XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

35. Sitzung des Nationalrats

9. Juli 2025

27Beschlüsse
16Angenommen
11Abgelehnt
35. Nationalratssitzung

Geschäftsordnungsgesetz 1975

124 d.B. · Antrag vonFPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE · Initiativantrag 322/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜR

Zusammenfassung

Das Geschäftsordnungsgesetz 1975 wird geändert, um die Veröffentlichung von „Informationen von allgemeinem Interesse“ im Bereich des Nationalrates gemäß Art. 30 Abs. 7 B-VG auf der Parlamentswebsite zu regeln. Die Präsidentin/der Präsident entscheidet über diese Veröffentlichungen und hält in Zweifelsfällen bzw. zu den allgemeinen Bedingungen Rücksprache mit der Präsidialkonferenz; Geheimhaltungsgründe bleiben gewahrt.

Betroffen sind die Veröffentlichungs- und Transparenzpflichten des Nationalrates, insbesondere die Zuständigkeiten der Präsidentin/des Präsidenten und die Einbindung der Präsidialkonferenz sowie die technische/barrierefreie Bereitstellung der Informationen auf der Parlamentswebsite.

Dokumente

Geschäftsordnungsgesetz 1975

Gegenstand und Ziel der Änderung

  • Änderung des Geschäftsordnungsgesetzes 1975 zur Umsetzung bzw. Ausgestaltung der künftig gebotenen Veröffentlichung von „Informationen von allgemeinem Interesse“ im Bereich des Nationalrates gemäß Art. 30 Abs. 7 B-VG (iVm Art. 22a Abs. 2 zweiter Satz B-VG).
  • Klarstellung, dass die Veröffentlichung solcher Informationen – wie bisherige Veröffentlichungen nach dem Gesetz – auf der Website des Parlaments erfolgen soll.
  • Hinweis, dass Informationen von allgemeinem Interesse aus dem Bereich des Nationalrates bereits derzeit weitestgehend veröffentlicht sind (unter Verweis auf § 1 Abs. 2 Informationsordnungsgesetz – InfOG), sodass Transparenz diesbezüglich seit langem besteht.

Änderung zu § 8 Abs. 5 (Rücksprache mit der Präsidialkonferenz)

  • In Zweifelsfällen zu den Fragen, welche Informationen von allgemeinem Interesse sind und ob bzw. welche Geheimhaltungsgründe einer Veröffentlichung entgegenstehen, soll die Präsidentin/der Präsident Rücksprache mit den Mitgliedern der Präsidialkonferenz halten.
  • Es ist beabsichtigt, bereits vor Inkrafttreten u.a. des Art. 30 Abs. 7 B-VG mit den Klubs zu besprechen, welche Informationen neu zu veröffentlichen sein werden.
  • Konkret soll mit den Klubs abgestimmt werden, welche Informationen von allfälligem allgemeinem Interesse, die bislang noch nicht veröffentlicht wurden, künftig veröffentlicht werden oder aufgrund von Geheimhaltungsgründen nicht veröffentlicht werden sollen.
  • Die Rücksprache soll nicht in jedem Einzelfall erfolgen, aber jedenfalls über die allgemeinen Bedingungen (welche Arten von Informationen in welcher Form veröffentlicht werden sollen).

Änderung zu § 14 Abs. 8 zweiter Satz (Zuständigkeit und Modalitäten der Veröffentlichung)

  • Veröffentlichungen nach dem Bundesgesetz obliegen der Präsidentin/dem Präsidenten des Nationalrates; dies gilt auch für die künftig gemäß Art. 30 Abs. 7 B-VG gebotene Veröffentlichung von Informationen von allgemeinem Interesse im Bereich des Nationalrates.
  • Die Veröffentlichung solcher Informationen soll – wie schon bisher – auf der Website des Parlaments erfolgen.
  • Hinsichtlich anderer Veröffentlichungen, die nicht gemäß Art. 30 Abs. 7 B-VG verpflichtend zu erfolgen haben, kann wie bisher ein Beschluss des Nationalrates eingeholt werden (künftiger § 14 Abs. 8 letzter Satz).

Geheimhaltungsgründe und Abgrenzungen

  • Die Geheimhaltungsgründe ergeben sich aus Art. 22a Abs. 2 zweiter Satz B-VG, auf den Art. 30 Abs. 7 B-VG verweist.
  • Zum Geheimhaltungsgrund „Vorbereitung einer Entscheidung“: Dieser kann im Bereich des Nationalrates insbesondere Gegenstände und Inhalte vertraulicher oder geheimer Beratungen, Verhandlungen und Sitzungen des Nationalrates und seiner Ausschüsse sowie der Präsidialkonferenz umfassen (vgl. auch § 3b Abs. 3 Z 1 InfOG).
  • Klarstellung, dass die Verpflichtung zur Veröffentlichung nicht die parlamentarischen Klubs oder einzelne Abgeordnete trifft.

Technische, sprachliche und barrierefreie Ausgestaltung der Veröffentlichungen

  • Informationen sind nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten und Zweckmäßigkeit in für die weitere Verwendung geeigneten Formaten und Sprachen zu veröffentlichen, soweit damit kein unverhältnismäßiger Aufwand verbunden ist.
  • Die Veröffentlichung hat nach Maßgabe der §§ 2 und 3 Web-Zugänglichkeits-Gesetz (WZG) barrierefrei zu erfolgen.
  • Eine Suche ist zu ermöglichen, jedenfalls nach einzelnen oder kombinierten Metadaten.
  • Ziel ist, dass die Veröffentlichungen auf der Website des Parlaments dem Transparenzgedanken entsprechen.

Verhältnis zu bestehenden EU-bezogenen Veröffentlichungen und Vermeidung von Doppelgleisigkeiten

  • Die bisherigen Veröffentlichungen in der EU-Datenbank gemäß § 1 Abs. 2 EU-Informationsgesetz (EU-InfoG) sollen weiterhin unverändert beibehalten werden.
  • Es soll zu keinen doppelten Veröffentlichungen kommen (vgl. auch § 16 Informationsfreiheitsgesetz – IFG).

Geschäftsordnungsgesetz 1975

~10 min Lesezeit
Dafür: SPÖFPÖÖVPNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Norbert Nemeth

Herr Präsident! Hohes Haus! Mit dem vorliegenden Antrag implementieren wir die Informationsfreiheit in die Geschäftsordnung des Nationalrates. Im Wesentlichen sieht diese Lösung vor, dass Informationen von allgemeinem Interesse auf der Homepage des Nationalrates hinkünftig abgebildet sein müssen. Was sind Informationen von allgemeinem Interesse? – Ich kann aus der Präsidiale berichten, dass der Präsident dazu bereits ein umfangreiches Papier vorgelegt hat, in dem detailliert geregelt ist, welche Informationen in welcher Art und Weise veröffentlicht werden müssen. Dadurch ist gewährleistet, dass ab 1. September die Informationsfreiheit jedenfalls im Bereich des Parlaments umgesetzt sein wird. Das ist eine gute Nachricht für alle Bürger, die ein besonderes Interesse an unserer Arbeit haben, das ist eine gute Nachricht für alle, die wissenschaftlich arbeiten, und es ist aber vor allem auch eine gute Nachricht für all diejenigen, die sich verstärkt um die direkte Demokratie in Österreich kümmern wollen und daran teilnehmen wollen. Die direkte Demokratie in Österreich boomt, wir haben seit 2020 mehr Volksbegehren eingebracht als im Zeitraum 1960 bis 2020. Das ist meiner Partei ein besonderes Anliegen, zumal wir in unserem Wahlprogramm ein sehr umfangreiches Konzept zur Stärkung der direkten Demokratie vorgelegt haben, wohingegen sich im Regierungsprogramm der Ampelkoalition über die Stärkung der direkten Demokratie keine einzige Silbe findet, was eigentlich eine Schande ist. Wir haben aber noch eine andere juristische Inflation festzustellen: die Inflation an Geschäftsordnungsänderungen. Die Geschäftsordnung des Nationalrates gehört zum ältesten Rechtsbestand der Republik, sie wurde bereits 1920 beschlossen. In der vorliegenden Form wurde sie 1975 beschlossen, und seither haben wir diese Geschäftsordnung 29 Mal geändert; allein in der letzten Gesetzgebungsperiode sieben Mal. Die gesamte Erste Republik ist mit fünf Änderungen ausgekommen. Es gibt Änderungen, die zu begrüßen sind, es gibt welche, die völlig überflüssig sind. Überflüssig sind vor allem jene, bei denen wir relativ unreflektiert EU-Recht inkorporieren. Das führt lediglich dazu, dass wir totes Recht erzeugen und die Lesbarkeit unserer Geschäftsordnung mindern, was abzulehnen ist. Wie auch immer – diese Änderung ist jedenfalls zu begrüßen. Worüber man sich in Zukunft wird unterhalten müssen, ist die Problematik der Beantwortungsfristen. Sie wissen, nach dem Informationsfreiheitsgesetz hat jedermann das Recht, binnen vier Wochen eine Antwort zu erhalten. Der Abgeordnete, der im Rahmen seines Interpellationsrechtes eine Anfrage stellt, hat sich hingegen mit acht Wochen Antwortfrist zu begnügen. Das wird so nicht stehenbleiben können. Darüber werden wir uns in weiterer Folge unterhalten, Anträge dazu einbringen und im Geschäftsordnungsausschuss und hier im Plenum eine Debatte darüber führen – wie auch immer. Abschließend möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die diese Reform möglich gemacht haben. Das sind vor allem die Fachreferenten unserer Klubs und die Kollegen und Kolleginnen in der Parlamentsdirektion. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Gerstl. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte.

ÖVP Wolfgang Gerstl

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Bereits in der vergangenen Legislaturperiode haben wir das Amtsgeheimnis abgeschafft und durch ein verfassungsgesetzlich gewährleistetes Recht auf Information ersetzt. Was bedeutet das? – Es steht somit im selben Grundrechtsrang wie das Recht auf Freiheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf die Privatsphäre und kann daher bis zum Verfassungsgerichtshof eingeklagt werden. Damit haben wir nach rund 100 Jahren einen grundlegenden Systemwechsel vollzogen: von der staatlichen Verschwiegenheit hin zu mehr Transparenz und Bürgernähe. Dieses Verfassungsgesetz tritt nun mit 1. September 2025 in Kraft. Die Transparenz wird zur Regel und die Geheimhaltung wird zur Ausnahme. Um dieser verfassungsgesetzlichen Lage gerecht zu werden, müssen jetzt rund 140 Einzelgesetze, Materiengesetze angepasst werden – so muss zum Beispiel im Strafgesetzbuch eine Regelung zur Amtsverschwiegenheit entsprechend angepasst werden –; aber auch die Verwaltung hat sich entsprechend vorbereiten müssen. Es sind Schulungen durchgeführt, neue Leitfäden ausgearbeitet und die Abläufe angepasst worden. Eines kann ich jedenfalls vorwegnehmen: Dieses Gesetz tritt mit all seinen notwendigen Anpassungen wie geplant mit 1. September in Kraft. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Ministerien, in allen Klubs hier im Parlament, aber wahrscheinlich auch in allen Landesregierungen, in allen Gemeinden, in allen Bezirkshauptmannschaften besonders bedanken, die das in akribischer Detailarbeit vorbereitet haben. (👏 ÖVP) Vielen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Beamtinnen und Beamten – Sie haben sich das verdient! Sie haben viel Arbeit geleistet, Sie mussten sehr genau sein, um diese Regelungen anzupassen. Das war keine Kleinigkeit. Sehr oft können die Bürgerinnen und Bürger nicht erkennen, wie viel Arbeit dahintersteckt, wenn wir hier ein Gesetz beschließen, daher gilt es, all diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier ein großes Danke zu sagen. (👏 ÖVP) Auch das Parlament unterliegt nun künftig diesem Grundsatz der vollständigen Transparenz. Künftig müssen alle Informationen von allgemeinem öffentlichem Interesse auch entsprechend kundgemacht und veröffentlicht werden, und zwar auf der Website des Parlaments. Die Verantwortung dafür tragen die Präsidenten beziehungsweise die Präsidentin des Nationalrates, wenn auch nicht ganz alleine, denn in grundsätzlichen Fragen hat der Präsident des Nationalrates auch die Präsidialkonferenz beizuziehen, um solche Fragen zu klären. Ich kann daher schon sagen: Auch für das Parlament gilt: Transparenz ist die Regel, Geheimhaltung ist die Ausnahme. Meine Kolleginnen und Kollegen werden im Laufe der heutigen Sitzung auch noch auf die weiteren Gesetzesänderungen näher eingehen, ich kann aber jetzt schon festhalten: Der österreichische Staat spielt damit künftig in der Champions League mit. Der Staat wird gläsern, nicht jedoch seine Bürgerinnen und Bürger. Geheimhaltung ist nur mehr in klar begründeten Ausnahmefällen möglich. Transparenz ist kein Risiko für den Staat, sie ist seine demokratische Stärke. Ich freue mich auf den 1. September und auf das Inkrafttreten des Informationsfreiheitsgesetzes. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Wotschke. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich stehe hier – muss ich ehrlich sagen – mit gemischten Gefühlen. Es ist absolut wichtig und essenziell, dass im Parlament jetzt Informationsfreiheit herrscht, dass wir das in der Legislative umsetzen, dass wir das auch in der Exekutive umsetzen, eben mit dem Informationsfreiheitsgesetz, das bereits beschlossen wurde, das wie bereits erwähnt auch mit 1. September 2025 in ganz Österreich in Kraft treten und dazu führen wird, dass wir vom Amtsgeheimnis einen Schritt wegmachen und hinkommen zu einer Transparenz, die die Bürgerinnen und Bürger in Österreich verdient haben. Vielleicht, um das kurz zeitlich einzuordnen, wo wir uns hier in Österreich befinden: In Schweden hat man im Jahr 1766 Informationsfreiheit in die Verfassung geschrieben, wir machen das im Jahr 2025. Wir hinken hier wirklich hinterher. Es ist ein erster guter und wichtiger Schritt, dass wir Informationsfreiheit verankern, aber – und da sind die gemischten Gefühle – das tun wir nicht flächendeckend in ganz Österreich. Es gibt eine ganz, ganz große Ausnahme, und diese große Ausnahme, was die Informationsfreiheit betrifft, sind die Gemeinden in Österreich. Wenn Sie in einer Gemeinde leben, die weniger als 5 000 Einwohnerinnen und Einwohner hat, dann haben Sie kein Recht auf Informationsfreiheit, dann haben Sie kein Recht, zu wissen, wie in dieser Gemeinde gearbeitet wird. Das ist eine riesige, riesige dunkle Masse. Jetzt kann man sich schon denken: Das sind doch nicht so viele Gemeinden – aber das wäre falsch. Das sind 1 834 Gemeinden in ganz Österreich! Zum Vergleich: In Österreich gibt es 2 093 Gemeinden. Das sind also ganze 80 Prozent, 84 Prozent sogar, und dort leben 40 Prozent der Einwohner in ganz Österreich – 40 Prozent, für die diese Informationsfreiheit eben nicht gilt. Sie gilt auch nicht bei Kammern und Sozialversicherungsträgern. Und wenn Sie keine juristisch profunden Kenntnisse haben, wenn Sie nicht wissen, wie Sie Ihr Recht umsetzen, auch dann wird es schwierig, denn die proaktiven Veröffentlichungspflichten gelten jetzt zwar im Parlament, in den Landtagen gelten sie aber nicht. Und wenn Sie aktiv Informationen anfordern, dann müssen Sie auch wissen, dass Sie dafür einen Bescheid brauchen, denn ohne Bescheid können Sie das Ganze nachher nicht bekämpfen. Das ist auch der Grund, wieso NEOS vor eineinhalb Jahren gegen das Informationsfreiheitsgesetz gestimmt hat: weil es eben nicht überall nur Transparenz bringt, sondern auch ganz, ganz große dunkle Flecken. Liebe Zuseher:innen, jetzt können Sie schon denken: Das ist harsche Kritik, es ist doch zumindest ein Schritt in die richtige Richtung gemacht worden. – Aber – und das ist der Haken an der Sache – was es in diesem Gesetzentwurf auch gibt, was es in der Informationsfreiheit insgesamt gibt, ist die sogenannte Ewigkeitsklausel. Das heißt, um das Informationsfreiheitsgesetz, das eben die Exekutive bindet, zu ändern, müssen alle neun Landeshauptleute zustimmen, und ob das so stattfinden wird, ist fraglich. Das heißt also, wir stehen hier mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist es großartig, dass im Parlament mehr Transparenz kommt, aber für uns NEOS gilt: Die muss es überall geben – in ganz Österreich, auch in kleinen Gemeinden. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Zadić. – Bitte, Frau Abgeordnete, Sie gelangen zu Wort. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Schritt für Schritt nähern wir uns dem Tag, an dem alle Menschen in unserem Land endlich – endlich! – ein einklagbares Recht auf Information bekommen – was für ein Meilenstein! Nach über 100 Jahren haben wir in der letzten Legislaturperiode endlich dieses elende Amtsgeheimnis abgeschafft, und ich glaube, das ist wirklich ein Meilenstein, den wir abfeiern können. (👏) Ja, die Abschaffung des Amtsgeheimnisses wurde von mehreren Parteien immer wieder versprochen, aber wir haben sie in der letzten Legislaturperiode umgesetzt – Grün hat Wort gehalten, wir haben das Amtsgeheimnis abgeschafft. (👏) Ja, lange genug haben die Behörden und die Ministerien die Möglichkeit gehabt, jede Anfrage mit dem Verweis auf das Amtsgeheimnis abzutun, aber jetzt gibt es eine Auskunftspflicht, und das ist ein Paradigmenwechsel. Behörden müssen von sich aus Informationen veröffentlichen – über eine zentrale Website, transparent und auffindbar. Ich hoffe wirklich, dass diese zentrale Website vom Bundeskanzleramt auch rechtzeitig umgesetzt wird, sodass die Bürgerinnen und Bürger ab September tatsächlich auch Informationen abrufen können, so wie es gesetzlich verankert wurde. Zusätzlich gibt es auch ein Jedermannsrecht: Das heißt, jeder und jede kann Auskunft verlangen, die Verwaltung muss antworten. Wenn sie es nicht tut, dann kann man auch dagegen Beschwerde erheben. Das gilt auch für die Gemeinden, die meine Kollegin von den NEOS vorhin erwähnt hat: Auch von den Gemeinden kann man Auskunft verlangen. Übrigens, Frau Abgeordnete Wotschke, wenn Sie etwas ändern wollen: Sie sitzen ja in der Regierung. Ich freue mich auf diesen Abänderungsantrag, mit dem Sie das Informationsfreiheitsgesetz anpassen, wenn gewünscht. Information darf kein Privileg sein. Sie ist die Grundlage für Kontrolle, für Beteiligung und für Vertrauen, denn dort, wo Offenheit herrscht, wächst auch das Vertrauen – das Vertrauen in die Politik, das Vertrauen in die Verwaltung. Letzten Endes stärkt das auch unsere Demokratie. – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/24.1 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 1: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Geschäftsordnungsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 124 der Beilagen. Da es sich bei dem vorliegenden Gesetzentwurf um eine Änderung des Geschäftsordnungsgesetzes handelt, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 2 der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf ihre Zustimmung erteilen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig der Fall. Gemäß § 108 der Geschäftsordnung kann die dritte Lesung des vorliegenden Gesetzentwurfes frühestens 24 Stunden nach Abschluss dieser zweiten Lesung stattfinden. RN/24.2 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Informationsordnungsgesetz und das Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 125 der Beilagen. Da es sich bei dem vorliegenden Gesetzentwurf um eine Änderung des Informationsordnungsgesetzes handelt, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 2a der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf ihre Zustimmung erteilen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist ebenfalls einstimmig angenommen. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Informationsordnungsgesetz und Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetz

125 d.B. · Antrag vonFPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE · Initiativantrag 323/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜR

Zusammenfassung

Das Informationsordnungsgesetz wird an die neue Verfassungsbestimmung zur Informationsfreiheit (Art. 22a B-VG) angepasst, indem die Gründe für die Klassifizierung von Informationen an die dort taxativ genannten Geheimhaltungsgründe angeglichen werden. Das Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetz wird terminologisch angepasst, indem die bisherige Bezugnahme auf „Verschwiegenheitsverpflichtungen“ im Lichte des Wegfalls der Amtsverschwiegenheit (ab 1.9.2025) aktualisiert wird.

Betroffen sind die Einstufung und Behandlung klassifizierter Informationen im Parlament (Nationalrat/Bundesrat) sowie die Verschwiegenheits- bzw. Geheimhaltungspflichten von Parlamentsmitarbeiterinnen und Parlamentsmitarbeitern.

Dokumente

Informationsordnungsgesetz und Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetz

Ziel und Anlass der Gesetzesänderungen

  • Anpassung zweier Bundesgesetze (Informationsordnungsgesetz und Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetz) an die verfassungsrechtliche Umstellung von „Amtsverschwiegenheit“ (Art. 20 Abs. 3 B-VG) auf „Informationsfreiheit“ samt neuem Art. 22a B-VG (BGBl. I Nr. 5/2024).
  • Begriffliche und inhaltliche Harmonisierung der einschlägigen Schutz- und Geheimhaltungsgründe mit den neuen, verfassungsrechtlich taxativ geregelten Geheimhaltungsgründen.

Artikel 1: Änderung des Informationsordnungsgesetzes (InfOG) – Anpassung der Klassifizierungsgründe

  • Bisher orientierten sich die öffentlichen und privaten Interessen, die eine Klassifizierung nach § 4 Abs. 1 InfOG rechtfertigen, an den Geheimhaltungsgründen der (nun entfallenen) Amtsverschwiegenheit nach Art. 20 Abs. 3 B-VG.
  • Durch den Entfall des Art. 20 Abs. 3 B-VG und die Einführung des Art. 22a B-VG ist eine begriffliche Anpassung erforderlich: Die Klassifizierungsgründe des InfOG sollen künftig den Geheimhaltungsgründen des Art. 22a Abs. 2 zweiter Satz B-VG entsprechen.
  • Art. 22a Abs. 2 zweiter Satz B-VG enthält eine taxative (abschließende) Aufzählung von Geheimhaltungsgründen; Art. 30 Abs. 7 B-VG verweist für Ausnahmen von der Veröffentlichungspflicht des Nationalrates und Bundesrates auf diese Bestimmung.

Klassifizierung und Informationsfluss an Nationalrat/Bundesrat trotz Informationsfreiheit

  • Klarstellung des verfassungsrechtlichen Zusammenspiels: Art. 22a Abs. 2 B-VG gilt gegenüber Nationalrat und Bundesrat nicht; Verwaltungsorgane können sich daher gegenüber Dritten auf die Geheimhaltungsgründe berufen, nicht aber gegenüber Nationalrat/Bundesrat.
  • Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass Informationen, die solche Geheimhaltungsgründe berühren, dem Nationalrat und Bundesrat bei Bedarf dennoch übermittelt werden können – dann in klassifizierter Form.
  • Die Klassifizierung dient dazu, den Informationszugang für die parlamentarische Kontrolle zu ermöglichen, während Veröffentlichung oder Weitergabe an Dritte ausgeschlossen bleibt.

Grenzen der Informationserteilung an Nationalrat/Bundesrat und Rolle der Interessenabwägung

  • In welchen Fällen eine Information auch an Nationalrat/Bundesrat unterbleiben kann, ergibt sich aus spezifischen Regelungen, insbesondere: Art. 52 Abs. 3a B-VG, Art. 53 Abs. 3 zweiter Satz und Abs. 4 B-VG, § 91 Geschäftsordnungsgesetz 1975 sowie § 59 Geschäftsordnung des Bundesrates.
  • Die Materialien zu Art. 52 Abs. 3a B-VG gehen davon aus, dass in den Fällen der Z 1, Z 2 und Z 4 – ebenso wie nach Art. 53 Abs. 3 zweiter Satz und Abs. 4 B-VG – keine Information an Nationalrat bzw. Bundesrat erteilt werden muss.
  • Z 3 des Art. 52 Abs. 3a B-VG verlangt hingegen eine Interessenabwägung; diese kann ergeben, dass Geheimhaltung zwar gegenüber der Öffentlichkeit erforderlich ist, nicht aber gegenüber Nationalrat/Bundesrat.
  • Für solche Fälle wird die Möglichkeit hervorgehoben, eine Klassifizierung im Interesse „überwiegender berechtigter Interessen eines anderen“ vorzunehmen, um die Übermittlung an das Parlament zu ermöglichen, ohne öffentliche Weitergabe zuzulassen.

Artikel 2: Änderung des Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetzes – Anpassung der Terminologie

  • Der bisher verwendete Begriff „Verschwiegenheitsverpflichtungen“ bezog sich auf zwei Grundlagen: (1) das Grundrecht auf Datenschutz gemäß § 1 Datenschutzgesetz (DSG) und (2) die Amtsverschwiegenheit gemäß Art. 20 Abs. 3 B-VG.
  • Da die Amtsverschwiegenheit mit 1.9.2025 durch die Informationsfreiheit ersetzt wird, erfolgt eine begriffliche Anpassung im Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetz.
  • Die Anpassung soll zugleich terminologisch besser zum Grundrecht auf Datenschutz passen.

Informationsordnungsgesetz und Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetz

~10 min Lesezeit
Dafür: SPÖFPÖÖVPNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Norbert Nemeth

Herr Präsident! Hohes Haus! Mit dem vorliegenden Antrag implementieren wir die Informationsfreiheit in die Geschäftsordnung des Nationalrates. Im Wesentlichen sieht diese Lösung vor, dass Informationen von allgemeinem Interesse auf der Homepage des Nationalrates hinkünftig abgebildet sein müssen. Was sind Informationen von allgemeinem Interesse? – Ich kann aus der Präsidiale berichten, dass der Präsident dazu bereits ein umfangreiches Papier vorgelegt hat, in dem detailliert geregelt ist, welche Informationen in welcher Art und Weise veröffentlicht werden müssen. Dadurch ist gewährleistet, dass ab 1. September die Informationsfreiheit jedenfalls im Bereich des Parlaments umgesetzt sein wird. Das ist eine gute Nachricht für alle Bürger, die ein besonderes Interesse an unserer Arbeit haben, das ist eine gute Nachricht für alle, die wissenschaftlich arbeiten, und es ist aber vor allem auch eine gute Nachricht für all diejenigen, die sich verstärkt um die direkte Demokratie in Österreich kümmern wollen und daran teilnehmen wollen. Die direkte Demokratie in Österreich boomt, wir haben seit 2020 mehr Volksbegehren eingebracht als im Zeitraum 1960 bis 2020. Das ist meiner Partei ein besonderes Anliegen, zumal wir in unserem Wahlprogramm ein sehr umfangreiches Konzept zur Stärkung der direkten Demokratie vorgelegt haben, wohingegen sich im Regierungsprogramm der Ampelkoalition über die Stärkung der direkten Demokratie keine einzige Silbe findet, was eigentlich eine Schande ist. Wir haben aber noch eine andere juristische Inflation festzustellen: die Inflation an Geschäftsordnungsänderungen. Die Geschäftsordnung des Nationalrates gehört zum ältesten Rechtsbestand der Republik, sie wurde bereits 1920 beschlossen. In der vorliegenden Form wurde sie 1975 beschlossen, und seither haben wir diese Geschäftsordnung 29 Mal geändert; allein in der letzten Gesetzgebungsperiode sieben Mal. Die gesamte Erste Republik ist mit fünf Änderungen ausgekommen. Es gibt Änderungen, die zu begrüßen sind, es gibt welche, die völlig überflüssig sind. Überflüssig sind vor allem jene, bei denen wir relativ unreflektiert EU-Recht inkorporieren. Das führt lediglich dazu, dass wir totes Recht erzeugen und die Lesbarkeit unserer Geschäftsordnung mindern, was abzulehnen ist. Wie auch immer – diese Änderung ist jedenfalls zu begrüßen. Worüber man sich in Zukunft wird unterhalten müssen, ist die Problematik der Beantwortungsfristen. Sie wissen, nach dem Informationsfreiheitsgesetz hat jedermann das Recht, binnen vier Wochen eine Antwort zu erhalten. Der Abgeordnete, der im Rahmen seines Interpellationsrechtes eine Anfrage stellt, hat sich hingegen mit acht Wochen Antwortfrist zu begnügen. Das wird so nicht stehenbleiben können. Darüber werden wir uns in weiterer Folge unterhalten, Anträge dazu einbringen und im Geschäftsordnungsausschuss und hier im Plenum eine Debatte darüber führen – wie auch immer. Abschließend möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die diese Reform möglich gemacht haben. Das sind vor allem die Fachreferenten unserer Klubs und die Kollegen und Kolleginnen in der Parlamentsdirektion. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Gerstl. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte.

ÖVP Wolfgang Gerstl

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Bereits in der vergangenen Legislaturperiode haben wir das Amtsgeheimnis abgeschafft und durch ein verfassungsgesetzlich gewährleistetes Recht auf Information ersetzt. Was bedeutet das? – Es steht somit im selben Grundrechtsrang wie das Recht auf Freiheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf die Privatsphäre und kann daher bis zum Verfassungsgerichtshof eingeklagt werden. Damit haben wir nach rund 100 Jahren einen grundlegenden Systemwechsel vollzogen: von der staatlichen Verschwiegenheit hin zu mehr Transparenz und Bürgernähe. Dieses Verfassungsgesetz tritt nun mit 1. September 2025 in Kraft. Die Transparenz wird zur Regel und die Geheimhaltung wird zur Ausnahme. Um dieser verfassungsgesetzlichen Lage gerecht zu werden, müssen jetzt rund 140 Einzelgesetze, Materiengesetze angepasst werden – so muss zum Beispiel im Strafgesetzbuch eine Regelung zur Amtsverschwiegenheit entsprechend angepasst werden –; aber auch die Verwaltung hat sich entsprechend vorbereiten müssen. Es sind Schulungen durchgeführt, neue Leitfäden ausgearbeitet und die Abläufe angepasst worden. Eines kann ich jedenfalls vorwegnehmen: Dieses Gesetz tritt mit all seinen notwendigen Anpassungen wie geplant mit 1. September in Kraft. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Ministerien, in allen Klubs hier im Parlament, aber wahrscheinlich auch in allen Landesregierungen, in allen Gemeinden, in allen Bezirkshauptmannschaften besonders bedanken, die das in akribischer Detailarbeit vorbereitet haben. (👏 ÖVP) Vielen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Beamtinnen und Beamten – Sie haben sich das verdient! Sie haben viel Arbeit geleistet, Sie mussten sehr genau sein, um diese Regelungen anzupassen. Das war keine Kleinigkeit. Sehr oft können die Bürgerinnen und Bürger nicht erkennen, wie viel Arbeit dahintersteckt, wenn wir hier ein Gesetz beschließen, daher gilt es, all diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier ein großes Danke zu sagen. (👏 ÖVP) Auch das Parlament unterliegt nun künftig diesem Grundsatz der vollständigen Transparenz. Künftig müssen alle Informationen von allgemeinem öffentlichem Interesse auch entsprechend kundgemacht und veröffentlicht werden, und zwar auf der Website des Parlaments. Die Verantwortung dafür tragen die Präsidenten beziehungsweise die Präsidentin des Nationalrates, wenn auch nicht ganz alleine, denn in grundsätzlichen Fragen hat der Präsident des Nationalrates auch die Präsidialkonferenz beizuziehen, um solche Fragen zu klären. Ich kann daher schon sagen: Auch für das Parlament gilt: Transparenz ist die Regel, Geheimhaltung ist die Ausnahme. Meine Kolleginnen und Kollegen werden im Laufe der heutigen Sitzung auch noch auf die weiteren Gesetzesänderungen näher eingehen, ich kann aber jetzt schon festhalten: Der österreichische Staat spielt damit künftig in der Champions League mit. Der Staat wird gläsern, nicht jedoch seine Bürgerinnen und Bürger. Geheimhaltung ist nur mehr in klar begründeten Ausnahmefällen möglich. Transparenz ist kein Risiko für den Staat, sie ist seine demokratische Stärke. Ich freue mich auf den 1. September und auf das Inkrafttreten des Informationsfreiheitsgesetzes. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Wotschke. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich stehe hier – muss ich ehrlich sagen – mit gemischten Gefühlen. Es ist absolut wichtig und essenziell, dass im Parlament jetzt Informationsfreiheit herrscht, dass wir das in der Legislative umsetzen, dass wir das auch in der Exekutive umsetzen, eben mit dem Informationsfreiheitsgesetz, das bereits beschlossen wurde, das wie bereits erwähnt auch mit 1. September 2025 in ganz Österreich in Kraft treten und dazu führen wird, dass wir vom Amtsgeheimnis einen Schritt wegmachen und hinkommen zu einer Transparenz, die die Bürgerinnen und Bürger in Österreich verdient haben. Vielleicht, um das kurz zeitlich einzuordnen, wo wir uns hier in Österreich befinden: In Schweden hat man im Jahr 1766 Informationsfreiheit in die Verfassung geschrieben, wir machen das im Jahr 2025. Wir hinken hier wirklich hinterher. Es ist ein erster guter und wichtiger Schritt, dass wir Informationsfreiheit verankern, aber – und da sind die gemischten Gefühle – das tun wir nicht flächendeckend in ganz Österreich. Es gibt eine ganz, ganz große Ausnahme, und diese große Ausnahme, was die Informationsfreiheit betrifft, sind die Gemeinden in Österreich. Wenn Sie in einer Gemeinde leben, die weniger als 5 000 Einwohnerinnen und Einwohner hat, dann haben Sie kein Recht auf Informationsfreiheit, dann haben Sie kein Recht, zu wissen, wie in dieser Gemeinde gearbeitet wird. Das ist eine riesige, riesige dunkle Masse. Jetzt kann man sich schon denken: Das sind doch nicht so viele Gemeinden – aber das wäre falsch. Das sind 1 834 Gemeinden in ganz Österreich! Zum Vergleich: In Österreich gibt es 2 093 Gemeinden. Das sind also ganze 80 Prozent, 84 Prozent sogar, und dort leben 40 Prozent der Einwohner in ganz Österreich – 40 Prozent, für die diese Informationsfreiheit eben nicht gilt. Sie gilt auch nicht bei Kammern und Sozialversicherungsträgern. Und wenn Sie keine juristisch profunden Kenntnisse haben, wenn Sie nicht wissen, wie Sie Ihr Recht umsetzen, auch dann wird es schwierig, denn die proaktiven Veröffentlichungspflichten gelten jetzt zwar im Parlament, in den Landtagen gelten sie aber nicht. Und wenn Sie aktiv Informationen anfordern, dann müssen Sie auch wissen, dass Sie dafür einen Bescheid brauchen, denn ohne Bescheid können Sie das Ganze nachher nicht bekämpfen. Das ist auch der Grund, wieso NEOS vor eineinhalb Jahren gegen das Informationsfreiheitsgesetz gestimmt hat: weil es eben nicht überall nur Transparenz bringt, sondern auch ganz, ganz große dunkle Flecken. Liebe Zuseher:innen, jetzt können Sie schon denken: Das ist harsche Kritik, es ist doch zumindest ein Schritt in die richtige Richtung gemacht worden. – Aber – und das ist der Haken an der Sache – was es in diesem Gesetzentwurf auch gibt, was es in der Informationsfreiheit insgesamt gibt, ist die sogenannte Ewigkeitsklausel. Das heißt, um das Informationsfreiheitsgesetz, das eben die Exekutive bindet, zu ändern, müssen alle neun Landeshauptleute zustimmen, und ob das so stattfinden wird, ist fraglich. Das heißt also, wir stehen hier mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist es großartig, dass im Parlament mehr Transparenz kommt, aber für uns NEOS gilt: Die muss es überall geben – in ganz Österreich, auch in kleinen Gemeinden. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Zadić. – Bitte, Frau Abgeordnete, Sie gelangen zu Wort. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Schritt für Schritt nähern wir uns dem Tag, an dem alle Menschen in unserem Land endlich – endlich! – ein einklagbares Recht auf Information bekommen – was für ein Meilenstein! Nach über 100 Jahren haben wir in der letzten Legislaturperiode endlich dieses elende Amtsgeheimnis abgeschafft, und ich glaube, das ist wirklich ein Meilenstein, den wir abfeiern können. (👏) Ja, die Abschaffung des Amtsgeheimnisses wurde von mehreren Parteien immer wieder versprochen, aber wir haben sie in der letzten Legislaturperiode umgesetzt – Grün hat Wort gehalten, wir haben das Amtsgeheimnis abgeschafft. (👏) Ja, lange genug haben die Behörden und die Ministerien die Möglichkeit gehabt, jede Anfrage mit dem Verweis auf das Amtsgeheimnis abzutun, aber jetzt gibt es eine Auskunftspflicht, und das ist ein Paradigmenwechsel. Behörden müssen von sich aus Informationen veröffentlichen – über eine zentrale Website, transparent und auffindbar. Ich hoffe wirklich, dass diese zentrale Website vom Bundeskanzleramt auch rechtzeitig umgesetzt wird, sodass die Bürgerinnen und Bürger ab September tatsächlich auch Informationen abrufen können, so wie es gesetzlich verankert wurde. Zusätzlich gibt es auch ein Jedermannsrecht: Das heißt, jeder und jede kann Auskunft verlangen, die Verwaltung muss antworten. Wenn sie es nicht tut, dann kann man auch dagegen Beschwerde erheben. Das gilt auch für die Gemeinden, die meine Kollegin von den NEOS vorhin erwähnt hat: Auch von den Gemeinden kann man Auskunft verlangen. Übrigens, Frau Abgeordnete Wotschke, wenn Sie etwas ändern wollen: Sie sitzen ja in der Regierung. Ich freue mich auf diesen Abänderungsantrag, mit dem Sie das Informationsfreiheitsgesetz anpassen, wenn gewünscht. Information darf kein Privileg sein. Sie ist die Grundlage für Kontrolle, für Beteiligung und für Vertrauen, denn dort, wo Offenheit herrscht, wächst auch das Vertrauen – das Vertrauen in die Politik, das Vertrauen in die Verwaltung. Letzten Endes stärkt das auch unsere Demokratie. – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/24.1 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 1: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Geschäftsordnungsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 124 der Beilagen. Da es sich bei dem vorliegenden Gesetzentwurf um eine Änderung des Geschäftsordnungsgesetzes handelt, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 2 der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf ihre Zustimmung erteilen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig der Fall. Gemäß § 108 der Geschäftsordnung kann die dritte Lesung des vorliegenden Gesetzentwurfes frühestens 24 Stunden nach Abschluss dieser zweiten Lesung stattfinden. RN/24.2 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Informationsordnungsgesetz und das Parlamentsmitarbeiterinnen- und Parlamentsmitarbeitergesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 125 der Beilagen. Da es sich bei dem vorliegenden Gesetzentwurf um eine Änderung des Informationsordnungsgesetzes handelt, stelle ich zunächst im Sinne des § 82 Abs. 2 Z 2a der Geschäftsordnung die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf ihre Zustimmung erteilen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist ebenfalls einstimmig angenommen. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Börsegesetz 2018 und Wertpapieraufsichtsgesetz 2018

138 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 131 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Das Börsegesetz 2018 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 werden geändert, um den EU‑„MiFID II Review“ (RL (EU) 2024/790 und VO (EU) 2024/791) umzusetzen. Beschlossen werden u.a. Regeln für ein EU‑weites konsolidiertes Datenband, ein Verbot von „payment for order flow“ in Österreich sowie Anpassungen bei Transparenz-, Handels- und Synchronisierungsvorgaben (Inkrafttreten: 29.09.2025).

Betroffen sind Wertpapierfirmen und Broker, Handelsplätze/Börsen, Marktteilnehmer im Wertpapier- und Derivatehandel sowie Anleger:innen, die von mehr Transparenz und dem PFOF‑Verbot erfasst werden.

Dokumente

Börsegesetz 2018 und Wertpapieraufsichtsgesetz 2018

Gegenstand und Ziel des Gesetzentwurfs

  • Änderung des Börsegesetzes 2018 (BörseG 2018) und des Wertpapieraufsichtsgesetzes 2018 (WAG 2018).
  • Umsetzung der Richtlinie (EU) 2024/790 zur Änderung der Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II).
  • Berücksichtigung des Wirksamwerdens der Verordnung (EU) 2024/791 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 (MiFIR) betreffend Datentransparenz, konsolidierte Datenticker, Handelspflichten und PFOF-Verbot in Österreich.
  • Die Unionsrechtsakte werden als „MiFID II Review“ bezeichnet und sind Ergebnis des sogenannten KMU-Aktionsplans zur Überarbeitung der Transparenzbestimmungen an den Wertpapiermärkten.

Zentrale Neuerungen aus Richtlinie (EU) 2024/790 und Verordnung (EU) 2024/791

  • Einrichtung eines EU-weiten konsolidierten Datenbandes (EU-Consolidated Tape) für zeitnahen, transparenten Zugang zu Marktdaten und einen Gesamtüberblick über Handelsbedingungen in der gesamten EU für alle Anleger:innen.
  • Verbot von „payment for order flow“ (PFOF): Untersagung der Praxis, dass Broker Aufträge von Privatkund:innen gegen Vergütung an bestimmte Ausführungsplätze weiterleiten (Verbot der Annahme von Rückvergütungen für die Weiterleitung von Wertpapieraufträgen in Österreich).
  • Möglichkeit zur Aussetzung der Handelspflicht für Derivate: auf Antrag der zuständigen Behörde eines Mitgliedstaats kann die Europäische Kommission die Handelspflicht im Wege eines Durchführungsrechtsakts aussetzen.
  • Ausnahme von der Pflicht zur Zulassung als Wertpapierfirma oder Kreditinstitut für Personen, die auf eigene Rechnung handeln und direkten elektronischen Zugang zu einem Handelsplatz haben.
  • Harmonisierung der Synchronisierung von im Geschäftsverkehr verwendeten Uhren.
  • Vereinfachung der Grenze für die Ausnahme von der Vorhandelstransparenz bei Eigenkapitalinstrumenten: Ersetzung des „double volume cap mechanism“ (4% je Handelsplatz und 8% EU-weit, jeweils bezogen auf die letzten 12 Monate) durch eine einzelne Schwelle (EU-weit 7% des gesamten Handelsvolumens des betreffenden Finanzinstruments in der EU).
  • Stärkere Vereinheitlichung der Vor- und Nachhandelstransparenz: Abschaffung des Ermessensspielraums der zuständigen Behörden hinsichtlich Aufschüben von Veröffentlichungen.

Inkrafttreten

  • Die Änderungen des BörseG 2018 und des WAG 2018 zur Umsetzung des MiFID II Reviews sollen mit 29. September 2025 in Kraft treten.

Kompetenzgrundlage

  • Der Entwurf stützt sich auf Art. 10 Abs. 1 Z 5 B-VG (Börse- und Bankwesen).

Börsegesetz 2018 und Wertpapieraufsichtsgesetz 2018

~28 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hubert Fuchs

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Ich spreche zu TOP 5, zur Novellierung des Immobilien-Investmentfondsgesetzes. Manche von uns können sich vielleicht noch an das Jahr 2021 erinnern: Damals haben wir bereits eine Novellierung vorgenommen, und da wurde im Immobilien-Investmentfondsgesetz für Kleinanleger eine Mindestbehaltefrist und eine Rückgabefrist eingeführt, was eine erhebliche Schlechterstellung für Kleinanleger bewirkte. Für eine diesbezügliche Änderung der Fondsbestimmungen musste bisher eine einjährige Veröffentlichungsfrist eingehalten werden, was wiederum ein Vorteil für die Kleinanleger war, weil sie dadurch eine zeitlich angemessene Möglichkeit zur Rückgabe beziehungsweise zum Verkauf ihrer Anteile hatten. Diese einjährige Schutzfrist soll mit der heutigen Novelle auf eine Dreimonatsfrist verkürzt werden, was eine erhebliche Schlechterstellung für Kleinanleger beziehungsweise Konsumenten bedeutet. Von einer derartigen Verkürzung der Schutzfrist profitieren lediglich die Immobilienkapitalanlagegesellschaften. Zum Schutze der Kleinanleger beziehungsweise der Konsumenten werden wir Freiheitliche daher gegen diese Novelle stimmen. (👏 FPÖ) Seit gestern ist es fix: Der Ecofin-Rat hat die Einleitung eines Defizitverfahrens gegen die Republik Österreich beschlossen. Die Republik verliert damit einen Teil ihrer Budgethoheit. Die von der Einheitspartei verursachte Einleitung eines Defizitverfahrens bedeutet eine Besachwalterung durch Brüssel und wird das Vertrauen der Finanzmärkte in die Republik nicht fördern – ein Imageverlust. Die Kreditwürdigkeit der Republik wurde von der Ratingagentur Fitch bereits herabgestuft, und dieser Vertrauensverlust durch eine Ratingagentur bedeutet natürlich mittelfristig massiv höhere Ausgaben für Zinsen. Die Verliererkoalition hat damit aber nicht nur ein Versprechen in ihrem Regierungsprogramm gebrochen – wir alle erinnern uns an das Wording im Regierungsprogramm: „Uns eint jedenfalls das Ziel, ein Defizitverfahren zu verhindern“ –, sondern hat mit dem im Juli beschlossenen Budgetpfad, dem Doppelbudget beziehungsweise dem Bundesfinanzrahmengesetz, bereits ein weiteres Versprechen gebrochen: Bereits heute wissen wir, dass die mit der Europäischen Kommission akkordierte notwendige Unterschreitung der 3-Prozent-Defizit-Obergrenze im Jahr 2028 laut Fiskalprognose nicht erreicht werden wird. Die Verliererkoalition, allen voran unser Finanzminister, will aber die budgetären Fakten nicht wahrhaben und redet sich den Budgetpfad, den der Fiskalrat als „deutlich überschätzt“ und „unambitioniert“ bezeichnet hat, schön. Finanzminister Marterbauer hat für die berechtigte Kritik des Fiskalrates folgende Ausrede parat – ich zitiere –: Wir – also die Bundesregierung – haben eine „Reihe von Maßnahmen“ eingestellt, die noch nicht konkretisiert sind und die der Fiskalrat daher in seine Berechnungen nicht aufnehmen kann. Nun muss man aber den ganzen Bericht des Fiskalrates lesen: Im Bericht des Fiskalrates über die Einhaltung der Fiskalregeln wird eindeutig festgehalten, dass selbst „bei vollständiger Umsetzung des geplanten Konsolidierungspfades“ die 3-Prozent-Defizit-Obergrenze „überschritten“ wird und zusätzliche „Konsolidierungsmaßnahmen [...] unumgänglich“ sind. Erinnern wir uns an die Budgetrede des Finanzministers, in der es um die Transparenz ging! Er meinte damals: „Wir legen dem Hohen Haus und den Bürgerinnen und Bürgern des Landes die aktuelle Lage des Budgets transparent und nach bestem Wissen und Gewissen vor, ohne irgendetwas zu beschönigen.“ – Aber genau das macht der Herr Finanzminister. (👏 FPÖ) Laut der Alternativberechnung des Fiskalrates werden wir 2028 ein Defizit von 3,3 Prozent des BIPs haben und 2029 eines in Höhe von 3,2 Prozent des BIPs. Das BMF, sprich der Finanzminister, hat die Werte schöngerechnet und kommt 2028 auf 3 Prozent und 2029 auf 2,8 Prozent. Wir werden uns in diesen Jahren noch an heute erinnern, und der Fiskalrat wird recht bekommen. Sollten wir 2028 wie geplant aus dem defizitbasierten ÜD-Verfahren herauskommen, wie sich das der Herr Finanzminister vorstellt, dann wird die EU sofort ein weiteres Defizitverfahren gegen die Republik Österreich einleiten, und zwar das schuldenbasierte ÜD-Verfahren. Der Herr Finanzminister, und damit die Verliererkoalition, hat nämlich nicht nur das Defizit nicht im Griff, sondern auch nicht die Staatsschulden. Diese Verliererkoalition wird unser Land weiter herunterwirtschaften und den budgetären Scherbenhaufen, den uns Schwarz-Grün hinterlassen hat, nur noch weiter vergrößern. (👏 FPÖ) Eine echte und nachhaltige Budgetsanierung, und zwar ohne Besachwalterung durch Brüssel, ist nur unter einem Volkskanzler Herbert Kickl möglich. ( Heiterkeit des Abg. Gödl [ÖVP]. ) – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Krainer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bevor ich mit meiner Rede beginne, darf ich im Namen meines Kollegen Baumann die Lehrlinge und die Ausbildner der Linz AG sehr herzlich im Hohen Haus begrüßen. – Danke, dass ihr da seid! ( Allgemeiner Beifall. ) Für die, die sich die Frage stellen, wofür das F im Parteinamen FPÖ steht: wahrscheinlich auch für Fake News – zumindest ist das, was wir hier von Kollegen Fuchs gehört haben, ein Beispiel dafür. Wenn er von „Besachwalterung“ spricht, dann sagt er etwas, das nichts mit der Realität zu tun hat. Ein ÜD-Verfahren ist ein normales Verfahren. Österreich hatte das bereits; wir waren damals nicht besachwaltet und sind es heute nicht. Das Einzige, das stimmt, ist, dass die budgetäre Situation, die dieses Parlament auch vom Vorgängerparlament geerbt hat, keine gute ist, sondern dass wir eine sehr herausfordernde Zeit haben, dieses Budget zu konsolidieren. Die F macht Kindesweglegung …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

FPÖ heißen wir, nicht F! FPÖ, nicht F!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Mit den Vorschlägen, die Sie selber noch im Jänner gemacht haben – da gab es sogar eine Pressekonferenz, bei der Kollege Fuchs die Sparvorschläge vorgestellt hat; Herr Kickl hat sie auch gleich unterschrieben –, wollen heute weder Fuchs noch Kickl etwas zu tun haben. Das ist halt natürlich keine seriöse Politik, die Sie hier betreiben, insofern war Ihre Rede auch nicht seriös und eigentlich auch gar nicht wirklich zur Sache.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Das sagt der Richtige!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Worum geht es hier in der Sache? – Es geht darum, dass wir hier Verordnungen beziehungsweise Richtlinien der Europäischen Union, die den Kapitalmarkt betreffen, in nationales Recht umsetzen. Das ist gut und richtig so. Das, was uns nur allen klar sein muss, ist, dass wir einen funktionierenden europäischen Kapitalmarkt brauchen. Österreich selber ist viel zu klein, und, ich sage einmal, die Risikoaversität jener, die viel Geld haben, ist sichtbar. Insofern können wir nur davon profitieren, wenn es einen funktionierenden europäischen Kapitalmarkt gibt, weil nicht alle in Europa, die viel Geld haben, so risikoavers sind wie die Österreicherinnen und Österreicher, die viel Geld haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ein Nachteil – und damit bringe ich ein Thema, das dazugehört und das sehr kontroversiell ist; das mache ich absichtlich – ist die sogenannte KIM-VO. Das ist etwas, bei dem es ja nicht nur so ist, dass die Regierungsparteien da unterschiedlicher Meinung sind, es ist ja nicht nur so, dass die Oppositionsparteien da unterschiedlicher Meinung sind, nein, auch innerhalb der einzelnen Parteien gibt es da unterschiedliche Meinungen. Ich bin der Meinung, dass man sich da die Fakten einfach selber anschauen soll. Was ist das Problem, vor dem wir stehen? – Erstens, sage ich einmal, ist es so, dass man ja, wenn ein Schaden passiert, aus dem Schaden klug werden soll, und die Finanzkrise hat uns gelehrt, dass man nicht Kredite an Menschen in einer Höhe vergeben soll, bei der die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese zurückzahlen können, nicht besonders hoch ist oder zumindest gefährdet ist. Besonders schön ist es aber, wenn man nicht den Schaden hat, sondern aus dem Schaden anderer klug wird, denn dann hat man die Erkenntnis, aber nicht den Schaden. Das ist an und für sich das, was wir aus der Finanzkrise gelernt haben: Gib nicht Menschen einen Kredit, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn zurückzahlen können, nicht zumindest 100 Prozent oder 99 Prozent oder 98 Prozent ist, sondern bei denen es vor allem bei steigender Arbeitslosigkeit zu Problemen kommen kann. Das, was in Österreich passiert ist, ist, dass wir bei Immobilien natürlich einen wahnsinnigen Preisauftrieb gehabt haben. Die Immobilienpreise haben sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt – verdoppelt! –; die Löhne und Gehälter sind aber nicht um 100 Prozent gestiegen, sondern nur um 50 Prozent. Das heißt, die Leistbarkeit von Immobilien ist massiv zurückgegangen. Dann haben die Banken begonnen, die Kredite nicht nachhaltig zu vergeben. Vor fünf, sechs Jahren sind 90 Prozent der Kredite so vergeben worden, dass sie nicht nachhaltig waren – 90 Prozent. Dann haben – vollkommen richtig – das Finanzministerium und so weiter – da sind nicht wir gesessen –, das Finanzmarktstabilitätsgremium, in dem alle möglichen Experten drinnen sitzen, gesagt: Nein, die Banken müssen die Kredite nachhaltig vergeben. – Diese KIM-VO ist eingeführt worden, und das hat dazu geführt, dass heute nicht 90 Prozent der Kredite nicht nachhaltig, sondern 90 Prozent nachhaltig vergeben werden. Und sind die Kredite, die vergeben wurden, jetzt auf null gestellt worden? – Nein, sie sind in den letzten Monaten trotz dieser KIM-Verordnung sogar um 70 Prozent gestiegen. Das Problem, das wir im leistbaren Wohnbau haben, sind die hohen Preise, und ich habe manchmal den Eindruck, dass manche, die diese KIM-Verordnung kritisieren, in Wahrheit ein bisschen von eigenen Fehlern, die sie vielleicht gemacht haben, ablenken wollen. Schauen wir uns nämlich Folgendes an: Betreffend leistbaren Wohnraum ist eines der wichtigsten Kriterien oder eines der wichtigsten Instrumente, die die Politik hat, die Wohnbauförderung. Früher, vor 25 Jahren, hat es da ja eine Zweckbindung gegeben: Die Länder bekamen das Geld, und sie waren verpflichtet, das Geld auch dafür auszugeben. Das ist aufgehoben worden – für die, die das historisch wissen wollen: vor circa 25 Jahren waren die Freiheitlichen und die ÖVP in der Regierung –, und seitdem haben sich die Gelder der Wohnbauförderung gedrittelt – gedrittelt! Für 1 Euro, der früher für die Wohnbauförderung ausgegeben wurde, sind es jetzt nur noch 30 Cent. Na ja, dass das kein positiver Beitrag für leistbaren Wohnraum ist, ist klar. Wie die Immobilienpreise angezogen haben, haben wir auch gesehen. Die, die jetzt auf die KIM-Verordnung zeigen, sind, glaube ich, vor allem die, die ablenken wollen. Das, was wir noch sehen, ist, dass wir in manchen Bankenbereichen Probleme bei den sogenannten gewerblichen Immobilien haben, das heißt, dass dort bereits über 5 Prozent der Kredite mit Problemen verbunden sind; wenn das über 8 Prozent sind, dann hat die Bank ein Problem. Auch die, die von diesen Banken sagen, die KIM-Verordnung ist schuld, lenken eigentlich von eigenen Problemen ab – wenn man die Fakten ansieht. Ich bin hier für eine faktenbasierte Diskussion und meine, dass wir vonseiten der Politik eine Aufgabe haben, nämlich leistbaren Wohnraum zu schaffen. Die KIM-Verordnung ist eine Ablenkung von den wahren Problemen, die wir haben. Daran sollten wir hier alle gemeinsam arbeiten. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Ottenschläger. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Andreas Ottenschläger

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, tatsächlich ist es so, dass Finanzmarktstabilität wichtig ist, genauso wie ein funktionierender Kapitalmarkt. Herr Kollege Krainer, auch wenn wir beide jetzt Regierungsfraktionen angehören, so ist, glaube ich, ein gepflegter Diskurs im Parlament trotzdem wichtig. Deswegen möchte ich kurz auch etwas zur KIM-Verordnung sagen. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Es ist ja tatsächlich, ich habe es schon erwähnt, die Finanzmarktstabilität ein entscheidendes Kriterium auch insgesamt für den Standort in Österreich. Ich glaube, die österreichischen Banken haben in den letzten Jahren durch diverseste Maßnahmen – dazu gehören gewisse Regulatorien, aber auch durch eigenes, solides Wirtschaften – gezeigt, dass sie sehr, sehr stabil sind. Das ist auch gut so, denn die Banken sind wichtig für die Wirtschaft, für alle, die sich beispielsweise auch Eigentum schaffen wollen, und leisten insgesamt einen wichtigen Beitrag für die österreichische Volkswirtschaft. Jetzt komme ich aber zum Punkt: Ich glaube, solche Verordnungen wie die KIM-Verordnung – die es übrigens in der Form nicht mehr gibt, aber es gibt halt derzeit eine Empfehlung der FMA –, solche Empfehlungen und Vorgaben sollten auch praxistauglich sein. Was meine ich damit? – Ich glaube, es ist ein Unterschied, ob ich einen Kreditnehmer mit einem niedrigen oder einem höheren Nettohaushaltseinkommen behandle, und derzeit sind die Regeln relativ starr, was das betrifft. Ich glaube, es wäre sehr wohl notwendig, dass wir – ohne dass wir die Finanzmarktstabilität in irgendeiner Art und Weise negativ beeinflussen – trotzdem praxistaugliche Lösungen für die Menschen in diesem Land finden. Das wäre an dieser Stelle auch mein Appell. (👏 ÖVP) Herr Kollege Fuchs von der FPÖ: Wir haben ja schon gesprochen, wir treffen jetzt hier einige, wie wir glauben, positive Maßnahmen für den Kapitalmarkt, und wir sind uns einig: Es ist wichtig, dass wir da europäisch einheitliche Lösungen haben, weil ein europäischer Kapitalmarkt für uns eben sehr wichtig ist. Wenn aber Kollege Fuchs hier davon spricht, dass uns das Defizitverfahren unter Kuratel stellt et cetera: Meine Damen und Herren, das ist so nicht richtig. Es gibt Berichtspflichten, die gibt es immer. Sie sind jetzt etwas intensiver. Und wir haben natürlich unsere Budgethoheit, nämlich hier in diesem Haus, Herr Kollege Fuchs, und das ist auch gut und richtig so. Sie können sich darauf verlassen, dass wir den eingeschlagenen Weg – und das sind jetzt die ersten Maßnahmen, die gesetzt wurden – weitergehen werden und natürlich unser Ziel erreichen wollen, nämlich in Österreich wieder dahin zu kommen, wo wir hingehören, nämlich zu denjenigen Staaten in der Europäischen Union, die mit Sicherheit die Kriterien einhalten werden. Dazu braucht es, Herr Kollege Fuchs, klarerweise auch Vertrauen, und ich hänge nicht Ihrer These an, dass ein Volkskanzler Kickl unbedingt das Vertrauen auf den Märkten hätte – was Sie hier den Menschen erzählen. Ich glaube eher im Gegenteil, er schafft Verunsicherung, und das ist genau das, was wir jetzt eben nicht brauchen.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Pramhofer . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt.

NEOS Christoph Pramhofer

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseher hier im Saal und zu Hause! Immobilieninvestmentfonds sind ein sehr wichtiges und zentrales Instrument am Kapitalmarkt. Sie bringen nämlich Investoren, die gerne sehr risikoavers, mit geringem Risiko in Immobilien investieren können und möchten, insbesondere auch für die Altersvorsorge, und Wohnbauträger zusammen, die mit Zigtausenden Wohnungen, die sie bauen, dafür sorgen, dass wir in diesem Land leistbaren Wohnraum haben. Mit 1. Jänner 2027 tritt eine Regelung in Kraft, die für Immobilieninvestitionsfonds unter anderem eine zwölfmonatige Wartefrist für die Rückgabe von Anteilsscheinen vorsieht. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Fonds noch krisenfester zu machen, also zum Beispiel dafür zu sorgen, wenn Turbulenzen am Markt entstehen, dass Abflüsse reduziert werden und so die Liquidität nicht gefährdet wird. Das klingt am Papier sehr vernünftig, aber oft ist das Gegenteil von gut gemacht halt gut gemeint. In der Praxis sehen wir nämlich derzeit genau die Fälle, dass Anlegerinnen und Anleger, insbesondere sehr kleine, ihr Geld jetzt aus diesen Fonds abziehen, lange bevor diese Regelung überhaupt gilt – und zwar nicht, weil sie nicht mehr an diese Fonds glauben, überhaupt nicht, diese Fonds sind sehr solide, bringen gute Erträge, sondern einfach deswegen, weil sie nicht mehr an diese Flexibilität glauben. Sie haben nachher nicht mehr die Flexibilität, ihr Geld dann zu bekommen, wenn sie es brauchen, sei es, weil man zum Beispiel kurzfristig ein neues Auto anschaffen muss, weil irgendetwas passiert ist, oder die Waschmaschine eingegangen ist. Es nimmt kleinen Anlegern die Flexibilität. Wenn wir jetzt Regeln schaffen, die eigentlich Stabilität bringen sollen, aber in der Übergangszeit genau das Gegenteil bewirken, dann müssen wir als Politik auch handeln, und zwar rasch. Genau deswegen haben wir im Regierungsprogramm auch vereinbart, dass wir an einem sinnvollen Mechanismus arbeiten, der Augenmaß und Vernunft vorsieht. Das bedeutet ganz konkret, dass kleinere Anlegerinnen und Anleger mit wenigen tausend Euro zum Beispiel von dieser Rückgabefrist ausgenommen werden sollen. Es ist nämlich schon ein Unterschied, ob private Kleinanleger, die sich ihre Altersvorsorge in diesen Fonds ansparen wollen, ihre Anteile zurückgeben wollen oder institutionelle Investoren, die mit Millionenbeträgen hantieren. Da braucht es maßgeschneiderte Lösungen statt pauschaler Hürden. (👏 NEOS) Mit der heutigen Änderung im Immobilien-Investmentfondsgesetz machen wir einen ersten kleinen, aber sehr wichtigen Schritt. Künftig müssen Fonds nämlich ihre Änderungen der Fondsbestimmungen nicht mehr ein Jahr im Voraus, sondern nur mehr drei Monate vorher ankündigen. Und genau das, Herr Fuchs, schafft mehr Flexibilität und mehr Reaktionsfähigkeit – genau das, was wir jetzt brauchen, um Investorenvertrauen zu sichern.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Aber nicht dem Kleinanleger!

NEOS Christoph Pramhofer

… Natürlich.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Das ist ein Vorteil für die Anlagegesellschaft! Sie denken nur an die Anlagegesellschaft und nicht an den Kleinanleger, Herr Kollege!

NEOS Christoph Pramhofer

… Es geht um die Reaktionsfähigkeit, die wir jetzt brauchen, um praktikable Lösungen zu entwickeln. Die Immobilieninvestitionsfonds sind so ein wichtiger Baustein, nicht nur für den Kapitalmarkt, sondern auch für die Altersvorsorge vieler Menschen in diesem Land.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Der Kleinanleger ist Ihnen wurscht!

NEOS Christoph Pramhofer

… Genau darum wollen wir jetzt nicht neue Unsicherheiten schaffen, sondern bestehende ausräumen.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Ist eine Schlechterstellung!

NEOS Christoph Pramhofer

… Dafür braucht es durchdachte Regeln …

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Da ist gar nichts durchdacht!

NEOS Christoph Pramhofer

… Schutz und Vertrauen verbinden, nicht überregulieren und zielgerecht verbessern. Genau dafür haben wir heute den ersten Schritt gesetzt. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Nina Tomaselli . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke schön, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, die KIM-Verordnung ist weg. Sie ist, zack, gestrichen. Österreich hat jetzt wieder einen freien Kreditfluss. Hurra, hurra!, sagen die Bauwirtschaft und die Immobilienhaie. Der Häuslbauer sagt: Cool, ich kriege trotzdem keines!, und warum nicht? – Weil viel zu lange bei den Immobilienspekulationen und den damit einhergehenden Baupreisen weggeschaut worden ist. Zig Vertreter, vor allem aus den ÖVP-Reihen, wollen ja überhaupt keine Kreditrichtlinien. Das führt nämlich dazu – daran muss man nur ganz fest glauben und die Augen zumachen –, dass sich dann wahrlich ein Immobilienboom ganz von selber entwickelt. – Das ist natürlich überhaupt nicht so. Gerade wenn wir von den Raiffeisen-Banken reden: Man sieht dort, dass es ein möglichst schlechtes Beratungsgeschäft ist, da auf viele schlecht besicherte Wohnbaukredite zu setzen. Konzentriert man sich politisch auf die Lösung dieses Problems? – Das wäre doch etwas, dass Sie sich darauf konzentrieren und nicht weiterhin die FMA zum Sündenbock für die verfehlte Wohnbaupolitik machen. Wir bringen, angeregt vom Internationalen Währungsfonds, heute einen Unselbständigen Entschließungsantrag ein. Der lautet folgendermaßen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Nina Tomaselli , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat ein Gesetz mit den wesentlichen Kreditregeln der KIM-VO als dauerhafte Schutzmaßnahme für den Finanzplatz und Bankkund:innen zuzuleiten. Dies betrifft insbesondere die Beleihungshöchstquote von 90 Prozent, eine Schuldenquote von maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens, eine maximale Laufzeit von 35 Jahren, sowie adäquate Ausnahmeregeln für Banken für bis zu 20 Prozent des Neukreditvolumens.“ Wir hoffen auf Ihre Zustimmung, das wäre mehr als nur vernünftig. Ein zweiter Punkt, der mich sehr geärgert hat – wichtig hier im Plenum ist ja, dass man auch über das redet, von dem die Regierungsparteien verhindern, dass wir es hier im Plenum besprechen –: Es geht um die größte Firmenpleite der Zweiten Republik. Ein Milliardenschaden ist entstanden, und die Politik – ich rede natürlich von der Signa – hat bisher was getan? – Nichts, null, nada! Wir Grüne haben etliche Anträge eingebracht. Sie haben sie in mehreren Ausschüssen einfach so vertagt, ohne irgendeinen Gegenvorschlag zu bringen. Statt Konsequenzen gibt es Schweigen im Walde. Mit Benko waren ja gerade einige Ihrer Vertreter auf Tuchfühlung – oder auch auf der Pirsch. Gusenbauer und Haselsteiner waren im Aufsichtsrat, die haben noch kurz vor der Pleite Geheimdeals mit Benko geschlossen. Die ÖVP hat Benko gleich in das Bundeskanzleramt eskortiert. Der Kriminalfall Benko darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das meiste von seinem System legal war. Passiert nichts, wird der nächste Hütchenspieler à la Benko ums Eck kommen und wiederum sein Unwesen treiben. Es kann doch nicht sein, dass schon wieder die Ehrlichen, die Bemühten, die Steuerzahlenden die Blöden sind. – Danke schön. (👏) 11.12 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/30.1 gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln (95/UEA) Präsident Peter Haubner : Ich halte fest, dass der soeben verlesene Entschließungsantrag von Abgeordneter Tomaselli ordnungsgemäß eingebracht wurde und somit mit in Verhandlung steht. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Staatssekretärin Mag. Barbara Eibinger-Miedl . – Bitte, Frau Staatssekretärin.

SPÖ Barbara Teiber

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen, liebe Kollegen! Werte Frau Staatssekretärin! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es freut mich sehr, dass wir hier im Parlament – alle Parteien außer der FPÖ – mit den vorliegenden Gesetzen wichtige Schritte setzen, um den Finanzmarkt transparenter und stabiler zu machen. Auch die Frau Staatssekretärin hat es in ihrem Redebeitrag angesprochen: Die Änderungen des Börse- und des Wertpapieraufsichtsgesetzes schaffen einerseits mehr Transparenz an den Märkten, was durchaus allen zugutekommt. Andererseits wird die Finanzmarktaufsicht gestärkt, sie bekommt weitere Befugnisse. Das begrüßen wir als SPÖ, denn wir wissen, dass die Finanzmärkte Kontrolle brauchen. Das ist im Sinne aller, die sich an die Spielregeln halten. So schaffen wir mehr Klarheit und mehr Sicherheit, und so stärken wir die Europäische Union als Finanzstandort im Sinne der Konsumentinnen und Konsumenten und nicht der Spekulanten. (👏 SPÖ) Die Finanzmarktaufsicht hat sich in der jüngsten Vergangenheit – es ist von einigen Abgeordneten, von Vorrednern und Vorrednerinnen schon angesprochen worden – durchaus Kritik, vor allem seitens der Bankenvertreter, anhören dürfen, was die KIM-Verordnung betrifft. Warum erwähne ich das? – Auch das ist im Finanzausschuss besprochen worden. Ich möchte dazu ähnlich wie Frau Abgeordnete Tomaselli und Jan Krainer sagen, dass wir aber aktuell sehen, dass die Zahl der Wohnkredite wieder hinaufgeht, und dies schon seit Anfang des Jahres, obwohl da die KIM-Verordnung noch bestanden hat. Trotzdem finden wir es gut, dass diese Verordnung jetzt durch eine Empfehlung ersetzt wird. Das ist durchaus vernünftig. Wir haben aber in dem ganzen Bereich schon ein Problem: Es hat so wenige Wohnbaukredite gegeben und es ist nach wie vor so, dass sich viel mehr Menschen Eigentum schaffen wollen, aber die Zinsen sind einfach nach wie vor zu hoch, und auch die Preise von Immobilien sind zu hoch. Darum ist es ganz, ganz wichtig, dass die Regierung weiter vorhat, für leistbaren Wohnraum zu sorgen. Ich glaube, da müssen wir unsere Anstrengungen wirklich weiter verstärken, da ist vielleicht auch noch mehr notwendig – auch angesichts dessen, dass leider die Inflation wieder steigt. Diese ist für den Wirtschaftsstandort schlecht, für uns alle schlecht, und ich glaube, leistbares Wohnen ist ein wichtiger Beitrag dazu, dass die Inflation perspektivisch gesenkt werden kann. (👏 SPÖ) Abschließend kann ich nur sagen: Wir sind als Sozialdemokratie der festen Überzeugung, dass Finanzmärkte nur dann einen Beitrag zum Gemeinwohl liefern, wenn sie entsprechend transparent und reglementiert sind und nicht zur regelfreien Spielwiese diverser Finanzjongleure werden. Mit diesen drei Gesetzesvorlagen leisten wir einen Beitrag dazu, und das ist gut so. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Thomas Elian . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Thomas Elian

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Die heute vorliegenden Gesetzesänderungen im Bereich des Finanzmarktrechtes wirken auf den ersten Blick technisch, fast schon sperrig. Begriffe wie Börsegesetz, Wertpapieraufsicht, Immobilienfonds, Bankenabwicklung bedeuten aber viel mehr, sie bedeuten etwas sehr Grundsätzliches: Es geht um Vertrauen – Vertrauen in die Stabilität unseres Finanzsystems, Vertrauen in klare Regeln – und letztlich um die Sicherheit von Menschen, die mit ihrem Geld, mit ihrer Vorsorge, mit ihrer Zukunft in diese Märkte eingebunden sind. Die Inhalte der Gesetzesänderungen sind in vielen Teilen europarechtlich bedingt. Es geht um Harmonisierung und um die einheitliche Umsetzung von Richtlinien. Für mich ist aber entscheidend: Wir machen hier keine bloße Pflichterfüllung, sondern wir sorgen aktiv dafür, dass unser Rechtsrahmen mit der Marktentwicklung, mit technologischen Veränderungen und mit dem, was unsere Gesellschaft zu Recht erwartet – Stabilität und klare Zuständigkeit –, Schritt hält. Mit den heutigen Änderungen des Börsegesetzes und des Wertpapieraufsichtsgesetzes setzen wir ein klares Zeichen für Entbürokratisierung und mehr Praxisnähe am Kapitalmarkt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen erhalten dadurch besseren Zugang zur Börse, weil übermäßige Berichtspflichten und Informationsanforderungen zielgerichtet angepasst werden. Gleichzeitig wird Anlegerinnen und Anlegern mehr Eigenverantwortung eingeräumt, ohne den Schutz auszuhebeln. Das ist ein vernünftiger Ausgleich zwischen Klarheit, Vertrauen und unternehmerischer Freiheit. (👏 ÖVP) Besonders hervorheben möchte ich die Änderungen im Immobilien-Investmentfondsgesetz und im Sanierungs- und Abwicklungsgesetz. Diese Materien sind nicht nur für Fachleute relevant, sondern ganz unmittelbar für uns alle, denn Immobilienfonds bewegen Milliarden, und sie haben Einfluss darauf, wie sich unsere Städte und Gemeinden entwickeln, wie sich Bodenpreise gestalten und leistbares Wohnen möglich bleibt. Wenn in diesem Bereich Unsicherheit entsteht, spüren wir das auf kommunaler Ebene bei kommunalen Projekten, spüren das junge Familien beim Wohnungskauf, spürt es die Bauwirtschaft. Gerade beim Thema Bankenabwicklung – ich sage das mit aller Deutlichkeit – darf es keine Graubereiche geben. Wenn eine Bank ins Schlingern gerät, muss klar sein, wer wann was zu tun hat – ohne Panik, ohne Spielraum für Verzögerungen. Es braucht klare Regeln, damit eine Krise nicht auf die Allgemeinheit übergeht. Diese Gesetzesnovelle bringt solche Klarheit. Das ist ein wichtiger Schritt. (👏 ÖVP) Sehr geehrte Damen und Herren, wir beschließen heute Gesetze, die keine großen Schlagzeilen produzieren, sie leisten aber einen beständigen und wichtigen Beitrag zur Stabilität unseres Landes – denn es sind genau die Regeln, die oft unbeachtet bleiben, die in Wahrheit das Rückgrat unseres Rechtsstaats bilden. Sie sind nicht plakativ, aber sie geben Sicherheit und schaffen Vertrauen – das das Fundament einer starken Wirtschaft und einer verlässlichen Gesellschaft ist – und erfüllen damit eine der zentralen Aufgaben verantwortungsvoller Politik. Tun wir das Richtige für Österreich! – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Markus Hofer . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer hier im Saal und zu Hause an den digitalen Endgeräten! Tatsächlich sind die drei Tagesordnungspunkte, mit denen wir uns jetzt beschäftigen – mit Fachthemen wie MiFID, EMIR Review, Daisy Chain I und II –, eher legistische Leckerbissen für Kapitalmarktexperten. Kollege Fuchs dürfte es auch so sehen, weil er sich eigentlich nicht zu diesem Thema geäußert hat, sondern uns ein Recycling der Budgetrede präsentiert hat. Ich bin ja für Recycling und Circular Economy, aber ich denke, genau das Thema Kapitalmarkt ist etwas Wichtiges, um das wir uns kümmern sollten. (👏 SPÖ, NEOS) Für manche ist es ja so, dass es, wenn in einem Satz „Finanz“ und „Kapital“ vorkommt, in ihrer Wahrnehmung schon einen gewissen Hautgout hat in dem Sinne, dass es da nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Finanzmarkt beziehungsweise der Kapitalmarkt ist aber kein Ort, an dem es Spekulanten gibt, sondern er ist ein wesentlicher Teil des Wirtschaftssystems, der unverzichtbar für Wachstum, für Innovation und für Wohlstand ist. Ein starker Kapitalmarkt bedeutet starke Unternehmen, er bedeutet zukunftsfitte Arbeitsplätze, Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups, Kapital für die Transformation, die so wichtig ist, und er bedeutet schlussendlich für jeden und jede von uns Bürgerinnen und Bürgern eine Chance, mit persönlichem Vermögensaufbau daran teilzunehmen. (👏 ÖVP, NEOS) Die Umsetzungen die wir hier vornehmen – die Umsetzung und Einführung der Richtlinie MiFID II und der Verordnung EMIR Review –, sind ein wesentlicher Teil dafür, denn sie stärken die Kapitalmarktunion, sie stärken das Vertrauen in die Kapitalmärkte, in ihre Transparenz, Effizienz und Attraktivität. Genau das ist in Österreich auch wesentlich und wichtig. In Österreich besteht – im internationalen Vergleich – wahrlich die Notwendigkeit, den Kapitalmarkt zu stärken. Wenn wir sehen, dass unsere Kapitalisierung im Vergleich zum BIP ein Ausmaß von etwa 26 Prozent aufweist und wir das mit der Situation in stark kapitalisierten Ländern wie den Beneluxländern vergleichen, wo sie 75 Prozent beträgt, wenn wir sehen, dass an der Wiener Börse nur sehr wenige Unternehmen gelistet sind und wenige Neulistungen erfolgen, wenn wir sehen, wie wenige Österreicherinnen und Österreicher selbst Titel vom Kapitalmarkt erworben haben, dann ist klar, dass wir da eine Stärkung brauchen. Besonderen Nachholbedarf sehen wir auch bei der zweiten Säule. Aktuell haben nur ungefähr eine Million Arbeitnehmer:innen – etwas mehr – oder 25 Prozent eine unternehmensbasierte Pensionsvorsorge, die zusätzlich und ergänzend zur ersten Säule so wichtig wäre. Mein persönliches Leitbild wäre, dass 4 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das in Zukunft haben. Wir NEOS stehen immer für eine Stärkung des Kapitalmarktes. Wir stehen für eine Stärkung des Kapitalmarktes, weil er zum selbstbestimmten Vermögensaufbau beiträgt, weil er eine Ergänzung zur staatlichen ersten Pensionsvorsorge ist und weil er schließlich und endlich das notwendige Kapital für die großen Transformationsschritte bringt, die wir brauchen. Diese Schritte machen den Kapitalmarkt transparenter, klarer, effizienter und attraktiver, und ich danke für die Unterstützung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner . Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir beschließen heute dieses Gesetzespaket aus einem einfachen Grund: weil wir aus der Vergangenheit gelernt haben und Finanzstabilität im System erhalten wollen. Denn wenn es bei den großen Banken kracht, zahlen am Ende immer die Falschen. Beim Sanierungs- und Abwicklungsgesetz geht es im Wesentlichen um den Mindestbetrag an Eigenmitteln und berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten, den große, systemrelevante Banken für die Abwicklung benötigen. Warum ist das wichtig? – Weil wir verhindern müssen, dass in einem Krisenfall wieder die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler einspringen müssen. Wenn eine Bank ins Wanken gerät, dann sollen die Verluste zuerst intern abgefangen werden, durch das eigene Kapital oder durch Gläubiger, die dafür haften, nicht durch den Staat und nicht durch die Allgemeinheit. Das Ziel ist klar: Die Banken sollen sich künftig selbst retten können. So wie jedes Unternehmen Verantwortung für seine Risiken tragen muss, gilt das auch für Finanzinstitute. (👏 ÖVP, SPÖ) Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, so wichtig diese systemische EU-weite Regulierung auch ist, Stabilität beginnt nicht erst in Brüssel oder in Straßburg, sie beginnt bei uns und vor allem in den Gemeinden. Erlauben Sie mir einen kurzen Sidestep, weil es doch erwähnenswert ist, dass wir zuletzt auch ein starkes Signal an die Kommunen senden konnten: 880 Millionen Euro fließen bis 2028 direkt in unsere Gemeinden; und neu – und das finde ich als Bürgermeister besonders gut –: ohne Antrag, ohne Zweckbindung und – ganz entscheidend – ohne Kofinanzierungsbeitrag. Viele Gemeinden waren nämlich in den letzten Jahren schon nicht mehr in der Lage, das Geld bereitzustellen, um die finanziellen Mittel des Bundes überhaupt auslösen zu können. Ich finde das gut, Frau Staatssekretärin, denn wenn wir Bürgermeister und Gemeinderäte eines wissen, dann ist das, wo das eingesetzte Geld auch am meisten bewirkt – ob das jetzt bei der Grundinfrastruktur ist, ob das bei den Straßen und Gehsteigen ist, ob das bei der Sanierung von Schulen und Kindergärten ist oder ob das bei Energieeffizienzmaßnahmen ist, wie zum Beispiel bei der Umrüstung auf LED bei der Straßenbeleuchtung, damit wir die Fixkosten senken können. Das wissen wir, glaube ich, sehr, sehr gut. Wir dürfen auch eines nicht vergessen – zum Abschluss –: Wenn wir als Gemeinden investieren, dann erhöhen wir die Lebensqualität, als regionale Wirtschaftsmotoren sichern wir aber auch den Fortbestand von Betrieben und damit von zahlreichen Arbeitsplätzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Manfred Harrer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/37.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Börsegesetz und das Wertpapieraufsichtsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 131 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist wieder einstimmig der Fall. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/37.2 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, das Investmentfondsgesetz, das Wertpapieraufsichtsgesetz sowie weitere Gesetze geändert werden, samt Titel und Eingang in 132 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist wieder einstimmig der Fall. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/37.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Nina Tomaselli , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/37.4 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Immobilien-Investmentfondsgesetz und das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 133 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, Investmentfondsgesetz 2011, Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 u.a.

139 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 132 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat beschließt Änderungen u.a. im Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, Investmentfondsgesetz 2011, Wertpapieraufsichtsgesetz 2018, Wertpapierfirmengesetz sowie in den Vollzugsgesetzen zu zentralen Gegenparteien und Zentralverwahrern. Damit werden EU-Vorgaben aus EMIR-Review/EMIR-Änderungen und CSDR-REFIT umgesetzt, insbesondere zu Konzentrations- und Ausfallrisiken bei CCPs, zu Clearing-Pflichten/aktiven EU-CCP-Konten sowie zu Abwicklungsdisziplin und Aufsicht bei Zentralverwahrern (teils gestaffeltes Inkrafttreten).

Betroffen sind Investmentfonds und deren Manager, Wertpapierfirmen, zentrale Gegenparteien (CCPs), Zentralverwahrer (CSDs) sowie Marktteilnehmer, die Derivate zentral clearen oder Wertpapierabwicklung in der EU nutzen.

Dokumente

Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, Investmentfondsgesetz 2011, Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 u.a.

Gegenstand und Ziel des Gesetzesentwurfs

  • Änderung des Alternative Investmentfonds Manager-Gesetzes (AIFMG), des Investmentfondsgesetzes 2011 (InvFG 2011), des Wertpapieraufsichtsgesetzes 2018, des Wertpapierfirmengesetzes (WPFG), des Zentrale Gegenparteien-Vollzugsgesetzes (ZGVG) und des Zentralverwahrer-Vollzugsgesetzes.
  • Umsetzung bzw. Begleitung neuer EU-Vorgaben zu zentralem Clearing (CCPs), Konzentrations- und Ausfallrisiken bei Derivaten sowie zur Reform der Wertpapierabwicklung und Zentralverwahrer-Regeln (CSDR REFIT).

EU-Rechtsakte: EMIR Review (Richtlinie (EU) 2024/2994)

  • Umsetzung der Richtlinie (EU) 2024/2994 zur Änderung der Richtlinien 2009/65/EG, 2013/36/EU und (EU) 2019/2034 hinsichtlich der Behandlung des Konzentrationsrisikos aus Risikopositionen gegenüber zentralen Gegenparteien (CCPs) und des Ausfallrisikos bei zentral geclearten Derivategeschäften.
  • Hintergrund: Vor der Änderung waren in der Richtlinie 2009/65/EG Obergrenzen für das Ausfallrisiko nur für OTC-Derivate vorgeschrieben, unabhängig davon, ob diese zentral gecleart wurden.
  • Neuer Ansatz: Bei den Obergrenzen wird nun berücksichtigt, ob ein Derivat durch eine gemäß Verordnung (EU) Nr. 648/2012 zugelassene und anerkannte CCP zentral gecleart wurde, weil zentrale Clearingvereinbarungen das Ausfallrisiko mindern.
  • Änderungen zur Richtlinie (EU) 2019/2034: Reduktion des Konzentrationsrisikos von Wertpapierfirmen aus Risikopositionen gegenüber CCPs (insbesondere Tier-2-CCPs) durch organisatorische Anforderungen.
  • Weitere Änderungen im WPFG dienen der Rechtsklarheit und Rechtssicherheit.

EU-Rechtsakte: EMIR-Änderungsverordnung (EU) 2024/2987

  • Wirksamwerden der Verordnung (EU) 2024/2987 zur Änderung der Verordnungen (EU) Nr. 648/2012, (EU) Nr. 575/2013 und (EU) 2017/1131.
  • Ziel: Verbesserung der Clearingdienstleistungen in der EU durch Straffung und Verkürzung von Verfahren, bessere Kohärenz zwischen nationalen Bestimmungen und Stärkung der Aufsicht über CCPs.
  • Schwerpunkt: Verringerung einer übermäßigen Abhängigkeit von systemrelevanten CCPs in Drittstaaten.
  • Neue Pflichten: Relevante Marktteilnehmer müssen aktive Konten bei EU-CCPs führen und einen repräsentativen Anteil bestimmter systemrelevanter Derivatekontrakte im Binnenmarkt clearen.

EU-Rechtsakte: CSDR REFIT (Verordnung (EU) 2023/2845)

  • Wirksamwerden der Verordnung (EU) 2023/2845 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 909/2014 (CSDR) u.a. hinsichtlich Abwicklungsdisziplin, grenzüberschreitender Dienstleistungserbringung, aufsichtlicher Zusammenarbeit, bankartiger Nebendienstleistungen und Anforderungen an Zentralverwahrer in Drittländern; zudem Änderung der Verordnung (EU) Nr. 236/2012.
  • Ziele: Steigerung der Effizienz der Wertpapierabwicklung in der EU, Erleichterung grenzüberschreitender Dienstleistungen von Zentralverwahrern und Verbesserung der Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden.
  • Erleichterung des Passerteilungs-Regimes: Präzisierung und Vereinfachung der Vorschriften; grenzüberschreitende Dienstleistungen werden erleichtert, indem der Erhalt eines Passes durch Meldung an die Aufsichtsbehörde des Aufnahmemitgliedstaates und gleichzeitige Beantragung von Zulassung und Passerteilung ermöglicht wird.
  • Verbesserte Aufsichtszusammenarbeit: Einrichtung von Aufsichtskollegien, wenn die Tätigkeiten eines Zentralverwahrers als wesentlich für das Funktionieren der Wertpapiermärkte und den Anlegerschutz in mindestens zwei Aufnahmemitgliedstaaten eingestuft werden.
  • Bankartige Nebendienstleistungen: Anpassung der Bedingungen für den Zugang; Zentralverwahrer können neben Kreditinstituten auch andere Zentralverwahrer für die Erbringung solcher Dienstleistungen benennen; Anpassung der relevanten Obergrenze, unterhalb derer benannte Kreditinstitute bankartige Nebendienstleistungen erbringen dürfen.
  • Abwicklungseffizienz: Änderungen an Bestimmungen der Abwicklungsdisziplin sowie Einführung von Voraussetzungen für die Anwendung obligatorischer Eindeckungen.
  • Aufsichts- und Meldepflichten: Anpassungen für EU-CSDs und Drittstaaten-CSDs; bisherige Bestandschutzklausel wird befristet; neue Meldepflicht für Drittstaaten-CSDs bei Erbringung von Kerndienstleistungen in der EU.

Inkrafttreten und gestaffelte Anwendbarkeit

  • EMIR Review: Änderungen des InvFG 2011 treten mit 25. Juni 2026 in Kraft.
  • EMIR Review: Änderungen des WPFG sollen mit 25. Juni 2026 in Kraft treten.
  • EMIR/CCP-Vollzug: Änderungen des ZGVG sollen mit dem auf die Kundmachung folgenden Tag in Kraft treten.
  • CSDR REFIT: Gestaffeltes Inkrafttreten zur Synchronisierung mit Art. 3 der Verordnung (EU) 2023/2845 (gestaffelte Anwendbarkeit der CSDR-Bestimmungen in der geänderten Fassung).
  • CSDR REFIT: Bestimmte Normen treten mit dem auf die Kundmachung folgenden Tag in Kraft.
  • CSDR REFIT: Inkrafttreten von § 12 Abs. 5 wird an die Anwendbarkeit technischer Regulierungsstandards geknüpft; diese sind von der Europäischen Kommission erst zu erlassen und legen eine neue Obergrenze fest, die dann der aktuellen Festlegung vorgeht; bis dahin gilt § 12 Abs. 5 in der aktuell geltenden Fassung.
  • CSDR REFIT: § 12 Abs. 6 tritt mit 17. Jänner 2026 in Kraft, da er auf Art. 54 Abs. 5 UAbs. 2 zweiter Satz der Verordnung (EU) Nr. 909/2014 in der Fassung der Verordnung (EU) 2023/2845 Bezug nimmt, der gemäß Art. 3 Buchstabe d der Verordnung (EU) 2023/2845 erst ab 17. Jänner 2026 anwendbar ist.

Kompetenzgrundlage

  • Verfassungsrechtliche Grundlage: Art. 10 Abs. 1 Z 5 B-VG (Geld-, Kredit-, Börse- und Bankwesen).

Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, Investmentfondsgesetz 2011, Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 u.a.

~28 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hubert Fuchs

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Ich spreche zu TOP 5, zur Novellierung des Immobilien-Investmentfondsgesetzes. Manche von uns können sich vielleicht noch an das Jahr 2021 erinnern: Damals haben wir bereits eine Novellierung vorgenommen, und da wurde im Immobilien-Investmentfondsgesetz für Kleinanleger eine Mindestbehaltefrist und eine Rückgabefrist eingeführt, was eine erhebliche Schlechterstellung für Kleinanleger bewirkte. Für eine diesbezügliche Änderung der Fondsbestimmungen musste bisher eine einjährige Veröffentlichungsfrist eingehalten werden, was wiederum ein Vorteil für die Kleinanleger war, weil sie dadurch eine zeitlich angemessene Möglichkeit zur Rückgabe beziehungsweise zum Verkauf ihrer Anteile hatten. Diese einjährige Schutzfrist soll mit der heutigen Novelle auf eine Dreimonatsfrist verkürzt werden, was eine erhebliche Schlechterstellung für Kleinanleger beziehungsweise Konsumenten bedeutet. Von einer derartigen Verkürzung der Schutzfrist profitieren lediglich die Immobilienkapitalanlagegesellschaften. Zum Schutze der Kleinanleger beziehungsweise der Konsumenten werden wir Freiheitliche daher gegen diese Novelle stimmen. (👏 FPÖ) Seit gestern ist es fix: Der Ecofin-Rat hat die Einleitung eines Defizitverfahrens gegen die Republik Österreich beschlossen. Die Republik verliert damit einen Teil ihrer Budgethoheit. Die von der Einheitspartei verursachte Einleitung eines Defizitverfahrens bedeutet eine Besachwalterung durch Brüssel und wird das Vertrauen der Finanzmärkte in die Republik nicht fördern – ein Imageverlust. Die Kreditwürdigkeit der Republik wurde von der Ratingagentur Fitch bereits herabgestuft, und dieser Vertrauensverlust durch eine Ratingagentur bedeutet natürlich mittelfristig massiv höhere Ausgaben für Zinsen. Die Verliererkoalition hat damit aber nicht nur ein Versprechen in ihrem Regierungsprogramm gebrochen – wir alle erinnern uns an das Wording im Regierungsprogramm: „Uns eint jedenfalls das Ziel, ein Defizitverfahren zu verhindern“ –, sondern hat mit dem im Juli beschlossenen Budgetpfad, dem Doppelbudget beziehungsweise dem Bundesfinanzrahmengesetz, bereits ein weiteres Versprechen gebrochen: Bereits heute wissen wir, dass die mit der Europäischen Kommission akkordierte notwendige Unterschreitung der 3-Prozent-Defizit-Obergrenze im Jahr 2028 laut Fiskalprognose nicht erreicht werden wird. Die Verliererkoalition, allen voran unser Finanzminister, will aber die budgetären Fakten nicht wahrhaben und redet sich den Budgetpfad, den der Fiskalrat als „deutlich überschätzt“ und „unambitioniert“ bezeichnet hat, schön. Finanzminister Marterbauer hat für die berechtigte Kritik des Fiskalrates folgende Ausrede parat – ich zitiere –: Wir – also die Bundesregierung – haben eine „Reihe von Maßnahmen“ eingestellt, die noch nicht konkretisiert sind und die der Fiskalrat daher in seine Berechnungen nicht aufnehmen kann. Nun muss man aber den ganzen Bericht des Fiskalrates lesen: Im Bericht des Fiskalrates über die Einhaltung der Fiskalregeln wird eindeutig festgehalten, dass selbst „bei vollständiger Umsetzung des geplanten Konsolidierungspfades“ die 3-Prozent-Defizit-Obergrenze „überschritten“ wird und zusätzliche „Konsolidierungsmaßnahmen [...] unumgänglich“ sind. Erinnern wir uns an die Budgetrede des Finanzministers, in der es um die Transparenz ging! Er meinte damals: „Wir legen dem Hohen Haus und den Bürgerinnen und Bürgern des Landes die aktuelle Lage des Budgets transparent und nach bestem Wissen und Gewissen vor, ohne irgendetwas zu beschönigen.“ – Aber genau das macht der Herr Finanzminister. (👏 FPÖ) Laut der Alternativberechnung des Fiskalrates werden wir 2028 ein Defizit von 3,3 Prozent des BIPs haben und 2029 eines in Höhe von 3,2 Prozent des BIPs. Das BMF, sprich der Finanzminister, hat die Werte schöngerechnet und kommt 2028 auf 3 Prozent und 2029 auf 2,8 Prozent. Wir werden uns in diesen Jahren noch an heute erinnern, und der Fiskalrat wird recht bekommen. Sollten wir 2028 wie geplant aus dem defizitbasierten ÜD-Verfahren herauskommen, wie sich das der Herr Finanzminister vorstellt, dann wird die EU sofort ein weiteres Defizitverfahren gegen die Republik Österreich einleiten, und zwar das schuldenbasierte ÜD-Verfahren. Der Herr Finanzminister, und damit die Verliererkoalition, hat nämlich nicht nur das Defizit nicht im Griff, sondern auch nicht die Staatsschulden. Diese Verliererkoalition wird unser Land weiter herunterwirtschaften und den budgetären Scherbenhaufen, den uns Schwarz-Grün hinterlassen hat, nur noch weiter vergrößern. (👏 FPÖ) Eine echte und nachhaltige Budgetsanierung, und zwar ohne Besachwalterung durch Brüssel, ist nur unter einem Volkskanzler Herbert Kickl möglich. ( Heiterkeit des Abg. Gödl [ÖVP]. ) – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Krainer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bevor ich mit meiner Rede beginne, darf ich im Namen meines Kollegen Baumann die Lehrlinge und die Ausbildner der Linz AG sehr herzlich im Hohen Haus begrüßen. – Danke, dass ihr da seid! ( Allgemeiner Beifall. ) Für die, die sich die Frage stellen, wofür das F im Parteinamen FPÖ steht: wahrscheinlich auch für Fake News – zumindest ist das, was wir hier von Kollegen Fuchs gehört haben, ein Beispiel dafür. Wenn er von „Besachwalterung“ spricht, dann sagt er etwas, das nichts mit der Realität zu tun hat. Ein ÜD-Verfahren ist ein normales Verfahren. Österreich hatte das bereits; wir waren damals nicht besachwaltet und sind es heute nicht. Das Einzige, das stimmt, ist, dass die budgetäre Situation, die dieses Parlament auch vom Vorgängerparlament geerbt hat, keine gute ist, sondern dass wir eine sehr herausfordernde Zeit haben, dieses Budget zu konsolidieren. Die F macht Kindesweglegung …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

FPÖ heißen wir, nicht F! FPÖ, nicht F!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Mit den Vorschlägen, die Sie selber noch im Jänner gemacht haben – da gab es sogar eine Pressekonferenz, bei der Kollege Fuchs die Sparvorschläge vorgestellt hat; Herr Kickl hat sie auch gleich unterschrieben –, wollen heute weder Fuchs noch Kickl etwas zu tun haben. Das ist halt natürlich keine seriöse Politik, die Sie hier betreiben, insofern war Ihre Rede auch nicht seriös und eigentlich auch gar nicht wirklich zur Sache.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Das sagt der Richtige!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Worum geht es hier in der Sache? – Es geht darum, dass wir hier Verordnungen beziehungsweise Richtlinien der Europäischen Union, die den Kapitalmarkt betreffen, in nationales Recht umsetzen. Das ist gut und richtig so. Das, was uns nur allen klar sein muss, ist, dass wir einen funktionierenden europäischen Kapitalmarkt brauchen. Österreich selber ist viel zu klein, und, ich sage einmal, die Risikoaversität jener, die viel Geld haben, ist sichtbar. Insofern können wir nur davon profitieren, wenn es einen funktionierenden europäischen Kapitalmarkt gibt, weil nicht alle in Europa, die viel Geld haben, so risikoavers sind wie die Österreicherinnen und Österreicher, die viel Geld haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ein Nachteil – und damit bringe ich ein Thema, das dazugehört und das sehr kontroversiell ist; das mache ich absichtlich – ist die sogenannte KIM-VO. Das ist etwas, bei dem es ja nicht nur so ist, dass die Regierungsparteien da unterschiedlicher Meinung sind, es ist ja nicht nur so, dass die Oppositionsparteien da unterschiedlicher Meinung sind, nein, auch innerhalb der einzelnen Parteien gibt es da unterschiedliche Meinungen. Ich bin der Meinung, dass man sich da die Fakten einfach selber anschauen soll. Was ist das Problem, vor dem wir stehen? – Erstens, sage ich einmal, ist es so, dass man ja, wenn ein Schaden passiert, aus dem Schaden klug werden soll, und die Finanzkrise hat uns gelehrt, dass man nicht Kredite an Menschen in einer Höhe vergeben soll, bei der die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese zurückzahlen können, nicht besonders hoch ist oder zumindest gefährdet ist. Besonders schön ist es aber, wenn man nicht den Schaden hat, sondern aus dem Schaden anderer klug wird, denn dann hat man die Erkenntnis, aber nicht den Schaden. Das ist an und für sich das, was wir aus der Finanzkrise gelernt haben: Gib nicht Menschen einen Kredit, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn zurückzahlen können, nicht zumindest 100 Prozent oder 99 Prozent oder 98 Prozent ist, sondern bei denen es vor allem bei steigender Arbeitslosigkeit zu Problemen kommen kann. Das, was in Österreich passiert ist, ist, dass wir bei Immobilien natürlich einen wahnsinnigen Preisauftrieb gehabt haben. Die Immobilienpreise haben sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt – verdoppelt! –; die Löhne und Gehälter sind aber nicht um 100 Prozent gestiegen, sondern nur um 50 Prozent. Das heißt, die Leistbarkeit von Immobilien ist massiv zurückgegangen. Dann haben die Banken begonnen, die Kredite nicht nachhaltig zu vergeben. Vor fünf, sechs Jahren sind 90 Prozent der Kredite so vergeben worden, dass sie nicht nachhaltig waren – 90 Prozent. Dann haben – vollkommen richtig – das Finanzministerium und so weiter – da sind nicht wir gesessen –, das Finanzmarktstabilitätsgremium, in dem alle möglichen Experten drinnen sitzen, gesagt: Nein, die Banken müssen die Kredite nachhaltig vergeben. – Diese KIM-VO ist eingeführt worden, und das hat dazu geführt, dass heute nicht 90 Prozent der Kredite nicht nachhaltig, sondern 90 Prozent nachhaltig vergeben werden. Und sind die Kredite, die vergeben wurden, jetzt auf null gestellt worden? – Nein, sie sind in den letzten Monaten trotz dieser KIM-Verordnung sogar um 70 Prozent gestiegen. Das Problem, das wir im leistbaren Wohnbau haben, sind die hohen Preise, und ich habe manchmal den Eindruck, dass manche, die diese KIM-Verordnung kritisieren, in Wahrheit ein bisschen von eigenen Fehlern, die sie vielleicht gemacht haben, ablenken wollen. Schauen wir uns nämlich Folgendes an: Betreffend leistbaren Wohnraum ist eines der wichtigsten Kriterien oder eines der wichtigsten Instrumente, die die Politik hat, die Wohnbauförderung. Früher, vor 25 Jahren, hat es da ja eine Zweckbindung gegeben: Die Länder bekamen das Geld, und sie waren verpflichtet, das Geld auch dafür auszugeben. Das ist aufgehoben worden – für die, die das historisch wissen wollen: vor circa 25 Jahren waren die Freiheitlichen und die ÖVP in der Regierung –, und seitdem haben sich die Gelder der Wohnbauförderung gedrittelt – gedrittelt! Für 1 Euro, der früher für die Wohnbauförderung ausgegeben wurde, sind es jetzt nur noch 30 Cent. Na ja, dass das kein positiver Beitrag für leistbaren Wohnraum ist, ist klar. Wie die Immobilienpreise angezogen haben, haben wir auch gesehen. Die, die jetzt auf die KIM-Verordnung zeigen, sind, glaube ich, vor allem die, die ablenken wollen. Das, was wir noch sehen, ist, dass wir in manchen Bankenbereichen Probleme bei den sogenannten gewerblichen Immobilien haben, das heißt, dass dort bereits über 5 Prozent der Kredite mit Problemen verbunden sind; wenn das über 8 Prozent sind, dann hat die Bank ein Problem. Auch die, die von diesen Banken sagen, die KIM-Verordnung ist schuld, lenken eigentlich von eigenen Problemen ab – wenn man die Fakten ansieht. Ich bin hier für eine faktenbasierte Diskussion und meine, dass wir vonseiten der Politik eine Aufgabe haben, nämlich leistbaren Wohnraum zu schaffen. Die KIM-Verordnung ist eine Ablenkung von den wahren Problemen, die wir haben. Daran sollten wir hier alle gemeinsam arbeiten. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Ottenschläger. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Andreas Ottenschläger

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, tatsächlich ist es so, dass Finanzmarktstabilität wichtig ist, genauso wie ein funktionierender Kapitalmarkt. Herr Kollege Krainer, auch wenn wir beide jetzt Regierungsfraktionen angehören, so ist, glaube ich, ein gepflegter Diskurs im Parlament trotzdem wichtig. Deswegen möchte ich kurz auch etwas zur KIM-Verordnung sagen. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Es ist ja tatsächlich, ich habe es schon erwähnt, die Finanzmarktstabilität ein entscheidendes Kriterium auch insgesamt für den Standort in Österreich. Ich glaube, die österreichischen Banken haben in den letzten Jahren durch diverseste Maßnahmen – dazu gehören gewisse Regulatorien, aber auch durch eigenes, solides Wirtschaften – gezeigt, dass sie sehr, sehr stabil sind. Das ist auch gut so, denn die Banken sind wichtig für die Wirtschaft, für alle, die sich beispielsweise auch Eigentum schaffen wollen, und leisten insgesamt einen wichtigen Beitrag für die österreichische Volkswirtschaft. Jetzt komme ich aber zum Punkt: Ich glaube, solche Verordnungen wie die KIM-Verordnung – die es übrigens in der Form nicht mehr gibt, aber es gibt halt derzeit eine Empfehlung der FMA –, solche Empfehlungen und Vorgaben sollten auch praxistauglich sein. Was meine ich damit? – Ich glaube, es ist ein Unterschied, ob ich einen Kreditnehmer mit einem niedrigen oder einem höheren Nettohaushaltseinkommen behandle, und derzeit sind die Regeln relativ starr, was das betrifft. Ich glaube, es wäre sehr wohl notwendig, dass wir – ohne dass wir die Finanzmarktstabilität in irgendeiner Art und Weise negativ beeinflussen – trotzdem praxistaugliche Lösungen für die Menschen in diesem Land finden. Das wäre an dieser Stelle auch mein Appell. (👏 ÖVP) Herr Kollege Fuchs von der FPÖ: Wir haben ja schon gesprochen, wir treffen jetzt hier einige, wie wir glauben, positive Maßnahmen für den Kapitalmarkt, und wir sind uns einig: Es ist wichtig, dass wir da europäisch einheitliche Lösungen haben, weil ein europäischer Kapitalmarkt für uns eben sehr wichtig ist. Wenn aber Kollege Fuchs hier davon spricht, dass uns das Defizitverfahren unter Kuratel stellt et cetera: Meine Damen und Herren, das ist so nicht richtig. Es gibt Berichtspflichten, die gibt es immer. Sie sind jetzt etwas intensiver. Und wir haben natürlich unsere Budgethoheit, nämlich hier in diesem Haus, Herr Kollege Fuchs, und das ist auch gut und richtig so. Sie können sich darauf verlassen, dass wir den eingeschlagenen Weg – und das sind jetzt die ersten Maßnahmen, die gesetzt wurden – weitergehen werden und natürlich unser Ziel erreichen wollen, nämlich in Österreich wieder dahin zu kommen, wo wir hingehören, nämlich zu denjenigen Staaten in der Europäischen Union, die mit Sicherheit die Kriterien einhalten werden. Dazu braucht es, Herr Kollege Fuchs, klarerweise auch Vertrauen, und ich hänge nicht Ihrer These an, dass ein Volkskanzler Kickl unbedingt das Vertrauen auf den Märkten hätte – was Sie hier den Menschen erzählen. Ich glaube eher im Gegenteil, er schafft Verunsicherung, und das ist genau das, was wir jetzt eben nicht brauchen.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Pramhofer . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt.

NEOS Christoph Pramhofer

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseher hier im Saal und zu Hause! Immobilieninvestmentfonds sind ein sehr wichtiges und zentrales Instrument am Kapitalmarkt. Sie bringen nämlich Investoren, die gerne sehr risikoavers, mit geringem Risiko in Immobilien investieren können und möchten, insbesondere auch für die Altersvorsorge, und Wohnbauträger zusammen, die mit Zigtausenden Wohnungen, die sie bauen, dafür sorgen, dass wir in diesem Land leistbaren Wohnraum haben. Mit 1. Jänner 2027 tritt eine Regelung in Kraft, die für Immobilieninvestitionsfonds unter anderem eine zwölfmonatige Wartefrist für die Rückgabe von Anteilsscheinen vorsieht. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Fonds noch krisenfester zu machen, also zum Beispiel dafür zu sorgen, wenn Turbulenzen am Markt entstehen, dass Abflüsse reduziert werden und so die Liquidität nicht gefährdet wird. Das klingt am Papier sehr vernünftig, aber oft ist das Gegenteil von gut gemacht halt gut gemeint. In der Praxis sehen wir nämlich derzeit genau die Fälle, dass Anlegerinnen und Anleger, insbesondere sehr kleine, ihr Geld jetzt aus diesen Fonds abziehen, lange bevor diese Regelung überhaupt gilt – und zwar nicht, weil sie nicht mehr an diese Fonds glauben, überhaupt nicht, diese Fonds sind sehr solide, bringen gute Erträge, sondern einfach deswegen, weil sie nicht mehr an diese Flexibilität glauben. Sie haben nachher nicht mehr die Flexibilität, ihr Geld dann zu bekommen, wenn sie es brauchen, sei es, weil man zum Beispiel kurzfristig ein neues Auto anschaffen muss, weil irgendetwas passiert ist, oder die Waschmaschine eingegangen ist. Es nimmt kleinen Anlegern die Flexibilität. Wenn wir jetzt Regeln schaffen, die eigentlich Stabilität bringen sollen, aber in der Übergangszeit genau das Gegenteil bewirken, dann müssen wir als Politik auch handeln, und zwar rasch. Genau deswegen haben wir im Regierungsprogramm auch vereinbart, dass wir an einem sinnvollen Mechanismus arbeiten, der Augenmaß und Vernunft vorsieht. Das bedeutet ganz konkret, dass kleinere Anlegerinnen und Anleger mit wenigen tausend Euro zum Beispiel von dieser Rückgabefrist ausgenommen werden sollen. Es ist nämlich schon ein Unterschied, ob private Kleinanleger, die sich ihre Altersvorsorge in diesen Fonds ansparen wollen, ihre Anteile zurückgeben wollen oder institutionelle Investoren, die mit Millionenbeträgen hantieren. Da braucht es maßgeschneiderte Lösungen statt pauschaler Hürden. (👏 NEOS) Mit der heutigen Änderung im Immobilien-Investmentfondsgesetz machen wir einen ersten kleinen, aber sehr wichtigen Schritt. Künftig müssen Fonds nämlich ihre Änderungen der Fondsbestimmungen nicht mehr ein Jahr im Voraus, sondern nur mehr drei Monate vorher ankündigen. Und genau das, Herr Fuchs, schafft mehr Flexibilität und mehr Reaktionsfähigkeit – genau das, was wir jetzt brauchen, um Investorenvertrauen zu sichern.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Aber nicht dem Kleinanleger!

NEOS Christoph Pramhofer

… Natürlich.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Das ist ein Vorteil für die Anlagegesellschaft! Sie denken nur an die Anlagegesellschaft und nicht an den Kleinanleger, Herr Kollege!

NEOS Christoph Pramhofer

… Es geht um die Reaktionsfähigkeit, die wir jetzt brauchen, um praktikable Lösungen zu entwickeln. Die Immobilieninvestitionsfonds sind so ein wichtiger Baustein, nicht nur für den Kapitalmarkt, sondern auch für die Altersvorsorge vieler Menschen in diesem Land.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Der Kleinanleger ist Ihnen wurscht!

NEOS Christoph Pramhofer

… Genau darum wollen wir jetzt nicht neue Unsicherheiten schaffen, sondern bestehende ausräumen.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Ist eine Schlechterstellung!

NEOS Christoph Pramhofer

… Dafür braucht es durchdachte Regeln …

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Da ist gar nichts durchdacht!

NEOS Christoph Pramhofer

… Schutz und Vertrauen verbinden, nicht überregulieren und zielgerecht verbessern. Genau dafür haben wir heute den ersten Schritt gesetzt. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Nina Tomaselli . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke schön, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, die KIM-Verordnung ist weg. Sie ist, zack, gestrichen. Österreich hat jetzt wieder einen freien Kreditfluss. Hurra, hurra!, sagen die Bauwirtschaft und die Immobilienhaie. Der Häuslbauer sagt: Cool, ich kriege trotzdem keines!, und warum nicht? – Weil viel zu lange bei den Immobilienspekulationen und den damit einhergehenden Baupreisen weggeschaut worden ist. Zig Vertreter, vor allem aus den ÖVP-Reihen, wollen ja überhaupt keine Kreditrichtlinien. Das führt nämlich dazu – daran muss man nur ganz fest glauben und die Augen zumachen –, dass sich dann wahrlich ein Immobilienboom ganz von selber entwickelt. – Das ist natürlich überhaupt nicht so. Gerade wenn wir von den Raiffeisen-Banken reden: Man sieht dort, dass es ein möglichst schlechtes Beratungsgeschäft ist, da auf viele schlecht besicherte Wohnbaukredite zu setzen. Konzentriert man sich politisch auf die Lösung dieses Problems? – Das wäre doch etwas, dass Sie sich darauf konzentrieren und nicht weiterhin die FMA zum Sündenbock für die verfehlte Wohnbaupolitik machen. Wir bringen, angeregt vom Internationalen Währungsfonds, heute einen Unselbständigen Entschließungsantrag ein. Der lautet folgendermaßen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Nina Tomaselli , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat ein Gesetz mit den wesentlichen Kreditregeln der KIM-VO als dauerhafte Schutzmaßnahme für den Finanzplatz und Bankkund:innen zuzuleiten. Dies betrifft insbesondere die Beleihungshöchstquote von 90 Prozent, eine Schuldenquote von maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens, eine maximale Laufzeit von 35 Jahren, sowie adäquate Ausnahmeregeln für Banken für bis zu 20 Prozent des Neukreditvolumens.“ Wir hoffen auf Ihre Zustimmung, das wäre mehr als nur vernünftig. Ein zweiter Punkt, der mich sehr geärgert hat – wichtig hier im Plenum ist ja, dass man auch über das redet, von dem die Regierungsparteien verhindern, dass wir es hier im Plenum besprechen –: Es geht um die größte Firmenpleite der Zweiten Republik. Ein Milliardenschaden ist entstanden, und die Politik – ich rede natürlich von der Signa – hat bisher was getan? – Nichts, null, nada! Wir Grüne haben etliche Anträge eingebracht. Sie haben sie in mehreren Ausschüssen einfach so vertagt, ohne irgendeinen Gegenvorschlag zu bringen. Statt Konsequenzen gibt es Schweigen im Walde. Mit Benko waren ja gerade einige Ihrer Vertreter auf Tuchfühlung – oder auch auf der Pirsch. Gusenbauer und Haselsteiner waren im Aufsichtsrat, die haben noch kurz vor der Pleite Geheimdeals mit Benko geschlossen. Die ÖVP hat Benko gleich in das Bundeskanzleramt eskortiert. Der Kriminalfall Benko darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das meiste von seinem System legal war. Passiert nichts, wird der nächste Hütchenspieler à la Benko ums Eck kommen und wiederum sein Unwesen treiben. Es kann doch nicht sein, dass schon wieder die Ehrlichen, die Bemühten, die Steuerzahlenden die Blöden sind. – Danke schön. (👏) 11.12 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/30.1 gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln (95/UEA) Präsident Peter Haubner : Ich halte fest, dass der soeben verlesene Entschließungsantrag von Abgeordneter Tomaselli ordnungsgemäß eingebracht wurde und somit mit in Verhandlung steht. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Staatssekretärin Mag. Barbara Eibinger-Miedl . – Bitte, Frau Staatssekretärin.

SPÖ Barbara Teiber

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen, liebe Kollegen! Werte Frau Staatssekretärin! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es freut mich sehr, dass wir hier im Parlament – alle Parteien außer der FPÖ – mit den vorliegenden Gesetzen wichtige Schritte setzen, um den Finanzmarkt transparenter und stabiler zu machen. Auch die Frau Staatssekretärin hat es in ihrem Redebeitrag angesprochen: Die Änderungen des Börse- und des Wertpapieraufsichtsgesetzes schaffen einerseits mehr Transparenz an den Märkten, was durchaus allen zugutekommt. Andererseits wird die Finanzmarktaufsicht gestärkt, sie bekommt weitere Befugnisse. Das begrüßen wir als SPÖ, denn wir wissen, dass die Finanzmärkte Kontrolle brauchen. Das ist im Sinne aller, die sich an die Spielregeln halten. So schaffen wir mehr Klarheit und mehr Sicherheit, und so stärken wir die Europäische Union als Finanzstandort im Sinne der Konsumentinnen und Konsumenten und nicht der Spekulanten. (👏 SPÖ) Die Finanzmarktaufsicht hat sich in der jüngsten Vergangenheit – es ist von einigen Abgeordneten, von Vorrednern und Vorrednerinnen schon angesprochen worden – durchaus Kritik, vor allem seitens der Bankenvertreter, anhören dürfen, was die KIM-Verordnung betrifft. Warum erwähne ich das? – Auch das ist im Finanzausschuss besprochen worden. Ich möchte dazu ähnlich wie Frau Abgeordnete Tomaselli und Jan Krainer sagen, dass wir aber aktuell sehen, dass die Zahl der Wohnkredite wieder hinaufgeht, und dies schon seit Anfang des Jahres, obwohl da die KIM-Verordnung noch bestanden hat. Trotzdem finden wir es gut, dass diese Verordnung jetzt durch eine Empfehlung ersetzt wird. Das ist durchaus vernünftig. Wir haben aber in dem ganzen Bereich schon ein Problem: Es hat so wenige Wohnbaukredite gegeben und es ist nach wie vor so, dass sich viel mehr Menschen Eigentum schaffen wollen, aber die Zinsen sind einfach nach wie vor zu hoch, und auch die Preise von Immobilien sind zu hoch. Darum ist es ganz, ganz wichtig, dass die Regierung weiter vorhat, für leistbaren Wohnraum zu sorgen. Ich glaube, da müssen wir unsere Anstrengungen wirklich weiter verstärken, da ist vielleicht auch noch mehr notwendig – auch angesichts dessen, dass leider die Inflation wieder steigt. Diese ist für den Wirtschaftsstandort schlecht, für uns alle schlecht, und ich glaube, leistbares Wohnen ist ein wichtiger Beitrag dazu, dass die Inflation perspektivisch gesenkt werden kann. (👏 SPÖ) Abschließend kann ich nur sagen: Wir sind als Sozialdemokratie der festen Überzeugung, dass Finanzmärkte nur dann einen Beitrag zum Gemeinwohl liefern, wenn sie entsprechend transparent und reglementiert sind und nicht zur regelfreien Spielwiese diverser Finanzjongleure werden. Mit diesen drei Gesetzesvorlagen leisten wir einen Beitrag dazu, und das ist gut so. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Thomas Elian . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Thomas Elian

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Die heute vorliegenden Gesetzesänderungen im Bereich des Finanzmarktrechtes wirken auf den ersten Blick technisch, fast schon sperrig. Begriffe wie Börsegesetz, Wertpapieraufsicht, Immobilienfonds, Bankenabwicklung bedeuten aber viel mehr, sie bedeuten etwas sehr Grundsätzliches: Es geht um Vertrauen – Vertrauen in die Stabilität unseres Finanzsystems, Vertrauen in klare Regeln – und letztlich um die Sicherheit von Menschen, die mit ihrem Geld, mit ihrer Vorsorge, mit ihrer Zukunft in diese Märkte eingebunden sind. Die Inhalte der Gesetzesänderungen sind in vielen Teilen europarechtlich bedingt. Es geht um Harmonisierung und um die einheitliche Umsetzung von Richtlinien. Für mich ist aber entscheidend: Wir machen hier keine bloße Pflichterfüllung, sondern wir sorgen aktiv dafür, dass unser Rechtsrahmen mit der Marktentwicklung, mit technologischen Veränderungen und mit dem, was unsere Gesellschaft zu Recht erwartet – Stabilität und klare Zuständigkeit –, Schritt hält. Mit den heutigen Änderungen des Börsegesetzes und des Wertpapieraufsichtsgesetzes setzen wir ein klares Zeichen für Entbürokratisierung und mehr Praxisnähe am Kapitalmarkt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen erhalten dadurch besseren Zugang zur Börse, weil übermäßige Berichtspflichten und Informationsanforderungen zielgerichtet angepasst werden. Gleichzeitig wird Anlegerinnen und Anlegern mehr Eigenverantwortung eingeräumt, ohne den Schutz auszuhebeln. Das ist ein vernünftiger Ausgleich zwischen Klarheit, Vertrauen und unternehmerischer Freiheit. (👏 ÖVP) Besonders hervorheben möchte ich die Änderungen im Immobilien-Investmentfondsgesetz und im Sanierungs- und Abwicklungsgesetz. Diese Materien sind nicht nur für Fachleute relevant, sondern ganz unmittelbar für uns alle, denn Immobilienfonds bewegen Milliarden, und sie haben Einfluss darauf, wie sich unsere Städte und Gemeinden entwickeln, wie sich Bodenpreise gestalten und leistbares Wohnen möglich bleibt. Wenn in diesem Bereich Unsicherheit entsteht, spüren wir das auf kommunaler Ebene bei kommunalen Projekten, spüren das junge Familien beim Wohnungskauf, spürt es die Bauwirtschaft. Gerade beim Thema Bankenabwicklung – ich sage das mit aller Deutlichkeit – darf es keine Graubereiche geben. Wenn eine Bank ins Schlingern gerät, muss klar sein, wer wann was zu tun hat – ohne Panik, ohne Spielraum für Verzögerungen. Es braucht klare Regeln, damit eine Krise nicht auf die Allgemeinheit übergeht. Diese Gesetzesnovelle bringt solche Klarheit. Das ist ein wichtiger Schritt. (👏 ÖVP) Sehr geehrte Damen und Herren, wir beschließen heute Gesetze, die keine großen Schlagzeilen produzieren, sie leisten aber einen beständigen und wichtigen Beitrag zur Stabilität unseres Landes – denn es sind genau die Regeln, die oft unbeachtet bleiben, die in Wahrheit das Rückgrat unseres Rechtsstaats bilden. Sie sind nicht plakativ, aber sie geben Sicherheit und schaffen Vertrauen – das das Fundament einer starken Wirtschaft und einer verlässlichen Gesellschaft ist – und erfüllen damit eine der zentralen Aufgaben verantwortungsvoller Politik. Tun wir das Richtige für Österreich! – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Markus Hofer . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer hier im Saal und zu Hause an den digitalen Endgeräten! Tatsächlich sind die drei Tagesordnungspunkte, mit denen wir uns jetzt beschäftigen – mit Fachthemen wie MiFID, EMIR Review, Daisy Chain I und II –, eher legistische Leckerbissen für Kapitalmarktexperten. Kollege Fuchs dürfte es auch so sehen, weil er sich eigentlich nicht zu diesem Thema geäußert hat, sondern uns ein Recycling der Budgetrede präsentiert hat. Ich bin ja für Recycling und Circular Economy, aber ich denke, genau das Thema Kapitalmarkt ist etwas Wichtiges, um das wir uns kümmern sollten. (👏 SPÖ, NEOS) Für manche ist es ja so, dass es, wenn in einem Satz „Finanz“ und „Kapital“ vorkommt, in ihrer Wahrnehmung schon einen gewissen Hautgout hat in dem Sinne, dass es da nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Finanzmarkt beziehungsweise der Kapitalmarkt ist aber kein Ort, an dem es Spekulanten gibt, sondern er ist ein wesentlicher Teil des Wirtschaftssystems, der unverzichtbar für Wachstum, für Innovation und für Wohlstand ist. Ein starker Kapitalmarkt bedeutet starke Unternehmen, er bedeutet zukunftsfitte Arbeitsplätze, Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups, Kapital für die Transformation, die so wichtig ist, und er bedeutet schlussendlich für jeden und jede von uns Bürgerinnen und Bürgern eine Chance, mit persönlichem Vermögensaufbau daran teilzunehmen. (👏 ÖVP, NEOS) Die Umsetzungen die wir hier vornehmen – die Umsetzung und Einführung der Richtlinie MiFID II und der Verordnung EMIR Review –, sind ein wesentlicher Teil dafür, denn sie stärken die Kapitalmarktunion, sie stärken das Vertrauen in die Kapitalmärkte, in ihre Transparenz, Effizienz und Attraktivität. Genau das ist in Österreich auch wesentlich und wichtig. In Österreich besteht – im internationalen Vergleich – wahrlich die Notwendigkeit, den Kapitalmarkt zu stärken. Wenn wir sehen, dass unsere Kapitalisierung im Vergleich zum BIP ein Ausmaß von etwa 26 Prozent aufweist und wir das mit der Situation in stark kapitalisierten Ländern wie den Beneluxländern vergleichen, wo sie 75 Prozent beträgt, wenn wir sehen, dass an der Wiener Börse nur sehr wenige Unternehmen gelistet sind und wenige Neulistungen erfolgen, wenn wir sehen, wie wenige Österreicherinnen und Österreicher selbst Titel vom Kapitalmarkt erworben haben, dann ist klar, dass wir da eine Stärkung brauchen. Besonderen Nachholbedarf sehen wir auch bei der zweiten Säule. Aktuell haben nur ungefähr eine Million Arbeitnehmer:innen – etwas mehr – oder 25 Prozent eine unternehmensbasierte Pensionsvorsorge, die zusätzlich und ergänzend zur ersten Säule so wichtig wäre. Mein persönliches Leitbild wäre, dass 4 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das in Zukunft haben. Wir NEOS stehen immer für eine Stärkung des Kapitalmarktes. Wir stehen für eine Stärkung des Kapitalmarktes, weil er zum selbstbestimmten Vermögensaufbau beiträgt, weil er eine Ergänzung zur staatlichen ersten Pensionsvorsorge ist und weil er schließlich und endlich das notwendige Kapital für die großen Transformationsschritte bringt, die wir brauchen. Diese Schritte machen den Kapitalmarkt transparenter, klarer, effizienter und attraktiver, und ich danke für die Unterstützung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner . Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir beschließen heute dieses Gesetzespaket aus einem einfachen Grund: weil wir aus der Vergangenheit gelernt haben und Finanzstabilität im System erhalten wollen. Denn wenn es bei den großen Banken kracht, zahlen am Ende immer die Falschen. Beim Sanierungs- und Abwicklungsgesetz geht es im Wesentlichen um den Mindestbetrag an Eigenmitteln und berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten, den große, systemrelevante Banken für die Abwicklung benötigen. Warum ist das wichtig? – Weil wir verhindern müssen, dass in einem Krisenfall wieder die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler einspringen müssen. Wenn eine Bank ins Wanken gerät, dann sollen die Verluste zuerst intern abgefangen werden, durch das eigene Kapital oder durch Gläubiger, die dafür haften, nicht durch den Staat und nicht durch die Allgemeinheit. Das Ziel ist klar: Die Banken sollen sich künftig selbst retten können. So wie jedes Unternehmen Verantwortung für seine Risiken tragen muss, gilt das auch für Finanzinstitute. (👏 ÖVP, SPÖ) Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, so wichtig diese systemische EU-weite Regulierung auch ist, Stabilität beginnt nicht erst in Brüssel oder in Straßburg, sie beginnt bei uns und vor allem in den Gemeinden. Erlauben Sie mir einen kurzen Sidestep, weil es doch erwähnenswert ist, dass wir zuletzt auch ein starkes Signal an die Kommunen senden konnten: 880 Millionen Euro fließen bis 2028 direkt in unsere Gemeinden; und neu – und das finde ich als Bürgermeister besonders gut –: ohne Antrag, ohne Zweckbindung und – ganz entscheidend – ohne Kofinanzierungsbeitrag. Viele Gemeinden waren nämlich in den letzten Jahren schon nicht mehr in der Lage, das Geld bereitzustellen, um die finanziellen Mittel des Bundes überhaupt auslösen zu können. Ich finde das gut, Frau Staatssekretärin, denn wenn wir Bürgermeister und Gemeinderäte eines wissen, dann ist das, wo das eingesetzte Geld auch am meisten bewirkt – ob das jetzt bei der Grundinfrastruktur ist, ob das bei den Straßen und Gehsteigen ist, ob das bei der Sanierung von Schulen und Kindergärten ist oder ob das bei Energieeffizienzmaßnahmen ist, wie zum Beispiel bei der Umrüstung auf LED bei der Straßenbeleuchtung, damit wir die Fixkosten senken können. Das wissen wir, glaube ich, sehr, sehr gut. Wir dürfen auch eines nicht vergessen – zum Abschluss –: Wenn wir als Gemeinden investieren, dann erhöhen wir die Lebensqualität, als regionale Wirtschaftsmotoren sichern wir aber auch den Fortbestand von Betrieben und damit von zahlreichen Arbeitsplätzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Manfred Harrer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/37.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Börsegesetz und das Wertpapieraufsichtsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 131 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist wieder einstimmig der Fall. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/37.2 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, das Investmentfondsgesetz, das Wertpapieraufsichtsgesetz sowie weitere Gesetze geändert werden, samt Titel und Eingang in 132 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist wieder einstimmig der Fall. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/37.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Nina Tomaselli , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/37.4 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Immobilien-Investmentfondsgesetz und das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 133 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Immobilien-Investmentfondsgesetz und Sanierungs- und Abwicklungsgesetz

140 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 133 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat beschließt Änderungen am Sanierungs- und Abwicklungsgesetz (BaSAG) zur Umsetzung der EU-Vorgaben „Daisy Chain I“ und „Daisy Chain II“ im Bankenabwicklungs- und MREL/TLAC-Rahmen. Damit werden u.a. Regeln zur indirekten Zeichnung und zum Abzug von MREL/iMREL-Instrumenten, zur Behandlung von Liquidationseinheiten sowie zur (teilweisen) Erfüllung von MREL/iMREL auf konsolidierter Basis klargestellt und EU-weit vereinheitlicht.

Betroffen sind österreichische Banken und Bankengruppen (insbesondere komplexe Abwicklungsgruppen und global systemrelevante Institute) sowie deren MREL/iMREL- und TLAC-relevante Instrumente und Melde-/Offenlegungspflichten.

Dokumente

Immobilien-Investmentfondsgesetz und Sanierungs- und Abwicklungsgesetz

Gegenstand und Ziel des Berichts

  • Behandelt wird ein Bundesgesetz, mit dem das Immobilien-Investmentfondsgesetz und das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz (BaSAG) geändert werden.
  • Ziel ist die Umsetzung und nationale Verankerung unionsrechtlicher Vorgaben („Daisy Chain I“ und „Daisy Chain II“) sowie damit verbundene Klarstellungen im österreichischen Bankenabwicklungsrahmen.

Umzusetzende EU-Rechtsakte („Daisy Chain I“ und „Daisy Chain II“)

  • Umsetzung der Änderung der Richtlinie 2014/59/EU (BRRD) durch die Verordnung (EU) 2022/2036 („Daisy Chain I“) zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 und der Richtlinie 2014/59/EU, insbesondere zur aufsichtlichen Behandlung global systemrelevanter Institute mit multipler Abwicklungsstrategie sowie zu Methoden der indirekten Zeichnung von Instrumenten zur Erfüllung der Mindestanforderung an Eigenmittel und berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten (MREL).
  • Umsetzung der Richtlinie (EU) 2024/1174 („Daisy Chain II“) zur Änderung der Richtlinie 2014/59/EU und der Verordnung (EU) Nr. 806/2014, insbesondere zu bestimmten Aspekten der MREL.

Hauptgesichtspunkte der Änderungen im BaSAG

  • Umsetzung wichtiger und dringender Klarstellungen für die österreichische Bankenlandschaft im Bereich Sanierung und Abwicklung.
  • Dringlichkeit wird mit unionsrechtlichen Umsetzungsvorgaben, deren wirtschaftlicher Bedeutung sowie einem anhängigen Vertragsverletzungsverfahren (Stadium der „Begründeten Stellungnahme“; Risiko einer Klage samt Strafzahlungsantrag nach Art. 260 Abs. 3 AEUV) begründet.
  • Erwartete Wirkungen: Verbesserung der Rechtssicherheit, Verringerung des Verwaltungsaufwands und Vereinheitlichung von Prozessen auf EU-Ebene.

Bankenabwicklungsrahmen: MREL, iMREL und Zielsetzung

  • Der Bankenabwicklungsrahmen soll Verlustabsorption, Rekapitalisierung und Abwicklungsfähigkeit von Instituten und Gruppen verbessern, ohne Einsatz öffentlicher Mittel.
  • Zentrales Instrument ist die Verpflichtung zur Erfüllung einer Mindestanforderung an Eigenmittel und berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten (MREL).
  • Innerhalb von Gruppen ist die interne MREL (iMREL) relevant; in Kombination mit Abzugsregeln bei indirekter Zeichnung von MREL innerhalb der Gruppe soll eine doppelte Anrechnung von iMREL-Bestandteilen auf Tochter- und Mutterebene vermieden werden.

„Daisy Chain I“: Beteiligungsketten-Ansatz und Abzugsregime bei indirekter Zeichnung

  • Einführung einer Sonderbehandlung für die indirekte Zeichnung von iMREL-fähigen Instrumenten innerhalb komplexer Abwicklungsgruppen („Daisy Chains“).
  • Einführung einer Abzugsregelung für Eigenmittel und berücksichtigungsfähige Verbindlichkeiten, die im Abwicklungsfall Verlustabsorption ermöglichen und über eine zwischengeschaltete Einheit zur Weiterleitung an ein Mutterunternehmen gehalten/übertragen werden.
  • Einführung einer überarbeiteten Abzugsregelung, um insbesondere die Doppelzählung von MREL-Instrumenten auf Ebene zwischengeschalteter Einheiten zu vermeiden.
  • Ziel: Sicherstellung, dass Bankengruppen eine ausreichende Verlustabsorptionskapazität beibehalten, die mit ihrer MREL-Anforderung im Einklang steht.

„Daisy Chain I“: Behandlung global systemrelevanter Institute (G-SRI) mit MPE-Strategie und TLAC

  • Angleichung der Behandlung von Global Systemrelevanten Instituten (G-SRI) mit multipler Abwicklungsstrategie (Multiple Point of Entry, MPE) an Vorgaben des Financial Stability Boards (FSB) zur international einheitlichen Verlustabsorptionsfähigkeit (Total Loss Absorbance Capacity, TLAC-Standard).
  • Hinweis auf praktische Probleme bei der Abwicklung von Gruppen mit MPE-Strategie, insbesondere wenn die Abwicklungsregelung eines Drittlandes nicht gleichwertig mit der in der Union geltenden Regelung ist.
  • Präzisierung der Vorgaben zur Berücksichtigungsfähigkeit von Instrumenten im Rahmen der internen TLAC.

„Daisy Chain II“: Liquidationseinheiten im MREL-Rahmen

  • Anpassung der Behandlung von Liquidationseinheiten im MREL-Rahmen.
  • Einführung einer Definition für Liquidationseinheiten.
  • Einführung von Melde- und Offenlegungspflichten für Liquidationseinheiten.
  • Konkretisierung der Rolle von Liquidationseinheiten im MREL-Rahmenwerk.

„Daisy Chain II“: Erfüllung von MREL/iMREL auf konsolidierter Basis

  • Anpassungen, um die Möglichkeit zu schaffen, MREL und iMREL innerhalb von Unternehmensgruppen auf konsolidierter Basis zu erfüllen.
  • Ziel ist eine praxistaugliche und gruppenbezogene Erfüllungsoption im Rahmen der unionsrechtlichen Vorgaben.

Inkrafttreten

  • Die gesetzlichen Bestimmungen treten mit Ablauf des Tages der Kundmachung in Kraft.

Kompetenzgrundlage

  • Verfassungsrechtliche Grundlage: Art. 10 Abs. 1 Z 5 B-VG (Geld-, Kredit-, Börse- und Bankwesen).

Immobilien-Investmentfondsgesetz und Sanierungs- und Abwicklungsgesetz

~28 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Hubert Fuchs

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Ich spreche zu TOP 5, zur Novellierung des Immobilien-Investmentfondsgesetzes. Manche von uns können sich vielleicht noch an das Jahr 2021 erinnern: Damals haben wir bereits eine Novellierung vorgenommen, und da wurde im Immobilien-Investmentfondsgesetz für Kleinanleger eine Mindestbehaltefrist und eine Rückgabefrist eingeführt, was eine erhebliche Schlechterstellung für Kleinanleger bewirkte. Für eine diesbezügliche Änderung der Fondsbestimmungen musste bisher eine einjährige Veröffentlichungsfrist eingehalten werden, was wiederum ein Vorteil für die Kleinanleger war, weil sie dadurch eine zeitlich angemessene Möglichkeit zur Rückgabe beziehungsweise zum Verkauf ihrer Anteile hatten. Diese einjährige Schutzfrist soll mit der heutigen Novelle auf eine Dreimonatsfrist verkürzt werden, was eine erhebliche Schlechterstellung für Kleinanleger beziehungsweise Konsumenten bedeutet. Von einer derartigen Verkürzung der Schutzfrist profitieren lediglich die Immobilienkapitalanlagegesellschaften. Zum Schutze der Kleinanleger beziehungsweise der Konsumenten werden wir Freiheitliche daher gegen diese Novelle stimmen. (👏 FPÖ) Seit gestern ist es fix: Der Ecofin-Rat hat die Einleitung eines Defizitverfahrens gegen die Republik Österreich beschlossen. Die Republik verliert damit einen Teil ihrer Budgethoheit. Die von der Einheitspartei verursachte Einleitung eines Defizitverfahrens bedeutet eine Besachwalterung durch Brüssel und wird das Vertrauen der Finanzmärkte in die Republik nicht fördern – ein Imageverlust. Die Kreditwürdigkeit der Republik wurde von der Ratingagentur Fitch bereits herabgestuft, und dieser Vertrauensverlust durch eine Ratingagentur bedeutet natürlich mittelfristig massiv höhere Ausgaben für Zinsen. Die Verliererkoalition hat damit aber nicht nur ein Versprechen in ihrem Regierungsprogramm gebrochen – wir alle erinnern uns an das Wording im Regierungsprogramm: „Uns eint jedenfalls das Ziel, ein Defizitverfahren zu verhindern“ –, sondern hat mit dem im Juli beschlossenen Budgetpfad, dem Doppelbudget beziehungsweise dem Bundesfinanzrahmengesetz, bereits ein weiteres Versprechen gebrochen: Bereits heute wissen wir, dass die mit der Europäischen Kommission akkordierte notwendige Unterschreitung der 3-Prozent-Defizit-Obergrenze im Jahr 2028 laut Fiskalprognose nicht erreicht werden wird. Die Verliererkoalition, allen voran unser Finanzminister, will aber die budgetären Fakten nicht wahrhaben und redet sich den Budgetpfad, den der Fiskalrat als „deutlich überschätzt“ und „unambitioniert“ bezeichnet hat, schön. Finanzminister Marterbauer hat für die berechtigte Kritik des Fiskalrates folgende Ausrede parat – ich zitiere –: Wir – also die Bundesregierung – haben eine „Reihe von Maßnahmen“ eingestellt, die noch nicht konkretisiert sind und die der Fiskalrat daher in seine Berechnungen nicht aufnehmen kann. Nun muss man aber den ganzen Bericht des Fiskalrates lesen: Im Bericht des Fiskalrates über die Einhaltung der Fiskalregeln wird eindeutig festgehalten, dass selbst „bei vollständiger Umsetzung des geplanten Konsolidierungspfades“ die 3-Prozent-Defizit-Obergrenze „überschritten“ wird und zusätzliche „Konsolidierungsmaßnahmen [...] unumgänglich“ sind. Erinnern wir uns an die Budgetrede des Finanzministers, in der es um die Transparenz ging! Er meinte damals: „Wir legen dem Hohen Haus und den Bürgerinnen und Bürgern des Landes die aktuelle Lage des Budgets transparent und nach bestem Wissen und Gewissen vor, ohne irgendetwas zu beschönigen.“ – Aber genau das macht der Herr Finanzminister. (👏 FPÖ) Laut der Alternativberechnung des Fiskalrates werden wir 2028 ein Defizit von 3,3 Prozent des BIPs haben und 2029 eines in Höhe von 3,2 Prozent des BIPs. Das BMF, sprich der Finanzminister, hat die Werte schöngerechnet und kommt 2028 auf 3 Prozent und 2029 auf 2,8 Prozent. Wir werden uns in diesen Jahren noch an heute erinnern, und der Fiskalrat wird recht bekommen. Sollten wir 2028 wie geplant aus dem defizitbasierten ÜD-Verfahren herauskommen, wie sich das der Herr Finanzminister vorstellt, dann wird die EU sofort ein weiteres Defizitverfahren gegen die Republik Österreich einleiten, und zwar das schuldenbasierte ÜD-Verfahren. Der Herr Finanzminister, und damit die Verliererkoalition, hat nämlich nicht nur das Defizit nicht im Griff, sondern auch nicht die Staatsschulden. Diese Verliererkoalition wird unser Land weiter herunterwirtschaften und den budgetären Scherbenhaufen, den uns Schwarz-Grün hinterlassen hat, nur noch weiter vergrößern. (👏 FPÖ) Eine echte und nachhaltige Budgetsanierung, und zwar ohne Besachwalterung durch Brüssel, ist nur unter einem Volkskanzler Herbert Kickl möglich. ( Heiterkeit des Abg. Gödl [ÖVP]. ) – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Krainer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bevor ich mit meiner Rede beginne, darf ich im Namen meines Kollegen Baumann die Lehrlinge und die Ausbildner der Linz AG sehr herzlich im Hohen Haus begrüßen. – Danke, dass ihr da seid! ( Allgemeiner Beifall. ) Für die, die sich die Frage stellen, wofür das F im Parteinamen FPÖ steht: wahrscheinlich auch für Fake News – zumindest ist das, was wir hier von Kollegen Fuchs gehört haben, ein Beispiel dafür. Wenn er von „Besachwalterung“ spricht, dann sagt er etwas, das nichts mit der Realität zu tun hat. Ein ÜD-Verfahren ist ein normales Verfahren. Österreich hatte das bereits; wir waren damals nicht besachwaltet und sind es heute nicht. Das Einzige, das stimmt, ist, dass die budgetäre Situation, die dieses Parlament auch vom Vorgängerparlament geerbt hat, keine gute ist, sondern dass wir eine sehr herausfordernde Zeit haben, dieses Budget zu konsolidieren. Die F macht Kindesweglegung …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

FPÖ heißen wir, nicht F! FPÖ, nicht F!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Mit den Vorschlägen, die Sie selber noch im Jänner gemacht haben – da gab es sogar eine Pressekonferenz, bei der Kollege Fuchs die Sparvorschläge vorgestellt hat; Herr Kickl hat sie auch gleich unterschrieben –, wollen heute weder Fuchs noch Kickl etwas zu tun haben. Das ist halt natürlich keine seriöse Politik, die Sie hier betreiben, insofern war Ihre Rede auch nicht seriös und eigentlich auch gar nicht wirklich zur Sache.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Das sagt der Richtige!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Worum geht es hier in der Sache? – Es geht darum, dass wir hier Verordnungen beziehungsweise Richtlinien der Europäischen Union, die den Kapitalmarkt betreffen, in nationales Recht umsetzen. Das ist gut und richtig so. Das, was uns nur allen klar sein muss, ist, dass wir einen funktionierenden europäischen Kapitalmarkt brauchen. Österreich selber ist viel zu klein, und, ich sage einmal, die Risikoaversität jener, die viel Geld haben, ist sichtbar. Insofern können wir nur davon profitieren, wenn es einen funktionierenden europäischen Kapitalmarkt gibt, weil nicht alle in Europa, die viel Geld haben, so risikoavers sind wie die Österreicherinnen und Österreicher, die viel Geld haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ein Nachteil – und damit bringe ich ein Thema, das dazugehört und das sehr kontroversiell ist; das mache ich absichtlich – ist die sogenannte KIM-VO. Das ist etwas, bei dem es ja nicht nur so ist, dass die Regierungsparteien da unterschiedlicher Meinung sind, es ist ja nicht nur so, dass die Oppositionsparteien da unterschiedlicher Meinung sind, nein, auch innerhalb der einzelnen Parteien gibt es da unterschiedliche Meinungen. Ich bin der Meinung, dass man sich da die Fakten einfach selber anschauen soll. Was ist das Problem, vor dem wir stehen? – Erstens, sage ich einmal, ist es so, dass man ja, wenn ein Schaden passiert, aus dem Schaden klug werden soll, und die Finanzkrise hat uns gelehrt, dass man nicht Kredite an Menschen in einer Höhe vergeben soll, bei der die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese zurückzahlen können, nicht besonders hoch ist oder zumindest gefährdet ist. Besonders schön ist es aber, wenn man nicht den Schaden hat, sondern aus dem Schaden anderer klug wird, denn dann hat man die Erkenntnis, aber nicht den Schaden. Das ist an und für sich das, was wir aus der Finanzkrise gelernt haben: Gib nicht Menschen einen Kredit, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn zurückzahlen können, nicht zumindest 100 Prozent oder 99 Prozent oder 98 Prozent ist, sondern bei denen es vor allem bei steigender Arbeitslosigkeit zu Problemen kommen kann. Das, was in Österreich passiert ist, ist, dass wir bei Immobilien natürlich einen wahnsinnigen Preisauftrieb gehabt haben. Die Immobilienpreise haben sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt – verdoppelt! –; die Löhne und Gehälter sind aber nicht um 100 Prozent gestiegen, sondern nur um 50 Prozent. Das heißt, die Leistbarkeit von Immobilien ist massiv zurückgegangen. Dann haben die Banken begonnen, die Kredite nicht nachhaltig zu vergeben. Vor fünf, sechs Jahren sind 90 Prozent der Kredite so vergeben worden, dass sie nicht nachhaltig waren – 90 Prozent. Dann haben – vollkommen richtig – das Finanzministerium und so weiter – da sind nicht wir gesessen –, das Finanzmarktstabilitätsgremium, in dem alle möglichen Experten drinnen sitzen, gesagt: Nein, die Banken müssen die Kredite nachhaltig vergeben. – Diese KIM-VO ist eingeführt worden, und das hat dazu geführt, dass heute nicht 90 Prozent der Kredite nicht nachhaltig, sondern 90 Prozent nachhaltig vergeben werden. Und sind die Kredite, die vergeben wurden, jetzt auf null gestellt worden? – Nein, sie sind in den letzten Monaten trotz dieser KIM-Verordnung sogar um 70 Prozent gestiegen. Das Problem, das wir im leistbaren Wohnbau haben, sind die hohen Preise, und ich habe manchmal den Eindruck, dass manche, die diese KIM-Verordnung kritisieren, in Wahrheit ein bisschen von eigenen Fehlern, die sie vielleicht gemacht haben, ablenken wollen. Schauen wir uns nämlich Folgendes an: Betreffend leistbaren Wohnraum ist eines der wichtigsten Kriterien oder eines der wichtigsten Instrumente, die die Politik hat, die Wohnbauförderung. Früher, vor 25 Jahren, hat es da ja eine Zweckbindung gegeben: Die Länder bekamen das Geld, und sie waren verpflichtet, das Geld auch dafür auszugeben. Das ist aufgehoben worden – für die, die das historisch wissen wollen: vor circa 25 Jahren waren die Freiheitlichen und die ÖVP in der Regierung –, und seitdem haben sich die Gelder der Wohnbauförderung gedrittelt – gedrittelt! Für 1 Euro, der früher für die Wohnbauförderung ausgegeben wurde, sind es jetzt nur noch 30 Cent. Na ja, dass das kein positiver Beitrag für leistbaren Wohnraum ist, ist klar. Wie die Immobilienpreise angezogen haben, haben wir auch gesehen. Die, die jetzt auf die KIM-Verordnung zeigen, sind, glaube ich, vor allem die, die ablenken wollen. Das, was wir noch sehen, ist, dass wir in manchen Bankenbereichen Probleme bei den sogenannten gewerblichen Immobilien haben, das heißt, dass dort bereits über 5 Prozent der Kredite mit Problemen verbunden sind; wenn das über 8 Prozent sind, dann hat die Bank ein Problem. Auch die, die von diesen Banken sagen, die KIM-Verordnung ist schuld, lenken eigentlich von eigenen Problemen ab – wenn man die Fakten ansieht. Ich bin hier für eine faktenbasierte Diskussion und meine, dass wir vonseiten der Politik eine Aufgabe haben, nämlich leistbaren Wohnraum zu schaffen. Die KIM-Verordnung ist eine Ablenkung von den wahren Problemen, die wir haben. Daran sollten wir hier alle gemeinsam arbeiten. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Ottenschläger. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Andreas Ottenschläger

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, tatsächlich ist es so, dass Finanzmarktstabilität wichtig ist, genauso wie ein funktionierender Kapitalmarkt. Herr Kollege Krainer, auch wenn wir beide jetzt Regierungsfraktionen angehören, so ist, glaube ich, ein gepflegter Diskurs im Parlament trotzdem wichtig. Deswegen möchte ich kurz auch etwas zur KIM-Verordnung sagen. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Es ist ja tatsächlich, ich habe es schon erwähnt, die Finanzmarktstabilität ein entscheidendes Kriterium auch insgesamt für den Standort in Österreich. Ich glaube, die österreichischen Banken haben in den letzten Jahren durch diverseste Maßnahmen – dazu gehören gewisse Regulatorien, aber auch durch eigenes, solides Wirtschaften – gezeigt, dass sie sehr, sehr stabil sind. Das ist auch gut so, denn die Banken sind wichtig für die Wirtschaft, für alle, die sich beispielsweise auch Eigentum schaffen wollen, und leisten insgesamt einen wichtigen Beitrag für die österreichische Volkswirtschaft. Jetzt komme ich aber zum Punkt: Ich glaube, solche Verordnungen wie die KIM-Verordnung – die es übrigens in der Form nicht mehr gibt, aber es gibt halt derzeit eine Empfehlung der FMA –, solche Empfehlungen und Vorgaben sollten auch praxistauglich sein. Was meine ich damit? – Ich glaube, es ist ein Unterschied, ob ich einen Kreditnehmer mit einem niedrigen oder einem höheren Nettohaushaltseinkommen behandle, und derzeit sind die Regeln relativ starr, was das betrifft. Ich glaube, es wäre sehr wohl notwendig, dass wir – ohne dass wir die Finanzmarktstabilität in irgendeiner Art und Weise negativ beeinflussen – trotzdem praxistaugliche Lösungen für die Menschen in diesem Land finden. Das wäre an dieser Stelle auch mein Appell. (👏 ÖVP) Herr Kollege Fuchs von der FPÖ: Wir haben ja schon gesprochen, wir treffen jetzt hier einige, wie wir glauben, positive Maßnahmen für den Kapitalmarkt, und wir sind uns einig: Es ist wichtig, dass wir da europäisch einheitliche Lösungen haben, weil ein europäischer Kapitalmarkt für uns eben sehr wichtig ist. Wenn aber Kollege Fuchs hier davon spricht, dass uns das Defizitverfahren unter Kuratel stellt et cetera: Meine Damen und Herren, das ist so nicht richtig. Es gibt Berichtspflichten, die gibt es immer. Sie sind jetzt etwas intensiver. Und wir haben natürlich unsere Budgethoheit, nämlich hier in diesem Haus, Herr Kollege Fuchs, und das ist auch gut und richtig so. Sie können sich darauf verlassen, dass wir den eingeschlagenen Weg – und das sind jetzt die ersten Maßnahmen, die gesetzt wurden – weitergehen werden und natürlich unser Ziel erreichen wollen, nämlich in Österreich wieder dahin zu kommen, wo wir hingehören, nämlich zu denjenigen Staaten in der Europäischen Union, die mit Sicherheit die Kriterien einhalten werden. Dazu braucht es, Herr Kollege Fuchs, klarerweise auch Vertrauen, und ich hänge nicht Ihrer These an, dass ein Volkskanzler Kickl unbedingt das Vertrauen auf den Märkten hätte – was Sie hier den Menschen erzählen. Ich glaube eher im Gegenteil, er schafft Verunsicherung, und das ist genau das, was wir jetzt eben nicht brauchen.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Pramhofer . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt.

NEOS Christoph Pramhofer

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseher hier im Saal und zu Hause! Immobilieninvestmentfonds sind ein sehr wichtiges und zentrales Instrument am Kapitalmarkt. Sie bringen nämlich Investoren, die gerne sehr risikoavers, mit geringem Risiko in Immobilien investieren können und möchten, insbesondere auch für die Altersvorsorge, und Wohnbauträger zusammen, die mit Zigtausenden Wohnungen, die sie bauen, dafür sorgen, dass wir in diesem Land leistbaren Wohnraum haben. Mit 1. Jänner 2027 tritt eine Regelung in Kraft, die für Immobilieninvestitionsfonds unter anderem eine zwölfmonatige Wartefrist für die Rückgabe von Anteilsscheinen vorsieht. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Fonds noch krisenfester zu machen, also zum Beispiel dafür zu sorgen, wenn Turbulenzen am Markt entstehen, dass Abflüsse reduziert werden und so die Liquidität nicht gefährdet wird. Das klingt am Papier sehr vernünftig, aber oft ist das Gegenteil von gut gemacht halt gut gemeint. In der Praxis sehen wir nämlich derzeit genau die Fälle, dass Anlegerinnen und Anleger, insbesondere sehr kleine, ihr Geld jetzt aus diesen Fonds abziehen, lange bevor diese Regelung überhaupt gilt – und zwar nicht, weil sie nicht mehr an diese Fonds glauben, überhaupt nicht, diese Fonds sind sehr solide, bringen gute Erträge, sondern einfach deswegen, weil sie nicht mehr an diese Flexibilität glauben. Sie haben nachher nicht mehr die Flexibilität, ihr Geld dann zu bekommen, wenn sie es brauchen, sei es, weil man zum Beispiel kurzfristig ein neues Auto anschaffen muss, weil irgendetwas passiert ist, oder die Waschmaschine eingegangen ist. Es nimmt kleinen Anlegern die Flexibilität. Wenn wir jetzt Regeln schaffen, die eigentlich Stabilität bringen sollen, aber in der Übergangszeit genau das Gegenteil bewirken, dann müssen wir als Politik auch handeln, und zwar rasch. Genau deswegen haben wir im Regierungsprogramm auch vereinbart, dass wir an einem sinnvollen Mechanismus arbeiten, der Augenmaß und Vernunft vorsieht. Das bedeutet ganz konkret, dass kleinere Anlegerinnen und Anleger mit wenigen tausend Euro zum Beispiel von dieser Rückgabefrist ausgenommen werden sollen. Es ist nämlich schon ein Unterschied, ob private Kleinanleger, die sich ihre Altersvorsorge in diesen Fonds ansparen wollen, ihre Anteile zurückgeben wollen oder institutionelle Investoren, die mit Millionenbeträgen hantieren. Da braucht es maßgeschneiderte Lösungen statt pauschaler Hürden. (👏 NEOS) Mit der heutigen Änderung im Immobilien-Investmentfondsgesetz machen wir einen ersten kleinen, aber sehr wichtigen Schritt. Künftig müssen Fonds nämlich ihre Änderungen der Fondsbestimmungen nicht mehr ein Jahr im Voraus, sondern nur mehr drei Monate vorher ankündigen. Und genau das, Herr Fuchs, schafft mehr Flexibilität und mehr Reaktionsfähigkeit – genau das, was wir jetzt brauchen, um Investorenvertrauen zu sichern.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Aber nicht dem Kleinanleger!

NEOS Christoph Pramhofer

… Natürlich.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Das ist ein Vorteil für die Anlagegesellschaft! Sie denken nur an die Anlagegesellschaft und nicht an den Kleinanleger, Herr Kollege!

NEOS Christoph Pramhofer

… Es geht um die Reaktionsfähigkeit, die wir jetzt brauchen, um praktikable Lösungen zu entwickeln. Die Immobilieninvestitionsfonds sind so ein wichtiger Baustein, nicht nur für den Kapitalmarkt, sondern auch für die Altersvorsorge vieler Menschen in diesem Land.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Der Kleinanleger ist Ihnen wurscht!

NEOS Christoph Pramhofer

… Genau darum wollen wir jetzt nicht neue Unsicherheiten schaffen, sondern bestehende ausräumen.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Ist eine Schlechterstellung!

NEOS Christoph Pramhofer

… Dafür braucht es durchdachte Regeln …

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Da ist gar nichts durchdacht!

NEOS Christoph Pramhofer

… Schutz und Vertrauen verbinden, nicht überregulieren und zielgerecht verbessern. Genau dafür haben wir heute den ersten Schritt gesetzt. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Nina Tomaselli . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke schön, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, die KIM-Verordnung ist weg. Sie ist, zack, gestrichen. Österreich hat jetzt wieder einen freien Kreditfluss. Hurra, hurra!, sagen die Bauwirtschaft und die Immobilienhaie. Der Häuslbauer sagt: Cool, ich kriege trotzdem keines!, und warum nicht? – Weil viel zu lange bei den Immobilienspekulationen und den damit einhergehenden Baupreisen weggeschaut worden ist. Zig Vertreter, vor allem aus den ÖVP-Reihen, wollen ja überhaupt keine Kreditrichtlinien. Das führt nämlich dazu – daran muss man nur ganz fest glauben und die Augen zumachen –, dass sich dann wahrlich ein Immobilienboom ganz von selber entwickelt. – Das ist natürlich überhaupt nicht so. Gerade wenn wir von den Raiffeisen-Banken reden: Man sieht dort, dass es ein möglichst schlechtes Beratungsgeschäft ist, da auf viele schlecht besicherte Wohnbaukredite zu setzen. Konzentriert man sich politisch auf die Lösung dieses Problems? – Das wäre doch etwas, dass Sie sich darauf konzentrieren und nicht weiterhin die FMA zum Sündenbock für die verfehlte Wohnbaupolitik machen. Wir bringen, angeregt vom Internationalen Währungsfonds, heute einen Unselbständigen Entschließungsantrag ein. Der lautet folgendermaßen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Nina Tomaselli , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat ein Gesetz mit den wesentlichen Kreditregeln der KIM-VO als dauerhafte Schutzmaßnahme für den Finanzplatz und Bankkund:innen zuzuleiten. Dies betrifft insbesondere die Beleihungshöchstquote von 90 Prozent, eine Schuldenquote von maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens, eine maximale Laufzeit von 35 Jahren, sowie adäquate Ausnahmeregeln für Banken für bis zu 20 Prozent des Neukreditvolumens.“ Wir hoffen auf Ihre Zustimmung, das wäre mehr als nur vernünftig. Ein zweiter Punkt, der mich sehr geärgert hat – wichtig hier im Plenum ist ja, dass man auch über das redet, von dem die Regierungsparteien verhindern, dass wir es hier im Plenum besprechen –: Es geht um die größte Firmenpleite der Zweiten Republik. Ein Milliardenschaden ist entstanden, und die Politik – ich rede natürlich von der Signa – hat bisher was getan? – Nichts, null, nada! Wir Grüne haben etliche Anträge eingebracht. Sie haben sie in mehreren Ausschüssen einfach so vertagt, ohne irgendeinen Gegenvorschlag zu bringen. Statt Konsequenzen gibt es Schweigen im Walde. Mit Benko waren ja gerade einige Ihrer Vertreter auf Tuchfühlung – oder auch auf der Pirsch. Gusenbauer und Haselsteiner waren im Aufsichtsrat, die haben noch kurz vor der Pleite Geheimdeals mit Benko geschlossen. Die ÖVP hat Benko gleich in das Bundeskanzleramt eskortiert. Der Kriminalfall Benko darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das meiste von seinem System legal war. Passiert nichts, wird der nächste Hütchenspieler à la Benko ums Eck kommen und wiederum sein Unwesen treiben. Es kann doch nicht sein, dass schon wieder die Ehrlichen, die Bemühten, die Steuerzahlenden die Blöden sind. – Danke schön. (👏) 11.12 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/30.1 gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln (95/UEA) Präsident Peter Haubner : Ich halte fest, dass der soeben verlesene Entschließungsantrag von Abgeordneter Tomaselli ordnungsgemäß eingebracht wurde und somit mit in Verhandlung steht. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Staatssekretärin Mag. Barbara Eibinger-Miedl . – Bitte, Frau Staatssekretärin.

SPÖ Barbara Teiber

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen, liebe Kollegen! Werte Frau Staatssekretärin! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es freut mich sehr, dass wir hier im Parlament – alle Parteien außer der FPÖ – mit den vorliegenden Gesetzen wichtige Schritte setzen, um den Finanzmarkt transparenter und stabiler zu machen. Auch die Frau Staatssekretärin hat es in ihrem Redebeitrag angesprochen: Die Änderungen des Börse- und des Wertpapieraufsichtsgesetzes schaffen einerseits mehr Transparenz an den Märkten, was durchaus allen zugutekommt. Andererseits wird die Finanzmarktaufsicht gestärkt, sie bekommt weitere Befugnisse. Das begrüßen wir als SPÖ, denn wir wissen, dass die Finanzmärkte Kontrolle brauchen. Das ist im Sinne aller, die sich an die Spielregeln halten. So schaffen wir mehr Klarheit und mehr Sicherheit, und so stärken wir die Europäische Union als Finanzstandort im Sinne der Konsumentinnen und Konsumenten und nicht der Spekulanten. (👏 SPÖ) Die Finanzmarktaufsicht hat sich in der jüngsten Vergangenheit – es ist von einigen Abgeordneten, von Vorrednern und Vorrednerinnen schon angesprochen worden – durchaus Kritik, vor allem seitens der Bankenvertreter, anhören dürfen, was die KIM-Verordnung betrifft. Warum erwähne ich das? – Auch das ist im Finanzausschuss besprochen worden. Ich möchte dazu ähnlich wie Frau Abgeordnete Tomaselli und Jan Krainer sagen, dass wir aber aktuell sehen, dass die Zahl der Wohnkredite wieder hinaufgeht, und dies schon seit Anfang des Jahres, obwohl da die KIM-Verordnung noch bestanden hat. Trotzdem finden wir es gut, dass diese Verordnung jetzt durch eine Empfehlung ersetzt wird. Das ist durchaus vernünftig. Wir haben aber in dem ganzen Bereich schon ein Problem: Es hat so wenige Wohnbaukredite gegeben und es ist nach wie vor so, dass sich viel mehr Menschen Eigentum schaffen wollen, aber die Zinsen sind einfach nach wie vor zu hoch, und auch die Preise von Immobilien sind zu hoch. Darum ist es ganz, ganz wichtig, dass die Regierung weiter vorhat, für leistbaren Wohnraum zu sorgen. Ich glaube, da müssen wir unsere Anstrengungen wirklich weiter verstärken, da ist vielleicht auch noch mehr notwendig – auch angesichts dessen, dass leider die Inflation wieder steigt. Diese ist für den Wirtschaftsstandort schlecht, für uns alle schlecht, und ich glaube, leistbares Wohnen ist ein wichtiger Beitrag dazu, dass die Inflation perspektivisch gesenkt werden kann. (👏 SPÖ) Abschließend kann ich nur sagen: Wir sind als Sozialdemokratie der festen Überzeugung, dass Finanzmärkte nur dann einen Beitrag zum Gemeinwohl liefern, wenn sie entsprechend transparent und reglementiert sind und nicht zur regelfreien Spielwiese diverser Finanzjongleure werden. Mit diesen drei Gesetzesvorlagen leisten wir einen Beitrag dazu, und das ist gut so. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Thomas Elian . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Thomas Elian

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Die heute vorliegenden Gesetzesänderungen im Bereich des Finanzmarktrechtes wirken auf den ersten Blick technisch, fast schon sperrig. Begriffe wie Börsegesetz, Wertpapieraufsicht, Immobilienfonds, Bankenabwicklung bedeuten aber viel mehr, sie bedeuten etwas sehr Grundsätzliches: Es geht um Vertrauen – Vertrauen in die Stabilität unseres Finanzsystems, Vertrauen in klare Regeln – und letztlich um die Sicherheit von Menschen, die mit ihrem Geld, mit ihrer Vorsorge, mit ihrer Zukunft in diese Märkte eingebunden sind. Die Inhalte der Gesetzesänderungen sind in vielen Teilen europarechtlich bedingt. Es geht um Harmonisierung und um die einheitliche Umsetzung von Richtlinien. Für mich ist aber entscheidend: Wir machen hier keine bloße Pflichterfüllung, sondern wir sorgen aktiv dafür, dass unser Rechtsrahmen mit der Marktentwicklung, mit technologischen Veränderungen und mit dem, was unsere Gesellschaft zu Recht erwartet – Stabilität und klare Zuständigkeit –, Schritt hält. Mit den heutigen Änderungen des Börsegesetzes und des Wertpapieraufsichtsgesetzes setzen wir ein klares Zeichen für Entbürokratisierung und mehr Praxisnähe am Kapitalmarkt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen erhalten dadurch besseren Zugang zur Börse, weil übermäßige Berichtspflichten und Informationsanforderungen zielgerichtet angepasst werden. Gleichzeitig wird Anlegerinnen und Anlegern mehr Eigenverantwortung eingeräumt, ohne den Schutz auszuhebeln. Das ist ein vernünftiger Ausgleich zwischen Klarheit, Vertrauen und unternehmerischer Freiheit. (👏 ÖVP) Besonders hervorheben möchte ich die Änderungen im Immobilien-Investmentfondsgesetz und im Sanierungs- und Abwicklungsgesetz. Diese Materien sind nicht nur für Fachleute relevant, sondern ganz unmittelbar für uns alle, denn Immobilienfonds bewegen Milliarden, und sie haben Einfluss darauf, wie sich unsere Städte und Gemeinden entwickeln, wie sich Bodenpreise gestalten und leistbares Wohnen möglich bleibt. Wenn in diesem Bereich Unsicherheit entsteht, spüren wir das auf kommunaler Ebene bei kommunalen Projekten, spüren das junge Familien beim Wohnungskauf, spürt es die Bauwirtschaft. Gerade beim Thema Bankenabwicklung – ich sage das mit aller Deutlichkeit – darf es keine Graubereiche geben. Wenn eine Bank ins Schlingern gerät, muss klar sein, wer wann was zu tun hat – ohne Panik, ohne Spielraum für Verzögerungen. Es braucht klare Regeln, damit eine Krise nicht auf die Allgemeinheit übergeht. Diese Gesetzesnovelle bringt solche Klarheit. Das ist ein wichtiger Schritt. (👏 ÖVP) Sehr geehrte Damen und Herren, wir beschließen heute Gesetze, die keine großen Schlagzeilen produzieren, sie leisten aber einen beständigen und wichtigen Beitrag zur Stabilität unseres Landes – denn es sind genau die Regeln, die oft unbeachtet bleiben, die in Wahrheit das Rückgrat unseres Rechtsstaats bilden. Sie sind nicht plakativ, aber sie geben Sicherheit und schaffen Vertrauen – das das Fundament einer starken Wirtschaft und einer verlässlichen Gesellschaft ist – und erfüllen damit eine der zentralen Aufgaben verantwortungsvoller Politik. Tun wir das Richtige für Österreich! – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Markus Hofer . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer hier im Saal und zu Hause an den digitalen Endgeräten! Tatsächlich sind die drei Tagesordnungspunkte, mit denen wir uns jetzt beschäftigen – mit Fachthemen wie MiFID, EMIR Review, Daisy Chain I und II –, eher legistische Leckerbissen für Kapitalmarktexperten. Kollege Fuchs dürfte es auch so sehen, weil er sich eigentlich nicht zu diesem Thema geäußert hat, sondern uns ein Recycling der Budgetrede präsentiert hat. Ich bin ja für Recycling und Circular Economy, aber ich denke, genau das Thema Kapitalmarkt ist etwas Wichtiges, um das wir uns kümmern sollten. (👏 SPÖ, NEOS) Für manche ist es ja so, dass es, wenn in einem Satz „Finanz“ und „Kapital“ vorkommt, in ihrer Wahrnehmung schon einen gewissen Hautgout hat in dem Sinne, dass es da nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Finanzmarkt beziehungsweise der Kapitalmarkt ist aber kein Ort, an dem es Spekulanten gibt, sondern er ist ein wesentlicher Teil des Wirtschaftssystems, der unverzichtbar für Wachstum, für Innovation und für Wohlstand ist. Ein starker Kapitalmarkt bedeutet starke Unternehmen, er bedeutet zukunftsfitte Arbeitsplätze, Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups, Kapital für die Transformation, die so wichtig ist, und er bedeutet schlussendlich für jeden und jede von uns Bürgerinnen und Bürgern eine Chance, mit persönlichem Vermögensaufbau daran teilzunehmen. (👏 ÖVP, NEOS) Die Umsetzungen die wir hier vornehmen – die Umsetzung und Einführung der Richtlinie MiFID II und der Verordnung EMIR Review –, sind ein wesentlicher Teil dafür, denn sie stärken die Kapitalmarktunion, sie stärken das Vertrauen in die Kapitalmärkte, in ihre Transparenz, Effizienz und Attraktivität. Genau das ist in Österreich auch wesentlich und wichtig. In Österreich besteht – im internationalen Vergleich – wahrlich die Notwendigkeit, den Kapitalmarkt zu stärken. Wenn wir sehen, dass unsere Kapitalisierung im Vergleich zum BIP ein Ausmaß von etwa 26 Prozent aufweist und wir das mit der Situation in stark kapitalisierten Ländern wie den Beneluxländern vergleichen, wo sie 75 Prozent beträgt, wenn wir sehen, dass an der Wiener Börse nur sehr wenige Unternehmen gelistet sind und wenige Neulistungen erfolgen, wenn wir sehen, wie wenige Österreicherinnen und Österreicher selbst Titel vom Kapitalmarkt erworben haben, dann ist klar, dass wir da eine Stärkung brauchen. Besonderen Nachholbedarf sehen wir auch bei der zweiten Säule. Aktuell haben nur ungefähr eine Million Arbeitnehmer:innen – etwas mehr – oder 25 Prozent eine unternehmensbasierte Pensionsvorsorge, die zusätzlich und ergänzend zur ersten Säule so wichtig wäre. Mein persönliches Leitbild wäre, dass 4 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das in Zukunft haben. Wir NEOS stehen immer für eine Stärkung des Kapitalmarktes. Wir stehen für eine Stärkung des Kapitalmarktes, weil er zum selbstbestimmten Vermögensaufbau beiträgt, weil er eine Ergänzung zur staatlichen ersten Pensionsvorsorge ist und weil er schließlich und endlich das notwendige Kapital für die großen Transformationsschritte bringt, die wir brauchen. Diese Schritte machen den Kapitalmarkt transparenter, klarer, effizienter und attraktiver, und ich danke für die Unterstützung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner . Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir beschließen heute dieses Gesetzespaket aus einem einfachen Grund: weil wir aus der Vergangenheit gelernt haben und Finanzstabilität im System erhalten wollen. Denn wenn es bei den großen Banken kracht, zahlen am Ende immer die Falschen. Beim Sanierungs- und Abwicklungsgesetz geht es im Wesentlichen um den Mindestbetrag an Eigenmitteln und berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten, den große, systemrelevante Banken für die Abwicklung benötigen. Warum ist das wichtig? – Weil wir verhindern müssen, dass in einem Krisenfall wieder die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler einspringen müssen. Wenn eine Bank ins Wanken gerät, dann sollen die Verluste zuerst intern abgefangen werden, durch das eigene Kapital oder durch Gläubiger, die dafür haften, nicht durch den Staat und nicht durch die Allgemeinheit. Das Ziel ist klar: Die Banken sollen sich künftig selbst retten können. So wie jedes Unternehmen Verantwortung für seine Risiken tragen muss, gilt das auch für Finanzinstitute. (👏 ÖVP, SPÖ) Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, so wichtig diese systemische EU-weite Regulierung auch ist, Stabilität beginnt nicht erst in Brüssel oder in Straßburg, sie beginnt bei uns und vor allem in den Gemeinden. Erlauben Sie mir einen kurzen Sidestep, weil es doch erwähnenswert ist, dass wir zuletzt auch ein starkes Signal an die Kommunen senden konnten: 880 Millionen Euro fließen bis 2028 direkt in unsere Gemeinden; und neu – und das finde ich als Bürgermeister besonders gut –: ohne Antrag, ohne Zweckbindung und – ganz entscheidend – ohne Kofinanzierungsbeitrag. Viele Gemeinden waren nämlich in den letzten Jahren schon nicht mehr in der Lage, das Geld bereitzustellen, um die finanziellen Mittel des Bundes überhaupt auslösen zu können. Ich finde das gut, Frau Staatssekretärin, denn wenn wir Bürgermeister und Gemeinderäte eines wissen, dann ist das, wo das eingesetzte Geld auch am meisten bewirkt – ob das jetzt bei der Grundinfrastruktur ist, ob das bei den Straßen und Gehsteigen ist, ob das bei der Sanierung von Schulen und Kindergärten ist oder ob das bei Energieeffizienzmaßnahmen ist, wie zum Beispiel bei der Umrüstung auf LED bei der Straßenbeleuchtung, damit wir die Fixkosten senken können. Das wissen wir, glaube ich, sehr, sehr gut. Wir dürfen auch eines nicht vergessen – zum Abschluss –: Wenn wir als Gemeinden investieren, dann erhöhen wir die Lebensqualität, als regionale Wirtschaftsmotoren sichern wir aber auch den Fortbestand von Betrieben und damit von zahlreichen Arbeitsplätzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Manfred Harrer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/37.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Börsegesetz und das Wertpapieraufsichtsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 131 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist wieder einstimmig der Fall. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/37.2 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, das Investmentfondsgesetz, das Wertpapieraufsichtsgesetz sowie weitere Gesetze geändert werden, samt Titel und Eingang in 132 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist wieder einstimmig der Fall. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/37.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Nina Tomaselli , Kolleginnen und Kollegen betreffend „gesetzliche Implementierung der KIM-VO-Regeln“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/37.4 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 5: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Immobilien-Investmentfondsgesetz und das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz geändert werden, samt Titel und Eingang in 133 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetz, Sicherheitspolizeigesetz, Telekommunikationsgesetz 2021, u.a.

164 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 136 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.

Zusammenfassung

Der Nationalrat beschließt eine Novelle zum Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetz, Sicherheitspolizeigesetz, Telekommunikationsgesetz 2021 sowie zu BVwGG und RStDG. Kernpunkte sind neue Befugnisse und Verfahren im Verfassungsschutz (u.a. Aufschub von Einschreiten/Ermittlungen, flexiblere Zuständigkeiten, Überwachung von Inhaltsdaten inkl. verschlüsselter Kommunikation unter strengen Voraussetzungen), Anpassungen bei Rechtsschutz/Deliktskatalog sowie organisatorische Regelungen (Mitwirkungspflichten von Anbietern, Rufbereitschaft/Journaldienst beim BVwG).

Betroffen sind die Verfassungsschutz- und Staatsschutzorganisationseinheiten samt Direktion, der Rechtsschutzbeauftragte und BVwG-Personal, Kommunikationsdiensteanbieter sowie Personen/Kommunikation, die in verfassungsschutzrelevanten Verfahren überwacht werden können.

Dokumente

Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetz, Sicherheitspolizeigesetz, Telekommunikationsgesetz 2021, u.a.

Zielsetzung und Kerninhalte der Novelle

  • Schaffung einer gesonderten Möglichkeit, im Aufgabenbereich des Verfassungsschutzes sicherheitspolizeiliches Einschreiten oder kriminalpolizeiliche Ermittlungen aufzuschieben.
  • Anlehnung an die maßgeblichen Bestimmungen des § 23 SPG sowie des § 99 Abs. 4 ff. StPO: Organisationseinheiten gemäß § 1 Abs. 3 sollen unter Einhaltung sämtlicher dort genannter Voraussetzungen Maßnahmen aufschieben können, wenn ein überwiegendes Interesse an der Erfüllung der Aufgaben nach § 6 Abs. 1 oder 2 besteht.
  • Reaktion auf praktische Probleme seit Inkrafttreten des SNG: Die strikte Aufgabenzuweisung zwischen Nachrichtendienst (erweiterte Gefahrenerforschung/Beobachtung von Gruppierungen nach § 6 Abs. 1) und Staatsschutz (vorbeugender Schutz vor verfassungsgefährdenden Angriffen durch Einzelpersonen nach § 6 Abs. 2) kann trotz Informationsschnittstelle in bestimmten Konstellationen eine rasche, zweckmäßige und effiziente Aufgabenerfüllung erschweren.
  • Schaffung einer Rechtsgrundlage, damit der Direktor im Einzelfall nach gesetzlich festgelegten Kriterien den Aufgabenbereich Nachrichtendienst zur Wahrnehmung einer Aufgabe nach § 6 Abs. 2 ermächtigen kann.
  • Schaffung einer Rechtsgrundlage im SNG zur Überwachung von Inhaltsdaten in bestimmten, gesetzlich klar definierten Fällen nach dem Vorbild der Regelungen in der StPO.
  • Schaffung einer zusätzlichen Rechtsgrundlage zur Überwachung verschlüsselter Nachrichten (internetbasierte, zumeist end-to-end-verschlüsselte Kommunikation wie zB WhatsApp, Skype, Signal) zur effektiven Bekämpfung verfassungsschutzrelevanter Bedrohungslagen, insbesondere vor dem Hintergrund grenzüberschreitender terroristischer Aktivitäten und der Verlagerung weg von unverschlüsselter Telekommunikation.
  • Voraussetzung für die Überwachung verschlüsselter Nachrichten: wenn bestehende Ermittlungsmaßnahmen zur Vorbeugung des befürchteten verfassungsgefährdenden Angriffs aussichtslos sind.
  • Ergänzungen des Deliktskatalogs der verfassungsgefährdenden Angriffe um für den Verfassungsschutz relevante Tatbestände, insbesondere aus dem Strafgesetzbuch und dem Waffengesetz.

Änderungen im Sicherheitspolizeigesetz (SPG) – Rechtsschutzbeauftragter

  • Verankerung einer verpflichtenden Vertrauenswürdigkeitsprüfung für den Rechtsschutzbeauftragten, dessen Stellvertreter sowie sonstige administrative Mitarbeiter.
  • Schaffung einer Möglichkeit zur Abberufung des Rechtsschutzbeauftragten bzw. seiner Stellvertreter durch den Bundespräsidenten bei groben Pflichtverletzungen oder nachträglicher Unvereinbarkeit mit der Funktion.

Änderungen im Telekommunikationsgesetz 2021 (TKG 2021)

  • Vornahme der für eine allfällige Mitwirkung der (Kommunikationsdienste-)Anbieter an der Nachrichtenüberwachung erforderlichen Anpassungen.

Änderungen im Bundesverwaltungsgerichtsgesetz (BVwGG) und im Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetz (RStDG)

  • Ermöglichung der Einführung einer Rufbereitschaft, allenfalls eines Journaldienstes, beim Bundesverwaltungsgericht.

Kompetenzgrundlagen (B-VG)

  • Art. 10 Abs. 1 Z 1 B-VG (Verwaltungsgerichtsbarkeit).
  • Art. 10 Abs. 1 Z 6 B-VG (Strafrechtswesen).
  • Art. 10 Abs. 1 Z 7 B-VG (Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit).
  • Art. 10 Abs. 1 Z 9 B-VG (Post- und Fernmeldewesen).
  • Art. 10 Abs. 1 Z 16 B-VG (Dienstrecht und Personalvertretungsrecht der Bundesbediensteten).

Besonderheiten des Normerzeugungsverfahrens

  • In den §§ 15a ff wird die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichtes zur Entscheidung über Anträge in sonstigen Angelegenheiten im Sinne des Art. 130 Abs. 2 Z 4 B-VG vorgesehen.
  • Daher darf das Bundesgesetz gemäß Art. 131 Abs. 4 Z 2 lit. d iVm Abs. 4 letzter Satz B-VG nur mit Zustimmung aller neun Länder kundgemacht werden.

Inhaltliche Punkte des Abänderungsantrags (ohne Verfahrensdetails)

  • Bereinigung eines redaktionellen Versehens (Artikel 1 Z 16).
  • Anpassung der Inkrafttretensbestimmung an das Inkrafttreten der Änderungen des BVwGG und RStDG sowie Schaffung einer Übergangsbestimmung (Artikel 1 Z 22 und 22a).
  • Zweck der Übergangsbestimmung: Mitglieder des Bundesverwaltungsgerichtes, denen Anträge gemäß § 15c Abs. 2 oder § 15a Abs. 1 zugewiesen sind, sowie in diesen Angelegenheiten verwendete Bedienstete sollen bereits vor Inkrafttreten der Bestimmungen betreffend die Überwachung von Nachrichten einer Vertrauenswürdigkeitsprüfung unterzogen werden können.
  • Weitere Bereinigungen redaktioneller Versehen (Artikel 2 Z 5, Artikel 4 Z 4, Artikel 5 Z 2).

Stärkung des Staatsschutzes im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus

165 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 354/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag abgelehnt, der eine Aufstockung von Personal- und Budgetmitteln für die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) sowie die Landesämter verlangte. Damit gibt es keinen parlamentarischen Auftrag, den Staatsschutz im Kampf gegen islamistischen Terrorismus in dieser Form zusätzlich auszustatten.

Betroffen wären vor allem die DSN, die Landesämter für Staatsschutz sowie indirekt die Sicherheitsbehörden und deren Ressourcenplanung gewesen.

Ziel des Antrags war, den Staatsschutz angesichts einer als stark steigenden islamistischen Terrorgefahr beschriebenen Lage durch mehr Personal und Budget wirksamer zu machen und Messenger-Überwachung als unzureichend zurückzuweisen.

Dokumente

Stärkung des Staatsschutzes im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag (354/A(E)) zur „Stärkung des Staatsschutzes im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus“.

Begründung und Problemdarstellung im Antrag

  • Als größte Sicherheitsbedrohung werden illegale Massenzuwanderung und der damit einhergehende islamistische Terrorismus dargestellt.
  • Es wird ausgeführt, die Zahl islamistischer Gefährder in Österreich liege im dreistelligen Bereich; darunter Personen, bei denen angenommen werde, dass sie jederzeit zu einem terroristischen Anschlag bereit seien.
  • Der Terroranschlag in Villach am 15. Februar 2025 wird als Beispiel für die tödliche Gefahr angeführt (ein Todesopfer, zahlreiche Schwerverletzte).
  • Es wird auf einen kurz danach verhinderten islamistischen Anschlag auf den Wiener Westbahnhof verwiesen.
  • Unter Bezug auf Angaben der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) wird ein deutlicher Anstieg islamistisch/dschihadistisch motivierter Tathandlungen genannt: 215 im Vorjahr gegenüber 152 im Jahr 2023 (mehr als +40%).
  • Es wird behauptet, rund 650 Personen hielten sich in Österreich auf, die vom Staatsschutz im Bereich islamistischer Extremismus/Terrorismus beobachtet würden.
  • Es wird eine „Dunkelziffer“ vermutet, weil der Innenminister die Zahl illegal aufhältiger Migranten nicht kenne.
  • Der Täter von Villach (Ahmad G.) sei dem Staatsschutz nicht bekannt gewesen, obwohl er in Deutschland eine Ersatzfreiheitsstrafe von vier Tagen verbüßt habe; daraus wird ein Defizit in der Erfassung/Beobachtung abgeleitet.
  • Es wird argumentiert, der Staatsschutz sei im Vorgehen gegen die islamistische Terrorbedrohung zunehmend gefordert.

Geforderte Maßnahmen laut Antrag

  • Zur Unterstützung im Kampf gegen islamistischen Terrorismus sollen der DSN und den Landesämtern ausreichende personelle und budgetäre Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Kritik an Messenger-Überwachung (Position im Antrag)

  • Die von der Regierung forcierte Messenger-Überwachung wird als unzureichendes Mittel zur effektiven Bekämpfung des islamistischen Terrorismus bezeichnet.
  • Begründung 1: Es wird behauptet, die Ziel- und Stoßrichtung sei nicht auf islamistischen Terrorismus ausgerichtet; vielmehr stehe die Überwachung von unscharf als „Verfassungsgefährdern“ bzw. „Spionen“ definierten Personen im Vordergrund.
  • Es wird hervorgehoben, dass die Begriffe „Islam“ bzw. „islamistisch“ im Gesetzentwurf der Koalitionsparteien kein einziges Mal vorkämen.
  • Begründung 2: Es wird als unrealistisch/absurd dargestellt, anzunehmen, Terroristen hätten nicht längst andere Kommunikationskanäle gefunden.

Stärkung des Staatsschutzes im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus

~95 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Gernot Darmann

Besten Dank, Herr Präsident, für das erteilte Wort! Hohes Haus! Werter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Diese in dieser Regierungsvorlage hinkünftig vorgesehene Bürgerbespitzelungssoftware ist in Wahrheit und für sich genommen ein überzogener, massiv überschießender Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte unserer Staatsbürger und darüber hinausgehend auch noch verfassungswidrig. (👏 FPÖ) Das ist vielleicht die beste Zusammenfassung für Ihr Langzeitprojekt, Herr Bundesminister Karner, denn ich erinnere mich gut daran, was in den letzten Jahren nach jedem islamistischen Anschlag in Österreich passiert ist. Obwohl niemals ein Zusammenhang mit irgendwelchen Messengernachrichten gegeben war, ist nach jedem Anschlag der Herr Innenminister medial ausgerückt und hat gesagt: Wir brauchen eine Messengerüberwachung. (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen, ich muss euch schon eines sagen: Abgesehen davon, dass es für mich jenseitig ist, immer wieder solche Anschläge zu nutzen, um eine eigene Überwachungsfantasie voranzutreiben, gibt oder gäbe es auf der anderen Seite natürlich die Möglichkeit, in diese Regierungsvorlage Formulierungen hineinzunehmen, die wenigstens die Zielrichtung klarmachen würden. Wenn es einen islamistischen Anschlag gegeben hat und der Herr Bundesminister meint, solche Anschläge damit in Hinkunft bekämpfen zu müssen, dann wäre es nur logisch gewesen, in diese Regierungsvorlage Wörter wie Islam, Islamismus, radikaler Islam, islamistische Anschläge in irgendeiner Art und Weise, mit nur irgendeiner Silbe hineinzuschreiben. Diese Worte finden sich nicht in diesem Gesetz, sehr wohl aber: verfassungsgefährdende Angriffe auf den Staat. Jetzt ist es nicht so weit hergeholt, den Gedanken weiterzuspinnen, wer denn in der Vergangenheit, in den letzten Jahren rund um die Coronamaßnahmenpolitik dieser verheerenden schwarz-grünen Bundesregierung regelmäßig an die Öffentlichkeit gegangen ist und gesagt hat: Die schlimmen Demonstranten auf unseren Straßen – Zigtausende, Hunderttausende, die die Coronamaßnahmen der Bundesregierung kritisiert haben – sind Verfassungsgefährder! – Das war die ÖVP, genau jene ÖVP, die jetzt dieses Werkzeug in die Hand bekommen will, um in Hinkunft diese Bürgerbespitzelungssoftware anwenden zu können – wie gesagt: ohne Bezug zum islamistischen Terror! (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen, es gab unzählige Stellungnahmen zu diesem Gesetzentwurf. Diese Stellungnahmen haben allesamt – und diese Zusammenfassung ist nicht so falsch – diese Initiative der schwarz-rot-rosaroten Bundesregierung, insbesondere aber auch des Herrn Innenministers Karner, wegen entsprechender IT-Vorbehalte sprichwörtlich in der Luft zerrissen, weil es ja nicht nur um die Messengernachrichten unserer Bürger gehen wird, die zu überwachen sind, sondern dies rein technisch nur möglich sein wird, wenn auf das gesamte Endgerät, auf das gesamte Handy zugegriffen wird, wofür die Republik Österreich – entgegen ihrer Schutzpflicht gegenüber unseren Bürgern, gegenüber den Institutionen, Unternehmen, hinsichtlich kritischer Infrastruktur – Sicherheitslücken nutzen muss, Sicherheitslücken, die in weiterer Folge logischerweise bekannt sind, sonst könnte man sie ja nicht nutzen, und diese offen halten muss, um dann in die Endgeräte eindringen zu können. Entgegen der Schutzpflicht des Staates Österreich, Schaden von unseren Bürgern, von Unternehmen und von kritischer Infrastruktur abzuwenden, nutzt der Herr Innenminister mit seiner Mannschaft in weiterer Folge diese Lücken, um entsprechend da und dort gegebenenfalls – laut eigenem Plan – 30 Personen im Jahr zu kontrollieren, und das um zig Millionen Euro. Man mache sich seine Gedanken! (👏 FPÖ) Datenschutzexperten, Menschenrechtsorganisationen, die Kirchen, die Rechtsanwaltskammer – allesamt haben sie diesen Gesetzentwurf massivst kritisiert. Werte Kollegen, es ist auch nicht so weit hergeholt, sich Sorgen zu machen, was da alles passieren kann. Dabei geht es mir jetzt nicht einmal um die hauptsächliche Sorge, dass der Herr Innenminister dieses Recht in irgendeiner Art und Weise für sich und für seine politischen Weggefährten ausnutzen könnte; nein, es geht mir darum, was mittlerweile auf europäischer Ebene in Mitgliedstaaten, beispielsweise Spanien, Griechenland und Polen, schon mit solcher Schadsoftware passiert ist. Dort hat es einen Datenmissbrauch von staatlichen Institutionen, von Behörden, von Regierungen gegen Oppositionspolitiker, gegen Journalisten, gegen Institutionen gegeben, weil man diese Daten abgesaugt und dann auf anderem Wege – nicht wie geplant – widerrechtlich verwendet hat. Das ist aktenkundig, das ist keine Erfindung der Freiheitlichen, und dagegen ist massiv vorzugehen. Diesem Missbrauch ist von Anfang an entgegenzutreten. Herr Bundesminister, ich sage Ihnen eines: Weil wir – seitens der Freiheitlichen – im Ausschuss auch noch dazu klargestellt haben, dass es natürlich eine massive Unterstützung unseres Staatsschutzes in budgetärer und personeller Art und Weise im Kampf gegen den radikalen Islam, gegen den islamistischen Terror zu geben hat, und dann noch dazu Ihre Partei – samt SPÖ und den NEOS – gegen diesen Antrag gestimmt hat, sind Sie in Wahrheit rücktrittsreif. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ernst Gödl . – Ich habe Ihre Redezeit auf 9 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Herr Präsident, für das Wort! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen hier im Plenum! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit der Novelle des Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetzes schaffen wir heute tatsächlich einen Meilenstein in der Sicherheitspolitik unseres Landes. Wir sind eines der sichersten Länder auf dieser Welt. Wir sind es, wir wollen es auch bleiben, und wir werden es auch bleiben , aber: Wir sind keine Insel der Seligen. Sicherheit muss tagtäglich ( Ruf bei der FPÖ: ... Stasi!) erarbeitet und erkämpft werden – von unseren Polizistinnen und Polizisten, aber genauso von unseren Staatsschutzbehörden. Diese Novelle ist die längst überfällige Antwort auf die Frage, wie wir in einem Zeitalter modernster Kommunikationstechnologien Terroristen und potenziellen Gefährdern unseres Gesellschaftsmodells, unseres Lebensmodells entschieden entgegentreten können. Es ist nämlich nicht nur eine Möglichkeit, meine Damen und Herren, sondern es ist unsere Pflicht als Gesetzgeber, hier jenen das Handwerk zu legen, die das Lebensmodell der liberalen Demokratie, der Freiheit in einem breiten Wohlstand gefährden wollen. Daher ist es dringend geboten, auch unseren Behörden jene Instrumente in die Hand zu geben und jene Ermittlungsmethoden zu gewähren, die man in der heutigen Zeit benötigt, um Staatsgefährdern, Extremisten und Terroristen auf Augenhöhe entgegentreten zu können.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Dann dürfen Sie sie nicht hereinlassen!

ÖVP Ernst Gödl

… RN/40.1 Ich sage Ihnen noch etwas: Es ist in den meisten Demokratien unseres Zuschnittes längst üblich, sie schicken die Staatsschützer schon längst auf das Spielfeld, auf dem sich Terroristen, Extremisten und Staatsgefährder tummeln. Ich zeige Ihnen eine Karte von Europa. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der unter der Überschrift „Gefährderüberwachung“ eine Europakarte abgebildet ist, die darstellt, in welchen Ländern diese „vorhanden“ oder nicht vorhanden beziehungsweise unbekannt ist.) Sie sehen hier in Hellgrau – fast alle Länder sind hellgrau eingefärbt – jene Länder, die viel mehr Kompetenzen haben, um Staatsgefährdern, Terroristen und Terrorverdächtigen entgegenzutreten.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Staatsgefährdern!

ÖVP Ernst Gödl

… Ganz wenige Länder …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Frankreich ist ein gutes Beispiel!

ÖVP Ernst Gödl

… Moldawien oder auch die Balkanstaaten, haben diese Möglichkeiten nicht …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Sind wir sicherer als diese Länder, oder ...?

ÖVP Ernst Gödl

… und Österreich hat sie nicht.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Geht es uns besser als Frankreich?

ÖVP Ernst Gödl

… Unsere Nachbarländer haben sie, mit Ausnahme von Liechtenstein, okay.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ist es bei uns besser oder schlechter?

ÖVP Ernst Gödl

… Also: Moderne Demokratien unseres Zuschnitts geben den Staatsschützern viel mehr Kompetenzen in die Hand, um effektiv dagegen anzutreten.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Und deswegen sind sie dort sicherer? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Ist ein Coronademonstrant ein Gefährder, Herr Kollege?

ÖVP Ernst Gödl

… Diese Länder um uns herum sind längst auf dem Spielfeld …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

„Gefährderüberwachung“ – ist ein Coronademonstrant ein Gefährder? Wer entscheidet das?

ÖVP Ernst Gödl

… und unsere Staatsschützer sitzen auf der Tribüne ( Ruf bei der FPÖ: ... Deutschland! ), in der Hoffnung, dass sie Nachrichten von jenen bekommen, die bereits auf dem Spielfeld sind. Meine Damen und Herren, das ändern wir jetzt. Wir schicken unsere Staatsschützer auch auf genau dieses Spielfeld. Auf diesem Spielfeld, und das ist in einer liberalen, modernen Demokratie auch wichtig …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Spielfeld ist ein interessanter Ausdruck!

ÖVP Ernst Gödl

… gibt es wichtige Schiedsrichter. Erster Schiedsrichter ist der Richtersenat, der diesen Eingriff überhaupt erlauben muss. Und quasi als Linienrichter – vorher, während der Maßnahmen und auch danach – haben wir den Rechtsschutzbeauftragten. Es gibt, um bei diesem Sprachbild zu bleiben, auch einen VAR. Der VAR ist das Parlament in Form des Ständigen Unterausschusses des Innenausschusses, dem ja der Staatsschutz ständig berichten muss, welche Maßnahmen er ergreift. ( Ruf bei der FPÖ: ... Entscheidung zurücknehmen! ) Wir haben hier also ein gutes System ausgearbeitet, wo unser Staatsschutz aufs Spielfeld kommt. 25 bis 30 Personen, bei denen ein dringender Tatverdacht besteht, dürfen pro Jahr in ihrer Kommunikation überwacht werden. Wenn es mehr werden, dann muss definitiv sofort auch dieser Ständige Unterausschuss des Innenausschusses informiert werden. Jetzt die Frage an die Grünen, aber durchaus auch an die Blauen: Ist der Schutz der Privatsphäre von 25 bis 30 Personen, nämlich Hochrisikogefährdern, tatsächlich wichtiger als die Sicherheit der gesamten Gesellschaft, als die Vereitelung eines oder mehrerer Terrorangriffe? – Mit Sicherheit nicht. (👏 ÖVP, FPÖ) Würde man Ihre Prinzipien weltweit anwenden (Ruf bei den Grünen: Das ist Verfassung! – Ruf bei der FPÖ: Kennen Sie die Gefährder schon? ), dann wäre das eine Kapitulation vor Staatsgefährdern, vor Terroristen …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die kann man doch nicht überwachen!

ÖVP Ernst Gödl

… und vor jenen, die es mit unserer Gesellschaft nicht gut meinen. Staatsschutz lebt nicht vom Prinzip Hoffnung, indem wir auf der Tribüne sitzen und hoffen, dass jene, die vielleicht mit anderen Methoden Kenntnisse erlangen, dann unsere Geheimdienste informieren, sondern wir müssen aktiv aufs Spielfeld. Nun zur FPÖ: Es war ja sehr hanebüchen, was mein Vorredner, Herr Darmann, hier gesagt hat ( Ruf bei der FPÖ: Was ist mit islamistischem Terror?) , nämlich deswegen: Sie hatten einmal Verantwortung, übrigens auch im Innenministerium.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war eine gute Zeit!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie wissen, 2018 waren diese Ermittlungsmethoden auch ein Thema – dass man auch moderne Kommunikation überwachen kann, dass man unserem Staatsschutz die notwendigen Befugnisse gibt.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hat es ein Gesetz gegeben? Nein! Also!

ÖVP Ernst Gödl

… Ich bringe jetzt ein Zitat, und Sie dürfen dann nur ein Mal raten, wer das gesagt hat – ja, nur ein Mal raten! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir sind da nicht in einer Ratestunde!

ÖVP Ernst Gödl

… Dann geben wir den Beamtinnen und Beamten doch auch in technischer Hinsicht das Rüstzeug an die Hand, das man braucht, um auf der Höhe der Zeit zu sein! [...] Wir reden da nicht vom Hendldieb [...], wir reden von Schwerkriminellen, wir reden von organisierter Kriminalität, Schlepperei und Drogenhandel.“ – Sie dürfen jetzt nur ein Mal raten, wer das gesagt hat! ( Ruf bei der SPÖ: Herbert Kickl ! ) – Es war ein gewisser Herbert Kickl . Oder, die nächste Frage: „Ich bin auch überzeugt davon, dass es [...] gelungen ist, die notwendige und richtige Balance zwischen der Hochhaltung und der Verteidigung der Grund- und Freiheitsrechte auf der einen Seite und den berechtigten Schutzinteressen der Masse der Bevölkerung – die sich ja nichts zuschulden kommen hat lassen, sondern die man schützen muss – auf der anderen Seite zu finden, das notwendige Maß zu finden.“ – Sie dürfen ein Mal raten, wer das gesagt hat! – Ja, genau, das hat Ihr jetziger Klubobmann, jetziger Parteiobmann und seinerzeitiger Innenminister gesagt, genau um unseren Staatsschutz zu stärken, um sie aufs Spielfeld zu lassen. Es führt zwar momentan gerade nicht Herr Präsident Rosenkranz hier den Vorsitz, aber auch er hat sich damals zu Wort gemeldet und hat gesagt: „Liebe Menschen, die ihr euch in Österreich aufhaltet, um hier terroristische Anschläge zu verüben, um organisierter Kriminalität nachzugehen, [...], ja, ihr könnt euch fürchten, und das ist gut so!“ – Das war die Meldung Ihres jetzigen Nationalratspräsidenten zum Thema Staatsschutz, zum Thema Ausweitung der Ermittlungsmethoden.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hat es das Gesetz gegeben oder nicht? Das hat es nicht gegeben ...!

ÖVP Ernst Gödl

… Und das, was Sie seinerzeit im Interesse der Sicherheit Österreichs vorgehabt haben, das wollen Sie jetzt bekämpfen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Äpfel und Birnen!

ÖVP Ernst Gödl

… Meine Damen und Herren von der FPÖ, Sie sind völlig in der Sackgasse, weil Sie gegen die Sicherheit Österreichs, gegen die Interessen Österreichs arbeiten.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und wer ein Staatsgefährder ist, das definiert der Herr Gödl!

ÖVP Ernst Gödl

… Diese neue Regelung zeigt einmal mehr, auf wen sich die Menschen in Österreich verlassen können …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer definiert, wer ein Staatsgefährder ist? Der Herr Karner und der Herr Gödl!

ÖVP Ernst Gödl

… auf unsere Bundesregierung ( Ruf bei der FPÖ: Die ÖVP! – Heiterkeit bei der FPÖ ), angeführt von Christian Stocker , auf unseren Innenminister, auf unseren Staatssekretär und ganz besonders auch auf die Sicherheitspartei ÖVP. RN/40.2 Wir, meine geschätzten Damen und Herren, schicken unseren Staatsschutz aufs Spielfeld ( die Tafel mit der Überschrift „Gefährderüberwachung“ neuerlich auf das Redner:innenpult stellend ), damit sie dort tätig werden können …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Damit wir gleich sicher sind wie in Deutschland!

ÖVP Ernst Gödl

… wo sie Terror, wo sie Staatsgefährder und dergleichen bekämpfen können – zur Sicherheit Österreichs und im Interesse Österreichs. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Süleyman Zorba . Ich habe die Redezeit auf 9 Minuten eingestellt. (Abg. Erasim [SPÖ]: Der hat etwas zu sagen!)

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Seit knapp neun Jahren versucht die ÖVP, ihre Überwachungsfantasie vom Bundestrojaner umzusetzen, und heute steht sie kurz davor, denn die SPÖ und die NEOS sind in einem Rekordtempo umgefallen und haben ihre Überzeugungen über Bord geworfen, kurz nachdem sie in die Bundesregierung eingetreten sind. (👏 FPÖ) Ich gehe einmal davon aus, dass der Herr Minister davon sprechen wird, dass heute ein historischer Tag ist. Es ist wahrlich ein historischer Tag …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, für die ÖVP!

GRÜNE Süleyman Zorba

… aber nicht im positiven Sinne, sondern es ist eigentlich ein trauriger Anlass.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... für diktatorische Abhörmaßnahmen!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Wer die letzten Monate und Jahre die Nachrichten in Österreich verfolgt hat, weiß, dass der ÖVP jeder Anlass recht war, nach dem Bundestrojaner zu verlangen. Sie hat das ja schon einmal fast umgesetzt oder es wurde in diesem Haus schon einmal umgesetzt, aber nach kurzer Zeit wurde das dann vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben. Es wurden die gravierenden Eingriffe in die Grund- und Freiheitsrechte bemängelt. Da geht es nicht um irgendwelche Kleinigkeiten, sondern um die Grundrechte von uns allen. Wir Grüne haben diesbezüglich eine ganz klare Haltung, egal ob in der Opposition oder in der Regierung. Wir stehen für einen wirksamen Schutz gegen Terrorismus – da ist die Betonung auf wirksam. Als wir in Regierungsverantwortung waren, hat die ÖVP das Ganze ja auch verlangt. Wir haben aber deutlich gemacht, es braucht ein Gesetz, das weder gegen unsere Verfassung verstößt noch eine große Gefahr des Missbrauchs birgt. Geliefert wurde damals eigentlich nichts – nichts, was dem gleichgekommen wäre. Und auch der Entwurf, der uns heute vorliegt, ist weit entfernt davon. Der einzige Unterschied ist: Wir haben es nicht umgesetzt und die SPÖ und die NEOS sind leider umgefallen. – Das ist kein Vorwurf an die ÖVP, denn die hat seit vielen, vielen Jahren eine klare Haltung, daran hat sich nichts geändert. Es ist aus meiner Sicht die falsche Haltung, aber es ist eine Haltung. Gehen wir aber einmal Schritt für Schritt durch, worum es geht: Innenminister Karner und Staatssekretär Leichtfried sprechen – wir hören das seit Wochen – von einer ominösen Spionagesoftware, die einzig und allein auf die Nachrichten zugreift. Der Haken an der Gesamtgeschichte ist: Das ist technisch nicht möglich. Sie können jeden IT-Sicherheitsexperten oder jede Sicherheitsexpertin fragen, er oder sie wird Ihnen das bestätigen. Genau das hat der VfGH ja auch gefordert, dass man eben nicht auf das Gesamtgerät zugreifen soll, und das gibt es einfach nicht. Vielleicht einmal den technischen Hintergrund, warum das gar nicht funktioniert: Wenn Sie jetzt Whatsapp, Signal oder teilweise Telegram nutzen, dann sind die Nachrichten, die verschickt werden, verschlüsselt. Das heißt, die Nachricht kann man entweder beim Absender oder beim Empfänger ablesen. Natürlich kann man die Nachricht auch dazwischen abfangen, nur wird man sie nicht auslesen können, denn da wird man Zeichen, Buchstaben und Zahlen bekommen, die nichts ergeben. Das heißt, man muss mit einer Spionagesoftware entweder beim Absender oder beim Empfänger auf dem Gerät sitzen, auf dem gesamten Gerät, denn anders wird das nicht funktionieren. Wie macht man das Ganze? – Eben mit einer Spionagesoftware, indem man Sicherheitslücken ausnutzt. Aber diese Sicherheitslücken haben ja nicht nur diese Gefährder oder die Terroristen, die man bekämpfen möchte, sondern alle Bürgerinnen und Bürger in Österreich. Das ist das erste große Problem: Eigentlich hätte der Staat ja die Sorgfaltspflicht, wenn er Kenntnis von Sicherheitslücken erlangt, dass er dahin gehend arbeitet, diese Sicherheitslücken zu schließen. Jetzt dreht sich das Ganze aber, wir wollen diese Sicherheitslücken anscheinend nicht mehr schließen, sondern sie aktiv ausnutzen. Jetzt fragen wir – die Frage nach der Software; wir haben das in allen Ausschüssen gemacht, in denen wir es konnten –: Welche Software möchte man einsetzen? – Wir kennen die Marktteilnehmer in diesem Bereich und man kann eigentlich relativ locker sagen, dass sich alle Anbieter von staatlicher Spionagesoftware in einem rechtlichen Graubereich bewegen. Das sind nicht unbedingt Unternehmen, die hohes Vertrauen genießen – teilweise aus dem nachrichtendienstlichen Bereich. Es sind einfach ein bisschen dubiose Unternehmen. Das mit den Sicherheitslücken hat ja noch eine Komponente, die aus meiner Sicht zu wenig besprochen wird: Wo kommen diese Sicherheitslücken denn her? – Es gibt kriminelle Organisationen, die sich nur dadurch finanzieren, dass sie Sicherheitslücken auffinden und diese an Staaten verkaufen oder an jene, die Spionagesoftware herstellen.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Unseriöse ...!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das heißt, vielleicht finanziert man am Ende mit solch einem Gesetz genau jene, die man ja eigentlich bekämpfen wollte. Überlegen wir uns einmal kurz: Was haben wir alles auf unseren Smartphones? – Bilder vom letzten Familienurlaub, Kommunikation mit Freundinnen und Freunden, Onlinebanking, vielleicht Dating-Apps, Dokumente und Daten, die es vielleicht möglich machen, Rückschlüsse auf Ihre politische Gesinnung, eigentlich Ihr gesamtes Leben im Jahr 2025 zu ziehen, wenn wir ehrlich sind. Das Smartphone hat alles. Jetzt werden sicherlich einige denken: Na ja, und, ich bin ja kein Gefährder, ich habe nichts verbrochen, warum sollte mir etwas passieren?, und dann kommen wir zum Thema Missbrauch; da hätte ich gerne deine Karte ausgeborgt, Herr Kollege ( in Richtung Abg. Gödl ), aber die wolltest du mir nicht geben. In allen Ländern, in denen es zum Einsatz von staatlicher Spionagesoftware gekommen ist, gab es Missbrauchsfälle, und ich rede da nicht von irgendwelchen diktatorischen Regimen, die Oppositionspolitiker damit unterdrückt haben, sondern von europäischen Rechtsstaaten …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Völliger Blödsinn, das stimmt nicht!

GRÜNE Süleyman Zorba

… auch von unseren Nachbarländern –, von Dänemark bis Griechenland. Überall dort, wo es zum Einsatz von Spionagesoftware gekommen ist, gab es Missbrauchsfälle. Teilweise gab es in diesen Ländern strengere Gesetze als in Österreich, und dennoch ist es zu einem Missbrauch gekommen. Auch dort war die Idee, dass man das Ganze gegen Terroristen oder gegen Gefährder einsetzen wollte. Am Ende hat es getroffen: die Zivilgesellschaft, Menschen, die sich für Menschenrechte eingesetzt haben, oder kritische Journalistinnen und Journalisten, die einfach ihrer Arbeit nachgegangen sind; Bürgerinnen und Bürger. ( Ruf bei der FPÖ: Jeder dort oben auf der Tribüne kann davon betroffen sein! ) – Alle können davon betroffen sein. Es ist keine Massenüberwachung, aber es bietet das Potenzial dazu.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Dieser Schulterschluss, der ist für mich etwas gruselig!

GRÜNE Süleyman Zorba

… All diese und noch schwerwiegendere Einwände zu diesem Gesetzentwurf gab es in der Begutachtungsphase. Mehr als 90 namhafte Organisationen haben diesen Gesetzentwurf eigentlich in der Luft zerrissen. Dazu zählen eindringliche Warnungen von der Rechtsanwaltskammer bis zur Österreichischen Liga für Menschenrechte. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gestern haben Sie alle ein Mail von 46 Organisationen aus 15 verschiedenen Ländern bekommen, die Sie alle nochmal gewarnt haben. Das sind Organisationen aus Ländern, in denen es diese Missbrauchsfälle schon einmal gegeben hat. Ich hoffe, dass Sie diesen offenen Brief ganz genau gelesen haben und sich auch Ihrer Verantwortung bewusst werden. Macht das die ÖVP jetzt alleine? – Das kann sie ja nicht, da braucht sie ja Partner dazu. Da gibt es ja die SPÖ und die NEOS. Bis vor Kurzem waren die auch dagegen. Erinnern wir uns an ein Zitat von Herrn Klubobmann Kucher: „Seitens der SPÖ wird es keine Zustimmung für [...] den Bundestrojaner geben.“ – Das ist noch gar nicht so lange her, dass er das gesagt hat.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Ganz was anderes!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das war im April 2024. Jetzt haben wir Juli 2025, jetzt ist man ganz anderer Meinung. Ich finde es ja ein bisschen lustig, wie man das Ganze argumentiert.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist eine Gefährderabwehr, die wir jetzt beschließen, kein Bundestrojaner!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Ah, genau. Genau das wollte ich gerade erzählen. Danke, dass du es jetzt vor mir gesagt hast.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das ist wohl die Expertin für eh alles! – Abg. Kucher [SPÖ]: Das bist schon du! Das bist eh noch du!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Die SPÖ redet ja davon, dass der Trojaner, gegen den sie ja früher waren, auch der Trojaner von Kickl gewesen sei: Der war Massenüberwachung, der war schlimm! – Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ, am Trojaner hat sich nichts verändert, die Systematik ist dieselbe.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Sie kennen sich da nicht aus!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das Einzige, das sich verändert hat, ist eure Position dazu. Darüber solltet ihr einmal nachdenken. (👏 FPÖ) RN/41.1 Zu den Kollegen von den NEOS: Bis vor Kurzem hat man die NEOS auf der Straße gesehen – gegen Überwachung, gegen den Trojaner. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der ein Foto von NEOS-Aktivist:innen und Beate Meinl-Reisinger zu sehen ist, die pinke, sprechblasenförmige Plakate in die Höhe halten, auf denen unter anderem „Meine Daten gehören mir“ und „Nicht wegschauen beim Überwachen“ zu lesen ist. ) Da haben Sie laut geschrien, aber heute wird eine Mehrheit Ihrer Abgeordneten dem Gesetz zustimmen! Ja, es gibt ein paar Abweichler in den eigenen Reihen, und ich habe großen Respekt davor, dass sie sich auch lautstark dazu gemeldet haben. Da möchte ich die Frage stellen: Sind die vernünftigen Argumente vom eigenen Verfassungssprecher nicht relevant? Bedeuten die nichts? Ist seine Expertise nichts wert? Wieso hört man da gar nicht hin? Wo bitte sind in diesem Gesetz die wesentlich schärferen parlamentarischen Kontrollmöglichkeiten, die Frau Beate Meinl-Reisinger gefordert hat? Wo sind die Regelungen gegen den Missbrauch, die Kollege Shetty immer wieder gefordert hat? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Musst halt einmal den Ministerratsvortrag lesen! Das ist nicht deine Stärke!

GRÜNE Süleyman Zorba

… RN/41.2 Kollege Shetty, ich habe ein Geschenk für dich mit. ( Der Redner hält ein T-Shirt mit der Aufschrift „Stopp Überwachungsstaat“ in die Höhe. ) Diese T-Shirts hattet ihr an, als ihr gegen Überwachung auf die Straße gegangen seid, als ihr gegen den Bundestrojaner gekämpft habt, als ihr das zum VfGH gebracht habt. Du hast jetzt die Möglichkeit - - Ich schenke dir dieses T-Shirt, das kannst du gerne anziehen.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... zieht er’s verkehrt an!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Ich hoffe, es löst vielleicht etwas in dir aus, sodass du eine Rede hältst, die der Yannick Shetty von vor knapp 100 Tagen hier gehalten hätte.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber eine Überraschung!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Zusammengefasst: Die SPÖ und die NEOS sind umgefallen und ermöglichen der ÖVP ihre Überwachungsfantasien.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Spannend, weil Umfallen eigentlich eure Kernkompetenz ist!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Die ÖVP ist aber schon wieder drei Schritte weiter. Die redet ja schon von Ausweitungen. Die möchten das Gesetz schon ausweiten oder haben danach gerufen, noch bevor das Gesetz da ist. Es fängt ja immer so an: Es wird am Anfang ein Bereich vorgegeben, bei dem vermeintlich niemand etwas dagegen haben kann – es geht ja um Terroristen, es geht ja um Gefährder! –, und dann geht es schrittweise weiter. Das kennen wir aus Überwachungsgesetzen, nicht nur aus Österreich. Zusammengefasst: Dieses Gesetz ist technisch nicht machbar, rechtlich nicht haltbar, es gibt keinen ernstzunehmenden Rechtsschutz, keinen wirklichen Schutz gegen Missbrauch. (👏 FPÖ) Wir wissen – und das zeigt uns auch die Erfahrung auch aus europäischen Staaten –: Wenn es zum Einsatz von Spionagesoftware kommt, ist die Frage nicht, ob es zu einem Missbrauch kommt, sondern wann es zu einem Missbrauch kommt. Liebe Kolleginnen und Kollegen – die ÖVP spreche ich gar nicht an, weil eh klar ist, wo sie steht –, wollen Sie wirklich einem trojanischen Pferd trotz aller Warnrufe die gesetzlichen Tore öffnen? Wollen Sie das wirklich? Für uns steht fest: Grün hält Grundrechte hoch und die Augen offen. Das heißt, wenn dieses Gesetz in dieser Form heute hier beschlossen werden sollte, werden wir eine Klage vor dem VfGH prüfen. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner . Ich habe die Redezeit auf 5 Minuten eingestellt. – Herr Abgeordneter, bitte.

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst darf ich im Namen meiner Kollegin Sabine Schatz die Pensionisten aus dem Bezirk Urfahr begrüßen – herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Wir hätten es uns leicht machen und uns wie die FPÖ vor der Verantwortung drücken können. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die SPÖ ist in diese Regierung gegangen, um in der herausforderndsten Zeit - - – runterkommen, ich komme noch zu Ihnen! –, um in der herausforderndsten Zeit seit Jahrzehnten in unserer Republik Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung für ein Budgetloch zu übernehmen, das andere hinterlassen haben, Verantwortung zu übernehmen, um die Sicherheit unserer Bevölkerung zu erhöhen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber dafür hat euch niemand gewählt!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wenn es notwendig ist, unserer Exekutive ( Ruf bei der FPÖ: Die Überstunden zu zahlen! ) – um Terroristen und Spione aus dem Verkehr ziehen zu können – auch Instrumente in die Hand zu geben, dann hört man plötzlich von der FPÖ nichts mehr. Und ja, ich sage auch das in aller Deutlichkeit: Die SPÖ ist in der Vergangenheit Vorschlägen für eine Überwachungssoftware kritisch gegenübergestanden, weil sie zu weit gingen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... sind wir jetzt endlich dafür!

SPÖ Maximilian Köllner

… zu großer Eingriff, zu wenig Kontrolle.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Ist jetzt nichts anders, Kollege!

SPÖ Maximilian Köllner

… Genau deshalb liegt heute ein Gesetz vor, das genau jene Schutzmechanismen enthält, die damals gefehlt haben, zum Beispiel unter Innenminister Herbert Kickl .

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Beispiel!

SPÖ Maximilian Köllner

… Dieses Werkzeug, das jetzt vorliegt, darf ausschließlich bei konkretem Verdacht und nur mit richterlicher Genehmigung eingesetzt werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war damals nicht?!

SPÖ Maximilian Köllner

… Und das ist der wesentliche Unterschied, meine sehr geehrten Damen und Herren.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Beispiel! Beispiel! – Abg. Erasim [SPÖ]: Aber nicht mit einem Dreirichtersenat! – Zwischenrufe der Abgeordneten Zorba [Grüne] und Giuliani-Sterrer [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir machen zuerst das Gesetz und erst dann prüfen wir, welche Software unseren Anforderungen entspricht. Es hat eine ausführliche Begutachtung gegeben, es wurden auch etliche Stellungnahmen eingeholt, damit die Gefährderüberwachung noch sicherer und besser wird. Es gibt extrem strenge Regeln beim Einsatz der Software. Es gibt Vorkehrungen gegen den Missbrauch. Jeder Einsatz, jeder Mausklick muss dokumentiert werden. Die richterliche Genehmigung einer Überwachung erfolgt durch einen unabhängigen Dreiersenat. Ein Rechtsschutzbeauftragter muss alles engmaschig begleiten.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo sitzt denn der Rechtsschutzbeauftragte?

SPÖ Maximilian Köllner

… Bei mehr als 30 Überwachungsfällen pro Jahr muss der Innenminister dem Parlament – Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen – Bericht erstatten. Alleine an dieser Zahl 30 sieht man schon, dass der Überwachungsfall die Ultima Ratio ist, wenn die Möglichkeiten des Verfassungsschutzes ausgeschöpft sind. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Eines möchte ich schon noch sagen: Ich kann mich noch gut an die Reaktionen nach den terroristisch motivierten Anschlägen in Wien 2020 und zuletzt in Villach zu Beginn dieses Jahres erinnern.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

... Nehammer!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir waren alle fassungslos und geschockt, und die gesamte Republik ist zusammengestanden und hat gemeinsam - - …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was hätte das mit dem Bundestrojaner geändert? Inwiefern hätte der Bundestrojaner etwas geändert?

SPÖ Maximilian Köllner

… Sie können sich zu Wort melden. Lassen Sie mich bitte kurz ausreden …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Nein, er hat schon 2018 gesprochen! Der Herr Stefan hat doch 2018 gesprochen, wie sie dafür waren!

SPÖ Maximilian Köllner

… das gehört sich in Österreich so. Die gesamte Republik ist zusammengestanden und hat gemeinsam mit den Angehörigen der Opfer getrauert. Auch wenn wir nie alles verhindern können, waren wir uns einig, alles zu tun, um die Sicherheit in unserem Land zu erhöhen. Jetzt, wenige Monate später haben manche anscheinend schon vergessen, was passiert ist. Jetzt liegt ein Gesetz vor, das ausschließlich auf jene fokussiert, von denen tatsächlich Gefahr ausgeht , und gewisse Akteure hier im Hohen Haus haben nicht nur keine Lösungsansätze, sondern auch anscheinend nichts Besseres zu tun, als politisches Kleingeld zu schlagen. Das ist unredlich – ich finde das nicht okay …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Herr Kollege, jetzt sind wir total unterirdisch unterwegs! Eine Falschbehauptung nach der anderen!

SPÖ Maximilian Köllner

… und das ist vor allem unehrlich und unfair den Familien und Freunden der Angehörigen gegenüber. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Abschluss noch zur FPÖ, die sich jetzt hier künstlich als Hüterin der Freiheit inszeniert: Ihr habt offensichtlich bei euch intern ein Vergesslichkeitsthema. Ihr habt den kleinen Mann immer noch verraten und hinters Licht geführt. Ihr wart in jeder Regierungsverantwortung beim Sozialabbau dabei.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da reden die Richtigen!

SPÖ Maximilian Köllner

… Im Sommer 2017 habt ihr das geplante Sicherheitspaket von Rot-Schwarz als – ich zitiere – „Papier der Grässlichkeiten“ und „DDR 4.0“ bezeichnet. Wer hat ein halbes Jahr später den Innenminister gestellt? – Die FPÖ. Dann hat es plötzlich geheißen: Ja, wir haben uns „eines Besseren belehren lassen“, „es ist ja nicht verboten, gescheiter zu werden“! …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Und jetzt werdet ihr wieder gescheiter!

SPÖ Maximilian Köllner

… Jetzt, wieder in der Opposition und obwohl das Gesetz extrem strenge Regeln beim Einsatz voraussetzt, seid ihr wieder dagegen. – Na, was jetzt? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Es ist ja was passiert in der Zwischenzeit ...! – Zwischenruf des Abg. Kassegger [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Das ist ein Zickzackkurs vom Feinsten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Noch ein Wort zu Kollegen Darmann – ich gratuliere ihm herzlich nachträglich zu seinem 50. Geburtstag, aber ich kann ihn da auch nicht ausnehmen –: Er hat nach den letzten Attentaten auch im Ausschuss stets von Behördenversagen gesprochen. Gleichzeitig wollen Sie ihnen aber das nötige Werkzeug nicht in die Hand geben, damit wir so etwas verhindern. Abgesehen davon, dass Sie mit dem Ausdruck Behördenversagen pauschal Tausende engagierte Exekutivbeamte diskreditieren …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Eben nicht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Eben nicht!

SPÖ Maximilian Köllner

… können wir nur mutmaßen, worum es Ihnen wirklich geht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und zu guter Letzt – dann bin ich schon fertig – zu den Grünen: Oberlehrerhaft nur zu sagen, was nicht geht …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Drei Anträge ...! Drei Anträge! Ihr könnt allen zustimmen! Drei Anträge, heute!

SPÖ Maximilian Köllner

… aber keine eigenen Lösungen zur Erhöhung der Sicherheit anzubieten, ist aus meiner Sicht auch zu wenig. Wer den Staat daran hindert, seine Bevölkerung zu schützen, schützt am Ende des Tages die Falschen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundesminister. – Bitte, Herr Bundesminister, Sie gelangen zu Wort.

FPÖ Michael Schilchegger

Werte Damen und Herren! Werter Herr Innenminister! Werter Herr Staatssekretär! Eingangs darf ich die Vertreter der Zukunftsakademie Kärnten im Namen der freiheitlichen Abgeordneten ganz herzlich begrüßen. (👏 ÖVP, FPÖ) Kommen wir zurück zur Beschlussvorlage. Es geht um diese Messengerdienstüberwachung. Wir haben es schon gehört, einige Redebeiträge hat es schon dazu gegeben. Wir wären natürlich auch bereit, eine solche Maßnahme hier zu unterstützen, wenn sie die Sicherheit in Österreich erhöhen und etwas dazu beitragen würde. Aber es bietet aus unserer Sicht kein Mehr an öffentlicher Sicherheit, sondern ein Weniger, und das kann man ganz einfach daran festmachen, dass die technischen Aspekte dieser Maßnahme unvermeidlich dazu führen, dass im Bereich der Cybersecurity einfach Sicherheitslücken offen gehalten und nicht geschlossen werden.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

... in einer viel schlechteren Version beschlossen!

FPÖ Michael Schilchegger

… Das gefährdet die Cybersecurity in einem ganz sensiblen Bereich. ( Ruf bei der ÖVP: Was ist denn das für eine Ausrede? ) Warum es kein Mehr an Sicherheit bringt? – Das zeigt ja die Tatsache, dass etwa das Messerattentat in Kärnten – meine Vorredner, Herr Kollege Köllner zum Beispiel, haben schon davon gesprochen – durch diese Maßnahme nicht verhindert worden wäre.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Wer sagt denn das?

FPÖ Michael Schilchegger

… Viele andere Terrorattentate – denken Sie an den Anschlag in Wien 2020 – wären durch diese Maßnahme auch nicht verhindert worden. Dafür, dass Sie sozusagen 30 islamistische Gefährder, die es in unserem Land gibt, noch ein bisschen – womöglich ein bisschen, weil auch diese Gefährder natürlich Mittel und Wege haben, um diese Messengerüberwachung zu umgehen – besser beobachten, sind 20 Millionen Euro Steuergeld pro Jahr wirklich nicht gut eingesetzt.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Also nix tun! – Weiterer Ruf bei der SPÖ: Ihr braucht es für den Umbau von den Häusern eurer Parteivorsitzenden, das Geld!

FPÖ Michael Schilchegger

… Meine Damen und Herren! Meine Vorredner haben auch schon angesprochen – sie haben mehrere Zitate dazu erwähnt, und Sie halten uns das auch immer wieder vor –, dass wir ursprünglich, vor sieben Jahren, für einen solchen Bundestrojaner gestimmt und uns dazu auch gemeinsam mit der ÖVP verständigt haben. Seither ist aber doch einiges passiert: Es hat eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes gegeben, man hat sehr viele Erfahrungen auch aus anderen Ländern gesammelt, vor allem auch, was den Datenmissbrauch bei solchen Maßnahmen betrifft – und nicht zu vergessen: Es kam 2020 die Coronapandemie, bei der man gesehen hat, wozu solche Überwachungsfantasien der ÖVP führen. (👏 FPÖ) Meine Damen und Herren, abgesehen von diesen Aspekten glaube ich schon, dass unser Wandel sehr glaubwürdig ist und nichts damit zu tun hat, ob wir jetzt eine Oppositions- oder eine Regierungsrolle einnehmen. Man hat ja in den Regierungsverhandlungen vom Jänner dieses Jahres gesehen, dass – und das ist ja durch sogenannte Leaks dokumentiert, durch die man Zwischenstände aus den Verhandlungen an die Medien weitergespielt hat – diese Maßnahmen alle nicht konsentiert waren, sie waren auf Rot gestellt. Wir haben der ÖVP also nicht den roten Teppich ausgerollt, aber Sie, meine Damen und Herren von der SPÖ und von den NEOS, rollen nun den rot-pinken Teppich für diese ÖVP-Überwachungsmaßnahme aus. (👏 FPÖ) Es wird immer wieder davon gesprochen, dass wir keine eigenen Konzepte hätten, um dem Problem der Terrorabwehr zu begegnen. Herr Kollege Gödl hat das auch wieder angesprochen und uns vorgehalten: Geben Sie uns doch einmal einen Plan, wie man dem Terror in Österreich künftig effektiv begegnen kann! – Gerne. Wir Freiheitliche scheuen uns wirklich nicht davor, ÖVP-Sicherheitskonzepte und freiheitliche Sicherheitskonzepte zu vergleichen. Für das Problem von Messerattacken – wenn beispielsweise syrische Banden und tschetschenische Banden in Wien gegeneinander kämpfen oder Messerattentate wie jenes in Villach von einem Asylwerber passieren – war Ihre Lösung vom letzten Jahr, Herr Innenminister, ein Messertrageverbotsgesetz für die gesamte Bevölkerung. – Unsere Lösung: ein Abschieben in die Herkunftsländer.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da ist es dann auch schon zu spät!

FPÖ Michael Schilchegger

… Kommen wir abschließend zum Bereich der islamistischen Gefährder, die noch nicht aktiv tätig sind, sondern womöglich Anschläge planen, sich im Internet radikalisieren und bei denen es vielleicht noch keine Handhabe für das Ermitteln nach dem Strafrecht gibt, um dagegen vorzugehen. Ihre Beschlussvorlage, die Maßnahme, die Sie vorschlagen, ist also: 20 Millionen Euro pro Jahr für einen Bundestrojaner, der die Cybersecurity in Österreich massiv gefährdet, um 30 Gefährder im Land – mehr sind es nicht – möglicherweise ein bisschen besser überwachen, besser beobachten zu können. Die freiheitliche Lösung ist ganz einfach: Islamistische Gefährder müssen in Strafhaft oder in Abschiebehaft, damit Kriminalpolizei und Fremdenpolizei dementsprechend aktiv werden können – und nicht nur der Nachrichtendienst. Damit die Polizei auch die Mittel in der Hand hat, um Abschiebungen durchführen zu können, benötigen wir unter anderem – es ist ja nur ein Baustein von vielen Maßnahmen – das Verbotsgesetz gegen den politischen Islam. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Klubobmann.

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Liebe Schülerinnen und liebe Schüler! Ich glaube, Sie haben sich eine spannende Debatte ausgesucht, der Sie heute folgen können. Es ist kein Geheimnis: Die Messengerüberwachung – anders als beispielsweise die Bundesstaatsanwaltschaft oder das Integrationsprogramm ab Tag eins, im Übrigen zwei Maßnahmen, die wir in den ersten vier Monaten dieser Regierung auf den Weg gebracht haben – war nie ein und ist auch jetzt kein Leuchtturmprojekt von NEOS. Ich möchte Ihnen in meiner Rede heute darstellen, warum wir hinter diesem vorliegenden Gesetzentwurf stehen. ( Rufe bei der FPÖ: „Wir“! Wer ist „wir“? Wer denn aller? ) Ganz offen möchte ich sagen – vielleicht schaffen es die Kollegen von der FPÖ auch einmal, kurz zuhören, vielleicht 1, 2, 3 Minuten, dann wird es eh wieder losgehen ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ) –: In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft würden wir heute nicht über ein solches Gesetz diskutieren. In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft gäbe es keine islamistischen Extremisten, die in Europa mit Selbstmordanschlägen gegen unsere freiheitsliebende Gesellschaft vorgehen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wer weist seit Jahrzehnten darauf hin?

NEOS Yannick Shetty

… In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft gäbe es keine extremistischen, staatsfeindlichen Netzwerke, die Weihnachtsmärkte, Konzerte, Regenbogenparaden, Synagogen oder Kirchen zu Unsicherheitszonen machen. ( Ruf bei der FPÖ: Festung Österreich! ) Wir leben in keiner perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft – leider. Ich glaube, das sehen wir hier alle so. Wir leben vielmehr in einer Realität, in der – gerade in Österreich – allerspätestens seit 2015 mangelnde Ordnung und Kontrolle in der Integrationspolitik häufig dazu geführt hat, dass jungen Menschen viele Chancen verwehrt bleiben und dadurch ein Nährboden, ein fruchtbarer Boden für Turboradikalisierung entstanden ist. Wir leben in einer Realität, in der der politische Islam nicht nur ideologisch, sondern auch strukturell an Stärke gewonnen hat – Stichwort: der global operierende Islamische Staat. Wir leben also in einer Realität, in der der Staat vorbereitet sein muss, rechtsstaatlich, klar begrenzt, demokratisch kontrolliert auf diese Gefahren zu reagieren – und zwar präventiv, bevor in das wichtigste Grundrecht eingegriffen wird, nämlich – Artikel 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention – das Recht auf Leben. Was für eine Handhabe hat der Staat gegen Extremisten? – Einen effektiven Staatsschutz und Nachrichtendienst – da müssen wir besser werden –, V-Männer, ein gutes Netzwerk von Partnerdiensten – auch das wird es, und das sage ich auch explizit, prioritär brauchen und das müssen wir stärker ausbauen. Das hat unabhängig von zusätzlichen Befugnissen, die wir heute beschließen, zu erfolgen und muss nachhaltiger passieren als in der letzten Regierung. Wir wissen aber auch, Terroristen kommunizieren nicht via Fax und planen auch keinen Anschlag via Festnetz. Der Staat muss auch im 21. Jahrhundert wehrhaft gegen den Terror sein.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... NEOS ...!

NEOS Yannick Shetty

… Genau deshalb haben wir als NEOS die Überwachung von Hochrisikogefährdern nie kategorisch ausgeschlossen, sondern schon immer gesagt: Wenn es ein solches Instrument geben soll, dann muss es das strengste, das engmaschigste und am besten kontrollierte sein, das es in Österreich je gegeben hat – kurzum, es muss verfassungskonform ausgestaltet sein. Ich bin überzeugt, wir sind überzeugt …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wer ist „wir“?

NEOS Yannick Shetty

… das ist uns gelungen. Entscheiden kann das aber nicht Abgeordneter Zorba, Abgeordneter Darmann oder ich – niemand von uns hier –, sondern das kann nur der Verfassungsgerichtshof entscheiden. Dazu sage ich dann später noch ein paar Sätze. Nach einem intensiven Begutachtungsverfahren von über acht Wochen haben wir mehr als zwei Dutzend Änderungen in dieses Gesetz eingebracht. Über zwei Dutzend Anregungen zu massiven Änderungen und Verschärfungen bei der Kontrolle, die von uns NEOS, aber auch von Expertinnen und Experten eingebracht wurden, wurden in diesem Gesetzesbeschluss, den wir heute hier fassen, realisiert. Ich kenne kein anderes Gesetz – und, Kollege Zorba, nenn mir ein anderes Gesetz –, das in einer Begutachtung je so umfassend überarbeitet wurde wie dieses. Strenger als dieses Gesetz geht es nicht.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Hast ja nicht einmal ...!

NEOS Yannick Shetty

… Drei Bedingungen waren für uns dabei nicht verhandelbar: erstens der größtmögliche Rechtsschutz …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo ist der? Wo ist dieser Rechtsschutz?

NEOS Yannick Shetty

… zweitens engste Anwendungsgrenzen und drittens härteste Sanktionen bei Missbrauch. Ich sage Ihnen, was das konkret heißt, weil da Fragen kommen – ich habe das Gefühl, Sie haben die Entwürfe und die Änderungen nicht gelesen. Erstens: Die Überwachung bedarf einer Genehmigung durch einen unabhängigen Dreirichtersenat des Bundesverwaltungsgerichts.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wer bestellt die Richter?

NEOS Yannick Shetty

… Zweitens: Keine einzige abgefangene Datei am Handy eines mutmaßlichen Islamisten oder Neonazis geht am Rechtsschutzbeauftragten vorbei. Dieser bekommt vollen Zugriff auf alle Daten und das Recht, Löschungen zu verlangen. Drittens: Das Parlament wird ab dem 31. Fall pro Jahr automatisch eingebunden. ( Ruf bei den Grünen: Benachrichtigt! Benachrichtigt! ) Viertens: Diese Maßnahmen greifen nur bei Terrorverdacht beziehungsweise bei sogenannten staatsfeindlichen Angriffen mit einer Strafdrohung von über zehn Jahren, keine Ausnahmen dabei – eine Massenüberwachung durch dieses Gesetz ist ausgeschlossen! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hättest du die Rede vor einem Jahr auch gehalten?

NEOS Yannick Shetty

… Dazu kommt noch etwas anderes: Es gibt kein einziges anderes Land in der Europäischen Union – auch diesbezüglich, Kollege Zorba, bitte um einen Gegenbeweis –, das einen so strengen Rechtsschutz für diese Maßnahme vorsieht, wie wir ihn heute beschließen. Ich möchte auch ausdrücklich erwähnen …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie öffnen die Büchse der Pandora! – Zwischenruf bei den Grünen

NEOS Yannick Shetty

… es ist ja auch kein Geheimnis, dass es bei uns im Klub dazu unterschiedliche Perspektiven gibt. (Ruf bei der FPÖ: Warum wohl?) Niki Scherak, den ich persönlich auch sehr schätze, hat ja bereits in den Regierungsverhandlungen und schon vor langer Zeit gesagt und klargemacht, dass er die Überwachung von Messengerdiensten aus grundsätzlichen Überlegungen ablehnt. Ich respektiere seine Meinung, der Klub respektiert seine Meinung. Auch wenn wir in der Gesamtabwägung zu einem anderen Ergebnis gekommen sind – ich führe ja gerade die Gründe aus, warum …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und der Wähler wählt jetzt wen, den Scherak oder den Shetty?!

NEOS Yannick Shetty

… respektieren wir unsere Gegensätze und arbeiten trotzdem gemeinsam daran, dass das Gesetz unseren hohen Ansprüchen genügt.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hätte der Kollege Shetty diese Rede auch voriges Jahr gehalten?

NEOS Yannick Shetty

… Das ist übrigens auch gelebter Parlamentarismus – ich weiß, für einige von Ihnen ein Fremdwort! (👏 ÖVP, NEOS) Wir alle – und das eint uns in der Koalition – wollen schließlich sicherstellen, dass dieses Gesetz keine Neuauflage des Kickl-Trojaners wird. Der wurde damals nämlich von der FPÖ umgesetzt und vom VfGH aufgehoben.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Unerhört, unerhört, unerhört!

NEOS Yannick Shetty

… Das da ist das genaue Gegenteil von dem, was Sie damals umgesetzt haben: Es ist Resultat eines harten Verhandlungsprozesses gegen Massenüberwachung, gegen Generalverdacht und gegen den Missbrauch von staatlicher Gewalt! …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Ihr habts es gemacht! Ihr habts es gemacht!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage Ihnen aber auch ganz deutlich hier am Rednerpult: Die ersten Rufe nach einer Ausweitung der Messengerüberwachung lehnen wir entschieden ab, und ich sage das auch in aller Deutlichkeit. ( Unruhe im Saal. ) Eine Ausweitung der heute zu beschließenden Befugnisse wird es in dieser Legislaturperiode niemals geben! …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ja, ja, Staatsgefährder ...!

NEOS Yannick Shetty

… Die Gefährderüberwachung bleibt ein Instrument gegen Terroristen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Staatsgefährder!

NEOS Yannick Shetty

… und zwar nur gegen Terroristen, nicht gegen Einbrecher, nicht gegen Demonstranten …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja, Staatsgefährder, hat der Herr Minister gesagt!

NEOS Yannick Shetty

… nicht gegen Bürgerinnen und Bürger, die sich politisch engagieren. Ich nehme auch die Kritik der Opposition - - …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was sind die Coronamaßnahmengegner in dem Zusammenhang? Was wären die? Sind die Staatsgefährder? Oder wer ist das dann?

NEOS Yannick Shetty

… Herr Hafenecker, geht es? (Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. – Ruf bei der FPÖ: Schwurbler!) Präsident Peter Haubner : Der Herr Klubobmann ist am Wort, und ich darf um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bitten. – Danke. Abgeordneter Mag. Yannick Shetty (fortsetzend): Wenn das die Kollegin Belakowitsch schafft, schaffen Sie es, glaube ich, auch. Ich nehme die Kritik der Opposition zur Kenntnis, auch wenn mich irritiert – das möchte ich schon sagen –, dass gerade von Politikern, die sich doch, glaube ich, in den redlichen Sektor einreihen, über Medien Dinge kritisiert werden, die unbestritten im ursprünglichen Entwurf standen …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ein Beispiel! Ein Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… aber die ja geradezu in der Begutachtung herausgestrichen wurden. Ich kann das hier aufführen. Man hat das Gefühl, es geht hier manchen nicht um die Sachpolitik, sondern darum, um jeden Preis einen politischen Punkt zu machen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ein Beispiel ..., ein einziges Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage, man kann das tun, aber ich lehne diese Haltung ab! …

GRÜNE Götze (Zwischenruf)

Nicht einmal ein Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage noch abschließend, weil mich das schon sehr ärgert, bezüglich der FPÖ: Das ist die Partei, die einst mit dem Kickl-Trojaner potenziell alle Österreicherinnen und Österreicher überwachen wollte und unter Generalverdacht gestellt hat. Just jene Partei spielt sich jetzt als Bürgerrechtspartei auf.

FPÖ Ragger (Zwischenruf)

So ein Schwachsinn!

NEOS Yannick Shetty

… Wie nennt man so ein Verhalten noch einmal? Herr Präsident, ich glaube, ich nenne es jetzt nicht beim Namen, um die Würde dieses Hauses zu respektieren.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ja, blöd, dass Sie ...!

NEOS Yannick Shetty

… Sie sind keine Bürgerrechtspartei, und die Menschen wissen das auch! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Eine Karikatur Ihrer selbst!

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren, wir NEOS übernehmen Verantwortung für Sicherheit und für den Grundrechtsschutz, mit einem Gesetz, das unserer Auffassung nach den strengsten grundrechtlichen Anforderungen entspricht – und das ist aus meiner persönlichen Perspektive der wichtigste Punkt – und bei dem der VfGH ausreichend Zeit hat, bevor auch nur ein Islamist, ein Neonazi, ein anderer Extremist überwacht wird, es auf die Verfassungskonformität zu überprüfen. Deswegen möchte ich mich abschließend explizit bedanken: bei allen Bürgerinnen und Bürgern, bei allen Expertinnen und Experten, die diesen Prozess kritisch begleitet haben und deren Ideen wir im Rahmen der Begutachtung zur Verbesserung des Entwurfs heranziehen konnten – auch das ist in dieser Form eine Premiere. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Alma Zadić . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! 2019 hieß es, mit Spionagesoftware „hat die türkis-blaue Regierung das Tor zur absoluten Überwachungsgesellschaft geöffnet“.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Absolut, bei 30 Fällen!

GRÜNE Alma Zadić

… Die Grundrechte“ der Bürger:innen „werden schwer missachtet“, so der stellvertretende SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried . ( Ruf bei den Grünen: Störenfried! ) 2024, anlässlich der Causa Ott, sind auch neue Überwachungsmaßnahmen für die DSN im Gespräch, unter anderem die Überwachung von Whatsapp-Nachrichten. Solche Maßnahmen lehnte der SPÖ-Klubchef Kucher aber ab ( Ruf bei den Grünen: Oh! ): „Seitens der SPÖ wird es keine Zustimmung für eine Massenüberwachung und für den Bundestrojaner geben.“ …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

...partei!

GRÜNE Alma Zadić

… Jänner 2020: Sie erinnern sich, das türkis-grüne Regierungsprogramm wurde vorgelegt – und im Regierungsprogramm stand da sogar etwas von einem Bundestrojaner. Das stimmt – und Meinl-Reisinger, Chefin der NEOS, hält das Regierungsprogramm für eine „Bankrotterklärung“ der Grünen bei Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Sie appelliert an den Bundeskongress der Grünen, da nicht mitzugehen, wegen der Pläne zum Bundestrojaner. Sie spricht davon: „Das hätte es mit uns nicht gegeben.“ (👏) Fünf Jahre lang haben wir Grüne dagegengehalten, haben keinen Bundestrojaner eingeführt, obwohl es bei uns im Regierungsprogramm gestanden ist. Was machen die NEOS und die SPÖ …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du hast ja nicht einmal die Bundesstaatsanwaltschaft zusammengebracht!

GRÜNE Alma Zadić

… ein bisschen mehr als 100 Tage in der Regierung? – Sie fallen um und beschließen gemeinsam mit dem Innenminister den Bundestrojaner! Meine Damen und Herren Abgeordnete, ja, es regt mich auf! Es regt mich auf, denn eine Einschränkung der Freiheit hat nie zu mehr Sicherheit geführt. (👏) Herr Innenminister: Ja, überwachen Sie bitte die Terroristen! ( Ruf bei der ÖVP: Ja, genau! ) Kümmern Sie sich um die Gefährder in unserem Land! Unser Geheimdienst braucht ganz dringend Personal, braucht auch ganz dringend bessere Ausstattung, braucht ganz dringend Ressourcen, denn nur so kann man sich um die Terroristen in diesem Land kümmern, denn nur so kann man sie auch wirklich gezielt überwachen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wer war denn die letzten fünf Jahre Justizministerin? Wer? – Abg. Deckenbacher [ÖVP]: Was hat sie gemacht?

GRÜNE Alma Zadić

… Aber was macht der Bundestrojaner? – Er macht viel mehr als das. Er macht viel, viel mehr als das, er gefährdet uns alle, denn durch das Offenlassen von Sicherheitslücken können potenziell wir alle – Sie, ich, wir alle, unsere Handys – überwacht werden. Aufgrund des Bundestrojaners bleiben ja nicht nur die Sicherheitslücken offen; der Bundestrojaner braucht auch eine Software, damit er funktioniert.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Die kaufen wir eh ein!

GRÜNE Alma Zadić

… Davon gibt es einige wenige, und alle davon sind einschlägig bekannt. Sie sind einschlägig dafür bekannt, dass sie – oh Wunder! – Journalistinnen und Journalisten ausspähen, dass sie Regimegegner ausspähen, dass sie Aktivistinnen und Aktivisten überwachen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Was heißt Regime?

GRÜNE Alma Zadić

… Ja, dafür gibt es Beispiele.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das Ausspähen von Regimegegnern, da ist ein Regime die Voraussetzung! Ich sehe uns als Republik!

GRÜNE Alma Zadić

… Dafür gibt es Beispiele, ich nenne nur Italien vor ein paar Monaten, der Paragon-Skandal: Streng reguliert, so wie es der Innenminister gesagt hat, es gibt ein sehr, sehr enges rechtliches Korsett in Italien, und trotzdem …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Ja, genau! Weil ja Italien für die Datenschutzrechtslage bekannt ist!

GRÜNE Alma Zadić

… kam es zu einer systematischen Überwachung von Regimegegnern, zur systematischen Überwachung von Journalist:innen, Aktivist:innen. Nein, das wollen wir nicht für unser Land. (👏) Schon gut, dass da steht: Es braucht eine richterliche Genehmigung. Ja, eh! Aber wenn man einmal den Bundestrojaner einführt, dann führt man ihn ein und dann sind die Sicherheitslücken für uns alle offen – ob es eine richterliche Genehmigung gibt oder nicht, ist egal. Wir sind potenziell alle gefährdet. Und das möchte ich schon noch sagen: Wir haben jetzt einen ÖVP-Innenminister, einen sozialdemokratischen Staatssekretär, aber wir wissen nicht, wer morgen im Innenministerium sitzen wird …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Karner!

GRÜNE Alma Zadić

… wir wissen nicht, wer morgen für die Geheimdienste zuständig sein wird.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Großes Weinen!

GRÜNE Alma Zadić

… Was wir jetzt mit dem Bundestrojaner beschließen, gefährdet uns alle, weil der Geheimdienst potenziell die Möglichkeit hat, auf uns alle zuzugreifen.

ÖVP Gerstl (Zwischenruf)

Nein! Nein! Nein!

GRÜNE Alma Zadić

… Das wird es mit uns Grünen nicht geben, denn wir Grüne halten Wort! (Abg. Erasim [SPÖ] – erheitert –: Der war gut! Der war gut!) Wir haben fünf Jahre dagegengehalten und werden auch weiter dagegenhalten (👏) – im Gegensatz zu den Sozialdemokraten und den NEOS, auf die man sich eben nicht verlassen kann, die eben nicht Wort halten, wenn es um unsere Grundrechte, um die Menschenrechte, um unsere Freiheit geht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Sag das noch einmal, dass die Grünen immer Wort halten! Noch einmal, fürs Protokoll noch einmal wiederholen! – Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Shetty [NEOS]: Die Grünen halten Wort!

GRÜNE Alma Zadić

… RN/46.1 Ich zeige noch einmal das Plakat von meinem Kollegen ( eine Tafel in die Höhe haltend, auf der ein Foto von NEOS-Aktivist:innen und Beate Meinl-Reisinger zu sehen ist, die pinke, sprechblasenförmige Plakate in die Höhe halten, auf denen unter anderem „Meine Daten gehören mir“ und „Nicht wegschauen beim Überwachen“ zu lesen ist ): Da ist eure Chefin, die Chefin der NEOS, Beate Meinl-Reisinger , bei einer Anti-Bundestrojaner-Demonstration zu sehen, und sie hält ein Schild: „Nicht wegschauen beim Überwachen“. Liebe NEOS, bitte halten Sie Wort ( Ruf bei der ÖVP: Das Richtige! Nicht wegschauen! ) und stimmt da nicht zu! – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Wolfgang Gerstl . – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt. Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Wolfgang Gerstl

Vielen Dank, Herr Präsident. – Die Debatte war sehr erleuchtend.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das glaub’ ich dir!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Als der Herr Bundesminister der Freiheitlichen Partei in gewisser Form vielleicht unterstellt hat, dass sie gegen den Staatsschutz sei, hat die Freiheitliche Partei herausgerufen: Nein, nicht gegen den Staatsschutz, sondern nur gegen die ÖVP. Entlarvender kann es nicht sein.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ist ja die Wahrheit! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: Ja, das ist ja ein Unterschied! Für euch ist es offensichtlich kein Unterschied! Es ist aber ein Unterschied!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Aus Ihrer Sicht: Wenn Herr Innenminister Kickl hier wäre, dann wäre alles okay, denn Sie sind mit den Maßnahmen vollkommen einverstanden. Nur: Sie wollen einen anderen Minister haben. Geben Sie es zu, dass es Ihnen nur um Parteipolitik geht und um nichts anderes! Dafür darf ich Ihnen Innenminister Kickl zitieren …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Endlich!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Ich habe mich von Experten eines Besseren belehren lassen“, hat er gesagt. „Und es ist ja nicht verboten, gescheiter zu werden.“ ( Rufe bei der FPÖ: Ja, eh! Nicht schwach! ) Wir müssen uns einmal anhören, „was dort an Ermittlungsarbeit de facto verloren gehen kann, nur weil diese Lücke besteht!“ – All das …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... jämmerlich!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… hat Ihr Innenminister Kickl …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und dann kam Corona! Dann kam Corona!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… zu dieser Sicherheitslücke gesagt, die dringend notwendig zu schließen ist.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und weil genau solche Leute wie du Polizisten werden, haben wir dieses Problem!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Sehr geehrter Herr Präsident! Die Freiheitliche Partei versucht einfach, Panikmache zu betreiben, und sie ändert ihre Position, wie sie es gerade benötigt: 2017 war das noch ein DDR-Regime, 2018 waren sie voll dafür; 2019, als der Verfassungsgerichtshof es aufgehoben hat, haben sie noch davon gesprochen, dass dies eine Tür, ein Einfallstor für organisierte Kriminalität ist, und heute, da sie jetzt länger in Opposition sind, sind sie wieder dagegen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und dazwischen drei Jahre Coronaregime der Österreichischen Volkspartei!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Das ist das Spiel der FPÖ – das nimmt lhnen niemand mehr ab, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ) Ich nehme gerne diesen Aufruf von der Freiheitlichen Partei auf ( Ruf bei der FPÖ: Gemma! ): Wie läuft nun eine solche Überwachungsmaßnahme? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

So, wie es die ÖVP will!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Es sind im Gesetz zehn detaillierte Punkte aufgelistet, die notwendig sind, um überhaupt eine solche Überwachung zu ermöglichen. Zuallererst müssen die Sicherheitsbehörden alle Ermittlungsmaßnahmen getroffen haben, die zu keinem Erfolg führen; das müssen sie darlegen und beweisen.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... super gut, wie es überwacht ist ...!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Danach müssen sie zum Rechtsschutzbeauftragten gehen, der unabhängig und weisungsfrei ist, und dieser Rechtssschutzbeauftragte muss ihnen die Genehmigung geben, damit sie danach zu Gericht gehen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... brauchen sie eine Genehmigung!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Dort – und da darf ich die Worte von Kollegen Shetty aufgreifen – ist es nicht so, dass nur ein Richter entscheidet, sondern – das haben wir nach dem Begutachtungsverfahren entsprechend geändert – dort sind drei Richter, dort ist ein Dreirichtersenat erforderlich, um eine solche Maßnahme zu genehmigen. Wenn es genehmigt ist, nachdem alle einzelnen Punkte genau aufgelistet wurden, hat der Rechtsschutzbeauftragte noch immer die Aufgabe, jeden Detailpunkt und jeden Teil der Überwachung weiterhin zu kontrollieren …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo sitzt denn der Rechtsschutzbeauftragte?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… und er kann die Überwachung jederzeit beenden. Und dann: Es ist nicht so, dass das gesamte Handy oder so etwas kontrolliert wird …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Nein! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nein! Bestimmt nicht! Sicher nicht! – weiterer Ruf bei der FPÖ: Nur die erste Seite!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… sondern die Anordnung muss auch genau zum Inhalt haben, welches Detail man herausnehmen darf, also nur eine ganz bestimmte Whatsapp-Information …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Alle ganz bestimmt von Whatsapp! Sie glauben auch, die Terroristen kommunizieren über Whatsapp, oder was?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… oder eine ganz bestimmte Signal- oder Telegram-Information. Nichts anderes darf ausgeleitet werden.

GRÜNE Prammer (Zwischenruf)

Das funktioniert ja nicht einmal bei der Telefonüberwachung! – Ruf bei der FPÖ: Nur die erste Seite vom Handy wird kontrolliert!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Das Ganze passiert mit einem Vieraugen- oder Sechsaugenprinzip, mit einer genauen, detaillierten Kommunikation, die von den Sicherheitsbehörden schriftlich dargelegt werden muss, damit es zu keinem Missbrauch kommen kann.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ach so! Was ist, wenn es zu Missbrauch kommt?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Meine Damen und Herren, detaillierter konnten es die Experten nicht mehr machen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und wenn das Ministerium insgesamt missbraucht wird – was ja der Fall ist?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Sie haben sich die beste Mühe gegeben, dass dieses Gesetz verhältnismäßig ist, dass dieses Gesetz verfassungskonform ist – und das ist im Sinne der Bürgerinnen und Bürger.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich brauche die Messengerüberwachung nicht missbrauchen, wenn ich das ganze Ministerium missbrauche!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Da möchte ich zum Schluss noch einmal den ehemaligen Innenminister Kickl zitieren …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hast was anderes auch noch?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Die „Masse wird geschützt“ …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, das war alles vor Corona, Herr Kollege!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… und nicht die „kriminellen Aktivitäten Einzelner“. – Darum geht es, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Susanne Fürst . – Frau Abgeordnete, ich habe Ihre Zeit auf 4 Minuten eingestellt. Bitte.

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrter Herr Minister, Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren! Insbesondere darf ich auch die Besucher der Zukunftsschmiede Salzburg ganz herzlich in unseren Reihen begrüßen! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Der Herr Innenminister und auch die Vorredner von den Regierungsparteien erzählen uns die Geschichte der Einführung der Messengerüberwachung so: Sie sei international bewährt, es sei eine moderne, zeitgemäße Terrorabwehr. Die Polizei sei nun auf Augenhöhe mit den Terroristen, denn diese schreiben keine Briefe, telefonieren nicht auf Festnetz, sondern tauschen sich über Messenger aus. Es gehe um unsere Sicherheit …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Geht’s auch!

FPÖ Susanne Fürst

… betroffen seien nur ganz wenige. Es gebe einen Rechtsschutz, und das alles sei sehr, sehr gut für uns. Nun, was für ein Humbug! Was wird da wirklich beschlossen? – Der Staat Österreich finanziert und installiert eine Spähsoftware auf einem Smartphone. Das ist nur bei Vorhandensein einer Sicherheitslücke möglich, die aber nicht nur auf dem einen Gerät oder auf den 30 ist, sondern auf allen baugleichen I-Phones, das heißt auf Hunderttausenden. Entdeckt werden die Sicherheitslücken von Hackern – oder solchen Nerds. Wenn sie anständig sind, melden sie dem Hersteller die Lücke, melden diese an Apple oder Google. Diese zahlen auch etwas dafür und schließen die Lücke. Dann haben wir alle ein Update, und das Ganze ist erledigt. Wenn der Hacker nicht ganz so anständig ist, schmeißt er die Lücke auf den Schwarzmarkt. Dort wird sie von der Überwachungsindustrie, von Schwerkriminellen, die wesentlich besser zahlen als die Hersteller, erstanden. Mit solch dubiosen Quellen arbeitet nun unsere Bundesregierung zusammen (👏 FPÖ), um die Lücke auszunutzen und die Spähsoftware auf ein I-Phone zu spielen, ohne dass man eben das Gerät in Händen hat; und darum geht es.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da steckt sicher die WHO dahinter!

FPÖ Susanne Fürst

… Es gibt dann zwei Ebenen der Nutzung – eine verschweigen Sie uns –: Die eine ist die Nutzung durch das BMI, durch die Sicherheitsbehörden. Da haben wir diese Beschränkung mit 30 Personen, mit Rechtsschutz, mit allem, was Sie uns da an Romanen erzählen. Erstens ist schon einmal der Begriff Messengerüberwachung irreführend, denn es ist eine Totalüberwachung. Sie sagen, man muss den Beamten vertrauen. – Das tun wir. Das Misstrauen ist anderen gegenüber: Die Beamten sind ja an Politiker weisungsgebunden, und wenn man sich Innenminister Karner und auch die Vorgänger von der ÖVP anschaut, dann ist da sehr großes Misstrauen angebracht. (👏 FPÖ) Ich erinnere an die extensive Auslegung des Gefährderbegriffs, den Sie auch bei der Überwachung verwenden, die sich in den letzten Jahren leider eingebürgert hat. Einer Ihrer Vorgänger, Innenminister Nehammer, sprach von Lebensgefährdern. Die Coronamaßnahmenkritiker – Hunderttausende – sind solche Gefährder, und die müssen jetzt überwacht werden. Wer sich der Neutralität verpflichtet fühlt: Russlandspion, überwachen! – Wer die Regierung zu scharf kritisiert: Staatsfeind, Verfassungsfeind, überwachen! …

ÖVP Sieber (Zwischenruf)

Geh bitte! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.

FPÖ Susanne Fürst

… Sie haben zwar im Ausschuss zugestanden, dass nicht jeder Regierungskritiker ein Verfassungsfeind ist …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Wer liest, ist im Vorteil! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Die meisten! Nicht jeder, aber die meisten!

FPÖ Susanne Fürst

… was ich sehr großzügig finde, aber da sieht man schon, wie der Begriff ausgelegt werden kann.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

... nicht verstanden hat!

FPÖ Susanne Fürst

… Das ist das eine, aber das Zweite – was Sie uns komplett verschweigen – ist: Selbst wenn sich das Innenministerium, der Verfassungsschutz, die Sicherheitsbehörden, alle vollkommen in Ordnung verhalten, vollkommen rechtskonform vorgehen, so besteht ja – was Sie uns aber verschweigen – die Lücke auf allen Handys, und Sie lassen sie offen – absichtlich – für Kriminelle, für die organisierte Kriminalität, für Betrüger, für die Hersteller von Cyberwaffen. Sie lassen sie offen, und diese verwenden die Lücke parallel zur Nutzung durch das Innenministerium und die Sicherheitsbehörden. Die scheren sich nicht um den Rechtsschutz oder die Begrenzung auf 30. Das heißt, entgegen Ihrem Argument: Wir müssen die Menschen vor Terrorismus schützen!, machen Sie alle Handys auf, gerade auch für die Kriminellen und Terroristen, für die finanziellen Hacker und für alle, die zum Beispiel auch Ihre Regierungskoordination, sofern sie so interessant ist, ausspionieren wollen, auch für jene, die die Kommunikation der Polizei aufmachen wollen. Sie erwähnen die große Gefahr durch die Russen. Es gibt die Chinesen, die Amerikaner, die Iraner – alle haben ausgefuchste Spionagesysteme.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Moskau!

FPÖ Susanne Fürst

… Sie machen alle unsere Handys für diese Form der Überwachung auf, und davon sprechen Sie nicht. Das heißt, wenn es um den Schutz der Bevölkerung geht, müssten Sie die Lücke für uns alle schließen. Wenn Sie sagen, es geht um Leib und Leben: ja, bei Terrorakten! Fast alle der Terroristen waren schon auf offenen Kanälen unterwegs und auffällig. Da müssten wir die Kapazitäten und die vielen Millionen, die Sie da jetzt investieren, hinlenken. Die Radikalisierung geschieht nicht auf Whatsapp, sondern auf offenen Kanälen, die überwacht und geschlossen werden sollten. Auch die meisten Warnungen aus dem Ausland stammten von offenen Kanälen. Wenn Sie sagen, international bewährt: Ja, bei der Überwachung von Journalisten, von der Opposition. Auch der eigene Ministerpräsident ist schon einmal überwacht worden. In den Ländern, die dieses System haben, finden leider trotzdem noch Terroranschläge statt. Auf Augenhöhe sind Sie mit den Terroristen nicht, diese verabreden sich nicht auf Whatsapp, sondern die sind schon ganz woanders …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Auf euren Kanälen, oder was?

FPÖ Susanne Fürst

… nämlich auf ihren eigenen Betriebssystemen und gehärteten Handys. Zum Schluss – weil Sie sagen, wir sind doch für die Polizei, für mehr Sicherheit –: absolut, aber dann streichen Sie nicht die Überstunden der Polizei! Machen Sie die Grenzen zu und schieben Sie breitenwirksam ab, nicht nur einen, nicht nur 30, sondern Zigtausende! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Melanie Erasim . – Ich habe die Zeit auf 4 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich im Namen meiner Kollegin Muna Duzdar eine Gruppe von Jugend am Werk aus Wien ganz herzlich begrüßen. Herzlich willkommen, ihr fleißigen Jugendlichen, die ihr euch in der Facharbeiterausbildung befindet! ( Allgemeiner Beifall. ) Geschätzte Jugendliche! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Der Themenbereich, über den wir gerade diskutieren, ist ein sehr, sehr heikler, zu heikel, um ihn dafür zu verwenden, politisches Kleingeld zu verdienen. Deshalb ist es meines Erachtens auch wichtig, sich anzusehen, von welcher Seite welche Kritik kommt. Wenn sich die Grünen hierherstellen und sagen, sie waren immer dagegen und werden immer dagegen sein, dann ist das eine Meinung, die man haben kann. Die negativen Auswirkungen, die es geben könnte, sind für uns auch immer Anlass gewesen, genau hinzusehen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ihr habt ja nichts dagegen getan! Jetzt kommt wieder: Kickl, Kickl, Kickl!

SPÖ Melanie Erasim

… genau darzulegen, wie es mit dem Datenschutz ist und so weiter und so fort.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das macht doch das Gesetz nicht besser!

SPÖ Melanie Erasim

… Wenn sich aber meine Vorrednerin von der FPÖ hierherstellt: Vielen Dank, Frau Abgeordnete Fürst, dass Sie uns Einblick in Ihre Denkweise gegeben haben, denn so, wie der Schelm denkt, so ist er! – Das ist wirklich erschütternd.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das macht doch das Gesetz nicht besser!

SPÖ Melanie Erasim

… Herr Stefan, schön, dass Sie dazwischenschreien. Sie waren 2018 einer der sieben Abgeordneten – ich war nämlich auch schon 2018, als der Bundestrojaner beschlossen worden ist, Abgeordnete in diesem Haus –, Sie waren einer der glühenden Fürsprecher. (Abg. Stefan [FPÖ] – erheitert –: Nein, das ist eine Fake News!) Darum frage ich mich, warum Sie heute nicht hier stehen, um Ihre Meinung kundzutun.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... im Protokoll nachlesen! Lies das Protokoll!

SPÖ Melanie Erasim

… Ich habe das Protokoll hier. Ich habe die Rede hier …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Na siehst du, dann lies es dir doch durch, wenn du es kannst!

SPÖ Melanie Erasim

… nur ist sie zu langweilig, um sie vorzulesen. Damals wurde eben von Herrn Bundesminister Kickl …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Na sicher, jetzt kommt wieder: Kickl, Kickl, Kickl!

SPÖ Melanie Erasim

… auch voll Enthusiasmus, präsentiert, wie wichtig das alles sei, wie toll das alles sei. Er hat sich als sicherheitspolitischer Arzt verkauft; als Ärzte habt ihr euch verkauft …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Macht es das Gesetz besser? Sind das Argumente für das Gesetz oder dass die FPÖ gescheiter ist als die anderen?

SPÖ Melanie Erasim

… die handeln müssen, bevor es wehtut. Ohne solche Tools entstünde eine „Komfortzone für Schwerstkriminelle“, was untragbar sei.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was ist das für ein Argument? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Können Sie jetzt ...? – Abg. Stefan [FPÖ]: Wenn wir dafür sind, dann ist es gut, deswegen beschließt ihr es?

SPÖ Melanie Erasim

… Ich habe mich mit diesem Gesetz sehr gut auseinandergesetzt, auch 2018. Deshalb haben wir auch dagegengestimmt, und der Verfassungsgerichtshof hat uns im Anschluss ja recht gegeben.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das ist ein eigenartiges Argument, weil wenn ... 2017 dafür war, ist es ein gutes Gesetz!

SPÖ Melanie Erasim

… Wir wollen beides zusammenfließen lassen, auf der einen Seite höchstmögliche Sicherheit vor Terror …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das ist urfad, das hat ja der Zorba schon erklärt!

SPÖ Melanie Erasim

… und auf der anderen Seite höchstmöglichen Datenschutz.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was auch immer „höchstmöglich“ ist! – Abg. Deimek [FPÖ]: Das ist nicht fad, das dem Kollegen Zorba ...!

SPÖ Melanie Erasim

… Wir realisieren diesen optimalen Schutz. Es sind auch viele Verbesserungen durch die Begutachtungsphase eingeflossen. Zum Beispiel: Die Bewilligung darf ausschließlich durch einen Dreiersenat …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Immer die gleiche Leier!

SPÖ Melanie Erasim

… anstelle eines Einzelrichters erfolgen …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Was ist denn bei Gefahr im Verzug?

SPÖ Melanie Erasim

… Stärkung des Rechtsschutzbeauftragten, sowohl juristisch als auch technisch; Regelung der Verwertbarkeit von sogenanntem Beifang. Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, nur damit Sie wissen, über welche Größenordnung wir sprechen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ich glaube, du gehst besser wieder zur Eisenbahn!

SPÖ Melanie Erasim

… Die erste Einschätzung hat ergeben, dass es sich um rund 30 Fälle pro Jahr handeln wird. Sollte diese Zahl 30 überschritten werden, ist das Innenministerium verpflichtet, sofort dem Ständigen Unterausschuss des Innenausschusses zu berichten. Da nehme ich unsere parlamentarische Kontrolle schon sehr ernst, nicht so wie die Grünen im Ausschuss: Na, das ist eh wurscht! – Es ist gar nicht wurscht.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was passiert, wenn wir wissen, das ist 31-mal eingesetzt worden? Was ändert sich dann?

SPÖ Melanie Erasim

… Während der Anwendung herrscht strengstes Sechsaugenprinzip, und ebenso gibt es die Einführung eigener Missbrauchstatbestände im Strafgesetzbuch. Bei allem Verständnis dafür, dass es Vorbehalte oder gar Ängste diesbezüglich gibt, ist es in Zeiten wie diesen wichtig, unserem Staatsschutz den Zugang zu zeitgemäßen Ermittlungsmethoden zu geben. Eines möchte ich schon anmerken: Ich möchte nicht, dass unsere Republik ausschließlich auf Infos von ausländischen Geheimdiensten angewiesen ist oder wir gar unsere Souveränität verlieren. Ich möchte auf sehr ungewöhnliche Art und Weise meine Rede beenden, und zwar mit den Worten des Nationalratspräsidenten Rosenkranz aus seiner Rede 2018 – er war nämlich damals auch Redner hier zu diesem Thema …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Deswegen ist es gut! – Abg. Zorba [Grüne]: Sie waren damals dafür und ihr seid eh dafür! Was ...? – Abg. Stefan [FPÖ]: Also wenn wir für was ...!

SPÖ Melanie Erasim

… und da brauchen Sie kein Misstrauen in unseren Rechtsstaat zu haben. [...] Sie brauchen kein Misstrauen zu haben in unsere Polizei, in unsere Staatsanwaltschaft und in unsere Richterschaft. Da brauchen Sie keinen Verdacht zu haben.“ …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Fällt dir was auf, Meli? Als SPÖ die FPÖ zu kritisieren ... – Abg. Kucher [SPÖ]: Das ist ja unglaublich! – Zwischenruf der Abg. Maurer [Grüne]. – Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz.

SPÖ Melanie Erasim

… In diesem Sinne werden wir mit Staatssekretär Jörg Leichtfried und auch mit dem Herrn Bundesminister alles daransetzen, dass bei dem, was wir jetzt erst auf den Weg bringen …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

... zitiert die FPÖ! – Ruf: ... Vertrauen!

SPÖ Melanie Erasim

… und es steht auch im Gesetz, dass ausschließlich eine Software verwendet werden darf, die das auch kann –, penibel darauf geachtet wird, dass die Grundrechte der Menschen in diesem Land bis auf den letzten Beistrich eingehalten werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das haben wir eh schon mal erwähnt, wie Sie die Grundrechte ...! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Wenn es um die Sicherheit geht, muss die Freiheit leiden! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das haben wir ... auch schon mal gehört! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Dann muss man die Freiheit leider ...!

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Staatssekretär.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Nein, wir misstrauen nicht grundsätzlich der Polizei …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wir auch nicht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wir auch nicht, aber der ÖVP!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… und nein, wir misstrauen auch nicht grundsätzlich der DSN, aber wir misstrauen dubiosen Softwareanbietern, die sich um hohe Geldbeträge von Hackern Sicherheitslücken kaufen und diese dann nutzen, damit diese Software hergestellt werden kann. Ja, wir misstrauen diesen Firmen, und ja, wir misstrauen ihnen, weil sie diejenigen sind, die als Erste all diese Daten bekommen, die da gesammelt werden. Diese Firmen sind die, die die Daten auslesen, und erst dann gehen sie an die Polizei und erst dann gehen sie an die DSN. Das ist das grundsätzliche Problem bei dieser Sache. Es ist nicht so, wie Sie es uns glauben lassen, dass die Polizisten, die Staatsschützer dasitzen, die Beamten aus dem Nachrichtendienst, und sagen: Bitte gib mir diese Nachricht von dem an den!, und dann kommt ein Text und dann kann man lesen: Oh, der plant einen Anschlag! – So funktioniert das nicht. Es funktioniert nur so, dass man eine Software in ein Gerät implantiert. Die geht da rein, sitzt da drin und sitzt dort auf einem Beobachtungsposten, schaut sich alles an, was da rein- und rausgeht. Dann kriegt sie einen Befehl, der sagt: Schick mir Kommunikation XY! – Aber alles andere ist auch im Verfügungsbereich dieser dubiosen Unternehmen. (👏) Ja, es gibt Rechtsschutz in diesem Gesetz. Es gibt Mechanismen, die dafür sorgen könnten, dass das sicher ist – wenn es denn nur die Software gäbe, die bei diesen Regelungen mitspielen würde, aber die gibt es nicht. Es gibt keine Software, die sich an Ihre gesetzlichen Regelungen hält. Das heißt, wir haben ein Gesetz, das eigentlich im Moment keinen Anwendungsbereich hat. Sie hoffen – Sie hoffen! –, dass es irgendjemanden gibt, der so etwas in Zukunft einmal erfindet. Das ist doch keine Grundlage, um ein Gesetz zu machen! …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Legalitätsprinzip!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Trotzdem stellt sich Kollegin Erasim hierher und befürwortet mit jenen Worten des jetzigen Präsidenten Rosenkranz, mit denen er den damaligen Trojaner befürwortet hat, ein Gesetz, obwohl sie dann den Trojaner selbst vor dem Verfassungsgerichtshof bekämpft hat. (👏) Aber auch bei den NEOS: Kollege Shetty, du stellst dich hierher und sagst, es ist super, dass es bei euch unterschiedliches Abstimmungsverhalten gibt. Was es bei euch gibt, ist, dass die Spitze in einem neu gewonnenen Machtrausch über die Expertinnen und Experten in den eigenen Reihen drüberfährt. Das ist es, was ihr macht. (👏 FPÖ) Ja, es gibt eine Frist, um dieses Gesetz vor dem Verfassungsgerichtshof zu bekämpfen. Macht ihr das? Werdet ihr das Gesetz vor den VfGH bringen? Gebt ihr dem VfGH die Gelegenheit, euer Gesetz zu überprüfen? – Nein, sicher nicht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Haben Sie die Bestimmungen der Verfassung gelesen? – Zwischenruf des Abg. Gödl [ÖVP].

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Das bedeutet das Gegenteil davon, Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet, Verantwortung abzuschieben. Wir müssen die Verantwortung dafür übernehmen und dieses Gesetz vor den VfGH bringen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ihr seids immer so arm!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… damit er die Gelegenheit hat, es zu prüfen. Macht euch aber keine Sorgen: Wir werden das schon machen, weil Grün hält! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Hält Wort! Grün hält Wort!

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff .

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Galerie und vor den Bildschirmen zu Hause! Unser Klubobmann Yannick Shetty hat, glaube ich, schon sehr klargemacht, dass so eine Debatte natürlich gerade für Liberale immer eine äußerst schwierige ist. Wir haben – und das hat er auch klargemacht – natürlich sehr, sehr intensiv und sehr lange dazu im Klub, aber auch darüber hinaus diskutiert. Ich glaube, es ist in solchen wesentlichen Fragen auch sehr notwendig, das zu tun. Ganz grundsätzlich muss man sagen, dass selbstverständlich das Ziel der Republik sein muss, Sicherheit für jeden zu gewährleisten. Sowohl innere Sicherheit als auch äußere Sicherheit sind zu gewährleisten, damit jeder Bürger, jede Bürgerin in diesem Land leben kann und sich sicher sein kann, dass das eigene Leben nicht in Gefahr ist. Wir haben in den letzten Monaten und Jahren sehr oft erlebt, dass dieser Sicherheitskompass der Bürgerinnen und Bürger, dieses Sicherheitsgefühl – durchaus berechtigt in vielen Fragen – nicht mehr da ist. Da muss man sich die Frage stellen: Was können wir mit möglichst wenig Eingriff machen, damit diese Sicherheit hergestellt werden kann? – Diesbezüglich sind ganz viele Hausaufgaben zu machen, wie beispielsweise eine Personaloffensive im Polizeibereich, in der DSN. Es sind auch ganz viele Personalfragen mit Blick auf die DSN zu klären – und ich weiß, dass das dem Herrn Minister sehr bewusst ist –, da auch weitere Schritte zu gehen, und es ist hart daran zu arbeiten, dass die DSN nach ihrer ersten Entwicklungsphase, in der sie ist, auch die Möglichkeiten hat, da wirklich tätig zu werden. Personal ist zur Verfügung zu stellen, die technischen Ressourcen sind zur Verfügung zu stellen et cetera. Dann stellt sich natürlich die Frage: Welche Kompetenzen braucht es darüber hinaus? Das ist – und ich habe es vorhin angesprochen – keine einfache Entscheidung. Da gibt es gewisse Parameter, an die man sich in Verhandlungen, in Koalitionsverhandlungen gebunden hat – und es ist auch das Thema Gefährderüberwachung im Koalitionspakt festgeschrieben. Sie wissen auch, wie der Prozess war, der uns wesentlich war, nämlich von Anfang an zu sagen: Wenn es dazu einen Prozess gibt, dann setzen wir alles daran, dass es möglichst wenig Eingriff gibt, dass dieser sehr klar geregelt ist, dass es möglichst viel Rechtsschutz gibt und – da setzen wir alles daran – dass das auch verfassungskonform ist. Klubobmann Shetty hat schon gesagt, das können nicht wir entscheiden – schon gar nicht ich als Hobbyjurist, wie ich mich selber bezeichne –, sondern das müssen andere entscheiden. Deswegen war es uns so wichtig, einerseits die Begutachtung so lange wie möglich, also eine außergewöhnlich lange Begutachtung, zu machen und im Verfahren auch ernst zu nehmen, was in der Begutachtung herausgekommen ist. Ich glaube, kaum jemand bei uns würde sagen, dass der Entwurf, der in Begutachtung gegangen ist und nach der Begutachtung mit Stellungnahmen dagelegen ist, so umzusetzen gewesen wäre. Deswegen gibt es auch eine Vielzahl an Maßnahmen – Kollege Shetty hat sie schon ausgeführt –, die wir umgesetzt haben. Wir haben den Rechtsschutz in langen und zähen Verhandlungen verbessert. Ich denke an den Rechtsschutzbeauftragten, die Verlängerung der Begutachtungsfrist. Nicht nur hat der Rechtsschutzbeauftragte jetzt drei Monate Zeit, sondern der Unterausschuss kann auch die Verträge einsehen und sich im Rahmen der parlamentarischen Kontrolle entsprechend damit auseinandersetzen. Ich denke an den Dreirichtersenat, der natürlich eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem, wie es davor war, ist. Bleiben wir auch beim Rechtsschutzbeauftragten: Es ist festgelegt, dass wir selbstverständlich die personellen Ressourcen und auch die fachlichen Ressourcen in der Rechtsschutzabteilung schaffen wollen. Jeglicher Datentransfer, der stattfindet, jegliche Bewegung muss gekennzeichnet sein, und dementsprechend kann auch der Rechtsschutzbeauftragte alles einsehen, die Löschung verlangen und ist natürlich als Kontrollinstanz in einer Art und Weise eingebunden, wie das bisher noch nie da war. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Weil von den Grünen, glaube ich, das Thema Schutz von Journalist:innen angesprochen wurde: auch das als klare Kennzeichnung, dass hier immer der Dreirichtersenat entscheiden muss – eine massive Verbesserung zu davor. Auch dass Zufallsfunde im Hinblick auf Vermögensdelikte nicht angewendet oder gebraucht werden dürfen, ist eine klare Verbesserung. Und – das halte ich schon fest – das Wesentliche ist, dass genug Zeit für den VfGH vorhanden ist, zu entscheiden, ob diese Software verfassungskonform ist oder nicht. All diese Veränderungen haben dazu geführt, dass dieses Gesetz sicherlich ein wesentlich besseres ist, als es das in der Vergangenheit war. Ich möchte aber abschließend auch eine Sache feststellen; das hat auch der Herr Klubobmann schon gemacht, aber es ist wesentlich: Es gibt keinen Millimeter mehr, als wir heute hier in diesem Parlament beschließen wollen, Herr Bundesminister …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Das könnt ihr doch überhaupt nicht bestimmen! Die fragen euch doch gar nicht!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… keinen einzigen Millimeter mehr, keine weitere Ausweitung in irgendeiner Form! – Danke schön.

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Leinfellner .

FPÖ Markus Leinfellner

Danke, Frau Präsidentin! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Also bei einigen meiner Vorredner fehlen mir schlicht und ergreifend die Worte angesichts dieser Überwachungsfantasien. Anstatt endlich ein Verbotsgesetz für den politischen Islam auf den Weg zu bringen, träumt unser Innenminister von einer Überwachung von unseren Österreichern. Er träumt davon, die Grund- und Freiheitsrechte wieder einmal mit Füßen zu treten. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Diese Überwachungsfantasien treffen ja nicht nur die Verbrecher, die treffen ja nicht nur Verdächtige, sondern sie treffen jeden einzelnen Österreicher, der diese Messengerdienste – Whatsapp, Signal, Threema, Telegram und wie sie alle heißen – nützt. Meine sehr geehrten Damen und Herren, damit werden Sie den Terror in Österreich keinesfalls bekämpfen. (👏 FPÖ) Damit werden Sie einen Überwachungsstaat in Österreich einführen, und das ist etwas, was wir Freiheitliche definitiv nicht wollen. Wenn Sie den Terror tatsächlich bekämpfen wollen, dann frage ich mich schon: Warum erwähnen Sie in diesem Gesetz mit keinem einzigen Wort den islamistischen Terror? Herr Innenminister, Sie können uns aktuell nicht einmal sagen, wie viele Illegale sich in unserem Land aufhalten, aber Sie wollen mit dieser Software diese Illegalen überwachen. Das ist ja schlicht und ergreifend ein Treppenwitz, Herr Innenminister! (👏 FPÖ) Ich frage mich auch: Wie wollen Sie diese Software auf die Handys bringen? – Eine Möglichkeit hat ja Kollegin Fürst bereits genannt: mit der Ausnutzung von Sicherheitslücken bei Apple, bei Google und dergleichen. Mit einer Amazon-SMS, in der man aufgefordert wird, ein Paket zu bestätigen, das man gar nicht erhalten hat, wird es wahrscheinlich nicht funktionieren, aber wer sagt uns, dass das nicht mit der ID Austria auf das Handy geladen wird, nämlich mit jener staatlichen Software, die inzwischen jeder Österreicher in diesem Land braucht, ohne die man ja nahezu nichts mehr machen kann. Da frage ich mich auch, Herr Innenminister: Wie viele Asylanten und Illegale verwenden diese ID Austria? – Kein einziger, Herr Innenminister! Also damit wird es wahrscheinlich auch nicht funktionieren. Das wäre nach diesem unsäglichen Coronaregime der größte Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte, den wir je in diesem Land erlebt haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer sagt uns, dass der grüne Pass nicht ein erster Testballon gewesen ist , um einmal zu schauen, wie viele Österreicher tatsächlich bereit sind, sich diese Software, eine staatliche Software, auf dem Mobiltelefon zu installieren? (👏 FPÖ) Abschließend: Herr Innenminister, ist Österreich wirklich das einzige Land, das diese Messengerüberwachung nicht hat? Sie haben am 19.8.2024 selbst gesagt: „Das ist mittlerweile internationaler Standard. Alle anderen europäischen Länder dürfen das, nur die österreichische Polizei darf das nicht.“ – Ich will ja wirklich nicht sagen, um keinen Ordnungsruf zu bekommen, dass Sie die Österreicher angelogen haben, aber ich sage, ein wenig Zweifel an der Wahrheit ist hier schon angebracht. Es gibt keine einzige Aufstellung über Länder in Europa, die Messengerdienste zur Überwachung verwenden – die gibt es nicht. Erst seit der Aufklärung des Pegasus-Skandals wissen wir, dass acht Länder genannt wurden. Ich glaube, dieser Pegasus-Skandal ist vielen noch immer ganz gut in Erinnerung. Was ist dabei passiert? – Zehntausende Handys wurden teils in staatlichem Auftrag ausspioniert. Herr Bundesminister, diese Überwachungsfantasien können wir Freiheitliche nicht unterstützen. Wenn Sie den Terror bekämpfen wollen: Remigration wäre ein erster Anfang. (👏 FPÖ) 13.25

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter, für den weiteren Verlauf der Debatte möchte ich Sie nur darauf hinweisen, dass ich, wenn Sie sagen: Ich möchte nicht sagen!, aber anschließend eine Formulierung verwenden, die ordnungsrufwürdig ist, in Zukunft auch dafür einen Ordnungsruf erteilen werde, aber das, denke ich, ist jetzt ausgeräumt, und es ist klar, dass auch so eine Formulierung nicht zu verwenden ist. Nun gelangt Frau Abgeordnete Margreth Falkner zu Wort.

ÖVP Margreth Falkner

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zuschauerinnen und Zuschauer hier und zu Hause vor den Bildschirmen! Stellen Sie sich vor: ein ganz gewöhnlicher Morgen und eine volle U-Bahn, Menschen auf dem Weg zur Arbeit, in die Schule, ins Leben – und plötzlich, Sekunden später ist alles anders: Chaos, Schreie, Rauch. Genau so war es vor 20 Jahren in London, 52 Menschen sind nie mehr nach Hause gekommen. Als Konsequenz hat das Vereinigte Königreich die Überwachungsmöglichkeiten massiv ausgeweitet und konnte dadurch in den darauffolgenden Jahren weitere Anschläge in London und Glasgow verhindern. Solche Bilder könnten auch bei uns Wirklichkeit werden. Niemand von uns will das, aber es wäre fahrlässig, so zu tun, als könnte es nicht passieren. Wir hier tragen Verantwortung, nicht für Meinungen, nicht für Parteiprogramme, sondern für die Sicherheit der Menschen in unserem Land. Diese Sicherheit beginnt mit einer ganz einfachen Frage: Darf unsere Polizei dort hinschauen, wo sich Gefährder heute verstecken, oder knebeln wir sie weiter mit einem Gesetz, das – so ehrlich und selbstkritisch müssen wir sein – aus der Zeit gefallen ist? Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist Realität: Wenn zwei Terroristen miteinander telefonieren und einen Anschlag planen, dann darf man sie abhören, völlig klar, völlig unbestritten, aber wenn sie genau denselben Anruf per Whatsapp machen, ist plötzlich Schluss, Funkstille für den Rechtsstaat. Gleiches Gerät, gleiche Stimme, gleicher Plan, und trotzdem keine Überwachung. Das ist nicht logisch, das ist nicht zeitgemäß und das ist gefährlich. Wer das nicht ändern will, handelt nicht mutig, handelt nicht rechtsstaatlich, sondern verantwortungslos, denn wir dürfen doch nicht zusehen, wie Täter sich der Überwachung mit einem ganz einfachen App-Wechsel entziehen. Das ist doch absurd. Ich frage Sie: Wo sollen Polizistinnen und Polizisten ihren Auftrag erfüllen, wenn wir ihnen die notwendigen Werkzeuge verwehren? Wie wollen wir unsere Kinder, unsere Familien, unser Land schützen, wenn wir aus Angst vor politischem Gegenwind Maßnahmen verhindern, die fast in ganz Europa längst Standard sind? Die Niederlande setzen auf Überwachung, Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, ja selbst die Schweiz und Ungarn, falls Ihnen dieses Beispiel lieber ist. Der Unterschied ist nur, in Österreich werden diese Möglichkeiten derzeit nicht genutzt – nicht weil sie nicht gebraucht werden, sondern weil sie politisch blockiert werden. Noch ein Mythos gehört heute einmal mehr entlarvt: Dieses Gesetz bedeutet keine Massenüberwachung. Wir reden von maximal 30 Fällen pro Jahr – 30! – und nur dann, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt. Wenn mehr Fälle auftreten, muss das transparent und nachvollziehbar dem Parlament gemeldet werden. Es wird kontrolliert, geprüft und begrenzt – genau so, wie es in einem Rechtsstaat auch sein muss. Der Rechtsstaat darf nicht blind sein, er darf nicht taub sein, er darf sich nicht selbst entmachten. Wenn Sie immer vor Missbrauch warnen – so ehrlich müssen wir sein –: Die Gefahr besteht, und zwar bei jedem Gesetz, das wir hier im Hohen Haus beschließen. Gerade deshalb haben wir so viel Wert auf den Rechts- und Missbrauchsschutz bei diesem Gesetz gelegt, deshalb ist es eines der strengsten Gesetze. Wir träumen nicht, Herr Kollege Leinfellner, wir schützen die Menschen in unserem Land und wir setzen Zeichen genau mit diesem Gesetz. (👏 ÖVP) Wir stehen an einem Scheideweg: Entweder wir modernisieren den Rechtsrahmen und geben der Polizei Mittel in die Hand, wie sie in fast jedem der EU-Mitgliedsländer längst bestehen, oder wir schauen weiter dabei zu, wie sich Terroristen in digitalen Schattenräumen verschanzen, unbeobachtet und unkontrolliert. Wir sind nicht bereit, dieses Risiko in Kauf zu nehmen, nicht wenn es um Menschenleben geht. Deshalb bitten wir hier um breite Zustimmung: aus Verantwortung für die Sicherheit in unserem Land. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alois Kainz .

FPÖ Alois Kainz

Danke, Frau Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Werte Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Mit dieser Regierungsvorlage wird ein Gesetzespaket vorgelegt, das in der Praxis nichts weniger bedeutet als den größten Überwachungsausbau der letzten Jahrzehnte. Was als Werkzeug gegen den Terror verkauft wird – und wie es verkauft wird –, ist in Wahrheit ein trojanisches Pferd, das tief in die Grundrechte unbescholtener Bürger eindringt. (👏 FPÖ) Mit der Einführung des Bundestrojaners sollen künftig Nachrichten, wie sie Millionen Österreicher über Dienste wie Whatsapp, Signal oder Telegram versenden, mitgelesen werden können, und zwar nicht punktuell oder bei akuter Gefahr, sondern präventiv auf bloßen Verdacht hin. Der Begriff des verfassungsgefährdenden Angriffs ist im Gesetz so vage formuliert, dass er praktisch auf alles angewendet werden kann, was der Regierung gerade nicht passt.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Haben Sie das Gesetz jemals gelesen? Sie tun sich ja schon schwer beim Runterlesen der Rede!

FPÖ Alois Kainz

… Eines ist auch noch erwähnenswert: Das Wort Islamismus kommt im gesamten Entwurf kein einziges Mal vor …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Da redet jemand über ein Gesetz, das er nie gelesen hat!

FPÖ Alois Kainz

… obwohl dieser aktuell die größte reale Bedrohung für unsere Gesellschaft ist. (👏 FPÖ) Wir von der FPÖ sagen Ja zur Sicherheit, aber Nein zu einem Überwachungsstaat, der die Überwachung der eigenen Bürger normalisiert. Ein Staat, der zur Überwachung absichtlich Sicherheitslücken im Betriebssystem offenlässt, setzt neun Millionen Menschen digitaler Gefahr aus und verbündet sich indirekt mit denselben Hackernetzwerken, gegen die er vorgibt, vorzugehen. Die Regierung lässt völlig offen, welche Softwares verwendet werden sollen, ob damit sämtliche Daten auf einem Handy zugänglich werden und so weiter und so fort. Von der Illusion, dass nur Sicherheitsbehörden davon wissen, muss man sich verabschieden. Wenn es eine Sicherheitslücke gibt und sie offen ist, wird sie auch von anderen gefunden und verwendet. Da befindet man sich in der organisierten Kriminalität, in Betrugsfällen. Die Auswirkungen sind viel breiter, diese treffen die gesamte Bevölkerung, während die Sicherheitsbehörden aus legitimer Verwendung heraus, um Schwerstkriminelle zu überwachen, viel weniger Fälle überwachen. Das heißt, das Interesse, die gesamte Bevölkerung zu schützen, indem man die Sicherheitslücken so schnell wie möglich schließen lässt, überwiegt gegenüber den paar Einzelfällen im ganzen Jahr. Im „Report“ vom 1. Juli war René Mayrhofer. Er war über mehrere Jahre in den USA für die Sicherheit von Google verantwortlich. Er meint zu diesem Thema Folgendes: Die Regierung betont, nicht auf das gesamte Handynetz zugreifen zu können, sondern nur auf einzelne Chatprogramme. Rechtlich kann man das eingrenzen, technisch aber nicht. Um Überwachungen am Handy durchzuführen, muss man einfach am Handy Sicherheitsmaßnahmen brechen, anders geht es nicht. – Zitatende. Auf die Frage, ob die Bundesregierung die Unwahrheit sagt, wenn behauptet wird, dass das dann so leicht ginge, antwortet er: Ich möchte niemanden beschuldigen, bewusst die Unwahrheit zu sagen, aber es deckt sich nicht mit der technischen Welt, so wie wir diese kennen. – Zitatende. (👏 FPÖ) Dann noch zu meinen Vorrednern: Zu Herrn Gödl von der ÖVP, der die Karte von Europa gezeigt und gemeint hat, dass wir da in Österreich alleine sind: Da sind wir gerne alleine. Da vergleichen wir uns nicht. Da gibt es so viele Lücken und Probleme im Sicherheitsnetz. Der Kollege von den Grünen hat gesagt: Über 90 Prozent der Stellungnahmen sind negativ gewesen. – Dem pflichte ich bei. Das alleine müsste sehr zu denken geben, dass dort einiges schiefgeht und nicht stimmen kann. (👏 FPÖ) Dann weiter – der Kollege von der SPÖ, Herr Köhler ( Rufe bei der SPÖ: Köllner! ), hat gemeint: So leicht wie die FPÖ kann man sich es einfach nicht machen und sich wegstellen. ( Ruf bei den NEOS: Wegstehlen! ) – Wollt ihr jetzt noch eure Trittbrettfahrerei legitimieren? Das ist nicht verständlich für uns. Der Herr Bundesminister hat gesagt: Das Gesetz ist notwendig, um arbeiten zu können. – Ja, um arbeiten zu können, braucht es Geld und Personal. Dann haben Sie noch gesagt betreffend den Eindruck des Misstrauens gegenüber dem Verfassungsschutz, der Polizei und den Sicherheitsorganen, die sollte man nicht infrage stellen. – Herr Bundesminister, wir tun das nicht! Sie rücken das immer in so ein Licht, was eigentlich ein tiefer Untergriff ist. Wir schützen und schätzen die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Da lassen wir uns nicht irgendwo irgendein anderes Licht aufdrehen. Das stimmt so nicht. (👏 FPÖ) Jetzt noch zum Schluss: Wenn die Regierung den politischen Islam tatsächlich bekämpfen möchte, braucht es ein Verbotsgesetz gegen Organisationen wie die Muslimbruderschaft und nicht Spionageabwehr gegen Bürgerproteste. Wir lehnen diese Vorlage entschieden ab – für Freiheit, Rechtsstaat und echten Schutz der Bevölkerung. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Geschätzte Damen und Herren! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebes Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren heute ein ganz wichtiges Thema, ein Kernthema unserer Politik in Österreich. Es geht um die Sicherheit Österreichs, es geht um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Es geht um die Gefährderüberwachung als Instrument zur Gefahrenabwehr, um Terroranschläge zu verhindern, Leben zu retten, aber genauso, um die Behörden handlungsfähig zu machen. Warum brauchen wir diese Überwachung? – Weil die Gefährder über Messengerdienste Informationen austauschen und sich radikalisieren. Früher waren es Telefone oder irgendwelche Stammtische und Treffen; diese nutzen sie leider nicht mehr. Früher hatten wir die Telefonüberwachung, jetzt müssen wir auf Messengerdienste wie zum Beispiel Whatsapp, Telegram oder Signal zugreifen können. Außerdem brauchen die Polizei und der Verfassungsschutz moderne und vor allem rechtsstaatliche Mittel, um in diesem Bereich überwachen zu können. Österreich – wie es vorhin schon angesprochen wurde – hinkt da nach. Fast alle europäischen Länder haben eine Form der Überwachungsmöglichkeit. Es kann nicht sein, dass wir immer auf Informationen der Nachrichtendienste anderer Länder angewiesen sind. Was ist vorgesehen? – Es ist grundsätzlich keine Massenüberwachung, es gibt kein willkürliches Abhören. Die Anwendung erfolgt nur dann, wenn es terroristische und verfassungsgefährdende Bedrohungen gibt, und nur im konkreten Verdachtsfall oder wenn nachrichtendienstliche Informationen anderer Staaten zu uns kommen. Es steht eine strenge gesetzliche Auflage dahinter: Es muss alles dokumentiert werden. Es muss nachvollziehbar sein. Über den Richtersenat wird sozusagen ein Mehraugenprinzip garantiert. Und es geht so vor sich, wie heute schon eine Hausdurchsuchung oder eine Telefonüberwachung möglich ist. Beispiele aus der Realität zeigen, dass die Zahl von Bombendrohungen und Bedrohungen durch Extremisten und Terroristen immer mehr steigt. Wir haben da als Österreich Handlungsbedarf. Fakt ist, dass es jeder verhinderte Anschlag wert ist, dieses Werkzeug zu nutzen. Uns ist auch klar, dass es immer eine große Abwägung zwischen der Privatsphäre, also Datenschutz, und der Sicherheit gibt. Ein Wort noch zur Opposition und vor allem zu den Freiheitlichen: Als wir noch mit Ihnen in der Regierung waren, waren Sie dafür, jetzt sind Sie dagegen. Die Gefährdungslage hat sich aber nicht geändert, es hat sich nur Ihre parteipolitische Einstellung geändert. Man sieht, es geht Ihnen nicht um die Sache, es geht Ihnen nicht um die Sicherheit der Bürger, es geht um parteipolitische Spielchen. ( Ruf bei der FPÖ: Gegen den Überwachungsstaat! ) Sicherheit kann kein parteipolitisches Spiel sein. (👏 ÖVP) Wir vertrauen unseren Sicherheitsbehörden. Freiheit braucht Sicherheit, und Sicherheit braucht einen handlungsfähigen Rechtsstaat. In diesem Sinne unterstützen wir diese Gefährderüberwachung. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christian Hafenecker . ( Ruf bei der FPÖ: Jetzt pass auf, da kannst was lernen! )

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Frau Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Kollege Hofinger, es ist kein politisches Spielchen, gegen einen Überwachungsstaat aufzustehen. Das möchte ich Ihnen eingangs dieser Rede einmal sagen. (👏 FPÖ) Wir arbeiten hier im Interesse der Bevölkerung und gegen Ihre Parteiinteressen. Das ist der Unterschied. Herr Bundesminister, ich habe Ihnen vorhin zugehört, und wissen Sie, ich kenne Ihre Plattitüden und Ihre Ankündigungen, aber, Herr Bundesminister, wenn Ihnen die Sicherheit der Österreicher so wichtig ist, warum stellen Sie sich gegen ein Gesetz gegen den politischen Islam? Dann hätten wir einen Straftatbestand, dann könnten wir sofort vorgehen. Das wollen Sie aber nicht, warum auch immer. Es wäre interessant, wie Sie das begründen. (👏 FPÖ) Dann würden nämlich die vorhandenen Mittel völlig ausreichen, diese Gefährder zu überwachen – das nur nebenbei gesagt. Wenn Sie uns vorwerfen, dass die FPÖ nicht hinter der Polizei steht, dann würde ich Ihnen empfehlen, Herr Bundesminister: Schauen Sie einmal die Ergebnisse der Personalvertretungswahlen an, denn dann wissen Sie, was Ihre Polizei von Ihrer Politik hält. Wogegen wir uns stellen, sind die parteibuchbesetzten Kommandanten der Polizei – das betreiben Sie seit Jahrzehnten.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Wer hat denn die Mehrheit bei der Polizei?

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie haben die Polizei in den Führungspositionen dunkelschwarz eingefärbt, und da geht es nicht um Kompetenz, sondern nur um das Parteibuch, und das ist das Problem, das wir hier haben. (👏 FPÖ) Und dann machen Sie immer solche Maßnahmen wie zum Beispiel ein Messerverbot in Favoriten. In Favoriten haben wir die tägliche Messerstecherei. Was macht Innenminister Karner? – Er fährt dorthin, gibt eine Pressekonferenz. Das nächste Messerattentat ist 2 Stunden später, und als Geschenk sperren Sie dann die Polizeiinspektion vor Ort auch noch zu. Das ist Ihre Vorstellung von Sicherheit, die Sie an den Tag legen. Ich glaube, es geht ein bisschen am Ziel vorbei. (👏 FPÖ) Und dann stellen Sie von der ÖVP ernsthaft die Frage, warum wir nicht dabei mitmachen, Ihren tiefen Staat noch mächtiger zu machen. Es funktioniert nichts mehr. Sie gefährden teilweise die Bevölkerung aufgrund parteipolitischer Interessenlagen, Herr Bundesminister – das ist der springende Punkt –, und da machen wir ganz bestimmt nicht mit. Weil Sie dauernd mit dieser Messengerüberwachung kommen und weil Sie dauernd das Beispiel der Bundesrepublik Deutschland bringen: Es gibt die tägliche Messerstecherei in Deutschland, den täglichen Anschlag in Deutschland. Ist dort irgendetwas sicherer geworden? Hat man irgendwelche Anschläge vermeiden können in Deutschland? – Nein …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Sicher!

FPÖ Christian Hafenecker

… die werden der Lage nicht Herr. Das Problem haben Sie verursacht.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Wovon redest denn du? Ja, sicher!

FPÖ Christian Hafenecker

… Das Problem war die ungezügelte Migration. Sie haben Leute ins Land gelassen, von denen Sie nicht gewusst haben, woher sie kommen, wer sie sind und was sie machen werden. Das ist Ihr Problem, Herr Innenminister, aber nicht die eigene Bevölkerung. (👏 FPÖ) Wenn man die Gefahr nicht ins Land lässt, dann hat man kein Problem, aber deswegen ist ja auch das, was wir sagen, das Richtige: Wir brauchen keine Turboüberwachung der eigenen Bevölkerung, wir brauchen eine Turbanüberwachung. Das wäre einmal interessant, in die Richtung sollten wir einmal nachdenken. (👏 FPÖ) Ich möchte es nicht unnötig in die Länge ziehen, aber reden wir über die letzten drei schlimmen Ereignisse, die es in diesem Land gegeben hat, die uns alle beschäftigt und erschüttert haben, Herr Bundesminister, Sie wissen das auch. Reden wir über den Terroranschlag von Wien. Da hätte es keine Messengerüberwachung gebraucht. Da hätte es jedenfalls ein Innenministerium gebraucht, das in der Lage gewesen wäre, die eigenen E-Mails abzurufen, die aus der Slowakei gekommen sind, in welchen vor den Terroristen gewarnt wurde. Das haben Sie nicht gemacht. Da hätten Sie die Bevölkerung nicht zu überwachen brauchen, nur Ihre E-Mails lesen, Herr Bundesminister, das wäre ein Ansatz gewesen. Wien hätte man verhindern können. (👏 FPÖ) Gehen wir weiter zum unglaublich tragischen Fall Villach, Herr Bundesminister: Das Gleiche in Grün! Sie reden dauernd von Ihrem Vorbild Deutschland, aber Ihre Behörde ist nicht einmal in der Lage, mit den Deutschen zu sprechen, sonst hätten Sie nämlich gewusst, dass der Attentäter von Villach an der deutschen Grenze zurückgewiesen worden ist, unserer Exekutive übergeben worden ist, weil er dort mit einem gefälschten Personaldokument einreisen wollte. Dann hätten Sie gewusst, dass eine bundesweite Fahndung in der Bundesrepublik Deutschland ausgeschrieben war, und dann hätten Sie ihm erstens kein Asyl geben dürfen oder zweitens, wenn er es schon gehabt hat, hätten Sie ihn sofort abschieben müssen. Das haben Sie auch nicht gemacht. Somit haben Sie auch da ein Behördenversagen zu verantworten. (👏 FPÖ) Der Fall Graz ist ebenso ein Fall, bei dem Sie wieder weggeschaut und versagt haben, Herr Bundesminister, denn das hätte man sofort open-source-mäßig ermitteln können. Das haben übrigens die freien Medien für Sie gemacht, Herr Bundesminister, die Sie immer auf allen Ebenen bekämpfen und die Sie wahrscheinlich auch irgendwann einmal messengerüberwachen wollen. Die haben herausgefunden, dass der Attentäter von Graz über x Facebook-Profile verfügt hat, die Sie mit Ihren ÖVP-Polizisten nicht gefunden haben. Die freien Medien und die neuen Medien, die Sie abdrehen wollen und betreffend die Sie dafür werden geradestehen müssen, wenn es auch noch zu Debanking-Maßnahmen kommt, haben es geschafft. Was wäre mit der Messengerüberwachung und den Covid-Maßnahmen-Gegnern? – Das wären aus Ihrer Sicht natürlich Staatsfeinde, die könnte man sofort überwachen. Frau Kollegin Zadić, weil Sie vorhin gesagt haben, dass Sie jetzt sozusagen der Hort des liberalen Denkens sind: Ich kann mich schon genau erinnern, was Ihr ehemaliger Obmann Kogler da drüben auf der Regierungsbank über die Maßnahmengegner gesagt hat. Die hat er als Staatsverweigerer, Staatsfeinde und Verfassungsfeinde bezeichnet, also das sind schon Dinge, die aus dem grünen Sektor gekommen sind. Das vergessen wir nicht. (👏 FPÖ) Dann kommt Kollege Gerstl von der ÖVP und sagt uns: Na ja, es ist ja überhaupt kein Missbrauch möglich, das Gesetz ist so dermaßen wasserdicht, dass man es nicht missbrauchen kann! …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Das haben sie uns schon öfter erzählt!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich bin ein gelernter Österreicher, meine sehr geehrten Damen und Herren, und vor allem habe ich lange genug unter der ÖVP gelitten, eigentlich 40 Jahre meines Lebens – ich werde jetzt 45 –, so lange sind Sie in der Regierung, und wissen Sie, was ich in dieser Zeit gelernt habe? – Alles ist möglich bei der ÖVP, wenn es darum geht, die eigenen Interessen durchzusetzen. (👏 FPÖ) Ein Beispiel ist die Einsetzung der Soko Tape, die Sie mit Ihren ÖVP-Polizisten eingesetzt haben, als es noch einen Innenminister Kickl gab. Der hat nichts davon gewusst, und wissen Sie, was Sie damit gleich geschaffen haben? – Eine politische Eingreiftruppe der Sonderklasse. Kollege Gerstl, Sie waren ja selbst im Ausschuss mit dabei, solange Sie Fraktionsführer waren. Da hat man ja gesehen, wo sich diese Eingreiftruppe überall betätigt hat. Sie haben mit Ihrer Polizei damals Ministerin Zadić das Ibizavideo monatelang vorenthalten. Das haben Sie gemacht, weil Sie zuerst einmal schauen wollten, was auf dem Datenträger sonst noch alles drauf ist. Dazu braucht es eine politische Eingreiftruppe, keine Frage. Dann sind die Kloibmüller-Chats ruchbar geworden, Herr Kollege Gerstl, nicht? Da hat sich die ÖVP Sorgen gemacht: Wer hat denn bei Herrn Kloibmüller wofür interveniert? Wissen Sie, was dann passiert ist? – Bei Abgeordneten kann man keine Hausdurchsuchung machen, aber bei Mitarbeitern von Abgeordneten schon. Das hat die ÖVP-Eingreiftruppe, die politische, damals veranlasst.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Der war aber kein Mitarbeiter von einem Abgeordneten!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich weiß ganz genau, wozu Sie in der Lage sind, wenn Sie das möchten, und davor sollten wir die österreichische Bevölkerung schützen. (👏 FPÖ) Da gibt es immer so ein nettes Wort, wenn die ÖVP unabsichtlich etwas ermittelt, da gibt es die sogenannten Beifänge. Das ist ja das, Herr Bundesminister, wo Sie hinwollen: Sie wollen die Handys der Österreicher komplett auslesen und hoffen dann auf Beifänge, die Sie dann gegen den politischen Gegner, gegen sonst jemanden einsetzen können. – Das ist Ihre Interessenlage.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Hafi, das glaubst nicht einmal selber, oder?

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie wollen Ihre Macht verfestigen, aber Sie wollen ganz sicherlich nicht die Bevölkerung schützen. So ehrlich sollte man schon noch sein. (👏 FPÖ) Deswegen auch mein Appell: Es mag schon sein, dass Sie jetzt nach 100 Tagen und ein bisschen mehr in einer Honeymoon-Phase sind, sehr geehrte Damen und Herren von der SPÖ und von den NEOS, aber diese Phase wird auch irgendwann wieder vorbei sein …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Für euch aber auch!

FPÖ Christian Hafenecker

… und dann haben Sie der ÖVP ein Instrument in die Hand gegeben, das gegen Sie verwendet wird, Kollege Shetty, darauf können Sie sich verlassen. Das wird schneller gehen, als Sie bis drei zählen können. Frau Kollegin Erasim, zu Ihnen auch noch, weil Sie vorhin davon gesprochen haben: Alles ist sicher, alles wird geschützt, alles ist großartig. – Sie haben den Ständigen Unterausschuss des Innenausschusses erwähnt, der dann das Kontrollgremium ist. Ich meine, Sie sitzen dort auch drinnen. Ich versuche, mich jetzt nicht strafbar zu machen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ein guter Vorsatz! Vielleicht sagst du das den Kollegen auch einmal!

FPÖ Christian Hafenecker

… aber das, was man dort im Keller, wo man keine technischen Geräte mitnehmen darf, hört, das ist das, was man am Vortag in der Zeitung gelesen hat, und das, was dort neu ist, erzählt der DSN-Chef am nächsten Tag sowieso dem „Kurier“, Herr Bundesminister. Der DSN-Chef ist nicht strafrechtlichen Bedrohungen ausgesetzt, Ihre ÖVP-Polizisten dürfen das – die Abgeordneten dürfen natürlich nicht darüber reden, alles streng geheim. Aber im Prinzip ist dieser Ausschuss eher larifari und sicherlich kein Kontrollgremium, das möchte ich in diesem Zusammenhang auch sagen. (👏 FPÖ) Mir läuft schon die Zeit davon. – Ein Wort noch zu Herrn Staatssekretär Leichtfried: Sie sprechen gern von Verfassungsfeinden. Wer ist denn aus Ihrer Sicht ein Verfassungsfeind? – Ist das die Bundesregierung dann, wenn Sie die Energiegesetze ändern wollen, weil Sie eine Zweidrittelmehrheit brauchen, um die Verfassung zu ändern? Ist ein Antrag gegen die Verfassung schon verfassungsfeindlich oder wie definiert sich das? …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Hafi, du wirkst ein wenig durcheinander!

FPÖ Christian Hafenecker

… Dann sollten Sie nämlich gleich selbst damit beginnen, sich zu überwachen und gegenseitig Ihre E-Mails zu lesen, wenn das die Definition von Verfassungsfeindlichkeit ist. Und ein letztes Wort noch zu Kollegen Shetty von den NEOS: Herr Kollege Shetty, ich würde nicht in Ihrer Situation sein wollen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das beruht auf Gegenseitigkeit!

FPÖ Christian Hafenecker

… Das ehrt mich. Sie vertreten als Klubobmann eine Partei, die an einem einzigen Tag dreimal umfällt, und das nicht bei irgendwelchen Kleinigkeiten, sondern bei wesentlichen Grundlagen Ihrer Partei. Ich kann es Ihnen sagen: Alle Prinzipien sind bei Ihnen weg, Sie geben der ÖVP das Metternich-Instrument in die Hand – das ist ein sehr liberaler Zugang; Gratulation, darauf können Sie sich etwas einbilden! –, das dann schlussendlich gegen Sie und gegen alle anderen verwendet wird. Damit man dann sozusagen noch mehr NEOS in eine Bundesregierung hineinbringt, reden wir dann noch über ein Parteiengesetz, durch welches Sie sich selbst im Nachhinein Strafen ersparen – das muss man sich einmal vorstellen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

FPÖ Christian Hafenecker

… Die Chuzpe muss man wirklich einmal haben, dass man ein Gesetz verabschiedet, das sozusagen illegale Parteispenden legal macht. Das machen Sie dann gleich später mit der SPÖ, mit den Grünen und mit der ÖVP gemeinsam. Ich würde mich schämen. Sie wollen sich einfach nur 70 000 Euro Strafe ersparen und lassen dafür de facto rückwirkende Gesetze vom Stapel.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Fake News!

FPÖ Christian Hafenecker

… Darauf können Sie sich was einbilden – wunderbar! Damit wir das Ganze abrunden, Herr Kollege Shetty, reden wir dann auch noch über den Untersuchungsausschuss. Auch da sind Sie Wasserträger der ÖVP.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Machts einmal einen! Brauchts ja nur einen machen!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich bin gespannt, wie das Frau Kollegin Krisper sieht, die ja für Aufklärung bekannt war. Sie sehen es ja offenbar ein bisschen anders. Ich finde es auch schade, dass die SPÖ dabei mitspielt. Das heißt also, es dauert nicht lange, bis man grundsätzlich von der ÖVP korrumpiert wird. Was ich wirklich auch schade finde – gerade in Ihrer Partei, Herr Shetty, da können Sie auch gleich wieder tatsächlich berichtigen –, ist, dass altgediente und respektierte Abgeordnete wie Kollege Scherak sich von ihrer Parteichefin im „Morgenjournal“ anhören müssen, dass sie eine flache Lernkurve haben. Das zeigt, in welchem Zustand Ihre Partei ist. Sie sind am besten Weg dazu, FDP 2.0 zu werden.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... eine Lernkurve?!

FPÖ Christian Hafenecker

… Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir Freiheitliche stellen uns gegen den ÖVP-Überwachungswahn. Wir wissen, was die ÖVP in der Lage ist, zu tun. Genau deswegen werden wir jedenfalls jede politische Gegenwehr einsetzen, um zu verhindern, dass Sie mit Ihren Plänen durchkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren von der ÖVP. Der tiefe Staat wird aufgedeckt, aber ganz sicherlich nicht ausgebaut. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich zu einer tatsächlichen Berichtigung Herr Klubobmann Yannick Shetty zu Wort gemeldet.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Guten Morgen, Herr Kollege Hafenecker! Sie haben hier am Rednerpult behauptet, dass sich die Regierungsfraktionen nachträglich Strafen erlassen. Ich berichtige tatsächlich – Sie sollten vielleicht nicht nur FPÖ-TV schauen, sondern auch das Croquis lesen –: Wir werden dafür sorgen, dass Strafen nachträglich nicht erlassen werden.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Zeig es her! – Abg. Stefan [FPÖ]: Wie geht das? Wie geht das? – Rufe bei der FPÖ: Falsch!

NEOS Yannick Shetty

… Da wurde heute ein Abänderungsantrag eingebracht, weil Parteien sich nicht etwas richten können sollen, was Bürgerinnen und Bürgern auch nicht möglich ist.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist leider falsch, Herr Kollege!

NEOS Yannick Shetty

… Deswegen sollten Sie sich anschauen, was der Wahrheit entspricht, und keine falschen Behauptungen aufstellen. – Vielen Dank.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Yannick, wie machst du das? Wie geht das juristisch? Bin gespannt, was ... vorlegts! – Ruf bei der FPÖ: ... dem Innenminister gleich direkt übergeben!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Klubobmann Philip Kucher zu Wort. – Bitte.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Früher einmal hat man gesagt, es ist nicht alles schwarz oder weiß. Ich muss sagen, nach der heutigen Debatte bin ich froh, dass zumindest nicht alles nur blau oder grün ist, denn die heutige Debatte war schon in einigen Punkten an Absonderlichkeiten nicht zu überbieten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Jetzt ist alles nur mehr schwarz! – Abg. Zorba [Grüne]: Da hast mir nicht zugehört!

SPÖ Philip Kucher

… Gegen alles zu sein, gleichzeitig aber keinen einzigen konkreten Lösungsvorschlag zu bringen, wird uns in Summe auch nicht weiterbringen. – Da melden sich die beiden Richtigen, FPÖ und Grüne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Kollege Hafenecker kippt immer mehr in diese ganzen Verschwörungsgeschichten hinein. Du spürst es ja bei ihm: Es war plötzlich der tiefe Staat, von dem er jetzt gesprochen hat. Wieder ist der Zugang der FPÖ: Alles ist eine böse Verschwörung, das böse System. – Er glaubt es ja zunehmend selber. Hauptsache dagegen, gegen alles und jeden: Dieser blaue Weg wird uns ganz sicher nicht weiterbringen. Den anderen Weg haben heute die Grünen gewählt, die sind ja besonders mutig unterwegs und sagen: Besser gar nichts tun in dieser Frage, Augen zu, Kopf in den Sand, Prinzip Hoffnung.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh bitte, Philip! Ganz konkrete Vorschläge!

SPÖ Philip Kucher

… Das ist der grüne Weg gewesen, von dem wir heute auch mehrmals gehört haben. Auch das wird es nicht lösen und uns in Österreich, in dieser Republik nicht sicherer machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Besonders fair ist es nicht, dann zu sagen, so en passant: Die ausländischen Nachrichtendienste werden uns schon irgendwie warnen; wir selber machen uns die Hände nicht schmutzig. – Kollege Zorba, das ist nicht der Zugang, der der richtige ist. Politik hat natürlich immer die Aufgabe – und das ist auch die Kunst, die wir alle meistern müssen –, dass mehrere Interessen und Perspektiven unter einen Hut gebracht werden müssen. Das ist in der Frage, die wir heute ausführlich diskutiert haben, nicht leicht. Ja, es geht um Grund- und Freiheitsrechte auf der einen Seite, aber es geht auch um neue Bedrohungslagen und um die Sicherheit hier in der Republik, und dazu braucht es auch Antworten aller politischen Parteien in diesem Land. Jedes Kind begreift doch bitte, dass das Bisherige im Jahre 2025 einfach nicht mehr reicht, weil Terroristen und Gefährder vielleicht etwas anders kommunizieren als mit den klassischen alten SMS, die wir alle noch kennen. Bei den alten Handyverträgen, die wir von früher kennen, waren der Goldstandard 1 100 Frei-SMS, die du nutzen konntest. Die Terroristen tun uns halt nicht den Gefallen, dass sie genau so kommunizieren, dass wir sie am allerleichtesten überwachen können. Da hat sich schon auch die Welt geändert …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was hat sich seit 2017 geändert da? Warum warst du 2017 dagegen? Warum warst du 2017 dagegen? Sag es mir einmal!

SPÖ Philip Kucher

… und es ist Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik, genau diese Interessenabwägung zu schaffen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Das ist ja eine Frechheit, Philip! Unter deiner Würde ist das!

SPÖ Philip Kucher

… Wenn wir alle miteinander wollen, dass die Behörden in der Lage sind, für Sicherheit zu sorgen …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was hat sich seit letztem Jahr geändert, außer dass du jetzt in der Regierung sitzt? Das ist peinlich!

SPÖ Philip Kucher

… dann müssen wir ihnen auch gemeinsam die Instrumente dafür geben und das auf eine ordentliche und intelligente Art und Weise umsetzen. Weil es heute so oft gekommen ist – und es wird nicht wahrer, wenn man den Topfen immer und immer wieder erzählt –: Es wird keine Massenüberwachung geben. Den Kickl-Trojaner, den wir auch gemeinsam erfolgreich verhindert haben, wird es nicht geben. Das, was die Blauen immer wieder wollten, haben wir verhindert.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das kannst du gar nicht verhindern, wenn ihr die Sicherheitslücken offen lasst! Stellt sich da hin! Das kannst du gar nicht verhindern, das ist ja genau der Punkt! Das verstehe sogar ich als Nichttechniker!

SPÖ Philip Kucher

… Wenn wir von 30 Fällen pro Jahr reden, wenn wir von scharfen Kontrollen sprechen – 30 Fälle pro Jahr, Herr Kollege! –, dann ist das ganz sicher keine Massenüberwachung. Wenn man es auf die 9 Millionen Menschen, die in Österreich leben, hochrechnet, würde man 300 000 Jahre brauchen. Das ist alles ein Topfen, den Grüne und FPÖ uns heute den ganzen Tag hier auftischen. Ich möchte abschließend sagen, dass wir leider nicht jeden Horror verhindern können werden. Es ist aber unsere Verantwortung, doch alles dafür zu tun, dass wir zumindest die Gefahr und die Wahrscheinlichkeit minimieren, daher sind die beiden Wege, die wir heute kennengelernt haben – ich sage es noch einmal dazu –: Lösen wir doch bitte die Probleme! Nehmen wir die Kritik auch gerne auf, wie wir es nach dem Begutachtungsverfahren getan haben, um noch einmal gemeinsam nachzuschärfen. Aber lösen wir miteinander Probleme, glauben wir nicht jeden Verschwörungstopfen, nur weil er von den Blauen kommt, und machen wir es auch nicht wie die Grünen, die nur den Kopf in den Sand stecken! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Zorba zu Wort gemeldet. – Bitte.

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Frau Präsidentin. – Ja, Philip Kucher ist so ein klassischer Ausputzer, den man hinausschickt, der dann wieder ein bisschen mit Fake News vermischte Dinge von sich gibt, um die Meinung oder die Stimmung auf seine Seite zu ziehen.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Der schickt sich schon selber raus!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Habt ihr sonst keinen gefunden außer Philip Kucher , der vor wenigen Jahren noch vehement gegen den Bundestrojaner war, sich vehement dagegen eingesetzt hat? Ich habe mir die Zitate im Vorfeld der Sitzung angeschaut. Ich habe im Halbjahrestakt Zitate von Philip Kucher gefunden, warum der Bundestrojaner ein Problem ist. Jetzt stellst du dich hier heraus und redest das Ganze schön und behauptest, wir hätten gar keine Vorschläge gebracht? Warst du in den Ausschusssitzungen dabei? …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Wo denn?

GRÜNE Süleyman Zorba

… In jedem Innenausschuss gab es von uns Vorschläge – zur Reformierung der DSN beim Personal, bei den Befugnissen, überall. Du hast es dir aber nicht einmal angeschaut, und ich glaube nicht einmal, dass du dir den Entwurf angeschaut hast, über den du jetzt abstimmen wirst , denn wenn du ihn angeschaut hättest, würdest du verstehen, dass er sich nicht groß von dem unterscheidet, wogegen du jahrelang warst.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Hast du nicht aufgepasst heute? ... das wissen! – Zwischenruf des Abg. Shetty [NEOS].

GRÜNE Süleyman Zorba

… Du bist ein Kollege, den ich sehr, sehr schätze. Ich verstehe auch, dass du jetzt diese Funktion übernommen hast, hier herauszugehen und auszuputzen. Überlege dir das nächste Mal aber, bevor du hier herausgehst, zweimal, was du sagst. – Danke.

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetz, das Sicherheitspolizeigesetz, das Telekommunikationsgesetz sowie weitere Gesetze geändert werden, samt Titel und Eingang in 164 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichnen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. RN/62.2 Für diese ist eine namentliche Abstimmung verlangt worden, und daher gehe ich auch so vor. Die Stimmzettel, die zu benützen sind, befinden sich in den Laden der Abgeordnetenpulte und tragen die Namen der Abgeordneten sowie die Bezeichnungen „Ja“ beziehungsweise „Nein.“ Für die Abstimmung können ausschließlich diese amtlichen Stimmzettel verwendet werden. Gemäß der Geschäftsordnung werden die Abgeordneten namentlich aufgerufen, den Stimmzettel in die soeben bereitgestellte Urne zu werfen. Ich ersuche jene Abgeordneten, die zu Tagesordnungspunkt 6 in dritter Lesung für den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 164 der Beilagen stimmen, „Ja“-Stimmzettel, jene, die dagegen sind, „Nein“-Stimmzettel zu verwenden. Ich würde Sie bitten, auch darauf zu achten, dass Sie nur einen Stimmzettel einwerfen. Frau Schriftführerin Petra Tanzler wird mit dem Namensaufruf beginnen; Frau Abgeordnete Tanja Graf wird sie später dabei ablösen. – Bitte. ( Über Namensaufruf durch die Schriftführerinnen Tanzler und Tanja Graf werfen die Abgeordneten den Stimmzettel in die Wahlurne. ) Präsidentin Doris Bures : Die Stimmabgabe ist nun beendet. Ich bitte die damit beauftragten Bediensteten des Hauses, unter Aufsicht der Schriftführer mit der Auszählung zu beginnen. Ich werde dafür die Sitzung für einige Minuten unterbrechen. Die Sitzung ist unterbrochen. RN/62.3 Sitzungsunterbrechung von 14.07 Uhr bis 14.12 Uhr (Die zuständigen Bediensteten nehmen die Stimmenzählung vor.) Präsidentin Doris Bures : Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf und gebe das Abstimmungsergebnis bekannt: Abgegebene Stimmen: 176; davon „Ja“ -Stimmen: 105, „Nein“ -Stimmen: 71. Der Gesetzentwurf in 164 der Beilagen ist somit in dritter Lesung mehrheitlich angenommen. RN/62.4 Mit „Ja“ stimmten die Abgeordneten: Auer, Auinger-Oberzaucher; Baumann, Baumgartner, Bayr, Bernhard, Binder, Bogner-Strauß, Brandstötter, Brandweiner, Bures; Deckenbacher, Della Rossa, Dengler, Diesner-Wais, Doppelbauer, Duzdar; Eder, Egger Kurt , Elian, Erasim; Falkner, Feichtinger, Fiedler; Gasser, Gerstl, Gmeinbauer, Gödl, Graf Tanja , Greiner Karin , Grünberg, Grüner; Haitzer, Hammer Michael , Hanel-Torsch, Hanger, Harrer, Haubner, Hechenberger, Herr, Herzog, Himmer, Hofer Markus , Höfinger Johann , Hofinger Manfred , Höfler, Holzegger, Hoyos-Trauttmansdorff; Jachs, Jantscher, Jeitler-Cincelli, Juvan; Köllner, Krainer Kai Jan , Kucher, Kugler, Kühberger, Kumpan-Takacs, von Künsberg Sarre; Laimer, Lindinger, Lindner Mario ; Mair Klaus , Marchetti, Minnich, Moitzi, Muchitsch; Neumann, Neumann-Hartberger, Nussbaum; Oberhofer, Oberrauner, Ofenauer, Ottenschläger, Oxonitsch; Pöttinger, Pramhofer; Raab, Reiter; Sams, Schatz, Scheucher-Pichler, Schmuckenschlager, Schnabel, Schroll, Seemayer, Seltenheim, Servus, Shetty, Sieber, Silvan, Stark, Stich, Strasser; Tanzler, Taschner, Teiber, Totter; Weber, Wieninger, Wöginger, Wotschke; Yildirim; Zarits, Zopf. Mit „Nein“ stimmten die Abgeordneten: Belakowitsch, Berger Ricarda , Berger Tina Angela , Brückl; Darmann, Deimek, Disoski; Ecker Rosa , Eisenhut; Fuchs, Fürst, Fürtbauer; Gewessler, Giuliani-Sterrer, Gmeindl, Götze, Graf Martin ; Hafenecker, Hammer Lukas , Hammerl Paul , Heiß, Herbert; Kainz, Kaniak, Kassegger, Kogler, Kolm, Koza, Krisper; Lausch, Leinfellner, Linder Maximilian , Litzke; Maier Reinhold , Maurer, Mölzer; Nemeth, Neßler; Oberlechner; Petschnig, Pfeifer, Pracher-Hilander, Prammer; Ragger, Ranzmaier, Reifenberger, Royer; Schallmeiner, Schandor, Schartel, Scherak, Schiefer, Schilchegger, Schmiedlechner, Schuch-Gubik, Schuh, Schwaighofer, Schwarz, Spalt, Stefan, Steiner, Stögmüller, Sunitsch; Thau, Tschank; Voglauer; Weinzierl, Wurm; Zadić, Zanger, Zorba. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 165 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.6 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 8: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 166 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer ist für diese Kenntnisnahme? – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.7 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 9: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 167 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.8 Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 168 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Dieser Bericht ist mit Mehrheit zur Kenntnis genommen.

Nein zu Bundestrojaner und Messenger-Überwachung

166 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 210/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag „Nein zu Bundestrojaner und Messenger-Überwachung“ abgelehnt. Damit gibt es keinen parlamentarischen Auftrag, auf die Einführung bzw. Umsetzung einer Messenger-Überwachung mittels staatlicher Spyware zu verzichten.

Betroffen wären Sicherheitsbehörden (v.a. Innenministerium/DSN) sowie Personen, deren Endgeräte und verschlüsselte Kommunikation im Rahmen straf- oder sicherheitsbehördlicher Ermittlungen überwacht werden könnten.

Ziel des Antrags war, den Einsatz eines „Bundestrojaners“ bzw. die Überwachung verschlüsselter Messenger-Kommunikation zu verhindern und damit IT-Sicherheit, Grundrechte und Rechtsschutz zu wahren.

Dokumente

Nein zu Bundestrojaner und Messenger-Überwachung

Anlass und Ziel des Entschließungsantrags

  • Ausgangspunkt ist ein vom Innenminister am 8. April 2025 in Begutachtung geschickter Entwurf zur Messenger-Überwachung (Umsetzung einer langjährigen ÖVP-Forderung).
  • Der Antrag richtet sich gegen „Bundestrojaner“/Spyware-gestützte Überwachung verschlüsselter Messenger-Kommunikation.
  • Begründungskern: Erwartete Ermittlungserfolge seien nicht realistisch, während technische, sicherheitsrelevante und rechtliche Probleme gravierend seien.

1) Missbrauchsrisiko von Spyware (Erfahrungen/Skandale)

  • Erfahrungen mit Spyware zeigen laut Antrag: Regelwidriger Einsatz und Missbrauch seien systemimmanent; Spyware werde wiederholt gegen Opposition, Journalist:innen und Zivilgesellschaft eingesetzt.
  • Pegasus/ähnliche Systeme: 2021 Aufdeckungen über staatlichen Missbrauch in mehreren Ländern (auch EU-Mitgliedstaaten und Drittländer) gegen Journalist:innen, Politiker:innen, Strafverfolgungsbeamt:innen, Diplomat:innen, Rechtsanwält:innen, Geschäftsleute und zivilgesellschaftliche Akteure; Spuren führten auch nach Österreich.
  • DSIRF-Fall: Im Juli 2022 sollen Betreiber von Spähsoftware des damals in Österreich ansässigen Unternehmens DSIRF in Anwaltskanzleien, Banken und Beratungsunternehmen in Österreich, Panama und Großbritannien eingehackt haben (laut EU-Untersuchungsausschuss).
  • Polen: Einsatz von Pegasus 2017–2022 zur Überwachung von 578 Personen, darunter Oppositionspolitiker:innen.
  • „Catalangate“/EU-Kontext: 2022 berichtete Citizen Lab über Überwachung von Mitgliedern des Europäischen Parlaments, Jurist:innen, Aktivist:innen und katalanischen Politiker:innen mit Candiru und Pegasus; teils auch Familienmitglieder betroffen.
  • Griechenland: 2022 Angriff auf 92 Personen (u.a. Politiker:innen, Minister:innen, Journalist:innen) mit Predator.
  • Predator-Fälle 2023: Angriffe auf Vertreter:innen der Zivilgesellschaft, Journalist:innen, UN-Vertreter:innen, die deutsche Botschafterin in den USA sowie Politiker:innen in EU (u.a. Präsidentin des Europäischen Parlaments), USA und Asien.
  • EU-Parlament: Februar 2024 Fund von Überwachungssoftware auf Smartphones von Mitgliedern/Mitarbeiter:innen des EU-Unterausschusses für Sicherheit und Verteidigung.
  • Serbien: 2023–2025 wiederholter Einsatz von Pegasus gegen Journalist:innen, Umweltaktivist:innen und andere Personen.
  • Schlussfolgerung: Die genannten Fälle seien Beispiele dafür, dass Missbrauch bei Überwachungssystemen nicht Ausnahme, sondern strukturelles Risiko sei.

2) Technische Machbarkeit der gesetzlichen Beschränkungen (15a/15b) wird bestritten

  • Der Entwurf enthält Vorgaben, dass Bewilligungen nur im erforderlichen Umfang und Zeitraum erteilt werden dürfen (15a Abs. 3).
  • 15b Abs. 1 verlangt technische Sicherstellung: (1) Überwachung ausschließlich innerhalb Bewilligungsumfang/-zeitraum gesendeter/übermittelter/empfangener Nachrichten, (2) nur unerlässliche Änderungen am Zielsystem, (3) Entfernung oder Funktionsunfähigkeit des eingebrachten Programms nach Ende der Maßnahme.
  • Der Entwurf entspreche in diesen Punkten dem Entwurf aus August 2024; in der damaligen Begutachtung hätten Expert:innen erklärt, dass solche Beschränkungen technisch nicht umsetzbar bzw. nicht kontrollierbar seien.
  • JKU Linz (Netzwerke & Sicherheit / Strafrechtswissenschaften): Es sei „zutiefst unrealistisch“, die Vorgaben kontrollierbar zu halten; realistisch sei eher die Ausleitung/Exfiltration aller Daten der Zielanwendungen (z.B. Messenger) und erst danach Filterung am Auswertungssystem.
  • CERT.at: Kommerzielle Spyware-Lösungen seien nicht darauf ausgelegt, nur bestimmte Applikationen zu überwachen; Kompromittierung eines Endgeräts bedeute stets vollständige Kompromittierung der Privatsphäre; auch die zeitliche Begrenzung sei praktisch nicht zuverlässig einhaltbar.
  • TU Wien: Installation solcher Software sei in Systemen heutiger Komplexität nicht reversibel verwirklichbar; damit sei auch die gesetzlich verlangte Entfernung/Deaktivierung nach Ende der Maßnahme technisch nicht verlässlich anzunehmen.

3) Herkunft/Beschaffung der Software und Unbestimmtheit der Umsetzung

  • Die Regelung (11 Abs. 1 Z 9) spreche nur kursorisch vom „Einbringen eines Programms“ in ein Computersystem unter Einsatz technischer Mittel; die Formulierung lasse offen, wie das Einbringen tatsächlich erfolgen soll.
  • Voraussetzung wäre die vorsätzliche Umgehung von Betriebssystem-Sicherheitsmaßnahmen; dafür müssten (noch) offene Sicherheitslücken aktiv ausgenutzt werden – sowohl beim Einbringen als auch beim Betrieb.
  • Aufgrund der hohen Komplexität und ständigen Veränderung von Systemen sei es unwahrscheinlich, dass österreichische Sicherheitsbehörden die Ressourcen haben, laufend selbst passende Sicherheitslücken zu identifizieren; daher sei ein Zukauf existierender Spyware wahrscheinlich.
  • Zugekaufte kommerzielle Spyware sehe typischerweise keine der im Gesetz verlangten Beschränkungen (15a/15b) vor; andernfalls müsste man sich auf bloße Zusicherungen von Herstellern verlassen.
  • Datenschutzrechtliche Bedenken: Einsatz zugekaufter Spyware sei in hohem Maß problematisch und widerspreche dem Ziel digitaler Souveränität.
  • IT-Sicherheits- und Systemrisiko: Der Zukauf und das Offenhalten von Lücken widerspreche dem Ziel, IT-Sicherheit zu stärken; angesichts zunehmender Cyberangriffe (Deloitte Cyber Security Report 2025) seien offene Lücken ein enormes Risiko.
  • Widerspruch zu NIS2-Anforderungen: Keine Anstrengungen zur Schließung von Sicherheitslücken zu unternehmen stehe im Konflikt mit den Anforderungen der NIS2-Richtlinie.
  • Zusammengefasst: Kriminalitätsbekämpfung werde so zur „Kriminalitätsbeförderung“.

4) Problematisches Ausnutzen von Sicherheitsschwachstellen (staatlicher Interessenkonflikt)

  • Bereits zum „Bundestrojaner 1“ habe der Fakultätsrat der TU Wien einen Interessenkonflikt betont: Der Staat werde durch ein solches Gesetz an der Geheimhaltung von Sicherheitslücken interessiert, obwohl er in Strategien zur Cybersicherheit gegenteilige Ziele verfolge.
  • Dasselbe Problem stelle sich beim neuen Entwurf: Überwachung wäre ohne bewusstes Inkaufnehmen und Ausnutzen von Sicherheitslücken nicht möglich.
  • Positive Schutzpflichten: Art. 8 EMRK und Art. 10a StGG verpflichten den Staat, die Unverletzlichkeit der Individualkommunikation zu schützen; das bewusste Offenhalten/Ausnutzen von Lücken widerspreche dieser Schutzpflicht.
  • Sicherheitslücken betreffen nicht nur Geräte Verdächtiger, sondern die Endgeräte aller Bürger:innen sowie von Unternehmen, Gebietskörperschaften und öffentlichen Einrichtungen.
  • Solche Lücken seien auch Einfallstore für Kriminelle; sie würden nicht nur von Staatsschutz/Nachrichtendienst genutzt.

5) Unzureichender Rechtsschutz und Kontrolle

  • Zentrale Frage: „Wer überwacht die Überwacher?“ – der Entwurf liefere dazu unzureichende Antworten und keinen ausreichenden Rechtsschutz.
  • 14 Abs. 6 SNG: Vor erstmaliger Inbetriebnahme eines Programms zur Überwachung verschlüsselter Nachrichten/Informationen muss der Innenminister dem Rechtsschutzbeauftragten Gelegenheit geben, binnen zwei Wochen zu äußern, ob das Programm den Anforderungen des 15b Abs. 1 entspricht; Einsatz erst nach Ablauf der Frist oder nach Äußerung.
  • Kritik: Der Rechtsschutzbeauftragte im Innenministerium sei Jurist; ihm werde eine hochkomplexe technische Beurteilung zugemutet, während Hersteller die volle Funktionsweise voraussichtlich nicht offenlegen.
  • Spyware unterliege laufenden Änderungen (Wettlauf zwischen Ausnutzung und Behebung von Lücken); eine Vorabkontrolle könne daher höchstens momentbezogen sein und keine dauerhafte „Zertifizierung“ darstellen.
  • Wenn binnen 14 Tagen keine Äußerung erfolgt, könne die Software dennoch in Betrieb gehen (keine zwingende Freigabe).
  • Auch während laufender Überwachung könne der Rechtsschutzbeauftragte technische Gegebenheiten und Missbrauchspotenzial kaum beurteilen, da Spyware ihre Funktionsweise gerade nicht offenlegt.
  • Verweis auf VfGH-Aufhebung des früheren Bundestrojaners: Mangelnder Rechtsschutz war ein Hauptargument; der VfGH verlangte angesichts der Eingriffsintensität eine begleitende, effektive, mit technischen Mitteln und Ressourcen ausgestattete und unabhängige Aufsicht über die laufende Durchführung (durch Richter oder gleichwertig unabhängige Stelle).
  • Schlussfolgerung: Wie beim Bundestrojaner 1 sei der Rechtsschutz auch im neuen Entwurf nicht hinreichend; die VfGH-Entscheidung (11.12.2019, G72/2019 ua) werde als weiterhin maßgeblich angeführt.

6) Verfassungsrechtliche Bedenken (als Ergebnis der Kritikpunkte)

  • Der Entwurf sei aus mehreren Gründen verfassungswidrig:
  • Er beruhe auf aktiver Nutzung bestehender Sicherheitslücken; dadurch entstehe ein staatliches Interesse am Fortbestand von Schwachstellen, im Widerspruch zum staatlichen Auftrag, Netz- und Informationssystemsicherheit sowie Privatsphäre zu schützen (Verletzung positiver Schutzpflichten nach Art. 8 EMRK und Art. 10a StGG).
  • Die behaupteten Beschränkungen auf Messenger-Kommunikation und auf den Überwachungszeitraum seien technisch nicht umsetzbar; zudem sei die Installation der Spionage-Software nicht reversibel.
  • Der Rechtsschutz sei unzureichend – sowohl bei der (nicht zwingenden) Vorabprüfung als auch beim Schutz vor und während der Überwachung.

7) Gesamtfazit und Bezug zur Begutachtung früherer Entwürfe

  • Der neue Gesetzesentwurf entspreche über weite Teile dem früheren Ministerialentwurf 350/ME XXVII. GP, der bereits begutachtet wurde.
  • Die damaligen Stellungnahmen seien „vernichtend“ gewesen: technisch unausgereift bis technisch unmöglich, enormes Sicherheitsrisiko für unbescholtene Bürger:innen, Unternehmen und staatliche Institutionen, sowie verfassungswidrig.
  • Es wird auf zahlreiche Stellungnahmen verwiesen (u.a. Universitäten, Österreichischer Rechtsanwaltskammertag, ÖGB, Bürgerrechtsorganisationen, Vereinigung österreichischer Richterinnen und Richter), die die massiven Bedenken und Sicherheitsrisiken bestätigen sollen.
  • Insbesondere die technischen Risken und Schwachstellen aus der früheren Begutachtung beträfen den neuen Entwurf gleichermaßen.

Nein zu Bundestrojaner und Messenger-Überwachung

~31 min Lesezeit
Dafür: Dagegen: teilweise N)ÖVPSPÖ
PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ernst Gödl . – Ich habe Ihre Redezeit auf 9 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Herr Präsident, für das Wort! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen hier im Plenum! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit der Novelle des Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetzes schaffen wir heute tatsächlich einen Meilenstein in der Sicherheitspolitik unseres Landes. Wir sind eines der sichersten Länder auf dieser Welt. Wir sind es, wir wollen es auch bleiben, und wir werden es auch bleiben , aber: Wir sind keine Insel der Seligen. Sicherheit muss tagtäglich ( Ruf bei der FPÖ: ... Stasi!) erarbeitet und erkämpft werden – von unseren Polizistinnen und Polizisten, aber genauso von unseren Staatsschutzbehörden. Diese Novelle ist die längst überfällige Antwort auf die Frage, wie wir in einem Zeitalter modernster Kommunikationstechnologien Terroristen und potenziellen Gefährdern unseres Gesellschaftsmodells, unseres Lebensmodells entschieden entgegentreten können. Es ist nämlich nicht nur eine Möglichkeit, meine Damen und Herren, sondern es ist unsere Pflicht als Gesetzgeber, hier jenen das Handwerk zu legen, die das Lebensmodell der liberalen Demokratie, der Freiheit in einem breiten Wohlstand gefährden wollen. Daher ist es dringend geboten, auch unseren Behörden jene Instrumente in die Hand zu geben und jene Ermittlungsmethoden zu gewähren, die man in der heutigen Zeit benötigt, um Staatsgefährdern, Extremisten und Terroristen auf Augenhöhe entgegentreten zu können.

ÖVP Ernst Gödl

… RN/40.1 Ich sage Ihnen noch etwas: Es ist in den meisten Demokratien unseres Zuschnittes längst üblich, sie schicken die Staatsschützer schon längst auf das Spielfeld, auf dem sich Terroristen, Extremisten und Staatsgefährder tummeln. Ich zeige Ihnen eine Karte von Europa. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der unter der Überschrift „Gefährderüberwachung“ eine Europakarte abgebildet ist, die darstellt, in welchen Ländern diese „vorhanden“ oder nicht vorhanden beziehungsweise unbekannt ist.) Sie sehen hier in Hellgrau – fast alle Länder sind hellgrau eingefärbt – jene Länder, die viel mehr Kompetenzen haben, um Staatsgefährdern, Terroristen und Terrorverdächtigen entgegenzutreten.

ÖVP Ernst Gödl

… Ganz wenige Länder

ÖVP Ernst Gödl

… Moldawien oder auch die Balkanstaaten, haben diese Möglichkeiten nicht

ÖVP Ernst Gödl

… und Österreich hat sie nicht.

ÖVP Ernst Gödl

… Unsere Nachbarländer haben sie, mit Ausnahme von Liechtenstein, okay.

ÖVP Ernst Gödl

… Also: Moderne Demokratien unseres Zuschnitts geben den Staatsschützern viel mehr Kompetenzen in die Hand, um effektiv dagegen anzutreten.

ÖVP Ernst Gödl

… Diese Länder um uns herum sind längst auf dem Spielfeld

ÖVP Ernst Gödl

… und unsere Staatsschützer sitzen auf der Tribüne ( Ruf bei der FPÖ: ... Deutschland! ), in der Hoffnung, dass sie Nachrichten von jenen bekommen, die bereits auf dem Spielfeld sind. Meine Damen und Herren, das ändern wir jetzt. Wir schicken unsere Staatsschützer auch auf genau dieses Spielfeld. Auf diesem Spielfeld, und das ist in einer liberalen, modernen Demokratie auch wichtig

ÖVP Ernst Gödl

… gibt es wichtige Schiedsrichter. Erster Schiedsrichter ist der Richtersenat, der diesen Eingriff überhaupt erlauben muss. Und quasi als Linienrichter – vorher, während der Maßnahmen und auch danach – haben wir den Rechtsschutzbeauftragten. Es gibt, um bei diesem Sprachbild zu bleiben, auch einen VAR. Der VAR ist das Parlament in Form des Ständigen Unterausschusses des Innenausschusses, dem ja der Staatsschutz ständig berichten muss, welche Maßnahmen er ergreift. ( Ruf bei der FPÖ: ... Entscheidung zurücknehmen! ) Wir haben hier also ein gutes System ausgearbeitet, wo unser Staatsschutz aufs Spielfeld kommt. 25 bis 30 Personen, bei denen ein dringender Tatverdacht besteht, dürfen pro Jahr in ihrer Kommunikation überwacht werden. Wenn es mehr werden, dann muss definitiv sofort auch dieser Ständige Unterausschuss des Innenausschusses informiert werden. Jetzt die Frage an die Grünen, aber durchaus auch an die Blauen: Ist der Schutz der Privatsphäre von 25 bis 30 Personen, nämlich Hochrisikogefährdern, tatsächlich wichtiger als die Sicherheit der gesamten Gesellschaft, als die Vereitelung eines oder mehrerer Terrorangriffe? – Mit Sicherheit nicht. (👏 ÖVP, FPÖ) Würde man Ihre Prinzipien weltweit anwenden (Ruf bei den Grünen: Das ist Verfassung! – Ruf bei der FPÖ: Kennen Sie die Gefährder schon? ), dann wäre das eine Kapitulation vor Staatsgefährdern, vor Terroristen

ÖVP Ernst Gödl

… und vor jenen, die es mit unserer Gesellschaft nicht gut meinen. Staatsschutz lebt nicht vom Prinzip Hoffnung, indem wir auf der Tribüne sitzen und hoffen, dass jene, die vielleicht mit anderen Methoden Kenntnisse erlangen, dann unsere Geheimdienste informieren, sondern wir müssen aktiv aufs Spielfeld. Nun zur FPÖ: Es war ja sehr hanebüchen, was mein Vorredner, Herr Darmann, hier gesagt hat ( Ruf bei der FPÖ: Was ist mit islamistischem Terror?) , nämlich deswegen: Sie hatten einmal Verantwortung, übrigens auch im Innenministerium.

ÖVP Ernst Gödl

… Sie wissen, 2018 waren diese Ermittlungsmethoden auch ein Thema – dass man auch moderne Kommunikation überwachen kann, dass man unserem Staatsschutz die notwendigen Befugnisse gibt.

ÖVP Ernst Gödl

… Ich bringe jetzt ein Zitat, und Sie dürfen dann nur ein Mal raten, wer das gesagt hat – ja, nur ein Mal raten!

ÖVP Ernst Gödl

… Dann geben wir den Beamtinnen und Beamten doch auch in technischer Hinsicht das Rüstzeug an die Hand, das man braucht, um auf der Höhe der Zeit zu sein! [...] Wir reden da nicht vom Hendldieb [...], wir reden von Schwerkriminellen, wir reden von organisierter Kriminalität, Schlepperei und Drogenhandel.“ – Sie dürfen jetzt nur ein Mal raten, wer das gesagt hat! ( Ruf bei der SPÖ: Herbert Kickl ! ) – Es war ein gewisser Herbert Kickl . Oder, die nächste Frage: „Ich bin auch überzeugt davon, dass es [...] gelungen ist, die notwendige und richtige Balance zwischen der Hochhaltung und der Verteidigung der Grund- und Freiheitsrechte auf der einen Seite und den berechtigten Schutzinteressen der Masse der Bevölkerung – die sich ja nichts zuschulden kommen hat lassen, sondern die man schützen muss – auf der anderen Seite zu finden, das notwendige Maß zu finden.“ – Sie dürfen ein Mal raten, wer das gesagt hat! – Ja, genau, das hat Ihr jetziger Klubobmann, jetziger Parteiobmann und seinerzeitiger Innenminister gesagt, genau um unseren Staatsschutz zu stärken, um sie aufs Spielfeld zu lassen. Es führt zwar momentan gerade nicht Herr Präsident Rosenkranz hier den Vorsitz, aber auch er hat sich damals zu Wort gemeldet und hat gesagt: „Liebe Menschen, die ihr euch in Österreich aufhaltet, um hier terroristische Anschläge zu verüben, um organisierter Kriminalität nachzugehen, [...], ja, ihr könnt euch fürchten, und das ist gut so!“ – Das war die Meldung Ihres jetzigen Nationalratspräsidenten zum Thema Staatsschutz, zum Thema Ausweitung der Ermittlungsmethoden.

ÖVP Ernst Gödl

… Und das, was Sie seinerzeit im Interesse der Sicherheit Österreichs vorgehabt haben, das wollen Sie jetzt bekämpfen.

ÖVP Ernst Gödl

… Meine Damen und Herren von der FPÖ, Sie sind völlig in der Sackgasse, weil Sie gegen die Sicherheit Österreichs, gegen die Interessen Österreichs arbeiten.

ÖVP Ernst Gödl

… Diese neue Regelung zeigt einmal mehr, auf wen sich die Menschen in Österreich verlassen können

ÖVP Ernst Gödl

… auf unsere Bundesregierung ( Ruf bei der FPÖ: Die ÖVP! – Heiterkeit bei der FPÖ ), angeführt von Christian Stocker , auf unseren Innenminister, auf unseren Staatssekretär und ganz besonders auch auf die Sicherheitspartei ÖVP. RN/40.2 Wir, meine geschätzten Damen und Herren, schicken unseren Staatsschutz aufs Spielfeld ( die Tafel mit der Überschrift „Gefährderüberwachung“ neuerlich auf das Redner:innenpult stellend ), damit sie dort tätig werden können

ÖVP Ernst Gödl

… wo sie Terror, wo sie Staatsgefährder und dergleichen bekämpfen können – zur Sicherheit Österreichs und im Interesse Österreichs. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Süleyman Zorba . Ich habe die Redezeit auf 9 Minuten eingestellt. (Abg. Erasim [SPÖ]: Der hat etwas zu sagen!)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner . Ich habe die Redezeit auf 5 Minuten eingestellt. – Herr Abgeordneter, bitte.

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst darf ich im Namen meiner Kollegin Sabine Schatz die Pensionisten aus dem Bezirk Urfahr begrüßen – herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Wir hätten es uns leicht machen und uns wie die FPÖ vor der Verantwortung drücken können. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die SPÖ ist in diese Regierung gegangen, um in der herausforderndsten Zeit - - – runterkommen, ich komme noch zu Ihnen! –, um in der herausforderndsten Zeit seit Jahrzehnten in unserer Republik Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung für ein Budgetloch zu übernehmen, das andere hinterlassen haben, Verantwortung zu übernehmen, um die Sicherheit unserer Bevölkerung zu erhöhen.

SPÖ Maximilian Köllner

… Wenn es notwendig ist, unserer Exekutive ( Ruf bei der FPÖ: Die Überstunden zu zahlen! ) – um Terroristen und Spione aus dem Verkehr ziehen zu können – auch Instrumente in die Hand zu geben, dann hört man plötzlich von der FPÖ nichts mehr. Und ja, ich sage auch das in aller Deutlichkeit: Die SPÖ ist in der Vergangenheit Vorschlägen für eine Überwachungssoftware kritisch gegenübergestanden, weil sie zu weit gingen

SPÖ Maximilian Köllner

… zu großer Eingriff, zu wenig Kontrolle.

SPÖ Maximilian Köllner

… Genau deshalb liegt heute ein Gesetz vor, das genau jene Schutzmechanismen enthält, die damals gefehlt haben, zum Beispiel unter Innenminister Herbert Kickl .

SPÖ Maximilian Köllner

… Dieses Werkzeug, das jetzt vorliegt, darf ausschließlich bei konkretem Verdacht und nur mit richterlicher Genehmigung eingesetzt werden.

SPÖ Maximilian Köllner

… Und das ist der wesentliche Unterschied, meine sehr geehrten Damen und Herren.

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir machen zuerst das Gesetz und erst dann prüfen wir, welche Software unseren Anforderungen entspricht. Es hat eine ausführliche Begutachtung gegeben, es wurden auch etliche Stellungnahmen eingeholt, damit die Gefährderüberwachung noch sicherer und besser wird. Es gibt extrem strenge Regeln beim Einsatz der Software. Es gibt Vorkehrungen gegen den Missbrauch. Jeder Einsatz, jeder Mausklick muss dokumentiert werden. Die richterliche Genehmigung einer Überwachung erfolgt durch einen unabhängigen Dreiersenat. Ein Rechtsschutzbeauftragter muss alles engmaschig begleiten.

SPÖ Maximilian Köllner

… Bei mehr als 30 Überwachungsfällen pro Jahr muss der Innenminister dem Parlament – Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen – Bericht erstatten. Alleine an dieser Zahl 30 sieht man schon, dass der Überwachungsfall die Ultima Ratio ist, wenn die Möglichkeiten des Verfassungsschutzes ausgeschöpft sind. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Eines möchte ich schon noch sagen: Ich kann mich noch gut an die Reaktionen nach den terroristisch motivierten Anschlägen in Wien 2020 und zuletzt in Villach zu Beginn dieses Jahres erinnern.

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir waren alle fassungslos und geschockt, und die gesamte Republik ist zusammengestanden und hat gemeinsam - -

SPÖ Maximilian Köllner

… Sie können sich zu Wort melden. Lassen Sie mich bitte kurz ausreden …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Nein, er hat schon 2018 gesprochen! Der Herr Stefan hat doch 2018 gesprochen, wie sie dafür waren!

SPÖ Maximilian Köllner

… das gehört sich in Österreich so. Die gesamte Republik ist zusammengestanden und hat gemeinsam mit den Angehörigen der Opfer getrauert. Auch wenn wir nie alles verhindern können, waren wir uns einig, alles zu tun, um die Sicherheit in unserem Land zu erhöhen. Jetzt, wenige Monate später haben manche anscheinend schon vergessen, was passiert ist. Jetzt liegt ein Gesetz vor, das ausschließlich auf jene fokussiert, von denen tatsächlich Gefahr ausgeht , und gewisse Akteure hier im Hohen Haus haben nicht nur keine Lösungsansätze, sondern auch anscheinend nichts Besseres zu tun, als politisches Kleingeld zu schlagen. Das ist unredlich – ich finde das nicht okay

SPÖ Maximilian Köllner

… und das ist vor allem unehrlich und unfair den Familien und Freunden der Angehörigen gegenüber. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Abschluss noch zur FPÖ, die sich jetzt hier künstlich als Hüterin der Freiheit inszeniert: Ihr habt offensichtlich bei euch intern ein Vergesslichkeitsthema. Ihr habt den kleinen Mann immer noch verraten und hinters Licht geführt. Ihr wart in jeder Regierungsverantwortung beim Sozialabbau dabei.

SPÖ Maximilian Köllner

… Im Sommer 2017 habt ihr das geplante Sicherheitspaket von Rot-Schwarz als – ich zitiere – „Papier der Grässlichkeiten“ und „DDR 4.0“ bezeichnet. Wer hat ein halbes Jahr später den Innenminister gestellt? – Die FPÖ. Dann hat es plötzlich geheißen: Ja, wir haben uns „eines Besseren belehren lassen“, „es ist ja nicht verboten, gescheiter zu werden“! …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Und jetzt werdet ihr wieder gescheiter!

SPÖ Maximilian Köllner

… Jetzt, wieder in der Opposition und obwohl das Gesetz extrem strenge Regeln beim Einsatz voraussetzt, seid ihr wieder dagegen. – Na, was jetzt?

SPÖ Maximilian Köllner

… Das ist ein Zickzackkurs vom Feinsten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Noch ein Wort zu Kollegen Darmann – ich gratuliere ihm herzlich nachträglich zu seinem 50. Geburtstag, aber ich kann ihn da auch nicht ausnehmen –: Er hat nach den letzten Attentaten auch im Ausschuss stets von Behördenversagen gesprochen. Gleichzeitig wollen Sie ihnen aber das nötige Werkzeug nicht in die Hand geben, damit wir so etwas verhindern. Abgesehen davon, dass Sie mit dem Ausdruck Behördenversagen pauschal Tausende engagierte Exekutivbeamte diskreditieren

SPÖ Maximilian Köllner

… können wir nur mutmaßen, worum es Ihnen wirklich geht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und zu guter Letzt – dann bin ich schon fertig – zu den Grünen: Oberlehrerhaft nur zu sagen, was nicht geht

SPÖ Maximilian Köllner

… aber keine eigenen Lösungen zur Erhöhung der Sicherheit anzubieten, ist aus meiner Sicht auch zu wenig. Wer den Staat daran hindert, seine Bevölkerung zu schützen, schützt am Ende des Tages die Falschen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundesminister. – Bitte, Herr Bundesminister, Sie gelangen zu Wort.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Klubobmann.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Alma Zadić . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Wolfgang Gerstl . – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt. Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Wolfgang Gerstl

Vielen Dank, Herr Präsident. – Die Debatte war sehr erleuchtend.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Als der Herr Bundesminister der Freiheitlichen Partei in gewisser Form vielleicht unterstellt hat, dass sie gegen den Staatsschutz sei, hat die Freiheitliche Partei herausgerufen: Nein, nicht gegen den Staatsschutz, sondern nur gegen die ÖVP. Entlarvender kann es nicht sein.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Aus Ihrer Sicht: Wenn Herr Innenminister Kickl hier wäre, dann wäre alles okay, denn Sie sind mit den Maßnahmen vollkommen einverstanden. Nur: Sie wollen einen anderen Minister haben. Geben Sie es zu, dass es Ihnen nur um Parteipolitik geht und um nichts anderes! Dafür darf ich Ihnen Innenminister Kickl zitieren

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Ich habe mich von Experten eines Besseren belehren lassen“, hat er gesagt. „Und es ist ja nicht verboten, gescheiter zu werden.“ ( Rufe bei der FPÖ: Ja, eh! Nicht schwach! ) Wir müssen uns einmal anhören, „was dort an Ermittlungsarbeit de facto verloren gehen kann, nur weil diese Lücke besteht!“ – All das

ÖVP Wolfgang Gerstl

… hat Ihr Innenminister Kickl

ÖVP Wolfgang Gerstl

… zu dieser Sicherheitslücke gesagt, die dringend notwendig zu schließen ist.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Sehr geehrter Herr Präsident! Die Freiheitliche Partei versucht einfach, Panikmache zu betreiben, und sie ändert ihre Position, wie sie es gerade benötigt: 2017 war das noch ein DDR-Regime, 2018 waren sie voll dafür; 2019, als der Verfassungsgerichtshof es aufgehoben hat, haben sie noch davon gesprochen, dass dies eine Tür, ein Einfallstor für organisierte Kriminalität ist, und heute, da sie jetzt länger in Opposition sind, sind sie wieder dagegen.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Das ist das Spiel der FPÖ – das nimmt lhnen niemand mehr ab, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ) Ich nehme gerne diesen Aufruf von der Freiheitlichen Partei auf ( Ruf bei der FPÖ: Gemma! ): Wie läuft nun eine solche Überwachungsmaßnahme?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Es sind im Gesetz zehn detaillierte Punkte aufgelistet, die notwendig sind, um überhaupt eine solche Überwachung zu ermöglichen. Zuallererst müssen die Sicherheitsbehörden alle Ermittlungsmaßnahmen getroffen haben, die zu keinem Erfolg führen; das müssen sie darlegen und beweisen.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Danach müssen sie zum Rechtsschutzbeauftragten gehen, der unabhängig und weisungsfrei ist, und dieser Rechtssschutzbeauftragte muss ihnen die Genehmigung geben, damit sie danach zu Gericht gehen

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Dort – und da darf ich die Worte von Kollegen Shetty aufgreifen – ist es nicht so, dass nur ein Richter entscheidet, sondern – das haben wir nach dem Begutachtungsverfahren entsprechend geändert – dort sind drei Richter, dort ist ein Dreirichtersenat erforderlich, um eine solche Maßnahme zu genehmigen. Wenn es genehmigt ist, nachdem alle einzelnen Punkte genau aufgelistet wurden, hat der Rechtsschutzbeauftragte noch immer die Aufgabe, jeden Detailpunkt und jeden Teil der Überwachung weiterhin zu kontrollieren

ÖVP Wolfgang Gerstl

… und er kann die Überwachung jederzeit beenden. Und dann: Es ist nicht so, dass das gesamte Handy oder so etwas kontrolliert wird

ÖVP Wolfgang Gerstl

… sondern die Anordnung muss auch genau zum Inhalt haben, welches Detail man herausnehmen darf, also nur eine ganz bestimmte Whatsapp-Information

ÖVP Wolfgang Gerstl

… oder eine ganz bestimmte Signal- oder Telegram-Information. Nichts anderes darf ausgeleitet werden.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Das Ganze passiert mit einem Vieraugen- oder Sechsaugenprinzip, mit einer genauen, detaillierten Kommunikation, die von den Sicherheitsbehörden schriftlich dargelegt werden muss, damit es zu keinem Missbrauch kommen kann.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Meine Damen und Herren, detaillierter konnten es die Experten nicht mehr machen.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Sie haben sich die beste Mühe gegeben, dass dieses Gesetz verhältnismäßig ist, dass dieses Gesetz verfassungskonform ist – und das ist im Sinne der Bürgerinnen und Bürger.

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Da möchte ich zum Schluss noch einmal den ehemaligen Innenminister Kickl zitieren

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Die „Masse wird geschützt“

ÖVP Wolfgang Gerstl

… und nicht die „kriminellen Aktivitäten Einzelner“. – Darum geht es, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Susanne Fürst . – Frau Abgeordnete, ich habe Ihre Zeit auf 4 Minuten eingestellt. Bitte.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Melanie Erasim . – Ich habe die Zeit auf 4 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich im Namen meiner Kollegin Muna Duzdar eine Gruppe von Jugend am Werk aus Wien ganz herzlich begrüßen. Herzlich willkommen, ihr fleißigen Jugendlichen, die ihr euch in der Facharbeiterausbildung befindet! ( Allgemeiner Beifall. ) Geschätzte Jugendliche! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Der Themenbereich, über den wir gerade diskutieren, ist ein sehr, sehr heikler, zu heikel, um ihn dafür zu verwenden, politisches Kleingeld zu verdienen. Deshalb ist es meines Erachtens auch wichtig, sich anzusehen, von welcher Seite welche Kritik kommt. Wenn sich die Grünen hierherstellen und sagen, sie waren immer dagegen und werden immer dagegen sein, dann ist das eine Meinung, die man haben kann. Die negativen Auswirkungen, die es geben könnte, sind für uns auch immer Anlass gewesen, genau hinzusehen

SPÖ Melanie Erasim

… genau darzulegen, wie es mit dem Datenschutz ist und so weiter und so fort.

SPÖ Melanie Erasim

… Wenn sich aber meine Vorrednerin von der FPÖ hierherstellt: Vielen Dank, Frau Abgeordnete Fürst, dass Sie uns Einblick in Ihre Denkweise gegeben haben, denn so, wie der Schelm denkt, so ist er! – Das ist wirklich erschütternd.

SPÖ Melanie Erasim

… Herr Stefan, schön, dass Sie dazwischenschreien. Sie waren 2018 einer der sieben Abgeordneten – ich war nämlich auch schon 2018, als der Bundestrojaner beschlossen worden ist, Abgeordnete in diesem Haus –, Sie waren einer der glühenden Fürsprecher. (Abg. Stefan [FPÖ] – erheitert –: Nein, das ist eine Fake News!) Darum frage ich mich, warum Sie heute nicht hier stehen, um Ihre Meinung kundzutun.

SPÖ Melanie Erasim

… Ich habe das Protokoll hier. Ich habe die Rede hier

SPÖ Melanie Erasim

… nur ist sie zu langweilig, um sie vorzulesen. Damals wurde eben von Herrn Bundesminister Kickl

SPÖ Melanie Erasim

… auch voll Enthusiasmus, präsentiert, wie wichtig das alles sei, wie toll das alles sei. Er hat sich als sicherheitspolitischer Arzt verkauft; als Ärzte habt ihr euch verkauft

SPÖ Melanie Erasim

… die handeln müssen, bevor es wehtut. Ohne solche Tools entstünde eine „Komfortzone für Schwerstkriminelle“, was untragbar sei.

SPÖ Melanie Erasim

… Ich habe mich mit diesem Gesetz sehr gut auseinandergesetzt, auch 2018. Deshalb haben wir auch dagegengestimmt, und der Verfassungsgerichtshof hat uns im Anschluss ja recht gegeben.

SPÖ Melanie Erasim

… Wir wollen beides zusammenfließen lassen, auf der einen Seite höchstmögliche Sicherheit vor Terror

SPÖ Melanie Erasim

… und auf der anderen Seite höchstmöglichen Datenschutz.

SPÖ Melanie Erasim

… Wir realisieren diesen optimalen Schutz. Es sind auch viele Verbesserungen durch die Begutachtungsphase eingeflossen. Zum Beispiel: Die Bewilligung darf ausschließlich durch einen Dreiersenat

SPÖ Melanie Erasim

… anstelle eines Einzelrichters erfolgen

SPÖ Melanie Erasim

… Stärkung des Rechtsschutzbeauftragten, sowohl juristisch als auch technisch; Regelung der Verwertbarkeit von sogenanntem Beifang. Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, nur damit Sie wissen, über welche Größenordnung wir sprechen

SPÖ Melanie Erasim

… Die erste Einschätzung hat ergeben, dass es sich um rund 30 Fälle pro Jahr handeln wird. Sollte diese Zahl 30 überschritten werden, ist das Innenministerium verpflichtet, sofort dem Ständigen Unterausschuss des Innenausschusses zu berichten. Da nehme ich unsere parlamentarische Kontrolle schon sehr ernst, nicht so wie die Grünen im Ausschuss: Na, das ist eh wurscht! – Es ist gar nicht wurscht.

SPÖ Melanie Erasim

… Während der Anwendung herrscht strengstes Sechsaugenprinzip, und ebenso gibt es die Einführung eigener Missbrauchstatbestände im Strafgesetzbuch. Bei allem Verständnis dafür, dass es Vorbehalte oder gar Ängste diesbezüglich gibt, ist es in Zeiten wie diesen wichtig, unserem Staatsschutz den Zugang zu zeitgemäßen Ermittlungsmethoden zu geben. Eines möchte ich schon anmerken: Ich möchte nicht, dass unsere Republik ausschließlich auf Infos von ausländischen Geheimdiensten angewiesen ist oder wir gar unsere Souveränität verlieren. Ich möchte auf sehr ungewöhnliche Art und Weise meine Rede beenden, und zwar mit den Worten des Nationalratspräsidenten Rosenkranz aus seiner Rede 2018 – er war nämlich damals auch Redner hier zu diesem Thema

SPÖ Melanie Erasim

… und da brauchen Sie kein Misstrauen in unseren Rechtsstaat zu haben. [...] Sie brauchen kein Misstrauen zu haben in unsere Polizei, in unsere Staatsanwaltschaft und in unsere Richterschaft. Da brauchen Sie keinen Verdacht zu haben.“

SPÖ Melanie Erasim

… In diesem Sinne werden wir mit Staatssekretär Jörg Leichtfried und auch mit dem Herrn Bundesminister alles daransetzen, dass bei dem, was wir jetzt erst auf den Weg bringen

SPÖ Melanie Erasim

… und es steht auch im Gesetz, dass ausschließlich eine Software verwendet werden darf, die das auch kann –, penibel darauf geachtet wird, dass die Grundrechte der Menschen in diesem Land bis auf den letzten Beistrich eingehalten werden.

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Staatssekretär.

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff .

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Leinfellner .

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter, für den weiteren Verlauf der Debatte möchte ich Sie nur darauf hinweisen, dass ich, wenn Sie sagen: Ich möchte nicht sagen!, aber anschließend eine Formulierung verwenden, die ordnungsrufwürdig ist, in Zukunft auch dafür einen Ordnungsruf erteilen werde, aber das, denke ich, ist jetzt ausgeräumt, und es ist klar, dass auch so eine Formulierung nicht zu verwenden ist. Nun gelangt Frau Abgeordnete Margreth Falkner zu Wort.

ÖVP Margreth Falkner

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zuschauerinnen und Zuschauer hier und zu Hause vor den Bildschirmen! Stellen Sie sich vor: ein ganz gewöhnlicher Morgen und eine volle U-Bahn, Menschen auf dem Weg zur Arbeit, in die Schule, ins Leben – und plötzlich, Sekunden später ist alles anders: Chaos, Schreie, Rauch. Genau so war es vor 20 Jahren in London, 52 Menschen sind nie mehr nach Hause gekommen. Als Konsequenz hat das Vereinigte Königreich die Überwachungsmöglichkeiten massiv ausgeweitet und konnte dadurch in den darauffolgenden Jahren weitere Anschläge in London und Glasgow verhindern. Solche Bilder könnten auch bei uns Wirklichkeit werden. Niemand von uns will das, aber es wäre fahrlässig, so zu tun, als könnte es nicht passieren. Wir hier tragen Verantwortung, nicht für Meinungen, nicht für Parteiprogramme, sondern für die Sicherheit der Menschen in unserem Land. Diese Sicherheit beginnt mit einer ganz einfachen Frage: Darf unsere Polizei dort hinschauen, wo sich Gefährder heute verstecken, oder knebeln wir sie weiter mit einem Gesetz, das – so ehrlich und selbstkritisch müssen wir sein – aus der Zeit gefallen ist? Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist Realität: Wenn zwei Terroristen miteinander telefonieren und einen Anschlag planen, dann darf man sie abhören, völlig klar, völlig unbestritten, aber wenn sie genau denselben Anruf per Whatsapp machen, ist plötzlich Schluss, Funkstille für den Rechtsstaat. Gleiches Gerät, gleiche Stimme, gleicher Plan, und trotzdem keine Überwachung. Das ist nicht logisch, das ist nicht zeitgemäß und das ist gefährlich. Wer das nicht ändern will, handelt nicht mutig, handelt nicht rechtsstaatlich, sondern verantwortungslos, denn wir dürfen doch nicht zusehen, wie Täter sich der Überwachung mit einem ganz einfachen App-Wechsel entziehen. Das ist doch absurd. Ich frage Sie: Wo sollen Polizistinnen und Polizisten ihren Auftrag erfüllen, wenn wir ihnen die notwendigen Werkzeuge verwehren? Wie wollen wir unsere Kinder, unsere Familien, unser Land schützen, wenn wir aus Angst vor politischem Gegenwind Maßnahmen verhindern, die fast in ganz Europa längst Standard sind? Die Niederlande setzen auf Überwachung, Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, ja selbst die Schweiz und Ungarn, falls Ihnen dieses Beispiel lieber ist. Der Unterschied ist nur, in Österreich werden diese Möglichkeiten derzeit nicht genutzt – nicht weil sie nicht gebraucht werden, sondern weil sie politisch blockiert werden. Noch ein Mythos gehört heute einmal mehr entlarvt: Dieses Gesetz bedeutet keine Massenüberwachung. Wir reden von maximal 30 Fällen pro Jahr – 30! – und nur dann, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt. Wenn mehr Fälle auftreten, muss das transparent und nachvollziehbar dem Parlament gemeldet werden. Es wird kontrolliert, geprüft und begrenzt – genau so, wie es in einem Rechtsstaat auch sein muss. Der Rechtsstaat darf nicht blind sein, er darf nicht taub sein, er darf sich nicht selbst entmachten. Wenn Sie immer vor Missbrauch warnen – so ehrlich müssen wir sein –: Die Gefahr besteht, und zwar bei jedem Gesetz, das wir hier im Hohen Haus beschließen. Gerade deshalb haben wir so viel Wert auf den Rechts- und Missbrauchsschutz bei diesem Gesetz gelegt, deshalb ist es eines der strengsten Gesetze. Wir träumen nicht, Herr Kollege Leinfellner, wir schützen die Menschen in unserem Land und wir setzen Zeichen genau mit diesem Gesetz. (👏 ÖVP) Wir stehen an einem Scheideweg: Entweder wir modernisieren den Rechtsrahmen und geben der Polizei Mittel in die Hand, wie sie in fast jedem der EU-Mitgliedsländer längst bestehen, oder wir schauen weiter dabei zu, wie sich Terroristen in digitalen Schattenräumen verschanzen, unbeobachtet und unkontrolliert. Wir sind nicht bereit, dieses Risiko in Kauf zu nehmen, nicht wenn es um Menschenleben geht. Deshalb bitten wir hier um breite Zustimmung: aus Verantwortung für die Sicherheit in unserem Land. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alois Kainz .

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Geschätzte Damen und Herren! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebes Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren heute ein ganz wichtiges Thema, ein Kernthema unserer Politik in Österreich. Es geht um die Sicherheit Österreichs, es geht um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Es geht um die Gefährderüberwachung als Instrument zur Gefahrenabwehr, um Terroranschläge zu verhindern, Leben zu retten, aber genauso, um die Behörden handlungsfähig zu machen. Warum brauchen wir diese Überwachung? – Weil die Gefährder über Messengerdienste Informationen austauschen und sich radikalisieren. Früher waren es Telefone oder irgendwelche Stammtische und Treffen; diese nutzen sie leider nicht mehr. Früher hatten wir die Telefonüberwachung, jetzt müssen wir auf Messengerdienste wie zum Beispiel Whatsapp, Telegram oder Signal zugreifen können. Außerdem brauchen die Polizei und der Verfassungsschutz moderne und vor allem rechtsstaatliche Mittel, um in diesem Bereich überwachen zu können. Österreich – wie es vorhin schon angesprochen wurde – hinkt da nach. Fast alle europäischen Länder haben eine Form der Überwachungsmöglichkeit. Es kann nicht sein, dass wir immer auf Informationen der Nachrichtendienste anderer Länder angewiesen sind. Was ist vorgesehen? – Es ist grundsätzlich keine Massenüberwachung, es gibt kein willkürliches Abhören. Die Anwendung erfolgt nur dann, wenn es terroristische und verfassungsgefährdende Bedrohungen gibt, und nur im konkreten Verdachtsfall oder wenn nachrichtendienstliche Informationen anderer Staaten zu uns kommen. Es steht eine strenge gesetzliche Auflage dahinter: Es muss alles dokumentiert werden. Es muss nachvollziehbar sein. Über den Richtersenat wird sozusagen ein Mehraugenprinzip garantiert. Und es geht so vor sich, wie heute schon eine Hausdurchsuchung oder eine Telefonüberwachung möglich ist. Beispiele aus der Realität zeigen, dass die Zahl von Bombendrohungen und Bedrohungen durch Extremisten und Terroristen immer mehr steigt. Wir haben da als Österreich Handlungsbedarf. Fakt ist, dass es jeder verhinderte Anschlag wert ist, dieses Werkzeug zu nutzen. Uns ist auch klar, dass es immer eine große Abwägung zwischen der Privatsphäre, also Datenschutz, und der Sicherheit gibt. Ein Wort noch zur Opposition und vor allem zu den Freiheitlichen: Als wir noch mit Ihnen in der Regierung waren, waren Sie dafür, jetzt sind Sie dagegen. Die Gefährdungslage hat sich aber nicht geändert, es hat sich nur Ihre parteipolitische Einstellung geändert. Man sieht, es geht Ihnen nicht um die Sache, es geht Ihnen nicht um die Sicherheit der Bürger, es geht um parteipolitische Spielchen. ( Ruf bei der FPÖ: Gegen den Überwachungsstaat! ) Sicherheit kann kein parteipolitisches Spiel sein. (👏 ÖVP) Wir vertrauen unseren Sicherheitsbehörden. Freiheit braucht Sicherheit, und Sicherheit braucht einen handlungsfähigen Rechtsstaat. In diesem Sinne unterstützen wir diese Gefährderüberwachung. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christian Hafenecker . ( Ruf bei der FPÖ: Jetzt pass auf, da kannst was lernen! )

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich zu einer tatsächlichen Berichtigung Herr Klubobmann Yannick Shetty zu Wort gemeldet.

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Klubobmann Philip Kucher zu Wort. – Bitte.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Früher einmal hat man gesagt, es ist nicht alles schwarz oder weiß. Ich muss sagen, nach der heutigen Debatte bin ich froh, dass zumindest nicht alles nur blau oder grün ist, denn die heutige Debatte war schon in einigen Punkten an Absonderlichkeiten nicht zu überbieten.

SPÖ Philip Kucher

… Gegen alles zu sein, gleichzeitig aber keinen einzigen konkreten Lösungsvorschlag zu bringen, wird uns in Summe auch nicht weiterbringen. – Da melden sich die beiden Richtigen, FPÖ und Grüne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Kollege Hafenecker kippt immer mehr in diese ganzen Verschwörungsgeschichten hinein. Du spürst es ja bei ihm: Es war plötzlich der tiefe Staat, von dem er jetzt gesprochen hat. Wieder ist der Zugang der FPÖ: Alles ist eine böse Verschwörung, das böse System. – Er glaubt es ja zunehmend selber. Hauptsache dagegen, gegen alles und jeden: Dieser blaue Weg wird uns ganz sicher nicht weiterbringen. Den anderen Weg haben heute die Grünen gewählt, die sind ja besonders mutig unterwegs und sagen: Besser gar nichts tun in dieser Frage, Augen zu, Kopf in den Sand, Prinzip Hoffnung.

SPÖ Philip Kucher

… Das ist der grüne Weg gewesen, von dem wir heute auch mehrmals gehört haben. Auch das wird es nicht lösen und uns in Österreich, in dieser Republik nicht sicherer machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Besonders fair ist es nicht, dann zu sagen, so en passant: Die ausländischen Nachrichtendienste werden uns schon irgendwie warnen; wir selber machen uns die Hände nicht schmutzig. – Kollege Zorba, das ist nicht der Zugang, der der richtige ist. Politik hat natürlich immer die Aufgabe – und das ist auch die Kunst, die wir alle meistern müssen –, dass mehrere Interessen und Perspektiven unter einen Hut gebracht werden müssen. Das ist in der Frage, die wir heute ausführlich diskutiert haben, nicht leicht. Ja, es geht um Grund- und Freiheitsrechte auf der einen Seite, aber es geht auch um neue Bedrohungslagen und um die Sicherheit hier in der Republik, und dazu braucht es auch Antworten aller politischen Parteien in diesem Land. Jedes Kind begreift doch bitte, dass das Bisherige im Jahre 2025 einfach nicht mehr reicht, weil Terroristen und Gefährder vielleicht etwas anders kommunizieren als mit den klassischen alten SMS, die wir alle noch kennen. Bei den alten Handyverträgen, die wir von früher kennen, waren der Goldstandard 1 100 Frei-SMS, die du nutzen konntest. Die Terroristen tun uns halt nicht den Gefallen, dass sie genau so kommunizieren, dass wir sie am allerleichtesten überwachen können. Da hat sich schon auch die Welt geändert

SPÖ Philip Kucher

… und es ist Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik, genau diese Interessenabwägung zu schaffen.

SPÖ Philip Kucher

… Wenn wir alle miteinander wollen, dass die Behörden in der Lage sind, für Sicherheit zu sorgen

SPÖ Philip Kucher

… dann müssen wir ihnen auch gemeinsam die Instrumente dafür geben und das auf eine ordentliche und intelligente Art und Weise umsetzen. Weil es heute so oft gekommen ist – und es wird nicht wahrer, wenn man den Topfen immer und immer wieder erzählt –: Es wird keine Massenüberwachung geben. Den Kickl-Trojaner, den wir auch gemeinsam erfolgreich verhindert haben, wird es nicht geben. Das, was die Blauen immer wieder wollten, haben wir verhindert.

SPÖ Philip Kucher

… Wenn wir von 30 Fällen pro Jahr reden, wenn wir von scharfen Kontrollen sprechen – 30 Fälle pro Jahr, Herr Kollege! –, dann ist das ganz sicher keine Massenüberwachung. Wenn man es auf die 9 Millionen Menschen, die in Österreich leben, hochrechnet, würde man 300 000 Jahre brauchen. Das ist alles ein Topfen, den Grüne und FPÖ uns heute den ganzen Tag hier auftischen. Ich möchte abschließend sagen, dass wir leider nicht jeden Horror verhindern können werden. Es ist aber unsere Verantwortung, doch alles dafür zu tun, dass wir zumindest die Gefahr und die Wahrscheinlichkeit minimieren, daher sind die beiden Wege, die wir heute kennengelernt haben – ich sage es noch einmal dazu –: Lösen wir doch bitte die Probleme! Nehmen wir die Kritik auch gerne auf, wie wir es nach dem Begutachtungsverfahren getan haben, um noch einmal gemeinsam nachzuschärfen. Aber lösen wir miteinander Probleme, glauben wir nicht jeden Verschwörungstopfen, nur weil er von den Blauen kommt, und machen wir es auch nicht wie die Grünen, die nur den Kopf in den Sand stecken! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Zorba zu Wort gemeldet. – Bitte.

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetz, das Sicherheitspolizeigesetz, das Telekommunikationsgesetz sowie weitere Gesetze geändert werden, samt Titel und Eingang in 164 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichnen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. RN/62.2 Für diese ist eine namentliche Abstimmung verlangt worden, und daher gehe ich auch so vor. Die Stimmzettel, die zu benützen sind, befinden sich in den Laden der Abgeordnetenpulte und tragen die Namen der Abgeordneten sowie die Bezeichnungen „Ja“ beziehungsweise „Nein.“ Für die Abstimmung können ausschließlich diese amtlichen Stimmzettel verwendet werden. Gemäß der Geschäftsordnung werden die Abgeordneten namentlich aufgerufen, den Stimmzettel in die soeben bereitgestellte Urne zu werfen. Ich ersuche jene Abgeordneten, die zu Tagesordnungspunkt 6 in dritter Lesung für den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 164 der Beilagen stimmen, „Ja“-Stimmzettel, jene, die dagegen sind, „Nein“-Stimmzettel zu verwenden. Ich würde Sie bitten, auch darauf zu achten, dass Sie nur einen Stimmzettel einwerfen. Frau Schriftführerin Petra Tanzler wird mit dem Namensaufruf beginnen; Frau Abgeordnete Tanja Graf wird sie später dabei ablösen. – Bitte. ( Über Namensaufruf durch die Schriftführerinnen Tanzler und Tanja Graf werfen die Abgeordneten den Stimmzettel in die Wahlurne. ) Präsidentin Doris Bures : Die Stimmabgabe ist nun beendet. Ich bitte die damit beauftragten Bediensteten des Hauses, unter Aufsicht der Schriftführer mit der Auszählung zu beginnen. Ich werde dafür die Sitzung für einige Minuten unterbrechen. Die Sitzung ist unterbrochen. RN/62.3 Sitzungsunterbrechung von 14.07 Uhr bis 14.12 Uhr (Die zuständigen Bediensteten nehmen die Stimmenzählung vor.) Präsidentin Doris Bures : Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf und gebe das Abstimmungsergebnis bekannt: Abgegebene Stimmen: 176; davon „Ja“ -Stimmen: 105, „Nein“ -Stimmen: 71. Der Gesetzentwurf in 164 der Beilagen ist somit in dritter Lesung mehrheitlich angenommen. RN/62.4 Mit „Ja“ stimmten die Abgeordneten: Auer, Auinger-Oberzaucher; Baumann, Baumgartner, Bayr, Bernhard, Binder, Bogner-Strauß, Brandstötter, Brandweiner, Bures; Deckenbacher, Della Rossa, Dengler, Diesner-Wais, Doppelbauer, Duzdar; Eder, Egger Kurt , Elian, Erasim; Falkner, Feichtinger, Fiedler; Gasser, Gerstl, Gmeinbauer, Gödl, Graf Tanja , Greiner Karin , Grünberg, Grüner; Haitzer, Hammer Michael , Hanel-Torsch, Hanger, Harrer, Haubner, Hechenberger, Herr, Herzog, Himmer, Hofer Markus , Höfinger Johann , Hofinger Manfred , Höfler, Holzegger, Hoyos-Trauttmansdorff; Jachs, Jantscher, Jeitler-Cincelli, Juvan; Köllner, Krainer Kai Jan , Kucher, Kugler, Kühberger, Kumpan-Takacs, von Künsberg Sarre; Laimer, Lindinger, Lindner Mario ; Mair Klaus , Marchetti, Minnich, Moitzi, Muchitsch; Neumann, Neumann-Hartberger, Nussbaum; Oberhofer, Oberrauner, Ofenauer, Ottenschläger, Oxonitsch; Pöttinger, Pramhofer; Raab, Reiter; Sams, Schatz, Scheucher-Pichler, Schmuckenschlager, Schnabel, Schroll, Seemayer, Seltenheim, Servus, Shetty, Sieber, Silvan, Stark, Stich, Strasser; Tanzler, Taschner, Teiber, Totter; Weber, Wieninger, Wöginger, Wotschke; Yildirim; Zarits, Zopf. Mit „Nein“ stimmten die Abgeordneten: Belakowitsch, Berger Ricarda , Berger Tina Angela , Brückl; Darmann, Deimek, Disoski; Ecker Rosa , Eisenhut; Fuchs, Fürst, Fürtbauer; Gewessler, Giuliani-Sterrer, Gmeindl, Götze, Graf Martin ; Hafenecker, Hammer Lukas , Hammerl Paul , Heiß, Herbert; Kainz, Kaniak, Kassegger, Kogler, Kolm, Koza, Krisper; Lausch, Leinfellner, Linder Maximilian , Litzke; Maier Reinhold , Maurer, Mölzer; Nemeth, Neßler; Oberlechner; Petschnig, Pfeifer, Pracher-Hilander, Prammer; Ragger, Ranzmaier, Reifenberger, Royer; Schallmeiner, Schandor, Schartel, Scherak, Schiefer, Schilchegger, Schmiedlechner, Schuch-Gubik, Schuh, Schwaighofer, Schwarz, Spalt, Stefan, Steiner, Stögmüller, Sunitsch; Thau, Tschank; Voglauer; Weinzierl, Wurm; Zadić, Zanger, Zorba. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 165 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.6 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 8: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 166 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer ist für diese Kenntnisnahme? – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.7 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 9: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 167 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.8 Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 168 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Dieser Bericht ist mit Mehrheit zur Kenntnis genommen.

Bekenntnis zur echten Terrorbekämpfung statt Lizenz zur Massenüberwachung

167 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 248/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, der ein klares Bekenntnis zu Terrorbekämpfung ohne Einführung einer „Gefährder-Überwachung“ mittels Bundestrojaner forderte. Damit gibt es keinen parlamentarischen Auftrag, den Entwurf zur Endgeräte-Überwachung zu stoppen oder stattdessen alternative, grundrechtskonforme Maßnahmen umzusetzen.

Betroffen wären insbesondere die Arbeit und Befugnisse der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) sowie potenziell überwachte Personen und deren digitale Kommunikation bzw. Endgeräte.

Ziel war, die (erneute) Einführung von Bundestrojaner/Spyware-Überwachung als „Lizenz zur Massenüberwachung“ zurückzuweisen und stattdessen wirksame, grundrechtskonforme Alternativen zur Terrorbekämpfung (z.B. bessere Ressourcen, Open-Source-Forensik, Hinweisgebersysteme, rechtssichere Informationsverwertung) einzufordern.

Dokumente

Bekenntnis zur echten Terrorbekämpfung statt Lizenz zur Massenüberwachung

Ausgangslage und Zielsetzung

  • Der Antrag stellt Terrorismusbekämpfung in Österreich als Priorität dar, vor dem Hintergrund islamistischer Anschläge in Europa sowie eines Anschlags in Österreich 2020 und eines weiteren Vorfalls 2025.
  • Ziele sind: Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten, Radikalisierung frühzeitig verhindern und demokratische Werte schützen.
  • Die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) wird seit ihrer Neustrukturierung 2021 als professionell arbeitende Institution beschrieben, die an diesen Zielen arbeitet.

Kritik am Entwurf zur „Gefährder-Überwachung“

  • Ein vom Innenminister in Begutachtung geschickter Entwurf zur „Gefährder-Überwachung“ wird als Erfüllung einer langjährigen Forderung der ÖVP dargestellt.
  • Der Antrag argumentiert, dass der Entwurf inhaltlich einer erneuten Einführung eines „Bundestrojaners“ (Spyware) gleichkomme, obwohl eine entsprechende Maßnahme 2019 als verfassungswidrig aufgehoben worden sei.
  • Kern der Kritik: Durch das Eindringen in Handy- und Computersysteme würde Zugriff auf sämtliche dort gespeicherten Daten ermöglicht, nicht nur auf Messenger-Kommunikation (z.B. WhatsApp), sondern auf alle Inhalte und Daten am Gerät.

Grund- und Menschenrechtsargumente (Privatsphäre, Art. 8 EMRK)

  • Computersysteme und insbesondere Smartphones werden als wesentlicher Bestandteil der nach Art. 8 EMRK geschützten Privatsphäre beschrieben.
  • Begründung: Auf diesen Geräten sei „unser gesamtes Leben“ abgebildet; daraus ließen sich Rückschlüsse auf persönliche Vorlieben, Neigungen, Orientierungen, Gesinnung und Lebensführung ziehen.
  • Die Eingriffsintensität betreffe nicht nur die überwachte Person, sondern auch Dritte (z.B. Personen auf Fotos oder Kontaktpersonen), wodurch der Eingriff besonders weitreichend sei.
  • Die Maßnahme wird als deutlich tiefgreifender als die Überwachungsinstrumente der Strafprozessordnung eingeordnet.

Missbrauchs- und Skandalrisiken bei Spyware

  • Es wird ein hohes Missbrauchsrisiko betont: Erfahrungen aus anderen europäischen Demokratien zeigten, dass rechtswidriger Einsatz von Spyware praktisch kaum zu verhindern sei, sobald ihre Verwendung freigegeben werde.
  • Als Beispiele werden Skandale genannt, in denen solche Systeme gegen Rechtsanwält:innen, Journalist:innen und zivilgesellschaftliche Akteur:innen eingesetzt worden seien.
  • Die Spuren solcher Fälle werden zu Regierungen und Unternehmen in mehreren Ländern verortet (u.a. Polen, Ungarn, Griechenland, Zypern, Spanien, Niederlande, Belgien, Deutschland, Malta, Frankreich, Irland, Luxemburg, Italien) und auch nach Österreich.

Diagnose der tatsächlichen Probleme im Verfassungsschutz

  • Als stärkstes Argument gegen den Bundestrojaner wird angeführt, dass der österreichische Verfassungsschutz bereits jetzt regelmäßig an Grenzen stoße.
  • Diese Grenzen würden laut Antrag nicht primär aus fehlenden gesetzlichen Befugnissen resultieren, sondern aus: zu geringen finanziellen und personellen Mitteln, unzureichenden Weiterbildungsmöglichkeiten für das Personal und veralteter technischer Ausstattung.
  • Folge: Der bestehende gesetzliche Rahmen könne nicht ausgeschöpft werden.
  • Der Bundestrojaner wird in diesem Kontext als Scheinlösung beschrieben: Er lenke bestenfalls von den eigentlichen Problemen ab und erwecke schlimmstenfalls den Anschein, diese lösen zu können – auf Kosten von Grundrechten und Privatsphäre.

Grundrechtsschutz als Voraussetzung für Sicherheit

  • Der Antrag betont, Grundrechtsschutz sei keine Hürde für Sicherheit, sondern Voraussetzung für nachhaltige Sicherheit.
  • Kritisiert wird, dass der Innenminister bislang Maßnahmen schuldig bleibe, die unterhalb der Schwelle eines Bundestrojaners liegen.

Alternativen: rechtsstaatliche und praktikable Maßnahmen

  • Als Alternativen werden rechtsstaatliche Lösungen genannt, die als grundrechtskonform, praktikabel und wirksam beschrieben werden.
  • Open-Source-Forensik: Moderne, auf Open-Source basierende forensische Tools sollen eine transparente und gerichtsfeste Analyse digitaler Spuren ermöglichen, ohne verdeckten Zugriff auf Endgeräte.
  • Hinweisgebersysteme: Verschlüsselte, anonyme Hinweisgebersysteme in Verbindung mit breit angelegter Prävention und Sensibilisierung sollen helfen, extremistisches Gefahrenpotenzial frühzeitig zu erkennen, ohne massenhaft in private Kommunikation einzugreifen.
  • Rechtlich klare Informationsverwertung: Durch eine klare rechtliche Kette (z.B. Behördenzeugnisse) sollen geheime Erkenntnisse dennoch gerichtsverwertbar präsentiert werden können, um Ermittlungen rechtlich tragfähig und demokratisch legitimiert zu halten.
  • Es wird festgehalten, dass diese Optionen „auf dem Tisch“ lägen, jedoch der politische Wille fehle, sie konsequent zu nutzen und weiterzuentwickeln.

Bekenntnis zur echten Terrorbekämpfung statt Lizenz zur Massenüberwachung

~95 min Lesezeit
Dafür: FPÖGRÜNE Dagegen: ÖVPSPÖNEOS
FPÖ Gernot Darmann

Besten Dank, Herr Präsident, für das erteilte Wort! Hohes Haus! Werter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Diese in dieser Regierungsvorlage hinkünftig vorgesehene Bürgerbespitzelungssoftware ist in Wahrheit und für sich genommen ein überzogener, massiv überschießender Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte unserer Staatsbürger und darüber hinausgehend auch noch verfassungswidrig. (👏 FPÖ) Das ist vielleicht die beste Zusammenfassung für Ihr Langzeitprojekt, Herr Bundesminister Karner, denn ich erinnere mich gut daran, was in den letzten Jahren nach jedem islamistischen Anschlag in Österreich passiert ist. Obwohl niemals ein Zusammenhang mit irgendwelchen Messengernachrichten gegeben war, ist nach jedem Anschlag der Herr Innenminister medial ausgerückt und hat gesagt: Wir brauchen eine Messengerüberwachung. (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen, ich muss euch schon eines sagen: Abgesehen davon, dass es für mich jenseitig ist, immer wieder solche Anschläge zu nutzen, um eine eigene Überwachungsfantasie voranzutreiben, gibt oder gäbe es auf der anderen Seite natürlich die Möglichkeit, in diese Regierungsvorlage Formulierungen hineinzunehmen, die wenigstens die Zielrichtung klarmachen würden. Wenn es einen islamistischen Anschlag gegeben hat und der Herr Bundesminister meint, solche Anschläge damit in Hinkunft bekämpfen zu müssen, dann wäre es nur logisch gewesen, in diese Regierungsvorlage Wörter wie Islam, Islamismus, radikaler Islam, islamistische Anschläge in irgendeiner Art und Weise, mit nur irgendeiner Silbe hineinzuschreiben. Diese Worte finden sich nicht in diesem Gesetz, sehr wohl aber: verfassungsgefährdende Angriffe auf den Staat. Jetzt ist es nicht so weit hergeholt, den Gedanken weiterzuspinnen, wer denn in der Vergangenheit, in den letzten Jahren rund um die Coronamaßnahmenpolitik dieser verheerenden schwarz-grünen Bundesregierung regelmäßig an die Öffentlichkeit gegangen ist und gesagt hat: Die schlimmen Demonstranten auf unseren Straßen – Zigtausende, Hunderttausende, die die Coronamaßnahmen der Bundesregierung kritisiert haben – sind Verfassungsgefährder! – Das war die ÖVP, genau jene ÖVP, die jetzt dieses Werkzeug in die Hand bekommen will, um in Hinkunft diese Bürgerbespitzelungssoftware anwenden zu können – wie gesagt: ohne Bezug zum islamistischen Terror! (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen, es gab unzählige Stellungnahmen zu diesem Gesetzentwurf. Diese Stellungnahmen haben allesamt – und diese Zusammenfassung ist nicht so falsch – diese Initiative der schwarz-rot-rosaroten Bundesregierung, insbesondere aber auch des Herrn Innenministers Karner, wegen entsprechender IT-Vorbehalte sprichwörtlich in der Luft zerrissen, weil es ja nicht nur um die Messengernachrichten unserer Bürger gehen wird, die zu überwachen sind, sondern dies rein technisch nur möglich sein wird, wenn auf das gesamte Endgerät, auf das gesamte Handy zugegriffen wird, wofür die Republik Österreich – entgegen ihrer Schutzpflicht gegenüber unseren Bürgern, gegenüber den Institutionen, Unternehmen, hinsichtlich kritischer Infrastruktur – Sicherheitslücken nutzen muss, Sicherheitslücken, die in weiterer Folge logischerweise bekannt sind, sonst könnte man sie ja nicht nutzen, und diese offen halten muss, um dann in die Endgeräte eindringen zu können. Entgegen der Schutzpflicht des Staates Österreich, Schaden von unseren Bürgern, von Unternehmen und von kritischer Infrastruktur abzuwenden, nutzt der Herr Innenminister mit seiner Mannschaft in weiterer Folge diese Lücken, um entsprechend da und dort gegebenenfalls – laut eigenem Plan – 30 Personen im Jahr zu kontrollieren, und das um zig Millionen Euro. Man mache sich seine Gedanken! (👏 FPÖ) Datenschutzexperten, Menschenrechtsorganisationen, die Kirchen, die Rechtsanwaltskammer – allesamt haben sie diesen Gesetzentwurf massivst kritisiert. Werte Kollegen, es ist auch nicht so weit hergeholt, sich Sorgen zu machen, was da alles passieren kann. Dabei geht es mir jetzt nicht einmal um die hauptsächliche Sorge, dass der Herr Innenminister dieses Recht in irgendeiner Art und Weise für sich und für seine politischen Weggefährten ausnutzen könnte; nein, es geht mir darum, was mittlerweile auf europäischer Ebene in Mitgliedstaaten, beispielsweise Spanien, Griechenland und Polen, schon mit solcher Schadsoftware passiert ist. Dort hat es einen Datenmissbrauch von staatlichen Institutionen, von Behörden, von Regierungen gegen Oppositionspolitiker, gegen Journalisten, gegen Institutionen gegeben, weil man diese Daten abgesaugt und dann auf anderem Wege – nicht wie geplant – widerrechtlich verwendet hat. Das ist aktenkundig, das ist keine Erfindung der Freiheitlichen, und dagegen ist massiv vorzugehen. Diesem Missbrauch ist von Anfang an entgegenzutreten. Herr Bundesminister, ich sage Ihnen eines: Weil wir – seitens der Freiheitlichen – im Ausschuss auch noch dazu klargestellt haben, dass es natürlich eine massive Unterstützung unseres Staatsschutzes in budgetärer und personeller Art und Weise im Kampf gegen den radikalen Islam, gegen den islamistischen Terror zu geben hat, und dann noch dazu Ihre Partei – samt SPÖ und den NEOS – gegen diesen Antrag gestimmt hat, sind Sie in Wahrheit rücktrittsreif. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ernst Gödl . – Ich habe Ihre Redezeit auf 9 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Herr Präsident, für das Wort! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen hier im Plenum! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit der Novelle des Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetzes schaffen wir heute tatsächlich einen Meilenstein in der Sicherheitspolitik unseres Landes. Wir sind eines der sichersten Länder auf dieser Welt. Wir sind es, wir wollen es auch bleiben, und wir werden es auch bleiben , aber: Wir sind keine Insel der Seligen. Sicherheit muss tagtäglich ( Ruf bei der FPÖ: ... Stasi!) erarbeitet und erkämpft werden – von unseren Polizistinnen und Polizisten, aber genauso von unseren Staatsschutzbehörden. Diese Novelle ist die längst überfällige Antwort auf die Frage, wie wir in einem Zeitalter modernster Kommunikationstechnologien Terroristen und potenziellen Gefährdern unseres Gesellschaftsmodells, unseres Lebensmodells entschieden entgegentreten können. Es ist nämlich nicht nur eine Möglichkeit, meine Damen und Herren, sondern es ist unsere Pflicht als Gesetzgeber, hier jenen das Handwerk zu legen, die das Lebensmodell der liberalen Demokratie, der Freiheit in einem breiten Wohlstand gefährden wollen. Daher ist es dringend geboten, auch unseren Behörden jene Instrumente in die Hand zu geben und jene Ermittlungsmethoden zu gewähren, die man in der heutigen Zeit benötigt, um Staatsgefährdern, Extremisten und Terroristen auf Augenhöhe entgegentreten zu können.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Dann dürfen Sie sie nicht hereinlassen!

ÖVP Ernst Gödl

… RN/40.1 Ich sage Ihnen noch etwas: Es ist in den meisten Demokratien unseres Zuschnittes längst üblich, sie schicken die Staatsschützer schon längst auf das Spielfeld, auf dem sich Terroristen, Extremisten und Staatsgefährder tummeln. Ich zeige Ihnen eine Karte von Europa. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der unter der Überschrift „Gefährderüberwachung“ eine Europakarte abgebildet ist, die darstellt, in welchen Ländern diese „vorhanden“ oder nicht vorhanden beziehungsweise unbekannt ist.) Sie sehen hier in Hellgrau – fast alle Länder sind hellgrau eingefärbt – jene Länder, die viel mehr Kompetenzen haben, um Staatsgefährdern, Terroristen und Terrorverdächtigen entgegenzutreten.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Staatsgefährdern!

ÖVP Ernst Gödl

… Ganz wenige Länder …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Frankreich ist ein gutes Beispiel!

ÖVP Ernst Gödl

… Moldawien oder auch die Balkanstaaten, haben diese Möglichkeiten nicht …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Sind wir sicherer als diese Länder, oder ...?

ÖVP Ernst Gödl

… und Österreich hat sie nicht.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Geht es uns besser als Frankreich?

ÖVP Ernst Gödl

… Unsere Nachbarländer haben sie, mit Ausnahme von Liechtenstein, okay.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ist es bei uns besser oder schlechter?

ÖVP Ernst Gödl

… Also: Moderne Demokratien unseres Zuschnitts geben den Staatsschützern viel mehr Kompetenzen in die Hand, um effektiv dagegen anzutreten.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Und deswegen sind sie dort sicherer? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Ist ein Coronademonstrant ein Gefährder, Herr Kollege?

ÖVP Ernst Gödl

… Diese Länder um uns herum sind längst auf dem Spielfeld …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

„Gefährderüberwachung“ – ist ein Coronademonstrant ein Gefährder? Wer entscheidet das?

ÖVP Ernst Gödl

… und unsere Staatsschützer sitzen auf der Tribüne ( Ruf bei der FPÖ: ... Deutschland! ), in der Hoffnung, dass sie Nachrichten von jenen bekommen, die bereits auf dem Spielfeld sind. Meine Damen und Herren, das ändern wir jetzt. Wir schicken unsere Staatsschützer auch auf genau dieses Spielfeld. Auf diesem Spielfeld, und das ist in einer liberalen, modernen Demokratie auch wichtig …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Spielfeld ist ein interessanter Ausdruck!

ÖVP Ernst Gödl

… gibt es wichtige Schiedsrichter. Erster Schiedsrichter ist der Richtersenat, der diesen Eingriff überhaupt erlauben muss. Und quasi als Linienrichter – vorher, während der Maßnahmen und auch danach – haben wir den Rechtsschutzbeauftragten. Es gibt, um bei diesem Sprachbild zu bleiben, auch einen VAR. Der VAR ist das Parlament in Form des Ständigen Unterausschusses des Innenausschusses, dem ja der Staatsschutz ständig berichten muss, welche Maßnahmen er ergreift. ( Ruf bei der FPÖ: ... Entscheidung zurücknehmen! ) Wir haben hier also ein gutes System ausgearbeitet, wo unser Staatsschutz aufs Spielfeld kommt. 25 bis 30 Personen, bei denen ein dringender Tatverdacht besteht, dürfen pro Jahr in ihrer Kommunikation überwacht werden. Wenn es mehr werden, dann muss definitiv sofort auch dieser Ständige Unterausschuss des Innenausschusses informiert werden. Jetzt die Frage an die Grünen, aber durchaus auch an die Blauen: Ist der Schutz der Privatsphäre von 25 bis 30 Personen, nämlich Hochrisikogefährdern, tatsächlich wichtiger als die Sicherheit der gesamten Gesellschaft, als die Vereitelung eines oder mehrerer Terrorangriffe? – Mit Sicherheit nicht. (👏 ÖVP, FPÖ) Würde man Ihre Prinzipien weltweit anwenden (Ruf bei den Grünen: Das ist Verfassung! – Ruf bei der FPÖ: Kennen Sie die Gefährder schon? ), dann wäre das eine Kapitulation vor Staatsgefährdern, vor Terroristen …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die kann man doch nicht überwachen!

ÖVP Ernst Gödl

… und vor jenen, die es mit unserer Gesellschaft nicht gut meinen. Staatsschutz lebt nicht vom Prinzip Hoffnung, indem wir auf der Tribüne sitzen und hoffen, dass jene, die vielleicht mit anderen Methoden Kenntnisse erlangen, dann unsere Geheimdienste informieren, sondern wir müssen aktiv aufs Spielfeld. Nun zur FPÖ: Es war ja sehr hanebüchen, was mein Vorredner, Herr Darmann, hier gesagt hat ( Ruf bei der FPÖ: Was ist mit islamistischem Terror?) , nämlich deswegen: Sie hatten einmal Verantwortung, übrigens auch im Innenministerium.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war eine gute Zeit!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie wissen, 2018 waren diese Ermittlungsmethoden auch ein Thema – dass man auch moderne Kommunikation überwachen kann, dass man unserem Staatsschutz die notwendigen Befugnisse gibt.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hat es ein Gesetz gegeben? Nein! Also!

ÖVP Ernst Gödl

… Ich bringe jetzt ein Zitat, und Sie dürfen dann nur ein Mal raten, wer das gesagt hat – ja, nur ein Mal raten! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir sind da nicht in einer Ratestunde!

ÖVP Ernst Gödl

… Dann geben wir den Beamtinnen und Beamten doch auch in technischer Hinsicht das Rüstzeug an die Hand, das man braucht, um auf der Höhe der Zeit zu sein! [...] Wir reden da nicht vom Hendldieb [...], wir reden von Schwerkriminellen, wir reden von organisierter Kriminalität, Schlepperei und Drogenhandel.“ – Sie dürfen jetzt nur ein Mal raten, wer das gesagt hat! ( Ruf bei der SPÖ: Herbert Kickl ! ) – Es war ein gewisser Herbert Kickl . Oder, die nächste Frage: „Ich bin auch überzeugt davon, dass es [...] gelungen ist, die notwendige und richtige Balance zwischen der Hochhaltung und der Verteidigung der Grund- und Freiheitsrechte auf der einen Seite und den berechtigten Schutzinteressen der Masse der Bevölkerung – die sich ja nichts zuschulden kommen hat lassen, sondern die man schützen muss – auf der anderen Seite zu finden, das notwendige Maß zu finden.“ – Sie dürfen ein Mal raten, wer das gesagt hat! – Ja, genau, das hat Ihr jetziger Klubobmann, jetziger Parteiobmann und seinerzeitiger Innenminister gesagt, genau um unseren Staatsschutz zu stärken, um sie aufs Spielfeld zu lassen. Es führt zwar momentan gerade nicht Herr Präsident Rosenkranz hier den Vorsitz, aber auch er hat sich damals zu Wort gemeldet und hat gesagt: „Liebe Menschen, die ihr euch in Österreich aufhaltet, um hier terroristische Anschläge zu verüben, um organisierter Kriminalität nachzugehen, [...], ja, ihr könnt euch fürchten, und das ist gut so!“ – Das war die Meldung Ihres jetzigen Nationalratspräsidenten zum Thema Staatsschutz, zum Thema Ausweitung der Ermittlungsmethoden.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hat es das Gesetz gegeben oder nicht? Das hat es nicht gegeben ...!

ÖVP Ernst Gödl

… Und das, was Sie seinerzeit im Interesse der Sicherheit Österreichs vorgehabt haben, das wollen Sie jetzt bekämpfen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Äpfel und Birnen!

ÖVP Ernst Gödl

… Meine Damen und Herren von der FPÖ, Sie sind völlig in der Sackgasse, weil Sie gegen die Sicherheit Österreichs, gegen die Interessen Österreichs arbeiten.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und wer ein Staatsgefährder ist, das definiert der Herr Gödl!

ÖVP Ernst Gödl

… Diese neue Regelung zeigt einmal mehr, auf wen sich die Menschen in Österreich verlassen können …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer definiert, wer ein Staatsgefährder ist? Der Herr Karner und der Herr Gödl!

ÖVP Ernst Gödl

… auf unsere Bundesregierung ( Ruf bei der FPÖ: Die ÖVP! – Heiterkeit bei der FPÖ ), angeführt von Christian Stocker , auf unseren Innenminister, auf unseren Staatssekretär und ganz besonders auch auf die Sicherheitspartei ÖVP. RN/40.2 Wir, meine geschätzten Damen und Herren, schicken unseren Staatsschutz aufs Spielfeld ( die Tafel mit der Überschrift „Gefährderüberwachung“ neuerlich auf das Redner:innenpult stellend ), damit sie dort tätig werden können …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Damit wir gleich sicher sind wie in Deutschland!

ÖVP Ernst Gödl

… wo sie Terror, wo sie Staatsgefährder und dergleichen bekämpfen können – zur Sicherheit Österreichs und im Interesse Österreichs. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Süleyman Zorba . Ich habe die Redezeit auf 9 Minuten eingestellt. (Abg. Erasim [SPÖ]: Der hat etwas zu sagen!)

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Seit knapp neun Jahren versucht die ÖVP, ihre Überwachungsfantasie vom Bundestrojaner umzusetzen, und heute steht sie kurz davor, denn die SPÖ und die NEOS sind in einem Rekordtempo umgefallen und haben ihre Überzeugungen über Bord geworfen, kurz nachdem sie in die Bundesregierung eingetreten sind. (👏 FPÖ) Ich gehe einmal davon aus, dass der Herr Minister davon sprechen wird, dass heute ein historischer Tag ist. Es ist wahrlich ein historischer Tag …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, für die ÖVP!

GRÜNE Süleyman Zorba

… aber nicht im positiven Sinne, sondern es ist eigentlich ein trauriger Anlass.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... für diktatorische Abhörmaßnahmen!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Wer die letzten Monate und Jahre die Nachrichten in Österreich verfolgt hat, weiß, dass der ÖVP jeder Anlass recht war, nach dem Bundestrojaner zu verlangen. Sie hat das ja schon einmal fast umgesetzt oder es wurde in diesem Haus schon einmal umgesetzt, aber nach kurzer Zeit wurde das dann vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben. Es wurden die gravierenden Eingriffe in die Grund- und Freiheitsrechte bemängelt. Da geht es nicht um irgendwelche Kleinigkeiten, sondern um die Grundrechte von uns allen. Wir Grüne haben diesbezüglich eine ganz klare Haltung, egal ob in der Opposition oder in der Regierung. Wir stehen für einen wirksamen Schutz gegen Terrorismus – da ist die Betonung auf wirksam. Als wir in Regierungsverantwortung waren, hat die ÖVP das Ganze ja auch verlangt. Wir haben aber deutlich gemacht, es braucht ein Gesetz, das weder gegen unsere Verfassung verstößt noch eine große Gefahr des Missbrauchs birgt. Geliefert wurde damals eigentlich nichts – nichts, was dem gleichgekommen wäre. Und auch der Entwurf, der uns heute vorliegt, ist weit entfernt davon. Der einzige Unterschied ist: Wir haben es nicht umgesetzt und die SPÖ und die NEOS sind leider umgefallen. – Das ist kein Vorwurf an die ÖVP, denn die hat seit vielen, vielen Jahren eine klare Haltung, daran hat sich nichts geändert. Es ist aus meiner Sicht die falsche Haltung, aber es ist eine Haltung. Gehen wir aber einmal Schritt für Schritt durch, worum es geht: Innenminister Karner und Staatssekretär Leichtfried sprechen – wir hören das seit Wochen – von einer ominösen Spionagesoftware, die einzig und allein auf die Nachrichten zugreift. Der Haken an der Gesamtgeschichte ist: Das ist technisch nicht möglich. Sie können jeden IT-Sicherheitsexperten oder jede Sicherheitsexpertin fragen, er oder sie wird Ihnen das bestätigen. Genau das hat der VfGH ja auch gefordert, dass man eben nicht auf das Gesamtgerät zugreifen soll, und das gibt es einfach nicht. Vielleicht einmal den technischen Hintergrund, warum das gar nicht funktioniert: Wenn Sie jetzt Whatsapp, Signal oder teilweise Telegram nutzen, dann sind die Nachrichten, die verschickt werden, verschlüsselt. Das heißt, die Nachricht kann man entweder beim Absender oder beim Empfänger ablesen. Natürlich kann man die Nachricht auch dazwischen abfangen, nur wird man sie nicht auslesen können, denn da wird man Zeichen, Buchstaben und Zahlen bekommen, die nichts ergeben. Das heißt, man muss mit einer Spionagesoftware entweder beim Absender oder beim Empfänger auf dem Gerät sitzen, auf dem gesamten Gerät, denn anders wird das nicht funktionieren. Wie macht man das Ganze? – Eben mit einer Spionagesoftware, indem man Sicherheitslücken ausnutzt. Aber diese Sicherheitslücken haben ja nicht nur diese Gefährder oder die Terroristen, die man bekämpfen möchte, sondern alle Bürgerinnen und Bürger in Österreich. Das ist das erste große Problem: Eigentlich hätte der Staat ja die Sorgfaltspflicht, wenn er Kenntnis von Sicherheitslücken erlangt, dass er dahin gehend arbeitet, diese Sicherheitslücken zu schließen. Jetzt dreht sich das Ganze aber, wir wollen diese Sicherheitslücken anscheinend nicht mehr schließen, sondern sie aktiv ausnutzen. Jetzt fragen wir – die Frage nach der Software; wir haben das in allen Ausschüssen gemacht, in denen wir es konnten –: Welche Software möchte man einsetzen? – Wir kennen die Marktteilnehmer in diesem Bereich und man kann eigentlich relativ locker sagen, dass sich alle Anbieter von staatlicher Spionagesoftware in einem rechtlichen Graubereich bewegen. Das sind nicht unbedingt Unternehmen, die hohes Vertrauen genießen – teilweise aus dem nachrichtendienstlichen Bereich. Es sind einfach ein bisschen dubiose Unternehmen. Das mit den Sicherheitslücken hat ja noch eine Komponente, die aus meiner Sicht zu wenig besprochen wird: Wo kommen diese Sicherheitslücken denn her? – Es gibt kriminelle Organisationen, die sich nur dadurch finanzieren, dass sie Sicherheitslücken auffinden und diese an Staaten verkaufen oder an jene, die Spionagesoftware herstellen.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Unseriöse ...!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das heißt, vielleicht finanziert man am Ende mit solch einem Gesetz genau jene, die man ja eigentlich bekämpfen wollte. Überlegen wir uns einmal kurz: Was haben wir alles auf unseren Smartphones? – Bilder vom letzten Familienurlaub, Kommunikation mit Freundinnen und Freunden, Onlinebanking, vielleicht Dating-Apps, Dokumente und Daten, die es vielleicht möglich machen, Rückschlüsse auf Ihre politische Gesinnung, eigentlich Ihr gesamtes Leben im Jahr 2025 zu ziehen, wenn wir ehrlich sind. Das Smartphone hat alles. Jetzt werden sicherlich einige denken: Na ja, und, ich bin ja kein Gefährder, ich habe nichts verbrochen, warum sollte mir etwas passieren?, und dann kommen wir zum Thema Missbrauch; da hätte ich gerne deine Karte ausgeborgt, Herr Kollege ( in Richtung Abg. Gödl ), aber die wolltest du mir nicht geben. In allen Ländern, in denen es zum Einsatz von staatlicher Spionagesoftware gekommen ist, gab es Missbrauchsfälle, und ich rede da nicht von irgendwelchen diktatorischen Regimen, die Oppositionspolitiker damit unterdrückt haben, sondern von europäischen Rechtsstaaten …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Völliger Blödsinn, das stimmt nicht!

GRÜNE Süleyman Zorba

… auch von unseren Nachbarländern –, von Dänemark bis Griechenland. Überall dort, wo es zum Einsatz von Spionagesoftware gekommen ist, gab es Missbrauchsfälle. Teilweise gab es in diesen Ländern strengere Gesetze als in Österreich, und dennoch ist es zu einem Missbrauch gekommen. Auch dort war die Idee, dass man das Ganze gegen Terroristen oder gegen Gefährder einsetzen wollte. Am Ende hat es getroffen: die Zivilgesellschaft, Menschen, die sich für Menschenrechte eingesetzt haben, oder kritische Journalistinnen und Journalisten, die einfach ihrer Arbeit nachgegangen sind; Bürgerinnen und Bürger. ( Ruf bei der FPÖ: Jeder dort oben auf der Tribüne kann davon betroffen sein! ) – Alle können davon betroffen sein. Es ist keine Massenüberwachung, aber es bietet das Potenzial dazu.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Dieser Schulterschluss, der ist für mich etwas gruselig!

GRÜNE Süleyman Zorba

… All diese und noch schwerwiegendere Einwände zu diesem Gesetzentwurf gab es in der Begutachtungsphase. Mehr als 90 namhafte Organisationen haben diesen Gesetzentwurf eigentlich in der Luft zerrissen. Dazu zählen eindringliche Warnungen von der Rechtsanwaltskammer bis zur Österreichischen Liga für Menschenrechte. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gestern haben Sie alle ein Mail von 46 Organisationen aus 15 verschiedenen Ländern bekommen, die Sie alle nochmal gewarnt haben. Das sind Organisationen aus Ländern, in denen es diese Missbrauchsfälle schon einmal gegeben hat. Ich hoffe, dass Sie diesen offenen Brief ganz genau gelesen haben und sich auch Ihrer Verantwortung bewusst werden. Macht das die ÖVP jetzt alleine? – Das kann sie ja nicht, da braucht sie ja Partner dazu. Da gibt es ja die SPÖ und die NEOS. Bis vor Kurzem waren die auch dagegen. Erinnern wir uns an ein Zitat von Herrn Klubobmann Kucher: „Seitens der SPÖ wird es keine Zustimmung für [...] den Bundestrojaner geben.“ – Das ist noch gar nicht so lange her, dass er das gesagt hat.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Ganz was anderes!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das war im April 2024. Jetzt haben wir Juli 2025, jetzt ist man ganz anderer Meinung. Ich finde es ja ein bisschen lustig, wie man das Ganze argumentiert.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist eine Gefährderabwehr, die wir jetzt beschließen, kein Bundestrojaner!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Ah, genau. Genau das wollte ich gerade erzählen. Danke, dass du es jetzt vor mir gesagt hast.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das ist wohl die Expertin für eh alles! – Abg. Kucher [SPÖ]: Das bist schon du! Das bist eh noch du!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Die SPÖ redet ja davon, dass der Trojaner, gegen den sie ja früher waren, auch der Trojaner von Kickl gewesen sei: Der war Massenüberwachung, der war schlimm! – Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ, am Trojaner hat sich nichts verändert, die Systematik ist dieselbe.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Sie kennen sich da nicht aus!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das Einzige, das sich verändert hat, ist eure Position dazu. Darüber solltet ihr einmal nachdenken. (👏 FPÖ) RN/41.1 Zu den Kollegen von den NEOS: Bis vor Kurzem hat man die NEOS auf der Straße gesehen – gegen Überwachung, gegen den Trojaner. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der ein Foto von NEOS-Aktivist:innen und Beate Meinl-Reisinger zu sehen ist, die pinke, sprechblasenförmige Plakate in die Höhe halten, auf denen unter anderem „Meine Daten gehören mir“ und „Nicht wegschauen beim Überwachen“ zu lesen ist. ) Da haben Sie laut geschrien, aber heute wird eine Mehrheit Ihrer Abgeordneten dem Gesetz zustimmen! Ja, es gibt ein paar Abweichler in den eigenen Reihen, und ich habe großen Respekt davor, dass sie sich auch lautstark dazu gemeldet haben. Da möchte ich die Frage stellen: Sind die vernünftigen Argumente vom eigenen Verfassungssprecher nicht relevant? Bedeuten die nichts? Ist seine Expertise nichts wert? Wieso hört man da gar nicht hin? Wo bitte sind in diesem Gesetz die wesentlich schärferen parlamentarischen Kontrollmöglichkeiten, die Frau Beate Meinl-Reisinger gefordert hat? Wo sind die Regelungen gegen den Missbrauch, die Kollege Shetty immer wieder gefordert hat? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Musst halt einmal den Ministerratsvortrag lesen! Das ist nicht deine Stärke!

GRÜNE Süleyman Zorba

… RN/41.2 Kollege Shetty, ich habe ein Geschenk für dich mit. ( Der Redner hält ein T-Shirt mit der Aufschrift „Stopp Überwachungsstaat“ in die Höhe. ) Diese T-Shirts hattet ihr an, als ihr gegen Überwachung auf die Straße gegangen seid, als ihr gegen den Bundestrojaner gekämpft habt, als ihr das zum VfGH gebracht habt. Du hast jetzt die Möglichkeit - - Ich schenke dir dieses T-Shirt, das kannst du gerne anziehen.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... zieht er’s verkehrt an!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Ich hoffe, es löst vielleicht etwas in dir aus, sodass du eine Rede hältst, die der Yannick Shetty von vor knapp 100 Tagen hier gehalten hätte.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber eine Überraschung!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Zusammengefasst: Die SPÖ und die NEOS sind umgefallen und ermöglichen der ÖVP ihre Überwachungsfantasien.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Spannend, weil Umfallen eigentlich eure Kernkompetenz ist!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Die ÖVP ist aber schon wieder drei Schritte weiter. Die redet ja schon von Ausweitungen. Die möchten das Gesetz schon ausweiten oder haben danach gerufen, noch bevor das Gesetz da ist. Es fängt ja immer so an: Es wird am Anfang ein Bereich vorgegeben, bei dem vermeintlich niemand etwas dagegen haben kann – es geht ja um Terroristen, es geht ja um Gefährder! –, und dann geht es schrittweise weiter. Das kennen wir aus Überwachungsgesetzen, nicht nur aus Österreich. Zusammengefasst: Dieses Gesetz ist technisch nicht machbar, rechtlich nicht haltbar, es gibt keinen ernstzunehmenden Rechtsschutz, keinen wirklichen Schutz gegen Missbrauch. (👏 FPÖ) Wir wissen – und das zeigt uns auch die Erfahrung auch aus europäischen Staaten –: Wenn es zum Einsatz von Spionagesoftware kommt, ist die Frage nicht, ob es zu einem Missbrauch kommt, sondern wann es zu einem Missbrauch kommt. Liebe Kolleginnen und Kollegen – die ÖVP spreche ich gar nicht an, weil eh klar ist, wo sie steht –, wollen Sie wirklich einem trojanischen Pferd trotz aller Warnrufe die gesetzlichen Tore öffnen? Wollen Sie das wirklich? Für uns steht fest: Grün hält Grundrechte hoch und die Augen offen. Das heißt, wenn dieses Gesetz in dieser Form heute hier beschlossen werden sollte, werden wir eine Klage vor dem VfGH prüfen. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner . Ich habe die Redezeit auf 5 Minuten eingestellt. – Herr Abgeordneter, bitte.

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst darf ich im Namen meiner Kollegin Sabine Schatz die Pensionisten aus dem Bezirk Urfahr begrüßen – herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Wir hätten es uns leicht machen und uns wie die FPÖ vor der Verantwortung drücken können. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die SPÖ ist in diese Regierung gegangen, um in der herausforderndsten Zeit - - – runterkommen, ich komme noch zu Ihnen! –, um in der herausforderndsten Zeit seit Jahrzehnten in unserer Republik Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung für ein Budgetloch zu übernehmen, das andere hinterlassen haben, Verantwortung zu übernehmen, um die Sicherheit unserer Bevölkerung zu erhöhen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber dafür hat euch niemand gewählt!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wenn es notwendig ist, unserer Exekutive ( Ruf bei der FPÖ: Die Überstunden zu zahlen! ) – um Terroristen und Spione aus dem Verkehr ziehen zu können – auch Instrumente in die Hand zu geben, dann hört man plötzlich von der FPÖ nichts mehr. Und ja, ich sage auch das in aller Deutlichkeit: Die SPÖ ist in der Vergangenheit Vorschlägen für eine Überwachungssoftware kritisch gegenübergestanden, weil sie zu weit gingen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... sind wir jetzt endlich dafür!

SPÖ Maximilian Köllner

… zu großer Eingriff, zu wenig Kontrolle.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Ist jetzt nichts anders, Kollege!

SPÖ Maximilian Köllner

… Genau deshalb liegt heute ein Gesetz vor, das genau jene Schutzmechanismen enthält, die damals gefehlt haben, zum Beispiel unter Innenminister Herbert Kickl .

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Beispiel!

SPÖ Maximilian Köllner

… Dieses Werkzeug, das jetzt vorliegt, darf ausschließlich bei konkretem Verdacht und nur mit richterlicher Genehmigung eingesetzt werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war damals nicht?!

SPÖ Maximilian Köllner

… Und das ist der wesentliche Unterschied, meine sehr geehrten Damen und Herren.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Beispiel! Beispiel! – Abg. Erasim [SPÖ]: Aber nicht mit einem Dreirichtersenat! – Zwischenrufe der Abgeordneten Zorba [Grüne] und Giuliani-Sterrer [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir machen zuerst das Gesetz und erst dann prüfen wir, welche Software unseren Anforderungen entspricht. Es hat eine ausführliche Begutachtung gegeben, es wurden auch etliche Stellungnahmen eingeholt, damit die Gefährderüberwachung noch sicherer und besser wird. Es gibt extrem strenge Regeln beim Einsatz der Software. Es gibt Vorkehrungen gegen den Missbrauch. Jeder Einsatz, jeder Mausklick muss dokumentiert werden. Die richterliche Genehmigung einer Überwachung erfolgt durch einen unabhängigen Dreiersenat. Ein Rechtsschutzbeauftragter muss alles engmaschig begleiten.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo sitzt denn der Rechtsschutzbeauftragte?

SPÖ Maximilian Köllner

… Bei mehr als 30 Überwachungsfällen pro Jahr muss der Innenminister dem Parlament – Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen – Bericht erstatten. Alleine an dieser Zahl 30 sieht man schon, dass der Überwachungsfall die Ultima Ratio ist, wenn die Möglichkeiten des Verfassungsschutzes ausgeschöpft sind. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Eines möchte ich schon noch sagen: Ich kann mich noch gut an die Reaktionen nach den terroristisch motivierten Anschlägen in Wien 2020 und zuletzt in Villach zu Beginn dieses Jahres erinnern.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

... Nehammer!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir waren alle fassungslos und geschockt, und die gesamte Republik ist zusammengestanden und hat gemeinsam - - …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was hätte das mit dem Bundestrojaner geändert? Inwiefern hätte der Bundestrojaner etwas geändert?

SPÖ Maximilian Köllner

… Sie können sich zu Wort melden. Lassen Sie mich bitte kurz ausreden …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Nein, er hat schon 2018 gesprochen! Der Herr Stefan hat doch 2018 gesprochen, wie sie dafür waren!

SPÖ Maximilian Köllner

… das gehört sich in Österreich so. Die gesamte Republik ist zusammengestanden und hat gemeinsam mit den Angehörigen der Opfer getrauert. Auch wenn wir nie alles verhindern können, waren wir uns einig, alles zu tun, um die Sicherheit in unserem Land zu erhöhen. Jetzt, wenige Monate später haben manche anscheinend schon vergessen, was passiert ist. Jetzt liegt ein Gesetz vor, das ausschließlich auf jene fokussiert, von denen tatsächlich Gefahr ausgeht , und gewisse Akteure hier im Hohen Haus haben nicht nur keine Lösungsansätze, sondern auch anscheinend nichts Besseres zu tun, als politisches Kleingeld zu schlagen. Das ist unredlich – ich finde das nicht okay …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Herr Kollege, jetzt sind wir total unterirdisch unterwegs! Eine Falschbehauptung nach der anderen!

SPÖ Maximilian Köllner

… und das ist vor allem unehrlich und unfair den Familien und Freunden der Angehörigen gegenüber. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Abschluss noch zur FPÖ, die sich jetzt hier künstlich als Hüterin der Freiheit inszeniert: Ihr habt offensichtlich bei euch intern ein Vergesslichkeitsthema. Ihr habt den kleinen Mann immer noch verraten und hinters Licht geführt. Ihr wart in jeder Regierungsverantwortung beim Sozialabbau dabei.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da reden die Richtigen!

SPÖ Maximilian Köllner

… Im Sommer 2017 habt ihr das geplante Sicherheitspaket von Rot-Schwarz als – ich zitiere – „Papier der Grässlichkeiten“ und „DDR 4.0“ bezeichnet. Wer hat ein halbes Jahr später den Innenminister gestellt? – Die FPÖ. Dann hat es plötzlich geheißen: Ja, wir haben uns „eines Besseren belehren lassen“, „es ist ja nicht verboten, gescheiter zu werden“! …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Und jetzt werdet ihr wieder gescheiter!

SPÖ Maximilian Köllner

… Jetzt, wieder in der Opposition und obwohl das Gesetz extrem strenge Regeln beim Einsatz voraussetzt, seid ihr wieder dagegen. – Na, was jetzt? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Es ist ja was passiert in der Zwischenzeit ...! – Zwischenruf des Abg. Kassegger [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Das ist ein Zickzackkurs vom Feinsten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Noch ein Wort zu Kollegen Darmann – ich gratuliere ihm herzlich nachträglich zu seinem 50. Geburtstag, aber ich kann ihn da auch nicht ausnehmen –: Er hat nach den letzten Attentaten auch im Ausschuss stets von Behördenversagen gesprochen. Gleichzeitig wollen Sie ihnen aber das nötige Werkzeug nicht in die Hand geben, damit wir so etwas verhindern. Abgesehen davon, dass Sie mit dem Ausdruck Behördenversagen pauschal Tausende engagierte Exekutivbeamte diskreditieren …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Eben nicht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Eben nicht!

SPÖ Maximilian Köllner

… können wir nur mutmaßen, worum es Ihnen wirklich geht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und zu guter Letzt – dann bin ich schon fertig – zu den Grünen: Oberlehrerhaft nur zu sagen, was nicht geht …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Drei Anträge ...! Drei Anträge! Ihr könnt allen zustimmen! Drei Anträge, heute!

SPÖ Maximilian Köllner

… aber keine eigenen Lösungen zur Erhöhung der Sicherheit anzubieten, ist aus meiner Sicht auch zu wenig. Wer den Staat daran hindert, seine Bevölkerung zu schützen, schützt am Ende des Tages die Falschen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundesminister. – Bitte, Herr Bundesminister, Sie gelangen zu Wort.

FPÖ Michael Schilchegger

Werte Damen und Herren! Werter Herr Innenminister! Werter Herr Staatssekretär! Eingangs darf ich die Vertreter der Zukunftsakademie Kärnten im Namen der freiheitlichen Abgeordneten ganz herzlich begrüßen. (👏 ÖVP, FPÖ) Kommen wir zurück zur Beschlussvorlage. Es geht um diese Messengerdienstüberwachung. Wir haben es schon gehört, einige Redebeiträge hat es schon dazu gegeben. Wir wären natürlich auch bereit, eine solche Maßnahme hier zu unterstützen, wenn sie die Sicherheit in Österreich erhöhen und etwas dazu beitragen würde. Aber es bietet aus unserer Sicht kein Mehr an öffentlicher Sicherheit, sondern ein Weniger, und das kann man ganz einfach daran festmachen, dass die technischen Aspekte dieser Maßnahme unvermeidlich dazu führen, dass im Bereich der Cybersecurity einfach Sicherheitslücken offen gehalten und nicht geschlossen werden.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

... in einer viel schlechteren Version beschlossen!

FPÖ Michael Schilchegger

… Das gefährdet die Cybersecurity in einem ganz sensiblen Bereich. ( Ruf bei der ÖVP: Was ist denn das für eine Ausrede? ) Warum es kein Mehr an Sicherheit bringt? – Das zeigt ja die Tatsache, dass etwa das Messerattentat in Kärnten – meine Vorredner, Herr Kollege Köllner zum Beispiel, haben schon davon gesprochen – durch diese Maßnahme nicht verhindert worden wäre.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Wer sagt denn das?

FPÖ Michael Schilchegger

… Viele andere Terrorattentate – denken Sie an den Anschlag in Wien 2020 – wären durch diese Maßnahme auch nicht verhindert worden. Dafür, dass Sie sozusagen 30 islamistische Gefährder, die es in unserem Land gibt, noch ein bisschen – womöglich ein bisschen, weil auch diese Gefährder natürlich Mittel und Wege haben, um diese Messengerüberwachung zu umgehen – besser beobachten, sind 20 Millionen Euro Steuergeld pro Jahr wirklich nicht gut eingesetzt.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Also nix tun! – Weiterer Ruf bei der SPÖ: Ihr braucht es für den Umbau von den Häusern eurer Parteivorsitzenden, das Geld!

FPÖ Michael Schilchegger

… Meine Damen und Herren! Meine Vorredner haben auch schon angesprochen – sie haben mehrere Zitate dazu erwähnt, und Sie halten uns das auch immer wieder vor –, dass wir ursprünglich, vor sieben Jahren, für einen solchen Bundestrojaner gestimmt und uns dazu auch gemeinsam mit der ÖVP verständigt haben. Seither ist aber doch einiges passiert: Es hat eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes gegeben, man hat sehr viele Erfahrungen auch aus anderen Ländern gesammelt, vor allem auch, was den Datenmissbrauch bei solchen Maßnahmen betrifft – und nicht zu vergessen: Es kam 2020 die Coronapandemie, bei der man gesehen hat, wozu solche Überwachungsfantasien der ÖVP führen. (👏 FPÖ) Meine Damen und Herren, abgesehen von diesen Aspekten glaube ich schon, dass unser Wandel sehr glaubwürdig ist und nichts damit zu tun hat, ob wir jetzt eine Oppositions- oder eine Regierungsrolle einnehmen. Man hat ja in den Regierungsverhandlungen vom Jänner dieses Jahres gesehen, dass – und das ist ja durch sogenannte Leaks dokumentiert, durch die man Zwischenstände aus den Verhandlungen an die Medien weitergespielt hat – diese Maßnahmen alle nicht konsentiert waren, sie waren auf Rot gestellt. Wir haben der ÖVP also nicht den roten Teppich ausgerollt, aber Sie, meine Damen und Herren von der SPÖ und von den NEOS, rollen nun den rot-pinken Teppich für diese ÖVP-Überwachungsmaßnahme aus. (👏 FPÖ) Es wird immer wieder davon gesprochen, dass wir keine eigenen Konzepte hätten, um dem Problem der Terrorabwehr zu begegnen. Herr Kollege Gödl hat das auch wieder angesprochen und uns vorgehalten: Geben Sie uns doch einmal einen Plan, wie man dem Terror in Österreich künftig effektiv begegnen kann! – Gerne. Wir Freiheitliche scheuen uns wirklich nicht davor, ÖVP-Sicherheitskonzepte und freiheitliche Sicherheitskonzepte zu vergleichen. Für das Problem von Messerattacken – wenn beispielsweise syrische Banden und tschetschenische Banden in Wien gegeneinander kämpfen oder Messerattentate wie jenes in Villach von einem Asylwerber passieren – war Ihre Lösung vom letzten Jahr, Herr Innenminister, ein Messertrageverbotsgesetz für die gesamte Bevölkerung. – Unsere Lösung: ein Abschieben in die Herkunftsländer.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da ist es dann auch schon zu spät!

FPÖ Michael Schilchegger

… Kommen wir abschließend zum Bereich der islamistischen Gefährder, die noch nicht aktiv tätig sind, sondern womöglich Anschläge planen, sich im Internet radikalisieren und bei denen es vielleicht noch keine Handhabe für das Ermitteln nach dem Strafrecht gibt, um dagegen vorzugehen. Ihre Beschlussvorlage, die Maßnahme, die Sie vorschlagen, ist also: 20 Millionen Euro pro Jahr für einen Bundestrojaner, der die Cybersecurity in Österreich massiv gefährdet, um 30 Gefährder im Land – mehr sind es nicht – möglicherweise ein bisschen besser überwachen, besser beobachten zu können. Die freiheitliche Lösung ist ganz einfach: Islamistische Gefährder müssen in Strafhaft oder in Abschiebehaft, damit Kriminalpolizei und Fremdenpolizei dementsprechend aktiv werden können – und nicht nur der Nachrichtendienst. Damit die Polizei auch die Mittel in der Hand hat, um Abschiebungen durchführen zu können, benötigen wir unter anderem – es ist ja nur ein Baustein von vielen Maßnahmen – das Verbotsgesetz gegen den politischen Islam. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Klubobmann.

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Liebe Schülerinnen und liebe Schüler! Ich glaube, Sie haben sich eine spannende Debatte ausgesucht, der Sie heute folgen können. Es ist kein Geheimnis: Die Messengerüberwachung – anders als beispielsweise die Bundesstaatsanwaltschaft oder das Integrationsprogramm ab Tag eins, im Übrigen zwei Maßnahmen, die wir in den ersten vier Monaten dieser Regierung auf den Weg gebracht haben – war nie ein und ist auch jetzt kein Leuchtturmprojekt von NEOS. Ich möchte Ihnen in meiner Rede heute darstellen, warum wir hinter diesem vorliegenden Gesetzentwurf stehen. ( Rufe bei der FPÖ: „Wir“! Wer ist „wir“? Wer denn aller? ) Ganz offen möchte ich sagen – vielleicht schaffen es die Kollegen von der FPÖ auch einmal, kurz zuhören, vielleicht 1, 2, 3 Minuten, dann wird es eh wieder losgehen ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ) –: In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft würden wir heute nicht über ein solches Gesetz diskutieren. In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft gäbe es keine islamistischen Extremisten, die in Europa mit Selbstmordanschlägen gegen unsere freiheitsliebende Gesellschaft vorgehen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wer weist seit Jahrzehnten darauf hin?

NEOS Yannick Shetty

… In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft gäbe es keine extremistischen, staatsfeindlichen Netzwerke, die Weihnachtsmärkte, Konzerte, Regenbogenparaden, Synagogen oder Kirchen zu Unsicherheitszonen machen. ( Ruf bei der FPÖ: Festung Österreich! ) Wir leben in keiner perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft – leider. Ich glaube, das sehen wir hier alle so. Wir leben vielmehr in einer Realität, in der – gerade in Österreich – allerspätestens seit 2015 mangelnde Ordnung und Kontrolle in der Integrationspolitik häufig dazu geführt hat, dass jungen Menschen viele Chancen verwehrt bleiben und dadurch ein Nährboden, ein fruchtbarer Boden für Turboradikalisierung entstanden ist. Wir leben in einer Realität, in der der politische Islam nicht nur ideologisch, sondern auch strukturell an Stärke gewonnen hat – Stichwort: der global operierende Islamische Staat. Wir leben also in einer Realität, in der der Staat vorbereitet sein muss, rechtsstaatlich, klar begrenzt, demokratisch kontrolliert auf diese Gefahren zu reagieren – und zwar präventiv, bevor in das wichtigste Grundrecht eingegriffen wird, nämlich – Artikel 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention – das Recht auf Leben. Was für eine Handhabe hat der Staat gegen Extremisten? – Einen effektiven Staatsschutz und Nachrichtendienst – da müssen wir besser werden –, V-Männer, ein gutes Netzwerk von Partnerdiensten – auch das wird es, und das sage ich auch explizit, prioritär brauchen und das müssen wir stärker ausbauen. Das hat unabhängig von zusätzlichen Befugnissen, die wir heute beschließen, zu erfolgen und muss nachhaltiger passieren als in der letzten Regierung. Wir wissen aber auch, Terroristen kommunizieren nicht via Fax und planen auch keinen Anschlag via Festnetz. Der Staat muss auch im 21. Jahrhundert wehrhaft gegen den Terror sein.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... NEOS ...!

NEOS Yannick Shetty

… Genau deshalb haben wir als NEOS die Überwachung von Hochrisikogefährdern nie kategorisch ausgeschlossen, sondern schon immer gesagt: Wenn es ein solches Instrument geben soll, dann muss es das strengste, das engmaschigste und am besten kontrollierte sein, das es in Österreich je gegeben hat – kurzum, es muss verfassungskonform ausgestaltet sein. Ich bin überzeugt, wir sind überzeugt …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wer ist „wir“?

NEOS Yannick Shetty

… das ist uns gelungen. Entscheiden kann das aber nicht Abgeordneter Zorba, Abgeordneter Darmann oder ich – niemand von uns hier –, sondern das kann nur der Verfassungsgerichtshof entscheiden. Dazu sage ich dann später noch ein paar Sätze. Nach einem intensiven Begutachtungsverfahren von über acht Wochen haben wir mehr als zwei Dutzend Änderungen in dieses Gesetz eingebracht. Über zwei Dutzend Anregungen zu massiven Änderungen und Verschärfungen bei der Kontrolle, die von uns NEOS, aber auch von Expertinnen und Experten eingebracht wurden, wurden in diesem Gesetzesbeschluss, den wir heute hier fassen, realisiert. Ich kenne kein anderes Gesetz – und, Kollege Zorba, nenn mir ein anderes Gesetz –, das in einer Begutachtung je so umfassend überarbeitet wurde wie dieses. Strenger als dieses Gesetz geht es nicht.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Hast ja nicht einmal ...!

NEOS Yannick Shetty

… Drei Bedingungen waren für uns dabei nicht verhandelbar: erstens der größtmögliche Rechtsschutz …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo ist der? Wo ist dieser Rechtsschutz?

NEOS Yannick Shetty

… zweitens engste Anwendungsgrenzen und drittens härteste Sanktionen bei Missbrauch. Ich sage Ihnen, was das konkret heißt, weil da Fragen kommen – ich habe das Gefühl, Sie haben die Entwürfe und die Änderungen nicht gelesen. Erstens: Die Überwachung bedarf einer Genehmigung durch einen unabhängigen Dreirichtersenat des Bundesverwaltungsgerichts.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wer bestellt die Richter?

NEOS Yannick Shetty

… Zweitens: Keine einzige abgefangene Datei am Handy eines mutmaßlichen Islamisten oder Neonazis geht am Rechtsschutzbeauftragten vorbei. Dieser bekommt vollen Zugriff auf alle Daten und das Recht, Löschungen zu verlangen. Drittens: Das Parlament wird ab dem 31. Fall pro Jahr automatisch eingebunden. ( Ruf bei den Grünen: Benachrichtigt! Benachrichtigt! ) Viertens: Diese Maßnahmen greifen nur bei Terrorverdacht beziehungsweise bei sogenannten staatsfeindlichen Angriffen mit einer Strafdrohung von über zehn Jahren, keine Ausnahmen dabei – eine Massenüberwachung durch dieses Gesetz ist ausgeschlossen! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hättest du die Rede vor einem Jahr auch gehalten?

NEOS Yannick Shetty

… Dazu kommt noch etwas anderes: Es gibt kein einziges anderes Land in der Europäischen Union – auch diesbezüglich, Kollege Zorba, bitte um einen Gegenbeweis –, das einen so strengen Rechtsschutz für diese Maßnahme vorsieht, wie wir ihn heute beschließen. Ich möchte auch ausdrücklich erwähnen …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie öffnen die Büchse der Pandora! – Zwischenruf bei den Grünen

NEOS Yannick Shetty

… es ist ja auch kein Geheimnis, dass es bei uns im Klub dazu unterschiedliche Perspektiven gibt. (Ruf bei der FPÖ: Warum wohl?) Niki Scherak, den ich persönlich auch sehr schätze, hat ja bereits in den Regierungsverhandlungen und schon vor langer Zeit gesagt und klargemacht, dass er die Überwachung von Messengerdiensten aus grundsätzlichen Überlegungen ablehnt. Ich respektiere seine Meinung, der Klub respektiert seine Meinung. Auch wenn wir in der Gesamtabwägung zu einem anderen Ergebnis gekommen sind – ich führe ja gerade die Gründe aus, warum …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und der Wähler wählt jetzt wen, den Scherak oder den Shetty?!

NEOS Yannick Shetty

… respektieren wir unsere Gegensätze und arbeiten trotzdem gemeinsam daran, dass das Gesetz unseren hohen Ansprüchen genügt.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hätte der Kollege Shetty diese Rede auch voriges Jahr gehalten?

NEOS Yannick Shetty

… Das ist übrigens auch gelebter Parlamentarismus – ich weiß, für einige von Ihnen ein Fremdwort! (👏 ÖVP, NEOS) Wir alle – und das eint uns in der Koalition – wollen schließlich sicherstellen, dass dieses Gesetz keine Neuauflage des Kickl-Trojaners wird. Der wurde damals nämlich von der FPÖ umgesetzt und vom VfGH aufgehoben.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Unerhört, unerhört, unerhört!

NEOS Yannick Shetty

… Das da ist das genaue Gegenteil von dem, was Sie damals umgesetzt haben: Es ist Resultat eines harten Verhandlungsprozesses gegen Massenüberwachung, gegen Generalverdacht und gegen den Missbrauch von staatlicher Gewalt! …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Ihr habts es gemacht! Ihr habts es gemacht!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage Ihnen aber auch ganz deutlich hier am Rednerpult: Die ersten Rufe nach einer Ausweitung der Messengerüberwachung lehnen wir entschieden ab, und ich sage das auch in aller Deutlichkeit. ( Unruhe im Saal. ) Eine Ausweitung der heute zu beschließenden Befugnisse wird es in dieser Legislaturperiode niemals geben! …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ja, ja, Staatsgefährder ...!

NEOS Yannick Shetty

… Die Gefährderüberwachung bleibt ein Instrument gegen Terroristen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Staatsgefährder!

NEOS Yannick Shetty

… und zwar nur gegen Terroristen, nicht gegen Einbrecher, nicht gegen Demonstranten …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja, Staatsgefährder, hat der Herr Minister gesagt!

NEOS Yannick Shetty

… nicht gegen Bürgerinnen und Bürger, die sich politisch engagieren. Ich nehme auch die Kritik der Opposition - - …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was sind die Coronamaßnahmengegner in dem Zusammenhang? Was wären die? Sind die Staatsgefährder? Oder wer ist das dann?

NEOS Yannick Shetty

… Herr Hafenecker, geht es? (Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. – Ruf bei der FPÖ: Schwurbler!) Präsident Peter Haubner : Der Herr Klubobmann ist am Wort, und ich darf um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bitten. – Danke. Abgeordneter Mag. Yannick Shetty (fortsetzend): Wenn das die Kollegin Belakowitsch schafft, schaffen Sie es, glaube ich, auch. Ich nehme die Kritik der Opposition zur Kenntnis, auch wenn mich irritiert – das möchte ich schon sagen –, dass gerade von Politikern, die sich doch, glaube ich, in den redlichen Sektor einreihen, über Medien Dinge kritisiert werden, die unbestritten im ursprünglichen Entwurf standen …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ein Beispiel! Ein Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… aber die ja geradezu in der Begutachtung herausgestrichen wurden. Ich kann das hier aufführen. Man hat das Gefühl, es geht hier manchen nicht um die Sachpolitik, sondern darum, um jeden Preis einen politischen Punkt zu machen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ein Beispiel ..., ein einziges Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage, man kann das tun, aber ich lehne diese Haltung ab! …

GRÜNE Götze (Zwischenruf)

Nicht einmal ein Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage noch abschließend, weil mich das schon sehr ärgert, bezüglich der FPÖ: Das ist die Partei, die einst mit dem Kickl-Trojaner potenziell alle Österreicherinnen und Österreicher überwachen wollte und unter Generalverdacht gestellt hat. Just jene Partei spielt sich jetzt als Bürgerrechtspartei auf.

FPÖ Ragger (Zwischenruf)

So ein Schwachsinn!

NEOS Yannick Shetty

… Wie nennt man so ein Verhalten noch einmal? Herr Präsident, ich glaube, ich nenne es jetzt nicht beim Namen, um die Würde dieses Hauses zu respektieren.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ja, blöd, dass Sie ...!

NEOS Yannick Shetty

… Sie sind keine Bürgerrechtspartei, und die Menschen wissen das auch! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Eine Karikatur Ihrer selbst!

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren, wir NEOS übernehmen Verantwortung für Sicherheit und für den Grundrechtsschutz, mit einem Gesetz, das unserer Auffassung nach den strengsten grundrechtlichen Anforderungen entspricht – und das ist aus meiner persönlichen Perspektive der wichtigste Punkt – und bei dem der VfGH ausreichend Zeit hat, bevor auch nur ein Islamist, ein Neonazi, ein anderer Extremist überwacht wird, es auf die Verfassungskonformität zu überprüfen. Deswegen möchte ich mich abschließend explizit bedanken: bei allen Bürgerinnen und Bürgern, bei allen Expertinnen und Experten, die diesen Prozess kritisch begleitet haben und deren Ideen wir im Rahmen der Begutachtung zur Verbesserung des Entwurfs heranziehen konnten – auch das ist in dieser Form eine Premiere. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Alma Zadić . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! 2019 hieß es, mit Spionagesoftware „hat die türkis-blaue Regierung das Tor zur absoluten Überwachungsgesellschaft geöffnet“.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Absolut, bei 30 Fällen!

GRÜNE Alma Zadić

… Die Grundrechte“ der Bürger:innen „werden schwer missachtet“, so der stellvertretende SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried . ( Ruf bei den Grünen: Störenfried! ) 2024, anlässlich der Causa Ott, sind auch neue Überwachungsmaßnahmen für die DSN im Gespräch, unter anderem die Überwachung von Whatsapp-Nachrichten. Solche Maßnahmen lehnte der SPÖ-Klubchef Kucher aber ab ( Ruf bei den Grünen: Oh! ): „Seitens der SPÖ wird es keine Zustimmung für eine Massenüberwachung und für den Bundestrojaner geben.“ …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

...partei!

GRÜNE Alma Zadić

… Jänner 2020: Sie erinnern sich, das türkis-grüne Regierungsprogramm wurde vorgelegt – und im Regierungsprogramm stand da sogar etwas von einem Bundestrojaner. Das stimmt – und Meinl-Reisinger, Chefin der NEOS, hält das Regierungsprogramm für eine „Bankrotterklärung“ der Grünen bei Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Sie appelliert an den Bundeskongress der Grünen, da nicht mitzugehen, wegen der Pläne zum Bundestrojaner. Sie spricht davon: „Das hätte es mit uns nicht gegeben.“ (👏) Fünf Jahre lang haben wir Grüne dagegengehalten, haben keinen Bundestrojaner eingeführt, obwohl es bei uns im Regierungsprogramm gestanden ist. Was machen die NEOS und die SPÖ …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du hast ja nicht einmal die Bundesstaatsanwaltschaft zusammengebracht!

GRÜNE Alma Zadić

… ein bisschen mehr als 100 Tage in der Regierung? – Sie fallen um und beschließen gemeinsam mit dem Innenminister den Bundestrojaner! Meine Damen und Herren Abgeordnete, ja, es regt mich auf! Es regt mich auf, denn eine Einschränkung der Freiheit hat nie zu mehr Sicherheit geführt. (👏) Herr Innenminister: Ja, überwachen Sie bitte die Terroristen! ( Ruf bei der ÖVP: Ja, genau! ) Kümmern Sie sich um die Gefährder in unserem Land! Unser Geheimdienst braucht ganz dringend Personal, braucht auch ganz dringend bessere Ausstattung, braucht ganz dringend Ressourcen, denn nur so kann man sich um die Terroristen in diesem Land kümmern, denn nur so kann man sie auch wirklich gezielt überwachen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wer war denn die letzten fünf Jahre Justizministerin? Wer? – Abg. Deckenbacher [ÖVP]: Was hat sie gemacht?

GRÜNE Alma Zadić

… Aber was macht der Bundestrojaner? – Er macht viel mehr als das. Er macht viel, viel mehr als das, er gefährdet uns alle, denn durch das Offenlassen von Sicherheitslücken können potenziell wir alle – Sie, ich, wir alle, unsere Handys – überwacht werden. Aufgrund des Bundestrojaners bleiben ja nicht nur die Sicherheitslücken offen; der Bundestrojaner braucht auch eine Software, damit er funktioniert.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Die kaufen wir eh ein!

GRÜNE Alma Zadić

… Davon gibt es einige wenige, und alle davon sind einschlägig bekannt. Sie sind einschlägig dafür bekannt, dass sie – oh Wunder! – Journalistinnen und Journalisten ausspähen, dass sie Regimegegner ausspähen, dass sie Aktivistinnen und Aktivisten überwachen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Was heißt Regime?

GRÜNE Alma Zadić

… Ja, dafür gibt es Beispiele.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das Ausspähen von Regimegegnern, da ist ein Regime die Voraussetzung! Ich sehe uns als Republik!

GRÜNE Alma Zadić

… Dafür gibt es Beispiele, ich nenne nur Italien vor ein paar Monaten, der Paragon-Skandal: Streng reguliert, so wie es der Innenminister gesagt hat, es gibt ein sehr, sehr enges rechtliches Korsett in Italien, und trotzdem …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Ja, genau! Weil ja Italien für die Datenschutzrechtslage bekannt ist!

GRÜNE Alma Zadić

… kam es zu einer systematischen Überwachung von Regimegegnern, zur systematischen Überwachung von Journalist:innen, Aktivist:innen. Nein, das wollen wir nicht für unser Land. (👏) Schon gut, dass da steht: Es braucht eine richterliche Genehmigung. Ja, eh! Aber wenn man einmal den Bundestrojaner einführt, dann führt man ihn ein und dann sind die Sicherheitslücken für uns alle offen – ob es eine richterliche Genehmigung gibt oder nicht, ist egal. Wir sind potenziell alle gefährdet. Und das möchte ich schon noch sagen: Wir haben jetzt einen ÖVP-Innenminister, einen sozialdemokratischen Staatssekretär, aber wir wissen nicht, wer morgen im Innenministerium sitzen wird …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Karner!

GRÜNE Alma Zadić

… wir wissen nicht, wer morgen für die Geheimdienste zuständig sein wird.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Großes Weinen!

GRÜNE Alma Zadić

… Was wir jetzt mit dem Bundestrojaner beschließen, gefährdet uns alle, weil der Geheimdienst potenziell die Möglichkeit hat, auf uns alle zuzugreifen.

ÖVP Gerstl (Zwischenruf)

Nein! Nein! Nein!

GRÜNE Alma Zadić

… Das wird es mit uns Grünen nicht geben, denn wir Grüne halten Wort! (Abg. Erasim [SPÖ] – erheitert –: Der war gut! Der war gut!) Wir haben fünf Jahre dagegengehalten und werden auch weiter dagegenhalten (👏) – im Gegensatz zu den Sozialdemokraten und den NEOS, auf die man sich eben nicht verlassen kann, die eben nicht Wort halten, wenn es um unsere Grundrechte, um die Menschenrechte, um unsere Freiheit geht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Sag das noch einmal, dass die Grünen immer Wort halten! Noch einmal, fürs Protokoll noch einmal wiederholen! – Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Shetty [NEOS]: Die Grünen halten Wort!

GRÜNE Alma Zadić

… RN/46.1 Ich zeige noch einmal das Plakat von meinem Kollegen ( eine Tafel in die Höhe haltend, auf der ein Foto von NEOS-Aktivist:innen und Beate Meinl-Reisinger zu sehen ist, die pinke, sprechblasenförmige Plakate in die Höhe halten, auf denen unter anderem „Meine Daten gehören mir“ und „Nicht wegschauen beim Überwachen“ zu lesen ist ): Da ist eure Chefin, die Chefin der NEOS, Beate Meinl-Reisinger , bei einer Anti-Bundestrojaner-Demonstration zu sehen, und sie hält ein Schild: „Nicht wegschauen beim Überwachen“. Liebe NEOS, bitte halten Sie Wort ( Ruf bei der ÖVP: Das Richtige! Nicht wegschauen! ) und stimmt da nicht zu! – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Wolfgang Gerstl . – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt. Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Wolfgang Gerstl

Vielen Dank, Herr Präsident. – Die Debatte war sehr erleuchtend.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das glaub’ ich dir!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Als der Herr Bundesminister der Freiheitlichen Partei in gewisser Form vielleicht unterstellt hat, dass sie gegen den Staatsschutz sei, hat die Freiheitliche Partei herausgerufen: Nein, nicht gegen den Staatsschutz, sondern nur gegen die ÖVP. Entlarvender kann es nicht sein.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ist ja die Wahrheit! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: Ja, das ist ja ein Unterschied! Für euch ist es offensichtlich kein Unterschied! Es ist aber ein Unterschied!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Aus Ihrer Sicht: Wenn Herr Innenminister Kickl hier wäre, dann wäre alles okay, denn Sie sind mit den Maßnahmen vollkommen einverstanden. Nur: Sie wollen einen anderen Minister haben. Geben Sie es zu, dass es Ihnen nur um Parteipolitik geht und um nichts anderes! Dafür darf ich Ihnen Innenminister Kickl zitieren …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Endlich!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Ich habe mich von Experten eines Besseren belehren lassen“, hat er gesagt. „Und es ist ja nicht verboten, gescheiter zu werden.“ ( Rufe bei der FPÖ: Ja, eh! Nicht schwach! ) Wir müssen uns einmal anhören, „was dort an Ermittlungsarbeit de facto verloren gehen kann, nur weil diese Lücke besteht!“ – All das …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... jämmerlich!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… hat Ihr Innenminister Kickl …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und dann kam Corona! Dann kam Corona!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… zu dieser Sicherheitslücke gesagt, die dringend notwendig zu schließen ist.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und weil genau solche Leute wie du Polizisten werden, haben wir dieses Problem!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Sehr geehrter Herr Präsident! Die Freiheitliche Partei versucht einfach, Panikmache zu betreiben, und sie ändert ihre Position, wie sie es gerade benötigt: 2017 war das noch ein DDR-Regime, 2018 waren sie voll dafür; 2019, als der Verfassungsgerichtshof es aufgehoben hat, haben sie noch davon gesprochen, dass dies eine Tür, ein Einfallstor für organisierte Kriminalität ist, und heute, da sie jetzt länger in Opposition sind, sind sie wieder dagegen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und dazwischen drei Jahre Coronaregime der Österreichischen Volkspartei!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Das ist das Spiel der FPÖ – das nimmt lhnen niemand mehr ab, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ) Ich nehme gerne diesen Aufruf von der Freiheitlichen Partei auf ( Ruf bei der FPÖ: Gemma! ): Wie läuft nun eine solche Überwachungsmaßnahme? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

So, wie es die ÖVP will!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Es sind im Gesetz zehn detaillierte Punkte aufgelistet, die notwendig sind, um überhaupt eine solche Überwachung zu ermöglichen. Zuallererst müssen die Sicherheitsbehörden alle Ermittlungsmaßnahmen getroffen haben, die zu keinem Erfolg führen; das müssen sie darlegen und beweisen.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... super gut, wie es überwacht ist ...!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Danach müssen sie zum Rechtsschutzbeauftragten gehen, der unabhängig und weisungsfrei ist, und dieser Rechtssschutzbeauftragte muss ihnen die Genehmigung geben, damit sie danach zu Gericht gehen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... brauchen sie eine Genehmigung!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Dort – und da darf ich die Worte von Kollegen Shetty aufgreifen – ist es nicht so, dass nur ein Richter entscheidet, sondern – das haben wir nach dem Begutachtungsverfahren entsprechend geändert – dort sind drei Richter, dort ist ein Dreirichtersenat erforderlich, um eine solche Maßnahme zu genehmigen. Wenn es genehmigt ist, nachdem alle einzelnen Punkte genau aufgelistet wurden, hat der Rechtsschutzbeauftragte noch immer die Aufgabe, jeden Detailpunkt und jeden Teil der Überwachung weiterhin zu kontrollieren …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo sitzt denn der Rechtsschutzbeauftragte?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… und er kann die Überwachung jederzeit beenden. Und dann: Es ist nicht so, dass das gesamte Handy oder so etwas kontrolliert wird …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Nein! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nein! Bestimmt nicht! Sicher nicht! – weiterer Ruf bei der FPÖ: Nur die erste Seite!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… sondern die Anordnung muss auch genau zum Inhalt haben, welches Detail man herausnehmen darf, also nur eine ganz bestimmte Whatsapp-Information …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Alle ganz bestimmt von Whatsapp! Sie glauben auch, die Terroristen kommunizieren über Whatsapp, oder was?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… oder eine ganz bestimmte Signal- oder Telegram-Information. Nichts anderes darf ausgeleitet werden.

GRÜNE Prammer (Zwischenruf)

Das funktioniert ja nicht einmal bei der Telefonüberwachung! – Ruf bei der FPÖ: Nur die erste Seite vom Handy wird kontrolliert!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Das Ganze passiert mit einem Vieraugen- oder Sechsaugenprinzip, mit einer genauen, detaillierten Kommunikation, die von den Sicherheitsbehörden schriftlich dargelegt werden muss, damit es zu keinem Missbrauch kommen kann.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ach so! Was ist, wenn es zu Missbrauch kommt?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Meine Damen und Herren, detaillierter konnten es die Experten nicht mehr machen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und wenn das Ministerium insgesamt missbraucht wird – was ja der Fall ist?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Sie haben sich die beste Mühe gegeben, dass dieses Gesetz verhältnismäßig ist, dass dieses Gesetz verfassungskonform ist – und das ist im Sinne der Bürgerinnen und Bürger.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich brauche die Messengerüberwachung nicht missbrauchen, wenn ich das ganze Ministerium missbrauche!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Da möchte ich zum Schluss noch einmal den ehemaligen Innenminister Kickl zitieren …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hast was anderes auch noch?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Die „Masse wird geschützt“ …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, das war alles vor Corona, Herr Kollege!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… und nicht die „kriminellen Aktivitäten Einzelner“. – Darum geht es, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Susanne Fürst . – Frau Abgeordnete, ich habe Ihre Zeit auf 4 Minuten eingestellt. Bitte.

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrter Herr Minister, Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren! Insbesondere darf ich auch die Besucher der Zukunftsschmiede Salzburg ganz herzlich in unseren Reihen begrüßen! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Der Herr Innenminister und auch die Vorredner von den Regierungsparteien erzählen uns die Geschichte der Einführung der Messengerüberwachung so: Sie sei international bewährt, es sei eine moderne, zeitgemäße Terrorabwehr. Die Polizei sei nun auf Augenhöhe mit den Terroristen, denn diese schreiben keine Briefe, telefonieren nicht auf Festnetz, sondern tauschen sich über Messenger aus. Es gehe um unsere Sicherheit …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Geht’s auch!

FPÖ Susanne Fürst

… betroffen seien nur ganz wenige. Es gebe einen Rechtsschutz, und das alles sei sehr, sehr gut für uns. Nun, was für ein Humbug! Was wird da wirklich beschlossen? – Der Staat Österreich finanziert und installiert eine Spähsoftware auf einem Smartphone. Das ist nur bei Vorhandensein einer Sicherheitslücke möglich, die aber nicht nur auf dem einen Gerät oder auf den 30 ist, sondern auf allen baugleichen I-Phones, das heißt auf Hunderttausenden. Entdeckt werden die Sicherheitslücken von Hackern – oder solchen Nerds. Wenn sie anständig sind, melden sie dem Hersteller die Lücke, melden diese an Apple oder Google. Diese zahlen auch etwas dafür und schließen die Lücke. Dann haben wir alle ein Update, und das Ganze ist erledigt. Wenn der Hacker nicht ganz so anständig ist, schmeißt er die Lücke auf den Schwarzmarkt. Dort wird sie von der Überwachungsindustrie, von Schwerkriminellen, die wesentlich besser zahlen als die Hersteller, erstanden. Mit solch dubiosen Quellen arbeitet nun unsere Bundesregierung zusammen (👏 FPÖ), um die Lücke auszunutzen und die Spähsoftware auf ein I-Phone zu spielen, ohne dass man eben das Gerät in Händen hat; und darum geht es.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da steckt sicher die WHO dahinter!

FPÖ Susanne Fürst

… Es gibt dann zwei Ebenen der Nutzung – eine verschweigen Sie uns –: Die eine ist die Nutzung durch das BMI, durch die Sicherheitsbehörden. Da haben wir diese Beschränkung mit 30 Personen, mit Rechtsschutz, mit allem, was Sie uns da an Romanen erzählen. Erstens ist schon einmal der Begriff Messengerüberwachung irreführend, denn es ist eine Totalüberwachung. Sie sagen, man muss den Beamten vertrauen. – Das tun wir. Das Misstrauen ist anderen gegenüber: Die Beamten sind ja an Politiker weisungsgebunden, und wenn man sich Innenminister Karner und auch die Vorgänger von der ÖVP anschaut, dann ist da sehr großes Misstrauen angebracht. (👏 FPÖ) Ich erinnere an die extensive Auslegung des Gefährderbegriffs, den Sie auch bei der Überwachung verwenden, die sich in den letzten Jahren leider eingebürgert hat. Einer Ihrer Vorgänger, Innenminister Nehammer, sprach von Lebensgefährdern. Die Coronamaßnahmenkritiker – Hunderttausende – sind solche Gefährder, und die müssen jetzt überwacht werden. Wer sich der Neutralität verpflichtet fühlt: Russlandspion, überwachen! – Wer die Regierung zu scharf kritisiert: Staatsfeind, Verfassungsfeind, überwachen! …

ÖVP Sieber (Zwischenruf)

Geh bitte! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.

FPÖ Susanne Fürst

… Sie haben zwar im Ausschuss zugestanden, dass nicht jeder Regierungskritiker ein Verfassungsfeind ist …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Wer liest, ist im Vorteil! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Die meisten! Nicht jeder, aber die meisten!

FPÖ Susanne Fürst

… was ich sehr großzügig finde, aber da sieht man schon, wie der Begriff ausgelegt werden kann.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

... nicht verstanden hat!

FPÖ Susanne Fürst

… Das ist das eine, aber das Zweite – was Sie uns komplett verschweigen – ist: Selbst wenn sich das Innenministerium, der Verfassungsschutz, die Sicherheitsbehörden, alle vollkommen in Ordnung verhalten, vollkommen rechtskonform vorgehen, so besteht ja – was Sie uns aber verschweigen – die Lücke auf allen Handys, und Sie lassen sie offen – absichtlich – für Kriminelle, für die organisierte Kriminalität, für Betrüger, für die Hersteller von Cyberwaffen. Sie lassen sie offen, und diese verwenden die Lücke parallel zur Nutzung durch das Innenministerium und die Sicherheitsbehörden. Die scheren sich nicht um den Rechtsschutz oder die Begrenzung auf 30. Das heißt, entgegen Ihrem Argument: Wir müssen die Menschen vor Terrorismus schützen!, machen Sie alle Handys auf, gerade auch für die Kriminellen und Terroristen, für die finanziellen Hacker und für alle, die zum Beispiel auch Ihre Regierungskoordination, sofern sie so interessant ist, ausspionieren wollen, auch für jene, die die Kommunikation der Polizei aufmachen wollen. Sie erwähnen die große Gefahr durch die Russen. Es gibt die Chinesen, die Amerikaner, die Iraner – alle haben ausgefuchste Spionagesysteme.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Moskau!

FPÖ Susanne Fürst

… Sie machen alle unsere Handys für diese Form der Überwachung auf, und davon sprechen Sie nicht. Das heißt, wenn es um den Schutz der Bevölkerung geht, müssten Sie die Lücke für uns alle schließen. Wenn Sie sagen, es geht um Leib und Leben: ja, bei Terrorakten! Fast alle der Terroristen waren schon auf offenen Kanälen unterwegs und auffällig. Da müssten wir die Kapazitäten und die vielen Millionen, die Sie da jetzt investieren, hinlenken. Die Radikalisierung geschieht nicht auf Whatsapp, sondern auf offenen Kanälen, die überwacht und geschlossen werden sollten. Auch die meisten Warnungen aus dem Ausland stammten von offenen Kanälen. Wenn Sie sagen, international bewährt: Ja, bei der Überwachung von Journalisten, von der Opposition. Auch der eigene Ministerpräsident ist schon einmal überwacht worden. In den Ländern, die dieses System haben, finden leider trotzdem noch Terroranschläge statt. Auf Augenhöhe sind Sie mit den Terroristen nicht, diese verabreden sich nicht auf Whatsapp, sondern die sind schon ganz woanders …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Auf euren Kanälen, oder was?

FPÖ Susanne Fürst

… nämlich auf ihren eigenen Betriebssystemen und gehärteten Handys. Zum Schluss – weil Sie sagen, wir sind doch für die Polizei, für mehr Sicherheit –: absolut, aber dann streichen Sie nicht die Überstunden der Polizei! Machen Sie die Grenzen zu und schieben Sie breitenwirksam ab, nicht nur einen, nicht nur 30, sondern Zigtausende! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Melanie Erasim . – Ich habe die Zeit auf 4 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich im Namen meiner Kollegin Muna Duzdar eine Gruppe von Jugend am Werk aus Wien ganz herzlich begrüßen. Herzlich willkommen, ihr fleißigen Jugendlichen, die ihr euch in der Facharbeiterausbildung befindet! ( Allgemeiner Beifall. ) Geschätzte Jugendliche! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Der Themenbereich, über den wir gerade diskutieren, ist ein sehr, sehr heikler, zu heikel, um ihn dafür zu verwenden, politisches Kleingeld zu verdienen. Deshalb ist es meines Erachtens auch wichtig, sich anzusehen, von welcher Seite welche Kritik kommt. Wenn sich die Grünen hierherstellen und sagen, sie waren immer dagegen und werden immer dagegen sein, dann ist das eine Meinung, die man haben kann. Die negativen Auswirkungen, die es geben könnte, sind für uns auch immer Anlass gewesen, genau hinzusehen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ihr habt ja nichts dagegen getan! Jetzt kommt wieder: Kickl, Kickl, Kickl!

SPÖ Melanie Erasim

… genau darzulegen, wie es mit dem Datenschutz ist und so weiter und so fort.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das macht doch das Gesetz nicht besser!

SPÖ Melanie Erasim

… Wenn sich aber meine Vorrednerin von der FPÖ hierherstellt: Vielen Dank, Frau Abgeordnete Fürst, dass Sie uns Einblick in Ihre Denkweise gegeben haben, denn so, wie der Schelm denkt, so ist er! – Das ist wirklich erschütternd.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das macht doch das Gesetz nicht besser!

SPÖ Melanie Erasim

… Herr Stefan, schön, dass Sie dazwischenschreien. Sie waren 2018 einer der sieben Abgeordneten – ich war nämlich auch schon 2018, als der Bundestrojaner beschlossen worden ist, Abgeordnete in diesem Haus –, Sie waren einer der glühenden Fürsprecher. (Abg. Stefan [FPÖ] – erheitert –: Nein, das ist eine Fake News!) Darum frage ich mich, warum Sie heute nicht hier stehen, um Ihre Meinung kundzutun.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... im Protokoll nachlesen! Lies das Protokoll!

SPÖ Melanie Erasim

… Ich habe das Protokoll hier. Ich habe die Rede hier …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Na siehst du, dann lies es dir doch durch, wenn du es kannst!

SPÖ Melanie Erasim

… nur ist sie zu langweilig, um sie vorzulesen. Damals wurde eben von Herrn Bundesminister Kickl …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Na sicher, jetzt kommt wieder: Kickl, Kickl, Kickl!

SPÖ Melanie Erasim

… auch voll Enthusiasmus, präsentiert, wie wichtig das alles sei, wie toll das alles sei. Er hat sich als sicherheitspolitischer Arzt verkauft; als Ärzte habt ihr euch verkauft …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Macht es das Gesetz besser? Sind das Argumente für das Gesetz oder dass die FPÖ gescheiter ist als die anderen?

SPÖ Melanie Erasim

… die handeln müssen, bevor es wehtut. Ohne solche Tools entstünde eine „Komfortzone für Schwerstkriminelle“, was untragbar sei.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was ist das für ein Argument? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Können Sie jetzt ...? – Abg. Stefan [FPÖ]: Wenn wir dafür sind, dann ist es gut, deswegen beschließt ihr es?

SPÖ Melanie Erasim

… Ich habe mich mit diesem Gesetz sehr gut auseinandergesetzt, auch 2018. Deshalb haben wir auch dagegengestimmt, und der Verfassungsgerichtshof hat uns im Anschluss ja recht gegeben.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das ist ein eigenartiges Argument, weil wenn ... 2017 dafür war, ist es ein gutes Gesetz!

SPÖ Melanie Erasim

… Wir wollen beides zusammenfließen lassen, auf der einen Seite höchstmögliche Sicherheit vor Terror …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das ist urfad, das hat ja der Zorba schon erklärt!

SPÖ Melanie Erasim

… und auf der anderen Seite höchstmöglichen Datenschutz.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was auch immer „höchstmöglich“ ist! – Abg. Deimek [FPÖ]: Das ist nicht fad, das dem Kollegen Zorba ...!

SPÖ Melanie Erasim

… Wir realisieren diesen optimalen Schutz. Es sind auch viele Verbesserungen durch die Begutachtungsphase eingeflossen. Zum Beispiel: Die Bewilligung darf ausschließlich durch einen Dreiersenat …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Immer die gleiche Leier!

SPÖ Melanie Erasim

… anstelle eines Einzelrichters erfolgen …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Was ist denn bei Gefahr im Verzug?

SPÖ Melanie Erasim

… Stärkung des Rechtsschutzbeauftragten, sowohl juristisch als auch technisch; Regelung der Verwertbarkeit von sogenanntem Beifang. Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, nur damit Sie wissen, über welche Größenordnung wir sprechen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ich glaube, du gehst besser wieder zur Eisenbahn!

SPÖ Melanie Erasim

… Die erste Einschätzung hat ergeben, dass es sich um rund 30 Fälle pro Jahr handeln wird. Sollte diese Zahl 30 überschritten werden, ist das Innenministerium verpflichtet, sofort dem Ständigen Unterausschuss des Innenausschusses zu berichten. Da nehme ich unsere parlamentarische Kontrolle schon sehr ernst, nicht so wie die Grünen im Ausschuss: Na, das ist eh wurscht! – Es ist gar nicht wurscht.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was passiert, wenn wir wissen, das ist 31-mal eingesetzt worden? Was ändert sich dann?

SPÖ Melanie Erasim

… Während der Anwendung herrscht strengstes Sechsaugenprinzip, und ebenso gibt es die Einführung eigener Missbrauchstatbestände im Strafgesetzbuch. Bei allem Verständnis dafür, dass es Vorbehalte oder gar Ängste diesbezüglich gibt, ist es in Zeiten wie diesen wichtig, unserem Staatsschutz den Zugang zu zeitgemäßen Ermittlungsmethoden zu geben. Eines möchte ich schon anmerken: Ich möchte nicht, dass unsere Republik ausschließlich auf Infos von ausländischen Geheimdiensten angewiesen ist oder wir gar unsere Souveränität verlieren. Ich möchte auf sehr ungewöhnliche Art und Weise meine Rede beenden, und zwar mit den Worten des Nationalratspräsidenten Rosenkranz aus seiner Rede 2018 – er war nämlich damals auch Redner hier zu diesem Thema …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Deswegen ist es gut! – Abg. Zorba [Grüne]: Sie waren damals dafür und ihr seid eh dafür! Was ...? – Abg. Stefan [FPÖ]: Also wenn wir für was ...!

SPÖ Melanie Erasim

… und da brauchen Sie kein Misstrauen in unseren Rechtsstaat zu haben. [...] Sie brauchen kein Misstrauen zu haben in unsere Polizei, in unsere Staatsanwaltschaft und in unsere Richterschaft. Da brauchen Sie keinen Verdacht zu haben.“ …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Fällt dir was auf, Meli? Als SPÖ die FPÖ zu kritisieren ... – Abg. Kucher [SPÖ]: Das ist ja unglaublich! – Zwischenruf der Abg. Maurer [Grüne]. – Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz.

SPÖ Melanie Erasim

… In diesem Sinne werden wir mit Staatssekretär Jörg Leichtfried und auch mit dem Herrn Bundesminister alles daransetzen, dass bei dem, was wir jetzt erst auf den Weg bringen …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

... zitiert die FPÖ! – Ruf: ... Vertrauen!

SPÖ Melanie Erasim

… und es steht auch im Gesetz, dass ausschließlich eine Software verwendet werden darf, die das auch kann –, penibel darauf geachtet wird, dass die Grundrechte der Menschen in diesem Land bis auf den letzten Beistrich eingehalten werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das haben wir eh schon mal erwähnt, wie Sie die Grundrechte ...! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Wenn es um die Sicherheit geht, muss die Freiheit leiden! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das haben wir ... auch schon mal gehört! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Dann muss man die Freiheit leider ...!

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Staatssekretär.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Nein, wir misstrauen nicht grundsätzlich der Polizei …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wir auch nicht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wir auch nicht, aber der ÖVP!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… und nein, wir misstrauen auch nicht grundsätzlich der DSN, aber wir misstrauen dubiosen Softwareanbietern, die sich um hohe Geldbeträge von Hackern Sicherheitslücken kaufen und diese dann nutzen, damit diese Software hergestellt werden kann. Ja, wir misstrauen diesen Firmen, und ja, wir misstrauen ihnen, weil sie diejenigen sind, die als Erste all diese Daten bekommen, die da gesammelt werden. Diese Firmen sind die, die die Daten auslesen, und erst dann gehen sie an die Polizei und erst dann gehen sie an die DSN. Das ist das grundsätzliche Problem bei dieser Sache. Es ist nicht so, wie Sie es uns glauben lassen, dass die Polizisten, die Staatsschützer dasitzen, die Beamten aus dem Nachrichtendienst, und sagen: Bitte gib mir diese Nachricht von dem an den!, und dann kommt ein Text und dann kann man lesen: Oh, der plant einen Anschlag! – So funktioniert das nicht. Es funktioniert nur so, dass man eine Software in ein Gerät implantiert. Die geht da rein, sitzt da drin und sitzt dort auf einem Beobachtungsposten, schaut sich alles an, was da rein- und rausgeht. Dann kriegt sie einen Befehl, der sagt: Schick mir Kommunikation XY! – Aber alles andere ist auch im Verfügungsbereich dieser dubiosen Unternehmen. (👏) Ja, es gibt Rechtsschutz in diesem Gesetz. Es gibt Mechanismen, die dafür sorgen könnten, dass das sicher ist – wenn es denn nur die Software gäbe, die bei diesen Regelungen mitspielen würde, aber die gibt es nicht. Es gibt keine Software, die sich an Ihre gesetzlichen Regelungen hält. Das heißt, wir haben ein Gesetz, das eigentlich im Moment keinen Anwendungsbereich hat. Sie hoffen – Sie hoffen! –, dass es irgendjemanden gibt, der so etwas in Zukunft einmal erfindet. Das ist doch keine Grundlage, um ein Gesetz zu machen! …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Legalitätsprinzip!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Trotzdem stellt sich Kollegin Erasim hierher und befürwortet mit jenen Worten des jetzigen Präsidenten Rosenkranz, mit denen er den damaligen Trojaner befürwortet hat, ein Gesetz, obwohl sie dann den Trojaner selbst vor dem Verfassungsgerichtshof bekämpft hat. (👏) Aber auch bei den NEOS: Kollege Shetty, du stellst dich hierher und sagst, es ist super, dass es bei euch unterschiedliches Abstimmungsverhalten gibt. Was es bei euch gibt, ist, dass die Spitze in einem neu gewonnenen Machtrausch über die Expertinnen und Experten in den eigenen Reihen drüberfährt. Das ist es, was ihr macht. (👏 FPÖ) Ja, es gibt eine Frist, um dieses Gesetz vor dem Verfassungsgerichtshof zu bekämpfen. Macht ihr das? Werdet ihr das Gesetz vor den VfGH bringen? Gebt ihr dem VfGH die Gelegenheit, euer Gesetz zu überprüfen? – Nein, sicher nicht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Haben Sie die Bestimmungen der Verfassung gelesen? – Zwischenruf des Abg. Gödl [ÖVP].

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Das bedeutet das Gegenteil davon, Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet, Verantwortung abzuschieben. Wir müssen die Verantwortung dafür übernehmen und dieses Gesetz vor den VfGH bringen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ihr seids immer so arm!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… damit er die Gelegenheit hat, es zu prüfen. Macht euch aber keine Sorgen: Wir werden das schon machen, weil Grün hält! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Hält Wort! Grün hält Wort!

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff .

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Galerie und vor den Bildschirmen zu Hause! Unser Klubobmann Yannick Shetty hat, glaube ich, schon sehr klargemacht, dass so eine Debatte natürlich gerade für Liberale immer eine äußerst schwierige ist. Wir haben – und das hat er auch klargemacht – natürlich sehr, sehr intensiv und sehr lange dazu im Klub, aber auch darüber hinaus diskutiert. Ich glaube, es ist in solchen wesentlichen Fragen auch sehr notwendig, das zu tun. Ganz grundsätzlich muss man sagen, dass selbstverständlich das Ziel der Republik sein muss, Sicherheit für jeden zu gewährleisten. Sowohl innere Sicherheit als auch äußere Sicherheit sind zu gewährleisten, damit jeder Bürger, jede Bürgerin in diesem Land leben kann und sich sicher sein kann, dass das eigene Leben nicht in Gefahr ist. Wir haben in den letzten Monaten und Jahren sehr oft erlebt, dass dieser Sicherheitskompass der Bürgerinnen und Bürger, dieses Sicherheitsgefühl – durchaus berechtigt in vielen Fragen – nicht mehr da ist. Da muss man sich die Frage stellen: Was können wir mit möglichst wenig Eingriff machen, damit diese Sicherheit hergestellt werden kann? – Diesbezüglich sind ganz viele Hausaufgaben zu machen, wie beispielsweise eine Personaloffensive im Polizeibereich, in der DSN. Es sind auch ganz viele Personalfragen mit Blick auf die DSN zu klären – und ich weiß, dass das dem Herrn Minister sehr bewusst ist –, da auch weitere Schritte zu gehen, und es ist hart daran zu arbeiten, dass die DSN nach ihrer ersten Entwicklungsphase, in der sie ist, auch die Möglichkeiten hat, da wirklich tätig zu werden. Personal ist zur Verfügung zu stellen, die technischen Ressourcen sind zur Verfügung zu stellen et cetera. Dann stellt sich natürlich die Frage: Welche Kompetenzen braucht es darüber hinaus? Das ist – und ich habe es vorhin angesprochen – keine einfache Entscheidung. Da gibt es gewisse Parameter, an die man sich in Verhandlungen, in Koalitionsverhandlungen gebunden hat – und es ist auch das Thema Gefährderüberwachung im Koalitionspakt festgeschrieben. Sie wissen auch, wie der Prozess war, der uns wesentlich war, nämlich von Anfang an zu sagen: Wenn es dazu einen Prozess gibt, dann setzen wir alles daran, dass es möglichst wenig Eingriff gibt, dass dieser sehr klar geregelt ist, dass es möglichst viel Rechtsschutz gibt und – da setzen wir alles daran – dass das auch verfassungskonform ist. Klubobmann Shetty hat schon gesagt, das können nicht wir entscheiden – schon gar nicht ich als Hobbyjurist, wie ich mich selber bezeichne –, sondern das müssen andere entscheiden. Deswegen war es uns so wichtig, einerseits die Begutachtung so lange wie möglich, also eine außergewöhnlich lange Begutachtung, zu machen und im Verfahren auch ernst zu nehmen, was in der Begutachtung herausgekommen ist. Ich glaube, kaum jemand bei uns würde sagen, dass der Entwurf, der in Begutachtung gegangen ist und nach der Begutachtung mit Stellungnahmen dagelegen ist, so umzusetzen gewesen wäre. Deswegen gibt es auch eine Vielzahl an Maßnahmen – Kollege Shetty hat sie schon ausgeführt –, die wir umgesetzt haben. Wir haben den Rechtsschutz in langen und zähen Verhandlungen verbessert. Ich denke an den Rechtsschutzbeauftragten, die Verlängerung der Begutachtungsfrist. Nicht nur hat der Rechtsschutzbeauftragte jetzt drei Monate Zeit, sondern der Unterausschuss kann auch die Verträge einsehen und sich im Rahmen der parlamentarischen Kontrolle entsprechend damit auseinandersetzen. Ich denke an den Dreirichtersenat, der natürlich eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem, wie es davor war, ist. Bleiben wir auch beim Rechtsschutzbeauftragten: Es ist festgelegt, dass wir selbstverständlich die personellen Ressourcen und auch die fachlichen Ressourcen in der Rechtsschutzabteilung schaffen wollen. Jeglicher Datentransfer, der stattfindet, jegliche Bewegung muss gekennzeichnet sein, und dementsprechend kann auch der Rechtsschutzbeauftragte alles einsehen, die Löschung verlangen und ist natürlich als Kontrollinstanz in einer Art und Weise eingebunden, wie das bisher noch nie da war. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Weil von den Grünen, glaube ich, das Thema Schutz von Journalist:innen angesprochen wurde: auch das als klare Kennzeichnung, dass hier immer der Dreirichtersenat entscheiden muss – eine massive Verbesserung zu davor. Auch dass Zufallsfunde im Hinblick auf Vermögensdelikte nicht angewendet oder gebraucht werden dürfen, ist eine klare Verbesserung. Und – das halte ich schon fest – das Wesentliche ist, dass genug Zeit für den VfGH vorhanden ist, zu entscheiden, ob diese Software verfassungskonform ist oder nicht. All diese Veränderungen haben dazu geführt, dass dieses Gesetz sicherlich ein wesentlich besseres ist, als es das in der Vergangenheit war. Ich möchte aber abschließend auch eine Sache feststellen; das hat auch der Herr Klubobmann schon gemacht, aber es ist wesentlich: Es gibt keinen Millimeter mehr, als wir heute hier in diesem Parlament beschließen wollen, Herr Bundesminister …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Das könnt ihr doch überhaupt nicht bestimmen! Die fragen euch doch gar nicht!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… keinen einzigen Millimeter mehr, keine weitere Ausweitung in irgendeiner Form! – Danke schön.

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Leinfellner .

FPÖ Markus Leinfellner

Danke, Frau Präsidentin! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Also bei einigen meiner Vorredner fehlen mir schlicht und ergreifend die Worte angesichts dieser Überwachungsfantasien. Anstatt endlich ein Verbotsgesetz für den politischen Islam auf den Weg zu bringen, träumt unser Innenminister von einer Überwachung von unseren Österreichern. Er träumt davon, die Grund- und Freiheitsrechte wieder einmal mit Füßen zu treten. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Diese Überwachungsfantasien treffen ja nicht nur die Verbrecher, die treffen ja nicht nur Verdächtige, sondern sie treffen jeden einzelnen Österreicher, der diese Messengerdienste – Whatsapp, Signal, Threema, Telegram und wie sie alle heißen – nützt. Meine sehr geehrten Damen und Herren, damit werden Sie den Terror in Österreich keinesfalls bekämpfen. (👏 FPÖ) Damit werden Sie einen Überwachungsstaat in Österreich einführen, und das ist etwas, was wir Freiheitliche definitiv nicht wollen. Wenn Sie den Terror tatsächlich bekämpfen wollen, dann frage ich mich schon: Warum erwähnen Sie in diesem Gesetz mit keinem einzigen Wort den islamistischen Terror? Herr Innenminister, Sie können uns aktuell nicht einmal sagen, wie viele Illegale sich in unserem Land aufhalten, aber Sie wollen mit dieser Software diese Illegalen überwachen. Das ist ja schlicht und ergreifend ein Treppenwitz, Herr Innenminister! (👏 FPÖ) Ich frage mich auch: Wie wollen Sie diese Software auf die Handys bringen? – Eine Möglichkeit hat ja Kollegin Fürst bereits genannt: mit der Ausnutzung von Sicherheitslücken bei Apple, bei Google und dergleichen. Mit einer Amazon-SMS, in der man aufgefordert wird, ein Paket zu bestätigen, das man gar nicht erhalten hat, wird es wahrscheinlich nicht funktionieren, aber wer sagt uns, dass das nicht mit der ID Austria auf das Handy geladen wird, nämlich mit jener staatlichen Software, die inzwischen jeder Österreicher in diesem Land braucht, ohne die man ja nahezu nichts mehr machen kann. Da frage ich mich auch, Herr Innenminister: Wie viele Asylanten und Illegale verwenden diese ID Austria? – Kein einziger, Herr Innenminister! Also damit wird es wahrscheinlich auch nicht funktionieren. Das wäre nach diesem unsäglichen Coronaregime der größte Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte, den wir je in diesem Land erlebt haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer sagt uns, dass der grüne Pass nicht ein erster Testballon gewesen ist , um einmal zu schauen, wie viele Österreicher tatsächlich bereit sind, sich diese Software, eine staatliche Software, auf dem Mobiltelefon zu installieren? (👏 FPÖ) Abschließend: Herr Innenminister, ist Österreich wirklich das einzige Land, das diese Messengerüberwachung nicht hat? Sie haben am 19.8.2024 selbst gesagt: „Das ist mittlerweile internationaler Standard. Alle anderen europäischen Länder dürfen das, nur die österreichische Polizei darf das nicht.“ – Ich will ja wirklich nicht sagen, um keinen Ordnungsruf zu bekommen, dass Sie die Österreicher angelogen haben, aber ich sage, ein wenig Zweifel an der Wahrheit ist hier schon angebracht. Es gibt keine einzige Aufstellung über Länder in Europa, die Messengerdienste zur Überwachung verwenden – die gibt es nicht. Erst seit der Aufklärung des Pegasus-Skandals wissen wir, dass acht Länder genannt wurden. Ich glaube, dieser Pegasus-Skandal ist vielen noch immer ganz gut in Erinnerung. Was ist dabei passiert? – Zehntausende Handys wurden teils in staatlichem Auftrag ausspioniert. Herr Bundesminister, diese Überwachungsfantasien können wir Freiheitliche nicht unterstützen. Wenn Sie den Terror bekämpfen wollen: Remigration wäre ein erster Anfang. (👏 FPÖ) 13.25

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter, für den weiteren Verlauf der Debatte möchte ich Sie nur darauf hinweisen, dass ich, wenn Sie sagen: Ich möchte nicht sagen!, aber anschließend eine Formulierung verwenden, die ordnungsrufwürdig ist, in Zukunft auch dafür einen Ordnungsruf erteilen werde, aber das, denke ich, ist jetzt ausgeräumt, und es ist klar, dass auch so eine Formulierung nicht zu verwenden ist. Nun gelangt Frau Abgeordnete Margreth Falkner zu Wort.

ÖVP Margreth Falkner

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zuschauerinnen und Zuschauer hier und zu Hause vor den Bildschirmen! Stellen Sie sich vor: ein ganz gewöhnlicher Morgen und eine volle U-Bahn, Menschen auf dem Weg zur Arbeit, in die Schule, ins Leben – und plötzlich, Sekunden später ist alles anders: Chaos, Schreie, Rauch. Genau so war es vor 20 Jahren in London, 52 Menschen sind nie mehr nach Hause gekommen. Als Konsequenz hat das Vereinigte Königreich die Überwachungsmöglichkeiten massiv ausgeweitet und konnte dadurch in den darauffolgenden Jahren weitere Anschläge in London und Glasgow verhindern. Solche Bilder könnten auch bei uns Wirklichkeit werden. Niemand von uns will das, aber es wäre fahrlässig, so zu tun, als könnte es nicht passieren. Wir hier tragen Verantwortung, nicht für Meinungen, nicht für Parteiprogramme, sondern für die Sicherheit der Menschen in unserem Land. Diese Sicherheit beginnt mit einer ganz einfachen Frage: Darf unsere Polizei dort hinschauen, wo sich Gefährder heute verstecken, oder knebeln wir sie weiter mit einem Gesetz, das – so ehrlich und selbstkritisch müssen wir sein – aus der Zeit gefallen ist? Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist Realität: Wenn zwei Terroristen miteinander telefonieren und einen Anschlag planen, dann darf man sie abhören, völlig klar, völlig unbestritten, aber wenn sie genau denselben Anruf per Whatsapp machen, ist plötzlich Schluss, Funkstille für den Rechtsstaat. Gleiches Gerät, gleiche Stimme, gleicher Plan, und trotzdem keine Überwachung. Das ist nicht logisch, das ist nicht zeitgemäß und das ist gefährlich. Wer das nicht ändern will, handelt nicht mutig, handelt nicht rechtsstaatlich, sondern verantwortungslos, denn wir dürfen doch nicht zusehen, wie Täter sich der Überwachung mit einem ganz einfachen App-Wechsel entziehen. Das ist doch absurd. Ich frage Sie: Wo sollen Polizistinnen und Polizisten ihren Auftrag erfüllen, wenn wir ihnen die notwendigen Werkzeuge verwehren? Wie wollen wir unsere Kinder, unsere Familien, unser Land schützen, wenn wir aus Angst vor politischem Gegenwind Maßnahmen verhindern, die fast in ganz Europa längst Standard sind? Die Niederlande setzen auf Überwachung, Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, ja selbst die Schweiz und Ungarn, falls Ihnen dieses Beispiel lieber ist. Der Unterschied ist nur, in Österreich werden diese Möglichkeiten derzeit nicht genutzt – nicht weil sie nicht gebraucht werden, sondern weil sie politisch blockiert werden. Noch ein Mythos gehört heute einmal mehr entlarvt: Dieses Gesetz bedeutet keine Massenüberwachung. Wir reden von maximal 30 Fällen pro Jahr – 30! – und nur dann, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt. Wenn mehr Fälle auftreten, muss das transparent und nachvollziehbar dem Parlament gemeldet werden. Es wird kontrolliert, geprüft und begrenzt – genau so, wie es in einem Rechtsstaat auch sein muss. Der Rechtsstaat darf nicht blind sein, er darf nicht taub sein, er darf sich nicht selbst entmachten. Wenn Sie immer vor Missbrauch warnen – so ehrlich müssen wir sein –: Die Gefahr besteht, und zwar bei jedem Gesetz, das wir hier im Hohen Haus beschließen. Gerade deshalb haben wir so viel Wert auf den Rechts- und Missbrauchsschutz bei diesem Gesetz gelegt, deshalb ist es eines der strengsten Gesetze. Wir träumen nicht, Herr Kollege Leinfellner, wir schützen die Menschen in unserem Land und wir setzen Zeichen genau mit diesem Gesetz. (👏 ÖVP) Wir stehen an einem Scheideweg: Entweder wir modernisieren den Rechtsrahmen und geben der Polizei Mittel in die Hand, wie sie in fast jedem der EU-Mitgliedsländer längst bestehen, oder wir schauen weiter dabei zu, wie sich Terroristen in digitalen Schattenräumen verschanzen, unbeobachtet und unkontrolliert. Wir sind nicht bereit, dieses Risiko in Kauf zu nehmen, nicht wenn es um Menschenleben geht. Deshalb bitten wir hier um breite Zustimmung: aus Verantwortung für die Sicherheit in unserem Land. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alois Kainz .

FPÖ Alois Kainz

Danke, Frau Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Werte Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Mit dieser Regierungsvorlage wird ein Gesetzespaket vorgelegt, das in der Praxis nichts weniger bedeutet als den größten Überwachungsausbau der letzten Jahrzehnte. Was als Werkzeug gegen den Terror verkauft wird – und wie es verkauft wird –, ist in Wahrheit ein trojanisches Pferd, das tief in die Grundrechte unbescholtener Bürger eindringt. (👏 FPÖ) Mit der Einführung des Bundestrojaners sollen künftig Nachrichten, wie sie Millionen Österreicher über Dienste wie Whatsapp, Signal oder Telegram versenden, mitgelesen werden können, und zwar nicht punktuell oder bei akuter Gefahr, sondern präventiv auf bloßen Verdacht hin. Der Begriff des verfassungsgefährdenden Angriffs ist im Gesetz so vage formuliert, dass er praktisch auf alles angewendet werden kann, was der Regierung gerade nicht passt.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Haben Sie das Gesetz jemals gelesen? Sie tun sich ja schon schwer beim Runterlesen der Rede!

FPÖ Alois Kainz

… Eines ist auch noch erwähnenswert: Das Wort Islamismus kommt im gesamten Entwurf kein einziges Mal vor …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Da redet jemand über ein Gesetz, das er nie gelesen hat!

FPÖ Alois Kainz

… obwohl dieser aktuell die größte reale Bedrohung für unsere Gesellschaft ist. (👏 FPÖ) Wir von der FPÖ sagen Ja zur Sicherheit, aber Nein zu einem Überwachungsstaat, der die Überwachung der eigenen Bürger normalisiert. Ein Staat, der zur Überwachung absichtlich Sicherheitslücken im Betriebssystem offenlässt, setzt neun Millionen Menschen digitaler Gefahr aus und verbündet sich indirekt mit denselben Hackernetzwerken, gegen die er vorgibt, vorzugehen. Die Regierung lässt völlig offen, welche Softwares verwendet werden sollen, ob damit sämtliche Daten auf einem Handy zugänglich werden und so weiter und so fort. Von der Illusion, dass nur Sicherheitsbehörden davon wissen, muss man sich verabschieden. Wenn es eine Sicherheitslücke gibt und sie offen ist, wird sie auch von anderen gefunden und verwendet. Da befindet man sich in der organisierten Kriminalität, in Betrugsfällen. Die Auswirkungen sind viel breiter, diese treffen die gesamte Bevölkerung, während die Sicherheitsbehörden aus legitimer Verwendung heraus, um Schwerstkriminelle zu überwachen, viel weniger Fälle überwachen. Das heißt, das Interesse, die gesamte Bevölkerung zu schützen, indem man die Sicherheitslücken so schnell wie möglich schließen lässt, überwiegt gegenüber den paar Einzelfällen im ganzen Jahr. Im „Report“ vom 1. Juli war René Mayrhofer. Er war über mehrere Jahre in den USA für die Sicherheit von Google verantwortlich. Er meint zu diesem Thema Folgendes: Die Regierung betont, nicht auf das gesamte Handynetz zugreifen zu können, sondern nur auf einzelne Chatprogramme. Rechtlich kann man das eingrenzen, technisch aber nicht. Um Überwachungen am Handy durchzuführen, muss man einfach am Handy Sicherheitsmaßnahmen brechen, anders geht es nicht. – Zitatende. Auf die Frage, ob die Bundesregierung die Unwahrheit sagt, wenn behauptet wird, dass das dann so leicht ginge, antwortet er: Ich möchte niemanden beschuldigen, bewusst die Unwahrheit zu sagen, aber es deckt sich nicht mit der technischen Welt, so wie wir diese kennen. – Zitatende. (👏 FPÖ) Dann noch zu meinen Vorrednern: Zu Herrn Gödl von der ÖVP, der die Karte von Europa gezeigt und gemeint hat, dass wir da in Österreich alleine sind: Da sind wir gerne alleine. Da vergleichen wir uns nicht. Da gibt es so viele Lücken und Probleme im Sicherheitsnetz. Der Kollege von den Grünen hat gesagt: Über 90 Prozent der Stellungnahmen sind negativ gewesen. – Dem pflichte ich bei. Das alleine müsste sehr zu denken geben, dass dort einiges schiefgeht und nicht stimmen kann. (👏 FPÖ) Dann weiter – der Kollege von der SPÖ, Herr Köhler ( Rufe bei der SPÖ: Köllner! ), hat gemeint: So leicht wie die FPÖ kann man sich es einfach nicht machen und sich wegstellen. ( Ruf bei den NEOS: Wegstehlen! ) – Wollt ihr jetzt noch eure Trittbrettfahrerei legitimieren? Das ist nicht verständlich für uns. Der Herr Bundesminister hat gesagt: Das Gesetz ist notwendig, um arbeiten zu können. – Ja, um arbeiten zu können, braucht es Geld und Personal. Dann haben Sie noch gesagt betreffend den Eindruck des Misstrauens gegenüber dem Verfassungsschutz, der Polizei und den Sicherheitsorganen, die sollte man nicht infrage stellen. – Herr Bundesminister, wir tun das nicht! Sie rücken das immer in so ein Licht, was eigentlich ein tiefer Untergriff ist. Wir schützen und schätzen die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Da lassen wir uns nicht irgendwo irgendein anderes Licht aufdrehen. Das stimmt so nicht. (👏 FPÖ) Jetzt noch zum Schluss: Wenn die Regierung den politischen Islam tatsächlich bekämpfen möchte, braucht es ein Verbotsgesetz gegen Organisationen wie die Muslimbruderschaft und nicht Spionageabwehr gegen Bürgerproteste. Wir lehnen diese Vorlage entschieden ab – für Freiheit, Rechtsstaat und echten Schutz der Bevölkerung. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Geschätzte Damen und Herren! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebes Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren heute ein ganz wichtiges Thema, ein Kernthema unserer Politik in Österreich. Es geht um die Sicherheit Österreichs, es geht um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Es geht um die Gefährderüberwachung als Instrument zur Gefahrenabwehr, um Terroranschläge zu verhindern, Leben zu retten, aber genauso, um die Behörden handlungsfähig zu machen. Warum brauchen wir diese Überwachung? – Weil die Gefährder über Messengerdienste Informationen austauschen und sich radikalisieren. Früher waren es Telefone oder irgendwelche Stammtische und Treffen; diese nutzen sie leider nicht mehr. Früher hatten wir die Telefonüberwachung, jetzt müssen wir auf Messengerdienste wie zum Beispiel Whatsapp, Telegram oder Signal zugreifen können. Außerdem brauchen die Polizei und der Verfassungsschutz moderne und vor allem rechtsstaatliche Mittel, um in diesem Bereich überwachen zu können. Österreich – wie es vorhin schon angesprochen wurde – hinkt da nach. Fast alle europäischen Länder haben eine Form der Überwachungsmöglichkeit. Es kann nicht sein, dass wir immer auf Informationen der Nachrichtendienste anderer Länder angewiesen sind. Was ist vorgesehen? – Es ist grundsätzlich keine Massenüberwachung, es gibt kein willkürliches Abhören. Die Anwendung erfolgt nur dann, wenn es terroristische und verfassungsgefährdende Bedrohungen gibt, und nur im konkreten Verdachtsfall oder wenn nachrichtendienstliche Informationen anderer Staaten zu uns kommen. Es steht eine strenge gesetzliche Auflage dahinter: Es muss alles dokumentiert werden. Es muss nachvollziehbar sein. Über den Richtersenat wird sozusagen ein Mehraugenprinzip garantiert. Und es geht so vor sich, wie heute schon eine Hausdurchsuchung oder eine Telefonüberwachung möglich ist. Beispiele aus der Realität zeigen, dass die Zahl von Bombendrohungen und Bedrohungen durch Extremisten und Terroristen immer mehr steigt. Wir haben da als Österreich Handlungsbedarf. Fakt ist, dass es jeder verhinderte Anschlag wert ist, dieses Werkzeug zu nutzen. Uns ist auch klar, dass es immer eine große Abwägung zwischen der Privatsphäre, also Datenschutz, und der Sicherheit gibt. Ein Wort noch zur Opposition und vor allem zu den Freiheitlichen: Als wir noch mit Ihnen in der Regierung waren, waren Sie dafür, jetzt sind Sie dagegen. Die Gefährdungslage hat sich aber nicht geändert, es hat sich nur Ihre parteipolitische Einstellung geändert. Man sieht, es geht Ihnen nicht um die Sache, es geht Ihnen nicht um die Sicherheit der Bürger, es geht um parteipolitische Spielchen. ( Ruf bei der FPÖ: Gegen den Überwachungsstaat! ) Sicherheit kann kein parteipolitisches Spiel sein. (👏 ÖVP) Wir vertrauen unseren Sicherheitsbehörden. Freiheit braucht Sicherheit, und Sicherheit braucht einen handlungsfähigen Rechtsstaat. In diesem Sinne unterstützen wir diese Gefährderüberwachung. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christian Hafenecker . ( Ruf bei der FPÖ: Jetzt pass auf, da kannst was lernen! )

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Frau Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Kollege Hofinger, es ist kein politisches Spielchen, gegen einen Überwachungsstaat aufzustehen. Das möchte ich Ihnen eingangs dieser Rede einmal sagen. (👏 FPÖ) Wir arbeiten hier im Interesse der Bevölkerung und gegen Ihre Parteiinteressen. Das ist der Unterschied. Herr Bundesminister, ich habe Ihnen vorhin zugehört, und wissen Sie, ich kenne Ihre Plattitüden und Ihre Ankündigungen, aber, Herr Bundesminister, wenn Ihnen die Sicherheit der Österreicher so wichtig ist, warum stellen Sie sich gegen ein Gesetz gegen den politischen Islam? Dann hätten wir einen Straftatbestand, dann könnten wir sofort vorgehen. Das wollen Sie aber nicht, warum auch immer. Es wäre interessant, wie Sie das begründen. (👏 FPÖ) Dann würden nämlich die vorhandenen Mittel völlig ausreichen, diese Gefährder zu überwachen – das nur nebenbei gesagt. Wenn Sie uns vorwerfen, dass die FPÖ nicht hinter der Polizei steht, dann würde ich Ihnen empfehlen, Herr Bundesminister: Schauen Sie einmal die Ergebnisse der Personalvertretungswahlen an, denn dann wissen Sie, was Ihre Polizei von Ihrer Politik hält. Wogegen wir uns stellen, sind die parteibuchbesetzten Kommandanten der Polizei – das betreiben Sie seit Jahrzehnten.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Wer hat denn die Mehrheit bei der Polizei?

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie haben die Polizei in den Führungspositionen dunkelschwarz eingefärbt, und da geht es nicht um Kompetenz, sondern nur um das Parteibuch, und das ist das Problem, das wir hier haben. (👏 FPÖ) Und dann machen Sie immer solche Maßnahmen wie zum Beispiel ein Messerverbot in Favoriten. In Favoriten haben wir die tägliche Messerstecherei. Was macht Innenminister Karner? – Er fährt dorthin, gibt eine Pressekonferenz. Das nächste Messerattentat ist 2 Stunden später, und als Geschenk sperren Sie dann die Polizeiinspektion vor Ort auch noch zu. Das ist Ihre Vorstellung von Sicherheit, die Sie an den Tag legen. Ich glaube, es geht ein bisschen am Ziel vorbei. (👏 FPÖ) Und dann stellen Sie von der ÖVP ernsthaft die Frage, warum wir nicht dabei mitmachen, Ihren tiefen Staat noch mächtiger zu machen. Es funktioniert nichts mehr. Sie gefährden teilweise die Bevölkerung aufgrund parteipolitischer Interessenlagen, Herr Bundesminister – das ist der springende Punkt –, und da machen wir ganz bestimmt nicht mit. Weil Sie dauernd mit dieser Messengerüberwachung kommen und weil Sie dauernd das Beispiel der Bundesrepublik Deutschland bringen: Es gibt die tägliche Messerstecherei in Deutschland, den täglichen Anschlag in Deutschland. Ist dort irgendetwas sicherer geworden? Hat man irgendwelche Anschläge vermeiden können in Deutschland? – Nein …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Sicher!

FPÖ Christian Hafenecker

… die werden der Lage nicht Herr. Das Problem haben Sie verursacht.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Wovon redest denn du? Ja, sicher!

FPÖ Christian Hafenecker

… Das Problem war die ungezügelte Migration. Sie haben Leute ins Land gelassen, von denen Sie nicht gewusst haben, woher sie kommen, wer sie sind und was sie machen werden. Das ist Ihr Problem, Herr Innenminister, aber nicht die eigene Bevölkerung. (👏 FPÖ) Wenn man die Gefahr nicht ins Land lässt, dann hat man kein Problem, aber deswegen ist ja auch das, was wir sagen, das Richtige: Wir brauchen keine Turboüberwachung der eigenen Bevölkerung, wir brauchen eine Turbanüberwachung. Das wäre einmal interessant, in die Richtung sollten wir einmal nachdenken. (👏 FPÖ) Ich möchte es nicht unnötig in die Länge ziehen, aber reden wir über die letzten drei schlimmen Ereignisse, die es in diesem Land gegeben hat, die uns alle beschäftigt und erschüttert haben, Herr Bundesminister, Sie wissen das auch. Reden wir über den Terroranschlag von Wien. Da hätte es keine Messengerüberwachung gebraucht. Da hätte es jedenfalls ein Innenministerium gebraucht, das in der Lage gewesen wäre, die eigenen E-Mails abzurufen, die aus der Slowakei gekommen sind, in welchen vor den Terroristen gewarnt wurde. Das haben Sie nicht gemacht. Da hätten Sie die Bevölkerung nicht zu überwachen brauchen, nur Ihre E-Mails lesen, Herr Bundesminister, das wäre ein Ansatz gewesen. Wien hätte man verhindern können. (👏 FPÖ) Gehen wir weiter zum unglaublich tragischen Fall Villach, Herr Bundesminister: Das Gleiche in Grün! Sie reden dauernd von Ihrem Vorbild Deutschland, aber Ihre Behörde ist nicht einmal in der Lage, mit den Deutschen zu sprechen, sonst hätten Sie nämlich gewusst, dass der Attentäter von Villach an der deutschen Grenze zurückgewiesen worden ist, unserer Exekutive übergeben worden ist, weil er dort mit einem gefälschten Personaldokument einreisen wollte. Dann hätten Sie gewusst, dass eine bundesweite Fahndung in der Bundesrepublik Deutschland ausgeschrieben war, und dann hätten Sie ihm erstens kein Asyl geben dürfen oder zweitens, wenn er es schon gehabt hat, hätten Sie ihn sofort abschieben müssen. Das haben Sie auch nicht gemacht. Somit haben Sie auch da ein Behördenversagen zu verantworten. (👏 FPÖ) Der Fall Graz ist ebenso ein Fall, bei dem Sie wieder weggeschaut und versagt haben, Herr Bundesminister, denn das hätte man sofort open-source-mäßig ermitteln können. Das haben übrigens die freien Medien für Sie gemacht, Herr Bundesminister, die Sie immer auf allen Ebenen bekämpfen und die Sie wahrscheinlich auch irgendwann einmal messengerüberwachen wollen. Die haben herausgefunden, dass der Attentäter von Graz über x Facebook-Profile verfügt hat, die Sie mit Ihren ÖVP-Polizisten nicht gefunden haben. Die freien Medien und die neuen Medien, die Sie abdrehen wollen und betreffend die Sie dafür werden geradestehen müssen, wenn es auch noch zu Debanking-Maßnahmen kommt, haben es geschafft. Was wäre mit der Messengerüberwachung und den Covid-Maßnahmen-Gegnern? – Das wären aus Ihrer Sicht natürlich Staatsfeinde, die könnte man sofort überwachen. Frau Kollegin Zadić, weil Sie vorhin gesagt haben, dass Sie jetzt sozusagen der Hort des liberalen Denkens sind: Ich kann mich schon genau erinnern, was Ihr ehemaliger Obmann Kogler da drüben auf der Regierungsbank über die Maßnahmengegner gesagt hat. Die hat er als Staatsverweigerer, Staatsfeinde und Verfassungsfeinde bezeichnet, also das sind schon Dinge, die aus dem grünen Sektor gekommen sind. Das vergessen wir nicht. (👏 FPÖ) Dann kommt Kollege Gerstl von der ÖVP und sagt uns: Na ja, es ist ja überhaupt kein Missbrauch möglich, das Gesetz ist so dermaßen wasserdicht, dass man es nicht missbrauchen kann! …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Das haben sie uns schon öfter erzählt!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich bin ein gelernter Österreicher, meine sehr geehrten Damen und Herren, und vor allem habe ich lange genug unter der ÖVP gelitten, eigentlich 40 Jahre meines Lebens – ich werde jetzt 45 –, so lange sind Sie in der Regierung, und wissen Sie, was ich in dieser Zeit gelernt habe? – Alles ist möglich bei der ÖVP, wenn es darum geht, die eigenen Interessen durchzusetzen. (👏 FPÖ) Ein Beispiel ist die Einsetzung der Soko Tape, die Sie mit Ihren ÖVP-Polizisten eingesetzt haben, als es noch einen Innenminister Kickl gab. Der hat nichts davon gewusst, und wissen Sie, was Sie damit gleich geschaffen haben? – Eine politische Eingreiftruppe der Sonderklasse. Kollege Gerstl, Sie waren ja selbst im Ausschuss mit dabei, solange Sie Fraktionsführer waren. Da hat man ja gesehen, wo sich diese Eingreiftruppe überall betätigt hat. Sie haben mit Ihrer Polizei damals Ministerin Zadić das Ibizavideo monatelang vorenthalten. Das haben Sie gemacht, weil Sie zuerst einmal schauen wollten, was auf dem Datenträger sonst noch alles drauf ist. Dazu braucht es eine politische Eingreiftruppe, keine Frage. Dann sind die Kloibmüller-Chats ruchbar geworden, Herr Kollege Gerstl, nicht? Da hat sich die ÖVP Sorgen gemacht: Wer hat denn bei Herrn Kloibmüller wofür interveniert? Wissen Sie, was dann passiert ist? – Bei Abgeordneten kann man keine Hausdurchsuchung machen, aber bei Mitarbeitern von Abgeordneten schon. Das hat die ÖVP-Eingreiftruppe, die politische, damals veranlasst.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Der war aber kein Mitarbeiter von einem Abgeordneten!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich weiß ganz genau, wozu Sie in der Lage sind, wenn Sie das möchten, und davor sollten wir die österreichische Bevölkerung schützen. (👏 FPÖ) Da gibt es immer so ein nettes Wort, wenn die ÖVP unabsichtlich etwas ermittelt, da gibt es die sogenannten Beifänge. Das ist ja das, Herr Bundesminister, wo Sie hinwollen: Sie wollen die Handys der Österreicher komplett auslesen und hoffen dann auf Beifänge, die Sie dann gegen den politischen Gegner, gegen sonst jemanden einsetzen können. – Das ist Ihre Interessenlage.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Hafi, das glaubst nicht einmal selber, oder?

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie wollen Ihre Macht verfestigen, aber Sie wollen ganz sicherlich nicht die Bevölkerung schützen. So ehrlich sollte man schon noch sein. (👏 FPÖ) Deswegen auch mein Appell: Es mag schon sein, dass Sie jetzt nach 100 Tagen und ein bisschen mehr in einer Honeymoon-Phase sind, sehr geehrte Damen und Herren von der SPÖ und von den NEOS, aber diese Phase wird auch irgendwann wieder vorbei sein …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Für euch aber auch!

FPÖ Christian Hafenecker

… und dann haben Sie der ÖVP ein Instrument in die Hand gegeben, das gegen Sie verwendet wird, Kollege Shetty, darauf können Sie sich verlassen. Das wird schneller gehen, als Sie bis drei zählen können. Frau Kollegin Erasim, zu Ihnen auch noch, weil Sie vorhin davon gesprochen haben: Alles ist sicher, alles wird geschützt, alles ist großartig. – Sie haben den Ständigen Unterausschuss des Innenausschusses erwähnt, der dann das Kontrollgremium ist. Ich meine, Sie sitzen dort auch drinnen. Ich versuche, mich jetzt nicht strafbar zu machen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ein guter Vorsatz! Vielleicht sagst du das den Kollegen auch einmal!

FPÖ Christian Hafenecker

… aber das, was man dort im Keller, wo man keine technischen Geräte mitnehmen darf, hört, das ist das, was man am Vortag in der Zeitung gelesen hat, und das, was dort neu ist, erzählt der DSN-Chef am nächsten Tag sowieso dem „Kurier“, Herr Bundesminister. Der DSN-Chef ist nicht strafrechtlichen Bedrohungen ausgesetzt, Ihre ÖVP-Polizisten dürfen das – die Abgeordneten dürfen natürlich nicht darüber reden, alles streng geheim. Aber im Prinzip ist dieser Ausschuss eher larifari und sicherlich kein Kontrollgremium, das möchte ich in diesem Zusammenhang auch sagen. (👏 FPÖ) Mir läuft schon die Zeit davon. – Ein Wort noch zu Herrn Staatssekretär Leichtfried: Sie sprechen gern von Verfassungsfeinden. Wer ist denn aus Ihrer Sicht ein Verfassungsfeind? – Ist das die Bundesregierung dann, wenn Sie die Energiegesetze ändern wollen, weil Sie eine Zweidrittelmehrheit brauchen, um die Verfassung zu ändern? Ist ein Antrag gegen die Verfassung schon verfassungsfeindlich oder wie definiert sich das? …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Hafi, du wirkst ein wenig durcheinander!

FPÖ Christian Hafenecker

… Dann sollten Sie nämlich gleich selbst damit beginnen, sich zu überwachen und gegenseitig Ihre E-Mails zu lesen, wenn das die Definition von Verfassungsfeindlichkeit ist. Und ein letztes Wort noch zu Kollegen Shetty von den NEOS: Herr Kollege Shetty, ich würde nicht in Ihrer Situation sein wollen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das beruht auf Gegenseitigkeit!

FPÖ Christian Hafenecker

… Das ehrt mich. Sie vertreten als Klubobmann eine Partei, die an einem einzigen Tag dreimal umfällt, und das nicht bei irgendwelchen Kleinigkeiten, sondern bei wesentlichen Grundlagen Ihrer Partei. Ich kann es Ihnen sagen: Alle Prinzipien sind bei Ihnen weg, Sie geben der ÖVP das Metternich-Instrument in die Hand – das ist ein sehr liberaler Zugang; Gratulation, darauf können Sie sich etwas einbilden! –, das dann schlussendlich gegen Sie und gegen alle anderen verwendet wird. Damit man dann sozusagen noch mehr NEOS in eine Bundesregierung hineinbringt, reden wir dann noch über ein Parteiengesetz, durch welches Sie sich selbst im Nachhinein Strafen ersparen – das muss man sich einmal vorstellen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

FPÖ Christian Hafenecker

… Die Chuzpe muss man wirklich einmal haben, dass man ein Gesetz verabschiedet, das sozusagen illegale Parteispenden legal macht. Das machen Sie dann gleich später mit der SPÖ, mit den Grünen und mit der ÖVP gemeinsam. Ich würde mich schämen. Sie wollen sich einfach nur 70 000 Euro Strafe ersparen und lassen dafür de facto rückwirkende Gesetze vom Stapel.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Fake News!

FPÖ Christian Hafenecker

… Darauf können Sie sich was einbilden – wunderbar! Damit wir das Ganze abrunden, Herr Kollege Shetty, reden wir dann auch noch über den Untersuchungsausschuss. Auch da sind Sie Wasserträger der ÖVP.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Machts einmal einen! Brauchts ja nur einen machen!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich bin gespannt, wie das Frau Kollegin Krisper sieht, die ja für Aufklärung bekannt war. Sie sehen es ja offenbar ein bisschen anders. Ich finde es auch schade, dass die SPÖ dabei mitspielt. Das heißt also, es dauert nicht lange, bis man grundsätzlich von der ÖVP korrumpiert wird. Was ich wirklich auch schade finde – gerade in Ihrer Partei, Herr Shetty, da können Sie auch gleich wieder tatsächlich berichtigen –, ist, dass altgediente und respektierte Abgeordnete wie Kollege Scherak sich von ihrer Parteichefin im „Morgenjournal“ anhören müssen, dass sie eine flache Lernkurve haben. Das zeigt, in welchem Zustand Ihre Partei ist. Sie sind am besten Weg dazu, FDP 2.0 zu werden.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... eine Lernkurve?!

FPÖ Christian Hafenecker

… Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir Freiheitliche stellen uns gegen den ÖVP-Überwachungswahn. Wir wissen, was die ÖVP in der Lage ist, zu tun. Genau deswegen werden wir jedenfalls jede politische Gegenwehr einsetzen, um zu verhindern, dass Sie mit Ihren Plänen durchkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren von der ÖVP. Der tiefe Staat wird aufgedeckt, aber ganz sicherlich nicht ausgebaut. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich zu einer tatsächlichen Berichtigung Herr Klubobmann Yannick Shetty zu Wort gemeldet.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Guten Morgen, Herr Kollege Hafenecker! Sie haben hier am Rednerpult behauptet, dass sich die Regierungsfraktionen nachträglich Strafen erlassen. Ich berichtige tatsächlich – Sie sollten vielleicht nicht nur FPÖ-TV schauen, sondern auch das Croquis lesen –: Wir werden dafür sorgen, dass Strafen nachträglich nicht erlassen werden.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Zeig es her! – Abg. Stefan [FPÖ]: Wie geht das? Wie geht das? – Rufe bei der FPÖ: Falsch!

NEOS Yannick Shetty

… Da wurde heute ein Abänderungsantrag eingebracht, weil Parteien sich nicht etwas richten können sollen, was Bürgerinnen und Bürgern auch nicht möglich ist.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist leider falsch, Herr Kollege!

NEOS Yannick Shetty

… Deswegen sollten Sie sich anschauen, was der Wahrheit entspricht, und keine falschen Behauptungen aufstellen. – Vielen Dank.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Yannick, wie machst du das? Wie geht das juristisch? Bin gespannt, was ... vorlegts! – Ruf bei der FPÖ: ... dem Innenminister gleich direkt übergeben!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Klubobmann Philip Kucher zu Wort. – Bitte.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Früher einmal hat man gesagt, es ist nicht alles schwarz oder weiß. Ich muss sagen, nach der heutigen Debatte bin ich froh, dass zumindest nicht alles nur blau oder grün ist, denn die heutige Debatte war schon in einigen Punkten an Absonderlichkeiten nicht zu überbieten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Jetzt ist alles nur mehr schwarz! – Abg. Zorba [Grüne]: Da hast mir nicht zugehört!

SPÖ Philip Kucher

… Gegen alles zu sein, gleichzeitig aber keinen einzigen konkreten Lösungsvorschlag zu bringen, wird uns in Summe auch nicht weiterbringen. – Da melden sich die beiden Richtigen, FPÖ und Grüne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Kollege Hafenecker kippt immer mehr in diese ganzen Verschwörungsgeschichten hinein. Du spürst es ja bei ihm: Es war plötzlich der tiefe Staat, von dem er jetzt gesprochen hat. Wieder ist der Zugang der FPÖ: Alles ist eine böse Verschwörung, das böse System. – Er glaubt es ja zunehmend selber. Hauptsache dagegen, gegen alles und jeden: Dieser blaue Weg wird uns ganz sicher nicht weiterbringen. Den anderen Weg haben heute die Grünen gewählt, die sind ja besonders mutig unterwegs und sagen: Besser gar nichts tun in dieser Frage, Augen zu, Kopf in den Sand, Prinzip Hoffnung.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh bitte, Philip! Ganz konkrete Vorschläge!

SPÖ Philip Kucher

… Das ist der grüne Weg gewesen, von dem wir heute auch mehrmals gehört haben. Auch das wird es nicht lösen und uns in Österreich, in dieser Republik nicht sicherer machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Besonders fair ist es nicht, dann zu sagen, so en passant: Die ausländischen Nachrichtendienste werden uns schon irgendwie warnen; wir selber machen uns die Hände nicht schmutzig. – Kollege Zorba, das ist nicht der Zugang, der der richtige ist. Politik hat natürlich immer die Aufgabe – und das ist auch die Kunst, die wir alle meistern müssen –, dass mehrere Interessen und Perspektiven unter einen Hut gebracht werden müssen. Das ist in der Frage, die wir heute ausführlich diskutiert haben, nicht leicht. Ja, es geht um Grund- und Freiheitsrechte auf der einen Seite, aber es geht auch um neue Bedrohungslagen und um die Sicherheit hier in der Republik, und dazu braucht es auch Antworten aller politischen Parteien in diesem Land. Jedes Kind begreift doch bitte, dass das Bisherige im Jahre 2025 einfach nicht mehr reicht, weil Terroristen und Gefährder vielleicht etwas anders kommunizieren als mit den klassischen alten SMS, die wir alle noch kennen. Bei den alten Handyverträgen, die wir von früher kennen, waren der Goldstandard 1 100 Frei-SMS, die du nutzen konntest. Die Terroristen tun uns halt nicht den Gefallen, dass sie genau so kommunizieren, dass wir sie am allerleichtesten überwachen können. Da hat sich schon auch die Welt geändert …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was hat sich seit 2017 geändert da? Warum warst du 2017 dagegen? Warum warst du 2017 dagegen? Sag es mir einmal!

SPÖ Philip Kucher

… und es ist Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik, genau diese Interessenabwägung zu schaffen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Das ist ja eine Frechheit, Philip! Unter deiner Würde ist das!

SPÖ Philip Kucher

… Wenn wir alle miteinander wollen, dass die Behörden in der Lage sind, für Sicherheit zu sorgen …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was hat sich seit letztem Jahr geändert, außer dass du jetzt in der Regierung sitzt? Das ist peinlich!

SPÖ Philip Kucher

… dann müssen wir ihnen auch gemeinsam die Instrumente dafür geben und das auf eine ordentliche und intelligente Art und Weise umsetzen. Weil es heute so oft gekommen ist – und es wird nicht wahrer, wenn man den Topfen immer und immer wieder erzählt –: Es wird keine Massenüberwachung geben. Den Kickl-Trojaner, den wir auch gemeinsam erfolgreich verhindert haben, wird es nicht geben. Das, was die Blauen immer wieder wollten, haben wir verhindert.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das kannst du gar nicht verhindern, wenn ihr die Sicherheitslücken offen lasst! Stellt sich da hin! Das kannst du gar nicht verhindern, das ist ja genau der Punkt! Das verstehe sogar ich als Nichttechniker!

SPÖ Philip Kucher

… Wenn wir von 30 Fällen pro Jahr reden, wenn wir von scharfen Kontrollen sprechen – 30 Fälle pro Jahr, Herr Kollege! –, dann ist das ganz sicher keine Massenüberwachung. Wenn man es auf die 9 Millionen Menschen, die in Österreich leben, hochrechnet, würde man 300 000 Jahre brauchen. Das ist alles ein Topfen, den Grüne und FPÖ uns heute den ganzen Tag hier auftischen. Ich möchte abschließend sagen, dass wir leider nicht jeden Horror verhindern können werden. Es ist aber unsere Verantwortung, doch alles dafür zu tun, dass wir zumindest die Gefahr und die Wahrscheinlichkeit minimieren, daher sind die beiden Wege, die wir heute kennengelernt haben – ich sage es noch einmal dazu –: Lösen wir doch bitte die Probleme! Nehmen wir die Kritik auch gerne auf, wie wir es nach dem Begutachtungsverfahren getan haben, um noch einmal gemeinsam nachzuschärfen. Aber lösen wir miteinander Probleme, glauben wir nicht jeden Verschwörungstopfen, nur weil er von den Blauen kommt, und machen wir es auch nicht wie die Grünen, die nur den Kopf in den Sand stecken! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Zorba zu Wort gemeldet. – Bitte.

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Frau Präsidentin. – Ja, Philip Kucher ist so ein klassischer Ausputzer, den man hinausschickt, der dann wieder ein bisschen mit Fake News vermischte Dinge von sich gibt, um die Meinung oder die Stimmung auf seine Seite zu ziehen.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Der schickt sich schon selber raus!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Habt ihr sonst keinen gefunden außer Philip Kucher , der vor wenigen Jahren noch vehement gegen den Bundestrojaner war, sich vehement dagegen eingesetzt hat? Ich habe mir die Zitate im Vorfeld der Sitzung angeschaut. Ich habe im Halbjahrestakt Zitate von Philip Kucher gefunden, warum der Bundestrojaner ein Problem ist. Jetzt stellst du dich hier heraus und redest das Ganze schön und behauptest, wir hätten gar keine Vorschläge gebracht? Warst du in den Ausschusssitzungen dabei? …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Wo denn?

GRÜNE Süleyman Zorba

… In jedem Innenausschuss gab es von uns Vorschläge – zur Reformierung der DSN beim Personal, bei den Befugnissen, überall. Du hast es dir aber nicht einmal angeschaut, und ich glaube nicht einmal, dass du dir den Entwurf angeschaut hast, über den du jetzt abstimmen wirst , denn wenn du ihn angeschaut hättest, würdest du verstehen, dass er sich nicht groß von dem unterscheidet, wogegen du jahrelang warst.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Hast du nicht aufgepasst heute? ... das wissen! – Zwischenruf des Abg. Shetty [NEOS].

GRÜNE Süleyman Zorba

… Du bist ein Kollege, den ich sehr, sehr schätze. Ich verstehe auch, dass du jetzt diese Funktion übernommen hast, hier herauszugehen und auszuputzen. Überlege dir das nächste Mal aber, bevor du hier herausgehst, zweimal, was du sagst. – Danke.

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetz, das Sicherheitspolizeigesetz, das Telekommunikationsgesetz sowie weitere Gesetze geändert werden, samt Titel und Eingang in 164 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichnen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. RN/62.2 Für diese ist eine namentliche Abstimmung verlangt worden, und daher gehe ich auch so vor. Die Stimmzettel, die zu benützen sind, befinden sich in den Laden der Abgeordnetenpulte und tragen die Namen der Abgeordneten sowie die Bezeichnungen „Ja“ beziehungsweise „Nein.“ Für die Abstimmung können ausschließlich diese amtlichen Stimmzettel verwendet werden. Gemäß der Geschäftsordnung werden die Abgeordneten namentlich aufgerufen, den Stimmzettel in die soeben bereitgestellte Urne zu werfen. Ich ersuche jene Abgeordneten, die zu Tagesordnungspunkt 6 in dritter Lesung für den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 164 der Beilagen stimmen, „Ja“-Stimmzettel, jene, die dagegen sind, „Nein“-Stimmzettel zu verwenden. Ich würde Sie bitten, auch darauf zu achten, dass Sie nur einen Stimmzettel einwerfen. Frau Schriftführerin Petra Tanzler wird mit dem Namensaufruf beginnen; Frau Abgeordnete Tanja Graf wird sie später dabei ablösen. – Bitte. ( Über Namensaufruf durch die Schriftführerinnen Tanzler und Tanja Graf werfen die Abgeordneten den Stimmzettel in die Wahlurne. ) Präsidentin Doris Bures : Die Stimmabgabe ist nun beendet. Ich bitte die damit beauftragten Bediensteten des Hauses, unter Aufsicht der Schriftführer mit der Auszählung zu beginnen. Ich werde dafür die Sitzung für einige Minuten unterbrechen. Die Sitzung ist unterbrochen. RN/62.3 Sitzungsunterbrechung von 14.07 Uhr bis 14.12 Uhr (Die zuständigen Bediensteten nehmen die Stimmenzählung vor.) Präsidentin Doris Bures : Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf und gebe das Abstimmungsergebnis bekannt: Abgegebene Stimmen: 176; davon „Ja“ -Stimmen: 105, „Nein“ -Stimmen: 71. Der Gesetzentwurf in 164 der Beilagen ist somit in dritter Lesung mehrheitlich angenommen. RN/62.4 Mit „Ja“ stimmten die Abgeordneten: Auer, Auinger-Oberzaucher; Baumann, Baumgartner, Bayr, Bernhard, Binder, Bogner-Strauß, Brandstötter, Brandweiner, Bures; Deckenbacher, Della Rossa, Dengler, Diesner-Wais, Doppelbauer, Duzdar; Eder, Egger Kurt , Elian, Erasim; Falkner, Feichtinger, Fiedler; Gasser, Gerstl, Gmeinbauer, Gödl, Graf Tanja , Greiner Karin , Grünberg, Grüner; Haitzer, Hammer Michael , Hanel-Torsch, Hanger, Harrer, Haubner, Hechenberger, Herr, Herzog, Himmer, Hofer Markus , Höfinger Johann , Hofinger Manfred , Höfler, Holzegger, Hoyos-Trauttmansdorff; Jachs, Jantscher, Jeitler-Cincelli, Juvan; Köllner, Krainer Kai Jan , Kucher, Kugler, Kühberger, Kumpan-Takacs, von Künsberg Sarre; Laimer, Lindinger, Lindner Mario ; Mair Klaus , Marchetti, Minnich, Moitzi, Muchitsch; Neumann, Neumann-Hartberger, Nussbaum; Oberhofer, Oberrauner, Ofenauer, Ottenschläger, Oxonitsch; Pöttinger, Pramhofer; Raab, Reiter; Sams, Schatz, Scheucher-Pichler, Schmuckenschlager, Schnabel, Schroll, Seemayer, Seltenheim, Servus, Shetty, Sieber, Silvan, Stark, Stich, Strasser; Tanzler, Taschner, Teiber, Totter; Weber, Wieninger, Wöginger, Wotschke; Yildirim; Zarits, Zopf. Mit „Nein“ stimmten die Abgeordneten: Belakowitsch, Berger Ricarda , Berger Tina Angela , Brückl; Darmann, Deimek, Disoski; Ecker Rosa , Eisenhut; Fuchs, Fürst, Fürtbauer; Gewessler, Giuliani-Sterrer, Gmeindl, Götze, Graf Martin ; Hafenecker, Hammer Lukas , Hammerl Paul , Heiß, Herbert; Kainz, Kaniak, Kassegger, Kogler, Kolm, Koza, Krisper; Lausch, Leinfellner, Linder Maximilian , Litzke; Maier Reinhold , Maurer, Mölzer; Nemeth, Neßler; Oberlechner; Petschnig, Pfeifer, Pracher-Hilander, Prammer; Ragger, Ranzmaier, Reifenberger, Royer; Schallmeiner, Schandor, Schartel, Scherak, Schiefer, Schilchegger, Schmiedlechner, Schuch-Gubik, Schuh, Schwaighofer, Schwarz, Spalt, Stefan, Steiner, Stögmüller, Sunitsch; Thau, Tschank; Voglauer; Weinzierl, Wurm; Zadić, Zanger, Zorba. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 165 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.6 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 8: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 166 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer ist für diese Kenntnisnahme? – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.7 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 9: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 167 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.8 Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 168 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Dieser Bericht ist mit Mehrheit zur Kenntnis genommen.

Keine Umkehr der BVT-Reform

168 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 315/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Dokumente

Keine Umkehr der BVT-Reform

~95 min Lesezeit
Dafür: FPÖGRÜNE Dagegen: ÖVPSPÖNEOS
FPÖ Gernot Darmann

Besten Dank, Herr Präsident, für das erteilte Wort! Hohes Haus! Werter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Diese in dieser Regierungsvorlage hinkünftig vorgesehene Bürgerbespitzelungssoftware ist in Wahrheit und für sich genommen ein überzogener, massiv überschießender Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte unserer Staatsbürger und darüber hinausgehend auch noch verfassungswidrig. (👏 FPÖ) Das ist vielleicht die beste Zusammenfassung für Ihr Langzeitprojekt, Herr Bundesminister Karner, denn ich erinnere mich gut daran, was in den letzten Jahren nach jedem islamistischen Anschlag in Österreich passiert ist. Obwohl niemals ein Zusammenhang mit irgendwelchen Messengernachrichten gegeben war, ist nach jedem Anschlag der Herr Innenminister medial ausgerückt und hat gesagt: Wir brauchen eine Messengerüberwachung. (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen, ich muss euch schon eines sagen: Abgesehen davon, dass es für mich jenseitig ist, immer wieder solche Anschläge zu nutzen, um eine eigene Überwachungsfantasie voranzutreiben, gibt oder gäbe es auf der anderen Seite natürlich die Möglichkeit, in diese Regierungsvorlage Formulierungen hineinzunehmen, die wenigstens die Zielrichtung klarmachen würden. Wenn es einen islamistischen Anschlag gegeben hat und der Herr Bundesminister meint, solche Anschläge damit in Hinkunft bekämpfen zu müssen, dann wäre es nur logisch gewesen, in diese Regierungsvorlage Wörter wie Islam, Islamismus, radikaler Islam, islamistische Anschläge in irgendeiner Art und Weise, mit nur irgendeiner Silbe hineinzuschreiben. Diese Worte finden sich nicht in diesem Gesetz, sehr wohl aber: verfassungsgefährdende Angriffe auf den Staat. Jetzt ist es nicht so weit hergeholt, den Gedanken weiterzuspinnen, wer denn in der Vergangenheit, in den letzten Jahren rund um die Coronamaßnahmenpolitik dieser verheerenden schwarz-grünen Bundesregierung regelmäßig an die Öffentlichkeit gegangen ist und gesagt hat: Die schlimmen Demonstranten auf unseren Straßen – Zigtausende, Hunderttausende, die die Coronamaßnahmen der Bundesregierung kritisiert haben – sind Verfassungsgefährder! – Das war die ÖVP, genau jene ÖVP, die jetzt dieses Werkzeug in die Hand bekommen will, um in Hinkunft diese Bürgerbespitzelungssoftware anwenden zu können – wie gesagt: ohne Bezug zum islamistischen Terror! (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen, es gab unzählige Stellungnahmen zu diesem Gesetzentwurf. Diese Stellungnahmen haben allesamt – und diese Zusammenfassung ist nicht so falsch – diese Initiative der schwarz-rot-rosaroten Bundesregierung, insbesondere aber auch des Herrn Innenministers Karner, wegen entsprechender IT-Vorbehalte sprichwörtlich in der Luft zerrissen, weil es ja nicht nur um die Messengernachrichten unserer Bürger gehen wird, die zu überwachen sind, sondern dies rein technisch nur möglich sein wird, wenn auf das gesamte Endgerät, auf das gesamte Handy zugegriffen wird, wofür die Republik Österreich – entgegen ihrer Schutzpflicht gegenüber unseren Bürgern, gegenüber den Institutionen, Unternehmen, hinsichtlich kritischer Infrastruktur – Sicherheitslücken nutzen muss, Sicherheitslücken, die in weiterer Folge logischerweise bekannt sind, sonst könnte man sie ja nicht nutzen, und diese offen halten muss, um dann in die Endgeräte eindringen zu können. Entgegen der Schutzpflicht des Staates Österreich, Schaden von unseren Bürgern, von Unternehmen und von kritischer Infrastruktur abzuwenden, nutzt der Herr Innenminister mit seiner Mannschaft in weiterer Folge diese Lücken, um entsprechend da und dort gegebenenfalls – laut eigenem Plan – 30 Personen im Jahr zu kontrollieren, und das um zig Millionen Euro. Man mache sich seine Gedanken! (👏 FPÖ) Datenschutzexperten, Menschenrechtsorganisationen, die Kirchen, die Rechtsanwaltskammer – allesamt haben sie diesen Gesetzentwurf massivst kritisiert. Werte Kollegen, es ist auch nicht so weit hergeholt, sich Sorgen zu machen, was da alles passieren kann. Dabei geht es mir jetzt nicht einmal um die hauptsächliche Sorge, dass der Herr Innenminister dieses Recht in irgendeiner Art und Weise für sich und für seine politischen Weggefährten ausnutzen könnte; nein, es geht mir darum, was mittlerweile auf europäischer Ebene in Mitgliedstaaten, beispielsweise Spanien, Griechenland und Polen, schon mit solcher Schadsoftware passiert ist. Dort hat es einen Datenmissbrauch von staatlichen Institutionen, von Behörden, von Regierungen gegen Oppositionspolitiker, gegen Journalisten, gegen Institutionen gegeben, weil man diese Daten abgesaugt und dann auf anderem Wege – nicht wie geplant – widerrechtlich verwendet hat. Das ist aktenkundig, das ist keine Erfindung der Freiheitlichen, und dagegen ist massiv vorzugehen. Diesem Missbrauch ist von Anfang an entgegenzutreten. Herr Bundesminister, ich sage Ihnen eines: Weil wir – seitens der Freiheitlichen – im Ausschuss auch noch dazu klargestellt haben, dass es natürlich eine massive Unterstützung unseres Staatsschutzes in budgetärer und personeller Art und Weise im Kampf gegen den radikalen Islam, gegen den islamistischen Terror zu geben hat, und dann noch dazu Ihre Partei – samt SPÖ und den NEOS – gegen diesen Antrag gestimmt hat, sind Sie in Wahrheit rücktrittsreif. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Ernst Gödl . – Ich habe Ihre Redezeit auf 9 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Herr Präsident, für das Wort! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen hier im Plenum! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit der Novelle des Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetzes schaffen wir heute tatsächlich einen Meilenstein in der Sicherheitspolitik unseres Landes. Wir sind eines der sichersten Länder auf dieser Welt. Wir sind es, wir wollen es auch bleiben, und wir werden es auch bleiben , aber: Wir sind keine Insel der Seligen. Sicherheit muss tagtäglich ( Ruf bei der FPÖ: ... Stasi!) erarbeitet und erkämpft werden – von unseren Polizistinnen und Polizisten, aber genauso von unseren Staatsschutzbehörden. Diese Novelle ist die längst überfällige Antwort auf die Frage, wie wir in einem Zeitalter modernster Kommunikationstechnologien Terroristen und potenziellen Gefährdern unseres Gesellschaftsmodells, unseres Lebensmodells entschieden entgegentreten können. Es ist nämlich nicht nur eine Möglichkeit, meine Damen und Herren, sondern es ist unsere Pflicht als Gesetzgeber, hier jenen das Handwerk zu legen, die das Lebensmodell der liberalen Demokratie, der Freiheit in einem breiten Wohlstand gefährden wollen. Daher ist es dringend geboten, auch unseren Behörden jene Instrumente in die Hand zu geben und jene Ermittlungsmethoden zu gewähren, die man in der heutigen Zeit benötigt, um Staatsgefährdern, Extremisten und Terroristen auf Augenhöhe entgegentreten zu können.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Dann dürfen Sie sie nicht hereinlassen!

ÖVP Ernst Gödl

… RN/40.1 Ich sage Ihnen noch etwas: Es ist in den meisten Demokratien unseres Zuschnittes längst üblich, sie schicken die Staatsschützer schon längst auf das Spielfeld, auf dem sich Terroristen, Extremisten und Staatsgefährder tummeln. Ich zeige Ihnen eine Karte von Europa. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der unter der Überschrift „Gefährderüberwachung“ eine Europakarte abgebildet ist, die darstellt, in welchen Ländern diese „vorhanden“ oder nicht vorhanden beziehungsweise unbekannt ist.) Sie sehen hier in Hellgrau – fast alle Länder sind hellgrau eingefärbt – jene Länder, die viel mehr Kompetenzen haben, um Staatsgefährdern, Terroristen und Terrorverdächtigen entgegenzutreten.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Staatsgefährdern!

ÖVP Ernst Gödl

… Ganz wenige Länder …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Frankreich ist ein gutes Beispiel!

ÖVP Ernst Gödl

… Moldawien oder auch die Balkanstaaten, haben diese Möglichkeiten nicht …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Sind wir sicherer als diese Länder, oder ...?

ÖVP Ernst Gödl

… und Österreich hat sie nicht.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Geht es uns besser als Frankreich?

ÖVP Ernst Gödl

… Unsere Nachbarländer haben sie, mit Ausnahme von Liechtenstein, okay.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ist es bei uns besser oder schlechter?

ÖVP Ernst Gödl

… Also: Moderne Demokratien unseres Zuschnitts geben den Staatsschützern viel mehr Kompetenzen in die Hand, um effektiv dagegen anzutreten.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Und deswegen sind sie dort sicherer? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Ist ein Coronademonstrant ein Gefährder, Herr Kollege?

ÖVP Ernst Gödl

… Diese Länder um uns herum sind längst auf dem Spielfeld …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

„Gefährderüberwachung“ – ist ein Coronademonstrant ein Gefährder? Wer entscheidet das?

ÖVP Ernst Gödl

… und unsere Staatsschützer sitzen auf der Tribüne ( Ruf bei der FPÖ: ... Deutschland! ), in der Hoffnung, dass sie Nachrichten von jenen bekommen, die bereits auf dem Spielfeld sind. Meine Damen und Herren, das ändern wir jetzt. Wir schicken unsere Staatsschützer auch auf genau dieses Spielfeld. Auf diesem Spielfeld, und das ist in einer liberalen, modernen Demokratie auch wichtig …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Spielfeld ist ein interessanter Ausdruck!

ÖVP Ernst Gödl

… gibt es wichtige Schiedsrichter. Erster Schiedsrichter ist der Richtersenat, der diesen Eingriff überhaupt erlauben muss. Und quasi als Linienrichter – vorher, während der Maßnahmen und auch danach – haben wir den Rechtsschutzbeauftragten. Es gibt, um bei diesem Sprachbild zu bleiben, auch einen VAR. Der VAR ist das Parlament in Form des Ständigen Unterausschusses des Innenausschusses, dem ja der Staatsschutz ständig berichten muss, welche Maßnahmen er ergreift. ( Ruf bei der FPÖ: ... Entscheidung zurücknehmen! ) Wir haben hier also ein gutes System ausgearbeitet, wo unser Staatsschutz aufs Spielfeld kommt. 25 bis 30 Personen, bei denen ein dringender Tatverdacht besteht, dürfen pro Jahr in ihrer Kommunikation überwacht werden. Wenn es mehr werden, dann muss definitiv sofort auch dieser Ständige Unterausschuss des Innenausschusses informiert werden. Jetzt die Frage an die Grünen, aber durchaus auch an die Blauen: Ist der Schutz der Privatsphäre von 25 bis 30 Personen, nämlich Hochrisikogefährdern, tatsächlich wichtiger als die Sicherheit der gesamten Gesellschaft, als die Vereitelung eines oder mehrerer Terrorangriffe? – Mit Sicherheit nicht. (👏 ÖVP, FPÖ) Würde man Ihre Prinzipien weltweit anwenden (Ruf bei den Grünen: Das ist Verfassung! – Ruf bei der FPÖ: Kennen Sie die Gefährder schon? ), dann wäre das eine Kapitulation vor Staatsgefährdern, vor Terroristen …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die kann man doch nicht überwachen!

ÖVP Ernst Gödl

… und vor jenen, die es mit unserer Gesellschaft nicht gut meinen. Staatsschutz lebt nicht vom Prinzip Hoffnung, indem wir auf der Tribüne sitzen und hoffen, dass jene, die vielleicht mit anderen Methoden Kenntnisse erlangen, dann unsere Geheimdienste informieren, sondern wir müssen aktiv aufs Spielfeld. Nun zur FPÖ: Es war ja sehr hanebüchen, was mein Vorredner, Herr Darmann, hier gesagt hat ( Ruf bei der FPÖ: Was ist mit islamistischem Terror?) , nämlich deswegen: Sie hatten einmal Verantwortung, übrigens auch im Innenministerium.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war eine gute Zeit!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie wissen, 2018 waren diese Ermittlungsmethoden auch ein Thema – dass man auch moderne Kommunikation überwachen kann, dass man unserem Staatsschutz die notwendigen Befugnisse gibt.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hat es ein Gesetz gegeben? Nein! Also!

ÖVP Ernst Gödl

… Ich bringe jetzt ein Zitat, und Sie dürfen dann nur ein Mal raten, wer das gesagt hat – ja, nur ein Mal raten! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir sind da nicht in einer Ratestunde!

ÖVP Ernst Gödl

… Dann geben wir den Beamtinnen und Beamten doch auch in technischer Hinsicht das Rüstzeug an die Hand, das man braucht, um auf der Höhe der Zeit zu sein! [...] Wir reden da nicht vom Hendldieb [...], wir reden von Schwerkriminellen, wir reden von organisierter Kriminalität, Schlepperei und Drogenhandel.“ – Sie dürfen jetzt nur ein Mal raten, wer das gesagt hat! ( Ruf bei der SPÖ: Herbert Kickl ! ) – Es war ein gewisser Herbert Kickl . Oder, die nächste Frage: „Ich bin auch überzeugt davon, dass es [...] gelungen ist, die notwendige und richtige Balance zwischen der Hochhaltung und der Verteidigung der Grund- und Freiheitsrechte auf der einen Seite und den berechtigten Schutzinteressen der Masse der Bevölkerung – die sich ja nichts zuschulden kommen hat lassen, sondern die man schützen muss – auf der anderen Seite zu finden, das notwendige Maß zu finden.“ – Sie dürfen ein Mal raten, wer das gesagt hat! – Ja, genau, das hat Ihr jetziger Klubobmann, jetziger Parteiobmann und seinerzeitiger Innenminister gesagt, genau um unseren Staatsschutz zu stärken, um sie aufs Spielfeld zu lassen. Es führt zwar momentan gerade nicht Herr Präsident Rosenkranz hier den Vorsitz, aber auch er hat sich damals zu Wort gemeldet und hat gesagt: „Liebe Menschen, die ihr euch in Österreich aufhaltet, um hier terroristische Anschläge zu verüben, um organisierter Kriminalität nachzugehen, [...], ja, ihr könnt euch fürchten, und das ist gut so!“ – Das war die Meldung Ihres jetzigen Nationalratspräsidenten zum Thema Staatsschutz, zum Thema Ausweitung der Ermittlungsmethoden.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hat es das Gesetz gegeben oder nicht? Das hat es nicht gegeben ...!

ÖVP Ernst Gödl

… Und das, was Sie seinerzeit im Interesse der Sicherheit Österreichs vorgehabt haben, das wollen Sie jetzt bekämpfen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Äpfel und Birnen!

ÖVP Ernst Gödl

… Meine Damen und Herren von der FPÖ, Sie sind völlig in der Sackgasse, weil Sie gegen die Sicherheit Österreichs, gegen die Interessen Österreichs arbeiten.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und wer ein Staatsgefährder ist, das definiert der Herr Gödl!

ÖVP Ernst Gödl

… Diese neue Regelung zeigt einmal mehr, auf wen sich die Menschen in Österreich verlassen können …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer definiert, wer ein Staatsgefährder ist? Der Herr Karner und der Herr Gödl!

ÖVP Ernst Gödl

… auf unsere Bundesregierung ( Ruf bei der FPÖ: Die ÖVP! – Heiterkeit bei der FPÖ ), angeführt von Christian Stocker , auf unseren Innenminister, auf unseren Staatssekretär und ganz besonders auch auf die Sicherheitspartei ÖVP. RN/40.2 Wir, meine geschätzten Damen und Herren, schicken unseren Staatsschutz aufs Spielfeld ( die Tafel mit der Überschrift „Gefährderüberwachung“ neuerlich auf das Redner:innenpult stellend ), damit sie dort tätig werden können …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Damit wir gleich sicher sind wie in Deutschland!

ÖVP Ernst Gödl

… wo sie Terror, wo sie Staatsgefährder und dergleichen bekämpfen können – zur Sicherheit Österreichs und im Interesse Österreichs. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Süleyman Zorba . Ich habe die Redezeit auf 9 Minuten eingestellt. (Abg. Erasim [SPÖ]: Der hat etwas zu sagen!)

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Seit knapp neun Jahren versucht die ÖVP, ihre Überwachungsfantasie vom Bundestrojaner umzusetzen, und heute steht sie kurz davor, denn die SPÖ und die NEOS sind in einem Rekordtempo umgefallen und haben ihre Überzeugungen über Bord geworfen, kurz nachdem sie in die Bundesregierung eingetreten sind. (👏 FPÖ) Ich gehe einmal davon aus, dass der Herr Minister davon sprechen wird, dass heute ein historischer Tag ist. Es ist wahrlich ein historischer Tag …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ja, für die ÖVP!

GRÜNE Süleyman Zorba

… aber nicht im positiven Sinne, sondern es ist eigentlich ein trauriger Anlass.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... für diktatorische Abhörmaßnahmen!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Wer die letzten Monate und Jahre die Nachrichten in Österreich verfolgt hat, weiß, dass der ÖVP jeder Anlass recht war, nach dem Bundestrojaner zu verlangen. Sie hat das ja schon einmal fast umgesetzt oder es wurde in diesem Haus schon einmal umgesetzt, aber nach kurzer Zeit wurde das dann vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben. Es wurden die gravierenden Eingriffe in die Grund- und Freiheitsrechte bemängelt. Da geht es nicht um irgendwelche Kleinigkeiten, sondern um die Grundrechte von uns allen. Wir Grüne haben diesbezüglich eine ganz klare Haltung, egal ob in der Opposition oder in der Regierung. Wir stehen für einen wirksamen Schutz gegen Terrorismus – da ist die Betonung auf wirksam. Als wir in Regierungsverantwortung waren, hat die ÖVP das Ganze ja auch verlangt. Wir haben aber deutlich gemacht, es braucht ein Gesetz, das weder gegen unsere Verfassung verstößt noch eine große Gefahr des Missbrauchs birgt. Geliefert wurde damals eigentlich nichts – nichts, was dem gleichgekommen wäre. Und auch der Entwurf, der uns heute vorliegt, ist weit entfernt davon. Der einzige Unterschied ist: Wir haben es nicht umgesetzt und die SPÖ und die NEOS sind leider umgefallen. – Das ist kein Vorwurf an die ÖVP, denn die hat seit vielen, vielen Jahren eine klare Haltung, daran hat sich nichts geändert. Es ist aus meiner Sicht die falsche Haltung, aber es ist eine Haltung. Gehen wir aber einmal Schritt für Schritt durch, worum es geht: Innenminister Karner und Staatssekretär Leichtfried sprechen – wir hören das seit Wochen – von einer ominösen Spionagesoftware, die einzig und allein auf die Nachrichten zugreift. Der Haken an der Gesamtgeschichte ist: Das ist technisch nicht möglich. Sie können jeden IT-Sicherheitsexperten oder jede Sicherheitsexpertin fragen, er oder sie wird Ihnen das bestätigen. Genau das hat der VfGH ja auch gefordert, dass man eben nicht auf das Gesamtgerät zugreifen soll, und das gibt es einfach nicht. Vielleicht einmal den technischen Hintergrund, warum das gar nicht funktioniert: Wenn Sie jetzt Whatsapp, Signal oder teilweise Telegram nutzen, dann sind die Nachrichten, die verschickt werden, verschlüsselt. Das heißt, die Nachricht kann man entweder beim Absender oder beim Empfänger ablesen. Natürlich kann man die Nachricht auch dazwischen abfangen, nur wird man sie nicht auslesen können, denn da wird man Zeichen, Buchstaben und Zahlen bekommen, die nichts ergeben. Das heißt, man muss mit einer Spionagesoftware entweder beim Absender oder beim Empfänger auf dem Gerät sitzen, auf dem gesamten Gerät, denn anders wird das nicht funktionieren. Wie macht man das Ganze? – Eben mit einer Spionagesoftware, indem man Sicherheitslücken ausnutzt. Aber diese Sicherheitslücken haben ja nicht nur diese Gefährder oder die Terroristen, die man bekämpfen möchte, sondern alle Bürgerinnen und Bürger in Österreich. Das ist das erste große Problem: Eigentlich hätte der Staat ja die Sorgfaltspflicht, wenn er Kenntnis von Sicherheitslücken erlangt, dass er dahin gehend arbeitet, diese Sicherheitslücken zu schließen. Jetzt dreht sich das Ganze aber, wir wollen diese Sicherheitslücken anscheinend nicht mehr schließen, sondern sie aktiv ausnutzen. Jetzt fragen wir – die Frage nach der Software; wir haben das in allen Ausschüssen gemacht, in denen wir es konnten –: Welche Software möchte man einsetzen? – Wir kennen die Marktteilnehmer in diesem Bereich und man kann eigentlich relativ locker sagen, dass sich alle Anbieter von staatlicher Spionagesoftware in einem rechtlichen Graubereich bewegen. Das sind nicht unbedingt Unternehmen, die hohes Vertrauen genießen – teilweise aus dem nachrichtendienstlichen Bereich. Es sind einfach ein bisschen dubiose Unternehmen. Das mit den Sicherheitslücken hat ja noch eine Komponente, die aus meiner Sicht zu wenig besprochen wird: Wo kommen diese Sicherheitslücken denn her? – Es gibt kriminelle Organisationen, die sich nur dadurch finanzieren, dass sie Sicherheitslücken auffinden und diese an Staaten verkaufen oder an jene, die Spionagesoftware herstellen.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Unseriöse ...!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das heißt, vielleicht finanziert man am Ende mit solch einem Gesetz genau jene, die man ja eigentlich bekämpfen wollte. Überlegen wir uns einmal kurz: Was haben wir alles auf unseren Smartphones? – Bilder vom letzten Familienurlaub, Kommunikation mit Freundinnen und Freunden, Onlinebanking, vielleicht Dating-Apps, Dokumente und Daten, die es vielleicht möglich machen, Rückschlüsse auf Ihre politische Gesinnung, eigentlich Ihr gesamtes Leben im Jahr 2025 zu ziehen, wenn wir ehrlich sind. Das Smartphone hat alles. Jetzt werden sicherlich einige denken: Na ja, und, ich bin ja kein Gefährder, ich habe nichts verbrochen, warum sollte mir etwas passieren?, und dann kommen wir zum Thema Missbrauch; da hätte ich gerne deine Karte ausgeborgt, Herr Kollege ( in Richtung Abg. Gödl ), aber die wolltest du mir nicht geben. In allen Ländern, in denen es zum Einsatz von staatlicher Spionagesoftware gekommen ist, gab es Missbrauchsfälle, und ich rede da nicht von irgendwelchen diktatorischen Regimen, die Oppositionspolitiker damit unterdrückt haben, sondern von europäischen Rechtsstaaten …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Völliger Blödsinn, das stimmt nicht!

GRÜNE Süleyman Zorba

… auch von unseren Nachbarländern –, von Dänemark bis Griechenland. Überall dort, wo es zum Einsatz von Spionagesoftware gekommen ist, gab es Missbrauchsfälle. Teilweise gab es in diesen Ländern strengere Gesetze als in Österreich, und dennoch ist es zu einem Missbrauch gekommen. Auch dort war die Idee, dass man das Ganze gegen Terroristen oder gegen Gefährder einsetzen wollte. Am Ende hat es getroffen: die Zivilgesellschaft, Menschen, die sich für Menschenrechte eingesetzt haben, oder kritische Journalistinnen und Journalisten, die einfach ihrer Arbeit nachgegangen sind; Bürgerinnen und Bürger. ( Ruf bei der FPÖ: Jeder dort oben auf der Tribüne kann davon betroffen sein! ) – Alle können davon betroffen sein. Es ist keine Massenüberwachung, aber es bietet das Potenzial dazu.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Dieser Schulterschluss, der ist für mich etwas gruselig!

GRÜNE Süleyman Zorba

… All diese und noch schwerwiegendere Einwände zu diesem Gesetzentwurf gab es in der Begutachtungsphase. Mehr als 90 namhafte Organisationen haben diesen Gesetzentwurf eigentlich in der Luft zerrissen. Dazu zählen eindringliche Warnungen von der Rechtsanwaltskammer bis zur Österreichischen Liga für Menschenrechte. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gestern haben Sie alle ein Mail von 46 Organisationen aus 15 verschiedenen Ländern bekommen, die Sie alle nochmal gewarnt haben. Das sind Organisationen aus Ländern, in denen es diese Missbrauchsfälle schon einmal gegeben hat. Ich hoffe, dass Sie diesen offenen Brief ganz genau gelesen haben und sich auch Ihrer Verantwortung bewusst werden. Macht das die ÖVP jetzt alleine? – Das kann sie ja nicht, da braucht sie ja Partner dazu. Da gibt es ja die SPÖ und die NEOS. Bis vor Kurzem waren die auch dagegen. Erinnern wir uns an ein Zitat von Herrn Klubobmann Kucher: „Seitens der SPÖ wird es keine Zustimmung für [...] den Bundestrojaner geben.“ – Das ist noch gar nicht so lange her, dass er das gesagt hat.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Ganz was anderes!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das war im April 2024. Jetzt haben wir Juli 2025, jetzt ist man ganz anderer Meinung. Ich finde es ja ein bisschen lustig, wie man das Ganze argumentiert.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist eine Gefährderabwehr, die wir jetzt beschließen, kein Bundestrojaner!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Ah, genau. Genau das wollte ich gerade erzählen. Danke, dass du es jetzt vor mir gesagt hast.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das ist wohl die Expertin für eh alles! – Abg. Kucher [SPÖ]: Das bist schon du! Das bist eh noch du!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Die SPÖ redet ja davon, dass der Trojaner, gegen den sie ja früher waren, auch der Trojaner von Kickl gewesen sei: Der war Massenüberwachung, der war schlimm! – Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ, am Trojaner hat sich nichts verändert, die Systematik ist dieselbe.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Sie kennen sich da nicht aus!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Das Einzige, das sich verändert hat, ist eure Position dazu. Darüber solltet ihr einmal nachdenken. (👏 FPÖ) RN/41.1 Zu den Kollegen von den NEOS: Bis vor Kurzem hat man die NEOS auf der Straße gesehen – gegen Überwachung, gegen den Trojaner. ( Der Redner hält eine Tafel in die Höhe, auf der ein Foto von NEOS-Aktivist:innen und Beate Meinl-Reisinger zu sehen ist, die pinke, sprechblasenförmige Plakate in die Höhe halten, auf denen unter anderem „Meine Daten gehören mir“ und „Nicht wegschauen beim Überwachen“ zu lesen ist. ) Da haben Sie laut geschrien, aber heute wird eine Mehrheit Ihrer Abgeordneten dem Gesetz zustimmen! Ja, es gibt ein paar Abweichler in den eigenen Reihen, und ich habe großen Respekt davor, dass sie sich auch lautstark dazu gemeldet haben. Da möchte ich die Frage stellen: Sind die vernünftigen Argumente vom eigenen Verfassungssprecher nicht relevant? Bedeuten die nichts? Ist seine Expertise nichts wert? Wieso hört man da gar nicht hin? Wo bitte sind in diesem Gesetz die wesentlich schärferen parlamentarischen Kontrollmöglichkeiten, die Frau Beate Meinl-Reisinger gefordert hat? Wo sind die Regelungen gegen den Missbrauch, die Kollege Shetty immer wieder gefordert hat? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Musst halt einmal den Ministerratsvortrag lesen! Das ist nicht deine Stärke!

GRÜNE Süleyman Zorba

… RN/41.2 Kollege Shetty, ich habe ein Geschenk für dich mit. ( Der Redner hält ein T-Shirt mit der Aufschrift „Stopp Überwachungsstaat“ in die Höhe. ) Diese T-Shirts hattet ihr an, als ihr gegen Überwachung auf die Straße gegangen seid, als ihr gegen den Bundestrojaner gekämpft habt, als ihr das zum VfGH gebracht habt. Du hast jetzt die Möglichkeit - - Ich schenke dir dieses T-Shirt, das kannst du gerne anziehen.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... zieht er’s verkehrt an!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Ich hoffe, es löst vielleicht etwas in dir aus, sodass du eine Rede hältst, die der Yannick Shetty von vor knapp 100 Tagen hier gehalten hätte.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aber eine Überraschung!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Zusammengefasst: Die SPÖ und die NEOS sind umgefallen und ermöglichen der ÖVP ihre Überwachungsfantasien.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Spannend, weil Umfallen eigentlich eure Kernkompetenz ist!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Die ÖVP ist aber schon wieder drei Schritte weiter. Die redet ja schon von Ausweitungen. Die möchten das Gesetz schon ausweiten oder haben danach gerufen, noch bevor das Gesetz da ist. Es fängt ja immer so an: Es wird am Anfang ein Bereich vorgegeben, bei dem vermeintlich niemand etwas dagegen haben kann – es geht ja um Terroristen, es geht ja um Gefährder! –, und dann geht es schrittweise weiter. Das kennen wir aus Überwachungsgesetzen, nicht nur aus Österreich. Zusammengefasst: Dieses Gesetz ist technisch nicht machbar, rechtlich nicht haltbar, es gibt keinen ernstzunehmenden Rechtsschutz, keinen wirklichen Schutz gegen Missbrauch. (👏 FPÖ) Wir wissen – und das zeigt uns auch die Erfahrung auch aus europäischen Staaten –: Wenn es zum Einsatz von Spionagesoftware kommt, ist die Frage nicht, ob es zu einem Missbrauch kommt, sondern wann es zu einem Missbrauch kommt. Liebe Kolleginnen und Kollegen – die ÖVP spreche ich gar nicht an, weil eh klar ist, wo sie steht –, wollen Sie wirklich einem trojanischen Pferd trotz aller Warnrufe die gesetzlichen Tore öffnen? Wollen Sie das wirklich? Für uns steht fest: Grün hält Grundrechte hoch und die Augen offen. Das heißt, wenn dieses Gesetz in dieser Form heute hier beschlossen werden sollte, werden wir eine Klage vor dem VfGH prüfen. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner . Ich habe die Redezeit auf 5 Minuten eingestellt. – Herr Abgeordneter, bitte.

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst darf ich im Namen meiner Kollegin Sabine Schatz die Pensionisten aus dem Bezirk Urfahr begrüßen – herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Wir hätten es uns leicht machen und uns wie die FPÖ vor der Verantwortung drücken können. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die SPÖ ist in diese Regierung gegangen, um in der herausforderndsten Zeit - - – runterkommen, ich komme noch zu Ihnen! –, um in der herausforderndsten Zeit seit Jahrzehnten in unserer Republik Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung für ein Budgetloch zu übernehmen, das andere hinterlassen haben, Verantwortung zu übernehmen, um die Sicherheit unserer Bevölkerung zu erhöhen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Aber dafür hat euch niemand gewählt!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wenn es notwendig ist, unserer Exekutive ( Ruf bei der FPÖ: Die Überstunden zu zahlen! ) – um Terroristen und Spione aus dem Verkehr ziehen zu können – auch Instrumente in die Hand zu geben, dann hört man plötzlich von der FPÖ nichts mehr. Und ja, ich sage auch das in aller Deutlichkeit: Die SPÖ ist in der Vergangenheit Vorschlägen für eine Überwachungssoftware kritisch gegenübergestanden, weil sie zu weit gingen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... sind wir jetzt endlich dafür!

SPÖ Maximilian Köllner

… zu großer Eingriff, zu wenig Kontrolle.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Ist jetzt nichts anders, Kollege!

SPÖ Maximilian Köllner

… Genau deshalb liegt heute ein Gesetz vor, das genau jene Schutzmechanismen enthält, die damals gefehlt haben, zum Beispiel unter Innenminister Herbert Kickl .

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Beispiel!

SPÖ Maximilian Köllner

… Dieses Werkzeug, das jetzt vorliegt, darf ausschließlich bei konkretem Verdacht und nur mit richterlicher Genehmigung eingesetzt werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das war damals nicht?!

SPÖ Maximilian Köllner

… Und das ist der wesentliche Unterschied, meine sehr geehrten Damen und Herren.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Beispiel! Beispiel! – Abg. Erasim [SPÖ]: Aber nicht mit einem Dreirichtersenat! – Zwischenrufe der Abgeordneten Zorba [Grüne] und Giuliani-Sterrer [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir machen zuerst das Gesetz und erst dann prüfen wir, welche Software unseren Anforderungen entspricht. Es hat eine ausführliche Begutachtung gegeben, es wurden auch etliche Stellungnahmen eingeholt, damit die Gefährderüberwachung noch sicherer und besser wird. Es gibt extrem strenge Regeln beim Einsatz der Software. Es gibt Vorkehrungen gegen den Missbrauch. Jeder Einsatz, jeder Mausklick muss dokumentiert werden. Die richterliche Genehmigung einer Überwachung erfolgt durch einen unabhängigen Dreiersenat. Ein Rechtsschutzbeauftragter muss alles engmaschig begleiten.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo sitzt denn der Rechtsschutzbeauftragte?

SPÖ Maximilian Köllner

… Bei mehr als 30 Überwachungsfällen pro Jahr muss der Innenminister dem Parlament – Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen – Bericht erstatten. Alleine an dieser Zahl 30 sieht man schon, dass der Überwachungsfall die Ultima Ratio ist, wenn die Möglichkeiten des Verfassungsschutzes ausgeschöpft sind. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Eines möchte ich schon noch sagen: Ich kann mich noch gut an die Reaktionen nach den terroristisch motivierten Anschlägen in Wien 2020 und zuletzt in Villach zu Beginn dieses Jahres erinnern.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

... Nehammer!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir waren alle fassungslos und geschockt, und die gesamte Republik ist zusammengestanden und hat gemeinsam - - …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was hätte das mit dem Bundestrojaner geändert? Inwiefern hätte der Bundestrojaner etwas geändert?

SPÖ Maximilian Köllner

… Sie können sich zu Wort melden. Lassen Sie mich bitte kurz ausreden …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Nein, er hat schon 2018 gesprochen! Der Herr Stefan hat doch 2018 gesprochen, wie sie dafür waren!

SPÖ Maximilian Köllner

… das gehört sich in Österreich so. Die gesamte Republik ist zusammengestanden und hat gemeinsam mit den Angehörigen der Opfer getrauert. Auch wenn wir nie alles verhindern können, waren wir uns einig, alles zu tun, um die Sicherheit in unserem Land zu erhöhen. Jetzt, wenige Monate später haben manche anscheinend schon vergessen, was passiert ist. Jetzt liegt ein Gesetz vor, das ausschließlich auf jene fokussiert, von denen tatsächlich Gefahr ausgeht , und gewisse Akteure hier im Hohen Haus haben nicht nur keine Lösungsansätze, sondern auch anscheinend nichts Besseres zu tun, als politisches Kleingeld zu schlagen. Das ist unredlich – ich finde das nicht okay …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Herr Kollege, jetzt sind wir total unterirdisch unterwegs! Eine Falschbehauptung nach der anderen!

SPÖ Maximilian Köllner

… und das ist vor allem unehrlich und unfair den Familien und Freunden der Angehörigen gegenüber. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Abschluss noch zur FPÖ, die sich jetzt hier künstlich als Hüterin der Freiheit inszeniert: Ihr habt offensichtlich bei euch intern ein Vergesslichkeitsthema. Ihr habt den kleinen Mann immer noch verraten und hinters Licht geführt. Ihr wart in jeder Regierungsverantwortung beim Sozialabbau dabei.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da reden die Richtigen!

SPÖ Maximilian Köllner

… Im Sommer 2017 habt ihr das geplante Sicherheitspaket von Rot-Schwarz als – ich zitiere – „Papier der Grässlichkeiten“ und „DDR 4.0“ bezeichnet. Wer hat ein halbes Jahr später den Innenminister gestellt? – Die FPÖ. Dann hat es plötzlich geheißen: Ja, wir haben uns „eines Besseren belehren lassen“, „es ist ja nicht verboten, gescheiter zu werden“! …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Und jetzt werdet ihr wieder gescheiter!

SPÖ Maximilian Köllner

… Jetzt, wieder in der Opposition und obwohl das Gesetz extrem strenge Regeln beim Einsatz voraussetzt, seid ihr wieder dagegen. – Na, was jetzt? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Es ist ja was passiert in der Zwischenzeit ...! – Zwischenruf des Abg. Kassegger [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Das ist ein Zickzackkurs vom Feinsten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Noch ein Wort zu Kollegen Darmann – ich gratuliere ihm herzlich nachträglich zu seinem 50. Geburtstag, aber ich kann ihn da auch nicht ausnehmen –: Er hat nach den letzten Attentaten auch im Ausschuss stets von Behördenversagen gesprochen. Gleichzeitig wollen Sie ihnen aber das nötige Werkzeug nicht in die Hand geben, damit wir so etwas verhindern. Abgesehen davon, dass Sie mit dem Ausdruck Behördenversagen pauschal Tausende engagierte Exekutivbeamte diskreditieren …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Eben nicht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Eben nicht!

SPÖ Maximilian Köllner

… können wir nur mutmaßen, worum es Ihnen wirklich geht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und zu guter Letzt – dann bin ich schon fertig – zu den Grünen: Oberlehrerhaft nur zu sagen, was nicht geht …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Drei Anträge ...! Drei Anträge! Ihr könnt allen zustimmen! Drei Anträge, heute!

SPÖ Maximilian Köllner

… aber keine eigenen Lösungen zur Erhöhung der Sicherheit anzubieten, ist aus meiner Sicht auch zu wenig. Wer den Staat daran hindert, seine Bevölkerung zu schützen, schützt am Ende des Tages die Falschen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundesminister. – Bitte, Herr Bundesminister, Sie gelangen zu Wort.

FPÖ Michael Schilchegger

Werte Damen und Herren! Werter Herr Innenminister! Werter Herr Staatssekretär! Eingangs darf ich die Vertreter der Zukunftsakademie Kärnten im Namen der freiheitlichen Abgeordneten ganz herzlich begrüßen. (👏 ÖVP, FPÖ) Kommen wir zurück zur Beschlussvorlage. Es geht um diese Messengerdienstüberwachung. Wir haben es schon gehört, einige Redebeiträge hat es schon dazu gegeben. Wir wären natürlich auch bereit, eine solche Maßnahme hier zu unterstützen, wenn sie die Sicherheit in Österreich erhöhen und etwas dazu beitragen würde. Aber es bietet aus unserer Sicht kein Mehr an öffentlicher Sicherheit, sondern ein Weniger, und das kann man ganz einfach daran festmachen, dass die technischen Aspekte dieser Maßnahme unvermeidlich dazu führen, dass im Bereich der Cybersecurity einfach Sicherheitslücken offen gehalten und nicht geschlossen werden.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

... in einer viel schlechteren Version beschlossen!

FPÖ Michael Schilchegger

… Das gefährdet die Cybersecurity in einem ganz sensiblen Bereich. ( Ruf bei der ÖVP: Was ist denn das für eine Ausrede? ) Warum es kein Mehr an Sicherheit bringt? – Das zeigt ja die Tatsache, dass etwa das Messerattentat in Kärnten – meine Vorredner, Herr Kollege Köllner zum Beispiel, haben schon davon gesprochen – durch diese Maßnahme nicht verhindert worden wäre.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Wer sagt denn das?

FPÖ Michael Schilchegger

… Viele andere Terrorattentate – denken Sie an den Anschlag in Wien 2020 – wären durch diese Maßnahme auch nicht verhindert worden. Dafür, dass Sie sozusagen 30 islamistische Gefährder, die es in unserem Land gibt, noch ein bisschen – womöglich ein bisschen, weil auch diese Gefährder natürlich Mittel und Wege haben, um diese Messengerüberwachung zu umgehen – besser beobachten, sind 20 Millionen Euro Steuergeld pro Jahr wirklich nicht gut eingesetzt.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Also nix tun! – Weiterer Ruf bei der SPÖ: Ihr braucht es für den Umbau von den Häusern eurer Parteivorsitzenden, das Geld!

FPÖ Michael Schilchegger

… Meine Damen und Herren! Meine Vorredner haben auch schon angesprochen – sie haben mehrere Zitate dazu erwähnt, und Sie halten uns das auch immer wieder vor –, dass wir ursprünglich, vor sieben Jahren, für einen solchen Bundestrojaner gestimmt und uns dazu auch gemeinsam mit der ÖVP verständigt haben. Seither ist aber doch einiges passiert: Es hat eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes gegeben, man hat sehr viele Erfahrungen auch aus anderen Ländern gesammelt, vor allem auch, was den Datenmissbrauch bei solchen Maßnahmen betrifft – und nicht zu vergessen: Es kam 2020 die Coronapandemie, bei der man gesehen hat, wozu solche Überwachungsfantasien der ÖVP führen. (👏 FPÖ) Meine Damen und Herren, abgesehen von diesen Aspekten glaube ich schon, dass unser Wandel sehr glaubwürdig ist und nichts damit zu tun hat, ob wir jetzt eine Oppositions- oder eine Regierungsrolle einnehmen. Man hat ja in den Regierungsverhandlungen vom Jänner dieses Jahres gesehen, dass – und das ist ja durch sogenannte Leaks dokumentiert, durch die man Zwischenstände aus den Verhandlungen an die Medien weitergespielt hat – diese Maßnahmen alle nicht konsentiert waren, sie waren auf Rot gestellt. Wir haben der ÖVP also nicht den roten Teppich ausgerollt, aber Sie, meine Damen und Herren von der SPÖ und von den NEOS, rollen nun den rot-pinken Teppich für diese ÖVP-Überwachungsmaßnahme aus. (👏 FPÖ) Es wird immer wieder davon gesprochen, dass wir keine eigenen Konzepte hätten, um dem Problem der Terrorabwehr zu begegnen. Herr Kollege Gödl hat das auch wieder angesprochen und uns vorgehalten: Geben Sie uns doch einmal einen Plan, wie man dem Terror in Österreich künftig effektiv begegnen kann! – Gerne. Wir Freiheitliche scheuen uns wirklich nicht davor, ÖVP-Sicherheitskonzepte und freiheitliche Sicherheitskonzepte zu vergleichen. Für das Problem von Messerattacken – wenn beispielsweise syrische Banden und tschetschenische Banden in Wien gegeneinander kämpfen oder Messerattentate wie jenes in Villach von einem Asylwerber passieren – war Ihre Lösung vom letzten Jahr, Herr Innenminister, ein Messertrageverbotsgesetz für die gesamte Bevölkerung. – Unsere Lösung: ein Abschieben in die Herkunftsländer.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da ist es dann auch schon zu spät!

FPÖ Michael Schilchegger

… Kommen wir abschließend zum Bereich der islamistischen Gefährder, die noch nicht aktiv tätig sind, sondern womöglich Anschläge planen, sich im Internet radikalisieren und bei denen es vielleicht noch keine Handhabe für das Ermitteln nach dem Strafrecht gibt, um dagegen vorzugehen. Ihre Beschlussvorlage, die Maßnahme, die Sie vorschlagen, ist also: 20 Millionen Euro pro Jahr für einen Bundestrojaner, der die Cybersecurity in Österreich massiv gefährdet, um 30 Gefährder im Land – mehr sind es nicht – möglicherweise ein bisschen besser überwachen, besser beobachten zu können. Die freiheitliche Lösung ist ganz einfach: Islamistische Gefährder müssen in Strafhaft oder in Abschiebehaft, damit Kriminalpolizei und Fremdenpolizei dementsprechend aktiv werden können – und nicht nur der Nachrichtendienst. Damit die Polizei auch die Mittel in der Hand hat, um Abschiebungen durchführen zu können, benötigen wir unter anderem – es ist ja nur ein Baustein von vielen Maßnahmen – das Verbotsgesetz gegen den politischen Islam. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Klubobmann.

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Liebe Schülerinnen und liebe Schüler! Ich glaube, Sie haben sich eine spannende Debatte ausgesucht, der Sie heute folgen können. Es ist kein Geheimnis: Die Messengerüberwachung – anders als beispielsweise die Bundesstaatsanwaltschaft oder das Integrationsprogramm ab Tag eins, im Übrigen zwei Maßnahmen, die wir in den ersten vier Monaten dieser Regierung auf den Weg gebracht haben – war nie ein und ist auch jetzt kein Leuchtturmprojekt von NEOS. Ich möchte Ihnen in meiner Rede heute darstellen, warum wir hinter diesem vorliegenden Gesetzentwurf stehen. ( Rufe bei der FPÖ: „Wir“! Wer ist „wir“? Wer denn aller? ) Ganz offen möchte ich sagen – vielleicht schaffen es die Kollegen von der FPÖ auch einmal, kurz zuhören, vielleicht 1, 2, 3 Minuten, dann wird es eh wieder losgehen ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ) –: In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft würden wir heute nicht über ein solches Gesetz diskutieren. In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft gäbe es keine islamistischen Extremisten, die in Europa mit Selbstmordanschlägen gegen unsere freiheitsliebende Gesellschaft vorgehen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wer weist seit Jahrzehnten darauf hin?

NEOS Yannick Shetty

… In einer perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft gäbe es keine extremistischen, staatsfeindlichen Netzwerke, die Weihnachtsmärkte, Konzerte, Regenbogenparaden, Synagogen oder Kirchen zu Unsicherheitszonen machen. ( Ruf bei der FPÖ: Festung Österreich! ) Wir leben in keiner perfekten, liberalen, freien und offenen Gesellschaft – leider. Ich glaube, das sehen wir hier alle so. Wir leben vielmehr in einer Realität, in der – gerade in Österreich – allerspätestens seit 2015 mangelnde Ordnung und Kontrolle in der Integrationspolitik häufig dazu geführt hat, dass jungen Menschen viele Chancen verwehrt bleiben und dadurch ein Nährboden, ein fruchtbarer Boden für Turboradikalisierung entstanden ist. Wir leben in einer Realität, in der der politische Islam nicht nur ideologisch, sondern auch strukturell an Stärke gewonnen hat – Stichwort: der global operierende Islamische Staat. Wir leben also in einer Realität, in der der Staat vorbereitet sein muss, rechtsstaatlich, klar begrenzt, demokratisch kontrolliert auf diese Gefahren zu reagieren – und zwar präventiv, bevor in das wichtigste Grundrecht eingegriffen wird, nämlich – Artikel 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention – das Recht auf Leben. Was für eine Handhabe hat der Staat gegen Extremisten? – Einen effektiven Staatsschutz und Nachrichtendienst – da müssen wir besser werden –, V-Männer, ein gutes Netzwerk von Partnerdiensten – auch das wird es, und das sage ich auch explizit, prioritär brauchen und das müssen wir stärker ausbauen. Das hat unabhängig von zusätzlichen Befugnissen, die wir heute beschließen, zu erfolgen und muss nachhaltiger passieren als in der letzten Regierung. Wir wissen aber auch, Terroristen kommunizieren nicht via Fax und planen auch keinen Anschlag via Festnetz. Der Staat muss auch im 21. Jahrhundert wehrhaft gegen den Terror sein.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... NEOS ...!

NEOS Yannick Shetty

… Genau deshalb haben wir als NEOS die Überwachung von Hochrisikogefährdern nie kategorisch ausgeschlossen, sondern schon immer gesagt: Wenn es ein solches Instrument geben soll, dann muss es das strengste, das engmaschigste und am besten kontrollierte sein, das es in Österreich je gegeben hat – kurzum, es muss verfassungskonform ausgestaltet sein. Ich bin überzeugt, wir sind überzeugt …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wer ist „wir“?

NEOS Yannick Shetty

… das ist uns gelungen. Entscheiden kann das aber nicht Abgeordneter Zorba, Abgeordneter Darmann oder ich – niemand von uns hier –, sondern das kann nur der Verfassungsgerichtshof entscheiden. Dazu sage ich dann später noch ein paar Sätze. Nach einem intensiven Begutachtungsverfahren von über acht Wochen haben wir mehr als zwei Dutzend Änderungen in dieses Gesetz eingebracht. Über zwei Dutzend Anregungen zu massiven Änderungen und Verschärfungen bei der Kontrolle, die von uns NEOS, aber auch von Expertinnen und Experten eingebracht wurden, wurden in diesem Gesetzesbeschluss, den wir heute hier fassen, realisiert. Ich kenne kein anderes Gesetz – und, Kollege Zorba, nenn mir ein anderes Gesetz –, das in einer Begutachtung je so umfassend überarbeitet wurde wie dieses. Strenger als dieses Gesetz geht es nicht.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Hast ja nicht einmal ...!

NEOS Yannick Shetty

… Drei Bedingungen waren für uns dabei nicht verhandelbar: erstens der größtmögliche Rechtsschutz …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo ist der? Wo ist dieser Rechtsschutz?

NEOS Yannick Shetty

… zweitens engste Anwendungsgrenzen und drittens härteste Sanktionen bei Missbrauch. Ich sage Ihnen, was das konkret heißt, weil da Fragen kommen – ich habe das Gefühl, Sie haben die Entwürfe und die Änderungen nicht gelesen. Erstens: Die Überwachung bedarf einer Genehmigung durch einen unabhängigen Dreirichtersenat des Bundesverwaltungsgerichts.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wer bestellt die Richter?

NEOS Yannick Shetty

… Zweitens: Keine einzige abgefangene Datei am Handy eines mutmaßlichen Islamisten oder Neonazis geht am Rechtsschutzbeauftragten vorbei. Dieser bekommt vollen Zugriff auf alle Daten und das Recht, Löschungen zu verlangen. Drittens: Das Parlament wird ab dem 31. Fall pro Jahr automatisch eingebunden. ( Ruf bei den Grünen: Benachrichtigt! Benachrichtigt! ) Viertens: Diese Maßnahmen greifen nur bei Terrorverdacht beziehungsweise bei sogenannten staatsfeindlichen Angriffen mit einer Strafdrohung von über zehn Jahren, keine Ausnahmen dabei – eine Massenüberwachung durch dieses Gesetz ist ausgeschlossen! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hättest du die Rede vor einem Jahr auch gehalten?

NEOS Yannick Shetty

… Dazu kommt noch etwas anderes: Es gibt kein einziges anderes Land in der Europäischen Union – auch diesbezüglich, Kollege Zorba, bitte um einen Gegenbeweis –, das einen so strengen Rechtsschutz für diese Maßnahme vorsieht, wie wir ihn heute beschließen. Ich möchte auch ausdrücklich erwähnen …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie öffnen die Büchse der Pandora! – Zwischenruf bei den Grünen

NEOS Yannick Shetty

… es ist ja auch kein Geheimnis, dass es bei uns im Klub dazu unterschiedliche Perspektiven gibt. (Ruf bei der FPÖ: Warum wohl?) Niki Scherak, den ich persönlich auch sehr schätze, hat ja bereits in den Regierungsverhandlungen und schon vor langer Zeit gesagt und klargemacht, dass er die Überwachung von Messengerdiensten aus grundsätzlichen Überlegungen ablehnt. Ich respektiere seine Meinung, der Klub respektiert seine Meinung. Auch wenn wir in der Gesamtabwägung zu einem anderen Ergebnis gekommen sind – ich führe ja gerade die Gründe aus, warum …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und der Wähler wählt jetzt wen, den Scherak oder den Shetty?!

NEOS Yannick Shetty

… respektieren wir unsere Gegensätze und arbeiten trotzdem gemeinsam daran, dass das Gesetz unseren hohen Ansprüchen genügt.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Hätte der Kollege Shetty diese Rede auch voriges Jahr gehalten?

NEOS Yannick Shetty

… Das ist übrigens auch gelebter Parlamentarismus – ich weiß, für einige von Ihnen ein Fremdwort! (👏 ÖVP, NEOS) Wir alle – und das eint uns in der Koalition – wollen schließlich sicherstellen, dass dieses Gesetz keine Neuauflage des Kickl-Trojaners wird. Der wurde damals nämlich von der FPÖ umgesetzt und vom VfGH aufgehoben.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Unerhört, unerhört, unerhört!

NEOS Yannick Shetty

… Das da ist das genaue Gegenteil von dem, was Sie damals umgesetzt haben: Es ist Resultat eines harten Verhandlungsprozesses gegen Massenüberwachung, gegen Generalverdacht und gegen den Missbrauch von staatlicher Gewalt! …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Ihr habts es gemacht! Ihr habts es gemacht!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage Ihnen aber auch ganz deutlich hier am Rednerpult: Die ersten Rufe nach einer Ausweitung der Messengerüberwachung lehnen wir entschieden ab, und ich sage das auch in aller Deutlichkeit. ( Unruhe im Saal. ) Eine Ausweitung der heute zu beschließenden Befugnisse wird es in dieser Legislaturperiode niemals geben! …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ja, ja, Staatsgefährder ...!

NEOS Yannick Shetty

… Die Gefährderüberwachung bleibt ein Instrument gegen Terroristen …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Staatsgefährder!

NEOS Yannick Shetty

… und zwar nur gegen Terroristen, nicht gegen Einbrecher, nicht gegen Demonstranten …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja, Staatsgefährder, hat der Herr Minister gesagt!

NEOS Yannick Shetty

… nicht gegen Bürgerinnen und Bürger, die sich politisch engagieren. Ich nehme auch die Kritik der Opposition - - …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was sind die Coronamaßnahmengegner in dem Zusammenhang? Was wären die? Sind die Staatsgefährder? Oder wer ist das dann?

NEOS Yannick Shetty

… Herr Hafenecker, geht es? (Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. – Ruf bei der FPÖ: Schwurbler!) Präsident Peter Haubner : Der Herr Klubobmann ist am Wort, und ich darf um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bitten. – Danke. Abgeordneter Mag. Yannick Shetty (fortsetzend): Wenn das die Kollegin Belakowitsch schafft, schaffen Sie es, glaube ich, auch. Ich nehme die Kritik der Opposition zur Kenntnis, auch wenn mich irritiert – das möchte ich schon sagen –, dass gerade von Politikern, die sich doch, glaube ich, in den redlichen Sektor einreihen, über Medien Dinge kritisiert werden, die unbestritten im ursprünglichen Entwurf standen …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ein Beispiel! Ein Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… aber die ja geradezu in der Begutachtung herausgestrichen wurden. Ich kann das hier aufführen. Man hat das Gefühl, es geht hier manchen nicht um die Sachpolitik, sondern darum, um jeden Preis einen politischen Punkt zu machen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Ein Beispiel ..., ein einziges Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage, man kann das tun, aber ich lehne diese Haltung ab! …

GRÜNE Götze (Zwischenruf)

Nicht einmal ein Beispiel!

NEOS Yannick Shetty

… Ich sage noch abschließend, weil mich das schon sehr ärgert, bezüglich der FPÖ: Das ist die Partei, die einst mit dem Kickl-Trojaner potenziell alle Österreicherinnen und Österreicher überwachen wollte und unter Generalverdacht gestellt hat. Just jene Partei spielt sich jetzt als Bürgerrechtspartei auf.

FPÖ Ragger (Zwischenruf)

So ein Schwachsinn!

NEOS Yannick Shetty

… Wie nennt man so ein Verhalten noch einmal? Herr Präsident, ich glaube, ich nenne es jetzt nicht beim Namen, um die Würde dieses Hauses zu respektieren.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ja, blöd, dass Sie ...!

NEOS Yannick Shetty

… Sie sind keine Bürgerrechtspartei, und die Menschen wissen das auch! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Eine Karikatur Ihrer selbst!

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren, wir NEOS übernehmen Verantwortung für Sicherheit und für den Grundrechtsschutz, mit einem Gesetz, das unserer Auffassung nach den strengsten grundrechtlichen Anforderungen entspricht – und das ist aus meiner persönlichen Perspektive der wichtigste Punkt – und bei dem der VfGH ausreichend Zeit hat, bevor auch nur ein Islamist, ein Neonazi, ein anderer Extremist überwacht wird, es auf die Verfassungskonformität zu überprüfen. Deswegen möchte ich mich abschließend explizit bedanken: bei allen Bürgerinnen und Bürgern, bei allen Expertinnen und Experten, die diesen Prozess kritisch begleitet haben und deren Ideen wir im Rahmen der Begutachtung zur Verbesserung des Entwurfs heranziehen konnten – auch das ist in dieser Form eine Premiere. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Alma Zadić . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Damen und Herren Abgeordnete! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! 2019 hieß es, mit Spionagesoftware „hat die türkis-blaue Regierung das Tor zur absoluten Überwachungsgesellschaft geöffnet“.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Absolut, bei 30 Fällen!

GRÜNE Alma Zadić

… Die Grundrechte“ der Bürger:innen „werden schwer missachtet“, so der stellvertretende SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried . ( Ruf bei den Grünen: Störenfried! ) 2024, anlässlich der Causa Ott, sind auch neue Überwachungsmaßnahmen für die DSN im Gespräch, unter anderem die Überwachung von Whatsapp-Nachrichten. Solche Maßnahmen lehnte der SPÖ-Klubchef Kucher aber ab ( Ruf bei den Grünen: Oh! ): „Seitens der SPÖ wird es keine Zustimmung für eine Massenüberwachung und für den Bundestrojaner geben.“ …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

...partei!

GRÜNE Alma Zadić

… Jänner 2020: Sie erinnern sich, das türkis-grüne Regierungsprogramm wurde vorgelegt – und im Regierungsprogramm stand da sogar etwas von einem Bundestrojaner. Das stimmt – und Meinl-Reisinger, Chefin der NEOS, hält das Regierungsprogramm für eine „Bankrotterklärung“ der Grünen bei Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Sie appelliert an den Bundeskongress der Grünen, da nicht mitzugehen, wegen der Pläne zum Bundestrojaner. Sie spricht davon: „Das hätte es mit uns nicht gegeben.“ (👏) Fünf Jahre lang haben wir Grüne dagegengehalten, haben keinen Bundestrojaner eingeführt, obwohl es bei uns im Regierungsprogramm gestanden ist. Was machen die NEOS und die SPÖ …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du hast ja nicht einmal die Bundesstaatsanwaltschaft zusammengebracht!

GRÜNE Alma Zadić

… ein bisschen mehr als 100 Tage in der Regierung? – Sie fallen um und beschließen gemeinsam mit dem Innenminister den Bundestrojaner! Meine Damen und Herren Abgeordnete, ja, es regt mich auf! Es regt mich auf, denn eine Einschränkung der Freiheit hat nie zu mehr Sicherheit geführt. (👏) Herr Innenminister: Ja, überwachen Sie bitte die Terroristen! ( Ruf bei der ÖVP: Ja, genau! ) Kümmern Sie sich um die Gefährder in unserem Land! Unser Geheimdienst braucht ganz dringend Personal, braucht auch ganz dringend bessere Ausstattung, braucht ganz dringend Ressourcen, denn nur so kann man sich um die Terroristen in diesem Land kümmern, denn nur so kann man sie auch wirklich gezielt überwachen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wer war denn die letzten fünf Jahre Justizministerin? Wer? – Abg. Deckenbacher [ÖVP]: Was hat sie gemacht?

GRÜNE Alma Zadić

… Aber was macht der Bundestrojaner? – Er macht viel mehr als das. Er macht viel, viel mehr als das, er gefährdet uns alle, denn durch das Offenlassen von Sicherheitslücken können potenziell wir alle – Sie, ich, wir alle, unsere Handys – überwacht werden. Aufgrund des Bundestrojaners bleiben ja nicht nur die Sicherheitslücken offen; der Bundestrojaner braucht auch eine Software, damit er funktioniert.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Die kaufen wir eh ein!

GRÜNE Alma Zadić

… Davon gibt es einige wenige, und alle davon sind einschlägig bekannt. Sie sind einschlägig dafür bekannt, dass sie – oh Wunder! – Journalistinnen und Journalisten ausspähen, dass sie Regimegegner ausspähen, dass sie Aktivistinnen und Aktivisten überwachen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Was heißt Regime?

GRÜNE Alma Zadić

… Ja, dafür gibt es Beispiele.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das Ausspähen von Regimegegnern, da ist ein Regime die Voraussetzung! Ich sehe uns als Republik!

GRÜNE Alma Zadić

… Dafür gibt es Beispiele, ich nenne nur Italien vor ein paar Monaten, der Paragon-Skandal: Streng reguliert, so wie es der Innenminister gesagt hat, es gibt ein sehr, sehr enges rechtliches Korsett in Italien, und trotzdem …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Ja, genau! Weil ja Italien für die Datenschutzrechtslage bekannt ist!

GRÜNE Alma Zadić

… kam es zu einer systematischen Überwachung von Regimegegnern, zur systematischen Überwachung von Journalist:innen, Aktivist:innen. Nein, das wollen wir nicht für unser Land. (👏) Schon gut, dass da steht: Es braucht eine richterliche Genehmigung. Ja, eh! Aber wenn man einmal den Bundestrojaner einführt, dann führt man ihn ein und dann sind die Sicherheitslücken für uns alle offen – ob es eine richterliche Genehmigung gibt oder nicht, ist egal. Wir sind potenziell alle gefährdet. Und das möchte ich schon noch sagen: Wir haben jetzt einen ÖVP-Innenminister, einen sozialdemokratischen Staatssekretär, aber wir wissen nicht, wer morgen im Innenministerium sitzen wird …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Karner!

GRÜNE Alma Zadić

… wir wissen nicht, wer morgen für die Geheimdienste zuständig sein wird.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Großes Weinen!

GRÜNE Alma Zadić

… Was wir jetzt mit dem Bundestrojaner beschließen, gefährdet uns alle, weil der Geheimdienst potenziell die Möglichkeit hat, auf uns alle zuzugreifen.

ÖVP Gerstl (Zwischenruf)

Nein! Nein! Nein!

GRÜNE Alma Zadić

… Das wird es mit uns Grünen nicht geben, denn wir Grüne halten Wort! (Abg. Erasim [SPÖ] – erheitert –: Der war gut! Der war gut!) Wir haben fünf Jahre dagegengehalten und werden auch weiter dagegenhalten (👏) – im Gegensatz zu den Sozialdemokraten und den NEOS, auf die man sich eben nicht verlassen kann, die eben nicht Wort halten, wenn es um unsere Grundrechte, um die Menschenrechte, um unsere Freiheit geht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Sag das noch einmal, dass die Grünen immer Wort halten! Noch einmal, fürs Protokoll noch einmal wiederholen! – Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Shetty [NEOS]: Die Grünen halten Wort!

GRÜNE Alma Zadić

… RN/46.1 Ich zeige noch einmal das Plakat von meinem Kollegen ( eine Tafel in die Höhe haltend, auf der ein Foto von NEOS-Aktivist:innen und Beate Meinl-Reisinger zu sehen ist, die pinke, sprechblasenförmige Plakate in die Höhe halten, auf denen unter anderem „Meine Daten gehören mir“ und „Nicht wegschauen beim Überwachen“ zu lesen ist ): Da ist eure Chefin, die Chefin der NEOS, Beate Meinl-Reisinger , bei einer Anti-Bundestrojaner-Demonstration zu sehen, und sie hält ein Schild: „Nicht wegschauen beim Überwachen“. Liebe NEOS, bitte halten Sie Wort ( Ruf bei der ÖVP: Das Richtige! Nicht wegschauen! ) und stimmt da nicht zu! – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Wolfgang Gerstl . – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt. Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Wolfgang Gerstl

Vielen Dank, Herr Präsident. – Die Debatte war sehr erleuchtend.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das glaub’ ich dir!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Als der Herr Bundesminister der Freiheitlichen Partei in gewisser Form vielleicht unterstellt hat, dass sie gegen den Staatsschutz sei, hat die Freiheitliche Partei herausgerufen: Nein, nicht gegen den Staatsschutz, sondern nur gegen die ÖVP. Entlarvender kann es nicht sein.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ist ja die Wahrheit! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: Ja, das ist ja ein Unterschied! Für euch ist es offensichtlich kein Unterschied! Es ist aber ein Unterschied!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Aus Ihrer Sicht: Wenn Herr Innenminister Kickl hier wäre, dann wäre alles okay, denn Sie sind mit den Maßnahmen vollkommen einverstanden. Nur: Sie wollen einen anderen Minister haben. Geben Sie es zu, dass es Ihnen nur um Parteipolitik geht und um nichts anderes! Dafür darf ich Ihnen Innenminister Kickl zitieren …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Endlich!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Ich habe mich von Experten eines Besseren belehren lassen“, hat er gesagt. „Und es ist ja nicht verboten, gescheiter zu werden.“ ( Rufe bei der FPÖ: Ja, eh! Nicht schwach! ) Wir müssen uns einmal anhören, „was dort an Ermittlungsarbeit de facto verloren gehen kann, nur weil diese Lücke besteht!“ – All das …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... jämmerlich!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… hat Ihr Innenminister Kickl …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und dann kam Corona! Dann kam Corona!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… zu dieser Sicherheitslücke gesagt, die dringend notwendig zu schließen ist.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und weil genau solche Leute wie du Polizisten werden, haben wir dieses Problem!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Sehr geehrter Herr Präsident! Die Freiheitliche Partei versucht einfach, Panikmache zu betreiben, und sie ändert ihre Position, wie sie es gerade benötigt: 2017 war das noch ein DDR-Regime, 2018 waren sie voll dafür; 2019, als der Verfassungsgerichtshof es aufgehoben hat, haben sie noch davon gesprochen, dass dies eine Tür, ein Einfallstor für organisierte Kriminalität ist, und heute, da sie jetzt länger in Opposition sind, sind sie wieder dagegen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und dazwischen drei Jahre Coronaregime der Österreichischen Volkspartei!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Das ist das Spiel der FPÖ – das nimmt lhnen niemand mehr ab, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ) Ich nehme gerne diesen Aufruf von der Freiheitlichen Partei auf ( Ruf bei der FPÖ: Gemma! ): Wie läuft nun eine solche Überwachungsmaßnahme? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

So, wie es die ÖVP will!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Es sind im Gesetz zehn detaillierte Punkte aufgelistet, die notwendig sind, um überhaupt eine solche Überwachung zu ermöglichen. Zuallererst müssen die Sicherheitsbehörden alle Ermittlungsmaßnahmen getroffen haben, die zu keinem Erfolg führen; das müssen sie darlegen und beweisen.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... super gut, wie es überwacht ist ...!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Danach müssen sie zum Rechtsschutzbeauftragten gehen, der unabhängig und weisungsfrei ist, und dieser Rechtssschutzbeauftragte muss ihnen die Genehmigung geben, damit sie danach zu Gericht gehen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

... brauchen sie eine Genehmigung!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Dort – und da darf ich die Worte von Kollegen Shetty aufgreifen – ist es nicht so, dass nur ein Richter entscheidet, sondern – das haben wir nach dem Begutachtungsverfahren entsprechend geändert – dort sind drei Richter, dort ist ein Dreirichtersenat erforderlich, um eine solche Maßnahme zu genehmigen. Wenn es genehmigt ist, nachdem alle einzelnen Punkte genau aufgelistet wurden, hat der Rechtsschutzbeauftragte noch immer die Aufgabe, jeden Detailpunkt und jeden Teil der Überwachung weiterhin zu kontrollieren …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo sitzt denn der Rechtsschutzbeauftragte?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… und er kann die Überwachung jederzeit beenden. Und dann: Es ist nicht so, dass das gesamte Handy oder so etwas kontrolliert wird …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Nein! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Nein! Bestimmt nicht! Sicher nicht! – weiterer Ruf bei der FPÖ: Nur die erste Seite!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… sondern die Anordnung muss auch genau zum Inhalt haben, welches Detail man herausnehmen darf, also nur eine ganz bestimmte Whatsapp-Information …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Alle ganz bestimmt von Whatsapp! Sie glauben auch, die Terroristen kommunizieren über Whatsapp, oder was?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… oder eine ganz bestimmte Signal- oder Telegram-Information. Nichts anderes darf ausgeleitet werden.

GRÜNE Prammer (Zwischenruf)

Das funktioniert ja nicht einmal bei der Telefonüberwachung! – Ruf bei der FPÖ: Nur die erste Seite vom Handy wird kontrolliert!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Das Ganze passiert mit einem Vieraugen- oder Sechsaugenprinzip, mit einer genauen, detaillierten Kommunikation, die von den Sicherheitsbehörden schriftlich dargelegt werden muss, damit es zu keinem Missbrauch kommen kann.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ach so! Was ist, wenn es zu Missbrauch kommt?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Meine Damen und Herren, detaillierter konnten es die Experten nicht mehr machen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und wenn das Ministerium insgesamt missbraucht wird – was ja der Fall ist?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Sie haben sich die beste Mühe gegeben, dass dieses Gesetz verhältnismäßig ist, dass dieses Gesetz verfassungskonform ist – und das ist im Sinne der Bürgerinnen und Bürger.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich brauche die Messengerüberwachung nicht missbrauchen, wenn ich das ganze Ministerium missbrauche!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Da möchte ich zum Schluss noch einmal den ehemaligen Innenminister Kickl zitieren …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Hast was anderes auch noch?

ÖVP Wolfgang Gerstl

… Die „Masse wird geschützt“ …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, das war alles vor Corona, Herr Kollege!

ÖVP Wolfgang Gerstl

… und nicht die „kriminellen Aktivitäten Einzelner“. – Darum geht es, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Susanne Fürst . – Frau Abgeordnete, ich habe Ihre Zeit auf 4 Minuten eingestellt. Bitte.

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrter Herr Minister, Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren! Insbesondere darf ich auch die Besucher der Zukunftsschmiede Salzburg ganz herzlich in unseren Reihen begrüßen! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Der Herr Innenminister und auch die Vorredner von den Regierungsparteien erzählen uns die Geschichte der Einführung der Messengerüberwachung so: Sie sei international bewährt, es sei eine moderne, zeitgemäße Terrorabwehr. Die Polizei sei nun auf Augenhöhe mit den Terroristen, denn diese schreiben keine Briefe, telefonieren nicht auf Festnetz, sondern tauschen sich über Messenger aus. Es gehe um unsere Sicherheit …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Geht’s auch!

FPÖ Susanne Fürst

… betroffen seien nur ganz wenige. Es gebe einen Rechtsschutz, und das alles sei sehr, sehr gut für uns. Nun, was für ein Humbug! Was wird da wirklich beschlossen? – Der Staat Österreich finanziert und installiert eine Spähsoftware auf einem Smartphone. Das ist nur bei Vorhandensein einer Sicherheitslücke möglich, die aber nicht nur auf dem einen Gerät oder auf den 30 ist, sondern auf allen baugleichen I-Phones, das heißt auf Hunderttausenden. Entdeckt werden die Sicherheitslücken von Hackern – oder solchen Nerds. Wenn sie anständig sind, melden sie dem Hersteller die Lücke, melden diese an Apple oder Google. Diese zahlen auch etwas dafür und schließen die Lücke. Dann haben wir alle ein Update, und das Ganze ist erledigt. Wenn der Hacker nicht ganz so anständig ist, schmeißt er die Lücke auf den Schwarzmarkt. Dort wird sie von der Überwachungsindustrie, von Schwerkriminellen, die wesentlich besser zahlen als die Hersteller, erstanden. Mit solch dubiosen Quellen arbeitet nun unsere Bundesregierung zusammen (👏 FPÖ), um die Lücke auszunutzen und die Spähsoftware auf ein I-Phone zu spielen, ohne dass man eben das Gerät in Händen hat; und darum geht es.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da steckt sicher die WHO dahinter!

FPÖ Susanne Fürst

… Es gibt dann zwei Ebenen der Nutzung – eine verschweigen Sie uns –: Die eine ist die Nutzung durch das BMI, durch die Sicherheitsbehörden. Da haben wir diese Beschränkung mit 30 Personen, mit Rechtsschutz, mit allem, was Sie uns da an Romanen erzählen. Erstens ist schon einmal der Begriff Messengerüberwachung irreführend, denn es ist eine Totalüberwachung. Sie sagen, man muss den Beamten vertrauen. – Das tun wir. Das Misstrauen ist anderen gegenüber: Die Beamten sind ja an Politiker weisungsgebunden, und wenn man sich Innenminister Karner und auch die Vorgänger von der ÖVP anschaut, dann ist da sehr großes Misstrauen angebracht. (👏 FPÖ) Ich erinnere an die extensive Auslegung des Gefährderbegriffs, den Sie auch bei der Überwachung verwenden, die sich in den letzten Jahren leider eingebürgert hat. Einer Ihrer Vorgänger, Innenminister Nehammer, sprach von Lebensgefährdern. Die Coronamaßnahmenkritiker – Hunderttausende – sind solche Gefährder, und die müssen jetzt überwacht werden. Wer sich der Neutralität verpflichtet fühlt: Russlandspion, überwachen! – Wer die Regierung zu scharf kritisiert: Staatsfeind, Verfassungsfeind, überwachen! …

ÖVP Sieber (Zwischenruf)

Geh bitte! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.

FPÖ Susanne Fürst

… Sie haben zwar im Ausschuss zugestanden, dass nicht jeder Regierungskritiker ein Verfassungsfeind ist …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Wer liest, ist im Vorteil! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Die meisten! Nicht jeder, aber die meisten!

FPÖ Susanne Fürst

… was ich sehr großzügig finde, aber da sieht man schon, wie der Begriff ausgelegt werden kann.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

... nicht verstanden hat!

FPÖ Susanne Fürst

… Das ist das eine, aber das Zweite – was Sie uns komplett verschweigen – ist: Selbst wenn sich das Innenministerium, der Verfassungsschutz, die Sicherheitsbehörden, alle vollkommen in Ordnung verhalten, vollkommen rechtskonform vorgehen, so besteht ja – was Sie uns aber verschweigen – die Lücke auf allen Handys, und Sie lassen sie offen – absichtlich – für Kriminelle, für die organisierte Kriminalität, für Betrüger, für die Hersteller von Cyberwaffen. Sie lassen sie offen, und diese verwenden die Lücke parallel zur Nutzung durch das Innenministerium und die Sicherheitsbehörden. Die scheren sich nicht um den Rechtsschutz oder die Begrenzung auf 30. Das heißt, entgegen Ihrem Argument: Wir müssen die Menschen vor Terrorismus schützen!, machen Sie alle Handys auf, gerade auch für die Kriminellen und Terroristen, für die finanziellen Hacker und für alle, die zum Beispiel auch Ihre Regierungskoordination, sofern sie so interessant ist, ausspionieren wollen, auch für jene, die die Kommunikation der Polizei aufmachen wollen. Sie erwähnen die große Gefahr durch die Russen. Es gibt die Chinesen, die Amerikaner, die Iraner – alle haben ausgefuchste Spionagesysteme.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Moskau!

FPÖ Susanne Fürst

… Sie machen alle unsere Handys für diese Form der Überwachung auf, und davon sprechen Sie nicht. Das heißt, wenn es um den Schutz der Bevölkerung geht, müssten Sie die Lücke für uns alle schließen. Wenn Sie sagen, es geht um Leib und Leben: ja, bei Terrorakten! Fast alle der Terroristen waren schon auf offenen Kanälen unterwegs und auffällig. Da müssten wir die Kapazitäten und die vielen Millionen, die Sie da jetzt investieren, hinlenken. Die Radikalisierung geschieht nicht auf Whatsapp, sondern auf offenen Kanälen, die überwacht und geschlossen werden sollten. Auch die meisten Warnungen aus dem Ausland stammten von offenen Kanälen. Wenn Sie sagen, international bewährt: Ja, bei der Überwachung von Journalisten, von der Opposition. Auch der eigene Ministerpräsident ist schon einmal überwacht worden. In den Ländern, die dieses System haben, finden leider trotzdem noch Terroranschläge statt. Auf Augenhöhe sind Sie mit den Terroristen nicht, diese verabreden sich nicht auf Whatsapp, sondern die sind schon ganz woanders …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Auf euren Kanälen, oder was?

FPÖ Susanne Fürst

… nämlich auf ihren eigenen Betriebssystemen und gehärteten Handys. Zum Schluss – weil Sie sagen, wir sind doch für die Polizei, für mehr Sicherheit –: absolut, aber dann streichen Sie nicht die Überstunden der Polizei! Machen Sie die Grenzen zu und schieben Sie breitenwirksam ab, nicht nur einen, nicht nur 30, sondern Zigtausende! (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Melanie Erasim . – Ich habe die Zeit auf 4 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Melanie Erasim

Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich im Namen meiner Kollegin Muna Duzdar eine Gruppe von Jugend am Werk aus Wien ganz herzlich begrüßen. Herzlich willkommen, ihr fleißigen Jugendlichen, die ihr euch in der Facharbeiterausbildung befindet! ( Allgemeiner Beifall. ) Geschätzte Jugendliche! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Der Themenbereich, über den wir gerade diskutieren, ist ein sehr, sehr heikler, zu heikel, um ihn dafür zu verwenden, politisches Kleingeld zu verdienen. Deshalb ist es meines Erachtens auch wichtig, sich anzusehen, von welcher Seite welche Kritik kommt. Wenn sich die Grünen hierherstellen und sagen, sie waren immer dagegen und werden immer dagegen sein, dann ist das eine Meinung, die man haben kann. Die negativen Auswirkungen, die es geben könnte, sind für uns auch immer Anlass gewesen, genau hinzusehen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ihr habt ja nichts dagegen getan! Jetzt kommt wieder: Kickl, Kickl, Kickl!

SPÖ Melanie Erasim

… genau darzulegen, wie es mit dem Datenschutz ist und so weiter und so fort.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das macht doch das Gesetz nicht besser!

SPÖ Melanie Erasim

… Wenn sich aber meine Vorrednerin von der FPÖ hierherstellt: Vielen Dank, Frau Abgeordnete Fürst, dass Sie uns Einblick in Ihre Denkweise gegeben haben, denn so, wie der Schelm denkt, so ist er! – Das ist wirklich erschütternd.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das macht doch das Gesetz nicht besser!

SPÖ Melanie Erasim

… Herr Stefan, schön, dass Sie dazwischenschreien. Sie waren 2018 einer der sieben Abgeordneten – ich war nämlich auch schon 2018, als der Bundestrojaner beschlossen worden ist, Abgeordnete in diesem Haus –, Sie waren einer der glühenden Fürsprecher. (Abg. Stefan [FPÖ] – erheitert –: Nein, das ist eine Fake News!) Darum frage ich mich, warum Sie heute nicht hier stehen, um Ihre Meinung kundzutun.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... im Protokoll nachlesen! Lies das Protokoll!

SPÖ Melanie Erasim

… Ich habe das Protokoll hier. Ich habe die Rede hier …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Na siehst du, dann lies es dir doch durch, wenn du es kannst!

SPÖ Melanie Erasim

… nur ist sie zu langweilig, um sie vorzulesen. Damals wurde eben von Herrn Bundesminister Kickl …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Na sicher, jetzt kommt wieder: Kickl, Kickl, Kickl!

SPÖ Melanie Erasim

… auch voll Enthusiasmus, präsentiert, wie wichtig das alles sei, wie toll das alles sei. Er hat sich als sicherheitspolitischer Arzt verkauft; als Ärzte habt ihr euch verkauft …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Macht es das Gesetz besser? Sind das Argumente für das Gesetz oder dass die FPÖ gescheiter ist als die anderen?

SPÖ Melanie Erasim

… die handeln müssen, bevor es wehtut. Ohne solche Tools entstünde eine „Komfortzone für Schwerstkriminelle“, was untragbar sei.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was ist das für ein Argument? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Können Sie jetzt ...? – Abg. Stefan [FPÖ]: Wenn wir dafür sind, dann ist es gut, deswegen beschließt ihr es?

SPÖ Melanie Erasim

… Ich habe mich mit diesem Gesetz sehr gut auseinandergesetzt, auch 2018. Deshalb haben wir auch dagegengestimmt, und der Verfassungsgerichtshof hat uns im Anschluss ja recht gegeben.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Das ist ein eigenartiges Argument, weil wenn ... 2017 dafür war, ist es ein gutes Gesetz!

SPÖ Melanie Erasim

… Wir wollen beides zusammenfließen lassen, auf der einen Seite höchstmögliche Sicherheit vor Terror …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das ist urfad, das hat ja der Zorba schon erklärt!

SPÖ Melanie Erasim

… und auf der anderen Seite höchstmöglichen Datenschutz.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Was auch immer „höchstmöglich“ ist! – Abg. Deimek [FPÖ]: Das ist nicht fad, das dem Kollegen Zorba ...!

SPÖ Melanie Erasim

… Wir realisieren diesen optimalen Schutz. Es sind auch viele Verbesserungen durch die Begutachtungsphase eingeflossen. Zum Beispiel: Die Bewilligung darf ausschließlich durch einen Dreiersenat …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Immer die gleiche Leier!

SPÖ Melanie Erasim

… anstelle eines Einzelrichters erfolgen …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Was ist denn bei Gefahr im Verzug?

SPÖ Melanie Erasim

… Stärkung des Rechtsschutzbeauftragten, sowohl juristisch als auch technisch; Regelung der Verwertbarkeit von sogenanntem Beifang. Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, nur damit Sie wissen, über welche Größenordnung wir sprechen …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ich glaube, du gehst besser wieder zur Eisenbahn!

SPÖ Melanie Erasim

… Die erste Einschätzung hat ergeben, dass es sich um rund 30 Fälle pro Jahr handeln wird. Sollte diese Zahl 30 überschritten werden, ist das Innenministerium verpflichtet, sofort dem Ständigen Unterausschuss des Innenausschusses zu berichten. Da nehme ich unsere parlamentarische Kontrolle schon sehr ernst, nicht so wie die Grünen im Ausschuss: Na, das ist eh wurscht! – Es ist gar nicht wurscht.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was passiert, wenn wir wissen, das ist 31-mal eingesetzt worden? Was ändert sich dann?

SPÖ Melanie Erasim

… Während der Anwendung herrscht strengstes Sechsaugenprinzip, und ebenso gibt es die Einführung eigener Missbrauchstatbestände im Strafgesetzbuch. Bei allem Verständnis dafür, dass es Vorbehalte oder gar Ängste diesbezüglich gibt, ist es in Zeiten wie diesen wichtig, unserem Staatsschutz den Zugang zu zeitgemäßen Ermittlungsmethoden zu geben. Eines möchte ich schon anmerken: Ich möchte nicht, dass unsere Republik ausschließlich auf Infos von ausländischen Geheimdiensten angewiesen ist oder wir gar unsere Souveränität verlieren. Ich möchte auf sehr ungewöhnliche Art und Weise meine Rede beenden, und zwar mit den Worten des Nationalratspräsidenten Rosenkranz aus seiner Rede 2018 – er war nämlich damals auch Redner hier zu diesem Thema …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Deswegen ist es gut! – Abg. Zorba [Grüne]: Sie waren damals dafür und ihr seid eh dafür! Was ...? – Abg. Stefan [FPÖ]: Also wenn wir für was ...!

SPÖ Melanie Erasim

… und da brauchen Sie kein Misstrauen in unseren Rechtsstaat zu haben. [...] Sie brauchen kein Misstrauen zu haben in unsere Polizei, in unsere Staatsanwaltschaft und in unsere Richterschaft. Da brauchen Sie keinen Verdacht zu haben.“ …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Fällt dir was auf, Meli? Als SPÖ die FPÖ zu kritisieren ... – Abg. Kucher [SPÖ]: Das ist ja unglaublich! – Zwischenruf der Abg. Maurer [Grüne]. – Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz.

SPÖ Melanie Erasim

… In diesem Sinne werden wir mit Staatssekretär Jörg Leichtfried und auch mit dem Herrn Bundesminister alles daransetzen, dass bei dem, was wir jetzt erst auf den Weg bringen …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

... zitiert die FPÖ! – Ruf: ... Vertrauen!

SPÖ Melanie Erasim

… und es steht auch im Gesetz, dass ausschließlich eine Software verwendet werden darf, die das auch kann –, penibel darauf geachtet wird, dass die Grundrechte der Menschen in diesem Land bis auf den letzten Beistrich eingehalten werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das haben wir eh schon mal erwähnt, wie Sie die Grundrechte ...! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Wenn es um die Sicherheit geht, muss die Freiheit leiden! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das haben wir ... auch schon mal gehört! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Dann muss man die Freiheit leider ...!

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Staatssekretär.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Nein, wir misstrauen nicht grundsätzlich der Polizei …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wir auch nicht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wir auch nicht, aber der ÖVP!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… und nein, wir misstrauen auch nicht grundsätzlich der DSN, aber wir misstrauen dubiosen Softwareanbietern, die sich um hohe Geldbeträge von Hackern Sicherheitslücken kaufen und diese dann nutzen, damit diese Software hergestellt werden kann. Ja, wir misstrauen diesen Firmen, und ja, wir misstrauen ihnen, weil sie diejenigen sind, die als Erste all diese Daten bekommen, die da gesammelt werden. Diese Firmen sind die, die die Daten auslesen, und erst dann gehen sie an die Polizei und erst dann gehen sie an die DSN. Das ist das grundsätzliche Problem bei dieser Sache. Es ist nicht so, wie Sie es uns glauben lassen, dass die Polizisten, die Staatsschützer dasitzen, die Beamten aus dem Nachrichtendienst, und sagen: Bitte gib mir diese Nachricht von dem an den!, und dann kommt ein Text und dann kann man lesen: Oh, der plant einen Anschlag! – So funktioniert das nicht. Es funktioniert nur so, dass man eine Software in ein Gerät implantiert. Die geht da rein, sitzt da drin und sitzt dort auf einem Beobachtungsposten, schaut sich alles an, was da rein- und rausgeht. Dann kriegt sie einen Befehl, der sagt: Schick mir Kommunikation XY! – Aber alles andere ist auch im Verfügungsbereich dieser dubiosen Unternehmen. (👏) Ja, es gibt Rechtsschutz in diesem Gesetz. Es gibt Mechanismen, die dafür sorgen könnten, dass das sicher ist – wenn es denn nur die Software gäbe, die bei diesen Regelungen mitspielen würde, aber die gibt es nicht. Es gibt keine Software, die sich an Ihre gesetzlichen Regelungen hält. Das heißt, wir haben ein Gesetz, das eigentlich im Moment keinen Anwendungsbereich hat. Sie hoffen – Sie hoffen! –, dass es irgendjemanden gibt, der so etwas in Zukunft einmal erfindet. Das ist doch keine Grundlage, um ein Gesetz zu machen! …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Legalitätsprinzip!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Trotzdem stellt sich Kollegin Erasim hierher und befürwortet mit jenen Worten des jetzigen Präsidenten Rosenkranz, mit denen er den damaligen Trojaner befürwortet hat, ein Gesetz, obwohl sie dann den Trojaner selbst vor dem Verfassungsgerichtshof bekämpft hat. (👏) Aber auch bei den NEOS: Kollege Shetty, du stellst dich hierher und sagst, es ist super, dass es bei euch unterschiedliches Abstimmungsverhalten gibt. Was es bei euch gibt, ist, dass die Spitze in einem neu gewonnenen Machtrausch über die Expertinnen und Experten in den eigenen Reihen drüberfährt. Das ist es, was ihr macht. (👏 FPÖ) Ja, es gibt eine Frist, um dieses Gesetz vor dem Verfassungsgerichtshof zu bekämpfen. Macht ihr das? Werdet ihr das Gesetz vor den VfGH bringen? Gebt ihr dem VfGH die Gelegenheit, euer Gesetz zu überprüfen? – Nein, sicher nicht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Haben Sie die Bestimmungen der Verfassung gelesen? – Zwischenruf des Abg. Gödl [ÖVP].

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Das bedeutet das Gegenteil davon, Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet, Verantwortung abzuschieben. Wir müssen die Verantwortung dafür übernehmen und dieses Gesetz vor den VfGH bringen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ihr seids immer so arm!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… damit er die Gelegenheit hat, es zu prüfen. Macht euch aber keine Sorgen: Wir werden das schon machen, weil Grün hält! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Hält Wort! Grün hält Wort!

PräsidiumDoris Bures

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff .

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Galerie und vor den Bildschirmen zu Hause! Unser Klubobmann Yannick Shetty hat, glaube ich, schon sehr klargemacht, dass so eine Debatte natürlich gerade für Liberale immer eine äußerst schwierige ist. Wir haben – und das hat er auch klargemacht – natürlich sehr, sehr intensiv und sehr lange dazu im Klub, aber auch darüber hinaus diskutiert. Ich glaube, es ist in solchen wesentlichen Fragen auch sehr notwendig, das zu tun. Ganz grundsätzlich muss man sagen, dass selbstverständlich das Ziel der Republik sein muss, Sicherheit für jeden zu gewährleisten. Sowohl innere Sicherheit als auch äußere Sicherheit sind zu gewährleisten, damit jeder Bürger, jede Bürgerin in diesem Land leben kann und sich sicher sein kann, dass das eigene Leben nicht in Gefahr ist. Wir haben in den letzten Monaten und Jahren sehr oft erlebt, dass dieser Sicherheitskompass der Bürgerinnen und Bürger, dieses Sicherheitsgefühl – durchaus berechtigt in vielen Fragen – nicht mehr da ist. Da muss man sich die Frage stellen: Was können wir mit möglichst wenig Eingriff machen, damit diese Sicherheit hergestellt werden kann? – Diesbezüglich sind ganz viele Hausaufgaben zu machen, wie beispielsweise eine Personaloffensive im Polizeibereich, in der DSN. Es sind auch ganz viele Personalfragen mit Blick auf die DSN zu klären – und ich weiß, dass das dem Herrn Minister sehr bewusst ist –, da auch weitere Schritte zu gehen, und es ist hart daran zu arbeiten, dass die DSN nach ihrer ersten Entwicklungsphase, in der sie ist, auch die Möglichkeiten hat, da wirklich tätig zu werden. Personal ist zur Verfügung zu stellen, die technischen Ressourcen sind zur Verfügung zu stellen et cetera. Dann stellt sich natürlich die Frage: Welche Kompetenzen braucht es darüber hinaus? Das ist – und ich habe es vorhin angesprochen – keine einfache Entscheidung. Da gibt es gewisse Parameter, an die man sich in Verhandlungen, in Koalitionsverhandlungen gebunden hat – und es ist auch das Thema Gefährderüberwachung im Koalitionspakt festgeschrieben. Sie wissen auch, wie der Prozess war, der uns wesentlich war, nämlich von Anfang an zu sagen: Wenn es dazu einen Prozess gibt, dann setzen wir alles daran, dass es möglichst wenig Eingriff gibt, dass dieser sehr klar geregelt ist, dass es möglichst viel Rechtsschutz gibt und – da setzen wir alles daran – dass das auch verfassungskonform ist. Klubobmann Shetty hat schon gesagt, das können nicht wir entscheiden – schon gar nicht ich als Hobbyjurist, wie ich mich selber bezeichne –, sondern das müssen andere entscheiden. Deswegen war es uns so wichtig, einerseits die Begutachtung so lange wie möglich, also eine außergewöhnlich lange Begutachtung, zu machen und im Verfahren auch ernst zu nehmen, was in der Begutachtung herausgekommen ist. Ich glaube, kaum jemand bei uns würde sagen, dass der Entwurf, der in Begutachtung gegangen ist und nach der Begutachtung mit Stellungnahmen dagelegen ist, so umzusetzen gewesen wäre. Deswegen gibt es auch eine Vielzahl an Maßnahmen – Kollege Shetty hat sie schon ausgeführt –, die wir umgesetzt haben. Wir haben den Rechtsschutz in langen und zähen Verhandlungen verbessert. Ich denke an den Rechtsschutzbeauftragten, die Verlängerung der Begutachtungsfrist. Nicht nur hat der Rechtsschutzbeauftragte jetzt drei Monate Zeit, sondern der Unterausschuss kann auch die Verträge einsehen und sich im Rahmen der parlamentarischen Kontrolle entsprechend damit auseinandersetzen. Ich denke an den Dreirichtersenat, der natürlich eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem, wie es davor war, ist. Bleiben wir auch beim Rechtsschutzbeauftragten: Es ist festgelegt, dass wir selbstverständlich die personellen Ressourcen und auch die fachlichen Ressourcen in der Rechtsschutzabteilung schaffen wollen. Jeglicher Datentransfer, der stattfindet, jegliche Bewegung muss gekennzeichnet sein, und dementsprechend kann auch der Rechtsschutzbeauftragte alles einsehen, die Löschung verlangen und ist natürlich als Kontrollinstanz in einer Art und Weise eingebunden, wie das bisher noch nie da war. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Weil von den Grünen, glaube ich, das Thema Schutz von Journalist:innen angesprochen wurde: auch das als klare Kennzeichnung, dass hier immer der Dreirichtersenat entscheiden muss – eine massive Verbesserung zu davor. Auch dass Zufallsfunde im Hinblick auf Vermögensdelikte nicht angewendet oder gebraucht werden dürfen, ist eine klare Verbesserung. Und – das halte ich schon fest – das Wesentliche ist, dass genug Zeit für den VfGH vorhanden ist, zu entscheiden, ob diese Software verfassungskonform ist oder nicht. All diese Veränderungen haben dazu geführt, dass dieses Gesetz sicherlich ein wesentlich besseres ist, als es das in der Vergangenheit war. Ich möchte aber abschließend auch eine Sache feststellen; das hat auch der Herr Klubobmann schon gemacht, aber es ist wesentlich: Es gibt keinen Millimeter mehr, als wir heute hier in diesem Parlament beschließen wollen, Herr Bundesminister …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Das könnt ihr doch überhaupt nicht bestimmen! Die fragen euch doch gar nicht!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… keinen einzigen Millimeter mehr, keine weitere Ausweitung in irgendeiner Form! – Danke schön.

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Leinfellner .

FPÖ Markus Leinfellner

Danke, Frau Präsidentin! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Also bei einigen meiner Vorredner fehlen mir schlicht und ergreifend die Worte angesichts dieser Überwachungsfantasien. Anstatt endlich ein Verbotsgesetz für den politischen Islam auf den Weg zu bringen, träumt unser Innenminister von einer Überwachung von unseren Österreichern. Er träumt davon, die Grund- und Freiheitsrechte wieder einmal mit Füßen zu treten. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Diese Überwachungsfantasien treffen ja nicht nur die Verbrecher, die treffen ja nicht nur Verdächtige, sondern sie treffen jeden einzelnen Österreicher, der diese Messengerdienste – Whatsapp, Signal, Threema, Telegram und wie sie alle heißen – nützt. Meine sehr geehrten Damen und Herren, damit werden Sie den Terror in Österreich keinesfalls bekämpfen. (👏 FPÖ) Damit werden Sie einen Überwachungsstaat in Österreich einführen, und das ist etwas, was wir Freiheitliche definitiv nicht wollen. Wenn Sie den Terror tatsächlich bekämpfen wollen, dann frage ich mich schon: Warum erwähnen Sie in diesem Gesetz mit keinem einzigen Wort den islamistischen Terror? Herr Innenminister, Sie können uns aktuell nicht einmal sagen, wie viele Illegale sich in unserem Land aufhalten, aber Sie wollen mit dieser Software diese Illegalen überwachen. Das ist ja schlicht und ergreifend ein Treppenwitz, Herr Innenminister! (👏 FPÖ) Ich frage mich auch: Wie wollen Sie diese Software auf die Handys bringen? – Eine Möglichkeit hat ja Kollegin Fürst bereits genannt: mit der Ausnutzung von Sicherheitslücken bei Apple, bei Google und dergleichen. Mit einer Amazon-SMS, in der man aufgefordert wird, ein Paket zu bestätigen, das man gar nicht erhalten hat, wird es wahrscheinlich nicht funktionieren, aber wer sagt uns, dass das nicht mit der ID Austria auf das Handy geladen wird, nämlich mit jener staatlichen Software, die inzwischen jeder Österreicher in diesem Land braucht, ohne die man ja nahezu nichts mehr machen kann. Da frage ich mich auch, Herr Innenminister: Wie viele Asylanten und Illegale verwenden diese ID Austria? – Kein einziger, Herr Innenminister! Also damit wird es wahrscheinlich auch nicht funktionieren. Das wäre nach diesem unsäglichen Coronaregime der größte Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte, den wir je in diesem Land erlebt haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer sagt uns, dass der grüne Pass nicht ein erster Testballon gewesen ist , um einmal zu schauen, wie viele Österreicher tatsächlich bereit sind, sich diese Software, eine staatliche Software, auf dem Mobiltelefon zu installieren? (👏 FPÖ) Abschließend: Herr Innenminister, ist Österreich wirklich das einzige Land, das diese Messengerüberwachung nicht hat? Sie haben am 19.8.2024 selbst gesagt: „Das ist mittlerweile internationaler Standard. Alle anderen europäischen Länder dürfen das, nur die österreichische Polizei darf das nicht.“ – Ich will ja wirklich nicht sagen, um keinen Ordnungsruf zu bekommen, dass Sie die Österreicher angelogen haben, aber ich sage, ein wenig Zweifel an der Wahrheit ist hier schon angebracht. Es gibt keine einzige Aufstellung über Länder in Europa, die Messengerdienste zur Überwachung verwenden – die gibt es nicht. Erst seit der Aufklärung des Pegasus-Skandals wissen wir, dass acht Länder genannt wurden. Ich glaube, dieser Pegasus-Skandal ist vielen noch immer ganz gut in Erinnerung. Was ist dabei passiert? – Zehntausende Handys wurden teils in staatlichem Auftrag ausspioniert. Herr Bundesminister, diese Überwachungsfantasien können wir Freiheitliche nicht unterstützen. Wenn Sie den Terror bekämpfen wollen: Remigration wäre ein erster Anfang. (👏 FPÖ) 13.25

PräsidiumDoris Bures

Herr Abgeordneter, für den weiteren Verlauf der Debatte möchte ich Sie nur darauf hinweisen, dass ich, wenn Sie sagen: Ich möchte nicht sagen!, aber anschließend eine Formulierung verwenden, die ordnungsrufwürdig ist, in Zukunft auch dafür einen Ordnungsruf erteilen werde, aber das, denke ich, ist jetzt ausgeräumt, und es ist klar, dass auch so eine Formulierung nicht zu verwenden ist. Nun gelangt Frau Abgeordnete Margreth Falkner zu Wort.

ÖVP Margreth Falkner

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zuschauerinnen und Zuschauer hier und zu Hause vor den Bildschirmen! Stellen Sie sich vor: ein ganz gewöhnlicher Morgen und eine volle U-Bahn, Menschen auf dem Weg zur Arbeit, in die Schule, ins Leben – und plötzlich, Sekunden später ist alles anders: Chaos, Schreie, Rauch. Genau so war es vor 20 Jahren in London, 52 Menschen sind nie mehr nach Hause gekommen. Als Konsequenz hat das Vereinigte Königreich die Überwachungsmöglichkeiten massiv ausgeweitet und konnte dadurch in den darauffolgenden Jahren weitere Anschläge in London und Glasgow verhindern. Solche Bilder könnten auch bei uns Wirklichkeit werden. Niemand von uns will das, aber es wäre fahrlässig, so zu tun, als könnte es nicht passieren. Wir hier tragen Verantwortung, nicht für Meinungen, nicht für Parteiprogramme, sondern für die Sicherheit der Menschen in unserem Land. Diese Sicherheit beginnt mit einer ganz einfachen Frage: Darf unsere Polizei dort hinschauen, wo sich Gefährder heute verstecken, oder knebeln wir sie weiter mit einem Gesetz, das – so ehrlich und selbstkritisch müssen wir sein – aus der Zeit gefallen ist? Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist Realität: Wenn zwei Terroristen miteinander telefonieren und einen Anschlag planen, dann darf man sie abhören, völlig klar, völlig unbestritten, aber wenn sie genau denselben Anruf per Whatsapp machen, ist plötzlich Schluss, Funkstille für den Rechtsstaat. Gleiches Gerät, gleiche Stimme, gleicher Plan, und trotzdem keine Überwachung. Das ist nicht logisch, das ist nicht zeitgemäß und das ist gefährlich. Wer das nicht ändern will, handelt nicht mutig, handelt nicht rechtsstaatlich, sondern verantwortungslos, denn wir dürfen doch nicht zusehen, wie Täter sich der Überwachung mit einem ganz einfachen App-Wechsel entziehen. Das ist doch absurd. Ich frage Sie: Wo sollen Polizistinnen und Polizisten ihren Auftrag erfüllen, wenn wir ihnen die notwendigen Werkzeuge verwehren? Wie wollen wir unsere Kinder, unsere Familien, unser Land schützen, wenn wir aus Angst vor politischem Gegenwind Maßnahmen verhindern, die fast in ganz Europa längst Standard sind? Die Niederlande setzen auf Überwachung, Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, ja selbst die Schweiz und Ungarn, falls Ihnen dieses Beispiel lieber ist. Der Unterschied ist nur, in Österreich werden diese Möglichkeiten derzeit nicht genutzt – nicht weil sie nicht gebraucht werden, sondern weil sie politisch blockiert werden. Noch ein Mythos gehört heute einmal mehr entlarvt: Dieses Gesetz bedeutet keine Massenüberwachung. Wir reden von maximal 30 Fällen pro Jahr – 30! – und nur dann, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt. Wenn mehr Fälle auftreten, muss das transparent und nachvollziehbar dem Parlament gemeldet werden. Es wird kontrolliert, geprüft und begrenzt – genau so, wie es in einem Rechtsstaat auch sein muss. Der Rechtsstaat darf nicht blind sein, er darf nicht taub sein, er darf sich nicht selbst entmachten. Wenn Sie immer vor Missbrauch warnen – so ehrlich müssen wir sein –: Die Gefahr besteht, und zwar bei jedem Gesetz, das wir hier im Hohen Haus beschließen. Gerade deshalb haben wir so viel Wert auf den Rechts- und Missbrauchsschutz bei diesem Gesetz gelegt, deshalb ist es eines der strengsten Gesetze. Wir träumen nicht, Herr Kollege Leinfellner, wir schützen die Menschen in unserem Land und wir setzen Zeichen genau mit diesem Gesetz. (👏 ÖVP) Wir stehen an einem Scheideweg: Entweder wir modernisieren den Rechtsrahmen und geben der Polizei Mittel in die Hand, wie sie in fast jedem der EU-Mitgliedsländer längst bestehen, oder wir schauen weiter dabei zu, wie sich Terroristen in digitalen Schattenräumen verschanzen, unbeobachtet und unkontrolliert. Wir sind nicht bereit, dieses Risiko in Kauf zu nehmen, nicht wenn es um Menschenleben geht. Deshalb bitten wir hier um breite Zustimmung: aus Verantwortung für die Sicherheit in unserem Land. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alois Kainz .

FPÖ Alois Kainz

Danke, Frau Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Werte Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Mit dieser Regierungsvorlage wird ein Gesetzespaket vorgelegt, das in der Praxis nichts weniger bedeutet als den größten Überwachungsausbau der letzten Jahrzehnte. Was als Werkzeug gegen den Terror verkauft wird – und wie es verkauft wird –, ist in Wahrheit ein trojanisches Pferd, das tief in die Grundrechte unbescholtener Bürger eindringt. (👏 FPÖ) Mit der Einführung des Bundestrojaners sollen künftig Nachrichten, wie sie Millionen Österreicher über Dienste wie Whatsapp, Signal oder Telegram versenden, mitgelesen werden können, und zwar nicht punktuell oder bei akuter Gefahr, sondern präventiv auf bloßen Verdacht hin. Der Begriff des verfassungsgefährdenden Angriffs ist im Gesetz so vage formuliert, dass er praktisch auf alles angewendet werden kann, was der Regierung gerade nicht passt.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Haben Sie das Gesetz jemals gelesen? Sie tun sich ja schon schwer beim Runterlesen der Rede!

FPÖ Alois Kainz

… Eines ist auch noch erwähnenswert: Das Wort Islamismus kommt im gesamten Entwurf kein einziges Mal vor …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Da redet jemand über ein Gesetz, das er nie gelesen hat!

FPÖ Alois Kainz

… obwohl dieser aktuell die größte reale Bedrohung für unsere Gesellschaft ist. (👏 FPÖ) Wir von der FPÖ sagen Ja zur Sicherheit, aber Nein zu einem Überwachungsstaat, der die Überwachung der eigenen Bürger normalisiert. Ein Staat, der zur Überwachung absichtlich Sicherheitslücken im Betriebssystem offenlässt, setzt neun Millionen Menschen digitaler Gefahr aus und verbündet sich indirekt mit denselben Hackernetzwerken, gegen die er vorgibt, vorzugehen. Die Regierung lässt völlig offen, welche Softwares verwendet werden sollen, ob damit sämtliche Daten auf einem Handy zugänglich werden und so weiter und so fort. Von der Illusion, dass nur Sicherheitsbehörden davon wissen, muss man sich verabschieden. Wenn es eine Sicherheitslücke gibt und sie offen ist, wird sie auch von anderen gefunden und verwendet. Da befindet man sich in der organisierten Kriminalität, in Betrugsfällen. Die Auswirkungen sind viel breiter, diese treffen die gesamte Bevölkerung, während die Sicherheitsbehörden aus legitimer Verwendung heraus, um Schwerstkriminelle zu überwachen, viel weniger Fälle überwachen. Das heißt, das Interesse, die gesamte Bevölkerung zu schützen, indem man die Sicherheitslücken so schnell wie möglich schließen lässt, überwiegt gegenüber den paar Einzelfällen im ganzen Jahr. Im „Report“ vom 1. Juli war René Mayrhofer. Er war über mehrere Jahre in den USA für die Sicherheit von Google verantwortlich. Er meint zu diesem Thema Folgendes: Die Regierung betont, nicht auf das gesamte Handynetz zugreifen zu können, sondern nur auf einzelne Chatprogramme. Rechtlich kann man das eingrenzen, technisch aber nicht. Um Überwachungen am Handy durchzuführen, muss man einfach am Handy Sicherheitsmaßnahmen brechen, anders geht es nicht. – Zitatende. Auf die Frage, ob die Bundesregierung die Unwahrheit sagt, wenn behauptet wird, dass das dann so leicht ginge, antwortet er: Ich möchte niemanden beschuldigen, bewusst die Unwahrheit zu sagen, aber es deckt sich nicht mit der technischen Welt, so wie wir diese kennen. – Zitatende. (👏 FPÖ) Dann noch zu meinen Vorrednern: Zu Herrn Gödl von der ÖVP, der die Karte von Europa gezeigt und gemeint hat, dass wir da in Österreich alleine sind: Da sind wir gerne alleine. Da vergleichen wir uns nicht. Da gibt es so viele Lücken und Probleme im Sicherheitsnetz. Der Kollege von den Grünen hat gesagt: Über 90 Prozent der Stellungnahmen sind negativ gewesen. – Dem pflichte ich bei. Das alleine müsste sehr zu denken geben, dass dort einiges schiefgeht und nicht stimmen kann. (👏 FPÖ) Dann weiter – der Kollege von der SPÖ, Herr Köhler ( Rufe bei der SPÖ: Köllner! ), hat gemeint: So leicht wie die FPÖ kann man sich es einfach nicht machen und sich wegstellen. ( Ruf bei den NEOS: Wegstehlen! ) – Wollt ihr jetzt noch eure Trittbrettfahrerei legitimieren? Das ist nicht verständlich für uns. Der Herr Bundesminister hat gesagt: Das Gesetz ist notwendig, um arbeiten zu können. – Ja, um arbeiten zu können, braucht es Geld und Personal. Dann haben Sie noch gesagt betreffend den Eindruck des Misstrauens gegenüber dem Verfassungsschutz, der Polizei und den Sicherheitsorganen, die sollte man nicht infrage stellen. – Herr Bundesminister, wir tun das nicht! Sie rücken das immer in so ein Licht, was eigentlich ein tiefer Untergriff ist. Wir schützen und schätzen die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Da lassen wir uns nicht irgendwo irgendein anderes Licht aufdrehen. Das stimmt so nicht. (👏 FPÖ) Jetzt noch zum Schluss: Wenn die Regierung den politischen Islam tatsächlich bekämpfen möchte, braucht es ein Verbotsgesetz gegen Organisationen wie die Muslimbruderschaft und nicht Spionageabwehr gegen Bürgerproteste. Wir lehnen diese Vorlage entschieden ab – für Freiheit, Rechtsstaat und echten Schutz der Bevölkerung. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Geschätzte Damen und Herren! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebes Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren heute ein ganz wichtiges Thema, ein Kernthema unserer Politik in Österreich. Es geht um die Sicherheit Österreichs, es geht um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Es geht um die Gefährderüberwachung als Instrument zur Gefahrenabwehr, um Terroranschläge zu verhindern, Leben zu retten, aber genauso, um die Behörden handlungsfähig zu machen. Warum brauchen wir diese Überwachung? – Weil die Gefährder über Messengerdienste Informationen austauschen und sich radikalisieren. Früher waren es Telefone oder irgendwelche Stammtische und Treffen; diese nutzen sie leider nicht mehr. Früher hatten wir die Telefonüberwachung, jetzt müssen wir auf Messengerdienste wie zum Beispiel Whatsapp, Telegram oder Signal zugreifen können. Außerdem brauchen die Polizei und der Verfassungsschutz moderne und vor allem rechtsstaatliche Mittel, um in diesem Bereich überwachen zu können. Österreich – wie es vorhin schon angesprochen wurde – hinkt da nach. Fast alle europäischen Länder haben eine Form der Überwachungsmöglichkeit. Es kann nicht sein, dass wir immer auf Informationen der Nachrichtendienste anderer Länder angewiesen sind. Was ist vorgesehen? – Es ist grundsätzlich keine Massenüberwachung, es gibt kein willkürliches Abhören. Die Anwendung erfolgt nur dann, wenn es terroristische und verfassungsgefährdende Bedrohungen gibt, und nur im konkreten Verdachtsfall oder wenn nachrichtendienstliche Informationen anderer Staaten zu uns kommen. Es steht eine strenge gesetzliche Auflage dahinter: Es muss alles dokumentiert werden. Es muss nachvollziehbar sein. Über den Richtersenat wird sozusagen ein Mehraugenprinzip garantiert. Und es geht so vor sich, wie heute schon eine Hausdurchsuchung oder eine Telefonüberwachung möglich ist. Beispiele aus der Realität zeigen, dass die Zahl von Bombendrohungen und Bedrohungen durch Extremisten und Terroristen immer mehr steigt. Wir haben da als Österreich Handlungsbedarf. Fakt ist, dass es jeder verhinderte Anschlag wert ist, dieses Werkzeug zu nutzen. Uns ist auch klar, dass es immer eine große Abwägung zwischen der Privatsphäre, also Datenschutz, und der Sicherheit gibt. Ein Wort noch zur Opposition und vor allem zu den Freiheitlichen: Als wir noch mit Ihnen in der Regierung waren, waren Sie dafür, jetzt sind Sie dagegen. Die Gefährdungslage hat sich aber nicht geändert, es hat sich nur Ihre parteipolitische Einstellung geändert. Man sieht, es geht Ihnen nicht um die Sache, es geht Ihnen nicht um die Sicherheit der Bürger, es geht um parteipolitische Spielchen. ( Ruf bei der FPÖ: Gegen den Überwachungsstaat! ) Sicherheit kann kein parteipolitisches Spiel sein. (👏 ÖVP) Wir vertrauen unseren Sicherheitsbehörden. Freiheit braucht Sicherheit, und Sicherheit braucht einen handlungsfähigen Rechtsstaat. In diesem Sinne unterstützen wir diese Gefährderüberwachung. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christian Hafenecker . ( Ruf bei der FPÖ: Jetzt pass auf, da kannst was lernen! )

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Frau Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Kollege Hofinger, es ist kein politisches Spielchen, gegen einen Überwachungsstaat aufzustehen. Das möchte ich Ihnen eingangs dieser Rede einmal sagen. (👏 FPÖ) Wir arbeiten hier im Interesse der Bevölkerung und gegen Ihre Parteiinteressen. Das ist der Unterschied. Herr Bundesminister, ich habe Ihnen vorhin zugehört, und wissen Sie, ich kenne Ihre Plattitüden und Ihre Ankündigungen, aber, Herr Bundesminister, wenn Ihnen die Sicherheit der Österreicher so wichtig ist, warum stellen Sie sich gegen ein Gesetz gegen den politischen Islam? Dann hätten wir einen Straftatbestand, dann könnten wir sofort vorgehen. Das wollen Sie aber nicht, warum auch immer. Es wäre interessant, wie Sie das begründen. (👏 FPÖ) Dann würden nämlich die vorhandenen Mittel völlig ausreichen, diese Gefährder zu überwachen – das nur nebenbei gesagt. Wenn Sie uns vorwerfen, dass die FPÖ nicht hinter der Polizei steht, dann würde ich Ihnen empfehlen, Herr Bundesminister: Schauen Sie einmal die Ergebnisse der Personalvertretungswahlen an, denn dann wissen Sie, was Ihre Polizei von Ihrer Politik hält. Wogegen wir uns stellen, sind die parteibuchbesetzten Kommandanten der Polizei – das betreiben Sie seit Jahrzehnten.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Wer hat denn die Mehrheit bei der Polizei?

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie haben die Polizei in den Führungspositionen dunkelschwarz eingefärbt, und da geht es nicht um Kompetenz, sondern nur um das Parteibuch, und das ist das Problem, das wir hier haben. (👏 FPÖ) Und dann machen Sie immer solche Maßnahmen wie zum Beispiel ein Messerverbot in Favoriten. In Favoriten haben wir die tägliche Messerstecherei. Was macht Innenminister Karner? – Er fährt dorthin, gibt eine Pressekonferenz. Das nächste Messerattentat ist 2 Stunden später, und als Geschenk sperren Sie dann die Polizeiinspektion vor Ort auch noch zu. Das ist Ihre Vorstellung von Sicherheit, die Sie an den Tag legen. Ich glaube, es geht ein bisschen am Ziel vorbei. (👏 FPÖ) Und dann stellen Sie von der ÖVP ernsthaft die Frage, warum wir nicht dabei mitmachen, Ihren tiefen Staat noch mächtiger zu machen. Es funktioniert nichts mehr. Sie gefährden teilweise die Bevölkerung aufgrund parteipolitischer Interessenlagen, Herr Bundesminister – das ist der springende Punkt –, und da machen wir ganz bestimmt nicht mit. Weil Sie dauernd mit dieser Messengerüberwachung kommen und weil Sie dauernd das Beispiel der Bundesrepublik Deutschland bringen: Es gibt die tägliche Messerstecherei in Deutschland, den täglichen Anschlag in Deutschland. Ist dort irgendetwas sicherer geworden? Hat man irgendwelche Anschläge vermeiden können in Deutschland? – Nein …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Sicher!

FPÖ Christian Hafenecker

… die werden der Lage nicht Herr. Das Problem haben Sie verursacht.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Wovon redest denn du? Ja, sicher!

FPÖ Christian Hafenecker

… Das Problem war die ungezügelte Migration. Sie haben Leute ins Land gelassen, von denen Sie nicht gewusst haben, woher sie kommen, wer sie sind und was sie machen werden. Das ist Ihr Problem, Herr Innenminister, aber nicht die eigene Bevölkerung. (👏 FPÖ) Wenn man die Gefahr nicht ins Land lässt, dann hat man kein Problem, aber deswegen ist ja auch das, was wir sagen, das Richtige: Wir brauchen keine Turboüberwachung der eigenen Bevölkerung, wir brauchen eine Turbanüberwachung. Das wäre einmal interessant, in die Richtung sollten wir einmal nachdenken. (👏 FPÖ) Ich möchte es nicht unnötig in die Länge ziehen, aber reden wir über die letzten drei schlimmen Ereignisse, die es in diesem Land gegeben hat, die uns alle beschäftigt und erschüttert haben, Herr Bundesminister, Sie wissen das auch. Reden wir über den Terroranschlag von Wien. Da hätte es keine Messengerüberwachung gebraucht. Da hätte es jedenfalls ein Innenministerium gebraucht, das in der Lage gewesen wäre, die eigenen E-Mails abzurufen, die aus der Slowakei gekommen sind, in welchen vor den Terroristen gewarnt wurde. Das haben Sie nicht gemacht. Da hätten Sie die Bevölkerung nicht zu überwachen brauchen, nur Ihre E-Mails lesen, Herr Bundesminister, das wäre ein Ansatz gewesen. Wien hätte man verhindern können. (👏 FPÖ) Gehen wir weiter zum unglaublich tragischen Fall Villach, Herr Bundesminister: Das Gleiche in Grün! Sie reden dauernd von Ihrem Vorbild Deutschland, aber Ihre Behörde ist nicht einmal in der Lage, mit den Deutschen zu sprechen, sonst hätten Sie nämlich gewusst, dass der Attentäter von Villach an der deutschen Grenze zurückgewiesen worden ist, unserer Exekutive übergeben worden ist, weil er dort mit einem gefälschten Personaldokument einreisen wollte. Dann hätten Sie gewusst, dass eine bundesweite Fahndung in der Bundesrepublik Deutschland ausgeschrieben war, und dann hätten Sie ihm erstens kein Asyl geben dürfen oder zweitens, wenn er es schon gehabt hat, hätten Sie ihn sofort abschieben müssen. Das haben Sie auch nicht gemacht. Somit haben Sie auch da ein Behördenversagen zu verantworten. (👏 FPÖ) Der Fall Graz ist ebenso ein Fall, bei dem Sie wieder weggeschaut und versagt haben, Herr Bundesminister, denn das hätte man sofort open-source-mäßig ermitteln können. Das haben übrigens die freien Medien für Sie gemacht, Herr Bundesminister, die Sie immer auf allen Ebenen bekämpfen und die Sie wahrscheinlich auch irgendwann einmal messengerüberwachen wollen. Die haben herausgefunden, dass der Attentäter von Graz über x Facebook-Profile verfügt hat, die Sie mit Ihren ÖVP-Polizisten nicht gefunden haben. Die freien Medien und die neuen Medien, die Sie abdrehen wollen und betreffend die Sie dafür werden geradestehen müssen, wenn es auch noch zu Debanking-Maßnahmen kommt, haben es geschafft. Was wäre mit der Messengerüberwachung und den Covid-Maßnahmen-Gegnern? – Das wären aus Ihrer Sicht natürlich Staatsfeinde, die könnte man sofort überwachen. Frau Kollegin Zadić, weil Sie vorhin gesagt haben, dass Sie jetzt sozusagen der Hort des liberalen Denkens sind: Ich kann mich schon genau erinnern, was Ihr ehemaliger Obmann Kogler da drüben auf der Regierungsbank über die Maßnahmengegner gesagt hat. Die hat er als Staatsverweigerer, Staatsfeinde und Verfassungsfeinde bezeichnet, also das sind schon Dinge, die aus dem grünen Sektor gekommen sind. Das vergessen wir nicht. (👏 FPÖ) Dann kommt Kollege Gerstl von der ÖVP und sagt uns: Na ja, es ist ja überhaupt kein Missbrauch möglich, das Gesetz ist so dermaßen wasserdicht, dass man es nicht missbrauchen kann! …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Das haben sie uns schon öfter erzählt!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich bin ein gelernter Österreicher, meine sehr geehrten Damen und Herren, und vor allem habe ich lange genug unter der ÖVP gelitten, eigentlich 40 Jahre meines Lebens – ich werde jetzt 45 –, so lange sind Sie in der Regierung, und wissen Sie, was ich in dieser Zeit gelernt habe? – Alles ist möglich bei der ÖVP, wenn es darum geht, die eigenen Interessen durchzusetzen. (👏 FPÖ) Ein Beispiel ist die Einsetzung der Soko Tape, die Sie mit Ihren ÖVP-Polizisten eingesetzt haben, als es noch einen Innenminister Kickl gab. Der hat nichts davon gewusst, und wissen Sie, was Sie damit gleich geschaffen haben? – Eine politische Eingreiftruppe der Sonderklasse. Kollege Gerstl, Sie waren ja selbst im Ausschuss mit dabei, solange Sie Fraktionsführer waren. Da hat man ja gesehen, wo sich diese Eingreiftruppe überall betätigt hat. Sie haben mit Ihrer Polizei damals Ministerin Zadić das Ibizavideo monatelang vorenthalten. Das haben Sie gemacht, weil Sie zuerst einmal schauen wollten, was auf dem Datenträger sonst noch alles drauf ist. Dazu braucht es eine politische Eingreiftruppe, keine Frage. Dann sind die Kloibmüller-Chats ruchbar geworden, Herr Kollege Gerstl, nicht? Da hat sich die ÖVP Sorgen gemacht: Wer hat denn bei Herrn Kloibmüller wofür interveniert? Wissen Sie, was dann passiert ist? – Bei Abgeordneten kann man keine Hausdurchsuchung machen, aber bei Mitarbeitern von Abgeordneten schon. Das hat die ÖVP-Eingreiftruppe, die politische, damals veranlasst.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Der war aber kein Mitarbeiter von einem Abgeordneten!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich weiß ganz genau, wozu Sie in der Lage sind, wenn Sie das möchten, und davor sollten wir die österreichische Bevölkerung schützen. (👏 FPÖ) Da gibt es immer so ein nettes Wort, wenn die ÖVP unabsichtlich etwas ermittelt, da gibt es die sogenannten Beifänge. Das ist ja das, Herr Bundesminister, wo Sie hinwollen: Sie wollen die Handys der Österreicher komplett auslesen und hoffen dann auf Beifänge, die Sie dann gegen den politischen Gegner, gegen sonst jemanden einsetzen können. – Das ist Ihre Interessenlage.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Hafi, das glaubst nicht einmal selber, oder?

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie wollen Ihre Macht verfestigen, aber Sie wollen ganz sicherlich nicht die Bevölkerung schützen. So ehrlich sollte man schon noch sein. (👏 FPÖ) Deswegen auch mein Appell: Es mag schon sein, dass Sie jetzt nach 100 Tagen und ein bisschen mehr in einer Honeymoon-Phase sind, sehr geehrte Damen und Herren von der SPÖ und von den NEOS, aber diese Phase wird auch irgendwann wieder vorbei sein …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Für euch aber auch!

FPÖ Christian Hafenecker

… und dann haben Sie der ÖVP ein Instrument in die Hand gegeben, das gegen Sie verwendet wird, Kollege Shetty, darauf können Sie sich verlassen. Das wird schneller gehen, als Sie bis drei zählen können. Frau Kollegin Erasim, zu Ihnen auch noch, weil Sie vorhin davon gesprochen haben: Alles ist sicher, alles wird geschützt, alles ist großartig. – Sie haben den Ständigen Unterausschuss des Innenausschusses erwähnt, der dann das Kontrollgremium ist. Ich meine, Sie sitzen dort auch drinnen. Ich versuche, mich jetzt nicht strafbar zu machen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ein guter Vorsatz! Vielleicht sagst du das den Kollegen auch einmal!

FPÖ Christian Hafenecker

… aber das, was man dort im Keller, wo man keine technischen Geräte mitnehmen darf, hört, das ist das, was man am Vortag in der Zeitung gelesen hat, und das, was dort neu ist, erzählt der DSN-Chef am nächsten Tag sowieso dem „Kurier“, Herr Bundesminister. Der DSN-Chef ist nicht strafrechtlichen Bedrohungen ausgesetzt, Ihre ÖVP-Polizisten dürfen das – die Abgeordneten dürfen natürlich nicht darüber reden, alles streng geheim. Aber im Prinzip ist dieser Ausschuss eher larifari und sicherlich kein Kontrollgremium, das möchte ich in diesem Zusammenhang auch sagen. (👏 FPÖ) Mir läuft schon die Zeit davon. – Ein Wort noch zu Herrn Staatssekretär Leichtfried: Sie sprechen gern von Verfassungsfeinden. Wer ist denn aus Ihrer Sicht ein Verfassungsfeind? – Ist das die Bundesregierung dann, wenn Sie die Energiegesetze ändern wollen, weil Sie eine Zweidrittelmehrheit brauchen, um die Verfassung zu ändern? Ist ein Antrag gegen die Verfassung schon verfassungsfeindlich oder wie definiert sich das? …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Hafi, du wirkst ein wenig durcheinander!

FPÖ Christian Hafenecker

… Dann sollten Sie nämlich gleich selbst damit beginnen, sich zu überwachen und gegenseitig Ihre E-Mails zu lesen, wenn das die Definition von Verfassungsfeindlichkeit ist. Und ein letztes Wort noch zu Kollegen Shetty von den NEOS: Herr Kollege Shetty, ich würde nicht in Ihrer Situation sein wollen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das beruht auf Gegenseitigkeit!

FPÖ Christian Hafenecker

… Das ehrt mich. Sie vertreten als Klubobmann eine Partei, die an einem einzigen Tag dreimal umfällt, und das nicht bei irgendwelchen Kleinigkeiten, sondern bei wesentlichen Grundlagen Ihrer Partei. Ich kann es Ihnen sagen: Alle Prinzipien sind bei Ihnen weg, Sie geben der ÖVP das Metternich-Instrument in die Hand – das ist ein sehr liberaler Zugang; Gratulation, darauf können Sie sich etwas einbilden! –, das dann schlussendlich gegen Sie und gegen alle anderen verwendet wird. Damit man dann sozusagen noch mehr NEOS in eine Bundesregierung hineinbringt, reden wir dann noch über ein Parteiengesetz, durch welches Sie sich selbst im Nachhinein Strafen ersparen – das muss man sich einmal vorstellen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht!

FPÖ Christian Hafenecker

… Die Chuzpe muss man wirklich einmal haben, dass man ein Gesetz verabschiedet, das sozusagen illegale Parteispenden legal macht. Das machen Sie dann gleich später mit der SPÖ, mit den Grünen und mit der ÖVP gemeinsam. Ich würde mich schämen. Sie wollen sich einfach nur 70 000 Euro Strafe ersparen und lassen dafür de facto rückwirkende Gesetze vom Stapel.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Fake News!

FPÖ Christian Hafenecker

… Darauf können Sie sich was einbilden – wunderbar! Damit wir das Ganze abrunden, Herr Kollege Shetty, reden wir dann auch noch über den Untersuchungsausschuss. Auch da sind Sie Wasserträger der ÖVP.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Machts einmal einen! Brauchts ja nur einen machen!

FPÖ Christian Hafenecker

… Ich bin gespannt, wie das Frau Kollegin Krisper sieht, die ja für Aufklärung bekannt war. Sie sehen es ja offenbar ein bisschen anders. Ich finde es auch schade, dass die SPÖ dabei mitspielt. Das heißt also, es dauert nicht lange, bis man grundsätzlich von der ÖVP korrumpiert wird. Was ich wirklich auch schade finde – gerade in Ihrer Partei, Herr Shetty, da können Sie auch gleich wieder tatsächlich berichtigen –, ist, dass altgediente und respektierte Abgeordnete wie Kollege Scherak sich von ihrer Parteichefin im „Morgenjournal“ anhören müssen, dass sie eine flache Lernkurve haben. Das zeigt, in welchem Zustand Ihre Partei ist. Sie sind am besten Weg dazu, FDP 2.0 zu werden.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... eine Lernkurve?!

FPÖ Christian Hafenecker

… Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir Freiheitliche stellen uns gegen den ÖVP-Überwachungswahn. Wir wissen, was die ÖVP in der Lage ist, zu tun. Genau deswegen werden wir jedenfalls jede politische Gegenwehr einsetzen, um zu verhindern, dass Sie mit Ihren Plänen durchkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren von der ÖVP. Der tiefe Staat wird aufgedeckt, aber ganz sicherlich nicht ausgebaut. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich zu einer tatsächlichen Berichtigung Herr Klubobmann Yannick Shetty zu Wort gemeldet.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Guten Morgen, Herr Kollege Hafenecker! Sie haben hier am Rednerpult behauptet, dass sich die Regierungsfraktionen nachträglich Strafen erlassen. Ich berichtige tatsächlich – Sie sollten vielleicht nicht nur FPÖ-TV schauen, sondern auch das Croquis lesen –: Wir werden dafür sorgen, dass Strafen nachträglich nicht erlassen werden.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Zeig es her! – Abg. Stefan [FPÖ]: Wie geht das? Wie geht das? – Rufe bei der FPÖ: Falsch!

NEOS Yannick Shetty

… Da wurde heute ein Abänderungsantrag eingebracht, weil Parteien sich nicht etwas richten können sollen, was Bürgerinnen und Bürgern auch nicht möglich ist.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist leider falsch, Herr Kollege!

NEOS Yannick Shetty

… Deswegen sollten Sie sich anschauen, was der Wahrheit entspricht, und keine falschen Behauptungen aufstellen. – Vielen Dank.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Yannick, wie machst du das? Wie geht das juristisch? Bin gespannt, was ... vorlegts! – Ruf bei der FPÖ: ... dem Innenminister gleich direkt übergeben!

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Klubobmann Philip Kucher zu Wort. – Bitte.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Früher einmal hat man gesagt, es ist nicht alles schwarz oder weiß. Ich muss sagen, nach der heutigen Debatte bin ich froh, dass zumindest nicht alles nur blau oder grün ist, denn die heutige Debatte war schon in einigen Punkten an Absonderlichkeiten nicht zu überbieten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Jetzt ist alles nur mehr schwarz! – Abg. Zorba [Grüne]: Da hast mir nicht zugehört!

SPÖ Philip Kucher

… Gegen alles zu sein, gleichzeitig aber keinen einzigen konkreten Lösungsvorschlag zu bringen, wird uns in Summe auch nicht weiterbringen. – Da melden sich die beiden Richtigen, FPÖ und Grüne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Kollege Hafenecker kippt immer mehr in diese ganzen Verschwörungsgeschichten hinein. Du spürst es ja bei ihm: Es war plötzlich der tiefe Staat, von dem er jetzt gesprochen hat. Wieder ist der Zugang der FPÖ: Alles ist eine böse Verschwörung, das böse System. – Er glaubt es ja zunehmend selber. Hauptsache dagegen, gegen alles und jeden: Dieser blaue Weg wird uns ganz sicher nicht weiterbringen. Den anderen Weg haben heute die Grünen gewählt, die sind ja besonders mutig unterwegs und sagen: Besser gar nichts tun in dieser Frage, Augen zu, Kopf in den Sand, Prinzip Hoffnung.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh bitte, Philip! Ganz konkrete Vorschläge!

SPÖ Philip Kucher

… Das ist der grüne Weg gewesen, von dem wir heute auch mehrmals gehört haben. Auch das wird es nicht lösen und uns in Österreich, in dieser Republik nicht sicherer machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Besonders fair ist es nicht, dann zu sagen, so en passant: Die ausländischen Nachrichtendienste werden uns schon irgendwie warnen; wir selber machen uns die Hände nicht schmutzig. – Kollege Zorba, das ist nicht der Zugang, der der richtige ist. Politik hat natürlich immer die Aufgabe – und das ist auch die Kunst, die wir alle meistern müssen –, dass mehrere Interessen und Perspektiven unter einen Hut gebracht werden müssen. Das ist in der Frage, die wir heute ausführlich diskutiert haben, nicht leicht. Ja, es geht um Grund- und Freiheitsrechte auf der einen Seite, aber es geht auch um neue Bedrohungslagen und um die Sicherheit hier in der Republik, und dazu braucht es auch Antworten aller politischen Parteien in diesem Land. Jedes Kind begreift doch bitte, dass das Bisherige im Jahre 2025 einfach nicht mehr reicht, weil Terroristen und Gefährder vielleicht etwas anders kommunizieren als mit den klassischen alten SMS, die wir alle noch kennen. Bei den alten Handyverträgen, die wir von früher kennen, waren der Goldstandard 1 100 Frei-SMS, die du nutzen konntest. Die Terroristen tun uns halt nicht den Gefallen, dass sie genau so kommunizieren, dass wir sie am allerleichtesten überwachen können. Da hat sich schon auch die Welt geändert …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was hat sich seit 2017 geändert da? Warum warst du 2017 dagegen? Warum warst du 2017 dagegen? Sag es mir einmal!

SPÖ Philip Kucher

… und es ist Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik, genau diese Interessenabwägung zu schaffen.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Das ist ja eine Frechheit, Philip! Unter deiner Würde ist das!

SPÖ Philip Kucher

… Wenn wir alle miteinander wollen, dass die Behörden in der Lage sind, für Sicherheit zu sorgen …

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Was hat sich seit letztem Jahr geändert, außer dass du jetzt in der Regierung sitzt? Das ist peinlich!

SPÖ Philip Kucher

… dann müssen wir ihnen auch gemeinsam die Instrumente dafür geben und das auf eine ordentliche und intelligente Art und Weise umsetzen. Weil es heute so oft gekommen ist – und es wird nicht wahrer, wenn man den Topfen immer und immer wieder erzählt –: Es wird keine Massenüberwachung geben. Den Kickl-Trojaner, den wir auch gemeinsam erfolgreich verhindert haben, wird es nicht geben. Das, was die Blauen immer wieder wollten, haben wir verhindert.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das kannst du gar nicht verhindern, wenn ihr die Sicherheitslücken offen lasst! Stellt sich da hin! Das kannst du gar nicht verhindern, das ist ja genau der Punkt! Das verstehe sogar ich als Nichttechniker!

SPÖ Philip Kucher

… Wenn wir von 30 Fällen pro Jahr reden, wenn wir von scharfen Kontrollen sprechen – 30 Fälle pro Jahr, Herr Kollege! –, dann ist das ganz sicher keine Massenüberwachung. Wenn man es auf die 9 Millionen Menschen, die in Österreich leben, hochrechnet, würde man 300 000 Jahre brauchen. Das ist alles ein Topfen, den Grüne und FPÖ uns heute den ganzen Tag hier auftischen. Ich möchte abschließend sagen, dass wir leider nicht jeden Horror verhindern können werden. Es ist aber unsere Verantwortung, doch alles dafür zu tun, dass wir zumindest die Gefahr und die Wahrscheinlichkeit minimieren, daher sind die beiden Wege, die wir heute kennengelernt haben – ich sage es noch einmal dazu –: Lösen wir doch bitte die Probleme! Nehmen wir die Kritik auch gerne auf, wie wir es nach dem Begutachtungsverfahren getan haben, um noch einmal gemeinsam nachzuschärfen. Aber lösen wir miteinander Probleme, glauben wir nicht jeden Verschwörungstopfen, nur weil er von den Blauen kommt, und machen wir es auch nicht wie die Grünen, die nur den Kopf in den Sand stecken! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Abgeordneter Zorba zu Wort gemeldet. – Bitte.

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Frau Präsidentin. – Ja, Philip Kucher ist so ein klassischer Ausputzer, den man hinausschickt, der dann wieder ein bisschen mit Fake News vermischte Dinge von sich gibt, um die Meinung oder die Stimmung auf seine Seite zu ziehen.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Der schickt sich schon selber raus!

GRÜNE Süleyman Zorba

… Habt ihr sonst keinen gefunden außer Philip Kucher , der vor wenigen Jahren noch vehement gegen den Bundestrojaner war, sich vehement dagegen eingesetzt hat? Ich habe mir die Zitate im Vorfeld der Sitzung angeschaut. Ich habe im Halbjahrestakt Zitate von Philip Kucher gefunden, warum der Bundestrojaner ein Problem ist. Jetzt stellst du dich hier heraus und redest das Ganze schön und behauptest, wir hätten gar keine Vorschläge gebracht? Warst du in den Ausschusssitzungen dabei? …

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Wo denn?

GRÜNE Süleyman Zorba

… In jedem Innenausschuss gab es von uns Vorschläge – zur Reformierung der DSN beim Personal, bei den Befugnissen, überall. Du hast es dir aber nicht einmal angeschaut, und ich glaube nicht einmal, dass du dir den Entwurf angeschaut hast, über den du jetzt abstimmen wirst , denn wenn du ihn angeschaut hättest, würdest du verstehen, dass er sich nicht groß von dem unterscheidet, wogegen du jahrelang warst.

SPÖ Kucher (Zwischenruf)

Hast du nicht aufgepasst heute? ... das wissen! – Zwischenruf des Abg. Shetty [NEOS].

GRÜNE Süleyman Zorba

… Du bist ein Kollege, den ich sehr, sehr schätze. Ich verstehe auch, dass du jetzt diese Funktion übernommen hast, hier herauszugehen und auszuputzen. Überlege dir das nächste Mal aber, bevor du hier herausgehst, zweimal, was du sagst. – Danke.

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/62.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 6: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetz, das Sicherheitspolizeigesetz, das Telekommunikationsgesetz sowie weitere Gesetze geändert werden, samt Titel und Eingang in 164 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichnen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. RN/62.2 Für diese ist eine namentliche Abstimmung verlangt worden, und daher gehe ich auch so vor. Die Stimmzettel, die zu benützen sind, befinden sich in den Laden der Abgeordnetenpulte und tragen die Namen der Abgeordneten sowie die Bezeichnungen „Ja“ beziehungsweise „Nein.“ Für die Abstimmung können ausschließlich diese amtlichen Stimmzettel verwendet werden. Gemäß der Geschäftsordnung werden die Abgeordneten namentlich aufgerufen, den Stimmzettel in die soeben bereitgestellte Urne zu werfen. Ich ersuche jene Abgeordneten, die zu Tagesordnungspunkt 6 in dritter Lesung für den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 164 der Beilagen stimmen, „Ja“-Stimmzettel, jene, die dagegen sind, „Nein“-Stimmzettel zu verwenden. Ich würde Sie bitten, auch darauf zu achten, dass Sie nur einen Stimmzettel einwerfen. Frau Schriftführerin Petra Tanzler wird mit dem Namensaufruf beginnen; Frau Abgeordnete Tanja Graf wird sie später dabei ablösen. – Bitte. ( Über Namensaufruf durch die Schriftführerinnen Tanzler und Tanja Graf werfen die Abgeordneten den Stimmzettel in die Wahlurne. ) Präsidentin Doris Bures : Die Stimmabgabe ist nun beendet. Ich bitte die damit beauftragten Bediensteten des Hauses, unter Aufsicht der Schriftführer mit der Auszählung zu beginnen. Ich werde dafür die Sitzung für einige Minuten unterbrechen. Die Sitzung ist unterbrochen. RN/62.3 Sitzungsunterbrechung von 14.07 Uhr bis 14.12 Uhr (Die zuständigen Bediensteten nehmen die Stimmenzählung vor.) Präsidentin Doris Bures : Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf und gebe das Abstimmungsergebnis bekannt: Abgegebene Stimmen: 176; davon „Ja“ -Stimmen: 105, „Nein“ -Stimmen: 71. Der Gesetzentwurf in 164 der Beilagen ist somit in dritter Lesung mehrheitlich angenommen. RN/62.4 Mit „Ja“ stimmten die Abgeordneten: Auer, Auinger-Oberzaucher; Baumann, Baumgartner, Bayr, Bernhard, Binder, Bogner-Strauß, Brandstötter, Brandweiner, Bures; Deckenbacher, Della Rossa, Dengler, Diesner-Wais, Doppelbauer, Duzdar; Eder, Egger Kurt , Elian, Erasim; Falkner, Feichtinger, Fiedler; Gasser, Gerstl, Gmeinbauer, Gödl, Graf Tanja , Greiner Karin , Grünberg, Grüner; Haitzer, Hammer Michael , Hanel-Torsch, Hanger, Harrer, Haubner, Hechenberger, Herr, Herzog, Himmer, Hofer Markus , Höfinger Johann , Hofinger Manfred , Höfler, Holzegger, Hoyos-Trauttmansdorff; Jachs, Jantscher, Jeitler-Cincelli, Juvan; Köllner, Krainer Kai Jan , Kucher, Kugler, Kühberger, Kumpan-Takacs, von Künsberg Sarre; Laimer, Lindinger, Lindner Mario ; Mair Klaus , Marchetti, Minnich, Moitzi, Muchitsch; Neumann, Neumann-Hartberger, Nussbaum; Oberhofer, Oberrauner, Ofenauer, Ottenschläger, Oxonitsch; Pöttinger, Pramhofer; Raab, Reiter; Sams, Schatz, Scheucher-Pichler, Schmuckenschlager, Schnabel, Schroll, Seemayer, Seltenheim, Servus, Shetty, Sieber, Silvan, Stark, Stich, Strasser; Tanzler, Taschner, Teiber, Totter; Weber, Wieninger, Wöginger, Wotschke; Yildirim; Zarits, Zopf. Mit „Nein“ stimmten die Abgeordneten: Belakowitsch, Berger Ricarda , Berger Tina Angela , Brückl; Darmann, Deimek, Disoski; Ecker Rosa , Eisenhut; Fuchs, Fürst, Fürtbauer; Gewessler, Giuliani-Sterrer, Gmeindl, Götze, Graf Martin ; Hafenecker, Hammer Lukas , Hammerl Paul , Heiß, Herbert; Kainz, Kaniak, Kassegger, Kogler, Kolm, Koza, Krisper; Lausch, Leinfellner, Linder Maximilian , Litzke; Maier Reinhold , Maurer, Mölzer; Nemeth, Neßler; Oberlechner; Petschnig, Pfeifer, Pracher-Hilander, Prammer; Ragger, Ranzmaier, Reifenberger, Royer; Schallmeiner, Schandor, Schartel, Scherak, Schiefer, Schilchegger, Schmiedlechner, Schuch-Gubik, Schuh, Schwaighofer, Schwarz, Spalt, Stefan, Steiner, Stögmüller, Sunitsch; Thau, Tschank; Voglauer; Weinzierl, Wurm; Zadić, Zanger, Zorba. RN/62.5 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 7: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 165 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.6 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 8: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 166 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer ist für diese Kenntnisnahme? – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.7 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 9: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 167 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/62.8 Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 168 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Dieser Bericht ist mit Mehrheit zur Kenntnis genommen.

polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa über den automatisierten Austausch von DNA-, daktyloskopischen- und Fahrzeugregisterdaten

169 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 122 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll den Abschluss des Übereinkommens zwischen den Parteien der PCC SEE über den automatisierten Austausch von DNA-, Fingerabdruck- und Fahrzeugregisterdaten gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG genehmigen. Zugleich wird festgehalten, dass die Bestimmungen ausreichend determiniert sind und daher kein zusätzlicher Erfüllungsbeschluss nach Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG erforderlich ist.

Betroffen sind die österreichischen Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden sowie die Vertragsstaaten der PCC SEE, deren nationale DNA-, daktyloskopische und Kfz-Registerdaten für Treffer-/Nichttrefferabgleiche und anschließenden Informationsaustausch genutzt werden.

Dokumente

polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa über den automatisierten Austausch von DNA-, daktyloskopischen- und Fahrzeugregisterdaten

Ausgangslage und Zielsetzung

  • Erhöhte Bedrohungen der inneren Sicherheit Österreichs durch internationalen Terrorismus und grenzüberschreitend agierende kriminelle Gruppen machen eine Verstärkung der internationalen polizeilichen Zusammenarbeit erforderlich.
  • Besondere Herausforderung: Täterinnen und Täter sowie Terroristinnen und Terroristen reisen häufig unter wechselnden Falschidentitäten; dadurch steigt der Bedarf an rascher, verlässlicher Identifizierung über biometrische und Registerdaten.
  • Das Übereinkommen (samt zugehörigem Durchführungsübereinkommen im Rang eines Regierungsübereinkommens) soll einen wesentlichen Schritt darstellen, um diesen Bedrohungen wirksamer zu begegnen.
  • Der Abschluss wird durch ein Änderungsprotokoll ergänzt.

Einbettung in bestehende Kooperationen (PCC SEE) und Vertragsstaaten

  • Österreich hat ergänzend zu EU-Anstrengungen mehrere bi- und multilaterale Staatsverträge zur polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen abgeschlossen und u.a. die Konvention über die polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa (PCC SEE) initiiert.
  • Die PCC SEE regelt umfassende Formen der Zusammenarbeit, u.a. grenzüberschreitendes Nacheilen und Observationen, kontrollierte Lieferungen, verdeckte Ermittlungen, gemeinsame Einsatzformen sowie die konventionelle Übermittlung von DNA-Daten.
  • Vertragsstaaten der PCC SEE sind zwölf Länder: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Österreich, Rumänien, Serbien, Slowenien und Ungarn; Österreich ist seit 2011 Vertragspartei.

Entstehung und Verhandlung des Übereinkommens

  • Im Rahmen regelmäßiger Fachtreffen zur Umsetzung der PCC SEE wurde – gestützt auf positive Erfahrungen innerhalb der EU – von österreichischen Expertinnen und Experten ein multilaterales Übereinkommen zum automatisierten Austausch von DNA-, daktyloskopischen und Fahrzeugregisterdaten vorgeschlagen, um Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden zu verbessern.
  • Der Vorschlag wurde von Rechts- und Forensikexpertinnen und -experten der PCC SEE-Staaten befürwortet und auf Ebene der Innenministerinnen und Innenminister angenommen; daraufhin wurde das Übereinkommen verhandelt.
  • Die Verhandlungen basierten auf einem österreichischen Textentwurf; die abschließenden formellen Verhandlungen fanden in Wien unter Leitung des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres statt.
  • Unterzeichnet wurde das Übereinkommen in Wien von Albanien, Bulgarien, (Nord-)Mazedonien, Moldau, Montenegro, Österreich, Rumänien, Serbien und Ungarn.

Bezug zur „Prümer Zusammenarbeit“ und zu EU-Rechtsakten

  • Das Übereinkommen orientiert sich eng an der „Prümer Zusammenarbeit“: dem Prümer Vertrag (Vertiefung grenzüberschreitender Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Terrorismus, grenzüberschreitender Kriminalität und illegaler Migration).
  • Die Bestimmungen des Prümer Vertrags zum Online-Datenaustausch von DNA-, daktyloskopischen und Kfz-Zulassungsdaten wurden in EU-Recht überführt und sind für EU-Mitgliedstaaten verbindlich umzusetzen (Beschlüsse 2008/615/JI und 2008/616/JI – „Prümer Beschlüsse“).
  • Für den Folgedatenaustausch von Personen- und Falldaten nach bestätigten DNA- oder Fingerabdrucktreffern orientiert sich das Übereinkommen auch am EU-Rahmenbeschluss 2006/960/JI zur Vereinfachung des Informationsaustauschs zwischen Strafverfolgungsbehörden.
  • Ziel ist, das durch Prüm etablierte System des automatisierten Austauschs im Rahmen der PCC SEE auf Staaten Südosteuropas zu erweitern und den Informationsaustausch über zentrale nationale Kontaktstellen zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Funktionsweise des Datenaustauschs (Treffer-/Nichttreffer, keine Zentraldatenbank)

  • Wie bei Prüm wird keine große zentrale Datenbank errichtet; stattdessen erfolgt der Abgleich über bestehende nationale Datenbanken.
  • Es werden anonymisierte biometrische Abgleiche im Treffer-/Nichttrefferverfahren durchgeführt, abgewickelt über zentrale nationale Kontaktstellen.
  • Nur bei einem von forensischen Expertinnen und Experten der jeweiligen Parteien bestätigten biometrischen Treffer werden in einem zweiten Schritt zusätzliche personenbezogene Hintergrunddaten zu (mutmaßlichen) Täterinnen und Tätern sowie zu Straftaten zwischen den nationalen Kontaktstellen ausgetauscht.
  • Für die Zusammenarbeit mit Staaten Südosteuropas soll der Austausch der wichtigsten Identifizierungsdaten rasch und in strukturierter Form erfolgen.
  • Das Übereinkommen umfasst auch Unterstützung bei der Identifizierung vermisster Personen und nicht identifizierter sterblicher Überreste.

Erwarteter Nutzen und strategischer Mehrwert

  • Das bestehende Prümer Datenverbundsystem wird als eines der effizientesten Werkzeuge europäischer Sicherheitsbehörden beschrieben und ermöglicht jährlich die Aufklärung tausender schwerer Straftaten international agierender Täterinnen und Täter sowie Terroristinnen und Terroristen und deren Lokalisierung.
  • Die Ausweitung dieser Zusammenarbeit auf die Staaten Südosteuropas soll in Österreich die Aufklärung zahlreicher ungeklärter Straftaten und die laufende rasche Identifizierung gesuchter Täterinnen und Täter ermöglichen.
  • Für Südosteuropäische Staaten als EU-Beitrittskandidaten besteht zusätzlicher Mehrwert: Zur Beitrittseignung müssen sie Voraussetzungen für die Teilnahme am Prümer Datenverbundsystem nach den Prümer Beschlüssen erfüllen; ein erfolgreich umgesetztes PCC-SEE-Verbundsystem würde diese Voraussetzung unterstützen.

Datenschutz und Schutzstandards

  • Aufgrund der besonderen Sensibilität des Vertragsgegenstands werden höchste Datenschutzstandards verankert.
  • Die Datenschutzbestimmungen entsprechen vollständig den Regelungen der Prümer Beschlüsse und werden als besonders umfangreich und detailliert im Vergleich zu bisherigen Polizeikooperationsverträgen innerhalb der EU dargestellt.

Technische Umsetzung und Kostenfolgen

  • Technisch erfolgt die Erweiterung des in Österreich bereits vollständig implementierten Prümer Datenverbundsystems auf die übrigen Parteien im Wesentlichen mit inhaltsgleicher Technologie.
  • Es werden maximal geringfügige Kosten erwartet (z.B. Dienstreisen, Teststellungen, Programmierungen für Datenfelderweiterungen), die aus dem bestehenden Budget des Bundesministeriums für Inneres abgedeckt werden sollen.
  • Erwartete Implementierungsunterstützungen (z.B. Beratung durch österreichische Expertinnen und Experten) sollen von den jeweiligen nationalen Budgets der anfragenden Staaten oder aus dafür bereitgestellten EU-Förderprojekten getragen werden.

Innerstaatliche rechtliche Einordnung (Genehmigungserfordernisse und Kompetenz)

  • Das Übereinkommen hat gesetzändernden bzw. gesetzesergänzenden Inhalt und bedarf daher der Genehmigung durch den Nationalrat gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.
  • Es wird als nicht politischer Staatsvertrag eingeordnet.
  • Ein Beschluss nach Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG, wonach der Staatsvertrag durch Erlassung von Gesetzen zu erfüllen ist (Ausschluss unmittelbarer Anwendung), wird als nicht erforderlich dargestellt, weil die Bestimmungen als ausreichend determiniert für unmittelbare Anwendung angesehen werden.
  • Da keine Angelegenheiten des selbständigen Wirkungsbereichs der Länder geregelt werden, wird keine Zustimmung des Bundesrates gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 2 B-VG als erforderlich angesehen.
  • Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes wird aus Art. 10 Abs. 1 Z 2 B-VG (äußere Angelegenheiten) abgeleitet.

polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa über den automatisierten Austausch von DNA-, daktyloskopischen- und Fahrzeugregisterdaten

~1 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
PräsidiumDoris Bures

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/64.1 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, den Abschluss des Staatsvertrages: Übereinkommen zwischen den Parteien der Konvention über die polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa, in 122 der Beilagen gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. RN/64.2 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, den Abschluss des Staatsvertrages: Protokoll zur Änderung des Übereinkommens zwischen den Parteien der Konvention über die polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa, in 121 der Beilagen gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem die Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Auch das ist einstimmig angenommen.

polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa über den automatisierten Austausch von DNA-, daktyloskopischen- und Fahrzeugregisterdaten

170 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 121 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll den Abschluss des Protokolls zur Änderung des Übereinkommens über den automatisierten Austausch von DNA-, Fingerabdruck- und Fahrzeugregisterdaten in Südosteuropa gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG genehmigen. Zugleich wird festgehalten, dass die Bestimmungen ausreichend bestimmt sind und daher kein zusätzlicher Erfüllungsbeschluss nach Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG erforderlich ist.

Betroffen sind die grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit und der automatisierte Datenaustausch (DNA, Daktyloskopie, Fahrzeugregister) zwischen den Vertragsstaaten, insbesondere im Verhältnis von EU-Mitgliedstaaten zu Westbalkan-/Drittstaaten unter Beachtung des EU-Rechts und Datenschutzes.

Dokumente

polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa über den automatisierten Austausch von DNA-, daktyloskopischen- und Fahrzeugregisterdaten

Gegenstand und Ausgangslage

  • Behandelt wird ein Protokoll zur Änderung des Übereinkommens zwischen den Parteien der Konvention über die polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa über den automatisierten Austausch von DNA-, daktyloskopischen- und Fahrzeugregisterdaten.
  • Österreich hatte das ursprüngliche Übereinkommen samt Durchführungsübereinkommen als Regierungsübereinkommen unterzeichnet.

Ziel und Inhalt des ursprünglichen Übereinkommens

  • Ziel ist die Verstärkung der grenzüberschreitenden polizeilichen Zusammenarbeit bei Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit, insbesondere zur Verhinderung, Verfolgung und Aufklärung von Straftaten.
  • Das im EU-Rahmen bestehende System des automatisierten Austauschs von DNA-, Fingerabdruck- und Fahrzeugregisterdaten soll auf Westbalkanstaaten ausgeweitet werden.
  • Der Informationsaustausch soll über zentrale nationale Kontaktstellen vereinfacht und beschleunigt werden.
  • Das Übereinkommen wurde auch von Albanien, Bulgarien, (Nord-)Mazedonien, Moldau, Montenegro, Rumänien, Serbien und Ungarn unterzeichnet.

Anlass für das Änderungsprotokoll (Bedenken der Europäischen Kommission)

  • Die Europäische Kommission leitete gegen Österreich, Bulgarien, Rumänien und Ungarn ein Vertragsverletzungsverfahren ein.
  • Kritikpunkt 1: Im Übereinkommen sei nicht ausdrücklich festgeschrieben, dass zwischen EU-Mitgliedstaaten das Unionsrecht Vorrang vor den Regelungen des Übereinkommens hat.
  • Kritikpunkt 2: EU-Mitgliedstaaten dürften keine Angemessenheitsbeschlüsse über das Datenschutzniveau in Drittstaaten treffen; dies müsse im Übereinkommen klargestellt werden.
  • Zur Klarstellung sollten zwei entsprechende Absätze in das Übereinkommen aufgenommen werden.

Zweck und rechtliche Einordnung des Protokolls

  • Das Protokoll wurde verhandelt und unterzeichnet, um die Bedenken der Europäischen Kommission auszuräumen und die genannten Klarstellungen im Übereinkommen zu verankern.
  • Das Protokoll hat gesetzändernden bzw. gesetzesergänzenden Inhalt und bedarf daher der Genehmigung durch den Nationalrat gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.
  • Es wird festgehalten, dass das Protokoll nicht politischen Charakter hat.
  • Eine Beschlussfassung nach Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG (Ausschluss der unmittelbaren Anwendung bzw. Erfüllung durch Gesetze) ist nicht erforderlich, weil die Bestimmungen zur unmittelbaren Anwendung im innerstaatlichen Bereich ausreichend determiniert sind.
  • Da keine Angelegenheiten des selbständigen Wirkungsbereichs der Länder geregelt werden, ist keine Zustimmung des Bundesrates gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 2 B-VG erforderlich.
  • Die Kompetenz des Bundes zur Gesetzgebung wird aus Art. 10 Abs. 1 Z 2 B-VG (äußere Angelegenheiten) abgeleitet.

Empfehlung/Antrag an den Nationalrat

  • Empfohlen wird die Genehmigung des Abschlusses des Staatsvertrages (Änderungsprotokoll) gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.

polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa über den automatisierten Austausch von DNA-, daktyloskopischen- und Fahrzeugregisterdaten

~1 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
PräsidiumDoris Bures

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/64.1 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, den Abschluss des Staatsvertrages: Übereinkommen zwischen den Parteien der Konvention über die polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa, in 122 der Beilagen gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. RN/64.2 Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, den Abschluss des Staatsvertrages: Protokoll zur Änderung des Übereinkommens zwischen den Parteien der Konvention über die polizeiliche Zusammenarbeit in Südosteuropa, in 121 der Beilagen gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 Bundes-Verfassungsgesetz zu genehmigen. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem die Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Auch das ist einstimmig angenommen.

De-Attraktivierung Österreichs als Zielland für illegale Wirtschaftsmigranten und Scheinasylanten

171 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 57/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, der Maßnahmen zur „De-Attraktivierung“ Österreichs als Zielland für illegale Wirtschaftsmigranten und „Scheinasylanten“ forderte. Damit werden keine zusätzlichen Schritte zur Reduktion von als „Pull-Faktoren“ bezeichneten Sozial- und Unterstützungsleistungen im Asyl- und Migrationsbereich gesetzt.

Betroffen wären Asylsuchende und irregulär eingereiste Migrantinnen und Migranten sowie die Ausgestaltung von Sozialleistungen und Unterstützungsangeboten (u.a. Unterbringung, Sozialhilfe, Gesundheitsversorgung) in Österreich gewesen.

Ziel des Antrags war, Österreich durch das Abstellen vermeintlicher „Pull-Faktoren“ – insbesondere hoher Sozialtransfers und Unterstützungsleistungen – als Zielland für irreguläre Migration weniger attraktiv zu machen.

Dokumente

De-Attraktivierung Österreichs als Zielland für illegale Wirtschaftsmigranten und Scheinasylanten

Gegenstand des Berichts

  • Behandlung eines Entschließungsantrags mit dem Ziel, Österreich als Zielland für „illegale Wirtschaftsmigranten“ und „Scheinasylanten“ weniger attraktiv zu machen („De-Attraktivierung“).
  • Kernanliegen ist das Abstellen von sogenannten „Pull-Faktoren“ der illegalen Migration, insbesondere im Bereich sozialstaatlicher Leistungen.

Begründung und Problemdefinition laut Antrag

  • Es wird behauptet, der überwiegende Teil der Asylsuchenden in Österreich seien in Wahrheit Wirtschaftsmigranten, die sich schnelle und hohe Geldleistungen aus dem Sozialstaat erhofften.
  • Daraus wird abgeleitet, dass Maßnahmen zur „De-Attraktivierung“ zwingend notwendig seien, um illegale Massenmigration zu reduzieren.
  • Es wird argumentiert, dass Migrationsentscheidungen von mehreren Faktoren abhängen und die Höhe der Sozialtransfers im Aufnahmeland dabei eine große Rolle spiele.
  • Es wird behauptet, dass Informationen über hohe Leistungen in Herkunftsländer weitergegeben würden und dadurch eine „Magnetwirkung“ entstehe.

Als Pull-Faktoren genannte Leistungen und Rahmenbedingungen

  • Soziale Unterstützung und Geldleistungen.
  • Unterbringung.
  • Sozialhilfe.
  • Gesundheitsversorgung.
  • Familienförderung.
  • Gut ausgebaute Infrastruktur, einschließlich „Freifahrt“.

Spezifische Zuschreibung an Wien

  • Es wird insbesondere den in Wien angebotenen Sozialleistungen eine starke Sogwirkung zugeschrieben.

Weitere im Antrag enthaltene Wertungen und Vorwürfe

  • Österreich werde als entwickeltes Industrieland als besonders anziehend für Wirtschaftsflüchtlinge und Scheinasylanten dargestellt, die sich durch die genannten Pull-Faktoren eine Verbesserung ihrer Lebensumstände erhofften.
  • Es wird behauptet, durch illegale Massenzuwanderung „unter dem Deckmantel von Asyl“ hätten sich „Analphabeten und Kriminelle“ auf Kosten der Österreicher in das Sozialsystem „eingeschlichen“.
  • Es wird gefordert, diese Entwicklung zu korrigieren, indem Pull-Faktoren abgestellt werden.

De-Attraktivierung Österreichs als Zielland für illegale Wirtschaftsmigranten und Scheinasylanten

~124 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Gernot Darmann

Besten Dank, Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Damen und Herren! Nunmehr kommen wir in der Debatte über die folgenden zwei Tagesordnungspunkte zu jenen Personen, die über Tausende Kilometer den Weg nach Österreich finden, um hier als Scheinasylanten, Wirtschafts- und Sozialmigranten ihr Auslangen zu finden, sich von den österreichischen Steuerzahlern durchfüttern zu lassen. Meine Damen und Herren! Angesichts dieser Thematik ist es umso absurder, welche Argumentationslinien in den Verhandlungen über die vorherigen Tagesordnungspunkte von den Vertretern der Regierungsparteien gewählt wurden: auf der einen Seite eine Messengerüberwachung umzusetzen, um mögliche Gefährder – in der Anzahl angeblich 30 – aus dem Verkehr ziehen zu können, auf der anderen Seite aber jedwede Möglichkeit auszuschlagen, einer Idee, einer Initiative der Freiheitlichen zu folgen, um endlich den Zuzug von illegalen Migranten zu stoppen. Das muss man sich einmal vorstellen: Wir bringen seit Jahren Initiativen ein, um einen absoluten Asylstopp zu verhängen, wir Freiheitliche fordern seit Jahren ein Abschiebeprogramm, eine Abschiebeoffensive für jene Personen, die illegal im Land sind, wir fordern ein Verbotsgesetz gegen den politischen Islam – ist gleich gegen diese islamistischen Terroristen –, und die Regierungsfraktionen ÖVP, SPÖ und NEOS inklusive Grüne wollen das nicht! Sie wollen das einfach nicht, sie lehnen das ab. Sie lehnen das ab und nehmen damit in Kauf, dass es eben kein Regelwerk gibt, um genau jene, die Sie angeblich technisch überwachen wollen, gleich aus dem Verkehr zu ziehen, in Abschiebehaft zu bringen und sie dann aus dem Land zu schmeißen. Das wäre doch die vernünftige Lösung, der richtige Zugang (👏 FPÖ), um jene Personen, die uns angeblich gefährden, nicht länger hier aufhältig zu haben. Aber nein, die Bundesregierung will sie lieber technisch überwachen und im Land lassen. Das haben sich unsere Bürger nicht verdient, genauso, wie sie es sich auch nicht verdient haben, weiterhin jene bei uns in Österreich durchfüttern zu müssen, die hier nichts verloren haben, die wie gesagt über Tausende Kilometer durch sichere andere Staaten nach Österreich gekommen sind, um hier wegen irgendwelcher fragwürdigen Entscheidungen tatsächlich noch Asyl zu bekommen, obwohl sie in dem Land, in dem sie waren, bevor sie nach Österreich gekommen sind, niemals als auf der Flucht seiend gegolten haben können, weil rund um Österreich keine Verfolgung von welchen Menschen auch immer stattfindet. Deswegen haben wir auch diese Anträge betreffend „De-Attraktivierung Österreichs als Zielland für illegale Wirtschaftsmigranten und Scheinasylanten“ eingebracht. Mich wundert es, ich bin schockiert, wie man seitens der ÖVP, seitens der SPÖ und seitens der NEOS gegen einen solchen Antrag stimmen kann. Was ist da für eine Logik dahinter? Der Umkehrschluss ist ja, keine Deattraktivierung zu machen, weiterhin attraktiv für alle Scheinasylanten, Wirtschafts- und Sozialmigranten aus der ganzen Welt zu bleiben, und das ist doch nicht die Lösung. Unsere Bürger verdienen es, endlich einmal eine konsequente Migrationspolitik zu haben, die den Bürger in den Mittelpunkt aller politischen Interessen stellt (👏 FPÖ), und nicht, ständig durch Kürzungen und Belastungen ausgesaugt, ausgenommen zu werden, und auf der anderen Seite wird über diese Scheinasylanten das Füllhorn ausgeschüttet. In Klammern sei meinerseits gesetzt: Es mag schon den einen oder anderen geben, der berechtigt nach Österreich kommt und hier sogar Asyl verdient hätte …

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Oh! – Abg. Zarits [ÖVP]: Das hat noch keiner von euch gesagt!

FPÖ Gernot Darmann

… nur müssten die dann in Wien am internationalen Flughafen landen, weil sie damit das erste Mal seit der Flucht aus ihrem Herkunftsland sicheren Boden betreten würden. Das passiert aber, wie wir wissen, in den wenigsten Fällen – genauso selten, wie dass irgendeiner mit dem Fallschirm über Österreich abspringt und das erste Mal in Österreich sicheren Boden betritt. Somit haben wir da massiven Handlungsbedarf, und es ist zum Fremdschämen, dass die anderen Parteien hier im Parlament gegen diese Deattraktivierung Österreichs sein können. (👏 FPÖ) Der zweite Antrag, werte Kollegen, bezieht sich, wenn man so will, auch verfassungsrechtlich auf unseren Staatsbegriff: auf die Definition des Staates Österreich, der – zumindest habe ich es irgendwann im Jusstudium einmal so gelernt – durch das Staatsvolk, durch die Staatsverfassung und das Staatsgebiet definiert wird. Das Staatsgebiet hat für mich auch irgendetwas mit den Staatsgrenzen zu tun, auf die man achten sollte, weil man sonst eigentlich jegliche Legitimation verloren hat, sich noch als Staat zu bezeichnen. Wir Freiheitliche stehen zum souveränen Staat Österreich, der auch insbesondere im Hinblick auf die innere Sicherheit auf das eigene Wohlergehen zu schauen und deswegen dafür zu sorgen hat, dass es illegale Grenzübertritte eben nicht nur mit Abnicken gibt, sondern dass es statt diesen Verwaltungsstrafen – Geldstrafen für die ganzen Geschleppten, teilweise auch die Schlepper – tatsächlich verpflichtende Gefängnisstrafen, Haftstrafen gibt, denn der Geschleppte ist auch ein Bestimmungstäter für den Schlepper, und dementsprechend hat es da auch konsequente Strafen nach dem Strafgesetzbuch zu geben. Das sind wir auch wiederum unseren Bürgern, dem Souverän schuldig, wenn wir einem souveränen Staat Österreich in Verantwortung sind. Herr Innenminister, da haben wir vielleicht – oder sogar sicher – unterschiedliche Zugänge, aber Fakt ist: Wir haben da Verantwortung für unseren Staat und können das alles nicht nur beiläufig behandeln, als wäre es das Natürlichste der Welt, dass alle möglichen Leute, wenn es ihnen gerade einfällt, ohne Pässe, aber mit Handys über die Grenze stolpern und sich dann schlussendlich in die soziale Hängematte legen. Das ist ebenso wenig ein Lösungsansatz von eurer Seite. Ihr redet die ganze Zeit davon: Wo sind die Ansätze der Freiheitlichen, wo sind die Initiativen? – Ich habe es vorhin, beim letzten Tagesordnungspunkt, schon gezeigt: Ihr habt dagegengestimmt, unseren Staatsschutz mit entsprechenden finanziellen und budgetären Mitteln auszustatten, um gegen den islamistischen Terrorismus vorgehen zu können. Ihr wart dagegen; gut, das müsst ihr gegenüber den Bürgern rechtfertigen. Jetzt aber auch noch gegen eine Deattraktivierung zu sein, gegen eine entsprechend konsequente Sicherung unserer Grenzen mit strafrechtlichen Konsequenzen für alle, die das für sich ausnutzen – das könnt nicht einmal ihr mehr den Bürgern erklären. (👏 FPÖ) Dementsprechend, werte Damen und Herren Kollegen: Vielleicht gehen Sie noch einmal in sich; vielleicht fordert ihr ja noch eine Sitzungsunterbrechung, um in euren Klubs noch einmal interkoalitionär abzustimmen …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... deinen Kollegen ...! – Abg. Zarits [ÖVP]: ... die Dringliche zurück ...!

FPÖ Gernot Darmann

… ob man nicht vielleicht doch den Anträgen der Freiheitlichen zustimmen sollte, weil das das Einzige wäre, was verantwortungsvoll ist. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Ernst Gödl .

ÖVP Ernst Gödl

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Innenminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen hier im Plenum! Werte Zuhörerinnen und Zuhörer! Ich darf, bevor ich zum Inhaltlichen komme, Gäste begrüßen, und zwar aus der Gemeinde Eberau mit Herrn Bürgermeister Johann Weber an der Spitze – herzlich willkommen im Hohen Haus! ( Allgemeiner Beifall. ) Begrüßt habe ich Sie im Namen von Kollegen Christoph Zarits . Jetzt kommen wir zum Thema, meine geschätzten Damen und Herren. Ich muss zu Ihnen sagen, lieber Herr Kollege Gernot Darmann von den Freiheitlichen: Nach dem, was wir vorhin im letzten Punkt beschlossen haben, muss ich Ihnen wirklich entgegenhalten, dass Sie in der Glaubwürdigkeit als Sicherheitspartei absolut abgedankt haben. Es war nämlich Ihr seinerzeitiger Innenminister und jetzige Parteiobmann Herbert Kickl , der – um noch einmal zum letzten Punkt zurückzukommen – bezüglich der Gefährderüberwachung damals auch gemeint hat, man muss in die Komfortzone der Schwerstkriminellen eindringen. Genau das haben wir mit dem vorigen Beschluss gemacht, und genau da haben Sie dagegengestimmt, so wie Sie erst vor gar nicht langer Zeit auch beim Thema Asyl gegen die gesetzliche Änderung beim Stopp des Familiennachzugs gestimmt haben.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Weil es kein Stopp ist! Das ist ja eine Schmähpartie der Bundesregierung! Eine reine Schmähpartie! – Abg. Lausch [FPÖ]: Warum soll man einem Murks zustimmen?

ÖVP Ernst Gödl

… Sie sind also der Beweis dafür, dass Sie im Bereich der Sicherheitspolitik in Österreich keine Glaubwürdigkeit haben. Wer aber höchste Glaubwürdigkeit hat, ist unser Innenminister. Erst gestern waren wir gemeinsam bei der Eröffnung eines Polizeipostens. Auch Kollege Maier aus Ihrer Fraktion, Kollegin Greiner von der SPÖ und Herr Staatssekretär Leichtfried waren dabei. Wir waren gestern in Feldkirchen bei Graz, das ist mein Heimatbezirk, dort haben wir eine Polizeidienststelle in Betrieb nehmen können – wichtig für die Sicherheit vor Ort. Vor zwei Tagen erst war unser Innenminister an der EU-Außengrenze, an der bulgarisch-türkischen Grenze , und hat sich vor Ort ein Bild vom Außengrenzschutz gemacht. Da bin ich beim nächsten Thema, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Freiheitlichen, bei dem Sie auch dagegen sind: Sie sind gegen den Asyl- und Migrationspakt der Europäischen Union, der so wichtig ist, weil wir für eine moderne und neue Asylpolitik natürlich eine funktionierende europäische Asylpolitik brauchen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wer sich auf die EU verlässt, ist verlassen! Seit zehn Jahren verspricht die EU, die Grenzen zu schützen! Nichts passiert!

ÖVP Ernst Gödl

… Der Herr Innenminister war jetzt an der Außengrenze, um sich davon zu überzeugen, dass an der bulgarisch-türkischen Grenze massive Maßnahmen für den Grenzschutz unternommen werden. Das ist Teil dieses Asyl- und Migrationspaktes. Ein aktiver Grenzschutz und schnelle Verfahren an der Außengrenze sollen installiert werden und es soll eine bessere Kooperation mit dem Drittstaat geben. Das sind internationale Maßnahmen, die wir dringend brauchen, um die illegale Migration europaweit und damit auch Österreich betreffend einzudämmen …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ja, weil sie dann zu regulären Migranten gemacht werden!

ÖVP Ernst Gödl

… aber Sie haben immer dagegengehalten und dagegengestimmt, weil es anscheinend nicht in Ihrem Interesse ist, da gute Lösungen zusammenzubringen. Ich bin wirklich froh, dass einer aus unseren Reihen, nämlich aus Österreich, als Kommissar für die Asylpolitik auf europäischer Ebene zuständig ist, damit auch konkrete Maßnahmen gesetzt werden.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Der Brunner hat ja nicht einmal die Zahlen zusammenzählen können! Wie soll denn der die Asylanten zählen können, die Asylwerber?

ÖVP Ernst Gödl

… Dann zu den nationalen Maßnahmen: Sie haben von Abschiebungen geredet. Ich sage Ihnen etwas, damit die Damen und Herren, die Österreicherinnen und Österreicher, auch einmal wissen, wie das mit den Abschiebungen ist: Jede Woche, meine geschätzten Damen und Herren, stehen Abschiebungen auf der Tagesordnung, 250 Personen müssen Österreich pro Woche verlassen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

In die Slowakei! Die kommen am nächsten Tag wieder! Das ist ja nicht seriös, Herr Kollege!

ÖVP Ernst Gödl

… Etwa die Hälfte davon, sagen wir 120 Personen pro Woche – pro Woche! –, wird zwangsweise in andere Staaten gebracht …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wohin?

ÖVP Ernst Gödl

… zwangsweise in verschiedenste Länder – in Europa, aber auch im Bereich des Asylwesens.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Gratulation!

ÖVP Ernst Gödl

… Das heißt: Natürlich ist unser Staat, ist unsere Polizei im Bereich der Abschiebungen aktiv. Erst vor Kurzem – da war Österreich wirklich das erste Land weit und breit in Europa – haben wir auch eine erste Abschiebung nach Syrien durchführen können. Ja, es ist wichtig: Wir brauchen eine konsequente, klare, faire Asylpolitik, und dazu gehört auch, dass jene, die nicht hierbleiben dürfen, unser Land verlassen müssen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Eine Abschiebung, 2 000 Asylanträge!

ÖVP Ernst Gödl

… Wir haben es mit der aktiven Politik unseres Bundesministers – gemeinsam mit uns hier im Parlament – auch geschafft, im Bereich der Grundversorgung einiges zu verändern. Sie wissen, viele Grundversorgungseinrichtungen des Bundes konnten zuletzt geschlossen werden. Es sind derzeit nur mehr acht in Betrieb, weil die Anzahl der Asylwerberinnen und -werber deutlich zurückgegangen ist. Wir haben in den Grundversorgungseinrichtungen gemeinnützige Arbeit eingeführt, was einige Länder jetzt auch in ihren Einrichtungen einführen. Wir haben die Möglichkeit der Sachleistungskarte im Bereich des Asylwesens eingeführt. Einige Länder werden das jetzt umsetzen, aufbauend auf dem Modell, das wir ermöglichen. Wir setzen das auch in der Steiermark um, mit dem Landesrat, der vorher in Ihren Reihen gesessen ist – Landesrat Amesbauer –, gemeinsam mit der Volkspartei in der Steiermark. Ich will damit nur sagen, dass wir sehr viel erreicht haben, ganz besonders beim Familiennachzug. Da möchte ich vielleicht der Öffentlichkeit noch eine Neuigkeit sagen – es freut mich einerseits, aber es zeigt auch die Doppelbödigkeit, mit der Sie Politik betreiben, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Freiheitlichen –: Hier im Plenum haben Sie gegen die Änderung des Asylgesetzes gestimmt, mit der wir die Grundlage geschaffen haben, dass der Minister eine Verordnung erlassen kann, um den Familiennachzug zu stoppen. In der letzten Sitzung des Hauptausschusses, in der diese Verordnung genehmigt werden muss, haben Sie – Gott sei Dank – dafürgestimmt. Es zeigt aber – weil Sie einfach gesehen haben, dass Sie sich in eine Sackgasse manövriert haben –, dass Ihnen die Leute das nicht glauben …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Öffentliche Ordnung und innere Sicherheit war das Thema!

ÖVP Ernst Gödl

… und dass wir mit effektiven Maßnahmen Asyl und illegale Migration bekämpfen müssen. Sie haben dagegengestimmt, jetzt dafürgestimmt. Es zeigt einfach, dass Sie keine konsequente Linie haben …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Nur Daten, Fakten!

ÖVP Ernst Gödl

… dass Sie einfach keine konsequente Sicherheitspolitik für Österreich gewährleisten. Dafür sind wir da, für eine harte, eine faire Asylpolitik. Dafür steht unser Innenminister, dafür steht diese Bundesregierung und dafür stehen wir in der Bundesregierung! …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

... Tatsachen verdrehen! Fakten!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Leinfellner .

FPÖ Markus Leinfellner

Danke, Frau Präsidentin! Herr Innenminister! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Wenn sich Ernst Gödl hier herausstellt und von einer konsequenten Sicherheitspolitik und einer konsequenten Asyllinie der ÖVP redet …

ÖVP Totter (Zwischenruf)

Dann hat er recht!

FPÖ Markus Leinfellner

… dann müsste ich jetzt eigentlich zu einem einstimmig angenommenen Antrag des Kollegen Darmann reden. Das mache ich aber nicht, denn er ist abgelehnt worden. Kollege Gödl, das geht sich vorne und hinten irgendwie nicht mehr aus.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ihr seids ...!

FPÖ Markus Leinfellner

… Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte Sie nicht mit Zahlen belasten, aber eine Zahl ist dennoch recht interessant, nämlich: 1,8 Millionen nicht österreichische Staatsbürger befinden sich in Österreich, das entspricht rund 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Eine Vielzahl dieser Menschen genießt hier einen All-inclusive-Urlaub ohne Rückflug, und das auf Kosten der fleißigen österreichischen Steuerzahler! Und ja, unsere Österreicher würden sich wünschen, Herr Innenminister, nicht monatelang auf irgendwelche Arzttermine zu warten. Unsere Österreicher würden sich wünschen, dass diese Bundesregierung ihnen das Leben erleichtert; aber stattdessen gibt es Geldgeschenke für Wirtschaftsflüchtlinge aus aller Herren Länder, Gesundheitsrundumversorgung, ganz egal, ob es sich um Zahnersätze handelt, um neue Hüften, um neue Knie und dergleichen, nämlich für Menschen, die nichts in dieses System eingezahlt haben und die niemals etwas in dieses System einzahlen werden. Das würden sich unsere Österreicher wünschen, Herr Innenminister! (👏 FPÖ) Schauen wir uns aber – Kollege Gödl, jetzt kannst du zuhören – unsere freiheitlichen Forderungen in diesem Antrag einmal an, denen ihr nicht zustimmen könnt. Aber die Sicherheit in diesem Land wollt ihr erhöhen. Schauen wir es uns an: Sachleistungen statt Bargeld: Dem kann man nicht zustimmen.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Haben wir schon umgesetzt!

FPÖ Markus Leinfellner

… Das wäre etwas …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das haben wir schon umgesetzt!

FPÖ Markus Leinfellner

… mit dem man den Asylmagneten in Österreich etwas entkräften könnte.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Entschuldigung, du bist aus der Steiermark! Das ist umgesetzt!

FPÖ Markus Leinfellner

… Medizinische Leistungen in der Grundversorgung …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Umgesetzt!

FPÖ Markus Leinfellner

… kein All-inclusive-Paket: Es braucht keine neue Galerie, keine neuen Zähne, keine neuen Hüften. Es braucht eine Geburtshilfe und es braucht eine Grundversorgung, meine sehr geehrten Damen und Herren! Eine Erhöhung des Strafrahmens für rechtswidrige Einreise, weg vom Verwaltungsrecht hin ins Strafrecht : Das braucht es! Dem kann die ÖVP nicht zustimmen. Das ist nämlich genau das, wo uns Kollege Gödl ein X für ein U vormachen will und unseren Österreichern Sand in die Augen streut. (👏 FPÖ) Die Einführung eines Delikts Asylbetrug: Dem kann die ÖVP nicht zustimmen. Ein sofortiger Abbruch von Asylverfahren bei straffälligen Asylwerbern …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ist ja so!

FPÖ Markus Leinfellner

… Das bedeutet Heimreise …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ist ja so! Du bist zu spät da, es ist ja so!

FPÖ Markus Leinfellner

… ab in den Flieger nach Hause.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das ist ja völlige Irreführung!

FPÖ Markus Leinfellner

… Kollege Gödl, schauen wir uns die Zahlen an. Schauen wir uns die Zahlen einmal an! Stopp des Familiennachzuges hast du angesprochen, dem wir nicht zugestimmt haben.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Umfaller seids ihr!

FPÖ Markus Leinfellner

… Na bitte, schafft ein Gesetz …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Umfaller!

FPÖ Markus Leinfellner

… den Familiennachzug zu stoppen …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Umfaller!

FPÖ Markus Leinfellner

… ohne Ausnahmebestimmungen, ohne Quotenregelungen, einen Familiennachzug mit einer Quote von null! Leider gelingt es der ÖVP nicht, das bedeutet, Sie können es nicht oder Sie wollen es nicht. (👏 FPÖ) Eine verpflichtende Altersfeststellung bei minderjährigen Migranten: Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben 14-Jährige mit so einem Bart ( mit den Händen vor dem Gesicht einen Bart andeutend ) und Turban in Österreich. Na, stellen wir einmal fest, dass sie 22, 23, 24 Jahre alt sind. Auch das ist Asylbetrug, und es bedeutet: ab nach Hause! – Das will die ÖVP nicht. (👏 FPÖ) Und, meine sehr geehrten Damen und Herren – und da komme ich auch schon zum Schluss –: keine Staatsbürgerschaft für Asylanten! Asyl bedeutet Schutz auf Zeit – auch das will die ÖVP nicht. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Innenminister, damit können Sie unseren Österreichern Ihre harte Asyllinie wohl nicht mehr verkaufen. Mit der Ablehnung unserer Anträge hat sich wieder einmal gezeigt, wie die ÖVP zu dieser Asylindustrie steht. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christian Oxonitsch .

SPÖ Christian Oxonitsch

Danke sehr, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass die Politik der FPÖ nicht wahnsinnig konsistent ist, ist ja schon beim vorigen Tagesordnungspunkt, bei dem es um die Gefährderüberwachung gegangen ist, sehr eindrucksvoll bewiesen worden. Aber eigentlich ist es schon ziemlich unverfroren, meine sehr verehrten Damen und Herren, uns in so einem unmittelbaren Zusammenhang zuerst lange Vorträge über Grundrechte, über alles Mögliche zu halten, wenn es um die Gefährderüberwachung geht, und gleichzeitig hier zwei Anträge vorzulegen, die bar jeglicher Rechtsstaatlichkeit, bar jeglicher Grundrechte, bar jeglicher internationaler Vereinbarungen sind. (👏 SPÖ) Wir wissen alle, es sind fünf Parteien hier im Hause vertreten, die unterschiedlichste Ansätze in Fragen der Migration, des Umgangs mit Flüchtlingen, des Umgangs mit Zuwanderung insgesamt haben. Ja, das ist so. Wenn aber vier Parteien gemeinsam im Ausschuss diese beiden Anträge ablehnen, dann zeigt das auch sehr deutlich, dass da tatsächlich etwas vorgelegt wurde, bei dem es nicht darum geht, eine konstruktive Lösung für einen sensiblen Bereich zu finden, sondern bei dem es darum geht, vielleicht zwei, drei kurze Clips für FPÖ-TV zu produzieren, aber nicht um eine sachlich-inhaltliche Lösung, meine sehr verehrten Damen und Herren! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das sieht man auch, wenn man sich die Anträge anschaut. Ich nehme jetzt nur eines der Highlights heraus, eine der Maßnahmen: Es soll im laufenden Asylverfahren der Asylstatus entzogen werden. Also was jetzt? Das ist ja ein wunderschönes Beispiel dafür, dass man sich nicht einmal ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzt , unabhängig davon, wie man einer Maßnahme in der Frage überhaupt entgegentreten will.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Dass das du nicht verstehst als Wiener, das ist uns ja ganz klar!

SPÖ Christian Oxonitsch

… Aber ernsthaft ist es natürlich nicht, denn entweder ist man im Verfahren oder man hat einen Asylstatus. Also man sieht, dass da nicht wirklich inhaltlich gearbeitet wird. Aber ich glaube, es ist auch ganz wichtig und wesentlich - - …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Dass das ein Wiener Sozialdemokrat nicht versteht, war uns eh klar!

SPÖ Christian Oxonitsch

… Sie können sich dann melden; geht ganz einfach. Wirklich, es gibt ein einfaches Prozedere dafür. Aber man kann sich ja anschauen – und den Lackmustest hat es ja durchaus gegeben –: Was hat denn in diesen Bereichen, die hier von der FPÖ angesprochen werden, Innenminister Kickl damals zusammengebracht? – Null und nichts! Wir wissen: Es ist der gesamte Sicherheitsapparat zerstört worden, es ist im Bereich der Sicherheit der Verfassungsschutz demoliert worden, wir sind international isoliert worden. Das heißt, all das, was man eigentlich für eine sinnvolle Asyl- und Migrationspolitik in Europa braucht und auch in der Gefährderabwehr vielleicht brauchen würde – nämlich Zusammenarbeit, Kooperation –, war ja das, was letztendlich von Innenminister Kickl damals ganz klar in den Sand gesetzt wurde. Es haben auch die Zahlen belegt, dass es keine erfolgreiche Politik war. Weder im Bereich Abschiebungen noch auf der diplomatischen Ebene ist ein einziges neues Abkommen zustande gebracht worden. Also da zeigt sich ja, dass es darum geht, hier ein Best of Böse zu formulieren, ohne wirklich an einer Leistung oder an einer Lösung zu arbeiten. Ja, Asylpolitik braucht immer sinnvolle Lösungen, gar keine Frage. Diese beiden Anträge sind es nicht, und daher wurden sie auch zu Recht im Ausschuss von allen vier anderen Parteien abgelehnt. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Susanne Fürst .

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Die ÖVP spricht ja stets von einer harten und konsequenten Asylpolitik, die jetzt hier Platz greifen würde – ja, wenn es denn nur so wäre! Ich sage nur ein Stichwort: Abschiebung eines einzigen Syrers, der bereits mehrfach straffällig gewesen ist, in sein Heimatland – von über 100 000 Syrern, die hier sind. Den soll man auf jeden Fall abschieben – aber noch viel, viel mehr. Im Flugzeug wäre doch zumindest noch Platz gewesen für ein paar mehr! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... noch niemand zurückgeschoben!

FPÖ Susanne Fürst

… Also weitermachen, viel mehr abschieben, sonst ist das nur Showpolitik! Eine Zahl sage ich noch: Zwischen 2022 und 2024, einem Zeitraum von drei Jahren, sind über 200 000 nach Österreich gekommen, haben Asylanträge gestellt. Wer stellte den Innenminister? Ich glaube, wir wissen es alle. Der Stopp des Familiennachzugs war die nächste Showmaßnahme. Völlig richtig, es muss gemacht werden – aber richtig. Wenn man es nicht mit Grenzkontrollen kombiniert, ist es nichts wert, denn dann kommen die Menschen hierher, berufen sich eben nicht auf den Familiennachzug, sondern sagen einfach: Asyl!, und kommen so. Das heißt, wenn man diese Menschen nicht an der Grenze zurückweist, ändert das an der echten Zahl gar nichts. Daher komme ich zu dem von der FPÖ im Ausschuss gestellten Antrag – der von allen anderen Parteien, auch von der ÖVP, abgelehnt wurde –, in dem wir fordern, dass der illegale Grenzübertritt endlich, endlich strafbar wird. Wer unter Übergehung der geltenden Einreisebestimmungen nach Österreich kommt, macht sich strafbar und kann hier sicher keinen Asylantrag stellen. Solange das nicht eingeführt wird, kriegen wir die Sache nicht in den Griff! (👏 FPÖ) Man muss im Herkunftsland auf die Bestätigung aus dem Konsulat, aus der Botschaft warten und darf sicher nicht über mehrere sichere Länder hierherkommen und dann in der EU oder in Österreich einen Asylantrag stellen und dableiben. Wie das geht, wurde gerade EU-Kommissar Magnus Brunner – das ist der, der für unser Desasterbudget verantwortlich ist, jetzt für die Asylpolitik in der EU-Kommission – in einem sozusagen Best-Practice-Modell vorgeführt: Er fliegt mit einer großen Delegation in allen Ehren nach Libyen, landet am Flughafen von Bengasi. Er möchte sich dort ein Bild machen und Gespräche über die illegale Migration führen. Nun, über den Flughafen kommt er nicht hinaus. Es heißt, er habe das Land mitsamt seiner Delegation umgehend wieder zu verlassen, denn er habe die nationale Souveränität Libyens missachtet und brauche vor der Einreise eine Genehmigung. Auf die solle er warten, dann kann er wiederkommen. Das sagt vieles aus: So schützt man seine Grenzen. Es sagt viel aus über die Stellung, den Stellenwert der EU-Kommission in Libyen, das beachtliche Gelder bekommt, es sagt viel aus über den EU-Migrationspakt, im Zuge dessen ja mit Ländern wie Libyen angeblich zusammengearbeitet wird. Sagen Sie daher Ihrem Parteikollegen Markus Brunner ( Ruf bei der ÖVP: Magnus! ), er soll nicht nach Libyen fliegen und uns dort lächerlich machen, sich dort irgendein Bild machen, sondern er soll – er ist EU-Kommissar, zuständig für Asyl und Migration – endlich einmal den Fährverkehr zwischen Libyen und Griechenland über Kreta oder Italien über Sizilien, abstellen, denn der geht munter weiter – jeden Tag! (👏 FPÖ) Darum soll er sich kümmern, dann wird er vielleicht auch von Libyen als Gesprächspartner wieder ernst genommen. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich darf zuallererst auf Einladung von Karin Doppelbauer und Markus Hofer eine Gruppe der Unos und NEOS Oberösterreich begrüßen – herzlich willkommen hier im Hohen Haus! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) – und mich dann dem Antrag widmen, was in dieser Debatte herzlich wenige Menschen tun. Frau Abgeordnete Fürst hat gerade über Magnus Brunner gesprochen. Im Antrag findet der keine Erwähnung, denn der Antrag, der hat außer einer Überschrift, die populistisch ist, auf Tiktok gut ziehen wird, inhaltlich wenig zu bieten. Es ist nämlich völlig klar – und da geht langsam auch der FPÖ die Fantasie aus –, dass diese Regierung im Bereich der Migration Ordnung und Kontrolle will und auch schafft, dass wir dafür gerade arbeiten. Taten statt Worte: mit dem Stopp des Familiennachzugs, der bereits erfolgt ist, mit dem Integrationsprogramm für Asylberechtigte und auch mit vermehrten Rückführungen. Ja, Sie können jetzt sagen, es ist nur eine einzige nach Syrien, aber faktisch ist das eine Trendwende, weil uns einfach klar ist: Wer keinen legalen Aufenthalt in Österreich hat, der kann auch nicht hierbleiben, der muss rückgeführt werden, für die Person selbst mangels Perspektiven, aber auch für das Land und die Sicherheit insgesamt. Zu Ihrem Antrag: Da sind ja ganz viele Punkte drinnen, ein Sammelsurium, von denen aber der Großteil umgesetzt ist. Was fordern Sie? – Sachleistungen statt Bargeld. Das gibt es vom Bund, eine Bargeldkarte, eine Bezahlkarte. Wissen Sie, wer diese Karte verwendet? – Die Steiermark. Ihr Landeshauptmann Kunasek, der verwendet genau diese Karte. Vielleicht sollten Sie sich einmal intern austauschen, denn was die Bundesregierung faktisch tut, ist, zu arbeiten. Was Sie tun, ist skandieren. Sie fordern den Stopp des Familiennachzugs für Unmündige. – Sie wissen genau, der Familiennachzug ist gestoppt, aber eben im Einklang mit Artikel 8 EMRK, und Sie wissen auch, dass Kinder und Unmündige einen erhöhten Schutz haben. Sie fordern verpflichtende Altersfeststellungen, aber Fakt ist: Diese Altersfeststellungen werden bereits durchgeführt. Das ist vor allem eine Budgetfrage, und da haben wir mehr Mittel committet. Es geht uns nicht darum, dass es eine Altersfeststellung bei jeder Person geben soll. Nein, die braucht es dann, wenn es Verdachtsmomente gibt. Und – und das ist das, wo unsere Bundesregierung ein anderes Verständnis hat als Sie – Sie wollen einen Straftatbestand für illegale Einreise, das ins Strafgesetzbuch schreiben. Ganz abgesehen davon, dass, wenn Falschangaben im Asylverfahren gemacht werden, das bereits längst im Verwaltungsstrafrecht ist, im FPG, ist das nicht das Verständnis dieser Bundesregierung. Uns geht es nicht darum, Leute, die nach Österreich kommen und hier keinen Aufenthaltstitel haben, noch einmal zu strafen, uns geht es nicht darum, sie vor die Gerichte zu zerren, uns geht es nicht darum, sie hier in Haft zu bringen. Uns geht es darum, dass diese Leute nicht in Österreich bleiben, dass wir diese Leute rückführen und wir auf der anderen Seite für all jene, die einen gültigen Titel haben und hierbleiben werden, Perspektiven schaffen – denn was wir wollen, ist Integration in den Arbeitsmarkt, nicht in unsere Sozialsysteme. – Danke.

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Genau!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alexander Petschnig .

FPÖ Alexander Petschnig

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die gegenständlichen Themen illegale Wirtschaftsmigration und Scheinasylantentum, meist zur Generierung von Aufenthaltsgründen vorgebracht, verursachen Österreich extreme Kosten. Wenn ich zum Beispiel auszugsweise aus einer Qualitätszeitung zitieren darf, was uns das in zehn Jahren – wir feiern ja zehn Jahre: Wir schaffen das!, unter Beihilfe etlicher hier herinnen – gekostet hat: Das wären 5,8 Milliarden Euro für die Grundversorgung, 4,42 Milliarden Euro für zusätzliche Bildungsausgaben, die jetzt noch weiter nach oben geschraubt werden, 3,49 Milliarden Euro für zusätzliche Gesundheitsausgaben, 3 Milliarden Euro für Mindestsicherung und Sozialhilfe, 2,54 Milliarden Euro für Arbeitsmarktmaßnahmen für die Betroffenen und 1,49 Milliarden Euro für zusätzliche Familienleistungen – in Summe knapp 21 Milliarden Euro, die uns dieses Thema gekostet hat. Damit ist Österreich eines der Länder mit der höchsten Ausgabenquote für illegale Migration, und dass das ein entsprechender Pullfaktor ist, der sich natürlich weltweit über Smartphones et cetera herumspricht, das ist, glaube ich, keine Raketenwissenschaft, sondern das darf man als erwiesen annehmen. Es geht aber auch anders – auch innerhalb der Europäischen Union, weil da immer rechtliche Bedenken vorgebracht werden. Ich darf Ihnen da aus zwei Ländern etwas vorstellen. Das sind nicht die üblichen Verdächtigen Polen und Ungarn, diese Beispiele kennen wir, sondern zwei andere. Einerseits Schweden: Da hat es mit einer Mitte-rechts-Regierung – nennen wir es einmal so – einen drastischen Kurswechsel der Willkommenskultur in diesem Land gegeben: Sozialleistungen für Asylwerber wurden drastisch gekürzt, Rückkehrprämien erhöht, die Attraktivität des Landes – unser heutiges Thema, unser Antrag – für Asylsuchende massiv eingeschränkt, Aufenthalts- und Asylrecht auf das absolute Mindestniveau reduziert, und die Folge ist: Schweden hat seit knapp 20 Jahren die niedrigsten Flüchtlingszahlen. Medien berichten darüber, Zitat: „Asylwerber verlassen Schweden [...] in Scharen“. Also die braucht man nicht einmal abzuschieben, wenn man das entsprechend konsequent umsetzt. (👏 FPÖ) Ein anderes Beispiel: Dänemark, dort gibt es eine anders zusammengesetzte Regierung, nämlich sozialdemokratisch und liberal. Was macht Dänemark? – Wertgegenstände ab ungefähr 1 300 Euro werden beschlagnahmt, Geldleistungen konsequent in Sachleistungen umgewandelt, Asylwerber dürfen nur noch in Asylzentren aufhältig sein, Verlust des Asylstatus bei Einreise ins Herkunftsland – also diese berühmten Heimaturlaube –, abgelehnte Asylwerber werden in Ausreisezentren kontrolliert untergebracht. Sie haben ja heute schon oft Innenminister Kickl zitiert, da war er tatsächlich seiner Zeit um Jahre voraus – unter viel innenpolitischem Geschrei wohlgemerkt. Die Dänen zeigen, dass es sehr wohl geht, auch Abschiebungen nach Afghanistan. Der Sukkus – wieder ein Zitat –: „Du bist“ hier „unerwünscht. Akzeptiere, dass Du in diesem Land keine Zukunft hast.“ – Das kommt nicht von den bösen Freiheitlichen, sondern vom dänischen Integrationsminister, der der Sozialdemokratie angehört. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die genannten Beispiele beweisen: Es ist möglich. Es ist möglich, illegale Wirtschaftsmigration und Scheinasylantentum abzustellen, sofern der politische Mumm vorhanden ist. Daraus folgt wieder im Umkehrschluss: In Österreich ist der politische Wille einfach nicht da, entgegen aller Versprechungen in diversen Wahlkämpfen – ich blicke da bestimmt in Richtung ÖVP, wo die Politik nicht hart und konsequent, sondern eher windelweich ist.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Man muss nur wollen! – Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ].

FPÖ Alexander Petschnig

… Daher leidet die Bevölkerung gesellschaftlich, sicherheitspolitisch – haben wir bereits gesagt –, aber auch wirtschaftlich massiv unter den Phänomenen der illegalen Wirtschaftsmigration und des Scheinasylwesens. Wir haben etliche Vorschläge unterbreitet, gerade heute liegen wieder zwei auf dem Tisch. Ihr traut euch nicht drüber. Von dieser Bundesregierung ist im Sinne einer Lösung nicht allzu viel zu erwarten. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer .

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Was wir jetzt hier in der Debatte gehört haben, war, wie ein Redner versuchte, sich mit dem anderen darin zu übertrumpfen, wie grauslich man zu Menschen sein kann, die vor Verfolgung und Vertreibung geflohen sind. Was ich noch nicht gehört habe, ist, wie Österreich Geas umsetzen wird, das Gemeinsame Europäische Asylsystem. Es gibt noch keinen Vorschlag, wie man da arbeitet, obwohl das ein System ist, das Österreich sicher entlasten würde. Österreich hat eine große Last getragen und trägt bisher eine große Last, und genau dieses System würde zu einer Entlastung führen. Wir setzen es nur einfach nicht um! Stattdessen übertrumpfen wir uns darin, wie man zu Menschen grauslich sein kann. – Danke. Ich gebe Ihnen aber jetzt eine Chance, etwas Gutes zu tun. Ich gebe Ihnen eine Chance, einen Fehler gutzumachen. Per 30. Juni ist die Verordnung ausgelaufen, mit der Vertriebene aus der Ukraine in die Krankenversicherung aufgenommen worden waren, und zwar für alle, für ausnahmslos alle Menschen, unabhängig davon, ob sie aus irgendeinem anderen Grund eine Krankenversicherung haben können. Und das ist das große Problem: Sie haben nicht an Menschen gedacht, die durch alle auch noch so eng geknüpften Netze durchrutschen. Sie haben keine Auffangregelung für Menschen, die nirgends anders unterkommen. Das ist ein großer Fehler, denn das bedeutet, dass es in Österreich Menschen gibt, die keinen Krankenversicherungsschutz haben. Sie haben das sehenden Auges getan und Sie wissen das, denn auch Sie bekommen Informationen und Schreiben von Menschen, denen dieser Versicherungsschutz fehlt; Schreiben wie dieses von einer Mutter, die zwei Kinder hat, die an einer schweren Form von Autismus leiden, einer alleinerziehenden Mutter, die 2022 mit diesen zwei minderjährigen Kindern nach Österreich gekommen ist. Beide Kinder leiden wie gesagt an einer schweren Form von Autismus, und die Familie war bis März 2025 auch in Grundversorgung, aber dann ist etwas passiert, was die Mutter dazu veranlasst hat, kurz in ihre Heimat zurückzukehren. Danach hat das BFA, das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, eine Neuprüfung ihres Grundversorgungsanspruches gemacht und ist auf etwas draufgekommen, was auch die ganze Zeit vorher schon bestanden hat: dass diese Mutter für die beiden schwer an Autismus erkrankten Kinder Pflegegeld der Stufe 5 und 6 bekommt – alleine daraus lässt sich ableiten, dass es diesen beiden Kindern sehr schlecht geht und dass ein sehr hoher Pflegebedarf für diese Kinder besteht. Sie ist deshalb – auch das ist ein prinzipieller Fehler im System – aus der Grundversorgung geflogen, weil das BFA sagt, sie ist nicht mehr hilfsbedürftig, weil sie Pflegegeld für ihre beiden Kinder bekommt, die dieses Pflegegeld aber brauchen, um ihre Krankheit behandeln lassen zu können – das Pflegegeld bekommt man, weil man Pflegeleistungen braucht. Sie kann kaum arbeiten, weil sie diese Pflegeleistungen zu erbringen hat, das heißt, sie hat keine Chance, in ein Arbeitsverhältnis zu kommen. Sie ist nicht vom AMS vermittelbar und hat somit keine Chance, in eine Krankenversicherung zu kommen, und somit auch ihre beiden minderjährigen, pflegebedürftigen, schwer kranken Kinder nicht. Sie haben in Ihrer Regelung nichts, aber auch gar nichts vorgesehen, um Menschen wie diesen zu helfen, die vor Krieg, vor Bomben, vor Tod zu uns her geflohen sind, um bei uns Schutz zu suchen. Das ist erbärmlich und das ist Österreichs nicht würdig, meine Damen und Herren Kolleginnen und Kollegen! Das dürfen wir nicht zulassen! (👏) Ich stelle daher einen Antrag, und Sie haben die Möglichkeit, diesem Antrag zuzustimmen. Sie haben auch noch eine weitere Möglichkeit, ich sage Ihnen, Sie haben auch morgen noch eine Möglichkeit. Wenn Sie meinem Antrag nicht zustimmen möchten, wenn Sie sagen, Sie stimmen dem Antrag, den die Grünen hier eingebracht haben, nicht zu, das wollen Sie nicht, Sie können es besser, Sie können es selbst machen, dann machen Sie es! Morgen wird über das ASVG abgestimmt, morgen ist das ASVG, wie man so schön sagt, offen. Setzen Sie sich zusammen, finden Sie eine Lösung! Unsere Zustimmung und Unterstützung haben Sie. Sie müssen nicht meinem Antrag zustimmen, aber Sie haben die Möglichkeit, da etwas Gutes zu tun. Bitte tun Sie es! Der Antrag lautet: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Auslaufen der Krankenversicherung für ukrainische Kriegsvertriebene am 12. Juli“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz wird aufgefordert, dem Hauptausschuss des Nationalrates eine Verordnung nach § 9 ASVG vorzulegen, die aus der Ukraine geflüchteten Personen wieder einen schnellen, unkomplizierten und vor allem lückenlosen Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglicht, zumindest aber Härtefälle abfedert.“ Vielen Dank. (👏) 14.55 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/73.1 Auslaufen der Krankenversicherung für ukrainische Kriegsvertriebene am 12. Juli (96/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt, ordnungsgemäß eingebracht, steht daher auch mit in Verhandlung. Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Michael Schilchegger .

FPÖ Michael Schilchegger

Danke, Frau Präsidentin, werte Damen und Herren! Es ist mir natürlich nicht möglich, hier in 3 Minuten alle Aspekte der freiheitlichen Sicherheits- und Fremdenrechtspolitik vorzustellen, wie das angesichts der bisherigen Debatte auch notwendig wäre. Aber ein Wort zu Kollegen Gödl, weil er uns ja vorgeworfen hat, wir wären unglaubwürdig gewesen …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Nicht gewesen! Ihr seid es!

FPÖ Michael Schilchegger

… weil wir zunächst einmal den Vorschlag der ÖVP betreffend diesen sogenannten Stopp des Familiennachzugs in Gesetzesform in der Plenardebatte sozusagen abgelehnt haben, nicht zugestimmt haben. Auf der anderen Seite, sagt er, hätten wir im Hauptausschuss, was richtig ist, der Verordnung, die diesen „Familiennachzugsstopp“ – unter Anführungszeichen – anordnet, dann auf einmal zugestimmt. Das ist aber ganz logisch, Herr Kollege Gödl: Wir haben dem Gesetzespaket deshalb nicht zugestimmt, weil es aus mehreren Gründen eine Mogelpackung ist, weil es ein Provisorium ist, weil es von diesem Prinzip des Stopps des Familiennachzugs zahlreiche Ausnahmen gibt und weil es eine riesige Bürokratie dazu schafft, nämlich wiederum am Bundesverwaltungsgericht, das dann entsprechend komplizierteste Abwägungsmaßnahmen vorsehen muss – und man damit die Systeme, die ohnehin schon belastet sind, nämlich das Asyl- und Fremdenrechtssystem in der Bürokratie, noch weiter belastet. Wenn man aber dann sagt, man hat diese gesetzliche Maßnahme, um den Zustrom zumindest etwas zu stoppen, dann müssen wir natürlich, auch wenn wir mit dem Gesetzesmurks nicht einverstanden sind, um diese Rechtslage zumindest etwas zu verbessern, in die richtige Richtung zu lenken, der konkreten Verordnung zustimmen. Ich glaube also, wir sind da sehr differenziert und korrekt unterwegs.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Die Verordnung gäbe es nicht ohne das Gesetz, das muss man ...! – Zwischenruf des Abg. Petschnig [FPÖ].

FPÖ Michael Schilchegger

… Das müssen wir dann später einmal diskutieren, Herr Kollege Gödl – nur ein bisschen als erste Erklärung, warum wir da so abgestimmt haben. Ich möchte aber noch auf einen weiteren Punkt eingehen, nämlich noch zur vorherigen Debatte, weil man wieder ganz schön sieht: ÖVP-Konzept – FPÖ-Konzept. ÖVP-Konzept: Messengerüberwachung für 30 Gefährder, Kosten: 18 Millionen Euro pro Jahr. Das bedeutet 600 000 Euro für einen einzigen Gefährder. Der Effekt ist: Der Gefährder wird etwas weiter beobachtet, er wird künftig etwas genauer beobachtet, aber er bleibt im Land. Unser Konzept: ein Verbotsgesetz gegen den politischen Islam, das uns ermöglicht, genau solche Gefährder künftig direkt zu erfassen und mit den Mitteln der Strafprozessordnung auch entsprechend zu behandeln. Die Kosten für eine Abschiebung: ungefähr 10 000 Euro, und das für einen einzigen Gefährder, das heißt ein Bruchteil dieser Kosten, ein Sechzigstel davon. Und wenn wir schon beim Stopp des Familiennachzugs sind, der ja in Wahrheit kein Stopp ist, sondern ein, so habe ich es damals genannt, provisorisches Baustellenhütchen – das ist es auch –: Unser Konzept – auch wieder einer von vielen konkreten Gesetzesanträgen, die ich im Innenausschuss gestellt habe, Herr Kollege, Sie wissen es – wäre zum Beispiel der Asylstopp gewesen; und zwar bedeutet das, dass einfach keine neuen Asylanträge mehr angenommen werden, weil Österreich für diese ja gar nicht zuständig ist, mit einem ähnlichen Argumentarium, wie es ja die ÖVP für den „Stopp“ – unter Anführungszeichen – des Familiennachzugs vorgesehen hat, nämlich dass wir unsere Systeme überlastet haben, dass zu viele Menschen hier bereits unseren Wohnungsmarkt überlasten, die Sicherheitsthematik überlasten, und wir daher sagen: Okay, es reicht, Dublin ist wieder einzuhalten und wir nehmen keine neuen Asylanträge mehr an! Und was haben Sie mit dem Antrag gemacht? – Sie haben eigentlich inhaltlich dazu wenig bis gar nicht diskutiert, Sie haben ihn einfach wieder einmal vertagt. Das ist einer von drei konkreten Gesetzesanträgen, die wir im ersten Halbjahr in Ausschüssen eingebracht haben, die Sie vertagen und die wir leider derzeit nicht diskutieren können. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Ich hoffe, Sie besinnen sich noch eines Besseren, denn die freiheitliche Sicherheitspolitik ist keine Showpolitik, so wie Sie das betreiben, sondern sie würde wirklich zu Verbesserungen führen. – Herzlichen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Herr Abgeordneter Minnich, Sie haben 4 Minuten eingemeldete Redezeit. Es sind nur mehr wenige Sekunden bis zum Aufruf der Dringlichen Anfrage um 15 Uhr. Wollen Sie die 1 Minute noch sprechen? (Abg. Minnich [ÖVP] verneint.) – Bitte. Dann darf ich jetzt ganz kurz die Sitzung unterbrechen, um allen die Möglichkeit zu geben, pünktlich zur Dringlichen Anfrage herinnen zu sein. Sitzungsunterbrechung, 35. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:59

FPÖ Gerhard Kaniak

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Geschätzte Zuhörerinnen und Zuhörer! Die Freiheitliche Partei hat sich zu diesem Dringlichen Antrag veranlasst gesehen, weil unsere Bundesregierung unter Ausschluss jeglicher öffentlicher und parlamentarischer Debatten gerade dabei ist, weitgehende völkerrechtliche Verpflichtungen für den Staat Österreich und seine Bevölkerung einzugehen, nämlich in Form der neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften. Für diese neuen Vorschriften, die letztes Jahr auf der Weltgesundheitsversammlung beschlossen worden sind, läuft die Einspruchsfrist der Bundesregierung mit 19. Juli, also in wenigen Tagen, aus. Wenn bis dahin von Österreich kein Widerspruch gegen diese neuen Vorschriften ausgesprochen wird, dann werden sie auch für Österreich und seine Bevölkerung gültig werden. Was sind diese Internationalen Gesundheitsvorschriften denn überhaupt? – In der bisherigen Form, 2005 beschlossen, sind sie im Endeffekt das zentrale völkerrechtlich bindende Instrument zur internationalen Kooperation in der Bekämpfung von Gesundheitskrisen. Der Zweck ist ja ein durchaus hehrer, wenn man sich die Definitionen durchliest. Der Zweck ist eben die Verhinderung einer „grenzüberschreitenden Ausbreitung von Krankheiten“ – das ist gut. Auch der Einschränkung, dass das „auf eine Art und Weise“ erfolgen soll, „die den Gefahren für die öffentliche Gesundheit entspricht und auf diese beschränkt ist“, kann man überhaupt nichts entgegensetzen. Das tragen wir selbstverständlich auch mit. Aber – und jetzt kommt das große Aber –: Diese neue Novelle, die letztes Jahr beschlossen worden ist, diese Änderungen gehen weit über diesen definierten Zweck hinaus. Sie erweitern den Anwendungsbereich dieser Gesundheitsvorschriften, und sie führen zu einer Kompetenzausweitung der WHO und vor allem auch des Generaldirektors der WHO, die aus unserer Sicht vollkommen inakzeptabel ist. (👏 FPÖ) Wie ist es denn überhaupt zu dieser Neuauflage der Gesundheitsvorschriften gekommen? – Offensichtlicher Anlass war sicherlich die Coronapandemie, wobei es 2022 einen Prüfungsausschuss innerhalb der WHO gegeben hat, der das Vorgehen während der Coronapandemie überprüft hat und der festgestellt hat, dass es eigentlich gar nicht an den Regularien, an der Definition der Gesundheitsvorschriften gescheitert ist, sondern dass diese schlicht und ergreifend sowohl auf Ebene der WHO als auch auf Ebene der Mitgliedstaaten nicht ordentlich umgesetzt worden sind. Das heißt, der eigene Prüfungsausschuss der WHO hat gesagt: Wir haben gar keinen Änderungsbedarf bei den Vorschriften an sich. Trotzdem wurde 2022 ein gesamter Änderungsprozess eingeleitet, und es wurden 2022 auch schon erste Beschlüsse gefasst, die von der Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt gewesen sein dürften. Es wurden nämlich Fristen verkürzt, und zwar wurde die Einspruchsfrist – genau das, worum es auch heute geht, dass diese Einspruchsfrist eben ausläuft – von 18 auf zehn Monate verkürzt, und es wurde noch eine zweite Frist verkürzt, nämlich die Frist vom Beschluss der Vorschriften bis zum Inkrafttreten der Vorschriften von zwei Jahren auf ein Jahr. Jetzt könnte man sich natürlich die Frage stellen: Wieso müssen denn diese Fristen so verkürzt werden? Warum kann das nicht so wie in der Vergangenheit belassen werden? Vor allem: Warum hat man sich für die Ausarbeitung dieser neuen Vorschriften nicht entsprechend Zeit gelassen? Es ist ja so gewesen: Die letzte große Novelle 2005 hat einen Vorbereitungszeitraum von zehn Jahren gehabt. Zehn Jahre lang ist unter den Mitgliedstaaten verhandelt worden, ist an den Formulierungen und an den Konsequenzen der Regelungen getüftelt worden, bis diese beschlossen worden sind. Jetzt hat das Ganze innerhalb von nur zwei Jahren stattgefunden – unter massivem Druck, dass das ganz schnell gehen muss. Die Verhandlungen haben auch hinter verschlossenen Türen stattgefunden.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das stimmt nicht! Alle Protokolle waren frei zugänglich!

FPÖ Gerhard Kaniak

… Es hat im Endeffekt ein Sammelsurium der eingebrachten Anträge gegeben und nur einen einzigen Zwischenbericht – in Englisch; der war nicht einmal in einer entsprechenden amtlichen Übersetzung verfügbar. Dann wurde letztes Jahr auf der 77. Weltgesundheitsversammlung am letzten Verhandlungstag unter massivem Druck hinter verschlossenen Türen ein Kompromiss beschlossen, der eigentlich in dieser Form gar nicht hätte beschlossen werden dürfen – denn grundsätzlich schreibt sich die WHO selber vor, dass Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften ausformuliert den Mitgliedstaaten vier Monate lang zur Begutachtung vorgelegt werden müssen und erst dann eine Beschlussfassung eingeleitet werden darf. Also auch dieser Formalfehler ist passiert, ist aktenkundig. Über den ist man einfach hinweggegangen. Wir haben auch an Frau Ministerin Schumann eine parlamentarische Anfrage gestellt, ob sie davon Kenntnis hat und auch was sie in Anbetracht dieses Formalfehlers zu tun gedenkt. Sie hat gesagt, sie weiß das nicht einmal, dass da irgendwelche Fehler passiert sind oder dass da ein anderes Prozedere vertraglich vorgesehen gewesen ist. Das wäre aber natürlich auch gleich ein wunderbarer Anknüpfungspunkt, wie man auch jetzt noch einen Einspruch gegen das Inkrafttreten dieser Vorschriften erheben könnte. Wer hat denn jetzt eigentlich ein Interesse daran gehabt, dass das alles so schnell und so zwingend jetzt gleich und innerhalb von nur zwei Jahren beschlossen werden muss und dann auch noch mit verkürzten Fristen in Kraft tritt? – Vielleicht sollte man sich in diesem Zusammenhang auch einmal die Finanzierungsstrukturen der WHO anschauen. Es ist schon bezeichnend, dass gerade einmal 16 Prozent des Budgets von 2024 durch Pflichtbeiträge der Mitglieder finanziert worden sind und ein viel, viel größerer Teil, nämlich 77 Prozent, durch freiwillige Spenden finanziert worden ist. Diese Spenden haben eine Besonderheit: Ganze 71 Prozent von diesen freiwilligen Spenden waren sogenannte zweckgebundene Spenden. Das heißt, der, der bezahlt hat …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

... Skandal!

FPÖ Gerhard Kaniak

… bestimmt im Vorfeld, was mit dem Geld passiert. Jetzt könnte man sagen – ja, ich habe es schon gehört –: Skandal! – Ja, es ist tatsächlich ein Skandal, wenn eine internationale Organisation im Endeffekt zum Auftragsgehilfen für internationale privatwirtschaftliche Sponsoren wird und nicht die Interessen der Mitgliedstaaten vertritt. Das Ganze wird ja noch viel dramatischer. Da die USA mittlerweile als größter Beitragszahler ihren Austritt bekannt gegeben und beschlossen haben, wird der größte staatliche Beitragszahler wegfallen, und andere Institutionen wie zum Beispiel die Gates Foundation, die bereits 2024 16 Prozent des Gesamtbudgets gestellt hat, werden einen noch größeren Einfluss haben. Natürlich, wer soll denn einem so großen Geldgeber verwehren, dass seine Experten in die entsprechenden Gremien und Ausschüsse geschickt werden, beziehungsweise wer kann sicherstellen …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wer kann sich ... leisten?

FPÖ Gerhard Kaniak

… dass so große Sponsoren nicht auch einen Einfluss auf die Ernennung eines Generaldirektors haben? Das bringt mich gleich weiter zur Person des Generaldirektors. Wir haben hier die Situation, dass einer einzelnen Person in einem internationalen Gremium, in der Weltgesundheitsorganisation, eine unglaubliche Machtfülle übertragen wird, für die es aber gleichzeitig keine unabhängigen Kontrolleinheiten, keine unabhängigen Gerichte gibt, wo man Fehlentscheidungen oder auch Machtmissbrauch entsprechend anfechten könnte oder die Entscheidungen auch wieder aufheben könnte. Wesentlich ist, dass es zwar beratende Gremien gibt, deren Mitglieder der Generaldirektor teilweise sogar selber nominieren kann, aber kein einziges sanktionierendes oder tatsächlich kontrollierendes Gremium. Die Befugnisse, die er mit dieser neuen Änderung der Internationalen Gesundheitsvorschriften bekommt, sind vor allem die, dass er im Endeffekt ad personam alleine die letzte Entscheidungshoheit darüber hat, ob eine internationale Gesundheitsnotlage, eine pandemische Notlage ausgerufen wird oder nicht. Jetzt könnte man sagen: Was hat denn das für eine Relevanz? Was ist denn das überhaupt, so ein internationaler Gesundheitsnotstand oder eine pandemische Notlage? – Das will ich Ihnen sagen: Das ist die höchste Krisenstufe in der Weltgesundheitsstruktur im öffentlichen Gesundheitswesen. Und natürlich hängen daran viele Folgen, sowohl in den Internationalen Gesundheitsvorschriften – da kommt es dann zu diesen obligatorischen empfohlenen Maßnahmen, zu denen ich später noch kommen werde –, aber in weiterer Folge bei dem ja bereits beschlossenen Pandemievertrag auch zu konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen, auch zum Beispiel im Bereich der beschleunigten Verfahren für die Arzneimittelzulassungen, im Bereich der Güterverteilung, des Schutzes des geistigen Eigentums und bei vielen anderen Dingen auch, unter anderem natürlich auch die Grund- und Freiheitsrechte unserer Bürger betreffend. Problematisch ist, dass man diesen Begriff dieser pandemischen Notlage neu geschaffen hat und sich nicht mehr an eine medizinische oder epidemiologische Definition – tatsächliche Verbreitung von Krankheiten über mehrere Kontinente oder Staaten – hält. Nein, man hat diese Definition neu geschaffen, sodass diese viel weiter gehend ist. So eine pandemische Notlage kann mittlerweile schon eintreten, wenn nur die Gefahr einer entsprechenden Verbreitung besteht. Das ist genau das Problem: Eine hypothetische Gefahr ist nicht quantifizierbar, ist nicht messbar, ist de facto nicht feststellbar. Auf dieser Basis kann der Generaldirektor der WHO zukünftig weltweite Notstände – einen Ausnahmezustand schlicht und ergreifend – ausrufen. Wie ist denn nun der Einzelne von diesen Maßnahmen betroffen? Was ist denn da in diesem Regelwerk angedacht? Was betrifft die Menschen auch in Österreich, wenn diese Vorschriften angenommen werden? Im Falle dieses pandemischen Notfalls wird die österreichische Regierung angehalten, Maßnahmen gegenüber betroffenen Personen zu setzen. Betroffene Personen: Das ist schon einmal eine interessante Definition. Früher hätte man gesagt – und so ist es auch im alten Epidemiegesetz in Österreich gestanden – Erkrankte; das waren Personen, die amtsärztlich festgestellt von der entsprechenden Krankheit befallen waren. Jetzt heißt es Betroffene. Betroffen wird wahrscheinlich, so wie wir das aus der Coronazeit kennen, nicht nur jeder sein, der symptomatisch erkrankt ist, sondern auch jeder, der infiziert ist oder vielleicht sogar auch nur Träger von Krankheitsfragmenten ist, die dann mittels PCR-Testung festgestellt werden. Das ist also ein ganz weiter Geltungsbereich, der gar nicht klar definiert und abgegrenzt ist, wobei aber für betroffene Personen schon Maßnahmen wie Absonderung, wenn notwendig direkte medizinische Behandlungen und natürlich eine Kontaktverfolgung indiziert sind. Dann gibt es eine zweite Personengruppe, die heißen in den Vorschriften so schön: verdächtige Personen. Was sind denn verdächtige Personen? – Aus der Coronapandemie kennen wir das: Verdächtige Personen sind die, die entweder aktiv denunziert worden sind oder vielleicht Kontaktpersonen waren oder die sich vielleicht sonst irgendwie nicht systemkonform verhalten haben.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Geh, Gerhard!

FPÖ Gerhard Kaniak

… Das waren dann ganz schnell die verdächtigen Personen; und die sollen, so steht es wörtlich drinnen, beobachtet werden. Beobachtet sollen sie werden, sie dürfen natürlich auch in Quarantäne gesteckt werden und es dürfen auch andere Gesundheitsmaßnahmen gegen sie getroffen werden – da fallen mir ganz spontan die von Minister Rauch erfundenen Absonderungen ein –: Verkehrsbeschränkungen, die einzelne Gruppen und eben Verdächtige dann betreffen, und, was auch ganz bizarr ist, auch eine weiter gehende Kontaktverfolgung von verdächtigen Personen. Also man könnte fast sagen, in Zukunft wird dann jeder jemanden kennen, der verdächtig ist, denn wenn bei jedem Verdächtigen wieder die Kontaktpersonen ausgeforscht werden, haben wir einen neuen Kreis von Verdächtigen, von denen wieder die Kontaktpersonen ausgeforscht werden …

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Ist das jetzt dein Ernst, Gerhard?

FPÖ Gerhard Kaniak

… und so weiter, bis eigentlich die gesamte Bevölkerung aus Verdachtsfällen besteht – das haben wir in anderen Bereichen auch.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Jetzt musst du aber selber lachen!

FPÖ Gerhard Kaniak

… So schwammig ist dieses Regulativ im Endeffekt formuliert oder so weit ist dieses Regulativ gefasst, dass es Missbrauch Tür und Tor öffnet. Aber selbst wenn wir nicht die gesamte Bevölkerung zu Verdachtsfällen machen: Es reichen ja schon die Maßnahmen, die für die gesamte Bevölkerung vorgesehen sind, denn da steht explizit drinnen, dass sich die gesamte Bevölkerung medizinischen Untersuchungen oder auch Laboruntersuchungen unterziehen muss und auch die entsprechenden Nachweise dafür präsentieren muss. Auch das in der Coronazeit ja hochgekommene Thema der Impfpflicht ist wieder enthalten. Das heißt, im Rahmen dieses Maßnahmenregimes kann nicht nur durch die Hintertür, sondern ganz offensichtlich und völkerrechtlich verbindlich auch die Impfpflicht für alle in Österreich wieder zurückkommen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Nein, das kann es nicht! – Abg. Silvan [SPÖ]: Nein!

FPÖ Gerhard Kaniak

… Sie können sich dann gerne noch zu Wort melden. Es steht genau so drinnen, dass das eine mögliche Maßnahme ist.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Na, das ist ein Witz! – Abg. Schallmeiner [Grüne]: Nein, das steht nicht so drinnen, geh komm! – Abg. Bogner-Strauß [ÖVP]: Nein, das ist in der Souveränität! – Ruf bei der ÖVP: Schau, da sind wir wieder bei der ...!

FPÖ Gerhard Kaniak

… Jetzt muss man natürlich sagen, das Impfpflichtgesetz war einer der großen Aufreger in der Coronazeit in Österreich, aber es hat noch einen zweiten Punkt gegeben, das war der grüne Pass. Es gibt in den neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften ein ganzes Kapitel, einen ganzen Abschnitt, der sich mit den neuen internationalen Gesundheitsdokumenten auseinandersetzt. Das heißt, der grüne Pass soll und muss natürlich im Rahmen dieser neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften kommen, denn natürlich sollen diese Reiseeinschränkungen, die Verfolgung der Bewegungen der einzelnen Bürger und auch das schnelle Abrufen von Impfstatus, Teststatus und Ähnlichem standardisiert und international einheitlich möglich werden. Aber vielleicht denken Sie daran, vielleicht erinnern Sie sich, dass auch dieser grüne Pass die österreichische Gesellschaft gespalten hat und mehr Schaden als Nutzen gestiftet hat. (👏 FPÖ) Und was man nicht vergessen darf: All diese Maßnahmen können nicht nur in Kraft treten, wenn es tatsächlich eine Pandemie im Sinne der epidemiologischen Definition gibt, nein, diese Maßnahmen können schon vorbeugend erlassen werden, zur Verhinderung einer Epidemie. – Also da wird einem dann schon wirklich angst und bange. Es gibt aber eine positive Nachricht, zumindest für einen Teil der Menschen: Es soll auch sogenannte Green Lanes, also erleichterte Reisebestimmungen, für bestimmte Personengruppen geben, und bei manchen kann ich das ja durchaus gut nachvollziehen. Zum Beispiel macht es für Gesundheitspersonal, für Pflegepersonal absolut Sinn, dass diese in Krisenzeiten Grenzen überschreiten können, auch wenn Reiserestriktionen vorliegen. Die neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften haben da aber auch zusätzlich eine weitere Personengruppe erfasst, nämlich diejenigen, die in einer lebensbedrohlichen oder humanitären Notlage sind. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, würde ja eigentlich bedeuten, dass, während die eigene Bevölkerung aus Verdachtsgründen zu Hause mehr oder weniger eingesperrt ist, die illegale Massenmigration …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie bei Corona!

FPÖ Gerhard Kaniak

… kreuz und quer durch Europa wandern könnte , weil das aus humanitären Gründen notwendig ist. (👏 FPÖ) Also unvorstellbar, was mit diesem Regelwerk alles möglich ist! Das passt aber natürlich ganz gut zu den Erweiterungen der Grundsätze in Artikel 3 der neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften, wo ein neues Grundprinzip aufgenommen wird, nämlich das der Solidarität und Gerechtigkeit. Ich frage mich zwar bis heute, was Solidarität und Gerechtigkeit für medizinische oder epidemiologische Kategorien sind, das finde ich in den Definitionen nicht, aber ich erkenne natürlich klar eine politische Intention dahinter, die sich auch bei den Reisefreizügigkeiten im Krisenfall zeigt. Das geht aber natürlich noch weiter. In den Erläuterungen steht dann drinnen, was sich die WHO darunter vorstellt. Da geht es einerseits – gerechtfertigterweise – um einen gleichwertigen Zugang zu medizinischen Gütern, Arzneimitteln, Impfstoffen und Ähnlichem, aber das, was daraus erwächst, macht mir wiederum Sorgen. Da ist die Rede von zentralisierten Beschaffungen – das hat bei Corona schon so gut funktioniert; wir warten ja noch immer auf die SMS zwischen Frau von der Leyen und Pfizer, das würde uns alle interessieren, was da drinnen steht –, da geht es dann natürlich darum, wer die Kosten für all diese Fehlbeschaffungen trägt; da geht es aber in weiterer Folge auch um Zwangsverteilungen von medizinischen Gerätschaften und Ausrüstung und Medikamenten; da geht es um Zwangskofinanzierungen. Und über all dem soll dann ein koordinierender Finanzierungsmechanismus installiert werden, der zwar eigentlich nur die vorhandenen Mittel verteilen soll, aber in Wirklichkeit de facto dann dazu führt, dass der Steuerzahler in Österreich die Versorgung in anderen Staaten im großen Stil zahlen muss. Wer das nicht glaubt, schaut sich vielleicht einmal an, was während Corona passiert ist. Allein bei den Impfstoffen: Wir haben fast zehn Millionen Dosen Impfstoffe an andere Staaten verschenkt, das ist ein Schaden für den österreichischen Steuerzahler von über 100 Millionen Euro; ganz genau kann man es ja nicht beziffern, weil wir die Preise bis heute nicht bekommen haben. Genau dasselbe ist in Zukunft dann systematisch für jede pandemische Notlage sozusagen, für jeden internationalen Notstand geplant. Dem kann man doch nicht zustimmen, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 FPÖ) Es heißt immer: Das stimmt ja alles nicht, was die FPÖ da immer sagt und wie sie den Teufel an die Wand malt! Das beruht doch alles auf Freiwilligkeit, das ist überhaupt kein Zwang und die WHO kann ja überhaupt nichts durchsetzen, also die Souveränität wird in keinster Weise beeinträchtigt! – Dann möchte ich Sie eines fragen, meine sehr geehrten Damen und Herren: Wieso ist es dann erklärtes Ziel bei diesen jetzt vorliegenden Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften, die Durchsetzbarkeit dieser Vorschriften auf nationaler Ebene zu stärken? Warum schafft man dann einen eigenen Ausschuss für die Umsetzung dieser neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften auf Ebene der WHO? Und warum sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, wenn sie diese Regelung annehmen, nationale Koordinierungsstellen einzurichten, die ein permanentes Dauerreporting an die WHO machen, ob der Staat eh schon brav seine Vorgaben umgesetzt hat? Und falls er sich doch weigert, steht in den Vorschriften drinnen, dann wird einmal zunächst sanfter Druck ausgeübt. Dieser sanfte Druck führt aber bis hin zu Schiedsverfahren, die gegen den Staat angestrebt werden, abgesehen davon, dass natürlich jeder Staat, der die Vorgaben der WHO nicht erfüllt, dann ganz massiv an den Pranger gestellt wird. Das ist nicht irgendetwas leer Dahergesagtes, sondern: Was sind denn die realen Konsequenzen? – Im Endeffekt kann die WHO dann entscheiden, dass die Bürger eines entsprechenden Staates vielleicht alle Verdachtsfälle sind, dass der gesamte Staat vielleicht ein Risikogebiet ist, dass der Handels- und der Personenverkehr zwischen den Staaten aus Gründen der öffentlichen Gesundheit eingeschränkt werden muss, und, und, und. – Das sind ja massive wirtschaftliche Implikationen, die damit zusammenhängen. Wenn das kein Druck, kein Zwang ist, der auf einen Staat ausgeübt werden kann, sich diesem Narrativ dann auch zu beugen und diese Vorschriften umzusetzen, dann weiß ich es auch nicht, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 FPÖ) Ich fasse es noch einmal zusammen: Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine internationale Kooperation zur Bekämpfung von Gesundheitskrisen, aber das, was da an Neuordnung der Internationalen Gesundheitsvorschriften auf dem Tisch liegt, geht weit über den historischen Sinn und Zweck der Gesundheitsvorschriften hinaus. Es stellt eine vollkommen unverhältnismäßige Ausweitung des Geltungsbereichs, der Kompetenzen der WHO und vor allem auch des Generaldirektors der WHO dar, und es ist nicht sichergestellt, dass es überhaupt irgendwelche Kontrollinstrumente, irgendwelche unabhängigen Aufsichts- oder Kontrollgremien gibt, ein unabhängiges Gericht, das im Missbrauchs- oder Fehlentscheidungsfall auch anrufbar ist und Entscheidungen revidieren kann. Die FPÖ lehnt die Internationalen Gesundheitsvorschriften deshalb ganz klar ab, so wie wir das auch in der Vergangenheit gemacht haben, so wie wir schon mehrere Anträge dazu gestellt haben. Jetzt ist tatsächlich die letzte Chance für die Bundesregierung, hier auch noch einmal ein Veto einzulegen, zu sagen: Schauen wir uns das lieber noch einmal an, bevor das, was da husch, pfusch in zwei Jahren gemacht worden ist, in Kraft tritt! Als Feigenblatt können Sie den Formalfehler der Nichtauflage der Verhandlungsergebnisse verwenden. Sie brauchen sich gar nicht inhaltlich zu kaprizieren, sondern können sagen: Da ist auch ein Formalfehler passiert, und deshalb lehnen wir es ab!, aber geben Sie dem Souverän die Chance – und sich selbst vielleicht auch, wenn Sie es sich noch nicht so genau angeschaut haben – und überdenken Sie die Konsequenzen der Annahme dieser neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften! Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass diese Regelungen, so wie sie jetzt festgeschrieben sind, sicherlich nicht ins nationale Recht kommen. ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zur Abgabe einer Stellungnahme hat sich Frau Staatssekretärin Königsberger-Ludwig zu Wort gemeldet, die ich an dieser Stelle auch sehr herzlich im Hause begrüße. – Bitte.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Werte Staatssekretärin! Werte Zuseher! Hohes Haus! Werte Kollegen! Ich finde, es ist eine bodenlose Frechheit, was sich heute wieder hier im Parlament abspielt: Wir haben eine Dringliche, eines der strengsten Instrumente hier im Parlament, und wenn vielleicht die Kamera einmal die Abgeordneten filmt …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das machen wir dann später bei euch!

FPÖ Peter Wurm

… dann sieht man, dass das mehr oder weniger von diesen vier Parteien ignoriert wird – bei einem Thema, das Österreich drei Jahre in Geiselhaft genommen hat. Wir sprechen von der Coronapandemie und wir sprechen jetzt vom WHO-Pandemievertrag, also von einem Thema, das Österreich von 2020 bis 2023 federführend bestimmt hat, und Sie vier Parteien – in bewährter Manier – ignorieren das; auch von der Rednerliste her, es hat sich kaum einer von euch zu Wort gemeldet. Und das ist, finde ich, eine bodenlose Frechheit der Bevölkerung gegenüber, weil die Coronapandemie dieses Land massiv verändert hat. (👏 FPÖ) Jetzt darf ich Ihnen noch etwas sagen, das setzt sich ja fort: Wir hatten letzte Woche eine Sitzung des Gesundheitsausschusses. Die Tagesordnungspunkte 1 bis 4, also die ersten, die wichtigsten vier Punkte, waren vier Berichte vom Ministerium, Gesundheitsministerium, Sozialministerium, zum Thema Corona – nicht unsere FPÖ-Berichte, sondern von der Regierung, vom Ministerium selbst.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Also!

FPÖ Peter Wurm

… Ich bin jetzt 13 Jahre im Parlament und so etwas habe ich noch nie erlebt: Wir hatten die ersten vier Punkte und von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen hat nicht ein einziger Abgeordneter in dieser Ausschusssitzung auch nur ein Wort gesagt. Alle vier habt ihr das boykottiert. Ihr wollt über den Bericht des eigenen Ministeriums nicht einmal im Ausschuss diskutieren. Und das ist, finde ich, eine bodenlose Frechheit der Bevölkerung gegenüber.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Es war alles klar!

FPÖ Peter Wurm

… Das heißt, ihr seid vom Modus Todesangst und Panik – das war damals, 2020: Todesangst und Panik – jetzt im neuen Modus Totschweigen. Einfach totschweigen, die drei Jahre hat es nicht gegeben – offensichtlich, für euch vier –, die haben nicht stattgefunden. Ich versuche aber, euch kurz die Konsequenzen davon zu zeigen – das ist nur ein Teil der Coronageschichte. ( Ruf bei den NEOS: Zur Sache! ) Das Schlimmste, wir haben es mehrmals gesagt, was ich euch allen vorwerfe, auch persönlich: Ihr habt unsere Kinder und Jugendlichen ruiniert, nachhaltig ruiniert. (👏 FPÖ) Die psychischen Schäden, die Schäden an der Psyche der Kinder sind nachweislich vorhanden; die werden ja von euch nicht einmal abgestritten. Die psychischen Schäden sind explodiert – und ihr alle habt damit nichts zu tun, ihr alle habt es aber hier mitbestimmt. Ihr habt auch sicher nichts mit den 100 Milliarden Euro Gesamtkosten zu tun – ihr alle habt nichts damit zu tun.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Ihr auch nicht!

FPÖ Peter Wurm

… Das hat uns 100 Milliarden Euro gekostet. Da wollt ihr alle nicht dabei gewesen sein. Ich weiß schon: totschweigen, nicht darüber reden! Aber jetzt haben wir den WHO-Pandemievertrag, durch den das ganze Spiel trotz allen Widerstandes international noch einmal hochgezogen wird. Und auch darüber wollt ihr kaum reden – ist ja nur ein WHO-Pandemievertrag. Ihr habt die Bevölkerung jahrelang angelogen, es ist eine lange Liste an Dingen, die ich da jetzt vorlesen könnte – von den Long-Covid-Geschichten, von den Impfschäden, die ihr verschwiegen habt, und, und, und, es ist eine Latte an Dingen, die ich euch jetzt vorwerfen könnte –, aber, noch einmal, dass ihr nicht einmal heute bereit seid, die Ergebnisse, die das Ministerium vorgelegt hat, und auch den WHO-Pandemievertrag zu diskutieren, nicht bereit seid, einmal zu überlegen, welche Konsequenzen dieser hat, das erschüttert mich zutiefst und zeigt mir, dass ihr nicht lernbereit seid. Ihr seid nicht bereit. (👏 FPÖ) Die schlimmsten Schäden, sage ich einmal, hat ein ziviler Widerstand in Österreich verhindert; ein ziviler Widerstand, der über alle sozialen Schichten, Altersgruppen stattgefunden hat. Im Nachhinein bin ich positiv der Geschichte gegenüber, weil da ganz, ganz viele Menschen in Österreich aufgewacht sind – erstmals. Ehemalige SPÖ-Wähler, Grün-Wähler haben erkannt, wie sie systematisch angelogen werden, in den Medien, von Wissenschaftern, sogenannten Experten. Da sind viele aufgewacht, und das halte ich demokratiepolitisch für einen Fortschritt, weil die Leute euch heute nichts mehr oder nur mehr zum Teil glauben, und das ist gut.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wie geht es eigentlich dem Abgeordneten Hauser?

FPÖ Peter Wurm

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte zum Schlusssatz kommen. Abgeordneter Peter Wurm (fortsetzend): Danke. – Und wie gesagt, Kollege Kaniak hat es erwähnt: Dieser grüne Pass und der QR-Code, das setzt sich jetzt in der digitalen Welt fort. Ich sage es euch noch einmal: Du bist heute ohne Handy kaum noch lebensfähig – alles Konsequenzen aus Corona. Ich bin erschüttert, dass ihr nichts daraus gelernt habt. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Verzeihung, das war noch nicht der Schlusssatz, denn Sie hätten 10 Minuten Redezeit gehabt – das war die freiwillig eingestellte Redezeit. Herr Abgeordneter Wurm, Sie haben jetzt zweimal gegenüber den Parteien, die Sie angesprochen haben, die Formulierung verwendet, dass die Menschen „angelogen“ wurden. Der Vorwurf der Lüge hat an sich im Hohen Haus, und das ist Konsens, keinen Platz gegenüber den Parteien. Ich ersuche Sie, den Begriff anlügen oder „angelogen“ zurückzunehmen. Es gibt andere Möglichkeiten – Unwahrheit sagen et cetera –, aber der Vorwurf der Lüge zieht nach gängiger Praxis einen Ordnungsruf nach sich.

ÖVP Nico Marchetti

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Zu Kollegen Wurm: Ich muss sagen, ich habe mir während der Coronazeit wirklich ziemliche Sorgen gemacht und ich bin sehr froh, dass die Entwurmungsfantasien von Ihrem Parteiobmann doch glimpflich ausgegangen sind. – Ja, ich verstehe, dass es für Sie schwierig ist, das so zu sehen, denn wenn eine Partei, die irgendetwas Kompetentes zur Gesundheitspolitik sagen will, Dinge, die gesundheitsschädlich sind, wie das Entwurmungsmittel, an dem Leute hätten sterben können, als Partei empfiehlt, dann wäre es mir auch sehr unangenehm, liebe FPÖ …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

An der Impfung kann man auch sterben!

ÖVP Nico Marchetti

… denn das ist das, was Sie während der Pandemie gemacht haben. Ich sage Ihnen noch etwas: Die Pandemie war für niemanden lustig – für niemanden.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Sind Sie im Gesundheitsausschuss, Herr Kollege? Sind Sie im Gesundheitsausschuss? Sind Sie kompetent bei Gesundheit?

ÖVP Nico Marchetti

… Es war eine Gesundheitskrise. Es sind viele an dieser Krankheit, an Corona, gestorben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ist das Ihre Aufarbeitung?

ÖVP Nico Marchetti

… Und das, was Sie hier tun, ist erstens pietätlos, und es ist zweitens auch respektlos. Dass Sie uns so quasi unterstellen, als wäre es irgendwie ein Vergnügen der Regierung gewesen , Maßnahmen gegen eine Pandemie zu treffen – wo keiner wusste, wie sich die entwickelt, wo man nur auf Sicht fahren konnte, wo man wirklich versucht hat, die Gesundheit der Leute zu schützen –, dass Sie da so drübergehen und jetzt sagen, alles Blödsinn, und jetzt alle gescheiter sind …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben damals schon gewarnt, Herr Kollege! Erinnern Sie sich doch zurück!

ÖVP Nico Marchetti

… ist, finde ich, falsch, ist pietätlos, und vor allem ist es auch nicht die Art und Weise, wie man Politik machen sollte, wenn man es wirklich ernst mit der Bevölkerung meint.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie hätten es besser machen können!

ÖVP Nico Marchetti

… Jetzt noch zum Pandemievertrag und zur WHO: Ich meine, Sie sagen es ja selbst in Ihrem Antrag, die Staatssekretärin hat es gesagt: Es geht hier um Empfehlungen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Völkerrechtlich verbindlich, hat sie gesagt!

ÖVP Nico Marchetti

… Die WHO hat keine rechtsverbindliche Kompetenz.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Hat sie gesagt in ihrer Rede!

ÖVP Nico Marchetti

… Die WHO gibt Empfehlungen ab, die WHO berät und macht Vorschläge. Das macht die WHO. Sie fantasieren hier – Herr Kaniak hat versucht, das so halbwegs intellektuell rüberzubringen, aber er sagt ja selber: Ja, das behaupten alle, das könnte ja sein und vielleicht und so. – Sie sagen ja selber nicht, dass das rechtsverbindlich ist, weil es einfach nicht so ist.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Die ÖVP hat nach der Pfeife der WHO getanzt!

ÖVP Nico Marchetti

… Insofern kann ich Entwarnung geben: Das, was die FPÖ hier heraufbeschwört, diese Gespenster, die gibt es nicht. Was in Österreich rechtsverbindlich ist, entscheiden wir; die WHO gibt nur Empfehlungen ab. Das ist die Wahrheit, so ist es! Und das ist auch die Antwort auf Ihren Antrag.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und Sie haben die Impfpflicht eingeführt sogar!

ÖVP Nico Marchetti

… Weil Sie der Regierung immer Untätigkeit und so vorwerfen, möchte ich schon ein paar Dinge sagen: Sie haben auch zum Beispiel zur Coronapandemie eine Anfrageserie gestartet …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja!

ÖVP Nico Marchetti

… und zwar haben Sie Anfragen gestellt, die Sie in der letzten Periode schon gestellt haben und zu denen eh schon alle Informationen da sind.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Dann war’s ja leicht zu beantworten! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Dann wär’s ja eigentlich ganz einfach gewesen zu beantworten!

ÖVP Nico Marchetti

… Sie haben 364 Mal bei ein und derselben Anfrage nur die Überschrift geändert, haben sie einfach durch die Welt geschickt und haben Informationen bekommen, die schon längst da waren – einfach nur, um eine Show abzuziehen und das Thema am Köcheln zu halten, aus rein parteipolitischem Kalkül. Ist Ihnen das nicht irgendwie unangenehm, 364 Mal denselben Zettel herumzuschicken? Oder zum Beispiel Presseaussendungen: Am 3. Juni – FPÖ, Schnedlitz – sagt Kollege Schnedlitz zum Thema Inflation in der FPÖ-Presseaussendung: „Es rächt sich nun, dass ÖVP und Grüne das Auslaufen wichtiger Entlastungsmaßnahmen mit Jahresende 2024 fahrlässig in Kauf genommen haben. So fielen unter anderem die reduzierte Elektrizitäts- und Erdgasabgabe [...] weg“, so Schnedlitz.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Red einmal zum WHO-Pandemievertrag! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Weiterhin verschweigen! – Abg. Darmann [FPÖ]: Ist euch unangenehm, oder? – Abg. Mölzer [FPÖ]: ... nix mehr unangenehm! – Zwischenruf des Abg. Schallmeiner [Grüne].

ÖVP Nico Marchetti

… 1. Juli, FPÖ, Kolm: „Es rächt sich nun, dass ÖVP und Grüne das Auslaufen wichtiger Entlastungsmaßnahmen mit Jahresende 2024 fahrlässig in Kauf genommen haben. So fielen die reduzierte Elektrizitäts- und Erdgasabgabe weg“, so Kolm. – Sie kopieren sogar Ihre eigene Presseaussendung, und das Zitat von einem kriegt der andere einen Monat später, Sie machen nur Copy-Paste-Politik! Also das ist ja eine Nichtleistung, die Sie hier als Oppositionspartei erbringen! Wenn Sie es mit Ihren Wählerinnen und Wählern wirklich ernst meinen würden, dann würden Sie erstens nicht Copy-Paste-OTS und -Anfragen machen, sondern sich wirklich mit dem Thema auseinandersetzen und vernünftige Aufklärung betreiben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir würden es eh, aber Sie verweigern ja jede Auskunft!

ÖVP Nico Marchetti

… Und wenn Sie es mit der Bevölkerung wirklich, wirklich ernst meinen würden, dann würden Sie auch Verantwortung übernehmen, dazu waren Sie ja auch nicht bereit.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Endlich wieder Verantwortung!

ÖVP Nico Marchetti

… Es ist wirklich eine absolute Nichtleistung, die Sie erbringen. Mir fehlt jeglicher Leistungsnachweis von der FPÖ, und ich finde, das sollte man auch einmal den Wählerinnen und Wählern sagen, was Sie da für eine Arbeit machen! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die Wähler sind sicher begeistert von Ihrer Rede!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Silvan. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

SPÖ Rudolf Silvan

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zu meinen Vorrednern Kollege Kaniak und Kollege Wurm, ich schätze sie beide sehr, auch im Gesundheitsausschuss sind sie immer sehr wortreich und emotional, aber: Dieser Pandemievertrag der WHO ist ja eine Reaktion auf das, was in der Vergangenheit passiert ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Dann wird es wohl das nächste Mal schneller gehen!

SPÖ Rudolf Silvan

… aufgrund der Pandemie, und er soll ja genau das verhindern, was passiert ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein! Der soll das beschleunigen!

SPÖ Rudolf Silvan

… nämlich Lockdowns, Schulschließungen und so weiter und so fort. Deswegen wundert mich die Kritik von der FPÖ so, weil es genau das Gegenteil von dem ist, was Sie immer kritisieren, und eine Vorkehrung, dass das in Zukunft nicht mehr passiert. Es soll nämlich, wie die Frau Staatssekretärin gesagt hat, ein schnelleres, koordiniertes Handeln zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten ermöglichen …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Das wäre auch auf Basis der Vorschriften von 2005! Wieso müsste man die Änderungen trotzdem dann akzeptieren?

SPÖ Rudolf Silvan

… es soll für einen gleichberechtigten Zugang zu medizinischen Produkten, eine gerechtere Verteilung von Impfstoffen und medizinischen Produkten insbesondere in ärmeren Ländern sorgen, dass man diverse Pandemien nämlich gleich im Keim ersticken kann; für eine Stärkung der globalen Zusammenarbeit, für Transparenz und Rechenschaftspflicht. Dieser Vertrag soll nämlich mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht bei der Reaktion auf Pandemien schaffen, das Vertrauen in die WHO und ihre Mitgliedstaaten stärken und erhöhen. Der Vertrag soll den One-Health-Ansatz fördern, der die Verbindung zwischen menschlicher Gesundheit, Tiergesundheit und Umweltschutz berücksichtigt, um Pandemien besser zu verstehen und zu bekämpfen. Ich weiß nicht, wo da die Kritik herkommt! Das dient alles dazu, dass man diese Lockdowns in Zukunft verhindern kann, diese Tausenden Toten verhindern kann. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Deswegen verstehe ich nicht: Jetzt kritisiert ihr das monatelang, jahrelang, dann macht man etwas, und ihr seid auch dagegen! Also ihr seid eh überall dagegen, egal was man tut! Um Zustände wie während der Coronapandemie zu vermeiden …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo nehmen Sie das her?!

SPÖ Rudolf Silvan

… werden verschiedene Punkte zur Prävention großgeschrieben: Lieferketten sollen ausgebaut werden, gestärkt werden, alle Länder sollen Zugriff auf Schutzmaterialien …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... gegen die Impfpflicht gestimmt?

SPÖ Rudolf Silvan

… Medikamente und Impfstoff haben, weltweit soll das Gesundheitspersonal zuerst versorgt werden, weiterhin soll der Transfer von Technologien und Forschung ausgebaut werden, Pharmafirmen sollen ihr Wissen teilen, damit auch in anderen Ländern Medikamente und Impfstoffe produziert werden können …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist wohl von den Pharmafirmen gekommen!

SPÖ Rudolf Silvan

… sie sollen der WHO 10 Prozent ihrer Impfstoffproduktion zur Verteilung an ärmere Länder spenden …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und das jetzt ... alles super, oder was?

SPÖ Rudolf Silvan

… und weitere 10 Prozent zu günstigeren Preisen abgeben. Zur Souveränität Österreichs: Es steht in Artikel 22 – ich wiederhole mich sehr gerne, ich mache es immer wieder –: Keine einzige Bestimmung des Pandemievertrages gewährt der WHO oder ihrem Generaldirektor die Befugnis, über nationales Recht zu verfügen, es zu ändern oder anderweitig vorzugeben. Das steht eindeutig in Artikel 22. Ich weiß nicht, woher die FPÖ hat, dass die Souveränität Österreichs verloren geht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Impfskepsis hat natürlich vor allem in den modernen Industriestaaten massiv zugenommen, das sehen wir aktuell auch in Österreich. Heuer wurden bereits 50 Personen, die an FSME erkrankt sind, im Spital behandelt, diese Personen waren nicht beziehungsweise nicht ausreichend geimpft. Auch Fälle von Masern und Hepatitis sind im Steigen begriffen, nicht nur hier in Österreich, sondern in der gesamten Europäischen Union und vor allem auch in den USA. Kollegin Belakowitsch, weil Sie immer hereinrufen und sich immer sehr engagiert und sehr emotional an den Debatten beteiligen: Sie haben bei einem Auftritt bei einer Demonstration gegen die Coronamaßnahmen in Wien behauptet, wider besseres Wissen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ah so, Sie reden zu mir?!

SPÖ Rudolf Silvan

… ja, Entschuldigung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Entschuldigung!

SPÖ Rudolf Silvan

… ich will Sie nicht stören …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Danke, sehr aufmerksam!

SPÖ Rudolf Silvan

… die Betten in den Spitälern seien nicht mehrheitlich mit Coronainfizierten belegt, sondern mit Menschen, die aufgrund eines Impfschadens behandelt werden müssen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nobelpreisverdächtig!

SPÖ Rudolf Silvan

… Sie wissen, dass das nicht stimmt, und Sie haben sich bis heute nicht dafür entschuldigt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mache ich auch nicht, weil es hat gestimmt!

SPÖ Rudolf Silvan

… Das weiß ich eh, dass Sie das nicht machen. Sie tragen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen vor Impfungen fürchten.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das habt ihr allein zu verantworten!

SPÖ Rudolf Silvan

… RN/84.1 Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sehen ja, was zurzeit passiert, wenn in Regierungen Impfgegner und Wissenschaftsfeinde sitzen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir waren ja gar nicht in der Regierung!

SPÖ Rudolf Silvan

… wie in den USA: Die USA erleben zurzeit den größten Masernausbruch seit 30 Jahren. Seit 30 Jahren der größte Masernausbruch in den USA durch einen Gesundheitsminister, der Impfgegner ist und der wissenschaftsfeindlich ist. ( Der Redner hält eine Tafel mit einem Artikel aus dem „Kurier“ mit dem Titel „Bereits 3 Tote: Schlimmste Masern-Epidemie seit mehr als 30 Jahren“ in die Höhe. ) Das wollen wir in Österreich nicht, das wollen wir in der Europäischen Union nicht.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Impfgegner und Wissenschaftsfeinde ... Synonym: Das ist ja Ihr Fehler!

SPÖ Rudolf Silvan

… Wir stehen für eine Politik der Verantwortung, wir machen keine Politik mit Angst. – Danke schön.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

... erwähnen, dass das bei den Zeugen Jehovas so ist!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiedler. Eingemeldete Redezeit: ebenfalls 5 Minuten. – Bitte schön.

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier und zu Hause! ( Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend: ) Liebe gehörlose Menschen! Österreich war die treibende Kraft beim Hinarbeiten auf mehr Zusammenarbeit durch die WHO, auch weil die Pandemie uns eben gezeigt hat, dass wir mehr internationale Zusammenarbeit brauchen. Ich weiß ja nicht genau, wie selektiv das Gedächtnis der FPÖ funktioniert. Vielleicht erinnern Sie sich nicht mehr daran, wie verzweifelt wir in Österreich versucht haben, zu Schutzmasken, zu Handschuhen, zu Medikamenten zu kommen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben sie verschenkt! – Zwischenruf des Abg. Darmann [FPÖ].

NEOS Fiona Fiedler

… Gerade das hat uns gezeigt, dass kein Land eine Insel ist und die Globalisierung gerade bei Lieferketten immer wieder diese gegenseitigen Abhängigkeiten aufzeigt. Jetzt gibt es natürlich zwei Varianten, damit umzugehen: akzeptieren und versuchen, die Situation zu verbessern, oder leugnen – und da sind Sie ganz super. Aber wenn es nach Ihnen geht, hat es Covid ja auch gar nicht gegeben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Woher wollen Sie das wissen?

NEOS Fiona Fiedler

… Für uns ist klar: Wir können uns nur mit guter Zusammenarbeit positiv weiterentwickeln, und dafür braucht es eine starke WHO. (👏 SPÖ, NEOS) Aber überlegen Sie einmal, was Ihre Position bedeutet : Trump macht einen auf Isolation – genau so, wie Sie es sich wünschen – und zieht sich aus diversen internationalen Organisationen zurück, was die Finanzmittel betrifft. Und dann beschweren Sie sich, dass die WHO zu großen Teilen aus Spenden finanziert wird.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ist aber nicht seit Trump erst, bitte! – Zwischenruf des Abg. Darmann [FPÖ].

NEOS Fiona Fiedler

… Seien wir doch froh, dass es noch Organisationen gibt, denen es ein Anliegen ist, dass Menschen gesund bleiben oder gesund werden können, und wir Infektionskrankheiten ausrotten wollen! (👏 SPÖ, FPÖ, NEOS) Und dann kommen Sie daher und sagen: Es ist so furchtbar, dass wir weltweit gemeinsame Standards haben wollen, wie man auf Krankheiten reagieren kann! ( Ruf bei der FPÖ: ... mit den Internationalen Gesundheitsvorschriften 2005 nicht? Aber diese Vorgaben braucht man ja nicht mehr! ) Und dann sind die Berichte auch noch auf Englisch?! Hätten Sie sie lieber auf Russisch? ( Heiterkeit und Beifall bei NEOS, SPÖ und Grünen. ) On top – Entschuldigung! –, noch dazu, Herr Kaniak, hat man statt 18 Monaten nur mehr zehn Monate Einspruchsfrist. Wie lange brauchen Sie, Herr Kollege, um zu erkennen, ob Sie Einspruch erheben wollen oder nicht? …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Euer Antrag ist schon im Jänner 2024 gestellt worden!

NEOS Fiona Fiedler

… Ihnen wäre wohl lieber, wenn wir keine Sicherheitssysteme mehr hätten und jedes Land um sein eigenes Durchkommen kämpfen müsste. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Sie sind in Ihrem Weltbild gefangen, weil Sie autoritäre Strömungen mögen und diese deshalb offenbar auch überall sehen. Sie sagen, dass der Beschluss nicht rechtmäßig war, weil kurzfristig noch Änderungen eingefügt wurden. Genau das aber ist Mitsprache: dass ein Feedback eingearbeitet wird, dass ein Austausch innerhalb einer Organisation über die Weiterentwicklung entsteht, und das so schnell wie möglich.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Das nennt man Rechtsstaatlichkeit, dass man sich an die eigenen Vorgaben hält!

NEOS Fiona Fiedler

… Immerhin aber sehen Sie diese Frage zu diesem Austausch genau so, dass wir hier heute darüber diskutieren können. Danke dafür! Und deswegen können wir ganz klar sagen: Liebe FPÖ, ihr interpretiert da etwas komplett falsch. Kollege Wurm, Pandemievertrag und Internationale Gesundheitsvorschriften sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Vielleicht setzen Sie sich einmal hin und informieren sich umfassend. Die WHO ist kein Moloch, die WHO bringt uns weiter. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Schallmeiner. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause vor den Bildschirmen und hier im Haus auf der Galerie! …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Was macht denn der Hase da? Was macht denn der Hase da?

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… Das ist kein Hase, das ist ein Murmeltier, Herr Kollege …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ach so!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… das solltest du als Tiroler ja erkennen –, denn täglich grüßt das Murmeltier. Die FPÖ inszeniert sich heute wieder als letzte Bastion der Freiheit. Wir erleben wieder einmal das altbekannte Schauspiel: Falschbehauptungen, Panikmache, gezieltes Schüren von Misstrauen gegen alles, was nach Wissenschaft, Kooperation, Verantwortung klingt. Es ist ein Dé­jà-vu: die immer gleichen Mythen, die immer gleichen Scheinargumente, alles längst widerlegt. Worum geht es? – Es geht um die Internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO, Kollege Wurm, wir haben es ja eh gerade noch einmal gehört. Das ist ein völkerrechtliches Regelwerk, wie Staaten bei grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren zusammenarbeiten sollen. Es geht um Schutz, um Frühwarnung, um die Stärkung unserer Gesundheitssysteme, um internationale Solidarität in Krisenzeiten. Es geht ausdrücklich nicht um die Aufgabe nationaler Souveränität. Es geht nicht um eine angebliche Gesundheitsdiktatur. Es geht auch nicht darum, die persönliche Freiheit von Ihnen allen zu Hause oder hier im Haus einzuschränken.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Nein! Nein! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: So wie bei Corona auch!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… Das wissen alle Fraktionen hier in diesem Haus bis auf eine, nämlich bis auf die FPÖ, weil die sich weigert, in der Realität anzukommen. So schaut es nämlich aus. (👏 ÖVP, NEOS) Sie ( in Richtung FPÖ ), Sie da drüben leben von Angst, von Verschwörungsnarrativen, vom Schattenboxen gegen Feinde, die Sie selbst erfinden. Aber schauen wir uns an, wie die FPÖ in den letzten Jahren hier in diesem Haus und auch draußen auf den Straßen agiert hat: Ivermectin als Wundermittel empfohlen, obwohl selbst der Hersteller und sämtliche Gesundheitsbehörden davor gewarnt haben. Was war das Ergebnis? – Wir wissen es: Gefährdung der Gesundheit der Menschen bis hin zu Todesfällen. Das ist – nur, um politisches Kleingeld zu wechseln – Ihre Politik gewesen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unfassbar! Wie viel haben denn die genommen?

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… Es wurden Tausende Impfopfer auch von Ihnen erfunden, Frau Kollegin.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, die sind nicht erfunden ...! Die braucht man nicht erfinden! Bis zum heutigen Tage! Aber ihr schweigt sie ja lieber tot!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… Die hat es nie gegeben. Sie haben sich bis heute nicht dafür entschuldigt, ja. (👏) Was ist die Realität? – Die Covid-Impfstoffe haben Millionen Menschenleben gerettet. Das ist das Gegenteil der FPÖ-Behauptungen, das sind nämlich mit Studien belegte Zahlen. Aber es gab falsche Zahlen zu Geimpften auf den Intensivstationen – das haben wir auch erst gehört –, wider besseres Wissen und entgegen allen verfügbaren Daten. Das Ziel war Verunsicherung und Spaltung – genau Ihre Politik, Ihr Programm. (Abg. Kaniak [FPÖ] – ein Schriftstück in die Höhe haltend –: Robert-Koch-Institut!) Die Belastungen des Gesundheitspersonals sind auch von Ihnen heruntergespielt worden, als wäre das alles nur eine Erfindung. Wer mit Pflegerinnen und Pflegern, mit Ärztinnen und Ärzten heute spricht, weiß, wie zynisch diese Verharmlosung ist und war. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind von Ihnen systematisch untergraben worden. Das Vertrauen in Demokratie und Institutionen wird von Ihnen gezielt attackiert. In parlamentarischen Anfragen – Kollege Wurm, von Ihnen beispielsweise – wurden Studien zitiert, die es nie gegeben hat. Sie haben eine Scheingegenöffentlichkeit inszeniert, die eben faktisch nicht existiert hat und die es bis heute nicht gibt, die bis heute nicht vorhanden ist. Das mit dieser Scheingegenöffentlichkeit machen Sie jetzt auch immer noch. Immer noch irgendwelche Studien zitieren, irgendetwas erfinden, irgendetwas in den Raum werfen, irgendwelche Dinge behaupten: Das ist Ihr Programm, das machen Sie bis heute so. Und heute? Was passiert heute? – Heute werden erneut längst widerlegte Behauptungen von Ihnen recycelt. Die FPÖ behauptet beispielsweise, die WHO könne künftig die absolute Deutungshoheit übernehmen, Maßnahmen erzwingen, nationale Parlamente entmachten. – Das ist schlicht und ergreifend faktisch falsch. Die WHO kann lediglich Empfehlungen aussprechen. Die Umsetzung bleibt natürlich in nationaler Hand, kein Staat verliert seine Souveränität. Der Generaldirektor der WHO kann auch nicht nach Gutdünken einen Notstand ausrufen, ein Notstand wird nur auf Basis klarer Kriterien nach Beratung unabhängiger Expertengremien ausgerufen. Es gibt Kontrollmechanismen. Die Internationalen Gesundheitsvorschriften führen auch nicht zu einer Gesundheitsdiktatur, liebe Kolleginnen und Kollegen, sondern sind ein Instrument internationaler Zusammenarbeit, „internationaler Solidarität“, wie das erst so schön bezeichnet wurde. Die Entscheidungshoheit bleibt bei den Staaten. Die Novelle ist demokratisch und transparent zustande gekommen. Der Prozess war nachvollziehbar, die Dokumente waren öffentlich. Das Konsensverfahren ist internationaler Standard. Staaten müssen auch nicht alle WHO-Vorgaben umsetzen. Die Empfehlungen der WHO sind nicht bindend, die Staaten entscheiden selbst über deren Umsetzung. Aber was ist das Ziel dieser ständigen Wiederholung von Falschbehauptungen seitens der FPÖ? – Es ist nicht der Schutz der Bevölkerung, es ist nicht der Einsatz für die Souveränität unseres Landes. Es ist schlicht und ergreifend nichts anderes, als gezielt Angst, Misstrauen, Unsicherheit zu schüren und daraus dementsprechendes politisches Kapital zu schlagen. Die FPÖ hat sich während der Pandemie nicht um die Sorgen der Menschen gekümmert, sondern diese einfach nur instrumentalisiert. Sie hat aktiv Unwahrheiten verbreitet, und sie hat das Vertrauen in Wissenschaft, Medizin und Demokratie untergraben. Sie hat die gesellschaftliche Spaltung befeuert, und sie tut es heute auch wieder. Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause und auch hier auf der Galerie, glauben Sie nicht einer Partei, der jedes Mittel recht ist, um unsere liberale Demokratie zu unterminieren! Die FPÖ lebt in einer Paralleldimension aus Angst, Mythen und gezielter Falschbehauptung. Die Fakten liegen auf dem Tisch, sie sprechen eine klare Sprache. Wer sich lieber an Gespenster, so wie die Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, festklammert, als Verantwortung zu übernehmen, ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. (👏 NEOS) Wir stehen für faktenbasierte Politik, für internationale Zusammenarbeit, für den Schutz der Menschen und gegen die permanente Inszenierung von Bedrohungen, die es nicht gibt. Grün hält an den Fakten fest. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Giuliani-Sterrer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

Danke schön, Herr Präsident! Verehrte Kollegen und vor allem liebe Zuschauer zu Hause! Was ich hier immer höre, ist: Die Leute zu Hause sollen irgendetwas glauben. Das finde ich ja sehr witzig, weil es verschiedene Ebenen gibt, auf denen man miteinander sprechen kann. Das eine ist das Faktenbasierte …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Das kennen Sie aber gar nicht, das Faktenbasierte!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… das andere ist das, was man glaubt, und das Dritte ist das, was man sich wünscht. Ich habe hier sehr viele fromme Wünsche gehört, aber wenige Fakten. Ein Fakt gleich zu Beginn: Der Sport regelt alles. Wenn wir uns die Nationalratswahl so vorstellen, dann wissen Sie, wer diese gewonnen hat. Und das hat einen guten Grund. Ich sitze hier und höre zu, und es wundert mich gar nichts mehr. (👏 FPÖ) Der zweite Fakt, meine Lieben, ist der, dass ich während Corona unglaublich viele Videos mit all den Ärzten, die differenzieren wollten, mit vielen Wissenschaftern gemacht habe, die wir auf FPÖ-TV gespielt haben, aber nicht, weil ich weiß, wie es richtig ist, sondern weil ich denke, dass es wichtig ist, einen Diskurs offenzuhalten und alle miteinzubeziehen. Das ist euch mittlerweile offensichtlich fremd geworden. (👏 FPÖ) So, ihr hattet viele Jahre Zeit, einfach einmal auf Google zu gehen und Ivermectin zu googeln. Es ist ja echt schon zum Fremdschämen, was ich da höre. Also: Ivermectin: Diejenigen, die den Wirkstoff Avermectin gefunden haben, Campbell und Ōmura, haben den Nobelpreis dafür bekommen. Das ist ein Wirkstoff. Ivermectin ist wiederum ein Medikament, das man daraus gemacht hat, und genauso wie Kortison ein Antiphlogistikum oder Antibiotikum ist, ist das ein Wirkstoff. Wir wissen, viele Medikamente werden invented, und das ist auch gut so. Und manche haben Nebenwirkungen, die interessant sind, die wiederum in anderen Bereichen nützlich sind. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Wenn Sie in diesen Jahren vielleicht auch einmal FLCCC gegoogelt hätten: Da gibt es viele Medikamente, die findige und suchende Wissenschafter versucht haben zu probieren, weil sie helfen wollten, und davon ist Ivermectin nur eines. Und so, wie Sie es vielleicht auch schon einmal gehört haben, ist das Problem immer: Die Dosis macht das Gift. Man kann sich auch mit Aspirin oder mit irgendetwas anderem umbringen. Es gibt halt nun einmal sehr viele unvernünftige Menschen, die sich nicht an die Vorgaben der Ärzte halten, und dann passieren Unglücke. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. – Alles ist gut, ganz ruhig. Sie haben in den letzten Jahren – ich saß da draußen und habe eure Versprechungen, eure Behauptungen gehört – gesagt: Wir haben da eine Impfung, die ist so super und die hilft jedem und allen, die Sie treffen, und dann ist alles gut. – Das haben Sie gesagt. Mein Problem war immer nur: Sie hätten auch sagen können, es ist eine unglaublich schwierige Situation, es gibt jetzt auch noch die Impfung – vielleicht hilft sie, wir wissen es aber nicht. Niemand wusste es und der Beipackzettel war über Jahre leer. Wenn Sie das gesagt hätten, hätte ich gesagt: Okay, Eigenverantwortung, man kann das nehmen! – Man darf den Leuten aber keine Unwahrheiten erzählen – so heißt es, genau.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Genau!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Ich muss euch sagen, das habe ich euch sehr übel genommen, denn das ist nicht in Ordnung.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Mit dem kann man leben!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… So, was haben wir? – Wir haben eine Kettenreaktion eures Versagens, der Verzweiflung, des Nichtwissens, was man machen soll. Die Leute wurden durch Versprechungen in eine Spikung, in eine Spritzung reingejagt.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Was hat das mit der WHO zu tun?

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Wir haben über die Anfrage von einem jungen Kollegen von mir herausbekommen – und das trifft mich als Psychotherapeutin sehr –: Es wurden Waggonladungen an Psychopharmaka in die jungen Menschen hineingeleert. Jetzt machen wir das auch noch. Nach wie vor wird die Spritze weiter im Programm ausgerollt, obwohl die RKI-Files draußen sind, obwohl so viel Divergierendes da ist, dass wir wieder zu dem zurückkehren sollten, was vernünftige Menschen tun: sich anhören, was alle zu sagen haben, niemanden für dumm halten, sondern verstehen wollen, wie seine Argumentationskette ist, und dann darüber reden, wie man eine gute Lösung für die Menschen finden kann. Unsere Verantwortung ist ein bisschen größer als das, was wir uns hier denken. Da geht es um die Österreicherinnen und Österreicher – und die vertrauen uns. Das ist das Thema. (👏 FPÖ) Was jetzt passiert, ist: Sie versuchen jetzt noch – nach all dem, was Sie angerichtet haben –, den Bock zum Gärtner zu machen und der WHO noch weitere Befugnisse zu geben, nach allem, was Sie gesehen haben. Das wollen Sie sich jetzt noch rechtlich absichern lassen. Wieso machen Sie das? – Weil Sie ganz einfach wieder eine Gesundheitsministerin haben, die keine Ahnung von Medizin hat. Sie ist eine nette Frau, aber sie ist aus der Gewerkschaft, sie tut sich wahnsinnig schwer, Dinge einzuordnen. Deswegen ist sie froh, dass sie Experten hat, die Experten haben die Lobbyisten, und die Lobbyisten haben dann die Empfehlung von der Pharmaindustrie, und das ist gefährlich. (👏 ÖVP, FPÖ) Das, was ich ununterbrochen höre, ist: Ja, aber das sind nur Empfehlungen, es sind nur Empfehlungen. Da muss man sich nicht daran halten. – Es sind rechtliche Empfehlungen. – Herr Shetty, Sie haben schon genug geredet. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Rechtlich sind es Empfehlungen, aber faktisch sind es keine – und das ist das Problem. Was ich Ihnen sage, habe ich mit so vielen Vertragsjuristen, mit Kruse, mit allen möglichen Leuten, die sich Sorgen machen, durchgesprochen. Das habe ich mir nicht aus dem Finger gesogen, sondern ich habe mich wochenlang damit beschäftigt, weil das mein Job ist, hier keinen Blödsinn zu reden. ( Heiterkeit bei der ÖVP. ) – Ja, ich möchte keinen Blödsinn reden. Das Thema ist, dass diese Empfehlungen der WHO – versucht einmal, ein bisschen zuzuhören – faktisch verbindliche Handlungsanweisungen sind. Wenn wir da etwas nicht machen wollen oder etwas daran ändern, müssen wir es melden. Es sind also verbindliche Verträge und es gibt ein klares Monitoring. Die WHO macht ja nicht Verträge mit allen bloß so, damit sie uns dann etwas empfehlen kann, sondern sie haben sich schon etwas dabei gedacht. So wie es immer ist: Man muss nur der Spur des Geldes folgen. Ich habe vor Kurzem ein wirklich sehr schönes Gespräch mit Dr. Wolfgang Wodarg auf FPÖ-TV gemacht. ( Heiterkeit bei der ÖVP. ) Er ist ein alter Herr, er hat auch die Schweinegrippe erlebt, die alten Parlamentarier wissen ihn wertzuschätzen. Er hat gesagt: Das Problem ist, man muss sich eigentlich nur die Börsenkurse, die Aktienkurse anschauen, dann weiß man schon, wo die Reise das nächste Mal hingehen wird. Man muss immer nur der Spur des Geldes folgen – und das wisst ihr doch eigentlich alle. Worum es mir geht, ist nicht, recht zu haben. Es geht mir darum – und dafür sind wir da –, einen Diskurs zu starten zum Wohle der Gesundheit der Menschen in diesem Land, für die wir verantwortlich sind, und nicht einfach zu sagen: Papperlapapp, das ist eh alles gut, das passt schon, das sind nur Empfehlungen. – Nein; Artikel 43 IGV: Es sind keine Empfehlungen, es sind verbindliche Handlungsanweisungen. Lesen Sie also die Aktienkurse, das „Börsenblatt“, machen Sie sich einmal wirklich schlau, wo Sie da quasi nicht widersprechen wollen! Dank dieser Regierung, die ganz einfach immer nur sagt: Es ist eh alles gut und wir halten Nachschau!, und dann selber immer Ja sagt zu dem, was ich gerade gesagt habe – erschreckend ist das –, sind wir da mittig und live dabei. Für Sie, liebe Zuschauer, wenn Sie sich nachhaltig darüber informieren möchten: Wir haben eine Homepage: www.who-pandemievertrag-stoppen.at, wir haben mehrere Interviews mit Dr. Wolfgang Wodarg zu der Thematik gemacht, der das über Jahrzehnte verfolgt hat, der auch schockiert ist, was für eine Vita der Herr Ghebreyesus aus Äthiopien hat. Solche Leute sitzen da, und solchen Vereinen wollt ihr vertrauen. Wie Herr Kaniak schon gesagt hat – er hat sich intensivst damit auseinandergesetzt, es hat ihm überhaupt keiner zugehört –: Warum reden wir nicht über die Details? Warum sagen wir nicht: Warten wir ein bisschen? Es haben zwölf Länder gesagt: Warten wir – Stopptaste! Argentinien hat gesagt: Sicher nicht! Die USA sagen: Sicher nicht! Und Sie sagen alle, weil Sie alles wissen und vor allem immer nur das reden, was Sie glauben: Ja, wir sind dabei! So war auch die Antwort von der Gesundheitsministerin an mich, sie hat schon geschrieben: Ja, ja, wir sind dabei, das ist ganz super. Es ist erschreckend, und ich finde das sehr, sehr unschön. Ich habe mir Demokratie anders vorgestellt. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Bogner-Strauß. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher hier im Plenum und wo auch immer Sie dieser Sitzung folgen! Ja, die Pandemie war eine Herausforderung. Sie war eine Herausforderung für Österreich, sie war eine Herausforderung für die ganze Welt. Regierungen, Parlamente mussten Entscheidungen treffen, diese mussten schnell getroffen werden – ja, und oft nicht mit ausreichendem Wissen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Manche haben es besser gemacht, Österreich am schlechtesten!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Wir konnten nur mit dem Wissensstand handeln, den wir zu dieser Zeit hatten. Natürlich ist es leicht, im Nachhinein zu sagen: Wir hätten es besser machen können. Ja, im Nachhinein ist man immer klüger. Ich glaube, dieses Sprichwort gibt es in allen Sprachen dieser Welt (👏 ÖVP, SPÖ), und ja, es wurden Fehler gemacht – wir stehen ja auch dazu. Aber der größte Fehler wäre gewesen, nichts zu tun. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich darf daran erinnern, dass sich hier auch die FPÖ laut und fordernd eingebracht hat. Wer hat den ersten Lockdown gefordert? – Kollege Kickl.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wann denn? – Ruf bei der FPÖ: Wir stehen auch dazu!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Wer hat Ivermectin empfohlen? – Kollege Kickl.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer hat die Impfpflicht eingeführt? Wer hat Krankenschwestern, die ungeimpft waren, als Todesengel bezeichnet?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Das eine war grundvernünftig, das andere war tatsächlich lebensgefährdend. Ich hoffe tatsächlich, dass er das nicht mutwillig gemacht hat …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ungeimpfte Krankenpfleger und Krankenschwestern!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… sondern dass er damals nach seinem Wissensstand diese Entscheidungen getroffen und Forderungen gestellt hat. So haben wir es auch getan.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Also offensichtlich haben Sie es gewusst!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Und ja, es sind Fehler passiert, vielen von uns, in der Regierung, in diesem Haus, mir sicher auch als Landesrätin – keine Frage. Ich denke aber, es wurde auch sehr, sehr viel richtig gemacht.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was denn?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Die Impfung hat 30 000 Menschenleben in Österreich gerettet …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bitte wiederholen, ich habe es nicht verstanden! Können Sie es noch einmal sagen, bitte? Ich glaube, es waren ...!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… und ganz, ganz vielen Menschen Leid erspart; 30 000 in Österreich, Millionen weltweit.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Keine Ahnung! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Unfassbar!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Ich erinnere an die Kurzarbeit. Die Kurzarbeit hat viele Menschen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was? Die Impfung?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Die Kurzarbeit hat viele Unternehmen über diese Zeit hinweg bestehen lassen. ( Ruf bei der FPÖ: Zuerst zusperren und dann ...! ) Fehler sind passiert, vieles wurde richtig gemacht. Um in Zukunft noch mehr richtig zu machen, sollten wir es gemeinsam tun.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Alles haben Sie richtig gemacht! Sie hat zwar nix gewusst, aber alles richtig gemacht!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Dafür brauchen wir diesen Pandemievertrag. Wozu soll dieser Pandemievertrag dienen? …

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Um uns zu schikanieren!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Um rasch zu handeln und um koordiniert zu handeln und um sich gegenseitig zu unterstützen. Deswegen finde ich es gut, dass wir heute darüber reden. Es wurden schon viele Fakten auf den Tisch gelegt, aber es wurde natürlich – und da schaue ich jetzt in Richtung FPÖ – auch viel - - ( Ruf bei der ÖVP: Geschwurbelt! ) – Verschwörungstheorie würde ich es nennen, das Schüren von Ängsten.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das ist alles eingetreten, Frau Kollegin! Alles eingetreten!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Wozu brauchen wir den Vertrag? – Um besser zu werden, um schneller zu werden, um koordiniert zu sein. Keine Nation ist in einer Pandemie gerne alleingelassen. Gibt es schon lange die Internationalen Gesundheitsvorschriften? – Ja, seit den Siebzigerjahren. Sie wurden 2005 erweitert und jetzt werden sie durch den Pandemievertrag wieder erweitert, also nichts Neues. Und, Kollege Kaniak, alle Protokolle sind transparent abrufbar und öffentlich zugänglich.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Wie viele Protokolle hat es denn ...?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Man kann sich alles anschauen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das glaube ich nicht ganz, weil die Antwort sagt, dass keine geführt worden sind! Was sagen S jetzt?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Wird die Souveränität Österreichs beeinträchtigt? …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Wo sind ... veröffentlicht worden? Wo ist denn das veröffentlicht worden? Das täte mich jetzt interessieren!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Ich glaube, das ist die wichtigste Frage: Wird die Souveränität Österreichs beeinträchtigt? – Nein. ( Ruf bei der FPÖ: Ja! – Ruf bei der SPÖ: Nein! ) Österreich ist für internationale Zusammenarbeit, aber nicht auf Kosten der Souveränität. Das heißt, die nationale Entscheidungsfreiheit wird durch diesen Vertrag nicht eingeschränkt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich glaube, das ist das Allerwichtigste.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Gesundheitsminister!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Also, geschätzte FPÖ: Sie versuchen, Ängste zu schüren …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Eine andere Schallplatte einmal! Wahnsinn!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden. Weder die WHO noch der WHO-Generaldirektor können einen Lockdown anordnen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Gut, dass ihr so viele Schallplatten habts!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Sie können auch keine Impfpflicht verordnen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da haben wir eh die ÖVP dafür!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Die WHO kann das nicht. Sie kann nicht in innerstaatliche Entscheidungen eingreifen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber? – Abg. Kaniak [FPÖ]: Aber wir machen uns völkerrechtlich strafbar, wenn wir’s nicht umsetzen!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Bitte, geschätzte FPÖ: Bleiben Sie bei der Wahrheit, bleiben Sie bitte bei den Fakten! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Da sind wir schon! Nur weil Sie’s nicht verstanden haben, sind wir noch lang nicht nicht bei der Wahrheit!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Schüren Sie nicht Ängste! Bitte schüren Sie keine Ängste! Es war genug Spaltung in den letzten Jahren. ( Ruf bei der FPÖ: Das ist eine Unterstellung! Das sind lauter Unterstellungen! ) Ich glaube, wir sollten versuchen, zusammenzufinden. Sie wissen, wohin es geführt hat, dass die Impfung in Verruf geraten ist.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

... die Impfpflicht! Die Impfpflicht, das war das Schlimmste!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Auch wir sind schlecht bei der Durchimpfungsrate, was Masern angeht. Auch wir müssen wieder über die Impfung reden, selbst wenn es jetzt ein bisschen verpönt ist und wenn es lange verschwiegen wurde: Impfungen retten Leben, weltweit Hunderttausende, Millionen, und auch die Coronaimpfung hat Leben gerettet. (👏 ÖVP) Geschätzte Damen und Herren, es gibt kein WHO-Diktat. Österreich entscheidet souverän. Der Pandemievertrag kann helfen, wo Hilfe gebraucht wird, aber er kann nicht diktieren. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Nussbaum. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, die letzten Jahre haben uns vor Augen geführt, wie verwundbar unsere Welt ist – nicht nur ökonomisch und ökologisch, sondern auch gesundheitlich. Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, wie schnell sich ein Virus über Grenzen hinweg verbreiten kann und wie schwer es ist, im Krisenfall adäquat, abgestimmt und solidarisch zu handeln. Vor diesem Hintergrund ist der WHO-Pandemievertrag nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Der Pandemievertrag soll sicherstellen, dass alle Länder in Zukunft gemeinsam schneller, transparenter und gerechter auf neue Bedrohungen reagieren können. Es geht um den Aufbau robuster Frühwarnsysteme, den gerechten Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten, um Forschungstransparenz, um Daten- und Informationsaustausch und vor allem um internationale Solidarität. Wie schon oft in der Vergangenheit nutzt die FPÖ Krisen aber nicht, um Lösungen zu finden, nein, sondern um bewusst Unsicherheit und Angst zu schüren. Seit Monaten werden Angstkampagnen gegen die Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften geführt.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

... andere Platte!

SPÖ Verena Nussbaum

… Auch im vorliegenden Antrag wird zum wiederholten Male behauptet, dass massive Eingriffe in die Souveränität der Nationalstaaten durch den Generaldirektor der WHO ermöglicht werden. Wenn man aber euren Antrag jetzt genauer durchliest, dann sieht man, die FPÖ schreibt selbst: Der Generaldirektor der WHO darf lediglich „entsprechende Maßnahmen“ wie beispielsweise „Empfehlungen zu Reise- und Handelsbeschränkungen“ „anregen“. Also bitte, „anregen“ und „Empfehlungen“ bedeuten im normalen Sprachgebrauch nicht, dass verpflichtende Maßnahmen angeordnet werden können. (👏 ÖVP, SPÖ) Es können eben – und das ist Fakt, und das schreibt die FPÖ selbst im Antrag – lediglich Empfehlungen abgegeben werden. Also: Die WHO kann in Österreich eigenständig keine Maßnahmen setzen. Auch nach Änderung der Internationalen Gesundheitsvorschriften sind weiterhin die österreichische Bundesregierung und wir als Nationalrat dafür zuständig, Maßnahmen in Österreich zu setzen. Aber auch aus der Anfragebeantwortung – was Kollegin Giuliani schon angesprochen hat – von Frau Bundesministerin Schumann geht hervor, dass im Rahmen dieses Abkommens keine verbindlichen Maßnahmen gesetzt werden können. So, diese Antwort versucht die FPÖ nun zu verdrehen, da sie weiterhin Verunsicherung schaffen möchte und offensichtliche Fakten nicht zur Kenntnis nehmen will. Laut FPÖ ermögliche das neue Abkommen eine Einflussnahme über politische und diplomatische Mittel durch die WHO. Da frage ich mich schon: Was versteht ihr Abgeordneten der FPÖ bitte unter politischer und diplomatischer Arbeit? Diplomatische Beziehungen und diplomatischer Austausch mit anderen Ländern und internationalen Organisationen sind doch tägliche Aufgaben für friedliche Zusammenarbeit. Nur Angst zu schüren, ist für mich nicht nachvollziehbar. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was die FPÖ allerdings besonders gut kann, ist, mit unzähligen – aus meiner Sicht unnötigen – Anfragen auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die Verwaltung lahmzulegen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Unnötige Anfragen?

SPÖ Verena Nussbaum

… Alleine 263 generierte FPÖ-Anfragen zum Thema Corona haben im Sozialministerium knapp 789 000 Euro an Verwaltungskosten verursacht. Obwohl diese Anfragen bereits in der letzten Legislaturperiode beantwortet worden sind, hat die FPÖ die Fragen nun erneut eingebracht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Und dann hat’s so viel Geld gekostet? Welche Logik ist das? Habts das dann noch einmal schreiben müssen und es hat so viel gekostet?

SPÖ Verena Nussbaum

… Da frage ich mich dann schon: Lesen Sie die Anfragebeantwortungen überhaupt, oder verstehen Sie den Inhalt nicht? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

O ja, ich versteh’ schon: Der Verwaltungsaufwand ist zu hoch!

SPÖ Verena Nussbaum

… Also, der Pandemievertrag – das kann man auf jeden Fall sagen – bedeutet nicht die Einschränkung demokratischer Rechte, sondern deren Schutz, denn je besser wir auf Pandemien reagieren können , desto eher können wir verhindern, dass Grundrechte in Krisen überhaupt eingeschränkt werden müssen. (👏 SPÖ) Ich möchte nochmals betonen, dass in Artikel 22 des Pandemievertrages ausdrücklich steht, dass weder die WHO noch ihr Generaldirektor innerstaatliche Maßnahmen anordnen, Reisebeschränkungen verhängen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Genau! ... Lockdown ... einfach nix mehr passiert!

SPÖ Verena Nussbaum

… Impfungen erzwingen oder Lockdowns anordnen können. Das ist nicht möglich. Liebe Zuseherinnen und Zuseher: Fallen Sie nicht auf die Angstmacherei der FPÖ herein! – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Disoski. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Dieser Dringliche Antrag zur Weltgesundheitsorganisation, den die FPÖ heute hier eingebracht hat, ist alles andere als ein konstruktiver Beitrag zur internationalen Gesundheitsvorsorge. Das ist ein gesundheitspolitischer Irrweg, das mag ich auch gleich zu Beginn hier ganz genau so benennen. Das ist wieder einmal ein Paradebeispiel dafür, wie Desinformation, Misstrauen und ideologische Abschottung über wissenschaftliche Fakten und über Vernunft gestellt werden. (👏 SPÖ) Wir haben es jetzt schon von den Vorrednerinnen und Vorrednern gehört: Was wir hier gehört haben, das ist keine fundierte Kritik an den Reformen der WHO, es ist ein wirklich vehementer Frontalangriff auf faktenbasierte Gesundheitspolitik und auch auf multilaterale Zusammenarbeit. Dabei sollte es eigentlich jetzt um etwas ganz anderes gehen, nämlich um die WHO, die Weltgesundheitsorganisation. Die ist kein abstraktes, anonymes Gebilde, wie wir soeben von der FPÖ gehört haben – sie ist ein wichtiges Instrument der internationalen Solidarität ( Ruf bei der FPÖ: ... Spenden ...! ), und dieses Instrument hat eine Aufgabe: nämlich Krankheitsausbrüche früh zu erkennen, Informationen zu teilen und Leben zu retten. Das hat die WHO bei Ebola, bei Polio und auch bei Covid-19 getan – trotz der schwierigen politischen Rahmenbedingungen, die wir alle noch sehr, sehr plastisch in Erinnerung haben. Mit diesem Wissen aus der Covid-Pandemie, das ja noch sehr präsent, sehr frisch ist, sollten wir eigentlich – würde man meinen – darüber sprechen, wie wir Vorsorge besser organisieren, Leben besser schützen und dafür sorgen können, dass wir bei der nächsten Gesundheitskrise – die wahrscheinlich leider irgendwann kommen wird – schneller, transparenter und koordinierter handeln, Kollegin Giuliani-Sterrer, um Leben zu retten. Darum geht es. (👏) Genau darauf zielt diese Reform ab, um die es hier heute geht: Wir wollen die Lehren aus der Covid-Pandemie ziehen. Wir wollen, dass Staaten künftig besser, vernetzter ihre Warnsysteme koordinieren, dass diesbezüglich die internationale Koordination verbessert wird, weil wir wissen: Viren machen nicht halt vor staatlichen Grenzen oder vor irgendwelchen Festungen, sie kennen keine Grenzen. Je besser wir abgestimmt sind, desto größer ist unsere Chance, dass wir auch dementsprechend international eine gemeinsame starke Antwort finden. (👏) Darum geht es heute. Die FPÖ will Sie, liebe Zuseherinnen und Zuseher, glauben machen, dass es um eine Machtverschiebung ginge, dass irgendeine Macht in die Hände einer seltsamen apokryphen Masse WHO gelegt werden solle. Dabei geht es schlichtweg um eine bessere, schnellere Krisenversorgung. Genau darüber sprechen wir.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Deshalb gibt es den Vertrag auch! Deshalb brauchen wir einen Vertrag!

GRÜNE Meri Disoski

… Ich verstehe nicht, wie man da dagegen sein kann, wie einen das so aufregen kann.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Deshalb brauchen wir den Vertrag, Meri!

GRÜNE Meri Disoski

… Kollege Wurm! Eine verbesserte Krisenvorsorge: Darum geht es bei diesem Tagesordnungspunkt. Die WHO bleibt, was sie auch jetzt schon ist, nämlich eine beratende Organisation.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ja!

GRÜNE Meri Disoski

… Die WHO ist eine beratende Organisation. Sie bleibt eine beratende Organisation. Sie kann keine nationalen Maßnahmen anordnen, wie wir es von mehreren Rednerinnen und Rednern der FPÖ gehört haben. Das ist einfach faktenwidrig. Es stimmt schlichtweg nicht. Was sie aber künftig können soll, ist, schneller Alarm zu schlagen, wenn neue Gesundheitsbedrohungen auftauchen. Das fordert die Europäische Union. Ich glaube, das ist sehr in unserem Sinne – auch im Sinne aller Zuseherinnen und Zuseher, die uns heute zuhören –, weil es wie gesagt im Extremfall Leben retten kann. Was macht die FPÖ angesichts dieser Situation, die ich gerade geschildert habe? – Sie versucht, diese Reformen zu skandalisieren. Sie zeichnet das Bild einer WHO – und ich zitiere das jetzt – mit zu viel Macht in den Händen eines Einzelnen. Sie spricht von einem unterwanderten Geheimbund und einer neuen Weltordnung. Lassen Sie mich das wirklich unmissverständlich festhalten: Das sind keine harmlosen Chiffren. Das sind antisemitische Chiffren. ( Rufe bei der FPÖ: Was? Was? ) Das ist Antisemitismus. Das sind ganz klare Anklänge an antisemitische Verschwörungstheorien.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Halleluja!

GRÜNE Meri Disoski

… Diese Begriffe verwenden Sie – ja, ja, es zeigt sich eh; große Aufregung im FPÖ-Sektor …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Entschuldige, wenn Sie uns beschimpfen!

GRÜNE Meri Disoski

… die Wahrheit anzusprechen, tut euch anscheinend doch weh! – nicht zufällig, sie folgen einem bekannten Muster. Das kennen wir von euch. Wir hören es in jeder Plenarsitzung. Die Erzählung von einer geheimen Elite, die aus dem Hintergrund die Fäden spinnt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die ist ja nicht geheim!

GRÜNE Meri Disoski

… marionettenartig andere kontrolliert und manipuliert.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Denken Sie so? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Die WHO ist aber nicht geheim! Ihr habt es geheim gehalten, weil Sie es heute zum ersten Mal in Ihrer Rede ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Das ist ein zentrales Element jeder antisemitischen Verschwörungstheorie. Genau auf diese Bilder greift ihr systematisch zurück. Das ist es, was ihr macht! (👏 SPÖ) Man muss es auch klar benennen: Wer so spricht, wie es die FPÖ in jeder Plenarsitzung macht, der delegitimiert nicht nur internationale Institutionen.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... systematisch der ganzen Fraktion! Ungeheuerlich! Und zwar systematisch!

GRÜNE Meri Disoski

… Was Sie machen, ist, dass Sie antidemokratische, antisemitische Denkmuster in die gesellschaftliche Mitte holen. Dafür sollten Sie sich schämen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zurück zum Thema, bitte! Zurück zum Thema! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: Und mit den Beschimpfungen aufhören, bitte!

GRÜNE Meri Disoski

… Wer die WHO dämonisiert, wie ihr das macht, wer die globale Gesundheitsvorsorge als Bedrohung darstellt, der schwächt das Vertrauen in die Wissenschaft, in die internationale Zusammenarbeit und damit letzten Endes auch das Vertrauen in unsere Demokratie. Das ist brandgefährlich, das sage ich euch, denn Vertrauen ist kein Luxus, sondern Vertrauen ist das Fundament unseres Zusammenlebens, und ihr spielt permanent mit dem Feuer, ihr versucht permanent, dieses Vertrauen zu zerstören, weil ihr davon lebt, weil ihr nur Hass und Hetze schüren könnt. Das ist euer Geschäftsmodell. Ich stehe hier als überzeugte Demokratin, gemeinsam mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen von den anderen Fraktionen, und ich sage euch: Wir werden uns dem, was ihr hier fabriziert, weiterhin mit aller Klarheit, mit aller Deutlichkeit entgegenstellen. Wir sagen Ja zu internationalen Kooperationen, Ja zu einer reformierten und handlungsfähigen WHO, Ja zu europäischer Verantwortung, auch in globalen Fragen. Wir sagen euch heute ebenso klar – wie wir es immer machen – Nein zu eurer Desinformation, Nein zu euren antisemitischen Codes ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ ) und Nein zur Normalisierung von Verschwörungsideologien, unter welchem Deckmantel auch immer ihr diese betreibt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja, aber Herr Präsident! Das ist ja schön langsam - -!

GRÜNE Meri Disoski

… Ja, ich verstehe eure Aufregung eh, Wahrheit tut weh und ihr regt euch auf.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wir regen uns nicht auf, wir lachen dich aus! Wir lachen dich aus! Wir regen uns nicht auf!

GRÜNE Meri Disoski

… Mir wäre es auch unangenehm und peinlich an eurer Stelle. Es wäre mir auch unangenehm und peinlich, wenn das hier so aufgedeckt wird. (👏 SPÖ, NEOS) Ich habe viel über Souveränität gehört von euch. Wisst ihr, was Souveränität im 21. Jahrhundert heißt? – Souveränität im 21. Jahrhundert heißt nicht Abschottung. ( Ruf bei der FPÖ: Flüchtlings...! ) Wer souverän ist, übernimmt Verantwortung, auch über Grenzen hinweg. Ihr stellt euch aber gegen diese Verantwortung. Ihr seid nicht dazu bereit, die Lehren aus dieser Pandemie zu ziehen. Ihr seid nicht bereit, wissenschaftliche Erkenntnisse anzunehmen, ihnen zu folgen. Was ihr tut, ist, wissenschaftliche Zusammenarbeit zu diskreditieren – und damit jenen Ast, den wir brauchen, um künftig auf internationale Krisen gut reagieren zu können, abzusägen. Wie gesagt, wir Grüne – ich kann das noch einmal sehr klar festhalten und ich bin sehr interessiert daran, zu sehen, was für eine Aufregung das bei den unterschiedlichen Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ auslöst …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wir haben dich nur ausgelacht!

GRÜNE Meri Disoski

… stehen im Unterschied zu euch für Vernunft statt für Vernebelung, für Zusammenarbeit statt für kleingeistige nationalistische Abschottung …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Islamistische Zuwanderung!

GRÜNE Meri Disoski

… für eine starke WHO, für eine solidarische, handlungsfähige EU und vor allem …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und mit euch 8 Prozent der österreichischen Bevölkerung! Mit uns 30 Prozent! Das ist Demokratie!

GRÜNE Meri Disoski

… für eine Politik, die aufklärt, die schützt, die sicher hält und die das Vertrauen stärkt und nicht untergräbt, so wie ihr das macht.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Also mehr Establishment geht ja gar nicht mehr!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Belakowitsch. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Zuseher:innen hier im Saal und vor den Fernsehgeräten! Wissen Sie, Frau Kollegin Disoski, das ist schon eine unglaubliche Entgleisung, die Sie sich gerade geleistet haben.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Da spricht die Expertin für Entgleisungen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Der Freiheitlichen Partei pauschal Antisemitismus zu unterstellen, von antisemitischen Codes zu sprechen, nur weil wir ein Thema auf die Tagesordnung bringen, das Sie gerne verramscht hätten, uns deshalb pauschal als Antisemiten zu bezeichnen, das ist eine Entgleisung …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Hassrede! Hassrede! Anzeige!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und die weise ich aufs Allerallerschärfste zurück! …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Antisemitische Codes! Ist so!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Meine Damen und Herren! In unserem Dringlichen Antrag geht es darum, dass die Internationalen Gesundheitsvorschriften in Kraft treten, wenn nicht bis 19. Juli von der österreichischen Republik Einspruch erhoben wird. Darum geht es. Wenn Sie noch nie etwas davon gehört haben, dann liegt das schlicht und einfach daran, dass es noch nie hier diskutiert wurde, weil sämtliche Anträge, die wir zu diesem Themenbereich und zu diesem Themenkomplex eingebracht haben, in der Schublade liegen. Die wurden prinzipiell vertagt. Diese Bundesregierung und auch die Grünen möchten nicht darüber sprechen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wir haben gerade darüber gesprochen! – Abg. Silvan [SPÖ]: Haben wir gerade!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Sie möchten auch nicht mehr an die Zustände, die wir hatten, erinnert werden. Genau das ist der Grund, warum wir heute erstmals im Plenum tatsächlich über die Internationalen Gesundheitsvorschriften, ihre Änderung und den WHO-Pandemievertrag sprechen. Ich glaube, dieses Thema ist es wert, diskutiert zu werden. (👏 FPÖ) Jetzt korrigiere ich mich gleich einmal selber: Ich glaube es nicht, sondern ich bin davon überzeugt, und es hätte schon viel früher stattfinden müssen. Ich glaube, es ist schade, dass Sie von den Regierungsparteien es nicht für notwendig erachtet haben – weder in der Vergangenheit noch jetzt –, die Bevölkerung diesbezüglich zu informieren. Stattdessen stellt sich einer nach dem anderen heraus und erklärt irgendetwas von Spaltung. Da ist dann alles mit hineinverpackt: Angstmache. Da werden dann Plakate hochgehalten, wie viele Masernfälle es gibt. Das ist klassische Angstmache, Herr Kollege Silvan. Den Leuten Angst zu machen, dass sie krank - - ( Widerspruch bei den Grünen ), das ist klassische Angstmache, was Sie hier betrieben haben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ist in der Dringlichen Anfrage gewesen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Die Kollegin von der ÖVP, die übrigens in der Steiermark bekannt wurde, als sie ungeimpfte Pfleger:innen als Todesengel beschimpft hat, war jene Kollegin von der Österreichischen Volkspartei (👏 FPÖ), die sich hierhergestellt hat und gesagt hat, es musste ja alles schnell gehen – da bin ich bei Ihnen, es musste schnell gehen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ich finde, Sie sollten sich noch über die Zwischenrufe beschweren! – Heiterkeit der Abg. Gewessler [Grüne]

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… es musste alles rasch gehen, und wir haben es nicht gewusst. – Komisch, Ihr Bundeskanzler damals hat aber gewusst: Jeder wird jemanden kennen; es wird 100 000 Tote geben. – Wenn Sie es nicht gewusst haben, dann hätten Sie all diese Behauptungen nicht aufstellen dürfen. (👏 FPÖ) Ich glaube Ihnen schon, Sie wollen nicht daran erinnert werden, denn die Folgen Ihrer Politik, der Politik dieser drei Coronajahre, haben wir heute noch überall. Die haben wir bei unseren Kindern und Jugendlichen, die Sie aus den Schulen ausgesperrt haben, die massive psychische Probleme haben.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... muss ein Untersuchungsausschuss her!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Aus einer Anfragebeantwortung aus dem Gesundheitsressort ist hervorgegangen, dass die Suizidrate bei den unter 20-Jährigen ein Plus von 55 Prozent aufweist. Ein Plus von 55 Prozent bei der Suizidrate, das ist auch eine Folge dieser Coronapolitik! (👏 FPÖ) Sagen Sie nicht, im Nachhinein ist man immer klüger. Wir haben Sie bereits 2020 darauf aufmerksam gemacht, dass es keinen einzigen Experten gegeben hat, der Schulschließungen empfohlen hat. Nicht einen! Dennoch haben Sie das durchgezogen. Sie haben unseren Kindern eineinhalb Jahre Zeit gestohlen, und das ist für Kinder eine sehr, sehr lange Zeit. (👏 ÖVP, FPÖ) Sie haben unsere alten Leute in den Pflegeheimen eingesperrt, die durften keinen Besuch bekommen, die sind teilweise alleine verstorben, ohne ihre Liebsten noch einmal zu sehen. Sie haben schwer kranke Menschen eingesperrt, die durften einen Besucher pro Woche haben – mit der Begründung: Es ist eine pandemische Situation. Da waren schwer kranke Leute dabei, die ihre Kinder nicht mehr sehen konnten; Mütter, die gestorben sind, die ihre Kinder nicht mehr sehen konnten; Kinder, die ihre Mütter vor dem Tod nicht mehr besuchen durften.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

... Corona gestorben!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Auch das war Folge dieser unmenschlichen, sinnlosen Coronapolitik! (👏 FPÖ) Sie haben Ärzte unter Druck gesetzt. Sie haben die Approbationen entzogen. Sie haben Wissenschafter als Coronaepidemiologen verächtlich gemacht! Das ist alles passiert …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Nein!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und dann werfen Sie uns vor, wir hätten die Bevölkerung gespalten?! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Absurd! – Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Der damalige Innenminister hat sich hergestellt und die Menschen tatsächlich eingeteilt! Es war im Ausweichquartier, es war nicht hier herinnen, es war drüben in der Hofburg, und er hat wortwörtlich gesagt: Es gibt die Braven und Guten, die sich an alles halten, und dann gibt es die, die sich an nichts halten, das sind die Lebensgefährder! – Das ist ein Originalzitat vom damaligen Innenminister Karl Nehammer. Sie werden sich vielleicht noch ein bissl an ihn erinnern können, meine Damen und Herren! (👏 FPÖ) Genau das ist es gewesen, genau diese Politik! Sie sind nicht willens, sich heute hierherzustellen und zu sagen: Ja, wir haben eine Menge, Menge Fehler gemacht! – Stattdessen belobigen Sie sich …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht! Wir haben keine Fehler gemacht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… klopfen sich auf die Schultern und sagen: Alles ist super gewesen! – Und nein, das war es nicht! Sie geben jetzt die Instrumente der WHO in die Hand. Was, glauben Sie, wird passieren, wenn eine Empfehlung der WHO kommt und Österreich sich nicht daran hält? Das wird genauso sein wie bei Corona, da gibt es dann die gefährdeten Gebiete, Krisengebiete, wo ein großes Gefährdungspotenzial besteht. Wir haben das auch bei Corona in Regionen, wo viele Ungeimpfte waren, gehabt, wo dann für Tourismusbetriebe ein Nachteil entstanden ist, weil das Gebiet dort gefährdet war. Genau das wird man dann eben mit Ländern machen, die nicht alle Vorgaben erfüllen: Wir werden an den Pranger gestellt werden. All das verschweigen Sie hier, Sie wollen am liebsten gar nicht darüber reden. Darum war es richtig und wichtig, dass wir heute darüber diskutieren! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Disoski zu Wort gemeldet. – Sie kennen die einschlägigen Bestimmungen. Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke, Herr Präsident. – Abgeordnete Belakowitsch hat in ihrer Rede eben behauptet, ich hätte der FPÖ pauschal Antisemitismus unterstellt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, haben Sie! – Rufe bei der FPÖ: Ja!

GRÜNE Meri Disoski

… Diese Aussage ist falsch und ich berichtige hiermit tatsächlich, dass ich in meiner Rede, in meinen Ausführungen darauf hingewiesen und kritisiert habe, dass die FPÖ in Ihrem Dringlichen Antrag antisemitische Codes und Verschwörungstheorien verwendet.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Genau, so war’s! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Das war eine tatsächliche Bestätigung!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Steiner. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. Das ist auch die Restredezeit der gesamten Fraktion.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Jetzt haben wir es geschafft, dass acht Redner von der Coronaeinheitspartei …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Meine Güte, was wir alles sind!

FPÖ Christoph Steiner

… da heraußen waren, und nicht einer …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Der Schmäh ist ja nicht einmal bei dir daheim witzig!

FPÖ Christoph Steiner

… nicht ein einziger Redner dieser Einheitspartei hat es der Mühe wert gefunden, sich bei nur einem Österreicher, der unter eurer Ägide drei Jahre lang gelitten hat, zu entschuldigen.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Es geht um den Pandemievertrag!

FPÖ Christoph Steiner

… Das ist euer Charakter, schämt euch in Grund und Boden! (👏 FPÖ) Ja, Frau Landesrätin außer Dienst …

GRÜNE Bogner-Strauß ) (Zwischenruf)

Hat sich die Frau Belakowitsch für ihre Lügen entschuldigt?

FPÖ Christoph Steiner

… Lügen! Da schreit ein Grüner „Lügen“ heraus! Ich darf erinnern …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ob sie sich entschuldigt hat!

FPÖ Christoph Steiner

… an Kollegen Mückstein und daran, was der da aufgeführt hat, an Kollegen Rauch mit den abgelaufenen Impfdosen, die verimpft worden sind. Abgelaufene Dosen hat er verimpft und behauptet, keine einzige Impfdosis sei abgelaufen, und dabei ist nur das Etikett getauscht worden. Das waren Lügen! – Entschuldigung, Herr Präsident, ich nehme es sofort wieder zurück: Das waren Unwahrheiten. Jetzt wird über den ganzen Wahnsinn, über die Schließungen hinweggesehen – in Wien habt ihr ganze Parks geschlossen, den Wienern ist in den Wohnungen die Decke auf den Kopf gefallen; das war alles egal –, darüber redet kein Mensch mehr. Alte Leute habt ihr mit dem Gedanken: Was habe ich meinen Familienangehörigen getan, dass mich niemand mehr auf den letzten Metern meines Lebens begleitet? – weil sie es ja nicht mehr gewusst haben –, alleine sterben lassen. So habt ihr alte Leute, die diesen Staat aufgebaut haben, sterben lassen. So seid ihr mit der Generation umgegangen, die dieses Land und den Wohlstand aufgebaut hat, über den wir uns alle glücklich schätzen können. Keiner entschuldigt sich – das ist charakterlos! (👏 FPÖ) Ninjapass: Das muss man sich einmal vorstellen! – Frau Gewessler, Sie können schon lachen, Sie waren in dieser Regierung , die bei Kindern einen Ninjapass eingeführt und Kinder in Kinder von guten Eltern und in Kinder von bösen Eltern separiert hat. Die Kinder wurden am Schulhof in geimpft und nicht geimpft separiert. Da lachen Sie, Frau Gewessler, aber das ist Ihr Charakter. Danke, dass Sie uns das heute hier zeigen! (👏 FPÖ) Unglaublich! Unglaublich! Kinder zu separieren – die Grünen – und dann über Kinderrechte zu sprechen – nehmen Sie, Frau Gewessler, nie wieder das Wort Kinderrechte in den Mund, nie wieder! Und dann wird gesagt, das seien jetzt nur Empfehlungen von der WHO und es werde eh nichts passieren – das hat die Frau Staatssekretärin gesagt. Es wird natürlich keine Ausgangssperren geben!, hat Nehammer behauptet – fünf Tage später gab es diese. Es wird natürlich keine Impfpflicht geben! – Ein paar Tage später wurde am Achensee – der Gesundheitsminister hätte es eh bald nicht geschafft, weil er sein E-Auto fünf Mal aufladen musste – die Impfpflicht beschlossen, mit einem Günther Platter, dem Vater der Impfpflicht, den das dann seine politische Karriere gekostet hat. Schallenberg: für Ungeimpfte ungemütliche Weihnachten!, und so weiter. Was ihr uns alles ausgerichtet habt: Wir wollen die Zügel für Ungeimpfte straffer ziehen!; die Edtstadler – jetzt Landeshauptfrau in Salzburg – wollte mich aus meinem Heimatland ausweisen …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Weil ihr den Lockdown haben wolltet! Wir haben euch gestützt!

FPÖ Christoph Steiner

… weil ich nicht geimpft bin. Was ihr alles behauptet und gesagt habt …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Ihr habts den ersten Lockdown wollen!

FPÖ Christoph Steiner

… und dann werft ihr uns Spaltung vor! Wo lebt ihr denn? Wo lebt ihr? (👏 FPÖ) Elisabeth Köstinger hat davon gesprochen: Freiheitliche haben Blut an ihren Händen! – Das müsst ihr euch einmal vorstellen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist so eine erbärmliche Rede! Unglaublich ist das!

FPÖ Christoph Steiner

… Erbärmlich? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ja, du bist erbärmlich!

FPÖ Christoph Steiner

… Richtig, der von den NEOS hat gesagt, das war erbärmlich. Danke, das war erbärmlich! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Diese Rede! Diese Rede!

FPÖ Christoph Steiner

… Das ist nicht meine Rede, das sind nur Zitate, Herr Kollege von den NEOS. Die kommen nicht von mir, das hat mit erbärmlich nichts zu tun. (👏 FPÖ) Du kannst zu all jenen hingehen, ruf sie alle persönlich an, die das behauptet und gesagt haben, und sage ihnen, wie erbärmlich sie waren! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du bist so eine peinliche Figur!

FPÖ Christoph Steiner

… Ob ich eine Figur bin oder nicht, das überlass bitte mir und beurteile mich nicht, Kollege! Das ist nämlich sehr tief …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was macht der Herr Steiner diese ganze Rede lang schon?

FPÖ Christoph Steiner

… aber wir sind es von den NEOS eh gewöhnt. Von dir sowieso, Herr Kollege Shetty, weil dir die Macht zu Kopf gestiegen ist, aber das spürt ihr in der Fraktion jetzt eh! Ein Riesenproblem ist das, dass dir die Macht zu Kopf gestiegen ist! Aber woher sollst du das denn auch wissen, mit null Berufs- und Lebenserfahrung? (👏 FPÖ) Deshalb lassen wir uns hier herinnen mit Sicherheit nie wieder – nie wieder! – von euch vorwerfen, wir würden spalten oder hetzen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Redezeit! – Zwischenruf der Abg. Disoski [Grüne].

FPÖ Christoph Steiner

… Schlusssatz: Hier ( in Richtung Grüne ) sitzen die Spalter und die Hetzer – schwarz auf weiß dokumentiert. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Klubobmann Kucher. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. (Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Er hat sich für den Untersuchungsausschuss qualifiziert!)

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Abgeordneter Wurm ist heute herausgekommen, fast ein bissl weinerlich, und hat uns entgegengeworfen, er hätte das Gefühl, wir würden den Dringlichen Antrag der Freiheitlichen nicht ganz ernst nehmen. Das muss ich wirklich zurückweisen, denn ich habe mir den Antrag der FPÖ heute sehr intensiv angesehen und mir gedacht, ihr verdient es ja wirklich, dass man intensiv nachschaut, und nur künstliche Intelligenz kann dabei helfen, diese Gedankenwelten nachzuvollziehen. ( Heiterkeit bei den Grünen. ) Ich bin dabei draufgekommen, dass das, was ihr da über den Pandemievertrag schreibt, zu den bekanntesten Verschwörungstheorien der Welt gehören dürfte. Ich bin dann irgendwie neugierig geworden und habe mir gedacht, Verschwörungstheorien, das fasziniert mich jetzt, und ich habe gefragt: Was sind denn so bekannte und absurde Verschwörungstheorien? Da ist dann eine ganze Liste gekommen: Das eine war die Mondlandung – ist die gefakt gewesen, ja oder nein? Ist die Erde eine Scheibe? Das ist auch ein strittiger Punkt in der Freiheitlichen Partei. Dann ein Punkt – da bin ich eher unverdächtig –: Anscheinend kann man sich auch von Licht ernähren. Ist also Lichtnahrung eine Möglichkeit, sich zu ernähren? Aus der Sicht der FPÖ ist das dann wahrscheinlich Trennkost. Dann gibt es die Theorie, dass die Welt heimlich von den Eliten beherrscht wird, und das dürften Reptiloiden sein, also Echsenmenschen – Angela Merkel, angeblich die Queen, Obama. Das ist auch eine bekannte Theorie, an die viele glauben. – Nicht so nervös werden! Anscheinend gibt es einige in der FPÖ, die wir jetzt erwischt haben. Da gibt es bekannte Geschichten – das haben wir auch schon öfter von der FPÖ gehört –: Bill Gates, der die Menschen heimlich über Impfungen chippen möchte. Dann haben wir das Blabla über die WHO-Diktatur, über Chemtrails und Wahrsagerei – alles Dinge, die wir gehört haben. Je länger ich da nachgelesen habe, desto öfter habe ich mir gedacht, dass ich das irgendwoher kenne, und ich bin draufgekommen: Die Hälfte der ganzen Verschwörungstheorien steht ja inzwischen eins zu eins im Wahlprogramm der FPÖ. Das ist ja eins zu eins das, was die FPÖ inzwischen auch abgeschrieben hat.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Was konkret? Es stimmt ja nicht!

SPÖ Philip Kucher

… Ich bin, glaube ich, nicht dafür bekannt, dass ich groß Herbert Kickl verteidige, aber ich sage es in dieser Runde offen: Herbert Kickl hat einen großen Beitrag zur weiteren Radikalisierung der FPÖ geleistet, aber begonnen hat es doch schon vorher, oder? Und wer waren diese Radikalisierer bei euch? Der eine war der Hofer, gemeinsam mit Herrn Strache. ( Ruf bei der FPÖ: Der Hofer war’s! – Heiterkeit bei der FPÖ. ) Erinnert ihr euch noch? Begonnen hat es so: Die beiden kritischen Geister dürften auf den Himmel geschaut haben und sind draufgekommen: Da sind Wolken am Himmel. Und wenn ein Flugzeug vorbeifliegt, kommen hinten so Kondensstreifen heraus.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zur Sache kommen! Ist ja peinlich!

SPÖ Philip Kucher

… Die sind aber kritische Geister, sie würden als Freiheitliche eine Erklärung, die Prof. Taschner abliefern würde, nicht glauben.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Das wird ja ein Plus!

SPÖ Philip Kucher

… Sie haben gesagt, das sind Chemtrails, mit denen möchte man die Menschen irgendwie manipulieren. Daraufhin haben die Freiheitlichen gesagt, da sie ja kritische Geister sind: Dafür braucht es parlamentarische Anfragen. Und man hat gesagt, man muss sich diese Chemtrails einmal ganz genau anschauen. Strache ist dann einmal gefragt worden: Glaubst du wirklich an diese Chemtrails? Und dann hat er darauf geantwortet: „Das ist keine Glaubensfrage. Das ist ein Bereich, wo manche diese Dinge kritisch hinterfragen.“ …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Ist der Klubobmann oder Märchenerzähler? – Heiterkeit bei der FPÖ.

SPÖ Philip Kucher

… Und dann sagte er, er höre „immer wieder von anderen Dingen. Beispielsweise beim Klimawandel (...)“, wo man kritisch hinterfragt und auch das Thema hat, dass da die Menschen manipuliert werden. Hochwasser, Muren, Waldbrände, dass es immer heißer wird, das ist aus Straches Sicht auch alles eine Verschwörung gewesen. Und was damals noch spannender war: Heute schimpfen die Freiheitlichen ja ganz oft über die Expertinnen und Experten. – Das ist ja aus eurer Sicht ein Schimpfwort. Aber ihr wart die Ersten in dieser Republik, die auf Experten gesetzt haben, und das noch dazu auf Beratungskosten durch die FPÖ. Eine der ganz großen Expertinnen bei euch war Frau Tina, eine Wahrsagerin. Sie war Beraterin von H.-C. Strache – 6 000 Euro auf Regimentskosten, hat alles die FPÖ gezahlt dafür, dass Herr Strache von der Wahrsagerin beraten worden ist. Und anscheinend hat sie ihm auch gesagt, er braucht eine geweihte Metallplatte, die er sich in die Unterhose steckt, anscheinend dürfte das Herrn Strache auch geschützt haben. Das war Frau Tina. ( Anhaltende Heiterkeit bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. ) Und weil es heute öfter auch Thema war: Die FPÖ Tirol dürfte ein ganz besonderes Habitat sein. Aus der FPÖ Tirol kommen ganz kritische Geister. Da wären die Herren Wurm und Steiner, und einige hier im Haus werden sich noch an Herrn Ex-Abgeordneten Hauser erinnern. Er ist Jahr für Jahr immer mehr hineingekippt und wurde schließlich Experte für fast alles. Er hat dann auch zwei Bücher geschrieben. ( Rufe bei der FPÖ: Drei! ) Das Spannende war, dass er sich überall auskennt. Ich möchte den Titel seines zweiten Buches, wie er ihn bei einer Präsentation selber auf Englisch formulierte, zitieren: „The schwurblers proved right in fact.“ Herr Hauser hat sich ganz intensiv auch mit Corona beschäftigt und hat dann als kritischer Geist folgende Anfrage an den Gesundheitsminister gestellt: „Ist Ihnen bekannt, dass Corona-Pandemie seitens der Eliten seit Jahren vorbereitet wurde?“ ( Heiterkeit bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. ) Wow! Herr Hauser! Ich will aber auch helfen. Da hilft uns allen Chat-GPT weiter. Chat-GPT hat mir freundlicherweise Tipps dazu gegeben, wie man Menschen, die Opfer von diesen Verschwörungstheorien sind, überzeugen kann.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Ihr kennt euch ja nicht einmal mit Excel aus! Lasst es lieber!

SPÖ Philip Kucher

… Der eine Punkt ist: Grenzen setzen bei der Radikalisierung. Man muss Stopp sagen, gerade wenn es in Richtung Antisemitismus, Rassismus oder Demokratiefeindlichkeit geht. Es gibt aber zwei andere Dinge, die auch wichtig sind. Das eine ist der Dialog mit Zweifelnden, also Fakten anbieten, ohne zu belehren. Das versuche ich gerade. ( Heiterkeit bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. – Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. ) Und der zweite Punkt ist die Vermeidung von Eskalation, also keine Bloßstellungen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Andere lächerlich machen ist ja auch nicht gerade schön! Du machst dich nur selber lächerlich!

SPÖ Philip Kucher

… Und wichtig ist es, Emotionen anzusprechen, also zum Beispiel zu sagen: Ich sehe, das macht dir Sorgen. Das haben wir heute sehr, sehr oft bekommen. ( Anhaltende Heiterkeit und Beifall bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. ) Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu komplex werde, denn man soll aufklären, aber nicht überladen. Deswegen möchte ich euch noch einmal kurz den Pandemieplan erklären. Eine kleine Analogie vielleicht: Wenn irgendwo ein Atomkraftwerk in die Luft fliegen würde, wollten wir dann informiert werden, und hätten wir gern funktionierende Alarmierungssysteme? Oder hätten wir gern, dass sich dann dort irgendwelche Leute hinsetzen, einen Sesselkreis bilden und sagen: Diskutieren wir einmal, ob die Strahlung gefährlich ist oder nicht!? – Ist es da nicht doch besser, wenn es funktionierende Alarmpläne gibt? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist ja nicht einmal witzig!

SPÖ Philip Kucher

… Dasselbe gilt natürlich auch bei gefährlichen Viruserkrankungen. Gefährlichen Strahlungen und gefährlichen Krankheitserregern sind nämlich Landesgrenzen völlig egal. Und wisst ihr, was noch schlimmer ist? Den Viren und der Strahlung ist auch völlig egal, ob die FPÖ an sie glaubt oder nicht. Vorbereiten müssen wir uns trotzdem. ( Anhaltende Heiterkeit und Beifall bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. ) Und dasselbe, was wir im Zusammenhang mit Atomreaktoren machen, nämlich dass wir uns vorher vorbereiten, Alarmpläne machen für den Fall, der hoffentlich nie eintritt, werden wir doch hoffentlich auch im Pandemiemanagement schaffen: Funktionierende Informationsstrukturen, kein Vertuschen, sondern ganz klare, transparente Ablaufpläne, damit wir eben Menschenleben schützen können! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Pöttinger. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Der war das mit den Intensivbetten!)

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Können Sie jetzt das mit den Intensivbetten noch einmal erklären?

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Danke, Philip Kucher , für diese Cool-down-Phase. ( Ruf bei der SPÖ: Er hat recht, oder ...? ) Ich habe mich zu Wort gemeldet, weil vorhin zwei Redner von der FPÖ dran waren und man es fast nicht ausgehalten hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Erklären Sie noch einmal das mit den Intensivbetten bitte! Das war sehr spannend!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es ist tatsächlich so: Wir reden von der WHO – danke, dass ihr dieses Thema ausgespielt habt. Es ist großartig, was die WHO leistet. Wir können uns alle wirklich glücklich schätzen, dass diese Informationen zu uns kommen. Es geht sehr viel um Informationen darüber, wo Gefahren sind. Wir alle wissen noch ganz genau, wie schlimm das war mit der Pandemie. Auch Sie wissen es ganz genau – die FPÖ war ja die erste Partei, die den Lockdown gefordert hat. Darauf können Sie stolz sein! Wir haben Ihnen sogar gefolgt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber dann nimmer leider! Wie wir gesagt haben, jetzt ist genug ...! – Ruf bei der FPÖ: Nach zwei Wochen haben wir’s kapiert!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es hat einen Lockdown gegeben, und die FPÖ hat gesehen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben dann gesagt, jetzt ist genug!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Hoppala, alle Parteien sind jetzt auf einmal für einen Lockdown. Das kann doch nicht sein, da muss man doch irgendwie dagegen sein! – Das ist halt die Politik der FPÖ. Schauen Sie einmal nach in den letzten Beschlüssen, die wir hatten, wo Sie überall dagegen waren! Einfach unglaublich! Da fragt man sich: Wie gibt’s das? – Das ist das Spiel mit der Angst. Ein paar Leute findet man immer, die dann Angst haben, und von diesen Wählern leben Sie dann auch. Ja, das muss man so deutlich sagen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Jeder wird jemanden kennen, der gestorben ist!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Ich bin sicher, wenn damals in der Coronazeit hier eine andere Partei gegen einen Lockdown gewesen wäre, dann hätten Sie wahrscheinlich nicht einmal umgeschwenkt, aber so haben Sie wieder das Alleinstellungsmerkmal – großartig. Dann haben Sie noch Ivermectin empfohlen, ein Entwurmungsmittel für Pferde, an dem dann Leute gestorben sind, und das wird bis heute verteidigt. Offensichtlich hat man nichts dazugelernt. Das ist wirklich unglaublich! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... diese Forderung ... Medikament, Punkt eins!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Manfred Haimbuchner wäre fast gestorben. (Zwischenruf der Abgeordneten Brückl [FPÖ] und Deimek [FPÖ]. – Ruf bei der FPÖ: Persönliches Schicksal !) Man muss es so deutlich sagen: Es ist einfach so gewesen, dass wir alle nicht gewusst haben, was auf uns zukommt. Wie haben wir darauf reagiert? Wir haben das Beste daraus gemacht, und ich sage, zu 80 Prozent hat es die Regierung richtig gemacht! Das habe ich schon immer gesagt. (👏 ÖVP) Zu 20 Prozent waren mit Sicherheit auch Fehler dabei. Aber die 80 Prozent sind ein sehr, sehr hoher Wert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das behaupten Sie einfach! – Ruf bei der FPÖ: 100 000!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es war so, weil uns die Menschen am Herzen liegen, das wissen Sie alle. Ich unterstelle auch Ihnen, dass Ihnen die Gesundheit eigentlich etwas wert ist, aber die Oppositionspolitik treibt Sie offensichtlich in diese Situation, dass Sie gegen alles sein müssen, wo alle anderen eigentlich dafür sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Können Sie jetzt noch einmal auf die Intensivbetten bitte eingehen?! ... damals schon so ... gelöst, das Problem!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Schattenboxen gegen Feinde, die Sie selbst erfinden“. – Dieser Satz von Ralph Schallmeiner ist großartig, muss ich ganz ehrlich sagen; er ist zuerst unter seinem Wert geschlagen worden. „Schattenboxen gegen Feinde, die Sie selbst erfinden.“ (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ja, das trifft den Nagel auf den Kopf! Das ist die eigentliche Wahrheit.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist Ihre Meinung!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Ganz ehrlich, die schlimmste Art, Politik zu machen, ist das Spiel mit der Angst.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist aber Ihre Meinung!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Ja, es stimmt schon, dass es meine Meinung ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

100 000 Tote!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… aber das Spiel mit der Angst ist die schlimmste Art, Politik zu machen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das habt ihr drei Jahre ...!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Schauen wir uns den WHO-Vertrag an. Was wird hier jetzt geändert? – Einführung der Warnstufe „pandemischer Notfall“, Stärkung von Solidarität und Gerechtigkeit, verbesserte Unterstützung bei Krankheitsausbrüchen, Empfehlungen zu Produktion und Lieferketten von Gesundheitsprodukten. – Warum seid ihr da dagegen? ( Ruf bei der FPÖ: Wenn du zugehört hättest, dann würdest du es wissen! ) Ihr erfindet Geschichten, die nicht existent und nicht wahr sind, und das ist genau das Problem. Liebe Abgeordnete hier im Haus, ich bin froh, dass die Mehrheit hier vernünftig ist. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Klubobmann Shetty. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher – es sind ja noch ein paar hier –, Sie fragen sich vielleicht auch: Gäbe es nicht eigentlich wichtigere Probleme, mit denen wir uns beschäftigen könnten, zum Beispiel mit der Herausforderung in der Integrationspolitik oder damit, wie wir in der Wirtschaftspolitik vorankommen oder was den Industriestandort Österreich betrifft? Da gibt es ja unterschiedliche Auffassungen hier im Haus. Die FPÖ aber kommt hier heraus – ohne Anlass, ohne Not – und macht den WHO-Pandemievertrag zum Thema. Glauben Sie eigentlich wirklich, dass sowohl Ihre Wähler:innen als auch die Wähler:innen der anderen Fraktionen sich für Ihre Vergangenheits- und Traumabewältigung interessieren? Glauben Sie das wirklich? …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wir wissen das!

NEOS Yannick Shetty

… Wissen Sie, wenn man in Ihre Reihen schaut: Herr Fuchs oder Herr Schiefer, die Menschen, die da irgendwie einen vernünftigen Zugang haben, die schauen ja nur beschämt zu Boden, wenn hier Frau Belakowitsch redet (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS), wenn hier Herr Steiner redet, wenn hier Frau Giuliani redet. Die Kollegin Katayun Pracher-Hilander hat da noch in dieser Aufzählung gefehlt. Das ist Ihnen doch selber peinlich, was Sie hier aufführen, das ist doch letzte Klasse, was Sie hier liefern – immer das Gleiche. Kollege Wurm hat gesagt, und da hat er vielleicht recht: Von Ihnen allen kommt immer die gleiche Schallplatte. – Ja, das gestehe ich Ihnen schon zu, weil es schwierig ist, Ihnen mit etwas anderem zu kontern als immer mit dem Gleichen, was wir hier sagen. Wissen Sie was? Bei Ihnen kommen da fünf Schallplatten heraus, aber sie spielen alle genau die gleiche Nummer, und ich sage es Ihnen: Wir können es nicht mehr hören, und die Menschen da draußen auch nicht mehr! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wissen Sie, Frau Belakowitsch, Herr Steiner, Frau Giuliani, wenn Sie hier herauskommen und uns allen vorwerfen, dass wir die Spalter wären, während Ihre Reden nur so vor Hass triefen, während Ihre Reden nur so vor Spaltung triefen, dann sollten Sie sich bitte einmal in den Spiegel schauen. Das ist einfach unerhört. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wissen Sie, ich bin der Letzte, der sagt, dass die letzte Regierung keine Fehler gemacht hat. Ja, Sie wissen, wir haben zum Beispiel beim Thema der Schulschließungen auch immer sehr heftige Kritik geübt.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Der Loacker!

NEOS Yannick Shetty

… Aber ich würde nie auf die Idee kommen, jenen, die damals, in einer schwierigen Zeit, Verantwortung getragen haben – wir haben die Regierung auch regelmäßig kritisiert, waren häufig auch mit Ihnen von der FPÖ einer Meinung, wenn es zum Beispiel um die Lockdowns ging –, zu unterstellen, dass sie mit Vorsatz gehandelt haben, dass sie mit Vorsatz das getan haben, was Sie hier unterstellen. Das ist einfach unwürdig, und Sie sollten sich für diese Art, Politik zu machen, schämen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir wissen ja alle, warum Sie das machen: Das war jetzt ein paar Jahre Kassenschlager bei Wahlen, immer wieder diese Coronaplatte aufzuwärmen. Aber ich glaube, Sie spüren es selber eh auch und viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen wissen und denken es sich auch, dass es dann langsam reichen wird.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Im Gegenteil!

NEOS Yannick Shetty

… Sie sollten sich überlegen, ob Sie Ihre Traumabewältigung, was diese Zeit betrifft, nicht vielleicht irgendwie im Stillen machen, anstatt hier am Rednerpult die Castingshow für den nächsten Untersuchungsausschuss zu machen. Darum geht es ja eigentlich: wer dort dann noch einmal die ganze Coronaplatte aufwärmen darf. Wir sollten hier über die wichtigen Probleme reden, die kontrovers sind, wo wir hart in der Sache streiten sollen – aber nicht immer wieder diese gleiche Traumabewältigung. Die Menschen können es nicht mehr hören.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das entscheidest aber nicht du, was wichtig ist und was nicht!

NEOS Yannick Shetty

… Ich möchte an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung rufen, dass sich Frau Kollegin Belakowitsch bis heute, wo Sie hier wieder nur Spaltung betrieben haben, noch immer nicht entschuldigt hat dafür, was sie am Rednerpult gesagt hat. Sie wissen es ganz genau.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Dann entschuldigen Sie sich dafür!

NEOS Yannick Shetty

… Sie wissen es ganz genau. Ich darf in Erinnerung rufen, was sie – Ärztin, Gesundheitssprecherin – in der Pandemie gesagt hat: dass auf den Intensivstationen dieses Landes mehr Personen mit Impfschaden liegen als Coronapatienten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich war gar nicht Gesundheitssprecherin! Schlecht recherchiert!

NEOS Yannick Shetty

… Wissen Sie, wie respektlos das ist jenen gegenüber, die aufgrund von Corona Angehörige verloren haben?! Wissen Sie, wie respektlos das ist?! Auch dafür haben Sie sich immer noch nicht entschuldigt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich finde es so bezeichnend, dass Sie, die Sie den anderen immer Spaltung unterstellen, bei jeder Gelegenheit immer nur den Zwist suchen, immer nur das Trennende suchen, immer nur das suchen, was uns auseinanderbringt – wir sind jetzt nicht mehr in der Pandemie, wir sind nicht mehr in einer Akutphase –, und jede Gelegenheit nutzen, wieder genau dieses Trennende herauszugreifen. – Das ist nicht mein Zugang, Politik zu machen, nicht unser Zugang, Politik zu machen – Ihrer ist es, und ich finde, das ist kein guter. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir gelangen zur Abstimmung über den Selbständigen Antrag 360/A(E) der Abgeordneten Kaniak, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Nie wieder Coronaregime: Nein zu den Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Antrag sind, um ein entsprechendes Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 13-14, 35. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 16:55

ÖVP Andreas Minnich

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Abgeordnetenkollegen im Hohen Haus! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Wenn Sie vorher die Debatte über die Gefährderüberwachung verfolgt haben, dann ist auch für Sie als Zuschauer wahrscheinlich mit heutigem Tag klar, dass die FPÖ als Sicherheitspartei abgedankt hat. Sie hat nämlich ein klares Zeichen gegen die Gefährderüberwachung gesetzt, die für unser Land entscheidend ist, um Terrorismus und Anschläge hier in Österreich, in unserem wunderschönen Land, abzuwehren. Aber nicht nur das, sie hat hier im Parlament vor wenigen Wochen auch gegen das Gesetz zum Stopp des Familiennachzugs gestimmt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist kein Stopp!

ÖVP Andreas Minnich

… In der Zwischenzeit dürfte aber in der Partei, bei den Mitgliedern der FPÖ ein bisschen ein Umdenken stattgefunden haben und auf Druck der eigenen Wählerschaft ein bisschen ein Umschwung gekommen sein. Man hat nämlich in der Zwischenzeit im Hauptausschuss für diese Verordnung zum Stopp des Familiennachzugs gestimmt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Vorher nicht zugehört!

ÖVP Andreas Minnich

… Ich hoffe, dass das vielleicht auch eine Richtschnur für viele andere Themen ist, dass Sie sich da auch besinnen und auch konstruktiv an Lösungen arbeiten. (👏 ÖVP) Dass hier nämlich konstruktiv gearbeitet wird, sieht man an all den Maßnahmen, die jetzt auch schon Wirkung zeigen. Wir haben mit dem Stopp des Familiennachzugs …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist kein Stopp!

ÖVP Andreas Minnich

… etwas gemacht, weswegen ganz Europa auf unser Land schaut, und es wird jetzt auch schon sichtbar, dass es wirkt. Wir haben den Außengrenzschutz massiv verstärkt. Wir haben auch bei den Aufgriffen von illegalen Migranten die Zahlen massiv reduzieren können. Im Monat Mai gab es nur mehr 300 Aufgriffe von illegalen Migranten. In der Kalenderwoche 25 sind es überhaupt nur mehr 60 Aufgriffe gewesen. Wir haben bei den Rückführungen hohe Zahlen, es ist gelungen, die Zahl der Rückführungen massiv zu steigern. Wir haben letztes Jahr fast 14 000 Rückführungen gemacht. Es ist uns mit unserem Innenminister und der Bundesregierung gelungen, auch viele neue Rückführungsabkommen mit Drittstaaten abzuschließen. Das verlangt viel diplomatisches Feingefühl, aber der Erfolg hat sich eingestellt. Wenn man einen Vergleich mit der Zeit des Innenministers Kickl zieht – er hat kein einziges Rückführungsabkommen abgeschlossen –, dann sieht man, dass jetzt großartige Arbeit geleistet wird. (👏 ÖVP) Wir haben auch ganz massiv die Maßnahmen zur Integration verschärft. Wir setzen vermehrt auf die Sachleistungskarte, von der Sie heute mehrmals behauptet haben, dass es sie noch nicht gibt – nein, das wird vom Bund bereits umgesetzt. Wir setzen auf gemeinnützige Arbeit. Und: Wer hier bleiben will, muss Deutschkurse und Wertekurse besuchen – ganz besonders wichtig, um eine erfolgreiche Integration umsetzen zu können. Somit komme ich schon zum Ende: Rechtsstaatlichkeit ist für uns ein ganz wichtiger Wert, deswegen können wir heute Ihre Anträge nur ablehnen, Sie schießen da weit über das Ziel hinaus. In diesem Sinne: ein starkes Zeichen hier für Rechtsstaatlichkeit und gute Arbeit für Asyl und Migration in diesem Land. – Danke schön. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Laimer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Robert Laimer

Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ja, es braucht eine klare, es braucht eine realistische Asylpolitik – eine Politik, die Zuwanderung kontrolliert, Missbrauch unterbindet und Integration konsequent einfordert, aber seriös und rechtsstaatlich. Großes, reges Interesse ist hier im FPÖ-Sektor nicht zu verzeichnen: Obwohl es um Ihre Anträge geht, sind die Reihen halb leer. – So viel zur Mitarbeit. Um nur auf ein paar Punkte einzugehen, die wir heute anlässlich der FPÖ-Anträge behandeln: Die FPÖ-Forderung Sachleistungen statt Bargeld ist in Umsetzung, ab Mitte Juli in acht Bundeseinrichtungen; die Sachleistungskarte wird in drei Bundesländern im Einsatz sein. Das Ziel ist klar: Missbrauch zu verhindern, die Verwaltung zu entlasten und sicherzustellen, dass die Leistungen tatsächlich bei den Menschen ankommen, insbesondere bei Frauen und Kindern. Das Ziel ist ein österreichweit einheitliches Modell, so steht es auch im Regierungsprogramm. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Meine Damen und Herren! Die FPÖ fordert massive Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung schutzbedürftiger Menschen. Da ist der Gestaltungsspielraum begrenzt – und das aus gutem Grund. Österreich ist an die EU-Aufnahmerichtlinie gebunden, die eine angemessene medizinische Versorgung schutzbedürftiger Menschen enthält. Wer eine bestimmte Versorgung pauschal streichen will, verstößt gegen geltendes Europarecht. Es braucht Effizienz einer medizinischen Versorgung, vor allem für Frauen und Kinder, und keine Rechtsverstöße, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ. (👏 SPÖ) Die FPÖ fordert auch ironischerweise pauschale Ausschlüsse vom Staatsbürgerschaftsrecht. Meine Damen und Herren! Österreich hat ein sehr strenges, mitunter das strengste Staatsbürgerschaftsrecht Europas. Wer sich integrieren will, wer sich integriert, muss trotzdem lange warten, viele Hürden nehmen und auch hohe Kosten in Kauf nehmen. Wer voll integriert ist und Steuern zahlt, hat auch ein Recht auf Staatsbürgerschaft, und zwar als vollwertiger Teil der Gesellschaft. (👏 SPÖ) Zum zweiten Antrag: Wir werden härter gegen Schlepper vorgehen. Wir haben eine Ausweitung des Strafrahmens bei Schlepperei vorgesehen. Wir prüfen die Einführung eines neuen Straftatbestandes, auch ohne Bereicherungsabsicht. Zum Thema Aufenthalt in Österreich: Wer hier lebt, muss sich an die Regeln halten. Wer straffällig wird, hat sein Aufenthaltsrecht verwirkt und gehört auch rückgeführt. Der Fall des syrischen Straftäters zeigt das ganz deutlich. Solch ein Vorgehen muss aber auch zur Regel werden. Ich zolle dem Innenminister und der gesamten Regierung Respekt dafür, dass diese Rückführung bilateral auf rechtsstaatlichem Weg – das ist entscheidend: auf rechtsstaatlichem Weg – durchgesetzt wurde. Das ist ein Beispiel, das Schule machen wird. Abschließend: Wir lehnen die FPÖ-Anträge ab, aber nicht, weil wir Probleme leugnen wollen, wir lehnen sie ab, weil sie keine Lösungen bieten. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Das, was wir heute hier von den Abgeordneten der FPÖ gehört haben, war mitunter wirklich schwer zu ertragen. Aber nicht nur das, was Sie sagen, ist schwer zu ertragen, sondern auch das, was Sie schreiben und was Sie fordern. In den Anträgen, die wir jetzt hier diskutieren, sind eine Sprache und ein Stil enthalten, die wirklich menschenverachtend sind und eine menschenverachtende Sichtweise auf das Thema Asyl und Migration haben. Was wollen Sie? – Die geforderten Maßnahmen zielen darauf ab, den Ankommenden hier Rechte abzusprechen. Rechte und Sicherheiten sollen einfach pauschal weggenommen werden, und zwar gipfelnd darin, dass sie keinen gleichberechtigten Zugang zu medizinischer Versorgung bekommen sollen, sondern nur noch eine medizinische Grundversorgung. Das ist strikt abzulehnen. Die Forderungen, die Sie hier erheben, zeigen auch, was Sie eigentlich wirklich wollen: Sie wollen, dass es Menschen erster Klasse und Menschen zweiter Klasse gibt, solche, die alle Rechte bekommen sollen, und solche, die man – am besten noch gesetzlich erlaubt – entwürdigen darf: entwürdigen, schikanieren, einsperren. So etwas ist mit der Sozialdemokratie sicher nicht zu machen! (👏 SPÖ) Und was machen Sie noch? – Sie verallgemeinern wider besseres Wissen alle Schutzsuchenden pauschal als illegale Wirtschaftsflüchtlinge, als Scheinasylant:innen. Sie verwenden hier wirklich eine unsachliche und stark ideologisch geprägte Sprache. Was wollen Sie? – Sie wollen Menschen, die Schutz suchen, pauschal brandmarken und ihnen eben alle Rechte aberkennen. Das ist aber eine Denkweise, die aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte stammt. Wenn wir ehrlich sind: Es geht Ihnen ja nicht darum, Probleme zu lösen, sondern es geht darum, an die niedrigsten Instinkte zu appellieren, aufzuhetzen und zu spalten. Das wollen Sie und dafür ist Ihnen wirklich jedes Mittel recht. Natürlich – meine Vorredner:innen haben es ja schon gesagt –: Wir brauchen Maßnahmen, die Bundesregierung arbeitet, es gibt Integrationsmaßnahmen und so weiter. Wir haben jedoch gerade in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg und den Gräueln des Naziregimes auch Verantwortung, und zwar die Verantwortung, nie wieder so zu agieren und nie wieder anderen Menschen zu erklären, dass sie weniger wert wären als andere. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/102.1 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 13: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 171 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/102.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Auslaufen der Krankenversicherung für ukrainische Kriegsvertriebene am 12. Juli“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/102.3 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 172 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich

172 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 58/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, den illegalen Grenzübertritt nach Österreich als eigenen Straftatbestand im Strafgesetzbuch zu verankern. Damit gibt es keinen Auftrag an die Bundesregierung, eine entsprechende strafrechtliche Verschärfung auszuarbeiten oder umzusetzen.

Betroffen wären Personen, die ohne Einhaltung der Einreisebestimmungen die österreichische Staatsgrenze überschreiten, sowie die Strafverfolgungs- und Grenzbehörden.

Ziel war es, den illegalen Grenzübertritt strafrechtlich zu sanktionieren, um die Durchsetzung der Einreisebestimmungen zu stärken und die innere Sicherheit bzw. den Grenzschutz zu erhöhen.

Dokumente

strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag (58/A(E)) zur strafrechtlichen Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich.
  • Zielrichtung ist die Aufnahme eines eigenen Straftatbestands „illegaler Grenzübertritt“ in das Strafgesetzbuch (StGB).

Begründung und Problemaufriss

  • Die Kontrolle der Staatsgrenzen wird als essenziell für innere Sicherheit, Durchsetzung der österreichischen Rechtsordnung und Schutz der Bevölkerung dargestellt.
  • Der illegale Grenzübertritt wird als Umgehung geltender Einreisebestimmungen beschrieben und als Gefährdung von Sicherheit sowie Integrität des österreichischen Staatsgebiets bewertet.
  • Es wird ein signifikanter Anstieg der Kriminalität in den letzten Jahren behauptet, der auch mit illegaler Migration in Zusammenhang stehe.
  • Zur Untermauerung werden Kennzahlen für 2023 angeführt: 45,6% der Tatverdächtigen, 45,1% der Verurteilten und 59,6% der neu Inhaftierten seien Ausländer gewesen, bei einem Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung von etwa 19%.

Asylzahlen als Kontext

  • Es wird auf eine seit 2015 erhebliche Anzahl von Asylanträgen in Österreich verwiesen.
  • Genannte Asylantragszahlen: 2015: 88.340; 2016: 42.285; 2017: 24.735; 2018: 13.746; 2019: 12.886; 2020: 14.775; 2021: 39.930; 2022: 112.272; 2023: 59.232; 2024: 24.941.

Ziel und intendierte Wirkung der Maßnahme

  • Die Entwicklungen werden als Begründung dafür herangezogen, den illegalen Grenzübertritt als Straftatbestand in das StGB aufzunehmen.
  • Damit sollen „bestehende Lücken“ in der Rechtsordnung geschlossen und die Durchsetzung der Einreisebestimmungen sichergestellt werden.
  • Es wird eine rasche gesetzgeberische Maßnahme gefordert, um die österreichischen Grenzen zu schützen, die innere Sicherheit zu gewährleisten und die Einreisebestimmungen durchzusetzen.

strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich

~124 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Gernot Darmann

Besten Dank, Frau Präsident! Hohes Haus! Werte Damen und Herren! Nunmehr kommen wir in der Debatte über die folgenden zwei Tagesordnungspunkte zu jenen Personen, die über Tausende Kilometer den Weg nach Österreich finden, um hier als Scheinasylanten, Wirtschafts- und Sozialmigranten ihr Auslangen zu finden, sich von den österreichischen Steuerzahlern durchfüttern zu lassen. Meine Damen und Herren! Angesichts dieser Thematik ist es umso absurder, welche Argumentationslinien in den Verhandlungen über die vorherigen Tagesordnungspunkte von den Vertretern der Regierungsparteien gewählt wurden: auf der einen Seite eine Messengerüberwachung umzusetzen, um mögliche Gefährder – in der Anzahl angeblich 30 – aus dem Verkehr ziehen zu können, auf der anderen Seite aber jedwede Möglichkeit auszuschlagen, einer Idee, einer Initiative der Freiheitlichen zu folgen, um endlich den Zuzug von illegalen Migranten zu stoppen. Das muss man sich einmal vorstellen: Wir bringen seit Jahren Initiativen ein, um einen absoluten Asylstopp zu verhängen, wir Freiheitliche fordern seit Jahren ein Abschiebeprogramm, eine Abschiebeoffensive für jene Personen, die illegal im Land sind, wir fordern ein Verbotsgesetz gegen den politischen Islam – ist gleich gegen diese islamistischen Terroristen –, und die Regierungsfraktionen ÖVP, SPÖ und NEOS inklusive Grüne wollen das nicht! Sie wollen das einfach nicht, sie lehnen das ab. Sie lehnen das ab und nehmen damit in Kauf, dass es eben kein Regelwerk gibt, um genau jene, die Sie angeblich technisch überwachen wollen, gleich aus dem Verkehr zu ziehen, in Abschiebehaft zu bringen und sie dann aus dem Land zu schmeißen. Das wäre doch die vernünftige Lösung, der richtige Zugang (👏 FPÖ), um jene Personen, die uns angeblich gefährden, nicht länger hier aufhältig zu haben. Aber nein, die Bundesregierung will sie lieber technisch überwachen und im Land lassen. Das haben sich unsere Bürger nicht verdient, genauso, wie sie es sich auch nicht verdient haben, weiterhin jene bei uns in Österreich durchfüttern zu müssen, die hier nichts verloren haben, die wie gesagt über Tausende Kilometer durch sichere andere Staaten nach Österreich gekommen sind, um hier wegen irgendwelcher fragwürdigen Entscheidungen tatsächlich noch Asyl zu bekommen, obwohl sie in dem Land, in dem sie waren, bevor sie nach Österreich gekommen sind, niemals als auf der Flucht seiend gegolten haben können, weil rund um Österreich keine Verfolgung von welchen Menschen auch immer stattfindet. Deswegen haben wir auch diese Anträge betreffend „De-Attraktivierung Österreichs als Zielland für illegale Wirtschaftsmigranten und Scheinasylanten“ eingebracht. Mich wundert es, ich bin schockiert, wie man seitens der ÖVP, seitens der SPÖ und seitens der NEOS gegen einen solchen Antrag stimmen kann. Was ist da für eine Logik dahinter? Der Umkehrschluss ist ja, keine Deattraktivierung zu machen, weiterhin attraktiv für alle Scheinasylanten, Wirtschafts- und Sozialmigranten aus der ganzen Welt zu bleiben, und das ist doch nicht die Lösung. Unsere Bürger verdienen es, endlich einmal eine konsequente Migrationspolitik zu haben, die den Bürger in den Mittelpunkt aller politischen Interessen stellt (👏 FPÖ), und nicht, ständig durch Kürzungen und Belastungen ausgesaugt, ausgenommen zu werden, und auf der anderen Seite wird über diese Scheinasylanten das Füllhorn ausgeschüttet. In Klammern sei meinerseits gesetzt: Es mag schon den einen oder anderen geben, der berechtigt nach Österreich kommt und hier sogar Asyl verdient hätte …

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Oh! – Abg. Zarits [ÖVP]: Das hat noch keiner von euch gesagt!

FPÖ Gernot Darmann

… nur müssten die dann in Wien am internationalen Flughafen landen, weil sie damit das erste Mal seit der Flucht aus ihrem Herkunftsland sicheren Boden betreten würden. Das passiert aber, wie wir wissen, in den wenigsten Fällen – genauso selten, wie dass irgendeiner mit dem Fallschirm über Österreich abspringt und das erste Mal in Österreich sicheren Boden betritt. Somit haben wir da massiven Handlungsbedarf, und es ist zum Fremdschämen, dass die anderen Parteien hier im Parlament gegen diese Deattraktivierung Österreichs sein können. (👏 FPÖ) Der zweite Antrag, werte Kollegen, bezieht sich, wenn man so will, auch verfassungsrechtlich auf unseren Staatsbegriff: auf die Definition des Staates Österreich, der – zumindest habe ich es irgendwann im Jusstudium einmal so gelernt – durch das Staatsvolk, durch die Staatsverfassung und das Staatsgebiet definiert wird. Das Staatsgebiet hat für mich auch irgendetwas mit den Staatsgrenzen zu tun, auf die man achten sollte, weil man sonst eigentlich jegliche Legitimation verloren hat, sich noch als Staat zu bezeichnen. Wir Freiheitliche stehen zum souveränen Staat Österreich, der auch insbesondere im Hinblick auf die innere Sicherheit auf das eigene Wohlergehen zu schauen und deswegen dafür zu sorgen hat, dass es illegale Grenzübertritte eben nicht nur mit Abnicken gibt, sondern dass es statt diesen Verwaltungsstrafen – Geldstrafen für die ganzen Geschleppten, teilweise auch die Schlepper – tatsächlich verpflichtende Gefängnisstrafen, Haftstrafen gibt, denn der Geschleppte ist auch ein Bestimmungstäter für den Schlepper, und dementsprechend hat es da auch konsequente Strafen nach dem Strafgesetzbuch zu geben. Das sind wir auch wiederum unseren Bürgern, dem Souverän schuldig, wenn wir einem souveränen Staat Österreich in Verantwortung sind. Herr Innenminister, da haben wir vielleicht – oder sogar sicher – unterschiedliche Zugänge, aber Fakt ist: Wir haben da Verantwortung für unseren Staat und können das alles nicht nur beiläufig behandeln, als wäre es das Natürlichste der Welt, dass alle möglichen Leute, wenn es ihnen gerade einfällt, ohne Pässe, aber mit Handys über die Grenze stolpern und sich dann schlussendlich in die soziale Hängematte legen. Das ist ebenso wenig ein Lösungsansatz von eurer Seite. Ihr redet die ganze Zeit davon: Wo sind die Ansätze der Freiheitlichen, wo sind die Initiativen? – Ich habe es vorhin, beim letzten Tagesordnungspunkt, schon gezeigt: Ihr habt dagegengestimmt, unseren Staatsschutz mit entsprechenden finanziellen und budgetären Mitteln auszustatten, um gegen den islamistischen Terrorismus vorgehen zu können. Ihr wart dagegen; gut, das müsst ihr gegenüber den Bürgern rechtfertigen. Jetzt aber auch noch gegen eine Deattraktivierung zu sein, gegen eine entsprechend konsequente Sicherung unserer Grenzen mit strafrechtlichen Konsequenzen für alle, die das für sich ausnutzen – das könnt nicht einmal ihr mehr den Bürgern erklären. (👏 FPÖ) Dementsprechend, werte Damen und Herren Kollegen: Vielleicht gehen Sie noch einmal in sich; vielleicht fordert ihr ja noch eine Sitzungsunterbrechung, um in euren Klubs noch einmal interkoalitionär abzustimmen …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... deinen Kollegen ...! – Abg. Zarits [ÖVP]: ... die Dringliche zurück ...!

FPÖ Gernot Darmann

… ob man nicht vielleicht doch den Anträgen der Freiheitlichen zustimmen sollte, weil das das Einzige wäre, was verantwortungsvoll ist. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Ernst Gödl .

ÖVP Ernst Gödl

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Innenminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen hier im Plenum! Werte Zuhörerinnen und Zuhörer! Ich darf, bevor ich zum Inhaltlichen komme, Gäste begrüßen, und zwar aus der Gemeinde Eberau mit Herrn Bürgermeister Johann Weber an der Spitze – herzlich willkommen im Hohen Haus! ( Allgemeiner Beifall. ) Begrüßt habe ich Sie im Namen von Kollegen Christoph Zarits . Jetzt kommen wir zum Thema, meine geschätzten Damen und Herren. Ich muss zu Ihnen sagen, lieber Herr Kollege Gernot Darmann von den Freiheitlichen: Nach dem, was wir vorhin im letzten Punkt beschlossen haben, muss ich Ihnen wirklich entgegenhalten, dass Sie in der Glaubwürdigkeit als Sicherheitspartei absolut abgedankt haben. Es war nämlich Ihr seinerzeitiger Innenminister und jetzige Parteiobmann Herbert Kickl , der – um noch einmal zum letzten Punkt zurückzukommen – bezüglich der Gefährderüberwachung damals auch gemeint hat, man muss in die Komfortzone der Schwerstkriminellen eindringen. Genau das haben wir mit dem vorigen Beschluss gemacht, und genau da haben Sie dagegengestimmt, so wie Sie erst vor gar nicht langer Zeit auch beim Thema Asyl gegen die gesetzliche Änderung beim Stopp des Familiennachzugs gestimmt haben.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Weil es kein Stopp ist! Das ist ja eine Schmähpartie der Bundesregierung! Eine reine Schmähpartie! – Abg. Lausch [FPÖ]: Warum soll man einem Murks zustimmen?

ÖVP Ernst Gödl

… Sie sind also der Beweis dafür, dass Sie im Bereich der Sicherheitspolitik in Österreich keine Glaubwürdigkeit haben. Wer aber höchste Glaubwürdigkeit hat, ist unser Innenminister. Erst gestern waren wir gemeinsam bei der Eröffnung eines Polizeipostens. Auch Kollege Maier aus Ihrer Fraktion, Kollegin Greiner von der SPÖ und Herr Staatssekretär Leichtfried waren dabei. Wir waren gestern in Feldkirchen bei Graz, das ist mein Heimatbezirk, dort haben wir eine Polizeidienststelle in Betrieb nehmen können – wichtig für die Sicherheit vor Ort. Vor zwei Tagen erst war unser Innenminister an der EU-Außengrenze, an der bulgarisch-türkischen Grenze , und hat sich vor Ort ein Bild vom Außengrenzschutz gemacht. Da bin ich beim nächsten Thema, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Freiheitlichen, bei dem Sie auch dagegen sind: Sie sind gegen den Asyl- und Migrationspakt der Europäischen Union, der so wichtig ist, weil wir für eine moderne und neue Asylpolitik natürlich eine funktionierende europäische Asylpolitik brauchen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wer sich auf die EU verlässt, ist verlassen! Seit zehn Jahren verspricht die EU, die Grenzen zu schützen! Nichts passiert!

ÖVP Ernst Gödl

… Der Herr Innenminister war jetzt an der Außengrenze, um sich davon zu überzeugen, dass an der bulgarisch-türkischen Grenze massive Maßnahmen für den Grenzschutz unternommen werden. Das ist Teil dieses Asyl- und Migrationspaktes. Ein aktiver Grenzschutz und schnelle Verfahren an der Außengrenze sollen installiert werden und es soll eine bessere Kooperation mit dem Drittstaat geben. Das sind internationale Maßnahmen, die wir dringend brauchen, um die illegale Migration europaweit und damit auch Österreich betreffend einzudämmen …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ja, weil sie dann zu regulären Migranten gemacht werden!

ÖVP Ernst Gödl

… aber Sie haben immer dagegengehalten und dagegengestimmt, weil es anscheinend nicht in Ihrem Interesse ist, da gute Lösungen zusammenzubringen. Ich bin wirklich froh, dass einer aus unseren Reihen, nämlich aus Österreich, als Kommissar für die Asylpolitik auf europäischer Ebene zuständig ist, damit auch konkrete Maßnahmen gesetzt werden.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Der Brunner hat ja nicht einmal die Zahlen zusammenzählen können! Wie soll denn der die Asylanten zählen können, die Asylwerber?

ÖVP Ernst Gödl

… Dann zu den nationalen Maßnahmen: Sie haben von Abschiebungen geredet. Ich sage Ihnen etwas, damit die Damen und Herren, die Österreicherinnen und Österreicher, auch einmal wissen, wie das mit den Abschiebungen ist: Jede Woche, meine geschätzten Damen und Herren, stehen Abschiebungen auf der Tagesordnung, 250 Personen müssen Österreich pro Woche verlassen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

In die Slowakei! Die kommen am nächsten Tag wieder! Das ist ja nicht seriös, Herr Kollege!

ÖVP Ernst Gödl

… Etwa die Hälfte davon, sagen wir 120 Personen pro Woche – pro Woche! –, wird zwangsweise in andere Staaten gebracht …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wohin?

ÖVP Ernst Gödl

… zwangsweise in verschiedenste Länder – in Europa, aber auch im Bereich des Asylwesens.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Gratulation!

ÖVP Ernst Gödl

… Das heißt: Natürlich ist unser Staat, ist unsere Polizei im Bereich der Abschiebungen aktiv. Erst vor Kurzem – da war Österreich wirklich das erste Land weit und breit in Europa – haben wir auch eine erste Abschiebung nach Syrien durchführen können. Ja, es ist wichtig: Wir brauchen eine konsequente, klare, faire Asylpolitik, und dazu gehört auch, dass jene, die nicht hierbleiben dürfen, unser Land verlassen müssen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Eine Abschiebung, 2 000 Asylanträge!

ÖVP Ernst Gödl

… Wir haben es mit der aktiven Politik unseres Bundesministers – gemeinsam mit uns hier im Parlament – auch geschafft, im Bereich der Grundversorgung einiges zu verändern. Sie wissen, viele Grundversorgungseinrichtungen des Bundes konnten zuletzt geschlossen werden. Es sind derzeit nur mehr acht in Betrieb, weil die Anzahl der Asylwerberinnen und -werber deutlich zurückgegangen ist. Wir haben in den Grundversorgungseinrichtungen gemeinnützige Arbeit eingeführt, was einige Länder jetzt auch in ihren Einrichtungen einführen. Wir haben die Möglichkeit der Sachleistungskarte im Bereich des Asylwesens eingeführt. Einige Länder werden das jetzt umsetzen, aufbauend auf dem Modell, das wir ermöglichen. Wir setzen das auch in der Steiermark um, mit dem Landesrat, der vorher in Ihren Reihen gesessen ist – Landesrat Amesbauer –, gemeinsam mit der Volkspartei in der Steiermark. Ich will damit nur sagen, dass wir sehr viel erreicht haben, ganz besonders beim Familiennachzug. Da möchte ich vielleicht der Öffentlichkeit noch eine Neuigkeit sagen – es freut mich einerseits, aber es zeigt auch die Doppelbödigkeit, mit der Sie Politik betreiben, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Freiheitlichen –: Hier im Plenum haben Sie gegen die Änderung des Asylgesetzes gestimmt, mit der wir die Grundlage geschaffen haben, dass der Minister eine Verordnung erlassen kann, um den Familiennachzug zu stoppen. In der letzten Sitzung des Hauptausschusses, in der diese Verordnung genehmigt werden muss, haben Sie – Gott sei Dank – dafürgestimmt. Es zeigt aber – weil Sie einfach gesehen haben, dass Sie sich in eine Sackgasse manövriert haben –, dass Ihnen die Leute das nicht glauben …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Öffentliche Ordnung und innere Sicherheit war das Thema!

ÖVP Ernst Gödl

… und dass wir mit effektiven Maßnahmen Asyl und illegale Migration bekämpfen müssen. Sie haben dagegengestimmt, jetzt dafürgestimmt. Es zeigt einfach, dass Sie keine konsequente Linie haben …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Nur Daten, Fakten!

ÖVP Ernst Gödl

… dass Sie einfach keine konsequente Sicherheitspolitik für Österreich gewährleisten. Dafür sind wir da, für eine harte, eine faire Asylpolitik. Dafür steht unser Innenminister, dafür steht diese Bundesregierung und dafür stehen wir in der Bundesregierung! …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

... Tatsachen verdrehen! Fakten!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Leinfellner .

FPÖ Markus Leinfellner

Danke, Frau Präsidentin! Herr Innenminister! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Wenn sich Ernst Gödl hier herausstellt und von einer konsequenten Sicherheitspolitik und einer konsequenten Asyllinie der ÖVP redet …

ÖVP Totter (Zwischenruf)

Dann hat er recht!

FPÖ Markus Leinfellner

… dann müsste ich jetzt eigentlich zu einem einstimmig angenommenen Antrag des Kollegen Darmann reden. Das mache ich aber nicht, denn er ist abgelehnt worden. Kollege Gödl, das geht sich vorne und hinten irgendwie nicht mehr aus.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ihr seids ...!

FPÖ Markus Leinfellner

… Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte Sie nicht mit Zahlen belasten, aber eine Zahl ist dennoch recht interessant, nämlich: 1,8 Millionen nicht österreichische Staatsbürger befinden sich in Österreich, das entspricht rund 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Eine Vielzahl dieser Menschen genießt hier einen All-inclusive-Urlaub ohne Rückflug, und das auf Kosten der fleißigen österreichischen Steuerzahler! Und ja, unsere Österreicher würden sich wünschen, Herr Innenminister, nicht monatelang auf irgendwelche Arzttermine zu warten. Unsere Österreicher würden sich wünschen, dass diese Bundesregierung ihnen das Leben erleichtert; aber stattdessen gibt es Geldgeschenke für Wirtschaftsflüchtlinge aus aller Herren Länder, Gesundheitsrundumversorgung, ganz egal, ob es sich um Zahnersätze handelt, um neue Hüften, um neue Knie und dergleichen, nämlich für Menschen, die nichts in dieses System eingezahlt haben und die niemals etwas in dieses System einzahlen werden. Das würden sich unsere Österreicher wünschen, Herr Innenminister! (👏 FPÖ) Schauen wir uns aber – Kollege Gödl, jetzt kannst du zuhören – unsere freiheitlichen Forderungen in diesem Antrag einmal an, denen ihr nicht zustimmen könnt. Aber die Sicherheit in diesem Land wollt ihr erhöhen. Schauen wir es uns an: Sachleistungen statt Bargeld: Dem kann man nicht zustimmen.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Haben wir schon umgesetzt!

FPÖ Markus Leinfellner

… Das wäre etwas …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das haben wir schon umgesetzt!

FPÖ Markus Leinfellner

… mit dem man den Asylmagneten in Österreich etwas entkräften könnte.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Entschuldigung, du bist aus der Steiermark! Das ist umgesetzt!

FPÖ Markus Leinfellner

… Medizinische Leistungen in der Grundversorgung …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Umgesetzt!

FPÖ Markus Leinfellner

… kein All-inclusive-Paket: Es braucht keine neue Galerie, keine neuen Zähne, keine neuen Hüften. Es braucht eine Geburtshilfe und es braucht eine Grundversorgung, meine sehr geehrten Damen und Herren! Eine Erhöhung des Strafrahmens für rechtswidrige Einreise, weg vom Verwaltungsrecht hin ins Strafrecht : Das braucht es! Dem kann die ÖVP nicht zustimmen. Das ist nämlich genau das, wo uns Kollege Gödl ein X für ein U vormachen will und unseren Österreichern Sand in die Augen streut. (👏 FPÖ) Die Einführung eines Delikts Asylbetrug: Dem kann die ÖVP nicht zustimmen. Ein sofortiger Abbruch von Asylverfahren bei straffälligen Asylwerbern …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ist ja so!

FPÖ Markus Leinfellner

… Das bedeutet Heimreise …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ist ja so! Du bist zu spät da, es ist ja so!

FPÖ Markus Leinfellner

… ab in den Flieger nach Hause.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das ist ja völlige Irreführung!

FPÖ Markus Leinfellner

… Kollege Gödl, schauen wir uns die Zahlen an. Schauen wir uns die Zahlen einmal an! Stopp des Familiennachzuges hast du angesprochen, dem wir nicht zugestimmt haben.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Umfaller seids ihr!

FPÖ Markus Leinfellner

… Na bitte, schafft ein Gesetz …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Umfaller!

FPÖ Markus Leinfellner

… den Familiennachzug zu stoppen …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Umfaller!

FPÖ Markus Leinfellner

… ohne Ausnahmebestimmungen, ohne Quotenregelungen, einen Familiennachzug mit einer Quote von null! Leider gelingt es der ÖVP nicht, das bedeutet, Sie können es nicht oder Sie wollen es nicht. (👏 FPÖ) Eine verpflichtende Altersfeststellung bei minderjährigen Migranten: Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben 14-Jährige mit so einem Bart ( mit den Händen vor dem Gesicht einen Bart andeutend ) und Turban in Österreich. Na, stellen wir einmal fest, dass sie 22, 23, 24 Jahre alt sind. Auch das ist Asylbetrug, und es bedeutet: ab nach Hause! – Das will die ÖVP nicht. (👏 FPÖ) Und, meine sehr geehrten Damen und Herren – und da komme ich auch schon zum Schluss –: keine Staatsbürgerschaft für Asylanten! Asyl bedeutet Schutz auf Zeit – auch das will die ÖVP nicht. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Innenminister, damit können Sie unseren Österreichern Ihre harte Asyllinie wohl nicht mehr verkaufen. Mit der Ablehnung unserer Anträge hat sich wieder einmal gezeigt, wie die ÖVP zu dieser Asylindustrie steht. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christian Oxonitsch .

SPÖ Christian Oxonitsch

Danke sehr, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass die Politik der FPÖ nicht wahnsinnig konsistent ist, ist ja schon beim vorigen Tagesordnungspunkt, bei dem es um die Gefährderüberwachung gegangen ist, sehr eindrucksvoll bewiesen worden. Aber eigentlich ist es schon ziemlich unverfroren, meine sehr verehrten Damen und Herren, uns in so einem unmittelbaren Zusammenhang zuerst lange Vorträge über Grundrechte, über alles Mögliche zu halten, wenn es um die Gefährderüberwachung geht, und gleichzeitig hier zwei Anträge vorzulegen, die bar jeglicher Rechtsstaatlichkeit, bar jeglicher Grundrechte, bar jeglicher internationaler Vereinbarungen sind. (👏 SPÖ) Wir wissen alle, es sind fünf Parteien hier im Hause vertreten, die unterschiedlichste Ansätze in Fragen der Migration, des Umgangs mit Flüchtlingen, des Umgangs mit Zuwanderung insgesamt haben. Ja, das ist so. Wenn aber vier Parteien gemeinsam im Ausschuss diese beiden Anträge ablehnen, dann zeigt das auch sehr deutlich, dass da tatsächlich etwas vorgelegt wurde, bei dem es nicht darum geht, eine konstruktive Lösung für einen sensiblen Bereich zu finden, sondern bei dem es darum geht, vielleicht zwei, drei kurze Clips für FPÖ-TV zu produzieren, aber nicht um eine sachlich-inhaltliche Lösung, meine sehr verehrten Damen und Herren! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das sieht man auch, wenn man sich die Anträge anschaut. Ich nehme jetzt nur eines der Highlights heraus, eine der Maßnahmen: Es soll im laufenden Asylverfahren der Asylstatus entzogen werden. Also was jetzt? Das ist ja ein wunderschönes Beispiel dafür, dass man sich nicht einmal ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzt , unabhängig davon, wie man einer Maßnahme in der Frage überhaupt entgegentreten will.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Dass das du nicht verstehst als Wiener, das ist uns ja ganz klar!

SPÖ Christian Oxonitsch

… Aber ernsthaft ist es natürlich nicht, denn entweder ist man im Verfahren oder man hat einen Asylstatus. Also man sieht, dass da nicht wirklich inhaltlich gearbeitet wird. Aber ich glaube, es ist auch ganz wichtig und wesentlich - - …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Dass das ein Wiener Sozialdemokrat nicht versteht, war uns eh klar!

SPÖ Christian Oxonitsch

… Sie können sich dann melden; geht ganz einfach. Wirklich, es gibt ein einfaches Prozedere dafür. Aber man kann sich ja anschauen – und den Lackmustest hat es ja durchaus gegeben –: Was hat denn in diesen Bereichen, die hier von der FPÖ angesprochen werden, Innenminister Kickl damals zusammengebracht? – Null und nichts! Wir wissen: Es ist der gesamte Sicherheitsapparat zerstört worden, es ist im Bereich der Sicherheit der Verfassungsschutz demoliert worden, wir sind international isoliert worden. Das heißt, all das, was man eigentlich für eine sinnvolle Asyl- und Migrationspolitik in Europa braucht und auch in der Gefährderabwehr vielleicht brauchen würde – nämlich Zusammenarbeit, Kooperation –, war ja das, was letztendlich von Innenminister Kickl damals ganz klar in den Sand gesetzt wurde. Es haben auch die Zahlen belegt, dass es keine erfolgreiche Politik war. Weder im Bereich Abschiebungen noch auf der diplomatischen Ebene ist ein einziges neues Abkommen zustande gebracht worden. Also da zeigt sich ja, dass es darum geht, hier ein Best of Böse zu formulieren, ohne wirklich an einer Leistung oder an einer Lösung zu arbeiten. Ja, Asylpolitik braucht immer sinnvolle Lösungen, gar keine Frage. Diese beiden Anträge sind es nicht, und daher wurden sie auch zu Recht im Ausschuss von allen vier anderen Parteien abgelehnt. – Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Susanne Fürst .

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Die ÖVP spricht ja stets von einer harten und konsequenten Asylpolitik, die jetzt hier Platz greifen würde – ja, wenn es denn nur so wäre! Ich sage nur ein Stichwort: Abschiebung eines einzigen Syrers, der bereits mehrfach straffällig gewesen ist, in sein Heimatland – von über 100 000 Syrern, die hier sind. Den soll man auf jeden Fall abschieben – aber noch viel, viel mehr. Im Flugzeug wäre doch zumindest noch Platz gewesen für ein paar mehr! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... noch niemand zurückgeschoben!

FPÖ Susanne Fürst

… Also weitermachen, viel mehr abschieben, sonst ist das nur Showpolitik! Eine Zahl sage ich noch: Zwischen 2022 und 2024, einem Zeitraum von drei Jahren, sind über 200 000 nach Österreich gekommen, haben Asylanträge gestellt. Wer stellte den Innenminister? Ich glaube, wir wissen es alle. Der Stopp des Familiennachzugs war die nächste Showmaßnahme. Völlig richtig, es muss gemacht werden – aber richtig. Wenn man es nicht mit Grenzkontrollen kombiniert, ist es nichts wert, denn dann kommen die Menschen hierher, berufen sich eben nicht auf den Familiennachzug, sondern sagen einfach: Asyl!, und kommen so. Das heißt, wenn man diese Menschen nicht an der Grenze zurückweist, ändert das an der echten Zahl gar nichts. Daher komme ich zu dem von der FPÖ im Ausschuss gestellten Antrag – der von allen anderen Parteien, auch von der ÖVP, abgelehnt wurde –, in dem wir fordern, dass der illegale Grenzübertritt endlich, endlich strafbar wird. Wer unter Übergehung der geltenden Einreisebestimmungen nach Österreich kommt, macht sich strafbar und kann hier sicher keinen Asylantrag stellen. Solange das nicht eingeführt wird, kriegen wir die Sache nicht in den Griff! (👏 FPÖ) Man muss im Herkunftsland auf die Bestätigung aus dem Konsulat, aus der Botschaft warten und darf sicher nicht über mehrere sichere Länder hierherkommen und dann in der EU oder in Österreich einen Asylantrag stellen und dableiben. Wie das geht, wurde gerade EU-Kommissar Magnus Brunner – das ist der, der für unser Desasterbudget verantwortlich ist, jetzt für die Asylpolitik in der EU-Kommission – in einem sozusagen Best-Practice-Modell vorgeführt: Er fliegt mit einer großen Delegation in allen Ehren nach Libyen, landet am Flughafen von Bengasi. Er möchte sich dort ein Bild machen und Gespräche über die illegale Migration führen. Nun, über den Flughafen kommt er nicht hinaus. Es heißt, er habe das Land mitsamt seiner Delegation umgehend wieder zu verlassen, denn er habe die nationale Souveränität Libyens missachtet und brauche vor der Einreise eine Genehmigung. Auf die solle er warten, dann kann er wiederkommen. Das sagt vieles aus: So schützt man seine Grenzen. Es sagt viel aus über die Stellung, den Stellenwert der EU-Kommission in Libyen, das beachtliche Gelder bekommt, es sagt viel aus über den EU-Migrationspakt, im Zuge dessen ja mit Ländern wie Libyen angeblich zusammengearbeitet wird. Sagen Sie daher Ihrem Parteikollegen Markus Brunner ( Ruf bei der ÖVP: Magnus! ), er soll nicht nach Libyen fliegen und uns dort lächerlich machen, sich dort irgendein Bild machen, sondern er soll – er ist EU-Kommissar, zuständig für Asyl und Migration – endlich einmal den Fährverkehr zwischen Libyen und Griechenland über Kreta oder Italien über Sizilien, abstellen, denn der geht munter weiter – jeden Tag! (👏 FPÖ) Darum soll er sich kümmern, dann wird er vielleicht auch von Libyen als Gesprächspartner wieder ernst genommen. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich darf zuallererst auf Einladung von Karin Doppelbauer und Markus Hofer eine Gruppe der Unos und NEOS Oberösterreich begrüßen – herzlich willkommen hier im Hohen Haus! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) – und mich dann dem Antrag widmen, was in dieser Debatte herzlich wenige Menschen tun. Frau Abgeordnete Fürst hat gerade über Magnus Brunner gesprochen. Im Antrag findet der keine Erwähnung, denn der Antrag, der hat außer einer Überschrift, die populistisch ist, auf Tiktok gut ziehen wird, inhaltlich wenig zu bieten. Es ist nämlich völlig klar – und da geht langsam auch der FPÖ die Fantasie aus –, dass diese Regierung im Bereich der Migration Ordnung und Kontrolle will und auch schafft, dass wir dafür gerade arbeiten. Taten statt Worte: mit dem Stopp des Familiennachzugs, der bereits erfolgt ist, mit dem Integrationsprogramm für Asylberechtigte und auch mit vermehrten Rückführungen. Ja, Sie können jetzt sagen, es ist nur eine einzige nach Syrien, aber faktisch ist das eine Trendwende, weil uns einfach klar ist: Wer keinen legalen Aufenthalt in Österreich hat, der kann auch nicht hierbleiben, der muss rückgeführt werden, für die Person selbst mangels Perspektiven, aber auch für das Land und die Sicherheit insgesamt. Zu Ihrem Antrag: Da sind ja ganz viele Punkte drinnen, ein Sammelsurium, von denen aber der Großteil umgesetzt ist. Was fordern Sie? – Sachleistungen statt Bargeld. Das gibt es vom Bund, eine Bargeldkarte, eine Bezahlkarte. Wissen Sie, wer diese Karte verwendet? – Die Steiermark. Ihr Landeshauptmann Kunasek, der verwendet genau diese Karte. Vielleicht sollten Sie sich einmal intern austauschen, denn was die Bundesregierung faktisch tut, ist, zu arbeiten. Was Sie tun, ist skandieren. Sie fordern den Stopp des Familiennachzugs für Unmündige. – Sie wissen genau, der Familiennachzug ist gestoppt, aber eben im Einklang mit Artikel 8 EMRK, und Sie wissen auch, dass Kinder und Unmündige einen erhöhten Schutz haben. Sie fordern verpflichtende Altersfeststellungen, aber Fakt ist: Diese Altersfeststellungen werden bereits durchgeführt. Das ist vor allem eine Budgetfrage, und da haben wir mehr Mittel committet. Es geht uns nicht darum, dass es eine Altersfeststellung bei jeder Person geben soll. Nein, die braucht es dann, wenn es Verdachtsmomente gibt. Und – und das ist das, wo unsere Bundesregierung ein anderes Verständnis hat als Sie – Sie wollen einen Straftatbestand für illegale Einreise, das ins Strafgesetzbuch schreiben. Ganz abgesehen davon, dass, wenn Falschangaben im Asylverfahren gemacht werden, das bereits längst im Verwaltungsstrafrecht ist, im FPG, ist das nicht das Verständnis dieser Bundesregierung. Uns geht es nicht darum, Leute, die nach Österreich kommen und hier keinen Aufenthaltstitel haben, noch einmal zu strafen, uns geht es nicht darum, sie vor die Gerichte zu zerren, uns geht es nicht darum, sie hier in Haft zu bringen. Uns geht es darum, dass diese Leute nicht in Österreich bleiben, dass wir diese Leute rückführen und wir auf der anderen Seite für all jene, die einen gültigen Titel haben und hierbleiben werden, Perspektiven schaffen – denn was wir wollen, ist Integration in den Arbeitsmarkt, nicht in unsere Sozialsysteme. – Danke.

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Genau!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Alexander Petschnig .

FPÖ Alexander Petschnig

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die gegenständlichen Themen illegale Wirtschaftsmigration und Scheinasylantentum, meist zur Generierung von Aufenthaltsgründen vorgebracht, verursachen Österreich extreme Kosten. Wenn ich zum Beispiel auszugsweise aus einer Qualitätszeitung zitieren darf, was uns das in zehn Jahren – wir feiern ja zehn Jahre: Wir schaffen das!, unter Beihilfe etlicher hier herinnen – gekostet hat: Das wären 5,8 Milliarden Euro für die Grundversorgung, 4,42 Milliarden Euro für zusätzliche Bildungsausgaben, die jetzt noch weiter nach oben geschraubt werden, 3,49 Milliarden Euro für zusätzliche Gesundheitsausgaben, 3 Milliarden Euro für Mindestsicherung und Sozialhilfe, 2,54 Milliarden Euro für Arbeitsmarktmaßnahmen für die Betroffenen und 1,49 Milliarden Euro für zusätzliche Familienleistungen – in Summe knapp 21 Milliarden Euro, die uns dieses Thema gekostet hat. Damit ist Österreich eines der Länder mit der höchsten Ausgabenquote für illegale Migration, und dass das ein entsprechender Pullfaktor ist, der sich natürlich weltweit über Smartphones et cetera herumspricht, das ist, glaube ich, keine Raketenwissenschaft, sondern das darf man als erwiesen annehmen. Es geht aber auch anders – auch innerhalb der Europäischen Union, weil da immer rechtliche Bedenken vorgebracht werden. Ich darf Ihnen da aus zwei Ländern etwas vorstellen. Das sind nicht die üblichen Verdächtigen Polen und Ungarn, diese Beispiele kennen wir, sondern zwei andere. Einerseits Schweden: Da hat es mit einer Mitte-rechts-Regierung – nennen wir es einmal so – einen drastischen Kurswechsel der Willkommenskultur in diesem Land gegeben: Sozialleistungen für Asylwerber wurden drastisch gekürzt, Rückkehrprämien erhöht, die Attraktivität des Landes – unser heutiges Thema, unser Antrag – für Asylsuchende massiv eingeschränkt, Aufenthalts- und Asylrecht auf das absolute Mindestniveau reduziert, und die Folge ist: Schweden hat seit knapp 20 Jahren die niedrigsten Flüchtlingszahlen. Medien berichten darüber, Zitat: „Asylwerber verlassen Schweden [...] in Scharen“. Also die braucht man nicht einmal abzuschieben, wenn man das entsprechend konsequent umsetzt. (👏 FPÖ) Ein anderes Beispiel: Dänemark, dort gibt es eine anders zusammengesetzte Regierung, nämlich sozialdemokratisch und liberal. Was macht Dänemark? – Wertgegenstände ab ungefähr 1 300 Euro werden beschlagnahmt, Geldleistungen konsequent in Sachleistungen umgewandelt, Asylwerber dürfen nur noch in Asylzentren aufhältig sein, Verlust des Asylstatus bei Einreise ins Herkunftsland – also diese berühmten Heimaturlaube –, abgelehnte Asylwerber werden in Ausreisezentren kontrolliert untergebracht. Sie haben ja heute schon oft Innenminister Kickl zitiert, da war er tatsächlich seiner Zeit um Jahre voraus – unter viel innenpolitischem Geschrei wohlgemerkt. Die Dänen zeigen, dass es sehr wohl geht, auch Abschiebungen nach Afghanistan. Der Sukkus – wieder ein Zitat –: „Du bist“ hier „unerwünscht. Akzeptiere, dass Du in diesem Land keine Zukunft hast.“ – Das kommt nicht von den bösen Freiheitlichen, sondern vom dänischen Integrationsminister, der der Sozialdemokratie angehört. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die genannten Beispiele beweisen: Es ist möglich. Es ist möglich, illegale Wirtschaftsmigration und Scheinasylantentum abzustellen, sofern der politische Mumm vorhanden ist. Daraus folgt wieder im Umkehrschluss: In Österreich ist der politische Wille einfach nicht da, entgegen aller Versprechungen in diversen Wahlkämpfen – ich blicke da bestimmt in Richtung ÖVP, wo die Politik nicht hart und konsequent, sondern eher windelweich ist.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Man muss nur wollen! – Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ].

FPÖ Alexander Petschnig

… Daher leidet die Bevölkerung gesellschaftlich, sicherheitspolitisch – haben wir bereits gesagt –, aber auch wirtschaftlich massiv unter den Phänomenen der illegalen Wirtschaftsmigration und des Scheinasylwesens. Wir haben etliche Vorschläge unterbreitet, gerade heute liegen wieder zwei auf dem Tisch. Ihr traut euch nicht drüber. Von dieser Bundesregierung ist im Sinne einer Lösung nicht allzu viel zu erwarten. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer .

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Was wir jetzt hier in der Debatte gehört haben, war, wie ein Redner versuchte, sich mit dem anderen darin zu übertrumpfen, wie grauslich man zu Menschen sein kann, die vor Verfolgung und Vertreibung geflohen sind. Was ich noch nicht gehört habe, ist, wie Österreich Geas umsetzen wird, das Gemeinsame Europäische Asylsystem. Es gibt noch keinen Vorschlag, wie man da arbeitet, obwohl das ein System ist, das Österreich sicher entlasten würde. Österreich hat eine große Last getragen und trägt bisher eine große Last, und genau dieses System würde zu einer Entlastung führen. Wir setzen es nur einfach nicht um! Stattdessen übertrumpfen wir uns darin, wie man zu Menschen grauslich sein kann. – Danke. Ich gebe Ihnen aber jetzt eine Chance, etwas Gutes zu tun. Ich gebe Ihnen eine Chance, einen Fehler gutzumachen. Per 30. Juni ist die Verordnung ausgelaufen, mit der Vertriebene aus der Ukraine in die Krankenversicherung aufgenommen worden waren, und zwar für alle, für ausnahmslos alle Menschen, unabhängig davon, ob sie aus irgendeinem anderen Grund eine Krankenversicherung haben können. Und das ist das große Problem: Sie haben nicht an Menschen gedacht, die durch alle auch noch so eng geknüpften Netze durchrutschen. Sie haben keine Auffangregelung für Menschen, die nirgends anders unterkommen. Das ist ein großer Fehler, denn das bedeutet, dass es in Österreich Menschen gibt, die keinen Krankenversicherungsschutz haben. Sie haben das sehenden Auges getan und Sie wissen das, denn auch Sie bekommen Informationen und Schreiben von Menschen, denen dieser Versicherungsschutz fehlt; Schreiben wie dieses von einer Mutter, die zwei Kinder hat, die an einer schweren Form von Autismus leiden, einer alleinerziehenden Mutter, die 2022 mit diesen zwei minderjährigen Kindern nach Österreich gekommen ist. Beide Kinder leiden wie gesagt an einer schweren Form von Autismus, und die Familie war bis März 2025 auch in Grundversorgung, aber dann ist etwas passiert, was die Mutter dazu veranlasst hat, kurz in ihre Heimat zurückzukehren. Danach hat das BFA, das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, eine Neuprüfung ihres Grundversorgungsanspruches gemacht und ist auf etwas draufgekommen, was auch die ganze Zeit vorher schon bestanden hat: dass diese Mutter für die beiden schwer an Autismus erkrankten Kinder Pflegegeld der Stufe 5 und 6 bekommt – alleine daraus lässt sich ableiten, dass es diesen beiden Kindern sehr schlecht geht und dass ein sehr hoher Pflegebedarf für diese Kinder besteht. Sie ist deshalb – auch das ist ein prinzipieller Fehler im System – aus der Grundversorgung geflogen, weil das BFA sagt, sie ist nicht mehr hilfsbedürftig, weil sie Pflegegeld für ihre beiden Kinder bekommt, die dieses Pflegegeld aber brauchen, um ihre Krankheit behandeln lassen zu können – das Pflegegeld bekommt man, weil man Pflegeleistungen braucht. Sie kann kaum arbeiten, weil sie diese Pflegeleistungen zu erbringen hat, das heißt, sie hat keine Chance, in ein Arbeitsverhältnis zu kommen. Sie ist nicht vom AMS vermittelbar und hat somit keine Chance, in eine Krankenversicherung zu kommen, und somit auch ihre beiden minderjährigen, pflegebedürftigen, schwer kranken Kinder nicht. Sie haben in Ihrer Regelung nichts, aber auch gar nichts vorgesehen, um Menschen wie diesen zu helfen, die vor Krieg, vor Bomben, vor Tod zu uns her geflohen sind, um bei uns Schutz zu suchen. Das ist erbärmlich und das ist Österreichs nicht würdig, meine Damen und Herren Kolleginnen und Kollegen! Das dürfen wir nicht zulassen! (👏) Ich stelle daher einen Antrag, und Sie haben die Möglichkeit, diesem Antrag zuzustimmen. Sie haben auch noch eine weitere Möglichkeit, ich sage Ihnen, Sie haben auch morgen noch eine Möglichkeit. Wenn Sie meinem Antrag nicht zustimmen möchten, wenn Sie sagen, Sie stimmen dem Antrag, den die Grünen hier eingebracht haben, nicht zu, das wollen Sie nicht, Sie können es besser, Sie können es selbst machen, dann machen Sie es! Morgen wird über das ASVG abgestimmt, morgen ist das ASVG, wie man so schön sagt, offen. Setzen Sie sich zusammen, finden Sie eine Lösung! Unsere Zustimmung und Unterstützung haben Sie. Sie müssen nicht meinem Antrag zustimmen, aber Sie haben die Möglichkeit, da etwas Gutes zu tun. Bitte tun Sie es! Der Antrag lautet: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Auslaufen der Krankenversicherung für ukrainische Kriegsvertriebene am 12. Juli“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz wird aufgefordert, dem Hauptausschuss des Nationalrates eine Verordnung nach § 9 ASVG vorzulegen, die aus der Ukraine geflüchteten Personen wieder einen schnellen, unkomplizierten und vor allem lückenlosen Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglicht, zumindest aber Härtefälle abfedert.“ Vielen Dank. (👏) 14.55 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/73.1 Auslaufen der Krankenversicherung für ukrainische Kriegsvertriebene am 12. Juli (96/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ausreichend unterstützt, ordnungsgemäß eingebracht, steht daher auch mit in Verhandlung. Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Michael Schilchegger .

FPÖ Michael Schilchegger

Danke, Frau Präsidentin, werte Damen und Herren! Es ist mir natürlich nicht möglich, hier in 3 Minuten alle Aspekte der freiheitlichen Sicherheits- und Fremdenrechtspolitik vorzustellen, wie das angesichts der bisherigen Debatte auch notwendig wäre. Aber ein Wort zu Kollegen Gödl, weil er uns ja vorgeworfen hat, wir wären unglaubwürdig gewesen …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Nicht gewesen! Ihr seid es!

FPÖ Michael Schilchegger

… weil wir zunächst einmal den Vorschlag der ÖVP betreffend diesen sogenannten Stopp des Familiennachzugs in Gesetzesform in der Plenardebatte sozusagen abgelehnt haben, nicht zugestimmt haben. Auf der anderen Seite, sagt er, hätten wir im Hauptausschuss, was richtig ist, der Verordnung, die diesen „Familiennachzugsstopp“ – unter Anführungszeichen – anordnet, dann auf einmal zugestimmt. Das ist aber ganz logisch, Herr Kollege Gödl: Wir haben dem Gesetzespaket deshalb nicht zugestimmt, weil es aus mehreren Gründen eine Mogelpackung ist, weil es ein Provisorium ist, weil es von diesem Prinzip des Stopps des Familiennachzugs zahlreiche Ausnahmen gibt und weil es eine riesige Bürokratie dazu schafft, nämlich wiederum am Bundesverwaltungsgericht, das dann entsprechend komplizierteste Abwägungsmaßnahmen vorsehen muss – und man damit die Systeme, die ohnehin schon belastet sind, nämlich das Asyl- und Fremdenrechtssystem in der Bürokratie, noch weiter belastet. Wenn man aber dann sagt, man hat diese gesetzliche Maßnahme, um den Zustrom zumindest etwas zu stoppen, dann müssen wir natürlich, auch wenn wir mit dem Gesetzesmurks nicht einverstanden sind, um diese Rechtslage zumindest etwas zu verbessern, in die richtige Richtung zu lenken, der konkreten Verordnung zustimmen. Ich glaube also, wir sind da sehr differenziert und korrekt unterwegs.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Die Verordnung gäbe es nicht ohne das Gesetz, das muss man ...! – Zwischenruf des Abg. Petschnig [FPÖ].

FPÖ Michael Schilchegger

… Das müssen wir dann später einmal diskutieren, Herr Kollege Gödl – nur ein bisschen als erste Erklärung, warum wir da so abgestimmt haben. Ich möchte aber noch auf einen weiteren Punkt eingehen, nämlich noch zur vorherigen Debatte, weil man wieder ganz schön sieht: ÖVP-Konzept – FPÖ-Konzept. ÖVP-Konzept: Messengerüberwachung für 30 Gefährder, Kosten: 18 Millionen Euro pro Jahr. Das bedeutet 600 000 Euro für einen einzigen Gefährder. Der Effekt ist: Der Gefährder wird etwas weiter beobachtet, er wird künftig etwas genauer beobachtet, aber er bleibt im Land. Unser Konzept: ein Verbotsgesetz gegen den politischen Islam, das uns ermöglicht, genau solche Gefährder künftig direkt zu erfassen und mit den Mitteln der Strafprozessordnung auch entsprechend zu behandeln. Die Kosten für eine Abschiebung: ungefähr 10 000 Euro, und das für einen einzigen Gefährder, das heißt ein Bruchteil dieser Kosten, ein Sechzigstel davon. Und wenn wir schon beim Stopp des Familiennachzugs sind, der ja in Wahrheit kein Stopp ist, sondern ein, so habe ich es damals genannt, provisorisches Baustellenhütchen – das ist es auch –: Unser Konzept – auch wieder einer von vielen konkreten Gesetzesanträgen, die ich im Innenausschuss gestellt habe, Herr Kollege, Sie wissen es – wäre zum Beispiel der Asylstopp gewesen; und zwar bedeutet das, dass einfach keine neuen Asylanträge mehr angenommen werden, weil Österreich für diese ja gar nicht zuständig ist, mit einem ähnlichen Argumentarium, wie es ja die ÖVP für den „Stopp“ – unter Anführungszeichen – des Familiennachzugs vorgesehen hat, nämlich dass wir unsere Systeme überlastet haben, dass zu viele Menschen hier bereits unseren Wohnungsmarkt überlasten, die Sicherheitsthematik überlasten, und wir daher sagen: Okay, es reicht, Dublin ist wieder einzuhalten und wir nehmen keine neuen Asylanträge mehr an! Und was haben Sie mit dem Antrag gemacht? – Sie haben eigentlich inhaltlich dazu wenig bis gar nicht diskutiert, Sie haben ihn einfach wieder einmal vertagt. Das ist einer von drei konkreten Gesetzesanträgen, die wir im ersten Halbjahr in Ausschüssen eingebracht haben, die Sie vertagen und die wir leider derzeit nicht diskutieren können. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Ich hoffe, Sie besinnen sich noch eines Besseren, denn die freiheitliche Sicherheitspolitik ist keine Showpolitik, so wie Sie das betreiben, sondern sie würde wirklich zu Verbesserungen führen. – Herzlichen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Herr Abgeordneter Minnich, Sie haben 4 Minuten eingemeldete Redezeit. Es sind nur mehr wenige Sekunden bis zum Aufruf der Dringlichen Anfrage um 15 Uhr. Wollen Sie die 1 Minute noch sprechen? (Abg. Minnich [ÖVP] verneint.) – Bitte. Dann darf ich jetzt ganz kurz die Sitzung unterbrechen, um allen die Möglichkeit zu geben, pünktlich zur Dringlichen Anfrage herinnen zu sein. Sitzungsunterbrechung, 35. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:59

FPÖ Gerhard Kaniak

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Geschätzte Zuhörerinnen und Zuhörer! Die Freiheitliche Partei hat sich zu diesem Dringlichen Antrag veranlasst gesehen, weil unsere Bundesregierung unter Ausschluss jeglicher öffentlicher und parlamentarischer Debatten gerade dabei ist, weitgehende völkerrechtliche Verpflichtungen für den Staat Österreich und seine Bevölkerung einzugehen, nämlich in Form der neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften. Für diese neuen Vorschriften, die letztes Jahr auf der Weltgesundheitsversammlung beschlossen worden sind, läuft die Einspruchsfrist der Bundesregierung mit 19. Juli, also in wenigen Tagen, aus. Wenn bis dahin von Österreich kein Widerspruch gegen diese neuen Vorschriften ausgesprochen wird, dann werden sie auch für Österreich und seine Bevölkerung gültig werden. Was sind diese Internationalen Gesundheitsvorschriften denn überhaupt? – In der bisherigen Form, 2005 beschlossen, sind sie im Endeffekt das zentrale völkerrechtlich bindende Instrument zur internationalen Kooperation in der Bekämpfung von Gesundheitskrisen. Der Zweck ist ja ein durchaus hehrer, wenn man sich die Definitionen durchliest. Der Zweck ist eben die Verhinderung einer „grenzüberschreitenden Ausbreitung von Krankheiten“ – das ist gut. Auch der Einschränkung, dass das „auf eine Art und Weise“ erfolgen soll, „die den Gefahren für die öffentliche Gesundheit entspricht und auf diese beschränkt ist“, kann man überhaupt nichts entgegensetzen. Das tragen wir selbstverständlich auch mit. Aber – und jetzt kommt das große Aber –: Diese neue Novelle, die letztes Jahr beschlossen worden ist, diese Änderungen gehen weit über diesen definierten Zweck hinaus. Sie erweitern den Anwendungsbereich dieser Gesundheitsvorschriften, und sie führen zu einer Kompetenzausweitung der WHO und vor allem auch des Generaldirektors der WHO, die aus unserer Sicht vollkommen inakzeptabel ist. (👏 FPÖ) Wie ist es denn überhaupt zu dieser Neuauflage der Gesundheitsvorschriften gekommen? – Offensichtlicher Anlass war sicherlich die Coronapandemie, wobei es 2022 einen Prüfungsausschuss innerhalb der WHO gegeben hat, der das Vorgehen während der Coronapandemie überprüft hat und der festgestellt hat, dass es eigentlich gar nicht an den Regularien, an der Definition der Gesundheitsvorschriften gescheitert ist, sondern dass diese schlicht und ergreifend sowohl auf Ebene der WHO als auch auf Ebene der Mitgliedstaaten nicht ordentlich umgesetzt worden sind. Das heißt, der eigene Prüfungsausschuss der WHO hat gesagt: Wir haben gar keinen Änderungsbedarf bei den Vorschriften an sich. Trotzdem wurde 2022 ein gesamter Änderungsprozess eingeleitet, und es wurden 2022 auch schon erste Beschlüsse gefasst, die von der Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt gewesen sein dürften. Es wurden nämlich Fristen verkürzt, und zwar wurde die Einspruchsfrist – genau das, worum es auch heute geht, dass diese Einspruchsfrist eben ausläuft – von 18 auf zehn Monate verkürzt, und es wurde noch eine zweite Frist verkürzt, nämlich die Frist vom Beschluss der Vorschriften bis zum Inkrafttreten der Vorschriften von zwei Jahren auf ein Jahr. Jetzt könnte man sich natürlich die Frage stellen: Wieso müssen denn diese Fristen so verkürzt werden? Warum kann das nicht so wie in der Vergangenheit belassen werden? Vor allem: Warum hat man sich für die Ausarbeitung dieser neuen Vorschriften nicht entsprechend Zeit gelassen? Es ist ja so gewesen: Die letzte große Novelle 2005 hat einen Vorbereitungszeitraum von zehn Jahren gehabt. Zehn Jahre lang ist unter den Mitgliedstaaten verhandelt worden, ist an den Formulierungen und an den Konsequenzen der Regelungen getüftelt worden, bis diese beschlossen worden sind. Jetzt hat das Ganze innerhalb von nur zwei Jahren stattgefunden – unter massivem Druck, dass das ganz schnell gehen muss. Die Verhandlungen haben auch hinter verschlossenen Türen stattgefunden.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das stimmt nicht! Alle Protokolle waren frei zugänglich!

FPÖ Gerhard Kaniak

… Es hat im Endeffekt ein Sammelsurium der eingebrachten Anträge gegeben und nur einen einzigen Zwischenbericht – in Englisch; der war nicht einmal in einer entsprechenden amtlichen Übersetzung verfügbar. Dann wurde letztes Jahr auf der 77. Weltgesundheitsversammlung am letzten Verhandlungstag unter massivem Druck hinter verschlossenen Türen ein Kompromiss beschlossen, der eigentlich in dieser Form gar nicht hätte beschlossen werden dürfen – denn grundsätzlich schreibt sich die WHO selber vor, dass Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften ausformuliert den Mitgliedstaaten vier Monate lang zur Begutachtung vorgelegt werden müssen und erst dann eine Beschlussfassung eingeleitet werden darf. Also auch dieser Formalfehler ist passiert, ist aktenkundig. Über den ist man einfach hinweggegangen. Wir haben auch an Frau Ministerin Schumann eine parlamentarische Anfrage gestellt, ob sie davon Kenntnis hat und auch was sie in Anbetracht dieses Formalfehlers zu tun gedenkt. Sie hat gesagt, sie weiß das nicht einmal, dass da irgendwelche Fehler passiert sind oder dass da ein anderes Prozedere vertraglich vorgesehen gewesen ist. Das wäre aber natürlich auch gleich ein wunderbarer Anknüpfungspunkt, wie man auch jetzt noch einen Einspruch gegen das Inkrafttreten dieser Vorschriften erheben könnte. Wer hat denn jetzt eigentlich ein Interesse daran gehabt, dass das alles so schnell und so zwingend jetzt gleich und innerhalb von nur zwei Jahren beschlossen werden muss und dann auch noch mit verkürzten Fristen in Kraft tritt? – Vielleicht sollte man sich in diesem Zusammenhang auch einmal die Finanzierungsstrukturen der WHO anschauen. Es ist schon bezeichnend, dass gerade einmal 16 Prozent des Budgets von 2024 durch Pflichtbeiträge der Mitglieder finanziert worden sind und ein viel, viel größerer Teil, nämlich 77 Prozent, durch freiwillige Spenden finanziert worden ist. Diese Spenden haben eine Besonderheit: Ganze 71 Prozent von diesen freiwilligen Spenden waren sogenannte zweckgebundene Spenden. Das heißt, der, der bezahlt hat …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

... Skandal!

FPÖ Gerhard Kaniak

… bestimmt im Vorfeld, was mit dem Geld passiert. Jetzt könnte man sagen – ja, ich habe es schon gehört –: Skandal! – Ja, es ist tatsächlich ein Skandal, wenn eine internationale Organisation im Endeffekt zum Auftragsgehilfen für internationale privatwirtschaftliche Sponsoren wird und nicht die Interessen der Mitgliedstaaten vertritt. Das Ganze wird ja noch viel dramatischer. Da die USA mittlerweile als größter Beitragszahler ihren Austritt bekannt gegeben und beschlossen haben, wird der größte staatliche Beitragszahler wegfallen, und andere Institutionen wie zum Beispiel die Gates Foundation, die bereits 2024 16 Prozent des Gesamtbudgets gestellt hat, werden einen noch größeren Einfluss haben. Natürlich, wer soll denn einem so großen Geldgeber verwehren, dass seine Experten in die entsprechenden Gremien und Ausschüsse geschickt werden, beziehungsweise wer kann sicherstellen …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wer kann sich ... leisten?

FPÖ Gerhard Kaniak

… dass so große Sponsoren nicht auch einen Einfluss auf die Ernennung eines Generaldirektors haben? Das bringt mich gleich weiter zur Person des Generaldirektors. Wir haben hier die Situation, dass einer einzelnen Person in einem internationalen Gremium, in der Weltgesundheitsorganisation, eine unglaubliche Machtfülle übertragen wird, für die es aber gleichzeitig keine unabhängigen Kontrolleinheiten, keine unabhängigen Gerichte gibt, wo man Fehlentscheidungen oder auch Machtmissbrauch entsprechend anfechten könnte oder die Entscheidungen auch wieder aufheben könnte. Wesentlich ist, dass es zwar beratende Gremien gibt, deren Mitglieder der Generaldirektor teilweise sogar selber nominieren kann, aber kein einziges sanktionierendes oder tatsächlich kontrollierendes Gremium. Die Befugnisse, die er mit dieser neuen Änderung der Internationalen Gesundheitsvorschriften bekommt, sind vor allem die, dass er im Endeffekt ad personam alleine die letzte Entscheidungshoheit darüber hat, ob eine internationale Gesundheitsnotlage, eine pandemische Notlage ausgerufen wird oder nicht. Jetzt könnte man sagen: Was hat denn das für eine Relevanz? Was ist denn das überhaupt, so ein internationaler Gesundheitsnotstand oder eine pandemische Notlage? – Das will ich Ihnen sagen: Das ist die höchste Krisenstufe in der Weltgesundheitsstruktur im öffentlichen Gesundheitswesen. Und natürlich hängen daran viele Folgen, sowohl in den Internationalen Gesundheitsvorschriften – da kommt es dann zu diesen obligatorischen empfohlenen Maßnahmen, zu denen ich später noch kommen werde –, aber in weiterer Folge bei dem ja bereits beschlossenen Pandemievertrag auch zu konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen, auch zum Beispiel im Bereich der beschleunigten Verfahren für die Arzneimittelzulassungen, im Bereich der Güterverteilung, des Schutzes des geistigen Eigentums und bei vielen anderen Dingen auch, unter anderem natürlich auch die Grund- und Freiheitsrechte unserer Bürger betreffend. Problematisch ist, dass man diesen Begriff dieser pandemischen Notlage neu geschaffen hat und sich nicht mehr an eine medizinische oder epidemiologische Definition – tatsächliche Verbreitung von Krankheiten über mehrere Kontinente oder Staaten – hält. Nein, man hat diese Definition neu geschaffen, sodass diese viel weiter gehend ist. So eine pandemische Notlage kann mittlerweile schon eintreten, wenn nur die Gefahr einer entsprechenden Verbreitung besteht. Das ist genau das Problem: Eine hypothetische Gefahr ist nicht quantifizierbar, ist nicht messbar, ist de facto nicht feststellbar. Auf dieser Basis kann der Generaldirektor der WHO zukünftig weltweite Notstände – einen Ausnahmezustand schlicht und ergreifend – ausrufen. Wie ist denn nun der Einzelne von diesen Maßnahmen betroffen? Was ist denn da in diesem Regelwerk angedacht? Was betrifft die Menschen auch in Österreich, wenn diese Vorschriften angenommen werden? Im Falle dieses pandemischen Notfalls wird die österreichische Regierung angehalten, Maßnahmen gegenüber betroffenen Personen zu setzen. Betroffene Personen: Das ist schon einmal eine interessante Definition. Früher hätte man gesagt – und so ist es auch im alten Epidemiegesetz in Österreich gestanden – Erkrankte; das waren Personen, die amtsärztlich festgestellt von der entsprechenden Krankheit befallen waren. Jetzt heißt es Betroffene. Betroffen wird wahrscheinlich, so wie wir das aus der Coronazeit kennen, nicht nur jeder sein, der symptomatisch erkrankt ist, sondern auch jeder, der infiziert ist oder vielleicht sogar auch nur Träger von Krankheitsfragmenten ist, die dann mittels PCR-Testung festgestellt werden. Das ist also ein ganz weiter Geltungsbereich, der gar nicht klar definiert und abgegrenzt ist, wobei aber für betroffene Personen schon Maßnahmen wie Absonderung, wenn notwendig direkte medizinische Behandlungen und natürlich eine Kontaktverfolgung indiziert sind. Dann gibt es eine zweite Personengruppe, die heißen in den Vorschriften so schön: verdächtige Personen. Was sind denn verdächtige Personen? – Aus der Coronapandemie kennen wir das: Verdächtige Personen sind die, die entweder aktiv denunziert worden sind oder vielleicht Kontaktpersonen waren oder die sich vielleicht sonst irgendwie nicht systemkonform verhalten haben.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Geh, Gerhard!

FPÖ Gerhard Kaniak

… Das waren dann ganz schnell die verdächtigen Personen; und die sollen, so steht es wörtlich drinnen, beobachtet werden. Beobachtet sollen sie werden, sie dürfen natürlich auch in Quarantäne gesteckt werden und es dürfen auch andere Gesundheitsmaßnahmen gegen sie getroffen werden – da fallen mir ganz spontan die von Minister Rauch erfundenen Absonderungen ein –: Verkehrsbeschränkungen, die einzelne Gruppen und eben Verdächtige dann betreffen, und, was auch ganz bizarr ist, auch eine weiter gehende Kontaktverfolgung von verdächtigen Personen. Also man könnte fast sagen, in Zukunft wird dann jeder jemanden kennen, der verdächtig ist, denn wenn bei jedem Verdächtigen wieder die Kontaktpersonen ausgeforscht werden, haben wir einen neuen Kreis von Verdächtigen, von denen wieder die Kontaktpersonen ausgeforscht werden …

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Ist das jetzt dein Ernst, Gerhard?

FPÖ Gerhard Kaniak

… und so weiter, bis eigentlich die gesamte Bevölkerung aus Verdachtsfällen besteht – das haben wir in anderen Bereichen auch.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Jetzt musst du aber selber lachen!

FPÖ Gerhard Kaniak

… So schwammig ist dieses Regulativ im Endeffekt formuliert oder so weit ist dieses Regulativ gefasst, dass es Missbrauch Tür und Tor öffnet. Aber selbst wenn wir nicht die gesamte Bevölkerung zu Verdachtsfällen machen: Es reichen ja schon die Maßnahmen, die für die gesamte Bevölkerung vorgesehen sind, denn da steht explizit drinnen, dass sich die gesamte Bevölkerung medizinischen Untersuchungen oder auch Laboruntersuchungen unterziehen muss und auch die entsprechenden Nachweise dafür präsentieren muss. Auch das in der Coronazeit ja hochgekommene Thema der Impfpflicht ist wieder enthalten. Das heißt, im Rahmen dieses Maßnahmenregimes kann nicht nur durch die Hintertür, sondern ganz offensichtlich und völkerrechtlich verbindlich auch die Impfpflicht für alle in Österreich wieder zurückkommen.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Nein, das kann es nicht! – Abg. Silvan [SPÖ]: Nein!

FPÖ Gerhard Kaniak

… Sie können sich dann gerne noch zu Wort melden. Es steht genau so drinnen, dass das eine mögliche Maßnahme ist.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Na, das ist ein Witz! – Abg. Schallmeiner [Grüne]: Nein, das steht nicht so drinnen, geh komm! – Abg. Bogner-Strauß [ÖVP]: Nein, das ist in der Souveränität! – Ruf bei der ÖVP: Schau, da sind wir wieder bei der ...!

FPÖ Gerhard Kaniak

… Jetzt muss man natürlich sagen, das Impfpflichtgesetz war einer der großen Aufreger in der Coronazeit in Österreich, aber es hat noch einen zweiten Punkt gegeben, das war der grüne Pass. Es gibt in den neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften ein ganzes Kapitel, einen ganzen Abschnitt, der sich mit den neuen internationalen Gesundheitsdokumenten auseinandersetzt. Das heißt, der grüne Pass soll und muss natürlich im Rahmen dieser neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften kommen, denn natürlich sollen diese Reiseeinschränkungen, die Verfolgung der Bewegungen der einzelnen Bürger und auch das schnelle Abrufen von Impfstatus, Teststatus und Ähnlichem standardisiert und international einheitlich möglich werden. Aber vielleicht denken Sie daran, vielleicht erinnern Sie sich, dass auch dieser grüne Pass die österreichische Gesellschaft gespalten hat und mehr Schaden als Nutzen gestiftet hat. (👏 FPÖ) Und was man nicht vergessen darf: All diese Maßnahmen können nicht nur in Kraft treten, wenn es tatsächlich eine Pandemie im Sinne der epidemiologischen Definition gibt, nein, diese Maßnahmen können schon vorbeugend erlassen werden, zur Verhinderung einer Epidemie. – Also da wird einem dann schon wirklich angst und bange. Es gibt aber eine positive Nachricht, zumindest für einen Teil der Menschen: Es soll auch sogenannte Green Lanes, also erleichterte Reisebestimmungen, für bestimmte Personengruppen geben, und bei manchen kann ich das ja durchaus gut nachvollziehen. Zum Beispiel macht es für Gesundheitspersonal, für Pflegepersonal absolut Sinn, dass diese in Krisenzeiten Grenzen überschreiten können, auch wenn Reiserestriktionen vorliegen. Die neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften haben da aber auch zusätzlich eine weitere Personengruppe erfasst, nämlich diejenigen, die in einer lebensbedrohlichen oder humanitären Notlage sind. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, würde ja eigentlich bedeuten, dass, während die eigene Bevölkerung aus Verdachtsgründen zu Hause mehr oder weniger eingesperrt ist, die illegale Massenmigration …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie bei Corona!

FPÖ Gerhard Kaniak

… kreuz und quer durch Europa wandern könnte , weil das aus humanitären Gründen notwendig ist. (👏 FPÖ) Also unvorstellbar, was mit diesem Regelwerk alles möglich ist! Das passt aber natürlich ganz gut zu den Erweiterungen der Grundsätze in Artikel 3 der neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften, wo ein neues Grundprinzip aufgenommen wird, nämlich das der Solidarität und Gerechtigkeit. Ich frage mich zwar bis heute, was Solidarität und Gerechtigkeit für medizinische oder epidemiologische Kategorien sind, das finde ich in den Definitionen nicht, aber ich erkenne natürlich klar eine politische Intention dahinter, die sich auch bei den Reisefreizügigkeiten im Krisenfall zeigt. Das geht aber natürlich noch weiter. In den Erläuterungen steht dann drinnen, was sich die WHO darunter vorstellt. Da geht es einerseits – gerechtfertigterweise – um einen gleichwertigen Zugang zu medizinischen Gütern, Arzneimitteln, Impfstoffen und Ähnlichem, aber das, was daraus erwächst, macht mir wiederum Sorgen. Da ist die Rede von zentralisierten Beschaffungen – das hat bei Corona schon so gut funktioniert; wir warten ja noch immer auf die SMS zwischen Frau von der Leyen und Pfizer, das würde uns alle interessieren, was da drinnen steht –, da geht es dann natürlich darum, wer die Kosten für all diese Fehlbeschaffungen trägt; da geht es aber in weiterer Folge auch um Zwangsverteilungen von medizinischen Gerätschaften und Ausrüstung und Medikamenten; da geht es um Zwangskofinanzierungen. Und über all dem soll dann ein koordinierender Finanzierungsmechanismus installiert werden, der zwar eigentlich nur die vorhandenen Mittel verteilen soll, aber in Wirklichkeit de facto dann dazu führt, dass der Steuerzahler in Österreich die Versorgung in anderen Staaten im großen Stil zahlen muss. Wer das nicht glaubt, schaut sich vielleicht einmal an, was während Corona passiert ist. Allein bei den Impfstoffen: Wir haben fast zehn Millionen Dosen Impfstoffe an andere Staaten verschenkt, das ist ein Schaden für den österreichischen Steuerzahler von über 100 Millionen Euro; ganz genau kann man es ja nicht beziffern, weil wir die Preise bis heute nicht bekommen haben. Genau dasselbe ist in Zukunft dann systematisch für jede pandemische Notlage sozusagen, für jeden internationalen Notstand geplant. Dem kann man doch nicht zustimmen, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 FPÖ) Es heißt immer: Das stimmt ja alles nicht, was die FPÖ da immer sagt und wie sie den Teufel an die Wand malt! Das beruht doch alles auf Freiwilligkeit, das ist überhaupt kein Zwang und die WHO kann ja überhaupt nichts durchsetzen, also die Souveränität wird in keinster Weise beeinträchtigt! – Dann möchte ich Sie eines fragen, meine sehr geehrten Damen und Herren: Wieso ist es dann erklärtes Ziel bei diesen jetzt vorliegenden Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften, die Durchsetzbarkeit dieser Vorschriften auf nationaler Ebene zu stärken? Warum schafft man dann einen eigenen Ausschuss für die Umsetzung dieser neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften auf Ebene der WHO? Und warum sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, wenn sie diese Regelung annehmen, nationale Koordinierungsstellen einzurichten, die ein permanentes Dauerreporting an die WHO machen, ob der Staat eh schon brav seine Vorgaben umgesetzt hat? Und falls er sich doch weigert, steht in den Vorschriften drinnen, dann wird einmal zunächst sanfter Druck ausgeübt. Dieser sanfte Druck führt aber bis hin zu Schiedsverfahren, die gegen den Staat angestrebt werden, abgesehen davon, dass natürlich jeder Staat, der die Vorgaben der WHO nicht erfüllt, dann ganz massiv an den Pranger gestellt wird. Das ist nicht irgendetwas leer Dahergesagtes, sondern: Was sind denn die realen Konsequenzen? – Im Endeffekt kann die WHO dann entscheiden, dass die Bürger eines entsprechenden Staates vielleicht alle Verdachtsfälle sind, dass der gesamte Staat vielleicht ein Risikogebiet ist, dass der Handels- und der Personenverkehr zwischen den Staaten aus Gründen der öffentlichen Gesundheit eingeschränkt werden muss, und, und, und. – Das sind ja massive wirtschaftliche Implikationen, die damit zusammenhängen. Wenn das kein Druck, kein Zwang ist, der auf einen Staat ausgeübt werden kann, sich diesem Narrativ dann auch zu beugen und diese Vorschriften umzusetzen, dann weiß ich es auch nicht, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 FPÖ) Ich fasse es noch einmal zusammen: Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine internationale Kooperation zur Bekämpfung von Gesundheitskrisen, aber das, was da an Neuordnung der Internationalen Gesundheitsvorschriften auf dem Tisch liegt, geht weit über den historischen Sinn und Zweck der Gesundheitsvorschriften hinaus. Es stellt eine vollkommen unverhältnismäßige Ausweitung des Geltungsbereichs, der Kompetenzen der WHO und vor allem auch des Generaldirektors der WHO dar, und es ist nicht sichergestellt, dass es überhaupt irgendwelche Kontrollinstrumente, irgendwelche unabhängigen Aufsichts- oder Kontrollgremien gibt, ein unabhängiges Gericht, das im Missbrauchs- oder Fehlentscheidungsfall auch anrufbar ist und Entscheidungen revidieren kann. Die FPÖ lehnt die Internationalen Gesundheitsvorschriften deshalb ganz klar ab, so wie wir das auch in der Vergangenheit gemacht haben, so wie wir schon mehrere Anträge dazu gestellt haben. Jetzt ist tatsächlich die letzte Chance für die Bundesregierung, hier auch noch einmal ein Veto einzulegen, zu sagen: Schauen wir uns das lieber noch einmal an, bevor das, was da husch, pfusch in zwei Jahren gemacht worden ist, in Kraft tritt! Als Feigenblatt können Sie den Formalfehler der Nichtauflage der Verhandlungsergebnisse verwenden. Sie brauchen sich gar nicht inhaltlich zu kaprizieren, sondern können sagen: Da ist auch ein Formalfehler passiert, und deshalb lehnen wir es ab!, aber geben Sie dem Souverän die Chance – und sich selbst vielleicht auch, wenn Sie es sich noch nicht so genau angeschaut haben – und überdenken Sie die Konsequenzen der Annahme dieser neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften! Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass diese Regelungen, so wie sie jetzt festgeschrieben sind, sicherlich nicht ins nationale Recht kommen. ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zur Abgabe einer Stellungnahme hat sich Frau Staatssekretärin Königsberger-Ludwig zu Wort gemeldet, die ich an dieser Stelle auch sehr herzlich im Hause begrüße. – Bitte.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Werte Staatssekretärin! Werte Zuseher! Hohes Haus! Werte Kollegen! Ich finde, es ist eine bodenlose Frechheit, was sich heute wieder hier im Parlament abspielt: Wir haben eine Dringliche, eines der strengsten Instrumente hier im Parlament, und wenn vielleicht die Kamera einmal die Abgeordneten filmt …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das machen wir dann später bei euch!

FPÖ Peter Wurm

… dann sieht man, dass das mehr oder weniger von diesen vier Parteien ignoriert wird – bei einem Thema, das Österreich drei Jahre in Geiselhaft genommen hat. Wir sprechen von der Coronapandemie und wir sprechen jetzt vom WHO-Pandemievertrag, also von einem Thema, das Österreich von 2020 bis 2023 federführend bestimmt hat, und Sie vier Parteien – in bewährter Manier – ignorieren das; auch von der Rednerliste her, es hat sich kaum einer von euch zu Wort gemeldet. Und das ist, finde ich, eine bodenlose Frechheit der Bevölkerung gegenüber, weil die Coronapandemie dieses Land massiv verändert hat. (👏 FPÖ) Jetzt darf ich Ihnen noch etwas sagen, das setzt sich ja fort: Wir hatten letzte Woche eine Sitzung des Gesundheitsausschusses. Die Tagesordnungspunkte 1 bis 4, also die ersten, die wichtigsten vier Punkte, waren vier Berichte vom Ministerium, Gesundheitsministerium, Sozialministerium, zum Thema Corona – nicht unsere FPÖ-Berichte, sondern von der Regierung, vom Ministerium selbst.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Also!

FPÖ Peter Wurm

… Ich bin jetzt 13 Jahre im Parlament und so etwas habe ich noch nie erlebt: Wir hatten die ersten vier Punkte und von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen hat nicht ein einziger Abgeordneter in dieser Ausschusssitzung auch nur ein Wort gesagt. Alle vier habt ihr das boykottiert. Ihr wollt über den Bericht des eigenen Ministeriums nicht einmal im Ausschuss diskutieren. Und das ist, finde ich, eine bodenlose Frechheit der Bevölkerung gegenüber.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Es war alles klar!

FPÖ Peter Wurm

… Das heißt, ihr seid vom Modus Todesangst und Panik – das war damals, 2020: Todesangst und Panik – jetzt im neuen Modus Totschweigen. Einfach totschweigen, die drei Jahre hat es nicht gegeben – offensichtlich, für euch vier –, die haben nicht stattgefunden. Ich versuche aber, euch kurz die Konsequenzen davon zu zeigen – das ist nur ein Teil der Coronageschichte. ( Ruf bei den NEOS: Zur Sache! ) Das Schlimmste, wir haben es mehrmals gesagt, was ich euch allen vorwerfe, auch persönlich: Ihr habt unsere Kinder und Jugendlichen ruiniert, nachhaltig ruiniert. (👏 FPÖ) Die psychischen Schäden, die Schäden an der Psyche der Kinder sind nachweislich vorhanden; die werden ja von euch nicht einmal abgestritten. Die psychischen Schäden sind explodiert – und ihr alle habt damit nichts zu tun, ihr alle habt es aber hier mitbestimmt. Ihr habt auch sicher nichts mit den 100 Milliarden Euro Gesamtkosten zu tun – ihr alle habt nichts damit zu tun.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Ihr auch nicht!

FPÖ Peter Wurm

… Das hat uns 100 Milliarden Euro gekostet. Da wollt ihr alle nicht dabei gewesen sein. Ich weiß schon: totschweigen, nicht darüber reden! Aber jetzt haben wir den WHO-Pandemievertrag, durch den das ganze Spiel trotz allen Widerstandes international noch einmal hochgezogen wird. Und auch darüber wollt ihr kaum reden – ist ja nur ein WHO-Pandemievertrag. Ihr habt die Bevölkerung jahrelang angelogen, es ist eine lange Liste an Dingen, die ich da jetzt vorlesen könnte – von den Long-Covid-Geschichten, von den Impfschäden, die ihr verschwiegen habt, und, und, und, es ist eine Latte an Dingen, die ich euch jetzt vorwerfen könnte –, aber, noch einmal, dass ihr nicht einmal heute bereit seid, die Ergebnisse, die das Ministerium vorgelegt hat, und auch den WHO-Pandemievertrag zu diskutieren, nicht bereit seid, einmal zu überlegen, welche Konsequenzen dieser hat, das erschüttert mich zutiefst und zeigt mir, dass ihr nicht lernbereit seid. Ihr seid nicht bereit. (👏 FPÖ) Die schlimmsten Schäden, sage ich einmal, hat ein ziviler Widerstand in Österreich verhindert; ein ziviler Widerstand, der über alle sozialen Schichten, Altersgruppen stattgefunden hat. Im Nachhinein bin ich positiv der Geschichte gegenüber, weil da ganz, ganz viele Menschen in Österreich aufgewacht sind – erstmals. Ehemalige SPÖ-Wähler, Grün-Wähler haben erkannt, wie sie systematisch angelogen werden, in den Medien, von Wissenschaftern, sogenannten Experten. Da sind viele aufgewacht, und das halte ich demokratiepolitisch für einen Fortschritt, weil die Leute euch heute nichts mehr oder nur mehr zum Teil glauben, und das ist gut.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wie geht es eigentlich dem Abgeordneten Hauser?

FPÖ Peter Wurm

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte zum Schlusssatz kommen. Abgeordneter Peter Wurm (fortsetzend): Danke. – Und wie gesagt, Kollege Kaniak hat es erwähnt: Dieser grüne Pass und der QR-Code, das setzt sich jetzt in der digitalen Welt fort. Ich sage es euch noch einmal: Du bist heute ohne Handy kaum noch lebensfähig – alles Konsequenzen aus Corona. Ich bin erschüttert, dass ihr nichts daraus gelernt habt. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Verzeihung, das war noch nicht der Schlusssatz, denn Sie hätten 10 Minuten Redezeit gehabt – das war die freiwillig eingestellte Redezeit. Herr Abgeordneter Wurm, Sie haben jetzt zweimal gegenüber den Parteien, die Sie angesprochen haben, die Formulierung verwendet, dass die Menschen „angelogen“ wurden. Der Vorwurf der Lüge hat an sich im Hohen Haus, und das ist Konsens, keinen Platz gegenüber den Parteien. Ich ersuche Sie, den Begriff anlügen oder „angelogen“ zurückzunehmen. Es gibt andere Möglichkeiten – Unwahrheit sagen et cetera –, aber der Vorwurf der Lüge zieht nach gängiger Praxis einen Ordnungsruf nach sich.

ÖVP Nico Marchetti

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Zu Kollegen Wurm: Ich muss sagen, ich habe mir während der Coronazeit wirklich ziemliche Sorgen gemacht und ich bin sehr froh, dass die Entwurmungsfantasien von Ihrem Parteiobmann doch glimpflich ausgegangen sind. – Ja, ich verstehe, dass es für Sie schwierig ist, das so zu sehen, denn wenn eine Partei, die irgendetwas Kompetentes zur Gesundheitspolitik sagen will, Dinge, die gesundheitsschädlich sind, wie das Entwurmungsmittel, an dem Leute hätten sterben können, als Partei empfiehlt, dann wäre es mir auch sehr unangenehm, liebe FPÖ …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

An der Impfung kann man auch sterben!

ÖVP Nico Marchetti

… denn das ist das, was Sie während der Pandemie gemacht haben. Ich sage Ihnen noch etwas: Die Pandemie war für niemanden lustig – für niemanden.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Sind Sie im Gesundheitsausschuss, Herr Kollege? Sind Sie im Gesundheitsausschuss? Sind Sie kompetent bei Gesundheit?

ÖVP Nico Marchetti

… Es war eine Gesundheitskrise. Es sind viele an dieser Krankheit, an Corona, gestorben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ist das Ihre Aufarbeitung?

ÖVP Nico Marchetti

… Und das, was Sie hier tun, ist erstens pietätlos, und es ist zweitens auch respektlos. Dass Sie uns so quasi unterstellen, als wäre es irgendwie ein Vergnügen der Regierung gewesen , Maßnahmen gegen eine Pandemie zu treffen – wo keiner wusste, wie sich die entwickelt, wo man nur auf Sicht fahren konnte, wo man wirklich versucht hat, die Gesundheit der Leute zu schützen –, dass Sie da so drübergehen und jetzt sagen, alles Blödsinn, und jetzt alle gescheiter sind …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben damals schon gewarnt, Herr Kollege! Erinnern Sie sich doch zurück!

ÖVP Nico Marchetti

… ist, finde ich, falsch, ist pietätlos, und vor allem ist es auch nicht die Art und Weise, wie man Politik machen sollte, wenn man es wirklich ernst mit der Bevölkerung meint.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie hätten es besser machen können!

ÖVP Nico Marchetti

… Jetzt noch zum Pandemievertrag und zur WHO: Ich meine, Sie sagen es ja selbst in Ihrem Antrag, die Staatssekretärin hat es gesagt: Es geht hier um Empfehlungen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Völkerrechtlich verbindlich, hat sie gesagt!

ÖVP Nico Marchetti

… Die WHO hat keine rechtsverbindliche Kompetenz.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Hat sie gesagt in ihrer Rede!

ÖVP Nico Marchetti

… Die WHO gibt Empfehlungen ab, die WHO berät und macht Vorschläge. Das macht die WHO. Sie fantasieren hier – Herr Kaniak hat versucht, das so halbwegs intellektuell rüberzubringen, aber er sagt ja selber: Ja, das behaupten alle, das könnte ja sein und vielleicht und so. – Sie sagen ja selber nicht, dass das rechtsverbindlich ist, weil es einfach nicht so ist.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Die ÖVP hat nach der Pfeife der WHO getanzt!

ÖVP Nico Marchetti

… Insofern kann ich Entwarnung geben: Das, was die FPÖ hier heraufbeschwört, diese Gespenster, die gibt es nicht. Was in Österreich rechtsverbindlich ist, entscheiden wir; die WHO gibt nur Empfehlungen ab. Das ist die Wahrheit, so ist es! Und das ist auch die Antwort auf Ihren Antrag.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und Sie haben die Impfpflicht eingeführt sogar!

ÖVP Nico Marchetti

… Weil Sie der Regierung immer Untätigkeit und so vorwerfen, möchte ich schon ein paar Dinge sagen: Sie haben auch zum Beispiel zur Coronapandemie eine Anfrageserie gestartet …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja!

ÖVP Nico Marchetti

… und zwar haben Sie Anfragen gestellt, die Sie in der letzten Periode schon gestellt haben und zu denen eh schon alle Informationen da sind.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Dann war’s ja leicht zu beantworten! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Dann wär’s ja eigentlich ganz einfach gewesen zu beantworten!

ÖVP Nico Marchetti

… Sie haben 364 Mal bei ein und derselben Anfrage nur die Überschrift geändert, haben sie einfach durch die Welt geschickt und haben Informationen bekommen, die schon längst da waren – einfach nur, um eine Show abzuziehen und das Thema am Köcheln zu halten, aus rein parteipolitischem Kalkül. Ist Ihnen das nicht irgendwie unangenehm, 364 Mal denselben Zettel herumzuschicken? Oder zum Beispiel Presseaussendungen: Am 3. Juni – FPÖ, Schnedlitz – sagt Kollege Schnedlitz zum Thema Inflation in der FPÖ-Presseaussendung: „Es rächt sich nun, dass ÖVP und Grüne das Auslaufen wichtiger Entlastungsmaßnahmen mit Jahresende 2024 fahrlässig in Kauf genommen haben. So fielen unter anderem die reduzierte Elektrizitäts- und Erdgasabgabe [...] weg“, so Schnedlitz.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Red einmal zum WHO-Pandemievertrag! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Weiterhin verschweigen! – Abg. Darmann [FPÖ]: Ist euch unangenehm, oder? – Abg. Mölzer [FPÖ]: ... nix mehr unangenehm! – Zwischenruf des Abg. Schallmeiner [Grüne].

ÖVP Nico Marchetti

… 1. Juli, FPÖ, Kolm: „Es rächt sich nun, dass ÖVP und Grüne das Auslaufen wichtiger Entlastungsmaßnahmen mit Jahresende 2024 fahrlässig in Kauf genommen haben. So fielen die reduzierte Elektrizitäts- und Erdgasabgabe weg“, so Kolm. – Sie kopieren sogar Ihre eigene Presseaussendung, und das Zitat von einem kriegt der andere einen Monat später, Sie machen nur Copy-Paste-Politik! Also das ist ja eine Nichtleistung, die Sie hier als Oppositionspartei erbringen! Wenn Sie es mit Ihren Wählerinnen und Wählern wirklich ernst meinen würden, dann würden Sie erstens nicht Copy-Paste-OTS und -Anfragen machen, sondern sich wirklich mit dem Thema auseinandersetzen und vernünftige Aufklärung betreiben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir würden es eh, aber Sie verweigern ja jede Auskunft!

ÖVP Nico Marchetti

… Und wenn Sie es mit der Bevölkerung wirklich, wirklich ernst meinen würden, dann würden Sie auch Verantwortung übernehmen, dazu waren Sie ja auch nicht bereit.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Endlich wieder Verantwortung!

ÖVP Nico Marchetti

… Es ist wirklich eine absolute Nichtleistung, die Sie erbringen. Mir fehlt jeglicher Leistungsnachweis von der FPÖ, und ich finde, das sollte man auch einmal den Wählerinnen und Wählern sagen, was Sie da für eine Arbeit machen! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die Wähler sind sicher begeistert von Ihrer Rede!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Silvan. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

SPÖ Rudolf Silvan

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zu meinen Vorrednern Kollege Kaniak und Kollege Wurm, ich schätze sie beide sehr, auch im Gesundheitsausschuss sind sie immer sehr wortreich und emotional, aber: Dieser Pandemievertrag der WHO ist ja eine Reaktion auf das, was in der Vergangenheit passiert ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Dann wird es wohl das nächste Mal schneller gehen!

SPÖ Rudolf Silvan

… aufgrund der Pandemie, und er soll ja genau das verhindern, was passiert ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein! Der soll das beschleunigen!

SPÖ Rudolf Silvan

… nämlich Lockdowns, Schulschließungen und so weiter und so fort. Deswegen wundert mich die Kritik von der FPÖ so, weil es genau das Gegenteil von dem ist, was Sie immer kritisieren, und eine Vorkehrung, dass das in Zukunft nicht mehr passiert. Es soll nämlich, wie die Frau Staatssekretärin gesagt hat, ein schnelleres, koordiniertes Handeln zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten ermöglichen …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Das wäre auch auf Basis der Vorschriften von 2005! Wieso müsste man die Änderungen trotzdem dann akzeptieren?

SPÖ Rudolf Silvan

… es soll für einen gleichberechtigten Zugang zu medizinischen Produkten, eine gerechtere Verteilung von Impfstoffen und medizinischen Produkten insbesondere in ärmeren Ländern sorgen, dass man diverse Pandemien nämlich gleich im Keim ersticken kann; für eine Stärkung der globalen Zusammenarbeit, für Transparenz und Rechenschaftspflicht. Dieser Vertrag soll nämlich mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht bei der Reaktion auf Pandemien schaffen, das Vertrauen in die WHO und ihre Mitgliedstaaten stärken und erhöhen. Der Vertrag soll den One-Health-Ansatz fördern, der die Verbindung zwischen menschlicher Gesundheit, Tiergesundheit und Umweltschutz berücksichtigt, um Pandemien besser zu verstehen und zu bekämpfen. Ich weiß nicht, wo da die Kritik herkommt! Das dient alles dazu, dass man diese Lockdowns in Zukunft verhindern kann, diese Tausenden Toten verhindern kann. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Deswegen verstehe ich nicht: Jetzt kritisiert ihr das monatelang, jahrelang, dann macht man etwas, und ihr seid auch dagegen! Also ihr seid eh überall dagegen, egal was man tut! Um Zustände wie während der Coronapandemie zu vermeiden …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo nehmen Sie das her?!

SPÖ Rudolf Silvan

… werden verschiedene Punkte zur Prävention großgeschrieben: Lieferketten sollen ausgebaut werden, gestärkt werden, alle Länder sollen Zugriff auf Schutzmaterialien …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... gegen die Impfpflicht gestimmt?

SPÖ Rudolf Silvan

… Medikamente und Impfstoff haben, weltweit soll das Gesundheitspersonal zuerst versorgt werden, weiterhin soll der Transfer von Technologien und Forschung ausgebaut werden, Pharmafirmen sollen ihr Wissen teilen, damit auch in anderen Ländern Medikamente und Impfstoffe produziert werden können …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist wohl von den Pharmafirmen gekommen!

SPÖ Rudolf Silvan

… sie sollen der WHO 10 Prozent ihrer Impfstoffproduktion zur Verteilung an ärmere Länder spenden …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und das jetzt ... alles super, oder was?

SPÖ Rudolf Silvan

… und weitere 10 Prozent zu günstigeren Preisen abgeben. Zur Souveränität Österreichs: Es steht in Artikel 22 – ich wiederhole mich sehr gerne, ich mache es immer wieder –: Keine einzige Bestimmung des Pandemievertrages gewährt der WHO oder ihrem Generaldirektor die Befugnis, über nationales Recht zu verfügen, es zu ändern oder anderweitig vorzugeben. Das steht eindeutig in Artikel 22. Ich weiß nicht, woher die FPÖ hat, dass die Souveränität Österreichs verloren geht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Impfskepsis hat natürlich vor allem in den modernen Industriestaaten massiv zugenommen, das sehen wir aktuell auch in Österreich. Heuer wurden bereits 50 Personen, die an FSME erkrankt sind, im Spital behandelt, diese Personen waren nicht beziehungsweise nicht ausreichend geimpft. Auch Fälle von Masern und Hepatitis sind im Steigen begriffen, nicht nur hier in Österreich, sondern in der gesamten Europäischen Union und vor allem auch in den USA. Kollegin Belakowitsch, weil Sie immer hereinrufen und sich immer sehr engagiert und sehr emotional an den Debatten beteiligen: Sie haben bei einem Auftritt bei einer Demonstration gegen die Coronamaßnahmen in Wien behauptet, wider besseres Wissen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ah so, Sie reden zu mir?!

SPÖ Rudolf Silvan

… ja, Entschuldigung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Entschuldigung!

SPÖ Rudolf Silvan

… ich will Sie nicht stören …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Danke, sehr aufmerksam!

SPÖ Rudolf Silvan

… die Betten in den Spitälern seien nicht mehrheitlich mit Coronainfizierten belegt, sondern mit Menschen, die aufgrund eines Impfschadens behandelt werden müssen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nobelpreisverdächtig!

SPÖ Rudolf Silvan

… Sie wissen, dass das nicht stimmt, und Sie haben sich bis heute nicht dafür entschuldigt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mache ich auch nicht, weil es hat gestimmt!

SPÖ Rudolf Silvan

… Das weiß ich eh, dass Sie das nicht machen. Sie tragen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen vor Impfungen fürchten.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das habt ihr allein zu verantworten!

SPÖ Rudolf Silvan

… RN/84.1 Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sehen ja, was zurzeit passiert, wenn in Regierungen Impfgegner und Wissenschaftsfeinde sitzen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir waren ja gar nicht in der Regierung!

SPÖ Rudolf Silvan

… wie in den USA: Die USA erleben zurzeit den größten Masernausbruch seit 30 Jahren. Seit 30 Jahren der größte Masernausbruch in den USA durch einen Gesundheitsminister, der Impfgegner ist und der wissenschaftsfeindlich ist. ( Der Redner hält eine Tafel mit einem Artikel aus dem „Kurier“ mit dem Titel „Bereits 3 Tote: Schlimmste Masern-Epidemie seit mehr als 30 Jahren“ in die Höhe. ) Das wollen wir in Österreich nicht, das wollen wir in der Europäischen Union nicht.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Impfgegner und Wissenschaftsfeinde ... Synonym: Das ist ja Ihr Fehler!

SPÖ Rudolf Silvan

… Wir stehen für eine Politik der Verantwortung, wir machen keine Politik mit Angst. – Danke schön.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

... erwähnen, dass das bei den Zeugen Jehovas so ist!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Fiedler. Eingemeldete Redezeit: ebenfalls 5 Minuten. – Bitte schön.

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier und zu Hause! ( Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend: ) Liebe gehörlose Menschen! Österreich war die treibende Kraft beim Hinarbeiten auf mehr Zusammenarbeit durch die WHO, auch weil die Pandemie uns eben gezeigt hat, dass wir mehr internationale Zusammenarbeit brauchen. Ich weiß ja nicht genau, wie selektiv das Gedächtnis der FPÖ funktioniert. Vielleicht erinnern Sie sich nicht mehr daran, wie verzweifelt wir in Österreich versucht haben, zu Schutzmasken, zu Handschuhen, zu Medikamenten zu kommen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben sie verschenkt! – Zwischenruf des Abg. Darmann [FPÖ].

NEOS Fiona Fiedler

… Gerade das hat uns gezeigt, dass kein Land eine Insel ist und die Globalisierung gerade bei Lieferketten immer wieder diese gegenseitigen Abhängigkeiten aufzeigt. Jetzt gibt es natürlich zwei Varianten, damit umzugehen: akzeptieren und versuchen, die Situation zu verbessern, oder leugnen – und da sind Sie ganz super. Aber wenn es nach Ihnen geht, hat es Covid ja auch gar nicht gegeben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Woher wollen Sie das wissen?

NEOS Fiona Fiedler

… Für uns ist klar: Wir können uns nur mit guter Zusammenarbeit positiv weiterentwickeln, und dafür braucht es eine starke WHO. (👏 SPÖ, NEOS) Aber überlegen Sie einmal, was Ihre Position bedeutet : Trump macht einen auf Isolation – genau so, wie Sie es sich wünschen – und zieht sich aus diversen internationalen Organisationen zurück, was die Finanzmittel betrifft. Und dann beschweren Sie sich, dass die WHO zu großen Teilen aus Spenden finanziert wird.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ist aber nicht seit Trump erst, bitte! – Zwischenruf des Abg. Darmann [FPÖ].

NEOS Fiona Fiedler

… Seien wir doch froh, dass es noch Organisationen gibt, denen es ein Anliegen ist, dass Menschen gesund bleiben oder gesund werden können, und wir Infektionskrankheiten ausrotten wollen! (👏 SPÖ, FPÖ, NEOS) Und dann kommen Sie daher und sagen: Es ist so furchtbar, dass wir weltweit gemeinsame Standards haben wollen, wie man auf Krankheiten reagieren kann! ( Ruf bei der FPÖ: ... mit den Internationalen Gesundheitsvorschriften 2005 nicht? Aber diese Vorgaben braucht man ja nicht mehr! ) Und dann sind die Berichte auch noch auf Englisch?! Hätten Sie sie lieber auf Russisch? ( Heiterkeit und Beifall bei NEOS, SPÖ und Grünen. ) On top – Entschuldigung! –, noch dazu, Herr Kaniak, hat man statt 18 Monaten nur mehr zehn Monate Einspruchsfrist. Wie lange brauchen Sie, Herr Kollege, um zu erkennen, ob Sie Einspruch erheben wollen oder nicht? …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Euer Antrag ist schon im Jänner 2024 gestellt worden!

NEOS Fiona Fiedler

… Ihnen wäre wohl lieber, wenn wir keine Sicherheitssysteme mehr hätten und jedes Land um sein eigenes Durchkommen kämpfen müsste. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Sie sind in Ihrem Weltbild gefangen, weil Sie autoritäre Strömungen mögen und diese deshalb offenbar auch überall sehen. Sie sagen, dass der Beschluss nicht rechtmäßig war, weil kurzfristig noch Änderungen eingefügt wurden. Genau das aber ist Mitsprache: dass ein Feedback eingearbeitet wird, dass ein Austausch innerhalb einer Organisation über die Weiterentwicklung entsteht, und das so schnell wie möglich.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Das nennt man Rechtsstaatlichkeit, dass man sich an die eigenen Vorgaben hält!

NEOS Fiona Fiedler

… Immerhin aber sehen Sie diese Frage zu diesem Austausch genau so, dass wir hier heute darüber diskutieren können. Danke dafür! Und deswegen können wir ganz klar sagen: Liebe FPÖ, ihr interpretiert da etwas komplett falsch. Kollege Wurm, Pandemievertrag und Internationale Gesundheitsvorschriften sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Vielleicht setzen Sie sich einmal hin und informieren sich umfassend. Die WHO ist kein Moloch, die WHO bringt uns weiter. – (Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend:) Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Schallmeiner. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause vor den Bildschirmen und hier im Haus auf der Galerie! …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Was macht denn der Hase da? Was macht denn der Hase da?

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… Das ist kein Hase, das ist ein Murmeltier, Herr Kollege …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ach so!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… das solltest du als Tiroler ja erkennen –, denn täglich grüßt das Murmeltier. Die FPÖ inszeniert sich heute wieder als letzte Bastion der Freiheit. Wir erleben wieder einmal das altbekannte Schauspiel: Falschbehauptungen, Panikmache, gezieltes Schüren von Misstrauen gegen alles, was nach Wissenschaft, Kooperation, Verantwortung klingt. Es ist ein Dé­jà-vu: die immer gleichen Mythen, die immer gleichen Scheinargumente, alles längst widerlegt. Worum geht es? – Es geht um die Internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO, Kollege Wurm, wir haben es ja eh gerade noch einmal gehört. Das ist ein völkerrechtliches Regelwerk, wie Staaten bei grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren zusammenarbeiten sollen. Es geht um Schutz, um Frühwarnung, um die Stärkung unserer Gesundheitssysteme, um internationale Solidarität in Krisenzeiten. Es geht ausdrücklich nicht um die Aufgabe nationaler Souveränität. Es geht nicht um eine angebliche Gesundheitsdiktatur. Es geht auch nicht darum, die persönliche Freiheit von Ihnen allen zu Hause oder hier im Haus einzuschränken.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Nein! Nein! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: So wie bei Corona auch!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… Das wissen alle Fraktionen hier in diesem Haus bis auf eine, nämlich bis auf die FPÖ, weil die sich weigert, in der Realität anzukommen. So schaut es nämlich aus. (👏 ÖVP, NEOS) Sie ( in Richtung FPÖ ), Sie da drüben leben von Angst, von Verschwörungsnarrativen, vom Schattenboxen gegen Feinde, die Sie selbst erfinden. Aber schauen wir uns an, wie die FPÖ in den letzten Jahren hier in diesem Haus und auch draußen auf den Straßen agiert hat: Ivermectin als Wundermittel empfohlen, obwohl selbst der Hersteller und sämtliche Gesundheitsbehörden davor gewarnt haben. Was war das Ergebnis? – Wir wissen es: Gefährdung der Gesundheit der Menschen bis hin zu Todesfällen. Das ist – nur, um politisches Kleingeld zu wechseln – Ihre Politik gewesen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unfassbar! Wie viel haben denn die genommen?

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… Es wurden Tausende Impfopfer auch von Ihnen erfunden, Frau Kollegin.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, die sind nicht erfunden ...! Die braucht man nicht erfinden! Bis zum heutigen Tage! Aber ihr schweigt sie ja lieber tot!

GRÜNE Ralph Schallmeiner

… Die hat es nie gegeben. Sie haben sich bis heute nicht dafür entschuldigt, ja. (👏) Was ist die Realität? – Die Covid-Impfstoffe haben Millionen Menschenleben gerettet. Das ist das Gegenteil der FPÖ-Behauptungen, das sind nämlich mit Studien belegte Zahlen. Aber es gab falsche Zahlen zu Geimpften auf den Intensivstationen – das haben wir auch erst gehört –, wider besseres Wissen und entgegen allen verfügbaren Daten. Das Ziel war Verunsicherung und Spaltung – genau Ihre Politik, Ihr Programm. (Abg. Kaniak [FPÖ] – ein Schriftstück in die Höhe haltend –: Robert-Koch-Institut!) Die Belastungen des Gesundheitspersonals sind auch von Ihnen heruntergespielt worden, als wäre das alles nur eine Erfindung. Wer mit Pflegerinnen und Pflegern, mit Ärztinnen und Ärzten heute spricht, weiß, wie zynisch diese Verharmlosung ist und war. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind von Ihnen systematisch untergraben worden. Das Vertrauen in Demokratie und Institutionen wird von Ihnen gezielt attackiert. In parlamentarischen Anfragen – Kollege Wurm, von Ihnen beispielsweise – wurden Studien zitiert, die es nie gegeben hat. Sie haben eine Scheingegenöffentlichkeit inszeniert, die eben faktisch nicht existiert hat und die es bis heute nicht gibt, die bis heute nicht vorhanden ist. Das mit dieser Scheingegenöffentlichkeit machen Sie jetzt auch immer noch. Immer noch irgendwelche Studien zitieren, irgendetwas erfinden, irgendetwas in den Raum werfen, irgendwelche Dinge behaupten: Das ist Ihr Programm, das machen Sie bis heute so. Und heute? Was passiert heute? – Heute werden erneut längst widerlegte Behauptungen von Ihnen recycelt. Die FPÖ behauptet beispielsweise, die WHO könne künftig die absolute Deutungshoheit übernehmen, Maßnahmen erzwingen, nationale Parlamente entmachten. – Das ist schlicht und ergreifend faktisch falsch. Die WHO kann lediglich Empfehlungen aussprechen. Die Umsetzung bleibt natürlich in nationaler Hand, kein Staat verliert seine Souveränität. Der Generaldirektor der WHO kann auch nicht nach Gutdünken einen Notstand ausrufen, ein Notstand wird nur auf Basis klarer Kriterien nach Beratung unabhängiger Expertengremien ausgerufen. Es gibt Kontrollmechanismen. Die Internationalen Gesundheitsvorschriften führen auch nicht zu einer Gesundheitsdiktatur, liebe Kolleginnen und Kollegen, sondern sind ein Instrument internationaler Zusammenarbeit, „internationaler Solidarität“, wie das erst so schön bezeichnet wurde. Die Entscheidungshoheit bleibt bei den Staaten. Die Novelle ist demokratisch und transparent zustande gekommen. Der Prozess war nachvollziehbar, die Dokumente waren öffentlich. Das Konsensverfahren ist internationaler Standard. Staaten müssen auch nicht alle WHO-Vorgaben umsetzen. Die Empfehlungen der WHO sind nicht bindend, die Staaten entscheiden selbst über deren Umsetzung. Aber was ist das Ziel dieser ständigen Wiederholung von Falschbehauptungen seitens der FPÖ? – Es ist nicht der Schutz der Bevölkerung, es ist nicht der Einsatz für die Souveränität unseres Landes. Es ist schlicht und ergreifend nichts anderes, als gezielt Angst, Misstrauen, Unsicherheit zu schüren und daraus dementsprechendes politisches Kapital zu schlagen. Die FPÖ hat sich während der Pandemie nicht um die Sorgen der Menschen gekümmert, sondern diese einfach nur instrumentalisiert. Sie hat aktiv Unwahrheiten verbreitet, und sie hat das Vertrauen in Wissenschaft, Medizin und Demokratie untergraben. Sie hat die gesellschaftliche Spaltung befeuert, und sie tut es heute auch wieder. Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause und auch hier auf der Galerie, glauben Sie nicht einer Partei, der jedes Mittel recht ist, um unsere liberale Demokratie zu unterminieren! Die FPÖ lebt in einer Paralleldimension aus Angst, Mythen und gezielter Falschbehauptung. Die Fakten liegen auf dem Tisch, sie sprechen eine klare Sprache. Wer sich lieber an Gespenster, so wie die Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, festklammert, als Verantwortung zu übernehmen, ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. (👏 NEOS) Wir stehen für faktenbasierte Politik, für internationale Zusammenarbeit, für den Schutz der Menschen und gegen die permanente Inszenierung von Bedrohungen, die es nicht gibt. Grün hält an den Fakten fest. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Giuliani-Sterrer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

Danke schön, Herr Präsident! Verehrte Kollegen und vor allem liebe Zuschauer zu Hause! Was ich hier immer höre, ist: Die Leute zu Hause sollen irgendetwas glauben. Das finde ich ja sehr witzig, weil es verschiedene Ebenen gibt, auf denen man miteinander sprechen kann. Das eine ist das Faktenbasierte …

NEOS Gasser (Zwischenruf)

Das kennen Sie aber gar nicht, das Faktenbasierte!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… das andere ist das, was man glaubt, und das Dritte ist das, was man sich wünscht. Ich habe hier sehr viele fromme Wünsche gehört, aber wenige Fakten. Ein Fakt gleich zu Beginn: Der Sport regelt alles. Wenn wir uns die Nationalratswahl so vorstellen, dann wissen Sie, wer diese gewonnen hat. Und das hat einen guten Grund. Ich sitze hier und höre zu, und es wundert mich gar nichts mehr. (👏 FPÖ) Der zweite Fakt, meine Lieben, ist der, dass ich während Corona unglaublich viele Videos mit all den Ärzten, die differenzieren wollten, mit vielen Wissenschaftern gemacht habe, die wir auf FPÖ-TV gespielt haben, aber nicht, weil ich weiß, wie es richtig ist, sondern weil ich denke, dass es wichtig ist, einen Diskurs offenzuhalten und alle miteinzubeziehen. Das ist euch mittlerweile offensichtlich fremd geworden. (👏 FPÖ) So, ihr hattet viele Jahre Zeit, einfach einmal auf Google zu gehen und Ivermectin zu googeln. Es ist ja echt schon zum Fremdschämen, was ich da höre. Also: Ivermectin: Diejenigen, die den Wirkstoff Avermectin gefunden haben, Campbell und Ōmura, haben den Nobelpreis dafür bekommen. Das ist ein Wirkstoff. Ivermectin ist wiederum ein Medikament, das man daraus gemacht hat, und genauso wie Kortison ein Antiphlogistikum oder Antibiotikum ist, ist das ein Wirkstoff. Wir wissen, viele Medikamente werden invented, und das ist auch gut so. Und manche haben Nebenwirkungen, die interessant sind, die wiederum in anderen Bereichen nützlich sind. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Wenn Sie in diesen Jahren vielleicht auch einmal FLCCC gegoogelt hätten: Da gibt es viele Medikamente, die findige und suchende Wissenschafter versucht haben zu probieren, weil sie helfen wollten, und davon ist Ivermectin nur eines. Und so, wie Sie es vielleicht auch schon einmal gehört haben, ist das Problem immer: Die Dosis macht das Gift. Man kann sich auch mit Aspirin oder mit irgendetwas anderem umbringen. Es gibt halt nun einmal sehr viele unvernünftige Menschen, die sich nicht an die Vorgaben der Ärzte halten, und dann passieren Unglücke. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. – Alles ist gut, ganz ruhig. Sie haben in den letzten Jahren – ich saß da draußen und habe eure Versprechungen, eure Behauptungen gehört – gesagt: Wir haben da eine Impfung, die ist so super und die hilft jedem und allen, die Sie treffen, und dann ist alles gut. – Das haben Sie gesagt. Mein Problem war immer nur: Sie hätten auch sagen können, es ist eine unglaublich schwierige Situation, es gibt jetzt auch noch die Impfung – vielleicht hilft sie, wir wissen es aber nicht. Niemand wusste es und der Beipackzettel war über Jahre leer. Wenn Sie das gesagt hätten, hätte ich gesagt: Okay, Eigenverantwortung, man kann das nehmen! – Man darf den Leuten aber keine Unwahrheiten erzählen – so heißt es, genau.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Genau!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Ich muss euch sagen, das habe ich euch sehr übel genommen, denn das ist nicht in Ordnung.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Mit dem kann man leben!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… So, was haben wir? – Wir haben eine Kettenreaktion eures Versagens, der Verzweiflung, des Nichtwissens, was man machen soll. Die Leute wurden durch Versprechungen in eine Spikung, in eine Spritzung reingejagt.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Was hat das mit der WHO zu tun?

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Wir haben über die Anfrage von einem jungen Kollegen von mir herausbekommen – und das trifft mich als Psychotherapeutin sehr –: Es wurden Waggonladungen an Psychopharmaka in die jungen Menschen hineingeleert. Jetzt machen wir das auch noch. Nach wie vor wird die Spritze weiter im Programm ausgerollt, obwohl die RKI-Files draußen sind, obwohl so viel Divergierendes da ist, dass wir wieder zu dem zurückkehren sollten, was vernünftige Menschen tun: sich anhören, was alle zu sagen haben, niemanden für dumm halten, sondern verstehen wollen, wie seine Argumentationskette ist, und dann darüber reden, wie man eine gute Lösung für die Menschen finden kann. Unsere Verantwortung ist ein bisschen größer als das, was wir uns hier denken. Da geht es um die Österreicherinnen und Österreicher – und die vertrauen uns. Das ist das Thema. (👏 FPÖ) Was jetzt passiert, ist: Sie versuchen jetzt noch – nach all dem, was Sie angerichtet haben –, den Bock zum Gärtner zu machen und der WHO noch weitere Befugnisse zu geben, nach allem, was Sie gesehen haben. Das wollen Sie sich jetzt noch rechtlich absichern lassen. Wieso machen Sie das? – Weil Sie ganz einfach wieder eine Gesundheitsministerin haben, die keine Ahnung von Medizin hat. Sie ist eine nette Frau, aber sie ist aus der Gewerkschaft, sie tut sich wahnsinnig schwer, Dinge einzuordnen. Deswegen ist sie froh, dass sie Experten hat, die Experten haben die Lobbyisten, und die Lobbyisten haben dann die Empfehlung von der Pharmaindustrie, und das ist gefährlich. (👏 ÖVP, FPÖ) Das, was ich ununterbrochen höre, ist: Ja, aber das sind nur Empfehlungen, es sind nur Empfehlungen. Da muss man sich nicht daran halten. – Es sind rechtliche Empfehlungen. – Herr Shetty, Sie haben schon genug geredet. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Rechtlich sind es Empfehlungen, aber faktisch sind es keine – und das ist das Problem. Was ich Ihnen sage, habe ich mit so vielen Vertragsjuristen, mit Kruse, mit allen möglichen Leuten, die sich Sorgen machen, durchgesprochen. Das habe ich mir nicht aus dem Finger gesogen, sondern ich habe mich wochenlang damit beschäftigt, weil das mein Job ist, hier keinen Blödsinn zu reden. ( Heiterkeit bei der ÖVP. ) – Ja, ich möchte keinen Blödsinn reden. Das Thema ist, dass diese Empfehlungen der WHO – versucht einmal, ein bisschen zuzuhören – faktisch verbindliche Handlungsanweisungen sind. Wenn wir da etwas nicht machen wollen oder etwas daran ändern, müssen wir es melden. Es sind also verbindliche Verträge und es gibt ein klares Monitoring. Die WHO macht ja nicht Verträge mit allen bloß so, damit sie uns dann etwas empfehlen kann, sondern sie haben sich schon etwas dabei gedacht. So wie es immer ist: Man muss nur der Spur des Geldes folgen. Ich habe vor Kurzem ein wirklich sehr schönes Gespräch mit Dr. Wolfgang Wodarg auf FPÖ-TV gemacht. ( Heiterkeit bei der ÖVP. ) Er ist ein alter Herr, er hat auch die Schweinegrippe erlebt, die alten Parlamentarier wissen ihn wertzuschätzen. Er hat gesagt: Das Problem ist, man muss sich eigentlich nur die Börsenkurse, die Aktienkurse anschauen, dann weiß man schon, wo die Reise das nächste Mal hingehen wird. Man muss immer nur der Spur des Geldes folgen – und das wisst ihr doch eigentlich alle. Worum es mir geht, ist nicht, recht zu haben. Es geht mir darum – und dafür sind wir da –, einen Diskurs zu starten zum Wohle der Gesundheit der Menschen in diesem Land, für die wir verantwortlich sind, und nicht einfach zu sagen: Papperlapapp, das ist eh alles gut, das passt schon, das sind nur Empfehlungen. – Nein; Artikel 43 IGV: Es sind keine Empfehlungen, es sind verbindliche Handlungsanweisungen. Lesen Sie also die Aktienkurse, das „Börsenblatt“, machen Sie sich einmal wirklich schlau, wo Sie da quasi nicht widersprechen wollen! Dank dieser Regierung, die ganz einfach immer nur sagt: Es ist eh alles gut und wir halten Nachschau!, und dann selber immer Ja sagt zu dem, was ich gerade gesagt habe – erschreckend ist das –, sind wir da mittig und live dabei. Für Sie, liebe Zuschauer, wenn Sie sich nachhaltig darüber informieren möchten: Wir haben eine Homepage: www.who-pandemievertrag-stoppen.at, wir haben mehrere Interviews mit Dr. Wolfgang Wodarg zu der Thematik gemacht, der das über Jahrzehnte verfolgt hat, der auch schockiert ist, was für eine Vita der Herr Ghebreyesus aus Äthiopien hat. Solche Leute sitzen da, und solchen Vereinen wollt ihr vertrauen. Wie Herr Kaniak schon gesagt hat – er hat sich intensivst damit auseinandergesetzt, es hat ihm überhaupt keiner zugehört –: Warum reden wir nicht über die Details? Warum sagen wir nicht: Warten wir ein bisschen? Es haben zwölf Länder gesagt: Warten wir – Stopptaste! Argentinien hat gesagt: Sicher nicht! Die USA sagen: Sicher nicht! Und Sie sagen alle, weil Sie alles wissen und vor allem immer nur das reden, was Sie glauben: Ja, wir sind dabei! So war auch die Antwort von der Gesundheitsministerin an mich, sie hat schon geschrieben: Ja, ja, wir sind dabei, das ist ganz super. Es ist erschreckend, und ich finde das sehr, sehr unschön. Ich habe mir Demokratie anders vorgestellt. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Bogner-Strauß. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher hier im Plenum und wo auch immer Sie dieser Sitzung folgen! Ja, die Pandemie war eine Herausforderung. Sie war eine Herausforderung für Österreich, sie war eine Herausforderung für die ganze Welt. Regierungen, Parlamente mussten Entscheidungen treffen, diese mussten schnell getroffen werden – ja, und oft nicht mit ausreichendem Wissen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Manche haben es besser gemacht, Österreich am schlechtesten!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Wir konnten nur mit dem Wissensstand handeln, den wir zu dieser Zeit hatten. Natürlich ist es leicht, im Nachhinein zu sagen: Wir hätten es besser machen können. Ja, im Nachhinein ist man immer klüger. Ich glaube, dieses Sprichwort gibt es in allen Sprachen dieser Welt (👏 ÖVP, SPÖ), und ja, es wurden Fehler gemacht – wir stehen ja auch dazu. Aber der größte Fehler wäre gewesen, nichts zu tun. (👏 ÖVP, SPÖ) Ich darf daran erinnern, dass sich hier auch die FPÖ laut und fordernd eingebracht hat. Wer hat den ersten Lockdown gefordert? – Kollege Kickl.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wann denn? – Ruf bei der FPÖ: Wir stehen auch dazu!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Wer hat Ivermectin empfohlen? – Kollege Kickl.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer hat die Impfpflicht eingeführt? Wer hat Krankenschwestern, die ungeimpft waren, als Todesengel bezeichnet?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Das eine war grundvernünftig, das andere war tatsächlich lebensgefährdend. Ich hoffe tatsächlich, dass er das nicht mutwillig gemacht hat …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ungeimpfte Krankenpfleger und Krankenschwestern!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… sondern dass er damals nach seinem Wissensstand diese Entscheidungen getroffen und Forderungen gestellt hat. So haben wir es auch getan.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Also offensichtlich haben Sie es gewusst!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Und ja, es sind Fehler passiert, vielen von uns, in der Regierung, in diesem Haus, mir sicher auch als Landesrätin – keine Frage. Ich denke aber, es wurde auch sehr, sehr viel richtig gemacht.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was denn?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Die Impfung hat 30 000 Menschenleben in Österreich gerettet …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Bitte wiederholen, ich habe es nicht verstanden! Können Sie es noch einmal sagen, bitte? Ich glaube, es waren ...!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… und ganz, ganz vielen Menschen Leid erspart; 30 000 in Österreich, Millionen weltweit.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Keine Ahnung! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Unfassbar!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Ich erinnere an die Kurzarbeit. Die Kurzarbeit hat viele Menschen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was? Die Impfung?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Die Kurzarbeit hat viele Unternehmen über diese Zeit hinweg bestehen lassen. ( Ruf bei der FPÖ: Zuerst zusperren und dann ...! ) Fehler sind passiert, vieles wurde richtig gemacht. Um in Zukunft noch mehr richtig zu machen, sollten wir es gemeinsam tun.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Alles haben Sie richtig gemacht! Sie hat zwar nix gewusst, aber alles richtig gemacht!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Dafür brauchen wir diesen Pandemievertrag. Wozu soll dieser Pandemievertrag dienen? …

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Um uns zu schikanieren!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Um rasch zu handeln und um koordiniert zu handeln und um sich gegenseitig zu unterstützen. Deswegen finde ich es gut, dass wir heute darüber reden. Es wurden schon viele Fakten auf den Tisch gelegt, aber es wurde natürlich – und da schaue ich jetzt in Richtung FPÖ – auch viel - - ( Ruf bei der ÖVP: Geschwurbelt! ) – Verschwörungstheorie würde ich es nennen, das Schüren von Ängsten.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das ist alles eingetreten, Frau Kollegin! Alles eingetreten!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Wozu brauchen wir den Vertrag? – Um besser zu werden, um schneller zu werden, um koordiniert zu sein. Keine Nation ist in einer Pandemie gerne alleingelassen. Gibt es schon lange die Internationalen Gesundheitsvorschriften? – Ja, seit den Siebzigerjahren. Sie wurden 2005 erweitert und jetzt werden sie durch den Pandemievertrag wieder erweitert, also nichts Neues. Und, Kollege Kaniak, alle Protokolle sind transparent abrufbar und öffentlich zugänglich.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Wie viele Protokolle hat es denn ...?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Man kann sich alles anschauen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das glaube ich nicht ganz, weil die Antwort sagt, dass keine geführt worden sind! Was sagen S jetzt?

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Wird die Souveränität Österreichs beeinträchtigt? …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Wo sind ... veröffentlicht worden? Wo ist denn das veröffentlicht worden? Das täte mich jetzt interessieren!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Ich glaube, das ist die wichtigste Frage: Wird die Souveränität Österreichs beeinträchtigt? – Nein. ( Ruf bei der FPÖ: Ja! – Ruf bei der SPÖ: Nein! ) Österreich ist für internationale Zusammenarbeit, aber nicht auf Kosten der Souveränität. Das heißt, die nationale Entscheidungsfreiheit wird durch diesen Vertrag nicht eingeschränkt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich glaube, das ist das Allerwichtigste.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Gesundheitsminister!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Also, geschätzte FPÖ: Sie versuchen, Ängste zu schüren …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Eine andere Schallplatte einmal! Wahnsinn!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden. Weder die WHO noch der WHO-Generaldirektor können einen Lockdown anordnen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Gut, dass ihr so viele Schallplatten habts!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Sie können auch keine Impfpflicht verordnen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da haben wir eh die ÖVP dafür!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Die WHO kann das nicht. Sie kann nicht in innerstaatliche Entscheidungen eingreifen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber? – Abg. Kaniak [FPÖ]: Aber wir machen uns völkerrechtlich strafbar, wenn wir’s nicht umsetzen!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Bitte, geschätzte FPÖ: Bleiben Sie bei der Wahrheit, bleiben Sie bitte bei den Fakten! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Da sind wir schon! Nur weil Sie’s nicht verstanden haben, sind wir noch lang nicht nicht bei der Wahrheit!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Schüren Sie nicht Ängste! Bitte schüren Sie keine Ängste! Es war genug Spaltung in den letzten Jahren. ( Ruf bei der FPÖ: Das ist eine Unterstellung! Das sind lauter Unterstellungen! ) Ich glaube, wir sollten versuchen, zusammenzufinden. Sie wissen, wohin es geführt hat, dass die Impfung in Verruf geraten ist.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

... die Impfpflicht! Die Impfpflicht, das war das Schlimmste!

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

… Auch wir sind schlecht bei der Durchimpfungsrate, was Masern angeht. Auch wir müssen wieder über die Impfung reden, selbst wenn es jetzt ein bisschen verpönt ist und wenn es lange verschwiegen wurde: Impfungen retten Leben, weltweit Hunderttausende, Millionen, und auch die Coronaimpfung hat Leben gerettet. (👏 ÖVP) Geschätzte Damen und Herren, es gibt kein WHO-Diktat. Österreich entscheidet souverän. Der Pandemievertrag kann helfen, wo Hilfe gebraucht wird, aber er kann nicht diktieren. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Nussbaum. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ja, die letzten Jahre haben uns vor Augen geführt, wie verwundbar unsere Welt ist – nicht nur ökonomisch und ökologisch, sondern auch gesundheitlich. Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, wie schnell sich ein Virus über Grenzen hinweg verbreiten kann und wie schwer es ist, im Krisenfall adäquat, abgestimmt und solidarisch zu handeln. Vor diesem Hintergrund ist der WHO-Pandemievertrag nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Der Pandemievertrag soll sicherstellen, dass alle Länder in Zukunft gemeinsam schneller, transparenter und gerechter auf neue Bedrohungen reagieren können. Es geht um den Aufbau robuster Frühwarnsysteme, den gerechten Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten, um Forschungstransparenz, um Daten- und Informationsaustausch und vor allem um internationale Solidarität. Wie schon oft in der Vergangenheit nutzt die FPÖ Krisen aber nicht, um Lösungen zu finden, nein, sondern um bewusst Unsicherheit und Angst zu schüren. Seit Monaten werden Angstkampagnen gegen die Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften geführt.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

... andere Platte!

SPÖ Verena Nussbaum

… Auch im vorliegenden Antrag wird zum wiederholten Male behauptet, dass massive Eingriffe in die Souveränität der Nationalstaaten durch den Generaldirektor der WHO ermöglicht werden. Wenn man aber euren Antrag jetzt genauer durchliest, dann sieht man, die FPÖ schreibt selbst: Der Generaldirektor der WHO darf lediglich „entsprechende Maßnahmen“ wie beispielsweise „Empfehlungen zu Reise- und Handelsbeschränkungen“ „anregen“. Also bitte, „anregen“ und „Empfehlungen“ bedeuten im normalen Sprachgebrauch nicht, dass verpflichtende Maßnahmen angeordnet werden können. (👏 ÖVP, SPÖ) Es können eben – und das ist Fakt, und das schreibt die FPÖ selbst im Antrag – lediglich Empfehlungen abgegeben werden. Also: Die WHO kann in Österreich eigenständig keine Maßnahmen setzen. Auch nach Änderung der Internationalen Gesundheitsvorschriften sind weiterhin die österreichische Bundesregierung und wir als Nationalrat dafür zuständig, Maßnahmen in Österreich zu setzen. Aber auch aus der Anfragebeantwortung – was Kollegin Giuliani schon angesprochen hat – von Frau Bundesministerin Schumann geht hervor, dass im Rahmen dieses Abkommens keine verbindlichen Maßnahmen gesetzt werden können. So, diese Antwort versucht die FPÖ nun zu verdrehen, da sie weiterhin Verunsicherung schaffen möchte und offensichtliche Fakten nicht zur Kenntnis nehmen will. Laut FPÖ ermögliche das neue Abkommen eine Einflussnahme über politische und diplomatische Mittel durch die WHO. Da frage ich mich schon: Was versteht ihr Abgeordneten der FPÖ bitte unter politischer und diplomatischer Arbeit? Diplomatische Beziehungen und diplomatischer Austausch mit anderen Ländern und internationalen Organisationen sind doch tägliche Aufgaben für friedliche Zusammenarbeit. Nur Angst zu schüren, ist für mich nicht nachvollziehbar. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was die FPÖ allerdings besonders gut kann, ist, mit unzähligen – aus meiner Sicht unnötigen – Anfragen auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die Verwaltung lahmzulegen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Unnötige Anfragen?

SPÖ Verena Nussbaum

… Alleine 263 generierte FPÖ-Anfragen zum Thema Corona haben im Sozialministerium knapp 789 000 Euro an Verwaltungskosten verursacht. Obwohl diese Anfragen bereits in der letzten Legislaturperiode beantwortet worden sind, hat die FPÖ die Fragen nun erneut eingebracht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Und dann hat’s so viel Geld gekostet? Welche Logik ist das? Habts das dann noch einmal schreiben müssen und es hat so viel gekostet?

SPÖ Verena Nussbaum

… Da frage ich mich dann schon: Lesen Sie die Anfragebeantwortungen überhaupt, oder verstehen Sie den Inhalt nicht? …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

O ja, ich versteh’ schon: Der Verwaltungsaufwand ist zu hoch!

SPÖ Verena Nussbaum

… Also, der Pandemievertrag – das kann man auf jeden Fall sagen – bedeutet nicht die Einschränkung demokratischer Rechte, sondern deren Schutz, denn je besser wir auf Pandemien reagieren können , desto eher können wir verhindern, dass Grundrechte in Krisen überhaupt eingeschränkt werden müssen. (👏 SPÖ) Ich möchte nochmals betonen, dass in Artikel 22 des Pandemievertrages ausdrücklich steht, dass weder die WHO noch ihr Generaldirektor innerstaatliche Maßnahmen anordnen, Reisebeschränkungen verhängen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Genau! ... Lockdown ... einfach nix mehr passiert!

SPÖ Verena Nussbaum

… Impfungen erzwingen oder Lockdowns anordnen können. Das ist nicht möglich. Liebe Zuseherinnen und Zuseher: Fallen Sie nicht auf die Angstmacherei der FPÖ herein! – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Disoski. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Dieser Dringliche Antrag zur Weltgesundheitsorganisation, den die FPÖ heute hier eingebracht hat, ist alles andere als ein konstruktiver Beitrag zur internationalen Gesundheitsvorsorge. Das ist ein gesundheitspolitischer Irrweg, das mag ich auch gleich zu Beginn hier ganz genau so benennen. Das ist wieder einmal ein Paradebeispiel dafür, wie Desinformation, Misstrauen und ideologische Abschottung über wissenschaftliche Fakten und über Vernunft gestellt werden. (👏 SPÖ) Wir haben es jetzt schon von den Vorrednerinnen und Vorrednern gehört: Was wir hier gehört haben, das ist keine fundierte Kritik an den Reformen der WHO, es ist ein wirklich vehementer Frontalangriff auf faktenbasierte Gesundheitspolitik und auch auf multilaterale Zusammenarbeit. Dabei sollte es eigentlich jetzt um etwas ganz anderes gehen, nämlich um die WHO, die Weltgesundheitsorganisation. Die ist kein abstraktes, anonymes Gebilde, wie wir soeben von der FPÖ gehört haben – sie ist ein wichtiges Instrument der internationalen Solidarität ( Ruf bei der FPÖ: ... Spenden ...! ), und dieses Instrument hat eine Aufgabe: nämlich Krankheitsausbrüche früh zu erkennen, Informationen zu teilen und Leben zu retten. Das hat die WHO bei Ebola, bei Polio und auch bei Covid-19 getan – trotz der schwierigen politischen Rahmenbedingungen, die wir alle noch sehr, sehr plastisch in Erinnerung haben. Mit diesem Wissen aus der Covid-Pandemie, das ja noch sehr präsent, sehr frisch ist, sollten wir eigentlich – würde man meinen – darüber sprechen, wie wir Vorsorge besser organisieren, Leben besser schützen und dafür sorgen können, dass wir bei der nächsten Gesundheitskrise – die wahrscheinlich leider irgendwann kommen wird – schneller, transparenter und koordinierter handeln, Kollegin Giuliani-Sterrer, um Leben zu retten. Darum geht es. (👏) Genau darauf zielt diese Reform ab, um die es hier heute geht: Wir wollen die Lehren aus der Covid-Pandemie ziehen. Wir wollen, dass Staaten künftig besser, vernetzter ihre Warnsysteme koordinieren, dass diesbezüglich die internationale Koordination verbessert wird, weil wir wissen: Viren machen nicht halt vor staatlichen Grenzen oder vor irgendwelchen Festungen, sie kennen keine Grenzen. Je besser wir abgestimmt sind, desto größer ist unsere Chance, dass wir auch dementsprechend international eine gemeinsame starke Antwort finden. (👏) Darum geht es heute. Die FPÖ will Sie, liebe Zuseherinnen und Zuseher, glauben machen, dass es um eine Machtverschiebung ginge, dass irgendeine Macht in die Hände einer seltsamen apokryphen Masse WHO gelegt werden solle. Dabei geht es schlichtweg um eine bessere, schnellere Krisenversorgung. Genau darüber sprechen wir.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Deshalb gibt es den Vertrag auch! Deshalb brauchen wir einen Vertrag!

GRÜNE Meri Disoski

… Ich verstehe nicht, wie man da dagegen sein kann, wie einen das so aufregen kann.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Deshalb brauchen wir den Vertrag, Meri!

GRÜNE Meri Disoski

… Kollege Wurm! Eine verbesserte Krisenvorsorge: Darum geht es bei diesem Tagesordnungspunkt. Die WHO bleibt, was sie auch jetzt schon ist, nämlich eine beratende Organisation.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ja!

GRÜNE Meri Disoski

… Die WHO ist eine beratende Organisation. Sie bleibt eine beratende Organisation. Sie kann keine nationalen Maßnahmen anordnen, wie wir es von mehreren Rednerinnen und Rednern der FPÖ gehört haben. Das ist einfach faktenwidrig. Es stimmt schlichtweg nicht. Was sie aber künftig können soll, ist, schneller Alarm zu schlagen, wenn neue Gesundheitsbedrohungen auftauchen. Das fordert die Europäische Union. Ich glaube, das ist sehr in unserem Sinne – auch im Sinne aller Zuseherinnen und Zuseher, die uns heute zuhören –, weil es wie gesagt im Extremfall Leben retten kann. Was macht die FPÖ angesichts dieser Situation, die ich gerade geschildert habe? – Sie versucht, diese Reformen zu skandalisieren. Sie zeichnet das Bild einer WHO – und ich zitiere das jetzt – mit zu viel Macht in den Händen eines Einzelnen. Sie spricht von einem unterwanderten Geheimbund und einer neuen Weltordnung. Lassen Sie mich das wirklich unmissverständlich festhalten: Das sind keine harmlosen Chiffren. Das sind antisemitische Chiffren. ( Rufe bei der FPÖ: Was? Was? ) Das ist Antisemitismus. Das sind ganz klare Anklänge an antisemitische Verschwörungstheorien.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Halleluja!

GRÜNE Meri Disoski

… Diese Begriffe verwenden Sie – ja, ja, es zeigt sich eh; große Aufregung im FPÖ-Sektor …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Entschuldige, wenn Sie uns beschimpfen!

GRÜNE Meri Disoski

… die Wahrheit anzusprechen, tut euch anscheinend doch weh! – nicht zufällig, sie folgen einem bekannten Muster. Das kennen wir von euch. Wir hören es in jeder Plenarsitzung. Die Erzählung von einer geheimen Elite, die aus dem Hintergrund die Fäden spinnt …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die ist ja nicht geheim!

GRÜNE Meri Disoski

… marionettenartig andere kontrolliert und manipuliert.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Denken Sie so? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Die WHO ist aber nicht geheim! Ihr habt es geheim gehalten, weil Sie es heute zum ersten Mal in Ihrer Rede ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Das ist ein zentrales Element jeder antisemitischen Verschwörungstheorie. Genau auf diese Bilder greift ihr systematisch zurück. Das ist es, was ihr macht! (👏 SPÖ) Man muss es auch klar benennen: Wer so spricht, wie es die FPÖ in jeder Plenarsitzung macht, der delegitimiert nicht nur internationale Institutionen.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... systematisch der ganzen Fraktion! Ungeheuerlich! Und zwar systematisch!

GRÜNE Meri Disoski

… Was Sie machen, ist, dass Sie antidemokratische, antisemitische Denkmuster in die gesellschaftliche Mitte holen. Dafür sollten Sie sich schämen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zurück zum Thema, bitte! Zurück zum Thema! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: Und mit den Beschimpfungen aufhören, bitte!

GRÜNE Meri Disoski

… Wer die WHO dämonisiert, wie ihr das macht, wer die globale Gesundheitsvorsorge als Bedrohung darstellt, der schwächt das Vertrauen in die Wissenschaft, in die internationale Zusammenarbeit und damit letzten Endes auch das Vertrauen in unsere Demokratie. Das ist brandgefährlich, das sage ich euch, denn Vertrauen ist kein Luxus, sondern Vertrauen ist das Fundament unseres Zusammenlebens, und ihr spielt permanent mit dem Feuer, ihr versucht permanent, dieses Vertrauen zu zerstören, weil ihr davon lebt, weil ihr nur Hass und Hetze schüren könnt. Das ist euer Geschäftsmodell. Ich stehe hier als überzeugte Demokratin, gemeinsam mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen von den anderen Fraktionen, und ich sage euch: Wir werden uns dem, was ihr hier fabriziert, weiterhin mit aller Klarheit, mit aller Deutlichkeit entgegenstellen. Wir sagen Ja zu internationalen Kooperationen, Ja zu einer reformierten und handlungsfähigen WHO, Ja zu europäischer Verantwortung, auch in globalen Fragen. Wir sagen euch heute ebenso klar – wie wir es immer machen – Nein zu eurer Desinformation, Nein zu euren antisemitischen Codes ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ ) und Nein zur Normalisierung von Verschwörungsideologien, unter welchem Deckmantel auch immer ihr diese betreibt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na ja, aber Herr Präsident! Das ist ja schön langsam - -!

GRÜNE Meri Disoski

… Ja, ich verstehe eure Aufregung eh, Wahrheit tut weh und ihr regt euch auf.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wir regen uns nicht auf, wir lachen dich aus! Wir lachen dich aus! Wir regen uns nicht auf!

GRÜNE Meri Disoski

… Mir wäre es auch unangenehm und peinlich an eurer Stelle. Es wäre mir auch unangenehm und peinlich, wenn das hier so aufgedeckt wird. (👏 SPÖ, NEOS) Ich habe viel über Souveränität gehört von euch. Wisst ihr, was Souveränität im 21. Jahrhundert heißt? – Souveränität im 21. Jahrhundert heißt nicht Abschottung. ( Ruf bei der FPÖ: Flüchtlings...! ) Wer souverän ist, übernimmt Verantwortung, auch über Grenzen hinweg. Ihr stellt euch aber gegen diese Verantwortung. Ihr seid nicht dazu bereit, die Lehren aus dieser Pandemie zu ziehen. Ihr seid nicht bereit, wissenschaftliche Erkenntnisse anzunehmen, ihnen zu folgen. Was ihr tut, ist, wissenschaftliche Zusammenarbeit zu diskreditieren – und damit jenen Ast, den wir brauchen, um künftig auf internationale Krisen gut reagieren zu können, abzusägen. Wie gesagt, wir Grüne – ich kann das noch einmal sehr klar festhalten und ich bin sehr interessiert daran, zu sehen, was für eine Aufregung das bei den unterschiedlichen Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ auslöst …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wir haben dich nur ausgelacht!

GRÜNE Meri Disoski

… stehen im Unterschied zu euch für Vernunft statt für Vernebelung, für Zusammenarbeit statt für kleingeistige nationalistische Abschottung …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Islamistische Zuwanderung!

GRÜNE Meri Disoski

… für eine starke WHO, für eine solidarische, handlungsfähige EU und vor allem …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Und mit euch 8 Prozent der österreichischen Bevölkerung! Mit uns 30 Prozent! Das ist Demokratie!

GRÜNE Meri Disoski

… für eine Politik, die aufklärt, die schützt, die sicher hält und die das Vertrauen stärkt und nicht untergräbt, so wie ihr das macht.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Also mehr Establishment geht ja gar nicht mehr!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Belakowitsch. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Zuseher:innen hier im Saal und vor den Fernsehgeräten! Wissen Sie, Frau Kollegin Disoski, das ist schon eine unglaubliche Entgleisung, die Sie sich gerade geleistet haben.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Da spricht die Expertin für Entgleisungen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Der Freiheitlichen Partei pauschal Antisemitismus zu unterstellen, von antisemitischen Codes zu sprechen, nur weil wir ein Thema auf die Tagesordnung bringen, das Sie gerne verramscht hätten, uns deshalb pauschal als Antisemiten zu bezeichnen, das ist eine Entgleisung …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Hassrede! Hassrede! Anzeige!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und die weise ich aufs Allerallerschärfste zurück! …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Antisemitische Codes! Ist so!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Meine Damen und Herren! In unserem Dringlichen Antrag geht es darum, dass die Internationalen Gesundheitsvorschriften in Kraft treten, wenn nicht bis 19. Juli von der österreichischen Republik Einspruch erhoben wird. Darum geht es. Wenn Sie noch nie etwas davon gehört haben, dann liegt das schlicht und einfach daran, dass es noch nie hier diskutiert wurde, weil sämtliche Anträge, die wir zu diesem Themenbereich und zu diesem Themenkomplex eingebracht haben, in der Schublade liegen. Die wurden prinzipiell vertagt. Diese Bundesregierung und auch die Grünen möchten nicht darüber sprechen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wir haben gerade darüber gesprochen! – Abg. Silvan [SPÖ]: Haben wir gerade!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Sie möchten auch nicht mehr an die Zustände, die wir hatten, erinnert werden. Genau das ist der Grund, warum wir heute erstmals im Plenum tatsächlich über die Internationalen Gesundheitsvorschriften, ihre Änderung und den WHO-Pandemievertrag sprechen. Ich glaube, dieses Thema ist es wert, diskutiert zu werden. (👏 FPÖ) Jetzt korrigiere ich mich gleich einmal selber: Ich glaube es nicht, sondern ich bin davon überzeugt, und es hätte schon viel früher stattfinden müssen. Ich glaube, es ist schade, dass Sie von den Regierungsparteien es nicht für notwendig erachtet haben – weder in der Vergangenheit noch jetzt –, die Bevölkerung diesbezüglich zu informieren. Stattdessen stellt sich einer nach dem anderen heraus und erklärt irgendetwas von Spaltung. Da ist dann alles mit hineinverpackt: Angstmache. Da werden dann Plakate hochgehalten, wie viele Masernfälle es gibt. Das ist klassische Angstmache, Herr Kollege Silvan. Den Leuten Angst zu machen, dass sie krank - - ( Widerspruch bei den Grünen ), das ist klassische Angstmache, was Sie hier betrieben haben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ist in der Dringlichen Anfrage gewesen!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Die Kollegin von der ÖVP, die übrigens in der Steiermark bekannt wurde, als sie ungeimpfte Pfleger:innen als Todesengel beschimpft hat, war jene Kollegin von der Österreichischen Volkspartei (👏 FPÖ), die sich hierhergestellt hat und gesagt hat, es musste ja alles schnell gehen – da bin ich bei Ihnen, es musste schnell gehen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ich finde, Sie sollten sich noch über die Zwischenrufe beschweren! – Heiterkeit der Abg. Gewessler [Grüne]

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… es musste alles rasch gehen, und wir haben es nicht gewusst. – Komisch, Ihr Bundeskanzler damals hat aber gewusst: Jeder wird jemanden kennen; es wird 100 000 Tote geben. – Wenn Sie es nicht gewusst haben, dann hätten Sie all diese Behauptungen nicht aufstellen dürfen. (👏 FPÖ) Ich glaube Ihnen schon, Sie wollen nicht daran erinnert werden, denn die Folgen Ihrer Politik, der Politik dieser drei Coronajahre, haben wir heute noch überall. Die haben wir bei unseren Kindern und Jugendlichen, die Sie aus den Schulen ausgesperrt haben, die massive psychische Probleme haben.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... muss ein Untersuchungsausschuss her!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Aus einer Anfragebeantwortung aus dem Gesundheitsressort ist hervorgegangen, dass die Suizidrate bei den unter 20-Jährigen ein Plus von 55 Prozent aufweist. Ein Plus von 55 Prozent bei der Suizidrate, das ist auch eine Folge dieser Coronapolitik! (👏 FPÖ) Sagen Sie nicht, im Nachhinein ist man immer klüger. Wir haben Sie bereits 2020 darauf aufmerksam gemacht, dass es keinen einzigen Experten gegeben hat, der Schulschließungen empfohlen hat. Nicht einen! Dennoch haben Sie das durchgezogen. Sie haben unseren Kindern eineinhalb Jahre Zeit gestohlen, und das ist für Kinder eine sehr, sehr lange Zeit. (👏 ÖVP, FPÖ) Sie haben unsere alten Leute in den Pflegeheimen eingesperrt, die durften keinen Besuch bekommen, die sind teilweise alleine verstorben, ohne ihre Liebsten noch einmal zu sehen. Sie haben schwer kranke Menschen eingesperrt, die durften einen Besucher pro Woche haben – mit der Begründung: Es ist eine pandemische Situation. Da waren schwer kranke Leute dabei, die ihre Kinder nicht mehr sehen konnten; Mütter, die gestorben sind, die ihre Kinder nicht mehr sehen konnten; Kinder, die ihre Mütter vor dem Tod nicht mehr besuchen durften.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

... Corona gestorben!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Auch das war Folge dieser unmenschlichen, sinnlosen Coronapolitik! (👏 FPÖ) Sie haben Ärzte unter Druck gesetzt. Sie haben die Approbationen entzogen. Sie haben Wissenschafter als Coronaepidemiologen verächtlich gemacht! Das ist alles passiert …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Nein!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… und dann werfen Sie uns vor, wir hätten die Bevölkerung gespalten?! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Absurd! – Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… Der damalige Innenminister hat sich hergestellt und die Menschen tatsächlich eingeteilt! Es war im Ausweichquartier, es war nicht hier herinnen, es war drüben in der Hofburg, und er hat wortwörtlich gesagt: Es gibt die Braven und Guten, die sich an alles halten, und dann gibt es die, die sich an nichts halten, das sind die Lebensgefährder! – Das ist ein Originalzitat vom damaligen Innenminister Karl Nehammer. Sie werden sich vielleicht noch ein bissl an ihn erinnern können, meine Damen und Herren! (👏 FPÖ) Genau das ist es gewesen, genau diese Politik! Sie sind nicht willens, sich heute hierherzustellen und zu sagen: Ja, wir haben eine Menge, Menge Fehler gemacht! – Stattdessen belobigen Sie sich …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Das stimmt ja nicht! Wir haben keine Fehler gemacht!

FPÖ Dagmar Belakowitsch

… klopfen sich auf die Schultern und sagen: Alles ist super gewesen! – Und nein, das war es nicht! Sie geben jetzt die Instrumente der WHO in die Hand. Was, glauben Sie, wird passieren, wenn eine Empfehlung der WHO kommt und Österreich sich nicht daran hält? Das wird genauso sein wie bei Corona, da gibt es dann die gefährdeten Gebiete, Krisengebiete, wo ein großes Gefährdungspotenzial besteht. Wir haben das auch bei Corona in Regionen, wo viele Ungeimpfte waren, gehabt, wo dann für Tourismusbetriebe ein Nachteil entstanden ist, weil das Gebiet dort gefährdet war. Genau das wird man dann eben mit Ländern machen, die nicht alle Vorgaben erfüllen: Wir werden an den Pranger gestellt werden. All das verschweigen Sie hier, Sie wollen am liebsten gar nicht darüber reden. Darum war es richtig und wichtig, dass wir heute darüber diskutieren! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Disoski zu Wort gemeldet. – Sie kennen die einschlägigen Bestimmungen. Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke, Herr Präsident. – Abgeordnete Belakowitsch hat in ihrer Rede eben behauptet, ich hätte der FPÖ pauschal Antisemitismus unterstellt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, haben Sie! – Rufe bei der FPÖ: Ja!

GRÜNE Meri Disoski

… Diese Aussage ist falsch und ich berichtige hiermit tatsächlich, dass ich in meiner Rede, in meinen Ausführungen darauf hingewiesen und kritisiert habe, dass die FPÖ in Ihrem Dringlichen Antrag antisemitische Codes und Verschwörungstheorien verwendet.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Genau, so war’s! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Das war eine tatsächliche Bestätigung!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Steiner. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. Das ist auch die Restredezeit der gesamten Fraktion.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Jetzt haben wir es geschafft, dass acht Redner von der Coronaeinheitspartei …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Meine Güte, was wir alles sind!

FPÖ Christoph Steiner

… da heraußen waren, und nicht einer …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Der Schmäh ist ja nicht einmal bei dir daheim witzig!

FPÖ Christoph Steiner

… nicht ein einziger Redner dieser Einheitspartei hat es der Mühe wert gefunden, sich bei nur einem Österreicher, der unter eurer Ägide drei Jahre lang gelitten hat, zu entschuldigen.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Es geht um den Pandemievertrag!

FPÖ Christoph Steiner

… Das ist euer Charakter, schämt euch in Grund und Boden! (👏 FPÖ) Ja, Frau Landesrätin außer Dienst …

GRÜNE Bogner-Strauß ) (Zwischenruf)

Hat sich die Frau Belakowitsch für ihre Lügen entschuldigt?

FPÖ Christoph Steiner

… Lügen! Da schreit ein Grüner „Lügen“ heraus! Ich darf erinnern …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ob sie sich entschuldigt hat!

FPÖ Christoph Steiner

… an Kollegen Mückstein und daran, was der da aufgeführt hat, an Kollegen Rauch mit den abgelaufenen Impfdosen, die verimpft worden sind. Abgelaufene Dosen hat er verimpft und behauptet, keine einzige Impfdosis sei abgelaufen, und dabei ist nur das Etikett getauscht worden. Das waren Lügen! – Entschuldigung, Herr Präsident, ich nehme es sofort wieder zurück: Das waren Unwahrheiten. Jetzt wird über den ganzen Wahnsinn, über die Schließungen hinweggesehen – in Wien habt ihr ganze Parks geschlossen, den Wienern ist in den Wohnungen die Decke auf den Kopf gefallen; das war alles egal –, darüber redet kein Mensch mehr. Alte Leute habt ihr mit dem Gedanken: Was habe ich meinen Familienangehörigen getan, dass mich niemand mehr auf den letzten Metern meines Lebens begleitet? – weil sie es ja nicht mehr gewusst haben –, alleine sterben lassen. So habt ihr alte Leute, die diesen Staat aufgebaut haben, sterben lassen. So seid ihr mit der Generation umgegangen, die dieses Land und den Wohlstand aufgebaut hat, über den wir uns alle glücklich schätzen können. Keiner entschuldigt sich – das ist charakterlos! (👏 FPÖ) Ninjapass: Das muss man sich einmal vorstellen! – Frau Gewessler, Sie können schon lachen, Sie waren in dieser Regierung , die bei Kindern einen Ninjapass eingeführt und Kinder in Kinder von guten Eltern und in Kinder von bösen Eltern separiert hat. Die Kinder wurden am Schulhof in geimpft und nicht geimpft separiert. Da lachen Sie, Frau Gewessler, aber das ist Ihr Charakter. Danke, dass Sie uns das heute hier zeigen! (👏 FPÖ) Unglaublich! Unglaublich! Kinder zu separieren – die Grünen – und dann über Kinderrechte zu sprechen – nehmen Sie, Frau Gewessler, nie wieder das Wort Kinderrechte in den Mund, nie wieder! Und dann wird gesagt, das seien jetzt nur Empfehlungen von der WHO und es werde eh nichts passieren – das hat die Frau Staatssekretärin gesagt. Es wird natürlich keine Ausgangssperren geben!, hat Nehammer behauptet – fünf Tage später gab es diese. Es wird natürlich keine Impfpflicht geben! – Ein paar Tage später wurde am Achensee – der Gesundheitsminister hätte es eh bald nicht geschafft, weil er sein E-Auto fünf Mal aufladen musste – die Impfpflicht beschlossen, mit einem Günther Platter, dem Vater der Impfpflicht, den das dann seine politische Karriere gekostet hat. Schallenberg: für Ungeimpfte ungemütliche Weihnachten!, und so weiter. Was ihr uns alles ausgerichtet habt: Wir wollen die Zügel für Ungeimpfte straffer ziehen!; die Edtstadler – jetzt Landeshauptfrau in Salzburg – wollte mich aus meinem Heimatland ausweisen …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Weil ihr den Lockdown haben wolltet! Wir haben euch gestützt!

FPÖ Christoph Steiner

… weil ich nicht geimpft bin. Was ihr alles behauptet und gesagt habt …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Ihr habts den ersten Lockdown wollen!

FPÖ Christoph Steiner

… und dann werft ihr uns Spaltung vor! Wo lebt ihr denn? Wo lebt ihr? (👏 FPÖ) Elisabeth Köstinger hat davon gesprochen: Freiheitliche haben Blut an ihren Händen! – Das müsst ihr euch einmal vorstellen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist so eine erbärmliche Rede! Unglaublich ist das!

FPÖ Christoph Steiner

… Erbärmlich? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ja, du bist erbärmlich!

FPÖ Christoph Steiner

… Richtig, der von den NEOS hat gesagt, das war erbärmlich. Danke, das war erbärmlich! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Diese Rede! Diese Rede!

FPÖ Christoph Steiner

… Das ist nicht meine Rede, das sind nur Zitate, Herr Kollege von den NEOS. Die kommen nicht von mir, das hat mit erbärmlich nichts zu tun. (👏 FPÖ) Du kannst zu all jenen hingehen, ruf sie alle persönlich an, die das behauptet und gesagt haben, und sage ihnen, wie erbärmlich sie waren! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du bist so eine peinliche Figur!

FPÖ Christoph Steiner

… Ob ich eine Figur bin oder nicht, das überlass bitte mir und beurteile mich nicht, Kollege! Das ist nämlich sehr tief …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was macht der Herr Steiner diese ganze Rede lang schon?

FPÖ Christoph Steiner

… aber wir sind es von den NEOS eh gewöhnt. Von dir sowieso, Herr Kollege Shetty, weil dir die Macht zu Kopf gestiegen ist, aber das spürt ihr in der Fraktion jetzt eh! Ein Riesenproblem ist das, dass dir die Macht zu Kopf gestiegen ist! Aber woher sollst du das denn auch wissen, mit null Berufs- und Lebenserfahrung? (👏 FPÖ) Deshalb lassen wir uns hier herinnen mit Sicherheit nie wieder – nie wieder! – von euch vorwerfen, wir würden spalten oder hetzen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Redezeit! – Zwischenruf der Abg. Disoski [Grüne].

FPÖ Christoph Steiner

… Schlusssatz: Hier ( in Richtung Grüne ) sitzen die Spalter und die Hetzer – schwarz auf weiß dokumentiert. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Klubobmann Kucher. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. (Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Er hat sich für den Untersuchungsausschuss qualifiziert!)

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Abgeordneter Wurm ist heute herausgekommen, fast ein bissl weinerlich, und hat uns entgegengeworfen, er hätte das Gefühl, wir würden den Dringlichen Antrag der Freiheitlichen nicht ganz ernst nehmen. Das muss ich wirklich zurückweisen, denn ich habe mir den Antrag der FPÖ heute sehr intensiv angesehen und mir gedacht, ihr verdient es ja wirklich, dass man intensiv nachschaut, und nur künstliche Intelligenz kann dabei helfen, diese Gedankenwelten nachzuvollziehen. ( Heiterkeit bei den Grünen. ) Ich bin dabei draufgekommen, dass das, was ihr da über den Pandemievertrag schreibt, zu den bekanntesten Verschwörungstheorien der Welt gehören dürfte. Ich bin dann irgendwie neugierig geworden und habe mir gedacht, Verschwörungstheorien, das fasziniert mich jetzt, und ich habe gefragt: Was sind denn so bekannte und absurde Verschwörungstheorien? Da ist dann eine ganze Liste gekommen: Das eine war die Mondlandung – ist die gefakt gewesen, ja oder nein? Ist die Erde eine Scheibe? Das ist auch ein strittiger Punkt in der Freiheitlichen Partei. Dann ein Punkt – da bin ich eher unverdächtig –: Anscheinend kann man sich auch von Licht ernähren. Ist also Lichtnahrung eine Möglichkeit, sich zu ernähren? Aus der Sicht der FPÖ ist das dann wahrscheinlich Trennkost. Dann gibt es die Theorie, dass die Welt heimlich von den Eliten beherrscht wird, und das dürften Reptiloiden sein, also Echsenmenschen – Angela Merkel, angeblich die Queen, Obama. Das ist auch eine bekannte Theorie, an die viele glauben. – Nicht so nervös werden! Anscheinend gibt es einige in der FPÖ, die wir jetzt erwischt haben. Da gibt es bekannte Geschichten – das haben wir auch schon öfter von der FPÖ gehört –: Bill Gates, der die Menschen heimlich über Impfungen chippen möchte. Dann haben wir das Blabla über die WHO-Diktatur, über Chemtrails und Wahrsagerei – alles Dinge, die wir gehört haben. Je länger ich da nachgelesen habe, desto öfter habe ich mir gedacht, dass ich das irgendwoher kenne, und ich bin draufgekommen: Die Hälfte der ganzen Verschwörungstheorien steht ja inzwischen eins zu eins im Wahlprogramm der FPÖ. Das ist ja eins zu eins das, was die FPÖ inzwischen auch abgeschrieben hat.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Was konkret? Es stimmt ja nicht!

SPÖ Philip Kucher

… Ich bin, glaube ich, nicht dafür bekannt, dass ich groß Herbert Kickl verteidige, aber ich sage es in dieser Runde offen: Herbert Kickl hat einen großen Beitrag zur weiteren Radikalisierung der FPÖ geleistet, aber begonnen hat es doch schon vorher, oder? Und wer waren diese Radikalisierer bei euch? Der eine war der Hofer, gemeinsam mit Herrn Strache. ( Ruf bei der FPÖ: Der Hofer war’s! – Heiterkeit bei der FPÖ. ) Erinnert ihr euch noch? Begonnen hat es so: Die beiden kritischen Geister dürften auf den Himmel geschaut haben und sind draufgekommen: Da sind Wolken am Himmel. Und wenn ein Flugzeug vorbeifliegt, kommen hinten so Kondensstreifen heraus.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Zur Sache kommen! Ist ja peinlich!

SPÖ Philip Kucher

… Die sind aber kritische Geister, sie würden als Freiheitliche eine Erklärung, die Prof. Taschner abliefern würde, nicht glauben.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Das wird ja ein Plus!

SPÖ Philip Kucher

… Sie haben gesagt, das sind Chemtrails, mit denen möchte man die Menschen irgendwie manipulieren. Daraufhin haben die Freiheitlichen gesagt, da sie ja kritische Geister sind: Dafür braucht es parlamentarische Anfragen. Und man hat gesagt, man muss sich diese Chemtrails einmal ganz genau anschauen. Strache ist dann einmal gefragt worden: Glaubst du wirklich an diese Chemtrails? Und dann hat er darauf geantwortet: „Das ist keine Glaubensfrage. Das ist ein Bereich, wo manche diese Dinge kritisch hinterfragen.“ …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Ist der Klubobmann oder Märchenerzähler? – Heiterkeit bei der FPÖ.

SPÖ Philip Kucher

… Und dann sagte er, er höre „immer wieder von anderen Dingen. Beispielsweise beim Klimawandel (...)“, wo man kritisch hinterfragt und auch das Thema hat, dass da die Menschen manipuliert werden. Hochwasser, Muren, Waldbrände, dass es immer heißer wird, das ist aus Straches Sicht auch alles eine Verschwörung gewesen. Und was damals noch spannender war: Heute schimpfen die Freiheitlichen ja ganz oft über die Expertinnen und Experten. – Das ist ja aus eurer Sicht ein Schimpfwort. Aber ihr wart die Ersten in dieser Republik, die auf Experten gesetzt haben, und das noch dazu auf Beratungskosten durch die FPÖ. Eine der ganz großen Expertinnen bei euch war Frau Tina, eine Wahrsagerin. Sie war Beraterin von H.-C. Strache – 6 000 Euro auf Regimentskosten, hat alles die FPÖ gezahlt dafür, dass Herr Strache von der Wahrsagerin beraten worden ist. Und anscheinend hat sie ihm auch gesagt, er braucht eine geweihte Metallplatte, die er sich in die Unterhose steckt, anscheinend dürfte das Herrn Strache auch geschützt haben. Das war Frau Tina. ( Anhaltende Heiterkeit bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. ) Und weil es heute öfter auch Thema war: Die FPÖ Tirol dürfte ein ganz besonderes Habitat sein. Aus der FPÖ Tirol kommen ganz kritische Geister. Da wären die Herren Wurm und Steiner, und einige hier im Haus werden sich noch an Herrn Ex-Abgeordneten Hauser erinnern. Er ist Jahr für Jahr immer mehr hineingekippt und wurde schließlich Experte für fast alles. Er hat dann auch zwei Bücher geschrieben. ( Rufe bei der FPÖ: Drei! ) Das Spannende war, dass er sich überall auskennt. Ich möchte den Titel seines zweiten Buches, wie er ihn bei einer Präsentation selber auf Englisch formulierte, zitieren: „The schwurblers proved right in fact.“ Herr Hauser hat sich ganz intensiv auch mit Corona beschäftigt und hat dann als kritischer Geist folgende Anfrage an den Gesundheitsminister gestellt: „Ist Ihnen bekannt, dass Corona-Pandemie seitens der Eliten seit Jahren vorbereitet wurde?“ ( Heiterkeit bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. ) Wow! Herr Hauser! Ich will aber auch helfen. Da hilft uns allen Chat-GPT weiter. Chat-GPT hat mir freundlicherweise Tipps dazu gegeben, wie man Menschen, die Opfer von diesen Verschwörungstheorien sind, überzeugen kann.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Ihr kennt euch ja nicht einmal mit Excel aus! Lasst es lieber!

SPÖ Philip Kucher

… Der eine Punkt ist: Grenzen setzen bei der Radikalisierung. Man muss Stopp sagen, gerade wenn es in Richtung Antisemitismus, Rassismus oder Demokratiefeindlichkeit geht. Es gibt aber zwei andere Dinge, die auch wichtig sind. Das eine ist der Dialog mit Zweifelnden, also Fakten anbieten, ohne zu belehren. Das versuche ich gerade. ( Heiterkeit bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. – Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. ) Und der zweite Punkt ist die Vermeidung von Eskalation, also keine Bloßstellungen.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Andere lächerlich machen ist ja auch nicht gerade schön! Du machst dich nur selber lächerlich!

SPÖ Philip Kucher

… Und wichtig ist es, Emotionen anzusprechen, also zum Beispiel zu sagen: Ich sehe, das macht dir Sorgen. Das haben wir heute sehr, sehr oft bekommen. ( Anhaltende Heiterkeit und Beifall bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. ) Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu komplex werde, denn man soll aufklären, aber nicht überladen. Deswegen möchte ich euch noch einmal kurz den Pandemieplan erklären. Eine kleine Analogie vielleicht: Wenn irgendwo ein Atomkraftwerk in die Luft fliegen würde, wollten wir dann informiert werden, und hätten wir gern funktionierende Alarmierungssysteme? Oder hätten wir gern, dass sich dann dort irgendwelche Leute hinsetzen, einen Sesselkreis bilden und sagen: Diskutieren wir einmal, ob die Strahlung gefährlich ist oder nicht!? – Ist es da nicht doch besser, wenn es funktionierende Alarmpläne gibt? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist ja nicht einmal witzig!

SPÖ Philip Kucher

… Dasselbe gilt natürlich auch bei gefährlichen Viruserkrankungen. Gefährlichen Strahlungen und gefährlichen Krankheitserregern sind nämlich Landesgrenzen völlig egal. Und wisst ihr, was noch schlimmer ist? Den Viren und der Strahlung ist auch völlig egal, ob die FPÖ an sie glaubt oder nicht. Vorbereiten müssen wir uns trotzdem. ( Anhaltende Heiterkeit und Beifall bei SPÖ, ÖVP, NEOS und Grünen. ) Und dasselbe, was wir im Zusammenhang mit Atomreaktoren machen, nämlich dass wir uns vorher vorbereiten, Alarmpläne machen für den Fall, der hoffentlich nie eintritt, werden wir doch hoffentlich auch im Pandemiemanagement schaffen: Funktionierende Informationsstrukturen, kein Vertuschen, sondern ganz klare, transparente Ablaufpläne, damit wir eben Menschenleben schützen können! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Pöttinger. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Der war das mit den Intensivbetten!)

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Können Sie jetzt das mit den Intensivbetten noch einmal erklären?

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Danke, Philip Kucher , für diese Cool-down-Phase. ( Ruf bei der SPÖ: Er hat recht, oder ...? ) Ich habe mich zu Wort gemeldet, weil vorhin zwei Redner von der FPÖ dran waren und man es fast nicht ausgehalten hat.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Erklären Sie noch einmal das mit den Intensivbetten bitte! Das war sehr spannend!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es ist tatsächlich so: Wir reden von der WHO – danke, dass ihr dieses Thema ausgespielt habt. Es ist großartig, was die WHO leistet. Wir können uns alle wirklich glücklich schätzen, dass diese Informationen zu uns kommen. Es geht sehr viel um Informationen darüber, wo Gefahren sind. Wir alle wissen noch ganz genau, wie schlimm das war mit der Pandemie. Auch Sie wissen es ganz genau – die FPÖ war ja die erste Partei, die den Lockdown gefordert hat. Darauf können Sie stolz sein! Wir haben Ihnen sogar gefolgt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber dann nimmer leider! Wie wir gesagt haben, jetzt ist genug ...! – Ruf bei der FPÖ: Nach zwei Wochen haben wir’s kapiert!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es hat einen Lockdown gegeben, und die FPÖ hat gesehen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wir haben dann gesagt, jetzt ist genug!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Hoppala, alle Parteien sind jetzt auf einmal für einen Lockdown. Das kann doch nicht sein, da muss man doch irgendwie dagegen sein! – Das ist halt die Politik der FPÖ. Schauen Sie einmal nach in den letzten Beschlüssen, die wir hatten, wo Sie überall dagegen waren! Einfach unglaublich! Da fragt man sich: Wie gibt’s das? – Das ist das Spiel mit der Angst. Ein paar Leute findet man immer, die dann Angst haben, und von diesen Wählern leben Sie dann auch. Ja, das muss man so deutlich sagen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Jeder wird jemanden kennen, der gestorben ist!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Ich bin sicher, wenn damals in der Coronazeit hier eine andere Partei gegen einen Lockdown gewesen wäre, dann hätten Sie wahrscheinlich nicht einmal umgeschwenkt, aber so haben Sie wieder das Alleinstellungsmerkmal – großartig. Dann haben Sie noch Ivermectin empfohlen, ein Entwurmungsmittel für Pferde, an dem dann Leute gestorben sind, und das wird bis heute verteidigt. Offensichtlich hat man nichts dazugelernt. Das ist wirklich unglaublich! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... diese Forderung ... Medikament, Punkt eins!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Manfred Haimbuchner wäre fast gestorben. (Zwischenruf der Abgeordneten Brückl [FPÖ] und Deimek [FPÖ]. – Ruf bei der FPÖ: Persönliches Schicksal !) Man muss es so deutlich sagen: Es ist einfach so gewesen, dass wir alle nicht gewusst haben, was auf uns zukommt. Wie haben wir darauf reagiert? Wir haben das Beste daraus gemacht, und ich sage, zu 80 Prozent hat es die Regierung richtig gemacht! Das habe ich schon immer gesagt. (👏 ÖVP) Zu 20 Prozent waren mit Sicherheit auch Fehler dabei. Aber die 80 Prozent sind ein sehr, sehr hoher Wert.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das behaupten Sie einfach! – Ruf bei der FPÖ: 100 000!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es war so, weil uns die Menschen am Herzen liegen, das wissen Sie alle. Ich unterstelle auch Ihnen, dass Ihnen die Gesundheit eigentlich etwas wert ist, aber die Oppositionspolitik treibt Sie offensichtlich in diese Situation, dass Sie gegen alles sein müssen, wo alle anderen eigentlich dafür sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Können Sie jetzt noch einmal auf die Intensivbetten bitte eingehen?! ... damals schon so ... gelöst, das Problem!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Schattenboxen gegen Feinde, die Sie selbst erfinden“. – Dieser Satz von Ralph Schallmeiner ist großartig, muss ich ganz ehrlich sagen; er ist zuerst unter seinem Wert geschlagen worden. „Schattenboxen gegen Feinde, die Sie selbst erfinden.“ (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ja, das trifft den Nagel auf den Kopf! Das ist die eigentliche Wahrheit.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist Ihre Meinung!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Ganz ehrlich, die schlimmste Art, Politik zu machen, ist das Spiel mit der Angst.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist aber Ihre Meinung!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Ja, es stimmt schon, dass es meine Meinung ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

100 000 Tote!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… aber das Spiel mit der Angst ist die schlimmste Art, Politik zu machen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das habt ihr drei Jahre ...!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Schauen wir uns den WHO-Vertrag an. Was wird hier jetzt geändert? – Einführung der Warnstufe „pandemischer Notfall“, Stärkung von Solidarität und Gerechtigkeit, verbesserte Unterstützung bei Krankheitsausbrüchen, Empfehlungen zu Produktion und Lieferketten von Gesundheitsprodukten. – Warum seid ihr da dagegen? ( Ruf bei der FPÖ: Wenn du zugehört hättest, dann würdest du es wissen! ) Ihr erfindet Geschichten, die nicht existent und nicht wahr sind, und das ist genau das Problem. Liebe Abgeordnete hier im Haus, ich bin froh, dass die Mehrheit hier vernünftig ist. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Klubobmann Shetty. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher – es sind ja noch ein paar hier –, Sie fragen sich vielleicht auch: Gäbe es nicht eigentlich wichtigere Probleme, mit denen wir uns beschäftigen könnten, zum Beispiel mit der Herausforderung in der Integrationspolitik oder damit, wie wir in der Wirtschaftspolitik vorankommen oder was den Industriestandort Österreich betrifft? Da gibt es ja unterschiedliche Auffassungen hier im Haus. Die FPÖ aber kommt hier heraus – ohne Anlass, ohne Not – und macht den WHO-Pandemievertrag zum Thema. Glauben Sie eigentlich wirklich, dass sowohl Ihre Wähler:innen als auch die Wähler:innen der anderen Fraktionen sich für Ihre Vergangenheits- und Traumabewältigung interessieren? Glauben Sie das wirklich? …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wir wissen das!

NEOS Yannick Shetty

… Wissen Sie, wenn man in Ihre Reihen schaut: Herr Fuchs oder Herr Schiefer, die Menschen, die da irgendwie einen vernünftigen Zugang haben, die schauen ja nur beschämt zu Boden, wenn hier Frau Belakowitsch redet (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS), wenn hier Herr Steiner redet, wenn hier Frau Giuliani redet. Die Kollegin Katayun Pracher-Hilander hat da noch in dieser Aufzählung gefehlt. Das ist Ihnen doch selber peinlich, was Sie hier aufführen, das ist doch letzte Klasse, was Sie hier liefern – immer das Gleiche. Kollege Wurm hat gesagt, und da hat er vielleicht recht: Von Ihnen allen kommt immer die gleiche Schallplatte. – Ja, das gestehe ich Ihnen schon zu, weil es schwierig ist, Ihnen mit etwas anderem zu kontern als immer mit dem Gleichen, was wir hier sagen. Wissen Sie was? Bei Ihnen kommen da fünf Schallplatten heraus, aber sie spielen alle genau die gleiche Nummer, und ich sage es Ihnen: Wir können es nicht mehr hören, und die Menschen da draußen auch nicht mehr! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wissen Sie, Frau Belakowitsch, Herr Steiner, Frau Giuliani, wenn Sie hier herauskommen und uns allen vorwerfen, dass wir die Spalter wären, während Ihre Reden nur so vor Hass triefen, während Ihre Reden nur so vor Spaltung triefen, dann sollten Sie sich bitte einmal in den Spiegel schauen. Das ist einfach unerhört. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wissen Sie, ich bin der Letzte, der sagt, dass die letzte Regierung keine Fehler gemacht hat. Ja, Sie wissen, wir haben zum Beispiel beim Thema der Schulschließungen auch immer sehr heftige Kritik geübt.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Der Loacker!

NEOS Yannick Shetty

… Aber ich würde nie auf die Idee kommen, jenen, die damals, in einer schwierigen Zeit, Verantwortung getragen haben – wir haben die Regierung auch regelmäßig kritisiert, waren häufig auch mit Ihnen von der FPÖ einer Meinung, wenn es zum Beispiel um die Lockdowns ging –, zu unterstellen, dass sie mit Vorsatz gehandelt haben, dass sie mit Vorsatz das getan haben, was Sie hier unterstellen. Das ist einfach unwürdig, und Sie sollten sich für diese Art, Politik zu machen, schämen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir wissen ja alle, warum Sie das machen: Das war jetzt ein paar Jahre Kassenschlager bei Wahlen, immer wieder diese Coronaplatte aufzuwärmen. Aber ich glaube, Sie spüren es selber eh auch und viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen wissen und denken es sich auch, dass es dann langsam reichen wird.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Im Gegenteil!

NEOS Yannick Shetty

… Sie sollten sich überlegen, ob Sie Ihre Traumabewältigung, was diese Zeit betrifft, nicht vielleicht irgendwie im Stillen machen, anstatt hier am Rednerpult die Castingshow für den nächsten Untersuchungsausschuss zu machen. Darum geht es ja eigentlich: wer dort dann noch einmal die ganze Coronaplatte aufwärmen darf. Wir sollten hier über die wichtigen Probleme reden, die kontrovers sind, wo wir hart in der Sache streiten sollen – aber nicht immer wieder diese gleiche Traumabewältigung. Die Menschen können es nicht mehr hören.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Das entscheidest aber nicht du, was wichtig ist und was nicht!

NEOS Yannick Shetty

… Ich möchte an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung rufen, dass sich Frau Kollegin Belakowitsch bis heute, wo Sie hier wieder nur Spaltung betrieben haben, noch immer nicht entschuldigt hat dafür, was sie am Rednerpult gesagt hat. Sie wissen es ganz genau.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Dann entschuldigen Sie sich dafür!

NEOS Yannick Shetty

… Sie wissen es ganz genau. Ich darf in Erinnerung rufen, was sie – Ärztin, Gesundheitssprecherin – in der Pandemie gesagt hat: dass auf den Intensivstationen dieses Landes mehr Personen mit Impfschaden liegen als Coronapatienten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ich war gar nicht Gesundheitssprecherin! Schlecht recherchiert!

NEOS Yannick Shetty

… Wissen Sie, wie respektlos das ist jenen gegenüber, die aufgrund von Corona Angehörige verloren haben?! Wissen Sie, wie respektlos das ist?! Auch dafür haben Sie sich immer noch nicht entschuldigt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich finde es so bezeichnend, dass Sie, die Sie den anderen immer Spaltung unterstellen, bei jeder Gelegenheit immer nur den Zwist suchen, immer nur das Trennende suchen, immer nur das suchen, was uns auseinanderbringt – wir sind jetzt nicht mehr in der Pandemie, wir sind nicht mehr in einer Akutphase –, und jede Gelegenheit nutzen, wieder genau dieses Trennende herauszugreifen. – Das ist nicht mein Zugang, Politik zu machen, nicht unser Zugang, Politik zu machen – Ihrer ist es, und ich finde, das ist kein guter. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir gelangen zur Abstimmung über den Selbständigen Antrag 360/A(E) der Abgeordneten Kaniak, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Nie wieder Coronaregime: Nein zu den Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Antrag sind, um ein entsprechendes Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 13-14, 35. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 16:55

ÖVP Andreas Minnich

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Abgeordnetenkollegen im Hohen Haus! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Wenn Sie vorher die Debatte über die Gefährderüberwachung verfolgt haben, dann ist auch für Sie als Zuschauer wahrscheinlich mit heutigem Tag klar, dass die FPÖ als Sicherheitspartei abgedankt hat. Sie hat nämlich ein klares Zeichen gegen die Gefährderüberwachung gesetzt, die für unser Land entscheidend ist, um Terrorismus und Anschläge hier in Österreich, in unserem wunderschönen Land, abzuwehren. Aber nicht nur das, sie hat hier im Parlament vor wenigen Wochen auch gegen das Gesetz zum Stopp des Familiennachzugs gestimmt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist kein Stopp!

ÖVP Andreas Minnich

… In der Zwischenzeit dürfte aber in der Partei, bei den Mitgliedern der FPÖ ein bisschen ein Umdenken stattgefunden haben und auf Druck der eigenen Wählerschaft ein bisschen ein Umschwung gekommen sein. Man hat nämlich in der Zwischenzeit im Hauptausschuss für diese Verordnung zum Stopp des Familiennachzugs gestimmt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Vorher nicht zugehört!

ÖVP Andreas Minnich

… Ich hoffe, dass das vielleicht auch eine Richtschnur für viele andere Themen ist, dass Sie sich da auch besinnen und auch konstruktiv an Lösungen arbeiten. (👏 ÖVP) Dass hier nämlich konstruktiv gearbeitet wird, sieht man an all den Maßnahmen, die jetzt auch schon Wirkung zeigen. Wir haben mit dem Stopp des Familiennachzugs …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist kein Stopp!

ÖVP Andreas Minnich

… etwas gemacht, weswegen ganz Europa auf unser Land schaut, und es wird jetzt auch schon sichtbar, dass es wirkt. Wir haben den Außengrenzschutz massiv verstärkt. Wir haben auch bei den Aufgriffen von illegalen Migranten die Zahlen massiv reduzieren können. Im Monat Mai gab es nur mehr 300 Aufgriffe von illegalen Migranten. In der Kalenderwoche 25 sind es überhaupt nur mehr 60 Aufgriffe gewesen. Wir haben bei den Rückführungen hohe Zahlen, es ist gelungen, die Zahl der Rückführungen massiv zu steigern. Wir haben letztes Jahr fast 14 000 Rückführungen gemacht. Es ist uns mit unserem Innenminister und der Bundesregierung gelungen, auch viele neue Rückführungsabkommen mit Drittstaaten abzuschließen. Das verlangt viel diplomatisches Feingefühl, aber der Erfolg hat sich eingestellt. Wenn man einen Vergleich mit der Zeit des Innenministers Kickl zieht – er hat kein einziges Rückführungsabkommen abgeschlossen –, dann sieht man, dass jetzt großartige Arbeit geleistet wird. (👏 ÖVP) Wir haben auch ganz massiv die Maßnahmen zur Integration verschärft. Wir setzen vermehrt auf die Sachleistungskarte, von der Sie heute mehrmals behauptet haben, dass es sie noch nicht gibt – nein, das wird vom Bund bereits umgesetzt. Wir setzen auf gemeinnützige Arbeit. Und: Wer hier bleiben will, muss Deutschkurse und Wertekurse besuchen – ganz besonders wichtig, um eine erfolgreiche Integration umsetzen zu können. Somit komme ich schon zum Ende: Rechtsstaatlichkeit ist für uns ein ganz wichtiger Wert, deswegen können wir heute Ihre Anträge nur ablehnen, Sie schießen da weit über das Ziel hinaus. In diesem Sinne: ein starkes Zeichen hier für Rechtsstaatlichkeit und gute Arbeit für Asyl und Migration in diesem Land. – Danke schön. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Laimer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Robert Laimer

Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ja, es braucht eine klare, es braucht eine realistische Asylpolitik – eine Politik, die Zuwanderung kontrolliert, Missbrauch unterbindet und Integration konsequent einfordert, aber seriös und rechtsstaatlich. Großes, reges Interesse ist hier im FPÖ-Sektor nicht zu verzeichnen: Obwohl es um Ihre Anträge geht, sind die Reihen halb leer. – So viel zur Mitarbeit. Um nur auf ein paar Punkte einzugehen, die wir heute anlässlich der FPÖ-Anträge behandeln: Die FPÖ-Forderung Sachleistungen statt Bargeld ist in Umsetzung, ab Mitte Juli in acht Bundeseinrichtungen; die Sachleistungskarte wird in drei Bundesländern im Einsatz sein. Das Ziel ist klar: Missbrauch zu verhindern, die Verwaltung zu entlasten und sicherzustellen, dass die Leistungen tatsächlich bei den Menschen ankommen, insbesondere bei Frauen und Kindern. Das Ziel ist ein österreichweit einheitliches Modell, so steht es auch im Regierungsprogramm. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Meine Damen und Herren! Die FPÖ fordert massive Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung schutzbedürftiger Menschen. Da ist der Gestaltungsspielraum begrenzt – und das aus gutem Grund. Österreich ist an die EU-Aufnahmerichtlinie gebunden, die eine angemessene medizinische Versorgung schutzbedürftiger Menschen enthält. Wer eine bestimmte Versorgung pauschal streichen will, verstößt gegen geltendes Europarecht. Es braucht Effizienz einer medizinischen Versorgung, vor allem für Frauen und Kinder, und keine Rechtsverstöße, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ. (👏 SPÖ) Die FPÖ fordert auch ironischerweise pauschale Ausschlüsse vom Staatsbürgerschaftsrecht. Meine Damen und Herren! Österreich hat ein sehr strenges, mitunter das strengste Staatsbürgerschaftsrecht Europas. Wer sich integrieren will, wer sich integriert, muss trotzdem lange warten, viele Hürden nehmen und auch hohe Kosten in Kauf nehmen. Wer voll integriert ist und Steuern zahlt, hat auch ein Recht auf Staatsbürgerschaft, und zwar als vollwertiger Teil der Gesellschaft. (👏 SPÖ) Zum zweiten Antrag: Wir werden härter gegen Schlepper vorgehen. Wir haben eine Ausweitung des Strafrahmens bei Schlepperei vorgesehen. Wir prüfen die Einführung eines neuen Straftatbestandes, auch ohne Bereicherungsabsicht. Zum Thema Aufenthalt in Österreich: Wer hier lebt, muss sich an die Regeln halten. Wer straffällig wird, hat sein Aufenthaltsrecht verwirkt und gehört auch rückgeführt. Der Fall des syrischen Straftäters zeigt das ganz deutlich. Solch ein Vorgehen muss aber auch zur Regel werden. Ich zolle dem Innenminister und der gesamten Regierung Respekt dafür, dass diese Rückführung bilateral auf rechtsstaatlichem Weg – das ist entscheidend: auf rechtsstaatlichem Weg – durchgesetzt wurde. Das ist ein Beispiel, das Schule machen wird. Abschließend: Wir lehnen die FPÖ-Anträge ab, aber nicht, weil wir Probleme leugnen wollen, wir lehnen sie ab, weil sie keine Lösungen bieten. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Das, was wir heute hier von den Abgeordneten der FPÖ gehört haben, war mitunter wirklich schwer zu ertragen. Aber nicht nur das, was Sie sagen, ist schwer zu ertragen, sondern auch das, was Sie schreiben und was Sie fordern. In den Anträgen, die wir jetzt hier diskutieren, sind eine Sprache und ein Stil enthalten, die wirklich menschenverachtend sind und eine menschenverachtende Sichtweise auf das Thema Asyl und Migration haben. Was wollen Sie? – Die geforderten Maßnahmen zielen darauf ab, den Ankommenden hier Rechte abzusprechen. Rechte und Sicherheiten sollen einfach pauschal weggenommen werden, und zwar gipfelnd darin, dass sie keinen gleichberechtigten Zugang zu medizinischer Versorgung bekommen sollen, sondern nur noch eine medizinische Grundversorgung. Das ist strikt abzulehnen. Die Forderungen, die Sie hier erheben, zeigen auch, was Sie eigentlich wirklich wollen: Sie wollen, dass es Menschen erster Klasse und Menschen zweiter Klasse gibt, solche, die alle Rechte bekommen sollen, und solche, die man – am besten noch gesetzlich erlaubt – entwürdigen darf: entwürdigen, schikanieren, einsperren. So etwas ist mit der Sozialdemokratie sicher nicht zu machen! (👏 SPÖ) Und was machen Sie noch? – Sie verallgemeinern wider besseres Wissen alle Schutzsuchenden pauschal als illegale Wirtschaftsflüchtlinge, als Scheinasylant:innen. Sie verwenden hier wirklich eine unsachliche und stark ideologisch geprägte Sprache. Was wollen Sie? – Sie wollen Menschen, die Schutz suchen, pauschal brandmarken und ihnen eben alle Rechte aberkennen. Das ist aber eine Denkweise, die aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte stammt. Wenn wir ehrlich sind: Es geht Ihnen ja nicht darum, Probleme zu lösen, sondern es geht darum, an die niedrigsten Instinkte zu appellieren, aufzuhetzen und zu spalten. Das wollen Sie und dafür ist Ihnen wirklich jedes Mittel recht. Natürlich – meine Vorredner:innen haben es ja schon gesagt –: Wir brauchen Maßnahmen, die Bundesregierung arbeitet, es gibt Integrationsmaßnahmen und so weiter. Wir haben jedoch gerade in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg und den Gräueln des Naziregimes auch Verantwortung, und zwar die Verantwortung, nie wieder so zu agieren und nie wieder anderen Menschen zu erklären, dass sie weniger wert wären als andere. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Ist seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen somit zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/102.1 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 13: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 171 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/102.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Auslaufen der Krankenversicherung für ukrainische Kriegsvertriebene am 12. Juli“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/102.3 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 14: Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten, seinen Bericht 172 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz

151 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 129 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz passt eine große Zahl von Bundesgesetzen inhaltlich und terminologisch an das ab 1. September 2025 geltende Informationsfreiheitsregime (Wegfall der verfassungsrechtlichen Amtsverschwiegenheit, neue Informationspflichten nach Art. 22a B-VG und IFG) an. Dabei werden Verweise auf „Amtsgeheimnis/Amtsverschwiegenheit“ gestrichen oder durch neue, mit dem IFG vereinbare Geheimhaltungs- und Datenschutzregelungen ersetzt bzw. neu justiert (u.a. inkl. Anpassungen bei § 310 StGB und Transparenzdatenbank-Veröffentlichungen).

Betroffen sind Bundesbehörden und sonstige IFG-verpflichtete Rechtsträger sowie zahlreiche Materienbereiche (Verwaltung/Verfahren, Statistik, Informationssicherheit, Dienstrecht, Medien, Soziales/Gesundheit, Bildung, Finanzen, Inneres, Justiz, Landesverteidigung, Wirtschaft/Energie) und damit mittelbar Bürger:innen und Unternehmen, die Informationen erhalten oder veröffentlichungspflichtige Daten betreffen.

Dokumente

Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz

Ziel und Anlass des Informationsfreiheits-Anpassungsgesetzes

  • Anpassung zahlreicher Bundesgesetze an den neuen verfassungsrechtlichen Rahmen der Informationsfreiheit ab 1. September 2025 (BGBl. I Nr. 5/2024).
  • Mit Inkrafttreten der Reform tritt die verfassungsgesetzlich geschützte Amtsverschwiegenheit nach Art. 20 Abs. 3 B-VG außer Kraft.
  • Gleichzeitig tritt Art. 22a B-VG in Kraft: verfassungsgesetzliche Informationsverpflichtungen (proaktive Veröffentlichung und Informationserteilung auf Antrag) mit definierten Ausnahmen/Geheimhaltungsgründen.
  • Ausführung der Verfassungsbestimmungen durch das Informationsfreiheitsgesetz (IFG, BGBl. I Nr. 5/2024).
  • Viele bestehende einfachgesetzliche Normen verweisen noch auf „Amtsverschwiegenheit/Amtsgeheimnis“; diese Verweise und Regelungen werden inhaltlich, systematisch und terminologisch auf Übereinstimmung mit Art. 22a B-VG und IFG geprüft und angepasst.
  • Wegfall der generellen verfassungsrechtlichen Amtsverschwiegenheit erfordert teils eine Neujustierung einfachgesetzlicher Geheimhaltungspflichten, insbesondere außerhalb von IFG-Konstellationen (also nicht nur bei Informationsbegehren bzw. proaktiver Veröffentlichung).
  • Vorgehen: Ressorts prüften die Gesetze ihres Wirkungsbereichs, erstellten Entwürfe und führten Begutachtungen durch; nach Einarbeitung der Ergebnisse wurde ein zusammenfassender Entwurf erstellt.

1. Abschnitt: Verfassung und Verwaltungsverfahren (Art. 1–8)

  • Änderungen in: AVG 1991, VStG 1991, Amtshaftungsgesetz, Organhaftpflichtgesetz, Rechnungshofgesetz 1948, VwGG 1985, VfGG 1953, Volksanwaltschaftsgesetz 1982.
  • Inhaltliche und terminologische Anpassung an Art. 22a B-VG und IFG; Ersetzung/Entfall von Bezügen auf Amtsverschwiegenheit/Amtsgeheimnis.
  • Neujustierung von Verschwiegenheitspflichten dort, wo sie weiterhin erforderlich sind, insbesondere in Regelungszusammenhängen außerhalb von Informationsbegehren bzw. proaktiver Veröffentlichung.
  • Zusätzlich geringfügige Anpassungen: im VwGG zu Bestimmungen über die Übertragung in elektronische Dokumente; im VfGG zu Bestimmungen über die Stellung der Mitglieder und Ersatzmitglieder des Verfassungsgerichtshofes.

2. Abschnitt: Statistik (Art. 9)

  • Änderung des Bundesstatistikgesetzes 2000.
  • Anpassung an die neuen verfassungsgesetzlichen Vorgaben zur Informationserteilung; insbesondere terminologische Bereinigung der Begriffe „Amtsverschwiegenheit“ und „Amtsgeheimnis“ samt Abwandlungen.

3. Abschnitt: Informationssicherheit (Art. 10)

  • Änderung des Informationssicherheitsgesetzes (InfoSiG).
  • Harmonisierung mit Art. 22a B-VG und IFG; Novellierung von Bestimmungen, die teilweise auf Art. 20 Abs. 3 B-VG beruhten.

4. Abschnitt: Familie und Jugend (Art. 11–13)

  • Änderungen im Bundesgesetz über die Bundesstelle für Sektenfragen, im Gesetz über die Errichtung der „Familie Beruf Management GmbH“ sowie im Zivildienstgesetz 1986.
  • Allgemein: Anpassung an Art. 22a B-VG und IFG, um die Erfüllung der Informationspflichten uneingeschränkt zu ermöglichen.
  • Bundesstelle für Sektenfragen: Anstalt öffentlichen Rechts, Rechnungshofkontrolle; IFG-Verpflichtungen treffen sie, jedoch mangels übertragener Aufgaben der Bundesverwaltung Anwendung nach Maßgabe des § 13 IFG.
  • Familie Beruf Management GmbH: gemeinnützige GmbH, Rechnungshofkontrolle; ihr sind Aufgaben der Bundesverwaltung übertragen, daher IFG-Verpflichtungen; zusätzlich Anpassungen wegen Änderungen im Bundesministeriengesetz 1986 durch die Bundesministeriengesetz-Novelle 2025; historisch-errichtungsbezogene Bestimmungen bleiben unangetastet.
  • Zivildienst: Zivildienstleistende können durch ihre Tätigkeit Zugang zu Informationen iSd § 2 IFG im Wirkungsbereich von Trägern (Bund, Länder, Gemeinden/Gemeindeverbände, sonstige öffentlich-rechtliche Körperschaften, sonstige nicht auf Gewinn gerichtete juristische Personen) erlangen; entsprechende Anpassungen zur neuen Informationsfreiheitsordnung.

5. Abschnitt: Dienst- und Personalvertretungsrecht (Art. 14–22)

  • Änderungen in: BDG 1979, VBG 1948, RStDG, LDG, Land- und forstwirtschaftliches Landeslehrpersonen-Dienstrechtsgesetz, Landesvertragslehrpersonengesetz 1966, Land- und forstwirtschaftliches Landesvertragslehrpersonengesetz, Bundes-Personalvertretungsgesetz, Bundes-Gleichbehandlungsgesetz.
  • Ziel: Umsetzung/Abbildung der neuen verfassungsgesetzlichen Informationsfreiheitsbestimmungen auch im Dienst- und Personalvertretungsrecht; Anpassung von Verschwiegenheits- und Bezugnahmen auf Amtsverschwiegenheit/Amtsgeheimnis.

6. Abschnitt: Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (Art. 23–26)

  • Änderungen in: KommAustria-Gesetz, ORF-Gesetz, Bundes-Sportförderungsgesetz 2017, Anti-Doping-Bundesgesetz 2021.
  • Inhaltliche und terminologische Anpassung an Art. 22a B-VG und IFG.
  • Neben Terminologie: Anpassung einzelner Berichtspflichten sowie datenschutzrechtlicher Bestimmungen an die neuen Rahmenbedingungen.
  • Datenschutzrechtliche Ausgestaltung zur Balance zwischen Schutz personenbezogener Daten und freier Meinungsäußerung/Informationsfreiheit (Art. 85 DSGVO).
  • Offenlegung personenbezogener Daten erhält Grundlage unter Beachtung des Datenschutzes in Art. 86 DSGVO, insbesondere zur Ermöglichung des öffentlichen Zugangs zu entsprechenden Informationen.

7. Abschnitt: Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (Art. 27–58)

  • Änderungen in einem breiten Gesetzesbündel, u.a.: ASVG, B-KUVG, GSVG, Notarversorgungsgesetz, Künstler-Sozialversicherungsfondsgesetz, Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz, Kontroll- und Digitalisierungs-Durchführungsgesetz, EU-Qualitätsregelungen-Durchführungsgesetz, Tiergesundheitsgesetz 2024, Zoonosengesetz, Tierärztegesetz, Tierärztekammergesetz, Tierarzneimittelgesetz, Bundesbehindertengesetz, Behinderteneinstellungsgesetz, Bundes-Seniorengesetz, Musiktherapiegesetz, Psychologengesetz 2013, Psychotherapiegesetz 2024, Ärztegesetz 1998, Apothekerkammergesetz 2001, Arzneimittelgesetz, Epidemiegesetz 1950, Gehaltskassengesetz 2002, KAKuG, Medizinproduktegesetz 2021, Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetz, Arbeiterkammergesetz 1992, Zahnärztekammergesetz, Hebammengesetz, Gesundheitsberuferegister-Gesetz, Arbeitsmarktservicegesetz.
  • Harmonisierung bisheriger, die Amtsverschwiegenheit konkretisierender Bestimmungen mit der verfassungsgesetzlichen Informationsverpflichtung (Art. 22a B-VG) und dem IFG.
  • Weiterhin erforderliche und mit Art. 22a B-VG vereinbare Geheimhaltungspflichten (z.B. im Rahmen amtlicher Kontrollen) werden näher geregelt.

8. Abschnitt: Bildung (Art. 59–60)

  • Änderungen im Bildungsdokumentationsgesetz 2020 und im IQS-Gesetz.
  • Anpassung der den exekutiven Zuständigkeitsbereich des Bildungsressorts betreffenden Bestimmungen an Art. 22a B-VG und IFG.

9. Abschnitt: Finanzen (Art. 61–85) – allgemeine Anpassungen

  • Änderungen in zahlreichen Finanz- und Wirtschaftsrechtsmaterien, u.a.: Zollrechts-Durchführungsgesetz, Kontenregister- und Konteneinschaugesetz, Glücksspielgesetz, Transparenzdatenbankgesetz 2012, Buchhaltungsagenturgesetz, Bundespensionskasse-Errichtungsgesetz, FMA-Behördengesetz, Börsegesetz 2018, Investmentfondsgesetz 2011, Kapitalmarktgesetz 2019, WAG 2018, Nationalbankgesetz 1984, Abschlussprüfer-Aufsichtsgesetz, PEPP-Vollzugsgesetz, Rechnungslegungs-Kontrollgesetz, Schwarmfinanzierung-Vollzugsgesetz, Mineralrohstoffgesetz, BAO, BFGG, EU-Besteuerungsstreitbeilegungsgesetz, Bewertungsgesetz 1955, Bodenschätzungsgesetz 1970, Finanzstrafgesetz, Finanzstrafzusammenarbeitsgesetz, Finanzprokuraturgesetz.
  • Grundsatz: Anpassung an Art. 22a B-VG und IFG; Details teils im Besonderen Teil der Erläuterungen.

9. Abschnitt: Finanzen – Transparenzdatenbankgesetz 2012 (TDBG) im Detail

  • Schaffung begleitender Regelungen zur Umsetzung der Informationsfreiheit nach Art. 22a B-VG und IFG im Kontext der Transparenzdatenbank.
  • Proaktive Veröffentlichung von Informationen von allgemeinem Interesse: Subventionen aus öffentlichen Mitteln, die nicht von Privatpersonen empfangen werden, sollen ab einem gesetzlich festgelegten Schwellenwert namentlich veröffentlicht werden.
  • Ziel: Transparente Zugänglichkeit von Geldzuwendungen der öffentlichen Hand ohne unmittelbare geldwerte Gegenleistung, finanziert aus Steuergeldern; Anlehnung an § 2 Abs. 2 IFG (insb. Verträge ab 100.000 Euro als proaktiv zugänglich zu machende Information).
  • Der Anwendungsbereich von Art. 22a Abs. 1 B-VG und IFG hinsichtlich weiterer Informationen aus der Transparenzdatenbank bleibt unberührt.
  • Zusätzliche Maßnahmen zur Veröffentlichung von Informationen im allgemeinen Interesse: Erweiterung des Datenbestands und Steigerung der Datenqualität als vorbereitende Schritte für vollständige und korrekte IFG-Umsetzung in der Transparenzdatenbank.
  • Schaffung einer Rechtsgrundlage zur Erfassung und Verarbeitung von Steuererleichterungen über die Ertragsteuern hinaus in der Transparenzdatenbank.
  • Umbenennung der Leistungsart in § 4 Abs. 1 Z 1 lit. b TDBG 2012 von „Ertragsteuerliche Ersparnisse“ zu „Steuerliche Ersparnisse“, um die strukturelle Bedeutung steuerlicher Ersparnisse (u.a. in Berichten/Analysen) besser abzubilden und IFG-Vorgaben möglichst umfassend zu erfüllen.

9. Abschnitt: Finanzen – Mineralrohstoffgesetz (MinroG) im Detail

  • Anpassung der Bestimmungen § 65 Abs. 5, § 110 Abs. 4 und § 185 MinroG an Art. 22a B-VG und IFG.
  • Folgeanpassungen: Inhaltsverzeichnis sowie §§ 221a und 223 MinroG.

9. Abschnitt: Finanzen – Bundesabgabenordnung (BAO) und Folgematerien im Detail

  • Anpassung von § 48a BAO wegen Entfalls des Amtsgeheimnisses: Neufassung soll sicherstellen, dass die abgabenrechtliche Geheimhaltungsverpflichtung ab 1. September 2025 den verfassungsrechtlich zulässigen Umfang nicht überschreitet.
  • Konzeptionelle Abstimmung der abgabenrechtlichen Geheimhaltungspflicht mit dem Datenschutzrecht (kohärentes Datenverarbeitungskonzept).
  • Folgeanpassungen in: Bundesfinanzgerichtsgesetz, EU-Besteuerungsstreitbeilegungsgesetz, Bewertungsgesetz 1955, Bodenschätzungsgesetz 1970, Finanzstrafgesetz, Finanzstrafzusammenarbeitsgesetz – im Zusammenhang mit BAO-Anpassung und IFG-Inkrafttreten.

10. Abschnitt: Frauen, Wissenschaft und Forschung (Art. 86–87)

  • Änderungen im Universitätsgesetz 2002 (UG) und im Tierversuchsgesetz 2012 (TVG).
  • UG: grundlegende Neufassung des § 48 (bisher „Amtsverschwiegenheit“) aufgrund der neuen Informationsfreiheitsrechtslage.
  • TVG: Anpassungen an den neuen Rahmen der Informationsfreiheit.

11. Abschnitt: Inneres (Art. 88–102)

  • Änderungen in: Sicherheitspolizeigesetz, Staatsschutz- und Nachrichtendienst-Gesetz, Gesetz über das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung, Bundes-Krisensicherheitsgesetz, Passgesetz 1992, Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz, Staatsbürgerschaftsgesetz 1985, BFA-Verfahrensgesetz, Fremdenpolizeigesetz 2005, Grenzkontrollgesetz, BBU-Errichtungsgesetz, Nationalrats-Wahlordnung 1992, Europawahlordnung, Wählerevidenzgesetz 2018, Europa-Wählerevidenzgesetz.
  • Ziel: terminologische Anpassung dieser Materiengesetze an die neuen verfassungsgesetzlichen Vorgaben nach Wegfall der Amtsverschwiegenheit und Einführung der Informationsverpflichtungen.

12. Abschnitt: Innovation, Mobilität und Infrastruktur (Art. 103–105)

  • Änderungen im Eisenbahngesetz 1957, Kraftfahrgesetz 1967 und Unfalluntersuchungsgesetz.
  • Begründung: Mit Entfall von Art. 20 Abs. 3 B-VG verlieren Verweise auf diese Grundlage ihre rechtliche Basis; Normen, die Amtsverschwiegenheit darauf stützen, werden gegenstandslos und sind anzupassen.
  • Ziel: Vermeidung widersprüchlicher/obsoleter Regelungen und einheitliche Umsetzung der neuen Transparenzordnung.

13. Abschnitt: Justiz (Art. 106–122) – Grundlinie der Anpassungen

  • Änderungen in: Arbeits- und Sozialgerichtsgesetz, Außerstreitgesetz, Gesetz über die justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen mit EU-Mitgliedstaaten, Bundesverwaltungsgerichtsgesetz, Datenschutzgesetz, Disziplinarstatut für Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsanwärter, Gerichtsorganisationsgesetz, Jugendgerichtsgesetz 1988, Jurisdiktionsnorm, Notariatsordnung, Rechtsanwaltsordnung, Rechtspraktikantengesetz, Staatsanwaltschaftsgesetz, Strafgesetzbuch, Strafprozessordnung 1975, Zivilprozessordnung.
  • Anpassung an die neuen verfassungsrechtlichen Bestimmungen: Bezüge auf „Amtsgeheimnis“/„Amtsverschwiegenheit“ werden entweder ersatzlos gestrichen oder durch Verweise auf gesetzliche Geheimhaltungspflichten ersetzt.
  • Beispiele für ersatzlose Streichung von Amtsgeheimnis/Amtsverschwiegenheit-Bezügen: Disziplinarstatut (DSt), Notariatsordnung (NO), Rechtsanwaltsordnung (RAO), Strafgesetzbuch (StGB), Jugendgerichtsgesetz (JGG).
  • Beispiele für Ersetzung durch Bezug auf gesetzliche Geheimhaltungspflichten: § 146 Abs. 4 AuStrG, § 23 Abs. 2 DSG, Regelungen im Rechtspraktikantengesetz, Staatsanwaltschaftsgesetz, StPO und ZPO.

13. Abschnitt: Justiz – Anpassung des § 310 StGB (Verletzung des Amtsgeheimnisses)

  • § 310 StGB wird zur Sicherstellung der Geheimhaltungsverpflichtung von Beamten an die neue Informationsfreiheitsordnung angepasst.
  • Neuer Fokus: strafbar soll die Offenbarung oder Verwertung einer Tatsache sein, die dem Beamten ausschließlich kraft seines Amtes anvertraut oder zugänglich geworden ist und zu deren Geheimhaltung er gesetzlich verpflichtet ist.
  • Zusätzliche Voraussetzung: Die Offenbarung/Verwertung muss ein öffentliches oder ein überwiegendes berechtigtes privates Interesse iSd § 6 Abs. 1 IFG gefährden (Abkehr vom bisherigen Konzept als abstraktes Gefährdungsdelikt hin zu stärkerer Anknüpfung an die IFG-Interessenabwägung).

13. Abschnitt: Justiz – Datenübermittlung Kriminalpolizei an Pflegschaftsgerichte (JGG)

  • Wiederherstellung einer Ermächtigung zur Übermittlung von Daten der Kriminalpolizei an Pflegschaftsgerichte.
  • Zweck: Prüfung, ob Verfügungen der Pflegschaftsgerichte oder der Kinder- und Jugendhilfeträger erforderlich sind (§ 33 Abs. 2 JGG).
  • Begründung: enger Zusammenhang mit IFG und dringendes Bedürfnis der Praxis.

13. Abschnitt: Justiz – Fortgeltende persönliche Verschwiegenheitspflichten außerhalb des IFG-Regimes

  • Hinweis auf gesetzliche Verschwiegenheitspflichten, die nicht die Informationszugangspflichten der Institutionen als solche regeln (dafür wird künftig das IFG maßgeblich), sondern sich unmittelbar an unterstützende Personengruppen richten und daher unverändert fortgelten sollen.
  • Beispiele: § 30 Abs. 8 Übernahmegesetz (ÜbG) für mit Angelegenheiten der Übernahmekommission befasste Mitarbeiter der Wiener Börse AG (insb. Geschäftsstelle).
  • Beispiel: § 5 Abs. 2 Justizbetreuungsagentur-Gesetz (JBA-G) für von der Justizbetreuungsagentur zur Aufgabenerfüllung herangezogene Personen.

13. Abschnitt: Justiz – Anpassungsbedarf in der Rechtsanwaltsordnung aufgrund EuGH-Urteil

  • Aufgrund des EuGH-Urteils in der Rechtssache C-807/23 „Jones Day“ (3. April 2025) ist eine Überarbeitung der gesetzlichen Vorgaben in der RAO erforderlich.
  • Betroffen ist jener Teil der für die Ausübung der Rechtsanwaltschaft erforderlichen praktischen Verwendung, der verpflichtend bei einem Rechtsanwalt zu verbringen ist.

13. Abschnitt: Justiz – Verhältnismäßigkeitsprüfung nach VPG

  • Für die vorgeschlagenen Änderungen in RAO und DSt ist keine Verhältnismäßigkeitsprüfung nach dem Verhältnismäßigkeitsprüfungs-Gesetz (VPG) erforderlich, weil die Änderungen den Zugang zum Beruf bzw. die Berufsausübung nicht beschränken.
  • Für Änderungen in der Notariatsordnung ist ebenfalls keine Verhältnismäßigkeitsprüfung erforderlich, da der Notarberuf nach Art. 2 Abs. 4 der Richtlinie 2005/36/EG nicht in deren Anwendungsbereich fällt und das VPG daher nicht anwendbar ist.

14. Abschnitt: Landesverteidigung (Art. 123–125)

  • Änderungen im Wehrgesetz 2001, Heeresdisziplinargesetz 2014 und Militärbefugnisgesetz.
  • Ziel: Anpassung der wehrrechtlichen Verschwiegenheitsregelungen an den neuen verfassungsgesetzlichen Rahmen; keine nennenswerten materiellen Änderungen beabsichtigt.
  • Begründung: Bewährte wehrrechtliche Geheimhaltungsregeln bleiben für die militärische Praxis und den Schutz sensibler Informationen unabdingbar.
  • Rechtstechnik: Wiederholung der in Art. 22a Abs. 2 B-VG geregelten Eingriffsmöglichkeiten/Ausnahmetatbestände auf einfachgesetzlicher Ebene; solche Wiederholungen sind ausdrücklich als zulässig angesehen.

15. Abschnitt: Wirtschaft und Energie (Art. 126–138)

  • Änderungen in: Standort-Entwicklungsgesetz, Wettbewerbsgesetz, Faire-Wettbewerbsbedingungen-Gesetz, Außenwirtschaftsgesetz 2011, Investitionskontrollgesetz, Notifikationsgesetz 1999, Emissionsschutzgesetz für Kesselanlagen, Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014, Wirtschaftskammergesetz 1998, Wirtschaftstreuhandberufsgesetz 2017, Ziviltechnikergesetz 2019, Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz 2010, Gaswirtschaftsgesetz 2011.
  • Ziel: Anpassung dieser Materiengesetze an die neuen verfassungsgesetzlichen Bestimmungen zur Informationsfreiheit (insb. Bereinigung/Neufassung von Amtsgeheimnis-/Amtsverschwiegenheitsbezügen und kompatible Geheimhaltungstatbestände).

Inhalt der im Ausschuss behandelten Abänderungen (ohne Verfahrensdetails)

  • Redaktionelle Anpassungen in Art. 11 und Art. 90.
  • Anpassungen in Art. 88, Art. 89 und Art. 91 an gleichartige Bestimmungen (Verweis auf Parallelität zu Art. 113 Z 1 / § 17c Abs. 1 JGG und Art. 119 Z 1 / § 52b Abs. 3 StGB).
  • BDG 1979: Regelung eines Inkrafttretens in § 284 Abs. 121.
  • BDG 1979 Anlage 1 Z 13.13 Abs. 1 lit. c: Anpassung der Ernennungserfordernisse wegen des neu entwickelten und akkreditierten FH-Bachelorstudiengangs „Militärische Informations- und kommunikationstechnologische Führung (Mil-IKTF)“ an der Theresianischen Militärakademie; Ziel ist die Abbildung dieser spezialisierten Ausbildung (insb. Cyber-Bedrohungslage) für die Verwendung als Berufsmilitärperson der Verwendungsgruppe M BO 2.
  • LLVG (Landesvertragslehrpersonengesetz): Erweiterung der Anstellungsmöglichkeiten zur Ergänzung des Lehrpersonals bei Mangel an geeigneten Personen; Schaffung einer Anstellungsmöglichkeit nach Abschluss einer für die vorgesehene unterrichtliche Verwendung fachlich geeigneten abgeschlossenen Hochschulbildung (ohne Konkurrenz zu Lehramtsstudien).
  • LLVG: Klarstellung, dass auch fachverwandte Studien ausreichen können, wenn Curricula wesentliche für die unterrichtliche Verwendung geeignete Studienanteile enthalten; als Ausgleich ist facheinschlägige Berufspraxis zum abgeschlossenen Studium erforderlich.
  • LLVG: Sicherstellung der fehlenden pädagogischen Ausbildung durch berufsbegleitenden Hochschullehrgang (60 ECTS bei Doktorat/Master/Diplom; 90 ECTS bei Bachelor) sowie Ergänzungen zur Ausbildungsphase.
  • LLVG: redaktionelle Anpassung der Überschrift zu § 10 sowie Regelung eines Inkrafttretens in § 31 Abs. 34.

Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz

~32 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Michael Schilchegger

Danke, Herr Präsident! Werter Herr Staatssekretär! Werte Damen und Herren! Wir sprechen nun über eine Sammelgesetzbegleitnovelle, die die Regierungsparteien zum Informationsfreiheitsgesetz auf den Weg gebracht haben, das ja bekanntlich ab 1. September 2025, also im Herbst dieses Jahres, in Kraft treten wird. Vorweg: Wir Freiheitliche bekennen uns natürlich klar und unmissverständlich zum Kerngedanken der Informationsfreiheit, die ja ein Mehr an Transparenz in der staatlichen Verwaltung und ein Mehr an Transparenz auch in der Politik verspricht. Aber wenn wir schon von Transparenz sprechen – auch ein Wort an Herrn Kollegen Gerstl von der ÖVP –, sollten wir eigentlich bei der vollen Wahrheit bleiben. Sie haben es heute in einem Redebeitrag erwähnt – Frau Kollegin Zadić hat das dann mit anderen Worten unterstützt –, Sie haben gesagt: Das Amtsgeheimnis wird abgeschafft. Das ist formal richtig, aber natürlich nur die halbe Wahrheit, denn Sie haben die Namensschilder getauscht: Das, was früher die Auskunftspflichtgesetze waren, heißt nun eben Informationsfreiheit, und das, was früher das Amtsgeheimnis war, besteht weiterhin fort, sie nennen es halt jetzt Geheimhaltungspflicht. Das heißt, die öffentlich Bediensteten, die Beamten, stehen weiterhin vor der Frage, ob nun zu einem Akt Auskunft erteilt werden muss, denn es gilt ja nun die Informationsfreiheit und das neue Regime, oder aber, ob genau dieselbe Auskunft gerade nicht erteilt werden darf, auf keinen Fall, denn es gelten ja immerhin das Grundrecht auf Datenschutz und das Amtsgeheimnis, das aber eben ab Herbst Geheimhaltungspflicht heißen wird. Die Beantwortung dieser schwierigen Fragen, die Auslegung dieser Prinzipien erfordert immer eine schwierige juristische Abwägungsarbeit. Damit bauen Sie ein enormes juristisches Spannungsfeld auf, und in diesem Spannungsfeld ist es aus meiner Sicht die Aufgabe des Gesetzgebers – nach der Verfassung, nach dem Bestimmtheitsprinzip des Artikels 18 B-VG, im Sinne des Legalitätsprinzips –, den Behörden diese Abwägungsarbeit abzunehmen, das heißt, Sie müssten in den gesetzlichen Begleitnovellen natürlich klar verankern, in welchen Materiengesetzen welches Prinzip überwiegt beziehungsweise welche konkreten Informationen zu erteilen sind, wo also die Transparenz zum Tragen kommt und wo hingegen die Geheimhaltungspflicht gilt. Das Schlimmste daran ist, dass Sie ja die öffentlich Bediensteten, die jetzt auf einmal alle voll transparent sein sollen und alles hergeben sollen, weiterhin mit dem gerichtlichen Strafrecht gemäß § 310 StGB neu wegen Verletzung von Geheimhaltungspflichten bedrohen. Wir haben diese Problematik bereits in der Sitzung des Verfassungsausschusses am 26. Juni erörtert, ich habe Ihnen das so ausgeführt. Sie, liebe Verfassungssprecher aller Fraktionen, haben vielleicht dann auch das E-Mail der NGO Forum Informationsfreiheit, die uns Freiheitlichen jetzt nicht nahesteht, erhalten, in dem ganz klar eben genau mein Argument bestätigt wird. Es wird also so sein, dass dieser Druck auf die öffentlich Bediensteten dazu führt, dass diese eben strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten haben und damit den Geheimhaltungsinteressen in der Regel der Vorzug gegeben werden wird. Ihr Lösungsvorschlag war dann: Wir haben eine Ausschussfeststellung. Ich zitiere daraus, die Ausschussfeststellung lautet: „Wenn eine solche Abwägung [...] nachvollziehbar und vollständig durchgeführt und dokumentiert wurde, ist im Zweifelsfall nicht von einer vorsätzlichen Begehung auszugehen.“ Meine Damen und Herren, gut gemeint ist nicht gut gemacht, daher haben wir dieser Ausschussfeststellung auch nicht zugestimmt, denn Sie erweisen damit den öffentlich Bediensteten ja einen Bärendienst! Sie wollen ihnen damit helfen, tun es aber nicht. Sie verschlechtern damit die Rechtslage, denn diese Feststellung, die Sie haben wollten, bedeutet im Umkehrschluss, dass eben jede Abwägungsentscheidung unter der strafgesetzlichen Anforderung einer vollständigen Dokumentation stehen wird, also in der Verwaltungspraxis zu allem Übel und zu aller Bürokratie, die diese neue Rechtslage mit sich bringt, auch noch zusätzliche und langjährige Dokumentationspflichten auferlegt werden, nämlich bis zum Verjährungszeitpunkt der Strafbarkeit. Es bringt aber auch keinen Vorteil, meine Damen und Herren, wenn Sie schreiben, dass es „im Zweifelsfall“ so ist. Das bringt nichts, weil im Strafprozessrecht ohnehin im Zweifelsfall nie von einem Tatvorsatz auszugehen ist – Stichwort Unschuldsvermutung. Das einzig Gute an dieser Ausschussfeststellung ist, dass eine solche in der Strafrechtspraxis überhaupt keine Rolle spielt. Es ist also eine elfenbeinturmartige Vorgehensweise. Wir Freiheitlichen unterstützen den Wandel hin zu mehr Transparenz, aber diesen Gesetzesmurks, den Sie hier vorgelegt haben, unterstützen wir ausdrücklich nicht. Lassen Sie mich abschließend noch auf das Bild, das Sie, Herr Kollege Gerstl, in Ihrer vorigen Rede gezeichnet haben, eingehen, nämlich dass der Staat „gläsern“ wird. Auch dieses Bild darf ich ein bisschen einordnen und korrigieren: Das Glas, von dem Sie sprechen, ist eigentlich eher ein Milchglas, durch das man kaum durchsehen kann, denn es gilt ja weiterhin die Geheimhaltungspflicht. Und der staatliche Glasbau, den Sie hier erwähnen und in dem die öffentlich Bediensteten tagtäglich ihren Dienst versehen, ist leider auch nicht sehr stabil, sondern sehr brüchig, weil eben jede Verletzung dieser neuen Geheimhaltungspflichten weiterhin als Damoklesschwert über den Beamten und öffentlich Bediensteten hängen wird. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Susanne Raab . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt.

ÖVP Susanne Raab

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Werte Abgeordnete! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Es ist schon ein sehr bedeutender Moment, wenn jetzt nach 18 Monaten Legisvakanz am 1. September dieses Jahres die Informationsfreiheit in ihrer gesamten Fülle in Kraft treten wird. Natürlich ist das ein Paradigmenwechsel. Nach über 100 Jahren Amtsgeheimnis hat das eine enorme Tragweite und das sieht man ja auch am heutigen Gesetzespaket, mit dem wir die Novellierung von über 100 Gesetzen zur Beschlussfassung vorlegen. Es ist ein umfangreiches Gesetzespaket, das wirklich seinesgleichen sucht, in dem natürlich ganz viel Gestaltungswille und Arbeitsaufwand stecken. Deshalb möchte ich meine Rede mit einem ganz großen Dankeschön an alle Bediensteten in den Ministerien, in den Landesverwaltungen, in allen weiteren Einheiten, die auch von diesem Gesetz betroffen sind, und die nun in der Umsetzungsphase ganz tatkräftig mitgewirkt haben, beginnen. – Vielen Dank für eure Arbeit! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrter Herr Kollege Schilchegger – jetzt ist er nicht mehr hier ( Rufe bei der FPÖ: Ist schon da! ); verzeihen Sie! –, wir glauben sehr wohl, dass es ein Paradigmenwechsel ist, weil eben das Amtsgeheimnis abgeschafft wird, weil eben ein Grundrecht auf Information geschaffen wird, weil eben im Vergleich zu vorher sehr wohl die Regel nun die Information ist und es davon natürlich Ausnahmen gibt. Aber: Dieser Paradigmenwechsel hin zu einem Grundrecht auf Information und die Abschaffung des Amtsgeheimnisses sind schon ein ganz, ganz zentraler Meilenstein in einer modernen Verwaltung, in einem modernen Staat. (👏 ÖVP) Damit das gelingt, braucht es drei Voraussetzungen, die wir mit diesem Gesetzespaket heute schaffen: Es braucht erstens Rechtsklarheit. Die Verweise auf die überholte Amtsverschwiegenheit werden gestrichen, sodass künftig eben nur mehr jene Geheimhaltungspflichten gelten, die verfassungsrechtlich unbedingt notwendig und auch sachlich begründbar sind. Zweitens braucht es natürlich verlässliche Rahmenbedingungen für all jene, die das umsetzen, für die Bediensteten in der Verwaltung, für die Beamtinnen und Beamten. Das möchte ich natürlich auch in Richtung Opposition unterstreichen: Es ist sichergestellt, dass die Beamtinnen und Beamten, die verantwortungsvoll und nachvollziehbar abwägen, eben keine strafrechtlichen Konsequenzen zu fürchten haben, und deshalb wird ja § 310 StGB neu gefasst, damit die gutgläubige und dokumentierte Entscheidung auch ausdrücklich geschützt ist. Ich kann Ihnen auch als langjährige Beamtin und zuletzt Sektionschefin sagen: Unsere Beamtinnen und Beamten können das, sie können diese Verantwortung wahrnehmen, sie können diese Abwägung treffen und sie können auch diese Entscheidungen treffen. (👏 ÖVP) Zum Dritten braucht es natürlich ein modernes Verständnis von Staat und Gesellschaft. Wir kennen das Auskunftspflichtgesetz – das haben Sie auch angesprochen –, das war ein erster wichtiger Schritt, aber das war 1987, und jetzt gehen wir den nächsten Schritt. Wir machen Transparenz zur Regel und Geheimhaltung eben zur Ausnahme. Warum machen wir das? – Weil wir möchten, dass Bürgerinnen und Bürger am Staat teilhaben können, und wir wollen nicht nur die Möglichkeit zur Teilhabe schaffen, sondern sie auch motivieren, anregen, weil das im Sinne der Demokratie ist, im Sinne einer lebendigen Demokratie. Das bringt mich auch zum Ende meiner Rede: Ich spreche heute nicht nur als Abgeordnete, die in absehbarer Zeit das Hohe Haus verlassen und sich einer neuen Aufgabe widmen wird, ich spreche gerade in diesem Zusammenhang auch als ehemalige Beamtin in der Verwaltung, als ehemalige Sektionschefin und auch als ehemalige Ministerin in den letzten mehr als fünf Jahren: Ich habe unsere Republik in all diesen Funktionen in unterschiedlichen Rollen kennengelernt – als Teil der Verwaltung, als Teil der Exekutive und eben auch als Teil der Legislative –, und all diese unterschiedlichen Rollen haben mich eines gelehrt, die haben eines gemeinsam, nämlich: Überall habe ich Menschen getroffen, die mit Integrität, mit vollem Einsatz, mit voller Leidenschaft und höchster Professionalität für unser Land arbeiten, die sich für die Menschen in unserem Land in ihren unterschiedlichen Arbeitsbereichen einsetzen. Das lässt mich so positiv in die Zukunft blicken, und dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich habe in diesem Haus ja auch einiges erlebt, egal, ob auf der Ministerbank oder als Abgeordnete – Applaus, Widerspruch, Konflikte natürlich, Kompromisse –, aber was uns natürlich alle eint, auch wenn wir sehr unterschiedliche Zugänge haben, ist – und das erfüllt mich mit so großem Stolz und so großer Dankbarkeit –: Wir alle haben den Wunsch, zu gestalten, wir alle wollen unserem Land dienen, wir wollen es einfach besser machen, wir wollen, dass die Zukunft besser wird als die Vergangenheit war. Und dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich euch weiterhin viel Kraft, viel Freude am Tun, viel Vernunft und das Herz am rechten Fleck. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, das wäre jetzt ein schöner Schluss gewesen ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP ), ich darf aber noch einen umfassenden Abänderungsantrag einbringen: Abänderungsantrag der Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , MA, Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Verfassungsausschusses in 151 der Beilagen betreffend Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der dem eingangs bezeichneten Bericht des Verfassungsausschusses angeschlossene Gesetzentwurf wird wie folgt geändert: 1. In den Artikeln 9, 14 bis 19, 27, 28, 35, 53, 63, 65, 78, 115 und 116 wird jeweils im Einleitungssatz das Zitat „BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch das Zitat „BGBl. I Nr. 25/2025“ ersetzt. 2. In Artikel 9 Z 1 (§ 17 Abs. 4 des Bundesstatistikgesetzes 2000) wird die Wortfolge „Verpflichtung zur Geheimhaltung“ durch die Wortfolge „Pflicht zur Geheimhaltung“ ersetzt. 3. In Artikel 58 wird im Einleitungssatz die Wortfolge „Bundesgesetz BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch die Wortfolge „Budgetsanierungsmaßnahmengesetz 2025 Teil II, BGBl. I Nr. 20/2025“ ersetzt. 4. Artikel 58 Z 3 (§ 78 des Arbeitsmarktservicegesetzes) lautet: „3. Dem § 78 wird folgender Abs. 55 angefügt: „(55) Das Inhaltsverzeichnis und § 27 samt Überschrift in der Fassung des lnformationsfreiheits-Anpassungsgesetzes, BGBl. I Nr. xxx/2025, treten mit 1. September 2025 in Kraft. ““ 5. In den Artikeln 59 und 86 wird jeweils im Einleitungssatz das Zitat „BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch das Zitat „BGBl. I Nr. 28/2025“ ersetzt. 6. In Artikel 120 wird das Zitat „ Art. 119. “ durch das Zitat „Art. 119“ ersetzt. Begründung: Mit dem vorliegenden Abänderungsantrag soll die im vorgeschlagenen § 17 Abs. 4 des Bundesstatistikgesetzes 2000, BGBl. I Nr. 163/1999, gewählte Formulierung an den vorgeschlagenen Wortlaut der Überschrift des verwiesenen § 310 des Strafgesetzbuches – StGB, BGBl. Nr. 60/1974, angeglichen werden (Z 2). Die sonstigen vorgeschlagenen Änderungen sind redaktioneller Natur (Z 1 und Z 3 bis 6). Vielen Dank. ( Anhaltender Beifall bei der ÖVP, Beifall bei Abgeordneten von NEOS und Grünen sowie der Abg. Schatz [SPÖ]. ) 17.22 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/105.1 Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz (AA-19) Präsident Peter Haubner : Danke vielmals. Der soeben vorgetragene Abänderungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Sehr geehrte Frau Abgeordnete, danke für Ihre Arbeit und Ihren Einsatz. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe. Danke vielmals! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Alma Zadić . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich die Gelegenheit ergreifen und Kollegin Raab auch für die gute Zusammenarbeit danken. – Vielen Dank. Die letzten Jahre waren sehr herausfordernd, aber ich habe die gute Zusammenarbeit immer geschätzt. Ich wünsche dir auch viel Erfolg für die kommende Herausforderung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir haben heute schon über das Informationsfreiheitsgesetz gesprochen, das auch wichtig ist, weil es letzten Endes unsere Demokratie stärkt, weil das Vertrauen in die Demokratie gestärkt wird, das Vertrauen in die Politik. Und ja, nach eineinhalbjähriger Übergangsphase ist es bald fast so weit; mit 1. September tritt es dann endlich in Kraft. Natürlich ist das auch ein Meilenstein für Österreich, denn Bürgerinnen und Bürger haben künftig ein Grundrecht auf Information. Bundes- und Landesbehörden müssen Informationen von allgemeinem Interesse proaktiv öffentlich zur Verfügung stellen und Bürger:innen auf Anfrage Informationen geben. Dafür muss mit dieser großen Sammelnovelle eine Vielzahl an bestehenden Gesetzen angepasst werden. Manchmal werden bloß die Begriffe ausgetauscht – wir haben es im letzten Antrag gehört –, teilweise werden bestehende Verschwiegenheitsgründe wegen des neuen Grundrechts auf Informationszugang eingeschränkt, teilweise gibt es Begleitregeln zum Informationserteilungsverfahren, teilweise neue Inhalte, beispielsweise etwa die Veröffentlichung von Förderungen; Förderungen ab 1 500 Euro sollen in eine neue Transparenzdatenbank eingespeist werden – also wirklich viele, viele notwendige und wichtige Änderungen im Sinne der Transparenz. Leider war aber die Umsetzung der vorliegenden Anpassung durch die neue Regierung holprig – Entwürfe kamen viel zu spät, die Begutachtungsfrist war viel zu kurz, es gab anfangs stark widersprüchliche Teilentwürfe –, und in Teilbereichen ist es unseres Erachtens zu wenig. Die Informationsfreiheit wird nicht voll umgesetzt. Dazu gehören etwa die fehlende Anpassung im Bundesarchivgesetz – dazu bringen wir dann auch noch einen Entschließungsantrag ein –, der Maulkorb für Stiftungsrät:innen und überschießende Einschränkungen der Informationsfreiheit im Schulbereich. Außerdem fehlen unseres Erachtens auch zusätzliche Ressourcen für die Behörden. Das heißt, auch wenn das Vorhaben gut ist, werden wir dieser Sammelnovelle nicht zustimmen können; wir unterstützen aber jedenfalls das Vorhaben, endlich mehr Transparenz in die Verwaltung zu bringen, deswegen bringen wir folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , LL.M., Kolleginnen und Kollegen betreffend „‚Lex Hartinger-Klein‘ – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen!“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundeskanzler, wird aufgefordert, unverzüglich eine Anpassung des Bundesarchivgesetzes vorzubereiten, damit die Übergabe von Akten an das Staatsarchiv nicht dem Recht der Bürger:innen auf Informationszugang entgegensteht und die Informationsfreiheit gewährleistet bleibt.“ Vielen Dank. (👏) 17.26 RN/106.1 „Lex Hartinger-Klein – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen! (97/UEA) Präsident Peter Haubner : Danke vielmals. Der vorgebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Muna Duzdar . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Muna Duzdar

Vielen herzlichen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen auf der Galerie! Im Jahr 2024, im Jänner 2024, haben wir Historisches beschlossen, wir haben nämlich das Amtsgeheimnis abgeschafft. Wenn Kollege Schilchegger heute sagt, wir hätten das Amtsgeheimnis nicht abgeschafft, so stimmt das nicht. Verfassungsrechtlich haben wir das Amtsgeheimnis abgeschafft und stattdessen ein Grundrecht geschaffen, nämlich das Grundrecht auf Information. Das war und ist eine neue politische Kultur in Österreich, ein Paradigmenwechsel, ein Kulturwandel, der im Grunde genommen längst überfällig war, denn seien wir ehrlich: Wir waren das letzte Land in der Europäischen Union, in dem das Amtsgeheimnis nicht nur gesetzlich verankert war, sondern in der Verfassung festgehalten war. Das war nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern das hat einfach nicht mehr zu einem modernen demokratischen Rechtsstaat gepasst, der auf das Vertrauen seiner Bürgerinnen und Bürger setzt, der auf Teilhabe aufbaut. Eine Demokratie bleibt ja nicht stehen, sondern eine Demokratie entwickelt sich immer weiter. Unser demokratischer Staat ist heute anders entwickelt als noch vor ein paar Jahrzehnten. Es muss ja auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass in einem modernen Rechtsstaat staatliches Handeln transparent ist. Es schafft auch positive Effekte, wenn Menschen besser informiert sind; wenn sie das Gefühl haben, sie können sich besser einbringen, fühlen sie sich auch ganz anders ernst genommen, und wer nachvollziehen kann, wie Entscheidungen getroffen werden, wer weiß, wie mit öffentlichen Mitteln umgegangen wird, der fühlt sich auch ganz anders eingebunden. Das schafft mehr Vertrauen in die Demokratie und in die staatlichen Institutionen. Heute gehen wir den notwendig gewordenen Schritt, dieses neue Grundrecht in allen Gesetzen zu verankern, die sich bis dato auf das Amtsgeheimnis berufen haben. Ich verstehe dich, liebe Alma, nicht ganz, wenn du heute sagst, dass ihr von den Grünen da nicht mitgeht, denn all diese Materiengesetze verweisen ja auf das Informationsfreiheitsgesetz, das wir im Jänner 2024 beschlossen haben. Es ist notwendig, es ist ganz notwendig, dass wir diese Materiengesetze anpassen, weil wir ja ansonsten die rechtliche Problematik hätten, dass mit 1. September 2025 das Informationsfreiheitsgesetz in Kraft tritt, während wir über 100 Gesetze haben, die sich nach wie vor auf das Amtsgeheimnis berufen. Das wäre Rechtsunsicherheit. Mit diesem Schritt, den wir heute setzen, geben wir einen einheitlichen Rechtsrahmen vor. Genau das ist notwendig, um den Behörden, um den Organen, um den Gemeinden die Rechtssicherheit zu geben, die sie brauchen, um das Informationsfreiheitsgesetz vollziehen zu können. (👏 ÖVP, SPÖ) Auch Kollege Schilchegger hat jetzt gemeint, die Materiengesetze betreffend sei alles so holprig und so ungenau geregelt. – Die Materiengesetze beziehen sich auf das Informationsfreiheitsgesetz, und das Informationsfreiheitsgesetz sieht eine ganz klare, konkrete Rechtslage vor, vor allem auch im Hinblick darauf, wann weiterhin Geheimhaltungspflichten bestehen, nämlich bei berechtigten Interessen, beispielsweise bei dem Schutz personenbezogener Daten, bei Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Dort sehe ich auch das Spannungsfeld – weil Sie auch die Mitarbeiter in den Gemeinden angesprochen haben – zwischen der Informationsfreiheit und dem privaten Interesse, den personenbezogenen Daten. Aber genau da schafft das Informationsfreiheitsgesetz Abhilfe, denn gemäß Artikel 6 haben Personen, die von der Veröffentlichung ihrer Daten betroffen wären, auch die Möglichkeit, zu widersprechen, wenn sie der Meinung sind, dass ihre berechtigten Interessen beeinträchtigt werden. Natürlich und selbstverständlich müssen die Gemeinden und die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen unterstützt werden, dass ihnen eben die Anwendung dieses Gesetzes erleichtert wird. Dazu sagt das Informationsfreiheitsgesetz auch ganz klar, dass die Datenschutzbehörde beratend und unterstützend zur Verfügung steht. Der Leitfaden mit 120 Seiten gibt ja auch vor, wie beispielsweise mit missbräuchlicher Verwendung von Anfragen umzugehen ist, und veranschaulicht mit einer Grafik die Prüfungsschritte. Aber – und das sage ich ganz klar – auch dem Gemeindebund wird bei der Umsetzung dieses Gesetzes in der Praxis eine sehr wichtige Rolle zukommen, nämlich die Gemeinden bei der Umsetzung zu unterstützen und beispielsweise auch technische Tools zur Verfügung zu stellen, die die Umsetzung vereinfachen. (👏 SPÖ) Vielleicht abschließend und noch einmal betonend: Mit der Abschaffung des Amtsgeheimnisses und den Anpassungen in den Gesetzen entwickeln wir die österreichische Demokratie weiter. So ist auch die Informationsfreiheit zu verstehen, nämlich als Stärkung unserer Demokratie – und wir schaffen auch mehr Rechtssicherheit. – Danke sehr. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Werner Herbert . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Werner Herbert

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Manchmal ist es schon ein bissl – sagen wir es einmal vorsichtig – strange, wenn man sich hier die Redebeiträge der Mitglieder der Regierungsfraktionen anhört und sich gleichzeitig vor Augen führt, was man selbst erlebt, und da spreche ich jetzt zu Ihnen einerseits als Beamter, der ich seit 40 Jahren im Innenressort tätig bin, und zum anderen als Bürgermeister, der die Realität im Umgang mit der Bevölkerung unmittelbar wahrnimmt. Frau Kollegin Duzdar, natürlich verstehe ich, dass Sie Ihr Informationsfreiheitsgesetz hier herinnen als großen Wurf schönreden wollen, aber ich finde es nicht okay, dass Sie die gerechten und vor allem richtigen Ausführungen des Kollegen Schilchegger in Bezug auf seine Bedenken und Befürchtungen für die ausführenden Beamten, die ja genau diese schwierigen Abwägungen in Bezug auf die Amtsverschwiegenheit, aber auch die Abwägung, wann eine Information oder eine Informationsweitergabe zumutbar ist und wann nicht, zu treffen haben, in Abrede stellen. Er hat zu Recht auf diese Problematik hingewiesen. Nein, es gibt sie eben nicht, die von Kollegin Raab hier angekündigte und dargelegte Rechtsklarheit und diese verlässlichen Rahmenbedingungen. Es gibt sie nicht! Im Grunde genommen ändern wir hier ein paar Begrifflichkeiten, Sie schüren damit eine Erwartungshaltung in der Bevölkerung. Und wir werden in der Praxis erleben, dass nicht jeder, der eine Information haben will, und in erster Linie sind das beliebige Informationen, diese bekommen wird, weil eben – und damit spreche ich einen neuen Punkt an, nämlich in Bezug auf die Gemeinden – zum einen nicht jede Information, die einen Gemeindebürger interessiert, ich nenne einmal beispielsweise die Information, wie viel Geld der Gemeindenachbar für den Ankauf eines Grundstückes gekriegt hat, im allgemeinen Interesse ist und zum anderen wir hier, und das wurde von Kollegin Duzdar richtigerweise angemerkt, in einem großen Spannungsverhältnis mit der Datenschutz-Grundverordnung stehen. Also ich bin mir nicht ganz klar darüber, wie wir in der Praxis dieses Problem lösen werden, wenn Anfragen aus der Bevölkerung an die Gemeinden kommen und wir dann wahrscheinlich aus berechtigten Interessen an der Geheimhaltung von persönlichen Daten Schwärzungen vornehmen müssen und dann gesagt wird: Na ja, aber das ist genau das, was mich interessiert hat. Warum macht die Gemeinde das dann? Dann werden wir prozessieren müssen – und da komme ich zum nächsten Problem, das ich hier ansprechen möchte, nämlich die fehlenden rechtlichen Grundlagen, die von Ihnen, geschätzte Regierungsfraktionen, zwar angekündigt, aber nicht vorgelegt wurden. Es hat geheißen, es kommen dann die Informationen von den Gerichten und von der Datenschutzbehörde. Und was haben wir? – Nichts haben wir! Im Gegenteil, man bekommt die Auskunft, da wird man den Rechtsweg beschreiten müssen, da werden wir Rechtsgrundlagen zu schaffen haben – und dann werden wir es irgendwann einmal schon wissen. Auf der Strecke bleiben die Beamten, nämlich jener Beamte, der entscheiden muss, egal ob in einem Ministerium oder in einer Gemeinde, und auf der Strecke bleiben die Verantwortungsträger, nämlich die Bürgermeister in den Gemeinden, die da völlig alleingelassen und ins kalte Wasser gestoßen werden – dafür, dass Sie, Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsfraktionen, ein paar Begrifflichkeiten ändern und Erwartungshaltungen erzeugen, die so wahrscheinlich nie in Erfüllung gehen werden. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Stephanie Krisper . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Kollegin.

NEOS Stephanie Krisper

Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zuseherinnen und Zuseher! Ja, wir haben es heute schon oft gehört: Das Amtsgeheimnis wird endlich abgeschafft und durch das Grundrecht auf Zugang zu Informationen ersetzt. Das freut uns NEOS natürlich besonders. Das ist auch eine langjährige Forderung. Allerdings weist das im letzten Jahr beschlossene Informationsfreiheitsgesetz ein Defizit auf, deswegen haben wir auch damals, in der letzten Legislaturperiode, nicht zugestimmt. Das Gesetz, das endlich das Grundrecht in der Verfassung verankert, hat zwar einen Kulturwandel eingeläutet, aber es gilt, wie schon ausgeführt wurde, nicht überall. In 84 Prozent der Gemeinden müssen die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden, um Informationen zu erhalten. Das sind dann doch 1 834 Dunkeldörfer in Österreich, wo eben keine proaktive Informationspflicht besteht, und leider gibt es eine Ewigkeitsklausel. Nun komme ich zum vorliegenden Gesetzespaket, das 140 Gesetze umfasst. In den Verhandlungen stets wichtig ist, dass es eben zu keiner Einschränkung kommt, die einer Informationsfreiheit, die zusteht, entgegensteht. Das Paket kann aufgrund dieser neuen Herausforderungen gar nicht ideal sein. Besonders ist uns bewusst, dass es Herausforderungen im Beamtendienstrecht gibt. Die Recht anwendenden Sachbearbeiter:innen müssen nämlich eine Abwägung zwischen Geheimhaltungsgründen und dem Interesse der Bevölkerung, der Öffentlichkeit treffen. Und es ist natürlich schwierig, bestmöglich Rechtssicherheit zu geben, die die Sachbearbeiter:innen verdienen. Plump gesagt: Was kann ich rausgeben, was nicht? Diese Abwägung ist nicht einfach. Deshalb werden wir sehr genau hinsehen und dort, wo Rechtssicherheit nachgeschärft werden muss, nachbessern. Der Weg zu diesem Gesetz war auch kein einfacher. Das möchte ich auch zugestehen, dass der Gesetzwerdungsprozess nicht ideal lief. Er hätte früher angestoßen werden können, dahin gehend ist Kritik berechtigt. Die Rahmenbedingungen – möchte ich dennoch sagen – waren auch schwierige, aufgrund der langwierigen Regierungsbildung, und im Doppelbudget war es wahrlich herausfordernd. Umso mehr möchte ich allen danken, die mit großem Einsatz an der Entwicklung, an der Ausarbeitung des Gesetzespaketes mitgewirkt haben und einen wertvollen Beitrag dazu geleistet haben, dass unsere Verwaltung transparenter und moderner wird. – Danke sehr. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Staatssekretär Alexander Pröll . – Bitte, Herr Staatssekretär.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Jetzt wird bald Schluss sein mit dem verstaubten Amtsgeheimnis. Wir Grüne haben lange dafür gekämpft, und wir sind sehr, sehr froh, dass das nun kommen wird. (👏) Ein anderes Geheimnis bleibt aber zum Leidwesen der Transparenz bestehen, und über das reden wir heute auch: das Bankgeheimnis. Das Bankgeheimnis ist ja eigentlich zum Schutz der Kundinnen und Kunden eingeführt worden. Das Bankgeheimnis wurde aber nicht erfunden, um mögliche Fehlleistungen eines Bankenvorstandes zu verschleiern – nur berufen sich die andauernd darauf, Beispiele: Signa-Kredite, Hypo Vorarlberg. Das Bankgeheimnis wurde auch nicht erfunden, um parlamentarische Kontrolle gegenüber der Bankenaufsicht, gegenüber der Aufsicht zum Kampf gegen Geldwäsche und der Sanktionsüberwachung einzuschränken, aber auch das ist regelmäßig der Fall. Es gibt einfach ein berechtigtes öffentliches Interesse an Kontrolle, und es gibt ein berechtigtes Interesse des Staates, sicherzustellen, dass es sich nicht einige wenige richten.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Zum Thema!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Deshalb einen Appell an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen – wir im Hohen Haus können das nämlich ändern –: Wir brauchen ein Bankgeheimnis, das Kund:innen schützt …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Thema!

GRÜNE Nina Tomaselli

… nicht Skandale verdeckt, und schon gar nicht eines, das Politiker:innen und Steuerzahler:innen wie Zaungäste behandelt, wenn Millionen öffentlicher Risiken im Spiel sind. Wirkliche Informationsfreiheit braucht Licht – auch dort, wo es für manche halt ein bisschen blendet. – Danke schön. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Daniela Gmeinbauer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Daniela Gmeinbauer

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ich darf wieder zum Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz zurückkommen, das wir heute hier diskutieren und beschließen. Es ist weit mehr als eine rein technische Umsetzung: Es geht um ein neues Verständnis des Verhältnisses zwischen dem Staat und den Bürgerinnen und Bürgern, und es ist ein echtes Update für unsere Demokratie. Das ( auf einen mehrere Zentimeter dicken Band auf dem Redner:innenpult deutend ) ist übrigens die Regierungsvorlage zum Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz. Dieses ist notwendig geworden, weil wir mit dem Informationsfreiheitsgesetz einen echten Paradigmenwechsel eingeleitet haben, das Amtsgeheimnis ist in einer modernen Informationsgesellschaft schlichtweg nicht mehr zeitgemäß: weg vom Amtsgeheimnis hin zu einem Grundrecht auf Information. Wir alle wollen einen Staat, der Transparenz lebt, einen Staat, der Vertrauen in seine Bürgerinnen und Bürger hat, einen Staat, der offenlegt, wie Entscheidungen getroffen werden. Das zeigt Stärke und keine Schwäche. Als ehemalige Klubobfrau des Gemeinderatsklubs der ÖVP Stadt Graz und als Unternehmerin ist mir die kommunale Realität bekannt. Ich weiß, wie wichtig Informationen für das Vertrauen in die Verwaltung sind und wie wichtig Informationen für die Nachvollziehbarkeit von politischen Entscheidungen sind. Bürgerinnen und Bürger wollen wissen, was wir mit ihrem Steuergeld machen beziehungsweise was damit passiert, wie die Verwaltung Entscheidungen trifft. Wir alle profitieren davon, wenn das Handeln des Staates und seiner Organe nachvollziehbar ist, verständlich und zugänglich gemacht wird. (👏 ÖVP) In meiner Heimatstadt Graz und in den steirischen Gemeinden wie jenen meiner Kollegen Kühberger, Stark und Schnabel zeigt sich: Die Zeit der Legisvakanz wurde genutzt; es wurden Fortbildungen durchgeführt, Abläufe optimiert, technische Systeme angepasst. Das unterstreicht den konstruktiven Zugang unserer Gemeinden und Behörden. Es wurden im Ausschuss auch die Sorgen von Gemeinden bezüglich einer möglichen Überlastung, insbesondere der kleineren Gemeinden, angesprochen. Seien wir aber ehrlich: Auch bisher war es möglich, über die Auskunftspflichtgesetze des Bundes und der Länder Auskunftsbegehren zu stellen. Neu ist daher nicht die Tatsache, dass Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen können; neu ist, dass der Zugang zur Information als Grundrecht gestärkt wird und die Prozesse klarer geregelt werden. Es geht uns um verantwortungsvolle Transparenz. Wir haben im Gesetz klare Leitlinien durch das Bundeskanzleramt, von der Datenschutzbehörde, praxisnah, verständlich und handhabbar – und genau das braucht es, denn am Ende geht es nicht nur um Akteneinsicht, sondern um Vertrauen in den Staat und in seine Institutionen. Mit diesem Gesetz machen wir einen weiteren Schritt hin zu mehr Bürgernähe und zu einer offenen, zukunftsfähigen Verwaltung. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Sams . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich bitte vor: Eine Anfrage im Gemeinderat, und die Frage ist, warum der Bürgermeister einen topmodernen BMW IX mit einer Leistung von 520 PS als Dienstwagen braucht, finanziert aus Steuergeldern. Wie viel Geld wurde da aufgewendet? Ein BMW iX ist ein Luxusauto, und weil es ein E-Auto ist, fällt nicht einmal ein Sachbezug für private Fahrten an. Was bekommen die Bürger:innen vom Bürgermeister zur Antwort? – Keine Erklärung, keine Transparenz. Die Begründung für diese Nichtauskunft: Amtsgeheimnis und Datenschutz. Dieses Szenario ist leider Realität, und zwar in meiner Heimatstadt Wels. So viel zur bisher gelebten Transparenz. Wenn Datenschutz zur Ausrede wird, wenn das Amtsgeheimnis zum Schutzschild für fragwürdige Ausgaben wird, dann läuft etwas grundlegend falsch. So stellt sich die FPÖ Datenschutz vor, in einer modernen Demokratie darf das aber nicht so sein. (👏 ÖVP, SPÖ) Was wir heute beraten, ist mehr als ein technisches Gesetzespaket. Es ist ein Paradigmenwechsel: weg von der Geheimhaltung hin zur Transparenz, ein längst überfälliger Schritt vom Misstrauen hin zur Mündigkeit. Mit 1. September dieses Jahres gilt: Transparenz ist die Regel, Geheimhaltung die Ausnahme. Die Demokratie lebt davon, dass Bürger:innen wissen: Wie wird entschieden? Wohin fließt Steuergeld? Wer trägt Verantwortung? Dieses Gesetz ist ein Meilenstein und ein Sieg für alle, die auf Aufklärung statt auf Abschottung setzen. (👏 ÖVP, SPÖ) Das vorliegende Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz sorgt dafür, dass dieser Anspruch auch im einfachen Recht umgesetzt wird. Veraltete Bestimmungen werden angepasst. Geheimhaltung wird dort präzise geregelt, wo sie wirklich notwendig ist, etwa beim Schutz sensibler Daten. Genau da ist es uns besonders wichtig, der Datenschutz wird nicht geschwächt, sondern gestärkt, denn Information braucht klare Spielregeln. Auch der Strafrechtsparagraf – ist heute schon öfter erwähnt worden – zur Verletzung des Amtsgeheimnisses wird neu gefasst, wer eine sorgfältige Interessenabwägung dokumentiert, wird künftig nicht kriminalisiert werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieses Gesetz steht für eine moderne, offene Republik. Es zeigt: Der Staat hat nichts zu verstecken, aber er hat Verantwortung zu zeigen. Transparenz, Datenschutz und soziale Gerechtigkeit gehören zusammen. Dafür sind wir in der Regierung, das bedeutet Sozialdemokratie. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johann Weber . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Johann Weber

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Zum nun zu beschließenden Gesetzespaket wurde schon wirklich sehr viel gesagt. Ich als Lehrer an einer landwirtschaftlichen Fachschule in Kärnten möchte trotzdem noch auf etwas hinweisen, und zwar auf den Bildungsbereich in diesen Schulen, das betreffend, was wir heute hier mitbeschließen. Ab jetzt, mit dem Beschluss dieses Gesetzes, gibt es auch eine neue Möglichkeit für den Quereinstieg in den Lehrerberuf an den land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen. Diese Regelung eröffnet neue Chancen und hilft uns, den Herausforderungen, speziell in der Lehrkräfteversorgung, gerecht zu werden. In den letzten Jahren ist es nämlich immer wieder schwieriger geworden, genügend qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer für unsere Fachschulen zu finden und zu gewinnen. Unsere 70 Fachschulen in Österreich mit circa 13 000 Schülerinnen und Schülern können nur dann gut ausbilden, wenn wir genügend motivierte und auch entsprechend qualifizierte Lehrkräfte haben. Mit der neuen Regelung wollen wir nun eine Lösung finden. Fachkräfte aus verwandten Bereichen, die bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen haben, können hinkünftig nun auch als Lehrer an unseren Fachschulen arbeiten. Wichtig ist dabei: Diese Regelung soll aber keine Konkurrenz zu den bestehenden Lehramtsstudien darstellen, sondern lediglich eine zusätzliche Ergänzung sein. Die neuen Lehrer müssen weiterhin bestimmte Qualifikationen erfüllen, um unterrichten zu dürfen. Die pädagogische Ausbildung wird in einem berufsbegleitenden Hochschullehrgang nachgeholt, sodass sichergestellt wird, dass die neuen Lehrkräfte auch die nötigen didaktischen Fähigkeiten besitzen. Meine Damen und Herren! Warum ist das nun zu beschließende Regelwerk für den ländlichen Raum, wie bei mir daheim in Kärnten, so wichtig? Wir sind nämlich stolz auf unsere land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Was hat das mit der Infofreiheit zu tun?!

ÖVP Johann Weber

… die einen extrem wichtigen Beitrag zur Ausbildung der Jugend, speziell in den ländlichen Regionen, draußen im ländlichen Raum, leisten. (👏 ÖVP) Unser land- und forstwirtschaftliches Bildungssystem hat in Österreich einen hervorragenden Ruf. Die landwirtschaftliche Ausbildung bietet in allen Regionen hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Unsere Absolventinnen und Absolventen haben sehr gute Berufschancen, einerseits in der Landwirtschaft, aber auch in vielen, vielen anderen Bereichen sind diese sehr stark nachgefragt. Damit das auch so bleibt, müssen wir weiterhin gute, motivierte und qualifizierte Lehrkräfte gewinnen. Durch diese Quereinsteigermöglichkeit werden wir nicht nur mehr Lehrkräfte gewinnen, sondern auch den hochwertigen Unterricht sicherstellen. Das ist ganz wichtig. Diese Regelung trägt dazu bei, dass unsere Fachschulen weiterhin eine der besten Adressen für die landwirtschaftliche Ausbildung bleiben. Das landwirtschaftliche Schulwesen – ich bin ein Fan von diesem Schulwesen – ist übrigens in der letzten Zeit das einzige Schulwesen gewesen, das steigende Schülerzahlen vorweisen konnte. Wir können mit dieser Maßnahme die Fachkenntnisse und die Praxisnähe im Unterricht stärken. Unsere Schülerinnen und Schüler profitieren davon, dass sie von Experten, auch aus der Praxis kommend, lernen, die den Berufsalltag einerseits kennen, aber auch verstehen. Abschließend möchte ich noch sagen: Die neue Quereinstiegsmöglichkeit ist eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der landwirtschaftlichen Ausbildung. Wir schaffen damit mehr Flexibilität, mehr Qualität und Chancen für unsere Schülerinnen und Schüler. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/115.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 15: Entwurf betreffend Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz in 151 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 9, 14 bis 19, 27, 28, 35, 53, 58, 59, 63, 65, 78, 86, 115, 116 und 120 eingebracht. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/115.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , Kolleginnen und Kollegen betreffend „‚Lex Hartinger-Klein‘ – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen!“ Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Darf ich um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bei den Abstimmungen ersuchen? (Abg. Wöginger [ÖVP]: Bei den Grünen geht’s so zu! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.) Wir sind im Abstimmungsvorgang, und ich ersuche um die entsprechende Aufmerksamkeit. RN/115.3 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 16: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 130 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/115.4 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bankwesengesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 134 der Beilagen. Die im Gesetzentwurf enthaltene Änderung betreffend § 38 Abs. 1 Bankwesengesetz kann gemäß § 38 Abs. 5 Bankwesengesetz nur in Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Mitglieder und mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen beschlossen werden. Somit stelle ich zunächst die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf ihre Zustimmung erteilen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen. Ausdrücklich stelle ich die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit fest. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Mehrheitlich angenommen. Ausdrücklich stelle ich wiederum die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit fest. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz

152 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 130 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz wird geändert, um es an die neue verfassungsrechtliche Informationsfreiheit (Art. 22a B-VG) und das Informationsfreiheitsgesetz anzupassen. In § 7 Abs. 3 wird insbesondere die Terminologie zu „dienstlich“ neu gefasst; die Änderung tritt korrespondierend mit 1. September 2025 in Kraft.

Betroffen sind die Bildungsdirektionen und deren Organe bzw. Bedienstete im Zuständigkeitsbereich des Bundesministers für Bildung, insbesondere hinsichtlich des Umgangs mit nicht öffentlich bekannten dienstlich erlangten Informationen.

Dokumente

Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz

Ausgangslage und Anlass der Novelle

  • Mit BGBl. I Nr. 5/2024 (Änderung des B-VG und Erlass eines Informationsfreiheitsgesetzes) wird die Rechtslage zur Informationsfreiheit grundlegend neu geregelt; das tritt im Wesentlichen mit 1. September 2025 in Kraft.
  • In das B-VG wird ein neuer Art. 22a eingefügt, der eine proaktive Informationsverpflichtung für Organe der Bundes- und Landesverwaltung, Organe der Gerichtsbarkeit sowie Gesetzgebungsorgane des Bundes und deren Hilfsorgane vorsieht.
  • Art. 22a B-VG räumt jedermann ein Recht auf Zugang zu Informationen ein: gegenüber Organen der Bundes- und Landesverwaltung sowie gegenüber rechnungshofkontrollierten, staatsnahen Stiftungen, Fonds, Anstalten und Unternehmungen, soweit nicht Geheimhaltung zum Schutz bestimmter Interessen erforderlich ist.
  • Die bisherigen Art. 20 Abs. 3 bis 5 B-VG sowie die Auskunftspflichtgesetze des Bundes und der Länder treten außer Kraft.
  • Das gleichzeitig erlassene Informationsfreiheitsgesetz (IFG) enthält nähere Durchführungsbestimmungen zu Art. 22a B-VG und stützt sich auf die neue Bedarfskompetenz des Bundes in Angelegenheiten der Informationsfreiheit (Art. 22a Abs. 4 Z 1 B-VG).
  • Aufgrund dieser geänderten Rechtslage sind Bestimmungen im exekutiven Zuständigkeitsbereich des Bundesministers für Bildung anzupassen; die Anpassung soll korrespondierend mit dem Inkrafttreten von Art. 22a B-VG und IFG mit 1. September 2025 wirksam werden.

Kompetenz- und verfahrensrechtliche Grundlagen

  • Kompetenzrechtliche Grundlage für die Novelle ist Art. 113 Abs. 10 B-VG (Bildungsdirektion).
  • Es bestehen keine besonderen Beschlusserfordernisse nach Art. 14 Abs. 10 B-VG.
  • Es gelten jedoch besondere Mitwirkungs- und Kundmachungserfordernisse gemäß Art. 113 Abs. 10 letzter Satz B-VG.

Inhalt der Änderung im Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz

  • Änderung betrifft § 7 Abs. 3: Die Regelung wird aufgrund der neuen Rechtslage terminologisch angepasst.
  • Der Begriff „dienstlich“ soll alle Daten und Tatsachen umfassen, die aufgrund der funktionalen Tätigkeit bekannt geworden sind, sofern sie der Öffentlichkeit nicht bekannt oder zugänglich sind.

Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz

~32 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Michael Schilchegger

Danke, Herr Präsident! Werter Herr Staatssekretär! Werte Damen und Herren! Wir sprechen nun über eine Sammelgesetzbegleitnovelle, die die Regierungsparteien zum Informationsfreiheitsgesetz auf den Weg gebracht haben, das ja bekanntlich ab 1. September 2025, also im Herbst dieses Jahres, in Kraft treten wird. Vorweg: Wir Freiheitliche bekennen uns natürlich klar und unmissverständlich zum Kerngedanken der Informationsfreiheit, die ja ein Mehr an Transparenz in der staatlichen Verwaltung und ein Mehr an Transparenz auch in der Politik verspricht. Aber wenn wir schon von Transparenz sprechen – auch ein Wort an Herrn Kollegen Gerstl von der ÖVP –, sollten wir eigentlich bei der vollen Wahrheit bleiben. Sie haben es heute in einem Redebeitrag erwähnt – Frau Kollegin Zadić hat das dann mit anderen Worten unterstützt –, Sie haben gesagt: Das Amtsgeheimnis wird abgeschafft. Das ist formal richtig, aber natürlich nur die halbe Wahrheit, denn Sie haben die Namensschilder getauscht: Das, was früher die Auskunftspflichtgesetze waren, heißt nun eben Informationsfreiheit, und das, was früher das Amtsgeheimnis war, besteht weiterhin fort, sie nennen es halt jetzt Geheimhaltungspflicht. Das heißt, die öffentlich Bediensteten, die Beamten, stehen weiterhin vor der Frage, ob nun zu einem Akt Auskunft erteilt werden muss, denn es gilt ja nun die Informationsfreiheit und das neue Regime, oder aber, ob genau dieselbe Auskunft gerade nicht erteilt werden darf, auf keinen Fall, denn es gelten ja immerhin das Grundrecht auf Datenschutz und das Amtsgeheimnis, das aber eben ab Herbst Geheimhaltungspflicht heißen wird. Die Beantwortung dieser schwierigen Fragen, die Auslegung dieser Prinzipien erfordert immer eine schwierige juristische Abwägungsarbeit. Damit bauen Sie ein enormes juristisches Spannungsfeld auf, und in diesem Spannungsfeld ist es aus meiner Sicht die Aufgabe des Gesetzgebers – nach der Verfassung, nach dem Bestimmtheitsprinzip des Artikels 18 B-VG, im Sinne des Legalitätsprinzips –, den Behörden diese Abwägungsarbeit abzunehmen, das heißt, Sie müssten in den gesetzlichen Begleitnovellen natürlich klar verankern, in welchen Materiengesetzen welches Prinzip überwiegt beziehungsweise welche konkreten Informationen zu erteilen sind, wo also die Transparenz zum Tragen kommt und wo hingegen die Geheimhaltungspflicht gilt. Das Schlimmste daran ist, dass Sie ja die öffentlich Bediensteten, die jetzt auf einmal alle voll transparent sein sollen und alles hergeben sollen, weiterhin mit dem gerichtlichen Strafrecht gemäß § 310 StGB neu wegen Verletzung von Geheimhaltungspflichten bedrohen. Wir haben diese Problematik bereits in der Sitzung des Verfassungsausschusses am 26. Juni erörtert, ich habe Ihnen das so ausgeführt. Sie, liebe Verfassungssprecher aller Fraktionen, haben vielleicht dann auch das E-Mail der NGO Forum Informationsfreiheit, die uns Freiheitlichen jetzt nicht nahesteht, erhalten, in dem ganz klar eben genau mein Argument bestätigt wird. Es wird also so sein, dass dieser Druck auf die öffentlich Bediensteten dazu führt, dass diese eben strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten haben und damit den Geheimhaltungsinteressen in der Regel der Vorzug gegeben werden wird. Ihr Lösungsvorschlag war dann: Wir haben eine Ausschussfeststellung. Ich zitiere daraus, die Ausschussfeststellung lautet: „Wenn eine solche Abwägung [...] nachvollziehbar und vollständig durchgeführt und dokumentiert wurde, ist im Zweifelsfall nicht von einer vorsätzlichen Begehung auszugehen.“ Meine Damen und Herren, gut gemeint ist nicht gut gemacht, daher haben wir dieser Ausschussfeststellung auch nicht zugestimmt, denn Sie erweisen damit den öffentlich Bediensteten ja einen Bärendienst! Sie wollen ihnen damit helfen, tun es aber nicht. Sie verschlechtern damit die Rechtslage, denn diese Feststellung, die Sie haben wollten, bedeutet im Umkehrschluss, dass eben jede Abwägungsentscheidung unter der strafgesetzlichen Anforderung einer vollständigen Dokumentation stehen wird, also in der Verwaltungspraxis zu allem Übel und zu aller Bürokratie, die diese neue Rechtslage mit sich bringt, auch noch zusätzliche und langjährige Dokumentationspflichten auferlegt werden, nämlich bis zum Verjährungszeitpunkt der Strafbarkeit. Es bringt aber auch keinen Vorteil, meine Damen und Herren, wenn Sie schreiben, dass es „im Zweifelsfall“ so ist. Das bringt nichts, weil im Strafprozessrecht ohnehin im Zweifelsfall nie von einem Tatvorsatz auszugehen ist – Stichwort Unschuldsvermutung. Das einzig Gute an dieser Ausschussfeststellung ist, dass eine solche in der Strafrechtspraxis überhaupt keine Rolle spielt. Es ist also eine elfenbeinturmartige Vorgehensweise. Wir Freiheitlichen unterstützen den Wandel hin zu mehr Transparenz, aber diesen Gesetzesmurks, den Sie hier vorgelegt haben, unterstützen wir ausdrücklich nicht. Lassen Sie mich abschließend noch auf das Bild, das Sie, Herr Kollege Gerstl, in Ihrer vorigen Rede gezeichnet haben, eingehen, nämlich dass der Staat „gläsern“ wird. Auch dieses Bild darf ich ein bisschen einordnen und korrigieren: Das Glas, von dem Sie sprechen, ist eigentlich eher ein Milchglas, durch das man kaum durchsehen kann, denn es gilt ja weiterhin die Geheimhaltungspflicht. Und der staatliche Glasbau, den Sie hier erwähnen und in dem die öffentlich Bediensteten tagtäglich ihren Dienst versehen, ist leider auch nicht sehr stabil, sondern sehr brüchig, weil eben jede Verletzung dieser neuen Geheimhaltungspflichten weiterhin als Damoklesschwert über den Beamten und öffentlich Bediensteten hängen wird. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Susanne Raab . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt.

ÖVP Susanne Raab

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Werte Abgeordnete! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Es ist schon ein sehr bedeutender Moment, wenn jetzt nach 18 Monaten Legisvakanz am 1. September dieses Jahres die Informationsfreiheit in ihrer gesamten Fülle in Kraft treten wird. Natürlich ist das ein Paradigmenwechsel. Nach über 100 Jahren Amtsgeheimnis hat das eine enorme Tragweite und das sieht man ja auch am heutigen Gesetzespaket, mit dem wir die Novellierung von über 100 Gesetzen zur Beschlussfassung vorlegen. Es ist ein umfangreiches Gesetzespaket, das wirklich seinesgleichen sucht, in dem natürlich ganz viel Gestaltungswille und Arbeitsaufwand stecken. Deshalb möchte ich meine Rede mit einem ganz großen Dankeschön an alle Bediensteten in den Ministerien, in den Landesverwaltungen, in allen weiteren Einheiten, die auch von diesem Gesetz betroffen sind, und die nun in der Umsetzungsphase ganz tatkräftig mitgewirkt haben, beginnen. – Vielen Dank für eure Arbeit! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrter Herr Kollege Schilchegger – jetzt ist er nicht mehr hier ( Rufe bei der FPÖ: Ist schon da! ); verzeihen Sie! –, wir glauben sehr wohl, dass es ein Paradigmenwechsel ist, weil eben das Amtsgeheimnis abgeschafft wird, weil eben ein Grundrecht auf Information geschaffen wird, weil eben im Vergleich zu vorher sehr wohl die Regel nun die Information ist und es davon natürlich Ausnahmen gibt. Aber: Dieser Paradigmenwechsel hin zu einem Grundrecht auf Information und die Abschaffung des Amtsgeheimnisses sind schon ein ganz, ganz zentraler Meilenstein in einer modernen Verwaltung, in einem modernen Staat. (👏 ÖVP) Damit das gelingt, braucht es drei Voraussetzungen, die wir mit diesem Gesetzespaket heute schaffen: Es braucht erstens Rechtsklarheit. Die Verweise auf die überholte Amtsverschwiegenheit werden gestrichen, sodass künftig eben nur mehr jene Geheimhaltungspflichten gelten, die verfassungsrechtlich unbedingt notwendig und auch sachlich begründbar sind. Zweitens braucht es natürlich verlässliche Rahmenbedingungen für all jene, die das umsetzen, für die Bediensteten in der Verwaltung, für die Beamtinnen und Beamten. Das möchte ich natürlich auch in Richtung Opposition unterstreichen: Es ist sichergestellt, dass die Beamtinnen und Beamten, die verantwortungsvoll und nachvollziehbar abwägen, eben keine strafrechtlichen Konsequenzen zu fürchten haben, und deshalb wird ja § 310 StGB neu gefasst, damit die gutgläubige und dokumentierte Entscheidung auch ausdrücklich geschützt ist. Ich kann Ihnen auch als langjährige Beamtin und zuletzt Sektionschefin sagen: Unsere Beamtinnen und Beamten können das, sie können diese Verantwortung wahrnehmen, sie können diese Abwägung treffen und sie können auch diese Entscheidungen treffen. (👏 ÖVP) Zum Dritten braucht es natürlich ein modernes Verständnis von Staat und Gesellschaft. Wir kennen das Auskunftspflichtgesetz – das haben Sie auch angesprochen –, das war ein erster wichtiger Schritt, aber das war 1987, und jetzt gehen wir den nächsten Schritt. Wir machen Transparenz zur Regel und Geheimhaltung eben zur Ausnahme. Warum machen wir das? – Weil wir möchten, dass Bürgerinnen und Bürger am Staat teilhaben können, und wir wollen nicht nur die Möglichkeit zur Teilhabe schaffen, sondern sie auch motivieren, anregen, weil das im Sinne der Demokratie ist, im Sinne einer lebendigen Demokratie. Das bringt mich auch zum Ende meiner Rede: Ich spreche heute nicht nur als Abgeordnete, die in absehbarer Zeit das Hohe Haus verlassen und sich einer neuen Aufgabe widmen wird, ich spreche gerade in diesem Zusammenhang auch als ehemalige Beamtin in der Verwaltung, als ehemalige Sektionschefin und auch als ehemalige Ministerin in den letzten mehr als fünf Jahren: Ich habe unsere Republik in all diesen Funktionen in unterschiedlichen Rollen kennengelernt – als Teil der Verwaltung, als Teil der Exekutive und eben auch als Teil der Legislative –, und all diese unterschiedlichen Rollen haben mich eines gelehrt, die haben eines gemeinsam, nämlich: Überall habe ich Menschen getroffen, die mit Integrität, mit vollem Einsatz, mit voller Leidenschaft und höchster Professionalität für unser Land arbeiten, die sich für die Menschen in unserem Land in ihren unterschiedlichen Arbeitsbereichen einsetzen. Das lässt mich so positiv in die Zukunft blicken, und dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich habe in diesem Haus ja auch einiges erlebt, egal, ob auf der Ministerbank oder als Abgeordnete – Applaus, Widerspruch, Konflikte natürlich, Kompromisse –, aber was uns natürlich alle eint, auch wenn wir sehr unterschiedliche Zugänge haben, ist – und das erfüllt mich mit so großem Stolz und so großer Dankbarkeit –: Wir alle haben den Wunsch, zu gestalten, wir alle wollen unserem Land dienen, wir wollen es einfach besser machen, wir wollen, dass die Zukunft besser wird als die Vergangenheit war. Und dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich euch weiterhin viel Kraft, viel Freude am Tun, viel Vernunft und das Herz am rechten Fleck. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, das wäre jetzt ein schöner Schluss gewesen ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP ), ich darf aber noch einen umfassenden Abänderungsantrag einbringen: Abänderungsantrag der Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , MA, Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Verfassungsausschusses in 151 der Beilagen betreffend Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der dem eingangs bezeichneten Bericht des Verfassungsausschusses angeschlossene Gesetzentwurf wird wie folgt geändert: 1. In den Artikeln 9, 14 bis 19, 27, 28, 35, 53, 63, 65, 78, 115 und 116 wird jeweils im Einleitungssatz das Zitat „BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch das Zitat „BGBl. I Nr. 25/2025“ ersetzt. 2. In Artikel 9 Z 1 (§ 17 Abs. 4 des Bundesstatistikgesetzes 2000) wird die Wortfolge „Verpflichtung zur Geheimhaltung“ durch die Wortfolge „Pflicht zur Geheimhaltung“ ersetzt. 3. In Artikel 58 wird im Einleitungssatz die Wortfolge „Bundesgesetz BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch die Wortfolge „Budgetsanierungsmaßnahmengesetz 2025 Teil II, BGBl. I Nr. 20/2025“ ersetzt. 4. Artikel 58 Z 3 (§ 78 des Arbeitsmarktservicegesetzes) lautet: „3. Dem § 78 wird folgender Abs. 55 angefügt: „(55) Das Inhaltsverzeichnis und § 27 samt Überschrift in der Fassung des lnformationsfreiheits-Anpassungsgesetzes, BGBl. I Nr. xxx/2025, treten mit 1. September 2025 in Kraft. ““ 5. In den Artikeln 59 und 86 wird jeweils im Einleitungssatz das Zitat „BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch das Zitat „BGBl. I Nr. 28/2025“ ersetzt. 6. In Artikel 120 wird das Zitat „ Art. 119. “ durch das Zitat „Art. 119“ ersetzt. Begründung: Mit dem vorliegenden Abänderungsantrag soll die im vorgeschlagenen § 17 Abs. 4 des Bundesstatistikgesetzes 2000, BGBl. I Nr. 163/1999, gewählte Formulierung an den vorgeschlagenen Wortlaut der Überschrift des verwiesenen § 310 des Strafgesetzbuches – StGB, BGBl. Nr. 60/1974, angeglichen werden (Z 2). Die sonstigen vorgeschlagenen Änderungen sind redaktioneller Natur (Z 1 und Z 3 bis 6). Vielen Dank. ( Anhaltender Beifall bei der ÖVP, Beifall bei Abgeordneten von NEOS und Grünen sowie der Abg. Schatz [SPÖ]. ) 17.22 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/105.1 Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz (AA-19) Präsident Peter Haubner : Danke vielmals. Der soeben vorgetragene Abänderungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Sehr geehrte Frau Abgeordnete, danke für Ihre Arbeit und Ihren Einsatz. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe. Danke vielmals! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Alma Zadić . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich die Gelegenheit ergreifen und Kollegin Raab auch für die gute Zusammenarbeit danken. – Vielen Dank. Die letzten Jahre waren sehr herausfordernd, aber ich habe die gute Zusammenarbeit immer geschätzt. Ich wünsche dir auch viel Erfolg für die kommende Herausforderung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir haben heute schon über das Informationsfreiheitsgesetz gesprochen, das auch wichtig ist, weil es letzten Endes unsere Demokratie stärkt, weil das Vertrauen in die Demokratie gestärkt wird, das Vertrauen in die Politik. Und ja, nach eineinhalbjähriger Übergangsphase ist es bald fast so weit; mit 1. September tritt es dann endlich in Kraft. Natürlich ist das auch ein Meilenstein für Österreich, denn Bürgerinnen und Bürger haben künftig ein Grundrecht auf Information. Bundes- und Landesbehörden müssen Informationen von allgemeinem Interesse proaktiv öffentlich zur Verfügung stellen und Bürger:innen auf Anfrage Informationen geben. Dafür muss mit dieser großen Sammelnovelle eine Vielzahl an bestehenden Gesetzen angepasst werden. Manchmal werden bloß die Begriffe ausgetauscht – wir haben es im letzten Antrag gehört –, teilweise werden bestehende Verschwiegenheitsgründe wegen des neuen Grundrechts auf Informationszugang eingeschränkt, teilweise gibt es Begleitregeln zum Informationserteilungsverfahren, teilweise neue Inhalte, beispielsweise etwa die Veröffentlichung von Förderungen; Förderungen ab 1 500 Euro sollen in eine neue Transparenzdatenbank eingespeist werden – also wirklich viele, viele notwendige und wichtige Änderungen im Sinne der Transparenz. Leider war aber die Umsetzung der vorliegenden Anpassung durch die neue Regierung holprig – Entwürfe kamen viel zu spät, die Begutachtungsfrist war viel zu kurz, es gab anfangs stark widersprüchliche Teilentwürfe –, und in Teilbereichen ist es unseres Erachtens zu wenig. Die Informationsfreiheit wird nicht voll umgesetzt. Dazu gehören etwa die fehlende Anpassung im Bundesarchivgesetz – dazu bringen wir dann auch noch einen Entschließungsantrag ein –, der Maulkorb für Stiftungsrät:innen und überschießende Einschränkungen der Informationsfreiheit im Schulbereich. Außerdem fehlen unseres Erachtens auch zusätzliche Ressourcen für die Behörden. Das heißt, auch wenn das Vorhaben gut ist, werden wir dieser Sammelnovelle nicht zustimmen können; wir unterstützen aber jedenfalls das Vorhaben, endlich mehr Transparenz in die Verwaltung zu bringen, deswegen bringen wir folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , LL.M., Kolleginnen und Kollegen betreffend „‚Lex Hartinger-Klein‘ – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen!“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundeskanzler, wird aufgefordert, unverzüglich eine Anpassung des Bundesarchivgesetzes vorzubereiten, damit die Übergabe von Akten an das Staatsarchiv nicht dem Recht der Bürger:innen auf Informationszugang entgegensteht und die Informationsfreiheit gewährleistet bleibt.“ Vielen Dank. (👏) 17.26 RN/106.1 „Lex Hartinger-Klein – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen! (97/UEA) Präsident Peter Haubner : Danke vielmals. Der vorgebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Muna Duzdar . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Muna Duzdar

Vielen herzlichen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen auf der Galerie! Im Jahr 2024, im Jänner 2024, haben wir Historisches beschlossen, wir haben nämlich das Amtsgeheimnis abgeschafft. Wenn Kollege Schilchegger heute sagt, wir hätten das Amtsgeheimnis nicht abgeschafft, so stimmt das nicht. Verfassungsrechtlich haben wir das Amtsgeheimnis abgeschafft und stattdessen ein Grundrecht geschaffen, nämlich das Grundrecht auf Information. Das war und ist eine neue politische Kultur in Österreich, ein Paradigmenwechsel, ein Kulturwandel, der im Grunde genommen längst überfällig war, denn seien wir ehrlich: Wir waren das letzte Land in der Europäischen Union, in dem das Amtsgeheimnis nicht nur gesetzlich verankert war, sondern in der Verfassung festgehalten war. Das war nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern das hat einfach nicht mehr zu einem modernen demokratischen Rechtsstaat gepasst, der auf das Vertrauen seiner Bürgerinnen und Bürger setzt, der auf Teilhabe aufbaut. Eine Demokratie bleibt ja nicht stehen, sondern eine Demokratie entwickelt sich immer weiter. Unser demokratischer Staat ist heute anders entwickelt als noch vor ein paar Jahrzehnten. Es muss ja auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass in einem modernen Rechtsstaat staatliches Handeln transparent ist. Es schafft auch positive Effekte, wenn Menschen besser informiert sind; wenn sie das Gefühl haben, sie können sich besser einbringen, fühlen sie sich auch ganz anders ernst genommen, und wer nachvollziehen kann, wie Entscheidungen getroffen werden, wer weiß, wie mit öffentlichen Mitteln umgegangen wird, der fühlt sich auch ganz anders eingebunden. Das schafft mehr Vertrauen in die Demokratie und in die staatlichen Institutionen. Heute gehen wir den notwendig gewordenen Schritt, dieses neue Grundrecht in allen Gesetzen zu verankern, die sich bis dato auf das Amtsgeheimnis berufen haben. Ich verstehe dich, liebe Alma, nicht ganz, wenn du heute sagst, dass ihr von den Grünen da nicht mitgeht, denn all diese Materiengesetze verweisen ja auf das Informationsfreiheitsgesetz, das wir im Jänner 2024 beschlossen haben. Es ist notwendig, es ist ganz notwendig, dass wir diese Materiengesetze anpassen, weil wir ja ansonsten die rechtliche Problematik hätten, dass mit 1. September 2025 das Informationsfreiheitsgesetz in Kraft tritt, während wir über 100 Gesetze haben, die sich nach wie vor auf das Amtsgeheimnis berufen. Das wäre Rechtsunsicherheit. Mit diesem Schritt, den wir heute setzen, geben wir einen einheitlichen Rechtsrahmen vor. Genau das ist notwendig, um den Behörden, um den Organen, um den Gemeinden die Rechtssicherheit zu geben, die sie brauchen, um das Informationsfreiheitsgesetz vollziehen zu können. (👏 ÖVP, SPÖ) Auch Kollege Schilchegger hat jetzt gemeint, die Materiengesetze betreffend sei alles so holprig und so ungenau geregelt. – Die Materiengesetze beziehen sich auf das Informationsfreiheitsgesetz, und das Informationsfreiheitsgesetz sieht eine ganz klare, konkrete Rechtslage vor, vor allem auch im Hinblick darauf, wann weiterhin Geheimhaltungspflichten bestehen, nämlich bei berechtigten Interessen, beispielsweise bei dem Schutz personenbezogener Daten, bei Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Dort sehe ich auch das Spannungsfeld – weil Sie auch die Mitarbeiter in den Gemeinden angesprochen haben – zwischen der Informationsfreiheit und dem privaten Interesse, den personenbezogenen Daten. Aber genau da schafft das Informationsfreiheitsgesetz Abhilfe, denn gemäß Artikel 6 haben Personen, die von der Veröffentlichung ihrer Daten betroffen wären, auch die Möglichkeit, zu widersprechen, wenn sie der Meinung sind, dass ihre berechtigten Interessen beeinträchtigt werden. Natürlich und selbstverständlich müssen die Gemeinden und die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen unterstützt werden, dass ihnen eben die Anwendung dieses Gesetzes erleichtert wird. Dazu sagt das Informationsfreiheitsgesetz auch ganz klar, dass die Datenschutzbehörde beratend und unterstützend zur Verfügung steht. Der Leitfaden mit 120 Seiten gibt ja auch vor, wie beispielsweise mit missbräuchlicher Verwendung von Anfragen umzugehen ist, und veranschaulicht mit einer Grafik die Prüfungsschritte. Aber – und das sage ich ganz klar – auch dem Gemeindebund wird bei der Umsetzung dieses Gesetzes in der Praxis eine sehr wichtige Rolle zukommen, nämlich die Gemeinden bei der Umsetzung zu unterstützen und beispielsweise auch technische Tools zur Verfügung zu stellen, die die Umsetzung vereinfachen. (👏 SPÖ) Vielleicht abschließend und noch einmal betonend: Mit der Abschaffung des Amtsgeheimnisses und den Anpassungen in den Gesetzen entwickeln wir die österreichische Demokratie weiter. So ist auch die Informationsfreiheit zu verstehen, nämlich als Stärkung unserer Demokratie – und wir schaffen auch mehr Rechtssicherheit. – Danke sehr. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Werner Herbert . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Werner Herbert

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Manchmal ist es schon ein bissl – sagen wir es einmal vorsichtig – strange, wenn man sich hier die Redebeiträge der Mitglieder der Regierungsfraktionen anhört und sich gleichzeitig vor Augen führt, was man selbst erlebt, und da spreche ich jetzt zu Ihnen einerseits als Beamter, der ich seit 40 Jahren im Innenressort tätig bin, und zum anderen als Bürgermeister, der die Realität im Umgang mit der Bevölkerung unmittelbar wahrnimmt. Frau Kollegin Duzdar, natürlich verstehe ich, dass Sie Ihr Informationsfreiheitsgesetz hier herinnen als großen Wurf schönreden wollen, aber ich finde es nicht okay, dass Sie die gerechten und vor allem richtigen Ausführungen des Kollegen Schilchegger in Bezug auf seine Bedenken und Befürchtungen für die ausführenden Beamten, die ja genau diese schwierigen Abwägungen in Bezug auf die Amtsverschwiegenheit, aber auch die Abwägung, wann eine Information oder eine Informationsweitergabe zumutbar ist und wann nicht, zu treffen haben, in Abrede stellen. Er hat zu Recht auf diese Problematik hingewiesen. Nein, es gibt sie eben nicht, die von Kollegin Raab hier angekündigte und dargelegte Rechtsklarheit und diese verlässlichen Rahmenbedingungen. Es gibt sie nicht! Im Grunde genommen ändern wir hier ein paar Begrifflichkeiten, Sie schüren damit eine Erwartungshaltung in der Bevölkerung. Und wir werden in der Praxis erleben, dass nicht jeder, der eine Information haben will, und in erster Linie sind das beliebige Informationen, diese bekommen wird, weil eben – und damit spreche ich einen neuen Punkt an, nämlich in Bezug auf die Gemeinden – zum einen nicht jede Information, die einen Gemeindebürger interessiert, ich nenne einmal beispielsweise die Information, wie viel Geld der Gemeindenachbar für den Ankauf eines Grundstückes gekriegt hat, im allgemeinen Interesse ist und zum anderen wir hier, und das wurde von Kollegin Duzdar richtigerweise angemerkt, in einem großen Spannungsverhältnis mit der Datenschutz-Grundverordnung stehen. Also ich bin mir nicht ganz klar darüber, wie wir in der Praxis dieses Problem lösen werden, wenn Anfragen aus der Bevölkerung an die Gemeinden kommen und wir dann wahrscheinlich aus berechtigten Interessen an der Geheimhaltung von persönlichen Daten Schwärzungen vornehmen müssen und dann gesagt wird: Na ja, aber das ist genau das, was mich interessiert hat. Warum macht die Gemeinde das dann? Dann werden wir prozessieren müssen – und da komme ich zum nächsten Problem, das ich hier ansprechen möchte, nämlich die fehlenden rechtlichen Grundlagen, die von Ihnen, geschätzte Regierungsfraktionen, zwar angekündigt, aber nicht vorgelegt wurden. Es hat geheißen, es kommen dann die Informationen von den Gerichten und von der Datenschutzbehörde. Und was haben wir? – Nichts haben wir! Im Gegenteil, man bekommt die Auskunft, da wird man den Rechtsweg beschreiten müssen, da werden wir Rechtsgrundlagen zu schaffen haben – und dann werden wir es irgendwann einmal schon wissen. Auf der Strecke bleiben die Beamten, nämlich jener Beamte, der entscheiden muss, egal ob in einem Ministerium oder in einer Gemeinde, und auf der Strecke bleiben die Verantwortungsträger, nämlich die Bürgermeister in den Gemeinden, die da völlig alleingelassen und ins kalte Wasser gestoßen werden – dafür, dass Sie, Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsfraktionen, ein paar Begrifflichkeiten ändern und Erwartungshaltungen erzeugen, die so wahrscheinlich nie in Erfüllung gehen werden. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Stephanie Krisper . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Kollegin.

NEOS Stephanie Krisper

Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zuseherinnen und Zuseher! Ja, wir haben es heute schon oft gehört: Das Amtsgeheimnis wird endlich abgeschafft und durch das Grundrecht auf Zugang zu Informationen ersetzt. Das freut uns NEOS natürlich besonders. Das ist auch eine langjährige Forderung. Allerdings weist das im letzten Jahr beschlossene Informationsfreiheitsgesetz ein Defizit auf, deswegen haben wir auch damals, in der letzten Legislaturperiode, nicht zugestimmt. Das Gesetz, das endlich das Grundrecht in der Verfassung verankert, hat zwar einen Kulturwandel eingeläutet, aber es gilt, wie schon ausgeführt wurde, nicht überall. In 84 Prozent der Gemeinden müssen die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden, um Informationen zu erhalten. Das sind dann doch 1 834 Dunkeldörfer in Österreich, wo eben keine proaktive Informationspflicht besteht, und leider gibt es eine Ewigkeitsklausel. Nun komme ich zum vorliegenden Gesetzespaket, das 140 Gesetze umfasst. In den Verhandlungen stets wichtig ist, dass es eben zu keiner Einschränkung kommt, die einer Informationsfreiheit, die zusteht, entgegensteht. Das Paket kann aufgrund dieser neuen Herausforderungen gar nicht ideal sein. Besonders ist uns bewusst, dass es Herausforderungen im Beamtendienstrecht gibt. Die Recht anwendenden Sachbearbeiter:innen müssen nämlich eine Abwägung zwischen Geheimhaltungsgründen und dem Interesse der Bevölkerung, der Öffentlichkeit treffen. Und es ist natürlich schwierig, bestmöglich Rechtssicherheit zu geben, die die Sachbearbeiter:innen verdienen. Plump gesagt: Was kann ich rausgeben, was nicht? Diese Abwägung ist nicht einfach. Deshalb werden wir sehr genau hinsehen und dort, wo Rechtssicherheit nachgeschärft werden muss, nachbessern. Der Weg zu diesem Gesetz war auch kein einfacher. Das möchte ich auch zugestehen, dass der Gesetzwerdungsprozess nicht ideal lief. Er hätte früher angestoßen werden können, dahin gehend ist Kritik berechtigt. Die Rahmenbedingungen – möchte ich dennoch sagen – waren auch schwierige, aufgrund der langwierigen Regierungsbildung, und im Doppelbudget war es wahrlich herausfordernd. Umso mehr möchte ich allen danken, die mit großem Einsatz an der Entwicklung, an der Ausarbeitung des Gesetzespaketes mitgewirkt haben und einen wertvollen Beitrag dazu geleistet haben, dass unsere Verwaltung transparenter und moderner wird. – Danke sehr. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Staatssekretär Alexander Pröll . – Bitte, Herr Staatssekretär.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Jetzt wird bald Schluss sein mit dem verstaubten Amtsgeheimnis. Wir Grüne haben lange dafür gekämpft, und wir sind sehr, sehr froh, dass das nun kommen wird. (👏) Ein anderes Geheimnis bleibt aber zum Leidwesen der Transparenz bestehen, und über das reden wir heute auch: das Bankgeheimnis. Das Bankgeheimnis ist ja eigentlich zum Schutz der Kundinnen und Kunden eingeführt worden. Das Bankgeheimnis wurde aber nicht erfunden, um mögliche Fehlleistungen eines Bankenvorstandes zu verschleiern – nur berufen sich die andauernd darauf, Beispiele: Signa-Kredite, Hypo Vorarlberg. Das Bankgeheimnis wurde auch nicht erfunden, um parlamentarische Kontrolle gegenüber der Bankenaufsicht, gegenüber der Aufsicht zum Kampf gegen Geldwäsche und der Sanktionsüberwachung einzuschränken, aber auch das ist regelmäßig der Fall. Es gibt einfach ein berechtigtes öffentliches Interesse an Kontrolle, und es gibt ein berechtigtes Interesse des Staates, sicherzustellen, dass es sich nicht einige wenige richten.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Zum Thema!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Deshalb einen Appell an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen – wir im Hohen Haus können das nämlich ändern –: Wir brauchen ein Bankgeheimnis, das Kund:innen schützt …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Thema!

GRÜNE Nina Tomaselli

… nicht Skandale verdeckt, und schon gar nicht eines, das Politiker:innen und Steuerzahler:innen wie Zaungäste behandelt, wenn Millionen öffentlicher Risiken im Spiel sind. Wirkliche Informationsfreiheit braucht Licht – auch dort, wo es für manche halt ein bisschen blendet. – Danke schön. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Daniela Gmeinbauer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Daniela Gmeinbauer

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ich darf wieder zum Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz zurückkommen, das wir heute hier diskutieren und beschließen. Es ist weit mehr als eine rein technische Umsetzung: Es geht um ein neues Verständnis des Verhältnisses zwischen dem Staat und den Bürgerinnen und Bürgern, und es ist ein echtes Update für unsere Demokratie. Das ( auf einen mehrere Zentimeter dicken Band auf dem Redner:innenpult deutend ) ist übrigens die Regierungsvorlage zum Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz. Dieses ist notwendig geworden, weil wir mit dem Informationsfreiheitsgesetz einen echten Paradigmenwechsel eingeleitet haben, das Amtsgeheimnis ist in einer modernen Informationsgesellschaft schlichtweg nicht mehr zeitgemäß: weg vom Amtsgeheimnis hin zu einem Grundrecht auf Information. Wir alle wollen einen Staat, der Transparenz lebt, einen Staat, der Vertrauen in seine Bürgerinnen und Bürger hat, einen Staat, der offenlegt, wie Entscheidungen getroffen werden. Das zeigt Stärke und keine Schwäche. Als ehemalige Klubobfrau des Gemeinderatsklubs der ÖVP Stadt Graz und als Unternehmerin ist mir die kommunale Realität bekannt. Ich weiß, wie wichtig Informationen für das Vertrauen in die Verwaltung sind und wie wichtig Informationen für die Nachvollziehbarkeit von politischen Entscheidungen sind. Bürgerinnen und Bürger wollen wissen, was wir mit ihrem Steuergeld machen beziehungsweise was damit passiert, wie die Verwaltung Entscheidungen trifft. Wir alle profitieren davon, wenn das Handeln des Staates und seiner Organe nachvollziehbar ist, verständlich und zugänglich gemacht wird. (👏 ÖVP) In meiner Heimatstadt Graz und in den steirischen Gemeinden wie jenen meiner Kollegen Kühberger, Stark und Schnabel zeigt sich: Die Zeit der Legisvakanz wurde genutzt; es wurden Fortbildungen durchgeführt, Abläufe optimiert, technische Systeme angepasst. Das unterstreicht den konstruktiven Zugang unserer Gemeinden und Behörden. Es wurden im Ausschuss auch die Sorgen von Gemeinden bezüglich einer möglichen Überlastung, insbesondere der kleineren Gemeinden, angesprochen. Seien wir aber ehrlich: Auch bisher war es möglich, über die Auskunftspflichtgesetze des Bundes und der Länder Auskunftsbegehren zu stellen. Neu ist daher nicht die Tatsache, dass Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen können; neu ist, dass der Zugang zur Information als Grundrecht gestärkt wird und die Prozesse klarer geregelt werden. Es geht uns um verantwortungsvolle Transparenz. Wir haben im Gesetz klare Leitlinien durch das Bundeskanzleramt, von der Datenschutzbehörde, praxisnah, verständlich und handhabbar – und genau das braucht es, denn am Ende geht es nicht nur um Akteneinsicht, sondern um Vertrauen in den Staat und in seine Institutionen. Mit diesem Gesetz machen wir einen weiteren Schritt hin zu mehr Bürgernähe und zu einer offenen, zukunftsfähigen Verwaltung. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Sams . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich bitte vor: Eine Anfrage im Gemeinderat, und die Frage ist, warum der Bürgermeister einen topmodernen BMW IX mit einer Leistung von 520 PS als Dienstwagen braucht, finanziert aus Steuergeldern. Wie viel Geld wurde da aufgewendet? Ein BMW iX ist ein Luxusauto, und weil es ein E-Auto ist, fällt nicht einmal ein Sachbezug für private Fahrten an. Was bekommen die Bürger:innen vom Bürgermeister zur Antwort? – Keine Erklärung, keine Transparenz. Die Begründung für diese Nichtauskunft: Amtsgeheimnis und Datenschutz. Dieses Szenario ist leider Realität, und zwar in meiner Heimatstadt Wels. So viel zur bisher gelebten Transparenz. Wenn Datenschutz zur Ausrede wird, wenn das Amtsgeheimnis zum Schutzschild für fragwürdige Ausgaben wird, dann läuft etwas grundlegend falsch. So stellt sich die FPÖ Datenschutz vor, in einer modernen Demokratie darf das aber nicht so sein. (👏 ÖVP, SPÖ) Was wir heute beraten, ist mehr als ein technisches Gesetzespaket. Es ist ein Paradigmenwechsel: weg von der Geheimhaltung hin zur Transparenz, ein längst überfälliger Schritt vom Misstrauen hin zur Mündigkeit. Mit 1. September dieses Jahres gilt: Transparenz ist die Regel, Geheimhaltung die Ausnahme. Die Demokratie lebt davon, dass Bürger:innen wissen: Wie wird entschieden? Wohin fließt Steuergeld? Wer trägt Verantwortung? Dieses Gesetz ist ein Meilenstein und ein Sieg für alle, die auf Aufklärung statt auf Abschottung setzen. (👏 ÖVP, SPÖ) Das vorliegende Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz sorgt dafür, dass dieser Anspruch auch im einfachen Recht umgesetzt wird. Veraltete Bestimmungen werden angepasst. Geheimhaltung wird dort präzise geregelt, wo sie wirklich notwendig ist, etwa beim Schutz sensibler Daten. Genau da ist es uns besonders wichtig, der Datenschutz wird nicht geschwächt, sondern gestärkt, denn Information braucht klare Spielregeln. Auch der Strafrechtsparagraf – ist heute schon öfter erwähnt worden – zur Verletzung des Amtsgeheimnisses wird neu gefasst, wer eine sorgfältige Interessenabwägung dokumentiert, wird künftig nicht kriminalisiert werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieses Gesetz steht für eine moderne, offene Republik. Es zeigt: Der Staat hat nichts zu verstecken, aber er hat Verantwortung zu zeigen. Transparenz, Datenschutz und soziale Gerechtigkeit gehören zusammen. Dafür sind wir in der Regierung, das bedeutet Sozialdemokratie. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johann Weber . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Johann Weber

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Zum nun zu beschließenden Gesetzespaket wurde schon wirklich sehr viel gesagt. Ich als Lehrer an einer landwirtschaftlichen Fachschule in Kärnten möchte trotzdem noch auf etwas hinweisen, und zwar auf den Bildungsbereich in diesen Schulen, das betreffend, was wir heute hier mitbeschließen. Ab jetzt, mit dem Beschluss dieses Gesetzes, gibt es auch eine neue Möglichkeit für den Quereinstieg in den Lehrerberuf an den land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen. Diese Regelung eröffnet neue Chancen und hilft uns, den Herausforderungen, speziell in der Lehrkräfteversorgung, gerecht zu werden. In den letzten Jahren ist es nämlich immer wieder schwieriger geworden, genügend qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer für unsere Fachschulen zu finden und zu gewinnen. Unsere 70 Fachschulen in Österreich mit circa 13 000 Schülerinnen und Schülern können nur dann gut ausbilden, wenn wir genügend motivierte und auch entsprechend qualifizierte Lehrkräfte haben. Mit der neuen Regelung wollen wir nun eine Lösung finden. Fachkräfte aus verwandten Bereichen, die bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen haben, können hinkünftig nun auch als Lehrer an unseren Fachschulen arbeiten. Wichtig ist dabei: Diese Regelung soll aber keine Konkurrenz zu den bestehenden Lehramtsstudien darstellen, sondern lediglich eine zusätzliche Ergänzung sein. Die neuen Lehrer müssen weiterhin bestimmte Qualifikationen erfüllen, um unterrichten zu dürfen. Die pädagogische Ausbildung wird in einem berufsbegleitenden Hochschullehrgang nachgeholt, sodass sichergestellt wird, dass die neuen Lehrkräfte auch die nötigen didaktischen Fähigkeiten besitzen. Meine Damen und Herren! Warum ist das nun zu beschließende Regelwerk für den ländlichen Raum, wie bei mir daheim in Kärnten, so wichtig? Wir sind nämlich stolz auf unsere land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Was hat das mit der Infofreiheit zu tun?!

ÖVP Johann Weber

… die einen extrem wichtigen Beitrag zur Ausbildung der Jugend, speziell in den ländlichen Regionen, draußen im ländlichen Raum, leisten. (👏 ÖVP) Unser land- und forstwirtschaftliches Bildungssystem hat in Österreich einen hervorragenden Ruf. Die landwirtschaftliche Ausbildung bietet in allen Regionen hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Unsere Absolventinnen und Absolventen haben sehr gute Berufschancen, einerseits in der Landwirtschaft, aber auch in vielen, vielen anderen Bereichen sind diese sehr stark nachgefragt. Damit das auch so bleibt, müssen wir weiterhin gute, motivierte und qualifizierte Lehrkräfte gewinnen. Durch diese Quereinsteigermöglichkeit werden wir nicht nur mehr Lehrkräfte gewinnen, sondern auch den hochwertigen Unterricht sicherstellen. Das ist ganz wichtig. Diese Regelung trägt dazu bei, dass unsere Fachschulen weiterhin eine der besten Adressen für die landwirtschaftliche Ausbildung bleiben. Das landwirtschaftliche Schulwesen – ich bin ein Fan von diesem Schulwesen – ist übrigens in der letzten Zeit das einzige Schulwesen gewesen, das steigende Schülerzahlen vorweisen konnte. Wir können mit dieser Maßnahme die Fachkenntnisse und die Praxisnähe im Unterricht stärken. Unsere Schülerinnen und Schüler profitieren davon, dass sie von Experten, auch aus der Praxis kommend, lernen, die den Berufsalltag einerseits kennen, aber auch verstehen. Abschließend möchte ich noch sagen: Die neue Quereinstiegsmöglichkeit ist eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der landwirtschaftlichen Ausbildung. Wir schaffen damit mehr Flexibilität, mehr Qualität und Chancen für unsere Schülerinnen und Schüler. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/115.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 15: Entwurf betreffend Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz in 151 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 9, 14 bis 19, 27, 28, 35, 53, 58, 59, 63, 65, 78, 86, 115, 116 und 120 eingebracht. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/115.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , Kolleginnen und Kollegen betreffend „‚Lex Hartinger-Klein‘ – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen!“ Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Darf ich um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bei den Abstimmungen ersuchen? (Abg. Wöginger [ÖVP]: Bei den Grünen geht’s so zu! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.) Wir sind im Abstimmungsvorgang, und ich ersuche um die entsprechende Aufmerksamkeit. RN/115.3 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 16: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 130 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/115.4 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bankwesengesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 134 der Beilagen. Die im Gesetzentwurf enthaltene Änderung betreffend § 38 Abs. 1 Bankwesengesetz kann gemäß § 38 Abs. 5 Bankwesengesetz nur in Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Mitglieder und mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen beschlossen werden. Somit stelle ich zunächst die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf ihre Zustimmung erteilen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen. Ausdrücklich stelle ich die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit fest. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Mehrheitlich angenommen. Ausdrücklich stelle ich wiederum die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit fest. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Bankwesengesetz

153 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 134 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Bankwesengesetz wird an die neue Verfassungs- und Gesetzeslage zur Informationsfreiheit (Art. 22a B-VG und Informationsfreiheitsgesetz) angepasst. Dabei wird klargestellt, dass das Bankgeheimnis nicht gelockert wird, sondern die Verweisungen und Voraussetzungen für den Umgang von Behörden und OeNB mit bankgeheimnisgeschützten Informationen an die IFG-Systematik angepasst werden.

Betroffen sind vor allem Behördenorgane, die Oesterreichische Nationalbank und die FMA bei der Verarbeitung, Geheimhaltung und allfälligen Veröffentlichung von Informationen, die dem Bankgeheimnis bzw. aufsichtsrechtlichen Geheimhaltungspflichten unterliegen.

Dokumente

Bankwesengesetz

Ausgangslage und Ziel der Novelle

  • Durch die am 31. Jänner 2024 beschlossene Verfassungs- und Gesetzesreform (Einführung von Art. 22a B-VG und Erlass des Informationsfreiheitsgesetzes – IFG, BGBl. I Nr. 5/2024) entsteht Anpassungsbedarf in zahlreichen Bundesmateriengesetzen, darunter im Bankwesengesetz (BWG).
  • Die wesentlichen Bestimmungen zur Informationsfreiheit treten mit 1. September 2025 in Kraft; die BWG-Novelle dient der legistischen Anpassung an diese neue Systematik.

Verhältnis zum EU-Recht und Kompetenzgrundlage

  • Kein unmittelbarer Bezug des Entwurfs zu Rechtsvorschriften der Europäischen Union.
  • Kompetenzgrundlage: Art. 10 Abs. 1 Z 5 B-VG („Börse- und Bankwesen“).

Besonderheiten des Normerzeugungsverfahrens

  • Für die Änderung von § 38 Abs. 1 BWG ist gemäß § 38 Abs. 5 BWG im Nationalrat die Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Abgeordneten sowie eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Kerninhalt: Anpassung des § 38 Abs. 1 BWG (Bankgeheimnis) an Art. 22a B-VG und IFG

  • Es wird ausdrücklich klargestellt, dass weder die Novelle noch Art. 22a B-VG bzw. das IFG eine Änderung der materiellen Rechtslage zum Bankgeheimnis für Kreditinstitute, deren Gesellschafter, Organmitglieder, Beschäftigte sowie sonst für Kreditinstitute tätige Personen bezwecken.
  • Die Änderungen in § 38 Abs. 1 BWG betreffen ausschließlich die Vorgaben für Organe von Behörden und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB), wenn diese in ihrer dienstlichen Tätigkeit Informationen erhalten, die dem Bankgeheimnis unterliegen.
  • Der bisherige Verweis auf das Amtsgeheimnis wird an die neue Systematik von Art. 22a B-VG und IFG angepasst.
  • Bisherige Systematik: Neben den allgemeinen Voraussetzungen für eine Entbindung vom Amtsgeheimnis musste zusätzlich einer der Tatbestände des § 38 Abs. 2 BWG erfüllt sein, damit Behördenorgane/OeNB bankgeheimnisgeschützte Tatsachen offenbaren durften.
  • Neue Systematik: Aufgrund Art. 22a Abs. 2 B-VG ist von einer zusätzlich einschränkenden Bezugnahme auf die Tatbestände des § 38 Abs. 2 BWG als zusätzliche Voraussetzung für das Zurverfügungstellen von Informationen Abstand zu nehmen; eine einfachgesetzliche Erweiterung von Geheimhaltungstatbeständen über den Rahmen des Art. 22a Abs. 2 B-VG hinaus ist unzulässig.
  • Die künftigen Voraussetzungen für Veröffentlichung/Zugänglichmachung bankgeheimnisgeschützter Informationen durch Behördenorgane und OeNB werden grundsätzlich durch das IFG determiniert, insbesondere durch die Interessenabwägung nach § 6 IFG.
  • Für bankgeheimnisgeschützte Informationen sind im Rahmen der Interessenabwägung nach § 6 Abs. 1 IFG beispielhaft (nicht abschließend) besonders relevant: § 6 Abs. 1 Z 1 IFG sowie § 6 Abs. 1 Z 7 IFG („überwiegendes berechtigtes Interesse eines anderen“).
  • Bei § 6 Abs. 1 Z 7 IFG sind insbesondere zu berücksichtigen: lit. c (ausdrücklicher Bezug auf das Interesse eines Dritten an der Wahrung des Bankgeheimnisses) sowie auch lit. a (Schutz personenbezogener Daten) und lit. b (Wahrung von Berufs-, Geschäfts- oder Betriebsgeheimnissen).
  • Zusätzlicher Hinweis: Informationen (gegebenenfalls auch Kundendaten), die im Rahmen der Bankenaufsicht nach dem BWG an die FMA (und OeNB) gelangen, unterliegen unionsrechtlich vorgegebenen Geheimhaltungspflichten (insbesondere Art. 53 ff der RL 2013/36/EU) und deren nationaler Umsetzung in § 77 BWG; eine darüber hinausgehende Informationsweitergabe ist wegen des zwingenden und absoluten Charakters dieser Vorgaben unzulässig.
  • Diese unionsrechtlich gebotene Geheimhaltung wird als mit Art. 22a Abs. 2 B-VG und § 6 Abs. 1 Z 1 IFG vereinbar dargestellt, weil sie aus zwingenden integrations- oder außenpolitischen Gründen erforderlich und verhältnismäßig ist.
  • Systematische Umstellung innerhalb des § 38 Abs. 1 BWG: Der Inhalt des bisherigen dritten Satzes („Die Geheimhaltungsverpflichtung gilt zeitlich unbegrenzt.“) wird künftig im zweiten Satz verortet.

Folgeanpassungen in weiteren BWG-Bestimmungen

  • § 69b Abs. 1 Z 5 BWG: Sprachliche Klarstellung zur Berücksichtigung der Änderungen in § 38 Abs. 1 BWG.
  • § 69 Abs. 1 Z 7 BWG: Anpassung des Verweises vom Amtsgeheimnis an die neue Systematik von B-VG und IFG; ergänzende Klarstellung, dass eine Veröffentlichung von Informationen durch die FMA nur zulässig ist, soweit dadurch die Geheimhaltungspflicht gemäß § 6 IFG nicht verletzt wird.
  • Die Klarstellung zu § 69 Abs. 1 Z 7 BWG wird als rein deklarativ beschrieben, weil die Anwendbarkeit des IFG auf die FMA bereits aus dem IFG selbst folgt.
  • § 77 Abs. 1 BWG: Sprachliche Klarstellung zur Berücksichtigung der Änderungen in § 38 Abs. 1 BWG.
  • § 103c Z 6 und § 103g Z 4 BWG (Übergangsbestimmungen): Anpassung an die neue IFG-Systematik, obwohl diese Bestimmungen voraussichtlich „totes Recht“ sind; die Anpassung erfolgt vorsorglich.

Inkrafttreten

  • § 107 Abs. 118 BWG enthält die Inkrafttretensbestimmung.

Bankwesengesetz

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Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Michael Schilchegger

Danke, Herr Präsident! Werter Herr Staatssekretär! Werte Damen und Herren! Wir sprechen nun über eine Sammelgesetzbegleitnovelle, die die Regierungsparteien zum Informationsfreiheitsgesetz auf den Weg gebracht haben, das ja bekanntlich ab 1. September 2025, also im Herbst dieses Jahres, in Kraft treten wird. Vorweg: Wir Freiheitliche bekennen uns natürlich klar und unmissverständlich zum Kerngedanken der Informationsfreiheit, die ja ein Mehr an Transparenz in der staatlichen Verwaltung und ein Mehr an Transparenz auch in der Politik verspricht. Aber wenn wir schon von Transparenz sprechen – auch ein Wort an Herrn Kollegen Gerstl von der ÖVP –, sollten wir eigentlich bei der vollen Wahrheit bleiben. Sie haben es heute in einem Redebeitrag erwähnt – Frau Kollegin Zadić hat das dann mit anderen Worten unterstützt –, Sie haben gesagt: Das Amtsgeheimnis wird abgeschafft. Das ist formal richtig, aber natürlich nur die halbe Wahrheit, denn Sie haben die Namensschilder getauscht: Das, was früher die Auskunftspflichtgesetze waren, heißt nun eben Informationsfreiheit, und das, was früher das Amtsgeheimnis war, besteht weiterhin fort, sie nennen es halt jetzt Geheimhaltungspflicht. Das heißt, die öffentlich Bediensteten, die Beamten, stehen weiterhin vor der Frage, ob nun zu einem Akt Auskunft erteilt werden muss, denn es gilt ja nun die Informationsfreiheit und das neue Regime, oder aber, ob genau dieselbe Auskunft gerade nicht erteilt werden darf, auf keinen Fall, denn es gelten ja immerhin das Grundrecht auf Datenschutz und das Amtsgeheimnis, das aber eben ab Herbst Geheimhaltungspflicht heißen wird. Die Beantwortung dieser schwierigen Fragen, die Auslegung dieser Prinzipien erfordert immer eine schwierige juristische Abwägungsarbeit. Damit bauen Sie ein enormes juristisches Spannungsfeld auf, und in diesem Spannungsfeld ist es aus meiner Sicht die Aufgabe des Gesetzgebers – nach der Verfassung, nach dem Bestimmtheitsprinzip des Artikels 18 B-VG, im Sinne des Legalitätsprinzips –, den Behörden diese Abwägungsarbeit abzunehmen, das heißt, Sie müssten in den gesetzlichen Begleitnovellen natürlich klar verankern, in welchen Materiengesetzen welches Prinzip überwiegt beziehungsweise welche konkreten Informationen zu erteilen sind, wo also die Transparenz zum Tragen kommt und wo hingegen die Geheimhaltungspflicht gilt. Das Schlimmste daran ist, dass Sie ja die öffentlich Bediensteten, die jetzt auf einmal alle voll transparent sein sollen und alles hergeben sollen, weiterhin mit dem gerichtlichen Strafrecht gemäß § 310 StGB neu wegen Verletzung von Geheimhaltungspflichten bedrohen. Wir haben diese Problematik bereits in der Sitzung des Verfassungsausschusses am 26. Juni erörtert, ich habe Ihnen das so ausgeführt. Sie, liebe Verfassungssprecher aller Fraktionen, haben vielleicht dann auch das E-Mail der NGO Forum Informationsfreiheit, die uns Freiheitlichen jetzt nicht nahesteht, erhalten, in dem ganz klar eben genau mein Argument bestätigt wird. Es wird also so sein, dass dieser Druck auf die öffentlich Bediensteten dazu führt, dass diese eben strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten haben und damit den Geheimhaltungsinteressen in der Regel der Vorzug gegeben werden wird. Ihr Lösungsvorschlag war dann: Wir haben eine Ausschussfeststellung. Ich zitiere daraus, die Ausschussfeststellung lautet: „Wenn eine solche Abwägung [...] nachvollziehbar und vollständig durchgeführt und dokumentiert wurde, ist im Zweifelsfall nicht von einer vorsätzlichen Begehung auszugehen.“ Meine Damen und Herren, gut gemeint ist nicht gut gemacht, daher haben wir dieser Ausschussfeststellung auch nicht zugestimmt, denn Sie erweisen damit den öffentlich Bediensteten ja einen Bärendienst! Sie wollen ihnen damit helfen, tun es aber nicht. Sie verschlechtern damit die Rechtslage, denn diese Feststellung, die Sie haben wollten, bedeutet im Umkehrschluss, dass eben jede Abwägungsentscheidung unter der strafgesetzlichen Anforderung einer vollständigen Dokumentation stehen wird, also in der Verwaltungspraxis zu allem Übel und zu aller Bürokratie, die diese neue Rechtslage mit sich bringt, auch noch zusätzliche und langjährige Dokumentationspflichten auferlegt werden, nämlich bis zum Verjährungszeitpunkt der Strafbarkeit. Es bringt aber auch keinen Vorteil, meine Damen und Herren, wenn Sie schreiben, dass es „im Zweifelsfall“ so ist. Das bringt nichts, weil im Strafprozessrecht ohnehin im Zweifelsfall nie von einem Tatvorsatz auszugehen ist – Stichwort Unschuldsvermutung. Das einzig Gute an dieser Ausschussfeststellung ist, dass eine solche in der Strafrechtspraxis überhaupt keine Rolle spielt. Es ist also eine elfenbeinturmartige Vorgehensweise. Wir Freiheitlichen unterstützen den Wandel hin zu mehr Transparenz, aber diesen Gesetzesmurks, den Sie hier vorgelegt haben, unterstützen wir ausdrücklich nicht. Lassen Sie mich abschließend noch auf das Bild, das Sie, Herr Kollege Gerstl, in Ihrer vorigen Rede gezeichnet haben, eingehen, nämlich dass der Staat „gläsern“ wird. Auch dieses Bild darf ich ein bisschen einordnen und korrigieren: Das Glas, von dem Sie sprechen, ist eigentlich eher ein Milchglas, durch das man kaum durchsehen kann, denn es gilt ja weiterhin die Geheimhaltungspflicht. Und der staatliche Glasbau, den Sie hier erwähnen und in dem die öffentlich Bediensteten tagtäglich ihren Dienst versehen, ist leider auch nicht sehr stabil, sondern sehr brüchig, weil eben jede Verletzung dieser neuen Geheimhaltungspflichten weiterhin als Damoklesschwert über den Beamten und öffentlich Bediensteten hängen wird. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Susanne Raab . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt.

ÖVP Susanne Raab

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Werte Abgeordnete! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Es ist schon ein sehr bedeutender Moment, wenn jetzt nach 18 Monaten Legisvakanz am 1. September dieses Jahres die Informationsfreiheit in ihrer gesamten Fülle in Kraft treten wird. Natürlich ist das ein Paradigmenwechsel. Nach über 100 Jahren Amtsgeheimnis hat das eine enorme Tragweite und das sieht man ja auch am heutigen Gesetzespaket, mit dem wir die Novellierung von über 100 Gesetzen zur Beschlussfassung vorlegen. Es ist ein umfangreiches Gesetzespaket, das wirklich seinesgleichen sucht, in dem natürlich ganz viel Gestaltungswille und Arbeitsaufwand stecken. Deshalb möchte ich meine Rede mit einem ganz großen Dankeschön an alle Bediensteten in den Ministerien, in den Landesverwaltungen, in allen weiteren Einheiten, die auch von diesem Gesetz betroffen sind, und die nun in der Umsetzungsphase ganz tatkräftig mitgewirkt haben, beginnen. – Vielen Dank für eure Arbeit! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrter Herr Kollege Schilchegger – jetzt ist er nicht mehr hier ( Rufe bei der FPÖ: Ist schon da! ); verzeihen Sie! –, wir glauben sehr wohl, dass es ein Paradigmenwechsel ist, weil eben das Amtsgeheimnis abgeschafft wird, weil eben ein Grundrecht auf Information geschaffen wird, weil eben im Vergleich zu vorher sehr wohl die Regel nun die Information ist und es davon natürlich Ausnahmen gibt. Aber: Dieser Paradigmenwechsel hin zu einem Grundrecht auf Information und die Abschaffung des Amtsgeheimnisses sind schon ein ganz, ganz zentraler Meilenstein in einer modernen Verwaltung, in einem modernen Staat. (👏 ÖVP) Damit das gelingt, braucht es drei Voraussetzungen, die wir mit diesem Gesetzespaket heute schaffen: Es braucht erstens Rechtsklarheit. Die Verweise auf die überholte Amtsverschwiegenheit werden gestrichen, sodass künftig eben nur mehr jene Geheimhaltungspflichten gelten, die verfassungsrechtlich unbedingt notwendig und auch sachlich begründbar sind. Zweitens braucht es natürlich verlässliche Rahmenbedingungen für all jene, die das umsetzen, für die Bediensteten in der Verwaltung, für die Beamtinnen und Beamten. Das möchte ich natürlich auch in Richtung Opposition unterstreichen: Es ist sichergestellt, dass die Beamtinnen und Beamten, die verantwortungsvoll und nachvollziehbar abwägen, eben keine strafrechtlichen Konsequenzen zu fürchten haben, und deshalb wird ja § 310 StGB neu gefasst, damit die gutgläubige und dokumentierte Entscheidung auch ausdrücklich geschützt ist. Ich kann Ihnen auch als langjährige Beamtin und zuletzt Sektionschefin sagen: Unsere Beamtinnen und Beamten können das, sie können diese Verantwortung wahrnehmen, sie können diese Abwägung treffen und sie können auch diese Entscheidungen treffen. (👏 ÖVP) Zum Dritten braucht es natürlich ein modernes Verständnis von Staat und Gesellschaft. Wir kennen das Auskunftspflichtgesetz – das haben Sie auch angesprochen –, das war ein erster wichtiger Schritt, aber das war 1987, und jetzt gehen wir den nächsten Schritt. Wir machen Transparenz zur Regel und Geheimhaltung eben zur Ausnahme. Warum machen wir das? – Weil wir möchten, dass Bürgerinnen und Bürger am Staat teilhaben können, und wir wollen nicht nur die Möglichkeit zur Teilhabe schaffen, sondern sie auch motivieren, anregen, weil das im Sinne der Demokratie ist, im Sinne einer lebendigen Demokratie. Das bringt mich auch zum Ende meiner Rede: Ich spreche heute nicht nur als Abgeordnete, die in absehbarer Zeit das Hohe Haus verlassen und sich einer neuen Aufgabe widmen wird, ich spreche gerade in diesem Zusammenhang auch als ehemalige Beamtin in der Verwaltung, als ehemalige Sektionschefin und auch als ehemalige Ministerin in den letzten mehr als fünf Jahren: Ich habe unsere Republik in all diesen Funktionen in unterschiedlichen Rollen kennengelernt – als Teil der Verwaltung, als Teil der Exekutive und eben auch als Teil der Legislative –, und all diese unterschiedlichen Rollen haben mich eines gelehrt, die haben eines gemeinsam, nämlich: Überall habe ich Menschen getroffen, die mit Integrität, mit vollem Einsatz, mit voller Leidenschaft und höchster Professionalität für unser Land arbeiten, die sich für die Menschen in unserem Land in ihren unterschiedlichen Arbeitsbereichen einsetzen. Das lässt mich so positiv in die Zukunft blicken, und dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich habe in diesem Haus ja auch einiges erlebt, egal, ob auf der Ministerbank oder als Abgeordnete – Applaus, Widerspruch, Konflikte natürlich, Kompromisse –, aber was uns natürlich alle eint, auch wenn wir sehr unterschiedliche Zugänge haben, ist – und das erfüllt mich mit so großem Stolz und so großer Dankbarkeit –: Wir alle haben den Wunsch, zu gestalten, wir alle wollen unserem Land dienen, wir wollen es einfach besser machen, wir wollen, dass die Zukunft besser wird als die Vergangenheit war. Und dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich euch weiterhin viel Kraft, viel Freude am Tun, viel Vernunft und das Herz am rechten Fleck. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, das wäre jetzt ein schöner Schluss gewesen ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP ), ich darf aber noch einen umfassenden Abänderungsantrag einbringen: Abänderungsantrag der Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , MA, Kolleginnen und Kollegen zum Bericht des Verfassungsausschusses in 151 der Beilagen betreffend Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der dem eingangs bezeichneten Bericht des Verfassungsausschusses angeschlossene Gesetzentwurf wird wie folgt geändert: 1. In den Artikeln 9, 14 bis 19, 27, 28, 35, 53, 63, 65, 78, 115 und 116 wird jeweils im Einleitungssatz das Zitat „BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch das Zitat „BGBl. I Nr. 25/2025“ ersetzt. 2. In Artikel 9 Z 1 (§ 17 Abs. 4 des Bundesstatistikgesetzes 2000) wird die Wortfolge „Verpflichtung zur Geheimhaltung“ durch die Wortfolge „Pflicht zur Geheimhaltung“ ersetzt. 3. In Artikel 58 wird im Einleitungssatz die Wortfolge „Bundesgesetz BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch die Wortfolge „Budgetsanierungsmaßnahmengesetz 2025 Teil II, BGBl. I Nr. 20/2025“ ersetzt. 4. Artikel 58 Z 3 (§ 78 des Arbeitsmarktservicegesetzes) lautet: „3. Dem § 78 wird folgender Abs. 55 angefügt: „(55) Das Inhaltsverzeichnis und § 27 samt Überschrift in der Fassung des lnformationsfreiheits-Anpassungsgesetzes, BGBl. I Nr. xxx/2025, treten mit 1. September 2025 in Kraft. ““ 5. In den Artikeln 59 und 86 wird jeweils im Einleitungssatz das Zitat „BGBl. I Nr. xxx/2025“ durch das Zitat „BGBl. I Nr. 28/2025“ ersetzt. 6. In Artikel 120 wird das Zitat „ Art. 119. “ durch das Zitat „Art. 119“ ersetzt. Begründung: Mit dem vorliegenden Abänderungsantrag soll die im vorgeschlagenen § 17 Abs. 4 des Bundesstatistikgesetzes 2000, BGBl. I Nr. 163/1999, gewählte Formulierung an den vorgeschlagenen Wortlaut der Überschrift des verwiesenen § 310 des Strafgesetzbuches – StGB, BGBl. Nr. 60/1974, angeglichen werden (Z 2). Die sonstigen vorgeschlagenen Änderungen sind redaktioneller Natur (Z 1 und Z 3 bis 6). Vielen Dank. ( Anhaltender Beifall bei der ÖVP, Beifall bei Abgeordneten von NEOS und Grünen sowie der Abg. Schatz [SPÖ]. ) 17.22 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/105.1 Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz (AA-19) Präsident Peter Haubner : Danke vielmals. Der soeben vorgetragene Abänderungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Sehr geehrte Frau Abgeordnete, danke für Ihre Arbeit und Ihren Einsatz. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe. Danke vielmals! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Alma Zadić . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich die Gelegenheit ergreifen und Kollegin Raab auch für die gute Zusammenarbeit danken. – Vielen Dank. Die letzten Jahre waren sehr herausfordernd, aber ich habe die gute Zusammenarbeit immer geschätzt. Ich wünsche dir auch viel Erfolg für die kommende Herausforderung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir haben heute schon über das Informationsfreiheitsgesetz gesprochen, das auch wichtig ist, weil es letzten Endes unsere Demokratie stärkt, weil das Vertrauen in die Demokratie gestärkt wird, das Vertrauen in die Politik. Und ja, nach eineinhalbjähriger Übergangsphase ist es bald fast so weit; mit 1. September tritt es dann endlich in Kraft. Natürlich ist das auch ein Meilenstein für Österreich, denn Bürgerinnen und Bürger haben künftig ein Grundrecht auf Information. Bundes- und Landesbehörden müssen Informationen von allgemeinem Interesse proaktiv öffentlich zur Verfügung stellen und Bürger:innen auf Anfrage Informationen geben. Dafür muss mit dieser großen Sammelnovelle eine Vielzahl an bestehenden Gesetzen angepasst werden. Manchmal werden bloß die Begriffe ausgetauscht – wir haben es im letzten Antrag gehört –, teilweise werden bestehende Verschwiegenheitsgründe wegen des neuen Grundrechts auf Informationszugang eingeschränkt, teilweise gibt es Begleitregeln zum Informationserteilungsverfahren, teilweise neue Inhalte, beispielsweise etwa die Veröffentlichung von Förderungen; Förderungen ab 1 500 Euro sollen in eine neue Transparenzdatenbank eingespeist werden – also wirklich viele, viele notwendige und wichtige Änderungen im Sinne der Transparenz. Leider war aber die Umsetzung der vorliegenden Anpassung durch die neue Regierung holprig – Entwürfe kamen viel zu spät, die Begutachtungsfrist war viel zu kurz, es gab anfangs stark widersprüchliche Teilentwürfe –, und in Teilbereichen ist es unseres Erachtens zu wenig. Die Informationsfreiheit wird nicht voll umgesetzt. Dazu gehören etwa die fehlende Anpassung im Bundesarchivgesetz – dazu bringen wir dann auch noch einen Entschließungsantrag ein –, der Maulkorb für Stiftungsrät:innen und überschießende Einschränkungen der Informationsfreiheit im Schulbereich. Außerdem fehlen unseres Erachtens auch zusätzliche Ressourcen für die Behörden. Das heißt, auch wenn das Vorhaben gut ist, werden wir dieser Sammelnovelle nicht zustimmen können; wir unterstützen aber jedenfalls das Vorhaben, endlich mehr Transparenz in die Verwaltung zu bringen, deswegen bringen wir folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , LL.M., Kolleginnen und Kollegen betreffend „‚Lex Hartinger-Klein‘ – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen!“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundeskanzler, wird aufgefordert, unverzüglich eine Anpassung des Bundesarchivgesetzes vorzubereiten, damit die Übergabe von Akten an das Staatsarchiv nicht dem Recht der Bürger:innen auf Informationszugang entgegensteht und die Informationsfreiheit gewährleistet bleibt.“ Vielen Dank. (👏) 17.26 RN/106.1 „Lex Hartinger-Klein – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen! (97/UEA) Präsident Peter Haubner : Danke vielmals. Der vorgebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Muna Duzdar . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

SPÖ Muna Duzdar

Vielen herzlichen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen auf der Galerie! Im Jahr 2024, im Jänner 2024, haben wir Historisches beschlossen, wir haben nämlich das Amtsgeheimnis abgeschafft. Wenn Kollege Schilchegger heute sagt, wir hätten das Amtsgeheimnis nicht abgeschafft, so stimmt das nicht. Verfassungsrechtlich haben wir das Amtsgeheimnis abgeschafft und stattdessen ein Grundrecht geschaffen, nämlich das Grundrecht auf Information. Das war und ist eine neue politische Kultur in Österreich, ein Paradigmenwechsel, ein Kulturwandel, der im Grunde genommen längst überfällig war, denn seien wir ehrlich: Wir waren das letzte Land in der Europäischen Union, in dem das Amtsgeheimnis nicht nur gesetzlich verankert war, sondern in der Verfassung festgehalten war. Das war nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern das hat einfach nicht mehr zu einem modernen demokratischen Rechtsstaat gepasst, der auf das Vertrauen seiner Bürgerinnen und Bürger setzt, der auf Teilhabe aufbaut. Eine Demokratie bleibt ja nicht stehen, sondern eine Demokratie entwickelt sich immer weiter. Unser demokratischer Staat ist heute anders entwickelt als noch vor ein paar Jahrzehnten. Es muss ja auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass in einem modernen Rechtsstaat staatliches Handeln transparent ist. Es schafft auch positive Effekte, wenn Menschen besser informiert sind; wenn sie das Gefühl haben, sie können sich besser einbringen, fühlen sie sich auch ganz anders ernst genommen, und wer nachvollziehen kann, wie Entscheidungen getroffen werden, wer weiß, wie mit öffentlichen Mitteln umgegangen wird, der fühlt sich auch ganz anders eingebunden. Das schafft mehr Vertrauen in die Demokratie und in die staatlichen Institutionen. Heute gehen wir den notwendig gewordenen Schritt, dieses neue Grundrecht in allen Gesetzen zu verankern, die sich bis dato auf das Amtsgeheimnis berufen haben. Ich verstehe dich, liebe Alma, nicht ganz, wenn du heute sagst, dass ihr von den Grünen da nicht mitgeht, denn all diese Materiengesetze verweisen ja auf das Informationsfreiheitsgesetz, das wir im Jänner 2024 beschlossen haben. Es ist notwendig, es ist ganz notwendig, dass wir diese Materiengesetze anpassen, weil wir ja ansonsten die rechtliche Problematik hätten, dass mit 1. September 2025 das Informationsfreiheitsgesetz in Kraft tritt, während wir über 100 Gesetze haben, die sich nach wie vor auf das Amtsgeheimnis berufen. Das wäre Rechtsunsicherheit. Mit diesem Schritt, den wir heute setzen, geben wir einen einheitlichen Rechtsrahmen vor. Genau das ist notwendig, um den Behörden, um den Organen, um den Gemeinden die Rechtssicherheit zu geben, die sie brauchen, um das Informationsfreiheitsgesetz vollziehen zu können. (👏 ÖVP, SPÖ) Auch Kollege Schilchegger hat jetzt gemeint, die Materiengesetze betreffend sei alles so holprig und so ungenau geregelt. – Die Materiengesetze beziehen sich auf das Informationsfreiheitsgesetz, und das Informationsfreiheitsgesetz sieht eine ganz klare, konkrete Rechtslage vor, vor allem auch im Hinblick darauf, wann weiterhin Geheimhaltungspflichten bestehen, nämlich bei berechtigten Interessen, beispielsweise bei dem Schutz personenbezogener Daten, bei Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Dort sehe ich auch das Spannungsfeld – weil Sie auch die Mitarbeiter in den Gemeinden angesprochen haben – zwischen der Informationsfreiheit und dem privaten Interesse, den personenbezogenen Daten. Aber genau da schafft das Informationsfreiheitsgesetz Abhilfe, denn gemäß Artikel 6 haben Personen, die von der Veröffentlichung ihrer Daten betroffen wären, auch die Möglichkeit, zu widersprechen, wenn sie der Meinung sind, dass ihre berechtigten Interessen beeinträchtigt werden. Natürlich und selbstverständlich müssen die Gemeinden und die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen unterstützt werden, dass ihnen eben die Anwendung dieses Gesetzes erleichtert wird. Dazu sagt das Informationsfreiheitsgesetz auch ganz klar, dass die Datenschutzbehörde beratend und unterstützend zur Verfügung steht. Der Leitfaden mit 120 Seiten gibt ja auch vor, wie beispielsweise mit missbräuchlicher Verwendung von Anfragen umzugehen ist, und veranschaulicht mit einer Grafik die Prüfungsschritte. Aber – und das sage ich ganz klar – auch dem Gemeindebund wird bei der Umsetzung dieses Gesetzes in der Praxis eine sehr wichtige Rolle zukommen, nämlich die Gemeinden bei der Umsetzung zu unterstützen und beispielsweise auch technische Tools zur Verfügung zu stellen, die die Umsetzung vereinfachen. (👏 SPÖ) Vielleicht abschließend und noch einmal betonend: Mit der Abschaffung des Amtsgeheimnisses und den Anpassungen in den Gesetzen entwickeln wir die österreichische Demokratie weiter. So ist auch die Informationsfreiheit zu verstehen, nämlich als Stärkung unserer Demokratie – und wir schaffen auch mehr Rechtssicherheit. – Danke sehr. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Werner Herbert . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

FPÖ Werner Herbert

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Manchmal ist es schon ein bissl – sagen wir es einmal vorsichtig – strange, wenn man sich hier die Redebeiträge der Mitglieder der Regierungsfraktionen anhört und sich gleichzeitig vor Augen führt, was man selbst erlebt, und da spreche ich jetzt zu Ihnen einerseits als Beamter, der ich seit 40 Jahren im Innenressort tätig bin, und zum anderen als Bürgermeister, der die Realität im Umgang mit der Bevölkerung unmittelbar wahrnimmt. Frau Kollegin Duzdar, natürlich verstehe ich, dass Sie Ihr Informationsfreiheitsgesetz hier herinnen als großen Wurf schönreden wollen, aber ich finde es nicht okay, dass Sie die gerechten und vor allem richtigen Ausführungen des Kollegen Schilchegger in Bezug auf seine Bedenken und Befürchtungen für die ausführenden Beamten, die ja genau diese schwierigen Abwägungen in Bezug auf die Amtsverschwiegenheit, aber auch die Abwägung, wann eine Information oder eine Informationsweitergabe zumutbar ist und wann nicht, zu treffen haben, in Abrede stellen. Er hat zu Recht auf diese Problematik hingewiesen. Nein, es gibt sie eben nicht, die von Kollegin Raab hier angekündigte und dargelegte Rechtsklarheit und diese verlässlichen Rahmenbedingungen. Es gibt sie nicht! Im Grunde genommen ändern wir hier ein paar Begrifflichkeiten, Sie schüren damit eine Erwartungshaltung in der Bevölkerung. Und wir werden in der Praxis erleben, dass nicht jeder, der eine Information haben will, und in erster Linie sind das beliebige Informationen, diese bekommen wird, weil eben – und damit spreche ich einen neuen Punkt an, nämlich in Bezug auf die Gemeinden – zum einen nicht jede Information, die einen Gemeindebürger interessiert, ich nenne einmal beispielsweise die Information, wie viel Geld der Gemeindenachbar für den Ankauf eines Grundstückes gekriegt hat, im allgemeinen Interesse ist und zum anderen wir hier, und das wurde von Kollegin Duzdar richtigerweise angemerkt, in einem großen Spannungsverhältnis mit der Datenschutz-Grundverordnung stehen. Also ich bin mir nicht ganz klar darüber, wie wir in der Praxis dieses Problem lösen werden, wenn Anfragen aus der Bevölkerung an die Gemeinden kommen und wir dann wahrscheinlich aus berechtigten Interessen an der Geheimhaltung von persönlichen Daten Schwärzungen vornehmen müssen und dann gesagt wird: Na ja, aber das ist genau das, was mich interessiert hat. Warum macht die Gemeinde das dann? Dann werden wir prozessieren müssen – und da komme ich zum nächsten Problem, das ich hier ansprechen möchte, nämlich die fehlenden rechtlichen Grundlagen, die von Ihnen, geschätzte Regierungsfraktionen, zwar angekündigt, aber nicht vorgelegt wurden. Es hat geheißen, es kommen dann die Informationen von den Gerichten und von der Datenschutzbehörde. Und was haben wir? – Nichts haben wir! Im Gegenteil, man bekommt die Auskunft, da wird man den Rechtsweg beschreiten müssen, da werden wir Rechtsgrundlagen zu schaffen haben – und dann werden wir es irgendwann einmal schon wissen. Auf der Strecke bleiben die Beamten, nämlich jener Beamte, der entscheiden muss, egal ob in einem Ministerium oder in einer Gemeinde, und auf der Strecke bleiben die Verantwortungsträger, nämlich die Bürgermeister in den Gemeinden, die da völlig alleingelassen und ins kalte Wasser gestoßen werden – dafür, dass Sie, Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsfraktionen, ein paar Begrifflichkeiten ändern und Erwartungshaltungen erzeugen, die so wahrscheinlich nie in Erfüllung gehen werden. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Stephanie Krisper . – Ich habe Ihre Redezeit auf 3 Minuten eingestellt, Frau Kollegin.

NEOS Stephanie Krisper

Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zuseherinnen und Zuseher! Ja, wir haben es heute schon oft gehört: Das Amtsgeheimnis wird endlich abgeschafft und durch das Grundrecht auf Zugang zu Informationen ersetzt. Das freut uns NEOS natürlich besonders. Das ist auch eine langjährige Forderung. Allerdings weist das im letzten Jahr beschlossene Informationsfreiheitsgesetz ein Defizit auf, deswegen haben wir auch damals, in der letzten Legislaturperiode, nicht zugestimmt. Das Gesetz, das endlich das Grundrecht in der Verfassung verankert, hat zwar einen Kulturwandel eingeläutet, aber es gilt, wie schon ausgeführt wurde, nicht überall. In 84 Prozent der Gemeinden müssen die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden, um Informationen zu erhalten. Das sind dann doch 1 834 Dunkeldörfer in Österreich, wo eben keine proaktive Informationspflicht besteht, und leider gibt es eine Ewigkeitsklausel. Nun komme ich zum vorliegenden Gesetzespaket, das 140 Gesetze umfasst. In den Verhandlungen stets wichtig ist, dass es eben zu keiner Einschränkung kommt, die einer Informationsfreiheit, die zusteht, entgegensteht. Das Paket kann aufgrund dieser neuen Herausforderungen gar nicht ideal sein. Besonders ist uns bewusst, dass es Herausforderungen im Beamtendienstrecht gibt. Die Recht anwendenden Sachbearbeiter:innen müssen nämlich eine Abwägung zwischen Geheimhaltungsgründen und dem Interesse der Bevölkerung, der Öffentlichkeit treffen. Und es ist natürlich schwierig, bestmöglich Rechtssicherheit zu geben, die die Sachbearbeiter:innen verdienen. Plump gesagt: Was kann ich rausgeben, was nicht? Diese Abwägung ist nicht einfach. Deshalb werden wir sehr genau hinsehen und dort, wo Rechtssicherheit nachgeschärft werden muss, nachbessern. Der Weg zu diesem Gesetz war auch kein einfacher. Das möchte ich auch zugestehen, dass der Gesetzwerdungsprozess nicht ideal lief. Er hätte früher angestoßen werden können, dahin gehend ist Kritik berechtigt. Die Rahmenbedingungen – möchte ich dennoch sagen – waren auch schwierige, aufgrund der langwierigen Regierungsbildung, und im Doppelbudget war es wahrlich herausfordernd. Umso mehr möchte ich allen danken, die mit großem Einsatz an der Entwicklung, an der Ausarbeitung des Gesetzespaketes mitgewirkt haben und einen wertvollen Beitrag dazu geleistet haben, dass unsere Verwaltung transparenter und moderner wird. – Danke sehr. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Staatssekretär Alexander Pröll . – Bitte, Herr Staatssekretär.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Jetzt wird bald Schluss sein mit dem verstaubten Amtsgeheimnis. Wir Grüne haben lange dafür gekämpft, und wir sind sehr, sehr froh, dass das nun kommen wird. (👏) Ein anderes Geheimnis bleibt aber zum Leidwesen der Transparenz bestehen, und über das reden wir heute auch: das Bankgeheimnis. Das Bankgeheimnis ist ja eigentlich zum Schutz der Kundinnen und Kunden eingeführt worden. Das Bankgeheimnis wurde aber nicht erfunden, um mögliche Fehlleistungen eines Bankenvorstandes zu verschleiern – nur berufen sich die andauernd darauf, Beispiele: Signa-Kredite, Hypo Vorarlberg. Das Bankgeheimnis wurde auch nicht erfunden, um parlamentarische Kontrolle gegenüber der Bankenaufsicht, gegenüber der Aufsicht zum Kampf gegen Geldwäsche und der Sanktionsüberwachung einzuschränken, aber auch das ist regelmäßig der Fall. Es gibt einfach ein berechtigtes öffentliches Interesse an Kontrolle, und es gibt ein berechtigtes Interesse des Staates, sicherzustellen, dass es sich nicht einige wenige richten.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Zum Thema!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Deshalb einen Appell an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen – wir im Hohen Haus können das nämlich ändern –: Wir brauchen ein Bankgeheimnis, das Kund:innen schützt …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Thema!

GRÜNE Nina Tomaselli

… nicht Skandale verdeckt, und schon gar nicht eines, das Politiker:innen und Steuerzahler:innen wie Zaungäste behandelt, wenn Millionen öffentlicher Risiken im Spiel sind. Wirkliche Informationsfreiheit braucht Licht – auch dort, wo es für manche halt ein bisschen blendet. – Danke schön. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Daniela Gmeinbauer . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Daniela Gmeinbauer

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ich darf wieder zum Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz zurückkommen, das wir heute hier diskutieren und beschließen. Es ist weit mehr als eine rein technische Umsetzung: Es geht um ein neues Verständnis des Verhältnisses zwischen dem Staat und den Bürgerinnen und Bürgern, und es ist ein echtes Update für unsere Demokratie. Das ( auf einen mehrere Zentimeter dicken Band auf dem Redner:innenpult deutend ) ist übrigens die Regierungsvorlage zum Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz. Dieses ist notwendig geworden, weil wir mit dem Informationsfreiheitsgesetz einen echten Paradigmenwechsel eingeleitet haben, das Amtsgeheimnis ist in einer modernen Informationsgesellschaft schlichtweg nicht mehr zeitgemäß: weg vom Amtsgeheimnis hin zu einem Grundrecht auf Information. Wir alle wollen einen Staat, der Transparenz lebt, einen Staat, der Vertrauen in seine Bürgerinnen und Bürger hat, einen Staat, der offenlegt, wie Entscheidungen getroffen werden. Das zeigt Stärke und keine Schwäche. Als ehemalige Klubobfrau des Gemeinderatsklubs der ÖVP Stadt Graz und als Unternehmerin ist mir die kommunale Realität bekannt. Ich weiß, wie wichtig Informationen für das Vertrauen in die Verwaltung sind und wie wichtig Informationen für die Nachvollziehbarkeit von politischen Entscheidungen sind. Bürgerinnen und Bürger wollen wissen, was wir mit ihrem Steuergeld machen beziehungsweise was damit passiert, wie die Verwaltung Entscheidungen trifft. Wir alle profitieren davon, wenn das Handeln des Staates und seiner Organe nachvollziehbar ist, verständlich und zugänglich gemacht wird. (👏 ÖVP) In meiner Heimatstadt Graz und in den steirischen Gemeinden wie jenen meiner Kollegen Kühberger, Stark und Schnabel zeigt sich: Die Zeit der Legisvakanz wurde genutzt; es wurden Fortbildungen durchgeführt, Abläufe optimiert, technische Systeme angepasst. Das unterstreicht den konstruktiven Zugang unserer Gemeinden und Behörden. Es wurden im Ausschuss auch die Sorgen von Gemeinden bezüglich einer möglichen Überlastung, insbesondere der kleineren Gemeinden, angesprochen. Seien wir aber ehrlich: Auch bisher war es möglich, über die Auskunftspflichtgesetze des Bundes und der Länder Auskunftsbegehren zu stellen. Neu ist daher nicht die Tatsache, dass Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen können; neu ist, dass der Zugang zur Information als Grundrecht gestärkt wird und die Prozesse klarer geregelt werden. Es geht uns um verantwortungsvolle Transparenz. Wir haben im Gesetz klare Leitlinien durch das Bundeskanzleramt, von der Datenschutzbehörde, praxisnah, verständlich und handhabbar – und genau das braucht es, denn am Ende geht es nicht nur um Akteneinsicht, sondern um Vertrauen in den Staat und in seine Institutionen. Mit diesem Gesetz machen wir einen weiteren Schritt hin zu mehr Bürgernähe und zu einer offenen, zukunftsfähigen Verwaltung. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Sams . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich bitte vor: Eine Anfrage im Gemeinderat, und die Frage ist, warum der Bürgermeister einen topmodernen BMW IX mit einer Leistung von 520 PS als Dienstwagen braucht, finanziert aus Steuergeldern. Wie viel Geld wurde da aufgewendet? Ein BMW iX ist ein Luxusauto, und weil es ein E-Auto ist, fällt nicht einmal ein Sachbezug für private Fahrten an. Was bekommen die Bürger:innen vom Bürgermeister zur Antwort? – Keine Erklärung, keine Transparenz. Die Begründung für diese Nichtauskunft: Amtsgeheimnis und Datenschutz. Dieses Szenario ist leider Realität, und zwar in meiner Heimatstadt Wels. So viel zur bisher gelebten Transparenz. Wenn Datenschutz zur Ausrede wird, wenn das Amtsgeheimnis zum Schutzschild für fragwürdige Ausgaben wird, dann läuft etwas grundlegend falsch. So stellt sich die FPÖ Datenschutz vor, in einer modernen Demokratie darf das aber nicht so sein. (👏 ÖVP, SPÖ) Was wir heute beraten, ist mehr als ein technisches Gesetzespaket. Es ist ein Paradigmenwechsel: weg von der Geheimhaltung hin zur Transparenz, ein längst überfälliger Schritt vom Misstrauen hin zur Mündigkeit. Mit 1. September dieses Jahres gilt: Transparenz ist die Regel, Geheimhaltung die Ausnahme. Die Demokratie lebt davon, dass Bürger:innen wissen: Wie wird entschieden? Wohin fließt Steuergeld? Wer trägt Verantwortung? Dieses Gesetz ist ein Meilenstein und ein Sieg für alle, die auf Aufklärung statt auf Abschottung setzen. (👏 ÖVP, SPÖ) Das vorliegende Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz sorgt dafür, dass dieser Anspruch auch im einfachen Recht umgesetzt wird. Veraltete Bestimmungen werden angepasst. Geheimhaltung wird dort präzise geregelt, wo sie wirklich notwendig ist, etwa beim Schutz sensibler Daten. Genau da ist es uns besonders wichtig, der Datenschutz wird nicht geschwächt, sondern gestärkt, denn Information braucht klare Spielregeln. Auch der Strafrechtsparagraf – ist heute schon öfter erwähnt worden – zur Verletzung des Amtsgeheimnisses wird neu gefasst, wer eine sorgfältige Interessenabwägung dokumentiert, wird künftig nicht kriminalisiert werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieses Gesetz steht für eine moderne, offene Republik. Es zeigt: Der Staat hat nichts zu verstecken, aber er hat Verantwortung zu zeigen. Transparenz, Datenschutz und soziale Gerechtigkeit gehören zusammen. Dafür sind wir in der Regierung, das bedeutet Sozialdemokratie. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Johann Weber . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

ÖVP Johann Weber

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Zum nun zu beschließenden Gesetzespaket wurde schon wirklich sehr viel gesagt. Ich als Lehrer an einer landwirtschaftlichen Fachschule in Kärnten möchte trotzdem noch auf etwas hinweisen, und zwar auf den Bildungsbereich in diesen Schulen, das betreffend, was wir heute hier mitbeschließen. Ab jetzt, mit dem Beschluss dieses Gesetzes, gibt es auch eine neue Möglichkeit für den Quereinstieg in den Lehrerberuf an den land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen. Diese Regelung eröffnet neue Chancen und hilft uns, den Herausforderungen, speziell in der Lehrkräfteversorgung, gerecht zu werden. In den letzten Jahren ist es nämlich immer wieder schwieriger geworden, genügend qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer für unsere Fachschulen zu finden und zu gewinnen. Unsere 70 Fachschulen in Österreich mit circa 13 000 Schülerinnen und Schülern können nur dann gut ausbilden, wenn wir genügend motivierte und auch entsprechend qualifizierte Lehrkräfte haben. Mit der neuen Regelung wollen wir nun eine Lösung finden. Fachkräfte aus verwandten Bereichen, die bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen haben, können hinkünftig nun auch als Lehrer an unseren Fachschulen arbeiten. Wichtig ist dabei: Diese Regelung soll aber keine Konkurrenz zu den bestehenden Lehramtsstudien darstellen, sondern lediglich eine zusätzliche Ergänzung sein. Die neuen Lehrer müssen weiterhin bestimmte Qualifikationen erfüllen, um unterrichten zu dürfen. Die pädagogische Ausbildung wird in einem berufsbegleitenden Hochschullehrgang nachgeholt, sodass sichergestellt wird, dass die neuen Lehrkräfte auch die nötigen didaktischen Fähigkeiten besitzen. Meine Damen und Herren! Warum ist das nun zu beschließende Regelwerk für den ländlichen Raum, wie bei mir daheim in Kärnten, so wichtig? Wir sind nämlich stolz auf unsere land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Was hat das mit der Infofreiheit zu tun?!

ÖVP Johann Weber

… die einen extrem wichtigen Beitrag zur Ausbildung der Jugend, speziell in den ländlichen Regionen, draußen im ländlichen Raum, leisten. (👏 ÖVP) Unser land- und forstwirtschaftliches Bildungssystem hat in Österreich einen hervorragenden Ruf. Die landwirtschaftliche Ausbildung bietet in allen Regionen hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Unsere Absolventinnen und Absolventen haben sehr gute Berufschancen, einerseits in der Landwirtschaft, aber auch in vielen, vielen anderen Bereichen sind diese sehr stark nachgefragt. Damit das auch so bleibt, müssen wir weiterhin gute, motivierte und qualifizierte Lehrkräfte gewinnen. Durch diese Quereinsteigermöglichkeit werden wir nicht nur mehr Lehrkräfte gewinnen, sondern auch den hochwertigen Unterricht sicherstellen. Das ist ganz wichtig. Diese Regelung trägt dazu bei, dass unsere Fachschulen weiterhin eine der besten Adressen für die landwirtschaftliche Ausbildung bleiben. Das landwirtschaftliche Schulwesen – ich bin ein Fan von diesem Schulwesen – ist übrigens in der letzten Zeit das einzige Schulwesen gewesen, das steigende Schülerzahlen vorweisen konnte. Wir können mit dieser Maßnahme die Fachkenntnisse und die Praxisnähe im Unterricht stärken. Unsere Schülerinnen und Schüler profitieren davon, dass sie von Experten, auch aus der Praxis kommend, lernen, die den Berufsalltag einerseits kennen, aber auch verstehen. Abschließend möchte ich noch sagen: Die neue Quereinstiegsmöglichkeit ist eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der landwirtschaftlichen Ausbildung. Wir schaffen damit mehr Flexibilität, mehr Qualität und Chancen für unsere Schülerinnen und Schüler. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/115.1 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 15: Entwurf betreffend Informationsfreiheits-Anpassungsgesetz in 151 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Abänderungsantrag betroffenen Teile und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten MMag. Dr. Susanne Raab , Mag. Muna Duzdar , Dr. Nikolaus Scherak , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 9, 14 bis 19, 27, 28, 35, 53, 58, 59, 63, 65, 78, 86, 115, 116 und 120 eingebracht. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hierfür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/115.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alma Zadić , Kolleginnen und Kollegen betreffend „‚Lex Hartinger-Klein‘ – Archivrecht an die Informationsfreiheit anpassen!“ Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Darf ich um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bei den Abstimmungen ersuchen? (Abg. Wöginger [ÖVP]: Bei den Grünen geht’s so zu! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.) Wir sind im Abstimmungsvorgang, und ich ersuche um die entsprechende Aufmerksamkeit. RN/115.3 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 16: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 130 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/115.4 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 17: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bankwesengesetz geändert wird, samt Titel und Eingang in 134 der Beilagen. Die im Gesetzentwurf enthaltene Änderung betreffend § 38 Abs. 1 Bankwesengesetz kann gemäß § 38 Abs. 5 Bankwesengesetz nur in Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Mitglieder und mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen beschlossen werden. Somit stelle ich zunächst die für die Abstimmung erforderliche Anwesenheit der verfassungsmäßig vorgesehenen Anzahl der Abgeordneten fest. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf ihre Zustimmung erteilen, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen. Ausdrücklich stelle ich die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit fest. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Mehrheitlich angenommen. Ausdrücklich stelle ich wiederum die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit fest. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Datenzugangsgesetz – DZG

154 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 127 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Datenzugangsgesetz (DZG) wird beschlossen, um die Verordnung (EU) 2022/868 (Data Governance Act) in Österreich durch Begleit- und Vollzugsregeln umzusetzen. Es legt Zuständigkeiten (u.a. Bundeskanzler als Behörde und zentrale Informationsstelle), Register- und Verfahrensregeln sowie Verwaltungsstrafen für Verstöße fest.

Betroffen sind öffentliche Stellen und benannte zuständige Stellen bei der Weiterverwendung geschützter Daten sowie Anbieter von Datenvermittlungsdiensten und datenaltruistische Organisationen (inkl. deren Antragsteller und Datennutzer).

Dokumente

Datenzugangsgesetz – DZG

Zielsetzung und EU-rechtlicher Hintergrund (Data Governance Act – DGA)

  • Das Datenzugangsgesetz (DZG) schafft nationale Begleitregelungen zur Durchführung der Verordnung (EU) 2022/868 (Data Governance Act, DGA).
  • Der DGA zielt darauf ab, Vertrauen in den Datenaustausch und die Datenverfügbarkeit zu erhöhen sowie technische Hindernisse bei der Weiterverwendung von Daten zu überwinden.
  • Unterstützt wird die Einrichtung und Entwicklung gemeinsamer europäischer Datenräume in strategischen Bereichen (u.a. Gesundheit, Umwelt, Energie, Landwirtschaft, Mobilität, Finanzen, Industrie, öffentliche Verwaltung, Kompetenzen) unter Einbeziehung öffentlicher und privater Akteure.
  • Der DGA ist unmittelbar anwendbar; das DZG regelt flankierende nationale Zuständigkeiten, Verfahren, Zusammenarbeit, Datenverarbeitung und Sanktionen.

Regelungsbereiche des DGA, die durch das DZG begleitet werden

  • Weiterverwendung geschützter Daten im Besitz öffentlicher Stellen: umfasst u.a. Geschäfts-/Betriebs-/Berufs-/Unternehmensgeheimnisse, statistische Geheimhaltung, Rechte des geistigen Eigentums Dritter, personenbezogene Daten.
  • Wichtig: Der DGA enthält keine Bestimmungen über den Zugang zu Daten und verpflichtet öffentliche Stellen nicht, bestimmte Daten bereitzustellen; die Zugangsgrundlagen ergeben sich aus anderem Unions- oder nationalem Recht.
  • Anmelde- und Aufsichtsrahmen für Datenvermittlungsdienste zur Vertrauensbildung in der Datenwirtschaft; Datenvermittler unterliegen Anmeldepflicht und Bedingungen.
  • Drei Arten von Datenvermittlungsdiensten: (1) Vermittlung zwischen Dateninhabern und Datennutzern zur Begründung einer Geschäftsbeziehung für Datenaustausch, (2) Vermittlung zwischen betroffenen Personen und potenziellen Datennutzern zur Ausübung von Rechten nach DSGVO, (3) Datengenossenschaften zur Stärkung der Position von Einzelpersonen/Unternehmen bei der Weiterverwendung ihrer Daten.
  • Rahmen für freiwillige Eintragung datenaltruistischer Organisationen: Datenaltruismus = freiwillige Bereitstellung von Daten für Gemeinwohl/altruistische Zwecke ohne Entgelt (über bloßen Kostenersatz hinaus); Eintragung in Register und Einhaltung von Anforderungen für Anerkennung.
  • Einrichtung eines Europäischen Dateninnovationsrats (EDIB) als Expertengruppe mit Beratungs- und Unterstützungsfunktion für die Kommission (u.a. künftige Rechtsgrundlagen, Leitlinien zu Datenräumen, Interoperabilitätsmaßnahmen, Koordinierung nationaler Verfahren/Strategien).

Kompetenzgrundlage und Abgrenzungen

  • Bundeskompetenz stützt sich auf Zivilrechtskompetenz (Art. 10 Abs. 1 Z 6 B-VG) sowie Organisationskompetenz: Regelung öffentlicher Stellen im Bundesbereich durch den Bund; für Landes-/Gemeindebereich grundsätzlich Länderzuständigkeit.
  • Klarstellung: Der DGA schafft keine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung personenbezogener Daten; DSGVO/DSG bleiben maßgeblich.
  • Daten der Gerichtsbarkeit sind vom Anwendungsbereich ausgenommen; umfasst auch staatsanwaltschaftliche Daten (Art. 90a B-VG).
  • Bestehende innerstaatliche Rahmenbedingungen (z.B. Informationsfreiheitsgesetz, Informationsweiterverwendungsgesetz 2022) sollen durch das DZG nicht berührt werden.

Geltungsbereich und Begriffsbestimmungen

  • Das DZG nennt die unionsrechtlichen Vorschriften, zu deren Durchführung es dient, und definiert damit seinen Geltungsbereich.
  • Begriffsbestimmungen des DGA (Art. 2) sind unmittelbar anwendbar; wegen Überschneidungen mit anderen Materien wird klargestellt, dass die Begriffe im DZG an die Definitionen des DGA anzugleichen sind.

Zuständige Behörde: Benennung, Anforderungen, Aufgaben und Zusammenarbeit

  • Benennung nach Art. 13 und Art. 23 DGA: Zuständige Behörde für Datenvermittlungsdienste und für die Registrierung datenaltruistischer Organisationen ist der Bundeskanzler.
  • Die zuständige Behörde überwacht die Einhaltung der DGA-Anforderungen durch Anbieter von Datenvermittlungsdiensten; Ziel ist ein unionsweit vertrauenswürdiges Umfeld durch ein Anmeldeverfahren.
  • Anmeldung ist an den Mitgliedstaat der Hauptniederlassung bzw. des gesetzlichen Vertreters zu richten; die Anmeldung soll unionsweite Wirkung entfalten (Betriebsaufnahme in jedem Mitgliedstaat).
  • Strukturelle Anforderungen nach Art. 26 DGA: ausreichende finanzielle/personelle Mittel, Fachkenntnisse/Ressourcen; Anforderungen gelten sowohl für Aufsicht über Datenvermittlungsdienste als auch für Registrierung datenaltruistischer Organisationen.
  • Vereinigung beider Zuständigkeiten in einer Behörde ist nach Art. 26 Abs. 1 DGA möglich und wird aus Sparsamkeits- und Effizienzgründen umgesetzt.
  • Unabhängigkeit, Transparenz und Unparteilichkeit gegenüber Anbietern von Datenvermittlungsdiensten sind sicherzustellen.
  • Befugnisse anderer Fachbehörden (insb. Datenschutzbehörde, Bundeswettbewerbsbehörde, Cybersicherheitsbehörde) bleiben unberührt; vorgesehen ist enge Zusammenarbeit und Informationsaustausch für konsistente Entscheidungen.
  • Mitwirkungspflichten: Anbieter von Datenvermittlungsdiensten bzw. datenaltruistische Organisationen müssen Aufzeichnungen/Unterlagen vorlegen oder zur Einsicht bereithalten, Auskünfte erteilen, Betroffenenrechte darlegen und sonstige Unterstützung leisten, die für Entscheidungen (insb. über Beschwerden nach Art. 27 DGA) erforderlich ist.
  • Für datenaltruistische Organisationen: Informationsverlangen nach Art. 24 DGA zur Überprüfung der Einhaltung von Kapitel IV DGA; Anforderungen müssen verhältnismäßig und begründet sein.

Datenverarbeitung im Rahmen von Anmeldung, Aufsicht und Registrierung (Inhalte und Transparenzpflichten)

  • Im Anmeldeverfahren für Datenvermittlungsdienste werden insbesondere Angaben nach Art. 11 Abs. 6 DGA verarbeitet (u.a. Name, Rechtsstatus, Anschrift, Website, Kontaktpersonen, Tätigkeitsbeschreibung und -aufnahme).
  • Für die Aufsicht über Datenvermittlungsdienste verarbeitet die zuständige Behörde Angaben/Auskünfte nach Art. 12 DGA.
  • Für datenaltruistische Organisationen sind Eintragungsanforderungen nach Art. 18 und Art. 19 Abs. 4 DGA maßgeblich (u.a. Name, Rechtsstatus, Satzung, Einnahmequellen, Anschrift, Website, Kontaktpersonen, Tätigkeitsfeld).
  • Datenaltruistische Organisationen müssen Transparenzanforderungen nach Art. 20 DGA erfüllen und auf Anfrage Informationen übermitteln, u.a.: Aufzeichnungen zur Verarbeitung personenbezogener Daten, Zeitpunkt/Dauer, Zweck, allfällige Gebühren.
  • Jährlicher Tätigkeitsbericht: muss u.a. darlegen, inwiefern die Zwecke der Datensammlung von allgemeinem Interesse sind, sowie eine Zusammenfassung der Ergebnisse der erlaubten Datenverarbeitung enthalten.
  • Vorlage eines europäischen Einwilligungsformulars für Datenaltruismus nach Art. 25 DGA: ermöglicht Einwilligung und Widerruf durch betroffene Personen nach DSGVO für bestimmte Verarbeitungsvorgänge.

Behördenzusammenarbeit: Datenschutz- und Wettbewerbsbezug, Beschwerdefälle

  • Ziel der Zusammenarbeit ist konsistente Auslegung und Entscheidungspraxis, insbesondere bei Beschwerden (Art. 27 DGA) sowie bei der Überwachung der Anforderungen (Art. 14 DGA für Datenvermittlungsdienste; Art. 24 DGA für datenaltruistische Organisationen).
  • Bei DSGVO-/DSG-Auslegungsfragen ist Zusammenarbeit mit der Datenschutzbehörde erforderlich; bei Beschwerden gegen datenaltruistische Organisationen wegen unrechtmäßiger Weiterverwendung personenbezogener Daten ist Kontakt aufzunehmen und der Fall bei Zuständigkeit an die Datenschutzbehörde weiterzuleiten.
  • Bei wettbewerbsrechtlichen Auslegungsfragen ist Zusammenarbeit mit der Bundeswettbewerbsbehörde erforderlich; bei Beschwerden gegen Datenvermittlungsdienste mit möglicher Wettbewerbsverzerrung ist Kontakt aufzunehmen und der Fall bei Zuständigkeit an die Bundeswettbewerbsbehörde weiterzuleiten.

Schutz von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen

  • Regelungen orientieren sich an TKG 2021: Geschäfts-/Betriebsgeheimnisse sind kommerzielle oder technische Tatsachen, die nur einem eng begrenzten Personenkreis bekannt und für andere nicht oder schwer zugänglich sind; es muss ein schutzwürdiges wirtschaftliches und objektiv berechtigtes Interesse an Geheimhaltung bestehen.
  • Für die Qualifizierung als Geschäftsgeheimnis ist das UWG maßgeblich; es ist eine Interessenabwägung zwischen Geheimhaltungsinteresse und Offenlegungsinteressen Dritter vorzunehmen.
  • Die Interessenabwägung ist den Parteien schriftlich offenzulegen (Transparenz und Überprüfbarkeit).
  • Alle Personen, die von einem Geschäftsgeheimnis oder behaupteten Geschäftsgeheimnis Kenntnis erlangen, sind zur Geheimhaltung verpflichtet.

Register datenaltruistischer Organisationen und Rolle der Bundesrechenzentrum GmbH (BRZ)

  • Für das nach Art. 17 DGA zu führende nationale öffentliche Register der anerkannten datenaltruistischen Organisationen wird eine zentrale Beauftragung der Bundesrechenzentrum GmbH vorgesehen, abgestimmt mit bestehenden Prozessen.
  • Ziel ist eine bestmögliche Abstimmung der Umsetzungsschritte (insbesondere Registerführung/technische Abwicklung).

Zentrale Informationsstelle (Art. 8 DGA): Zuständigkeit, Aufgabenprofil und operative Umsetzung

  • Der Bundeskanzler wird als zentrale Informationsstelle nach Art. 8 DGA vorgesehen; Schwerpunkt sind strategische und koordinierende Aufgaben.
  • Für operative Aufgaben bedient sich der Bundeskanzler der Bundesanstalt Statistik Österreich; diese hat Vorgaben des Bundeskanzlers einzuhalten.
  • Operative Aufgaben von Statistik Österreich: Bereitstellung und Wartung der Bestandsliste, Implementierung eines automationsunterstützten Antragsmanagements inkl. Beratung von Antragstellern, Beratung/Unterstützung zuständiger Stellen und öffentlicher Stellen, jährliche Qualitätssicherung der Datenbestände der Bestandsliste, jährlicher Bericht an den Bundeskanzler.
  • Jährliche Qualitätsprüfung der in der Bestandsliste geführten Datenbestände mit Ziel hoher Datenqualität, Weiterverwendbarkeit und Interoperabilität; es werden Empfehlungen zur Erhöhung der Datenqualität ermöglicht, ohne Eingriffsrecht in Datenbestände öffentlicher Stellen zu schaffen.
  • Die zentrale Informationsstelle kann allgemeine Empfehlungen zur Datenqualität in Leitlinien oder per Verordnung treffen; als Referenz wird ein internationales Best-Practice-Beispiel (Data Governance Centre of Excellence bei Statistics Estonia) für praktische Unterstützung bei Glossaren, Datenbeschreibungen und Datenqualitätsregeln genannt.
  • Verordnungsermächtigung des Bundeskanzlers zur näheren Ausgestaltung der ordnungsgemäßen Aufgabenerfüllung durch Statistik Österreich (Art. 8 Abs. 2 DGA), inkl. technischer Details zur Bestandsliste (z.B. Datenformate, Verfahrensabläufe), organisatorischer Festlegungen zur Kommunikation/Zusammenarbeit und Einrichtung gesonderter Informationskanäle.

Datenschutzrollen bei zentraler Informationsstelle und Auftragsverarbeitung

  • Statistik Österreich soll als Auftragsverarbeiter (Art. 4 Z 8 DSGVO) tätig werden und Pflichten nach Art. 28 Abs. 3 lit. a–h DSGVO einhalten.
  • Auch bei gesetzlich vorgesehener Auftragsverarbeitung ist eine Vereinbarung nach Art. 28 Abs. 3 DSGVO erforderlich.
  • Bei Heranziehung der BRZ GmbH ist eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung abzuschließen.

Bestandsliste, Metadaten, Portalanbindung und europäische Vernetzung

  • Die zentrale Informationsstelle dient als Informations- und Anlaufstelle für Weiterverwendungsinteressierte; sie soll Anfragen/Anträge zur Weiterverwendung automatisiert übermitteln können, bei ausreichender menschlicher Aufsicht.
  • Die Bestandsliste soll Überblick über verfügbare Datenressourcen geben und einschlägige Informationen mit Beschreibung der verfügbaren Daten enthalten; grundsätzlich keine personenbezogenen Daten, sondern Metadaten.
  • Zuständige Stellen bzw. öffentliche Stellen müssen Metadaten zur Aufbereitung der Bestandsliste bereitstellen; der Bundeskanzler kann per Verordnung nähere Bestimmungen zu Metadaten festlegen.
  • Nutzung bestehender Synergien: Verknüpfung der Bestandsliste mit data.gv.at zur öffentlichen Bereitstellung der Metadaten zu verfügbaren Datensätzen.
  • Anbindung an das europäische Datenportal data.europa.eu ist bereitzustellen; eine Schnittstellenanbindung besteht bereits über data.gv.at.
  • Im europäischen Vergleich wird typischerweise auf bestehende Datenportale (wie data.gv.at) zur Umsetzung der Vorgaben zur zentralen Informationsstelle zurückgegriffen.

Zuständige Stellen zur Unterstützung öffentlicher Stellen (Art. 7 DGA): Zweck, Benennung und Aufgaben

  • Öffentliche Stellen entscheiden über Gewährung/Verweigerung des Zugangs zur Weiterverwendung geschützter Daten (Art. 3 Abs. 1 DGA-Datenkategorien); Mitgliedstaaten müssen zuständige Stellen zur Unterstützung benennen (Art. 7 DGA).
  • Ziel der zuständigen Stellen ist insbesondere technische Unterstützung und Entlastung öffentlicher Stellen, u.a. durch Implementierung bewährter Verfahren, Regulierungs-/Technikstandards und sicherer Verarbeitungsumgebungen zur datenschutzwahrenden Analyse.
  • Zuständige Stellen können (wenn sektorales Unionsrecht oder nationales Recht dies beauftragt) auch befugt werden, Zugang zur Weiterverwendung zu gewähren.
  • Weit gefasster Spielraum: zuständige Stellen können bestehende öffentliche Stellen oder interne Dienste sein; eine exakte Festlegung potenzieller Einrichtungen ist nicht möglich, da auch neue Stellen geschaffen werden können; typischerweise Behörden/Bundesämter/Körperschaften öffentlichen Rechts.
  • Wenn Weiterverwendung erlaubt wird, müssen Bedingungen und Antragsverfahren über die zentrale Informationsstelle öffentlich zugänglich gemacht werden; in der Regel übermitteln zuständige Stellen diese Bedingungen zur Veröffentlichung (u.a. über data.gv.at).
  • Die zentrale Informationsstelle leitet Suchanfragen/Anträge auf Weiterverwendung (Art. 9 DGA) an die betreffenden zuständigen Stellen weiter.

Konkrete Unterstützungsleistungen zuständiger Stellen (Art. 7 Abs. 4 DGA) und technische/organisatorische Anforderungen

  • Technische Unterstützung durch Bereitstellung einer sicheren Verarbeitungsumgebung für den Zugang zur Weiterverwendung (lit. a).
  • Beratung und technische Unterstützung bei Strukturierung und Speicherung von Daten (lit. b).
  • Technische Unterstützung bei Schutzvorkehrungen wie Anonymisierung und Pseudonymisierung personenbezogener Daten (lit. c).
  • Unterstützung bei Einholung von Einwilligung/Erlaubnis zur Weiterverwendung bzw. Erlaubnis der Dateninhaber (lit. d).
  • Unterstützung öffentlicher Stellen bei der Beurteilung von Zusagen (lit. e).
  • Zuständige Stellen müssen mit der zentralen Informationsstelle und Statistik Österreich zusammenarbeiten.
  • Zuständige Stellen veröffentlichen online detaillierte, nutzerorientierte und mehrsprachige Informationen (mindestens Englisch) zu Antrags-/Akkreditierungsverfahren und technischen Rahmenbedingungen (inkl. sicherer Verarbeitungsumgebung).
  • Gebühren und sonstige Bedingungen für Weiterverwendung sind online transparent zu veröffentlichen.
  • Zuständige Stellen müssen Vorgaben der zentralen Informationsstelle (insb. Zusammenarbeit und Standardisierung) umsetzen; Zusammenarbeit mit Statistik Österreich ist zur technischen Unterstützung sicherzustellen.
  • Interoperabilität: Umsetzung entsprechender Vorgaben der zentralen Informationsstelle (u.a. Metadatenvorgaben, Bereitstellung von Metadatenkatalogen für die zentrale Bestandsliste, Formate, gemeinsame Schnittstellen/APIs und Dokumentation, Transparenzanforderungen, Berichte/Informationspflichten, Mehrsprachigkeit, Analyse).
  • Verweis auf den Europäischen Interoperabilitätsrahmen (EIF) als Grundlage gemeinsamer Prinzipien, Modelle und Empfehlungen.

Integrität sicherer Verarbeitungsumgebungen, Kontrolle der Ergebnisse und Berichtspflichten

  • Öffentliche Stellen legen bei erlaubter Weiterverwendung Bedingungen fest, die die Integrität des Betriebs der technischen Systeme der sicheren Verarbeitungsumgebung wahren (Art. 5 Abs. 4 DGA).
  • Die zentrale Informationsstelle kann allgemeine Vorgaben zur Integrität der technischen Systeme in Leitlinien oder per Verordnung treffen.
  • Öffentliche Stellen behalten sich vor, Verfahren, Mittel und Ergebnisse der Datenverarbeitung durch Weiterverwender zu überprüfen, um Datenschutzintegrität zu wahren; sie können die Verwendung von Ergebnissen verbieten, wenn diese Rechte/Interessen Dritter gefährden.
  • Ein Verbot der Ergebnisverwendung muss für den Weiterverwender verständlich und transparent sein.
  • Zuständige Stellen übermitteln regelmäßige Berichte über Zweck und Verwendung der Daten durch Nutzer an die zentrale Informationsstelle; Berichte sollen u.a. Anwendungen, Algorithmen, Entwicklungen, Nutzungs-/Forschungsergebnisse sowie sozioökonomische oder ökologische Wirkungen der Weiterverwendung geschützter Daten enthalten.
  • Die zentrale Informationsstelle kann Vorgaben zur standardisierten Übermittlung machen (z.B. standardisierte Liste oder Schnittstelle).
  • Erhebung der Informationen erfolgt durch zuständige Stellen im Rahmen von Akkreditierungs-/Zugangsbedingungen oder Nutzerumfragen.
  • Die zentrale Informationsstelle bereitet die Ergebnisse jährlich auf und veröffentlicht sie in aggregierter Form.

Benennung zuständiger Stellen per Verordnung und Mitwirkungspflichten öffentlicher Stellen

  • Als zuständige Stelle können nur Stellen benannt werden, die bereits befugt sind, den Zugang zur Weiterverwendung von Daten öffentlicher Stellen zu ermöglichen; wer die Zugangsentscheidung trifft, ergibt sich aus der jeweiligen Rechtsgrundlage (regelmäßig die öffentliche Stelle selbst).
  • Benannt werden typischerweise bestehende Einrichtungen, die zur Unterstützung öffentlicher Stellen etabliert wurden; einschlägige Materiengesetze sind maßgeblich und müssen insbesondere eine Ermächtigungsnorm zur Verarbeitung personenbezogener Daten enthalten.
  • Da öffentliche Stellen der zuständigen Stelle oft Informationen zu Daten bereitstellen müssen, wird eine Mitwirkungspflicht öffentlicher Stellen normiert.
  • Der Bundeskanzler wird ermächtigt, per Verordnung eine oder mehrere zuständige Stellen aus einem oder mehreren Verwaltungsbereichen festzulegen, die öffentliche Stellen bei Gewährung/Verweigerung des Zugangs zur Weiterverwendung geschützter Daten unterstützen.

Datenschutzrechtliche Einordnung und Umfang der Datenverarbeitung im DZG

  • Das DZG ist flankierend zu einer unmittelbar anwendbaren EU-Verordnung; zusätzlich sind bestehende Pflichten nach DSGVO und DSG zu beachten; der DGA nimmt vielfach auf DSGVO und Grundrecht auf Datenschutz Bezug und enthält Schutzvorkehrungen.
  • Aufgrund der Verarbeitung personenbezogener Daten (Antragsteller, Beschwerdeführer, Datenvermittler, datenaltruistische Organisationen, Dritte) ist eine gesetzliche Verankerung der Datenverarbeitung erforderlich.
  • Klarstellung: zuständige Behörde, zentrale Informationsstelle und zuständige Stellen sind datenschutzrechtlich Verantwortliche.
  • Verarbeitet werden personenbezogene Daten im Zuge von Anträgen auf Weiterverwendung sowie Registrierung von Datenvermittlungsdiensten und datenaltruistischen Organisationen.
  • Antrags-/Registrierungsdaten umfassen insbesondere Vor- und Familienname, Anschrift, E-Mail-Adresse sowie sonstige für die Abwicklung notwendige Daten; Verarbeitung/Speicherung ausschließlich zur Bearbeitung/Abwicklung (Zweckbindung, Datenminimierung nach Art. 5 DSGVO).
  • Die konkret genannten Daten orientieren sich an Standardformular-Mustern der Europäischen Kommission.
  • Standardformular Datenvermittlungsdienste: u.a. Name; Rechtsform/Rechtsstatus (inkl. Eigentümerstruktur, relevante Tochterunternehmen, ggf. Registrierungsnummer); Adresse (Hauptniederlassung, ggf. Zweigniederlassungen/gesetzlicher Vertreter); öffentliche Website; Organisations-/Dienstebeschreibung; ggf. Länder der Tätigkeit; Kategorien der Vermittlungsdienste; voraussichtlicher Tätigkeitsbeginn.
  • Standardformular datenaltruistische Organisationen: u.a. Name; Rechtsform/Rechtsstatus (ggf. Registrierungsnummer); öffentliche Website; Hauptkontakt (Name, E-Mail); ggf. weiterer Kontakt; Ziele von allgemeinem Interesse; ggf. Länder der Tätigkeit.
  • Offene Formulierung zu „sonstigen notwendigen Daten“: weil in ausländischen Unterlagen (z.B. Handelsregisterauszug) zusätzliche personenbezogene Daten enthalten sein können, die zur Nachweisführung erforderlich sind; es werden keine darüber hinausgehenden Daten verarbeitet.
  • Löschung: Antrags-/Registrierungsdaten sind unverzüglich zu löschen, sobald sie für Aufgaben/Befugnisse nicht mehr erforderlich sind (z.B. nach Einstellung der Tätigkeit und ohne laufendes Beschwerdeverfahren); keine fixe Frist, da „unverzüglich“ maßgeblich ist; Aktenaufbewahrung im Rahmen von Skartierungsfristen bleibt zulässig.

Sanktionssystem: Grundsätze, Zuständigkeit und Verhältnis zur DSGVO

  • Das DZG enthält Sanktionen für Verstöße gegen einschlägige Verhaltens- und Handlungspflichten des DGA; Art. 34 DGA verlangt nationale Sanktionsvorschriften und Maßnahmen für deren Anwendung.
  • Beachtung der „doppelten Bindung“ bei Sanktionierung unmittelbar anwendbaren Unionsrechts: Strafnormen sollen die sanktionierten DGA-Bestimmungen genau anführen (Deutlichkeit/Bestimmtheit).
  • Strafbestimmungen folgen dem Aufbau des DGA und differenzieren zwischen Anbietern von Datenvermittlungsdiensten und anerkannten datenaltruistischen Organisationen.
  • Wenn Verstöße den Schutz personenbezogener Daten nach DSGVO betreffen und dort geahndet werden können, hat die DSGVO Vorrang (Art. 1 Abs. 3 DGA).
  • Sachliche Zuständigkeit für Verwaltungsstrafverfahren und Verhängung von Geldstrafen richtet sich nach § 26 VStG; zuständig sind Bezirksverwaltungsbehörden.
  • Sanktionen müssen wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein; bei Strafbemessung sind u.a. Art/Schwere/Umfang, Schadensminderung, frühere Verstöße, finanzielle Gewinne/Verluste, sonstige erschwerende/mildernde Umstände zu berücksichtigen.
  • Abgestufter Sanktionskatalog: bis zu EUR 10.000, bis zu EUR 20.000, bis zu EUR 100.000.
  • Verschuldensmaßstab: Fahrlässigkeit genügt (nach VStG).

Sanktionsstufen im Detail

  • Bis zu EUR 10.000: wenn Anbieter von Datenvermittlungsdiensten Mitteilungspflichten im Rahmen der Anmeldung nach Art. 11 DGA nicht erfüllen.
  • Bis zu EUR 10.000: wenn datenaltruistische Organisationen ihre Aufzeichnungen nicht ordnungsgemäß, vollständig und genau nach Art. 20 DGA (und näheren delegierten Rechtsakten nach Art. 22 DGA) führen.
  • Bis zu EUR 20.000: wenn Anbieter von Datenvermittlungsdiensten Bedingungen für die Erbringung von Datenvermittlungsdiensten nach Art. 12 DGA verletzen (insb. Neutralität: Daten nicht für andere Zwecke verwenden als zur Bereitstellung für Datennutzer).
  • Bei der Bewertung der Schwere eines Verstoßes gegen Art. 12 DGA ist der Einzelfall maßgeblich (z.B. mögliche Verletzung von Geschäftsgeheimnissen oder geistigem Eigentum); weitergehende Verstöße zur Verarbeitung personenbezogener Daten sind im Lichte der DSGVO zu prüfen und von der Datenschutzbehörde zu ahnden.
  • Bis zu EUR 20.000: wenn anerkannte datenaltruistische Organisationen gegen Eintragungsanforderungen bzw. administrative/operative Vorgaben nach Art. 18 DGA verstoßen.
  • Bis zu EUR 100.000: bei unzulässiger Übertragung nicht personenbezogener Daten in Drittländer entgegen Art. 5 Abs. 10, 12 und 13 DGA; besonders kritisch bei (potenziell) hochsensiblen Daten, deren Übertragung Gemeinwohlziele der Union (z.B. Sicherheit, öffentliche Gesundheit) gefährden oder Re-Identifizierungsrisiken bergen kann; Kommission kann dazu delegierte Rechtsakte mit besonderen Bedingungen erlassen.
  • Bis zu EUR 100.000: bei Verstößen anerkannter datenaltruistischer Organisationen gegen besondere Schutzregeln nach Art. 21 DGA (Schutz der Rechte/Interessen betroffener Personen und Dateninhaber; angemessenes Sicherheitsniveau; Maßnahmen gegen unbefugte Übertragung, Zugriff oder Nutzung), insbesondere bei sensiblen Daten.

Zurechnung von Verwaltungsübertretungen bei juristischen Personen

  • Verwaltungsübertretungen können von natürlichen und juristischen Personen begangen werden; Zurechnung erfolgt an Verantwortliche nach § 9 VStG.
  • Der Kreis zurechenbarer Personen entspricht den Vorgaben des Verbandsverantwortlichkeitsgesetzes (VbVG).

Gebührenrechtliche Entlastung

  • Zur Unterstützung von Offenheit und Transparenz sowie zur Vermeidung zusätzlicher Hürden wird von der Einhebung sonst anfallender Gebühren nach dem Gebührengesetz 1957 (Stempel- und Rechtsgebühren) abgesehen.

Verweisungen, geschlechterneutrale Anwendung und Vollzug

  • Verweisungen auf andere Bundesgesetze sind jeweils in der geltenden Fassung anzuwenden.
  • Personenbezogene Bezeichnungen gelten für alle Geschlechter gleichermaßen.
  • Vollzugszuständigkeit richtet sich nach dem Bundesministeriengesetz.

Inkrafttreten

  • Das DZG regelt das Inkrafttreten als nationale Begleitmaßnahme zur seit 24. September 2023 anwendbaren DGA-Verordnung.

Datenzugangsgesetz – DZG

~12 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Michael Schilchegger

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Werter Herr Staatssekretär! Bevor ich jetzt zu meinem Redebeitrag komme, eine ganz kurze Anmerkung zum vorherigen Punkt, nämlich zur Abstimmung. Was ist zwischen dem Ausschuss und der heutigen Plenarsitzung passiert? – Die Grünen haben sich im Verfassungsausschuss gegen die Änderung betreffend Bankwesengesetz ausgesprochen und heute stimmen sie dafür. Also was haben sie dafür von den Regierungsparteien bekommen? Das ist schon immer eine politisch interessante Frage.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Eine Sporttasche! – Heiterkeit bei SPÖ, NEOS und Grünen.

FPÖ Michael Schilchegger

… Zum jetzigen Punkt aber könnte man sagen: von dem einen Gesetzesmurks, nämlich diesem Informationsfreiheitssammelgesetz, zum nächsten! Diesmal sprechen wir über die Beschlussvorlage zu einem Datenzugangsgesetz, mit der Sie sozusagen vorgeben, etwas für die Wissenschaft zu tun und europäisches Recht umzusetzen, mit der aber in Wahrheit eine neue Bürokratie im Bundeskanzleramt aufgebaut wird. Das ist ja nicht eine Datenbank, die einen Einmalaufwand hat, sondern das kostet den österreichischen Steuerzahler weitere 4 Millionen Euro pro Jahr, und es wird keinen praktischen Nutzen für die Bevölkerung haben. Damit Sie verstehen: Es sind nicht nur die Freiheitlichen, die etwas gegen diesen Entwurf haben, um sozusagen Oppositionspolitik zu betreiben, sondern das ergibt sich ja auch wieder aus den Stellungnahmen im Begutachtungsverfahren. Da weist die Rechtsanwaltskammer nicht zu Unrecht darauf hin, dass es sich ja bereits jetzt um eine komplexe Materie handelt und Vollzugsschwierigkeiten im Bereich der DSGVO an der Tagesordnung sind, weil einerseits die Datenschutzbehörde im Verwaltungsweg für Dinge zuständig ist, und für ein und dieselbe Frage, die zu beurteilen ist, aber auch das Gericht. Es ist also ein Rechtszug, der in beide Richtungen eröffnet wird, einerseits zu den Zivilgerichten, andererseits über die DSB, die Datenschutzbehörde, zu den Verwaltungsgerichten. Und was machen Sie jetzt? – Anstatt dass Sie diese Dinge vereinfachen und diese Verwaltungswege reduzieren, kommt es noch einmal zu einer Aufblähung. Auch die Rechtsanwaltskammer weist darauf hin, dass es letztlich dann, wenn man auch noch die KI-Verordnung mit reinnimmt, die Zuständigkeit nicht nur des Zivilgerichts gibt, sondern auch noch dreier weiterer Behörden, nämlich einmal der Datenschutzbehörde, des Bundesministeriums für Digitalisierung – das ist noch aus dem Begutachtungsverfahren gewesen, mittlerweile ist es das Bundeskanzleramt – und dann noch der KI-Überwachungsbehörde. Und es bleiben essenzielle verfahrensrechtliche Bestimmungen hierüber im Dunklen. Sie machen es also komplizierter. Meine Damen und Herren, wenn Sie Ihre eigene Reformankündigung der Verliererampel einmal selbst ernst nehmen und sich überlegen würden, wofür diese Bundesregierung eigentlich steht, dann würden Sie zu demselben Schluss kommen wie die österreichische Rechtsanwaltskammer, wie die Freiheitliche Partei: Das ist das Gegenteil von Deregulierung, das ist das Gegenteil eines sparsamen Umgangs mit österreichischen Steuergeldern, und so eine Gesetzesvorlage ist daher abzulehnen. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Carmen Jeitler-Cincelli . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

ÖVP Carmen Jeitler-Cincelli

Danke schön, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Ja, wir sehen das natürlich anders. Wir glauben, dass wir mit dem Beschluss dieses Datenzugangsgesetzes einen sehr bedeutenden Schritt setzen, in Richtung digitale Zukunft für Österreich, für Europa, aber auch für unseren Binnenmarkt, für unsere Wirtschaft. Das ist ein ganz zentraler Baustein, um auch die Datenstrategie in Europa voranzubringen, und offen gesagt – ich meine, die NEOS stehen genauso für Marktliberalisierung und stimmen dem absolut zu; sie werden das danach wahrscheinlich auch erklären – finde ich Ihre Argumentation nicht ganz stringent. Es ist mir aus dem Ausschuss erzählt worden, es wurde argumentiert, das sei mit 3 bis 5 Millionen Euro im Jahr zu teuer, was auch total absurd ist, weil es ja wahnsinnig viel bringt. Daten sind das heutige Rohöl. Das ist es. Wir wissen, wir haben keine Möglichkeit, mitzuspielen – USA, Asien. Der Punkt ist: Unsere Daten werden nicht genutzt. Und wenn wir jetzt all die Grundlagen im Hintergrund sehen, wo Wertschöpfung erzeugt wird: Es geht auch darum, die Daten zu nutzen. Wir sitzen hier auf einem Schatz und nutzen ihn nicht, weil wir keine juristischen Instrumentarien geschaffen haben. Es ist notwendig, dass wir das jetzt nachholen. Ziel ist es, dass es auch eine Sicherheit für den Endkunden gibt. Ich sehe auch, was es wiederum den Leuten bringt, wenn man sich die Krebsforschung anschaut. Bei Ihnen ( in Richtung FPÖ ) sind ja doch auch viele vernunftorientierte Ärzte, Freiberufler, also schon auch Leute, die dieses große Gesamtbild sehen. Wir bleiben ja hintennach. Die Forschung ist darauf angewiesen. Und überall – zum Beispiel KI-Modelle, die momentan trainiert sind – sind die europäischen Daten nicht inkludiert. Ich sehe das als Forschungssprecherin, egal wo ich bin, dass man überall ein großes Thema hat, weil man sagt, man trainiert eigentlich mit Daten von der restlichen Welt und nicht mit den europäischen Daten. Dieses Problem wird gelöst. Wenn wir uns anschauen, wo heute die großen Unternehmen sind, die aus diesem Segment kommen: Wir reden alle über Google, Alibaba, Amazon; dahinter alles datengetriebene Geschäftsmodelle. Wenn wir am Markt noch mitspielen wollen, werden wir uns überlegen müssen: Wie gehen wir selbst mit dem Thema um?, und dazu ist das, glaube ich, ein sehr, sehr gutes Instrument. Die Medizin, die Gesundheit, aber auch ganz viele ganz andere Dinge, Verkehrsroutenplanung, Routenoptimierung, Lieferkettenoptimierung: Da ist ganz viel drin, bei dem wir uns nicht immer dieser großen Sorge hingeben müssen. Ich verstehe, dass man etwas vereinfachen und simplifizieren will, dafür bin ich auch immer zu haben, aber in dem Fall glaube ich, dass die Probleme einfach deswegen namhaft gemacht werden, weil es von der EU kommt. Das ist ein einfaches Rezept, und ich finde das manchmal wirklich schade, weil ich glaube, wir müssen viel europäischer denken. Das ist einfach ein Grundprinzip. Manchmal hat man bei Ihnen als Fraktion das Gefühl – alle anderen stimmen ja mit –, dass, wenn etwas von der EU kommt, man es gleich einmal ablehnen muss. Dann garnieren wir es noch ein bisschen mit Schwurblerei oder einer subtilen Unterstellung, jemand hätte sich kaufen lassen – mittlerweile lassen sich die Grünen bestechen, weil die etwas dafür gekriegt haben –, und dann garnieren wir es mit ein bisschen Corona und dann passt es als Paket. Das finde ich schade, weil wir da mitmachen müssen. Es gibt einige von Ihnen, bei denen mir ganz bewusst ist, dass Sie das wissen: Wenn wir uns diesen Markt nicht aufmachen, dann sind wir verloren, gerade weil wir forschungsorientiert sind, gerade weil in Europa ja unser Wissen auf dem Geist der Freiheit beruht, weil daraus unsere Innovationskraft kommt! Daher bitte noch einmal um die Überlegung – nur weil es ein EU-Mascherl drauf hat; ich glaube, wir brauchen mehr Europa und nicht weniger; und die Leute, die hier sitzen, können auch rechnen –: Wo bleiben wir denn, wenn wir da nicht einsteigen? Wo bleiben wir stehen? Es gibt keine einzige Chance. Die einzige Chance, die wir da haben, ist, europäisch zu denken: mehr Innovation, mehr Wettbewerbsfähigkeit, auch mehr Sicherheit für die Menschen, mehr Sicherheit, dass ihre Daten auch geschützt sind. Und ja, vielleicht hapert es wo – der Herr Staatssekretär wird danach sicher ausführen, wie genau das implementiert wird. Ich glaube, das Wichtige ist: ohne Kontrollverlust, ohne Risiko für die Datensicherheit. Ja, wer die Daten hat, hat die Macht. Das ist mittlerweile so, schauen Sie sich die größten Unternehmen der Welt an! Da ist kaum noch etwas dabei, wo die Daten nicht sind. Ich glaube, es ist ein Kick-off in die Selbstermächtigung, auch in die Selbstermächtigung Europas. Hoffentlich schaffen wir damit nichts – aber dann können wir auch noch nachjustieren –, was Probleme schafft. Es steht auch die Macht dahinter, dass wir die Welt zu etwas Besserem verändern, dass wir miteinander Krankheiten besiegen können, dass wir bessere Lösungen für gesellschaftspolitische Probleme haben. Das ist mit Daten möglich. Machen wir den Leuten nicht Angst und Sorge, sondern nehmen wir sie mit! Machen Sie bei diesem Schaffen einer besseren Welt doch auch einmal mit! – Danke sehr. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Sams . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über ein Gesetz, das auf den ersten Blick sehr technisch klingt, in Wahrheit geht es aber um Demokratie, Kontrolle und Vertrauen. Es geht um eines der zentralen Themen unserer Zeit: Es geht um Daten. Daten sind Macht, und wo Macht ist, braucht es klare Regeln. Mit dem Datenzugangsgesetz setzen wir den europäischen Data Governance Act um, und damit schaffen wir ein neues Fundament für den Umgang mit Daten in Österreich. Europa hat eines erkannt: Unsere Daten sind wie unsere Wohnungsschlüssel. Die gibt man nicht einfach weiter und hofft, dass schon nichts passiert, sondern man bewahrt sie sicher auf und entscheidet vor allem selbst, wer sie wann benutzen darf. Daten gehören nicht in fremde Hände und schon gar nicht in die Hände von wenigen Großkonzernen, sondern müssen selbstbestimmt, gemeinwohlorientiert und sicher genutzt werden. (👏 SPÖ) Bei aller Begeisterung für Innovation gilt für uns als Sozialdemokrat:innen ganz klar: Der Schutz persönlicher Daten ist nicht verhandelbar. Datenschutz ist kein Hindernis, sondern Datenschutz ist Voraussetzung für eine verantwortungsvolle Digitalisierung. (👏 SPÖ) Daten erzählen ja immer auch Geschichten – Geschichten über unsere Gesundheit, über unsere Arbeit, über unsere Familien –, sie sind das digitale Spiegelbild unseres Lebens. Wer sie nutzt, muss mit größter Sorgfalt handeln. Deshalb ist es richtig, dass die Datenschutzbehörde eine zentrale Rolle im Gesetz bekommt. Sie schützt, was schützenswert ist, nämlich unsere Privatsphäre. (👏 SPÖ) Auch die neuen Datenvermittlungsdienste werden verpflichtet, höchste Sicherheits- und Transparenzstandards einzuhalten, denn gerade da zeigt sich auch: Datennutzung ist kein Selbstzweck, sie muss den Menschen dienen. Deshalb sind die Verfahren auch gebührenfrei. Meine Damen und Herren, dieses Gesetz schafft Spielregeln, wo bislang Unsicherheit geherrscht hat. Es öffnet Türen für Innovation, aber es lässt die Tür zur Privatsphäre verschlossen, wo sie es bleiben soll. Datennutzung und Datenschutz sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben verantwortungsvollen Politik – und genau das schafft dieses Gesetz. Fairer Zugang, klare Regeln und ein starker Schutz für die Menschen – so geht digitale Verantwortung im Interesse der Gesellschaft. Gemeinsam bringen wir Österreich wieder auf Kurs! – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Ines Holzegger . – Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

NEOS Ines Holzegger

Vielen Dank, Herr Präsident! Werter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen und sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie, aber auch zu Hause! Das Datenzugangsgesetz ist ein zentraler Baustein für einen innovativen und zukunftsfitten Wirtschafts- und Forschungsstandort Österreich, denn für uns ist ganz klar: Ohne Daten gibt es keine künstliche Intelligenz, und ohne künstliche Intelligenz gibt es keine Weiterentwicklung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen, die speziell in der Wirtschaft so wichtig sind. Mit dem Datenzugangsgesetz schaffen wir die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen genau dafür, dass Zugang zu den öffentlichen Daten gewährt wird, und zwar – und da muss ich dem Kollegen von der FPÖ widersprechen – einfacher, transparenter und effizienter bei gleichzeitigem Schutz der Daten, die geschützt werden müssen. (👏 NEOS) Und was bringt das jetzt? – Das bringt den Unternehmen, der Forschung und der Gesellschaft insgesamt wahnsinnig viel, weil es neue Möglichkeiten eröffnet. Ich möchte das ein bisschen konkretisieren, und da, werte Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, müssen Sie jetzt vielleicht ein bisschen stark sein, denn da geht es um die Klimakrise, die menschengemacht und echt ist …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Katastrophe!

NEOS Ines Holzegger

… also vielleicht aufpassen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Katastrophe sagen, bitte!

NEOS Ines Holzegger

… Es ist eine Katastrophe, wenn man es leugnet, das ist wahr. (👏 NEOS) Zum Beispiel Mountresilience: Das ist ein EU-weites Klimaprojekt mit Tiroler Beteiligung. Ziel davon ist es, die Bergregionen widerstandsfähiger zu machen …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Gegen was?

NEOS Ines Holzegger

… gegen die Klimakrise …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Gegen was?

NEOS Ines Holzegger

… indem man naturbasierte …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Gegen die Natur? Ach so!

NEOS Ines Holzegger

… Anpassungsmaßnahmen macht. Dafür werden dann in neun europäischen Regionen prototypische Lösungen entwickelt, getestet, und – ganz wichtig – auch skalierungsfähig gemacht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Endlich! Die Natur wird endlich widerstandsfähig gemacht!

NEOS Ines Holzegger

… Bei einem anderen Beispiel geht es um Wetter- und Stromprognosen für erneuerbare Energie. Die KI-gestützten Modelle analysieren dann auf der einen Seite kurzfristige Wettereinflüsse, aber auch langfristige Klimarisiken, und das geht von der Ebene einzelner Windräder bis zu Solarpanels und weiter rauf. Genau solche Projekte profitieren direkt vom Datenzugangsgesetz. Die Unternehmen, die Projekte erhalten direkten Zugang und schnellen Zugriff auf relevante Daten der öffentlichen Hand und können damit besser und schneller Wirkung zeigen. Kurz gesagt: Mit genau diesem Gesetz öffnen wir nicht nur Datenbanken, wir öffnen den Weg für innovativere, nachhaltigere Zukunftslösungen für Österreich. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Süleyman Zorba . Ich stelle die Redezeit auf 3 Minuten ein.

GRÜNE Süleyman Zorba

Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte großteils meinen Vorredner:innen zustimmen. Es ist die österreichische Umsetzung einer europäischen Gesetzgebung, es ist eine wichtige Sache. Es geht dabei um den geordneten und datenschutzkonformen Umgang mit Daten für Wissenschaft und Forschung und für die Verwaltung, und im besten Fall werden die Bürgerinnen und Bürger davon profitieren. Es gibt durchaus hier und da ein paar Probleme bei diesem Gesetz, aber nichts, wofür Österreich oder die österreichische nationale Umsetzung etwas kann, sondern das kommt eher aus der europäischen Gesetzgebung. Im Großen und Ganzen ist es aber, muss man sagen, eine gute und wichtige Sache und wird unsere Zustimmung finden. – Danke schön. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir gelangen zur Abstimmung über den Gesetzentwurf samt Titel und Eingang in 127 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Bundesgesetz über die Finanzierung politischer Parteien

155 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOSGRÜNE · Initiativantrag 353/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.

Zusammenfassung

Das Parteiengesetz 2012 wird geändert, sodass internationale bzw. europäische Parteienvereinigungen und Fraktionen im Europäischen Parlament ausdrücklich aus dem Anwendungsbereich der nationalen Rechenschafts- und Spendenregeln herausgenommen werden. Zudem wird klargestellt, dass die Mitwirkung von Regierungs-, Klub- und Parlamentsmitarbeitern an bestimmten Social-Media-Auftritten unter strengen Transparenz- und Trennungsauflagen keine Parteispende darstellt.

Betroffen sind österreichische politische Parteien und ihnen nahestehende Organisationen, Fraktionen im Europäischen Parlament sowie Regierungsmitglieder, Klubobleute und Abgeordnete (inkl. deren Mitarbeiter) bei der Nutzung und Gestaltung von Social-Media-Accounts.

Dokumente

Bundesgesetz über die Finanzierung politischer Parteien

Ausgangslage und Ziel der Novelle

  • Das Parteiengesetz 2012 (PartG) berücksichtigte bisher nicht ausreichend internationale/europäische Parteienvereinigungen sowie die besondere Situation der Fraktionen im Europäischen Parlament (EP).
  • Ziel ist, unbeabsichtigte Rechenschaftspflichten und spendenrechtliche Konsequenzen im nationalen PartG für Tätigkeiten auf EU-/internationaler Ebene zu vermeiden und zugleich klare, transparente Rahmenbedingungen für die Mitwirkung öffentlicher Mitarbeiter an Social-Media-Auftritten politischer Amtsträger zu schaffen.

Internationale und europäische Parteienvereinigungen: Problemstellung

  • Internationale bzw. europäische Parteienvereinigungen (z.B. EVP, SPE) könnten bei strenger Auslegung als „nahestehende Organisation“ gelten, weil nationale Parteien dort statutarische Mitwirkungsrechte (Sitz und Stimme) haben.
  • Diese Vereinigungen sind häufig Vereine oder vergleichbare juristische Personen nach dem Recht eines (anderen) Landes und ihre Tätigkeit erstreckt sich definitionsgemäß nicht (nur) auf Österreich.
  • Eine vergleichbare Problemlage besteht, wenn Teilorganisationen einer Partei oder nahestehende Organisationen Mitglied in internationalen/europäischen Vereinigungen sind.
  • Würden solche Vereinigungen als nahestehende Organisationen erfasst, unterlägen sie formal den Rechenschaftspflichten des PartG; dies wurde in der Praxis bislang weder von Parteien noch von Rechnungshof oder UPTS aufgegriffen.
  • Da diese Vereinigungen ihre Tätigkeit nicht auf Österreich ausrichten, soll ihre Einbeziehung in das strikte nationale Rechenschaftssystem ausdrücklich vermieden werden.

Fraktionen im Europäischen Parlament: Problemstellung

  • Für EP-Fraktionen gibt es im PartG – anders als für Klubs in National- und Bundesrat sowie in Landtagen – keine ausdrückliche Ausnahmebestimmung; sie könnten daher unter Umständen als „nahestehende Organisationen“ angesehen werden.
  • Eine Aufnahme entsprechender Aktivitäten in Wahlkampfrechenschaftsberichte österreichischer Parteien erfolgte – soweit erkennbar – bisher nicht.
  • Würden diese Aktivitäten als Spenden Dritter qualifiziert, könnte regelmäßig die Spendenobergrenze überschritten werden.
  • Da diese Aktivitäten auf Ebene der Europäischen Union geregelt sind, soll klargestellt werden, dass kein nationaler Handlungsbedarf besteht und sie nicht in das nationale PartG-System fallen.

Maßnahmen zu internationalen/europäischen Vereinigungen und EP-Fraktionen (Z 1 und 3)

  • Internationale und europäische Vereinigungen politischer Parteien oder nahestehender Organisationen werden ausdrücklich aus der Anwendbarkeit bzw. Erfassung im PartG herausgenommen, um ihre Einbeziehung in die nationale Rechenschaftspflicht zu vermeiden.
  • Fraktionen im Europäischen Parlament werden aus dem Begriff der „politischen Partei“ bzw. „nahestehenden Organisation“ herausgenommen, um eine Qualifikation als nahestehende Organisation zu verhindern.
  • Aufwendungen für politische Tätigkeiten und Informationstätigkeiten der EP-Fraktionen werden aus dem Spendenbegriff herausgenommen.
  • Österreichische politische Parteien sollen für Aufwendungen für politische Tätigkeiten und Informationstätigkeiten der Fraktionen im Europäischen Parlament keine Rechenschaftspflicht treffen.
  • Der letzte Satz des § 2 Abs. 3 wird zur besseren Lesbarkeit neu formuliert (redaktionelle Neuformulierung ohne inhaltlich anders dargestellte Zielrichtung).

Öffentliche Kommunikation und Social Media: Ausgangslage (Z 2)

  • Öffentliche Kommunikation der Bundesregierung bzw. einzelner Regierungsmitglieder wird als wesentliches Element des demokratischen Grundprinzips zur informierten Meinungsbildung dargestellt; Öffentlichkeitsarbeit zählt zu wesentlichen Aufgaben der Bundesregierung bzw. Ministerien.
  • Online-Plattformen (Social Media) ermöglichen schnelle Massenkommunikation, personalisierte Botschaften und vertiefenden Austausch (z.B. Kommentarfunktionen).
  • Für Akzeptanz und Rezeption ist die persönliche Absenderfunktion (Name) eines Regierungsmitglieds bedeutsam; Social-Media-Auftritte werden daher häufig mit dem persönlichen Namen bezeichnet.
  • Das Namensrecht an dieser Bezeichnung steht ausschließlich der Person zu (§ 43 ABGB); derselbe Name/Account kann naturgemäß auch für parteipolitische Kommunikation und Parteiwerbung genutzt werden.
  • Es sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Social-Media-Accounts/Auftritte unter dem Namen eines Regierungsmitglieds ressourcenschonend und transparent für Regierungskommunikation genutzt werden können – unabhängig davon, ob Medieninhaber das Regierungsmitglied selbst, die Partei oder eine Gliederung/nahestehende Organisation ist.
  • Ähnliche Problemstellungen bestehen für Regierungsmitglieder auf Landesebene, für Klubobleute auf Bundes- und Landesebene sowie für Abgeordnete (Nationalrat, Bundesrat, Landtage), insbesondere wenn parlamentarische oder Klubmitarbeiter eingebunden werden.
  • Sachbezogene Inhalte auf solchen Accounts werden als im öffentlichen Interesse liegend und für offene Debatte wünschenswert beschrieben; sie sollen keinen monetären Vorteil darstellen, wenn sie nicht vornehmlich parteipolitisch sind, weil der Vorteil durch die Bereitstellung des privaten Distributionskanals aufgewogen wird.
  • Es wird auf Hinweise des Rechnungshofes zu Social-Media-Accounts von Regierungsmitgliedern verwiesen (u.a. Bedarf an Richtlinien, schriftlichen Regelungen, klarer Trennung/Erkennbarkeit von Regierungs- und Parteiarbeit, Auffindbarkeit des Impressums, Klärung der Ressourcenverwendung bei Mitwirkung von Regierungsmitarbeitern an nicht in der Medieninhaberschaft der Bundesregierung stehenden Accounts).

Regeln zur Mitwirkung von Regierungsmitarbeitern an Social-Media-Auftritten (Z 2)

  • Mitwirkung von Mitarbeitern von Regierungsmitgliedern an der Gestaltung von Social-Media-Accounts/Auftritten, die mit Zustimmung den Namen eines Regierungsmitglieds tragen, aber nicht in der Medieninhaberschaft der Bundesregierung stehen, wird unter Bedingungen als rechtlich unbedenklich festgelegt.
  • Die Mitwirkung darf ausschließlich durch Kabinetts- bzw. Büromitarbeiter des betreffenden Regierungsmitglieds erfolgen.
  • Von Kabinettsmitarbeitern gestaltete Inhalte müssen sich sachbezogen auf Regierungsarbeit und Regierungskommunikation beschränken; parteipolitische Werbung ist ausgeschlossen.
  • Diese Inhalte müssen inhaltlich und optisch klar von anderen (insbesondere parteipolitischen) Inhalten des Accounts abgegrenzt und als solche kenntlich gemacht werden (z.B. durch besonderes Zeichen oder Abkürzung; darauf ist im Impressum ausdrücklich hinzuweisen).
  • Das Impressum muss leicht auffindbar sein und ausdrücklich auf die Zusammenarbeit mit dem Regierungsmitglied hinweisen; insbesondere ist offenzulegen, dass einzelne Beiträge von Kabinetts-/Büromitarbeitern gestaltet werden und wie diese Beiträge erkennbar sind.
  • Über die Mitwirkung ist mit den Medieninhabern eine schriftliche Vereinbarung abzuschließen.
  • Als Medieninhaber solcher Auftritte kommen ausschließlich in Betracht: das Regierungsmitglied selbst, die politische Partei des Regierungsmitglieds oder eine Gliederung bzw. nahestehende Organisation dieser Partei.

Spendenrechtliche Einordnung der Social-Media-Mitwirkung (Z 2)

  • Die Mitwirkung von Mitarbeitern der Regierungsmitglieder an der Gestaltung der genannten Auftritte wird – bei Einhaltung der Voraussetzungen – ausdrücklich vom Spendenbegriff des PartG ausgenommen.
  • Begründung: Die Mitwirkung wird durch die im öffentlichen Interesse liegende Bereitstellung des privaten Distributionskanals (Account) aufgewogen.

Sinngemäße Anwendung auf Klubs/Klubobleute und Abgeordnete (Z 2)

  • Die dargestellten Überlegungen sollen sinngemäß auch auf Klubobleute bzw. Klubs oder Fraktionen angewendet werden.
  • Ebenso sollen sie sinngemäß auf Abgeordnete sowie deren parlamentarische Mitarbeiter bzw. Klubmitarbeiter angewendet werden.

Inkrafttreten (Z 4)

  • Eine Bestimmung regelt das Inkrafttreten der Änderungen.

Redaktionelle Anpassungen

  • Im Zuge der Ausschussberatung werden redaktionelle Versehen bereinigt (Änderungsantrag mit redaktioneller Zielsetzung).

Sportbericht 2023

118 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage III-83 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Sportbericht 2023 zur Kenntnis. Damit wird der vom Sportausschuss einstimmig empfohlene Bericht formell angenommen, ohne inhaltliche Änderungen zu beschließen.

Betroffen ist der Sportbericht 2023 sowie die Berichterstattung über Aktivitäten und Projekte der Sektion Sport und ihrer Partnerorganisationen im Sportjahr 2023.

Dokumente

Sportbericht 2023

Gegenstand und Zweck des Sportberichts 2023

  • Der Sportbericht 2023 gibt detaillierte Auskunft über die Aktivitäten und Projekte des Sportjahres 2023.

Inhaltlicher Aufbau: Teil 1 (Sektion Sport im BMKÖS)

  • Darstellung der Tätigkeitsschwerpunkte der Sektion Sport im BMKÖS.
  • Darstellung der Aufgabenschwerpunkte der insgesamt fünf Abteilungen der Sektion Sport.

Inhaltlicher Aufbau: Teil 2 (Partnerorganisationen)

  • Enthält Jahresbeiträge der Partnerorganisationen.

Struktur und Gliederung des Berichts

  • Die Struktur richtet sich nach den vier Detailbudgets des Sports gemäß Bundesvoranschlag.
  • Der Bericht ist in fünf Großkapitel gegliedert.

Sportbericht 2023

~30 min Lesezeit
Dafür: NEOSFPÖÖVPSPÖGRÜNE Dagegen:
FPÖ Markus Leinfellner

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Ja, der Sportbericht 2023 liegt vor, und als freiheitlicher Sportsprecher darf ich vorausschicken: Ja, wir werden diesem Bericht zustimmen. Es sind die wichtigen Entwicklungen und Leistungen im österreichischen Sport dokumentiert, und wir sehen darin auch, wie viele engagierte Ehrenamtliche –580 000 ehrenamtliche Trainer und Funktionäre – mit Herzblut und viel persönlichem Einsatz im Sport für unsere Gesundheit und für unsere Gemeinschaft im Einsatz sind. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Aber, Frau Staatssekretärin, Zustimmung heißt nicht, dass wir allen Inhalten dieses Sportberichts kritiklos gegenüberstehen. Wie dieser Bericht auch zeigt, ist ein Missverhältnis zwischen den schönen Worten und den tatsächlichen Unterstützungen auf allen Ebenen gegeben. Während Vereine wie – wir haben uns schon öfter darüber unterhalten – Muslimische Pfadfinder, Muslimische Jugend, das Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation Hunderttausende Euro aus dem Sportressort erhalten, bleiben Spitzensportler, der Breitensport, der Nachwuchssport vielerorts auf der Strecke. Es darf nicht sein, dass ideologisch motivierte Strukturen auf Kosten von Sportlern oder Sportvereinen gefördert werden. Der organisierte Sport, besonders in den Vereinen, braucht dringend Planungssicherheit und viel weniger Bürokratie. Viele Funktionäre und Trainer arbeiten ehrenamtlich und stoßen tagtäglich an ihre Grenzen. Da fehlt die Unterstützung der öffentlichen Hand, und daher sage ich ganz klar, es braucht eine faire und transparente Förderstruktur für kleine Sportvereine, nicht nur für die großen Dachverbände. Es braucht eine gezielte Offensive für den Nachwuchssport. Unsere Kinder brauchen mehr Bewegung, sie brauchen eine bessere Infrastruktur, eine professionelle Betreuung. Es kann nicht sein, dass diese Betreuung nur an Eliteschulen gegeben ist. Die braucht es in Wahrheit flächendeckend, und dafür wäre die tägliche Bewegungseinheit ein sehr, sehr guter Hebel. Und Sie wissen es selbst: von 15,6 Millionen Euro noch im Vorjahr haben wir sie auf 14 Millionen Euro reduziert – die tägliche Bewegungseinheit ist nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch gesellschaftspolitisch ein wichtiger Beitrag zur frühkindlichen Entwicklung –, und das ist ein Schlag ins Gesicht, nämlich für all jene, die in der Gesundheitsprävention tätig sind. Es braucht eine Stärkung der Ehrenamtlichen, die das Rückgrat der sportlichen Gesellschaft in unserem Land bilden. Es ist unsere Pflicht, diese Leistungen nicht nur ideell, sondern auch finanziell abzusichern. Das wäre zum Beispiel möglich, indem man die Prae für die Pension anrechnet. Das wäre ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Bürokratieabbau: Das ist auch so ein Zauberwort. Wir reden zwar immer davon, aber es passiert nichts. Tatsächlich schaut es so aus, dass in den Vereinen mehr Arbeit mit der Zettelwirtschaft verrichtet wird als bei der Kinder- und Nachwuchsarbeit. Da müssen wir den Hebel ansetzen, das muss für die Vereine einfacher werden. Wir dürfen die Realität da auch nicht schönreden. Der Rückgang der sportlichen Aktivität bei den Jugendlichen, die Zahl der Übergewichtigen, die sinkenden motorischen Leistungsfähigkeiten: All das spricht in Wahrheit Bände. Deswegen muss man abschließend auch sagen, wir müssen uns als Sportland Österreich weiter voranbringen. Es muss das Sportland Österreich bleiben, und dazu gehört auch eine klare Haltung, Missstände in der Förderungleichheit abzustellen und einzelne politisch bevorzugte Organisationen auszublenden. Wir stimmen dem Bericht zu, aber es gibt auch einen klaren Appell von uns. Es braucht mehr Unterstützung für den Sport, einen flächendeckenden Ausbau der täglichen Bewegungseinheit, die Einführung von verpflichtenden Leistungsvereinbarungen, nämlich weg vom Förderempfänger, hin zum Leistungserbringer, und es braucht einen Ausbau der Sportinfrastruktur. Frau Staatssekretärin, Sparen beim Sport ist Sparen am falschen Ort. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Maximilian Köllner .

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, ich glaube, es ist kein Geheimnis, welch wichtige Rolle der Sport und die Bewegung für unsere Gesellschaft haben. Sport ist nicht nur das Erfolgsrezept schlechthin für eine körperlich und auch geistig fitte Gesellschaft, Sport bedeutet auch weniger Kosten für unser Gesundheitssystem und ist wahrscheinlich der gesellschaftliche Bereich, in dem Integration am besten funktioniert. Und genau deshalb wollen wir in dieser Regierungsperiode alles im Rahmen unserer Möglichkeiten tun, um schon bald unserem Ziel, zwei von drei Kindern in den Vereinssport zu bringen, näherzukommen. Wir werden unseren Beitrag leisten, um noch mehr Kindern und Jugendlichen die Ausübung von Sport zu ermöglichen. Mehr Sport und Bewegung für unsere Kinder bedeutet weniger Vereinsamung, aber auch weniger Zeit zum Beispiel am Smartphone, und das, glaube ich, sollte in unser aller Interesse sein. (👏 ÖVP, SPÖ) Nun zum vorliegenden Sportbericht 2023: Dieser zeigt, dass rund 218 Millionen Euro an Bundesmitteln in den Spitzen-, Breiten- und Nachwuchssport geflossen sind. Darin ist eine Vielzahl an wichtigen Initiativen, die es gilt, nachhaltig fortzuführen und auszubauen. Für mich persönlich – daran ist eigentlich nicht zu rütteln – ist das Fundament für sämtliche sportlichen, aber auch volkswirtschaftlichen Erfolge die tägliche Bewegungseinheit. Im Rahmen des Programms Kinder gesund bewegen 2.0 haben 3 302 Kindergärten und Volksschulen im Schuljahr 2022/2023 teilgenommen, wo in 213 269 Einheiten insgesamt 171 070 Kinder in Bewegung gebracht wurden – beeindruckende Zahlen, aber wir wollen noch mehr. Durch diese bewegungsfördernden Einheiten kommen unsere Jüngsten schon sehr früh regelmäßig mit Sport in Berührung, und für mich persönlich ist das auch das Rezept schlechthin. Sport muss auch zum Grundbedürfnis und zu einem Automatismus werden, wenn wir in unserer Gesellschaft auch gesundheitspolitische Erfolge verzeichnen wollen. Und daher werden wir in Abstimmung mit den anderen Ressorts mit Nachdruck an der Ausrollung der täglichen Bewegungseinheit arbeiten, natürlich hier im Hohen Haus, aber auch mit den Ländern. Kollege Leinfellner, es ist ja nicht die Rolle eines Parlamentariers, nur Kritik zu üben. Sie können auch gerne in der Steiermark intervenieren, dort sind Sie in Regierungsverantwortung, dort stellen Sie den Landeshauptman, sodass wir auch gemeinsam mehr weiterbringen. Da gehören auch die Bundesländer dazu. (👏 SPÖ, NEOS) Auch der Ausbau der Schwimmkurse wird und muss Schwerpunkt in dieser Gesetzgebungsperiode sein; es kann nämlich nicht sein, dass rund 160 000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren nicht schwimmen können. Wir werden uns auch für eine verstärkte Öffnung der Sportstätten einsetzen und an einem nationalen Sportinfrastrukturkonzept arbeiten. Zu guter Letzt: Für unsere rund 570 000 Ehrenamtlichen werden wir für eine rasche und nachhaltige Entbürokratisierung sorgen, um die Arbeit im Verein zu erleichtern. Ich bin überzeugt, mit diesen und vielen weiteren Initiativen werden wir nicht nur den Stellenwert des Sports erhöhen, sondern auch positiv auf die kommenden Sportberichte zurückblicken können. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christoph Zarits .

ÖVP Christoph Zarits

Geschätzte Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen und alle, die vor den Fernsehgeräten und hier auf der Galerie zusehen! Wir diskutieren heute den Sportbericht 2023, einen sehr, sehr umfangreichen Bericht. Für alle, die sich für den Sport interessieren, ist er auf jeden Fall lesenswert und auf jeden Fall zu lesen. Es geht darum, dass der Sportbericht ja die komplette Vielfalt des Sports darstellt – von Schulsport, Nachwuchssport über den Leistungssport bis zu Behindertensport, Frauensport und so weiter und so fort –, und er stellt auch die Komplexität des Sports dar. Im Jahr 2023 – das war ein Krisenjahr, vor allem, was die Energiepreise betrifft – hat der organisierte Sport auch gezeigt, was er kann, er hat bestens funktioniert. Die Strukturen sind sehr gut. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die in den Vereinen, in den Verbänden Verantwortung übernehmen. Es ist heute schon angesprochen worden, es sind 580 000 Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Unsere Gesellschaft lebt im Großen und Ganzen von Menschen, die mehr machen als andere und sich ehrenamtlich engagieren. Diesen Menschen möchte ich danken. Der Sport ist auch Lebensschule. Wenn Kinder in Vereine kommen, dann lernen sie den Umgang miteinander, sie lernen, Regeln zu akzeptieren, und das Wichtigste ist, dass die Kinder auch mit Siegen und Niederlagen umgehen können. Sport ist extrem wichtig, nicht nur für die Bewegung, sondern auch für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, und darum müssen wir natürlich alles daran setzen, dass wir mehr Kinder in Bewegung bekommen. Wenn wir Kinder in Bewegung bekommen, bedeutet das natürlich, dass auch im Erwachsenenalter Sport betrieben wird, auch bis ins hohe Alter. Wir wollen, dass die Menschen sich bis ins hohe Alter bewegen. Die Menschen werden bei uns zum Glück sehr alt, und unser Ziel muss es sein – dazu muss der Sport seinen Beitrag leisten –, dass die Menschen auch gesund alt werden. Der Sportbericht 2023 ist sehr umfangreich, die verschiedensten Verbände sind angeführt. Ich möchte die Leistungen der Verbände hier schon ansprechen, und auch – weil ich immer so eine leise Kritik von der rechten Seite höre –, wie wichtig die Dachverbände sind. Auf der einen Seite kritisieren Sie die Dachverbände und auf der anderen Seite wollen Sie, dass die tägliche Bewegungseinheit in den Schulen mit den Dachverbänden ausgebaut wird. Irgendwie müssen Sie sich entscheiden, ob es gut oder schlecht ist. Meiner Meinung nach sind die Dachverbände sehr wichtig, auch für die Kinder und Jugendlichen und für die tägliche Bewegungseinheit in den Schulen. Kollege Köllner hat schon sehr viel angesprochen: Kinder gesund bewegen, 3 302 Kindergärten und Volksschulen haben an dieser Aktion im Jahr 2023 teilgenommen, 171 000 Kinder haben wir mit dieser Aktion in Bewegung gebracht. Das ist richtig und gut so. Wir werden alles tun, damit noch mehr Kinder in Bewegung kommen. 2023 war ein wichtiges Jahr. Wir haben wichtige Beschlüsse hier im Parlament gemeinsam gefasst, mit Kollegen Kogler in seiner Funktion als Sportminister damals. Wir haben schon Meilensteine gesetzt: die Spendenabsetzbarkeit, das Freiwilligengesetz. Wir haben die Prae erhöht, die pauschale Reiseaufwandsentschädigung. Das sind Dinge, die auch in Zukunft wirken werden, und das ist gut und richtig so. (👏 ÖVP, SPÖ) Was brauchen wir beim Sport? – Wir brauchen natürlich die Breite, damit wir auch Spitzensportler herausbringen. Wir wollen, dass jene Spitzensportlerinnen und Spitzensportler, die an der Spitze sind, an der Spitze bleiben, und jene, die noch nicht ganz an der Spitze sind, zur Spitze führen. Da möchte ich auch die Kooperationen mit den Ministerien herausheben: Finanzministerium, Finanzsport, der Heeressport und auch der Polizeisport – insgesamt 580 Athletinnen und Athleten sind in diesen Ministerien beschäftigt. Das ist soziale Absicherung, das ist finanzielle Absicherung und das ermöglicht den österreichischen Athletinnen und Athleten die Erfolge, die wir in den vergangenen Jahren eingefahren haben und auch in Zukunft einfahren werden. Wir brauchen eines: Wir wollen vom Sportland zur Sportnation werden. Wir wollen möglichst viele Menschen in Bewegung bringen. Die Sportinfrastruktur – sie wurde von Kollegen Köllner angesprochen – ist wichtig, die bestehende Sportinfrastruktur muss dementsprechend erhalten bleiben, wir müssen aber natürlich auch neue Sportinfrastruktur schaffen. Wir wollen die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler an die Weltspitze führen. Ganz zentral: Der Sport lebt vom Ehrenamt. Wir müssen die ehrenamtlichen Strukturen stärken, das ist wichtig. Es wurde heute die Bürokratie angesprochen: Ja, da gibt es einen Aufholbedarf. Die Frau Staatssekretärin ist da sehr bemüht, dass wir den Bürokratieaufwand in den nächsten Monaten, in den nächsten Jahren dementsprechend reduzieren. Das ist, glaube ich, auch für die Vereine wichtig. Der Sport lebt von Fairness, von Toleranz und von einem guten Miteinander. Das würde ich mir hier auch von allen Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus wünschen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Janos Juvan .

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Der Sportbericht – wir haben jetzt schon mehrfach darüber gesprochen – ist ein ziemlich dickes Druckwerk. Er beinhaltet all das, was den Sport in seiner Vielfalt ausmacht. Wer keine Lust hat, diesen Sportbericht zu lesen, um sich einen Überblick zu verschaffen, dem empfehle ich, am Tag des Sports vorbeizuschauen, denn der Tag des Sports ist in Wirklichkeit eine konzentrierte In-Echt-Abhaltung dieses Sportberichts, denn dort zeigt sich, wie vielfältig der Sport in Österreich ist. Es gab damals, ich glaube beim letzten Mal, über 150 einzelne Pagoden, in denen sich die Fachverbände, die Dachverbände, aber auch ganz viele Organisationen im und rund um den Sport präsentiert haben, ihre Leistungen, ihre Spitzensportler:innen präsentiert und gezeigt haben, welche Sportarten, welche Vielfalt es überhaupt im Sport gibt. (👏) Dort findet man alles. Es gibt Probierstationen, bei denen Kinder und Erwachsene unterschiedlichste Sportarten ausprobieren können, sich davon überzeugen können: Was ist etwas für mich? Wo lohnt es sich, vielleicht einmal in ein Training zu gehen, vielleicht einmal ein Probetraining zu machen? Was würde mich denn interessieren? Was habe ich denn überhaupt noch nie gesehen? Was ist besonders faszinierend? Das gilt für alle, denn auch Behindertensportverbände zeigen dort ihre Möglichkeiten und auch Parasportler und Parasportlerinnen sind dort zum Anfassen, um Kindern, die Behinderungen haben, zu zeigen, wie einfach es ist, unterschiedlichste Sportarten auszuprobieren, und so Hürden zu nehmen, und alle Kinder, alle Erwachsenen in Bewegung zu bringen. (👏) Es ist aber auch der öffentliche Dienst dort: Die Justizwache, der Zoll, die Polizei und das Heer sind dort, die nicht nur zeigen, welche Spitzensportlerinnen und Spitzensportler sie haben, sondern die auch darstellen, welche Leistungen sie erbringen und wie gut die Sportlerinnen und Sportler bei ihnen betreut und abgesichert sind. Denn nur so ist es vielen möglich, ihre Trainings zu absolvieren und gleichzeitig ihren Lebensunterhalt zu sichern. Es gibt auch Ehrungen: Mehrere Hundert Athletinnen und Athleten werden ausgezeichnet, insbesondere auch Spitzenathletinnen und -athleten aus den unterschiedlichsten Sportarten. Die sind auch vor Ort, an den Ständen, direkt unter den Menschen, wo die Kinder, aber auch natürlich die erwachsenen Autogrammjäger und Autogrammjägerinnen hingehen und hautnah ihre Stars erleben können – denn nur so kann man die Begeisterung am Leben erhalten. Role-Models sind das Wichtigste, um Kindern eine Perspektive zu geben und zu zeigen, wo es hinführen kann, wenn man hart an sich arbeitet, wenn man das, was man gerne und mit Leidenschaft tut, immer wieder tut und immer wieder weitermacht, auch wenn es einen vielleicht einmal nicht so freut, denn man hat ein Ziel vor Augen. Man sieht, was es bringt, wenn man sich so richtig reinhaut. (👏 ÖVP, SPÖ) Es sind auch die Integritätsorganisationen dort: Es ist Nada dort, die sich dem Kampf gegen Doping verschrieben haben, es ist 100% Sport dort, die für Gleichstellung arbeiten, es ist Play Fair Code dort, die gegen Matchfixing und gegen Wettbetrug arbeiten, und es ist Fairplay dort, die für Menschenrechte im Sport kämpfen. Es sind alle dort – der gesamte Sport in seiner gesamten Vielfalt ist dort vertreten, und es ist so wichtig, diese Vielfalt zu erhalten. Ich habe deshalb zwei Bitten an Sie, Frau Staatssekretärin: Erstens, bitte sichern Sie ab, dass es diesen Sportbericht weiterhin gibt, dass der Sportbericht weiter zu uns ins Parlament kommt! Zweitens, bitte lassen Sie sich in Zukunft nicht mehr die gesamten Kosten für die tägliche Bewegungseinheit, die zweifellos wichtig ist und auch mir sehr wichtig ist, aufs Aug drücken! Nehmen Sie die Bildung in die Pflicht, nehmen Sie die Gesundheit in die Pflicht! Ich weiß, Sie haben es vor. Machen Sie es bitte – im Sinne des Sports! Denn nur so sind auch weiterhin im Sportressort selbst in schwierigen Zeiten ausreichend Mittel vorhanden, um den gesamten Sport in dieser Vielfalt zu erhalten. – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Staatssekretärin Michaela Schmidt zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Staatssekretärin.

FPÖ Nicole Sunitsch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretär! Hohes Haus! Liebe Zuseher vor den Bildschirmen! Heute geht es mir nicht um Zahlen, sondern um das, was uns alle verbindet: unsere Kinder, unsere Jugend, unsere ältere Generation und unsere Zukunft. Der Sportbericht 2023 zeigt deutlich: Die tägliche Bewegungseinheit in Schulen ist oft nur ein Alibi und auf dem Papier vorhanden, in der Praxis aber kaum spürbar. Dabei wäre genau dort der Grundstein für lebenslange Gesundheit zu legen. Unsere Gesellschaft bewegt sich zu wenig, vom Kleinkind bis zum Pensionisten. Bewegungsmangel ist längst keine Randerscheinung mehr, er ist zur Volkskrankheit geworden. Die Folgen sind dramatisch: steigende Gesundheitskosten, Übergewicht, Diabetes und Depressionen, oft auch schon in jungem Alter. Auch Isolation im Alter, sinkende Leistungsfähigkeit, geringes Selbstwertgefühl, weniger Lebensfreude – unter anderem – sind direkte Begleiterscheinungen. Wir sehen Kinder, die keinen Purzelbaum mehr machen können, die Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht haben, die lieber im Handy scrollen, anstatt zu laufen oder zu rennen, und es gibt mittlerweile viele Kinder, die nicht mehr schwimmen können. Was ist aus der Kindheit geworden, die wir selbst erlebt haben, als wir mit Kreide auf den Straßen malten, Verstecken und Fangen spielten, Fußball im Park oder Gummihüpfen, falls das noch wer kennt? Das war Bewegung, das war Freiheit, das war Leben und wir hatten ein Leuchten in den Augen. Sport ist mehr als eine körperliche Betätigung. Sport ist mehr als nur Kalorienverbrauch. Er bedeutet Gemeinschaft, Teamfähigkeit, Ehrgeiz, Mut, soziale Integration. Bewegung beginnt früh: beim Babyschwimmen, am Spielplatz, im Turnsaal, im Sportverein. Sie sollte Teil jedes Lebensabschnitts sein, vom Kindergarten bis ins hohe Alter. Doch das gelingt nur, wenn wir handeln, wenn wir Bewegung wieder zum fixen Bestandteil des Alltags machen, wenn wir unsere Schulen und Sportvereine unterstützen und stärken und entbürokratisieren, wenn wir sicherstellen, dass jedes Kind – unabhängig vom Einkommen der Eltern – Zugang zu Sport und Vereinen hat. Im Sport und in der Bewegung liegt massives Entlastungspotenzial für das ohnehin stark belastete Gesundheitssystem. Wir können alle davon profitieren. Wenn wir heute nichts tun, verpassen wir die Chance auf eine gesündere und stärkere Generation, aber wir können es ändern: ein Österreich, in dem Kinder spielen statt sitzen, in dem Ältere aktiv bleiben und gebraucht werden, in dem Sport wieder eine tragende Säule unserer Gesellschaft ist. Bewegung ist Leben und unsere Zukunft. Lassen wir die Menschen nicht länger draußen warten, nicht in der Schule, nicht in der Familie, nicht im Alter und schon gar nicht in unseren Herzen! – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Petra Tanzler .

SPÖ Petra Tanzler

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Über den Sportbericht 2023 ist schon viel gesagt worden. Ich möchte in meinem Redebeitrag auf die Situation der Frauen im Sport Bezug nehmen. Obwohl seit einigen Jahren Schwerpunkte im Bereich Frauenförderung gesetzt werden, zeigt die österreichische Sportlandschaft trotzdem auf fast allen Ebenen immer noch starke männliche Dominanz. Bei Spitzenathletinnen gibt es schon deutliche Verbesserungen, doch bei Teamsportarten, im Betreuer:innenbereich und im Sportmanagement besteht noch deutlich Aufholbedarf. Um da nachhaltige Änderungen zu erreichen, sind natürlich alle Stakeholder gefragt, angefangen vom Bund über die Bundesländer, über die Dachverbände, die fördergebenden Stellen bis hin zu den Spezialeinrichtungen. Um das zu unterstützen, fiel 2021 der Startschuss für Projekte in der Frauensportförderung. Eines davon möchte ich hier erwähnen, das ist das Gendertraineeprogramm. Dabei erwerben Frauen in einer vierjährigen Ausbildung Kompetenzen und Fähigkeiten für den Einstieg am Arbeitsmarkt im Breitensport, im Nachwuchssport und im Spitzensport. Die Notwendigkeit dieser Initiative wurde damals auch durch die Empfehlung und den Aktionsplan der EU untermauert. Der erste Jahrgang endet heuer und es freut mich sehr, dass alle Absolventinnen eingesetzt werden konnten. Ich gratuliere an dieser Stelle zum Abschluss und wünsche viel Freude bei den neuen Aufgaben! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wenn wir mehr Frauen in den Sport bringen wollen und wenn wir mehr Frauen im Sport einen gleichberechtigten Stellenwert einräumen möchten, dann müssen wir mehr tun als bisher. Projekte für Frauen, wie eben das vorhin genannte Gendertraineeprogramm, gehören weiter ausgebaut. Deshalb wird das aktuell evaluiert, es wird neu aufgesetzt, es ist bereits budgetiert und wird fortgeführt. Das freut mich sehr. Das zweite Projekt in der Frauenförderung im Bericht ist die Förderung der Frauenligen und der österreichischen Damennationalteams in den unterschiedlichen Sportarten – mit dem Ziel, die Attraktivität der Sportarten zu erhöhen, die Leistungsfähigkeit und die Qualität der Rahmenbedingungen zu verbessern. Wir sehen auch in diesem Bereich die Wichtigkeit, und diese Förderungen für die verschiedenen Frauenligen werden fortgesetzt. Grundsätzlich ist noch anzumerken, dass Sport an sich ein Teil der Prävention im Gesundheitswesen und somit ein Grundstein für ein gesundes Leben und eine gesunde Gesellschaft ist. Tägliche Bewegung kann tatsächlich Krankheiten verhindern. Zu dieser Haltung haben wir uns auch im aktuellen Regierungsprogramm bekannt. Während Österreich eine hohe Lebenserwartung hat, sind die gesunden Lebensjahre leider unterdurchschnittlich. Mit dem Nationalen Aktionsplan für mehr Sport und Bewegung soll bis 2035 jede Österreicherin und jeder Österreicher fünf zusätzliche gesunde Jahre erhalten. Das Bewusstsein dafür muss aber verändert und verankert werden, und dafür wird es verschiedene Aktionen geben – und nicht nur das. Für eine nachhaltige Änderung muss natürlich schon früher angesetzt werden. Da nehme ich Bezug auf meine Vorrednerin. Wir haben das schon vor vielen Jahren gefordert, diese tägliche Bewegungseinheit: Es muss bei den Kindern im Kindergarten, in den elementarpädagogischen Einrichtungen und den Schulen angesetzt werden. Das wird nun einen Schritt weiter ausgebaut – in Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und Verbänden. Es ist natürlich noch nicht so, wie wir uns das vorstellen, aber dennoch ist es ein weiterer Schritt in eine positive Zukunft. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Abschluss möchte ich sagen: Wir sind ein erfolgreiches Sportland, und wir als Parlamentarier werden uns dafür einsetzen, dies weiterhin zu fördern und die Rahmenbedingungen zu verbessern. Das ist unsere Aufgabe und das werden wir tun. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Heike Eder .

ÖVP Heike Eder

Danke, Frau Präsidentin! Liebe Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Ein Tag, der Sport auf der Tagesordnung hat, ist prinzipiell immer ein guter Tag. Aber Hand aufs Herz ( die Hand hebend ) : Wer hat denn heute schon Sport gemacht? ( Heiterkeit. – Einige Abgeordnete heben die Hand. ) – Die allerwenigsten meiner Kolleginnen und Kollegen hier im Nationalrat. Keine Sorge, es geht nicht um Scham, sondern es geht um Chancen. Wenn Sie heute noch keinen Sport gemacht haben, dann ist das nicht weiter tragisch – aber wenn jeder Tag so aussieht, nämlich unsportlich, dann sind das viele verpasste Chancen. Damit nicht genug, Sie sind damit auch nicht allein, denn drei Viertel aller Österreicherinnen und Österreicher bewegen sich nicht genug – zumindest nicht genug, um die Empfehlungen der WHO zu erfüllen: 22 Minuten täglich oder 150 Minuten wöchentlich. Das ist eine Netflix-Folge pro Tag. Ja, meine Damen und Herren, Österreich kränkelt. Der aktuelle Gesundheitsbericht zeigt das auch schwarz auf weiß: Unser Bewegungs- und Ernährungsverhalten ist im Sinkflug. Wir sind zwar Europameister beim Jammern, wenn es um Rückenschmerzen geht, aber wir sind bestenfalls im Durchschnitt, was unser Ernährungs- und Gesundheitsverhalten anbelangt. Das ist nicht bloß ein kleiner Wehwehchenalarm, das ist tatsächlich auch eine tickende Zeitbombe. Bewegungsmangel bedeutet – Sie wissen es alle – mehr Übergewicht, erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen, mehr psychische Erkrankungen und mehr Demenz. Dabei gibt es ein Medikament, das absolut zuverlässig wirkt und nebenwirkungsfrei ist, nämlich Sport und Bewegung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren, ein Highlight im Sportbericht 2023 ist die tägliche Bewegungseinheit. Vorarlberg war ganz besonders aktiv, fast 50 Prozent der Kinder im Kindergarten und in der Volksschule machen mit. Aber, meine Damen und Herren, der Turnsaal allein macht noch keinen Marathonläufer aus. Ich finde, auch Eltern tragen ganz massive Verantwortung, denn als Eltern sind wir die Trainer unserer Familienmannschaften. Kinder brauchen nicht nur Regeln, sie brauchen auch Gelegenheiten: einen Tag am See, eine Wanderung auf einen Berg oder ein Nachmittag auf einem Spielplatz. Das kann deutlich mehr bewirken als jeder Gesundheitstipp auf Social Media; denn Kinder, meine Damen und Herren, machen das, was wir tun – nicht das, was wir sagen. Als Behindertensprecherin und Paralympionikin ist mir natürlich der Behindertensport ein besonders wichtiges Anliegen – und da gab es ebenfalls einen wichtigen Punkt im Sportbericht, nämlich die Bewegungs- und Informationscoaches. Die sind wirklich ein Schlüssel, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche für ein aktives Leben zu motivieren. Als Vizepräsidentin des Vorarlberger Behindertensports sehe ich regelmäßig, wie viel sie bewirken, vor allem bei Kindern, denen sie zeigen: Du kannst dich bewegen, du kannst dich mit anderen Kindern messen, du kannst wieder schwitzen und deinen Körper spüren – und das trotz Einschränkungen. Darum freut es mich besonders, dass die Förderung dieser Bewegungs- und Informationscoaches nicht nur im Sportbericht 2023 verankert ist, sondern auch im Regierungsprogramm. Ich bitte Sie, liebe Frau Staatssekretärin, das auch gut voranzutreiben und mitzunehmen. Meine Damen und Herren, ich darf schon zum Schluss kommen. Ich weiß nicht, ob Sie es wussten, aber eine fünfminütige Rede verbrennt circa 15 Kilokalorien ( Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP, bei Abgeordneten von NEOS und Grünen sowie des Abg. Haitzer [SPÖ] ), das entspricht ziemlich genau zwei Gummibärchen. Aber seien wir ehrlich, Reden allein bringt uns nicht weiter. So ist es in der Politik, genauso ist es aber auch im Sport: Wir müssen uns einfach bewegen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Andreas Haitzer .

SPÖ Andreas Haitzer

Danke schön, Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie! Liebe Heike Eder , bei mir sind es 3 Minuten, dann wären es umgerechnet 9 Kalorien, also nicht wirklich sehr, sehr viele Kalorien, die verbraucht werden. Trotzdem freut es mich, dass wir den Sportbericht 2023 heute sehr einheitlich diskutieren. Die Inhalte dieses Berichtes geben uns Informationen über den Stand und die Entwicklung des Sports in Österreich. Zwei Punkte möchte ich gern etwas genauer beleuchten. Zunächst Gleichstellung und Frauen im Sport – haben wir schon gehört –: Geschätzte Damen und Herren, 100 % Sport, so nennt sich das Österreichische Zentrum für Genderkompetenz und Safe Sport. Es beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Themen, die die Gleichstellung im Sport vorantreiben sollen, und diesbezüglich haben wir schon noch einiges aufzuholen. Auch wenn wir heute schon sehr viel über Gleichstellung und Frauen im Sport gehört haben, erlaube ich mir einige mutige Gedanken dazu: Warum schaffen wir nicht die Möglichkeit, dass Damen und Herren bei Skirennen zum Beispiel dieselben Pisten und Strecken benützen können? Warum schaffen wir es nicht, dass Damen und Herren beim Skispringen dieselben Preisgelder erhalten? Und für den Sommer: Was braucht es, damit der Damenfußball denselben Stellenwert erhält wie jener der Männer? Ein bissel Mut, glaube ich, gehört schon dazu, um Veränderungen zugunsten der Gleichberechtigung zuzulassen. (👏 SPÖ) Ein weiteres Kapitel befasst sich mit dem Breitensport: Beim Breitensport wissen wir, dass die Dachverbände hervorragende Leistungen erbringen. Unsere Dachverbände sind der Garant dafür, dass der Sport breit gedacht, breit gezeigt und breit zugänglich gemacht wird. In den Dachverbänden sind laut Sport-Austria-Mitgliederstatistik fast 15 000 Vereine und über 2,7 Millionen Mitglieder gemeldet. Geschätzte Damen und Herren, wie finanzieren sich diese Vereine? – Sie bekommen ihre Mitgliedsbeiträge, sie kriegen Unterstützungen von den Gemeinden. Dazu gibt es auch noch Gelder von den Dachverbänden, und die Vereine organisieren Sportveranstaltungen. Ich meine damit explizit jene Veranstaltungen, bei denen sich eben die Hobbysportler:innen messen können, also die klassischen Breitensportwettbewerbe. Diese Veranstaltungen werden von ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen organisiert und durchgeführt. Ich glaube, es ist unsere Pflicht hier im Parlament, die Rahmenbedingungen zu schützen, um diese Breitensportveranstaltungen nicht zu gefährden. Ein Beispiel dafür – Laufen ist ja in aller Beine –: Der Traillauf steigt in der Beliebtheitsskala. Laufen auf Wanderwegen und Forststraßen – der Naturgenuss und die sportliche Betätigung im Doppelpack. Es kommt aber immer wieder vor, dass die Österreichischen Bundesforste versuchen, Kapital aus diesen Veranstaltungen zu schlagen und Rechnungen für die Benützung der Wanderwege stellen möchten. Für mich ist das ehrlicherweise ein unhaltbarer Zustand. Geschätzte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Wegefreiheit ist ein wichtiges Gut, egal ob beim Wandern, im Tourismus oder beim Laufen, vor allem deshalb, weil die Bundesforste diese Wanderwege nicht betreuen. Unsere alpinen Vereine machen das, allen voran die Naturfreunde und der Alpenverein. Sie kümmern sich darum, sie betreuen diese Wanderwege, das Wegenetz, sie arbeiten in ihrer Freizeit, und das unentgeltlich in unzähligen ehrenamtlichen Stunden. (👏 SPÖ) Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Sportbericht zeigt, wir haben noch viel zu tun, bei der Gleichstellung im Sport genauso wie bei der Absicherung des Breitensports. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Tanja Graf zu Wort. – Bitte.

ÖVP Tanja Graf

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Staatssekretärin! Liebe Kollegen und Kolleginnen hier im Haus! Liebe Zuschauer, sollte noch jemand vor dem Bildschirm sein! Als Salzburgerin ist mir eines ganz besonders bewusst, und zwar: Sport bedeutet in Salzburg Lebensfreude, Gemeinschaft und auch regionalen Aufschwung. Ein Blick in mein Heimatbundesland Salzburg zeigt aber auch sehr deutlich, dass eine Skiweltmeisterschaft, wie sie in Saalbach stattgefunden hat, nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern auch Menschen in unsere Hotels, unsere Gastronomie und in unsere Geschäfte bringt. Mit dem Sport kommt sozusagen der Gast und mit dem Gast kommt auch die Wertschöpfung. Dieser wirtschaftliche Mehrwert wird auch durch den Sportbericht, der hier vorliegt, bestätigt, und genau diesen Mehrwert brauchen wir überall, besonders im Breitensport. Der Bericht zeigt eindeutig: Die bundesweiten Förderaufstellungen im Spitzen-, Breiten- und Nachwuchssport sind klar, die Zahlen sind transparent, und das ist auch richtig so für uns. Positiv ist auch zu berichten, dass Sportvereine heute von der Spendenbegünstigung profitieren können. Voraussetzung dafür ist, dass sie ein gemeinnütziger Sportverein oder -verband sind, Förderung von Körper- und Denksport machen, offene Mitgliederzahlen und keine hohen Mitgliedsbeiträge haben. Der Verein muss Veranstaltungen selbst abhalten, darf nicht auf Gewinn ausgerichtet sein und keine Gewinnzuwendung an Mitglieder durchführen. Früher war das nicht so mit der Spendenfreiheit, denn Spenden an Sportvereine waren steuerlich leider nicht absetzbar. Das wurde damals geändert. Das hat große Wirkung gezeigt – mehr Spendenbereitschaft hat sich in den Sportvereinen ausgezahlt. Firmen sind wieder dabei, Breitensport auch finanziell zu unterstützen, und das freut natürlich auch uns vonseiten der Wirtschaft. Was aber auch da in der Praxis noch gilt, ist, dass es natürlich die eine oder andere Hürde gibt. Ein Beispiel darf ich nennen: ein Rope-Skipping-Verein, also ein Seilspringverein – heute ein moderner, attraktiver Trendsport – wird vom Finanzamt leider nicht als spendenbegünstigt anerkannt. Warum wird er nicht anerkannt? – Weil die Sportart nicht beim IOC, also beim Internationalen Olympischen Komitee, oder bei der BSO, bei der Österreichischen Bundes-Sportorganisation, anerkannt ist. Der Verein ist aber Mitglied beim Verband Turnsport Austria, und dieser Verband ist Mitglied beim BSO, also ist er eigentlich indirekt schon Mitglied, wird aber leider nicht anerkannt und Firmen dürfen daher Spendenbegünstigungen nicht abschreiben. Aber, jetzt ganz ehrlich, ich meine, Seilspringen haben wir alle als Kinder irgendwann einmal gemacht, und es ist heute mehr als ein Spiel, es ist ein Körpersport. Es fördert die Ausdauer, die Koordination und es wird in Vereinen, in Schulen und auch in Meisterschaften praktiziert. Das erfüllt meiner Ansicht nach den gemeinnützigen wirtschaftlichen Zweck voll und ganz. Die Ablehnung ist daher aus meiner Sicht eine rein bürokratische Hürde. Ich bin überzeugt davon, dass wir das Gespräch mit unserer Staatssekretärin suchen können, damit wir diese Hürde zuletzt noch nehmen können, um die Möglichkeit zu schaffen, diesbezüglich die Absetzbarkeit herzustellen, da wir in Kooperation mit dem BSO-Verband sind. Die Spendenbereitschaft ist ein echter Finanzierungsmotor, würde ich sagen, für den Sport vor Ort und damit auch für unsere ehrenamtlichen Mitglieder und für unsere Gesellschaft. Lassen Sie uns hier gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Sportvereine weiterhin unbürokratisch unterstützt werden – für die Bewegung, für die Menschen und für die Wertschöpfung in unserer Region. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Höfler .

SPÖ Bernhard Höfler

Danke, Frau Präsidentin! Werte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Vorredner:innen haben ja grundsätzlich alle schon sehr detailliert zum Sportbericht 2023 gesprochen, und ich glaube, dass wir uns alle einig sind, dass Sport die Kür ist. Sport ist mehr als Bewegung in der freien Natur, Sport ist Lebensgrundlage, Sport ist für unsere Kinder, für unsere Gesellschaft, für die Gesundheit und natürlich auch für den Zusammenhalt von großer Bedeutung. Die internationale Sichtbarkeit, glaube ich, ist für Österreich auch sehr wichtig, und da sei es mir doch erlaubt, rückblickend auf die Olympischen Spiele 2024 – trotz Sportbericht 2023 – einzugehen. Warum? – Weil es sich sehen lässt, was wir 2024 in Paris abgeliefert haben. Wir hatten mit 84 Athletinnen und Athleten das größte Team seit 2000, haben zwei Goldmedaillen beziehungsweise insgesamt fünf Medaillen gewonnen. Allen voran möchte ich den Kitesufer Valentin Bontus noch einmal in Erinnerung rufen, der in der Disziplin Kitesurfen Unglaubliches vollbracht hat. Wir errangen 22 Top-10-Platzierungen und konnten Rang 36 unter 206 Nationen einnehmen. Warum ist es wichtig, zu erwähnen, dass diese Bilanz stark ist? – Weil es kein Zufall war, sondern ein Ergebnis von langfristiger Arbeit, professioneller Betreuung und gezielter Förderung. Wenn wir Los Angeles 2028, Brisbane 2032 im Auge haben, sollten wir trotz budgetärer Herausforderungen in diesem Haus gemeinsam, allen voran mit dir, liebe Frau Staatssekretärin, da bewusst, detailliert und zielgerichtet investieren. Was wir jetzt brauchen, sind planbare und, sage ich einmal, faire Fördermodelle in Zusammenarbeit mit den Dachverbänden, mit den Vereinen, zugängliche und moderne Sportinfrastruktur. Das ist für mich als Tiroler ein leidiges Thema. Wir haben natürlich das große Thema der Sportinfrastruktur, der Schwimmbäder. Wir brauchen Investitionen in Innovation, Sporttechnologie und Wissenschaft und natürlich eine flächendeckende Strategie für alle Leistungs- und Altersgruppen. Woran wir aber auch denken müssen – und ich möchte das auch noch einmal aufgrund des Sportberichtes 2023 erwähnen –: Wir brauchen mehr Frauen im Sport, nicht nur am Spielfeld, sondern auch als Funktionärinnen und Schiedsrichterinnen, und dazu braucht es dezidiert strukturelle Öffnungen bei den Vereinen. Schlussendlich geht es auch um innovative Projekte wie die Käfig League, Jackpot.fit oder Bewegungsinitiativen, um diejenigen Menschen zu erreichen, die über die herkömmlichen, klassischen Vereinsstrukturen nicht erreicht werden können. (👏 SPÖ) Abschließend – damit ich meine Redezeit nicht überziehe – möchte ich mich bei allen ehrenamtlich tätigen Kolleg:innen, Menschen in unserer Republik herzlich bedanken: knapp 600 000 Menschen, die tagtäglich hier Unglaubliches vollbringen. Ohne euch würde unsere Republik im Bereich des Sportes nicht funktionieren. – Dafür danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Manfred Sams zu Wort. – Bitte.

SPÖ Manfred Sams

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über den Sportbericht 2023, einen Bericht, der noch unter Verantwortung der Vorgängerregierung entstanden ist. Auch da zeigt sich ein Muster, das wir aus vielen Bereichen kennen: Es wurde viel Geld ausgegeben, aber ohne klare Linie. Es wurde gefördert, ja, aber zu selten strategisch und zu wenig nachhaltig gedacht. Genau das spüren wir jetzt, denn der finanzielle Spielraum ist heute enger denn je. Die Aufgabe lautet also: besser investieren – mit Fokus, mit Verantwortung. Ein Bereich mit enormem Potenzial ist die sporttechnologische Forschung und Entwicklung. Sie sichert nicht nur die Weiterentwicklung von Geräten im Spitzensport, sie schafft auch Vorteile im Wettkampf, eröffnet neue Trainingsmethoden und bringt technologische Innovationen, die dann selbstverständlich auch dem Breitensport und der Gesellschaft insgesamt gleichermaßen zugutekommen. Worum geht es konkret? – Es geht um leichtere Materialien, um bessere Messverfahren, um langlebigere Geräte und zunehmend natürlich auch um den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Das Projekt Airow im Rudersport zeigt eindrucksvoll, KI kann Training revolutionieren. Echtzeitanalysen, individuelle Steuerung, wissenschaftlich fundierte Leistungsdiagnostik, das ist die Zukunft des Sports. Im letzten Regierungsprogramm wurde eine Neuaufstellung der Technologieangebote angekündigt, in Kooperation mit Forschung und Wissenschaft. Was ist daraus geworden? – Ein paar Einzelprojekte, aber kein Gesamtkonzept. Genau das braucht es aber. Es braucht eine verlässliche, institutionalisierte Innovationsförderung im Sport mit einem starken Netzwerk aus Sportorganisationen, Forschungseinrichtungen, engagierten Unternehmen, unterstützt durch einen aktiven, gestaltenden Bund. Sporttechnologische Entwicklung ist kein Luxus, sie ist Grundlage für internationale Wettbewerbsfähigkeit und ein Schlüsselfaktor für Chancengleichheit im Sport. Der Sportbericht 2023 zeigt, es gibt Potenzial. Potenzial alleine reicht nicht, wir machen es besser: mit Plan, mit Verantwortung und mit einem klaren Anspruch, dass Österreich auch sportpolitisch wieder vorne mitspielt. Wir bringen Österreich wieder auf Kurs. – Danke. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Wir kommen jetzt zur Abstimmung über den Antrag des Sportausschusses, den vorliegenden Bericht III-83 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Der Bericht ist einstimmig zur Kenntnis genommen.

Förderung der Rehkitzrettung

160 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 174/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Entschließungsantrag 174/A(E) zur Förderung der Rehkitzrettung wurde im Ausschuss nicht angenommen und damit abgelehnt. Stattdessen wurde ein selbständiger, einstimmig beschlossener Entschließungsantrag zur Förderung der Wildrettung (u.a. durch Drohnen/Wärmebildtechnik und Vergrämungsmaßnahmen) sowie zur Stärkung der Zusammenarbeit in der Agrarlandschaft verabschiedet.

Betroffen sind vor allem Landwirtinnen und Landwirte bei der Grünlandmahd, Jägerinnen und Jäger sowie freiwillige Helfergruppen und wildlebende Jungtiere bzw. Bodenbrüter in Agrarlandschaften.

Ziel des abgelehnten Antrags war, die Rehkitzrettung vor der Mahd durch praxistaugliche Maßnahmen wie Drohnen mit Wärmebildkameras und Vergrämungsgeräte zu fördern und so Mahdverluste und Tierleid zu reduzieren.

Dokumente

Förderung der Rehkitzrettung

Ausgangslage und Problemstellung

  • In den Monaten Mai und Juni werden Rehkitze gesetzt; ihr gepunktetes Fell und das instinktive Ducken ins hohe Gras machen sie nahezu unsichtbar.
  • Diese Schutzstrategie funktioniert gegenüber Fressfeinden, nicht jedoch gegenüber landwirtschaftlichen Mähwerken, weil die erste Mahd zeitlich mit der Setzzeit zusammenfällt.
  • Trotz umfassender Vorkehrungen der Landwirte fallen laut Schätzungen jährlich bis zu 25.000 Rehkitze in Österreich Mähwerken zum Opfer.
  • Neben der Mahdproblematik sterben jährlich bis zu 100.000 Wildtiere im Straßenverkehr; damit verbunden sind erhebliche Personen- und Sachschäden.

Genannte Maßnahmen zur Vermeidung von Tierverlusten

  • Es gibt einfache und praktikable Techniken, um Mahdverluste zu reduzieren; als besonders bewährt werden Vergrämungsgeräte und Drohnen genannt.
  • Drohnen können in den frühen Morgenstunden jene Felder abfliegen, die später am Tag gemäht werden.
  • Für die Rehkitzrettung eingesetzte Drohnen verfügen über Echtbild- und Wärmebildkamera; die Wärmebildkamera misst und visualisiert Bodentemperaturen und macht wärmere Objekte sichtbar, wodurch versteckte Rehkitze erkannt werden können.
  • Da Rehkitze erst ab dem zehnten Lebenstag einen Fluchtinstinkt entwickeln, ermöglicht die Drohnensuche auch die Rettung sehr junger Tiere.
  • Vergrämungsmaßnahmen wie akustische Signalgeber oder Flatterbänder werden als wertvoller Beitrag zur Vermeidung von Tierverlusten hervorgehoben.
  • Die Etablierung wildtierschonender Mähmethoden und frühzeitiger Rettungsmaßnahmen wird als zentraler Ansatz genannt.

Zusammenarbeit und Organisation der Wildrettung

  • Die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten wird als von großer Bedeutung beschrieben.
  • Weitere Lösungsansätze sollen in Kooperation mit Straßenerhaltern, Jägerschaft, Grundeigentümern und Behörden entwickelt werden (insbesondere im Zusammenhang mit Wildunfällen im Straßenverkehr).
  • Die Rettung von Jungwild (z. B. vor der Mahd) erfolgt derzeit vor allem durch ehrenamtliches Engagement, insbesondere von Jagdausübungsberechtigten, Landwirtinnen und Landwirten sowie freiwilligen Helfergruppen.
  • In mehreren Bundesländern haben sich funktionierende Kooperationsmodelle etabliert, in denen Jägerinnen und Jäger, Landwirtinnen und Landwirte sowie Freiwillige systematische Rettungsaktionen gemeinsam umsetzen.

Ziele und erwartete Wirkungen

  • Wildrettung soll Tierleid vermeiden, die Artenvielfalt schützen und die Zusammenarbeit in der Agrarlandschaft stärken.
  • Moderne Wildrettung – insbesondere Drohnen mit Wärmebildkameras – wird als praxistaugliche und hocheffektive Möglichkeit dargestellt, gefährdete Jungtiere und Nester verschiedener Arten rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
  • Jungwildrettung wird als wesentlicher Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt bewertet, da in Kulturlandschaften zahlreiche (teils bedrohte) Arten leben, deren Lebensräume eng mit bewirtschaftetem Grünland verknüpft sind.
  • Als besonders betroffene Artengruppen werden Bodenbrüter (z. B. Feldlerche, Rebhuhn, Kiebitz), Amphibien und andere Jungtiere wildlebender Arten genannt.
  • Das Engagement für Wildtierrettung stärkt das gesellschaftliche Ansehen von Land- und Jagdwirtschaft; öffentliche Zustimmung und Medienberichte über Drohneneinsätze tragen zur Bewusstseinsbildung bei.
  • Künftig soll ein verstärktes Augenmerk auf die Thematik gelegt werden; es sollen weitere Erkenntnisse gesammelt und Unterstützungsmöglichkeiten zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen gezielt forciert werden.

Förderung der Rehkitzrettung

~18 min Lesezeit
Dafür: FPÖGRÜNE Dagegen: ÖVPSPÖNEOS
FPÖ Irene Eisenhut

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Es ist schön, über etwas Erfreuliches hier berichten zu dürfen, und zwar gab es im Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft einen Entschließungsantrag, der den Ursprung in einer Initiative der Freiheitlichen Partei hatte und von allen Fraktionen Unterstützung gefunden hat. Jährlich fallen unglaubliche 23 000 bis 25 000 Rehkitze dem Mähtod zum Opfer. Häufig werden die Tiere schwer verletzt und gehen elendig zugrunde. Das Thema der Rehkitzrettung mag für viele nur eine politische Nebenfront darstellen, aber mich als Tierschutzsprecherin der freiheitlichen Fraktion macht es stolz, dass gerade meine Fraktion dieses Thema hier im Parlament angestoßen hat. In vielen ländlichen Regionen stehen besonders in den Frühjahrsmonaten unsere Rehkitze vor einer unvorstellbaren Gefahr: den Mähmaschinen auf den Feldern. Bei der Mahd sind sie oft nicht in der Lage, rechtzeitig vor den Maschinen zu fliehen, da die Jungtiere in den ersten zehn Lebenstagen keinen Fluchtinstinkt besitzen. Die gute Nachricht ist: Wir können etwas tun, wir können diese Tiere retten. Mithilfe von modernen Technologien wie Drohnen und Wärmebildkameras können Rehkitze, aber auch anderes Niederwild auf den Feldern frühzeitig erkannt und in Sicherheit gebracht werden. Natürlich ist die Rehkitzrettung eine gemeinsame Aufgabe. Land- und Forstwirte, Jägerinnen und Jäger sowie freiwillige Helfer arbeiten bereits jetzt sehr gut zusammen, um die beste Lösung zu finden und umzusetzen. Derzeit ist es so, dass es in den Bundesländern unterschiedliche Förderbeiträge gibt. Da die Rehkitzrettung aber in jedem Bundesland denselben Stellenwert haben sollte, fordern wir ein einheitliches Förderprogramm und Unterstützung all jener, die bereits jetzt ehrenamtlich in diesem Bereich großartige Arbeit leisten. Hier darf man sich ausnahmsweise auch vom Nachbarland Deutschland etwas abschauen, wo zum Beispiel der Drohnenankauf zur Rehkitzrettung einheitlich gefördert wird, wofür auf kurzem Wege ein Antrag im zuständigen Ministerium gestellt werden kann. Abschließend möchte ich sagen, dass die Rehkitzrettung mehr ist als nur eine Initiative zum Schutz von Tieren. Es ist eine Frage der Verantwortung und des Respekts gegenüber unserer Umwelt. Lassen Sie uns also gemeinsam dafür sorgen, dass die Rehe auch in Zukunft sicher und gesund aufwachsen können! Die Zustimmung aller Fraktionen zu diesem Antrag ist ein erster Schritt, und es folgt hoffentlich auch eine rasche Umsetzung. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Abgeordneter Josef Hechenberger zu Wort.

ÖVP Josef Hechenberger

Geschätzte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher hier und auch zu Hause! Ich denke, das Thema Rehkitzrettung – auch Bambis genannt – ist ein Thema, mit dem jetzt nicht jeder sofort etwas anfangen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein bisschen genauer zu erläutern, worum es geht. Es ist ja so, dass dieser Antrag, der von den Regierungsparteien entwickelt und weiterentwickelt wurde, mehr oder weniger zwei große Themenfelder beinhaltet. Ich darf zum Ersten auf das aus meiner Sicht sehr Wesentliche eingehen: Es gibt in Österreich jährlich über 100 000 Unfälle im Straßenverkehr mit getöteten Wildtieren. Hunderttausendmal Tierleid, hunderttausendmal Sachschaden, hunderttausendmal auch unter Umständen menschliches Leid, Verletzungen bis hin zu Todesfällen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, Präventionsmaßnahmen zu setzen, um die Zahl der Unfälle, der Wildunfälle zu reduzieren – ob das jetzt Reflektoren, Blinklichter et cetera sind.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Geschwindigkeitsreduktion!

ÖVP Josef Hechenberger

… Es gibt da einfach verschiedenste Initiativen in den Bundesländern. Zweitens: Rehkitzrettung, denke ich, ist ein Thema, das schon durchaus weit verbreitet ist. Wir wissen ja, wie das Ganze funktioniert. Wenn man mit älteren Bauern spricht, ist es so, dass die so Figuren im Feld aufgestellt haben. Die kleinen Rehe werden dann aus dem Feld transportiert. Inzwischen gibt es aber neue Entwicklungen, neue Techniken. Drohnen mit Wärmebildkameras suchen in den Morgenstunden nach Rehkitzen beziehungsweise entdecken diese. Diese werden gesund und munter aus den Flächen verbracht, bevor diese Flächen gemäht werden. Da darf ich jetzt schon auf einen Punkt relativ stolz hinweisen. In Tirol sind wir in vielen Punkten voran, das wissen wir, aber in diesem Punkt speziell. Wir haben gemeinsam – Jägerverband, Landwirtschaftskammer, Landarbeiterkammer und Land Tirol – ein Projekt gestartet, das wir finanziell mit 20 000 Euro jährlich unterstützen, wo freiwillige Drohnenpilotinnen und -piloten ehrenamtlich versuchen, auf vielen Flächen die Rehkitze zu finden. Immerhin 5 900 Hektar wurden alleine im letzten Jahr beflogen. Von gesamt geretteten 1 000 Rehkitzen in Österreich waren es alleine 900 in Tirol. (👏 ÖVP) Weil es, glaube ich, dazu passt und weil Kollegin Eisenhut von der FPÖ dieses Thema auch bereits angesprochen hat, erwähne ich es. Ich bin bei meiner Recherche fündig geworden. Es hat mich einigermaßen geschockt: Letztes Jahr haben am 14. Juli die „Oberösterreichischen Nachrichten“ getitelt, dass sechs Rehkitze getötet wurden. Ich habe mir den Artikel durchgelesen. Ein freiheitlicher Gemeinderat hat, obwohl die Jägerschaft mit Drohnen die Flächen durchsuchen wollte, das abgelehnt. Am Ende sind sechs Rehkitze getötet worden.

ÖVP Kühberger (Zwischenruf)

Frechheit!

ÖVP Josef Hechenberger

… Das heißt: Diesen Antrag im Parlament einzubringen, ist das eine, viel wichtiger wäre jedoch, mit den wenigen örtlichen Gemeinderäten, die die FPÖ hat, auch in Kontakt zu treten und so vor Ort entsprechende Maßnahmen zu setzen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Somit, geschätzte Damen und Herren, ist das ein sehr wichtiges Thema für uns. Wir entwickeln es weiter, wir unterstützen die Länder weiter, um Präventionsmaßnahmen weiterzuentwickeln und damit mehr Rehkitze zu retten. Denn es geht am Ende darum, dass wir einfach entsprechend Verantwortung für mehr Tierschutz, für mehr gesunde Tiere tragen. Wenn wir Unfälle mit Tieren verhindern können, dann, glaube ich, ist das ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft und für das Leben der Tiere. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Peter Schmiedlechner .

FPÖ Peter Schmiedlechner

Danke, Frau Präsident! Herr Minister! Sehr geehrte Zuseher! Natürlich, Herr Hechenberger, Herr Kollege, Sie sind die Besten, Sie haben da natürlich immer die Lösung parat und Sie haben natürlich immer alles schon gemacht. Leider haben Sie auf Bundesebene bisher zu diesem Thema noch nichts weitergebracht. (👏 FPÖ) Deswegen freut es mich sehr, dass Sie jetzt auf unsere Initiative hin unserem Antrag – natürlich noch verbessert – Ihre Zustimmung geben und dass wir da jetzt endlich etwas weiterbringen. Für diejenigen, die sich vielleicht bei der Rehkitzrettung nicht so auskennen: In den Monaten Mai, Juni setzen die Rehe ihre Kitze, das heißt, sie bekommen ihre Jungen. Und die Kitze haben es so in ihrer Natur, dass sie eigentlich in den ersten Tagen kein Fluchtverhalten zeigen und sich in das hohe Gras hineinducken. Gerade in diese Zeit fällt dann oft die Mahd hinein, also die Bauern schneiden ihre Wiesen und ernten ihre Felder ab. Das ist dann oft ein riesengroßes Problem, nicht nur für die Rehe, sondern es ist auch ein Problem für die Landwirte. Für die Rehe endet das Ganze leider oft tödlich. Zusätzlich muss man aber auch sagen: Es ist ein riesengroßes Problem für die Landwirtschaft, für die Bauern, da dann auch Verunreinigungen im Futter drinnen sind. Durch diese Verunreinigungen kommt es in weiterer Folge auch für die Nutztiere, die das Heu oder die Silage dann fressen, zu riesengroßen Problemen. Deswegen ist es, glaube ich, einfach auch wichtig, dass man die vielen Maßnahmen, die durch die Jägerschaft, die durch die Bauern, die durch Freiwillige schon gesetzt wurden, jetzt endlich auch unterstützt, dass man diese auch von Bundesseite unterstützt und fördert. Ich bedanke mich sehr, dass wir da einen einstimmigen Beschluss zusammengebracht haben und dass wir in dieser Sache etwas weiterbringen. Es gibt ja schon viele Maßnahmen: das Abgehen der Flächen durch die Jägerschaft, Vergrämung durch akustische Wildretter oder Aufstellen von Vergrämungsmitteln. Natürlich gibt es jetzt schon moderne technische Mittel wie Drohnen, auch Drohnen mit Wärmebildkameras, aber es gibt auch auf den Erntemaschinen gewisse Warner, die genau anzeigen, wenn wo ein Rehkitz liegt. Das ist einfach eine Unterstützung. Technik kostet Geld. Ich denke, da gehört die Jägerschaft, aber auch die Landwirtschaft unterstützt. Deswegen ein Danke für die breite Zustimmung. Das ist ein gemeinsamer wichtiger Schritt für den Tierschutz, für die Landwirtschaft und für die Kulturlandschaft. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete Elisabeth Feichtinger , Sie haben das Wort.

SPÖ Elisabeth Feichtinger

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Minister! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Heute möchte ich über etwas sprechen, das sehr klein ist und oft auch nicht gesehen wird, aber von großer Bedeutung ist, und zwar über die Rehkitze, die bei uns auf den Wiesen und den Feldern sind. Jedes Jahr im Frühling starten die landwirtschaftlichen Betriebe mit ihren Mäharbeiten und zur selben Zeit starten auch die Rehgeißen, ihre Kitze in die Felder zu setzen. Das Problem, das wir haben, ist: Rund 25 000 dieser Rehkitze werden jährlich von Mähmaschinen getötet, leider oft leise, unbemerkt und lautlos. Das soll kein Vorwurf gegenüber den landwirtschaftlichen Betrieben sein. Im Gegenteil! Es soll nur das Augenmerk darauf hingelenkt werden, dass man auch Verantwortung übernehmen soll. Dank moderner Techniken ist das heutzutage auch schon möglich. Es gibt ganz tolle Lösungen: ob das Drohnen oder Wärmebildkameras sind, ob das die akustischen Wildretter oder viele freiwillige Helferinnen und Helfer sind, die vor der Mahd noch durch die Felder gehen und schauen, ob dort irgendwo Rehkitze sind. Ein herzliches Dankeschön an die Tierschützerinnen und Tierschützer, an die Jägerschaft, die da auch sehr engagiert ist, an die Bäuerinnen und Bauern, die schon so innovativ und offen sind und sagen: Schaut mir bitte meine Felder durch, denn alleine schaffen wir das nicht! Ich gratuliere und sage, super, dass sie diesen Weg schon gehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Warum ist das wichtig? – Weil unsere Kulturlandschaft nur mit der Landwirtschaft und mit dem Naturschutz einhergehend funktionieren kann und weil wir Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe tragen müssen. Es ist nicht nur wichtig, dass im Stall alles funktioniert, sondern auch auf den Wiesen. Wir brauchen eine gute Zusammenarbeit. Das funktioniert auf vielen Ebenen schon zwischen den Bäuerinnen und Bauern, den Jägern, den Gemeinden und natürlich auch den Freiwilligen. Mit diesem gemeinsamen Antrag zeigen wir, dass wir Verantwortung übernehmen. Das ist auch ein besonderes Zeichen für die Natur und für die Rehkitze, denn jedes gerettete Rehkitz ist nicht nur ein Stück Natur, das bewahrt wurde, sondern es ist auch ein Symbol dafür, dass wir als Gesellschaft hinsehen und nicht wegschauen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Albert Royer .

FPÖ Albert Royer

Danke, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Zuerst möchte ich einmal sagen, dass ich das vom Tiroler Kammerpräsidenten Hechenberger jetzt schon als grobes Foul empfunden habe. Solche Aussagen zu tätigen, nur weil es einen Einzelfall von einem freiheitlichen Funktionär gibt, das finde ich sehr unredlich, weil ich glaube, dass dieses Thema, die Rehkitzrettung, wirklich nicht für Parteipolitik geeignet ist. (👏 FPÖ) Ich glaube, wir sind uns da wirklich alle einig, und ich möchte ein bisschen aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz erzählen: Wir haben heuer im Frühjahr erfahren, dass unsere Gemeinde dem Gemeindebauernausschuss eine Drohne zur Verfügung gestellt hat; die Mitglieder des Gemeindebauernausschusses sind damit geflogen. Ich habe mich darüber riesig gefreut und habe das persönlich auch in Anspruch genommen. Ich mache Mähtätigkeiten mit Traktor und Mähwerk mittlerweile seit gut 35 Jahren, und ja, ich habe über die vielen Jahre das eine oder andere Rehkitz erwischt, ganz klar. Das sind immer herzzerreißende Szenen, das wünsche ich weder Freund noch Feind, das macht überhaupt keinen Spaß. Also wenn es eine technische Möglichkeit gibt: her damit!; wenn wir sie finanzieren können: gute Sache! Wenn wir uns hier im Hohen Haus über alle Parteigrenzen hinweg darüber einig sind, dann ist das eine sehr gute Sache, dass das so passiert, das ist eine ideale Weiterentwicklung. (👏 FPÖ) Fachlich möchte ich nur auf eines eingehen: Im Ausschuss hat irgendjemand gesagt, die Blühstreifen seien eine gute Maßnahme gegen den Rehkitztod. – Mitnichten! Das kommt halt sehr auf den Mähzeitpunkt an: Wenn jemand sehr früh mäht und die Rehe noch nicht gesetzt haben, dann setzen sie eventuell vor dem zweiten Aufwuchs, dann geht sich das zwischendurch aus. Wenn man etwas extensiver ist und nach dem 20. Mai den ersten Schnitt macht, dann wird es kritisch, weil das genau die Zeit ist, in der sie dann eventuell schon setzen oder auch noch nicht. Es kommt sehr auf den Mähzeitpunkt an, der Blühstreifen ist beim ersten Aufwuchs nicht sichtbar. Da hat man eine Vegetation, da hat man eine Wiese, ein Feld, das schaut alles gleich aus, und das Reh weiß natürlich auch nicht, dass da ein Blühstreifen ist. Wir mähen 93 Prozent weg, lassen die 7 Prozent stehen; ein paar Wochen später wird das Zeug dann braun, dann kennt man, dass es ein Blühstreifen ist. Aber wie gesagt: Dieses Thema bitte nicht für Parteipolitik hernehmen. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christoph Pramhofer .

NEOS Christoph Pramhofer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseher, vor allem Lola und Alma, die mir ihr Rehkitz geborgt haben! ( Der Redner stellt ein Stoffrehkitz auf das Redner:innenpult. ) Die Natur ist in vielerlei Hinsicht ein perfektes System, sie reguliert sich meistens auch selbst. Leider geraten die Abläufe dann aber oft auch mit unserem modernen Leben in Konflikt, zum Beispiel genau dann, wenn die Setzzeit der Rehe – wir haben es heute schon gehört – mit der Mähsaison unserer Wiesen zusammenfällt. Viele Landwirte durchstreifen heute schon vor dem Mähen die Felder, trotzdem bedeutet die Mähzeit immer auch den Tod für 25 000 Rehkitze. Wir haben es jetzt schon ein paar Mal gehört: Das ist wirklich eine sehr, sehr unschöne Situation, das ist wahnsinnig traurig, und es muss heutzutage einfach nicht mehr sein. Das macht auch niemand mit böser Absicht, das hier zu erwähnen, ist ganz wichtig. Die Landwirte leisten da wirklich einen sehr, sehr wertvollen Beitrag. Die modernen Mähmaschinen sind aber einfach so schnell, dass der Mensch dann gar nicht mehr rechtzeitig eingreifen und reagieren kann, deshalb ist es wichtig und richtig, dass wir diesen Antrag heute beschließen, und ich möchte mich ausdrücklich bei Herrn Kollegen Schmiedlechner bedanken, der dieses Thema hier ins Hohe Haus gebracht hat. Die Lösung liegt aber nicht im Zurückdrängen von technischen Entwicklungen – ganz im Gegenteil –, sondern wir können diese modernen Technologien nutzen. Wir haben es heute schon gehört: Drohnen mit Wärmebildkameras waren in letzter Zeit, in den letzten Jahren dort, wo sie eingesetzt worden sind, wirklich ein wahrer Gamechanger. Sie ermöglichen es, in der Früh ganze Felder systematisch abzufliegen, das geht teilweise sogar schon vollautomatisiert, und man kann mittlerweile sogar moderne KI einsetzen, um die Rehkitze zu lokalisieren, noch bevor der erste Traktor überhaupt ausrückt. Technik allein ist aber nicht ausreichend. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Zusammenarbeit von Jägerschaft, Landwirtinnen und Landwirten, Freiwilligen, Gemeinden und Behörden. Dort, wo diese Zusammenarbeit gut funktioniert, sehen wir eindrucksvolle Erfolge, und es ist unsere Aufgabe, diese positiven Beispiele sichtbar zu machen, zu unterstützen und zu verstärken.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Dein Reh blinkt!

NEOS Christoph Pramhofer

… Genau deswegen haben wir eine parlamentarische Initiative gestartet, wir werden zur Rehkitzrettung aufrufen; auch das wurde bereits erwähnt. Die Tiroler sind mit rehkitzrettung.at Vorreiter, und auch das werden wir selbstverständlich unterstützen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es gehört aber auch dazu, bürokratische Hürden abzubauen, etwa betreffend die Genehmigung von Drohneneinsätzen durch die Austro-Control. Es darf nämlich nicht sein, dass der Einsatz zum Schutz von Wildtieren an Formalitäten scheitert. Wildtierrettung ist Naturschutz, ist praktischer Tierschutz, ist ein Beitrag zur Bewahrung der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft – und es ist eine Gelegenheit, die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft wieder zu stärken. Lassen Sie uns daher gemeinsam an diesem Strang ziehen, parteiübergreifend, pragmatisch und mit dem Ziel, Tierleid zu vermeiden und Biodiversität zu sichern. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Olga Voglauer .

GRÜNE Olga Voglauer

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Draga Visoka Hiša! Es geht um die Rehkitzrettung. Ich habe jetzt meinen Vorredner:innen gut zugehört, und vielleicht, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, ist der Eindruck entstanden, wir würden wirklich auf Bundesebene im Wege des Ministeriums die Rehkitzrettung gewährleisten. Das wäre so gewesen, wenn wir im Agrarausschuss dem Antrag zugestimmt hätten, den Kollegin Eisenhut eingebracht hat, um das auch zu korrigieren, Herr Pramhofer, aber leider sind wir dazu nicht gekommen. Wir Grüne hätten das gerne unterstützt, denn ja, wenn wir Tierleid und auch das Leid von so kleinen Rehbabys verhindern können, dann sollten wir alles daran setzen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle – es wurde heute schon gesagt –, die dafür Sorge tragen, bei ihrer Mahd auch wirklich kein Tier zu verletzen, und an die vielen Freiwilligen, die zu Hilfe eilen. Man hat aber – beim Agrarausschuss war ich schon – nicht diesem ursprünglichen Antrag zugestimmt. Es wäre ganz klar gewesen: Das, was wir hier besprochen haben, hätten wir heute auch gerne gemeinsam beschlossen. – Nein. Was wurde denn beschlossen und was soll denn heute beschlossen werden? – Es läuft ganz nach dem Motto: Wenn du nicht mehr weiterweißt, bilde einen Arbeitskreis! …

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Da kennen sich die Grünen ja aus!

GRÜNE Olga Voglauer

… Im Sinne dieses 27er-Antrages werden wir heute einem Erfahrungsaustausch unter den Bundesländern zustimmen; wir werden dem zustimmen, dass wir Initiativen evaluieren; wir werden zustimmen, dass wir Kooperationen stärken. Wir werden aber auch dem zustimmen, dass Fallwild, sprich Unfälle, Autounfälle, Verkehrsunfälle mit Rehen, vermieden werden sollen. Herr Minister, ich finde das super! Wenn wir jetzt diesen Arbeitskreis bilden, dann bitte ich Sie gleich, dass wir in diesem Arbeitskreis auch darüber sprechen, dass wir vielleicht die Raserei auf den Landesstraßen, das Zu-schnell-Fahren reduzieren. Das wird betreffend Fallwild nämlich wahrscheinlich ganz wesentlich sein, dass wir nicht zu schnell unterwegs sind – und wir könnten da auch fürs Klima einen wesentlichen Beitrag leisten. (👏) Ganz nach dem Motto: Wir retten die Rehe mit runter vom Gas – so könnte man heute auch sagen. Wir finden es aber schade, dass wir im Agrarausschuss einen Antrag betreffend Rehkitze brauchen, damit wir hier über Agrarpolitik diskutieren. Vielleicht schaffen wir es über die Parteigrenzen hinweg, ohne Parteipolitik, sinnhafte, vorausschauende, visionäre Politik – wie jetzt betreffend Rehkitze – zu anderen Themen zu machen. Zum Beispiel: Wie schaut es mit der Verunreinigung unseres Trinkwassers mit PFAS-Pestiziden aus? Wie schaut es mit gebührender Förderung von biologischer Landwirtschaft aus? Wie schaut es mit gebührender Förderung und Unterstützung hinsichtlich Tierwohl und Tierschutz bei Schweinen aus? Es hätte mich sehr gefreut, wenn wir auch darüber hätten reden können. Jetzt bleiben wir beim Arbeitskreis, aber Sie wissen: Auch so etwas unterstützen wir Grüne gerne. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Bettina Zopf .

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen, Zuseherinnen und Zuseher! Heute rede ich nicht als Abgeordnete, sondern als Jägerin und Ehefrau eines Jägers. Folgende Geschichte hat sich bei uns daheim vor zwei Jahren ereignet – und das ist nichts für schwache Nerven –: Mein Mann ist Jäger und ist natürlich bei der Rehkitzrettung selbst und persönlich aktiv dabei. Im Mai, im Juni rufen die Bauern an: Morgen wird gemäht. Er rückt aus um 4 Uhr in der Früh, geht die Felder ab. Dann kommt der Bauer, sagt, es ist ihm etwas passiert. Obwohl er durchgegangen ist – sie haben geschaut, sie haben gesucht –, hat er eines erwischt und es ist davongesprungen. Mein Mann sagt: Bitt di goa sche, fahr mit! Wenn das Kitz davongesprungen ist, müssen wir schauen, was es hat, und müssen es fangen. Ich werde das mein Leben lang nicht vergessen, das Klagen dieses Rehkitzes habe ich immer noch in den Ohren. Wir haben es dann von seinem Leid erlöst. Die Hinterläufe waren weg. Dass man so etwas vermeiden soll, das, glaube ich, ist uns allen bewusst. Das war auch der Anlass, dass ich die Jägerschaft und die Ortsbauernschaft dabei unterstützt habe, dass sie eine Drohne angeschafft haben. Ich war heuer selber aktiv beim Drohnenflug dabei. Die Jägerschaft hat sich eine Drohe angeschafft. Der Jagdleiter, Robert Hufnagl, hat mich angerufen: Du, Bettina, du hast einmal gesagt, du würdest das unterstützen. Das habe ich natürlich unterstützt. Die Ortsbauernschaft hat auch einen Beitrag geleistet. Jetzt machen sie es jedes Jahr im Frühjahr so: Sie fliegen die Felder ab und retten die Rehkitze. Ich war heuer selber dabei. Das ist absolut förderungs- und unterstützungswürdig. Ich muss ganz ehrlich sagen: Der größte Dank gilt all jenen, die sich die Arbeit draußen antun, die um 4 Uhr in der Früh aufstehen, mit der Drohne fliegen, dann durchgehen und die Rehkitze aus der Wiese holen und in einer Kiste so lange versorgen, bis die Gefahr vorüber ist. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ein Rehkitz versteckt sich aus Instinkt, macht sich niedrig und bleibt im Gras sitzen, es flieht nicht. Daher vielleicht noch eine Bitte und einen Appell: Wenn jemand zu einem Rehkitz kommt, bitte schön, nicht angreifen und wegtragen! Das sollte bitte nur von Leuten gemacht werden, die sich auch auskennen. Wenn das Rehkitz nämlich angegriffen und weggetragen wird, kann es sein, dass es die Mutter nicht mehr annimmt oder dass es die Mutter vielleicht gar nicht mehr findet. Also bitte schön, wenn ihr eines findet, dann lasst es liegen! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumDoris Bures

Damit gelangen wir nun zu den Abstimmungen. RN/156.1 Zunächst lasse ich über den Antrag des Ausschusses für Land- und Forstwirtschaft, seinen Bericht 160 der Beilagen hinsichtlich des Entschließungsantrages 174/A(E) zur Kenntnis zu nehmen, abstimmen. Wer dafür ist, den bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit so angenommen. RN/156.2 Wir kommen weiters zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 160 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Förderung der Wildrettung zur Vermeidung von Tierleid, Schutz der Artenvielfalt und Stärkung der Zusammenarbeit in der Agrarlandschaft“. Wer sich dafür ausspricht, den bitte ich um ein Zeichen. – Das ist einstimmig so angenommen. ( 25/E )

Abschaffung der AMA-Marketing-Grundsteuer

161 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 178/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag abgelehnt, der die Abschaffung des 2023 eingeführten allgemeinen Flächenbeitrags zur Finanzierung der AMA-Marketing forderte. Damit bleibt das aktuelle AMA-Marketingbeitragssystem mit Flächenbeitrag neben produktbezogenen Beiträgen unverändert.

Betroffen sind landwirtschaftliche Produzentinnen und Produzenten, die über den allgemeinen Flächenbeitrag und produktbezogene Beiträge die AMA-Marketing mitfinanzieren.

Ziel des Antrags war es, die als „versteckte Grundsteuer“ kritisierte Flächenabgabe abzuschaffen und die Finanzierung bzw. Ausrichtung der AMA-Marketingmaßnahmen zu ändern.

Dokumente

Abschaffung der AMA-Marketing-Grundsteuer

Anliegen: Abschaffung der AMA-Marketing-Grundsteuer

  • Gefordert wird die Abschaffung des im Zuge der Reform des AMA-Marketingbeitragssystems eingeführten allgemeinen Flächenbeitrags.
  • Begründung: Seit der Umgestaltung 2023 müssen alle landwirtschaftlichen Produzenten zur Finanzierung der AMA-Maßnahmen beitragen; der zusätzliche Flächenbeitrag wirke im Ergebnis wie eine „versteckte Grundsteuer“ neben den bisherigen produktbezogenen Beiträgen.

Bewertung von AMA-Marketing und AMA-Gütesiegel: „Medaille mit zwei Seiten“

  • Positiv wird dargestellt, dass das AMA-Gütesiegel eine EU-rechtskonforme Form einer „Quasi-Herkunftskennzeichnung“ ermögliche.
  • Einschränkung: Es sei keine „wirkliche“ Herkunftskennzeichnung, biete Konsumentinnen und Konsumenten aber zumindest eine minimale Orientierungshilfe.
  • Kritik: AMA-Marketing mache Werbung für zertifizierte Produkte; diese Werbung komme nach Ansicht der Antragsteller in erster Linie dem Einzelhandel zugute.
  • Zweifel am Mehrwert der von Bauern finanzierten AMA-Werbung für den Handel, insbesondere wegen der Zunahme von im Einzelhandel selbst entwickelten Gütesiegeln.
  • Argumentationslinie: Die Bauern finanzieren mit ihren Beiträgen sowohl „Quasi-Herkunftskennzeichnung“ als auch Werbung; vom Handel werde ihnen jedoch nur die „Quasi-Herkunftskennzeichnung“ vergütet.

Kritikpunkt: „Marketing ohne Mehrwert“ und Mittelverwendung

  • Es wird kritisiert, dass AMA-Marketing mehr Geld für Online-Werbung (2,401 Mio. Euro) als für Zertifizierung bzw. Qualitätskontrollen (2,280 Mio. Euro) ausgebe.
  • Vorwurf: AMA-Marketing könne der zunehmenden Kritik von NGOs und Medien an Haltungspraktiken nichts entgegensetzen.
  • Forderung/Erwartung: AMA-Marketing solle für ihre Financiers (die Bauern) einstehen und für heimische Qualität bürgen.
  • Begründung: Vertrauen der Konsumenten in das Gütesiegel sei wertvoller als zusätzliche Onlinewerbung.

Kritikpunkt: „Selbstvermarktung“ statt Fokus auf Vermarktung heimischer Produkte

  • Es wird kritisiert, dass AMA-Marketing einen Onlineshop (shop.amainfo.at) betreibe.
  • Vorwurf: Der Shop diene nicht als Online-Feinkostladen zur Vermarktung von Produkten heimischer Landwirte, sondern wirke wie ein „90er-Jahre-Webshop“ mit dem Verkauf von Ausstattungs-/Werbeartikeln.
  • Als Beispiele werden u.a. „Minikäsereien“ (mit hohen Stückpreisen und Aktionsrabatten) sowie „AMA-Käseservierwagen“ in verschiedenen Ausführungen (ebenfalls mit hohen Preisen/Aktionen) angeführt.

Abschaffung der AMA-Marketing-Grundsteuer

~30 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Peter Schmiedlechner

Danke, Frau Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Zuseher! Abschaffung der AMA-Marketing-Grundsteuer: Durch die Umgestaltung des Marketingbeitragssystems der AMA im Jahr 2023 ist Folgendes passiert: Man hat das Finanzierungssystem der AMA-Marketing umgestellt und hat damit sämtliche landwirtschaftlichen Produzenten praktisch dazu verpflichtet, den AMA-Marketingbeitrag auf die Fläche umzulegen. Damit hat man eigentlich, wenn man es genau nimmt, eine Grundsteuer eingeführt. Jeder Bauer ist dazu verpflichtet, kann sich nicht aussuchen, ob er da jetzt mitmacht oder nicht. Er wird einfach verpflichtet, pro Hektar, den er besitzt, den er bewirtschaftet, Marketinggebühren zu zahlen. Die Marketinggebühren betreffend kann man verschiedener Meinung sein, Fakt ist: Wenn man sich die Marketinggebühren genauer anschaut, dann, kann man so sagen, zahlt der landwirtschaftliche Produzent, zahlt der Bauer die Werbung für die verarbeitende Industrie und den Handel. Das kann man sich ungefähr so vorstellen: Ein Handwerker, ein Arbeiter geht jeden Tag in die Firma, bekommt am Ende des Monats seinen Lohn, und dann sagt der Firmenchef: Aber ich muss auch Werbung machen, dafür ziehe ich dir eine Marketinggebühr ab. Genau so passiert das in der Landwirtschaft. Die Bauern arbeiten fleißig, produzieren und nichtsdestotrotz geht man dann einfach her und zieht eine Marketinggebühr ab. Man kann auch sagen: Der Vorwand für die Umgestaltung dieser Marketinggebühr war, dass man gesagt hat, man führt das AMA-Gütesiegel für Getreide ein. Wenn man sich das jetzt genau anschaut: Das Gütesiegel ist eingeführt worden, der Mehrwert für die Bauern ist nicht da. Im Gegenteil, die Preise sinken, die Preise gehen in den Keller. Es hat mehrere Ursachen, warum das so ist, aber Fakt ist, dass die AMA-Marketinggebühr keinen Mehrwert für die Bauern hat. Herr Minister, wenn man sich die Situation in der Landwirtschaft anschaut, muss man sagen, auf der einen Seite haben Sie den Agrardiesel geopfert …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Der ist ja gerade ausgezahlt worden!

FPÖ Peter Schmiedlechner

… auf der anderen Seite stimmen Sie dem Vertrag, dem Abkommen mit der Ukraine zu. Das ist einfach eine Farce, wenn man sich das genau anschaut. Das ist eine Katastrophe, und der Zeitpunkt ist total unüberlegt und total unfair gegenüber den Bauern: Genau vor Beginn der Getreideernte schließen Sie ein Abkommen mit der Ukraine ab und gewähren den Billigimport von Getreide. Dadurch ist ein noch höherer Preisverfall vorgegeben. Es ist einfach eine Schande, was da passiert. Die ÖVP, die sich stets als Bauernpartei hinstellt, der ÖVP-Bauernbund, sie alle fördern mehr die Wirtschaft, fördern mehr die verarbeitende Industrie und den Handel, anstatt die Bauern endlich zu entlasten, anstatt endlich zu sagen: Wir sorgen für Entlastungsmaßnahmen für die landwirtschaftlichen Betriebe! Ich als einer mit einem landwirtschaftlichen Betrieb sehe es nicht ein, dass ich eine Marketinggebühr dafür zahle, dass dann die Molkerei, der Schlachthof oder andere mein Produkt teuer verkaufen können. (👏 FPÖ) Leider findet dieser Antrag keine Zustimmung. Wir werden dranbleiben, wir werden schauen, dass wir eine Entlastung für die Bauern herstellen. Spätestens bei den nächsten Wahlen werden sich die Bauern dafür bei euch bedanken. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Georg Strasser .

ÖVP Georg Strasser

Geschätzte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Der FPÖ-Antrag, den wir gerade diskutieren, kommt in Wahrheit einer Abschaffung der Organisation AMA-Marketing und auch einer Abschaffung des AMA-Gütesiegels gleich, und das, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, lehnen wir aus voller Überzeugung ab. (👏 ÖVP) Warum? – Die letzten fünf Jahre waren ohne Zweifel für das AMA-Gütesiegel und auch für die AMA-Marketing keine einfachen. Aber die Hausaufgaben wurden gemacht, Herr Kollege Schmiedlechner, und die Zahlen geben uns recht: 90 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher kennen das AMA-Gütesiegel. Zweitens: 70 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben Vertrauen in das AMA-Gütesiegel. Und 78 Prozent – weil Sie die Milchwirtschaft genannt haben – haben Vertrauen in das AMA-Gütesiegel Tierhaltung plus. Das Vertrauen ist so etwas wie ein Handschlag, und ich bin immens dankbar für diesen Handschlag zwischen den Konsumentinnen und Konsumenten und den Bäuerinnen und Bauern. Einen großen Applaus für diesen Pakt! (👏 ÖVP, SPÖ) Jetzt stellt sich die Frage: Was ist der Mehrwert? Ich darf bei den Konsumentinnen und Konsumenten beginnen: Zum einen liefert die AMA-Marketing über das AMA-Gütesiegel mehr Transparenz, sagt etwas über die Herkunft und steht für mehr Qualität. Das AMA-Gütesiegel bringt geprüfte Qualität, und das ist sozusagen kein Selbstläufer, wie ich berichten darf: Über 30 000 Kontrollen wurden im vorigen Jahr über die AMA-Marketing durchgeführt. Das bedeutet: eine Kontrolle alle 20 Minuten in Österreich. Wir Bäuerinnen und Bauern nehmen diesen Mehraufwand gerne in Kauf, denn dieses Vertrauen, das uns ausgesprochen wird, ist nicht gottgegeben, das ist kein Selbstläufer, sondern das erarbeiten wir uns tagtäglich, und darauf sind wir auch stolz. (👏 ÖVP) Was ist der Mehrwert für die Bäuerinnen und Bauern? Da liegt Kollege Schmiedlechner von der FPÖ ganz grundlegend falsch. Zum einen ist dieses AMA-Gütesiegel unsere gemeinsame Visitenkarte. Es sagt etwas darüber aus, wie die Menschen, die Konsumentinnen und Konsumenten, die Österreicherinnen und Österreicher uns Bäuerinnen und Bauern als Personen sehen und wie sie unsere Arbeit sehen. Die Daten zeigen einfach, dass die Bevölkerungsgruppe, die ich und wir repräsentieren, gut angeschrieben ist. Da ist ein großes Vertrauen, wir genießen großes Ansehen, und dafür sind wir wirklich dankbar. Das Zweite – und da liegt Kollege Schmiedlechner wieder grundlegend falsch – ist : Über die Verbände und Genossenschaften, die er kritisiert, wird ja sozusagen nachgelagert am Verhandlungstisch der eine oder andere Cent, der eine oder andere Zuschlag vom AMA-Gütesiegel gemacht, und da geht es aktuell in der Jahresbilanz in eine Höhe von bis zu 100 Millionen Euro. Darum ist es so, dass dieser Antrag – und das wiederhole ich noch einmal – einer Abschaffung des AMA-Gütesiegels und der AMA-Marketing gleichkommen würde. Dieser FPÖ-Antrag bringt in Wahrheit einen Schaden für das Ansehen der Bäuerinnen und Bauern, dieser FPÖ-Antrag schmälert unsere Chancen auf den Märkten, dieser FPÖ-Antrag raubt den vielen Betrieben, die sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten Zuschläge erarbeitet haben , diese AMA-Gütesiegel-Zuschläge, und das sind die Gründe, warum wir diesen Antrag aus voller Überzeugung ablehnen.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... Bäuerinnen und Bauern ...! – Abg. Lausch [FPÖ]: Der Rechnungshof wird die AMA prüfen, da werdets schauen!

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort gemeldet ist nun Herr Abgeordneter Albert Royer .

FPÖ Albert Royer

Danke, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Es gibt ja einen zweiten Teil dieses Antrages, den uns Vorredner Strasser unterschlagen hat. Wir fordern ja die Abschaffung der Marketinggebühren und gleichzeitig selbstverständlich eine echte Herkunftskennzeichnung. Ich glaube – ich bin erst ein halbes Jahr in diesem Haus –, diese Herkunftskennzeichnung wird schon zehn Jahre und länger in diesem Haus diskutiert, von vielen, vielen Vorrednern gefordert. Ich weiß eigentlich nicht, warum die ÖVP, vor allem der Wirtschaftsbund, so eine Angst vor einer echten Herkunftskennzeichnung hat. Ich möchte es nur ganz kurz an drei Beispielen festmachen, und ich möchte auch dazusagen: Das hat nichts mit den Unternehmern zu tun, von denen ich jetzt rede – ich nenne eh keine Namen –, die machen tolle Produkte. Wir haben zum Beispiel an der Grenze zwischen der Steiermark und Salzburg einen ganz tollen Betrieb – eine Schnapsbrennerei –, der wirklich tolle Produkte herstellt. Die Maischmenge allerdings, die der da oben verbrennt: So viel Obst gibt es im ganzen Ennstal nicht. Das ist nirgends vermerkt, und das Ganze wird dann unter Dachsteindestillat verkauft. Der Konsument kann das ja weiterhin kaufen, das ist ein tolles Produkt, aber es sollte halt irgendwo draufstehen.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

So wie der Handl-Speck!

FPÖ Albert Royer

… Gleiches haben wir mit einer bekannten Tiroler Firma, die Speck produziert – Tiroler Speck, ich glaube, jeder kennt sie, ich sage den Namen nicht –, tolle Produkte, die ich auch gern esse, aber so viel Schweinefleisch, wie die Speck produziert, gibt es in ganz Tirol nicht. Das passt einfach nicht, weil es nicht draufsteht, weil es in einem gewissen Sinne schon Konsumententäuschung ist. Drittes Beispiel – weil wir den Betrieb selber angeschaut haben, auch ein toller Betrieb –: Oststeirerfisch in Birkfeld, in der Gemeinde von Manuel Pfeifer , tolle Produkte, tolle Anlage – die haben wir mit Mario Kunasek besichtigt, als er noch nicht Landeshauptmann war, eine tolle Betriebsbesichtigung. Der Haken an der Sache: Oststeirerfisch verarbeitet zu 90 Prozent skandinavischen Fisch, das steht aber leider nirgends drauf. Das ist es eben, wofür wir eigentlich kämpfen: die Herkunftskennzeichnung, dass das dann endlich einmal draufsteht – auch in der Gastronomie bräuchten wir das natürlich –, damit der Konsument sieht, wo die Zutaten zu dem Produkt herkommen, wo es verarbeitet wird, ob die Wertschöpfung in Österreich ist – ja, selbstverständlich. Wie gesagt, ich verstehe nicht, warum sich die ÖVP, auch die Bauernbündler hier im Haus, so gegen diese echte Herkunftskennzeichnung wehren …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Das wird schon noch!

FPÖ Albert Royer

… obwohl ihr es – das kann ich auch sagen – in den Bauernparlamenten in den Bundesländern – bei den Vollversammlungen in den Landwirtschaftskammern – natürlich überall vollmundig verlangt und fordert.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Da hat er aber recht!

FPÖ Albert Royer

… Das sind immer Forderungen an euch selber, Forderungen an die Bundesregierung. (👏 FPÖ) Also wie gesagt: Im Bauernbund bei den Ortsbauernobmännern fordert ihr es, in der Landwirtschaftskammer im Land fordert ihr es, wahrscheinlich auch hier der eine oder andere Bauernbündler – ihr setzt euch dann wieder nicht gegen den Wirtschaftsbund durch. Aber: Machen wir diese Herkunftskennzeichnung! Das ist spätestens dann essenziell für unsere Bauern und Bäuerinnen, wenn Mercosur kommt, denn dann brauchen wir das wirklich: Ohne schaut es für die Landwirtschaft wirklich zappenduster aus. – Danke für die Aufmerksamkeit. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Seemayer .

SPÖ Michael Seemayer

Danke, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Der Antrag des Kollegen Schmiedlechner enthält zwei Punkte, auf die ich kurz eingehen möchte. Zum einen die AMA-Marketing: Die AMA-Marketing leistet inzwischen einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfungssteigerung für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Aktivitäten der AMA-Marketing werden jährlich im Jahresbericht dargestellt und dem Parlament übermittelt. Dieser Bericht gibt eine anschauliche Bilanz der Aktivitäten und Maßnahmen. Darin ist auch gut ersichtlich, welchen Mehrwert diese Aktivitäten unserer Landwirtschaft bringen: Alleine durch das AMA-Gütesiegel wird für die landwirtschaftlichen Betriebe ein Mehrwert in der Höhe von etwa 60 bis 70 Millionen Euro jährlich generiert. Daher stehen wir auch hinter dem AMA-Gütesiegel. Da die AMA-Marketing unter der aktuellen Geschäftsführung durchaus Anregungen und Kritik entgegennimmt und die Arbeit transparenter und offener gestaltet, sehen wir keine Veranlassung für Änderungen, wie sie im FPÖ-Antrag gefordert werden.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Die Rede hat dir der Bauernbund geschrieben, gell?

SPÖ Michael Seemayer

… Zum zweiten Punkt, der ebenfalls von meinem Vorredner angesprochen worden ist, nämlich die Forderung nach einer echten Herkunftskennzeichnung, darf ich kurz auf unser Regierungsprogramm verweisen. Darin haben sich die Regierungsparteien auf einen Prozess zu einer kombinierten Haltungs- und Herkunftskennzeichnung festgelegt, weil uns auch die Haltungskennzeichnung wichtig ist. Der Prozess soll ein einheitliches System für Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Haltungsstandards und der Herkunft von tierischen Produkten ergeben. Dabei strebt die Bundesregierung einen gesetzlichen Rahmen an, der sowohl inländische als auch ausländische Produkte umfassen soll und praxisnah umgesetzt werden kann. Da wir damit weiter als die Forderungen im Antrag gehen, ist dieser Antrag abzulehnen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Doppelbauer .

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Werte Damen und Herren! Ich möchte, bevor ich mit meiner Rede beginne, zuerst ganz herzlich Sebastian Eberhart grüßen – er ist heute vielleicht unser jüngster Zuschauer auf der Galerie. Er kommt in die vierte Klasse, hat ein großartiges Zeugnis gehabt und schaut sich in den Ferien einmal an, wie das Parlament so funktioniert. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Jetzt aber auch zur AMA-Marketing: Ich glaube, viele wissen, dass ich die AMA und die AMA-Marketing in den letzten Jahren immer sehr kritisch beleuchtet habe und mir immer ähnliche Fragen gestellt habe, wie das ja Kollege Schmiedlechner hier auch macht. Es geht schon darum, finde ich, dass man sich wirklich anschaut, ob, wenn AMA-Marketingbeiträge eingehoben werden – die ja aus der Tasche der Landwirte und Landwirtinnen kommen –, diese effizient und sinnvoll eingesetzt werden. Das heißt, es gibt einerseits ein Gütesiegel, für das diese Gelder ausgegeben werden, das, glaube ich – das hat Kollege Strasser schon ausgeführt –, bei der Bevölkerung wirklich sehr viel Vertrauen genießt. Es gibt auf der anderen Seite aber auch einen sehr großen Block an Werbung, der von diesen Geldern generiert wird. Unsere Sorge beziehungsweise unsere Nachfrage, die wir in den Verhandlungen hatten, wie der Minister weiß, war: Wem kommen denn diese Gelder wirklich zugute? Ist es etwas, was den Landwirtinnen und Landwirten hilft, mehr Einkommen von ihrer eigenen Arbeit zu generieren, oder ist es etwas, was vielleicht auch dem Lebensmitteleinzelhandel zugutekommt? – Ich finde, das sind schon Fragen, die man stellen darf und stellen soll. Deswegen haben wir uns ja im Regierungsprogramm auch darauf verständigt, uns genau diese Punkte anzuschauen – das steht auch so drinnen. Wir werden die AMA-Marketing analysieren, das werden wir basierend auf Fakten machen. Wir werden das seriös machen; wir werden das sehr trocken prüfen. Da diese Evaluierung ja gerade erst anläuft und dann im Herbst vonstattengehen wird – es gibt dazu auch schon einen Austausch mit der neuen Geschäftsführerin, die wir sehr schätzen und die wirklich auch sehr offen für Vorschläge ist –, werden wir diesen Antrag heute ablehnen. Ich möchte auch noch einen Punkt sagen: Ich bin ja sozusagen nicht wirklich in der Pflicht, hier die AMA-Marketing zu verteidigen, aber ich finde, es braucht schon auch ein bisschen Fairness, wenn man solche Anträge macht, Kollege Schmiedlechner. Jetzt habt ihr, glaube ich, zum dritten oder vierten Mal denselben Antrag drinnen, dass es diesen Onlineshop gibt, der aus den Neunzigerjahren daherkommt. – Das ist total richtig, es ist nur kein Onlineshop. Das hat die Geschäftsführerin auch schon mehrmals erklärt, dass dieser Shop einfach nur dazu da ist, weil Käsesommeliers gewisse Materialien brauchen. Diese Käsesommeliers werden oft in Landwirtschaftsschulen ausgebildet. Das funktioniert folgendermaßen: Da wird eine große Menge gekauft, damit es für alle billiger wird, und die rufen das dann übers Internet ab. Das heißt, da gibt es einfach Käsemesser und diese Wägen, die man für Schulen einkauft, die man dann eben abruft. Das heißt, das ist jetzt nichts Böses, das ist auch kein Onlineshop, wie es hier fälschlicherweise bezeichnet wird. Da möchte ich tatsächlich die AMA-Marketing auch einmal in Schutz nehmen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Olga Voglauer .

GRÜNE Olga Voglauer

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrtes Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es geht um die AMA-Marketing, um das AMA-Gütesiegel, das wir in unterschiedlichen Bereichen, wenn wir Lebensmittel verzehren, kennenlernen. Kollege Schmiedlechner, der Antrag ist auch aus unserer Sicht abzulehnen. Warum? – Weil er sehr einseitig ist. Wir haben diesen Flächenbeitrag eingeführt und beschlossen. Warum? – Weil es einfach nicht fair war, dass die Ackerbauern keinen Beitrag geleistet haben, dass es eben fürs Getreide oder für Hülsenfrüchte keinen Beitrag gab. Jetzt ist das anders und ich finde es super, dass die Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, auch ein AMA-Gütesiegel bekommen. Deshalb werden wir dem sicher nicht zustimmen, weil es einfach nur fair ist, dass dieser Beitrag jetzt auch über alle Branchen quasi eingeführt wird und sich somit auch zusätzliche Gütesiegel entwickeln können. Was sich natürlich unserer Meinung nach nicht ausgeht, ist, dass man ein österreichisches, staatlich geprüftes Gütesiegel für Mindeststandards bekommt, also für gesetzliche Mindeststandards, so wie wir sie zum Beispiel beim Schwein haben. Da reicht es halt nicht aus. Da muss ein Gütesiegel schon weitaus weitergehen als nur ein bisschen, um ein paar Quadratzentimeter mehr, als wir es im Gesetz festgeschrieben haben. Da gibt es also schon Baustellen, aber diese Baustellen, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsfraktionen, hättet ihr ja in diesem Antrag feststellen können, denn ich erinnere euch an den vorigen Tagesordnungspunkt. Da haben wir über die Rehkitzrettung gesprochen. Da war es möglich, einen Antrag verschiedener Parteien zusammenzuführen. Wieso denn nicht da? Wieso gibt es denn keinen Antrag? Also auch wenn ihr euch jetzt weiter beratet: Früher war es toll, dass wir uns zu einem Antrag bekannt haben, wo wir evaluieren, zusammensitzen, kooperieren, und jetzt habt ihr uns gerade erklärt: Dem können wir nicht zustimmen, denn wir müssen erst evaluieren, wir müssen erst besprechen, wir müssen erst auf unterschiedlichen Ebenen kooperieren. Also irgendwie seid ihr nicht ganz stringent und ihr seid euch auch nicht wirklich einig bei der Argumentation, warum ihr für etwas seid oder woanders dagegen seid. Ich würde mir wünschen, wir hätten endlich die Herkunftskennzeichnung. Die hätten wir heute hier auch beschließen können. Da bin ich mit den Kollegen der FPÖ wirklich d’accord – das werden hier mit denen nicht erleben, denn sie haben einfach keine Mehrheit bei der ÖVP. Die Bauernbündler fallen halt regelmäßig um, weil der Wirtschaftsbund der Stärkere ist und auch die Industrie die Stärkere ist. (👏 FPÖ) Wir hätten hier heute eine Haltungskennzeichnung beschließen können – machen wir auch nicht. Also in Summe: Tut mir leid! Auch da hätten wir sagen können, wir bilden einen Arbeitskreis. Da hätten wir vielleicht zumindest der Bevölkerung kommunizieren können, wir sind schon einen Schritt weiter. Ihr mauschelt hinter verschlossenen Türen. Daraus wird nichts. Das kann ich euch aufgrund der letzten fünf Jahre erklären und erzählen. Tut mir sehr leid – Chance vertan. (👏)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Andreas Kühberger .

ÖVP Andreas Kühberger

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Vorweg möchte ich gleich der FPÖ eine Frage stellen: Ihr habt ja hier einen Antrag eingebracht. Kennt die FPÖ die stärkste Lebensmittelmarke in Österreich? Herr Royer? – S-Budget ist es nicht, Herr Kollege. – Nein, ist es nicht. – Ja! Natürlich auch nicht, nein. – Es ist das AMA-Gütesiegel. ( Der Redner stellt ein Schild auf das Redner:innenpult, auf dem das AMA-Gütesiegel abgebildet ist. – Beifall bei der ÖVP. ) Und die nächste Frage: Ist euch bewusst, liebe FPÖ, dass euer Antrag quasi das Aus, das Ende für das AMA-Gütesiegel bedeutet? Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer daheim, vielleicht kurz erklärt, welche wichtige Bedeutung dieses Gütesiegel hat: Wo das drauf ist, ist Österreich drinnen. Das steht für Qualität, das steht für Kontrolle, das steht für Transparenz vom Stall bis ins Supermarktregal. Wenn ich hier vom Aus und der Konsequenz rede: Über 50 000 Familienbetriebe, auch verarbeitende Betriebe , machen freiwillig beim AMA-Gütesiegel mit …

FPÖ Fürtbauer (Zwischenruf)

Freiwillig?!

ÖVP Andreas Kühberger

… und erreichen einen Mehrwert von bis zu 100 Millionen Euro …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das könnte man lang diskutieren!

ÖVP Andreas Kühberger

… wie wir heute schon gehört haben. – Und ihr wollt es abschaffen! Meine Damen und Herren, vielleicht ein Beispiel für zu Hause: Schauen Sie wirklich beim Einkauf, unterstützen Sie die österreichische Landwirtschaft! Zum Beispiel: Wenn ich heute ein Fleischprodukt kaufe, dann ist dieses Tier, wenn Sie das Gütesiegel auf der Verpackung sehen, bei uns geboren, wurde hier gemästet, geschlachtet, zerlegt und verarbeitet – zu 100 Prozent in Österreich.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist der Mehrwert? Wo ist der Mehrwert für den Bauern?

ÖVP Andreas Kühberger

… Und auch das Futtermittel ist zertifiziert und kann nachverfolgt werden. Kaufe ich eine Packung Milch mit einem Gütesiegel …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist der Mehrwert für den Bauern?

ÖVP Andreas Kühberger

… ist zusätzlich diese Milchkuh noch gentechnikfrei gefüttert worden.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist beim Getreide der Mehrwert für den Bauern?

ÖVP Andreas Kühberger

… Was Sie kritisiert haben: Ja, es gibt Kontrollen, aber das ist auch gut, denn durch diese Kontrollen, die unabhängig stattfinden, bekommt der Bauer auch einen Mehrpreis.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist der Mehrwert beim Getreide? Wo ist der Mehrwert? – Zwischenruf des Abg. Fürtbauer [FPÖ].

ÖVP Andreas Kühberger

… Herr Kollege, ja, Herr Schmiedlechner, du schreist da herein, und Herr Royer: Ihr seid vielleicht Bauernvertreter! Wo heute eine rot-weiß-rote Fahne oben ist und hergestellt in Österreich draufsteht, da ist noch lange nicht Österreich drinnen, sondern dort, wo ein Gütesiegel drauf ist. Herr Kollege Royer: Wenn Sie unsere Betriebe hier in Österreich, die produzieren, da mit dem Fischbeispiel anklagen , 90 Prozent aus Norwegen. – Ja, das ist nicht gut, aber wir haben Gesetze, und die EU-Lebensmittelverordnung schreibt fest, wenn hier 90 Prozent Fische aus anderen Ländern drin sind, dass das auch gekennzeichnet werden muss. – So schaut es aus.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist der Mehrwert für den Bauern?

ÖVP Andreas Kühberger

… Herr Kollege Schmiedlechner, wenn Sie hier noch die Werbemaßnahmen bekritteln: Ich weiß nicht, wie führt ihr denn Wahlkämpfe? Onlinemarketing ist heutzutage sehr wichtig – und nicht irgendwelche Brieftauben ausschicken oder vielleicht Flugzettel. Ich weiß nicht, wie ihr das macht.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist denn der Mehrwert für den Bauern?

ÖVP Andreas Kühberger

… Ich bin dafür, dass die Marketing Austria, die AMA-Marketing, die hinter diesem Gütesiegel steckt und einen gesetzlichen Auftrag hat, weiterhin Werbung macht, weiterhin schaut, dass die Qualität stimmt, weiterhin schaut, dass die bäuerlichen Familienbetriebe eine Mehrheit haben. Ich bin dafür, dass Österreicherinnen und Österreicher auf österreichische Lebensmittel setzen. Ich bin auch dafür, dass unsere Bäuerinnen und Bauern auch in Zukunft durch dieses Gütesiegel einen Mehrwert haben, aber ich weiß nicht, wofür die Freiheitliche Partei und ihr als Bauernvertreter steht.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Für die Bauern! Entlastung der Bauern!

ÖVP Andreas Kühberger

… Wenn ihr dem Gütesiegel schadet, schadet ihr auch den bäuerlichen Familienbetrieben und macht Tür und Tor auf für Importe – was keiner braucht. – Danke. (👏 ÖVP, FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Bernhard Höfler .

SPÖ Bernhard Höfler

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, zusammenfassend war es richtig, im Ausschuss den Antrag der Freiheitlichen Partei abzulehnen. Kollege Schmiedlechner hat es ja mit seinen Worten versucht, zu erklären. Man hat diese Abgabe meiner Meinung nach sehr populistisch dargestellt, man will sie abschaffen. Man hat aber etwas Entscheidendes vergessen, und das war damals – und das erinnert mich ein bisschen daran – bei der Debatte über die Kammerumlage zur Arbeiterkammer auch so: Man schafft etwas ab und sagt aber gleichzeitig nicht, wie die Alternative ausschaut. Ich hätte gerne, wenn ich irgendetwas über Reformen debattiere, wenn ich möglicherweise kritisiere, dass etwas nicht funktionieren würde, schlussendlich ein Ziel, eine Verbesserung damit verbunden, also mehr als eine Symbolik. Das hat mir ehrlicherweise in der Debatte, auch bei deinen Ausführungen, gefehlt. Deshalb haben wir mit guter Begründung und überzeugend auch diesen Antrag abgelehnt. Wir haben uns 2013 für die Einführung dieses AMA-Marketing-Berichtes starkgemacht. Die AMA-Marketing ist eine hundertprozentige Tochter der AMA und ich bin ein bisschen überrascht gewesen, dass das jetzt alles vermischt worden ist. Für mich ist klar, dass wir im Bereich dieser AMA-Marketing ein gemeinsames Vorangehen brauchen. Wenn man sich die Berichte anschaut: Ja, es wird viel gemacht. Es hat grundsätzlich auch schon einiges funktioniert. Dafür ein großes Danke an dich, lieber Herr Minister, aber natürlich ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Wir haben noch sehr, sehr viel zu tun. Eine bloße Abschaffung ist keine Reform, und wir haben auch im Regierungsprogramm vereinbart – weil es auch vermischt wurde mit der Herkunftskennzeichnung und mit der Haltung –, dass wir uns im Regierungsprogramm diesbezüglich vornehmen werden, positive Schritte für die Zukunft zu implementieren. Was wir stattdessen brauchen, das möchte ich schon erwähnen: Wir brauchen die Unterstützung bei der Vermarktung von regionalen und hochwertigen Produkten. Wir reden in allen Sonntagsreden von Regionalität, Herkunft, Wertschätzung, fairer Preispolitik gegenüber dem Handel, und schlussendlich wollen wir uns eine Unterstützung für die Bäuerinnen und Bauern abschaffen.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Was ist das für eine Unterstützung, wenn man einen Beitrag zahlt? Ist das eine Unterstützung?

SPÖ Bernhard Höfler

… Und weil man schon das AMA Gütesiegel angesprochen hat – das wurde kurz erwähnt von dir, Kollege –: Die haben über 30 000 Kontrollen im Jahr 2024 gemacht. Wenn du mir heute noch sagen könntest, wer das macht – ich glaube nicht, dass die FPÖ dann alle Bauern in diesem Land im Prinzip kontrollieren geht, das wird sich auch mit euren Abgeordneten nicht ausgehen.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

... Gemeinderäte ...!

SPÖ Bernhard Höfler

… Schlussendlich hat jeder eine Aufgabe, und der kommen wir nach. Für die Bäuerinnen und Bauern brauchen wir Qualitätsstandards und nicht so nebulose Debatten ohne mögliche Alternativen. Wir brauchen auch im Bereich der Kontrollen die Vorgabe, dass wir die sogenannten schwarzen Schafe herausnehmen, damit man die Bauern unterstützt, die tagtäglich davon leben und sauber produzieren.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist denn das eine Unterstützung, wenn ich einen Beitrag zahle?

SPÖ Bernhard Höfler

… Das eint uns auch in dieser Bundesregierung. Abschließend, weil die Abschaffung von einzelnen Gruppen innert Bauern und Bäuerinnen debattiert wird: Ich sage ganz ehrlich, Solidarität ist keine Einbahnstraße, und die AMA-Marketing-Grundabgabe zahlen alle Bäuerinnen und Bauern, weil sie schlussendlich auch allen zugutekommt; und deshalb ist es eine positive Geschichte. – Herzlichen Dank.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Keine Ahnung!

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Klaus Mair .

ÖVP Klaus Mair

Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Minister! Frau Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Vereinzelte Zuschauer hier im Plenum und zu Hause! Da ich meinen Vorrednern gelauscht habe, so eint uns, glaube ich, eines, und das ist klar: Die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern ist von großer Bedeutung für unsere Republik, aber auch für die Gesellschaft. (👏 ÖVP) Sie sichern nämlich einerseits die Versorgung mit Lebensmitteln, sie gestalten unsere Kulturlandschaft und sie sind zudem Umweltschützer.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

... kein Bauernbündler mehr ...!

ÖVP Klaus Mair

… Und gerade weil die Berufsgruppe der Bäuerinnen und Bauern so wichtig für unsere Gesellschaft ist, wird diese Zielgruppe immer wieder für parteipolitische Zwecke missbraucht, mit dem Ziel, zu polarisieren und unsere Bäuerinnen und Bauern zu verunsichern. Genau das macht die FPÖ mit diesem Entschließungsantrag. Sie fordert die Abschaffung der sogenannten AMA-Marketing-Grundsteuer. Doch was die FPÖ als versteckte Steuer bezeichnet, ist in Wahrheit ein fair gestalteter Beitrag zur Finanzierung eines wirklich guten Systems.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist das ein Beitrag?

ÖVP Klaus Mair

… Es ist ein System, das Österreich stärkt …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Wer hat dir denn das aufgeschrieben?

ÖVP Klaus Mair

… ein System, das Österreichs Bauern stärkt, ihnen Absatzchancen schafft und das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten entlang der Wertschöpfungskette sichert. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AMA-Marketing ist weit mehr als ein Marketinginstrument. Sie ist Qualitätsmotor, Herkunftssicherer und Absatzförderer in einem. Die AMA-Marketing ist auch keine abstrakte Behörde, sie ist eine tragende Säule der heimischen Agrarwirtschaft.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Ja genau!

ÖVP Klaus Mair

… Sie sorgt für Absatzsteigerung österreichischer Agrarprodukte, sie sorgt für Markenbekanntheit für die Produkte, die unsere Bäuerinnen und Bauern erzeugen …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Versorgungsposten für ÖVPler!

ÖVP Klaus Mair

… und sie schafft Vertrauen, denn das AMA-Gütesiegel ist Garant für hohe Qualität, kontrollierte Herkunft und Transparenz. Laut aktuellen Erhebungen generiert allein das Siegel zwischen 60 und 70 Millionen Euro an Mehrwert für unsere Landwirtinnen und Landwirte.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Für die Wirtschaft!

ÖVP Klaus Mair

… Die Kritik der FPÖ, dass mehr Geld für Onlinewerbung als für Qualitätskontrollen ausgegeben wurde, kann ich nicht nachvollziehen , denn ich finde, dass bei rund 50 000 Mitgliedsbetrieben über 30 000 Kontrollen allein im Jahr 2024 ausreichend sind. Zur Kritik an der Onlinewerbung: Die AMA ist gut beraten, dort Werbung zu machen, wo Kommunikation stattfindet, und das ist nun einmal im Netz und in den sozialen Medien. – Aber, Kollegen von der blauen Partei, da kennt ihr euch eh halbwegs aus. Zusammengefasst: Würde es das AMA-Gütesiegel nicht geben, müssten wir es erfinden.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Es geht es um die AMA-Marketing-Gebühr! – Zwischenruf des Abg. Fürtbauer [FPÖ].

ÖVP Klaus Mair

… Abschließend darf ich meinen Kolleginnen und Kollegen, die jetzt von der blauen Seite so laut hereinschreien, noch eines mitgeben: Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen keine Symbolpolitik. ( Heiterkeit des Abg. Wurm [FPÖ]. ) Sie brauchen Stabilität und verlässliche Strukturen …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Sie brauchen Entlastung, keine Belastung! – Abg. Wurm [FPÖ]: ... brauchen den Bauernbund! – Zwischenrufe der Abgeordneten Steiner [FPÖ] und Fürtbauer [FPÖ]

ÖVP Klaus Mair

… und die AMA-Marketing gehört zu diesen Strukturen. Deshalb ist dieser polarisierende Antrag unserer blauen Kolleg:innen abzulehnen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Johannes Schmuckenschlager zu Wort.

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ein Antrag, der mit „Grundsteuer“ beginnt, ist ja grundsätzlich schon falsch, denn wir bezahlen als Landwirte und als Besitzer in diesem Land ja bereits Grundsteuer.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Zusätzlich!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Das ist eine der wenigen Vermögensteuern, die in Kraft ist …

FPÖ Fürtbauer (Zwischenruf)

Nenn es Körberlgeld!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… auch wenn es immer wieder heißt, es gebe keine Vermögensteuern. Das wird ja bereits bezahlt. Der AMA-Marketingbeitrag ist ein Beitrag fürs Bewusstsein, für die Qualität und für die Werbung für die heimische Produktion, und es wäre absolut falsch, den jetzt abzuschaffen. Seit 30 Jahren arbeiten die Bäuerinnen und Bauern, die österreichische Lebensmittelindustrie daran, das mit diesem AMA-Gütesiegel, mit der AMA-Marketing zu entwickeln. Sie würden mit einem Federstrich Millionen von Marketinggeldern, extrem viel Arbeit wegwerfen und einen enormen Schaden an der heimischen Land- und Forstwirtschaft anrichten. Geschätzte Damen und Herren, auch die Entwicklung hin zum Getreide, dass wir endlich für Brot und Gebäck ein AMA-Gütesiegel haben, ist ganz, ganz wesentlich.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist der Mehrwert? Beim Getreide! Wo ist der Mehrwert beim Getreide?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Der Mehrwert ist augenscheinlich, und Sie haben ja selbst ein großes Thema aufgeworfen. Das große Thema im Getreidebereich ist ja das, dass wir da zu Börsenwerten handeln, dass wir auf weltweiten Handel angewiesen sind.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Ja wo ist der Mehrwert?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Momentan haben wir die Situation, dass durch die vielen Differenzen in der internationalen Systematik diese Preise auf Talfahrt sind. Ein Mitaggressor, Wladimir Putin, Russische Föderation, hat die Exportzölle für Getreide in der vergangenen Woche auf null heruntergefahren.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist der Mehrwert vom AMA-Gütesiegel? – Abg. Deckenbacher [ÖVP]: Schsch!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Das flutet die Märkte und bringt gerade jetzt vor der Ernte das Getreide zu einem Minderpreis. Die Importe aus der Ukraine haben uns auch lange Zeit etwas beschäftigt. Wir haben das jetzt ordnen können, aber das Wesentliche ist, dass zum ersten Mal – und das ist der Mehrwert des AMA-Gütesiegels für Getreide –, wenn Getreide in Österreich vermahlen wird, es nur dann österreichisches Mehl ist, wenn das Getreide aus Österreich ist. Bisher war es so: Wenn Getreide, egal welcher Herkunft, in Österreich vermahlen wird, ist das Mehl österreichisches Mehl.

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist der Mehrwert für die Bauern?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Der Mehrwert ist, dass endlich einmal Bewusstsein für die heimische Produktion da ist. Das können wir umsetzen, und damit sichern wir den Regalplatz, sind nicht mehr austauschbar, weil ganz klar erkennbar ist, wo das AMA-Gütesiegel draufsteht. Die ersten Händler, Verarbeiter gehen schon ganz stark drauf. Wir sehen die Nachfrage, und diese Nachfrage müssen wir generieren. Da müssen Sie uns unterstützen …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Wo ist der Mehrwert für Bauern?

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… dass wir hiermit dann den Preis in die Höhe bringen. Das ist das Einzige in einer Marktwirtschaft: Nachfrage generiert natürlich einen höheren Preis, und den werden wir auch sehen. (👏 ÖVP) Ich möchte dazu aber auch sagen: Die heimische Land- und Forstwirtschaft ist enorm wettbewerbsfähig, wenn wir mit gleichen Mitteln arbeiten können, und gerade am Acker sehen wir momentan ein Auslaufen von unzähligen Pflanzenschutzmitteln. Das stellt uns vor große Herausforderungen. Allein in den letzten 20 Jahren ist die Rapsanbaufläche in Österreich um zwei Drittel zurückgegangen, weil wir diese Kultur nicht mehr gesund bis zur Ernte und zur Lagerung bringen können. Beim Diesel sehen wir, dass alle anderen europäischen Länder Erleichterungen haben. Gott sei Dank steht diese Bundesregierung zu den Bäuerinnen und Bauern und hat erst vor einigen Tagen den Agrardiesel ausbezahlt. Man sieht, man geht da die richtigen Wege, und auch die Europäische Kommission geht jetzt mit dem neuen EU-Agrarkommissar in die Entwicklung hinein, dass nur das nach Europa kommen darf, was auch nach den Standards so wie in Europa produziert wird, und entsprechend auf den Markt kommt. Das kann uns sichern, dann haben wir Wettbewerbsfähigkeit. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Der Slogan der Agrarmarkt Marketing Austria ist: „Das hat einen Wert.“ …

FPÖ Schmiedlechner (Zwischenruf)

Abkassierer!

ÖVP Johannes Schmuckenschlager

… Das ist der Wert, den die Bäuerinnen und Bauern erzeugen. Das ist der wertvolle Beitrag, den unsere Verarbeiter dazu leisten, denn wir brauchen diese Verarbeiter, denn sonst haben wir die Produkte nicht bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Dieser Wert muss aber auch honoriert werden, und das möchte ich schon ganz kurz erwähnen, trotz unserer guten koalitionären Stimmung, auch Richtung Arbeiterkammer. Wenn wir über Lebensmittelpreise diskutieren, dann diskutieren wir dort, wo wir wirklich etwas machen können. Wenn 25 Prozent der in Österreich gekauften Lebensmittel im Müll landen, dann haben wir 25 Prozent Möglichkeiten, den Preis für die Bürgerinnen und Bürger entsprechend anzupassen, aber nicht beim Erzeuger und nicht beim Verarbeiter. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Fürtbauer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

FPÖ Michael Fürtbauer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Geschätzte Österreicher! Zuerst zu Herrn Hechenberger und zur ja so korrekten ÖVP: Es ist eine Frechheit, kleine Funktionäre anzugreifen und aus einem Artikel zu zitieren ( Ruf bei der ÖVP: Geh, jetzt hörts einmal auf! ), ohne den zweiten Artikel zu zitieren, laut dem Zeugenaussagen im Prozess relativiert wurden und der Landwirt freigesprochen wurde. Legt bitte diese Maßstäbe bei euch an, eure Reihen würden sich lichten! …

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Was heißt das? – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.

FPÖ Michael Fürtbauer

… Selbstverständlich handelt es sich bei Teilen der AMA-Finanzierung um eine versteckte Grundsteuer. Bitte was ist darunter sonst zu verstehen, wenn ich einen gewissen Beitrag pro Hektar zahle und das sowieso zahle? Dann ist das eine Steuer – oder nennen Sie es ein Körberlgeld; es bleibt für den Landwirt eher egal. Die AMA-Finanzierung ist ein gutes Beispiel, an dem man sieht, wie die Regierung den Österreichern in die Tasche greift und jede Möglichkeit nutzt, zu erhöhen, wo immer es nur geht. Es gab einen Bericht des Rechnungshofes, das ist richtig, der eine Verbreiterung der AMA-Beiträge vorschlug. Was hat aber die Regierung dann gemacht? – Sie verbreiterte die Basis, ja, erhöhte aber die Einnahmen von rund 25 Millionen Euro im Jahr 2022 auf rund 33 Millionen Euro im Jahr 2023. – Nicht „nein“, sondern: Nachschauen, AMA-Beiträge lesen, Herr Bauernbundobmann! – Das stand in keiner Rechnungshofempfehlung. Die AMA hat ihre Hausaufgaben gemacht, haben Sie gesagt. – Ja, die Frage ist: Für wen? Der Mitarbeiterstand wurde seit 2020 massiv erhöht, und die Stellen wurden natürlich immer nur objektiv vergeben und sicher nicht an ÖVP-Günstlinge, außer es hat sich zufällig jemand an den Herrn Klubobmann der ÖVP, Herrn Wöginger, gewendet ( Rufe bei der ÖVP: Ah! ), der sich, wie man ja hört, in seiner grenzenlosen Güte für jeden Österreicher einsetzt und schaut, dass es uns allen gut geht. Es wurden und werden also Versorgungsjobs für ÖVP-nahe Günstlinge geschaffen, die in der Landwirtschaft keine Zukunft mehr haben, weil diese Zukunft durch Ihre Landwirtschaftspolitik ruiniert wurde. Wer ÖVP-nahe ist, für den wird gesorgt, für die anderen ist es eher schwierig. Was mich auch fasziniert, ist, dass Sie immer behaupten …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Kein Wunder, dass dein Wirtshaus abgehaust hat!

FPÖ Michael Fürtbauer

… wir haben ja das beste System, die ganze Welt beneidet uns um unser System, von den Kammern bis zur AMA. Anscheinend glauben Sie aber zumindest in diesem Bereich Ihrer eigenen Propaganda nicht, denn sonst bräuchten Sie ja weder die Pflichtmitgliedschaften noch die Zwangsbeiträge. (👏 FPÖ) Hätten wir das beste System, würden alle Landwirte freiwillig Beiträge mit großer Freude entrichten. Da Sie aber weiter an Zwangsbeiträgen festhalten ( Ruf bei der ÖVP: Wer hat dir denn das aufgeschrieben? ), wissen Sie, dass diese Organisationen keinen Rückhalt bei ihren Zwangsbeitragszahlern haben. ( Ruf bei der ÖVP: ... Gruseltag heut bei euch! ) Dass Rot und Schwarz ein Problem mit Freiheit und Eigenverantwortung haben, verstehe ich; dass das bei den NEOS so ist, ist schon schwierig. Herr Höfler, auch die SPÖ – das soll man nicht vergessen – hat sich 2023 gegen die Finanzierung und gegen die Erhöhung ausgesprochen. Kollegen von den NEOS, was mich bei euch immer mehr überrascht, ist, in welchem Tempo ihr eure Ideale über Bord werft und eure eigenen Forderungen vergesst. Herr Trauttmansdorff traut sich heute, zu behaupten, es ist beim Thema Finanzierung der politischen Parteien ein Fehler passiert. Er selbst hat das im Rechnungshofausschuss verteidigt und hat gesagt, das ist super. Also so schaut transparente Politik unserer Meinung nicht aus. Frau Doppelbauer hat anscheinend vergessen, was ihre eigenen Anträge – ich habe mich da eingelesen, da war ich noch nicht dabei – zu dieser Erhöhung waren. Da kann man nur sagen: Was interessieren Sie Ihre Meinung und Ihre Ideale von gestern? …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Hast du nur jede sechste Seite gelesen?

FPÖ Michael Fürtbauer

… Lösen Sie die NEOS auf! Die Sozialpolitiker sollen sich den Roten anschließen, die paar Wirtschaftspolitiker schließen sich den Schwarzen an. Dann ersparen sich die Österreicher zumindest bei Pressekonferenzen eine Stellungnahme, denn eine Politik der NEOS gibt es sowieso nicht mehr. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir gelangen nun zur Abstimmung über den Antrag des Ausschusses für Land- und Forstwirtschaft, seinen Bericht 161 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mehrheitlich angenommen.

Tätigkeitsbericht 2024 der Bundesstelle für Sektenfragen

162 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage III-183 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Tätigkeitsbericht 2024 der Bundesstelle für Sektenfragen zur Kenntnis. Damit wird der Bericht formell angenommen, ohne inhaltliche Änderungen zu beschließen.

Betroffen ist die Bundesstelle für Sektenfragen sowie alle Personen und Institutionen, die ihre Informations-, Beratungs-, Forschungs- und Vernetzungsarbeit in Anspruch nehmen oder davon berührt sind.

Dokumente

Tätigkeitsbericht 2024 der Bundesstelle für Sektenfragen

Gegenstand und Gesamtbild des Berichts

  • Der Tätigkeitsbericht 2024 der Bundesstelle für Sektenfragen (BUS) beschreibt ein arbeitsintensives Jahr, geprägt von hoher gesellschaftlicher Dynamik, neuen Formen ideologischer Einflussnahme und einer verstärkten digitalen Präsenz potenziell gefährdender Akteurinnen und Akteure.
  • Die BUS intensivierte ihre Aktivitäten, um gestiegenen Anforderungen zu begegnen, und gibt Einblick in Schwerpunkte, Trends und aktuelle Entwicklungen im Arbeitsfeld.

Aufgabenfelder und Intensivierung der Arbeit

  • Ausbau und Intensivierung der Tätigkeiten in den Bereichen Information, Beratung, Forschung und Vernetzung.
  • Kernstück der Arbeit blieb – wie in den Vorjahren – die psychosoziale Beratung von Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen.

Digitaler Schwerpunkt: Online-Monitoring und Verschwörungstheorien

  • Ein zentrales Arbeitsfeld war das Online-Monitoring zu Verschwörungstheorien.
  • Dieses Monitoring wurde im Rahmen eines vom Bundeskanzleramt finanzierten Forschungsprojekts systematisch entwickelt.

Glaubensfreiheit und Kindeswohl

  • Das Spannungsfeld zwischen Glaubensfreiheit und Kindeswohl wird als zunehmend wachsender Themenbereich dargestellt.

Suchtprävention und weltanschaulich/religiöse Anbieter

  • Ein Arbeitsschwerpunkt lag auf Gefährdungen durch weltanschauliche bzw. religiöse Anbieterinnen und Anbieter im Bereich der Suchtprävention.
  • Besonders hervorgehoben werden Aktivitäten der Scientology-Vorfeldorganisation „Sag Nein zu Drogen“.

Private Sommerbetreuung: Transparenzprobleme

  • Im Bereich privater Sommerbetreuung durch religiöse oder weltanschauliche Angebote zeigt sich mitunter ein Problem fehlender Transparenz hinsichtlich der vermittelten Inhalte.

Vernetzung national und international

  • Die Vernetzungsarbeit wurde 2024 durch regelmäßige Treffen auf nationaler und internationaler Ebene intensiviert.
  • Dazu zählt das von der Bundesstelle koordinierte DACHS-Treffen: ein vierteljährlicher Online-Austausch mit Fachstellen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol).

Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, Trends und beobachtete Aktivitäten

  • Der Bericht widmet einen wesentlichen Abschnitt aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, Trends und Aktivitäten im Arbeitsfeld der BUS.
  • Internationale Dynamiken zeigen sich u. a. in verstärkten Missionierungsbestrebungen durch Gruppen wie Shincheonji (südkoreanische Organisation) mit starker Präsenz im deutschsprachigen Raum.
  • Ein besonderes Augenmerk liegt auf Entwicklungen im Bereich Neopaganismus bzw. Neuheidentum.
  • Die BUS analysiert diese Entwicklungen mit Blick auf mögliche individuelle Gefährdungen sowie Auswirkungen auf gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Grundhaltungen.

Schlussfolgerungen und Handlungsbedarf

  • Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Beobachtung weltanschaulicher Strömungen.
  • Er betont die fortlaufende Weiterentwicklung fachlicher Instrumente.
  • Er hebt die Bedeutung der Stärkung interdisziplinärer Kooperationen hervor.

Tätigkeitsbericht 2024 der Bundesstelle für Sektenfragen

~31 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Ricarda Berger

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Minister! Werte Kollegen! Sehr geehrte Österreicher! Ja, der aktuelle Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen ist wieder einmal ein Beispiel dafür, wie unter dem Deckmantel des Schutzes vor Extremismus ideologische Ausgrenzung betrieben wird, meine sehr geehrten Damen und Herren. Was dort passiert, das ist keine objektive Analyse, sondern eine politische Botschaft. Traditionelle Werte, konservative Lebensmodelle und kritische Meinungen sollen pauschal delegitimiert werden – und das alles noch mit öffentlichen Mitteln finanziert, meine sehr geehrten Damen und Herren. Schauen wir uns das Ganze ein bisschen genauer an: Gleich auf Seite 22 wird Homeschooling als potenziell extremistisch dargestellt, weil angeblich soziale Isolation und Indoktrination drohen könnten – alles in der Möglichkeitsform. Das ist eine pauschale Verunglimpfung von Eltern, die von ihrem Erziehungsrecht Gebrauch machen, meine sehr geehrten Damen und Herren, denn viele dieser Familien entscheiden sich nicht aus Motiven einer Abschottung für Homeschooling, sondern aus Sorge – Sorge vor Überfremdung in den Klassenzimmern, vor sprachlichen Barrieren, vor Disziplinlosigkeit oder wachsender Gewalt, nämlich verursacht durch importierte Gewalt. In Wahrheit aber findet die soziale Isolation oft genau in öffentlichen Schulen statt, nämlich dort, wo Kinder mit deutscher Muttersprache kaum mehr gleichaltrige Gesprächspartner finden. Doch das ignoriert der Bericht komplett. Warum? – Weil es einfach nicht ins ideologische Bild hineinpasst. Das Gleiche gilt für die Darstellung von alltäglichen Lebensweisen. Auf Seite 74 liest man zum Beispiel etwas von „neuheidnischen Nähkursen“ oder von „germanischer Geburtsvorbereitung“. Das ist dermaßen konstruiert, dass es eigentlich schon fast lächerlich wäre …

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Das ist Realität!

FPÖ Ricarda Berger

… wenn es nicht mit Steuergeld finanziert wäre. Dass Kochen ganz verpönt ist, etwas ganz Schlimmes ist, das wissen wir Freiheitliche schon – das wissen wir –, aber hier werden Nähen, Hauswirtschaft und die Geburtsvorbereitung auch in einen verschwörungsideologischen Zusammenhang gestellt, meine sehr geehrten Damen und Herren, und das alles, als ob traditionelle Lebensmodelle per se schon verdächtig wären. Auf Seite 42 wird es auch spannend. Da geht es um angebliche Kindeswohlgefährdung durch Sommercamps. Ich bin überzeugt davon, dass das eine oder andere Kind von Ihnen wahrscheinlich auch im Sommercamp ist, und das muss man sich schon auf der Zunge zergehen lassen: Da engagieren sich Eltern, Kirchen, freie Träger in der Ferienbetreuung, und plötzlich gelten sie als Risiko. Das ist ein Verhalten, das viele verstört, und betreffend das freiwillige Engagement und kulturelle Selbstorganisation ist das Vertrauen komplett verschwunden. Während man all diese harmlosen Lebensbereiche pathologisiert, wird dort geschwiegen, wo nämlich die echte Gefahr lauert, und jetzt dürfen Sie dreimal raten, wo das ist. – Genau …

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Keltenyoga!

FPÖ Ricarda Berger

… es ist beim politischen Islam. Und im Bericht ist kein einziges Mal die Rede davon. Nicht mit einer Silbe ist das erwähnt.

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Die FPÖ!

FPÖ Ricarda Berger

… Auf den Seiten 35 und 36 wird vom stundenlangen Beten und vom Fasten geredet – ohne wie gesagt das Wort politischer Islam dort zu verlieren –, und ich sage ganz klar: Kinder zum Fasten zu zwingen, ist etwas vollkommen Falsches, denn sie brauchen Nahrung, Flüssigkeit, Energie und keine religiöse Askese. Das ist nämlich Kindeswohlgefährdung. Weiter geht es mit den angeblich dämonisierten LGBTIQ-plus-Kindern. Jetzt frage ich Sie ernsthaft: Gibt es solche Kinder überhaupt? …

NEOS Brandstötter (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Ricarda Berger

… Kinder sind meines Erachtens Kinder, und sie befinden sich auch in der Entwicklung. Was hier passiert, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist nichts anderes als Frühsexualisierung. (👏 FPÖ) Was ich definitiv auch nicht unerwähnt lassen möchte, ist, dass 70 Prozent der Beratungsfälle Personen betrafen, die gar nicht selbst betroffen waren. Also das ist so wie stille Post, und jeder weiß, wie das mit der stillen Post funktioniert: Beim Fünften kommt ganz etwas anderes heraus als das, was der Erste dem Zweiten gesagt hat. Und das ist halt schon sehr interessant. Wir Freiheitliche sagen also ganz klar: Wer Homeschooling betreibt, ist definitiv kein Extremist. Wer Kochen, Nähen, Heimwerken und traditionelle Geburtshilfe organisiert, ist definitiv auch keine Gefahr für diesen Staat.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Bravo!

FPÖ Ricarda Berger

… Wer seine Kinder vor ideologischer Sexualpädagogik schützen möchte, der handelt verantwortungsvoll, und wer den Staat kritisiert, ist noch lange kein Demokratiefeind. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das ist keine sachliche Analyse, das ist politische Agitation mit Steuergeld. Der Bericht vermischt Meinung mit Extremismus und schweigt leider Gottes zu den tatsächlich bedrohlichen Strukturen, die unsere Werte und unsere Kinder bedrohen. Die Familie, die freie Meinungsäußerung und das Elternrecht dürfen nicht länger verdächtigt, diffamiert und unterwandert werden, meine sehr geehrten Damen und Herren! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster auf der Rednerliste: Herr Abgeordneter Weber. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

ÖVP Johann Weber

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseher und Zuhörer zu Hause! Wir diskutieren den aktuellen Sektenbericht, und der zeigt uns ganz klar: Die Herausforderungen durch ideologische Verirrungen, fragwürdige religiöse Gruppen oder Heilsversprechen nehmen zu, und es ist wichtig, da mit wachem Auge eine wirklich klare Haltung einzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren. Die Bundesstelle für Sektenfragen ist ein unverzichtbares Instrument. Warum sage ich das? – 2024 gab es 483 Beratungsfälle. Das ist ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Daraus resultierten insgesamt 1 957 Beratungskontakte, das ist eine Steigerung von 36 Prozent. Das zeigt, diese Institution ist wirklich notwendig und auch hochwirksam. Danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre professionelle Arbeit! Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung, einen wichtigen Beitrag zur Prävention und auch zur Unterstützung der Betroffenen. Die Bundesstelle steht für faktenbasierte, sachliche und lösungsorientierte Beratung. Meine Damen und Herren! Damit Menschen nicht in den Sog extremistischer Gruppen geraten, braucht es vor allem eines: eine starke persönliche Basis, und das beginnt in der Familie. Dort werden Charakter und Werte geprägt. Eltern tragen die Verantwortung, ihren Kindern das Rüstzeug fürs Leben mitzugeben. Das ist der beste Schutz vor ideologischen Schieflagen. Doch nicht jedes Kind hat das Glück, entsprechend aufzuwachsen, und dann ist eben der Staat gefordert, diesen Kindern den entsprechenden Halt zu bieten und auch diese Orientierung zu geben. Gerade unsere Bildungspolitik ist sehr wichtig, denn Schulen sind nicht nur Orte der Bildung und Ausbildung, sie sind auch ein wichtiger Ort für die soziale Entwicklung. Ebenso bedeutend ist sinnvolle Freizeitgestaltung, und da möchte ich Danke sagen: Danke an alle, die Jugendliche etwa bei der Landjugend oder bei Sportvereinen, bei der Feuerwehr, bei Chören, bei Musikkapellen oder bei den Pfadfindern und so weiter und so fort ständig begleiten und betreuen! Diese Angebote geben nämlich Gemeinschaft, sie geben Selbstvertrauen, sie geben unseren Kindern, unseren Jugendlichen Richtung, Orientierung und Halt. Wer eine Perspektive hat, ist psychisch stabiler. Und genau darum geht es uns als Volkspartei: Wir schaffen Rahmenbedingungen, damit jeder sein Leben selbstbestimmt gestalten kann. Das ist gelebte Freiheit und das ist christlich-soziale Politik. (👏 ÖVP) Ich komme zum Schluss: Geschätzte Damen und Herren, wir dürfen nicht wegschauen, wo es gefährlich wird, bei Islamismus, Linksextremismus oder radikalen Sekten! Da dürfen wir nicht wegsehen. Wachsamkeit ist keine Panikmache, sondern verantwortungsvolle Politik. Die ÖVP steht für eine klare Linie: Wir schützen die Freiheit des Einzelnen, aber nicht auf Kosten der Gemeinschaft. Wir fördern die Eigenverantwortung und bieten Unterstützung. Für ein gutes Leben braucht es Werte, es braucht Bildung und eine starke Gemeinschaft, die den nötigen Halt gibt. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Schuch-Gubik. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

Vielen Dank, Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Liebe Österreicher! Haben Sie es sich vielleicht während Corona erlaubt, kritisch zu denken? Haben Sie es vielleicht gewagt, Maßnahmen zu hinterfragen, wie etwa den Impfzwang, die Lockdowns oder die Maskenpflicht? Haben Sie es gewagt, sich auf Telegram zu vernetzen, oder waren Sie gar so mutig und sind bei einer der zahlreichen friedlichen Coronademos mitgegangen? Ja, dann kann ich Ihnen sagen: Laut Sektenbericht sind Sie jetzt offiziell ein Problemfall, ein potenzieller Demokratiefeind, ein regelrechter Sektensympathisant. Aber: Ich gratuliere Ihnen dazu, denn wir Freiheitliche stehen auf Ihrer Seite. (👏 FPÖ) Für uns ist klar: Wer aufsteht, wer hinterfragt, wer kritisiert, der ist kein Problemfall, der ist das Rückgrat einer freien Demokratie.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Genau!

FPÖ Lisa Schuch-Gubik

… Was uns hier als Sektenbericht vorgelegt wird, ist in Wahrheit ein ideologisches Machwerk, eine Denunziantenbroschüre, finanziert auf Steuerzahlerkosten, mit dem Ziel, nicht Aufklärung zu schaffen, sondern Diffamierung zu leben. (👏 FPÖ) Willkommen im neuen Österreich, so wie es sich die Einheitspartei vorstellt: ein Land, wo kritisches Denken sofort als Extremismus gilt. Und wie schaut es eigentlich mit Transparenz aus? – Fehlanzeige. Quellen gibt es kaum bis gar nicht, man verweist lieber auf eigene alte Berichte aus dem Vorjahr, also zitiert sich die Sektenstelle einfach selbst. Ich gratuliere den Verfassern zu dieser wirklich wissenschaftlichen Höchstleistung. Kommen wir aber noch einmal zum Inhalt: Mit realen Gefahren, wie zum Beispiel dem politischen Islam oder auch dem Linksextremismus, beschäftigt man sich de facto so gut wie gar nicht; das passt wahrscheinlich nicht ins Narrativ, das man vermitteln möchte. Dafür wird Homeschooling als potenzieller Nährboden für Queerfeindlichkeit und Rassismus dargestellt. Ja, Eltern, die ihre Kinder selbst unterrichten, sind auch potenzielle Gefährder. Wenn wir schon bei Familien sind: Wer sich generell für ein klassisches Familienbild ausspricht, ist laut Bericht sowieso potenziell frauenfeindlich. Und was macht die Regierung oder die Einheitspartei? – Sie feiert diesen Sektenbericht als großen Wurf. Sie feiern es also, wenn Kritik diffamiert wird. Sie feiern es, wenn klassische Familien diskreditiert werden. – Ich sage Ihnen eines: Wer diesen Bericht verteidigt, der rechtfertigt die Einschüchterung kritischer Bürger. (👏 FPÖ) Wissen Sie, was ich besonders letztklassig finde? – Für diesen ideologischen Wahnsinn ist Geld da, da wird nicht gekürzt. Während Sie bei den Familien, bei den Pensionisten den Sparstift ansetzen, wird dieser Gesinnungsbericht mit Steuergeld fleißig finanziert. Genau damit liefern die Regierung und die Einheitspartei den nächsten Beweis, dass sie sich von der Realität der Bevölkerung ganz weit entfernt haben. – Danke.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Super Rede, Lisa! Bravo! – Abg. Kaniak [FPÖ]: Bravo!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Herzog. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Bernhard Herzog

Danke, Herr Präsident! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Ich habe den aktuellen Bericht der Bundesstelle für Sektenfragen mit großem Interesse gelesen, und es war, das muss ich ganz ehrlich sagen, sehr erschütternd. Einige Beispiele daraus: Ein Kind wächst in einer Familie auf, in der es täglich hört, dass die Welt bald untergehen wird. Dieses Kind schläft nicht mehr. Es lebt in ständiger Angst und glaubt, sich innerlich auf den Tod vorbereiten zu müssen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Klimakatastrophe, sag’ ich ja immer! – Abg. Brandstötter [NEOS] – in Richtung Abg. Wurm [FPÖ] –: Du bist selber eine Katastrophe!

SPÖ Bernhard Herzog

… Oder Jugendliche, die in Kontakt mit satanistischen Gruppen kommen: mit realen Fällen von Selbstverletzung, Suizidversuchen und Angriffen auf andere Menschen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Seit Corona!

SPÖ Bernhard Herzog

… Aus der Covid-Protestszene erfahren wir: Telegram-Kanäle mit Hunderttausenden Followern verbreiten täglich antisemitische Verschwörungserzählungen, das Ganze vermischt mit rechtsextremem Gedankengut, esoterischen Heilsversprechungen, Geschäftemacherei und aggressivem Staatshass.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

In was für Gruppen treibst denn du dich herum? Das ist ja schockierend!

SPÖ Bernhard Herzog

… Insgesamt spricht der Bericht von 483 dokumentierten Fällen – ein Anstieg von 20 Prozent in nur einem Jahr. Das ist nicht harmlos, das ist eine gefährliche Entwicklung. (👏 ÖVP, SPÖ) Was macht die FPÖ? – Die FPÖ attackiert die Bundesstelle für Sektenfragen. Sie sagt, der Bericht sei politisch motiviert. Sie behaupten, Coronamaßnahmengegner und -kritiker werden darin diffamiert.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Niemand macht Politik! Niemand!

SPÖ Bernhard Herzog

… Das ist nicht nur falsch, das ist gefährlich. (👏 SPÖ, NEOS) Ich sage Ihnen auch warum! Erstens: Die Bundesstelle ist gesetzlich verankert, weisungsfrei, unabhängig und konfessionell neutral. Expert:innen schreiben diesen Bericht, nicht Parteisekretäre. Zweitens: Die Kritik der Coronaprotestszene ist dokumentiert, faktenbasiert und methodisch transparent. Der Bericht analysiert 287 öffentliche Telegram-Kanäle mit über 1,3 Millionen Nachrichten, darunter „AUF1“, „Info-direkt“, Q-Anon, rechtsextreme Akteure. Diese Analyse ist keine politisch motivierte Ideologie – das ist Wissenschaft, das ist digitale Beweissicherung. (👏 SPÖ, NEOS) RN/174.1 Also: Wieso regt sich die FPÖ jetzt so auf? – Weil dieser Bericht die Wahrheit aufzeigt, insbesondere auf Seite 30: Dort gibt es eine Grafik ( eine Tafel mit der entsprechenden Seite des Tätigkeitsberichtes 2024 der Bundesstelle für Sektenfragen in die Höhe haltend ), die aufzeigt, wer die Akteure dieser Covid-Leugnerszene sind – hier namentlich erwähnt Herbert Kickl . ( Der Redner weist auf die entsprechende Stelle auf der Tafel. ) Dieser Bericht zeigt auf, wie sich die FPÖ und Herbert Kickl allen voran in diese Szene verstrickt haben …

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Das ist total unpolitisch! Total!

SPÖ Bernhard Herzog

… wo sich Rechtsextreme, wo sich Esoteriker und Esoterikerinnen und Verschwörungstheoretiker verbinden und untereinander tummeln.

FPÖ Weinzierl (Zwischenruf)

Wo ist die Tafel mit Linksextremen? – Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ].

SPÖ Bernhard Herzog

… Wer sich mit Anhängern von Sekten, Verschwörungsideologien und Rechtsextremismus in ein Bett legt, der wacht nicht nur mit Flöhen auf, sondern der gefährdet das Fundament unserer Demokratie.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Überall nur noch Nazis und ...! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Die SPÖ ist ja schon eine Sekte! Die Sektenpartei Österreichs! – Abg. Höfler [SPÖ] – in Richtung FPÖ –: Was Insektenpartei ...? ... blaue Insektenpartei!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Ecker. 3 Minuten eingemeldete Redezeit. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Rosa Ecker

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Minister! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Saal und zu Hause! Grundsätzlich war und wäre der Sektenbericht ja eine sinnvolle Sache: neue, religiöse Bewegungen analysieren und das Gefährdungspotenzial richtig, nämlich fachlich und sachlich, einschätzen. Eine große Gefahr sind laut Bericht der Onlinebereich und Spieleplattformen – no na net. Genauso werden scheinbar neutrale Freizeitaktivitäten, wie etwa die Sommerbetreuung, als Deckmantel für missionarische Absichten oder ideologisch geprägte Programme angeboten. Natürlich müssen Kinder geschützt werden – entsprechende freiheitliche Anträge dazu wurden aber von der letzten Regierung schubladisiert oder nur teilweise dann als Regierungsantrag, wie etwa beim Gütesiegel, umgesetzt –, was eben betreffend Sommerbetreuung nicht passiert. Was aber ist im Laufe der letzten Jahre mit dem Sektenbericht grundsätzlich passiert? – Früher gab es zehn bekannte Sekten, jetzt werden 250 angeführt. Auf Nachfrage hat Frau Mag. Schiesser erklärt, dass es schon zählt, wenn eine Person oder eine Familie mit einer Sekte aus dem Ausland zum Beispiel online in Kontakt ist. Onlinecoachings, die Reichtum und Geld versprechen, ja, das sind Phänomene, auf die Gutgläubige hereinfallen. Das wäre aber eigentlich ein Fall fürs Strafrecht. Wir haben es schon gehört: Ganz besonders seit Corona werden in diesem Bericht Menschen, die anders denken, Menschen, die regierungskritisch sind, einfach in den Bereich der Sekten gerückt, einfach hineingeschoben.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Na, na, na, so ist das nicht! – Zwischenruf der Abg. Brandstötter [NEOS].

FPÖ Rosa Ecker

… Es gibt ja auch einen Sonderbericht, der sich explizit zum Beispiel mit Telegram beschäftigt. Dieser Messengerdienst – und ich bin davon überzeugt, und wir wissen es ja, wenn wir alle unsere Handys in die Hand nehmen, sehr viele von den Abgeordneten bewegen sich auch auf dieser Plattform –, diese Plattform verbreitet Verschwörungstheorien. Das heißt, sehr geehrte Damen und Herren, alle, die auf dieser Plattform aktiv sind – also auch Sie! –, werden damit als Menschen diffamiert, die Verschwörungstheorien anhängen oder rechtsextremistische und staatsverweigernde Maßnahmen unterstützen. Das kann es ja wohl wirklich nicht sein! Die Angst vor regierungskritischen Menschen und Demos ist offenbar sehr groß, wenn die vom Bund finanzierte Sektenstelle permanent die politische und die weltanschauliche Meinung und Gruppen mit Sekten vermischt. Das kommt auch deutlich hervor, wenn Homeschooling als problematisch angesehen wird …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Na ja!

FPÖ Rosa Ecker

… denn der häusliche Unterricht diene nicht dem Wohle des Kindes, sondern dem Wohle der Eltern, das sei ein ideologisch beengtes System.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Ja, stimmt ja auch!

FPÖ Rosa Ecker

… Sehr geehrte Damen und Herren, finanziert wird das auch noch vom Steuerzahler. Waren es im Jahr 2023 noch 400 000 Euro, so sind es heuer bereits 696 500 Euro. Dazu gab es noch 170 000 Euro zusätzlich für detaillierte Analysen zu Extremismusprävention und Verschwörungstheorien. Da in diesem Bericht das Wort rechtsextrem 112 Mal vorkommt, aber von linksextrem keine Rede ist, wissen wir alle, wohin die Reise geht. (👏 FPÖ) Ganz besonders böse ist die Familie. Sie wird als Spannungsfeld dargestellt, und wer für traditionelle Geschlechterrollen ist, wird als frauenfeindlich bezeichnet. Haben Sie schon einmal Perfect Match gespielt? Wer dieses Spiel kennt, weiß, es ist eine ähnliche Form von Stille Post. Wir haben es heute schon gehört: Man erzählt etwas und das Erzählte verändert sich bis zum Letzten, eine andere Geschichte entsteht. Warum sage ich Ihnen das? – Ja stellen Sie sich vor …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wer hat denn diese schlechte Rede geschrieben? ... siebentes Mal, ... immer das Gleiche!

FPÖ Rosa Ecker

… nur 30 Prozent von den betroffenen Personen haben sich selbst an die Sektenstelle gewandt, die restlichen 70 Prozent waren Verwandte, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen von anscheinend Betroffenen, die eine Geschichte erzählt haben! Genauso: Wir haben Fälle aus Deutschland hergenommen, weil es in Österreich auch in diese Richtung gehen könnte, aber nichts passiert ist. Bitte, was ist daran evident passiert? Ich habe es im Ausschuss gesagt: Aufgrund der Budgetsituation könnte man sicher vieles einsparen, und mit diesem ideologisch massiv eingefärbtem Bericht kann man gleich einmal beginnen. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Brandstötter. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Henrike Brandstötter

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Also die Reihen sind ja im Augenblick recht dünn bei der FPÖ. (Abg. Steiner [FPÖ] – auf sich weisend –: Na ja!) Aber eine Frage habe ich schon: Was ist das, was ihr genommen habt, und ist das legal zu erwerben? (H eiterkeit und Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der SPÖ. ) Also auf die Idee muss man einmal kommen, dass man einen Sektenbericht selbst auf die Tagesordnung setzt, weil man darüber sprechen möchte, und dann ist es eine einzige Selbstanklage. Also: Ich gratuliere dazu! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) RN/176.1 Wir sprechen heute über den Bericht der Bundesstelle für Sektenfragen an das Bundeskanzleramt ( die Rednerin hält den genannten Bericht in die Höhe ), und das ist ein guter Zeitpunkt, um hier auch einmal Klartext zu sprechen, weil unter dem Deckmantel von Religion, von Werten und von Familienidylle in Österreich ganz offen auch Frauenverachtung gepredigt wird, und zwar nicht irgendwo in irgendwelchen dunklen Kellern, sondern auf Coaching-Bühnen, in Seminarräumen und in evangelikalen Sommercamps. Das sind nicht irgendwelche bunten Esoteriker, die man sich vielleicht vorstellt, die irgendwie gefährlich sind – es sind jene, die sich auf die Bibel berufen, wo die natürliche Rolle der Frau hervorgehoben wird. In dieser Gruppe gilt: Frauen gehorchen, Männer kommandieren. Mädchen lernen Häuslichkeit statt Selbstbestimmung, und wer queer ist oder irgendwie anders, der wird umgepolt oder einfach aus diesen Gruppen rausgeschmissen. Das ist das, was ihr hier verteidigt.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ich glaube, du verwechselst das mit dem Koran!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das hat mit Glaubensfreiheit überhaupt nichts mehr zu tun, das ist autoritäre Indoktrination. (👏 SPÖ, NEOS) Das, meine Damen und Herren, betrifft längst nicht nur Erwachsene. Davon sind auch Kinder betroffen. In diesen Strukturen werden sie völlig dressiert – beim Homeschooling mit Geboten, mit Verboten, mit Schuldgefühlen, statt Spielplatz gibt es hier Endzeit und statt Mathematik gibt es die Mission. Dagegen müssen wir auftreten! Das ist ja nicht nur in Österreich der Fall, in ganz Europa wird gerade ein groß angelegtes Antigender-Movement, eine Bewegung auf Kurs gebracht – eine ganz neue Allianz aus religiösen Extremisten, rechtsextremen Populisten und oligarchischen Geldgebern. Diese verändern die europäische Politik mit einem ganz klaren Ziel: Frauen zurück an den Herd, zurück ins Mittelalter, weil die – unter Anführungszeichen – „natürliche Ordnung“, so nennen sie das, wieder hergestellt werden muss. RN/176.2 Da gibt es auch einen ganz großartigen Bericht des European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights. (Die Rednerin hält den Bericht „The Next Wave: How Religious Extremism Is Reclaiming Power“ in die Höhe. ) Das ist ein Zusammenschluss von Politiker:innen, Abgeordneten aus ganz Europa, die sich für sexuelle und reproduktive Rechte einsetzen. In diesem Bericht wird sehr genau beschrieben, wie diese neue unheilige Allianz aus eben religiösen Extremisten, aus rechtsextremen Populisten und oligarchischen Geldgebern aussieht, die ein klares Ziel haben, nämlich die europäische Politik nachhaltig zu verändern. Sie sind auch bestens finanziert. Zwischen 2019 und 2023 wurden von 275 Organisationen Mittel in der Höhe von fast 1,2 Milliarden Dollar aufgebracht, um in Europa Antigendermaßnahmen auf vielen Ebenen voranzutreiben. Und das, meine Damen und Herren, sollte uns zu Denken geben und uns sehr alarmieren. Dieser Bericht beschreibt auch, wer denn eigentlich die Akteure sind. Und, checking my notes: Hoppla, die FPÖ ist mit dabei! Und zwar in einem großen Netzwerk aus Ungarn, angeführt vom ungarischen Premierminister Orbán …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Der Bericht ist überhaupt nicht politisch motiviert! Kein politisch motivierter Bericht!

NEOS Henrike Brandstötter

… ist die FPÖ gemeinsam mit Vox und Fidesz ganz vorne mit dabei. Ich gebe es Ihnen gerne zum Lesen. Es ist in Englisch, aber vielleicht kriegen Sie Unterstützung beim Lesen. (👏 NEOS) Deshalb ganz klar: Der Sektenbericht belegt diese falschen Tendenzen und deshalb muss Schluss sein mit einer falschen Toleranz gegenüber Intoleranz. Wir brauchen da überhaupt keine Zurückhaltung zu haben. Da geht es um Kindeswohl, da geht es um Menschenwürde, da geht es um unsere Grundrechte, die hier auf dem Spiel stehen. Wer Frauen systematisch abwertet, wer in queeren Menschen eine Bedrohung sieht, wer Kindern einengende Weltbilder aufzwingt, der darf einfach nicht unter dem Radar laufen. Es ist gut, dass es diesen Bericht gibt, der hier auch ganz genau hinschaut und aufzeigt, wo die Probleme liegen, denn wir brauchen ein wachsames Monitoring, eine klare Sprache und vor allem eines: politischen Mut, um hier Kindeswohl, Frauenrechte und Demokratie zu schützen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Weinzierl. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Maximilian Weinzierl

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrte Frau Brandstötter, yes, we can speak English or we do speak English. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP. ) Ich wollte es einmal für Sie festhalten – ja, auch wenn man kleine Fehler macht. Aber wenn man sich Ihre Rede anhört, dann ist das ein großer Fehler, denn wir diskutieren heute den Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen. Es ist dies ein Bericht, der gefährliche sektenähnliche Strukturen in Österreich analysieren soll; also Gruppen, die eine Gefahr für das Leben und die Freiheit der Menschen in unserem Land darstellen. Was dabei aber herausgekommen ist – ja, zu Ihnen komme ich gleich, Frau Erasim –: Das ist kein neutrales Fachpapier. Es ist ein ideologischer Katalog linker Feindbilder (👏 FPÖ), denn alles, was unser Österreich wirklich bedroht, was unsere Lebensweise bedrängt, unsere Ordnung infrage stellt, das findet man in diesem 100-seitigen Bericht nicht. Es gibt kein eigenes Kapitel zu islamistischen Netzwerken, nichts zu migrantischen Parallelkulturen, nichts zu linksextremen Gruppen, dafür jedoch seitenlange Passagen angeblich toxischer Männlichkeit, konservativer Rollenbilder, christlicher Sommercamps, germanischer Nähkurse, das ist kein Scherz, und Telegram-Kanäle von Coronakritikern. Das ist absurd. Besonders bemerkenswert war aber dann die Ausschusssitzung, in der der Bericht vorgestellt wurde. Auf meine Nachfrage, warum man in diesem Bericht nichts über Linksextremismus finden kann, hat die Leiterin dieser Bundesstelle offen auch kundig zugegeben: Ja, Linksextremismus ist ein zunehmendes Problem in dieser Republik. Und ja, sie haben es dieses Mal nicht hineingeschrieben, weil sie keinen Platz gefunden haben. Also für eine Analyse der Gefahren gab es dann wieder keinen Platz, aber man hat genug Raum gefunden für Diffamierungen von traditionsbewussten Personen, Familien und Gläubigen, also alle, die sich nicht vom linken Selbstzweifel bestimmen lassen. Man will uns also weismachen, dass konservative Christen gefährlicher seien als radikalisierte Islamisten, dass Telegram-Gruppen mit impfkritischem Inhalt ein größeres Risiko darstellen als Antifa-Zellen, dass ein positiver Bezug zur eigenen Männlichkeit gefährlicher sei als Transaktivisten, die Kindern einreden wollen , es gäbe keinen Zusammenhang zwischen Biologie und dem eigenen Geschlecht. Das ist nicht nur lächerlich, das ist brandgefährlich. (👏 FPÖ) Aber die Schuld möchte ich im Übrigen nicht nur bei der Behörde suchen, sondern die Schuldigen sitzen auch hier in der Regierung, gerade neben mir, oder auch vor mir bei den Grünen. Unter Ihrer Verantwortung wurde auch dieser Bericht beauftragt. Und Sie wollten einmal mehr verunglimpfen, was Ihnen nicht passt: konservative Werte, Patrioten, kritische Bürger und Menschen mit Haltung. Also insbesondere die Wähler der ÖVP sollten sich jetzt die Frage stellen, warum sie eigentlich eine Partei wählen, wo die obersten Funktionäre denken und handeln wie ein jeder andere Linker hier in diesem Haus. Immerhin: Im Ausschuss – das ist etwas Positives – kündigte die Beamtin von der Bundesstelle an, dass man im nächsten Jahr verstärkt auf Islamismus und Linksextremismus eingehen wird. Und ja, das begrüßen wir als Freiheitliche Partei ausdrücklich. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Neßler. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Ministerin! Es ist schon sehr interessant, dass sich die FPÖ persönlich angegriffen fühlt von einem Sektenbericht – von einem Sektenbericht! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wie entlarvend kann man hier heraußen stehen? …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Hast du die Grafik nicht gesehen, wo wir groß abgebildet sind?

GRÜNE Barbara Neßler

… Geschätzte Kollegen, Kolleginnen, zum Bericht: Auf Social Media wird vor allem eines gerade gefeiert: die Selbstoptimierung – was man anhat, wie man aussieht, wie man trainiert, wie man sich selbst weiter optimiert, umso schneller, höher desto besser. Und klar ist auch, Selbstoptimierung per se ist ja nichts Schlechtes. Aber genau dieser Wunsch, noch erfolgreicher zu sein, noch erfolgreicher zu sein, wird heute gnadenlos ausgenutzt. Der Bericht der Bundesstelle für Sektenfragen zeigt: Immer mehr fragwürdige und gefährliche Onlinecoaches machen ihr Geld damit. Da geht es nicht um irgendwelche harmlosen Motivationsgeschichten, sondern es geht um das Geschäft mit der Angst. Und diese Angst lässt sich besser denn je verkaufen. Menschen geben Unsummen – Unsummen! – dafür aus, in der Hoffnung, dass sie ihr Leben ein Stück verbessern können. Was besonders schockiert: Hinter der ganzen Coachingfassade verstecken sich oft Kontrolle, Macht und Gewalt. Kollege Weinzierl, das hat überhaupt nichts mit konservativen Werten zu tun, da geht es explizit um Gewalt. Unter dem Schlagwort Männlichkeit zurückerobern …

FPÖ Weinzierl (Zwischenruf)

Was ist mit der Antifa, die ist nicht gewalttätig?

GRÜNE Barbara Neßler

… werden junge Menschen, junge Männer vor allem, in Echokammern gezogen, und sie landen bei Typen wie dem österreichischen Influencer Markus Streinz, ein sogenannter Transformationscoach, der aktiv dafür wirbt, Gewalt gegen Frauen einzusetzen, und der sie bis zur Bewusstlosigkeit würgt – und er verkauft das Ganze als persönliche Entwicklung. Das ist völlig irre! Das, was heute oft als Selbstoptimierung daherkommt, ist oft getarnt – als Frauenhass, emotionale Abhängigkeit, psychische und physische Gewalt. Und solch grindige Typen haben zum Teil Tausende Follower. Und darum ist es, glaube ich, auch wichtig, hier heraußen klarzustellen, dass wahre Stärke niemals mit Dominanz zu tun hat und niemals mit Gewalt zu tun hat, sondern mit Empathie, Selbstreflexion und mit dem Mut, man selbst zu sein. (👏 SPÖ, NEOS) Ein weiterer Punkt aus dem Bericht, der mich zutiefst beunruhigt – er wurde schon angesprochen –, der betrifft uns vor allem jetzt: Jetzt sind Ferien. Das bedeutet für Eltern Hochsaison. Das heißt: Kinderbetreuung organisieren, Ausflüge, Feriencamps, und da ist es natürlich wichtig, dass die Kinder gut betreut sind, dass sie eine schöne Zeit haben und dass sie vor allem sicher sind. Und da wird es gefährlich, denn immer mehr sogenannte weltanschauliche Camps – liebe FPÖ, da geht es nicht nur um den Islam, sondern es geht um – unter Anführungszeichen – „weltanschauliche“ Camps, vermeintlich günstige und harmlose Sommercamps für Kinder, die angeboten werden; doch was oft nach Abenteuer klingt, kann religiöse Manipulation sein. Der Sektenbericht dokumentiert Fälle, in denen Kindern untersagt wird, dass sie Kontakt zu ihren Eltern haben. Es gibt Hinweise auf psychische und physische Gewalt und Missbrauch. Kinder müssen den Glauben lernen, unter Androhung von Strafen, und anstatt zu spielen lernen sie, wie sie andere Kinder weiter missionieren. Also Eltern wird ein harmloses Freizeitangebot versprochen, doch was manche Kinder erleben, ist Manipulation und Abschottung mit gravierenden Folgen. Und das darf uns ganz sicher nicht egal sein und da brauchen wir klare Regeln, denn jedes Feuerwehrfest hat einfach mehr Auflagen, als wenn jemand eine Kinderbetreuung in den Ferien veranstaltet. Und darum brauchen wir, ja, verpflichtende Kinderschutzkonzepte. (👏 SPÖ, NEOS) Aus diesem Grund, damit wir sofort handeln können, bringe ich einen Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „verpflichtende Kinderschutzkonzepte für private Sommercamp-Anbieter:innen“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Europa, Integration und Familie im Bundeskanzleramt wird zur Einführung verpflichtender Kinderschutzkonzepte für private Anbieter:innen von Sommercamps, inklusive einheitlicher Qualitätsstandards in der Kinderbetreuung, sowie Schulungen und Qualifizierungen für Betreuungspersonal, aufgefordert.“ Sorgen wir dafür, dass Eltern ihre Kinder in Sicherheit wissen, liebe Kollegen und Kolleginnen. (👏 SPÖ) 21.40 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/178.1 verpflichtende Kinderschutzkonzepte für private Sommercamp-Anbieter:innen (98/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Plakolm, die ich an dieser Stelle auch sehr herzlich in unserer Mitte begrüße. – Bitte, Frau Bundesministerin.

FPÖ Harald Schuh

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaften fallen explizit nicht in den Zuständigkeitsbereich der Bundesstelle für Sektenfragen. Da stellt sich mir unweigerlich die Frage: Wer entscheidet eigentlich darüber, was als anerkennungswürdig gilt und was nicht? Wenn man bedenkt, dass das Christentum im Römischen Reich anfangs als Sekte bezeichnet wurde, um eine Rechtfertigung für seine Verfolgung zu haben, dann ist vieles offenbar eine Frage des herrschenden Machtgefüges. Nach eigenen Worten verwendet die Bundesstelle den Begriff Sekte nicht, um eine Gemeinschaft zu charakterisieren, natürlich ist aber dieser Begriff alles andere als wertfrei. Tatsächlich gibt es Gruppierungen, die als gefährlich einzustufen sind; mindestens so gefährlich ist aber auch die beiläufige Verwendung von Begrifflichkeiten, die darauf abzielen, Mitbewerber zu diskreditieren und anderen Meinungen von vornherein die Gültigkeit abzusprechen. Wer nicht die eine wahre Gottheit anbetet, ist ein Ungläubiger; wer einen Verbrenner fährt, ein Klimasünder; wer auf sein Immunsystem vertraut, ist ein Leugner; wer über den Tellerrand der Schulmedizin blickt, ein Esoteriker …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Ja, das stimmt!

FPÖ Harald Schuh

… wer nicht mit dem Mainstream läuft, ist ein Querdenker; wer außerhalb der sogenannten Qualitätsmedien nach Antworten sucht, ist ein Verschwörungstheoretiker ; wer bei schrillen Paraden keinen Stolz empfindet, ist intolerant; wer Zebrastreifen farblos bevorzugt, homophob …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

... farbloser Zebrastreifen!

FPÖ Harald Schuh

… wer die Neutralität für den Frieden nutzen möchte, ist ein Russlandversteher; wer nicht jeden ins Land lassen will, ein Ausländerfeind; wer seine Heimat liebt, ist ein Nationalist; wer die EU kritisiert, ein Antieuropäer; wer ausspricht, was sich die Menschen denken, ist ein Populist; und wer die Freiheit schätzt und die herrschende Meinung hinterfragt, der gilt als gesichert rechtsextrem. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Sieber. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Norbert Sieber

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Wir debattieren den Sektenbericht 2024, und wie viele von Ihnen habe ich den Bericht mit großem Interesse gelesen. Nun, was ist denn der Auftrag der Sektenstelle? Die Bundesstelle für Sektenfragen ist zuständig für die Dokumentation von und Information über Gefährdungen, die von Sekten oder sektenähnlichen Aktivitäten ausgehen können. – So weit, so gut und auch richtig, dass wir so eine Einrichtung in Österreich haben, die das macht. Warum wird jetzt aber versucht, das persönlich zu nehmen und hier etwas herauszufiltern, was gar nicht drinnen ist? Meine Damen und Herren von der FPÖ, weil Sie heute hier diese traditionellen Familienbilder, die traditionellen Geschlechterrollen zum Thema machen: Ja, auch mir ist das traditionelle Familienbild und sind auch die traditionellen Geschlechterrollen sehr wichtig, neben vielen anderen Lebensmöglichkeiten, die es gibt, selbstverständlich. Aber wenn Sie das so herausstellen, dann schauen wir doch in den Bericht und schauen wir, was da drin unter diesem Titel traditionelle Geschlechterbilder und Geschlechterrollen zu finden ist! Unter „Online-Coaching“ zum Beispiel steht, dass da zu lesen war, „Dass die männliche Energie geprägt sei von der ‚Klarheit eines Oberoffiziers‘“ oder „dass Frauen Erfolg über den ‚Sex-Kanal‘ empfangen würden“. Meine Damen und Herren, Gott sei Dank steht das in diesem Bericht. Das kann doch nicht etwas sein, das wir mit traditionellen Familienbildern in Verbindung bringen. Das muss benannt werden. Oder, meine Damen und Herren von der FPÖ, wollen Sie verteidigen, dass ein Herr Andrew Tate, der ein Instagrammer, ein Influencer ist, der über zehn Millionen Follower hat und auch in Österreich viele Follower hat, unter anderem Frauen mit Hunden vergleicht und als Besitztum von Männern begreift? Das können Sie doch nicht wirklich ernst meinen! Das gehört in diesen Bericht und ist auch anzuprangern und abzulehnen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Was redest denn du für einen Schwachsinn? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Das lehnen wir eh nicht ab, aber es stehen ein paar andere Sachen auch noch im Bericht!

ÖVP Norbert Sieber

… Oder, meine Damen und Herren, zum Homeschooling, weil Sie aus diesem Bericht einen Angriff auf das Homeschooling herausfiltern: Nun, was steht denn dezidiert drin im Bericht? – „Homeschooling kann potenziell problematisch werden, wenn Kinder aus stark einschränkenden Gruppen durch die soziale Isolation und die Einengung ihres Umfeldes auf Gruppenmitglieder in ein in sich abgeschlossenes System gedrängt werden.“ Gut, dass das in diesem Bericht steht. Wir wollen das Homeschooling, aber solche Auswüchse können wir nicht mittragen, die müssen wir ablehnen. Das geht so nicht, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und, meine Damen und Herren, gerade auch von der FPÖ, wenn in diesem Bericht Personen, Akteure wie Martin Sellner oder Medien wie „AUF1“ zu Recht genannt werden, dann ist das nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der FPÖ zu sehen, denn der Bericht differenziert sehr genau und pauschaliert da nicht. Aber, meine Damen und Herren, warum Personen wie Herr Sellner oder auch das Medium „AUF1“ immer wieder im Umfeld der FPÖ auftauchen, das, meine Damen und Herren, müssen Sie beantworten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Feichtinger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Elisabeth Feichtinger

Danke, Herr Präsident! Frau Ministerin! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es hat mich total erschüttert, als ich diesen Bericht gelesen habe, und es hat mich auch sehr bewegt, was bei uns in Österreich tatsächlich alles passiert, welche Gruppierungen es gibt und vor allem auch – und das hat man auch gehört –, wie über Frauen gedacht wird, über Menschen, die queer sind oder andere Ideen oder Lebensformen haben, dass man so über Menschen denkt und auch, wie man über sie allgemein urteilt. Aber noch viel schlimmer finde ich es, wenn Kinder so stark darunter leiden, und zwar, wenn Erwachsene Entscheidungen für kleine Kinder treffen, die sich einfach nicht entscheiden können, ob sie das richtig empfinden können oder ob sie das so wollen oder auch nicht. Das finde ich am dramatischsten. Und darum finde ich es auch extrem schade, dass die FPÖ in diesem Bereich diese wichtigen Sektenfragen und vor allem die Bundesstelle rund um die Sektenfragen und diesen Bericht so verwässert und so schlechtmacht. Das finde ich einfach nicht in Ordnung, weil es dem, was da aufgezeigt wird, nicht gerecht wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und auch wenn man noch so oft sagt, dass es ein Blödsinn ist, was da drinnen steht oder dass das ja das Frauenbild und alles andere zerstört: Ich finde das einfach nicht in Ordnung, weil es so nicht ist. Es können die Fakten nicht verzerrt werden, auch wenn man es noch so oft sagt. Faktum ist, dass die Kinder darunter leiden, wenn Eltern sie zum Beispiel im Homeschooling mit Dingen konfrontieren, die überhaupt nichts mit der Realität zu tun haben. Als Pädagogin kann ich nur sagen: Die sozialen Kompetenzen können nicht zu Hause intensiviert werden, sondern nur mit Gleichaltrigen. (👏 SPÖ) Wie kann man das nur schaffen? – Indem die Kinder in guten Bildungseinrichtungen ausgebildet werden. Das hat nichts damit zu tun, wo die Kinder herkommen. Wenn man sich Kinder anschaut – als Mama sehe ich das immer wieder –: Wenn Kinder miteinander spielen, dann ist es egal, welche Hautfarbe sie haben, wo sie herkommen, welche Religion sie haben. Kinder sind das beste Beispiel – und da könnten wir Erwachsene uns viel davon abschauen –, wie man miteinander soziale Kompetenzen stärkt und auch gemeinsam Dinge entdecken kann, ohne dass man Vorurteile gegen sein Gegenüber hat. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das ist wirklich etwas, wovon wir alle uns etwas abschneiden und wo wir uns etwas abschauen können. Ich schätze diesen Bericht sehr, und ich denke, es ist eine wichtige Aufgabe für uns, da zu handeln. Wir dürfen nicht unterschätzen, was da gerade passiert. Ich finde es auch schade, dass die FPÖ sich da irgendwie angegriffen fühlt. Vielleicht müssen wir uns da auch einmal überlegen, wie man mit dem Ganzen umgeht. Und weil es immer um die Linksradikalen und Rechtsradikalen geht: Ich will keine Radikalität, und auch im Glauben braucht es keine Radikalität. Ich bin überzeugte römisch-katholische Christin, und mir ist es wichtig, dass jeder seinen Glauben oder seinen Nichtglauben lebt, wie er will. Dafür leben wir in Österreich, und darum bin ich auch stolz, in diesem Land zu sein, meine Entscheidungen zu treffen und alle anderen zu schützen. Das ist unser Job in der Politik, und dafür sitzen wir da herinnen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes und der psychosozialen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen

163 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 342/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag 342/A(E) zu Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes und der psychosozialen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen ab. Stattdessen wurde ein eigener, inhaltlich verwandter Entschließungsantrag zur Verstärkung und Weiterentwicklung von Präventions- und Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche einstimmig angenommen.

Betroffen sind Kinder und Jugendliche sowie ihr Umfeld (Schulen, Eltern/Erziehungsberechtigte) und die psychosozialen Unterstützungs- und Präventionsangebote.

Ziel des abgelehnten Antrags war, nach dem Amoklauf in Graz Prävention, Schutz in Schulen, psychosoziale Versorgung und außerschulische Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche deutlich auszubauen und zu verbessern.

Dokumente

Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes und der psychosozialen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen

Ausgangslage und Anlass

  • Der Bericht behandelt Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes sowie der psychosozialen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen.
  • Als unmittelbarer Anlass wird der Amoklauf an einer Schule in Graz am 10. Juni 2025 beschrieben, der als nationale Tragödie dargestellt wird: Gewalt im Schulalltag, schwere Traumatisierung von Angehörigen, Freund:innen und der breiten Öffentlichkeit.
  • Schulen werden als Orte der Sicherheit, Bildung, des Vertrauens, der Zuversicht und des Zusammenhalts hervorgehoben; die Tat wird als Erschütterung dieses geschützten Raums beschrieben.
  • Es wird betont, dass es kein „Zurück zur Tagesordnung“ geben dürfe und dass Trauer und Schmerz in politische Verantwortung und konkrete Präventionsmaßnahmen münden sollen.

Zielrichtung: Prävention, Ursachenanalyse und strukturelle Verbesserungen

  • Gefordert wird eine tiefgehende Analyse möglicher Ursachen sowie der bestehenden Strukturen, um künftige Taten zu verhindern.
  • Prävention soll im Mittelpunkt stehen: in Schulen, in der psychosozialen Versorgung und im gesellschaftlichen Umgang mit Waffen.
  • Gewalt wird als unvereinbar mit einer demokratischen, offenen und friedlichen Gesellschaft bezeichnet.
  • Als Ziel wird eine „Freiheit von Gewalt“ und damit auch eine „Freiheit von Waffen“ formuliert.

Psychosoziale Unterstützung: Bedarfslage und Handlungsfelder

  • Neben dem Ausbau der psychosozialen Versorgung werden verstärkte Unterstützungsangebote auch im außerschulischen Bereich gefordert.
  • Als Indikator für den akuten Bedarf wird angeführt, dass „Rat auf Draht“ nach dem Anschlag einen sprunghaften Anstieg der Beratungsgespräche verzeichnet habe.
  • Beschrieben werden Ängste vieler Kinder und Jugendlicher, dass sich Ähnliches auch in ihrem Umfeld ereignen könnte.
  • Auch Eltern werden als häufig überfordert dargestellt, insbesondere im Umgang damit, wie sie mit ihren Kindern über solche Ereignisse und schwierige Themen sprechen sollen.

Breiterer Kontext psychischer Belastungen bei jungen Menschen

  • Das Gefühl der Ohnmacht wird nicht nur auf Extremsituationen bezogen, sondern als Teil zunehmender psychischer Belastungen im Alltag junger Menschen beschrieben.
  • Mehrfache gesellschaftspolitische Krisen und Zukunftsängste werden als Belastungsfaktoren genannt.
  • Digitale Phänomene wie Sextortion und Cybermobbing werden als zusätzliche Ursachen für Verunsicherung und Angst angeführt.
  • Diese Mischung wird als Risiko für eine zunehmende Eskalation beschrieben.

Schlussfolgerung: Ausbau qualitativ hochwertiger Versorgung

  • Der Amoklauf wird als erneute, deutliche Bestätigung gewertet, dass insgesamt mehr Anstrengungen nötig seien.
  • Zentral ist die Forderung, eine qualitativ hochwertige psychologische Versorgung für Kinder und Jugendliche sicherzustellen und dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden.

Inhaltliche Stoßrichtung der im Ausschuss beschlossenen Initiative

  • Im Zuge der Beratungen wird eine Initiative zur Verstärkung und Weiterentwicklung von Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz von Kindern und Jugendlichen aufgegriffen.
  • Der Schwerpunkt dieser Stoßrichtung liegt auf Prävention sowie Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche (inhaltlich als Weiterentwicklung/Verstärkung bestehender Maßnahmen beschrieben).

Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes und der psychosozialen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen

~30 min Lesezeit
Dafür: GRÜNE Dagegen: FPÖÖVPSPÖNEOS
GRÜNE Barbara Neßler

Danke schön. – Liebe Kollegen und Kolleginnen! Der Sektenbericht von der vorherigen Debatte zeigt, glaube ich, eines ganz deutlich, und zwar das, was alle Experten und Expertinnen seit Jahren fordern: Kinder und Jugendliche brauchen psychosoziale Unterstützung in der Schule und vor allem auch außerhalb der Schule. Es ist wichtig, dass wir diese Strukturen ausbauen. Darum ist natürlich dieser Antrag sehr zu begrüßen, auch wenn ich dazusagen muss, dass er sehr, sehr vage ist. Trotzdem ist er wichtig, weil es kein Nice-to-have ist, sondern die Basis dafür, dass Kinder gesund aufwachsen können, sich entwickeln, dass sie Vertrauen in sich selber, in andere, in die Gesellschaft entwickeln können. Genau zu diesem Vertrauen gehört auch noch etwas – darüber haben wir vorhin schon sehr viel gesprochen –, und das ist die Familie. Egal, wie jeder und jede Familie definiert: Familie ist immer Beziehung, ist Bindung, ist Verantwortung, und Bindung braucht Zeit, vor allem dann, wenn sie neu entsteht. Gerade Väter nehmen die Anfangszeit oft weniger wahr, sei es durch alte Rollenbilder, gewachsene Strukturen, persönliche Entscheidungen. Es gibt aber Väter, die Zeit mit ihrem Kind verbringen wollen und es rechtlich nicht dürfen, denn wer ein Kind adoptiert oder ein Kind in Pflege nimmt, bekommt keinen Papamonat, wenn das Kind älter als 121 Tage ist. Diese Regelung ist natürlich völlig absurd, und die müssen wir ändern, denn eine Bindung zum Kind endet ja nicht nach 121 Tagen. Diese Lücke sollten wir heute schließen, denn gerade nach einer Adoption braucht es natürlich Zeit: Zeit, zusammenzuwachsen, Zeit, Verantwortung zu übernehmen, Zeit, eine Familie zu werden. Das ist wichtig für die Eltern, es ist wichtig für das Kind, und es ist wichtig für eine partnerschaftliche Beziehung. Jeder Vater, wirklich jeder Vater, sollte das Recht darauf haben, die erste Zeit mit dem Kind zu verbringen. Das ist eine Zeit, die sehr kostbar ist, die nicht mehr zurückkommt, die man nur einmal erlebt. Kein Gesetz sollte ihm das nehmen. Deshalb bringe ich einen Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Ausweitung des Anspruchs auf Familienzeitbonus (‚Papamonat‘) für Adoptiv- und Pflegeeltern“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Europa, Integration und Familie im Bundeskanzleramt wird aufgefordert, dem Nationalrat ehestmöglich eine Regierungsvorlage zuzuleiten, mit der das Familienzeitbonusgesetz dahingehend geändert wird, dass auch Adoptiv- und Pflegeeltern Anspruch auf den Familienzeitbonus erhalten, wenn das Kind bei Aufnahme älter als 121 Tage ist. Die Anspruchsfrist soll künftig ab dem Zeitpunkt der lnpflege- oder lnobhutnahme bzw. Rechtswirksamkeit der Adoption berechnet werden.“ Ich glaube, dass das ein wichtiger Antrag für alle Familien ist, damit sie diese wichtige erste Zeit miteinander erleben dürfen. – Danke schön. (👏) 22.00 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/185.1 Ausweitung des Anspruchs auf Familienzeitbonus („Papamonat) für Adoptiv- und Pflegeeltern (99/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Ricarda Berger . Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Ricarda Berger

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Liebe Österreicher! Als Mutter von drei wundervollen Kindern und als Familiensprecherin meiner Partei ist es mir ein echtes Anliegen, heute hier das Wort ergreifen zu dürfen, denn wir reden über etwas extrem Wichtiges – ich würde sogar sagen: das Wichtigste, nämlich den Schutz und die Unterstützung unserer Kinder und Jugendlichen. Ich sage es gleich vorweg: Wir werden Ihrem Antrag zustimmen, aber nicht, weil Sie so großartige Arbeit leisten, sondern weil wir jede Maßnahme unterstützen, die unseren Kindern hilft, aber ich sage auch ganz klar dazu: Der Antrag kommt unserer Meinung nach viel zu spät, denn seit Jahren fordern wir Freiheitliche genau das, nämlich bessere Betreuung, mehr Unterstützung, echte Hilfe für Kinder, Jugendliche und Familien. Vor allem während der Coronazeit haben wir immer wieder davor gewarnt, wir haben gesagt, die Lockdowns, die Isolation, der Druck, das alles wird Spuren hinterlassen – große Spuren. Leider Gottes haben wir recht behalten; ich wünschte wirklich, wir hätten es nicht. Viele Kinder sind heute noch nicht darüber hinweg. Das zeigen leider Gottes auch die Studien, dass sehr, sehr viele Schüler aufgrund der massiven Coronamaßnahmen unter psychischen Problemen leiden. Ein weiteres Problem ist aber auch die unkontrollierte Zuwanderung – die importierte Gewalt an Schulen, die Respektlosigkeit gegenüber dem Lehrpersonal, die Unsicherheit. Das alles sind längst keine Einzelfälle mehr, das sind leider Gottes alles Folgen einer gescheiterten Integrationspolitik. Das ist dramatisch. (👏 FPÖ) Leider Gottes haben Sie immer weggesehen und jetzt – Jahre später – kommt dieser Antrag; jetzt, wo die Kinderpsychiatrien überlaufen sind, jetzt, wo die Beratungsstellen überfordert sind, jetzt, wo die Lehrer verzweifelt Hilfe suchen, weil sie mit all den Problemen im Klassenzimmer alleingelassen werden. Deshalb sage ich: Ja, der Antrag ist gut gemeint, kommt aber leider Gottes viel zu spät. Wo war damals die Einsicht? Natürlich müssen Chat- und Notrufangebote wie Rat auf Draht erhalten und auch finanziell abgesichert werden, auch die außerschulische Jugendarbeit gehört gestärkt. Was wir allerdings definitiv nicht wollen, ist, dass Schule ein Therapiezentrum wird. Schule ist ein Ort der Bildung, nicht der dauerhaften Krisenbewältigung. Unsere Lehrer sollen unterrichten und nicht als Ersatzpsychologen herhalten müssen. (👏 FPÖ) Ich frage Sie aber: Warum ist das nicht schon längst alles passiert? Warum hat man die Kinder so lange mit ihren Problemen alleingelassen? Warum hat man die Warnungen von unserer Seite ignoriert? Nur weil sie von uns, von den Freiheitlichen, gekommen sind? Was ich auch erwähnen möchte: Wir dürfen nicht so tun, als wäre es mit ein paar Planstellen getan, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Wissen Sie, was mich besonders ärgert? – Dass in all diesen Papieren kein einziges Mal davon die Rede ist, wie wichtig eigentlich Eltern sind. Mütter und Väter brauchen auch Unterstützung, und gerade während der Coronazeit hätten sie diese Unterstützung wahrlich gebraucht. Ich weiß, viele von Ihnen hier sind auch Mütter und Väter, und wir wissen, glaube ich, alle, wie schwer es sein kann, Kinder zu begleiten, wenn es in der Schule Probleme oder zu Hause Sorgen gibt. Ich glaube, dass wir alle als Eltern wirklich das Beste für unsere Kinder wollen, aber sie brauchen auch Vertrauen. Kollegin Neßler hat auch davon gesprochen: Wir brauchen Vertrauen. Auch zur Gewaltprävention will ich da schon eines klar sagen: Es geht nicht immer nur um schöne Plakate und um schöne Hochglanzbroschüren – ja, die sind auch wichtig, keine Frage –, sondern es geht primär darum, dass wir hinschauen, dass wir nicht aus Angst vor politischer Korrektheit schweigen. Gewalt gegen Kinder ist niemals akzeptabel, egal woher sie kommt, egal aus welchem Umfeld sie kommt. (👏 FPÖ) Wir fordern schon seit Langem ehrliche Analysen, klare Strukturen und echte Hilfe – und das Ganze ohne Schönreden –, denn Kinder sind das Kostbarste und es gibt nichts Schützenswerteres als unsere Kinder. Deshalb werden wir dem heute zustimmen, aber eines sei gesagt: Wir werden nicht vergessen, wie viel Zeit hier verspielt worden ist, wie viele Chancen leider Gottes ungenützt geblieben sind und was die Coronamaßnahmen alles ausgelöst haben, wie viele Kinder in den letzten Jahren tatsächlich auch im Stich gelassen wurden. Unsere Kinder verdienen das Beste – nicht irgendwann, sondern jetzt. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Jachs. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Johanna Jachs

Zwischen Aktion „und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Diese Worte stammen von Viktor Frankl. Er hat wahrscheinlich die individuelle Entwicklung der Menschen gemeint, aber man könnte diese Worte auch auf unsere Gesellschaft übertragen – und, liebe FPÖ, vielleicht nehmt ihr euch diese Worte ganz besonders zu Herzen. Die tragischen Ereignisse in Graz im letzten Monat haben uns auf ganz brutale Art und Weise gezeigt, wie rasch das Unfassbare Realität werden kann. Ein junger Mensch, mitten unter uns, in unserem Schulsystem, begeht einen Amoklauf. Deswegen werden wir diesen Moment auch nicht loslassen, sondern werden Aktionen und Handlungen setzen und heute unter anderem darüber reden. Liebe Kollegin Berger! Ich mache dir jetzt gar keinen Vorwurf, du warst in der letzten Legislaturperiode nicht im Hohen Haus, deshalb weißt du vielleicht nicht, dass wir das in der Vergangenheit auch schon getan haben, wenn es um die psychische Gesundheit junger Menschen geht. Wir haben da ein ganz großartiges Projekt geschaffen – Gesund aus der Krise –, und auch das wird jetzt in dieser Legislaturperiode weiter finanziert. (👏 ÖVP, SPÖ) Diese Bundesregierung setzt natürlich auch weitere Schritte Bezug nehmend auf das, was ich gerade angesprochen habe. Wir verschärfen das Waffenrecht, es wird mehr Schutz für Kinder und Jugendliche geben, und wir müssen auch die Verantwortung der sozialen Medien besprechen und genauer hinschauen. Auch da braucht es mehr Jugendschutz, auch da braucht es transparente Algorithmen, transparente, nachvollziehbare Standards, wo die Verantwortlichkeit festgemacht werden kann. Sehr geehrte Damen und Herren, fast die Hälfte der österreichischen Schülerinnen und Schüler sagt, dass sie aufgrund der schulischen Anforderungen stark unter Druck stehen. 21 Prozent der Schülerinnen und Schüler sagen auch, dass sie unter wiederkehrenden depressiven Symptomen leiden. Bei mir zu Hause in Freistadt haben sich im letzten Monat zwei Schüler suizidiert, das Leben genommen. Das Leben hatten sie noch vor sich. Deshalb müssen wir da wirklich ganz, ganz genau hinschauen. Wir dürfen diese Situation nicht so hinnehmen, denn junge Menschen sollen eben nicht glauben, dass sie mit ihren Problemen, mit dem Druck, mit den Emotionen alleine dastehen. Wir müssen ihnen sagen, dass es da auch Ansprechpersonen gibt – neben Eltern, neben Familien, neben Freundinnen und Freunden, selbstverständlich. Es gibt zum Beispiel die Hotline Rat auf Draht, die Kummernummer, andere niederschwellige Angebote, die zur Seite stehen, wenn sie gebraucht werden und man sie in Anspruch nimmt. Das wollen wir eben langfristig finanziell absichern, und wir wollen natürlich auch die Prävention an den Schulen ausbauen. Es braucht mehr Schulpsychologen, mehr Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter an den Schulen. Das werden wir machen, aber es ist klar, dass die Schule das nicht alleine tragen kann. Darum wollen wir auch die außerschulische Jugendarbeit stärken, mehr Workshops, mehr Informationen, mehr Prävention – auch in den Klassenzimmern: mehr erste Hilfe für die Seele in den Klassenzimmern. Das sind ganz wichtige Ansätze, die wir mit diesem Antrag verfolgen werden. Darüber hinaus – und das wurde jetzt noch gar nicht thematisiert – wollen wir auch einen runden Tisch mit den Ländern, bei dem es um einheitliche Standards in der Kinder- und Jugendwohlfahrt und um eine ressortübergreifende Gewaltprävention geht. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich danke Ihnen trotzdem – vor allem bei diesem Thema – für die Einstimmigkeit, dass Sie alle diesen Antrag unterstützen werden. Das ist einfach ganz wichtig, wenn die Kinder und vor allem auch die mentale Gesundheit unserer Kinder im Mittelpunkt stehen. Wir können die Momente der letzten Wochen, des Junis nicht ungeschehen machen. Wir können sie nutzen, um unsere Strukturen zu verbessern für mehr Prävention – und das ist auch unsere Verantwortung. In dieser Verantwortung liegt auch eine Chance, nämlich die Chance auf eine Gesellschaft, in der Kinder und Jugendliche gesehen werden, gestärkt werden und ernst genommen werden. Das ist unsere Aufgabe, dass wir alle miteinander hinsehen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Stich. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte.

SPÖ Paul Stich

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Es ist heute schon oft erwähnt worden: Wir leben in Zeiten großer Krisen – Krisen, die sich zu einem gewissen Grad teilweise auch mehrfach bedingen und beeinflussen und damit eigentlich zu einer Vielfachkrise werden, die für immer mehr junge Menschen eine zunehmende Belastung wird. Es gibt die Unsicherheit durch Kriege, es gibt die Wirtschaftskrisen, es gibt Klimakatastrophen wie das Hochwasser im vergangenen Jahr. Wir sehen, dass durch all diese Krisen, die sich gegenseitig beeinflussen, auch die Zahl an jungen Menschen, die psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und diese auch brauchen, in den letzten Jahren massiv steigt. Eigentlich finde ich es ja schön, dass man es in der Vergangenheit geschafft hat, diesen Faktor auch zu einem gewissen Grad außer Streit zu stellen: dass man nicht versucht, diverse andere Diskussionen in die Frage, wie es mit der psychischen Gesundheit von Jugendlichen ausschaut, hineinzubekommen. Kollegin Berger schert da gerade ein bisschen aus, aber ich verzeihe es ihr jetzt einmal in dem Zusammenhang, weil ich mich eigentlich tatsächlich fraktionsübergreifend – auch bei den Fraktionen, die in der Bundesregierung waren, als wir Oppositionsfraktion waren, und auch bei jenen Fraktionen, die jetzt Oppositionsparteien sind, wenn wir in der Regierung sind – dafür bedanken wollte, dass es in den vergangenen Jahren gelungen ist, das Thema psychische Gesundheit, das lange ein Tabuthema war und unter den Teppich gekehrt worden ist, dorthin zu holen, wo es hingehört, nämlich in den Mittelpunkt der politischen Debatte. Vielen Dank dafür! (👏 ÖVP, SPÖ) Auch wenn es nicht ganz so scheint, ist das nämlich das, wofür wir eigentlich da sind: um Probleme zu lösen. Man könnte meinen, dass das in den Debatten, wie sie auch heute teilweise laufen, ein bisschen in Vergessenheit gerät. Trotzdem wissen wir, dass ganz viele weitere Schritte notwendig sind, denn für viele Jugendliche gibt es immer noch hohe Hürden: Geht es einem psychisch überhaupt wirklich so schlecht, dass man dafür mehrere Hundert Euro ausgeben muss? Wenn ja, kann man es sich überhaupt leisten? Verstehen das die Eltern überhaupt oder tun sie das als Fantasie ab und meinen einfach nur, man soll sich ein bisschen zusammenreißen und dann wird das schon? – Das sind die Fragen, die sich junge Leute in Österreich tagtäglich stellen. Die Antwort ist eben viel zu oft, dass man sich dann doch keine Hilfe holt, weil man sich eh selbst therapieren kann, weil man auf Social Media ein paar Mentalcoachings findet, ein paar legale oder halblegale Substanzen zu sich nimmt oder irgendwo sonstige Ablenkung findet.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Was ist halblegal?

SPÖ Paul Stich

… Das ist natürlich ein Schmarrn, sowohl für die jungen Leute als auch für uns als Gesellschaft. Ich will in einer Welt leben, in der wir all diese Dinge nicht mehr diskutieren müssen, weil diese Argumente nicht mehr existieren, weil die Prävention so zugänglich ist, dass sie a) für alle Menschen da ist und b) nicht mehr der Kontostand entscheidet, ob man psychische Gesundheit ernst nehmen kann oder nicht. (👏 SPÖ) Was heißt das jetzt konkret? – Ein Ausbau des psychosozialen Angebotes an Schulen; mehr Geld für Prävention und gezielte Maßnahmen, um vor allem auch vorbeugend zu wirken, dass wir gar nicht in die Situation kommen. In Wahrheit ist es ja so: Wer einen guten Lohn bekommt, wer eine leistbare Wohnung hat, deren Miete im besten Fall gedeckelt ist, und wer in der Schule oder in der Ausbildung ohne ständigen Dauerdruck lernen kann, der hat weniger psychische Probleme. Die beste Prävention im Sinne der psychischen Gesundheit ist daher vor allem eine Politik, die ökonomisch absichert, die dafür sorgt, dass die jungen Leute, die jeden Tag ihre Leistung bringen, sich keine Sorgen um ihr Leben machen müssen. Wer das will, hat in uns, in der Sozialdemokratie, einen verlässlichen Partner. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Auinger-Oberzaucher. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Gertraud Auinger-Oberzaucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Ministerin! Auch wenn wir es noch so sehr wollen, können wir Kindern keine perfekte Welt versprechen – aber wir können alles tun, um sie stark für diese Welt zu machen. Wenn wir über Kinder und Jugendliche sprechen, dann sprechen wir über Zukunft. Wir sprechen über die Zukunft unserer Gesellschaft und wir sprechen auch über die Frage, in welcher Gesellschaft junge Menschen aufwachsen, sich entfalten und gesund bleiben können – physisch und psychisch. Die Herausforderungen für junge Menschen sind heute größer und komplexer als früher, und es liegt in unserer Verantwortung, wie wir als Gesellschaft tatsächlich darauf reagieren. Psychische Gesundheit von Kindern, meine Damen und Herren, ist Gesellschaftssache, sie ist keine Privatsache. (👏 ÖVP, NEOS) Die Familie in ihrer vielfältigen Form bleibt ein zentraler Ort für Geborgenheit, aber wir wissen: Kindheit findet heute nicht nur in den Kinder- und Wohnzimmern statt, sie findet in vielen verschiedenen Räumen statt: in der Schule unter Gleichaltrigen, aber zunehmend auch im digitalen Raum. Laut einer aktuellen OECD-Studie verbringen viele der 15-Jährigen mehr als 40 Stunden pro Woche online, einen Großteil davon in sozialen Medien. Wir haben es schon gehört: Da geht es viel um Selbstoptimierung, es geht darum, wie das Selbstbild geprägt wird, um die Beziehungen, aber auch um die Sorgen der Kinder und Jugendlichen. Der Austrian Health Report zeigt, dass fast ein Drittel der Jugendlichen sich psychisch belastet fühlt. Viele erleben Isolation, Überforderung, Orientierungslosigkeit. Diese Zahlen sind keine Überraschung, aber was sie nicht werden dürfen, ist Normalität. In Ländern wie Finnland oder Schweden zum Beispiel ist psychische Gesundheit längst Teil von Bildung und Sozialpolitik. Dort wird früh gestärkt und nicht erst spät repariert. Auch wir in Österreich gehen jetzt den nächsten Schritt: Angebote wie Rat auf Draht, Gesund aus der Krise – wir haben es bereits gehört – oder auch digitale Chats werden genutzt, weil sie einfach niederschwellig und lebensnah sind und weil Jugendliche Hilfe und Kontakt überall dort suchen, wo das vertrauensvoll möglich ist. Jetzt geht es darum, diese sehr erfolgreichen Instrumente zu evaluieren und vor allem die effizientesten weiter auszubauen und besser zu vernetzen. Wir alle wissen: Prävention ist günstiger als jede Reparatur – sowohl menschlich als auch finanziell. Medienkompetenz und emotionale Bildung müssen Teil moderner Schule und Gesellschaft sein. Kinder brauchen dieses Werkzeug, um sich in dieser komplexen Welt auch wirklich zurechtzufinden. Es gibt viele gute Ansätze – jetzt geht es darum, sie zu stärken und vor allem besser Brücken zu bauen. Mit diesem heutigen Entschließungsantrag wollen wir dazu beitragen, dass psychosoziale Unterstützungsnetzwerke gestärkt, vernetzt und näher an den Alltag der Jugendlichen gebracht werden. Psychische Gesundheit ist kein Nischenthema. Sie betrifft Bildung, Integration, Chancengerechtigkeit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb setzen wir heute ein Zeichen für einen zukunftsgerichteten, lösungsorientierten Zugang – realistisch, aber auch mutig genug, um nicht alles beim Alten zu lassen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächster Redner zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Schwaighofer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Sebastian Schwaighofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Was der Jugend und insbesondere dieser Generation psychologisch angetan wird, das ist historisch nahezu einmalig – die Zunahme psychischer Erkrankungen, die steigende Zahl von Psychopharmakaverschreibungen und der unsägliche Anstieg von Suiziden. Wenn wir heute darüber sprechen, dass immer mehr junge Österreicher und Österreicherinnen in psychische Ausnahmezustände geraten, dann müssen wir auch ehrlich darüber sprechen: Was sind denn die Auslöser dafür? ( Ruf: Genderwahn! ) Heute wird hier vorgeschlagen, zum Beispiel mehr psychosoziale Einrichtungen in Schulen zu errichten und diese dann auch besser zu finanzieren. Das ist zwar formal richtig und ein Antrag, den wir auch unterstützen können, aber ich möchte bitte ehrlich nachfragen: Was soll denn der Schulpsychologe tun, wenn der Gesundheitsminister versagt? Was soll denn der Schulpsychologe bitte tun, wenn der Bundeskanzler und der Innenminister versagen – bei den Gründen, die die Psyche der jungen Menschen ins Schwanken bringen? (👏 FPÖ) Was soll denn der Schulpsychologe einem jungen Österreicher raten, der sozusagen der Letzte seiner Art in seiner Klasse ist und der deswegen gemobbt und gehänselt wird, bis er nicht mehr weiß, ob er noch leben möchte? Das ist eine Anklage, die ich heute mitbringen möchte, weil es eine ganze Generation junger Österreicher betrifft, denen hier sozusagen die Heimat abhandenkommt. (👏 FPÖ) Was in diesem Land passiert, das ist keine zufällige Einzelerscheinung. ( Unruhe im Saal. ) Es ist nicht so, dass all diese psychischen Erkrankungen mir nichts, dir nichts plötzlich vom Himmel gefallen sind – und ich bitte jetzt auch das Lachen einzustellen, es ist ein wahnsinnig ernsthaftes Thema: 55 Prozent mehr Suizide! Das bedeutet auch, dass es 55 Prozent mehr Eltern gibt, die ihre Kinder zu Grabe tragen müssen, und da gibt es nichts zu lachen.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Wir lachen gar nicht! – Ruf bei der ÖVP: Es lacht ja niemand!

FPÖ Sebastian Schwaighofer

… Selbst wenn man nicht meiner Meinung ist, ist das ein wahnsinnig ernstes Thema.

ÖVP Brandweiner (Zwischenruf)

Herr Kollege, wer lacht denn da?

FPÖ Sebastian Schwaighofer

… Es ist kein Zustand, den man mit einer einfachen Debatte oder ein paar Floskeln beschwichtigen kann. Das ist ein Zustand, der Verantwortliche braucht – und es ist ein Zustand, der ein klares Bekenntnis dazu braucht, dass es gewisse Menschen gibt, die Fehler gemacht haben, und dass es jetzt auch besser gehen muss. Die Coronamaßnahmenpolitik war ein Fehler, die Massenmigration war ein Fehler, der psychologische Ausnahmezustand, den Ihre gesamte linke, woke Identitätspolitik hervorgerufen hat, war auch ein Fehler. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als nächster Redner zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Brandweiner. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Koza [Grüne]: Wen grüßt du jetzt wieder? – Abg. Brandweiner [ÖVP] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Die Grüße kommen später!)

ÖVP Lukas Brandweiner

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn 24 Prozent der jungen Menschen glauben, sie müssen mit psychischen Problemen alleine fertigwerden, dann ist das ein Alarmsignal und ein klarer Auftrag an uns alle. Wenn es um den Schutz unserer Kinder geht, dürfen wir nicht zögern. Da stehen wir gemeinsam, parteiübergreifend in Verantwortung, das zeigen wir auch heute mit diesem gemeinsamen Antrag, und dafür möchte ich zu Beginn auch danken. Wir wollen mehr Schutz, mehr Prävention und mehr Unterstützung für die Kinder und Jugendlichen in unserem Land. Wir haben dabei eine starke Verbündete, unsere Bundesministerin Claudia Plakolm , die auch in der letzten Periode mit Gesund aus der Krise schon eine wichtige Initiative gesetzt hat, die nun auch weitergeführt wird. – Vielen Dank dafür. Unser Ziel ist klar: Kinder und Jugendliche sollen sicher aufwachsen können – körperlich, sozial, aber vor allem auch seelisch. Dafür braucht es ordentliche Rahmenbedingungen in der Schule, im Elternhaus, aber auch in der Freizeit. Ich möchte drei zentrale Punkte unseres Antrages besonders hervorheben. Erstens: Mehr psychosoziale Unterstützung an Schulen. Durch zusätzliche Planstellen für Schulsozialarbeit und Schulpsychologie sorgen wir dafür, dass Kinder rasch Hilfe bekommen – direkt im schulischen Umfeld, bevor Probleme größer werden, denn eines ist klar: Prävention beginnt vor Ort. Zweitens: Der Ausbau und die verlässliche Finanzierung digitaler und telefonischer Beratungsangebote, wie etwa Rat auf Draht, das schon mehrmals genannt wurde. Gerade in Krisensituationen sind diese Angebote oft für viele der erste Halt. Telefongespräche sind aber für Jugendliche oft eine zu große Hemmschwelle, und daher braucht es natürlich auch digitale Angebote, egal ob zum Chatten, per App oder über soziale Medien. Nur so erreichen wir die jungen Menschen wirklich dort, wo sie auch sind, anonym, niederschwellig und vor allem auch auf Augenhöhe. Als Drittes: Die Stärkung der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit. Egal ob im Sportverein, in der Musikschule oder in einer Landjugendgruppe – sie alle stärken das Selbstvertrauen, die soziale Kompetenz und die Resilienz unserer Jugend. Diese Strukturen sind gelebte Prävention und ein unverzichtbarer Beitrag für die gesunde Entwicklung junger Menschen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei allen Menschen bedanken, die sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit, in den unzähligen Vereinen engagieren. Ich erlebe das als Wahlkreisabgeordneter im Waldviertel wirklich jede Woche bei vielen tollen Veranstaltungen – auch jetzt in den Sommerferien unzählige Ferienspiele –, die von den Vereinen organisiert werden, aber auch als ehemaliger Jugendgemeinderat in meiner Gemeinde Groß Gerungs, wo viele Vereine und Blaulichtorganisationen die Jugend fördern und unterstützen. – Vielen Dank dafür. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Die Zukunft unseres Landes beginnt bei unseren Kindern. Sie verdienen Schutz, Halt und echte Perspektiven und sie verdienen unsere volle Aufmerksamkeit – nicht erst, wenn es zu spät ist. Ich danke unserer Familiensprecherin Johanna Jachs und allen Kolleginnen und Kollegen, die bei diesem Antrag mitgewirkt haben. Ich freue mich, dass dieser Antrag auch eine breite Zustimmung findet. – Vielen Dank dafür. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Kumpan-Takacs. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Silvia Kumpan-Takacs

Danke, Herr Präsident! Liebe Frau Ministerin! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Dieser Antrag ist wichtig, denn Kinderschutz und die psychosoziale Gesundheit der Kinder gehen uns alle an. Aus der Resilienzforschung wissen wir: Wenn wir Kinder in der Bewältigung von Krisen und schwierigen Lebenssituationen rechtzeitig stärken und ihnen helfen und sie begleiten – und auch Familien in belastenden Situationen auffangen –, dann entwickeln sich die Kinder später positiver und gesünder. Aus diesem Grund ist der Ausbau gerade dort, wo die Kinder besonders viel Zeit verbringen und wo Pädagog:innen geschult, achtsam und sensibilisiert sind – in Kinderkrippen, in Kindergärten, in Horten, in Schulen –, ganz besonders wichtig. In letzter Zeit haben viele Personen aus der Praxis das Gespräch mit mir gesucht. Ich möchte zwei Sozialarbeiterinnen zitieren und ein wenig von ihrer Arbeit erzählen. Eine davon ist ehrenamtlich einmal in der Woche in einer Schule, immer für sieben Stunden, und bietet dort den Kindern Gespräche und Beratung an. Sie berichtet davon, dass jede Woche bis zu sieben Kinder zu ihr in die Beratung kommen. Die Themen sind Familienstreitigkeiten, Liebeskummer, zu viel Druck, Mobbing, Selbstverletzung, aber auch Suizidgedanken. Sie sagt, die Kinder brauchen Menschen, die ihnen zuhören, wenn sie Probleme haben. Mit einem guten Zusammenspiel zwischen Lehrpersonal und psychologischen Beratungspersonen könnte man so viel abfangen. (👏 ÖVP, SPÖ) Eine weitere Sozialarbeiterin aus einer Mittelschule berichtete mir davon, dass sie zu wenig Zeit für die vielen Themen der Schüler:innen hat. Sie nennt Themen wie Lernschwierigkeiten, Gewalt, Beschimpfungen, Drohungen, Sucht, Ausgrenzung, Diebstahl, Mobbing, Cybermobbing und Suizidgedanken. Auch sie wünscht sich anstelle von diesem Alleinsein und diesem Alleinkämpfer:innentum gerade bei herausfordernden Fällen ein fixes Team, ein Helfernetzwerk. (👏 SPÖ) Der Ausbau der Planstellen ist daher ganz klar notwendig und wichtig. Auch der niederschwellige Support durch Telefon- und Chatangebote bildet wichtige Elemente. Vieles ist schon geschehen und im Regierungsprogramm verankert, auch ein ressortübergreifendes Maßnahmenpaket, auch der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt der Frauenministerin leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Wie wir heute schon gehört haben: Auch die tägliche Bewegungseinheit kann ihren Beitrag zur psychischen Gesundheit der Kinder leisten. (👏 SPÖ) Und ja, ich bin auch dafür, dass wir – wie unser Vizekanzler bereits gefordert hat – Kinder vor Extremismus und Gewalt, die durch das Handy in die Kinderzimmer kommen, schützen. Vor allem müssen wir die Plattformen in die Pflicht nehmen, aber auch Eltern und Pädagog:innen weiterhin sensibilisieren und unterstützen. Die Sozialdemokratie wird immer hinschauen und nicht wegschauen, wenn es um die psychische Gesundheit und vor allem um die Prävention bei unseren Kindern und Jugendlichen geht. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Fiedler. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! ( Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend: ) Liebe gehörlose Menschen! Der Anlass für diesen Entschließungsantrag ist der Antrag der Grünen – und auch der Amoklauf in Graz. Diese schreckliche Tat zeigt uns wiederum die Notwendigkeit eines größeren Fokus auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Eine Kernforderung von uns war und ist auch immer der Ausbau der psychischen Gesundheit in der Schule. Das haben wir in Wien schon forciert und beispielsweise auch die Mental Health Days ausgebaut, beziehungsweise hat auch das Bildungsministerium die Mittel für diese Mental Health Days vervielfacht. Wichtig ist für uns überall der niederschwellige Zugang und die Normalisierung von psychischer Gesundheit für Kinder und Jugendliche im Alltag. Die Gesundheit darf nicht in physische und psychische Gesundheit getrennt werden. Wir müssen uns immer als Ganzes betrachten. Mit einem gebrochenen Fuß würde niemand wandern gehen, und niemand würde jemandem mit einem offenen Oberschenkelhalsbruch sagen: Geh, stell dich nicht so an! Reiß dich zusammen, dann geht es schon wieder! Wenn wir also merken, dass das Gegenüber psychische Probleme hat, müssen wir es auch ernst nehmen und unsere Unterstützung anbieten. Das wird besser. Das Bewusstsein dafür wächst, aber wir sind bei Weitem noch nicht da, wo wir sein wollen. Auch wir Erwachsene müssen lernen, diese Anzeichen erkennen zu können. Das Ziel muss sein, dass sich in allen Schulen der Satz: So etwas bespreche ich eh mit der Schulpsychologin!, etabliert und dass Mobbing kein Problem mehr ist, bei dem ein Klassenlehrer die Eltern in die Schule rufen muss, sondern die Kinder beispielsweise mit einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter darüber reden, wie sich zum Beispiel eine Scheidung der Eltern auf das Klassenklima auswirken kann. Da wir diese Notwendigkeit sehen, gibt es auch Maßnahmen, die wir im Bildungsbereich aktiv forcieren, wie zum Beispiel mehr Planstellen in der Schulpsychologie, in der Schulsozialarbeit – neu in Bundesschulen; das hat es bisher im Gymnasium noch nicht gegeben –, denn es muss unser Ziel sein, dass wir überall Schulgesundheitsteams haben, die auf die individuellen Schulbedingungen eingehen. Das geht von der Kompetenz bis zur Wahl der Ansprechpersonen. Manchmal werden wir Sozialarbeit brauchen, manchmal Psychologie, manchmal Psychotherapie. In Schulen mit vielen hundert Schüler:innen werden vielleicht mehrere dieser Berufsgruppen gebraucht werden. Wichtig ist aber auch, dass das niederschwellige Angebot vorhanden ist, daher auch der Ausbau von diesen Mental-Health-Angeboten. Egal, ob man bei der Entstigmatisierung ansetzt, beim Bewusstsein für psychische Gesundheit, beim kompetenten Umgang mit Social Media oder bei der Konfliktbewältigung, ganz egal: Was wir brauchen, ist nicht nur eine Verstärkung der Bemühungen, um auf Graz zu reagieren. Wir haben schon in den vergangenen fünf Jahren gesehen, dass wir einfach viel mehr Maßnahmen brauchen, um Kinder und Jugendliche resilient zu machen, um sie dahin gehend zu fördern, dass sie selbstbestimmte Erwachsene werden, die verstehen, wann sie welche Gefühle warum wahrnehmen, und nicht emotional ohnmächtige Menschen werden, die keinen Zugang zu ihren Gefühlen haben und irgendwann eskalieren. Es braucht diese Stärkungen, um Prävention für alle zu schaffen. Österreich war lange eine Insel der Seligen, weil wir gut 20, 30 Jahre später als andere mit einem School-Shooting konfrontiert waren. Es zeigt sich aber auch, dass wir aus den Erfahrungen anderer Länder nicht rechtzeitig genug präventive Ableitungen ziehen. Hier müssen wir deshalb ansetzen und diesen Weg jetzt nicht nur einschlagen, sondern entschlossen gehen, um unsere Kinder und Jugendlichen zu schützen, sie besser fürs Leben auszurüsten und zukünftigen Generationen das Leben leichter zu machen. – ( Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend: ) Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster in der Rednerliste: Herr Abgeordneter Oxonitsch. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte schön.

SPÖ Christian Oxonitsch

Danke schön, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schon viel über die Wichtigkeit von psychosozialer Versorgung von Kindern und Jugendlichen gesagt worden, da will ich gar nicht alles wiederholen. Die Bedeutung in diesem Zusammenhang ist uns allen, glaube ich, bewusst, nicht nur als Folge der Ereignisse von Graz, sondern natürlich auch schon länger. Ich möchte nur auf ein paar Vorrednerinnen und Vorredner eingehen, denn es ist darauf hingewiesen worden – ja, das leugnet in diesem Saal auch niemand –, dass die Coronapandemie für Kinder und Jugendliche klare Folgen gehabt hat. Daher wurden auch schon unter der Vorgängerregierung mit Gesund aus der Krise erste Maßnahmen gesetzt, die jetzt stark intensiviert werden – durch eine Verdoppelung der Maßnahmen im Bereich der Schulsozialarbeit für Bundesschulen, durch eine Verdoppelung der Anzahl an Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Wenn hier aber kritisiert wird, dieser Antrag sei eh ganz gut, komme aber spät – weil Corona –, dann empfehle ich Kollegin Berger schon, einen Blick in die Zeitungen der Jahre 2015 bis 2020 zu werfen, also knapp bevor eine FPÖ-Bundesministerin im Gesundheitsbereich tätig war. Wenn man sich das anschaut, so sieht man, dass die Probleme dieselben waren, welche Frau Hartinger-Klein auch im Jahr 2020, also noch vor der Coronapandemie, nicht gelöst hat – zu wenige Betten, zu wenig ausgebildetes Personal, große Unterschiede in den Bundesländern et cetera. Also bitte sich jetzt nicht hierherzustellen und das zu kritisieren, wenn es erstmals wirklich gute, konkrete, nachvollziehbare Maßnahmen gibt! Man kann eigentlich sehen, dass gerade zu jener Zeit überhaupt nichts passiert ist, weil der Bericht der Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie 2020 de facto derselbe wie jener von 2015 war; es hat sich nichts verändert, obwohl man in diesem Ressort drei Jahre die Verantwortung hatte. Ich denke, man sollte sich wirklich grundsätzlich damit auseinandersetzen. Wichtig ist aber, dass man sich dieses Themas annimmt. Wichtig ist auch, dass es in den letzten Jahren – Kollege Stich hat ja darauf hingewiesen – wirklich gelungen ist, dieses Thema endlich zu entstigmatisieren. Es ist ganz wesentlich, dass wir hier über diesen Bereich diskutieren, aber auch, dass Jugendliche verstärkt bereit sind, entsprechende Angebote wahrzunehmen. (👏 SPÖ) Eine Anmerkung zunächst noch zum Antrag von Kollegin Neßler: Ja, das Papamonat ist ein wichtiger Bereich; wir haben uns darüber schon im Ausschuss unterhalten. Wir haben uns – zumindest von unserer Seite; auf der Regierungsseite und in den Regierungsfraktionen – darauf verständigt: Wir wollen diesen Bereich in der interministeriellen Arbeitsgruppe zum Thema Väterbeteiligung – was ja auch ein ganz wesentlicher Punkt im Regierungsprogramm ist – behandeln. Ich persönlich halte es tatsächlich für wichtig – und für eine Ungerechtigkeit, durchaus auch aus meinem Erleben als Krisenpflegevater – und meine, dass es ein wirklich wichtiges Anliegen für Pflegeeltern ist. Ich hoffe also, wir kommen da auch ganz rasch zu einem Ergebnis, und wir möchten das unterstützen. Ich möchte aber noch auf einen Bereich hinweisen, der in diesem Antrag ganz wesentlich und zu beachten ist, nämlich dass die Kinder- und Jugendhilfe auch wirklich einer verstärkten Beachtung unterzogen wird. Ja, es ist derzeit nur ein runder Tisch, es ist nicht die Forderung der Kollegin Neßler, die gleich die sogenannte Verbundlichung der Kinder- und Jugendhilfe haben will, aber es ist ein Schritt, der tatsächlich ein größerer ist als jener, der in den letzten fünf Jahren gesetzt wurde. Es geht darum, tatsächlich einmal Bund und Länder an einen Tisch zu holen und die Standards in den einzelnen Bundesländern sicherzustellen, zu vereinheitlichen und damit qualitative Verbesserungen für die Kinder- und Jugendhilfe zu erreichen. Insofern ist es ein wichtiger Antrag, ein guter Antrag, und hoffentlich gibt es auch breiten Konsens. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter das Wort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir gelangen nun zu den Abstimmungen. RN/195.1 Zunächst lasse ich über den Antrag des Ausschusses für Familie und Jugend, seinen Bericht 163 der Beilagen hinsichtlich des Entschließungsantrages 342/A(E) zur Kenntnis zu nehmen, abstimmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. RN/195.2 Weiters kommen wir zur Abstimmung über die dem Ausschussbericht 163 der Beilagen angeschlossene Entschließung betreffend „Verstärkung und Weiterentwicklung der Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz von Kindern und Jugendlichen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiefür eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig angenommen. ( 26/E ) RN/195.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Ausweitung des Anspruchs auf Familienzeitbonus (‚Papamonat‘) für Adoptiv- und Pflegeeltern“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt.

Landesverteidigungsbericht 2024/2025

104 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage III-168 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Landesverteidigungsbericht 2024/2025 gemäß Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz zur Kenntnis. Damit wird der Bericht als Information über Maßnahmen, Bedarfe und Notwendigkeiten zur Wiederherstellung und Weiterentwicklung der Fähigkeiten des Österreichischen Bundesheeres angesichts veränderter Sicherheitslage angenommen.

Betroffen sind das Österreichische Bundesheer und die österreichische Landesverteidigungspolitik, insbesondere die Planung und Finanzierung von Maßnahmen zur Fähigkeitsentwicklung in den kommenden Jahren.

Dokumente

Landesverteidigungsbericht 2024/2025

Zweck und Einordnung des Landesverteidigungsberichts 2024/2025

  • Baut auf den vorangegangenen Landesverteidigungsberichten auf.
  • Dient der Information über Maßnahmen zur Wiederherstellung der Fähigkeiten des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH).
  • Erfolgt gemäß Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz (LV-FinG).

Inhaltlicher Fokus: Fähigkeitswiederherstellung und Bedrohungslage

  • Beschreibt Maßnahmen zur Abwehr gegenwärtiger Bedrohungen.
  • Bezieht einen Planungshorizont von zehn Jahren sowie darüber hinaus erwartbare Bedrohungen ein.

Sicherheitspolitische Rahmenbedingungen und Konsequenzen

  • Stellt die Konsequenzen aus fundamental geänderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen in Europa und dessen Umfeld dar.

Bedarfe und Notwendigkeiten der österreichischen Landesverteidigung

  • Beschreibt Bedarfe und Notwendigkeiten für die österreichische Landesverteidigung.

Landesverteidigungsbericht 2024/2025

~49 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Volker Reifenberger

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Hohes Haus! Zu Beginn möchte ich einmal positiv erwähnen, dass es einen solchen Landesverteidigungsbericht überhaupt gibt. Der Bericht wurde vom Generalstab wirklich toll verfasst, damit haben wir eine sehr gute Grundlage, auf deren Basis wir hier diskutieren können. In diesem Bericht finden sich spannende Passagen, von denen ich heute einige zitieren möchte, um damit aufzuzeigen, dass die Probleme von den Experten im Verteidigungsministerium richtig erkannt worden sind, aber von der Verteidigungsministerin leider nicht gelöst werden. Ambitioniert ist gleich einmal das Ziel, das im Bericht genannt wird, das man sich setzt – ich zitiere –: „Das Ziel ist ein modernes [...]“ – Bundesheer – „das dazu befähigt ist, Österreich im Rahmen der Umfassenden Landesverteidigung [...] gegen jeden militärischen Angriff zu verteidigen und sein Volk zu schützen.“ (👏 FPÖ) Bitte nicht falsch zu verstehen, ich finde dieses Ziel großartig. Frau Bundesminister, Sie können mir wirklich glauben, Sie haben meine vollste Unterstützung, um das umzusetzen und dieses Ziel zu erreichen, aber dieser vom Generalstab formulierte Wunsch ist nichts anderes als ein frommer Wunsch an das Christkind. Frau Bundesminister, wenn Sie unser Bundesheer wirklich in die Lage versetzen wollen, Österreich gegen jeden militärischen Angriff zu verteidigen, dann müssen Sie vollkommen umdenken. Dazu müssten Sie endlich einmal unsere Verfassung ernst nehmen und im Wesentlichen zwei Dinge tun: Erstens müssen Sie den Mobilmachungsrahmen ungefähr vervierfachen, denn mit 55 000 Soldaten können Sie Österreich nicht gegen jeden militärischen Angriff verteidigen. Im Übrigen wäre das für Österreich eigentlich auch nichts Neues. Wir hatten einmal in den 1980er-Jahren, zu Zeiten der guten alten Raumverteidigung, einen Mobilmachungsrahmen jenseits von 300 000 Soldaten – bei deutlich weniger Einwohnern. Und zweitens müssen Sie etwas tun, um den Mobilmachungsrahmen, wie hoch er dann schließlich auch immer sein sollte, mit Soldaten zu befüllen, die ihr Handwerk gelernt und, ganz wichtig, und auch geübt haben. Dazu müssten Sie aber den Grundwehrdienst verlängern und wiederum verpflichtende Milizübungen einführen. Sonst ist das nichts anderes als eine Augenauswischerei. Sie kaufen zwar fest ein, aber mangels Personal bringen Sie die PS nicht auf den Boden. Das ist nichts anderes als eine Wählertäuschung, ein Betrug an der eigenen Bevölkerung und außerdem ein Verfassungsbruch. (👏 FPÖ) Wenn Sie Ihren eigenen Bericht ernst nehmen, Frau Bundesminister, dann müssen Sie endlich Lösungen für das Personalproblem auf den Tisch legen. In den letzten fünf Jahren ist davon leider nicht wirklich viel zu sehen gewesen. Im Bericht steht auch noch etwas anderes, vollkommen Richtiges: „Die Besoldung aller Personengruppen ist an das Niveau des zivilen Arbeitsmarktes anzupassen.“ – Diese Feststellung ist vollkommen richtig, aber warum tun Sie das nicht? Wir verlangen von unseren jungen Offizieren, dass sie ein Bachelorstudium machen, und dann bezahlen wir sie als Maturanten und nicht wie einen Bachelor. Natürlich gehen dann viele nach der Ausmusterung an der Militärakademie in die Privatwirtschaft oder vielleicht sogar nur in ein anderes Ministerium, denn dort werden sie dann adäquat nach einem Bachelorentlohnungsschema bezahlt. Im Bericht steht weiters, dass „die gesetzliche Möglichkeit, geeignete Wehrpflichtige zu einer Kaderfunktion in der Miliz zu verpflichten, wieder angewandt werden“ muss – muss! – Ja, warum machen Sie das nicht einfach? Frau Bundesminister, dieses Hohe Haus hat Ihnen die erforderliche gesetzliche Grundlage dazu gegeben. Warum machen Sie davon nicht Gebrauch? Wissen Sie, dazu fällt mir ein passender Spruch ein: Machen ist wie wollen, nur krasser. – Seien Sie einmal krass, Frau Bundesminister, und machen Sie endlich! (👏 FPÖ) Was der Landesverteidigungsbericht auch detailliert auflistet, ist der Umstand, dass die Gefahr groß ist, dass Ihnen das nötige Geld ausgehen wird. Da zweifle ich nicht an Ihrem guten Willen, Frau Bundesminister, aber da zweifle ich sehr wohl an Ihrem sozialistischen Koalitionspartner, insbesondere am linken Finanzminister Marterbauer. Frau Bundesminister, der Bericht liest sich wie eine reine Selbstanklage, eine Zusammenfassung dessen, was Sie in den letzten über fünf Jahren nicht zusammengebracht haben. Insofern finde ich es mutig, dass die Regierungsfraktionen diesen Bericht nicht im Ausschuss enderledigt haben, sondern hier im Plenum zur Diskussion stellen. Also nicht vergessen, Frau Bundesminister: Machen, nicht wollen – seien Sie krass! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ofenauer. 5 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Meine sehr verehrten Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich mit etwas Positivem beginnen, denn wir feiern dieser Tage ein Jubiläum: Vor 50 Jahren, gestern vor 50 Jahren wurde das Konzept der umfassenden Landesverteidigung in unserer Bundesverfassung verankert – ein Konzept und eine Idee, die damals wie heute aktuell ist, denn: Die sicherheitspolitischen Herausforderungen haben sich zwar immer wieder geändert, aber das Prinzip bleibt nach wie vor gleich, nämlich dass Verteidigung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Alleine die Inhalte dieser umfassenden Landesverteidigung sind in den letzten Jahren, Jahrzehnten etwas erodiert und müssen wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht werden, nämlich die militärische, die wirtschaftliche, die zivile, aber vor allem auch die geistige Landesverteidigung. Denn: Umfassende Landesverteidigung führt zu einer widerstandsfähigen Gesellschaft, die im Ernstfall auch handlungsfähig bleibt, und das brauchen wir in Zukunft mehr denn je. (👏 ÖVP) Heute wird der mittlerweile dritte Landesverteidigungsbericht im Plenum behandelt, nämlich jener für 2024/2025, der ja seine Grundlage im Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz hat. Wenn man Herrn Kollegen Reifenberger zugehört hat, dann hat man vernehmen können, dass er die Tatsache, dass es diesen Landesverteidigungsbericht gibt, sehr positiv hervorgehoben hat, aber ansonsten hat man aus seiner Rede eigentlich den Eindruck gewonnen, dass die Frau Ministerin eine Zauberin sein müsste, weil sie innerhalb von zwei oder drei Jahren Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, so muss man es sagen, hätte beseitigen müssen, und das ist schlicht unrealistisch, Herr Kollege.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Ich habe den Bericht zitiert!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Herr Kollege, das ist unrealistisch. Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen! Der Landesverteidigungsbericht zeigt ganz klar auf, welche Maßnahmen gesetzt wurden, welche Maßnahmen noch notwendig sind, und ja, es ist noch viel zu tun, aber wir sind am Beginn eines guten Weges. Unter Frau Bundesministerin Klaudia Tanner ist ein Paradigmenwechsel gelungen, nämlich mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz einen breiten Konsens dahin gehend zu erreichen, dass das österreichische Bundesheer mit steigenden Budgetmitteln ausgestattet wird, um es wieder verteidigungsfähig zu machen, um eben das Ziel zu erreichen, Österreich gegen jeden Angriff verteidigen zu können, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP) Dieses Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz war die Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, weil damals klar wurde, dass die Friedensdividende aufgebraucht ist. Das hat natürlich auch zu einem entsprechenden Umdenken in der sicherheitspolitischen Ausrichtung Österreichs und Europas geführt. Und ja, natürlich ist es notwendig, das österreichische Bundesheer wieder auszurüsten und entsprechend verteidigungsfähig zu machen. Es ist ganz klar zu beobachten, dass unter Bundesministerin Tanner in den letzten Jahren stetig wachsende Verteidigungsbudgets beschlossen wurden, und das muss auch so weitergehen, damit wir die Mission vorwärts, den Aufbauplan österreichisches Bundesheer 2032 plus entsprechend umsetzen können. Und ja, der Landesverteidigungsbericht zeigt auf, wo wir stehen, dass noch viel zu tun ist. Er zeigt aber auch, dass bereits viel getan wurde und bereits viel umgesetzt wurde. Das Wichtige ist: Das Streitkräfteprofil des österreichischen Bundesheeres konzentriert sich wieder auf die Kernaufgabe des Bundesheeres, nämlich die militärische Landesverteidigung. Ja, dazu gehört auch, dem Personal den entsprechenden Stellenwert einzuräumen, den es verdient: den Grundwehrdienern und ihrer Ausbildung in der militärischen Landesverteidigung, dem Kaderpersonal, das gewonnen werden muss, aber auch gehalten werden muss. Und natürlich gehört auch die entsprechende Bezahlung dazu. Unser Ziel muss ein robustes, ein einsatzfähiges, ein modernes und auch ein trainiertes Bundesheer sein. Deshalb investieren wir in Hubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge, Mannschaftstransportpanzer, Luftraumüberwachung und -verteidigung, Infrastruktur und Kasernen. Erst letzte Woche wurde ein neues Unterkunftsgebäude eröffnet, ein neues Wirtschaftsgebäude an der Milak, ein neuer Taucherstützpunkt für die Jagdtaucher am Neufelder See. Sie sehen, meine Damen und Herren, der Aufwuchs an Fähigkeiten schreitet voran. Das Wichtigste ist allerdings, dass mit dem beschlossenen Budget 2025/2026 der Aufbauplan österreichisches Bundesheer 2032 plus umgesetzt werden kann. Natürlich soll von den Beschaffungen, die im militärischen Bereich getätigt werden, durch entsprechende Kooperationen auch die österreichische Industrie profitieren. Wie sie profitieren kann, zeigt die Beschaffung von 100 Pandur-Evo-Mannschaftstransportpanzern, weiteren 225 Pandur Evo in zwölf unterschiedlichen Versionen. Diese Pandur Evo werden nämlich in Simmering hergestellt, wodurch auch 200 Zulieferbetriebe aus Österreich entsprechend profitieren. Ja, natürlich soll vor dem Hintergrund der europaweiten Notwendigkeit der Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit durch entsprechende Kooperationen die österreichische Industrie gestärkt werden, auch die europäische Verteidigungsindustrie, und sollen Abhängigkeiten von anderen Ländern, soweit es geht, reduziert werden. Zu guter Letzt, meine Damen und Herren: Die Souveränität Österreichs und die Unverletzlichkeit des Staatsgebietes müssen in allen Domänen verteidigt werden, nicht nur zu Lande, sondern auch in der Luft. Deshalb werden wir auch in die Luftabwehr investieren müssen: durch den Ankauf neuer Jettrainer, durch die Nachrüstung der Eurofighter, insbesondere aber auch durch die Beschaffung bodengebundener Luftabwehr mittlerer Reichweite fürs Erste einmal. Das Ganze mit dem Ziel, eine glaubwürdige Verteidigung Österreichs sicherzustellen und verteidigungsfähig zu sein, nach dem Motto: Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen. – Danke schön. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Schandor. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christian Schandor

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Der vorliegende Landesverteidigungsbericht 2024/2025 ist für mich kein gewöhnlicher Jahresrückblick, sondern ein sicherheitspolitisches Signal. Er zeigt nämlich auf, dass die Welt komplexer und das Bedrohungsfeld dichter geworden sind und dass Österreich darauf auch reagieren muss. Mit dem Aufbauplan ÖBH 2032 plus liegt erstmals ein langfristiger, strategisch fundierter Modernisierungspfad für unser Bundesheer vor. Dieser Plan sieht ja auch Investitionen von über 16 Milliarden Euro bis 2032 vor, um das Bundesheer technologisch und strukturell weiterzuentwickeln. Dazu gehören die Anschaffung moderner Luftabwehrsysteme und gepanzerter Fahrzeuge genauso wie die Erneuerung unserer Luftfahrzeugflotte. Trotzdem wird der Verteidigungsaufwand 2025 und 2026 nur knapp über 1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen, und auch der derzeitige Bundesfinanzrahmen für die Jahre danach sieht keine weitere Erhöhung vor, obwohl das Regierungsprogramm einen Anstieg auf 2 Prozent des BIPs verspricht. Doch ambitionierte Pläne brauchen auch ein stabiles Fundament, und genau da, Frau Bundesminister, müssen wir auch ehrlich sein – ehrlich im Hinblick auf den akuten Personalmangel. Das könnte unsere Achillesferse sein, denn trotz Reformen bleibt die Personalgewinnung eine zentrale Herausforderung und liegt leider Gottes hinter den Erwartungen. Auch die Maßnahmen zur Attraktivierung des Soldatenberufs sind laut Bericht weitestgehend ausgereizt. Der Druck auf unser Milizsystem: Die geplante Stärkung der Miliz erfordert mehr Übung und Ausstattung, was angesichts der aktuellen Ressourcenlage fraglich erscheint. Dazu hält der Landesverteidigungsbericht unmissverständlich fest, dass mit „dem aktuellen Mobilmachungsrahmen von 55.000 [...] Soldaten [...] ein Einsatz zur militärischen Landesverteidigung über einen längeren Zeitraum nicht“ möglich ist. Daher ist dem Personal höchste Priorität einzuräumen, und das bestätigt auch der Jahresbericht der Parlamentarischen Bundesheerkommission. Für die militärische Landesverteidigung ist aber auch eine entsprechende Infrastruktur in der erforderlichen Quantität und Qualität eine Grundvoraussetzung. Dabei ist der fast 30-jährige Investitionsrückstau abzubauen, und es sind die infrastrukturellen Voraussetzungen zur Integration von neuen Rüstungsgütern und zum Aufbau von Resilienz zu schaffen. Die technologischen Abhängigkeiten: Der Bericht nennt Drohnen, Hyperschallwaffen und KI-Systeme als Bedrohungen, bleibt aber vage, wie Österreich konkret auf diese Entwicklungen reagieren will. Meine Damen und Herren! Strategische Autonomie beginnt mit nationaler Entschlossenheit. Wir müssen das Bundesheer nicht nur modernisieren, sondern ihm auch die gesellschaftliche und politische Rückendeckung geben, die es verdient hat. Die Zeit drängt. Sollten in dieser Legislaturperiode nicht entschlossene Maßnahmen getroffen und umgesetzt werden, die die Personalaufbringung sicherstellen, dann wird unsere Miliz ausbluten, weil die notwendigen Nähr- und Ersatzraten fehlen. Wir benötigen daher dringend die vollständige Befüllung der Einsatzorganisation mit Übungspflichtigen. Lassen Sie uns diesen Bericht nicht als Dokumentation betrachten, sondern als Auftrag für ein Österreich, das vorbereitet ist – nicht irgendwann, sondern jetzt. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeodneter Laimer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Verteidigungspolitik beginnt nicht mit dem Ernstfall, sie beginnt mit klarem Denken in Zeiten des Friedens, und sie funktioniert dann gut, wenn sie vorausschauend, pragmatisch und langfristig angelegt ist. Genau deshalb ist ein Bericht wie dieser nicht einfach ein Rückblick oder eine Vorschau, sondern eine Einladung, gemeinsam politische Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Der Landesverteidigungsbericht zeigt mit aller Deutlichkeit: Die militärische Verteidigungsfähigkeit Österreichs ist derzeit nicht ausreichend gegeben, aber wir sind auf einem richtigen Weg angesichts einer sehr großen Herausforderung. Mit dem Aufbauplan gibt es nun erstmals seit Jahrzehnten einen strategischen Fahrplan für das Bundesheer, das im Ernstfall in der Lage sein muss, Österreich und seine Bevölkerung zu schützen. Dieser Aufbauplan zeigt aber auch klar: Das Bundesheer der Zukunft braucht nicht nur Gerät, es braucht Menschen, konkret Soldaten und eine funktionierende Miliz. Der Bericht spricht offen aus: Der derzeitige Mobilmachungsrahmen reicht nicht aus. Mit den 55 000 verfügbaren Kräften ist ein mittelfristiger Verteidigungseinsatz nicht durchhaltefähig, das wissen wir alle. Gleichzeitig sind die ressortinternen Maßnahmen zur Personalgewinnung weitgehend ausgeschöpft. Das ist auch ein Warnsignal. Wir nehmen dieses Warnsignal ernst, denn wir wissen: Schutz und Sicherheit bedeuten Verantwortung für die Bevölkerung. Dieser Verantwortung können wir nur gerecht werden, wenn jene Menschen, die im Ernstfall ihr Leben riskieren, die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung erhalten, die ihnen zusteht. Dazu gehört eine attraktive Besoldung, die mit dem zivilen Arbeitsmarkt mithalten kann; dazu gehört die Anerkennung der akademischen Ausbildung der Berufsoffiziere, die seit mehr als 25 Jahren bis heute keine ausbildungsadäquate Entlohnung zur Folge hat, nach ihrer Ausmusterung; dazu gehört eine faire Behandlung der Milizsoldaten, die bereit sind, ihren zivilen Beruf für das Gemeinwohl zu unterbrechen, zu üben, um ihre Fähigkeiten auszubauen, ohne soziale Nachteile zu erleiden; dazu gehören gut ausgebildete Unteroffiziere, die Drehscheibe und Motor einer Armee sind; und dazu gehört auch die ehrliche Antwort auf die Frage, wie angesichts geopolitischer Veränderungen der Wehrwille gestärkt wird. Der Grundwehrdienst ist dabei ein Fundament zum Schutz der Republik; wir müssen ihn wieder vermitteln. (👏 SPÖ) Wir müssen bessere Rahmenbedingungen schaffen, eine zeitgemäße Ausbildung, ein modernes Soldatenprofil entwickeln. Ein Wehrsystem im 21. Jahrhundert braucht Überzeugung und Perspektive für die Grundwehrdiener. Der Bericht zeigt auf: Wenn wir bereit sein wollen, im Ernstfall schnell zu reagieren – etwa mit der Reaktionsmiliz oder auch mit den Bereitschaftstruppen im In- und Ausland –, dann brauchen wir Personalmanagement, das effizient, digital und vor allem autonom funktioniert. Funktionierende Alarmierung im Einsatzfall ist Voraussetzung. Das Bundesheer muss über die Personalhoheit verfügen; das ist kein Luxus, das ist eine Voraussetzung für die Einsatzfähigkeit. Unsere Verantwortung endet nicht an den Staatsgrenzen. Die meisten sicherheitspolitischen Risken, die Österreich betreffen, entstehen im Umfeld unserer Europäischen Union durch Instabilität, durch Migrationsdruck, durch hybride Bedrohungen. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass Österreich seinen Beitrag leistet: im Rahmen der EU, im Rahmen der Vereinten Nationen, im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden und ganz besonders auch im Rahmen der OSZE. Gerade die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit Sitz in Wien ist ein zentrales Instrument für Krisenprävention, für Dialog und für Stabilisierung. Es ist auch ein Bereich, in dem Österreich durch Fachpersonal und Perspektive aktiv zur Friedenssicherung beiträgt. Es geht summa summarum um eine kollektive Herausforderung für unser Land in Bezug auf den konsequenten, permanenten Schutz und um den Quantensprung von der Luftraumüberwachung zur Luftraumverteidigung. Mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz und dem Ziel eines Verteidigungsbudgets von 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2032 haben wir einen notwendigen Schritt gemeinsam gesetzt. Die Mittel stehen zur Verfügung. Jetzt braucht es auch den politischen Willen, sie strategisch einzusetzen: Ausbildung, Infrastrukturverbesserung, faire Bezahlung für die Menschen, die bereit sind, dieses Land zu verteidigen. Das ist eine kausale, mentale Herausforderung für die Republik, für die umfassende Landesverteidigung. Schutz und Hilfe und Sicherheit entstehen nicht durch Worte, sie brauchen Planung, Verantwortung und Respekt vor denen, die sie garantieren. Abschließend sei gesagt: Der respektvolle Umgang generell im Landesverteidigungsausschuss – meist wird kein politisches Kleingeld gewechselt – ist ein guter Weg für eine rot-weiß-rote Verteidigungspolitik. Dafür gebührt auch dir Dank, Vorsitzender Abgeordneter Reifenberger, natürlich auch den Ressortverantwortlichen und Ihnen, Frau Bundesminister. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Kassegger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Sehr geehrte Frau Bundesminister! Sehr geehrter Herr Präsident! Ich spreche jetzt nicht über den Landesverteidigungsbericht; es sind ja mehrere Tagesordnungspunkte hier abzuhandeln. Ich spreche zu Tagesordnungspunkt 27, zu einem Antrag der Freiheitlichen Partei, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, „die neutralitätswidrigen Zahlungen an die Ukraine über die sogenannte Europäische Friedensfazilität einzustellen“. Dieser Antrag ist abgelehnt worden, was uns sozusagen in die gute Lage versetzt, dass er hier im Plenum zu diskutieren ist und diskutiert wird. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Wir stimmen hier aus mehreren Gründen nicht zu. Zum einen wollen wir nicht – und das wird ja mit dieser Friedensfazilität erreicht; das ist ja schon ein bisschen sportlich, eine Kriegswirtschaft, eine Kriegsfinanzierung als Friedensfazilität zu bezeichnen –, dass ein Krieg finanziert wird, und zwar von der Methodik her insoweit, als dass auf der Ebene der Europäischen Union mehr oder weniger ein weiterer Schritt zur Vervollkommnung einer Schuldenunion gemacht wird, noch dazu – das wird Kollegen Krainer interessieren – vollkommen an Budgets vorbei. Es gibt ja auch in der EU Siebenjahresbudgets, und das sind lauter Sonderfinanzierungen in Milliardenhöhe. Da geht es auch um die Rolle des Parlaments, in dem Fall des Europäischen Parlaments. Die Budgethoheit, sozusagen das Budget zu kontrollieren, das wird hier alles außer Kraft gesetzt, um einen Krieg zu finanzieren, eine Kriegspartei zu finanzieren. Da sind wir bei der zweiten Komponente, warum wir Freiheitliche als Hüter der Neutralität, der verfassungsmäßig abgesicherten österreichischen Neutralität ja nur dagegen sein können, dass das gemacht wird. Ich rede von der militärisch-sicherheitspolitischen Komponente. Wir wissen ja, die Neutralität ist keine Einbahnstraße, sondern völkerrechtlich abhängig auch von der Rezeption der Völkergemeinschaft, der Staatengemeinschaft. Die beurteilt das Verhalten der Republik Österreich natürlich diesbezüglich, und da verhalten wir uns – nicht wir, sondern die Bundesregierung, insbesondere Frau Außenministerin Beate Meinl-Reisinger – ja alles andere als neutralitätskonform – eben durch die Beteiligung an dieser kriegswirtschaftlichen Finanzierung, aber auch durch Aktionen wie jener der Frau Außenminister, dass ihr erster Auslandsbesuch ausgerechnet nach Kiew geht, dass dort ausgerechnet 20 Millionen Euro – wir werden das am Freitag besprechen –, Geld der österreichischen Steuerzahler, Präsident Selenskyj beziehungsweise der ukrainischen Republik zugesagt werden. An dieser Stelle zitiere ich Jean-Claude Juncker vom Oktober 2023: „Wer mit der Ukraine zu tun gehabt hat, der weiß, dass das ein Land ist, das auf allen Ebenen der Gesellschaft korrupt ist.“ Also da gibt es überhaupt keine Kontrollen, wohin diese Milliarden gehen. Und die dritte und letzte Komponente, warum man das als vernünftiger Mensch, der im Interesse der Österreicher Politik macht, nur ablehnen kann, ist die ökonomisch-österreichisch-budgetäre Komponente. Wir reden da von 3,7 Milliarden Euro, die über die EU und bilateral in die Ukraine geschickt werden. Gleichzeitig sagt unser Herr Finanzminister uns, unseren Bürgern: Wir müssen jetzt sparen, ich greif’ euch in die Taschen, ich erhöhe euch die Gebühren, ich kürze bei unseren Pensionisten, und so weiter und so fort. Die Botschaft ist: Dadurch sparen wir uns 3 Milliarden Euro. – Gleichzeitig schicken wir 3,7 Milliarden Euro in die Ukraine. Das versteht niemand. Wir verstehen es nicht, deswegen haben wir diesen Antrag gestellt, der selbstverständlich von allen Parteien abgelehnt wurde. So können wir wenigstens hier im Parlamentsplenum in der Öffentlichkeit darüber diskutieren. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff . – Die Redezeit habe ich auf 3 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Beginnen wir einmal mit dem Landesverteidigungsbericht, der ja schon von vielen Personen angesprochen wurde. Eine Sache, die, wie ich glaube, sehr wesentlich ist, die ja eigentlich ein Sukkus dieses Berichtes ist – dann komme ich zum Kollegen Kassegger –: Stellen Sie sich alle einmal vor, Sie leben in einem Mehrparteienhaus und Sie merken, die Umgebung, in der Sie leben, wird immer unsicherer. Dementsprechend beginnen auch viele Parteien, sich um die Sicherheit zu sorgen, sie beginnen Alarmanlagen zu installieren, Schlösser auszutauschen, Sicherheitstüren einzubauen und Ähnliches. Sie aber sitzen in einer Wohnung und wollen mit all dem nichts zu tun haben, verschränken die Arme und die einzige Diskussion, die Sie führen, ist die Diskussion, ob Sie einen Türspion anbringen. Genau das ist ein Stück weit die Aussage dieses Landesverteidigungsberichtes, nämlich dass die letzten Jahrzehnte hindurch zu wenig investiert wurde und wir uns viel zu isoliert betrachtet haben – wir uns viel zu isoliert betrachtet haben! Während unsere Nachbarn begonnen haben, zusammenzuarbeiten, gemeinsam zu beschaffen, gemeinsam Kooperationen einzugehen und die Sicherheit in Europa in die Höhe zu schrauben, haben wir uns zurückgelehnt und haben gesagt, die anderen machen das für uns, und das ist ja eigentlich die sicherheitspolitische Bankrotterklärung, die viel zu lange in diesem Land gegolten hat. Allerdings gab es hier in den letzten Jahren eine Trendwende, und ich habe durchaus das Gefühl, und das ist auch tatsächlich der Fall – wenn man sich das Regierungsprogramm anschaut, sieht man das –, dass wir hier als Regierung viele Schritte gesetzt haben, auch die letzte Regierung schon, Frau Bundesministerin, dass wir erste Schritte gesetzt haben, auch in gemeinsamen Beschlüssen, die dieses Parlament gefasst hat, weil es hier durchaus einen Schulterschluss gegeben hat. Es hat den Schulterschluss insofern gegeben, dass klar war: Ja, wir müssen in Österreich investieren, wir müssen das österreichische Bundesheer auf Vordermann bringen, wir müssen eine Personaloffensive starten, weil das eine ist das Gerät, das andere ist das Personal. Wo es diese Initiative oder diesen Schulterschluss nur zwischen vier Parteien gegeben hat, nicht gemeinsam mit der FPÖ, ist genau dort, wo es um die europäische Zusammenarbeit geht, die uns nur stärken kann. Das ist wesentlich. Da komme ich jetzt zum Kollegen Kassegger und zu seiner letzten Rede, die mich schon verblüfft zurück lässt. Wenn es die FPÖ nach mehreren Jahren des Krieges auf europäischem Boden noch immer nicht verstanden hat, dass dieser Krieg natürlich ein Krieg von Putin gegen Gesamteuropa ist, sich nach wie vor auf die Seite von Putin stellt, nach wie vor Putin ein Stück weit als ihren Heiligen Messias ansieht, mit dem sie Freundschaftsverträge und Ähnliches hat, dann ist sie nach wie vor nicht in der Realität angekommen. (👏 ÖVP, NEOS) Es hat auch nichts mit Neutralität zu tun, dass man verteidigungsfähig ist, und es hat nichts damit zu tun, dass wir gemeinsam als Europa für unsere Werte geradestehen. Das hat nichts mit Neutralität zu tun, Herr Kollege Reifenberger, das ist einfach eine veraltete Perspektive, die Sie hier einnehmen. Es ist eine rein russlandfreundliche Perspektive, die veraltet ist, die uns keinen Millimeter sicherer macht, im Gegenteil, die uns unsicherer macht, weil wir uns damit einem Diktator ausliefern oder Sie sich über die letzten Jahrzehnte hinweg einem Diktator ausgeliefert haben, und das ist nicht gut für diese Republik. – Ich danke Ihnen. (👏 NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter David Stögmüller . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE David Stögmüller

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Wir haben uns sehr intensiv mit diesem Landesverteidigungsbericht auseinandergesetzt und ich möchte zu Beginn auch etwas Positives dazu sagen. Ich glaube, wir haben schon in der letzten Gesetzgebungsperiode gemeinsam sehr viel vorangebracht. Ein Punkt davon war eben auch dieser Landesverteidigungsbericht, auf den wir uns geeinigt haben. Das finde ich auch sehr gut. Das Bundesheer ist ja prinzipiell auf einem guten Weg. Wir haben die Chance, die Versäumnisse von Jahrzehnten aufzuholen, wir dürfen sie natürlich jetzt nicht verspielen. Das große Problem, und das ist heute schon mehrmals angesprochen worden, ist eben auch das Personal. Dort hapert es, genau dort ist das Problem. Das sagt auch dieser Bericht ganz klar. Ich zitiere: „Dem Personal ist höchste Priorität einzuräumen“, und weiters: „Dabei stellt der definierte Bedarf selbst unter günstigen Bedingungen eine hohe Herausforderung im Bereich der Personalaufbringung dar.“ Das heißt, selbst unter günstigen Bedingungen ist nicht gesichert, dass wir den Personalbedarf für die geplante Aufrüstung auch aufbringen. Seit Jahren ist nun die Rede von einer Personaloffensive. Die hohen Zahlen an Pensionierungen bei den Babyboomern – das werden Sie sicher noch einmal erwähnen – sind alles andere als eine Überraschung. Also wo bleibt denn die Priorität in der Umsetzung? 800 Offiziere gehen bis 2032 in Pension – 800 Offiziere! –, in der Miliz fehlen zwei Drittel der nötigen Unteroffiziere. Wir beschaffen Hightechflotten, aber es fehlt an Menschen, die sie bedienen können. Wir brauchen dringend mehr Investitionen in die Menschen, nicht in das Material. Im Landesverteidigungsbericht sind einige Maßnahmen aufgelistet, und auch dazu wieder mein Lob. Was mir besonders gefällt, sind Maßnahmen wie die Austrittsbefragungen. Ich finde, das ist ein sehr wichtiges Indiz dafür, dass man das tatsächlich auch ernst nimmt, dass man die Menschen miteinbeziehen will. Aber warum verlässt denn so viel Kaderpersonal das Bundesheer? – Natürlich ist die Bezahlung ein Thema, das wurde ja auch im Bericht dargelegt – Erhöhung der Gehälter, Prämien, Belohnungen, in dem Bereich werden auch Naturalwohnungen erwähnt; die wurden ja leider zu einem großen Teil auch verscherbelt, verkauft und müssen jetzt auch wieder teuer errichtet oder beschafft werden –, aber von zwei ganz wichtigen Punkten, die auch im Regierungsprogramm stehen, hören wir nichts, sondern ganz im Gegenteil, sie werden auch nach wie vor blockiert. Aus dem aktuellen Regierungsprogramm: Ziele für die Personaloffensive sind die „Attraktivierung des Arbeitsumfeldes von Soldatinnen und Soldaten, um Beruf und Familie in Einklang bringen zu können“ – das ist übrigens einer der Hauptgründe für Austritte aus dem Heer, das wird im Bericht nicht erwähnt – und die „Weiterentwicklung der Organisationskultur im BMLV“. Das Bundesheer stellt seit einigen Jahren Ferienbetreuung für Kinder von Soldat:innen bereit. Wenn ich mich richtig erinnere: Im Budgetausschuss wurde gesagt, 400 000 Euro sind das – das ist schön, aber warum wird da nicht mehr investiert? 400 000 Euro hört sich gut an, aber es braucht eine ganzjährige Unterstützung von jungen Familien. Deutschland ist etwa ein gutes Beispiel, bei der Bundeswehr. Für Soldat:innen, die teilweise Monate oder bis zu einem Jahr im Einsatz sind, ist das im Sommer natürlich nett, aber es braucht das ganze Jahr Betreuung. Und wo ist die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur? Wie ist es denn jetzt zum Beispiel mit der Situation von queeren Menschen, der LGBTIQ-Community, für die seit Jahren nichts gemacht wird, trotz der Zusage von Ihnen, Frau Ministerin? Vom Bundesheer haben wir im Pride-Monat nicht wirklich etwas gehört. Wie Ihr Pressesprecher im Ministerium es damals formuliert hat: Homosexualität ist nach wie vor kein Thema, dabei ist es ein Thema für junge Menschen, denn gerade bei den 16- bis 25-Jährigen – das ist der Rekrutierungspool, der ja für das Bundesheer eigentlich wichtig wäre – ist der Anteil an queeren Menschen vergleichsweise hoch. Das interessiert aber auch hier niemanden.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Doch, schon!

GRÜNE David Stögmüller

… Ich habe im Vorfeld auch mit jungen Unteroffizieren gesprochen. Die Themen, die sie belasten, sind nicht nur, aber natürlich auch finanzielle, aber auch Überlastung durch Assistenzansätze: wochenlange Dienstzuteilungen quer durchs Land, keine Zeit für die Familie, für Freunde, keine Stabilität, kein Dialog mit dem Vorgesetzten, keine Wertschätzung, Mobbing, Diskriminierung, Beschwerden, die irgendwo versanden. Diese jungen Menschen kommen, weil sie etwas Sinnvolles tun wollen – Sport, in der Natur sein, Kameradschaft, Verantwortung –, und gehen, weil der Schein eben trügt. Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Sie müssen sich einmal anschauen, was das Bundesheer in den letzten Jahren auf dem Donauinselfest geliefert hat – ich möchte das erwähnen, weil es eine sehr positive Öffentlichkeitsarbeit war –: Escape-Rooms, Sportinseln, Konzerte. Das war kreativ, auch professionell und modern (👏), und das kann man schon lobend erwähnen. Bestimmt hat das auch den einen oder anderen Menschen überzeugt, sich das anzuschauen und zum Bundesheer zu gehen. Viele Menschen suchen ja Arbeit, und der öffentliche Dienst ist da nicht unbeliebt. Junge Menschen rücken aber zum Grundwehrdienst ein und erleben dann die Realität – ich habe es Ihnen auch letztens gesagt –: brachliegende Kasernen, rostiges Wasser, Ratten, Unterkünfte wie in einem schlechten Film. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) – Sie brauchen es nicht abzustreiten, Frau Ministerin, es ist so. Lesen Sie den Bundesheerbericht, den Beschwerdebericht (neuerliche Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner ) – Sie können sich dann zu Wort melden –, es sind tatsächlich Realitäten. Die Verbände sind mit Aufträgen überlastet und hanteln sich von einem Einrückungstermin zum nächsten. Unteroffiziere erzählen, dass die Ausbildung eines Vollkontingents bei ihnen mittlerweile keine Kompanieaufgabe, sondern ein Bataillonsvorhaben sei. Gleichzeitig schicken wir nach wie vor Hunderte Soldatinnen und Soldaten als Hilfspolizei an die Grenzen, für zig Millionen Euro, die dem Innenminister zuzuordnen wären. Warum investieren wir das Geld nicht in die Attraktivierung des Soldatenberufs, Frau Ministerin? Das könnten Sie auch Ihren Kollegen Karner einmal fragen: warum das Bundesheer jetzt plötzlich zahlt und nicht mehr er. Das ist auch so ein Punkt. (👏) Sie könnten auch erklären, warum Sie nicht endlich einmal die Gehälter der Grundwehrdiener auf den Mindestlohn erhöhen. (Bundesministerin Tanner : ... zehn Jahren ...!) – Ja, wir haben gemeinsam erhöht, aber wir wollten immer den Mindestlohn. Frau Ministerin, der Mindestlohn wäre auch das, was sich die Grundwehrdiener eigentlich verdient hätten. (👏) Solange das Gehalt nicht stimmt, brauchen wir auch nicht über eine Verlängerung der Wehrpflicht zu diskutieren. Ich glaube, das wäre das Mindeste: Schauen Sie einmal, dass wir dort hinkommen, dann können wir auch einmal über die Wehrpflicht diskutieren! Ja zu einem starken Bundesheer, Ja zu einer modernen, solidarischen Landesverteidigung und Ja zu einer Verteidigungspolitik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt – und wir brauchen jetzt auch eine klare Botschaft, nämlich für die junge Generation, für die Grundwehrdiener, die jetzt nachkommen: Wenn du heute zum Bundesheer gehst, dann bekommst du keine schreienden Ausbilder, keinen unnötigen Anpfiff, keine Zeitverschwendung in heruntergekommenen Kasernen, sondern Ausbildung, Perspektive, Verantwortung und Wertschätzung von einer Gesellschaft, die hinter dir steht. – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Tanner. – Bitte, Frau Bundesministerin, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Michael Hammer

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren jetzt den Landesverteidigungsbericht, und die Frau Bundesminister hat ja dazu eben auch in sehr versöhnlichen Worten ausgeführt. Wenn man sich das aber ein bisschen kritischer anschaut und den ganzen Tag heute reflektiert, dann muss man schon ein bisschen hinterfragen und wirklich daran zweifeln, wie ernst manche Dinge von der Freiheitlichen Partei genommen werden, und fragen, ob es wirklich darum geht, Dinge sachlich zu diskutieren oder einfach irgendwelche Überschriften auf ihren Kanälen zu produzieren. Wenn Kollege Reifenberger sich hier herausstellt und jetzt schon eine OTS-Aussendung macht und schreibt, der Landesverteidigungsbericht zeigt massive Missstände und Versäumnisse auf, dann kann ich sagen – ich habe den Bericht da –, er hat diesen nicht gelesen. Das kann überhaupt nicht mit der Realität übereinstimmen, da geht es einfach nur um die Schlagzeile , denn wenn man aus dem Bericht zitiert, muss man sagen – die Frau Bundesministerin hat es ja gesagt –, dort stehen sehr viele positive Dinge drinnen. Es stehen natürlich auch viele Punkte drinnen, bei denen wir noch einen weiten Weg vor uns haben, und den müssen wir auch beschreiten. Es steht zum Beispiel auch eines drinnen – weil Sie gesagt haben, es wird nicht so ernst genommen –, das ist sogar fett gedruckt in der Zusammenfassung: Mit den Budgetmitteln in den Jahren 2025 und 2026 kann der Aufbauplan 2032 plus auf jeden Fall umgesetzt werden. – Mehr brauchen wir nicht. Das ist genau die Bestätigung, dass der Weg, den diese Regierung geht, der richtige ist. Das ist hier bescheinigt. (👏 ÖVP, SPÖ) Wenn wir schon bei dem Thema sind: Das zieht sich halt wie ein roter Faden bei euch durch. Bei der Gefährderüberwachung seid ihr dagegen, sagt, das ist jetzt die Massenüberwachung, obwohl es Kickl damals selber eingeführt hat – ist nicht sonderlich glaubwürdig. Beim WHO-Bericht wird wieder – und das wurde heute zitiert – ein Feind dargestellt, den ihr selber erfindet. Nachher stellt sich eine Kollegin heraus, die wieder das Ivermectin fordert. Bei den Parteifinanzen sagt ihr: Die Regierung richtet sich etwas und entledigt sich der Strafzahlungen, obwohl das nachweislich mit einem Abänderungsantrag bereinigt worden ist – just an dem Tag im Übrigen, an dem euer Kollege im EU-Parlament ausgeliefert werden soll, weil er Parteimittel für private Zwecke gebraucht haben soll. Also wenn es da um Parteifinanzierungen geht: dasselbe Thema. (👏 ÖVP) Jetzt aber im Konkreten zur Landesverteidigung: Wir haben nicht nur den Landesverteidigungsbericht, sondern auch zwei Anträge der Freiheitlichen zu Sky Shield, wo ihr ja auch dagegen seid. Also wenn es dann um die Verteidigung geht, seid ihr nicht dafür, auch wenn es um die Unterstützung der Ukraine geht. Das ist ja auch wieder so ein Narrativ – das Russische –, das ihr da ewig herauszimmert. Ich möchte es ein bisschen entkräften und einen Experten zitieren, der Ihrer Partei nicht sehr fern steht, nämlich General Brieger, der jetzt dem europäischen Militärausschuss vorgestanden ist, ein hochanerkannter Offizier, der in mehreren Interviews jetzt in den letzten Tagen gesagt hat – Kollege Kassegger, das ist fundamental das Gegenteil von dem, was Sie sagen –, Russland hat imperialistische Züge. Es ist Russland der Aggressor. Es gibt auch in Europa Bedrohungslagen „durch Desinformation, durch Cyberangriffe“ und interessanterweise – das sagt Brieger – durch russische „Finanzierung bestimmter Gruppen“. – Ich weiß nicht, wen er da meint, aber es ist sehr interessant, was General Brieger sagt. (👏 ÖVP) Ich kann das nur unterstreichen, was Kollege Hoyos auch gesagt hat. Ihr habt das bis heute nicht gesagt, aber Brieger sagt es, der ja von eurer Partei kommt: dass Russland der Aggressor ist. Ihr bringt es nach wie vor nicht über die Rampe. Das ist wirklich beschämend. (👏 ÖVP, NEOS) Zum Landesverteidigungsbericht zurückkommend: Wie gesagt, die Zusammenfassung bringt es deutlich auf den Punkt. Der Weg, der eingeschlagen ist, ist der richtige. Er zeigt in die richtige Richtung. Wir haben vieles zu tun, vor allem auch im personellen Bereich. Im infrastrukturellen Bereich wird vieles gemacht. Im Übrigen: Die Frau Bundesminister war letzte Woche bei x Übergaben, wo dann auch von eurer Partei viele Gesichter zu sehen waren. Sie haben sich mit abfeiern lassen – machen tut es aber die Frau Minister und die Regierung, und das werden wir auch in Zukunft tun. – Danke sehr. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mario Lindner . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Mario Lindner

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich darf auch zum Landesverteidigungsbericht 2024/2025 sprechen, genauer gesagt zum Punkt 7.1.2.2. Da geht es um die leichten Mehrzweckhubschrauber – vielleicht jetzt nicht verwunderlich für einige Kolleginnen und Kollegen –, und ich darf vorweg sagen: Ich finde das gescheit, wichtig und sinnvoll. Wie Sie wahrscheinlich alle wissen, werden wir 36 dieser leichten Mehrzweckhubschrauber der Type AW169 beschaffen. Leider ist die Alouette III – und das ist wirklich eines der bekanntesten Hubschraubermodelle, die wir beim Bundesheer gehabt haben – damit ausgeschieden. 2022 wurde den Luftstreitkräften der erste Hubschrauber übergeben. Die Lieferung der insgesamt 36 ist bis 2028 abgeschlossen. Wir nehmen dafür über 800 Millionen Euro in die Hand. Zwölf Hubschrauber werden am Fliegerhorst Fiala-Fernbrugg in Aigen stationiert und 24 Hubschrauber kommen nach Langenlebarn. An dieser Stelle darf ich mich ganz herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesheeres, nämlich bei der Kaserne in Aigen, ganz speziell für ihre großartige Tätigkeit bedanken. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Einsatzmöglichkeiten dieses Hubschraubers reichen von Truppentransporten, Katastrophenhilfe und Notfallmaßnahmen über Brandbekämpfung, Bergrettung und medizinische Evakuierungsflüge bis hin zum Notarzthubschrauber. Wenn ich es richtig im Kopf habe, Frau Bundesministerin, sind es ja drei Hubschrauber, die quasi zu einem Notarzthubschrauber umgebaut werden. Wie wichtig die Investitionen in die Hubschrauber sind, merkt man auch, wenn man eine Bundesheerkaserne in einer ganzen Region hat, so wie bei uns im Bezirk Liezen. Da geht es wirklich um hoch qualifizierte Arbeitsplätze, da geht es aber auch um die Wirtschaft in der ganzen Region, die davon profitiert, dass wir diese Kaserne haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich war 2021 – das wäre schön, denn dann wäre ich wirklich noch jung –, 2001 Grundwehrdiener. Vielleicht an die FPÖ gerichtet: Auch schwule Männer können ihren Dienst beim Bundesheer ableisten – wahrscheinlich sind diese schwulen Grundwehrdiener männlicher als dieser ganze rechte Sektor da bei uns auf der rechten Seite im Parlament. Bei meinem Grundwehrdienst, Frau Bundesministerin, habe ich noch die Naca-Berichte geschrieben, sprich die Einsatzprotokolle für den Hubschrauber, denn damals war nämlich der Notarzthubschrauber noch beim Bundesheer. Ich würde mich schon sehr darüber freuen, wenn wir vielleicht diese Diskussion wieder einmal aufnehmen, ob nicht das Bundesheer auch den Dienst des Notarzthubschraubers – dort, wo es geht – wieder übernimmt. In diesem Sinne, Frau Bundesministerin, danke für den Bericht. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Maria Neumann . Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein.

SPÖ Petra Oberrauner

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Wir sagen Ja zum Schutz der Menschen in Österreich! Wir sagen Ja zu einer wehrhaften Neutralität und wir sagen Ja zu Sky Shield als wichtige europäische Infrastruktur und Initiative – und deshalb sagen wir ganz klar Nein zum Antrag der FPÖ! Der vorliegende Landesverteidigungsbericht zeigt deutlich, dass die Welt um uns herum unsicher geworden ist: Krieg in Europa, Krieg im Nahen Osten, die potenzielle Bedrohung aus der Luft durch Drohnen, Raketen und andere Flugkörper nimmt zu; Terroristen und fehlgeleitete Drohnen gefährden ebenfalls unsere Sicherheit. Der Landesverteidigungsbericht zeigt: Es ist absolut notwendig, dass unser Bundesheer die Bedrohungen wirkungsvoll bekämpfen und die Bevölkerung schützen kann. Durch die Teilnahme an Sky Shield kommen wir dieser Verantwortung nach – und ja, unsere Neutralität bleibt unangetastet. Sky Shield ermöglicht es uns, die Menschen in Österreich schnell und wirksam zu schützen und unsere Neutralität aktiv zu verteidigen. Wir entscheiden weiterhin souverän über den Einsatz unserer Luftabwehrsysteme, es gibt keine fremden Soldaten auf unserem Boden und Österreich muss sich an keinen militärischen Einsätzen beteiligen. Das haben wir bei unserem Beitritt zu Sky Shield festgelegt, wie übrigens auch die Schweiz, die bekannterweise ebenfalls neutral und auch bei Sky Shield dabei ist. Durch die gemeinsame Beschaffung mit anderen europäischen Staaten profitieren wir von günstigeren Preisen, schnellerer Lieferung und effizienten Wartungsstrukturen. Das ist militärisch sinnvoll und finanziell vernünftig. Der Antrag der FPÖ zu Sky Shield beruht auf falschen Behauptungen, ergibt militärisch, finanziell und neutralitätspolitisch keinen Sinn und schwächt den Schutz und die Sicherheit Österreichs. Deshalb lehnen wir diesen Antrag der FPÖ ab. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Hofinger – für 4 Minuten.

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren heute den Landesverteidigungsbericht 2024/2025, und das ist ein Erfolgsbericht. Das Bundesheer wird gestärkt, das Sicherheitsgefühl der österreichischen Bürgerinnen und Bürger wird gestärkt – und das ist in Zeiten wie diesen besonders wichtig. Es zeigt, welchen Stellenwert das Bundesheer bei der jetzigen Bundesregierung hat. Es wird kräftig investiert! Die notwendigen Investitionen, die getätigt werden, sind deswegen notwendig, weil es die geopolitische Großwetterlage einfach erfordert. Es gibt den Angriffskrieg Russlands, es gibt Krisen im Nahen Osten, aber genauso macht es die Unberechenbarkeit von geopolitischen Akteuren, wie zum Beispiel den USA, notwendig, dass auch die EU ihre Sicherheitsstrategien wieder neu aufstellt. Österreich ist genauso gefordert, für die Sicherheit zu sorgen und kräftig zu investieren – was wir auch machen. Schlussendlich hat eine Investition nichts mit der Neutralität zu tun. Österreich rüstet kräftig auf und hat es mit einem guten Gesetz geschafft, auch in die Zukunft zu investieren: mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz, mit der Mission vorwärts und mit dem Aufbauplan 2032 plus schaffen wir es, Investitionen zu tätigen. In welche Bereiche wird hauptsächlich investiert? – In die Mobilität: Es werden Hubschrauber angekauft, gepanzerte Fahrzeuge, aber genauso Transportflugzeuge – die C-390 ersetzt die Hercules und damit ist ein Qualitätssprung in den Luftstreitkräften gelungen. Es wird aber auch kräftig in die Infrastruktur investiert – da sind wir ziemlich weit hinten. Das muss geschehen und da sind wir gut unterwegs. Damit schaffen wir es vor allem, dass das Bundesheer attraktiver wird. Ich hatte letzte Woche in meiner Funktion als Bürgermeister eine Einladung vor Stellungspflichtigen in meiner Gemeinde; die berichten mir schon, dass sie gerne zum Bundesheer gehen und sie auch spüren, dass sich etwas tut. Es waren HTL-Schüler dabei, die dort auch die Möglichkeiten sehen, sich weiterzuentwickeln. Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg; wenn man das hört, freut einen das wirklich sehr. Zwei regionale Projekte möchte ich noch herausgreifen: Als regionaler Abgeordneter von Oberösterreich möchte ich darauf hinweisen, dass auch sehr stark in die Infrastruktur in Oberösterreich investiert wird, unter anderem in den Fliegerhorst in Hörsching, wo in den nächsten Jahren 1,2 Milliarden Euro investiert werden: in die Unterkünfte, die neuen Hangars, weil dort die Hubschrauber beziehungsweise auch die Transportflugzeuge C-390 stationiert werden – womit Hörsching ein großer Punkt, ein wichtiger Punkt, ein Herzstück für die Luftstreitkräfte in Österreich sein wird – und in meine Zehner-Kaserne in Ried, Panzergrenadierbataillon 13, was mich sehr freut. Dort konnten wir letzte Woche am Montag mit der Frau Bundesministerin feierlich das Kommandogebäude eröffnen, das ist ein großer Schritt in Richtung der Sanierung der Kaserne. Wir haben gleichzeitig dann einen Spatenstich dort gefeiert, wo wir die Gleisanschlüsse umbauen und die Unterkünfte neu gestalten werden. Ein herzliches Dankeschön, Frau Bundesminister! Mit deiner Konsequenz und Umsetzungsfreude und deinem Gestaltungswillen haben wir es geschafft, dass wir diese Finanzierung und diese Sanierungen vorantreiben können. Geschätzte Damen und Herren, Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Österreich rüstet nicht auf, Österreich rüstet nach – für die Herausforderungen von heute, für die Sicherheit von morgen, für ein starkes, ein wehrhaftes Österreich. – Herzlichen Dank.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Petra Tanzler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Tanzler

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zu Beginn möchte ich mich für die Erstellung des Landesverteidigungsberichts bedanken. Laut diesem kommt der schwierigen Personalsituation die höchste Priorität zu, und auf diese möchte ich Bezug nehmen. Beim Personalstand wirken sich derzeit, wie in allen anderen Berufsfeldern auch, die geburtenstarken Jahrgänge der 60er-Jahre besonders aus: Sie treten in den Ruhestand, sie fehlen, sie müssen nachbesetzt werden. Im Rahmen des Aufbauplans 2032 plus wurde bereits eine Vielzahl an Maßnahmen eingeleitet, die auch positiv wirken, aber es besteht immer noch ein großer Bedarf. In diesem Zusammenhang wird auch erwähnt, dass daher das Potenzial der weiblichen Staatsbürger besser auszunutzen wäre – seit 1998 können ja Frauen auf freiwilliger Basis den militärischen Dienst im Bundesheer leisten. Laut Bericht sind sie heute ein integrierter und unverzichtbarer Bestandteil davon. Der Anteil hat sich seit damals fast verzehnfacht. Die Maßnahmen der Frauenförderung im Speziellen sind zwar Gegenstand eines anderen Berichts, aber ich sehe das im Wesentlichen in Zusammenhang mit der Personalgewinnung in diesem Bericht. Diese Maßnahmen betreffen zum Beispiel die Tatsachen, dass die Hürden bei der Kaderausbildung überwunden werden können, dass es eine Erleichterung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt – sprich Kinderbetreuung – und dass man Frauen eine spezifischere Ausbildung und Förderung und auch eine Unterstützung durch Mentorinnen zukommen lassen kann. Auch die Teilnahme am Girls Day und noch vieles mehr sind Aktionen, um sichtbarer zu werden. Man kann schon erkennen, dass vieles für die Personalgewinnung getan wird. In einem weiteren Bezug dazu und auch zur Attraktivierung dieses Berufsstands sehe ich auch den Aus- und Zubau der Milak in Wiener Neustadt, wo ich letzte Woche gemeinsam mit Ihnen beim Festakt zur Neueröffnung des Wirtschaftsgebäudes und des neuen Unterkunftsgebäudes dabei sein durfte. Es braucht meiner Meinung nach nicht nur die Maßnahmen zur Reform und zum Aufbau der Einsatzfähigkeiten im Bereich Personal, um attraktiv zu bleiben und zu werden, sondern auch Investitionen in die baulichen Bestände und die Modernisierung der baulichen Bestände – in diesem Fall jener der ältesten Militärakademie der Welt, und darüber freue ich mich. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Paul Stich zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Paul Stich

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, sofern Sie zu dieser späten Stunde noch auf sind! Die geopolitischen Konflikte auf der Welt spitzen sich zu, nicht zuletzt durch neu oder wieder aufs politische Parkett kommende scheinbare Kriegstreiber wie Donald Trump. Das zeigt sich in Debatten hier im Haus, das zeigt sich auch im Landesverteidigungsbericht, und das ergibt einerseits ganz viel an militärstrategischer Denkaufgabe und auf der anderen Seite aber auch vielfältige Aufgaben für das österreichische Bundesheer. Wenn wir über die geopolitischen Ereignisse sprechen, gilt es aus unserer Sicht vor allem eines herauszustreichen: dass es Krieg immer und überall mit allen Mitteln zu verhindern gilt. Es ist traurig, dass wir in einer Welt leben, in der diese Einschätzung nicht von allen und nicht überall geteilt wird, denn für manche scheint Krieg vielmehr wie eine Art Schachspiel zu sein. Die sitzen dann vor dem PC auf Twitter, meistens in ruhigen, recht gut geschützten Räumen, und diskutieren darüber, ob man nicht vielleicht doch irgendwo ein paar Leute opfern soll, quasi wie einen Bauern beim Schach irgendwo vorziehen sollte, um kurzfristig Menschen zu opfern, um langfristig daraus einen strategischen Vorteil zu ziehen. Ich glaube, gerade in diesem Zusammenhang ist es wichtig, da auch einen sehr bewussten Kontrastpunkt zu setzen, denn Krieg bringt Leid, Tod und Zerstörung, bringt Wunden in Familien, die über Generationen da sind, und wer beginnt, tote Zivilist:innen aufzurechnen, um daraus Legitimation für weitere Angriffe oder Tote zu schaffen, der wird menschlich am Ende des Tages immer verlieren. (👏 SPÖ) Denn: Wie fühlt sich Krieg für diejenigen an, die ihn hautnah erleben? – Die meisten von uns, und zum Glück auch ich, können diese Frage nicht persönlich beantworten. Deshalb will ich mich der Worte der persönlichen Erinnerung von Almasa Salihović bedienen, einer Überlebenden des Massakers von Srebrenica und Mitarbeiterin im Srebrenica Memorial Center, die sie gestern im Rahmen einer sehr würdigen Gedenkveranstaltung hier im Parlament hat ausführen können. Sie sagt ganz konkret über die Schrecken des Krieges – ich zitiere –: Meine Mutter, meine Schwester und ich mussten mit ansehen, wie Männer und Jungen von den Soldaten getrennt wurden. Ich erinnere mich an das Schreien, an das Flehen, an die Hilflosigkeit. Mein Bruder Abdullah wurde nie wieder gesehen. Er war erst 18 Jahre alt. Er hatte versucht, mit meiner Schwester die Basis zu verlassen, wurde aber festgenommen. Aus ihrem Bericht weiß ich, sie sahen sich noch einmal an, bevor er abgeführt wurde. Sie wusste es, er wusste es, und nun weiß auch ich es: Das war ihr letzter Abschied. – Zitatende. Diese durchwegs berührenden Worte sind für uns aus meiner Sicht Handlungsauftrag auf zwei Ebenen: zum einen, weil das österreichische Bundesheer – und hier schließt sich zu einem gewissen Grad der Kreis – seit Jahrzehnten ja auch Friedenstruppen in Bosnien stellt, um den Frieden von 1995 abzusichern, was ein sehr gutes Beispiel dafür ist, wie man ganz besonders auch als neutraler Staat einen wichtigen Beitrag in der internationalen Gemeinschaft leistet, ganz besonders in einer Situation, in der sich auch in Bosnien innenpolitisch die Lage durchwegs zuspitzt; und zum anderen, weil es natürlich auch ein politischer Auftrag ist, der untrennbar mit der militärischen Debatte, die wir hier führen, verbunden ist, nämlich dass wir sehen, dass die Tendenz immer mehr wieder dahin geht, dass Krieg und außenpolitisch-militärische Schläge zu einem tolerierten Mittel der globalen Außenpolitik werden. Diese Entwicklung ist brandgefährlich, und wir werden im Rahmen dieser Plenartage auch noch über die Kandidatur Österreichs für den UN-Sicherheitsrat sprechen. Lassen Sie mich nur so viel vorgreifen: Ich halte das für einen guten, richtigen und wichtigen Schritt, damit die Stimmen der Deeskalation und der friedlichen Koexistenz ganz besonders im Sinne der österreichischen Neutralitätspolitik auch international wieder gestärkt werden (👏 SPÖ), damit Soldaten dieser Welt – egal ob im österreichischen Bundesheer oder in allen anderen Heeren – die Schlachtfelder weiterhin nur aus den Geschichtsbüchern kennen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Gerhard Kaniak . – Die Restredezeit Ihrer Fraktion beträgt 4 Minuten.

FPÖ Gerhard Kaniak

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Hohes Haus! Ja, wir haben es heute schon öfter gehört: Die Zeiten haben sich geändert. Die Zeiten der Friedensdividende und in denen bei der Landesverteidigung gespart werden kann, sind schon lange vorbei, und wir sind international mit einer Vielzahl von militärischen Konflikten konfrontiert, die auch auf eine neue Art und Weise geführt werden. Ein ganz besonderes Bedrohungsszenario in diesen modernen Konflikten betrifft auch Angriffe aus der Luft: Drohnen, Gleitbomben, Marschflugkörper, Raketen, teilweise auch mit Hyperschallgeschwindigkeit, sind in einer Art und Weise und in einer Häufung und auch Qualität eingesetzt worden, wie das bis vor wenigen Jahren noch unvorstellbar war. Natürlich braucht es zur Abwehr dieser Gefahrenlage die entsprechenden Fähigkeiten und Kapazitäten, und die Freiheitliche Partei bekennt sich ganz klar zum Aufbau dieser Abwehrfähigkeiten auch innerhalb des österreichischen Bundesheers. Die Freiheitliche Partei bekennt sich aber auch ganz klar zur verfassungsrechtlichen Neutralität Österreichs. Deshalb, Frau Ministerin, ist aus unserer Sicht der Beitritt zur European-Sky-Shield-Initiative der falsche Weg, nämlich der neutralitätswidrige. Das ist nicht nur unsere Einschätzung, sondern wir haben auch zwei völkerrechtliche Gutachten – die Ihnen von Ausschussobmann Reifenberger schon mehrfach vorgelegt und die auch vielfach zitiert worden sind –, die unabhängig voneinander erstellt wurden und die belegen, dass diese Initiative völkerrechtlich nicht mit unserer Neutralität kompatibel ist. Warum ist das so? – Es steht ja auch allein schon in der Absichtserklärung, die Sie unterschrieben haben, drinnen, dass die Sky-Shield-Initiative der Stärkung der europäischen Säule der integrierten Luft- und Raketenabwehr der Nato dient und dass ein gemeinsamer Betrieb dieser Systeme vorgesehen ist – nicht nur eine gemeinsame Beschaffung, so wie das vielfach zitiert worden ist, sondern auch der gemeinsame Betrieb, und auch die vorgelagerten Systeme und Strukturen müssen gemeinsam betrieben werden. Beides – der Betrieb der Luftabwehreinrichtungen und der vorgelagerten Systeme – ist neutralitätswidrig und verträgt sich deshalb mit unserer Verfassung nicht. (👏 FPÖ) In den zusätzlichen Erklärungen, den zusätzlichen Bedingungen, die Sie unterschrieben haben, ist sogar ein Passus drinnen, in dem steht, dass Österreich aus neutralitätsrechtlichen Gründen von bestimmten Verpflichtungen dieser Vereinbarung zurücktreten kann, um seine Neutralität im Krisenfall zu wahren. Nur: Wenn eine Bestimmung, eine vertragliche Verpflichtung im Krisenfall neutralitätswidrig ist, dann ist sie auch im Friedensfall schon neutralitätswidrig, denn die Neutralität gilt im Frieden wie im Krieg gleichermaßen. Die gilt nicht nur im Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung. Das heißt, Sie haben die Erklärung ja selber mitgeliefert. (👏 FPÖ) Nichtsdestotrotz sehe ich die wahren Herausforderungen nicht in der Beschaffung. Die kann Österreich ja auch ganz anders lösen, nämlich gar nicht allein und eigenständig und schon gar nicht zum Schaden der Steuerzahler – immerhin sind andere große europäische Staaten wie Spanien, Frankreich oder Italien ja auch nicht dieser Sky-Shield-Initiative beigetreten, und wir haben gerade auch mit Italien ausgezeichnete Erfahrungen im Bereich der gemeinsamen Beschaffung, auch im Bereich der gemeinsamen Ausbildung. Da könnte man – neutralitätskonform – auch europäisch gemeinsame Beschaffung und Ausbildung machen, ohne dass wir neutralitätsrechtliche Probleme hätten. Das wissen Sie auch, ich weiß es, und das wäre der von der FPÖ vorgeschlagene Weg, den Sie ganz einfach verwirklichen könnten. Zu lösen bleibt trotzdem noch das Problem der Personalgewinnung, der Aufbau neuer Einheiten, die Struktur für die neuen Einheiten. Diese ganze Kompetenz und auch die Integration dieser Fähigkeiten in das restliche Verteidigungskonzept muss natürlich neu geschaffen werden. Da warten die tatsächlichen Herausforderungen, und natürlich braucht es auch noch die entsprechende finanzielle Abdeckung für die Abwehr über lange Reichweiten. Auch das wissen Sie, aber auch da haben Sie bei der FPÖ eine verlässliche Unterstützung bei den Forderungen nach zusätzlichen finanziellen Mitteln. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als vorläufig letzte Rednerin wurde mir Frau Abgeordnete Meri Disoski gemeldet. – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Frau Ministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, die Sie unserer Debatte zu dieser späten Stunde vielleicht doch noch folgen! Wir sind beim Landesverteidigungsbericht 2024/25, und dabei behandeln wir auch einen Antrag der FPÖ zur Europäischen Friedensfazilität mit – das ist kurz gesprochen die Finanzierung der gemeinsamen Sicherheits- und Außenpolitik der Europäischen Union; darum geht es bei dieser Friedensfazilität. Die Zahlungen, die Österreich im Rahmen dieser Friedensfazilität an die Ukraine leistet, sind natürlich keineswegs neutralitätswidrig. Das ist ausjudiziert, das ist ganz glasklar. Die FPÖ behauptet einmal mehr in ihrem Antrag und auch in den Debattenbeiträgen das Gegenteil, aber es stimmt einfach nicht.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wo ist das bitte ausjudiziert? Vom Salzamt kann das höchstens ausjudiziert sein!

GRÜNE Meri Disoski

… Das ist schon fragwürdig, dass Sie hier faktenwidrig argumentieren. Was aber politisch viel fragwürdiger ist, ist, dass die FPÖ einen Antrag einbringt, mit dem der Ukraine jede Hilfe gestrichen werden soll, jenem Land, das brutal und völkerrechtswidrig angegriffen wird. Sie wollen einfach die Hilfe für die Ukraine streichen. Ich habe schon vor langer Zeit damit aufgehört, zu zählen, wie viele Putin-freundliche Initiativen Sie, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, hier in diesem Hohen Haus einbringen.

FPÖ Leinfellner (Zwischenruf)

Neutralität ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Sie machen das am laufenden Band. Ich bin sicher, der nächste Kniefall vor Putin wird nicht lange auf sich warten lassen, weil Freundschaftsverträge verpflichten.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das hat mit Putin gar nix zu tun! Das ist das Geld österreichischer Steuerzahler!

GRÜNE Meri Disoski

… Aber statt uns hier jetzt weiter mit Ihrer fragwürdigen Russlandpolitik, die wir leider sehr intensiv verfolgt haben und kennen, zu befassen, will ich darüber reden, was wir tun müssen, um die Ukraine weiterhin zu unterstützen. Eines steht doch bitte außer Frage: Die Ukraine braucht dringend unser aller Unterstützung, finanziell, politisch und auch wirtschaftlich.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Soldaten gehen ihnen aus! ... Kinder, Verwandte!

GRÜNE Meri Disoski

… Das wird evident, wenn Sie die Berichte verfolgen, wenn Sie sich die Berichterstattung anschauen. Russland verübt täglich neue Angriffe, brutale Angriffe auf Wohngebiete, auf zivile Infrastruktur und auf Krankenhäuser, und das sind keine Kollateralschäden, das sind gezielt verübte Kriegsverbrechen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Unsere Antwort darauf muss mehr sein als Symbolpolitik. Wir müssen Russlands Möglichkeiten, diesen völkerrechtswidrigen, brutalen Angriffskrieg zu finanzieren, mit allen Mitteln, die wir haben, aktiv einschränken.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

... mit allen Mitteln!

GRÜNE Meri Disoski

… Ein fortgesetzter Import von russischem Gas oder auch von russischem Öl, der Milliarden in Putins Kriegskassen spült, steht ganz klar in einem Widerspruch dazu. Wir Grüne unterstützen deshalb den Vorschlag der EU-Kommission, alle russischen Energieimporte bis spätestens 2027 zu beenden, denn Putin, das wissen wir, führt seinen Krieg nicht nur mit Panzern und Raketen oder Drohnen, er führt diesen Krieg auch mit Gasleitungen – Energie, das ist seine Waffe.

FPÖ Leinfellner (Zwischenruf)

Fotovoltaik ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Und was macht die Bundesregierung angesichts dieser Tatsachen? – Lavieren, zaudern, Hintertüren offenhalten, weil sie sich nicht einig ist, wie sie mit dem Ausstieg aus russischem Öl und Gas umgehen soll. Während Außenministerin Meinl-Reisinger richtigerweise festhält, dass wir von Russland nie wieder, weder energiepolitisch noch in anderer Hinsicht, abhängig sein dürfen, denkt ÖVP-Staatssekretärin Zehetner über eine Rückkehr zu russischem Gas nach …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sauber, billig!

GRÜNE Meri Disoski

… und das ausgerechnet an dem Tag, als der ukrainische Präsident Selenskyj in Wien ist; ausgerechnet an dem Tag macht sie das. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer hat genauso wie Kanzler Stocker im EU-Hauptausschuss und im EU-Unterausschuss den Importstopp abgelehnt. Sie haben sinngemäß ausgeführt, Sie wollen sich nichts verbauen …

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Zur Sache, Frau Kollegin!

GRÜNE Meri Disoski

… für den Fall, dass Russland in absehbarer Zeit wieder demokratisch werde. Diese Uneinigkeit in der Koalition ist nicht nur peinlich, sie schwächt Österreichs Glaubwürdigkeit auf europäischer Ebene. Sie ist energiepolitisch, sicherheitspolitisch fahrlässig, europa- und außenpolitisch ein schwerer Fehler. (👏) Deshalb fordern wir Grüne heute einmal mehr, nachdem wir es in den Ausschüssen schon gemacht haben, eine klare Haltung der Regierungsparteien statt energiepolitische Hintertüren, mit denen wir Putins Kriegskassen weiter füllen. Ich bringe deshalb folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundeskanzler sowie der Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus, werden aufgefordert, die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte sowie die damit einhergehende Zielsetzung, alle Öl- und Gasimporte aus Russland bis spätestens 2027 komplett und ohne zeitliche Befristung zu stoppen, sowohl im Zusammenhang mit Diskussionen im Kontext des Europäischen Rates sowie im Rahmen des Gesetzgebungsverfahren im Rat und in dessen vorbereitenden Gremien aktiv zu unterstützen.“ Kolleginnen und Kollegen! Putins Macht beruht auf Abhängigkeit ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und Österreich darf nicht Teil dieses Systems bleiben. Solidarität mit der Ukraine zeigt sich nicht nur in Worten, sondern auch in Entscheidungen. Treffen Sie, Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsparteien, heute gemeinsam mit uns Grünen die richtige Entscheidung und stimmen Sie für die Beendigung russischer Energieimporte! (👏) 23.55 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/213.1 Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte (100/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Frau Abgeordneten vorgelesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. ( Unruhe im Saal. – Der Präsident gibt das Glockenzeichen. ) – Wir sind im Abstimmungsvorgang. RN/214.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 25: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, den Landesverteidigungsbericht 2024/2025 gemäß Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz, vorgelegt von der Bundesministerin für Landesverteidigung, III-168 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die für dessen Kenntnisnahme eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. RN/214.2 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 26: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 105 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/214.3 Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 27: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 106 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/214.4 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind (Abg. Ottenschläger [ÖVP] – in Richtung Grüne –: Mehr werden es nicht! – Abg. Sieber [ÖVP]: Wo sind die restlichen Grünen?), um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Präsidium, 35. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 23:57

Nein zum Militärbündnis "Sky Shield"

105 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 180/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag „Nein zum Militärbündnis Sky Shield“ abgelehnt. Damit gibt es keinen parlamentarischen Auftrag an die Bundesregierung, aus der European Sky Shield Initiative (ESSI) auszutreten oder die Teilnahme zu beenden.

Betroffen sind die österreichische Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie die Beteiligung Österreichs an der European Sky Shield Initiative (ESSI) und der Ausbau der bodengebundenen Luftabwehr.

Ziel des Antrags war, Österreichs Neutralität zu wahren, indem ein Austritt aus „Sky Shield“ verlangt und die Luftabwehr stattdessen nationalstaatlich (mit Fokus auf kurze und mittlere Reichweiten) ausgebaut werden sollte.

Dokumente

Nein zum Militärbündnis "Sky Shield"

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag mit dem Titel „Nein zum Militärbündnis ‚Sky Shield‘“.
  • Kernanliegen des Antrags ist, dass Österreich aus der European Sky Shield Initiative (ESSI) („Sky Shield“) austreten soll.

Begründung: Neutralität als verfassungsrechtliche Verpflichtung

  • Österreich sei verfassungsrechtlich zur immerwährenden Neutralität verpflichtet.
  • Ein Beitritt zu einem Militärbündnis würde nach Ansicht der Antragsteller einen Verfassungsbruch darstellen.
  • Die Neutralität wird als identitätsstiftend beschrieben und als sicherheitspolitischer „Schutzschild“.
  • Die Neutralität ermögliche Österreich zudem, in internationalen Konflikten als Vermittler aufzutreten und Verhandlungen sowie Friedensinitiativen zu unterstützen.

Begründung: Kritik an politischer Untergrabung der Neutralität

  • Die Neutralität stehe seit geraumer Zeit „unter Beschuss“.
  • Politische Akteure würden versuchen, die Neutralität zu untergraben; ausdrücklich genannt werden Vertreter von ÖVP und NEOS.
  • Die Mitgliedschaft bei ESSI wird als Teil dieser Entwicklung eingeordnet.

Begründung: Intransparenz und Charakter von ESSI/Sky Shield

  • Zu ESSI lägen nach Darstellung der Antragsteller weiterhin zahlreiche Details im Dunkeln, entweder bewusst oder aufgrund anderer Unzulänglichkeiten.
  • Gemeinsame Beschaffungsinitiativen mit anderen Staaten werden grundsätzlich als unterstützenswert bezeichnet, sofern sie ordentlich geprüft werden und ein transparenter Prozess gewährleistet ist.
  • Sky Shield wird jedoch als mehr als eine reine Beschaffungsplattform dargestellt.

Begründung: Verankerung in NATO-Strukturen (ESSI als NATO-Pfeiler)

  • Zur Untermauerung wird auf eine Darstellung des deutschen Bundesministeriums der Verteidigung verwiesen.
  • Demnach ziele ESSI darauf ab, europäische NATO-Staaten besser gegen Angriffe durch Geschosse, Flugkörper oder Luftfahrzeuge zu wappnen.
  • Ziel sei die Stärkung des europäischen Pfeilers in der gemeinsamen Luftverteidigung der NATO.
  • Es sei beabsichtigt, die ausgebauten oder neu geschaffenen Fähigkeiten der gemeinsamen Beschaffungsinitiative in die vom NATO-Befehlshaber für Europa geführte Luftverteidigung des NATO-Gebietes einzubinden.
  • Daraus wird abgeleitet, dass Sky Shield fest in den Strukturen des NATO-Militärbündnisses verankert sei.

Geforderte Konsequenz: Austritt aus Sky Shield

  • Weil Österreich neutralitätsrechtlich keinem Militärbündnis beitreten dürfe und Sky Shield als NATO-strukturell eingebunden dargestellt wird, wird ein Austritt aus Sky Shield als unumgänglich bezeichnet.

Abgrenzung: Kooperation ja, Betrieb der Luftabwehr national

  • Es wird betont, dass gegen gemeinsame Beschaffungs- und Ausbildungskooperationen mit anderen Staaten grundsätzlich nichts spreche.
  • Der Betrieb der bodengebundenen Luftabwehr habe jedoch – auch bereits in Friedenszeiten – eigenständig, also nationalstaatlich, zu erfolgen.

Sicherheitspolitische Forderung: Ausbau der bodengebundenen Luftabwehr

  • Der Ausbau der bodengebundenen Luftabwehr kurzer und mittlerer Reichweite soll forciert werden.
  • Als Bezugspunkt wird der „Aufbauplan 2032+“ genannt, in dem dieser Ausbau vorgesehen sei.

Nein zum Militärbündnis "Sky Shield"

~49 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Volker Reifenberger

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Hohes Haus! Zu Beginn möchte ich einmal positiv erwähnen, dass es einen solchen Landesverteidigungsbericht überhaupt gibt. Der Bericht wurde vom Generalstab wirklich toll verfasst, damit haben wir eine sehr gute Grundlage, auf deren Basis wir hier diskutieren können. In diesem Bericht finden sich spannende Passagen, von denen ich heute einige zitieren möchte, um damit aufzuzeigen, dass die Probleme von den Experten im Verteidigungsministerium richtig erkannt worden sind, aber von der Verteidigungsministerin leider nicht gelöst werden. Ambitioniert ist gleich einmal das Ziel, das im Bericht genannt wird, das man sich setzt – ich zitiere –: „Das Ziel ist ein modernes [...]“ – Bundesheer – „das dazu befähigt ist, Österreich im Rahmen der Umfassenden Landesverteidigung [...] gegen jeden militärischen Angriff zu verteidigen und sein Volk zu schützen.“ (👏 FPÖ) Bitte nicht falsch zu verstehen, ich finde dieses Ziel großartig. Frau Bundesminister, Sie können mir wirklich glauben, Sie haben meine vollste Unterstützung, um das umzusetzen und dieses Ziel zu erreichen, aber dieser vom Generalstab formulierte Wunsch ist nichts anderes als ein frommer Wunsch an das Christkind. Frau Bundesminister, wenn Sie unser Bundesheer wirklich in die Lage versetzen wollen, Österreich gegen jeden militärischen Angriff zu verteidigen, dann müssen Sie vollkommen umdenken. Dazu müssten Sie endlich einmal unsere Verfassung ernst nehmen und im Wesentlichen zwei Dinge tun: Erstens müssen Sie den Mobilmachungsrahmen ungefähr vervierfachen, denn mit 55 000 Soldaten können Sie Österreich nicht gegen jeden militärischen Angriff verteidigen. Im Übrigen wäre das für Österreich eigentlich auch nichts Neues. Wir hatten einmal in den 1980er-Jahren, zu Zeiten der guten alten Raumverteidigung, einen Mobilmachungsrahmen jenseits von 300 000 Soldaten – bei deutlich weniger Einwohnern. Und zweitens müssen Sie etwas tun, um den Mobilmachungsrahmen, wie hoch er dann schließlich auch immer sein sollte, mit Soldaten zu befüllen, die ihr Handwerk gelernt und, ganz wichtig, und auch geübt haben. Dazu müssten Sie aber den Grundwehrdienst verlängern und wiederum verpflichtende Milizübungen einführen. Sonst ist das nichts anderes als eine Augenauswischerei. Sie kaufen zwar fest ein, aber mangels Personal bringen Sie die PS nicht auf den Boden. Das ist nichts anderes als eine Wählertäuschung, ein Betrug an der eigenen Bevölkerung und außerdem ein Verfassungsbruch. (👏 FPÖ) Wenn Sie Ihren eigenen Bericht ernst nehmen, Frau Bundesminister, dann müssen Sie endlich Lösungen für das Personalproblem auf den Tisch legen. In den letzten fünf Jahren ist davon leider nicht wirklich viel zu sehen gewesen. Im Bericht steht auch noch etwas anderes, vollkommen Richtiges: „Die Besoldung aller Personengruppen ist an das Niveau des zivilen Arbeitsmarktes anzupassen.“ – Diese Feststellung ist vollkommen richtig, aber warum tun Sie das nicht? Wir verlangen von unseren jungen Offizieren, dass sie ein Bachelorstudium machen, und dann bezahlen wir sie als Maturanten und nicht wie einen Bachelor. Natürlich gehen dann viele nach der Ausmusterung an der Militärakademie in die Privatwirtschaft oder vielleicht sogar nur in ein anderes Ministerium, denn dort werden sie dann adäquat nach einem Bachelorentlohnungsschema bezahlt. Im Bericht steht weiters, dass „die gesetzliche Möglichkeit, geeignete Wehrpflichtige zu einer Kaderfunktion in der Miliz zu verpflichten, wieder angewandt werden“ muss – muss! – Ja, warum machen Sie das nicht einfach? Frau Bundesminister, dieses Hohe Haus hat Ihnen die erforderliche gesetzliche Grundlage dazu gegeben. Warum machen Sie davon nicht Gebrauch? Wissen Sie, dazu fällt mir ein passender Spruch ein: Machen ist wie wollen, nur krasser. – Seien Sie einmal krass, Frau Bundesminister, und machen Sie endlich! (👏 FPÖ) Was der Landesverteidigungsbericht auch detailliert auflistet, ist der Umstand, dass die Gefahr groß ist, dass Ihnen das nötige Geld ausgehen wird. Da zweifle ich nicht an Ihrem guten Willen, Frau Bundesminister, aber da zweifle ich sehr wohl an Ihrem sozialistischen Koalitionspartner, insbesondere am linken Finanzminister Marterbauer. Frau Bundesminister, der Bericht liest sich wie eine reine Selbstanklage, eine Zusammenfassung dessen, was Sie in den letzten über fünf Jahren nicht zusammengebracht haben. Insofern finde ich es mutig, dass die Regierungsfraktionen diesen Bericht nicht im Ausschuss enderledigt haben, sondern hier im Plenum zur Diskussion stellen. Also nicht vergessen, Frau Bundesminister: Machen, nicht wollen – seien Sie krass! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ofenauer. 5 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Meine sehr verehrten Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich mit etwas Positivem beginnen, denn wir feiern dieser Tage ein Jubiläum: Vor 50 Jahren, gestern vor 50 Jahren wurde das Konzept der umfassenden Landesverteidigung in unserer Bundesverfassung verankert – ein Konzept und eine Idee, die damals wie heute aktuell ist, denn: Die sicherheitspolitischen Herausforderungen haben sich zwar immer wieder geändert, aber das Prinzip bleibt nach wie vor gleich, nämlich dass Verteidigung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Alleine die Inhalte dieser umfassenden Landesverteidigung sind in den letzten Jahren, Jahrzehnten etwas erodiert und müssen wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht werden, nämlich die militärische, die wirtschaftliche, die zivile, aber vor allem auch die geistige Landesverteidigung. Denn: Umfassende Landesverteidigung führt zu einer widerstandsfähigen Gesellschaft, die im Ernstfall auch handlungsfähig bleibt, und das brauchen wir in Zukunft mehr denn je. (👏 ÖVP) Heute wird der mittlerweile dritte Landesverteidigungsbericht im Plenum behandelt, nämlich jener für 2024/2025, der ja seine Grundlage im Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz hat. Wenn man Herrn Kollegen Reifenberger zugehört hat, dann hat man vernehmen können, dass er die Tatsache, dass es diesen Landesverteidigungsbericht gibt, sehr positiv hervorgehoben hat, aber ansonsten hat man aus seiner Rede eigentlich den Eindruck gewonnen, dass die Frau Ministerin eine Zauberin sein müsste, weil sie innerhalb von zwei oder drei Jahren Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, so muss man es sagen, hätte beseitigen müssen, und das ist schlicht unrealistisch, Herr Kollege.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Ich habe den Bericht zitiert!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Herr Kollege, das ist unrealistisch. Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen! Der Landesverteidigungsbericht zeigt ganz klar auf, welche Maßnahmen gesetzt wurden, welche Maßnahmen noch notwendig sind, und ja, es ist noch viel zu tun, aber wir sind am Beginn eines guten Weges. Unter Frau Bundesministerin Klaudia Tanner ist ein Paradigmenwechsel gelungen, nämlich mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz einen breiten Konsens dahin gehend zu erreichen, dass das österreichische Bundesheer mit steigenden Budgetmitteln ausgestattet wird, um es wieder verteidigungsfähig zu machen, um eben das Ziel zu erreichen, Österreich gegen jeden Angriff verteidigen zu können, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP) Dieses Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz war die Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, weil damals klar wurde, dass die Friedensdividende aufgebraucht ist. Das hat natürlich auch zu einem entsprechenden Umdenken in der sicherheitspolitischen Ausrichtung Österreichs und Europas geführt. Und ja, natürlich ist es notwendig, das österreichische Bundesheer wieder auszurüsten und entsprechend verteidigungsfähig zu machen. Es ist ganz klar zu beobachten, dass unter Bundesministerin Tanner in den letzten Jahren stetig wachsende Verteidigungsbudgets beschlossen wurden, und das muss auch so weitergehen, damit wir die Mission vorwärts, den Aufbauplan österreichisches Bundesheer 2032 plus entsprechend umsetzen können. Und ja, der Landesverteidigungsbericht zeigt auf, wo wir stehen, dass noch viel zu tun ist. Er zeigt aber auch, dass bereits viel getan wurde und bereits viel umgesetzt wurde. Das Wichtige ist: Das Streitkräfteprofil des österreichischen Bundesheeres konzentriert sich wieder auf die Kernaufgabe des Bundesheeres, nämlich die militärische Landesverteidigung. Ja, dazu gehört auch, dem Personal den entsprechenden Stellenwert einzuräumen, den es verdient: den Grundwehrdienern und ihrer Ausbildung in der militärischen Landesverteidigung, dem Kaderpersonal, das gewonnen werden muss, aber auch gehalten werden muss. Und natürlich gehört auch die entsprechende Bezahlung dazu. Unser Ziel muss ein robustes, ein einsatzfähiges, ein modernes und auch ein trainiertes Bundesheer sein. Deshalb investieren wir in Hubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge, Mannschaftstransportpanzer, Luftraumüberwachung und -verteidigung, Infrastruktur und Kasernen. Erst letzte Woche wurde ein neues Unterkunftsgebäude eröffnet, ein neues Wirtschaftsgebäude an der Milak, ein neuer Taucherstützpunkt für die Jagdtaucher am Neufelder See. Sie sehen, meine Damen und Herren, der Aufwuchs an Fähigkeiten schreitet voran. Das Wichtigste ist allerdings, dass mit dem beschlossenen Budget 2025/2026 der Aufbauplan österreichisches Bundesheer 2032 plus umgesetzt werden kann. Natürlich soll von den Beschaffungen, die im militärischen Bereich getätigt werden, durch entsprechende Kooperationen auch die österreichische Industrie profitieren. Wie sie profitieren kann, zeigt die Beschaffung von 100 Pandur-Evo-Mannschaftstransportpanzern, weiteren 225 Pandur Evo in zwölf unterschiedlichen Versionen. Diese Pandur Evo werden nämlich in Simmering hergestellt, wodurch auch 200 Zulieferbetriebe aus Österreich entsprechend profitieren. Ja, natürlich soll vor dem Hintergrund der europaweiten Notwendigkeit der Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit durch entsprechende Kooperationen die österreichische Industrie gestärkt werden, auch die europäische Verteidigungsindustrie, und sollen Abhängigkeiten von anderen Ländern, soweit es geht, reduziert werden. Zu guter Letzt, meine Damen und Herren: Die Souveränität Österreichs und die Unverletzlichkeit des Staatsgebietes müssen in allen Domänen verteidigt werden, nicht nur zu Lande, sondern auch in der Luft. Deshalb werden wir auch in die Luftabwehr investieren müssen: durch den Ankauf neuer Jettrainer, durch die Nachrüstung der Eurofighter, insbesondere aber auch durch die Beschaffung bodengebundener Luftabwehr mittlerer Reichweite fürs Erste einmal. Das Ganze mit dem Ziel, eine glaubwürdige Verteidigung Österreichs sicherzustellen und verteidigungsfähig zu sein, nach dem Motto: Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen. – Danke schön. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Schandor. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christian Schandor

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Der vorliegende Landesverteidigungsbericht 2024/2025 ist für mich kein gewöhnlicher Jahresrückblick, sondern ein sicherheitspolitisches Signal. Er zeigt nämlich auf, dass die Welt komplexer und das Bedrohungsfeld dichter geworden sind und dass Österreich darauf auch reagieren muss. Mit dem Aufbauplan ÖBH 2032 plus liegt erstmals ein langfristiger, strategisch fundierter Modernisierungspfad für unser Bundesheer vor. Dieser Plan sieht ja auch Investitionen von über 16 Milliarden Euro bis 2032 vor, um das Bundesheer technologisch und strukturell weiterzuentwickeln. Dazu gehören die Anschaffung moderner Luftabwehrsysteme und gepanzerter Fahrzeuge genauso wie die Erneuerung unserer Luftfahrzeugflotte. Trotzdem wird der Verteidigungsaufwand 2025 und 2026 nur knapp über 1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen, und auch der derzeitige Bundesfinanzrahmen für die Jahre danach sieht keine weitere Erhöhung vor, obwohl das Regierungsprogramm einen Anstieg auf 2 Prozent des BIPs verspricht. Doch ambitionierte Pläne brauchen auch ein stabiles Fundament, und genau da, Frau Bundesminister, müssen wir auch ehrlich sein – ehrlich im Hinblick auf den akuten Personalmangel. Das könnte unsere Achillesferse sein, denn trotz Reformen bleibt die Personalgewinnung eine zentrale Herausforderung und liegt leider Gottes hinter den Erwartungen. Auch die Maßnahmen zur Attraktivierung des Soldatenberufs sind laut Bericht weitestgehend ausgereizt. Der Druck auf unser Milizsystem: Die geplante Stärkung der Miliz erfordert mehr Übung und Ausstattung, was angesichts der aktuellen Ressourcenlage fraglich erscheint. Dazu hält der Landesverteidigungsbericht unmissverständlich fest, dass mit „dem aktuellen Mobilmachungsrahmen von 55.000 [...] Soldaten [...] ein Einsatz zur militärischen Landesverteidigung über einen längeren Zeitraum nicht“ möglich ist. Daher ist dem Personal höchste Priorität einzuräumen, und das bestätigt auch der Jahresbericht der Parlamentarischen Bundesheerkommission. Für die militärische Landesverteidigung ist aber auch eine entsprechende Infrastruktur in der erforderlichen Quantität und Qualität eine Grundvoraussetzung. Dabei ist der fast 30-jährige Investitionsrückstau abzubauen, und es sind die infrastrukturellen Voraussetzungen zur Integration von neuen Rüstungsgütern und zum Aufbau von Resilienz zu schaffen. Die technologischen Abhängigkeiten: Der Bericht nennt Drohnen, Hyperschallwaffen und KI-Systeme als Bedrohungen, bleibt aber vage, wie Österreich konkret auf diese Entwicklungen reagieren will. Meine Damen und Herren! Strategische Autonomie beginnt mit nationaler Entschlossenheit. Wir müssen das Bundesheer nicht nur modernisieren, sondern ihm auch die gesellschaftliche und politische Rückendeckung geben, die es verdient hat. Die Zeit drängt. Sollten in dieser Legislaturperiode nicht entschlossene Maßnahmen getroffen und umgesetzt werden, die die Personalaufbringung sicherstellen, dann wird unsere Miliz ausbluten, weil die notwendigen Nähr- und Ersatzraten fehlen. Wir benötigen daher dringend die vollständige Befüllung der Einsatzorganisation mit Übungspflichtigen. Lassen Sie uns diesen Bericht nicht als Dokumentation betrachten, sondern als Auftrag für ein Österreich, das vorbereitet ist – nicht irgendwann, sondern jetzt. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeodneter Laimer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Verteidigungspolitik beginnt nicht mit dem Ernstfall, sie beginnt mit klarem Denken in Zeiten des Friedens, und sie funktioniert dann gut, wenn sie vorausschauend, pragmatisch und langfristig angelegt ist. Genau deshalb ist ein Bericht wie dieser nicht einfach ein Rückblick oder eine Vorschau, sondern eine Einladung, gemeinsam politische Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Der Landesverteidigungsbericht zeigt mit aller Deutlichkeit: Die militärische Verteidigungsfähigkeit Österreichs ist derzeit nicht ausreichend gegeben, aber wir sind auf einem richtigen Weg angesichts einer sehr großen Herausforderung. Mit dem Aufbauplan gibt es nun erstmals seit Jahrzehnten einen strategischen Fahrplan für das Bundesheer, das im Ernstfall in der Lage sein muss, Österreich und seine Bevölkerung zu schützen. Dieser Aufbauplan zeigt aber auch klar: Das Bundesheer der Zukunft braucht nicht nur Gerät, es braucht Menschen, konkret Soldaten und eine funktionierende Miliz. Der Bericht spricht offen aus: Der derzeitige Mobilmachungsrahmen reicht nicht aus. Mit den 55 000 verfügbaren Kräften ist ein mittelfristiger Verteidigungseinsatz nicht durchhaltefähig, das wissen wir alle. Gleichzeitig sind die ressortinternen Maßnahmen zur Personalgewinnung weitgehend ausgeschöpft. Das ist auch ein Warnsignal. Wir nehmen dieses Warnsignal ernst, denn wir wissen: Schutz und Sicherheit bedeuten Verantwortung für die Bevölkerung. Dieser Verantwortung können wir nur gerecht werden, wenn jene Menschen, die im Ernstfall ihr Leben riskieren, die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung erhalten, die ihnen zusteht. Dazu gehört eine attraktive Besoldung, die mit dem zivilen Arbeitsmarkt mithalten kann; dazu gehört die Anerkennung der akademischen Ausbildung der Berufsoffiziere, die seit mehr als 25 Jahren bis heute keine ausbildungsadäquate Entlohnung zur Folge hat, nach ihrer Ausmusterung; dazu gehört eine faire Behandlung der Milizsoldaten, die bereit sind, ihren zivilen Beruf für das Gemeinwohl zu unterbrechen, zu üben, um ihre Fähigkeiten auszubauen, ohne soziale Nachteile zu erleiden; dazu gehören gut ausgebildete Unteroffiziere, die Drehscheibe und Motor einer Armee sind; und dazu gehört auch die ehrliche Antwort auf die Frage, wie angesichts geopolitischer Veränderungen der Wehrwille gestärkt wird. Der Grundwehrdienst ist dabei ein Fundament zum Schutz der Republik; wir müssen ihn wieder vermitteln. (👏 SPÖ) Wir müssen bessere Rahmenbedingungen schaffen, eine zeitgemäße Ausbildung, ein modernes Soldatenprofil entwickeln. Ein Wehrsystem im 21. Jahrhundert braucht Überzeugung und Perspektive für die Grundwehrdiener. Der Bericht zeigt auf: Wenn wir bereit sein wollen, im Ernstfall schnell zu reagieren – etwa mit der Reaktionsmiliz oder auch mit den Bereitschaftstruppen im In- und Ausland –, dann brauchen wir Personalmanagement, das effizient, digital und vor allem autonom funktioniert. Funktionierende Alarmierung im Einsatzfall ist Voraussetzung. Das Bundesheer muss über die Personalhoheit verfügen; das ist kein Luxus, das ist eine Voraussetzung für die Einsatzfähigkeit. Unsere Verantwortung endet nicht an den Staatsgrenzen. Die meisten sicherheitspolitischen Risken, die Österreich betreffen, entstehen im Umfeld unserer Europäischen Union durch Instabilität, durch Migrationsdruck, durch hybride Bedrohungen. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass Österreich seinen Beitrag leistet: im Rahmen der EU, im Rahmen der Vereinten Nationen, im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden und ganz besonders auch im Rahmen der OSZE. Gerade die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit Sitz in Wien ist ein zentrales Instrument für Krisenprävention, für Dialog und für Stabilisierung. Es ist auch ein Bereich, in dem Österreich durch Fachpersonal und Perspektive aktiv zur Friedenssicherung beiträgt. Es geht summa summarum um eine kollektive Herausforderung für unser Land in Bezug auf den konsequenten, permanenten Schutz und um den Quantensprung von der Luftraumüberwachung zur Luftraumverteidigung. Mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz und dem Ziel eines Verteidigungsbudgets von 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2032 haben wir einen notwendigen Schritt gemeinsam gesetzt. Die Mittel stehen zur Verfügung. Jetzt braucht es auch den politischen Willen, sie strategisch einzusetzen: Ausbildung, Infrastrukturverbesserung, faire Bezahlung für die Menschen, die bereit sind, dieses Land zu verteidigen. Das ist eine kausale, mentale Herausforderung für die Republik, für die umfassende Landesverteidigung. Schutz und Hilfe und Sicherheit entstehen nicht durch Worte, sie brauchen Planung, Verantwortung und Respekt vor denen, die sie garantieren. Abschließend sei gesagt: Der respektvolle Umgang generell im Landesverteidigungsausschuss – meist wird kein politisches Kleingeld gewechselt – ist ein guter Weg für eine rot-weiß-rote Verteidigungspolitik. Dafür gebührt auch dir Dank, Vorsitzender Abgeordneter Reifenberger, natürlich auch den Ressortverantwortlichen und Ihnen, Frau Bundesminister. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Kassegger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Sehr geehrte Frau Bundesminister! Sehr geehrter Herr Präsident! Ich spreche jetzt nicht über den Landesverteidigungsbericht; es sind ja mehrere Tagesordnungspunkte hier abzuhandeln. Ich spreche zu Tagesordnungspunkt 27, zu einem Antrag der Freiheitlichen Partei, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, „die neutralitätswidrigen Zahlungen an die Ukraine über die sogenannte Europäische Friedensfazilität einzustellen“. Dieser Antrag ist abgelehnt worden, was uns sozusagen in die gute Lage versetzt, dass er hier im Plenum zu diskutieren ist und diskutiert wird. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Wir stimmen hier aus mehreren Gründen nicht zu. Zum einen wollen wir nicht – und das wird ja mit dieser Friedensfazilität erreicht; das ist ja schon ein bisschen sportlich, eine Kriegswirtschaft, eine Kriegsfinanzierung als Friedensfazilität zu bezeichnen –, dass ein Krieg finanziert wird, und zwar von der Methodik her insoweit, als dass auf der Ebene der Europäischen Union mehr oder weniger ein weiterer Schritt zur Vervollkommnung einer Schuldenunion gemacht wird, noch dazu – das wird Kollegen Krainer interessieren – vollkommen an Budgets vorbei. Es gibt ja auch in der EU Siebenjahresbudgets, und das sind lauter Sonderfinanzierungen in Milliardenhöhe. Da geht es auch um die Rolle des Parlaments, in dem Fall des Europäischen Parlaments. Die Budgethoheit, sozusagen das Budget zu kontrollieren, das wird hier alles außer Kraft gesetzt, um einen Krieg zu finanzieren, eine Kriegspartei zu finanzieren. Da sind wir bei der zweiten Komponente, warum wir Freiheitliche als Hüter der Neutralität, der verfassungsmäßig abgesicherten österreichischen Neutralität ja nur dagegen sein können, dass das gemacht wird. Ich rede von der militärisch-sicherheitspolitischen Komponente. Wir wissen ja, die Neutralität ist keine Einbahnstraße, sondern völkerrechtlich abhängig auch von der Rezeption der Völkergemeinschaft, der Staatengemeinschaft. Die beurteilt das Verhalten der Republik Österreich natürlich diesbezüglich, und da verhalten wir uns – nicht wir, sondern die Bundesregierung, insbesondere Frau Außenministerin Beate Meinl-Reisinger – ja alles andere als neutralitätskonform – eben durch die Beteiligung an dieser kriegswirtschaftlichen Finanzierung, aber auch durch Aktionen wie jener der Frau Außenminister, dass ihr erster Auslandsbesuch ausgerechnet nach Kiew geht, dass dort ausgerechnet 20 Millionen Euro – wir werden das am Freitag besprechen –, Geld der österreichischen Steuerzahler, Präsident Selenskyj beziehungsweise der ukrainischen Republik zugesagt werden. An dieser Stelle zitiere ich Jean-Claude Juncker vom Oktober 2023: „Wer mit der Ukraine zu tun gehabt hat, der weiß, dass das ein Land ist, das auf allen Ebenen der Gesellschaft korrupt ist.“ Also da gibt es überhaupt keine Kontrollen, wohin diese Milliarden gehen. Und die dritte und letzte Komponente, warum man das als vernünftiger Mensch, der im Interesse der Österreicher Politik macht, nur ablehnen kann, ist die ökonomisch-österreichisch-budgetäre Komponente. Wir reden da von 3,7 Milliarden Euro, die über die EU und bilateral in die Ukraine geschickt werden. Gleichzeitig sagt unser Herr Finanzminister uns, unseren Bürgern: Wir müssen jetzt sparen, ich greif’ euch in die Taschen, ich erhöhe euch die Gebühren, ich kürze bei unseren Pensionisten, und so weiter und so fort. Die Botschaft ist: Dadurch sparen wir uns 3 Milliarden Euro. – Gleichzeitig schicken wir 3,7 Milliarden Euro in die Ukraine. Das versteht niemand. Wir verstehen es nicht, deswegen haben wir diesen Antrag gestellt, der selbstverständlich von allen Parteien abgelehnt wurde. So können wir wenigstens hier im Parlamentsplenum in der Öffentlichkeit darüber diskutieren. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff . – Die Redezeit habe ich auf 3 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Beginnen wir einmal mit dem Landesverteidigungsbericht, der ja schon von vielen Personen angesprochen wurde. Eine Sache, die, wie ich glaube, sehr wesentlich ist, die ja eigentlich ein Sukkus dieses Berichtes ist – dann komme ich zum Kollegen Kassegger –: Stellen Sie sich alle einmal vor, Sie leben in einem Mehrparteienhaus und Sie merken, die Umgebung, in der Sie leben, wird immer unsicherer. Dementsprechend beginnen auch viele Parteien, sich um die Sicherheit zu sorgen, sie beginnen Alarmanlagen zu installieren, Schlösser auszutauschen, Sicherheitstüren einzubauen und Ähnliches. Sie aber sitzen in einer Wohnung und wollen mit all dem nichts zu tun haben, verschränken die Arme und die einzige Diskussion, die Sie führen, ist die Diskussion, ob Sie einen Türspion anbringen. Genau das ist ein Stück weit die Aussage dieses Landesverteidigungsberichtes, nämlich dass die letzten Jahrzehnte hindurch zu wenig investiert wurde und wir uns viel zu isoliert betrachtet haben – wir uns viel zu isoliert betrachtet haben! Während unsere Nachbarn begonnen haben, zusammenzuarbeiten, gemeinsam zu beschaffen, gemeinsam Kooperationen einzugehen und die Sicherheit in Europa in die Höhe zu schrauben, haben wir uns zurückgelehnt und haben gesagt, die anderen machen das für uns, und das ist ja eigentlich die sicherheitspolitische Bankrotterklärung, die viel zu lange in diesem Land gegolten hat. Allerdings gab es hier in den letzten Jahren eine Trendwende, und ich habe durchaus das Gefühl, und das ist auch tatsächlich der Fall – wenn man sich das Regierungsprogramm anschaut, sieht man das –, dass wir hier als Regierung viele Schritte gesetzt haben, auch die letzte Regierung schon, Frau Bundesministerin, dass wir erste Schritte gesetzt haben, auch in gemeinsamen Beschlüssen, die dieses Parlament gefasst hat, weil es hier durchaus einen Schulterschluss gegeben hat. Es hat den Schulterschluss insofern gegeben, dass klar war: Ja, wir müssen in Österreich investieren, wir müssen das österreichische Bundesheer auf Vordermann bringen, wir müssen eine Personaloffensive starten, weil das eine ist das Gerät, das andere ist das Personal. Wo es diese Initiative oder diesen Schulterschluss nur zwischen vier Parteien gegeben hat, nicht gemeinsam mit der FPÖ, ist genau dort, wo es um die europäische Zusammenarbeit geht, die uns nur stärken kann. Das ist wesentlich. Da komme ich jetzt zum Kollegen Kassegger und zu seiner letzten Rede, die mich schon verblüfft zurück lässt. Wenn es die FPÖ nach mehreren Jahren des Krieges auf europäischem Boden noch immer nicht verstanden hat, dass dieser Krieg natürlich ein Krieg von Putin gegen Gesamteuropa ist, sich nach wie vor auf die Seite von Putin stellt, nach wie vor Putin ein Stück weit als ihren Heiligen Messias ansieht, mit dem sie Freundschaftsverträge und Ähnliches hat, dann ist sie nach wie vor nicht in der Realität angekommen. (👏 ÖVP, NEOS) Es hat auch nichts mit Neutralität zu tun, dass man verteidigungsfähig ist, und es hat nichts damit zu tun, dass wir gemeinsam als Europa für unsere Werte geradestehen. Das hat nichts mit Neutralität zu tun, Herr Kollege Reifenberger, das ist einfach eine veraltete Perspektive, die Sie hier einnehmen. Es ist eine rein russlandfreundliche Perspektive, die veraltet ist, die uns keinen Millimeter sicherer macht, im Gegenteil, die uns unsicherer macht, weil wir uns damit einem Diktator ausliefern oder Sie sich über die letzten Jahrzehnte hinweg einem Diktator ausgeliefert haben, und das ist nicht gut für diese Republik. – Ich danke Ihnen. (👏 NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter David Stögmüller . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE David Stögmüller

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Wir haben uns sehr intensiv mit diesem Landesverteidigungsbericht auseinandergesetzt und ich möchte zu Beginn auch etwas Positives dazu sagen. Ich glaube, wir haben schon in der letzten Gesetzgebungsperiode gemeinsam sehr viel vorangebracht. Ein Punkt davon war eben auch dieser Landesverteidigungsbericht, auf den wir uns geeinigt haben. Das finde ich auch sehr gut. Das Bundesheer ist ja prinzipiell auf einem guten Weg. Wir haben die Chance, die Versäumnisse von Jahrzehnten aufzuholen, wir dürfen sie natürlich jetzt nicht verspielen. Das große Problem, und das ist heute schon mehrmals angesprochen worden, ist eben auch das Personal. Dort hapert es, genau dort ist das Problem. Das sagt auch dieser Bericht ganz klar. Ich zitiere: „Dem Personal ist höchste Priorität einzuräumen“, und weiters: „Dabei stellt der definierte Bedarf selbst unter günstigen Bedingungen eine hohe Herausforderung im Bereich der Personalaufbringung dar.“ Das heißt, selbst unter günstigen Bedingungen ist nicht gesichert, dass wir den Personalbedarf für die geplante Aufrüstung auch aufbringen. Seit Jahren ist nun die Rede von einer Personaloffensive. Die hohen Zahlen an Pensionierungen bei den Babyboomern – das werden Sie sicher noch einmal erwähnen – sind alles andere als eine Überraschung. Also wo bleibt denn die Priorität in der Umsetzung? 800 Offiziere gehen bis 2032 in Pension – 800 Offiziere! –, in der Miliz fehlen zwei Drittel der nötigen Unteroffiziere. Wir beschaffen Hightechflotten, aber es fehlt an Menschen, die sie bedienen können. Wir brauchen dringend mehr Investitionen in die Menschen, nicht in das Material. Im Landesverteidigungsbericht sind einige Maßnahmen aufgelistet, und auch dazu wieder mein Lob. Was mir besonders gefällt, sind Maßnahmen wie die Austrittsbefragungen. Ich finde, das ist ein sehr wichtiges Indiz dafür, dass man das tatsächlich auch ernst nimmt, dass man die Menschen miteinbeziehen will. Aber warum verlässt denn so viel Kaderpersonal das Bundesheer? – Natürlich ist die Bezahlung ein Thema, das wurde ja auch im Bericht dargelegt – Erhöhung der Gehälter, Prämien, Belohnungen, in dem Bereich werden auch Naturalwohnungen erwähnt; die wurden ja leider zu einem großen Teil auch verscherbelt, verkauft und müssen jetzt auch wieder teuer errichtet oder beschafft werden –, aber von zwei ganz wichtigen Punkten, die auch im Regierungsprogramm stehen, hören wir nichts, sondern ganz im Gegenteil, sie werden auch nach wie vor blockiert. Aus dem aktuellen Regierungsprogramm: Ziele für die Personaloffensive sind die „Attraktivierung des Arbeitsumfeldes von Soldatinnen und Soldaten, um Beruf und Familie in Einklang bringen zu können“ – das ist übrigens einer der Hauptgründe für Austritte aus dem Heer, das wird im Bericht nicht erwähnt – und die „Weiterentwicklung der Organisationskultur im BMLV“. Das Bundesheer stellt seit einigen Jahren Ferienbetreuung für Kinder von Soldat:innen bereit. Wenn ich mich richtig erinnere: Im Budgetausschuss wurde gesagt, 400 000 Euro sind das – das ist schön, aber warum wird da nicht mehr investiert? 400 000 Euro hört sich gut an, aber es braucht eine ganzjährige Unterstützung von jungen Familien. Deutschland ist etwa ein gutes Beispiel, bei der Bundeswehr. Für Soldat:innen, die teilweise Monate oder bis zu einem Jahr im Einsatz sind, ist das im Sommer natürlich nett, aber es braucht das ganze Jahr Betreuung. Und wo ist die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur? Wie ist es denn jetzt zum Beispiel mit der Situation von queeren Menschen, der LGBTIQ-Community, für die seit Jahren nichts gemacht wird, trotz der Zusage von Ihnen, Frau Ministerin? Vom Bundesheer haben wir im Pride-Monat nicht wirklich etwas gehört. Wie Ihr Pressesprecher im Ministerium es damals formuliert hat: Homosexualität ist nach wie vor kein Thema, dabei ist es ein Thema für junge Menschen, denn gerade bei den 16- bis 25-Jährigen – das ist der Rekrutierungspool, der ja für das Bundesheer eigentlich wichtig wäre – ist der Anteil an queeren Menschen vergleichsweise hoch. Das interessiert aber auch hier niemanden.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Doch, schon!

GRÜNE David Stögmüller

… Ich habe im Vorfeld auch mit jungen Unteroffizieren gesprochen. Die Themen, die sie belasten, sind nicht nur, aber natürlich auch finanzielle, aber auch Überlastung durch Assistenzansätze: wochenlange Dienstzuteilungen quer durchs Land, keine Zeit für die Familie, für Freunde, keine Stabilität, kein Dialog mit dem Vorgesetzten, keine Wertschätzung, Mobbing, Diskriminierung, Beschwerden, die irgendwo versanden. Diese jungen Menschen kommen, weil sie etwas Sinnvolles tun wollen – Sport, in der Natur sein, Kameradschaft, Verantwortung –, und gehen, weil der Schein eben trügt. Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Sie müssen sich einmal anschauen, was das Bundesheer in den letzten Jahren auf dem Donauinselfest geliefert hat – ich möchte das erwähnen, weil es eine sehr positive Öffentlichkeitsarbeit war –: Escape-Rooms, Sportinseln, Konzerte. Das war kreativ, auch professionell und modern (👏), und das kann man schon lobend erwähnen. Bestimmt hat das auch den einen oder anderen Menschen überzeugt, sich das anzuschauen und zum Bundesheer zu gehen. Viele Menschen suchen ja Arbeit, und der öffentliche Dienst ist da nicht unbeliebt. Junge Menschen rücken aber zum Grundwehrdienst ein und erleben dann die Realität – ich habe es Ihnen auch letztens gesagt –: brachliegende Kasernen, rostiges Wasser, Ratten, Unterkünfte wie in einem schlechten Film. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) – Sie brauchen es nicht abzustreiten, Frau Ministerin, es ist so. Lesen Sie den Bundesheerbericht, den Beschwerdebericht (neuerliche Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner ) – Sie können sich dann zu Wort melden –, es sind tatsächlich Realitäten. Die Verbände sind mit Aufträgen überlastet und hanteln sich von einem Einrückungstermin zum nächsten. Unteroffiziere erzählen, dass die Ausbildung eines Vollkontingents bei ihnen mittlerweile keine Kompanieaufgabe, sondern ein Bataillonsvorhaben sei. Gleichzeitig schicken wir nach wie vor Hunderte Soldatinnen und Soldaten als Hilfspolizei an die Grenzen, für zig Millionen Euro, die dem Innenminister zuzuordnen wären. Warum investieren wir das Geld nicht in die Attraktivierung des Soldatenberufs, Frau Ministerin? Das könnten Sie auch Ihren Kollegen Karner einmal fragen: warum das Bundesheer jetzt plötzlich zahlt und nicht mehr er. Das ist auch so ein Punkt. (👏) Sie könnten auch erklären, warum Sie nicht endlich einmal die Gehälter der Grundwehrdiener auf den Mindestlohn erhöhen. (Bundesministerin Tanner : ... zehn Jahren ...!) – Ja, wir haben gemeinsam erhöht, aber wir wollten immer den Mindestlohn. Frau Ministerin, der Mindestlohn wäre auch das, was sich die Grundwehrdiener eigentlich verdient hätten. (👏) Solange das Gehalt nicht stimmt, brauchen wir auch nicht über eine Verlängerung der Wehrpflicht zu diskutieren. Ich glaube, das wäre das Mindeste: Schauen Sie einmal, dass wir dort hinkommen, dann können wir auch einmal über die Wehrpflicht diskutieren! Ja zu einem starken Bundesheer, Ja zu einer modernen, solidarischen Landesverteidigung und Ja zu einer Verteidigungspolitik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt – und wir brauchen jetzt auch eine klare Botschaft, nämlich für die junge Generation, für die Grundwehrdiener, die jetzt nachkommen: Wenn du heute zum Bundesheer gehst, dann bekommst du keine schreienden Ausbilder, keinen unnötigen Anpfiff, keine Zeitverschwendung in heruntergekommenen Kasernen, sondern Ausbildung, Perspektive, Verantwortung und Wertschätzung von einer Gesellschaft, die hinter dir steht. – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Tanner. – Bitte, Frau Bundesministerin, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Michael Hammer

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren jetzt den Landesverteidigungsbericht, und die Frau Bundesminister hat ja dazu eben auch in sehr versöhnlichen Worten ausgeführt. Wenn man sich das aber ein bisschen kritischer anschaut und den ganzen Tag heute reflektiert, dann muss man schon ein bisschen hinterfragen und wirklich daran zweifeln, wie ernst manche Dinge von der Freiheitlichen Partei genommen werden, und fragen, ob es wirklich darum geht, Dinge sachlich zu diskutieren oder einfach irgendwelche Überschriften auf ihren Kanälen zu produzieren. Wenn Kollege Reifenberger sich hier herausstellt und jetzt schon eine OTS-Aussendung macht und schreibt, der Landesverteidigungsbericht zeigt massive Missstände und Versäumnisse auf, dann kann ich sagen – ich habe den Bericht da –, er hat diesen nicht gelesen. Das kann überhaupt nicht mit der Realität übereinstimmen, da geht es einfach nur um die Schlagzeile , denn wenn man aus dem Bericht zitiert, muss man sagen – die Frau Bundesministerin hat es ja gesagt –, dort stehen sehr viele positive Dinge drinnen. Es stehen natürlich auch viele Punkte drinnen, bei denen wir noch einen weiten Weg vor uns haben, und den müssen wir auch beschreiten. Es steht zum Beispiel auch eines drinnen – weil Sie gesagt haben, es wird nicht so ernst genommen –, das ist sogar fett gedruckt in der Zusammenfassung: Mit den Budgetmitteln in den Jahren 2025 und 2026 kann der Aufbauplan 2032 plus auf jeden Fall umgesetzt werden. – Mehr brauchen wir nicht. Das ist genau die Bestätigung, dass der Weg, den diese Regierung geht, der richtige ist. Das ist hier bescheinigt. (👏 ÖVP, SPÖ) Wenn wir schon bei dem Thema sind: Das zieht sich halt wie ein roter Faden bei euch durch. Bei der Gefährderüberwachung seid ihr dagegen, sagt, das ist jetzt die Massenüberwachung, obwohl es Kickl damals selber eingeführt hat – ist nicht sonderlich glaubwürdig. Beim WHO-Bericht wird wieder – und das wurde heute zitiert – ein Feind dargestellt, den ihr selber erfindet. Nachher stellt sich eine Kollegin heraus, die wieder das Ivermectin fordert. Bei den Parteifinanzen sagt ihr: Die Regierung richtet sich etwas und entledigt sich der Strafzahlungen, obwohl das nachweislich mit einem Abänderungsantrag bereinigt worden ist – just an dem Tag im Übrigen, an dem euer Kollege im EU-Parlament ausgeliefert werden soll, weil er Parteimittel für private Zwecke gebraucht haben soll. Also wenn es da um Parteifinanzierungen geht: dasselbe Thema. (👏 ÖVP) Jetzt aber im Konkreten zur Landesverteidigung: Wir haben nicht nur den Landesverteidigungsbericht, sondern auch zwei Anträge der Freiheitlichen zu Sky Shield, wo ihr ja auch dagegen seid. Also wenn es dann um die Verteidigung geht, seid ihr nicht dafür, auch wenn es um die Unterstützung der Ukraine geht. Das ist ja auch wieder so ein Narrativ – das Russische –, das ihr da ewig herauszimmert. Ich möchte es ein bisschen entkräften und einen Experten zitieren, der Ihrer Partei nicht sehr fern steht, nämlich General Brieger, der jetzt dem europäischen Militärausschuss vorgestanden ist, ein hochanerkannter Offizier, der in mehreren Interviews jetzt in den letzten Tagen gesagt hat – Kollege Kassegger, das ist fundamental das Gegenteil von dem, was Sie sagen –, Russland hat imperialistische Züge. Es ist Russland der Aggressor. Es gibt auch in Europa Bedrohungslagen „durch Desinformation, durch Cyberangriffe“ und interessanterweise – das sagt Brieger – durch russische „Finanzierung bestimmter Gruppen“. – Ich weiß nicht, wen er da meint, aber es ist sehr interessant, was General Brieger sagt. (👏 ÖVP) Ich kann das nur unterstreichen, was Kollege Hoyos auch gesagt hat. Ihr habt das bis heute nicht gesagt, aber Brieger sagt es, der ja von eurer Partei kommt: dass Russland der Aggressor ist. Ihr bringt es nach wie vor nicht über die Rampe. Das ist wirklich beschämend. (👏 ÖVP, NEOS) Zum Landesverteidigungsbericht zurückkommend: Wie gesagt, die Zusammenfassung bringt es deutlich auf den Punkt. Der Weg, der eingeschlagen ist, ist der richtige. Er zeigt in die richtige Richtung. Wir haben vieles zu tun, vor allem auch im personellen Bereich. Im infrastrukturellen Bereich wird vieles gemacht. Im Übrigen: Die Frau Bundesminister war letzte Woche bei x Übergaben, wo dann auch von eurer Partei viele Gesichter zu sehen waren. Sie haben sich mit abfeiern lassen – machen tut es aber die Frau Minister und die Regierung, und das werden wir auch in Zukunft tun. – Danke sehr. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mario Lindner . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Mario Lindner

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich darf auch zum Landesverteidigungsbericht 2024/2025 sprechen, genauer gesagt zum Punkt 7.1.2.2. Da geht es um die leichten Mehrzweckhubschrauber – vielleicht jetzt nicht verwunderlich für einige Kolleginnen und Kollegen –, und ich darf vorweg sagen: Ich finde das gescheit, wichtig und sinnvoll. Wie Sie wahrscheinlich alle wissen, werden wir 36 dieser leichten Mehrzweckhubschrauber der Type AW169 beschaffen. Leider ist die Alouette III – und das ist wirklich eines der bekanntesten Hubschraubermodelle, die wir beim Bundesheer gehabt haben – damit ausgeschieden. 2022 wurde den Luftstreitkräften der erste Hubschrauber übergeben. Die Lieferung der insgesamt 36 ist bis 2028 abgeschlossen. Wir nehmen dafür über 800 Millionen Euro in die Hand. Zwölf Hubschrauber werden am Fliegerhorst Fiala-Fernbrugg in Aigen stationiert und 24 Hubschrauber kommen nach Langenlebarn. An dieser Stelle darf ich mich ganz herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesheeres, nämlich bei der Kaserne in Aigen, ganz speziell für ihre großartige Tätigkeit bedanken. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Einsatzmöglichkeiten dieses Hubschraubers reichen von Truppentransporten, Katastrophenhilfe und Notfallmaßnahmen über Brandbekämpfung, Bergrettung und medizinische Evakuierungsflüge bis hin zum Notarzthubschrauber. Wenn ich es richtig im Kopf habe, Frau Bundesministerin, sind es ja drei Hubschrauber, die quasi zu einem Notarzthubschrauber umgebaut werden. Wie wichtig die Investitionen in die Hubschrauber sind, merkt man auch, wenn man eine Bundesheerkaserne in einer ganzen Region hat, so wie bei uns im Bezirk Liezen. Da geht es wirklich um hoch qualifizierte Arbeitsplätze, da geht es aber auch um die Wirtschaft in der ganzen Region, die davon profitiert, dass wir diese Kaserne haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich war 2021 – das wäre schön, denn dann wäre ich wirklich noch jung –, 2001 Grundwehrdiener. Vielleicht an die FPÖ gerichtet: Auch schwule Männer können ihren Dienst beim Bundesheer ableisten – wahrscheinlich sind diese schwulen Grundwehrdiener männlicher als dieser ganze rechte Sektor da bei uns auf der rechten Seite im Parlament. Bei meinem Grundwehrdienst, Frau Bundesministerin, habe ich noch die Naca-Berichte geschrieben, sprich die Einsatzprotokolle für den Hubschrauber, denn damals war nämlich der Notarzthubschrauber noch beim Bundesheer. Ich würde mich schon sehr darüber freuen, wenn wir vielleicht diese Diskussion wieder einmal aufnehmen, ob nicht das Bundesheer auch den Dienst des Notarzthubschraubers – dort, wo es geht – wieder übernimmt. In diesem Sinne, Frau Bundesministerin, danke für den Bericht. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Maria Neumann . Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein.

SPÖ Petra Oberrauner

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Wir sagen Ja zum Schutz der Menschen in Österreich! Wir sagen Ja zu einer wehrhaften Neutralität und wir sagen Ja zu Sky Shield als wichtige europäische Infrastruktur und Initiative – und deshalb sagen wir ganz klar Nein zum Antrag der FPÖ! Der vorliegende Landesverteidigungsbericht zeigt deutlich, dass die Welt um uns herum unsicher geworden ist: Krieg in Europa, Krieg im Nahen Osten, die potenzielle Bedrohung aus der Luft durch Drohnen, Raketen und andere Flugkörper nimmt zu; Terroristen und fehlgeleitete Drohnen gefährden ebenfalls unsere Sicherheit. Der Landesverteidigungsbericht zeigt: Es ist absolut notwendig, dass unser Bundesheer die Bedrohungen wirkungsvoll bekämpfen und die Bevölkerung schützen kann. Durch die Teilnahme an Sky Shield kommen wir dieser Verantwortung nach – und ja, unsere Neutralität bleibt unangetastet. Sky Shield ermöglicht es uns, die Menschen in Österreich schnell und wirksam zu schützen und unsere Neutralität aktiv zu verteidigen. Wir entscheiden weiterhin souverän über den Einsatz unserer Luftabwehrsysteme, es gibt keine fremden Soldaten auf unserem Boden und Österreich muss sich an keinen militärischen Einsätzen beteiligen. Das haben wir bei unserem Beitritt zu Sky Shield festgelegt, wie übrigens auch die Schweiz, die bekannterweise ebenfalls neutral und auch bei Sky Shield dabei ist. Durch die gemeinsame Beschaffung mit anderen europäischen Staaten profitieren wir von günstigeren Preisen, schnellerer Lieferung und effizienten Wartungsstrukturen. Das ist militärisch sinnvoll und finanziell vernünftig. Der Antrag der FPÖ zu Sky Shield beruht auf falschen Behauptungen, ergibt militärisch, finanziell und neutralitätspolitisch keinen Sinn und schwächt den Schutz und die Sicherheit Österreichs. Deshalb lehnen wir diesen Antrag der FPÖ ab. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Hofinger – für 4 Minuten.

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren heute den Landesverteidigungsbericht 2024/2025, und das ist ein Erfolgsbericht. Das Bundesheer wird gestärkt, das Sicherheitsgefühl der österreichischen Bürgerinnen und Bürger wird gestärkt – und das ist in Zeiten wie diesen besonders wichtig. Es zeigt, welchen Stellenwert das Bundesheer bei der jetzigen Bundesregierung hat. Es wird kräftig investiert! Die notwendigen Investitionen, die getätigt werden, sind deswegen notwendig, weil es die geopolitische Großwetterlage einfach erfordert. Es gibt den Angriffskrieg Russlands, es gibt Krisen im Nahen Osten, aber genauso macht es die Unberechenbarkeit von geopolitischen Akteuren, wie zum Beispiel den USA, notwendig, dass auch die EU ihre Sicherheitsstrategien wieder neu aufstellt. Österreich ist genauso gefordert, für die Sicherheit zu sorgen und kräftig zu investieren – was wir auch machen. Schlussendlich hat eine Investition nichts mit der Neutralität zu tun. Österreich rüstet kräftig auf und hat es mit einem guten Gesetz geschafft, auch in die Zukunft zu investieren: mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz, mit der Mission vorwärts und mit dem Aufbauplan 2032 plus schaffen wir es, Investitionen zu tätigen. In welche Bereiche wird hauptsächlich investiert? – In die Mobilität: Es werden Hubschrauber angekauft, gepanzerte Fahrzeuge, aber genauso Transportflugzeuge – die C-390 ersetzt die Hercules und damit ist ein Qualitätssprung in den Luftstreitkräften gelungen. Es wird aber auch kräftig in die Infrastruktur investiert – da sind wir ziemlich weit hinten. Das muss geschehen und da sind wir gut unterwegs. Damit schaffen wir es vor allem, dass das Bundesheer attraktiver wird. Ich hatte letzte Woche in meiner Funktion als Bürgermeister eine Einladung vor Stellungspflichtigen in meiner Gemeinde; die berichten mir schon, dass sie gerne zum Bundesheer gehen und sie auch spüren, dass sich etwas tut. Es waren HTL-Schüler dabei, die dort auch die Möglichkeiten sehen, sich weiterzuentwickeln. Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg; wenn man das hört, freut einen das wirklich sehr. Zwei regionale Projekte möchte ich noch herausgreifen: Als regionaler Abgeordneter von Oberösterreich möchte ich darauf hinweisen, dass auch sehr stark in die Infrastruktur in Oberösterreich investiert wird, unter anderem in den Fliegerhorst in Hörsching, wo in den nächsten Jahren 1,2 Milliarden Euro investiert werden: in die Unterkünfte, die neuen Hangars, weil dort die Hubschrauber beziehungsweise auch die Transportflugzeuge C-390 stationiert werden – womit Hörsching ein großer Punkt, ein wichtiger Punkt, ein Herzstück für die Luftstreitkräfte in Österreich sein wird – und in meine Zehner-Kaserne in Ried, Panzergrenadierbataillon 13, was mich sehr freut. Dort konnten wir letzte Woche am Montag mit der Frau Bundesministerin feierlich das Kommandogebäude eröffnen, das ist ein großer Schritt in Richtung der Sanierung der Kaserne. Wir haben gleichzeitig dann einen Spatenstich dort gefeiert, wo wir die Gleisanschlüsse umbauen und die Unterkünfte neu gestalten werden. Ein herzliches Dankeschön, Frau Bundesminister! Mit deiner Konsequenz und Umsetzungsfreude und deinem Gestaltungswillen haben wir es geschafft, dass wir diese Finanzierung und diese Sanierungen vorantreiben können. Geschätzte Damen und Herren, Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Österreich rüstet nicht auf, Österreich rüstet nach – für die Herausforderungen von heute, für die Sicherheit von morgen, für ein starkes, ein wehrhaftes Österreich. – Herzlichen Dank.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Petra Tanzler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Tanzler

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zu Beginn möchte ich mich für die Erstellung des Landesverteidigungsberichts bedanken. Laut diesem kommt der schwierigen Personalsituation die höchste Priorität zu, und auf diese möchte ich Bezug nehmen. Beim Personalstand wirken sich derzeit, wie in allen anderen Berufsfeldern auch, die geburtenstarken Jahrgänge der 60er-Jahre besonders aus: Sie treten in den Ruhestand, sie fehlen, sie müssen nachbesetzt werden. Im Rahmen des Aufbauplans 2032 plus wurde bereits eine Vielzahl an Maßnahmen eingeleitet, die auch positiv wirken, aber es besteht immer noch ein großer Bedarf. In diesem Zusammenhang wird auch erwähnt, dass daher das Potenzial der weiblichen Staatsbürger besser auszunutzen wäre – seit 1998 können ja Frauen auf freiwilliger Basis den militärischen Dienst im Bundesheer leisten. Laut Bericht sind sie heute ein integrierter und unverzichtbarer Bestandteil davon. Der Anteil hat sich seit damals fast verzehnfacht. Die Maßnahmen der Frauenförderung im Speziellen sind zwar Gegenstand eines anderen Berichts, aber ich sehe das im Wesentlichen in Zusammenhang mit der Personalgewinnung in diesem Bericht. Diese Maßnahmen betreffen zum Beispiel die Tatsachen, dass die Hürden bei der Kaderausbildung überwunden werden können, dass es eine Erleichterung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt – sprich Kinderbetreuung – und dass man Frauen eine spezifischere Ausbildung und Förderung und auch eine Unterstützung durch Mentorinnen zukommen lassen kann. Auch die Teilnahme am Girls Day und noch vieles mehr sind Aktionen, um sichtbarer zu werden. Man kann schon erkennen, dass vieles für die Personalgewinnung getan wird. In einem weiteren Bezug dazu und auch zur Attraktivierung dieses Berufsstands sehe ich auch den Aus- und Zubau der Milak in Wiener Neustadt, wo ich letzte Woche gemeinsam mit Ihnen beim Festakt zur Neueröffnung des Wirtschaftsgebäudes und des neuen Unterkunftsgebäudes dabei sein durfte. Es braucht meiner Meinung nach nicht nur die Maßnahmen zur Reform und zum Aufbau der Einsatzfähigkeiten im Bereich Personal, um attraktiv zu bleiben und zu werden, sondern auch Investitionen in die baulichen Bestände und die Modernisierung der baulichen Bestände – in diesem Fall jener der ältesten Militärakademie der Welt, und darüber freue ich mich. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Paul Stich zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Paul Stich

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, sofern Sie zu dieser späten Stunde noch auf sind! Die geopolitischen Konflikte auf der Welt spitzen sich zu, nicht zuletzt durch neu oder wieder aufs politische Parkett kommende scheinbare Kriegstreiber wie Donald Trump. Das zeigt sich in Debatten hier im Haus, das zeigt sich auch im Landesverteidigungsbericht, und das ergibt einerseits ganz viel an militärstrategischer Denkaufgabe und auf der anderen Seite aber auch vielfältige Aufgaben für das österreichische Bundesheer. Wenn wir über die geopolitischen Ereignisse sprechen, gilt es aus unserer Sicht vor allem eines herauszustreichen: dass es Krieg immer und überall mit allen Mitteln zu verhindern gilt. Es ist traurig, dass wir in einer Welt leben, in der diese Einschätzung nicht von allen und nicht überall geteilt wird, denn für manche scheint Krieg vielmehr wie eine Art Schachspiel zu sein. Die sitzen dann vor dem PC auf Twitter, meistens in ruhigen, recht gut geschützten Räumen, und diskutieren darüber, ob man nicht vielleicht doch irgendwo ein paar Leute opfern soll, quasi wie einen Bauern beim Schach irgendwo vorziehen sollte, um kurzfristig Menschen zu opfern, um langfristig daraus einen strategischen Vorteil zu ziehen. Ich glaube, gerade in diesem Zusammenhang ist es wichtig, da auch einen sehr bewussten Kontrastpunkt zu setzen, denn Krieg bringt Leid, Tod und Zerstörung, bringt Wunden in Familien, die über Generationen da sind, und wer beginnt, tote Zivilist:innen aufzurechnen, um daraus Legitimation für weitere Angriffe oder Tote zu schaffen, der wird menschlich am Ende des Tages immer verlieren. (👏 SPÖ) Denn: Wie fühlt sich Krieg für diejenigen an, die ihn hautnah erleben? – Die meisten von uns, und zum Glück auch ich, können diese Frage nicht persönlich beantworten. Deshalb will ich mich der Worte der persönlichen Erinnerung von Almasa Salihović bedienen, einer Überlebenden des Massakers von Srebrenica und Mitarbeiterin im Srebrenica Memorial Center, die sie gestern im Rahmen einer sehr würdigen Gedenkveranstaltung hier im Parlament hat ausführen können. Sie sagt ganz konkret über die Schrecken des Krieges – ich zitiere –: Meine Mutter, meine Schwester und ich mussten mit ansehen, wie Männer und Jungen von den Soldaten getrennt wurden. Ich erinnere mich an das Schreien, an das Flehen, an die Hilflosigkeit. Mein Bruder Abdullah wurde nie wieder gesehen. Er war erst 18 Jahre alt. Er hatte versucht, mit meiner Schwester die Basis zu verlassen, wurde aber festgenommen. Aus ihrem Bericht weiß ich, sie sahen sich noch einmal an, bevor er abgeführt wurde. Sie wusste es, er wusste es, und nun weiß auch ich es: Das war ihr letzter Abschied. – Zitatende. Diese durchwegs berührenden Worte sind für uns aus meiner Sicht Handlungsauftrag auf zwei Ebenen: zum einen, weil das österreichische Bundesheer – und hier schließt sich zu einem gewissen Grad der Kreis – seit Jahrzehnten ja auch Friedenstruppen in Bosnien stellt, um den Frieden von 1995 abzusichern, was ein sehr gutes Beispiel dafür ist, wie man ganz besonders auch als neutraler Staat einen wichtigen Beitrag in der internationalen Gemeinschaft leistet, ganz besonders in einer Situation, in der sich auch in Bosnien innenpolitisch die Lage durchwegs zuspitzt; und zum anderen, weil es natürlich auch ein politischer Auftrag ist, der untrennbar mit der militärischen Debatte, die wir hier führen, verbunden ist, nämlich dass wir sehen, dass die Tendenz immer mehr wieder dahin geht, dass Krieg und außenpolitisch-militärische Schläge zu einem tolerierten Mittel der globalen Außenpolitik werden. Diese Entwicklung ist brandgefährlich, und wir werden im Rahmen dieser Plenartage auch noch über die Kandidatur Österreichs für den UN-Sicherheitsrat sprechen. Lassen Sie mich nur so viel vorgreifen: Ich halte das für einen guten, richtigen und wichtigen Schritt, damit die Stimmen der Deeskalation und der friedlichen Koexistenz ganz besonders im Sinne der österreichischen Neutralitätspolitik auch international wieder gestärkt werden (👏 SPÖ), damit Soldaten dieser Welt – egal ob im österreichischen Bundesheer oder in allen anderen Heeren – die Schlachtfelder weiterhin nur aus den Geschichtsbüchern kennen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Gerhard Kaniak . – Die Restredezeit Ihrer Fraktion beträgt 4 Minuten.

FPÖ Gerhard Kaniak

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Hohes Haus! Ja, wir haben es heute schon öfter gehört: Die Zeiten haben sich geändert. Die Zeiten der Friedensdividende und in denen bei der Landesverteidigung gespart werden kann, sind schon lange vorbei, und wir sind international mit einer Vielzahl von militärischen Konflikten konfrontiert, die auch auf eine neue Art und Weise geführt werden. Ein ganz besonderes Bedrohungsszenario in diesen modernen Konflikten betrifft auch Angriffe aus der Luft: Drohnen, Gleitbomben, Marschflugkörper, Raketen, teilweise auch mit Hyperschallgeschwindigkeit, sind in einer Art und Weise und in einer Häufung und auch Qualität eingesetzt worden, wie das bis vor wenigen Jahren noch unvorstellbar war. Natürlich braucht es zur Abwehr dieser Gefahrenlage die entsprechenden Fähigkeiten und Kapazitäten, und die Freiheitliche Partei bekennt sich ganz klar zum Aufbau dieser Abwehrfähigkeiten auch innerhalb des österreichischen Bundesheers. Die Freiheitliche Partei bekennt sich aber auch ganz klar zur verfassungsrechtlichen Neutralität Österreichs. Deshalb, Frau Ministerin, ist aus unserer Sicht der Beitritt zur European-Sky-Shield-Initiative der falsche Weg, nämlich der neutralitätswidrige. Das ist nicht nur unsere Einschätzung, sondern wir haben auch zwei völkerrechtliche Gutachten – die Ihnen von Ausschussobmann Reifenberger schon mehrfach vorgelegt und die auch vielfach zitiert worden sind –, die unabhängig voneinander erstellt wurden und die belegen, dass diese Initiative völkerrechtlich nicht mit unserer Neutralität kompatibel ist. Warum ist das so? – Es steht ja auch allein schon in der Absichtserklärung, die Sie unterschrieben haben, drinnen, dass die Sky-Shield-Initiative der Stärkung der europäischen Säule der integrierten Luft- und Raketenabwehr der Nato dient und dass ein gemeinsamer Betrieb dieser Systeme vorgesehen ist – nicht nur eine gemeinsame Beschaffung, so wie das vielfach zitiert worden ist, sondern auch der gemeinsame Betrieb, und auch die vorgelagerten Systeme und Strukturen müssen gemeinsam betrieben werden. Beides – der Betrieb der Luftabwehreinrichtungen und der vorgelagerten Systeme – ist neutralitätswidrig und verträgt sich deshalb mit unserer Verfassung nicht. (👏 FPÖ) In den zusätzlichen Erklärungen, den zusätzlichen Bedingungen, die Sie unterschrieben haben, ist sogar ein Passus drinnen, in dem steht, dass Österreich aus neutralitätsrechtlichen Gründen von bestimmten Verpflichtungen dieser Vereinbarung zurücktreten kann, um seine Neutralität im Krisenfall zu wahren. Nur: Wenn eine Bestimmung, eine vertragliche Verpflichtung im Krisenfall neutralitätswidrig ist, dann ist sie auch im Friedensfall schon neutralitätswidrig, denn die Neutralität gilt im Frieden wie im Krieg gleichermaßen. Die gilt nicht nur im Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung. Das heißt, Sie haben die Erklärung ja selber mitgeliefert. (👏 FPÖ) Nichtsdestotrotz sehe ich die wahren Herausforderungen nicht in der Beschaffung. Die kann Österreich ja auch ganz anders lösen, nämlich gar nicht allein und eigenständig und schon gar nicht zum Schaden der Steuerzahler – immerhin sind andere große europäische Staaten wie Spanien, Frankreich oder Italien ja auch nicht dieser Sky-Shield-Initiative beigetreten, und wir haben gerade auch mit Italien ausgezeichnete Erfahrungen im Bereich der gemeinsamen Beschaffung, auch im Bereich der gemeinsamen Ausbildung. Da könnte man – neutralitätskonform – auch europäisch gemeinsame Beschaffung und Ausbildung machen, ohne dass wir neutralitätsrechtliche Probleme hätten. Das wissen Sie auch, ich weiß es, und das wäre der von der FPÖ vorgeschlagene Weg, den Sie ganz einfach verwirklichen könnten. Zu lösen bleibt trotzdem noch das Problem der Personalgewinnung, der Aufbau neuer Einheiten, die Struktur für die neuen Einheiten. Diese ganze Kompetenz und auch die Integration dieser Fähigkeiten in das restliche Verteidigungskonzept muss natürlich neu geschaffen werden. Da warten die tatsächlichen Herausforderungen, und natürlich braucht es auch noch die entsprechende finanzielle Abdeckung für die Abwehr über lange Reichweiten. Auch das wissen Sie, aber auch da haben Sie bei der FPÖ eine verlässliche Unterstützung bei den Forderungen nach zusätzlichen finanziellen Mitteln. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als vorläufig letzte Rednerin wurde mir Frau Abgeordnete Meri Disoski gemeldet. – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Frau Ministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, die Sie unserer Debatte zu dieser späten Stunde vielleicht doch noch folgen! Wir sind beim Landesverteidigungsbericht 2024/25, und dabei behandeln wir auch einen Antrag der FPÖ zur Europäischen Friedensfazilität mit – das ist kurz gesprochen die Finanzierung der gemeinsamen Sicherheits- und Außenpolitik der Europäischen Union; darum geht es bei dieser Friedensfazilität. Die Zahlungen, die Österreich im Rahmen dieser Friedensfazilität an die Ukraine leistet, sind natürlich keineswegs neutralitätswidrig. Das ist ausjudiziert, das ist ganz glasklar. Die FPÖ behauptet einmal mehr in ihrem Antrag und auch in den Debattenbeiträgen das Gegenteil, aber es stimmt einfach nicht.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wo ist das bitte ausjudiziert? Vom Salzamt kann das höchstens ausjudiziert sein!

GRÜNE Meri Disoski

… Das ist schon fragwürdig, dass Sie hier faktenwidrig argumentieren. Was aber politisch viel fragwürdiger ist, ist, dass die FPÖ einen Antrag einbringt, mit dem der Ukraine jede Hilfe gestrichen werden soll, jenem Land, das brutal und völkerrechtswidrig angegriffen wird. Sie wollen einfach die Hilfe für die Ukraine streichen. Ich habe schon vor langer Zeit damit aufgehört, zu zählen, wie viele Putin-freundliche Initiativen Sie, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, hier in diesem Hohen Haus einbringen.

FPÖ Leinfellner (Zwischenruf)

Neutralität ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Sie machen das am laufenden Band. Ich bin sicher, der nächste Kniefall vor Putin wird nicht lange auf sich warten lassen, weil Freundschaftsverträge verpflichten.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das hat mit Putin gar nix zu tun! Das ist das Geld österreichischer Steuerzahler!

GRÜNE Meri Disoski

… Aber statt uns hier jetzt weiter mit Ihrer fragwürdigen Russlandpolitik, die wir leider sehr intensiv verfolgt haben und kennen, zu befassen, will ich darüber reden, was wir tun müssen, um die Ukraine weiterhin zu unterstützen. Eines steht doch bitte außer Frage: Die Ukraine braucht dringend unser aller Unterstützung, finanziell, politisch und auch wirtschaftlich.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Soldaten gehen ihnen aus! ... Kinder, Verwandte!

GRÜNE Meri Disoski

… Das wird evident, wenn Sie die Berichte verfolgen, wenn Sie sich die Berichterstattung anschauen. Russland verübt täglich neue Angriffe, brutale Angriffe auf Wohngebiete, auf zivile Infrastruktur und auf Krankenhäuser, und das sind keine Kollateralschäden, das sind gezielt verübte Kriegsverbrechen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Unsere Antwort darauf muss mehr sein als Symbolpolitik. Wir müssen Russlands Möglichkeiten, diesen völkerrechtswidrigen, brutalen Angriffskrieg zu finanzieren, mit allen Mitteln, die wir haben, aktiv einschränken.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

... mit allen Mitteln!

GRÜNE Meri Disoski

… Ein fortgesetzter Import von russischem Gas oder auch von russischem Öl, der Milliarden in Putins Kriegskassen spült, steht ganz klar in einem Widerspruch dazu. Wir Grüne unterstützen deshalb den Vorschlag der EU-Kommission, alle russischen Energieimporte bis spätestens 2027 zu beenden, denn Putin, das wissen wir, führt seinen Krieg nicht nur mit Panzern und Raketen oder Drohnen, er führt diesen Krieg auch mit Gasleitungen – Energie, das ist seine Waffe.

FPÖ Leinfellner (Zwischenruf)

Fotovoltaik ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Und was macht die Bundesregierung angesichts dieser Tatsachen? – Lavieren, zaudern, Hintertüren offenhalten, weil sie sich nicht einig ist, wie sie mit dem Ausstieg aus russischem Öl und Gas umgehen soll. Während Außenministerin Meinl-Reisinger richtigerweise festhält, dass wir von Russland nie wieder, weder energiepolitisch noch in anderer Hinsicht, abhängig sein dürfen, denkt ÖVP-Staatssekretärin Zehetner über eine Rückkehr zu russischem Gas nach …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sauber, billig!

GRÜNE Meri Disoski

… und das ausgerechnet an dem Tag, als der ukrainische Präsident Selenskyj in Wien ist; ausgerechnet an dem Tag macht sie das. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer hat genauso wie Kanzler Stocker im EU-Hauptausschuss und im EU-Unterausschuss den Importstopp abgelehnt. Sie haben sinngemäß ausgeführt, Sie wollen sich nichts verbauen …

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Zur Sache, Frau Kollegin!

GRÜNE Meri Disoski

… für den Fall, dass Russland in absehbarer Zeit wieder demokratisch werde. Diese Uneinigkeit in der Koalition ist nicht nur peinlich, sie schwächt Österreichs Glaubwürdigkeit auf europäischer Ebene. Sie ist energiepolitisch, sicherheitspolitisch fahrlässig, europa- und außenpolitisch ein schwerer Fehler. (👏) Deshalb fordern wir Grüne heute einmal mehr, nachdem wir es in den Ausschüssen schon gemacht haben, eine klare Haltung der Regierungsparteien statt energiepolitische Hintertüren, mit denen wir Putins Kriegskassen weiter füllen. Ich bringe deshalb folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundeskanzler sowie der Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus, werden aufgefordert, die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte sowie die damit einhergehende Zielsetzung, alle Öl- und Gasimporte aus Russland bis spätestens 2027 komplett und ohne zeitliche Befristung zu stoppen, sowohl im Zusammenhang mit Diskussionen im Kontext des Europäischen Rates sowie im Rahmen des Gesetzgebungsverfahren im Rat und in dessen vorbereitenden Gremien aktiv zu unterstützen.“ Kolleginnen und Kollegen! Putins Macht beruht auf Abhängigkeit ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und Österreich darf nicht Teil dieses Systems bleiben. Solidarität mit der Ukraine zeigt sich nicht nur in Worten, sondern auch in Entscheidungen. Treffen Sie, Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsparteien, heute gemeinsam mit uns Grünen die richtige Entscheidung und stimmen Sie für die Beendigung russischer Energieimporte! (👏) 23.55 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/213.1 Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte (100/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Frau Abgeordneten vorgelesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. ( Unruhe im Saal. – Der Präsident gibt das Glockenzeichen. ) – Wir sind im Abstimmungsvorgang. RN/214.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 25: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, den Landesverteidigungsbericht 2024/2025 gemäß Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz, vorgelegt von der Bundesministerin für Landesverteidigung, III-168 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die für dessen Kenntnisnahme eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. RN/214.2 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 26: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 105 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/214.3 Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 27: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 106 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/214.4 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind (Abg. Ottenschläger [ÖVP] – in Richtung Grüne –: Mehr werden es nicht! – Abg. Sieber [ÖVP]: Wo sind die restlichen Grünen?), um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Präsidium, 35. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 23:57

Einstellung der Zahlungen an die Ukraine über die sogenannte Europäische Friedensfazilität

106 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 266/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag abgelehnt, die österreichischen Zahlungen an die Ukraine über die Europäische Friedensfazilität (EPF) einzustellen. Damit bleibt die bisherige Beteiligung Österreichs an diesem EU-Finanzierungsmechanismus unverändert.

Betroffen sind die österreichischen Beiträge zur EU-„Europäischen Friedensfazilität“ und damit mittelbar die über die EPF finanzierten Unterstützungsleistungen für die Ukraine.

Ziel des Antrags war es, aus Neutralitäts- sowie Kosten- und Kontrollbedenken die österreichischen Zahlungen über die EPF an die Ukraine zu stoppen.

Dokumente

Einstellung der Zahlungen an die Ukraine über die sogenannte Europäische Friedensfazilität

Gegenstand des Antrags

  • Entschließungsantrag mit dem Ziel, Zahlungen Österreichs an die Ukraine über die sogenannte „Europäische Friedensfazilität“ einzustellen.

Begründung: Umfang der österreichischen Unterstützung für die Ukraine

  • Es wird behauptet, Österreich finanziere die „Kriegspartei Ukraine“ sowohl bilateral als auch über verschiedene EU-Finanzierungstöpfe.
  • Als Quelle wird der „Ukraine Support Tracker“ des Kieler Instituts für Weltwirtschaft angeführt, der militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe seit dem 24. Jänner 2022 erfasse.
  • Laut der im Antrag zitierten Statistik (April 2025) habe Österreich die Ukraine insgesamt mit 3,7 Milliarden Euro unterstützt.
  • Davon würden laut Darstellung 2,76 Milliarden Euro auf Zahlungen über EU-Finanzierungsmechanismen entfallen und 860 Millionen Euro auf bilaterale Zahlungen.

Begründung: Europäische Friedensfazilität (EPF) und behauptete Kosten

  • Hervorgehoben werden Ausgaben der EU-Mitgliedstaaten, die über die „Europäische Friedensfazilität“ abgewickelt würden und unter anderem an die ukrainischen Streitkräfte flössen.
  • Es wird angeführt, dass über diesen Mechanismus bisher 11,1 Milliarden Euro für die ukrainischen Streitkräfte bereitgestellt worden seien.
  • Die Obergrenze der Fazilität sei mehrfach angehoben worden und liege nun bei über 17 Milliarden Euro.
  • Österreich trage laut Antrag einen Finanzierungsanteil von 2,79 Prozent.
  • Bei Ausschöpfung bis zur Obergrenze im Mehrjährigen Finanzrahmen 2021–2027 ergebe sich laut Antrag für Österreich ein Beitrag von etwa 474 Millionen Euro.
  • Im Bundesfinanzgesetz 2024 sei eine Ermächtigung enthalten, im Finanzjahr 2024 bis zu 185 Millionen Euro in die „Friedensfazilität“ einzuzahlen.

Begründung: Kontrolle, Korruptionsrisiko und Kritik an EU-Kontrollmechanismen

  • Es wird behauptet, eine effektive Kontrolle der Mittelverwendung sei nicht gewährleistet.
  • Die österreichische Bundesregierung kontrolliere laut Antrag nicht, wohin die freigegebenen Mittel flössen, und verlasse sich bei der Kontrolle auf EU-Institutionen.
  • Es wird ein Korruptionsrisiko thematisiert und behauptet, EU-Institutionen könnten selbst in Korruptionsskandale geraten.
  • Zur Untermauerung wird ein Zitat des früheren EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker angeführt, der vor einem übereilten EU-Beitritt der Ukraine warne und die Ukraine als auf allen Ebenen der Gesellschaft korrupt bezeichne.

Begründung: Prioritätensetzung und Neutralität

  • Es wird kritisiert, dass in Zeiten, in denen „jeder Euro im eigenen Land gebraucht“ werde, Milliardenbeträge ins Ausland transferiert würden.
  • Die Zahlungen seien nach Ansicht der Antragsteller nicht nur aus budgetären Gründen zu beenden, sondern auch, weil es als neutralitätswidrig dargestellt wird, eine Kriegspartei in einer militärischen Auseinandersetzung zu unterstützen.

Einstellung der Zahlungen an die Ukraine über die sogenannte Europäische Friedensfazilität

~49 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Volker Reifenberger

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesminister! Hohes Haus! Zu Beginn möchte ich einmal positiv erwähnen, dass es einen solchen Landesverteidigungsbericht überhaupt gibt. Der Bericht wurde vom Generalstab wirklich toll verfasst, damit haben wir eine sehr gute Grundlage, auf deren Basis wir hier diskutieren können. In diesem Bericht finden sich spannende Passagen, von denen ich heute einige zitieren möchte, um damit aufzuzeigen, dass die Probleme von den Experten im Verteidigungsministerium richtig erkannt worden sind, aber von der Verteidigungsministerin leider nicht gelöst werden. Ambitioniert ist gleich einmal das Ziel, das im Bericht genannt wird, das man sich setzt – ich zitiere –: „Das Ziel ist ein modernes [...]“ – Bundesheer – „das dazu befähigt ist, Österreich im Rahmen der Umfassenden Landesverteidigung [...] gegen jeden militärischen Angriff zu verteidigen und sein Volk zu schützen.“ (👏 FPÖ) Bitte nicht falsch zu verstehen, ich finde dieses Ziel großartig. Frau Bundesminister, Sie können mir wirklich glauben, Sie haben meine vollste Unterstützung, um das umzusetzen und dieses Ziel zu erreichen, aber dieser vom Generalstab formulierte Wunsch ist nichts anderes als ein frommer Wunsch an das Christkind. Frau Bundesminister, wenn Sie unser Bundesheer wirklich in die Lage versetzen wollen, Österreich gegen jeden militärischen Angriff zu verteidigen, dann müssen Sie vollkommen umdenken. Dazu müssten Sie endlich einmal unsere Verfassung ernst nehmen und im Wesentlichen zwei Dinge tun: Erstens müssen Sie den Mobilmachungsrahmen ungefähr vervierfachen, denn mit 55 000 Soldaten können Sie Österreich nicht gegen jeden militärischen Angriff verteidigen. Im Übrigen wäre das für Österreich eigentlich auch nichts Neues. Wir hatten einmal in den 1980er-Jahren, zu Zeiten der guten alten Raumverteidigung, einen Mobilmachungsrahmen jenseits von 300 000 Soldaten – bei deutlich weniger Einwohnern. Und zweitens müssen Sie etwas tun, um den Mobilmachungsrahmen, wie hoch er dann schließlich auch immer sein sollte, mit Soldaten zu befüllen, die ihr Handwerk gelernt und, ganz wichtig, und auch geübt haben. Dazu müssten Sie aber den Grundwehrdienst verlängern und wiederum verpflichtende Milizübungen einführen. Sonst ist das nichts anderes als eine Augenauswischerei. Sie kaufen zwar fest ein, aber mangels Personal bringen Sie die PS nicht auf den Boden. Das ist nichts anderes als eine Wählertäuschung, ein Betrug an der eigenen Bevölkerung und außerdem ein Verfassungsbruch. (👏 FPÖ) Wenn Sie Ihren eigenen Bericht ernst nehmen, Frau Bundesminister, dann müssen Sie endlich Lösungen für das Personalproblem auf den Tisch legen. In den letzten fünf Jahren ist davon leider nicht wirklich viel zu sehen gewesen. Im Bericht steht auch noch etwas anderes, vollkommen Richtiges: „Die Besoldung aller Personengruppen ist an das Niveau des zivilen Arbeitsmarktes anzupassen.“ – Diese Feststellung ist vollkommen richtig, aber warum tun Sie das nicht? Wir verlangen von unseren jungen Offizieren, dass sie ein Bachelorstudium machen, und dann bezahlen wir sie als Maturanten und nicht wie einen Bachelor. Natürlich gehen dann viele nach der Ausmusterung an der Militärakademie in die Privatwirtschaft oder vielleicht sogar nur in ein anderes Ministerium, denn dort werden sie dann adäquat nach einem Bachelorentlohnungsschema bezahlt. Im Bericht steht weiters, dass „die gesetzliche Möglichkeit, geeignete Wehrpflichtige zu einer Kaderfunktion in der Miliz zu verpflichten, wieder angewandt werden“ muss – muss! – Ja, warum machen Sie das nicht einfach? Frau Bundesminister, dieses Hohe Haus hat Ihnen die erforderliche gesetzliche Grundlage dazu gegeben. Warum machen Sie davon nicht Gebrauch? Wissen Sie, dazu fällt mir ein passender Spruch ein: Machen ist wie wollen, nur krasser. – Seien Sie einmal krass, Frau Bundesminister, und machen Sie endlich! (👏 FPÖ) Was der Landesverteidigungsbericht auch detailliert auflistet, ist der Umstand, dass die Gefahr groß ist, dass Ihnen das nötige Geld ausgehen wird. Da zweifle ich nicht an Ihrem guten Willen, Frau Bundesminister, aber da zweifle ich sehr wohl an Ihrem sozialistischen Koalitionspartner, insbesondere am linken Finanzminister Marterbauer. Frau Bundesminister, der Bericht liest sich wie eine reine Selbstanklage, eine Zusammenfassung dessen, was Sie in den letzten über fünf Jahren nicht zusammengebracht haben. Insofern finde ich es mutig, dass die Regierungsfraktionen diesen Bericht nicht im Ausschuss enderledigt haben, sondern hier im Plenum zur Diskussion stellen. Also nicht vergessen, Frau Bundesminister: Machen, nicht wollen – seien Sie krass! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ofenauer. 5 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Meine sehr verehrten Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich mit etwas Positivem beginnen, denn wir feiern dieser Tage ein Jubiläum: Vor 50 Jahren, gestern vor 50 Jahren wurde das Konzept der umfassenden Landesverteidigung in unserer Bundesverfassung verankert – ein Konzept und eine Idee, die damals wie heute aktuell ist, denn: Die sicherheitspolitischen Herausforderungen haben sich zwar immer wieder geändert, aber das Prinzip bleibt nach wie vor gleich, nämlich dass Verteidigung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Alleine die Inhalte dieser umfassenden Landesverteidigung sind in den letzten Jahren, Jahrzehnten etwas erodiert und müssen wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht werden, nämlich die militärische, die wirtschaftliche, die zivile, aber vor allem auch die geistige Landesverteidigung. Denn: Umfassende Landesverteidigung führt zu einer widerstandsfähigen Gesellschaft, die im Ernstfall auch handlungsfähig bleibt, und das brauchen wir in Zukunft mehr denn je. (👏 ÖVP) Heute wird der mittlerweile dritte Landesverteidigungsbericht im Plenum behandelt, nämlich jener für 2024/2025, der ja seine Grundlage im Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz hat. Wenn man Herrn Kollegen Reifenberger zugehört hat, dann hat man vernehmen können, dass er die Tatsache, dass es diesen Landesverteidigungsbericht gibt, sehr positiv hervorgehoben hat, aber ansonsten hat man aus seiner Rede eigentlich den Eindruck gewonnen, dass die Frau Ministerin eine Zauberin sein müsste, weil sie innerhalb von zwei oder drei Jahren Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, so muss man es sagen, hätte beseitigen müssen, und das ist schlicht unrealistisch, Herr Kollege.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Ich habe den Bericht zitiert!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… Herr Kollege, das ist unrealistisch. Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen! Der Landesverteidigungsbericht zeigt ganz klar auf, welche Maßnahmen gesetzt wurden, welche Maßnahmen noch notwendig sind, und ja, es ist noch viel zu tun, aber wir sind am Beginn eines guten Weges. Unter Frau Bundesministerin Klaudia Tanner ist ein Paradigmenwechsel gelungen, nämlich mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz einen breiten Konsens dahin gehend zu erreichen, dass das österreichische Bundesheer mit steigenden Budgetmitteln ausgestattet wird, um es wieder verteidigungsfähig zu machen, um eben das Ziel zu erreichen, Österreich gegen jeden Angriff verteidigen zu können, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP) Dieses Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz war die Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, weil damals klar wurde, dass die Friedensdividende aufgebraucht ist. Das hat natürlich auch zu einem entsprechenden Umdenken in der sicherheitspolitischen Ausrichtung Österreichs und Europas geführt. Und ja, natürlich ist es notwendig, das österreichische Bundesheer wieder auszurüsten und entsprechend verteidigungsfähig zu machen. Es ist ganz klar zu beobachten, dass unter Bundesministerin Tanner in den letzten Jahren stetig wachsende Verteidigungsbudgets beschlossen wurden, und das muss auch so weitergehen, damit wir die Mission vorwärts, den Aufbauplan österreichisches Bundesheer 2032 plus entsprechend umsetzen können. Und ja, der Landesverteidigungsbericht zeigt auf, wo wir stehen, dass noch viel zu tun ist. Er zeigt aber auch, dass bereits viel getan wurde und bereits viel umgesetzt wurde. Das Wichtige ist: Das Streitkräfteprofil des österreichischen Bundesheeres konzentriert sich wieder auf die Kernaufgabe des Bundesheeres, nämlich die militärische Landesverteidigung. Ja, dazu gehört auch, dem Personal den entsprechenden Stellenwert einzuräumen, den es verdient: den Grundwehrdienern und ihrer Ausbildung in der militärischen Landesverteidigung, dem Kaderpersonal, das gewonnen werden muss, aber auch gehalten werden muss. Und natürlich gehört auch die entsprechende Bezahlung dazu. Unser Ziel muss ein robustes, ein einsatzfähiges, ein modernes und auch ein trainiertes Bundesheer sein. Deshalb investieren wir in Hubschrauber, gepanzerte Fahrzeuge, Mannschaftstransportpanzer, Luftraumüberwachung und -verteidigung, Infrastruktur und Kasernen. Erst letzte Woche wurde ein neues Unterkunftsgebäude eröffnet, ein neues Wirtschaftsgebäude an der Milak, ein neuer Taucherstützpunkt für die Jagdtaucher am Neufelder See. Sie sehen, meine Damen und Herren, der Aufwuchs an Fähigkeiten schreitet voran. Das Wichtigste ist allerdings, dass mit dem beschlossenen Budget 2025/2026 der Aufbauplan österreichisches Bundesheer 2032 plus umgesetzt werden kann. Natürlich soll von den Beschaffungen, die im militärischen Bereich getätigt werden, durch entsprechende Kooperationen auch die österreichische Industrie profitieren. Wie sie profitieren kann, zeigt die Beschaffung von 100 Pandur-Evo-Mannschaftstransportpanzern, weiteren 225 Pandur Evo in zwölf unterschiedlichen Versionen. Diese Pandur Evo werden nämlich in Simmering hergestellt, wodurch auch 200 Zulieferbetriebe aus Österreich entsprechend profitieren. Ja, natürlich soll vor dem Hintergrund der europaweiten Notwendigkeit der Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit durch entsprechende Kooperationen die österreichische Industrie gestärkt werden, auch die europäische Verteidigungsindustrie, und sollen Abhängigkeiten von anderen Ländern, soweit es geht, reduziert werden. Zu guter Letzt, meine Damen und Herren: Die Souveränität Österreichs und die Unverletzlichkeit des Staatsgebietes müssen in allen Domänen verteidigt werden, nicht nur zu Lande, sondern auch in der Luft. Deshalb werden wir auch in die Luftabwehr investieren müssen: durch den Ankauf neuer Jettrainer, durch die Nachrüstung der Eurofighter, insbesondere aber auch durch die Beschaffung bodengebundener Luftabwehr mittlerer Reichweite fürs Erste einmal. Das Ganze mit dem Ziel, eine glaubwürdige Verteidigung Österreichs sicherzustellen und verteidigungsfähig zu sein, nach dem Motto: Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen. – Danke schön. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Schandor. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ Christian Schandor

Herzlichen Dank, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Der vorliegende Landesverteidigungsbericht 2024/2025 ist für mich kein gewöhnlicher Jahresrückblick, sondern ein sicherheitspolitisches Signal. Er zeigt nämlich auf, dass die Welt komplexer und das Bedrohungsfeld dichter geworden sind und dass Österreich darauf auch reagieren muss. Mit dem Aufbauplan ÖBH 2032 plus liegt erstmals ein langfristiger, strategisch fundierter Modernisierungspfad für unser Bundesheer vor. Dieser Plan sieht ja auch Investitionen von über 16 Milliarden Euro bis 2032 vor, um das Bundesheer technologisch und strukturell weiterzuentwickeln. Dazu gehören die Anschaffung moderner Luftabwehrsysteme und gepanzerter Fahrzeuge genauso wie die Erneuerung unserer Luftfahrzeugflotte. Trotzdem wird der Verteidigungsaufwand 2025 und 2026 nur knapp über 1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen, und auch der derzeitige Bundesfinanzrahmen für die Jahre danach sieht keine weitere Erhöhung vor, obwohl das Regierungsprogramm einen Anstieg auf 2 Prozent des BIPs verspricht. Doch ambitionierte Pläne brauchen auch ein stabiles Fundament, und genau da, Frau Bundesminister, müssen wir auch ehrlich sein – ehrlich im Hinblick auf den akuten Personalmangel. Das könnte unsere Achillesferse sein, denn trotz Reformen bleibt die Personalgewinnung eine zentrale Herausforderung und liegt leider Gottes hinter den Erwartungen. Auch die Maßnahmen zur Attraktivierung des Soldatenberufs sind laut Bericht weitestgehend ausgereizt. Der Druck auf unser Milizsystem: Die geplante Stärkung der Miliz erfordert mehr Übung und Ausstattung, was angesichts der aktuellen Ressourcenlage fraglich erscheint. Dazu hält der Landesverteidigungsbericht unmissverständlich fest, dass mit „dem aktuellen Mobilmachungsrahmen von 55.000 [...] Soldaten [...] ein Einsatz zur militärischen Landesverteidigung über einen längeren Zeitraum nicht“ möglich ist. Daher ist dem Personal höchste Priorität einzuräumen, und das bestätigt auch der Jahresbericht der Parlamentarischen Bundesheerkommission. Für die militärische Landesverteidigung ist aber auch eine entsprechende Infrastruktur in der erforderlichen Quantität und Qualität eine Grundvoraussetzung. Dabei ist der fast 30-jährige Investitionsrückstau abzubauen, und es sind die infrastrukturellen Voraussetzungen zur Integration von neuen Rüstungsgütern und zum Aufbau von Resilienz zu schaffen. Die technologischen Abhängigkeiten: Der Bericht nennt Drohnen, Hyperschallwaffen und KI-Systeme als Bedrohungen, bleibt aber vage, wie Österreich konkret auf diese Entwicklungen reagieren will. Meine Damen und Herren! Strategische Autonomie beginnt mit nationaler Entschlossenheit. Wir müssen das Bundesheer nicht nur modernisieren, sondern ihm auch die gesellschaftliche und politische Rückendeckung geben, die es verdient hat. Die Zeit drängt. Sollten in dieser Legislaturperiode nicht entschlossene Maßnahmen getroffen und umgesetzt werden, die die Personalaufbringung sicherstellen, dann wird unsere Miliz ausbluten, weil die notwendigen Nähr- und Ersatzraten fehlen. Wir benötigen daher dringend die vollständige Befüllung der Einsatzorganisation mit Übungspflichtigen. Lassen Sie uns diesen Bericht nicht als Dokumentation betrachten, sondern als Auftrag für ein Österreich, das vorbereitet ist – nicht irgendwann, sondern jetzt. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeodneter Laimer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Verteidigungspolitik beginnt nicht mit dem Ernstfall, sie beginnt mit klarem Denken in Zeiten des Friedens, und sie funktioniert dann gut, wenn sie vorausschauend, pragmatisch und langfristig angelegt ist. Genau deshalb ist ein Bericht wie dieser nicht einfach ein Rückblick oder eine Vorschau, sondern eine Einladung, gemeinsam politische Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Der Landesverteidigungsbericht zeigt mit aller Deutlichkeit: Die militärische Verteidigungsfähigkeit Österreichs ist derzeit nicht ausreichend gegeben, aber wir sind auf einem richtigen Weg angesichts einer sehr großen Herausforderung. Mit dem Aufbauplan gibt es nun erstmals seit Jahrzehnten einen strategischen Fahrplan für das Bundesheer, das im Ernstfall in der Lage sein muss, Österreich und seine Bevölkerung zu schützen. Dieser Aufbauplan zeigt aber auch klar: Das Bundesheer der Zukunft braucht nicht nur Gerät, es braucht Menschen, konkret Soldaten und eine funktionierende Miliz. Der Bericht spricht offen aus: Der derzeitige Mobilmachungsrahmen reicht nicht aus. Mit den 55 000 verfügbaren Kräften ist ein mittelfristiger Verteidigungseinsatz nicht durchhaltefähig, das wissen wir alle. Gleichzeitig sind die ressortinternen Maßnahmen zur Personalgewinnung weitgehend ausgeschöpft. Das ist auch ein Warnsignal. Wir nehmen dieses Warnsignal ernst, denn wir wissen: Schutz und Sicherheit bedeuten Verantwortung für die Bevölkerung. Dieser Verantwortung können wir nur gerecht werden, wenn jene Menschen, die im Ernstfall ihr Leben riskieren, die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung erhalten, die ihnen zusteht. Dazu gehört eine attraktive Besoldung, die mit dem zivilen Arbeitsmarkt mithalten kann; dazu gehört die Anerkennung der akademischen Ausbildung der Berufsoffiziere, die seit mehr als 25 Jahren bis heute keine ausbildungsadäquate Entlohnung zur Folge hat, nach ihrer Ausmusterung; dazu gehört eine faire Behandlung der Milizsoldaten, die bereit sind, ihren zivilen Beruf für das Gemeinwohl zu unterbrechen, zu üben, um ihre Fähigkeiten auszubauen, ohne soziale Nachteile zu erleiden; dazu gehören gut ausgebildete Unteroffiziere, die Drehscheibe und Motor einer Armee sind; und dazu gehört auch die ehrliche Antwort auf die Frage, wie angesichts geopolitischer Veränderungen der Wehrwille gestärkt wird. Der Grundwehrdienst ist dabei ein Fundament zum Schutz der Republik; wir müssen ihn wieder vermitteln. (👏 SPÖ) Wir müssen bessere Rahmenbedingungen schaffen, eine zeitgemäße Ausbildung, ein modernes Soldatenprofil entwickeln. Ein Wehrsystem im 21. Jahrhundert braucht Überzeugung und Perspektive für die Grundwehrdiener. Der Bericht zeigt auf: Wenn wir bereit sein wollen, im Ernstfall schnell zu reagieren – etwa mit der Reaktionsmiliz oder auch mit den Bereitschaftstruppen im In- und Ausland –, dann brauchen wir Personalmanagement, das effizient, digital und vor allem autonom funktioniert. Funktionierende Alarmierung im Einsatzfall ist Voraussetzung. Das Bundesheer muss über die Personalhoheit verfügen; das ist kein Luxus, das ist eine Voraussetzung für die Einsatzfähigkeit. Unsere Verantwortung endet nicht an den Staatsgrenzen. Die meisten sicherheitspolitischen Risken, die Österreich betreffen, entstehen im Umfeld unserer Europäischen Union durch Instabilität, durch Migrationsdruck, durch hybride Bedrohungen. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass Österreich seinen Beitrag leistet: im Rahmen der EU, im Rahmen der Vereinten Nationen, im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden und ganz besonders auch im Rahmen der OSZE. Gerade die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit Sitz in Wien ist ein zentrales Instrument für Krisenprävention, für Dialog und für Stabilisierung. Es ist auch ein Bereich, in dem Österreich durch Fachpersonal und Perspektive aktiv zur Friedenssicherung beiträgt. Es geht summa summarum um eine kollektive Herausforderung für unser Land in Bezug auf den konsequenten, permanenten Schutz und um den Quantensprung von der Luftraumüberwachung zur Luftraumverteidigung. Mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz und dem Ziel eines Verteidigungsbudgets von 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2032 haben wir einen notwendigen Schritt gemeinsam gesetzt. Die Mittel stehen zur Verfügung. Jetzt braucht es auch den politischen Willen, sie strategisch einzusetzen: Ausbildung, Infrastrukturverbesserung, faire Bezahlung für die Menschen, die bereit sind, dieses Land zu verteidigen. Das ist eine kausale, mentale Herausforderung für die Republik, für die umfassende Landesverteidigung. Schutz und Hilfe und Sicherheit entstehen nicht durch Worte, sie brauchen Planung, Verantwortung und Respekt vor denen, die sie garantieren. Abschließend sei gesagt: Der respektvolle Umgang generell im Landesverteidigungsausschuss – meist wird kein politisches Kleingeld gewechselt – ist ein guter Weg für eine rot-weiß-rote Verteidigungspolitik. Dafür gebührt auch dir Dank, Vorsitzender Abgeordneter Reifenberger, natürlich auch den Ressortverantwortlichen und Ihnen, Frau Bundesminister. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Kassegger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Sehr geehrte Frau Bundesminister! Sehr geehrter Herr Präsident! Ich spreche jetzt nicht über den Landesverteidigungsbericht; es sind ja mehrere Tagesordnungspunkte hier abzuhandeln. Ich spreche zu Tagesordnungspunkt 27, zu einem Antrag der Freiheitlichen Partei, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, „die neutralitätswidrigen Zahlungen an die Ukraine über die sogenannte Europäische Friedensfazilität einzustellen“. Dieser Antrag ist abgelehnt worden, was uns sozusagen in die gute Lage versetzt, dass er hier im Plenum zu diskutieren ist und diskutiert wird. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Wir stimmen hier aus mehreren Gründen nicht zu. Zum einen wollen wir nicht – und das wird ja mit dieser Friedensfazilität erreicht; das ist ja schon ein bisschen sportlich, eine Kriegswirtschaft, eine Kriegsfinanzierung als Friedensfazilität zu bezeichnen –, dass ein Krieg finanziert wird, und zwar von der Methodik her insoweit, als dass auf der Ebene der Europäischen Union mehr oder weniger ein weiterer Schritt zur Vervollkommnung einer Schuldenunion gemacht wird, noch dazu – das wird Kollegen Krainer interessieren – vollkommen an Budgets vorbei. Es gibt ja auch in der EU Siebenjahresbudgets, und das sind lauter Sonderfinanzierungen in Milliardenhöhe. Da geht es auch um die Rolle des Parlaments, in dem Fall des Europäischen Parlaments. Die Budgethoheit, sozusagen das Budget zu kontrollieren, das wird hier alles außer Kraft gesetzt, um einen Krieg zu finanzieren, eine Kriegspartei zu finanzieren. Da sind wir bei der zweiten Komponente, warum wir Freiheitliche als Hüter der Neutralität, der verfassungsmäßig abgesicherten österreichischen Neutralität ja nur dagegen sein können, dass das gemacht wird. Ich rede von der militärisch-sicherheitspolitischen Komponente. Wir wissen ja, die Neutralität ist keine Einbahnstraße, sondern völkerrechtlich abhängig auch von der Rezeption der Völkergemeinschaft, der Staatengemeinschaft. Die beurteilt das Verhalten der Republik Österreich natürlich diesbezüglich, und da verhalten wir uns – nicht wir, sondern die Bundesregierung, insbesondere Frau Außenministerin Beate Meinl-Reisinger – ja alles andere als neutralitätskonform – eben durch die Beteiligung an dieser kriegswirtschaftlichen Finanzierung, aber auch durch Aktionen wie jener der Frau Außenminister, dass ihr erster Auslandsbesuch ausgerechnet nach Kiew geht, dass dort ausgerechnet 20 Millionen Euro – wir werden das am Freitag besprechen –, Geld der österreichischen Steuerzahler, Präsident Selenskyj beziehungsweise der ukrainischen Republik zugesagt werden. An dieser Stelle zitiere ich Jean-Claude Juncker vom Oktober 2023: „Wer mit der Ukraine zu tun gehabt hat, der weiß, dass das ein Land ist, das auf allen Ebenen der Gesellschaft korrupt ist.“ Also da gibt es überhaupt keine Kontrollen, wohin diese Milliarden gehen. Und die dritte und letzte Komponente, warum man das als vernünftiger Mensch, der im Interesse der Österreicher Politik macht, nur ablehnen kann, ist die ökonomisch-österreichisch-budgetäre Komponente. Wir reden da von 3,7 Milliarden Euro, die über die EU und bilateral in die Ukraine geschickt werden. Gleichzeitig sagt unser Herr Finanzminister uns, unseren Bürgern: Wir müssen jetzt sparen, ich greif’ euch in die Taschen, ich erhöhe euch die Gebühren, ich kürze bei unseren Pensionisten, und so weiter und so fort. Die Botschaft ist: Dadurch sparen wir uns 3 Milliarden Euro. – Gleichzeitig schicken wir 3,7 Milliarden Euro in die Ukraine. Das versteht niemand. Wir verstehen es nicht, deswegen haben wir diesen Antrag gestellt, der selbstverständlich von allen Parteien abgelehnt wurde. So können wir wenigstens hier im Parlamentsplenum in der Öffentlichkeit darüber diskutieren. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Douglas Hoyos-Trauttmansdorff . – Die Redezeit habe ich auf 3 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Beginnen wir einmal mit dem Landesverteidigungsbericht, der ja schon von vielen Personen angesprochen wurde. Eine Sache, die, wie ich glaube, sehr wesentlich ist, die ja eigentlich ein Sukkus dieses Berichtes ist – dann komme ich zum Kollegen Kassegger –: Stellen Sie sich alle einmal vor, Sie leben in einem Mehrparteienhaus und Sie merken, die Umgebung, in der Sie leben, wird immer unsicherer. Dementsprechend beginnen auch viele Parteien, sich um die Sicherheit zu sorgen, sie beginnen Alarmanlagen zu installieren, Schlösser auszutauschen, Sicherheitstüren einzubauen und Ähnliches. Sie aber sitzen in einer Wohnung und wollen mit all dem nichts zu tun haben, verschränken die Arme und die einzige Diskussion, die Sie führen, ist die Diskussion, ob Sie einen Türspion anbringen. Genau das ist ein Stück weit die Aussage dieses Landesverteidigungsberichtes, nämlich dass die letzten Jahrzehnte hindurch zu wenig investiert wurde und wir uns viel zu isoliert betrachtet haben – wir uns viel zu isoliert betrachtet haben! Während unsere Nachbarn begonnen haben, zusammenzuarbeiten, gemeinsam zu beschaffen, gemeinsam Kooperationen einzugehen und die Sicherheit in Europa in die Höhe zu schrauben, haben wir uns zurückgelehnt und haben gesagt, die anderen machen das für uns, und das ist ja eigentlich die sicherheitspolitische Bankrotterklärung, die viel zu lange in diesem Land gegolten hat. Allerdings gab es hier in den letzten Jahren eine Trendwende, und ich habe durchaus das Gefühl, und das ist auch tatsächlich der Fall – wenn man sich das Regierungsprogramm anschaut, sieht man das –, dass wir hier als Regierung viele Schritte gesetzt haben, auch die letzte Regierung schon, Frau Bundesministerin, dass wir erste Schritte gesetzt haben, auch in gemeinsamen Beschlüssen, die dieses Parlament gefasst hat, weil es hier durchaus einen Schulterschluss gegeben hat. Es hat den Schulterschluss insofern gegeben, dass klar war: Ja, wir müssen in Österreich investieren, wir müssen das österreichische Bundesheer auf Vordermann bringen, wir müssen eine Personaloffensive starten, weil das eine ist das Gerät, das andere ist das Personal. Wo es diese Initiative oder diesen Schulterschluss nur zwischen vier Parteien gegeben hat, nicht gemeinsam mit der FPÖ, ist genau dort, wo es um die europäische Zusammenarbeit geht, die uns nur stärken kann. Das ist wesentlich. Da komme ich jetzt zum Kollegen Kassegger und zu seiner letzten Rede, die mich schon verblüfft zurück lässt. Wenn es die FPÖ nach mehreren Jahren des Krieges auf europäischem Boden noch immer nicht verstanden hat, dass dieser Krieg natürlich ein Krieg von Putin gegen Gesamteuropa ist, sich nach wie vor auf die Seite von Putin stellt, nach wie vor Putin ein Stück weit als ihren Heiligen Messias ansieht, mit dem sie Freundschaftsverträge und Ähnliches hat, dann ist sie nach wie vor nicht in der Realität angekommen. (👏 ÖVP, NEOS) Es hat auch nichts mit Neutralität zu tun, dass man verteidigungsfähig ist, und es hat nichts damit zu tun, dass wir gemeinsam als Europa für unsere Werte geradestehen. Das hat nichts mit Neutralität zu tun, Herr Kollege Reifenberger, das ist einfach eine veraltete Perspektive, die Sie hier einnehmen. Es ist eine rein russlandfreundliche Perspektive, die veraltet ist, die uns keinen Millimeter sicherer macht, im Gegenteil, die uns unsicherer macht, weil wir uns damit einem Diktator ausliefern oder Sie sich über die letzten Jahrzehnte hinweg einem Diktator ausgeliefert haben, und das ist nicht gut für diese Republik. – Ich danke Ihnen. (👏 NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter David Stögmüller . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 4 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

GRÜNE David Stögmüller

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Wir haben uns sehr intensiv mit diesem Landesverteidigungsbericht auseinandergesetzt und ich möchte zu Beginn auch etwas Positives dazu sagen. Ich glaube, wir haben schon in der letzten Gesetzgebungsperiode gemeinsam sehr viel vorangebracht. Ein Punkt davon war eben auch dieser Landesverteidigungsbericht, auf den wir uns geeinigt haben. Das finde ich auch sehr gut. Das Bundesheer ist ja prinzipiell auf einem guten Weg. Wir haben die Chance, die Versäumnisse von Jahrzehnten aufzuholen, wir dürfen sie natürlich jetzt nicht verspielen. Das große Problem, und das ist heute schon mehrmals angesprochen worden, ist eben auch das Personal. Dort hapert es, genau dort ist das Problem. Das sagt auch dieser Bericht ganz klar. Ich zitiere: „Dem Personal ist höchste Priorität einzuräumen“, und weiters: „Dabei stellt der definierte Bedarf selbst unter günstigen Bedingungen eine hohe Herausforderung im Bereich der Personalaufbringung dar.“ Das heißt, selbst unter günstigen Bedingungen ist nicht gesichert, dass wir den Personalbedarf für die geplante Aufrüstung auch aufbringen. Seit Jahren ist nun die Rede von einer Personaloffensive. Die hohen Zahlen an Pensionierungen bei den Babyboomern – das werden Sie sicher noch einmal erwähnen – sind alles andere als eine Überraschung. Also wo bleibt denn die Priorität in der Umsetzung? 800 Offiziere gehen bis 2032 in Pension – 800 Offiziere! –, in der Miliz fehlen zwei Drittel der nötigen Unteroffiziere. Wir beschaffen Hightechflotten, aber es fehlt an Menschen, die sie bedienen können. Wir brauchen dringend mehr Investitionen in die Menschen, nicht in das Material. Im Landesverteidigungsbericht sind einige Maßnahmen aufgelistet, und auch dazu wieder mein Lob. Was mir besonders gefällt, sind Maßnahmen wie die Austrittsbefragungen. Ich finde, das ist ein sehr wichtiges Indiz dafür, dass man das tatsächlich auch ernst nimmt, dass man die Menschen miteinbeziehen will. Aber warum verlässt denn so viel Kaderpersonal das Bundesheer? – Natürlich ist die Bezahlung ein Thema, das wurde ja auch im Bericht dargelegt – Erhöhung der Gehälter, Prämien, Belohnungen, in dem Bereich werden auch Naturalwohnungen erwähnt; die wurden ja leider zu einem großen Teil auch verscherbelt, verkauft und müssen jetzt auch wieder teuer errichtet oder beschafft werden –, aber von zwei ganz wichtigen Punkten, die auch im Regierungsprogramm stehen, hören wir nichts, sondern ganz im Gegenteil, sie werden auch nach wie vor blockiert. Aus dem aktuellen Regierungsprogramm: Ziele für die Personaloffensive sind die „Attraktivierung des Arbeitsumfeldes von Soldatinnen und Soldaten, um Beruf und Familie in Einklang bringen zu können“ – das ist übrigens einer der Hauptgründe für Austritte aus dem Heer, das wird im Bericht nicht erwähnt – und die „Weiterentwicklung der Organisationskultur im BMLV“. Das Bundesheer stellt seit einigen Jahren Ferienbetreuung für Kinder von Soldat:innen bereit. Wenn ich mich richtig erinnere: Im Budgetausschuss wurde gesagt, 400 000 Euro sind das – das ist schön, aber warum wird da nicht mehr investiert? 400 000 Euro hört sich gut an, aber es braucht eine ganzjährige Unterstützung von jungen Familien. Deutschland ist etwa ein gutes Beispiel, bei der Bundeswehr. Für Soldat:innen, die teilweise Monate oder bis zu einem Jahr im Einsatz sind, ist das im Sommer natürlich nett, aber es braucht das ganze Jahr Betreuung. Und wo ist die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur? Wie ist es denn jetzt zum Beispiel mit der Situation von queeren Menschen, der LGBTIQ-Community, für die seit Jahren nichts gemacht wird, trotz der Zusage von Ihnen, Frau Ministerin? Vom Bundesheer haben wir im Pride-Monat nicht wirklich etwas gehört. Wie Ihr Pressesprecher im Ministerium es damals formuliert hat: Homosexualität ist nach wie vor kein Thema, dabei ist es ein Thema für junge Menschen, denn gerade bei den 16- bis 25-Jährigen – das ist der Rekrutierungspool, der ja für das Bundesheer eigentlich wichtig wäre – ist der Anteil an queeren Menschen vergleichsweise hoch. Das interessiert aber auch hier niemanden.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Doch, schon!

GRÜNE David Stögmüller

… Ich habe im Vorfeld auch mit jungen Unteroffizieren gesprochen. Die Themen, die sie belasten, sind nicht nur, aber natürlich auch finanzielle, aber auch Überlastung durch Assistenzansätze: wochenlange Dienstzuteilungen quer durchs Land, keine Zeit für die Familie, für Freunde, keine Stabilität, kein Dialog mit dem Vorgesetzten, keine Wertschätzung, Mobbing, Diskriminierung, Beschwerden, die irgendwo versanden. Diese jungen Menschen kommen, weil sie etwas Sinnvolles tun wollen – Sport, in der Natur sein, Kameradschaft, Verantwortung –, und gehen, weil der Schein eben trügt. Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Sie müssen sich einmal anschauen, was das Bundesheer in den letzten Jahren auf dem Donauinselfest geliefert hat – ich möchte das erwähnen, weil es eine sehr positive Öffentlichkeitsarbeit war –: Escape-Rooms, Sportinseln, Konzerte. Das war kreativ, auch professionell und modern (👏), und das kann man schon lobend erwähnen. Bestimmt hat das auch den einen oder anderen Menschen überzeugt, sich das anzuschauen und zum Bundesheer zu gehen. Viele Menschen suchen ja Arbeit, und der öffentliche Dienst ist da nicht unbeliebt. Junge Menschen rücken aber zum Grundwehrdienst ein und erleben dann die Realität – ich habe es Ihnen auch letztens gesagt –: brachliegende Kasernen, rostiges Wasser, Ratten, Unterkünfte wie in einem schlechten Film. (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner. ) – Sie brauchen es nicht abzustreiten, Frau Ministerin, es ist so. Lesen Sie den Bundesheerbericht, den Beschwerdebericht (neuerliche Zwischenbemerkung von Bundesministerin Tanner ) – Sie können sich dann zu Wort melden –, es sind tatsächlich Realitäten. Die Verbände sind mit Aufträgen überlastet und hanteln sich von einem Einrückungstermin zum nächsten. Unteroffiziere erzählen, dass die Ausbildung eines Vollkontingents bei ihnen mittlerweile keine Kompanieaufgabe, sondern ein Bataillonsvorhaben sei. Gleichzeitig schicken wir nach wie vor Hunderte Soldatinnen und Soldaten als Hilfspolizei an die Grenzen, für zig Millionen Euro, die dem Innenminister zuzuordnen wären. Warum investieren wir das Geld nicht in die Attraktivierung des Soldatenberufs, Frau Ministerin? Das könnten Sie auch Ihren Kollegen Karner einmal fragen: warum das Bundesheer jetzt plötzlich zahlt und nicht mehr er. Das ist auch so ein Punkt. (👏) Sie könnten auch erklären, warum Sie nicht endlich einmal die Gehälter der Grundwehrdiener auf den Mindestlohn erhöhen. (Bundesministerin Tanner : ... zehn Jahren ...!) – Ja, wir haben gemeinsam erhöht, aber wir wollten immer den Mindestlohn. Frau Ministerin, der Mindestlohn wäre auch das, was sich die Grundwehrdiener eigentlich verdient hätten. (👏) Solange das Gehalt nicht stimmt, brauchen wir auch nicht über eine Verlängerung der Wehrpflicht zu diskutieren. Ich glaube, das wäre das Mindeste: Schauen Sie einmal, dass wir dort hinkommen, dann können wir auch einmal über die Wehrpflicht diskutieren! Ja zu einem starken Bundesheer, Ja zu einer modernen, solidarischen Landesverteidigung und Ja zu einer Verteidigungspolitik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt – und wir brauchen jetzt auch eine klare Botschaft, nämlich für die junge Generation, für die Grundwehrdiener, die jetzt nachkommen: Wenn du heute zum Bundesheer gehst, dann bekommst du keine schreienden Ausbilder, keinen unnötigen Anpfiff, keine Zeitverschwendung in heruntergekommenen Kasernen, sondern Ausbildung, Perspektive, Verantwortung und Wertschätzung von einer Gesellschaft, die hinter dir steht. – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Tanner. – Bitte, Frau Bundesministerin, Sie gelangen zu Wort.

ÖVP Michael Hammer

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir diskutieren jetzt den Landesverteidigungsbericht, und die Frau Bundesminister hat ja dazu eben auch in sehr versöhnlichen Worten ausgeführt. Wenn man sich das aber ein bisschen kritischer anschaut und den ganzen Tag heute reflektiert, dann muss man schon ein bisschen hinterfragen und wirklich daran zweifeln, wie ernst manche Dinge von der Freiheitlichen Partei genommen werden, und fragen, ob es wirklich darum geht, Dinge sachlich zu diskutieren oder einfach irgendwelche Überschriften auf ihren Kanälen zu produzieren. Wenn Kollege Reifenberger sich hier herausstellt und jetzt schon eine OTS-Aussendung macht und schreibt, der Landesverteidigungsbericht zeigt massive Missstände und Versäumnisse auf, dann kann ich sagen – ich habe den Bericht da –, er hat diesen nicht gelesen. Das kann überhaupt nicht mit der Realität übereinstimmen, da geht es einfach nur um die Schlagzeile , denn wenn man aus dem Bericht zitiert, muss man sagen – die Frau Bundesministerin hat es ja gesagt –, dort stehen sehr viele positive Dinge drinnen. Es stehen natürlich auch viele Punkte drinnen, bei denen wir noch einen weiten Weg vor uns haben, und den müssen wir auch beschreiten. Es steht zum Beispiel auch eines drinnen – weil Sie gesagt haben, es wird nicht so ernst genommen –, das ist sogar fett gedruckt in der Zusammenfassung: Mit den Budgetmitteln in den Jahren 2025 und 2026 kann der Aufbauplan 2032 plus auf jeden Fall umgesetzt werden. – Mehr brauchen wir nicht. Das ist genau die Bestätigung, dass der Weg, den diese Regierung geht, der richtige ist. Das ist hier bescheinigt. (👏 ÖVP, SPÖ) Wenn wir schon bei dem Thema sind: Das zieht sich halt wie ein roter Faden bei euch durch. Bei der Gefährderüberwachung seid ihr dagegen, sagt, das ist jetzt die Massenüberwachung, obwohl es Kickl damals selber eingeführt hat – ist nicht sonderlich glaubwürdig. Beim WHO-Bericht wird wieder – und das wurde heute zitiert – ein Feind dargestellt, den ihr selber erfindet. Nachher stellt sich eine Kollegin heraus, die wieder das Ivermectin fordert. Bei den Parteifinanzen sagt ihr: Die Regierung richtet sich etwas und entledigt sich der Strafzahlungen, obwohl das nachweislich mit einem Abänderungsantrag bereinigt worden ist – just an dem Tag im Übrigen, an dem euer Kollege im EU-Parlament ausgeliefert werden soll, weil er Parteimittel für private Zwecke gebraucht haben soll. Also wenn es da um Parteifinanzierungen geht: dasselbe Thema. (👏 ÖVP) Jetzt aber im Konkreten zur Landesverteidigung: Wir haben nicht nur den Landesverteidigungsbericht, sondern auch zwei Anträge der Freiheitlichen zu Sky Shield, wo ihr ja auch dagegen seid. Also wenn es dann um die Verteidigung geht, seid ihr nicht dafür, auch wenn es um die Unterstützung der Ukraine geht. Das ist ja auch wieder so ein Narrativ – das Russische –, das ihr da ewig herauszimmert. Ich möchte es ein bisschen entkräften und einen Experten zitieren, der Ihrer Partei nicht sehr fern steht, nämlich General Brieger, der jetzt dem europäischen Militärausschuss vorgestanden ist, ein hochanerkannter Offizier, der in mehreren Interviews jetzt in den letzten Tagen gesagt hat – Kollege Kassegger, das ist fundamental das Gegenteil von dem, was Sie sagen –, Russland hat imperialistische Züge. Es ist Russland der Aggressor. Es gibt auch in Europa Bedrohungslagen „durch Desinformation, durch Cyberangriffe“ und interessanterweise – das sagt Brieger – durch russische „Finanzierung bestimmter Gruppen“. – Ich weiß nicht, wen er da meint, aber es ist sehr interessant, was General Brieger sagt. (👏 ÖVP) Ich kann das nur unterstreichen, was Kollege Hoyos auch gesagt hat. Ihr habt das bis heute nicht gesagt, aber Brieger sagt es, der ja von eurer Partei kommt: dass Russland der Aggressor ist. Ihr bringt es nach wie vor nicht über die Rampe. Das ist wirklich beschämend. (👏 ÖVP, NEOS) Zum Landesverteidigungsbericht zurückkommend: Wie gesagt, die Zusammenfassung bringt es deutlich auf den Punkt. Der Weg, der eingeschlagen ist, ist der richtige. Er zeigt in die richtige Richtung. Wir haben vieles zu tun, vor allem auch im personellen Bereich. Im infrastrukturellen Bereich wird vieles gemacht. Im Übrigen: Die Frau Bundesminister war letzte Woche bei x Übergaben, wo dann auch von eurer Partei viele Gesichter zu sehen waren. Sie haben sich mit abfeiern lassen – machen tut es aber die Frau Minister und die Regierung, und das werden wir auch in Zukunft tun. – Danke sehr. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Mario Lindner . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Mario Lindner

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich darf auch zum Landesverteidigungsbericht 2024/2025 sprechen, genauer gesagt zum Punkt 7.1.2.2. Da geht es um die leichten Mehrzweckhubschrauber – vielleicht jetzt nicht verwunderlich für einige Kolleginnen und Kollegen –, und ich darf vorweg sagen: Ich finde das gescheit, wichtig und sinnvoll. Wie Sie wahrscheinlich alle wissen, werden wir 36 dieser leichten Mehrzweckhubschrauber der Type AW169 beschaffen. Leider ist die Alouette III – und das ist wirklich eines der bekanntesten Hubschraubermodelle, die wir beim Bundesheer gehabt haben – damit ausgeschieden. 2022 wurde den Luftstreitkräften der erste Hubschrauber übergeben. Die Lieferung der insgesamt 36 ist bis 2028 abgeschlossen. Wir nehmen dafür über 800 Millionen Euro in die Hand. Zwölf Hubschrauber werden am Fliegerhorst Fiala-Fernbrugg in Aigen stationiert und 24 Hubschrauber kommen nach Langenlebarn. An dieser Stelle darf ich mich ganz herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesheeres, nämlich bei der Kaserne in Aigen, ganz speziell für ihre großartige Tätigkeit bedanken. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Einsatzmöglichkeiten dieses Hubschraubers reichen von Truppentransporten, Katastrophenhilfe und Notfallmaßnahmen über Brandbekämpfung, Bergrettung und medizinische Evakuierungsflüge bis hin zum Notarzthubschrauber. Wenn ich es richtig im Kopf habe, Frau Bundesministerin, sind es ja drei Hubschrauber, die quasi zu einem Notarzthubschrauber umgebaut werden. Wie wichtig die Investitionen in die Hubschrauber sind, merkt man auch, wenn man eine Bundesheerkaserne in einer ganzen Region hat, so wie bei uns im Bezirk Liezen. Da geht es wirklich um hoch qualifizierte Arbeitsplätze, da geht es aber auch um die Wirtschaft in der ganzen Region, die davon profitiert, dass wir diese Kaserne haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich war 2021 – das wäre schön, denn dann wäre ich wirklich noch jung –, 2001 Grundwehrdiener. Vielleicht an die FPÖ gerichtet: Auch schwule Männer können ihren Dienst beim Bundesheer ableisten – wahrscheinlich sind diese schwulen Grundwehrdiener männlicher als dieser ganze rechte Sektor da bei uns auf der rechten Seite im Parlament. Bei meinem Grundwehrdienst, Frau Bundesministerin, habe ich noch die Naca-Berichte geschrieben, sprich die Einsatzprotokolle für den Hubschrauber, denn damals war nämlich der Notarzthubschrauber noch beim Bundesheer. Ich würde mich schon sehr darüber freuen, wenn wir vielleicht diese Diskussion wieder einmal aufnehmen, ob nicht das Bundesheer auch den Dienst des Notarzthubschraubers – dort, wo es geht – wieder übernimmt. In diesem Sinne, Frau Bundesministerin, danke für den Bericht. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Maria Neumann . Ich stelle die Redezeit auf 4 Minuten ein.

SPÖ Petra Oberrauner

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Wir sagen Ja zum Schutz der Menschen in Österreich! Wir sagen Ja zu einer wehrhaften Neutralität und wir sagen Ja zu Sky Shield als wichtige europäische Infrastruktur und Initiative – und deshalb sagen wir ganz klar Nein zum Antrag der FPÖ! Der vorliegende Landesverteidigungsbericht zeigt deutlich, dass die Welt um uns herum unsicher geworden ist: Krieg in Europa, Krieg im Nahen Osten, die potenzielle Bedrohung aus der Luft durch Drohnen, Raketen und andere Flugkörper nimmt zu; Terroristen und fehlgeleitete Drohnen gefährden ebenfalls unsere Sicherheit. Der Landesverteidigungsbericht zeigt: Es ist absolut notwendig, dass unser Bundesheer die Bedrohungen wirkungsvoll bekämpfen und die Bevölkerung schützen kann. Durch die Teilnahme an Sky Shield kommen wir dieser Verantwortung nach – und ja, unsere Neutralität bleibt unangetastet. Sky Shield ermöglicht es uns, die Menschen in Österreich schnell und wirksam zu schützen und unsere Neutralität aktiv zu verteidigen. Wir entscheiden weiterhin souverän über den Einsatz unserer Luftabwehrsysteme, es gibt keine fremden Soldaten auf unserem Boden und Österreich muss sich an keinen militärischen Einsätzen beteiligen. Das haben wir bei unserem Beitritt zu Sky Shield festgelegt, wie übrigens auch die Schweiz, die bekannterweise ebenfalls neutral und auch bei Sky Shield dabei ist. Durch die gemeinsame Beschaffung mit anderen europäischen Staaten profitieren wir von günstigeren Preisen, schnellerer Lieferung und effizienten Wartungsstrukturen. Das ist militärisch sinnvoll und finanziell vernünftig. Der Antrag der FPÖ zu Sky Shield beruht auf falschen Behauptungen, ergibt militärisch, finanziell und neutralitätspolitisch keinen Sinn und schwächt den Schutz und die Sicherheit Österreichs. Deshalb lehnen wir diesen Antrag der FPÖ ab. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Manfred Hofinger – für 4 Minuten.

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren heute den Landesverteidigungsbericht 2024/2025, und das ist ein Erfolgsbericht. Das Bundesheer wird gestärkt, das Sicherheitsgefühl der österreichischen Bürgerinnen und Bürger wird gestärkt – und das ist in Zeiten wie diesen besonders wichtig. Es zeigt, welchen Stellenwert das Bundesheer bei der jetzigen Bundesregierung hat. Es wird kräftig investiert! Die notwendigen Investitionen, die getätigt werden, sind deswegen notwendig, weil es die geopolitische Großwetterlage einfach erfordert. Es gibt den Angriffskrieg Russlands, es gibt Krisen im Nahen Osten, aber genauso macht es die Unberechenbarkeit von geopolitischen Akteuren, wie zum Beispiel den USA, notwendig, dass auch die EU ihre Sicherheitsstrategien wieder neu aufstellt. Österreich ist genauso gefordert, für die Sicherheit zu sorgen und kräftig zu investieren – was wir auch machen. Schlussendlich hat eine Investition nichts mit der Neutralität zu tun. Österreich rüstet kräftig auf und hat es mit einem guten Gesetz geschafft, auch in die Zukunft zu investieren: mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz, mit der Mission vorwärts und mit dem Aufbauplan 2032 plus schaffen wir es, Investitionen zu tätigen. In welche Bereiche wird hauptsächlich investiert? – In die Mobilität: Es werden Hubschrauber angekauft, gepanzerte Fahrzeuge, aber genauso Transportflugzeuge – die C-390 ersetzt die Hercules und damit ist ein Qualitätssprung in den Luftstreitkräften gelungen. Es wird aber auch kräftig in die Infrastruktur investiert – da sind wir ziemlich weit hinten. Das muss geschehen und da sind wir gut unterwegs. Damit schaffen wir es vor allem, dass das Bundesheer attraktiver wird. Ich hatte letzte Woche in meiner Funktion als Bürgermeister eine Einladung vor Stellungspflichtigen in meiner Gemeinde; die berichten mir schon, dass sie gerne zum Bundesheer gehen und sie auch spüren, dass sich etwas tut. Es waren HTL-Schüler dabei, die dort auch die Möglichkeiten sehen, sich weiterzuentwickeln. Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg; wenn man das hört, freut einen das wirklich sehr. Zwei regionale Projekte möchte ich noch herausgreifen: Als regionaler Abgeordneter von Oberösterreich möchte ich darauf hinweisen, dass auch sehr stark in die Infrastruktur in Oberösterreich investiert wird, unter anderem in den Fliegerhorst in Hörsching, wo in den nächsten Jahren 1,2 Milliarden Euro investiert werden: in die Unterkünfte, die neuen Hangars, weil dort die Hubschrauber beziehungsweise auch die Transportflugzeuge C-390 stationiert werden – womit Hörsching ein großer Punkt, ein wichtiger Punkt, ein Herzstück für die Luftstreitkräfte in Österreich sein wird – und in meine Zehner-Kaserne in Ried, Panzergrenadierbataillon 13, was mich sehr freut. Dort konnten wir letzte Woche am Montag mit der Frau Bundesministerin feierlich das Kommandogebäude eröffnen, das ist ein großer Schritt in Richtung der Sanierung der Kaserne. Wir haben gleichzeitig dann einen Spatenstich dort gefeiert, wo wir die Gleisanschlüsse umbauen und die Unterkünfte neu gestalten werden. Ein herzliches Dankeschön, Frau Bundesminister! Mit deiner Konsequenz und Umsetzungsfreude und deinem Gestaltungswillen haben wir es geschafft, dass wir diese Finanzierung und diese Sanierungen vorantreiben können. Geschätzte Damen und Herren, Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Österreich rüstet nicht auf, Österreich rüstet nach – für die Herausforderungen von heute, für die Sicherheit von morgen, für ein starkes, ein wehrhaftes Österreich. – Herzlichen Dank.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Petra Tanzler . – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

SPÖ Petra Tanzler

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Zu Beginn möchte ich mich für die Erstellung des Landesverteidigungsberichts bedanken. Laut diesem kommt der schwierigen Personalsituation die höchste Priorität zu, und auf diese möchte ich Bezug nehmen. Beim Personalstand wirken sich derzeit, wie in allen anderen Berufsfeldern auch, die geburtenstarken Jahrgänge der 60er-Jahre besonders aus: Sie treten in den Ruhestand, sie fehlen, sie müssen nachbesetzt werden. Im Rahmen des Aufbauplans 2032 plus wurde bereits eine Vielzahl an Maßnahmen eingeleitet, die auch positiv wirken, aber es besteht immer noch ein großer Bedarf. In diesem Zusammenhang wird auch erwähnt, dass daher das Potenzial der weiblichen Staatsbürger besser auszunutzen wäre – seit 1998 können ja Frauen auf freiwilliger Basis den militärischen Dienst im Bundesheer leisten. Laut Bericht sind sie heute ein integrierter und unverzichtbarer Bestandteil davon. Der Anteil hat sich seit damals fast verzehnfacht. Die Maßnahmen der Frauenförderung im Speziellen sind zwar Gegenstand eines anderen Berichts, aber ich sehe das im Wesentlichen in Zusammenhang mit der Personalgewinnung in diesem Bericht. Diese Maßnahmen betreffen zum Beispiel die Tatsachen, dass die Hürden bei der Kaderausbildung überwunden werden können, dass es eine Erleichterung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt – sprich Kinderbetreuung – und dass man Frauen eine spezifischere Ausbildung und Förderung und auch eine Unterstützung durch Mentorinnen zukommen lassen kann. Auch die Teilnahme am Girls Day und noch vieles mehr sind Aktionen, um sichtbarer zu werden. Man kann schon erkennen, dass vieles für die Personalgewinnung getan wird. In einem weiteren Bezug dazu und auch zur Attraktivierung dieses Berufsstands sehe ich auch den Aus- und Zubau der Milak in Wiener Neustadt, wo ich letzte Woche gemeinsam mit Ihnen beim Festakt zur Neueröffnung des Wirtschaftsgebäudes und des neuen Unterkunftsgebäudes dabei sein durfte. Es braucht meiner Meinung nach nicht nur die Maßnahmen zur Reform und zum Aufbau der Einsatzfähigkeiten im Bereich Personal, um attraktiv zu bleiben und zu werden, sondern auch Investitionen in die baulichen Bestände und die Modernisierung der baulichen Bestände – in diesem Fall jener der ältesten Militärakademie der Welt, und darüber freue ich mich. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als nächster Redner ist Herr Abgeordneter Paul Stich zu Wort gemeldet. – Ich stelle Ihre Redezeit auf 3 Minuten ein, Herr Abgeordneter.

SPÖ Paul Stich

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, sofern Sie zu dieser späten Stunde noch auf sind! Die geopolitischen Konflikte auf der Welt spitzen sich zu, nicht zuletzt durch neu oder wieder aufs politische Parkett kommende scheinbare Kriegstreiber wie Donald Trump. Das zeigt sich in Debatten hier im Haus, das zeigt sich auch im Landesverteidigungsbericht, und das ergibt einerseits ganz viel an militärstrategischer Denkaufgabe und auf der anderen Seite aber auch vielfältige Aufgaben für das österreichische Bundesheer. Wenn wir über die geopolitischen Ereignisse sprechen, gilt es aus unserer Sicht vor allem eines herauszustreichen: dass es Krieg immer und überall mit allen Mitteln zu verhindern gilt. Es ist traurig, dass wir in einer Welt leben, in der diese Einschätzung nicht von allen und nicht überall geteilt wird, denn für manche scheint Krieg vielmehr wie eine Art Schachspiel zu sein. Die sitzen dann vor dem PC auf Twitter, meistens in ruhigen, recht gut geschützten Räumen, und diskutieren darüber, ob man nicht vielleicht doch irgendwo ein paar Leute opfern soll, quasi wie einen Bauern beim Schach irgendwo vorziehen sollte, um kurzfristig Menschen zu opfern, um langfristig daraus einen strategischen Vorteil zu ziehen. Ich glaube, gerade in diesem Zusammenhang ist es wichtig, da auch einen sehr bewussten Kontrastpunkt zu setzen, denn Krieg bringt Leid, Tod und Zerstörung, bringt Wunden in Familien, die über Generationen da sind, und wer beginnt, tote Zivilist:innen aufzurechnen, um daraus Legitimation für weitere Angriffe oder Tote zu schaffen, der wird menschlich am Ende des Tages immer verlieren. (👏 SPÖ) Denn: Wie fühlt sich Krieg für diejenigen an, die ihn hautnah erleben? – Die meisten von uns, und zum Glück auch ich, können diese Frage nicht persönlich beantworten. Deshalb will ich mich der Worte der persönlichen Erinnerung von Almasa Salihović bedienen, einer Überlebenden des Massakers von Srebrenica und Mitarbeiterin im Srebrenica Memorial Center, die sie gestern im Rahmen einer sehr würdigen Gedenkveranstaltung hier im Parlament hat ausführen können. Sie sagt ganz konkret über die Schrecken des Krieges – ich zitiere –: Meine Mutter, meine Schwester und ich mussten mit ansehen, wie Männer und Jungen von den Soldaten getrennt wurden. Ich erinnere mich an das Schreien, an das Flehen, an die Hilflosigkeit. Mein Bruder Abdullah wurde nie wieder gesehen. Er war erst 18 Jahre alt. Er hatte versucht, mit meiner Schwester die Basis zu verlassen, wurde aber festgenommen. Aus ihrem Bericht weiß ich, sie sahen sich noch einmal an, bevor er abgeführt wurde. Sie wusste es, er wusste es, und nun weiß auch ich es: Das war ihr letzter Abschied. – Zitatende. Diese durchwegs berührenden Worte sind für uns aus meiner Sicht Handlungsauftrag auf zwei Ebenen: zum einen, weil das österreichische Bundesheer – und hier schließt sich zu einem gewissen Grad der Kreis – seit Jahrzehnten ja auch Friedenstruppen in Bosnien stellt, um den Frieden von 1995 abzusichern, was ein sehr gutes Beispiel dafür ist, wie man ganz besonders auch als neutraler Staat einen wichtigen Beitrag in der internationalen Gemeinschaft leistet, ganz besonders in einer Situation, in der sich auch in Bosnien innenpolitisch die Lage durchwegs zuspitzt; und zum anderen, weil es natürlich auch ein politischer Auftrag ist, der untrennbar mit der militärischen Debatte, die wir hier führen, verbunden ist, nämlich dass wir sehen, dass die Tendenz immer mehr wieder dahin geht, dass Krieg und außenpolitisch-militärische Schläge zu einem tolerierten Mittel der globalen Außenpolitik werden. Diese Entwicklung ist brandgefährlich, und wir werden im Rahmen dieser Plenartage auch noch über die Kandidatur Österreichs für den UN-Sicherheitsrat sprechen. Lassen Sie mich nur so viel vorgreifen: Ich halte das für einen guten, richtigen und wichtigen Schritt, damit die Stimmen der Deeskalation und der friedlichen Koexistenz ganz besonders im Sinne der österreichischen Neutralitätspolitik auch international wieder gestärkt werden (👏 SPÖ), damit Soldaten dieser Welt – egal ob im österreichischen Bundesheer oder in allen anderen Heeren – die Schlachtfelder weiterhin nur aus den Geschichtsbüchern kennen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Gerhard Kaniak . – Die Restredezeit Ihrer Fraktion beträgt 4 Minuten.

FPÖ Gerhard Kaniak

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Hohes Haus! Ja, wir haben es heute schon öfter gehört: Die Zeiten haben sich geändert. Die Zeiten der Friedensdividende und in denen bei der Landesverteidigung gespart werden kann, sind schon lange vorbei, und wir sind international mit einer Vielzahl von militärischen Konflikten konfrontiert, die auch auf eine neue Art und Weise geführt werden. Ein ganz besonderes Bedrohungsszenario in diesen modernen Konflikten betrifft auch Angriffe aus der Luft: Drohnen, Gleitbomben, Marschflugkörper, Raketen, teilweise auch mit Hyperschallgeschwindigkeit, sind in einer Art und Weise und in einer Häufung und auch Qualität eingesetzt worden, wie das bis vor wenigen Jahren noch unvorstellbar war. Natürlich braucht es zur Abwehr dieser Gefahrenlage die entsprechenden Fähigkeiten und Kapazitäten, und die Freiheitliche Partei bekennt sich ganz klar zum Aufbau dieser Abwehrfähigkeiten auch innerhalb des österreichischen Bundesheers. Die Freiheitliche Partei bekennt sich aber auch ganz klar zur verfassungsrechtlichen Neutralität Österreichs. Deshalb, Frau Ministerin, ist aus unserer Sicht der Beitritt zur European-Sky-Shield-Initiative der falsche Weg, nämlich der neutralitätswidrige. Das ist nicht nur unsere Einschätzung, sondern wir haben auch zwei völkerrechtliche Gutachten – die Ihnen von Ausschussobmann Reifenberger schon mehrfach vorgelegt und die auch vielfach zitiert worden sind –, die unabhängig voneinander erstellt wurden und die belegen, dass diese Initiative völkerrechtlich nicht mit unserer Neutralität kompatibel ist. Warum ist das so? – Es steht ja auch allein schon in der Absichtserklärung, die Sie unterschrieben haben, drinnen, dass die Sky-Shield-Initiative der Stärkung der europäischen Säule der integrierten Luft- und Raketenabwehr der Nato dient und dass ein gemeinsamer Betrieb dieser Systeme vorgesehen ist – nicht nur eine gemeinsame Beschaffung, so wie das vielfach zitiert worden ist, sondern auch der gemeinsame Betrieb, und auch die vorgelagerten Systeme und Strukturen müssen gemeinsam betrieben werden. Beides – der Betrieb der Luftabwehreinrichtungen und der vorgelagerten Systeme – ist neutralitätswidrig und verträgt sich deshalb mit unserer Verfassung nicht. (👏 FPÖ) In den zusätzlichen Erklärungen, den zusätzlichen Bedingungen, die Sie unterschrieben haben, ist sogar ein Passus drinnen, in dem steht, dass Österreich aus neutralitätsrechtlichen Gründen von bestimmten Verpflichtungen dieser Vereinbarung zurücktreten kann, um seine Neutralität im Krisenfall zu wahren. Nur: Wenn eine Bestimmung, eine vertragliche Verpflichtung im Krisenfall neutralitätswidrig ist, dann ist sie auch im Friedensfall schon neutralitätswidrig, denn die Neutralität gilt im Frieden wie im Krieg gleichermaßen. Die gilt nicht nur im Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung. Das heißt, Sie haben die Erklärung ja selber mitgeliefert. (👏 FPÖ) Nichtsdestotrotz sehe ich die wahren Herausforderungen nicht in der Beschaffung. Die kann Österreich ja auch ganz anders lösen, nämlich gar nicht allein und eigenständig und schon gar nicht zum Schaden der Steuerzahler – immerhin sind andere große europäische Staaten wie Spanien, Frankreich oder Italien ja auch nicht dieser Sky-Shield-Initiative beigetreten, und wir haben gerade auch mit Italien ausgezeichnete Erfahrungen im Bereich der gemeinsamen Beschaffung, auch im Bereich der gemeinsamen Ausbildung. Da könnte man – neutralitätskonform – auch europäisch gemeinsame Beschaffung und Ausbildung machen, ohne dass wir neutralitätsrechtliche Probleme hätten. Das wissen Sie auch, ich weiß es, und das wäre der von der FPÖ vorgeschlagene Weg, den Sie ganz einfach verwirklichen könnten. Zu lösen bleibt trotzdem noch das Problem der Personalgewinnung, der Aufbau neuer Einheiten, die Struktur für die neuen Einheiten. Diese ganze Kompetenz und auch die Integration dieser Fähigkeiten in das restliche Verteidigungskonzept muss natürlich neu geschaffen werden. Da warten die tatsächlichen Herausforderungen, und natürlich braucht es auch noch die entsprechende finanzielle Abdeckung für die Abwehr über lange Reichweiten. Auch das wissen Sie, aber auch da haben Sie bei der FPÖ eine verlässliche Unterstützung bei den Forderungen nach zusätzlichen finanziellen Mitteln. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als vorläufig letzte Rednerin wurde mir Frau Abgeordnete Meri Disoski gemeldet. – Ich stelle die Redezeit auf 5 Minuten ein, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Frau Ministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, die Sie unserer Debatte zu dieser späten Stunde vielleicht doch noch folgen! Wir sind beim Landesverteidigungsbericht 2024/25, und dabei behandeln wir auch einen Antrag der FPÖ zur Europäischen Friedensfazilität mit – das ist kurz gesprochen die Finanzierung der gemeinsamen Sicherheits- und Außenpolitik der Europäischen Union; darum geht es bei dieser Friedensfazilität. Die Zahlungen, die Österreich im Rahmen dieser Friedensfazilität an die Ukraine leistet, sind natürlich keineswegs neutralitätswidrig. Das ist ausjudiziert, das ist ganz glasklar. Die FPÖ behauptet einmal mehr in ihrem Antrag und auch in den Debattenbeiträgen das Gegenteil, aber es stimmt einfach nicht.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wo ist das bitte ausjudiziert? Vom Salzamt kann das höchstens ausjudiziert sein!

GRÜNE Meri Disoski

… Das ist schon fragwürdig, dass Sie hier faktenwidrig argumentieren. Was aber politisch viel fragwürdiger ist, ist, dass die FPÖ einen Antrag einbringt, mit dem der Ukraine jede Hilfe gestrichen werden soll, jenem Land, das brutal und völkerrechtswidrig angegriffen wird. Sie wollen einfach die Hilfe für die Ukraine streichen. Ich habe schon vor langer Zeit damit aufgehört, zu zählen, wie viele Putin-freundliche Initiativen Sie, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, hier in diesem Hohen Haus einbringen.

FPÖ Leinfellner (Zwischenruf)

Neutralität ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Sie machen das am laufenden Band. Ich bin sicher, der nächste Kniefall vor Putin wird nicht lange auf sich warten lassen, weil Freundschaftsverträge verpflichten.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das hat mit Putin gar nix zu tun! Das ist das Geld österreichischer Steuerzahler!

GRÜNE Meri Disoski

… Aber statt uns hier jetzt weiter mit Ihrer fragwürdigen Russlandpolitik, die wir leider sehr intensiv verfolgt haben und kennen, zu befassen, will ich darüber reden, was wir tun müssen, um die Ukraine weiterhin zu unterstützen. Eines steht doch bitte außer Frage: Die Ukraine braucht dringend unser aller Unterstützung, finanziell, politisch und auch wirtschaftlich.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Soldaten gehen ihnen aus! ... Kinder, Verwandte!

GRÜNE Meri Disoski

… Das wird evident, wenn Sie die Berichte verfolgen, wenn Sie sich die Berichterstattung anschauen. Russland verübt täglich neue Angriffe, brutale Angriffe auf Wohngebiete, auf zivile Infrastruktur und auf Krankenhäuser, und das sind keine Kollateralschäden, das sind gezielt verübte Kriegsverbrechen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Unsere Antwort darauf muss mehr sein als Symbolpolitik. Wir müssen Russlands Möglichkeiten, diesen völkerrechtswidrigen, brutalen Angriffskrieg zu finanzieren, mit allen Mitteln, die wir haben, aktiv einschränken.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

... mit allen Mitteln!

GRÜNE Meri Disoski

… Ein fortgesetzter Import von russischem Gas oder auch von russischem Öl, der Milliarden in Putins Kriegskassen spült, steht ganz klar in einem Widerspruch dazu. Wir Grüne unterstützen deshalb den Vorschlag der EU-Kommission, alle russischen Energieimporte bis spätestens 2027 zu beenden, denn Putin, das wissen wir, führt seinen Krieg nicht nur mit Panzern und Raketen oder Drohnen, er führt diesen Krieg auch mit Gasleitungen – Energie, das ist seine Waffe.

FPÖ Leinfellner (Zwischenruf)

Fotovoltaik ...!

GRÜNE Meri Disoski

… Und was macht die Bundesregierung angesichts dieser Tatsachen? – Lavieren, zaudern, Hintertüren offenhalten, weil sie sich nicht einig ist, wie sie mit dem Ausstieg aus russischem Öl und Gas umgehen soll. Während Außenministerin Meinl-Reisinger richtigerweise festhält, dass wir von Russland nie wieder, weder energiepolitisch noch in anderer Hinsicht, abhängig sein dürfen, denkt ÖVP-Staatssekretärin Zehetner über eine Rückkehr zu russischem Gas nach …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sauber, billig!

GRÜNE Meri Disoski

… und das ausgerechnet an dem Tag, als der ukrainische Präsident Selenskyj in Wien ist; ausgerechnet an dem Tag macht sie das. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer hat genauso wie Kanzler Stocker im EU-Hauptausschuss und im EU-Unterausschuss den Importstopp abgelehnt. Sie haben sinngemäß ausgeführt, Sie wollen sich nichts verbauen …

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Zur Sache, Frau Kollegin!

GRÜNE Meri Disoski

… für den Fall, dass Russland in absehbarer Zeit wieder demokratisch werde. Diese Uneinigkeit in der Koalition ist nicht nur peinlich, sie schwächt Österreichs Glaubwürdigkeit auf europäischer Ebene. Sie ist energiepolitisch, sicherheitspolitisch fahrlässig, europa- und außenpolitisch ein schwerer Fehler. (👏) Deshalb fordern wir Grüne heute einmal mehr, nachdem wir es in den Ausschüssen schon gemacht haben, eine klare Haltung der Regierungsparteien statt energiepolitische Hintertüren, mit denen wir Putins Kriegskassen weiter füllen. Ich bringe deshalb folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundeskanzler sowie der Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus, werden aufgefordert, die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte sowie die damit einhergehende Zielsetzung, alle Öl- und Gasimporte aus Russland bis spätestens 2027 komplett und ohne zeitliche Befristung zu stoppen, sowohl im Zusammenhang mit Diskussionen im Kontext des Europäischen Rates sowie im Rahmen des Gesetzgebungsverfahren im Rat und in dessen vorbereitenden Gremien aktiv zu unterstützen.“ Kolleginnen und Kollegen! Putins Macht beruht auf Abhängigkeit ( Unruhe im Saal – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und Österreich darf nicht Teil dieses Systems bleiben. Solidarität mit der Ukraine zeigt sich nicht nur in Worten, sondern auch in Entscheidungen. Treffen Sie, Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsparteien, heute gemeinsam mit uns Grünen die richtige Entscheidung und stimmen Sie für die Beendigung russischer Energieimporte! (👏) 23.55 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/213.1 Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte (100/UEA) Präsident Peter Haubner : Der von der Frau Abgeordneten vorgelesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. ( Unruhe im Saal. – Der Präsident gibt das Glockenzeichen. ) – Wir sind im Abstimmungsvorgang. RN/214.1 Wir kommen jetzt zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 25: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, den Landesverteidigungsbericht 2024/2025 gemäß Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz, vorgelegt von der Bundesministerin für Landesverteidigung, III-168 der Beilagen, zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die für dessen Kenntnisnahme eintreten, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist einstimmig der Fall, angenommen. RN/214.2 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 26: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 105 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/214.3 Schließlich gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 27: Antrag des Landesverteidigungsausschusses, seinen Bericht 106 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hierzu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/214.4 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Meri Disoski , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Unterstützung des Vorschlags der Europäischen Kommission zur Beendigung russischer Energieimporte“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind (Abg. Ottenschläger [ÖVP] – in Richtung Grüne –: Mehr werden es nicht! – Abg. Sieber [ÖVP]: Wo sind die restlichen Grünen?), um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Präsidium, 35. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 23:57