minister Faßmann hat Deutschförderklassen eingeführt, das kann man nicht machen, die Kinder gehören doch gleich in die Klassen hinein, die müssen in das Sprachbad hinein! – Sprachbäder, in denen es leider nicht einmal das deutsche Wasser gegeben hat; sie sind dann in diesem Sprachbad ziemlich hart angekommen. Nein, das durfte nicht sein, weil das eine Separierung wäre! Jetzt führen wir die Separierung ein, und es ist gut so. Ich freue mich, dass Herr Kollege Himmer sagt, dass das in Ordnung ist, und ich glaube, dass wir da einen guten Weg gehen. Gehen Sie bitte zu Herrn Bundesminister Faßmann und sagen Sie: Sie haben es damals, 2017, wirklich gut angelegt.

SPÖ Stich (Zwischenruf)

... Äpfel und Birnen, oder?

ÖVP Rudolf Taschner

… Es ist nämlich nicht richtig, was von Frau Künsberg Sarre gesagt worden ist: dass 20 Jahre früher nichts passiert ist – es ist einiges geschehen, aber natürlich kann immer mehr geschehen. Sie sagen betreffend die deutsche Sprache, dass die Kinder wirklich gut Deutsch können müssen. Ja, sie müssen die richtigen Worte zu den richtigen Dingen sagen. Herr Bundesminister, da darf ich vielleicht ein paar kleine Fußnoten anbringen: Sie sprechen von Mental Health, die Sie in den Schulen einführen wollen. Mental Health, geistige Gesundheit – das kommt mir fast vor wie ein Sanatorium, was die Schule aber nicht ist. Sie wollen die Kinder zu lebenstüchtigen Menschen machen! ( Ruf bei der FPÖ: Nicht! ) Sie sagen, wir müssen Exitgespräche durchführen. Wissen Sie, was ein Exitus ist? Ich will einen Lebensplan für die Kinder entwickeln, auch wenn sie dann nachher nicht in der Schule sind.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Du verrennst dich grad ...!

ÖVP Rudolf Taschner

… Das ist der Punkt. Wir müssen die richtigen Worte finden. Ich glaube, das ist ein entscheidender Punkt – denn wenn wir die falschen Worte finden, dann geht das Ganze zugrunde. Die richtigen Worte sind das Wesentliche. Wenn jemand die Worte falsch setzt, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das Gesagte mit dem Gemeinten nicht übereinstimmt, dann stimmen die Werke nicht. Wenn die Werke nicht stimmen, dann verderben die Sitten und die Künste. ( Ruf bei der FPÖ: ... das Kind beim Namen! ) So sagt es Konfuzius. Darum ist das Setzen der richtigen Worte das Wichtigste.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Die Redezeit ist aus!

ÖVP Rudolf Taschner

… Das Wort muss richtig gesetzt werden, dann haben wir die Orientierung für die Kinder, die kommen. Die müssen die richtigen Worte setzen, aber wir auch. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Steiner .

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Frau Präsident. Die Zeit zählt schon; okay, ich habe noch gar nicht angefangen. Ja, ich glaube Herrn Kollegen Taschner das – Ihnen persönlich glaube ich das sogar, dass Sie es wirklich ernst meinen. Ich glaube es bis zu einem gewissen Grad auch Ihnen, Herr Wiederkehr, dass Sie es ernst meinen. Ich weiß nicht, woran Sie in Wien gescheitert sind, warum das da so katastrophal geendet hat – wahrscheinlich war es die SPÖ –, ich kann Ihnen aber versichern, Sie werden an dieser Fraktion – die Gott sei Dank eh schon minimiert ist –, an der ÖVP, scheitern. Ihnen persönlich glaube ich es, aber da ( in Richtung ÖVP weisend ) sitzt das Problem. Da sitzt das Problem! …

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

... Lösung!

FPÖ Christoph Steiner

… Sie gehören nicht zum Problem, Herr Taschner. Ich habe es schon gesagt, Ihnen persönlich glaube ich es ja.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

... wir machen’s alle, wir machens alle!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich habe es auch dem Bildungsminister, jenem vor Polaschek, geglaubt. Der ist aber im Übrigen auch an der eigenen Partei gescheitert. Einige haben das Problem jetzt erkannt, nach 33 Jahren „Österreich zuerst“-Volksbegehren. Gratulation! Schnellzünder muss man dazu sagen – oder Spätzünder, wie auch immer. Wir sind ja immer kritisiert worden: Als wir das vor 33 Jahren schon laufend angesprochen haben, dass sich das zu einem massiven Problem entwickelt und unsere eigenen österreichischen Kinder die Verlierer sein werden, habt ihr uns beschimpft …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Wen meinst denn du mit österreichischen Kindern?

FPÖ Christoph Steiner

… bis aufs Letzte.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Tun sie heute noch!

FPÖ Christoph Steiner

… Im Übrigen passiert das heute noch. Heute verpackt ihr es halt in andere Floskeln.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Also der zweisprachige ...?!

FPÖ Christoph Steiner

… Frau Voglauer, Sie haben zuerst so hineingeschrien: Ich habe gar nicht gewusst, dass Sie jetzt neben Ihrer Landwirtschaft auch Bildungsexpertin sind. Bitte, kommen Sie heraus zu mir und dann reden wir darüber! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was bist denn du? – Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Christoph Steiner

… Frau Voglauer, Sie haben es mit Ihrer Partei mit provoziert, was jetzt in den österreichischen Schulen passiert. Ihr seid ja 2015 mit den Teddybären an den Bahnhöfen gestanden und habt die Messerstecher und jene Personen, die unsere Kinder in den Schulen aus den Fenstern werfen, hereingebeten und beklatscht. ( Ruf bei der FPÖ: Danke! ) – So weit zu Ihrer Bildungspolitik, ihr habt das mit verursacht! (👏 FPÖ) Jetzt haben wir aber den Flächenbrand, und anstatt die Feuer langsam zu löschen, also richtig zu löschen, beginnen wir mit ein paar Spritzkübeln, einzelne Brände vielleicht zu löschen. Die Orientierungsklassen, Herr Wiederkehr, sind ein hehres Ziel , alles gut, wunderbar, nur: Woher kriegen wir das Personal? …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

... die Orientierungsklassen der Tod, und jetzt sind sie ein hehres Ziel!

FPÖ Christoph Steiner

… Und: Welche Unterrichtssprache herrscht denn da? (Bundesminister Wiederkehr : Deutsch!) – Deutsch! Da herrscht definitiv Deutsch als Unterrichtssprache. Da ich bin gespannt, wie viele Bildungsziele wir dann in den Orientierungsklassen hinbekommen, denn ich habe schon gelesen, man lernt den Kindern dort die Handhabung einer Kinderschere.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Lehrt, Herr Kollege!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich sage Ihnen aber auch: Diese ganze Geschichte mit den Orientierungsklassen werden wir wieder diskutieren, liebe Kollegen von den NEOS , denn sie wird nicht funktionieren, weil sie es einfach nicht wollen. Nicht Sie, sondern die Zugewanderten wollen sich nicht integrieren, und da können wir noch so viel - - …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Die Kinder?!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich rede von den Eltern! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Aber es geht um die Kinder! – Zwischenruf der Abg. Voglauer [Grüne].

FPÖ Christoph Steiner

… Die Kinder werden ja zu Hause erzogen, Frau Kollegin Voglauer! Oder wer hat denn Sie erzogen? Sind Sie fremd erzogen worden oder von den Eltern? Gut, und die Eltern wollen es nicht, sie wollen nicht, dass sich die Kinder integrieren. Das wollen sie einfach nicht. (👏 FPÖ) Frau Voglauer! Warum sitzen denn arme Mädchen mit einem Kopftuch in der Klasse? – Weil es die Eltern vorgeben, weil sie es gar nicht wollen, dass sich die Kinder bei uns in den Schulen integrieren, ergo wird ihnen auch die beste Orientierungsklasse nichts nützen. Wir haben ein massives Problem, solange wir auch Lehrerinnen in den Klassen stehen haben, die ihnen das mit dem Kopftuch vorleben – auch das ist ein Problem. Das wird nicht funktionieren, auch wenn man noch so viele Milliarden in dieses System oder in Orientierungsklassen pumpt. Deshalb komme ich schon zu meinem Antrag. Wir wollen ein flächendeckendes Kopftuchverbot – nicht nur für Schülerinnen, sondern auch für Lehrerinnen, die da drinnen stehen und – verdammt noch einmal! – eine Vorbildfunktion zu leben haben. (👏 FPÖ) Deshalb gibt es folgenden Antrag: Entschließungsantrag der Abgeordneten Christoph Steiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Kopftuchverbot an Österreichs Schulen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert, dem Nationalrat umgehend eine Regierungsvorlage zuzuleiten, die das Tragen eines Kopftuches sowie einer Verschleierung in öffentlichen Pflichtschulen sowohl für Lehrerinnen als auch für Schülerinnen verbietet.“ Herr Bildungsminister, weil Sie ja vorhin bei der Debatte um die Doppelstaatsbürgerschaft in Südtirol dagesessen sind – Ihre Parteiobfrau Außenministerin Meinl-Reisinger lehnt ja die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtirol ab –: Sie besitzen selbst eine Doppelstaatsbürgerschaft, ergo sind Sie wahrscheinlich eher für Doppelstaatsbürgerschaften. Sollten Sie allerdings dagegen sein, dann bitte ich Sie: Legen Sie die österreichische Staatsbürgerschaft ab, dann haben wir vielleicht einen Bildungsminister, der uns weniger Friseurkosten beschert als Sie! (👏 FPÖ) 14.42 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/68.1 Kopftuchverbot an Österreichs Schulen (117/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht mit in Verhandlung. Frau Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs , Sie haben das Wort.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Geschätzte Präsidentin! Geschätzter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, mir wäre auch ein bisschen nach Schreien, aber ich lasse das jetzt sein, weil ich der Meinung bin …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das muss raus, Frau Kollegin!

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

… Kinderbildung und Integration sind gute Investitionen in die Zukunft. Deswegen beschließen wir heute auch eine Gesetzesänderung im Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz – ein etwas sperriger Name. Dahinter steckt ein wichtiger Schritt in der Ausbildungsoffensive der Elementarpädagogik. Künftig wird es ergänzend – wir haben es heute schon gehört – zu den bestehenden Ausbildungsmöglichkeiten der fünfjährigen Bafep und der Kollegform auch möglich sein, ein grundständiges Bachelorstudium zu absolvieren, um nach Abschluss direkt als Elementarpädagogin im Kindergarten tätig zu sein. (👏 SPÖ, NEOS) Danke an dieser Stelle an alle Pädagog:innen, die das jetzt schon tun, und ich möchte hier auch sagen: Es ist ein wunderbarer Beruf bei allen Herausforderungen, den ich 25 Jahre ausüben durfte. Ich mag meine Aufgabe hier im Parlament sehr, dennoch vermisse ich die Tätigkeit im Kindergarten sehr. Warum ist dieses Studium sinnvoll? – Pädagog:innen tragen tagtäglich Verantwortung für bis zu 25 Kinder, über viele Stunden hinweg, als Begleiter:innen, als Bezugspersonen, weil Kinder Bindungen brauchen und über Beziehungen lernen. Die Kinder bringen eine Vielfalt an Bedürfnissen, Biografien, Familiengeschichten, Sprach- und Entwicklungsständen mit. Auf jedes einzelne Kind einzugehen, auf die gesamte Gruppendynamik, aber auch als Ansprechpartnerin für Eltern und Familien da zu sein, ist eine herausfordernde und vielschichtige Aufgabe. Kinder sind ein Spiegel der Gesellschaft, deshalb haben wir es auch im Kindergarten mit hochkomplexen, mehrdeutigen und sehr oft auch schlecht vorhersehbaren Situationen zu tun. Was braucht also eine Pädagog:in? – Sie braucht mehr als nur eine Bastelschere und Fingerfarben, sie braucht Haltung, sie braucht Fachwissen und Handlungskompetenzen, denn sie sind sozusagen die Werkzeuge einer Pädagog:in und ein Studium kann die Werkzeugtasche einer Pädagog:in vergrößern und ergänzen. So wie wir auch in Technik und Medizin neue wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, neue Werkzeuge und Instrumente in Werkstätten oder Operationssälen verwenden, so notwendig ist das auch in der Bildung und Pädagogik, denn dort geht es um die psychische, physische und mentale Entwicklung von Kindern. Wir kommen damit auch der Forderung von multiprofessionellen Teams nach, nicht mehr eine Pädagogin allein soll alles leisten können und alles leisten müssen. Ich fasse zusammen: Höhere Qualifikationen bringen mehr Qualität in die Kindergärten, höhere Professionalisierung einen längeren Verbleib im Berufsfeld und mehr Ausbildungsplätze schaffen mehr Pädagog:innen in den Kindergärten. Man beachte auch den Einfluss auf die Bildungspolitik. Akademisch ausgebildete Pädagog:innen nehmen aktiver an der Weiterbildung und der Verbesserung des Bildungssystems teil – und das ist richtig und wichtig! Die Studienplätze, die ab Herbst auf der FH Campus Wien und der Uni Graz starten, sind ein erster Schritt. Weitere Schritte, wie die Qualifizierung von Assistenzkräften, und verbesserte Rahmenbedingungen sind genauso wichtig. Die SPÖ wird in Zukunft auch für eine umfassende moderne Ausbildungsstruktur sichtbar sein und sich einsetzen, von der Assistenzausbildung über Bafeps, Kollegs bis zum Doktoratsstudium, denn wir brauchen auch in Österreich mehr Forschende im Bereich der frühen Kindheit. Kinder lernen forschend, lernen wir forschend über Kinder. – Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Wendelin Mölzer .

FPÖ Wendelin Mölzer

Danke, Frau Präsidentin! Hohes Haus! Herr Minister! Kollege Himmer, ich schließe mich dem an: Der Dank muss den Lehrerinnen und Lehrern gelten, die neben den Schülern das zu erleiden haben, was Sie in der Politik hier verantworten, was in den Schulen los ist. – Wirklich ein großer Dank dafür – was Sie da aushalten müssen, liebe Pädagoginnen, liebe Pädagogen, das ist ein Wahnsinn. Noch mehr leid tun mir natürlich die Kinder, die darunter leiden müssen. (👏 FPÖ) Meine Damen und Herren, wir führen jetzt hier eine Debatte, die auf der einen Seite ein bisschen an den Vormittag anschließt, an dem die Frau Außenministerin stundenlang bramarbasiert hat, der Herr Bildungsminister dann auch schön gesprochen hat – hin und her, und weiß ich nicht was, wie klass alles ist und wie klass es werden wird. Dazwischen gab es einiges an Unfug, das ich da gehört habe, wo Sie sich immer mit uns beschäftigen müssen und uns immer unterstellen, dass wir keine Lösungen haben. – Wir haben heute, glaube ich, drei Anträge eingebracht, wenn ich es richtig sehe, einer davon ist der Neunpunkteantrag. Stimmen Sie dem zu, er liegt seit zwei Jahren da. Das sind Lösungsansätze, Sie können uns nicht vorwerfen, dass wir nicht konstruktiv sind. (👏 FPÖ) Des Weiteren, geschätzte Damen und Herren, steht da – ich habe immer diesen Eindruck – ein unsichtbarer Elefant im Raum, den Sie verleugnen wollen. Dieser Elefant ist die Massenzuwanderung, und das ist nun einmal leider Gottes das Hauptproblem in unserem Bildungssystem, das wir haben. Das ist unbestritten, das leugnen Sie weg. Sie glauben, dass Sie es mit Millionen und Milliarden im Integrationsbereich lösen können, doch das wird einfach nicht funktionieren. Das funktioniert nicht. Ohne Integrationswillen – und der fehlt leider Gottes bei so vielen Zuwanderern und illegalen Zuwanderern – wird das einfach nicht funktionieren. Deswegen müssen wir diesen Elefanten aus den Schulen beseitigen, wir müssen diese Probleme, die wir da haben, in den Griff bekommen. Und wenn wir das nicht ehrlich und offen angehen, dann werden wir scheitern. Da können wir noch so viele Millionen hineinstecken, noch so viele Schulpsychologen bezahlen und noch so viele Lehrkräfte ausbilden, wir werden es dann nicht in den Griff kriegen. Geschätzte Damen und Herren, ich finde es spannend, wenn zum Beispiel die SPÖ, Kollege Himmer, sagt, wir wollen Heimat für illegale Zuwanderer sein – sinngemäß. Also ich will nicht Heimat für illegale Zuwanderer sein, ich will haben - - …

ÖVP Totter (Zwischenruf)

Wer hat das gesagt?

FPÖ Wendelin Mölzer

… Kollege Himmer hat gesagt: Wir wollen Heimat für alle sein. (👏 FPÖ) Das finde ich nicht toll. Wir wollen, dass unsere Kinder die bestmögliche Ausbildung an den Schulen bekommen. Wir sind auch nicht der Meinung, dass eine Gruppe von Menschen, Frau Kollegin von Künsberg Sarre, für diese Missstände verantwortlich ist, sondern wir sind der Meinung, dass Sie als Politik – diese Einheitspartei – für die Missstände verantwortlich sind und dass wir da dringenden Handlungsbedarf haben. Deswegen: Wer keinen Integrationswillen hat, wer Kinder mobbt – zum Beispiel ein Neunjähriger in der Volksschule: „Ich mag nicht mehr leben!“, das war gerade eine Schlagzeile in der „Kronen Zeitung“; vom einzigen Österreicher in der Schulklasse –, der muss nach Hause mit seinen Eltern, dann werden wir auch das Problem in den Griff bekommen. (👏 FPÖ) Dann, geschätzte Damen und Herren, können wir uns auch wieder um die weiteren Probleme, die mannigfaltig sind, das ist ja unbestritten, kümmern, und dann werden wir uns wahrscheinlich damit leichter tun. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Janos Juvan .

GRÜNE Olga Voglauer

Spoštovana Visoka Hiša! Wertes Hohes Haus! Herr Steiner, Sie haben die Frage gestellt, wer mich erzogen hat.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Die Eltern hoffentlich!

GRÜNE Olga Voglauer

… Veš, kdo me je vzgajal? Vzgajali so me moji starši, moji učitelji in cela moja okolica.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das verstehe ich leider nicht!

GRÜNE Olga Voglauer

… Ja razumem, da tega ne razumeš, ker se nisi naučil.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich verstehe es nicht!

GRÜNE Olga Voglauer

… Ich verstehe schon: Du verstehst das nicht, weil du es nicht gelernt hast.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Richtig!

GRÜNE Olga Voglauer

… Du hast nicht gelernt, die Angst vor Sprachen zu verlieren.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wieso? Französisch, Englisch wird wohl reichen! Französisch und Englisch wird wohl reichen!

GRÜNE Olga Voglauer

… Man muss sich nicht angegriffen fühlen, wenn jemand in anderen Sprachen spricht. Und man muss auch keine Angst vor Mischehen haben, Kollege Mölzer. Ich bin ein Produkt einer solchen Mischehe. Mein Vater ist Kärntner Slowene, meine Mutter ist aus dem Innviertel, und wir leben in Kärnten. Wir sprechen mindestens zwei Sprachen , und ab und zu sprechen wir sogar eine dritte und eine vierte. Und Stellen Sie sich vor: Es ist kein Problem. Aber von Landwirtschaftsexpertin zu Heilmasseur, jetzt einmal ganz klar zum Mitschreiben …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Was hat das mit der Bildung zu tun?

GRÜNE Olga Voglauer

… Worauf kommt es an in unserem Bildungssystem und bei den Elementarpädagog:innen, Herr Minister? – Es wird darauf ankommen, dass wir unseren Kindern, denen wir den Weg in die Zukunft bereiten, keine Angst davor machen, dass sie in ihrer Muttersprache etwas wert sind, dass wir ihnen mitgeben, dass sie so, wie sie sind, gut sind. Und wir werden sie auf einem weiteren und besseren Weg begleiten.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Deswegen funktioniert die Kandidatur in Kärnten so gut immer!

GRÜNE Olga Voglauer

… Aber das ist ja das, was du, Herr Steiner, nicht zusammenbringst. Du hältst es ja nicht einmal ohne Kommentierung aus, wenn man hier in einer weiteren österreichischen Landessprache spricht.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das habe ich jetzt wieder nicht kapiert! Habe ich jetzt nicht kapiert!

GRÜNE Olga Voglauer

… Und Herr Minister, Ihnen gebe ich mit: Konzentrieren Sie sich auch manchmal darauf, dass wir ein zweisprachiges Schulwesen in Österreich haben, im Burgenland und in Kärnten, in dem es vorzüglich funktioniert, dass man durch beide Sprachen, durch einen zweisprachigen Unterricht auch sehr, sehr gut Deutsch lernen kann. Ich bin ein Produkt dieser Bildung, ich glaube, ich kann sinnhaft Deutsch sprechen. Fokussieren Sie sich auf diese Best Practice, suchen Sie sich dort Modelle und kommen Sie auch zu dem Punkt, dass wir Personal suchen, pädagogisches Personal, das mit Freude auch seine Muttersprache miteinbringen wird! (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Totter .

ÖVP Agnes Totter

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Mit dieser Regierungsvorlage beschließen wir heute ein klar strukturiertes, pädagogisch fundiertes und schon erprobtes Modell und führen sogenannte Orientierungsklassen ein. Dieser Schritt ist notwendig, denn wir haben an unseren Schulen schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die oft keinerlei institutionelle Bildungserfahrung mitbringen, weder in ihrer Erstsprache noch in Deutsch. Mit den Orientierungsklassen setzen wir daher eine Maßnahme, die das Ziel hat, schulpflichtige Kinder ohne ausreichende Vorerfahrungen gezielt auf den Schulalltag vorzubereiten. Was wird in diesen Klassen vermittelt? – Grundkenntnisse über das österreichische Bildungssystem, Vorläuferfertigkeiten für Sprache und Schrift sowie zentrale demokratische Grundwerte wie Respekt, Gleichberechtigung und Verantwortung. Und auch die Eltern werden als wesentliche Bildungspartner aktiv einbezogen. Sie sind verpflichtet – und ich wiederhole gerne: die Eltern werden verpflichtet –, an Informationsveranstaltungen teilzunehmen, bei denen schulische Mitwirkung, Pflichten im Schulalltag und gesellschaftliche Grundregeln thematisiert werden. (👏 ÖVP) Eine Nichtteilnahme bleibt auch nicht folgenlos, sondern wird sanktioniert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie?

ÖVP Agnes Totter

… Das ist wichtig, denn Integration ist keine Einbahnstraße, also nicht nur eine Bringschuld, sondern auch eine Holschuld. Angebote zu legen, reicht allein nicht aus – das ist wichtig und richtig, aber allein reicht das nicht –, sondern diese müssen auch angenommen werden. Die Annahme dieser Angebote kann aus meiner Sicht nicht freiwillig sein, sondern eben eine Verpflichtung. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Meine Damen und Herren, der Unterricht in den Orientierungsklassen ermöglicht Integration mit Struktur, Klarheit und gegenseitigem Respekt. Er entlastet – und das ist mir besonders wichtig – unsere Lehrerinnen und Lehrer und gibt den betroffenen Kindern eine faire Chance auf schulischen und sozialen Erfolg. Daher ist diese Regierungsvorlage zur Einführung von Orientierungsklassen praxisnah und ein rechtlich solider und integrationspolitisch bedeutender Schritt. Lieber Herr Bildungsminister, im Bildungsbereich haben wir aber auch viele andere Herausforderungen, die wir gemeinsam gut lösen müssen. Ich möchte wie immer auf drei davon eingehen. Es braucht dringend Entlastungsmaßnahmen an unseren Schulen. Im kommenden Schuljahr bekommen unsere Schulen weniger pädagogisch-administrative Stunden als zugesagt. Umso wichtiger ist es, dass wie angekündigt spürbare Schritte zur Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schulleitungen gesetzt werden. (👏 ÖVP) Ich habe schon mehrfach vorgeschlagen, die IKM-plus-Testungen in den vierten Klassen der Volksschule und der Mittelschule wegzulassen, denn diese Tests liefern nur Daten für das Ministerium. Die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer bekommen die Ergebnisse zu einem Zeitpunkt zurück, zu dem die Schülerinnen und Schüler die jeweilige Schulart bereits verlassen haben. Sie können daher die entsprechenden Daten nicht verwerten, haben aber einen erheblichen Aufwand, was die Durchführung dieser Tests anlangt. Wir brauchen auch dringend ein Zweilehrer:innensystem an den Volksschulen, zumindest auf der Grundstufe I, denn da – und das wissen wir alle – geht die Schere weit auseinander, was die Entwicklung der Kinder anlangt. Als dritten Punkt möchte ich die Mittelschulen erwähnen. Auch diese brauchen mehr Mittel und Ressourcen, um ihren Auftrag erfüllen zu können, denn gerade die Mittelschulen, die alle Schülerinnen und Schüler unterrichten und sich die Schülerinnen und Schüler im Unterschied zum Gymnasium nicht aussuchen können, sorgen dafür, dass die Kinder die beste Bildung vor Ort bekommen, und leben als einziger Schultyp auf der Sekundarstufe I Inklusion. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Sehr geehrte Damen und Herren, insbesondere auch Herr Abgeordneter Stich, wir haben uns, glaube ich, jetzt darauf verständigt, dass Sie nicht mehr mit Ihrer Rede beginnen sollen. Es wären jetzt nur noch wenige Sekunden, bis es 15 Uhr ist. Ich glaube, in 10 Sekunden ist es sogar so weit. Ich werde die Sitzung jetzt gar nicht unterbrechen. Ich unterbreche nunmehr die Verhandlungen über die Tagesordnungspunkte 7 und 8 zur Durchführung einer kurzen Debatte, da es 15 Uhr ist. Kurze Debatte über Fristsetzungsantrag, 39. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:00

GRÜNE Olga Voglauer

Danke, Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Spoštovana Visoka Hiša ! Worum geht es in diesem Antrag, betreffend den wir eine Frist setzen wollen? – Es ist ein Antrag zum Verbot von PFAS-Pestiziden und zur Entziehung der Zulassung für dieser Pestizide. PFAS klingt natürlich technisch, abstrakt. Es klingt auch unsichtbar, und am Ende des Tages ist es das wahrscheinlich auch, aber PFAS sind vor allem eines, nämlich sogenannte Ewigkeitschemikalien. Das heißt, sie gehen aus der Umwelt, aus dem Wasser einfach nicht mehr weg. Um es zu veranschaulichen: Was Asbest einmal für die Lunge war, das sind die PFAS jetzt für unsere Böden und für unser Trinkwasser. Es ist ein Stoff, den wir weiter ausbringen, obwohl wir wissen, dass er krank macht, und am Ende des Tages kriegen wir ihn jetzt nicht mehr weg. Warum ist das ein Problem? – Diese PFAS-Pestizide, die wir in Österreich in der Fläche ausbringen, haben ein Abbauprodukt, das heißt Trifluoressigsäure, kurz TFA genannt. Dieses Abbauprodukt ist auch das letzte Abbauprodukt. Das heißt, diese PFAS-Pestizide bauen sich genau bis zu diesem Stoff ab, aber weiter leider nicht – und damit müssen wir umgehen. Was das Problem an diesen TFAs ist: In Deutschland ist man zum Beispiel bereits infolge von Studien zu dem Schluss gekommen, dass man beantragt hat, TFAs als fortpflanzungsschädlich einzustufen. Bayer selbst, der Pestizidhersteller, sagt, dass solche PFAS und TFAs vermutlich fortpflanzungsschädlich sind. Es kommen also mehrere zum Schluss: Wir haben da ein Problem. Nur, wisst ihr, wer nicht zum Nachdenken kommt und nichts verändert? – Die liebe ÖVP und der Landwirtschaftsminister. Wie geht man denn in Österreich mit PFAS-Pestiziden um? – Man schaut weg, man duckt sich und kniet sich hin. Wisst ihr, vor wem? – Vor der typischen Chemie-Agrar-Lobby, die in der europäischen und österreichischen Landwirtschaft eines vorantreibt, nämlich das System der Monokultur. Und was, glauben Sie, brauchen solche Monokulturen? – Natürlich, die brauchen Monokulturschutzmittel. Dieses System der Monokultur baut nämlich darauf auf, dass wir immer nur eine Pflanze sichern wollen. Die ÖVP nennt das dann Pflanzenschutz, aber das stimmt ja nicht, es ist ein Monokulturschutz. (👏) Und mit diesem Monokulturschutz werden wir halt nicht weiterkommen, denn Monokulturen schwächen unseren Boden, Monokulturen reduzieren die Artenvielfalt, und je schwächer das System – Sie werden es nicht glauben –, umso mehr Chemie brauchen wir für dieses System. Und dann sind wir wieder bei diesen Monokulturschutzmitteln, denn freilich müssen wir das System so wieder aufpumpen. Was sind denn diese Monokulturschutzmittel eigentlich für das Gesamtsystem? – Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Das ist so, wie wenn Sie sich den Oberschenkelknochen brechen, ins Krankenhaus kommen, mit Schmerzmittel vollgepumpt und dann wieder nach Hause geschickt werden. In Ihrem Medikamentenrausch werden Sie glauben, Sie sind vermeintlich geheilt, aber Fakt ist: Man hat das Symptom bekämpft, ihre Schmerzen, aber der Oberschenkel wird nicht anständig zusammenwachsen. Genauso ist es, wenn man Pestizide, vor allem PFAS-Pestizide in der österreichischen Landwirtschaft und allgemein anwendet. (👏) Jetzt haben wir aber durchaus ein Problem mit diesen Mitteln. Schauen wir uns also an, wie Österreich damit umgeht. Wir Grüne haben eine Anfrage eingebracht und der Herr Landwirtschaftsminister hat sie auch brav beantwortet und uns ganz klar aufgelistet, wie es mit der Nutzung beziehungsweise mit der Verkaufsmenge dieser Pestizide ausschaut. Die Antwort ist nicht so angenehm: Seit 2015 ist die verkaufte Menge von PFAS-Pestiziden in Österreich um 25 Prozent gestiegen – um ganze 25 Prozent! Zusätzlich wissen wir, dass wir allein im Jahr 2023 110 000 Kilogramm solcher Pestizide verkauft und somit auch auf unseren Flächen ausgebracht haben. Das ist besorgniserregend, denn wir alle haben ein gemeinsames Problem: Wir alle haben nämlich nur das eine Trinkwasser. Und wie unterschiedliche Messungen zeigen, wird dieses TFA zunehmend im Trinkwasser, in Lebensmitteln, mittlerweile im Wein und sogar im Mineralwasser angereichert. Da können wir nicht mehr wegschauen. Da können wir nicht sagen: Huch, haben wir nicht gewusst! Hören wir uns so ein bisschen an, was Kammerfunktionäre der Landwirtschaftskammer herumerzählen oder was die Bauernbündler der ÖVP, wenn sie durch die Lande ziehen, für Reden halten. Darin heißt es immer: Wir müssen die Produktion sichern! Denken wir an den Selbstversorgungsgrad! – Das Problem ist nur: Da wird produziert auf Gift komm raus. Und wo kommt das Gift hin? – In unser Trinkwasser. Wir werden also an dieser Methode etwas arbeiten müssen. Umso wichtiger ist es, dass Sie heute diesem Fristsetzungsantrag zustimmen. Wir haben die Möglichkeit im Agrarausschuss ja schon zweimal gehabt. Der Landwirtschaftsausschuss hat sich schon zweimal mit dem Thema des Entzugs der Zulassung und des Verbots von PFAS-Pestiziden beschäftigt. Aber was ist passiert? – Man hat nicht die Pros und Kontras abgewogen, man hat sich nicht damit beschäftigt, wie wir diese Ewigkeitschemikalien wegbringen oder wie wir es vermeiden, dass noch mehr davon angereichert wird, nein, man hat vertagt, und das schon zweimal. Ich meine angesichts der Zahlen – und es geht um die große Gefahr, dass das fortpflanzungsschädlich ist –, dass es an der Zeit ist, da eine sachliche und klare Debatte zu führen, und zwar sowohl im Ausschuss als auch hier im Nationalratssaal. (👏) Deshalb: Stimmen Sie ganz einfach diesem Fristsetzungsantrag zu und lassen Sie uns diese Debatte führen! Dann bekennen Sie aber auch Farbe: Sagen Sie klar, ob Sie für oder gegen solche Pestizide sind! Warum ist denn ein Bekennen da so wichtig? – Weil man irgendwann einmal auch die Verantwortlichen brauchen wird. Und wir sind das nicht. Wir haben Ihnen heute und in zwei Ausschusssitzungen mitgeteilt, wie gefährlich diese Stoffe für unser Trinkwasser und für unsere Gesundheit sind. Sie bringen es bis heute nicht zustande, hier eine ehrliche Debatte zu führen, und das ist beschämend. Und da brauchen Sie mich auch nicht so anzuschauen oder wegzuschauen. Ihre Aufgabe ist es, unseren Berufskolleginnen und -kollegen Antworten zu liefern. Ich bin nämlich der Meinung, dass unsere Berufskolleginnen und -kollegen keine Giftspritzer sein wollen. Die wollen das Trinkwasser nicht verseuchen, die wollen nicht verursachen, dass Menschen sich nicht fortpflanzen können, das wollen Bäuerinnen und Bauern nicht. Sie glauben halt Ihnen mit Ihrer Mär vom Pflanzenschutz, der ja nichts anderes ist als Monokulturschutz. (👏) Wir haben aber noch ein weiteres Problem: Nun wissen wir, dass diese TFA und diese Ewigkeitschemikalien vermutlich oder wahrscheinlich fortpflanzungsschädlich sind, aber, liebe Damen und Herren auch vor den Bildschirmen, wenn Sie meinen, Österreich würde wissen, wo dieses Gift und wo all diese Pestizide ausgebracht werden – Fehlanzeige, wir haben keine Datenbank, wir wissen es nicht. Wir wissen, wie viel wir davon verkaufen – im Jahr 2023 waren es 110 000 Kilogramm, haben wir gehört –, aber wir wissen nicht, wo es ausgebracht wird. Es gibt keine Transparenz – bei Transparenz: immer Fehlanzeige. Und wer ist garantiert dabei, wenn es darum geht, Transparenz zu verhindern? – Die liebe ÖVP: Herkunftskennzeichnung geht nicht, Haltungskennzeichnung geht nicht, und Transparenz bei den Pestiziden, wenn es um unser Trinkwasser geht, gibt es auch nicht. Was brauchen wir? – Wir brauchen endlich Daten, damit wir wissen, wie es in den österreichischen Agrarregionen ausschaut, damit sich die Bevölkerung informieren kann, damit unsere Wasserversorger wissen, worauf sie sich einstellen müssen, denn das Monitoring beginnt zwar beim Wasser, aber die Kontrolle bei den Bauern fehlt. Ich bringe ein Beispiel aus Niederösterreich, damit Sie das auch nachvollziehen können, wie das mit den Kontrollen ausschaut – ich gehe schon davon aus, dass nach mir jemand etwas dazu sagen wird –: In Österreich braucht man für die Ausbringung von Pestiziden einen Sachkundenachweis, und dann gibt es in den Ländern auch Kontrollen dazu. Nun haben wir in Niederösterreich – das haben wir abgefragt – 18 800 Ackerbaubetriebe, dort kommen diese Mittel hauptsächlich zum Einsatz. Unter diesen 18 800 Betrieben hat es im Jahr 2023, Sie werden staunen, wirklich Kontrollen gegeben, aber in homöopathischer Dosis, nämlich bei genau 0,54 Prozent dieser Betriebe. Das ist nicht einmal jeder zweihundertste Betrieb. Und wenn Sie jetzt meinen, bei der Kontrolle wurde angeschaut, wie denn da Pestizid ausgebracht wird, wie viel Gefahr das denn für den Boden ist oder wie viel davon auf den Blättern bleibt, dann kann ich Sie beruhigen: Nein, es hat nicht einmal eine Bodenprobe gegeben. Man hat sich das Papierwerk angeschaut und mehr nicht.

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Weil die Pflanzenschutzmittel eine eigene Überprüfung haben! Alle drei beziehungsweise alle fünf Jahre werden alle Pflanzenschutzmittelgeräte überprüft! Da hat ein jeder die Pflicht!

GRÜNE Olga Voglauer

… So kann es nicht gehen. Wir fordern Transparenz! Die Menschen in Österreich haben es sich verdient, auch weiterhin auf ein gesundes Trinkwasser vertrauen zu können und sich auch darauf verlassen können, dass dieses Haus nach dem Vorsorgeprinzip an der Gesundheit für alle Menschen in Österreich arbeitet. (👏) Deshalb noch einmal: Hören wir auf, solche Anträge zu vertagen! Wenn wir vorgestern über Rehkitze haben reden können, dann werden wir doch in Zukunft auch über unser Trinkwasser und über den Schutz von Trinkwasser reden können! (👏) Deshalb: Entziehen wir den PFAS-Pestiziden die Zulassung! Hören wir auf, nur die eine Monokultur zu schützen, fördern wir Alternativen! Wir wollen Biolandwirtschaft, wir wollen Artenvielfalt, wir wollen Innovation und weniger Monokultur. Und wenn wir wirklich sagen, wir bauen an der Selbstversorgung, an der Zukunft unserer Betriebe, dann kann ich Ihnen eines ins Stammbuch schreiben: Aus dem PFAS-Kanister wird keine Zukunft wachsen, damit werden wir nur das Trinkwasser der Zukunft verseuchen. – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Die Redezeit der nunmehr zu Wort gemeldeten Abgeordneten beträgt gemäß der Geschäftsordnung maximal 5 Minuten. Stellungnahmen von Mitgliedern der Bundesregierung oder von Staatssekretärinnen und Staatssekretären sollen nicht länger als 10 Minuten dauern. Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Schmiedlechner. Ich erteile es ihm. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Schmiedlechner

Danke, Herr Präsident! Herr Minister! Sehr geehrte Zuseher! Liebe Kollegin, liebe Kollegen von den Grünen! Es ist, glaube ich, höchste Zeit, dass wir endlich einmal mit dem Bauernbashing aufhören ( Ruf bei den Grünen: Wer basht die Bauern? ) und dass wir wieder einmal ehrlich, gut, klar und sachlich diskutieren.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, stimm zu ...! Zustimmen ...!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Eines darf ich gleich korrigieren …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Bitte!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Die Bauern verseuchen das Grundwasser nicht.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, eh nicht! Ich will ja, dass sie nicht ...!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Sie haben das gesagt! Die Bauern setzen Pflanzenschutzmittel ein …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Monokulturschutz!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… sie haben dafür einen Sachkundenachweis, und eines muss man auch klar darstellen: Ohne diesen Sachkundenachweis kann der landwirtschaftliche Betrieb, kann der Bauer kein Pflanzenschutzmittel kaufen. Also hört endlich auf mit …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Monokulturschutz!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… diesem Bauernbashing! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Es geht ums Wasser!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Das PFAS, dieser Wirkstoff, um den es bei diesem Antrag geht, wird in vielen Industriezweigen eingesetzt und kommt in sehr vielen Alltagsprodukten vor. Es kommt unter anderem bei Lebensmittelverpackungen, bei Textilien, Schuhen und beim Kochgeschirr vor, und stellen Sie sich vor: Einige oder viele oder vielleicht sogar die meisten werden eine Teflonpfanne zu Hause haben, und wenn man sich dann in der Früh die Eierspeis macht, dann hat man da automatisch das PFAS mit dabei.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber bitte, den Acker tust du nicht mit Teflonpfannen ..., gell?

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Wo kommt es noch vor? – Beim Feuerlöschschaum, bei Reinigungsmitteln und sogar bei Kosmetik, also auch bei Kosmetikprodukten kommt das PFAS vor – und Sie gehen hier her, schimpfen auf die Landwirtschaft und wollen die Landwirtschaft beschuldigen, dass wir als Einzige das Grundwasser verseuchen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, es gibt einen Unterschied! Ihr Bauern macht das nicht!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Eine Schande ist das, in diesem Haus eine Berufsgruppe so zu diffamieren und so unterzubuttern! Das ist einfach katastrophal, was Sie hier machen! (👏 FPÖ) In weiterer Folge, liebe Kollegin: Es gibt ja die Echa, die Europäische Chemikalienagentur der EU, und die sagt klar und deutlich, dass die Landwirtschaft für die PFAS-Verunreinigung im Boden nur zu 2 Prozent …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

2 Prozent, ja, bingo!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… verantwortlich ist. Der restliche Teil sind die 98 Prozent. Sie gehen hier heraus, betreiben Bauernbashing, stellen einen Antrag, in dem Sie behaupten, dass wir in der Landwirtschaft das Grundwasser verunreinigen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Tun wir ja! Tun wir ja!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… und gleichzeitig stimmen Sie aber einem Freihandelsabkommen mit der Ukraine zu, und da ist es dann egal, welche Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, ist mir nicht egal! Da kommt auch wieder ein Antrag!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Wenn man sich die aktuellen Zahlen im neuen Freihandelsabkommen mit der Ukraine anschaut, dann stellt man fest: Bei Weichweizen wurde die Menge von 1 Million Tonnen jetzt auf 1,3 Millionen Tonnen erhöht, bei Gerste von 350 000 Tonnen auf 450 000 Tonnen. Auch bei Schweinefleisch wurde erhöht, ebenso bei Rindfleisch, bei Schaffleisch, bei Eiern, bei Mais. Überall wurde erhöht, wurde der Import erhöht. Das ist daher einfach eine scheinheilige ( Ruf bei den Grünen: Oh! ), eine richtig unredliche Diskussion, die Sie da starten, denn die österreichische Landwirtschaft produziert gute Qualität, schaut auf den Boden, schaut auf die Fruchtfolge …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Und aufs Wasser! Und aufs Wasser!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… und auf das Wasser.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Der einzige Grundgedanke, den wir in der Landwirtschaft haben, ist, dass wir unseren Grund und Boden an die nachfolgende Generation gut und gesund weitergeben können.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Und das Wasser!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Da hilft Ihr Bauernbashing überhaupt nicht weiter.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Sie haben mir nicht zugehört, Kollege!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Und eines zum Abschluss: Schauen wir es uns an, denn 2026, glaube ich, wird das ohnehin auf EU-Ebene evaluiert. Da wird man sich das anschauen, da wird man dann auf EU-Ebene reden.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Auf der Ebene kriegen wir dann das Wasser!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Wenn wir ein Verbot dieses Mittels oder dieses Wirkstoffs erwirken, dann macht das nur Sinn, wenn wir das auf EU-Ebene machen, wenn wir das im gemeinsamen Wirtschaftsraum machen. Dann müssen wir uns aber auch ganz genau anschauen, dass bei den Produkten, die wir importieren, die gleichen Spielregeln gelten (die Abgeordneten Voglauer [Grüne] und Gewessler [Grüne]: Ja!) wie für die österreichische Landwirtschaft.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja, da sind wir uns einig! – Abg. Voglauer [Grüne]: Ja, passt gut!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Davon sind wir aktuell aber leider weit entfernt, und daran müssen wir arbeiten – bevor wir die österreichischen Bauern wieder einschränken …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Tun wir lieber weiter spritzen!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… ihnen wieder einen Wettbewerbsnachteil verschaffen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Tun wir lieber weiter spritzen!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Schlusssatz bitte! Abgeordneter Peter Schmiedlechner (fortsetzend): Wir werden dem sicher nicht zustimmen. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schmuckenschlager. – Sie sind am Wort.

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

Herr Präsident! Hohes Haus! Geschätzte Damen und Herren! Beim Thema PFAS und TFA geht es um Chemikalien in unserer Umwelt, die mittlerweile auch in unserem gesamten Leben integriert sind. Heute liegt uns hier ein Antrag der grünen Fraktion vor, in dem verlangt wird, dass dem Ausschuss für die Berichterstattung über ihren Antrag betreffend ein rasches Verbot von PFAS-Pestiziden eine Frist bis zum 12.9. gesetzt wird. Ich glaube, darüber kann man gerne diskutieren, nur: Worüber diskutieren wir, wenn wir über die PFAS-Pestizide diskutieren? – Wir diskutieren laut Echa, laut der Europäischen Chemikalienagentur, über 2 Prozent des Kompletteintrags – und 98 Prozent sind für Sie nicht dringlich, die sind total egal …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Das gibt’s ja gar nicht, ihr seid ja die Blockierer bei der REACH-Verordnung! Wer ist denn gegen das Gruppenverbot? Die Grünen nicht! Ihr habt ein Problem!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… weil es nicht so plakativ ist, wie hier gegen die Bauern vorzugehen. Bei Farben, Feuerlöschschaum, Kühlaggregaten, Arzneimitteln, Goretex-Jacken, Lebensmittelverpackungen, Kochgeschirr, Backpapier, Kosmetika, da treffen Sie halt viel zu viele Leute. Da ist es viel einfacher, auf die 2 Prozent zu gehen, bei denen Sie nur die Bauern treffen. Da ist es viel schöner, da draufzugehen! (👏 ÖVP, FPÖ) Ich bin aber fast davon überzeugt, Sie wissen ja gar nicht, welches Geschäft Sie hier vollstrecken. Wenn wir davon ausgehen, dass uns hier dieser Antrag vorliegt, dann wissen wir, das ist eine NGO-Kampagne von Global 2000 – das werden Sie wissen, die stehen Ihnen relativ nahe …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Herr Schmuckenschlager, es ist Ihnen das Trinkwasser egal, sagen Sie es einfach laut! Die Gesundheit der Menschen ist Ihnen egal! Sagen Sie es laut! Stehen Sie dazu!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… denn bereits am 28. Mai hat es da einen Vorstoß für ein nationales Verbot von PFAS-Pestiziden gegeben: „TFA-Belastung: Ewigkeit-Chemikalie in unserem täglich Brot“. Das schreckt natürlich die Leute auf, das ist plakativ.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber wenn Sie mir jetzt auch noch erklären, dass man mit Teflonpfannen unsere Äcker ...!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Wieso aber macht Global 2 000 diese Aktion? – Weil dahinter eine europäische Organisation steckt, European Environmental Bureau …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer finanziert die?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… und die betreiben europaweit eine Kampagne zum Verbannen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja gut so! Wer anderer verliert ja nichts! Ich tu’s ja nicht!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… der PFAS aus den Lebensmitteln.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer finanziert diese Kampagne? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Wer finanziert denn die? Das würde mich jetzt interessieren!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Und wer steht da wiederum dahinter? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Deutschland zum Beispiel! Die haben einen Antrag eingebracht

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Die European Climate Foundation.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und wie wird diese European Climate Foundation finanziert?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Und woher bekommen die ihr Geld? – 250 Millionen Dollar aus den USA, und genau von jenen Institutionen aus der Industrie, aus der Petrochemie, die für die 98 Prozent verantwortlich sind! – Sie sollten also schon einmal genau schauen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Herr Schmuckenschlager, es gibt beide! Sie verteidigen das Gift im Wasser!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… welches Geschäft Sie da vollstrecken.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und daher braucht es Transparenz bei den NGOs! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Transparenz bei den NGOs ...!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Die Europäische Volkspartei hat nun endlich angeregt, im Europäischen Parlament entsprechende Strukturen zur parlamentarischen Kontrolle der NGO-Finanzierung durchzusetzen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Wo ist denn die Datenbank? Wo haben wir denn die Transparenz?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… damit wir da Transparenz bekommen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Sie wollen ja keine Transparenz!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Sie fordern Transparenz von der Landwirtschaft – ich fordere die Transparenz von den NGOs …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, ich fordere sie von Ihnen! Wie schaut es denn aus bei Ihnen ...?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Offenlegung! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Richtig! Warum habt ihr da dagegengestimmt? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Warum habt ihr da dagegengestimmt heute?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Da ist es genauso wie bei den Parteien, da brauchen wir Offenlegung, um ganz klar zu wissen: Welche Interessenlagen werden da verfolgt, und für wen machen Sie letztendlich Ihr Geschäft? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Warum habt ihr da dagegengestimmt?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Wir haben gerade Erntezeit draußen am Acker, und da sollten wir für die Versorgungssicherheit dankbar sein.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben heute den Antrag auf Offenlegung und Transparenz eingebracht, und ihr wart dagegen vor ein paar Stunden! – Abg. Voglauer [Grüne]: Ja, schon wieder! Eh klar, Monokultur schützen ...!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Wir sehen, dass wir gerade im Rahmen der Frage des Klimawandels, der Klimawandelanpassung Pflanzenschutz notwendig haben.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Na, wo denn? Es ist noch kein ... von den Toten auferstanden durch PFAS-Pestizide!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Die letzten Tage: ein Waschküchenwetter mit Niederschlag, mit Hitze, mit Wärme. Wir haben ein Thema mit Mykotoxinen im Getreide. Wir brauchen Lagerfähigkeit, gesunde Lebensmittel für unsere Bevölkerung. Ich glaube, das ist wesentlich.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, eben nicht mehr!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Da müssen wir doch erkennen, dass die Leistung der österreichischen Land- und Forstwirtschaft auch dazu beigetragen hat, dass heute die Bevölkerung länger und gesünder – und topversorgt – lebt als je zuvor in unserer Geschichte. Etwas möchte ich ansprechen, weil es schon auch wesentlich ist: Das Thema PFAS ist nicht einfach so wegzukehren …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Genau!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… aber wir müssen schon auch die Verhältnismäßigkeit anschauen. ( Rufe bei den Grünen: Ja, ja! ) Global 2000 hat eine große Umfrage rund um den Wein gebracht: Wir haben PFAS im Wein festgestellt …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ah ja!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… in Rückständen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Hast eh keine Rückstände, wir trinken ihn eh aus!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Ich bin Winzer, darum kann ich darüber sprechen. Das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung hat das erfasst und hat zuerst einmal gesagt: Der Test ist nicht korrekt durchgeführt, es sind viel zu wenige Proben, als dass es wirklich aussagekräftig wäre. Und das Zweite, was sie festgestellt haben – und das ist genau der Punkt: dass man Angst macht und dass man die Verhältnismäßigkeit anschauen sollte –: Sie müssten am Tag 9 Liter Wein trinken, damit es vom Verhältnis her nur in die Richtung kommen könnte, fortpflanzungsschädlich zu sein. Also bei 9 Liter Wein pro Tag jeden Tag …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Herr Schmuckenschlager, es ist lächerlich, was Sie betreiben!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… sind Sie so weit von der Fortpflanzung weg, dass das sicher nicht gelingt. (👏 ÖVP, FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Auer. – Bitte schön, Frau Abgeordnete.

SPÖ Katrin Auer

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseher und Zuseherinnen zu Hause und auf der Besuchergalerie! Ich glaube, wir müssen uns wieder ein bisschen beruhigen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Zurück zu den Fakten!

SPÖ Katrin Auer

… weil all das, was da jetzt gerade diskutiert wird, Dinge betrifft, die sich in uns drinnen abspielen. Wenn wir uns das anschauen – ich weiß nicht, wer sich gerne mit seinem eigenen Körper beschäftigt –: Wir haben diese PFAS ohnehin schon in uns drinnen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, ist doch kein Problem!

SPÖ Katrin Auer

… Die PFAS sind in unserem Trinkwasser, sie sind in den Verpackungen drinnen, in den alltäglichen Produkten, die wir nutzen. Da geht es nicht darum, dass man irgendjemanden beschuldigt, sondern darum, dafür zu sorgen, dass wir in Zukunft vor diesen Dingen geschützt werden.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Jawohl!

SPÖ Katrin Auer

… Ich möchte wirklich auch jene Menschen in Schutz nehmen, die tagtäglich in der Industrie, in der Landwirtschaft mit diesen Pestiziden oder mit diesen PFAS arbeiten: Das sind die Erntehelfer:innen, das sind die Arbeiterinnen und Arbeiter, die tagtäglich diesen Stoffen ausgesetzt sind. Vor allem diese müssen geschützt werden, nicht nur wir als Konsumenten und Konsumentinnen, denn diese Ewigkeitschemikalien tragen diesen Namen nicht zu Unrecht. Sie sind in uns, sie sind in unseren Körpern, sie sind stabil und langlebig, sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend, sie sind tatsächlich unzerstörbar. Und was sind sie noch? – Sie sind von Menschen gemacht. Und alles, was irgendwann in der Geschichte von uns selbst gemacht wurde, können wir auch wieder rückgängig machen. Wir können das wiedergutmachen, und das sind wir uns allen und natürlich auch den zukünftigen Generationen schuldig. (👏 SPÖ) Das Erste, was man tun kann, ist, als Konsument, Konsumentin zu entscheiden: Was kaufe ich, was nutze ich? – Da hilft das EU-Umweltzeichen, da hilft unser Österreichisches Umweltzeichen, aber natürlich helfen auch alle Vermerke wie fluorfrei, PVC-frei oder PFAS-frei. Aber nicht nur wir als Konsument:innen müssen da aktiv sein, sondern auch wir als Regierung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie sind Regierung?

SPÖ Katrin Auer

… wir als Nationalrat müssen dafür sorgen, uns selbst und die künftigen Generationen zu schützen, und deswegen steht das alles im Regierungsprogramm.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie sind Legislative, nicht Exekutive!

SPÖ Katrin Auer

… Deswegen: Liebe Grüne, danke wieder für diesen Anstoß, aber wir kümmern uns tatsächlich darum.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir als Regierung! – Abg. Gewessler [Grüne]: Ich glaub’, ihr seids euch da nicht ganz einig! – Abg. Voglauer [Grüne]: Einfach zustimmen, dem Fristsetzer zustimmen!

SPÖ Katrin Auer

… Ich bin mir auch sicher, dass wir – Herr Minister Totschnig, wäre er heute hier, aber auch die ÖVP-Fraktion genauso wie die NEOS und die SPÖ – hinter unserem Regierungsprogramm stehen, und da steht beim Trinkwasserkapitel laut und deutlich drinnen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Laut? – Abg. Darmann [FPÖ]: ... Landwirtschaftsminister!

SPÖ Katrin Auer

… Die Bundesregierung setzt sich auf europäischer Ebene für die Einführung einheitlicher Messmethoden und Normen zum Schutz vor Schadstoffen und Mikroverunreinigungen (z.B. gesundheitsgefährdende Ewigkeitschemikalien) ein.“ Und: „Einträge von Schadstoffen in die Umwelt [...] sind bereits an der Quelle zu bekämpfen.“ …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Weiß das die ÖVP auch?

SPÖ Katrin Auer

… Dann gibt es noch ein weiteres Kapitel: Pflanzenschutz und Pflanzenbau. Da möchte ich eigentlich meiner Kollegin Elisabeth Feichtinger gar nichts wegnehmen, aber: Auch da soll eine Forschungsstrategie für alternative Ansätze, für Alternativen zu den chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln vorangetrieben werden, auf EU-Ebene und auf österreichischer Ebene. Die Biostrategie wird vorangetrieben werden, es gibt Bioschwerpunkte in der Forschung, vor allem auch betreffend biologischen Pflanzenschutz. Das heißt, wir sind da nicht untätig. Natürlich drängt die Zeit, aber ich glaube, wir brauchen hier jetzt keine Fristen zu setzen, denn wir wissen ohnehin, was zu tun ist.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Na ja, wenn ich der ÖVP zuhöre, dann schon!

SPÖ Katrin Auer

… Wichtig und richtig ist, dass ein Verbot der PFAS unumgänglich ist. (👏 SPÖ) Genauso wichtig und richtig ist es aber, auch weiterhin Genehmigungen für kritische Verwendung möglich zu machen, nämlich vor allem für Medizin und Gesundheit …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja!

SPÖ Katrin Auer

… und für die hochtechnologischen Bereiche. Deswegen: Wir in der Bundesregierung, wir in den Regierungsfraktionen haben eine entschlossene Haltung. Wir wissen, die Zeit drängt …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Das heißt, ihr stimmts dem Fristsetzer zu? – Abg. Bernhard [NEOS]: Nein! – Heiterkeit der Abg. Voglauer [Grüne]

SPÖ Katrin Auer

… und wir arbeiten dazu laufend und kümmern uns um dieses Thema. Deswegen, liebe Grüne – wie bei vielen anderen Themen im Umweltschutz …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Abwarten!

SPÖ Katrin Auer

… Die SPÖ ist auch da ein Verbündeter. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Bernhard.

NEOS Michael Bernhard

Danke, Herr Präsident. – Ja, Kollegin Voglauer von den Grünen hat das Anliegen des Verbots der PFAS-Pestizide ja vorgetragen. Ich möchte ein bisschen ausholen. Vielleicht einmal vorab: Danke für die Diskussion! Ich bin tatsächlich der Meinung, dass wir uns viel mehr Zeit nehmen müssen, im Plenum auch über jene Themen zu sprechen, die sehr grundsätzlich in unserer Gesellschaft verankert sind, und darüber, wie wir diese verändern können. Ich bin also wirklich dankbar dafür, dass wir die Diskussion führen können. Inhaltlich fand es ich spannend, liebe Olga, weil du nämlich zwei Dinge vermischt hast. Das eine ist die mögliche Gefährdung, was das Gesundheitsrisiko betrifft, durch Umweltschädigung, und das andere ist deine politische Haltung, die du damit verknüpft hast. Du hast gesagt: gegen Monokulturen, für Bio, für Selbstversorgung! – Das kann man alles sein, das ist aber eigentlich nicht die Frage von PFAS …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Doch, es ist die Alternative!

NEOS Michael Bernhard

… sondern da ist die Frage, wo du stehst. Ich habe vor einem Jahr, etwas mehr als einem Jahr, an die damalige Umweltministerin – die hat Leonore Gewessler geheißen – eine Anfrage geschickt, in der es auch um die Fragen der Überprüfung durch die Echa und der möglichen Verbote von PFAS-Verbindungen, die dann übrigens auch die Pestizide betroffen hätten, ging. Ich habe damals die Antwort bekommen – im Februar 2024 habe ich die Anfrage gestellt, im April habe ich sie bekommen –, dass das derzeit auf europäischer Ebene überprüft wird, dass sie als Umweltministerin natürlich für eine Einschränkung ist – dort, wo es gesundheitsgefährdend ist –, dass man aber als Österreich nicht jetzt gleich alleine etwas verbieten soll, weil es nämlich eine genaue Risikobeurteilung dahin gehend braucht, wo es durch andere Produkte ersetzbar ist und wo es eben nicht gleich ersetzbar ist oder in der Produktion unbedingt gebraucht wird.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Pestizide sind ersetzbar!

NEOS Michael Bernhard

… Das heißt, heute forderst du von uns genau das, was die grüne Umweltministerin Leonore Gewessler bei einer Anfragebeantwortung im April 2024 noch ausgeschlossen hat. Das finde ich schon komisch. (👏 ÖVP, NEOS) Dass man uns jetzt, wenn wir sagen, wir warten einen europäischen Prozess ab, in dem genau diese Untersuchung durch die Echa stattfindet, unterstellt, dass wir nicht auf unser Trinkwasser aufpassen wollen, ist, finde ich, schon ein bisschen dreist.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ohne Transparenzdatenbank?

NEOS Michael Bernhard

… Nein, wir haben es im Regierungsprogramm stehen, wir verschließen uns keiner - - …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ohne Aufzeichnungen?

NEOS Michael Bernhard

… Liebe Olga Voglauer , wir sind jetzt seit ein bisschen mehr als 100 Tagen in der Regierung; ihr wart davor fünf Jahre drinnen, und du wirfst uns jetzt vor, dass du fünf Jahre nichts zusammengebracht hast?! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, nicht dir, dem Landwirtschaftsminister! Der hat vorher auch schon Zeit gehabt!

NEOS Michael Bernhard

… Na ja, komm, ihr wart bitte fünf Jahre in der Regierung! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, aber der war Minister, der hätte es ja machen können! Ich war nicht in der Regierung! Ihr wart im Parlament, beide!

NEOS Michael Bernhard

… Du hast fünf Jahre als Generalsekretärin in diesem Bereich nichts zusammengebracht und sagst jetzt, wir liefern nicht?! Das ist schon ein bissel - - …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, nicht du! Die ÖVP liefert nicht, der Minister liefert nicht!

NEOS Michael Bernhard

… Man darf ja nichts sagen – wegen Ordnungsruf –, aber ich finde es zumindest frech.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Du kannst eh nicht liefern als Abgeordneter!

NEOS Michael Bernhard

… Wir haben das Thema Trinkwasserschutz klar im Regierungsprogramm verankert, und wir nehmen das Thema sehr ernst.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ihr schon, aber die ÖVP nicht!

NEOS Michael Bernhard

… Es gibt auf europäischer Ebene diese Überprüfung, die natürlich in Österreich umzusetzen ist, sobald es ein Ergebnis gibt, und wir werden uns – das möchte ich schon auch sagen – mit dem Thema parlamentarisch intensiver auseinandersetzen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Super!

NEOS Michael Bernhard

… auch aufgrund der Debatte, die ihr angestoßen habt. Das kann ich jetzt für die NEOS sagen. Ich möchte aber schon darauf hinweisen: Das, was für euch vor einem Jahr noch eine legitime Antwort war, sollte in diesem Jahr auch noch für die Bundesregierung gelten.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Wir reden aber von Pestiziden und nicht vom Rest!

NEOS Michael Bernhard

… Ich denke, so fair muss man in der politischen Auseinandersetzung schon auch sein.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber vorneweg muss man auch das Richtige mit dem Richtigen vergleichen!

NEOS Michael Bernhard

… Was das Reinrufen der grünen Kollegin betrifft: Lass mich bitte aussprechen, ihr gelangt nachher auch noch einmal zu Wort! Inhaltlich möchte ich etwas anderes schon auch sagen: Etwas, bei dem wir jetzt tatsächlich nach vorne schauen müssen, ist, dass wir dieses Thema PFAS weit über das Trinkwasser hinaus denkend weiter betrachten müssen. Wir haben mittlerweile sehr viele Verfahren. Ein bekanntes Beispiel ist der Salzburger Flughafen, wo es bei den Baugründen rundherum Kontaminierung und dadurch Schadensersatzansprüche gibt. Das heißt, wir müssen vor allem bei PFAS darauf schauen, dass jene PFAS-Verbindungen, die für den Menschen nicht gefährlich sind, nämlich jene, die nicht wasserlöslich sind, auch weiterhin in der Produktion bleiben können, und dass diejenigen, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellen, tatsächlich so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen werden – allerdings faktenbasiert, evidenzbasiert und nicht auf einfachen Zuruf hin. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Lukas Hammer . – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie sind am Wort.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kollege Schmuckenschlager, eine lebendige Zivilgesellschaft ist ungemein wichtig und ein Herzstück unserer liberalen Demokratien hier in Europa. Wir sind es von den Rechten und Rechtsextremen in Europa, von Orbán bis zur FPÖ und anderen Rechten, gewöhnt, dass ihnen eine lebendige, kritische Zivilgesellschaft ein Dorn im Auge ist , aber dass du dich jetzt auf diese Seite stellst …

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Überhaupt nicht!

GRÜNE Lukas Hammer

… und auch pauschal die lebendige, kritische Zivilgesellschaft, wie Umweltschutzorganisationen, in den Dreck ziehst , ist unwürdig und du solltest dich dafür schämen! Aber zum Thema: Ich finde, das ist ein wichtiges Thema für uns alle, vor allem auch für jene, die Kinder haben und sich Sorgen machen. Wir wissen heute – das zeigen Studien aus Deutschland –, dass in allen Neugeborenen PFAS nachgewiesen werden können, und in einem Fünftel der Neugeborenen sind die Werte so hoch, dass eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ich frage mich, warum die kritische Zivilgesellschaft immer öffentliche Gelder braucht!

GRÜNE Lukas Hammer

… Worüber reden wir hier eigentlich? Ich habe irgendwie das Gefühl, ihr hört gar nicht richtig zu. – Wir reden über Chemikalien, die sich nicht abbauen, die in 100, in 200, in 300 Jahren nicht abgebaut werden, und wenn sie in die Umwelt gelangen, dann bleiben sie dort.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Lobbyisten sind das in Wahrheit!

GRÜNE Lukas Hammer

… Sie bauen sich nur so weit ab, dass zum Beispiel TFA herauskommt, das eben auch gesundheitsgefährdend ist. Wenn wir über einen Stoff reden, der in der Umwelt bleibt , dann sollten wir die Debatte seriös führen und sehr vorsichtig sein und nicht mit 9 Liter Wein verharmlosen, Kollege Schmuckenschlager – das ist ja wirklich ein Witz! Kollege Schmiedlechner, du hast von diesen 2 Prozent geredet. – Ja, das stimmt, nur 2 Prozent von PFAS gehen tatsächlich in die Pestizide, da hast du schon recht. Einerseits ist dazu zu sagen, dass seit 2023 ein Gruppenverbot von PFAS auf EU-Ebene geprüft wird, weil eben sehr viele Substanzen in dieser Gruppe so gesundheitsgefährdend sind. Andererseits ist der eigentlich viel wichtigere Punkt: Es ist schon ein Unterschied, ob die Chemikalien in der Kleidung gebunden sind, in einer Teflonpfanne oder ob wir die Chemikalien direkt auf unsere Felder austragen, wo sie dann in die Böden gelangen und dann ins Grundwasser. Wer diesen Unterschied nicht erkennt, dem kann ich auch nicht mehr weiterhelfen. Du zermahlst ja auch nicht deine Teflonpfanne und streust das auf dein Feld auf, du würdest nie auf diese Idee kommen! Das ist ein absurder Vergleich. Liebe Kollegen! Lieber Kollege Schmiedlechner! Das ist kein Bauernbashing. ( Rufe bei der FPÖ: Na sicher! Aber wie! ) Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, genauso wie meine Kollegin Olga Voglauer , die selber Bäuerin ist …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

98! – Zwischenruf des Abg. Schnedlitz [FPÖ]

GRÜNE Lukas Hammer

… dass alle Landwirte und Landwirtinnen in diesem Land nach bestem Wissen und Gewissen handeln. ( Ruf bei der ÖVP: Das glaub ich auch! ) Davon bin ich überzeugt und darauf können wir auch stolz sein. Das Problem ist aber – Kollege Schmiedlechner, auch ein bisschen Geschichte zu lernen, tut dir nicht schlecht –: Wir haben über Jahrzehnte immer wieder Fälle gehabt, erinnere dich an DDT, bei denen die Chemielobby die Bäuerinnen und Bauern auf der ganzen Welt über ihre Produkte belogen hat. Und wer muss es ausbaden? – Das sind wir alle, aber vor allem auch bäuerliche Familien auf der ganzen Welt, die dann darunter leiden.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ihr habt den Antrag von der Chemielobby abgeschrieben!

GRÜNE Lukas Hammer

… Ich verstehe einfach nicht, dass Bauernvertreter die Mauer für eine weltweite Chemielobby machen und deren Profite anstatt die Interessen der Menschen schützen. Ich verstehe es nicht! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das machts doch ihr! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Ihr habt den Antrag der Chemielobby abgeschrieben! Ihr bringt gerade einen Lobbyantrag ein! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ihr seids doch die Lobbyisten!

GRÜNE Lukas Hammer

… Der wichtige Unterschied zum Beispiel zu Medizinprodukten, bei denen es derzeit noch keine guten Alternativen zu PFAS gibt: Bei den Pestiziden haben wir gute Alternativen. Wir haben gute Alternativen , und deswegen, Kollege Bernhard, müssen wir diese Frage auch systematisch diskutieren, weil es auch um eine andere Form der Landwirtschaft geht, sehr geehrte Damen und Herren! …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Da sollten wir mal über die Lebensmittelverschwendung reden!

GRÜNE Lukas Hammer

… Genau. Es geht auch darum – deswegen stehe ich hier als Umweltsprecher meiner Fraktion –: PFAS haben negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit, aber sie haben auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit von allen anderen Tieren und auch von Mikroorganismen. Das heißt, sie degradieren auch unsere Böden. Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Schlusssatz, bitte! Abgeordneter Mag. Lukas Hammer (fortsetzend): Schlusssatz – Danke, Herr Präsident! –: Ich glaube, es ist höchst an der Zeit, dass wir uns ernsthaft und rasch mit diesem Thema auseinandersetzen und dass unsere Anträge diesbezüglich nicht ständig vertagt werden. – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen nunmehr zur Abstimmung über den Antrag der Abgeordneten Olga Voglauer , Kolleginnen und Kollegen, dem Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft zur Berichterstattung über den Entschließungsantrag 150/A(E) eine Frist bis 12. September 2025 zu setzen. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Fristsetzungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 7-8, 39. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:36

SPÖ Paul Stich

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich bin wirklich als kritischer Mensch erzogen worden, der alles, was er hört, auch hinterfragen soll. In der Debatte zum Bildungsbereich habe ich jetzt gehört, wie Freiheitliche hier sprichwörtlich das Blaue vom Himmel versprechen. Das hat mich zunächst doch ein bisschen stutzig gemacht, weil ich ja die letzte Regierungsbeteiligung der FPÖ noch in sehr guter Erinnerung habe, da sie bildungspolitisch tendenziell ja eher ein Unfall war. Man denke zum Beispiel an die Kürzung bei Sprachförderkräften.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Interessanter Lebenslauf!

SPÖ Paul Stich

… Das wäre mir sehr unangenehm – ich verstehe auch, dass da die erste Unruhe aufkommt –, aber gut, für heute Schwamm drüber, reden wir nicht mehr darüber! Soll so sein, soll so sein. Weil: Man kann im Leben durchaus auch dazulernen, auch aus dem Saulus wurde ein Paulus. Wenn man sich diese Redebeiträge anhört, dann hat man ja fast das Gefühl, dass Kinder in den Bundesländern, in denen die FPÖ regiert, fast im Paradies leben. Wenn man Ihnen da zuhört, dann könnte man meinen, es muss ja wirklich ein tolles Leben sein, das man dort führt. Na ja, dann machen wir einmal den Realitätscheck: Wie schaut es denn mit Kindern und Jugendlichen in Schulen aus? Und übrigens: Es betrifft sowohl Kinder mit Migrationshintergrund als auch Kinder ohne Migrationshintergrund. Wie schaut der Realitätscheck aus? Mir ist dann tatsächlich doch relativ rasch das Gesicht eingeschlafen, als ich mir die Leistungsbilanz vor Augen geführt habe: In Niederösterreich ist jedem Kind aus einer finanzschwachen Familie das Schulstartgeld gestrichen worden. In Oberösterreich muss dank Kürzungen beim Bildungskonto jeder Lehrling, der zum Beispiel in der Voest in Linz lernt und die Matura nachmachen will, jetzt 300 Euro mehr zahlen, wenn er die Matura im zweiten Bildungsweg nachmachen will.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Herr Kollege, das sag’ bitte deinem Koalitionspartner, die sind zuständig!

SPÖ Paul Stich

… In der Steiermark – ein Bundesland mit einem FPÖ-Landeshauptmann, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – beklagen Direktoren in Volksschulen, dass sie Stunden für Kinder mit Deutschförderbedarf im kommenden Schuljahr streichen müssen, obwohl der Bund mehr Mittel dafür zur Verfügung stellt. In Vorarlberg müssen Kinder mit Beeinträchtigungen jetzt mit der Hälfte der Betreuungsstunden in der Schule auskommen, und in Salzburg sägen Sie am Fundament von Leuten mit ganz besonderen Herausforderungen, nämlich bei Jugendlichen, die zum Beispiel in betreuten Wohngemeinschaften leben, und kürzen dort massiv. Die Leistungsbilanz der FPÖ ist also klar: Wasser predigen, Wein trinken! – Anders kann man das nicht mehr bezeichnen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Schauen wir mal nach Wien! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Wie schaut’s in Wien aus? In Wien wirst Museumsmitarbeiter des roten Wien im Waschsalon des Karl-Marx-Hofs! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist das Ergebnis des Wiener Bildungswegs!

SPÖ Paul Stich

… Nun ist ja Zeugniszeit und wir haben fünf Bundesländer und fünf Maßnahmen. Ich will aber keine Ziffernnoten vergeben, weil aus meiner Sicht ein qualitatives Feedback manchmal durchaus sinnvoller ist. Wir haben jetzt die Sitzungspause im Nationalrat vor uns, und da ist – zumindest bei uns, ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ausschaut – viel Zeit für Basis- und Regionalarbeit. Und vielleicht, wenn es sich neben den zahlreichen, auch gut bezahlten Nebenbeschäftigungen ausgeht – ich weiß schon, Kollege Kassegger, bei Ihnen mit neun bezahlten Nebenbeschäftigungen wird es vielleicht ein bisschen knapper werden mit der Zeit –, wenn bei irgendjemandem neben diesen Nebenbeschäftigungen Zeit für die Menschen in Österreich bleibt, dann reden Sie mit den Leuten in den Ländern, die Kinder in Österreich wären Ihnen dankbar! – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tanzler. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Tanzler

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Minister! Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es ist in dieser Debatte über Anpassungen im Bildungssystem schon sehr viel gesagt worden, und ich möchte in diesem Zusammenhang in aller Kürze die Wichtigkeit der frühen Förderung noch einmal dezidiert betonen. Die Frühförderung in den elementarpädagogischen Einrichtungen spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Kindern. Sie lernen spielerisch und kindgerecht, mit anderen umzugehen, sich in eine Gruppe einzufügen, ihre eigenen Stärken und Schwächen kennenzulernen, sich zu artikulieren und Verantwortung zu übernehmen. Wie ich in den vergangenen fünf Jahren schon mehrfach an diesem Rednerpult gesagt habe, ist in dieser Lebensphase bis circa zum achten Lebensjahr, das heißt auch in den ersten Jahren der Volksschule, ein Entwicklungsfenster offen, in dem der Grundstein für alle folgenden Bildungserfolge gelegt wird, und auch der Grundstein für alles andere, was im Leben danach folgt. Alles, was in dieser Zeit nicht angelegt wird, kann später schwer nachgeholt werden. Man kann das mit dem Fundament eines Hauses vergleichen: Ist das Fundament gut, kann man ein ordentliches Haus darauf bauen; ist das Fundament löchrig, hat es Risse, dann wird es später schwierig sein, darauf aufzubauen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das sozialistische Fundament!

SPÖ Petra Tanzler

… Und so ist es auch in der Bildung. Investitionen in diesen frühen Bereich sind sehr wichtig, denn die Schwächen, die man nicht gleich am Anfang ausmerzt, kosten das System nachfolgend viel, viel mehr. Deswegen freue ich mich auch, muss ich hier an dieser Stelle sagen, dass Kollegin Totter vorhin in ihrer Rede gesagt hat, dass sich nun auch die ÖVP wünscht, eine zweite Lehrkraft in den ersten Klassen der Volksschule einzuführen. Das ist wirklich erfreulich, denn dann kann man einmal ernsthaft darüber diskutieren, und vielleicht schaffen wir es in dieser Legislaturperiode, das auch umzusetzen. Das ist eine langjährige Forderung von uns, und es geht ja nicht darum, wer sich das ausdenkt oder wer sich das wünscht, sondern es geht darum, dass das für unsere Kinder und ihre Zukunft umgesetzt wird. (👏 SPÖ) Es ist für uns unumgänglich, dass das pädagogische Personal gut ausgebildet und geschult wird, um auf die wachsenden Herausforderungen – und die werden nun mal immer mehr – gut vorbereitet zu sein. Und wir müssen die Rahmenbedingungen laufend verbessern, um eben die besten Bedingungen zu schaffen. Die erste Frage in diesem Bereich muss immer sein: Was kommt beim Kind an, das hilft, jedem Kind eine echte Chance auf einen guten Start zu geben? Es ist natürlich auch so, dass die nächsten Generationen unser größtes Potenzial sind, das ausgeschöpft werden muss, sodass unser Land auch konkurrenzfähig bleiben kann. Lange ist da wenig passiert, und wir können auch nicht alles sofort umkrempeln, das ist klar. Ich habe lange überlegt, ob ich auf meine Vorrednerinnen und Vorredner Bezug nehme, aber alles kann man so auch nicht stehen lassen. Da muss ich zu Kollegen Brückl sagen: Es ist erfreulich, dass auch bei Ihnen der Wunsch nach einem neuen Bildungssystem vorhanden ist, ich verstehe nur nicht, dass man dann gegen jede kleine Veränderung in diese Richtung stimmt. Zu Kollegin Berger: Sie kritisieren die Orientierungsklassen. Es war aber schon Ihre Partei, die damals, 2018, die maßgeblich drängende Partei war, Deutschförderklassen einzuführen und die Kinder dadurch zu trennen. Zu Kollegin Schuch-Gubik möchte ich sagen: Die Art und Weise, wie Sie sprechen, ganz ehrlich, das ist ein sprachlich tiefes Niveau, und das hat hier im Hohen Haus wirklich nichts verloren.

FPÖ Giuliani-Sterrer (Zwischenruf)

Ihre Wortmeldung ist noch weit unter diesem Niveau! Lassen Sie unsere Kollegin in Ruhe!

SPÖ Petra Tanzler

… Sie teilen hier aus, aber mitarbeiten null! Es gibt keine Zusammenarbeit. Wir haben den festen politischen Willen, Schritt für Schritt in eine positive Richtung weiterzugehen. Das tun wir, und deswegen steht Bildung auch als Schwerpunkt im Regierungsprogramm. Zum Schluss möchte ich mich bei allen Pädagoginnen und Pädagogen bedanken. Es ist eine unglaublich wichtige Arbeit, die Sie leisten. Es ist eine wunderschöne Arbeit, und das sage ich aus persönlicher Erfahrung. Ich wünsche allen einen erholsamen Sommer, dass Sie mit voller Kraft und voller Energie dann im Herbst wieder starten und viele Dinge neu gestalten können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Ich sehe, das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/85.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Schulunterrichtsgesetz, das Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz und das Hochschulgesetz 2025 geändert werden, samt Titel und Eingang in 128 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, somit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist abermals die Mehrheit, somit ist der Gesetzentwurf auch in dritter Lesung angenommen. RN/85.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Hermann Brückl , Kolleginnen und Kollegen betreffend „9-Punkte-Maßnahmenkatalog für eine gewaltfreie Schule“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, somit abgelehnt. RN/85.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Katayun Pracher-Hilander , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Wirksame Maßnahmen gegen Mobbing und Gewalt an Schulen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, somit abgelehnt. RN/85.4 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Christoph Steiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Kopftuchverbot an Österreichs Schulen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, somit abgelehnt. RN/85.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 8: Antrag des Bildungsausschusses, seinen Bericht 149 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen.

Weiterentwicklung der Qualifizierung im Bereich Elementarpädagogik

149 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 300/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag zur Weiterentwicklung der Qualifizierung in der Elementarpädagogik abgelehnt. Damit gibt es keinen Auftrag an die Bundesregierung, die Ausbildung strukturell auf tertiäres Niveau umzustellen bzw. BAfEP entsprechend neu auszurichten.

Betroffen wären angehende und tätige Elementarpädagog:innen, BAfEP-Standorte und deren Lehrpersonal sowie Pädagogische Hochschulen, Fachhochschulen und elementarpädagogische Einrichtungen (inkl. Leitungen).

Ziel war, die Ausbildung zur gruppenführenden Elementarpädagog:in langfristig auf tertiäres Niveau zu verlagern, BAfEP zu Assistenz-/ergänzenden Qualifikationen weiterzuentwickeln und verbindliche Qualifizierungen (u.a. für Leitungen) sowie Übergangs- und Anerkennungsregelungen zu schaffen.

Dokumente

Weiterentwicklung der Qualifizierung im Bereich Elementarpädagogik

Ausgangslage und Problemdefinition

  • Elementarpädagog:innen übernehmen in den ersten, besonders prägenden Lebensjahren von Kindern eine zentrale Bildungs- und Entwicklungsaufgabe, die weit über Betreuung hinausgeht (Förderung der kindlichen Entwicklung, Bildungsgrundlagen, Sicherheit und Geborgenheit).
  • Für diese Verantwortung braucht es gut ausgebildete, engagierte Fachkräfte; in Österreich besteht jedoch seit Jahren ein strukturelles Problem in der Qualifizierung.
  • Die Ausbildung zur Elementarpädagog:in ist in Österreich überwiegend auf Sekundarstufe II angesiedelt, mit Ausbildungsbeginn bereits im Alter von 14 Jahren.
  • Österreich wird damit als europäisches Schlusslicht dargestellt; das Niveau entspreche nicht mehr dem Anspruch an moderne, professionelle frühkindliche Bildung.
  • Es wird gefordert, dass – analog zu anderen pädagogischen Berufsfeldern – eine fundierte, akademisch anerkannte Ausbildung für dieses Berufsfeld gelten soll.

Begründung: Professionalisierung und wissenschaftliche Fundierung

  • Die Notwendigkeit einer strukturellen Aufwertung des Berufsfeldes wird unter Bezug auf die Expertin Dr. Heide Lex-Nalis betont, die Kriterien für eine moderne, wissenschaftlich fundierte und gesellschaftlich anerkannte Elementarpädagogik formuliert habe.
  • Kernargument: Eine Ausbildung auf tertiärem Niveau wird als Voraussetzung für ernstgemeinte Professionalisierung und für die Anerkennung der Elementarpädagogik als gleichwertiger Teil des Bildungssystems dargestellt.
  • Die Argumente werden als weiterhin aktuell bezeichnet und durch empirische Evidenz gestützt.

Empirische Hinweise und Kritik am bisherigen Ausbildungsweg

  • Studien würden zeigen, dass ein großer Teil der Absolvent:innen der derzeitigen Ausbildungseinrichtungen (BAfEP) den Beruf frühzeitig wieder verlässt oder ihn gar nicht erst ergreift.
  • Früh gewählte Ausbildungswege auf Sekundarstufe II werden als ungeeignet beschrieben, um langfristige Berufsbindung und professionelle Identifikation zu sichern.
  • Daraus wird abgeleitet, dass der Übergang zu einer tertiären Qualifizierung – wie in der Lehrer:innenbildung bereits erfolgt – konsequent auch in der Elementarpädagogik umzusetzen sei.

Bereits entwickelte tertiäre Angebote und Forderung nach Ausrollung

  • In den vergangenen fünf Jahren seien Bachelor- und Masterstudiengänge für Elementarpädagogik entwickelt und in die Praxis gebracht worden.
  • Ein grundständiges Bachelorstudium liege seit längerem fertig konzipiert vor.
  • Es wird gefordert, dieses grundständige Studium tatsächlich auszurollen und damit eine grundständige tertiäre Ausbildung zur gruppenführenden Elementarpädagog:in zu ermöglichen.
  • Die Schaffung dieser Möglichkeit wird als wichtiger und längst überfälliger Schritt bewertet.

Langfristige Weiterentwicklung: Rolle der BAfEP und Qualifikationsstruktur

  • Es wird eine längerfristige Perspektive zur Weiterentwicklung der Qualifizierung eingefordert.
  • Die Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (BAfEP) sollen – unter Nutzung ihrer langjährigen Erfahrung und fachlichen Kompetenz – zu berufsbildenden höheren Schulen weiterentwickelt werden.
  • Diese weiterentwickelten Schulen sollen gezielt auf Tätigkeiten als elementarpädagogische Assistenz oder als gruppenergänzende Elementarpdagog:in vorbereiten.
  • Die Verantwortung für die Gruppenführung soll langfristig bei Fachkräften liegen, die eine einschlägige tertiäre Ausbildung abgeschlossen haben.
  • Für einen wirksamen Übergang werden klare Rahmenbedingungen und ein abgestimmtes Übergangskonzept als notwendig beschrieben.

Einbindung und Wertschätzung bestehender Expertise

  • Für den Erfolg der Weiterentwicklung wird die Einbindung und Wertschätzung der erfahrenen Pädagog:innen an den bestehenden BAfEP-Standorten als zentral bezeichnet.
  • Ihr Engagement und ihre Ausbildungsqualität werden als Rückgrat einer nachhaltigen Reform dargestellt.
  • Sie sollen aktiv in den Veränderungsprozess einbezogen werden.

Kurzfristige gesetzliche Anpassungen und Anerkennung innovativer Formate

  • Es werden dringend kurzfristige gesetzliche Anpassungen gefordert, um bestehende innovative Ausbildungsformate mit hoher Qualität zu berücksichtigen.
  • Als Beispiel wird der außerordentliche „Bachelor Professional“ des FH Campus Wien genannt.

Ausrollung des grundständigen Studiums: Institutionelle Breite

  • Es soll sichergestellt werden, dass die Ausrollung des grundständigen Studiums gleichermaßen an Pädagogischen Hochschulen und an Fachhochschulen erfolgt.

Qualifizierung der Leitungsebene in elementarpädagogischen Einrichtungen

  • Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Leitungsebene: Personen, die Teams führen, pädagogische Konzepte entwickeln und Verantwortung für viele Kinder tragen, sollen verpflichtend über entsprechende Qualifikationen verfügen.
  • Leitungspersonen werden als zentrale Stützen der Einrichtungen beschrieben, die den pädagogischen Alltag mitgestalten und Verantwortung für Arbeitsklima, Qualitätssicherung und Weiterentwicklung tragen.
  • Eine gezielte, verpflichtende Ausbildung für Leitungen soll sie in ihrer Rolle stärken, Sicherheit im Führungsalltag geben und die Anerkennung ihrer anspruchsvollen Arbeit unterstützen.

Weiterentwicklung der Qualifizierung im Bereich Elementarpädagogik

~86 min Lesezeit
Dafür: GRÜNE Dagegen: FPÖÖVPSPÖNEOS
FPÖ Hermann Brückl

Vielen Dank, Frau Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Jetzt geht es um Bildungspolitik. Es ist eine Reihe von bildungspolitischen Gesetzen, über die wir jetzt sprechen, die geändert werden soll, die auch neu gestaltet werden soll. Unter anderem geht es um die Installation, die Einführung von sogenannten Orientierungsklassen, die für Kinder, für Jugendliche vorgesehen sind, die im Rahmen des Familiennachzugs, den es ja laut Regierung nicht mehr gibt, oder als Einwanderer – möglicherweise auch unter dem Titel Asyl – zu uns kommen, die keine Deutschkenntnisse haben und die auch keine grundlegende Bildung haben. Diesen Kindern, diesen Jugendlichen sollen jetzt in diesen Orientierungsklassen für die Dauer von sechs Monaten beispielsweise – so steht es in den Erläuterungen – Kenntnisse von Symbolen und Schriftzeichen, die Handhabung von Bleistift, Kinderscheren et cetera, die Orientierung in größeren Räumen, in größeren Gruppen, Verhalten im Hinblick auf Pünktlichkeit, auf Rechtzeitigkeit oder ein demokratisches Verständnis vermittelt werden. Ja, das macht man, aber ich sage Ihnen: Das hat alles nichts mit Bildung zu tun. Das sind reine Integrationsmaßnahmen. Das sind Integrationsmaßnahmen in Reinkultur. Es ist nicht Aufgabe der Schule, dass man sich dieser Dinge annimmt, sondern es ist Aufgabe einer Integrationsministerin – die wir haben. Wenn es diese nicht kann, möge sie es bitte an jene übergeben, die es können. Es gibt zig, Hunderte Vereine in Österreich, die sich genau mit dieser Thematik auseinandersetzen, ob es die Diakonie ist, ob es die Volkshilfe ist, ob es die Caritas ist, ob es die Bunte Wirtschaft ist, ob es Refugees Wien oder wer auch immer ist. Die können das, die kriegen dafür sehr, sehr viel Steuergeld, die sollen das auch machen. Worüber sprechen wir bei diesen Orientierungsklassen? – Auch das muss man betonen: Wir reden da von jährlich 600 Kindern in den nächsten zwei Jahren und in der Folge dann von jeweils 200 Kindern. In Wirklichkeit ist das eine Placebomaßnahme. Das ist eine Symptombekämpfung. Das ist ähnlich wie mit den Schulpsychologen. Die Regierung meldet: 150 Schulpsychologen gibt es jetzt mehr. – Ja, jetzt haben wir dann statt 250 Schulpsychologen 400, aber wie viele Schüler stehen dem gegenüber? – 1,1 Millionen? 1,2 Millionen? Das ist also alles nur eine Symptombekämpfung. Da geht es nicht um Bildung. Da geht es nicht um die gute Ausbildung unserer Schüler, unserer Kinder. Seit Jahren übertragen wir die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme, die wir im Land haben, den Schulen, den Lehrern, und die sind allesamt überfordert, allesamt überladen. Und wir wundern uns dann. Hinzu kommen dann noch die völlig aus den Ufern getretene Zuwanderung, das Asylversagen, das Versagen der Politik in Asylfragen, eine katastrophale Coronapolitik. All das sorgt dafür, dass unser Bildungsniveau in den vergangenen Jahren massiv gesunken ist. Respekt, Disziplin sind aus den Klassenzimmern gewichen, viel zu sehr haben Gewalt und Konflikte überhandgenommen, wie auch generell das Gewalt- und Konfliktpotenzial in den Schulen gestiegen ist. Wir lesen es ja jeden Tag in den Zeitungen, das geht von Mobbing bis zu körperlicher Gewalt. Bis heute haben wir in den Schulen aber kein funktionierendes Konfliktmanagement. (👏 FPÖ) Damit wir zumindest dieses Problem in den Griff bekommen, weise ich wieder einmal auf unseren Neunpunkteplan hin. Es ist ein Plan, der darauf abzielt, Konflikte in den Schulen schon im Vorfeld abzuschwächen oder zu verhindern. Er ist geteilt in die Prävention, in die Konfliktresilienz – als zweiten Bereich – und kümmert sich am Ende auch darum, was passiert, wenn die ganze Situation eskaliert. Daher darf ich in diesem Zusammenhang folgenden Entschließungsantrag einbringen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Hermann Brückl , MA, Kolleginnen und Kollegen betreffend „9-Punkte-Maßnahmenkatalog für eine gewaltfreie Schule“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, die die Umsetzung der dargestellten Maßnahmen des 9-Punkte-Maßnahmenkatalogs für eine gewaltfreie Schule beinhaltet.“ (👏 FPÖ) Zum Schluss kommend möchte ich schon noch etwas zum Bildungssystem sagen. Mittlerweile bin ich wirklich zu der Meinung gekommen, dass wir Schule neu denken müssen. Wir haben in den vergangenen Jahren so viel Boden verloren. Herr Bundesminister, ich glaube, für viele in diesem Land, vor allem für die politisch interessierten Menschen, waren Sie irgendwo eine Hoffnung. Diese Hoffnung ist aber verflogen, ich sage Ihnen das ganz offen, weil Sie in den vergangenen Monaten Maßnahmen gesetzt haben, die zwar öffentlichkeitswirksam waren, die vielleicht auch populistisch waren – Handyverbot: okay, kann man machen; die Geschichte mit den Schulpsychologen; jetzt die Orientierungsklassen –, wir uns aber keine einzige Minute mit der Frage auseinandergesetzt haben: Wie ändern wir unser Schulsystem so, dass wir am Ende des Tages wieder Schüler aus den Schulen kommen sehen, die ordentlich lesen, ordentlich rechnen, ordentlich schreiben können? Das ist ja am Ende des Tages der Knackpunkt. (👏 FPÖ) Wir sind weit von dem entfernt, was in unserer Verfassung steht, nämlich dass wir für unsere Kinder, für unsere Jugendlichen das höchstmögliche Bildungsniveau haben und erreichen wollen. Auch wenn ich vorhin schon betont habe, dass man Schule neu denken muss, so sage ich Ihnen am Ende noch: Schule muss auch ganz einfach wieder Schule werden. Das ist sie heute nicht mehr. Ich glaube, das muss das Ziel sein, und das ist die Aufgabe von allen. – Danke sehr. (👏 FPÖ) 13.53 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/56.1 9-Punkte-Maßnahmenkatalog für eine gewaltfreie Schule (115/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina von Künsberg Sarre .

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bildungsminister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Ich freue mich total, dass die FPÖ, zumindest der Bildungssprecher, der von mir durchaus geschätzte Hermann Brückl , auch erkannt hat, dass man Schule neu denken muss.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wir denken sie anders als ihr!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Das war einer der Gründe, warum wir 2012 die NEOS gegründet haben: um dieses System zu verändern.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit Wiederkehr könnt ihr euch wieder auflösen! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Jetzt freue ich mich sehr, dass es mit dieser Bundesregierung gelungen ist, den Bildungsbereich wieder als Schwerpunktthema zu haben, was Sie sehen, wenn Sie das Regierungsprogramm anschauen. Ich kann es nur immer wieder wiederholen, es ist, glaube ich, ganz wichtig, dass wir eine Aufholjagd in der Bildung gestartet haben, weil eben in den letzten Jahrzehnten – auch unter Beteiligung der FPÖ in der Regierung – die Bildung einfach immer zu kurz gekommen ist.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Ist ja nicht wahr!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Deswegen sind auch ganz viele der vom Kollegen Brückl durchaus richtig genannten Themen vorhanden.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Bildung ist zu Sebastian Kurz gekommen!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Aber – das war ja gestern bei Frau Kollegin Fürst auch schon so – es wird immer eine Zustandsbeschreibung gegeben, aber es gibt irgendwie keine Lösungen. ( Rufe bei der FPÖ: Der Neunpunkteplan ...! ) Die Punkte, die wir auf den Weg gebracht haben, sind natürlich wichtig. Auch die Verdoppelung der Zahl der Schulpsychologen, die wir jetzt angegangen sind …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ist das nur Ignoranz oder Berufsignoranz? – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Ignoranz oder Arroganz? – Abg. Deimek [FPÖ]: Beides!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… ist wichtig und richtig, weil Kinder eben aus unterschiedlichen Gründen belastet sind und Unterstützung brauchen.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Bitte sagt eurem Pressesprecher, er soll ...! Das ist ja fad!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Jetzt zu den Orientierungsklassen: Es gab in den vergangenen Jahren einen starken Zuzug und jetzt haben wir viele Kinder hier – und einige werden noch kommen –, die das System Schule nicht kennen, die ein Schulhaus nicht kennen, die noch nie einen Stift in der Hand gehalten haben. In ganz Österreich gibt es sehr, sehr viele außerordentliche Schüler und Schülerinnen, die Zahlen verdeutlichen das durchaus. Ich hätte eigentlich erwartet, dass die FPÖ sagt: Endlich wird da etwas getan!, denn es ist laut FPÖ ja immer eine Gruppe von Menschen in Österreich schuld daran, dass alles so furchtbar ist.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Nein, nicht die Gruppe von Menschen ist schuld; die Politik, die Sie machen, ist schuld! Das ist ein Unterschied!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Wir wollen Kindern, die Unterstützung brauchen, diese auch geben, und das hat mit den Orientierungsklassen zu tun. Es freut mich, dass auch die Grünen da mitstimmen. Wir brauchen bestmögliche Unterstützung für alle Kinder, nämlich für die zugezogenen und natürlich auch für die Kinder, die schon hier leben. Die Orientierungsklassen werden im Vordergrund haben, dass man grundlegendes Wissen über das System Schule in Österreich erlernt, aber auch lernt, und das ist ganz wichtig, wie wir hier in Österreich miteinander leben und leben wollen, nämlich in einer Demokratie, in der Gleichberechtigung, Respekt und Toleranz wichtig sind und von allen akzeptiert werden. Das wird den Kindern helfen und das wird vor allem auch den anderen Kindern und den Lehrerinnen und Lehrern helfen, weil sich so kleinere Gruppen bilden können, in denen man mehr Unterstützung hat. Der weitere Fokus ist auch sehr erfreulich, das möchte ich noch kurz anmerken, es ist ja ein NEOS-Thema seit der ersten Stunde: die Elementarbildung, der Kindergarten als erste Bildungseinrichtung. Wir beschließen hier heute beziehungsweise erweitern das Anstellungserfordernis-Gesetz, und das ist ein wichtiger Akzent. Es ist ein wichtiger und notwendiger Akzent, weil wir erstmals ein grundständiges Studium im Bereich Elementarpädagogik anbieten werden. Wir sind in Österreich diesbezüglich Schlusslicht, in allen anderen Ländern ist es längst Usus, dass man auch einen Bachelor in Elementarpädagogik machen kann. Warum ist das so wichtig? – Weil wir damit neue Personengruppen erschließen wollen. Wir wollen beispielsweise den Weg in die Elementarpädagogik auch für AHS-Maturant:innen öffnen. Warum ist es noch wichtig? – Weil wir dadurch einen Weg finden, den Fachkräftemangel zu reduzieren und die Qualität im Kindergarten zu stärken. Das wird ja wohl hoffentlich für alle von uns wichtig sein. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzter Herr Minister! Kinder sind die Zukunft: Diesen Satz hört man ganz oft. – Ich weiß nicht, wieso die FPÖ jetzt schon schreit.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Er hat sich nur verschluckt!

GRÜNE Barbara Neßler

… Kinder sind die Zukunft, hört man ganz oft, und es stimmt ja. Wer sie in den ersten Lebensjahren begleitet, formt das Fundament, von dem aus sich die Kinder weiterentwickeln können. Elementarpädagogen und -pädagoginnen tun genau das – mit Kopf, mit Herz, mit Haltung. Liebe Kollegin von den NEOS, Sie haben gesagt, Sie starten jetzt eine Aufholjagd. Ich frage mich da ein bisschen, wo die ist. Die Elementarpädagogik wird nach wie vor wie der Sandkasten am Rande des Bildungssystems behandelt: ganz nett, aber irgendwie nebensächlich. – Dabei wissen wir längst, dass die ersten Jahre extrem entscheidend für den gesamten Bildungsweg sind. Was es braucht, sind mutige Schritte. Und ja, wir begrüßen die Regierungsvorlage, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wir sagen: Es braucht mehr. Wir fordern ja nichts Revolutionäres, sondern etwas, was schon längst europäischer Standard ist: dass es eine tertiäre Ausbildung für Elementarpädagogen und -pädagoginnen gibt, denn Österreich – es wurde angesprochen – ist Schlusslicht. Ja, wir bilden Pädagoginnen und Pädagogen in der Schule aus, aber nicht einmal die Hälfte bleibt danach im Beruf, und wir tun so, als ob das ein Naturgesetz wäre, als ob das völlig normal wäre und wir nicht gegensteuern könnten. Das ist nicht so. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Bafep-Schulen sind extrem wichtig, leisten viel, aber es braucht eine Weiterentwicklung. Darum fordern wir ja mit unserem Antrag – er war im Ausschuss – eine österreichweite Ausbildung auch für Leitungspersonen im Kindergarten. Wer ein Haus baut, braucht ein Fundament, und wer eine Bildungseinrichtung leitet, braucht eine fundierte Ausbildung, und das wollen auch die Pädagogen und Pädagoginnen selber, denn wir wissen, dass rund 25 Prozent des Bildungserfolgs – und das ist nicht nichts – von der jeweiligen Leitung abhängt. Herr Minister, im Regierungsprogramm gibt es ein ganzes Kapitel zur Stärkung der Schulleitung, nur zum Thema Kinderbetreuung ist in diesem Bereich nichts zu finden. Das finde ich schon bezeichnend. Unser Antrag wurde leider vertagt, nicht angenommen, aber damit es gesagt ist: Die beste Ausbildung bringt uns halt nichts, wenn die Leute schneller wieder aussteigen, als wir alle zusammen Morgenkreis sagen können. Was es braucht – das haben wir schon öfters hier diskutiert –, sind kleinere Gruppen, mehr Zeit für Pädagogik, bessere Bezahlung und echte Wertschätzung. Elementarpädagogik ist wichtig, weil sie das Fundament ist– darüber haben wir gesprochen –, aber es darf kein Job sein, in dem die Pädagogen und Pädagoginnen schneller ausbrennen als die Geburtstagskerze im Wind. (👏) Ich hoffe, dass da endlich mehr kommt, denn die traurige Realität ist – und davon bin ich wirklich enttäuscht –: Ich habe mir erwartet, dass im Regierungsprogramm so etwas wie eine Verpflichtung zum Ausbau der Kinderbetreuung enthalten ist, und ich musste feststellen, dass das nicht so ist. Es wird keinen zusätzlichen Betreuungsplatz geben, keine kleineren Gruppen, und genau damit lassen wir die Pädagoginnen und Pädagogen im Stich. Vor allem aber lassen wir auch die Eltern im Stich. Ich glaube, gerade im Kontext von Mitarbeiter-, Mitarbeiterinnenmangel können wir uns ein Zuwenig an Kinderbetreuung ganz einfach nicht mehr leisten. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Nico Marchetti .

ÖVP Nico Marchetti

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bildungsminister! Ich möchte, weil wir heute auch einen Beschluss zu den Orientierungsklassen fassen, drei Schwerpunkte der Volkspartei im Bildungskapitel noch einmal hervorstreichen. Das eine ist: Für uns ist es ganz, ganz wichtig, dass Kinder, bevor sie ins Regelschulwesen kommen, auch fit dafür sind. Das entlastet die Klassen, die Klassenkolleginnen und -kollegen, es entlastet auch die Lehrkräfte und es stellt sicher, dass das Regelschulwesen gut funktionieren kann. (👏 ÖVP) Deswegen ist einerseits wichtig, dass die zu integrierende Anzahl an Kindern auch eine bewältigbare ist. Deshalb haben wir auch gesagt, wir stoppen den Familiennachzug, das haben wir ja auch schon beschlossen, damit eine Entlastung im Bildungswesen auch spürbar wird.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Remigration ...!

ÖVP Nico Marchetti

… Das andere ist, dass wir eben auch die Orientierungsklassen haben, dass wir sagen, wenn Kinder ins Bildungssystem quer einsteigen, auch während des Schuljahres oder eben nicht am Anfang des Schuljahres, muss es Systeme geben, in denen die Kinder fit fürs Regelschulwesen gemacht werden, damit das auch gut funktioniert. Das beschließen wir heute. Ich halte es für eine sehr sinnvolle Maßnahme, für die Kinder, für das Bildungssystem an sich, und deswegen zahlt es auch auf genau jenes Ziel ein, das uns als Volkspartei wichtig ist: Die Kinder sollen erst dann ins Regelschulwesen kommen, wenn sie dafür fit genug sind. (👏 ÖVP) Das Zweite ist, dass uns als Volkspartei wichtig ist, dass die Schule vor allem ein Ziel hat, ein Grundziel erfüllen muss, und das ist, dass die Kinder lesen, schreiben und rechnen können und dass auch die österreichische Lebensart in der Schule mitgegeben wird. Das halten wir für das, was sein muss. Auch da gibt es viele Dinge, die wir in diesem Sinne machen, und wir müssen da einfach besser werden. Die Analyse ist richtig: Gerade wenn es um Lesen und Schreiben geht, gibt es Defizite. In diesen Kernkompetenzen müssen wir also besser werden, aber auch die österreichische Lebensart muss in der Schule Platz finden. Und da gehört einiges dazu. Zum Beispiel habe ich heute den Antrag von Ricarda Berger und Christoph Steiner zum Kopftuchverbot an den Schulen gesehen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, aber für Lehrerinnen! Für Lehrerinnen!

ÖVP Nico Marchetti

… Das steht ja im Regierungsprogramm, und das ist ja auch etwas, was wir gerade verhandeln. Ich finde es wichtig, dass Mädchen vor der Geschlechtsreife kein Kopftuch tragen, denn das ist einfach nicht der Standard, den selbst die IGGÖ festlegt, und alles andere ist eine extreme Auslegung von Religion …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber auch die Lehrerinnen! Nehmen wir die Lehrerinnen auch mit!

ÖVP Nico Marchetti

… und das brauchen wir in der Schule nicht. Es gehört zu einer Normsetzung des Gesetzgebers, dass es so etwas nicht gibt, und deswegen widmen wir uns dem im Regierungsprogramm und in unserer Politik im Bildungsbereich. Das Dritte, das uns als Volkspartei wichtig ist, ist, dass auch Exzellenz in der Schule eine Rolle spielt, dass auch Talente eine Rolle spielen, dass wir das Beste aus den Kindern herausholen, dass wir sagen, es ist gut, wenn man sich anstrengt, wenn man etwas besonders gut kann; das ist etwas Schönes, das wollen wir auch, das wollen wir fördern, das wollen wir auch wertschätzen. Das ist etwas, das uns als Volkspartei wichtig ist. (👏 ÖVP) Erstens also sollen Kinder erst ins Regelschulwesen kommen, wenn sie dafür auch fit sind. Das Zweite ist, die Schule muss unbedingt besser in der Vermittlung der Kernkompetenzen werden – Lesen, Schreiben und Rechnen – und in der Vermittlung der österreichischen Lebensart. Das ist für uns oberste Priorität. Und das Dritte ist, dass wir eben auch Talente und Exzellenz in der Schule wollen und es nicht als etwas Elitäres abtun. Es ist egal, woher ein Kind kommt, von wo es abstammt, es kann jedes Kind besondere Talente haben, insofern ist es auch dahin gehend eine gerechte Sache. Abschließend: Die Reformpartnerschaft, die wir jetzt gerade mit den Bundesländern, mit den Gemeinden ins Leben gerufen haben, ist auch ein sehr wesentlicher Punkt, um im Bildungssystem an den großen Schrauben zu drehen. Ich würde mich freuen, wenn alle Parteien, die aufgrund der Mitgliedschaft in einer Bundesregierung oder auch in den Landesregierungen ja automatisch irgendwo am Tisch sitzen, auch wirklich schauen, dass wir uns nicht nur in der Problemanalyse einig sind, sondern uns vielleicht auch bei Lösungen einig werden. Ich glaube, das wäre notwendig, damit wir vorankommen. Ich freue mich dahin gehend schon auf die Zusammenarbeit. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Ricarda Berger .

FPÖ Ricarda Berger

Danke, Frau Präsident! Herr Minister! Geschätzte Damen und Herren! Diese Regierungsvorlage ist eine absolute Bankrotterklärung. Sie ist ein Schuldeingeständnis, eine Selbstanklage vom Feinsten, meine sehr geehrten Damen und Herren! …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Die Rede haben Sie schon einmal gehalten! – Heiterkeit bei SPÖ und NEOS. – Abg. Shetty [NEOS]: Das ist gleich ganz dezent aufgetragen!

FPÖ Ricarda Berger

… Hören Sie mir einfach einmal zu! …

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Da hat sie aber recht! Kommt uns bekannt vor!

FPÖ Ricarda Berger

… Wieder einmal erleben wir ein Stück verfehlter Integrationspolitik, und, Kollege Brückl hat es schon erwähnt, das ist in Wahrheit schon wieder nur eine Placebomaßnahme. Die Regierung präsentiert ganz großspurig ein Gesetzespaket zur Orientierung, Beschulung von Kindern, die aus völlig fremden Kulturen zu uns kommen, während gleichzeitig Innenminister Karner uns erklärt, dass der Zuzug gestoppt wird. – So, also was jetzt? Wenn angeblich kein Zuzug mehr stattfindet: Wozu brauchen wir all diese Maßnahmen?, frage ich Sie nur.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Vielleicht weil es schon Kinder im Land gibt; also, ich weiß nicht, ob das in den Kopf reingeht! – Zwischenruf der Abg. Totter [ÖVP.]

FPÖ Ricarda Berger

… Es zeigt sich einfach wieder einmal das alte Spiel, nämlich das Spiel Ihrer Schönrederei. Man will die Österreicher beruhigen, besänftigen, so wie Sie es immer machen, indem man ihnen sagt, es käme eh niemand mehr her. Gleichzeitig, im gleichen Atemzug, wird aber ein millionenschweres Integrationsprogramm beschlossen, weil offenbar doch Tausende schulpflichtige Kinder ohne Sprachkenntnisse ins Land kommen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Oder im Land sind! – Ruf bei den Grünen: Vielleicht sind die schon da!

FPÖ Ricarda Berger

… Das passt nicht ganz zusammen und es geht sich einfach nicht mehr aus. (👏 FPÖ) Wir Freiheitliche sagen ganz klar: Integration beginnt mit klaren Grenzen. Integration beginnt damit, dass wir die illegale Migration konsequent verhindern und nicht mit immer neuen Programmen zementieren. Diese Orientierungsklassen sind ein weiteres Symbol, ich habe es schon erwähnt, für eine gescheiterte Integrationspolitik, die nicht den Schutz unserer Kinder im Fokus hat, sondern nur das permanente Durchwinken von Parallelgesellschaften.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Sie wissen ja nicht einmal, was Integration heißt!

FPÖ Ricarda Berger

… Schauen wir uns das genauer an, Kollege Brückl hat schon einiges erwähnt. Es werden Sprachförderkurse, Alphabetisierung, Grundwerteunterricht angeboten.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das will alles die FPÖ nicht, weil dann verlieren Sie ihr Hetzthema!

FPÖ Ricarda Berger

… Ich habe mir das jetzt genau durchgeschaut: Es wird auf „Grundkompetenzen in [...] dem Erkennen von Symbolen und Schriftzeichen [...] Motorik [...] Kennen von Abläufen in einer Bildungseinrichtung und [...] dem Erkennen und Verstehen von sozialen Regeln“ geschaut, also man lernt ihnen, wie man in einer demokratischen Gesellschaft lebt …

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Lehrt sie!

FPÖ Ricarda Berger

… dass es Respekt gibt, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Toleranz, Partizipation – all diese Sachen, und alles auf Kosten der Steuerzahler, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das hat mit Bildung wahrlich nichts mehr zu tun. ( Rufe bei den NEOS: Was? ) Das ist Integration, und das alles auf Kosten unserer eigenen Bevölkerung, für Menschen, die überhaupt nie eine Aufenthaltsperspektive in Österreich haben sollten. Warum investiert diese Regierung nicht lieber in unsere eigenen Schulen, endlich in die Entlastung der Lehrer, in kleinere Klassen und in eine bessere Ausstattung für unsere eigenen Kinder? (👏 FPÖ) Wir sagen ganz deutlich: Wenn der Zuzug – also laut Innenminister Karner, ÖVP – gestoppt wurde, dann ist dieses Gesetz ja eigentlich völlig überflüssig. Wenn er doch nicht gestoppt wurde, dann ist dieses Gesetz der vollkommen falsche Weg. Es kann nämlich nicht sein, dass Kinder ohne jede Vorbereitung einfach in unser Schulsystem eingegliedert werden, ohne dass wir vorher für Sicherheit, für eine gesicherte Bleibeperspektive und vor allem für eine klare Integrationsbereitschaft sorgen.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Mamma mia! Es sollen die Kinder ja nichts ...! Meine Güte! – Abg. Erasim [SPÖ]: Es wird immer schlimmer!

FPÖ Ricarda Berger

… Wir Freiheitliche stehen für ein System, das unsere Werte schützt …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Und die Kinder missachtet!

FPÖ Ricarda Berger

… mit Respekt vor unserer Sprache, unserer Kultur und unseren Bildungsstandards. Es darf einfach keine dauerhafte Parallelgesellschaft geben …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Aber Sie fordern das ja gerade! Diese Parallelgesellschaften fordern Sie ja gerade!

FPÖ Ricarda Berger

… und es darf schon gar nicht sein, dass unsere eigenen Kinder hintangestellt werden, nur damit integrationsunwillige Zuwanderer in diesem Land wieder einen Vorteil genießen.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Völliger Widerspruch!

FPÖ Ricarda Berger

… Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum Sie so unruhig sind.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Wir sind nicht unruhig! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ. – Abg. Silvan [SPÖ]: Weil es nicht stimmig ist! – Abg. Erasim [SPÖ]: Weil es die widersprüchlichste Rede der Plenarwoche ist!

FPÖ Ricarda Berger

… Wahrscheinlich, weil es wahr ist, gell? Daher und genau aus diesem Grund werden wir dieser Maßnahme selbstverständlich nicht zustimmen, denn wir fordern stattdessen ein konsequentes Ende dieser unsäglichen illegalen Migration und endlich eine Stärkung unseres eigenen Bildungssystems, nämlich für unsere Kinder, die Familien und die Zukunft dieses Landes.

SPÖ Yildirim (Zwischenruf)

Für alle Kinder!

PräsidiumDoris Bures

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Abgeordneter Yannik Shetty zu Wort gemeldet.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Abgeordnete Berger hat viel Unrichtiges gesagt. ( Heiterkeit des Abg. Silvan [SPÖ]. ) Ich werde einen Fakt davon tatsächlich berichtigen, und zwar hat sie gesagt, dass das Integrationsprogramm der Regierung sich ausschließlich an neu Zugewanderte richtet, an die, die neu zuwandern. – Das ist nicht richtig. Ich berichtige tatsächlich: Das Programm Integration ab Tag eins richtet sich an alle Migranten mit Integrationsbedarf, vor allem an die, die schon jetzt da sind.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Eine tatsächliche Berichtigung ist das nicht! Das ist eine politische Bewertung! – Ruf bei der FPÖ: Ja! – (Abg. Steiner [FPÖ]: Herr Klubobmann! Noch einmal ... die Geschäftsordnung, Herr Klubobmann!

NEOS Yannick Shetty

… Aber Ihre Wortmeldung zeigt schon wieder: Sie wollen die Probleme großmachen und nicht die Lösungen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Und der Schlüssel zum Glück ist Remigration! – Abg. Erasim [SPÖ]: „Der Schlüssel zum Glück ist Remigration“, das ist der Satz vom Herrn Abgeordneten Steiner! – Abg. Steiner [FPÖ]: Richtig! Das hab ich da draußen schon dreißigmal gesagt, glaub ich! Musst du besser zuhören! Das sage ich auch heute wieder!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Heinrich Himmer zu Wort. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Heinrich Himmer

Danke, Frau Präsidentin! Herr Bildungsminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und liebe Zuseher! Danke, Herr Klubobmann Shetty, Sie haben einen Teil dessen - - Bei den vielen Dingen, die Sie, Frau Kollegin Berger, uns gerade zu Ihrem Bild von Integration und Menschen präsentiert haben, haben Sie auch gleichzeitig bewiesen, warum Sie mit Integration und Menschen wenig zu tun haben. Menschen mitzunehmen und zu begleiten, ein Teil der Gesellschaft zu werden, ist Integration; Grenzen zu ziehen, ist es nicht.

FPÖ Ricarda Berger (Zwischenruf)

Die wollen nicht Teil dieser Gesellschaft sein! Die wollen das nicht!

SPÖ Heinrich Himmer

… Das hat mit Integration gar nichts zu tun.

FPÖ Ricarda Berger (Zwischenruf)

Die, die wollen, brauchen das alles nicht; die machen das alles allein!

SPÖ Heinrich Himmer

… Auch unsere Pädagoginnen und Pädagogen werden nicht dadurch entlastet, dass wir Kinder und Jugendliche, die eine andere Form von Begleitung brauchen, einfach in bestehende Klassen setzen.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Oho!

SPÖ Heinrich Himmer

… Damit werden die überlastet, die in den letzten Jahren tatsächlich auch ganz massiv dafür gearbeitet haben.

FPÖ Ricarda Berger (Zwischenruf)

Sie haben es nicht verstanden! Tut mir leid, Sie haben es nicht verstanden!

SPÖ Heinrich Himmer

… Sondern: Wir sollten sie unterstützen, indem sie dort ein Angebot bekommen – nämlich die Schüler:innen, die Familien und auch die Pädagoginnen und Pädagogen. Ich danke auch dafür, dass gerade die Sprachförderkräfte in der Schule massiv ausgebaut werden, denn das gehört dazu. Wenn wir Pädagog:innen entlasten wollen, brauchen wir auch Menschen, die diese Menschen begleiten.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Hört, hört! – Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Taschner [ÖVP]: Hört, hört!

SPÖ Heinrich Himmer

… Das wollen Sie nicht, das ist spürbar und hörbar. Sie setzen sich auch überhaupt nicht mit dem Angebot auseinander. Es geht ja darum: Diese Orientierungsklassen sind ja eine Erfindung, die wir in Wien schon länger ausprobiert haben …

FPÖ Ricarda Berger (Zwischenruf)

Hat gut funktioniert!

SPÖ Heinrich Himmer

… die in Vorarlberg ausprobiert worden sind - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, das hat ja gut funktioniert! – Abg. Ricarda Berger [FPÖ]: Grandios!

SPÖ Heinrich Himmer

… Ja, genau, Herr Steiner. Sie haben vollkommen recht. Das hat so gut funktioniert …

FPÖ Schuch-Gubik (Zwischenruf)

Da muss er selber lachen!

SPÖ Heinrich Himmer

… dass wir heute dieses Programm in das Schulprogramm mitaufnehmen, weil das Angebot von Bildung allen offenstehen muss. Damit Schulunterricht funktioniert, braucht es auch eine Vorbereitung darauf. (Abg. Gasser [NEOS] – in Richtung FPÖ –: In Vorarlberg seid ihr übrigens in der Landesregierung!) Darüber haben wir auch heute den ganzen Vormittag …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, leider! Da haben wir zu wenig Einfluss!

SPÖ Heinrich Himmer

… Herr Steiner! – diskutiert , gemeinsam mit der Außenministerin: dass die Welt an vielen Ecken und Enden durchaus riskant ist und wir für viele Menschen auch Heimat werden. Wir wollen diese Heimat so gut gestalten, dass alle Menschen sich hier wohlfühlen. (👏 SPÖ, NEOS) Daher - - – Herr Mölzer, auch für Sie: Wir freuen uns, wenn wir ein Schulangebot schaffen können, das Pädagog:innen entlastet, wofür man wirklich Danke sagen muss, denn die haben - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit 2015 habt ihr sie nur belastet! – Ruf bei der FPÖ: Genau!

SPÖ Heinrich Himmer

… Die haben in den letzten Jahren - - …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit 2015! Seit 2015!

SPÖ Heinrich Himmer

… Nicht Sie, Herr Steiner, Sie haben nichts dazu beigetragen, dass unser Schulsystem funktioniert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das sind die Pädagoginnen und Pädagogen. Bei denen bedanken wir uns alle.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit 2015 habt ihr sie belastet!

SPÖ Heinrich Himmer

… Herr Steiner, Sie können hier herauskommen …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, ich komme ja noch!

SPÖ Heinrich Himmer

… und sich auch bei den Pädagoginnen und Pädagogen bedanken …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich komme noch! Ich komme noch! – Heiterkeit der Abg. Ricarda Berger [FPÖ]

SPÖ Heinrich Himmer

… das wäre einmal ein Mehrwert einer Rede eines freiheitlichen Abgeordneten. Da freuen wir uns alle darauf.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich komme noch! Ich stehe sogar auf der Rednerliste!

SPÖ Heinrich Himmer

… Ich danke Ihnen, Herr Minister, für die Zusammenarbeit in dieser Reformpartnerschaft, in dieser Regierung, dass wir Kindern die Perspektiven geben, die sie brauchen, und dass wir alle dazu beitragen, dass Bildung bei jedem Kind Talente fördert und ermöglicht. – Danke.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Bravo! – Abg. Wurm [FPÖ]: Bla, bla, bla!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Bundesminister Christoph Wiederkehr zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Minister.

FPÖ Katayun Pracher-Hilander

Vielen Dank, werte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Wiederkehr! Werte Anwesende und Zuseher! Wir haben jetzt schon einiges zum schulischen Thema gehört. Ich möchte auf ein anderes Thema eingehen, nämlich auf das Thema Mobbing, Mobbing an Schulen. Wir alle haben in den vergangenen Monaten wiederholt über massive Mobbingvorfälle in heimischen Schulen gehört und gelesen – sie sind ans Tageslicht gekommen –, bei denen es um gravierende körperliche und psychische Übergriffe auf österreichische Schüler gegangen ist. Aktuell ist uns allen wahrscheinlich noch der Fall von Vöcklabruck in Erinnerung, bei dem der 15-jährige HTL-Schüler von mehreren älteren, teils sehr viel älteren Mitschülern mit Migrationshintergrund systematisch gemobbt wurde.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aus dem Fenster geschmissen!

FPÖ Katayun Pracher-Hilander

… Das Opfer wurde hierbei über mehrere Monate hinweg geschlagen, gewürgt, psychisch misshandelt, schließlich sogar aus einem Fenster gedrängt und hat sich dabei auch erheblich verletzt. Aber auch anderswo in Österreich kommt es immer wieder zu ähnlichen Mobbingfällen, von denen wir aber so in der Tagespresse nichts lesen, aber es gibt sie. Diese Einzelfälle sind wirklich nur die Spitze eines extrem massiven Eisbergs. Mobbing wird in Österreich leider nach wie vor – ob im schulischen oder im Arbeitskontext – wirklich als Kavaliersdelikt heruntergespielt und abgetan, und das ist einer Gesellschaft unwürdig. Betroffene berichten, dass Lehrer im schulischen Kontext häufig aus falsch verstandener Toleranz, Überforderung oder aber aus purer Angst vor den Familien der migrantischen Schüler nichts sagen, wegschauen und schweigen. ( Ruf bei der ÖVP: Das ist eine Unterstellung! ) In diesem Zusammenhang möchte ich aus einer sehr interessanten und oft zitierten Studie, nämlich einer Public-Health-Studie, die über 33 Länder hinweg das schulische Mobbing untersucht hat, zwei wichtige Teilbefunde zitieren. Erster Teilbefund: Österreich gehört in dieser länderübergreifenden Langzeitstudie zu den Ländern mit der prozentual höchsten Nennung von Buben und Mädchen, die angegeben haben, bereits Opfer von Mobbing gewesen zu sein. Zweite Teilerkenntnis: Die Tendenz ist statistisch signifikant steigend. Dazu möchte ich aber ergänzend anführen, dass sich diese Zahlen auf den Erhebungszeitraum 2001 bis 2020 beziehen. Jetzt können wir uns alle vorstellen, wie dramatisch sich diese Zahlen zwischen 2015 bis heute verändert haben müssen, und zwar dank einer unkontrollierten Masseneinwanderung und gescheiterten Integrationspolitik unter Schwarz-Rot. Österreich muss sich bitte dringend den schwedischen Weg einer Nulltoleranzgrenze bei Mobbing zum Vorbild nehmen, Herr Minister Wiederkehr. (👏 FPÖ) Und zwar deshalb, weil nämlich Schweden in dieser ländervergleichenden Studie am besten, was das schulische Mobbing betrifft – wie auch bei Corona übrigens –, abgeschnitten hat. Dort ist schulisches Mobbing ein Nulltoleranzthema. Das gibt es nicht. Es gibt es, aber es wird nicht toleriert. Es ist daher wirklich dringend notwendig, dass auch die Schulleitungen in diesem Zusammenhang, und zwar im Sinne der Schutzverantwortung und der damit verbundenen Handlungs- und Meldepflicht, dazu angehalten werden, wirklich gegen Mobbing zwingend und aktiv vorzugehen und nicht länger wegzusehen. Mobbing muss daher mit konsequenten Maßnahmen begegnet werden: erstens mit einer verbindlichen Meldepflicht für Mobbing und Gewaltvorfälle an Schulen durch die jeweilige Schulleitung; zweitens mit Sanktionen bei unterlassener Meldung durch Schulleitungen mittels abgestufter Disziplinarmaßnahmen im Dienstrecht; und drittens mit Sofortmaßnahmen bei körperlichen Übergriffen mittels zumindest zeitlicher Suspendierung der Täter. Daher stelle ich folgenden Antrag: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Katayun Pracher-Hilander , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Wirksame Maßnahmen gegen Mobbing und Gewalt an Schulen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert, dem Nationalrat ehestmöglich eine Regierungsvorlage zur Umsetzung der Sofortmaßnahmen gegen Mobbing und Gewalt an Schulen zuzuleiten.“ Vielen Dank. (👏 FPÖ) 14.25 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/64.1 Wirksame Maßnahmen gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (116/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht mit in Verhandlung. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! ( Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend: ) Liebe gehörlose Menschen! Wir werden nicht müde, den Kindergarten als erste Bildungseinrichtung zu betonen. Warum? – Weil in der elementarpädagogischen Bildung die Zukunft unserer Kinder die ersten Züge annimmt. Im Kindergarten erlernen die Kinder soziale Kompetenzen, Sprache, aber auch Gesundheitskompetenz und vieles, vieles mehr. Von der Bildungserfahrung in den Kindergärten hängt der weitere Bildungsverlauf der Kinder ab. Versäumnisse von eben dort können in der Schule nur mehr schwer aufgeholt werden. Das heißt, wir haben eine große Chance, wir haben aber auch eine große Verantwortung. Wir setzen viel Hoffnung in den Kindergarten, und mit unserem Bildungsminister wird diese Bildungseinrichtung ihr volles Potenzial entfalten.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das glauben nicht einmal die eigenen!

NEOS Fiona Fiedler

… Besonders wichtige Punkte im Regierungsprogramm sind aus meiner Sicht die Überarbeitung des Bafep-Curriculums mit Fokus auf mehr Inklusion, der Einsatz von multiprofessionellen Teams zur Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen sowie Therapieangebote, Nursing-Dienste und vieles weitere mehr. Das sind sehr viele Maßnahmen. Ja, man muss irgendwo anfangen, und das tun wir jetzt mit der Einführung eines Studiums als Ausbildungsmöglichkeit für Elementarpädagog:innen. Denn all diese Maßnahmen, alle Qualitätssteigerungen und jeglicher Ausbau funktionieren nicht, wenn beim Fundament dieser Bildungsinstitution der Personalmangel droht. – Kleinere Gruppen, Frau Kollegin Neßler, ja, natürlich, aber ohne Personal sind die nicht umsetzbar. Für ein zukunftsfittes Bildungssystem braucht es Investitionen, aber natürlich auch das Schaffen der geeigneten rechtlichen Rahmenbedingungen. Um den wachsenden Herausforderungen etwas zu entgegnen und Elementarpädagog:innen zu entlasten, ist eine Erweiterung der möglichen Zugänge ein wichtiger erster Schritt. Hochschullehrgänge und außerordentliche Bachelorstudien richten sich an berufserfahrene Assistenzkräfte in der Elementarpädagogik, die zu höher qualifizierten Fachkräften werden sollen, und ordentliche Bachelorstudien stellen unter anderem für AHS-Maturantinnen und -Maturanten einen attraktiven Weg in die Elementarpädagogik dar. Es ist auch eine Frage der Wertschätzung. Wenn vom Kindergarten und von den Elementarpädagog:innen der weitere Bildungsverlauf sowie die Schulerfahrung der Kinder abhängt, dann ist eine höhere Qualifizierung, mit der auch höhere Anerkennung verbunden ist, nur gerecht. – ( Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend: ) Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Lisa Schuch-Gubik zu Wort gemeldet. – Bitte.

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Minister! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Was Sie uns heute hier mit den Orientierungsklassen präsentieren, ist in Wahrheit nichts anderes als ein Offenbarungseid Ihrer verfehlten Migrationspolitik. Sie sprechen von Integration, in Wahrheit ist das der nächste Schritt in Richtung Kapitulation. Statt eines echten Grenzschutzes, statt eines Asylstopps, statt einer strikten No-Way-Politik betreiben Sie eine Politik, die sagt: Kommt alle herein, wir bauen euch sogar noch eigene Klassen! Und ja, ich habe auch keine Scheu davor, zu sagen: Es reicht jetzt einmal mit all diesen Integrationsmaßnahmen. Wie lange will man uns dieses Integrationsmärchen eigentlich noch erzählen? Wenn Sie als Österreicher in ein anderes Land gehen, nehmen Sie die USA, die Emirate – es ist eigentlich wurscht, wohin; es wird überall ziemlich gleich sein –, dann müssen Sie sich anpassen, dann müssen Sie die Sprache lernen. Und wenn Sie das nicht tun, ja, dann wird man Sie relativ schnell wieder nach Hause schicken. Es wird Ihnen nicht alles hinterhergeworfen, so wie es bei uns der Fall ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das Land, bei dem ihr euch anpassen könnt, ist Russland!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Auch die Gastarbeiter, die früher zu uns gekommen sind, haben sich angepasst und haben die Sprache gelernt. Viele von denen wählen übrigens schon die FPÖ, weil es ihnen auch schon reicht. Was passiert aber aktuell bei uns? – Es gibt eine Orientierungsklasse da, einen Integrationskurs dort, alles wird hinterhergeworfen; und der, den das nicht interessiert, der weiter in der Parallelwelt lebt, wird trotzdem mitfinanziert und mitgetragen, dem passiert nämlich genau gar nichts. Remigration statt Einwanderung, muss die Devise heißen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Na bitte, hören Sie auf mit dem Sermon!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… weil wir dann auch wieder Geld für die haben, die es in unserem Land wirklich brauchen: für die Familien, für die Kinder, für die Pensionisten – aber denen nehmen Sie es weg! Anstatt nur einen einzigen Syrer abzuschieben, so wie es Herr Karner jetzt getan hat, und sich dann auch noch auf peinlichste Art und Weise medial feiern zu lassen, hätte er Tausende Syrer abschieben müssen – aber er bespitzelt ja lieber die eigene Bevölkerung.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

... Kickl abgeschoben?

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Kommen wir aber noch einmal zurück zu den Orientierungsklassen: Sie sprechen da von 75 und 25 zusätzlichen Lehrerplanstellen. Woher nehmen Sie diese? Kommen die einfach so? Hokuspokus, zaubern Sie die aus dem Hut? Falls Sie es nicht schon merken: Wir haben jetzt schon einen eklatanten Lehrermangel.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, warum? Weil Mehrsprachlichkeit so verurteilt wird!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Sie binden jetzt aber zusätzliches Personal für Personen, die gar nicht bei uns sein sollten. Das geht sich am Ende des Tages sicher nicht aus. Herr Bildungsminister! Ich habe ein Interview von Ihnen vom letzten Jahr gelesen ( Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von ÖVP, Grünen und FPÖ ), da wünschen Sie sich ein NEOS-geführtes Bildungsministerium, damit die Bildung in Österreich endlich wieder visionärer wird. Ich glaube Ihnen das schon. Sie wollten wirklich etwas verändern, aber wahrscheinlich ist auch Ihnen in den letzten Wochen klar geworden: Das wird nichts. Sie sind kein Reformminister geworden, stattdessen sind Sie nur ein Verwalter dieses Integrationsversagens. Bedanken können Sie sich bei der ÖVP, weil die das angerichtet hat. (👏 FPÖ) Während Ihre Parteichefin Meinl-Reisinger – Sie hat uns ja heute davon berichtet – als High-Class-Jetterin in der Weltgeschichte herumfliegt , im Geldkoffer das Steuergeld der Österreicher, und dabei in jede Kamera lacht, dürfen Sie lediglich das Versagen in Österreich verwalten, ganz nach dem Motto: pinkes Grinsen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... Mercedes!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… in Brüssel und Schulchaos in Österreich.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Auch eine Sporttasche kann ein Geldkoffer sein!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Ich nehme es Ihnen ab, dass es Ihnen bewusst ist, dass da etwas schiefläuft, aber das ändert nichts an der Tatsache.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... Privatjet vom ...!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Sie machen sich zum Erfüllungsgehilfen einer gescheiterten Migrationspolitik. Liebe Regierung, bitte stellen Sie sich heute nicht hierher und feiern sich für etwas, für das Sie sich nicht feiern dürfen! Sie sind nicht Teil der Lösung, Sie sind das größte Problem. Es gibt nur eine Lösung, und die lautet: Festung Österreich! – Danke.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Mit Geldkoffern kennt sie sich eh aus, die FPÖ! – Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]. – Abg. Shetty [NEOS]: Nur, weils ausschaut wie eine Sporttasche?!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Rudolf Taschner zu Wort.

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Frau Kollegin Schuch-Gubik - - ( Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von NEOS und Abg. Steiner [FPÖ]. ) – Herr Steiner! Sie kommen dann nachher noch zu Wort. Darf ich? – Das ist sehr lieb von Ihnen, danke! Frau Kollegin Schuch-Gubik, Sie haben davon gesprochen, dass wir diese Orientierungsklassen nicht brauchten. Wie wäre es dann aber überhaupt möglich, dass, wenn jemand zu uns kommt, er tatsächliche diese Bringschuld bringt, dass er zum Österreicher wird? …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Na, dann sollen es jene machen, Herr Professor, die das ohnehin machen!

ÖVP Rudolf Taschner

… Das muss man doch gelehrt werden, deshalb brauchen wir diese Klassen, und ich hoffe, dass diese Klassen auch dementsprechend funktionieren.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wie hat das früher funktioniert, zu Ihrer Zeit?

ÖVP Rudolf Taschner

… Natürlich haben Sie recht, es wird sicher Probleme geben. Herr Minister, es ist ein großes Bündel, dass Sie da aufschnüren müssen, denn für diese Orientierungsklassen braucht man Personal. Man braucht das Wissen, wie man es macht, dass die Kinder so erzogen werden, dass, wenn sie dann in die Schulen kommen, die Lehrerinnen und Lehrer, die in den Schulen unterrichten, Kinder vor sich haben, die schulreif sind, die die Sprache können und die sozial mit den anderen Kindern umgehen können. Das ist das, was ich davon verlange. Ich verlange das für die Lehrer, die in den Schulen unterrichten, dass sie Kinder bekommen, die für diese Lehrer wirklich auch – wie soll ich sagen? – eine Arbeitsmöglichkeit darstellen, dass man diesen Kindern ermöglicht, dass sie lebenstüchtig werden, denn das ist ja der Sinn unserer Schulen. (👏 ÖVP) Was die Sprache anbelangt, möchte ich gerne ein paar Bemerkungen machen. Damals, als wir die Deutschförderklassen eingeführt hatten, gab es einen Riesenaufschrei: Minister Faßmann hat Deutschförderklassen eingeführt, das kann man nicht machen, die Kinder gehören doch gleich in die Klassen hinein, die müssen in das Sprachbad hinein! – Sprachbäder, in denen es leider nicht einmal das deutsche Wasser gegeben hat; sie sind dann in diesem Sprachbad ziemlich hart angekommen. Nein, das durfte nicht sein, weil das eine Separierung wäre! Jetzt führen wir die Separierung ein, und es ist gut so. Ich freue mich, dass Herr Kollege Himmer sagt, dass das in Ordnung ist, und ich glaube, dass wir da einen guten Weg gehen. Gehen Sie bitte zu Herrn Bundesminister Faßmann und sagen Sie: Sie haben es damals, 2017, wirklich gut angelegt.

SPÖ Stich (Zwischenruf)

... Äpfel und Birnen, oder?

ÖVP Rudolf Taschner

… Es ist nämlich nicht richtig, was von Frau Künsberg Sarre gesagt worden ist: dass 20 Jahre früher nichts passiert ist – es ist einiges geschehen, aber natürlich kann immer mehr geschehen. Sie sagen betreffend die deutsche Sprache, dass die Kinder wirklich gut Deutsch können müssen. Ja, sie müssen die richtigen Worte zu den richtigen Dingen sagen. Herr Bundesminister, da darf ich vielleicht ein paar kleine Fußnoten anbringen: Sie sprechen von Mental Health, die Sie in den Schulen einführen wollen. Mental Health, geistige Gesundheit – das kommt mir fast vor wie ein Sanatorium, was die Schule aber nicht ist. Sie wollen die Kinder zu lebenstüchtigen Menschen machen! ( Ruf bei der FPÖ: Nicht! ) Sie sagen, wir müssen Exitgespräche durchführen. Wissen Sie, was ein Exitus ist? Ich will einen Lebensplan für die Kinder entwickeln, auch wenn sie dann nachher nicht in der Schule sind.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Du verrennst dich grad ...!

ÖVP Rudolf Taschner

… Das ist der Punkt. Wir müssen die richtigen Worte finden. Ich glaube, das ist ein entscheidender Punkt – denn wenn wir die falschen Worte finden, dann geht das Ganze zugrunde. Die richtigen Worte sind das Wesentliche. Wenn jemand die Worte falsch setzt, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das Gesagte mit dem Gemeinten nicht übereinstimmt, dann stimmen die Werke nicht. Wenn die Werke nicht stimmen, dann verderben die Sitten und die Künste. ( Ruf bei der FPÖ: ... das Kind beim Namen! ) So sagt es Konfuzius. Darum ist das Setzen der richtigen Worte das Wichtigste.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Die Redezeit ist aus!

ÖVP Rudolf Taschner

… Das Wort muss richtig gesetzt werden, dann haben wir die Orientierung für die Kinder, die kommen. Die müssen die richtigen Worte setzen, aber wir auch. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Steiner .

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Frau Präsident. Die Zeit zählt schon; okay, ich habe noch gar nicht angefangen. Ja, ich glaube Herrn Kollegen Taschner das – Ihnen persönlich glaube ich das sogar, dass Sie es wirklich ernst meinen. Ich glaube es bis zu einem gewissen Grad auch Ihnen, Herr Wiederkehr, dass Sie es ernst meinen. Ich weiß nicht, woran Sie in Wien gescheitert sind, warum das da so katastrophal geendet hat – wahrscheinlich war es die SPÖ –, ich kann Ihnen aber versichern, Sie werden an dieser Fraktion – die Gott sei Dank eh schon minimiert ist –, an der ÖVP, scheitern. Ihnen persönlich glaube ich es, aber da ( in Richtung ÖVP weisend ) sitzt das Problem. Da sitzt das Problem! …

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

... Lösung!

FPÖ Christoph Steiner

… Sie gehören nicht zum Problem, Herr Taschner. Ich habe es schon gesagt, Ihnen persönlich glaube ich es ja.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

... wir machen’s alle, wir machens alle!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich habe es auch dem Bildungsminister, jenem vor Polaschek, geglaubt. Der ist aber im Übrigen auch an der eigenen Partei gescheitert. Einige haben das Problem jetzt erkannt, nach 33 Jahren „Österreich zuerst“-Volksbegehren. Gratulation! Schnellzünder muss man dazu sagen – oder Spätzünder, wie auch immer. Wir sind ja immer kritisiert worden: Als wir das vor 33 Jahren schon laufend angesprochen haben, dass sich das zu einem massiven Problem entwickelt und unsere eigenen österreichischen Kinder die Verlierer sein werden, habt ihr uns beschimpft …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Wen meinst denn du mit österreichischen Kindern?

FPÖ Christoph Steiner

… bis aufs Letzte.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Tun sie heute noch!

FPÖ Christoph Steiner

… Im Übrigen passiert das heute noch. Heute verpackt ihr es halt in andere Floskeln.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Also der zweisprachige ...?!

FPÖ Christoph Steiner

… Frau Voglauer, Sie haben zuerst so hineingeschrien: Ich habe gar nicht gewusst, dass Sie jetzt neben Ihrer Landwirtschaft auch Bildungsexpertin sind. Bitte, kommen Sie heraus zu mir und dann reden wir darüber! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was bist denn du? – Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Christoph Steiner

… Frau Voglauer, Sie haben es mit Ihrer Partei mit provoziert, was jetzt in den österreichischen Schulen passiert. Ihr seid ja 2015 mit den Teddybären an den Bahnhöfen gestanden und habt die Messerstecher und jene Personen, die unsere Kinder in den Schulen aus den Fenstern werfen, hereingebeten und beklatscht. ( Ruf bei der FPÖ: Danke! ) – So weit zu Ihrer Bildungspolitik, ihr habt das mit verursacht! (👏 FPÖ) Jetzt haben wir aber den Flächenbrand, und anstatt die Feuer langsam zu löschen, also richtig zu löschen, beginnen wir mit ein paar Spritzkübeln, einzelne Brände vielleicht zu löschen. Die Orientierungsklassen, Herr Wiederkehr, sind ein hehres Ziel , alles gut, wunderbar, nur: Woher kriegen wir das Personal? …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

... die Orientierungsklassen der Tod, und jetzt sind sie ein hehres Ziel!

FPÖ Christoph Steiner

… Und: Welche Unterrichtssprache herrscht denn da? (Bundesminister Wiederkehr : Deutsch!) – Deutsch! Da herrscht definitiv Deutsch als Unterrichtssprache. Da ich bin gespannt, wie viele Bildungsziele wir dann in den Orientierungsklassen hinbekommen, denn ich habe schon gelesen, man lernt den Kindern dort die Handhabung einer Kinderschere.

ÖVP Taschner (Zwischenruf)

Lehrt, Herr Kollege!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich sage Ihnen aber auch: Diese ganze Geschichte mit den Orientierungsklassen werden wir wieder diskutieren, liebe Kollegen von den NEOS , denn sie wird nicht funktionieren, weil sie es einfach nicht wollen. Nicht Sie, sondern die Zugewanderten wollen sich nicht integrieren, und da können wir noch so viel - - …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Die Kinder?!

FPÖ Christoph Steiner

… Ich rede von den Eltern! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Aber es geht um die Kinder! – Zwischenruf der Abg. Voglauer [Grüne].

FPÖ Christoph Steiner

… Die Kinder werden ja zu Hause erzogen, Frau Kollegin Voglauer! Oder wer hat denn Sie erzogen? Sind Sie fremd erzogen worden oder von den Eltern? Gut, und die Eltern wollen es nicht, sie wollen nicht, dass sich die Kinder integrieren. Das wollen sie einfach nicht. (👏 FPÖ) Frau Voglauer! Warum sitzen denn arme Mädchen mit einem Kopftuch in der Klasse? – Weil es die Eltern vorgeben, weil sie es gar nicht wollen, dass sich die Kinder bei uns in den Schulen integrieren, ergo wird ihnen auch die beste Orientierungsklasse nichts nützen. Wir haben ein massives Problem, solange wir auch Lehrerinnen in den Klassen stehen haben, die ihnen das mit dem Kopftuch vorleben – auch das ist ein Problem. Das wird nicht funktionieren, auch wenn man noch so viele Milliarden in dieses System oder in Orientierungsklassen pumpt. Deshalb komme ich schon zu meinem Antrag. Wir wollen ein flächendeckendes Kopftuchverbot – nicht nur für Schülerinnen, sondern auch für Lehrerinnen, die da drinnen stehen und – verdammt noch einmal! – eine Vorbildfunktion zu leben haben. (👏 FPÖ) Deshalb gibt es folgenden Antrag: Entschließungsantrag der Abgeordneten Christoph Steiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Kopftuchverbot an Österreichs Schulen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert, dem Nationalrat umgehend eine Regierungsvorlage zuzuleiten, die das Tragen eines Kopftuches sowie einer Verschleierung in öffentlichen Pflichtschulen sowohl für Lehrerinnen als auch für Schülerinnen verbietet.“ Herr Bildungsminister, weil Sie ja vorhin bei der Debatte um die Doppelstaatsbürgerschaft in Südtirol dagesessen sind – Ihre Parteiobfrau Außenministerin Meinl-Reisinger lehnt ja die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtirol ab –: Sie besitzen selbst eine Doppelstaatsbürgerschaft, ergo sind Sie wahrscheinlich eher für Doppelstaatsbürgerschaften. Sollten Sie allerdings dagegen sein, dann bitte ich Sie: Legen Sie die österreichische Staatsbürgerschaft ab, dann haben wir vielleicht einen Bildungsminister, der uns weniger Friseurkosten beschert als Sie! (👏 FPÖ) 14.42 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/68.1 Kopftuchverbot an Österreichs Schulen (117/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht mit in Verhandlung. Frau Abgeordnete Silvia Kumpan-Takacs , Sie haben das Wort.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Geschätzte Präsidentin! Geschätzter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, mir wäre auch ein bisschen nach Schreien, aber ich lasse das jetzt sein, weil ich der Meinung bin …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das muss raus, Frau Kollegin!

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

… Kinderbildung und Integration sind gute Investitionen in die Zukunft. Deswegen beschließen wir heute auch eine Gesetzesänderung im Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz – ein etwas sperriger Name. Dahinter steckt ein wichtiger Schritt in der Ausbildungsoffensive der Elementarpädagogik. Künftig wird es ergänzend – wir haben es heute schon gehört – zu den bestehenden Ausbildungsmöglichkeiten der fünfjährigen Bafep und der Kollegform auch möglich sein, ein grundständiges Bachelorstudium zu absolvieren, um nach Abschluss direkt als Elementarpädagogin im Kindergarten tätig zu sein. (👏 SPÖ, NEOS) Danke an dieser Stelle an alle Pädagog:innen, die das jetzt schon tun, und ich möchte hier auch sagen: Es ist ein wunderbarer Beruf bei allen Herausforderungen, den ich 25 Jahre ausüben durfte. Ich mag meine Aufgabe hier im Parlament sehr, dennoch vermisse ich die Tätigkeit im Kindergarten sehr. Warum ist dieses Studium sinnvoll? – Pädagog:innen tragen tagtäglich Verantwortung für bis zu 25 Kinder, über viele Stunden hinweg, als Begleiter:innen, als Bezugspersonen, weil Kinder Bindungen brauchen und über Beziehungen lernen. Die Kinder bringen eine Vielfalt an Bedürfnissen, Biografien, Familiengeschichten, Sprach- und Entwicklungsständen mit. Auf jedes einzelne Kind einzugehen, auf die gesamte Gruppendynamik, aber auch als Ansprechpartnerin für Eltern und Familien da zu sein, ist eine herausfordernde und vielschichtige Aufgabe. Kinder sind ein Spiegel der Gesellschaft, deshalb haben wir es auch im Kindergarten mit hochkomplexen, mehrdeutigen und sehr oft auch schlecht vorhersehbaren Situationen zu tun. Was braucht also eine Pädagog:in? – Sie braucht mehr als nur eine Bastelschere und Fingerfarben, sie braucht Haltung, sie braucht Fachwissen und Handlungskompetenzen, denn sie sind sozusagen die Werkzeuge einer Pädagog:in und ein Studium kann die Werkzeugtasche einer Pädagog:in vergrößern und ergänzen. So wie wir auch in Technik und Medizin neue wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, neue Werkzeuge und Instrumente in Werkstätten oder Operationssälen verwenden, so notwendig ist das auch in der Bildung und Pädagogik, denn dort geht es um die psychische, physische und mentale Entwicklung von Kindern. Wir kommen damit auch der Forderung von multiprofessionellen Teams nach, nicht mehr eine Pädagogin allein soll alles leisten können und alles leisten müssen. Ich fasse zusammen: Höhere Qualifikationen bringen mehr Qualität in die Kindergärten, höhere Professionalisierung einen längeren Verbleib im Berufsfeld und mehr Ausbildungsplätze schaffen mehr Pädagog:innen in den Kindergärten. Man beachte auch den Einfluss auf die Bildungspolitik. Akademisch ausgebildete Pädagog:innen nehmen aktiver an der Weiterbildung und der Verbesserung des Bildungssystems teil – und das ist richtig und wichtig! Die Studienplätze, die ab Herbst auf der FH Campus Wien und der Uni Graz starten, sind ein erster Schritt. Weitere Schritte, wie die Qualifizierung von Assistenzkräften, und verbesserte Rahmenbedingungen sind genauso wichtig. Die SPÖ wird in Zukunft auch für eine umfassende moderne Ausbildungsstruktur sichtbar sein und sich einsetzen, von der Assistenzausbildung über Bafeps, Kollegs bis zum Doktoratsstudium, denn wir brauchen auch in Österreich mehr Forschende im Bereich der frühen Kindheit. Kinder lernen forschend, lernen wir forschend über Kinder. – Danke schön. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Wendelin Mölzer .

FPÖ Wendelin Mölzer

Danke, Frau Präsidentin! Hohes Haus! Herr Minister! Kollege Himmer, ich schließe mich dem an: Der Dank muss den Lehrerinnen und Lehrern gelten, die neben den Schülern das zu erleiden haben, was Sie in der Politik hier verantworten, was in den Schulen los ist. – Wirklich ein großer Dank dafür – was Sie da aushalten müssen, liebe Pädagoginnen, liebe Pädagogen, das ist ein Wahnsinn. Noch mehr leid tun mir natürlich die Kinder, die darunter leiden müssen. (👏 FPÖ) Meine Damen und Herren, wir führen jetzt hier eine Debatte, die auf der einen Seite ein bisschen an den Vormittag anschließt, an dem die Frau Außenministerin stundenlang bramarbasiert hat, der Herr Bildungsminister dann auch schön gesprochen hat – hin und her, und weiß ich nicht was, wie klass alles ist und wie klass es werden wird. Dazwischen gab es einiges an Unfug, das ich da gehört habe, wo Sie sich immer mit uns beschäftigen müssen und uns immer unterstellen, dass wir keine Lösungen haben. – Wir haben heute, glaube ich, drei Anträge eingebracht, wenn ich es richtig sehe, einer davon ist der Neunpunkteantrag. Stimmen Sie dem zu, er liegt seit zwei Jahren da. Das sind Lösungsansätze, Sie können uns nicht vorwerfen, dass wir nicht konstruktiv sind. (👏 FPÖ) Des Weiteren, geschätzte Damen und Herren, steht da – ich habe immer diesen Eindruck – ein unsichtbarer Elefant im Raum, den Sie verleugnen wollen. Dieser Elefant ist die Massenzuwanderung, und das ist nun einmal leider Gottes das Hauptproblem in unserem Bildungssystem, das wir haben. Das ist unbestritten, das leugnen Sie weg. Sie glauben, dass Sie es mit Millionen und Milliarden im Integrationsbereich lösen können, doch das wird einfach nicht funktionieren. Das funktioniert nicht. Ohne Integrationswillen – und der fehlt leider Gottes bei so vielen Zuwanderern und illegalen Zuwanderern – wird das einfach nicht funktionieren. Deswegen müssen wir diesen Elefanten aus den Schulen beseitigen, wir müssen diese Probleme, die wir da haben, in den Griff bekommen. Und wenn wir das nicht ehrlich und offen angehen, dann werden wir scheitern. Da können wir noch so viele Millionen hineinstecken, noch so viele Schulpsychologen bezahlen und noch so viele Lehrkräfte ausbilden, wir werden es dann nicht in den Griff kriegen. Geschätzte Damen und Herren, ich finde es spannend, wenn zum Beispiel die SPÖ, Kollege Himmer, sagt, wir wollen Heimat für illegale Zuwanderer sein – sinngemäß. Also ich will nicht Heimat für illegale Zuwanderer sein, ich will haben - - …

ÖVP Totter (Zwischenruf)

Wer hat das gesagt?

FPÖ Wendelin Mölzer

… Kollege Himmer hat gesagt: Wir wollen Heimat für alle sein. (👏 FPÖ) Das finde ich nicht toll. Wir wollen, dass unsere Kinder die bestmögliche Ausbildung an den Schulen bekommen. Wir sind auch nicht der Meinung, dass eine Gruppe von Menschen, Frau Kollegin von Künsberg Sarre, für diese Missstände verantwortlich ist, sondern wir sind der Meinung, dass Sie als Politik – diese Einheitspartei – für die Missstände verantwortlich sind und dass wir da dringenden Handlungsbedarf haben. Deswegen: Wer keinen Integrationswillen hat, wer Kinder mobbt – zum Beispiel ein Neunjähriger in der Volksschule: „Ich mag nicht mehr leben!“, das war gerade eine Schlagzeile in der „Kronen Zeitung“; vom einzigen Österreicher in der Schulklasse –, der muss nach Hause mit seinen Eltern, dann werden wir auch das Problem in den Griff bekommen. (👏 FPÖ) Dann, geschätzte Damen und Herren, können wir uns auch wieder um die weiteren Probleme, die mannigfaltig sind, das ist ja unbestritten, kümmern, und dann werden wir uns wahrscheinlich damit leichter tun. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Janos Juvan .

GRÜNE Olga Voglauer

Spoštovana Visoka Hiša! Wertes Hohes Haus! Herr Steiner, Sie haben die Frage gestellt, wer mich erzogen hat.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Die Eltern hoffentlich!

GRÜNE Olga Voglauer

… Veš, kdo me je vzgajal? Vzgajali so me moji starši, moji učitelji in cela moja okolica.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das verstehe ich leider nicht!

GRÜNE Olga Voglauer

… Ja razumem, da tega ne razumeš, ker se nisi naučil.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich verstehe es nicht!

GRÜNE Olga Voglauer

… Ich verstehe schon: Du verstehst das nicht, weil du es nicht gelernt hast.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Richtig!

GRÜNE Olga Voglauer

… Du hast nicht gelernt, die Angst vor Sprachen zu verlieren.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wieso? Französisch, Englisch wird wohl reichen! Französisch und Englisch wird wohl reichen!

GRÜNE Olga Voglauer

… Man muss sich nicht angegriffen fühlen, wenn jemand in anderen Sprachen spricht. Und man muss auch keine Angst vor Mischehen haben, Kollege Mölzer. Ich bin ein Produkt einer solchen Mischehe. Mein Vater ist Kärntner Slowene, meine Mutter ist aus dem Innviertel, und wir leben in Kärnten. Wir sprechen mindestens zwei Sprachen , und ab und zu sprechen wir sogar eine dritte und eine vierte. Und Stellen Sie sich vor: Es ist kein Problem. Aber von Landwirtschaftsexpertin zu Heilmasseur, jetzt einmal ganz klar zum Mitschreiben …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Was hat das mit der Bildung zu tun?

GRÜNE Olga Voglauer

… Worauf kommt es an in unserem Bildungssystem und bei den Elementarpädagog:innen, Herr Minister? – Es wird darauf ankommen, dass wir unseren Kindern, denen wir den Weg in die Zukunft bereiten, keine Angst davor machen, dass sie in ihrer Muttersprache etwas wert sind, dass wir ihnen mitgeben, dass sie so, wie sie sind, gut sind. Und wir werden sie auf einem weiteren und besseren Weg begleiten.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Deswegen funktioniert die Kandidatur in Kärnten so gut immer!

GRÜNE Olga Voglauer

… Aber das ist ja das, was du, Herr Steiner, nicht zusammenbringst. Du hältst es ja nicht einmal ohne Kommentierung aus, wenn man hier in einer weiteren österreichischen Landessprache spricht.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das habe ich jetzt wieder nicht kapiert! Habe ich jetzt nicht kapiert!

GRÜNE Olga Voglauer

… Und Herr Minister, Ihnen gebe ich mit: Konzentrieren Sie sich auch manchmal darauf, dass wir ein zweisprachiges Schulwesen in Österreich haben, im Burgenland und in Kärnten, in dem es vorzüglich funktioniert, dass man durch beide Sprachen, durch einen zweisprachigen Unterricht auch sehr, sehr gut Deutsch lernen kann. Ich bin ein Produkt dieser Bildung, ich glaube, ich kann sinnhaft Deutsch sprechen. Fokussieren Sie sich auf diese Best Practice, suchen Sie sich dort Modelle und kommen Sie auch zu dem Punkt, dass wir Personal suchen, pädagogisches Personal, das mit Freude auch seine Muttersprache miteinbringen wird! (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Totter .

ÖVP Agnes Totter

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Mit dieser Regierungsvorlage beschließen wir heute ein klar strukturiertes, pädagogisch fundiertes und schon erprobtes Modell und führen sogenannte Orientierungsklassen ein. Dieser Schritt ist notwendig, denn wir haben an unseren Schulen schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die oft keinerlei institutionelle Bildungserfahrung mitbringen, weder in ihrer Erstsprache noch in Deutsch. Mit den Orientierungsklassen setzen wir daher eine Maßnahme, die das Ziel hat, schulpflichtige Kinder ohne ausreichende Vorerfahrungen gezielt auf den Schulalltag vorzubereiten. Was wird in diesen Klassen vermittelt? – Grundkenntnisse über das österreichische Bildungssystem, Vorläuferfertigkeiten für Sprache und Schrift sowie zentrale demokratische Grundwerte wie Respekt, Gleichberechtigung und Verantwortung. Und auch die Eltern werden als wesentliche Bildungspartner aktiv einbezogen. Sie sind verpflichtet – und ich wiederhole gerne: die Eltern werden verpflichtet –, an Informationsveranstaltungen teilzunehmen, bei denen schulische Mitwirkung, Pflichten im Schulalltag und gesellschaftliche Grundregeln thematisiert werden. (👏 ÖVP) Eine Nichtteilnahme bleibt auch nicht folgenlos, sondern wird sanktioniert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie?

ÖVP Agnes Totter

… Das ist wichtig, denn Integration ist keine Einbahnstraße, also nicht nur eine Bringschuld, sondern auch eine Holschuld. Angebote zu legen, reicht allein nicht aus – das ist wichtig und richtig, aber allein reicht das nicht –, sondern diese müssen auch angenommen werden. Die Annahme dieser Angebote kann aus meiner Sicht nicht freiwillig sein, sondern eben eine Verpflichtung. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Meine Damen und Herren, der Unterricht in den Orientierungsklassen ermöglicht Integration mit Struktur, Klarheit und gegenseitigem Respekt. Er entlastet – und das ist mir besonders wichtig – unsere Lehrerinnen und Lehrer und gibt den betroffenen Kindern eine faire Chance auf schulischen und sozialen Erfolg. Daher ist diese Regierungsvorlage zur Einführung von Orientierungsklassen praxisnah und ein rechtlich solider und integrationspolitisch bedeutender Schritt. Lieber Herr Bildungsminister, im Bildungsbereich haben wir aber auch viele andere Herausforderungen, die wir gemeinsam gut lösen müssen. Ich möchte wie immer auf drei davon eingehen. Es braucht dringend Entlastungsmaßnahmen an unseren Schulen. Im kommenden Schuljahr bekommen unsere Schulen weniger pädagogisch-administrative Stunden als zugesagt. Umso wichtiger ist es, dass wie angekündigt spürbare Schritte zur Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schulleitungen gesetzt werden. (👏 ÖVP) Ich habe schon mehrfach vorgeschlagen, die IKM-plus-Testungen in den vierten Klassen der Volksschule und der Mittelschule wegzulassen, denn diese Tests liefern nur Daten für das Ministerium. Die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer bekommen die Ergebnisse zu einem Zeitpunkt zurück, zu dem die Schülerinnen und Schüler die jeweilige Schulart bereits verlassen haben. Sie können daher die entsprechenden Daten nicht verwerten, haben aber einen erheblichen Aufwand, was die Durchführung dieser Tests anlangt. Wir brauchen auch dringend ein Zweilehrer:innensystem an den Volksschulen, zumindest auf der Grundstufe I, denn da – und das wissen wir alle – geht die Schere weit auseinander, was die Entwicklung der Kinder anlangt. Als dritten Punkt möchte ich die Mittelschulen erwähnen. Auch diese brauchen mehr Mittel und Ressourcen, um ihren Auftrag erfüllen zu können, denn gerade die Mittelschulen, die alle Schülerinnen und Schüler unterrichten und sich die Schülerinnen und Schüler im Unterschied zum Gymnasium nicht aussuchen können, sorgen dafür, dass die Kinder die beste Bildung vor Ort bekommen, und leben als einziger Schultyp auf der Sekundarstufe I Inklusion. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Sehr geehrte Damen und Herren, insbesondere auch Herr Abgeordneter Stich, wir haben uns, glaube ich, jetzt darauf verständigt, dass Sie nicht mehr mit Ihrer Rede beginnen sollen. Es wären jetzt nur noch wenige Sekunden, bis es 15 Uhr ist. Ich glaube, in 10 Sekunden ist es sogar so weit. Ich werde die Sitzung jetzt gar nicht unterbrechen. Ich unterbreche nunmehr die Verhandlungen über die Tagesordnungspunkte 7 und 8 zur Durchführung einer kurzen Debatte, da es 15 Uhr ist. Kurze Debatte über Fristsetzungsantrag, 39. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:00

GRÜNE Olga Voglauer

Danke, Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Spoštovana Visoka Hiša ! Worum geht es in diesem Antrag, betreffend den wir eine Frist setzen wollen? – Es ist ein Antrag zum Verbot von PFAS-Pestiziden und zur Entziehung der Zulassung für dieser Pestizide. PFAS klingt natürlich technisch, abstrakt. Es klingt auch unsichtbar, und am Ende des Tages ist es das wahrscheinlich auch, aber PFAS sind vor allem eines, nämlich sogenannte Ewigkeitschemikalien. Das heißt, sie gehen aus der Umwelt, aus dem Wasser einfach nicht mehr weg. Um es zu veranschaulichen: Was Asbest einmal für die Lunge war, das sind die PFAS jetzt für unsere Böden und für unser Trinkwasser. Es ist ein Stoff, den wir weiter ausbringen, obwohl wir wissen, dass er krank macht, und am Ende des Tages kriegen wir ihn jetzt nicht mehr weg. Warum ist das ein Problem? – Diese PFAS-Pestizide, die wir in Österreich in der Fläche ausbringen, haben ein Abbauprodukt, das heißt Trifluoressigsäure, kurz TFA genannt. Dieses Abbauprodukt ist auch das letzte Abbauprodukt. Das heißt, diese PFAS-Pestizide bauen sich genau bis zu diesem Stoff ab, aber weiter leider nicht – und damit müssen wir umgehen. Was das Problem an diesen TFAs ist: In Deutschland ist man zum Beispiel bereits infolge von Studien zu dem Schluss gekommen, dass man beantragt hat, TFAs als fortpflanzungsschädlich einzustufen. Bayer selbst, der Pestizidhersteller, sagt, dass solche PFAS und TFAs vermutlich fortpflanzungsschädlich sind. Es kommen also mehrere zum Schluss: Wir haben da ein Problem. Nur, wisst ihr, wer nicht zum Nachdenken kommt und nichts verändert? – Die liebe ÖVP und der Landwirtschaftsminister. Wie geht man denn in Österreich mit PFAS-Pestiziden um? – Man schaut weg, man duckt sich und kniet sich hin. Wisst ihr, vor wem? – Vor der typischen Chemie-Agrar-Lobby, die in der europäischen und österreichischen Landwirtschaft eines vorantreibt, nämlich das System der Monokultur. Und was, glauben Sie, brauchen solche Monokulturen? – Natürlich, die brauchen Monokulturschutzmittel. Dieses System der Monokultur baut nämlich darauf auf, dass wir immer nur eine Pflanze sichern wollen. Die ÖVP nennt das dann Pflanzenschutz, aber das stimmt ja nicht, es ist ein Monokulturschutz. (👏) Und mit diesem Monokulturschutz werden wir halt nicht weiterkommen, denn Monokulturen schwächen unseren Boden, Monokulturen reduzieren die Artenvielfalt, und je schwächer das System – Sie werden es nicht glauben –, umso mehr Chemie brauchen wir für dieses System. Und dann sind wir wieder bei diesen Monokulturschutzmitteln, denn freilich müssen wir das System so wieder aufpumpen. Was sind denn diese Monokulturschutzmittel eigentlich für das Gesamtsystem? – Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Das ist so, wie wenn Sie sich den Oberschenkelknochen brechen, ins Krankenhaus kommen, mit Schmerzmittel vollgepumpt und dann wieder nach Hause geschickt werden. In Ihrem Medikamentenrausch werden Sie glauben, Sie sind vermeintlich geheilt, aber Fakt ist: Man hat das Symptom bekämpft, ihre Schmerzen, aber der Oberschenkel wird nicht anständig zusammenwachsen. Genauso ist es, wenn man Pestizide, vor allem PFAS-Pestizide in der österreichischen Landwirtschaft und allgemein anwendet. (👏) Jetzt haben wir aber durchaus ein Problem mit diesen Mitteln. Schauen wir uns also an, wie Österreich damit umgeht. Wir Grüne haben eine Anfrage eingebracht und der Herr Landwirtschaftsminister hat sie auch brav beantwortet und uns ganz klar aufgelistet, wie es mit der Nutzung beziehungsweise mit der Verkaufsmenge dieser Pestizide ausschaut. Die Antwort ist nicht so angenehm: Seit 2015 ist die verkaufte Menge von PFAS-Pestiziden in Österreich um 25 Prozent gestiegen – um ganze 25 Prozent! Zusätzlich wissen wir, dass wir allein im Jahr 2023 110 000 Kilogramm solcher Pestizide verkauft und somit auch auf unseren Flächen ausgebracht haben. Das ist besorgniserregend, denn wir alle haben ein gemeinsames Problem: Wir alle haben nämlich nur das eine Trinkwasser. Und wie unterschiedliche Messungen zeigen, wird dieses TFA zunehmend im Trinkwasser, in Lebensmitteln, mittlerweile im Wein und sogar im Mineralwasser angereichert. Da können wir nicht mehr wegschauen. Da können wir nicht sagen: Huch, haben wir nicht gewusst! Hören wir uns so ein bisschen an, was Kammerfunktionäre der Landwirtschaftskammer herumerzählen oder was die Bauernbündler der ÖVP, wenn sie durch die Lande ziehen, für Reden halten. Darin heißt es immer: Wir müssen die Produktion sichern! Denken wir an den Selbstversorgungsgrad! – Das Problem ist nur: Da wird produziert auf Gift komm raus. Und wo kommt das Gift hin? – In unser Trinkwasser. Wir werden also an dieser Methode etwas arbeiten müssen. Umso wichtiger ist es, dass Sie heute diesem Fristsetzungsantrag zustimmen. Wir haben die Möglichkeit im Agrarausschuss ja schon zweimal gehabt. Der Landwirtschaftsausschuss hat sich schon zweimal mit dem Thema des Entzugs der Zulassung und des Verbots von PFAS-Pestiziden beschäftigt. Aber was ist passiert? – Man hat nicht die Pros und Kontras abgewogen, man hat sich nicht damit beschäftigt, wie wir diese Ewigkeitschemikalien wegbringen oder wie wir es vermeiden, dass noch mehr davon angereichert wird, nein, man hat vertagt, und das schon zweimal. Ich meine angesichts der Zahlen – und es geht um die große Gefahr, dass das fortpflanzungsschädlich ist –, dass es an der Zeit ist, da eine sachliche und klare Debatte zu führen, und zwar sowohl im Ausschuss als auch hier im Nationalratssaal. (👏) Deshalb: Stimmen Sie ganz einfach diesem Fristsetzungsantrag zu und lassen Sie uns diese Debatte führen! Dann bekennen Sie aber auch Farbe: Sagen Sie klar, ob Sie für oder gegen solche Pestizide sind! Warum ist denn ein Bekennen da so wichtig? – Weil man irgendwann einmal auch die Verantwortlichen brauchen wird. Und wir sind das nicht. Wir haben Ihnen heute und in zwei Ausschusssitzungen mitgeteilt, wie gefährlich diese Stoffe für unser Trinkwasser und für unsere Gesundheit sind. Sie bringen es bis heute nicht zustande, hier eine ehrliche Debatte zu führen, und das ist beschämend. Und da brauchen Sie mich auch nicht so anzuschauen oder wegzuschauen. Ihre Aufgabe ist es, unseren Berufskolleginnen und -kollegen Antworten zu liefern. Ich bin nämlich der Meinung, dass unsere Berufskolleginnen und -kollegen keine Giftspritzer sein wollen. Die wollen das Trinkwasser nicht verseuchen, die wollen nicht verursachen, dass Menschen sich nicht fortpflanzen können, das wollen Bäuerinnen und Bauern nicht. Sie glauben halt Ihnen mit Ihrer Mär vom Pflanzenschutz, der ja nichts anderes ist als Monokulturschutz. (👏) Wir haben aber noch ein weiteres Problem: Nun wissen wir, dass diese TFA und diese Ewigkeitschemikalien vermutlich oder wahrscheinlich fortpflanzungsschädlich sind, aber, liebe Damen und Herren auch vor den Bildschirmen, wenn Sie meinen, Österreich würde wissen, wo dieses Gift und wo all diese Pestizide ausgebracht werden – Fehlanzeige, wir haben keine Datenbank, wir wissen es nicht. Wir wissen, wie viel wir davon verkaufen – im Jahr 2023 waren es 110 000 Kilogramm, haben wir gehört –, aber wir wissen nicht, wo es ausgebracht wird. Es gibt keine Transparenz – bei Transparenz: immer Fehlanzeige. Und wer ist garantiert dabei, wenn es darum geht, Transparenz zu verhindern? – Die liebe ÖVP: Herkunftskennzeichnung geht nicht, Haltungskennzeichnung geht nicht, und Transparenz bei den Pestiziden, wenn es um unser Trinkwasser geht, gibt es auch nicht. Was brauchen wir? – Wir brauchen endlich Daten, damit wir wissen, wie es in den österreichischen Agrarregionen ausschaut, damit sich die Bevölkerung informieren kann, damit unsere Wasserversorger wissen, worauf sie sich einstellen müssen, denn das Monitoring beginnt zwar beim Wasser, aber die Kontrolle bei den Bauern fehlt. Ich bringe ein Beispiel aus Niederösterreich, damit Sie das auch nachvollziehen können, wie das mit den Kontrollen ausschaut – ich gehe schon davon aus, dass nach mir jemand etwas dazu sagen wird –: In Österreich braucht man für die Ausbringung von Pestiziden einen Sachkundenachweis, und dann gibt es in den Ländern auch Kontrollen dazu. Nun haben wir in Niederösterreich – das haben wir abgefragt – 18 800 Ackerbaubetriebe, dort kommen diese Mittel hauptsächlich zum Einsatz. Unter diesen 18 800 Betrieben hat es im Jahr 2023, Sie werden staunen, wirklich Kontrollen gegeben, aber in homöopathischer Dosis, nämlich bei genau 0,54 Prozent dieser Betriebe. Das ist nicht einmal jeder zweihundertste Betrieb. Und wenn Sie jetzt meinen, bei der Kontrolle wurde angeschaut, wie denn da Pestizid ausgebracht wird, wie viel Gefahr das denn für den Boden ist oder wie viel davon auf den Blättern bleibt, dann kann ich Sie beruhigen: Nein, es hat nicht einmal eine Bodenprobe gegeben. Man hat sich das Papierwerk angeschaut und mehr nicht.

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Weil die Pflanzenschutzmittel eine eigene Überprüfung haben! Alle drei beziehungsweise alle fünf Jahre werden alle Pflanzenschutzmittelgeräte überprüft! Da hat ein jeder die Pflicht!

GRÜNE Olga Voglauer

… So kann es nicht gehen. Wir fordern Transparenz! Die Menschen in Österreich haben es sich verdient, auch weiterhin auf ein gesundes Trinkwasser vertrauen zu können und sich auch darauf verlassen können, dass dieses Haus nach dem Vorsorgeprinzip an der Gesundheit für alle Menschen in Österreich arbeitet. (👏) Deshalb noch einmal: Hören wir auf, solche Anträge zu vertagen! Wenn wir vorgestern über Rehkitze haben reden können, dann werden wir doch in Zukunft auch über unser Trinkwasser und über den Schutz von Trinkwasser reden können! (👏) Deshalb: Entziehen wir den PFAS-Pestiziden die Zulassung! Hören wir auf, nur die eine Monokultur zu schützen, fördern wir Alternativen! Wir wollen Biolandwirtschaft, wir wollen Artenvielfalt, wir wollen Innovation und weniger Monokultur. Und wenn wir wirklich sagen, wir bauen an der Selbstversorgung, an der Zukunft unserer Betriebe, dann kann ich Ihnen eines ins Stammbuch schreiben: Aus dem PFAS-Kanister wird keine Zukunft wachsen, damit werden wir nur das Trinkwasser der Zukunft verseuchen. – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Die Redezeit der nunmehr zu Wort gemeldeten Abgeordneten beträgt gemäß der Geschäftsordnung maximal 5 Minuten. Stellungnahmen von Mitgliedern der Bundesregierung oder von Staatssekretärinnen und Staatssekretären sollen nicht länger als 10 Minuten dauern. Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Schmiedlechner. Ich erteile es ihm. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Schmiedlechner

Danke, Herr Präsident! Herr Minister! Sehr geehrte Zuseher! Liebe Kollegin, liebe Kollegen von den Grünen! Es ist, glaube ich, höchste Zeit, dass wir endlich einmal mit dem Bauernbashing aufhören ( Ruf bei den Grünen: Wer basht die Bauern? ) und dass wir wieder einmal ehrlich, gut, klar und sachlich diskutieren.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, stimm zu ...! Zustimmen ...!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Eines darf ich gleich korrigieren …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Bitte!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Die Bauern verseuchen das Grundwasser nicht.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, eh nicht! Ich will ja, dass sie nicht ...!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Sie haben das gesagt! Die Bauern setzen Pflanzenschutzmittel ein …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Monokulturschutz!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… sie haben dafür einen Sachkundenachweis, und eines muss man auch klar darstellen: Ohne diesen Sachkundenachweis kann der landwirtschaftliche Betrieb, kann der Bauer kein Pflanzenschutzmittel kaufen. Also hört endlich auf mit …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Monokulturschutz!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… diesem Bauernbashing! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Es geht ums Wasser!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Das PFAS, dieser Wirkstoff, um den es bei diesem Antrag geht, wird in vielen Industriezweigen eingesetzt und kommt in sehr vielen Alltagsprodukten vor. Es kommt unter anderem bei Lebensmittelverpackungen, bei Textilien, Schuhen und beim Kochgeschirr vor, und stellen Sie sich vor: Einige oder viele oder vielleicht sogar die meisten werden eine Teflonpfanne zu Hause haben, und wenn man sich dann in der Früh die Eierspeis macht, dann hat man da automatisch das PFAS mit dabei.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber bitte, den Acker tust du nicht mit Teflonpfannen ..., gell?

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Wo kommt es noch vor? – Beim Feuerlöschschaum, bei Reinigungsmitteln und sogar bei Kosmetik, also auch bei Kosmetikprodukten kommt das PFAS vor – und Sie gehen hier her, schimpfen auf die Landwirtschaft und wollen die Landwirtschaft beschuldigen, dass wir als Einzige das Grundwasser verseuchen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, es gibt einen Unterschied! Ihr Bauern macht das nicht!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Eine Schande ist das, in diesem Haus eine Berufsgruppe so zu diffamieren und so unterzubuttern! Das ist einfach katastrophal, was Sie hier machen! (👏 FPÖ) In weiterer Folge, liebe Kollegin: Es gibt ja die Echa, die Europäische Chemikalienagentur der EU, und die sagt klar und deutlich, dass die Landwirtschaft für die PFAS-Verunreinigung im Boden nur zu 2 Prozent …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

2 Prozent, ja, bingo!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… verantwortlich ist. Der restliche Teil sind die 98 Prozent. Sie gehen hier heraus, betreiben Bauernbashing, stellen einen Antrag, in dem Sie behaupten, dass wir in der Landwirtschaft das Grundwasser verunreinigen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Tun wir ja! Tun wir ja!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… und gleichzeitig stimmen Sie aber einem Freihandelsabkommen mit der Ukraine zu, und da ist es dann egal, welche Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, ist mir nicht egal! Da kommt auch wieder ein Antrag!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Wenn man sich die aktuellen Zahlen im neuen Freihandelsabkommen mit der Ukraine anschaut, dann stellt man fest: Bei Weichweizen wurde die Menge von 1 Million Tonnen jetzt auf 1,3 Millionen Tonnen erhöht, bei Gerste von 350 000 Tonnen auf 450 000 Tonnen. Auch bei Schweinefleisch wurde erhöht, ebenso bei Rindfleisch, bei Schaffleisch, bei Eiern, bei Mais. Überall wurde erhöht, wurde der Import erhöht. Das ist daher einfach eine scheinheilige ( Ruf bei den Grünen: Oh! ), eine richtig unredliche Diskussion, die Sie da starten, denn die österreichische Landwirtschaft produziert gute Qualität, schaut auf den Boden, schaut auf die Fruchtfolge …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Und aufs Wasser! Und aufs Wasser!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… und auf das Wasser.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Der einzige Grundgedanke, den wir in der Landwirtschaft haben, ist, dass wir unseren Grund und Boden an die nachfolgende Generation gut und gesund weitergeben können.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Und das Wasser!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Da hilft Ihr Bauernbashing überhaupt nicht weiter.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Sie haben mir nicht zugehört, Kollege!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Und eines zum Abschluss: Schauen wir es uns an, denn 2026, glaube ich, wird das ohnehin auf EU-Ebene evaluiert. Da wird man sich das anschauen, da wird man dann auf EU-Ebene reden.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Auf der Ebene kriegen wir dann das Wasser!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Wenn wir ein Verbot dieses Mittels oder dieses Wirkstoffs erwirken, dann macht das nur Sinn, wenn wir das auf EU-Ebene machen, wenn wir das im gemeinsamen Wirtschaftsraum machen. Dann müssen wir uns aber auch ganz genau anschauen, dass bei den Produkten, die wir importieren, die gleichen Spielregeln gelten (die Abgeordneten Voglauer [Grüne] und Gewessler [Grüne]: Ja!) wie für die österreichische Landwirtschaft.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja, da sind wir uns einig! – Abg. Voglauer [Grüne]: Ja, passt gut!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Davon sind wir aktuell aber leider weit entfernt, und daran müssen wir arbeiten – bevor wir die österreichischen Bauern wieder einschränken …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Tun wir lieber weiter spritzen!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… ihnen wieder einen Wettbewerbsnachteil verschaffen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Tun wir lieber weiter spritzen!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Schlusssatz bitte! Abgeordneter Peter Schmiedlechner (fortsetzend): Wir werden dem sicher nicht zustimmen. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schmuckenschlager. – Sie sind am Wort.

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

Herr Präsident! Hohes Haus! Geschätzte Damen und Herren! Beim Thema PFAS und TFA geht es um Chemikalien in unserer Umwelt, die mittlerweile auch in unserem gesamten Leben integriert sind. Heute liegt uns hier ein Antrag der grünen Fraktion vor, in dem verlangt wird, dass dem Ausschuss für die Berichterstattung über ihren Antrag betreffend ein rasches Verbot von PFAS-Pestiziden eine Frist bis zum 12.9. gesetzt wird. Ich glaube, darüber kann man gerne diskutieren, nur: Worüber diskutieren wir, wenn wir über die PFAS-Pestizide diskutieren? – Wir diskutieren laut Echa, laut der Europäischen Chemikalienagentur, über 2 Prozent des Kompletteintrags – und 98 Prozent sind für Sie nicht dringlich, die sind total egal …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Das gibt’s ja gar nicht, ihr seid ja die Blockierer bei der REACH-Verordnung! Wer ist denn gegen das Gruppenverbot? Die Grünen nicht! Ihr habt ein Problem!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… weil es nicht so plakativ ist, wie hier gegen die Bauern vorzugehen. Bei Farben, Feuerlöschschaum, Kühlaggregaten, Arzneimitteln, Goretex-Jacken, Lebensmittelverpackungen, Kochgeschirr, Backpapier, Kosmetika, da treffen Sie halt viel zu viele Leute. Da ist es viel einfacher, auf die 2 Prozent zu gehen, bei denen Sie nur die Bauern treffen. Da ist es viel schöner, da draufzugehen! (👏 ÖVP, FPÖ) Ich bin aber fast davon überzeugt, Sie wissen ja gar nicht, welches Geschäft Sie hier vollstrecken. Wenn wir davon ausgehen, dass uns hier dieser Antrag vorliegt, dann wissen wir, das ist eine NGO-Kampagne von Global 2000 – das werden Sie wissen, die stehen Ihnen relativ nahe …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Herr Schmuckenschlager, es ist Ihnen das Trinkwasser egal, sagen Sie es einfach laut! Die Gesundheit der Menschen ist Ihnen egal! Sagen Sie es laut! Stehen Sie dazu!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… denn bereits am 28. Mai hat es da einen Vorstoß für ein nationales Verbot von PFAS-Pestiziden gegeben: „TFA-Belastung: Ewigkeit-Chemikalie in unserem täglich Brot“. Das schreckt natürlich die Leute auf, das ist plakativ.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber wenn Sie mir jetzt auch noch erklären, dass man mit Teflonpfannen unsere Äcker ...!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Wieso aber macht Global 2 000 diese Aktion? – Weil dahinter eine europäische Organisation steckt, European Environmental Bureau …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer finanziert die?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… und die betreiben europaweit eine Kampagne zum Verbannen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja gut so! Wer anderer verliert ja nichts! Ich tu’s ja nicht!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… der PFAS aus den Lebensmitteln.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer finanziert diese Kampagne? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Wer finanziert denn die? Das würde mich jetzt interessieren!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Und wer steht da wiederum dahinter? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Deutschland zum Beispiel! Die haben einen Antrag eingebracht

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Die European Climate Foundation.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und wie wird diese European Climate Foundation finanziert?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Und woher bekommen die ihr Geld? – 250 Millionen Dollar aus den USA, und genau von jenen Institutionen aus der Industrie, aus der Petrochemie, die für die 98 Prozent verantwortlich sind! – Sie sollten also schon einmal genau schauen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Herr Schmuckenschlager, es gibt beide! Sie verteidigen das Gift im Wasser!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… welches Geschäft Sie da vollstrecken.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und daher braucht es Transparenz bei den NGOs! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Transparenz bei den NGOs ...!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Die Europäische Volkspartei hat nun endlich angeregt, im Europäischen Parlament entsprechende Strukturen zur parlamentarischen Kontrolle der NGO-Finanzierung durchzusetzen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Wo ist denn die Datenbank? Wo haben wir denn die Transparenz?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… damit wir da Transparenz bekommen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Sie wollen ja keine Transparenz!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Sie fordern Transparenz von der Landwirtschaft – ich fordere die Transparenz von den NGOs …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, ich fordere sie von Ihnen! Wie schaut es denn aus bei Ihnen ...?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Offenlegung! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Richtig! Warum habt ihr da dagegengestimmt? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Warum habt ihr da dagegengestimmt heute?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Da ist es genauso wie bei den Parteien, da brauchen wir Offenlegung, um ganz klar zu wissen: Welche Interessenlagen werden da verfolgt, und für wen machen Sie letztendlich Ihr Geschäft? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Warum habt ihr da dagegengestimmt?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Wir haben gerade Erntezeit draußen am Acker, und da sollten wir für die Versorgungssicherheit dankbar sein.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben heute den Antrag auf Offenlegung und Transparenz eingebracht, und ihr wart dagegen vor ein paar Stunden! – Abg. Voglauer [Grüne]: Ja, schon wieder! Eh klar, Monokultur schützen ...!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Wir sehen, dass wir gerade im Rahmen der Frage des Klimawandels, der Klimawandelanpassung Pflanzenschutz notwendig haben.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Na, wo denn? Es ist noch kein ... von den Toten auferstanden durch PFAS-Pestizide!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Die letzten Tage: ein Waschküchenwetter mit Niederschlag, mit Hitze, mit Wärme. Wir haben ein Thema mit Mykotoxinen im Getreide. Wir brauchen Lagerfähigkeit, gesunde Lebensmittel für unsere Bevölkerung. Ich glaube, das ist wesentlich.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, eben nicht mehr!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Da müssen wir doch erkennen, dass die Leistung der österreichischen Land- und Forstwirtschaft auch dazu beigetragen hat, dass heute die Bevölkerung länger und gesünder – und topversorgt – lebt als je zuvor in unserer Geschichte. Etwas möchte ich ansprechen, weil es schon auch wesentlich ist: Das Thema PFAS ist nicht einfach so wegzukehren …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Genau!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… aber wir müssen schon auch die Verhältnismäßigkeit anschauen. ( Rufe bei den Grünen: Ja, ja! ) Global 2000 hat eine große Umfrage rund um den Wein gebracht: Wir haben PFAS im Wein festgestellt …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ah ja!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… in Rückständen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Hast eh keine Rückstände, wir trinken ihn eh aus!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Ich bin Winzer, darum kann ich darüber sprechen. Das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung hat das erfasst und hat zuerst einmal gesagt: Der Test ist nicht korrekt durchgeführt, es sind viel zu wenige Proben, als dass es wirklich aussagekräftig wäre. Und das Zweite, was sie festgestellt haben – und das ist genau der Punkt: dass man Angst macht und dass man die Verhältnismäßigkeit anschauen sollte –: Sie müssten am Tag 9 Liter Wein trinken, damit es vom Verhältnis her nur in die Richtung kommen könnte, fortpflanzungsschädlich zu sein. Also bei 9 Liter Wein pro Tag jeden Tag …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Herr Schmuckenschlager, es ist lächerlich, was Sie betreiben!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… sind Sie so weit von der Fortpflanzung weg, dass das sicher nicht gelingt. (👏 ÖVP, FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Auer. – Bitte schön, Frau Abgeordnete.

SPÖ Katrin Auer

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseher und Zuseherinnen zu Hause und auf der Besuchergalerie! Ich glaube, wir müssen uns wieder ein bisschen beruhigen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Zurück zu den Fakten!

SPÖ Katrin Auer

… weil all das, was da jetzt gerade diskutiert wird, Dinge betrifft, die sich in uns drinnen abspielen. Wenn wir uns das anschauen – ich weiß nicht, wer sich gerne mit seinem eigenen Körper beschäftigt –: Wir haben diese PFAS ohnehin schon in uns drinnen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, ist doch kein Problem!

SPÖ Katrin Auer

… Die PFAS sind in unserem Trinkwasser, sie sind in den Verpackungen drinnen, in den alltäglichen Produkten, die wir nutzen. Da geht es nicht darum, dass man irgendjemanden beschuldigt, sondern darum, dafür zu sorgen, dass wir in Zukunft vor diesen Dingen geschützt werden.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Jawohl!

SPÖ Katrin Auer

… Ich möchte wirklich auch jene Menschen in Schutz nehmen, die tagtäglich in der Industrie, in der Landwirtschaft mit diesen Pestiziden oder mit diesen PFAS arbeiten: Das sind die Erntehelfer:innen, das sind die Arbeiterinnen und Arbeiter, die tagtäglich diesen Stoffen ausgesetzt sind. Vor allem diese müssen geschützt werden, nicht nur wir als Konsumenten und Konsumentinnen, denn diese Ewigkeitschemikalien tragen diesen Namen nicht zu Unrecht. Sie sind in uns, sie sind in unseren Körpern, sie sind stabil und langlebig, sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend, sie sind tatsächlich unzerstörbar. Und was sind sie noch? – Sie sind von Menschen gemacht. Und alles, was irgendwann in der Geschichte von uns selbst gemacht wurde, können wir auch wieder rückgängig machen. Wir können das wiedergutmachen, und das sind wir uns allen und natürlich auch den zukünftigen Generationen schuldig. (👏 SPÖ) Das Erste, was man tun kann, ist, als Konsument, Konsumentin zu entscheiden: Was kaufe ich, was nutze ich? – Da hilft das EU-Umweltzeichen, da hilft unser Österreichisches Umweltzeichen, aber natürlich helfen auch alle Vermerke wie fluorfrei, PVC-frei oder PFAS-frei. Aber nicht nur wir als Konsument:innen müssen da aktiv sein, sondern auch wir als Regierung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie sind Regierung?

SPÖ Katrin Auer

… wir als Nationalrat müssen dafür sorgen, uns selbst und die künftigen Generationen zu schützen, und deswegen steht das alles im Regierungsprogramm.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie sind Legislative, nicht Exekutive!

SPÖ Katrin Auer

… Deswegen: Liebe Grüne, danke wieder für diesen Anstoß, aber wir kümmern uns tatsächlich darum.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir als Regierung! – Abg. Gewessler [Grüne]: Ich glaub’, ihr seids euch da nicht ganz einig! – Abg. Voglauer [Grüne]: Einfach zustimmen, dem Fristsetzer zustimmen!

SPÖ Katrin Auer

… Ich bin mir auch sicher, dass wir – Herr Minister Totschnig, wäre er heute hier, aber auch die ÖVP-Fraktion genauso wie die NEOS und die SPÖ – hinter unserem Regierungsprogramm stehen, und da steht beim Trinkwasserkapitel laut und deutlich drinnen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Laut? – Abg. Darmann [FPÖ]: ... Landwirtschaftsminister!

SPÖ Katrin Auer

… Die Bundesregierung setzt sich auf europäischer Ebene für die Einführung einheitlicher Messmethoden und Normen zum Schutz vor Schadstoffen und Mikroverunreinigungen (z.B. gesundheitsgefährdende Ewigkeitschemikalien) ein.“ Und: „Einträge von Schadstoffen in die Umwelt [...] sind bereits an der Quelle zu bekämpfen.“ …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Weiß das die ÖVP auch?

SPÖ Katrin Auer

… Dann gibt es noch ein weiteres Kapitel: Pflanzenschutz und Pflanzenbau. Da möchte ich eigentlich meiner Kollegin Elisabeth Feichtinger gar nichts wegnehmen, aber: Auch da soll eine Forschungsstrategie für alternative Ansätze, für Alternativen zu den chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln vorangetrieben werden, auf EU-Ebene und auf österreichischer Ebene. Die Biostrategie wird vorangetrieben werden, es gibt Bioschwerpunkte in der Forschung, vor allem auch betreffend biologischen Pflanzenschutz. Das heißt, wir sind da nicht untätig. Natürlich drängt die Zeit, aber ich glaube, wir brauchen hier jetzt keine Fristen zu setzen, denn wir wissen ohnehin, was zu tun ist.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Na ja, wenn ich der ÖVP zuhöre, dann schon!

SPÖ Katrin Auer

… Wichtig und richtig ist, dass ein Verbot der PFAS unumgänglich ist. (👏 SPÖ) Genauso wichtig und richtig ist es aber, auch weiterhin Genehmigungen für kritische Verwendung möglich zu machen, nämlich vor allem für Medizin und Gesundheit …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja!

SPÖ Katrin Auer

… und für die hochtechnologischen Bereiche. Deswegen: Wir in der Bundesregierung, wir in den Regierungsfraktionen haben eine entschlossene Haltung. Wir wissen, die Zeit drängt …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Das heißt, ihr stimmts dem Fristsetzer zu? – Abg. Bernhard [NEOS]: Nein! – Heiterkeit der Abg. Voglauer [Grüne]

SPÖ Katrin Auer

… und wir arbeiten dazu laufend und kümmern uns um dieses Thema. Deswegen, liebe Grüne – wie bei vielen anderen Themen im Umweltschutz …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Abwarten!

SPÖ Katrin Auer

… Die SPÖ ist auch da ein Verbündeter. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Bernhard.

NEOS Michael Bernhard

Danke, Herr Präsident. – Ja, Kollegin Voglauer von den Grünen hat das Anliegen des Verbots der PFAS-Pestizide ja vorgetragen. Ich möchte ein bisschen ausholen. Vielleicht einmal vorab: Danke für die Diskussion! Ich bin tatsächlich der Meinung, dass wir uns viel mehr Zeit nehmen müssen, im Plenum auch über jene Themen zu sprechen, die sehr grundsätzlich in unserer Gesellschaft verankert sind, und darüber, wie wir diese verändern können. Ich bin also wirklich dankbar dafür, dass wir die Diskussion führen können. Inhaltlich fand es ich spannend, liebe Olga, weil du nämlich zwei Dinge vermischt hast. Das eine ist die mögliche Gefährdung, was das Gesundheitsrisiko betrifft, durch Umweltschädigung, und das andere ist deine politische Haltung, die du damit verknüpft hast. Du hast gesagt: gegen Monokulturen, für Bio, für Selbstversorgung! – Das kann man alles sein, das ist aber eigentlich nicht die Frage von PFAS …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Doch, es ist die Alternative!

NEOS Michael Bernhard

… sondern da ist die Frage, wo du stehst. Ich habe vor einem Jahr, etwas mehr als einem Jahr, an die damalige Umweltministerin – die hat Leonore Gewessler geheißen – eine Anfrage geschickt, in der es auch um die Fragen der Überprüfung durch die Echa und der möglichen Verbote von PFAS-Verbindungen, die dann übrigens auch die Pestizide betroffen hätten, ging. Ich habe damals die Antwort bekommen – im Februar 2024 habe ich die Anfrage gestellt, im April habe ich sie bekommen –, dass das derzeit auf europäischer Ebene überprüft wird, dass sie als Umweltministerin natürlich für eine Einschränkung ist – dort, wo es gesundheitsgefährdend ist –, dass man aber als Österreich nicht jetzt gleich alleine etwas verbieten soll, weil es nämlich eine genaue Risikobeurteilung dahin gehend braucht, wo es durch andere Produkte ersetzbar ist und wo es eben nicht gleich ersetzbar ist oder in der Produktion unbedingt gebraucht wird.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Pestizide sind ersetzbar!

NEOS Michael Bernhard

… Das heißt, heute forderst du von uns genau das, was die grüne Umweltministerin Leonore Gewessler bei einer Anfragebeantwortung im April 2024 noch ausgeschlossen hat. Das finde ich schon komisch. (👏 ÖVP, NEOS) Dass man uns jetzt, wenn wir sagen, wir warten einen europäischen Prozess ab, in dem genau diese Untersuchung durch die Echa stattfindet, unterstellt, dass wir nicht auf unser Trinkwasser aufpassen wollen, ist, finde ich, schon ein bisschen dreist.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ohne Transparenzdatenbank?

NEOS Michael Bernhard

… Nein, wir haben es im Regierungsprogramm stehen, wir verschließen uns keiner - - …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ohne Aufzeichnungen?

NEOS Michael Bernhard

… Liebe Olga Voglauer , wir sind jetzt seit ein bisschen mehr als 100 Tagen in der Regierung; ihr wart davor fünf Jahre drinnen, und du wirfst uns jetzt vor, dass du fünf Jahre nichts zusammengebracht hast?! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, nicht dir, dem Landwirtschaftsminister! Der hat vorher auch schon Zeit gehabt!

NEOS Michael Bernhard

… Na ja, komm, ihr wart bitte fünf Jahre in der Regierung! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, aber der war Minister, der hätte es ja machen können! Ich war nicht in der Regierung! Ihr wart im Parlament, beide!

NEOS Michael Bernhard

… Du hast fünf Jahre als Generalsekretärin in diesem Bereich nichts zusammengebracht und sagst jetzt, wir liefern nicht?! Das ist schon ein bissel - - …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, nicht du! Die ÖVP liefert nicht, der Minister liefert nicht!

NEOS Michael Bernhard

… Man darf ja nichts sagen – wegen Ordnungsruf –, aber ich finde es zumindest frech.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Du kannst eh nicht liefern als Abgeordneter!

NEOS Michael Bernhard

… Wir haben das Thema Trinkwasserschutz klar im Regierungsprogramm verankert, und wir nehmen das Thema sehr ernst.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ihr schon, aber die ÖVP nicht!

NEOS Michael Bernhard

… Es gibt auf europäischer Ebene diese Überprüfung, die natürlich in Österreich umzusetzen ist, sobald es ein Ergebnis gibt, und wir werden uns – das möchte ich schon auch sagen – mit dem Thema parlamentarisch intensiver auseinandersetzen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Super!

NEOS Michael Bernhard

… auch aufgrund der Debatte, die ihr angestoßen habt. Das kann ich jetzt für die NEOS sagen. Ich möchte aber schon darauf hinweisen: Das, was für euch vor einem Jahr noch eine legitime Antwort war, sollte in diesem Jahr auch noch für die Bundesregierung gelten.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Wir reden aber von Pestiziden und nicht vom Rest!

NEOS Michael Bernhard

… Ich denke, so fair muss man in der politischen Auseinandersetzung schon auch sein.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber vorneweg muss man auch das Richtige mit dem Richtigen vergleichen!

NEOS Michael Bernhard

… Was das Reinrufen der grünen Kollegin betrifft: Lass mich bitte aussprechen, ihr gelangt nachher auch noch einmal zu Wort! Inhaltlich möchte ich etwas anderes schon auch sagen: Etwas, bei dem wir jetzt tatsächlich nach vorne schauen müssen, ist, dass wir dieses Thema PFAS weit über das Trinkwasser hinaus denkend weiter betrachten müssen. Wir haben mittlerweile sehr viele Verfahren. Ein bekanntes Beispiel ist der Salzburger Flughafen, wo es bei den Baugründen rundherum Kontaminierung und dadurch Schadensersatzansprüche gibt. Das heißt, wir müssen vor allem bei PFAS darauf schauen, dass jene PFAS-Verbindungen, die für den Menschen nicht gefährlich sind, nämlich jene, die nicht wasserlöslich sind, auch weiterhin in der Produktion bleiben können, und dass diejenigen, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellen, tatsächlich so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen werden – allerdings faktenbasiert, evidenzbasiert und nicht auf einfachen Zuruf hin. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Lukas Hammer . – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie sind am Wort.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kollege Schmuckenschlager, eine lebendige Zivilgesellschaft ist ungemein wichtig und ein Herzstück unserer liberalen Demokratien hier in Europa. Wir sind es von den Rechten und Rechtsextremen in Europa, von Orbán bis zur FPÖ und anderen Rechten, gewöhnt, dass ihnen eine lebendige, kritische Zivilgesellschaft ein Dorn im Auge ist , aber dass du dich jetzt auf diese Seite stellst …

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Überhaupt nicht!

GRÜNE Lukas Hammer

… und auch pauschal die lebendige, kritische Zivilgesellschaft, wie Umweltschutzorganisationen, in den Dreck ziehst , ist unwürdig und du solltest dich dafür schämen! Aber zum Thema: Ich finde, das ist ein wichtiges Thema für uns alle, vor allem auch für jene, die Kinder haben und sich Sorgen machen. Wir wissen heute – das zeigen Studien aus Deutschland –, dass in allen Neugeborenen PFAS nachgewiesen werden können, und in einem Fünftel der Neugeborenen sind die Werte so hoch, dass eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ich frage mich, warum die kritische Zivilgesellschaft immer öffentliche Gelder braucht!

GRÜNE Lukas Hammer

… Worüber reden wir hier eigentlich? Ich habe irgendwie das Gefühl, ihr hört gar nicht richtig zu. – Wir reden über Chemikalien, die sich nicht abbauen, die in 100, in 200, in 300 Jahren nicht abgebaut werden, und wenn sie in die Umwelt gelangen, dann bleiben sie dort.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Lobbyisten sind das in Wahrheit!

GRÜNE Lukas Hammer

… Sie bauen sich nur so weit ab, dass zum Beispiel TFA herauskommt, das eben auch gesundheitsgefährdend ist. Wenn wir über einen Stoff reden, der in der Umwelt bleibt , dann sollten wir die Debatte seriös führen und sehr vorsichtig sein und nicht mit 9 Liter Wein verharmlosen, Kollege Schmuckenschlager – das ist ja wirklich ein Witz! Kollege Schmiedlechner, du hast von diesen 2 Prozent geredet. – Ja, das stimmt, nur 2 Prozent von PFAS gehen tatsächlich in die Pestizide, da hast du schon recht. Einerseits ist dazu zu sagen, dass seit 2023 ein Gruppenverbot von PFAS auf EU-Ebene geprüft wird, weil eben sehr viele Substanzen in dieser Gruppe so gesundheitsgefährdend sind. Andererseits ist der eigentlich viel wichtigere Punkt: Es ist schon ein Unterschied, ob die Chemikalien in der Kleidung gebunden sind, in einer Teflonpfanne oder ob wir die Chemikalien direkt auf unsere Felder austragen, wo sie dann in die Böden gelangen und dann ins Grundwasser. Wer diesen Unterschied nicht erkennt, dem kann ich auch nicht mehr weiterhelfen. Du zermahlst ja auch nicht deine Teflonpfanne und streust das auf dein Feld auf, du würdest nie auf diese Idee kommen! Das ist ein absurder Vergleich. Liebe Kollegen! Lieber Kollege Schmiedlechner! Das ist kein Bauernbashing. ( Rufe bei der FPÖ: Na sicher! Aber wie! ) Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, genauso wie meine Kollegin Olga Voglauer , die selber Bäuerin ist …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

98! – Zwischenruf des Abg. Schnedlitz [FPÖ]

GRÜNE Lukas Hammer

… dass alle Landwirte und Landwirtinnen in diesem Land nach bestem Wissen und Gewissen handeln. ( Ruf bei der ÖVP: Das glaub ich auch! ) Davon bin ich überzeugt und darauf können wir auch stolz sein. Das Problem ist aber – Kollege Schmiedlechner, auch ein bisschen Geschichte zu lernen, tut dir nicht schlecht –: Wir haben über Jahrzehnte immer wieder Fälle gehabt, erinnere dich an DDT, bei denen die Chemielobby die Bäuerinnen und Bauern auf der ganzen Welt über ihre Produkte belogen hat. Und wer muss es ausbaden? – Das sind wir alle, aber vor allem auch bäuerliche Familien auf der ganzen Welt, die dann darunter leiden.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ihr habt den Antrag von der Chemielobby abgeschrieben!

GRÜNE Lukas Hammer

… Ich verstehe einfach nicht, dass Bauernvertreter die Mauer für eine weltweite Chemielobby machen und deren Profite anstatt die Interessen der Menschen schützen. Ich verstehe es nicht! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das machts doch ihr! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Ihr habt den Antrag der Chemielobby abgeschrieben! Ihr bringt gerade einen Lobbyantrag ein! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ihr seids doch die Lobbyisten!

GRÜNE Lukas Hammer

… Der wichtige Unterschied zum Beispiel zu Medizinprodukten, bei denen es derzeit noch keine guten Alternativen zu PFAS gibt: Bei den Pestiziden haben wir gute Alternativen. Wir haben gute Alternativen , und deswegen, Kollege Bernhard, müssen wir diese Frage auch systematisch diskutieren, weil es auch um eine andere Form der Landwirtschaft geht, sehr geehrte Damen und Herren! …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Da sollten wir mal über die Lebensmittelverschwendung reden!

GRÜNE Lukas Hammer

… Genau. Es geht auch darum – deswegen stehe ich hier als Umweltsprecher meiner Fraktion –: PFAS haben negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit, aber sie haben auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit von allen anderen Tieren und auch von Mikroorganismen. Das heißt, sie degradieren auch unsere Böden. Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Schlusssatz, bitte! Abgeordneter Mag. Lukas Hammer (fortsetzend): Schlusssatz – Danke, Herr Präsident! –: Ich glaube, es ist höchst an der Zeit, dass wir uns ernsthaft und rasch mit diesem Thema auseinandersetzen und dass unsere Anträge diesbezüglich nicht ständig vertagt werden. – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen nunmehr zur Abstimmung über den Antrag der Abgeordneten Olga Voglauer , Kolleginnen und Kollegen, dem Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft zur Berichterstattung über den Entschließungsantrag 150/A(E) eine Frist bis 12. September 2025 zu setzen. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Fristsetzungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 7-8, 39. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 15:36

SPÖ Paul Stich

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich bin wirklich als kritischer Mensch erzogen worden, der alles, was er hört, auch hinterfragen soll. In der Debatte zum Bildungsbereich habe ich jetzt gehört, wie Freiheitliche hier sprichwörtlich das Blaue vom Himmel versprechen. Das hat mich zunächst doch ein bisschen stutzig gemacht, weil ich ja die letzte Regierungsbeteiligung der FPÖ noch in sehr guter Erinnerung habe, da sie bildungspolitisch tendenziell ja eher ein Unfall war. Man denke zum Beispiel an die Kürzung bei Sprachförderkräften.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Interessanter Lebenslauf!

SPÖ Paul Stich

… Das wäre mir sehr unangenehm – ich verstehe auch, dass da die erste Unruhe aufkommt –, aber gut, für heute Schwamm drüber, reden wir nicht mehr darüber! Soll so sein, soll so sein. Weil: Man kann im Leben durchaus auch dazulernen, auch aus dem Saulus wurde ein Paulus. Wenn man sich diese Redebeiträge anhört, dann hat man ja fast das Gefühl, dass Kinder in den Bundesländern, in denen die FPÖ regiert, fast im Paradies leben. Wenn man Ihnen da zuhört, dann könnte man meinen, es muss ja wirklich ein tolles Leben sein, das man dort führt. Na ja, dann machen wir einmal den Realitätscheck: Wie schaut es denn mit Kindern und Jugendlichen in Schulen aus? Und übrigens: Es betrifft sowohl Kinder mit Migrationshintergrund als auch Kinder ohne Migrationshintergrund. Wie schaut der Realitätscheck aus? Mir ist dann tatsächlich doch relativ rasch das Gesicht eingeschlafen, als ich mir die Leistungsbilanz vor Augen geführt habe: In Niederösterreich ist jedem Kind aus einer finanzschwachen Familie das Schulstartgeld gestrichen worden. In Oberösterreich muss dank Kürzungen beim Bildungskonto jeder Lehrling, der zum Beispiel in der Voest in Linz lernt und die Matura nachmachen will, jetzt 300 Euro mehr zahlen, wenn er die Matura im zweiten Bildungsweg nachmachen will.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Herr Kollege, das sag’ bitte deinem Koalitionspartner, die sind zuständig!

SPÖ Paul Stich

… In der Steiermark – ein Bundesland mit einem FPÖ-Landeshauptmann, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – beklagen Direktoren in Volksschulen, dass sie Stunden für Kinder mit Deutschförderbedarf im kommenden Schuljahr streichen müssen, obwohl der Bund mehr Mittel dafür zur Verfügung stellt. In Vorarlberg müssen Kinder mit Beeinträchtigungen jetzt mit der Hälfte der Betreuungsstunden in der Schule auskommen, und in Salzburg sägen Sie am Fundament von Leuten mit ganz besonderen Herausforderungen, nämlich bei Jugendlichen, die zum Beispiel in betreuten Wohngemeinschaften leben, und kürzen dort massiv. Die Leistungsbilanz der FPÖ ist also klar: Wasser predigen, Wein trinken! – Anders kann man das nicht mehr bezeichnen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Schauen wir mal nach Wien! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Wie schaut’s in Wien aus? In Wien wirst Museumsmitarbeiter des roten Wien im Waschsalon des Karl-Marx-Hofs! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist das Ergebnis des Wiener Bildungswegs!

SPÖ Paul Stich

… Nun ist ja Zeugniszeit und wir haben fünf Bundesländer und fünf Maßnahmen. Ich will aber keine Ziffernnoten vergeben, weil aus meiner Sicht ein qualitatives Feedback manchmal durchaus sinnvoller ist. Wir haben jetzt die Sitzungspause im Nationalrat vor uns, und da ist – zumindest bei uns, ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ausschaut – viel Zeit für Basis- und Regionalarbeit. Und vielleicht, wenn es sich neben den zahlreichen, auch gut bezahlten Nebenbeschäftigungen ausgeht – ich weiß schon, Kollege Kassegger, bei Ihnen mit neun bezahlten Nebenbeschäftigungen wird es vielleicht ein bisschen knapper werden mit der Zeit –, wenn bei irgendjemandem neben diesen Nebenbeschäftigungen Zeit für die Menschen in Österreich bleibt, dann reden Sie mit den Leuten in den Ländern, die Kinder in Österreich wären Ihnen dankbar! – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tanzler. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Tanzler

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Minister! Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es ist in dieser Debatte über Anpassungen im Bildungssystem schon sehr viel gesagt worden, und ich möchte in diesem Zusammenhang in aller Kürze die Wichtigkeit der frühen Förderung noch einmal dezidiert betonen. Die Frühförderung in den elementarpädagogischen Einrichtungen spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Kindern. Sie lernen spielerisch und kindgerecht, mit anderen umzugehen, sich in eine Gruppe einzufügen, ihre eigenen Stärken und Schwächen kennenzulernen, sich zu artikulieren und Verantwortung zu übernehmen. Wie ich in den vergangenen fünf Jahren schon mehrfach an diesem Rednerpult gesagt habe, ist in dieser Lebensphase bis circa zum achten Lebensjahr, das heißt auch in den ersten Jahren der Volksschule, ein Entwicklungsfenster offen, in dem der Grundstein für alle folgenden Bildungserfolge gelegt wird, und auch der Grundstein für alles andere, was im Leben danach folgt. Alles, was in dieser Zeit nicht angelegt wird, kann später schwer nachgeholt werden. Man kann das mit dem Fundament eines Hauses vergleichen: Ist das Fundament gut, kann man ein ordentliches Haus darauf bauen; ist das Fundament löchrig, hat es Risse, dann wird es später schwierig sein, darauf aufzubauen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das sozialistische Fundament!

SPÖ Petra Tanzler

… Und so ist es auch in der Bildung. Investitionen in diesen frühen Bereich sind sehr wichtig, denn die Schwächen, die man nicht gleich am Anfang ausmerzt, kosten das System nachfolgend viel, viel mehr. Deswegen freue ich mich auch, muss ich hier an dieser Stelle sagen, dass Kollegin Totter vorhin in ihrer Rede gesagt hat, dass sich nun auch die ÖVP wünscht, eine zweite Lehrkraft in den ersten Klassen der Volksschule einzuführen. Das ist wirklich erfreulich, denn dann kann man einmal ernsthaft darüber diskutieren, und vielleicht schaffen wir es in dieser Legislaturperiode, das auch umzusetzen. Das ist eine langjährige Forderung von uns, und es geht ja nicht darum, wer sich das ausdenkt oder wer sich das wünscht, sondern es geht darum, dass das für unsere Kinder und ihre Zukunft umgesetzt wird. (👏 SPÖ) Es ist für uns unumgänglich, dass das pädagogische Personal gut ausgebildet und geschult wird, um auf die wachsenden Herausforderungen – und die werden nun mal immer mehr – gut vorbereitet zu sein. Und wir müssen die Rahmenbedingungen laufend verbessern, um eben die besten Bedingungen zu schaffen. Die erste Frage in diesem Bereich muss immer sein: Was kommt beim Kind an, das hilft, jedem Kind eine echte Chance auf einen guten Start zu geben? Es ist natürlich auch so, dass die nächsten Generationen unser größtes Potenzial sind, das ausgeschöpft werden muss, sodass unser Land auch konkurrenzfähig bleiben kann. Lange ist da wenig passiert, und wir können auch nicht alles sofort umkrempeln, das ist klar. Ich habe lange überlegt, ob ich auf meine Vorrednerinnen und Vorredner Bezug nehme, aber alles kann man so auch nicht stehen lassen. Da muss ich zu Kollegen Brückl sagen: Es ist erfreulich, dass auch bei Ihnen der Wunsch nach einem neuen Bildungssystem vorhanden ist, ich verstehe nur nicht, dass man dann gegen jede kleine Veränderung in diese Richtung stimmt. Zu Kollegin Berger: Sie kritisieren die Orientierungsklassen. Es war aber schon Ihre Partei, die damals, 2018, die maßgeblich drängende Partei war, Deutschförderklassen einzuführen und die Kinder dadurch zu trennen. Zu Kollegin Schuch-Gubik möchte ich sagen: Die Art und Weise, wie Sie sprechen, ganz ehrlich, das ist ein sprachlich tiefes Niveau, und das hat hier im Hohen Haus wirklich nichts verloren.

FPÖ Giuliani-Sterrer (Zwischenruf)

Ihre Wortmeldung ist noch weit unter diesem Niveau! Lassen Sie unsere Kollegin in Ruhe!

SPÖ Petra Tanzler

… Sie teilen hier aus, aber mitarbeiten null! Es gibt keine Zusammenarbeit. Wir haben den festen politischen Willen, Schritt für Schritt in eine positive Richtung weiterzugehen. Das tun wir, und deswegen steht Bildung auch als Schwerpunkt im Regierungsprogramm. Zum Schluss möchte ich mich bei allen Pädagoginnen und Pädagogen bedanken. Es ist eine unglaublich wichtige Arbeit, die Sie leisten. Es ist eine wunderschöne Arbeit, und das sage ich aus persönlicher Erfahrung. Ich wünsche allen einen erholsamen Sommer, dass Sie mit voller Kraft und voller Energie dann im Herbst wieder starten und viele Dinge neu gestalten können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Ich sehe, das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/85.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Schulunterrichtsgesetz, das Anstellungserfordernisse-Grundsatzgesetz und das Hochschulgesetz 2025 geändert werden, samt Titel und Eingang in 128 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, somit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist abermals die Mehrheit, somit ist der Gesetzentwurf auch in dritter Lesung angenommen. RN/85.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Hermann Brückl , Kolleginnen und Kollegen betreffend „9-Punkte-Maßnahmenkatalog für eine gewaltfreie Schule“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, somit abgelehnt. RN/85.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Katayun Pracher-Hilander , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Wirksame Maßnahmen gegen Mobbing und Gewalt an Schulen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, somit abgelehnt. RN/85.4 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Christoph Steiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Kopftuchverbot an Österreichs Schulen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, somit abgelehnt. RN/85.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 8: Antrag des Bildungsausschusses, seinen Bericht 149 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen.

ÖBB-Rahmenplan 2025-2030

176 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage III-173 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Bundesministers für Innovation, Mobilität und Infrastruktur zum aktualisierten ÖBB-Rahmenplan 2025–2030 zur Kenntnis. Damit wird der Rahmenplan als Berichtsvorlage nicht inhaltlich beschlossen, sondern lediglich zur Kenntnis genommen.

Betroffen sind die ÖBB (insbesondere ÖBB Holding AG und ÖBB-Infrastruktur AG) sowie die im Rahmenplan 2025–2030 enthaltenen Bahn-Infrastrukturprojekte samt Kosten- und Zeitplänen.

Dokumente

ÖBB-Rahmenplan 2025-2030

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird der Bericht des Bundesministers für Innovation, Mobilität und Infrastruktur zum aktualisierten ÖBB-Rahmenplan 2025–2030.

Charakter des ÖBB-Rahmenplans

  • Der ÖBB-Rahmenplan ist auf sechs Jahre ausgelegt.
  • Er wird jährlich fortgeschrieben, wobei Kosten- und Zeitpläne der enthaltenen Projekte jeweils aktualisiert werden.

Beratung im Ausschuss für Verkehr und Mobilität

  • Der Ausschuss hat den Bericht in Verhandlung genommen.
  • Der Ausschuss beschloss einstimmig, den Vorstandsvorsitzenden der ÖBB Holding AG (Ing. Mag. (FH) Andreas Matth) und einen Vertreter der ÖBB-Infrastruktur AG (Mag. Franz Hammerschmid) als Auskunftspersonen gemäß § 40 Abs. 1 GOG zu laden.
  • Der Ausschuss beschloss einstimmig, den Bericht aus wichtigen Gründen nicht endzuerledigen (gemäß § 28b Abs. 4 GOG).
  • In der Debatte kamen neben Abgeordneten auch der Bundesminister sowie die geladene Auskunftsperson zu Wort.

Empfehlung an den Nationalrat

  • Der Ausschuss empfiehlt dem Nationalrat, den Bericht zum ÖBB-Rahmenplan 2025–2030 zur Kenntnis zu nehmen.

ÖBB-Rahmenplan 2025-2030

~42 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Gerhard Deimek

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Lassen Sie mich kurz, bevor ich zum ÖBB-Rahmenplan etwas sage, auf die vergangene Debatte replizieren. Ich habe es sehr bemerkenswert gefunden, dass Kollegin Tanzler uns ein eigenwilliges Sprachniveau vorwirft und – ich erinnere mich – in den Minuten davor Kollegin Bayr davon spricht, dass wir „von Tuten und von Blasen“ keine Ahnung haben. Das ist ein bissl eigenwillig.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Und was ist mit Tuten und Blasen?

FPÖ Gerhard Deimek

… Also ich weiß nicht, haben wir jetzt ein hohes Sprachniveau in diesem Haus oder nicht? Uns das vorzuwerfen und gleichzeitig selber nicht anders zu sein, ist aber schon etwas merkwürdig.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Was interpretieren Sie in Tuten und Blasen?

FPÖ Gerhard Deimek

… Aber nun zum ÖBB-Rahmenplan 2025–2030. Es geht um einen Vorhabensplan mit etwa 20 Milliarden Euro und einem jährlichen Investitionsvolumen von etwas über 3 Milliarden Euro, das in Abstimmung zwischen der ÖBB-Infrastruktur und dem Bundesministerium abgewickelt und jährlich aktualisiert wird. Es ist zum Ausbau und zum Erhalt unseres Schienennetzes sehr wichtig, und auch da – das ist im heurigen Jahr und in den kommenden Jahren besonders wichtig – haben wir unseren Beitrag zur Budgetkonsolidierung zu leisten. Dieser Beitrag ist nicht unerheblich, da steckt viel Geld drinnen. Ich sage das jetzt gleich zu Beginn dieser Debatte: Diese Investitionen in die Bahninfrastruktur sind grundsätzlich absolut zu begrüßen. Wir wollen hier in Österreich keine deutschen Verhältnisse, weder was die Unzuverlässigkeit des Bahnverkehrs noch was den Verfall der Infrastruktur betrifft. Wir unterscheiden uns da ganz elementar von Deutschland. Was wir brauchen, ist eine ehrliche, realistische und regionale Prioritätensetzung. Das ist ein großer Unterschied zu Deutschland. (👏 FPÖ) Wenn ich davon spreche, dass auch da ein Beitrag zur Budgetkonsolidierung geleistet werden musste, dann möchte ich dazusagen: Die Vorgangsweise am Anfang war ja durchaus richtig, und wir haben das in den Zeiten, als wir selber noch verhandelt haben, auch so gemacht. Man hat zu den ÖBB gesagt: Macht einmal einen Vorschlag! Und genau das ist dann die Krux der Materie: Die ÖBB machen natürlich einen Vorschlag, der für die ÖBB kostengünstig ist. Da reden wir nicht vom Bundesministerium, da reden wir nicht von den Ländern, da reden wir nicht von ganz Österreich, also von der Republik Österreich. Das muss man berücksichtigen. Das ist auch der Grund, warum wir erstens einmal das Budget als solches und in Folge natürlich auch den Rahmenplan abgelehnt haben. Aber es ist ja nicht alles so dramatisch, der Punkt ist nur: Man hätte bei diesem Rahmenplan noch etliches verändern können. Das Erste sind Projektverschiebungen. Es gibt große Projekte, die großen Tunnelprojekte, die großen Transversalen. Wie eine Wanderdüne kann man da ruhig in die kommenden Jahre sozusagen weiterquetschen. Die Wanderdüne hat auch ihre Berechtigung; sie hat sie nicht nur technisch, sondern sie hat sie auch bautechnisch. Die ausführenden Firmen können gewisse Volumina ja gar nicht so abwickeln, wie es manchmal gewünscht ist. Man muss auch darauf achten, was die ÖBB intern überhaupt an Projekten abwickeln können. Also bei diesem Volumen kann man durchaus noch weiter daran arbeiten, das noch weiter nach hinten zu schieben. Wir brauchen aber neue Planungsakzente. Es gibt einen wachsenden Mobilitätsbedarf. Wir brauchen Angebotserweiterungen. Wir brauchen langsam, aber sicher eine umfassende Mobilitätsstudie, die nicht nur die einzelnen Mobilitätsstudien und -pläne der Bundesländer zusammenfasst, sondern die vor allem gesamtheitlich für ganz Österreich ist und die Gesamtsituation auch für den Cargoverkehr, das heißt für den Güterverkehr, darstellt. Daraus ist dann ein entsprechendes Netz abzuleiten. Das Zielnetz 2025 plus soll bis Anfang der Dreißigerjahre abgebaut werden. Ich schaue mir an, wie das wirklich ist. Im Tiefbau gibt es nämlich teilweise Überlastungen, es gibt eine Überlastung bei den Firmen. Man kann das teilweise gar nicht so machen, wie es angekündigt ist. Und wir haben zeitgleich die deutschen Projekte, die offiziell im Plan sind. Ich schaue mir auch an, wie die Deutschen die wirklich abwickeln. Wir bräuchten aber unbedingt mehr Volumina im Hochbau, das sind die Bahnhofsmodernisierungen und so weiter. Und: Wir müssen uns endlich irgendetwas mit den Regionalbahnen überlegen. Wir brauchen regionale Lösungen, die keine Parallelbusse vorsehen. Wir haben dazu in den drei Flächenbundesländern – in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark – auch Resolutionen für den Erhalt der Regionalbahnen gefasst. Die Regionalbahnen, zumindest die oberösterreichischen, haben noch bis 2029 einen gültigen Verkehrsdienstevertrag. Herr Bundesminister, vorab einmal Danke, dass Sie zu den Verkehrslandesräten Kontakt aufgenommen haben! Etwas ist mir aber schon eigenwillig vorgekommen: Diese Resolutionen wurden in den Landtagen einstimmig angenommen, hier herinnen – und das wundert mich vor allem bei der Volkspartei – haben die Mandatare der Volkspartei gegen diese Resolutionen gestimmt. Vielleicht kann man mit Kollegen Hammer reden. Der ist ja der Retter der oberösterreichischen Regionalbahnen. Hier herinnen wurde dagegengestimmt, vielleicht könnt ihr das intern abstimmen. Das sind Dinge, bei denen wir uns nicht einmischen wollen, aber als eigenwillig haben wir das schon wahrgenommen. (👏 FPÖ) – Danke. Danke vor allem den Grünen. Ein weiterer Punkt ist – und das ist ein ÖBB-Spezifikum, da können Sie ( in Richtung Bundesminister Hanke ) persönlich nichts dafür –: Etliche Male ist es schon vorgekommen, dass irgendetwas, ein Projekt, ein Bauwerk, das frisch renoviert oder saniert wurde, ein paar Jahre später zugesperrt oder abgerissen wurde. Das ist wirklich ein Firmenspezifikum. Vielleicht kann man darauf schauen, denn all das, was abgerissen wird, braucht man nicht zu sanieren. Diese Geldvolumina kann man sparen. Da kann man etliche neue, wirklich wichtige Lösungen finden. In Summe: positive Investitionen in den Infrastrukturausbau ganz grundsätzlicher Natur. Wir wollen aber keine Verhältnisse, wie es sie in Deutschland gibt. Wir wollen zuverlässigen Bahnverkehr und eine Belastbarkeit der Infrastruktur, die auch den Anforderungen der Österreicher entspricht. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Moitzi. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Zuerst einmal die gute Nachricht zum Tage: Mit diesem Rahmenplan und den fast 20 Milliarden Euro ist der weitere Ausbau der Bahninfrastruktur in Österreich gesichert. Ich denke, das sind extrem gute Nachrichten. (👏 ÖVP, SPÖ) Nur kurz zum Abgeordneten Deimek, denn es ändert sich ja bei jeder Rahmenplandiskussion – und wir haben in den letzten Wochen und Monaten schon ein paar hier herinnen geführt – die Position der FPÖ, sie ändert sich von Mal zu Mal: Heute war es wieder mehr eine Arnold-Schiefer-Position. Vielleicht ist das nächste Mal wieder jemand anderer dran. Ich möchte nur kurz sagen: Auch die Länder haben ihre Verantwortung. Sie haben gerade mit Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark drei Bundesländer aufgezählt. Ich sage Ihnen auch, was diese drei Bundesländer alle gemeinsam haben: Alle haben blaue Verkehrslandesräte. Es gibt im Bundesbahngesetz den § 44. Vielleicht redet ihr auch mit euren Landesräten. Die Länder können gerne einen Zuschuss für wichtige regionale Bahninitiativen leisten und auch so ihrer Verantwortung gerecht werden. Wenn das den Bundesländern so wichtig ist, sollten sie in Gespräche mit dem Minister eintreten, damit wir gemeinsam eine gute Lösung finden, und auch finanziell einen Teil dazu beitragen. Das erwarte ich mir von der FPÖ-Fraktion. (👏 SPÖ) Dass der Ausbau des Bahnverkehrsnetzes notwendig ist, ist, glaube ich, jedem in Österreich bewusst. Ich bin vor Kurzem mit einem Triebfahrzeugführer gemeinsam mit meiner Kollegin Julia Herr durch Österreich gefahren. Martin hat einen Tag mit uns verbracht, hat uns Engstellen und so weiter gezeigt und was notwendig ist. Wenn man zurzeit auf das Bahnnetz sieht, weiß man, dass die Kapazitätsgrenzen der Loks ziemlich am Limit sind. Deshalb wollen wir, wollen die ÖBB, will der Verkehrsminister mit neuen Zügen, mit einem Bahninfrastrukturausbau und einer Digitalisierung in den nächsten Jahren die Leistungsfähigkeit des österreichischen Bahnnetzes verdoppeln. Ich glaube, wenn man sich gestern den Schig-Bericht durchgelesen hat, dem zu entnehmen ist, dass im letzten Jahr 15 Milliarden Personenkilometer gefahren wurden, so viele wie noch nie, dass die ÖBB im letzten Jahr über eine halbe Milliarde Menschen als Fahrgäste transportiert haben, so zeigt all das, dass der Bahnausbau notwendig ist.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Die grüne Verkehrspolitik funktioniert!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Ja, es ist auch in der Vergangenheit Gutes passiert. Das bestreitet niemand. Dort, wo es aber leider viel Schatten gibt – beim Personenverkehr gibt es viel Licht –, ist beim Güterverkehr. Beim Güterverkehr haben wir in den letzten Jahren leider eine andere Entwicklung gesehen. Genau deshalb ist der Bahnausbau auch so wichtig: weil wir es endlich schaffen müssen, dass die Güter nicht mehr auf der Straße, sondern vermehrt auf der Schiene transportiert werden. Auch dafür ist der Rahmenplan extrem wichtig. Ein letzter wichtiger Punkt ist, dass dieser Rahmenplan positive Nachrichten nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch für die Bauwirtschaft bringt. Diese Bundesregierung hat es in den letzten Monaten geschafft, dass es erstmalig wieder eine wirtschaftspolitische Trendwende gegeben hat. Nach über zwei Jahren hat es zum ersten Mal wieder positive Wirtschaftsprognosen der Wirtschaftsforscherinnen und -forscher gegeben. (👏 SPÖ) Wir erleben zurzeit, dass es bei der Industrie ein Plus gibt, im Bauwesen aber leider noch immer einen negativen Produktionsindex. Diese 3,2 Milliarden Euro sind auch extrem wichtig, damit die Konjunktur in der Bauindustrie endlich anzieht und wir dadurch Tausende Jobs in der Bauindustrie absichern. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich möchte es nur kurz vorwegnehmen, weil dann sicher auch grüne Abgeordnete sagen werden, wie furchtbar es nicht sei, was wir jetzt alles einsparen: Ich möchte nur sagen, liebe Grüne, dass nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Halbe Milliarde Fahrgäste!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… In den letzten zwei Jahren habt ihr zwar vielleicht im letzten Jahr mehr budgetiert als die jetzige Bundesregierung und der jetzige Verkehrsminister, aber das Erreichte war halt etwas anderes: 2023 und 2024 sind nämlich über 380 Millionen Euro von dem, was budgetiert gewesen wäre, nicht verbaut worden. ( Ruf bei den Grünen: Weil wir gespart haben! ) Deshalb wird das, was wir jetzt beschließen – wir werden das ja wirklich verbauen –, der größte jemals umgesetzte Rahmenplan. Das ist eine gute Nachricht.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... zu dem, was du vorher gesagt hast!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Zu guter Letzt möchte ich noch – weil die Verkehrswende auch davon abhängt, ob es Leute wie Martin, den Triebfahrzeugführer, gibt – allen Menschen, die im öffentlichen Verkehr arbeiten, danken – deshalb haben wir auch eine Personaloffensive im Regierungsprogramm verankert –: Ihre Arbeit ist extrem wichtig, weil Sie jeden Tag Hunderttausende, Millionen Österreicherinnen und Österreicher ( Ruf bei der FPÖ: Hunderttausende Millionen? ) sicher von A nach B bringen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Lukas Hammer . Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, ich fange mit dem Positiven an. Wir haben hier in Österreich, was den Ausbau der Bahninfrastruktur betrifft, den meisten Ländern auf der Welt etwas voraus: dass wir uns nämlich auf sechsjährige Investitionsprogramme einigen und diese auch hier gemeinsam beschließen. So gibt es auch Planungssicherheit für den Infrastrukturausbau. Das ist gut, und es ist gut, dass wir das hier so weiterführen. Und ja, die Investitionen entsprechend diesem Rahmenplan liegen deutlich über dem, was wir in den Jahren vor der Regierungsbeteiligung von uns Grünen vorgefunden haben. Unter Schwarz-Blau zum Beispiel wurde der Rahmenplan gekürzt. Kollege Schiefer schaut schon: Auch wenn man die Inflation und den Baukostenindex miteinberechnet, sind wir auf einem höheren Niveau, und das ist gut so. Trotzdem bringt dieser neue Rahmenplan Einsparungen bis 2029 in der Höhe von 2,3 Milliarden Euro im Vergleich zum letzten Rahmenplan.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Nein!

GRÜNE Lukas Hammer

… Das sind einfach die Zahlen, lieber Alois Schroll . Was mich besonders schmerzt, ist, dass beim Thema Barrierefreiheit im Verhältnis zum Rest doppelt so stark gekürzt wird. Das ist, glaube ich, kein gutes Signal, dass besonders bei der Barrierefreiheit gekürzt wird. Die Kürzungen betreffen Projektstreckungen, Nahverkehrsprojekte, die sehr wichtig sind. Ich möchte das jetzt nicht noch alles aufrollen, aber es werden halt auch sehr, sehr viele wichtige Projekte – zum Beispiel Bahnhof Bregenz, viele Nahverkehrsprojekte – nach hinten verschoben, teilweise sehr deutlich nach hinten verschoben, die Entwicklung verlangsamt sich. Gleichzeitig werden Autobahnprojekte, Schnellstraßenprojekte aus dem letzten Jahrtausend, die verkehrspolitisch vollkommen überholt sind, jetzt wieder in Angriff genommen und sollen beschleunigt umgesetzt werden. Das ist eine Schieflage, die dem 21. Jahrhundert nicht angemessen ist.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

GRÜNE Lukas Hammer

… Nur zur Erinnerung, Herr Kollege, nur zur Erinnerung: Vom Jahr 2000 bis ins Jahr 2020 ist das Autobahn- und Schnellstraßennetz um 320 Kilometer gewachsen.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Wir reden jetzt über den ÖBB-Rahmenplan! Zur Sache, Herr Kollege!

GRÜNE Lukas Hammer

… Im gleichen Zeitraum – hör zu! – ist das Schienennetz um 535 Kilometer geschrumpft. Als wir in die Regierung gekommen sind, hat die damalige Ministerin, Leonore Gewessler , diesen Trend aufgehalten. Ein wichtiger Punkt ist die Attraktivierung von Regionalbahnen, damit sie echte, gute Alternativen zum Auto sind; mit einem Takt, der auch irgendwie lebensnah ist, mit Zügen, die modern sind. Und das schafft man nicht von heute auf morgen, da muss man investieren, attraktivieren und auch teilweise kurzfristige betriebswirtschaftliche Überlegungen zum Beispiel aufseiten der ÖBB hintanstellen und eben verkehrspolitisch steuern. Damit komme ich schon zur Hauptkritik, lieber Herr Verkehrsminister – wir haben das in den letzten Wochen debattiert –: Bei Ihnen stehen gleich vier Regionalbahnen auf der Abschussliste. Das sind die Almtalbahn, die Hausruckbahn, die Mühlkreisbahn und die Thermenbahn. Es ist jetzt ein bisschen hin und her gegangen, wir kennen alle die Diskussion, es gab einstimmige Landtagsbeschlüsse, also auch von ÖVP, NEOS, SPÖ, FPÖ, und Sie haben in einem Interview gesagt, dass es keine Pläne zur Einstellung gäbe. Sie haben von Optimierungen gesprochen, meinen aber auch, dass eine Optimierung eine Kombination aus Bahn und Bus oder überhaupt ein Umstieg auf den Busverkehr sein kann. In Wahrheit heißt das: Wenn dann ein Bus statt einer Bahn fährt, ist das ein Abbau von Regionalbahnen. Wir kennen das leider aus der Vergangenheit, dass dann Regionalbahnen eingestellt werden – und das wollen wir nicht! (👏) Ich bringe daher folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Lukas Hammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Regionalbahnen attraktivieren statt zusperren“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung und insbesondere der Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur wird aufgefordert, Verhandlungen mit allen Bundesländern aufzunehmen mit dem Ziel, im Einklang mit dem Regierungsprogramm die Regionalbahnen zu attraktivieren statt zuzusperren.“ Ich bitte um breite Zustimmung. – Danke schön. (👏) 16.04 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/89.1 Regionalbahnen attraktivieren statt zusperren (118/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schnabel. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseher und Zuseherinnen! Der Rahmenplan der ÖBB ist das zentrale Steuerungselement für die Investitionen in das österreichische Schienennetz. Mit dem vorliegenden Plan – haben wir heute schon gehört – weisen wir die wesentlichen Infrastrukturvorhaben mit einem Gesamtvolumen von fast 20 Milliarden, genau 19,7 Milliarden Euro, für die nächsten sechs Jahre aus, und das mit einem langfristig aufgestellten Finanzierungssystem – auch schon gehört –, um das uns viele Staaten beneiden. Liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, dieser Rahmenplan ist abermals als ambitioniert zu bezeichnen, weil es nach wie vor ein Budget auf Rekordniveau ist, und ich verwahre mich da gegen Behauptungen, dass es zu Kürzungen kommt, weil: Wie die Ergebnisse aus den Jahren 2023 und 2024 gezeigt haben, waren die veranschlagten Projekte so nicht umzusetzen. 2023 konnten 148 Millionen Euro nicht verbaut werden, 2024 konnten 231 Millionen Euro nicht verbaut werden. Somit ist das, was wir hier heute mit dem Rahmenplan vorlegen, keine Kürzung, sondern in Wahrheit eine Korrektur in Richtung Machbares, damit die geplanten Maßnahmen auch tatsächlich zur Umsetzung kommen können. (👏 ÖVP, SPÖ) Wir investieren – das haben wir auch schon in der Budgetdebatte festgestellt – alljährlich rund 3,2 Milliarden Euro – 3,2 Milliarden Euro! Wir haben vorhin kurz intern diskutiert: Bei einem Gesamtvolumen von 20 Milliarden Euro ist da ein Paket auf den Weg gebracht worden, das vieles andere in den Schatten stellt; aus Sicht des Budgets, worüber wir hier diskutieren. Wir lösen damit mannigfaltige Investitionen aus, schaffen Arbeitsplätze. Es ist auch durch eine Studie belegt, dass durch diese Bauinvestitionen hier in Österreich ungefähr 28 000 Menschen alljährlich Arbeit finden. Das ist ganz, ganz wichtig. Ich möchte aber auch sagen, dass es natürlich zu Projektverschiebungen kommt, wenn man in die Realität der Umsetzung kommt. Ich verstehe auch, dass das für uns als regionale Abgeordnete, die sich natürlich für ihre Heimatregion, für ihr Heimatbundesland einsetzen, da und dort enttäuschend ist, aber als Bundespolitiker sind wir natürlich auch mit der Verantwortung ausgestattet, dass wir das Gesamte sehen, das große Ganze, nämlich die Fertigstellungssicherheit und auch das effiziente und zielgerichtete Einsetzen von Budgetmitteln. Herr Kollege Hammer, weil Sie die Landtagsbeschlüsse angesprochen haben, einen kurzen Blick meinerseits in die Steiermark, mein Heimatbundesland: Es schmerzt mich natürlich auch, dass der von mir lange geforderte Ausbau der Südbahn im Bereich des Nadelöhrs zwischen Wildon und Spielfeld um drei Jahre verlängert wird, aber man muss auch dazusagen, dass in allen Planungsregionen neue Projekte aufgenommen worden sind – in allen Planungsregionen in ganz Österreich! So kann man schon auch für die Steiermark positiv festhalten, dass das Nadelöhr zwischen Graz und Bruck quasi neu ausgebaut wird, um eben die Lücke zwischen dem Semmeringbasis- und dem Koralmtunnel zeitgerecht zu schließen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Zeitgerecht ist gut!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Zum Thema Semmeringbasis- und Koralmtunnel ist, glaube ich, auch ganz wichtig, festzuhalten, dass wir danach getrachtet haben, dass diese Großprojekte, auch inklusive Brennerbasistunnel, in der Terminschiene bleiben, dass sie zeitgerecht fertig werden und dementsprechend auch zeitgerecht in Betrieb gehen können. Das müsste vor allem die grüne Fraktion freuen, weil, wie auch von Ökonomen belegt, diese Großprojekte massive CO 2 -Einsparungen auslösen werden. Es ist also nicht sinnvoll, diese Großprojekte zu verschieben, anstatt diese zeitnah und termingerecht fertigzustellen. Wenn wir das drei Jahre verschieben würden, hätten wir 2,2 Millionen Tonnen CO 2 -Emissionen mehr, und genau das verhindern wir mit diesem Rahmenplan. Zu den Landtagsbeschlüssen selbst noch ein Wort in Richtung meines Heimatbundeslandes, vor allem in Richtung Landeshauptmann Kunasek von der FPÖ: Es ist gut und richtig, zu fordern, dass der Bund ausbauen soll, aber man soll halt auch im eigenen Bundesland im Sinne einer Gesamtverantwortung, die Landeshauptmann Kunasek hat, tätig werden. Das Bundesland Steiermark budgetiert 1 Milliarde Euro Neuverschuldung, es gibt für das heurige Jahr überhaupt keinen Ansatz, irgendwelche Konsolidierungsmaßnahmen durchzuführen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ihr seid dort aber in der Regierung!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Der Herr Landeshauptmann ist da schon gefordert, entsprechende Investitionsspielräume für das Bundesland Steiermark, aber vor allem auch für unsere steirischen Gemeinden zu schaffen, und soll dementsprechend auch in die Gänge kommen und nicht nur ein Fest nach dem anderen besuchen.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Wer koaliert mit der FPÖ in der Steiermark?

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Geschätzte Damen und Herren! Der ÖBB-Rahmenplan ist eine Investition in die Zukunft, in eine moderne Bahninfrastruktur mit einem System, um das uns viele, viele andere Staaten beneiden, und er ist vor allem eines: Er ist realitätsbezogen und umsetzungsnahe. – Danke vielmals. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Pfeifer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Manuel Pfeifer

Geschätzter Herr Präsident! Werter Herr Bundesminister! Vor allem: Geschätzte Österreicher! Herr Bundesminister, Sie tragen Verantwortung für zentrale Zukunftsbereiche unseres Landes: Mobilität, Innovation und Infrastruktur. Der ÖBB-Rahmenplan 2025 bis 2030, den Sie uns vorgelegt haben, ist ein wichtiges Dokument, doch leider enthält er viele Punkte, die aus Sicht der Regionen, insbesondere der Steiermark, Anlass zu großer Sorge geben, denn dieser Plan bringt weniger Aufbruch als erhofft und mehr Verzögerungen als erwartet. Dabei wissen wir: Die Bahninfrastruktur ist ein Rückgrat unserer Regionen. Sie schafft Arbeitsplätze, verbindet Menschen, stärkt Tourismus und Wirtschaft, fördert den Modal Split. Gerade deshalb braucht es hier ein klares Bekenntnis zum Ausbau und keinen schleichenden Rückzug. Lassen Sie mich ein paar konkrete Beispiele nennen: Die Elektrifizierung der Radkersburger Bahn nicht wie ursprünglich geplant 2031, sondern nun erst 2036 bedeutet fünf Jahre längeres Warten für die Region. Auch bei der Elektrifizierung der steirischen Westbahn, GKB, gibt es eine Verschiebung um ganze fünf Jahre, und das in einer Zeit, in der wir doch beim Klimaschutz vorankommen wollen. Der zweigleisige Ausbau Werndorf–Spielfeld-Straß, ein lang gefordertes Projekt von Wirtschaft, Bevölkerung und Gemeinden, verzögert sich leider erneut. Und zusätzlich steht nun die Thermenbahn zur Diskussion, sie wird evaluiert. Diese Bahnlinie ist aber für viele Menschen im Südosten der Steiermark unverzichtbar. Sie verbindet Städte wie Hartberg und Fürstenfeld mit Wien effizient, nachhaltig und schnell. Sie zu hinterfragen, sendet ein problematisches Signal an die Region, daher appelliere ich nicht nur an Sie, Herr Minister, sondern an die steirischen Abgeordneten der Regierungspartei hier im Hohen Haus: Wollen Sie wirklich Maßnahmen mittragen, die im direkten Widerspruch zu einem einstimmigen Entschließungsantrag des Steirischen Landtages stehen? Dieser Antrag wurde von allen Parteien gemeinsam eingebracht; das zeigt den breiten Konsens in unserem Bundesland. Die genannten Bahnprojekte sind keine Wunschliste, sie sind Notwendigkeiten. Meine Damen und Herren! Wer über Klimaschutz spricht, muss auch bereit sein, in klimafreundliche Mobilität zu investieren. Wer Innovation betont, darf wichtige Infrastrukturprojekte nicht aufschieben. Wer den ländlichen Raum stärken will, muss ihn auch anbinden und nicht abhängen. Herr Minister, ich bitte Sie, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen. Lassen Sie uns die Zukunft der Bahn aktiv gestalten: als Motor für Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und regionale Lebensqualität. Die Steiermark steht bereit, ich hoffe, der Bund auch. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Oberhofer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Vielen herzlichen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Hoher österreichischer Nationalrat! Ein guter Tag für die Schiene, ein guter Tag für die Pendlerinnen und Pendler, für die Schülerinnen und Schüler, für die Student:innen, ein guter Tag aber auch für den Tourismus, für die Freizeitwirtschaft, für die Wirtschaft in Österreich. Wir hier im Hohen Haus beschließen heute 20 Milliarden Euro, die wir auf die Schiene bringen. Auf die Schiene heißt nicht nur, wie es der Titel – ÖBB-Rahmenplan – eigentlich impliziert, ÖBB, nein, davon profitieren am Ende des Tages ganz, ganz viele Unternehmen, die tagtäglich auf der Schiene arbeiten, so auch die Westbahn. Diese 20 Milliarden Euro bedeuten für die Österreicherinnen und Österreicher 330 neue Züge auf der Schiene, 18 neue Bahnhöfe bei uns in Österreich. Darauf dürfen wir alle stolz sein! Ich sehe das wirklich auch als sehr, sehr positiv, dass wir im Verkehrsausschuss mit den Freiheitlichen, mit der Österreichischen Volkspartei, mit den Grünen und auch mit den Sozialdemokraten gemeinsam an diesen Projekten arbeiten. Unser Minister hat wirklich einen großartigen Job gemacht, denn in diesen budgetär schwierigen Zeiten 20 Milliarden Euro in die Schiene zu investieren, das ist mutig, und es war sicherlich nicht ganz einfach, das mit dem Herrn Finanzminister auszuverhandeln. – Vielen herzlichen Dank dafür. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Jetzt darf ich als ehemaliger Regionalpolitiker – und ich darf ja noch Landessprecher meiner Partei in Tirol sein , da gehen mein Herz und mein Patriotismus natürlich ab und zu über, auch jetzt ( Heiterkeit bei Abgeordneten der NEOS ) – das Thema Regionalbahnen ansprechen. Es tut mir wirklich leid, wenn ich das ganz klar sagen muss: Es kann ja nicht sein, dass einzelne Bundesländer mit Anträgen hier bei uns im österreichischen Nationalrat stehen und sagen: So, jetzt muss der Bund unsere Regionalbahnen finanzieren! Ja, wir in Tirol finanzieren uns unsere Zillertalbahn, unsere Stubaitalbahn, die Aachenseebahn und viele andere Strecken auch selber …

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Aber keine Regionalzüge, deshalb ...!

NEOS Dominik Oberhofer

… sehr geehrte Frau Ministerin a. D. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, wenn wir darüber diskutieren. Ich weiß schon, dass Sie das jetzt nicht gerne hören, Frau Ministerin a. D., das hören Sie nicht gern ( Ruf bei den Grünen: ... deine eigenen Fraktionskollegen ...! ), aber es ist eine Tatsache – und das sage ich Ihnen als Tiroler einmal ganz klar ins Gesicht –, dass in den letzten Jahren Wien und der Großraum Wien infrastrukturell ausgehungert worden sind , das ist Faktum. Es ist wirklich so, dass die Landeskaiser sich alles wünschen konnten, mit dem Rahmenplan, dem Zielplan …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Na, eben nicht, bei der Autobahn!

NEOS Dominik Oberhofer

… die Bestellungen abgegeben haben. Selbstkritisch sage ich: Ich war selbst im Landtag bei der einen oder anderen Bestellung dabei, wo ich mir keine Gedanken machen musste, wer denn das bezahlt, sondern das war ein Briefchen ans Christkindl – offensichtlich an Sie; zum Glück wurde nicht alles erfüllt. Wenn wir jetzt aber hergehen und den S-Bahn-Ring in Wien ausbauen, die S45, da in die Planung kommen, betrifft das 70 000 Pendler:innen tagtäglich; die Regionalbahnen, über die wir jetzt diskutieren , haben Passagierzahlen von teilweise unter 400 Passagieren am Tag. – Da müssen wir schon am Ende des Tages die Kirche im Dorf lassen und einfach sagen: Es gibt da eine klare Kompetenzverteilung: Manche Sachen sind Gemeindethemen, wie zum Beispiel der Stadtgemeinde Linz, manche Sachen sind Landesthemen, wie zum Beispiel des Bundeslandes Oberösterreich, was die Finanzierung und die Planung anbelangt, und viele Sachen sind im Bereich des Herrn Verkehrsministers und des Bundes, aber da muss es auch eine Gerechtigkeit geben. Dazu stehen wir NEOS. – Danke für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Klubobfrau Gewessler. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Frau Klubobfrau.

GRÜNE Leonore Gewessler

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Lieber Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir haben es schon gehört, es geht um die Bahn. Sie wissen, das ist eines meiner Herzensthemen auf ganz vielen Ebenen. Das Problem ist nur, dass wir heute leider keine positive Neuigkeit diskutieren, sondern wir diskutieren, dass das Kürzen der Bundesregierung eben auch die Bahn erreicht. Wir haben jetzt ein paar Reden gehört: Joachim Schnabel hat sich nach Kräften bemüht, das schönzureden, aber es bleibt halt leider das Kürzen bei der Bahn. Der Rahmenplan, den wir heute hier diskutieren, sieht 2,3 Milliarden Euro weniger bis 2030 vor, und darum geht es hier. Wir kürzen bei der Bahn …

ÖVP Schnabel (Zwischenruf)

Nein!

GRÜNE Leonore Gewessler

… und daran kann man leider nichts herumdeuteln. (👏) Lukas Hammer hat es gerade gesagt: Großprojekte verzögern sich, ein paar haben Sie ja vorhin selber schon aufgezählt, aber auch die Regionalbahnen sind in Gefahr. Wenn man da reinkürzt, wenn man diese Projekte absagt – und das muss man leider so deutlich sagen –, wären das einschneidende Verschlechterungen und Kürzungen auf dem Rücken der Menschen in diesem Land. Wen trifft das besonders hart? Das ist ja das, was mich verwundert! Dominik Oberhofer hat mich ja jetzt fast verwundert, denn als Tiroler Regionalabgeordneter im Tiroler Landtag hat er noch andere Anträge gestellt; anders als das, was er jetzt hier auf der Bühne sagt.

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Oi! – Abg. Oberhofer [NEOS]: Ich habe dazugelernt!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Wen trifft das besonders hart? – Die Menschen am Land! Die Menschen am Land! Also die ÖVP, die Bürgermeisterpartei, wie ihr euch immer selber nennt, kürzt bei den Menschen am Land …

ÖVP Schnabel (Zwischenruf)

Schauts einmal an, wie viel da investiert wird!

GRÜNE Leonore Gewessler

… in den Regionen, und ich halte das wirklich für verkehrt. (👏) Das ist leider ein Muster, das wir auch schon beim Budget gesehen haben: Wen trifft die Streichung des Klimabonus besonders hart? – Die Familie in der Region, ihr fehlt jetzt nämlich der Tausender im Geldbörsl. Diese Familien zahlen am meisten drauf, ihnen wird der Klimabonus weggenommen. Mit dem neuen Rahmenplan nimmt man der Familie im Waldviertel oder im Linzer Umland oder in der Oststeiermark aber nicht nur den Klimabonus weg, sondern auch noch die Regionalbahn dazu.

ÖVP Stark (Zwischenruf)

Die Thermenbahn ...!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Das wichtige Wort in diesem Zusammenhang ist: will. Die Bundesregierung kommt mit dem neuen Rahmenplan und will ihnen die Bahn zusperren; sie muss nicht, sie will. Das ist nämlich eine ganz bewusste Entscheidung von Schwarz-Rot-Pink, dass für die Regionalbahnen in diesem Rahmenplan nicht mehr genug Geld da ist. An die Frächter aus Italien aber – da wäre ein Einsatz von Dominik Oberhofer gefragt –, die über den Brenner donnern, gehen Milliarden. Für die Regionalbahnen gibt es nichts, aber die italienischen Frächter, die über den Brenner fahren, subventioniert ihr weiter. Was steht auf dem Spiel? – Die Almtalbahn, die vielen Pendlerinnen und Pendlern im Raum Linz und Wels eine wichtige Versorgungsader ist und die Erholungsgebiete erschließt; die Mühlkreisbahn, die das westliche Mühlviertel mit Linz verbindet und durch stark wachsende Regionen führt – gerade die SPÖ müsste das wissen; Alois Stöger, der große Kämpfer für die Mühlkreisbahn, fehlt an dieser Stelle hier im Parlament; wäre er hier, würde das da nicht so stehen –; die Hausruckbahn, eine ganz wichtige Zubringerstrecke für die Westbahn; die Thermenbahn – als Oststeirerin –: Das ist ein wirkliches Drama, wenn die jetzt tatsächlich gestrichen wird.

ÖVP Stark (Zwischenruf)

Die war schon bei dir, die Thermenbahn! – Abg. Moitzi [SPÖ]: ... das gibt es ja nicht, wenn es so wichtig war! ... ausbauen können!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Wen trifft es: Die Menschen dort vor Ort; die Alleinerzieherin, die eh schon keine Zeit mehr hat, die dann länger in die Arbeit braucht; die Schülerinnen und Schüler, die noch früher aufstehen müssen, damit sie in die Schule kommen; und die vielen Menschen, die in den vergangenen Jahren auf die Regionalbahnen umgestiegen sind, weil wir das Angebot verbessert haben. Die lassen Sie jetzt mit diesem Plan wieder im Stich. (👏) Sozusagen frei nach Marie-Antoinette – oder eigentlich zitiere ich da wieder Dominik Oberhofer , der kriegt heute viel Aufmerksamkeit von mir –: Na, dann sollen die Leute halt mit dem Bus fahren, wenn sie keine Bahn mehr haben! – Die Vergangenheit lehrt uns: Wenn man die Regionalbahn streicht und auf den Bus umsteigt, dann sinken die Fahrgastzahlen um bis zu 50 Prozent – dann sind die Fahrgastzahlen um bis zu 50 Prozent gesunken! Aus diesen Fehlern der Vergangenheit müssen wir lernen. Wir dürfen sie nicht mit Anlauf wieder wiederholen. (👏) Wir Grüne haben in den letzten fünf Jahren gemeinsam in der Regierung dafür gesorgt, dass der ÖBB-Rahmenplan mit dem notwendigen Geld – ja, mit dem notwendigen Geld! – ausgestattet wird. Wir haben damit den Menschen in den ländlichen Regionen die Sicherheit gegeben, dass sie besser ans Schienennetz angeschlossen werden. Wir haben in den letzten fünf Jahren dafür gesorgt, dass keine Regionalbahn mehr stillgelegt wurde, nach vielen, vielen Jahren, in denen man dort reingeholzt hat.

ÖVP Stark (Zwischenruf)

Die Thermenbahn war bei dir schon da!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Wenn die Bundesregierung genau dort wieder reinfährt, dann macht sie dieses Aufgebaute, dann macht sie genau das, woran wir die letzten Jahre gearbeitet haben …

ÖVP Schnabel (Zwischenruf)

Anscheinend nicht, sonst wäre es schon gebaut!

GRÜNE Leonore Gewessler

… wieder kaputt. Ich halte das wirklich für keine gute Verwendung, weder von Planungsressourcen noch von investiertem Steuergeld, das bislang schon reingegangen ist. Ich kann allen nur versichern: Wir Grüne, wir halten zu den Menschen, auch in den Regionen. Wir werden nicht stillhalten, sondern weiter dafür kämpfen, dass die Regionalbahnen in diesem Land eine gute Zukunft haben. – Danke. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Erasim. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Frau Abgeordnete Gewessler, ich kann Ihnen versichern, wir lassen nicht nur die breiten Schultern für das Budgetdesaster, das Sie uns hinterlassen haben, zahlen, auch die breiten Reifen zahlen mit der Erhöhung der Maut mehr, also verzapfen Sie hier bitte keine Unwahrheiten! (👏 SPÖ, NEOS) Zu Beginn meiner Rede zum ÖBB-Rahmenplan möchte ich ein von Herzen kommendes Dankeschön an all jene richten, die ihre Kompetenz, ihr Fachwissen und ihr Engagement in die Erstellung dieses Rahmenplans gelegt haben, denn damit wird gewährleistet, dass bis zum Jahr 2030 Planungssicherheit für die Bahn, für die Regionen und vor allem für die Fahrgäste herrscht. Mit diesem Rahmenplan wird auch sehr klar zum Ausdruck gebracht, von welcher Investitionslokomotive Sie, Herr Bundesminister, der Triebfahrzeugführer sind. Herr Bundesminister, ich habe Ihnen im Ausschuss sehr gut zugehört und sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass Sie einen gezielten Fokus darauf legen werden, das Erlebnis für Kundinnen und Kunden nachhaltig zu verbessern. (👏 SPÖ) Wenn es gelingt, die durchschnittlich 3,2 Milliarden Euro pro Jahr, die wir budgetiert haben, auch wirklich auf die Schiene zu bringen, dann bedeutet das die größte Investitionsoffensive aller Zeiten im Mobilitätsbereich. (👏 SPÖ) Die Grünen beschweren sich hier und prognostizieren den Untergang des Mobilitätsabendlandes. Diese Plenarwoche haben wir überhaupt in allen Bereichen gehört, welche Themen nicht alle ganz, ganz dringend umgesetzt gehören …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Bist du schon mal mit dem Bus gefahren statt mit der Bahn?

SPÖ Melanie Erasim

… von denen wir die letzten fünf Jahre nur sehr wenig gehört haben.

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Ich empfehle dir den Bus, mit dem ganzen Verkehr! Viel Spaß dabei!

SPÖ Melanie Erasim

… Ich kann Ihnen versichern, das komplette Gegenteil ist der Fall. Eines muss ich schon sagen: Wir können wirklich stolz darauf sein, unter dem bestehenden Budgetdruck solch ein Ergebnis zu liefern. Ich verstehe aber auch alle, die verärgert sind, wenn etwas nach hinten verschoben wird. Der Herr Bundesminister spürt auch sehr regelmäßig den Druck, wenn ich – als Weinviertler Abgeordnete – sage, da müssen wir ganz großes Augenmerk darauf legen, dass diese Projekte dann auch wirklich umgesetzt werden.

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Ein Bus wäre auch geschickt!

SPÖ Melanie Erasim

… Wenn hier seitens der Grünen ständig versucht wird, Straße und Schiene gegeneinander auszuspielen, sei euch eines ins Stammbuch geschrieben: Nur dann, wenn man Mobilität gesamtheitlich denkt, funktioniert sie auch. – All jenen kann ich versichern , dass es in dieser Regierungsperiode die klare politische Entscheidung gibt …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Welche Autobahn dreht ihr ab?

SPÖ Melanie Erasim

… Mobilitätsplayer nicht gegeneinander auszuspielen.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

SPÖ-Diesel!

SPÖ Melanie Erasim

… Ganz im Gegenteil, das Motto lautet Kooperation statt Konkurrenz.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ihr seid ganz Kärnten in den Rücken gefallen durch die Verschiebung der Gütertrasse Wörthersee!

SPÖ Melanie Erasim

… Mit der Gewichtung 1,7 Milliarden Euro für die Straße und 3,2 Milliarden Euro für die Schiene gehen wir auch den richtigen Weg in Richtung Klimaneutralität. Abschließend möchte ich allen Kolleginnen und Kollegen von den ÖBB, die tagtäglich im Einsatz sind, damit Sie, geschätzte Damen und Herren, so oft wie möglich pünktlich, sicher und in sauberen Zügen an Ihr Ziel kommen, ein von Herzen kommendes Dankeschön sagen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächster Redner zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schiefer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Arnold Schiefer

Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Grundsätzlich vorweg: Der Rahmenplan ist ein ausgezeichnetes Instrument. Andere Staaten beneiden uns um dieses Instrument. Wir schaffen es so, dass wir den Baufortschritt bei großen Infrastrukturvorhaben sicherstellen, auch wenn es einen Wahltermin oder eine längere Regierungsbildung gibt. Beispiel: Die Deutschen haben jetzt noch nicht einmal ein Budget, mit dem sie dann ihr Konjunkturpaket starten wollen – darum komme ich auch ein bisschen für den Hintergrund dazu. Wir alle schauen in die Bundesrepublik hinüber, denn wir wissen, es werden 500 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Aber es muss ein Projekt geplant sein, es muss ein Projekt genehmigt werden, es muss ein Projekt ausgeschrieben werden und dann muss es gebaut werden. Darum erwarte ich mir die nächsten zwei bis drei Jahre relativ wenig an konjunkturüberschwappenden Impulsen für Österreich. Darum ist unser Programm zum Ausbau der Schiene umso wichtiger. Wir sind der Meinung – und haben das auch kommuniziert –, dass ein bisschen Verschiebungen und Glättungen durchaus okay sind, nicht zuletzt, weil man es auch nicht umsetzen konnte. Wir stehen auch zu dieser Position, Kollege Moitzi, und zwar die gesamte Fraktion. Aber es gibt einen Punkt drinnen, der uns ein bisschen kritisch macht, und das ist die unglückliche Diskussion um die Nebenbahnen. Wir sagen, sie ist auch ein bisschen zum falschen Zeitpunkt gewesen, wir wissen aber, es hat bereits Gespräche gegeben. Kollegin Gewessler, wir werden also auch für die Nebenbahnen kämpfen, auch für die Almtalbahn – dort bin ich Anrainer –, keine Frage. Wir setzen aber im Moment nicht auf Kampf, sondern auf Dialog. Wir werden mit dem Herrn Bundesminister und mit den Landesräten entsprechende Gespräche führen, weil wir glauben, dass das zielführender sein wird. Ich befürchte – und das gebe ich Ihnen bitte noch vor der Sommerpause mit; ich weiß, jetzt sind alle ein bisschen erschöpft, es ist Sommer, man hat ein Budget gemacht, man hat eine Menge Anträge beschlossen und vieles auf den Weg gebracht –, im Herbst wird man massiv nachschärfen müssen. Wenn man sich den jetzigen Budgetvollzug anschaut, sieht man, dass wir auf einem schlechteren Kurs sind als letztes Jahr. Wir haben bereits im Mai wieder 10 Milliarden Euro neue Schulden aufgerissen. Es wird im Herbst sicherlich einiges brauchen, um da auch konjunkturelle Impulse zu setzen. Mit konjunkturellen Impulsen meine ich, dass es darum geht, dass die ÖBB, die Asfinag, aber auch die Bundesimmobiliengesellschaft, die BIG, angehalten werden, dass sie verstärkt in kleinere Bauvorhaben gehen – Sanierungen, Fotovoltaikanlagen, alles das, was Beschäftigung in den Gemeinden schafft. Man wird auch den Gemeinden ein bisschen unter die Arme greifen müssen, damit sie da kofinanzieren können, weil diese Beschäftigung in der Fläche momentan völlig zusammenbricht.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Völlig richtig!

FPÖ Arnold Schiefer

… Wir werden bis Ende dieses Jahres weitere Pleitewellen erleben – Bauträger, Baunebengewerbe et cetera –, wenn wir da keine Impulse setzen. Ich habe das Kollegen Marterbauer auch schon im Ausschuss gesagt, dass dementsprechend etwas gesetzt werden muss. Wenn Sie jetzt natürlich sagen: Da kann man sich als Opposition leicht rausstellen und Impulsprogramme fordern, wenn gerade dieser schwarz-grüne Scherbenhaufen zum Wegräumen ist!, und fragen, wie das gehen könnte, möchte ich hier auch einen Lösungsvorschlag bringen: Erstens: die Stimulierung der privaten Investitionen. Noch einmal: Investitionsfreibeträge, vorzeitige Abschreibungen, da kann man im Herbst etwas machen, das rechnet sich über die Periode selbst. Weiters könnte man natürlich diese Investitionen bei der Bundesimmobiliengesellschaft, bei der Asfinag et cetera ein bisschen umgruppieren und vielleicht auch noch das eine oder andere ein bisschen glätten und verschieben. Ich sage Ihnen dazu, warum ich da so locker drübergehe: Wir diskutieren hier virtuell. Was 2028 wirklich im Vollzug bei diesen Baumaßnahmen ausgegeben sein wird, wird etwas ganz anderes sein, als jetzt in dem Plan drinnen steht. Darum braucht man sich darum nicht so genau zu kümmern. 100 Millionen Euro auf oder ab 2028, die könnte man jetzt schon umschichten, weil es vollkommen egal sein wird. Das ist virtuelles Geld.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Ist nicht virtuell!

FPÖ Arnold Schiefer

… Das dritte Thema und ganz wichtig ist hier - - …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Am Ende ist es echt!

FPÖ Arnold Schiefer

… Für mich ist das jetzt noch virtuell, was 2028 ausgegeben wird.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Ja, aber am Ende ist es schon echt! – Zwischenruf des Abg. Schnabel [ÖVP].

FPÖ Arnold Schiefer

… Das dritte Thema sind natürlich – und genauso virtuell bitte – die aktuell geplanten Ausgaben im Verteidigungsbudget. Auch da könnte man jetzt 100 Millionen Euro, 150 Millionen Euro runternehmen und damit die Wirtschaft stimulieren. Das werden wir brauchen, denn ansonsten werden zwar die Steuereinnahmen – aus der Mehrwertsteuer et cetera – aufgrund der Inflation steigen, aber die Inflation wird das auffressen – die ist der Treiber dahinter –, und die Ausgaben fürs Sozialbudget, vor allem für die Arbeitslosigkeit, werden das wieder konsumieren. Darum unser Wunsch: Nachdem jetzt schon das EU-Defizitverfahren in Kauf genommen worden ist, könnte man hier durchaus noch umgruppieren und darauf achten, dass regionale Baumaßnahmen stattfinden, weil uns andernfalls im Herbst eine große Pleitewelle folgen wird und wir auch die Budgetziele sowieso nicht erreichen werden, weil dann einfach Konkurse stattfinden. Einen kleinen Wunsch noch vor dem Sommer, nachdem ich jetzt drei Tage wirklich brav zugehört habe ( Ruf bei der ÖVP: Brav! ): Es ist richtig, dass die FPÖ oft pointiert formuliert, manchmal ein bisschen hart formuliert, das ist aber auch die Aufgabe der Opposition. Jetzt kann man darüber diskutieren, ob man manchmal übers Ziel hinausschießt …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Arnold, du bist ja eine Ausnahme! – Abg. Kogler [Grüne]: Eine Leuchte unter den ...!

FPÖ Arnold Schiefer

… aber wenn jetzt immer wieder eingefordert wird, dass wir uns ein bisschen mäßigen sollen, muss ich sagen: In den letzten drei Tagen habe ich hier von den Regierungsparteien Ausführungen gehört, da war einiges dabei! Wenn man da jetzt etwas herausnimmt, zum Beispiel das Thema Mikroplastik im Hirn und so, das waren Themen, wo ich sage, die weisen unmittelbar auf Demenz hin. – Bitte nachdenken! Wenn alle bei den Worten ein bisschen abrüsten, dann könnten wir vielleicht im Herbst auch gemeinsame Beschlüsse fassen …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Mit den eigenen Kollegen schon geredet?!

FPÖ Arnold Schiefer

… und vielleicht wäre dann auch ein Beschluss beim Energiegesetz oder Ähnliches möglich. Darum wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer – alle ein bisschen zurückgehen, entspannen, vielleicht das eine oder andere Glas Wein miteinander trinken, vielleicht auch mit Kollegen von einer anderen Fraktion, und im Herbst mit neuer Kraft in die neue Saison. – Danke schön. (👏 FPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Jetzt hat der Herr Bundesminister um das Wort gebeten. – Herr Bundesminister Hanke, ich darf es Ihnen erteilen. Bitte schön.

ÖVP Lukas Brandweiner

Danke schön, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Zunächst darf ich mich sehr herzlich bei Ihnen bedanken, Herr Minister. Sie haben gleich agil losgelegt und haben auch in den Ausschüssen immer ein offenes Ohr für uns gehabt. Sie präsentieren heute wirklich einen großartigen Rahmenplan: immerhin 20 Milliarden Euro in den nächsten Jahren, meine Vorredner haben es angesprochen. Es wird eine Herausforderung, das alles auf den Boden zu bringen. Es freut mich, dass wir hier im Haus auch eine so große Einigkeit haben. Von links bis rechts sind alle dabei, jeder betont, wie wichtig öffentlicher Verkehr ist und dass wir in die Schiene investieren müssen. Das finde ich großartig. Natürlich ist es Teilen der Opposition ein bisschen zu wenig oder geht es zu wenig schnell, das ist auch in Ordnung. Aber, geschätzte Frau Kollegin Gewessler, Sie haben es selbst richtig gesagt: Vergleichen wir doch am Ende die Ist-ist-Zahlen, wie viel wirklich umgesetzt worden ist, wie viel wirklich investiert worden ist. Das, was mich eher ein bisschen verärgert, ist: Wir hätten vielleicht auch in die Straße mehr investieren müssen. Da wurde vieles blockiert, gerade wenn ich an die S 8 in meinem Heimatbundesland denke. Auch das wäre für die Region so wichtig gewesen, um wirklich auch - - …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Bundesverwaltungsgericht! Das hat nichts mit mir zu tun!

ÖVP Lukas Brandweiner

… Nein, das hat schon auch ein bisschen etwas damit zu tun, Frau Gewessler, denn wir könnten schon lange den Baubeginn gehabt haben, und es wäre eine wahnsinnige Entlastung für die Bevölkerung im Marchfeld, aber gut.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Gerichtlich zurückverwiesen! Nicht genehmigungsfähig!

ÖVP Lukas Brandweiner

… Frau Gewessler, Sie können sich gerne noch einmal zu Wort melden. Wie gesagt, ich habe da wirklich Investitionen vermisst. Allein, wenn ich mir die aktuellen Zahlen anschaue: 60 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge haben einen alternativen Antrieb. Dürfen die nicht auf einer Straße fahren, Frau Kollegin? Was tun wir denn dann in ein paar Jahren? Ich glaube daher, wir müssen auch in die Straße investieren und nicht nur in die Schiene. (👏 ÖVP) Sie verzeihen den kurzen Exkurs. Wir sind gerade bei den Investitionen in die Schiene. Als Waldviertler freut es mich natürlich auch, dass in die Franz-Josefs-Bahn weiter investiert wird, bis 2028 Modernisierung, selektiv zweigleisiger Ausbau. Das ist wichtig für eine schnellere Fahrt und vor allem auch für bessere Taktungen. Auch die Kamptalbahn soll modernisiert werden. Bahnhöfe sind dabei im Paket. Es tut sich einiges, dafür möchte ich auch wirklich Danke sagen. Nur eines darf ich noch mitgeben – wir haben persönlich schon darüber gesprochen –: Sicherheit ist ein wichtiges Thema bei der Schiene, aber gerade die Eisenbahnkreuzungsverordnung ist eine enorme Herausforderung für unsere Gemeinden, gerade auch im Waldviertel und eigentlich in ganz Österreich, denn es gibt viele Gemeinden, die da wirklich viel Geld in die Hand nehmen müssen, Geld, das gerade nicht da ist. Betreffend Eisenbahnkreuzungen, an denen nicht viel gefahren wird, ist das wirklich schwierig und stößt teilweise auf Unverständnis. Es ist ja nicht nur die Errichtung, auch die laufenden Kosten sind wirklich eine enorme Herausforderung für unsere Gemeinden. Ich bitte, dass man sich das wirklich gemeinsam noch einmal anschaut. Vielleicht gibt es auch günstigere Lösungen, aber daran müssen wir auf jeden Fall in den nächsten Jahren arbeiten. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächster Redner zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schroll. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Alois Schroll

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuhörerinnen und Zuhörer! Österreich – das darf ich zu Beginn meiner Rede hier sagen – ist und bleibt nach wie vor ein Vorzeigeland, was den öffentlichen Verkehr, ganz besonders aber auch das Bahnnetz und den Bahnausbau betrifft. Die Österreicherinnen und Österreicher sind regelmäßig auf den ersten Plätzen, was die gefahrenen Kilometer und auch die Zufriedenheit mit dem österreichischen Bahnnetz und dem Angebot dazu betrifft. Damit diese Qualität auch weiterhin aufrechterhalten werden kann, müssen wir natürlich investieren, und auch wenn die Republik sparen muss – man kann es wirklich nicht oft genug sagen: nicht weil wir es wollen, sondern weil wir müssen –, wird der Ausbau des öffentlichen Verkehrs weiterhin vorangetrieben. (👏 ÖVP, SPÖ) Geschätzter Herr Bundesminister, du hast es angesprochen: Ein Rekordbudget steht dafür zur Verfügung. Der neue Rahmenplan der ÖBB sieht ein Investitionsvolumen von knapp 20 Milliarden Euro vor, über 3,2 Milliarden Euro pro Jahr – das haben wir schon gehört. Diese Summe wird nicht nur in die Instandhaltung investiert, sondern auch in neue Angebote für die Bevölkerung. Ich denke da etwa an die große Offensive der ÖBB bezüglich neuer Züge. So gibt es neue Garnituren für Regionalverbindungen, aber etwa auch nagelneue Railjet-Garnituren, die ja erst kürzlich vorgestellt wurden und bereits im Anrollen sind. Wir sehen also, die Bundesregierung steht voll und ganz zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs und zur Instandhaltung des Verkehrsnetzes in unserem Land. Weil vonseiten der FPÖ, aber auch von den Grünen hier immer wieder die Kritik kommt, wir würden in diesem Bereich so viel einsparen: Sowohl der Rahmenplan unter dem blauen Minister Hofer als auch der Rahmenplan unter der grünen Frau Ministerin Leonore Gewessler war deutlich niedriger. Er umfasst jetzt, liebe Leonore, um 21,5 Prozent mehr als der letzte Rahmenplan – das ist eine Tatsache.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Nein, nein! Das stimmt nicht!

SPÖ Alois Schroll

… Daher möchte ich auch dir, lieber Herr Bundesminister, deinem Team und auch den ÖBB sehr herzlich danken, ich möchte euch für die offene Kommunikation in den letzten Wochen und Monaten danken. Warum sage ich das? – Natürlich macht der Sparzwang auch vor den ÖBB nicht halt, und es muss natürlich auch angesprochen werden: Projekte werden nicht gestrichen, sondern zeitlich etwas nach hinten verlegt, wie ich schon erwähnt habe, weil Österreich sparen muss. Ich werde jedenfalls auch in Zukunft darauf achten, dass die Versprechungen, gerade was die Regionalbahnen betrifft – wie in meinem Fall die Elektrifizierung der Erlauftalbahn –, aber auch den Ausbau der Barrierefreiheit von Bahnhöfen auf der Westbahn, eingehalten werden. Da haben wir aber bereits sehr gute Gespräche geführt, und dafür möchte ich auch danken. Zum Schluss möchte ich sagen, wenn ich in den Sektor der FPÖ schaue: Es hat mich jetzt bei Kollegen Manuel Pfeifer gefreut, dass es bei euch im Sektor der FPÖ nicht nur Verschwörungstheoretiker gibt. Kollege Pfeifer hat sich im Zusammenhang mit der Elektrifizierung auch Sorgen wegen des CO₂-Ausstoßes und wegen des Klimawandels gemacht – ein sehr guter Ansatz, weiter so, geschätzte Damen und Herren! (👏 SPÖ, FPÖ) So werden wir den Rahmenplan umsetzen, und so werden wir den Klimaschutz in Österreich vorantreiben. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Servus. – Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten für Sie. Bitte schön, Herr Abgeordneter.

ÖVP Harald Servus

Danke schön. – Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Mein kleiner dreijähriger Jakob hat mir heute seine Lieblingslokomotive ( eine Spielzeuglokomotive mit der Figur Opa Wutz darauf in die Höhe haltend ) mitgegeben. Wer nicht so ganz im Thema drin ist: Das sind Opa Wutz und seine Gertrud. Meine Damen und Herren, beginnen wir mit ein bisschen Geschichte: Man kann sagen, dass Österreich auf eine 200-jährige erfolgreiche Eisenbahngeschichte zurückblickt, denn im Juli 1825, also vor ziemlich genau 200 Jahren, startete der Bau der Pferdeeisenbahn Linz–Budweis. Seitdem haben zahllose österreichische Techniker, Ingenieure, Architekten bei diesem Verkehrsmittel Großartiges geleistet. Ich denke da als Niederösterreicher natürlich zum Beispiel an die Semmeringbahn von Carl Ritter von Ghega, die ab 1842 als erste Gebirgsbahn der Welt errichtet wurde und heute verdientermaßen Unesco-Weltkulturerbe ist. Meine Damen und Herren, wir können heute auf einem großartigen historischen Erbe aufbauen, und wir tun das in großem Verantwortungsbewusstsein gegenüber unseren natürlichen und auch finanziellen Ressourcen. Wir agieren vorausschauend und planen langfristig bis 2030 und auch darüber hinaus. Wir haben dabei die großen Verkehrsachsen, die es eigentlich schon seit dem Mittelalter gibt, im Auge: die Nord-Süd-Verbindungen Brenner, Tauern, Semmering. Wir knüpfen da mit den großen Bauvorhaben an, vor allem mit den großen Tunnelbauten. Wir werden in den nächsten Jahren die Reise- und Transportgeschwindigkeit erheblich verbessern. Zusätzlich geht es um Lückenschlüsse, aber – das sage ich auch sehr deutlich – uns sind auch die Regionalbahnen sehr wichtig. Der Rahmenplan ist zweifellos ambitioniert. Meine Damen und Herren, wir können auf vieles in dieser Republik stolz sein, auch wenn uns manche Parteien immer etwas anderes einzureden versuchen. Besonders stolz können wir, Herr Bundesminister, auf unser Eisenbahnwesen sein. Wir sind innerhalb der EU Europameister, wir investieren pro Kopf am meisten in die Bahn, fast dreimal so viel wie unsere deutschen Nachbarn. Ich denke, das verdient einen Applaus. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir können auf noch etwas stolz sein: dass unsere Schienenindustrie Weltruhm genießt. Beim Export von Schienenfahrzeugen nimmt Österreich weltweit nach Deutschland, China und den USA den vierten Platz ein. Der Marktanteil unserer Produkte – made in Austria – am Welthandel liegt bei über 8 Prozent. Ich denke, das ist eine stolze Leistung für so ein kleines Land. (👏 ÖVP, SPÖ) Zum Schluss ein paar beeindruckende Zahlen: Mit 34 000 Beschäftigten und einer Bruttowertschöpfung von 3 Milliarden Euro ist unsere Bahnindustrie ein echter Zukunftsmotor für Österreich. Meine Damen und Herren, seien wir gemeinsam stolz auf unsere Bahnindustrie und investieren wir weiter ( die Spielzeuglokomotive noch einmal in die Höhe haltend ) in die Zukunft! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Harrer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön, Herr Abgeordneter, Sie gelangen zu Wort.

Schifffahrtsgesetz und Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000

177 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 89 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Schifffahrtsgesetz und das UVP-G 2000 werden geändert, um EU-Vorgaben zur Beschleunigung und Straffung von Verfahren für TEN‑V-Projekte sowie zur Anpassung an Regeln für transeuropäische Energieinfrastruktur umzusetzen. Im Schifffahrtsrecht wird u.a. eine Kontrolldatenbank eingeführt und der Zugriff darauf bzw. auf Zulassungsverzeichnisse per Abänderungsantrag präzisiert (fokussiert auf Wasserstraßen und die dafür betrauten Organe).

Betroffen sind schifffahrtspolizeiliche Organe (insbesondere Wasserpolizei/Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes), Behörden der Schifffahrt sowie Projektwerber und Verfahren für Vorhaben von gemeinsamem Interesse im TEN‑V- und Energieinfrastrukturbereich (UVP).

Dokumente

Schifffahrtsgesetz und Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000

Gegenstand und Zielsetzung

  • Änderung des Schifffahrtsgesetzes (SchFG) und des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes 2000 (UVP-G 2000).
  • Umsetzung der Richtlinie (EU) 2021/1187 zur Straffung von Maßnahmen für eine raschere Verwirklichung des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V).
  • Ziel der Richtlinie (EU) 2021/1187: zeitlich abgestimmte und fristgerechte Fertigstellung des TEN‑V-Netzes durch harmonisierende Maßnahmen.

Inhalte der Änderungen im Schifffahrtsgesetz (Art. 1)

  • Schaffung einer Rechtsgrundlage zur Implementierung einer Kontrolldatenbank für schifffahrtspolizeiliche Organe, um Kontrollen effizienter und zielgerichteter zu machen und Verwaltungsvereinfachung zu erreichen.
  • Ausrichtung des SchFG im Sinne von Klimaschutz, Vorsorgeprinzip und Nachhaltigkeit.
  • Hervorhebung der Bedeutung von Landstromanlagen zur Vermeidung verkehrsbedingter Treibhausgasemissionen und zur Förderung klimagerechter Mobilität.
  • Präzisierungen, formale Änderungen und Klarstellungen im SchFG.
  • Vorgabe, dass von allen zuständigen Behörden ein Verzeichnis über die gewerbsmäßige Schifffahrt geführt wird.

Inhalte der Änderungen im UVP-G 2000 (Art. 2)

  • Umsetzung der Richtlinie (EU) 2021/1187 auch im Bereich der UVP-Verfahren.
  • Anpassung der Bestimmungen im 6. Abschnitt des UVP-G 2000 (Besondere Bestimmungen für Vorhaben von gemeinsamem Interesse).
  • Zweck der Anpassung: Umsetzung der Verordnung (EU) 2022/869 zu Leitlinien für die transeuropäische Energieinfrastruktur (inkl. der darin vorgesehenen Änderungen anderer EU-Rechtsakte und der Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 347/2013).

Kompetenzgrundlagen

  • Für Art. 1 (SchFG): Zuständigkeit des Bundes gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Z 9 sowie Art. 11 Abs. 1 Z 6 B‑VG.
  • Für Art. 2 (UVP-G 2000): Zuständigkeit des Bundes gestützt auf Art. 10 Abs. 1 Z 9 (Umweltverträglichkeitsprüfung für Bundesstraßen und Eisenbahn-Hochleistungsstrecken mit erheblichen Umweltauswirkungen) sowie Art. 11 Abs. 1 Z 7 B‑VG.

Inhalt des Abänderungsantrags (Präzisierungen zur Kontrolldatenbank und Einsichtsrechten)

  • Behebung eines Widerspruchs im geplanten § 4a zwischen Abs. 1 und Abs. 3: Abs. 3 beschränkt den Zugriff auf das Kontrollregister u.a. auf die gemäß § 38 Abs. 7 betrauten Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes (für Wasserstraßen), während Abs. 1 durch einen generellen Verweis auf die gemäß § 38 Abs. 2 definierten Organe der Schifffahrtspolizei irrtümlich auch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes auf sonstigen Gewässern erfasst hätte.
  • Klarstellung, dass die Kontrolldatenbank (zumindest vorerst) nur für den Bereich der Wasserstraßen eingeführt werden soll; daher Präzisierung von Abs. 1 durch Einschränkung des Verweises auf § 38 Abs. 2 Z 1.
  • Korrektur der Einsichtsrechte in das Verzeichnis der Zulassungsurkunden: Nach der Regierungsvorlage hätten nur jene Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes Einsicht erhalten, die gemäß § 38 Abs. 2 Z 2 auf sonstigen Gewässern schifffahrtspolizeiliche Aufgaben wahrnehmen, nicht aber jene, die gemäß § 38 Abs. 7 auf Wasserstraßen damit betraut sind.
  • Erweiterung des Verweises um § 38 Abs. 7, damit auch die auf Wasserstraßen betrauten Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes (insbesondere im Hinblick auf bereits bestehende Kontrollen von Kleinfahrzeugen auf der Donau) Einsicht in das Verzeichnis der Zulassungsurkunden erhalten.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltlich)

  • Der Ausschuss empfiehlt die verfassungsmäßige Zustimmung zum Gesetzentwurf in der Fassung unter Berücksichtigung des beschriebenen Abänderungsantrags.

Schifffahrtsgesetz und Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000

~7 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es geht um das Schifffahrtsgesetz und das Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz. Zuerst: Es freut mich, dass diese Novelle des Schifffahrtsgesetzes endlich umgesetzt wird. Dem sind Vorarbeiten unter ( in Richtung Bundesminister Hanke ) Ihrer Vorgängerin vorausgegangen, auch eine Begutachtung. Wichtig an dieser Novelle ist, dass die Errichtung von Landstromanlagen und von Hafenanlagen für emissionsfrei angetriebene Schiffe in die Regeln für Ausgestaltung, Betrieb und Benützung von Schifffahrtsanlagen aufgenommen werden. Das hört sich ein bisschen sperrig an. Warum ist das wichtig? – Insbesondere die Binnenschifffahrt an der Donau, aber auch Kreuzfahrtschiffe an der Donau sind wichtig, auch der Warentransport. Das Problem war nur in der Vergangenheit und ist es jetzt auch noch: Wenn diese Schiffe vor Anker liegen, zum Beispiel entlang der Donau, dann laufen die Dieselaggregate die ganze Nacht. Das ist eine unglaubliche Lärmbelästigung, auch eine Geruchsbelästigung, samt Schadstoffen. Dem wird nun Abhilfe geschaffen. Insgesamt ist das ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung. Deswegen werden wir dieser Novelle des Schifffahrtsgesetzes auch zustimmen. Womit wir ein bisschen Probleme haben, ist – das habe ich schon im Ausschuss erwähnt – die Novelle des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes. Dazu gibt es eine EU-Vorgabe. Da geht es vor allem darum, dass es eine Verfahrensbeschleunigung geben soll, nämlich dass unreife Genehmigungsanträge – also wenn Projekte zur Genehmigung bei der Behörde eingereicht werden – nach vier Monaten zurückgewiesen werden. Das ist wichtig und notwendig, weil sehr oft halbgare Anträge eingereicht werden, und dann gibt es so ein ewig langes Pingpongspiel von Antragstellern und Behörden. Das bindet sehr viele Ressourcen bei den Behörden und ist auch ein unglaublicher bürokratischer Aufwand. Ich glaube, dass diese Novelle dazu beitragen sollte, auch gemäß der EU-Vorgabe, dass das schneller zurückgewiesen wird, und vielleicht auch eine Motivation für Antragsteller ist, gleich vollständige Unterlagen einzureichen – schuld sind dann nämlich meistens NGOs, die die langen Verfahrensdauern beeinspruchen, aber in den meisten Fällen geht mehr als die Hälfte der Verfahrensdauer darauf zurück. Meiner Meinung nach ist das nicht ganz so gut umgesetzt. Ich habe das im Ausschuss schon erwähnt. Insbesondere in den Erläuterungen ist das ein bisschen verwaschen, was als unreifer Antrag zu verstehen ist, deswegen werden wir diesem Teil nicht zustimmen. – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schmuckenschlager. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte.

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Die europäischen Flüsse sind ja wichtige Wirtschaftsstraßen für den Frachtverkehr und, wie ich glaube, auch absolut notwendig. Daher wird auch Österreich im Rahmen der transeuropäischen Netze aufgefordert, rascher in den einzelnen Verfahren vorzugehen. Daher haben wir hier eine Änderung im Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz vorgenommen, um raschere Ergebnisse zu bekommen. Ich glaube, das ist notwendig, um den europäischen Forderungen nachzukommen, auf der anderen Seite aber auch Anlass, darüber nachzudenken – generell bei Verfahren im Zusammenhang mit Umweltverträglichkeitsprüfungen, auch was die Frage der Wirtschaftlichkeit betrifft –, wer am Ende des Tages wirklich aller als Beteiligter Parteienstellung haben sollte und wo wir vielleicht oftmals dann im Prozess einfach nur gehindert sind. Das heißt, diese Parteienstellung in diesen Verfahren ist ein ganz wesentlicher Punkt. Daher, glaube ich, ist es wichtig, auch in diesem Bereich Ordnung zu schaffen, ein bisschen Struktur hineinzubekommen und dem wesentlichen Ziel – mehr Fracht, mehr Verkehr auf den europäischen Flüssen, um vielleicht auch am Land zu entlasten – näher zu kommen. Der zweite Teil zum Schifffahrtsgesetz betrifft einerseits die Erarbeitung einer Kontrolldatenbank, um es unseren Kontrollstellen leichter zu ermöglichen, Daten von den verschiedensten Schiffen zu erfassen, wenn es um Havarien geht, wenn es um Themen der Überprüfung der einzelnen Schiffe geht et cetera, um sich da auch international austauschen zu können, da ja die Schiffe meistens im Laufe der Zeit verschiedenste Staatsgrenzen passieren. Daher ist es notwendig, da einen Austausch zu haben. Ein weiterer Punkt ist, die Landungsstellen und die Hafenanlagen hinsichtlich Strom zu ertüchtigen, wie es mein Vorredner Lukas Hammer auch erwähnt hat. Es ist absolut wichtig, dass nicht nächtelang irgendwo Dieselaggregate laufen müssen, sondern dass man das eben modern gestaltet. Das ist vor allem dort notwendig, wo sich Hafenanlagen in Stadtnähe oder in der Nähe von Ballungszentren befinden. Daher ist das absolut zu begrüßen. Ich glaube, es ist eine Notwendigkeit, dieses Gesetz heute zu beschließen. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Oberhofer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Hohes Haus! Also dass ich jemals in meinem Leben über Schifffahrt, und noch dazu über Donauschifffahrt, hier im Hohen Haus referieren darf, das hätte ich mir wirklich nicht gedacht.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wir uns auch nicht! Kannst ja am Ötztaler Gletscher ...!

NEOS Dominik Oberhofer

… Aber ich habe mich brav angestrengt und sehr gut eingearbeitet. Also ich wäre jetzt sogar fähig, der Freiheitlichen Partei Österreichs einen ganz interessanten Vortrag über die Umweltfreundlichkeit des Güterverkehrs an der Donau zu halten. Insgesamt haben wir ja in Europa 2 900 Kilometer Wasserstraße auf der Donau, transportieren jedes Jahr über 40 Millionen Tonnen durch zehn europäische Staaten. Nicht alle sind EU-Mitgliedstaaten, so leider noch nicht Moldau, die Ukraine und Serbien, aber alle anderen sieben sind Mitglied einer starken Europäischen Union. Deshalb verwundert es gar nicht, dass es ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich gegeben hat – wegen der Donauschifffahrt beziehungsweise wegen unserer behördlichen Vorschriften. Dieses Vertragsverletzungsverfahren wird jetzt im Prinzip vor einem Urteilsspruch gelöst. Das ist gut so, weil wir bei anderen Vertragsverletzungsverfahren ja immer einen ganz großen medialen Aufschrei und große Debatten haben. Das ist da eigentlich unter einer gewissen Flughöhe abgewickelt worden, ist aber sehr, sehr bedeutend. Ich finde es großartig, dass sich diese neue österreichische Bundesregierung dessen sehr schnell angenommen hat und dass der Herr Minister schnell einen Kompromiss und eine Lösung geliefert hat. In diesem Sinne: Vielen herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist noch Herr Abgeordneter Moitzi gemeldet. 3 Minuten. – Bitte.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Österreich, das klingt nach Bergen, Seen und Almen, aber vergessen wir nicht: Österreich ist auch ein Land der Flüsse, und auf diesen Flüssen fährt wahrscheinlich mehr, als wir alle miteinander glauben. Die Donau, unsere Lebensader, unsere Wasserstraße Nummer eins, aber auch viele andere Wasserstraßen sind nicht nur schön anzusehen, sondern sie sind Teil einer gigantischen Logistikinfrastruktur mit Binnenschiffen, die Güter, Container, aber oft auch Probleme transportieren. Ein Problem lösen wir heute, nämlich die Nichtumsetzung einer EU-Richtlinie über die Straffung von Maßnahmen zur rascheren Verwirklichung des transeuropäischen Verkehrsnetzes und damit jenes eines Vertragsverletzungsverfahrens. Konkret heißt das, dass wir das UVP-Verfahren und TEN-V-Projekte, etwa Logistikhäfen, Landstrominfrastruktur, schneller und verlässlicher genehmigen. Aber auch das Schifffahrtsgesetz wird novelliert. Wie meine Vorredner schon gesagt haben: Verpflichtende Landstromanlagen in Häfen klingt sperrig, sind in puncto Klimaschutz aber etwas sehr Wichtiges, damit Schiffe ihre Motoren stilllegen und emissionsfrei laden können. Es ist ein konkretes und wirksames Signal, dass wir Klimaschutz ernst nehmen. (👏 SPÖ) Wir führen auch die Kontrolldatenbank für die Schifffahrtspolizei ein: für weniger Doppelkontrollen, mehr Effizienz und gezielteres Vorgehen für die Behörden. Ich glaube, diese Novelle ist ein kleiner Baustein, damit auch in diesem Bereich die Segel in Richtung Klimaschutz und Zukunft gesetzt werden. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir gelangen zur Abstimmung über den Gesetzentwurf in 177 der Beilagen. Hierzu liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Mag. Lukas Hammer , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über den vom erwähnten Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teil und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 1 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mehrheitlich der Fall. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist ebenfalls mehrheitlich angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist mehrheitlich der Fall. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Güterbeförderungsgesetz 1995, Gelegenheitsverkehrs-Gesetz 1996 und Kraftfahrliniengesetz

178 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 90 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat beschließt Änderungen des Güterbeförderungsgesetzes 1995, des Gelegenheitsverkehrs-Gesetzes 1996 und des Kraftfahrliniengesetzes zur Umsetzung der EU-Verordnung 2020/1055 sowie für redaktionelle Anpassungen und Rechtsbereinigungen. Kernpunkte sind neue Meldepflichten (u.a. Kennzeichen von Mietfahrzeugen), die Erweiterung des Verkehrsunternehmensregisters (Kennzeichen, Beschäftigtenzahl, Risikoeinstufung) und neue Rechtsgrundlagen für Datenübermittlungen durch Sozialversicherungsträger und Versicherungsverband (VVO).

Betroffen sind insbesondere Güterkraftverkehrs- und Gelegenheitsverkehrsunternehmen (inkl. Kleintransporteure im grenzüberschreitenden Verkehr) sowie Betreiber von Kraftfahrlinien und die zuständigen Register- und Kontrollbehörden.

Dokumente

Güterbeförderungsgesetz 1995, Gelegenheitsverkehrs-Gesetz 1996 und Kraftfahrliniengesetz

Gegenstand und Ziel der Novelle

  • Änderung des Güterbeförderungsgesetzes 1995 (GütbefG), des Gelegenheitsverkehrs-Gesetzes 1996 (GelverkG) und des Kraftfahrliniengesetzes zur Anpassung an unionsrechtliche Vorgaben und zur Rechtsbereinigung.
  • Umsetzung der Verordnung (EU) 2020/1055 (Änderung u.a. der Verordnungen (EG) Nr. 1071/2009 und (EG) Nr. 1072/2009) im Hinblick auf Entwicklungen im Kraftverkehrssektor.
  • Redaktionelle Anpassungen aufgrund der Richtlinie (EU) 2022/2561 sowie Anpassungen im Zusammenhang mit der Verordnung (EG) Nr. 1071/2009 und sonstige Rechtsbereinigungen.

Unionsrechtlicher Hintergrund und zeitlicher Anwendungsrahmen

  • Mit Verordnung (EU) 2020/1055 wurden insbesondere die Regeln zur Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers (VO (EG) Nr. 1071/2009) und zum Zugang zum Markt des grenzüberschreitenden Güterkraftverkehrs (VO (EG) Nr. 1072/2009) geändert.
  • Die Änderungen gelten seit 21. Februar 2022; die Ausweitung des Anwendungsbereichs auf Unternehmen, die grenzüberschreitenden Güterkraftverkehr ausschließlich mit Fahrzeugen/Fahrzeugkombinationen mit zulässiger Gesamtmasse zwischen 2,5 und 3,5 t ausüben („Kleintransportgewerbe“), gilt seit 21. Mai 2022.
  • Kleintransporteure im grenzüberschreitenden Verkehr benötigen seit 21. Mai 2022 eine Konzession sowie eine Gemeinschaftslizenz und gegebenenfalls eine Fahrerbescheinigung.

Bereits erfolgte Voranpassung (BGBl. I Nr. 18/2022) und Abgrenzung zur nunmehrigen Novelle

  • In einem ersten Schritt wurden mit BGBl. I Nr. 18/2022 vorab erforderliche Bestimmungen im GütbefG an die Verordnung (EU) 2020/1055 angepasst.
  • Diese Voranpassung umfasste: Erweiterung des Geltungsbereichs und der Arten von Konzessionen; Ausnahmebestimmung zur fachlichen Eignung; Strafbestimmung für Versender, Spediteur, Auftragnehmer und Unterauftragnehmer; Übergangsbestimmung zu Konzessionen.
  • Die nunmehrige Novelle enthält die darüber hinaus erforderlichen Anpassungen in GütbefG und GelverkG sowie korrespondierende Anpassungen im Kraftfahrliniengesetz.

Wesentliche Änderungen im Güterbeförderungsgesetz 1995 und Gelegenheitsverkehrs-Gesetz 1996

  • Einführung/Präzisierung einer Meldepflicht der Unternehmer hinsichtlich der amtlichen Kennzeichen von Mietfahrzeugen.
  • Erweiterung des Verkehrsunternehmensregisters um zusätzliche Daten: amtliche Kennzeichen der Fahrzeuge, Anzahl der beschäftigten Personen sowie Risikoeinstufung.
  • Schaffung einer Rechtsgrundlage für die Bekanntgabe der Anzahl der beschäftigten Personen durch den Dachverband der Sozialversicherungsträger.
  • Schaffung einer Rechtsgrundlage für die Bekanntgabe der amtlichen Kennzeichen durch den Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO).
  • Aufschlüsselung/konkretisierte Ausgestaltung der Berichterstattung nach Artikel 26 der Verordnung (EG) Nr. 1071/2009 und Artikel 17 der Verordnung (EG) Nr. 1072/2009 im GütbefG.
  • Sonstige Rechtsbereinigungen.

Kraftfahrliniengesetz: Kompetenz- und Systematikrahmen

  • Das Kraftfahrlinienrecht ist dem Kompetenztatbestand des Art. 10 Abs. 1 Z 8 B-VG („Angelegenheiten des Gewerbes“) zugeordnet und in diesem Sinn „versteinert“: Erfasst sind jene Vorschriften, die nach der Systematik der einfachrechtlichen Gesetzgebung am 1. Oktober 1925 als gewerberechtliche Vorschriften galten.
  • Gleichzeitig gehört der Betrieb von Kraftfahrlinien nicht zu den Personenbeförderungsgewerben nach der Gewerbeordnung 1994, weil diese gemäß § 2 Abs. 1 Z 15 auf den Betrieb von Kraftfahrlinien nicht anzuwenden ist.

Wesentliche Änderungen im Kraftfahrliniengesetz

  • Umsetzung der Verordnung (EU) 2020/1055 (CELEX: 32020R1055).
  • Redaktionelle Anpassungen aufgrund der Richtlinie (EU) 2022/2561 (CELEX: 32022L2561).
  • Anpassungen betreffend die Verordnung (EG) Nr. 1071/2009 (CELEX: 32009R1071) sowie sonstige Rechtsbereinigungen.
  • Inhaltlich insbesondere: Meldepflicht der Unternehmer zu amtlichen Kennzeichen von Mietfahrzeugen; Erweiterung des Verkehrsunternehmensregisters um amtliche Kennzeichen, Anzahl der beschäftigten Personen und Risikoeinstufung; Rechtsgrundlage für Datenbekanntgabe (Anzahl Beschäftigte durch Dachverband der Sozialversicherungsträger; Kennzeichen durch VVO).

Kompetenzgrundlage

  • Die Zuständigkeit des Bundes zur Erlassung des Bundesgesetzes stützt sich auf Art. 10 Abs. 1 Z 8 B-VG („Angelegenheiten des Gewerbes und der Industrie“).

Güterbeförderungsgesetz 1995, Gelegenheitsverkehrs-Gesetz 1996 und Kraftfahrliniengesetz

~5 min Lesezeit
Dafür: NEOSÖVPSPÖGRÜNE Dagegen: FPÖ
SPÖ Andreas Haitzer

Danke schön, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Sehr geehrte Damen und Herren, es sind doch noch einige auf der Galerie, und auch daheim vor den Bildschirmen! Der Bericht aus dem Ausschuss für Verkehr und Mobilität zur Regierungsvorlage 90 der Beilagen beschäftigt sich mit einer Gesetzesnovelle, die das Güterbeförderungsgesetz, das Kraftfahrliniengesetz und das Gelegenheitsverkehrs-Gesetz betrifft. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Grundsätzlich geht es, einfach zusammengefasst, um die Anpassung beim Datenaustausch im grenzüberschreitenden Verkehr im europäischen Raum. Eigentlich wäre das Thema eher unaufgeregt, wenn nicht ein laufendes EU-Vertragsverletzungsverfahren drohen würde, weil die vergangene Regierung die Anpassung seit 2022 nicht bearbeitet hat. Die Anpassung an geltendes EU-Recht hat die letzte Bundesregierung leider Gottes versäumt. Jetzt ist es wichtig, diese Beschlüsse betreffend die Vorlage zu fassen, um das Vertragsverletzungsverfahren abzuwenden. Ich freue mich, dass wir, wie es jetzt aussieht, einen einstimmigen Beschluss fassen können und bringe dazu folgenden Antrag ein: Abänderungsantrag der Abgeordneten Mst. Joachim Schnabel , Wolfgang Moitzi , Dominik Oberhofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend die Regierungsvorlage Bundesgesetz, mit dem das Güterbeförderungsgesetz 1995, das Gelegenheitsverkehrs-Gesetz 1996 und das Kraftfahrliniengesetz geändert werden ( 90 d.B. ) Der Nationalrat wolle in 2. Lesung beschließen: Die oben zitierte Regierungsvorlage ( 90 d.B. ) wird wie folgt geändert: In Artikel 3 Z 2 wird in § 4a Abs. 3c nach „Fahrzeugklassen M2 und M3,“ die Wortfolge „sowie die Anhänger der Klassen O1, O2, O3 und O4,“ eingefügt. Danke schön, und auch ich wünsche noch eine schöne Sommerzeit. (👏 ÖVP, SPÖ) 17.04 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/109.1 Güterbeförderungsgesetz 1995, Gelegenheitsverkehrs-Gesetz 1996 und Kraftfahrliniengesetz (AA-23) Präsident Peter Haubner : Der soeben vorgetragene Abänderungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Harald Servus mit einer Redezeit von 4 Minuten.

ÖVP Harald Servus

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Kollege Haitzer hat es bereits erwähnt: Bei dieser Sammelnovelle geht es um dringend notwendige Anpassungen im Güterbeförderungsgesetz, im Gelegenheitsverkehrs-Gesetz und im Kraftfahrliniengesetz an unionsrechtliche Vorgaben. Warum ist das so dringend? – Ganz einfach, weil es dabei um Umsetzung von EU-Recht geht und da bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich vorliegt. Der Inhalt ist ein wenig sperrig, die erforderlichen Änderungen betreffen im Wesentlichen eine Meldepflicht der Unternehmer für die Kennzeichen von Mietfahrzeugen und eine Erweiterung des Verkehrsunternehmensregisters in einigen Punkten. Besonders wichtig und als eine Maßnahme zum Bürokratieabbau zu werten: Die Gültigkeitsdauer von Gemeinschaftslizenzen und Konzessionen im grenzüberschreitenden Verkehr soll von derzeit fünf auf künftig zehn Jahre erhöht werden. Damit kommen wir dem dringenden Wunsch der Güterbeförderungsbranche nach, die sich seit Jahren fragt, warum es im ganzen EU-Bereich eine Zehnjahresfrist für die Konzessionsverlängerung gibt, nur in Österreich musste das bisher alle fünf Jahre geschehen – ein klarer Fall von Überbürokratisierung und Gold-Plating. Die bisherige Praxis war ein besonderer Aufwand für die ganze Branche, aber auch für die Behörden, und die Verlängerung auf zehn Jahre stellt daher eine wirkungsvolle Entlastung dar. – Danke dafür, Herr Bundesminister. Ich darf aber auch sagen: Psychologisch ist dieser Schritt für unsere Unternehmen wichtig, denn im Unterschied zu ihren Kollegen im Ausland haben sie nicht mehr ständig das Gefühl, unter so etwas wie Generalverdacht zu stehen. Auch dafür Danke, Herr Bundesminister; wir haben da einen ersten Schritt zur Entbürokratisierung gesetzt. Freilich darf ich mir wünschen, dass wir in Zukunft vielleicht noch den einen oder anderen Schritt folgen lassen können – Stichwort Pickerlflut, Stichwort Digitaldokumente, Stichwort CSR-Reporting, Stichwort weitere Vereinfachungen. Meine Damen und Herren, der Güterverkehr in Österreich ist sehr stark von der Straße geprägt. 2023 wurden insgesamt 570 Millionen Tonnen auf unseren Straßen transportiert, die Zahl der Beschäftigten dieser Branche liegt bei über 75 000 und die Wertschöpfung bei 5,1 Milliarden Euro. Versuchen wir gemeinsam, diesen so wichtigen Wirtschaftsfaktor weiter zu unterstützen! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Janos Juvan . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Na ja, ihr räumt auf, lieber Kollege; dieses Paket ist Ende 2024 noch unter Ministerin Gewessler in Begutachtung gegangen, und wir werden auch dieser Novelle zustimmen. Ich habe es im Ausschuss schon erwähnt, Herr Minister: Was fehlt und was ursprünglich auch Teil des Pakets war, sind rechtliche Verbesserungen für den Mikro-ÖV, also für diese letzte Meile: für Rufbusse, Sammeltaxis und so weiter, die gerade am Land in der Fläche wirklich hilfreich sein können. Ich glaube, man kann das auch dahin gehend ein bisschen weiter denken, dass Mikro-ÖV als Vision irgendwann einmal wirklich so integriert sein wird und dass wir eine rechtliche Basis dafür schaffen, dass man das auch in regionale und bundesweite Klimatickets miteinbeziehen kann. Das wäre eigentlich eine schöne Vision, auf die wir gemeinsam hinarbeiten könnten. Sie haben im Ausschuss gesagt, dass Sie diesbezüglich hoffnungsvoll sind und in einer pragmatischen Abstimmung mit den Ländern sind. Dafür wünsche ich Ihnen alles Gute und hoffe, dass wir da weiterkommen. Wie gesagt, ich glaube, dass neben vielen anderen Verbesserungen, die es da gibt, gerade der Mikro-ÖV ein Bereich ist, der unsere besondere Aufmerksamkeit verdient, weil eben in vielen Teilen unseres Landes die einzige Alternative zum Auto ehrlicherweise Mikro-ÖV ist. – Danke schön. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir gelangen zur Abstimmung über den Gesetzentwurf in 90 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Joachim Schnabel , Wolfgang Moitzi , Dominik Oberhofer , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zunächst über den vom erwähnten Abänderungsantrag betroffenen Teil und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Joachim Schnabel , Wolfgang Moitzi , Dominik Oberhofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 3 eingebracht. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung der Regierungsvorlage. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit, somit ist der Gesetzentwurf auch in dritter Lesung angenommen.

Keine Diskriminierung der Besitzer von Klebevignetten

179 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 137/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag abgelehnt. Damit gibt es keine Änderung, die Klebevignetten bei Wechselkennzeichen wie digitale Vignetten für mehrere Fahrzeuge nutzbar machen würde.

Betroffen sind vor allem Halterinnen und Halter von Fahrzeugen mit Wechselkennzeichen, die statt einer digitalen Vignette Klebevignetten verwenden.

Ziel war es, eine Gleichbehandlung herzustellen und die finanzielle Mehrbelastung zu beseitigen, indem Klebevignetten bei Wechselkennzeichen für mehrere Fahrzeuge nutzbar werden.

Dokumente

Keine Diskriminierung der Besitzer von Klebevignetten

Gegenstand des Ausschussberichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag (137/A(E)) mit dem Titel „Keine Diskriminierung der Besitzer von Klebevignetten“.

Begründung und Problemaufriss im Antrag

  • Für die Benützung von Autobahnen oder Schnellstraßen in Österreich muss jedes Fahrzeug, das mit einem Wechselkennzeichen verwendet wird, mit einer gültigen Vignette ausgestattet sein.
  • Es ist nicht zwingend eine Jahresvignette erforderlich; auch 2‑Monats‑ oder 10‑Tages‑Vignetten sind zulässig.
  • Die Klebevignette ist nicht an das (Wechsel-)Kennzeichen gebunden, sondern an das jeweilige Fahrzeug.
  • Im Unterschied dazu ist die Digitale Vignette an das (Wechsel-)Kennzeichen gebunden; dadurch ist laut oesterreich.gv.at nur eine einzige Digitale Vignette für bis zu drei Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen notwendig, und einzelne Klebevignetten pro Fahrzeug sind dann nicht mehr erforderlich.
  • Aus dieser unterschiedlichen Bindung (Klebevignette fahrzeugbezogen vs. digitale Vignette kennzeichenbezogen) wird eine erhebliche Diskriminierung und finanzielle Mehrbelastung für Besitzer von Klebevignetten abgeleitet, weil sie bei Wechselkennzeichen keine Möglichkeit haben, eine Klebevignette für mehrere Fahrzeuge zu nutzen.

Ergebnis der Ausschussberatung (inhaltlich)

  • Der Entschließungsantrag wurde im Ausschuss nicht angenommen.

Kernaussage/Referenz

  • Als inhaltliche Referenz wird die Information von oesterreich.gv.at zur Bindung der Digitalen Vignette an das (Wechsel-)Kennzeichen und zur Nutzbarkeit für bis zu drei Fahrzeuge angeführt.

Keine Diskriminierung der Besitzer von Klebevignetten

~9 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: NEOSÖVPSPÖGRÜNE
FPÖ Maximilian Weinzierl

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrter Herr Minister! Sommer, Sonne, Urlaubszeit – ich glaube, für viele Bürger bedeutet diese Zeit auch, dass sie ein Zweitfahrzeug aus dem Winterschlaf holen, ob es vielleicht der Campingvan ist, der Oldtimer oder ein Cabrio. Viele greifen auf das bewährte Wechselkennzeichen zurück, doch wer dabei auf die klassische Klebevignette setzt, ja, der wird wieder vom System regelrecht abgestraft. Da herrscht klare Ungerechtigkeit, die wir so nicht mehr länger hinnehmen wollen, denn mit der digitalen Vignette können zum Preis von einer einzigen Vignette drei Fahrzeuge – drei Fahrzeuge auf einem Wechselkennzeichen – angemeldet werden, wer jedoch eine Klebevignette - - …

ÖVP Schnabel (Zwischenruf)

Da kauft man eine Digitalvignette!

FPÖ Maximilian Weinzierl

… Frau Erasim, an Ihrer Stelle würde ich mich hier überhaupt ein bisschen zurückhalten, denn im Ausschuss haben Sie sich mit Ihrer Glanzaussage, muss man schon sagen, mit Ihren Ausführungen schon wirklich ein bisschen sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Da haben nicht nur unsere Reihen den Kopf geschüttelt, sondern viele andere auch, denn Sie haben behauptet, dass es keine Diskriminierung ist, wenn man eine Klebevignette und zum Beispiel ein Wechselkennzeichen hat und dann dreimal dafür zahlen muss, gegenüber einer Onlinevignette und einem Wechselkennzeichen, wofür man nur einmal zahlen muss. Das ist eine Diskriminierung, und ich glaube, Sie könnten sich einmal ein bisschen zurücknehmen (👏 FPÖ), denn gerade Sie von der SPÖ sagen immer, Sie sind für die Bürger.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Deswegen hast du 15 Autos oder was? – Zwischenruf des Abg. Marchetti [ÖVP].

FPÖ Maximilian Weinzierl

… Da sieht man wieder, Sie nehmen den Leuten das Geld aus dem Sack und verteilen es in Ihrer eigenen Bundesregierung. 30 Prozent der Österreicher nutzen nach wie vor die Klebevignette, und das aber vielleicht aus gutem Grund.

ÖVP Schnabel (Zwischenruf)

... Prozent!

FPÖ Maximilian Weinzierl

… Es ist ja nicht so, als wären es nur 100 Leute, wie Sie es immer darstellen, denn es gibt vielleicht Gründe – aus Datenschutzgründen, aus persönlicher Gewohnheit oder vielleicht auch schlicht aufgrund technischer Hürden.

ÖVP Schnabel (Zwischenruf)

Welcher? Welcher technischen Hürden? – Abg. Erasim [SPÖ]: ... technischen Hürden ...! – Heiterkeit bei der SPÖ.

FPÖ Maximilian Weinzierl

… Diese Menschen werden jedoch von der Regierung im Regen stehen gelassen, ja, auch von Ihnen von der ÖVP, die Sie sich immer so groß hierherstellen. (👏 FPÖ) Wenn es zwei Vignettenarten gibt, dann muss es ja auch eine gleichberechtigte Möglichkeit geben, ohne dass jemand dafür mehr zahlt. Wenn von angeblichen Mehrkosten die Rede ist und von der Pflicht zur Digitalisierung, sehen wir Freiheitliche das anders und fordern gleiche Rechte und gleiche Kosten für alle. Wir stehen für Freiheit, Fairness und gesunden Hausverstand. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Roland Baumann . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Roland Baumann

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Abgeordnete! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Im diskutierten Entschließungsantrag geht es um eine in den Raum gestellte Diskriminierung der Zulassungsbesitzer mit Wechselkennzeichen in Bezug auf die Klebevignette. Für Fahrzeughalter, denen nur ein einziges Kennzeichen für mehrere Fahrzeuge zugewiesen wurde, wird eine Wechselkennzeichenklebevignette gefordert. Die Klebevignette kann nur an einem Fahrzeug angebracht werden. Somit ist das Fahren weiterer Fahrzeuge mit demselben Kennzeichen auf Mautstraßen nicht möglich. Nicht nur, aber speziell für solche Fälle gibt es die digitale Vignette. Da werden bei der Registrierung des Wechselkennzeichens auch alle weiteren Fahrzeuge, die damit fahren, registriert. Somit liegt die im Entschließungsantrag behauptete Diskriminierung von Zulassungsbesitzer:innen absolut nicht vor, da Wechselkennzeichenbesitzer so wie alle anderen Zulassungsbesitzer vollkommen frei zwischen den zwei Vignettentypen wählen können. (👏 ÖVP, SPÖ) Wie schaut die aktuelle Situation im Detail aus? – Das Bundesstraßen-Mautgesetz 2002 sieht vor, dass die zeitabhängige Maut vor der Benützung des mautpflichtigen Straßennetzes durch Ankleben einer Klebevignette am Fahrzeug oder durch Registrierung des Kennzeichens im Mautsystem der Asfinag, also durch eine digitale Vignette, zu entrichten ist. Es besteht daher einerseits eine Kennzeichenbindung bei der digitalen Vignette und andererseits eine Fahrzeugbindung bei der Klebevignette. Für Wechselkennzeichenbesitzer:innen besteht die Möglichkeit der Entrichtung der zeitabhängigen Maut im Wege der digitalen Vignette für alle Fahrzeuge, denen nur ein einziges Kennzeichen zugewiesen wurde, durch Registrierung des Wechselkennzeichens im Mautsystem der Asfinag. Es besteht also absolut keine Diskriminierung von Wechselkennzeichenbesitzer:innen. Auch der sicher kommende Einwand – er ist ja auch schon gekommen –, dass es ja immer noch Personen gibt, die keinen Zugang zu digitalen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten haben, lässt sich leicht entkräften. Beide Varianten der Vignette können an zahlreichen Verkaufsstellen erworben werden. Die digitale Vignette kann einerseits online im Mautshop der Asfinag erworben werden, andererseits aber auch – so wie die Klebevignette – an Vertriebsautomaten und Verkaufsstellen, beispielsweise beim Arbö, beim ÖAMTC, bei diversen Tankstellen und in Trafiken. Wie schaut es mit dem Datenschutz und dem Verwenden von personenbezogenen Daten beim Kauf einer digitalen Vignette aus? – Auch diesbezüglich kann völlige Entwarnung gegeben werden. Beim Erwerb der digitalen Vignette auf herkömmlichem Weg bei Verkaufsstellen werden keine personenbezogenen Daten erfasst. Für den Erwerb einer digitalen Vignette sind die Bekanntgabe des Kennzeichens, des Zulassungsstarts des Fahrzeugs, die für den unmittelbaren Zahlungsverkehr notwendigen Daten sowie eine E-Mail-Adresse erforderlich. Sie sehen also, es besteht absolut keine Diskriminierung von Wechselkennzeichenbesitzer:innen in Bezug auf die Vignette. Es ist jeder und jedem zumutbar, sich in diesem Fall eine digitale Version der Vignette zu besorgen. Es besteht weder eine digitale Hürde noch gibt es datenschutzrechtliche Bedenken. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Daher wurde dieser Entschließungsantrag im Ausschuss auch folgerichtig abgelehnt. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Joachim Schnabel . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Lieber Kollege Weinzierl von der FPÖ …

FPÖ Weinzierl (Zwischenruf)

Ja, bitte!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Sie tun mir richtig leid! Sie tun mir richtig leid, dass Ihre Fraktion Sie da herausschickt und Sie zu diesem Thema hier eine Rede halten müssen, weil ich genau weiß – privat –, dass Sie a) viel Erfahrung in dem Bereich haben …

FPÖ Weinzierl (Zwischenruf)

Bei Klebevignetten habe ich Erfolg!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… und b) genau wissen, dass das eigentlich nicht einmal argumentierbar und wert ist, darüber zu reden.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ja, so gehen Sie mit Bürgeranliegen um! – Abg. Weinzierl [FPÖ]: So gehen Sie mit 30 Prozent der Bürger um! Einheitsbrei!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Herr Kollege Baumann von der SPÖ hat genau und detailliert ausgeführt, warum es dabei zu keiner Diskriminierung kommt.

FPÖ Weinzierl (Zwischenruf)

30 Prozent ist für Sie nichts!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Ein bisschen habe ich mich in das Jahr 1997 zurückversetzt gefühlt. Wissen Sie, was 1997 war? – Da wurde die Vignette in Österreich eingeführt und da hat es eine super Figur in Ö3 gegeben; Robert Kratky hat sie verkörpert: Der Vignettenman ist geboren worden und hat für einige Jahre die österreichische Radiokulturlandschaft belebt.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Hat der Kratky deshalb so gut verdient?

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Ein bisschen in dieses kabarettistische Klischee muss ich das Ganze, was wir da diskutieren, einordnen, denn – Kollege Baumann hat es gesagt – es gibt ja die Möglichkeit für Wechselkennzeichenbesitzer, die digitale Vignette einzulösen. Das tun ja mittlerweile schon fast 90 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher. Ich muss ehrlich sagen, damals, 1997, vor nahezu 30 Jahren, haben wir noch Vignetten geklebt, gekratzt, geklebt, gekratzt, geklebt. Das ist eigentlich obsolet. ( Allgemeine Heiterkeit. ) Wir haben mittlerweile die Digitalisierung! …

FPÖ Weinzierl (Zwischenruf)

Ich glaube, Sie verstehen mich falsch! Es gibt trotzdem Leute, die das anders machen!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Das ist ja nicht nur ein Erfolgsmodell in Österreich, sondern schauen Sie bitte in das von Ihnen so geliebte Ungarn. Ungarn hat nur eine digitale Vignette. Es kann ja Orbán nicht auf einmal der Böse sein, oder? Gerade Ungarn hat dieses System, Slowenien hat das System, die Slowakei hat das System: nur noch eine digitale Vignette. Es funktioniert wunderbar …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Vielleicht sollten wir Vignetten ...!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… und das auch teilweise unter fragwürdigen Regierungsformen. (👏 ÖVP, SPÖ) Deswegen, geschätzter Herr Minister – die Freiheitlichen werden sich nicht überzeugen lassen –, es gibt keine Diskriminierung, aber setzen wir den mutigen Schritt auch in Richtung einer Volldigitalisierung wie unsere Nachbarländer! Verzichten wir auf die Klebevignette, das würde 3 Millionen Euro einsparen – 3 Millionen Euro! Gehen wir ins 21. Jahrhundert mit einer sinnvollen digitalen Mautlösung und verzichten wir auf die Vignette. Da gibt es dann auch keine Diskussion über Diskriminierung und wir sind endlich im modernen Zeitalter angekommen. – Danke vielmals. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Janos Juvan . – Die Redezeit stelle ich auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Lukas Hammer

Also, Kollege Juvan ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), sich so über Diskriminierung lächerlich zu machen: Du solltest dich schämen! Aber natürlich, es ist ein Scheinproblem, das von der FPÖ wieder einmal aufgebracht wird, und wir wollen ja auch über reale Probleme diskutieren. Wozu wird denn die Vignette gebraucht? – Die Asfinag finanziert mit der Vignette und der Lkw-Maut das hochrangige Straßennetz, also für Neubau, Erhalt und Sanierung. Ich möchte auf eine Sache aufmerksam machen, weil man ja auch ehrlich sein sollte: Wenn die Regierung ihre milliardenschweren Straßenbauprojekte wirklich durchziehen will – S 18, S 1 und andere Autobahnprojekte –, dann wird das die ohnehin schon mit 10 Milliarden Euro verschuldete Asfinag tatsächlich ziemlich an ihre Grenzen bringen. Wir wissen, dass sehr viel der bestehenden Autobahninfrastruktur sanierungsbedürftig ist, und es braucht auch Neubau: Die Luegbrücke am Brenner, zum Beispiel, wird ungefähr knapp 400 Millionen Euro kosten, die Gschnitztalbrücke 250 Millionen Euro; Neubau der Europabrücke, die Erneuerung des Plabutschtunnels auf der A 9, da werden noch einmal 700 Millionen Euro gebraucht. Wenn man das alles investieren muss und zusätzlich Autobahnprojekte mit Kosten in Milliardenhöhe neu baut, dann muss man schon dazusagen, was dann passieren wird: Dann wird die Vignette massiv verteuert werden, sonst geht sich das nicht aus. Das heißt, ich bitte da um mehr Ehrlichkeit: Diskutieren wir nicht über Scheinprobleme, sondern über die wirklichen Probleme! Und das ist ein Problem, das auf Autofahrer und Autofahrerinnen in Österreich auf jeden Fall zukommen wird, wenn man unnötige Autobahnprojekte baut. Meine Redezeit ist noch nicht vorüber, aber ich erspare Ihnen den Rest und wünsche Ihnen einen wunderschönen Sommer. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir gelangen nun zur Abstimmung über den Antrag des Ausschusses für Verkehr und Mobilität, seinen Bericht 179 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

Geschäftsordnungsgesetz 1975

124 d.B. · Antrag vonFPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE · Initiativantrag 322/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜR

Zusammenfassung

Das Geschäftsordnungsgesetz 1975 wird geändert, um die Veröffentlichung von Informationen von allgemeinem Interesse im Bereich des Nationalrates (gemäß Art. 30 Abs. 7 B-VG) klar der Präsidentin/dem Präsidenten des Nationalrates zuzuweisen. In Zweifelsfällen sind die allgemeinen Bedingungen der Veröffentlichung mit der Präsidialkonferenz abzustimmen; die Veröffentlichung erfolgt barrierefrei, in geeigneten Formaten und mit Suchmöglichkeit auf der Parlamentswebsite, unter Wahrung von Geheimhaltungsgründen.

Betroffen sind die Präsidentin/der Präsident des Nationalrates, die Präsidialkonferenz sowie die Veröffentlichungspraxis und Informationsbereitstellung des Nationalrates (nicht die Klubs oder einzelne Abgeordnete).

Dokumente

Geschäftsordnungsgesetz 1975

Gegenstand und Ziel der Änderung

  • Änderung des Geschäftsordnungsgesetzes 1975 zur Umsetzung bzw. Ausgestaltung der Veröffentlichungspflichten für „Informationen von allgemeinem Interesse“ im Bereich des Nationalrates.
  • Klarstellung, dass Veröffentlichungen nach dem Geschäftsordnungsgesetz der Präsidentin bzw. dem Präsidenten des Nationalrates obliegen; dies umfasst auch die künftig verfassungsrechtlich gebotene Veröffentlichung von Informationen von allgemeinem Interesse im Bereich des Nationalrates (Art. 30 Abs. 7 iVm Art. 22a Abs. 2 zweiter Satz B-VG).
  • Festlegung, dass die Veröffentlichung solcher Informationen – wie bisher – auf der Website des Parlaments erfolgen soll.
  • Hinweis, dass Informationen von allgemeinem Interesse aus dem Bereich des Nationalrates bereits derzeit weitestgehend veröffentlicht sind (Verweis auf § 1 Abs. 2 Informationsordnungsgesetz – InfOG), sodass Transparenz diesbezüglich seit langem besteht.

Z 1 – § 8 Abs. 5: Einbindung der Präsidialkonferenz

  • In Zweifelsfällen zu den Fragen, welche Informationen von allgemeinem Interesse sind und ob bzw. welche Geheimhaltungsgründe einer Veröffentlichung entgegenstehen, soll die Präsidentin bzw. der Präsident Rücksprache mit den Mitgliedern der Präsidialkonferenz halten.
  • Die Rücksprache soll nicht zwingend in jedem Einzelfall erfolgen, aber jedenfalls zu den allgemeinen Bedingungen (welche Arten von Informationen in welcher Form veröffentlicht werden sollen).
  • Es ist beabsichtigt, bereits vor Inkrafttreten u.a. des Art. 30 Abs. 7 B-VG mit den Klubs zu besprechen, welche Informationen neu zu veröffentlichen sein werden.
  • Konkret soll mit den Klubs abgestimmt werden, welche bislang noch nicht veröffentlichten Informationen von allfälligem allgemeinem Interesse künftig veröffentlicht werden oder aufgrund von Geheimhaltungsgründen nicht veröffentlicht werden sollen.

Z 2 – § 14 Abs. 8 zweiter Satz: Veröffentlichung, Geheimhaltung und Beschlussoption

  • Die Veröffentlichung von Informationen von allgemeinem Interesse im Bereich des Nationalrates erfolgt durch die Präsidentin bzw. den Präsidenten auf der Website des Parlaments.
  • Geheimhaltungsgründe ergeben sich aus Art. 22a Abs. 2 zweiter Satz B-VG (auf den Art. 30 Abs. 7 B-VG verweist).
  • Zum Geheimhaltungsgrund „Vorbereitung einer Entscheidung“: Dieser kann im Bereich des Nationalrates insbesondere Gegenstände und Inhalte vertraulicher oder geheimer Beratungen, Verhandlungen und Sitzungen des Nationalrates und seiner Ausschüsse sowie der Präsidialkonferenz umfassen (Verweis sinngemäß auf § 3b Abs. 3 Z 1 InfOG).
  • Die Verpflichtung zur Veröffentlichung trifft nicht die parlamentarischen Klubs oder einzelne Abgeordnete.
  • Für andere Veröffentlichungen, die nicht aufgrund von Art. 30 Abs. 7 B-VG verpflichtend sind, kann wie bisher ein Beschluss des Nationalrates eingeholt werden (künftiger § 14 Abs. 8 letzter Satz).

Technische, formale und barrierefreie Ausgestaltung der Veröffentlichungen

  • Informationen sind nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten und Zweckmäßigkeit in für die weitere Verwendung geeigneten Formaten und Sprachen zu veröffentlichen, soweit damit kein unverhältnismäßiger Aufwand verbunden ist.
  • Veröffentlichungen sind nach Maßgabe der §§ 2 und 3 Web-Zugänglichkeits-Gesetz (WZG) barrierefrei bereitzustellen.
  • Es ist eine Suche zu ermöglichen, jedenfalls nach einzelnen oder kombinierten Metadaten.
  • Damit sollen die Veröffentlichungen auf der Website des Parlaments dem Transparenzgedanken entsprechen.

Abgrenzung zu EU-bezogenen Veröffentlichungen und Vermeidung von Doppelveröffentlichungen

  • Bisherige Veröffentlichungen in der EU-Datenbank gemäß § 1 Abs. 2 EU-Informationsgesetz (EU-InfoG) sollen weiterhin unverändert beibehalten werden.
  • Es soll zu keinen doppelten Veröffentlichungen kommen (Verweis auch auf § 16 Informationsfreiheitsgesetz – IFG).