XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

37. Sitzung des Nationalrats

10. Juli 2025

17Beschlüsse
16Angenommen
1Abgelehnt
37. Nationalratssitzung

Volksbegehren "Essen nicht wegwerfen!"

180 d.B. · Regierungsvorlage 2 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Umweltausschusses zum Volksbegehren „Essen nicht wegwerfen!“ zur Kenntnis und beschließt eine Entschließung. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, weitere Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung und zur verstärkten Weitergabe noch genießbarer Lebensmittel (u.a. durch Spenden) umzusetzen.

Betroffen sind vor allem Lebensmittelhandel und -hersteller sowie öffentliche und private Akteure entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette (z.B. Kantinen/Großküchen) und gemeinnützige Organisationen, die Lebensmittelspenden erhalten.

Dokumente

Volksbegehren "Essen nicht wegwerfen!"

Anliegen und Wortlaut des Volksbegehrens

  • Forderung an den Bundesverfassungsgesetzgeber, dem Beispiel von Frankreich, Italien und Tschechien zu folgen und strenge Gesetze zur Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung zu beschließen.
  • Lebensmittelhersteller und Supermärkte sollen verpflichtet werden, nicht mehr verkaufsfähige, aber noch genießbare Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen zu spenden.
  • Begründung der Initiator:innen: Es sollen wirksamere gesetzliche Regeln geschaffen werden, um die Verschwendung noch genießbarer Lebensmittel zu vermeiden.

Bevollmächtigte des Volksbegehrens

  • Bevollmächtigter: Marcus Hohenecker.
  • Stellvertretende Bevollmächtigte: René Kalis, Helmut Kalis, Jasmine Kalis, Patrick Nartey.

Feststellung als Volksbegehren iSd Art. 41 Abs. 2 B-VG und rechtliche Verfahrenslage

  • Die von der Bundeswahlbehörde kundgemachte Ermittlung/Feststellung, dass ein Volksbegehren im Sinn des Art. 41 Abs. 2 B-VG vorliegt, wurde innerhalb der vierwöchigen Frist nicht angefochten.
  • Die Bundeswahlbehörde stellte aufgrund der Datenverarbeitung das Ergebnis der Eintragungen fest und leitete das Volksbegehren zur parlamentarischen Behandlung an den Nationalrat weiter.
  • Da mehr als 100.000 gültige Eintragungen ermittelt wurden, liegt ein Volksbegehren im Sinne des Art. 41 Abs. 2 B-VG vor.
  • Das Volksbegehren gilt mit Beginn der XXVIII. Gesetzgebungsperiode als eingebracht.

Ergebnis der Eintragungen (ohne Unterstützungserklärungen) nach Bundesländern

  • Burgenland: 4.207 gültige Eintragungen (1,80%).
  • Kärnten: 7.432 (1,72%).
  • Niederösterreich: 28.661 (2,22%).
  • Oberösterreich: 23.722 (2,16%).
  • Salzburg: 7.239 (1,85%).
  • Steiermark: 17.259 (1,82%).
  • Tirol: 8.157 (1,51%).
  • Vorarlberg: 3.700 (1,34%).
  • Wien: 26.390 (2,34%).
  • Österreich gesamt: 126.767 gültige Eintragungen (2,00%).

Ergebnis inklusive Unterstützungserklärungen (Unterstützungserklärungen + Eintragungen)

  • Österreich gesamt: 126.767 Unterstützungen insgesamt; davon 99.043 Unterstützungserklärungen und 27.724 Eintragungen.
  • Burgenland: 4.207 insgesamt (3.051 Unterstützungserklärungen, 1.156 Eintragungen).
  • Kärnten: 7.432 (5.345, 2.087).
  • Niederösterreich: 28.661 (22.631, 6.030).
  • Oberösterreich: 23.722 (17.424, 6.298).
  • Salzburg: 7.239 (5.610, 1.629).
  • Steiermark: 17.259 (13.555, 3.704).
  • Tirol: 8.157 (6.527, 1.630).
  • Vorarlberg: 3.700 (2.949, 751).
  • Wien: 26.390 (21.951, 4.439).

Parlamentarische Behandlung im Umweltausschuss

  • Das Volksbegehren wurde dem Umweltausschuss zur weiteren Behandlung zugewiesen und dort erstmals verhandelt; die Verhandlungen wurden vertagt und später wieder aufgenommen.
  • Der Bevollmächtigte wurde gemäß den einschlägigen Bestimmungen geladen; bei der späteren Sitzung nahm er teil und gab eine einleitende sowie eine abschließende Stellungnahme ab.
  • In der wiederaufgenommenen Sitzung wurde eine öffentliche Generaldebatte durchgeführt; Abgeordnete, der zuständige Bundesminister sowie der Ausschussobmann ergriffen das Wort.

Entschließungsantrag: Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung (Inhaltliche Begründung)

  • Ausgangspunkt: Laut FAO gehen rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette verloren; Trends wie steigender Außer-Haus-Konsum begünstigen Verluste.
  • Wenn Lebensmittel produziert, aber nicht konsumiert werden, gehen Ressourcen für Produktion, Verarbeitung und Transport verloren und es entstehen vermeidbare Emissionen; Lebensmittelabfälle sind ökologisch und ökonomisch relevant sowie für Ressourcen wie Boden und Wasser.
  • Österreich: Jährlich fallen 619.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle an (Referenzjahr 2022); es besteht in einzelnen Bereichen noch Potenzial zur Weitergabe genießbarer Lebensmittel.
  • Strategischer Rahmen: Verfolgung der nationalen Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen; zentrales Umsetzungsinstrument ist das Aktionsprogramm „Lebensmittel sind kostbar!“ als Wegweiser für Akteure der Lebensmittelwertschöpfungskette mit konkreten Maßnahmen.
  • Bestehende Maßnahmen: Das Aktionsprogramm wurde 2023 im Rahmen des Abfallvermeidungsprogramms neu veröffentlicht.
  • Teuerungsmaßnahmenpaket (Ministerratsvortrag Mai 2023): Vereinbarung einer Drehscheibe für die Lebensmittelweitergabe; diese befindet sich seit Mai in einer Pilotphase.
  • Transparenzpflicht seit 4. Quartal 2023: Lebensmittelhandel muss melden, wie viel Lebensmittelabfall entsorgt wird und wie viele Lebensmittel unentgeltlich zum menschlichen Verzehr weitergegeben werden.
  • Meldedaten: Pro Quartal werden im Handel insgesamt etwa 13.000–14.000 Tonnen Lebensmittelabfälle entsorgt und 4.000–6.000 Tonnen unentgeltlich zum menschlichen Verzehr weitergegeben.
  • Einordnung: Österreich agiert im EU-weiten Vergleich bereits auf hohem Niveau bei Weitergabe und Rettung von Lebensmitteln; im Handel ist die Menge entsorgter Lebensmittel in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen.
  • Steuerliche Maßnahme: Seit 01.08.2024 besteht eine Umsatzsteuerbefreiung für Lebensmittelspenden.
  • Wirkung/Anreiz: Die seit 2023 geltende Transparenzpflicht schafft zusätzlichen Anreiz, überschüssige Lebensmittel zu spenden und Abfälle zu vermeiden statt zu entsorgen.
  • Weitere Potenziale: In Teilen der Wertschöpfungskette bestehen weiterhin Reduktionspotenziale; insbesondere in Einrichtungen wie Kantinen, Großküchen oder Mensen wird erhebliches Einsparungspotenzial gesehen.
  • Vorgehensweise zur weiteren Reduktion: Durch gezielte Abfallerhebungen können individuelle Maßnahmen entwickelt werden, die Abfälle reduzieren und Ressourcen schonen.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltlich)

  • Der Nationalrat soll den Bericht zur Kenntnis nehmen.
  • Der Nationalrat soll die angeschlossene Entschließung zu Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung annehmen.

Volksbegehren "Essen nicht wegwerfen!"

~31 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Peter Schmiedlechner

Danke, Herr Präsident. – Minister ist leider keiner da – von der teuersten Regierung, die wir jemals gehabt haben, ist niemand da, um bei diesen wichtigen Themen zuzuhören. Das Volksbegehren „Essen nicht wegwerfen!“ wurde von 126 767 Personen unterstützt. In diesem Volksbegehren wird der Gesetzgeber aufgefordert, dem Beispiel Frankreichs, Italiens und Tschechiens zu folgen und strenge Gesetze zur Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung zu beschließen. Weiters wird da gefordert, dass Lebensmittelhersteller und Supermärkte Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen spenden. Im Endeffekt erleben wir momentan eine Zeit, in der sich viele Menschen den täglichen Einkauf nicht mehr leisten können, und gleichzeitig – ein Wahnsinn! – werden Tausende Tonnen an Lebensmitteln weggeschmissen. Lebensmittelverschwendung erleben wir in der Produktion, in der Landwirtschaft. Das hat den einen Grund, dass die Anforderungen, aber auch die Qualitätsstandards immer höher werden. Gleichzeitig schränkt der Gesetzgeber, auch vonseiten der EU, mit Richtlinien Betriebsmittel wie zum Beispiel Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln immer mehr ein. Das heißt: Wenn wir Wirkstoffe verbieten, wenn wir den Bauern die Produktionsmittel nehmen, dann leidet darunter automatisch die Qualität. Dann ist es einfach so: Wenn die Qualitätsvorgaben nicht erfüllt werden, werden die Lebensmittel zwar angebaut, aber dann weggeschmissen – ein Irrsinn. Der nächste Punkt: Lebensmittelverschwendung in der Verarbeitung, in der Produktion – dann kommt der Handel. Im Handel gibt es sehr viele Lebensmittel, die im Regal ablaufen und dann weggeschmissen werden, bei denen kleine Fehler durch den Transport festgestellt werden, weshalb sie weggeschmissen werden. Der größte Teil der Lebensmittelverschwendung findet in den privaten Haushalten statt, wo einfach Lebensmittel bei Aktionen eingekauft werden und dann im Kühlschrank das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreiten und weggeschmissen werden. Es gibt bei der Lebensmittelverschwendung viele private Initiativen, um dieses Problem zu lösen, um es zu entschärfen. Danke diesen vielen Privaten, die da wirklich Stunden leisten, die wirklich tolle Arbeit leisten! Danke für euren Einsatz! (👏 ÖVP, FPÖ) Das Thema der Lebensmittelverschwendung ist ja schon lange am Tableau und wird schon lange diskutiert und es wird oft darüber geredet. Man sieht das Interesse vonseiten der Minister – es wird wahrscheinlich weiter geredet werden. Der große Durchbruch ist bisher nicht geschafft worden. Nichstdestotrotz ist es jetzt eigentlich fast lächerlich, wenn die Regierungsparteien hergehen und einen Antrag stellen, in dem sie den Minister dazu auffordern, endlich etwas zu machen, in diesem Antrag aber keine wirklichen Maßnahmen oder konkreten Maßnahmen vorgeschlagen werden. Da steht überhaupt nichts drin …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Das stimmt nicht! Wo nichts drinnen steht, könntest auch nichts lesen!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… im Endeffekt wird wieder nur evaluiert, es wird wieder nur geredet, aber nicht gehandelt. Es wird nicht danach getrachtet, dass man soziale Einrichtungen besser unterstützt, es wird nicht versucht, Vermarktungsrichtlinien oder Qualitätsstandards zu überarbeiten oder zu hinterfragen, es wird nicht an der Sensibilisierung der Konsumenten gearbeitet, indem man etwa die Konsumenten dahin gehend sensibilisiert, dass ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum nicht unbedingt heißt, dass das Lebensmittel kaputt ist. (👏 FPÖ) Es wird in diesem Antrag nicht darüber geredet oder nicht der Vorschlag diskutiert, dass man in die Bewusstseinsbildung hineingeht, dass man die Industrie in die Pflicht nimmt, den Handel, aber auch die Bevölkerung, dass man da aufklärt, miteinander redet. Ich denke einmal, liebe Regierung, ihr seid jetzt schon lange genug im Amt. Anstatt zu reden, ist es höchste Zeit, endlich zu handeln. Am besten wäre, wenn ihr eine Handlung setzt: Tretet zurück und macht den Weg frei für Neuwahlen! …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Ma, Peter!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Diesner-Wais. – Ihre eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Martina Diesner-Wais

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Liebe Zuseher! Ich möchte mich zuerst einmal bei den Initiatoren des Volksbegehrens und auch bei allen Unterstützern herzlich bedanken, denn „Essen nicht wegwerfen“ ist ein wichtiges Thema. Ich selbst komme aus der Landwirtschaft und weiß, wie viel Herzblut, wie viel Arbeit und wie viel Sorge um das Wetter, aber auch wie viel Leidenschaft investiert wird, um Lebensmittel zu erzeugen. Hinter jedem Kilo Getreide, jeder Karotte, jedem Stück Fleisch steht der Einsatz vieler Menschen, stehen wertvolle Ressourcen und die Verantwortung gegenüber unserer Natur. Bäuerinnen und Bauern arbeiten tagtäglich, damit regionale, gesunde Lebensmittel auf den Tisch der Konsumenten kommen. (👏 ÖVP, SPÖ) Deshalb ist es auch unverständlich und schmerzhaft, wenn Lebensmittel nicht konsumiert werden, sondern wenn Lebensmittel einfach weggeworfen werden. Das Volksbegehren „Essen nicht wegwerfen!“ spricht ein Thema an, das vielen Menschen unter den Nägeln brennt. Es ist der Auftrag der Bürgerinnen und Bürger an uns Politiker, die Gesellschaft darauf hinzuweisen, dass sie achtsam und wertschätzend mit Lebensmitteln umgehen soll. So haben wir in den letzten Jahren schon einiges dafür gemacht, etwa mit dem Aktionsprogramm Lebensmittel sind kostbar. Im Rahmen dessen wurden konkrete Maßnahmen entlang der Wertschöpfungskette gesetzt, um Lebensmittelverluste zu reduzieren. Seit dem Vorjahr gibt es die Umsatzsteuerbefreiung für gespendete Lebensmittel. Das soll ein Anreiz für die Unternehmer sein, Essen weiterzugeben statt wegzuwerfen. Mit der neuen Transparenzpflicht wird erhoben, wie viel praktisch vierteljährlich weitergegeben wird. Es sind 4 bis 6 Tonnen, die weitergegeben werden, und das ist schon ein gutes Zeichen. Wir dürfen uns aber auch nicht ausruhen, denn gerade in den Kantinen, in den Großküchen, aber auch beim Hauskonsum ist noch viel hinsichtlich Einsparung von Abfällen möglich. Die Bewusstseinsbildung ist ganz wichtig, und da muss man ansetzen. Vom Feld bis zum Teller, da können noch viele Maßnahmen gesetzt werden. Herr Kollege Schmiedlechner, in unserem gemeinsamen Antrag steht sehr wohl etwas drinnen. Ich möchte nur einige Punkte hervorheben: eine laufende Evaluierung und Weiterentwicklung von Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung; die Reduktion der Lebensmittelabfälle vom Feld über das Lager, den Handel, die Küche bis hin in den privaten Haushalt. Auch die öffentliche Beschaffung soll verstärkt auf Regionalität und Saisonalität setzen. Und natürlich braucht es auch den Blick in andere Länder, um zu sehen, welche guten Maßnahmen dort gesetzt werden, und einiges mitzunehmen. Wir wissen, Lebensmittelverschwendung ist nicht nur ein ethisches Problem, sondern es ist auch ein Umweltproblem, denn in jedem erzeugten Essen ist viel an Boden, an Wasser, an Energie, an Arbeit drinnen. Als Landwirtin weiß ich, dass viel Arbeit und Leidenschaft in jedem Produkt steckt. Als Politikerin weiß ich auch, dass wir gefordert sind, achtsam zu sein und sorgsam mit unseren Ressourcen umzugehen. Als Volkspartei stehen wir zu unserer Verantwortung, zur Versorgungssicherheit, zum Schutz der Umwelt und zur nachhaltigen Landwirtschaft und dazu, dass auch in Zukunft unsere Regionen noch lebendig sein sollen. Daher bitte ich Sie um breite Unterstützung für unseren Antrag. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Herr. – Ihre gewünschte, eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. Bitte schön.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrtes Hohes Haus! Wenn man jetzt hier in dieser Runde oder auch die Menschen vor den Bildschirmen zu Hause fragen würde: Finden Sie das in Ordnung, wenn man Lebensmittel, die eigentlich noch genießbar sind, die eigentlich wertvoll sind, einfach wegwirft?, würden wir wahrscheinlich alle hier gemeinsam, glaube ich, sagen: Nein, das ist nicht in Ordnung!, und das wird auch die Meinung zu Hause sein. Dennoch werden in Österreich jährlich 600 000 Tonnen noch genießbare Lebensmittel weggeworfen. Jetzt kann man sagen, das ist einerseits eine moralische Frage: Will man etwas wegwerfen, das eigentlich noch gut ist?, aber es ist andererseits vor allem auch eine soziale Frage. Es werden auf der einen Seite wertvolle Lebensmittel weggeworfen, obwohl es auf der anderen Seite Menschen gibt, die am Ende des Monats gerade bei Lebensmitteln sparen müssen, bei denen es dann nicht mehr fürs frische Obst oder fürs Gemüse reicht, auch bei Familien mit kleinen Kindern. Ich werde nie vergessen – ich habe das hier schon einmal erzählt, aber es berührt mich so –, dass mir einmal eine junge Mutter geschrieben hat, ihre Kinder nennen das Ende des Monats immer die Toastbrotzeit. Weil es dann nicht mehr fürs frische Brot reicht, kauft man Toastbrot, weil das ein bisschen billiger ist. Die Kinder sagen dann immer: Jetzt beginnt die Toastbrotzeit! Auf der einen Seite gibt es solche Familien und auf der anderen Seite werfen wir 600 000 Tonnen noch genießbare Lebensmittel weg. Das ist eine soziale Frage, und das muss einfach auch enden – das muss enden! (👏 SPÖ) Deshalb freut es mich sehr, dass wir alle gemeinsam heute einstimmig einen Antrag beschließen werden. Es ist nicht nur eine soziale Frage, es ist auch eine ökologische Frage. Für jede Scheibe Brot, die weggeworfen wird, für jedes Packerl Milch, das weggeworfen wird, für jeden Paprika sind ja wertvolle Ressourcen in Anspruch genommen worden. Unser Boden ist wertvoll, unser Wasser, das da hineinfließt, ist wertvoll. Bei der Produktion von jedem einzelnen Lebensmittel wird auch CO 2 emittiert, weil natürlich auch Energie notwendig ist, um Lebensmittel zu erzeugen. Wasser, Böden, Energie: All das sind wertvolle Ressourcen, von denen wir nicht unendlich haben. Auch da wird alles verschwendet, wenn wir wertvolle Lebensmittel einfach wegwerfen. Deshalb sagen wir, da müssen wir genau hinschauen, und zwar entlang der gesamten Lieferkette. Das beginnt in der Landwirtschaft, das geht weiter beim Handel, das ist auch in den öffentlichen Kantinen oder in der Gastronomie der Fall und auch bei den privaten Haushalten. Entlang der gesamten Kette entsteht Abfall, der vermeidbar wäre, und überall wollen wir ansetzen. Ich freue mich sehr, dass wir heute einen Antrag beschließen, mittels dessen wir einerseits als öffentliche Hand vorangehen wollen, andererseits auch evaluieren wollen: Reicht das schon, was wir bisher tun? – vermutlich können wir noch nachschärfen –, und mit dem wir uns alle gemeinsam dieser Verantwortung bewusst sein wollen: Lebensmittel sind wertvoll! Ich darf mich meiner Vorrednerin anschließen: Es geht auch ein bisschen um die Frage des Respekts, denn für jedes Lebensmittel wird auch wertvolle Arbeitszeit aufgewendet. Bäuerinnen und Bauern investieren viel Arbeitszeit, um wertvolle Lebensmittel zu produzieren – und dann wirft man sie weg. Das ist, auch aus Sicht der Sozialdemokratie, problematisch, und wir sollten das nicht einfach so hinnehmen. Daher: Respekt vor der Arbeit! Respekt vor unseren Ressourcen! Ganz wichtig ist auch, endlich das Soziale in den Mittelpunkt zu stellen. Ich schließe mit einer weiteren Mail ab, die mir geschickt worden ist, nämlich von der Geschäftsführerin der Tafel Österreich. Wer diese Initiative nicht kennt: Der Verein hat 2024 insgesamt 1 578 Tonnen Lebensmittel gerettet und damit kostenfrei 75 000 von Armut betroffene Menschen in insgesamt 160 sozialen Einrichtungen österreichweit versorgt. Das ist eine unglaublich große Leistung. Die Geschäftsführerin hat in dieser Mail geschrieben – ich hoffe, das ist okay, sie hier zu zitieren –: „Generell müssen Ökologisches und Soziales viel stärker in der Politik ganzheitlich betrachtet werden, denn es muss beides gleichzeitig möglich sein. Dass Essen nicht im Müll landet, ist wichtig, aber wenn etwas übrig bleibt, dann muss es an armutsbetroffene Menschen umverteilt werden.“ Ich glaube, genau das ist notwendig. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Holzegger. – Ihre eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. Bitte.

NEOS Ines Holzegger

Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Wir haben es gerade vorhin schon gehört: In Österreich werden jährlich über 600 000 Tonnen noch brauchbare Lebensmittel weggeworfen. Das ist viel zu viel. Da müssen wir, wie wir es auch schon getan haben, weiterhin ganz stark dagegen angehen. Es ist auch in der Vergangenheit, in den letzten Jahren, schon einiges passiert, aber natürlich haben wir uns auch im Regierungsprogramm vorgenommen, das weiter voranzutreiben, um auch auf die Ziele auf EU-Ebene Bezug zu nehmen und konkrete Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung zu setzen. Als Digitalisierungssprecherin möchte ich hier auch ein Plädoyer für Digitalisierung halten, weil Digitalisierung ein Schlüssel gegen die Lebensmittelverschwendung sein kann.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Weil?

NEOS Ines Holzegger

… Das erkläre ich Ihnen gleich; danke für die Frage, Herr Kollege von der FPÖ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Der Herr Kollege heißt Wurm!

NEOS Ines Holzegger

… Herr Kollege Wurm, selbstverständlich.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Gerne! – Abg. Wurm [FPÖ]: Da bin ich sehr gespannt, Frau Kollegin!

NEOS Ines Holzegger

… Mit digitalen Lösungen können Lebensmittel nämlich besser verteilt werden. Statt neuer Bürokratie kann so einfach, schnell und transparent eine Abstimmung zwischen den Händlern, den Erzeugern und den sozialen Organisationen getroffen werden. Herr Kollege Wurm, Sie sollten auch vom Ausschuss noch wissen, dass es da ein gutes Beispiel gibt, nämlich den Kostbar-Markt, das Pilotprojekt, das dieses Jahr gestartet ist. Da wird eine zentrale Plattform geschaffen, mittels der noch gute Lebensmittel verteilt werden können.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wie viel Prozent macht das aus?

NEOS Ines Holzegger

… Die landen dann nicht im Müll, sondern am Teller.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wie viel Prozent?

NEOS Ines Holzegger

… Das ist ein Pilotprojekt. Wenn weniger weggeworfen wird, können wir auch noch ein weiteres Problem angehen, das die Österreicherinnen und Österreicher tagtäglich beschäftigt, und das sind die hohen Lebensmittelpreise. Wenn wir bei der gesamten Wertschöpfungskette ansetzen und weniger Überschuss produzieren, können durch effizientere Produktion und einen niedrigeren Energieeinsatz auch die Preise nach unten gesetzt werden. Und wenn wir die Ressourcen, die wir haben, nachhaltig nutzen, profitieren die Umwelt, die Wirtschaft und die Gesellschaft. Lassen Sie mich noch einen kurzen Zusatz zur Nachhaltigkeit sagen, die uns NEOS schon immer extrem wichtig ist. Auch das Thema Pensionen gehört da dazu. Es freut mich besonders, dass wir heute wichtige Schritte bei dieser Nachhaltigkeit setzen, auf der einen Seite mit der Teilpension und mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sehr nachhaltig, ja!

NEOS Ines Holzegger

… Wir schaffen damit mehr Generationengerechtigkeit.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Zusammengefasst nennt sich das Sozialabbau! – Abg. Wurm [FPÖ]: Länger arbeiten, oder wie?

NEOS Ines Holzegger

… Wie beim Essen gilt auch bei den Pensionen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist jetzt nicht das Thema!

NEOS Ines Holzegger

… Es geht um Verantwortung für die nächste Generation. Das wollen Sie vielleicht nicht, aber das ist extrem wichtig, da geht es um die Zukunft und Zukunftschancen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sozialabbau war den NEOS immer schon extrem wichtig, das ist bekannt! – Abg. Wurm [FPÖ]: Und noch länger arbeiten, oder wie? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Also dann bis 67 oder bis 70, wissen Sie es schon?

NEOS Ines Holzegger

… Für uns steht deshalb fest, beim Essen und bei Pensionen: Wir setzen auf Lösungen, die einfach, unbürokratisch und vor allem nachhaltig für die nächsten Generationen sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und die Bürger müssen es zahlen!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste in der Rednerliste: Frau Abgeordnete Voglauer. Ihre eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Olga Voglauer

Danke, Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuhörer:innen und Zuschauerinnen und Zuschauer! Spoštovana Visoka Hiša! Ja, es geht um die Lebensmittelverschwendung. Gerade wenn man sich den Weg von Lebensmitteln anschaut – vom Feld, aus dem Stall von der Kuh zum Beispiel bis hin zum Verkauf, bis zur Verarbeitung zu Hause in der Küche oder beim Außerhausverzehr –, muss man sagen: Wir werfen einfach zu viel weg! Wieder einmal haben mehr als 120 000 Menschen gesagt: Liebe Nationalratsabgeordnete, befasst euch mit dem Thema und ändert etwas! – Es ist den Menschen zu wenig, was wir leisten. Wir finden es vielleicht nett, wenn wir wieder einmal etwas evaluieren, aber evaluieren ist eindeutig zu wenig. Wir haben hier zu handeln, wir haben die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren! (👏) Über den heutigen Tag wird – statistisch gesehen – jeder von uns eine Scheibe Brot wegwerfen. Jetzt stellen Sie sich das vor: Sie schneiden sich eine schöne Scheibe frisches, knuspriges Brot herunter und dann hauen Sie diese einfach in den Mistkübel. Das berührt uns alle und das tut uns allen nicht gut. Die Aufgabe ist also, dass wir, wenn wir nächstes Jahr vielleicht hier stehen oder beim nächsten Volksbegehren zu diesem Thema hier sprechen, diese eine Scheibe Brot nicht mehr weggeworfen haben; aus unterschiedlichen Gründen, die wir heute schon gehört haben: wegen der Arbeit, die dahintersteckt, wegen der Ressourcen, einfach weil es um kostbare Lebensmittel geht. Lassen Sie mich auch mit einer Mär aufräumen: Lebensmittel, die gerettet werden, sind keine Almosen. Für Lebensmittel, die gerettet wurden, gilt es ja, eigentlich Orden zu verteilen. Deswegen verstehen wir als Grüne es auch nicht, dass Menschen, die dumpstern oder, landläufig gesagt, mülltauchen, so hart bestraft werden. Wir brauchen eine Lösung, dass Menschen, die Lebensmittel brauchen und welche retten, nicht am Ende des Tages vor der Bezirksrichterin landen. (👏 SPÖ) Liebe Regierungsfraktionen, gehen Sie doch einen oder mehrere Schritte weiter und evaluieren Sie nicht nur. In den letzten Jahren ist es gelungen, mit unterschiedlichen Förderungen die Tafeln auszubauen, die Sozialmärkte auszubauen, Menschen in besonderen Lebenslagen zu helfen, gut einkaufen zu können …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Was haben die Grünen jetzt gemacht? Was habt ihr Grüne jetzt jahrelang gemacht? Ihr wart in der Regierung!

GRÜNE Olga Voglauer

… ein soziales Gefühl des Zusammenhalts zu haben und hier auch eine Möglichkeit und ein Angebot zu haben, um später wieder im Einzelhandel einkaufen zu können. Genau, und da hat sich auch vieles getan, Kollege Wurm, du brauchst nur nachzulesen, zum Beispiel durch die Unterstützung von Sozialmärkten und Tafeln. Also danke für diesen Einsatz dort, aber arbeiten wir daran, dass das gar nicht notwendig wird. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Spalt. Die eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Thomas Spalt

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kollegen Abgeordnete! Hohes Haus! Werte Zuseher! Es ist fast ein bisschen schwierig, nach meinen Vorrednern hier zu diesem Thema und zu einem so wichtigen Thema wie Lebensmittelverschwendung Stellung zu beziehen, denn auch meiner Vorrednerin muss ich sagen: Kollegin Abgeordnete Voglauer, man muss hier schon die Frage stellen: Was haben Sie die letzten fünf Jahre gemacht?! Wenn ich mich richtig erinnere, waren Sie die letzten fünf Jahre in der Bundesregierung. Sich dann heute hier herauszustellen und das einzufordern, ist schon ein bisschen dünn. Für uns Freiheitliche ist aber natürlich ganz klar, es ist ein Gebot der Vernunft und der Verantwortung, sowohl gegenüber unserer Umwelt, gegenüber unseren Bauern, die diese Lebensmittel durch harte Arbeit erzeugen, als nicht zuletzt vor allem auch gegenüber all jenen Menschen in unserem Land, für die der tägliche Einkauf mittlerweile – auch durch die zahlreichen Fehlentscheidungen unserer Bundesregierung, vor allem der vergangenen Bundesregierung, aber die neue Bundesregierung knüpft da eins zu eins an diese Fehlentscheidungen an – zur finanziellen Belastungsprobe geworden ist. Geschätzte Damen und Herren – und das sage ich bewusst und deutlich –, das, was wir heute hier erleben, ist schon ein Paradebeispiel für die inhaltsleere Showpolitik der Bundesregierung, denn dieser Antrag, der uns hier zur Lebensmittelverschwendung vorliegt, stammt nicht etwa von der Regierung, nein, sondern er stammt von Abgeordneten. Warum ist es für mich so wichtig, das heute hier zu erwähnen? – Geschätzte Damen und Herren, die Regierung, die Regierungsparteien, ÖVP, SPÖ, NEOS, hätten ja mittlerweile vier Monate Regierungszeit gehabt. Sie haben es in diesen vier Monaten Regierungszeit jedoch nicht geschafft, nur einen einzigen – einen einzigen! – konkreten Antrag zu diesem so wichtigen Umweltbereich einzubringen. (👏 FPÖ) Stattdessen wird hier mit einem längst bekannten Volksbegehren, das seit Monaten im Ausschuss liegt, auf das Thema aufgesprungen und in letzter Minute dann hier noch irgendwie ein Antrag zusammengezimmert. Und der Antrag sagt im Wesentlichen aus, die Bundesregierung möge Maßnahmen setzen. Geschätzte Damen und Herren, das ist nach vier Monaten Zusammenarbeit, Regierungszeit definitiv zu wenig. (👏 FPÖ) Geschätzte Damen und Herren, die Menschen in Österreich erwarten sich konkrete Maßnahmen und keine wohlklingenden Floskeln und Sonntagsreden. In einer Zeit, in der Hochwasser ganze Regionen verwüstet, in der Extremwetterereignisse zunehmen, erwartet sich die Bevölkerung Lösungen und keine PR-Kampagnen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Klimaschutz!

FPÖ Thomas Spalt

… Zum grünen Klimaschutz kommen wir später mit dem Pfandsystem eh noch.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bei Ihnen wäre es ja schon ein Fortschritt, wenn Sie einsehen, dass es einen Klimawandel gibt!

FPÖ Thomas Spalt

… Geschätzte Damen und Herren, bitte hören Sie auf mit diesen Symbolanträgen, setzen Sie endlich konkrete Maßnahmen, denn das, was es braucht, ist nicht mehr Regulierung, sondern es braucht mehr Hausverstand. Wenn ich über diesen Umweltbereich spreche, dann möchte ich es deutlich sagen – wenn ich nach rechts und nach links von mir schaue, so zeigt die Nichtanwesenheit der Regierungsmitglieder das ganz klar …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Die müssen ja nicht da sein!

FPÖ Thomas Spalt

… Der Umweltbereich darf nicht länger das politische Stiefkind dieser Bundesregierung sein! (👏 FPÖ) Geschätzte Damen und Herren, wir fordern daher ganz klar: Es muss ein Ende haben mit dieser Schaufensterpolitik. Wir brauchen ein klares Bekenntnis zu echten Umweltmaßnahmen, die wirken und nicht nur etwas kosten, aber wir brauchen vor allem eines: mehr Mut zu Eigenverantwortung statt Ihrer ständigen Verbotspolitik und Bevormundung der Österreicher. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Reiter. – Eingemeldete Redezeit für Sie: 4 Minuten. Bitte schön, Frau Abgeordnete.

ÖVP Carina Reiter

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer! Ich darf als Erstes in meiner Rede hier im Plenum – ich glaube, sie sind schon hier – den Seniorenbund von Piesendorf und Kaprun recht herzlich im Parlament begrüßen. – Schön, dass ihr hier seid! ( Allgemeiner Beifall. ) „Essen nicht wegwerfen!“, das ist nicht nur der Titel dieses Volksbegehrens, sondern ein Auftrag an uns alle. Lebensmittel sind wertvoll. Wir haben heute schon viele Zahlen gehört, ich glaube, es ist sehr bezeichnend, dass bis zu 800 Euro pro Haushalt in Österreich weggeschmissen werden. Da sieht man einmal, um welche Menge beziehungsweise Summe es sich da eigentlich handelt. Umso wichtiger ist es, dass wir nicht nur darüber reden, sondern dementsprechend handeln. Und genau das ist in den vergangenen Jahren auch passiert. Was ist denn bereits umgesetzt worden? – Ich darf drei Punkte herausgreifen. Bereits 2023 haben wir im Rahmen eines umfassenden Maßnahmenpaketes gegen die Teuerung sehr wegweisende Schritte gesetzt. Es ist das Abfallwirtschaftsgesetz novelliert worden, und im Zuge dessen haben wir eine Transparenzpflicht eingeführt. Das heißt, seit dem vierten Quartal 2023 müssen große Supermärkte und Großhändler vierteljährlich melden, wie viele Lebensmittel sie spenden und wie viele sie entsorgen. Die Daten zeigen, pro Quartal werden circa 13 000 bis 14 000 Tonnen entsorgt, aber auch 4 000 bis 6 000 Tonnen unentgeltlich zum menschlichen Verzehr weitergegeben. Gleichzeitig ist mit dem Kostbar-Markt eine digitale Lebensmitteldrehscheibe gestartet worden, die auch entsprechend gefördert wird, und es werden 8 Millionen Euro für die Logistikinfrastruktur sozialer Einrichtungen bereitgestellt, wie zum Beispiel die Tafel Österreich. Und seit 1. August 2024 sind Lebensmittelspenden von der Umsatzsteuer befreit. Das ist ein wesentlicher Hebel, um Spenden für den Handel attraktiver zu machen und da auch die Mengen zu steigern. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Da ich mir jetzt während der Debatte die Aussagen der Kollegen Schmiedlechner und Spalt von der FPÖ angehört habe, muss ich sagen, ich finde es fast schon bemerkenswert bis hin zu leicht lustig, dass ausgerechnet die FPÖ, die sich da heute so extrem engagiert gezeigt hat, im Jahr 2023 hier in diesem Haus, im Parlament gegen ganz genau diese Maßnahmen gestimmt hat und sie abgelehnt hat. Sie reden immer von Anträgen und machen irgendwelche Ankündigungen, und wenn es dann ums Eingemachte geht, wenn also abgestimmt wird, dann seid ihr doch dagegen. Das ist irgendwie komisch, es passt nicht ganz zu den Aussagen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Dieses klare Bekenntnis zu echten Umweltmaßnahmen, wie Kollege Spalt von der FPÖ gesagt hat, hört also anscheinend dann, wenn es ernst wird, gleich einmal auf. Vielleicht müssen Sie da noch ein bisschen nachdenken – Kollege Schmiedlechner hat ja gesagt, er hat nachgedacht; das ist sicher nie schlecht – und noch ein bisschen weiter in sich gehen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was habt ihr denn da beschlossen? Was habt ihr 2023 beschlossen?

ÖVP Carina Reiter

… Weil jetzt ein Kollege von der FPÖ gefragt hat, was wir beschlossen haben: Wir haben die AWG-Novelle beschlossen, wir haben mehr Transparenz beschlossen, wir haben den Kostbar-Markt beschlossen sowie mehr Unterstützung für soziale Einrichtungen – und die FPÖ hat dagegengestimmt.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Dann ist ja alles schon geregelt!

ÖVP Carina Reiter

… Man kann auch die Protokolle nachlesen, das ist im Parlament alles möglich.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Und das habt ihr alles umgesetzt?

ÖVP Carina Reiter

… Also: Wer lautstark Lösungen fordert, aber gestern die Grundlagen für die Lösungen abgelehnt hat, muss sich schon fragen lassen, wie ernst es ihm mit dem Thema wirklich ist. Das ist halt einfach so. Was es jetzt braucht, ist, weiterhin Verantwortung zu übernehmen, und das natürlich in der gesamten Wertschöpfungskette – das ist heute schon mehrmals ausgeführt worden –: vom Handel über die öffentliche Hand bis natürlich hinein in die Privathaushalte. Lebensmittelverschwendung ist mehr als nur ein Umweltthema, es ist eine soziale, wirtschaftliche und auch eine moralische Herausforderung. Wir haben in den letzten Jahren – wie bereits angeführt – wichtige Schritte gesetzt: mit der Transparenzpflicht, mit der digitalen Drehscheibe Kostbar-Markt, mit mehr Unterstützung für soziale Einrichtungen und der Befreiung von der Umsatzsteuer für Lebensmittelspenden. Umso wichtiger ist, dass wir im Parlament diesen Weg konsequent weitergehen, und der Antrag, der heute hier im Zusammenhang mit dem Volksbegehren debattiert wird, ist ein Antrag, der genau an diese Schritte anknüpft und sie sinnvoll ergänzt. Das heißt, dass wir die bestehenden Maßnahmen evaluieren und weiterentwickeln, dass der Aktionsplan für nachhaltige öffentliche Beschaffung, der sogenannte Nabe, wirksam umgesetzt werden soll – mit dem Fokus auf Regionalität und Saisonalität, weil wir sehen, da haben wir noch Aufholbedarf – und dass man einen praxisnahen Blick über den Tellerrand wirft, sich also auch Best-Practice-Beispiele aus anderen Ländern anschaut, genau wie es ja auch im Volksbegehren gefordert worden ist. Deswegen ist das durchaus sehr sinnvoll, und ich bitte um Zustimmung – denn am Ende zählt nicht, wer am lautesten schreit, sondern wer dafür sorgt, dass gutes Essen nicht im Müll, sondern auf den Tellern der Menschen landet. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Jantscher. – Ihre eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Franz Jantscher

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Kolleginnen, werte Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Heute geht es um etwas, das uns alle betrifft, jeden von uns jeden Tag. Wie schon vorhin mehrmals angesprochen, landen 600 000 Tonnen Lebensmittel im Müll. Das sind Tonnen voller Energie, voller Wasser, voller Arbeit, voller Rohstoffe – alles eingesetzt, um Lebensmittel zu erzeugen, die dann weggeworfen werden: für den Müll produziert, für nichts. Lebensmittel, die auf Feldern wachsen, aber nicht geerntet werden, weil sie zu krumm sind; Produkte, die im Handel aussortiert werden, weil sie nicht der Norm entsprechen; Speisen, die in Kantinen aussortiert werden, weil zu viel gekocht wurde; Lebensmittel, die zu viel gekauft wurden oder das Haltbarkeitsdatum überschritten haben – all das sind Lebensmittel, die einwandfrei genießbar sind und verschwendet werden. Diese Verschwendung zieht sich durch alle Stufen der Wertschöpfungskette, vom Acker bis auf den Teller – und von dort direkt in die Tonne oder besser gesagt leider in die Mülltonne. Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern ein moralisches Problem: Während die einen kiloweise Lebensmittel entsorgen, leben viele Menschen in Armut. Sie können sich kaum frische Lebensmittel leisten, müssen sparen, während andere achtlos Überfluss vernichten. Lebensmittelverschwendung ist eine der größten Ressourcenverschwendungen unserer Zeit. Jedes Brot, das wir wegwerfen, hat CO 2 verursacht, hat Wasser verbraucht, hat Fläche verbraucht, und mit jedem Bissen, den wir unbedacht entsorgen, verspielen wir ein Stück Zukunft. Klar ist: Wir können uns das nicht mehr leisten, nicht ökologisch, nicht sozial, aber auch nicht wirtschaftlich. (👏 ÖVP, SPÖ) Wir sind mit dem Aktionsprogramm gegen Lebensmittelverschwendung „Lebensmittel sind kostbar“ nicht schlecht unterwegs, aber da ist noch Luft nach oben. Wir brauchen Transparenz und Verantwortung in der Produktion und im Handel. Und offen gesagt: Wir brauchen aber auch Wertschätzung beim Konsum. Wer Lebensmittel wegwirft, wirft nicht nur Geld weg, er wirft auch Respekt vor der Arbeit, der Natur und unseren Mitmenschen weg. Lebensmittel sind keine Wegwerfware, sie sind ein Kulturgut, ein Mittel zur Gerechtigkeit. Was wir heute tun oder eben unterlassen, bestimmt die Lebensqualität von morgen. (👏 SPÖ) Sorgen wir gemeinsam dafür, dass kein Lebensmittel mehr sinnlos im Müll landet! Dabei geht es nicht um Verzicht, es geht um Haltung, um Bewusstsein und vor allem um Verantwortung. Kollege Spalt, da bin ich bei Ihnen: Mein Appell ist keine Aufforderung zur Schaffung von Regeln, sondern er richtet sich an die Eigenverantwortung. – Vielen, vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Della Rossa. – Ihre eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. ( In Richtung des sich zum Redner:innenpult begebenden Abg. Wurm [FPÖ]: ) Der Nächste ist Herr Abgeordneter Della Rossa, laut der mir vorliegenden Einmeldung! ( Rufe: Ja, es steht da auch so! Es steht da auch so! – Ruf: Hat sich das umgedreht? ) – Es hat sich umgedreht, ja. (Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung des sich wieder zu seinem Sitzplatz begebenden Abg. Wurm [FPÖ] –: Gestern verwechselst du einen Hasen mit einem Murmeltier und heute dich mit einem SPÖler!)

SPÖ Antonio Della Rossa

Einen wunderschönen guten Morgen! Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zusehende und Zuhörende hier im Saal und auch vor den Geräten zu Hause! Ich glaube, das meiste wurde schon gesagt, aber eine Sache, die mir besonders am Herzen liegt und über die ich heute noch ein bisschen zu wenig gehört habe, sind diese Bilder, die ich nicht mehr aus dem Kopf kriege – ich weiß nicht, ob manche Abgeordnete, die durch den Haupteingang gekommen sind, sie gesehen haben, zumindest an den letzten Plenartagen; ich weiß nicht, ob es am letzten oder vorletzten war –, diese Bilder des VGT. Sie kennen sie alle: die Schweine in den dunklen, engen Boxen, die Kücken auf engstem Raum, gedrängte Kälber auf Lkws – ja, unerträgliche Bilder. Mir kommen aber auch Bilder von Tieren in den Kopf, die von Bergbauern gehalten werden, die ihre Tiere schätzen, die ihren Tieren Namen geben. Dennoch sterben diese Tiere alle für einen Zweck: für unseren Teller, um gegessen zu werden. Komisch wird es nur dann, wenn sie nicht auf dem Teller landen, sondern direkt in der Mülltonne. Das kann es nicht sein, meine Damen und Herren, das ist grotesk, das ist ein Systemversagen! (👏 ÖVP, SPÖ) Denn: Jedes weggeworfene Stück Fleisch, das noch genießbar wäre, bedeutet nicht nur einen ökologischen Fußabdruck, sondern ein Lebewesen, das geboren wurde, das gefüttert, gehalten, transportiert und schließlich getötet wurde, ohne gegessen zu werden. Tierleid ohne Sinn, Ressourcenverbrauch ohne Nutzen, Klimabelastung ohne Gegenwert – das kann es nicht sein. (👏 SPÖ) Lebensmittelverschwendung ist aber nicht nur ein ethisches, sondern auch ein klimarelevantes Problem. Laut WWF gehen bis zu 10 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen auf das Konto von verschwendeten Lebensmitteln. Dabei machen die Fleischabfälle, wie durch mehrere Studien belegt ist, mehr als 70 Prozent der verursachten Treibhausgasemissionen aus. Was bedeutet das für uns? – Auch wir in Österreich vernichten Nahrungsmittel – das kostet Energie, das haben wir schon gehört, das kostet Wasser, Arbeit und das kostet Leben, Tierleben –, und das, obwohl gleichzeitig immer mehr Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen sind und soziale Organisationen wie die Tafel an ihre logistischen Grenzen stoßen und auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Ja, man hat es bereits erwähnt, die Vorgängerregierung hat diesbezüglich schon einiges getan, es wurde einiges verbessert. Dieser Antrag soll aber nicht eine leere Worthülse sein, sondern es stehen konkrete Ideen dahinter, und es gibt Best-Practice-Beispiele aus dem europäischen Raum – ich denke an Tschechien, ich denke an Frankreich, ich denke auch an Italien. Mir schwebt vor, verbindliche Reduktionsziele für alle Stufen der Wertschöpfungskette, also vom Acker bis zum Teller, einzuführen. Auch Förderungen von Spendeninfrastruktur schweben mir vor. Und schlussendlich kann man sich ja auch Best-Practice-Beispiele dahin gehend ansehen, dass man sagt: Ja, vielleicht braucht es auch ein Antiwegwerfgesetz, vor allem was Tierprodukte anbelangt – denn eines ist sicher: Jedes Tier, das für die Mülltonne stirbt, ist ein Tier zu viel. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Wurm. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Hohes Haus! Werte Zuseher! Werte Kollegen! Das war heute Morgen schon ein bisschen eine Showvorstellung zu diesem Thema.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Du bist jetzt die Aftershow, oder was?

FPÖ Peter Wurm

… Ich nehme es den jungen Abgeordneten nicht krumm, weil sie noch nicht allzu lange da sind. Ich selber habe vor zehn Jahren den ersten Antrag zu diesem Thema eingebracht, weil das Thema ja nicht neu ist.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Eine Gesetzesänderung ...! – Abg. Shetty [NEOS]: Ein Murmeltierantrag sozusagen!

FPÖ Peter Wurm

… Nur um jetzt einmal zu den Fakten zu kommen: Es hat sich in den letzten zehn Jahren nichts verändert .

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Das stimmt ja gar nicht!

FPÖ Peter Wurm

… Doch, das stimmt, Frau Kollegin.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Das AWG ist novelliert!

FPÖ Peter Wurm

… Wenn Sie sich die Zahlen anschauen, würden Sie es wissen. Vielleicht noch einmal zur Klarstellung: Der größte Teil der Lebensmittelverschwendung passiert in den Haushalten zu Hause. Und warum? – Das ist auch relativ deutlich erfasst worden: Weil heute leider Gottes, sage ich einmal, die, die zu Hause die Lebensmittel verwenden, auch gar nicht mehr wissen – teilweise das Produktwissen gar nicht mehr haben –, wann ein Lebensmittel abgelaufen ist und was man damit machen kann. Mehr als die Hälfte wird zu Hause verschwendet. Das heißt, den stärksten Effekt hätten wir, wenn wir unseren Kindern auch wieder beibringen würden, was Lebensmittel sind, wie man sie verwenden kann und was man daraus machen kann. (👏 FPÖ) Das ist natürlich ideologisch klarerweise von der linken Seite und von den Grünen nicht gewünscht gewesen, wir wollten das immer.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Dass Männer kochen lernen?

FPÖ Peter Wurm

… Das hat ja immer so ein bisschen einen sehr konservativen, altmodischen Touch, wenn man zum Beispiel in der Schule kochen lernt.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Das stimmt ja überhaupt nicht!

FPÖ Peter Wurm

… Das gibt es ja alles nicht mehr. Aber das ist die Realität: Mehr als die Hälfte wird zu Hause weggeschmissen, und zwar unnötigerweise weggeschmissen. Dann haben wir die anderen vier Bereiche: Das ist der Bauer, dann der, der die Lebensmittel verarbeitet, die Gastronomie und der Lebensmittelhandel. Zu diesen vier Bereichen darf ich Ihnen eines sagen: Man hat in den letzten Jahren diesen vier Gruppen jedes Jahr noch mehr Schwierigkeiten bereitet, diese Verschwendung zu verhindern. Weder der Bauer noch der Lebensmittelproduzent noch der Handel noch die Gastronomie haben Interesse daran, etwas wegzuschmeißen, ganz einfach, weil das Geld kostet. Die Regeln sind aber so gemacht worden, hier im Parlament von euch oder vor allem, noch schlimmer, auf europäischer Ebene. Deshalb haben wir dieses Ergebnis. Man muss die Ursachen bekämpfen, wenn man etwas verändern will. Auch die Sozialmärkte und alles: Das ist alles super, das haben wir immer unterstützt, schon vor zehn Jahren …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Nur nicht bei Beschlüssen!

FPÖ Peter Wurm

… aber die Realität ist – Frau Kollegin Reiter –, wir reden da von 1 bis 2 Prozent dieser verschwendeten Menge, die wir über die Sozialmärkte weitergeben können.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Das ist trotzdem wichtig!

FPÖ Peter Wurm

… Das ist die Realität, und das muss man der Bevölkerung einmal sagen. Das ist alles nett, aber an der Gesamtsumme ändert das so gut wie gar nichts. Das heißt, die Aufgabenstellung – und ich habe selber unzählige Anträge eingebracht – wäre, diesen vier Produzenten die Dinge so zu erleichtern, dass nichts weggeschmissen werden muss. Sie haben auch auf europäischer Ebene den berühmten Sautrog abgeschafft. Das war früher der einfachste Weg, Dinge, Lebensmittel upzucyceln, sage ich, wieder in den Kreislauf zu bringen.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Weil jeder Haushalt eine Sau hat, oder?

FPÖ Peter Wurm

… Das geht heute nicht mehr, weil die Regeln auf europäischer Ebene so gemacht wurden. Und ich sage Ihnen auch, warum: Weil diese Großkonzerne natürlich lieber quasi Systemlebensmittel verkaufen würden, statt dass das im Kreislauf wiederverwendet wird. Das ist die Realität, Frau Kollegin, und das muss man einmal zur Kenntnis nehmen. RN/28.1 Auf der anderen Seite sollten wir uns bemühen, in den Haushalten wieder Produktwissen zu vermitteln, Kochwissen zu vermitteln, damit nicht alles weggeschmissen wird. Es liegt einfach an der Unkenntnis von ganz vielen, dass so viel weggeschmissen wird. Diese Realität ist nicht neu. Das, was Sie heute machen, ist die Wiederholung der Wiederholung.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Stimmt ja gar nicht! Haben Sie es überhaupt gelesen?

FPÖ Peter Wurm

… Diese Anträge, dass die Regierung aufgefordert wird, haben wir unzählige Male hier im Parlament schon eingebracht. Sie haben es einfach falsch wiedergegeben. (Abg. Reiter [ÖVP] – ein Schriftstück in die Höhe haltend –: Da, schwarz auf weiß ...!) Aber ich brauche ja nicht drei Mal die Regierung aufzufordern, Frau Kollegin. Ich war dabei, Frau Kollegin, die letzten zwölf Jahre. Ich weiß es einfach, glauben Sie es mir! …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Ja, es ist mir klar, dass Sie schon älter sind, aber trotzdem ist es so! – Abg. Greiner [SPÖ]: ... nicht gescheiter!

FPÖ Peter Wurm

… Sie fordern sich selber auf. Sie fordern sich selber auf, etwas zu tun. Ganz nett ist Frau Kollegin Voglauer von den Grünen, wenn sie heute sagt: Das ist zu wenig! – Die Grünen sind fünf Jahre in der Regierung gewesen, und es ist im Bereich Lebensmittelverschwendung null passiert …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das stimmt nicht!

FPÖ Peter Wurm

… und jetzt kommt Frau Voglauer und sagt: Das, was die Regierung jetzt vorhat, ist zu wenig! …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Besser aufpassen!

FPÖ Peter Wurm

… Also es ist ja eine Farce, was Sie hier abliefern. Wenn Sie das Problem Lebensmittelverschwendung lösen wollen, dann müssen Sie die Regeln ändern. Die müssen wir hier im Parlament ändern und in Brüssel ändern …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Ja, und trotzdem haben Sie nicht mitgestimmt bei der einen Sache! – Zwischenruf des Abg. Stögmüller [Grüne]

FPÖ Peter Wurm

… sonst wird sich am System nichts ändern. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir gelangen nun zu den Abstimmungen. RN/29.1 Zunächst lasse ich über den Antrag des Umweltausschusses, seinen Bericht 180 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen, abstimmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. RN/29.2 Weiters kommen wir zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 180 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist ebenfalls einstimmig angenommen. ( 27/E )

Volksbegehren "Nein zu Atomkraft-Greenwashing"

181 d.B. · Regierungsvorlage 4 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Dokumente

Volksbegehren "Nein zu Atomkraft-Greenwashing"

~18 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Alexander Petschnig

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Uns liegt ein Volksbegehren mit dem Titel „Nein zu Atomkraft-Greenwashing“ vor, getragen von der Sorge um die Folgen der Nutzung der Atomenergie. Zu Recht wird auf Katastrophenfälle wie Tschernobyl und Fukushima verwiesen – Sorgen, die wir, glaube ich, allseits teilen. Und dass wir uns in der Ablehnung der Atomkraft parteiübergreifend hier im Haus einig sind, das steht, glaube ich, außer Frage. Trotzdem lässt es sich nicht vermeiden, dass man ein bisschen hinter die Kulissen schaut und ein bisschen nach den Ursachen des Phänomens forscht, und da kommt man natürlich auf die Energiepolitik der letzten Jahre zu sprechen; eine Energiepolitik, die bewirkt hat, dass in der Europäischen Union und insbesondere in Deutschland und Österreich massive Ausgaben für erneuerbare Energien, für ausgewählte erneuerbare Energien wie Windkraft und Fotovoltaik, getätigt worden sind. Das sind Ausgaben, die im privaten Bereich durchaus sinnvoll sind, wünschenswert sind, förderungswürdig sind, die aber die industrielle Produktion vor gewisse Probleme stellen. Für die industrielle Produktion sind diese erneuerbaren Energiequellen zu unstetig, sie sind wetterabhängig …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Schon was von Wasserkraft gehört?

FPÖ Alexander Petschnig

… und sie sind, um das Stichwort gleich zu sagen, nicht grundlastfähig. Das heißt, es ist keine laufende, von Windstärke und Sonnenstand unabhängige Produktion, kein ständiges und gesichertes Angebot möglich, während gleichzeitig die Nachfrage nach Strom sehr stark ansteigt, Stichwort Elektromobilität. Das heißt, wir kommen immer wieder auf diesen Kernbegriff der Grundlast zu sprechen, und da müssen wir woanders, nämlich bei anderen Kraftwerkstypen, fündig werden. Da gibt es zum einen einmal die Laufkraftwerke, das wurde hier bereits hereingerufen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Sind erneuerbar!

FPÖ Alexander Petschnig

… Ja, da ist Österreich sehr gut aufgestellt, wenngleich der weitere Ausbau auf politischen Widerstand, unter anderem von grüner Seite, stößt. Da sind aber gewisse topografische Voraussetzungen notwendig, die nicht alle Länder haben. Da sind wir sozusagen gesegnet. Das ist aber kein adäquater Ersatz. Dann gibt es Kohlekraftwerke, aus denen bestimmte Länder wie Österreich bereits ausgestiegen sind, andere EU-Länder planen diesen Ausstieg in den kommenden Jahren. Das hat im Übrigen zur Folge, dass der Preis für Kohle sehr stark fällt und dass in Ostasien, in China, in Vietnam und in Indonesien, Medienberichten zufolge 600 neue Kohlekraftwerke errichtet werden, ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen, ohne chemische Filter und dergleichen. Ob das also der Weisheit letzter Schluss ist, sei einmal dahingestellt. Dann gäbe es Gaskraftwerke, eine Technologie, die aufgrund der ganzen Russland- und Ukrainethematik in den letzten Jahren natürlich etwas scheel angesehen wird. Da gibt es aber auch wieder Ausbaupläne. Von der Bundesregierung wurde zum Beispiel einiges dazu gesagt, das hat auch bereits zu Debatten und Zwischenrufen hier im Haus geführt. Auch Deutschland plant, da entsprechend auszubauen; man wird sehen, was daraus wird. Und dann gibt es eben – um zum Volksbegehren zurückzukommen – die Atomkraft, nicht in Österreich, aber in etlichen anderen EU-Ländern.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wird das jetzt eine Pro-Atomkraft-Rede?

FPÖ Alexander Petschnig

… Atomkraft hat natürlich – unter Anführungszeichen – den „Vorteil“, dass der Normalbetrieb, sofern es so etwas bei Atomkraft geben kann, ohne CO 2 -Ausstoß vor sich geht – da haben wir ja auch andere Kostentreiber, wie entsprechende Steuern darauf –, und daher ist sie in der EU, aber vor allem auch außerhalb der EU sehr stark im Ausbau begriffen. Wenn man das jetzt in den Kontext setzt, dann muss man halt sagen, dass der Bau von Atomkraftwerken, so wie die Argumentation in Richtung Greenwashing von Atomkraft, nicht wirklich aus Überzeugung geschieht oder nicht unbedingt aus Überzeugung geschieht, sondern durch die Umstellung des Energiemixes und durch Entscheidungen wie Green Deal und Energiewende provoziert wird, sozusagen sogar erzwungen wird.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das stimmt so nicht!

FPÖ Alexander Petschnig

… Oder um es deutlich zu sagen: Wer funktionierende und kostengünstige Energieversorgung aus ideologischen Gründen, Frau Kollegin, abdreht, fordert höhere Nachfrage nach Atomkraft regelrecht heraus. Und genau vor diesem Phänomen stehen wir. Bestes Beispiel, weil die Zwischenrufe aus dem grünen Sektor kommen: Unser Nachbarland Deutschland …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Haben sie überkompensiert mit Erneuerbaren!

FPÖ Alexander Petschnig

… bekanntlich mit einer grünen Regierung – sogar der Vizekanzler, glaube ich, war das –, hat das entsprechend zur Umsetzung gebracht. Die deutsche Industrie braucht entsprechend viel Energie, wird für grüne Stahlproduktion und so weiter noch viel mehr Energie brauchen und hat die Erneuerbare-Energie-Produktion sehr stark ausgebaut, anteilsmäßig in den letzten zehn Jahren sogar verfünffacht. Sie ist gleichzeitig aus der Atomkraft ausgestiegen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wunderbar! Sie haben die Erneuerbaren ausgebaut!

FPÖ Alexander Petschnig

… konnte das aber nur machen, weil französische Atomenergie bezogen worden ist.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

FPÖ Alexander Petschnig

… Der Import von Atomenergie aus Frankreich hat sich in den letzten zehn Jahren anteilsmäßig sogar versechsfacht. Das bewirkt natürlich, dass jenseits der deutsch-französischen Grenze neue Meiler entstehen. Das ist eine unglaubliche Kopf-in-den-Sand-stecken-Politik, das ist wirklich nicht ganz ernst zu nehmen. Das daraus folgende Greenwashing der Atomkraft, über das ja in diesem Volksbegehren zu Recht lamentiert wird, ist praktisch die Kehrseite dieser Erneuerbare-Energie-Münze, und dass Konzerne wie EDF dann aus Geschäftsinteresse darauf setzen, ist klar. Das heißt – ich komme zum Anfang zurück –, die Intention des Volksbegehrens ist vollumfänglich zu unterstützen, darin sind wir uns einig. Gerade Entscheidungen, wie sie in Brüssel, in Berlin und teilweise auch in Wien getroffen werden, verhindern in der Praxis aber genau das. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ofenauer. Die eingemeldete Redezeit beträgt 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie sind am Wort.

ÖVP Friedrich Ofenauer

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Meine sehr verehrten Zuseherinnen und Zuseher! Volksbegehren sind die Möglichkeit, sich aktiv an der politischen Debatte zu beteiligen und daran teilzunehmen. Die Initiatorinnen und Initiatoren und auch die Unterstützerinnen und Unterstützer dieses Volksbegehrens haben das getan. 105 955 Unterschriften, die geleistet wurden, sind die Grundlage dafür, dass das Volksbegehren „Nein zu Atomkraft-Greenwashing“ heute hier im Parlament debattiert wird. (Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz.) Österreich nimmt seit Jahrzehnten eine klare Haltung zu Atomkraft ein, nämlich: Nein zu Atomkraft – seit der Verhinderung von Zwentendorf. Das Volksbegehren spricht zentrale Themen an, die wichtig sind, nämlich den Ausbau der Kernenergie, die staatlichen Subventionen für Atomkraft, die ungelöste Abfallproblematik und vor allem auch die potenziellen Gefahren von schweren Unfällen. Wir teilen diese Bedenken und unterstützen so gesehen die Forderung, dass Atomkraft im Rahmen der EU-Taxonomie nicht als nachhaltige Energieform eingestuft werden soll, denn Atomenergie ist teuer von der Errichtung her, riskant und hinterlässt vor allem nachfolgenden Generationen ungelöste Probleme. Österreich lehnt die Bevorzugung von Atomkraft, direkt oder indirekt, ab und spricht sich auch dagegen aus, dass Kernenergie als umweltfreundlich, als grün und nachhaltig eingestuft wird. Klar ist aber auch: Solange Strom – Strom, mit dem wir alle Strom verbrauchenden Geräte benützen – quasi die Nerven und die Nervenleitungen unserer Gesellschaft darstellt, müssen wir natürlich umweltfreundliche Stromproduktion, erneuerbare Energien entsprechend ausbauen. Mir ist dabei die Haltung der Freiheitlichen nicht ganz klar: Auf der einen Seite sind sie natürlich gegen Greenwashing von Atomkraft, vollkommen klar, auf der anderen Seite gibt es die Haltung zum Ausbau der Windenergie, der ja eher negativ gesehen wird, obwohl das eigentlich eine umweltfreundliche Energie darstellt. Eine Lösung dafür, wie wir mit dem steigenden Strombedarf umgehen werden, ist da also nicht sichtbar. Etwas kritisch möchte ich anmerken, dass dieses Volksbegehren auch den Anschein erweckt, dass man mit einem Bundesverfassungsgesetz auf EU-Ebene so etwas verhindern könnte. Das ist durchaus kritisch zu sehen, weil eben der Eindruck erweckt wird, dass das möglich ist. Tatsache ist aber, dass der Nationalrat kein Bundesverfassungsgesetz schaffen kann, das auf EU-Ebene die Einstufung von Atomkraft als nachhaltig verhindern könnte, weil eben europäisches Recht dem nationalen Recht vorgeht. Diese Forderung ist aus rechtsstaatlicher Sicht nicht umsetzbar und so gesehen irreführend und schürt auch falsche Erwartungen, was ich durchaus als problematisch ansehe. Erwähnt wird auch, dass NGOs gegen die Einstufung von Atomkraft als grüne Energie Klage erhoben hätten, Tatsache ist aber, dass auch die österreichische Bundesregierung bereits im Oktober 2022 Klage dagegen erhoben hat. Da wird also versucht, den Eindruck zu erwecken, als hätte Österreich nichts dagegen getan, und das ist falsch. Österreich hat bereits Klage erhoben, hat diese Klage eingebracht und hat sich dafür auch Unterstützer gesucht; Luxemburg zum Beispiel hat gemeinsam mit Österreich diese Klage unterstützt. Wir warten auf diese Entscheidung des EuGH und werden uns auch weiterhin auf europäischer Ebene gegen die Einstufung von Atomkraft als grün einsetzen und dafür auch ganz gezielt internationale Verbündete suchen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Roland Baumann . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Roland Baumann

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Das Volksbegehren beschäftigt sich mit einer zentralen Frage in Österreich. Die hohen Preise für Strom und Energie hemmen unsere Wirtschaft, belasten die Menschen in den Privathaushalten und gefährden unsere sozialen Absicherungssysteme. Diese sind nämlich, und das müssen wir immer sehen, unzertrennlich mit dem wirtschaftlichen Fortschritt verbunden. Gleichzeitig geht es darum, den nachfolgenden Generationen einen sauberen und intakten Planeten zu hinterlassen; etwas grün anzumalen wird uns dabei nicht weiterhelfen. Das Volksbegehren kritisiert die Aufnahme der Kernenergie in die EU-Taxonomieverordnung, die den Rahmen für eine grüne und nachhaltige Wirtschaftstätigkeit festlegt. In der Begründung heißt es: „Dies nutzt vor allem denjenigen, die in der heutigen Zeit auf den AUSBAU!! von Atomkraft setzen. [...] Es könnte der Fall eintreten, dass ein Atomkraftwerk in Frankreich viel eher an Geldmittel kommt, als ein Solar-, oder Windpark in Österreich.“ – Das wurde auch von der Sozialdemokratie bereits kritisiert. Die Republik Österreich hat wie erwähnt gemeinsam mit Luxemburg eine Nichtigkeitsklage eingebracht und das Urteil wird für heuer erwartet. Was jedoch nicht so möglich ist, wie es im Volksbegehren verlangt wird, ist, dass Österreich das mit einem Bundesverfassungsgesetz verhindert. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, die Unterstützer:innen teilen die Sorge, dass Atomenergie anstatt PV-, Wind- oder Wasserkraft gefördert wird. Da der Initiator dieses Volksbegehrens selbst Funktionär der Freiheitlichen Partei ist, habe ich ihn in der Diskussion im Ausschuss aufgefordert, diese Diskussion auch in der eigenen Partei voranzutreiben. Warum? – Da müssen wir uns einmal die Positionen und die Vorgehensweise der FPÖ genauer ansehen. Wir haben Ressourcen in Österreich: zunächst einmal die Sonne. Mit PV-Kraftwerken könnten wir einiges erreichen. Da heißt es immer: Die Sonne scheint nur bei Tag, das ist nicht genug.

FPÖ Petschnig (Zwischenruf)

Scheint sie in der Nacht auch?

SPÖ Roland Baumann

… Wir haben den Wind und könnten mit Windkraftwerken einiges erreichen. Da heißt es immer: Der Wind geht nicht immer, das ist nicht genug. Wir haben die Wasserkraft, die läuft schon sehr gut, darin sind wir uns auch einig. Da müssen wir die Verfahren beschleunigen und das hat sich diese Regierung auch vorgenommen. Tun wir das alles nicht, bleibt uns nur eines übrig, nämlich Atomstrom aus dem Ausland zu importieren, und das ist der falsche Weg. (👏 ÖVP, SPÖ) Wir haben eine weitere ganz wichtige Ressource und diese finden wir zwischen unseren beiden Ohren. Mit unseren Gedanken, unserer Kraft für Wissenschaft, schaffen wir es, zu forschen und Innovation voranzutreiben. Damit können wir eine Transformation gestalten, die bereits voll im Gange ist, was wir bei vielen Baustellen sehen. So unterstützen wir kleinere und mittlere Unternehmungen, Industriebetriebe und die Menschen in ihren privaten Haushalten, weil wir die Strompreise nach unten drücken. Es geht darum, die Zukunft zu gestalten, und nicht darum, mit Populismus Schlagzeilen zu produzieren. Gestalten heißt anpacken, Entscheidungen treffen und dann die Verantwortung für Fortschritt und, ja, auch für Veränderung übernehmen. Dafür sind wir in der Regierung, das bedeutet Sozialdemokratie. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Michael Bernhard . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Michael Bernhard

Danke, Herr Präsident! Ich darf im Namen unserer Bildungssprecherin Martina Künsberg die Gruppe an Lehrlingen der österreichischen Pensionsversicherung, die heute aus ganz Österreich angereist sind, begrüßen. Ein herzliches Hallo! ( Allgemeiner Beifall. ) Ich möchte mich, was dieses Volksbegehren betrifft, meinen Vorrednern inhaltlich anschließen. Das inhaltliche Anliegen „Nein zu Atomkraft-Greenwashing“ haben wir im Nationalrat ja schon vielfach geteilt. Ich möchte noch einmal zusammenfassen: Wir haben in der Vergangenheit über viele Jahre, Jahrzehnte hinweg immer gemeinsame Anträge hier im Haus beschlossen, mit denen wir uns dazu bekannt haben, dass wir im Inland keine Atomkraft nutzen wollen, dass wir an unseren Grenzen keine Atomkraftwerke und auch keine Endlager haben wollen und dass wir uns auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass Atomkraft nicht als erneuerbare grüne Energie gelten soll. (👏 NEOS) Es gibt das gemeinsame Verständnis, dass wir – da Energiepolitik ja keine Kompetenz auf europäischer Ebene ist, sondern auf nationalstaatlicher Ebene – aber dort, wo es nicht unsere österreichischen Interessen betrifft, anderen Ländern auch nichts vorschreiben wollen, weil wir ja auch umgekehrt nichts von anderen Ländern vorgeschrieben bekommen wollen. Warum ist daher Greenwashing eine große Ausnahme? – Weil ja österreichische Mitgliedsbeiträge aus Steuergeld auch tatsächlich verwendet werden würden und weil aus unserer Sicht auch österreichische Interessen betroffen sind, wenn man Investitionen in die falsche Richtung lenkt. Wir haben – und das ist ganz wichtig – 2022 bereits eine Nichtigkeitsklage eingebracht – das war damals Leonore Gewessler als Ministerin –, und das zeigt, dass wir in der gesamten Bandbreite das auch immer unterstützt haben. Das, was in dem Volksbegehren steht und was rechtlich nicht möglich ist, ist, dass wir ein Bundesverfassungsgesetz beschließen, das sich über die europäische Rechtsprechung hinwegsetzt, weil der EuGH in der Vergangenheit ja bereits in seiner Rechtsprechung festgestellt hat, dass das gesamte EU-Recht höher einzustufen ist als nationales Recht. Daher geht nur der europäische Weg, wenn wir Greenwashing auf europäischer Ebene verhindern wollen, und dafür setzen wir als NEOS uns auch sehr deutlich ein. Was abschließend von unserer Seite daher zusammenfassend festgehalten werden kann, ist aus der europäischen Perspektive vielleicht: Unser Land ist klein, aber unser Herz ist rein, und deswegen sagen wir zur Atomkraft Nein. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Klubobfrau Leonore Gewessler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Klubobfrau.

GRÜNE Leonore Gewessler

Werter Herr Präsident, herzlichen Dank! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier im Saal! Die Menschen in Österreich wollen keine Atomkraft, weder im eigenen Land noch an den Grenzen noch anderswo in Europa, und über 100 000 Bürgerinnen und Bürger haben das mit ihrer Unterschrift zu diesem Volksbegehren wieder deutlich gemacht und besiegelt. Und ich möchte mich wirklich ganz, ganz herzlich bei allen bedanken, die diesen in diesem Haus an sich gemeinsamen Kampf gegen die Atomenergie und gegen das Greenwashing der Atomenergie unterstützen. (👏) Sie haben vollkommen recht: Atomkraft ist nicht grün, Atomkraft ist kein Beitrag zu einer sauberen und sicheren Energieversorgung, sie ist im Betrieb nicht CO 2 -neutral, und es darf nicht gelingen, mit einem billigen Etikettenschwindel dazu beizutragen, dass sie ein Comeback feiert. Erlauben Sie mir ein Wort an Kollegen Petschnig: Ich glaube, wir hier im Haus, in diesem breit getragenen Antiatomkonsens, sollten alles daran setzen, die Mythen der Atomlobby zu dekonstruieren, zu zerstören und nicht zu wiederholen, Herr Petschnig. (👏) Also bitte schauen wir, dass wir da gut weiterkommen! Die Menschen in Österreich haben mit dem Nein zum Kraftwerk Zwentendorf schon früh erkannt, dass Atomkraft keine Lösung ist; keine zehn Jahre später bestätigt durch das, was in Tschernobyl passiert ist. Aber ich glaube, wir müssen gar nicht so weit zurückschauen, nach Tschernobyl oder Fukushima, wenn wir die dramatischen Nachrichten aus der Ukraine verfolgen. Das AKW Saporischschja war wiederholt unter Beschuss und musste vom Stromnetz genommen werden, und möglicherweise hat uns da nur ein dünner Seidenfaden vor einer Katastrophe bewahrt. Ganz abgesehen von den enormen Gefahren – und deswegen möchte ich es auch noch einmal deutlich sagen –: Die Atomkraft ist kein Beitrag zur Energiewende. Sie ist die mit Abstand teuerste und umweltschädlichste Form der Stromerzeugung, von den Baukosten bis zur Müllentsorgung. Sie bremst die Energiewende vielmehr, sie bringt sie nicht voran. Sie bremst sie, weil sie viel zu langsam ist, um einen Beitrag zu leisten, und Milliarden und Milliarden an Finanzmitteln bindet, die man sinnvollerweise woanders einsetzen müsste und könnte. Deswegen noch zu einem weiteren Mythos der Atomlobby, nämlich dass Atomkraftwerke irgendwie zuverlässig seien: Es reicht der Blick nach Frankreich, gerade wieder aktuell: Bei der Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad mussten die Reaktoren heruntergefahren werden, weil die Kühlung nicht mehr möglich war. Und ein Kraftwerk, das heruntergefahren wird, liefert nicht mehr Strom, sondern null Strom. Und deswegen hinein in die guten, sauberen Alternativen! Erneuerbare Energien, Sonne, Windkraft: Das ist die Zukunft. Das darf nicht mit Greenwashing verwässert werden, deswegen ja auch – Kollege Bernhard hat es erwähnt – die österreichische Klage. Ich hoffe, die Bundesregierung nimmt dieses Volksbegehren auch als Auftrag, diese Klage mit voller Vehemenz über den gesamten Instanzenzug weiterzuführen. Ich kann Ihnen versichern, wir Grüne werden weiter auf allen Ebenen dagegenhalten, wenn es darum geht, dass Atomkraft mit Greenwashing reingewaschen werden soll. – Herzlichen Dank. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Paul Hammerl . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Paul Hammerl

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Liebe Zuseher, liebe Zuseherinnen! Es freut mich sehr: Ich darf unter uns auch den Einbringer des Volksbegehrens, Herrn Eduard Egger, begrüßen. – Ganz herzlichen Dank, dieses Volksbegehren ist ein großer Erfolg. Selbstverständlich begrüßen wir dieses deutliche Nein zur Atomkraft wirklich sehr. (👏 FPÖ) Ich darf auf meine Vorredner zu sprechen kommen. Ich glaube, wir sollten schon versuchen, tatsächlich einen ehrlichen Blick auf die Energieversorgung in Europa zu richten. Wir dürfen nicht vergessen – und ich denke da auch an das Zitat von Kollegen Bernhard: Mein Herz ist rein, deshalb Nein zur Atomkraft! – und man muss sich schon bewusst sein, dass jede vierte Einheit Strom in Europa – und wir haben einen europäischen Strommarkt – aus Atomenergie erzeugt wird. Ich glaube, dessen müssen wir uns tatsächlich bewusst werden. Und wir müssen uns auch bewusst sein, dass in Europa 170 Reaktoren stehen, davon allein 100 im EU-Raum, 56 allein in Frankreich. Was bedeuten denn diese Klimaziele 2040 eigentlich? – Die bedeuten …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Dass wir Erneuerbare ausbauen!

FPÖ Paul Hammerl

… bezogen auf unseren Stromverbrauch, liebe Frau Kollegin Gewessler …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Dass wir die Erneuerbaren ausbauen! Bitte nicht die Atomkraftmythen wiederholen!

FPÖ Paul Hammerl

… Raus aus allen anderen Energieträgern, wie beispielsweise aus Gas! Hinein in die Elektrifizierung! Wenn man sich das durchrechnet, kommt man darauf, dass wir bis 2040 den doppelten Stromverbrauch haben, meine sehr geehrten Damen und Herren. Vielleicht kann mir irgendjemand von den Grünen einmal erklären, woher Sie denn diese Energie nehmen wollen. ( Abg. Lukas Hammer deutet nach oben. ) – Wunderbar, Sie zeigen auf die Sonne. Dann schauen wir uns einmal tatsächlich an: Was heißt denn das? Sie sagen, es soll mehr Wasserkraft eingesetzt werden, wir sollen auf mehr Wasserkraft setzen. – Ja, tolle Sache – danke, dass das jetzt auch seitens der SPÖ unterstützt wird –, aber gleichzeitig haben wir Riesenherausforderungen mit den diversen Vorschriften. Denken wir an die Schwall- und Sunkthematik, an die Restwasserdotationen, an das Thema Fischaufstiege! Wir haben das Thema Raus aus Gas von Ihnen. Sie möchten also raus aus Gas, weil das Gas natürlich böse ist und einen hohen CO 2 -Ausstoß hat, kommen aber gleichzeitig darauf, dass zwar in Deutschland die Atomkraftwerke abgedreht worden sind, aber die Kohlekraftwerke fleißig produzieren. Und wenn wir auch wissen, dass die Kohleproduktion dreimal so viel CO 2 -Austoß erzeugt, dann frage ich mich tatsächlich: Was ist mit Ihrer verantwortungslosen Politik los? (👏 FPÖ) Eines, wirklich wunderbar, muss ich Ihnen sagen – ich weiß nicht, wer von Ihnen es überhaupt verfolgt –: Der CO 2 -Handel soll ja weiter ausgebaut werden. Es gibt derzeit ein Begutachtungsverfahren der EU, den Bereich auszubauen, wer aller in den ETS-Handel mit einbezogen werden soll. Jetzt kommt man auf die großartige Idee, man soll doch die Anlagen miteinbeziehen, die nachhaltige Fernwärme aus Siedlungsabfall erzeugen. Also die thermische Abfallverwertung soll jetzt ebenfalls CO 2 -Gebühren zahlen. Das ist total spannend, denn wir wissen, dass die thermische Abfallverwertung die nachhaltigste Abfallverwertung ist, im Gegensatz zum Deponieren von Abfall, bei dem nämlich 80 Prozent mehr Deponiegas erzeugt werden. Ist sich da irgendjemand von Ihnen überhaupt bewusst, was denn dieser Antrag und diese Initiative, vorwiegend von den grünen Ideologen, bedeutet, wenn man zukünftig Müll nicht mehr verbrennt, sondern ihn deponiert und damit 80-fach klimaschädliches Gas erzeugt? (👏 FPÖ) Eines noch dazu, am Beispiel der Stadt Wels: Dort wird Fernwärme zu über 90 Prozent aus Abwärme aus der Müllverbrennung erzeugt. Was heißt denn diese CO 2 -Bepreisung jetzt dafür? – Das heißt, Sie haben mit Ihrer grünen, linken Ideologie die Leute dazu getrieben, dass sie ihre Heizungen auf Fernwärme umstellen. Was passiert? – Der Preis der Fernwärme steigt jetzt um ganze 40 Prozent – 40 Prozent Verteuerung. Jetzt denke ich an den Preisbescheid der Stadt Wien, bei dem wir jetzt schon wissen, dass die doppelt so teuer ist und Sie mit Ihrem Fernwärmewucher den Wienerinnen und Wienern das Geld aus der Tasche ziehen: 40 Prozent darauf, Vervierfachung in Wien. (👏 FPÖ) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das ist nicht nachhaltig, das ist der Fehlweg. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Peter Manfred Harrer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

PräsidiumPeter Haubner

Wir gelangen nun zur Abstimmung über den Antrag des Umweltausschusses, seinen Bericht 181 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig, angenommen.

Bundestheaterorganisationsgesetz

156 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 120 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Das Bundestheaterorganisationsgesetz wird geändert, damit die aus dem Bundestheaterpensionsgesetz resultierenden Rechte und Pflichten des Bundes gegenüber Anwartschaftsberechtigten durch die Bundestheater-Holding GmbH und die BVAEB wahrgenommen werden. Der Nationalrat hat den Gesetzentwurf angenommen.

Betroffen sind die Bundestheater-Holding GmbH, die BVAEB sowie Anwartschaftsberechtigte nach dem Bundestheaterpensionsgesetz und die Abwicklung der entsprechenden Bundesverpflichtungen.

Dokumente

Bundestheaterorganisationsgesetz

Gegenstand des Berichts

  • Behandlung einer Regierungsvorlage zur Änderung des Bundestheaterorganisationsgesetzes.

Hauptgesichtspunkte des Entwurfs (Inhaltliche Zielsetzung)

  • Die sich aus dem Bundestheaterpensionsgesetz ergebenden Rechte und Pflichten des Bundes gegenüber den Anwartschaftsberechtigten sollen durch die Bundestheater-Holding GmbH und die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) wahrgenommen werden.

Kompetenzgrundlage

  • Art. 10 Abs. 1 Z 13 B-VG: Angelegenheiten der Bundestheater (ausgenommen Bauangelegenheiten).
  • Art. 17 B-VG: Stellung des Bundes als Träger von Privatrechten.

Ergebnis der Ausschussberatungen (Antrag an den Nationalrat)

  • Der Ausschuss beantragt, dass der Nationalrat dem von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf die verfassungsmäßige Zustimmung erteilt.

Bundestheaterorganisationsgesetz

~27 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Wendelin Mölzer

Danke, Herr Präsident! Hohes Haus! Herr Vizekanzler! Lassen Sie mich ganz kurz auf den Tagesordnungspunkt bezüglich des Bundestheaterorganisationsgesetzes eingehen. Dem werden wir zustimmen. Es handelt sich um eine relativ unspektakuläre Verwaltungsvereinfachung, mit der wir, glaube ich, die Bundestheater gut unterstützen können. Ich möchte aber hauptsächlich zu dem Antrag über die Entwicklung einer Strategie für den Musikstandort sprechen. Es ist erfreulich, dass wir einen Mehrparteien- oder Allparteienantrag zustande gebracht haben. Es war eine Initiative der FPÖ – von meinem Kollegen Spalt schon aus der letzten Gesetzgebungsperiode –, weil wir da definitiv Handlungsbedarf sehen. Es ist zwar kein Meilenstein, weil wir diese Strategie ja erst entwickeln beziehungsweise der Herr Vizekanzler erst beauftragt wird, diese Strategie zu entwickeln, aber es ist einmal ein Anfang, den wir für wichtig und richtig halten. (👏 FPÖ) An die Adresse des Herrn Kulturministers: Ich bitte wirklich darum, dass wir zeitnah handeln. Das Erstellen von Strategien kann nicht ein, zwei, drei Jahre dauern, sondern ich hoffe, dass wir uns bald auch wieder im Nationalrat mit dieser Strategie beziehungsweise diesem Masterplan auseinandersetzen und darüber reden können. Wir alle wissen von der großen Bedeutung der Musikwirtschaft in Österreich. Wenn ich es richtig im Kopf habe, macht diese ungefähr 2,8 Prozent des österreichischen BIPs aus: 5 Milliarden Euro beziehungsweise 4,9 Milliarden Euro, die umgesetzt werden, plus noch indirekte Effekte, also fast 8 Milliarden Euro. – Das hat nicht nur kulturell eine große Bedeutung, einen hohen Stellenwert, sondern eben auch wirtschaftlich. Es gibt viel Bedarf an Weiterentwicklung von Fördermöglichkeiten und dergleichen. Wir müssen uns auch – es geht ja nicht nur darum, jetzt wieder irgendwo Gelder hineinzustecken – daranmachen, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Wir diskutieren ja verschiedenste Baustellen. Im Bildungsausschuss haben wir das letzte Mal darüber gesprochen – es war ein Antrag von uns –, dass man etwa die Musikausbildung für Pflichtschullehrer wieder verpflichtend macht, dass also beispielsweise in den Schulen, vor allem in den Volksschulen, wieder mehr Musikunterricht stattfindet, dass die Kinder Noten lesen lernen, dass sie eine vernünftige Musikerziehung haben. Da gibt es großen Handlungsbedarf. Es gibt aber auch Handlungsbedarf, wenn es darum geht, unser Musikschulwesen, das in vielen Bundesländern gut funktioniert, aber beispielsweise in Wien – wie ich höre – relativ schlecht funktioniert, weiterzuentwickeln und besser zu stützen, weil das auch wieder eine wesentliche Sache ist, wenn es darum geht, gute Rahmenbedingungen für die Musikwirtschaft zu schaffen. Meine Damen und Herren! Ich möchte aber auch noch darauf eingehen, dass wir im Kulturausschuss eine Reihe – wir haben jetzt schon zwei Sitzungen gehabt – von Initiativen von uns Freiheitlichen hatten, die vertagt wurden. Da geht es beispielsweise einmal – das hat auch mit Musik zu tun – um die Förderung beziehungsweise die Verbesserung der Rahmenbedingungen für unsere Blasmusik – das ist vertagt worden. Es geht auch darum, mehr Transparenz zu schaffen, die Richtlinien, die Förderrichtlinien zu verbessern. Es wird darum gehen – das war heute schon Thema in der Fragestunde –, die steuerliche Absetzbarkeit von privatem Kunstsponsoring zu verbessern. Ich weiß schon, da gibt es dann immer den Budgetvorbehalt. Wir Freiheitliche sagen aber, wir wollen das nicht zusätzlich zum bestehenden Budget haben, sondern statt – dann ließe sich das viel leichter finanzieren. Es wird aber beispielsweise auch darum gehen – ist auch vertagt worden –, die Volkskultur und deren Stellenwert zu erhöhen. Es geht mir beziehungsweise uns nicht darum, das föderale Prinzip, dass die Volkskultur Ländersache ist, zu durchbrechen, sondern es geht uns darum, einfach die gewisse symbolische – ja, wie soll man sagen? – Wertschätzung der Volkskultur, die in unserem Land ein wichtiges Element ist, zu steigern. Da muss man halt dann auch infrage stellen, inwieweit beispielsweise der internationale Kulturaustausch notwendig ist, wofür wir 10, 11 Millionen Euro ausgeben, und überlegen, ob es nicht besser wäre, dieses Geld im Inland zu investieren. Es ist auf jeden Fall viel zu tun. Bis dato ist aus dem Kulturausschuss seitens der Regierungsparteien nicht viel gekommen. Der Masterplan, den wir jetzt da beschließen werden, beziehungsweise die Erstellung des Masterplans ist ja eigentlich auch eine freiheitliche Initiative. Ich hoffe, dass die Regierung da bald in die Gänge kommt und wir möglichst viele schöne, interessante Diskussionen und dann auch gute Initiativen haben werden. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Antonio Della Rossa . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein. Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Antonio Della Rossa

Sehr geehrter Herr Präsident! Werter Kulturminister! Werte Kolleginnen und Kollegen, Zusehende und Zuhörende hier im Saal und auch vor den Bildschirmen zu Hause! In dieser Debatte geht es um Musik, und Musik verbindet über Sprachgrenzen hinweg, manchmal auch über Parteigrenzen hinweg, manchmal auch über Ideologien hinweg, und wird oft selbst zur Sprache, die nicht spaltet, sondern trägt. Der vorliegende Antrag stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Alle Parteien in diesem Haus sind sich einig: Die österreichische Musikwirtschaft ist uns wichtig. Wie faszinierend ist Musik eigentlich? – Physikalisch gesehen: nichts als Druckveränderung in der Luft. Kaum gehört, schon wieder verschwunden und doch so tief verankert im Gedächtnis: der Ohrwurm, der uns tagelang nicht weicht, das eine Lied, das wir tausendmal anhören und uns jedes Mal trotzdem noch trifft. Ja, Sie merken es: Ich stehe hier nicht nur als Abgeordneter, ich stehe hier auch als Musiker. Ich weiß, die Musikwirtschaft ist kein Nebenschauplatz, sie ist ein volkswirtschaftlicher Riese: 117 000 Beschäftigte in der Branche, 7,5 Milliarden Euro Wertschöpfung. Ja, das ist ein Riese, aber in dieser Wertschöpfungskette sickert zu oft zu wenig an die Basis. Zu oft bleiben den Musikschaffenden, den Musikerinnen und Musikern nur noch die Krümel des fetten Kuchens. Das betrifft genau die Menschen, die mit Herzblut dabei sind: unzählige Stunden, um ein Instrument zu beherrschen, unzählige Proben, oft in modrigen Kellerräumen – davon kann ich Geschichten erzählen –, unzählige Stunden Organisation, Bandbus, Gigs, Aufnahmen, Booking, oft ohne Sicherheit und ohne Rückhalt, oft mit einem Schulterklopfen: Na ja, du machst das ja gerne, da kannst du auch ein bisschen weniger Geld dafür verlangen! – Die Musikerinnen und Musiker, meine Kolleginnen und Kollegen da draußen, machen das nicht, weil es leicht ist. Die machen das mit Herzblut, weil es ihnen wichtig ist – denn die meisten Musiker:innen, die ich kenne, können von ihrer Kunst allein kaum leben. Sie unterrichten in Musikschulen, an Unis, sie arbeiten tagsüber als Kellner, Verkäufer, Programmierer: klassische Day-Jobs. Abends stehen sie wieder auf der Bühne und brennen – und manchmal brennen sie auch aus –, aber wenn Exzellenz zum Hobby verkommt, dann verlieren wir als Gesellschaft mehr, als wir ahnen. Darum braucht es tragende Strukturen, darum braucht es klare politische Verantwortung. Der vorliegende Antrag ist ein Anfang und ein starkes Signal. Wir wollen Fair Pay, wir wollen Investitionen in Ausbildung, Export und regionale Initiativen. Wir wollen, dass Streamingplattformen auch einen Teil dazu beitragen, dass es uns Musikerinnen und Musikern besser geht. Wir wollen, dass österreichische Musik im Radio hörbar bleibt – nicht nur auf FM4, sondern vielleicht auch auf Ö3, vielleicht auch auf privaten Sendern. Musik ist schließlich kein Extra, sie ist Bildung, Standortfaktor und Identität. Sie ist das, was uns oft zuerst zusammenbringt und zuletzt zusammenhält. Lieber Andi, ich weiß, du bist ein leidenschaftlicher Musikfan; und ich bin mir sicher, ich werde dein Ohrwurm bleiben. Ich werde an deiner Seite stehen und dafür kämpfen, dass die Musikwirtschaft in Österreich auch wichtig für diesen Standort ist und bleibt und ausgebaut wird. Ich glaube auch, das werden wir in Zukunft gemeinsam zusammenbringen. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johann Höfinger . – Die Redezeit habe ich auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Geschätzter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, das ist ein Thema, zu dem es erfreulicherweise einen Fünfparteienantrag gegeben hat. Österreich ist ein Kulturland und ein Musikland, es hat in dieser Hinsicht eine große Tradition, die über Jahrhunderte zurückgeht, in denen unser kleines Land weltberühmt geworden ist. Es hat aber nach wie vor eine große Strahlkraft in die ganze Welt hinaus. Wie es meine zwei Vorredner bereits skizziert haben: Musik ist mehr als nur das bloße Zuhören. Wenn wir uns die Bandbreite der österreichischen Kulturszene anschauen, dann wissen wir: Wir leben zum einen vom Schaffen jener Generationen vor uns, zum anderen auch von jenen, die in der heutigen Zeit ganz beherzt und engagiert Musik aus Leidenschaft ausüben, aber auch Musik, das Wissen darüber und das Spüren an die nächsten Generationen weitergeben. Das heißt, Musik ist Kultur und ein großer wirtschaftlicher Faktor, sie hat aber auch einen großen pädagogischen und sozialen Wert. Sehen wir uns die Bandbreite an: Denken wir nicht nur an die Bühne, auf der Musik aufgeführt und an andere Menschen weitergegeben wird, sondern auch daran, wie es denn eigentlich für den Einzelnen beginnt, dass er sich für Musik interessiert oder auch wirklich ein Instrument lernt, dass er Gesangsunterricht nimmt – nämlich genau mit dieser ersten Musikstunde. Wie viele hier herinnen habe auch ich einmal begonnen, ein Instrument zu lernen, und das ist eine ganz spannende Phase. Man taucht da in eine komplett neue Welt ein, die in Wirklichkeit nach oben hin keine Grenzen kennt. Dann beginnt irgendwo eine Leidenschaft, wenn man wie gesagt zum ersten Mal mit einem Geigenkoffer, mit einem Trompetenkoffer oder Ähnlichem in diese erste Musikstunde hineingeht. Wer sind jene, die Musik von Grund auf tragen? – Das sind die Musikschulen, aber auch Schulen mit musikalischen Schwerpunkten, engagierte Lehrerinnen und Lehrer in unseren Vereinen, in den Blasmusikverbänden und vieles, vieles mehr, bis es dann eben hinaufgeht in unsere Hochschulen und Konservatorien. Daher ist in diesem Antrag mehr oder weniger alles verpackt, um diesen Wert der Musik zu erkennen: diesen persönlichen Wert, den sie haben kann, aber auch den monetären, wirtschaftlichen Wert. Genau darauf zielt dieser Antrag ab. Wir wollen und müssen aus vielerlei genannten Gründen diesen Musikstandort stärken – denn auch der wirtschaftliche Faktor, der dahintersteht, tut dem Land gut. Nicht nur national, sondern auch international wollen wir unsere heimischen Genres – und da gibt es verschiedene – nach außen tragen, weil wir wirklich wissen, wir sind da auf einem guten Weg. Wir haben tolle, hervorragende Künstlerinnen und Künstler. In diesem Sinne gibt es auch von unserer Seite gerne Unterstützung zu diesem Antrag. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Vizekanzler! Ich teile zwei Dinge: Das eine ist natürlich die Begeisterung für die Musik, und ich glaube, das ist das, was uns hier heute verbindet, weil es das erste Mal ist, dass wir in dieser Gesetzgebungsperiode einen Allparteienantrag zur Kultur einbringen beziehungsweise über diesen diskutieren. Das Zweite, was ich teile, ist natürlich die Freude darüber, weil ich glaube, das ist schon ein großer Schritt, dass wir etwas schaffen, was gemeinsam geht. Dennoch möchte ich Kollegen Mölzer schon, da er aufgezählt hat, was im Kulturausschuss alles diskutiert oder von der FPÖ eingebracht wurde, sehr deutlich sagen: Vielfalt ist wesentlich lauter als Reduktion. Sie versuchen nämlich immer, Kultur auf die Volkskultur und auf die Blasmusik zu reduzieren. Ich glaube, das hat sie auch nicht verdient, von Ihnen reduziert beziehungsweise ideologisiert zu werden. (👏 SPÖ, NEOS) Musik ist Teil unserer kulturellen und gesellschaftlichen Zukunft, aber sie ist auch Teil unserer wirtschaftlichen Zukunft – und ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir die Musikwirtschaft auch wirklich in den wirtschaftspolitischen Diskurs integrieren und dort stärker verankern. Wir alle sind uns bewusst, vor welchen budgetären Herausforderungen wir momentan stehen. Ich glaube aber, gerade in so einer Situation ist es doch erfreulich, dass es einen Sektor gibt, der sowohl das kreative Potenzial als auch die wirtschaftliche Wirkung verbindet. Das nämlich ist die Musikwirtschaft. Es ist heute schon mehrmals davon gesprochen worden, welche Wertschöpfung, welche Bedeutung und welchen Anteil am BIP die Musikwirtschaft innerhalb der österreichischen Wirtschaft hat, dass sie Arbeitsplätze schafft, aber vor allem, dass sie auch andere Branchen inspiriert. Sie stärkt den Tourismus und sie leistet mehr – vor allem Dinge, die oft nicht sichtbar sind. Die Musik präsentiert beziehungsweise prägt auch das Selbstverständnis unseres Landes und sie öffnet Türen in die Welt. Sie ist Botschafterin für ein weltoffenes, für ein kreatives und vor allem für ein sehr vielfältiges Österreich. Musik ist Exportgut und Kulturbotschaft gleichzeitig. Wo Künstler:innen aus Österreich auftreten, wächst internationale Aufmerksamkeit für unser Land, unsere Ideen und unsere Wirtschaft. Ich möchte nur ganz kurz einen Komponisten der Wiener Klassik zitieren, nämlich Joseph Haydn, der gesagt hat: „Meine Sprache verstehet man durch die ganze Welt.“ – Diese Sprache verstehet man nicht nur, sondern man spricht sie auch, und sie ist sehr, sehr vielfältig. Österreich ist Bühne und diese Bühne wird exportiert. Was ist nun notwendig, um all diese Möglichkeiten des Musikstandortes und der Musikwirtschaft auch wirklich nutzen zu können? – Auf der einen Seite brauchen wir wie schon genannt Rahmenbedingungen. Die müssen nicht nur evaluiert, sondern auch adaptiert werden, damit die Musikwirtschaft auch wirklich ihr volles Potenzial entfalten kann. Auf der anderen Seite müssen wir das bestehende Förderwesen komplett reformieren. Es geht darum, es verständlich und zugänglich, aber vor allem auch zukunftsfit zu machen. Da können wir durchaus auch in neuen Kategorien denken, entlang kreativer Realität. Kulturpolitik, meine Damen und Herren, ist vor allem auch Standortpolitik. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir brauchen eine Standortpolitik, die die kulturelle Leistung genauso ernst nimmt wie die ökonomische Wirkung. Mit diesem heutigen Antrag soll genau das initiiert werden, was auch bereits im Regierungsprogramm zu finden ist. Gemeinsam mit Expert:innen, Verbänden, Rundfunkanstalten und der Branche soll eine Musikstandortstrategie erarbeitet werden. Wenn wir diesen Antrag heute beschließen, dann heißt es, eine sehr bewusste Entscheidung für diesen Musikstandort Österreich zu treffen. Österreich ist Bühne, meine Damen und Herren, und wir schaffen mit dieser Strategie den Soundtrack für die Zukunft. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Werner Kogler . – Die Redezeit stelle ich auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Werner Kogler

Danke, Herr Präsident! Herr Kulturminister! Erstens einmal: Es ist gut, wenn es einen Fünfparteienantrag gibt; die Zeiten sind ja turbulent genug. Sie wissen, dass ich so etwas zu schätzen weiß. Umgekehrt will ich es auch nicht überhöhen, auch nicht die Arbeit im Kulturausschuss bislang. Ich wende mich aber gar nicht an den Minister, sondern an den Ausschussvorsitzenden: Ja, richtig, es werden Anträge vertagt. Das ist jetzt gar nicht primär mein Thema, aber man könnte für den Kulturausschuss anmahnen, dass man die Vertagungsbegründungen vielleicht ein bisschen kreativer macht, weil es ja immerhin der Kulturausschuss ist …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Kreativer?!

GRÜNE Werner Kogler

… aber halber Scherz beiseite. Schauen Sie, Sie haben hier in die Debatte eingebracht – und offensichtlich gehört es zum Verhandlungsgegenstand –, was alles nicht hier ist. Ich möchte das durchaus ernst aufgreifen. Sie haben ja Ihre Anliegen Richtung Förderung von Blasmusik und Ähnliches mehr quasi noch einmal angemahnt – auch ein bisserl mit dem Schlenker in Richtung: vielleicht nicht so viel Internationales; da kommen wir schon nicht mehr zusammen –, aber ich nehme das jetzt zum Anlass, mit den vielen Schalmeientönen, die wir dazu hören, was man alles Tolles über die Kulturnation Österreich sagen könnte, eine ganz andere Frage aufzuwerfen, die alle betrifft, Sie wahrscheinlich auch, Herr Bundesminister: Was will uns die österreichische Bundesverfassung sagen? Kultur und im Übrigen auch Sport – dort ist es oft noch seltsamer in der Abgrenzung – sind grundsätzlich Landeskompetenz. Es gibt aber gerade im Kulturbereich sehr viele bundesweite Förderungen – gut so, aber das muss irgendwie eine bundesweite Bedeutung haben, denn wie grenzen wir das denn sonst ab? Darüber würde ich schon hin und wieder einmal nachdenken. Ich sage es jetzt ganz bewusst: Ich glaube, wir alle im Kulturausschuss haben nichts gegen Blasmusik, ganz im Gegenteil! Es gibt im Übrigen, darauf bin ich beim letzten Kongress gekommen, gar nicht so wenige grüne Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, die in ihren Ortschaften in der Blasmusikkapelle mitspielen! Das nur nebenbei bemerkt. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass man irgendwie – gerade, weil das Geld knapp ist, jetzt mehr als in der Vergangenheit; das muss man ehrlich sagen, ja, das hat gerade auch für die Kultur einen Einfluss – schaut, wer sich wofür zuständig erklärt. Das ist eine Grundsatzfrage, weil wir uns sonst im Ausschuss immer im Kreis herumdrehen werden. Im Übrigen gibt es ja auch für Volkskultur und Blasmusik die eine oder andere bundesweite Initiative, weil manches eben von übergeordneter Bedeutung ist. Wo da die Abgrenzung ist, ist nicht immer leicht zu sagen, aber ich bitte schon darum, dass wir das ein bissel beherzigen, denn sonst würde ich nicht nur in anderen Bereichen, sondern auch in diesem eine Verfassungsdebatte anregen. Zum Musikland: Österreich ist wirklich eine Kulturnation, und die Musik ist dabei herausragend. Das können wir in der Tradition schon über Jahrhunderte zurückverfolgen, aber natürlich geht es auch um die Moderne und – da würde ich mich am ehesten bei der Kollegin von den NEOS anschließen – auch ganz viel um Vielfalt. Der Anlass für das, was wir heute diskutieren, und den gemeinsamen Antrag war ja eine Studie. Es ging also auch um eine Musikstandortstrategie, meinetwegen gerne auch im Sinne eines Wirtschaftsstandorts, denn es ist ein Riesenwirtschaftsfaktor, überhaupt keine Frage, wie einiges andere auch. Deshalb finde ich das sehr, sehr vernünftig. Wir müssen dann halt auch schauen, was damit in Verbindung steht: Wie ziehen wir die Streamingdienste in die Verpflichtung? Wie kriegen wir österreichische Musik – und zwar alle Musik, bis hin zur Popmusik – auf österreichischen Sendern ausgespielt?, und so weiter und so fort. Das ist wichtig. Bei der Gelegenheit und abschließend sage ich wieder einmal: Wien ist eine weltoffene Stadt – und da ist der Begriff Welthauptstadt der Musik, oder zumindest eine davon, sicherlich zutreffend. Wenn das aber so ist, sollten wir uns diese Offenheit bewahren. Auch das ist Heimat: Vielfalt und Moderne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Vizekanzler Andreas Babler . – Bitte, Herr Vizekanzler.

FPÖ Thomas Spalt

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Vizekanzler! Geschätzte Abgeordnete! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Um an meine Vorredner anzuschließen – ich kann es konkretisieren, Herr Vizekanzler –: Bei allem Respekt, aber auch Ihre Rede war, nachdem wir vorhin im Umweltbereich eine umweltpolitische Bankrotterklärung hatten, jetzt eine kulturpolitische Bankrotterklärung.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh, bitte!

FPÖ Thomas Spalt

… Herr Vizekanzler außer Dienst, lassen Sie mich erklären. Wenn man sich die Vorredner angehört hat, dann muss man sich schon die Frage stellen - - …

SPÖ Greiner (Zwischenruf)

Das ist wieder die gleiche Rede wie vorher; wir sind bei einem anderen Thema! – Ruf bei der FPÖ: Zuhören! – Abg. Greiner [SPÖ]: Tut mir leid, aber Sie reden gleich wie vorher!

FPÖ Thomas Spalt

… Wir sind bei der Kulturpolitik, ja, wir sind bei der Kulturpolitik.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Beim Antrag, wo Sie draufstehen!

FPÖ Thomas Spalt

… Na ja, bitte, Herr Vizekanzler ( in Richtung Abg. Kogler [Grüne] ), Sie haben diesen Antrag in der Vergangenheit vertagt. Aber bitte lassen Sie mich das erklären. Geschätzte Damen und Herren! Ich glaube, Sie müssen sich überlegen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wenn eh schon alles ein Bankrott ist, was machen Sie denn dann, wenn wirklich was ein Bankrott ist?

FPÖ Thomas Spalt

… was auch Sie in Ihren Reden hier draußen zum Besten geben, denn Sie stellen sich alle hier heraus und schimpfen ein bisschen über die Kulturpolitik der FPÖ: Das ist nicht okay und das ist nicht gut! …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Hat keiner gesagt! – Abg. Della Rossa [SPÖ]: ... eh immer gesagt, im Gegenteil!

FPÖ Thomas Spalt

… Herr Vizekanzler, Sie haben es gesagt …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Keine einzige Wortmeldung! – Abg. Della Rossa [SPÖ]: Gelobt hab’ ich dich!

FPÖ Thomas Spalt

… und von Ihnen, Herr Vizekanzler a. D. Kogler, ist es immer wieder gekommen: Ja, ja, die Kulturpolitik der FPÖ! – Und was haben wir aber heute hier? – Wir haben heute hier einen Allparteienantrag. Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass wir diesen Allparteienantrag haben, aber auf wessen Initiative ist dieser Allparteienantrag entstanden? – Ja genau, richtig: Es war eine Initiative der Freiheitlichen Partei.

SPÖ Della Rossa (Zwischenruf)

Bestreitet niemand, im Gegenteil!

FPÖ Thomas Spalt

… Vor über einem Jahr, nämlich am 12. Juni 2024, habe ich als freiheitlicher Abgeordneter hier im Hohen Haus einen Antrag eingebracht, mit dem exakt gleichen Ziel, nämlich einen Masterplan für den Musikstandort Österreich auszuarbeiten. Und, geschätzte Damen und Herren, was ist passiert? – Ja genau, wir haben es im Kulturausschuss diskutiert und der Antrag ist selbstverständlich vertagt worden. Erst jetzt, nachdem wir in dieser Gesetzgebungsperiode diesen Antrag gleich oder ähnlich lautend wieder eingebracht haben, ist daraus dieser Allparteienantrag entstanden. Geschätzte Damen und Herren, es muss jetzt aber auch die Frage erlaubt sein: Was soll jetzt damit passieren? Was soll konkret jetzt in Zukunft passieren? Ich kann es an einem Beispiel festmachen: Auch vor etwa einem Jahr, im Frühling 2024, wurde ein weiterer Antrag auf Initiative der FPÖ, nämlich betreffend „Maßnahmen zum Erhalt und zur Rettung historischer Schienenfahrzeuge im Bundeseigentum“, einstimmig beschlossen. Wir hatten genau das gleiche Prozedere wie jetzt: Wir haben es hier im Plenum diskutiert, weil es einen Abänderungsantrag, einen Allparteienantrag gegeben hat. Und was waren hier auch Ihre Sonntagsreden dazu? – Ja, das ist super, wir müssen unser Kulturerbe retten und da Maßnahmen ergreifen. Doch, geschätzte Damen und Herren, eine Frage muss ganz, ganz klar erlaubt sein, und ich glaube, das erwarten sich auch die Beteiligten: Was ist mit diesem einstimmigen Allparteienantrag zur Rettung der historischen Schienenfahrzeuge der österreichischen Sammlung geschehen? – Geschätzte Damen und Herren, meinem Wissensstand nach nichts. Geschätzte Damen und Herren, das ist nicht nur ein Versäumnis der alten Bundesregierung, sondern da darf man auch die neue Bundesregierung nicht aus der Verantwortung entlassen. Vergessen Sie nicht: Seit der letzten Nationalratswahl sind rund zehn Monate vergangen und diese Bundesregierung ist mittlerweile seit mehr als vier Monaten im Amt. Es wäre mehr als genug Zeit gewesen, sich zumindest um diese Themen zu kümmern, die wir hier herinnen einstimmig beschlossen haben, hier konkrete Maßnahmen auszuarbeiten und diese dann zur Beschlussfassung zu bringen. (👏 FPÖ) Geschätzte Damen und Herren, das ist für mich keine verantwortungsvolle Kulturpolitik. Trotzdem sage ich ganz bewusst: Es gibt Themen, wo wir gemeinsam etwas bewegen können, auch im Kulturbereich. Der Musikstandort und die historische Eisenbahnsammlung sind solche Themen, und ich bin überzeugt, es würde hier noch viel, viel mehr solche Themen geben. Aber, geschätzte Damen und Herren, ich appelliere noch einmal, vor allem an die Bundesregierung: Bitte nehmen Sie diese Themen auch ernst, und zwar nicht nur bei irgendwelchen Pressekonferenzen, nicht nur in irgendwelchen Sonntagsreden, sondern auch in der echten politischen Diskussion und in der echten politischen Umsetzung! Wir haben hier jetzt bereits ein Jahr verloren, was den Antrag zur Musikwirtschaft betrifft. Nutzen wir jetzt diesen Antrag, der von einer freiheitlichen Initiative ausgeht, als Chance, jetzt wirklich ins Tun zu kommen! Damit richte ich mich ganz besonders an Sie, Herr Vizekanzler, Herr Kulturminister. Wir werden Sie an den Taten messen, ob endlich gehandelt wird oder ob Sie weiterhin nur Sonntagsreden halten. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Bernhard Herzog . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Bernhard Herzog

Danke, Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Herr Abgeordneter Spalt, ich hoffe, es geht Ihnen jetzt besser, nachdem Sie ein bisschen in Selbstmitleid gebadet haben.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Selbstmitleid ...!

SPÖ Bernhard Herzog

… Sie haben es geschafft, hier einen Allparteienantrag, dem alle zustimmen, eigentlich zu konterkarieren. Sie haben vorhin irgendwie gemeint, die FPÖ ist ob ihrer Kulturpolitik kritisiert worden. – Nein, in keiner einzigen Rede wurden Sie diesbezüglich kritisiert. Ich glaube, Sie sind es schon so gewohnt. (👏 ÖVP, SPÖ) Aber wenn Sie es so gerne haben, dass Sie kritisiert werden, dann biete ich Ihnen das jetzt. Die blaue Kulturpolitik hat nämlich wirklich auch einige problematische Seiten. Da muss man nur dorthin schauen, wo die Blauen regieren. Ich blicke in die Steiermark. Dort gehen gerade Kulturschaffende auf die Straße und protestieren, weil dort die Kulturszene gerade komplett zusammengekürzt wird. Das ist blaue Kulturpolitik, und die ist nicht gut. (👏 ÖVP, SPÖ) Insofern würde ich es eigentlich begrüßen, wenn wir bei so einem Allparteienantrag auch entsprechend gemeinsam in dieser positiven Tonalität weitermachen könnten. Ich möchte gerne über diese Musikstandortstrategie sprechen. Musik ist ja etwas, das uns begleitet, ob im Radio, im Netz, im Alltag oder bei Konzerten begleitet. Was man aber oft übersieht, ist, dass es da nicht nur um die tollen und talentierten Künstlerinnen und Künstler geht. Es steckt auch sehr viel Arbeit dahinter: Da geht es auch um den Bühnenbau beispielsweise, um die Tontechnik, um die Organisation dahinter und um vieles mehr. Ich bin selbst viele Jahre Mitarbeiter im Organisationsteam des Donauinselfestes gewesen, eines der größten Musikfestivals, die es in Europa gibt. Ich habe dort auch leitende Funktionen übernehmen können und kann aus erster Hand sagen: Da ist ganz, ganz viel Arbeit dahinter. Da geht es um den Bühnenbau, um die Technik, Ton, Licht. Da geht es um Sicherheit, da geht es um die Gastronomie, um die ganze Infrastruktur, um die vielen Kabel, die gelegt werden müssen, um die große Lieferlogistik. Und am Ende geht es um ganz viele arbeitende Menschen, um Zigtausende Menschen, die mit Leidenschaft in dieser Branche arbeiten. Ich möchte jetzt die Gelegenheit nutzen, ihnen allen einmal Danke zu sagen. Diese Menschen stehen meist nicht auf der Bühne, aber ihnen gebührt auch ein großes Dankeschön, weil da wichtige Arbeit für die Kultur und die Musik in Österreich passiert. (👏 ÖVP, SPÖ) 117 000 Menschen, so sagt es uns die Statistik, arbeiten direkt oder indirekt in der Musikwirtschaft. 7,5 Milliarden Euro Wertschöpfung, einen Anteil am BIP von 2,8 Prozent, das haben wir schon gehört. Wir sind da also auf einem guten Weg. – Danke, Herr Vizekanzler, danke an alle Parteien, die hier mitmachen, dafür, dass wir diese Musikstrategie entwickeln, denn wer in die Musik investiert, investiert in die Seele unseres Landes und sichert Zehntausende Arbeitsplätze in unserem Land. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Martina Diesner-Wais . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Martina Diesner-Wais

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Liebe Abgeordnete! Meine Damen und Herren hier im Parlament! Zuhörer zu Hause! Ich darf heute zu zwei kulturpolitischen Punkten sprechen, nämlich zu den Tagesordnungspunkten 3 und 4. Im Punkt 3 geht es um die Änderung des Bundestheaterorganisationsgesetzes. Die Bundestheater-Holding GmbH hat nämlich seit ihrer Ausgliederung 1999 auch die Aufgaben im Bereich der Pensionsverwaltung übernommen. Das ist aber eigentlich nicht ihr Kerngeschäft und das kommt jetzt zur Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau. Ich denke, das ist eine gute Sache, denn damit wird die Verwaltung schlanker und effizienter, und das ist sehr sinnvoll. Tagesordnungspunkt 4 betrifft den Antrag, mit dem die Erarbeitung einer Strategie für den Musikstandort gefordert wird. Wir haben in der Fragestunde schon darüber gesprochen. Das ist eine wichtige Sache, denn Musik ist für Österreich Identität, Gemeinschaft, aber auch wirtschaftlicher Faktor. Österreich ist als Musikland bekannt, und da geht es nicht nur um die großen Bühnen in Wien und Salzburg, sondern auch um die vielen kleinen Bühnen, Proberäume und Musikschulen im ganzen Land. Ich komme aus dem Waldviertel und da gehört das gemeinsame Musizieren in unseren Gemeinden, in unseren Dörfern einfach dazu, mit der Blasmusik, mit den Chören und mit den vielen Jugendbands. Die Musik begleitet uns über das ganze Jahr durch alle Feste. Da darf ich gleich allen Musikern und Musikerinnen, die wirklich viel proben, viel üben und immer da sind, wenn man sie braucht, ganz herzlich Danke sagen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was Musik noch in sich birgt: Musik ist eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Sie geht über Generationen hinweg und bildet dadurch Gemeinschaft. Österreich ist nicht nur das Land der großen Komponisten, die wir in den vergangenen Jahrhunderten gehabt haben, Österreich ist auch heute ein Land mit vielen jungen Bands. Wie schon gesagt: Musik ist für Österreich nicht nur in kultureller, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht von großer Bedeutung. Daher ist dieser Antrag für die Zukunft eines erfolgreichen Musikstandortes ein ganz notwendiger. Was wollen wir? – Wir wollen, dass die Musikerinnen und Musiker bessere Rahmenbedingungen vorfinden, wir wollen, dass die heimische Musik – egal ob Klassik, Pop oder auch unsere Volksmusik – sichtbarer wird im Inland, aber auch im Ausland, und wir wollen, dass unsere Musik exportfähig und international erfolgreich wird, dafür ist natürlich jeder Wettbewerb auch bei uns im Land besonders wichtig und gut. Die Musikstandortstrategie soll von den Musikerinnen und Musikern, Vereinen, Experten und Medien gemeinsam erarbeitet werden, damit wir zukunftsfähige Rahmenbedingungen für unsere Musiklandschaft bekommen. Es freut mich ganz besonders, dass es ein Fünfparteienantrag ist, denn Kulturpolitik soll über alle Parteigrenzen hinweg gehen. Wenn wir da Verantwortung hineinlegen, kann es auch gelingen, dass wir weiter ein guter Musikstandort für die ganze Welt sind. – In diesem Sinne: Alles Gute! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Laurenz Pöttinger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Vizekanzler! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ist es nicht wunderschön, wie musikbegeistert ganz Österreich ist? Ist es nicht großartig, was hier geschieht, was hier gemacht wird, welche Vielzahl an Veranstaltungen es gibt? Denken Sie nur an Woodstock der Blasmusik! Ist es nicht traumhaft, wie friedlich, wie toll die Menschen da gemeinsam musizieren, und wie schön ist es, dass sie unser Leben so bereichern? – Danke an alle Musikschaffenden, es ist wirklich großartig, was in unserem Land hier passiert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich bin versucht, ein bisschen auf die Thematik der FPÖ einzugehen. Ich wollte hier eine ganz positive Kulturrede halten …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Die böse FPÖ!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… aber zum Vorwurf betreffend Schienenfahrzeuge: Wir seitens der Regierungsfraktion sind vor drei Wochen mit dem Bundesdenkmalamt beisammengesessen und haben uns das angeschaut. Sorry, wir haben nicht informiert, aber es passiert etwas im Hintergrund, es ist uns allen ein Anliegen. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass wir im Kulturausschuss Kultur pflegen und so zusammenarbeiten, dass man vielleicht die parteipolitische Geschichte hintanhält. Und ja, Herr Kollege Mölzer, es ist immer wieder so, dass Anträge vertagt werden. Das heißt aber nicht …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Von euch kommt ja sonst nichts!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… dass uns die Blasmusik nicht am Herzen liegt; das heißt nicht, dass uns die Chöre nicht am Herzen liegen; das heißt nicht, dass uns die Volkskultur nicht am Herzen liegt.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Von euch kommt ja sonst nichts!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Auch da haben wir alles gemeinsam. Ich verstehe, Sie wollen die treibende Kraft sein, aber die Verantwortung tragende Kraft wollen Sie nicht sein, sonst hätten Sie den Regierungsauftrag nicht zurückgelegt. (👏 ÖVP, SPÖ) Es ist schon beachtlich: Mit 7,5 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung wird in der Musikwirtschaft ein beachtlicher Wert erzielt. Es sind beachtliche 117 000 Menschen, die da einen Arbeitsplatz finden. Das ist einfach toll und großartig. Es ist auch großartig, welche Talenteförderung es in unserem Land gibt, denken Sie nur an die vielen Musikschulen oder auch an die tolle Arbeit der Wiener Sängerknaben und Chormädchen, die wir auch noch mehr unterstützen müssen. Sie sind Botschafter in die Welt hinaus. (👏 ÖVP, NEOS) Es gibt hier wirklich unglaublich viel Potenzial, und deshalb freut es mich auch besonders, dass wir diese Strategie jetzt erstellen, um Stärken zu stärken – und genau das soll die Devise zur Stärkung des Musikstandortes hier in Österreich sein, um den uns international viele beneiden. – Vielen Dank für Ihre Zustimmung zu diesem Antrag. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/50.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundestheaterorganisationsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 120 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig angenommen. Wir kommen somit sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist einstimmig. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/50.2 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: die dem Ausschussbericht 157 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Erarbeitung einer Strategie für den Musikstandort“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist wieder einstimmig, somit angenommen. ( 28/E )

Erarbeitung einer Strategie für den Musikstandort

157 d.B. · Antrag vonSPÖÖVPNEOSFPÖGRÜNE · Entschließungsantrag 352/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt eine Entschließung an, die die Bundesregierung auffordert, gemeinsam mit Expertinnen und Experten eine Strategie zur Stärkung des Musikstandorts Österreich zu erarbeiten. Dabei sollen bestehende Förderinstrumente weiterentwickelt sowie Maßnahmen zur besseren Sichtbarkeit und Internationalisierung österreichischer Musik und zur Verbesserung der Standortqualität gesetzt werden.

Betroffen sind die österreichische Musikwirtschaft und Musikschaffende aller Genres sowie relevante Institutionen und Förderstellen (inklusive Rundfunkanstalten) im Musikproduktions- und Verwertungsbereich.

Dokumente

Erarbeitung einer Strategie für den Musikstandort

Ausgangslage und Bedeutung Österreichs als Musikstandort

  • Österreich wird als Musikstandort von Weltrang beschrieben, getragen von einer langen musikalischen Tradition und bestehenden Institutionen mit international hervorragendem Ruf.
  • Diese Institutionen ziehen jährlich zahlreiche Studierende aus dem Ausland an.
  • Eine große Zahl herausragender Musikerinnen und Musiker aller Genres macht Österreich zu einem lebendigen Musikschauplatz.
  • Auch im Bereich der populären Musik wird Österreich als bedeutend dargestellt; dies zeige sich in der internationalen Strahlkraft heimischer Bands sowie zuletzt im Gewinn des Eurovision Song Contests.

Wirtschaftliche Relevanz der Musikwirtschaft (Studienbefunde)

  • Eine im Auftrag des Fachverbandes der Film- und Musikwirtschaft (FAMA), des Verbandes der österreichischen Musikwirtschaft (ifpi) und AKM/austromechana erstellte Studie zur „Wertschöpfung der Musikwirtschaft in Österreich“ wird als Grundlage angeführt.
  • Die Musikwirtschaft wird als Querschnittsbranche beschrieben, die viele andere Wirtschaftszweige beeinflusst und erheblich zum volkswirtschaftlichen Mehrwert beiträgt.
  • Direkt sind etwa 97.000 Personen in der Musikwirtschaft tätig; unter Einbeziehung induzierter Effekte steigt die Zahl auf 117.000.
  • Die direkte Bruttowertschöpfung beträgt 4,8 Milliarden Euro; mit zusätzlichen indirekten Effekten summiert sich dies auf 7,5 Milliarden Euro.
  • Die (direkten und indirekten) Effekte entsprechen 2,8 Prozent des österreichischen BIP.

Empfohlene zentrale Maßnahmen zur Ausschöpfung des Potenzials

  • Verbesserung der Standortqualität, damit mehr professionelle Musikerinnen und Musiker in Österreich eine nachhaltige Karriere aufbauen können.
  • Erhöhung der Sichtbarkeit österreichischer Musik, um heimische Künstlerinnen und Künstler zu fördern und wirtschaftliche Impulse zu setzen.
  • Gezielte Strategien zur Erleichterung internationalen Erfolgs für Künstlerinnen und Künstler, insbesondere für den deutschen Markt sowie für spezialisierte Nischen (z.B. Musik für Videospiele).

Strategieentwicklung und Förderlogik (Regierungsprogramm-Bezug)

  • Zur besseren Ausschöpfung des Potenzials der Musikwirtschaft ist vorgesehen, bestehende Förderinstrumente weiterzudenken.
  • Gemeinsam mit Expertinnen und Experten soll eine Strategie für den Musikstandort entwickelt werden.

Rolle von Rundfunkanstalten und Zielsetzung

  • Rundfunkanstalten wird eine besondere Rolle bei der Stärkung des Musikstandorts zugeschrieben.
  • Maßnahmen zur Talenteförderung und maßgeschneiderte Musikformate sollen die Präsenz heimischer Musik erhöhen und die Wertschöpfung der Musikwirtschaft steigern.
  • Ziel ist die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Musikwirtschaft für die Zukunft sowie das Setzen nachhaltiger Impulse für den Musikproduktionsstandort Österreich.

Erarbeitung einer Strategie für den Musikstandort

~27 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Wendelin Mölzer

Danke, Herr Präsident! Hohes Haus! Herr Vizekanzler! Lassen Sie mich ganz kurz auf den Tagesordnungspunkt bezüglich des Bundestheaterorganisationsgesetzes eingehen. Dem werden wir zustimmen. Es handelt sich um eine relativ unspektakuläre Verwaltungsvereinfachung, mit der wir, glaube ich, die Bundestheater gut unterstützen können. Ich möchte aber hauptsächlich zu dem Antrag über die Entwicklung einer Strategie für den Musikstandort sprechen. Es ist erfreulich, dass wir einen Mehrparteien- oder Allparteienantrag zustande gebracht haben. Es war eine Initiative der FPÖ – von meinem Kollegen Spalt schon aus der letzten Gesetzgebungsperiode –, weil wir da definitiv Handlungsbedarf sehen. Es ist zwar kein Meilenstein, weil wir diese Strategie ja erst entwickeln beziehungsweise der Herr Vizekanzler erst beauftragt wird, diese Strategie zu entwickeln, aber es ist einmal ein Anfang, den wir für wichtig und richtig halten. (👏 FPÖ) An die Adresse des Herrn Kulturministers: Ich bitte wirklich darum, dass wir zeitnah handeln. Das Erstellen von Strategien kann nicht ein, zwei, drei Jahre dauern, sondern ich hoffe, dass wir uns bald auch wieder im Nationalrat mit dieser Strategie beziehungsweise diesem Masterplan auseinandersetzen und darüber reden können. Wir alle wissen von der großen Bedeutung der Musikwirtschaft in Österreich. Wenn ich es richtig im Kopf habe, macht diese ungefähr 2,8 Prozent des österreichischen BIPs aus: 5 Milliarden Euro beziehungsweise 4,9 Milliarden Euro, die umgesetzt werden, plus noch indirekte Effekte, also fast 8 Milliarden Euro. – Das hat nicht nur kulturell eine große Bedeutung, einen hohen Stellenwert, sondern eben auch wirtschaftlich. Es gibt viel Bedarf an Weiterentwicklung von Fördermöglichkeiten und dergleichen. Wir müssen uns auch – es geht ja nicht nur darum, jetzt wieder irgendwo Gelder hineinzustecken – daranmachen, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Wir diskutieren ja verschiedenste Baustellen. Im Bildungsausschuss haben wir das letzte Mal darüber gesprochen – es war ein Antrag von uns –, dass man etwa die Musikausbildung für Pflichtschullehrer wieder verpflichtend macht, dass also beispielsweise in den Schulen, vor allem in den Volksschulen, wieder mehr Musikunterricht stattfindet, dass die Kinder Noten lesen lernen, dass sie eine vernünftige Musikerziehung haben. Da gibt es großen Handlungsbedarf. Es gibt aber auch Handlungsbedarf, wenn es darum geht, unser Musikschulwesen, das in vielen Bundesländern gut funktioniert, aber beispielsweise in Wien – wie ich höre – relativ schlecht funktioniert, weiterzuentwickeln und besser zu stützen, weil das auch wieder eine wesentliche Sache ist, wenn es darum geht, gute Rahmenbedingungen für die Musikwirtschaft zu schaffen. Meine Damen und Herren! Ich möchte aber auch noch darauf eingehen, dass wir im Kulturausschuss eine Reihe – wir haben jetzt schon zwei Sitzungen gehabt – von Initiativen von uns Freiheitlichen hatten, die vertagt wurden. Da geht es beispielsweise einmal – das hat auch mit Musik zu tun – um die Förderung beziehungsweise die Verbesserung der Rahmenbedingungen für unsere Blasmusik – das ist vertagt worden. Es geht auch darum, mehr Transparenz zu schaffen, die Richtlinien, die Förderrichtlinien zu verbessern. Es wird darum gehen – das war heute schon Thema in der Fragestunde –, die steuerliche Absetzbarkeit von privatem Kunstsponsoring zu verbessern. Ich weiß schon, da gibt es dann immer den Budgetvorbehalt. Wir Freiheitliche sagen aber, wir wollen das nicht zusätzlich zum bestehenden Budget haben, sondern statt – dann ließe sich das viel leichter finanzieren. Es wird aber beispielsweise auch darum gehen – ist auch vertagt worden –, die Volkskultur und deren Stellenwert zu erhöhen. Es geht mir beziehungsweise uns nicht darum, das föderale Prinzip, dass die Volkskultur Ländersache ist, zu durchbrechen, sondern es geht uns darum, einfach die gewisse symbolische – ja, wie soll man sagen? – Wertschätzung der Volkskultur, die in unserem Land ein wichtiges Element ist, zu steigern. Da muss man halt dann auch infrage stellen, inwieweit beispielsweise der internationale Kulturaustausch notwendig ist, wofür wir 10, 11 Millionen Euro ausgeben, und überlegen, ob es nicht besser wäre, dieses Geld im Inland zu investieren. Es ist auf jeden Fall viel zu tun. Bis dato ist aus dem Kulturausschuss seitens der Regierungsparteien nicht viel gekommen. Der Masterplan, den wir jetzt da beschließen werden, beziehungsweise die Erstellung des Masterplans ist ja eigentlich auch eine freiheitliche Initiative. Ich hoffe, dass die Regierung da bald in die Gänge kommt und wir möglichst viele schöne, interessante Diskussionen und dann auch gute Initiativen haben werden. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Antonio Della Rossa . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein. Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Antonio Della Rossa

Sehr geehrter Herr Präsident! Werter Kulturminister! Werte Kolleginnen und Kollegen, Zusehende und Zuhörende hier im Saal und auch vor den Bildschirmen zu Hause! In dieser Debatte geht es um Musik, und Musik verbindet über Sprachgrenzen hinweg, manchmal auch über Parteigrenzen hinweg, manchmal auch über Ideologien hinweg, und wird oft selbst zur Sprache, die nicht spaltet, sondern trägt. Der vorliegende Antrag stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Alle Parteien in diesem Haus sind sich einig: Die österreichische Musikwirtschaft ist uns wichtig. Wie faszinierend ist Musik eigentlich? – Physikalisch gesehen: nichts als Druckveränderung in der Luft. Kaum gehört, schon wieder verschwunden und doch so tief verankert im Gedächtnis: der Ohrwurm, der uns tagelang nicht weicht, das eine Lied, das wir tausendmal anhören und uns jedes Mal trotzdem noch trifft. Ja, Sie merken es: Ich stehe hier nicht nur als Abgeordneter, ich stehe hier auch als Musiker. Ich weiß, die Musikwirtschaft ist kein Nebenschauplatz, sie ist ein volkswirtschaftlicher Riese: 117 000 Beschäftigte in der Branche, 7,5 Milliarden Euro Wertschöpfung. Ja, das ist ein Riese, aber in dieser Wertschöpfungskette sickert zu oft zu wenig an die Basis. Zu oft bleiben den Musikschaffenden, den Musikerinnen und Musikern nur noch die Krümel des fetten Kuchens. Das betrifft genau die Menschen, die mit Herzblut dabei sind: unzählige Stunden, um ein Instrument zu beherrschen, unzählige Proben, oft in modrigen Kellerräumen – davon kann ich Geschichten erzählen –, unzählige Stunden Organisation, Bandbus, Gigs, Aufnahmen, Booking, oft ohne Sicherheit und ohne Rückhalt, oft mit einem Schulterklopfen: Na ja, du machst das ja gerne, da kannst du auch ein bisschen weniger Geld dafür verlangen! – Die Musikerinnen und Musiker, meine Kolleginnen und Kollegen da draußen, machen das nicht, weil es leicht ist. Die machen das mit Herzblut, weil es ihnen wichtig ist – denn die meisten Musiker:innen, die ich kenne, können von ihrer Kunst allein kaum leben. Sie unterrichten in Musikschulen, an Unis, sie arbeiten tagsüber als Kellner, Verkäufer, Programmierer: klassische Day-Jobs. Abends stehen sie wieder auf der Bühne und brennen – und manchmal brennen sie auch aus –, aber wenn Exzellenz zum Hobby verkommt, dann verlieren wir als Gesellschaft mehr, als wir ahnen. Darum braucht es tragende Strukturen, darum braucht es klare politische Verantwortung. Der vorliegende Antrag ist ein Anfang und ein starkes Signal. Wir wollen Fair Pay, wir wollen Investitionen in Ausbildung, Export und regionale Initiativen. Wir wollen, dass Streamingplattformen auch einen Teil dazu beitragen, dass es uns Musikerinnen und Musikern besser geht. Wir wollen, dass österreichische Musik im Radio hörbar bleibt – nicht nur auf FM4, sondern vielleicht auch auf Ö3, vielleicht auch auf privaten Sendern. Musik ist schließlich kein Extra, sie ist Bildung, Standortfaktor und Identität. Sie ist das, was uns oft zuerst zusammenbringt und zuletzt zusammenhält. Lieber Andi, ich weiß, du bist ein leidenschaftlicher Musikfan; und ich bin mir sicher, ich werde dein Ohrwurm bleiben. Ich werde an deiner Seite stehen und dafür kämpfen, dass die Musikwirtschaft in Österreich auch wichtig für diesen Standort ist und bleibt und ausgebaut wird. Ich glaube auch, das werden wir in Zukunft gemeinsam zusammenbringen. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johann Höfinger . – Die Redezeit habe ich auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Geschätzter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, das ist ein Thema, zu dem es erfreulicherweise einen Fünfparteienantrag gegeben hat. Österreich ist ein Kulturland und ein Musikland, es hat in dieser Hinsicht eine große Tradition, die über Jahrhunderte zurückgeht, in denen unser kleines Land weltberühmt geworden ist. Es hat aber nach wie vor eine große Strahlkraft in die ganze Welt hinaus. Wie es meine zwei Vorredner bereits skizziert haben: Musik ist mehr als nur das bloße Zuhören. Wenn wir uns die Bandbreite der österreichischen Kulturszene anschauen, dann wissen wir: Wir leben zum einen vom Schaffen jener Generationen vor uns, zum anderen auch von jenen, die in der heutigen Zeit ganz beherzt und engagiert Musik aus Leidenschaft ausüben, aber auch Musik, das Wissen darüber und das Spüren an die nächsten Generationen weitergeben. Das heißt, Musik ist Kultur und ein großer wirtschaftlicher Faktor, sie hat aber auch einen großen pädagogischen und sozialen Wert. Sehen wir uns die Bandbreite an: Denken wir nicht nur an die Bühne, auf der Musik aufgeführt und an andere Menschen weitergegeben wird, sondern auch daran, wie es denn eigentlich für den Einzelnen beginnt, dass er sich für Musik interessiert oder auch wirklich ein Instrument lernt, dass er Gesangsunterricht nimmt – nämlich genau mit dieser ersten Musikstunde. Wie viele hier herinnen habe auch ich einmal begonnen, ein Instrument zu lernen, und das ist eine ganz spannende Phase. Man taucht da in eine komplett neue Welt ein, die in Wirklichkeit nach oben hin keine Grenzen kennt. Dann beginnt irgendwo eine Leidenschaft, wenn man wie gesagt zum ersten Mal mit einem Geigenkoffer, mit einem Trompetenkoffer oder Ähnlichem in diese erste Musikstunde hineingeht. Wer sind jene, die Musik von Grund auf tragen? – Das sind die Musikschulen, aber auch Schulen mit musikalischen Schwerpunkten, engagierte Lehrerinnen und Lehrer in unseren Vereinen, in den Blasmusikverbänden und vieles, vieles mehr, bis es dann eben hinaufgeht in unsere Hochschulen und Konservatorien. Daher ist in diesem Antrag mehr oder weniger alles verpackt, um diesen Wert der Musik zu erkennen: diesen persönlichen Wert, den sie haben kann, aber auch den monetären, wirtschaftlichen Wert. Genau darauf zielt dieser Antrag ab. Wir wollen und müssen aus vielerlei genannten Gründen diesen Musikstandort stärken – denn auch der wirtschaftliche Faktor, der dahintersteht, tut dem Land gut. Nicht nur national, sondern auch international wollen wir unsere heimischen Genres – und da gibt es verschiedene – nach außen tragen, weil wir wirklich wissen, wir sind da auf einem guten Weg. Wir haben tolle, hervorragende Künstlerinnen und Künstler. In diesem Sinne gibt es auch von unserer Seite gerne Unterstützung zu diesem Antrag. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Vizekanzler! Ich teile zwei Dinge: Das eine ist natürlich die Begeisterung für die Musik, und ich glaube, das ist das, was uns hier heute verbindet, weil es das erste Mal ist, dass wir in dieser Gesetzgebungsperiode einen Allparteienantrag zur Kultur einbringen beziehungsweise über diesen diskutieren. Das Zweite, was ich teile, ist natürlich die Freude darüber, weil ich glaube, das ist schon ein großer Schritt, dass wir etwas schaffen, was gemeinsam geht. Dennoch möchte ich Kollegen Mölzer schon, da er aufgezählt hat, was im Kulturausschuss alles diskutiert oder von der FPÖ eingebracht wurde, sehr deutlich sagen: Vielfalt ist wesentlich lauter als Reduktion. Sie versuchen nämlich immer, Kultur auf die Volkskultur und auf die Blasmusik zu reduzieren. Ich glaube, das hat sie auch nicht verdient, von Ihnen reduziert beziehungsweise ideologisiert zu werden. (👏 SPÖ, NEOS) Musik ist Teil unserer kulturellen und gesellschaftlichen Zukunft, aber sie ist auch Teil unserer wirtschaftlichen Zukunft – und ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir die Musikwirtschaft auch wirklich in den wirtschaftspolitischen Diskurs integrieren und dort stärker verankern. Wir alle sind uns bewusst, vor welchen budgetären Herausforderungen wir momentan stehen. Ich glaube aber, gerade in so einer Situation ist es doch erfreulich, dass es einen Sektor gibt, der sowohl das kreative Potenzial als auch die wirtschaftliche Wirkung verbindet. Das nämlich ist die Musikwirtschaft. Es ist heute schon mehrmals davon gesprochen worden, welche Wertschöpfung, welche Bedeutung und welchen Anteil am BIP die Musikwirtschaft innerhalb der österreichischen Wirtschaft hat, dass sie Arbeitsplätze schafft, aber vor allem, dass sie auch andere Branchen inspiriert. Sie stärkt den Tourismus und sie leistet mehr – vor allem Dinge, die oft nicht sichtbar sind. Die Musik präsentiert beziehungsweise prägt auch das Selbstverständnis unseres Landes und sie öffnet Türen in die Welt. Sie ist Botschafterin für ein weltoffenes, für ein kreatives und vor allem für ein sehr vielfältiges Österreich. Musik ist Exportgut und Kulturbotschaft gleichzeitig. Wo Künstler:innen aus Österreich auftreten, wächst internationale Aufmerksamkeit für unser Land, unsere Ideen und unsere Wirtschaft. Ich möchte nur ganz kurz einen Komponisten der Wiener Klassik zitieren, nämlich Joseph Haydn, der gesagt hat: „Meine Sprache verstehet man durch die ganze Welt.“ – Diese Sprache verstehet man nicht nur, sondern man spricht sie auch, und sie ist sehr, sehr vielfältig. Österreich ist Bühne und diese Bühne wird exportiert. Was ist nun notwendig, um all diese Möglichkeiten des Musikstandortes und der Musikwirtschaft auch wirklich nutzen zu können? – Auf der einen Seite brauchen wir wie schon genannt Rahmenbedingungen. Die müssen nicht nur evaluiert, sondern auch adaptiert werden, damit die Musikwirtschaft auch wirklich ihr volles Potenzial entfalten kann. Auf der anderen Seite müssen wir das bestehende Förderwesen komplett reformieren. Es geht darum, es verständlich und zugänglich, aber vor allem auch zukunftsfit zu machen. Da können wir durchaus auch in neuen Kategorien denken, entlang kreativer Realität. Kulturpolitik, meine Damen und Herren, ist vor allem auch Standortpolitik. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir brauchen eine Standortpolitik, die die kulturelle Leistung genauso ernst nimmt wie die ökonomische Wirkung. Mit diesem heutigen Antrag soll genau das initiiert werden, was auch bereits im Regierungsprogramm zu finden ist. Gemeinsam mit Expert:innen, Verbänden, Rundfunkanstalten und der Branche soll eine Musikstandortstrategie erarbeitet werden. Wenn wir diesen Antrag heute beschließen, dann heißt es, eine sehr bewusste Entscheidung für diesen Musikstandort Österreich zu treffen. Österreich ist Bühne, meine Damen und Herren, und wir schaffen mit dieser Strategie den Soundtrack für die Zukunft. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Werner Kogler . – Die Redezeit stelle ich auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Werner Kogler

Danke, Herr Präsident! Herr Kulturminister! Erstens einmal: Es ist gut, wenn es einen Fünfparteienantrag gibt; die Zeiten sind ja turbulent genug. Sie wissen, dass ich so etwas zu schätzen weiß. Umgekehrt will ich es auch nicht überhöhen, auch nicht die Arbeit im Kulturausschuss bislang. Ich wende mich aber gar nicht an den Minister, sondern an den Ausschussvorsitzenden: Ja, richtig, es werden Anträge vertagt. Das ist jetzt gar nicht primär mein Thema, aber man könnte für den Kulturausschuss anmahnen, dass man die Vertagungsbegründungen vielleicht ein bisschen kreativer macht, weil es ja immerhin der Kulturausschuss ist …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Kreativer?!

GRÜNE Werner Kogler

… aber halber Scherz beiseite. Schauen Sie, Sie haben hier in die Debatte eingebracht – und offensichtlich gehört es zum Verhandlungsgegenstand –, was alles nicht hier ist. Ich möchte das durchaus ernst aufgreifen. Sie haben ja Ihre Anliegen Richtung Förderung von Blasmusik und Ähnliches mehr quasi noch einmal angemahnt – auch ein bisserl mit dem Schlenker in Richtung: vielleicht nicht so viel Internationales; da kommen wir schon nicht mehr zusammen –, aber ich nehme das jetzt zum Anlass, mit den vielen Schalmeientönen, die wir dazu hören, was man alles Tolles über die Kulturnation Österreich sagen könnte, eine ganz andere Frage aufzuwerfen, die alle betrifft, Sie wahrscheinlich auch, Herr Bundesminister: Was will uns die österreichische Bundesverfassung sagen? Kultur und im Übrigen auch Sport – dort ist es oft noch seltsamer in der Abgrenzung – sind grundsätzlich Landeskompetenz. Es gibt aber gerade im Kulturbereich sehr viele bundesweite Förderungen – gut so, aber das muss irgendwie eine bundesweite Bedeutung haben, denn wie grenzen wir das denn sonst ab? Darüber würde ich schon hin und wieder einmal nachdenken. Ich sage es jetzt ganz bewusst: Ich glaube, wir alle im Kulturausschuss haben nichts gegen Blasmusik, ganz im Gegenteil! Es gibt im Übrigen, darauf bin ich beim letzten Kongress gekommen, gar nicht so wenige grüne Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, die in ihren Ortschaften in der Blasmusikkapelle mitspielen! Das nur nebenbei bemerkt. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass man irgendwie – gerade, weil das Geld knapp ist, jetzt mehr als in der Vergangenheit; das muss man ehrlich sagen, ja, das hat gerade auch für die Kultur einen Einfluss – schaut, wer sich wofür zuständig erklärt. Das ist eine Grundsatzfrage, weil wir uns sonst im Ausschuss immer im Kreis herumdrehen werden. Im Übrigen gibt es ja auch für Volkskultur und Blasmusik die eine oder andere bundesweite Initiative, weil manches eben von übergeordneter Bedeutung ist. Wo da die Abgrenzung ist, ist nicht immer leicht zu sagen, aber ich bitte schon darum, dass wir das ein bissel beherzigen, denn sonst würde ich nicht nur in anderen Bereichen, sondern auch in diesem eine Verfassungsdebatte anregen. Zum Musikland: Österreich ist wirklich eine Kulturnation, und die Musik ist dabei herausragend. Das können wir in der Tradition schon über Jahrhunderte zurückverfolgen, aber natürlich geht es auch um die Moderne und – da würde ich mich am ehesten bei der Kollegin von den NEOS anschließen – auch ganz viel um Vielfalt. Der Anlass für das, was wir heute diskutieren, und den gemeinsamen Antrag war ja eine Studie. Es ging also auch um eine Musikstandortstrategie, meinetwegen gerne auch im Sinne eines Wirtschaftsstandorts, denn es ist ein Riesenwirtschaftsfaktor, überhaupt keine Frage, wie einiges andere auch. Deshalb finde ich das sehr, sehr vernünftig. Wir müssen dann halt auch schauen, was damit in Verbindung steht: Wie ziehen wir die Streamingdienste in die Verpflichtung? Wie kriegen wir österreichische Musik – und zwar alle Musik, bis hin zur Popmusik – auf österreichischen Sendern ausgespielt?, und so weiter und so fort. Das ist wichtig. Bei der Gelegenheit und abschließend sage ich wieder einmal: Wien ist eine weltoffene Stadt – und da ist der Begriff Welthauptstadt der Musik, oder zumindest eine davon, sicherlich zutreffend. Wenn das aber so ist, sollten wir uns diese Offenheit bewahren. Auch das ist Heimat: Vielfalt und Moderne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Vizekanzler Andreas Babler . – Bitte, Herr Vizekanzler.

FPÖ Thomas Spalt

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Vizekanzler! Geschätzte Abgeordnete! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Um an meine Vorredner anzuschließen – ich kann es konkretisieren, Herr Vizekanzler –: Bei allem Respekt, aber auch Ihre Rede war, nachdem wir vorhin im Umweltbereich eine umweltpolitische Bankrotterklärung hatten, jetzt eine kulturpolitische Bankrotterklärung.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh, bitte!

FPÖ Thomas Spalt

… Herr Vizekanzler außer Dienst, lassen Sie mich erklären. Wenn man sich die Vorredner angehört hat, dann muss man sich schon die Frage stellen - - …

SPÖ Greiner (Zwischenruf)

Das ist wieder die gleiche Rede wie vorher; wir sind bei einem anderen Thema! – Ruf bei der FPÖ: Zuhören! – Abg. Greiner [SPÖ]: Tut mir leid, aber Sie reden gleich wie vorher!

FPÖ Thomas Spalt

… Wir sind bei der Kulturpolitik, ja, wir sind bei der Kulturpolitik.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Beim Antrag, wo Sie draufstehen!

FPÖ Thomas Spalt

… Na ja, bitte, Herr Vizekanzler ( in Richtung Abg. Kogler [Grüne] ), Sie haben diesen Antrag in der Vergangenheit vertagt. Aber bitte lassen Sie mich das erklären. Geschätzte Damen und Herren! Ich glaube, Sie müssen sich überlegen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wenn eh schon alles ein Bankrott ist, was machen Sie denn dann, wenn wirklich was ein Bankrott ist?

FPÖ Thomas Spalt

… was auch Sie in Ihren Reden hier draußen zum Besten geben, denn Sie stellen sich alle hier heraus und schimpfen ein bisschen über die Kulturpolitik der FPÖ: Das ist nicht okay und das ist nicht gut! …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Hat keiner gesagt! – Abg. Della Rossa [SPÖ]: ... eh immer gesagt, im Gegenteil!

FPÖ Thomas Spalt

… Herr Vizekanzler, Sie haben es gesagt …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Keine einzige Wortmeldung! – Abg. Della Rossa [SPÖ]: Gelobt hab’ ich dich!

FPÖ Thomas Spalt

… und von Ihnen, Herr Vizekanzler a. D. Kogler, ist es immer wieder gekommen: Ja, ja, die Kulturpolitik der FPÖ! – Und was haben wir aber heute hier? – Wir haben heute hier einen Allparteienantrag. Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass wir diesen Allparteienantrag haben, aber auf wessen Initiative ist dieser Allparteienantrag entstanden? – Ja genau, richtig: Es war eine Initiative der Freiheitlichen Partei.

SPÖ Della Rossa (Zwischenruf)

Bestreitet niemand, im Gegenteil!

FPÖ Thomas Spalt

… Vor über einem Jahr, nämlich am 12. Juni 2024, habe ich als freiheitlicher Abgeordneter hier im Hohen Haus einen Antrag eingebracht, mit dem exakt gleichen Ziel, nämlich einen Masterplan für den Musikstandort Österreich auszuarbeiten. Und, geschätzte Damen und Herren, was ist passiert? – Ja genau, wir haben es im Kulturausschuss diskutiert und der Antrag ist selbstverständlich vertagt worden. Erst jetzt, nachdem wir in dieser Gesetzgebungsperiode diesen Antrag gleich oder ähnlich lautend wieder eingebracht haben, ist daraus dieser Allparteienantrag entstanden. Geschätzte Damen und Herren, es muss jetzt aber auch die Frage erlaubt sein: Was soll jetzt damit passieren? Was soll konkret jetzt in Zukunft passieren? Ich kann es an einem Beispiel festmachen: Auch vor etwa einem Jahr, im Frühling 2024, wurde ein weiterer Antrag auf Initiative der FPÖ, nämlich betreffend „Maßnahmen zum Erhalt und zur Rettung historischer Schienenfahrzeuge im Bundeseigentum“, einstimmig beschlossen. Wir hatten genau das gleiche Prozedere wie jetzt: Wir haben es hier im Plenum diskutiert, weil es einen Abänderungsantrag, einen Allparteienantrag gegeben hat. Und was waren hier auch Ihre Sonntagsreden dazu? – Ja, das ist super, wir müssen unser Kulturerbe retten und da Maßnahmen ergreifen. Doch, geschätzte Damen und Herren, eine Frage muss ganz, ganz klar erlaubt sein, und ich glaube, das erwarten sich auch die Beteiligten: Was ist mit diesem einstimmigen Allparteienantrag zur Rettung der historischen Schienenfahrzeuge der österreichischen Sammlung geschehen? – Geschätzte Damen und Herren, meinem Wissensstand nach nichts. Geschätzte Damen und Herren, das ist nicht nur ein Versäumnis der alten Bundesregierung, sondern da darf man auch die neue Bundesregierung nicht aus der Verantwortung entlassen. Vergessen Sie nicht: Seit der letzten Nationalratswahl sind rund zehn Monate vergangen und diese Bundesregierung ist mittlerweile seit mehr als vier Monaten im Amt. Es wäre mehr als genug Zeit gewesen, sich zumindest um diese Themen zu kümmern, die wir hier herinnen einstimmig beschlossen haben, hier konkrete Maßnahmen auszuarbeiten und diese dann zur Beschlussfassung zu bringen. (👏 FPÖ) Geschätzte Damen und Herren, das ist für mich keine verantwortungsvolle Kulturpolitik. Trotzdem sage ich ganz bewusst: Es gibt Themen, wo wir gemeinsam etwas bewegen können, auch im Kulturbereich. Der Musikstandort und die historische Eisenbahnsammlung sind solche Themen, und ich bin überzeugt, es würde hier noch viel, viel mehr solche Themen geben. Aber, geschätzte Damen und Herren, ich appelliere noch einmal, vor allem an die Bundesregierung: Bitte nehmen Sie diese Themen auch ernst, und zwar nicht nur bei irgendwelchen Pressekonferenzen, nicht nur in irgendwelchen Sonntagsreden, sondern auch in der echten politischen Diskussion und in der echten politischen Umsetzung! Wir haben hier jetzt bereits ein Jahr verloren, was den Antrag zur Musikwirtschaft betrifft. Nutzen wir jetzt diesen Antrag, der von einer freiheitlichen Initiative ausgeht, als Chance, jetzt wirklich ins Tun zu kommen! Damit richte ich mich ganz besonders an Sie, Herr Vizekanzler, Herr Kulturminister. Wir werden Sie an den Taten messen, ob endlich gehandelt wird oder ob Sie weiterhin nur Sonntagsreden halten. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Bernhard Herzog . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Bernhard Herzog

Danke, Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Herr Abgeordneter Spalt, ich hoffe, es geht Ihnen jetzt besser, nachdem Sie ein bisschen in Selbstmitleid gebadet haben.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Selbstmitleid ...!

SPÖ Bernhard Herzog

… Sie haben es geschafft, hier einen Allparteienantrag, dem alle zustimmen, eigentlich zu konterkarieren. Sie haben vorhin irgendwie gemeint, die FPÖ ist ob ihrer Kulturpolitik kritisiert worden. – Nein, in keiner einzigen Rede wurden Sie diesbezüglich kritisiert. Ich glaube, Sie sind es schon so gewohnt. (👏 ÖVP, SPÖ) Aber wenn Sie es so gerne haben, dass Sie kritisiert werden, dann biete ich Ihnen das jetzt. Die blaue Kulturpolitik hat nämlich wirklich auch einige problematische Seiten. Da muss man nur dorthin schauen, wo die Blauen regieren. Ich blicke in die Steiermark. Dort gehen gerade Kulturschaffende auf die Straße und protestieren, weil dort die Kulturszene gerade komplett zusammengekürzt wird. Das ist blaue Kulturpolitik, und die ist nicht gut. (👏 ÖVP, SPÖ) Insofern würde ich es eigentlich begrüßen, wenn wir bei so einem Allparteienantrag auch entsprechend gemeinsam in dieser positiven Tonalität weitermachen könnten. Ich möchte gerne über diese Musikstandortstrategie sprechen. Musik ist ja etwas, das uns begleitet, ob im Radio, im Netz, im Alltag oder bei Konzerten begleitet. Was man aber oft übersieht, ist, dass es da nicht nur um die tollen und talentierten Künstlerinnen und Künstler geht. Es steckt auch sehr viel Arbeit dahinter: Da geht es auch um den Bühnenbau beispielsweise, um die Tontechnik, um die Organisation dahinter und um vieles mehr. Ich bin selbst viele Jahre Mitarbeiter im Organisationsteam des Donauinselfestes gewesen, eines der größten Musikfestivals, die es in Europa gibt. Ich habe dort auch leitende Funktionen übernehmen können und kann aus erster Hand sagen: Da ist ganz, ganz viel Arbeit dahinter. Da geht es um den Bühnenbau, um die Technik, Ton, Licht. Da geht es um Sicherheit, da geht es um die Gastronomie, um die ganze Infrastruktur, um die vielen Kabel, die gelegt werden müssen, um die große Lieferlogistik. Und am Ende geht es um ganz viele arbeitende Menschen, um Zigtausende Menschen, die mit Leidenschaft in dieser Branche arbeiten. Ich möchte jetzt die Gelegenheit nutzen, ihnen allen einmal Danke zu sagen. Diese Menschen stehen meist nicht auf der Bühne, aber ihnen gebührt auch ein großes Dankeschön, weil da wichtige Arbeit für die Kultur und die Musik in Österreich passiert. (👏 ÖVP, SPÖ) 117 000 Menschen, so sagt es uns die Statistik, arbeiten direkt oder indirekt in der Musikwirtschaft. 7,5 Milliarden Euro Wertschöpfung, einen Anteil am BIP von 2,8 Prozent, das haben wir schon gehört. Wir sind da also auf einem guten Weg. – Danke, Herr Vizekanzler, danke an alle Parteien, die hier mitmachen, dafür, dass wir diese Musikstrategie entwickeln, denn wer in die Musik investiert, investiert in die Seele unseres Landes und sichert Zehntausende Arbeitsplätze in unserem Land. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Martina Diesner-Wais . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Martina Diesner-Wais

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Liebe Abgeordnete! Meine Damen und Herren hier im Parlament! Zuhörer zu Hause! Ich darf heute zu zwei kulturpolitischen Punkten sprechen, nämlich zu den Tagesordnungspunkten 3 und 4. Im Punkt 3 geht es um die Änderung des Bundestheaterorganisationsgesetzes. Die Bundestheater-Holding GmbH hat nämlich seit ihrer Ausgliederung 1999 auch die Aufgaben im Bereich der Pensionsverwaltung übernommen. Das ist aber eigentlich nicht ihr Kerngeschäft und das kommt jetzt zur Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau. Ich denke, das ist eine gute Sache, denn damit wird die Verwaltung schlanker und effizienter, und das ist sehr sinnvoll. Tagesordnungspunkt 4 betrifft den Antrag, mit dem die Erarbeitung einer Strategie für den Musikstandort gefordert wird. Wir haben in der Fragestunde schon darüber gesprochen. Das ist eine wichtige Sache, denn Musik ist für Österreich Identität, Gemeinschaft, aber auch wirtschaftlicher Faktor. Österreich ist als Musikland bekannt, und da geht es nicht nur um die großen Bühnen in Wien und Salzburg, sondern auch um die vielen kleinen Bühnen, Proberäume und Musikschulen im ganzen Land. Ich komme aus dem Waldviertel und da gehört das gemeinsame Musizieren in unseren Gemeinden, in unseren Dörfern einfach dazu, mit der Blasmusik, mit den Chören und mit den vielen Jugendbands. Die Musik begleitet uns über das ganze Jahr durch alle Feste. Da darf ich gleich allen Musikern und Musikerinnen, die wirklich viel proben, viel üben und immer da sind, wenn man sie braucht, ganz herzlich Danke sagen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was Musik noch in sich birgt: Musik ist eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Sie geht über Generationen hinweg und bildet dadurch Gemeinschaft. Österreich ist nicht nur das Land der großen Komponisten, die wir in den vergangenen Jahrhunderten gehabt haben, Österreich ist auch heute ein Land mit vielen jungen Bands. Wie schon gesagt: Musik ist für Österreich nicht nur in kultureller, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht von großer Bedeutung. Daher ist dieser Antrag für die Zukunft eines erfolgreichen Musikstandortes ein ganz notwendiger. Was wollen wir? – Wir wollen, dass die Musikerinnen und Musiker bessere Rahmenbedingungen vorfinden, wir wollen, dass die heimische Musik – egal ob Klassik, Pop oder auch unsere Volksmusik – sichtbarer wird im Inland, aber auch im Ausland, und wir wollen, dass unsere Musik exportfähig und international erfolgreich wird, dafür ist natürlich jeder Wettbewerb auch bei uns im Land besonders wichtig und gut. Die Musikstandortstrategie soll von den Musikerinnen und Musikern, Vereinen, Experten und Medien gemeinsam erarbeitet werden, damit wir zukunftsfähige Rahmenbedingungen für unsere Musiklandschaft bekommen. Es freut mich ganz besonders, dass es ein Fünfparteienantrag ist, denn Kulturpolitik soll über alle Parteigrenzen hinweg gehen. Wenn wir da Verantwortung hineinlegen, kann es auch gelingen, dass wir weiter ein guter Musikstandort für die ganze Welt sind. – In diesem Sinne: Alles Gute! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Laurenz Pöttinger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Vizekanzler! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ist es nicht wunderschön, wie musikbegeistert ganz Österreich ist? Ist es nicht großartig, was hier geschieht, was hier gemacht wird, welche Vielzahl an Veranstaltungen es gibt? Denken Sie nur an Woodstock der Blasmusik! Ist es nicht traumhaft, wie friedlich, wie toll die Menschen da gemeinsam musizieren, und wie schön ist es, dass sie unser Leben so bereichern? – Danke an alle Musikschaffenden, es ist wirklich großartig, was in unserem Land hier passiert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich bin versucht, ein bisschen auf die Thematik der FPÖ einzugehen. Ich wollte hier eine ganz positive Kulturrede halten …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Die böse FPÖ!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… aber zum Vorwurf betreffend Schienenfahrzeuge: Wir seitens der Regierungsfraktion sind vor drei Wochen mit dem Bundesdenkmalamt beisammengesessen und haben uns das angeschaut. Sorry, wir haben nicht informiert, aber es passiert etwas im Hintergrund, es ist uns allen ein Anliegen. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass wir im Kulturausschuss Kultur pflegen und so zusammenarbeiten, dass man vielleicht die parteipolitische Geschichte hintanhält. Und ja, Herr Kollege Mölzer, es ist immer wieder so, dass Anträge vertagt werden. Das heißt aber nicht …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Von euch kommt ja sonst nichts!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… dass uns die Blasmusik nicht am Herzen liegt; das heißt nicht, dass uns die Chöre nicht am Herzen liegen; das heißt nicht, dass uns die Volkskultur nicht am Herzen liegt.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Von euch kommt ja sonst nichts!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Auch da haben wir alles gemeinsam. Ich verstehe, Sie wollen die treibende Kraft sein, aber die Verantwortung tragende Kraft wollen Sie nicht sein, sonst hätten Sie den Regierungsauftrag nicht zurückgelegt. (👏 ÖVP, SPÖ) Es ist schon beachtlich: Mit 7,5 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung wird in der Musikwirtschaft ein beachtlicher Wert erzielt. Es sind beachtliche 117 000 Menschen, die da einen Arbeitsplatz finden. Das ist einfach toll und großartig. Es ist auch großartig, welche Talenteförderung es in unserem Land gibt, denken Sie nur an die vielen Musikschulen oder auch an die tolle Arbeit der Wiener Sängerknaben und Chormädchen, die wir auch noch mehr unterstützen müssen. Sie sind Botschafter in die Welt hinaus. (👏 ÖVP, NEOS) Es gibt hier wirklich unglaublich viel Potenzial, und deshalb freut es mich auch besonders, dass wir diese Strategie jetzt erstellen, um Stärken zu stärken – und genau das soll die Devise zur Stärkung des Musikstandortes hier in Österreich sein, um den uns international viele beneiden. – Vielen Dank für Ihre Zustimmung zu diesem Antrag. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/50.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundestheaterorganisationsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 120 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig angenommen. Wir kommen somit sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist einstimmig. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/50.2 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: die dem Ausschussbericht 157 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Erarbeitung einer Strategie für den Musikstandort“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist wieder einstimmig, somit angenommen. ( 28/E )

kulturelle Bildung von der Elementarpädagogik bis zum tertiären Ausbildungssektor

158 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Entschließungsantrag 333/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt eine Entschließung an, die Bundesregierung aufzufordern, kulturelle Bildung von der Elementarpädagogik über Schule bis in den tertiären Ausbildungsbereich weiter zu stärken und Kunst und Kultur in Ausbildung und Praxis mehr Raum zu geben. Bestehende und neue Programme zur chancengerechten Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Kunst und Kultur (z.B. partizipative Projekte wie „Kunst ist Klasse“) sollen bestmöglich unterstützt und ausgebaut werden.

Betroffen sind elementarpädagogische Einrichtungen, Schulen und tertiäre Ausbildungsstätten sowie Kinder und Jugendliche und die beteiligten Kunst- und Kultureinrichtungen bzw. Förderprogramme.

Dokumente

kulturelle Bildung von der Elementarpädagogik bis zum tertiären Ausbildungssektor

Anliegen und Zielsetzung

  • Kulturelle Bildung soll von der Elementarpädagogik über Schule bis in den tertiären Ausbildungssektor gestärkt und verankert werden.
  • Bereits in sehr jungen Jahren soll Freude an Kunst und eigener Kreativität geweckt werden, damit Kinder zu kulturinteressierten Jugendlichen heranwachsen.
  • Kulturelle Bildung wird als wesentlicher Baustein einer umfassenden Bildung dargestellt.

Begründung: Bildungs- und Kompetenzwirkungen kultureller Bildung

  • Kulturelle Kinder- und Jugendbildung fördert unterschiedliche Kompetenzen, insbesondere Kreativität.
  • Sie stärkt soziales Miteinander, Verantwortungsbereitschaft und Selbstbewusstsein durch aktiven Umgang mit Kunst und anderen Ausdrucksformen kultureller Bildung.
  • Kinder und Jugendliche werden zum kreativen und reflexiven Umgang mit digitalen Medien ermutigt.

Chancengerechtigkeit und Zugang über Institutionen

  • Elementarpädagogische Einrichtungen und Schulen werden als beste Möglichkeit gesehen, Kinder und Jugendliche chancengerecht zu erreichen.
  • Der Zugang zu Kunst- und Kulturangeboten soll unabhängig von Herkunft sowie den finanziellen Möglichkeiten der Eltern ermöglicht werden.

Beispielprogramm „Kunst ist Klasse“ (Schuljahr 2024/2025)

  • Das Förderprogramm richtet sich an Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 14 Jahren.
  • Es ermöglicht aktive Teilhabe an Kunst und Kultur durch partizipative Kunst- und Kulturprojekte.
  • Die Teilnehmenden machen vielfältige neue Erfahrungen und können ihre kulturellen Kompetenzen stärken.

Wirkungen auf Kulturvermittlung und Publikum

  • Durch die Projekte wird die Kommunikation zwischen Kunst- und Kultureinrichtungen und ihrem jungen Publikum gefördert.
  • Langfristig soll eine neue Publikumsgruppe für die Zukunft heranwachsen.

Auftrag an die Bundesregierung / politische Stoßrichtung

  • Die Bundesregierung betont, diese Bestrebungen weiter bestmöglich zu fördern.
  • Kunst und Kultur sollen mehr Platz in der elementarpädagogischen und schulischen Ausbildung erhalten.

kulturelle Bildung von der Elementarpädagogik bis zum tertiären Ausbildungssektor

~18 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
SPÖ Katrin Auer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseher und Zuseherinnen zu Hause und auf der Besuchergalerie! Ich glaube, wir sind uns einig und auch dieser Allparteienantrag beweist es wieder: Bildung ist wichtig – und das für jede und jeden in diesem Land. Vor allem gilt auch: Lebenslanges Lernen ist ein Faktor, den wir nicht unterschätzen dürfen. Jeder Mensch jeden Alters und jeder Herkunft soll die Möglichkeit haben, sich weiterzubilden. Vor allem in Zeiten wie diesen, in welchen es ganz wichtig ist, Kompetenzen zu erwerben, Wissen zu erwerben, um gegen Falschmeldungen, Fake News und Ignoranz selbst etwas tun zu können, ist es wesentlich, Wissen zu ermöglichen, Aufklärung und Bildung voranzutreiben. Deswegen ist es mir eine große Freude, dass in Zukunft das Ministerium für Kunst, Kultur, Medien und Sport gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung und mit den Gebietskörperschaften das Ansinnen der kulturellen Bildung vorantreiben wird, um die Zusammenarbeit zu intensivieren und kulturelle Bildung vom elementarpädagogischen bis zum tertiären Sektor besser zu verankern. Wir brauchen diese Teilhabe, wir brauchen diese Niederschwelligkeit und diesen breiten Zugang – nicht nur, um Talente zu finden und dann diese Talente auch zu fördern, sondern natürlich auch, um eine chancengerechte Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Kunst und Kultur zu ermöglichen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir brauchen nicht nur in der Kultur und in der Kunst Nachwuchs, sondern wir brauchen Nachwuchs für unsere Blasmusikkapellen, wir brauchen Nachwuchs für unsere Kunstschaffenden, aber wir brauchen auch Nachwuchs beim Publikum. Wir brauchen Menschen, die als Publikum ins Theater gehen wollen, die den österreichischen Film schauen wollen, die in Galerien gehen, die dann wieder Kunstwerke ankaufen – all das brauchen wir. Deswegen brauchen wir Nachwuchs in allen Bereichen. Wir können da bei den Kleinsten anfangen und kulturelle Bildung bei den Jugendlichen, aber auch bei den Erwachsenen vorantreiben. Das darf aber nicht zulasten der Pädagogen und Pädagoginnen gehen, denn die sind ohnehin schon mit Aufträgen überfrachtet, die von der Gesellschaft kommen, die von den Kindern und Jugendlichen an sie herangetragen werden, nämlich dahin gehend, wie Bildung aussehen soll. Wir müssen hier dafür sorgen, dass vor allem Künstler und Künstlerinnen, Kunst- und Kulturschaffende da eingebunden werden, dass an außerschulischen Lernorten kulturelle Bildung stattfindet und – natürlich auch – dass man Orte in diese kulturelle Bildung einbindet, wo Kultur und Kunst stattfinden, nämlich unsere Theater, unsere Konzertsäle, Studios, Galerien, Kinos, Ateliers und Werkstätten. Ich kenne da wieder ein sehr gutes Beispiel aus meiner eigenen Heimatstadt, nämlich das Theater Akku. Das ist ein privater Verein, der ehrenamtlich betrieben wird, wirklich mit ganz gelinden Mitteln gefördert wird, aber sehr, sehr viel zustande bringt. Da wird schon seit Jahrzehnten aktiv mit Schulen und Schulklassen kooperiert. Schüler, Schülerinnen können Praktika machen, aber auch auf der Bühne stehen, hinter den Kulissen die Technik lernen und tatsächlich einen Einblick bekommen, was das bedeutet. Wichtig ist, dass wir diese Hemmschwellen vielleicht abbauen, was Kunst und Kultur betrifft, dass wir die Neugierde wecken, dass wir Talente finden und fördern, dass wir Horizonte erweitern und dadurch aber auch die Berufsorientierung erweitern – denn wer weiß, welche neuen Talente, welche neuen Künstler und Künstlerinnen wir finden. Deswegen: Kultur und Bildung gehören zusammen. Es freut mich, dass darüber hier Einigkeit herrscht und dass wir diesmal nicht nur die Vielen, sondern sogar alle sind. – Herzlichen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Totter . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Agnes Totter

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Vizekanzler! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Als ausgebildete Pädagogin und Abgeordnete aus der Südoststeiermark weiß ich, wie viel kreatives Potenzial in unseren Regionen steckt – an Ideen, an Talenten, an künstlerischer Ausdruckskraft. Wir wissen, dieses Potenzial muss frühzeitig entdeckt und gefördert werden, denn kulturelle Bildung ist keine Nebensache, sie ist ein Kernbestandteil umfassender Persönlichkeitsbildung. Kunst ist auch Nahrung für den Geist. Sie beginnt nicht im Museum, sondern oft schon mit einem einfachen Lied oder mit einem Bild, das ein Kind malt. Unser Regierungsprogramm, meine Damen und Herren, gibt uns eine klare Richtung vor: Kunst, Kultur und Bildung zusammen zu denken. Das halte ich für sinnvoll und auch richtig. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Kunst und Kultur sollen mehr Raum in der elementarpädagogischen und schulischen Ausbildung bekommen, einerseits durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Kulturressort und andererseits durch eine klare Verankerung kultureller Bildung vom Kindergarten bis zur Hochschule. Ein schönes Beispiel dafür ist das Förderprogramm Kunst ist Klasse!, das Kindern zwischen zehn und 14 Jahren eine aktive Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglicht, und das nicht als Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern als Gestalterinnen und Gestalter. Das schafft neue Erfahrungsräume und stärkt kulturelle und soziale Kompetenzen, die ein Leben lang tragen. Noch bevor wir aber neue Ideen umsetzen, müssen wir bestehende Angebote verbessern und optimieren und unterschiedliche Bildungseinrichtungen besser miteinander vernetzen. Ich halte es für besonders wertvoll, wenn beispielsweise Musikschulen und Regelschulen gut miteinander zusammenarbeiten. (👏 ÖVP, SPÖ) Denn durch Synergien zwischen Bildungsinstitutionen entstehen neue Räume für junge Talente, niederschwellig, lebensnah und über alle sozialen Grenzen hinweg. Für solche Kooperationen gibt es, zumindest in meiner Region, zahlreiche Beispiele. Dort, wo das funktioniert, ist diese Zusammenarbeit für alle eine unglaubliche Bereicherung, besonders aber für die Schülerinnen und Schüler. (👏 ÖVP) Das durfte ich schon in meiner Funktion als Schulleiterin so erleben. In Sankt Stefan im Rosental, wo ich viele Jahre die Mittelschule geleitet habe, pflegten wir eine sehr enge Kooperation mit den örtlichen Bildungsstätten. Kindergarten, Volksschule, Mittelschule und Musikschule gestalteten gemeinsam viele große Projekte. Ich bin davon überzeugt, dass solche Projekte für Kinder einen wirklichen Mehrwert darstellen und sie in diesem Rahmen Kompetenzen erwerben können, die sie im herkömmlichen Unterricht nicht bekommen. Wir von der Politik können die Rahmenbedingungen für solche Kooperationen oder Synergien optimieren, dennoch hängt es von den einzelnen Akteurinnen und Akteuren vor Ort ab, in welchem Ausmaß sie diese Angebote auch ausschöpfen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in meiner Zeit als Direktorin in Sankt Stefan im Rosental kreative, aufgeschlossene Kooperationspartnerinnen und -partner hatte und dass wir gemeinsam großartige Projekte für unsere Kinder auf die Beine stellen konnten. Meine Damen und Herren, kulturelle Bildung darf kein Luxus sein! Sie ist Teil eines guten, selbstbestimmten Lebens. Sie gibt jungen Menschen Kraft, zu denken, zu fühlen, zu gestalten und ihren Platz in einer komplexen Welt zu finden. (👏 ÖVP) Wir als Volkspartei stehen für eine Bildungspolitik, die den ganzen Menschen sieht. Wir wollen, dass junge Menschen, egal ob am Land oder in der Stadt, Zugang zu Kunst, Kultur und kreativer Bildung haben. Ich bedanke mich bei allen Pädagoginnen und Pädagogen für die großartige Arbeit im Bereich der kulturellen Bildung und danke auch allen Künstlerinnen und Künstlern, insbesondere in den ländlichen Regionen, die Kunst und Kultur gestalten, aber auch jenen Menschen, die Kunst und Kultur im ländlichen Raum überhaupt möglich machen. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Gertraud Auinger-Oberzaucher . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Vizekanzler! Kulturelle Bildung ist ein Versprechen, kulturelle Bildung ist ein Versprechen an alle Kinder: das Versprechen, dass Kreativität und Ausdruck genauso viel zählen wie Rechnen, Schreiben und Lesen. Kulturelle Bildung ist aber auch ein zentraler Baustein unserer umfassenden Bildungspolitik. Unser Ruf in der Welt als offenes, kreatives und vielfältiges Kulturland stammt von den großen Bühnen, aber der Beginn findet in den Klassenzimmern, in den Kindergärten und in den Jugendzentren statt, wie auch bei den Pädagog:innen, bei den Künstler:innen und vor allem bei den Kulturvermittler:innen. Kulturelle Bildung ist Chancengerechtigkeit in ihrem besten Sinne. Kulturelle Bildung, aber auch Kultur müssen sich auch dem Wandel anpassen. Sie müssen mit diesem Wandel Schritt halten können, denn die Kulturlandschaft verändert sich. Die Ausdrucksformen werden andere und sie werden vielfältiger – auch das muss die kulturelle Bildung in ihrer Struktur berücksichtigen und sie muss mit dem Zeitgeist wachsen. Dass sich im Bildungsministerium seit einigen Monaten strukturell etwas bewegt, ist nicht nur ein Signal, sondern auch der Beginn einer umfassenden Bildungsreform, einer Reform, die die pädagogische Freiheit stärkt, die den Mut hat, Schule neu zu denken, und wo auch kulturelle Bildung ihren Platz hat. (👏 ÖVP, NEOS) Bereits bestehende Programme wie Kunst ist Klasse! oder neue Impulse in der Elementarpädagogik, mehr Spielraum für Kooperationen sind alles Fundamente, auf die man gut aufsetzen kann. Jetzt braucht es aber mehr Mut zur Öffnung. Es braucht eine echte Verschränkung – die Kollegin hat es bereits gesagt – von Schule und Kulturinstitutionen und Vereinen. Es braucht weniger Hürden und mehr Selbstverständnis für kreative Partnerschaften, und es braucht natürlich auch verbindliche Qualitätsstandards. Unsere Aufgabe ist es, Möglichkeiten für jedes Kind zu schaffen. Egal ob ein Kind im 1. Wiener Gemeindebezirk oder im Lungau aufwächst, die Postleitzahl darf nicht über kulturelle Chancen entscheiden. Unser Auftrag und unser Credo ist es, jedem Kind die Flügel zu heben, und das nicht nur mit einem sehr hohen Anspruch, sondern auch dadurch, dass wir die kulturelle Bildung weiter stärken. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Werner Kogler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Werner Kogler

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Die freiheitliche Fraktion hat sich noch nicht gemeldet; wahrscheinlich wollen Sie die Runde am Schluss ziehen, also entgeht mir möglicherweise eine Gelegenheit, wieder nicht zu widersprechen. Ich will das nur vorher klarstellen. Sie veranstalten hier ein Dosenschießen – das ist ein bisschen so. ( Heiterkeit des Abg. Mölzer. ) Wenn Sie jetzt eh schon nichts zum Streiten haben mit den anderen, dann muss trotzdem ein Streit her. Dann stellen Sie eine Dose hinauf mit einer Behauptung, die nicht gefallen ist, um diese Dose dann runterzuschießen. Also zumindest dort, wo wir einen Fünfparteienantrag hatten – das ist im Übrigen keiner, das hat die Erstrednerin falsch gebracht –, könnten wir uns im Diskurs schon ein bisschen anders verhalten, glaube ich. Das aber nur dazu. Im Übrigen: Das bleibt offen, ja, ich habe das vorhin ernst gemeint. Das gilt ja zum Teil in vergleichbarer Weise auch hier: Da müssen wir uns wirklich einmal überlegen: Was heißt das, wenn Kultur Landessache ist? Was heißt das? – Übrigens: Sie regieren in fünf Bundesländern. – Das wäre eine interessante Debatte. Ich gehe jetzt gar nicht darauf ein, was dort, wo Sie regieren, kulturell geschieht, aber sei’s drum, Sie werden hier schon noch Ihren Beitrag leisten. Eine gewisse Parallele erkenne ich insofern zu vorhin, als es mit dem Bildungsministerium, das ja hier mindestens so wichtig ist wie das Kulturministerium – wir wissen das ja; ich sehe da ein bisschen eine Parallele zur täglichen Bewegungseinheit –, oft ganz schwer ist, auf irgendetwas zu kommen. Ich will jetzt gar nicht wieder diese wunderbare Veranstaltung großartig stören, weil vorhin so viele schöne Sätze gefallen sind. Ich könnte wirklich jeden unterstreichen, und mir ist keiner aufgefallen, dem ich widersprechen müsste. Also, bitte das fürs Protokoll: Abgeordneter Kogler schließt sich allem an, was vorher gesagt wurde. Aber wenn wir schon im Plenum diskutieren, dann könnten wir uns ja auf ein paar Sachen einigen, bei denen vielleicht tatsächlich etwas getan werden müsste. Wozu machen wir sonst diese Anträge? – Sie gehen ja im Wesentlichen an uns selber. – Dann wäre es aus meiner Sicht – und jetzt in positiver Absicht – die bessere oder schwer verbesserungsfähige Kooperation. In diesen Angelegenheiten meine ich vor allem das hier nicht anwesende Bildungsministerium. Dort ist nämlich, glaube ich, schon ein gewisses – wie sagt man denn? – Gravitätszentrum von Blockadeabsichten. Also wenn das jetzt mit dem neuen Minister besser wird, soll es uns recht sein. Ich bin gespannt, wir werden darauf schauen. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Vizekanzler Andreas Babler . – Bitte, Herr Vizekanzler.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Vizekanzler und Kulturminister! Liebes Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ganz besonders begrüßen darf ich heute meine Eltern und meine Tante auf der Galerie. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Ich lade Sie ein, sich einmal zu überlegen, welche kulturellen Erfahrungen es denn sind, die Sie in der Kindheit geprägt haben. Ich habe versucht, mich ein wenig an meine zu erinnern, und es waren die Bilderbücher zu Hause, es war das Liedgut meiner Mama, es waren die Feste mit Musikkapelle, das Kasperltheater des Kinderfestes der SPÖ, der Ausflug mit dem Kinderfreunde-Kindergarten ins Haus der Begegnung in Simmering. Es war die Teilnahme an einem ORF-Filmprojekt, es waren Museumsbesuche in der Volksschule und vieles, vieles mehr – auch der Besuch im Ungarischen Kulturinstitut mit meiner Volksschulfreundin aus Ungarn. Viele meiner ersten kulturellen Erlebnisse durfte ich nicht nur durch Familie, sondern gerade auch durch Kindergarten und Schule erfahren. Im Kindergarten kann das so Vielfältiges sein wie zum Beispiel Museumsbesuche, Vernissagen, Workshops, Konzerte, Lesungen, Kinderbuchmessen, Tanzkurse, die Zusammenarbeit mit Musikschulen, Kunstprojekte, Ausflüge und Exkursionen, um auch Baukultur kennenzulernen. Ja, früher Zugang zu Kunst und Kultur bei Kindern legt den Grundstein für Kulturbewusstsein. Kulturelle Bildung vermittelt und fördert bei Kindern Kreativität, kognitives Denken, Empathie, Offenheit, Respekt, Toleranz, aber auch soziale und emotionale Kompetenzen. Wir haben gestern sehr viel über die psychische Gesundheit gesprochen – Kunst und Kultur kann auch ein gutes Präventionsinstrument für psychosoziale Kindergesundheit sein. (👏 SPÖ, NEOS) Ein Beispiel, das dies deutlich macht, ist ein Beispiel aus meiner Region, wo ein Kindergarten und eine Mittelschule ein großartiges Kunstprojekt durchgeführt haben. Gemeinsam mit dem international bekannten Künstler Reinhold Ponesch wurde eine mit Kraftausdrücken beschmierte Wand auf dem Spielplatz der Gemeinde künstlerisch gestaltet. Das Motto war „Bärenstarke Kinder: Zukunft. Welt. Klima“. Das Kunstwerk möchte auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam machen. Im Projekt wuchsen 14-Jährige mit fünfjährigen Kindern sehr eng zusammen, und wenn Bildungseinrichtungen, Kindergarten und Schule auch eng mit Musikschulen und Kulturinstitutionen zusammenwachsen, dann ermöglicht das kulturelle Nahversorgung, kulturelle Teilhabe, Chancengerechtigkeit und einfach einen leistbaren niederschwelligen Zugang. Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch eine kleine Anekdote aus meiner Pädagog:innenzeit im Kindergarten erzählen: Kindertheatergruppen waren bei uns regelmäßig eingeladen und einmal auch ein sehr spannendes Puppentheater. Nachdem das Stück zu Ende war, der Vorhang sich geschlossen hatte und alle applaudierten, rief ein Dreijähriger laut nach vorne: Bitte noch eine Folge! ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ. ) Ich wünsche allen Kindern noch viele Folgen mit Kunst und Kultur. Ich bin sicher, unser Kulturminister Vizekanzler Andi Babler und die Sozialdemokratie werden die Künstlerinnen und Künstler, die Pädagog:innen, Kindergärten und Schulen dabei stets unterstützen. Kinder sind unsere Künstler:innen von heute und morgen! – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Laurenz Pöttinger mit einer Redezeit von 4 Minuten.

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Vizekanzler! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! „Kunst, Kultur und Bildung zusammendenken“, genau so steht es in unserem Regierungsprogramm. Das ist ein ganz wichtiger Punkt und für uns Kulturpolitiker natürlich besonders wichtig. Ich möchte erwähnen, dass wir mit diesem Antrag die Bausteine, die wir im Regierungsprogramm verankert haben, auch umsetzen wollen. Ich möchte hier kurz vier Punkte herausheben, weil ich glaube, dass es schon wichtig ist, dass man weiß, was im Regierungsprogramm steht; es wird vielen nicht ganz geläufig sein, weil es doch sehr umfangreich ist. „Kunst und Kultur sollen mehr Platz in der elementarpädagogischen und schulischen Ausbildung bekommen. Dazu bedarf es einer engeren Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Kulturressort, um kulturelle Bildung vom Kindergarten bis zum tertiären Ausbildungssektor besser zu verankern.“ – Mit diesem Antrag stellen wir das sicher. „Film- und Medien-Pädagogik in den Bildungseinrichtungen zu stärken“ – auch ein wichtiger Punkt. „Weiterentwicklung der Verschränkung und Kooperation des Regelschulwesens mit Musikschulen, Kulturinstitutionen und der Kunstszene; verstärkte Nutzung bestehender Angebote“. – Da sei darauf hingewiesen, dass wir bei den Musikschulen unglaublich aufpassen müssen, weil die ganz tolle Arbeit machen. Ich kann es nur von Oberösterreich sagen: Wir haben ein Musikschulwerk, das seinesgleichen sucht. Wir müssen darauf schauen, dass die Kinder, die in der Schule den normalen Regelunterricht besuchen, auch die Möglichkeit haben, die Musikschulen zu besuchen. Dabei ist es wichtig und auch richtig, dass wir das wieder zusammendenken und nach Lösungen suchen. Ein weiterer Punkt: „Unterstützung des Bundes bei der Weiterentwicklung oder Ergänzung von Musikschulen zu gesamthaften Kunstschulen vor allem für die Ausweitung des Angebots und der Kooperationen mit den Regelschulen“. – Herr Kollege Kogler, ich weiß, dass Herrn Bildungsminister Wiederkehr dieses Thema extrem wichtig ist, darum verstehe ich jetzt nicht, wo die Blockadehaltung sein soll.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

In der Vergangenheit habe ich es festgestellt! Ich habe von der Vergangenheit gesprochen!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Ich bin optimistisch und glaube, dass das Bildungsministerium und das Kulturministerium gut zusammenarbeiten werden und dass wir da gute Chancen und Möglichkeiten finden. Die kulturelle Bildung soll für die nächsten Generationen noch besser verankert werden, und damit bieten wir viele Chancen für unsere Talente von morgen. – Danke für Ihre Zustimmung. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Wendelin Mölzer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Wendelin Mölzer

Danke, Herr Präsident! Hohes Haus! Ja, ein bisschen replizieren muss ich schon: Herr Kogler hat uns quasi durchschaut. Ich wollte nicht gleich am Anfang reden. Zurück zum Inhaltlichen des vorherigen Tagesordnungspunktes: Offensichtlich scheint es Ihnen Schmerzen zu bereiten – das sieht man Ihnen richtig an –, dass dieser Musikstandortantrag auf eine freiheitliche Initiative zurückgegangen ist, aber gut, ich bin trotzdem stolz darauf, dass wir das hinbekommen haben. Zum Antrag bezüglich Verbesserung der kulturellen Rahmenbedingungen im Bildungsbereich: Zunächst einmal – wir haben das kurz im Ausschuss diskutiert, es ist auch schon angeklungen –: Wir sind der Meinung, dass das der falsche Ausschuss war, dass das eher in den Bildungsbereich gehört hätte und mit dem Bildungsminister diskutiert hätte werden müssen, weil es unseres Erachtens zu 80 Prozent den Bildungssektor betrifft und eben nicht den Kultursektor. Zum Zweiten, es ist – auch das hat Kollege Kogler richtig erwähnt – kein Allparteienantrag. Wir unterstützen ihn natürlich gerne, aber es ist eigentlich ein No-na-net-Antrag. Und genau da ist die Kritik, die ich in meiner vorhergehenden Rede schon geübt habe, auch sinnbildlich: Es sind No-na-net-Geschichten, es sind Plattitüden, es sind Sachen, die sowieso passieren sollten, und da kommt von der Regierung halt in Wahrheit gar nichts. Ich habe mir gerade noch einmal angeschaut, wie viele Verhandlungsgegenstände im Kulturausschuss sind. Da sind ein paar von den Grünen, einige von uns, von der Regierung ist de facto nicht wirklich etwas da. Ich bin gespannt, wann Sie ins Tun kommen, Herr Kulturminister. Das Zweite – wieder zu Kollegen Kogler – sind diese Sonntagsreden, die da jetzt in der letzten Stunde gehalten wurden. So viele Sonntagsreden in einer Reihe habe ich das letzte Mal beim Villacher Kirchtag gehört, aber das sind ja alles nur Stehsätze und wirklich ohne irgendetwas Konkretes, ohne Ansätze, was man ganz konkret machen wird. Ich bin also echt gespannt, wann da irgendwann einmal etwas kommen wird, das über Plattitüden hinausreicht. Zu den Vertagungen im Kulturausschuss und auch in vielen anderen Ausschüssen: Das ist eine Praxis, die ja vor allem die große Koalition eingeführt hat, die die ÖVP fortgesetzt hat, wir leider auch vor ein paar Jahren, als wir in der Regierung waren, die Grünen leider auch. Ich muss ehrlich sagen, ich finde das einfach feige, und zwar insofern, als dass man zu etwas auch Nein sagen kann. Keine Frage, die Blasmusik, die Volkskultur, das ist nicht jedermanns Sache. Das ist halt unsere Priorität, man kann das anders sehen, aber man könnte doch auch ehrlich sagen: Nein, wollen wir nicht, lehnen wir ab, diskutieren wir hier im Plenum! – Aber ich weiß schon: Wenn so viele Oppositionsanträge im Plenum wären, würde dann natürlich auffallen, dass Sie selber in der Regierung nichts zustande bringen, und deswegen ist es besser, man versteckt das Ganze im Ausschuss. (👏 FPÖ) Abschließend noch ein Angebot, um vielleicht konkreter zu werden – es gibt ja immer den Vorwurf, wir würden keine Lösungsvorschläge machen, das stimmt überhaupt nicht –, ein Angebot: Treffen wir uns im Sommer in Klagenfurt im Gasthof „Zum Pumpe“ auf ein Bier und besprechen wir dort mit den Mitgliedern des Kulturausschusses, was wir machen können. Vielleicht können wir da auch ein bisschen mehr Ezzes in Richtung Regierung geben. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen jetzt zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 158 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „kulturelle Bildung von der Elementarpädagogik bis zum tertiären Ausbildungssektor“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig, somit angenommen. ( 29/E )

Teilpensionsgesetz und Härtefallregelung für Unterbrecher:innen einer Bildungskarenz

174 d.B. · Regierungsvorlage 137 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Beschlossen wird die Einführung einer Teilpension samt Anpassungen im Pensions- und Arbeitsrecht sowie ein gesetzlicher Nachhaltigkeitsmechanismus zur langfristigen Stabilisierung der Pensionsfinanzen. Gleichzeitig werden die Regeln zur Altersteilzeit verschärft (u.a. kürzere Bezugsdauer, strengere Zugangsvoraussetzungen, weniger Ersatz ab 2026) und Detailklarstellungen etwa bei Ausgleichszulage/Familienrichtsatz sowie bei AMS-Meldepflichten bei Unterbrechungen vorgenommen; der Entschließungsantrag zur Härtefallregelung bei unterbrochener Bildungskarenz gilt damit als miterledigt.

Betroffen sind vor allem ältere Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber (Teilpension/Altersteilzeit), Pensionist:innen mit Ausgleichszulage sowie Personen in AMS-Schulungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen; indirekt auch Bezieher:innen von (unterbrochener) Bildungskarenz durch die nicht gesondert beschlossene Härtefallregelung.

Dokumente

Teilpensionsgesetz und Härtefallregelung für Unterbrecher:innen einer Bildungskarenz

Gegenstand des Ausschussberichts

  • Behandlung einer Regierungsvorlage für ein Bundesgesetzespaket („Teilpensionsgesetz“) mit Änderungen in mehreren Materiengesetzen: ASVG, APG, AlVG, AVRAG, Betriebspensionsgesetz, BMSVG, Landarbeitsgesetz 2021 und BUAG.
  • Mitbehandlung eines Entschließungsantrags (249/A(E)) zur Schaffung/Anpassung einer Härtefallregelung für Personen, die eine bereits begonnene Bildungskarenz/Bildungsteilzeit aus triftigen Gründen unterbrechen mussten.

Ziele und Grundlinien der Regierungsvorlage (Teilpensionsgesetz)

  • Maßnahmenmix zur raschen Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters und der Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer:innen.
  • Einführung einer Teilpension als neues Instrument.
  • Harmonisierung der Altersteilzeit-Regelungen mit der neu einzuführenden Teilpension sowie Anpassungen zur Vermeidung von Mitnahmeeffekten bei der Altersteilzeit.
  • Arbeitsrechtliche Anpassungen im Zusammenhang mit Abfertigung „alt“ und Betriebspensionen.
  • Gesetzliche Verankerung eines Nachhaltigkeitsmechanismus im ASVG zur Sicherung der langfristigen Finanzierbarkeit und Stabilität des Pensionssystems.
  • Kompetenzrechtliche Grundlage: Art. 10 Abs. 1 Z 11 B-VG (Sozialversicherungswesen und Arbeitsrecht).

Neuregelungen im Arbeitslosenversicherungsgesetz (Altersteilzeit) laut Regierungsvorlage

  • Verkürzung des Höchstausmaßes des Altersteilzeitgeldes auf längstens drei Jahre vor Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen auf die Korridorpension oder vor Vollendung des Regelpensionsalters.
  • Neudefinition des „Oberwertes“: Überstunden bzw. Überstundenpauschalen sollen ab 2026 nicht mehr enthalten sein.
  • Entfall des Altersteilzeitgeldes bei Aufnahme einer Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber.

Inhalt und Begründung des Entschließungsantrags 249/A(E) (Härtefall Bildungskarenz-Unterbrechungen)

  • Aufforderung an die Regierung, die Übergangsfristen im Zusammenhang mit der Abschaffung von Weiterbildungsgeld (Bildungskarenz) und Bildungsteilzeitgeld rasch zu „reparieren“, um Härtefälle zu vermeiden.
  • Hintergrund: Abschaffung von Weiterbildungs- und Bildungsteilzeitgeld wurde per Abänderungsantrag beschlossen; ab 31.03.2025 soll es – abgesehen von wenigen Ausnahmen – keine Leistungen mehr geben.
  • Kritik an fehlender Begutachtung und damit fehlender Möglichkeit zur Stellungnahme, insbesondere zu den Übergangsfristen.
  • Problem: Übergangsfristen seien wenig praxistauglich und erzeugten soziale Härtefälle durch unzureichend bedachte Sonderlagen.
  • Besonders betroffen: Personen, die bereits eine Bildungskarenz/Bildungsteilzeit begonnen haben, diese aber wegen Schwangerschaft, Mutterschutz, Elternkarenz, Krankheit oder anderen triftigen Gründen unterbrechen mussten.
  • Bisher war eine Fortsetzung nach Wegfall des Unterbrechungsgrundes samt Geldleistung möglich; dies sei nun nicht mehr möglich, wenn die Fortsetzung nicht vor dem 31.05.2025 erfolgt.
  • Folgen laut Antrag: Zerstörung der Lebensplanung, Verlust bereits bezahlter Kurskosten (teils mehrere tausend Euro), weil Kurse nicht mehr in Anspruch genommen werden können.
  • Forderung: Betroffene sollen die begonnene Bildungskarenz/Bildungsteilzeit mit Bezug von Weiterbildungs- bzw. Bildungsteilzeitgeld fortsetzen und erfolgreich beenden können; Übergangsfristen seien entsprechend anzupassen.

Im Ausschuss eingebrachter Abänderungsantrag – Konkretisierungen und Klarstellungen (ASVG: Nachhaltigkeitsmechanismus/Zielpfad)

  • Konkretisierung der Festlegung des Zielpfades ab 2031 im Rahmen des Nachhaltigkeitsmechanismus.
  • Klarstellung durch Verweisung, dass es sich beim Zielpfad ab 2031 um einen fünfjährigen Zielpfad handelt.

Im Ausschuss eingebrachter Abänderungsantrag – Ausgleichszulage/Familienrichtsatz und rechtmäßiger Aufenthalt (ASVG)

  • Ausgangspunkt: Anspruch auf Ausgleichszulage besteht nur bei rechtmäßigem und gewöhnlichem Aufenthalt im Inland.
  • Bei verheirateten Personen/eingetragenen Partner:innen im gemeinsamen Haushalt wird für die Berechnung der Ausgleichszulage der „Familienrichtsatz“ angewendet.
  • OGH-Judikatur (23.05.2018, ObS 50/18b): Für den Familienrichtsatz sei entscheidend das Vorliegen eines gemeinsamen Haushalts; nicht zusätzlich erforderlich sei, dass sich der/die Ehegatt:in/Partner:in rechtmäßig in Österreich aufhält.
  • Ziel der Änderung: Klarstellung, dass aus rechtlicher Sicht kein gemeinsamer Haushalt im Inland vorliegen kann, wenn der/die Ehegatt:in/Partner:in keinen rechtmäßigen Aufenthaltstitel hat; in diesen Fällen soll keine Ausgleichszulage unter Anwendung des Familienrichtsatzes geleistet werden.
  • Zusätzliche Klarstellungen: Der Erhöhungsbetrag (im Zusammenhang mit Kindern) gebührt nur, wenn das Kind einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland hat.
  • Weitere Klarstellung: Ein Ausgleichszulagenbonus/Pensionsbonus gebührt nur, wenn der/die Ehegatt:in/Partner:in einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland hat.

Im Ausschuss eingebrachter Abänderungsantrag – Zugangsvoraussetzungen und Kostendämpfung bei Altersteilzeit (AlVG)

  • Erhöhung der erforderlichen arbeitslosenversicherungspflichtigen Beschäftigungszeiten für den Zugang zur Altersteilzeit um 104 Wochen (2 Jahre): von 780 auf 884 Wochen innerhalb der letzten 25 Jahre; dadurch wird der Zugang etwas erschwert.
  • Senkung des Aufwandsersatzes für den Lohnausgleich samt Sozialversicherungsbeiträgen in den Jahren 2026 bis 2028 von 90% auf 80% als budgetärer Beitrag zur Budgetsanierung.
  • Anwendungsbereich der Senkung: nur für neue Altersteilzeitvereinbarungen, deren Laufzeit nach dem 31.12.2025 beginnt.
  • Rückkehr des Aufwandsersatzes für diese Vereinbarungen ab dem Kalenderjahr 2029 auf 90%.

Im Ausschuss eingebrachter Abänderungsantrag – Erleichterte (Wieder-)Meldung bei Unterbrechungen des Leistungsbezugs (AlVG)

  • Ziel: Erleichterungen bei der Meldung von Unterbrechungen und Wiedermeldung nach Unterbrechungen des Leistungsbezugs von bis zu 62 Tagen.
  • Adressat:innen: Personen, die im Auftrag des AMS an Nach- oder Umschulungsmaßnahmen sowie Maßnahmen der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt teilnehmen.
  • Neuregelung: Meldung der Unterbrechung und Wiedermeldung kann bei der jeweiligen Einrichtung erfolgen, die ohnehin Teilnehmerlisten führt und an das AMS übermittelt; dies ist ausreichend, sofern das AMS keine persönliche Vorsprache für die Wiedermeldung vorschreibt.
  • Zweck: Verwaltungseffizienz und bessere Kundensteuerung; Vermeidung unnötiger zusätzlicher Anrufe und persönlicher Vorsprachen beim AMS.
  • Ausdehnung: Auch für Teilnehmer:innen an Arbeitsstiftungen soll die (Wieder-)Meldung beim jeweiligen Stiftungsträger ermöglicht werden.
  • Erfassung weiterer Maßnahmen: Bestimmte (oft fremdfinanzierte) Schulungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen, die nicht unter die genannten Standardtatbestände fallen (z.B. Kooperationsvereinbarungen mit finanzierenden Stellen wie ÖIF oder Sozialministeriumservice; Kooperationspartner im Zusammenhang mit AQUA).
  • Umsetzung für diese Fälle: Landesgeschäftsstellen können solche Einrichtungen als mögliche Meldestellen bezeichnen; eine Liste der bezeichneten Einrichtungen ist auf der AMS-Homepage kundzumachen.
  • Einschränkung: Die zulässigen Meldestellen gelten in diesen Fällen nur für jene Personen, die bei der jeweiligen Einrichtung tatsächlich eine Maßnahme besuchen.

Im Ausschuss eingebrachter Abänderungsantrag – Arbeitsrechtliche Klarstellungen zur Abfertigung bei Teilpension (AVRAG, LAG, BUAG)

  • Bereinigung von Redaktionsversehen in der Regierungsvorlage.
  • Formale Klarstellung durch Überschriften, dass die einschlägigen Bestimmungen (u.a. § 14f AVRAG und § 111a LAG) den Anspruch auf Abfertigung bei Teilpension regeln.
  • Ersetzung der Formulierung „frühere Arbeitszeit“ durch „das Ausmaß der vereinbarten wöchentlichen Normalarbeitszeit“.
  • Klarstellung zur Berechnungsgrundlage: Der Abfertigungsanspruch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist auf Basis der vereinbarten wöchentlichen Normalarbeitszeit vor Antritt der Teilpension zu berechnen.
  • Nicht zu berücksichtigen bei der Ermittlung des Entgelts als Abfertigungs-Berechnungsgrundlage: reduzierte Arbeitszeiten aus Altersteilzeit, Bildungsteilzeit, Wiedereingliederungsteilzeit, Herabsetzung der Normalarbeitszeit im Rahmen der Sterbebegleitung, Begleitung schwersterkrankter Kinder oder Pflegeteilzeit (jeweils vor Antritt der Teilpension).

Teilpensionsgesetz und Härtefallregelung für Unterbrecher:innen einer Bildungskarenz

~85 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher zu Hause! Ja, wir kommen zu einem sehr, sehr wichtigen Teil des heutigen Tages, und zwar geht es da um die Pensionen. Ich glaube, das betrifft ganz, ganz viele Menschen in Österreich, vor allem auch in der Zukunft. Es ist ein Thema, das auch emotional berührt, und deswegen sollte man das jetzt ein bisschen ausführlich erklären. Es ist nicht ganz simpel zu erklären. Die Regierung kommt heute mit dem Vorschlag einer neuen Teilpension, wie es so schön heißt, und verschlechtert damit auch gleichzeitig die bisherige Regelung der Altersteilzeit. Ich glaube, das haben sehr, sehr viele, die in die Nähe des Pensionsalters kommen, jetzt schon mitbekommen. Die Richtung ist, glaube ich, klar. Das spüren alle, das höre ich ja auch von den Rückmeldungen der Bevölkerung: Jeder versucht, möglichst schnell in die Pension zu kommen, weil klar ist, dass sich mit dieser Regierung das ganze Pensionsthema verschlechtern wird. Traurig oder erschütternd, aber vielleicht nicht ganz überraschend ist es, dass die Sozialdemokratie da mitspielt und ihre Versprechungen im Wahlkampf und in der Vergangenheit, was die Pensionisten betrifft, offensichtlich vollkommen vergessen hat. Ich bin sehr gespannt, wie Sie das heute erklären wollen, aber jetzt einmal zu den nackten Zahlen. Das heißt, diese Teilpension soll im Prinzip so funktionieren, dass man die Möglichkeit hat, die Arbeitszeit im Ausmaß zwischen 25 und 75 Prozent zu reduzieren, und dann eine Teilpension bekommt, die im Übrigen aber geringer ist als die Arbeitsreduktion – das sollte man dazusagen bei der ganzen Geschichte –, und man damit auch, wenn man das in Anspruch nimmt, die Langzeitversichertenregelung nicht mehr in Anspruch nehmen kann.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht! Das ist kompletter Blödsinn!

FPÖ Peter Wurm

… Das sei es einmal zu den Fakten an sich, es ist also ein sehr komplexes Thema. Ich glaube, dass nicht allzu viele diese Altersteilzeit annehmen werden – das vermute ich einmal –, weil die Voraussetzungen nicht sehr gut sind. Man wird sehen, wohin die Reise geht. Die Altersteilzeit wird reduziert, das heißt, sie wird nur mehr drei Jahre möglich sein, und damit besteht auch die Möglichkeit, die Altersteilzeit in Anspruch zu nehmen, ein Jahr später.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wo ist das Problem?

FPÖ Peter Wurm

… Für mich sind jetzt zwei Dinge interessant, und darum geht es in Wahrheit – ich glaube, das spüren die Menschen –: Sie haben heute gleichzeitig diesen sogenannten Nachhaltigkeitsteil und diesen Nachhaltigkeitsmechanismus drinnen versteckt, wie sie ihn so schön getauft haben, und das ist das, was die NEOS ja seit Jahren wollen: Pension Richtung 70 Jahre – die ÖVP will offensichtlich 67 Jahre, und die SPÖ schaut dabei zu und hat das jetzt auch in diesem Gesetzestext drinnen, das steht ausdrücklich drinnen. Ich darf einmal ganz bewusst langsam und deutlich für die Zuhörer oder Zuseher vorlesen, was da drinnen steht, was da quasi in der ganzen Geschichte versteckt ist, und zwar wird mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus gesetzlich vorgesehen – gesetzlich vorgesehen! –, „dass verpflichtend Maßnahmen ergriffen werden müssen, wenn der vorgesehene Budgetpfad [...] für Pensionsausgaben“, der die aktuell „geplanten Kostendämpfungen“ berücksichtigt, „im Jahr 2030 gesamthaft nicht eingehalten werden“ kann. – Es steht da: gesetzlich vorgesehen. – Als Maßnahmen, die bei Nichteinhaltung des Zielpfades getroffen werden müssen, wurden im Regierungsprogramm die weitere Erhöhung der erforderlichen Versicherungsjahre – mehr arbeiten! – für die Korridorpension ab 2035 vereinbart sowie müssen diesfalls weitere Maßnahmen im Pensionsbereich „betreffend Beitragssatz, Kontoprozentsatz, Anfallsalter, Pensionsanpassung sowie Anspruchsvoraussetzungen“ gesetzt werden. – Wer das liest und zuhört, hat, glaube ich, verstanden, wohin die Reise geht. Die Sozialdemokratie hat Ihnen, liebe Wähler der ehemaligen Sozialdemokratie, schon viele Dinge versprochen, unter anderem auch die abschlagsfreie Hacklerpension, die auch nicht kommt. Das heißt, die Voraussetzung ist vollkommen klar: Es wird in die Richtung gehen, dass das Pensionsalter erhöht wird. Die SPÖ wird sagen, das wird nicht mit ihnen kommen, aber das, was da drinnen steht, was im Ministerratsvortrag steht, was im Gesetzestext steht, zeigt für mich ganz eindeutig, wohin die Reise geht. Das hätte man verhindern können mit vielen Maßnahmen, die wir seit Jahren, um nicht zu sagen, Jahrzehnten immer wieder einbringen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Zum Beispiel? Welche Maßnahmen zum Beispiel, Peter?

FPÖ Peter Wurm

… Sie wollen halt nicht jene belohnen, die jahrzehntelang ins System eingezahlt haben – siehe Hacklerregelung –, die 45 Jahre gearbeitet haben, ans Finanzamt, an die Sozialversicherung Abgaben geleistet haben. Sie wollen allen anderen – ich sage es ganz bewusst –, all den Zuwanderern, die gekommen sind, die Mindestpension geben, denen wollen Sie Pensionsleistungen geben. Aber für die Leute, die Österreich in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben, ist die Zukunftsaussicht leider Gottes sehr, sehr schlecht. Das halte ich für ganz dramatisch. Wie gesagt, ich bin sehr gespannt, wie die Sozialdemokratie das heute erklärt, aber vor allem müssen Sie es den Menschen draußen erklären. Dass ÖVP und NEOS das wollen, ist eigentlich relativ klar, das hört man immer wieder, die Botschaft ist klar, aber dass die Sozialdemokratie hier den Steigbügelhalter spielt, einzig und allein deshalb, damit halt ein paar Regierungsmitglieder hier oben sitzen, das halte ich wirklich, ja, zumindest für sehr, sehr bedenklich. Ich bin gespannt, wie die Sozialdemokratie das erklärt. Danke, liebe Zuhörer! Wenn Sie sich auf sichere Pensionsleistungen für Ihre Arbeit, für Ihre harte Arbeit verlassen wollen, gibt es nur eine Alternative und das ist: FPÖ wählen, freiheitlich wählen. ( Ah-Rufe bei der ÖVP. ) – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Josef Muchitsch . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Josef Muchitsch

Sehr geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn man sich in Sachen Pensionen auf die FPÖ verlässt, dann muss man schauen, was sie 2002 gemacht haben: die größten Pensionskürzungen in der Zweiten Republik. Das war ihr Wunderwerk. (👏 SPÖ) Wenn man schon hier herausgeht und über Pensionen spricht, wäre es halt gut, wenn man sich mit dem Thema Pensionen auch genau befasst. Das ist genauso kompliziert wie andere Rechtsmaterien. Fakt ist, und ich stelle richtig: Die Altersteilzeit wird in Etappen von fünf auf drei Jahre reduziert, mit einer langen Übergangszeit …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Habe ich etwas anderes gesagt?

SPÖ Josef Muchitsch

… weil die Teilpension nach Erreichen des persönlichen Pensionsstichtages die Altersteilzeit ablöst. – Richtigstellung Nummer eins.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau das habe ich gesagt!

SPÖ Josef Muchitsch

… Nachhaltigkeitsmechanismus: Ja, wir haben einen Nachhaltigkeitsmechanismus, der ein gemeinsames Ziel hat: die Pensionsausgaben zu dämpfen, mit einem Paket, das wir heute beschließen werden.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Habe ich etwas anderes gesagt?

SPÖ Josef Muchitsch

… Wenn wir mit diesem Pensionspaket das Ziel erreichen, dann passieren keine weiteren Maßnahmen. Die nächste Bundesregierung - - …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Und wenn nicht? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Und was, wenn nicht?

SPÖ Josef Muchitsch

… Vielleicht habt ihr einmal den Mut, auch Verantwortung im Bereich der Pensionen zu übernehmen, denn das macht ihr nämlich nicht. Und wenn ihr Verantwortung gehabt habt, wissen wir, was euer Rezept ist, nämlich zu kürzen. Diese Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, keine Pensionen zu kürzen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das sind die größten Kürzungen aller Zeiten!

SPÖ Josef Muchitsch

… Diese Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, nicht in bestehende Pensionen einzugreifen. Und diese Bundesregierung hat ein Maßnahmenpaket vereinbart, mit dem es keine Anhebung des gesetzlichen Regelpensionsantrittsalters über 65 geben wird. Das sind die Fakten! (👏 SPÖ) Ja, Sie haben schon recht, es gibt diese Meldungen: 67, 68, 70 – wer bietet mehr? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

70 – euer Koalitionspartner!

SPÖ Josef Muchitsch

… Liebe Freunde da draußen, die selbst ernannten Pensionsexperten, diese Meldungen sind vergossene Milch, weil wir uns für diese nächsten fünf Jahre auf ein anderes Paket geeinigt haben. Das vielleicht auch noch einmal als Botschaft hinaus. (👏 SPÖ) Ich würde mir wünschen, dass wir diese intensive Diskussion, was das Pensionsantrittsalter betrifft, dazu verwenden, zu schauen, wie wir Menschen länger gesund im Arbeitsprozess halten können, wie wir jene Unternehmen überzeugen können, dass sie älteren Menschen eine Chance geben, auch länger arbeiten zu können. Das wäre die richtige Diskussion, und dort müssen wir auch hinkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 SPÖ) Aber nun zur Teilpension: Die neue Teilpension ermöglicht eine altersgerechte Arbeitszeit und bewirkt eine höhere Pension. Jetzt klingt es recht gut, und ich frage - - …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das stimmt nicht!

SPÖ Josef Muchitsch

… Das erkläre ich dir gleich, Kollege Wurm! – Ich habe mir die Frage gestellt, wie ich das draußen Menschen erklären kann, die mich fragen: Lieber Beppo Muchitsch, wie funktioniert die Teilpension?, nämlich Menschen, die sich bis jetzt mit ihrer Pension noch gar nicht befasst haben. Wir müssen ihnen das einfach erklären, und für mich geht die Erklärung so: Die Teilpension ermöglicht dir eine kürzere Arbeitszeit, es ist ein langsames Hinausgleiten aus der Arbeit und ein Hineingleiten in die Pension.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber ich muss schon das Pensionsrecht haben! – Abg. Wurm [FPÖ]: Aber mit Abschlägen! Die Pension wird nicht höher, Beppo!

SPÖ Josef Muchitsch

… Das erkläre ich dir gleich, denn das hast du nämlich auch noch nicht verstanden. Wir hören nämlich oft, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sagen: Ein bisschen würde ich schon noch gerne weiterarbeiten, aber ich kann nimmer voll arbeiten! Und es gibt einen Chef und eine Chefin, die sagen: Also wenn du uns noch ein, zwei Tage in der Woche weiter im Betrieb unterstützt, wäre das gut. Und ich bringe jetzt noch einmal das Beispiel von meinem Busfahrer von Seggauberg. Der fährt jetzt 43 Jahre mit dem Bus durch ganz Europa, zu Tageszeiten, Nachtzeiten. Der ist jetzt 63 Jahre und geht in die Korridorpension. Der sagt: Ein bisschen würde ich schon noch gern Bus fahren, so ein, zwei Tage Schülertransporte in meiner Gemeinde machen, aber nicht mehr zu Nachtzeiten, weil man mit dem Alter auch müde wird, diese Verantwortung zu übernehmen. Oder die Verkäuferin bei mir im Genussregal in Ehrenhausen, die sagt: Ich bin jetzt 62, ich gehe jetzt bald, aber am Samstag würde ich schon noch gerne ein bisschen arbeiten, etwas dazuverdienen – und später meine Pension damit aufbessern. Und genau für diese Menschen, für diese Gruppen machen wir diese Teilpension, meine sehr geehrten Damen und Herren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unter deiner Würde!

SPÖ Josef Muchitsch

… Es ist so wichtig, Kollege Wurm, dass wir alle gemeinsam dieses Modell gleich erklären: Du verringerst deine Arbeitszeit. Wenn du deine Arbeitszeit verringerst, hast du natürlich weniger Einkommen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber weniger Pension!

SPÖ Josef Muchitsch

… Parallel beziehst du einen Teil deiner Pension, wenn du eine Teilpension beanspruchst.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Es schrumpft das Pensionskonto!

SPÖ Josef Muchitsch

… Mit dem, um was es sich verringert, erhöhst du aber dann deine Pensionsansprüche.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber es schrumpft dann ja!

SPÖ Josef Muchitsch

… Deswegen ist es sehr wichtig, den Menschen das auch zu erklären. Es ist sehr wichtig, dass wir im Herbst den Menschen auch Teilpensionsrechner in den verschiedensten Institutionen zur Verfügung stellen. Wir müssen es den Menschen erklären, und die Menschen sollen selber wählen, ob sie es nutzen oder nicht, mit einer Vereinbarung ihres Arbeitgebers. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Abschließend: Vielen, vielen Dank an die Koalitionspartner. Johannes Gasser , August Wöginger , das war wirklich ein Ho-ruck-Stück, das bis heute noch hier ins Plenum zu bringen. Vielen Dank an die Expertinnen und Experten. Vielen Dank aber auch an unsere Frau Bundesministerin, die es mit ihrem Einsatz, mit ihren vielen nächtlichen Telefonaten und vor allem auch mit ihrer Hartnäckigkeit geschafft hat, dass wir heute dieses Paket beschließen können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Markus Koza . – Die Redezeit habe ich auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, die Einführung der Teilpension ist nicht nur eine sehr sinnvolle Sache, die ist auch eine sehr gescheite Sache. Das ist vermutlich die intelligenteste Form, Pension und Arbeit miteinander zu verbinden, die wir aktuell haben. Es ist alternsgerecht, es ist von unserer Seite auf jeden Fall unterstützens- und begrüßenswert, und wir werden der Teilpension auch zustimmen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das wundert mich total!

GRÜNE Markus Koza

… Allerdings erfolgt die Einführung leider unter sehr vielen lauten Nebengeräuschen, und die tun uns bedauerlicherweise so weh, dass wir dem Gesamtpaket so leider nicht zustimmen können. Es wird nämlich – und das war gerade beim geschätzten Kollegen Muchitsch auch wieder so – der Eindruck erweckt, als würde die Teilpension die Altersteilzeit weitgehend überflüssig machen. Darum wird sie auch gleich einmal von fünf auf drei Jahre verkürzt, und der Zugang wird verschärft. Nur: Altersteilzeit und Teilpension, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, die zwar das gleiche Ziel haben, nämlich Menschen möglichst lang in Beschäftigung zu halten, die sich auch ergänzen, sich aber leider nur bedingt ersetzen können. Noch einmal: Altersteilzeit soll Arbeitnehmer:innen bis zum Pensionsantrittsalter gesund im Erwerbsleben halten, und dafür werden kürzere, alternsgerechtere Arbeitszeiten gefördert. Die Teilpension soll dagegen alternsgerechtes Arbeiten nach der Pension fördern. Man erhält einen Teil der Pension, und einen Teil daneben arbeitet man halt Teilzeit. Dass jetzt in der Korridorpension die Altersteilzeit verkürzt wird und quasi mit der Teilpension abgeglichen wird, das kann schon in gewisser Weise einen Sinn machen, denn ich kann ja dann, wenn ich den vorzeitigen Pensionsantritt in Anspruch nehme, noch weitere zwei Jahre in Teilpension die Zeit bis zum gesetzlichen Pensionsantritt überbrücken. Nur: Die Verkürzung der Altersteilzeit für alle konterkariert uns in Wirklichkeit das Ziel, dass wir Menschen möglichst lange in Beschäftigung halten, denn wenn ich statt mit 60 erst mit 62 eine Altersteilzeit beginnen kann, dann steigt das Risiko, dass ich mit steigendem Alter arbeitslos werde, dass ich aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen meinen Job aufgeben muss …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Also hab’ ich doch recht gehabt, oder? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Völlig richtig!

GRÜNE Markus Koza

… dass ich unter Umständen in Invaliditätspension gehen muss, doch deutlich. Das wollen wir alles eigentlich nicht …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber!

GRÜNE Markus Koza

… denn das spart vielleicht Ausgaben bei der Altersteilzeit , das spart aber nicht die Ausgaben anderswo. Wenn man dann auch noch den Zugang zur Altersteilzeit erschwert, indem ich statt 15 Jahren 17 Jahre Versicherung nachweisen muss und indem man die Förderungen für die Unternehmen in den nächsten drei Jahren von 90 Prozent auf 80 Prozent reduziert und so Altersteilzeit auch für die Betriebe unattraktiv macht, dann wird diese negative Entwicklung noch verstärkt. Wir wissen natürlich auch, wen das besonders treffen wird: Es sind die Frauen, denn von den 37 000, die aktuell in Altersteilzeit sind, und auch von den 6 000, die Jahr für Jahr die Altersteilzeit neu antreten, sind zwei Drittel Frauen. Das sind Frauen, die in Pflegeberufen gearbeitet haben, die in Sozialberufen arbeiten, die in Gesundheitsberufen arbeiten, die im Handel arbeiten. Denen werden künftig zwei Jahre alternsgerechte Arbeitszeiten genommen, und da sind wir strikt dagegen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Hab’ ich doch recht gehabt, oder?

GRÜNE Markus Koza

… Ich sage ganz ehrlich: Für mich ist das heute auch – ich kann es nicht anders nennen – der schleichende Tod der Altersteilzeit, der ja durchaus von einigen hier erwünscht ist.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber ihr habts damit begonnen!

GRÜNE Markus Koza

… Das Ziel, Arbeitnehmer:innen länger und gesünder in Beschäftigung zu halten, wird so nicht erreicht. Das geht besser, das geht gescheiter – denken wir noch einmal darüber nach, wie wir das gescheit gestalten können! Jetzt noch kurz zum Nachhaltigkeitsmechanismus: Das ist übrigens der vierte innerhalb der letzten 30 Jahre, und der soll, wie wir schon gehört haben, künftige Regierungen dazu verpflichten, Maßnahmen gegen steigende Pensionsausgaben zu setzen, wenn diese um 0,5 Prozent vom Pensionspfad abweichen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, die NEOS haben ordentlich Glück, dass er noch nicht gilt. Warum? – Vor wenigen Wochen hat dieses Haus mit den Stimmen der NEOS die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für die Pensionist:innen beschlossen. Vielleicht war es den NEOS ja nicht bewusst, aber mit der Erhöhung der KV-Beiträge steigen auch automatisch die Kassenzuschüsse für Pensionisten aus dem Bundesbudget – die sogenannten Hebesätze –, und zwar um 500 Millionen Euro Jahr für Jahr. Das sind keine 0,5 Prozent an zusätzlichen Pensionsausgaben, das ist auch nicht 1 Prozent an zusätzlichen Pensionsausgaben …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

... oder ist das zu wenig?

GRÜNE Markus Koza

… sondern das sind zusätzliche 2,5 Prozent an Pensionsausgaben.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das war vielleicht kein Zufall!

GRÜNE Markus Koza

… Mit diesen Mehrausgaben hättet ihr bereits in den ersten 100 Tagen Regierung massiv gegen euren eigenen Nachhaltigkeitsmechanismus verstoßen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Rechnung würde ich noch einmal nachrechnen!

GRÜNE Markus Koza

… Bei künftigen Regierungen macht man aber den strengen Sparmeister. Das ist nicht nachhaltig, das ist klassisches Haltet-den-Dieb. (👏) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sichere Pensionen werden wir nicht über den x-ten Nachhaltigkeitspapiertiger kriegen, sondern nur über hohe Beschäftigung, über gute Einkommen, über entsprechend gescheite Beiträge und über Maßnahmen, die Menschen länger in Beschäftigung halten, wie eben alternsgerechte Arbeitszeiten oder ein Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer:innen. – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Abgeordneter Beppo Muchitsch zu Wort gemeldet. – Herr Abgeordneter, Sie kennen die Regeln, bitte.

SPÖ Josef Muchitsch

Ich versuche es. – Sehr geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Ich möchte eine tatsächliche Berichtigung machen. Herr Abgeordneter Wurm hat hier gesagt, dass die Langzeitversichertenregelung in der Teilpension nicht möglich ist oder nicht mit ihr in Verbindung zu bringen ist – dass kein Anspruch auf Teilpension besteht, wenn man mit der Langzeitversichertenregelung in Pension geht. Ich stelle richtig: Alle Personen, die in Zukunft eine vorzeitige Alterspension beziehen – ob Schwerarbeitspension ab 60, ob Korridorpension ab 63 …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ein Redebeitrag!

SPÖ Josef Muchitsch

… oder Langzeitversichertenregelung ab 62 –, sind von dieser Teilpensionsregelung umfasst und haben einen Anspruch auf eine Teilpension. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann August Wöginger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 6 Minuten ein, Herr Klubobmann.

ÖVP August Wöginger

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren hier im Saal und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Ich meine, das, was Kollege Wurm da geboten hat: Wenn du schon sagst, du kennst dich aus und hast den Gesetzentwurf gelesen, dann solltest du ihn gründlich lesen und nicht der Propagandamaschinerie irgendwo in euren Parteizentralen glauben, sondern das, was im Gesetzentwurf steht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Der Kollege ist dieser Tage ein bisschen durch den Wind!

ÖVP August Wöginger

… Dort steht ganz klar, was Kollege Muchitsch gerade in seiner tatsächlichen Berichtigung gesagt hat: dass es egal ist, in welche Pensionsart du gehst, du hast überall die Möglichkeit, diese Teilpension in Anspruch zu nehmen. Das ist diametral anders als das, was du gesagt hast. Bleibt also bei der Wahrheit, bei den Gesetzen, die hier beschlossen werden! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist zweifelsohne, wenn man alle Pakete im Pensionsbereich zusammenfasst, die wir hier verabschieden, das größte Pensionspaket seit 20 Jahren, seit der Reform Schüssel, die im Übrigen die Freiheitlichen mitgetragen haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP August Wöginger

… Damals gab es weit tiefer greifende Einschnitte; sie waren auch notwendig – das muss man sagen –, weil wir heute noch davon profitieren: Wir profitieren heute noch vom sogenannten Schüssel-Pfad, damit unsere Pensionen überhaupt leistbar sind. Ich möchte schon eine Zahl erwähnen, und wir stehen dazu: Wir stehen dazu, dass wir mit Steuergeldern zum Pensionssystem zuschießen, aber bei einem Budget von rund 120 Milliarden Euro werden es im nächsten Jahr rund 20 Milliarden Euro sein, die wir allein in das berufsständische System dazugeben – das heißt ASVG, BSVG, GSVG, also Arbeiter und Angestellte, Bauern und Gewerbetreibende. Da steigert sich natürlich dieser Betrag, und der ist auch in diesem Teilpensionsgesetz abgebildet. Daran knüpft auch dieser Nachhaltigkeitsmechanismus an – der im Übrigen schon einmal, bis 2008, im Gesetz verankert war, auch bei der Reform 2003, die die Freiheitlichen mitbeschlossen haben. Wir haben schon einmal einen ähnlich ausgestalteten – nicht so wie dieser, aber ähnlich ausgestaltet – Mechanismus im Gesetz verankert gehabt. Warum? – Weil es einfach notwendig ist. Wenn sich die Parameter stark verändern, dann wollen wir, dass die Pensionen in Österreich gesichert sind, und zwar nachhaltig. Deshalb stehen wir zu diesem Mechanismus. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Diese Regierung ist mit dem Schwerpunkt „Jetzt das Richtige tun. Für Österreich“ angetreten – auch in diesem Dreiklang: sparen, reformieren und wieder wachsen. Unter diesem Motto stehen auch diese Pensionspakete. Wir haben die Veränderungen bei der Korridorpension: Dass wir dort das Antrittsalter um ein Jahr, in ganz niedrigen Schritten, anheben und die notwendigen Versicherungsjahre von 40 auf 42 Jahre steigen, ist bereits beschlossen, mit dem Budget miterledigt worden. Wir haben uns auch auf eine Aliquotierung geeinigt. Das ist das: Wenn die Menschen jetzt in Pension gehen, wie viel Erhöhung bekommen sie nächstes Jahr? – Wir haben uns auf 50 Prozent geeinigt. Das heißt, wenn dieser Anpassungsfaktor 3 Prozent ist, dann sind es 1,5 Prozent für die, die im Vorjahr in Pension gegangen sind. Daran haben wir auch 20 Jahre herumgedoktert: Manchmal hat es alles gegeben, manchmal hat es gar nichts gegeben, daher jetzt die goldene Mitte. Hoffentlich hält die auch in Zukunft, damit die Menschen Planbarkeit haben. Weil die Pflegeberufe genannt wurden – Herr Kollege Koza, du, glaube ich, hast das mit den Frauen in Altersteilzeit gesagt –: Da gibt es eine wesentliche Verbesserung, nämlich dass die Menschen, die in den Pflegeberufen arbeiten, in die Schwerarbeitsregelung aufgenommen werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das werden wir erst noch sehen!

ÖVP August Wöginger

… Das ist eine ganz großartige sozialpolitische Maßnahme, und da könnt ihr ja mitgehen, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, das ist ja ganz leicht möglich. Wir haben also die Teilpension, wir haben die Weiterentwicklung der Altersteilzeit und wir haben den Nachhaltigkeitsmechanismus. Das sind die drei Punkte, die heute zur Beschlussfassung hier vorliegen. Ich möchte einfach auch einmal das Ziel erwähnen: Worum geht es dieser Bundesregierung? – Wir wollen das faktische Antrittsalter schneller an das gesetzliche heranführen – das ist der erste Punkt. Das Zweite ist: Wir wollen auch die Beschäftigungsquote anheben, vor allem bei jenen zwischen 60 und 65 – das ist das Ziel. Es hat immer Experten gegeben – in allen Parteien im Übrigen –, die sich zu Pensionen geäußert haben, und das ist unser Zugang. Das ist auch der Zugang der Österreichischen Volkspartei hier im Parlament, das ist auch mein Zugang als Klubobmann und als Sozialsprecher: zuerst diese beiden Maßnahmen in den Vordergrund zu stellen – das faktische Pensionsantrittsalter an das gesetzliche heranzuführen und die Beschäftigungsquote zu steigern –, und solange das nicht der Fall ist, reden wir nicht über die Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters, weil das vorrangig zu behandeln ist, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich möchte bei der Teilpension einfach ein Beispiel bringen, denn es herrscht natürlich immer, wenn man eine neue Systematik einführt, auch eine gewisse Verwirrung. Nur: Es ist eine Win-win-Situation, und ich möchte es diesen vielen Tausenden Menschen auch ans Herz legen, die in eine Schwerarbeitspension gehen, die in eine Langzeitversichertenregelung gehen, die in eine Korridorpension gehen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mit Abschlägen!

ÖVP August Wöginger

… weil es sich positiv auswirkt. Nehmen wir eine Korridorpension her, in Zukunft dann mit 63! Man hat – Hausnummer – 4 000 brutto verdient; das verdienen Menschen Gott sei Dank auch, wenn man lange gearbeitet hat, wenn man lange eingezahlt hat, man braucht ja dann auch 42 Versicherungsjahre, dass man in diesen Anspruch kommt. Wenn man also einen Anspruch auf eine derartige Pensionsart hat, kann man sich nämlich dann die Hälfte von dem, was auf dem Pensionskonto ist, als Abschlagspension herausnehmen, als Abschlagspension – da hat man 15,3 Prozent Abschläge. Das nimmt man sich und bezieht zu diesem Teil die Pension. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Der zweite Teil, die zweite Hälfte, bleibt auf dem Pensionskonto bestehen und liegen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, aber die Hälfte, genau! – Zwischenruf des Abg. Zarits [ÖVP]

ÖVP August Wöginger

… und man arbeitet zum Beispiel zu 50 Prozent weiter. Man kann variieren. Man kann 50 Prozent weiterarbeiten, 25 Prozent oder 75 Prozent, in einem gewissen Stundenausmaß – zum Beispiel diese 50 Prozent, diese berühmten Beschäftigungsverhältnisse –, zwei- bis dreimal in der Woche arbeiten gehen, wie Kollege Muchitsch gesagt hat, gerade wenn es zum Beispiel ein Kleinbusfahrer ist. Oder viele sagen ja: Ich will noch arbeiten, ich will noch etwas tun, aber 38,5 Stunden oder 40 Stunden sind mir zu viel, aber ich möchte noch meinen Beitrag in der Arbeitswelt und im Betrieb leisten! Und das ermöglichen wir hiermit. Es werden dann auch die Pensionsbeiträge noch auf diesem Konto gutgeschrieben, und wenn man zum Beispiel sagt: Drei Jahre, bis 65, mache ich das noch!, dann bekommt man mit dem zweiten Teil eine abschlagsfreie Pension. Und wenn man das zusammenzählt, ist es mehr, als wenn ich gleich in Pension gegangen wäre, und ich leiste einen wertvollen Beitrag für mich selber, aber auch für das System – und das ist nicht verboten, meine Damen und Herren! (👏 ÖVP, NEOS) Wenn man das in Zahlen gießt, hat man bei diesen 4 000 Euro brutto 2 475 Euro netto. Das sind um 350 Euro mehr, als wenn man die Abschlagspension zur Gänze nehmen würde, und in der Pension hat man dann statt 2 121 Euro insgesamt 2 251 Euro. Man hat also eine um 130 Euro höhere Nettopension, und das bis ans Lebensende. Das heißt, das ist eine wirkliche Win-win-Situation für die Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer, und ich appelliere wirklich an viele Arbeitnehmer:innen, sich diesem Thema zu widmen und es mit den Dienstgebern zu vereinbaren. Es ist eine gute Maßnahme, die hier heute ins Leben gerufen wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Altersteilzeit geht damit einher, und es ist eigentlich auch logisch, dass ich, wenn ich im Gesetz eine neue Systematik anbiete, sozusagen das andere System anpasse, und das ist auch gar nichts Schlechtes.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Oh ja! Doch!

ÖVP August Wöginger

… Die Altersteilzeit wird harmonisiert und geht damit einher, und wir haben eine Übergangszeit von 2026 bis 2028, in der diese Jahre von fünf auf drei reduziert werden. Auch zum Nachhaltigkeitsmechanismus ein Wort: Ich habe die Summe schon erwähnt, und dieser Pfad ist im Gesetz festgeschrieben. Wir reden da nicht von dieser Legislaturperiode, sondern wir reden vom Jahr 2030. Ich halte das auch für gerechtfertigt. Warum? – Weil derzeit das Frauenpensionsantrittsalter an jenes der Männer angeglichen wird – das ist gerade im Laufen, von 2024 bis 2033.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, das ist auch so ein ...!

ÖVP August Wöginger

… Dieser Mechanismus besagt: Dieser Zielpfad, diese Ausgabenobergrenze – und in Wahrheit geht es darum, dass durch die Maßnahmen, die wir hier setzen, das faktische Antrittsalter in diesem Zeitraum, in den nächsten Jahren um ein Jahr angehoben werden soll; da reden wir von gut 2 Milliarden Euro –, diese Kostendämpfung muss abgebildet sein, eben auch im Bereich der Ausgabenobergrenze. Und wenn das nicht der Fall ist, dann greift dieser Mechanismus, und er greift zuerst bei den Versicherungsjahren bei der Korridorpension, das steht wortwörtlich da drinnen. Dazu auch eine ganz offene Ansage: Bevor das gesetzliche Antrittsalter angehoben wird, werden wir alles dafür tun, dass diejenigen, die lange Versicherungszeiten haben, die Einzigen sind, die noch vor dem gesetzlichen Antrittsalter in Pension gehen können, weil das sozial gerecht ist. Es muss einen Unterschied geben, ob jemand 45 Jahre in ein System einzahlt oder nur 30 oder 35 Jahre, und genau das bilden wir mit diesem Mechanismus auch ab. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die anderen Faktoren, die angeführt sind – Beitragssatz, Anfallsalter, Kontoprozentsatz oder Pensionsanpassungshöhen –: Das ist genau der Mechanismus, der meines Wissens damals, 2003 bis 2008, im Gesetz auch verankert war. Diesen führen wir wieder ein, weil dann der Gesetzgeber ab 2030 dazu verpflichtet ist, dass das mit 2035 in Kraft zu treten hat, wenn das Frauenpensionsantrittsalter angeglichen ist, und dann kann man aus diesem Maßnahmenmix auswählen, was die nächste Bundesregierung da an Maßnahmen setzen will. – Es ist eine gute Maßnahme, und bitte reden Sie es nicht schlecht, wenn wir unser Pensionssystem positiv für die Menschen weiterentwickeln, sodass es die Menschen auch annehmen! Zu guter Letzt haben wir für den Herbst noch zwei Punkte offen. Das ist das Älterenbeschäftigungspaket, das uns ein gemeinsames Anliegen ist, und das ist das Arbeiten im Alter: dass jene, die bis zum gesetzlichen Antrittsalter arbeiten, also keine Frühpension in Anspruch nehmen und dann aber noch weiterarbeiten wollen, mit einer Flattax von 25 Prozent endbesteuert werden. Dann gibt es nicht diese Nachzahlungen von Tausenden Euro, wo die Menschen uns sagen: Dann mache ich es nicht mehr! – Wir wollen, dass Menschen, die gesund sind, die auch wollen, die auch können, dabei so lange wie möglich unterstützt werden und in der Erwerbstätigkeit bleiben können. Es ist ein guter Tag für das Pensionssystem, aber vor allem für die Menschen, für die künftigen Pensionistinnen und Pensionisten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die jubeln draußen schon!

ÖVP August Wöginger

… Daher kann man diesem Paket ganz beruhigt zustimmen. Und: Betreiben Sie keine falsche Propaganda! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch .

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Herr Kollege Wöginger, zum Thema Propaganda: Was wir jetzt hier geboten bekommen haben, das war Propaganda. Aber – und das gestehe ich Ihnen zu – Sie haben ein paar Dinge gesagt, die tatsächlich ganz tief haben blicken lassen, die ein bisschen Ehrlichkeit gebracht haben. Sie haben nämlich gesagt: Jetzt wird einmal das Frauenpensionsalter angeglichen. – Ja, da haben Sie natürlich recht, das wird angeglichen. Sie wissen so gut wie wir alle hier herinnen, das liegt – bleiben wir beim Männerpensionsalter – real im Durchschnitt bei irgendwo zwischen 62 und 63 Prozent ( Rufe bei der ÖVP: Jahren! ) – ja –, und das jetzt aber schon seit vielen, vielen Jahren. Das heißt, wir sind mit vielen Maßnahmen da nicht wirklich weitergekommen. Die Frauen sollen es jetzt einmal richten – so viel dazu. Dann haben Sie einen Satz gesagt, einen Halbsatz, der nicht ganz unspannend ist. Sie haben gesagt: Wenn wir das sehen, dann werden wir die Maßnahmen setzen! – Weil Sie genau wissen, Sie werden es nicht erreichen …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Was machen Sie, dass wir es erreichen?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und deshalb, Herr Kollege Wöginger, sind wir so kritisch – weil wir Sie kennen, weil Sie sich jetzt hierherstellen und sagen: Langzeitversicherte; das ist sozial gerecht! Sie, Herr Kollege Wöginger, und Ihre Volkspartei haben gemeinsam mit den Grünen die abschlagsfreie Langzeitversichertenpension abgeschafft. (👏 FPÖ) Sie waren das! Sie haben diese soziale Ungerechtigkeit eingeführt. Das ist es nämlich, es geht nämlich genau darum, wie lange jemand arbeitet, wie lange jemand einzahlt.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Es geht darum, wie viel man einzahlt! – Zwischenruf des Abg. Lausch [FPÖ].

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das bildet sich aber bei Ihnen nirgendwo ab, und das ist ja genau diese Ungerechtigkeit. Sie stellen auch jetzt mit Ihrem neuen Pensionspaket auf das Alter ab, ohne danach zu schauen: Wie lang ist jemand denn eigentlich im Arbeitsprozess gewesen, hat jemand 40, 45 Jahre oder vielleicht nur 15 Jahre am Buckel? Aber mit 65 haben alle dieselben Möglichkeiten! (👏 FPÖ) Das ist diese Ungerechtigkeit – Punkt eins! Jetzt, Punkt zwei, zur Teilpension und zur Altersteilzeit: Das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe, und Kollege Koza hat es schon erklärt. Die Altersteilzeit war dazu gedacht, rauszugleiten, für Leute, die vielleicht schon fünf Jahre vor der Pension sind, die dann schon körperlich schwach sind, die einfach nicht mehr die volle Kraft haben. Für diese war die Altersteilzeit gedacht. – Herr Kollege Koza, Sie von den Grünen haben in der letzten GP die Büchse der Pandora natürlich geöffnet, als Sie die geblockte Altersteilzeit abgeschafft haben. Es war klar, dass die ÖVP damit nicht zufrieden ist, das hätten auch Sie wissen müssen, dass da Weiteres abgeschafft werden muss. Sie wollen es abschaffen, denn für Sie ist das Wichtigste, die Leute bis zu ihrem 70. Lebensjahr im Arbeitsprozess drinnen zu lassen. Sie haben das ja auch schon mehrmals gefordert.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wer? Wer? Ich?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Es kommt ja nicht von ungefähr, dass es vor allem ÖVP-Granden waren, die in den letzten Wochen rausgegangen sind und uns damit überrascht haben – oder auch nicht überrascht haben –, dass sie gesagt haben: Arbeiten bis 70! – Das war Ihr Landeshauptmann Haslauer, das war der IV-Präsident, der Ihnen nicht fernsteht, das war der Typ von der Wirtschaftskammer, der Ihnen nicht fernsteht. (Die Abgeordneten Michael Hammer [ÖVP] und Wöginger [ÖVP]: Wer ist „der Typ“?) Sie schicken also alle aus Ihrem Umfeld raus, um die 70 Jahre sozusagen einmal anzuteasern. Das ist genau Ihr System, wie Sie es immer gemacht haben: Sie haben immer die Leute aus der zweiten, dritten Reihe vorgeschickt (👏 FPÖ), die sollen Ihnen den Boden aufbereiten, damit das dann kommt. Das ist das Schlimme daran.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wo ist eigentlich die Frau Abgeordnete Kolm?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Jetzt zu Ihnen, Herr Kollege Muchitsch: Wissen Sie, ich verstehe schon, dass Sie sich schwertun, das jetzt auch noch als Erfolg zu verkaufen. Es ist nämlich kein Erfolg …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Für euch, ja!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… es ist eine Verschlechterung, weil die Altersteilzeit massiv reduziert wird, auf drei Jahre zurückgefahren wird. Das ist für Betroffene keine Verbesserung. ( Ruf bei der ÖVP: Wer ist betroffen? ) Das ist objektiv gesehen eine Verschlechterung, und das wissen Sie auch. Noch viel schlimmer finde ich aber den Nachhaltigkeitsmechanismus, weil der auf das hinausläuft, was die Herrschaften hier wollen: gesetzliches Pensionsantrittsalter 70 Jahre. Das ist das Ziel, das steckt da dahinter. Wenn wir es nicht erreichen, dann - - …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Ihr erreichts gar nichts!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Was ist, wenn wir es nicht erreichen? – Dann: bis 70 arbeiten, ganz genau.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wer sagt denn das? – Abg. Shetty [NEOS]: Aber steigen wird es halt!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das steht ja da drinnen …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Lies einmal! Lies einmal!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… dann werden die Maßnahmen getroffen, Herr Kollege.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Du bist ja eine Doktorin, du musst ja lesen können, oder? Lies einmal!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Herr Kollege Wöginger, dann horch doch einmal denen, die du alle rausschickst, zu! Red einmal mit dem Haslauer! – Ach so, ja, der gehört nicht mehr zu euch; der ist jetzt zurückgetreten, jetzt gehört er nicht mehr zu euch. Das ist es, genau: Ihr wollt nichts anderes als das Pensionsantrittsalter raufschrauben …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist das Parlament und nicht auf1.tv!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und zwar das gesetzliche.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Mit euch kann man ja nicht reden! Mit euch kann man ja nicht reden!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das, meine Damen und Herren von der Österreichischen Volkspartei, wollt ihr hier herinnen, und ihr glaubt, alle anderen da irgendwie ins Boot holen zu können. Mit uns wird es das nicht geben …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, ist eh recht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… wir werden da massivsten Widerstand leisten. ( Abg. Wöginger [ÖVP] macht eine Geste mit der Hand. ) – Ja, du kannst mit der Hand schon so machen. Hochmut, Herr Kollege Wöginger, Hochmut kommt vor dem Fall.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, ja!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ihr seid schon um die Hälfte dezimiert. ( Ruf bei der ÖVP: Ihr auch bald! ) Die nächste Wahl wird euch noch weiter dezimieren, und das ist gut so, damit es in Österreich auch wirklich wieder einmal Sozialpolitik geben kann.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Es gehen die Umfragen runter! – Ruf: ... so aggressiv ...!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Klubobmann Yannick Shetty .

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der heutige Tag, an dem wir das Pensionspaket beschließen – übrigens nur vier Monate nach Antritt dieser Regierung –, ist ein historischer Tag. Mit dem heutigen Tag stellen wir den Reformkurs im Pensionsbereich scharf. Ich sage, der Tag ist historisch, nicht, weil wir alles erreicht haben – nicht, dass Sie mich da falsch verstehen –, im Gegenteil, das ist nur der Anfang und nicht das Ende der Reformen im Pensionsbereich …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ah ...! Der Anfang! – Abg. Wurm [FPÖ] – in Richtung Abg. Kucher [SPÖ] –: Aha! Philip, der Anfang!

NEOS Yannick Shetty

… dieser Tag ist deswegen historisch, weil mit Eintritt von NEOS in die Bundesregierung das erste Mal seit 20 Jahren der Kurswechsel im Pensionssystem eingeleitet wurde.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Gratulation, Sozialdemokratie! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

NEOS Yannick Shetty

… Wir sind in diesem System mit 140 km/h in Richtung Wand gefahren. Was wir jetzt tun, ist, das Lenkrad noch einmal herumzureißen, um die Notausfahrt zu nehmen. Das tun wir mit dem, was wir heute beschließen. Ich sage Ihnen, das sind gute Nachrichten: gute Nachrichten für Österreich, gute Nachrichten fürs Budget …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wer zahlt’s ...?

NEOS Yannick Shetty

… und insbesondere gute Nachrichten nicht nur für die jungen Menschen, sondern für alle, die noch vor ihrer Pension stehen und auch eine sichere und gute Pension haben wollen. ( Ruf: Wo ist der Loacker, bitte?! ) Sie wissen, es war eines der NEOS-Gründungsthemen, Reformen im Pensionsbereich zustande zu bekommen, und mich fragen regelmäßig Menschen: Warum haben denn die NEOS überhaupt so ein Problem mit dem aktuellen Pensionssystem? Ich sage Ihnen auch: Unsere Kritik am Pensionssystem ist kein Selbstzweck, das machen wir nicht aus Jux und Tollerei. Ich möchte Ihnen erklären, worin unsere Kritik an diesem System besteht. In Österreich – vor allem für die Zuseherinnen und Zuseher, die sich vielleicht nicht so intensiv mit diesem Thema beschäftigen – haben wir ein sogenanntes Umlageverfahren. Das schaut vereinfacht gesagt so aus, dass jene Menschen, die derzeit arbeiten, in das System einzahlen, damit aus diesen Beiträgen die Pensionen derer, die gerade in Pension sind, finanziert werden können. Wenn diese Zahlungen und die Auszahlungen eine Lücke ergeben, dann müssen wir diese Lücke aus dem Gesamtbudget, also mit den Steuern der arbeitenden Menschen, decken, aus dem Budget zuzahlen. Das war einmal ein gutes System. Das Problem dabei ist, dass es eins zu eins an der demografischen Entwicklung hängt. RN/68.1 Ich möchte Ihnen kurz illustrieren, was das Grundproblem dabei ist: In den Achtzigerjahren, in der Nachkriegszeit, da hat die demografische Entwicklung vereinfacht gesagt so ausgesehen ( eine Tafel, die ein Dreieck zeigt, in die Höhe haltend ): Es gab viele junge Menschen, zahlende Menschen und relativ wenige Menschen, die in Pension waren und diese Zahlungen bezogen haben. Das Problem ist aber, dass sich die Situation nicht nur geändert, sondern verkehrt hat. ( Der Redner dreht die Tafel um, sodass das Dreieck auf der Spitze steht. ) Wir haben jetzt die Situation, dass immer weniger junge Menschen die Pensionen immer mehr älterer Menschen finanzieren müssen. Wer nicht sieht, dass das ein Problem ist, der ist blind oder will es nicht verstehen. (👏 ÖVP, NEOS) Weil sich diese Pyramide verkehrt hat, schießen wir – und ich möchte Ihnen das wirklich so illustrieren – ein Viertel des Gesamtbudgets, das wir zur Verfügung haben, über 30 Milliarden Euro derzeit, zu, damit das Pensionssystem funktionieren kann und damit die Pensionen derer, die in Pension sind, ausgezahlt werden können. Dieses Geld fehlt für die Bildung, dieses Geld fehlt für die Integration, dieses Geld fehlt für den Klimaschutz, dieses Geld fehlt für Innovationen, und zwar nicht, weil die Pensionisten, die Pensionistinnen die Bösen sind, sondern weil dieses System kaputt ist, und deswegen müssen wir es dringend reparieren. (👏 ÖVP, NEOS) Das zweite Problem ist, dass nicht nur die demografische Entwicklung systemisch an diesem Problem schuld ist, sondern dass zusätzlich in den letzten 20 Jahren – und diese Kritik müssen sich alle Parteien gefallen lassen – alle immer mitgemacht haben, vor Wahlen Wahlzuckerln verteilt haben, die das noch einmal verschärft haben und dieses Kuchenstück, diesen Teil des Budgets immer größer gemacht haben. Auch damit ist Schluss, das wird es in dieser Regierungsperiode nicht geben. Heute ist ein historischer Tag, nicht deswegen, weil wir alles erreicht haben, sondern weil wir für dieses unverantwortliche Handeln die Stopptaste gedrückt haben. Es wird endlich einen Paradigmenwechsel im Pensionssystem geben, und das insbesondere – darauf möchte ich jetzt noch eingehen – mit dem sogenannten Nachhaltigkeitsmechanismus. Das ist ein kompliziertes Wort, er hat ein einfaches Ziel, nämlich die Zuzahlungen aus dem Budget, diese über 30 Milliarden Euro, runterzubringen, damit wir mehr Geld für Integration, für Bildung, für Klimaschutz und für alle anderen Dinge, die uns allen hier herinnen wichtig sind, haben. Der Nachhaltigkeitsmechanismus erfolgt in drei Schritten: Erstens, es gibt erstmals einen absoluten Ausgabendeckel für Zuzahlungen aus dem Budget ins Pensionssystem – und ich sage Ihnen: Da fährt auch die Eisenbahn drüber, über diesen absoluten Ausgabendeckel.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ah! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Aha! – Abg. Wurm [FPÖ]: Ihr müsst klatschen, Sozialdemokratie! Ist euer Regierungspartner!

NEOS Yannick Shetty

… Zweitens, ab sofort wird die Bundesministerin für Soziales – das sieht das Gesetz vor – jedes Jahr dem Parlament einen sogenannten Bericht zur nachhaltigen Absicherung des Pensionssystems zuleiten. Das ist kein Bla-bla-Bericht, sondern da drinnen werden harte Fakten stehen, nämlich ob der Budgetpfad, den wir abgebildet haben – das ist der Pfad, der vorsieht, dass die Pensionsausgaben sinken müssen –, gehalten wird oder nicht.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Die müssen nicht sinken!

NEOS Yannick Shetty

… Das heißt, wir werden das jedes Jahr im Parlament vorliegen haben und wissen: Hält der Pfad oder hält er nicht? Drittens – und das ist jetzt der Nachhaltigkeitsmechanismus –, wenn der Pfad überschritten wird, ist die nächste Regierung ab 2030 gesetzlich dazu verpflichtet, harte Maßnahmen zu ergreifen, um das Pensionssystem zu sichern …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was heißt denn das?

NEOS Yannick Shetty

… insbesondere auch – neben den schon erwähnten – eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. (Die Abgeordneten Wurm [FPÖ] und Belakowitsch [FPÖ]: Ah!) Ich sage Ihnen: Das ist auch wichtig und richtig so.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Sozialdemokratie, was ist los? Hört ihr das? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Frau Bundesminister, haben Sie das eh gehört? Jetzt haben wir es! – Abg. Wurm [FPÖ]: Einer, der die Wahrheit spricht!

NEOS Yannick Shetty

… Mir ist wichtig, abschließend zu betonen: Diese Pensionsreform ist keine Pensionskürzung, sondern diese Pensionsreform ist eine absolut notwendige Kurskorrektur. Ich möchte noch einmal das Bild vom Anfang meiner Rede bedienen: Wir waren mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Frontalcrash unterwegs. Was wir gemacht haben, ist, dass wir die Notausfahrt genommen haben, insbesondere mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus. Und – ich habe es schon gesagt – das heute ist nicht das Ende des Reformkurses, es ist der Anfang, und ich freue mich, dass wir diesen Weg heute beschreiten. – Vielen Dank.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Also wer hat jetzt recht, Frau Schumann? Was stimmt jetzt? Wer lügt jetzt da? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Was passiert jetzt?

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Bundesministerin Korinna Schumann zu Wort. – Bitte, Frau Ministerin.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Kollege Koza hat eh schon die Gesamthaltung unserer Fraktion gut dargelegt und auch gesagt, warum wir der Teilpension sehr wohl zustimmen können, aber den anderen beiden Teilbereichen dieser Reform oder dieses Reförmchens – je nachdem, wie man es nennen möchte – dann eben nicht zustimmen werden. Das ist, glaube ich, gut dargelegt worden. Ich möchte dezidiert nochmals auf die Teilpension eingehen, weil wir durchaus glauben, dass die Teilpension mehr sein kann als nur dieser Übergang, von dem hier mehrfach seitens der Koalition gesprochen wurde; die Teilpension könnte oder wäre auch ein gutes Mittel für das Arbeiten im Alter. Ich komme selber aus einer Familie, in der das Arbeiten im Alter üblich ist. Mein Vater ist 76 und arbeitet immer noch. Mein Großvater hat eigentlich auch bis kurz vor seinem Tod gearbeitet. Das war einfach üblich bei uns. Ich hoffe selber irgendwie – das ist zumindest immer der Running Gag bei uns im Klub, dass ich halt immer darauf hoffe –, dass ich auch mindestens so lang arbeiten kann wie mein Vater, denn es macht ja Spaß, wenn es einem lustig ist. Ich weiß schon, es ist nicht für jeden etwas und es muss auch nicht ein jeder – das ist nicht die Sache, die ich damit sagen will –, aber dann ist so ein Modell, so ein Teilpensionsmodell, eine gute Sache. Das kann man ja durchaus sagen, und deswegen werden wir dem heute zustimmen. Nur – und da müssen wir warnen, und da muss ich warnen –: Im Herbst will diese Regierung ja auch noch ein großes Paket für sogenanntes Arbeiten im Alter präsentieren und dabei eine Flattax plus – wie zumindest kolportiert wird – wegfallenden Sozialversicherungsbeiträgen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf der einen Seite und halbierten Sozialversicherungsbeiträgen für die Arbeitgeberseite präsentieren. Wenn das genau so kommt, wenn das wirklich genau so kommt, wie es momentan kolportiert wird, dann, das muss man schon sagen, wird diese Maßnahme die Teilpension bis zu einem gewissen Grad konterkarieren. Das müssen wir halt auch einmal so benennen. Das wird dann ein Konkurrenzsystem, und, sehr geehrte Damen und Herren zu Hause und hier auf der Galerie, das ist ein Konkurrenzsystem, wenn es so kommen wird, auf Kosten Ihres Steuergelds. Wir reden dann hier von in Summe 470 Millionen Euro, 230 Millionen davon durch Entgang bei der Pensionsversicherungsanstalt, aber in Summe eben von 470 Millionen Euro Gesamtbelastung, die dieses Paket verursachen wird, um eigentlich sehr teuer eine Konkurrenzveranstaltung zu der, wie wir finden, sehr guten Teilpension zu sein. Das ist dann schon so eine Geschichte, bei der wir dann auch sagen: Das ist für uns so ein bisschen eine Symbolik dafür, dass in dieser Regierung nicht wirklich alle am selben Strang ziehen, wenn es um diese Frage geht, wenn es um die Frage der Sicherung des Sozialsystems geht, wenn es darum geht, ein gutes Pensionssystem, sinnvolle, praktikable Lösungen für die Zukunft zu haben. Das ist unser Eindruck. Wenn dieses Arbeiten im Alter genau so kommt, dann ist das eigentlich wie schon gesagt ein Konterkarieren dessen, was wir hier heute beschließen werden. Auf der anderen Seite ist es eben der Beweis dafür, dass ihr in Wirklichkeit gar nicht einmal so sehr an einem Strang zieht. Gut, das haben wir in Wirklichkeit auch bei den heute erwähnten 700 Millionen Euro Zusatzbelastung fürs Budget schon gesehen: 500 Millionen Euro durch die Hebesätze, 200 Millionen Euro durch den Entfall bei der Lohnsteuer, als ihr die KV-Beiträge für die Pensionistinnen und Pensionisten erhöht habt. Liebe Kolleginnen und Kollegen von den Koalitionsfraktionen, ihr habt jetzt über den Sommer noch wirklich ausgiebig Zeit, da ein anständiges Paket zu schnüren, euch nochmals zu überlegen, ob es nicht doch gescheiter wäre, diese Teilpension, die wir hier heute beschließen, zu stärken, dieses Arbeiten im Alter, wie es momentan kolportiert wird, wieder zur Seite zu legen oder nicht in dieser Art und Weise zu bringen, denn wir brauchen einfach keine Konkurrenzveranstaltung auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Ich kann euch versprechen, wir werden sehr genau hinschauen, welche Auswirkungen das hat, denn Grün hält auch hier an seinen Versprechen fest. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Teiber .

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Frau Ministerin! Geschätzte Kollegen, Kolleginnen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, wir diskutieren heute einige Gesetze, aber ich möchte mich auf das Thema Teilpension und Altersteilzeit beschränken. Dazu hat es ja auch die meisten Redebeiträge gegeben. Zu Kollegen Koza, den ich als Kollegen wirklich sehr schätze, vielleicht eines: Danke, dass ihr die Teilpension durchaus positiv seht, das freut uns; wir auch. Nur betreffend die Kritik in Bezug auf die Altersteilzeit möchte ich schon auch Folgendes anbringen: Erstens, die durchschnittliche Dauer der Altersteilzeit liegt jetzt schon unter drei Jahren, sie liegt bei 2,8 Jahren. Und dass es im System selbst auch gewisse Gerechtigkeiten geben muss, das kommt, glaube ich, auch nicht von ungefähr, denn dass Korridorpensionisten, die auf 42, 43 Versicherungsjahre kommen, Versicherte, die auf 45 Jahre und mehr kommen, Altersteilzeit nur drei Jahre in Anspruch nehmen können und andere, die bei Weitem nicht auf diese Menge an Versicherungsjahren kommen, länger, das wäre in sich unlogisch und ist deswegen auch so nicht zu machen. Was aber schon stimmt: Ganz wichtig ist Planbarkeit, ist Berechenbarkeit. Darum war uns als Sozialdemokratie, gerade als Gewerkschafterinnen, als Gewerkschafter sehr wichtig, ausreichende Übergangsbestimmungen auszuverhandeln. Und ja, noch längere Übergangsbestimmungen wären uns lieber gewesen, denn es gibt Kolleginnen und Kollegen, die schon über 2029 hinaus ihre Altersteilzeit geplant und mit dem Dienstgeber besprochen haben, aber – das muss man nun einmal sagen – bei einem Sparbudget, zu dem wir leider gezwungen sind, weil uns ein Schuldenberg hinterlassen worden ist, geht es auch um die Eindämmung der staatlichen Ausgaben für die Altersteilzeit. Wir machen das deswegen, weil wir die Altersteilzeit als gutes Modell erhalten wollen. Das wird uns auch gelingen. Bei allen finanziellen Herausforderungen ist es positiv, dass jetzt die Möglichkeit da ist, im Anschluss an die Altersteilzeit, aber auch generell über den Pensionsstichtag hinaus, wie es schon gesagt worden ist, ein, zwei, drei, vier Tage oder auch halbtags zu arbeiten und gleichzeitig schon einen Teil der Pension beziehen zu können. Das ist nicht nur individuell auch ein Vorteil, gerade eben – die Ministerin hat es gesagt – bei jenen, die in die Schwerarbeitspension fallen, denn da war das bis jetzt überhaupt nicht möglich, da ist es besonders positiv, sondern weil dieses Modell natürlich mithelfen soll, dass es zu einer Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters kommt. Dieses Ziel zu erreichen, ist wichtig, damit wir unser staatliches Pensionssystem stärken und absichern können. Übrigens, bei aller koalitionären Freundschaft jetzt an Kollegen Shetty gerichtet: Um das Pensionssystem, das wir haben, beneiden uns die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auf der ganzen Welt.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Das stimmt!

SPÖ Barbara Teiber

… Die blicken neidvoll auf Österreich (👏 ÖVP, SPÖ), denn in anderen Ländern, in denen man auf die private Pensionsvorsorge gesetzt hat, gibt es mittlerweile Altersarmut. Da sammeln 70-Jährige Pfandflaschen. Es ist ja so, dass bei einer älteren Gesellschaft immer mehr für die Pensionen ausgegeben wird …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Der norwegische Pensionsfonds ist ganz schlimm, ja! – Zwischenruf des Abg. Hofer [NEOS]

SPÖ Barbara Teiber

… die Frage ist nur, ob sozial geregelt im staatlichen System oder über Private, wo eben die Finanzindustrie ordentlich mitschneidet.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

... am Kapitalmarkt!

SPÖ Barbara Teiber

… Keine Frage, es braucht mehr als die Teilpension, um das faktische Pensionsantrittsalter anzuheben. Deswegen ist ja auch das im Regierungsprogramm verankerte Älterenbeschäftigungspaket so wichtig, und da ist auch die Aktion 55 plus so wichtig. Da sind alle aufgefordert – die Sozialpartner, aber vor allem auch die Arbeitgeber –, dass man mehr älteren Kollegen und Kolleginnen, die arbeitslos geworden sind, bei denen der Betrieb in Konkurs gegangen ist, die Chance gibt, auch wieder einen Arbeitsplatz zu bekommen. Wir sehen: Das Risiko, dass man arbeitslos bleibt, ist bei Älteren wesentlich höher. Darum vielleicht ein Letztes: Es ärgert mich schon, dass man weiterhin täglich Vertreter der Industriellenvereinigung und der Wirtschaft …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und der ÖVP!

SPÖ Barbara Teiber

… hört – also gefühlt täglich –, die Arbeiten bis 67, 68 …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

70!

SPÖ Barbara Teiber

… 70 fordern. Die haben keine Ahnung von der Arbeitsrealität der Menschen da draußen, von Leuten, die seit Jahrzehnten im Handel stehen, die in der Pflege ihren Dienst machen, die Schichtarbeit machen. Wer solche Dinge fordert, hat von dem, wie es den Leuten draußen geht, keine Ahnung. (👏 SPÖ) Darum machen wir das auch alles – damit wir unser Pensionssystem sichern. Ich hoffe, dass da auch richtige Dinge verbreitet werden. Wir sichern unser Pensionssystem ab. Wir wollen, dass Menschen in Würde altern und auch ihre Pension genießen können. Wir tun alles, dass es zu keiner Anhebung des Pensionsantrittsalters kommt; das garantiert die Sozialdemokratie in dieser Regierung und auch in den zukünftigen. – Vielen Dank.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wer’s glaubt, wird selig!

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Andrea Michaela Schartel .

FPÖ Andrea Michaela Schartel

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Minister! Frau Kollegin Teiber, Sie können noch so oft sagen, sie garantieren und die SPÖ garantiert, dass das Pensionsantrittsalter nicht angehoben wird, aber solange Sie mit den NEOS …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und der ÖVP!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… und der ÖVP in der Regierung sind , würde ich sagen, wird das sicherlich nicht so kommen, auch wenn Sie es hier noch so oft sagen. (👏 FPÖ) Kollege Muchitsch hat seinen Redebeitrag damit begonnen, dass er gesagt hat, er hat sich überlegt, wie man jetzt jemandem erklärt, was das mit der Teilpension heißt. Es ist auch eine einfache Erklärung. Was war das Besondere an der Altersteilzeit und warum ist das so schlimm, dass sozusagen für die Einführung der Teilpension die Altersteilzeit mehr oder minder irgendwann aufgehoben wird, und da geht es gar nicht um die drei Jahre? – Der große Vorteil war: 30 Stunden Arbeit, 10 Stunden sozusagen Altersteilbezug, und das hat 40 Stunden für die Pensionseinzahlung, für die Pensionsbemessung bedeutet. Bei der Teilpension arbeite ich 30 Stunden, beziehe 10 Stunden Teilpension, das heißt Pensionsbemessung und Weiterzahlung für 30 Stunden. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Das heißt in Wirklichkeit, dass man den Menschen natürlich etwas wegnimmt. Wenn man hergeht und noch dazu sagt, man macht dieses Modell für Menschen, die schwer arbeiten – da bin ich ganz bei euch, man muss immer schauen, welchen Beruf jemand ausübt; das ist einmal die oberste Priorität –: Altersteilzeit war da das beste Modell, dass Menschen wirklich länger gearbeitet haben, dass Menschen, die es nicht konnten, wirklich noch Teilzeit in Anspruch nehmen konnten, ohne dass sie Verluste in der Pension dafür hatten. – Und das schafft ihr jetzt trotzdem ab. (👏 FPÖ) Es ist dieser Nachhaltigkeitsmechanismus. Es ist nicht so, Herr Wöginger, wie Sie gesagt haben, dass man zuerst nur einmal mit 1.1.2035 die Anwartschaftsjahre für die Korridorpension hernimmt – da steht nichts dabei – und danach überprüft. Nein, es ist gleichzeitig, alles kommt! …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Nein!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Das heißt, es kommt die Erhöhung der Pensionsbeiträge, es kommt die Erhöhung des Anfallsalters – ihr nennt es so, weil es ein bisschen besser klingt; es ist eine Erhöhung beim Pensionsantrittsalter. Das kommt alles gleichzeitig.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Na!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… S owohl die Finanz- - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Wissen Sie was: Nehmen Sie Ihre Gesetzeserläuterungen, Seite 3, vorletzter Absatz, und lesen Sie das, da steht es Wort für Wort so drinnen! …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, ich war beim Schreiben dabei!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Dass es so kommen wird, das ist garantiert. Weder das Finanzressort noch der Rechnungshof hat wirklich große Zweifel, sie sind davon überzeugt, dass diese Einführung der Teilpension finanziell kaum etwas ändern wird. Das heißt, sie gehen sehr wohl davon aus, dass es beim fiktiven Pensionsantrittsalter unter Umständen nach oben gehen wird, aber finanzieller Natur wird sich gar nichts ändern. Wie es Kollege Koza schon gesagt hat, habt ihr das mit den KV-Beiträgen beschlossen, ohne mitzubehirnen, dass dadurch die Bundeszuschüsse höher werden, weil wir das Gesetz mit den Hebesätzen haben. Also da kann es sich hinten und vorne nicht ausgehen. Wie gesagt, was ich in Wirklichkeit so unfair finde, ist, dass man hergeht und sagt: Ja, wir müssen uns jetzt alle zusammenreißen, es müssen jetzt alle an einem gemeinsamen Strang ziehen, weil es wichtig ist, wir müssen das Budget sanieren! ( Ruf bei der ÖVP: Ja! ), und trotzdem – obwohl es so viele Fachexperten, Institutionen sagen – machen Sie all diese Maßnahmen, die den Menschen, den Pensionisten, jenen, die in Zukunft in Pension gehen, nur schaden. Sanieren tut das gar nichts. Deswegen werden wir sicherlich so einem Gesetzentwurf nicht zustimmen. Wir werden auch weiterhin wirklich immer auf die Schwachen in unserer Gesellschaft aufpassen – was früher auch die Sozialdemokratie gemacht hat –, auf jene, die Österreich aufgebaut haben, wir werden aber auch auf die junge Generation ganz, ganz gut aufpassen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Heike Eder .

ÖVP Heike Eder

Danke, Frau Präsidentin! Liebe Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier im Plenarsaal und zu Hause! Stellen Sie sich einen Marathon vor: Gegen Ende geht es allen genau gleich, die Kraft lässt nach. Doch für Leistungsträgerinnen und Leistungsträger ist Aufgeben natürlich keine Option. Was also tun? – Das Tempo reduzieren und weiterrennen. Genau das ist auch die Teilpension: ein kluger Zwischenschritt, nicht Vollgas wie mit 30, auch nicht ein abruptes Ende, sondern ein sanfter Übergang zwischen dem Erwerbsleben und dem Ruhestand. Warum aber spreche ich als eher jüngere Arbeitnehmerin eigentlich über Teilpension? – Aus zwei Gründen, meine Kolleginnen und Kollegen: Erstens, weil uns das Thema Pension alle betrifft, nicht nur die jetzigen Pensionistinnen und Pensionisten, sondern auch Menschen, die mitten in ihrem Erwerbsleben stehen. Es geht um das Thema Generationengerechtigkeit. (👏 ÖVP, NEOS) Meine Damen und Herren, unser Umlageverfahren – und das möchte ich ganz klar und deutlich sagen – ist ein starkes System. Wir werden international darum beneidet. Es hat einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen Pensionssystemen, nämlich Inflationsschutz. Gleichzeitig ist das Umlageverfahren aber auch zunehmend unter Druck. Die demografische Entwicklung ist nämlich eindeutig. Kollege Shetty hat das heute auch sehr eindrücklich illustriert: Wo früher eine stabile Pyramide war, ist es heute einfach ein Muffin. Früher finanzierten vier erwerbstätige Arbeitnehmer die Pension eines Pensionisten, während es heute 1,7 sind. Wir leben zehn Jahre länger als noch vor 1970, gleichzeitig gehen wir aber gleich in Pension wie 1970. Das bedeutet, wir müssen immer wieder nachjustieren, um das System auch langfristig finanzierbar und stabil zu halten, und das machen wir jetzt auch, indem wir Maßnahmen setzen, die das tatsächliche Pensionsantrittsalter näher an das gesetzliche bringen, beispielsweise mit diesem Nachhaltigkeitsmechanismus und dieser Teilpension. Der zweite Grund, warum die Teilpension auch die jüngere Generation angeht, ist, weil auch wir Jüngeren davon profitieren. Wenn nämlich erfahrene Kollegen ihr Wissen weitergeben können, dann ist eine gewisse Stabilität im Team gewährleistet und die Jungen haben auch Zeit, hineinzuwachsen. Das ist moderne Generationenpolitik, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, NEOS) Liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, es ist schade, dass ihr heute nicht mitstimmt. Vielleicht können euch ein paar Fakten ja noch umstimmen, wenngleich meine Hoffnung nicht allzu groß ist. Ihr meint ja, dass die Teilpension auch zu einer früheren Reduktion der Arbeitszeit führt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, das ist gut so!

ÖVP Heike Eder

… Ihr wisst wahrscheinlich, wir haben in Österreich eher die Situation, dass die Menschen tendenziell zum frühestmöglichen Termin in Pension gehen und daher auch das tatsächliche Pensionsantrittsalter …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ist ja kein Wunder, es gibt ja keine Planbarkeit!

ÖVP Heike Eder

… unter dem gesetzlichen Antrittsalter ist. Deshalb schaffen wir es mit der Teilpension, dass Menschen länger im Erwerbsleben bleiben. Wenn euch das auch nicht überzeugt, dann macht das vielleicht die OECD, die in ihrem Employment Outlook 2025 festhält, dass Teilpensionen die Erwerbsdauer verlängern, oder vielleicht ein Blick nach Finnland, denn dort gibt es nämlich seit 2017 eine gesetzliche Teilpension mit dem Ergebnis, dass die Lebensarbeitszeit im Steigen ist. Mit der Teilpension schaffen wir also eigentlich eine Win-win-win-Situation …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Na super! Dann ist es eh super!

ÖVP Heike Eder

… nämlich ein Win für Arbeitnehmer – ja, es ist super! –, weil es erstmals eine Möglichkeit gibt, Arbeit und Ruhestand zu vereinbaren.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alles super!

ÖVP Heike Eder

… Es ist ein Win für den Arbeitsmarkt, weil Arbeitnehmer dem Arbeitsmarkt noch länger zur Verfügung stehen. – Sie können gerne zuhören, es ist wirklich interessant. – Und der dritte Win ist ein Win für das Pensionssystem, weil wir Geld im Pensionssystem einsparen. – Danke schön.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alle gewinnen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Es gibt nur Gewinner! – Abg. Wurm [FPÖ]: Das haben wir lange gesucht!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort. – Bitte.

NEOS Johannes Gasser

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ja, die Pensionsausgaben, die Zuschüsse aus dem Budget, sind in den letzten Jahren, das muss man leider so sagen, eher explodiert. Wir sind inzwischen bei fast 30 Milliarden Euro angekommen, die – mit den Beamtenpensionen – ins Pensionssystem gezahlt werden müssen, um die Finanzierungslücke sozusagen zu füllen. Ein Grund dafür ist natürlich, dass im Pensionssystem zu wenig auf die alternde Gesellschaft reagiert worden ist, aber es gibt auch einen zweiten Grund, nämlich dass gleichzeitig wider besseres Wissen Pensionsmaßnahmen gesetzt worden sind, die nicht gegenfinanziert waren und die die Kosten nach oben getrieben haben und zu Mehrkosten von mehreren Hundert Millionen Euro jährlich geführt haben. Damit ist jetzt Schluss! Mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus ziehen wir den Schlussstrich und stellen sicher, dass es eben keine ungedeckten Pensionszusagen mehr gibt, keine Beschlüsse, die eben nicht gedeckt sind und unter diese Ausgabenobergrenze fallen. Das ist vor allem eines: Das sind gute Nachrichten für kommende Generationen und für das Budget! (👏 ÖVP, NEOS) Es sind aber vielleicht auch schlechte Nachrichten für die Pensionspopulisten von der FPÖ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber geh!

NEOS Johannes Gasser

… Das Ziel ist natürlich, mit den Maßnahmen, die wir in den letzten Monaten auf den Weg gebracht haben, auch Kostendämpfungen zu erreichen. Wir wollen, dass wir bis 2030 Kostendämpfungen im Pensionsbereich von 2,5 Milliarden Euro jährlich schaffen. Und wie wollen wir das schaffen? – Ja, durch die Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters, durch die Erhöhung der Beschäftigungsquote. Wir haben diese Kostendämpfungen jetzt auch mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus nachhaltig abgesichert, weil eben auch klar ist, dass wir 2030 schauen müssen: Haben wir diese Kostendämpfung erreicht? Und welche Maßnahmen sind darüber hinaus auch notwendig, damit wir das sicherstellen können? Ab 2030 wird der Pfad sozusagen fortgeschrieben und, ja, es müssen dann natürlich auch Maßnahmen gesetzt werden, die diese Kostendämpfungen auch nachhaltig sicherstellen. Welche Maßnahmen das sind – Kollegin Schartel hat offensichtlich das Gesetz nicht genau gelesen –, welche konkret das sein müssen, das lassen wir zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich noch offen, wir geben nur vor, welche Maßnahmen es konkret sein können. Und ja, natürlich betrifft eine der Maßnahmen, die es gibt, das Pensionsantrittsalter. Es gibt noch andere Maßnahmen, aber ich frage mich ganz ehrlich, was wäre, wenn wir diese Maßnahmen nicht hineinschreiben würden. Die einzige Alternative, die die FPÖ kennt, ist, den Bundeszuschuss einfach ins Unermessliche steigen zu lassen, kommende Generationen zu belasten, keine Spielräume für Investitionen und keine Spielräume für Steuerentlastung zu schaffen. (👏 ÖVP, NEOS) Eine Maßnahme, die sehr konkret drinnen steht, ja, ist die Anhebung bei der Korridorpension, dass wir dort weitere Versicherungsjahre notwendig machen. Und auch da muss ich mich schon fragen, ob die FPÖ eigentlich jemals realisiert hat, was die Schüssel-Reformen 2002/2003 gebracht haben. – Sie reden immer davon, dass es so ungerecht ist, wenn jemand, der 20 Jahre eingezahlt hat, dieselben Pensionsansprüche hat wie jemand, der dies 45 Jahre getan hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Noch nie gesagt! Zuhören!

NEOS Johannes Gasser

… Herzlich willkommen im Jahr 2025! Wir sind gerade mitten im Umstieg auf die lebenslange Durchrechnung, die genau dazu führen wird, dass nicht entscheidend ist, wie viele Jahre man eingezahlt hat …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wir haben es zwar beschlossen, aber ...!

NEOS Johannes Gasser

… sondern wie viel man eingezahlt hat! Das ist Leistungsgerechtigkeit! (👏 ÖVP, NEOS) Ich betone deshalb immer wieder gerne, dass die Schüssel-Reformen uns vor allem davor bewahrt haben, dass das Pensionssystem schon früher unfinanzierbar wird. Ich kann auch die Kritik der Grünen an dieser Selbstverpflichtung, die wir mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus schaffen, nicht nachvollziehen. Ansonsten heften sich die Grünen immer das Thema Nachhaltigkeit groß auf die Fahnen, wenn es aber um budgetäre, finanzielle Nachhaltigkeit geht, ist ihnen offensichtlich alles egal. Und was besonders lustig ist: wenn Sie da jetzt mit Kritik kommen, nachdem Sie fünf Jahre lang im Sozialministerium dafür verantwortlich waren und keinen Federstrich gemacht haben, um irgendetwas im Pensionsbereich zum Besseren zu ändern. Natürlich ist das Ziel, dass wir den Nachhaltigkeitsmechanismus erst gar nicht auslösen müssen, weil die Maßnahmen, die wir setzen, auch wirklich Wirkung entfalten können und die Kostendämpfungen auch so schon genügend hereinbringen. Dafür haben wir schon Maßnahmen auf den Weg gebracht, die Änderung bei der Korridorpension beispielsweise, auch die Aliquotierung, und heute bringen wir weitere Maßnahmen auf den Weg: die Teilpension. Ich glaube, es haben inzwischen genügend Personen ausgeführt, dass das eine tolle Sache ist. Für uns NEOS entspricht das einer Forderung, die wir seit Beginn unseres Bestehens auch immer wieder erhoben haben: mehr Flexibilität in Richtung Flexipension beim Pensionsantrittsalter. Andere Länder kennen das, Österreich macht jetzt endlich den Schritt auch in diese Richtung. Was die Änderung bei der Altersteilzeit angeht: Ja, natürlich muss das System schlussendlich zusammenpassen. Und was die Treffsicherheit der Altersteilzeit angeht: Kollegin Belakowitsch, seien Sie mir nicht böse, aber wenn von der Altersteilzeit wirklich die Personen profitieren würden, die Sie angesprochen haben, die das brauchen, weil sie sonst gesundheitlich nicht bis 65, 62 oder 63 Jahre arbeiten könnten, dann hätten wir diese Schritte nicht setzen müssen. Haben Sie eine Ahnung, wie viel wir bei der Altersteilzeit inzwischen zuschießen müssen? Wenn wir nichts machen, dann wird das am Ende der Legislaturperiode schon fast eine ganze Milliarde Euro sein, damit wir diese Lohnkostenersätze überhaupt finanzieren können. Genau die Einführung der Teilpension hilft uns, da eine Kostendämpfung zu schaffen. Wir schaffen Treffsicherheit, wir schaffen vor allem auch Gerechtigkeit im System. Weil immer wieder die Frage aufkommt, was die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dazu sagen – das haben wir auch im Ausschuss diskutiert –: Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind froh, wenn diese Teilpensionsmöglichkeit kommt, weil sie es schade finden, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meistens zum erstmöglichen Zeitpunkt voll in Pension gehen. Sie wollen sie weiter beschäftigen, und angesichts des Fachkräftemangels ist das auch eine gute Möglichkeit, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tatsächlich in Beschäftigung zu halten und zu verhindern, dass sie den erstmöglichen Exit in den 100-prozentigen Pensionsbezug nehmen. Das sind die wichtigen Schritte, die wir jetzt setzen, um die Kostenentwicklung auch in den Griff zu bekommen. Wir kommen damit unserer Verantwortung nicht nur gegenüber der älteren Generation, sondern vor allem auch gegenüber der jungen Generation nach. Wer das als Sozialabbau oder Pensionsraub bezeichnet, der ist nicht nur unehrlich, sondern dem fehlt eines: Verantwortung für kommende Generationen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Markus Koza zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen der Geschäftsordnung. (Abg. Koza [Grüne] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Ich hoffe, inzwischen schon!) – Ich werde darauf achten.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Kollege Johannes Gasser hat gesagt, in den letzten fünf Jahren der Regierung wäre nichts passiert, um das effektive Pensionsantrittsalter zu erhöhen. Ich berichtige tatsächlich: Erstens wurde die Langzeitversichertenregelung dahin gehend abgeändert, dass die Abschlagsfreiheit abgeschafft wurde. Weiters wurde das Zuschlagssystem für Menschen, die länger, über das Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten, erhöht. Und drittens wurde, und gerade das ist bei den NEOS auf sehr große Zustimmung gestoßen, die geblockte Altersteilzeit schleichend abgeschafft. – Danke.

PräsidiumDoris Bures

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Verena Nussbaum .

SPÖ Verena Nussbaum

Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, das österreichische Pensionssystem zählt zu den besten der Welt, und für uns als SPÖ ist es wichtig, dass die Pensionen abgesichert sind, und ich kann Ihnen garantieren, das sind sie auch. Wir haben es geschafft, dass das gesetzliche Regelpensionsalter weiterhin 65 Jahre bleibt. Wir haben dem Vorschlag der Industriellenvereinigung, das Pensionsalter auf 70 Jahre zu erhöhen, eine klare Absage erteilt. Mit uns gibt es keine Pensionskürzungen – jetzt nicht, auch in Zukunft nicht – und wir greifen auch nicht in bestehende Pensionen ein! (👏 SPÖ) Bis jetzt war es so, dass man bei einer vorzeitigen Alterspension die Erwerbstätigkeit aufgeben musste, aber das ändert sich jetzt mit der Einführung der neuen Teilpension. Ab 1.1.2026 wird es möglich sein, einen Teil der Pension zu beziehen und gleichzeitig mit reduzierter Arbeitszeit weiterzuarbeiten. Das ist ein nicht zu unterschätzender Systemwandel. Bisher galt: entweder die volle vorzeitige Pension oder gar keine! (👏 SPÖ) Auch das beliebte Instrument der Altersteilzeit wird weiterhin bestehen. Von 2026 bis 2028 wird es von fünf auf drei Jahre schrittweise gesenkt und dann kann diese Altersteilzeit nach wie vor vor der Teilpension auch in Anspruch genommen werden. ( Ruf bei den Grünen: Nur wie? ) Aber – und das ist, glaube ich, einer der wesentlichen Punkte, wie man das faktische Pensionsantrittsalter dann auch erhöht –: Es wird wichtig sein, dass man die Diskriminierung von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bekämpft. Es liegt also auch an den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, ältere, sehr wertvolle und gut ausgebildete Arbeitskräfte mit viel Arbeitserfahrung im Unternehmen zu halten. Während derzeit die Rufe nach Fachkräften nicht zu überhören sind, ist die Arbeitslosigkeit von Arbeitnehmer:innen über 50 aber sehr hoch. Schon jetzt geht jeder oder jede Vierte aus der Arbeitslosigkeit oder aus dem Krankenstand in Pension, und das ist ein Umstand, den wir ändern müssen. Wir brauchen verbesserte Arbeitsbedingungen, die an die Bedürfnisse von älteren Arbeitnehmer:innen angepasst werden. (👏 SPÖ) Ich bringe jetzt noch einen Antrag ein, und zwar einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten August Wöginger , Josef Muchitsch , Johannes Gasser , Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über die Regierungsvorlage 137 der Beilagen – es geht darin um die Änderungen der Gesetze zum Teilpensionsgesetz –, 174 der Beilagen. In diesem Antrag werden technische Änderungen, die im Zuge der Begutachtung eingemeldet wurden, berücksichtigt. Meines Wissens wurde der Antrag bereits verteilt. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 14.01 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/76.1 Teilpensionsgesetz (AA-21) Präsidentin Doris Bures : Ja, Frau Abgeordnete, der Antrag wurde bereits an alle Abgeordneten verteilt, er muss aber natürlich trotzdem in den Grundzügen erläutert werden. Er ist somit ordnungsgemäß eingebracht und steht mit in Verhandlung. Der nächste Redner ist Herr Abgeordneter Michael Hammer .

ÖVP Michael Hammer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Herren! Ja, wir beschließen mit dem Teilpensionsgesetz und den damit einhergehenden Maßnahmen in jeder Hinsicht Verbesserungen, nachhaltige Verbesserungen in unserem Pensionssystem, und es gelingt auch hier weitestgehend, eine sachliche Diskussion darüber zu führen. Was aber schon wieder bezeichnend ist – und das manifestiert sich ja schon seit Monaten, in den letzten zwei Tagen ganz speziell –: Die Freiheitliche Partei ist jetzt zur Gänze dazu übergegangen, sich von Faktenlagen und von Tatsachen komplett zu entkoppeln und einfach nur irgendwelche Dinge zu behaupten und zu verbreiten.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

... Schallplatte ...!

ÖVP Michael Hammer

… RN/77.1 Wenn ich mir zum Beispiel den Redebeitrag des Kollegen Wurm anschaue, so muss ich feststellen: Dieser hat mit dem vorliegenden Pensionsgesetz nichts zu tun.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Das ist ein Standard...!

ÖVP Michael Hammer

… Kollege Muchitsch hat Dinge, die Kollege Wurm behauptet hat, was die Langzeitversichertenregelung betrifft, widerlegt. Nichtsdestotrotz schickt Kollege Wurm eine Presseaussendung aus, in der er genau das behauptet, was hier herinnen widerlegt wurde.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das wird durch Hochrechnung bestätigt!

ÖVP Michael Hammer

… Er behauptet, dass das Pensionsantrittsalter auf 70 Jahre angehoben werden soll. Solch ein Unsinn, so viel Lüge, so viel faktenbefreit - -

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter, Sie sind lange genug im Haus, dass Sie wissen: Für „so viel Lüge“ erteile ich Ihnen natürlich einen Ordnungsruf. Ich ersuche Sie, sich im weiteren Verlauf der Debatte in der Ausdrucksweise zu mäßigen. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Meinem Ersuchen, sich in der Ausdrucksweise zu mäßigen, sind Sie leider nicht nachgekommen, aber die Zuseher werden sich selbst ein Bild davon machen. Nun gelangen Sie, Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke , zu Wort.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, heute ist ein guter Tag, ein guter Tag für sichere Pensionen: ein guter Tag für sichere Pensionen für alle, die jetzt gerade arbeiten, und vor allem für uns Junge. Denn darum geht es: um ein Sozialsystem, ein Pensionssystem, das zukunftsfit ist, das nachhaltig ist, von dem nicht nur die profitieren, die jetzt in Pension sind, sondern, nein, das so aufgestellt ist, dass auch dann, wenn ich einmal in Pension gehe, ich sicher eine Pension haben werde. (👏 ÖVP, NEOS) Damit nimmt die Regierung einen echten Kurswechsel vor, einen Kurswechsel Richtung Skandinavien, wo wir sehen, wie eine Debatte funktionieren kann, wo alle Parteien, geleitet von der Sozialdemokratie, an einem Strang ziehen und dafür sorgen, dass das Sozialsystem ein nachhaltiges ist, und auch erkannt haben, dass man das Pensionsantrittsalter vielleicht einmal erhöhen muss, wo das Pensionsantrittsalter auf 67 Jahre erhöht wurde. Und wieso? – Das ist ja kein Selbstzweck, sondern: weil wir einfach sehen, dass wir uns demografisch verändern, dass wir länger in Pension sind. 1970 waren Frauen im Schnitt 18,8 Jahre in Pension, jetzt sind es im Schnitt 26 Jahre. Das kostet wesentlich mehr Geld, und dieses Geld muss irgendwo reinkommen. Jetzt können Sie mir schon erklären: Sollen doch mehr Leute in Österreich arbeiten gehen!, aber laut der Prognose fehlt uns bis 2040 eine Viertelmillion Menschen im erwerbsfähigen Alter – eine Viertelmillion! Es arbeiten in Österreich immer weniger. Herr Wurm, Sie staunen jetzt – jetzt sehen Sie ein bisschen überrascht aus –, aber was wäre denn Ihre Lösung dafür? Was würden Sie denn machen? …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Habe ich Ihnen mehrmals erklärt, Frau Kollegin! – Abg. Schartel [FPÖ]: ... dass wieder mehr Kinder auf die Welt kommen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… SPÖ und Grüne schenken wenigstens reinen Wein ein und sagen: Erbschaftssteuer. Was aber würden Sie machen? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich glaub’, Sie wissen gar nicht, worum es hier geht!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Die Geburtenrate erhöhen? Mit welchem Vorschlag? Was ist Ihr Vorschlag? Sie haben keinen Vorschlag? (👏 NEOS) Die Geburtenrate erhöhen, Gratiskinderprämien für alle unter 30? Was ist Ihr Vorschlag? …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ich erkläre es Ihnen! Ich komm’ dann nochmal raus! Ich komm’ noch einmal raus!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Es hat nichts damit zu tun. Das Pensionssystem, das wir haben, ist ein gutes – darum werden wir an vielen Orten, in vielen Ländern beneidet –, aber, und das sehen wir auch international, was es nicht ist, ist nachhaltig – mit Stand jetzt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Warum haben wir denn das gute Pensionssystem? Wer hat denn das erarbeitet, Frau Kollegin?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Dazu darf ich für Kollegin Teiber noch kurz einen Fakt nennen: Nach der Mercer-Studie, in der die Pensionssysteme in der OECD verglichen werden, sind wir in puncto Nachhaltigkeit, im Hinblick auf die Frage, wie lang dieses System so haltbar ist, Letzter. Wir sind Letzter! Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt gemeinsam endlich einen Kurswechsel vornehmen und an den Pensionen endlich faktenbasiert arbeiten und nicht nur dem Populismus der FPÖ folgen, die das Blaue vom Himmel verspricht, aber es in Wahrheit nicht finanzieren kann. Es ist durchaus bemerkenswert, dass von Ihnen nur Leute sprechen – jetzt ist ohnedies niemand mehr zu Wort gemeldet –, die nichts mit der Wirtschaft zu tun haben ( Ruf bei der FPÖ: Ein so ein Blödsinn! ) – nichts, rein gar nichts! –, weil Ihre Argumente aus wirtschaftlicher Sicht auch keinen Sinn machen, weil es wichtig ist, dass wir eine Teilpension einführen, dass es flexibler wird, dass es sich immer lohnt, länger zu arbeiten, und weil ein Nachhaltigkeitsmechanismus auch etwas ist, das diese Regierung umsetzt und das die Republik dringend braucht. Eine letzte Bemerkung zu den Grünen: Dass die Grünen ausgerechnet bei den Pensionen, die für junge Menschen so wichtig sind, gegen Nachhaltigkeit sind, das können Sie doch wirklich niemandem erklären.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Geh bitte, ...!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… In diesem Sinne: Ich bin dankbar, dass diese Regierung diesem Populismus nicht folgt und wir in der Pensionspolitik endlich einen Kurswechsel machen. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist ein zweites Mal Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch zu Wort gemeldet. – Bitte.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke schön. – Frau Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Für den Fall, dass Sie jetzt völlig verwirrt sind: Das, was die Kollegin vor mir gesprochen hat, war eine glatte Themenverfehlung. Es geht hier gar nicht um jene Personen, die schon in Pension sind, von denen sprechen wir gar nicht. – Das haben Sie verwechselt, Frau Kollegin; vielleicht sollten Sie noch einmal nachlesen. Warum ich hier herauskomme? – Weil ich die Sozialsprecherin meines Klubs bin, und das schon seit so vielen Jahren. Glauben Sie mir, ich weiß schon, wovon ich spreche. Wahrscheinlich kenne ich mich ein bisschen besser aus als Sie. (👏 FPÖ) Entlarvend war aber die Rede Ihres Klubobmanns, der natürlich von der Erhöhung des Pensionsantrittsalters, nämlich des gesetzlichen, als Maßnahme gesprochen hat. – Sie nicken, Sie finden das großartig. Die ÖVP kennt ja den ehemaligen Landeshauptmann von Salzburg Haslauer nicht mehr, der möchte, dass wir bis 70 arbeiten. Die ÖVP hat nichts zu tun mit Wirtschaftskammerpräsident Mahrer, den kennt sie ja auch nicht; der will auch, dass wir bis 70 arbeiten. Die ÖVP kennt auch IV-Chef Knill nicht. Alle, die das in den letzten Tagen und Wochen fordern, kennt Herr Klubobmann Wöginger nicht – ist so, hat mit der ÖVP nichts zu tun; wissen wir, das ist bei der ÖVP immer so. Und dann stellt sich eine ÖVP-Abgeordnete heraus und sagt: Das ist eine „Win-win-win-Situation“. – Frau Kollegin, genau das ist es nicht: Nichts ist eine „Win-win-win-Situation“, gar nichts.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was hast du jetzt davon, dass du jetzt stänkerst? Was treibt dich an? – Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Bitte nicht ...!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Man kann auch ehrlicherweise sagen: Es gibt Verschlechterungen, ja, aus welchen Gründen auch immer, weil wir finanzielle Probleme haben. Die Frage ist, Herr Kollege Wöginger: Was treibt Sie von der Österreichischen Volkspartei an? Was treibt Sie an, was treibt Ihren Sitznachbarn an, hier eigentlich nicht sachlich zu sein, sondern immer nur Richtung FPÖ zu motzen? Wir haben uns das ganz genau angesehen. Und ich sage Ihnen noch etwas – Frau Minister, jetzt wende ich mich an Sie, weil es eh keinen Sinn macht, mit diesem Publikum hier zu sprechen ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP ) –: Sie haben gesagt, Ihr Ziel, Ihr Wunsch ist es - - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was heißt „mit diesem Publikum“? Wir sind Abgeordnete, wenn’s recht ist! – Abg. Strasser [ÖVP]: Danke!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ihr Ziel und Ihr Wunsch ist es, dass die Leute länger in Beschäftigung bleiben. – Das verstehe ich, das unterstützen wir. Ich glaube nur nicht, dass das mit der Teilpension passieren wird, das sage ich Ihnen auch ganz offen, aber da haben wir vielleicht zu unterschiedliche Zugänge.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Hallo, wir sind auch noch da!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ich würde es Ihnen wünschen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Selbstgespräche am Rednerpult!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Aber, Frau Bundesminister, wenn Sie sich das heute angehört haben: Es geht genau darum, es geht nur darum, das gesetzliche Pensionsantrittsalter anzuheben. Sie haben zwei Koalitionspartner, die das hier ganz, ganz offensiv fordern. Da wünsche ich Ihnen wirklich alle Kraft, dass Sie durchhalten, aber ich würde Sie auch bitten, ehrlich zu sein und zu sagen: Es wird nicht alles besser. – Das muss man auch sagen. Sie sind mit dem Beispiel einer Frau, die im ersten Halbjahr 1967 geboren ist, gekommen und wann die in die Altersteilzeit gehen darf. Können Sie vielleicht dem geschätzten Publikum sagen, wie es denn mit Frauen ausschaut, die im zweiten Halbjahr 1968 geboren sind? – Da klafft es dann wieder weit auseinander, das wissen Sie. Natürlich gibt es Verschlechterungen für eine große Gruppe, aus welchen Gründen auch immer – vorgeschoben wird das Budget. Ich sage Ihnen eines, und das ist das Allerallerwichtigste für ein gesichertes, abgesichertes staatliches Pensionssystem, zu dem wir uns alle immer bekannt haben – die NEOS vielleicht weniger, aber der Rest in diesem Hause hat sich immer zum staatlichen Pensionssystem bekannt –: Das Wesentlichste wird eine aktive Arbeitsmarktpolitik sein. Vollbeschäftigung und eine Verringerung der Teilzeitquote sind das beste Rezept, um unsere Pensionen abzusichern. Und dafür, meine Damen und Herren, sollten Sie mitkämpfen, um dieses Pensionssystem zu retten. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Andreas Haitzer .

SPÖ Andreas Haitzer

Danke schön, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Sehr geehrte Damen und Herren hier auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Wenn sich bei den Pensionen etwas ändert, gibt es Verunsicherung. In der aktuellen Pensionsreform gibt es vier wesentliche Punkte, die für unsere Pensionist:innen und auch für zukünftige Pensionist:innen relevant sind. Ich fasse sie noch einmal zusammen: Bestehende Pensionen bleiben unverändert und sind gesichert. Zukünftige Pensionen unserer Arbeitnehmer:innen bleiben ebenso unverändert und sind gesichert. Das gesetzliche Regelpensionsalter bleibt gleich. Auch die Schwerarbeiterpension und die Pension für die Langzeitversicherten bleiben unverändert; die SPÖ hat es sogar geschafft, die Pflegeberufe in die Schwerarbeiterpension aufzunehmen. (👏 SPÖ) Geschätzte Damen und Herren! Es ist völlig klar, dass die aktuelle Regierungsvorlage zur Änderung der Pensionsregelung Emotionen hervorruft. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, diese Änderungen hier im Detail zu diskutieren. Ich bin trotzdem immer wieder über die Kritik der FPÖ verwundert. Ich würde ja vorschlagen, einmal den Besen in die Hand zu nehmen und vor der eigenen Türe zu kehren. Nur zur Erinnerung, damit es nie vergessen wird: Die schlimmsten Verschlechterungen im Pensionssystem gab es in den Jahren 2002, 2003 mit der FPÖ in der Regierung: die Anhebung des Durchrechnungszeitraumes auf 40 Jahre. Die damit verbundenen Verschlechterungen, vor allem auch bei den Frauenpensionen, kann ich gar nicht alle aufzählen. Diese Reform bedeutet, glaube ich, auch heute noch viel weniger Geld im Börsl. – Und ihr kritisiert die größte Pensionsreform, die den Ruhestand unserer Pensionist:innen absichert. Wenn ihr ständig über gebrochene Wahlversprechen redet: Wisst ihr, wer die meisten Wahlversprechen im letzten Jahr gebrochen hat? – Die feige Partei Österreichs, die FPÖ.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Was? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... Wahlversprechen?

SPÖ Andreas Haitzer

… Ihr müsst es euren Wählern erklären. Ihr habt die Regierungsverantwortung abgelehnt, damit habt ihr alle eure Wahlversprechen gebrochen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben nichts abgelehnt! Ihr wolltet ja nicht mit uns verhandeln!

SPÖ Andreas Haitzer

… Ihr habt die Wähler im Stich gelassen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Eben nicht!

SPÖ Andreas Haitzer

… Anders gesagt: Wenn man sich auf die FPÖ verlässt, ist man verlassen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Genau das Gegenteil ist der Fall!

SPÖ Andreas Haitzer

… Geschätzte Damen und Herren! Die aktuelle Bundesregierung hat genau das Gegenteil gemacht und Verantwortung übernommen, sich auch dem Thema der Pensionen gewidmet. Das Ergebnis ist die größte Pensionsreform der letzten 20 Jahre.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, dann werden euch ja die Leute alle in Scharen wieder nachlaufen! Man wird es sehen bei den nächsten Wahlen ...!

SPÖ Andreas Haitzer

… Noch einmal die vier wesentlichen Punkte, die für unsere Pensionist:innen und zukünftigen Pensionist:innen relevant sind: keine Eingriffe in bestehende Pensionen, keine Kürzung der zukünftigen Pensionen der Arbeitnehmer:innen, keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters, keine Änderung der Schwerarbeiterpension und bei den Langzeitversicherten; dazu kommt, dass die Pflegeberufe in die Schwerarbeiterregelung aufgenommen werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Punkte zeigen, dass uns die Pensionist:innen wichtig sind. Sie haben sich in ihrem Arbeitsleben die Pension mehr als redlich verdient, und wir haben die Aufgabe, diese zu sichern. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler .

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser gutes, unser bewährtes Pensionssystem, um das uns viele andere beneiden, zu sichern, ich glaube, das sollte doch unser gemeinsames Ziel sein. (👏 SPÖ) Und das müssen wir fair und generationengerecht erreichen. Das muss unser Ziel sein. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Ja, ich sage es einmal mehr, die Seniorinnen und Senioren, um die es ja gar nicht geht, es geht ja vor allem auch um die nächsten Generationen, haben dieses Land aufgebaut. Sie haben diesen Staat groß gemacht und sie haben letztlich auch dafür gesorgt, dass wir heute ein Wohlfahrtsstaat sind, dass wir Pensionen in dieser Höhe haben und dass wir uns das alles leisten können. Daher einmal mehr auch ein großes Danke an die ältere Generation, die all diese Maßnahmen, die wir jetzt setzen müssen, mitträgt, weil sie Verantwortung übernimmt, auch für ihre Kinder, für die Urenkel und für die Enkelkinder, für die nächste Generation – ein großes Danke auch den Seniorinnen und Senioren. Alles, was wir jetzt tun, sichert die Möglichkeit, das faktische Pensionsalter an das gesetzliche Pensionsalter anzupassen. Das ist das große Ziel. (👏 ÖVP) Trotzdem möchte ich noch einmal betonen, dass wir – und das haben wir in den letzten Jahren bewiesen – für die Seniorinnen und Senioren kämpfen. Dass ein Altwerden in Würde und bei guter Lebensqualität gesichert sein muss, das steht ja außer Frage. Meine Damen und Herren! Ich denke aber, dass wir mit diesen Maßnahmen, die wir jetzt setzen, richtige Maßnahmen setzen. Wir brauchen dabei die Wirtschaft und wir brauchen auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wir werden nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung den Wohlstand und auch die Pensionen sichern können. Denn natürlich, ja, die Teilpension ist eine gute und richtige Antwort. Sie bringt die Chance für Menschen, die es vielleicht nicht mehr schaffen, weil sie gesundheitliche Probleme haben, die vielleicht einfach sagen: Wir wollen jetzt weniger arbeiten!, länger im Arbeitsprozess, im Erwerbsleben zu bleiben. Ich glaube, das ist eine gute und richtige Ansage: Ich kann entscheiden, ob ich 25 Prozent, 50 Prozent oder 75 Prozent arbeiten will, und gleichzeitig auch einen Teil der Pension beziehen. Das ist auch die Chance, flexibel in den Ruhestand hineinzugehen. Wir müssen da auch an die Wirtschaft appellieren. Ich glaube daran, dass die Wirtschaft das auch positiv sieht, dass wir alles tun, um altersgerechte Arbeitsplätze zu haben. Wir müssen natürlich insgesamt auch die Prävention erhöhen, wir müssen gesund älter werden. Nur dann werden wir auch das Beschäftigungsniveau erhöhen können. Das ist, glaube ich, eine ganz, ganz große und wichtige Maßnahme für die nächste Zeit. Meine Damen und Herren! Wir brauchen die ältere Generation so dringend im Arbeitsleben und in der Arbeitswelt. Wir brauchen sie deswegen, weil sie einen enormen Wissensschatz hat, weil die ältere Generation so viel Expertise hat, so viel Know-how hat, das wir so dringend brauchen, auch in unseren Betrieben. Gerade die Möglichkeit, mit der Teilpension neue Wege zu gehen, bringt auch eine große Chance, diese Expertise zu erhalten und ältere Menschen zu motivieren, jüngere Menschen zu begleiten, mit den sozialen Kompetenzen, aber vor allem auch mit ihrem Fachwissen, denn auch das brauchen wir ganz besonders und ganz, ganz dringend. Und ja, Frau Kollegin, es ist eine Win-win-Situation, denn es sichert uns die Möglichkeit, das Pensionssystem – das Pensionsantrittsalter soll so bleiben, wie es ist, das steht ja außer Frage – langfristig auf einer guten Basis, auf einem guten Niveau zu halten. Daher appelliere ich an alle, an die Arbeitnehmer:innen, aber auch an die Betriebe, die Chance zu nützen , betriebliche Gesundheitsförderung auszubauen und alles zu tun, um die Angebote im positiven Sinn zur Sicherung der Pensionen, aber auch zur Sicherung unseres Wohlstands in Österreich zu forcieren. Wir werden auch noch die Flattax einführen, weil es auch wichtig ist, dass wir etwas für die Selbstständigen, aber auch für die Bauern tun. Meine Damen und Herren, viele wollen nach dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter freiwillig weiterarbeiten, auch das ist ein wichtiger Aspekt, den wir nicht außer Auge lassen dürfen. Wir wollen mit Eigenverantwortung, mit sozialer Sicherheit und mit Maß und Ziel handeln, sanieren, reformieren und so letztlich den Wohlstand in unserem Land sichern. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Bettina Zopf .

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher zu Hause und oben auf der Galerie! Ich darf auch meine Tochter Lena mit ihrer Freundin Carina oben auf der Galerie ganz herzlich begrüßen. ( Allgemeiner Beifall. ) Die Altersteilzeit ist der Ferrari unter den altersgerechten Arbeitszeitmodellen; das kann man so sagen. Meine Erfahrungswerte stammen aus elf Jahren Betriebsratstätigkeit, da habe ich zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Pensionsverfahren begleitet und auch viele Altersteilzeitvereinbarungen abgeschlossen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Der Ferrari?

ÖVP Bettina Zopf

… Es ist eine tolle Brücke vom Arbeitsleben in die Pension. Die Grundlage für die Korridorpension sind 40 Versicherungsjahre, die Langzeitversichertenregelung beinhaltet 45 Arbeitsjahre. Jetzt machen wir die Altersteilzeit etwas gerechter, weil es doch ungerecht ist, wenn jene, die weniger ins System eingezahlt haben, eigentlich mehr konsumieren als die, die mehr eingezahlt haben. Das schafft in der Altersteilzeit also mehr Gerechtigkeit.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da müssen Sie selber lachen, gell?

ÖVP Bettina Zopf

… Es gibt doch nichts Schöneres im Leben …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Als eine Pensionsreform! – Abg. Lindinger [ÖVP]: Aufpassen, dann versteht ihr es vielleicht auch!

ÖVP Bettina Zopf

… als gebraucht zu werden – das hat meine Schwiegermutter einmal gesagt, die über das Pensionsantrittsalter hinaus gearbeitet hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Also Sie machen jetzt aus dem Ferrari einen Golf!

ÖVP Bettina Zopf

… Geschätzte Frau Kollegin Belakowitsch, was ich sage, sind wahre Worte und nicht scheinheilige Redereien, wie ihr das hier immer kolportiert und damit den Leuten falsche Sachen vorredet, die einfach nicht stimmen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie haben gesagt, es ist ein Ferrari!

ÖVP Bettina Zopf

… Das, was ich sage, ist die Wahrheit und ist Tatsache. Ich habe das in der Praxis draußen so gelebt. Zum Abschluss appelliere ich noch an alle älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Wir brauchen euch in Zukunft. Wir schaffen dazu Regelungen, damit ihr Rahmenbedingungen vorfindet, die euch das Arbeiten im Alter schöner machen. Wir brauchen euch für uns und für unsere nächsten Generationen. Danke an alle, die noch arbeiten gehen können, wollen und das auch tun. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Klaus Lindinger . – Bitte.

ÖVP Klaus Lindinger

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wenn wir heute hier Veränderungen, Verbesserungen im Pensionssystem …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ganz sicher Verbesserungen!

ÖVP Klaus Lindinger

… diskutieren und beschließen, darf ich als Jugendsprecher schon eines festhalten: Unser Pensionssystem basiert auf einem Generationenvertrag, und diesen Generationenvertrag müssen wir auch nachhaltig absichern. Kollege und Klubobmann Shetty hat heute sehr klar dargestellt, wie die Demografie in Österreich ausschaut und dass wir da entsprechenden Veränderungsbedarf haben, dass diese Veränderung notwendig ist. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn Sie draußen mit den Leuten reden – egal ob es Junge sind, ob es 40-, 50-, 60-Jährige sind –, dann sagen diese ganz klar, dass wir in der Politik beim Pensionssystem nachbessern müssen, damit wir dieses Pensionssystem auch für die nächsten Generationen absichern können, damit die Leute in 20, 30, 40, 50 Jahren auch noch eine staatliche Pension haben können. (👏 ÖVP, NEOS) Das heißt, wir brauchen Verlässlichkeit und Planungssicherheit, und diese Verlässlichkeit und Planungssicherheit schaffen wir heute mit dem Beschluss einiger Veränderungen und mit der Einführung der Teilpension. Meine Damen und Herren, es ist unwahr, wenn gesagt wird, dass wir die Versicherungsjahre, die Beitragsjahre da nicht abbilden, denn wir haben das sehr wohl mit im Boot. Wir schaffen es auch, dass die Pflegeberufe in die Schwerarbeiterregelung miteinbezogen werden. Die Altersteilzeit und die Teilpension sollen so geschaffen werden, dass Arbeiten im Alter möglich ist, und der Nachhaltigkeitsmechanismus ist, glaube ich, einer der zentralen Punkte, um das System, das wir in Österreich haben und das ein wirklich gutes System ist, auch für die Zukunft abzusichern. (👏 ÖVP) Meine Damen und Herren, in Zukunft wird es möglich sein, in der Teilpension mit Abschlägen von 25, 50 oder 75 Prozent in Pension zu gehen. Ja, sehr wohl, Kollegin Belakowitsch, man geht dann natürlich mit Abschlägen, es hat aber auch massive Vorteile.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ach so! Für wen?

ÖVP Klaus Lindinger

… Den restlichen Teil kann man weiterarbeiten, bis man abschlagsfrei gehen kann. So schafft man es auch, dass das Wissen der älteren Personen, auch wenn diese körperlich oder geistig nicht mehr 40 Stunden arbeiten können, entsprechend weitergegeben werden kann. Das bringt Vorteile für das Unternehmen, für die Wissensweitergabe, für die nächsten Arbeitnehmer, die dann auch mit diesem Wissen arbeiten können. Die Abgeordneten der Freiheitlichen stellen sich hierher und agieren mit Unwahrheiten, mit Fake News.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Fake News!

ÖVP Klaus Lindinger

… Das passiert schon die letzten Wochen und Monate und ich beobachte das wirklich sehr genau. Hier wird wirklich mit Unwahrheiten, mit Halbwahrheiten, mit Fake News agiert. Das Niveau – weil wir ja von Fakten und sachlichen Argumenten gesprochen haben – von unseren Kollegen aus der freiheitlichen Abteilung sinkt wirklich bis in den Keller. Die Realität wird ausgeblendet.

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Er geht hinaus lügen und sagt dann: Das Niveau ist im Keller!

ÖVP Klaus Lindinger

… Da gibt es einen kleinen Schutzschirm, den ihr aufbaut, anstatt dass ihr an Lösungen arbeitet. Alle drei Kollegen, die hier heraußen gestanden sind, haben keinen einzigen Lösungsvorschlag zur Verbesserung des Systems beigetragen. Sie haben keinen einzigen Lösungsvorschlag, damit wirklich positiv für die Menschen in dem Land gearbeitet wird. Das schaffen wir in den Regierungsparteien. Stimmt diesem Antrag zu, denn dann können wir das System nachhaltig absichern! …

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Stellt sich hinaus, lügt die Leute an und sagt dann, dass wir lügen!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist ein zweites Mal Herr Abgeordneter Peter Wurm zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Frau Präsidentin! Frau Minister! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Werte Zuseher! Ich hoffe, dass ganz, ganz viele Österreicherinnen und Österreicher die letzten drei Stunden zugesehen haben, zugehört haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das schaut sich keiner drei Stunden an!

FPÖ Peter Wurm

… denn dann kann sich jeder, der denken kann, glaube ich, ein Bild machen. Ich versuche einmal, zusammenzufassen, wie ich das jetzt erlebt habe.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Und warum hast du dir dann kein Bild gemacht?

FPÖ Peter Wurm

… Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, wenn es so wäre, wie die Kollegin von der ÖVP gesagt hat, nämlich dass es eine „Win-win-win-Situation“ ist, dass also bei dem, was wir da heute beschließen, quasi Milch und Honig fließen, dann könnten Sie ja alle ganz entspannt sein und uns Freiheitliche links liegen lassen.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Tun wir eh! – Abg. Strasser [ÖVP]: Das ist eine gute Idee! – Beifall bei der FPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS. – Rufe bei der ÖVP: Gute Idee! Guter Vorschlag!

FPÖ Peter Wurm

… Ja, das können Sie machen, genau! Das könntet ihr ja machen. Dann verstehe ich halt nicht, warum der sowieso auffällige Kollege Hammer uns als „widerlich“ und schäbig bezeichnen muss. Das verstehe ich nicht, aber das kann er sicher einmal erklären. Ich verstehe auch nicht, warum der Kollege von der Sozialdemokratie uns als „feige Partei Österreichs“ bezeichnen muss.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du hast vollkommen recht! Die Verrohung der Sprache ist ganz schlimm am Rednerpult, Peter! – Zwischenruf des Abg. Zarits [ÖVP].

FPÖ Peter Wurm

… Das verstehe ich nicht, aber die Zuschauer werden es vielleicht verstehen, wenn alles so ist, wie Sie glauben, es sagen zu müssen. Das ist also schon ein bissel - - Ich habe aber schon einige Dinge mitgeschrieben, und es waren ja zwischendurch auch einige Wahrheiten dabei. Frau Minister Schumann hat gesagt: Wir müssen Geld sparen, deshalb machen wir das. – Das war eins zu eins die Aussage der Ministerin. Das ist eine wahre Aussage, und das sollte man den Menschen auch sagen. Das heißt, Sie sparen, und Sie sparen natürlich bei den zukünftigen Pensionisten. Das ist die Wahrheit, und das könnte man auch sagen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. (👏 FPÖ) Die Frau Minister hat es ja auch gesagt. Wenn man ihre Mimik anschaut, dann weiß man auch oder kann man ja sehen, dass sie sich bei diesem Thema nicht wohlfühlt. Es ist also nichts, das ihr Freude macht. So, das ist für mich klar. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ. ) Kollege Shetty war ja auch sehr deutlich in seinen Ausführungen. Also der junge Kollege Shetty hat von strengen Maßnahmen und von längerem Arbeiten gesprochen. Von den NEOS ist das nicht sehr überraschend. Das ist die Richtung, die vorherrscht. Aber er hat auch zwei Dinge gesagt, die interessant sind. Er hat gesagt, wir brauchen das Geld, das wir da einsparen, für Integrationsmaßnahmen und für den Klimaschutz …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das war eine längere Aufzählung! Jetzt hast du ein bisserl was ausgelassen!

FPÖ Peter Wurm

… also auch ganz interessante Botschaften. Liebe zukünftige Pensionisten, Sie müssen einfach jetzt sparen, damit dann diese Regierung mit den NEOS das Geld für Integrationsmaßnahmen und für Klimaschutz ausgeben kann. (👏 FPÖ) Das kann man ja mögen, muss man aber nicht mögen. Wir haben unzählige Maßnahmen bereits in den letzten Jahren genannt, wie man auch sparen könnte. Ich möchte nur zwei kurz anführen: Luxuspensionen – wollen Sie nicht angreifen. Ich kann Ihnen die letzten zwölf Jahre zurück meine Anträge oder die von Kollegin Belakowitsch nennen. Bei den Luxuspensionen, die wir nach wie vor haben – das heißt, 8 000 Euro, 10 000 Euro, 15 000 Euro im Monat –, wollt ihr nichts angreifen. Die laufen nach wie vor weiter. So, und das zweite Thema: Sie wollen auch im Bereich der Zuwanderung nichts angreifen. Das ist halt einfach die Linie von diesen vier Parteien. Wir sehen das diametral anders. Und ich sage es auch einmal: Man könnte darüber nachdenken, ob es die Pensionen in dieser Höhe nur mehr für Staatsbürger gibt. Wenn der Staatshaushalt eh querfinanzieren muss, dann weiß ich nicht, warum man für Ausländer Pensionen finanzieren muss.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Vielleicht, weil sie ein Recht darauf haben!

FPÖ Peter Wurm

… Darüber könnte man einmal nachdenken. (👏 FPÖ) Das sage ich auch deshalb – ich habe es mehrmals gesagt –, weil Sie zukünftig alle, die Sie ins Land geholt haben, mit einer Mindestpension werden versorgen müssen. Das kommt. Und das sehe ich oder das sehen wir einfach diametral anders, als Sie vier Parteien das sehen. Entscheiden wird es der Bürger da draußen, der wählen geht. Vielleicht noch eine Geschichte, weil diese SPÖ-Erzählung immer wieder kommt: Ich sage Ihnen, ich bin stolz auf das Pensionskonto – das Pensionskonto ist eine Erfindung, das sage ich ganz bewusst, auch der Freiheitlichen, damals gemeinsam mit Schüssel –, weil es Gerechtigkeit geschaffen hat, dass jene, die jeden Monat einzahlen, dementsprechend auch eine Pension kriegen – also ein System, für das man sich nicht genieren muss. Ich sage Ihnen aber eines noch – das muss man auch einmal sagen –: Es gibt heute noch – und diese Reform ist jetzt 25 Jahre her, ein Vierteljahrhundert – genügend in Österreich, die nach wie vor 80 Prozent ihres Letztbezugs als Pension bekommen. Der normale ASVG-Pensionist kann davon nur träumen. Auch das sollten wir einmal diskutieren: wie lang diese Übergangsfristen für manche privilegierte Berufsgruppen gelten. Das sage ich Ihnen auch einmal. (👏 FPÖ) Zu den NEOS: Ihr seid immer gegen diese Hacklerregelung gewesen – 45 Jahre sind genug, ohne Abschlagszahlungen. Ich sage es noch einmal: Das bräuchte dieser Staat. Wir bräuchten Arbeitnehmer, die 45 Jahre arbeiten. Das werden ganz viele bei den NEOS einfach nicht zusammenbringen, weil die meisten bei euch ja studiert haben und irgendwann mit Mitte, Ende 20 erst zu arbeiten anfangen. Wir brauchen aber auch jene Leute, die 45 Jahre zusammenbringen. Dafür sind wir Freiheitliche immer gestanden, früher auch die Sozialdemokratie. Jetzt sind wir halt allein bei diesem Thema. Wir werden es aber nicht aufgeben. (👏 FPÖ) Summa summarum, glaube ich, sollte man ganz ehrlich sagen, Sie haben dieses Land heruntergewirtschaftet, Sie müssen jetzt sparen, auch bei den zukünftigen Pensionisten. Das ist die Wahrheit. Und nur, weil wir diese Wahrheit sagen, Herr Kollege Hammer, sind wir noch nicht „widerlich“. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/88.1 Zu Tagesordnungspunkt 6 liegt ein Rückverweisungsantrag der Abgeordneten Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich lasse daher sogleich darüber abstimmen, den gegenständlichen Gesetzentwurf nochmals an den Ausschuss für Arbeit und Soziales zu verweisen, und ersuche jene Damen und Herren, die dafür eintreten, um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/88.2 Wir gelangen damit zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Entwurf betreffend Teilpensionsgesetz, in 174 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten August Wöginger , Josef Muchitsch , Johannes Gasser , Kolleginnen und Kollegen einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag eingebracht. Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag sowie vom erwähnten Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend den Titel, das Inhaltsverzeichnis und den Einleitungssatz in Artikel 1 eingebracht. Wer dafür ist, den bitte ich um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 1 Z 1. Wer dafür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Art. 1 Z 1 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Art. 1 Z 2 eingebracht. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 1 Z 3. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatzantrag betreffend Einfügung der Ziffern 3a und 3b in Artikel 1 eingebracht. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Art. 1 Z 4 und 5 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatzantrag betreffend Einfügung der Ziffer 5a in Artikel 1 eingebracht. Wer ist dafür? – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Art. 1 Z 6 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer ist dafür? – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Art. 1 Z 7 eingebracht. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag betreffend Artikel 2 Einleitungssatz sowie die Ziffern 1 bis 3 und 6. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Artikels 2 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer ist dafür? – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 3 eingebracht. Wer spricht sich dafür aus? – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über die Artikel 4 bis 8 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer ist dafür? – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes und des Titels sowie den Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen somit sogleich zur dritten Lesung. Wer in dritter Lesung seine Zustimmung gibt, den bitte ich um ein Zeichen. – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung mit Mehrheit angenommen. Dann kommen wir zu Tagesordnungspunkt 17 ( Unruhe im Saal ), 7. Ich habe geglaubt, bei 17 wären wir. (Abg. Wöginger [ÖVP]: Abstimmung!) – Zur Abstimmung? (Abg. Wöginger [ÖVP]: Den Siebener müssen wir noch abstimmen!) – Einen Moment, bitte. Danke vielmals. RN/88.3 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz und das Bauern-Sozialversicherungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 175 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Wer in dritter Lesung seine Zustimmung gibt, den bitte ich um ein Zeichen. – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung mit Mehrheit angenommen. Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz und das Bauern-Sozialversicherungsgesetz ... ( Ruf: Das haben wir schon! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das haben wir ja gerade abgestimmt!) Wir haben einen kleinen Croquisfehler, aber wir haben es, glaube ich, geschafft. Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung, 37. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:40

Gewerbliches Sozialversicherungsgesetz und Bauern-Sozialversicherungsgesetz

175 d.B.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz (GSVG) und das Bauern-Sozialversicherungsgesetz (BSVG) werden geändert, um den erhöhten Ausgleichszulagenrichtsatz („Familienrichtsatz“) sowie den Erhöhungsbetrag für Kinder an einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland zu knüpfen. Außerdem wird klargestellt, dass ein Ausgleichszulagen-/Pensionsbonus nur zusteht, wenn Ehegatt:in bzw. eingetragene Partner:in rechtmäßig in Österreich aufhältig ist.

Betroffen sind Bezieher:innen von Ausgleichszulage bzw. Pensionsbonus nach GSVG/BSVG (Selbständige und Bäuerinnen/Bauern) sowie deren Ehe-/Partner:innen und Kinder, soweit deren Aufenthaltsstatus für die Leistung relevant ist.

Dokumente

Gewerbliches Sozialversicherungsgesetz und Bauern-Sozialversicherungsgesetz

Gegenstand des Ausschussberichts

  • Behandlung eines Entwurfs eines Bundesgesetzes, mit dem das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz (GSVG) und das Bauern-Sozialversicherungsgesetz (BSVG) geändert werden.
  • Die Änderungen werden im Zusammenhang mit den im ASVG vorgenommenen Anpassungen (im Rahmen des Teilpensionsgesetzes) vorgenommen und sollen entsprechende Klarstellungen für GSVG und BSVG schaffen.

Klarstellungen zum erhöhten Ausgleichszulagenrichtsatz („Familienrichtsatz“)

  • Im GSVG wird klargestellt, dass der erhöhte Ausgleichszulagenrichtsatz nach § 150 Abs. 1 lit. a sublit. aa (sog. „Familienrichtsatz“) nur dann zur Anwendung kommt, wenn die verheiratete Person bzw. der/die eingetragene Partner/in einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland hat.
  • Im BSVG wird klargestellt, dass der erhöhte Ausgleichszulagenrichtsatz nach § 141 Abs. 1 lit. a sublit. aa (sog. „Familienrichtsatz“) nur dann zur Anwendung kommt, wenn die verheiratete Person bzw. der/die eingetragene Partner/in einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland hat.

Klarstellungen zum Erhöhungsbetrag für Kinder

  • Im GSVG wird klargestellt, dass der Erhöhungsbetrag nach § 150 Abs. 1 letzter Satz nur dann gebührt, wenn das Kind einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland hat.
  • Im BSVG wird klargestellt, dass der Erhöhungsbetrag nach § 141 Abs. 1 letzter Satz nur dann gebührt, wenn das Kind einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland hat.

Klarstellungen zum Ausgleichszulagen-/Pensionsbonus

  • Im GSVG wird klargestellt, dass ein Ausgleichszulagen-/Pensionsbonus nach § 156a Abs. 5 nur dann gebührt, wenn der Ehegatte/die Ehegattin bzw. der/die eingetragene Partner:in einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland hat.
  • Im BSVG wird klargestellt, dass ein Ausgleichszulagen-/Pensionsbonus nach § 147a Abs. 5 nur dann gebührt, wenn der Ehegatte/die Ehegattin bzw. der/die eingetragene Partner:in einen rechtmäßigen Aufenthalt im Inland hat.

Ergebnis der Beratungen (inhaltlich)

  • Der Ausschuss beantragt, dass der Nationalrat dem angeschlossenen Gesetzentwurf die verfassungsmäßige Zustimmung erteilt.

Gewerbliches Sozialversicherungsgesetz und Bauern-Sozialversicherungsgesetz

~85 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOS Dagegen: GRÜNE
FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher zu Hause! Ja, wir kommen zu einem sehr, sehr wichtigen Teil des heutigen Tages, und zwar geht es da um die Pensionen. Ich glaube, das betrifft ganz, ganz viele Menschen in Österreich, vor allem auch in der Zukunft. Es ist ein Thema, das auch emotional berührt, und deswegen sollte man das jetzt ein bisschen ausführlich erklären. Es ist nicht ganz simpel zu erklären. Die Regierung kommt heute mit dem Vorschlag einer neuen Teilpension, wie es so schön heißt, und verschlechtert damit auch gleichzeitig die bisherige Regelung der Altersteilzeit. Ich glaube, das haben sehr, sehr viele, die in die Nähe des Pensionsalters kommen, jetzt schon mitbekommen. Die Richtung ist, glaube ich, klar. Das spüren alle, das höre ich ja auch von den Rückmeldungen der Bevölkerung: Jeder versucht, möglichst schnell in die Pension zu kommen, weil klar ist, dass sich mit dieser Regierung das ganze Pensionsthema verschlechtern wird. Traurig oder erschütternd, aber vielleicht nicht ganz überraschend ist es, dass die Sozialdemokratie da mitspielt und ihre Versprechungen im Wahlkampf und in der Vergangenheit, was die Pensionisten betrifft, offensichtlich vollkommen vergessen hat. Ich bin sehr gespannt, wie Sie das heute erklären wollen, aber jetzt einmal zu den nackten Zahlen. Das heißt, diese Teilpension soll im Prinzip so funktionieren, dass man die Möglichkeit hat, die Arbeitszeit im Ausmaß zwischen 25 und 75 Prozent zu reduzieren, und dann eine Teilpension bekommt, die im Übrigen aber geringer ist als die Arbeitsreduktion – das sollte man dazusagen bei der ganzen Geschichte –, und man damit auch, wenn man das in Anspruch nimmt, die Langzeitversichertenregelung nicht mehr in Anspruch nehmen kann.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht! Das ist kompletter Blödsinn!

FPÖ Peter Wurm

… Das sei es einmal zu den Fakten an sich, es ist also ein sehr komplexes Thema. Ich glaube, dass nicht allzu viele diese Altersteilzeit annehmen werden – das vermute ich einmal –, weil die Voraussetzungen nicht sehr gut sind. Man wird sehen, wohin die Reise geht. Die Altersteilzeit wird reduziert, das heißt, sie wird nur mehr drei Jahre möglich sein, und damit besteht auch die Möglichkeit, die Altersteilzeit in Anspruch zu nehmen, ein Jahr später.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wo ist das Problem?

FPÖ Peter Wurm

… Für mich sind jetzt zwei Dinge interessant, und darum geht es in Wahrheit – ich glaube, das spüren die Menschen –: Sie haben heute gleichzeitig diesen sogenannten Nachhaltigkeitsteil und diesen Nachhaltigkeitsmechanismus drinnen versteckt, wie sie ihn so schön getauft haben, und das ist das, was die NEOS ja seit Jahren wollen: Pension Richtung 70 Jahre – die ÖVP will offensichtlich 67 Jahre, und die SPÖ schaut dabei zu und hat das jetzt auch in diesem Gesetzestext drinnen, das steht ausdrücklich drinnen. Ich darf einmal ganz bewusst langsam und deutlich für die Zuhörer oder Zuseher vorlesen, was da drinnen steht, was da quasi in der ganzen Geschichte versteckt ist, und zwar wird mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus gesetzlich vorgesehen – gesetzlich vorgesehen! –, „dass verpflichtend Maßnahmen ergriffen werden müssen, wenn der vorgesehene Budgetpfad [...] für Pensionsausgaben“, der die aktuell „geplanten Kostendämpfungen“ berücksichtigt, „im Jahr 2030 gesamthaft nicht eingehalten werden“ kann. – Es steht da: gesetzlich vorgesehen. – Als Maßnahmen, die bei Nichteinhaltung des Zielpfades getroffen werden müssen, wurden im Regierungsprogramm die weitere Erhöhung der erforderlichen Versicherungsjahre – mehr arbeiten! – für die Korridorpension ab 2035 vereinbart sowie müssen diesfalls weitere Maßnahmen im Pensionsbereich „betreffend Beitragssatz, Kontoprozentsatz, Anfallsalter, Pensionsanpassung sowie Anspruchsvoraussetzungen“ gesetzt werden. – Wer das liest und zuhört, hat, glaube ich, verstanden, wohin die Reise geht. Die Sozialdemokratie hat Ihnen, liebe Wähler der ehemaligen Sozialdemokratie, schon viele Dinge versprochen, unter anderem auch die abschlagsfreie Hacklerpension, die auch nicht kommt. Das heißt, die Voraussetzung ist vollkommen klar: Es wird in die Richtung gehen, dass das Pensionsalter erhöht wird. Die SPÖ wird sagen, das wird nicht mit ihnen kommen, aber das, was da drinnen steht, was im Ministerratsvortrag steht, was im Gesetzestext steht, zeigt für mich ganz eindeutig, wohin die Reise geht. Das hätte man verhindern können mit vielen Maßnahmen, die wir seit Jahren, um nicht zu sagen, Jahrzehnten immer wieder einbringen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Zum Beispiel? Welche Maßnahmen zum Beispiel, Peter?

FPÖ Peter Wurm

… Sie wollen halt nicht jene belohnen, die jahrzehntelang ins System eingezahlt haben – siehe Hacklerregelung –, die 45 Jahre gearbeitet haben, ans Finanzamt, an die Sozialversicherung Abgaben geleistet haben. Sie wollen allen anderen – ich sage es ganz bewusst –, all den Zuwanderern, die gekommen sind, die Mindestpension geben, denen wollen Sie Pensionsleistungen geben. Aber für die Leute, die Österreich in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben, ist die Zukunftsaussicht leider Gottes sehr, sehr schlecht. Das halte ich für ganz dramatisch. Wie gesagt, ich bin sehr gespannt, wie die Sozialdemokratie das heute erklärt, aber vor allem müssen Sie es den Menschen draußen erklären. Dass ÖVP und NEOS das wollen, ist eigentlich relativ klar, das hört man immer wieder, die Botschaft ist klar, aber dass die Sozialdemokratie hier den Steigbügelhalter spielt, einzig und allein deshalb, damit halt ein paar Regierungsmitglieder hier oben sitzen, das halte ich wirklich, ja, zumindest für sehr, sehr bedenklich. Ich bin gespannt, wie die Sozialdemokratie das erklärt. Danke, liebe Zuhörer! Wenn Sie sich auf sichere Pensionsleistungen für Ihre Arbeit, für Ihre harte Arbeit verlassen wollen, gibt es nur eine Alternative und das ist: FPÖ wählen, freiheitlich wählen. ( Ah-Rufe bei der ÖVP. ) – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Josef Muchitsch . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Josef Muchitsch

Sehr geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn man sich in Sachen Pensionen auf die FPÖ verlässt, dann muss man schauen, was sie 2002 gemacht haben: die größten Pensionskürzungen in der Zweiten Republik. Das war ihr Wunderwerk. (👏 SPÖ) Wenn man schon hier herausgeht und über Pensionen spricht, wäre es halt gut, wenn man sich mit dem Thema Pensionen auch genau befasst. Das ist genauso kompliziert wie andere Rechtsmaterien. Fakt ist, und ich stelle richtig: Die Altersteilzeit wird in Etappen von fünf auf drei Jahre reduziert, mit einer langen Übergangszeit …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Habe ich etwas anderes gesagt?

SPÖ Josef Muchitsch

… weil die Teilpension nach Erreichen des persönlichen Pensionsstichtages die Altersteilzeit ablöst. – Richtigstellung Nummer eins.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau das habe ich gesagt!

SPÖ Josef Muchitsch

… Nachhaltigkeitsmechanismus: Ja, wir haben einen Nachhaltigkeitsmechanismus, der ein gemeinsames Ziel hat: die Pensionsausgaben zu dämpfen, mit einem Paket, das wir heute beschließen werden.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Habe ich etwas anderes gesagt?

SPÖ Josef Muchitsch

… Wenn wir mit diesem Pensionspaket das Ziel erreichen, dann passieren keine weiteren Maßnahmen. Die nächste Bundesregierung - - …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Und wenn nicht? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Und was, wenn nicht?

SPÖ Josef Muchitsch

… Vielleicht habt ihr einmal den Mut, auch Verantwortung im Bereich der Pensionen zu übernehmen, denn das macht ihr nämlich nicht. Und wenn ihr Verantwortung gehabt habt, wissen wir, was euer Rezept ist, nämlich zu kürzen. Diese Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, keine Pensionen zu kürzen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das sind die größten Kürzungen aller Zeiten!

SPÖ Josef Muchitsch

… Diese Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, nicht in bestehende Pensionen einzugreifen. Und diese Bundesregierung hat ein Maßnahmenpaket vereinbart, mit dem es keine Anhebung des gesetzlichen Regelpensionsantrittsalters über 65 geben wird. Das sind die Fakten! (👏 SPÖ) Ja, Sie haben schon recht, es gibt diese Meldungen: 67, 68, 70 – wer bietet mehr? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

70 – euer Koalitionspartner!

SPÖ Josef Muchitsch

… Liebe Freunde da draußen, die selbst ernannten Pensionsexperten, diese Meldungen sind vergossene Milch, weil wir uns für diese nächsten fünf Jahre auf ein anderes Paket geeinigt haben. Das vielleicht auch noch einmal als Botschaft hinaus. (👏 SPÖ) Ich würde mir wünschen, dass wir diese intensive Diskussion, was das Pensionsantrittsalter betrifft, dazu verwenden, zu schauen, wie wir Menschen länger gesund im Arbeitsprozess halten können, wie wir jene Unternehmen überzeugen können, dass sie älteren Menschen eine Chance geben, auch länger arbeiten zu können. Das wäre die richtige Diskussion, und dort müssen wir auch hinkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 SPÖ) Aber nun zur Teilpension: Die neue Teilpension ermöglicht eine altersgerechte Arbeitszeit und bewirkt eine höhere Pension. Jetzt klingt es recht gut, und ich frage - - …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das stimmt nicht!

SPÖ Josef Muchitsch

… Das erkläre ich dir gleich, Kollege Wurm! – Ich habe mir die Frage gestellt, wie ich das draußen Menschen erklären kann, die mich fragen: Lieber Beppo Muchitsch, wie funktioniert die Teilpension?, nämlich Menschen, die sich bis jetzt mit ihrer Pension noch gar nicht befasst haben. Wir müssen ihnen das einfach erklären, und für mich geht die Erklärung so: Die Teilpension ermöglicht dir eine kürzere Arbeitszeit, es ist ein langsames Hinausgleiten aus der Arbeit und ein Hineingleiten in die Pension.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber ich muss schon das Pensionsrecht haben! – Abg. Wurm [FPÖ]: Aber mit Abschlägen! Die Pension wird nicht höher, Beppo!

SPÖ Josef Muchitsch

… Das erkläre ich dir gleich, denn das hast du nämlich auch noch nicht verstanden. Wir hören nämlich oft, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sagen: Ein bisschen würde ich schon noch gerne weiterarbeiten, aber ich kann nimmer voll arbeiten! Und es gibt einen Chef und eine Chefin, die sagen: Also wenn du uns noch ein, zwei Tage in der Woche weiter im Betrieb unterstützt, wäre das gut. Und ich bringe jetzt noch einmal das Beispiel von meinem Busfahrer von Seggauberg. Der fährt jetzt 43 Jahre mit dem Bus durch ganz Europa, zu Tageszeiten, Nachtzeiten. Der ist jetzt 63 Jahre und geht in die Korridorpension. Der sagt: Ein bisschen würde ich schon noch gern Bus fahren, so ein, zwei Tage Schülertransporte in meiner Gemeinde machen, aber nicht mehr zu Nachtzeiten, weil man mit dem Alter auch müde wird, diese Verantwortung zu übernehmen. Oder die Verkäuferin bei mir im Genussregal in Ehrenhausen, die sagt: Ich bin jetzt 62, ich gehe jetzt bald, aber am Samstag würde ich schon noch gerne ein bisschen arbeiten, etwas dazuverdienen – und später meine Pension damit aufbessern. Und genau für diese Menschen, für diese Gruppen machen wir diese Teilpension, meine sehr geehrten Damen und Herren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unter deiner Würde!

SPÖ Josef Muchitsch

… Es ist so wichtig, Kollege Wurm, dass wir alle gemeinsam dieses Modell gleich erklären: Du verringerst deine Arbeitszeit. Wenn du deine Arbeitszeit verringerst, hast du natürlich weniger Einkommen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber weniger Pension!

SPÖ Josef Muchitsch

… Parallel beziehst du einen Teil deiner Pension, wenn du eine Teilpension beanspruchst.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Es schrumpft das Pensionskonto!

SPÖ Josef Muchitsch

… Mit dem, um was es sich verringert, erhöhst du aber dann deine Pensionsansprüche.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber es schrumpft dann ja!

SPÖ Josef Muchitsch

… Deswegen ist es sehr wichtig, den Menschen das auch zu erklären. Es ist sehr wichtig, dass wir im Herbst den Menschen auch Teilpensionsrechner in den verschiedensten Institutionen zur Verfügung stellen. Wir müssen es den Menschen erklären, und die Menschen sollen selber wählen, ob sie es nutzen oder nicht, mit einer Vereinbarung ihres Arbeitgebers. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Abschließend: Vielen, vielen Dank an die Koalitionspartner. Johannes Gasser , August Wöginger , das war wirklich ein Ho-ruck-Stück, das bis heute noch hier ins Plenum zu bringen. Vielen Dank an die Expertinnen und Experten. Vielen Dank aber auch an unsere Frau Bundesministerin, die es mit ihrem Einsatz, mit ihren vielen nächtlichen Telefonaten und vor allem auch mit ihrer Hartnäckigkeit geschafft hat, dass wir heute dieses Paket beschließen können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Markus Koza . – Die Redezeit habe ich auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, die Einführung der Teilpension ist nicht nur eine sehr sinnvolle Sache, die ist auch eine sehr gescheite Sache. Das ist vermutlich die intelligenteste Form, Pension und Arbeit miteinander zu verbinden, die wir aktuell haben. Es ist alternsgerecht, es ist von unserer Seite auf jeden Fall unterstützens- und begrüßenswert, und wir werden der Teilpension auch zustimmen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das wundert mich total!

GRÜNE Markus Koza

… Allerdings erfolgt die Einführung leider unter sehr vielen lauten Nebengeräuschen, und die tun uns bedauerlicherweise so weh, dass wir dem Gesamtpaket so leider nicht zustimmen können. Es wird nämlich – und das war gerade beim geschätzten Kollegen Muchitsch auch wieder so – der Eindruck erweckt, als würde die Teilpension die Altersteilzeit weitgehend überflüssig machen. Darum wird sie auch gleich einmal von fünf auf drei Jahre verkürzt, und der Zugang wird verschärft. Nur: Altersteilzeit und Teilpension, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, die zwar das gleiche Ziel haben, nämlich Menschen möglichst lang in Beschäftigung zu halten, die sich auch ergänzen, sich aber leider nur bedingt ersetzen können. Noch einmal: Altersteilzeit soll Arbeitnehmer:innen bis zum Pensionsantrittsalter gesund im Erwerbsleben halten, und dafür werden kürzere, alternsgerechtere Arbeitszeiten gefördert. Die Teilpension soll dagegen alternsgerechtes Arbeiten nach der Pension fördern. Man erhält einen Teil der Pension, und einen Teil daneben arbeitet man halt Teilzeit. Dass jetzt in der Korridorpension die Altersteilzeit verkürzt wird und quasi mit der Teilpension abgeglichen wird, das kann schon in gewisser Weise einen Sinn machen, denn ich kann ja dann, wenn ich den vorzeitigen Pensionsantritt in Anspruch nehme, noch weitere zwei Jahre in Teilpension die Zeit bis zum gesetzlichen Pensionsantritt überbrücken. Nur: Die Verkürzung der Altersteilzeit für alle konterkariert uns in Wirklichkeit das Ziel, dass wir Menschen möglichst lange in Beschäftigung halten, denn wenn ich statt mit 60 erst mit 62 eine Altersteilzeit beginnen kann, dann steigt das Risiko, dass ich mit steigendem Alter arbeitslos werde, dass ich aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen meinen Job aufgeben muss …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Also hab’ ich doch recht gehabt, oder? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Völlig richtig!

GRÜNE Markus Koza

… dass ich unter Umständen in Invaliditätspension gehen muss, doch deutlich. Das wollen wir alles eigentlich nicht …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber!

GRÜNE Markus Koza

… denn das spart vielleicht Ausgaben bei der Altersteilzeit , das spart aber nicht die Ausgaben anderswo. Wenn man dann auch noch den Zugang zur Altersteilzeit erschwert, indem ich statt 15 Jahren 17 Jahre Versicherung nachweisen muss und indem man die Förderungen für die Unternehmen in den nächsten drei Jahren von 90 Prozent auf 80 Prozent reduziert und so Altersteilzeit auch für die Betriebe unattraktiv macht, dann wird diese negative Entwicklung noch verstärkt. Wir wissen natürlich auch, wen das besonders treffen wird: Es sind die Frauen, denn von den 37 000, die aktuell in Altersteilzeit sind, und auch von den 6 000, die Jahr für Jahr die Altersteilzeit neu antreten, sind zwei Drittel Frauen. Das sind Frauen, die in Pflegeberufen gearbeitet haben, die in Sozialberufen arbeiten, die in Gesundheitsberufen arbeiten, die im Handel arbeiten. Denen werden künftig zwei Jahre alternsgerechte Arbeitszeiten genommen, und da sind wir strikt dagegen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Hab’ ich doch recht gehabt, oder?

GRÜNE Markus Koza

… Ich sage ganz ehrlich: Für mich ist das heute auch – ich kann es nicht anders nennen – der schleichende Tod der Altersteilzeit, der ja durchaus von einigen hier erwünscht ist.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber ihr habts damit begonnen!

GRÜNE Markus Koza

… Das Ziel, Arbeitnehmer:innen länger und gesünder in Beschäftigung zu halten, wird so nicht erreicht. Das geht besser, das geht gescheiter – denken wir noch einmal darüber nach, wie wir das gescheit gestalten können! Jetzt noch kurz zum Nachhaltigkeitsmechanismus: Das ist übrigens der vierte innerhalb der letzten 30 Jahre, und der soll, wie wir schon gehört haben, künftige Regierungen dazu verpflichten, Maßnahmen gegen steigende Pensionsausgaben zu setzen, wenn diese um 0,5 Prozent vom Pensionspfad abweichen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, die NEOS haben ordentlich Glück, dass er noch nicht gilt. Warum? – Vor wenigen Wochen hat dieses Haus mit den Stimmen der NEOS die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für die Pensionist:innen beschlossen. Vielleicht war es den NEOS ja nicht bewusst, aber mit der Erhöhung der KV-Beiträge steigen auch automatisch die Kassenzuschüsse für Pensionisten aus dem Bundesbudget – die sogenannten Hebesätze –, und zwar um 500 Millionen Euro Jahr für Jahr. Das sind keine 0,5 Prozent an zusätzlichen Pensionsausgaben, das ist auch nicht 1 Prozent an zusätzlichen Pensionsausgaben …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

... oder ist das zu wenig?

GRÜNE Markus Koza

… sondern das sind zusätzliche 2,5 Prozent an Pensionsausgaben.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das war vielleicht kein Zufall!

GRÜNE Markus Koza

… Mit diesen Mehrausgaben hättet ihr bereits in den ersten 100 Tagen Regierung massiv gegen euren eigenen Nachhaltigkeitsmechanismus verstoßen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Rechnung würde ich noch einmal nachrechnen!

GRÜNE Markus Koza

… Bei künftigen Regierungen macht man aber den strengen Sparmeister. Das ist nicht nachhaltig, das ist klassisches Haltet-den-Dieb. (👏) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sichere Pensionen werden wir nicht über den x-ten Nachhaltigkeitspapiertiger kriegen, sondern nur über hohe Beschäftigung, über gute Einkommen, über entsprechend gescheite Beiträge und über Maßnahmen, die Menschen länger in Beschäftigung halten, wie eben alternsgerechte Arbeitszeiten oder ein Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer:innen. – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Abgeordneter Beppo Muchitsch zu Wort gemeldet. – Herr Abgeordneter, Sie kennen die Regeln, bitte.

SPÖ Josef Muchitsch

Ich versuche es. – Sehr geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Ich möchte eine tatsächliche Berichtigung machen. Herr Abgeordneter Wurm hat hier gesagt, dass die Langzeitversichertenregelung in der Teilpension nicht möglich ist oder nicht mit ihr in Verbindung zu bringen ist – dass kein Anspruch auf Teilpension besteht, wenn man mit der Langzeitversichertenregelung in Pension geht. Ich stelle richtig: Alle Personen, die in Zukunft eine vorzeitige Alterspension beziehen – ob Schwerarbeitspension ab 60, ob Korridorpension ab 63 …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ein Redebeitrag!

SPÖ Josef Muchitsch

… oder Langzeitversichertenregelung ab 62 –, sind von dieser Teilpensionsregelung umfasst und haben einen Anspruch auf eine Teilpension. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann August Wöginger . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 6 Minuten ein, Herr Klubobmann.

ÖVP August Wöginger

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren hier im Saal und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Ich meine, das, was Kollege Wurm da geboten hat: Wenn du schon sagst, du kennst dich aus und hast den Gesetzentwurf gelesen, dann solltest du ihn gründlich lesen und nicht der Propagandamaschinerie irgendwo in euren Parteizentralen glauben, sondern das, was im Gesetzentwurf steht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Der Kollege ist dieser Tage ein bisschen durch den Wind!

ÖVP August Wöginger

… Dort steht ganz klar, was Kollege Muchitsch gerade in seiner tatsächlichen Berichtigung gesagt hat: dass es egal ist, in welche Pensionsart du gehst, du hast überall die Möglichkeit, diese Teilpension in Anspruch zu nehmen. Das ist diametral anders als das, was du gesagt hast. Bleibt also bei der Wahrheit, bei den Gesetzen, die hier beschlossen werden! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist zweifelsohne, wenn man alle Pakete im Pensionsbereich zusammenfasst, die wir hier verabschieden, das größte Pensionspaket seit 20 Jahren, seit der Reform Schüssel, die im Übrigen die Freiheitlichen mitgetragen haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP August Wöginger

… Damals gab es weit tiefer greifende Einschnitte; sie waren auch notwendig – das muss man sagen –, weil wir heute noch davon profitieren: Wir profitieren heute noch vom sogenannten Schüssel-Pfad, damit unsere Pensionen überhaupt leistbar sind. Ich möchte schon eine Zahl erwähnen, und wir stehen dazu: Wir stehen dazu, dass wir mit Steuergeldern zum Pensionssystem zuschießen, aber bei einem Budget von rund 120 Milliarden Euro werden es im nächsten Jahr rund 20 Milliarden Euro sein, die wir allein in das berufsständische System dazugeben – das heißt ASVG, BSVG, GSVG, also Arbeiter und Angestellte, Bauern und Gewerbetreibende. Da steigert sich natürlich dieser Betrag, und der ist auch in diesem Teilpensionsgesetz abgebildet. Daran knüpft auch dieser Nachhaltigkeitsmechanismus an – der im Übrigen schon einmal, bis 2008, im Gesetz verankert war, auch bei der Reform 2003, die die Freiheitlichen mitbeschlossen haben. Wir haben schon einmal einen ähnlich ausgestalteten – nicht so wie dieser, aber ähnlich ausgestaltet – Mechanismus im Gesetz verankert gehabt. Warum? – Weil es einfach notwendig ist. Wenn sich die Parameter stark verändern, dann wollen wir, dass die Pensionen in Österreich gesichert sind, und zwar nachhaltig. Deshalb stehen wir zu diesem Mechanismus. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Diese Regierung ist mit dem Schwerpunkt „Jetzt das Richtige tun. Für Österreich“ angetreten – auch in diesem Dreiklang: sparen, reformieren und wieder wachsen. Unter diesem Motto stehen auch diese Pensionspakete. Wir haben die Veränderungen bei der Korridorpension: Dass wir dort das Antrittsalter um ein Jahr, in ganz niedrigen Schritten, anheben und die notwendigen Versicherungsjahre von 40 auf 42 Jahre steigen, ist bereits beschlossen, mit dem Budget miterledigt worden. Wir haben uns auch auf eine Aliquotierung geeinigt. Das ist das: Wenn die Menschen jetzt in Pension gehen, wie viel Erhöhung bekommen sie nächstes Jahr? – Wir haben uns auf 50 Prozent geeinigt. Das heißt, wenn dieser Anpassungsfaktor 3 Prozent ist, dann sind es 1,5 Prozent für die, die im Vorjahr in Pension gegangen sind. Daran haben wir auch 20 Jahre herumgedoktert: Manchmal hat es alles gegeben, manchmal hat es gar nichts gegeben, daher jetzt die goldene Mitte. Hoffentlich hält die auch in Zukunft, damit die Menschen Planbarkeit haben. Weil die Pflegeberufe genannt wurden – Herr Kollege Koza, du, glaube ich, hast das mit den Frauen in Altersteilzeit gesagt –: Da gibt es eine wesentliche Verbesserung, nämlich dass die Menschen, die in den Pflegeberufen arbeiten, in die Schwerarbeitsregelung aufgenommen werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das werden wir erst noch sehen!

ÖVP August Wöginger

… Das ist eine ganz großartige sozialpolitische Maßnahme, und da könnt ihr ja mitgehen, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, das ist ja ganz leicht möglich. Wir haben also die Teilpension, wir haben die Weiterentwicklung der Altersteilzeit und wir haben den Nachhaltigkeitsmechanismus. Das sind die drei Punkte, die heute zur Beschlussfassung hier vorliegen. Ich möchte einfach auch einmal das Ziel erwähnen: Worum geht es dieser Bundesregierung? – Wir wollen das faktische Antrittsalter schneller an das gesetzliche heranführen – das ist der erste Punkt. Das Zweite ist: Wir wollen auch die Beschäftigungsquote anheben, vor allem bei jenen zwischen 60 und 65 – das ist das Ziel. Es hat immer Experten gegeben – in allen Parteien im Übrigen –, die sich zu Pensionen geäußert haben, und das ist unser Zugang. Das ist auch der Zugang der Österreichischen Volkspartei hier im Parlament, das ist auch mein Zugang als Klubobmann und als Sozialsprecher: zuerst diese beiden Maßnahmen in den Vordergrund zu stellen – das faktische Pensionsantrittsalter an das gesetzliche heranzuführen und die Beschäftigungsquote zu steigern –, und solange das nicht der Fall ist, reden wir nicht über die Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters, weil das vorrangig zu behandeln ist, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich möchte bei der Teilpension einfach ein Beispiel bringen, denn es herrscht natürlich immer, wenn man eine neue Systematik einführt, auch eine gewisse Verwirrung. Nur: Es ist eine Win-win-Situation, und ich möchte es diesen vielen Tausenden Menschen auch ans Herz legen, die in eine Schwerarbeitspension gehen, die in eine Langzeitversichertenregelung gehen, die in eine Korridorpension gehen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mit Abschlägen!

ÖVP August Wöginger

… weil es sich positiv auswirkt. Nehmen wir eine Korridorpension her, in Zukunft dann mit 63! Man hat – Hausnummer – 4 000 brutto verdient; das verdienen Menschen Gott sei Dank auch, wenn man lange gearbeitet hat, wenn man lange eingezahlt hat, man braucht ja dann auch 42 Versicherungsjahre, dass man in diesen Anspruch kommt. Wenn man also einen Anspruch auf eine derartige Pensionsart hat, kann man sich nämlich dann die Hälfte von dem, was auf dem Pensionskonto ist, als Abschlagspension herausnehmen, als Abschlagspension – da hat man 15,3 Prozent Abschläge. Das nimmt man sich und bezieht zu diesem Teil die Pension. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Der zweite Teil, die zweite Hälfte, bleibt auf dem Pensionskonto bestehen und liegen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, aber die Hälfte, genau! – Zwischenruf des Abg. Zarits [ÖVP]

ÖVP August Wöginger

… und man arbeitet zum Beispiel zu 50 Prozent weiter. Man kann variieren. Man kann 50 Prozent weiterarbeiten, 25 Prozent oder 75 Prozent, in einem gewissen Stundenausmaß – zum Beispiel diese 50 Prozent, diese berühmten Beschäftigungsverhältnisse –, zwei- bis dreimal in der Woche arbeiten gehen, wie Kollege Muchitsch gesagt hat, gerade wenn es zum Beispiel ein Kleinbusfahrer ist. Oder viele sagen ja: Ich will noch arbeiten, ich will noch etwas tun, aber 38,5 Stunden oder 40 Stunden sind mir zu viel, aber ich möchte noch meinen Beitrag in der Arbeitswelt und im Betrieb leisten! Und das ermöglichen wir hiermit. Es werden dann auch die Pensionsbeiträge noch auf diesem Konto gutgeschrieben, und wenn man zum Beispiel sagt: Drei Jahre, bis 65, mache ich das noch!, dann bekommt man mit dem zweiten Teil eine abschlagsfreie Pension. Und wenn man das zusammenzählt, ist es mehr, als wenn ich gleich in Pension gegangen wäre, und ich leiste einen wertvollen Beitrag für mich selber, aber auch für das System – und das ist nicht verboten, meine Damen und Herren! (👏 ÖVP, NEOS) Wenn man das in Zahlen gießt, hat man bei diesen 4 000 Euro brutto 2 475 Euro netto. Das sind um 350 Euro mehr, als wenn man die Abschlagspension zur Gänze nehmen würde, und in der Pension hat man dann statt 2 121 Euro insgesamt 2 251 Euro. Man hat also eine um 130 Euro höhere Nettopension, und das bis ans Lebensende. Das heißt, das ist eine wirkliche Win-win-Situation für die Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer, und ich appelliere wirklich an viele Arbeitnehmer:innen, sich diesem Thema zu widmen und es mit den Dienstgebern zu vereinbaren. Es ist eine gute Maßnahme, die hier heute ins Leben gerufen wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Altersteilzeit geht damit einher, und es ist eigentlich auch logisch, dass ich, wenn ich im Gesetz eine neue Systematik anbiete, sozusagen das andere System anpasse, und das ist auch gar nichts Schlechtes.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Oh ja! Doch!

ÖVP August Wöginger

… Die Altersteilzeit wird harmonisiert und geht damit einher, und wir haben eine Übergangszeit von 2026 bis 2028, in der diese Jahre von fünf auf drei reduziert werden. Auch zum Nachhaltigkeitsmechanismus ein Wort: Ich habe die Summe schon erwähnt, und dieser Pfad ist im Gesetz festgeschrieben. Wir reden da nicht von dieser Legislaturperiode, sondern wir reden vom Jahr 2030. Ich halte das auch für gerechtfertigt. Warum? – Weil derzeit das Frauenpensionsantrittsalter an jenes der Männer angeglichen wird – das ist gerade im Laufen, von 2024 bis 2033.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, das ist auch so ein ...!

ÖVP August Wöginger

… Dieser Mechanismus besagt: Dieser Zielpfad, diese Ausgabenobergrenze – und in Wahrheit geht es darum, dass durch die Maßnahmen, die wir hier setzen, das faktische Antrittsalter in diesem Zeitraum, in den nächsten Jahren um ein Jahr angehoben werden soll; da reden wir von gut 2 Milliarden Euro –, diese Kostendämpfung muss abgebildet sein, eben auch im Bereich der Ausgabenobergrenze. Und wenn das nicht der Fall ist, dann greift dieser Mechanismus, und er greift zuerst bei den Versicherungsjahren bei der Korridorpension, das steht wortwörtlich da drinnen. Dazu auch eine ganz offene Ansage: Bevor das gesetzliche Antrittsalter angehoben wird, werden wir alles dafür tun, dass diejenigen, die lange Versicherungszeiten haben, die Einzigen sind, die noch vor dem gesetzlichen Antrittsalter in Pension gehen können, weil das sozial gerecht ist. Es muss einen Unterschied geben, ob jemand 45 Jahre in ein System einzahlt oder nur 30 oder 35 Jahre, und genau das bilden wir mit diesem Mechanismus auch ab. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die anderen Faktoren, die angeführt sind – Beitragssatz, Anfallsalter, Kontoprozentsatz oder Pensionsanpassungshöhen –: Das ist genau der Mechanismus, der meines Wissens damals, 2003 bis 2008, im Gesetz auch verankert war. Diesen führen wir wieder ein, weil dann der Gesetzgeber ab 2030 dazu verpflichtet ist, dass das mit 2035 in Kraft zu treten hat, wenn das Frauenpensionsantrittsalter angeglichen ist, und dann kann man aus diesem Maßnahmenmix auswählen, was die nächste Bundesregierung da an Maßnahmen setzen will. – Es ist eine gute Maßnahme, und bitte reden Sie es nicht schlecht, wenn wir unser Pensionssystem positiv für die Menschen weiterentwickeln, sodass es die Menschen auch annehmen! Zu guter Letzt haben wir für den Herbst noch zwei Punkte offen. Das ist das Älterenbeschäftigungspaket, das uns ein gemeinsames Anliegen ist, und das ist das Arbeiten im Alter: dass jene, die bis zum gesetzlichen Antrittsalter arbeiten, also keine Frühpension in Anspruch nehmen und dann aber noch weiterarbeiten wollen, mit einer Flattax von 25 Prozent endbesteuert werden. Dann gibt es nicht diese Nachzahlungen von Tausenden Euro, wo die Menschen uns sagen: Dann mache ich es nicht mehr! – Wir wollen, dass Menschen, die gesund sind, die auch wollen, die auch können, dabei so lange wie möglich unterstützt werden und in der Erwerbstätigkeit bleiben können. Es ist ein guter Tag für das Pensionssystem, aber vor allem für die Menschen, für die künftigen Pensionistinnen und Pensionisten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die jubeln draußen schon!

ÖVP August Wöginger

… Daher kann man diesem Paket ganz beruhigt zustimmen. Und: Betreiben Sie keine falsche Propaganda! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch .

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Herr Kollege Wöginger, zum Thema Propaganda: Was wir jetzt hier geboten bekommen haben, das war Propaganda. Aber – und das gestehe ich Ihnen zu – Sie haben ein paar Dinge gesagt, die tatsächlich ganz tief haben blicken lassen, die ein bisschen Ehrlichkeit gebracht haben. Sie haben nämlich gesagt: Jetzt wird einmal das Frauenpensionsalter angeglichen. – Ja, da haben Sie natürlich recht, das wird angeglichen. Sie wissen so gut wie wir alle hier herinnen, das liegt – bleiben wir beim Männerpensionsalter – real im Durchschnitt bei irgendwo zwischen 62 und 63 Prozent ( Rufe bei der ÖVP: Jahren! ) – ja –, und das jetzt aber schon seit vielen, vielen Jahren. Das heißt, wir sind mit vielen Maßnahmen da nicht wirklich weitergekommen. Die Frauen sollen es jetzt einmal richten – so viel dazu. Dann haben Sie einen Satz gesagt, einen Halbsatz, der nicht ganz unspannend ist. Sie haben gesagt: Wenn wir das sehen, dann werden wir die Maßnahmen setzen! – Weil Sie genau wissen, Sie werden es nicht erreichen …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Was machen Sie, dass wir es erreichen?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und deshalb, Herr Kollege Wöginger, sind wir so kritisch – weil wir Sie kennen, weil Sie sich jetzt hierherstellen und sagen: Langzeitversicherte; das ist sozial gerecht! Sie, Herr Kollege Wöginger, und Ihre Volkspartei haben gemeinsam mit den Grünen die abschlagsfreie Langzeitversichertenpension abgeschafft. (👏 FPÖ) Sie waren das! Sie haben diese soziale Ungerechtigkeit eingeführt. Das ist es nämlich, es geht nämlich genau darum, wie lange jemand arbeitet, wie lange jemand einzahlt.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Es geht darum, wie viel man einzahlt! – Zwischenruf des Abg. Lausch [FPÖ].

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das bildet sich aber bei Ihnen nirgendwo ab, und das ist ja genau diese Ungerechtigkeit. Sie stellen auch jetzt mit Ihrem neuen Pensionspaket auf das Alter ab, ohne danach zu schauen: Wie lang ist jemand denn eigentlich im Arbeitsprozess gewesen, hat jemand 40, 45 Jahre oder vielleicht nur 15 Jahre am Buckel? Aber mit 65 haben alle dieselben Möglichkeiten! (👏 FPÖ) Das ist diese Ungerechtigkeit – Punkt eins! Jetzt, Punkt zwei, zur Teilpension und zur Altersteilzeit: Das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe, und Kollege Koza hat es schon erklärt. Die Altersteilzeit war dazu gedacht, rauszugleiten, für Leute, die vielleicht schon fünf Jahre vor der Pension sind, die dann schon körperlich schwach sind, die einfach nicht mehr die volle Kraft haben. Für diese war die Altersteilzeit gedacht. – Herr Kollege Koza, Sie von den Grünen haben in der letzten GP die Büchse der Pandora natürlich geöffnet, als Sie die geblockte Altersteilzeit abgeschafft haben. Es war klar, dass die ÖVP damit nicht zufrieden ist, das hätten auch Sie wissen müssen, dass da Weiteres abgeschafft werden muss. Sie wollen es abschaffen, denn für Sie ist das Wichtigste, die Leute bis zu ihrem 70. Lebensjahr im Arbeitsprozess drinnen zu lassen. Sie haben das ja auch schon mehrmals gefordert.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wer? Wer? Ich?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Es kommt ja nicht von ungefähr, dass es vor allem ÖVP-Granden waren, die in den letzten Wochen rausgegangen sind und uns damit überrascht haben – oder auch nicht überrascht haben –, dass sie gesagt haben: Arbeiten bis 70! – Das war Ihr Landeshauptmann Haslauer, das war der IV-Präsident, der Ihnen nicht fernsteht, das war der Typ von der Wirtschaftskammer, der Ihnen nicht fernsteht. (Die Abgeordneten Michael Hammer [ÖVP] und Wöginger [ÖVP]: Wer ist „der Typ“?) Sie schicken also alle aus Ihrem Umfeld raus, um die 70 Jahre sozusagen einmal anzuteasern. Das ist genau Ihr System, wie Sie es immer gemacht haben: Sie haben immer die Leute aus der zweiten, dritten Reihe vorgeschickt (👏 FPÖ), die sollen Ihnen den Boden aufbereiten, damit das dann kommt. Das ist das Schlimme daran.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wo ist eigentlich die Frau Abgeordnete Kolm?

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Jetzt zu Ihnen, Herr Kollege Muchitsch: Wissen Sie, ich verstehe schon, dass Sie sich schwertun, das jetzt auch noch als Erfolg zu verkaufen. Es ist nämlich kein Erfolg …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Für euch, ja!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… es ist eine Verschlechterung, weil die Altersteilzeit massiv reduziert wird, auf drei Jahre zurückgefahren wird. Das ist für Betroffene keine Verbesserung. ( Ruf bei der ÖVP: Wer ist betroffen? ) Das ist objektiv gesehen eine Verschlechterung, und das wissen Sie auch. Noch viel schlimmer finde ich aber den Nachhaltigkeitsmechanismus, weil der auf das hinausläuft, was die Herrschaften hier wollen: gesetzliches Pensionsantrittsalter 70 Jahre. Das ist das Ziel, das steckt da dahinter. Wenn wir es nicht erreichen, dann - - …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Ihr erreichts gar nichts!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Was ist, wenn wir es nicht erreichen? – Dann: bis 70 arbeiten, ganz genau.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wer sagt denn das? – Abg. Shetty [NEOS]: Aber steigen wird es halt!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das steht ja da drinnen …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Lies einmal! Lies einmal!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… dann werden die Maßnahmen getroffen, Herr Kollege.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Du bist ja eine Doktorin, du musst ja lesen können, oder? Lies einmal!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Herr Kollege Wöginger, dann horch doch einmal denen, die du alle rausschickst, zu! Red einmal mit dem Haslauer! – Ach so, ja, der gehört nicht mehr zu euch; der ist jetzt zurückgetreten, jetzt gehört er nicht mehr zu euch. Das ist es, genau: Ihr wollt nichts anderes als das Pensionsantrittsalter raufschrauben …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist das Parlament und nicht auf1.tv!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und zwar das gesetzliche.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Mit euch kann man ja nicht reden! Mit euch kann man ja nicht reden!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das, meine Damen und Herren von der Österreichischen Volkspartei, wollt ihr hier herinnen, und ihr glaubt, alle anderen da irgendwie ins Boot holen zu können. Mit uns wird es das nicht geben …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, ist eh recht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… wir werden da massivsten Widerstand leisten. ( Abg. Wöginger [ÖVP] macht eine Geste mit der Hand. ) – Ja, du kannst mit der Hand schon so machen. Hochmut, Herr Kollege Wöginger, Hochmut kommt vor dem Fall.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, ja!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ihr seid schon um die Hälfte dezimiert. ( Ruf bei der ÖVP: Ihr auch bald! ) Die nächste Wahl wird euch noch weiter dezimieren, und das ist gut so, damit es in Österreich auch wirklich wieder einmal Sozialpolitik geben kann.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Es gehen die Umfragen runter! – Ruf: ... so aggressiv ...!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Klubobmann Yannick Shetty .

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Der heutige Tag, an dem wir das Pensionspaket beschließen – übrigens nur vier Monate nach Antritt dieser Regierung –, ist ein historischer Tag. Mit dem heutigen Tag stellen wir den Reformkurs im Pensionsbereich scharf. Ich sage, der Tag ist historisch, nicht, weil wir alles erreicht haben – nicht, dass Sie mich da falsch verstehen –, im Gegenteil, das ist nur der Anfang und nicht das Ende der Reformen im Pensionsbereich …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ah ...! Der Anfang! – Abg. Wurm [FPÖ] – in Richtung Abg. Kucher [SPÖ] –: Aha! Philip, der Anfang!

NEOS Yannick Shetty

… dieser Tag ist deswegen historisch, weil mit Eintritt von NEOS in die Bundesregierung das erste Mal seit 20 Jahren der Kurswechsel im Pensionssystem eingeleitet wurde.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Gratulation, Sozialdemokratie! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

NEOS Yannick Shetty

… Wir sind in diesem System mit 140 km/h in Richtung Wand gefahren. Was wir jetzt tun, ist, das Lenkrad noch einmal herumzureißen, um die Notausfahrt zu nehmen. Das tun wir mit dem, was wir heute beschließen. Ich sage Ihnen, das sind gute Nachrichten: gute Nachrichten für Österreich, gute Nachrichten fürs Budget …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wer zahlt’s ...?

NEOS Yannick Shetty

… und insbesondere gute Nachrichten nicht nur für die jungen Menschen, sondern für alle, die noch vor ihrer Pension stehen und auch eine sichere und gute Pension haben wollen. ( Ruf: Wo ist der Loacker, bitte?! ) Sie wissen, es war eines der NEOS-Gründungsthemen, Reformen im Pensionsbereich zustande zu bekommen, und mich fragen regelmäßig Menschen: Warum haben denn die NEOS überhaupt so ein Problem mit dem aktuellen Pensionssystem? Ich sage Ihnen auch: Unsere Kritik am Pensionssystem ist kein Selbstzweck, das machen wir nicht aus Jux und Tollerei. Ich möchte Ihnen erklären, worin unsere Kritik an diesem System besteht. In Österreich – vor allem für die Zuseherinnen und Zuseher, die sich vielleicht nicht so intensiv mit diesem Thema beschäftigen – haben wir ein sogenanntes Umlageverfahren. Das schaut vereinfacht gesagt so aus, dass jene Menschen, die derzeit arbeiten, in das System einzahlen, damit aus diesen Beiträgen die Pensionen derer, die gerade in Pension sind, finanziert werden können. Wenn diese Zahlungen und die Auszahlungen eine Lücke ergeben, dann müssen wir diese Lücke aus dem Gesamtbudget, also mit den Steuern der arbeitenden Menschen, decken, aus dem Budget zuzahlen. Das war einmal ein gutes System. Das Problem dabei ist, dass es eins zu eins an der demografischen Entwicklung hängt. RN/68.1 Ich möchte Ihnen kurz illustrieren, was das Grundproblem dabei ist: In den Achtzigerjahren, in der Nachkriegszeit, da hat die demografische Entwicklung vereinfacht gesagt so ausgesehen ( eine Tafel, die ein Dreieck zeigt, in die Höhe haltend ): Es gab viele junge Menschen, zahlende Menschen und relativ wenige Menschen, die in Pension waren und diese Zahlungen bezogen haben. Das Problem ist aber, dass sich die Situation nicht nur geändert, sondern verkehrt hat. ( Der Redner dreht die Tafel um, sodass das Dreieck auf der Spitze steht. ) Wir haben jetzt die Situation, dass immer weniger junge Menschen die Pensionen immer mehr älterer Menschen finanzieren müssen. Wer nicht sieht, dass das ein Problem ist, der ist blind oder will es nicht verstehen. (👏 ÖVP, NEOS) Weil sich diese Pyramide verkehrt hat, schießen wir – und ich möchte Ihnen das wirklich so illustrieren – ein Viertel des Gesamtbudgets, das wir zur Verfügung haben, über 30 Milliarden Euro derzeit, zu, damit das Pensionssystem funktionieren kann und damit die Pensionen derer, die in Pension sind, ausgezahlt werden können. Dieses Geld fehlt für die Bildung, dieses Geld fehlt für die Integration, dieses Geld fehlt für den Klimaschutz, dieses Geld fehlt für Innovationen, und zwar nicht, weil die Pensionisten, die Pensionistinnen die Bösen sind, sondern weil dieses System kaputt ist, und deswegen müssen wir es dringend reparieren. (👏 ÖVP, NEOS) Das zweite Problem ist, dass nicht nur die demografische Entwicklung systemisch an diesem Problem schuld ist, sondern dass zusätzlich in den letzten 20 Jahren – und diese Kritik müssen sich alle Parteien gefallen lassen – alle immer mitgemacht haben, vor Wahlen Wahlzuckerln verteilt haben, die das noch einmal verschärft haben und dieses Kuchenstück, diesen Teil des Budgets immer größer gemacht haben. Auch damit ist Schluss, das wird es in dieser Regierungsperiode nicht geben. Heute ist ein historischer Tag, nicht deswegen, weil wir alles erreicht haben, sondern weil wir für dieses unverantwortliche Handeln die Stopptaste gedrückt haben. Es wird endlich einen Paradigmenwechsel im Pensionssystem geben, und das insbesondere – darauf möchte ich jetzt noch eingehen – mit dem sogenannten Nachhaltigkeitsmechanismus. Das ist ein kompliziertes Wort, er hat ein einfaches Ziel, nämlich die Zuzahlungen aus dem Budget, diese über 30 Milliarden Euro, runterzubringen, damit wir mehr Geld für Integration, für Bildung, für Klimaschutz und für alle anderen Dinge, die uns allen hier herinnen wichtig sind, haben. Der Nachhaltigkeitsmechanismus erfolgt in drei Schritten: Erstens, es gibt erstmals einen absoluten Ausgabendeckel für Zuzahlungen aus dem Budget ins Pensionssystem – und ich sage Ihnen: Da fährt auch die Eisenbahn drüber, über diesen absoluten Ausgabendeckel.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ah! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Aha! – Abg. Wurm [FPÖ]: Ihr müsst klatschen, Sozialdemokratie! Ist euer Regierungspartner!

NEOS Yannick Shetty

… Zweitens, ab sofort wird die Bundesministerin für Soziales – das sieht das Gesetz vor – jedes Jahr dem Parlament einen sogenannten Bericht zur nachhaltigen Absicherung des Pensionssystems zuleiten. Das ist kein Bla-bla-Bericht, sondern da drinnen werden harte Fakten stehen, nämlich ob der Budgetpfad, den wir abgebildet haben – das ist der Pfad, der vorsieht, dass die Pensionsausgaben sinken müssen –, gehalten wird oder nicht.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Die müssen nicht sinken!

NEOS Yannick Shetty

… Das heißt, wir werden das jedes Jahr im Parlament vorliegen haben und wissen: Hält der Pfad oder hält er nicht? Drittens – und das ist jetzt der Nachhaltigkeitsmechanismus –, wenn der Pfad überschritten wird, ist die nächste Regierung ab 2030 gesetzlich dazu verpflichtet, harte Maßnahmen zu ergreifen, um das Pensionssystem zu sichern …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was heißt denn das?

NEOS Yannick Shetty

… insbesondere auch – neben den schon erwähnten – eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. (Die Abgeordneten Wurm [FPÖ] und Belakowitsch [FPÖ]: Ah!) Ich sage Ihnen: Das ist auch wichtig und richtig so.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Sozialdemokratie, was ist los? Hört ihr das? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Frau Bundesminister, haben Sie das eh gehört? Jetzt haben wir es! – Abg. Wurm [FPÖ]: Einer, der die Wahrheit spricht!

NEOS Yannick Shetty

… Mir ist wichtig, abschließend zu betonen: Diese Pensionsreform ist keine Pensionskürzung, sondern diese Pensionsreform ist eine absolut notwendige Kurskorrektur. Ich möchte noch einmal das Bild vom Anfang meiner Rede bedienen: Wir waren mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Frontalcrash unterwegs. Was wir gemacht haben, ist, dass wir die Notausfahrt genommen haben, insbesondere mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus. Und – ich habe es schon gesagt – das heute ist nicht das Ende des Reformkurses, es ist der Anfang, und ich freue mich, dass wir diesen Weg heute beschreiten. – Vielen Dank.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Also wer hat jetzt recht, Frau Schumann? Was stimmt jetzt? Wer lügt jetzt da? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Was passiert jetzt?

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Bundesministerin Korinna Schumann zu Wort. – Bitte, Frau Ministerin.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Kollege Koza hat eh schon die Gesamthaltung unserer Fraktion gut dargelegt und auch gesagt, warum wir der Teilpension sehr wohl zustimmen können, aber den anderen beiden Teilbereichen dieser Reform oder dieses Reförmchens – je nachdem, wie man es nennen möchte – dann eben nicht zustimmen werden. Das ist, glaube ich, gut dargelegt worden. Ich möchte dezidiert nochmals auf die Teilpension eingehen, weil wir durchaus glauben, dass die Teilpension mehr sein kann als nur dieser Übergang, von dem hier mehrfach seitens der Koalition gesprochen wurde; die Teilpension könnte oder wäre auch ein gutes Mittel für das Arbeiten im Alter. Ich komme selber aus einer Familie, in der das Arbeiten im Alter üblich ist. Mein Vater ist 76 und arbeitet immer noch. Mein Großvater hat eigentlich auch bis kurz vor seinem Tod gearbeitet. Das war einfach üblich bei uns. Ich hoffe selber irgendwie – das ist zumindest immer der Running Gag bei uns im Klub, dass ich halt immer darauf hoffe –, dass ich auch mindestens so lang arbeiten kann wie mein Vater, denn es macht ja Spaß, wenn es einem lustig ist. Ich weiß schon, es ist nicht für jeden etwas und es muss auch nicht ein jeder – das ist nicht die Sache, die ich damit sagen will –, aber dann ist so ein Modell, so ein Teilpensionsmodell, eine gute Sache. Das kann man ja durchaus sagen, und deswegen werden wir dem heute zustimmen. Nur – und da müssen wir warnen, und da muss ich warnen –: Im Herbst will diese Regierung ja auch noch ein großes Paket für sogenanntes Arbeiten im Alter präsentieren und dabei eine Flattax plus – wie zumindest kolportiert wird – wegfallenden Sozialversicherungsbeiträgen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf der einen Seite und halbierten Sozialversicherungsbeiträgen für die Arbeitgeberseite präsentieren. Wenn das genau so kommt, wenn das wirklich genau so kommt, wie es momentan kolportiert wird, dann, das muss man schon sagen, wird diese Maßnahme die Teilpension bis zu einem gewissen Grad konterkarieren. Das müssen wir halt auch einmal so benennen. Das wird dann ein Konkurrenzsystem, und, sehr geehrte Damen und Herren zu Hause und hier auf der Galerie, das ist ein Konkurrenzsystem, wenn es so kommen wird, auf Kosten Ihres Steuergelds. Wir reden dann hier von in Summe 470 Millionen Euro, 230 Millionen davon durch Entgang bei der Pensionsversicherungsanstalt, aber in Summe eben von 470 Millionen Euro Gesamtbelastung, die dieses Paket verursachen wird, um eigentlich sehr teuer eine Konkurrenzveranstaltung zu der, wie wir finden, sehr guten Teilpension zu sein. Das ist dann schon so eine Geschichte, bei der wir dann auch sagen: Das ist für uns so ein bisschen eine Symbolik dafür, dass in dieser Regierung nicht wirklich alle am selben Strang ziehen, wenn es um diese Frage geht, wenn es um die Frage der Sicherung des Sozialsystems geht, wenn es darum geht, ein gutes Pensionssystem, sinnvolle, praktikable Lösungen für die Zukunft zu haben. Das ist unser Eindruck. Wenn dieses Arbeiten im Alter genau so kommt, dann ist das eigentlich wie schon gesagt ein Konterkarieren dessen, was wir hier heute beschließen werden. Auf der anderen Seite ist es eben der Beweis dafür, dass ihr in Wirklichkeit gar nicht einmal so sehr an einem Strang zieht. Gut, das haben wir in Wirklichkeit auch bei den heute erwähnten 700 Millionen Euro Zusatzbelastung fürs Budget schon gesehen: 500 Millionen Euro durch die Hebesätze, 200 Millionen Euro durch den Entfall bei der Lohnsteuer, als ihr die KV-Beiträge für die Pensionistinnen und Pensionisten erhöht habt. Liebe Kolleginnen und Kollegen von den Koalitionsfraktionen, ihr habt jetzt über den Sommer noch wirklich ausgiebig Zeit, da ein anständiges Paket zu schnüren, euch nochmals zu überlegen, ob es nicht doch gescheiter wäre, diese Teilpension, die wir hier heute beschließen, zu stärken, dieses Arbeiten im Alter, wie es momentan kolportiert wird, wieder zur Seite zu legen oder nicht in dieser Art und Weise zu bringen, denn wir brauchen einfach keine Konkurrenzveranstaltung auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Ich kann euch versprechen, wir werden sehr genau hinschauen, welche Auswirkungen das hat, denn Grün hält auch hier an seinen Versprechen fest. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Teiber .

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Frau Ministerin! Geschätzte Kollegen, Kolleginnen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, wir diskutieren heute einige Gesetze, aber ich möchte mich auf das Thema Teilpension und Altersteilzeit beschränken. Dazu hat es ja auch die meisten Redebeiträge gegeben. Zu Kollegen Koza, den ich als Kollegen wirklich sehr schätze, vielleicht eines: Danke, dass ihr die Teilpension durchaus positiv seht, das freut uns; wir auch. Nur betreffend die Kritik in Bezug auf die Altersteilzeit möchte ich schon auch Folgendes anbringen: Erstens, die durchschnittliche Dauer der Altersteilzeit liegt jetzt schon unter drei Jahren, sie liegt bei 2,8 Jahren. Und dass es im System selbst auch gewisse Gerechtigkeiten geben muss, das kommt, glaube ich, auch nicht von ungefähr, denn dass Korridorpensionisten, die auf 42, 43 Versicherungsjahre kommen, Versicherte, die auf 45 Jahre und mehr kommen, Altersteilzeit nur drei Jahre in Anspruch nehmen können und andere, die bei Weitem nicht auf diese Menge an Versicherungsjahren kommen, länger, das wäre in sich unlogisch und ist deswegen auch so nicht zu machen. Was aber schon stimmt: Ganz wichtig ist Planbarkeit, ist Berechenbarkeit. Darum war uns als Sozialdemokratie, gerade als Gewerkschafterinnen, als Gewerkschafter sehr wichtig, ausreichende Übergangsbestimmungen auszuverhandeln. Und ja, noch längere Übergangsbestimmungen wären uns lieber gewesen, denn es gibt Kolleginnen und Kollegen, die schon über 2029 hinaus ihre Altersteilzeit geplant und mit dem Dienstgeber besprochen haben, aber – das muss man nun einmal sagen – bei einem Sparbudget, zu dem wir leider gezwungen sind, weil uns ein Schuldenberg hinterlassen worden ist, geht es auch um die Eindämmung der staatlichen Ausgaben für die Altersteilzeit. Wir machen das deswegen, weil wir die Altersteilzeit als gutes Modell erhalten wollen. Das wird uns auch gelingen. Bei allen finanziellen Herausforderungen ist es positiv, dass jetzt die Möglichkeit da ist, im Anschluss an die Altersteilzeit, aber auch generell über den Pensionsstichtag hinaus, wie es schon gesagt worden ist, ein, zwei, drei, vier Tage oder auch halbtags zu arbeiten und gleichzeitig schon einen Teil der Pension beziehen zu können. Das ist nicht nur individuell auch ein Vorteil, gerade eben – die Ministerin hat es gesagt – bei jenen, die in die Schwerarbeitspension fallen, denn da war das bis jetzt überhaupt nicht möglich, da ist es besonders positiv, sondern weil dieses Modell natürlich mithelfen soll, dass es zu einer Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters kommt. Dieses Ziel zu erreichen, ist wichtig, damit wir unser staatliches Pensionssystem stärken und absichern können. Übrigens, bei aller koalitionären Freundschaft jetzt an Kollegen Shetty gerichtet: Um das Pensionssystem, das wir haben, beneiden uns die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auf der ganzen Welt.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Das stimmt!

SPÖ Barbara Teiber

… Die blicken neidvoll auf Österreich (👏 ÖVP, SPÖ), denn in anderen Ländern, in denen man auf die private Pensionsvorsorge gesetzt hat, gibt es mittlerweile Altersarmut. Da sammeln 70-Jährige Pfandflaschen. Es ist ja so, dass bei einer älteren Gesellschaft immer mehr für die Pensionen ausgegeben wird …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Der norwegische Pensionsfonds ist ganz schlimm, ja! – Zwischenruf des Abg. Hofer [NEOS]

SPÖ Barbara Teiber

… die Frage ist nur, ob sozial geregelt im staatlichen System oder über Private, wo eben die Finanzindustrie ordentlich mitschneidet.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

... am Kapitalmarkt!

SPÖ Barbara Teiber

… Keine Frage, es braucht mehr als die Teilpension, um das faktische Pensionsantrittsalter anzuheben. Deswegen ist ja auch das im Regierungsprogramm verankerte Älterenbeschäftigungspaket so wichtig, und da ist auch die Aktion 55 plus so wichtig. Da sind alle aufgefordert – die Sozialpartner, aber vor allem auch die Arbeitgeber –, dass man mehr älteren Kollegen und Kolleginnen, die arbeitslos geworden sind, bei denen der Betrieb in Konkurs gegangen ist, die Chance gibt, auch wieder einen Arbeitsplatz zu bekommen. Wir sehen: Das Risiko, dass man arbeitslos bleibt, ist bei Älteren wesentlich höher. Darum vielleicht ein Letztes: Es ärgert mich schon, dass man weiterhin täglich Vertreter der Industriellenvereinigung und der Wirtschaft …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und der ÖVP!

SPÖ Barbara Teiber

… hört – also gefühlt täglich –, die Arbeiten bis 67, 68 …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

70!

SPÖ Barbara Teiber

… 70 fordern. Die haben keine Ahnung von der Arbeitsrealität der Menschen da draußen, von Leuten, die seit Jahrzehnten im Handel stehen, die in der Pflege ihren Dienst machen, die Schichtarbeit machen. Wer solche Dinge fordert, hat von dem, wie es den Leuten draußen geht, keine Ahnung. (👏 SPÖ) Darum machen wir das auch alles – damit wir unser Pensionssystem sichern. Ich hoffe, dass da auch richtige Dinge verbreitet werden. Wir sichern unser Pensionssystem ab. Wir wollen, dass Menschen in Würde altern und auch ihre Pension genießen können. Wir tun alles, dass es zu keiner Anhebung des Pensionsantrittsalters kommt; das garantiert die Sozialdemokratie in dieser Regierung und auch in den zukünftigen. – Vielen Dank.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wer’s glaubt, wird selig!

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Andrea Michaela Schartel .

FPÖ Andrea Michaela Schartel

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Frau Minister! Frau Kollegin Teiber, Sie können noch so oft sagen, sie garantieren und die SPÖ garantiert, dass das Pensionsantrittsalter nicht angehoben wird, aber solange Sie mit den NEOS …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und der ÖVP!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… und der ÖVP in der Regierung sind , würde ich sagen, wird das sicherlich nicht so kommen, auch wenn Sie es hier noch so oft sagen. (👏 FPÖ) Kollege Muchitsch hat seinen Redebeitrag damit begonnen, dass er gesagt hat, er hat sich überlegt, wie man jetzt jemandem erklärt, was das mit der Teilpension heißt. Es ist auch eine einfache Erklärung. Was war das Besondere an der Altersteilzeit und warum ist das so schlimm, dass sozusagen für die Einführung der Teilpension die Altersteilzeit mehr oder minder irgendwann aufgehoben wird, und da geht es gar nicht um die drei Jahre? – Der große Vorteil war: 30 Stunden Arbeit, 10 Stunden sozusagen Altersteilbezug, und das hat 40 Stunden für die Pensionseinzahlung, für die Pensionsbemessung bedeutet. Bei der Teilpension arbeite ich 30 Stunden, beziehe 10 Stunden Teilpension, das heißt Pensionsbemessung und Weiterzahlung für 30 Stunden. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Das heißt in Wirklichkeit, dass man den Menschen natürlich etwas wegnimmt. Wenn man hergeht und noch dazu sagt, man macht dieses Modell für Menschen, die schwer arbeiten – da bin ich ganz bei euch, man muss immer schauen, welchen Beruf jemand ausübt; das ist einmal die oberste Priorität –: Altersteilzeit war da das beste Modell, dass Menschen wirklich länger gearbeitet haben, dass Menschen, die es nicht konnten, wirklich noch Teilzeit in Anspruch nehmen konnten, ohne dass sie Verluste in der Pension dafür hatten. – Und das schafft ihr jetzt trotzdem ab. (👏 FPÖ) Es ist dieser Nachhaltigkeitsmechanismus. Es ist nicht so, Herr Wöginger, wie Sie gesagt haben, dass man zuerst nur einmal mit 1.1.2035 die Anwartschaftsjahre für die Korridorpension hernimmt – da steht nichts dabei – und danach überprüft. Nein, es ist gleichzeitig, alles kommt! …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Nein!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Das heißt, es kommt die Erhöhung der Pensionsbeiträge, es kommt die Erhöhung des Anfallsalters – ihr nennt es so, weil es ein bisschen besser klingt; es ist eine Erhöhung beim Pensionsantrittsalter. Das kommt alles gleichzeitig.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Na!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… S owohl die Finanz- - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Wissen Sie was: Nehmen Sie Ihre Gesetzeserläuterungen, Seite 3, vorletzter Absatz, und lesen Sie das, da steht es Wort für Wort so drinnen! …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, ich war beim Schreiben dabei!

FPÖ Andrea Michaela Schartel

… Dass es so kommen wird, das ist garantiert. Weder das Finanzressort noch der Rechnungshof hat wirklich große Zweifel, sie sind davon überzeugt, dass diese Einführung der Teilpension finanziell kaum etwas ändern wird. Das heißt, sie gehen sehr wohl davon aus, dass es beim fiktiven Pensionsantrittsalter unter Umständen nach oben gehen wird, aber finanzieller Natur wird sich gar nichts ändern. Wie es Kollege Koza schon gesagt hat, habt ihr das mit den KV-Beiträgen beschlossen, ohne mitzubehirnen, dass dadurch die Bundeszuschüsse höher werden, weil wir das Gesetz mit den Hebesätzen haben. Also da kann es sich hinten und vorne nicht ausgehen. Wie gesagt, was ich in Wirklichkeit so unfair finde, ist, dass man hergeht und sagt: Ja, wir müssen uns jetzt alle zusammenreißen, es müssen jetzt alle an einem gemeinsamen Strang ziehen, weil es wichtig ist, wir müssen das Budget sanieren! ( Ruf bei der ÖVP: Ja! ), und trotzdem – obwohl es so viele Fachexperten, Institutionen sagen – machen Sie all diese Maßnahmen, die den Menschen, den Pensionisten, jenen, die in Zukunft in Pension gehen, nur schaden. Sanieren tut das gar nichts. Deswegen werden wir sicherlich so einem Gesetzentwurf nicht zustimmen. Wir werden auch weiterhin wirklich immer auf die Schwachen in unserer Gesellschaft aufpassen – was früher auch die Sozialdemokratie gemacht hat –, auf jene, die Österreich aufgebaut haben, wir werden aber auch auf die junge Generation ganz, ganz gut aufpassen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Heike Eder .

ÖVP Heike Eder

Danke, Frau Präsidentin! Liebe Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier im Plenarsaal und zu Hause! Stellen Sie sich einen Marathon vor: Gegen Ende geht es allen genau gleich, die Kraft lässt nach. Doch für Leistungsträgerinnen und Leistungsträger ist Aufgeben natürlich keine Option. Was also tun? – Das Tempo reduzieren und weiterrennen. Genau das ist auch die Teilpension: ein kluger Zwischenschritt, nicht Vollgas wie mit 30, auch nicht ein abruptes Ende, sondern ein sanfter Übergang zwischen dem Erwerbsleben und dem Ruhestand. Warum aber spreche ich als eher jüngere Arbeitnehmerin eigentlich über Teilpension? – Aus zwei Gründen, meine Kolleginnen und Kollegen: Erstens, weil uns das Thema Pension alle betrifft, nicht nur die jetzigen Pensionistinnen und Pensionisten, sondern auch Menschen, die mitten in ihrem Erwerbsleben stehen. Es geht um das Thema Generationengerechtigkeit. (👏 ÖVP, NEOS) Meine Damen und Herren, unser Umlageverfahren – und das möchte ich ganz klar und deutlich sagen – ist ein starkes System. Wir werden international darum beneidet. Es hat einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen Pensionssystemen, nämlich Inflationsschutz. Gleichzeitig ist das Umlageverfahren aber auch zunehmend unter Druck. Die demografische Entwicklung ist nämlich eindeutig. Kollege Shetty hat das heute auch sehr eindrücklich illustriert: Wo früher eine stabile Pyramide war, ist es heute einfach ein Muffin. Früher finanzierten vier erwerbstätige Arbeitnehmer die Pension eines Pensionisten, während es heute 1,7 sind. Wir leben zehn Jahre länger als noch vor 1970, gleichzeitig gehen wir aber gleich in Pension wie 1970. Das bedeutet, wir müssen immer wieder nachjustieren, um das System auch langfristig finanzierbar und stabil zu halten, und das machen wir jetzt auch, indem wir Maßnahmen setzen, die das tatsächliche Pensionsantrittsalter näher an das gesetzliche bringen, beispielsweise mit diesem Nachhaltigkeitsmechanismus und dieser Teilpension. Der zweite Grund, warum die Teilpension auch die jüngere Generation angeht, ist, weil auch wir Jüngeren davon profitieren. Wenn nämlich erfahrene Kollegen ihr Wissen weitergeben können, dann ist eine gewisse Stabilität im Team gewährleistet und die Jungen haben auch Zeit, hineinzuwachsen. Das ist moderne Generationenpolitik, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, NEOS) Liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, es ist schade, dass ihr heute nicht mitstimmt. Vielleicht können euch ein paar Fakten ja noch umstimmen, wenngleich meine Hoffnung nicht allzu groß ist. Ihr meint ja, dass die Teilpension auch zu einer früheren Reduktion der Arbeitszeit führt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, das ist gut so!

ÖVP Heike Eder

… Ihr wisst wahrscheinlich, wir haben in Österreich eher die Situation, dass die Menschen tendenziell zum frühestmöglichen Termin in Pension gehen und daher auch das tatsächliche Pensionsantrittsalter …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ist ja kein Wunder, es gibt ja keine Planbarkeit!

ÖVP Heike Eder

… unter dem gesetzlichen Antrittsalter ist. Deshalb schaffen wir es mit der Teilpension, dass Menschen länger im Erwerbsleben bleiben. Wenn euch das auch nicht überzeugt, dann macht das vielleicht die OECD, die in ihrem Employment Outlook 2025 festhält, dass Teilpensionen die Erwerbsdauer verlängern, oder vielleicht ein Blick nach Finnland, denn dort gibt es nämlich seit 2017 eine gesetzliche Teilpension mit dem Ergebnis, dass die Lebensarbeitszeit im Steigen ist. Mit der Teilpension schaffen wir also eigentlich eine Win-win-win-Situation …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Na super! Dann ist es eh super!

ÖVP Heike Eder

… nämlich ein Win für Arbeitnehmer – ja, es ist super! –, weil es erstmals eine Möglichkeit gibt, Arbeit und Ruhestand zu vereinbaren.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alles super!

ÖVP Heike Eder

… Es ist ein Win für den Arbeitsmarkt, weil Arbeitnehmer dem Arbeitsmarkt noch länger zur Verfügung stehen. – Sie können gerne zuhören, es ist wirklich interessant. – Und der dritte Win ist ein Win für das Pensionssystem, weil wir Geld im Pensionssystem einsparen. – Danke schön.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alle gewinnen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Es gibt nur Gewinner! – Abg. Wurm [FPÖ]: Das haben wir lange gesucht!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Johannes Gasser zu Wort. – Bitte.

NEOS Johannes Gasser

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ja, die Pensionsausgaben, die Zuschüsse aus dem Budget, sind in den letzten Jahren, das muss man leider so sagen, eher explodiert. Wir sind inzwischen bei fast 30 Milliarden Euro angekommen, die – mit den Beamtenpensionen – ins Pensionssystem gezahlt werden müssen, um die Finanzierungslücke sozusagen zu füllen. Ein Grund dafür ist natürlich, dass im Pensionssystem zu wenig auf die alternde Gesellschaft reagiert worden ist, aber es gibt auch einen zweiten Grund, nämlich dass gleichzeitig wider besseres Wissen Pensionsmaßnahmen gesetzt worden sind, die nicht gegenfinanziert waren und die die Kosten nach oben getrieben haben und zu Mehrkosten von mehreren Hundert Millionen Euro jährlich geführt haben. Damit ist jetzt Schluss! Mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus ziehen wir den Schlussstrich und stellen sicher, dass es eben keine ungedeckten Pensionszusagen mehr gibt, keine Beschlüsse, die eben nicht gedeckt sind und unter diese Ausgabenobergrenze fallen. Das ist vor allem eines: Das sind gute Nachrichten für kommende Generationen und für das Budget! (👏 ÖVP, NEOS) Es sind aber vielleicht auch schlechte Nachrichten für die Pensionspopulisten von der FPÖ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber geh!

NEOS Johannes Gasser

… Das Ziel ist natürlich, mit den Maßnahmen, die wir in den letzten Monaten auf den Weg gebracht haben, auch Kostendämpfungen zu erreichen. Wir wollen, dass wir bis 2030 Kostendämpfungen im Pensionsbereich von 2,5 Milliarden Euro jährlich schaffen. Und wie wollen wir das schaffen? – Ja, durch die Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters, durch die Erhöhung der Beschäftigungsquote. Wir haben diese Kostendämpfungen jetzt auch mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus nachhaltig abgesichert, weil eben auch klar ist, dass wir 2030 schauen müssen: Haben wir diese Kostendämpfung erreicht? Und welche Maßnahmen sind darüber hinaus auch notwendig, damit wir das sicherstellen können? Ab 2030 wird der Pfad sozusagen fortgeschrieben und, ja, es müssen dann natürlich auch Maßnahmen gesetzt werden, die diese Kostendämpfungen auch nachhaltig sicherstellen. Welche Maßnahmen das sind – Kollegin Schartel hat offensichtlich das Gesetz nicht genau gelesen –, welche konkret das sein müssen, das lassen wir zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich noch offen, wir geben nur vor, welche Maßnahmen es konkret sein können. Und ja, natürlich betrifft eine der Maßnahmen, die es gibt, das Pensionsantrittsalter. Es gibt noch andere Maßnahmen, aber ich frage mich ganz ehrlich, was wäre, wenn wir diese Maßnahmen nicht hineinschreiben würden. Die einzige Alternative, die die FPÖ kennt, ist, den Bundeszuschuss einfach ins Unermessliche steigen zu lassen, kommende Generationen zu belasten, keine Spielräume für Investitionen und keine Spielräume für Steuerentlastung zu schaffen. (👏 ÖVP, NEOS) Eine Maßnahme, die sehr konkret drinnen steht, ja, ist die Anhebung bei der Korridorpension, dass wir dort weitere Versicherungsjahre notwendig machen. Und auch da muss ich mich schon fragen, ob die FPÖ eigentlich jemals realisiert hat, was die Schüssel-Reformen 2002/2003 gebracht haben. – Sie reden immer davon, dass es so ungerecht ist, wenn jemand, der 20 Jahre eingezahlt hat, dieselben Pensionsansprüche hat wie jemand, der dies 45 Jahre getan hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Noch nie gesagt! Zuhören!

NEOS Johannes Gasser

… Herzlich willkommen im Jahr 2025! Wir sind gerade mitten im Umstieg auf die lebenslange Durchrechnung, die genau dazu führen wird, dass nicht entscheidend ist, wie viele Jahre man eingezahlt hat …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wir haben es zwar beschlossen, aber ...!

NEOS Johannes Gasser

… sondern wie viel man eingezahlt hat! Das ist Leistungsgerechtigkeit! (👏 ÖVP, NEOS) Ich betone deshalb immer wieder gerne, dass die Schüssel-Reformen uns vor allem davor bewahrt haben, dass das Pensionssystem schon früher unfinanzierbar wird. Ich kann auch die Kritik der Grünen an dieser Selbstverpflichtung, die wir mit dem Nachhaltigkeitsmechanismus schaffen, nicht nachvollziehen. Ansonsten heften sich die Grünen immer das Thema Nachhaltigkeit groß auf die Fahnen, wenn es aber um budgetäre, finanzielle Nachhaltigkeit geht, ist ihnen offensichtlich alles egal. Und was besonders lustig ist: wenn Sie da jetzt mit Kritik kommen, nachdem Sie fünf Jahre lang im Sozialministerium dafür verantwortlich waren und keinen Federstrich gemacht haben, um irgendetwas im Pensionsbereich zum Besseren zu ändern. Natürlich ist das Ziel, dass wir den Nachhaltigkeitsmechanismus erst gar nicht auslösen müssen, weil die Maßnahmen, die wir setzen, auch wirklich Wirkung entfalten können und die Kostendämpfungen auch so schon genügend hereinbringen. Dafür haben wir schon Maßnahmen auf den Weg gebracht, die Änderung bei der Korridorpension beispielsweise, auch die Aliquotierung, und heute bringen wir weitere Maßnahmen auf den Weg: die Teilpension. Ich glaube, es haben inzwischen genügend Personen ausgeführt, dass das eine tolle Sache ist. Für uns NEOS entspricht das einer Forderung, die wir seit Beginn unseres Bestehens auch immer wieder erhoben haben: mehr Flexibilität in Richtung Flexipension beim Pensionsantrittsalter. Andere Länder kennen das, Österreich macht jetzt endlich den Schritt auch in diese Richtung. Was die Änderung bei der Altersteilzeit angeht: Ja, natürlich muss das System schlussendlich zusammenpassen. Und was die Treffsicherheit der Altersteilzeit angeht: Kollegin Belakowitsch, seien Sie mir nicht böse, aber wenn von der Altersteilzeit wirklich die Personen profitieren würden, die Sie angesprochen haben, die das brauchen, weil sie sonst gesundheitlich nicht bis 65, 62 oder 63 Jahre arbeiten könnten, dann hätten wir diese Schritte nicht setzen müssen. Haben Sie eine Ahnung, wie viel wir bei der Altersteilzeit inzwischen zuschießen müssen? Wenn wir nichts machen, dann wird das am Ende der Legislaturperiode schon fast eine ganze Milliarde Euro sein, damit wir diese Lohnkostenersätze überhaupt finanzieren können. Genau die Einführung der Teilpension hilft uns, da eine Kostendämpfung zu schaffen. Wir schaffen Treffsicherheit, wir schaffen vor allem auch Gerechtigkeit im System. Weil immer wieder die Frage aufkommt, was die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dazu sagen – das haben wir auch im Ausschuss diskutiert –: Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind froh, wenn diese Teilpensionsmöglichkeit kommt, weil sie es schade finden, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meistens zum erstmöglichen Zeitpunkt voll in Pension gehen. Sie wollen sie weiter beschäftigen, und angesichts des Fachkräftemangels ist das auch eine gute Möglichkeit, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tatsächlich in Beschäftigung zu halten und zu verhindern, dass sie den erstmöglichen Exit in den 100-prozentigen Pensionsbezug nehmen. Das sind die wichtigen Schritte, die wir jetzt setzen, um die Kostenentwicklung auch in den Griff zu bekommen. Wir kommen damit unserer Verantwortung nicht nur gegenüber der älteren Generation, sondern vor allem auch gegenüber der jungen Generation nach. Wer das als Sozialabbau oder Pensionsraub bezeichnet, der ist nicht nur unehrlich, sondern dem fehlt eines: Verantwortung für kommende Generationen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Markus Koza zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen der Geschäftsordnung. (Abg. Koza [Grüne] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Ich hoffe, inzwischen schon!) – Ich werde darauf achten.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Kollege Johannes Gasser hat gesagt, in den letzten fünf Jahren der Regierung wäre nichts passiert, um das effektive Pensionsantrittsalter zu erhöhen. Ich berichtige tatsächlich: Erstens wurde die Langzeitversichertenregelung dahin gehend abgeändert, dass die Abschlagsfreiheit abgeschafft wurde. Weiters wurde das Zuschlagssystem für Menschen, die länger, über das Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten, erhöht. Und drittens wurde, und gerade das ist bei den NEOS auf sehr große Zustimmung gestoßen, die geblockte Altersteilzeit schleichend abgeschafft. – Danke.

PräsidiumDoris Bures

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Verena Nussbaum .

SPÖ Verena Nussbaum

Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, das österreichische Pensionssystem zählt zu den besten der Welt, und für uns als SPÖ ist es wichtig, dass die Pensionen abgesichert sind, und ich kann Ihnen garantieren, das sind sie auch. Wir haben es geschafft, dass das gesetzliche Regelpensionsalter weiterhin 65 Jahre bleibt. Wir haben dem Vorschlag der Industriellenvereinigung, das Pensionsalter auf 70 Jahre zu erhöhen, eine klare Absage erteilt. Mit uns gibt es keine Pensionskürzungen – jetzt nicht, auch in Zukunft nicht – und wir greifen auch nicht in bestehende Pensionen ein! (👏 SPÖ) Bis jetzt war es so, dass man bei einer vorzeitigen Alterspension die Erwerbstätigkeit aufgeben musste, aber das ändert sich jetzt mit der Einführung der neuen Teilpension. Ab 1.1.2026 wird es möglich sein, einen Teil der Pension zu beziehen und gleichzeitig mit reduzierter Arbeitszeit weiterzuarbeiten. Das ist ein nicht zu unterschätzender Systemwandel. Bisher galt: entweder die volle vorzeitige Pension oder gar keine! (👏 SPÖ) Auch das beliebte Instrument der Altersteilzeit wird weiterhin bestehen. Von 2026 bis 2028 wird es von fünf auf drei Jahre schrittweise gesenkt und dann kann diese Altersteilzeit nach wie vor vor der Teilpension auch in Anspruch genommen werden. ( Ruf bei den Grünen: Nur wie? ) Aber – und das ist, glaube ich, einer der wesentlichen Punkte, wie man das faktische Pensionsantrittsalter dann auch erhöht –: Es wird wichtig sein, dass man die Diskriminierung von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bekämpft. Es liegt also auch an den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, ältere, sehr wertvolle und gut ausgebildete Arbeitskräfte mit viel Arbeitserfahrung im Unternehmen zu halten. Während derzeit die Rufe nach Fachkräften nicht zu überhören sind, ist die Arbeitslosigkeit von Arbeitnehmer:innen über 50 aber sehr hoch. Schon jetzt geht jeder oder jede Vierte aus der Arbeitslosigkeit oder aus dem Krankenstand in Pension, und das ist ein Umstand, den wir ändern müssen. Wir brauchen verbesserte Arbeitsbedingungen, die an die Bedürfnisse von älteren Arbeitnehmer:innen angepasst werden. (👏 SPÖ) Ich bringe jetzt noch einen Antrag ein, und zwar einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten August Wöginger , Josef Muchitsch , Johannes Gasser , Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales über die Regierungsvorlage 137 der Beilagen – es geht darin um die Änderungen der Gesetze zum Teilpensionsgesetz –, 174 der Beilagen. In diesem Antrag werden technische Änderungen, die im Zuge der Begutachtung eingemeldet wurden, berücksichtigt. Meines Wissens wurde der Antrag bereits verteilt. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 14.01 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/76.1 Teilpensionsgesetz (AA-21) Präsidentin Doris Bures : Ja, Frau Abgeordnete, der Antrag wurde bereits an alle Abgeordneten verteilt, er muss aber natürlich trotzdem in den Grundzügen erläutert werden. Er ist somit ordnungsgemäß eingebracht und steht mit in Verhandlung. Der nächste Redner ist Herr Abgeordneter Michael Hammer .

ÖVP Michael Hammer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Herren! Ja, wir beschließen mit dem Teilpensionsgesetz und den damit einhergehenden Maßnahmen in jeder Hinsicht Verbesserungen, nachhaltige Verbesserungen in unserem Pensionssystem, und es gelingt auch hier weitestgehend, eine sachliche Diskussion darüber zu führen. Was aber schon wieder bezeichnend ist – und das manifestiert sich ja schon seit Monaten, in den letzten zwei Tagen ganz speziell –: Die Freiheitliche Partei ist jetzt zur Gänze dazu übergegangen, sich von Faktenlagen und von Tatsachen komplett zu entkoppeln und einfach nur irgendwelche Dinge zu behaupten und zu verbreiten.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

... Schallplatte ...!

ÖVP Michael Hammer

… RN/77.1 Wenn ich mir zum Beispiel den Redebeitrag des Kollegen Wurm anschaue, so muss ich feststellen: Dieser hat mit dem vorliegenden Pensionsgesetz nichts zu tun.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Das ist ein Standard...!

ÖVP Michael Hammer

… Kollege Muchitsch hat Dinge, die Kollege Wurm behauptet hat, was die Langzeitversichertenregelung betrifft, widerlegt. Nichtsdestotrotz schickt Kollege Wurm eine Presseaussendung aus, in der er genau das behauptet, was hier herinnen widerlegt wurde.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das wird durch Hochrechnung bestätigt!

ÖVP Michael Hammer

… Er behauptet, dass das Pensionsantrittsalter auf 70 Jahre angehoben werden soll. Solch ein Unsinn, so viel Lüge, so viel faktenbefreit - -

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter, Sie sind lange genug im Haus, dass Sie wissen: Für „so viel Lüge“ erteile ich Ihnen natürlich einen Ordnungsruf. Ich ersuche Sie, sich im weiteren Verlauf der Debatte in der Ausdrucksweise zu mäßigen. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Meinem Ersuchen, sich in der Ausdrucksweise zu mäßigen, sind Sie leider nicht nachgekommen, aber die Zuseher werden sich selbst ein Bild davon machen. Nun gelangen Sie, Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke , zu Wort.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, heute ist ein guter Tag, ein guter Tag für sichere Pensionen: ein guter Tag für sichere Pensionen für alle, die jetzt gerade arbeiten, und vor allem für uns Junge. Denn darum geht es: um ein Sozialsystem, ein Pensionssystem, das zukunftsfit ist, das nachhaltig ist, von dem nicht nur die profitieren, die jetzt in Pension sind, sondern, nein, das so aufgestellt ist, dass auch dann, wenn ich einmal in Pension gehe, ich sicher eine Pension haben werde. (👏 ÖVP, NEOS) Damit nimmt die Regierung einen echten Kurswechsel vor, einen Kurswechsel Richtung Skandinavien, wo wir sehen, wie eine Debatte funktionieren kann, wo alle Parteien, geleitet von der Sozialdemokratie, an einem Strang ziehen und dafür sorgen, dass das Sozialsystem ein nachhaltiges ist, und auch erkannt haben, dass man das Pensionsantrittsalter vielleicht einmal erhöhen muss, wo das Pensionsantrittsalter auf 67 Jahre erhöht wurde. Und wieso? – Das ist ja kein Selbstzweck, sondern: weil wir einfach sehen, dass wir uns demografisch verändern, dass wir länger in Pension sind. 1970 waren Frauen im Schnitt 18,8 Jahre in Pension, jetzt sind es im Schnitt 26 Jahre. Das kostet wesentlich mehr Geld, und dieses Geld muss irgendwo reinkommen. Jetzt können Sie mir schon erklären: Sollen doch mehr Leute in Österreich arbeiten gehen!, aber laut der Prognose fehlt uns bis 2040 eine Viertelmillion Menschen im erwerbsfähigen Alter – eine Viertelmillion! Es arbeiten in Österreich immer weniger. Herr Wurm, Sie staunen jetzt – jetzt sehen Sie ein bisschen überrascht aus –, aber was wäre denn Ihre Lösung dafür? Was würden Sie denn machen? …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Habe ich Ihnen mehrmals erklärt, Frau Kollegin! – Abg. Schartel [FPÖ]: ... dass wieder mehr Kinder auf die Welt kommen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… SPÖ und Grüne schenken wenigstens reinen Wein ein und sagen: Erbschaftssteuer. Was aber würden Sie machen? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich glaub’, Sie wissen gar nicht, worum es hier geht!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Die Geburtenrate erhöhen? Mit welchem Vorschlag? Was ist Ihr Vorschlag? Sie haben keinen Vorschlag? (👏 NEOS) Die Geburtenrate erhöhen, Gratiskinderprämien für alle unter 30? Was ist Ihr Vorschlag? …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ich erkläre es Ihnen! Ich komm’ dann nochmal raus! Ich komm’ noch einmal raus!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Es hat nichts damit zu tun. Das Pensionssystem, das wir haben, ist ein gutes – darum werden wir an vielen Orten, in vielen Ländern beneidet –, aber, und das sehen wir auch international, was es nicht ist, ist nachhaltig – mit Stand jetzt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Warum haben wir denn das gute Pensionssystem? Wer hat denn das erarbeitet, Frau Kollegin?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Dazu darf ich für Kollegin Teiber noch kurz einen Fakt nennen: Nach der Mercer-Studie, in der die Pensionssysteme in der OECD verglichen werden, sind wir in puncto Nachhaltigkeit, im Hinblick auf die Frage, wie lang dieses System so haltbar ist, Letzter. Wir sind Letzter! Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt gemeinsam endlich einen Kurswechsel vornehmen und an den Pensionen endlich faktenbasiert arbeiten und nicht nur dem Populismus der FPÖ folgen, die das Blaue vom Himmel verspricht, aber es in Wahrheit nicht finanzieren kann. Es ist durchaus bemerkenswert, dass von Ihnen nur Leute sprechen – jetzt ist ohnedies niemand mehr zu Wort gemeldet –, die nichts mit der Wirtschaft zu tun haben ( Ruf bei der FPÖ: Ein so ein Blödsinn! ) – nichts, rein gar nichts! –, weil Ihre Argumente aus wirtschaftlicher Sicht auch keinen Sinn machen, weil es wichtig ist, dass wir eine Teilpension einführen, dass es flexibler wird, dass es sich immer lohnt, länger zu arbeiten, und weil ein Nachhaltigkeitsmechanismus auch etwas ist, das diese Regierung umsetzt und das die Republik dringend braucht. Eine letzte Bemerkung zu den Grünen: Dass die Grünen ausgerechnet bei den Pensionen, die für junge Menschen so wichtig sind, gegen Nachhaltigkeit sind, das können Sie doch wirklich niemandem erklären.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Geh bitte, ...!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… In diesem Sinne: Ich bin dankbar, dass diese Regierung diesem Populismus nicht folgt und wir in der Pensionspolitik endlich einen Kurswechsel machen. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist ein zweites Mal Frau Abgeordnete Dagmar Belakowitsch zu Wort gemeldet. – Bitte.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Danke schön. – Frau Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Für den Fall, dass Sie jetzt völlig verwirrt sind: Das, was die Kollegin vor mir gesprochen hat, war eine glatte Themenverfehlung. Es geht hier gar nicht um jene Personen, die schon in Pension sind, von denen sprechen wir gar nicht. – Das haben Sie verwechselt, Frau Kollegin; vielleicht sollten Sie noch einmal nachlesen. Warum ich hier herauskomme? – Weil ich die Sozialsprecherin meines Klubs bin, und das schon seit so vielen Jahren. Glauben Sie mir, ich weiß schon, wovon ich spreche. Wahrscheinlich kenne ich mich ein bisschen besser aus als Sie. (👏 FPÖ) Entlarvend war aber die Rede Ihres Klubobmanns, der natürlich von der Erhöhung des Pensionsantrittsalters, nämlich des gesetzlichen, als Maßnahme gesprochen hat. – Sie nicken, Sie finden das großartig. Die ÖVP kennt ja den ehemaligen Landeshauptmann von Salzburg Haslauer nicht mehr, der möchte, dass wir bis 70 arbeiten. Die ÖVP hat nichts zu tun mit Wirtschaftskammerpräsident Mahrer, den kennt sie ja auch nicht; der will auch, dass wir bis 70 arbeiten. Die ÖVP kennt auch IV-Chef Knill nicht. Alle, die das in den letzten Tagen und Wochen fordern, kennt Herr Klubobmann Wöginger nicht – ist so, hat mit der ÖVP nichts zu tun; wissen wir, das ist bei der ÖVP immer so. Und dann stellt sich eine ÖVP-Abgeordnete heraus und sagt: Das ist eine „Win-win-win-Situation“. – Frau Kollegin, genau das ist es nicht: Nichts ist eine „Win-win-win-Situation“, gar nichts.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was hast du jetzt davon, dass du jetzt stänkerst? Was treibt dich an? – Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Bitte nicht ...!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Man kann auch ehrlicherweise sagen: Es gibt Verschlechterungen, ja, aus welchen Gründen auch immer, weil wir finanzielle Probleme haben. Die Frage ist, Herr Kollege Wöginger: Was treibt Sie von der Österreichischen Volkspartei an? Was treibt Sie an, was treibt Ihren Sitznachbarn an, hier eigentlich nicht sachlich zu sein, sondern immer nur Richtung FPÖ zu motzen? Wir haben uns das ganz genau angesehen. Und ich sage Ihnen noch etwas – Frau Minister, jetzt wende ich mich an Sie, weil es eh keinen Sinn macht, mit diesem Publikum hier zu sprechen ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP ) –: Sie haben gesagt, Ihr Ziel, Ihr Wunsch ist es - - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was heißt „mit diesem Publikum“? Wir sind Abgeordnete, wenn’s recht ist! – Abg. Strasser [ÖVP]: Danke!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ihr Ziel und Ihr Wunsch ist es, dass die Leute länger in Beschäftigung bleiben. – Das verstehe ich, das unterstützen wir. Ich glaube nur nicht, dass das mit der Teilpension passieren wird, das sage ich Ihnen auch ganz offen, aber da haben wir vielleicht zu unterschiedliche Zugänge.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Hallo, wir sind auch noch da!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Ich würde es Ihnen wünschen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Selbstgespräche am Rednerpult!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Aber, Frau Bundesminister, wenn Sie sich das heute angehört haben: Es geht genau darum, es geht nur darum, das gesetzliche Pensionsantrittsalter anzuheben. Sie haben zwei Koalitionspartner, die das hier ganz, ganz offensiv fordern. Da wünsche ich Ihnen wirklich alle Kraft, dass Sie durchhalten, aber ich würde Sie auch bitten, ehrlich zu sein und zu sagen: Es wird nicht alles besser. – Das muss man auch sagen. Sie sind mit dem Beispiel einer Frau, die im ersten Halbjahr 1967 geboren ist, gekommen und wann die in die Altersteilzeit gehen darf. Können Sie vielleicht dem geschätzten Publikum sagen, wie es denn mit Frauen ausschaut, die im zweiten Halbjahr 1968 geboren sind? – Da klafft es dann wieder weit auseinander, das wissen Sie. Natürlich gibt es Verschlechterungen für eine große Gruppe, aus welchen Gründen auch immer – vorgeschoben wird das Budget. Ich sage Ihnen eines, und das ist das Allerallerwichtigste für ein gesichertes, abgesichertes staatliches Pensionssystem, zu dem wir uns alle immer bekannt haben – die NEOS vielleicht weniger, aber der Rest in diesem Hause hat sich immer zum staatlichen Pensionssystem bekannt –: Das Wesentlichste wird eine aktive Arbeitsmarktpolitik sein. Vollbeschäftigung und eine Verringerung der Teilzeitquote sind das beste Rezept, um unsere Pensionen abzusichern. Und dafür, meine Damen und Herren, sollten Sie mitkämpfen, um dieses Pensionssystem zu retten. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Andreas Haitzer .

SPÖ Andreas Haitzer

Danke schön, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Sehr geehrte Damen und Herren hier auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Wenn sich bei den Pensionen etwas ändert, gibt es Verunsicherung. In der aktuellen Pensionsreform gibt es vier wesentliche Punkte, die für unsere Pensionist:innen und auch für zukünftige Pensionist:innen relevant sind. Ich fasse sie noch einmal zusammen: Bestehende Pensionen bleiben unverändert und sind gesichert. Zukünftige Pensionen unserer Arbeitnehmer:innen bleiben ebenso unverändert und sind gesichert. Das gesetzliche Regelpensionsalter bleibt gleich. Auch die Schwerarbeiterpension und die Pension für die Langzeitversicherten bleiben unverändert; die SPÖ hat es sogar geschafft, die Pflegeberufe in die Schwerarbeiterpension aufzunehmen. (👏 SPÖ) Geschätzte Damen und Herren! Es ist völlig klar, dass die aktuelle Regierungsvorlage zur Änderung der Pensionsregelung Emotionen hervorruft. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, diese Änderungen hier im Detail zu diskutieren. Ich bin trotzdem immer wieder über die Kritik der FPÖ verwundert. Ich würde ja vorschlagen, einmal den Besen in die Hand zu nehmen und vor der eigenen Türe zu kehren. Nur zur Erinnerung, damit es nie vergessen wird: Die schlimmsten Verschlechterungen im Pensionssystem gab es in den Jahren 2002, 2003 mit der FPÖ in der Regierung: die Anhebung des Durchrechnungszeitraumes auf 40 Jahre. Die damit verbundenen Verschlechterungen, vor allem auch bei den Frauenpensionen, kann ich gar nicht alle aufzählen. Diese Reform bedeutet, glaube ich, auch heute noch viel weniger Geld im Börsl. – Und ihr kritisiert die größte Pensionsreform, die den Ruhestand unserer Pensionist:innen absichert. Wenn ihr ständig über gebrochene Wahlversprechen redet: Wisst ihr, wer die meisten Wahlversprechen im letzten Jahr gebrochen hat? – Die feige Partei Österreichs, die FPÖ.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Was? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... Wahlversprechen?

SPÖ Andreas Haitzer

… Ihr müsst es euren Wählern erklären. Ihr habt die Regierungsverantwortung abgelehnt, damit habt ihr alle eure Wahlversprechen gebrochen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben nichts abgelehnt! Ihr wolltet ja nicht mit uns verhandeln!

SPÖ Andreas Haitzer

… Ihr habt die Wähler im Stich gelassen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Eben nicht!

SPÖ Andreas Haitzer

… Anders gesagt: Wenn man sich auf die FPÖ verlässt, ist man verlassen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Genau das Gegenteil ist der Fall!

SPÖ Andreas Haitzer

… Geschätzte Damen und Herren! Die aktuelle Bundesregierung hat genau das Gegenteil gemacht und Verantwortung übernommen, sich auch dem Thema der Pensionen gewidmet. Das Ergebnis ist die größte Pensionsreform der letzten 20 Jahre.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, dann werden euch ja die Leute alle in Scharen wieder nachlaufen! Man wird es sehen bei den nächsten Wahlen ...!

SPÖ Andreas Haitzer

… Noch einmal die vier wesentlichen Punkte, die für unsere Pensionist:innen und zukünftigen Pensionist:innen relevant sind: keine Eingriffe in bestehende Pensionen, keine Kürzung der zukünftigen Pensionen der Arbeitnehmer:innen, keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters, keine Änderung der Schwerarbeiterpension und bei den Langzeitversicherten; dazu kommt, dass die Pflegeberufe in die Schwerarbeiterregelung aufgenommen werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Punkte zeigen, dass uns die Pensionist:innen wichtig sind. Sie haben sich in ihrem Arbeitsleben die Pension mehr als redlich verdient, und wir haben die Aufgabe, diese zu sichern. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler .

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser gutes, unser bewährtes Pensionssystem, um das uns viele andere beneiden, zu sichern, ich glaube, das sollte doch unser gemeinsames Ziel sein. (👏 SPÖ) Und das müssen wir fair und generationengerecht erreichen. Das muss unser Ziel sein. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Ja, ich sage es einmal mehr, die Seniorinnen und Senioren, um die es ja gar nicht geht, es geht ja vor allem auch um die nächsten Generationen, haben dieses Land aufgebaut. Sie haben diesen Staat groß gemacht und sie haben letztlich auch dafür gesorgt, dass wir heute ein Wohlfahrtsstaat sind, dass wir Pensionen in dieser Höhe haben und dass wir uns das alles leisten können. Daher einmal mehr auch ein großes Danke an die ältere Generation, die all diese Maßnahmen, die wir jetzt setzen müssen, mitträgt, weil sie Verantwortung übernimmt, auch für ihre Kinder, für die Urenkel und für die Enkelkinder, für die nächste Generation – ein großes Danke auch den Seniorinnen und Senioren. Alles, was wir jetzt tun, sichert die Möglichkeit, das faktische Pensionsalter an das gesetzliche Pensionsalter anzupassen. Das ist das große Ziel. (👏 ÖVP) Trotzdem möchte ich noch einmal betonen, dass wir – und das haben wir in den letzten Jahren bewiesen – für die Seniorinnen und Senioren kämpfen. Dass ein Altwerden in Würde und bei guter Lebensqualität gesichert sein muss, das steht ja außer Frage. Meine Damen und Herren! Ich denke aber, dass wir mit diesen Maßnahmen, die wir jetzt setzen, richtige Maßnahmen setzen. Wir brauchen dabei die Wirtschaft und wir brauchen auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wir werden nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung den Wohlstand und auch die Pensionen sichern können. Denn natürlich, ja, die Teilpension ist eine gute und richtige Antwort. Sie bringt die Chance für Menschen, die es vielleicht nicht mehr schaffen, weil sie gesundheitliche Probleme haben, die vielleicht einfach sagen: Wir wollen jetzt weniger arbeiten!, länger im Arbeitsprozess, im Erwerbsleben zu bleiben. Ich glaube, das ist eine gute und richtige Ansage: Ich kann entscheiden, ob ich 25 Prozent, 50 Prozent oder 75 Prozent arbeiten will, und gleichzeitig auch einen Teil der Pension beziehen. Das ist auch die Chance, flexibel in den Ruhestand hineinzugehen. Wir müssen da auch an die Wirtschaft appellieren. Ich glaube daran, dass die Wirtschaft das auch positiv sieht, dass wir alles tun, um altersgerechte Arbeitsplätze zu haben. Wir müssen natürlich insgesamt auch die Prävention erhöhen, wir müssen gesund älter werden. Nur dann werden wir auch das Beschäftigungsniveau erhöhen können. Das ist, glaube ich, eine ganz, ganz große und wichtige Maßnahme für die nächste Zeit. Meine Damen und Herren! Wir brauchen die ältere Generation so dringend im Arbeitsleben und in der Arbeitswelt. Wir brauchen sie deswegen, weil sie einen enormen Wissensschatz hat, weil die ältere Generation so viel Expertise hat, so viel Know-how hat, das wir so dringend brauchen, auch in unseren Betrieben. Gerade die Möglichkeit, mit der Teilpension neue Wege zu gehen, bringt auch eine große Chance, diese Expertise zu erhalten und ältere Menschen zu motivieren, jüngere Menschen zu begleiten, mit den sozialen Kompetenzen, aber vor allem auch mit ihrem Fachwissen, denn auch das brauchen wir ganz besonders und ganz, ganz dringend. Und ja, Frau Kollegin, es ist eine Win-win-Situation, denn es sichert uns die Möglichkeit, das Pensionssystem – das Pensionsantrittsalter soll so bleiben, wie es ist, das steht ja außer Frage – langfristig auf einer guten Basis, auf einem guten Niveau zu halten. Daher appelliere ich an alle, an die Arbeitnehmer:innen, aber auch an die Betriebe, die Chance zu nützen , betriebliche Gesundheitsförderung auszubauen und alles zu tun, um die Angebote im positiven Sinn zur Sicherung der Pensionen, aber auch zur Sicherung unseres Wohlstands in Österreich zu forcieren. Wir werden auch noch die Flattax einführen, weil es auch wichtig ist, dass wir etwas für die Selbstständigen, aber auch für die Bauern tun. Meine Damen und Herren, viele wollen nach dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter freiwillig weiterarbeiten, auch das ist ein wichtiger Aspekt, den wir nicht außer Auge lassen dürfen. Wir wollen mit Eigenverantwortung, mit sozialer Sicherheit und mit Maß und Ziel handeln, sanieren, reformieren und so letztlich den Wohlstand in unserem Land sichern. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Bettina Zopf .

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher zu Hause und oben auf der Galerie! Ich darf auch meine Tochter Lena mit ihrer Freundin Carina oben auf der Galerie ganz herzlich begrüßen. ( Allgemeiner Beifall. ) Die Altersteilzeit ist der Ferrari unter den altersgerechten Arbeitszeitmodellen; das kann man so sagen. Meine Erfahrungswerte stammen aus elf Jahren Betriebsratstätigkeit, da habe ich zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Pensionsverfahren begleitet und auch viele Altersteilzeitvereinbarungen abgeschlossen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Der Ferrari?

ÖVP Bettina Zopf

… Es ist eine tolle Brücke vom Arbeitsleben in die Pension. Die Grundlage für die Korridorpension sind 40 Versicherungsjahre, die Langzeitversichertenregelung beinhaltet 45 Arbeitsjahre. Jetzt machen wir die Altersteilzeit etwas gerechter, weil es doch ungerecht ist, wenn jene, die weniger ins System eingezahlt haben, eigentlich mehr konsumieren als die, die mehr eingezahlt haben. Das schafft in der Altersteilzeit also mehr Gerechtigkeit.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da müssen Sie selber lachen, gell?

ÖVP Bettina Zopf

… Es gibt doch nichts Schöneres im Leben …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Als eine Pensionsreform! – Abg. Lindinger [ÖVP]: Aufpassen, dann versteht ihr es vielleicht auch!

ÖVP Bettina Zopf

… als gebraucht zu werden – das hat meine Schwiegermutter einmal gesagt, die über das Pensionsantrittsalter hinaus gearbeitet hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Also Sie machen jetzt aus dem Ferrari einen Golf!

ÖVP Bettina Zopf

… Geschätzte Frau Kollegin Belakowitsch, was ich sage, sind wahre Worte und nicht scheinheilige Redereien, wie ihr das hier immer kolportiert und damit den Leuten falsche Sachen vorredet, die einfach nicht stimmen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie haben gesagt, es ist ein Ferrari!

ÖVP Bettina Zopf

… Das, was ich sage, ist die Wahrheit und ist Tatsache. Ich habe das in der Praxis draußen so gelebt. Zum Abschluss appelliere ich noch an alle älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Wir brauchen euch in Zukunft. Wir schaffen dazu Regelungen, damit ihr Rahmenbedingungen vorfindet, die euch das Arbeiten im Alter schöner machen. Wir brauchen euch für uns und für unsere nächsten Generationen. Danke an alle, die noch arbeiten gehen können, wollen und das auch tun. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter Klaus Lindinger . – Bitte.

ÖVP Klaus Lindinger

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wenn wir heute hier Veränderungen, Verbesserungen im Pensionssystem …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ganz sicher Verbesserungen!

ÖVP Klaus Lindinger

… diskutieren und beschließen, darf ich als Jugendsprecher schon eines festhalten: Unser Pensionssystem basiert auf einem Generationenvertrag, und diesen Generationenvertrag müssen wir auch nachhaltig absichern. Kollege und Klubobmann Shetty hat heute sehr klar dargestellt, wie die Demografie in Österreich ausschaut und dass wir da entsprechenden Veränderungsbedarf haben, dass diese Veränderung notwendig ist. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn Sie draußen mit den Leuten reden – egal ob es Junge sind, ob es 40-, 50-, 60-Jährige sind –, dann sagen diese ganz klar, dass wir in der Politik beim Pensionssystem nachbessern müssen, damit wir dieses Pensionssystem auch für die nächsten Generationen absichern können, damit die Leute in 20, 30, 40, 50 Jahren auch noch eine staatliche Pension haben können. (👏 ÖVP, NEOS) Das heißt, wir brauchen Verlässlichkeit und Planungssicherheit, und diese Verlässlichkeit und Planungssicherheit schaffen wir heute mit dem Beschluss einiger Veränderungen und mit der Einführung der Teilpension. Meine Damen und Herren, es ist unwahr, wenn gesagt wird, dass wir die Versicherungsjahre, die Beitragsjahre da nicht abbilden, denn wir haben das sehr wohl mit im Boot. Wir schaffen es auch, dass die Pflegeberufe in die Schwerarbeiterregelung miteinbezogen werden. Die Altersteilzeit und die Teilpension sollen so geschaffen werden, dass Arbeiten im Alter möglich ist, und der Nachhaltigkeitsmechanismus ist, glaube ich, einer der zentralen Punkte, um das System, das wir in Österreich haben und das ein wirklich gutes System ist, auch für die Zukunft abzusichern. (👏 ÖVP) Meine Damen und Herren, in Zukunft wird es möglich sein, in der Teilpension mit Abschlägen von 25, 50 oder 75 Prozent in Pension zu gehen. Ja, sehr wohl, Kollegin Belakowitsch, man geht dann natürlich mit Abschlägen, es hat aber auch massive Vorteile.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ach so! Für wen?

ÖVP Klaus Lindinger

… Den restlichen Teil kann man weiterarbeiten, bis man abschlagsfrei gehen kann. So schafft man es auch, dass das Wissen der älteren Personen, auch wenn diese körperlich oder geistig nicht mehr 40 Stunden arbeiten können, entsprechend weitergegeben werden kann. Das bringt Vorteile für das Unternehmen, für die Wissensweitergabe, für die nächsten Arbeitnehmer, die dann auch mit diesem Wissen arbeiten können. Die Abgeordneten der Freiheitlichen stellen sich hierher und agieren mit Unwahrheiten, mit Fake News.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Fake News!

ÖVP Klaus Lindinger

… Das passiert schon die letzten Wochen und Monate und ich beobachte das wirklich sehr genau. Hier wird wirklich mit Unwahrheiten, mit Halbwahrheiten, mit Fake News agiert. Das Niveau – weil wir ja von Fakten und sachlichen Argumenten gesprochen haben – von unseren Kollegen aus der freiheitlichen Abteilung sinkt wirklich bis in den Keller. Die Realität wird ausgeblendet.

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Er geht hinaus lügen und sagt dann: Das Niveau ist im Keller!

ÖVP Klaus Lindinger

… Da gibt es einen kleinen Schutzschirm, den ihr aufbaut, anstatt dass ihr an Lösungen arbeitet. Alle drei Kollegen, die hier heraußen gestanden sind, haben keinen einzigen Lösungsvorschlag zur Verbesserung des Systems beigetragen. Sie haben keinen einzigen Lösungsvorschlag, damit wirklich positiv für die Menschen in dem Land gearbeitet wird. Das schaffen wir in den Regierungsparteien. Stimmt diesem Antrag zu, denn dann können wir das System nachhaltig absichern! …

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Stellt sich hinaus, lügt die Leute an und sagt dann, dass wir lügen!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist ein zweites Mal Herr Abgeordneter Peter Wurm zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Frau Präsidentin! Frau Minister! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Werte Zuseher! Ich hoffe, dass ganz, ganz viele Österreicherinnen und Österreicher die letzten drei Stunden zugesehen haben, zugehört haben …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das schaut sich keiner drei Stunden an!

FPÖ Peter Wurm

… denn dann kann sich jeder, der denken kann, glaube ich, ein Bild machen. Ich versuche einmal, zusammenzufassen, wie ich das jetzt erlebt habe.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Und warum hast du dir dann kein Bild gemacht?

FPÖ Peter Wurm

… Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, wenn es so wäre, wie die Kollegin von der ÖVP gesagt hat, nämlich dass es eine „Win-win-win-Situation“ ist, dass also bei dem, was wir da heute beschließen, quasi Milch und Honig fließen, dann könnten Sie ja alle ganz entspannt sein und uns Freiheitliche links liegen lassen.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Tun wir eh! – Abg. Strasser [ÖVP]: Das ist eine gute Idee! – Beifall bei der FPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS. – Rufe bei der ÖVP: Gute Idee! Guter Vorschlag!

FPÖ Peter Wurm

… Ja, das können Sie machen, genau! Das könntet ihr ja machen. Dann verstehe ich halt nicht, warum der sowieso auffällige Kollege Hammer uns als „widerlich“ und schäbig bezeichnen muss. Das verstehe ich nicht, aber das kann er sicher einmal erklären. Ich verstehe auch nicht, warum der Kollege von der Sozialdemokratie uns als „feige Partei Österreichs“ bezeichnen muss.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du hast vollkommen recht! Die Verrohung der Sprache ist ganz schlimm am Rednerpult, Peter! – Zwischenruf des Abg. Zarits [ÖVP].

FPÖ Peter Wurm

… Das verstehe ich nicht, aber die Zuschauer werden es vielleicht verstehen, wenn alles so ist, wie Sie glauben, es sagen zu müssen. Das ist also schon ein bissel - - Ich habe aber schon einige Dinge mitgeschrieben, und es waren ja zwischendurch auch einige Wahrheiten dabei. Frau Minister Schumann hat gesagt: Wir müssen Geld sparen, deshalb machen wir das. – Das war eins zu eins die Aussage der Ministerin. Das ist eine wahre Aussage, und das sollte man den Menschen auch sagen. Das heißt, Sie sparen, und Sie sparen natürlich bei den zukünftigen Pensionisten. Das ist die Wahrheit, und das könnte man auch sagen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. (👏 FPÖ) Die Frau Minister hat es ja auch gesagt. Wenn man ihre Mimik anschaut, dann weiß man auch oder kann man ja sehen, dass sie sich bei diesem Thema nicht wohlfühlt. Es ist also nichts, das ihr Freude macht. So, das ist für mich klar. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ. ) Kollege Shetty war ja auch sehr deutlich in seinen Ausführungen. Also der junge Kollege Shetty hat von strengen Maßnahmen und von längerem Arbeiten gesprochen. Von den NEOS ist das nicht sehr überraschend. Das ist die Richtung, die vorherrscht. Aber er hat auch zwei Dinge gesagt, die interessant sind. Er hat gesagt, wir brauchen das Geld, das wir da einsparen, für Integrationsmaßnahmen und für den Klimaschutz …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das war eine längere Aufzählung! Jetzt hast du ein bisserl was ausgelassen!

FPÖ Peter Wurm

… also auch ganz interessante Botschaften. Liebe zukünftige Pensionisten, Sie müssen einfach jetzt sparen, damit dann diese Regierung mit den NEOS das Geld für Integrationsmaßnahmen und für Klimaschutz ausgeben kann. (👏 FPÖ) Das kann man ja mögen, muss man aber nicht mögen. Wir haben unzählige Maßnahmen bereits in den letzten Jahren genannt, wie man auch sparen könnte. Ich möchte nur zwei kurz anführen: Luxuspensionen – wollen Sie nicht angreifen. Ich kann Ihnen die letzten zwölf Jahre zurück meine Anträge oder die von Kollegin Belakowitsch nennen. Bei den Luxuspensionen, die wir nach wie vor haben – das heißt, 8 000 Euro, 10 000 Euro, 15 000 Euro im Monat –, wollt ihr nichts angreifen. Die laufen nach wie vor weiter. So, und das zweite Thema: Sie wollen auch im Bereich der Zuwanderung nichts angreifen. Das ist halt einfach die Linie von diesen vier Parteien. Wir sehen das diametral anders. Und ich sage es auch einmal: Man könnte darüber nachdenken, ob es die Pensionen in dieser Höhe nur mehr für Staatsbürger gibt. Wenn der Staatshaushalt eh querfinanzieren muss, dann weiß ich nicht, warum man für Ausländer Pensionen finanzieren muss.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Vielleicht, weil sie ein Recht darauf haben!

FPÖ Peter Wurm

… Darüber könnte man einmal nachdenken. (👏 FPÖ) Das sage ich auch deshalb – ich habe es mehrmals gesagt –, weil Sie zukünftig alle, die Sie ins Land geholt haben, mit einer Mindestpension werden versorgen müssen. Das kommt. Und das sehe ich oder das sehen wir einfach diametral anders, als Sie vier Parteien das sehen. Entscheiden wird es der Bürger da draußen, der wählen geht. Vielleicht noch eine Geschichte, weil diese SPÖ-Erzählung immer wieder kommt: Ich sage Ihnen, ich bin stolz auf das Pensionskonto – das Pensionskonto ist eine Erfindung, das sage ich ganz bewusst, auch der Freiheitlichen, damals gemeinsam mit Schüssel –, weil es Gerechtigkeit geschaffen hat, dass jene, die jeden Monat einzahlen, dementsprechend auch eine Pension kriegen – also ein System, für das man sich nicht genieren muss. Ich sage Ihnen aber eines noch – das muss man auch einmal sagen –: Es gibt heute noch – und diese Reform ist jetzt 25 Jahre her, ein Vierteljahrhundert – genügend in Österreich, die nach wie vor 80 Prozent ihres Letztbezugs als Pension bekommen. Der normale ASVG-Pensionist kann davon nur träumen. Auch das sollten wir einmal diskutieren: wie lang diese Übergangsfristen für manche privilegierte Berufsgruppen gelten. Das sage ich Ihnen auch einmal. (👏 FPÖ) Zu den NEOS: Ihr seid immer gegen diese Hacklerregelung gewesen – 45 Jahre sind genug, ohne Abschlagszahlungen. Ich sage es noch einmal: Das bräuchte dieser Staat. Wir bräuchten Arbeitnehmer, die 45 Jahre arbeiten. Das werden ganz viele bei den NEOS einfach nicht zusammenbringen, weil die meisten bei euch ja studiert haben und irgendwann mit Mitte, Ende 20 erst zu arbeiten anfangen. Wir brauchen aber auch jene Leute, die 45 Jahre zusammenbringen. Dafür sind wir Freiheitliche immer gestanden, früher auch die Sozialdemokratie. Jetzt sind wir halt allein bei diesem Thema. Wir werden es aber nicht aufgeben. (👏 FPÖ) Summa summarum, glaube ich, sollte man ganz ehrlich sagen, Sie haben dieses Land heruntergewirtschaftet, Sie müssen jetzt sparen, auch bei den zukünftigen Pensionisten. Das ist die Wahrheit. Und nur, weil wir diese Wahrheit sagen, Herr Kollege Hammer, sind wir noch nicht „widerlich“. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/88.1 Zu Tagesordnungspunkt 6 liegt ein Rückverweisungsantrag der Abgeordneten Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich lasse daher sogleich darüber abstimmen, den gegenständlichen Gesetzentwurf nochmals an den Ausschuss für Arbeit und Soziales zu verweisen, und ersuche jene Damen und Herren, die dafür eintreten, um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/88.2 Wir gelangen damit zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Entwurf betreffend Teilpensionsgesetz, in 174 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten August Wöginger , Josef Muchitsch , Johannes Gasser , Kolleginnen und Kollegen einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag eingebracht. Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag sowie vom erwähnten Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend den Titel, das Inhaltsverzeichnis und den Einleitungssatz in Artikel 1 eingebracht. Wer dafür ist, den bitte ich um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 1 Z 1. Wer dafür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Art. 1 Z 1 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Art. 1 Z 2 eingebracht. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 1 Z 3. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatzantrag betreffend Einfügung der Ziffern 3a und 3b in Artikel 1 eingebracht. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Art. 1 Z 4 und 5 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatzantrag betreffend Einfügung der Ziffer 5a in Artikel 1 eingebracht. Wer ist dafür? – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Art. 1 Z 6 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer ist dafür? – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Art. 1 Z 7 eingebracht. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag betreffend Artikel 2 Einleitungssatz sowie die Ziffern 1 bis 3 und 6. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Artikels 2 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer ist dafür? – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Wöginger, Muchitsch, Gasser, Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 3 eingebracht. Wer spricht sich dafür aus? – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über die Artikel 4 bis 8 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer ist dafür? – Auch das ist mit Mehrheit angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes und des Titels sowie den Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen somit sogleich zur dritten Lesung. Wer in dritter Lesung seine Zustimmung gibt, den bitte ich um ein Zeichen. – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung mit Mehrheit angenommen. Dann kommen wir zu Tagesordnungspunkt 17 ( Unruhe im Saal ), 7. Ich habe geglaubt, bei 17 wären wir. (Abg. Wöginger [ÖVP]: Abstimmung!) – Zur Abstimmung? (Abg. Wöginger [ÖVP]: Den Siebener müssen wir noch abstimmen!) – Einen Moment, bitte. Danke vielmals. RN/88.3 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz und das Bauern-Sozialversicherungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 175 der Beilagen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Wer in dritter Lesung seine Zustimmung gibt, den bitte ich um ein Zeichen. – Der Gesetzentwurf ist in dritter Lesung mit Mehrheit angenommen. Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz und das Bauern-Sozialversicherungsgesetz ... ( Ruf: Das haben wir schon! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das haben wir ja gerade abgestimmt!) Wir haben einen kleinen Croquisfehler, aber wir haben es, glaube ich, geschafft. Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung, 37. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:40

Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz – TNRSG

184 d.B. · Regierungsvorlage 126 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Das Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz (TNRSG) wird geändert, um die delegierte Richtlinie (EU) 2022/2100 zur Rücknahme bestimmter Ausnahmen für erhitzte Tabakerzeugnisse in nationales Recht umzusetzen. Der Nationalrat erteilt dem von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf die verfassungsmäßige Zustimmung.

Betroffen sind insbesondere Hersteller, Importeure und Händler von erhitzten Tabakerzeugnissen sowie die für Kennzeichnung, Inverkehrbringen und Werbung zuständigen Marktteilnehmer und Aufsichtsbehörden.

Dokumente

Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz – TNRSG

Gegenstand des Ausschussberichts

  • Behandelt wird eine Regierungsvorlage für ein Bundesgesetz, mit dem das Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz (TNRSG) geändert wird.
  • Die Änderung betrifft das Bundesgesetz über das Herstellen und das Inverkehrbringen von Tabakerzeugnissen und verwandten Erzeugnissen sowie die Werbung für Tabakerzeugnisse und verwandte Erzeugnisse und den Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutz.

EU-rechtlicher Hintergrund und Ziel der Novelle

  • Ausgangspunkt ist die Richtlinie 2014/40/EU (Tabakproduktrichtlinie, TPD II).
  • Umgesetzt wird insbesondere die delegierte Richtlinie (EU) 2022/2100 der Kommission vom 29. Juni 2022 zur Änderung der Richtlinie 2014/40/EU hinsichtlich der Rücknahme bestimmter Ausnahmen in Bezug auf erhitzte Tabakerzeugnisse.
  • Ziel der Novelle ist die Umsetzung dieser delegierten Richtlinie in nationales Recht.

Inhaltlicher Kern der Umsetzung

  • Die Novelle setzt die unionsrechtlich vorgesehene Rücknahme bestimmter Ausnahmen für erhitzte Tabakerzeugnisse im österreichischen TNRSG um.

Ergebnis der Beratungen (inhaltlich)

  • Der Ausschuss befürwortet den von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf (Regierungsvorlage) und empfiehlt dessen Annahme durch den Nationalrat.

Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz – TNRSG

~124 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Gerhard Kaniak

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Liebe Raucherinnen und Raucher! ( Rufe bei der FPÖ: Ja, was is? ) Ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage: Rauchen schädigt Ihre Gesundheit. ( Rufe bei der FPÖ: Wissen wir! ) Die meisten von Ihnen wissen das, auch die Parteien hier im Hohen Haus wissen das, deshalb behandeln wir die jetzigen Änderungen in den Tabakgesetzen einvernehmlich und das gesamte Plenum wird voraussichtlich diesen Änderungen zustimmen. Tatsächlich ist es so, dass die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens verheerend sind. Wenn man sich die aktuellen Zahlen aus Europa anschaut, sieht man, dass man momentan von circa 700 000 Todesfällen pro Jahr in Europa inklusive Großbritannien ausgeht und dass circa 27 Prozent aller Krebserkrankungen auf das Rauchen zurückzuführen sind. In Österreich selbst haben wir auch eine unrühmliche Position: Wir haben historisch eine etwas erhöhte Quote an Rauchern in der Bevölkerung. Aktuell rauchen circa 25 Prozent der Bevölkerung, also quasi jeder vierte Österreicher und jede vierte Österreicherin raucht – das liegt 2 Prozentpunkte über dem EU-Schnitt und ist sicherlich eine Motivation für uns alle, dass wir uns Mühe geben, dass dieser Anteil im Sinne der Gesundheit niedriger wird. Die jetzigen Gesetzesänderungen sind die Folge einer delegierten EU-Richtlinie. Diese stammt bereits aus dem Jahr 2022, die Regierung hat sich also etwas Zeit gelassen, das umzusetzen. Der Vorwurf geht vor allem an die vorherige Regierung; diese hätte gut zwei Jahre Zeit gehabt, das umzusetzen. Dass die jetzige Regierung es angreift, ist ein gewisser Zwang, der da ist – aber auch Pflichtaufgaben müssen erledigt werden. Was mir persönlich noch wichtig wäre und was in diesen jetzigen Gesetzesnovellen nicht abgebildet ist – die decken nämlich nur die Kennzeichnung von erhitzten Tabakprodukten und das Nicht-in-Verkehr-Bringen von aromatisierten erhitzten Tabakprodukten ab –, wäre, dass wir auch eine Regelung für die vielen anderen nikotinhältigen Produkte finden: für die Liquids, für die Nikotinpouches und ähnliche Dinge, die auch einen immer größeren Anteil am österreichischen Markt haben und wofür es noch keine passenden Regulative gibt. Die Frau Staatssekretärin hat in der Ausschusssitzung gemeint, sie wird sich des Themas annehmen. Ich hoffe, dass eine Regelung gefunden wird, die vor allem im Sinne des Jugendschutzes ist, die natürlich der Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher zuträglich ist, die aber so, wie auch die jetzigen Regelungen nicht überschießend sind, kein Gold-Plating betreibt, sondern eine Lösung mit Hausverstand und Hirn ist. In diesem Sinne ersuche ich alle Parteien, diesen Antrag anzunehmen und warte auf die weiteren Ausführungen und Ausarbeitungen aus dem Ministerium. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Rudolf Silvan .

SPÖ Rudolf Silvan

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Anschließend an Kollegen Kaniak: Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt, dass jährlich mehr als sieben Millionen Menschen direkt an den Folgen des Tabakkonsums sterben. 1,2 Millionen Menschen sterben als Folge der Passivrauchexposition. Wie Kollege Kaniak schon ausgeführt hat: In der Europäischen Union sind mehr als 700 000 Menschen jährlich betroffen, sterben jährlich mehr als 700 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, 27 Prozent der Menschen erleiden dadurch auch Krebserkrankungen. Ich komme aus einer Generation – wie einige hier im Raum auch –, in der es noch völlig normal war, dass man im Auto geraucht hat, wenn auch Kinder im Auto saßen, in der man im Zug geraucht hat, in der man im Flugzeug oder in Lokalen geraucht hat. Das gehört – zum Glück – der Vergangenheit an, aber die Tabakindustrie lässt sich natürlich immer etwas Neues einfallen, um die Menschen von ihren Produkten zu überzeugen und in die Abhängigkeit zu treiben. In dieser Regierungsvorlage ist daher auch die Rede von diesen Tabakerhitzern. Das sind an sich neuere Tabakprodukte, die Nikotin und andere chemische Stoffe freisetzen und die natürlich auch mit diversen Aromen versetzt sind, die jetzt in dieser Regierungsvorlage verboten werden sollen – also mit Himbeere, Erdbeere und so weiter –, die den Menschen – vor allem den Jugendlichen – suggerieren sollen, dass diese Produkte harmlos sind. Ich bin sehr froh über diese Regierungsvorlage, dass auch die geänderte EU-Richtlinie in österreichisches Recht mit übernommen wird. Aus unserer Sicht ist das ein weiterer wichtiger Schritt, die Menschen vor dem Einstieg in die Abhängigkeit zu schützen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Kira Grünberg .

ÖVP Kira Grünberg

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Was soll ich sagen: Es ist wunderschön, wieder zurück zu sein. Vielen Dank für die herzliche Wiederaufnahme. Ich freue mich sehr, dass ich wieder Abgeordnete des Hohen Hauses sein darf. ( Allgemeiner Beifall. ) Ich freue mich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit in den nächsten Jahren, die hoffentlich fraktionsübergreifend, lösungsorientiert und auch im Sinne der Menschen in unserem Land ist. Meine politischen Schwerpunkte bleiben auch in dieser Legislaturperiode unverändert: Ich werde mich weiterhin für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzen, und auch das Thema Sport liegt mir immer noch sehr am Herzen. Ich möchte mich natürlich weiter dafür einsetzen, dass wir Verbesserungen erzielen für mehr Teilhabe, für mehr Chancengerechtigkeit und vor allem auch für mehr Lebensqualität. Doch heute spreche ich zu einem anderen Thema, das aber auch in den letzten Jahren sehr viel an Brisanz gewonnen hat: Es geht um den Schutz der Gesundheit, vor allem um den Schutz der Gesundheit unserer Jugendlichen, denn es kommen immer mehr unterschiedliche und neue Tabakprodukte auf den Markt, und immer noch jüngere Menschen konsumieren diese. Obwohl wir alle wissen, dass sie ungesund und krebserregend sind, dass viele andere Krankheiten entstehen, werden immer mehr Jugendliche dazu verleitet, Tabak zu konsumieren. Es sind sage und schreibe 25 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher, die rauchen, das sind zwei Millionen Menschen. Damit liegen wir in Österreich auch 2 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt. Die Zahlen sind extrem alarmierend, doch noch besorgniserregender finde ich, dass auch immer mehr Jugendliche Tabakprodukte konsumieren. Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Atemwegserkrankungen kommen immer häufiger auf. Laut dem Gesundheitsministerium sterben in Österreich jedes Jahr 14 000 Menschen infolge von Tabakkonsum – 14 000 Tode, die vermeidbar wären. Damit ist Rauchen nach wie vor eines der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Österreich. Nein, es gibt keine unbedenkliche Menge, keine harmlosen Formen des Konsums. Ob klassisch geraucht oder auch, wie es jetzt modern ist, erhitzt: Tabak ist und bleibt tödlich. Vor diesem Hintergrund ist es unsere Aufgabe, hier Maßnahmen zu setzen, die insbesondere unsere Jugend schützen sollen. Mit der heutigen Gesetzesänderung schaffen wir eine Gleichstellung. Erhitzte Tabakprodukte werden in Zukunft genau so behandelt wie klassische Zigaretten. Das betrifft nicht nur die Verpackungsvorschriften, sondern vor allem auch das Verbot der charakteristischen Aromen; denn aromatisierte Tabakprodukte, sei es mit Minze-, Mango- oder auch Vanillegeschmack, sprechen gezielt Jugendliche an. Der süße Geschmack verschleiert die Schädlichkeit und senkt auch die Hemmschwelle zum Einstieg. Wer früh beginnt, bleibt oft ein Leben lang abhängig. Hier steuern wir nun dagegen und setzen einen wichtigen Schritt zum Schutz unserer Jugend. Jeder Mensch, der nicht mit dem Rauchen beginnt, ist ein gesundheitlicher Gewinn: für sich selbst, für seine Familie, aber vor allem auch für unser gemeinsames Gesundheitssystem. (👏 ÖVP, SPÖ) Wir haben die Verantwortung, die nächsten Generationen nicht mit denselben Fehlern aufwachsen zu lassen. Heute haben wir die Chance, sie besser zu schützen. Lassen Sie uns diese gemeinsam nützen! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiona Fiedler .

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! (Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend:) Liebe gehörlose Menschen! Mit dieser Reform des Tabak- und Nichtraucherschutzgesetzes machen wir nicht sehr viel, so ehrlich muss man sein. Wir gehen heute einen ersten notwendigen Schritt, um eine bessere Gleichstellung zwischen Zigaretten und erhitzten Nikotinprodukten zu schaffen und – das darf man auch nicht vergessen – damit auf einen vergleichbaren Schutz zu anderen Ländern zu kommen. Eines ist schließlich klar: Österreich ist da eindeutig im Hintertreffen. So wichtig ein liberaler Zugang auch ist, so sehr geht es uns um einen Interessenausgleich. Wir sehen, dass wir in Österreich noch viel Aufholpotenzial haben. Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung ist nicht besonders hoch. Da verwundert es nicht, dass in Österreich im internationalen Vergleich mit 20 Prozent der Bevölkerung besonders viele Menschen rauchen. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als 4 000 Menschen an Lungenkrebs gestorben. Es gibt auch eine hohe Rate an COPD-Erkrankungen. Für uns ist deshalb glasklar, was wir da brauchen: mehr Aufklärung und mehr Prävention. Dazu gehören auch mehr Anpassungen an technologische Entwicklungen. Immerhin sehen wir, dass auch die elektrischen Vapes – die Verdampfer – für Jugendliche viel zu oft einen Anreiz zum Rauchen darstellen. Die fallen zwar nicht unter die Tabakprodukte, aber dem Lungengewebe ist ehrlich gesagt ziemlich egal, welche schädliche Substanz es zerstört. Das wird uns allen einleuchten. Deshalb machen wir hier heute einen ersten Anpassungsschritt. Für Gesundheitskompetenz, Jugendschutz und Krankheitsprävention werden wir aber noch viele, viele weitere Schritte brauchen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Ralph Schallmeiner .

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren hier auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Ja, meine Vorrednerinnen und Vorredner haben eh schon recht gut erklärt, worum es bei dieser Novelle geht. Es ist halt leider nicht der große Wurf, den wir benötigen würden, der aber in den Schubladen liegen würde. Bekanntermaßen gab es ja noch einen entsprechenden Entwurf für eine Novelle des Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetzes von Johannes Rauch, in dem wir genau diese Themen, die gerade angesprochen wurden, berücksichtigt hätten: die Frage der Vapes, die Frage von Pouches, die Frage – eine sehr wichtige Frage, wie ich finde –: Darf man auf Spielplätzen rauchen oder nicht? Da gab es gerade in der letzten Legislaturperiode einige durchaus gute Anträge der SPÖ. Das sind Themen, bei denen wir einfach Regulierungsbedarf haben. Warum wir diesen Regulierungsbedarf haben, hat Kollegin Fiedler vorhin richtigerweise angeführt. Ich kann es Ihnen ja sagen: Als jemand, der selber 24 Jahre schwer geraucht hat und dann zum Glück vor elf Jahren mit dem Rauchen aufgehört hat, weiß ich, was es heißt, wenn man abhängig ist, wenn man von Nikotin abhängig ist. Es steht außer Diskussion, dass es da besseren Schutz – insbesondere für Kinder und Jugendliche – braucht, dass es in Bezug auf Vapes und Pouches, die erwähnt wurden, mehr Anpassung an neue Technologien et cetera braucht. Es haben uns ja auch die Bundesländer in der Vergangenheit regelmäßig aufgefordert, da endlich aktiv zu werden. Einzig und allein: Wir finden das halt leider in dieser Novelle nicht. Deshalb habe ich zwei Entschließungsanträge mitgebracht. Der eine Entschließungsantrag zielt genau auf all diese Novellierungsmaßnahmen, die dringend notwendig sind, ab, bei denen es um die Frage der Vapes, um die Frage der Pouches und um die Frage von Rauchen auf Kinderspielplätzen geht. Wir wollen, dass das Ministerium da weiterarbeitet, dass man die Schublade aufmacht, diesen Entwurf herausholt, dort adaptiert, wo er notwendigerweise zu adaptieren ist, weil wir ja auch gesehen haben, dass es entsprechende Rückmeldungen im Begutachtungsverfahren gegeben hat, und dass uns diese Novelle dann schnellstmöglich vorgelegt wird. Daher bringe ich folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Ralph Schallmeiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Verbesserungen beim Tabak- und Nikotinschutz“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung und insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz werden aufgefordert dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zu übermitteln, die zumindest folgende Punkte enthält: Neue nikotinhaltige Produkte ohne Tabakzusatz (z.B. Nikotinbeutel, Vapes, etc.) sowie Produkte, die Tabakerzeugnisse imitieren und potenziell als Einstiegsmittel für Nikotinkonsum dienen, werden gleichermaßen wie Tabakerzeugnisse reguliert. Die bisherigen Werbeverbotsbestimmungen für Tabak gelten auch für diese neuen Produkte. Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen Des Weiteren soll die Bundesregierung neben der Aufklärung über die Schädlichkeit von Tabak eine verstärkte Aufklärung über die Schädlichkeit von Nikotin, insbesondere mit Schwerpunktsetzung auf soziökonomisch benachteiligte Gruppen und Jugendliche, umsetzen. Ich glaube, das ist genau das, was es für die Zukunft brauchen wird. Da bitten wir um Ihre Zustimmung. Ich habe noch einen zweiten Antrag dabei: Wir sprechen ja immer über Vapes, wir sprechen ja über diese Verdampfer, wir sprechen aber zu wenig darüber, welche Gefahr neben dem Rauchen von diesen ausgeht, weil viele dieser Vapes sogenannte Einwegvapes sind. Das heißt, die haben einen Akku drinnen. Sie halten für – ich weiß nicht – 100, 200 Anwendungen und müssen dann samt dem Akku weggeschmissen werden, was natürlich nicht nachhaltig und auch hochgefährlich ist. Es gab erst vor Kurzem beispielsweise einen Brand in Lienz, der durch solch ein Vape ausgelöst wurde. Wer sich vielleicht vor Kurzem Jan Böhmermann angeschaut hat, wird festgestellt haben, dass er eine ganze Sendung über diese Einwegvapes gemacht hat. Ich weiß schon, dass dann von da drüben etwas kommt – das ist ein Triggerwort: Jan Böhmermann, ui! ( Heiterkeit bei Grünen und SPÖ. ) Er ist also gar nicht schlecht. Es war eine sehr gute Sendung. Auch hierzu möchte ich dementsprechend einen Entschließungsantrag einbringen, damit diese Einwegvapes hier in Österreich endlich verboten werden. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist zu groß (👏): Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Lukas Hammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Verbot von Einweg E-Zigaretten zum Schutz von Umwelt und Gesundheit“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft und die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz werden aufgefordert, dem Nationalrat umgehend eine Gesetzesvorlage zukommen zu lassen, welche ein umfassendes Verbot des Verkaufs von Einweg-E-Zigaretten in Österreich vorsieht. Ich bitte bei beiden Anträgen dringend um Zustimmung. Es ist längst überfällig, dass wir da tätig werden. – Danke schön. (👏) 14.58 Der Gesamtwortlaut der Anträge ist unter folgenden Links abrufbar: RN/95.1 Verbesserungen beim Tabak- und Nikotinschutz (101/UEA) RN/95.2 Verbot von Einweg E-Zigaretten zum Schutz von Umwelt und Gesundheit (102/UEA) Präsidentin Doris Bures : Beide Entschließungsanträge sind ordnungsgemäß eingebracht und stehen daher auch mit in Verhandlung. Frau Staatssekretärin, ich unterbreche in 1 Minute die Sitzung. Wenn Sie wollen, können Sie die 1 Minute jetzt haben, oder Sie gelangen nach dem Dringlichen Antrag und der Kurzdebatte dann als Erste zu Wort. ( Zwischenbemerkung von Staatssekretärin Königsberger-Ludwig. ) – Ich unterbreche um 15 Uhr. – Bitte.

GRÜNE Leonore Gewessler

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ein herzliches Willkommen auch an alle, die diese Debatte hier oder zu Hause verfolgen! „Langwaffe in Wohnung“; „Schüsse auf Bim“; „Spendensammler mit Gewehr bedroht“; „Schießerei in Wien: Mann bedrohte Ex-Frau und Polizisten mit Gewehr.“ – Ich habe momentan das Gefühl, dass wir kaum die Zeitung aufschlagen oder auf unser Handy schauen können, ohne dass uns Überschriften wie diese ins Auge springen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich ertappe mich dann manchmal dabei, dass ich weiterblättere, dass ich weiterscrolle. Es kommt irgendwie schon ständig vor – vielleicht stumpft man schon ein bisschen ab, vielleicht kann man es auch einfach nicht mehr sehen, nicht mehr hören, will es nicht mehr wissen. In einigen dieser Artikel ist es zum Glück so, dass am Ende dann steht, dass es glimpflich ausgegangen ist – jedes Mal bin ich heilfroh darüber –, gerade auch, weil unsere Polizei hervorragende Arbeit leistet, weil unsere Sicherheitskräfte mit großem Engagement und großem Einsatz dafür kämpfen und dafür arbeiten, dass nichts Schlimmeres passiert, dass Schlimmeres verhindert werden kann. (👏 ÖVP, SPÖ) Dafür gebührt ihnen auch ein Danke! Aber das kann nicht immer gelingen. Ganz egal, wie groß der Einsatz ist, manchmal geht es eben nicht gut aus. Es ist schmerzlich und traurig, dass wir oftmals erst dann darüber diskutieren und nachdenken, was Waffengewalt, was Schusswaffengewalt in diesem Land bedeutet, wenn es eben nicht glimpflich ausgegangen ist. So wie zuletzt in Graz: Zehn Menschen – zehn Menschen! – haben ihr Leben verloren – unnötig, sinnlos –, ermordet von einem rücksichtslosen Täter, mit Waffen, die dieser völlig legal besessen hat. Nur, um es klar zu sagen: So klar und so schmerzlich das auch ist: Nichts, was wir heute hier sagen, nichts, was wir gar beschließen, kann das Leid, das diese Tat verursacht hat, ungeschehen machen. Nichts kann diese schreckliche Tat ungeschehen machen. Keine Maßnahme kann immer und garantiert dafür sorgen, dass so etwas nie wieder vorkommt. Trotzdem dürfen wir – gerade in diesem Haus – nicht die Augen davor verschließen, wenn es Lücken in unserem Waffengesetz Menschen wie diesen leicht machen, zu leicht machen. Wir müssen doch alles dafür tun, dass wir das, was wir verhindern können, auch tatsächlich verhindern mit dem, was wir hier beschließen. (👏 SPÖ, NEOS) Ich habe es deswegen auch völlig richtig gefunden, dass die Bundesregierung vom Herrn Bundeskanzler abwärts gesagt hat: Wir wollen etwas verändern! Unser Waffenrecht ist zu lasch, wir wollen nachschärfen! – So tragisch der Anlass war, so richtig war die Reaktion, weil es ja auch stimmt: Österreich hat ein viel zu lasches Waffenrecht. Sie ( in Richtung Plenum ) und ich, Sie ( in Richtung Galerie ) und ich, wir können ziemlich ungehindert eine Schusswaffe kaufen. Ob wir psychisch stabil sind und mit einer Waffe wirklich umgehen können, das wird nicht extrem streng geprüft und in manchen Fällen überhaupt nicht geprüft. Es ist nicht einmal zwingend erforderlich, dass man uns fragt, wozu wir überhaupt eine Waffe brauchen und was wir damit vorhaben.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Sicher! Sicher wird das gefragt!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Ich halte das, ehrlich gesagt, für ziemlich befremdlich. Versuchen wir, uns das einmal bildlich vorzustellen: Sie und ich, wir gehen einkaufen: Obst, Gemüse, Gewehr. Das klingt jetzt vielleicht nach einem extrem befremdlichen Bild, aber ganz ehrlich gesagt, mit den Regeln, die wir derzeit haben, sind wir nicht extrem weit davon entfernt. Der einzige Unterschied ist: Auf das Gewehr muss ich lächerliche drei Tage warten, das Obst und das Gemüse kann ich mit nach Hause nehmen. Genau deshalb war ich froh darüber, dass diese Regierung angekündigt hat, nachzubessern und nachzuschärfen. Aber ganz ehrlich gesagt, weniger froh war ich, als ich gesehen habe, was denn dieses Nachbessern und Nachschärfen heißt: Hier und dort ein paar kosmetische Korrekturen, dafür gleich wieder neue Ausnahmen; viel Klein-Klein, aber unter dem Strich keine echte Verbesserung. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: höheres Alterslimit – gut; kein höheres Alterslimit bei Waffen der Kategorie C – das ist die Hälfte des Waffenbestandes in diesem Land – weniger gut. Das halte ich für falsch. Sehr geehrte Damen und Herren, ich halte es für falsch, dass wir in diesem Land nur dann diskutieren, wenn es ein Unglück gegeben hat, bevor wir über Verbesserung reden. Es ist um keinen Deut besser, wenn die Regierung Ankündigungen macht, aber ihr dann auf den ersten Metern bei der Umsetzung dieser Ankündigung die Luft ausgeht, ganz ehrlich gesagt. (👏) Ich finde, das kann nicht sein, wo es so deutlich ist und so dringend ist, dass wir Handlungsbedarf haben. Da muss man sich die Frage stellen: Warum ist das denn so? Warum ist die Regierung so zaghaft bei der Verschärfung der Waffengesetze, so zögerlich? Warum tun wir nicht das, was auf der Hand liegt? Vielleicht lohnt es sich gerade in dieser Debatte, einen Schritt zurück zu machen und darüber zu reden, was unser Sicherheitsverständnis ist. Wann fühlen Sie sich sicher? Fühlen Sie sich sicher, wenn Sie auf Schritt und Tritt beobachtet werden? Fühlen Sie sich sicher, wenn der Nachbar ein Gewehr an der Wand hängen hat? Fühlen Sie sich sicher, wenn unsere Polizei quasi monatlich große Waffenarsenale aushebt – nicht selten bei Menschen mit ein bisschen zweifelhaften Ansichten und oft noch einer Sammelleidenschaft für verbotenen Gegenstände aus der Nazizeit? – Ich sage Ihnen, ich fühle mich nicht sicherer, wenn es in diesem Land nicht deutlich schwerer ist, ein Gewehr zu kaufen als eine Flasche Schnaps. (👏 SPÖ) Ich wünsche mir für meine Sicherheit und für die Sicherheit aller Menschen in diesem Land, dass der Besitz einer Schusswaffe nicht der Normalzustand ist, sondern nur die gut begründete Ausnahme. Wenn wir davon sprechen, dass wir Menschen sicher halten, dass die Grünen Menschen sicher halten wollen, dann heißt das: Wir brauchen weniger Waffen und nicht mehr Überwachung. Ich habe von unserem Sicherheitsverständnis gesprochen, muss aber zu dem Schluss kommen, dass die Bundesregierung das offenbar völlig anders sieht. Wir haben gestern, Sie haben gestern hier in diesem Haus ein trojanisches Pferd beschlossen, einen Bundestrojaner …

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Stimmt ja nicht!

GRÜNE Leonore Gewessler

… mit dem Sie in Zukunft eine Software legitimieren, die Smartphones überwachen kann …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Für die Sicherheit Österreichs!

GRÜNE Leonore Gewessler

… und zwar ohne echte Schranken – weil das technisch nicht möglich ist, also ohne echte Schranken.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Für die Sicherheit Österreichs!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Zugriff auf das Handy heißt immer: Zugriff auf das Smartphone im Gesamten, von den Chats über die Fotos zu den Dokumenten aus dem Onlinebanking. Sie sagen, das trägt zu unserer Sicherheit bei, obwohl zahlreiche Fälle aus dem Ausland beweisen und zeigen, dass diese Gesetze nahezu immer zu Missbrauch führen.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Und das Taylor-Swift-Konzert?

GRÜNE Leonore Gewessler

… Am Ende werden kritische Journalist:innen, unbescholtene Bürger:innen und engagierte NGOs überwacht. Das haben Sie beschlossen! All diese Bedenken haben Sie weggewischt. All diese Bedenken haben Sie ignoriert. Es ist beschlossen – aber bei der Umsetzung von strengeren Waffenregeln …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Ist ja unfassbar!

GRÜNE Leonore Gewessler

… da fehlt der Mut, das Tempo, die Ambition. Sehr geehrte Damen und Herren, weniger Grund- und Freiheitsrechte, aber nicht weniger Waffen: Sorry, dieses Sicherheitsverständnis der Regierungsparteien ist leider komplett verkehrt herum. Wir Grüne sagen: Wir brauchen mehr Freiheit, aber weniger Waffen.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Darum verbieten wir es, gell?!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Ich sage es Ihnen: Wir Grüne werden in dieser Frage nicht lockerlassen. Stellen wir diese verquere Logik doch wieder vom Kopf auf die Beine. Arbeiten wir doch gemeinsam an einer Welt, in der der Besitz einer Schusswaffe die absolute und gut begründete Ausnahme ist – und nicht etwas, das man allen so leicht wie möglich macht, so wie das jetzt der Fall ist und mit Ihren halbherzigen Ankündigungen auch weiter der Fall sein wird. Arbeiten wir an einer Welt, in der wir uns alle sicher fühlen, weil wir uns darauf verlassen können, dass das Gegenüber nicht eine Pistole in der Tasche hat oder der Nachbar ein Gewehr an der Wand! Nehmen wir den Mut zusammen! Nehmen wir in diesem Nationalrat den Mut zusammen und machen wir endlich einen ordentlichen Schritt zum Schutz der Menschen vor Waffengewalt in diesem Land und nicht zum Schutz von laschen Waffengesetzen! (👏) Wie kann das gehen? Lassen Sie mich drei Punkte aus unserem Antrag skizzieren: Erstens: Wir drehen das Prinzip beim Waffenbesitz um. Statt dem Prinzip: Alle dürfen Waffen haben bis auf ein paar wenige, bei denen die Alarmzeichen kaum mehr zu übersehen sind!, soll in Zukunft gelten: Wer keine Waffe braucht, der kann auch keine Waffe kaufen! Und wer eine Waffe braucht, muss das begründen. (👏) Das wäre zum Beispiel, wenn jemand Jägerin oder Sportschütze ist oder wenn jemand nachweislich extrem bedroht ist. Heute gibt es in unserem Land 370 000 Waffenbesitzer und Waffenbesitzerinnen, aber 130 000 Jäger, 30 000 Sportschützen. Allein mit dieser Maßnahme könnten wir die Hälfte des Waffenbestands in Österreich ins Visier nehmen, und zwar insbesondere die, bei der es darum geht, dass die Waffen unbegründet daheim sind. Zweitens: Wer unter diese Ausnahmen fällt, soll trotzdem streng geprüft werden. Nur weil jemand auf die Jagd gehen will oder Sportschütze sein will, heißt das nicht automatisch, dass er verlässlich ist oder geeignet ist, eine Waffe zu besitzen. Deshalb braucht es in Zukunft in allen Bereichen psychologische Überprüfungen, und zwar nicht nur für die Zukunft, sondern für alle, und zwar nicht nur einmal und nie wieder, sondern regelmäßig. (👏) Drittens: Es braucht wirksame Maßnahmen, um illegale Waffen aus dem Verkehr zu ziehen. Wir kennen gute Beispiele aus anderen Ländern, wo Programme, in deren Rahmen man anonym illegale Waffen zurückgeben kann, dazu geführt haben, dass gerade verbotene Waffen, besonders gefährliche Waffen aus dem Verkehr gezogen wurden. Denn eines ist klar: So entschlossen wir beim legalen Waffenbesitz sein müssen, so entschlossen müssen wir auch beim illegalen Waffenbesitz sein. (👏) Sehr geehrte Damen und Herren, Sicherheitspolitik muss genau so funktionieren: Konkrete Maßnahmen und nicht bloß Überschriften, mit konkretem Willen, etwas zum Besseren zu verändern, und zwar im Großen, nicht nur im Klein-Klein. Ich wünsche mir, dass nicht wieder etwas Schreckliches, etwas Unfassbares passieren muss, bevor wir diese Diskussion weiterführen, bevor jemand das Gefühl hat, er muss seine Ankündigungen jetzt trotzdem ernst nehmen und nicht irgendwie im Klein-Klein versumpern. Ich will, dass dieses Versprechen: Wir halten dich sicher!, für alle Menschen gilt und ernst genommen wird. Und eines weiß ich: Für uns Grüne gilt dieses Versprechen! (👏) Wir Grüne halten da auch Wort: Wir haben gesagt, es braucht neue Regeln. Wir haben in der letzten Legislaturperiode mit aller Kraft daran gearbeitet und zum Beispiel erreicht, dass bei Tatbeständen im Zusammenhang mit dem Waffenverbot nachgebessert und nachgeschärft wird, aber wir lassen auch diese Bundesregierung nicht aus der Verantwortung! Deshalb bringen wir heute einen Dringlichen Antrag ein, lieber Herr Innenminister Karner. Herr Minister, ich war froh, dass diese Regierung angekündigt hat, zu handeln, und ich fordere Sie heute hier auf: Nehmen Sie diese Ankündigung ernst! (👏) Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, in diesem Hohen Haus wird oftmals intensiv diskutiert, und Sie verfolgen es vielleicht von daheim oder heute hier von der Besuchergalerie aus. Wir sind – und das darf auch sein, das muss auch sein – nicht immer einer Meinung, wir sind manchmal sehr emotional und sehr engagiert in unseren Debatten; aber ich glaube, es gibt Themen, die es verdienen, dass wir das Gemeinsame über das Trennende stellen. Der Schutz der Menschen in unserem Land vor Schusswaffen gehört dazu, die Sicherheit in unserem Land gehört dazu. Niemand soll sich fürchten müssen, dass so etwas schon wieder passiert. Alle sollen sich darauf verlassen können, dass Politik verstanden, gehandelt und vorgesorgt hat. Genau in diesem Sinn ersuche ich Sie um Zustimmung zu unserem Dringlichen Antrag! (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zur Abgabe einer Stellungnahme hat sich Herr Bundesminister Karner zu Wort gemeldet, den ich hiermit gemeinsam mit Herrn Staatssekretär Leichtfried auch hier in unserer Mitte begrüße. – Bitte, Herr Bundesminister.

GRÜNE Werner Kogler

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Ja, dieses tragische und dramatische Ereignis bei uns in Graz ist ein bisschen über vier Wochen her. Ich habe es sehr zu schätzen gewusst, dass wir tatsächlich wenigstens einen, eineinhalb Tage innegehalten haben, drei Tage war Staatstrauer. Wir haben sogar gelobt, dass sechs Parteien – auch die Kommunisten in Graz und alle, die hier vertreten sind – erst einmal sehr besonnen reagiert haben und nicht alles Mögliche gleich gefordert haben und durcheinandergebracht haben. Es waren aber schon wir, die auch gesagt haben: Es ist aber schon wichtig, dass wir unmittelbar danach, wenn diese Phase des Innehaltens, weil so viel Unfassbares geschehen ist, vorbei ist, ganz schnell in die Gänge kommen. Ich verstehe schon, Herr Bundesminister, wenn man da und dort ein bisschen herumschraubt bei einem sehr komplexen Gesetz, das sich dadurch auszeichnet, dass viel mehr Aufwand betrieben wird, Ausnahmen zu generieren, als irgendeine Generalregel einzuführen, wie es die Frau Klubobfrau vorgebracht hat, das mag schon ein bisschen kompliziert sein. Wenn wir uns aber dem annähern würden, und dafür werben wir hier, dass wir von einer Prinzipienumkehr ausgehen, was den Privatwaffenbesitz betrifft – wohlgemerkt: Privatwaffen! –, dann könnte es schon schneller gehen. Und insofern hängen die Dinge auch wieder zusammen: nämlich Vereinfachung, klare Prinzipien und Beschleunigung der Vorgangsweise. Ich sage Ihnen jetzt noch einmal, was unser Prinzip ist – Sie haben es zum Teil schon gehört, Sie haben es damals gehört –: Es muss doch damit Schluss gemacht werden, dass es einen quasi mehr oder weniger selbstverständlichen Anspruch darauf gibt, dass man sich als Privater oder ich mir nicht nur eine Waffe, sondern, wenn ich will, sogar – wenn ich nicht komplett dulli bin – ein ganzes Waffenarsenal anlegen kann. Was ist denn das überhaupt für eine Zugangsweise? – Das ist völlig verkehrt und das gehört vom Kopf auf die Füße gestellt, und deshalb sagen wir, das Prinzip muss lauten: Freiheit von Waffen und nicht Freiheit für Waffen. (👏) Darauf läuft es nämlich hinaus. Wir haben eines der laschesten Waffengesetze in Europa, und parallel dazu, korrespondierend, sind wir in Europa – gemessen an der Einwohnerzahl – auch unter denen, die die höchsten Waffenbesitzstände haben, weltweit sind wir sogar unter den top ten nach den letzten Entwicklungen. Stellt euch das einmal vor: unter den top ten! Dabei sind wir an sich ein sicheres Land. Und erklären Sie mir jetzt nicht, das ist deshalb, weil alle Waffen gebunkert haben! Das ist nicht deshalb, es ist genau umgekehrt. Es ist eine Illusion, dass mehr Waffen in Händen von ganz vielen für mehr Sicherheit sorgen. Bei allem Verständnis – ich will mich keinesfalls darüber lustig machen – für den Einzelnen oder die Einzelne, der oder die individuell manchmal dies oder jenes Bedürfnis hat, aber das erhöht nicht die allgemeine Sicherheit. Ganz im Gegenteil, und darauf weisen wir hin. Es gibt auch einen klaren Beweis dafür, finde ich. Es gibt doch viel, viel mehr bekannte Fälle – sonst beweisen Sie mir das Gegenteil –, in denen der Besitz auch von legalen Waffen – natürlich sind die illegalen ein noch viel größeres Problem, das ist ja eh klar – mehr Probleme verursacht hat, als er gelöst hat. Es sind doch viel mehr Fälle bekannt, bei denen damit Verbrechen verübt wurden, Gewalt ausgeübt wurde, Verletzungen zugefügt wurden und im Übrigen sehr oft auch Morde damit passiert sind, als umgekehrt der Besitz von Waffen Einbrüche oder Tathandlungen verhindert hätte. Zeigen Sie mir das einmal! …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wie willst du das belegen?

GRÜNE Werner Kogler

… Wir sagen nicht, überhaupt nicht, ganz im Gegenteil, auch die Frau Klubobfrau nicht, dass damit alles gelöst ist – nein. Ich habe nach dieser kurzen Frist, die ich gerade noch gelobt habe, eher von anderen Parteien tatsächlich so Stimmen gehört, wie: Wir tun alles dafür, dass sich so etwas nie wieder wiederholt! – Das kannst du überhaupt nicht versprechen! Was wir aber versprechen können, ist, dass wir alles dafür tun, dass die Wahrscheinlichkeiten sinken; auch mit den legalen Schusswaffen passiert genug Unfug und Böses. Deshalb ist es unsere Aufgabe und unsere Pflicht, dieses zu tun, auch als Rahmengesetzgeber (👏): die Wahrscheinlichkeiten zu reduzieren, weil wir in vielen Bereichen der Delikte sehen, dass der Anteil der legalen Schusswaffen bei Delikten im Zunehmen begriffen ist. Deshalb glaube ich, dass wir da hinschauen müssen. Es gibt ja sinnvollerweise gar nicht einmal so wenige Ausnahmen, seien wir doch ehrlich: Jäger, ja, zunehmend auch Jägerinnen, Sportschützen, auch die Schützenvereine; und ich habe immer hinzugefügt: auch für Personen, die nachweislich individuell bedroht werden – ja, leider gibt es das auch in unserer Gesellschaft, in der Gewalt zunimmt. Das ist richtig, ja, aber da weiß die Behörde in der Regel schon, dass jemand bedroht ist und sich derjenige vielleicht auch selber verteidigen können muss, weil der Staat das nämlich gar nicht in jeder Sekunde leisten kann. Wenn das aber eh schon die Ausnahmen sind, und das sind ehrlicherweise gar nicht einmal so wenige, dann frage ich mich: Wo sind Sie daheim? Was ist daran so unverständlich? Ich habe versucht, zuzuhören – früher, heute ist das beim Herrn Bundesminister noch nicht gefallen –, um irgendeinen Sinn zu finden. Da gibt es eine uralte Tradition – ich glaube, das wird auch bei den NEOS gelandet sein; ich will mich darüber auch nicht großartig lustig machen –, die es irgendwie als liberales Grundrecht ausweist, dass man seine Waffe hat. Auch bei den Freiheitlichen: Ich weiß nicht, woher das alles kommt, historisch bedingt, vielleicht von den Bauernkriegen – keine Ahnung –, dass man sich gegen die Obrigkeit verteidigt hat und nicht nur auf den Dreschflegel angewiesen war, oder von 1848, als die große Revolution stattfand und es danach offensichtlich nützlich war, dass Private leichter zu Waffen gekommen sind. Ich kann damit gar nicht so viel anfangen, aber wie auch immer: Ich sage Ihnen, wir leben im 21. Jahrhundert und spätestens seit dem 10. Juni von Graz sollten wir umdenken! Wenn jemals der Begriff Anlassgesetzgebung etwas Gutes gehabt hat, dann ist es hier und jetzt und dieser Anlass! Was für einen Anlass brauchen wir denn noch? (👏) Wir Grüne sind da ja konsistent, wir haben Kurs gehalten: Schon 2003 hat Terezija Stoisits – da habe ich als Abgeordneter gerade angefangen – hier Anträge eingebracht, die fast gleichlautend waren; Albert Steinhauser 2016, und so weiter, und Meri Disoski , noch kurz bevor dieses Attentat passiert ist – das hat keiner wissen können. RN/100.1 Wissen Sie, was passiert ist? – Die Lobbyistenzeitung der Interessengemeinschaft Liberales Waffenrecht ( eine Ausgabe der genannten Zeiftschrift in die Höhe haltend ) hat unsere Meri Disoski geadelt und ihr ein großes Bild gewidmet: Die Disoski – sinngemäß – fordert schon wieder eine umfassende Waffenreform! – Na schon wieder, aber so etwas auch! Wo sind Ihre Meri Disoski s? (👏) Die Frage geht auch in Richtung Sozialdemokraten. Bei den Freiheitlichen kann man es sich ja vorstellen, denn da ist ja nicht einmal versteckt worden, dass die Waffenhändler, die Waffenproduzenten ihre Großspender waren. Liebe ÖVP, ich frage mich: Was ist da eigentlich? …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Na hallo, hallo!

GRÜNE Werner Kogler

… Ich meine, es hat ja Zeiten gegeben, als wir nicht in die Spenden schauen konnten – okay, das wäre jetzt nachgelagert –, aber mir kommt vor, es gibt irgendwie so etwas wie einen vorauseilenden Gehorsam, dass all das eine geringe Rolle spielt. Wir kennen das schon: Immer dann, wenn es diese Anlassfälle gab, hat man gesagt: Ja nicht zu schnell, weil - - – Wir haben es ja schon wieder ein bissel gehört, aber das war eine Art Rechtfertigung. Und dass wir hier im Haus gestern einen Initiativantrag gekriegt haben, das war eh nur die Folge der Pressekonferenz von vorgestern – danke, Leonore Gewessler –, und das ist schon ein bissel mau. Wenn man nämlich hineinschaut – und das sollten die Zuseherinnen und Zuseher hören –, dann sieht man, dass das, wie es im Jargon heißt, eine Trägerrakete ist.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Ja, es ist noch nicht fertig!

GRÜNE Werner Kogler

… Da steht eigentlich nicht viel drinnen – soll sein, so etwas gibt es im Parlamentarismus –, das ist eine Ankündigungsrakete in Reinkultur. Dabei wäre es überhaupt keine Raketenwissenschaft, diesbezüglich etwas zu tun, wenn man sich diesen Prinzipien, die wir hier vorschlagen, annähern würde. Genau das wollen Sie aber offensichtlich nicht! Ich bin es auch schon leid, wenn sich die Regierung – bei allem Verständnis und bei allem Lob, das wir schon gehabt haben –, wenn sich der Herr Vizekanzler bei einer Resümeepressekonferenz über die ersten vier Monate hinstellt und sagt: Wir haben das Waffenrecht verschärft! – Ja wann denn, wo denn, wie denn? Hört auf mit den Schmähs, wirklich wahr! (👏) Unsere Sorge ist, dass es wieder so kommen wird, dass wieder nur da ein Schräubchen, da ein Schräubchen, da ein Schräubchen gedreht und im Großen nichts geändert werden soll. Das ist unsere Sorge! Ich sage Ihnen, wir haben eine Verantwortung fürs Ganze, für die Sicherheit von allen und nicht bloß nur für individuelle eingebildete oder tatsächliche Sicherheitsbedürfnisse. Und wieder ist es so, dass ein alter Grundsatz völlig in die Irre führt: Wenn jeder auf sich selber schaut, ist schon auf alle geschaut! – Das Gegenteil ist richtig! Wir haben Verantwortung für die gesamte Gesellschaft, und da sorgen weniger Waffen an dieser Stelle dort für mehr Sicherheit. Das führt auch dazu, Herr Innenminister, dass das Gewaltmonopol beim Staat viel, viel besser verankert ist. Das war der Schlusssatz. Danke, Herr Präsident. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Reifenberger. Eingemeldete Redezeit: 8 Minuten, Entschuldigung, 5 Minuten.

FPÖ Volker Reifenberger

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Wir mussten am 10. Juni in Graz ein fürchterliches School-Shooting mit zahlreichen Toten und Verletzten erleben. Das ist mehr als tragisch und jeder von uns hätte diese schrecklichen Morde gerne verhindert gesehen. Diesbezüglich möchte ich auf einen Punkt hinweisen, welchen ich selbst als Wehrsprecher im Jänner bei den gescheiterten Regierungsverhandlungen mit der ÖVP vorgeschlagen habe. Meine Forderung lautete damals, dass eine bei der Stellung festgestellte Untauglichkeit aus psychologischen Gründen künftig auch verstärkte Auswirkungen für gewisse Bereiche im Zivilleben haben sollte, wie zum Beispiel auf die Ausstellung einer Waffenbesitzkarte oder die Ausstellung einer Jagdkarte.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Das war gescheit!

FPÖ Volker Reifenberger

… Ich hatte mein Verhandlungsgegenüber, das war Verteidigungsministerin Tanner, auch von dieser Idee überzeugen können, und so konnten wir diesen Punkt auf Grün stellen. Leider findet sich im aktuellen Regierungsprogramm von Schwarz-Rot-Pink kein solcher Passus. Mit einer solchen Regelung hätte der Täter von Graz wohl keinen legalen Zugang zu Waffen gehabt. Gleichzeitig muss man aber auch so ehrlich sein und einsehen, dass kein Waffengesetz dieser Welt, egal wie streng, dieses fürchterliche Ereignis hätte verhindern können. Der Täter hat sich monatelang und mit einer unglaublichen Akribie auf sein Morden vorbereitet. Zu glauben, man hätte ihn davon abhalten können, wenn er nicht legal zu Waffen gekommen wäre, das ist naiv. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, seine Mordfantasien, die er in den Computerspielen praktiziert hat, in die Realität umzusetzen. Dabei hat er schon Gesetze missachtet. Ein strengeres Waffengesetz hätte er wohl auch missachtet. Das Auffinden einer Rohrbombe beim Täter ist hier nur symptomatisch, denn auch solche Rohrbomben sind verboten, und trotzdem ist es ihm gelungen, eine solche zu beschaffen beziehungsweise zu bauen – im Übrigen ist auch Mord verboten und er hat es trotzdem getan. Hätte er keinen legalen Zugriff auf Waffen gehabt, dann hätte er sich eben illegal Waffen auf dem Schwarzmarkt besorgt.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Aber wir müssen es ja nicht noch leichter machen!

FPÖ Volker Reifenberger

… Das wäre vermutlich sogar schneller und günstiger gegangen, als sich der Prozedur zur Erlangung einer Waffenbesitzkarte zu unterziehen. Und am Schwarzmarkt gibt es keine Psychotests und keine Abkühlfristen. So grotesk es im ersten Moment vielleicht auch klingen mag, aber es könnte sogar sein, dass es ein „Glück“ – unter Anführungszeichen, möchte ich betonen – war …

SPÖ Duzdar (Zwischenruf)

Bitte was?

FPÖ Volker Reifenberger

… dass der Täter legale Waffen und keine illegalen Waffen verwendet hat. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viel höher die Opferzahl gewesen wäre, wenn der Täter über eine vollautomatische Waffe verfügt hätte, mit der er quasi im Dauerfeuer in eine Menschenmenge hätte feuern können, zum Beispiel mit einer Kalaschnikow, von denen Zigtausende illegal im Umlauf sind und die wahrlich nicht schwer zu bekommen sind. Man muss grundsätzlich sehr vorsichtig und zurückhaltend mit Anlassgesetzgebungen sein …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was braucht’s noch dafür?

FPÖ Volker Reifenberger

… aber die heutige Aktion der Grünen ist entlarvend und letztklassig. Die Grünen entlarven sich wieder einmal als eine Verbotspartei. Dabei nutzen sie das tragische Morden von Graz dazu, ihre jahrelange politische Agenda umsetzen zu wollen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja, Schutz von Menschen in diesem Land, ja, würde ich gerne umsetzen! – Zwischenruf des Abg. Lukas Hammer [Grüne].

FPÖ Volker Reifenberger

… Die Grünen schreiben sogar selbst in ihrer Begründung in diesen Dringlichen Antrag hinein, dass sie bereits seit mehr als 20 Jahren das Prinzip des Waffenbesitzes umkehren wollen. Sie wollen den Waffenbesitz sozusagen zur Ausnahme machen (Die Abgeordneten Lukas Hammer [Grüne] und Gewessler [Grüne]: Ja, genau!) , und nicht das Verbot zur Ausnahme, so wie es ist. Es scheint so, als hätten die Grünen nur auf ein Ereignis wie in Graz gewartet, um ihre Verbotsfantasien endlich umsetzen zu können.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist ja arg, das ist ja wirklich schlimm!

FPÖ Volker Reifenberger

… Besonders zynisch ist es aber auch, dass die Grünen von Freiheit von Waffen sprechen, anstatt von Verbot von Waffen. Das ist ein Missbrauch des Wortes Freiheit.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Da klatschen nicht einmal alle in den eigenen Reihen!

FPÖ Volker Reifenberger

… Ich habe auch keinerlei Verständnis dafür, dass fast 400 000 Legalwaffenbesitzer fast schon als staatsgefährdend hingestellt werden …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Volker Reifenberger

… und dass ihnen quasi unterstellt wird, potenzielle Mörder und Amokläufer zu sein.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Ja sag einmal! – Abg. Kogler [Grüne]: ... einen Schmäh erzählst!

FPÖ Volker Reifenberger

… Wir Freiheitliche haben hier einen ganz anderen, einen liberalen Zugang. Der Staat soll nur so weit in die Privatsphäre eingreifen, als das notwendig ist. ( Ruf bei den Grünen: Genau! ) Generelle Waffenverbote, wie von den Grünen gefordert, beschränken und bestrafen nur die rechtstreuen Bürger, die sich brav an Gesetze halten.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was ist das für eine Argumentation?

FPÖ Volker Reifenberger

… Damit wird der entwaffnete Bürger dann zum leichten und wehrlosen Opfer für Kriminelle, die sich den Gesetzen nicht wirklich verpflichtet fühlen.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Volker Reifenberger

… Eine Entwaffnung der eigenen Bevölkerung, das ist an sich typisch für totalitäre Regime und das zeigt wieder einmal, wes Geistes Kind die Grünen sind.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wovon sprechen Sie bitte?

FPÖ Volker Reifenberger

… Das österreichische Waffengesetz hat über viele Jahrzehnte bewiesen, dass es sich um ein vernünftiges Gesetz handelt, das einen Ausgleich zwischen den Interessen schafft.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Fragen Sie ...!

FPÖ Volker Reifenberger

… Ein einziger Vorfall, wie tragisch er auch sein mag und der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sowieso nicht hätte verhindert werden können …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wie zynisch ist das?

FPÖ Volker Reifenberger

… darf nicht zum Anlass genommen werden, Bewährtes über Bord zu werfen und fast 400 000 Menschen unter Pauschalverdacht zu stellen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wie hoch waren ...?

FPÖ Volker Reifenberger

… Ich möchte daher mit einem wahren Sprichwort abschließen , das Benjamin Franklin zugeschrieben wird: Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ja, aber es ist genau umgekehrt! – Ruf bei der SPÖ: Eine widerwärtige Rede! – Abg. Scherak [NEOS]: Das Zitat war nicht ganz richtig!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Gödl. Seine eingemeldete Redezeit: 7 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Herr Präsident! Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuhörerinnen und Zuhörer! Es ist heute der 10. Juli und es war exakt der 10. Juni, als sich dieser furchtbare Amoklauf in meiner Heimatregion, die ich hier im Parlament als Abgeordneter vertreten darf, zugetragen hat. Ich habe dann im Zuge der Regierungserklärung und der Gedenksitzung, die wir hier abgehalten haben, einen Satz aus einem Kommentar der „Kleinen Zeitung“ zitiert, der lautete: „Solche Tragödien bringen“ immer „das Schlimmste und das Beste des Menschen hervor“. Das Schlimmste ist, dass es möglich ist, dass es Menschen gibt, die solche Taten verursachen und viele Menschen in den Tod mitreißen. Ich möchte aber vor allem mit dem Besten beginnen: Es hat auch gezeigt, wie stark unsere Gesellschaft, auch unsere Institutionen in dieser so schwierigen Situation sein können. Kollege Kogler hat es auch angesprochen: das Zusammenstehen damals aller politischen Parteien einerseits, aber auch die Stärke, die in dieser Schule, im Borg Dreierschützengasse, zu verspüren ist; wie die Pädagoginnen und Pädagogen und auch die Schülerinnen und Schüler im Nachhinein mit dieser unfassbaren Tragödie umgegangen sind und umgehen. Ich möchte als Vertreter dieser Region nochmals ausdrücklich all jenen meine große Anerkennung und ein großes Danke aussprechen, die auch jetzt im Nachgang für so viele, die nicht unmittelbar betroffen waren, da sind, damit wieder der Alltag einkehrt, auch wenn es doch viele Menschen in unserer Region gibt, für die der Alltag niemals mehr einkehren wird. Ich möchte allen danken, die in dieser Situation helfen, um die seelischen, die körperlichen Wunden zu bewältigen. Es sind so viele, die sich engagieren, um das Unfassbare irgendwie erträglich zu machen. Das Schlimmste eben ist es, wenn Menschen es darauf anlegen, unfassbares Leid anzurichten. Ja, da stimme ich eigentlich mit allen Rednerinnen und Rednern überein: Es ist unsere Aufgabe hier als Gesetzgeber, jene Maßnahmen zu ergreifen, die solche Vorkommnisse so gut wie möglich unmöglich machen. Auch Herr Kogler hat es richtig gesagt: Wir können nie eine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten. Auch die gestrige Debatte – ich möchte sie ganz kurz anreißen – zur Gefährderüberwachung war eine ausgesprochen breite Debatte mit vielen verschiedenen Aspekten – so muss es in der Demokratie auch sein –, aber es war auch so, dass ehrliches Interesse an einer größtmöglichen Sicherheit im Bereich der Terrorabwehr im Mittelpunkt stand. Das kann man gut argumentieren und es wurde auch gut argumentiert. Man kann es auch anders sehen, keine Frage. Das Gleiche gilt auch für den Bereich des Waffengesetzes. Ich möchte aber schon für uns als Regierungsparteien beanspruchen, dass wir in dieser sehr schwierigen Situation konsequent und schnell gehandelt haben. Wir hatten einige Tage danach die Sitzung hier im Parlament mit der Regierungserklärung und in der wir gemeinsam einen Entschließungsantrag eingebracht haben, in dem wir die Regierung formell aufgefordert haben, sofort ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen. Dieses Maßnahmenpaket wurde dann in einem Ministerratsvortrag bereits zwei Tage später, am 18. Juni, beschlossen – mit vielen Punkten im Bereich der psychischen Gesundheit, zum Beispiel der Stärkung des psychologischen Dienstes an den Schulen – das haben wir auch gestern hier debattiert – oder auch: Wie geht man um mit Jugendlichen, die sich komplett zurückziehen? – Auch da soll es und muss es andere und weitere Maßnahmen geben, auch im Hinblick auf das, was wir von diesem Täter wissen und kennen. Es wurde auch sofort ein Fonds eingerichtet, um die Opfer und deren Familien in dieser momentanen Situation sofort zu unterstützen. Es war auch ein klares Bekenntnis im Ministerratsvortrag, ganz klar das Waffengesetz anzugehen, zu verschärfen, zu überarbeiten. Es waren tatsächlich mehr als 20 Maßnahmen, die schon konkret in diesen Ministerratsvortrag hineingeschrieben wurden. Es ist dann doch eine kleine Prise an Populismus – das darf ich vielleicht kritisch in Richtung Grüne sagen –, hier heute diesen Dringlichen Antrag einzubringen, weil wir uns im Innenausschuss ausdrücklich dazu bekannt haben, dass wir einen ordentlichen, parlamentarischen, aber auch einen raschen Prozess durchführen. Erst im letzten Innenausschuss, als die Anträge von Meri Disoski und von Kollegin Prammer vertagt wurden, haben wir auch begründet, warum wir sie vertagen: weil wir in der Ausarbeitung einer Gesetzesnovelle sind. Wir lassen uns ungern vorwerfen, Herr Kollege Kogler, dass wir hier gestern eine sogenannte „Trägerrakete“ eingebracht haben. Genau das war nämlich unsere konkrete Maßnahme, um diesen parlamentarischen Prozess in puncto Waffengesetz auch über den Sommer am Laufen zu halten.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Geh bitte!

ÖVP Ernst Gödl

… Wir haben auch beschlossen, dass wir den Innenausschuss, dem ich vorsitzen darf, über die Sommermonate nicht schließen und nicht in die Sommerpause schicken , sondern dass er in Permanenz tagen kann, damit wir dieses Versprechen, das wir abgegeben haben – nämlich auch das Waffengesetz zu überarbeiten und zu verschärfen –, umsetzen können. So gesehen machen wir das, was wir tatsächlich versprochen haben, nämlich eine ordentliche Umsetzung, eine Verschärfung natürlich mit einem parlamentarischen Prozess, natürlich mit den verschiedenen Meinungen, die es in einer Demokratie immer gibt und auch geben darf und geben muss und geben soll. Wir setzen das ordentlich um, aber im quasi schnellstmöglichen Ablauf, so eben auch mit der permanenten Tagung des Innenausschusses. Meine geschätzten Damen und Herren, ich glaube, dass wir uns da sorgsam, sorgfältig, glaubwürdig und ehrlich dem gestellt haben, was unser Bundeskanzler auch damals in der Regierungserklärung ganz klar ausgesprochen hat: Wir werden aus diesem Vorkommnis lernen und unsere Lehren ziehen. (👏 ÖVP) Und diese Lehren werden wir hier im Parlament besprechen und in Form von Gesetzesänderungen auch umsetzen. Dazu stehen wir, dazu haben wir ganz klare Signale gesetzt: erst gestern mit dem Antrag und auch damit, dass wir über den Sommer überhaupt keine Pause machen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ihr habt reagiert auf ..., na wunderbar!

ÖVP Ernst Gödl

… was das betrifft, denn wir wollen unser Bekenntnis umsetzen, dass wir die Lehren daraus ziehen. Ich bitte da wirklich um eine gute gemeinsame, aber auch logische und konsequente Vorgangsweise.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Köllner. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte schön.

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Innenminister! Werter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin noch etwas schockiert und sprachlos über die Ausführungen des Kollegen Reifenberger von der FPÖ. Kollege Gödl hat es angesprochen: Diese schreckliche Tat von Graz, der schreckliche Amoklauf von Graz ist jetzt gerade einmal genau ein Monat her, und ich finde, das, was Sie hier am Rednerpult von sich gegeben haben, gleicht eigentlich einer Verhöhnung der Opfer und der Angehörigen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich glaube, der Schock über diese unfassbare Tat sitzt immer noch sehr, sehr tief, und niemand von uns kann sich vorstellen, wie sich die Angehörigen der Opfer aktuell fühlen. Natürlich hat diese Tat auch viele Fragen aufgeworfen: Wie konnte der 21-jährige Täter legal eine Waffe erwerben, obwohl er bei der Musterung aus psychologischen Gründen für untauglich befunden wurde? Warum gab es auch keinen Datenaustausch zwischen der Stellungsbehörde und der Waffenbehörde? Aber auch: Warum gibt es in Österreich überhaupt eineinhalb Millionen legale Waffen? Wir können, glaube ich, schon sagen, wir können nie alles verhindern, aber wir müssen auch die richtigen Schlüsse ziehen und die notwendigen Schritte setzen, damit die Sicherheit in unserem Land erhöht wird. Aus diesem Grund waren und sind wir als SPÖ auch die treibende Kraft in dieser Bundesregierung für eine Verschärfung des Waffenrechts. Daher wird auch der Innenausschuss permanent gestellt und über die Sommerferien tagen, um möglichst schnell einen konkreten Gesetzentwurf vorlegen zu können. So viel kann schon gesagt werden: Es wird nicht nur eine Verschärfung sein, sondern es wird die größte Verschärfung werden, seit es das Waffengesetz überhaupt gibt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Noch einmal in Richtung FPÖ, ich habe es erwähnt: Es kann immer etwas passieren, aber Studien aus aller Welt zeigen vor allem eines: Ein Mehr an Waffen bedeutet nicht ein Mehr an Sicherheit, sondern ganz einfach mehr Tote.

FPÖ Ragger (Zwischenruf)

Das ist falsch! – Abg. Deimek [FPÖ]: Das ist falsch! Das wissen Sie und ignorieren es!

SPÖ Maximilian Köllner

… Und auch die Hemmschwelle, eine Waffe zu erwerben, ist bei einer illegalen Waffe höher als bei einer legalen. Alles andere, was Sie hier erzählen, alle Selbstverteidigungsrechtfertigungen sind ganz einfach eine Mär und stimmen nicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sie stimmen nicht, und das sehen auch die Österreicherinnen und Österreicher so: Zwei Drittel der Bevölkerung sprechen sich mittlerweile für strenge Regeln, für einen strengen Zugang zu Waffen aus; im Übrigen auch – das ist nämlich auch abgefragt worden – die Mehrheit Ihrer FPÖ-Wählerschaft. Sie haben sich zwar gestern gegen die Überwachung von Terroristen ausgesprochen, aber Sie haben beim Waffengesetz jetzt erneut eine Chance, sich für mehr Sicherheit in unserem Land einzusetzen. Wenn Sie es mit der Sicherheit wirklich ernst meinen, wenn Ihnen die Schießereien, die Morde, die Femizide durch Schusswaffen nicht egal sind, dann wäre es, glaube ich, auch ein schönes Zeichen an die Leute und an die Angehörigen der Opfer, sich an einem breiten Schulterschluss hier im Parlament zu beteiligen. Wir beweisen mit diesem Maßnahmenpaket einmal mehr, dass wir auch in schwierigen Phasen, auch in Ausnahmesituationen sofort handlungsfähig sind und sachorientierte, schnelle Lösungen auf den Weg bringen. Zum einen unterstützen wir mit dem Opferfonds die Betroffenen und Angehörigen bei der Bewältigung und Verarbeitung der Geschehnisse, zum anderen werden wir einen klaren Fokus auf Prävention und psychosoziale Versorgung setzen. Und wir werden, wie bereits erwähnt, Änderungen im Waffengesetz vornehmen. In Zukunft wird es strengere Zugangs- und Eignungsvoraussetzungen für den Besitz einer Waffe geben. Es kann ganz einfach nicht sein, dass es schwieriger ist, einen Fahrradführerschein zu machen, als sich als 18-Jähriger eine Schrotflinte zu kaufen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) In diesem Sinne, meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Kollege Reifenberger: Ich glaube, die Definition von Freiheit sollte sein, ohne Angst und ohne Waffen leben zu können, und nicht, die Freiheit zu haben, Schusswaffen zu besitzen. Denken Sie einmal darüber nach! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Brandstötter. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Liebe Staatssekretäre! Kolleginnen und Kollegen! Es gibt Debatten, bei denen wir einfach aus Prinzip nicht streiten sollten, und es gibt Themen, da sollten wir auch nicht reflexartig in unsere ideologischen Lager zerfallen. Das hier ist so ein Thema: Es geht um den Schutz von Menschenleben, und ich möchte hier auch die Perspektive von betroffenen Frauen einbringen. Es geht nämlich auch um den Schutz von Frauen vor tödlicher Gewalt, darum, Femizide zu verhindern – das sind Morde an Frauen durch ihre Partner oder Ex-Partner. Das machen sie aus Besitzdenken, aus verletztem Stolz, aus patriarchaler Kontrolle – und ganz oft auch mit einer Waffe, die sie ganz legal besitzen. Im Durchschnitt werden in Österreich pro Monat zwei Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet. Wenn wir uns die Details dieser Taten ansehen, dann sehen wir auch, dass ein erheblicher Teil dieser Morde mit Schusswaffen verübt wird, und das sind oft Schusswaffen, die ganz legal besessen werden. Da stehen wir als Gesetzgeber in der Verantwortung, tätig zu werden – nicht, weil wir glauben, dass ein Waffenverbot patriarchale Gewalt einfach so aus der Welt schafft, das wird nicht passieren, aber, weil wir wissen: Wenn es schwerer ist, an Tatwaffen zu kommen, dann wird es auch weniger tödliche Eskalationen und Morde geben. Das ist keine Meinung, das ist evidenzbasiert, das zeigen Studien aus mehreren Ländern: Strengere Waffengesetze senken die Zahl an Femiziden, insbesondere an jenen, die mit Schusswaffen verübt werden. (👏 SPÖ, NEOS) Deshalb werden wir aktiv, meine Damen und Herren. Die Regierung arbeitet mit Hochdruck an einer Verschärfung des Waffenrechts. Wie ist hier der Stand der Dinge? – Der Innenausschuss wurde permanent gestellt, damit den ganzen Sommer über über ein neues Waffengesetz verhandelt werden kann. Dieses soll auch schon mit Schulanfang, Anfang September, in Kraft treten. Der gestrige Initiativantrag gibt hier auch ganz klar die Richtung vor: Wir verschränken die Daten der Stellungskommissionen mit denen der Waffenbehörde, um sicherzustellen, dass niemand mehr bei staatlich bekannter psychologischer Kontraindikation legal eine Waffe erhalten und erwerben kann. Die dreitägige Abkühlphase, die es aktuell gibt, soll auf vier Wochen verlängert werden. Niemand soll mehr aus einem Affekt heraus, aus einer Wut heraus ganz schnell eine Waffe zur Verfügung haben. Das ist ein wichtiger Schritt, insbesondere um Femizide zu verhindern beziehungsweise deren Anzahl zu verringern. Es wird aber nicht bei diesen Maßnahmen bleiben, es wird an vielen weiteren Maßnahmen gearbeitet. Der Ministerratsvortrag zu den Folgen des Attentats in Graz gibt hier auch den weiteren Weg vor: Es wird eine noch engere Kooperation und einen Datenaustausch zwischen den Behörden geben, um sicherzustellen, dass nur jene Personen eine Waffe bekommen, von denen tatsächlich keine Gefahr ausgeht. Es wird eine Ausweitung und Verschärfung von waffenpsychologischen Gutachten geben. In diesen Gutachten soll auch dargelegt werden, warum die jeweilige Person eine Waffe braucht. Es wird wiederkehrende Überprüfungen der waffenrechtlichen Verlässlichkeit geben, das soll noch strenger vollzogen werden, und so weiter und so fort. Gleichzeitig müssen wir aber auch mitdenken: Waffenbesitz ist in Österreich unter ganz klaren Auflagen rechtlich erlaubt, und viele nutzen die Waffe auch sehr verantwortungsbewusst, das sind Jägerinnen und Jäger, oder für den Sport. Diese Realität dürfen wir nicht ausblenden, und deshalb brauchen wir auch keinen reflexartigen Kulturkampf, nicht bei einem so wichtigen Thema, sondern eine vernünftige Debatte, in der Schutzrechte nicht gegen Freiheitsrechte ausgespielt werden, in der man beides im Blick hat. Das ist möglich, denn eine liberale Perspektive heißt auch in diesem Fall: Ja zu Freiheit, Ja zu Eigenverantwortung, aber auch ein ganz klares Ja zum Schutz vor Gewalt, insbesondere da, wo der Staat Verantwortung trägt. (👏 NEOS) Eines ist klar: Wer Frauen mit dem Tod bedroht, der sollte definitiv keine Waffe besitzen, unabhängig davon, ob er im Schützenverein tätig ist, ob er Jäger ist oder aus anderen Gründen eine Waffe zur Verfügung hat. Die Grenze muss genau da verlaufen, wo die Gefahr beginnt, und das ist nicht erst beim ersten Schuss. Wir reden hier nicht über Symbolpolitik, sondern wir reden über ganz konkrete Schutzmaßnahmen. Die braucht man auch nicht kleinzureden, liebe FPÖ. Wir reden auch darüber, dass jede Frau das Recht hat, frei von Angst zu leben, frei von Gewalt zu leben, auch dann, wenn man sich trennt, auch dann, wenn diese Trennung vom Ex-Partner nicht akzeptiert wird. Die Anzahl der Femizide in Österreich ist erschreckend hoch. Das ist aber kein Naturgesetz, das muss nicht so bleiben, und deshalb ist ein wichtiger Teil der Verschärfung des Waffenrechtes eben auch, das Leben von Frauen und Mädchen in Österreich sicherer zu machen. Dass wir so lange gebraucht haben, um da tätig zu werden, macht mich persönlich als Frauensprecherin auch betroffen – dass es ein Attentat braucht, damit wir da besser werden. Ich glaube, dass das eine gute Erinnerung daran sein sollte, dass wir auch dann hinschauen, wenn es immer nur um Einzelfälle geht, denn jede Frau, jedes Mädchen in Österreich hat das Recht auf ein gewaltfreies Leben. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Zadić. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Innenminister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Die Menschen in Österreich haben ein Recht auf Sicherheit, und wir haben es in dieser Debatte bereits gehört: Waffen sorgen nicht für mehr Sicherheit – ganz im Gegenteil, sie sind eine Gefahr für unsere Sicherheit.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Sag das einem Polizisten, der sich gegen einen Verbrecher wehren muss!

GRÜNE Alma Zadić

… Wir müssen alles tun, um die Menschen bestmöglich vor Schusswaffen zu schützen, und genau deswegen braucht es ein grundlegendes Umdenken. Wer keine Waffen besitzt, kann damit auch keinen Schaden anrichten. Ich möchte hier ehrlicherweise keine Verhältnisse, wie sie Abgeordneter Reifenberger propagiert, der davon spricht, dass ein Mehr an Waffen uns auch mehr Sicherheit bringt. Ich halte das für absolut verfehlt – man braucht nur in die USA zu blicken …

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Schauen Sie in die Schweiz, Frau Kollegin!

GRÜNE Alma Zadić

… wo die Waffenlobby genau das tagtäglich den Amerikanern einredet: Je mehr Waffen und je automatisierter diese Waffen sind, umso sicherer sind sie. – Das hat aber nicht zu mehr Sicherheit geführt, ganz im Gegenteil: Dort gibt es jede Woche das, was wir in Graz erleben mussten.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Die Schweiz ist das Problem in Europa, oder wie?

GRÜNE Alma Zadić

… Ja, Österreich hat einen akuten Handlungsbedarf. Nirgends in der EU ist es so leicht, an eine Waffe zu gelangen, und das schlägt sich auch erschreckend in Zahlen und Statistiken nieder. Die Bevölkerung in Österreich zählt zu den am stärksten bewaffneten in Europa und sogar weltweit belegt Österreich den traurigen zwölften Platz.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Die ganze EU ist ein Paradies für illegale Waffen! Erzähl nichts, wennst nichts weißt!

GRÜNE Alma Zadić

… Auf 100 Personen kommen in Österreich 30 Schusswaffen – unglaublich, oder? Vor zehn Jahren gab es in unserem Land knapp 900 000 registrierte Schusswaffen. Raten Sie einmal, wie viele es heute gibt: eineinhalb Millionen. Das ist ein Anstieg um fast 70 Prozent – in wenigen Jahren fast 70 Prozent! Ich kann mich nicht erinnern, dass unsere Bevölkerung um 70 Prozent angestiegen ist, aber der Anstieg der Zahl an Schusswaffen ist eklatant. Das ist ein Auftrag – das ist ein Auftrag zum Handeln. (👏) Einer der Gründe für diesen gestiegenen Waffenbesitz in Österreich ist, dass mehr Menschen das Gefühl haben, sie müssen sich mit einer Waffe schützen, obwohl Österreich das drittfriedlichste Land der Welt ist, auch hinsichtlich der Kriminalitätsrate. Es ist daher auch unsere Aufgabe als Politikerinnen und Politiker, dafür zu sorgen, dass sich Menschen in unserem Land sicher fühlen, und das erreicht man bestimmt nicht, indem man permanent Ängste schürt. Da blicke ich auch zu den Freiheitlichen …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Angst vor Waffen!

GRÜNE Alma Zadić

… denn genau diese Partei, die sich jetzt mit Händen und Füßen gegen strengere Waffenregeln wehrt, macht genau das …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Das war Ihr Kanzler Kurz, der den Menschen Angst gemacht hat, schon vergessen?

GRÜNE Alma Zadić

… Sie schürt jeden Tag Ängste. (👏) Auf den Wahlplakaten habe ich gelesen: Sicherheit für Österreicherinnen und Österreicher – Entschuldigung, Sicherheit für Österreicher haben Sie geschrieben. Aber Sicherheit für Österreicher, indem man zulässt, dass potenzielle Täter so einfach Waffen kaufen können? – Ich finde nicht, dass das tatsächlich zu mehr Sicherheit beiträgt. Genau damit muss Schluss sein: Wer keinen triftigen Grund hat, eine Waffe zu besitzen, braucht auch keine Schusswaffe – sorry to say. (👏) Einen einfachen Vorwand, den am Ende erst recht niemand prüft – das darf es einfach nicht geben, das sagen uns auch Waffenpsychologen, die Tag für Tag damit zu tun haben. Die meisten Menschen geben an, sie wollen Sportschützen werden, aber so viele Mitglieder in den Schützenvereinen gibt es gar nicht. Und ja, Ausnahmen braucht es, und daher ist es wichtig, dass diese Eignung regelmäßig und zuverlässig überprüft wird. Herr Innenminister, Sie dürfen nicht zögern, Sie müssen jetzt rasch handeln, denn allein die Ankündigung der Regierung, dass es etwas geben wird, hat dazu geführt, dass es im letzten Monat einen regelrechten Ansturm auf Waffen gab: 50 Prozent mehr neu registrierte Waffen in diesem Monat. Das heißt: Handeln Sie jetzt, mehr Mut bei der Umsetzung, denn: Mehr Sicherheit durch weniger Waffen! – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist der Herr Staatssekretär. Seine Redezeit beträgt 10 Minuten.

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Minister! Sehr geehrte Staatssekretäre! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, wenn Grüne über Sicherheit reden, dann wird es irrational. Sie picken sich einen ihnen genehmen Kriminalfall heraus, um ihren Kampf gegen die Besitzer von legalen Waffen fortzuführen. Frau Klubobfrau Gewessler spricht davon, dass wir eine Welt wollen, in der sich alle sicher fühlen. – Frau Gewessler, das hatten wir in Österreich im Wesentlichen bis 2015! Dann hat sich etwas geändert. Sie selbst schreiben in Ihrem Antrag, in den letzten zehn Jahren – also seit 2015, darf ich nochmals betonen – gibt es beim legalen Waffenkauf in Österreich einen Anstieg um fast 70 Prozent. – Ja haben Sie sich schon einmal gefragt, warum? Warum ist das Bedürfnis da? Befassen Sie sich damit? Es hat nämlich mit der erodierenden Sicherheitslage in Österreich zu tun, und ursächlich dafür ist Ihre Politik, mitgetragen von vier Parteien hier – von der FPÖ nicht.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wer war denn von 2017 bis 2019 Innenminister? Wer ist denn in der Regierung gesessen?

FPÖ Susanne Fürst

… Ursächlich für die erodierende Sicherheitslage sind nicht die Österreicher, die sich legal Waffen anschaffen wollen. Herr Ex-Vizekanzler Kogler spricht davon, dass es weniger Waffen geben muss. Auch die SPÖ schließt sich an. Was glauben Sie denn, wo all die Waffen landen, die mit Ihrer bedingungslosen Unterstützung jetzt für die Ukraine produziert und dorthin geliefert werden? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Mamma mia! Euch ist echt kein Argument zu blöd!

FPÖ Susanne Fürst

… Die werden nämlich den Krieg überleben und dann am Schwarzmarkt für illegale Waffen landen …

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

... Quote ...!

FPÖ Susanne Fürst

… zu dem dann kriminelle Elemente freien Zugang haben. Wir haben die Erfahrung ja schon aus Ex-Jugoslawien.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Sie stehen im falschen Land für diese Rede!

FPÖ Susanne Fürst

… Jetzt haben die dann einen Riesenmarkt an illegalen Waffen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ja genau! Da rennen’s dann mit ... und Raketen am Brunnenmarkt herum!

FPÖ Susanne Fürst

… aber von denen sprechen wir nicht, die stellen kein Risiko dar ( Ruf bei den Grünen: Genossin Fürsterova! ), nein, das Risiko geht von den Sportschützen und von den Jägern aus! – Das ist eine Verhöhnung der Opfer, wie das schon der Herr Kollege von der SPÖ ausgesprochen hat (👏 FPÖ) , dieses Ausblenden der Realität …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Aber in Bezug auf euch!

FPÖ Susanne Fürst

… um die eigene Ideologie durchzusetzen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wenn Sie so stolz sind, warum haben Sie dem Reporter nicht geantwortet?

FPÖ Susanne Fürst

… Mehr illegale Waffen heißt mehr Straftaten. Dafür sorgen Sie mit Ihrer Politik. Mehr legale Waffen heißt ( Ruf bei den Grünen: Mehr legale ... Straftaten ...! ) aber eben nicht mehr Straftaten, wie das Ihr Antrag vor allen Dingen suggerieren will. Da müssen wir einmal Ideologie, linkes Denken, Emotionen beiseitelassen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Mehr Waffen – höhere Schusswaffengewalt bei Femiziden!

FPÖ Susanne Fürst

… Schauen wir uns die internationalen Erfahrungen und vor allem die Kriminalitätsstatistiken an! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja, bitte! Schaut es euch an! – Abg. Erasim [SPÖ]: Wenn vier Fünftel nicht einmal die Frage beantworten können, ob sie eine Waffenbesitzkarte haben oder nicht, dann sagt ja das viel über den Zustand einer Partei aus!

FPÖ Susanne Fürst

… Schweiz: weltweit die höchste legale Schusswaffendichte – da hat ja auch jeder Reservist sein Sturmgewehr zu Hause –; Totschlags-, Gewaltkriminalität mit Einsatz von Schusswaffen: eine der niedrigsten Raten auf der ganzen Welt. Deutschland: Da hatten wir in den Siebzigerjahren eine vergleichbare Lage wie jetzt. Man fürchtete damals den Terror der linksextremen RAF. Die benutzten natürlich nicht legale Waffen, sondern illegale Waffen vom Warschauer Pakt, die vollautomatischen Kalaschnikows, Sturmgewehre, Handgranaten, Pistolen und so weiter, für den normalen deutschen Bürger natürlich völlig unzugänglich und verboten. Aber gegen wen haben sich die damals vorgenommenen Verschärfungen des Waffengesetzes in Deutschland gerichtet? – Gegen die rechtstreuen Bürger, gegen die Jäger, gegen die Sportschützen. Warum? – Weil die damals linke Regierung, die SPD-Regierung, das ausgenützt hat, um das eher wertkonservative Lager zum Sündenbock zu machen, die Jäger an den Pranger zu stellen, Freiheit, Selbstbestimmung einzuschränken …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Sie sind die Erste, die das jetzt tut!

FPÖ Susanne Fürst

… so wie Sie das jetzt machen wollen, vor allen Dingen die Grünen und die Linken; dasselbe Spiel, linke Ideologie pur.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

... sich echt fragt, was das soll!

FPÖ Susanne Fürst

… Schauen wir nach Großbritannien: sehr, sehr strenge Waffengesetze …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Sie reden einen Blödsinn zusammen wie eh immer!

FPÖ Susanne Fürst

… beinahe totale Entwaffnung der Bürger – kein Einfluss auf die Gewalttaten, eine schreckliche Sicherheitssituation und sehr viele Schusswaffendelikte.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wollen Sie sagen, die Sozialdemokraten setzen Jäger und Terroristen auf eine Stufe? Das tun Sie nämlich! Aber das geht eh nicht anders ... diesen Fake-News-Schleuderern!

FPÖ Susanne Fürst

… USA: ein total guter Vergleich, weil Waffenrecht Bundesstaatenkompetenz ist. Im links regierten New York und in Kalifornien: extrem strenge Waffengesetze. Was ist das Ergebnis? – Exzessive Mordraten unter Einsatz von Schusswaffengebrauch, nämlich illegalen Schusswaffen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Die Erde ist sowieso schon wieder eine Scheibe!

FPÖ Susanne Fürst

… In den republikanisch regierten Staaten Idaho, Wyoming, Texas: sehr liberale Waffengesetze, extrem hohe legale Waffendichte. Was ist das Ergebnis? – Sehr, sehr niedrige Mordraten unter Schusswaffeneinsatz.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wie schaut es denn mit Texas aus? – Abg. Darmann [FPÖ]: Musst halt zuhören auch! – Abg. Gewessler [Grüne]: Schwierig! – Abg. Erasim [SPÖ]: Ja, es ist halt schwer!

FPÖ Susanne Fürst

… Und was man beobachten kann: Es verlagert sich die schwere, organisierte und die Bandenkriminalität in die Bundesstaaten mit strengen Waffengesetzen. Warum? – Gewalttäter lieben wehrlose Menschen. Und wenn Sie mit Ihrem Antrag Erfolg hätten, dann ist das eine Botschaft an die Täter.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Und Sie stellen sich da heraus und sagen, wir sollen nicht Angst schüren? Also, ich meine, sorry!

FPÖ Susanne Fürst

… Die Menschen können sich nicht wehren, die haben mit Sicherheit keine Waffen in ihren Häusern, also tun sie, was sie wollen. (👏 FPÖ) Das heißt: Weniger legale Waffen – mehr Sicherheit!, stimmt definitiv nicht. Ich spreche noch die Femizide an, weil Sie diese in dem Antrag erwähnen und auch schon verschiedene Vorredner sie erwähnt haben. Schauen Sie in die Gerichtsakten, wie die Frauenmorde zustande kommen, würde ich Ihnen einmal empfehlen, Grüne, SPÖ, NEOS ( Ruf bei der ÖVP: Uns hast vergessen! ), welche Waffen hier eingesetzt werden …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ja, immer mehr Schusswaffen! – w eitere Zwischenrufe bei den Grünen – Abg. Koza [Grüne]: Unglaublich!

FPÖ Susanne Fürst

… Tatmittel Messer, stumpfe Gegenstände und die bloßen Hände, legale Schusswaffen ganz, ganz selten.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

60 Prozent sind ...! – Abg. Erasim [SPÖ]: 67 Prozent sind Schusswaffen! Sie Realitätsverweigerin! – Abg. Gewessler [Grüne]: Sie wollen wegschauen?

FPÖ Susanne Fürst

… Schauen Sie sich die Gerichtsakten an, das mache ich seit 20 Jahren! Erzählen Sie mir nichts. (👏 FPÖ) Bei Gewalt- und Tötungsdelikten unter Einsatz von Schusswaffen: über 99 Prozent mit illegalen Waffen. Sie sorgen unter anderem dafür, dass Europa damit jetzt überschwemmt wird, das werden wir noch zu spüren bekommen. Die illegalen Waffen finden schon Eingang in Ihren Antrag: Ja, diese Waffen können freiwillig abgegeben werden, und dafür erhalten die Täter und die Besitzer dann keine Anzeige. – Na ich bin mir sicher, dass die Kriminellen jetzt alle ihre illegalen Waffen abgeben kommen, weil sie sich so vor der Anzeige fürchten, denn die Besitzer von illegalen Waffen neigen natürlich dazu, das ja auch überall herumzuerzählen und der Behörde zu melden. – Das ist lächerlich! Das haben Sie in Ihrem Antrag drinnen. (👏 FPÖ) Zum Schluss: Sie schreiben in Ihrem Antrag, es gibt 1,5 Millionen registrierte, legale Waffen hier in Österreich. Fakt ist: Das ist ja unglaublich, wie verantwortungsvoll und rechtstreu die Österreicher offensichtlich mit diesen Waffen umgehen. Alleine an dieser Tatsache sieht man, dass Ihr Dringlicher Antrag nichts mit dem Bedürfnis nach mehr Sicherheit zu tun hat, sondern ganz im Gegenteil. Sie blenden die gesamte Realität, das, was sich in Österreich und in Europa abspielt, aus.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sie sind Expertin von der Realität? Sie haben sich entkoppelt von der Realität, gell? – Weitere Zwischenrufe bei ÖVP und Grünen.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Falkner. – Ihre eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Margreth Falkner

Danke für das Wort, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder auf der Regierungsbank! Liebe Kolleginnen und Kollegen und Zuschauerinnen und Zuschauer hier und zu Hause vor den Bildschirmen! Ja, liebe Kollegin Fürst, das mit der Realität schaut auch bei Ihnen ein bisschen anders aus: Es gab in den letzten zehn Jahren nicht nur vier Regierungsparteien, es gab fünf, eine davon waren Sie, und Sie haben auch den Innenminister gestellt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Und was willst du uns damit sagen?

ÖVP Margreth Falkner

… Dass man nicht verleugnen darf, dass man auch in Verantwortung war. Wenn Kollege Reifenberger hier von einem School-Shooting spricht und davon, dass eine der Fraktionen darauf gewartet hätte, dass so etwas passiert: Da disqualifiziert man sich hier in diesem Hohen Haus selber! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Dieses schreckliche Attentat in Graz hat uns allen auf sehr grausame Art und Weise gezeigt, wie schnell sich das Leben verändern kann. Die Welt ist eine andere, nicht nur für die direkt Betroffenen, für die Familien, für die Freundinnen und Freunde, für das Umfeld, sondern für ganz viele Menschen und auch für uns hier im Hohen Haus. Es hat uns gezeigt, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, dass wir genau hinschauen und mit Verantwortung überlegen müssen: Was können wir tun, um solche Tragödien zu verhindern? Ich sage ganz klar: Ganz egal, welche Maßnahmen wir hier beschließen, eine Garantie für eine Verhinderung wird es leider niemals geben. Es tut weh, sich das einzugestehen, aber es ist so, und trotzdem dürfen wir hier nicht resignieren. Unsere Aufgabe ist es jetzt, an allen möglichen Schrauben zu drehen, zu unterstützen, aufzuklären und eben zu verhindern. Zur Änderung des Waffengesetzes: Ja, die Diskussion ist natürlich legitim und wir nehmen sie sehr, sehr ernst. Wir müssen handeln, aber überlegt und faktenbasiert, nicht aus der Emotion heraus, auch wenn das sehr, sehr schwer ist. Erste Schritte dazu sind bereits passiert. Der Herr Minister hat es erwähnt: die sogenannte Abkühlphase beim Erwerb von Schusswaffen der Kategorie C, die von drei Tagen auf vier Wochen verlängert wird; die Waffenbehörden sollen künftig auf Verlangen Zugang zu relevanten Daten der Stellungskommission erhalten, um bei der Überprüfung der waffenrechtlichen Verlässlichkeit fundierter entscheiden zu können; und auch sensible Gesundheitsdaten können – selbstverständlich im Einklang mit der DSGVO – in begründeten Fällen herangezogen werden. Das erhöht die Sicherheit, ohne pauschal zu verdächtigen. Gerade weil uns dieses Thema so wichtig ist, wird der Innenausschuss auch den Sommer nutzen, um die neuen Waffengesetze noch vor Schulbeginn auf den Weg zu bringen. Wir dürfen uns aber nicht auf das Waffenrecht beschränken, und das tun wir auch nicht. Der Herr Staatssekretär hat es bereits ausgeführt: Psychische Gesundheit ist ein sehr zentraler Schlüssel, wenn es darum geht, gefährliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Deshalb ist es gut und wichtig, dass es einen breiten Konsens in der Regierung und im Parlament zu zahlreichen Maßnahmen im Bereich psychische Gesundheit gegeben hat. Der Personalstand in Schulpsychologie und Schulsozialarbeit wird massiv ausgebaut. Bis 2027 werden 140 zusätzliche schulpsychologische Planstellen geschaffen, erstmals auch an Bundesschulen. Präventionsprogramme zu Gewalt, Extremismus, Konflikten und psychischer Gesundheit werden verdoppelt, neue Schwerpunkte kommen ab 2026 dazu. Schulen erhalten ganz klare Krisenpläne, Unterstützung bei Akutsituationen und konkrete Nachbetreuung. Auch außerschulische Hilfsangebote, die ganz wichtig sind, werden gestärkt, damit junge Menschen auch wissen, an wen sie sich wenden können. Es geht aber auch um eine andere Form von Waffe, nämlich um den digitalen Raum. Die reale Waffe in der Hand, das ist das eine, aber die sozialen Medien spielen eine sehr, sehr große Rolle bei Radikalisierung und bei Gruppendruck, bei psychischem Stress. Deshalb braucht es Verantwortung im Umgang mit diesen digitalen Medien, und auch da handelt die Bundesregierung. Der Umgang mit sozialen Medien muss transparenter geregelt und stärker begleitet werden, und es braucht strengere nationale uns europäische Regeln gegen Onlinehetze, um unsere Kinder und Jugendlichen zu schützen. (👏 ÖVP, NEOS) All das ist wichtig, nicht nur, um zu reagieren, sondern auch, um frühzeitig zu erkennen und zu begleiten. Klar ist: Eine Maßnahme alleine wird nicht ausreichen. Wir nehmen das Ganze sehr, sehr ernst, und das sollen alle Österreicherinnen und Österreicher wissen. Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter! Uns ist das allen ein großes Anliegen. Mein Appell: Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass dieses Land ein sicheres bleibt – für unsere Kinder, für unsere Jugendlichen, für die gesamte Gesellschaft! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Erasim. Ihre eingestellte Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Staatssekretäre! Der Bundesminister ist sicher gleich wieder im Haus. Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Sie sind Zeuge von Ausführungen seitens einer Partei, der FPÖ, geworden. Ja, warum sprechen sie denn so? – Es ist eine Partei, deren Vorsitzender mit dem Privatjet von Herrn Glock in der Welt herumfliegt und die in diesem Haus das Sprachrohr der Waffenlobbyisten in diesem Land ist. – Schämen Sie sich! …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Was redest du denn für einen Schwachsinn? – Abg. Lausch [FPÖ]: Was ist denn das für ein Blödsinn? Kannst du das beweisen?

SPÖ Melanie Erasim

… Ein herzliches Dankeschön an die grüne Fraktion, dass sie dieses wichtige Thema heute durch diesen Dringlichen Antrag auf die Tagesordnung gesetzt hat …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

... zum Sagen, wenn man sich da hinter der Immunität versteckt, Frau Kollegin!

SPÖ Melanie Erasim

… denn es gibt uns die Möglichkeit, darzulegen, was wir als Regierungsfraktionen in so kurzer Zeit schon alles auf den Weg gebracht haben. Ich selbst bin Mutter, und unsere jüngste Tochter ist gerade genau im selben Alter, geht gerade in genau dieselbe Schulstufe wie die meisten der Opfer dieses schrecklichen Attentats. Frau Fürst, ich würde das nicht zum Lachen empfinden, denn es ist furchtbar, wie schnell es gehen kann, dass sich die Welt zu drehen aufhört. Wir als Politikerinnen und Politiker werden es jetzt nicht in kurzer Zeit schaffen, diese Welt der Angehörigen, denen unser komplettes Mitgefühl gehört, wieder in Schwung zu bringen. Es hat aber unsere Aufgabe zu sein, dafür Sorge zu tragen, dass alle Mittel zur Verfügung stehen, dass wir alles ermöglichen, damit der Schmerz und die Traumata der Jugendlichen, der Kinder und des Schulpersonals so rasch wie möglich gelindert werden! Was wir tun müssen, ist, Maßnahmen zu setzen, dass sich diese Welt in Zukunft für so wenige Menschen wie möglich zu drehen aufhört. Da können wir schon sehr stolz darauf sein, dass der Ministerrat ein großartiges Bündel an Maßnahmen auf den Weg gebracht hat, ein Bündel, welches versucht, Antworten zu geben und Verbesserungen zu erzielen. Wenn es bei der Dringlichen hier ausschließlich um die Verschärfung des Waffenrechts geht, dann muss ich sagen: Ich bin sehr froh, dass wir diesem furchtbaren Attentat, diesem Terroranschlag an der Schule ganzheitlich entgegentreten. Der erste Schritt war es, ein wenig von der finanziellen Last von den betroffenen Familien zu nehmen: Zusätzliche Hilfeleistungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro, auch für Therapiemaßnahmen, sind schon angelaufen. Des Weiteren braucht es einen klaren Fokus auf Prävention, psychosoziale Unterstützung und strukturelle Sicherheit. In den kommenden drei Jahren wird die Anzahl der Schulpsychologinnen und Schulpsychologen verdoppelt, Gespräche mit gefährdeten Schülern, gerade wenn es um Schulabbruch geht, werden verpflichtend, das reicht bis hin zu verbindlichen Fallkonferenzen, bei denen Schule, Jugendamt, Polizei und weitere wichtige Stakeholder eingebunden werden sollen. Ein weiterer Schritt soll eben die deutliche Verschärfung des Waffenrechts sein, denn das Recht, eine Waffe zu besitzen, ist vor allem eine Verpflichtung – eine Verpflichtung, im höchsten Maße verantwortungsvoll damit umzugehen. Es gibt keine Studie, wonach in irgendeinem Land der Welt durch eine Bewaffnung der Bevölkerung die Sicherheit gestiegen oder gar die Anzahl der Toten zurückgegangen wäre. (👏 SPÖ, NEOS) Zu lockere Waffengesetze führen zu Schlagzeilen, die wir vor allem aus den USA kennen, die Sie jetzt gerade so gelobt haben; wenn sich Kinder beim Spielen selbst erschießen, dann kostet das Frau Fürst nicht einmal einen Nebensatz, dass es solche Dinge auch gibt. Geschätzte Damen und Herren, für furchtbare Schlagzeilen müssen wir aber nicht mehr ins Ausland blicken. Seit 2020 wurden in Österreich über 150 Femizide begangen. Fast zwei Drittel dieser Morde an Frauen, weil sie Frauen sind, wurden mit legalen Schusswaffen begangen, und bei der – unfassbar! – Hälfte dieser Mörder war eine psychische Erkrankung bekannt. Allein diese Tatsache wäre Grund genug, um über Verschärfungen im Gesetz und Verbesserungen bei der Zusammenarbeit zwischen den Behörden und Gebietskörperschaften zu sprechen – und nicht nur zu sprechen, sondern auch zu handeln. Wir handeln als Abgeordnete der Regierungsparteien, wir erklären den Innenausschuss für permanent und garantieren so bis zum nächsten Schulbeginn einen Schulterschluss der Vernunft in Bezug auf ein modernes Waffenrecht, das zukünftig noch mehr Fokus auf Zuverlässigkeit, Verantwortung, aber auch eine höhere Altersgrenze legen wird, und zwar – ganz klar, gerichtet an die FPÖ – ohne in die bereits strengen Bestimmungen etwa für die Jagd oder den Schießsport einzugreifen. Das bleibt also unberührt. Schüren Sie nicht schon wieder Angst, denn vielleicht geht das sinkende Sicherheitsgefühl in diesem Land einher mit den Ängsten, die Sie schüren – oft unnötigerweise! Die Maßnahmen, die wir setzen wollen, sind: strengere psychologische Testungen; Weiterverkaufsverbote von Waffen ohne registrierten Händler; Abkühlphase von vier Wochen beim Erstkauf, beim Ersterwerb; die Befristung der Waffenbesitzkarte auf acht Jahre …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Bitte für alle, nicht nur für neue! Für alle!

SPÖ Melanie Erasim

… Evaluierung der Waffenkategorisierung; bessere Zusammenarbeit der Behörden, zum Beispiel auch Heranziehung der Befunde bei der Stellung; Waffenverbot bei häuslicher Gewalt. Liebe Grüne, ich verstehe, dass immer ein bisschen mehr geht, aber mir kommt das so vor: Ich wohne in einem Haus, dort ist das ganze Licht ausgefallen, dann kommt mein Mann heim, dreht von zehn Lampen neun wieder rein, und ich schimpfe ihn, dass er nur neun hineingedreht hat, und nicht zehn geschafft hat.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Er hat nur eine reingedreht! Es ist finster in dem Haus, das ist das Problem! – Abg. Maurer [Grüne]: Es geht um Frauen, ... Glühbirnen!

SPÖ Melanie Erasim

… Das ist nicht ganz richtig. Wir versuchen hier wirklich, mit diesem modernen Waffengesetz neue Standards zu setzen. Ich weiß, kein Waffengesetz der Welt wird solche tragischen Vorfälle zu 100 Prozent verhindern können. Es ist aber unser aller Aufgabe, alles politisch Mögliche zu tun, um diese Gefahr so gering wie möglich zu halten. Hier gemeinsam an einem Strang zu ziehen und Schulter an Schulter zu arbeiten, dazu lade ich alle Kolleginnen und Kollegen ein. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete von Künsberg Sarre. – Ihre eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Staatssekretäre! Herr Minister! Der Grund, warum wir heute diesen Dringlichen Antrag diskutieren oder debattieren, ist ja ein ganz, ganz schlimmer Anlass, ein trauriger Anlass: der Amoklauf in Graz. Man kann jetzt den Inhalt dieses Dringlichen Antrages der Grünen gut oder schlecht oder mittelmäßig und anschlussfähig oder nicht anschlussfähig finden, aber ich finde, die Grünen haben – und das ist auch bei den Reden der Kollegen von den Grünen erkennbar – ein großes Anliegen, das Anliegen, etwas zu verbessern, etwas zu lösen, das man hier auch debattieren kann. Die Rede der Frau Fürst macht ehrlich gesagt nur sprachlos, weil sie so überhaupt null Anlass sieht, irgendwie gemeinschaftlich eine Lösung zu finden. ( Ruf bei der FPÖ: ... keine Lösung ist! ) Das macht mich echt traurig, weil sich ganz viele Kinder und Jugendliche in Graz und über Graz hinausgehend erwarten, dass wir hier etwas zusammenbringen und nicht nur irgendwelche Geschichten von irgendwelchen Waffengesetzen in Amerika und der Todesrate dort erzählen, die gar nicht stimmen und nicht belegbar sind. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Frau Kollegin Erasim hat es gerade auch gesagt: Natürlich werden ganz viele Frauen in Österreich mit Schusswaffen ermordet. – Und Sie stellen sich hier heraus und sagen, das sei alles nicht wahr. Das ist doch total absurd, und ich verstehe den Zugang nicht, denn Sie werden ja auch das Ziel haben, dass es vor allem den Kindern und Jugendlichen in Österreich gut geht, besser geht.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Es ist wie beim Trump: Sie hat eine andere Statistik! – Abg. Gewessler [Grüne]: Genau, alternative Fakten!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Was für uns wichtig ist, ist, nicht nur über das Waffengesetz zu reden. Es ist notwendig, dass man da etwas macht, aber es geht vor allem darum, in die Prävention zu investieren und dafür zu sorgen, dass vieles gar nicht passiert. Wir wollen das natürlich in der Schule tun, und wir setzen da auch an. Es wird einen deutlichen Ausbau der psychosozialen Unterstützungsleistungen geben, eine Verdoppelung der Mittel für die Schulpsychologie. In anderen Ländern ist das seit Jahrzehnten üblich. Wir haben da in den letzten Jahrzehnten geschlafen oder versucht, ein bisschen aufzuholen, aber de facto sind wir im internationalen Vergleich ganz weit weg, etwa davon, dass der Schulpsychologe, der Sozialarbeiter neben dem Lehrerteam einfach dauernder Bestandteil in der Schule ist. Wir wollen verbesserte Rahmenbedingungen für das Unterstützungspersonal. Wir werden auch den Einsatz von neuen Berufsgruppen in der Schule prüfen, beispielsweise den gezielten Einsatz von Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Wir wollen mehr Betreuung vor Ort, an der Schule, dass Kinder und Jugendliche, die ein Problem haben, ein Anliegen haben, Angst haben, sich an jemanden wenden können, der nicht nur zweimal im Semester in der Schule vorbeischaut, sondern regelmäßig vor Ort als Ansprechperson zur Verfügung steht. Wir werden ab 2026 einen neuen Schwerpunkt setzen: psychosoziale Unterstützung und Mental Health. Die Mittel dafür werden verdoppelt: von 2 auf 4 Millionen Euro. Auch die Erhöhung der Mittel für das Projekt Gesund aus der Krise ist bereits beschlossen worden. Wir wissen, dass es in Österreich im Bereich der psychosozialen Unterstützung an den Schulen sehr, sehr viel Luft nach oben gibt. Ich appelliere auch an Sie, hier endlich einmal in einen Diskurs einzutreten, der Lösungen bringt und nicht nur weitere Angst schürt, denn das, was Sie machen, ist, weiter Angst zu verbreiten, und das können wir nicht mehr brauchen! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Prammer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Werte Staatssekretäre! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Eine psychische Erkrankung kann jeden treffen: jeden von uns, und auch jeden Jäger, jede Jägerin, jeden Sportschützen und jede Sportschützin, und zwar immer. Deshalb ist es wichtig, dass man das immer im Kopf hat, denn eine psychische Erkrankung und eine Schusswaffe sind eine tödliche Kombination. (👏 SPÖ, NEOS) Tödlich ist das in vielen Fällen gar nicht ausschließlich für andere. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, und da gibt es ganz viele Geschichten aus dem Bekanntenkreis über Suizide mit legalen Schusswaffen; auch das dürfen wir nicht vergessen. Psychische Erkrankungen müssen erkannt werden, und wer an einer psychischen Erkrankung leidet, darf keine Schusswaffe in die Hand bekommen, und das muss auch auf Dauer sichergestellt werden, denn man kann auch später krank werden. Das heißt, es darf nicht eine Momentaufnahme sein, in dem Moment, in dem ich das erste Mal eine Waffe bekomme, sondern diese Überprüfungen gehören regelmäßig wiederholt. (👏 SPÖ) Aber nicht nur die psychische Gesundheit alleine bedeutet Zuverlässigkeit, denn auch jemand, der angibt, er würde eine Waffe brauchen, um sich auf einen Tag X vorzubereiten, an dem plötzlich die Regierung zusammenbricht und jeder für sein eigenes Recht kämpfen und sein Eigentum verteidigen muss, sollte niemals in den Besitz einer Waffe kommen. Das gilt für alle Waffen, und das gilt für alle Personen, die Waffen haben wollen, denn ein Schuss aus einer Kategorie-C-Waffe ist genauso tödlich wie jeder andere. (👏) Ja, man kann weniger schnell und weniger oft schießen – aber erklären Sie das bitte der Mutter, deren Kind dieses Kind war, das genau mit diesem einen ersten Schuss getötet wurde! Soll sie sich freuen, dass nicht noch mehrere abgefeuert werden konnten? – Ich glaube nicht. Rund 100 000 Menschen haben bereits eine Petition unterschrieben und gefordert, dass der private Waffenbesitz eingeschränkt wird, dass es keine Waffen mehr in Privatbesitz geben soll. – Ja, auch wir sind dafür, dass es Ausnahmen gibt. Ja, auch wir wissen, es gibt Jäger und Jägerinnen, es gibt Sportschützen und Sportschützinnen, und natürlich müssen die an Schusswaffen kommen, aber wie gesagt, auch da muss die Zuverlässigkeit in jedem Fall geprüft werden – auch im eigenen Interesse. Denn möchten Sie wirklich der Verantwortliche oder die Verantwortliche in einem Schützenverein sein, in dem das neueste Mitglied ein bisschen sonderbar und doch schon ziemlich komisch ist und sehr eigenartige Ansichten hat, Sie aber keine Handhabe haben? Wären Sie nicht froh, wenn Sie sich an die Behörde wenden könnten? Wären Sie nicht froh, wenn spätestens in ein paar Monaten die nächste Überprüfung anstünde und Sie wüssten: Okay, wenn wirklich etwas faul ist, dann wird dessen Waffe eingezogen? Wollen Sie wirklich, dass Private die Verantwortung tragen müssen, dass die Jägerschaft die Verantwortung tragen muss, dass die Sportvereine die Verantwortung dafür tragen müssen, dass Menschen, die keine Waffe in der Hand haben sollten, diese auch nicht kriegen? – Nein, das ist die Verantwortung des Staates, und deshalb gehört es reguliert. (👏 SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen von der ÖVP, wenn es tatsächlich so sein sollte, dass die Waffenverkäufer und die Waffenhersteller bei euch auf der Tackn stehen und euch bedrängen, nur ja keinen Millimeter zurückzuweichen und nur ja keine Neuregelung zu gestalten : Macht einmal etwas, probiert einmal etwas aus! Schaut einmal auf Umfragen: 75 Prozent der Menschen wollen keine Waffen in Privatbesitz. Ihr habt fast ganz Österreich hinter euch. Traut euch nur! (👏 SPÖ) 100 000 Menschen haben unterschrieben, und noch viel, viel mehr teilen diese Meinung, und ich sage euch, ich sage all diesen Menschen: Wir halten zu euch! Grün hält zu euch. Wir sorgen dafür, dass dieses Gesetz verschärft wird.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Ihr verschärft das Gesetz?

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Kollege Köllner, ich habe mich sehr gefreut, du hast gesagt, es kommt „die größte Verschärfung [...], seit es das Waffengesetz [...] gibt“. Da liegt die Latte nicht sehr hoch, aber ich traue es euch zu, ich traue es euch wirklich zu, dass ihr sie höher legt und es das wirkungsvollste Waffengesetz wird. Unsere Unterstützung habt ihr auf jeden Fall. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ragger. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christian Ragger

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Geschätzte Herren Staatssekretäre! Ich weiß nicht, ob ich geschockt, befremdet oder zugleich irritiert sein soll von Ihnen und dem, was Sie hier wirklich an Inkompetenz und Unwissenheit zum Besten geben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Beruht auf Gegenseitigkeit!

FPÖ Christian Ragger

… Abgesehen von dem Antrag, den die Grünen gestellt haben, reden wir die ganze Zeit hindurch über das Waffengesetz. So, ich möchte Ihnen vielleicht ein paar kleine Einblicke geben, was sozusagen dieses Waffengesetz zum Inhalt hat, abgesehen von Ihren Zahlen, die Sie quasi querfeldein durch die Gegend werfen, die statistisch nicht unterlegt sind.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bitte! – Abg. Erasim [SPÖ]: Und zwar welche? Welche Zahlen?

FPÖ Christian Ragger

… Ich sage Ihnen statistisch unterlegte Zahlen, und da hören Sie mir auch genau zu: Ja, es ist richtig, es gibt 1,5 Millionen Waffenbesitzer in Österreich, das ist richtig. Es gibt 800 000, die eine Kategorie-C-Waffe haben. Eine Kategorie-C-Waffe ist eine Waffe mit einem glatten oder einem gezogenen Lauf, das ist eine Waffe, die eine Kugel oder maximal drei Kugeln oder Schrot als Munition hat, und das ist das, was ein Jäger benutzt.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja eh!

FPÖ Christian Ragger

… Das ist eine Kategorie-C-Waffe, aber - - …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

1,5 Millionen Waffen, 130 000 Jäger!

FPÖ Christian Ragger

… Hören Sie mir doch zu, Frau Gewessler, Sie brauchen nicht so aufgeregt zu sein! Ich hätte mir gewünscht, dass Sie diese Diskussion auch am 15. Feber so geführt hätten, als drei Kinder bei uns in Villach abgestochen worden sind. Das hätte ich mir gewünscht! (👏 FPÖ) Da waren Sie still. Da haben Sie nichts gesagt : drei Kinder, von denen heute noch ein Kind einen künstlichen Ausgang hat, von denen ein Kind sein Leben lang ein Herzleiden haben wird.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das ist eine Lüge! – Zwischenruf der Abg. Gewessler [Grüne].

FPÖ Christian Ragger

… Da waren sie still, die Grünen, da haben sie nichts gesagt …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Lüge!

FPÖ Christian Ragger

… denn das war ein Asylwerber – da müssen wir still sein …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Na!

FPÖ Christian Ragger

… aber wenn wir in Graz etwas anstellen, dann werden wir übers Waffengesetz diskutieren. (👏 FPÖ) Und jetzt hören Sie zu! 2014 gibt es 622 Fälle von Schusswaffenverwendung, 2024 laut Statistik Austria 352 – 50 Prozent weniger Schusswaffenattacken in zehn Jahren. Hingegen aber Stichwaffendelikte 2014: 1 900, 2024: 2 600 …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was kriegst bezahlt eigentlich? – Abg. Kogler [Grüne]: Wer zahlt denn dich?

FPÖ Christian Ragger

… und davon 50 Prozent in Wien.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die Messerlobby!

FPÖ Christian Ragger

… Wo ist die Messerlobby? Genau, danke, Herr Notar, dass Sie das sagen! Und dann gehen Sie ideologisch rein und entblöden sich nicht, alle in einen Topf zu werfen – und jetzt spreche ich für 130 000 Jäger hier –: Ich habe eine Ausbildung für sechs Monate gemacht, indem ich eine Jagdprüfung gemacht habe. Jede Woche habe ich mich hinsetzen und die Waffe lernen müssen, habe jede Woche lernen müssen, wie man diese Waffe gebraucht, habe mit der Waffe umzugehen lernen müssen, und ich habe am Ende des Tages auch eine Prüfung dazu machen müssen. Sie gehen heute kriminalisierend vor …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Nein!

FPÖ Christian Ragger

… indem Sie die Jäger in einen Topf hauen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Nein!

FPÖ Christian Ragger

… die dazu ausgebildet sind …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Nein! Das ist schlicht und ergreifend falsch!

FPÖ Christian Ragger

… das ist das Erste, und darüber hinaus hauen Sie auch gleichzeitig alle Aufsichtsjäger in diesen Topf. Ja, lesen Sie Ihren eigenen Antrag, da steht ja drinnen, was Sie hier anstellen! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Sie haben ihn offenbar nicht gelesen!

FPÖ Christian Ragger

… Daher können Sie nicht davon ausgehen, dass wir hergehen und ideologisch Ihre linke Politik goutieren werden, mit der Sie unsere Menschen hier nur aufgrund dessen einschränken, weil Sie seit zehn Jahren unfähig sind, es zu unterbinden, jeden Einzelnen in dieses Land zu lassen. Das hat nämlich wirklich und tatsächlich verursacht, dass sich die Menschen nicht sicher fühlen. Über all das sollten Sie in Hinkunft nachdenken, wenn Sie über ein Waffengesetz sprechen. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Disoski. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. Das ist gleichzeitig auch die Restredezeit Ihrer Fraktion. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke, Herr Präsident! Herr Minister! Geschätzte Staatssekretäre! Kolleginnen und Kollegen! Herr Ragger, ich habe jetzt überlegt, ob ich das so stehen lassen kann, aber ich kann es nicht so stehen lassen. Sie haben Villach angesprochen und das Attentat dort. Wer waren denn die Ersten, die gesagt haben: Wir müssen bitte etwas tun, um zu verhindern, dass sich solche Menschen künftig auf Plattformen radikalisieren? – Das waren wir. Ihr wollt das nicht, weil ihr diese Plattformen selber zur Radikalisierung nutzt.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Ihr befüttert sie! Die brauchen einen Content!

GRÜNE Meri Disoski

… Das ist doch die Wahrheit! (👏 SPÖ) Und es ist wieder typisch für die FPÖ: Es geht hier ums Waffengesetz, wir haben einen 10. Juni 2025 erlebt, der sich tief in das kollektive Gedächtnis unseres Landes eingebrannt hat, zehn Menschen sind erschossen worden, und Sie starten hier ein Ablenkungsmanöver. Das ist wirklich ein Wahnsinn, wie Sie vorgehen. Es geht jetzt um das Waffengesetz, um die Verschärfungen, die notwendig sind, um die Frage: Wie können wir gewährleisten, dass möglichst wenig Schusswaffen in unserem Land in Umlauf sind? Wir sehen seit Jahren – seit Jahren! –, dass die Zahl der mit legalen Schusswaffen verübten Morde in diesem Land steigt. (👏) Sie steigt.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wo steht das? Gibt es dazu Fakten oder ist das eine Aussage?

GRÜNE Meri Disoski

… Und dieser 10. Juni 2025, das war nicht ein singulärer Tag. Das war nicht ein Tag, an dem etwas passiert ist, das wir vorher nicht kannten. Am 3. Mai 2025 ist in Maria Alm eine 34 Jahre alte Frau von ihrem Ex-Partner auf einem öffentlichen Platz, auf einem Parkplatz erschossen worden, regelrecht hingerichtet worden, mit einer legalen Schusswaffe. Am 21. September 2024 hat ein Mann in Perg seine Ehefrau und die gemeinsame Tochter erschossen – mit einer legalen Schusswaffe. Am 24. Februar 2024 erschießt in Eschenau ein Mann seine Lebensgefährtin – mit einer legalen Schusswaffe. Diese Liste ließe sich leider sehr, sehr lange fortsetzen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Der, der den Bürgermeister ...!

GRÜNE Meri Disoski

… quer durchs ganze Land, quer durch alle Bundesländer, quer durch alle Gesellschaftsschichten. ( Ruf bei der FPÖ: Mit Messermorden genauso! ) Sie zeigt ein Muster. (Abg. Erasim [SPÖ] – in Richtung FPÖ –: ... „Messermorden genauso“? Wo lebts ihr bitte? Welches Niveau ist da drüben? Das ist ja unterirdisch!) Diese Liste zeigt ein Muster: Die meisten Opfer sind Frauen, Frauen, die gehen wollten, Frauen, die Nein gesagt haben, Frauen, die sich dem entziehen wollten, was manche Männer immer noch für ihr Recht halten, nämlich Kontrolle, Besitz und Verfügbarkeit. Die Täter - - …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ihr könnts niemals all das verbieten, wenn sie einen Vorsatz haben, Menschen umzubringen! Versteht ihr das nicht?

GRÜNE Meri Disoski

… Kollege, jetzt bin ich dran! …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Messer, Hammer, Axt, alles! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

GRÜNE Meri Disoski

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte sprechen Sie! Abgeordnete Mag. Meri Disoski (fortsetzend): Ich kann nicht sprechen. Jetzt bin ich dran! …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wollt ihr das alles verbieten? – Abg. Erasim [SPÖ] – in Richtung FPÖ –: Nein, euch verstehe ich nicht, und ich will auch nicht in die Verlegenheit kommen! – Zwischenrufe bei den Grünen.

GRÜNE Meri Disoski

… Dort, wo ich herkomme, Kollege, in Gramatneusiedl in Niederösterreich, lässt man einander aussprechen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Euch kann man nicht helfen! Unfassbar!

GRÜNE Meri Disoski

… Ich weiß nicht, wie das bei euch in der FPÖ ist. Dort, wo ich herkomme, lässt man einander aussprechen. Die Täter waren in all diesen Fällen, die ich erwähnt habe, Männer – Partner, Ex-Partner, Ehemänner, Väter.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Man braucht nicht jeden Blödsinn unbeantwortet ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Die Zahl der Frauen, die in Österreich mit legalen Schusswaffen ermordet worden sind, ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Da gibt es eine Studie über die Frauenmorde der letzten Jahre: Diese Zahlen sind gestiegen. Viele der Täter waren zuvor auffällig. Diese Taten sind keine Einzelfälle, keine Ausnahmen. Hinter jeder Zahl, hinter jeder Tat steht eine konkrete Person, eine konkrete Frau, eine Mutter, eine Schwester, eine Tochter, die wir geliebt haben, die wir geschätzt haben, die gebraucht wurde, eine Frau, die fehlt. Ich sage Ihnen, mich als Frauensprecherin und als Frau macht das traurig, und es macht mich auch wütend, und diese Wut, ja, ist feministisch. Ich will nicht, dass wieder eine Frau stirbt, weil wir heute nur gesprochen haben, statt Taten zu setzen (👏 SPÖ), weil wir nicht den Mut hatten, die tödlichen Schlupflöcher in unserem Waffengesetz zu schließen. Herr Bundesminister, ich muss Ihnen mit Vehemenz und mit aller Deutlichkeit widersprechen. Diese Lücken kennen wir nicht erst seit vier Wochen. Nicht erst seit vier Wochen wissen wir, wo diese Lücken sind, nein, sondern seit Jahren. Seit Jahrzehnten warnen Organisationen, Expert:innen und auch wir Grüne. Wir sagen, der Zugang zu Schusswaffen in Österreich ist zu einfach, wir sind zu sorglos, das ist zu gefährlich. Wir bringen deshalb seit 20 Jahren hier in diesem Hohen Haus parlamentarische Initiativen ein – seit 20 Jahren! Kollege Gödl, Ihr Populismusvorwurf an uns läuft deshalb ins Leere, weil wir jede einzelne Verschärfung, die wir in den letzten fünf Jahren gefordert und durchgesetzt haben, euch abgerungen haben, mühsam abgerungen. Wir werden nicht lockerlassen. Wir halten diesen Kurs und bringen deshalb heute diesen Dringlichen Antrag ein. (👏) Die Frage ist doch längst nicht mehr, ob wir etwas tun sollen, sondern wann, wie und mit welchem Mut. Ich habe in dieser Debatte jetzt sehr viel gehört: Es wird evaluiert, es wird verhandelt, der Ausschuss sei permanent gestellt worden. – Aber wissen Sie, was ich nicht gehört habe, in keinem einzigen Redebeitrag? – Mut. Mut, zu sagen: Ja wir stellen den Schutz von Menschen über das private Interesse an einer Waffe!, Mut, zu sagen: Ein Kinderleben zählt mehr als das Hobby mit dem Gewehr!, Mut, zu sagen: Schusswaffen haben in Wohnungen, in Häusern, in Nachtkasteln, in einem Zuhause nichts verloren, nicht in der Nähe von Wut, nicht in der Nähe von Angst oder Eifersucht. Wir haben es jetzt schon gehört: 100 000 Menschen haben eine Petition von aufstehn.at für ein Schusswaffenverbot für Privatpersonen unterzeichnet. Sie haben kein Mandat, sie haben keine PR-Agentur, sie haben nicht das Redner:innenpult im Parlament, aber sie haben etwas anderes, das wir hier dringend brauchen, nämlich Klarheit. Sie sagen uns: Wir wollen keine Gesellschaft, in der Waffen Normalität sind! Wir wollen nicht zuschauen, wie sich Angst verbreitet! Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Zum Schlusssatz kommen! Abgeordnete Mag. Meri Disoski (fortsetzend): Wir wollen nicht in einem Land leben, in dem ein Waffenschein mehr zählt als das Leben eines Kindes oder einer Frau! Zeigen Sie heute Mut, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. Stimmen Sie unserem Antrag zu, im Namen derer, die keine Stimme mehr haben! (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Lausch. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. Ich mache noch darauf aufmerksam, dass die Gesamtrestredezeit der Fraktion 7 Minuten beträgt. – Bitte, Herr Abgeordneter. 5 Minuten sind eingestellt.

FPÖ Christian Lausch

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Die Herren Staatssekretäre! Hohes Haus! Als Letztredner hat man einiges gehört. Ich muss jetzt sagen, ich fange einmal ( ein Schriftstück in die Höhe haltend ) mit dem Dringlichen Antrag der Grünen an. Praxistauglich ist er nicht, das kann ich gleich einmal vorweg sagen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was ist praxistauglich?

FPÖ Christian Lausch

… Freiheit von Waffen jetzt!“: meine lieben Kolleginnen und Kollegen der Grünen, ach ja. Mich hat dieser Anschlag persönlich sehr, sehr erschüttert. Ich bin seit 36 Jahren Justizwachebeamter, Exekutivbeamter, ausgebildet an der Waffe – sowohl an Faustfeuerwaffen als auch an Langwaffen – und habe auch jahrelang mit Kriminellen zu tun. Ich kann sagen, der Antrag, so gut er gemeint sein mag, bringt in der Praxis überhaupt nichts, weil mehr als 70 Prozent der Straftaten in Österreich mit illegalen Waffen verübt werden, auch wenn jetzt Meri Disoski alle Straftaten mit legalen Waffen aufgezählt hat.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ah, dann sind die anderen wurscht?

FPÖ Christian Lausch

… Mehrheitlich sind es illegale Waffen, die unser Problem sind.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Dann sind die anderen Straftaten egal?

FPÖ Christian Lausch

… Wenn Sie da in Ihren Dringlichen Antrag hineinschreiben, man muss die Rückgabe von Waffen erleichtern: Also bitte, das ist ja gang und gäbe, dass man heute jederzeit, wenn man ein Haus von einem Verstorbenen ausräumt und dort Waffen vorfindet, das ohne Strafe, ohne Geldzahlung bei der Bezirksverwaltungsbehörde melden und zurückgeben kann. Das gibt es eh. Wie schon ein Vorredner von meiner Fraktion gesagt hat: Kein Illegaler oder Krimineller wird jetzt irgendwie eine Waffe zurückgeben. Mich erschüttert das schon sehr, dass man sich von der linken Seite keine Gedanken darüber macht, was eigentlich in diesem Zusammenhang wichtiger wäre: Unsere Schulen müssen besser geschützt werden. Unsere Kinder müssen besser geschützt werden. – Jede Verschärfung des Waffengesetzes bringt da weit weniger.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wollt ihr, dass die Schüler bewaffnet an die Schulen gehen, oder wie?

FPÖ Christian Lausch

… Es kann aber nicht sein, dass wie in Niederösterreich viele Pflichtschulen ab 8 Uhr, bei Unterrichtsbeginn, versperrt sind und man anläuten muss …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wollt ihr die Kinder einsperren?

FPÖ Christian Lausch

… nicht einsperren! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Na, was heißt das?

FPÖ Christian Lausch

… Wir sperren nicht die Kinder ein, aber man muss sich nach den Gegebenheiten richten. Die Welt wird immer verrückter (Zwischenruf der Abg. Erasim [SPÖ] – Ruf bei der SPÖ: Und deswegen braucht der Schulwart eine Waffe? ), wie man ja anhand von Graz sieht. Da ist einer in die Schule eingedrungen und hat die Schwächsten der Schwachen bestialisch ermordet – das wird ja auch euch nicht entgangen sein. Da muss man einmal den Hebel ansetzen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Hast du das Paket durchgelesen?

FPÖ Christian Lausch

… Wenn ( in Richtung Abg. Gewessler [Grüne] ) du mir zuhörst und nicht immer reinkrakeelst, dann hättest du auch gehört, dass mehr als 70 Prozent mit illegalen Waffen passiert. Wenn der Täter von Graz das monatelang, wochenlang akribisch geplant hat …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Machen wir es ihm leicht!

FPÖ Christian Lausch

… dann wäre er ja auch mit einer illegalen Waffe eingedrungen. Das bringt ja nichts.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Jede Hürde ist wichtig!

FPÖ Christian Lausch

… Man darf ja den Bosnienkrieg, den Bosnienkonflikt nicht vergessen, das ist noch nicht lange her. Wien, Slowakei, Tschechien, Nachbarländer: voll mit illegalen halbautomatischen und vollautomatischen Waffen.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Ja, sammeln wir sie ein!

FPÖ Christian Lausch

… Wie schon Kollegin Fürst richtig gesagt hat, wird auch der Ukrainekrieg seine Spuren hinterlassen. Wir sind ja umzingelt von ehemaligen Ostblockstaaten, in denen illegale Waffen um einige Tausend Euro zu erstehen sind, dass man solche Taten jederzeit wiederholen kann. Ich wünsche es mir ehrlich gesagt nicht, weil jeder Anschlag einer zu viel ist. Jeder Anschlag gehört verhindert. Das Schlimmste, das einem Staat passieren kann, ist aber, wenn es unsere Kinder erwischt, wenn ein Verrückter, ein Krimineller in eine Schule eindringt und dort Leute erschießt. Ich glaube, das eint uns über Parteigrenzen hinweg. Der Schmerz sitzt immer noch tief. Der Schmerz ist da, auch bei uns Freiheitlichen ganz, ganz besonders. Wir haben sogar unseren Bundesparteitag abgesagt, weil uns das wirklich total schockiert hat ( Rufe bei den Grünen: Oh! ), dass so eine bestialische Tat möglich ist.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Aber dann tut ihr nichts! – Zwischenruf der Abg. Erasim [SPÖ].

FPÖ Christian Lausch

… Kollegin Gewessler, Frau Klubobfrau, hören Sie mir zu! Es bringt ja nichts, das Waffengesetz zu verschärfen, das rettet ja nichts, das bewirkt ja nicht, dass man diese Anschläge verhindert. Illegale Waffen gibt es genug.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Deswegen macht man es ihnen einfach?

FPÖ Christian Lausch

… Man kann ja nicht die rechtschaffenen Bürger piesacken. ( Ruf bei den Grünen: Jede Waffe weniger ist gut, egal ob illegal oder legal! ) Eines ist wirklich sehr bezeichnend dafür, wie ideologisch links und engstirnig der Antrag ist: Sie reden von Jägern. Ihr redet von Jägern.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ausnahmen für Jäger!

FPÖ Christian Lausch

… Ihr redet von Sportschützen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ausnahmen für Sportschützen!

FPÖ Christian Lausch

… Redet ihr auch von Exekutivbeamten? Wisst ihr, wer in Österreich am allerbesten auf Waffen ausgebildet ist? ( Rufe bei den Grünen: Private! Es geht um Privatpersonen! ) – Exekutivbedienstete. 40 000 Exekutivbedienstete in Österreich haben auch einen Waffenpass und besitzen Waffen. Ich glaube, das ist sogar sicher für die Republik, wenn ein Polizist in seiner Freizeit eine Straftat sieht …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Haben Sie den Antrag gelesen? Ich glaube nicht! Es geht um Privatpersonen!

FPÖ Christian Lausch

… und die eventuell verhindern kann. Das wäre Sicherheit. Wenn man aber so ideologisch gelenkt ist – Waffenlobby, Verbote, Vernichtungen – und immer nur die bösen, bösen Blauen im Visier hat, dann vergisst man natürlich die vielen gut ausgebildeten Exekutivbediensteten, Polizisten in Österreich …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Eure Wählerschaft ist weiter als ihr!

FPÖ Christian Lausch

… vergisst, dass diese vielleicht privat mit einer Waffe für mehr Sicherheit sorgen könnten, wie dies schon oft der Fall war. Es wurden schon viele Straftaten von Polizistinnen und Polizisten verhindert, die in ihrer privaten Zeit ihren Dienst ernst genommen haben …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Aber eure Wählerschaft ist ja sogar weiter als ihr!

FPÖ Christian Lausch

… und sich plötzlich in den Dienst gestellt haben. ( Ruf bei den Grünen: Redezeit! ) – Das alles vergesst ihr ja, alles. Das ist einfach ein Antrag, der – schon der Titel sagt es, nämlich: „Freiheit von Waffen jetzt!“ – Unsinn ist. Wenn man den Antrag liest, vom Anfang bis zum Ende - - Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte den Schlusssatz. Abgeordneter Christian Lausch (fortsetzend): Ich muss sagen, ich weiß nicht, was ihr damit wollt. Mit diesem Antrag – das ist der Schlusssatz, Herr Präsident – verhindert ihr keinen einzigen Terroranschlag, keinen bestialischen Anschlag, mit dem verhindert ihr gar nichts. Der Antrag ist rein ideologisch motiviert und wird darum hoffentlich mehrheitlich von diesem Haus abgelehnt werden. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Herr. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Die Gesamtrestredezeit Ihrer Fraktion beläuft sich auf 8 Minuten. Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Vielen Dank, Herr Präsident. – Puh, es ist fast schwierig, überhaupt darauf zu reagieren. Vielleicht sage ich es einmal so: Ihre eigene Wählerschaft hat schon verstanden, warum das Thema wichtig ist. Die Mehrheit der FPÖ-Wähler wünscht sich ein strengeres Waffengesetz. (👏 SPÖ) Nur Sie haben es nicht verstanden. Und bei diesen ganzen Reden – nur für den Fall, dass Sie es nicht gesehen haben –, haben nicht einmal mehr die Leute in den eigenen Reihen geklatscht …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Aber die Spender wollen es nicht!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… so viel Vollholler ist da jetzt gekommen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na Moment! Ein bisschen eine andere Ausdrucksweise, Frau Kollegin!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Aber ich gehe zurück zu dem, worum es geht: Wir alle wollen in Sicherheit leben. Wir wollen vor allem, dass unsere Kinder in Sicherheit leben, wir wollen, dass unsere Kinder in Sicherheit den Kindergarten und die Schule aufsuchen können.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Sichern Sie die Schulen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Schützen Sie die Grenzen!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Und bei allen Differenzen bin ich davon überzeugt, dass uns das zumindest vereint. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Was uns aber auch vereinen sollte, ist die Verantwortung, alles zu tun, dass das für unsere Kinder auch möglich ist, denn sonst brauchen wir unseren eigenen Kindern gar nicht mehr in die Augen zu schauen. Ich weiß schon – und das wurde heute sehr oft gesagt –: Wir werden nie – nie! – zu 100 Prozent verhindern können, dass sich solche schrecklichen Ereignisse wie in Graz zutragen – leider; könnten wir das, dann würden wir es ja tun –, aber was wir schon können, ist, alles, was in unserer Macht steht, zu tun, dass es zumindest erschwert wird. (👏 SPÖ) Natürlich gehört da auch dazu, dass man den Zugang zu Waffen endlich strenger kontrolliert. (👏 SPÖ) Ich verstehe nicht, warum ein 18-Jähriger leichter an eine Schrotflinte kommt als ein Zehnjähriger an einen Fahrradführerschein. Ich habe es auch noch nie verstanden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist bekannt, dass Sie nichts verstehen!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Natürlich ist es legitim, die Frage zu stellen: Warum braucht ein 18-Jähriger überhaupt eine Schrotflinte? Liebe Zuschauer:innen zu Hause! Seit 2015, in den letzten zehn Jahren, hat sich die Zahl der Waffen in Österreich fast verdoppelt, mittlerweile sind laut Innenministerium 1,5 Millionen legale Waffen in Umlauf, Schätzungen gehen sogar von 2,5 Millionen legalen und illegalen Waffen in Österreich aus. Damit sind wir eines der Länder mit den meisten Waffen pro Kopf, nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Das ist die Realität, das ist das, was sich aktuell zuträgt. Wir sehen ganz genau, was in Ländern, in denen immer mehr und mehr Waffen in Umlauf sind, passiert. Das schlimmste Beispiel sind wohl die USA – und diese sind von der FPÖ heute auch noch als Positivbeispiel erwähnt worden –, dort gibt es mehr Schusswaffen als Einwohner und Einwohnerinnen. Wozu das führt, wissen wir: dass dort nicht ein Mal, sondern jede Woche Schüsse in Schulen fallen – jede Woche fallen dort Schüsse! Ich weiß, in Ihren Reihen gibt es einige, die Donald Trump bewundernswert finden, und offensichtlich wollen Sie ihm da jetzt nacheifern, weil Sie sich so vehement dagegen wehren, dass man bei den Waffen genauer hinschaut, aber Sie sind da wirklich auf dem falschen Dampfer. Sicherheit ist keine Frage des Kalibers. Wir brauchen ein Waffengesetz, das die Bevölkerung vor Waffen schützt, und nicht ein Waffengesetz, das Waffen schützt. (👏 ÖVP, SPÖ) Genau das passiert jetzt auch, und das sage ich wirklich mit Nachdruck: Die SPÖ hat in der Bundesregierung die größte Verschärfung des Waffengesetzes durchgesetzt, seit es das Waffengesetz gibt. Liebe Kolleg:innen auch von den Grünen, das sage ich mit größter Klarheit : In Zukunft wird über jene, die vom Gericht als gefährlich oder unzuverlässig eingestuft werden, auch ein Waffenverbot verhängt werden. Es ist vollkommen absurd, dass das bisher noch nicht so war, dass Menschen, die wirklich als unzuverlässig eingestuft wurden, weiterhin Waffen besessen haben. Die privaten Waffenverkäufe werden künftig nur mehr über registrierte Händler abgewickelt werden. Es werden strenge Zuverlässigkeitsprüfungen vor jeder Waffenerlaubnis kommen. Bei den psychologischen Gutachten werden wir nachschärfen. Es wird einen besseren Datenaustausch mit den Behörden geben. Wenn künftig jemand bei der Stellung als untauglich eingestuft wird, dann wird man ihm nicht mehr so leicht eine Waffe anvertrauen. Die Alterslimits werden nach oben gesetzt. Es gibt eine verlängerte Abkühlphase, die etabliert werden soll. Die Waffenbesitzkarten sind in Zukunft nur mehr für acht Jahre ausgestellt, und auch bei der Verlängerung wird strenger geprüft, denn nur deshalb, weil jemand einmal tauglich ist, eine Waffe zu besitzen, muss er das ja nicht seine gesamte Lebenszeit lang sein. Es werden auch Waffenverbotszonen rund um Schulen und Kindergärten geprüft. Also das ist – und ich sage das mit voller Klarheit – die größte Reform des Waffenrechts, seit es das Waffenrecht gibt. (👏 ÖVP, SPÖ) Da werden wir auch nicht lockerlassen, sondern wir werden über den Sommer weiter mit Hochdruck daran arbeiten, dass bereits im September Gesetzesvorschläge vorliegen. Ich sage auch dazu: Da geht es nicht nur darum, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen schützen, sondern da geht es auch darum, dass wir Frauen schützen. Die Femizide in den letzten Jahren wurden mehrheitlich mit Schusswaffen getätigt. Wenn wir hier beim Waffengesetz endlich nachschärfen, ist das hoffentlich auch ein Beitrag, dass weniger dieser grausamen Femizide passieren. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zur FPÖ: Sie schreien immer: Sicherheit! Sicherheit! Sicherheit! – Ja, wir alle brauchen Sicherheit. Aber genau jetzt, wenn es darum geht, wirklich zu beweisen, dass man auch dafür steht, tun Sie das nicht. Sie sagen, es geht um illegale Waffen. Ja, natürlich, auch die illegalen Waffen sind ein Problem. Und was tun Sie dagegen, was sind da Ihre Vorschläge? Ich sage Ihnen, was man sich zum Beispiel anschauen könnte: Machen wir alle hier herinnen einmal ein Gedankenexperiment: Stellen wir uns vor, es gibt extremistische Gruppen in Österreich , hinsichtlich derer auch die Behörden sagen, von diesen geht Gewalt aus. Und dann stellen wir uns vor, bei denen zu Hause werden ein paar Waffenlager gefunden, noch und nöcher : Pistolen, Waffen, Granaten, Sprengstoff, militärische Ausrüstung, Rohrbomben. Stellen wir uns vor, das ist nicht nur einmalig, sondern immer wieder werden in Österreich mitten unter uns bei extremistischen Gruppen Waffen gefunden , mehr und mehr, und die Behörden warnen sogar davor, dass da offensichtlich eine Aufrüstung stattfindet. Stellen wir uns vor, das passiert in Österreich! Was, glauben Sie, wird dann die FPÖ dazu sagen? …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Gar nichts!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Das ist gar kein Gedankenexperiment, das ist nämlich die Realität: Sie sagen gar nichts dazu! Im Dezember 2021, Neonazifunde: 1 200 Kilo Munition; im Juni 2023: Munition für über 10 000 Schüsse – da haben Sie gar nichts dazu gesagt; im Februar 2025 in Niederösterreich: Waffenfunde noch und nöcher. Das sind alles Neonazigruppen, die zu Hause Waffen lagern. Was sagen Sie dazu? Haben Sie dazu schon jemals ein Wort verloren? Hat Herbert Kickl dazu schon jemals etwas gesagt? (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Entschuldigung, stellen wir uns vor, das wären islamistische Extremisten: Da würden Sie die Hütte anzünden – zu Recht! (👏 SPÖ, NEOS) Aber wenn es um Rechtsextreme und um Neonazis geht, dann sagen Sie nichts? Wissen Sie, das ist diese Doppelmoral, dass es immer nur ein Problem ist, wenn es um die Gruppe geht, die man gerade nutzen will, um die Gesellschaft zu spalten. Wir sagen das ganz klar: Wir sind bei jeder extremistischen Gruppe dagegen, dass sie Waffen besitzt! Das ist ein Sicherheitsrisiko für Österreich; wurscht, ob politisch motiviert, wurscht, ob religiös motiviert. Keine extremistische Gruppe in Österreich soll Waffen besitzen! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Können Sie das auch von sich sagen? Kein einziges Wort haben Sie seit 2019 gesagt. Wissen Sie, wie viele Waffenfunde es bei Neonazis und bei Rechtsextremen gegeben hat? …

FPÖ Herbert (Zwischenruf)

Illegale Waffen, Kollegin! Illegale Waffen!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Illegale, genau. Wissen Sie, wie viele? …

FPÖ Herbert (Zwischenruf)

Aber Sie behandeln ja die legalen Waffenbesitzer ...!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Über 50, zu keinem einzigen haben Sie etwas gesagt ( Ruf bei der FPÖ: Wollen Sie ... illegalen verbieten, Kollegin? ), sondern Sie haben geschwiegen. Diese Doppelmoral stinkt wirklich zum Himmel. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Bei allen Waffen, legalen, illegalen Waffen, müssen wir genauer hinschauen …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Also die SPÖ wird jetzt illegale Waffen verbieten! Gratulation!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… denn natürlich sind sie ein Sicherheitsrisiko. Wir wollen wirklich Sicherheit für die Bevölkerung in diesem Land. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

PräsidiumPeter Haubner

Wir gelangen zur Abstimmung über den Selbständigen Antrag 373/A(E) der Abgeordneten Leonore Gewessler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Freiheit von Waffen jetzt!“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Antrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. ( Ruf bei der FPÖ: Frau Herr steht auf? ) – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir sind im Abstimmungsvorgang. (Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Nur Worte, keine Taten! – Ruf bei der FPÖ: Hauptsache, auf die Freiheitlichen schimpfen, und dann so abstimmen! – Abg. Wurm [FPÖ]: Julia, das freie Mandat! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ. – Abg. Krainer [SPÖ]: Was seid ihr denn so nervös? – Der Präsident gibt neuerlich das Glockenzeichen. – Abg. Krainer [SPÖ]: Was habt ihr für ein Problem?) Meine Damen und Herren, wir sind im Abstimmungsvorgang! Ich möchte noch einmal darauf aufmerksam machen: Wir sind im Abstimmungsvorgang. Kurze Debatte über eine Anfragebeantwortung, 37. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 17:10

FPÖ Thomas Spalt

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Abgeordnete! Hohes Haus! Geschätzte Zuseher! Wir diskutieren hier über eine Anfragebeantwortung durch Minister Totschnig, der heute von den anwesenden Regierungsmitgliedern vertreten wird, mit dem Titel „Transparenz und Kontrolle rund um das Pfandsystem in Österreich [...]“. Beginnen wir vorweg mit einer einfachen Frage, geschätzte Damen und Herren: Kennen Sie irgendjemanden, wirklich irgendjemanden, der dieses Pfandsystem gut findet? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja! Repräsentativ abgefragt!

FPÖ Thomas Spalt

… Klar, mit Ausnahme der grünen Pfandflaschenfraktion um die Vorsitzende Leonore Gewessler (👏 FPÖ), die uns gemeinsam mit der ÖVP und mit deren Unterstützung dieses System eingebrockt hat. Kennen Sie einen Bürger, der sagt, es ist einfacher geworden, es macht den Alltag angenehmer? Oder kennen Sie jemanden, der sagt: He, hier wird wirklich etwas für die Umwelt getan!? – Also ich für meinen Teil, geschätzte Damen und Herren, kenne niemanden. Was wir alle jedoch immer wieder hören, das sind Beschwerden. Wir kennen es alle selber: Wo lagere ich die leeren Flaschen und Dosen zu Hause – wohlgemerkt: ohne sie zu beschädigen oder gar platzsparend zu zerdrücken? Wie nehme ich sie mit zum Einkauf? Und, was mittlerweile schon fast jeder erlebt hat: Nehme ich sie dann vielleicht wieder mit nach Hause, weil der Automat defekt war oder bereits voll war? Geschätzte Damen und Herren, von den hygienischen Gegebenheiten ganz zu schweigen, vor allem bei Dosen, die ich entweder unter dem laufenden Wasserhahn mit wertvollem Trinkwasser auswaschen kann oder die, gerade jetzt im Sommer, nach wenigen Tagen dann nicht mehr so hygienisch sind. Geschätzte Damen und Herren, kommen wir nun aber zu den Fakten über das Pfandsystem, das keiner wollte, das wir aber nun alle gemeinsam bezahlen müssen. Dieses System wurde von Beginn an gegen den Willen weiter Teile der Bevölkerung durchgedrückt. ( Ruf bei den Grünen: Wann kommst du endlich zu den Fakten? ) Und warum? – Weil man unter anderem in Wien die Sammelquote nicht schaffte und weil die Grünen ein Symbolprojekt brauchten. (👏 FPÖ) Für die Folgen der Versäumnisse dieser schwarz-grünen Politik müssen wir jetzt alle, egal ob im Bregenzer Wald, in der Obersteiermark oder im Weinviertel, bezahlen, obwohl dort seit Jahren funktionierende Systeme bestanden haben. Genau das ist der Punkt, geschätzte Damen und Herren: Statt funktionierende regionale Modelle zu stärken, wurde ein zentralistisches, bürokratisches Zwangssystem …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Vom System! Ein Pfandsystem, das heißt schon „System“!

FPÖ Thomas Spalt

… ein Pfandmonster über das ganze Land gestülpt – mit einem enormen Aufwand, mit enormen Kosten und mit enormen Problemen. Wir sprechen hier von einem System, das laut Aussage der Altstoff Recycling Austria bereits nach wenigen Monaten zu einem Umsatzverlust von 45 Millionen Euro geführt hat – mit direkten Auswirkungen auf die Haushalte: Die Entsorgungsgebühren für Kunststoff sind um 15 Prozent gestiegen, für Metall sogar um 50 Prozent. Und das, geschätzte Damen und Herren, in Zeiten, in denen viele Menschen sowieso nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Nun zu einem der wesentlichen Inhalte meiner Anfrage, nämlich zum Thema Transparenz, denn eine Frage bei diesem Riesensystem ist natürlich: Wer kontrolliert das Ganze? Wer prüft die Einnahmen? Was passiert mit dem Pfandschlupf? Wie schauen die Rücklaufquoten aus? Geschätzte Damen und Herren, in meiner parlamentarischen Anfrage habe ich 48 Fragen dazu gestellt, und was habe ich bekommen? – Ausweichende Antworten , Verweise auf Webseiten, keine konkreten Zahlen. Zumindest eine konkrete Antwort zum Thema Transparenz und Kontrolle wurde aber geliefert, und zwar: Niemand außer dem Ministerium selbst wird da kontrollieren. Der Rechnungshof? – Fehlanzeige.

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Das ist ja ein privates Unternehmen!

FPÖ Thomas Spalt

… Eine Kontrolle durch den Rechnungshof ist ausgeschlossen. Eine externe unabhängige Prüfung? – Nicht vorgesehen. G enau, die Kollegin von der ÖVP hat recht: Es ist ein externes, privates Unternehmen, das mit viel Steuergeld hoheitliche Aufgaben bewältigt. Ich glaube, da wäre eine Kontrolle, eine parlamentarische Kontrolle und eine Kontrolle durch den Rechnungshof – was schlussendlich Transparenz bedeutet – angebracht. (👏 FPÖ) Ich kann es noch konkreter sagen: Dass ein intransparentes, wirtschaftlich hoch relevantes System der Kontrolle des Nationalrates und somit auch der öffentlichen Kontrolle entzogen wird, geschätzte Damen und Herren, das ist nicht nur fahrlässig, das ist sogar verantwortungslos. (👏 FPÖ) Es stellt sich für mich schon die Frage, Herr Minister: Was haben Sie da zu verbergen?, denn, meine Damen und Herren, werfen wir einen Blick auf die Realität im System! Ein „Profil“-Artikel der letzten Tage – manche von Ihnen haben ihn vielleicht gelesen – hat die größten Schwachstellen im System offengelegt, und ich kann nur sagen: Treffender kann man dieses System nicht beschreiben. Wir reden da von überlasteten Sortieranlagen – schon nach wenigen Monaten stapeln sich in Leopoldsdorf zum Beispiel die gepressten Ballen –, das Rücklaufsystem kollabiert, weil niemand rechtzeitig geplant hat. – Da können Sie schon lachen. Das ist ein Artikel des „Profil“, ich glaube, von gestern oder von vorgestern. Wir reden hier von leeren Kilometern, weil die Sortieranlage für Westösterreich fehlt, weil Flaschen aus Vorarlberg quer durchs Land nach Niederösterreich gefahren werden. Geschätzte Damen und Herren, das ist Umweltpolitik à la ÖVP-Grün: mehr Verkehr, mehr CO 2 , mehr Kosten. (👏 FPÖ) Auch die Macht der Konzerne wird in diesem Artikel ganz klar angesprochen. Die Pfandgesellschaft EWP gehört de facto ein paar Großkonzernen. Diese bestimmen nicht nur die Gebühren, sondern kontrollieren sich auch noch selbst. Wo gibt es denn das bitte? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Hat die ARA die Rede geschrieben?

FPÖ Thomas Spalt

… Es gibt ein erhebliches Betrugspotenzial, es gibt keine Konzepte für Veranstaltungen, und es wurden Alternativen ignoriert und niemals geprüft. Nun, geschätzte Damen und Herren, kommen wir zur entscheidenden Frage: Was passiert mit dem Geld, konkret mit den nicht eingelösten Pfandbeträgen, mit dem sogenannten Pfandschlupf? Bleibt dieses Geld im System oder gibt es eine Zweckbindung? Geschätzte Damen und Herren, es gibt ganz einfach keine Transparenz. Wir wissen nicht: Wird es für Umweltprojekte verwendet, wird es den Bürgern zurückgegeben …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das finanziert das System!

FPÖ Thomas Spalt

… oder versickert es in irgendwelchen Gehältern und Konzernstrukturen und Beraterhonoraren? – Wir wissen es ganz einfach nicht, und die Anfragebeantwortung zeigt ganz klar: Auch der Minister weiß es nicht oder will es nicht wissen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ein Wahnsinn!

FPÖ Thomas Spalt

… Aber auch da, geschätzte Damen und Herren, will ich Ihnen die Fakten nicht vorenthalten: Rund 255 Millionen Gebinde wurden im ersten Quartal 2025 in Umlauf gebracht. Nur etwa 36 Millionen davon wurden zurückgegeben. Und obwohl von diesen 255 Millionen Gebinden nur 36 Millionen zurückgegeben wurden, stauen sich selbst da schon die Sortieranlagen! Geschätzte Damen und Herren, dieses System ist nicht nur teuer und ineffizient, es ist intransparent, fehlerhaft und eine Belastung für die österreichische Bevölkerung. Ich frage Sie jetzt abschließend noch einmal direkt, wie ich eingangs bereits gefragt habe: Kennen Sie jemanden, einen einzigen Menschen, der sagt: Das Pfandsystem hat mein Leben einfacher gemacht, das Pfandsystem war mein persönlicher Beitrag für den Umweltschutz!? – Geschätzte Damen und Herren, ich kenne keinen. Das, was hier geschaffen wurde, ist kein Fortschritt, sondern ein Paradebeispiel für Symbolpolitik, Bürokratie und Bürgerbelastung. Dieses System gehört nicht reformiert, sondern abgeschafft, bevor noch mehr Geld versickert, bevor noch mehr Bürger frustriert werden und bevor noch mehr die Kontrolle verloren wird. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer Stellungnahme hat sich der Herr Bundesminister zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Bundesminister.

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Werte Österreicher! Wer sich das Pfandflaschensystem ansieht, das seit einem halben Jahr in Kraft ist, kann sicher nicht behaupten, dass wir in Österreich ein gutes System haben. Zu den Zahlen von vorhin: Wenn man von 255 Millionen ausgegebenen Gebinden ausgeht und sieht, dass 36 Millionen zurückgekommen sind, dann macht der Schlupf eine halbwegs große Summe aus, wo man schon von Geld reden kann. Und wenn man dann sieht, was mit dem Schlupf passiert: Die Betreiberorganisation muss 1 Prozent für Projekte zur Verfügung stellen. Also da sprechen wir davon, dass sie momentan ungefähr 25 Millionen Euro verdienen und 250 000 Euro zur Verfügung stellen müssen. Das ist zumindest keine schlechte Förderung für die Firmen. Frau Minister Gewessler a. D. – sie ist nicht mehr da –, Ihr Leuchtturmprojekt ist kein Leuchtturm, sondern maximal ein kleines Teelicht. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Außer, der Sinn der Aktion war es, den Österreichern Geld aus der Tasche zu ziehen und ihre Nerven zu strapazieren – dann ist Ihnen das zumindest gelungen. Ich gehe jetzt aber einmal auf die Unternehmer ein, die kleine Geschäfte führen: Würstelstände, Kebabstände, Badebuffets, Trafiken und so weiter. Für diese ist es wieder ein Mehraufwand, der gerade diesen Leistungsträgern momentan nicht dient, und sie können das auf gar keinen Fall brauchen. Auch wenn sich jetzt Teile der ÖVP so vehement abgebeutelt haben: Es ist einstimmig beschlossen worden, von allen außer uns. Und ich gehe davon aus …

NEOS Bernhard (Zwischenruf)

Das stimmt nicht!

FPÖ Michael Fürtbauer

… Entschuldigung, es ist in den Unterlagen so drinnen gestanden, aber dann nehme ich euch aus –, dass sich der Großteil der Abgeordneten nicht mit der Umsetzung beschäftigt hat, sonst müsste man ihnen Böswilligkeit unterstellen. (👏 FPÖ) Jetzt einmal zum System: Wenn ein Kunde zu einem kleinen Würstelstand kommt und eine Pfandflasche zurückgibt, so muss der Mitarbeiter kontrollieren, ob er das Gebinde erstens einmal ausgegeben hat, ob das Gebinde zweitens nicht beschädigt ist und ob das Gebinde restentleert ist. Dann muss oder darf er das Pfand zurückzahlen. Jetzt hat der Betrieb zwei Möglichkeiten: Der Betrieb sammelt die Gebinde selber und bringt sie zu einem Rücknahmeautomaten. Der Nachteil: Man benötigt relativ viel Zeit, man braucht ein großes Auto und gute Nerven, die Automaten bringen einen sicher an die Belastungsgrenze. Der Vorteil ist: Man bekommt das Geld gleich und hat einen Überblick, ob die Bewertung des Leergebindes passt. Zweite Möglichkeit, die wahrscheinlich eher mehr in Gebrauch ist: Ganz egal, ob man die Pfandflaschen über einen Großhändler bekommt oder direkt, ob man sie dann dem Großhändler wieder zurückgibt oder über die EWP abholen lässt, man muss sich in jedem Fall erstens als Betrieb bei der EWP registrieren lassen, dann muss man bei der EWP Transportverpackungen und Banderolen bestellen, das Leergebinde in die Verpackung geben und mit der Banderole verschließen. Nun haben aber gerade Kleinbetriebe riesige Probleme mit der Lagerung dieser Säcke. Sie draußen unversperrt zu lagern, ist eher schwer möglich, weil diese Säcke doch in Summe Geld wert sind. Drinnen hat man im Regelfall wenig Platz und auch ein hygienisches Problem, denn wenn man kein Problem mit der Lebensmittelpolizei haben will, braucht man einen eigenen Raum zur Lagerung. Dann folgt die Abholung. Da gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Die EWP holt die Säcke – relativ unregelmäßig, und mindestens drei Säcke müssen es sein –, oder sie können dem Großhändler bei der normalen Lieferung wieder zurückgegeben werden und die Säcke kommen so zurück. Da gibt es aber ein großes Problem, weil man als Betrieb ab jetzt nur mehr Trittbrettfahrer ist. Bei der Frage, wie das Leergebinde bewertet wird, in dem Sinne, ob das Pfand berechtigt ausbezahlt wurde oder nicht, das heißt, ob das Gebinde fehlerhaft war oder nicht, ist die EWP alleiniger Entscheidungsträger. Diese überweist dann zwei Monate später das Geld an die Firma, und es gibt keine Möglichkeit, sich zu wehren. Und wer wird dieses System finanzieren? – Wenn wir uns die vier Vorsitzenden des Trägervereins der EWP ansehen, die alle vier in der Leitung, in führenden Funktionen bei Getränkeproduzenten und großen Lebensmittelhändlern sind, dann erkennen wir, dass eben gerade diese – wie von Ihnen behauptet – dieses System nicht finanzieren werden. Und wer wird wieder überbleiben? – Wie bei Ihnen üblich: der Bürger und der kleine Gewerbetreibende. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Carina Reiter .

ÖVP Carina Reiter

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer! Es geht um die kurze Debatte bezüglich der Anfragebeantwortung zum Einwegpfand. Seit Beginn des Jahres gilt das Einwegpfand auf Dosen und Flaschen, es ist somit sechs Monate alt. Was bedeutet das in Zahlen? – Es hat in dieser Zeit rund 201 Millionen Rückgaben gegeben, das sind rund 22 Flaschen und Dosen pro Person. Die Rückgabequote, das kann man auch sagen, ist beim Einwegpfand stark steigend. Auch der Handelsverband sagt, dass sich das System inzwischen etabliert hat, und nur eine kleine Minderheit der Konsumenten, ein niedriger, einstelliger Bereich, kennt sich laut Handelsverband mit dem System noch nicht so gut aus. Wenn ich mir die Redebeiträge der Kollegen vor mir so anhöre: Anscheinend handelt es sich bei einem Gutteil davon um die Abgeordneten des FPÖ-Klubs. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich möchte auf drei Punkte genauer eingehen: zum einen auf das Thema Transparenz, dann auf die Rückführungsquote und auch auf die Notwendigkeit von Pfand- und Sammelsystemen. Zum Vorwurf bezüglich fehlender staatlicher Kontrolle und Transparenz: Es gibt mittlerweile in 17 europäischen Ländern Pfandsysteme und es ist nicht bekannt, dass auch nur eines davon vom Staat betrieben würde.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Alles eigene übrigens! Alle eigenständig!

ÖVP Carina Reiter

… Auch in Österreich wird kein anderes EPR-System, also System der erweiterten Herstellerverantwortung – das ist die Verpackungssammlung oder die Sammlung von Elektroaltgeräten oder auch Batterien –, staatlich betrieben. Zur Rückführungsquote und zum tatsächlichen Recycling: Die Käufer der sortierten Gebinde haben detaillierte Meldungen zu machen. Die übernommenen und dem jeweiligen Recycler übergebenen Massen sind je Packstoff mit Bezeichnung, mit Anschrift der Recyclinganlage und mit den jeweils recycelten Massen je Packstoff anzugeben; das ist also sehr wohl sehr genau. Die Kollegen der FPÖ sagen immer, sie wollen statt eines Pfandsystems, dass man die bestehenden Sammelsysteme ausbaut. Dazu muss man aber sagen: Wir brauchen einfach beides, wenn es um Sammel- und Pfandsysteme geht, damit wir die Sammelquoten erreichen. Auch die anderen Kunststoffverpackungen müssen noch besser gesammelt und recycelt werden, das ist halt leider auch eine Tatsache. Darum haben wir bei den Sammlungen das Ganze ja auch noch einfacher gemacht, indem Kunststoff- und Metallverpackungen jetzt gemeinsam gesammelt werden. Es wird natürlich auch noch eine Anstrengung im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit der SVS brauchen, damit wir noch mehr Packungen, besonders auch beim Kunststoff, getrennt sammeln. – Das, um auf ein paar Punkte einzugehen. Was ich allerdings spannend finde – ich weiß nicht, die Gedächtnisleistung lässt am zweiten Plenartag anscheinend nach –: Im Februar 2020 hat Kollege Walter Rauch von der FPÖ einen Entschließungsantrag betreffend „Einführung eines Pfandsystems für Einweggetränkeverpackungen“ eingebracht.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Gute Idee!

ÖVP Carina Reiter

… Darin schreibt Herr Kollege Rauch: „Ein entsprechend nachhaltiges System“ – verglichen mit Deutschland – „muss auch in Österreich angestrebt werden“, besonders in Bezug auf PET-Flaschen. Dann verweist er noch auf eine Umfrage. Herr Kollege Spalt von der FPÖ hat ja gesagt, das System sei von Beginn an gegen weite Teile der Bevölkerung durchgedrückt worden. Ich zitiere aus dem Entschließungsantrag: „Nicht zuletzt deshalb wünschen sich in Österreich laut einer [...] Umfrage des Linzer Market-Instituts drei Viertel der Österreicher die Wiedereinführung eines Pfands auf Plastikflaschen.“ – Das ist aber schon spannend.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Drei Viertel ...! Sagt die FPÖ! – Abg. Kaniak [FPÖ]: Wir sind gescheiter geworden! Jetzt haben wir es uns angeschaut, jetzt wissen wir: Das ist ein Blödsinn! Die Praxis hat gezeigt, es ist ein vollkommener Blödsinn! – Zwischenrufe bei der ÖVP.

ÖVP Carina Reiter

… Also entweder Sie haben einen Zahlendreher, es ist einfach generelle Realitätsverweigerung oder Sie drehen sich wie eine Fahne im Wind und wollen einfach nur Stimmung machen. Den Antrag kann man übrigens nachlesen: Er ist vom 27. Februar 2020 und hat die Nummer 298.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

... Walter Rauch nicht da! – Zwischenruf der Abg. Deckenbacher [ÖVP]. – Abg. Bernhard [NEOS]: Peter, was ist los? – Abg. Kaniak [FPÖ]: ... müssen wir korrigieren!

ÖVP Carina Reiter

… Es ist so, dass wir momentan circa 2,2 Milliarden Flaschen und Dosen pro Jahr haben, um die es sich handelt, wenn es um Pfand geht. Das ist natürlich eine sehr große Summe und da ist klar, dass es auch Probleme und Missstände gibt. Für die Branche war die Einführung sicher auch nicht einfach, das war eine große Herausforderung für die Kaufleute, auch im Hinblick auf Investitionen. Bei jedem neu eingeführten System ist aber klar, dass man auch auf die Evaluierung schauen muss. Ich glaube, es ist gescheiter, wir konzentrieren uns darauf, die Menschen mitzunehmen, und auf die eigentlich zugrunde liegende Frage, wenn es um Müll geht, nämlich wie wir Müll vermeiden, um darauf aufbauend gute Systeme für ein gutes Sammeln und Recyceln zu schaffen. Sparen wir uns die Polemik! Und Sie werden es wohl schaffen, so eine Flasche in einen Automaten reinzudrücken und die 25 Cent zu bekommen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Antonio Della Rossa . – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Antonio Della Rossa

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zusehende und Zuhörende! Plastik, Plastik, Plastik: Plastik ist in aller Munde und leider nicht nur im sprachlichen Sinn, sondern buchstäblich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, liebe Kolleginnen und Kollegen, zirkuliert in all unseren Körpern, in unserem Blut Mikroplastik, Nanoplastik. Es wandert durch das Blut, haftet an Organen, und ich habe gerade kürzlich gelesen, auch bei Mäuseversuchen wurde das Phänomen entdeckt, dass Nano- und Mikroplastik auch die Blut-Hirn-Schranke durchdringt. Das ist bei der FPÖ wahrscheinlich passiert, sodass sie sich an ihre eigenen Anträge zum Recyceln nicht mehr erinnern kann.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Macht ja nix, passt schon! Weiter so!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Liebe FPÖ, Sie sind ja sonst so unglaublich konservativ …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Niveauvoll! Keine Hassreden! Passt schon!

SPÖ Antonio Della Rossa

… mit Ihren Trachten, und in der Waffensache haben wir es auch gerade erlebt, dabei ist Ihre Fraktion ja gar nicht so alt.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Gute Linke! Passt schon, ist eh gut! – Abg. Gewessler [Grüne]: Ihr habt das gefordert!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Sogar ich habe das als Kind noch erlebt: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es noch fast kein Plastik gab.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Niveauvoll! Toll!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Herr Abgeordneter, Sie könnten auch zuhören, da könnten Sie etwas lernen. Da wurden Milchflaschen aus Glas ganz einfach zurückgebracht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Frei von Plastik! Super, toll!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Da gab es die Limo in der dickwandigen Glasflasche und es war überhaupt kein Problem, diese zurückzubringen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Eh nicht! 1982 sind Sie geboren, da hat es keine Milchflaschen mehr gegeben, tut mir leid!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Ich glaube, dass Sie Ihre Bierflaschen bis heute noch zurückbringen, da bin ich mir sicher. Genug davon getrunken haben Sie wahrscheinlich auch.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Bravo! Klatschen ...!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Allein in Österreich produzieren wir jedes Jahr fast eine Million Tonnen Plastikmüll, pro Kopf über 100 Kilogramm. Nur etwa ein Drittel wird recycelt, der Rest landet in Verbrennungsanlagen, auf Deponien oder in der Umwelt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sonst brauchen wir wieder mehr Gas für die Fernwärme!

SPÖ Antonio Della Rossa

… in unseren wunderschönen Seen, auf unseren Almen, auf den Bergen. Das können wir doch nicht wollen, liebe FPÖ, das ist doch Ihnen auch so wichtig! Herr Spalt, ich bin ja auch bei Ihnen: Wir haben erste Schritte gemacht, es gibt ein erstes Gesetz. Wir haben ein Einwegpfand von 25 Cent auf PET-Flaschen und Dosen, Mehrwegangebote werden für große Händler verpflichtend. Es tut sich etwas, endlich. Aber ja, es ist nicht alles sofort super. Wir haben es vorhin schon gehört: Das Gesetz ist relativ jung, es ist ein neues Gesetz und vielleicht hinkt es hier und da hinterher. Und ja, die Forderung nach Transparenz ist vollkommen in Ordnung, die kann ich nachvollziehen.

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Danke! – Beifall des Abg. Spalt [FPÖ].

SPÖ Antonio Della Rossa

… Ja, es gibt Probleme, davon gibt es mehrere.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Es gibt viele Probleme! Schauen Sie einmal auf den Flughafen: Zuerst schmeißen die Leute sie vorn hinein, dann kaufen sie sich hinten was und schmeißen es sonst wohin! Da sind schon 50 Cent weg pro Person in eine Richtung!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Die Realität in den Supermärkten zeigt das doch: Viel zu viele Produkte sind immer noch aufwendig in Plastik verpackt, die Unterscheidung zwischen Mehrweg und Einweg ist nicht immer so einfach, die Rückgabe von Mehrwegflaschen ist oft komplizierter als nötig, da bin ich bei Ihnen. Es gibt auch Probleme mit der Barrierefreiheit, da bin ich auch bei Ihnen.

FPÖ Fürtbauer (Zwischenruf)

Es gibt auch Glasflaschen, die gehören weggehaut, und die haben den schlimmsten ökologischen Fußabdruck!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Das neue Pfandsystem ist aber ein Schritt in die richtige Richtung, und das finde ich richtig und notwendig. Mehrwegflaschen können 20 bis 50 Mal wiederverwendet werden. Sie sparen bis zu 80 Prozent CO 2 , senken den Energieverbrauch um zwei Drittel …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was sagen Sie jetzt zu den kleinen Metalldosen?

SPÖ Antonio Della Rossa

… und fördern regionale Wertschöpfung vom Abfüller bis zur Reinigung.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die kleinen Metalldosen tun sie auch ...?

SPÖ Antonio Della Rossa

… Plastikvermeidung ist ein Kostenfaktor, sie ist eine Zukunftsinvestition, das ist sicher. Deshalb sage ich heute mit Nachdruck: Wir brauchen ein echtes, flächendeckendes Mehrwegsystem. Da sind wir dran, das haben wir eingeführt. Wir brauchen finanzielle Förderungen für kleine Betriebe, die umstellen wollen, gerade im ländlichen Raum; da bin ich auch bei Ihnen. Wir brauchen klare gesetzliche Reduktionsziele für Einwegplastik und wir brauchen eine Umweltbildung, wir brauchen ein Bewusstsein. Meine Damen und Herren, ich will nicht alles schönreden, ich will kein Greenwashing. Ich will ein echtes Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft, eines das nicht nur bei Verpackungen ansetzt, sondern beim Denken.

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Dann frag die Kreislaufwirtschafter, was sie zum Pfandsystem sagen!

SPÖ Antonio Della Rossa

… Denn Wegwerfdenken war gestern, lieber Herr Spalt, Mehrwegdenken und Kreislaufwirtschaft sind die Zukunft.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was kostet denn die Reinigung der Aluminiumdosen?

SPÖ Antonio Della Rossa

… Arbeiten wir doch an einer gemeinsamen Zukunft, an einer Heimat frei von Plastikmüll! Bitte, liebe FPÖ, bringen Sie produktive Vorschläge und kritisieren Sie nicht immer alles! – Danke.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Warum werden eigentlich die Glasflaschen nicht wiederverwendet?

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Michael Bernhard .

NEOS Michael Bernhard

Danke, Herr Präsident. Damals bei der Abstimmung zum Pfand haben wir eine lebhafte Debatte geführt, und es war ja tatsächlich so, dass damals neben den Freiheitlichen auch die NEOS gegen das Pfandsystem gestimmt haben. Aus einem sehr konkreten Grund: Wir waren der Meinung, es gäbe bessere technische Lösungen als die, die damals am Tisch gelegen ist. Ich darf daran erinnern – Leonore Gewessler weiß es wahrscheinlich auch noch –, dass wir ein digitales Pfand präferiert haben, wo man QR-Codes scannen und dann das Gebinde einfach in eine gelbe Tonne oder Ähnliches schmeißen kann, mit der Idee, dass man so viel mehr Sammelstellen für viel weniger Kosten schafft, als das in dem jetzt bestehenden System der Fall ist. Aber was ist der große Unterschied in einer politischen Auseinandersetzung zwischen uns, den NEOS, und den Freiheitlichen? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ihr seid die Guten!

NEOS Michael Bernhard

… Wir haben einen Vorschlag gebracht – wir haben keine Mehrheit für den Vorschlag gefunden –, und wir haben natürlich die Abstimmung und auch das Prozedere dahinter respektiert. Bei den Freiheitlichen gibt es nachher Anfragen, die eigentlich die grüne Regierungsbeteiligung und die ÖVP gleich mit ins Kriminal stellen, in denen gleich unterstellt wird, da gibt es Korruption, Misswirtschaft, irgendwelche Beraterverträge, Intransparenz. Man muss – um das jetzt einmal ganz deutlich in Richtung Freiheitliche Partei zu sagen – auch einmal respektieren, wenn man verloren hat. Und das habt ihr schlichtweg einfach. Ihr seid nicht nur schlechte Verlierer und Verliererinnen, sondern ihr seid tatsächlich auch ziemlich schlecht in der Erinnerung.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich fühle mich ehrlich gesagt gar nicht als Verliererin!

NEOS Michael Bernhard

… Warum? Warum seid ihr so schlecht in der Erinnerung? – Es war lange Zeit über - - …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wissen Sie, dass wir die Umfragen anführen, dass wir die Wahl gewonnen haben?

NEOS Michael Bernhard

… Geh bitte, Frau Belakowitsch, lassen Sie doch die Redner einmal ausreden! Sie können ja selbst hier herauskommen, wenn Sie wollen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sagen Sie uns, wo wir verloren haben, wenn Sie das behaupten! – Zwischenruf des Abg. Kassegger [FPÖ].

NEOS Michael Bernhard

… Es war schlichtweg so: In diesem Hohen Haus gab es eine Partei, die sich vehement für ein Pfand eingesetzt hat. Das war die Freiheitliche Partei. Es war Walter Rauch, der 2020 einen Antrag geschrieben hat, in dem er was gefordert hat? – Ein ganz klassisches, altmodisches Pfandsystem, nämlich eines, bei dem man seine Dosen und Flaschen in den Supermarkt bringt, wo man ein Pfand bekommt, genauso, wie es das heute gibt. Aber er hat nicht 2020 aufgehört, sondern 2021 wieder einen Antrag geschrieben. Also es war gerade Pandemie, die Leute sind mit Maske herumgelaufen, haben sich impfen lassen oder auch nicht, haben über alles Mögliche gestritten. Was hat die Freiheitliche Partei gemacht? – Eine wichtige Sorge: Sie wollten unbedingt ein Pfandsystem. Und diese Partei, die unbedingt dieses Pfandsystem wollte, das Ihnen dann die grüne Umweltministerin ermöglicht hat – sie hat sich erbarmt, hat gesagt, na ja, schauen wir, was die Freiheitlichen wollen; passt, die Grünen wollen es auch; die ÖVP wurde überzeugt –, diese Freiheitliche Partei, die so vehement dafür gekämpft hat, ist jetzt total irritiert, weil sie ihr Ziel erreicht hat: Die Dosen und die Flaschen werden jetzt im Supermarkt zurückgegeben. Gratuliere, liebe Freiheitliche Partei …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Dann haben wir gewonnen! Das heißt, wir haben gewonnen! Haben wir gewonnen oder verloren?

NEOS Michael Bernhard

… dass ihr nicht einmal zwei Jahre lang wisst, wofür ihr jahrelang im Parlament kämpft. (👏 ÖVP, NEOS) Und zum Inhalt vielleicht noch einen Punkt: Man kann in eine Frontalopposition gehen und, sobald man etwas erreicht hat, einfach danach das Gegenteil fordern, weil man sonst ja nichts mehr zu erzählen hat. Man kann sich aber auch, wie andere Parteien hier im Raum, überlegen: Wie kann man bestehende Systeme verbessern? Und da möchte ich jetzt schon noch einmal ins Konstruktive gehen. Wir haben als Bundesregierung, als Fraktionen der ÖVP, der SPÖ und der NEOS gesehen, das Pfandsystem ist nicht perfekt – das behaupte ich hier vorne sicherlich nicht –, aber bevor wir uns jetzt einfach nur hierherstellen und jammern und nicht liefern, haben wir lieber ins Regierungsprogramm hineingeschrieben, dass wir die Kleinstunternehmen von der Rücknahmepflicht ausnehmen. Das heißt, wir haben das wesentliche Problem, das auch von Kollegen Spalt angesprochen worden ist, erkannt, es uns als Vorhaben auch vorgenommen und werden, so nehme ich an – der Herr Innenminister wird das vielleicht nicht ganz so beauskunften können; warten wir auf Herrn Minister Totschnig! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Er hat sich aber sehr bemüht! Sehr emotional und bemüht!

NEOS Michael Bernhard

… auch so schnell wie möglich dieses Problem tatsächlich lösen. Daher: Nicht jammern, liebe Freiheitliche Partei, sondern bringt konkrete Vorschläge! Dann können wir uns auch damit auseinandersetzen. Und jammert vor allem nicht dann, wenn es eure eigenen Vorschläge sind, die schon übernommen worden sind! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) In diesem Sinne bedanke ich mich heute ganz besonderes beim Innenminister für den spannenden Vortrag und die Stellungnahme in der Kurzdebatte und wünsche uns eine ernsthaftere Debatte als die, die die Freiheitlichen hier gerade angezettelt haben. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Bevor ich zum nächsten Redner komme: Ich schalte jetzt das Einläuten ein, weil wir, wenn wir dann zur Tagesordnung zurückkommen, nur mehr einen Redner und dann gleich eine Abstimmung haben. Als Nächster zu Wort gemeldet ist jetzt Herr Abgeordneter Lukas Hammer . – Bitte, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als ich ein Kind war – und es wird vielen von Ihnen auch so gegangen sein –, gab es, wenn man im Supermarkt war, eigentlich so ziemlich jedes Getränk in einer Mehrwegflasche. Um sich ein bisschen etwas dazuzuverdienen, hat man Dosen, also vor allem Flaschen zurückgebracht. Die hat man teilweise auf der Straße aufgesammelt und hat ein bisschen etwas durch den Pfandeinsatz bekommen. Und mit den Jahren, vor allem mit den 1990er-Jahren, sind die Mehrwegflaschen bis auf Bier eigentlich aus den Supermarktregalen verschwunden. Und es gab dann in den letzten, würde ich einmal sagen, 15 Jahren kein Anliegen in der Umweltpolitik, zu dem wir so viele Zuschriften von der Bevölkerung bekommen haben wie zu dem Thema Pfand und Mehrweg, bei dem uns die Menschen gefragt haben: Warum gibt es eigentlich keine Mehrwegflaschen mehr in den Regalen? Warum gibt es kein Pfandsystem, so wie es in Deutschland unter Rot-Grün eingeführt wurde? Warum gibt es das nicht? Und warum liegen so viele Flaschen und Dosen auf unseren Straßen, in den Wäldern, auf den Feldern, in den Wiesen? Warum liegen so viele Dosen auf unseren Feldern und werden dann von den Mähmaschinen mitgehäckselt und landen dann in den Mägen der Kühe, die daran zugrunde gehen? Warum gibt es das nicht, und warum tut ihr da nichts? Und die Antwort war: weil die notwendigen Gesetze, im Gegensatz zu Deutschland, nicht vorhanden sind. Das war die Antwort. Und wir waren viele, die das gefordert haben. Das war die Arbeiterkammer, das war die SPÖ, das waren die Umweltschutzorganisationen, und – wir haben es gehört – es war auch die FPÖ. Ich kann mich an einen Umweltsprecher Norbert Hofer erinnern, der mehrfach Anträge für eine Mehrwegquote eingebracht hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, aber doch nicht für die Minidosen!

GRÜNE Lukas Hammer

… Ich kann mich an einen Umweltsprecher Walter Rauch erinnern, der Anträge zum Pfand eingebracht hat. Und wirklich: Der schlimmste Feind der FPÖ ist das Archiv, wahrscheinlich eigentlich eine normale Google-Suche. Aber es ist eigentlich unglaublich: Ihr habt bei der Wahlkabine 2019, bei der sich Bürgerinnen und Bürger informieren, wofür Parteien stehen, auf die Frage: „Soll ein flächendeckendes Pfandsystem für Getränkeverpackungen (Dosen, Plastikflaschen) eingeführt werden“ – Ja oder Nein?, womit geantwortet? – Mit Ja. Ihr habt mit Ja geantwortet. Und Walter Rauch hat dann Presseaussendungen noch und nöcher geschrieben. Die „Einführung eines Plastikpfands“ wäre „eine Win-Win-Situation“. Am 2. Juni 2020: „Plastikpfand darf nicht an Machtgelüsten der ÖVP scheitern!“ „Ministerin Gewessler ist nun gefordert, durchzugreifen und die Einführung eines Plastikpfandes auf den Weg zu bringen“, hat die FPÖ gefordert. Und Ministerin Gewessler hat sich an ihr Vorhaben gehalten (👏 NEOS) und hat ein Plastikpfand und ein Dosenpfand auf den Weg gebracht. Das war ein umweltpolitischer Meilenstein in diesem Land, und ich bin sehr froh darüber. Und sie hat nicht nur ein Plastikpfand, das wir dann hier gemeinsam beschlossen haben, um- und durchgesetzt, sondern auch eine so wichtige, ebenfalls früher von den Freiheitlichen geforderte verpflichtende Mehrwegquote mit auf den Weg gebracht, die dafür sorgt – Kollege Della Rossa hat es angesprochen –, dass es nicht nur ein Einwegpfand gibt, sondern dass es auch wieder mehr Mehrwegflaschen, die bis zu 50-mal wiederbefüllbar sind, in unseren Supermarktregalen gibt, wie auch eine verpflichtende Kennzeichnung für Ein- und Mehrweggebinde. Auch das ist ein umweltpolitischer Meilenstein, den wir hier gemeinsam beschlossen haben. Und ich bin sehr froh, dass wir hier auch Überzeugungsarbeit leisten konnten, alle gemeinsam, und dass sich auch Meinungen zu diesem Thema verändert haben, vor allem aufseiten der ÖVP, zum Positiven. Was unglaublich ist: Ihr ( in Richtung FPÖ ) tut ja nicht so, als ob ihr eure Meinung geändert hättet, sondern ihr wischt das einfach beiseite und tut so, als ob ihr das nie gefordert hättet. Es ist eigentlich unglaublich: Ihr sagt an einem Tag A, dann steht ihr am nächsten Tag auf und sagt B. Dasselbe beim Bundestrojaner: Der Bundestrojaner von eurem Parteichef wäre ja noch wesentlich schlimmer gewesen als das, was gestern beschlossen wurde, und ihr wart so vehement dagegen. Ich verstehe euch nicht mehr. Auf jeden Fall bin ich sehr, sehr froh, dass wir ein Pfandsystem haben. Wir haben das dieses Jahr eingeführt, das läuft jetzt seit einem halben Jahr. Man kann es sicherlich da und dort verbessern. Man zahlt 25 Cent Pfand, wenn man sich eine Flasche kauft, und 25 Cent kriegt man dann wieder zurück. Wo sich da irgendjemand etwas einbehalten kann, Kollege Spalt, habe ich noch nicht verstanden. Sie haben es auch nicht wirklich gut erklärt. Aber ich danke Ihnen für den Spaß, den wir heute in der Debatte haben konnten. – Danke. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Diese Debatte ist geschlossen. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 8, 37. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 17:49

SPÖ Petra Tanzler

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Minister! Werte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, ich darf als letzte Rednerin nach nun fast 3-stündiger Pause die Debatte zu diesem Punkt wieder aufnehmen und darf in Erinnerung rufen, worüber wir hier abstimmen: Es geht um die Änderung im Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz, im Detail um das Verbot von Aromen in erhitzten Tabakerzeugnissen. In den letzten Jahren hat das Verkaufsvolumen dieser erhitzten Tabakerzeugnisse deutlich zugenommen, und bisher war es in Österreich erlaubt, Aromen beizumischen. Das werden wir nun ändern, diese werden künftig verboten werden. Konkret sind die Tabaksticks für Erhitzungsgeräte betroffen, elektronische Zigaretten fallen nicht darunter. Es wird auch die Kennzeichnung für diese erhitzten Rauchtabakerzeugnisse denen von Zigaretten, Tabak von Wasserpfeifen und Tabak zum Selbstdrehen gleichgestellt. Der gesetzliche Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, die bereits vor zwei, zweieinhalb Jahren hätte umgesetzt werden müssen, und wir wirken mit dieser Regelung nun einem EU-Vertragsverletzungsverfahren, das im Raum steht, entgegen. Der Hintergrund, den wir als Parlamentarier in dieser Gesetzgebung haben, ist die persönliche Verantwortung gegenüber allen in Österreich: Verantwortung in Bezug auf Schutz und Verantwortung in Bezug auf Erhaltung der Gesundheit. Aromen wie Vanille, Erdbeere oder Menthol übertünchen Tabakgeschmack und Tabakgeruch und erleichtern somit auch den Einstieg ins Rauchen und machen es attraktiver, vor allem für Jugendliche. Diese Regelung soll besonders diese Altersgruppe schützen. (👏 SPÖ) Es muss einem schon bewusst sein, dass alle Formen des Konsums von Tabak und Nikotin schädlich sind. Es gibt also keine sichere Menge und es gibt auch keine risikofreien Erzeugnisse. Jede Form von Rauchen kann früher oder später Erkrankungen verursachen, denn obwohl erhitzte Tabakerzeugnisse oft als weniger schädliche Alternative angeboten und beworben werden, setzen sie dennoch Schadstoffe frei und sind kein anerkanntes Mittel zur Raucherentwöhnung. Wir ändern nun zwar das Gesetz, um diese Schadstoffe zu reduzieren, aber aus meiner Sicht, aus meinem persönlichen Umfeld heraus muss ich sagen: Ich kenne mittlerweile sehr viele Personen, die durch das Rauchen mittlere bis schwere Erkrankungen bekommen haben, und ich kann jeder und jedem einfach nur empfehlen: Bitte, lasst es einfach sein! (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Wurm . Ich habe die Redezeit auf 4 Minuten eingestellt.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin, auf ein Neues! Hohes Haus! Werte Zuseher! Ja, wir werden dieser Novelle auch zustimmen, vielleicht überraschend für manche, aber es ist in erster Linie grundsätzlich eine EU-Vorgabe und zweitens eine Verbesserung für den Kinder- und Jugendschutz – und dafür sind und waren wir immer zu haben, auch in den letzten Jahren. Da die Vorrednerinnen und -redner daraus eigentlich wieder eine Raucher-Bashing-Geschichte gemacht haben, möchte ich schon auch im Namen unserer Fraktion klarstellen, dass wir nach wie vor der Meinung sind, dass erwachsene Menschen selber entscheiden sollen dürfen, wie sie ihr Leben verbringen. Es ist nicht gesund, zu rauchen, aber es sind viele Dinge, die wir alle machen, nicht gesund, und wir wollen freie Bürger, die als erwachsene Menschen frei entscheiden, was sie machen, was sie essen, was sie trinken oder eben auch was sie rauchen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ja eh!

FPÖ Peter Wurm

… Diese Entscheidungsfreiheit würden wir der Bevölkerung schon gern auch weiterhin ermöglichen. Es ist sehr, sehr viel passiert in diesem Bereich, aber an diesem Raucher-Bashing, das da seit vielen Jahren, teilweise fast mit religiösem Hintergrund passiert, beteiligen wir uns nicht. Das wollte ich für unsere Fraktion nur klarstellen. Das heißt, wenn erwachsene Menschen für sich entscheiden, sie wollen eine Pfeife, eine Zigarre oder eine Zigarette rauchen oder elektronische Tabakprodukte konsumieren, dann sollen sie das auch weiterhin dürfen. Das ist aber nicht selbstverständlich. Wenn ich mir das so anschaue, was da passiert, dann geht die Tendenz schon in Richtung Bevormundung und Verbotskultur, etwas, das wir Freiheitliche nicht teilen – deswegen heißen wir auch Freiheitliche Partei –, und die Freiheit gerät meiner Meinung nach immer weiter unter Druck, und das wollte ich einfach klarstellen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wie oft redest du denn heute noch?

FPÖ Peter Wurm

… Das heißt, erwachsene Menschen sollen und müssen in Österreich auch weiterhin die Möglichkeit haben, frei zu entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten wollen, das soll ihnen niemand vorschreiben. – Danke.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Danke, dass du dich noch zu Wort gemeldet hast!

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Bundesgesetz über finanzielle Maßnahmen zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Arzneimitteln

185 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 348/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Infrastruktursicherungsbeitrag für Arzneimittel-Großhändler wird für weitere drei Jahre bis 31.08.2028 verlängert und auf 0,13 Euro pro Handelspackung gesenkt; die Kostenbeteiligung der Krankenversicherungsträger erfolgt künftig als Pauschalzahlung an den Bund. Zusätzlich wird ab 01.01.2026 ein verpflichtendes, tägliches elektronisches Monitoring der Lagerstände von Arzneispezialitäten und Wirkstoffen bei Arzneimittel-Vollgroßhändlern samt Strafbestimmung bei Verstößen eingeführt.

Betroffen sind vor allem Arzneimittel-Vollgroßhändler (durch Beitrag und tägliche Datenmeldung) sowie die Träger der Krankenversicherung (durch die pauschalierte Kostenbeteiligung) und indirekt die Arzneimittelversorgung in Österreich.

Dokumente

Bundesgesetz über finanzielle Maßnahmen zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Arzneimitteln

Ziel und Ausgangslage

  • Kompetenzrechtliche Grundlage: Art. 10 Abs. 1 Z 12 B-VG (Gesundheitswesen).
  • Im Vergleich zur Wintersaison 2022/23 haben sich die damaligen Arzneimittellieferengpässe und die Verfügbarkeit der betroffenen Produkte mittlerweile stabilisiert.
  • Aufgrund geänderter budgetärer Rahmenbedingungen und notwendiger Einsparungen des Bundes wird der bisherige Infrastruktursicherungsbeitrag fortgeführt, jedoch reduziert und befristet verlängert.
  • Zusätzlich zu finanziellen Maßnahmen wird ein Monitoringsystem für beim Großhandel gelagerte Arzneispezialitäten und Wirkstoffe eingeführt, um die Maßnahme zu überwachen, Lieferengpässe frühzeitig zu erkennen und die gesundheitspolitische Steuerung der Arzneimittelversorgung zu unterstützen.

Änderungen am Gesetz (Überblick)

  • Anpassung des Gesetzestitels, da künftig neben finanziellen Maßnahmen auch ein Monitoringsystem vorgesehen ist.
  • Einführung einer Gesetzesabkürzung: MSVAG.
  • Fortführung des Infrastruktursicherungsbeitrags für weitere drei Jahre mit reduziertem Beitragssatz.
  • Anpassung der Regelungen zur Antragstellung an die verlängerte Laufzeit.
  • Weiterhin Kostenbeteiligung der Krankenversicherungsträger, künftig jedoch als Pauschalzahlung an den Bund zur Reduktion des Verwaltungsaufwands.
  • Einführung einer Verpflichtung für Arzneimittel-Vollgroßhändler zur täglichen elektronischen Bereitstellung von Lagerstanddaten (Arzneispezialitäten und Wirkstoffe) für ein Monitoringsystem.
  • Einführung einer Strafbestimmung für den Fall der Nichterfüllung der Datenbereitstellungspflichten.
  • Inkrafttretensregel: Monitoringpflicht und zugehörige Strafbestimmung ab 1. Jänner 2026; alle übrigen Änderungen ab dem Tag nach der Kundmachung.

Infrastruktursicherungsbeitrag: Höhe und Laufzeit

  • Der Infrastruktursicherungsbeitrag wird künftig auf 0,13 Euro pro Handelspackung herabgesetzt.
  • Der Zeitraum, für den der Beitrag gebührt, wird zur Erhöhung der Planungssicherheit der betroffenen Arzneimittel-Großhändler um drei Jahre verlängert: bis zum 31. August 2028.

Antragstellung und Kostenbeteiligung der Krankenversicherung

  • Die bestehende Regelung zur Antragstellung wird an die um drei Jahre verlängerte Laufzeit angepasst.
  • Wie bisher sollen die Träger der Krankenversicherungen auch für die weiteren drei Jahre einen Teil der Kosten des Infrastrukturbeitrags tragen.
  • Zur Reduktion des Verwaltungsaufwands bei den Trägern wird künftig die Zahlung eines Pauschalbetrags an den Bund vorgesehen.

Monitoringsystem: Datenbereitstellung durch Arzneimittel-Vollgroßhändler

  • Ab 1. Jänner 2026 werden Arzneimittel-Vollgroßhändler verpflichtet, der:dem für das Gesundheitswesen zuständigen Bundesminister:in, dem Dachverband der Sozialversicherungsträger und dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen täglich über eine elektronische Schnittstelle Daten zu gelagerten Arzneispezialitäten und Wirkstoffen zur Verfügung zu stellen.
  • Die Bereitstellung von Lagerstanddaten ist Voraussetzung für den Aufbau eines Monitoringsystems zur Früherkennung von Lieferengpässen und zur gesundheitspolitischen Steuerung im Arzneimittelbereich.
  • Arzneimittel-Vollgroßhändler sind in § 2 Abs. 3 Arzneimittelgesetz (AMG), BGBl. Nr. 185/1983 idgF, definiert.
  • Begründung der Beschränkung auf Vollgroßhändler: Der Großteil der Arzneimittel in Österreich wird über Arzneimittel-Vollgroßhändler vertrieben; eine Verpflichtung für sämtliche Arzneimittel-Großhändler wird als nicht erforderlich angesehen bzw. wäre wegen meist kleinerer Unternehmensgrößen und geringerer Produktvielfalt einzelner Großhändler nicht rechtfertigbar.
  • Vollgroßhändler müssen alle in der Bestimmung genannten Daten bereitstellen; die genannten Behörden können entsprechend ihrer jeweiligen Aufgaben auf die jeweils erforderlichen Daten zugreifen.
  • Zur einheitlichen Datenübertragung müssen Vollgroßhändler eine Schnittstellenbeschreibung verwenden, die von der:dem zuständigen Bundesminister:in zur Verfügung gestellt wird.

Sanktionen und systematische Anpassungen

  • Für den Fall, dass Arzneimittel-Vollgroßhändler ihren Verpflichtungen zur Datenbereitstellung nicht nachkommen, wird eine Strafbestimmung eingeführt.
  • Durch die Einführung der neuen §§ 4 und 5 sind Anpassungen in den Paragraphenbezeichnungen erforderlich.

Inkrafttreten

  • Die Bestimmung zur täglichen Datenbereitstellung (Monitoring) sowie die damit zusammenhängende Strafbestimmung treten am 1. Jänner 2026 in Kraft, um den Vollgroßhändlern ausreichend Zeit für technische Vorbereitungen zu geben.
  • Alle anderen Änderungen treten am Tag nach der Kundmachung in Kraft.

Bundesgesetz über finanzielle Maßnahmen zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Arzneimitteln

~19 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Gerhard Kaniak

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ja, ein etwas sperriger Titel, aber ein ganz wichtiger Beschluss, den wir heute hier fassen werden, denn es geht um die Sicherstellung der Versorgung mit Arzneimitteln, um konkret zu sein: um die Sicherstellung der Versorgung mit sehr günstigen Arzneimitteln. Das Gesetz beinhaltet den sogenannten Infrastruktursicherungsbeitrag, eine Zahlung des Staates an die vollsortierten Arzneimittelgroßhändler, um die massiv gestiegenen Kosten der vergangenen Jahre zumindest teilweise zu kompensieren. – So steht es auch bereits in der Begründung des Gesetzes von 2023. Diese Regelung würde mit Ende August auslaufen, wenn das Parlament heute nicht eine entsprechende Verlängerung beschließt. Warum braucht es denn diesen Betrag überhaupt? Wie schaut denn die Situation im Arzneimittelvertriebsystem in Österreich überhaupt aus? – Wir haben im Arzneimittelgroßhandel eine Preisregelung, die aus dem Jahr 2004 stammt. Damals wurden die Spannen für den Arzneimittelgroßhandel, für Packungen, die mit vergünstigten Beziehern abgerechnet werden, also alles, was in der Regelversorgung drinnen ist, um 2 Prozent gesenkt. Das war eine große Spannenkürzung bei den Großhändlern und auch bei den Apotheken. Seither bekommt der Arzneimittelgroßhandel für die günstigsten Produkte eine Spanne von 15,5 Prozent. Das ist eine degressive Spanne, sie geht bis 340 Euro, dort beträgt die Spanne dann nur mehr 7 Prozent, und für alles, was teurer ist als 340 Euro Fabriksabgabepreis ist ein Fixbetrag für den Großhandel, für die gesamte Vertriebsleistung enthalten, das sind 23,74 Euro. Wenn man das jetzt umrechnet – und der Infrastruktursicherungsbeitrag betrifft Packungen, die unter 4 Euro Vertriebsabgabepreis kosten –, dann verdient, das kann man richtigerweise sagen, beziehungsweise bekommt der Großhandel pro Packung eine Spanne von ungefähr 60 Cent. 60 Cent, meine sehr geehrten Damen und Herren, sind ungefähr zwei Drittel von dem, was die Österreichische Post für das Versenden einer Postkarte bekommt, die bekommt nämlich ein Porto von 95 Cent. Die hat aber nicht die Auflagen, dass die Packung temperaturkontrolliert gelagert und transportiert werden muss, die muss nicht diese Packung vor Fremdzugriff schützen, weil das ein besonderes Gut ist, mit dem auch entsprechende Gesundheitsgefahren einhergehen können, sie hat nicht die Dokumentationspflichten, sie hat auch nicht jedes Jahr die Ages im Haus zur Kontrolle. Das heißt, da ist offensichtlich ein massives Missverhältnis zwischen dem, was das Gesundheitssystem an Deckungsbeitrag dem Vertriebspartner bereit ist zu bezahlen, und dem, was an Kosten anfällt. Allein wenn man die letzten zwei Jahre hernimmt, Frau Staatssekretärin – vor gut zwei Jahren, 2023, ist die Situation in der Versorgung mit den günstigen Arzneimitteln ja fast eskaliert und diese Unterstützungsleistung wurde beschlossen –, allein in den letzten zwei Jahren haben sich die Lohnkosten um 15 Prozent und zum Beispiel die Dieselkosten sogar um knapp 30 Prozent erhöht. Das heißt, eigentlich müsste man diesen Beitrag deutlich erhöhen, zumindest an die Inflation anpassen, wenn wir wollen, dass die Versorgung mit günstigen Arzneimitteln in Österreich weiterhin sichergestellt ist. Was steckt in diesem Antrag tatsächlich im Detail drin? – Erstens gibt es eine zusätzliche Meldepflicht, ein Reporting, eine Schnittstelle, die eingerichtet werden muss, um die Verfügbarkeit digital zu überprüfen. Meiner Meinung nach ist das eine gute Sache, aber natürlich auch wieder ein zusätzlicher Aufwand. Als Gegenleistung dafür wird dieser Betrag von 28 Cent auf 13 Cent – um mehr als die Hälfte – gesenkt, obwohl sich die Kosten in dieser Zeit deutlich, im zweistelligen Prozentbereich erhöht haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist logisch, dass die Phago – die Vereinigung der Großhändler – diesem Kompromissvorschlag der Bundesregierung zugestimmt hat und zumindest diesen geringeren Betrag auf drei Jahre nimmt, weil ohne diesen Betrag die Situation noch viel schlimmer wäre. Von einer fairen, kostendeckenden Honorierung der Logistiktätigkeit der vollsortierten Großhändler sind wir mit der jetzigen Regelung und auch mit dem neuen Infrastruktursicherungsbeitrag in Höhe von 13 Cent aber meilenweit entfernt, Frau Staatssekretärin. Da muss dringend etwas getan werden. Deshalb bringe ich auch einen Entschließungsantrag ein, den ich jetzt auf meinem Platz liegen gelassen habe, der aber vorliegt. ( Präsident Haubner reicht Abg. Kaniak [FPÖ] ein Schriftstück. ) – Vielen Dank. Entschuldigung, ich bringe einen Abänderungsantrag ein, und zwar: Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Gerhard Kaniak , Kolleginnen und Kollegen zum Antrag der Abgeordneten Mag. Dr. Juliane Bogner-Strauß , Fiona Fiedler , BEd, Rudolf Silvan , Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über finanzielle Maßnahmen zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Arzneimitteln geändert wird ( 348/A ), in der Fassung des Berichtes des Gesundheitsausschusses ( 185 d.B. ) (TOP 9) Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der eingangs bezeichnete Gesetzentwurf wird wie folgt geändert: Ziffer 2 lautet: „2. In § 1 wird nach dem Wort ‚Kostenerstattungsgrenze‘ die Wort- und Zeichenfolge ‚sowie ein Beitrag in Höhe von 0,28 Euro für jede an eine im Inland ansässige öffentliche Apotheke und Anstaltsapotheke im Zeitraum 1. September 2025 bis 31. August 2028 abgegebene und nicht retournierte Handelspackung einer Arzneispezialität mit Kosten unter der Kostenerstattungsgrenze‘ eingefügt.“ ( Der Redner gibt Präsident Haubner das Schriftstück zurück. ) – Danke. Auf gut Deutsch: Die Beibehaltung der bisherigen 28 Cent Infrastruktursicherungsbeitrag pro abgegebene Packung ist die einzige Änderung im Vergleich zum vorliegenden Antrag und wäre ein ganz wesentlicher Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung. Auch, wenn ich schon 4 Minuten geredet habe, muss ich dazu noch ein paar Dinge zusätzlich anmerken: Es geht hier nicht um irgendeine Kleinigkeit, um irgendeinen Randbereich. Wir sprechen hier von 80 Millionen Packungen – 80 Millionen Packungen sind momentan in der Logistik nicht kostendeckend honoriert, das ist die Hälfte der abgegebenen Packungen im erstattungsfähigen Bereich. Das sind pro Jahr acht Packungen pro Österreicher, vom Baby bis zum Greis, wenn man es so rechnet. Das ist die Hauptversorgung. Da geht es um Herzmedikamente, Antidiabetika und Schmerzmittel. All diese Produkte können in Österreich nicht kostendeckend gelagert und vertrieben werden. Es ist also ein ganz ein klarer Handlungsauftrag, Frau Staatssekretärin, dass man dieses System überarbeitet. Ich habe in meinem Abänderungsantrag auch drinstehen, dass die Zeit natürlich genutzt werden soll, um das Spannensystem generell zu überarbeiten; und es gibt da noch mehrere andere Baustellen. Ich habe auch das schon mehrfach erwähnt: Auch bei den ganz teuren Medikamenten ist der Fixpreis seit 2004 nicht wertgesichert. 70 Prozent Teuerung gab es seither, und der Fixpreis für den Großhandel, für die Auslieferung der ganz teuren Packungen ist kein einziges Mal angehoben worden und liegt noch immer bei 23,74 Euro. Damit kann man ein Präparat, das 2 000 Euro Fabriksabgabepreis hat, allein von den Finanzierungskosten her keine zwei Monate lagern. Für den Vertrieb und das Ausfallrisiko hat man dann aber noch keinen Cent bekommen. Das heißt, ein Produkt um 4 000 Euro oder 5 000 Euro kann man aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht mehr auf Lager legen, weil man damit nichts mehr verdient und nur das Ausfallrisiko hat. Das kann doch nicht im Sinne der Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Arzneimitteln sein. (👏 FPÖ) Vor allem ist es auch keine Wertschätzung gegenüber dem äußerst sicheren und effizienten Vertriebssystem, das wir in Österreich noch haben. – Vielen Dank. (👏 FPÖ) 18.04 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/130.1 Bundesgesetz über finanzielle Maßnahmen zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Arzneimitteln (AA-22) Präsident Peter Haubner : Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Michael Seemayer . Vorher noch: Der Abänderungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Herr Abgeordneter, Sie sind nun am Wort.

SPÖ Michael Seemayer

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Kollege Kaniak hat dazu ja schon einiges ausgeführt und ich muss ihm recht geben: Die Versorgung mit Arzneimitteln in Österreich ist ein wichtiges Thema, und man wird sich das auch in Zukunft natürlich anschauen müssen und dafür sorgen müssen, dass sie sichergestellt ist. Der Infrastruktursicherungsbeitrag war aber nicht dazu gedacht, künftige Preiserhöhungen oder Lohnerhöhungen für alle Zeiten abzudecken, sondern hat einen anderen Hintergrund gehabt, auf den ich kurz eingehen möchte.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Es ist nicht abgedeckt durch das Spannensystem!

SPÖ Michael Seemayer

… Im Winter 2022/2023 ist es in ganz Europa zu Engpässen in der Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln gekommen. In Österreich hat daher die zusätzliche Gefahr bestanden, dass niedrigpreisige Arzneimittel aus Rentabilitätsgründen aus dem Sortiment verschwinden und damit die Verfügbarkeit weiter eingeschränkt wird. Um dem entgegenzuwirken, ist im September 2023 ein befristeter Infrastruktursicherungsbeitrag in der Höhe von 28 Cent eingeführt worden, den Arzneimittelgroßhändler pro Packung bekommen, wenn sie niedrigstpreisige Arzneimittel an Apotheken abgeben. Befristet war die Maßnahme bis August 2024. Dann hat man sie um ein Jahr verlängert, und ohne Nachfolgeregelung wäre diese Maßnahme mit 31. August ersatzlos ausgelaufen. Dazu muss noch gesagt werden, dass das damals in einer Absichtserklärung vereinbarte Monitoring zur Früherkennung von Lieferengpässen und zur Steuerung von Arzneimitteln nie richtig umgesetzt wurde. Was hat sich nun verändert beziehungsweise wie sieht die neue Regelung aus? – Im Vergleich zur Wintersaison 2022/2023 hat sich natürlich die Verfügbarkeit von Arzneimitteln weitgehend stabilisiert. Die budgetäre Situation, die wir jetzt vorfinden, beziehungsweise auch die Spielräume, die wir haben, haben sich massiv geändert und sind schlechter geworden. Vor diesem Hintergrund wurde in Verhandlungen mit den betroffenen Akteuren folgende neue Regelung getroffen: Der Infrastruktursicherungsbeitrag wird gut halbiert – das ist schon angeführt worden – und beträgt ab September 2025 13 Cent pro Packung, dafür beträgt die Laufzeit der neuen Regelung weitere drei Jahre. Ab 2026 wird ein gesetzlich verankertes Monitoring etabliert, damit die Früherkennung von Lieferengpässen und eine bessere Steuerung im Bereich der Arzneimittel möglich ist. Damit ist es gelungen, eine rasch notwendige und tragfähige Lösung zu erzielen, die vor allem Planungssicherheit bringt und einen besseren Überblick über die Verfügbarkeit von Arzneimitteln schafft. Das ist unter den Voraussetzungen, die wir jetzt vorgefunden haben, eine gute Lösung. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Juliane Bogner-Strauß zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Werte Abgeordnete! Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer! Infrastruktursicherungsbeitrag: Ja, das ist ein sperriger Begriff, aber er wurde von meinen zwei Vorrednern schon sehr ausführlich erklärt – und ich denke, es ist wichtig, zu verstehen, wozu man diesen Sicherungsbeitrag braucht. Es gibt immer wieder Lieferengpässe bei Medikamenten und Wirkstoffen – vor allem bei günstigen Medikamenten und günstigen Wirkstoffen. Natürlich war das in der Pandemie besonders eklatant. Damals haben wir als Bundesregierung uns dazu entschieden, die Arzneimittellieferanten, den Pharmagroßhandel finanziell zu unterstützen, damit mehr eingelagert wird. Damit haben wir natürlich für all jene, die Medikamente brauchen, Versorgungssicherheit geschaffen. Das war ganz, ganz wichtig. Es ist noch immer so, dass es Lieferengpässe gibt, aber diese sind nicht mehr so eklatant wie noch vor Jahren. Um das aber besser monitoren zu können, haben wir allerdings zusätzlich zu diesem Beitrag, der weiterhin als Unterstützung für den Pharmagroßhandel zur Einlagerung dient, auch ein Monitoring als Begleitmaßnahme eingeführt. Mit diesem Monitoring können wir uns das jetzt wirklich gut anschauen: Was gibt es für einen Lagerbestand? Wie viele Packungen, welcher Wirkstoff wird aus dem Lager entnommen und wird auch wieder gelagert? Wir können uns natürlich auch anschauen, wie viele dieser Medikamente im Durchschnitt wirklich gebraucht werden. Ja, Kollege Kaniak, ich kann es verstehen, dass du – vor allem mit deinem Insiderwissen – sagst: Darf es ein bisschen mehr sein?, aber ich denke, das ist jetzt ein wirklich guter Kompromiss.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Kostendeckend wäre ausreichend!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Es sind gute Verhandlungen geführt worden. Ein Danke an die Ministerin und an die Staatssekretärin! Was auch wichtig ist: Wir haben gesagt, wir machen das jetzt auf drei Jahre mit einem guten Monitoring, damit man wirklich sieht: Was wird gebraucht? Was haben wir auf Lager? Wie können wir in Österreich – und das ist das Allerwichtigste für die Bevölkerung – für Versorgungssicherheit geradestehen? Und wie schaffen wir das gemeinsam? Ich glaube, da haben wir gemeinsam mit dem Pharmagroßhandel etwas Gutes geschafft. – In diesem Sinne ein Danke an alle, die dabei verhandelt haben. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Fiona Fiedler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein.

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Kurz vor der Sommerpause ist es zwar schwer, daran zu denken, aber der nächste Winter kommt bestimmt – und mit ein bisschen Pech kommt auch wieder die nächste Diskussion über Medikamentenengpässe. Mit diesem Gesetz wollen wir genau das verhindern und schaffen auch gleichzeitig für die Zukunft eine bessere Datenbasis, um wirklich festzustellen, wo es welche Engpässe gibt. Österreich ist zwar ein kleines Land, aber manchmal ist der Weg von einer Apotheke zur nächsten trotzdem weit, und wenn ein Medikament erst in zwei Tagen wieder geliefert wird, fühlt sich das viel schwerwiegender an, als wenn an einem Tag im Supermarkt keine saftigen Tomaten mehr da sind. Und gerade bei solchen Engpässen gilt es daher, auch langfristig abgesicherte Maßnahmen zu setzen. Das wird aber allein mit diesem Gesetz nicht funktionieren. Es gibt auf EU-Ebene gemeinsame Verhandlungen, wie systemrelevante Medikamente immer verfügbar gemacht werden können. Dazu gehören aber nicht nur die Verpflichtungen von Firmen, sondern wir müssen uns als gesamte EU darum bemühen, als Produktionsstandort wieder attraktiver zu werden. Das wird keine einfache Aufgabe, aber langfristig muss es uns gelingen, ein Gesetz wie dieses nicht mehr zu benötigen, weil stabile Lieferketten in einem durch funktionieren und es nicht für verschiedene Einzelschritte eigene Absicherungsgesetze braucht. Da müssen wir gemeinsam ansetzen, denn schon jetzt ist die Medikamentenproduktion extrem divers und nur wenige Wirkstoffe werden vom Wirkstoff bis zur fertigen Tablettenpackung an einem Ort hergestellt. Gerade in solchen Fällen brauchen wir gute Zusammenarbeit, die die Forschung an den Universitäten zur Entwicklung und Erforschung neuer Wirkstoffe bis hin zu klinischen Studien, die den Patienten einen früheren Zugang zu neuen Medikamenten ermöglichen können, abdeckt und – nicht zu vergessen – auch Fabrikstandorte berücksichtigt. Für jetzt sichern wir den Infrastruktursicherungsbeitrag, für die Zukunft wird es aber die Aufgabe sein, die Struktur rund um die Preisbildung so sicher zu machen, dass es diesen Extrabeitrag gar nicht mehr braucht, denn das wäre die größtmögliche Sicherheit für unsere Versorgung. – ( Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend: ) Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ralph Schallmeiner . – Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Wir werden dem natürlich zustimmen, wir haben ja 2023 – wir haben es erst besprochen – genau diesen Beitrag, diese Maßnahme eingeführt, um eben in einer Zeit von großer Knappheit entgegenzuwirken. Es freut uns, dass sich diese Maßnahme, die wir damals gemeinsam mit der ÖVP auf den Weg gebracht und auch mit der Sozialdemokratie gemeinsam beschlossen haben, offensichtlich bewährt hat und sich auch die Situation so weit verbessert hat, dass man zwar die Maßnahme selbst weiter verlängert, sich dann aber sehr gut überlegt hat, ob man die 28 Cent pro Packung noch braucht. Offensichtlich hat man eine neue Regelung mit 13 Cent gefunden. Dass das ganz so nach dem Prinzip gelaufen ist, dass der pharmazeutische Großhandel wirklich gesagt hat: juchhe, die Gams! Wir geben uns auch mit weniger zufrieden!, glaube ich nicht ganz, aber ich nehme es zur Kenntnis. Wir alle hoffen doch, dass so weit alles gut durchkalkuliert ist, dass wir genau diese Engpässe in Zukunft nicht mehr haben werden und dass wir auch mit den 13 Cent durchkommen werden. Zumindest verlassen wir uns da einfach einmal auf die Aussagen und auf die Rückmeldungen, die wir auch im Ausschuss bekommen haben, und da der Phago bis heute nicht bei uns gestanden ist und dagegen protestiert hat, gehen wir einmal davon aus, dass man zumindest sauber durchkalkuliert hat. Was uns aber in diesem Zusammenhang wichtig ist, ist das gleichzeitig auf den Weg gebrachte Monitoringsystem, das wir heute beschließen werden, das ja auch auf dieser Vereinbarung aus dem Jahr 2023 fußt. Das fußt auch darauf, dass sich die Ages eben anschauen soll, wie ein solches Monitoringsystem aussehen kann. Das wird jetzt in ein Gesetz gegossen – das ist gut so, das ist notwendig, das ist wichtig, das wird es uns auch in Zukunft deutlich erleichtern, mit genau dieser Situation in Österreich umzugehen, gerade wenn es um diese niedrigpreisigen Medikamente geht. Das ist gut, dem stimmen wir natürlich auch zu. Das ist in Wirklichkeit auch der Hauptantrieb dafür, dem heute zuzustimmen, denn es geht dabei auch um Transparenz. Und wenn wir über Transparenz reden, dann sollten wir generell auch darüber reden, wie in Österreich immer noch die Beschaffung von Medikamenten, wie die Beschaffung zwischen - -, die Beschaffungsverträge, dass ich es richtig sage, zwischen der Pharmaindustrie auf der einen Seite und den Sozialversicherungen auf der anderen Seite aussehen. Da wird immer noch mit Hintergrundkonditionen, mit nachgelagerten Konditionen gearbeitet, wo im Endeffekt das, was auf der Rechnung steht, am Ende des Tages gar nicht einmal wirklich das ist, was dann abgerechnet wird, wo es Vereinbarungen nach einem Quartal, nach einem Jahr, nach eineinhalb Jahren gibt, wo nur mehr mit irgendwelchen Erreichungsvereinbarungen abgerechnet wird und, und, und. Das ist hochgradig intransparent, und wir glauben, dass wir da deutlich mehr Transparenz brauchen, auch nach dem Prinzip: strenge Rechnung, gute Freunde!, noch dazu mit der Pharmaindustrie, auf die wir, glaube ich, alle miteinander durchaus auch eine kritische Sichtweise haben. Ich finde es übrigens angenehm, wenn momentan sowohl die Ärztekammer als auch die Pharmaindustrie durch die Gegend laufen und vor einer möglichen Wirkstoffverschreibung warnen, denn dann muss ich davon ausgehen, dass dieses Thema endlich im Ministerium aufgenommen wurde, andernfalls würde man jetzt nämlich nicht von deren Seite so dagegen kampagnisieren, wie das in den letzten Wochen passiert ist. Das ist immer ein guter Hinweis darauf, dass da momentan wirklich Gespräche laufen. Wir würden das sehr begrüßen. Ich möchte daran erinnern, dass ein entsprechender Antrag von uns immer noch im Gesundheitsausschuss liegt, und zwar ein Antrag, der so ausformuliert ist, dass er, wenn wir ihn beschließen, sofort gültig wäre und sofort Gesetzeskraft hätte. Er würde endlich international übliche Standards auch nach Österreich bringen, nämlich dass der Arzt den Wirkstoff verschreibt und der Apotheker oder die Apothekerin ihrem Job nachgehen und dann eben das passende Medikament dazu ausgeben. In diesem Sinne hoffe ich auf eine baldige Umsetzung der Wirkstoffverschreibung. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Staatssekretärin. – Bitte, Frau Staatssekretärin.

SPÖ Verena Nussbaum

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher:innen! Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass es vor einigen Jahren Engpässe bei der Versorgung mit Medikamenten gegeben hat, speziell im Winter bei der Versorgung mit Hustensaft, mit Antibiotika, und auch bei den Medikamenten zur Bekämpfung von grippalen Infekten hat es Probleme gegeben, vor allem auch bei der Versorgung mit Medikamenten für Kinder. Es bestand eben – das ist heute schon mehrmals erwähnt worden – die Gefahr, dass Arzneimittel von den Arzneimittelgroßhändlern aus Rentabilitätsgründen aus dem Sortiment genommen werden. 2023 haben wir deshalb den sogenannten Infrastruktursicherungsbeitrag beschlossen. Dieser steht für jene Medikamente zur Verfügung, die an eine – und das ist, glaube ich, schon wesentlich – im Inland ansässige öffentliche Apotheke oder Anstaltsapotheke abgegeben werden und deren Kosten eben unter der Rezeptgebühr liegen. Das stellt die Versorgung mit günstigen Medikamenten auch weiterhin sicher. Diesen Infrastruktursicherungsbeitrag verlängern wir jetzt um weitere drei Jahre in einer reduzierten Form. Damit ist auch in den nächsten Jahren Planungssicherheit für die Arzneimittel sichergestellt. Zusätzlich aber – und das, glaube ich, ist ein wesentlicher Punkt – wird jetzt auch dieses Monitoringsystem implementiert. Dadurch wird es beim Großhandel tagesaktuelle Daten beispielsweise darüber geben, welche Arzneimittel gelagert sind, welche Wirkstoffe vorhanden sind, was bestellt wurde. Damit können wir zukünftig wirklich früh erkennen, wo es Lieferengpässe gibt, und auch die gesundheitspolitische Steuerung der Arzneimittelversorgung kann so sehr gut unterstützt werden. Man muss auch dazusagen, dass nunmehr auch eine Strafmöglichkeit im Gesetz vorgesehen ist. Sollten sich Arzneimittelgroßhändler nicht an diese Informationspflicht halten, gibt es nun auch die Möglichkeit, Strafen zu verhängen. In diesem Sinne, glaube ich, haben wir eine sehr gute Lösung gefunden, um die Arzneimittelsicherheit in Österreich sicherzustellen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Gerhard Kaniak für 2 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Silvan [SPÖ]: Er will noch einmal sagen, wie gut das ist! – Abg. Krainer [SPÖ]: Er will sich bedanken bei der Frau Staatssekretärin!)

FPÖ Gerhard Kaniak

Danke, Herr Präsident. – Frau Staatssekretärin, ich habe Ihren Ausführungen gut gelauscht, und wie gesagt die Zielsetzung ist ja absolut in Ordnung. Aber eines muss klar sein: Wenn eine Honorierung für einen öffentlichen Versorgungsauftrag nicht kostendeckend ist und in diesem Bereich alles gesetzlich preisgeregelt ist, von den Arzneimittelpreisen über die Spannen über die Leistungen bis hin zu den Kontrollen und so weiter, dann ist es auch in der Pflicht des Gesetzgebers, dafür Sorge zu tragen, dass eine angemessene, zumindest kostendeckende Honorierung gefunden wird. Ich habe es Ihnen vorgerechnet: Im Bereich des Arzneimittelgroßhandels ist das momentan bei den ganz billigen und den ganz teuren Sachen nicht der Fall, und übrigens auch im Bereich der öffentlichen Apotheken ist das bei den ganz billigen Produkten nicht der Fall. Das hat auch mit der Umsatzstrukturänderung zu tun, mit dem Wegfall von Refinanzierungsmöglichkeiten und Ähnlichem, also Quersubventionierungen. Durch die anderen Maßnahmen, die Sie angesprochen haben, verschärfen Sie die Situation zusätzlich. Wenn es Ihnen tatsächlich ein solch großes Anliegen ist wie auch mir, die Qualität und die Sicherheit in der österreichischen Versorgungsstruktur mit Arzneimitteln aufrechtzuerhalten, dann müssen wir eher früher als später das gesamte System überarbeiten, sonst werden diese Sicherheit und Qualität nicht mehr gewährleistet sein. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir gelangen zur Abstimmung über den Gesetzentwurf in 185 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Mag. Gerhard Kaniak , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zunächst über den vom erwähnten Abänderungsantrag betroffenen Teil und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Mag. Gerhard Kaniak , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Ziffer 2 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. ( Einige Abgeordnete der FPÖ bleiben auf ihren Plätzen sitzen. ) – Das ist Ihr Antrag. ( Die restlichen Abgeordneten der FPÖ erheben sich von ihren Plätzen. – Heiterkeit bei Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und Grünen.) Das ist die Minderheit, abgelehnt. ( Unruhe im Saal. – Der Präsident gibt das Glockenzeichen. ) Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist einstimmig, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist wieder einstimmig. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit

173 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 119 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll den Abschluss des Abkommens zwischen Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG genehmigen. Der Ausschuss für Arbeit und Soziales empfiehlt diese Genehmigung mit Stimmenmehrheit (dafür: V, S, N, G; dagegen: F).

Betroffen sind Personen, die in Österreich und/oder der Mongolei sozialversichert sind bzw. dort gearbeitet haben (insbesondere bei Entsendungen), sowie die zuständigen Sozialversicherungsträger beider Staaten.

Dokumente

Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit

Rechtsnatur und verfassungsrechtliche Einordnung

  • Das Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit hat gesetzändernden bzw. gesetzesergänzenden Inhalt und bedarf daher der Genehmigung des Nationalrates gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.
  • Das Abkommen hat keinen politischen Charakter.
  • Ein Beschluss gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG, wonach der Staatsvertrag durch Erlassung von Gesetzen zu erfüllen ist (Ausschluss der unmittelbaren Anwendung), ist nicht erforderlich; das Abkommen ist der unmittelbaren Anwendung im innerstaatlichen Rechtsbereich zugänglich.
  • Da keine Angelegenheiten des selbständigen Wirkungsbereiches der Länder geregelt werden, ist keine Zustimmung des Bundesrates gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 2 B-VG erforderlich.

Werdegang und Anlass der Abkommensverhandlungen

  • Auf Wunsch der Mongolei und nach einem informellen Gespräch mit dem mongolischen Botschafter in Wien fand im Oktober 2023 eine erste exploratorische Gesprächsrunde auf Expertenebene (BMSGPK und Dachverband der Sozialversicherungsträger) im Online-Format statt, um die mögliche Aufnahme von Verhandlungen zu einem Sozialversicherungsabkommen zu prüfen.
  • Im Vorfeld wurde vom BMEIA mitgeteilt, dass keine außenpolitischen Bedenken gegen die Aufnahme von Verhandlungen bestehen.
  • Inhalt des exploratorischen Austauschs war die Vorstellung der jeweiligen nationalen Sozialversicherungssysteme sowie der Austausch der wechselseitigen Erwartungen an ein Abkommen.
  • Die Mongolei verfügt seit 1995 über ein Sozialversicherungssystem, das im Wesentlichen auf denselben Grundsätzen wie das österreichische beruht.
  • Die Mongolei hat bereits bilaterale Abkommen mit Russland, Korea, Ungarn, Polen, der Türkei und Tschechien geschlossen und steht in Austausch bzw. Verhandlungen mit Kasachstan, Japan, Kanada, Schweden und Australien.
  • Die Abkommen der Mongolei mit EU-Mitgliedstaaten (Polen, Tschechien) entsprechen den Grundsätzen und Inhalten der von Österreich mit Staaten außerhalb Europas geschlossenen bilateralen Abkommen: Regelungen zu anzuwendenden Rechtsvorschriften, Leistungsexport und Zusammenrechnung von Versicherungszeiten.
  • Das BMSGPK befürwortete die Aufnahme offizieller Verhandlungen, da das Abkommen einer nicht vernachlässigbaren Anzahl von Personen zugutekommen würde, die in beiden Staaten arbeiten oder gearbeitet haben.
  • Bestimmungen zum anwendbaren Recht, insbesondere bei Entsendungen, sollen zudem die Tätigkeit österreichischer Unternehmen in der Mongolei begünstigen.
  • Auch das BMEIA unterstützte die Aufnahme von Verhandlungen aus außenpolitischer Perspektive.
  • Nach zwei Expertenrunden in Ulaanbaatar (Februar 2024) und Wien (Mai 2024) wurde nach Ministerratsbeschluss in formellen Verhandlungen unter Delegationsleitung des BMEIA im März 2025 in Ulaanbaatar eine vollständige Einigung über den Abkommenstext erzielt.

Einordnung im Vergleich und Verhältnis zum EU-Recht

  • Das Abkommen entspricht in materiellrechtlicher Hinsicht insbesondere den von Österreich geschlossenen Abkommen mit Serbien (BGBl. III Nr. 155/2012) und Moldau (BGBl. III Nr. 174/2012).
  • Im EU-Bereich bestehen hinsichtlich Abkommen über soziale Sicherheit mit Drittstaaten keine EU-Vorschriften, sodass die Mitgliedstaaten Gestaltungsspielraum haben.
  • Das Abkommen orientiert sich an den in diesem Bereich maßgebenden Grundsätzen der Verordnung (EG) Nr. 883/2004.

Struktur und Kerninhalte des Abkommens (Abschnitte I–V)

  • Das Abkommen ist in fünf Abschnitte gegliedert.
  • Abschnitt I: Allgemeine Bestimmungen; Festlegung des persönlichen und sachlichen Geltungsbereichs, Verankerung des Grundsatzes der Gleichbehandlung sowie Gebietsgleichstellung hinsichtlich der Gewährung von Geldleistungen aus der Pensionsversicherung.
  • Abschnitt II: Bestimmungen zu den anzuwendenden Rechtsvorschriften in Bezug auf die Versicherungspflicht; grundsätzlich gilt das Beschäftigungslandprinzip, ergänzt um Ausnahmen von diesem Grundsatz.
  • Abschnitt III: Besondere Bestimmungen zur Pensionsversicherung; Leistungsfeststellung unter Zusammenrechnung der in beiden Vertragsstaaten zurückgelegten Versicherungszeiten, wobei die Leistung grundsätzlich entsprechend den in jedem Vertragsstaat zurückgelegten Versicherungszeiten ermittelt wird.
  • Abschnitt IV: Verschiedene Bestimmungen zur Durchführung und Anwendung des Abkommens.
  • Abschnitt V: Erforderliche Übergangs- und Schlussbestimmungen.

Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit

~22 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Christofer Ranzmaier

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Minister! Liebe Zuseher! Hohes Haus! Man muss sich ja manchmal wirklich wundern, was in einem angeblich grenzenlosen Europa 30 Jahre nach dem EU-Beitritt Österreichs noch alles über bilaterale Abkommen geregelt werden muss. Während Millionen an illegalen Migranten aus aller Herren Länder problemlos über diverse EU-Grenzen spazieren …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Da warst jetzt schnell beim Thema!

FPÖ Christofer Ranzmaier

… wird es bei der Grenzüberfahrt eines Rettungswagens dann plötzlich zum Problem, das man vertraglich lösen muss. Ein Rettungswagen außerhalb des eigenen Staatsgebiets läuft also einer größeren Gefahr entgegen, Opfer eines Pushbacks zu werden als ein straffällig gewordener Migrant. So kann es doch eigentlich nicht sein, da muss man sich wirklich an den Kopf greifen. (👏 FPÖ) Ich glaube, es sind ja nicht nur die Bürger da draußen, die sich erwarten, dass das eine Selbstverständlichkeit in unserem Land ist, dass so etwas nicht zu bürokratischem Aufwand führt, sondern eigentlich sollten wir alle hier im Hohen Haus das Gleiche denken. Wir diskutieren heute zwei Abkommen, einmal mit Ungarn, einmal mit der Slowakei, um dieses Problem für diese Länder einer Regelung zuzuführen. Noch kein derartiges Abkommen gibt es aber zum Beispiel – deswegen stehe ich als Südtirolsprecher unserer Fraktion hier am Rednerpult – mit unseren südlichen Nachbarn in Italien. Das führt zur skurrilen Situation, dass es bei grenzüberschreitenden oder unrechtsgrenzüberschreitenden Rettungseinsätzen innerhalb Tirols quasi zu bürokratischen und rechtlichen Problemen kommt, was absolut unlogisch ist.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Was ist eine Unrechtsgrenze?

FPÖ Christofer Ranzmaier

… Dabei wäre es doch gerade in Tirol, wo die diversen Landesteile über diverse Seitentäler miteinander verbunden sind, dringend notwendig, dass man Sanitätern, Notärzten einen rechtssicheren unrechtsgrenzüberschreitenden Einsatz ermöglicht. Da es in dieser Frage auch einen Auftrag aus Tirol gibt, mit einem einstimmigen Beschluss des Dreierlandtags, also aus Nordtirol, Südtirol und Welschtirol, bringe ich jetzt einen Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Christofer Ranzmaier , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, unverzüglich Verhandlungen mit der Republik Italien aufzunehmen, um ein bilaterales Abkommen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rettungsdienst abzuschließen. Ziel dieses Abkommens ist es, rechtliche Hürden abzubauen und die Rechtssicherheit für Patienten, Sanitäter und Ärzte zu gewährleisten. Dabei sollen insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden: Wechselseitige Anerkennung der Befugnisse und Qualifikationen von Rettungspersonal: Sicherstellung, dass Rettungskräfte beider Länder im jeweils anderen Land tätig werden können, ohne zusätzliche bürokratische Hürden überwinden zu müssen. Klare Regelungen für grenzüberschreitende Einsätze: Festlegung von Verfahren für den Einsatz von Rettungsfahrzeugen und -personal über die Grenze hinweg, einschließlich der Nutzung von Sondersignalen und der Mitführung von Medikamenten. Koordination zwischen den Leitstellen: Aufbau und Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Leitstellen in den Grenzregionen, um sicherzustellen, dass bei Notfällen stets das nächstgelegene Rettungsmittel zum Einsatz kommt und Patienten in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus transportiert werden. Implementierung gemeinsamer Kommunikationssysteme: Entwicklung und Implementierung von Schnittstellen und Kommunikationssystemen, die eine direkte und effiziente Kommunikation zwischen den Leitstellen und Einsatzkräften beider Länder ermöglichen. Ich hoffe auf breite Zustimmung, um mit dieser Initiative zumindest an einem Teil die Unrechtsgrenze am Brenner zu beseitigen. (👏 FPÖ) 18.34 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/140.1 Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol (103/UEA) Präsident Peter Haubner : Der soeben eingebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mario Lindner . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Mario Lindner

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei diesem Tagesordnungspunkt geht es um drei Abkommen beziehungsweise um drei Staatsverträge. Zum Ersten um ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei: Da geht es um den Überbegriff der sozialen Sicherheit. Unter anderem geht es um wirtschaftliche Interessen, um die Vermeidung der doppelten Beitragspflicht für Unternehmen, aber es geht auch um Arbeitnehmer:inneninteressen, nämlich um den Anspruch auf Pensionsleistungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zum Zweiten geht es um ein Abkommen zwischen Österreich und der Slowakei und um ein Abkommen zwischen Österreich und Ungarn. Da geht es um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst. Seit 2016 gibt es diese Regelung unter anderem schon mit Tschechien. Die Besonderheit dieser Staatsverträge ist: Wir regeln hier herinnen das Rahmenabkommen und die betroffenen Bundesländer regeln das regionale Kooperationsabkommen. Diese Staatsverträge sind sinnvoll, um Menschen in Notlagen auch grenzüberschreitend helfen zu können, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und weil wir beim Rettungsdienst sind, an dieser Stelle ein großes Danke an alle Sanitäter:innen, an alle Zivildiener und an alle im freiwilligen sozialen Jahr. Ohne euch würden Österreich und unser Gesundheitssystem nicht funktionieren – an dieser Stelle wirklich ein herzliches Dankeschön! (👏 SPÖ) Weil ich das Wort Sanitäterinnen und Sanitäter in den Mund genommen habe, darf ich daran erinnern, dass wir im Regierungsprogramm auch das Sanitäter:innengesetz neu drinnen stehen haben, und da weiß ich, dass die Frau Staatssekretärin schon mit allen relevanten Rettungsdienstorganisationen und Verbänden in Verbindung steht. Es wird intensiv daran gearbeitet, etwas besser zu machen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, weil wir in der Sommerzeit sind, bitte ich Sie, die Menschen im Gesundheitsbereich zu unterstützen. Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen, bitte gehen Sie Blut spenden! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Schumann, die ich gleichzeitig begrüße.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher! Ja, wir haben da jetzt einen Block aus Vorlagen aus dem Gesundheitsausschuss und aus dem Sozialausschuss. Da in beiden Ausschüssen nichts passiert, fasst man da quasi die wenigen Themen zusammen. Ich komme danach vielleicht darauf zurück, was alles an Maßnahmen im Bereich Gesundheit und Soziales von dieser Regierung blockiert wird …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du musst dich nicht zu jedem TOP melden, gell?

FPÖ Peter Wurm

… aber zum Starten jetzt noch einmal: Wir sprechen heute über Rettungsfahrzeuge, die die Nachbarländer quasi überschreiten dürfen. Also die Inkompetenz der Europäischen Union kann man, glaube ich, gar nicht mehr deutlicher machen als an so einem Beispiel. (👏 FPÖ) Das ist ja ein Schildbürgerstreich, dass das nicht geregelt ist. Die Europäische Union regelt die Verschlüsse auf den Plastikflaschen, das bringen sie zusammen, aber dass der Rettungswagen von Sterzing nach Innsbruck fahren darf, das geht nicht. Wobei ich eines sagen darf: Wenn ihr diesen Antrag des Kollegen Ranzmaier heute ablehnt, dann kann ich nur noch den Kopf schütteln. Das ist nicht einmal ein Wunsch der Freiheitlichen, Kollege Mair aus Tirol, das ist ein Wunsch des Dreierlandtags, auch der SVP, eurer Parteikollegen unten, also das ist ein allgemeiner Wunsch. Warum ihr den heute ablehnen wollt, müsst ihr mir einmal erklären. Ich bin ja vieles gewohnt von dieser Vierer- - ( Ruf bei der FPÖ: Gruppe! ) Viererkoalition – Bande darf man nicht sagen –, aber das macht ja keinen Sinn, bitte schön. Ein Rettungsfahrzeug zwischen Südtirol und Nordtirol zu blockieren, das kannst du ja in Tirol normalerweise niemandem mehr erklären, Mair aus Tirol. – Aber gut, das zum Rettungsthema. (👏 FPÖ) Wir sind selbstverständlich dafür – sowohl, was die Slowakei betrifft als auch Ungarn oder Italien –, selbstverständlich waren wir immer dafür, gar kein Thema. Aber jetzt komme ich doch zum Thema Mongolei: Die Frau Minister hat ja gesagt – das sollte man jetzt schon einmal thematisieren –, da geht es um ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit. So, das ist ja nicht das erste bilaterale Abkommen, aber da wir ja heute Vormittag mit der Frau Minister – sie ist ja jetzt oft da, Gott sei Dank – über die Pensionen gesprochen haben, auch über andere Themen, sollte man das schon einmal diskutieren. Es ist allen Ernstes ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei zum Thema soziale Sicherheit. Im Detail komme ich darauf zu sprechen. Kurz zur Erklärung: Es gibt keine genauen Zahlen, die man recherchieren kann. Es gibt ungefähr 1 000 Mongolen in Österreich – vor einigen Jahrhunderten wären es vielleicht mehr gewesen, jetzt haben wir halt nur 1 000 ( Heiterkeit des Abg. Schnabel [ÖVP] ) – und es gibt ein bis zwei Dutzend österreichische Staatsbürger in der Mongolei. Es gibt keine genauen Zahlen, aber mehr ist es nicht, also 20 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich. RN/143.1 So, was steht da jetzt also drinnen? – Da geht es genau um das Thema, das ich heute Vormittag versucht habe, den vier Fraktionen zu erklären: dass wir jetzt die Zeiten für die Pensionszahlungen aus der Mongolei anrechnen ( ein entsprechendes Dokument in die Höhe haltend ) , es steht sogar genau da drinnen, das ist also der Text, Kollege Yannick Shetty : „allgemeine Bestimmungen und legt im Wesentlichen den persönlichen und sachlichen Geltungsbereich, den Grundsatz der Gleichbehandlung sowie der Gebietsgleichstellung hinsichtlich der Gewährung von Geldleistungen aus der Pensionsversicherung fest“. – Das steht da drinnen. – Insbesondere „Bestimmungen betreffend [...] Pensionsversicherung. Dabei erfolgt die Leistungsfeststellung“ und so weiter. Das heißt, das ist ja total super; für die 1 000 Mongolen freut mich das ja. Da wird offensichtlich – das ist ja nur ein kleines Beispiel, an dem ich es einmal thematisieren wollte –, welcher Irrsinn hier in Österreich seit Jahren, Jahrzehnten betrieben wird. Wir machen Abkommen mit Drittstaatsangehörigen – nicht im Interesse der Österreicher.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Da musst du ja selber lachen!

FPÖ Peter Wurm

… Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich glaube, ihr überlegt euch intellektuell gar nicht, worüber ihr da ständig abstimmt.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Das gibt’s ja nicht! – Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].

FPÖ Peter Wurm

… Sonst kann man das ja nicht so machen. Noch einmal: Als österreichischer Nationalrat müsste ich die Interessen der Österreicher vertreten. Ich kann mir ein Abkommen vorstellen, von dem österreichische Staatsbürger profitieren würden. Das heißt, hätten wir 1 000 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich, dann könnte ich sagen: Ja, darüber können wir reden, aber ihr schließt ja dauernd Abkommen zum Nachteil der österreichischen Bevölkerung ab, und zwar laufend – mit der Mongolei. So, wir kriegen ja nicht einmal Pferde; wenn jeder Österreicher in der Mongolei ein Pferd kriegt, kann man darüber diskutieren …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Es geht doch nicht um Pferde, sondern um ...! – Abg. Shetty [NEOS]: Was habt ihr für eine Obsession mit Pferden? Es ist mittlerweile sechs Jahre her mit den Pferden! Das gibt’s ja nicht!

FPÖ Peter Wurm

… aber bitte schön, noch einmal: 20 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich, und das kostet. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Ich versuche, es ja immer mit Humor zu nehmen, denn man kann ja manche Dinge nur mehr mit Humor ertragen ( Ruf bei den NEOS: Dich kann man auch nur mit Humor ertragen! ), es ist aber eigentlich nicht lustig. Es ist eigentlich ein Schildbürgerstreich und davon haben wir heute einige gehabt.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du bist auch ein Schildbürgerstreich! – Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].

FPÖ Peter Wurm

… Ich versuche, es noch einmal zu erklären: Ihr stimmt heute darüber ab, ob wir die mongolischen Staatsbürger in Österreich bei Pensionszahlungen finanzieren.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

... eingezahlt haben!

FPÖ Peter Wurm

… Die Frau Minister hat heute Vormittag gesagt - - – Darf ich weiterreden? Die Frau Minister hat heute Vormittag gesagt, sie muss sparen, deswegen machen wir jetzt diese Einschnitte im Pensionssystem …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Aber nicht für die Mongolen!

FPÖ Peter Wurm

… aber nicht für die Mongolen. Also, parteimäßig bin ich ja froh über die Unterschiede zwischen uns Freiheitlichen und euch vier. Wenn sich das einer heute seit 9 Uhr in der Früh anschaut, muss der ja den Kopf schütteln und sagen: Bei aller Liebe, jetzt habe ich 30 Jahre ÖVP gewählt oder zehn Jahre grün, aber man kann euch ja als vernünftig denkender Mensch, wenn man sich anschaut, was ihr aufführt, nicht wählen! – Das kann man ja keinem mehr erklären. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete. ( Ruf bei der FPÖ: Der nächste Mongolensturm! )

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Präsident Peter Haubner : Die Frau Abgeordnete ist am Wort, bitte. Abgeordnete Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler (fortsetzend): Auf der einen Seite, Herr Kollege Wurm, fordern Sie Abkommen, auf der anderen Seite kritisieren Sie sie.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Lad ihn einmal nach Villach ein zum Fasching!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Was ich jetzt nicht ganz verstanden habe: Zuletzt haben Sie gesagt, Sie haben 30 Jahre die ÖVP gewählt und die Grünen. ( Heiterkeit bei der ÖVP. ) Ich habe es nicht mehr ganz verstanden, aber egal. Ich freue mich darüber, dass es Rettungsabkommen gibt. Ich freue mich darüber, denn wenn es zu einem Unfall kommt, wenn eine Notsituation entsteht …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Sie sind ja immer noch grün-schwarz angezogen!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… dann darf die Staatsgrenze kein Hindernis sein, meine Damen und Herren. Gott sei Dank gibt es solche Kooperationen in vielen Bereichen, und gerade wenn es um Gesundheitsthemen geht …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Rettungsabkommen mit der Mongolei bitte! – Heiterkeit bei der FPÖ

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… wenn es um Rettungsthemen geht, ist das ja besonders wichtig. Wer im Notfall Hilfe braucht, soll sie schnell und zuverlässig bekommen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wart ihr schon mal beim Mongolen essen?

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Mit dem vorliegenden Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und unseren Nachbarstaaten, der Slowakischen Republik und auch Ungarn, setzen wir einen wichtigen Schritt zur Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rettungsdienst. Das ermöglicht, dass Rettungsdienste rasch, effizient und unbürokratisch organisiert werden können, meine Damen und Herren. Und das ist ein echter Mehrwert für die Menschen – oder? –, denke ich einmal. (👏 ÖVP, FPÖ) An dieser Stelle auch ein großes Danke an alle, die im Rettungsdienst arbeiten und großartige Arbeit leisten. Die zunehmende Mobilität, meine sehr geehrten Damen und Herren, verlangt nach rascher, koordinierter Hilfe im Notfall, unabhängig davon, auf welcher Seite der Grenze das Ereignis stattfindet. Meine Damen und Herren, wir haben hier ganz klare Regeln: Erstens: Für den Einsatz von Einsatzkräften und Fahrzeugen über die Landesgrenzen hinweg gibt es genaue Regelungen. Zweitens: für die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen auch. Und drittens: Es gibt eine enge Abstimmung der jeweiligen Rettungsleitstellen. Es ist wichtig, dass es hier klare Regeln gibt. ( Unruhe im Saal. ) Präsident Peter Haubner ( das Glockenzeichen gebend ): Darf ich Sie ersuchen, die Konversation zwischen den Blöcken etwas einzuschränken? – Danke vielmals. Abgeordnete Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler (fortsetzend): Ein wesentlicher Bestandteil der Abkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für Kooperationsvereinbarungen auf regionaler Ebene zwischen dem Land Niederösterreich und der Region Bratislava, dem Burgenland und den Gesundheitsbehörden in Westungarn. Damit ermöglichen wir rasche und maßgeschneiderte Lösungen, wie wir sie vor Ort brauchen. Das sind Abkommen, die zeigen, dass es diese gelebte europäische Nachbarschaft gibt. Sie bringen konkrete Verbesserungen für die Menschen. Das wollen Sie ( in Richtung FPÖ ) nur nicht erkennen, aber das ist die Realität. Und ich bin froh darüber, dass es diese Abkommen gibt, meine sehr geehrten Damen und Herren. Rettung kennt keine Grenzen, und sehr gerne greife ich den Appell von Kollegen Lindner auf: Gehen Sie bitte Blut spenden! Das ist ganz, ganz wichtig, gerade jetzt. Ich appelliere da auch an Firmen, an große Organisationen. Auch bei größeren Veranstaltungen gibt es oft die Möglichkeit, Blut zu spenden. Bitte machen Sie das, ich appelliere wirklich an Sie. Und noch einmal ein großes, großes Danke an alle, die sich im Rettungswesen engagieren. Vielleicht noch ein Wort zu dem Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei: Ich weiß nicht, was daran schlecht sein soll, wenn wir damit Menschen, die in beiden Ländern arbeiten, ihre erworbenen Pensionsansprüche regeln.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Weil wir das Geld nicht haben!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Ich halte auch das für wichtig. Und ich halte es auch für wichtig, dass wir die Interessen der Wirtschaft in diesem Bereich regeln. Auch das ist eine sehr, sehr gute Initiative; die Frau Bundesministerin hat es ja im Detail ausgeführt. Ich möchte, dass für Menschen, die hier oder in einem anderen Land arbeiten und Pensionsansprüche haben, diese auch geregelt sind und dass sie diese Leistungen auch erhalten, so wie das in jedem anderen Land - - …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Damit der Bürgermeister dann wieder bestätigt ... aus der Jurte heraus! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Nein, Entschuldigung, wenn sich jemand Rechte erworben hat, dann soll er diese Leistungen auch erhalten. Daher noch einmal ein großes Danke für diese Verhandlungen, Frau Bundesministerin. Wir sind nicht so destruktiv. Ich freue mich darüber, dass es solche Abkommen gibt. Noch einmal Danke an alle, die sich in diesem Bereich engagiert haben. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Fiona Fiedler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! – Kollegen von der FPÖ, da oben kann man sich für eine Rede einmelden! Vielleicht kann man ruhig sein, wenn jemand anderer redet. Das wäre total nett. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Für mich ist heute ein besonderer Tag, weil wir als Regierungsfraktionen heute im Gesundheitsbereich etwas beschließen, das wir als NEOS wirklich schon lange gefordert haben. Das Rettungswesen ist für uns alle wichtig. Wenn sich hauptberuflich und ehrenamtlich Tätige mit jedem Dienst neu dafür einsetzen, dass sie Leben retten können, dann ist das für uns wirklich eine enorme Unterstützung – egal wer der Patient ist, egal was der Grund ist. In Grenzregionen ist aber genau das das Problem, das für rechtliche Unsicherheiten sorgt. Dankenswerterweise fahren Sanitäter und Notärzte auch zu Einsätzen, wenn sie das nächstgelegene Fahrzeug zur Einsatzstelle sind. Das bedeutet nämlich Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Wenn man bei so einem Einsatz aber dann zufällig in ein Nachbarland kommt, kann es sein, dass eine notwendige Maßnahme vielleicht gar nicht erlaubt ist. Die Sanitäterausbildungen sind nämlich in den meisten Ländern unterschiedlich geregelt. Beispielsweise dauert die höchste Rettungsausbildung in allen Nachbarländern mindestens drei Jahre, und auch die Kompetenzen sind teilweise unterschiedlich zu den unseren. Da müssen wir natürlich nachziehen, aber bis dahin ist es wichtig, dass wir Rechtssicherheit haben, damit diese Mitarbeiter jedenfalls immer alles machen dürfen, was sie können, um Leben zu retten. Mit diesem Rahmenabkommen können wir zumindest einmal mit der Slowakei und Ungarn die nötige Rechtssicherheit dafür schaffen. Es ist auch besonders schön, dass dieses Ziel von Zusammenarbeit sich immer mehr verbreitet, haben doch die Slowakei und Ungarn untereinander letzte Woche auch genau so ein Rahmenabkommen unterschrieben. Unser Ziel muss es deshalb sein, auch mit allen übrigen Nachbarländern solche Abkommen zu schaffen, wo wir schon mit vielen davon in Gesprächen sind, und damit wieder einen Schritt weiter zu einem gemeinsamen Europa zu kommen. – Danke vielmals. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ralph Schallmeiner . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Vorneweg: Kollege Wurm hat von der Inkompetenz der EU gesprochen und kritisiert, dass man da eigene Vereinbarungen zwischen den Staaten braucht. Lieber Kollege Wurm, es könnte zum Beispiel auch daran liegen, dass wir sehr unterschiedliche Ausbildungsstandards zwischen den Staaten haben, dass man dann eigene Verträge und multilaterale Abkommen schließen muss, um eben Rechtssicherheit – wie es Kollegin Fiedler richtigerweise jetzt auch erwähnt hat – herzustellen. Nur um das nochmals zu verdeutlichen: In Österreich dauert die höchste Ausbildung für einen Rettungssanitäter mit Notfallkompetenz 980 Stunden, das ist das höchste der Gefühle. In der Slowakischen Republik sind es drei Jahre, in Ungarn sind es vier Jahre, in Slowenien drei Jahre, in Italien auch drei Jahre. Das können wir jetzt so fortsetzen, weil überall anders, außer in Österreich, ist eben diese Ausbildung für die Notfallkompetenz, die Notfallkomponente im Rettungswesen im Normalfall drei- oder vierjährig, ganz oft ist sogar ein FH-Studium notwendig, und das aus guten Gründen. Das ist nämlich genau jetzt die Geschichte, über die wir hier in Österreich reden sollten, weil wir in Österreich diesbezüglich seit bald mehr als 20 Jahren hinterherhinken. Wir haben in der letzten Legislaturperiode einen entsprechenden Novellierungsprozess auf den Weg gebracht, wo wir evaluiert haben, wo wir einmal geschaut haben: Was sind überhaupt die Grundlagen dafür? Was braucht es? Wie schauen wir auch im internationalen Vergleich aus? Was sagt die präklinische Forschung? Und ja, diesen Prozess müssen wir fortführen. Wir brauchen endlich eine Novelle des Sanitätergesetzes hier in Österreich. Wir brauchen eine Professionalisierung, die auf der einen Seite natürlich auch weiterhin die Freiwilligkeit sichert und auf der anderen Seite 3 000 bis 4 000 Notfallsanitäterinnen und -sanitäter mit einer deutlich höheren Kompetenz, mit einer deutlich besseren Ausbildung in den hauptamtlichen Bereich hineinbringt, damit wir in Österreich auch mit den demografischen Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte entsprechend schritthalten können. Das ist die Herausforderung. Das kann man kleinreden, das kann man schlechtreden, das kann man blockieren …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das heißt, wir haben schlecht ausgebildete Notfallsanitäter! Es ist unglaublich, so etwas zu behaupten!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… so wie es beispielsweise die Landesregierung in Oberösterreich beständig macht, aber das ist eine Notwendigkeit, das brauchen wir in absehbarer Zeit. Da können Sie sich aufregen, soviel Sie wollen, da drüben in der FPÖ-Ecke, aber es wird sich nichts daran ändern. (👏) Kollege Ranzmaier, abschließend noch: Der Antrag, den Sie eingebracht haben, ist grundsätzlich ein sehr guter Antrag, das muss man ja anerkennen. Dieser Dreierlandtag hat da einen Auftrag erteilt, und ich finde auch, dass dieser Antrag eigentlich untypisch FPÖ ist. Da ist keine Hetze drinnen, da ist kein Hass drinnen. Der Antrag selber ist okay, aber die Art und Weise, wie Sie ihn hier vorne vorgetragen haben, ist aus meiner Sicht unter jeder Kritik. Und ich überlege mir gerade wirklich, dass ich meine Zustimmung, die ich eigentlich schon zugesagt habe, wieder zurückziehe, denn die Art und Weise, sich mit so einer geschichtsrevisionistischen Darstellung hier herauszustellen und dann diesen Antrag zu begründen, ist wirklich ganz letztklassig. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johannes Gasser . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 2 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte tatsächlich über das Abkommen mit der Mongolei sprechen, und ich möchte vielleicht auch ein bisschen aufklären, weil offensichtlich hier nicht alle den ganzen Vertragstext gelesen oder verstanden haben. (Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz.) Kollege, ich kann Sie beruhigen, es ist nicht nur die mongolische Version auf der Website – es wäre auch die deutschsprachige zu lesen gewesen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wie funktioniert so ein Abkommen schlussendlich? – Es geht darum, dass, wenn ich in beiden Ländern berufstätig war – ja, die Voraussetzung ist, in beiden Ländern berufstätig gewesen zu sein – und in den jeweiligen Ländern auch Pensionsansprüche erworben habe, diese auch gegenseitig angerechnet werden können. In einer globalisierten Welt – Frau Ministerin, Sie haben es gesagt –, in der man in international tätigen Unternehmen unterwegs ist, ist es, glaube ich, essenziell, dass man solche Abkommen hat. Da geht es nicht darum, dass wir kein Geld dafür hätten, das zu finanzieren, denn offensichtlich wissen Sie auch nicht, wie dann die Pension ausgerechnet wird und zustande kommt und dass natürlich die mongolische Pensionsversicherung auch entsprechend Pensionen zu zahlen hat. Offensichtlich wissen Sie auch nicht – aber das wundert mich bei Ihren Pensionskenntnissen nicht –, dass wir in Österreich in der Pensionsversicherung ein Versicherungsprinzip haben: Das heißt, um Leistungen zu erwerben, muss ich vorher eingezahlt haben. Offensichtlich vergessen das manche. Wir als Österreich haben auch schon Abkommen mit sehr vielen Ländern …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Eben!

NEOS Johannes Gasser

… beispielsweise zwei Abkommen, die für mich als Vorarlberger besonders wichtig sind: eines mit der Schweiz und eines mit Liechtenstein. Und ja, davon profitieren gerade österreichische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überproportional. Es geht nicht immer nur in eine Richtung, sondern man muss sich überlegen, wie man das macht. (👏 ÖVP, NEOS) Wieso ist auch das Abkommen mit der Mongolei wichtig? – Wir haben es gehört: Es wurde bei einem Staatsbesuch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen unterzeichnet. Während dieses Besuchs wurde auch ein Investitions- und Kooperationsabkommen unterzeichnet, das vor allem dazu führen soll, dass österreichische Unternehmen verstärkt in der Mongolei tätig werden. Jetzt haben wir in Österreich international tätige Unternehmen, von denen wir uns wünschen, dass sie in der Welt aktiv sind, Wertschöpfung in Österreich erbringen, und dafür müssen sie natürlich auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entsenden. Genau zu den Entsendungen und zu den Pensionsansprüchen aus den Entsendungen ist ganz viel in diesem Abkommen geregelt. Das heißt, wer will, dass österreichische Unternehmen international erfolgreich, international tätig sein können, braucht solche Abkommen. Wir wollen, dass österreichische Unternehmen international erfolgreich sein können, die FPÖ will das nicht. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/148.1 Wir gelangen zunächst zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, den Abschluss des Staatsvertrages: Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit, in 119 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Ich bitte jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. RN/148.2 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Gesundheitsausschusses, den Abschluss des Staatsvertrages: Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst, in 110 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Ich bitte jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/148.3 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Gesundheitsausschusses, den Abschluss des Staatsvertrages: Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und Ungarn über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst, in 111 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Somit ist auch das einstimmig angenommen. RN/148.4 Wir kommen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Christofer Ranzmaier , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol“. (Abg. Wurm [FPÖ]: Genierts euch!) Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt.

Rahmenabkommen mit der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst

182 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 110 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll den Abschluss des Rahmenabkommens zwischen Österreich und der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG genehmigen. Damit wird die Grundlage geschaffen, regionale Kooperationsvereinbarungen zu erleichtern und Verwaltungsverfahren für grenzüberschreitende Rettungseinsätze zu vereinfachen.

Betroffen sind Rettungsdienste und zuständige Behörden in den Grenzregionen Österreichs und der Slowakei sowie Personen, die dort Rettungsleistungen in Anspruch nehmen.

Dokumente

Rahmenabkommen mit der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst

Gegenstand und rechtliche Einordnung

  • Behandelt wird ein Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst.
  • Das Abkommen hat gesetzändernden bzw. gesetzesergänzenden Inhalt und bedarf daher der Genehmigung durch den Nationalrat gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.
  • Das Abkommen hat keinen politischen Charakter.
  • Es ist nicht erforderlich, eine allfällige unmittelbare Anwendung des Abkommens im innerstaatlichen Rechtsbereich durch einen Beschluss gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG auszuschließen (kein Ausschluss der unmittelbaren Anwendung durch Festlegung, dass der Staatsvertrag nur durch Gesetze zu erfüllen ist).
  • Da durch das Abkommen Angelegenheiten des selbständigen Wirkungsbereiches der Länder geregelt werden, ist zusätzlich die Zustimmung des Bundesrates gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 2 B-VG erforderlich.

Ziele und Anlass des Rahmenabkommens

  • Unter Bedachtnahme auf die zunehmende Mobilität der Menschen zwischen beiden Staaten soll eine bestmögliche rettungsdienstliche Versorgung der Bürger:innen in benachbarten Regionen beider Länder gewährleistet werden.
  • Es soll eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich des Rettungsdienstes geschaffen werden.
  • Der Zugang zum Rettungsdienst im Grenzgebiet soll erleichtert werden.

Umsetzung und Mechanismen der Zusammenarbeit

  • Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll insbesondere durch den Abschluss von Kooperationsvereinbarungen auf regionaler Ebene erleichtert und gefördert werden.
  • Verwaltungsverfahren sollen vereinfacht werden, unter Berücksichtigung der innerstaatlichen Rechtsvorschriften und völkerrechtlichen Verpflichtungen beider Vertragsparteien sowie des Rechts der Europäischen Union.

Verhandlungs- und Abschlussstand

  • Die Verhandlungen wurden auf Basis einer vom Bundespräsidenten erteilten Vollmacht aufgenommen.
  • Die Verhandlungen mit der slowakischen Seite wurden in Bratislava aufgenommen und nach Konsultationen abgeschlossen; eine Verständigung auf den Abkommenstext wurde erzielt.

Finanzielle Auswirkungen

  • Die innerstaatliche Umsetzung des Abkommens verursacht keine zusätzlichen Kosten.

Empfehlung an den Nationalrat (inhaltlich)

  • Empfohlen wird die Genehmigung des Abschlusses des Staatsvertrages „Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst“ gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.

Rahmenabkommen mit der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst

~22 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Christofer Ranzmaier

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Minister! Liebe Zuseher! Hohes Haus! Man muss sich ja manchmal wirklich wundern, was in einem angeblich grenzenlosen Europa 30 Jahre nach dem EU-Beitritt Österreichs noch alles über bilaterale Abkommen geregelt werden muss. Während Millionen an illegalen Migranten aus aller Herren Länder problemlos über diverse EU-Grenzen spazieren …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Da warst jetzt schnell beim Thema!

FPÖ Christofer Ranzmaier

… wird es bei der Grenzüberfahrt eines Rettungswagens dann plötzlich zum Problem, das man vertraglich lösen muss. Ein Rettungswagen außerhalb des eigenen Staatsgebiets läuft also einer größeren Gefahr entgegen, Opfer eines Pushbacks zu werden als ein straffällig gewordener Migrant. So kann es doch eigentlich nicht sein, da muss man sich wirklich an den Kopf greifen. (👏 FPÖ) Ich glaube, es sind ja nicht nur die Bürger da draußen, die sich erwarten, dass das eine Selbstverständlichkeit in unserem Land ist, dass so etwas nicht zu bürokratischem Aufwand führt, sondern eigentlich sollten wir alle hier im Hohen Haus das Gleiche denken. Wir diskutieren heute zwei Abkommen, einmal mit Ungarn, einmal mit der Slowakei, um dieses Problem für diese Länder einer Regelung zuzuführen. Noch kein derartiges Abkommen gibt es aber zum Beispiel – deswegen stehe ich als Südtirolsprecher unserer Fraktion hier am Rednerpult – mit unseren südlichen Nachbarn in Italien. Das führt zur skurrilen Situation, dass es bei grenzüberschreitenden oder unrechtsgrenzüberschreitenden Rettungseinsätzen innerhalb Tirols quasi zu bürokratischen und rechtlichen Problemen kommt, was absolut unlogisch ist.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Was ist eine Unrechtsgrenze?

FPÖ Christofer Ranzmaier

… Dabei wäre es doch gerade in Tirol, wo die diversen Landesteile über diverse Seitentäler miteinander verbunden sind, dringend notwendig, dass man Sanitätern, Notärzten einen rechtssicheren unrechtsgrenzüberschreitenden Einsatz ermöglicht. Da es in dieser Frage auch einen Auftrag aus Tirol gibt, mit einem einstimmigen Beschluss des Dreierlandtags, also aus Nordtirol, Südtirol und Welschtirol, bringe ich jetzt einen Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Christofer Ranzmaier , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, unverzüglich Verhandlungen mit der Republik Italien aufzunehmen, um ein bilaterales Abkommen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rettungsdienst abzuschließen. Ziel dieses Abkommens ist es, rechtliche Hürden abzubauen und die Rechtssicherheit für Patienten, Sanitäter und Ärzte zu gewährleisten. Dabei sollen insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden: Wechselseitige Anerkennung der Befugnisse und Qualifikationen von Rettungspersonal: Sicherstellung, dass Rettungskräfte beider Länder im jeweils anderen Land tätig werden können, ohne zusätzliche bürokratische Hürden überwinden zu müssen. Klare Regelungen für grenzüberschreitende Einsätze: Festlegung von Verfahren für den Einsatz von Rettungsfahrzeugen und -personal über die Grenze hinweg, einschließlich der Nutzung von Sondersignalen und der Mitführung von Medikamenten. Koordination zwischen den Leitstellen: Aufbau und Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Leitstellen in den Grenzregionen, um sicherzustellen, dass bei Notfällen stets das nächstgelegene Rettungsmittel zum Einsatz kommt und Patienten in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus transportiert werden. Implementierung gemeinsamer Kommunikationssysteme: Entwicklung und Implementierung von Schnittstellen und Kommunikationssystemen, die eine direkte und effiziente Kommunikation zwischen den Leitstellen und Einsatzkräften beider Länder ermöglichen. Ich hoffe auf breite Zustimmung, um mit dieser Initiative zumindest an einem Teil die Unrechtsgrenze am Brenner zu beseitigen. (👏 FPÖ) 18.34 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/140.1 Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol (103/UEA) Präsident Peter Haubner : Der soeben eingebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mario Lindner . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Mario Lindner

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei diesem Tagesordnungspunkt geht es um drei Abkommen beziehungsweise um drei Staatsverträge. Zum Ersten um ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei: Da geht es um den Überbegriff der sozialen Sicherheit. Unter anderem geht es um wirtschaftliche Interessen, um die Vermeidung der doppelten Beitragspflicht für Unternehmen, aber es geht auch um Arbeitnehmer:inneninteressen, nämlich um den Anspruch auf Pensionsleistungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zum Zweiten geht es um ein Abkommen zwischen Österreich und der Slowakei und um ein Abkommen zwischen Österreich und Ungarn. Da geht es um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst. Seit 2016 gibt es diese Regelung unter anderem schon mit Tschechien. Die Besonderheit dieser Staatsverträge ist: Wir regeln hier herinnen das Rahmenabkommen und die betroffenen Bundesländer regeln das regionale Kooperationsabkommen. Diese Staatsverträge sind sinnvoll, um Menschen in Notlagen auch grenzüberschreitend helfen zu können, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und weil wir beim Rettungsdienst sind, an dieser Stelle ein großes Danke an alle Sanitäter:innen, an alle Zivildiener und an alle im freiwilligen sozialen Jahr. Ohne euch würden Österreich und unser Gesundheitssystem nicht funktionieren – an dieser Stelle wirklich ein herzliches Dankeschön! (👏 SPÖ) Weil ich das Wort Sanitäterinnen und Sanitäter in den Mund genommen habe, darf ich daran erinnern, dass wir im Regierungsprogramm auch das Sanitäter:innengesetz neu drinnen stehen haben, und da weiß ich, dass die Frau Staatssekretärin schon mit allen relevanten Rettungsdienstorganisationen und Verbänden in Verbindung steht. Es wird intensiv daran gearbeitet, etwas besser zu machen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, weil wir in der Sommerzeit sind, bitte ich Sie, die Menschen im Gesundheitsbereich zu unterstützen. Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen, bitte gehen Sie Blut spenden! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Schumann, die ich gleichzeitig begrüße.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher! Ja, wir haben da jetzt einen Block aus Vorlagen aus dem Gesundheitsausschuss und aus dem Sozialausschuss. Da in beiden Ausschüssen nichts passiert, fasst man da quasi die wenigen Themen zusammen. Ich komme danach vielleicht darauf zurück, was alles an Maßnahmen im Bereich Gesundheit und Soziales von dieser Regierung blockiert wird …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du musst dich nicht zu jedem TOP melden, gell?

FPÖ Peter Wurm

… aber zum Starten jetzt noch einmal: Wir sprechen heute über Rettungsfahrzeuge, die die Nachbarländer quasi überschreiten dürfen. Also die Inkompetenz der Europäischen Union kann man, glaube ich, gar nicht mehr deutlicher machen als an so einem Beispiel. (👏 FPÖ) Das ist ja ein Schildbürgerstreich, dass das nicht geregelt ist. Die Europäische Union regelt die Verschlüsse auf den Plastikflaschen, das bringen sie zusammen, aber dass der Rettungswagen von Sterzing nach Innsbruck fahren darf, das geht nicht. Wobei ich eines sagen darf: Wenn ihr diesen Antrag des Kollegen Ranzmaier heute ablehnt, dann kann ich nur noch den Kopf schütteln. Das ist nicht einmal ein Wunsch der Freiheitlichen, Kollege Mair aus Tirol, das ist ein Wunsch des Dreierlandtags, auch der SVP, eurer Parteikollegen unten, also das ist ein allgemeiner Wunsch. Warum ihr den heute ablehnen wollt, müsst ihr mir einmal erklären. Ich bin ja vieles gewohnt von dieser Vierer- - ( Ruf bei der FPÖ: Gruppe! ) Viererkoalition – Bande darf man nicht sagen –, aber das macht ja keinen Sinn, bitte schön. Ein Rettungsfahrzeug zwischen Südtirol und Nordtirol zu blockieren, das kannst du ja in Tirol normalerweise niemandem mehr erklären, Mair aus Tirol. – Aber gut, das zum Rettungsthema. (👏 FPÖ) Wir sind selbstverständlich dafür – sowohl, was die Slowakei betrifft als auch Ungarn oder Italien –, selbstverständlich waren wir immer dafür, gar kein Thema. Aber jetzt komme ich doch zum Thema Mongolei: Die Frau Minister hat ja gesagt – das sollte man jetzt schon einmal thematisieren –, da geht es um ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit. So, das ist ja nicht das erste bilaterale Abkommen, aber da wir ja heute Vormittag mit der Frau Minister – sie ist ja jetzt oft da, Gott sei Dank – über die Pensionen gesprochen haben, auch über andere Themen, sollte man das schon einmal diskutieren. Es ist allen Ernstes ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei zum Thema soziale Sicherheit. Im Detail komme ich darauf zu sprechen. Kurz zur Erklärung: Es gibt keine genauen Zahlen, die man recherchieren kann. Es gibt ungefähr 1 000 Mongolen in Österreich – vor einigen Jahrhunderten wären es vielleicht mehr gewesen, jetzt haben wir halt nur 1 000 ( Heiterkeit des Abg. Schnabel [ÖVP] ) – und es gibt ein bis zwei Dutzend österreichische Staatsbürger in der Mongolei. Es gibt keine genauen Zahlen, aber mehr ist es nicht, also 20 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich. RN/143.1 So, was steht da jetzt also drinnen? – Da geht es genau um das Thema, das ich heute Vormittag versucht habe, den vier Fraktionen zu erklären: dass wir jetzt die Zeiten für die Pensionszahlungen aus der Mongolei anrechnen ( ein entsprechendes Dokument in die Höhe haltend ) , es steht sogar genau da drinnen, das ist also der Text, Kollege Yannick Shetty : „allgemeine Bestimmungen und legt im Wesentlichen den persönlichen und sachlichen Geltungsbereich, den Grundsatz der Gleichbehandlung sowie der Gebietsgleichstellung hinsichtlich der Gewährung von Geldleistungen aus der Pensionsversicherung fest“. – Das steht da drinnen. – Insbesondere „Bestimmungen betreffend [...] Pensionsversicherung. Dabei erfolgt die Leistungsfeststellung“ und so weiter. Das heißt, das ist ja total super; für die 1 000 Mongolen freut mich das ja. Da wird offensichtlich – das ist ja nur ein kleines Beispiel, an dem ich es einmal thematisieren wollte –, welcher Irrsinn hier in Österreich seit Jahren, Jahrzehnten betrieben wird. Wir machen Abkommen mit Drittstaatsangehörigen – nicht im Interesse der Österreicher.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Da musst du ja selber lachen!

FPÖ Peter Wurm

… Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich glaube, ihr überlegt euch intellektuell gar nicht, worüber ihr da ständig abstimmt.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Das gibt’s ja nicht! – Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].

FPÖ Peter Wurm

… Sonst kann man das ja nicht so machen. Noch einmal: Als österreichischer Nationalrat müsste ich die Interessen der Österreicher vertreten. Ich kann mir ein Abkommen vorstellen, von dem österreichische Staatsbürger profitieren würden. Das heißt, hätten wir 1 000 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich, dann könnte ich sagen: Ja, darüber können wir reden, aber ihr schließt ja dauernd Abkommen zum Nachteil der österreichischen Bevölkerung ab, und zwar laufend – mit der Mongolei. So, wir kriegen ja nicht einmal Pferde; wenn jeder Österreicher in der Mongolei ein Pferd kriegt, kann man darüber diskutieren …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Es geht doch nicht um Pferde, sondern um ...! – Abg. Shetty [NEOS]: Was habt ihr für eine Obsession mit Pferden? Es ist mittlerweile sechs Jahre her mit den Pferden! Das gibt’s ja nicht!

FPÖ Peter Wurm

… aber bitte schön, noch einmal: 20 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich, und das kostet. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Ich versuche, es ja immer mit Humor zu nehmen, denn man kann ja manche Dinge nur mehr mit Humor ertragen ( Ruf bei den NEOS: Dich kann man auch nur mit Humor ertragen! ), es ist aber eigentlich nicht lustig. Es ist eigentlich ein Schildbürgerstreich und davon haben wir heute einige gehabt.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du bist auch ein Schildbürgerstreich! – Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].

FPÖ Peter Wurm

… Ich versuche, es noch einmal zu erklären: Ihr stimmt heute darüber ab, ob wir die mongolischen Staatsbürger in Österreich bei Pensionszahlungen finanzieren.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

... eingezahlt haben!

FPÖ Peter Wurm

… Die Frau Minister hat heute Vormittag gesagt - - – Darf ich weiterreden? Die Frau Minister hat heute Vormittag gesagt, sie muss sparen, deswegen machen wir jetzt diese Einschnitte im Pensionssystem …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Aber nicht für die Mongolen!

FPÖ Peter Wurm

… aber nicht für die Mongolen. Also, parteimäßig bin ich ja froh über die Unterschiede zwischen uns Freiheitlichen und euch vier. Wenn sich das einer heute seit 9 Uhr in der Früh anschaut, muss der ja den Kopf schütteln und sagen: Bei aller Liebe, jetzt habe ich 30 Jahre ÖVP gewählt oder zehn Jahre grün, aber man kann euch ja als vernünftig denkender Mensch, wenn man sich anschaut, was ihr aufführt, nicht wählen! – Das kann man ja keinem mehr erklären. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete. ( Ruf bei der FPÖ: Der nächste Mongolensturm! )

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Präsident Peter Haubner : Die Frau Abgeordnete ist am Wort, bitte. Abgeordnete Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler (fortsetzend): Auf der einen Seite, Herr Kollege Wurm, fordern Sie Abkommen, auf der anderen Seite kritisieren Sie sie.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Lad ihn einmal nach Villach ein zum Fasching!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Was ich jetzt nicht ganz verstanden habe: Zuletzt haben Sie gesagt, Sie haben 30 Jahre die ÖVP gewählt und die Grünen. ( Heiterkeit bei der ÖVP. ) Ich habe es nicht mehr ganz verstanden, aber egal. Ich freue mich darüber, dass es Rettungsabkommen gibt. Ich freue mich darüber, denn wenn es zu einem Unfall kommt, wenn eine Notsituation entsteht …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Sie sind ja immer noch grün-schwarz angezogen!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… dann darf die Staatsgrenze kein Hindernis sein, meine Damen und Herren. Gott sei Dank gibt es solche Kooperationen in vielen Bereichen, und gerade wenn es um Gesundheitsthemen geht …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Rettungsabkommen mit der Mongolei bitte! – Heiterkeit bei der FPÖ

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… wenn es um Rettungsthemen geht, ist das ja besonders wichtig. Wer im Notfall Hilfe braucht, soll sie schnell und zuverlässig bekommen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wart ihr schon mal beim Mongolen essen?

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Mit dem vorliegenden Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und unseren Nachbarstaaten, der Slowakischen Republik und auch Ungarn, setzen wir einen wichtigen Schritt zur Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rettungsdienst. Das ermöglicht, dass Rettungsdienste rasch, effizient und unbürokratisch organisiert werden können, meine Damen und Herren. Und das ist ein echter Mehrwert für die Menschen – oder? –, denke ich einmal. (👏 ÖVP, FPÖ) An dieser Stelle auch ein großes Danke an alle, die im Rettungsdienst arbeiten und großartige Arbeit leisten. Die zunehmende Mobilität, meine sehr geehrten Damen und Herren, verlangt nach rascher, koordinierter Hilfe im Notfall, unabhängig davon, auf welcher Seite der Grenze das Ereignis stattfindet. Meine Damen und Herren, wir haben hier ganz klare Regeln: Erstens: Für den Einsatz von Einsatzkräften und Fahrzeugen über die Landesgrenzen hinweg gibt es genaue Regelungen. Zweitens: für die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen auch. Und drittens: Es gibt eine enge Abstimmung der jeweiligen Rettungsleitstellen. Es ist wichtig, dass es hier klare Regeln gibt. ( Unruhe im Saal. ) Präsident Peter Haubner ( das Glockenzeichen gebend ): Darf ich Sie ersuchen, die Konversation zwischen den Blöcken etwas einzuschränken? – Danke vielmals. Abgeordnete Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler (fortsetzend): Ein wesentlicher Bestandteil der Abkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für Kooperationsvereinbarungen auf regionaler Ebene zwischen dem Land Niederösterreich und der Region Bratislava, dem Burgenland und den Gesundheitsbehörden in Westungarn. Damit ermöglichen wir rasche und maßgeschneiderte Lösungen, wie wir sie vor Ort brauchen. Das sind Abkommen, die zeigen, dass es diese gelebte europäische Nachbarschaft gibt. Sie bringen konkrete Verbesserungen für die Menschen. Das wollen Sie ( in Richtung FPÖ ) nur nicht erkennen, aber das ist die Realität. Und ich bin froh darüber, dass es diese Abkommen gibt, meine sehr geehrten Damen und Herren. Rettung kennt keine Grenzen, und sehr gerne greife ich den Appell von Kollegen Lindner auf: Gehen Sie bitte Blut spenden! Das ist ganz, ganz wichtig, gerade jetzt. Ich appelliere da auch an Firmen, an große Organisationen. Auch bei größeren Veranstaltungen gibt es oft die Möglichkeit, Blut zu spenden. Bitte machen Sie das, ich appelliere wirklich an Sie. Und noch einmal ein großes, großes Danke an alle, die sich im Rettungswesen engagieren. Vielleicht noch ein Wort zu dem Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei: Ich weiß nicht, was daran schlecht sein soll, wenn wir damit Menschen, die in beiden Ländern arbeiten, ihre erworbenen Pensionsansprüche regeln.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Weil wir das Geld nicht haben!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Ich halte auch das für wichtig. Und ich halte es auch für wichtig, dass wir die Interessen der Wirtschaft in diesem Bereich regeln. Auch das ist eine sehr, sehr gute Initiative; die Frau Bundesministerin hat es ja im Detail ausgeführt. Ich möchte, dass für Menschen, die hier oder in einem anderen Land arbeiten und Pensionsansprüche haben, diese auch geregelt sind und dass sie diese Leistungen auch erhalten, so wie das in jedem anderen Land - - …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Damit der Bürgermeister dann wieder bestätigt ... aus der Jurte heraus! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Nein, Entschuldigung, wenn sich jemand Rechte erworben hat, dann soll er diese Leistungen auch erhalten. Daher noch einmal ein großes Danke für diese Verhandlungen, Frau Bundesministerin. Wir sind nicht so destruktiv. Ich freue mich darüber, dass es solche Abkommen gibt. Noch einmal Danke an alle, die sich in diesem Bereich engagiert haben. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Fiona Fiedler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! – Kollegen von der FPÖ, da oben kann man sich für eine Rede einmelden! Vielleicht kann man ruhig sein, wenn jemand anderer redet. Das wäre total nett. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Für mich ist heute ein besonderer Tag, weil wir als Regierungsfraktionen heute im Gesundheitsbereich etwas beschließen, das wir als NEOS wirklich schon lange gefordert haben. Das Rettungswesen ist für uns alle wichtig. Wenn sich hauptberuflich und ehrenamtlich Tätige mit jedem Dienst neu dafür einsetzen, dass sie Leben retten können, dann ist das für uns wirklich eine enorme Unterstützung – egal wer der Patient ist, egal was der Grund ist. In Grenzregionen ist aber genau das das Problem, das für rechtliche Unsicherheiten sorgt. Dankenswerterweise fahren Sanitäter und Notärzte auch zu Einsätzen, wenn sie das nächstgelegene Fahrzeug zur Einsatzstelle sind. Das bedeutet nämlich Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Wenn man bei so einem Einsatz aber dann zufällig in ein Nachbarland kommt, kann es sein, dass eine notwendige Maßnahme vielleicht gar nicht erlaubt ist. Die Sanitäterausbildungen sind nämlich in den meisten Ländern unterschiedlich geregelt. Beispielsweise dauert die höchste Rettungsausbildung in allen Nachbarländern mindestens drei Jahre, und auch die Kompetenzen sind teilweise unterschiedlich zu den unseren. Da müssen wir natürlich nachziehen, aber bis dahin ist es wichtig, dass wir Rechtssicherheit haben, damit diese Mitarbeiter jedenfalls immer alles machen dürfen, was sie können, um Leben zu retten. Mit diesem Rahmenabkommen können wir zumindest einmal mit der Slowakei und Ungarn die nötige Rechtssicherheit dafür schaffen. Es ist auch besonders schön, dass dieses Ziel von Zusammenarbeit sich immer mehr verbreitet, haben doch die Slowakei und Ungarn untereinander letzte Woche auch genau so ein Rahmenabkommen unterschrieben. Unser Ziel muss es deshalb sein, auch mit allen übrigen Nachbarländern solche Abkommen zu schaffen, wo wir schon mit vielen davon in Gesprächen sind, und damit wieder einen Schritt weiter zu einem gemeinsamen Europa zu kommen. – Danke vielmals. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ralph Schallmeiner . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Vorneweg: Kollege Wurm hat von der Inkompetenz der EU gesprochen und kritisiert, dass man da eigene Vereinbarungen zwischen den Staaten braucht. Lieber Kollege Wurm, es könnte zum Beispiel auch daran liegen, dass wir sehr unterschiedliche Ausbildungsstandards zwischen den Staaten haben, dass man dann eigene Verträge und multilaterale Abkommen schließen muss, um eben Rechtssicherheit – wie es Kollegin Fiedler richtigerweise jetzt auch erwähnt hat – herzustellen. Nur um das nochmals zu verdeutlichen: In Österreich dauert die höchste Ausbildung für einen Rettungssanitäter mit Notfallkompetenz 980 Stunden, das ist das höchste der Gefühle. In der Slowakischen Republik sind es drei Jahre, in Ungarn sind es vier Jahre, in Slowenien drei Jahre, in Italien auch drei Jahre. Das können wir jetzt so fortsetzen, weil überall anders, außer in Österreich, ist eben diese Ausbildung für die Notfallkompetenz, die Notfallkomponente im Rettungswesen im Normalfall drei- oder vierjährig, ganz oft ist sogar ein FH-Studium notwendig, und das aus guten Gründen. Das ist nämlich genau jetzt die Geschichte, über die wir hier in Österreich reden sollten, weil wir in Österreich diesbezüglich seit bald mehr als 20 Jahren hinterherhinken. Wir haben in der letzten Legislaturperiode einen entsprechenden Novellierungsprozess auf den Weg gebracht, wo wir evaluiert haben, wo wir einmal geschaut haben: Was sind überhaupt die Grundlagen dafür? Was braucht es? Wie schauen wir auch im internationalen Vergleich aus? Was sagt die präklinische Forschung? Und ja, diesen Prozess müssen wir fortführen. Wir brauchen endlich eine Novelle des Sanitätergesetzes hier in Österreich. Wir brauchen eine Professionalisierung, die auf der einen Seite natürlich auch weiterhin die Freiwilligkeit sichert und auf der anderen Seite 3 000 bis 4 000 Notfallsanitäterinnen und -sanitäter mit einer deutlich höheren Kompetenz, mit einer deutlich besseren Ausbildung in den hauptamtlichen Bereich hineinbringt, damit wir in Österreich auch mit den demografischen Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte entsprechend schritthalten können. Das ist die Herausforderung. Das kann man kleinreden, das kann man schlechtreden, das kann man blockieren …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das heißt, wir haben schlecht ausgebildete Notfallsanitäter! Es ist unglaublich, so etwas zu behaupten!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… so wie es beispielsweise die Landesregierung in Oberösterreich beständig macht, aber das ist eine Notwendigkeit, das brauchen wir in absehbarer Zeit. Da können Sie sich aufregen, soviel Sie wollen, da drüben in der FPÖ-Ecke, aber es wird sich nichts daran ändern. (👏) Kollege Ranzmaier, abschließend noch: Der Antrag, den Sie eingebracht haben, ist grundsätzlich ein sehr guter Antrag, das muss man ja anerkennen. Dieser Dreierlandtag hat da einen Auftrag erteilt, und ich finde auch, dass dieser Antrag eigentlich untypisch FPÖ ist. Da ist keine Hetze drinnen, da ist kein Hass drinnen. Der Antrag selber ist okay, aber die Art und Weise, wie Sie ihn hier vorne vorgetragen haben, ist aus meiner Sicht unter jeder Kritik. Und ich überlege mir gerade wirklich, dass ich meine Zustimmung, die ich eigentlich schon zugesagt habe, wieder zurückziehe, denn die Art und Weise, sich mit so einer geschichtsrevisionistischen Darstellung hier herauszustellen und dann diesen Antrag zu begründen, ist wirklich ganz letztklassig. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johannes Gasser . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 2 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte tatsächlich über das Abkommen mit der Mongolei sprechen, und ich möchte vielleicht auch ein bisschen aufklären, weil offensichtlich hier nicht alle den ganzen Vertragstext gelesen oder verstanden haben. (Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz.) Kollege, ich kann Sie beruhigen, es ist nicht nur die mongolische Version auf der Website – es wäre auch die deutschsprachige zu lesen gewesen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wie funktioniert so ein Abkommen schlussendlich? – Es geht darum, dass, wenn ich in beiden Ländern berufstätig war – ja, die Voraussetzung ist, in beiden Ländern berufstätig gewesen zu sein – und in den jeweiligen Ländern auch Pensionsansprüche erworben habe, diese auch gegenseitig angerechnet werden können. In einer globalisierten Welt – Frau Ministerin, Sie haben es gesagt –, in der man in international tätigen Unternehmen unterwegs ist, ist es, glaube ich, essenziell, dass man solche Abkommen hat. Da geht es nicht darum, dass wir kein Geld dafür hätten, das zu finanzieren, denn offensichtlich wissen Sie auch nicht, wie dann die Pension ausgerechnet wird und zustande kommt und dass natürlich die mongolische Pensionsversicherung auch entsprechend Pensionen zu zahlen hat. Offensichtlich wissen Sie auch nicht – aber das wundert mich bei Ihren Pensionskenntnissen nicht –, dass wir in Österreich in der Pensionsversicherung ein Versicherungsprinzip haben: Das heißt, um Leistungen zu erwerben, muss ich vorher eingezahlt haben. Offensichtlich vergessen das manche. Wir als Österreich haben auch schon Abkommen mit sehr vielen Ländern …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Eben!

NEOS Johannes Gasser

… beispielsweise zwei Abkommen, die für mich als Vorarlberger besonders wichtig sind: eines mit der Schweiz und eines mit Liechtenstein. Und ja, davon profitieren gerade österreichische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überproportional. Es geht nicht immer nur in eine Richtung, sondern man muss sich überlegen, wie man das macht. (👏 ÖVP, NEOS) Wieso ist auch das Abkommen mit der Mongolei wichtig? – Wir haben es gehört: Es wurde bei einem Staatsbesuch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen unterzeichnet. Während dieses Besuchs wurde auch ein Investitions- und Kooperationsabkommen unterzeichnet, das vor allem dazu führen soll, dass österreichische Unternehmen verstärkt in der Mongolei tätig werden. Jetzt haben wir in Österreich international tätige Unternehmen, von denen wir uns wünschen, dass sie in der Welt aktiv sind, Wertschöpfung in Österreich erbringen, und dafür müssen sie natürlich auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entsenden. Genau zu den Entsendungen und zu den Pensionsansprüchen aus den Entsendungen ist ganz viel in diesem Abkommen geregelt. Das heißt, wer will, dass österreichische Unternehmen international erfolgreich, international tätig sein können, braucht solche Abkommen. Wir wollen, dass österreichische Unternehmen international erfolgreich sein können, die FPÖ will das nicht. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/148.1 Wir gelangen zunächst zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, den Abschluss des Staatsvertrages: Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit, in 119 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Ich bitte jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. RN/148.2 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Gesundheitsausschusses, den Abschluss des Staatsvertrages: Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst, in 110 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Ich bitte jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/148.3 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Gesundheitsausschusses, den Abschluss des Staatsvertrages: Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und Ungarn über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst, in 111 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Somit ist auch das einstimmig angenommen. RN/148.4 Wir kommen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Christofer Ranzmaier , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol“. (Abg. Wurm [FPÖ]: Genierts euch!) Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt.

Rahmenabkommen mit der Republik Österreich und Ungarn über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst

183 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 111 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll den Abschluss des Rahmenabkommens zwischen Österreich und Ungarn über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG genehmigen. Der Gesundheitsausschuss empfiehlt diese Genehmigung einstimmig.

Betroffen sind Rettungsdienste, Behörden und Patient:innen in den Grenzregionen Österreichs und Ungarns sowie die Länder, deren Zuständigkeiten im Rettungsdienst berührt werden.

Dokumente

Rahmenabkommen mit der Republik Österreich und Ungarn über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst

Gegenstand und Genehmigungserfordernisse

  • Behandelt wird ein Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und Ungarn über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst.
  • Das Abkommen hat gesetzändernden bzw. gesetzesergänzenden Inhalt und bedarf daher der Genehmigung durch den Nationalrat gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.
  • Das Abkommen hat keinen politischen Charakter.
  • Es ist nicht erforderlich, eine allfällige unmittelbare Anwendung des Abkommens im innerstaatlichen Rechtsbereich durch einen Beschluss gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG auszuschließen (kein Erfordernis, festzulegen, dass der Staatsvertrag nur durch Erlassung von Gesetzen zu erfüllen ist).
  • Da Angelegenheiten des selbständigen Wirkungsbereiches der Länder geregelt werden, ist zusätzlich die Zustimmung des Bundesrates gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 2 B-VG erforderlich.

Ziele und Zweck des Rahmenabkommens

  • Vor dem Hintergrund der zunehmenden Mobilität zwischen Österreich und Ungarn soll eine bestmögliche rettungsdienstliche Versorgung der Bürger:innen in benachbarten Regionen beider Staaten gewährleistet werden.
  • Es soll eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst geschaffen werden.
  • Der Zugang zum Rettungsdienst im Grenzgebiet soll erleichtert werden.

Umsetzung und Mechanismen der Zusammenarbeit

  • Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll insbesondere durch den Abschluss von Kooperationsvereinbarungen auf regionaler Ebene erleichtert und gefördert werden.
  • Verwaltungsverfahren sollen vereinfacht werden, unter Berücksichtigung der innerstaatlichen Rechtsvorschriften, der völkerrechtlichen Verpflichtungen beider Vertragsparteien sowie des Rechts der Europäischen Union.

Verhandlungs- und Kostenaspekte

  • Die Verhandlungen wurden auf Basis einer vom Bundespräsidenten erteilten Vollmacht aufgenommen und führten nach Konsultationen zu einer Verständigung auf den Abkommenstext.
  • Die innerstaatliche Umsetzung des Abkommens soll keine zusätzlichen Kosten verursachen.

Rahmenabkommen mit der Republik Österreich und Ungarn über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst

~22 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Christofer Ranzmaier

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Minister! Liebe Zuseher! Hohes Haus! Man muss sich ja manchmal wirklich wundern, was in einem angeblich grenzenlosen Europa 30 Jahre nach dem EU-Beitritt Österreichs noch alles über bilaterale Abkommen geregelt werden muss. Während Millionen an illegalen Migranten aus aller Herren Länder problemlos über diverse EU-Grenzen spazieren …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Da warst jetzt schnell beim Thema!

FPÖ Christofer Ranzmaier

… wird es bei der Grenzüberfahrt eines Rettungswagens dann plötzlich zum Problem, das man vertraglich lösen muss. Ein Rettungswagen außerhalb des eigenen Staatsgebiets läuft also einer größeren Gefahr entgegen, Opfer eines Pushbacks zu werden als ein straffällig gewordener Migrant. So kann es doch eigentlich nicht sein, da muss man sich wirklich an den Kopf greifen. (👏 FPÖ) Ich glaube, es sind ja nicht nur die Bürger da draußen, die sich erwarten, dass das eine Selbstverständlichkeit in unserem Land ist, dass so etwas nicht zu bürokratischem Aufwand führt, sondern eigentlich sollten wir alle hier im Hohen Haus das Gleiche denken. Wir diskutieren heute zwei Abkommen, einmal mit Ungarn, einmal mit der Slowakei, um dieses Problem für diese Länder einer Regelung zuzuführen. Noch kein derartiges Abkommen gibt es aber zum Beispiel – deswegen stehe ich als Südtirolsprecher unserer Fraktion hier am Rednerpult – mit unseren südlichen Nachbarn in Italien. Das führt zur skurrilen Situation, dass es bei grenzüberschreitenden oder unrechtsgrenzüberschreitenden Rettungseinsätzen innerhalb Tirols quasi zu bürokratischen und rechtlichen Problemen kommt, was absolut unlogisch ist.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Was ist eine Unrechtsgrenze?

FPÖ Christofer Ranzmaier

… Dabei wäre es doch gerade in Tirol, wo die diversen Landesteile über diverse Seitentäler miteinander verbunden sind, dringend notwendig, dass man Sanitätern, Notärzten einen rechtssicheren unrechtsgrenzüberschreitenden Einsatz ermöglicht. Da es in dieser Frage auch einen Auftrag aus Tirol gibt, mit einem einstimmigen Beschluss des Dreierlandtags, also aus Nordtirol, Südtirol und Welschtirol, bringe ich jetzt einen Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Christofer Ranzmaier , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wird aufgefordert, unverzüglich Verhandlungen mit der Republik Italien aufzunehmen, um ein bilaterales Abkommen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rettungsdienst abzuschließen. Ziel dieses Abkommens ist es, rechtliche Hürden abzubauen und die Rechtssicherheit für Patienten, Sanitäter und Ärzte zu gewährleisten. Dabei sollen insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden: Wechselseitige Anerkennung der Befugnisse und Qualifikationen von Rettungspersonal: Sicherstellung, dass Rettungskräfte beider Länder im jeweils anderen Land tätig werden können, ohne zusätzliche bürokratische Hürden überwinden zu müssen. Klare Regelungen für grenzüberschreitende Einsätze: Festlegung von Verfahren für den Einsatz von Rettungsfahrzeugen und -personal über die Grenze hinweg, einschließlich der Nutzung von Sondersignalen und der Mitführung von Medikamenten. Koordination zwischen den Leitstellen: Aufbau und Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Leitstellen in den Grenzregionen, um sicherzustellen, dass bei Notfällen stets das nächstgelegene Rettungsmittel zum Einsatz kommt und Patienten in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus transportiert werden. Implementierung gemeinsamer Kommunikationssysteme: Entwicklung und Implementierung von Schnittstellen und Kommunikationssystemen, die eine direkte und effiziente Kommunikation zwischen den Leitstellen und Einsatzkräften beider Länder ermöglichen. Ich hoffe auf breite Zustimmung, um mit dieser Initiative zumindest an einem Teil die Unrechtsgrenze am Brenner zu beseitigen. (👏 FPÖ) 18.34 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/140.1 Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol (103/UEA) Präsident Peter Haubner : Der soeben eingebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mario Lindner . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Mario Lindner

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei diesem Tagesordnungspunkt geht es um drei Abkommen beziehungsweise um drei Staatsverträge. Zum Ersten um ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei: Da geht es um den Überbegriff der sozialen Sicherheit. Unter anderem geht es um wirtschaftliche Interessen, um die Vermeidung der doppelten Beitragspflicht für Unternehmen, aber es geht auch um Arbeitnehmer:inneninteressen, nämlich um den Anspruch auf Pensionsleistungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zum Zweiten geht es um ein Abkommen zwischen Österreich und der Slowakei und um ein Abkommen zwischen Österreich und Ungarn. Da geht es um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst. Seit 2016 gibt es diese Regelung unter anderem schon mit Tschechien. Die Besonderheit dieser Staatsverträge ist: Wir regeln hier herinnen das Rahmenabkommen und die betroffenen Bundesländer regeln das regionale Kooperationsabkommen. Diese Staatsverträge sind sinnvoll, um Menschen in Notlagen auch grenzüberschreitend helfen zu können, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und weil wir beim Rettungsdienst sind, an dieser Stelle ein großes Danke an alle Sanitäter:innen, an alle Zivildiener und an alle im freiwilligen sozialen Jahr. Ohne euch würden Österreich und unser Gesundheitssystem nicht funktionieren – an dieser Stelle wirklich ein herzliches Dankeschön! (👏 SPÖ) Weil ich das Wort Sanitäterinnen und Sanitäter in den Mund genommen habe, darf ich daran erinnern, dass wir im Regierungsprogramm auch das Sanitäter:innengesetz neu drinnen stehen haben, und da weiß ich, dass die Frau Staatssekretärin schon mit allen relevanten Rettungsdienstorganisationen und Verbänden in Verbindung steht. Es wird intensiv daran gearbeitet, etwas besser zu machen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, weil wir in der Sommerzeit sind, bitte ich Sie, die Menschen im Gesundheitsbereich zu unterstützen. Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen, bitte gehen Sie Blut spenden! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau Bundesministerin Schumann, die ich gleichzeitig begrüße.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher! Ja, wir haben da jetzt einen Block aus Vorlagen aus dem Gesundheitsausschuss und aus dem Sozialausschuss. Da in beiden Ausschüssen nichts passiert, fasst man da quasi die wenigen Themen zusammen. Ich komme danach vielleicht darauf zurück, was alles an Maßnahmen im Bereich Gesundheit und Soziales von dieser Regierung blockiert wird …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du musst dich nicht zu jedem TOP melden, gell?

FPÖ Peter Wurm

… aber zum Starten jetzt noch einmal: Wir sprechen heute über Rettungsfahrzeuge, die die Nachbarländer quasi überschreiten dürfen. Also die Inkompetenz der Europäischen Union kann man, glaube ich, gar nicht mehr deutlicher machen als an so einem Beispiel. (👏 FPÖ) Das ist ja ein Schildbürgerstreich, dass das nicht geregelt ist. Die Europäische Union regelt die Verschlüsse auf den Plastikflaschen, das bringen sie zusammen, aber dass der Rettungswagen von Sterzing nach Innsbruck fahren darf, das geht nicht. Wobei ich eines sagen darf: Wenn ihr diesen Antrag des Kollegen Ranzmaier heute ablehnt, dann kann ich nur noch den Kopf schütteln. Das ist nicht einmal ein Wunsch der Freiheitlichen, Kollege Mair aus Tirol, das ist ein Wunsch des Dreierlandtags, auch der SVP, eurer Parteikollegen unten, also das ist ein allgemeiner Wunsch. Warum ihr den heute ablehnen wollt, müsst ihr mir einmal erklären. Ich bin ja vieles gewohnt von dieser Vierer- - ( Ruf bei der FPÖ: Gruppe! ) Viererkoalition – Bande darf man nicht sagen –, aber das macht ja keinen Sinn, bitte schön. Ein Rettungsfahrzeug zwischen Südtirol und Nordtirol zu blockieren, das kannst du ja in Tirol normalerweise niemandem mehr erklären, Mair aus Tirol. – Aber gut, das zum Rettungsthema. (👏 FPÖ) Wir sind selbstverständlich dafür – sowohl, was die Slowakei betrifft als auch Ungarn oder Italien –, selbstverständlich waren wir immer dafür, gar kein Thema. Aber jetzt komme ich doch zum Thema Mongolei: Die Frau Minister hat ja gesagt – das sollte man jetzt schon einmal thematisieren –, da geht es um ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit. So, das ist ja nicht das erste bilaterale Abkommen, aber da wir ja heute Vormittag mit der Frau Minister – sie ist ja jetzt oft da, Gott sei Dank – über die Pensionen gesprochen haben, auch über andere Themen, sollte man das schon einmal diskutieren. Es ist allen Ernstes ein Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei zum Thema soziale Sicherheit. Im Detail komme ich darauf zu sprechen. Kurz zur Erklärung: Es gibt keine genauen Zahlen, die man recherchieren kann. Es gibt ungefähr 1 000 Mongolen in Österreich – vor einigen Jahrhunderten wären es vielleicht mehr gewesen, jetzt haben wir halt nur 1 000 ( Heiterkeit des Abg. Schnabel [ÖVP] ) – und es gibt ein bis zwei Dutzend österreichische Staatsbürger in der Mongolei. Es gibt keine genauen Zahlen, aber mehr ist es nicht, also 20 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich. RN/143.1 So, was steht da jetzt also drinnen? – Da geht es genau um das Thema, das ich heute Vormittag versucht habe, den vier Fraktionen zu erklären: dass wir jetzt die Zeiten für die Pensionszahlungen aus der Mongolei anrechnen ( ein entsprechendes Dokument in die Höhe haltend ) , es steht sogar genau da drinnen, das ist also der Text, Kollege Yannick Shetty : „allgemeine Bestimmungen und legt im Wesentlichen den persönlichen und sachlichen Geltungsbereich, den Grundsatz der Gleichbehandlung sowie der Gebietsgleichstellung hinsichtlich der Gewährung von Geldleistungen aus der Pensionsversicherung fest“. – Das steht da drinnen. – Insbesondere „Bestimmungen betreffend [...] Pensionsversicherung. Dabei erfolgt die Leistungsfeststellung“ und so weiter. Das heißt, das ist ja total super; für die 1 000 Mongolen freut mich das ja. Da wird offensichtlich – das ist ja nur ein kleines Beispiel, an dem ich es einmal thematisieren wollte –, welcher Irrsinn hier in Österreich seit Jahren, Jahrzehnten betrieben wird. Wir machen Abkommen mit Drittstaatsangehörigen – nicht im Interesse der Österreicher.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Da musst du ja selber lachen!

FPÖ Peter Wurm

… Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich glaube, ihr überlegt euch intellektuell gar nicht, worüber ihr da ständig abstimmt.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Das gibt’s ja nicht! – Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].

FPÖ Peter Wurm

… Sonst kann man das ja nicht so machen. Noch einmal: Als österreichischer Nationalrat müsste ich die Interessen der Österreicher vertreten. Ich kann mir ein Abkommen vorstellen, von dem österreichische Staatsbürger profitieren würden. Das heißt, hätten wir 1 000 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich, dann könnte ich sagen: Ja, darüber können wir reden, aber ihr schließt ja dauernd Abkommen zum Nachteil der österreichischen Bevölkerung ab, und zwar laufend – mit der Mongolei. So, wir kriegen ja nicht einmal Pferde; wenn jeder Österreicher in der Mongolei ein Pferd kriegt, kann man darüber diskutieren …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Es geht doch nicht um Pferde, sondern um ...! – Abg. Shetty [NEOS]: Was habt ihr für eine Obsession mit Pferden? Es ist mittlerweile sechs Jahre her mit den Pferden! Das gibt’s ja nicht!

FPÖ Peter Wurm

… aber bitte schön, noch einmal: 20 Österreicher in der Mongolei und 1 000 Mongolen in Österreich, und das kostet. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Ich versuche, es ja immer mit Humor zu nehmen, denn man kann ja manche Dinge nur mehr mit Humor ertragen ( Ruf bei den NEOS: Dich kann man auch nur mit Humor ertragen! ), es ist aber eigentlich nicht lustig. Es ist eigentlich ein Schildbürgerstreich und davon haben wir heute einige gehabt.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du bist auch ein Schildbürgerstreich! – Zwischenruf des Abg. Martin Graf [FPÖ].

FPÖ Peter Wurm

… Ich versuche, es noch einmal zu erklären: Ihr stimmt heute darüber ab, ob wir die mongolischen Staatsbürger in Österreich bei Pensionszahlungen finanzieren.

NEOS Gasser (Zwischenruf)

... eingezahlt haben!

FPÖ Peter Wurm

… Die Frau Minister hat heute Vormittag gesagt - - – Darf ich weiterreden? Die Frau Minister hat heute Vormittag gesagt, sie muss sparen, deswegen machen wir jetzt diese Einschnitte im Pensionssystem …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Aber nicht für die Mongolen!

FPÖ Peter Wurm

… aber nicht für die Mongolen. Also, parteimäßig bin ich ja froh über die Unterschiede zwischen uns Freiheitlichen und euch vier. Wenn sich das einer heute seit 9 Uhr in der Früh anschaut, muss der ja den Kopf schütteln und sagen: Bei aller Liebe, jetzt habe ich 30 Jahre ÖVP gewählt oder zehn Jahre grün, aber man kann euch ja als vernünftig denkender Mensch, wenn man sich anschaut, was ihr aufführt, nicht wählen! – Das kann man ja keinem mehr erklären. – Danke.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete. ( Ruf bei der FPÖ: Der nächste Mongolensturm! )

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Präsident Peter Haubner : Die Frau Abgeordnete ist am Wort, bitte. Abgeordnete Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler (fortsetzend): Auf der einen Seite, Herr Kollege Wurm, fordern Sie Abkommen, auf der anderen Seite kritisieren Sie sie.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Lad ihn einmal nach Villach ein zum Fasching!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Was ich jetzt nicht ganz verstanden habe: Zuletzt haben Sie gesagt, Sie haben 30 Jahre die ÖVP gewählt und die Grünen. ( Heiterkeit bei der ÖVP. ) Ich habe es nicht mehr ganz verstanden, aber egal. Ich freue mich darüber, dass es Rettungsabkommen gibt. Ich freue mich darüber, denn wenn es zu einem Unfall kommt, wenn eine Notsituation entsteht …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Sie sind ja immer noch grün-schwarz angezogen!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… dann darf die Staatsgrenze kein Hindernis sein, meine Damen und Herren. Gott sei Dank gibt es solche Kooperationen in vielen Bereichen, und gerade wenn es um Gesundheitsthemen geht …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Rettungsabkommen mit der Mongolei bitte! – Heiterkeit bei der FPÖ

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… wenn es um Rettungsthemen geht, ist das ja besonders wichtig. Wer im Notfall Hilfe braucht, soll sie schnell und zuverlässig bekommen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wart ihr schon mal beim Mongolen essen?

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Mit dem vorliegenden Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und unseren Nachbarstaaten, der Slowakischen Republik und auch Ungarn, setzen wir einen wichtigen Schritt zur Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rettungsdienst. Das ermöglicht, dass Rettungsdienste rasch, effizient und unbürokratisch organisiert werden können, meine Damen und Herren. Und das ist ein echter Mehrwert für die Menschen – oder? –, denke ich einmal. (👏 ÖVP, FPÖ) An dieser Stelle auch ein großes Danke an alle, die im Rettungsdienst arbeiten und großartige Arbeit leisten. Die zunehmende Mobilität, meine sehr geehrten Damen und Herren, verlangt nach rascher, koordinierter Hilfe im Notfall, unabhängig davon, auf welcher Seite der Grenze das Ereignis stattfindet. Meine Damen und Herren, wir haben hier ganz klare Regeln: Erstens: Für den Einsatz von Einsatzkräften und Fahrzeugen über die Landesgrenzen hinweg gibt es genaue Regelungen. Zweitens: für die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen auch. Und drittens: Es gibt eine enge Abstimmung der jeweiligen Rettungsleitstellen. Es ist wichtig, dass es hier klare Regeln gibt. ( Unruhe im Saal. ) Präsident Peter Haubner ( das Glockenzeichen gebend ): Darf ich Sie ersuchen, die Konversation zwischen den Blöcken etwas einzuschränken? – Danke vielmals. Abgeordnete Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler (fortsetzend): Ein wesentlicher Bestandteil der Abkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für Kooperationsvereinbarungen auf regionaler Ebene zwischen dem Land Niederösterreich und der Region Bratislava, dem Burgenland und den Gesundheitsbehörden in Westungarn. Damit ermöglichen wir rasche und maßgeschneiderte Lösungen, wie wir sie vor Ort brauchen. Das sind Abkommen, die zeigen, dass es diese gelebte europäische Nachbarschaft gibt. Sie bringen konkrete Verbesserungen für die Menschen. Das wollen Sie ( in Richtung FPÖ ) nur nicht erkennen, aber das ist die Realität. Und ich bin froh darüber, dass es diese Abkommen gibt, meine sehr geehrten Damen und Herren. Rettung kennt keine Grenzen, und sehr gerne greife ich den Appell von Kollegen Lindner auf: Gehen Sie bitte Blut spenden! Das ist ganz, ganz wichtig, gerade jetzt. Ich appelliere da auch an Firmen, an große Organisationen. Auch bei größeren Veranstaltungen gibt es oft die Möglichkeit, Blut zu spenden. Bitte machen Sie das, ich appelliere wirklich an Sie. Und noch einmal ein großes, großes Danke an alle, die sich im Rettungswesen engagieren. Vielleicht noch ein Wort zu dem Abkommen zwischen Österreich und der Mongolei: Ich weiß nicht, was daran schlecht sein soll, wenn wir damit Menschen, die in beiden Ländern arbeiten, ihre erworbenen Pensionsansprüche regeln.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Weil wir das Geld nicht haben!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Ich halte auch das für wichtig. Und ich halte es auch für wichtig, dass wir die Interessen der Wirtschaft in diesem Bereich regeln. Auch das ist eine sehr, sehr gute Initiative; die Frau Bundesministerin hat es ja im Detail ausgeführt. Ich möchte, dass für Menschen, die hier oder in einem anderen Land arbeiten und Pensionsansprüche haben, diese auch geregelt sind und dass sie diese Leistungen auch erhalten, so wie das in jedem anderen Land - - …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Damit der Bürgermeister dann wieder bestätigt ... aus der Jurte heraus! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… Nein, Entschuldigung, wenn sich jemand Rechte erworben hat, dann soll er diese Leistungen auch erhalten. Daher noch einmal ein großes Danke für diese Verhandlungen, Frau Bundesministerin. Wir sind nicht so destruktiv. Ich freue mich darüber, dass es solche Abkommen gibt. Noch einmal Danke an alle, die sich in diesem Bereich engagiert haben. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Fiona Fiedler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! – Kollegen von der FPÖ, da oben kann man sich für eine Rede einmelden! Vielleicht kann man ruhig sein, wenn jemand anderer redet. Das wäre total nett. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Für mich ist heute ein besonderer Tag, weil wir als Regierungsfraktionen heute im Gesundheitsbereich etwas beschließen, das wir als NEOS wirklich schon lange gefordert haben. Das Rettungswesen ist für uns alle wichtig. Wenn sich hauptberuflich und ehrenamtlich Tätige mit jedem Dienst neu dafür einsetzen, dass sie Leben retten können, dann ist das für uns wirklich eine enorme Unterstützung – egal wer der Patient ist, egal was der Grund ist. In Grenzregionen ist aber genau das das Problem, das für rechtliche Unsicherheiten sorgt. Dankenswerterweise fahren Sanitäter und Notärzte auch zu Einsätzen, wenn sie das nächstgelegene Fahrzeug zur Einsatzstelle sind. Das bedeutet nämlich Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Wenn man bei so einem Einsatz aber dann zufällig in ein Nachbarland kommt, kann es sein, dass eine notwendige Maßnahme vielleicht gar nicht erlaubt ist. Die Sanitäterausbildungen sind nämlich in den meisten Ländern unterschiedlich geregelt. Beispielsweise dauert die höchste Rettungsausbildung in allen Nachbarländern mindestens drei Jahre, und auch die Kompetenzen sind teilweise unterschiedlich zu den unseren. Da müssen wir natürlich nachziehen, aber bis dahin ist es wichtig, dass wir Rechtssicherheit haben, damit diese Mitarbeiter jedenfalls immer alles machen dürfen, was sie können, um Leben zu retten. Mit diesem Rahmenabkommen können wir zumindest einmal mit der Slowakei und Ungarn die nötige Rechtssicherheit dafür schaffen. Es ist auch besonders schön, dass dieses Ziel von Zusammenarbeit sich immer mehr verbreitet, haben doch die Slowakei und Ungarn untereinander letzte Woche auch genau so ein Rahmenabkommen unterschrieben. Unser Ziel muss es deshalb sein, auch mit allen übrigen Nachbarländern solche Abkommen zu schaffen, wo wir schon mit vielen davon in Gesprächen sind, und damit wieder einen Schritt weiter zu einem gemeinsamen Europa zu kommen. – Danke vielmals. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ralph Schallmeiner . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Vorneweg: Kollege Wurm hat von der Inkompetenz der EU gesprochen und kritisiert, dass man da eigene Vereinbarungen zwischen den Staaten braucht. Lieber Kollege Wurm, es könnte zum Beispiel auch daran liegen, dass wir sehr unterschiedliche Ausbildungsstandards zwischen den Staaten haben, dass man dann eigene Verträge und multilaterale Abkommen schließen muss, um eben Rechtssicherheit – wie es Kollegin Fiedler richtigerweise jetzt auch erwähnt hat – herzustellen. Nur um das nochmals zu verdeutlichen: In Österreich dauert die höchste Ausbildung für einen Rettungssanitäter mit Notfallkompetenz 980 Stunden, das ist das höchste der Gefühle. In der Slowakischen Republik sind es drei Jahre, in Ungarn sind es vier Jahre, in Slowenien drei Jahre, in Italien auch drei Jahre. Das können wir jetzt so fortsetzen, weil überall anders, außer in Österreich, ist eben diese Ausbildung für die Notfallkompetenz, die Notfallkomponente im Rettungswesen im Normalfall drei- oder vierjährig, ganz oft ist sogar ein FH-Studium notwendig, und das aus guten Gründen. Das ist nämlich genau jetzt die Geschichte, über die wir hier in Österreich reden sollten, weil wir in Österreich diesbezüglich seit bald mehr als 20 Jahren hinterherhinken. Wir haben in der letzten Legislaturperiode einen entsprechenden Novellierungsprozess auf den Weg gebracht, wo wir evaluiert haben, wo wir einmal geschaut haben: Was sind überhaupt die Grundlagen dafür? Was braucht es? Wie schauen wir auch im internationalen Vergleich aus? Was sagt die präklinische Forschung? Und ja, diesen Prozess müssen wir fortführen. Wir brauchen endlich eine Novelle des Sanitätergesetzes hier in Österreich. Wir brauchen eine Professionalisierung, die auf der einen Seite natürlich auch weiterhin die Freiwilligkeit sichert und auf der anderen Seite 3 000 bis 4 000 Notfallsanitäterinnen und -sanitäter mit einer deutlich höheren Kompetenz, mit einer deutlich besseren Ausbildung in den hauptamtlichen Bereich hineinbringt, damit wir in Österreich auch mit den demografischen Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte entsprechend schritthalten können. Das ist die Herausforderung. Das kann man kleinreden, das kann man schlechtreden, das kann man blockieren …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das heißt, wir haben schlecht ausgebildete Notfallsanitäter! Es ist unglaublich, so etwas zu behaupten!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… so wie es beispielsweise die Landesregierung in Oberösterreich beständig macht, aber das ist eine Notwendigkeit, das brauchen wir in absehbarer Zeit. Da können Sie sich aufregen, soviel Sie wollen, da drüben in der FPÖ-Ecke, aber es wird sich nichts daran ändern. (👏) Kollege Ranzmaier, abschließend noch: Der Antrag, den Sie eingebracht haben, ist grundsätzlich ein sehr guter Antrag, das muss man ja anerkennen. Dieser Dreierlandtag hat da einen Auftrag erteilt, und ich finde auch, dass dieser Antrag eigentlich untypisch FPÖ ist. Da ist keine Hetze drinnen, da ist kein Hass drinnen. Der Antrag selber ist okay, aber die Art und Weise, wie Sie ihn hier vorne vorgetragen haben, ist aus meiner Sicht unter jeder Kritik. Und ich überlege mir gerade wirklich, dass ich meine Zustimmung, die ich eigentlich schon zugesagt habe, wieder zurückziehe, denn die Art und Weise, sich mit so einer geschichtsrevisionistischen Darstellung hier herauszustellen und dann diesen Antrag zu begründen, ist wirklich ganz letztklassig. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johannes Gasser . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 2 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

NEOS Johannes Gasser

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte tatsächlich über das Abkommen mit der Mongolei sprechen, und ich möchte vielleicht auch ein bisschen aufklären, weil offensichtlich hier nicht alle den ganzen Vertragstext gelesen oder verstanden haben. (Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz.) Kollege, ich kann Sie beruhigen, es ist nicht nur die mongolische Version auf der Website – es wäre auch die deutschsprachige zu lesen gewesen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wie funktioniert so ein Abkommen schlussendlich? – Es geht darum, dass, wenn ich in beiden Ländern berufstätig war – ja, die Voraussetzung ist, in beiden Ländern berufstätig gewesen zu sein – und in den jeweiligen Ländern auch Pensionsansprüche erworben habe, diese auch gegenseitig angerechnet werden können. In einer globalisierten Welt – Frau Ministerin, Sie haben es gesagt –, in der man in international tätigen Unternehmen unterwegs ist, ist es, glaube ich, essenziell, dass man solche Abkommen hat. Da geht es nicht darum, dass wir kein Geld dafür hätten, das zu finanzieren, denn offensichtlich wissen Sie auch nicht, wie dann die Pension ausgerechnet wird und zustande kommt und dass natürlich die mongolische Pensionsversicherung auch entsprechend Pensionen zu zahlen hat. Offensichtlich wissen Sie auch nicht – aber das wundert mich bei Ihren Pensionskenntnissen nicht –, dass wir in Österreich in der Pensionsversicherung ein Versicherungsprinzip haben: Das heißt, um Leistungen zu erwerben, muss ich vorher eingezahlt haben. Offensichtlich vergessen das manche. Wir als Österreich haben auch schon Abkommen mit sehr vielen Ländern …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Eben!

NEOS Johannes Gasser

… beispielsweise zwei Abkommen, die für mich als Vorarlberger besonders wichtig sind: eines mit der Schweiz und eines mit Liechtenstein. Und ja, davon profitieren gerade österreichische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überproportional. Es geht nicht immer nur in eine Richtung, sondern man muss sich überlegen, wie man das macht. (👏 ÖVP, NEOS) Wieso ist auch das Abkommen mit der Mongolei wichtig? – Wir haben es gehört: Es wurde bei einem Staatsbesuch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen unterzeichnet. Während dieses Besuchs wurde auch ein Investitions- und Kooperationsabkommen unterzeichnet, das vor allem dazu führen soll, dass österreichische Unternehmen verstärkt in der Mongolei tätig werden. Jetzt haben wir in Österreich international tätige Unternehmen, von denen wir uns wünschen, dass sie in der Welt aktiv sind, Wertschöpfung in Österreich erbringen, und dafür müssen sie natürlich auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entsenden. Genau zu den Entsendungen und zu den Pensionsansprüchen aus den Entsendungen ist ganz viel in diesem Abkommen geregelt. Das heißt, wer will, dass österreichische Unternehmen international erfolgreich, international tätig sein können, braucht solche Abkommen. Wir wollen, dass österreichische Unternehmen international erfolgreich sein können, die FPÖ will das nicht. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit kommen wir zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/148.1 Wir gelangen zunächst zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Ausschusses für Arbeit und Soziales, den Abschluss des Staatsvertrages: Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Mongolei über soziale Sicherheit, in 119 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Ich bitte jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. RN/148.2 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Gesundheitsausschusses, den Abschluss des Staatsvertrages: Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und der Slowakischen Republik über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst, in 110 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Ich bitte jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig so angenommen. RN/148.3 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Gesundheitsausschusses, den Abschluss des Staatsvertrages: Rahmenabkommen zwischen der Republik Österreich und Ungarn über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst, in 111 der Beilagen, gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Somit ist auch das einstimmig angenommen. RN/148.4 Wir kommen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Christofer Ranzmaier , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Stärkung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst zwischen Nord- und Osttirol mit Südtirol“. (Abg. Wurm [FPÖ]: Genierts euch!) Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt.

Strafrechtliches EU-Anpassungsgesetz 2025 – StrEU-AG 2025

145 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 80 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Strafrechtliche EU-Anpassungsgesetz 2025 wird beschlossen und ändert u.a. Strafregistergesetz, Tilgungsgesetz, EU-JZG, ARHG, EUStA-DG, INÜG, VbVG, StAG und StPO zur Umsetzung/Anwendung mehrerer EU-Vorgaben. Kern ist die Durchführung von ECRIS‑TCN (zentrales EU-System für Vorstrafenabfragen bei Drittstaatsangehörigen inkl. verpflichtender Fingerabdrücke) sowie Anpassungen bei Europäischem Haftbefehl, Auslieferung/Rechtshilfe, digitaler justizieller Zusammenarbeit und der Europäischen Staatsanwaltschaft; ein Abänderungsantrag ordnet nur eine Inkrafttretensbestimmung im Tilgungsgesetz um (ohne inhaltliche Änderung).

Betroffen sind Strafregister- und Strafverfolgungsbehörden sowie Gerichte in Österreich und EU-weit, insbesondere bei der Abfrage/Übermittlung von Verurteilungsdaten von Drittstaatsangehörigen und bei Verfahren der grenzüberschreitenden strafrechtlichen Zusammenarbeit (EHB, Auslieferung, Rechtshilfe, EUStA, digitale Vernehmungen).

Dokumente

Strafrechtliches EU-Anpassungsgesetz 2025 – StrEU-AG 2025

Ziel und Gegenstand des StrEU-AG 2025

  • Änderung mehrerer Bundesgesetze zur Anpassung des österreichischen Strafrechts- und Strafverfahrensrechts an unionsrechtliche Vorgaben und EuGH-Rechtsprechung.
  • Betroffene Gesetze: Strafregistergesetz 1968, Tilgungsgesetz 1972, EU-JZG (justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen mit EU-Mitgliedstaaten), ARHG (Auslieferungs- und Rechtshilfegesetz), EUStA-DG (Durchführung Europäische Staatsanwaltschaft), Island-Norwegen-Übergabegesetz, Verbandsverantwortlichkeitsgesetz, Staatsanwaltschaftsgesetz, Strafprozessordnung 1975.

ECRIS-TCN: Zentralsystem für Verurteilungen von Drittstaatsangehörigen und Staatenlosen

  • Hauptziel: Durchführung der Verordnung (EU) 2019/816 (ECRIS-TCN) zur Einrichtung eines zentralisierten Systems, das ermittelt, in welchen Mitgliedstaaten Informationen zu Verurteilungen von Drittstaatsangehörigen und Staatenlosen vorhanden sind; Ergänzung des bestehenden ECRIS und Änderung der Verordnung (EU) 2018/1726.
  • Berücksichtigung der Änderungen der ECRIS-TCN-Verordnung durch die Verordnungen (EU) 2019/818 (Interoperabilitätsrahmen), (EU) 2021/1133 (Zugriffsvoraussetzungen u.a. für VIS-Zwecke) und (EU) 2021/1151 (Zugriffsvoraussetzungen u.a. für ETIAS-Zwecke).
  • Anwendungsbereich: ECRIS-TCN gilt (mit Ausnahme der Verarbeitung von Fingerabdrücken nach Art. 5 Abs. 1 lit. b) auch für Drittstaatsangehörige, die zugleich Unionsbürger sind (Art. 2 ECRIS-TCN-VO).
  • Zusammen mit ECRIS-TCN: Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/884 zur Änderung des Rahmenbeschlusses 2009/315/JI (Informationsaustausch über Drittstaatsangehörige im ECRIS) und zur Ersetzung des Beschlusses 2009/316/JI.
  • Problemstellung: Das bisherige europäische Strafregistersystem ist dezentral und praktisch auf Unionsbürger/innen ausgerichtet; bei Drittstaatsangehörigen ist eine effiziente Abfrage von EU-weiten Vorstrafen ohne zentrale Datenbank nicht möglich (sonst müssten alle Mitgliedstaaten einzeln kontaktiert werden).
  • Lösung: Zentrale Datenbank, in die jede Verurteilung durch ein Gericht eines Mitgliedstaats einzutragen ist; dadurch schnellere und effizientere Feststellung, in welchem Mitgliedstaat eine Person bereits verurteilt wurde.
  • Identitätsfeststellung: Sicherstellung eindeutiger Identifizierung, da bei Drittstaatsangehörigen oft keine verlässlichen Identitätsdokumente vorliegen; verpflichtende Speicherung von Fingerabdrücken im Zentralsystem.
  • Gesichtsbilder: Speicherung wäre nach der Verordnung möglich, aber nicht verpflichtend; es wird vorgeschlagen, diese Möglichkeit nicht zu nutzen, um keine Übererfüllung (Gold-Plating) und keinen weitergehenden Grundrechtseingriff zu bewirken.
  • Umsetzungsschwerpunkt in Österreich: Anpassungen im Strafregistergesetz 1968 zur Durchführung der ECRIS-TCN-VO.

EU-JZG: Anpassungen an EuGH-Rechtsprechung, EHB-Umsetzung und bessere Zusammenarbeit

  • Zielrichtung: Änderungen im EU-JZG zur Berücksichtigung von EuGH-Entscheidungen und zur Verbesserung der Umsetzung und praktischen Anwendung von Instrumenten der gegenseitigen Anerkennung.
  • Grundrechte: Überarbeitung des Ablehnungsgrundes bei Verletzung von Grundrechten.
  • Ne bis in idem: Neuordnung des Verbots der Doppelverfolgung/Doppelbestrafung (Regelung in §§ 8 und 8a EU-JZG).
  • Erweiterung des Anwendungsbereichs: Ausdehnung von § 5a EU-JZG auch auf Drittstaatsangehörige.
  • Vorrang Europäischer Haftbefehl: Ex-lege-Verankerung des Vorrangs eines Europäischen Haftbefehls gegenüber einem Auslieferungsersuchen eines Drittstaats, wenn beide dieselben Straftaten betreffen oder Straftaten, die in untrennbarem Zusammenhang stehen.
  • Reaktion auf Vertragsverletzungsverfahren: Maßnahmen zur Entgegnung eines ergänzenden Mahnschreibens der Europäischen Kommission im Verfahren Nr. 2020/2307 zur Umsetzung des Rahmenbeschlusses 2002/584/JI (Europäischer Haftbefehl und Übergabeverfahren).
  • Vorrechte und Immunitäten: Aufgreifen der Kommissionskritik zur unzureichenden Umsetzung von Art. 20 RB EHB; Anpassungen in §§ 16 und 21 EU-JZG.
  • Praktische Zusammenarbeit: Verbesserungen u.a. im Bereich der grenzüberschreitenden Überwachung von Fahrzeugen.
  • Kundmachung von Erklärungen: Erklärungen der Mitgliedstaaten (z.B. zu akzeptierten Sprachen, zuständigen Behörden) sollen nicht mehr in der EU-JZV kundgemacht werden; stattdessen Verweis auf die Homepage des Europäischen Justiziellen Netzes (EJN), wo sämtliche Erklärungen veröffentlicht sind.
  • Digitaler Informationsaustausch in Terrorismusfällen: Schaffung von Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EU) 2023/2131 (Änderung von Eurojust-Verordnung (EU) 2018/1727 und Beschluss 2005/671/JI) für digitalen Informationsaustausch in Terrorismusfällen.
  • Digitalisierung der justiziellen Zusammenarbeit: Schaffung von Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EU) 2023/2844 (e-justice-VO) über Digitalisierung der justiziellen Zusammenarbeit und Zugang zur Justiz in grenzüberschreitenden Zivil-, Handels- und Strafsachen.
  • Rechtsmittel bei Videokonferenz-Vernehmungen: Umsetzung der Verpflichtung der e-justice-VO, Rechtsmittel für Verstöße gegen Vorschriften der e-justice-VO betreffend Vernehmungen per Videokonferenz vorzusehen.
  • Umsetzung weiterer EU-Vorgaben im EU-JZG: Anpassungen im Zusammenhang mit Instrumenten der gegenseitigen Anerkennung, insbesondere im Kontext der Richtlinie 2011/99/EU und der Richtlinie 2014/41/EU.
  • Klarstellung durch Umsetzungshinweis: Klarstellung der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2022/211.
  • Informationsaustausch Strafverfolgungsbehörden: Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/977 durch Aufhebung von § 57a EU-JZG (Richtlinie über Informationsaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden; Aufhebung des Rahmenbeschlusses 2006/960/JI).

ARHG: Auslieferung/Rechtshilfe – EuGH-konforme Ablehnungsgründe und Verfahrensänderung

  • Zielrichtung: Änderungen im Auslieferungs- und Rechtshilfegesetz (ARHG) zur Berücksichtigung von EuGH-Entscheidungen.
  • Neuregelung § 17 ARHG: Einführung eines absoluten Ablehnungsgrundes zur ausdrücklichen Klarstellung, dass im Verhältnis zu Drittstaaten, die sich zur gegenseitigen Anerkennung von Aburteilungen verpflichtet haben, solche Aburteilungen im Auslieferungsverfahren umfassender zu berücksichtigen sind als gegenüber anderen Drittstaaten.
  • Für sonstige Drittstaaten: Einführung eines fakultativen Ablehnungsgrundes.
  • Rechtsmittelverfahren: Mündliche Verhandlung im Rechtsmittelverfahren über eine Auslieferung soll nur mehr stattfinden, wenn das Oberlandesgericht sie für erforderlich hält (in erster Instanz ist eine mündliche Verhandlung bisher nicht zwingend vorgesehen).

EUStA-DG: Erleichterung der praktischen Anwendung und Reaktion auf Kommissionskritik

  • Änderungen im Bundesgesetz zur Durchführung der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA-DG) zur Erleichterung der praktischen Anwendung der Verordnung (EU) 2017/1939 (EUStA-VO).
  • Ziel: Bessere Handhabbarkeit in der Praxis und Entgegenkommen gegenüber Kritikpunkten der Europäischen Kommission.

Island-Norwegen-Übergabegesetz sowie Strafregister- und Tilgungsrecht: Umsetzung des EU–UK Handels- und Kooperationsabkommens

  • Änderungen im Island-Norwegen-Übergabegesetz (INÜG) sowie teilweise im Strafregistergesetz 1968 und im Tilgungsgesetz 1972 zur Umsetzung von Teilen des Abkommens über Handel und Zusammenarbeit zwischen EU/Euratom und dem Vereinigten Königreich (TCA).
  • Ziel: Schaffung der erforderlichen Durchführungsbestimmungen im nationalen Recht für die einschlägigen Bereiche des Abkommens.

Verbandsverantwortlichkeitsgesetz (VbVG): Sichtbarmachung von Richtlinienumsetzungen

  • Änderungen im VbVG dienen der besseren Erkennbarkeit bereits erfolgter Umsetzungen von EU-Richtlinien durch Aufnahme von Umsetzungshinweisen (insbesondere zur Verantwortlichkeit juristischer Personen).
  • Betroffene Richtlinien (Umsetzungshinweise): 2009/52/EG (Sanktionen gegen Arbeitgeber bei illegaler Beschäftigung), 2011/36/EU idF (EU) 2024/1712 (Menschenhandel), 2011/93/EU (sexueller Missbrauch/Ausbeutung von Kindern, Kinderpornografie), 2013/40/EU (Angriffe auf Informationssysteme), 2014/57/EU (Marktmanipulation), 2014/62/EU (Geldfälschungsschutz), (EU) 2017/541 (Terrorismus), (EU) 2017/1371 (Schutz finanzieller Interessen der Union), (EU) 2018/1673 (Geldwäsche), (EU) 2019/713 (unbare Zahlungsmittel), (EU) 2024/1203 (Umweltstrafrecht), (EU) 2024/1226 (Verstöße gegen restriktive Maßnahmen der Union).

Unionsrechtlicher Rahmen und Kompetenzgrundlage

  • Der Entwurf dient der Durchführung der ECRIS-TCN-Verordnung (EU) 2019/816 und der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/884.
  • Verbesserung der Durchführung der EUStA-Verordnung (EU) 2017/1939.
  • Weitere Anpassungen im Bereich der strafrechtlichen Zusammenarbeit und gegenseitigen Anerkennung (inkl. Bezug auf im EU-JZG umgesetzte Instrumente; insbesondere Richtlinie 2011/99/EU und Richtlinie 2014/41/EU).
  • Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/977 durch Aufhebung von § 57a EU-JZG.
  • Durchführungsbestimmungen zu den Verordnungen (EU) 2023/2131 und (EU) 2023/2844 (e-justice-VO) im EU-JZG.
  • Durchführungsbestimmungen zum EU–UK Handels- und Kooperationsabkommen durch Änderungen im INÜG sowie in Teilen des Strafregister- und Tilgungsrechts.
  • Kompetenzgrundlage für die Bundesgesetzgebung: Art. 10 Abs. 1 Z 6 B-VG (Strafrechtswesen).

Strafrechtliches EU-Anpassungsgesetz 2025 – StrEU-AG 2025

~8 min Lesezeit
Dafür: NEOSÖVPSPÖGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Christian Ragger

Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Einleitend dazu – ich bin jetzt etwas außer Atem, weil ich herauflaufen musste –, im Wesentlichen geht es darum: Wir haben im Justizausschuss dagegengehalten, weil wir in der Ausformulierung – wie dieses Gesetz zustande kommt und wie sozusagen eine zentrale Durchführung auf der einen Seite stattfinden soll – im Grunde genommen eine schleichende Aushöhlung der Kompetenzen auf unserer Seite sehen. Das heißt, wir haben ja – das sehen wir, wenn wir uns die europäischen Verträge anschauen – zwei Seiten: Das eine sind also quasi die Verträge der Europäischen Union und auf der anderen Seite hat man eine justizielle Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen festgelegt. Dies ist gut und recht, das sollte auch weiter so vertieft und formuliert werden, aber man kann nicht hergehen und schleichend – leicht aushöhlend – unsere Kompetenzen in Österreich reduzieren. Es ist zwar ein guter Ansatz gewesen, dass man jetzt diese Zusammenarbeit prägt und auch umsetzen möchte, aber wir sehen diese gesetzliche Formulierung so, liebe Frau Ministerin, dass es dadurch am Ende des Tages zu einem Kompetenzverfall der österreichischen Justiz und auch der eigenen Kompetenz in diesem Haus kommt. Daher haben wir als Freiheitliche uns dagegen verwahrt, haben auch ganz kritische Anmerkungen in diesem Bereich, auch im Ausschuss, vollzogen. Daher wird die Freiheitliche Partei dementsprechend dagegenhalten. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Muna Duzdar .

SPÖ Muna Duzdar

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Was uns heute vorliegt, ist das Strafrechtliche EU-Anpassungsgesetz. Herr Ragger, ich bin etwas verwundert über Ihre Ausführungen, denn es geht in Wirklichkeit um EU-Verordnungen, es geht um EU-Richtlinien, die wir in das nationale Recht umsetzen, und letztlich geht es darum, dass die Europäische Union auch im Bereich der Justiz zusammenwächst. Diese justizielle Zusammenarbeit dient dazu, Bürger und Bürgerinnen – auch in Österreich – zu schützen, auch grenzüberschreitend zu schützen und auch die nationale Justiz zu unterstützen. Daher sehe ich es nicht so, dass da nur Kompetenzen abgegeben werden, sondern es macht schon Sinn, dass Behörden zusammenarbeiten, dass der Datenaustausch verbessert wird, dass die Kooperation vereinfacht wird und es zu einer Vernetzung der Strafvollzugsbehörden kommt. Das ist ja im Sinne und im Interesse der Bürger und Bürgerinnen. Ich versuche, Ihnen das anhand des Beispiels des Europäischen Strafregisterinformationssystems zu zeigen. Wir haben unsere nationalen Strafregistersysteme, aber es macht natürlich Sinn, auch auf europäischer Ebene ein zentrales System mit einer zentralen Datenbank zu haben, die es zum Beispiel österreichischen Strafvollzugsbehörden ermöglicht, einen besseren Zugang zu Daten und auch Informationen zu haben, nämlich von strafrechtlichen Verurteilungen im gesamten europäischen Raum. Jetzt ist es so, dass die Strafvollzugsbehörde, wenn sie Anfragen über Verurteilungen hat, die Behörden jedes Mitgliedstaates anschreiben müsste. Das heißt, was da passiert, ist: Wir sehen, dass unser nationaler Staat an seine Grenzen stößt, und deshalb braucht es diese Kooperation und diese Zusammenarbeit, die ja in Wirklichkeit einen Schritt hin zu einem europaweiten Strafrechtsschutz bedeuten. Weil mir zu Ohren gekommen ist, dass es auch vonseiten der Grünen das Begehren gibt, dass die Gebühren auf Abfragen aus dem Strafregistersystem in Österreich entfallen sollen: Ich muss dazu einfach sagen, dass ich auch etwas verwundert bin, nicht nur, weil ihr fünf Jahre lang in der Regierung wart, sondern weil ihr auch das Justizressort innehattet. Wenn es budgetär so einfach gewesen wäre, da Gebühren zu streichen, frage ich mich, warum ihr das in den letzten fünf Jahren nicht gemacht habt. Um aber wieder zum Thema zurückzukommen: Ich denke, dass es wirklich darum geht, den Rechtsschutz zu erhöhen, zu verstärken und auch zu ermöglichen, dass es auf europäischer Ebene eine effiziente Rechtsschutzverfolgung gibt, nämlich auch im Sinne der Bürger und Bürgerinnen. Letztlich – und ich glaube, darum geht es – soll die nationale Justiz unterstützt werden. Es ist, glaube ich, eine gute Sache, wenn die Europäische Union auch im Bereich der Justiz zusammenwächst. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Jakob Grüner .

ÖVP Jakob Grüner

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir ändern heute das Strafregistergesetz, das Tilgungsgesetz et cetera – viele weitere Gesetze –, und die Materie ist schnell erklärt: Stellen Sie sich ein Haus vor. Das Haus heißt Europa, das Haus hat sehr viele Zimmer. Die Polizei beziehungsweise Justiz klopft bei einem Zimmer an und fragt: Hat hier einmal jemand gelebt oder gewohnt, der etwas Böses oder etwas Schlechtes gemacht hat? – Die Justiz beziehungsweise die Polizei, die Sicherheitsbehörden mussten bisher immer bei jedem einzelnen Zimmer anklopfen. In Zukunft wird das nicht mehr notwendig sein. Die Justizbehörden können vereinfacht gesagt einfach bei der Rezeption nachfragen. Genau darum geht es heute: Wir stärken und vereinfachen die europaweite Zusammenarbeit der Polizei im Bereich der Strafverfolgung, im Justizsystem und stärken damit auch die Sicherheit. Konkret geht es neben vielen anderen Dingen vor allem darum, dass wir Vorstrafen grenzüberschreitend einfacher abrufen können, insbesondere auch Vorstrafen von Drittstaatsangehörigen. Das wird in Zukunft in der Strafverfolgung einiges erleichtern. Derzeit ist es ja bekanntlich so, dass wir ein dezentrales System haben, das Unionsbürger erfasst. Die verurteilten Personen werden in den jeweiligen Unionsmitgliedstaaten erfasst, und wir können im Rahmen der Rechtshilfe dort nachfragen und hinterfragen. Das ist bürokratisch, das ist Zeitverlust, das ist Geldverschwendung, das macht keinen Sinn. Wir geben den Sicherheitsbehörden in Zukunft ein Werkzeug in die Hand, um das Ganze systematisch zu verbessern. An meinen Vorredner aus den Reihen der FPÖ: Ich schätze dich sehr für deine Expertise, du hast es auch sehr gut erklärt. Das ist für mich aber wieder ein Beispiel dafür, dass wir gerade bei diesen Materien, bei denen wir alle in Wahrheit dasselbe Ziel verfolgen, vielleicht noch ein bisschen mehr miteinander diskutieren und verhandeln sollten – und dafür ist der Justizausschuss ein guter Ort –; wir verfolgen wirklich alle dasselbe Ziel. Ja, du hast es gut erklärt, aus deiner Sicht. Ich folge diesem Standpunkt nicht, aber es wäre schön, wenn wir gerade in solchen Bereichen in Zukunft auch wieder einstimmige Beschlüsse zustande brächten. Ich weiß, dass wir den Vorwurf auch von Ihnen bekommen, aber das möchte ich an dieser Stelle festhalten. Zum Abschluss meiner Rede möchte ich noch zwei Themen adressieren: Zur Bundesstaatsanwaltschaft – wir haben es heute auch in der Zeitung lesen können –: ein Meilenstein! Die Frage betrifft die Umsetzung, die Umsetzung im Detail. Bleibt es und wird es ein Meilenstein oder wird es ein Kieselstein? Das entscheiden ja am Ende des Tages auch wir! Das entscheiden wir hier im Hohen Haus. Der gestrige Ministerratsvortrag war der Start dieses Prozesses. Ich freue mich, dass wir im Regierungsprogramm festgeschrieben haben, dass wir eine tiefgreifende Justizreform angehen wollen. Nach den letzten 20 Jahren ist es auch an der Zeit. Da geht es um Verbesserungen der Beschuldigtenrechte, Verbesserungen der Verfahrensdauer, bei den Gerichtskosten, in der Justizstruktur. Frau Bundesministerin, vielen Dank für die Mühen, aber ich bitte Sie auch: Binden Sie uns ein! Binden Sie die Expertinnen und Experten ein und alle Fraktionen hier im Hohen Haus! Das ist eine ganz wichtige Sache. (👏 ÖVP) Das Zweite, das ich adressieren möchte, ist die Besitzstörungsindustrie – so würde ich sie einmal nennen. Es gab auch heute wieder eine mediale Berichterstattung, ich glaube, zu Kärnten: 400 Euro für wenige Sekunden auf einer freien Fläche, die zu zahlen sind. Da geht es vielfach nicht um die Störung des ruhigen Besitzes. Meistens oder sehr oft, nein, nicht meistens, aber sehr oft ist das Abzocke, also ein Geschäftsmodell: Solange Gerichtskosten und das prozessuale Risiko höher sind als das, was man bei einem unlauteren Angebot zahlen muss, wird sich an der Abzocke, an diesem Geschäftsmodell nichts ändern. Frau Bundesministerin, ich weiß, da gibt es auch schon Entwürfe und erste legistische Überlegungen. Das ist gut so. Ich würde mir wünschen, dass wir das möglichst schnell gemeinsam verräumen und dem ganzen Spektakel ein Ende setzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete Alma Zadić , Sie gelangen zu Wort.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geschätzte Frau Justizministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Herr Abgeordneter Grüner hat das eigentlich mit einem schönen Bild veranschaulicht, da braucht man nicht sehr viel hinzuzufügen: Die Europäische Union ist eine Wohnung und die einzelnen Mitgliedstaaten sind Zimmer, und es wäre schön, wenn wir unsere Gesetze so vereinheitlichen, dass unsere Strafverfolgungsbehörden rasch agieren können. Genau das tut diese Sammelnovelle. Es werden auch Lücken im Bereich der europäischen Justizzusammenarbeit geschlossen. Ich muss sagen, ich finde das gut, denn nur so können Strafverfolgungsbehörden effizient über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten, denn, seien wir uns ehrlich: Kriminalität macht vor Landesgrenzen nicht halt, und deswegen braucht es verstärkte europäische Zusammenarbeit. (👏) Die Umsetzung: Ja, sie ist technisch komplex, aber inhaltlich sinnvoll. Sie bringt mehr Klarheit, Effizienz und Rechtssicherheit für Behörden und letztlich auch mehr Gerechtigkeit im Strafverfahren. Besonders hervorheben möchte ich die verpflichtende Speicherung von Fingerabdrücken zur eindeutigen Identifikation von Verurteilten sowie die Einführung von QR-Codes auf Strafregisterauszügen, um Fälschungen zu verhindern. Das ist doch eine tolle Sache! Diese Novelle zeigt einmal mehr, wie wichtig eine funktionierende europäische Zusammenarbeit im Strafrecht ist und wie komplex auch nationale Umsetzungen sein können. Wir werden diesem Gesetzespaket jedenfalls zustimmen, weil es Europa stärker vernetzt, weil Justizverfahren so transparenter werden und weil es letzten Endes das Vertrauen in die Institutionen stärkt. Um aber auch einen zeitgemäßen, einen niederschwelligen, vor allem aber auch einen kostenfreien Zugang zu Strafregisterauszügen zu ermöglichen – zu digitalen Strafregisterauszügen, denn jetzt gibt es ja diese QR-Codes –, bringen wir einen Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , LL.M., Kolleginnen und Kollegen betreffend „digitale Strafregisterauszüge endlich gratis machen!“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Justiz, der Bundesminister für Inneres und der Bundesminister für Finanzen, werden aufgefordert, dem Nationalrat eine Gesetzesvorlage zu unterbreiten, wonach die Ausstellung der Strafregisterbescheinigung künftig insbesondere in den Fällen kostenlos sein soll, in denen weder Verwaltungs- noch Portokosten entstehen.“ Vielen Dank. (👏) 19.17 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/153.1 digitale Strafregisterauszüge endlich gratis machen! (104/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nun hat sich Frau Bundesministerin Anna Sporrer zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Ministerin.

Strafgesetzbuch

146 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 135 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Strafgesetzbuch wird um einen neuen Straftatbestand ergänzt, der das vorsätzliche, unaufgeforderte Zusenden von Genitalbildern („Cyberflashing“) mittels Informations- und Kommunikationstechnologien unter Strafe stellt. Damit wird das Regierungsprogramm 2025–2029 umgesetzt und Art. 7 lit. c der EU-Richtlinie (EU) 2024/1385 bis zur nationalen Umsetzung vorbereitet.

Betroffen sind Personen, die unaufgefordert Genitalbilder über digitale Kanäle (z.B. Social Media, Dating-Apps, Messenger, E-Mail/SMS, Airdrop/Bluetooth) versenden, sowie deren Empfängerinnen und Empfänger.

Dokumente

Strafgesetzbuch

Ausgangslage und Problemstellung

  • Cyberflashing umfasst das unaufgeforderte Übermitteln von Genitalbildern im Internet und in sozialen Medien, etwa über Dating-Apps, Nachrichten-Apps, per E-Mail oder SMS sowie über technische Übertragungsmechanismen wie Airdrop oder Bluetooth.
  • Cyberflashing wird als spezielle Form sexueller Belästigung beschrieben und kann sowohl durch fremde als auch durch bekannte Personen erfolgen.
  • In Österreich ist das unaufgeforderte Zusenden von Fotos entblößter Geschlechtsteile einer erwachsenen Person an eine andere Person derzeit nicht gerichtlich strafbar.

Europarechtlicher Rahmen und Umsetzungsverpflichtung

  • Auf EU-Ebene wurde 2024 die Richtlinie (EU) 2024/1385 zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt beschlossen.
  • Die Richtlinie ist bis 14. Juni 2027 in nationales Recht umzusetzen.
  • Art. 7 lit. c der Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, die vorsätzliche, unaufgeforderte Zusendung mittels Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) eines Bildes, Videos oder sonstigen vergleichbaren Materials, auf dem Genitalien abgebildet sind, an eine Person unter Strafe zu stellen.

Ziel und Inhalt des Gesetzesvorhabens

  • Durch Änderung des Strafgesetzbuchs soll ein neuer Straftatbestand geschaffen werden, der die Zusendung unerwünschter „dick pics“ (unaufgeforderte Genitalbilder) verbietet bzw. unter Strafe stellt.
  • Das Vorhaben dient der Umsetzung der im Regierungsprogramm 2025–2029 vorgesehenen Maßnahme zum Verbot der Zusendung unerwünschter Genitalbilder.
  • Gleichzeitig soll damit den Vorgaben des Art. 7 lit. c der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen entsprochen werden.

Kompetenzgrundlage und Verfahren

  • Die Zuständigkeit des Bundes zur Erlassung ergibt sich aus Art. 10 Abs. 1 Z 6 B-VG (Strafrechtswesen).
  • Besonderheiten des Normerzeugungsverfahrens: keine.
  • Verhältnis zu EU-Rechtsvorschriften: Der Entwurf dient auch der Umsetzung von Unionsrecht, konkret Art. 7 lit. c der Richtlinie (EU) 2024/1385.

Strafgesetzbuch

~19 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Markus Tschank

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren heute eine Regierungsvorlage, mit der das Strafgesetzbuch geändert werden soll und ein neuer Straftatbestand des Cyberflashings geschaffen werden soll. Cyberflashing – was ist das? –: Personen erhalten unaufgefordert und absichtlich Bildaufnahmen von entblößten Genitalbereichen mittels Informations- und Kommunikationstechnik. Mir ist es wichtig, an dieser Stelle vorab einmal zu betonen, dass das nicht in Ordnung ist und dass das sozial inadäquates Verhalten ist, das auch von unserer Seite in keiner Art und Weise toleriert wird und auch entsprechend gesetzlich sanktioniert gehört. (👏 FPÖ) Die Frage ist hier nur, auf welche Art und Weise und ob das hier mit dieser Vorlage richtig umgesetzt wird. Was ist die Zielsetzung des neuen Straftatbestandes? Ist der Kernbereich des Strafrechts im konkreten Fall wirklich das geeignete Instrument und ist der Tatbestand in der vorliegenden Form auch treffsicher genug? – Aus meiner Sicht, aus unserer Sicht ist das nicht der Fall. Die Regierungsvorlage weicht offenbar bewusst von der EU-Richtlinie ab, die die Europäische Union letztes Jahr verabschiedet hat, nämlich die Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. In dieser Richtlinie ist eine Bestrafung von Cyberflashing nur dann vorgesehen, wenn diese Handlungen wahrscheinlich auch dazu führen, dass die Person einen schweren psychischen Schaden erleidet und auch entsprechend darunter leidet. Ein einmaliges Verschicken eines solchen Bildes soll nach den europarechtlichen Vorgaben gar nicht strafbar sein. Der Empfänger hat die Möglichkeit, den Absender zu blockieren und dadurch auch den weiteren Kontakt entsprechend zu vermeiden. Es ist hier also europarechtlich eine bestimmte Erheblichkeitsschwelle vorgesehen – einmal, muss man sagen, von der Union etwas Vertretbares, das man auch so umsetzen könnte. Umso verwunderlicher, dass von dieser Erheblichkeitsschwelle in diesem Fall überhaupt kein Gebrauch gemacht worden ist und der Entwurf, der hier vorliegt, davon einfach abgeht. Und warum? – Weil es offenbar schwerer beweisbar ist, und deswegen machen wir es nicht. Also die Tatbestände werden jetzt offenbar nach Beweisbarkeit zusammen konzipiert und erstellt und nicht nach der Frage, wie das tatsächliche Bedrohungsbild ist. Das ist das, was mich hier im Konkreten schon sehr verwundert. (👏 FPÖ) Mein Eindruck ist, sehr geehrte Damen und Herren, dass es hier in Wahrheit um den Kampf gegen die toxische Männlichkeit geht …

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Markus Tschank

… und wohl auch gegen die toxische Weiblichkeit, denn der Tatbestand ist geschlechtsneutral formuliert, Frau Kollegin.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Aber die Erfahrung ...!

FPÖ Markus Tschank

… Also es geht in beide Richtungen, und Sie werden ja auch hoffentlich zugestehen, dass das hier kein Paragraf ist, der sich gegen die Männlichkeit richtet – und für einen Kampf der Geschlechter sind wir an dieser Stelle nicht zu haben, das sage ich auch in ganz klarer Deutlichkeit. (👏 FPÖ) Der Tatbestand – und das ist für mich eigentlich auch ein erheblicher Punkt, warum wir nicht zustimmen können – belastet vor allen Dingen junge Menschen. Wir sind der Meinung, es macht schon einen erheblichen Unterschied, ob ein junger Mensch mitten in der Pubertät zwischen 14 und 18 einer Schulkollegin einmal in einer blöden Aktion unüberlegt ein obszönes Bild schickt oder ob das ein volljähriger erwachsener Mensch macht , Frau oder Mann. Das macht einen Riesenunterschied, und zu bedenken ist, dass gerade in dieser Altersgruppe der Gebrauch von neuen Medien auch besonders intensiv ausgelebt wird. Dadurch wird vor allem die Jugendgerichtsbarkeit belastet, Minderjährige werden hier kriminalisiert, vor die Strafrichter gestellt und zu guter Letzt natürlich auch verurteilt. Aus meiner Sicht geht es hier um eine erzieherische Maßnahme, die in Form eines Strafgesetzes Eingang in das StGB finden soll, dort gehört das allerdings nicht hin. Es setzt Jugendliche tatsächlich einem sehr hohen strafrechtlichen Risiko aus, und diese Meinung teilen ja auch Jugendschutzorganisationen mit uns, die ganz genau wie wir auch kritisch angemerkt haben, dass dieser Tatbestand in der vorliegenden Form durchaus nicht positiv ist und dass man sich das überlegen sollte. (👏 FPÖ) Junge Menschen in diesem Alter sind noch in Entwicklung, das heißt, sie sind nicht toxisch, sondern sie sind in diesen Fällen unreif. Das macht einen ganz erheblichen Unterschied, Frau Ministerin, aber das ist hier in diesem Vorschlag einfach nicht bedacht worden. Der Einsatz des Strafrechts ist hier ganz einfach nicht gerechtfertigt. Wir setzen uns dafür ein, dass die Jugendlichen nicht für dumme Aktionen, die tatsächlich dumm sind, kriminalisiert werden, und das ist gut und richtig so. (👏 FPÖ) Der richtige Sanktionsmechanismus – einen solchen braucht es schon in diesem Fall – wäre das Verwaltungsstrafrecht. Es wäre mit Geldstrafen, mit Schulungen, mit Aufklärung und Wertekursen entsprechend vorzugehen. Deswegen auch abschließend mein Appell an Sie: Überlegen Sie sich diesen Gesetzentwurf noch einmal, denken Sie sich durch, was das vor allen Dingen für die jungen Menschen bedeutet, die unüberlegt eine Handlung setzen, die sie dann im Endeffekt mit einer Vorstrafe bezahlen müssen. Ziehen Sie diese Regierungsvorlage zurück – und dann bauen wir gemeinsam ein treffsicheres Gesetz, das wirklich effektiv ist! – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Ich begrüße auch Frau Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner im Hohen Haus. Frau Abgeordnete Selma Yildirim , Sie gelangen zu Wort.

SPÖ Selma Yildirim

Zwei Beispiele: Ein Polizist als Vorgesetzter, der jenen Polizistinnen, die in Ausbildung sind, permanent Dickpics schickt, Bilder von seinem nackten Penis – disziplinarrechtlich ist das eine Grauzone, es ist immer noch in der Schwebe. Hohe Funktionäre von Blaulichtorganisationen, Rettungsorganisationen schicken jenen, die sie ausbilden sollen, tagtäglich solche Bilder. Die Konsequenzen: null. Aber noch schlimmer: Mädchenberatungsstellen berichten uns, für 11-, 12-jährige, 13-jährige Mädchen gehört es zum Alltag, dass sie mit solchen Bildern zugemüllt werden. Noch schlimmer: Frauenberatungsstellen bekommen tagtäglich solche E-Mails. Und Sie stehen da, Herr Tschank, ein Vertreter der Law-and-Order-Partei, und verharmlosen das? – Das ist eine Grenzüberschreitung, das ist im höchsten Maße belastend für die Betroffenen, das ist sexuelle Gewalt und eine Form von Machtmissbrauch. (👏 ÖVP, SPÖ) Das Schlimme ist, dass wir bis jetzt keine Handhabe haben außer einem aufwendigen, risikobehafteten Zivilverfahren, nämlich der Unterlassungsklage. Dass das jetzt effektiv gelöst werden muss und im Rahmen der EU-Richtlinie gedeckt ist, ist höchst an der Zeit. Andere Länder haben das bereits gemacht. Es ist ganz wichtig, sehr geehrte Damen und Herren, dass das als Offizialdelikt im Strafrecht verankert ist, zudem das Einverständnis der betroffenen Person benötigt, die Polizei dann aber einschreiten kann. Uns geht es ganz sicher nicht um die Kriminalisierung der jungen Generationen, der nachfolgenden Generationen oder von jungen Menschen, sondern darum: Genauso, wie es nicht geht, dass ein auf der Straße entgegenkommender Mann ungestraft einfach die Hosen runterlässt – das geht nicht –, geht das auch in der digitalen Welt nicht. Wir wissen, dass sehr viele Straftaten sich jetzt in die digitale Welt verflüchtigen – und es kann nicht sein, dass wir keine Antworten darauf haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Dieses Gesetz ist bewusst nicht in einem verwaltungsstrafrechtlichen Bereich verankert, sondern im Strafgesetzbuch, weil dieses dank Christian Broda – noch – eines der fortschrittlichsten ist. Ich hoffe, dass das so bleibt, sehr geehrte Frau Justizministerin, werte Frau Frauenministerin und sehr geehrte Frau Präsidentin, die auch sehr engagiert ist, wenn es darum geht, Gewaltschutz zu forcieren und die Rechte der Mädchen und der jungen, aber auch der erwachsenen Frauen zu schützen. Es geht hier darum, dass im Rahmen dieser strafgesetzlichen Regelungen das Instrument der Diversion in Anspruch genommen werden kann. Stellen Sie sich so einen jungen oder älteren Menschen vor, der das verübt und das auch noch lustig findet. Viele Männer finden das sogar lustig, aber auch Jugendliche finden das lustig – das, was für viele Betroffene vielmehr ekelerregend ist; ich denke vor allem an die jungen Mädchen, die heranwachsenden Mädchen. Stellen wir uns die Situation vor, wie das ist, wenn die Polizei einmal nachfragt – das konnte sie bis jetzt nicht – oder wenn es dann nach einer Ermittlung wirklich zur Strafanzeige kommt und dieser Mensch zum Beispiel vor vier Personen sitzt und das erklären muss. Allein diese erzieherische Maßnahme bewirkt etwas, wirkt aus unserer Sicht generalpräventiv. Daher ist dieses Gesetz gut geregelt und es wäre im verwaltungsstrafrechtlichen Bereich aus meiner Sicht falsch, weil Verwaltungsbehörden die Möglichkeit der Diversion nicht haben. Da würden Strafen picken, und dann, glaube ich, ist es viel schwerer. Uns geht es nicht darum, zu kriminalisieren, uns geht es einfach darum, jungen Menschen ein effektives Instrument zur Bekämpfung von Gewalt, Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen in die Hand zu geben. In diesem Sinne bedanke ich mich, Frau Ministerin – Ministerinnen, muss ich sagen –, dass Sie das zustande gebracht haben, was die Vorgängerregierung nicht zustande bringen konnte, im Sinne der Frauen und im Sinne des Gewaltschutzes. – Danke sehr. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Sie haben sich zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet? – Bitte, Herr Abgeordneter Herbert, Sie kennen die Bestimmungen der Geschäftsordnung.

FPÖ Werner Herbert

Danke, Frau Präsidentin. – Unabhängig davon, dass ich das gar nicht gutheißen will, was da in den Raum gestellt wurde …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Fängt schon einmal falsch an!

FPÖ Werner Herbert

… aber ich darf schon eines tatsächlich berichtigen. Kollegin Yildirim hat gerade gesagt, wenn ein Polizist Dickpics verschickt, dann habe das keine Konsequenzen. – Das stimmt so nicht. Ich darf tatsächlich berichtigen: Das ist sehr wohl Grundlage eines dienstrechtlichen Tatbestandes, nämlich einer Disziplinarverfehlung, unabhängig von allen weiteren rechtlichen Konsequenzen nach dem Strafrecht oder Verwaltungsrecht.

SPÖ Yildirim (Zwischenruf)

Aber nicht effektiv! Der eine Polizist ist immer noch im Dienst seit vier Jahren! Nicht effektiv, weil wir kein Gesetz haben!

FPÖ Werner Herbert

… Wahrscheinlich hat ihn niemand angezeigt …

SPÖ Yildirim (Zwischenruf)

... angezeigt, aber nicht effektiv!

FPÖ Werner Herbert

… aber das ist natürlich eine andere Geschichte. Grundsätzlich ist das aber eine klare Verfehlung gegen dienstrechtliche Verhaltensvorschriften im öffentlichen Dienst und insbesondere bei der Polizei. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Gudrun Kugler zu Wort.

ÖVP Gudrun Kugler

Danke, Frau Präsidentin! Frauen Bundesministerinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ganz kurz: Kollege Herbert, ich glaube nicht, dass der Polizist der Hauptanwendungsfall dieses Gesetzes sein wird, sondern es gibt viele andere Fälle.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das Beispiel ist ...!

ÖVP Gudrun Kugler

… Es gibt natürlich auch so ein Beispiel, aber es ist sicher nicht der Hauptanwendungsfall. Wir sprechen ja hier über die unerwünschte, absichtliche Belästigung durch Zusendung von Genitalbildern. Das – Frau Kollegin Yildirim hat es schon gesagt – ist eine Form des Exhibitionismus im digitalen Raum. Es hat uns natürlich die Welle Internet, obwohl sie jetzt doch schon mehrere Dekaden vorherrscht, im rechtlichen Sinn immer wieder überrascht. Das Prinzip, das wir hier in diesem Haus verwirklichen müssen, ist, dass das, was offline verboten ist, auch online verboten ist. Nur so können wir die nächste Generation schützen. Da geht es bitte schön, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, nicht um Geschlechterkampf, sondern um Schutz der Jugendlichen. Diese Regierungsvorlage gibt also jetzt den Betroffenen die Möglichkeit, sich zu wehren. Dass die Situationen zunehmen, wissen wir leider alle. Ich bin überrascht, dass die FPÖ heute einmal die Maßnahmen der Europäischen Union – hier eine Richtlinie – als Maßstab oder Richtschnur verwendet; das verwundert mich. Ich glaube, wir müssen nach in Österreich funktionierenden Lösungen suchen, und da haben wir natürlich ein bestehendes Rechtssystem und eine Rechtssystematik, an der wir uns orientieren müssen, damit unser Rechtssystem weiterhin Sinn macht – darum das Strafrecht. Es ist natürlich richtig, man könnte das auch anders lösen, aber wir haben nun einmal den Tatbestand sexuelle Belästigung im Strafrecht. Das Strafrecht hat ja zahlreiche Funktionen: Es geht einerseits um die Spezialprävention – das haben wir schon besprochen –; aber es geht natürlich auch um Generalprävention, nämlich um eine Abschreckung der Allgemeinheit vor Straftaten, um eine Stärkung des Rechtsbewusstseins und um klare Verhaltensgrenzen: Was ist in unserer Gesellschaft akzeptiert und was ist nicht akzeptiert? Dabei spielt das Strafrecht eine wichtige Rolle. Die Möglichkeit der Diversion wurde genannt – ich glaube, dass das ganz, ganz wichtig ist –, und dafür ist das Strafrecht eine Voraussetzung. Ich möchte abschließend noch sagen: Dieser Regierungsvorlage geht eine jahrelange Diskussion voraus. Die damalige Jugendstaatssekretärin – jetzt Bundesministerin – Claudia Plakolm hat sich jahrelang dafür eingesetzt. Ich glaube, an dieser Stelle muss man ihr auch ein ganz großes Dankeschön aussprechen. (👏 ÖVP, NEOS) Claudia Plakolm hat immer wieder dazu kommuniziert; einen Satz möchte ich jetzt wiederholen: Was im echten Leben strafbar ist, muss auch im Internet Konsequenzen haben. – Darum geht es uns, und dafür ist diese Regierungsvorlage ein Meilenstein. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Frau Abgeordnete Henrike Brandstötter zu Wort gemeldet. – Bitte.

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frauen Bundesministerinnen! Mit der heutigen Gesetzesänderung schreiben wir ein Stück digitale Geschichte. Ziemlich genau zehn Jahre nach dem Pograpsch-Paragrafen kommt jetzt der Dickpic-Paragraf, und er zeigt eines ganz deutlich: Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt, und das Strafrecht zieht auch endlich nach. Bei beiden Paragrafen geht es im Kern um eine ganz einfache Frage: Was muss man sich als Frau denn eigentlich gefallen lassen? Was muss man über sich ergehen lassen, wenn ein Mann einfach so auf die Idee kommt, ein Penisfoto zu machen und ungefragt hineinzusliden in irgendwelche Social-Media-Kanäle, in unsere Mailboxen, via Bluetooth in U-Bahnen auf unsere Handys? Das geht einfach nicht mehr! Ich frage mich schon oft: Wie kommt man eigentlich auf diese Idee, zu sagen: Ja, da mache ich jetzt ein Foto, weil: Das ist so fesch, das muss die Welt jetzt einfach gesehen haben! ( Heiterkeit bei Abgeordneten von NEOS und Grünen. ) Also das ist so völlig fern von meiner Vorstellungskraft; es gibt aber Untersuchungen dazu. Es gibt zwei Gruppen: Die kleinere Gruppe, das sind Männer, die tatsächlich ziemlich patschert sind im Leben und glauben, dass das eine gute Anbahnungsstrategie ist, weil: Was man selber so toll findet, muss ja wer anderer auch toll finden, und das könnte doch ein guter Gesprächseinstieg sein, wenn man jemandem ein Dickpic schickt. Die viel größere Gruppe hingegen sind Männer, die einfach einen Machtmissbrauch betreiben, die Frauen dominieren wollen, die sie zwingen wollen, ihre Penisbilder anzusehen. Und diesen Männern sei gesagt: Eure Penisbilder interessieren wirklichen keinen Schwanz! ( Heiterkeit und Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und Grünen. ) Es ist übergriffig, es ist respektlos, und es ist Gott sei Dank mit 1. September endlich Geschichte. Niemand muss mehr gezwungen werden, sich Genitalbilder, Penisbilder anzusehen, ohne dass das irgendwelche Konsequenzen hat. Es ist wichtig, dass wir Konsens schaffen über Interaktion, und wir sind hier auf vielen Ebenen unterwegs. Auch an dieser Stelle ist zu sagen: Nur Ja heißt Ja. Wir reden bei all diesen Fällen übrigens auch nie über die Machtgefälle, die oft damit einhergehen. Viele Fälle haben genau dieses Machtgefälle: Lehrer, Studentin; Chef, Praktikantin; fremder Mann, junge Frau. Da geht es um Dominanz, da geht es um Einschüchterung, und das ist endlich Geschichte. Weil: Gleichstellung, meine Damen und Herren, zeigt sich nicht nur bei Gehältern, zeigt sich nicht nur bei Karenzmodellen, sondern auch darin, wem wir glauben, wem wir zuhören und für wen wir eigentlich Konsequenzen schaffen. Und für viele Frauen draußen ist das ein wichtiges Signal: Ihr seid nicht alleine, und ihr müsst euch das nicht mehr gefallen lassen! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Alma Zadić .

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Justizministerin! Frau Frauenministerin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Heute setzen wir einen wichtigen Schritt im Kampf gegen digitale sexuelle Belästigung. Das unerwünschte Versenden von Dickpics, also Bildern männlicher Genitalien, wird unter Strafe gestellt. Es ist wichtig, dass diese Form der Belästigung nicht länger bagatellisiert wird. Daher wird es auch einer EU-Richtlinie entsprechend heute schon umgesetzt. Und das ist wichtig, denn Umfragen bestätigen, was viele Mädchen und Frauen leider täglich erleben müssen. Rund 60 Prozent der jungen Frauen in Österreich berichten, dass sie online bereits sexuell belästigt wurden, vielfach durch das ungefragte Zuschicken expliziter Bilder. Und das sind keine harmlosen Späße oder unglückliche Missverständnisse; es ist eine bewusste Grenzüberschreitung, eine Form sexueller Gewalt, und sie verdient eine klare Antwort im Strafrecht. Und, Herr Abgeordneter Tschank, es ist nicht einfach Männlichkeit. Es ist sexuelle Gewalt, und ich finde es gut, dass es heute eine klare Antwort darauf gibt. (👏 SPÖ, NEOS) Es ist nämlich ein Zeichen für Schutz, für Respekt und für die Integrität im digitalen Raum. Ich würde mir auch ein weiteres starkes Zeichen wünschen, um Mädchen und Frauen zu schützen und ihre Integrität zu respektieren. Und die Frauenministerin hat das ja letztens auch gefordert: Es geht um das Konsensprinzip. Es ist höchste Zeit, dass wir in Österreich endlich das Prinzip Nur Ja heißt Ja, also klaren Konsens, im Sexualstrafrecht verankern. (👏 SPÖ) Es kann nämlich nicht sein, dass vor einem Richter sexuelle Gewalt nicht als Vergewaltigung verurteilt wird, nur weil das Gericht nicht feststellen konnte, ob sich die Betroffene wirklich aktiv zur Wehr gesetzt hat oder ob die Betroffene wirklich Nein gesagt hat. Immer wieder wird nämlich genau das in einem Strafverfahren von Strafverteidigern vorgebracht, um dem Mandanten eine Verurteilung wegen Vergewaltigung zu ersparen. Es ist höchste Zeit, dass wir das ändern. Es ist höchste Zeit, dass sexuelle Handlungen nur einvernehmlich vonstattengehen dürfen, nur dann, wenn alle Beteiligten ausdrücklich zustimmen. Alles andere, meine Damen und Herren, ist eine Vergewaltigung. (👏 SPÖ) Frankreich hat sein Strafrecht auch angepasst. Wann? – Nach diesem furchtbaren Fall Pelicot; weil man es nicht mehr ausgehalten hat, dass sich manche der Beschuldigten damit verteidigt haben, die Frau hätte nie ausdrücklich Nein gesagt und sie hätten nicht gemerkt, dass sie in bewusstlosem Zustand war. Ein modernes Sexualstrafrecht muss der Realität gerecht werden und die sexuelle Selbstbestimmung und Integrität aller Menschen konsequent schützen, so wie es zahlreiche andere europäische Länder tun: Spanien, Schweden, Frankreich und seit Neuestem auch Norwegen. Ich glaube, dass es auch an der Zeit ist, dass Österreich sich diesem Standard anschließt. Angesichts der Tatsache, dass jede dritte Frau im Erwachsenenalter sexuelle Gewalt erlebt, ist es höchste Zeit für ein klares Vorgehen gegen sexualisierte Gewalt und für eine Gesellschaft, in der Konsens an erster Stelle steht. (👏 SPÖ) Daher bringe ich folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , LL.M., Kolleginnen und Kollegen betreffend „‚Nur Ja heißt Ja‘ im Sexualstrafrecht einführen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Justiz und die Bundesministerin für Frauen, wird aufgefordert, die gesetzliche Verankerung des Grundsatzes ‚Nur Ja heißt ja‘ im Sexualstrafrecht vorzubereiten und dem Nationalrat einen entsprechenden Gesetzesentwurf bis Ende 2025 zuzuleiten.“ Vielen Dank. (👏) 19.46 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/162.1 „Nur Ja heißt Ja“ im Sexualstrafrecht einführen (105/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nun hat sich Frau Bundesministerin Anna Sporrer zu Wort gemeldet. – Bitte.

SPÖ Petra Oberrauner

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Bundesministerinnen! Hohes Haus! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher zu Hause vor den Bildschirmen! Heute setzen wir einen Schritt, der längst überfällig war. Wer unaufgefordert sogenannte Dickpics versendet, macht sich künftig strafbar. Mit diesem Gesetz stellen wir klar: Das unaufgeforderte Versenden von Dickpics ist sexuelle Belästigung, ist eine massive Verletzung der Privatsphäre und ein digitaler Übergriff, der vor allem Frauen und junge Mädchen verletzt, schockiert und beschämt. Wir wissen, es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern es ist ein Massenphänomen, das vor allem Frauen betrifft und leider auch immer wieder junge Mädchen, teils zwischen zwölf und 13 Jahren. Umso wichtiger ist es, dass wir handeln. Viele Täter glauben, es ist völlig in Ordnung, solche Bilder ungefragt durch die Welt zu schicken, auch weil es bislang kaum Konsequenzen gab. Viele Betroffene sind sprachlos, fühlen sich entmündigt, gedemütigt und hilflos. Gerade Frauen und junge Mädchen mit Missbrauchserfahrungen können durch solche Bilder retraumatisiert werden; sie reißen alte Wunden auf und lassen Angst und Ohnmacht wieder lebendig werden. Damit ist jetzt Schluss. Mit diesem Gesetz setzen wir ein klares Zeichen. Die Betroffenen haben endlich ein Instrument, sich zu wehren, und vor allem wissen sie, die Politik und die Gesellschaft nehmen diese Übergriffe ernst und stehen klar an der Seite der Opfer. (👏 SPÖ, NEOS) Ich freue mich sehr, dass es unter der neuen Bundesregierung und ganz besonders unter der Führung der Frau Ministerin gelungen ist, diese wichtigen Anliegen so rasch und entschlossen umzusetzen. Das zeigt, mit Mut und politischem Willen verändern wir, was für viele längst überfällig ist. Wir sagen klar: Die Scham muss die Seite wechseln! Wer persönliche und intime Grenzen überschreitet, muss die Konsequenzen spüren, online wie offline. Herr Tschank, Ihnen möchte ich sagen: Mit Ihnen werde ich ganz sicher nichts gemeinsam bauen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Sams .

SPÖ Manfred Sams

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frauen Bundesministerinnen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich stehe heute hier als Mann und als überzeugter Feminist. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Feminismus ist nämlich keine Frage des Geschlechts, Feminismus ist vielmehr eine Frage der Haltung, des Respekts und der Gerechtigkeit. Es ist mir wichtig, das gleich zu Beginn klarzustellen. Meine Damen und Herren, das ungewollte Zusenden von Genitalbildern, sogenannten Dickpics, ist sexuelle Belästigung. Es ist eine Form der sexuellen Belästigung im digitalen Raum, Punkt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es geht nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um eine Grenzüberschreitung, um Macht, um Dominanz und um Demütigung. Vor allem junge Frauen und Mädchen sind betroffen. Was bleibt, ist oft mehr als ein Schock, es sind Gefühle von Scham, Ohnmacht und psychische Belastungen, die lange anhalten. Die Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ hätten das Thema gerne weichgespült: raus aus dem Strafrecht, weniger Konsequenzen, aber das greift zu kurz. Das ist das falsche Signal. (👏 SPÖ, NEOS) Sexuelle Belästigung ist im Strafgesetzbuch geregelt, und das aus gutem Grund: Wenn die digitale Welt ernst genommen wird, dann müssen wir auch die digitale Form dieser Gewalt ernst nehmen, sie nicht verharmlosen, nicht relativieren, sondern klar unter Strafe stellen. Das heißt jetzt für mich persönlich, feministisch zu handeln. Das heißt, nicht wegzuschauen, nicht zu schweigen – auch dann nicht, wenn es um Gewalt geht, die wir Männer selbst vielleicht nie erfahren. Das heißt, klar an der Seite jener zu stehen, die sexualisierte Gewalt erleben, ob auf der Straße, am Arbeitsplatz oder im Netz. Wer die Realität von Frauen ernst nimmt, muss auch ihre digitalen Erfahrungen ernst nehmen. Wir haben in dieser Regierung in einem halben Jahr mehr weitergebracht als die Regierungen mit FPÖ oder Grünen vor uns in derselben Zeit. Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür: ein Gesetz, mit dem wir nicht wegschauen, sondern handeln. Die vorgeschlagene Gesetzesänderung ist deshalb richtig und notwendig. Sie setzt klare Grenzen. Wer absichtlich und unaufgefordert Dickpics verschickt, begeht eine Straftat – keine Geschmacklosigkeit, kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Dieses Gesetz ist ein wichtiger Schritt für mehr Schutz. An die Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ: Spart euch eure Relativierungen, habt Anstand und stimmt diesem Gesetzentwurf zu! – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Ehe- und Partnerschaftsrechts-Änderungsgesetz 2025 – EPaRÄG 2025

147 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 97 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Die Eheschließung und die Begründung einer eingetragenen Partnerschaft sind künftig ausnahmslos erst ab Volljährigkeit (18 Jahre) zulässig. Zudem wird das Verbot auf Verwandte bis zum vierten Grad der Seitenlinie (inkl. Adoptivverwandtschaft) ausgeweitet und die Staatsanwaltschaft erhält wieder die Klagebefugnis zur Nichtigerklärung bei fehlender Ehe-/Partnerschaftsfähigkeit.

Betroffen sind Minderjährige, Personen, die eine Ehe oder eingetragene Partnerschaft mit nahen Seitenverwandten (z.B. Cousin/Cousine) eingehen wollen, sowie Verfahren zur Nichtigerklärung von Ehen und eingetragenen Partnerschaften.

Dokumente

Ehe- und Partnerschaftsrechts-Änderungsgesetz 2025 – EPaRÄG 2025

Ziel und Hauptgesichtspunkte des Gesetzes (EPaRÄG 2025)

  • Ehefähigkeit soll – ohne Ausnahme – erst mit Volljährigkeit (18 Jahre) gegeben sein; Angleichung an die bereits volljährigkeitsgebundene Fähigkeit zur Begründung einer eingetragenen Partnerschaft.
  • Eheverbot bzw. Begründungshindernis für eine eingetragene Partnerschaft soll auch zwischen Verwandten bis zum vierten Grad der Seitenlinie gelten (Ausweitung des Verbots).
  • Klagebefugnis der Staatsanwaltschaft zur Nichtigerklärung einer Ehe oder eingetragenen Partnerschaft bei fehlender Ehe-/Partnerschaftsfähigkeit soll wieder eingeführt werden.

Kompetenzgrundlage und unionsrechtlicher Bezug

  • Kompetenzgrundlage: Art. 10 Abs. 1 Z 6 B-VG („Zivilrechtswesen“).
  • Verhältnis zum EU-Recht: Die Änderungen betreffen Bereiche, die im Unionsrecht nicht geregelt sind.

Auswirkungen, Deregulierung und Verfahren

  • Keine negativen Auswirkungen auf Beschäftigung und Wirtschaftsstandort.
  • Deregulierungsaspekte stehen dem Vorhaben nicht entgegen (im Sinn des Deregulierungsgesetzes 2001).
  • Keine besonderen Beschlusserfordernisse in Nationalrat/Bundesrat; keine Notifikation nach Notifikationsgesetz 1999 erforderlich.

Begründung: Kinderschutz, Verhinderung von Kinder- und Zwangsehen

  • Kinderehe (UNICEF-Definition): formale Eheschließung, bei der mindestens eine Person unter 18 Jahre alt ist.
  • Schutz Minderjähriger im Interesse des Kindeswohls; Verhinderung von Kinder- und Zwangsheiraten als zentraler Zweck der Anhebung/Verankerung der Ehefähigkeit erst ab Volljährigkeit.
  • Gleichbehandlung von Ehe und eingetragener Partnerschaft hinsichtlich des Mindestalters.

Änderungen im Ehegesetz (EheG): Ehefähigkeit und Aufhebung bisheriger Sonderregel

  • § 1 EheG: Ehefähigkeit ohne Ausnahme erst mit Volljährigkeit.
  • § 35 EheG: Aufhebung, weil aufgrund der Änderung des § 1 keine Zustimmung eines Vertreters/einer Vertreterin eines/einer Verlobten zur Eheschließung mehr vorgesehen ist.
  • Folgeänderungen in weiteren Bestimmungen, die an die Aufhebung des § 35 anknüpfen (insbesondere §§ 22, 33, 40 und 42 EheG).

Änderungen im Ehegesetz (EheG): Ausweitung des Eheverbots auf Seitenverwandte bis zum 4. Grad

  • § 6 EheG: Eheverbot gilt auch zwischen Verwandten bis einschließlich zum vierten Grad der Seitenlinie; erfasst sind damit u.a. Ehen zwischen Cousin/Cousine sowie zwischen Neffe/Onkel; halbblütige Verwandte bleiben erfasst.
  • Zweck der Ausweitung: Verhinderung von Zwangsheiraten, die mitunter zwischen Verwandten bis zum vierten Grad der Seitenlinie geschlossen werden; dient auch dem Kinderschutz.
  • Streichung/Entfall des Hinweises auf eheliche/uneheliche Abstammung, da insoweit keine rechtlichen Unterschiede bestehen sollen.
  • Abkehr von einer ausdrücklichen Anknüpfung an „Blutsverwandtschaft“: maßgeblich sollen sowohl genetische als auch rechtliche Verwandtschaft sein; es ist von Vermutungen rechtsrelevanter Blutsverwandtschaft auszugehen, solange nicht widerlegt oder eine genetisch abweichende Abstammung evident feststeht (Verweis auf herrschende Lehre).

Änderungen im Ehegesetz (EheG): Gleichstellung im Adoptionskontext

  • § 10 EheG: Anpassung wegen Ausweitung des Eheverbots auf Seitenverwandte bis zum vierten Grad; da nicht mehr allein auf genetische Verwandtschaft abgestellt wird, ist eine Gleichstellung auch im Bereich der Adoption geboten.

Änderungen im Ehegesetz (EheG): Nichtigerklärung und Klagebefugnis der Staatsanwaltschaft

  • § 28 EheG: Streichung des ersten Satzes in Abs. 1 zur Wiederherstellung der Rechtslage vor dem 2. Erwachsenenschutz-Gesetz; bei Nichtigkeit wegen Mangels der Ehefähigkeit (§ 22) soll auch der Staatsanwalt klagebefugt sein.
  • Begründung: Die durch das 2. Erwachsenenschutz-Gesetz erfolgte Beseitigung dieser Möglichkeit wurde in der Lehre kritisiert; vorgeschlagen wurde eine teleologische Reduktion, wonach der Ausschluss der Klagebefugnis nur bei fehlender Ehefähigkeit von Personen über 16 Jahren gelten solle; die Änderung trägt dieser Kritik Rechnung.
  • Öffentliches Interesse: Gerade bei Zwangsehen Minderjähriger (aber auch Volljähriger) besteht regelmäßig ein öffentliches Interesse an der Nichtigerklärung, das nur die Staatsanwaltschaft wahrnehmen kann; es soll keine starre Altersgrenze der nicht ehefähigen Person eingeführt werden.
  • Hinweis auf Rechtsprechung zur ordre-public-Widrigkeit von „Kinderehen“ (z.B. VwGH 16.2.2021, Ra 2020/19/0153).

Änderungen im Ehegesetz (EheG): Inkrafttreten

  • § 131 EheG: Regelung des Inkrafttretens der Änderungen durch das EPaRÄG 2025.

Änderungen im Eingetragene Partnerschaft-Gesetz (EPG): Partnerschaftsfähigkeit und Verwandtschaftsverbote

  • § 5 Abs. 1 EPG: Neuordnung/Anpassung der Ziffern: Die vorgeschlagene Z 1 entspricht unverändert der bisherigen Z 2; die vorgeschlagene Z 2 entspricht der bisherigen Z 3, wird aber erweitert.
  • Erweiterung des Begründungshindernisses: Verbot der Begründung einer eingetragenen Partnerschaft zwischen Verwandten bis zum vierten Grad der Seitenlinie.
  • Zusätzliche Erweiterung im Adoptionskontext: Verbot auch zwischen Verwandten des Adoptivkindes bis zum vierten Grad der Seitenlinie und dem Adoptivelternteil (entsprechend den Anpassungen zu §§ 6 und 10 EheG).
  • Begriffsänderung: Ersetzung des Begriffs „Abkömmlinge“ durch „Nachkommen“.

Änderungen im Eingetragene Partnerschaft-Gesetz (EPG): Nichtigerklärung und Klagebefugnis der Staatsanwaltschaft

  • § 19 Abs. 3 EPG: Streichung einer Wendung zur Wiederherstellung der Rechtslage vor dem 2. Erwachsenenschutz-Gesetz; Wiedereinführung der Klagebefugnis der Staatsanwaltschaft wegen fehlender Partnerschaftsfähigkeit (entsprechend den Erwägungen zu § 28 EheG).

Änderungen im Eingetragene Partnerschaft-Gesetz (EPG): Inkrafttreten und redaktionelle Korrekturen

  • § 45 EPG: Inkrafttretensregelung in Abs. 5 für das EPaRÄG 2025.
  • § 45 Abs. 3 und 4: Beseitigung von Redaktionsversehen (unrichtige Absatzbezeichnungen).

Ehe- und Partnerschaftsrechts-Änderungsgesetz 2025 – EPaRÄG 2025

~14 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Harald Stefan

Sehr geehrte Frau Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren einen sehr interessanten Gesetzesvorschlag. Es geht darum, im Eherecht und im Recht der eingetragenen Partnerschaft die Ehe oder die eingetragene Partnerschaft für unter 18-Jährige zu verbieten und auch die Ehe zwischen Verwandten des vierten Grades, also Cousins, Cousinen, Onkel, Tante. Warum ist das so interessant? – Zumindest aus drei Grünen: erstens weil dieses Gesetz offensichtlich eine Reaktion auf die massive ungeregelte Zuwanderung von Menschen ist, die aus kulturfremden Ländern kommen und einen ganz anderen Zugang zur Gesellschaft als wir haben. Dieses Gesetz reagiert darauf und zeigt, was das für ein Problem ist, dass es keine Bereicherung ist, sondern sehr wohl ganz negative Auswirkungen hat, auch auf den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und unserer Heimat. (👏 FPÖ) Zweitens ist sehr interessant, dass dieses Gesetz jetzt beschlossen wird, denn es war auch in den Regierungsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ oder FPÖ und ÖVP jetzt im Jänner bereits so akkordiert und vereinbart. Es ist interessant, dass die bunte Koalition als einen ihrer ersten Gesetzentwürfe hier das vorlegt, was wir auch vereinbart hätten. Drittens ist das sehr interessant, weil dieses Gesetz einem offensichtlich konservativen Weltbild unterliegt. Die Stadt Wien plakatiert doch: „Lebe deine Liebe!“ Die Einheitspartei feiert mit LGTBQ oder ist Teil davon und sagt: Ehe ist offen für alle. Das Wichtigste für eine Ehe ist, dass sich zwei Menschen gerne haben, lieben, und alles andere ist egal. Zwei Menschen können sich dann eben zu einer Ehe oder Partnerschaft verbinden, das ist das Wesentliche. Und warum sollte man nicht meinen, dass gerade Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten eine besonders innige Beziehung haben und sich lieben und daher zu einer Ehe verbinden? Warum soll man das verbieten? – Es sagt jetzt keiner etwas, das ist interessant. Es geht ja hier offensichtlich nur um die Verbindung von verschiedengeschlechtlichen Verwandten des vierten Grades, nur das ist ja das Problem, weil man festgestellt hat, dass bei Kindern aus derartigen Ehen gehäuft Erbkrankheiten auftreten. Das ist der Hintergrund. Es geht nur um die verschiedengeschlechtlichen Beziehungen, da infolgedessen, wie man festgestellt hat, Erbkrankheiten auftreten. Interessanterweise hat die katholische Kirche in ihrem Codex Iuris Canonici aus dem Jahr 1983 Ehen für Verwandte bis zum vierten Grad für ungültig erklärt. Also diese Regierung wandelt jetzt auf den Spuren der katholischen Kirche. Man verabschiedet sich offenbar von der offenen Ehe und traut sich dabei nicht auszusprechen, worum es wirklich geht, nämlich um eine Erweiterung des Inzestverbots. Und der Logik der Einheitspartei folgend müsste man sagen: Ja, man möchte die Ehe ja nur für Verschiedengeschlechtliche verbieten, denn warum sollen sich gleichgeschlechtliche – Cousinen und Cousinen, Tanten und Nichten, Onkel und Neffen – nicht zusammenfinden? Was ist da das Problem im vierten Grad? Vielleicht erklärt das noch jemand, vielleicht erklärt es die Frau Bundesminister; ich bin schon sehr gespannt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Verfassungsgerichtshof dieses Thema einmal aufgreift. Auf der anderen Seite: wenn man sich die Entscheidung zum ORF-Beitrag anschaut – ich weiß nicht, ob sie das Problem überhaupt erkennen würden. (👏 FPÖ) Für uns Freiheitliche ist es ja leicht, zuzustimmen, weil wir mit unserer Einstellung zur Ehe als Grundlage für eine Familie, aus der Kinder entstammen können, ja durchaus einverstanden sind. Da das Gesetz auf dieser Geisteshaltung basiert, freuen wir uns, hier zuzustimmen. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch .

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Es hätte mich ehrlich gesagt gewundert, wenn die FPÖ einmal eine Gelegenheit ausgelassen hätte, gegen Fremde zu hetzen; sogar bei diesem Antrag machen Sie es. Ich möchte das aber ein bisschen auf die sachliche Ebene zurückbringen …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Katholische Kirche!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… denn heute ist ein guter Tag im Kampf gegen Kinder- und Zwangsehen, beschließen wir doch heute – und das hoffentlich einstimmig – das Verbot von Eheschließungen unter 18 Jahren, denn diese Ehen werden häufig aufgrund von Druck und Zwang geschlossen. Weltweit sind die Zahlen dramatisch, es werden mittlerweile jährlich 12 Millionen Mädchen zwangsverheiratet. Aber – um das jetzt ein bisschen zu relativieren – es gibt eine Sonderauswertung der Statistik Austria, die zeigt, dass in Österreich die Zahlen stark rückläufig sind. Im Jahr 2024 haben nur sechs Personen, die unter 18 Jahren waren, geheiratet. Fest steht für mich aber, wir müssen jedes Kind schützen, weil gerade in solchen Ehen Gewalt – sowohl psychische als auch physische Gewalt – oft auf der Tagesordnung steht, und es ist für die Betroffenen oft sehr, sehr schwer, auszubrechen. Man könnte sagen, Zwangsehen sind ja jetzt schon verboten. Ja, das stimmt, aber Zwang und Druck sind nicht immer einfach festzustellen beziehungsweise kommen die Betroffenen oft erst viel später drauf – wenn sie älter werden und wenn sie das wirklich klar sehen –, in welcher Drucksituation sie damals gewesen sind. Es ist oft auch eine Gewaltspirale, aus der sie ohne Hilfe nur ganz schwer ausbrechen können. Und es bedeutet für sie auch oft, dass sie die Ausbildung abbrechen müssen und dass sie keinerlei Zukunftsperspektiven mehr haben. Aber unabhängig davon, ob eine Kinderehe durch Zwang eingegangen worden ist oder nicht, sie verstößt gegen Kinderrechte, und das lehnen wir ab. Wir stärken jetzt durch diese neue Regelung die Rechte aller jungen Menschen, vor allem die Rechte von jungen Frauen und Mädchen, denn die sollen unserer Ansicht nach in die Schule gehen, die sollen eine Ausbildung machen, die sollen ihr Leben genießen und die sollen nicht vorzeitig Verpflichtungen eingehen müssen, deren Folgen sie oft noch nicht abschätzen können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Johanna Jachs .

ÖVP Johanna Jachs

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuhörerinnen und Zuhörer! Im Kern geht es jetzt um ein Thema, das wir alle hier herinnen gleich sehen, und zwar um Kinderschutz, auch wenn er dann aus politischer Perspektive in Nuancen manchmal unterschiedlich kommentiert wird. Es ist aber wichtig und richtig, dass wir jetzt über Kinderschutz reden, denn: Worum geht es? – Wir machen Schluss mit Kinderehen! Familien mit Kindern sind die Säule unserer Gesellschaft. Und ich glaube, jedes Kind, jeder Jugendliche hat es verdient, im Mittelpunkt unserer Politik zu stehen. Und es ist eine ganz, ganz wichtige Aufgabe von uns in der Politik, dass wir hier die Rechte von jungen Menschen und insbesondere die Rechte von jungen Frauen stärken. Für uns alle hier herinnen ist klar, eine Ehe wird in Österreich aufgrund von Freiwilligkeit, Mündigkeit, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung geschlossen – und eben nicht aufgrund von Abhängigkeiten. (👏 ÖVP, NEOS) Das heißt, dass in Zukunft, nämlich ab 1. August, nur mehr jene heiraten dürfen, die volljährig sind, also 18 Jahre alt sind. Das gilt dann selbstverständlich auch für eingetragene Partnerschaften. Abzugrenzen von diesen Kinderehen, aber in Facetten spielt es mit herein, das haben wir gerade gehört, sind die Zwangsehen, und auch diese gibt es immer noch. Zwangsehen sind zwar ein eigener Straftatbestand und werden es auch immer sein, aber wie wir gehört haben, sind sie nicht immer leicht nachzuweisen. Und wir wissen, je jünger Menschen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe eben nicht freiwillig eingegangen wird. Das sagen nicht nur wir hier herinnen, sondern das sagt auch die Unicef. Das Widersetzen gegen solche Zwänge fällt jungen Menschen klarerweise oft sehr, sehr schwer. Da braucht es viel Mut, viel Kraft, sich zu emanzipieren, sich loszulösen von der Familie oder vom eigenen Kulturkreis, und die wenigsten Kinder wollen wahrscheinlich den Bruch mit der eigenen Familie riskieren. Darum modernisieren wir heute auch das Eherecht. Wir geben nämlich auch der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit, Ehen für nichtig zu erklären, wenn die Ehevoraussetzungen, die Ehefähigkeit, sprich das vollendete 18. Lebensjahr, nicht vorliegt. Es geht noch um einen weiteren Punkt, der „Die Tagespresse“ auf den Plan gerufen hat. Ich habe nicht gewusst, dass du, lieber Kollege Stefan, dich vielleicht auch bei der „Tagespresse“ bewirbst, denn man sollte sich, bevor man Fragen in den Raum stellt, überlegen, ob die Fragen es wirklich wert sind, sie zu beantworten. Es geht darum, dass wir Ehen bis zum vierten Grad der Seitenlinie verbieten – das ist auch aus medizinischen Gründen, aber auch der Gleichheit geschuldet, ganz richtig so. Das heißt, dass in Zukunft der Onkel seine Nichte nicht mehr heiraten darf oder der Cousin seine Cousine oder eben umgekehrt. Das heißt, wir von der Volkspartei halten das, was wir vor der Wahl versprochen haben: mit der Modernisierung des Eherechts, mit dem Verbot der Kinderehen. Da uns aber das Thema, vor allem der Zwangsehen, so wichtig ist, ist es notwendig, dass wir da konsequent am Ball bleiben. – Darum Danke, Frau Bundesministerin, dass es diesbezüglich auch eine Arbeitsgruppe gibt, die sich weiter Gedanken dazu machen wird, denn gerade im Hinblick auf die Fälle mit internationalem Bezug müssen wir weiterarbeiten. Ich darf es vielleicht kurz erklären: In Österreich gilt das Eherecht des Herkunftslandes. Das heißt, Ehen sollen anerkannt werden, wenn die Ehepartner mindestens 14 Jahre alt sind. Was heißt das? – Das bedeutet, dass junge Mädchen, die in Österreich leben – also auf Beamtendeutsch: die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich, aber vielleicht eine andere Staatsbürgerschaft haben –, ins Ausland verflogen werden, dort nach Schariarecht verheiratet werden und dass dann in Österreich diese Ehen anerkannt werden können, wenn sie wieder hier sind. Und es gilt natürlich auch dem einen Riegel vorzuschieben. Wir wollen nicht, dass hier Schariarecht über die Hintertür in Österreich Einzug hält. (👏 ÖVP, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, wir sagen Ja zu mehr Kinderschutz. Wir sagen Nein zu Ehen unter Druck. Und das ist gut so – darum auch ein Danke für die Einstimmigkeit des Beschlusses. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Stephanie Krisper zu Wort. – Bitte.

NEOS Stephanie Krisper

Danke, sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Frauen Ministerinnen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, ich kann nur dem beipflichten, was meine Kolleginnen vorhin schon ausgeführt haben. Wir NEOS freuen uns auch sehr, dass es mit dem vorliegenden Gesetzentwurf endlich zu einem wichtigen Schritt im Sinne des Kinderwohles kommt, weil uns das schon immer ein Anliegen war, nämlich dass endlich die Möglichkeit abgeschafft wird, in bestimmten Fällen bereits mit 16 statt mit 18 zu heiraten. Auch wenn Zwangsheirat in Österreich schon strafbar ist – das wurde auch schon gesagt –, ist es wichtig, dass im Sinne des Kinderwohles auch im Eherecht der Möglichkeit von Kinderehen Einhalt geboten wird. Das ist sehr wohl ein Thema in Österreich. Wie die Kinder- und Jugendanwaltschaften berichten, ist es hier im Land sehr wohl öfter der Fall, dass vor allem weibliche Minderjährige gegen ihren Willen von ihren Eltern verheiratet werden. Die bis dato geltende Rechtslage gehört also geändert. Das sagt auch Unicef, also die UN-Organisation für Kinderrechte und Kinderhilfe, die genauso definiert, dass eine Eheschließung, bei der nicht beide Ehepartner 18 sind, eine Kinderehe darstellt. Ich freue mich daher, dass hier jetzt diese Möglichkeit abgeschafft wird. In Deutschland war es schon 2017 so weit. Ich habe gehört, dass damals auch in Österreich begonnen wurde, darüber zu diskutieren, man das aber hier nicht mit Erfolg finalisiert hat, und auch während der türkis-grünen Vorgängerregierung kam es nicht zum Verbot – aber jetzt, und das freut uns sehr. Ich habe auch im Ausschuss schon einen erfreulichen Ausblick wahrgenommen: dass im BMJ auch an einem themenrelevanten, -nahen Punkt gearbeitet wird, nämlich dass zukünftig auch bei der Anerkennung von im Ausland geschlossenen Kinderehen Schritte gesetzt werden. Auch darauf freue ich mich optimistisch. – Vielen Dank für die bisherige gemeinsame Arbeit. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Alma Zadić .

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Frauen Bundesministerinnen! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Heute steht ein wichtiger Schritt zum Schutz junger Menschen zur Abstimmung: die gesetzliche Anhebung des Ehealters auf 18 Jahre und ein ausdrückliches Verbot der Ehe zwischen Cousins und Cousinen. Beide Maßnahmen dienen dem Schutz des individuellen Rechts auf freie Partnerwahl und selbstbestimmtes Leben. Es ist kein Geheimnis, dass junge Menschen, insbesondere Mädchen, unter Druck geraten können, eine Ehe einzugehen. In Einzelfällen geschieht dies sogar gegen ihren ausdrücklichen Willen, und genau da muss der Staat eine klare Grenze ziehen. Eine Ehe ist ein rechtlich und persönlich weitreichender Schritt, und dieser darf nur volljährigen, mündigen Personen offenstehen. Die Festlegung des Mindestalters auf 18 Jahre ist deshalb nicht nur richtig, sondern auch im internationalen Vergleich längst Standard. Wir begrüßen also, dass der Vorschlag für die Anhebung des Ehealters hier aufgegriffen und auch beschlossen wird. Etwas schade finde ich, dass das Gesetz nicht schon im vergangenen Sommer beschlossen wurde, zumal es damals schon fertig und auch fertig koordiniert war, aber ich freue mich, dass wir das jetzt im Parlament beschließen können, und das Ganze hoffentlich auch gemeinsam und einstimmig. Wenn wir aber schon über das Ehegesetz reden, dann müssen wir auch über einen offenen Punkt reden und diesen offenen Punkt auch reparieren: Seit 2019 stehen in Österreich sowohl Ehen als auch die eingetragene Partnerschaft allen Geschlechtern offen. Was bis heute fehlt, ist aber eine klare gesetzliche Regelung, ob ein Wechsel zwischen diesen beiden Formen möglich ist, also ob etwa ein Paar in eingetragener Partnerschaft problemlos zur Ehe übertreten kann, ohne sich vorher scheiden lassen zu müssen. Im Innenministerium gibt es zwar Handlungsanweisungen, die eine verfassungskonforme Auslegung erlauben, doch diese Praxis ist rechtlich unsicher und auch in der Fachliteratur stark umstritten, und es besteht tatsächlich das Risiko, dass irgendein Gericht künftig solche Ehen wegen Verstoßes gegen den § 8 des Ehegesetzes für nichtig erklärt. Die Betroffenen und oft auch ihre Kinder leben in diesem Fall in rechtlicher Unsicherheit. Dieser Antrag fordert daher eine einfache, aber wichtige gesetzliche Klarstellung, dass der Umstieg zwischen Ehe und eingetragener Partnerschaft eindeutig und rechtssicher möglich ist, ohne dass vorher die bestehende Partnerschaft aufgelöst werden muss. Die NEOS haben in der vergangenen Legislaturperiode sogar so einen Antrag bereits eingebracht. Die Sozialdemokraten waren dafür, und ich sehe auch wirklich keinen Grund, warum wir da nicht für Rechtssicherheit sorgen sollten, und es spricht meines Erachtens wirklich nichts dagegen, dass wir alle das heute beschließen. (👏) Daher bringe ich folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , LL.M., Kolleginnen und Kollegen betreffend „Umwandlung von Eingetragener Partnerschaft in Ehe ermöglichen!“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Justizministerin, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Vorlage zu unterbreiten, die die rechtssichere Umwandlung von bestehenden Ehen in Eingetragene Partnerschaften und umgekehrt ermöglicht.“ Vielen Dank. (👏) 20.15 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/172.1 Umwandlung von Eingetragener Partnerschaft in Ehe ermöglichen! (106/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Bitte, Frau Bundesministerin Anna Sporrer , Sie gelangen nun zu Wort.

GRÜNE Barbara Neßler

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Österreich liebt seine romantischen Kaiserinnengeschichten: Romy Schneider, weiße Pferdekutschen, Walzerseligkeit und mittendrin Sisi, die schöne Kaiserin, für manche die Rebellin. Franz Joseph, 23 Jahre alt, entschied sich für Elisabeth, für Sisi, seine erst 15 Jahre alte Cousine. Zwei Tage später war die Verlobung, ein Jahr später die Hochzeit, ein Jahrhundert später ein wunderschöner, kitschiger Märchenfilm, der relativ wenig mit der Realität zu tun hat, denn was bleibt, wenn man genauer hinschaut? – Eine Minderjährige, die verheiratet ist mit einem Erwachsenen aus der eigenen Familie. Heute würde das Ganze wahrscheinlich niemand mehr als romantisch bezeichnen, völlig zu Recht, und trotzdem ist genau das 170 Jahre später in Österreich noch möglich: dass man mit 16 Jahren mit Zustimmung der Eltern heiraten kann, auch Cousinen und Cousins. Dieses gesetzliche Relikt, es wurde schon angesprochen, setzt natürlich junge Menschen massiv unter Druck, gerade junge Frauen, wenn es einen familiären Druck oder einen gesellschaftlichen Druck gibt. Wenn junge Menschen zur Ehe gedrängt werden, dann ist das natürlich ein tiefer Einschnitt in das eigene Leben. Und das Traurige ist: Das passiert hier, nicht irgendwo, das passiert hier in Österreich. Die Frau Ministerin hat es schon angesprochen: Frühe Ehen bedeuten oft frühe Schwangerschaften, bedeuten Bildungsabbrüche und finanzielle Abhängigkeit. Genau das wollen wir für junge Mädchen, für Frauen selbstverständlich nicht. Das wollen wir verhindern. Ja, wir hätten da schon weiter sein können, denn dieses Gesetz wurde unter Grün-Schwarz ausverhandelt. Wir wollten das natürlich im letzten Sommer, wie meine Kollegin schon gesagt hat, beschließen. Leider wurde das aus parteipolitischen Gründen blockiert. Generell, muss man dazusagen, waren es in der letzten Periode wir Grüne, die beim Thema Kinderschutz trotz mancher Widerstände geliefert haben, und zwar von der Kindeswohlkommission über das große Kinderschutzpaket bis hin zur ersten bundesweiten Kinderschutzkampagne. (👏) Heute holen wir nach, was man schon längst hätte umsetzen können. In Zukunft darf in Österreich nur noch heiraten, wer wirklich volljährig ist, ohne Ausnahmen. Sisi und Franz: ein Kapitel österreichischer Kitschromantik. Diese Ehen kommen zukünftig nur mehr in die Museen, sicher nicht ins Standesamt, und das ist auch gut so. – Danke schön. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Informationsoffensive zum Schutz vor K.O.-Tropfen

99 d.B. · Antrag vonSPÖÖVPNEOS · Entschließungsantrag 279/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt eine Entschließung an, die die Bundesregierung zu einer bundesweiten Informationsoffensive zum Schutz vor K.O.-Tropfen auffordert. Ziel ist mehr Bewusstseinsbildung und Prävention gegen sexualisierte Gewalt im Zusammenhang mit K.O.-Mitteln.

Betroffen sind vor allem potenzielle Opfer (insbesondere Frauen und Mädchen) sowie die zuständigen Bundesstellen, die Präventions- und Informationsmaßnahmen umsetzen sollen.

Dokumente

Informationsoffensive zum Schutz vor K.O.-Tropfen

Gegenstand und Ziel

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag zur Durchführung einer Informationsoffensive zum Schutz vor sogenannten K.O.-Tropfen.
  • Ziel ist, sexualisierte Gewalt – insbesondere durch den Einsatz von K.O.-Mitteln – stärker zu bekämpfen und das Schutzniveau zu erhöhen.

Begriff und Wirkweise von K.O.-Mitteln

  • Als K.O.-Mittel werden Drogen verstanden, die in geringer Dosis stimulierend und enthemmend, in höherer Dosierung betäubend und einschläfernd wirken.
  • Es handelt sich um geschmacksneutrale Substanzen, die heimlich Getränken beigemischt werden.

Gefährdungslage und typische Tatmotive

  • K.O.-Tropfen werden eingesetzt, um vor allem Frauen wehrlos zu machen.
  • Tatmotive sind insbesondere Raub und Vergewaltigung.
  • Diese Form der Gewalt nimmt zu und wird als aus mehreren Gründen besonders gefährlich beschrieben.

Rechtliche und praktische Problemlage

  • K.O.-Tropfen sind gesetzlich verboten.
  • Trotz des Verbots floriert der Handel im Internet.

Einbettung in staatliche Strategien und Ressourcen

  • Die Bundesregierung hat die Erstellung eines Nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen als Bekenntnis zu Gewaltprävention und Gewaltschutz beschlossen.
  • Im Doppelbudget 2025/2026 sind dafür rund 18 Millionen Euro vorgesehen.
  • Laut Ministerratsvortrag sollen unter anderem Empfehlungen des GREVIO-Komitees sowie des Rechnungshofes einbezogen werden.

GREVIO-Empfehlungen zu Bewusstseinsbildung (Istanbul-Konvention)

  • GREVIO empfiehlt der österreichischen Bundesregierung dringend, Bemühungen zur Förderung von Bewusstseinsbildungskampagnen und -programmen zu allen Erscheinungsformen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Anwendungsbereich der Istanbul-Konvention fortzusetzen.
  • Der Fokus soll nicht nur auf häuslicher Gewalt und sexueller Belästigung liegen, sondern auch auf anderen Gewaltformen, insbesondere sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung.
  • Bewusstseinsbildungskampagnen sollen auch Informationen über allgemeine und spezialisierte Opferschutzeinrichtungen enthalten, z.B. Gewaltschutzzentren, Frauenhäuser, Krisenzentren für Opfer von Vergewaltigung und sexueller Gewalt.
  • Kampagnen sollen erforderlichenfalls wiederholt werden.
  • Der Effekt dieser Kampagnen soll evaluiert werden.

Abgeleiteter Handlungsbedarf

  • Es wird betont, dass es weiterhin eine gesamtstaatliche Aufgabe ist, sexualisierte Gewalt – mit besonderem Fokus auf K.O.-Tropfen – zu bekämpfen.
  • Dies soll auch im Rahmen des geplanten Nationalen Aktionsplans erfolgen, um das Schutzniveau zu erhöhen.

Informationsoffensive zum Schutz vor K.O.-Tropfen

~44 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Rosa Ecker

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Minister! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Saal und zu Hause! Erinnern Sie sich an die Kritik, dass wir Freiheitliche zu viele Anfragen stellen? Und warum, glauben Sie, sehr geehrte Damen und Herren, vorzugsweise zu Hause, machen wir das? ( Ruf bei der ÖVP: Ja, das fragt sich jeder! ) – Anfragen haben Antworten zur Folge, und diese Antworten zeigen oft dringenden Handlungsbedarf auf. Ich stelle zum Beispiel regelmäßig Anfragen zur Entwicklung von Straftaten unter K.-o.-Tropfen. Die Zahlen, Sie haben sie alle bekommen, sind erschreckend: 150 Anzeigen, 110 Fälle mit Verdacht auf Vergewaltigung, 40 Fälle wegen Raub. Betroffen waren 109 Frauen, darunter 25 minderjährige Mädchen, aber auch 43 Männer sind unter den Opfern, und auch da fanden bei zehn sexuelle Übergriffe statt. Die Zahlen steigen, besonders in Wien. Verabreicht werden nicht nur K.-o.-Tropfen wie Liquid Ecstasy, sondern auch Substanzen wie Barbiturate, darunter fallen Schlafmittel und Ähnliches. Die Gefahr, K.-o.-Tropfen ins Getränk gemischt zu bekommen, ist wirklich sehr groß. Nicht nur in Nachtklubs oder bei Großveranstaltungen in Städten, nein, auch beim Volksfest oder beim Vereinsfest auf dem Land läuft man Gefahr, mit K.-o.-Tropfen ausgeschaltet zu werden. Geschmacks- und geruchlos, mit enormer Wirkung: keine Erinnerung, orientierungslos, teilnahmslos, hilflos, Kontrollverlust, Übelkeit, Atemprobleme. Sehr oft wird diese Situation ausgenutzt, um zu vergewaltigen, um auszurauben. Immer wieder braucht es ambulante oder stationäre Versorgung der Betroffenen. Viele Opfer glauben allerdings, es wäre etwa der Alkohol oder etwas anderes schuld. Sie denken nicht an K.-o.-Tropfen und melden sich nicht bei der Polizei, und nach wenigen Stunden sind diese Substanzen leider auch im Blut nicht mehr nachzuweisen. Es handelt sich dabei offenbar um einen Trend. Da werden jungen Menschen K.-o.-Tropfen in den Drink gemischt, einfach nur um zu sehen, wie sie auf der Tanzfläche umkippen, quasi als Partygag, berichten zum Beispiel Türsteher oder Security-Personal. Wer glaubt, dass derjenige, der das Getränk einschenkt, der Übeltäter ist, der irrt meist. Mittlerweile gibt es regelrechte Equipments dazu: eine kleine Pipette am Ringfinger versteckt, und beim Gespräch oder im Vorbeigehen fallen einfach ein, zwei Tropfen ins Glas – und ein, zwei Tropfen genügen. Sie sind gesetzlich verboten, aber der Onlinehandel floriert. Sehr geehrte Frau Minister, natürlich braucht es eine Informationsoffensive zum Schutz vor K.-o.-Tropfen, wie in diesem Antrag ausgeführt, denn obwohl die Zahlen seit Jahren auffällig sind, gab es im Vorjahr laut Auskunft des Innenministers keine Kampagnen oder Präventionsprojekte, die dezidiert auf diese Gefahr hinweisen. Natürlich werden auch wir zustimmen. Wie aber schon im Ausschuss gesagt: Das muss schneller gehen, nicht erst im Rahmen des geplanten Nationalen Aktionsplans. Es bräuchte auch nicht diesen Regierungsantrag; das liegt in Ihrer Kompetenz, Sie könnten es einfach machen. Ich habe im Ausschuss eben angeregt, dass Sie Kontakt mit großen Kartenverkäufern und Stakeholdern aufnehmen, dass diese die Infos zur Gefahr von und zum Schutz vor K.-o.-Tropfen weitergeben sollen. Für Veranstalter ist es ja auch wichtig, dass ihre Besucher sicher sind und potenzielle Täter abgeschreckt werden. Sicherheitshalber wollte ich heute einen Antrag einbringen, um Sie daran zu erinnern, und ich freue mich, dass sich die Regierungsparteien meinem Antrag angeschlossen haben. So bringe ich den gemeinsamen Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Rosa Ecker , MBA, Mag. Dr. Juliane Bogner-Strauß , Sabine Schatz , Henrike Brandstötter , Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Sofortmaßnahmen gegen K.O.-Tropfen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung wird aufgefordert, zeitnah Gespräche mit Veranstaltern von Großveranstaltungen sowie Ticketverkaufsstellen aufzunehmen, um Maßnahmen zur effektiven Aufklärung über die Gefahren von K.O.-Tropfen zu forcieren. Insbesondere sollen öffentlich wahrnehmbare Präventionsmaßnahmen gesetzt werden.“ Ich bedanke mich, dass das gemeinsam möglich ist. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS) 20.28 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/177.1 Sofortmaßnahmen gegen K.O.-Tropfen (107/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Frau Abgeordnete Sabine Schatz , Sie gelangen zu Wort.

SPÖ Sabine Schatz

Danke, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, es ist tatsächlich eine grauenhafte Vorstellung: Du gehst am Abend fort, mit Freundinnen und Freunden, am Feierabend, vielleicht mit Kollegen, Kolleginnen oder auch alleine. Du hast Spaß, du tanzt, du trinkst etwas, und dann: plötzlich Filmriss. Dann das böse Erwachen: Du wirst munter, weißt nicht mehr, wie du an den Ort gekommen bist, an dem du erwachst, was du getan hast oder auch mit wem. Du befürchtest, dass du Opfer sexueller Gewalt geworden bist. Und dann der große Verdacht: Jemand hat dir etwas ins Getränk gekippt. – Das ist keine Fiktion, sondern leider, und wir haben die Zahlen schon von Kollegin Ecker gehört, viel zu oft bittere Realität. Unter dem Begriff K.-o.-Tropfen werden Substanzen zusammengefasst, die je nach Dosierung von stimulierend und enthemmend bis zu einschläfernd und betäubend wirken können. Sie sind geschmacklos und werden dem Opfer heimlich ins Getränk gemischt. Situationen wie die eingangs beschriebene sind leider keine Einzelfälle: 150 Strafanzeigen im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln allein im letzten Jahr, 110 Fälle davon mit Verdacht auf Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung, und ein Großteil der Opfer sind Frauen. Wie viele Menschen allerdings tatsächlich betroffen sind, liegt im Dunkeln. Viele Opfer schämen sich, viele Opfer trauen sich nicht, zu sagen, was sie befürchten, weil eben – und Kollegin Ecker hat es gesagt – die Substanzen relativ rasch nicht mehr nachweisbar sind und sie Angst haben, dass ihnen niemand glaubt. In genau solchen Fällen kommt es immer wieder zur Täter-Opfer-Umkehr. Opfer müssen sich anhören: Bist du etwa alleine fortgegangen? Hast du dich auf ein Getränk einladen lassen? Hast du nicht aufgepasst, was du trinkst oder wer neben deinem Getränk steht? – Das, sehr geehrte Damen und Herren, muss tatsächlich schnell der Vergangenheit angehören. (👏 ÖVP, SPÖ) Am 20. Mai hat im Frauenministerium die Auftaktveranstaltung zur Erstellung eines Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen und Mädchen stattgefunden. Unter Einbeziehung von Expertinnen und Experten aus Opferschutzorganisationen, aus Frauenorganisationen und den zuständigen Ministerien und unter der Schirmherrschaft unserer Frauenministerin wird bis Ende des Jahres ein Maßnahmenplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen erstellt. Mit diesem vorliegenden Antrag fordern wir eine Informationsoffensive zur Aufklärung über und zur Sensibilisierung für Gewalt durch K.-o.-Tropfen ein. Frau Bundesministerin, ich freue mich, dass Sie da auch Partnerin sind und diesen Antrag entsprechend umsetzen. Ein erster Schritt in dieser Informationsoffensive kann und wird sein, dass wir, wie wir es in dem gerade eingebrachten Entschließungsantrag fordern, Ticketverkäufer von Großveranstaltungen, von unterschiedlichen Events auch entsprechend bitten und auffordern, Partner und Partnerin zu sein und auf die Gefahr durch K.-o.-Tropfen aufmerksam zu machen. Sehr geehrte Damen und Herren, setzen wir heute ein Zeichen gegen Gewalt durch K.-o.-Tropfen! Kein Opfer, keine Frau, die Opfer von Gewalt durch K.-o.-Tropfen geworden ist, soll sich schämen müssen. Ganz im Gegenteil: Die Scham muss die Seite wechseln! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete Juliane Bogner-Strauß ist zu Wort gemeldet. – Bitte.

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

Danke, Frau Präsidentin! Werte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuhörerinnen, Zuhörer, Zuseherinnen, Zuseher! Man sieht sie nicht, man riecht sie nicht, man schmeckt sie nicht, aber sie zerstören Leben: K.-o.-Tropfen kommen in alkoholischen Getränken vor, sie kommen in antialkoholischen Getränken vor. Es trifft Mädchen, es trifft Frauen, es trifft Buben, es trifft Männer, und es trifft sie dort, wo sie es am allerwenigsten erwarten, nämlich dort, wo sie gemeinsam Spaß haben wollen. Sie gehen in ein Lokal, sie gehen auf ein Konzert, sie gehen auf ein Festival, sie gehen zu einer privaten Party – und dann: Filmriss. Man kann sich an nichts erinnern, man weiß nicht, was dem eigenen Körper widerfahren ist, und man weiß oft nicht, an wen man sich wenden soll, weil man sich geniert, weil man Angst davor hat, dafür geblamt zu werden, dass man vielleicht zu viel getrunken hat. – Das müssen wir ändern. Prävention bedeutet in diesem Fall, Verantwortung zu übernehmen und Leben zu schützen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Prävention ist eine Verantwortung, und wir übernehmen sie gemeinsam. Wir haben zu dritt in der Koalition einen Antrag formuliert. Ich spreche aber auch ein großes Danke an Rosa Ecker aus, wir haben uns auch ihrem Antrag angeschlossen, weil wir es alle für sinnvoll erachten, Informationskampagnen zu starten, eine Informationsoffensive zu starten, Awareness zu schaffen und einfach aufzuzeigen, dass K.-o.-Tropfen kein Kavaliersdelikt sind. K.-o.-Tropfen sind absolut feige. Ich möchte mich auch an Großeltern, an Eltern, an Freundinnen, an Freunde wenden: Bitte schaut hin, bitte redet darüber, macht darauf aufmerksam, dass K.-o.-Tropfen einfach feige sind! In diesem Sinne ein großes Danke, dass wir da gemeinsam in eine Richtung gehen und uns gegen K.-o.-Tropfen starkmachen, denn: Man sieht sie nicht, man riecht sie nicht, man schmeckt sie nicht, aber sie zerstören Leben. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Henrike Brandstötter .

NEOS Henrike Brandstötter

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Ich habe hier ( ein Glas Sekt in die Höhe haltend ) ein Glas Sekt mit – nicht, weil ich es mir am Ende dieses Abends verdient habe, sondern weil ich es hier in aller Ruhe trinken kann. Ich muss mir keine Sorgen darüber machen, dass K.-o.-Tropfen drinnen sind, weil das hier eine sichere Umgebung ist. Wäre das ein Club, eine überfüllte Bar, dann müsste ich mir genauso wie viele andere Frauen und Mädchen ganz große Sorgen darüber machen, ob mir nicht irgendjemand hinter meinem Rücken, als ich auf der Toilette war, mich weggedreht habe, einfach eine Substanz hineingegeben hat, die geruchlos ist, geschmacklos ist und die dafür sorgt, dass ich sehr schnell die Kontrolle verliere. Das ist nicht einfach ein konstruiertes Beispiel. Die Anzeigen wegen K.-o.-Tropfen sind dramatisch angestiegen, und das ist aus mehreren Gründen alarmierend. Wir wissen, dass die Dunkelziffer extrem hoch ist, viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie Opfer geworden sind, und melden sich deshalb nicht. Es ist aber ein deutliches Zeichen dafür, dass das Problem immer größer wird. K.-o.-Tropfen, meine Damen und Herren, sind kein Partygag; das ist kein übertriebener Mythos, es ist ein Instrument, um Menschen, allen voran Frauen, außer Gefecht zu setzen, zu entmündigen und gefügig zu machen. Man muss es endlich auch als das benennen, was es ist: Es ist eine Form sexualisierter Gewalt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Noch vor wenigen Jahren wurde dieses Problem an die Gastronomie abgeschoben. Alle haben gesagt: Wirte, kümmert euch darum, ihr müsst aufpassen, dass in euren Lokalen nichts passiert! – Ganz ehrlich: So funktioniert Gewaltprävention einfach nicht. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass wir dieses Thema endlich aufgreifen, dass es auch in einem größeren Kontext zu sehen ist, nämlich im Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen, denn genau da gehört dieses Thema auch hin, als klare Maßnahme gegen strukturelle Gewalt, als Signal an alle Betroffenen: Ihr werdet gesehen! Da reicht es auch nicht, dass man Plakate aufhängt und Kampagnen macht. Das ist zwar ein wichtiger, guter erster Schritt, aber wir brauchen auch konkrete Strukturen, damit Betroffene Hilfe bekommen, und damit meine ich den Ausbau von Gewaltambulanzen. Das ist ein ganz zentraler Baustein: Gewaltambulanzen müssen ausgebaut werden, damit Frauen im Ernstfall eine Anlaufstelle haben, damit es Orte gibt, wo die Vorfälle dokumentiert werden und sie medizinisch und rechtlich betreut werden. Information ohne Handhabe bringt einfach nichts und Handhabe ohne Prävention kommt einfach zu spät. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur reagieren, wenn etwas passiert, sondern auch vorbeugen, und zwar durch Bewusstseinsarbeit, wie mit dieser Kampagne, durch klare gesetzliche Verankerungen, durch echte Ressourcen. So schaffen wir auch den Weg raus aus einer reinen Opferpolitik, hin zu einer feministischen Präventionspolitik. Das muss unser Ziel sein. – ( Das Glas in Richtung Plenum erhebend: ) Prost! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 20.38

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete Brandstötter, ich gehe natürlich davon aus, dass Sie im Hohen Haus keine Angst haben müssen, dass K.-o.-Tropfen in Ihr Getränk reingegeben werden, ich verstehe auch die Symbolik, was Sie gemeint haben; aber in aller Ruhe: Dass Sie hier im Parlament keinen Alkohol trinken können, darauf wollte ich schon noch hinweisen, weil Sie in Ihren Ausführungen darauf Bezug genommen haben. (Abg. Brandstötter [NEOS]: Wollte ich nicht; das habe ich auch so gesagt!) Das war zur Unterstreichung Ihrer Argumente, wir trinken hier aber keinen Alkohol. ( Heiterkeit. – Ruf bei der ÖVP: Mich würde interessieren, was der Zanger dazu sagt! – Abg. Scheucher-Pichler [ÖVP]: Das ist ja Himbeersaft, oder?) Nun gelangt Frau Abgeordnete Meri Disoski zu Wort.

GRÜNE Meri Disoski

Frau Präsidentin, vielen Dank für das Wort! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sie merken, es ist der zweite Plenartag, es ist schon ein bisschen spät, aber umso besser ist es, dass wir noch aufmerksam sind, weil es wirklich um ein wichtiges Thema geht. Stellen Sie sich Folgendes vor: Ein Mann wird bewusstlos gemacht, betäubt oder missbraucht, und die erste Reaktion lautet nicht: Was hat der Täter gemacht, was haben die Täter gemacht?, sondern: Selbst schuld, hättest du besser dein Getränk im Blick gehabt! – Das ist absurd, oder? Diese Feststellung hört sich absurd an. Genau dieser absurde Reflex begleitet Frauen aber eigentlich seit jeher, seit Jahrzehnten. Wenn es um Gewalt durch K.-o.-Tropfen und um sexualisierte Gewalt generell geht, richtet sich der Blick leider noch immer viel zu selten, viel zu wenig oft auf die Täter, sondern tatsächlich in dem Sinn auf das Opfer, dass gefragt wird: Was hast du getragen? Warst du allein unterwegs? Hast du denn darauf geschaut, wo dein Getränk abgestellt wird? Oder: Wieso hast du nicht überhaupt besser auf dich aufgepasst? Die aktuelle Kampagne der Frauenministerin zu K.-o.-Tropfen greift ein wichtiges Thema auf, adressiert ein wirklich immer größer werdendes Problem. Das erkennen wir ausdrücklich an. Ich glaube, die Zahlen sind schon genannt worden, ich wiederhole sie aber gerne, weil sie mir Sorgen bereiten: 2024 sind in Österreich 150 Anzeigen im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen erstattet worden, dabei ging es in 110 Fällen um sexualisierte Gewalt, fast alle Opfer waren Frauen. Das heißt, K.-o.-Tropfen sind lange schon kein Randphänomen mehr, sondern strukturelle geschlechtsspezifische Gewalt und damit auch ein klares Verbrechen. Das muss man hier klar auch so festhalten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Diese Knock-out-Tropfen, von denen wir hier sprechen, sind auch ein Werkzeug der Macht. Es hat jemand vorhin schon den Fall von Gisèle Pelicot erwähnt, in dem der eigene Ehemann die Frau über Jahre hindurch sediert, vergewaltigt und im Internet auch anderen Männern zur Vergewaltigung in den eigenen vier Wänden angeboten hat. Das heißt, diese Tropfen, diese Sedierungsmittel, werden nicht nur in Klubs, auf Partys et cetera eingesetzt, sondern auch in Freundeskreisen, in Beziehungen und dort, wo Frauen am sichersten sein sollten. Schieben wir jetzt einmal den Umstand beiseite, dass wir hier gleich einen Antrag beschließen werden, der die Ministerin damit beauftragt, eine Kampagne zu initiieren, die es eigentlich schon gibt. Schieben wir einmal diesen Umstand beiseite und schauen wir uns die Kampagne selber an: Was lesen wir da? – „K.O.-Tropfen – So schützt du dich“, ist auf Instagram zu lesen, oder: „Drink nicht aus den Augen lassen“. Das heißt, die Kampagne folgt einem alten Muster und sagt Mädchen und Frauen: Du musst dich schützen, du, die potenziell Betroffene! Damit verschiebt sich die Verantwortung weg von den Tätern hin zu jenen, die gefährdet sind. Wir Grüne haben im Gleichbehandlungsausschuss lautstark unsere Sorge artikuliert und darauf hingewiesen, dass eine einseitige Infokampagne, die auf Mädchen und Frauen fokussiert, ohne Täter anzusprechen, die Gefahr von Victim-Blaming, von Opfer-Täter-Umkehr mit sich bringt. Jetzt bestätigt sich in der Umsetzung dieser Kampagne leider unsere Kritik. Nicht nur wir Grüne kritisieren diese Kampagne, Frau Ministerin, auch auf Ihren Social-Media-Accounts – ich habe mir das vorhin angeschaut – wird sie mittlerweile sehr breit kritisiert. Ich habe ein paar Kommentare mitgebracht. Zitat: Wieso wird hier der Fokus darauf gelenkt, was Frauen dagegen tun können? Mit keinem Wort werden Männer erwähnt. – Zitatende. Anderes Zitat: „Könnte man vielleicht endlich die Verursacher [...] belangen und nicht die Frauen in ihren Handlungen einschränken, weil diese ja ‚aufpassen‘ müssen?“ Und ein weiterer Kommentar lautet: „Come on. Verhaltensregeln für Frauen, damit sie nicht Opfer werden, erwarte ich mir von einer Feministin 2025 eigentlich net.“ Frau Ministerin, die Kampagne ist wichtig und sicher gut gemeint, aber die Ausführung ist leider nicht gut gemacht, und das ist wirklich problematisch, denn wenn Mädchen und Frauen gute Tipps für richtiges Verhalten mitbekommen, sagen wir ihnen gleichzeitig automatisch immer, dass sie auf eine gewisse Art und Weise eine Mitverantwortung dafür haben, wenn ihnen jemand K.-o.-Tropfen verabreicht. Das Motto ist: Hättest du halt einmal besser aufgepasst, dann wäre das nicht passiert! – Das ist die falsche Botschaft. (👏) Das ist die falsche Botschaft, weil wir immer und immer und immer wieder jeder Frau sagen müssen: Es ist nicht deine Schuld! Das macht beispielsweise die Kampagne von Eva Schobesberger, der grünen Frauenstadträtin in Linz. Frau Ministerin, ich bitte Sie wirklich: Schauen Sie sich das an! Lassen Sie das noch einmal prüfen! Ich weiß, dass Ihnen das ein Anliegen ist, ich weiß, dass Sie eine große Kämpferin für Gewaltschutz sind. Ich bitte Sie wirklich: Schauen Sie sich das an, und schauen Sie, ob Sie an der jetzigen Kampagne etwas adaptieren lassen können und etwas daraus lernen können! Abgesehen davon fehlt uns in dieser Kampagne tatsächlich die Perspektive auf die Täter, das habe ich schon gesagt. Nicht Frauen sollen ihr Verhalten ändern müssen, sondern – so simpel eigentlich, würde man meinen – Männer sollen endlich damit aufhören, Gewalt auszuüben. Darum bringen wir heute einen Antrag ein, der diese fehlende Perspektive hineinholen soll, der auf die Täter abstellt, auf die Täter fokussiert. Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Informationsoffensiven zum Schutz vor K.O.-Tropfen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung und der Bundesminister für Inneres, wird aufgefordert, im Rahmen des geplanten Nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen umgehend umfassende Informationsoffensiven zum Schutz vor K.O.-Tropfen in die Wege zu leiten, welche die in der Begründung genannten Maßnahmen umfassen, um insbesondere Mädchen und Frauen vor der Verabreichung von K.O.-Tropfen als Gewaltform zu schützen.“ Der Schutz vor K.-o.-Tropfen ist eben kein Frauenproblem, sondern ein Problem männlicher Gewalt, also müssen Männer Teil der Lösung sein. Ich bitte Sie deshalb wirklich: Geben Sie sich einen Ruck! Stimmen Sie unserem Antrag zu, damit wir Männer in die Pflicht nehmen und die volle Verantwortung bei den Tätern liegt! – Danke. (👏) 20.44 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/182.1 Informationsoffensiven zum Schutz vor K.O.-Tropfen (108/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, steht mit in Verhandlung. Nun hat sich Frau Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner zu Wort gemeldet. – Bitte.

FPÖ Ricarda Berger

Danke schön, Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Werte Zuseher! Wir haben heute einen Antrag auf der Tagesordnung, der tatsächlich ein sehr wichtiges Thema aufgreift, das nicht nur sensibel ist, sondern leider auch immer aktueller wird, wie wir schon gehört haben. Wir reden von K-.o.-Tropfen und dem gezielten feigen Einsatz dieser Substanzen gegen Frauen, um sie willenlos, wehrlos und schutzlos zu machen. Dieser gemeinsame Antrag wurde von uns, der Freiheitlichen Partei, initiiert, und ich freue mich wirklich sehr, dass sich alle anderen Fraktionen unserem Vorschlag angeschlossen haben. Das zeigt, dass wir diesmal beim Schutz von Frauen alle an einem Strang ziehen, und das freut mich wirklich sehr. Doch wir sagen ganz deutlich: Reden allein reicht nicht. Es braucht sichtbare, spürbare und vor allem sofort wirksame Maßnahmen. Deshalb fordern wir öffentlich erkennbare Prävention bei Veranstaltungen, gezielte Aufklärung über die Gefahren von K.-o.-Tropfen und klare Verantwortlichkeit der Veranstalter, wenn es um die Sicherheit geht. Es ist nicht hinnehmbar, das sich junge Frauen nach einem Abend in der Diskothek nicht mehr erinnern können, was passiert ist, und mit Angst, Scham oder Trauma zurückbleiben. Viele trauen sich – das haben wir heute schon gehört – nicht einmal, Anzeige zu erstatten. Das muss sich ändern, und unser Antrag setzt genau da an. Er gibt den Opfern eine Stimme, fordert Schutzmaßnahmen ein und zeigt null Toleranz gegenüber den Tätern. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ) Das ist freiheitliche Handschrift: klar, konkret, aber auch verantwortungsbewusst. Ich danke noch einmal allen Fraktionen für die Zustimmung, mache aber wie gesagt keinen Hehl daraus, dass die Initiative von uns kam. Sicherheit ist für uns nicht nur eine Momentaufnahme, sondern für uns ist das Grundsatzpolitik. Zum Schluss sage ich noch ganz klar: Wir brauchen nicht nur Bewusstseinskampagnen – ich habe es auch gestern schon erwähnt –, sondern auch wirklich eine Politik der knallharten Konsequenzen: nämlich null Toleranz gegenüber Gewalt an Frauen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ) Es muss jeder, der ein Mädchen, eine Frau, mittlerweile aber auch Burschen und Männer angreift, vergewaltigt und im schlimmsten Fall vielleicht sogar ermordet, bestraft werden, und wer kein Österreicher ist, muss in diesem Fall abgeschoben werden. – Punkt, ohne Wenn und Aber. Frauen und Männer haben nämlich das Recht darauf, sich im öffentlichen Raum, aber auch in den eigenen vier Wänden sicher zu fühlen. Ich glaube, wir als Staat sind dafür verantwortlich. (👏 ÖVP, FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Mario Lindner .

SPÖ Mario Lindner

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich will ja keine Wortklauberei betreiben, aber es war eine Initiative der Regierungsparteien, und Kollegin Ecker – selbstverständlich – hat dann diese wichtige und richtige Anmerkung gemacht. Ich bin der Frau Bundesministerin und dem Hohen Haus hier sehr dankbar, dass sie sich des großen Problems K.-o.-Tropfen annehmen. Als Teil des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen wird also auch dieses wichtige Thema aufgegriffen. Wenn wir von K.-o.-Tropfen sprechen, dann sprechen wir meistens von Gewalt an Frauen, und Gewalt kann und Gewalt darf niemals die Antwort sein – niemals, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Auch Sprache führt aber zu Gewalt, und als Politiker:innen haben wir es selbst in der Hand, wie wir mit dieser Sprache umgehen, und, liebe Kolleginnen und Kollegen, damit komme ich zu Kollegen Zanger. ( Rufe bei SPÖ und Grünen: Ui! Ups! ) Es ist mir wirklich persönlich total egal, was er zu mir sagt, ob er mich schimpft, ob er mich beleidigt oder sonst irgendetwas. Was mir aber nicht egal ist, ist, wenn er sich bei der Langen Nacht der Blasmusik im Bezirk Murtal hinstellt und eine Schimpftirade über die LGBTIQ-plus-Community ablässt. Auch das ist Gewalt, und auch das ist selbstverständlich inakzeptabel, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Stellen wir uns nur vor, unter den Hunderten von Musiker:innen bei dieser Blasmusikveranstaltung befindet sich eine 15-jährige lesbische Frau …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Eine 15-Jährige ist ein Mädchen, keine Frau!

SPÖ Mario Lindner

… ein 17-jähriger schwuler junger Mann, oder es befinden sich Transjugendliche unter den Musiker:innen: Diese Jugendlichen waren bei dieser Veranstaltung Herrn Zanger ausgeliefert. Man macht Menschen dadurch zu Freiwild, auch zu Freiwild für K.-o.-Tropfen. Herr Zanger, schämen Sie sich und entschuldigen Sie sich für diesen peinlichen Auftritt! (👏 SPÖ, NEOS) Weil sich die FPÖ immer als sogenannte Schutzpatronin der Kinder aufspielt: Liebe FPÖ, Überraschung: schwule Kinder und Jugendliche sind Kinder und Jugendliche (👏 SPÖ), lesbische Kinder und Jugendliche sind Kinder und Jugendliche, und Transkinder und -jugendliche sind Kinder und Jugendliche. Genau darum ist es so wichtig, dass wir diesen Antrag heute beschließen und dass dieses Haus den Nationalen Aktionsplan gegen Hatecrime sowie den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen beschlossen hat, denn Gewalt beginnt immer mit Sprache. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Romana Deckenbacher .

ÖVP Romana Deckenbacher

Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Hohes Haus! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Unsichtbar, geschmacklos, geruchlos, eine stille Falle im Glas: Ja, die Rede ist von K.-o.-Tropfen. Was oft aussieht wie ein cooler Drink, wird plötzlich zur Gefahr. Ich habe vor einiger Zeit eine Bekannte getroffen, die zu mir gesagt hat: Wissen Sie, ich habe geglaubt, das wird mir nie passieren, aber ich war mit meinen Freundinnen unterwegs, und wach geworden bin ich, nachdem wir in einem Lokal getanzt haben, an der Endstation einer U-Bahn. Als ich dem U-Bahn-Fahrer erklären wollte, dass ich nicht betrunken war, konnte ich nicht reden. Ich habe nicht gewusst, wie ich dorthin gekommen bin. Ich habe tagelang gelitten – wir haben es heute schon gehört – an Übelkeit, mir war schwindlig, ich hatte Kopfschmerzen. Das Belastendste an dem Ganzen war aber diese Unsicherheit: Was ist denn passiert? Wurde mir Gewalt angetan? Von wem? Und vor allem: In welcher Form? K.-o.-Tropfen sind in Österreich gesetzlich verboten, aber leider Gottes ist der Verkauf insbesondere auch über das Internet gang und gäbe. Laut Innenministerium kam es im vergangenen Jahr in Österreich zu insgesamt 150 Straftaten unter Verwendung von Betäubungsmitteln, 92 dieser Fälle allein in Wien. Es ist natürlich davon auszugehen, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Ein Großteil dieser Straftaten steht leider auch in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen sind Frauen, aber es sind auch junge Burschen davon betroffen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Gewalt – auch im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen – zu bekämpfen und das Schutzniveau in Österreich weiter zu erhöhen. Ich freue mich sehr, dass diese Kampagne gegen Gewalt, die unsere Bundesministerin Raab begonnen hat, von Ihnen fortgesetzt wird. Es ist wichtig für Frauen, aber in diesem Fall auch für Burschen. (Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz.) Ein wesentlicher Beitrag dazu soll der Ausbau von Aufklärungsarbeit sein, vor allem auch in den Familien. Eltern sollen ihre Kinder sensibilisieren, und es darf auch in der Familie kein Tabu geben, wenn es darum geht, zu Hause davon zu erzählen, was einem vielleicht passiert ist. Es braucht Aufklärungsarbeit in Schulen, in Universitäten, in Gastronomiebetrieben, bei Veranstaltungen, in Bars, in Diskotheken, und zwar immer – ich glaube, das ist auch wichtig – in enger Zusammenarbeit mit dem Personal. RN/186.1 Es gibt viele Lokale, die schon großartig an Initiativen mitarbeiten. Einige Initiativen möchte ich erwähnen, zum Beispiel in Graz (einen kleinen rosa Folder in die Höhe haltend) : Frag nach Luisa!, das ist eine großartige Kampagne. In Niederösterreich gibt es zum Beispiel spezielle Testbänder für Getränke, und in Wien klärt der 24-Stunden Frauennotruf mit einer Kampagne darüber auf, was K.-o.-Tropfen sind, welche Auswirkungen sie haben können, und vor allem, wo man sich hinwenden kann, wenn man Hilfe braucht. Diese unsichtbare Gefahr trifft Menschen dort, wo es eigentlich Freude, Freiheit und Unbeschwertheit geben sollte. Mit dem vorliegenden Antrag soll beschlossen werden, dass die Bundesregierung eine umfassende Informationsoffensive zum Schutz vor K.-o.-Tropfen startet. Stärken wir das Vertrauen in ein gutes Miteinander, stärken wir das Bewusstsein, dass Feiern nicht auf Kosten der Sicherheit gehen darf, stärken wir jene, die den Mut haben, darüber zu sprechen, wenn ihnen dies widerfährt! K.-o.-Tropfen rauben Kontrolle. Unsere Antwort darauf muss sein, durch Information, durch Unterstützung, durch Stärkung und Prävention Kontrolle zurückzugeben – getreu nach dem Motto: Mich kriegst du nicht k. o.! ( Allgemeiner Beifall. )

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tina Angela Berger . Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Tina Angela Berger

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Minister! Frau Staatssekretär! Werte Kollegen! Wir sprechen heute über ein sehr ernstes Thema, das leider immer mehr an Aktualität gewinnt: über K.-o.-Tropfen. Diese Substanzen, die heimlich in Getränke gemischt werden, machen vor allem junge Frauen und Mädchen wehrlos – mit dem Ziel, sie auszurauben, sie zu missbrauchen oder sie zu vergewaltigen. Diese Form der Gewalt ist perfide, aber heutzutage leider real. Es steht völlig außer Frage, dass wir jede Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit aller Entschlossenheit bekämpfen müssen! (👏 ÖVP, FPÖ) Die FPÖ unterstützt daher selbstverständlich Maßnahmen, die diesem Ziel dienen, und Ihr Antrag, über den wir heute beraten, sieht eine Informationsoffensive im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen vor. Ja, auch das unterstützen wir, denn Aufklärung und Sensibilisierung sind wichtige Elemente im Kampf gegen sexuelle Gewalt. Wir müssen uns aber schon Gedanken darüber machen, wie wir Frauen und Mädchen schützen. Eines muss man schon sagen: Informationskampagnen alleine schützen leider keine Frau auf dem Heimweg in der Nacht, keine Broschüre schreitet ein, wenn jemand gegen seinen Willen und unwissentlich K.-o.-Tropfen verabreicht bekommt (👏 FPÖ), und keine Social-Media-Kampagne verhindert ein Verbrechen in Echtzeit. Wie wir heute schon gehört haben, haben wir Freiheitliche gemeinsam mit allen Parteien hier im Hohen Haus einen Entschließungsantrag eingebracht. Meine Kollegin Rosa Ecker hat es ja schon ausgeführt: ein Antrag, der die Ministerin auffordert, mit Veranstaltern und Ticketverkaufsstellen zusammenzuarbeiten, um Maßnahmen zur effektiven Aufklärung über die Gefahren von K.-o.-Tropfen zu forcieren, denn es braucht wirklich sofort Maßnahmen. Ich betone es noch einmal, so wie meine Vorrednerinnen es auch schon betont haben: Das ist zu begrüßen, und wir ziehen alle an einem Strang! (👏 ÖVP, FPÖ) Meine Damen und Herren! Um Frauen und jungen Mädchen Sicherheit zu geben, wären aber zusätzliche Maßnahmen wünschenswert: null Toleranz gegenüber Tätern, unabhängig von der Herkunft, egal welches Umfeld – es darf keine falsch verstandene Rücksichtnahme geben, wenn es um Gewaltverbrechen geht (👏 FPÖ); polizeiliche Schwerpunktkontrollen an bekannten Gefahrenorten wie Clubs, Bars oder Großveranstaltungen – da muss sichtbar mehr Präsenz gezeigt werden; konsequente Strafverfolgung, und das auch bei versuchten Delikten, denn wer K.-o.-Tropfen mit sich führt, verfolgt ein Ziel, und das darf nicht als Kavaliersdelikt behandelt werden. (👏 ÖVP, FPÖ) Unsere Frauen sollten sich nicht anpassen müssen, sondern Täter sollen sich vor Konsequenzen, vor schnellen Ermittlungen und vor Strafen fürchten. Wie bereits erwähnt, begrüßen wir die vorgeschlagenen Maßnahmen und den gemeinsamen Antrag aller Parteien, den wir eingebracht haben. Eines muss man sich aber schon vor Augen halten: Österreich wird für unsere Frauen und Mädchen nur sicherer, wenn den schönen Worten in Zukunft auch entschlossenes Handeln folgt, und dieses entschlossene Handeln werden wir auch zukünftig weiterhin konsequent einfordern. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Nussbaum. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Frau Frauenministerin! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Ja, wir alle haben es jetzt schon gehört: Der Einsatz von K.-o.-Tropfen nimmt zu. Das ist besorgniserregend, und vor allem junge Frauen berichten, dass sie sich in Clubs und bei Festen nicht mehr sicher fühlen. Durch K.-o.-Tropfen werden die Opfer wehrlos gemacht, es kann zur Bewegungsunfähigkeit, zum Gedächtnisverlust bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Die Substanzen werden unbemerkt in Getränke gemischt und hinterlassen nicht nur körperliche, sondern oft auch tiefe psychische Spuren. Gewalt beginnt nicht mit Mord, Gewalt beginnt bereits viel, viel früher. K.-o.-Tropfen sind eine besonders feige, heimtückische Form von Gewalt, die im Verborgenen stattfindet und deren Opfer oft keine Möglichkeit haben, sich zu wehren oder sich zu erinnern. K.-o.-Tropfen sind Gewalt, die gezielt eingesetzt wird, um andere wehrlos zu machen. Es ist einfach ein Verbrechen. Konkret soll nun eine breit angelegte Informationsoffensive zum Schutz vor K.-o.-Tropfen umgesetzt werden, mit der Frauen und junge Mädchen sensibilisiert und über die Gefahren und Wirkungsweisen aufgeklärt werden. Das ist sehr begrüßenswert – aber ja, wir müssen auch dringend daran arbeiten, Männer zu sensibilisieren. Gewalt gegen Frauen ist kein Bagatelldelikt. Auch der gesellschaftliche Umgang mit diesen Themen muss sich ändern. Während viele Opfer von häuslicher Gewalt und auch von Übergriffen im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen immer noch um ihre Glaubwürdigkeit kämpfen müssen und sich aus diesem Grund oft nicht wehren, wird Männergewalt gesellschaftlich immer noch unterschätzt und kleingeredet. Das muss sich auch ändern. (👏 SPÖ) Ich möchte aber jetzt noch einmal betonen: Wie kann man sich denn vor K.-o.-Tropfen schützen? Ich finde, es ist trotzdem notwendig, dass man alle – also nicht nur Frauen, auch Männer – aufklärt. Das Wichtigste ist, sein Getränk niemals unbewacht zu lassen. Man soll es außerdem vermeiden, offene Getränke von Fremden anzunehmen und sich einladen zu lassen – und letztendlich ist es, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt in unserer Gesellschaft, dass man aufeinander schaut, dass man auf die Freundinnen und Freunde achtgibt und sie nicht allein zurücklässt. Besteht der Verdacht, dass K.-o.-Tropfen verabreicht wurden, so sollte das sofort untersucht werden. Wir wissen, Tests sollten maximal zwischen 6 und 12 Stunden später erfolgen, denn danach kann man K.-o.-Tropfen nicht mehr nachweisen. Bei Unwohlsein sollten immer die zuständigen Rettungskräfte gerufen werden, zur Sicherheit. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Scheucher-Pichler. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte schön.

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Danke schön, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Es wurde ja schon ausgeführt: Der Schutz vor K.-o.-Tropfen beziehungsweise das Verbot dieser, strengere Regelungen rund um diese heimtückischen Substanzen, mit denen Menschen unter Drogen gesetzt werden – vor allem Frauen, junge Frauen, aber auch Männer, Burschen –, das ist ein wichtiges Thema und wir brauchen dringend Verbesserungen. Es ist positiv, dass es zu dieser gemeinsamen Initiative kommt, das möchte ich wirklich betonen. Gott sei Dank ist das möglich. Danke auch allen, die da mit dabei sind! Es hat immer schon Initiativen und Anträge auf verschiedenen Ebenen gegeben – gemeinsam kann man mehr erreichen. Opfer werden wehrlos gemacht, heimlich werden gefährliche Substanzen in Getränke gemischt, es kommt zu körperlichen und psychischen Auswirkungen – das wurde ja heute schon ausgeführt –, in der Folge sehr oft auch zu sexuellen Übergriffen. K.-o.-Tropfen sind ganz einfach eine massive Bedrohung für Körper und Seele, und sie verwandeln einen Ort des Feierns, einen Ort des Miteinanders in einen Tatort, meine Damen und Herren. Wir müssen viel stärker auch über die Täter sprechen, das wurde heute schon gesagt. Ich halte es für ganz besonders wichtig: Sprechen wir noch mehr über die Täter und stärken und schützen wir die Opfer! (👏 ÖVP) Meine Damen und Herren, die Frage ist, ob man die Liste der verbotenen Substanzen ausweiten sollte. Ich frage mich auch, wie es sein kann, dass man immer leichter an solche Substanzen, an Drogen kommt – ja, Darknet, wahrscheinlich …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Geh! Das ist ein bisserl naiv! – Abg. Oberrauner [SPÖ]: Amazon!

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

… aber auch an K.-o.-Tropfen. Die bestellt man und sie kommen mit der Post. Wir wissen es, ja, aber man muss da wirklich auch einmal hinschauen; wir wissen es, aber es ist wirklich bedenklich. Wir müssen die Schutzmaßnahmen in Richtung Tatorte ausbauen. Wir brauchen mehr Beratung, eine Beratungsoffensive – nicht nur in den Schulen, auch in den Jugendzentren, in den Vereinen. Wir müssen die Anlaufstellen, die Beratungsstellen ausbauen, und zwar niederschwellig und nicht nur für Frauen, auch für Burschen und für die Gesellschaft insgesamt. Wir müssen auch die Eltern und überhaupt die Familien miteinbeziehen, damit sie mit den Betroffenen über diese Themen sprechen. Auch ein Sensibilisieren der Polizei, Kampagnen in der Gastro und so weiter sind ganz, ganz wichtig. Es wurde ja schon gesagt: Die Zahl der Fälle spricht wirklich eine klare Sprache. Allein in Österreich gibt es laut Schätzungen jährlich Hunderte Fälle von K.-o.-Tropfen-Missbrauch, die zum Teil angezeigt werden oder bei denen sich Menschen an Beratungsstellen wenden. Man kann aber davon ausgehen, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist, meine sehr geehrten Damen und Herren. In Wirklichkeit sprechen wir von Tausenden Betroffenen. Das ist alarmierend. Daher, meine Damen und Herren, ist mir auch ganz wichtig, das noch einmal zu betonen: Viele scheuen sich, darüber zu sprechen oder auch Anzeige zu erstatten. Gerade junge Frauen – nicht nur junge Frauen, aber gerade junge Frauen –, die besonders gefährdet sind, und das sagen auch europäische Studien, scheuen sich oft davor. Daher noch einmal: Stärken wir die Opfer! Verurteilen wir die Täter! Sprechen wir darüber! Das ist ganz, ganz wichtig. Und, meine Damen und Herren: K.-o.-Tropfen sind kein Kavaliersdelikt. Daher: Danke für die gemeinsame Initiative. Tun wir alles, um da Verbesserungen zu erreichen! – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Oberrauner. 3 Minuten eingemeldete Redezeit. – Frau Abgeordnete, Sie gelangen nun zu Wort.

SPÖ Petra Oberrauner

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geschätzte Frau Ministerin! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Gewalt gegen Frauen ist eine Realität, die wir niemals hinnehmen dürfen. Dass alle Parteien gemeinsam den Antrag für eine Informationsoffensive zum Schutz vor K.-o.-Tropfen unterstützen, ist ein klares Zeichen in diese Richtung. Verbrechen mit K.-o.-Tropfen treffen meistens Frauen und junge Mädchen: lautlos, unsichtbar und mit unfassbarer Hinterlistigkeit. Viele Betroffene wissen nicht: Was ist passiert? Sie schämen sich, sie stellen sich infrage und sie schweigen. Zu oft bleiben diese Straftaten im Dunkeln, ungesühnt, folgenlos für Täter. Genau deshalb brauchen wir umfassende Aufklärung und Informationskampagnen. Jede Frau und jedes Kind, jedes Mädchen sollen wissen: Wie erkenne ich K.-o.-Tropfen? Wie kann ich helfen? Wie schütze ich mich und andere? An wen kann ich mich wenden? Und: Wie kann ich mich rechtlich wehren, damit die Verabreichung von K.-o.-Tropfen strafrechtlich verfolgt wird? Die Täter:innen müssen dafür belangt werden. K.-o.-Tropfen sind auch eine Facette von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Ich danke Ihnen, Frau Ministerin, und der gesamten Bundesregierung, dass Sie Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit aller Entschlossenheit und mit allen zur Verfügung stehenden Maßnahmen bekämpfen. (👏 ÖVP, SPÖ) Heute haben wir schon zwei wichtige Gesetze beschlossen: das Dickpic-Verbot und das Eheverbot für Minderjährige. Beide sind klare Schritte zum Schutz und zur Stärkung von Frauen und Mädchen. Der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, der von Ministerin Holzleitner als erste wichtige Maßnahme auf den Weg gebracht werden konnte, ist ein weiterer Meilenstein. Mit der Auftaktveranstaltung am 20. Mai wurde ein ressortübergreifender Prozess gestartet, im Rahmen dessen eine umfassender Maßnahmenplan zur Gewaltprävention erarbeitet wird. Unser gemeinsamer Antrag für eine Informationsoffensive zum Schutz vor K.-o.-Tropfen ist ein erster wichtiger Beitrag dazu. – Ich danke Ihnen. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Falkner. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Margreth Falkner

Sie wachen irgendwo auf, benommen, verwirrt, mit einem Gefühl von Ohnmacht, der Körper schmerzt, der Kopf ist leer, keine Erinnerung, nur Leere – ein Albtraum und doch bittere Realität für viele, besonders für junge Frauen. Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Frau Staatssekretärin! Das Thema K.-o.-Tropfen ist ein ernst zu nehmendes gesellschaftliches Problem, das längst nicht genug Aufmerksamkeit bekommt. Pass auf dein Glas auf! Bestell lieber etwas Neues! Nimm kein Getränk von irgendjemandem, den du nicht kennst! Lass nie jemanden allein zurück! – Das sage ich zu meiner Tochter, zu meinem Sohn immer dann, wenn sie ausgehen. Dass ich das als Mutter sagen muss, macht mich unglaublich wütend. K.-o.-Tropfen, das klingt harmlos, doch dahinter stecken gefährliche Substanzen, meist Narkose- und Beruhigungsmittel, farb- und geschmacklos – wir haben es heute schon gehört –, heimlich ins Getränk gemischt. Die Wirkung beginnt nach wenigen Minuten und ist verheerend: erst Euphorie, dann Übelkeit, Lähmung, Kontrollverlust. Betroffene sind willenlos, manche verlieren sogar das Bewusstsein. Sie wachen erst viele Stunden später wieder auf, mit einem kompletten Filmriss. Die Wirkung ist gefährlich und unberechenbar. Sie hängt ab von Dosierung, Körperzustand und vom Mischkonsum mit Alkohol. Im schlimmsten Fall endet das Ganze mit Atemstillstand. Und ja, wer diese Substanzen heimlich verabreicht, begeht schwere Körperverletzung – doch die Dunkelziffer ist hoch. Nur ein Bruchteil der Fälle wird angezeigt, weil sich die Opfer eben an nichts mehr erinnern können, weil sie sich schämen, weil ihnen nicht geglaubt wird und weil sie sich gerade bei Alkoholkonsum oft selbst die Schuld geben. Aber die Schuld liegt niemals beim Opfer. Scham und Schuld gehören allein dem Täter! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Genau deshalb ist diese gemeinsame Informationsinitiative so wichtig. Wir haben es gehört: Es gibt sehr viele positive Beispiele auch aus den Bundesländern. Die Tropfen sind unsichtbar, nicht aber das Leid der Opfer. Opfer schützen, Täter bestrafen und Wiederholung verhindern: Lassen Sie uns alles daransetzen, dass in diesem Land niemand mehr schutzlos, hilflos, ohne Erinnerung aufwacht! – Ich danke Ihnen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Baumann. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte.

SPÖ Roland Baumann

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte gleich zu Beginn aus dem Bericht der Expert:innengruppe für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt zitieren. In diesem Bericht empfiehlt das Komitee der österreichischen Bundesregierung nämlich, „ihre Bemühungen zur Förderung von Bewusstseinsbildungskampagnen und -programmen in Bezug auf die verschiedenen Erscheinungsformen aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die unter die Istanbul-Konvention fallen, fortzusetzen und den Fokus dabei nicht nur auf häusliche Gewalt und sexuelle Belästigung, sondern auch auf andere Gewaltformen zu legen, insbesondere auf sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung“ – den Fokus nicht nur auf häusliche Gewalt zu legen, den Fokus nicht nur auf sexuelle Belästigung zu legen. Wir werden nicht tolerieren, dass sich nur eine einzige Frau in ihren eigenen vier Wänden unsicher fühlen muss und einer Gefahr ausgesetzt ist. Um das zu verhindern, müssen wir ökonomische Abhängigkeiten beseitigen und als Gesellschaft hinsehen, ja auch als Nachbarn und als Familienmitglieder, weil Gewalt keine Privatsache ist. (👏 ÖVP, SPÖ) Und es kann nicht sein, dass Frauen jederzeit damit rechnen müssen, aufgrund ihres Körpers oder ihrer Kleidung angesprochen, beurteilt, schlichtweg belästigt zu werden. Es liegt an uns, dies in allen wahrgenommenen Situationen anzusprechen, die Täter zu konfrontieren, den Betroffenen zur Seite zu stehen. Es ist schlimm, wenn wir uns wieder bewusst vor Augen führen, wie oft und wo überall Gewalt gegen Frauen ausgeübt wird, und es zeigt, wie wichtig es war, dass wir heute schon das Senden von Dickpics verboten haben, und wie notwendig es ist, dass der Nationale Aktionsplan kommt. (👏 ÖVP, SPÖ) Eine besonders perfide Form der Gewalt ist das Verabreichen von K.-o.-Tropfen, also jemandem – und fast immer sind die Opfer Frauen – Drogen in ein Getränk zu mischen, diejenige Person damit zu betäuben und anschließend auszurauben oder zu vergewaltigen. Besonders auf Großveranstaltungen wie Konzerten, Festivals, Public Viewings hat man aufgrund des großen Andrangs und der ausgelassenen Stimmung oft keinen guten Überblick über das Geschehen und auch nicht über das direkte Umfeld. Die Veranstalter tragen da eine Mitverantwortung, und sie müssen für die Sicherheit ihrer Besucher:innen sorgen. Es bedarf wirksamer, gut sichtbarer und zielgerichteter Maßnahmen, um auf Gefahren aufmerksam zu machen und das Bewusstsein aller zu schärfen. Daher freut es mich, dass es mit einem Fünfparteienantrag gelungen ist, eine erste wichtige und konkrete Maßnahme im Hohen Haus einzubringen und anschließend zu beschließen. Unsere Bundesministerin für Frauen, Eva-Maria Holzleitner , wird zeitnah Gespräche mit Veranstaltern, auch von Großveranstaltungen, sowie mit Ticketverkaufsstellen aufnehmen, um Maßnahmen zur Aufklärung über die Gefahren von K.-o.-Tropfen zu forcieren. So stärken wir das Vertrauen in die Sicherheitsstrukturen vor Ort und tragen zur Wiederherstellung und Festigung eines sicheren öffentlichen Raums bei. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Belakowitsch. 2 Minuten eingemeldete Redezeit.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Ich habe eine 14-jährige Tochter, ich habe einen 19-jährigen Sohn. Frau Bundesminister, ich begrüße es, dass Sie das auch unterstützen, wenngleich ich das gerne ausgeweitet haben würde. Ich glaube, dass man in den Schulen, da, wo wir wirklich alle jungen Menschen erreichen, in den Berufsschulen, vielleicht auch in den Lehrbetrieben mit der Aufklärung beginnen muss, weil das einfach keine Kleinigkeit ist. Wir haben ein großes Problem. Wir haben jetzt heute hundertmal gehört: die Täter bestrafen! – Ja, eh, wenn wir derer habhaft werden. In den meisten Fällen ist es halt so, dass die Jugendlichen, die munter werden oder die irgendwann aus diesem Wahnsinnsrausch erwachen, gar nicht wissen, wer ihnen das gegeben hat, wer sie zum Opfer gemacht hat. Und ich sage eines ganz deutlich: Für mich sind die Jugendlichen nicht die Opfer – sie sind es natürlich im rein rechtlichen Sinn –, sie sind die starken jungen Menschen, die etwas geschafft haben und etwas überlebt haben und die daraus erwachsen. Das ist jetzt nicht ein Gutheißen, aber ich glaube, wir müssen wirklich das Bewusstsein dafür schärfen – bei den Eltern, bei den Jugendlichen sowieso, wobei ich davon überzeugt bin, dass gerade die jungen Menschen oftmals besser Bescheid wissen als ihre Eltern; und da nehme ich mich selbst gar nicht aus, ich habe durch meine Kinder viel dazugelernt, weil es anders ist, als es in meiner Jugend war. Es ist leider gefährlicher geworden für unsere Kinder und jungen Menschen da draußen. Wir müssen uns auch einfach der Realität stellen, dass wir die Täter oftmals nicht finden werden. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir sie deswegen einfach einer Amnestie überlassen, ganz und gar nicht, aber wir müssen bei den Jugendlichen genau dieses Bewusstsein schärfen, auch im Sinne dieses Hinschauens, sodass sie vielleicht auch Beobachtungen machen, dass sie diese niederschreiben können, dass sie diese in weiterer Folge vielleicht auch aussagen können. Ich glaube, das alles sind Dinge, die vielleicht dabei helfen, doch irgendwann die Täter zu finden. Das ist ein riesengroßes Thema. Es gibt ja nicht die K.-o.-Tropfen, das klingt immer so, als wäre das irgendetwas, sondern das sind unterschiedlichste Substanzen, die man leider Gottes ganz, ganz leicht bestellen kann, im offenen Internet. Dazu brauche ich kein Darknet, Frau Kollegin ( in Richtung Abg. Scheucher-Pichler [ÖVP] ) – nein, ich schaue hinter Sie ( in Richtung Abg. Deckenbacher [ÖVP] ), weil die Kollegin gefragt hat, ob sie im Darknet zu bestellen sind –, das ist leider nicht im Darknet, sie finden sie leider Gottes tatsächlich überall. Sie finden das nicht nur in Großstädten und Ballungsräumen, das finden Sie am Land, in den kleinsten Gemeinden, überall ist dieses Thema ein riesengroßes Problem. Und das ist ein Problem, das uns allen wichtig sein muss, das uns alle angeht. Herr Kollege Lindner, da finde ich es wirklich unpassend, wenn Sie dann auf irgendeine Aussage von Kollegen Zanger hinbeißen.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Na, weil das fängt genau so an!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Das passt hier nicht her. Wenn Ihnen die Aussage nicht passt, sei Ihnen das ja unbenommen, aber das hat nichts damit zu tun, unsere Jugendlichen zu schützen.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Doch! Doch!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Nein …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Doch!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… das hat nichts damit zu tun. Genauso gut könnte ich Ihnen jetzt sagen, wenn Sie sich hierherstellen und von lesbischen Kindern reden, dass ich das genauso für eine Fehlaussage halte.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Die existieren aber!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Und wenn Sie hier Geschichten einbringen, weil Kollege Zanger etwas sagt, was Ihnen nicht gefällt, dann sage ich Ihnen noch etwas: Mir gefällt auch nicht, dass meine 14-jährige Tochter in der Wiener U-Bahn – in der U3, und zwar zwischen zwei Stationen, Stephansplatz und Westbahnhof, das ist nicht unbedingt die gefährlichste U-Bahn – von Ausländern beschimpft wurde: He, du Hure – das ist ein Zitat, Herr Präsident –, steh auf! – Das gefällt mir genauso wenig.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Richtig!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Auch das ist Gewalt an jungen Menschen …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Ja, ist ja richtig!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und auch das müssen wir bekämpfen (👏 FPÖ), aber, Herr Kollege, das hat nichts mit dem Problem der K.-o.-Tropfen zu tun, das ist eine ganz andere Problematik …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Deswegen erzählen Sie es uns jetzt!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… das sage ich Ihnen. Ich möchte, dass meine Kinder einen sicheren Nachhauseweg haben , und ich möchte, dass meine Kinder, wenn sie in einem Lokal, bei einer Veranstaltung, bei einem Fest, wurscht, wo auch immer sind, eben nicht Opfer von einem Perversen werden, der ihnen K.-o.-Tropfen gibt, um sie dann zu missbrauchen …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… in welcher Art auch immer. (👏 FPÖ) Das sind aber zwei Paar Schuhe. Wenn es hier darum geht, dass wir eine Kampagne und eine Aufklärung dazu machen, damit die jungen Menschen lernen …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Redezeit!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… dass sie sich im öffentlichen Raum vielleicht selbst gegenseitig ein bisschen beschützen, zu schauen, wenn einer vielleicht einmal gerade hinausgeht, auf die Toilette geht, dass man das Getränk nicht unbeaufsichtigt lässt – das ist ja auch ein soziales Verhalten, das man damit lernt –, dann ist das wichtig und richtig, dann diskutieren wir darüber und dann halte ich das für ganz, ganz dringend notwendig – aber hören Sie auf, immer alles reinzubringen, was Sie persönlich betrifft! Ich verstehe das aus Ihrer Sicht, aber seien Sie mir nicht böse, Herr Kollege Lindner, für mich sind Jugendliche Jugendliche. Und „lesbische Kinder und Jugendliche“: Bei allem Respekt, Kinder lassen wir jetzt einmal Kinder sein, diese Frühsexualisierung, die brauchen wir nicht! …

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Das hat überhaupt nichts damit zu tun!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Lassen wir unsere Kinder erwachsen werden! (👏 FPÖ) Hoffen wir, dass sie gesund erwachsen werden, dass sie nicht Opfer von sexuellen Übergriffen in irgendeiner Art und Weise werden, und wenn sie dann reif genug sind, dann sollen sie ihre Entscheidungen treffen! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Prammer. – Ihre eingemeldete Redezeit sind 3 Minuten. Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe jetzt einiges, auf das ich reagieren möchte, möchte aber damit beginnen: Liebe Frau Bundesministerin, natürlich war Ihre Kampagne gestern online, ich habe es ausgedruckt ( ein Schriftstück in die Höhe haltend ), es ist auch egal. (Bundesministerin Holzleitner: Das ist ein Sujet! Das ist keine Kampagne ...!) – Es ist auch egal! Es spricht ja nichts dagegen, zu sagen: Okay, dann waren wir halt mit dem Timing ein bisschen daneben! – Macht ja nichts, die Kampagne an sich ist gestartet, und ich möchte zur Kampagne an sich etwas sagen.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Wenn es egal ist, warum zeigen Sie es dann her?

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Denn ehrlicherweise: „Drink nicht aus den Augen lassen“; „Keine offenen Getränke von Fremden annehmen“. – Genau das, was uns Frau Kollegin Nussbaum vorhin vorgelesen hat, das ist genau das, was da drinnen steht: „Gemeinsam feiern, füreinander da sein“; „Bei Unwohlsein: Hilfe holen“; bei „Verdacht? Sofort Ärzt:in“ und „Frauenhelpline“. – Nein! Natürlich ist es wichtig, über Gefahren Bescheid zu wissen, aber noch viel wichtiger ist es, Täter abzuschrecken. Es ist schon richtig, es ist schwierig, diese Täter zu finden, aber genau deshalb muss man es machen, genau deshalb muss man Schutzkonzepte bei Veranstaltungen, in Lokalen verlangen. Man muss diese zwingend vorschreiben. Man muss diese gesetzlich vorschreiben und sie müssen Schutz vor Gewalt beinhalten. Ein Veranstalter muss sicherstellen, dass auf seinem Gelände nichts passiert, und wenn er das nicht macht, muss er dafür zur Verantwortung gezogen werden. Und: Es ist nicht so, dass es schicksalhaft gegeben ist, dass Täter unerkannt bleiben. Wir wissen nämlich schon, das, was Täter am meisten abschreckt, ist die Gefahr, erwischt und verurteilt zu werden. Diese Gefahr besteht dann, wenn man weiß, dass es eine gute Überwachung gibt, und zwar dort, wo in den Foren öffentlich – nicht geheim, nicht im Darknet, nicht in geheimen Foren, sondern öffentlich – besprochen wird, welche Substanzen man nehmen kann, welches Lösungsmittel, welchen Reiniger – ich nenne die Namen hier natürlich nicht, aber all das ist bekannt, das ist nichts Geheimes. Wenn man da drinnen ist und diese Menschen ausforscht, die dort Tipps geben, die sich Tipps holen, die dort teilweise mit anderen Tatpläne teilen und besprechen – ist es gescheit, wenn ich das so mache, oder ist es besser, wenn ich es anders mache? –, was nicht geheim ist, was offen stattfindet, was auch unter den Augen der Polizei stattfindet, dann muss man zugreifen. Und das muss man fördern! Man muss dort Mittel hineinstecken, damit die Aufklärungsarbeit passieren kann, und man muss auch Beamtinnen und Beamte zur Verfügung stellen, die sich auf gefahrenträchtigen Veranstaltungen aufhalten und den Menschen über die Schulter schauen. Man kann nicht Freundinnen die Aufgabe zuteilen, auf die anderen Freundinnen aufzupassen. Alle sollen sich amüsieren dürfen. Alle sollen das Recht haben, frei und mit Spaß einen Abend zu genießen, und niemand soll die Verpflichtung haben, auf andere aufzupassen. Es geht um die Täter. Es geht um die Täter, die den Stress haben sollen. Dafür haben wir Sicherheitsbehörden, und diese haben für den Schutz zu sorgen. Das ist auch möglich, denn Zivilbeamte können das leisten, aber man muss es ihnen natürlich anschaffen und man muss die Ressourcen dafür zur Verfügung stellen. So etwas erwarte ich mir von einer Kampagne gegen K.-o.-Tropfen. (👏) Ich erwarte mir auch, dass die Gewaltambulanzen ausgebaut werden, und zwar überall und flächendeckend, und dass nicht nur davon geredet wird. Das fängt damit an, dass zum Beispiel eine große Stadt wie Linz, die eine Medizinuni hat, keine Gerichtsmedizin hat. Sorgen Sie dafür, dass es dort ein gerichtsmedizinisches Institut gibt! Denn solange es das nicht gibt, kann es dort auch keine Gewaltambulanz geben, wie es groß versprochen wurde. Das geht sich nicht aus, denn ohne Gerichtsmedizin hat man keine Gewaltambulanz – und die zwei in Salzburg schaffen die Gewaltambulanz in Linz nicht; eine solche kann man noch nicht einmal in Salzburg ordentlich ausrollen. Sorgen Sie also bitte dafür, dass die Ressourcen zur Verfügung stehen, um Täter zu ermitteln, um Täter zu überführen, um sie zu verurteilen, denn Abschreckung, wirkliche Abschreckung ist für diese nur die Gefahr, erwischt zu werden! – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Elektrizitätswirtschaftsgesetz, Energiearmuts-Definitions-Gesetz und Energie-Control-Gesetz

150 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Initiativantrag 198/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Initiativantrag 198/A auf Erlass eines neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG) und eines Energiearmuts-Definitions-Gesetzes (EnDG) sowie auf Änderung des Energie-Control-Gesetzes abgelehnt. Damit kommen die vorgesehenen neuen Markt-, Netz- und Verbraucherschutzregeln inklusive Energiearmuts-Definition und Anpassungen der E-Control-Zuständigkeiten nicht zustande.

Betroffen wären Stromkund:innen (insbesondere schutzbedürftige Haushalte), Stromlieferanten und Aggregatoren, Netzbetreiber, Energiegemeinschaften sowie die Regulierungsbehörde E-Control und Statistik Austria gewesen.

Ziel war ein moderner Rechtsrahmen zur vollständigen Umsetzung der EU-Elektrizitätsbinnenmarktregeln, zur Beschleunigung von Netzausbau und Erneuerbaren-Ausbau, zur Stärkung von Verbraucherrechten sowie zur Definition und statistischen Erfassung von Energiearmut samt Schutzmechanismen (u.a. gedeckelter Strompreis für schutzbedürftige Haushalte).

Dokumente

Elektrizitätswirtschaftsgesetz, Energiearmuts-Definitions-Gesetz und Energie-Control-Gesetz

Gesamtziel und Anlass des Gesetzespakets

  • Schaffung eines modernen, kohärenten Rechtsrahmens für den österreichischen Strommarkt mit klaren Regeln für raschen und gezielten Netzausbau, mehr Effizienz, langfristige Kostensenkung und beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien.
  • Stärkung von Transparenz (u.a. Netzanschlusskapazitäten), Ausbau und Absicherung von Eigenversorgung/Dezentralität sowie Stärkung der Rechte von Endkund:innen.
  • Aktive Bekämpfung von Energiearmut: Einführung eines gestützten Strompreises für schutzbedürftige Haushalte (Kern: für ein Kontingent von 2.900 kWh/Jahr darf nicht mehr als 5 Cent/kWh verrechnet werden; im Gesetz technisch über Referenzwerte und Zuschussmechanik umgesetzt).
  • Dringlichkeit auch wegen anhängigem EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen unvollständiger Umsetzung der Elektrizitätsbinnenmarkt-Richtlinie; Risiko hoher Sanktionen bei EuGH-Verurteilung.
  • Einbettung in EU-Energieunion und „Saubere Energie“-Paket: maßgeblich Richtlinie (EU) 2019/944 und Verordnung (EU) 2019/943; zusätzlich Risikovorsorge-VO (EU) 2019/941 sowie REMIT-VO (EU) 1227/2011 in geänderter Fassung (VO (EU) 2024/1106).
  • Beitrag zu nationalen Zielen: 100% (national bilanziell) erneuerbarer Strom ab 2030 und Klimaneutralität Österreichs bis 2040; Kohärenz mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG).
  • Rechtsbereinigung und Harmonisierung: Aufhebung ElWOG 2010 und Neuerlass als Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG); weitestgehende Vermeidung „doppelstöckiger“ Umsetzung über Grundsatz- und Ausführungsgesetze; Anpassung E-ControlG; neues Energiearmuts-Definitions-Gesetz (EnDG) für Statistik und Zielgruppen.

Kompetenz- und Vollzugsgrundlagen (Bundeskompetenz/Kompetenzdeckungsklauseln)

  • ElWG-Materie überwiegend Art. 12 Abs. 1 Z 2 B-VG (Elektrizitätswesen); für unmittelbar anwendbares Bundesrecht wird eine Kompetenzdeckungsklausel im Verfassungsrang vorgesehen, soweit Materien nicht von Bundeskompetenztatbeständen erfasst sind.
  • EnDG: Kompetenzdeckungsklausel, weil Teile (Definition unterstützungswürdiger Haushalte, Nachweis/Verfahren) dem Art. 12 Abs. 1 B-VG (Armenwesen und Elektrizitätswesen) zuzuordnen sind; Bundeszuständigkeit für Erlassung/Änderung/Aufhebung/Vollziehung dieser Bestimmungen.
  • E-ControlG-Novelle: Anpassungen der Zuständigkeiten/Verweise/Terminologie an ElWG; Klarstellung Amtshilfe; Verfahrensregeln (Bescheide mit Auflagen/Bedingungen/Befristungen; öffentliche Begutachtung vor Verordnungen).

Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) – Struktur, Grundausrichtung und zentrale Neuerungen

  • Neuerlass des ElWG und Aufhebung des ElWOG 2010 zur besseren Übersichtlichkeit und Rechtsbereinigung; Umsetzung insbesondere der Richtlinie (EU) 2019/944, teilweise auch Pflichten aus der Novellierungsrichtlinie (EU) 2024/1711.
  • Festlegung von Regelzone, Regelblock und Regelzonenführer in Umsetzung der System Operation Guideline (VO (EU) 2017/1485) und europäischer Betriebsvereinbarungen (Continental Europe).
  • Stärkung der Endkundenrechte (Informationspflichten, dynamische Preise, Aggregierung, Prepayment, Kundenservice/Beschwerdemanagement, Vergleichsinstrument).
  • Smart-Meter-Regime: Recht auf (vorzeitige) Ausstattung, verkürzte Installations-/Aktivierungsfristen, Viertelstundenauslesung als Standard mit Opt-Out unter Bedingungen, Regeln zu Datenzugang, Datenhoheit, Löschung/Anonymisierung.
  • Dezentrale Versorgung und aktive Teilnahme: Eigenversorgung, Speicherung, Verkauf, Flexibilitätsdienste; Last- und Einspeisesteuerung durch Aggregierung; Erweiterung Direktleitungen; gemeinsame Energienutzung und Peer-to-Peer.
  • Vollständige Umsetzung der EU-Vorgaben zur Energiespeicherung; Regeln für Speicherbetrieb durch Netzbetreiber nur unter engen Ausnahmen und mit Ausschreibung/Regulierungsaufsicht.
  • Netzbetrieb: systematische Trennung von Netzanschluss und Netzzugang; neue Aufgaben der Verteilernetzbetreiber; konsolidierte Pflichtenkataloge (Datenverwaltung, Digitalisierung).
  • Systemnutzungsentgelte: Aufwertung der Rolle der Regulierungsbehörde (E-Control) im Lichte EuGH-Rechtsprechung; Zusammenführung von Entgeltkomponenten (Netzzutritt+Netzbereitstellung → Netzanschlussentgelt; Systemdienstleistungsentgelt → Regelleistungsentgelt).
  • Versorgungssicherheit: marktgestützte Beschaffung von Flexibilitätsleistungen im Verteilernetz; Beschaffung nicht frequenzgebundener Systemdienstleistungen; Anpassung Regelreservebeschaffung an VO (EU) 2017/2195; Versorgungssicherheitsstrategie und Ressourcen-/Flexibilitätsbewertungen.
  • REMIT-Durchsetzung: Nachschärfungen bei Verfolgung, Verjährung, Zuständigkeit; Umstellung auf Verwaltungsstrafregime, Mindest-/Höchstgrenzen für Geldbußen, Strafbarkeit juristischer Personen.

ElWG – Corporate Governance und Zielkatalog des Elektrizitätsmarktes

  • Einbindung des Bundes-Public Corporate Governance Kodex (B-PCGK) für Elektrizitätsunternehmen unter Rechnungshofkontrolle (Art. 126b B-VG); Kodex als Selbstbindung/Weisung für Bundesorgane in Anteilseigner- und Überwachungsfunktionen; Ausnahme für börsennotierte AGs mit anerkanntem Corporate-Governance-Kodex (ÖCGK).
  • Ziele/Grundsätze des Elektrizitätsmarktes: Ausrichtung u.a. auf EAG-Ziel 100% erneuerbarer Strom (national bilanziell) bis 2030; Einbezug von Netzkodizes/Leitlinien nach VO (EU) 2019/943; Ziel erhöhter Transparenz (konkretisiert in mehreren Netz- und Datenbestimmungen).
  • Umsetzung von Art. 3 RL (EU) 2019/944 (Schutzniveau, Marktprinzipien) und Art. 5 Abs. 1 RL (EU) 2019/944 (preisbezogene Grundsätze).

ElWG – Begriffsbestimmungen (ausgewählte Klarstellungen/Neuerungen)

  • Aggregierung: Bündelung von Verbrauch und/oder Erzeugung; Inhalte im Aggregierungsvertrag.
  • „Berechtigter Dritter“: kann Lieferant, Aggregator, Netzbetreiber, Energiegemeinschaft, Betreiber gemeinschaftlicher Erzeugungsanlagen etc. sein; Berechtigung nur für in Anspruch genommene Angelegenheiten.
  • Endkunde: Klarstellung, dass Strombezug für Ladepunkte Endkundeneigenschaft begründet (Abgrenzung u.a. zu VwGH 18.09.2019, Ro 2018/04/0010).
  • Energiespeicheranlage: umfasst Batterien, Pumpspeicher, Konversionsanlagen (inkl. Elektrolyse); E-Fahrzeuge können bei bidirektionaler Infrastruktur als Speicher fungieren.
  • Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft: Anpassungen; Verwendung „teilnehmender Netzbenutzer“ wo netzbezogene Eigenschaft relevant ist.
  • Liefervertrag, dynamischer Liefervertrag, Liefervertrag mit fester Laufzeit/Festpreisen: Umsetzung/Anpassung an EU-Terminologie (Art. 2 RL 2019/944).
  • Netzanschlusspunkt: Anlage kann Erzeugung, Verbrauch, Speicher, Verteilernetzanlage oder Kombination sein.
  • Primär-/Sekundärregelreserve: Anpassung an VO (EU) 2017/2195 und 2017/1485.
  • „Sonstige Marktregeln“ und „Technische und organisatorische Regeln“: Erstellung durch Regulierungsbehörde nach E-ControlG.
  • Standardprodukt: Lieferant kann mehrere Standardprodukte (Ökostrom, Abnahme, Floater, Festpreis etc.) haben.
  • Verteilernetz: Klarstellung zu geschlossenen Verteilernetzen (Umsetzung Art. 38 Abs. 2 RL 2019/944).
  • „Vollständig integrierte Netzkomponente“: Bezug auf 15-Minuten-Marktintervall (Art. 35 VO (EU) 2017/2195) als Voraussetzung für Ausnahme vom Speicherbetriebsverbot durch Netzbetreiber.

ElWG – Systembetrieb: Regelzone/Regelblock, Bilanzgruppen, Marktkommunikation und Datenverwaltung

  • Regelblock/Regelzone: Festlegung nach SO GL (VO (EU) 2017/1485) und Betriebsvereinbarungen; Österreich Teil der Continental Europe SA; Regelzonenführer ist der in der Betriebsvereinbarung benannte ÜNB.
  • Aufgaben Regelzonenführer: Versorgungssicherheit inkl. Prüfung/Beschaffung/Einsatz von Flexibilitätsleistungen.
  • Zuordnung künftiger Aufgaben aus neuen/überarbeiteten Netzkodizes/Leitlinien: Bescheid der Regulierungsbehörde, Zuordnung an Regelzonenführer oder ÜNB.
  • Bilanzgruppen: Netzbenutzer können sich auch mittelbar (über Lieferant/Aggregator) anschließen; Nachfolgeregelung zu ElWOG 2010.
  • Bilanzgruppenkoordinator: u.a. Vergabe von EIC-Codes (Local Issuing Office bei ENTSO-E), Plattform für Abmeldungen/Kündigungen, Mitarbeit bei Kundenwechsel/Abwicklung/Abrechnung; Zuständigkeit für Anzeige/Aberkennung nun bei Regulierungsbehörde; bestehender Koordinator bleibt; Rechnungshofkontrolle.
  • Bilanzgruppenverantwortliche: Anforderungen inkl. Ausschlussgründe (Finanzvergehen) in Anlehnung an GWG/ GewO; Ausnahmen u.a. Bilanzgruppe Netzverluste.
  • Pflichten Bilanzgruppenverantwortliche: Übergangsregel bis flächendeckende Viertelstundenwerte.
  • Marktkommunikation/Datenverwaltung: erweiterter Aufgabenkatalog, Festlegung technischer Schnittstellen/Dokumentationen; Verantwortung bleibt bei originär verpflichteten Netzbetreibern auch bei Übertragung; Dritte unterliegen Auskunfts-/Einsichtsrechten der Regulierungsbehörde.

ElWG – Endkund:innenrechte: Kommunikation, Vertragsarten, Wechsel, Vergleich, Zahlungsschutz

  • Elektronische Kommunikation als Standard bei Neuverträgen; jederzeit widerrufbar zugunsten Papierform (grundsätzlich unentgeltlich); klare Trennung vertragsrelevanter Inhalte von Werbung.
  • Freie Lieferantenwahl: Recht auf mehr als einen Stromliefervertrag gleichzeitig (je Zählpunkt nur ein Liefervertrag); gleichlautendes Recht für Abnahmeverträge; Verträge über Stromdienstleistungen (insb. Aggregierung) zusätzlich möglich; Diskriminierungsverbot und Kosten nur bei sachlich gerechtfertigtem Aufwand; kein Kontrahierungszwang allein aus dieser Norm.
  • Allgemeine Lieferbedingungen: erweiterte Pflichtinhalte (u.a. gebündelte Produkte, dynamische Preise); Informationsblätter (Preisblätter) vor Vertragsabschluss online/download oder in Papierform.
  • Änderung der Lieferbedingungen/Entgelte: Informationspflichten inkl. Anlass/Voraussetzung/Umfang/Wirksamkeit; gesetzliche Preisbindung 3 Monate nach Lieferbeginn (Ausnahme: Produkte, deren Wesen entgegensteht, z.B. dynamische Preise); Übernahme/Präzisierung judikaturgeprägter Voraussetzungen (sachliche Rechtfertigung, nicht ausschließlich vom Willen des Lieferanten abhängig).
  • Recht auf dynamische und feste Energiepreise: dynamische Preise spiegeln Spotmarkt (Day-Ahead/Intraday) wider; verpflichtetes Angebot nur für größere Lieferanten (Schwelle nach Zählpunkten); erhöhte Informationspflichten (Chancen/Risiken, Vergleichsrechnungen, repräsentative Beispiele); für Haushalte/Kleinunternehmen jederzeitige Kündigung ohne Bindungsfristen auch im ersten Jahr; Ausdehnung der Schutzlogik auch auf Terminprodukte mit bis zu quartalsweiser Anpassung (Monats-/Quartalsprodukte); Verordnungsermächtigung für zusätzliche Informationspflichten (z.B. automatische Preisgrenzen-Meldungen); verpflichtete Lieferanten müssen auch feste Preisprodukte anbieten; Teilnahme an Laststeuerung/gemeinsamer Energienutzung darf durch Festpreisvertrag nicht ausgeschlossen werden; Monitoring/Bericht über Auswirkungen (primär Energiekosten).
  • Recht auf Aggregierungsvertrag: Umsetzung Art. 13 RL 2019/944; umfasst Lieferanten-Aggregatoren und unabhängige Aggregatoren; spezifische Regeln dort, wo ausdrücklich auf unabhängigen Aggregator abgestellt wird.
  • Kündigungsfristen: Beibehaltung der bisherigen Grundlogik für Liefer-, Abnahme- und Aggregierungsverträge.
  • Wechsel Lieferant/Aggregator: Wechselprozess max. 3 Wochen; ab 1.1.2026 technischer Wechsel binnen 24 Stunden und an jedem Arbeitstag möglich (Frist ab Kenntnisnahme durch Netzbetreiber); jährliche Information an Haushalte/Kleinunternehmen über Wechselmöglichkeit und Vergleichsinstrument; Pflicht, zugleich ein günstigeres Standardprodukt derselben Kategorie anzubieten, sofern verfügbar (Definition „günstiger“ anhand Verbrauch des letzten Jahres und Vergleichsinstrument).
  • Verfahrensregeln für Wechsel: zusammengeführtes Verfahren; fristgerechte Beantwortung von Vertragsabschlussanfragen; Verordnungsermächtigung zur Detailregelung (Differenzierung Lieferanten-/Aggregatorenwechsel; Bezug u.a. auf VO (EU) 2023/1162 und künftigen Netzkodex Laststeuerung).
  • Vergleichsinstrument („Tarifkalkulator“) der Regulierungsbehörde: Umsetzung Art. 14 RL 2019/944; kein Vertrauenszeichen-System, da E-Control selbst Instrument bereitstellt; Meldepflichten für Standardprodukte (inkl. Grundversorgungstarife) und historische Preise; Schwelle 5% der Haushalts-/Kleinunternehmenskunden; gesonderte Meldung von Standardprodukten/Pauschalen für aktive Kunden.
  • Recht auf Ratenzahlung: eigenständige Regel; umfasst Jahres- und Schlussrechnungen, unterjährige Nachzahlungen; spezifische Fristen auch für Monatsrechnungen; Laufzeit typischerweise bis 12 Monate, bis 18 Monate in Härtefällen; Fälligkeit der Nachzahlung ans Ende der Ratenzahlungsvereinbarung verschoben, zinsenfrei; Verordnungsermächtigung für Grundregeln; Recht auf individuelle Laufzeit im gesetzlichen Rahmen.
  • Recht auf Vorauszahlungszähler (Prepayment): gegenüber Lieferanten und Netzbetreibern; schutzbedürftige Haushalte von entsprechenden Entgelten (SNE-VO) auszunehmen; Maßnahme zum Schutz vor Abschaltungen (Art. 28a RL 2019/944).

ElWG – Grundversorgung, Auffangversorgung, Lieferantenausfall und Abschaltungsschutz

  • Grundversorgung: Neuregelung als Recht auf Versorgung zu wettbewerbsfähigen, leicht vergleichbaren, transparenten, diskriminierungsfreien Preisen (Art. 27 RL 2019/944) durch Kontrahierungszwang zu Standardprodukten für Neukund:innen; Klarstellung: Grundversorgung dient nicht der Versorgung zu Bestandskundentarifen in volatilen Marktsituationen; für einkommensschwache/schutzbedürftige Haushalte eigene Regelung (gestützter Preis).
  • Grundversorgung – Sicherheiten/Prepayment: Lieferanten dürfen bei Berufung auf Kontrahierungszwang Sicherheitsleistungen/Vorauszahlungen und Prepayment verlangen; Begrenzung der Höhe; Verpflichtung zur Netzdienstleistung auch bei Zahlungsrückständen; allgemeine Kündigungsfristen gelten.
  • Auffangversorgung: Zusammenführung von Marktaustritt/Lieferantenausfall und Vermeidung vertragslosen Zustands (Ablauf/Kündigung etc.); Informationspflicht des Netzbetreibers über bevorstehende Auffangversorgung und Widerspruchsmöglichkeit; Hinweis auf Abschaltungsrisiko bei Widerspruch ohne neuen Vertrag; wichtiger Grund z.B. Zahlungsverzug; Laufzeit 6 Monate, nicht als Dauerlösung (danach Abschaltung möglich).
  • Auffangversorgung nach Lieferantenausfall: Ersatzversorgung erfolgt im Rahmen der Auffangversorgung (Fortführung bisheriger Logik).
  • Ernennung Auffangversorger: Ausschreibungsverfahren durch Regulierungsbehörde; erste Ernennung bis 1.1.2026; Dauer 2 Jahre; Preis besteht aus Arbeitspreis (abgeleitet aus festgelegten Spot-/Terminprodukten) plus Gesamtaufschlag (Abwicklung, Risiko, Mahngebühren, Ausgleichsenergie etc.); für Haushalte/Kleinunternehmen quartalsweise Glättung; Anforderungen u.a. Börsenhandelsfähigkeit/Sicherheiten; Sitz in Österreich zum Ernennungszeitpunkt zur Vollstreckbarkeit verwaltungsstrafrechtlicher Verantwortlichkeit; Nachweise auch per Eigenerklärung möglich.
  • Abschaltung der Netzverbindung: qualifiziertes Mahnverfahren; umfassende Information über Rechte; Nutzung des Ratenzahlungsrechts verhindert Vertragsverletzung; Mahnverfahren bei Ratenzahlung frühestens nach Ablauf der Ratenzahlungsfrist; Umsetzung Art. 28a RL 2019/944; weitere Schutz- und Verfahrensregeln (inkl. Wiederherstellung).
  • Anlauf- und Beratungsstellen: Verweis auf bestehende Beratungsstelle nach EEffG zur Vermeidung von Doppelgleisigkeiten; Veröffentlichung von Kontaktdaten; gutes Kundenservice und Beschwerdemanagement (Art. 10 Abs. 9 RL 2019/944) als überwachte Pflicht.

ElWG – Gestützter Preis für schutzbedürftige Haushalte und besondere Lieferregeln

  • Gestützter Preis als Nachfolgelogik zur Stromkostenbremse (SKZG): Nutzung eingespielter Prozesse; Gewährung für Dauer der Schutzwürdigkeit (nach Bescheid gemäß EnDG); Wegfall der Voraussetzungen nach EnDG-Verweisen nach Regeln der Fernmeldegebührenordnung bzw. des ORF-Beitragsgesetzes.
  • Verbrauchskontingent zur Setzung von Einsparungsanreizen: Zuschuss nur bis 2.900 kWh/Jahr; darüber kein Zuschuss, aber Preisbegrenzung über oberen Referenzwert.
  • Preislogik über Referenzwerte: unterer Referenzwert (Arbeitspreis) und oberer Referenzwert (an § 41 Abs. 1 ÖSG 2012 angelehnt) als Beschaffungs-/Marktpreisabbildung; oberer Referenzwert als mengengewichteter Durchschnitt; Annahme eines Base/Peak-Mischverhältnisses zur Abbildung Haushaltslastprofile und Volatilität.
  • Aliquotierung des Kontingents bei Schlussrechnungen (z.B. Umzug/Auszug).
  • Kernpflicht: schutzbedürftigen Haushalten darf nur ein Arbeitspreis verrechnet werden, der den oberen Referenzwert nicht übersteigt.
  • Besondere Bestimmungen bei Teilnahme an gemeinschaftlicher Erzeugungsanlage/Energiegemeinschaft: Zuschuss/gestützter Preis nur für Restbezug beim Lieferanten; Differenzwertermittlung anhand Gesamtbezug minus Gemeinschaftsbezug; Abwicklungsregeln im Wesentlichen aus SKZG übernommen.

ElWG – Versorgungssicherung für bestimmte Unternehmen (Nicht-Haushalte/Kleinunternehmen)

  • Kontrahierungspflicht zur Sicherstellung der Stromversorgung in volatilen Märkten für Endkund:innen bis 1 GWh Jahresverbrauch, die weder Haushaltskund:innen noch Kleinunternehmen sind.
  • Voraussetzung: Nachweis, dass binnen zwei Wochen von drei Lieferanten kein Angebot oder nur nicht angemessene Preise angeboten wurden oder Ablehnung erfolgte.
  • Zuweisung eines Lieferanten, der mindestens 6 Monate zu Marktpreisen (dynamische/marktpreisabhängige Produkte) liefern muss; außerordentliche Kündigungsrechte nach allgemeinen zivilrechtlichen Regeln; sofortige Kündigung bei Unzumutbarkeit (z.B. falsche Angaben).
  • Ausnahme: Lieferanten, die ausschließlich Haushalte und Kleinunternehmen beliefern, sind von dieser Pflicht ausgenommen.

ElWG – Rechnungslegung, Abrechnung, Verbrauchsinformation

  • Mindestanforderungen an Rechnungen: Ergänzung um Vorgaben aus Anhang I RL 2019/944 (klarer Rechnungsbetrag, Fälligkeit etc.); gemessene Werte sind zugrunde zu legen (inkl. Smart-Meter-Daten für Abgrenzungen bei Preisänderungen/Produktwechsel).
  • Rechnungsübermittlung: elektronisch als Standard; Recht auf kostenlose Papierrechnung jederzeit, vertraglich nicht ausschließbar.
  • Rechnungsinhalte: u.a. Bekanntgabe zugeordnetes Lastprofil; Vergleich mit Durchschnittskund:in vergleichbarer Gruppe auf Basis standardisierter Lastprofile; Hotline-Kontaktdaten/Erreichbarkeit; Musterformulierungen durch Regulierungsbehörde; Informationsblatt auch via Link/QR möglich.
  • Teilzahlungsbeträge: Anpassung bei Preisänderungen grundsätzlich; Haushalte können bei angekündigter Erhöhung Beibehaltung des bisherigen Betrags verlangen (mit Hinweis, dass Preis nicht sinkt); Ziel: Vermeidung hoher Nachzahlungen.
  • Abrechnungszeitraum: mittelfristige Umstellung Richtung Monatsrechnungen; Informationspflicht über saisonale Effekte (Winterspitzen); Kundenwunsch auf Jahresrechnung jederzeit möglich.
  • Zeitliche Vorgaben für Rechnungslegung: Umsetzung Anhang I RL 2019/944 (u.a. Fristen).
  • Verbrauchs- und Abrechnungsinformation: Zusammenführung bisheriger Regeln; bei Smart-Meter und Jahresabrechnung monatliche Information; elektronisch als Standard, postalisch auf Wunsch; Mindestinhalte: Monatsverbrauch, vereinbarter Preis, geschätzte monatliche Kosten für Lieferung und Netznutzung.

ElWG – Intelligente Messgeräte (Smart Meter) und Datenregime

  • Recht auf (vorzeitige) Ausstattung mit intelligentem Messgerät unabhängig von Rollout-Projektplänen; Erstinstallation mit Fristen; bei späterem Gerätetausch Funktionalitäten sofort.
  • Anforderungen an Smart Meter: u.a. Sichtanzeige (Echtzeit-Zählerstand), Betriebsdaten (z.B. Deckelöffnung/Fremdmagnet), Unterbrechungs-/Abschaltfunktion; Lastprofilzähler gelten auch ohne Abschaltfunktion als Smart Meter; Konfiguration im Einklang mit Maß- und Eichrecht.
  • Fast-Echtzeit-Daten: Endkund:innen müssen nicht validierte Fast-Echtzeit-Daten erhalten (Art. 20 lit. a RL 2019/944).
  • Auslesung: Viertelstundenauslesung als Standard; Opt-Out für Speicherung/Übertragung von Viertelstundenwerten nur, wenn keine bestimmten Betriebsmittel angeschlossen sind und keine Teilnahme an gemeinschaftlicher Erzeugung/Energiegemeinschaft; Stufenplan für Netzbetreiber ohne technische Voraussetzungen; Möglichkeit zur Auslesung, wenn technisch möglich.
  • Ersatzwertbildung: neue einheitliche Regeln bei fehlenden Viertelstundenwerten; elektronische/automatisierte Datenübermittlung.
  • Verarbeitungszwecke: Nutzung viertelstündlicher Werte für Netzmonitoring (sicherer/effizienter Betrieb); Datenübermittlung an Statistik Austria zur EU-Energiestatistik (Respondentenentlastung).
  • Zugang zu Messdaten: kostenfreier Zugang und kostenfreie Anträge; Programmierungsschnittstelle für automatisierte Auslesung/Web-Portal; Regulierungsbehörde erfüllt Aufgaben zur Datenzugangs-Governance.
  • Datenspeicherung/Löschung: Orientierung an DSGVO-Verhaltensregeln; Löschung/Anonymisierung nach 36 Monaten zumindest jährlich, sofern keine längere Pflicht/Ermächtigung besteht.
  • Datenhoheit: Konkretisierung nach DurchführungsVO (EU) 2023/1162 (Interoperabilität, diskriminierungsfreier Zugang).
  • Berichterstattung nationale Praxis: Regulierungsbehörde berichtet an EU-Kommission unter Berücksichtigung von Netzbetreiber-Meldungen, ohne daran gebunden zu sein.

ElWG – Dezentrale Versorgung: Strombezugsverträge (PPAs), Aggregierung, Direktleitungen, aktive Kund:innen

  • Strombezugsverträge (Power Purchase Agreements): Umsetzung/Präzisierung aus RL (EU) 2018/2001; Erzeuger wird dadurch nicht zum Lieferanten; Endkund:innenrechte gegenüber Lieferant bleiben, daher grundsätzlich aufrechter Liefervertrag erforderlich; bei Liefervertragslücke werden PPA-Mengen als Lieferung behandelt.
  • Herkunftsnachweise bei PPAs: Übertragung an den Lieferanten der Endkund:innen; Lieferant entscheidet über Verwendung/Entwertung oder alternative HKN zur Wahrung des Lieferantenmix; keine Pflicht des Lieferanten zur bilanziellen Abwicklung als Vorlieferung.
  • Last- und Einspeisesteuerung durch Aggregierung: Umsetzung Art. 17 RL 2019/944; optionaler Kompensationsmechanismus für Lieferanten bei unmittelbarem finanziellen Nachteil; Berechnungsmethode per Verordnung der Regulierungsbehörde.
  • Direktleitungen: Erweiterung des Anwendungsbereichs; Anschluss an öffentliches Netz unschädlich, wenn Ringflüsse verhindert werden; ordnungsgemäße Entrichtung von Systemnutzungsentgelten/Abgaben für Netzbezug/-einspeisung; Erleichterung der Überschusseinspeisung durch Dritte (Zählpunktzuordnung) in Umsetzung Art. 21 Abs. 5 RL 2018/2001; bestehende Bescheide bleiben grundsätzlich aufrecht; keine Regelung zu Anlagenrecht/Zwangsrechten.
  • Aktive Kund:innen: Zusammenführung von Konzepten aus RL 2018/2001 (Eigenversorger erneuerbar) und RL 2019/944; aktive Kund:innen können erzeugen, verbrauchen, speichern, verkaufen und an Flexibilitätsdiensten teilnehmen; Absicherung von Pacht-/Contracting-Modellen; Klarstellung zu Entgelten bei „hinter dem Zählpunkt“ (keine Netzentgelte mangels Netznutzung).

ElWG – Gemeinsame Energienutzung, Bürgerenergieformen, Peer-to-Peer, gemeinschaftliche Erzeugung

  • Gemeinsame Energienutzung: Umsetzung Art. 15a RL 2019/944 (Definition/Regeln); Austausch von Strommengen zwischen zwei oder mehreren Personen mit einer oder mehreren Erzeugungsanlagen (1:1, 1:n, n:n); Verträge stets zusätzlich zu regulärem Liefervertrag (Bilanzgruppenbezug).
  • Breiter Anwendungsbereich: gemeinsame Energienutzung möglich auf vertraglicher Basis (Peer-to-Peer, gemeinschaftliche Erzeugungsanlage) oder über juristische Personen (Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft, Bürgerenergiegemeinschaft, sonstige Gesellschaftsformen).
  • Teilnahmeschwellen: Teilnahme mit Erzeugungsanlagen bis 6 MW Maximalkapazität pro aktivem Kunden (absolute Grenze); weitere Schwellen (30 kW für Haushalte, 100 kW für sonstige aktive Kunden) betreffen Qualifikation als Lieferant/Stromhändler und damit Lieferantenpflichten; Schwellen gelten pro aktivem Kunden, nicht für das Gesamtmodell.
  • Nahebereich: Vergünstigungen (insb. reduzierte Netznutzungsentgelte) v.a. bei gemeinsamer Energienutzung im Nahebereich; große Unternehmen müssen im Nahebereich sein; Bezug auf EU-KMU-Empfehlung zur Abgrenzung „großes Unternehmen“.
  • Organisator: aktive Kund:innen können einen Organisator bestellen (ein Organisator pro Modell; muss nicht selbst aktiver Kunde sein); Organisator kann u.a. Kommunikation/EDA-Zugang, Informationsbeschaffung, ggf. Auswahl eines gemeinsamen Lieferanten übernehmen; Vollmachten sind von Netzbetreibern zu akzeptieren (auch für Beitritt zu Energiegemeinschaften).
  • Organisator-Pflichten: Umsetzung Art. 15a Abs. 3 RL 2019/944; Einhaltung bestimmter Lieferantenpflichten (Allgemeine Lieferbedingungen, Wechselregeln, Rechnungs-/Informationsregeln); aktive Kund:innen können Lieferantenpflichten an Organisator übertragen.
  • Lieferantenpflichten bei Überschreiten der Schwellen: wegen Art. 15a Abs. 4 lit. c RL 2019/944 keine generelle Ausnahme vom Lieferantenbegriff mehr; bei Verkauf innerhalb gemeinsamer Energienutzung und Überschreiten der Schwellen sind bestimmte Lieferantenpflichten einzuhalten (oder Übertragung an Organisator).
  • Schutzbedürftige Haushalte: Sicherstellung der Teilnahmemöglichkeit an gemeinsamer Energienutzung, wenn Gebietskörperschaft mit Erzeugungsanlage teilnimmt; Verpflichtung der Gebietskörperschaft, Zugang zu ermöglichen (z.B. über Vertrags-/Gesellschaftsregeln).
  • Peer-to-Peer-Verträge: Verträge zwischen aktiven Kunden über gemeinsame Nutzung; Preis kann auch „null“ sein (Schenkung); bei Personenidentität kein Vertrag nötig.
  • Gemeinschaftliche Erzeugungsanlage: im Wesentlichen Fortführung; neu/klargestellt: Einbezug von Energiespeichern als Teil der gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage.
  • Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften: Abgrenzung, ob gemeinsam Energie genutzt wird (dann gelten Regeln der gemeinsamen Energienutzung) oder nur gemeinsame Investition ohne gemeinsamen Verbrauch; Kennzeichnung im Gesellschaftsvertrag/Satzung zur Identifikation.
  • Bürgerenergiegemeinschaften: im Wesentlichen Fortführung bisheriger Regeln.
  • Allgemeine Bestimmungen/Messung/Verrechnung: einheitliche Regeln für alle Bürgerenergie-Modelle; Programmierungsschnittstelle für Web-Portal (nicht Schnittstellen zu Messeinrichtungen); Mehrfachteilnahme möglich, aber auf max. fünf gleichzeitige Teilnahmen begrenzt; Zuweisung von Anteilen von Verbrauch/Erzeugung an unterschiedliche Gemeinschaften möglich; Verteilmodell innerhalb der Gemeinschaft bleibt (statisch/dynamisch).
  • Diskriminierungsverbot für Lieferanten: aktive Kund:innen dürfen wegen Teilnahme an Bürgerenergie-Modellen nicht benachteiligt werden; sachlich gerechtfertigte, auf tatsächlichen Mehraufwand gestützte Kostenweitergabe möglich, aber nicht abschreckend.

ElWG – Anlagenrechtliche Abgrenzungen, Erzeugerpflichten, Kleinsterzeugung, Herkunftsnachweise, Kennzeichnung

  • Errichtung/Inbetriebnahme von Stromerzeugungsanlagen: Klärung der Abgrenzung zwischen Elektrizitätsrecht (ElWG/Landesgesetze) und Gewerbeordnung; Vermeidung paralleler Bewilligungspflichten für nach GewO bewilligungs-/anzeigepflichtige Vorhaben; Einordnung von Überschusseinspeisern über Definition Eigenversorgungsanlage.
  • Elektrizitätsunternehmen-Begriff erweitert: Energiespeicherung kann Elektrizitätsunternehmen begründen (inkl. Umwandlung in speicherbare Energieform wie Elektrolyse); Endkundenausnahme für Speicherbetrieb zur Eigenversorgung; Genehmigungszuständigkeit je nach Konstellation (Volleinspeiser vs. Endkundenspeicher; GewO vs. ElWG/Landesrecht).
  • Pflichten der Erzeuger: gelten für Betreiber netzgekoppelter Erzeugungsanlagen; Verweis auf einschlägige EU-Vorgaben und Datenformat-/Informationsdarstellungs-VO.
  • Kleinsterzeugungsanlagen: grundsätzlich kein Zählpunkt; daher keine Bilanzgruppe und keine Erzeugerpflichten; auf Antrag Zählpunkt möglich, dann gelten Pflichten.
  • Herkunftsnachweise für hocheffiziente KWK: Anpassung, da Referenzwerte nun von EU-Kommission festgelegt werden; nationale Berechnung entfällt.
  • Berichtswesen: Bezug auf Berichtspflichten der Länder und Unterschiede zu Statistik-Austria-Berechnungen (Energiebilanzen).
  • Verpflichtende Stromkennzeichnung: sprachliche Vereinfachung/Terminologie; Ergänzung Energieträger Kohle.

ElWG – Netzbetrieb: Diskriminierungsverbot, Netzbedingungen, Anschluss- und Zugangssystem, Transparenz

  • Diskriminierungsverbot für Netzbetreiber: Umsetzung Art. 31 Abs. 2 (DSO) und Art. 40 Abs. 1 lit. f (TSO) RL 2019/944; umfasst auch sonstige Marktteilnehmer wie Aggregatoren.
  • Allgemeine Netzbedingungen: Festlegung von Datenanforderungen (Vollständigkeit von Anträgen), angemessenen Fristen für Netzanschluss und Netzzugang.
  • Verteilernetz: Harmonisierung durch Verordnung der Regulierungsbehörde (statt individueller Genehmigungen je DSO); ergänzende, nicht abweichende Bestimmungen können genehmigt werden; privatrechtlicher Charakter von Anschluss-/Zugangsverhältnissen bleibt.
  • Übertragungsnetz: Allgemeine Netzbedingungen weiterhin genehmigungspflichtig; Kommunikation gegenüber Endkund:innen nach Endkunden-Kommunikationsregeln.
  • Allgemeine Anschlusspflicht: Ausweitung auf Speicherbetreiber und nachgelagerte Netzbetreiber; „unverzüglich“ als schnellstmöglich/ohne unnötigen Aufschub; Netzausbau an EAG-Zielen orientiert; Ausnahmen in Verordnung zu konkretisieren.
  • Vereinfachter Netzanschluss: Beibehaltung für kleine EE-Anlagen; Erweiterung auf hocheffiziente KWK (Umsetzung Energieeffizienz-RL); Nutzung bestehender Entnahmeanschlüsse für Einspeisung (Netzebenen 5–7) bis 70% der vereinbarten Entnahmeleistung; kein zusätzliches Netzanschlussentgelt, solange keine Erhöhung der netzwirksamen Leistung; Möglichkeit flexibler Netzzugang.
  • Netzanschlusspunkt/Netzebene: detailliertere gesetzliche Grenzklassen nach netzwirksamer Leistung für Erzeugung/Verbrauch/Speicher; Transparenz; Abweichungen bei zwingenden technischen Gründen oder Vereinbarung; Abweichung auf Kosten des Anschlusswerbers möglich; Umsetzung Art. 42 RL 2019/944.
  • Anzeige neuer Betriebsmittel ohne Zählpunkt: Meldepflicht für netzrelevante Anlagen; Festlegung per Verordnung; Datenweitergabe an Regulierungsbehörde zur Überwachung; Betriebsmittel ohne Opt-Out-Fähigkeit jedenfalls anzeigepflichtig.
  • Transparenz/Reservierung Netzanschlusskapazitäten: Ausweitung der Veröffentlichungspflichten bis Netzebene 6 binnen max. 3 Jahren; Veröffentlichung über gemeinsame Internetplattform; einheitliches Format per Verordnung; Umsetzung Art. 31 Abs. 3 RL 2019/944.
  • Geregeltes Netzzugangssystem: Zusammenführung bisheriger Pflichten; Abschluss privatrechtlicher Verträge; Fristen mit Zumutbarkeitsklauseln, Genehmigungsverfahren nicht einzurechnen; Verlängerung um 12 Monate bei nicht beeinflussbaren Gründen (z.B. Lieferengpässe) mit Begründung und Streitbeilegungsmöglichkeit.
  • Spitzenkappung für PV: Einführung dauerhafter Begrenzungen als Instrument kosteneffizienten Netzausbaus (Umsetzung Art. 6a RL 2019/944); Abgrenzung zu Engpassmanagement nach Art. 13 VO (EU) 2019/943 (inkl. finanzieller Ausgleich); Ausnahmen und Evaluierung vorgesehen.
  • Verweigerung Netzzugang: nur unter Voraussetzungen; Pflicht zur Prüfung alternativen flexiblen Netzzugangs; Anknüpfung an Netzentwicklungspläne zur Verbesserung der Datengrundlage für Netzausbau.
  • Flexibler Netzzugang für Einspeiser: temporäre Leistungsvorgaben (statisch/dynamisch) zur schnelleren Netzintegration; Maximierungsgebot; Fristen je Netzebene; dynamische Vorgaben für Anlagen >1 MW ab 1.6.2026 verpflichtend; Details in Verordnung.
  • Begrenzter/beschränkter Netzzugang im Übertragungsnetz: Umsetzung Art. 42 RL 2019/944; Maximierungsgebot; Nutzung auch zugunsten ÜNB möglich; darüber hinaus Engpassmanagement-Regeln.
  • Streitbeilegung: Fortführung; Erweiterung um Streitigkeiten zur Ausgleichsenergieverantwortung von Aggregatoren (Art. 17 Abs. 3 lit. f RL 2019/944).
  • Zählpunkte: gesetzliche Grundlage für Vergabe/Zuordnung; Netzbenutzerkategorien-Verordnung; standardisierte Lastprofile (Zuweisung/Veröffentlichung) zur besseren Prognose und für Verbraucherinformationen.
  • Virtuelle Zählpunktbezeichnungen: gesetzliche Regelung für Erfassungsmengen.
  • Witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb: Optimierung bestehender Infrastruktur durch Berücksichtigung realer Wetterbedingungen; potenziell deutlich höhere Strombelastbarkeit/Transportkapazität und Betriebsreserven.

ElWG – Verteilernetzbetreiber/Übertragungsnetzbetreiber: Pflichten, Planung, Ladepunkte, geschlossene Verteilernetze

  • Ausübungsvoraussetzungen Verteilernetzbetrieb: „Konzession“ als behördliche Genehmigung (nicht BVergGKonz).
  • Pflichten der Verteilernetzbetreiber: u.a. Einhebung/Abwicklung von Förderbeiträgen (EAG-Pauschale/-Beitrag, Grüngas-Beitrag), Daten-/Digitalisierungspflichten, Umsetzung EU-Pflichten (u.a. Art. 31 Abs. 9, Art. 17 Abs. 2, Art. 33 Abs. 1 RL 2019/944).
  • Gemeinsame Internetplattform: als Ort für Transparenzveröffentlichungen (z.B. Kapazitäten, Pläne).
  • Netzentwicklungsplan Verteilernetz: Veröffentlichung in geraden Jahren (alternierend zum ÜNB-Plan); abgestufte Planungsgenauigkeit nach Zeithorizont und Netzebenen; Anzeigeverfahren mit einheitlichem Format; Regulierungsbehörde kann Änderungen verbindlich auftragen.
  • Ladepunkte durch Netzbetreiber: Nutzung der Ausnahmemöglichkeit nach Art. 33 Abs. 3 RL 2019/944; Bedarfserhebung, Ausschreibung, Zuschlagsregeln; Regulierungsleitlinien mit Vermutungswirkung; öffentliche Konsultation; Kostenanerkennung in Netzkosten nur bei Einhaltung; vertikal integrierte Unternehmen dürfen als Erzeuger/Lieferant Ladepunkte betreiben, aber ohne Kostenanerkennung und mit getrennten Konten.
  • Geschlossene Verteilernetze: Umsetzung Art. 38 RL 2019/944 als Unterkategorie; enge Ausnahmeregel mit regulatorischen Erleichterungen für geschlossene Nutzergruppen; Kriterien (technische oder sicherheitstechnische Verknüpfung, z.B. Wertschöpfungskette; gemeinsame Beschaffung allein reicht nicht); Antragspflicht, sonst behördliche Herstellung rechtmäßigen Zustands möglich; vorläufige Einstufung ab Antragstellung; Belieferung von Haushalten grundsätzlich hinderlich, nur bei geringer Anzahl möglich.
  • Pflichten der Übertragungsnetzbetreiber: Umsetzung mehrerer Art. 40 RL 2019/944; zusätzliche Berichtspflichten zu Transparenz und technischer Zusammenarbeit; Stärkung NOVA-Prinzip (Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau) in Netzplanung; Umsetzungszeitplan und Projektstatusangaben.

ElWG – Systemnutzungsentgelte und Regulierung: Grundsätze, Verfahren, Konten, Transparenz

  • Hintergrund EuGH-Rechtsprechung (C-718/18): Unabhängigkeit der Regulierungsbehörde auch gegenüber Gesetzgeber; nationaler Gesetzgeber soll sich auf Grundsätze/Verfahren/Ermächtigungen beschränken; Verdichtung durch Art. 18 VO (EU) 2019/943.
  • Komponenten Systemnutzungsentgelt: Netznutzungsentgelt, Netzverlustentgelt, Entgelt für sonstige Leistungen; Zusammenführung Netzzutritt+Netzbereitstellung zu Netzanschlussentgelt; Systemdienstleistungsentgelt geht im Regelleistungsentgelt auf.
  • Kein Net-Metering: Saldierung von Entgelt für Einspeisung und Entnahme ausgeschlossen; getrennte Viertelstundenmessung; Umsetzung u.a. Art. 15 Abs. 2 lit. e und Art. 16 Abs. 3 lit. d RL 2019/944.
  • Netznutzungsentgelt: Verordnungsermächtigung für Methodik, Pauschalierungen, Mindestbezugswerte, Regelungen zu unterbrechbarer/regelbarer Leistung und Systemdienstleistungen (z.B. Blindleistung); Vergünstigungen für gemeinsame Energienutzung im Lokal-/Regionalbereich.
  • Netzanschlussentgelt: Transparenzpflicht zur Darlegung der Anschlusskosten; Entgelt bei Erhöhung der netzwirksamen Leistung nur im Ausmaß der Erhöhung; Verordnungsermächtigung zur Methodik (aufwandsbezogener Anteil vs. anteilige Netzausbaukosten); Bilanzierungsregel (Aktivierung/Passivierung) für Entgelte im Jahresabschluss.
  • Regelleistungsentgelt: ersetzt Systemdienstleistungsentgelt; deckt Beschaffungskosten für Primär-, Sekundär- und Tertiärregelleistung; Regelenergiekosten künftig über Ausgleichsenergiepreis.
  • Entgelt für sonstige Leistungen: umfasst z.B. Mahnspesen, Änderungen Messeinrichtung, Abschaltung/Wiederherstellung; keine gesonderten Entgelte für Leistungen im Zusammenhang mit Energiegemeinschaften; soziale Verträglichkeit besonders zu berücksichtigen (Art. 15 Abs. 3 EEff-RL).
  • Ausnahmen für Forschungs- und Demonstrationsprojekte: Fortführung; Ausgestaltung durch Verordnung (Ziele/Anforderungen); Ausnahmebescheid nur auf Antrag; Bezug zu FTFG-Auswahlverfahren oder EU-Programmen; beihilfenrechtliche Einordnung (AGVO oder De-minimis).
  • Kostenbasis-Feststellung: Fortführung Bescheidverfahren; Sozialpartner als Legalparteien; Vertraulichkeit wirtschaftlich sensibler Informationen (Art. 55 Abs. 2 RL 2019/944); Anwendung der Regulierungssystematik.
  • Festsetzung Systemnutzungsentgelte: künftig getrennte Verordnungen für Grundsätze (mehrjährig möglich) und jährliche Entgelthöhen; Konsultations- und Veröffentlichungspflichten inkl. Kosten je Netzebene/Netzbereich; Möglichkeit vorläufiger Entgelte bei Verzögerung (Art. 60 RL 2019/944).
  • Monitoring Entgeltentwicklung: Regulierungsbehörde erstellt Abschätzung und kann Empfehlungen für bundesweiten Ausgleich geben.
  • Regulierungskonto: Plan-Ist-Abgleich, Glättung über Zeit, Ausgleich Mehr-/Mindererlöse (u.a. Regel-/Ausgleichsenergie); Berücksichtigung von Änderungen/Aufhebungen in Folgejahren; Bilanzierungsregel zur Vermeidung vorzeitiger Ausschüttung bei wahrscheinlichen Rechtsmittelwirkungen (Rückstellungs-/Sperrlogik).
  • Grundsätze Kosten- und Mengenermittlung: Reduktion detaillierter gesetzlicher Vorgaben; Regulierungsbehörde legt Systematik fest (Art. 59 Abs. 1 lit. a RL 2019/944, Art. 18 VO 2019/943); Verhinderung von Quersubventionen (Art. 59 Abs. 1 lit. j); Anreize für effiziente und zeitnahe Investitionen, Klima-/Energieziele und Energieeffizienz; Veröffentlichung der Regulierungssystematik.

ElWG – Flexibilitätsleistungen, Engpassmanagement und Systemdienstleistungen

  • Systematische Bündelung der Regeln zu Flexibilitätsleistungen im Verteil- und Übertragungsnetz.
  • Marktgestützte Beschaffung von Flexibilitätsleistungen im Verteilernetz: Umsetzung Art. 31 Abs. 6 und Art. 32 Abs. 1–2 RL 2019/944; Spezifikationen (Leistungsänderung, Dauer, Rate, Reaktionszeit, Ort).
  • Engpassmanagement im Übertragungsnetz: bisherige Verträge werden zu Flexibilitätsleistungsverträgen; Beschaffung grundsätzlich über Flexibilitätsplattform; Vergütung: Anlagen <1 MW marktbasiert, Anlagen ≥1 MW Nachteilsausgleich (Kosten/wirtschaftliche Nachteile) wie bisher; auch bei Anordnungen außerhalb von Verträgen; Begrenzung auf Nachteilsausgleich zur Vermeidung strategischen Bietens; Abgrenzung zu Art. 13 VO (EU) 2019/943.
  • Nicht frequenzgebundene Systemdienstleistungen: Beschaffung nur soweit für sicheren/zuverlässigen/effizienten Betrieb erforderlich; Abstimmung Regelzonenführer–DSO; bestimmte Dienste (Trägheit lokale Stabilität, Schwarzstart, Inselbetrieb) typischerweise ÜNB; vollständig integrierte Netzkomponenten ausgenommen; Regulierungsaufsicht/Monitoring.

ElWG – Versorgungssicherheit: Strategien und Bewertungen

  • Aktualisierung der Versorgungssicherheitsstrategie (Fortführung bisheriger Regelung).
  • Periodische nationale Angemessenheitsabschätzung der Ressourcen zur unionsrechtskonformen Umsetzung der VO (EU) 2019/943; Hinweis, dass vorläufige Erstabschätzungen wesentliche Elemente noch nicht enthalten können.
  • Bewertung des Flexibilitätsbedarfs zur Umsetzung von Art. 19e VO (EU) 2019/943.

ElWG – Entflechtung, Rechnungslegungstransparenz und Aufsichtsbefugnisse

  • Vertraulichkeit als Entflechtungsbestimmung systematisch in Entflechtungsteil verlagert.
  • Entflechtung und Transparenz der Rechnungslegung: Bezug auf UGB; Verbot von Quersubventionen; getrennte Konten u.a. für Speicher- und Ladepunkttätigkeiten bei vertikal integrierten Unternehmen, wenn Kostenanerkennung ausgeschlossen ist.
  • Unabhängiger Netzbetreiber: Anforderungen u.a. qualifiziertes Eigenpersonal; Vorlage von Vereinbarungen bereits im Entwurfsstadium an Regulierungsbehörde.
  • Unabhängigkeit Eigentümer ÜNB: Klarstellungen u.a. zu Kündigungsschutz Sicherheitsfachkraft; Anpassungen im Lichte EuGH-Urteil C-718/18 (Beteiligungs-/Zuwendungsverbote, Veräußerungspflichten für Altbeteiligungen).
  • Vermögenswerte/Verwechslungsgefahr: Streichung von „Kraftwerksleitungen“ zur Unionsrechtskonformität.
  • Gleichbehandlungsprogramm: Regelungen inkl. Kündigungsschutz Sicherheitsfachkraft.
  • Zertifizierung ÜNB: Anwendung Art. 51 VO (EU) 2019/943; Drittlandsbezug: Beachtung NIS2-RL (EU) 2022/2555; Stellungnahmeverfahren.
  • Entflechtung DSO: Anforderungen inkl. qualifiziertes Eigenpersonal; Kündigungsschutz Sicherheitsfachkraft.
  • Auskunfts- und Einsichtsrechte: Ausweitung auf Konzernmütter/Servicegesellschaften und beauftragte Stellen (gemeinsame Datenverwaltung, gemeinsame Internetplattform) zur Kosten- und Aufsichtskontrolle.
  • Überwachungsaufgaben der Regulierungsbehörde: umfangreiche Monitoring- und Berichtspflichten zur Umsetzung Art. 59 RL 2019/944; Möglichkeit, Hemmnisse zu beobachten; Datenweiterverwendung für erforderliche Zwecke; Weiterleitung von Empfehlungen bei Marktpraktiken an Bundeswettbewerbsbehörde; privilegiertes Informationsrecht der Länder, deren Überwachung auf Konzessionsvoraussetzungen fokussiert.

ElWG – REMIT (Integrität/Transparenz Großhandelsmarkt): Zuständigkeiten, Sanktionen, Verfahren

  • Anpassung an REMIT-Überarbeitung durch VO (EU) 2024/1106; Kohärenz mit EU-Finanzmarktvorschriften (z.B. Marktmissbrauchs-VO).
  • Zuständigkeit: Regulierungsbehörde als nationale Behörde zur Durchsetzung der REMIT-Vorgaben/Verbote; keine gerichtlich strafbaren Handlungen mehr im ElWG, sondern Verwaltungsstrafbestimmungen.
  • Zuständige Strafbehörden: für REMIT-Verstöße Regierungsbehörde; für sonstige ElWG-Verstöße Bezirksverwaltungsbehörden.
  • Geldbußen: Umsetzung unionsrechtlicher Mindest- und Höchstgrenzen; deutliche Straferhöhungen gegenüber ElWOG 2010; Mitteilungspflichten inkl. personenbezogener Daten benannter Vertreter.
  • Strafbarkeit juristischer Personen: Einführung; Sanktion bei Verstoß einer Führungsperson oder bei mangelnder Kontrolle, die Verstöße ermöglicht; Bußgeldrahmen nach Art. 18 REMIT.

ElWG – Übergangs- und Fortgeltungslogik (inhaltlich)

  • Bestehende Benennung des Bilanzgruppenkoordinators bleibt wirksam; keine neuerliche Anzeige erforderlich.
  • Bestehende bescheidmäßige Erledigungen zu Direktleitungen bleiben grundsätzlich aufrecht; keine automatische inhaltliche Neubewertung allein wegen Gesetzeswechsel.
  • Bestehende Netzanschlussverhältnisse nach bisherigem Recht können ex lege als geschlossene Verteilernetze gelten (Übergangszuordnung).
  • Privatrechtliche Verträge bleiben grundsätzlich aufrecht; Inhalte passen sich jedoch an, soweit sie dem ElWG oder darauf basierenden Verordnungen widersprechen (kein automatischer Nichtigkeits-/Auflösungsgrund durch Außerkrafttreten ElWOG 2010).

Energiearmuts-Definitions-Gesetz (EnDG) – Zweck, Aufbau und EU-Bezug

  • Umsetzung der Pflicht aus Art. 29 RL (EU) 2019/944, Energiearmut zu definieren und Kriterien/Indikatoren festzulegen, um Anzahl energiearmer Haushalte schätzen zu können; Grundlage für Berichterstattung im Rahmen der nationalen Energie- und Klimapläne (Governance-VO (EU) 2018/1999).
  • Aufbau in zwei inhaltliche Teile: (1) Definition von Energiearmut für statistische Erfassung und Indikatoren (2. Abschnitt); (2) Definition von Zielgruppen für Unterstützungsmaßnahmen und klimarelevante Förderungen samt Verfahren (3. Abschnitt).
  • Abgrenzung zweier Definitionen: §4 (statistische Energiearmut, multidimensional, keine Leistungsansprüche) vs. §7 (unterstützungswürdige Haushalte als Zielgruppen, aus Verwaltungsökonomie primär einkommensbasiert).
  • Einbettung in nationale Vorarbeiten (E-Control, Umweltbundesamt, Statistik Austria-Berichte, Expert:innentreffen, Studie 2021) und EU-Weiterentwicklung (u.a. Energieeffizienz-RL (EU) 2023/1791 mit Energiearmutsdefinition; Kommissionsempfehlungen (EU) 2020/1563 und (EU) 2023/2407).

EnDG – Statistische Definition von Energiearmut (§4) und Indikatoren (§5)

  • §4: Definition orientiert sich an Art. 2 Z 52 RL (EU) 2023/1791; offen genug für Multidimensionalität; basiert auf „Trias“ niedriges Einkommen, hohe Energiekosten, schlechte Energieeffizienz, erlaubt aber zusätzliche Faktoren; keine explizite Fixierung auf Armutsgefährdungsschwelle, um etablierte Indikatoren/Stichproben nicht auszuschließen.
  • §5: Indikatorenkatalog für Messung; Nutzung vorhandener Datenquellen/Methoden (Eurostat, Mikrozensus, EU-SILC, Verwaltungsdaten).
  • Objektive Indikatoren: (a) niedrige Einkommen + hohe Energiekosten (klassischer Ansatz), (b) Erfassung „versteckter“ Energiearmut (erzwungen niedriger Konsum → geringe Kosten), (c) einkommensunabhängige Indikatoren wie überdurchschnittlicher Energiekostenanteil am Einkommen (mind. 10%, ggf. 15% zur Stichprobengröße).
  • Subjektive Indikatoren: Selbsteinschätzung (z.B. Leistbarkeit, angemessene Wärme) angelehnt an EU-SILC-Fragen.
  • Ergänzende Indikatoren: Anlehnung an Anhang der Empfehlung (EU) 2020/1563.
  • Anpassungsmechanismus: Verordnungsermächtigung des Bundesministers für Wirtschaft, Energie und Tourismus nach Anhörung der Regulierungsbehörde und Statistik Austria und im Einvernehmen mit der Sozialministerin; Möglichkeit, Indikatoren zu ändern/ergänzen bei Daten-/EU-Entwicklungen.

EnDG – Statistische Analysen und Monitoring (§6)

  • Statistik Austria erstellt und veröffentlicht alle zwei Jahre (beginnend Dezember 2025) eine statistische Analyse zu Energiearmut; Frist jeweils bis Dezember.
  • Orientierung am Governance-Berichtszyklus (NEKP-Fortschrittsberichte alle zwei Jahre).
  • Erster Bericht 2025: Aktualisierung des im März 2024 veröffentlichten Statistik-Austria-Berichts „Dimensionen der Energiearmut in Österreich 2021/22“.
  • Datenlage: pseudonymisierte Daten ohne Identifikatoren; Verknüpfung/Auswertung über bPK-AS möglich.
  • Sicherstellung Zeitreihen-Monitoring: Einbindung des Wirtschaftsministers und der Sozialministerin; Berücksichtigung von Empfehlungen der Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut sowie der Regulierungsbehörde.

EnDG – Zielgruppen/„unterstützungswürdige Haushalte“ (§7) und Förder-/Unterstützungslogik

  • Ziel: kohärente, administrierbare Kriterien für Maßnahmen gegen Energiearmut sowie für Förderungen im Bereich Energieeffizienz und klimarelevante Investitionen; Unterscheidung armutspolitischer vs. klimapolitischer Förderziele.
  • §7 Abs. 1 Z 1: „schutzbedürftige“ bzw. „einkommensschwache“ Haushalte für armutspolitische Maßnahmen; Umsetzung Art. 28 RL 2019/944 (schutzbedürftige Kund:innen) mit Fokus auf Einkommen (Verwaltungsökonomie).
  • §7 Abs. 1 Z 2: „förderungswürdige Haushalte“ für klimarelevante Förderungen; Orientierung am zweifachen ASVG-Ausgleichszulagen-Richtsatz; erfasst größeren Personenkreis zur Ermöglichung von Investitionen (Sanierung, Heizungstausch, Dekarbonisierung).
  • Zusammenfassung beider Zielgruppen unter Überschrift „unterstützungswürdiger Haushalt“; nachfolgende Verweise umfassen beide Gruppen.
  • Kann-Charakter: Förderstellen können diese Zielgruppen nutzen, sind aber nicht zwingend darauf beschränkt; bestehende Programme bleiben unberührt; Förderstellen können zusätzliche Zielgruppen definieren.

EnDG – Nachweis, Prüfung und Feststellung der Unterstützungswürdigkeit (§§8–10) sowie Kostenersatz (§12)

  • Effiziente Förderabwicklung durch Nutzung bestehender Einkommensprüfprozesse: ORF-Beitrags Service GmbH prüft auf Antrag Einkommensverhältnisse und stellt Unterstützungswürdigkeit per Bescheid fest.
  • Verfahrens- und Einkommensermittlungsregeln: maßgeblich ORF-Beitrags-Gesetz (bis 31.12.2025 teils Fernmeldegebührenordnung); Aufsicht nach ORF-Beitrags-Gesetz; Datenschutzrolle als Verantwortliche nach DSGVO-Verweislogik.
  • Nachweise: bestimmte Sozial-/Leistungsnachweise sollen für §7 Abs. 1 Z 1 grundsätzlich ausreichen (weil bereits einkommensgeprüft); Einkommensprüfung durch ORF-Beitrags Service GmbH v.a. bei Nichtvorliegen der Nachweise oder für §7 Abs. 1 Z 2; Förderstellen können zusätzlich Einkommensprüfung verlangen.
  • Antragseinbringung über Förderabwicklungsstelle möglich; Weiterleitungspflicht an ORF-Beitrags Service GmbH.
  • §12: Abgeltung der Leistungen der ORF-Beitrags Service GmbH; Verordnungsermächtigung zur Valorisierung (VPI) des Kostenersatzes.

Energie-Control-Gesetz (E-ControlG) – Anpassungen durch die Novelle

  • Anpassung von Organ-Zuständigkeiten, Verweisen und Terminologie an das neue ElWG; überwiegend redaktionell.
  • Regulierungssystem für europaweite regionale und grenzüberschreitende Aspekte: Umsetzung Art. 61 RL 2019/944.
  • Aufgaben/Befugnisse gegenüber regionalen Koordinierungszentren: Umsetzung Art. 62 RL 2019/944.
  • REMIT-Vollzug: Erweiterung der Befugnisse der Regulierungsbehörde im Zuge der Zentralisierung; Anlehnung an Instrumente des Wettbewerbsrechts (Bestimmungen 25a–25c).
  • Schlichtung von Streitigkeiten: redaktionelle Anpassungen und inhaltliche Ergänzung zur Umsetzung Art. 17 Abs. 3 lit. f RL 2019/944.
  • Berichtspflichten: Ergänzung zur Umsetzung Art. 18 Abs. 5 RL 2019/944.
  • Amtshilfe: Klarstellung, dass auch die Regulierungsbehörde zur Amtshilfe verpflichtet ist, soweit dies nicht ihrer Unabhängigkeit widerspricht.
  • Verfahrensregeln: Verpflichtung zur Erlassung von Bescheiden mit Auflagen/Bedingungen/Befristungen, wenn erforderlich; öffentliche Begutachtungsverfahren vor Verordnungen; allgemeine Geltung für alle Verfahren der Regulierungsbehörde.
  • Großverfahren (§36a): Sonderregel nach Vorbild KommAustria-Gesetz; ermöglicht Großverfahren auch bei amtswegigen Verfahren (anders als §44a AVG); stärkere Nutzung elektronischer Kommunikation; weitgehend an §§44a ff. AVG angelehnt.

Elektrizitätswirtschaftsgesetz, Energiearmuts-Definitions-Gesetz und Energie-Control-Gesetz

~49 min Lesezeit
Dafür: GRÜNE Dagegen: FPÖÖVPSPÖNEOS
GRÜNE Leonore Gewessler

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Unser Energiesystem braucht ein neues Betriebssystem. Diesen Satz haben wir in den letzten Jahren wahrlich oft gehört, Sie haben ihn auch von mir oft gehört, und er ist und bleibt richtig. Ein Energiesystem, das modern ist, ein Energiesystem, das für viele Menschen da ist, ein Energiesystem, das unser Klima schützt, braucht natürlich auch passende Lösungen. Da kann man nicht, Stichwort Betriebssystem, mit der Software aus 1995 arbeiten. So weit einig sind wir uns, glaube ich, alle heute. Es braucht ein Elektrizitätswirtschaftsgesetz neu – dringend, sehr, sehr dringend! Die Regierung hat nun einen Begutachtungsentwurf vorgelegt und Herr Minister Hattmannsdorfer hat sich dafür ja auch außerordentlich selbst gelobt. Er hat sogar gesagt, er habe in wenigen Monaten das vollbracht, was die Vorgängerregierung in Jahren nicht geschafft hat. Ich mache jetzt eine tatsächliche Berichtigung – vielleicht an einer ein bisschen ungewöhnlichen Stelle und nicht ganz geschäftsordnungskonform, der Herr Präsident mag es mir verzeihen –: Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz ist am 12. Jänner 2024 in Begutachtung gegangen, also vor fast auf den Tag genau eineinhalb Jahren, und dann, nach zunächst konstruktiven Gesprächen mit der ÖVP, durch eine plötzliche Blockade der ÖVP liegen geblieben, nicht mehr zum Beschluss gekommen. Vielleicht haben auch die anstehenden Wahlen etwas damit zu tun gehabt, das kann ich jetzt natürlich nur mutmaßen, aber Fakt bleibt, der Herr Minister rühmt sich jetzt für Fortschritt und meint damit aber eigentlich ein Jahr Stillstand. Dieser Fortschritt wäre aber sehr, sehr wichtig, und ich würde mich ehrlich freuen, wenn diese Bundesregierung ihn auch erzielt hätte. Ich freue mich, wenn man tatsächlich ein ElWG zusammenkriegt, das die Strompreise senken würde und das gut fürs Klima wäre. Dieser Fortschritt würde auch ein modernes Netz möglich machen. Ich vergönne allen diesen Fortschritt. Wir Grüne wollen Ihnen auch wirklich eine Chance für diesen Fortschritt geben. Deshalb, sehr geehrte Damen und Herren, steht heute auf der Tagesordnung das Elektrizitätswirtschaftsgesetz zur Abstimmung. Das wurde lange verhandelt, unterschiedliche Stellungnahmen wurden berücksichtigt, Praktiker in der E-Wirtschaft waren intensiv eingebunden. Wenn Sie, liebe Abgeordnete der Koalitionsparteien, diesem Gesetz heute zustimmen, dann war das Eigenlob also völlig berechtigt, dann schaffen wir heute hier wirklich etwas Großes. Es lässt mich allerdings das Abstimmungsverhalten im Ausschuss fürchten, dass Ihnen die Ankündigung wichtiger war als tatsächlich der Fortschritt heute. Sie hätten aber jetzt die Gelegenheit, mich eines Besseren zu belehren und vom Gegenteil zu überzeugen und Mut dahin gehend zu zeigen, dass mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz ein konkreter Schritt zur Energiewende in diesem Land heute auch passieren kann. (👏) Aber auch mit einem Zwischenschritt wäre schon einiges gewonnen. Deshalb ist es mir auch wichtig, bei dieser Gelegenheit etwas anderes anzusprechen: Einigen wir uns heute, wenn schon nicht auf das ElWG, dann zumindest auf einen Zwischenschritt am Weg dorthin, nämlich auf ein gescheites, ambitioniertes und in dem Fall europäisches Klimaziel, das dann nämlich Planungssicherheit für alle Beteiligten schafft, das Sie dann, wenn Sie die Zeit gebraucht haben, das Elektrizitätswirtschaftsgesetz mit Leben erfüllen. Wenn man die Ziele einmal hat, dann geht ja manch anderes vielleicht auch einfacher, dann werden vielleicht auch die Verhandlungen innerhalb der Koalition leichter. Und genau diese wichtigen Ziele werden auf der europäischen Ebene gerade verhandelt. Deshalb bringen wir heute den folgenden Antrag ein, um Ihnen damit die Verhandlungen zum ElWG und auch zu den anderen, für den Sommer geplanten und versprochenen Energiegesetzen leichter zu machen. Entschließungsantrag der Abgeordneten Leonore Gewessler , BA, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung des EU-Klimaziels 2040 der EU-Kommission“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, wird aufgefordert: Sich für ein ambitioniertes, wissenschaftsbasiertes EU-Klimaziel 2040 einzusetzen und mindestens den Vorschlag der EU-Kommission vom 2. Juli 2025, die Netto-Treibhausgasemissionen der EU bis 2040 um 90 Prozent verglichen mit 1990 zu reduzieren, im Rat und in den Ratsarbeitsgruppen vollinhaltlich zu unterstützen. Ein ambitioniertes und im globalen Kontext faires NDC der EU für 2035, im Einklang mit dem EU-Klimaziel 2040, zu unterstützen.“ Warum dieser Antrag hier? – Mit dieser Klarheit, mit diesem Rahmen können Sie heute all jenen die Planungssicherheit geben, die sie brauchen, während sie auf das ElWG warten, und wenn Ihnen in der Ankündigung noch der Mut für den großen Fortschritt fehlt, das ElWG heute auf den Weg zu bringen, dann kann ja auch der Zwischenschritt schon hilfreich sein. n diesem Sinne werbe ich natürlich um Zustimmung zu beiden Anträgen, zum fertigen Elektrizitätswirtschaftsgesetz und zu einem gescheiten Klimaschutzrahmen, der Ihnen am weiteren Weg hilft – für Klarheit, für Klimaschutz und für niedrigere Energierechnungen. – Herzlichen Dank.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Da klatschen nicht einmal die eigenen Leute!

GRÜNE Leonore Gewessler

… 21.41 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/197.1 Unterstützung des EU-Klimaziels 2040 der EU-Kommission (109/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Kassegger. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident! Die mittlerweile wieder Kollegin im Nationalrat Gewessler, vormalige Ministerin, hat in ihrem Redebeitrag gesagt: Es wird heute über das Elektrizitätswirtschaftsgesetz abgestimmt. Das würde ich so nicht sehen, das möchte ich richtigstellen: Worüber abgestimmt wird, ist offensichtlich ein Entschließungsantrag der Grünen, und offensichtlich stellen Sie hier einen alten Gesetzentwurf, von dem Sie ja gesagt haben, dass er in der alten GP gescheitert ist, zur Wahl.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Schlechte Vorbereitung!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ich möchte jetzt den Menschen erklären, wie so ein Gesetzgebungsprozess bei uns im Parlament wirklich läuft: Was jetzt vorliegt – das ist jetzt aber nicht Gegenstand dieser Debatte –, ist ein sogenannter Begutachtungsentwurf, der sich – das werden wir uns genauer anschauen – doch hoffentlich um einiges unterscheidet von dem Begutachtungsentwurf aus dem Jänner 2024, von dem Sie gesprochen haben. Dieser Begutachtungsentwurf ist datiert mit 4. Juli 2025. Da sind wir noch weit weg vom Gesetz. Ich erkläre es deshalb, weil das eine Zweidrittelmaterie ist und wir hier als Freiheitliche auch in der Lage sind, zumindest gefragt zu werden, zumindest auch in die Verhandlungen eingebunden zu werden – genauso wie Sie von den Grünen –, weil die Regierung eine der beiden Oppositionsparteien braucht, sonst wird das nichts mit dem Gesetz. Dann gibt es eine Begutachtungsfrist über diesen Begutachtungsentwurf, die ist angesetzt bis 1. August, das ist meines Erachtens etwas sehr kurz, weil es doch eine größere Materie ist. Ich teile jetzt nicht die möglicherweise doch von erheblichen Marketingkomponenten geprägte Aussage des Herrn Minister Hattmannsdorfer, dass das jetzt der größte und wichtigste Entwurf der letzten 20 Jahre ist. Ich teile da eher Ihre Einschätzung, um Sie zu zitieren: Das ist das „Betriebssystem“, das wir für eine entsprechende Energiewirtschaft im weitesten Sinne brauchen. – Da sind wir schon bei dem Thema, bei dem wir uns diametral von Ihnen als Grüne unterscheiden: Wenn es um das Energiewirtschaftssystem geht, haben wir Freiheitliche doch vollkommen andere Zugänge – ich komme darauf später noch zurück. Wenn die Begutachtungsfrist abgelaufen ist, werden eventuell oder auch nicht die Stellungnahmen der Beteiligten – der sogenannten Stakeholder der Branche sozusagen – eingearbeitet, dann gibt es möglicherweise einen Ministerratsbeschluss über eine Regierungsvorlage, dann wird diese Regierungsvorlage in einer Nationalratssitzung dem Wirtschaftsausschuss zugewiesen, dann tagt der Wirtschaftsausschuss und dann wird es im Idealfall wieder dem Plenum im Nationalrat zugewiesen. Da reden wir aber jetzt von einer Zeitachse frühestens im Oktober.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Da sind wir jetzt!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Also heute wird da gar kein Gesetz beschlossen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das ist ein 200-Seiten-Initiativantrag!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… da wird gar nichts beschlossen, und das ist auch gut so, weil wir die Zeit natürlich für die entsprechenden Beratungen brauchen. Was steht jetzt in diesem Begutachtungsentwurf drinnen? – Da möchte ich schon anmerken, dass nicht alles schlecht ist, was in diesem Begutachtungsentwurf steht. Ich möchte aber auch anmerken: Es ist das Betriebssystem, das wir brauchen, das Elektrizitätswirtschaftsgesetz. Da ist die Rede von einer Strompreis-runter-Garantie, also der Pflicht der Weitergabe der Energieversorgungsunternehmen von niedrigeren Preisen an die Kunden. Das klingt sehr gut, wir sind uns noch nicht sicher, ob das eine Schmähpackung, eine Mogelpackung, ist oder nicht, weil da noch so viele Dinge ungeklärt sind: welcher Preis, welche Börse, Fristen et cetera. Das muss man sich genauer anschauen. Die flexiblen Netzentgelte, wobei sozusagen netzdienliches Verhalten belohnt wird und netzschädliches Verhalten bestraft wird, klingen auch gut. RN/198.1 Das heißt: Warum haben wir überhaupt diese Situation? – Und da sind wir jetzt bei Ihrer grünen Energiepolitik, die ja nicht beachtet, was ich seit Jahren predige, nämlich das energiepolitische Dreieck. ( Abg. Lukas Hammer [Grüne] hält ein zu einem Dreieck gefaltetes Papier in die Höhe. ) – Genau, danke, Lukas. Es wird mittlerweile auch schon von der SPÖ kopiert, das energiepolitische Dreieck. Man muss doch Ziele, die grundsätzlich das Potenzial haben, sich zu widersprechen, ausgewogen verfolgen. Natürlich haben wir das Ziel Ausbau der Erneuerbaren, aber da gibt es auch andere Ziele, und die lassen Sie vollkommen außer Acht, nämlich das zweite Ziel, die Versorgungssicherheit, die Netzstabilität, und das dritte Ziel – da sind wir beim Wirtschaftsstandort, da sind wir bei der Industrie, da sind wir bei den Arbeitsplätzen und da sind wir beim Wohlstand –, nämlich die Wirtschaftlichkeit, das muss ja leistbar sein. Energie aus einem Windrad zu astronomischen Preisen in der Herstellung nützt ja nichts. Und offensichtlich ist es so, sonst müssten wir das nicht mit Hunderten Millionen und Milliarden fördern, also vollkommen unausgewogen. (👏 FPÖ) Das führt dann genau zu solch absurden Situationen, dass wir jetzt ein Netz haben, das nicht für diese hochvolatile Energie mit diesen großen Schwankungen ausgelegt ist. Windräder und Fotovoltaik produzieren halt leider oft zu Zeiten Energie, zu denen man sie nicht braucht, zu denen sowieso schon zu viel vorhanden ist und die Netze halten das nicht mehr aus. Das führt dann zu so ökonomischen Absurditäten, wie wir sie hier auch im Gesetz drinnen haben – Sie wissen das, Stichwort Spitzenkappung –, dass bei zu viel Energieproduktion durch PV-Anlagen diese dann abgeschaltet werden müssen, das läuft dann leer durch. Das erinnert mich an die Windräder in der Nordsee, die um teures Geld hergestellt worden sind, die sie dann vom Netz genommen haben und die leer durchlaufen, weil in dem Fall die Deutschen nicht in der Lage waren, rechtzeitig – nämlich ausgewogen nach dem Dreieck – parallel auch einen entsprechenden Netzausbau zu machen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Die Antwort ist der Netzausbau!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Also das sind die Folgen Ihrer Energiepolitik. Wir reden jetzt über das Betriebssystem, wie gesagt, da sind einige Punkte drinnen, die sehr gut und vernünftig sind, das ist das Betriebssystem.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das regelt eben ein Netzausbau!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Im Übrigen muss man Ihnen, der schwarz-grünen Vorgängerregierung, schon den Vorwurf machen – Sie haben es schon gesagt –: Sie haben de facto nichts zusammengebracht. (👏 FPÖ) Und Sie wissen, wir haben die Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie 2019, Sie haben es auch in Ihrem Antrag. Es ist ja allerhöchste Zeit. Sie haben es auch gesagt: Rechtssicherheit, Klarheit für die Branche – absolut richtig, das unterschreibe ich, aber gleichzeitig haben Sie fünf Jahre nichts zusammengebracht; Faktum. (Abg. Hanger [ÖVP] – in Richtung FPÖ –: Jetzt Applaus!) Wer da jetzt schuld ist, ist der Branche relativ egal. Schauen wir einmal, ob die neue Regierung, bei der ja auch wieder die ÖVP dabei ist, etwas zusammenbringt! Natürlich, wenn man systemisch denkt: Wir werden offen sein für entsprechende Gespräche, wir möchten aber nicht nur über das Betriebssystem sprechen, sondern wir möchten auch über grundsätzliche Fehlentwicklungen in der Energiepolitik sprechen. Und da bin ich beim Antrag von Kollegin Gewessler betreffend „Unterstützung des EU-Klimaziels 2040 der EU-Kommission“, also Klimaneutralität, den wir natürlich ablehnen, weil wir das für vollkommen überschießend halten. Im Übrigen haben wir das zum Beispiel im Regierungsprogramm in den Verhandlungen mit der ÖVP drinnen gehabt, dass wir das 2050-Ziel nicht Gold-platen, Sie haben es jetzt leider wieder drinnen. Also das ist schon ein Punkt, der uns wichtig ist, weil dieses Gold-platen Eile ohne Not ist. Wir haben nicht alle Zeit der Welt, aber wir haben genug Zeit. Sie wissen ja auch, dass dieser überstürzte Netzausbau wahnsinnige Liquiditäts- und Finanzierungs- und auch Kostensteigerungen mit sich bringt. Das ist einfach nicht vernünftig, nicht ausgewogen und auch nicht erreichbar. Das habe ich damals, 2017, schon Elli Köstinger gesagt. Das Ziel, das klingt alles gut, 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren, abgesehen davon mit dem verschmitzten Zusatz „national bilanziell“. Was heißt das? – Das heißt ja nicht, dass wir 100 Prozent über das Jahr aus Erneuerbaren produzieren, sondern nur eben national bilanziell.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wir sind bei 95 Prozent!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Wir wissen ja mittlerweile, dass wir aus Erneuerbaren im Sommer viel, viel mehr produzieren und im Winter Strom importieren müssen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Deswegen Windräder ausbauen in Oberösterreich!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Und von wo kommt der Strom her? – Aus tschechischen - - ( Ruf: Windräder! ) – Nicht von Windrädern – Dunkelflaute, leider, da haben wir Pech. Sie kennen die Mengen bei den Windrädern, da liegen wir eine Zehnerpotenz daneben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Da sind Sie mit der Wirtschaftskammer auseinander in Oberösterreich!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ich kann es Ihnen sagen: Der Strom kommt aus tschechischen Atomkraftwerken, aus französischen Atomkraftwerken oder aus polnischen Kohlekraftwerken. Das ist die Wahrheit.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wir haben Strom exportiert, Herr Kassegger!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Also dieses ganze Ziel ist überschießend – wollen wir nicht. Dann müssen wir auch über die enormen Kostenbelastungen für die Haushalte und die Unternehmen reden. Der Strompreis auf der Rechnung setzt sich ja zusammen aus dem Energiepreis, den Netzgebühren – die im Übrigen auch extrem steigen werden – und den Steuern und Abgaben. Bei den Steuern und Abgaben haben wir das ganze Erneuerbarenregime dabei. Da wird dann massiv mit Hunderten Millionen der Ausbau hochvolatiler Energieerzeugungsquellen, sprich Windräder und Fotovoltaikanlagen, gefördert. Das kostet natürlich Hunderte Millionen, da sind wir im Bereich der Erneuerbaren-Förderpauschale, des Erneuerbaren-Förderbeitrags et cetera. Das muss ja irgendjemand zahlen. Das zahlen die Haushalte, aber auch die Unternehmen. Wir haben in den letzten Jahren eine Aussetzung dieser Kostenbelastungen für die Endkunden gehabt. Darüber würden wir auch gerne diskutieren oder verhandeln oder wie auch immer, ebenso über das ganze Thema – da sind wir wieder bei einer Energiepolitik, die wir für völlig verfehlt halten – CO 2 -Bepreisung, Zertifikatehandel. Bitte, wir sind doch als Europäer im globalen Wettbewerb mit den Chinesen, mit den Amerikanern und anderen, und die Energiepreise sind dort günstiger. Verlässliche Energieversorgung ist ein zentraler Wirtschaftsstandortfaktor. Da kann ich nicht so tun, als ob das keine Rolle spielen würde. Und im Vergleich zu den Amerikanern schauen wir da ganz, ganz alt aus. Wie wollen Sie die europäische Wirtschaft erhalten? Wir sind ja mittlerweile in einer Defensivstrategie – da geht es ja gar nicht mehr ums Ausbauen, sondern nur mehr ums Erhalten – mit Energiepreisen, die ein Vielfaches dessen betragen, was in Amerika zu zahlen ist. Das geht sich nicht aus, das kann man mit Produktivitätsvorteilen gegenüber den Amerikanern ja gar nicht mehr kompensieren.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Windkraftausbau senkt Energiepreise!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das heißt in weiterer Folge: Die Wirtschaft leidet darunter – wir sehen es ja jetzt –, wird zerstört, Arbeitsplätze werden zerstört, Wohlstand wird zerstört. Das alles wollen wir nicht. (👏 FPÖ) Ein kleiner Baustein ist diese CO 2 -Bepreisung, die das Ganze natürlich noch weiter verteuert, mit dem hehren Ziel, das Klima der Welt zu retten. Im Übrigen besteht gar keine Korrelation zwischen dieser Maßnahme und dem Effekt auf das Weltklima. Wir haben es heute schon gehört: Dem Weltklima ist das relativ egal. Den Chinesen, die jetzt ich weiß nicht wie viele Hundert Kohlekraftwerke bauen, ist das relativ egal. Unserer Wirtschaft ist das nicht egal, denn die wird in die Knie gehen, denn die CO 2 -Preise steigen ja immer weiter. Die wird in die Knie gehen. Deswegen sollten wir über dieses Thema auch reden. Das heißt, wir reden sehr gerne über das Elektrizitätswirtschaftsgesetz als Betriebssystem, aber wir reden auch sehr gerne über das dem zugrunde liegende Gesamtenergiesystem. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Graf. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

ÖVP Tanja Graf

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Staatssekretärin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Liebe Zuschauer hier im Haus beziehungsweise noch vor den Bildschirmen! Ich darf jetzt wieder zum Antrag der Grünen zurückkehren, den sie eingebracht haben, zur Wiedereinbringung ihres alten Elektrizitätswirtschaftsgesetzes. Verzeihen Sie mir, ich darf es abkürzen und in Folge vom ElWG sprechen, weil das Wort einfach ein bisschen zu sperrig ist. Der damalige Entwurf des ElWG wurde ja von dir, Leonore, als damaliger Ministerin eingebracht, das ist korrekt. Die Begutachtung ist auch gestartet, aber er ist nicht weitergekommen. Warum ist er nicht weitergekommen? – Weil der Antrag nach unserem Ermessen nicht vollständig war – von den zentralen Bausteinen, die das Gesetz eigentlich benötigt hätte, haben noch einige gefehlt – und weil das volle Potenzial der Möglichkeiten bei diesem Antrag nicht ausgeschöpft war. Du hast von Fortschritt gesprochen, liebe Leonore. Ich glaube, es war leider damals eine verpasste Chance, diesen Fortschritt auch ernst zu nehmen. Deswegen ist der Antrag auch nicht weitergekommen. Wir haben dich auch gebeten, diese wichtigen Themen, die dieser Antrag beinhaltet, auf politischer Ebene mit den Bundesländern zu diskutieren. Das hat auch nicht wirklich stattgefunden. – Das vielleicht noch zur Erklärung, warum er nicht weitergekommen ist. Das Hauptproblem – du hast es angesprochen; es freut mich, dass du mein Wording Software übernommen hast – ist eine alte Software, und wir brauchen eine neue Software. Nur: Zur Software braucht es auch eine Hardware. Dieses Problem der Hardware haben wir irgendwie überhaupt nicht betrachtet. Das Netzproblem, vor dem wir heute stehen, wurde nicht wirklich berücksichtigt. Daher ist es wichtig, dass wir jetzt einmal einen Begutachtungsentwurf für ein neues ElWG haben, das eben auch Themen beinhaltet, die die Energiewende wirklich vorantreiben, das den Netzausbau, die Versorgungssicherheit – wir haben heute schon vom Energiedreieck gesprochen –, das Marktdesign und die Digitalisierung, auch die Dezentralisierung der Stromerzeugung berücksichtigt. Da sind eben Punkte drinnen, die du in deinem Antrag nicht gehabt hast. Ich rede jetzt von bidirektionalem Laden: Jeder möchte sein E-Auto auch als Batterie nutzen. Diesen Bereich hast du überhaupt nicht berücksichtigt. Wir reden auch von neuen Möglichkeiten der Direktleitung für unsere Unternehmen, die sie brauchen. Das ist auch ein wichtiger Baustein, den der alte Antrag beziehungsweise dein jetziger Antrag nicht beinhaltet. Die gemeinsame Energieerzeugung, Energie-Sharing waren auch nicht wirklich Thema – und noch vieles mehr. Wir brauchen jetzt konstruktive Unterstützung, und ich freue mich, dass diese Leidenschaft für das ElWG jetzt auf beiden Seiten vorhanden ist: einerseits von meinem Vorredner Axel Kassegger und von dir, Leonore. Ich freue mich, dass wir hier wirklich in echte Gespräche eintreten können, weil es ein ernstes Thema ist, das wir für den Umbau brauchen, dass wir hier die Parteipolitik vielleicht ein bisschen außen vor lassen und an das österreichische System denken. Ich freue mich wirklich, dass wir da Energiepolitik mit Hausverstand betreiben. Weil du jetzt auch einen Antrag zur Unterstützung des EU-Klimaziels eingebracht hast: Ich bin schon der Meinung, ein Ziel allein reicht nicht aus, wir brauchen die Rahmenbedingungen dazu. Deswegen ist ein Ziel zu wenig. Ich bin immer dafür, dass das Gesamtsystem betrachtet wird: Hardware und Software, Ziel plus Rahmenbedingungen. Wenn wir das gemeinsam im Fokus haben, dann bin ich auch davon überzeugt, dass wir das ElWG im Herbst gemeinsam beschließen können. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schroll. 5 Minuten eingemeldete Redezeit. – Bitte.

SPÖ Alois Schroll

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ich freue mich wirklich sehr, dass ich hier heute im Plenum anlässlich des Antrages der grünen Fraktion die Gelegenheit bekomme, über das ElWG, das Elektrizitätswirtschaftsgesetz, zu sprechen. Wir reden hier und heute über ein Gesetz, das eigentlich laut EU-Vorgaben schon seit dem Jahr 2019 umgesetzt werden sollte. Leider war es dir, Frau Klubobfrau Leonore Gewessler , unter der ÖVP-Grünen-Regierung nicht möglich, dieses so wichtige Gesetz für die Branche, für die Kundinnen und Kunden über die Bühne zu bringen. Viel wurde darüber gesprochen, viele Überschriften wurden produziert. Frau Kollegin Leonore Gewessler , du hast es angesprochen: Ab 12. Jänner hat es sogar eine Schleife von sechs Wochen Begutachtung gegeben. Ergebnis bekannt? – Njet, keines. Die Regierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS hat diese Aufgabe nun in rund 120 Tagen im Amt bewältigt. Das ElWG ist seit wenigen Tagen in Begutachtung. Aber, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, was steht in diesem so wichtigen Betriebssystemgesetz ElWG eigentlich drinnen? Wir alle haben die Explosion der Energiepreise in den letzten Jahren noch sehr, sehr gut in Erinnerung. Die Energie war und ist nach wie vor einer der Haupttreiber der Inflation. Sie belastet nicht nur die Industrie, nicht nur die Klein- und Mittelbetriebe, sondern auch die Haushalte, sie stellt sie vor große finanzielle Herausforderungen. Darauf werden aber meine Kolleginnen und Kollegen des SPÖ-Parlamentsklubs noch näher eingehen. Mit dem ElWG schaffen wir hier nun Abhilfe. So sorgen wir etwa dafür, dass das öffentliche Interesse an leistbarer Energieversorgung endlich – endlich! – als Gemeinwohlverpflichtung in die Satzungen der Energieversorger geschrieben werden muss. Energie, geschätzte Kolleginnen und Kollegen – das ist unsere tiefste Überzeugung als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten –, ist ein Grundbedürfnis, ein Grundbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger. (👏 SPÖ) Das muss sich in der Preisgestaltung widerspiegeln: Energieversorger, die sich im Besitz der öffentlichen Hand befinden, dürfen ihr wirtschaftliches Wirken nicht ausschließlich an der Profitmaximierung orientieren, sondern müssen endlich eine am Gemeinwohl orientierte Preisgestaltung vorleben. Genau diese Verpflichtung steht jetzt neu in diesem ElWG. (👏 SPÖ) Gleichzeitig, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, greifen wir mit dem Sozialtarif jenen Menschen finanziell unter die Arme, die es ohnehin schon sehr schwer haben. Ich denke da zum Beispiel an die vielen Mindestpensionistinnen und Mindestpensionisten, die Teil jener Viertelmillion Haushalte sein werden, die in Zukunft vom Sozialtarif profitieren. Mit einem Fixpreis von 6 Cent pro Kilowattstunde – bezahlt, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, von den Energieversorgern und nicht von der öffentlichen Hand (👏 SPÖ) – schützen wir in Zukunft die Menschen in Österreich vor Energiearmut. Das ist ein großer Erfolg für die soziale Gerechtigkeit in diesem Land. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Energiewende voranzutreiben, ist ein ganz zentrales Anliegen dieser Regierung. Wir alle wissen, dass gerade der Netzausbau ein wichtiger Baustein für das Gelingen dieser Wende ist. Wir sorgen jetzt dafür, dass der Netzausbau mit dem Ausbau der Erneuerbaren Schritt hält und dass die anfallenden Kosten fair verteilt werden. Weiters freut es mich, dass wir uns auch darauf geeinigt haben, in Zukunft systemdienliche Speicher in den ersten 20 Jahren von den Netzgebühren zu befreien, denn klar ist: Die Energiewende braucht diese Speicher, um saubere, erneuerbare Energie verfügbar zu machen und allseits bereitstellen zu können. Sie sehen, werte Damen und Herren, das ElWG erneuert das Regelwerk der Energiewirtschaft in Österreich von Grund auf, und das ist gut so. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich könnte noch viel über Spitzenkappung, das Vorantreiben von Peer-to-Peer-Verträgen, die es zum Beispiel Menschen in Zukunft ermöglichen werden, ihren durch PV-Anlagen erzeugten Strom direkt mit dem Nachbarn zu teilen, und vieles mehr sagen, aber, geschätzte Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss noch auf ein Thema, nämlich genau auf die PV-Anlagen, eingehen. Die mediale Diskussion der letzten Tage, ausgelöst durch überspitzte Wortmeldungen – da muss ich jetzt ein bisschen in den grünen Sektor schauen –, hat viele Menschen verunsichert: Muss ich in Zukunft zahlen, wenn ich meinen PV-Strom einspeise? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Richtig, ja! Das steht drinnen! – Zwischenruf des Abg. Lukas Hammer [Grüne].

SPÖ Alois Schroll

… Diese Frage hat sicher auch viele von euch als Abgeordnete erreicht. Ja, darauf möchte ich gleich eingehen, liebe Grüne, weil ihr Ja sagt. Als Energiesprecher der SPÖ sage ich ganz klar: Ich verstehe die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger und auch der Häuslbauerinnen und Häuslbauer, die sich kleine Anlagen montiert haben und bei denen die vielen Gerüchte über die PV-Anlagen natürlich Unmut ausgelöst haben …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Das ist einfach ...!

SPÖ Alois Schroll

… denn da war sogar von einem Bestrafungspaket für Klimaschützer die Rede. Zur Wahrheit, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, gehört aber auch – da schaue ich wiederum in den grünen Sektor …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Dass ihr reingeschrieben habt, Einspeiser zahlen!

SPÖ Alois Schroll

… Es ist nichts beschlossen.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Das ist deine Argumentation?

SPÖ Alois Schroll

… Dieser Gesetzentwurf ist in Begutachtung, und, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, es ist ein offenes Geheimnis, dass wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gesagt haben …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Verhandelst das aus deinem eigenen Entwurf raus?

SPÖ Alois Schroll

… dass die Anlagen beim Einspeisen von Netzentgelten befreit werden sollen. Da, geschätzte Kolleginnen und Kollegen – das sage ich von dieser Stelle aus –, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Erst kürzlich hat zum Beispiel auch die unabhängige Regulierungsbehörde, die E-Control, die künstlich geschürten Befürchtungen entkräftet und mitgeteilt, dass da sehr wohl Regelungen anzudenken sind, um genau diese Besitzer kleiner Anlagen auszuschließen. Abschließend, meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich zusammenfassen: Das ElWG bringt einen Modernisierungsschub, mehr Gerechtigkeit im Energiebereich und billigeren Strom ins Wohnzimmer. Wir stehen zur Energiewende und zum Kampf gegen die Klimakrise, und dieses Gesetz wird uns dabei maßgeblich unterstützen. Geschätzte Opposition – liebe Grüne, liebe FPÖ –, unterstützt uns bei dieser Energiewende! – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Doppelbauer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. (Abg. Stögmüller [Grüne]: Ich hoffe, die bringt mehr Aufklärung!)

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Ich kann mich noch erinnern, als NEOS in der Opposition war – das ist ja nicht lange her –, war es doch sehr oft der Fall – also eigentlich fast immer, um ehrlich zu sein –, dass unsere Anträge vertagt worden sind. Deswegen haben wir heute etwas gemacht: Wir haben im Ausschuss einen Antrag von den Grünen abgelehnt, in dem es darum ging, das ElWG umzusetzen – das hat Kollegin Gewessler gefordert. Wir wussten, wir gehen ja bald mit dem neuen Entwurf in die Begutachtungsphase, wie es Tanja auch schon ausgeführt hat. Wir haben uns gedacht: Nein, wir stellen uns der Diskussion, wir stellen uns auch heute schon der Diskussion. Ich kann als Abgeordnete von NEOS sagen, es ist eine Premiere, dass es so etwas überhaupt gibt, und ich freue mich sehr, dass wir heute diese Diskussion im Plenum haben.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Dass ein Antrag abgelehnt wird ...!

NEOS Karin Doppelbauer

… Ich bedanke mich da auch besonders bei den Kollegen von der ÖVP und der SPÖ, die dem auch zugestimmt haben.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

So neu ist das auch wieder nicht!

NEOS Karin Doppelbauer

… Wenn wir jetzt ein wenig auf das ElWG eingehen wollen: Es ist schon so, dass das in der österreichischen Energieversorgung wirklich einen Neustart geben wird, weil ein Wendepunkt kommen wird – nicht nur darin, wie wir Energie produzieren, sondern auch darin, wie wir sie nutzen und wie wir sie letztendlich auch verteilen. Das heißt, es ist wirklich ein ganz großes Gesetz, das hier auf den Weg gebracht wird. Es soll gerechter werden, es soll innovativer werden, es soll mit mehr Wettbewerb daherkommen. Es soll ein stabiles Energiesystem sein, das allen Österreicherinnen und Österreichern, aber auch der Wirtschaft Vorteile bringen soll, um etwas zu tun, was seit Jahren einfach notwendig ist – das wird ja, glaube ich, auch von allen so gesehen –, nämlich die erneuerbaren Energien gut in das jetzige System einzuführen und die günstigen Preise über die Produktion von erneuerbaren Energien letztendlich auch allen zuzuführen und damit auch Vorteile zu generieren.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das System umzubauen, damit es erneuerbarenfit wird! Das ist eigentlich der Auftrag!

NEOS Karin Doppelbauer

… Es geht darum, dass wir einfach günstigere Preise brauchen – da sind wir uns, glaube ich, auch alle einig –, nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger, für die Haushalte, sondern natürlich auch für die Unternehmerinnen und Unternehmen und die Industrie, die unter den hohen Preisen leiden. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es geht also darum, erneuerbare Energien besser in die Systeme zu integrieren; es geht um Digitalisierung; es geht um einen schnellen Netzausbau, aber nur dort, wo er tatsächlich notwendig ist; es geht um das sinnvolle Einsetzen von Batterien, das mit diesem Gesetzentwurf jetzt auch ermöglicht wird. Darüber hinaus wird es ganz viele neue Möglichkeiten geben, günstiger zu Strom zu kommen. Ein Beispiel sind Peer-to-Peer-Verträge. Das heißt, wenn ich jetzt zum Beispiel eine PV-Anlage auf meinem Dach habe und meinem Nachbarn Strom verkaufen oder schenken will oder handeln will – je nachdem –, dann wird das in Zukunft sehr einfach möglich sein. Es wird zum Beispiel für die Industrie auch möglich sein, Direktleitungen zu planen. Was heißt das? – Es gibt einen Produzenten von Strom, es gibt einen Industriebetrieb, und die bauen sich eine Leitung und profitieren beide: einerseits weil es langfristige Absatzmöglichkeiten gibt, andererseits weil es günstigere Preise und natürlich in so einem Bereich auch keine Netzgebühren gibt. Das sind wirkliche Vorteile, die für die Industrie gelten werden und hoffentlich einfach auch zu günstigeren Preisen führen werden. Zur Digitalisierung, die wir jetzt haben, nämlich diese 15-Minuten-Takte: Man kann sich wenig vorstellen, aber im neuen ElWG steht auch drinnen, dass 15-Minuten-Takte von den Netzbetreibern jetzt sozusagen an die E-Control und an das System zurückgemeldet werden müssen. Was heißt das? – Nichts anderes, als dass es in Zukunft möglich sein wird, günstigere Netztarife zu verlangen. Das ist auch wieder ein sperriger Begriff, aber es heißt letztendlich, wenn man es sich durchüberlegt: Die Preise werden günstiger werden, sie werden nach unten gehen, weil die Netzentgelte natürlich ein großer Teil der heutigen Rechnung sind. Das heißt, da wird es wirklich viele Maßnahmen und Möglichkeiten geben, um die Preise nachhaltig zu senken. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was uns auch sehr wichtig war, ist die Transparenz, denn was in der Vergangenheit ja oft passiert ist, war, dass zum Beispiel Energielieferanten Preise angehoben haben, aber dann sind sie recht langsam wieder gesunken. Es hat vielleicht auch gute Nachrichten gegeben, dass manche Preise sinken, aber warum sie sinken und dass sie immer langsamer gesunken sind, als sie angehoben wurden, war uns auch klar. Deswegen gibt es im Augenblick ja auch recht viele Verfahren. Wir haben uns darauf verständigt, dass in Zukunft nicht nur eingemeldet werden muss, wenn Preise steigen, sondern auch, wenn sie wieder sinken. Wenn die Preise nicht entsprechend sinken, wie sich die Marktpreise entwickeln, dann hat die E-Control jetzt zum ersten Mal ein probates Mittel in der Hand, auch finanzielle Konsequenzen, sprich Strafen, an solche Energielieferanten auszusprechen. Auch das ist ein ganz, ganz wichtiger Bereich.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

20 000 Euro!

NEOS Karin Doppelbauer

… Auf einen letzten Punkt, der mir besonders wichtig ist, möchte ich auch zu sprechen kommen: Viele wissen es, ein großes Anliegen von mir war auch, dass wir, wenn wir neue Leitungen bauen, über Erdverkabelung nachdenken können. (👏 NEOS) Warum? – Sie hat eine höhere Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern, sie ist in vielen Teilen auch sozusagen ökologischer, und es ist, wenn es Stürme gibt, wenn Unwetterkatastrophen stattfinden, natürlich so, dass eine Leitung, die in der Erde vergraben ist, besser ist als eine, die als Freileitung geführt wird. Wir haben das für den 110-kV-Bereich gemacht, weil wir natürlich wissen, dass es für höhere Netzebenen ganz schwierig ist, aber bei 110 kV unter wirtschaftlichen Voraussetzungen wird es in Zukunft eine Erdverkabelung geben, und das freut mich besonders. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Um zum Schluss zu kommen, zu den Chancen, die das ElWG bietet: Ich glaube, wir haben vieles schon abgebildet, vielleicht noch nicht alles, aber deswegen gibt es ja jetzt auch eine Begutachtung, die wir gemeinsam sogar um zwei Wochen verlängern, weil sich das die Grünen und auch die FPÖ wünschen – dem können wir natürlich vieles abgewinnen. Wenn wir das ElWG richtig umsetzen, dann wird es letztendlich für mehr Wettbewerb sorgen, es wird für faire und stabile Preise sorgen, es wird für sinkende Preise sorgen, es wird für Innovation sorgen. Innovation, Energiezukunft, erneuerbare Energien richtig in die Netze zu integrieren, ist ein großer Teil des Klimabereichs und wird dem Klimaschutz natürlich helfen. Es ist ein Meilenstein für die Energiewende. Es ist im Interesse der österreichischen Wirtschaft und deswegen aus meiner Sicht ein großer Wurf. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste hat sich die Frau Staatssekretärin, die ich jetzt auch offiziell hier in unserer Mitte begrüßen darf, zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Staatssekretärin.

FPÖ Paul Hammerl

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Liebe Zuseher! Wenn wir uns daran erinnern: Frau Abgeordnete Gewessler hat einmal den Satz geprägt: Wind und Sonne schicken keine Rechnung. Wüsste ich nicht, dass ich für das Wort Lüge einen Ordnungsruf bekäme, würde ich wahrscheinlich sagen, das ist eine glatte Lüge, aber ich sage: Es ist einfach eine Frechheit! Es ist eine Unwahrheit , denn der Satz: Wind und Sonne schicken keine Rechnung – sie schicken uns 53 Milliarden! 53 Milliarden Euro, so hoch ist die Rechnung! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Kriegst du da Rechnungen?

FPÖ Paul Hammerl

… Das ist die Rechnung, die wir bis 2040 bekommen werden.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

... Verschwörungstheorien! – Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Siehst du die Sonne da hinten? – Heiterkeit bei SPÖ und Grünen.

FPÖ Paul Hammerl

… 53 Milliarden, ich gratuliere Ihnen, bis 2030. Alle Prognosen zeigen uns: Bis 2030 werden sich die Netzgebühren verdoppeln, wenn wir nicht in das System eingreifen. Liebe Grüne, liebe alle diejenigen, die diesem grünen Spin geglaubt haben: Sie sind einer Unwahrheit aufgesessen, und das haben Sie dieser Partei zu verdanken! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Haben Sie geglaubt, dass man beim Netz nie mehr was machen muss?

FPÖ Paul Hammerl

… Wenn Frau Kollegin Doppelbauer von ihrer Erdverkabelung spricht: Dann werden wir nicht bei 53 Milliarden landen, sondern sicher die 60 Milliarden auch noch knacken, denn niemand – wirklich niemand! – in der Energiewirtschaft, der nur ansatzweise weiß, wie hoch die Investitionskosten in erdverkabelte Netze sind, glaubt Ihnen auch nur ein Wort. Wir wissen nämlich, dass die Erdverkabelung den Faktor 8 kosten wird.

NEOS Doppelbauer (Zwischenruf)

Ja bei einer 380er!

FPÖ Paul Hammerl

… Also, liebe Frau Kollegin Doppelbauer, spannenderweise wollen Sie erdverkabeln, aber gleichzeitig wollen Sie an jeder Ecke ein Windkraftwerk stehen haben. Wie das zusammenpasst, dass Ihnen die Netze auf dem freien Feld nicht gefallen, aber das Windrad schon, ist dann auch etwas spannend. Wir Freiheitliche setzen uns für eine parteiideologielose Energiepolitik ein. Wir setzen uns für VWL und BWL und die Grundkenntnisse der Physik ein. Sonst hat hier nichts etwas verloren. Zusammengefasst, meine sehr geehrten Damen und Herren: Wenn man jetzt ansatzweise auf den Begutachtungsentwurf blickt, den wir jetzt auch vorliegen haben, dann muss man sagen, dass da doch ein paar Marketingschmähs enthalten sind. Ich denke da nur an die Strompreis-runter-Garantie, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch dazu EU-rechtswidrig ist. Genau deshalb bringen wir jetzt einen Entschließungsantrag ein – denn es ist uns extrem wichtig, dass wieder Fachexpertise in dieses Hohe Haus einzieht und in diesem Hohen Haus auch gehört wird.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Von der FPÖ?

FPÖ Paul Hammerl

… Meine sehr geehrten Damen und Herren, eine Begutachtungsfrist von vier Wochen in der Hauptreisezeit kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein! Daher bringe ich folgenden Antrag der Abgeordneten Hammerl, Kassegger, Kolleginnen und Kollegen ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Paul Hammerl , MA, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Fachexpertise entsprechend würdigen – Begutachtungszeitraum für den Ministerialentwurf betreffend ein Elektrizitätswirtschaftsgesetz und weiterer Gesetze ( 32/ME ) verlängern“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Der Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus wird aufgefordert, die Begutachtungsfrist zum Ministerialentwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz zur Regelung der Elektrizitätswirtschaft (Elektrizitätswirtschaftsgesetz – EIWG) und ein Bundesgesetz zur Definition des Begriffs der Energiearmut für die statistische Erfassung und für die Bestimmung von Zielgruppen für Unterstützungsmaßnahmen (Energiearmuts-Definitions-Gesetz – EnDG) erlassen sowie das Energie-Control-Gesetz geändert werden, um mindestens zwei Wochen zu verlängern, sodass diese frühestens am 15. August 2025 endet.“ Wir freuen uns, nachdem wir schon gehört haben, dass dieser Entschließungsantrag auf große Zustimmung trifft, dass Sie die entsprechende Expertise dann anschließend auch entsprechend würdigen und in den Gesetzgebungsprozess mit einbinden. (👏 FPÖ) 22.22 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/203.1 Fachexpertise entsprechend würdigen – Begutachtungszeitraum für den Ministerialentwurf betreffend ein Elektrizitätswirtschaftsgesetz und weiterer Gesetze (32/ME) verlängern (110/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung. Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Doppelbauer zu Wort gemeldet. – Sie kennen die einschlägigen Bestimmungen über die tatsächliche Berichtigung. Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Karin Doppelbauer

Herzlichen Dank, Herr Präsident. – Ich möchte tatsächlich berichtigen: Kollege Hammerl hat behauptet, dass eine Erdverkabelung achtmal so teuer wäre. Ich berichtige tatsächlich: Bei einer 380-kV-Leitung möge das der Fall sein. Wir reden hier aber von 110-kV-Leitungen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja keine Berichtigung!

NEOS Karin Doppelbauer

… und haben auch wirtschaftliche Maßnahmen und Berechnungen miteinbezogen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist eine Bestätigung!

NEOS Karin Doppelbauer

… Ich weiß, die FPÖ tut sich ein wenig schwer mit dem Weitblick über die eigenen Mauern hinaus …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung! Das ist ein Redebeitrag ...!

NEOS Karin Doppelbauer

… aber man möge das geneigte Auge auch ins Ausland wenden. Dann wäre das erledigt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das war jetzt keine tatsächliche Berichtigung, das war eine tatsächliche Bestätigung!

NEOS Karin Doppelbauer

… Vielen Dank. Ich bin schon fertig. (👏 NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Das war jetzt nicht ganz eine tatsächliche Berichtigung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Stark. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

ÖVP Christoph Stark

Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Es geht um einen sperrigen Begriff, um das Elektrizitätswirtschaftsgesetz, kurz ElWG, es geht aber um viel mehr: Es geht um die Energieversorgung unseres Landes. Die Energieversorgung ist nach wie vor ein riesengroßes Thema in allen Bereichen: bei den Privatkunden, bei den Firmen, bei der Industrie und vielem mehr. Aber vielleicht einen Schritt zurück, warum wir dieses Thema heute überhaupt diskutieren: Es war ein eher unüblicher Vorgang im zuständigen Ausschuss für Wirtschaft, Industrie und Energie, dass ein Gesetz wieder auf die Tagesordnung gekommen ist, das eigentlich schon vom Tisch war. Kollegin Gewessler hat das wieder eingebracht, und wir haben uns im Ausschuss darauf verständigt, die Verhandlungen darüber nicht zu vertagen, wofür es ausreichend Gründe gegeben hätte, weil ja ein neues Gesetz im Anmarsch ist, sondern wir haben gesagt, wir bringen das ins Plenum, um diesen Antrag dann abzulehnen – auch wiederum aus gutem Grund: weil dieses Gesetz, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, das vor zweieinhalb Jahren in Begutachtung gegangen ist, einfach keinen Konsens gefunden hat, weil eben zu viel Dogma und zu wenig Technik, zu viel Ideologie und zu wenig Betriebswirtschaft. In Summe hat es für dieses Gesetz einfach keinen Konsens gegeben und darum, geschätzte Damen und Herren, diskutieren wir dieses Gesetz heute wieder hier, um es wahrscheinlich auch final abzustimmen, und das Ganze mit dem Blick nach vorne, weil – wie wir schon gehört haben – ein neuer Entwurf in Begutachtung gegangen ist, der viele Neuerungen beinhaltet, die ihn besser machen, als das ursprüngliche Gesetz es war. Wir sind der Überzeugung, dass wir es besser machen wollen. Warum? – Weil auch ich der Überzeugung bin – da bin ich bei Kollegen Hammerl –: Die Energiegesetze brauchen weniger Ideologie und viel mehr Hausverstand, Sachverstand, Technik und Betriebswirtschaft, und sie müssen unserem Land und den Menschen dienen. (👏 ÖVP, SPÖ) Auf eine Geschichte möchte ich aber ungeachtet der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen auch eingehen, nämlich auf die gesamte Situation der Netze. Kollege Kassegger hat es auch erwähnt: Die Netze sind in keinem guten Zustand, darum haben wir das Problem – ja. Warum haben wir dieses Problem? – Weil über 50, 60, 70 Jahre immer eines gegolten hat: Wir haben hier einen Erzeuger und auf der anderen Seite tausend Verbraucher, und genau an dieser Struktur haben sich die Netze orientiert, genau anhand dieser Struktur wurden Netze gebaut – und nicht mehr. Wir haben nie Netze auf Vorrat gebaut. Dann kamen 2022 der Krieg und die Energiekrise, und auf einmal haben Menschen aus völlig verständlichen Motiven PV-Anlagen gebaut, um sich selbst zu versorgen, um ihre eigenen Energiekosten zu senken …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das hat nicht erst da angefangen!

ÖVP Christoph Stark

… und auf einmal haben wir nicht nur einen Erzeuger und tausend Verbraucher auf dem ganzen Weg, sondern wir haben auf einmal tausend Erzeuger, die auch dieses Netz beschicken.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ihr habt alle hineingetrieben und jetzt werden sie bestraft!

ÖVP Christoph Stark

… Darum ist es einfach notwendig, dass wir die Netze ausbauen, dass wir Speichermöglichkeiten schaffen, dass wir auch die Herstellung von Speichern rechtlich schnell ermöglichen: weil wir sie brauchen, um die Netzsicherheit in Summe herzustellen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. Nur dann, wenn die Netze sicher sind, wenn wir Speicher haben, nur dann schaffen wir nicht nur die Energiewende, sondern dann schaffen wir auch leistbare Energiepreise, für die es jetzt im neuen Entwurf auch sehr interessante Ansätze gibt, von denen wir überzeugt sind, dass sie den Menschen helfen werden. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich lade Sie herzlich ein, diskutieren wir das neue ElWG ohne Scheuklappen, diskutieren wir es abseits der Ideologie und schaffen wir diesen neuen Rahmen mit einer großen Mehrheit, mit einer Zweidrittelmehrheit, und ich lade alle ein, sich an dieser Zweidrittelmehrheit auch redlich zu beteiligen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Binder. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Reinhold Binder

Herr Präsident! Sehr geehrte Staatssekretärin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Kollege Schroll hat vorhin dargelegt, wie wir mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz, ElWG, unsere Zukunft gestalten. Energiepolitik und die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes sind eng miteinander verbunden. Daher müssen wir in dieser Debatte auch einen Blick auf die gesamtwirtschaftliche Lage werfen, denn nach zwei turbulenten Krisenjahren kommt Österreich langsam wieder in die Spur. Die Wirtschaftsdaten zeigen seit Kurzem eine Erhöhung und positive Impulse. Doch die weiterhin hohe Inflation, zuletzt immer noch mit 3,3 Prozent, ist und bleibt eine Gefahr für die Lebensqualität der Menschen und den wirtschaftlichen Erfolg in unserem Land. Genau da haben wir in den vergangenen Jahren gelernt, dass uns, wenn wir unsere Energieversorgung nicht im Griff haben, die Preise aller Güter und Dienstleistungen davongaloppieren. Die explodierenden Strom- und Gaspreise haben sich als Preistreiber in der gesamten Wirtschaftskette durchgeschlagen und setzen den Menschen und unseren Betrieben massiv zu: dem Fleischer, der seine Kühlräume rund um die Uhr in Betrieb hat, damit wir immer frisches Fleisch auf dem Teller haben; dem Bäcker, der um 2 Uhr in der Früh den Ofen vorheizt; dem Industriebetrieb, der internationale Konkurrenz im Nacken spürt; sowie jedem privaten Haushalt, bis zur Pensionistin, die darüber nachdenken muss, ob sie heizen oder Essen einkaufen soll. Weil das nicht so bleiben darf, haben wir ein ganzes Bündel an Initiativen gestartet, um der Teuerung entgegenzuwirken und die Zukunft zu sichern. Ich erinnere daran: Mit dem Mietpreisstopp entlasten wir über eine Million Haushalte.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist so ein wertloses Gewäsch!

SPÖ Reinhold Binder

… Mit der Preisbremse bei Rezeptgebühren schützen wir Pensionistinnen und Pensionisten sowie chronisch kranke Personen. ( Ruf bei den Grünen: Zur Sache! ) Investitionsoffensive: 50 Milliarden Euro bis 2030 für Breitband-, Bahn- und Energieinfrastruktur ; das führt zu Wachstum, Jobs und regionaler Wertschöpfung. (👏 SPÖ) Der Stromsozialtarif garantiert finanziell schwachen Haushalten einen maximalen Preis pro Kilowattstunde, finanziert von den Versorgern, nicht aus dem Staatshaushalt.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Was ... vor einem Jahr? – Gießkanne! Gießkanne!

SPÖ Reinhold Binder

… Wir bringen – erlauben Sie mir den Vergleich – alle Schaltkreise zum Laufen, statt Sicherungen herauszudrehen. (👏 SPÖ) Es ist kein Naturgesetz, dass Energiekonzerne sich Taschen füllen dürfen, während Familien nervös auf den Stromzähler schauen. Ebenso wenig ist es gottgegeben, dass Betriebe täglich um ihre Existenz bangen müssen. Das ist eine Frage politischer Entscheidungen, und wir treffen sie. ( Unruhe im Saal. – Rufe bei der SPÖ: Pscht! ) Genau deshalb ist es der Auftrag an uns alle in diesem Hohen Haus, gemeinsam eine moderne und zeitgerechte Novelle des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes und aller weiteren Energiegesetze umzusetzen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben gezeigt, dass wir Budgetlöcher schließen können und es gleichzeitig schaffen, positive Impulse für die Menschen und die Wirtschaft zu setzen. Verantwortung bedeutet nicht, alte Fehler durchzuwinken, sondern zu reparieren, darum legen wir heute ein klares Votum ab. Wir stimmen dem negativen Ausschussbericht zu, weil der Gewessler-Antrag alte Probleme konserviert, statt sie zu lösen. In unserem Begutachtungsentwurf zeigen wir den Energiekonzernen ihre Grenzen auf, damit sollen Zustände, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben, verhindert werden.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das Wie ist die Frage!

SPÖ Reinhold Binder

… Halten wir Kurs: für soziale Sicherheit, für Klimaschutz und für leistbare Energie, für die Menschen und für die Betriebe in unserem Land. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Hofer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Markus Hofer

Danke sehr, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher im Saal – kaum mehr – und auch vor den digitalen Endgeräten! Ich möchte in dieses Thema reinstarten und, Herr Kollege Kassegger, kurz einmal auf Ihre Ausführungen zum Thema China eingehen. Ich habe das gehört, Sie haben zu Recht gesagt, China baut Kohlekraftwerke. Ich glaube, es ist wichtig – und wenn man öfter in China war, hat man das auch mitbekommen –, das in Relation zu setzen. China baut aktuell 63 Kohlekraftwerke, das sind ungefähr 94 Gigawattstunden. China hat letztes Jahr aber 356 Gigawattstunden an erneuerbarer Energie ans Netz gebracht. Das heißt, China – und die sind sicher nicht ideologisch – hat erkannt, dass eine Energiewende nur passieren kann, wenn man das intelligent und ideologiebefreit macht.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wenn man es gscheit macht!

NEOS Markus Hofer

… Genau, wenn man es gscheit macht! Gscheit machen ist der zweite Punkt. Kollege Kassegger, es gibt weltweit ungefähr 40 000 Patente im Bereich Windenergie, China hat davon 16 000. Wissen Sie, was das heißt? – Wir verlieren den Innovationsanspruch auch im Bereich der erneuerbaren Energie …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Haben wir schon lang verloren! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... gar nie gehabt!

NEOS Markus Hofer

… weil wir Diskussionen führen, die rückwärtsgewandt sind, weil wir uns nicht klar darüber sind. (👏 SPÖ, NEOS) Jedes Mal kostet mich die FPÖ 2 Minuten meiner Redezeit. Herr Kollege Hammerl, ich bin bei Ihnen – völlig! –, dass das Schöne an Energiepolitik ist, dass es nur eine Physik gibt, und dass sie ideologiebefreit sein sollte, aber wenn Sie mir erklären, dass erneuerbare Energie doch so teuer sei, dann geht es mir darum, dass Sie sich das anschauen. Fraunhofer-Bericht, Juli 2024, Grenzkosten der Energieerzeugung – ich schicke Ihnen das –: Die niedrigsten Grenzkosten bei der Energieerzeugung sind im Bereich der Erneuerbaren und werden dort sein. Dass das viel kostet, dass investiert werden muss, damit wir uns dorthin bewegen, das stimmt. (👏 ÖVP, NEOS) Die meisten, die schon einmal - - ( Ruf bei der FPÖ: Wieso fordern wir es dann so oft? ) – Herr Kollege Hammerl, ich schätze es, dass Sie sich in die Themen eingelesen haben, ich schätze es wirklich, und ich schätze Ihre Intelligenz, aber seien Sie doch nicht immer so, dass Sie reinmelden. Sie wissen, dass neue Technologien und ein Umstieg am Anfang Investitionen und Subventionen brauchen, und genau deswegen, weil manche Technologien dann reif sind, nimmt man sie wieder raus, wie etwa die PV. Ich wollte auch zum Thema ElWG etwas sagen, deswegen stehe ich eigentlich hier heraußen. Zum Thema ElWG möchte ich damit beginnen, dass das, wie ich glaube, einer der nicht nur umfassendsten, sondern auch der wichtigsten Teile einer Kombination von mehreren Gesetzestexten ist, die wir in nächster Zeit zur Energiepolitik und zur Elektrizitätspolitik vorliegen haben werden. Ich möchte hier auch Frau Kollegin Gewessler danken – passiert ja nicht so oft –, weil ich schon sage, dass wir auf einer Grundlage aufgebaut haben; nicht alles, was in der Grundlage drinnen war, war in unserem Sinne, deswegen ist es ja nie zu einer Umsetzung gekommen, aber es war eine Startbasis, die uns in ein wichtiges Thema hineingebracht hat. Es ist deswegen wichtig – schauen wir uns das an –: Wenn Sie vorgestern „Die Presse“ gelesen haben, die getitelt hat, dass in Österreich Strom teuer bleibt, wissen Sie, dass das für Firmen und für Unternehmen ein massives Problem ist, nämlich für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Wir haben für energieintensive Unternehmen heute ungefähr Kosten von 16,4 Cent pro Kilowattstunde. Wir liegen damit 8 bis 9 Cent über dem Vorkrisenniveau, was nicht so wichtig ist, weil das vor der Krise und nach der Krise unterschiedlich ist; was aber wichtiger ist: Wir liegen hinsichtlich Wettbewerbsfähigkeit deutlich hinter anderen Ländern, und das schädigt unsere Industrie und unseren Standort, bringt beides in Gefahr. Was können wir tun? Was ist denn schon drinnen im ElWG? – Ich glaube, wir haben bereits zwei wesentliche Themen im ElWG abgedeckt: Das Erste ist, dass wir die Möglichkeit für PPAs haben, also Direktlieferverträge, die uns eine Sicherheit geben …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Die waren schon drinnen ...!

NEOS Markus Hofer

… dass wir Direktleitungsmöglichkeiten haben; beides, da stimme ich zu, war schon da, aber es sind wichtige Themen. Ich sage nur dazu: Es wird nicht reichen, dass wir das ElWG umsetzen. Ich finde es immer etwas schade, dass wir, wenn wir Energiepolitik sagen, über Strompolitik und Elektrizität sprechen. Es ist wichtig, dass wir gerade für die Industrie dort, wo wir Gas ablösen müssen, hoch energiedichte Lösungen finden. Man kann unterschiedlicher Meinung sein; ich bin überzeugt, es gibt noch keine Alternative zu grünem Wasserstoff, und da braucht es eine langfristige Strategie, die wir angehen müssen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Gibt’s schon!

NEOS Markus Hofer

… Ich bin überzeugt, die Bundesregierung nimmt sich das in nächster Zeit auch vor. In diesem Sinn möchte ich an diesem schönen Abend abschließen und noch einmal sagen: Energiepolitik soll ideologiebefreit sein, Energiepolitik hat den Vorteil, dass es nur eine Physik gibt. Energiepolitik ist so wichtig für diesen Standort, dass wir sie gemeinsam und ernsthaft betreiben sollten. Weil das für heute meine letzte Rede ist – ich glaube, Kollege Lukas Hammer ist der Letzte heute –: Man sollte an einem Tag, an dem wir über Energiepolitik reden, sagen: Der Letzte dreht hier bitte das Licht ab, damit wir auch noch Strom sparen. – Guten Abend. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Lukas Hammer . Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Anfang – Kollege Hofer ist schon darauf eingegangen – zu Kollegen Hammerl: Als ich angefangen habe, mich politisch zu interessieren, war die FPÖ eine Partei, für die Hans Kronberger zum Beispiel im Europaparlament war – ehemaliger Präsident von PV Austria –, Norbert Hofer hat sich auch immer für heimische Energie eingesetzt. Die heimische Energie – Sonne, Wind – zählt mittlerweile im Übrigen zu den günstigsten Energieformen auf diesem Planeten. Heimische Energie: Auch wenn der Wind aus dem Ausland kommt und die Sonne von noch weiter her, ist es heimische Energie mit heimischer Wertschöpfung. Ja, man braucht dafür eine Infrastruktur, und nein, sie schickt nicht für jede Kilowattstunde eine Rechnung wie Gas aus Russland, aber anscheinend hat sich eure Position zu erneuerbarer Energie, seitdem ihr einen Freundschaftsvertrag mit Wladimir Putin habt …

FPÖ Hammerl (Zwischenruf)

Das ist ein Blödsinn! Was ist das für ein Blödsinn?

GRÜNE Lukas Hammer

… komplett gewandelt; anders kann ich mir euren Sinneswandel nicht mehr erklären.

FPÖ Hammerl (Zwischenruf)

So ein Schwachsinn!

GRÜNE Lukas Hammer

… Wir diskutieren aber heute das Elektrizitätswirtschaftsgesetz, und ich bin sehr froh, dass jetzt vorerst einmal vielleicht auch eine Blockade gewissermaßen beendet ist. Lieber Axel Kassegger , wir könnten heute schon ein Gesetz beschließen. Wir diskutieren hier einen Initiativantrag, einen Gesetzesantrag, den wir heute beschließen könnten. Wäre das im Ausschuss nicht von den Koalitionsparteien abgelehnt worden, dann könnten wir das heute mit Zweidrittelmehrheit beschließen. Es muss nicht immer im Rahmen einer Regierungsvorlage eingebracht werden. Liebe Kollegin Graf! Es stimmt einfach nicht, dass wir uns inhaltlich nicht einig waren. Wir haben nächtelang verhandelt …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Nicht schon wieder!

GRÜNE Lukas Hammer

… im Mai, im Juni, im Juli letzten Jahres. Wir waren uns eigentlich einig; das ist auch die Basis für den Entwurf, den Kollegin Gewessler vorgelegt hat. Wir haben uns geeinigt. Wir hätten eine Regierungsvorlage vorlegen können. Nur – und das ist ein sehr offenes Geheimnis in der Branche, und das sagen einem alle, mit denen man redet –: Die ÖVP wollte Leonore Gewessler keinen Erfolg mehr gönnen, Sie war schon zu erfolgreich …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

„Zu erfolgreich“!

GRÜNE Lukas Hammer

… und deswegen hat man ein so wichtiges Projekt für die Energiewirtschaft mutwillig verzögert – wenn wir schon von Parteipolitik reden. (👏) Aber wir haben gemeinsam auch viel auf den Weg gebracht, und das waren gute Dinge, wie das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, das wir auch gemeinsam hier beschlossen haben, mit einer Verfassungsmehrheit. Es gab endlich und gibt endlich gute und stabile Rahmenbedingungen für den Ausbau von erneuerbaren Energien. In den letzten Jahren haben sehr, sehr viele Menschen, Hunderttausende Menschen, angefangen, an dieser Energiewende teilzunehmen, teilweise, weil sie das Klima schützen wollten, teilweise, weil sie sich aufgrund der Energiekrise, aufgrund der steigenden Strompreise einfach unabhängiger machen wollen. Aber sie haben es gemacht, und es hat funktioniert. Eine halbe Million Menschen hat sich eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach installiert. Das ist eine unglaubliche Zahl! Dieses zarte Pflänzchen der Energiewende ist jetzt ein wachsender großer Baum. Das Problem ist, der Wirtschaftsminister, der jetzt für die Energiepolitik zuständig ist, und seine Staatssekretärin, gehen jetzt an diesen Baum und pflücken und kommen schon mit der Kettensäge daher und wollen wieder sägen. Was machen sie? – Frau Staatssekretärin, das ist schon unglaublich: Sie sagen, es ist eine Lüge, was wir hier aus dem Gesetz zitieren. Das, was Sie vorhaben, ist, dass Sie eine neue Strafsteuer für alle Einspeiser einführen wollen. Das steht in Ihrem Gesetzentwurf: ein zusätzliches Netzentgelt für alle Einspeiser – für alle Kleinwasserkraftwerke, für alle Windkraftwerke, aber auch für die halbe Million Fotovoltaikanlagen auf österreichischen Dächern. Das, was Sie insgesamt in den letzten Wochen gemacht haben, ist schon eine Umkehrung von dem Konzept, das wir eigentlich gemeinsam angefangen haben, bei dem wir gesagt haben: Menschen, die das Klima schützen, die ein Teil der Energiewende sein wollen, müssen dafür belohnt werden, wir müssen Anreize schaffen. Das, was jetzt passiert, ist, dass die, die ein Teil der Energiewende sein wollen, die, die das Klima schützen, die Dummen sind. Öffifahren wird wieder teurer, das Klimaticket ist teurer geworden. Der Besitz eines E-Autos wird um bis zu 1 000 Euro teurer – wieder eine neue Steuer. Jetzt sollen all jene, die den Strom selbst auf ihrem Hausdach mit einer Fotovoltaikanlage produzieren wollen, zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Wir sagen dazu: Mit uns wird es das nicht geben. Wir halten Wort. Wir stehen hinter allen Menschen, die selbst sauberen Strom produzieren wollen. – Danke schön. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Erasim. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Lukas Hammer , egal ob ich als Abgeordnete des Weinviertels bei Veranstaltungen bin, ob ich als KMU-Sprecherin mit kleinen und mittleren Unternehmen rede, als Tourismus- und Gastronomiesprecherin durch die Wirtshäuser und Gaststätten tingle, egal mit wem ich rede, alle sagen mir, es ist ihnen eigentlich vollkommen egal, was der Grund ist, warum welches Gesetz nicht beschlossen worden ist, warum etwas nicht am Tisch liegt. Es würde ihnen darum gehen, leistbaren, günstigen Strom erwerben zu können, egal ob als Endverbraucherin in einem Einfamilienhaus, egal ob als EPU oder auch als Vertreter der Großindustrie. Eines muss ich schon sagen: Es ist schon ein Turbo, den wir hier als Regierungsfraktionen nach 120 Tagen eingelegt haben, auch hier beim ElWG, beim Elektrizitätswirtschaftsgesetz. Dieses Gesetz klingt kompliziert, geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, ist es auch. Nur kann ich Ihnen eines sagen: Es wird sich auszahlen, hier – leider – gewartet haben zu müssen, denn im Kern dieses Gesetzes, das wir jetzt in die Begutachtung geschickt haben, geht es um günstigeren Strom, günstigeren Strom für rund 4,5 Millionen Haushalte, für rund 580 000 KMUs sowie die gesamte Großindustrie. Geschätzte Damen und Herren, Sie alle sind nicht nur Zeugen gewesen, Sie alle waren auch Leidgeplagte der unfassbaren Inflation der letzten Jahre, und diese Inflation war und ist nach wie vor bei den Energiepreisen mehr als nur spürbar. Ich selbst sowie viele meiner Kolleginnen und Kollegen haben aus der Opposition heraus viele, viele Anträge eingebracht, in denen wir versucht haben, nachhaltig in die Strompreispolitik einzugreifen. Nachhaltigkeit und Planbarkeit, Planungssicherheit herzustellen, ist etwas, was sich viele, viele Betriebe gewünscht haben – doch bis dato sind wir als Sozialdemokratie auf taube Ohren gestoßen. Doch umso erfreulicher ist es, dass es eine positive Entwicklung gibt. Das ElWG soll die Basis für ein modernes, zukunftsfittes Elektrizitätsrecht sowie für mehr System- und Kosteneffizienz ermöglichen. Ich lade alle ein, alle, die Grünen, die Freiheitlichen – und deshalb stimmen wir auch der Verlängerung der Begutachtungsfrist heute noch zu, weil wir dieses ElWG auf möglichst breite Schultern legen möchten –: Stemmen wir das gemeinsam, schaffen wir leistbaren, günstigen Strom für so viele, die ihn brauchen! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Jantscher. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Franz Jantscher

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und werte Kollegen! Ja, die Strompreise sind für die Haushalte und Unternehmen schlicht zu hoch. Die Netze sind an vielen Stellen am Limit. Wir brauchen mehr erneuerbare Energie, aber sie muss auch leistbar sein. Wir brauchen Netze, die mitwachsen, aber sie müssen wirtschaftlich tragbar sein. Genau da setzen wir an: Versorgungssicherheit, Klimaziele und Leistbarkeit in Balance zu bringen. Die Energiewende ist im Gang, aber sie braucht klare Rahmenbedingungen, damit sie auch ankommt – bei den Menschen, in den Betrieben, in der Industrie. Wir brauchen eine vernünftige Strategie, wie wir aus Wasser, Wind, Sonne und zukünftig vielleicht auch aus Wasserstoff günstigen Strom produzieren können, für die Haushalte, aber auch für die Wirtschaft und die Industrie. Das gibt Planungssicherheit. (👏 SPÖ) Wir brauchen die Industrie in Österreich, um unseren Wohlstand abzusichern und um weiterhin für gut bezahlte und attraktive Arbeitsplätze zu sorgen, denn diese Arbeitsplätze findet man nämlich in der Industrie. Die Voestalpine, von der ich komme, ist von der laufenden Transformation direkt betroffen. Wir transformieren unsere Produktionsroute während des laufenden Betriebes hin zu grünem Stahl. Warum machen wir das? – Wir bekennen uns zu Klimaschutz, wir wollen unseren Lebensraum schützen und unsere Standorte für weitere Generationen absichern, und wir sichern unsere Arbeitsplätze. (👏 SPÖ) Wir müssen sowohl Klimaschutzvorgaben als auch dem öffentlich steigenden Druck gerecht werden. Immer mehr Kunden und der Markt fordern vermehrt grünen Stahl, denn das verbessert ja den eigenen CO 2 -Fußabdruck. Weil heute schon zweimal China angesprochen wurde: China ist Weltmarktführer im Ausbau erneuerbarer Energie, und das mit PV und Wind. China ist bereits mitten in der Energiewende, und das mit einer Rohstahlerzeugung von 1 Milliarde Tonnen pro Jahr. Damit kann China weltweit günstiger Stahl anbieten als Europa, weil dort die Energiekosten einfach deutlich günstiger sind. Das drückt massiv auf unsere Märkte. Wir müssen die ökologische Transformation so gestalten, dass das unsere Wirtschaft nicht schwächt, sondern stärkt. Die Betriebe, die diese Transformation stemmen sollen, müssen es sich auch leisten können, denn eine Energiewende, die Betriebe in die Knie zwingt, hilft niemandem. Wenn wir die Energiewende verschlafen, verlieren wir nicht nur Zeit, sondern wir verlieren unsere Industrie. Deshalb sagen wir als Sozialdemokratie ganz klar: Wir stehen zur Industrie, wir stehen zu den Arbeitsplätzen, wir stehen zu Österreich! – Deswegen bekennen wir uns auch zu einem Stromkostenausgleich für die energieintensive Industrie, damit diese Transformation nicht an der Stromrechnung scheitert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Einer schleichenden Deindustrialisierung wollen und können wir nicht zusehen. Energiepolitik ist nie nur Technik, nie nur Ökologie, nie nur Wirtschaft, sie ist Gesellschaftspolitik. Wer entscheidet, wie Energie produziert, verteilt und bezahlt wird, entscheidet auch, wie gerecht oder ungerecht ein Land funktioniert. – Vielen Dank. Weil ich der Letzte war: Eine schöne gute Nacht! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist nun niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.