XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

30. Sitzung des Nationalrats

16. Juni 2025

4Beschlüsse
4Angenommen
0Abgelehnt
30. Nationalratssitzung

Budgetbegleitgesetz 2025

100 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 69 und Zu 69 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat das Budgetbegleitgesetz 2025 (100 d.B.) abgelehnt. Damit treten die vorgesehenen umfangreichen Änderungen in zahlreichen Bundesgesetzen – von Familien- und Sozialleistungen über Steuer- und Abgabenrecht bis zu Justiz-, Bildungs-, Medien- und Klimaregelungen – nicht in Kraft.

Betroffen wären u. a. Familien und Leistungsbezieher:innen, Pensionist:innen, Arbeitnehmer:innen und Unternehmen, Gemeinden, Universitäten und Bildungseinrichtungen, ORF/Medien, Justiz und Sozialversicherungsträger sowie Steuerpflichtige (insbesondere bei Immobilien- und Stiftungsbesteuerung) gewesen.

Ziel war vor allem die Budgetkonsolidierung 2025–2029 durch Einsparungen, Aussetzungen von Valorisierungen und strukturelle Anpassungen sowie flankierend einzelne Reform- und Entlastungsmaßnahmen (z. B. Kommunalinvestitionen vereinfachen, Klimacheck/Green Budgeting, Share-Deal-Schließung, USt-Befreiung für Verhütungsmittel und Frauenhygieneartikel).

Dokumente

Budgetbegleitgesetz 2025

Überblick und Zielsetzung (Budgetbegleitgesetz 2025)

  • Umfassendes Sammelgesetz mit Änderungen in zahlreichen Materien (u.a. Parteienrecht, Familienleistungen, Bildung, Dienstrecht, Medien, Wissenschaft/Forschung, Justiz, Soziales/Gesundheit, Finanzen/Steuern, Wirtschaft/Energie, Land- und Forstwirtschaft sowie Klima/Umwelt).
  • Zentrale Leitmotive: Budgetkonsolidierung/Einsparungen, Verwaltungsvereinfachung, Anpassungen an Ressortzuständigkeiten (Bundesministeriengesetz-Novelle 2025), punktuelle Strukturreformen (z.B. Erwachsenenbildung, Strafvollzug, Kommunalinvestitionen) sowie einzelne sozial- und steuerpolitische Maßnahmen.

1. Abschnitt: Parteienrecht und Bundesstatistik

  • Parteien-Förderungsgesetz 2012: Aussetzung der Valorisierung der Parteienförderung für 2026; Sicherstellung, dass die ausgesetzte Erhöhung in Folgejahren nicht nachträglich „aufgeschlagen“ wird.
  • Parteiengesetz 2012: Umstellung der Quartalsmeldungen über eingelangte Einzelspenden auf einen jährlichen Melderhythmus.
  • Bundesstatistikgesetz 2000: Erhöhung des jährlichen Pauschalbetrags für die Bundesanstalt Statistik Austria ab 2026 um 13 Mio. EUR zur Erfüllung gesetzlicher Aufgaben und EU-Verpflichtungen.

2. Abschnitt: Familien

  • Familienlastenausgleichsgesetz 1967, Kinderbetreuungsgeldgesetz, Familienzeitbonusgesetz: Aussetzung der seit 1.1.2023 bestehenden automatischen jährlichen Valorisierung (an den Pensionsanpassungsfaktor nach § 108f ASVG gekoppelt) für die Kalenderjahre 2026 und 2027; Begründung: nach Erhöhungen 2023 (5,8%), 2024 (9,7%), 2025 (4,6%) liegen Leistungen gegenüber 2022 insgesamt um 21,4% höher; Budgetdruck erfordert Aussetzung, um Niveau 2025 zu halten und Leistungskürzungen zu vermeiden.
  • Erhöhung der Schulfahrtbeihilfe ab Schuljahr 2026/27 sowie der Fahrtenbeihilfe für Lehrlinge ab 1.1.2026.
  • Erhöhung des Selbstbehalts bei Schülerfreifahrten und Freifahrten für Lehrlinge ab Schuljahr 2026/27 von 19,60 EUR auf 29,60 EUR.

3. Abschnitt: Bildung

  • Vertragsbedienstetengesetz 1948, Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz, Landesvertragslehrpersonengesetz 1966: Reduktion der verfügbaren Ressourcen für pädagogisch-administrative Assistenz an allgemein bildenden Pflichtschulen.

4. Abschnitt: Dienstrecht

  • Gehaltsgesetz 1956 und Vertragsbedienstetengesetz 1948: „Sanierung“ der Vordienstzeitenregelung (Anpassungen zur Berechnung/Anrechnung von Vordienstzeiten).

5. Abschnitt: Medienrecht

  • WZEVI-Gesetz: Reduktion der vorgesehenen Ausgleichsleistungen für 2025 und 2026 im Rahmen bundesweiter Einsparungsmaßnahmen.
  • ORF-Gesetz: Teilweiser Entfall von Kompensationen; mehr Flexibilität für den ORF im Umgang mit Widmungsrücklage und Sperrkonto.

6. Abschnitt: Wissenschaft und Forschung

  • Universitätsgesetz 2002: Anpassungen zur Erreichung von Sparvorgaben; Ausgangslage Universitätsbudget 2025–2027 insgesamt 16 Mrd. EUR (15,54 Mrd. EUR nach § 12 Abs. 2 UG plus 460 Mio. EUR weitere gesetzliche Verpflichtungen); zur Erreichung der Vorgaben des in Aussicht genommenen BFRG 2025–2029 sind Einsparungen von rund 129 Mio. EUR vorgesehen.
  • Bundesgesetz über die Förderung der Erwachsenenbildung und des Volksbüchereiwesens: Eingliederung der Institutionen/Strukturen „Level Up – Erwachsenenbildung“, „Ö-Cert“, EB-Portal sowie Weiterbildungsakademie Österreich (WBA) in das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (BIFEB).
  • Ziele der Eingliederung: Bündelung, Effizienzsteigerung, Qualitätssicherung, stärkere strategische Ausrichtung, bessere Steuerungsmöglichkeiten und ressourcenschonende Zusammenführung bisher parallel geführter Einrichtungen; Sicherung und Stärkung der Wirkung der Aufgaben; Stärkung des BIFEB durch zusätzliche Aufgabenfelder und Standorte.
  • Inhaltliche Rollen der eingegliederten Einheiten: Level Up/Ö-Cert (Akkreditierung/Zertifizierung und Monitoring), EB-Portal (Informations- und Medienplattform zur Erwachsenenbildung), WBA (anbieterunabhängige Standards, Zertifizierung und Kompetenzanerkennung inkl. Validierung formal/non-formal/informell erworbener Kompetenzen).

7. Abschnitt: Justiz

  • ABGB und Außerstreitgesetz (Erwachsenenvertretung): Verlängerung der Frist für die verpflichtende Überprüfung der gerichtlichen Erwachsenenvertretung von 3 auf höchstens 5 Jahre; im Erneuerungsclearing Entfall des obligatorischen Clearings zur flexibleren, an die Lebenssituation angepassten Vorgangsweise.
  • Notariatsordnung und Rechtsanwaltsordnung (Erwachsenenvertretung): Als „Notmaßnahme“ Wiederherstellung der Rechtslage vor 1.7.2018, sodass Notare und Rechtsanwälte grundsätzlich auch dann zur Übernahme gerichtlicher Erwachsenenvertretungen verpflichtet sind, wenn nicht vorwiegend Rechtskenntnisse erforderlich sind (Sicherstellung ausreichender geeigneter Personen).
  • Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetz/Beamten-Dienstrechtsbezüge (Gerichtspraxis): Maßvolle Verkürzung der Dauer der Gerichtspraxis von 7 auf 5 Monate als Beitrag zur Budgetsanierung bei Sicherung qualitätsvoller Aus- und Vorbildung.
  • Strafvollzugsgesetz und Strafgesetzbuch (Haftentlastung/Resozialisierung): Umsetzung von Reformschritten zur Entlastung der Haftsituation, insbesondere durch Ausweitung des elektronisch überwachten Hausarrests (eH) und Maßnahmen zur Forcierung der bedingten Entlassung.
  • Elektronisch überwachter Hausarrest: Erweiterung auf (voraussichtlich noch) zu verbüßende Freiheitsstrafen bis zu 24 Monaten; ausgenommen bleiben Strafen wegen schwerer Gewalt- oder Sexualdelikte oder terroristischer Strafsachen; Aufnahme von Informationen zur eH-Antragstellung samt Voraussetzungen bereits in die Strafantrittsaufforderung.
  • Bedingte Entlassung: Entfall des § 46 Abs. 2 StGB; stärkere Berücksichtigung von Erfahrungen aus Vollzug und Entlassungsvorbereitung; Einrichtung von Senaten mit fachkundigen Laienrichterinnen und Laienrichtern für Entscheidungen (insb. bedingte Entlassung und zusammenhängende Anordnungen) bei Strafzeiten über 3 Jahren sowie bei lebenslangen Freiheitsstrafen.
  • Sicherheit/Ordnung in Anstalten: Rechtsgrundlagen/Erweiterungen für technische Einrichtungen zur Auffindung von Mobiltelefonen, Frequenzstörung, Erweiterung des Katalogs der Dienstwaffen sowie Einsatz von Bodycams.

8. Abschnitt: Soziales und Gesundheit

  • Sozialversicherung (ASVG, GSVG, BSVG, B-KUVG) und Pensionsrecht (APG, Pensionsgesetz 1965 sowie Sonderpensionsgesetze inkl. Bundestheater- und Bundesbahn-Pensionsgesetz): Maßnahmen zur Erreichung von Konsolidierungszielen.
  • Erstmalige Pensionsanpassung: Ersatz der bisherigen Aliquotierungsregelung durch ein einheitliches Modell unabhängig vom Monat des Pensionsantritts; erstmalige Anpassung mit 50% jenes Betrags, der sich bei Anwendung des Anpassungsfaktors ergeben würde.
  • Korridorpension: Anhebung der Voraussetzungen für die Inanspruchnahme.
  • e-card-Service-Entgelt: Anhebung auf 25 EUR jährlich; Pensionistinnen und Pensionisten ab 2026 grundsätzlich nicht mehr von der Entrichtung ausgenommen.
  • Krankengeld/Reha- und Wiedereingliederungsgeld: Aussetzung der Satzungsermächtigung zur Valorisierung des Krankengeldes sowie Aussetzung der Valorisierung der Bemessungsgrundlage des Rehabilitations- und Wiedereingliederungsgeldes für 2026 und 2027.
  • Geringfügigkeitsgrenze: Aussetzung der jährlichen Anpassung für 2026.
  • Sozialversicherungsanmeldung: Ab 1.1.2026 muss die Anmeldung auch Angaben über das Ausmaß der vereinbarten Arbeitszeit enthalten.
  • Nachtschwerarbeitsgesetz: Aussetzung der Anpassung des Nachtschwerarbeits-Beitrags bleibt für 2025 und 2026 aufrecht.
  • Tiergesundheitsgesetz 2024: Konkretisierung von Biosicherheitsanforderungen für Unternehmer; Klarstellungen/Überarbeitungen zu Entschädigungen für Viehverluste; Festlegung von Entschädigungsregelungen für im Seuchenfall zu vernichtende Bruteier bzw. Eier für den menschlichen Verzehr.
  • Sozialhilfe-Grundsatzgesetz: Vereinfachung des Schulungszuschlags an der Schnittstelle AMS/Sozialhilfe zur Vermeidung organisatorischer Doppelgleisigkeiten (derzeit AMS einfacher Schulungszuschlag plus weiterer Zuschlag durch Sozialhilfeträger).
  • Lebenshaltungs- und Wohnkosten-Ausgleichs-Gesetz: Einrichtung eines Fonds zur Armutsbekämpfung und Sozialen Innovation (öffentlich-rechtlich, gemeinnützig, eigene Rechtspersönlichkeit), verwaltet/vertreten durch das zuständige Bundesministerium; Ziel: Stärkung sozialer Innovationen und Weiterentwicklung von Rahmenbedingungen (inkl. Prüfung neuer Instrumente wie Social Impact Bonds).
  • Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetz: Sicherstellung der Finanzierung der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).
  • Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977: Pflichtversicherung in der Arbeitslosenversicherung für mehrfach geringfügig Beschäftigte; Einschränkung der Zuverdienstmöglichkeiten während Arbeitslosigkeit mit Ausnahmen zur sozialen Abfederung für am Arbeitsmarkt benachteiligte Gruppen; künftige stärkere Kostentragung von Kranken- und Wochengeld von Leistungsbezieherinnen/-beziehern durch die Gebarung Arbeitsmarktpolitik; Aussetzung der Valorisierung des Umschulungsgeldes 2026 und 2027.
  • Redaktionelle Korrekturen (aus dem Abänderungsantrag): Klarstellung, dass die Einhebung des e-card-Service-Entgelts für Pensionistinnen und Pensionisten durch die Pensionsversicherungsträger erfolgt; Anpassungen/ Berichtigungen von Paragraphenbezeichnungen in Schlussbestimmungen (ASVG/GSVG/BSVG/B-KUVG).

9. Abschnitt: Finanzen (Organisation, Haushalt, Kommunen, Steuern/Abgaben, Energieabgaben)

  • Punzierungsgesetz 2000: Anpassungen wegen Zuständigkeitswechsel (Punzierungskontrolle) vom BMF zum Ressort Wirtschaft/Energie/Tourismus (Bundesministeriengesetz-Novelle 2025).
  • IAKW-Finanzierungsgesetz: Absicherung/Ermöglichung von Modernisierungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen im Vienna International Centre (UNO-City), insbesondere brandschutzbezogene Maßnahmen (z.B. Nasssteigleitungen, Fluchtwege/Notbeleuchtung, Rauchabzug, Feuerwehraufzüge); Investitionsvolumen grob ca. 36 Mio. EUR; Generalplanung 2025, Umsetzung 2026–2029; zudem redaktionelle Anpassungen an aktuelle Fassungen BHG 2013 und Bundesministeriengesetz.
  • ABBAG-Gesetz und Buchhaltungsagenturgesetz: Anpassungen aufgrund der Bundesministeriengesetz-Novelle 2025 (Ressortzuständigkeiten/Bezeichnungen).
  • Bundesfinanzierungsgesetz: Klarstellungen im Hinblick auf die ÖBFA; URG-Insolvenzindikatoren werden als für die ÖBFA nicht geeignet beschrieben, da aufgrund gesetzlicher Abdeckung nach § 7 BFinG trotz URG-Kennzahlen keine Bestandsgefährdung angenommen wird.
  • Bundeshaushaltsgesetz 2013: Schaffung gesetzlicher Grundlage für einen „Klimacheck“ als Meilenstein zur weiteren Auszahlung von Mitteln aus der EU-Aufbau- und Resilienzfazilität; Umsetzung über (1) neue Wirkungsdimension „Klima“ in der wirkungsorientierten Folgenabschätzung (inkl. Klimaschutz und Klimawandelanpassung) und (2) verbindliche Green-Budgeting-Beilage zum Bundesvoranschlag als signifikante Erweiterung der bisherigen Klima- und Umweltbeilage.
  • Kommunalinvestitionsgesetze 2020/2023/2025: Umstellung von Zweckzuschüssen auf Finanzzuweisungen für Investitionen ohne verpflichtende Kofinanzierung; Gemeinden entscheiden über konkrete Investitionen, Mittel bleiben investiv zu verwenden; Transparenz durch Berichte an den Gemeinderat; noch nicht abgerufene Mittel aus 2020/2023 sowie sämtliche Mittel aus 2025 werden zu festgelegten Terminen antraglos an Gemeinden überwiesen; Gemeindeanteile bleiben unverändert; Ziel: Vereinfachung der Verwaltung und leichtere Mittelverwendung.
  • Aufhebung Zweckbindung Kunstförderungsbeitrag: Aufhebung der bundesgesetzlichen Zweckbindung für geringe Resterträgnisse aus bis 31.12.2023 zu entrichtenden Kunstförderungsbeiträgen aus verwaltungsökonomischen Gründen.
  • Einkommensteuergesetz 1988: Erhöhung des Pendlereuro (Absetzbetrag) als Teilkompensation im Zusammenhang mit der vorgesehenen Abschaffung des Klimabonus; Einführung eines Umwidmungszuschlags zur steuerlich effektiveren Erfassung von Wertsteigerungen aus Umwidmungen bei Grundstücksveräußerungen (betriebliche und außerbetriebliche Veräußerungen, inkl. Körperschaften wie Vereine/KöR); Anpassungen bei Basispauschalierung (Umsatzgrenze 2025: 320.000 EUR und pauschale Betriebsausgaben 13,5%; ab 2026: 420.000 EUR und 15%); Aussetzung der Valorisierung bestimmter Familienleistungen 2026/2027 wirkt auch auf den Kinderabsetzbetrag (keine Erhöhung 2026/2027); Inflationsanpassung des Einkommensteuertarifs (Kalte Progression) 2025–2028 nur zu zwei Dritteln; Möglichkeit einer steuerfreien Mitarbeiterprämie 2025 bis max. 1.000 EUR pro Arbeitnehmer/in.
  • Stiftungseingangssteuergesetz: Erhöhung des Steuersatzes für Zuwendungen an Privatstiftungen ab 1.1.2026 von 2,5% auf 3,5%.
  • Umsatzsteuergesetz 1994: Umsatzsteuerbefreiung für Verhütungsmittel und Frauenhygieneartikel ab 1.1.2026; Anpassung der umsatzsteuerlichen Vorsteuerpauschalierung entsprechend der ertragsteuerlichen Basispauschalierung.
  • Grunderwerbsteuergesetz 1987 (Share Deals/Immobilientransaktionen): Lückenschluss zur effektiveren Erfassung großer Immobilientransaktionen über Anteilserwerbe durch Erweiterung der Tatbestände (Gesellschafterwechsel, Anteilsvereinigung) und zusätzliche Verschärfungen für Immobiliengesellschaften; im Abänderungsantrag: Präzisierungen/Begriffsersetzungen (Steuersubjekt „Erwerber“/„Erwerbergruppe“), Klarstellungen zur Tatbestandsverwirklichung durch Erwerbergruppen, Vorrangregeln bei Zusammentreffen unmittelbarer und mittelbarer Anteilsvereinigungen/-übertragungen, Verwaltungsvereinfachung durch Ausnahme für bestimmte Umgründungen innerhalb derselben Erwerbergruppe (keine Tatbestandsverwirklichung bei mittelbarer Anteilsvereinigung/-übertragung durch konzerninterne Umgründung), Anpassung der Ziffernreihenfolge zur Lesbarkeit, Vereinheitlichung von Verweisen auf das Gerichtsgebührengesetz, Anpassung der Definition/Beurteilung von Immobiliengesellschaften (Ersetzung „gewerbliche“ durch „betriebliche“ Zwecke, um auch land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke ausnehmen zu können), Inkrafttretens-/Übergangsregelungen für Gesellschafterwechsel (u.a. Behandlung von Änderungen vor 1.7.2025; Fortgeltung 5-Jahres-Betrachtungszeitraum bei Personengesellschaften; Unbeachtlichkeit bestimmter vor dem Stichtag erfolgter Änderungen bei Kapitalgesellschaften; Klarstellungen zur Besteuerung bei Überschreiten 75% und zur Differenzbesteuerung nach § 1 Abs. 5).
  • Bundesabgabenordnung: Erweiterung des Kreises der zur Akzeptierung der elektronischen Zustellung verpflichteten Personen.
  • Glücksspielgesetz: Beibehaltung/Einordnung des restriktiven, streng beaufsichtigten Glücksspielangebots (Bundesmonopol) zur Sicherung von Spielerschutz, Kriminalitäts- und Geldwäsche-/Terrorismusfinanzierungsprävention, Sucht- und Jugendschutz; Besteuerung als Instrument zur Begrenzung expansiver Geschäftspolitik.
  • Energiekrisenbeitrag-Strom (EKB-S): Anpassungen nach Evaluierung; im Abänderungsantrag: Entfall eines obsoleten Verweises auf das Ökostromgesetz 2002; Klarstellungen zur Befreiungsbestimmung für Anlagen mit aufrechten Verträgen nach Ökostromgesetz 2012 (Ende der Befreiung mit Ablauf solcher Verträge); Anwendung dieser Klarstellungen ab Erhebungszeitraum 3; Ausweitung der Verrechnungsmöglichkeit begünstigter Investitionen mit verbundenen Beitragsschuldnern auch auf Erhebungszeiträume 3–7; Anpassung des Höchstbetrags des Absetzbetrags für begünstigte Investitionen von 72 EUR auf 25 EUR je MWh (statt 20 EUR), anzuwenden ab 2.5.2025 und für nachfolgende Erhebungszeiträume.
  • Energiekrisenbeitrag-fossile Energieträger (EKB-F): Entsprechende Anpassungen analog zum EKB-S.

10. Abschnitt: Wirtschaft und Energie

  • Gasdiversifizierungsgesetz 2022: Neubewertung nach Auslaufen des Gastransitvertrags Ukraine–Russland Ende 2024; seit Stopp russischer Gasbezug fehlt Anreiz zum Umstieg, daher keine finanzielle Unterstützung im Sinne der ursprünglichen Ausrichtung mehr erforderlich.
  • Bundesgesetz über die Genehmigung von Vorbelastungen (BM für Arbeit und Wirtschaft): Verlängerung der Förderperiode bis einschließlich 2035 und damit Verlängerung des Auszahlungszeitraums für Vorbelastungen (bisher Ermächtigung bis 2,8 Mrd. EUR für 2024–2031) aufgrund von Projektverzögerungen.
  • Chip-Gesetz-Begleitmaßnahmen: Anpassungen im Zusammenhang mit der Bundesministeriengesetz-Novelle 2025; weiterhin Umsetzung von Unternehmensinvestitionen im Rahmen des EU-Chip-Gesetzes.

11. Abschnitt: Land- und Forstwirtschaft sowie Klima- und Umweltschutz

  • Spanische Hofreitschule-Gesetz: Erhöhung der Basiszuwendung zur Sicherstellung der Erhaltung der Kulturgüter.
  • BFW-Gesetz (Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft): Erhöhung der Basiszuwendung wegen gestiegenem Finanzierungsbedarf (Teuerung, hohe Gehaltsabschlüsse), der trotz Rationalisierung nicht mehr bedeckt werden kann.
  • BVWG-Gesetz (Landwirtschaftliche Bundesversuchswirtschaften GmbH): Schaffung von Rahmenbedingungen zur gesetzlichen Übertragung von Bundesliegenschaften (insb. für Sanierung und Fortbetrieb der landwirtschaftlichen Schule Ursprung/Schloss Ursprung in Elixhausen, Denkmalschutz) an die BVWG; BVWG soll Erwerbs- und Bewirtschaftungshandlungen selbständig vornehmen können; für ex lege übertragene Liegenschaften ist ein Entgelt zu leisten.
  • Waldfondsgesetz: Waldfonds (ursprünglich 350 Mio. EUR, später auf 450 Mio. EUR aufgestockt und verlängert) wird im Rahmen der Budgetvorgaben um insgesamt 20 Mio. EUR gekürzt.
  • Klimabonusgesetz: Entfall des Anspruchs auf den regionalen Klimabonus ab 2025; zeitliche Begrenzung des regionalen Klimabonus auf 2022–2024; Regelungen zur geordneten Abwicklung und Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben.
  • Klima- und Energiefondsgesetz: Anpassung der Zuständigkeiten und Ressortbezeichnungen aufgrund der Bundesministeriengesetz-Novelle 2025; Festlegung der Vollziehung durch die Ressorts Land-/Forstwirtschaft/Klima/Umwelt/Regionen/Wasserwirtschaft, Innovation/Mobilität/Infrastruktur sowie Wirtschaft/Energie/Tourismus; BMF als Mitglied im Präsidium; Ergänzung der Klimawandelanpassung als Ziel in Umsetzung des Regierungsprogramms.
  • Hagelversicherungs-Förderungsgesetz: Schaffung der Möglichkeit, in der Förderungsrichtlinie Festlegungen/Beschränkungen vorzusehen, die ausgabendämpfend wirken können, um den stark gestiegenen Mittelbedarf für Prämienförderungen zu reduzieren (Anstieg der Zuschüsse 2019: 87,7 Mio. EUR; 2024: 147 Mio. EUR; erwartete Fortsetzung durch Klimawandel/Seuchengefahr).
  • Umweltförderungsgesetz: Anpassung der Zusagerahmen an BFG/BFRG; Zuständigkeitsanpassungen aufgrund Bundesministeriengesetz-Novelle 2025; Festlegung der Zuständigkeit des Ressorts Land-/Forstwirtschaft/Klima/Umwelt/Regionen/Wasserwirtschaft für Wasserwirtschaft, Umweltförderung im Inland, Altlastensanierung, internationale Klimafinanzierung, Biodiversitätsfonds und Kreislaufwirtschaft; Zuständigkeit des Ressorts Wirtschaft/Energie/Tourismus für Energieeffizienz-Fonds (bestimmte Fördertatbestände) sowie Förderungen zur Transformation der Industrie; weitere redaktionelle Anpassungen an Ressortkompetenzen/-bezeichnungen.

Budgetbegleitgesetz 2025

~283 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Herbert Kickl

Danke schön, Herr Präsident! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Ja, Generaldebatte Budget, zweite Lesung: Ich würde sagen, es ist ein gewisser Bruch, trotz dieser kurzen zeitlichen Unterbrechung, zur vorhergehenden Diskussion, vor allem atmosphärisch, aber natürlich auch inhaltlicher Art. Man muss ja dazusagen, dass die Generaldebatte heute eigentlich auch erst für den Nachmittag vorgesehen war. Es hat dann eine Planänderung gegeben. Man muss nämlich wissen, dass unsere Bundesregierung am Nachmittag freigespielt sein muss. Sie braucht ihre Zeit und sie braucht die volle Aufmerksamkeit und Konzentration für das nächste Kapitel ihres Zerstörungswerks gegen die österreichische Neutralität.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Na bravo!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich rede vom Staatsbesuch – ( auf die Redezeitanzeige am Redner:innenpult weisend: ) vielleicht kann man mir die Uhr da richtig einstellen – des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, und ich sage Ihnen klipp und klar, dass dieser Besuch genauso wie die Ukrainepolitik dieser Bundesregierung insgesamt nicht nur völkerrechtlich und sicherheitspolitisch absolut unverantwortlich ist für ein Land, das die Neutralität in seiner Verfassung festgeschrieben hat. Was Sie sich privat denken, das ist Ihre Angelegenheit, aber diese Verpflichtung, das ist eigentlich die Eintrittskarte in eine Bundesregierung oder umgekehrt ist es ein K.o.-Kriterium, wenn man es nicht durchhalten kann.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Dann bist du eh weg! – Abg. Gewessler [Grüne]: Genau!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist die eine Komponente. Das Zweite ist, dass diese einseitige Politik, dieses Nato-Vasallentum natürlich auch ein Vermögen kostet. So ist es tatsächlich so, dass in den letzten Jahren Milliarden an Steuergeld aus Österreich direkt oder indirekt in diese Ukraine geflossen sind, zur Verlängerung eines sinnlosen Krieges, eines sinnlosen Sterbens …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Zur Sicherstellung der Energieversorgung für die Bevölkerung!

FPÖ Herbert Kickl

… und damit eines Konflikts, der nicht der unsere ist – ich sage das auch in dieser Deutlichkeit! Zugleich fehlt dieses Geld in Österreich, und zwar an allen Ecken und Enden. Es fehlt unter anderem auch in der Sicherheit, im Sicherheitsbereich in diesem Land, dort, wo es um den Schutz der eigenen Bevölkerung vor Gewalt und vor Kriminalität, die ja immer mehr wird, geht. Und da zu investieren, ist im Unterschied zur ersten Ausgabe, die Sie jetzt tätigen, unsere tatsächliche Zuständigkeit. (👏 FPÖ) Herr Bundeskanzler, warum erzählen Sie denn den Österreichern nicht, dass die Sicherheit unserer Bevölkerung nicht mehr gegeben ist? Warum erzählen Sie das nicht? Das ist nämlich die traurige Wahrheit. Sie reden davon, dass alles unternommen wird, dass sich Ereignisse wie in Graz nicht wiederholen. Das klingt super, aber während Sie das sagen, bringen Sie ein Budget auf den Weg, mit dem Sie die Überstunden der Polizei so radikal zusammenkürzen, dass die notwendigen Einsätze nicht mehr gemacht werden können, weil viel zu wenige Polizisten im Einsatz sind und weil dieses ganze System seit Jahren eigentlich nur auf Überstundenleistungen beruht. Das trifft also die Polizeiinspektionen, die jetzt in der Nacht oder am Sonntag zusperren. Das trifft die Streifen, die dann entweder gar nicht mehr oder in viel zu großen Intervallen über Land fahren, und es trifft im Übrigen auch die Spezialeinheiten wie die Cobra, weil diese nämlich aufgrund dieser Überstundenstreichungen die Personenkontingente nicht mehr zustande bringen, die sie aber brauchen, um einen entsprechenden, robusten Einsatz durchführen zu können. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Ich erhalte jeden Tag verzweifelte Hilferufe von Polizisten, die mir berichten, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können. Sie sagen mir, dass sie niedergemacht werden, wenn sie diesen Wahnsinn intern in den entsprechenden Besprechungen kritisieren. Sie sagen mir, dass ihnen gedroht wird und dass ihnen der Mund verboten wird, wenn sie da Kritik üben oder wenn sie mehr Überstunden verbrauchen, als ihnen der Wasserkopf in der Zentrale – das heißt ( in Richtung Bundesminister Karner ) Sie, Herr Minister – dann auf irgendwelchen Zetteln bürokratischerweise vorgibt. (👏 FPÖ) Wissen Sie, Sie putzen sich damit an denjenigen, die den Kopf für uns alle hinhalten, ab.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

...! Das ist ja unglaublich!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist keine Wertschätzung gegenüber der österreichischen Polizei. Im Übrigen ist es auch keine Wertschätzung gegenüber der eigenen Bevölkerung, und damit bin ich ohnehin beim passenden Stichwort für dieses Budget insgesamt: Sie alle, die Verliererampel, die Systemparteien, Sie alle haben schwer gesündigt – eine politische Todsünde nach der anderen. Jetzt sind Sie natürlich mit sich selbst gnädig, da erteilen Sie sich locker die Absolution, und die Buße für Ihre Untaten, für Ihre Todsünden, die hängen Sie der eigenen Bevölkerung um, in Form eines gigantischen Belastungshammers: Milliardenbelastungen durch höhere Steuern, durch höhere Gebühren und durch Leistungskürzungen. Und ich kann mir schon denken, was jetzt kommt – erste Anklänge habe ich ja schon gehört –, weil es immer so ist, kann man sagen. Die Vertreter der ÖVP, vom nicht gewählten Bundeskanzler abwärts, werden dann sagen: Ja bitte schön, das ist ja unerhört, dass der das sagt, denn die Freiheitliche Partei wollte ja keine Verantwortung übernehmen! Und die roten und die rosaroten Steigbügelhalter, die plappern dieses Satzerl dann brav nach wie die Papageien, wobei ja jeder weiß, dass die Papageien ja gerne plappern, aber dann den Inhalt nicht verstehen …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was ist das für ein Vergleich?

FPÖ Herbert Kickl

… den sie von sich geben.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Rede hört sich aber auch wie eine Papageienrede an!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich greife die Gelegenheit aber gerne auf. Dann reden wir über Verantwortung! Ich frage Sie: Wie schaut denn das aus? Wie schaut denn das aus, was Sie Regierungsverantwortung nennen? Wie schaut denn das aus, wofür Sie als großartige Verantwortungsträger der Verliererampel sich immer loben? Der grüne Regierungsblinddarm, der Sie jetzt sind, der kann sich gleich mit betroffen fühlen, weil Sie bis vor Kurzem ja mittendrin statt nur dabei waren. Ich sage Ihnen, wie diese Verantwortung ausschaut: Die größten wirtschaftlichen und die größten budgetären Schadensverursacher – in der Bevölkerung draußen nennt man so etwas Blindgänger – werden für ihre Nichtleistungen belohnt – belohnt und nicht bestraft! –, mit Orden für Verdienste um die Republik, mit einem Luxusposten als Banker für einen Karl Nehammer, 300 000 Euro im Jahr als Dank und Anerkennung für Hunderttausende neue Völkerwanderer in den letzten Jahren und für das Einpeitschen des Coronaregimes, mit einem Spitzenposten in der Nationalbank für den ehemaligen Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher – den Herrn soll man bitte nicht vergessen – als Dank und Anerkennung für die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg – das dritte Jahr in Folge werden wir immer ärmer, und wir sind von der Tabellenspitze bis an den Schluss durchgereicht worden – und natürlich mit der Beförderung zum EU-Kommissar für einen Herrn Magnus Brunner als Dank und Anerkennung für den größten Schuldenhaufen der Zweiten Republik, für eine gigantische Geldentwertung, für die Versorgung von ÖVP-Freunden aus Coronafördertöpfen und für das Frisieren und für das Fälschen von Bilanzen und Prognosen vor der Wahl.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

„Fälschen“? Wer hat etwas gefälscht? Das geht nicht!

FPÖ Herbert Kickl

… Dieser Herr Brunner war so etwas Ähnliches wie der Bremsfallschirm für den freien Fall der Österreichischen Volkspartei vor dieser Wahl. So schaut es aus. Das ist Ihre Art der Interpretation von Verantwortung.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, genau!

FPÖ Herbert Kickl

… Und da, da haben Sie recht, möchte ich nicht einmal anstreifen, meine Damen und Herren! (👏 FPÖ) Oder, nächster Akt Ihres angeblichen Wahrnehmens der Verantwortung – Herr Taschner kann Ihnen helfen –: Es gibt ein logisches Gesetz, das heißt: keine Wirkung ohne Ursache und umgekehrt. Das gilt natürlich auch im Zusammenhang mit diesem budgetären Scherbenhaufen. Jetzt stellt sich die Frage: Was ist denn die Ursache für diesen budgetären Scherbenhaufen? Die Ursache ist ganz einfach zu erklären: dass Sie allesamt falsch entschieden, falsch gehandelt haben – nicht ein Mal, sondern in Serie, bei allen großen Fragen. Unbelehrbar, Wiederholungstäter würde man so etwas nennen. Sie haben sich für eine Massenvölkerwanderung unter dem Motto „Wir schaffen das“ entschieden, mit Schäden in Milliarden-Euro-Höhe. Sie haben sich für einen Coronawahnsinn entschieden, länger und exzessiver als sonst irgendwo in der zivilisierten Welt, mit Milliardenschäden. Sie haben sich für einen fanatischen Klimafanatismus entschieden, mit Milliardenkosten, für Russlandsanktionen mit Milliardenkosten und zuletzt für einen Rüstungswahnsinn, durch den die nächsten Milliarden verbraten werden. Das läppert sich natürlich zusammen. Ihr viel gepriesenes Wahrnehmen der Verantwortung schaut dann so aus, dass Sie sich abputzen und sagen: Aber eigentlich können wir nichts dafür, ist eh alles super gelaufen, und dort, wo es nicht so gut gelaufen ist, bitte da waren es die anderen, da haben wir nur alternativlos das gemacht, was alle anderen auch gemacht haben. Natürlich können Sie etwas dafür! Wir haben Sie vor alledem gewarnt, vor allen diesen Fehlentwicklungen, mehrmals, um unser Land, um die Steuerzahler, um den Wirtschaftsstandort, unsere Freiheit und unseren Wohlstand zu schützen, Sie wollten nur nicht hören. Ein schönes Wahrnehmen von Verantwortung ist das. (👏 FPÖ) Oder: Ihr viel gepriesenes Wahrnehmen von Verantwortung besteht dann darin, dass Sie der Bevölkerung erklären, dass Sie jetzt sparen und dass Sie das Budget, den Staatshaushalt, sanieren. Das klingt auch gut, aber wenn man genauer hinschaut, stimmt es halt leider nicht. Denn das Problem ist, dass nicht nur in den letzten paar Jahren 88 Milliarden Euro neue Schulden gemacht wurden, sondern auch in den kommenden Jahren bis 2027 wieder 82 Milliarden Euro neue Schulden dazukommen. Das heißt, trotz Rekordeinnahmen wird weiter mehr ausgegeben, als eingenommen wird, und da ist noch nicht einmal irgendein wirtschaftlicher Impuls dabei. Was heißt denn da sparen und was heißt denn da sanieren? Dann gibt es obendrauf als Zugabe auch noch das Defizitverfahren, also die Besachwaltung durch die Europäische Union; das ist das, wo Sie unter dem Titel „[...] das Richtige tun“ in Ihr Regierungsprogramm hineingeschrieben haben, dass Sie es nicht haben wollen. Jetzt ist „das Richtige tun“, dieses Defizitverfahren schönzureden. Das ist eine schöne Form von Wahrnehmen von Verantwortung. (👏 FPÖ) Ich garantiere Ihnen, meine Damen und Herren, es wird so sein: Im Herbst kommt dann der nächste Belastungshammer und da besteht dann das Wahrnehmen der Verantwortung durch die Regierung darin, dass Sie sagen: Also bitte, uns sind die Hände gebunden, denn das wird jetzt von der Europäischen Union vorgegeben, wir können nichts dafür! Verantwortung übernehmen heißt für die Verliererampel aber vor allem, die zentralen Wahlversprechen zu brechen. Das Budget ist ja der Beweis dafür. Also diejenigen, von denen Sie – ÖVP, SPÖ, NEOS – vor der Wahl gesagt haben, dass sie Ihnen ganz besonders am Herzen liegen, das sind diejenigen, die jetzt verraten werden. Schauen wir zurück zur vorhergegangenen Debatte: Sie verraten die Familien, die Kinder, die Ihnen vorhin gerade noch so wichtig gewesen sind. Sie treffen voll das Herzstück der Gesellschaft und unsere Zukunft mit Ihren Kürzungen der Familienleistungen und mit den Gebührenerhöhungen und allem, was daherkommt – und Sie wissen ganz genau, dass vor allem die unteren Einkommensschichten überproportional betroffen sind. Sie strafen und verraten die Pensionisten mit Pensionskürzungen, die ein Leben lang negativ nachwirken. Meine Damen und Herren, das ist jene Generation, die tatsächlich Verantwortung übernommen hat, nicht nur für sich, sondern auch für andere, für unsere Heimat, die den Wohlstand erwirtschaftet hat, den Sie binnen kürzester Zeit verjuxt haben. (👏 FPÖ) Sie verraten die Leistungsträger durch die Rückkehr des Raubes der kalten Progression, durch ein höheres Pensionsantrittsalter, aber dafür gibt es dann eine immer kleinere Pension. Na toll ist das, ein toller Anreiz; so wie überhaupt Entlastungen und Anreize für Leistungsträger in Ihrem Budget verzweifelt gesucht werden, und von positiven Investitionen in den Wirtschaftsstandort brauchen wir ja gar nicht zu reden. Mit Ihrer Erhöhung der E-Card-Kosten treffen Sie voll und ganz die Kranken, aber im Gesundheitssystem wird gar nichts besser. Und Sie treffen und verraten das Pflegepersonal, dem Sie vorgaukeln, dass es da für alle eine Art Hacklerpension geben wird. Wenn man dann genauer nachschaut, kommt man aber drauf, dass man da 67 oder 68 Jahre alt ist, wenn das schlagend wird. So etwas kann nur jemand beschließen, der keine Ahnung von der Pflegepraxis hat, denn bis dahin sind die Leute schon zwei-, drei-, viermal ausgebrannt und kaputt. (👏 FPÖ) Im Vergleich dazu eine kleine Liste von dem, was Ihnen wichtig ist, von dem, was Sie sich natürlich weiter leisten wollen, wo Sie sogar noch mehr Geld ausgeben – der Kontrast macht es ja immer aus, das ist ja dann das Spannende –: Sie schreiben zum Beispiel das System fort, nach dem Asylantenfamilien ohne jede Leistung für dieses Land bis zu 9 000 Euro im Monat kassieren aus Mindestsicherung und diversen anderen Zutaten, während eben Pensionisten in diesem Land mit 15 Euro am Tag auskommen müssen. Das heißt, mit diesem Budget geht der All-inclusive-Klub für Völkerwanderer in Österreich weiter. Sie leisten sich milliardenteure Rüstungsausgaben, den Wahnsinn von Sky Shield, 6 Milliarden Euro, und in der Warteschleife bereits die nächste Anschaffung: Flugzeuge, die nächste Milliarde. Sie erhöhen das EU-Budget, den österreichischen Beitrag zur Europäischen Union, auf 4 Milliarden Euro, plus eine Milliarde. Sie finanzieren weiter die Kriegstreiberei in der Ukraine, 300 Millionen Euro bisher sind Ihnen noch nicht genug. Insgesamt, also mit den indirekten Zahlungen über die EU, waren es eh schon 3 Milliarden Euro. Jetzt kommen wieder 200 Millionen Euro dazu. Sie fördern die Elektromobilität, obwohl Sie das Gegenteil ankündigen: plus 173 Millionen Euro. Es geht weiter mit den sogenannten internationalen Hilfszahlungen, zum Beispiel – nur ein Beispiel – 20 Millionen Euro für das Kopfabschneiderregime in Syrien. Oder, ganz, ganz wichtig, aber auch die kleinen Summen machen es aus: 1 Million Euro für Nussbauern in Burkina Faso – na ja. Sie geben Geld für Sinnlosprojekte aus wie 20 Millionen Euro für eine Werbekampagne dafür, dass wir zeitlich befristet einen Sitz im UN-Sicherheitsrat haben. Ja, wozu, frage ich mich, wenn Sie ohnehin immer das Gleiche sagen wie der Mainstream? Das braucht es doch alles gar nicht, dieses Geld können Sie sich sparen. (👏 FPÖ) Mehr Geld gibt es für den Bundespräsidenten und seine Präsidentschaftskanzlei, Steuerzuckerl für den Österreichischen Rundfunk, 93 Millionen Euro. Eine 30-Millionen-Euro-Babler-Spezialförderung für die sogenannten Qualitätsmedien, also für Ihre Coronalautsprecher der Vergangenheit; diese Qualitätsmedien sind diejenigen, die jetzt die Clint-Eastwood-Interviews erfinden oder geschockte Menschen in Graz quasi vor die Kamera und vor das Mikrofon zerren, anstatt sie zu schützen. Das alles nennen Sie Wahrnehmen von Verantwortung – ich nicht. (👏 FPÖ) Ein ganz zentrales Gustostück Ihrer Verantwortungsübernahme möchte ich Ihnen auch noch servieren: Sie arbeiten nicht, um aus der Misere herauszukommen, nein, Sie machen etwas ganz anderes: Sie hoffen – hoffen! Sie sind Trittbrettfahrer, Sie hoffen eigentlich nur, dass Sie irgendwie bei einer Aufwärtsentwicklung in Europa, in Deutschland, irgendwo international, mit dabei sein können und ein bisschen mitprofitieren können. Das ist eigentlich der zentrale Plan Ihres finanziellen Zukunftskonzepts. Also: Die Probleme sind so groß, dass sie viel zu groß sind, dass wir im eigenen Land etwas unternehmen können, wir müssen auf die großen Lösungen setzen, das ist ja Ihr Credo und Ihre Dauerausrede in allen Bereichen. Aber diese Hoffnung ist auf Sand gebaut, da brauchen Sie sich nur die jetzige Energiepreisentwicklung bei Öl und Gas im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen und Mittleren Osten anzuschauen. Im Übrigen wissen wir alle auch aus der Vergangenheit, dass diese großen Lösungen im Gleichschritt mit den Einheitsbruderparteien in Berlin und in Brüssel ja in der Vergangenheit immer in die Hose gegangen sind; Stichwort Schuldenunion, Stichwort „Wir schaffen das“, Stichwort Klimakommunismus, Stichwort Russlandsanktionen. Ja lernen Sie denn überhaupt nichts dazu? Haben Sie sich noch nie in einer ruhigen Minute vielleicht einmal gefragt, warum es der kleinen Schweiz eigentlich so viel besser geht als Österreich? (👏 FPÖ) Sie haben keine Vision, Sie haben keine Ideale, Sie haben kein Feuer der Begeisterung für dieses Land und für die Bevölkerung. Sie haben keinen Glauben an dieses Österreich. Es geht um Macht, es geht um Posten, es geht um Einfluss und es geht um Verteilungsmöglichkeit. Das Einzige, wovon Sie wirklich haben – und das ist besonders problematisch –, das ist Angst; Angst haben Sie im Überfluss. Diese Verliererampel ist nämlich nichts anderes als eine Angstgeburt, geboren aus panischer Angst vor Neuwahlen, damit verbunden vor dem Machtverlust, damit verbunden vor echter Veränderung, damit verbunden vor dem Wähler. Es ist ein einziges Misstrauensvotum gegenüber der Bevölkerung, gegenüber dem Souverän. Die Verkörperung davon, das ist diese Verliererampel. Die Menschen spüren das ganz genau und die Menschen wissen das ganz genau, und das ist auch der Grund, warum von Ihnen nichts zur Bevölkerung überspringt. Ich sage Ihnen abschließend noch etwas: Die Österreicher sind durchaus bereit, sich einzubringen und ihren Beitrag zu leisten, mitzuziehen, den Gürtel enger zu schnallen, Verständnis zu entwickeln, das Land aus dem Dreck zu ziehen und damit ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen – aber nur unter folgenden Voraussetzungen: Erstens: Es dürfen logischerweise nicht dieselben Parteien den Kurs vorgeben, die das Land zuvor mit ihren Weisheiten gegen die Wand gefahren haben. Es würde sich doch niemand mehr genau jenem Arzt anvertrauen, der einen vorher verpfuscht hat. Das ist doch das Normalste auf der Welt. (👏 FPÖ) Zweitens: Es muss an den großen Schrauben gedreht werden. Das heißt: komplette Systemänderung in Sachen Völkerwanderung; totale Abkehr von der Unterwürfigkeit gegenüber Brüssel, der Kriegstreiberei, dem Rüstungsirrsinn; Streichen dieser ganzen sinnlosen internationalen Gelder; eine Energiepolitik inklusive Öl, Gas und Kohle, Ausnutzung der eigenen Ressourcen. Und es braucht ein Hineinschneiden in den eigenen Systemspeck – Stichwort Kammern, Herr Shetty, was ist mit den Kammern, wo ist der Beitrag der Kammern im Übrigen bei all diesen Dingen? Die sitzen alle auf einem Vermögen und ziehen sich fein aus der Affäre.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was haben denn Sie ausverhandelt gehabt?!

FPÖ Herbert Kickl

… Es braucht ein Hineinschneiden in die ganze Verwaltungsbürokratie, das ganze Sozialpartnerbonzentum. Und die Menschen erwarten sich natürlich auch ein Vorangehen mit einem guten Beispiel und kein Regierungsmonstrum mit 21 Ministern, Staatssekretären und etlichen Sonderbeauftragten noch obendrein. – So weit der zweite Punkt. Drittens: Es braucht den Glauben an die eigene Heimat, an die eigene Kraft und den unbedingten Willen zur Souveränität und zur Selbstbestimmung und zur Neutralität. Und es braucht das Vertrauen und die Wertschätzung für die eigene Bevölkerung und die volle Konzentration auf die Familie Österreich. Wenn das erfüllt ist, dann übernehmen die Bürger und Steuerzahler auch gerne ihren Teil der Verantwortung, dann ziehen sie gerne mit, denn dann kommt etwas mit ins Spiel, das Sie ihnen nicht geben können: Sinn. Dann macht das Ganze einen Sinn, damit am Ende nämlich nicht das Gleiche herauskommt wie das, was uns in die Katastrophe geführt hat, sondern etwas Neues, etwas Besseres und etwas Gerechteres. Genau so wie die Bevölkerung, meine sehr geehrten Damen und Herren, sehen wir das auch, und das verbindet uns mit den Menschen draußen und trennt uns von Ihnen. Diese Verbindung mit der Bevölkerung und nicht mit dem System, das ist echte Verantwortung. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Diese positive Kraft ist das, was dieses Land eigentlich bräuchte, aber nicht Ihren herzlosen und fantasielosen Kahlschlag. ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumPeter Haubner

Ich habe Sie jetzt bewusst während der Rede nicht unterbrochen, aber ich möchte darauf hinweisen, dass Tiervergleiche und strafrechtlich relevante Vorwürfe in Reden nichts verloren haben, und ich bitte Sie, das bei den nächsten zu berücksichtigen. – Danke vielmals. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Kollege Kucher.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Ich habe jetzt zum Schluss fast ein bisschen schmunzeln müssen, Herbert Kickl . Ich habe lange Zeit überlegt, was ich zu deiner Rede sagen soll. Du hast das dann aufgeladen und zum Schluss gesagt: Dann macht das alles einen Sinn. – Also mir würde viel zu deiner Rede einfallen, aber: Sinn?! Einen roten Faden dahinter zu erkennen, das war nicht wirklich mit dabei. Das war durchaus eine bemerkenswerte Rede. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Der Film ist jetzt ungefähr 30 Jahre alt, aber ich muss mir wirklich noch einmal die Zeit nehmen und mir diesen Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ anschauen, ob darin nicht irgendwo ein junger Herbert Kickl mit Brille vorgekommen ist, denn in Wahrheit habe ich schon sehr viel Dauerschleife bei dir erlebt: Egal was man macht, Herbert Kickl ist natürlich immer dagegen. Und was jetzt doppelt spannend war: Er ist nicht nur gegen alles, was die Regierung macht, sondern er ist auch gegen das, was er selbst beschlossen hat. Er ist gegen das, was er selbst in einem Brieferl nach Brüssel geschickt hat. Das ist ja ganz, ganz spannend. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Herbert, wenn du so viele sinnvolle Ideen hast, wie man angeblich hätte sparen können: Was hat dich denn daran gehindert, diese während der Regierungsverhandlungen einzubringen? Das Einzige, was dir in der Phase eingefallen ist, lieber Herr Briefschreiber, das Einzige, was dir in der Phase eingefallen ist, waren Massenkürzungen für die breite Masse. Wir haben das Gegenteil gemacht! Wir haben geschaut, dass Banken, Energiekonzerne und Stiftungen einen fairen Beitrag leisten, und haben damit die blauen Giftzähne gezogen. Das ist der Unterschied – wenn wir schon von Sinn reden. Das ist der Sinn. (👏 SPÖ) Aber du bist nicht nur gegen alles, du bist ja gleichzeitig auch dafür. Ich würde jetzt meinen, ein großer Philosoph wirst du nach dieser Rede keiner werden, aber vielleicht wirst du noch ein ganz Großer in der Quantenmechanik – Professor Taschner ist hier im Saal –, du bist ja fast ein bisschen so etwas wie Schrödingers Katze der Innenpolitik in Österreich: gegen alles und gleichzeitig auch dafür. Einerseits müssen wir sparen, andererseits aber darf man dann doch nicht sparen. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Du bist gegen die böse, böse Regierung, bist aber bombastisch gescheitert mit den eigenen Regierungsverhandlungen. Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen, was du gemacht hast. Du bist gegen Kürzungen bei der breiten Masse, hast die aber selbst nach Brüssel geschickt, lieber Herr Briefschreiber, und sagst gleichzeitig in Bezug auf einen gerechten Beitrag von Banken, Energiekonzernen und Stiftungen, dass dir das auch nicht taugt. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Dagegen sein auf der einen Seite, dafür sein auf der anderen Seite – und dann behauptest du, das Ganze ist sinnvoll?! Das passt nicht zusammen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir hätten es uns in dieser schwierigen Situation ganz leicht machen können – das betrifft die NEOS und die Sozialdemokratie gleichermaßen –, die SPÖ hat unter Christian Kern ein saniertes Budget hinterlassen. Natürlich ist das ein dramatischer Scherbenhaufen, den wir jetzt haben. Wir hätten es uns so leicht machen können wie Herbert Kickl : erste Reihe fußfrei sagen, was man alles macht. Eine hat schon viel dazugelernt, das ist Leonore Gewessler , die als Ministerin ja durchaus einige Sachen verabschiedet hat, die in Ordnung waren, aber sich jetzt die ganze Zeit hinzustellen und Haltungsnoten zu verteilen, das passt halt auch nicht, wenn man monatelang, jahrelang in der Regierung war, Milliarden mit beiden Händen beim Fenster rausgeschmissen hat und dann hier herinnen immer wieder die Debatte führt: Wo sind denn die Milliarden? (Die Abgeordneten Gewessler [Grüne] und Maurer [Grüne]: Bei den Menschen!) Die Frage darf ich zurückgeben. Liebe Leonore Gewessler , das ist schon ein ordentlicher Scherbenhaufen, den wir hier alle miteinander aufräumen müssen. (👏 SPÖ, NEOS) Ich weiß, dass man für das Verhindern von schlimmeren Dingen keinen Schönheitspreis gewinnt, aber da geht es eben um echte Verantwortung, Herbert Kickl , um Verantwortung für Hunderttausende, für Millionen Menschen in diesem Land, für deren Leben es schon einen Unterschied macht, ob die Sozialdemokratie genau für diese Gerechtigkeit kämpft. Das ist der Unterschied: Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, auch wenn wir nicht dafür verantwortlich sind. Die Leute haben natürlich schon den Unterschied erlebt. Es gibt keine pauschale Erhöhung des Pensionsantrittsalters, indem man drüberfährt, völlig egal, ob die Leute überhaupt Arbeit haben, ob die Leute überhaupt gesund sind und arbeiten können. Nein, wir setzen mit Reformen dagegen und schauen, dass vor allem ältere Menschen auch Arbeit haben. Wir schauen, dass es finanziell eben zu keinen Massenkürzungen bei Pensionistinnen und Pensionisten kommt, womit du sozusagen spekuliert hast und was du bereits nach Brüssel gesendet hast. Für diese Menschen macht es einen Unterschied – weil wir miteinander bereit waren, Kompromisse zu schließen. Ich weiß noch, wie es dem Gust gegangen ist, dem Yannick, das waren durchaus intensive Debatten, die ÖVP, SPÖ und NEOS geführt haben. Eine Zeit lang war es, glaube ich, gut, alle freuten sich auf den Sommer, um sozusagen wieder ein bisschen Abstand voneinander nehmen zu können, aber wir haben gesagt, es geht um Österreich, da braucht es gute Kompromisse für die Menschen. Und diese Kompromisse können sich sehen lassen! Wir haben darauf abgezielt, dass wir neben den Einsparungen einen gerechten Beitrag der breiten Schultern herbeiführen und dass es in ganz zentralen Bereichen keine Kürzungen geben wird. Ich habe das Bild noch vor mir: Dort auf der Regierungsbank ist er ganz vorne gesessen, Herbert Kickl , und hat fast mit Herzerln in den Augen Hartinger-Klein als Gesundheitsministerin angeschaut und hat applaudiert, als sie die Patientenmilliarde – angeblich – beschlossen hat. Was haben wir in Wahrheit jetzt übernommen? – Fast 1 Milliarde Euro Minus bei der Krankenkasse. Das ist die blaue Hinterlassenschaft gewesen. (👏 SPÖ) Ich will, dass in Zukunft die Menschen, die krank sind, wieder innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne einen Arzttermin bekommen. Wir sparen auch nicht im Bereich der Bildung – weil gerade die neue Mittelschule aus Ebreichsdorf hier ist –, wir wollen, dass jeder junge Mensch in diesem Land die besten Chancen hat. Im Gesundheitsbereich, im Bildungsbereich, bei der Beschäftigung wird trotz dieser schwierigen Zeiten jede Menge Geld investiert. Abschließend darf ich wirklich alle Fraktionen hier in diesem Haus bitten: Es ist keine einfache Zeit, aber es ist ein so großartiges Land, und es ist unsere Aufgabe, dass wir dieses starke Land auch gemeinsam wieder auf Kurs bringen. Wir haben es geschafft, die blauen Giftzähne zu ziehen, wir haben es geschafft, den blau-schwarzen Rasenmäher, der geplant war, sozusagen zu stoppen, und es gibt in Wahrheit auch die grüne Gießkanne nicht mehr. Wir schauen über alle Parteigrenzen hinweg, um miteinander das Land wieder auf Kurs zu bringen. Der Beitrag der Sozialdemokratie dabei ist es, zu schauen, dass das notwendige soziale Fingerspitzengefühl erhalten bleibt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Kommt im Herbst was nach?

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Werner Kogler . Ich habe die Redezeit auf 7 Minuten eingestellt.

GRÜNE Werner Kogler

Danke schön, Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Finanzminister! Kolleginnen und Kollegen auf der Regierungsbank! Ja, ich möchte den Appell von Kollegen Dengler aufgreifen und mich einer moderaten Wortwahl bedienen oder dies zumindest versuchen. Richtig ist, was das Budget jetzt betrifft – und ich schließe da bei etwas sehr Positivem an, das der Finanzminister in seiner Budgetrede gesagt hat –, dass Österreich trotz aller Schwierigkeiten – und wir haben massive Schwierigkeiten, das soll nicht geleugnet werden, die sich im Übrigen schon lange aufgebaut haben, im wirtschaftlichen Bereich, und deshalb hat ja das Budget Probleme und nicht zwingend umgekehrt; das ist alles richtig – immer noch sehr gut dasteht, von den Voraussetzungen her. Es geht auf der schiefen Ebene nach unten, das stimmt, aber hinsichtlich bestimmter Voraussetzungen für den Wirtschaftsstandort – was die Ausbildung der Arbeitskräfte betrifft, was viel Know-how betrifft, die Fähigkeiten, die es hier gibt, und auch, was völlig unterschätzt wird, aber zu Recht betont wurde, den sozialen Zusammenhalt, der im Wesentlichen trotz anderweitiger Bemühungen noch gegeben ist – sollte man für so eine Volkswirtschaft wie Österreich nicht unterschätzen, was das für eine Bedeutung hat. Das sind zwei super Voraussetzungen. Ja, und alles ist ein bisschen angeknabbert und geht nach unten. Alle können wir uns fragen, was wann richtiger gewesen wäre, das reicht aber schon viel länger zurück. Ich sage nur: Föderalismusreformdebatten. Seit wie lange? – Seit ich den Fernseher einschalte, und das ist lange, das war noch in Schwarz-Weiß. Also so herum möchte ich es einmal einleiten, aber es geht tatsächlich dann darum – diese Worte habe auch nicht ich erfunden, aber ich hätte es jetzt einmal so aufgegliedert –: ums Konsolidieren in dieser Situation, ums Sanieren und dann aber, oder mehr oder weniger gleichzeitig beginnend – dazu sage ich dann noch etwas –, ums Reformieren, das ist völlig richtig. Und das, und auch da wissen wir uns mit dem Finanzminister eins, muss so viel Spielraum lassen, gerade noch, dass wir auch noch investieren können. Also: konsolidieren, sanieren, reformieren – Fragezeichen –, aber auch investieren. Wir sagen ja selber vom ersten Tag weg, bitte das zu berücksichtigen – Jakob Schwarz und ich investieren da tatsächlich, und das ist im Übrigen auch nachzurechnen –: Wo muss dann, dann aber sinnvoll, gespart werden, wenn wir bestimmte Ziele der Budgetsanierung erreichen wollen? Und ich bin selber der Meinung und ich glaube, vom Grundsatzpfad her, dass wir bis zum Ende der Legislaturperiode wieder die europäischen Regeln relativ gut einhalten, da würden wir übereinstimmen. Wenn das aber schon einmal der Konsens ist, dann kann man bei den Einnahmen und Ausgaben schauen. Und die Grünen machen es sich nicht leicht. Immer wenn wir etwas kritisieren, sagen wir, wo sonst das Geld in der Welt läge, damit der Pfad passt, damit das passt, dass wir auf diesen europäischen Konsolidierungskurs kommen und gleichzeitig aber Ursache und Wirkung nicht verwechseln – und Ursache der Budgetmisere ist eben die Wirtschaftskrise, und deshalb muss man schauen, wie wir dort ansetzen. Und jetzt habe ich schon das Thema – um das durchzugehen –, dass es – nicht überall, es gibt auch gute Geschichten, nicht überall, aber in wesentlichen Teilen oder in einzelnen Teilen, je nachdem –, gemessen an den Alternativen, die es immer noch gibt, hier umweltschädlich zugeht, phasenweise aus gleichen Gründen wirtschaftsfeindlich und da oder dort gar nicht zu knapp sozial ungerecht. So, und das ist völlig verkehrt herum, und wir werden immer nachweisen, wie wir das Geld sonst aufstellen wollen. Wenn wir uns zum Beispiel im sozialen Bereich – damit ich eines herausgreife – anschauen, dass gerade die Familien – apropos Familienpartei ÖVP – mit den meisten Kindern, mit den geringsten Einkommen und die, die am entlegensten wohnen, nicht nur relativ, sondern phasenweise auch absolut die größten Kürzungen haben, dann geht das auch anders. Wenn man schon bei der kalten Progression hingreift – was ich ja verstehe, denn das war immer ein günstiges Körberlgeld, und wir sind auch darauf aufmerksam gemacht worden, dass es Schwierigkeiten geben könnte, wenn man das abschafft, ohne eine Gegenfinanzierung vorzusehen, sage ich dazu und verweise da auf Prof. Badelt –, dann greife ich doch so hin, dass ich nicht das soziale Drittel – das heißt im Übrigen schon so – angreife, weil dort die Chance Kindergrundsicherung – das ist ja das Programm der SPÖ, da decken wir uns weitgehend – verankert ist. Das ist ja bis jetzt gelungen – im Übrigen, grosso modo hat der Sozialstaat ja gehalten –, und jetzt soll es dort aber weitergehen. Deshalb könnte man – ja, das muss ich an dieser Stelle selber eingestehen – das vielleicht von oben herum machen – da sind wir sogar noch innerhalb des gleichen Prinzips: Rücknahme der Abschaffung der kalten Progression – oder auch an anderer Stelle dort. Bei den Abgaben haben Sie ja auch nicht alles ausgeschöpft. Die Bankenkiste könnte man entweder erhöhen oder länger laufen lassen. Die haben zur Stunde erst die Hälfte abgetragen von dem, was der Finanzsektor in der Finanzkrise verursacht hat. 5 Milliarden Euro sind noch offen. Wir wissen, wovon wir da reden. Ich würde auch einmal den Gemeindebundpräsidenten, der durchaus konstruktive Ansätze hat, erhören und den Gemeinden die Möglichkeit geben, dass sie bei der Grundsteuer etwas tun. Warum passiert das nicht? Ansonsten will ich mich wieder auf die Ausgabenseite konzentrieren, und da kommen wir zur Umweltfrage, die mit der Wirtschaftsfrage verbunden ist. Da wird wirklich viel Unsinn verbreitet. Ich weiß schon, dass wir da in Konkurrenz stehen, aber zu sagen, nur weil ich gestern in der „Pressestunde“ war – Kolleg:innen von den Sozialdemokraten, seid mir nicht böse –, die SPÖ müsse jetzt zusammenräumen, was die Grünen im Klimaschutz nicht zusammengebracht haben: Also da wünsche ich Ihnen viel Vergnügen. Da gehen Sie einmal auf Österreichtour und diskutieren Sie das durch! Und wir sind dann eh auch schon wieder da. Aber das geht sich ja hinten und vorne nicht aus! Richtig ist, dass einige Milliarden zusätzlich in die Hand genommen wurden für verschiedenste Fördersystematiken. Das ist richtig. Aber um was zu befördern? – Um Investitionen zu befördern. Von denen reden wir ja: Investitionen! Und das kann man einmal so und einmal so machen, aber grosso modo passt es. Die haben im Übrigen sehr viel gebracht für die österreichische Volkswirtschaft, auch die Wirtschaftskammer erkennt das. Hätten wir das nicht gemacht, wäre die Wirtschaftsmisere und damit die Budgetmisere noch größer. Es ist ja klar, dass jetzt die Installateure, die Monteure und alle herumrennen und sagen: He, wo führt denn das hin? – Das, glaube ich, sollte man daher nicht in dieser Form streichen, sondern anders machen, denn sonst haben wir am Schluss die Strafzahlungen. Na da mache ich die Rechnung auf: Der Rechnungshof sagt, zwischen 5 und möglicherweise 9 Milliarden Euro wären es im Jahr 2030. Wir haben umweltschädliche Subventionen. Apropos Förderungen: Die anderen haben wenigstens einen Sinn, die für etwas sind. Aber diese nicht anzugreifen, wenn es so knapp ist? Ja, wir haben auch nicht alles weggebracht, das ist richtig, aber wir hatten auch nicht diese Budgetsituation. Das ist das, was sich nicht ausgeht, finde ich: Wir haben mehrere Milliarden – ich habe es gestern vorgerechnet –, die völlig in die falsche Richtung gehen. Und das sollten Sie sich schon zu Herzen nehmen in all diesen Bereichen. Und wenn dann rauskommt, dass wir am Schluss noch mehr umweltschädliche Subventionen machen statt weniger, und zwar in Milliardenhöhe, dann sieht man da die Dimension. Wir könnten alles aufrechterhalten, wenn wir es anders zuteilen – das ist ja zum Teil eine Geschmacksfrage –, aber man muss es nicht streichen. Das kann man von mir aus besser machen – beweisen Sie das! Und was die Dimension von dem Ganzen betrifft – weil Sie so tun, und das ist ja der größte Blödsinn, Kollege Kucher, seid mir nicht böse, dass das im Großen irgendetwas auslösen würde –: Wenn wir die letzten fünf Jahre hernehmen, machen diese zusätzlichen Umweltförderungen plus/minus ein halbes Prozent von der Wirtschaftsleistung aus. Rechnen Sie endlich einmal nach! Das würde ich allen empfehlen: nachzurechnen. (👏) Und für dieses halbe Prozent wurde so viel erreicht und ausgelöst: neue Firmen, neue Arbeitsplätze in den Zukunftsbereichen – und die Emissionen sinken! Von diesen Maßnahmen werden Sie noch jahrelang profitieren. Jetzt fallen aber die Entscheidungen dafür, wie es 2027 bis 2030 mit den Emissionsreduktionen aussieht. Daran werden Sie auch gemessen. Auch das ist Wirtschaft und auch das sind Arbeitsplätze. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter August Wöginger . – Ich habe Ihre Zeit auf 6 Minuten eingestellt.

ÖVP August Wöginger

Danke, Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es ist notwendig, zu Beginn ein paar Worte auf Klubobmann Kickl zu replizieren, weil er immer Ehrlichkeit einfordert, dass man sich an die Wahrheit hält und dass ehrliche Politik betrieben wird. Herr Klubobmann Kickl, ich habe ein paar Dinge herausgehört. Da ich Klubobmann Kickl ja auch schon längere Zeit kenne, möchte ich hier ein paar Dinge klarstellen; das gehört auch zur Wahrheit dazu. Das hat nicht immer nur die eine Seite, das hat auch die andere. Zur Coronapolitik: Es war immerhin Herbert Kickl , der den ersten Lockdown gefordert hat – noch drei Tage vor der Bundesregierung, im März 2020.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und wer war der Erste, der gesagt hat: Weg damit!?

ÖVP August Wöginger

… Zu den Privilegien: Herr Kollege Kickl, das fetteste Auto, das von einem Politiker in Österreich gefahren wird, das hast du selber. Das ist eine Mercedes S-Klasse. (👏 ÖVP) Zum Innenminister Kickl: Was ist geblieben vom Innenminister Kickl? – Nichts! Der blaue Teppich ist weg, die Rösser sind weg und die Bilanz ist schlecht. Wir wissen jetzt genau, dass die Bilanz schlecht ist, weil zurzeit um 12 000 Menschen weniger in der Grundversorgung sind, als das im April 2019 unter Innenminister Kickl der Fall war. Wir haben jetzt unter Innenminister Karner um 12 000 Menschen weniger in der Grundversorgung als unter Herbert Kickl . Das ist auch die Wahrheit, Herr Klubobmann. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zu guter Letzt, und dann kann ich auch zum Budget überleiten: Wir haben ja gemeinsam verhandelt. Kickl hätte natürlich Bundeskanzler der Republik werden können. Er wollte es aber nicht. Er wollte es aber nicht – wahrscheinlich zu anstrengend, sieben Tage, 24 Stunden, da kann man nicht mehr Bergkraxeln gehen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das tät’ dir gar nicht schaden ein bissl!

ÖVP August Wöginger

… Das wird alles dazugehören. Er wollte es nicht. Das ist auch die Wahrheit. Zum Budget: Das haben wir ja wirklich ausverhandelt gehabt, genau die 6,4 Milliarden Euro; zu 90 Prozent ident. Da sind sicher ein paar Abweichungen dabei …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Die Pensionen zum Beispiel!

ÖVP August Wöginger

… im kulturellen Bereich und dass man die Fahrradfahrer nicht entlasten will. Da sind Forderungen der FPÖ im kleinen Bereich drinnen. Zu 90 Prozent aber sind die 6,4 Milliarden Euro ident so, wie wir es jetzt in diesem Budget vorfinden – auch was die Pensionen anbelangt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mit oder ohne Defizitverfahren? – Abg. Kaniak [FPÖ]: ... Pensionistensprecherin ist dabeigesessen und hat gesagt, dass man das nicht macht!

ÖVP August Wöginger

… Auch wenn es wieder 100 tatsächliche Berichtigungen gibt, es ist nicht die Wahrheit! Es ist einfach falsch. Wir haben die Veränderungen bei der Korridorpension ausgemacht gehabt und wir haben die Erhöhung des Krankenversicherungsbeitrages um 0,9 Prozent ausgemacht gehabt. Die beiden Parteiobleute Kickl und Stocker haben das auch unterschrieben und gemeinsam nach Brüssel geschickt. Das ist die Wahrheit, meine sehr geehrten Damen und Herren.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich glaube, du hast ein allgemeines Wahrheitsproblem!

ÖVP August Wöginger

… Dass die Erstellung dieses Budgets in Zeiten wie diesen nicht einfach ist, ja, das ist richtig. Wir haben seit drei Jahren Rezession. Wir haben mehrere Jahre verschiedener Krisen hinter uns …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die ÖVP hat überhaupt nichts damit zu tun ...!

ÖVP August Wöginger

… die Pandemie, natürlich auch die Kriegssituation wieder auf europäischem Boden. Da siehst du ( in Richtung Abg. Kickl [FPÖ] ) ja auch nur die eine Seite. Natürlich: Wenn man mit Russland so verbandelt ist, wie das die FPÖ ist – mit Verträgen und weiß der Teufel, was da noch alles dazugehört …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist dermaßen ...! – neuerlicher Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ]

ÖVP August Wöginger

… dann ist die Situation der FPÖ schon klar.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das glaubt ja eh keiner mehr!

ÖVP August Wöginger

… Dass man mit beiden spricht, um endlich Frieden herbeizuführen, das ist unsere Antwort darauf …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Seit wann? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Seit wann denn? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ – Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS

ÖVP August Wöginger

… nicht die Einseitigkeit, die die FPÖ von sich gibt, die nur Russland sieht und nicht das andere auch.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wann kommt der Putin auf Staatsbesuch?

ÖVP August Wöginger

… Dann hat es die Teuerung gegeben. Dann hat es die Inflation gegeben. Das alles wird von der FPÖ weggewischt, als hätte es in dieser Republik nicht stattgefunden. Wir haben die Veränderungen, die es natürlich auch im globalen Umfeld gibt: die Zollpolitik von Präsident Trump …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die ist jetzt schuld fürs Defizit, oder was?

ÖVP August Wöginger

… jetzt auch die Kriegssituation erneut im Nahen Osten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mein Gott, ist das peinlich!

ÖVP August Wöginger

… All das geht ja nicht spurlos auch an uns vorüber.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Würde mich ja mal interessieren, wer da eigentlich der Aggressor ist!

ÖVP August Wöginger

… Dennoch können wir als Bundesregierung – und auch wir als die drei Koalitionsparteien hier im Parlament – dieses Budget in den nächsten Tagen nicht nur diskutieren, sondern am Mittwoch auch beschließen: ein Budget, das nichts beschönigt und keine Wohltaten verspricht; ein Budget, das vor allem einen neuen Weg einleitet; einen Weg, der nicht einfach ist, aber der beste Weg für Österreich ist – mit dem Dreiklang aus Sanieren, Reformieren und Wachsen. Das ist der Weg der Verantwortung, meine Damen und Herren, den wir hiermit gehen. Ein Wort zu diesen drei Punkten. Sanieren: Wir haben ein Gesamtsanierungsvolumen in den beiden Jahren von 17 Milliarden Euro, denn es ist ja das eine die Sanierung und das andere auch die Offensivmaßnahmen, die gesetzt werden können. Im heurigen Jahr sind es insgesamt 7 Milliarden Euro, 6,4 Milliarden für die Konsolidierung. Im kommenden Jahr sind es 10,3 Milliarden Euro, 8,7 Milliarden für die Konsolidierung und gut 1,5 Milliarden für Offensivmaßnahmen. Was sind denn die Maßnahmen? Noch dazu: Das ist nicht nichts. In den letzten Jahrzehnten wurde ein derartiges Budget in diesem Haus nicht beschlossen, notwendigerweise.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Historisch! Ist so!

ÖVP August Wöginger

… Aber wenn man fragt: Wo ist denn da die Konsolidierung? – Die ist da, meine Damen und Herren. Die ist nachweislich da.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Für die nächsten fünf Jahre!

ÖVP August Wöginger

… Die ist niedergeschrieben. Es ist auch notwendig, das in der jetzigen Zeit zu tun. Das betrifft den Klimabonus. Das betrifft die Bildungskarenz. Das betrifft das gesamte Förderungswesen. Das betrifft auch die Verwaltung mit über 1 Milliarde Euro. Das betrifft auch steuerliche Maßnahmen, die gesetzt werden, damit dieses Budget saniert wird.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was wird da saniert? Neue Verschuldung!

ÖVP August Wöginger

… Das ist der Weg, der notwendig ist, und diesen Weg gehen wir auch, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Reformieren: Die Pensionen habe ich erwähnt; mit der FPÖ vereinbart und ausgemacht. Wir haben neben der Korridorpension- Änderung auch die Aliquotierung mit 50 Prozent festgehalten. Wenn man also heuer in Pension geht, bekommt man im nächsten Jahr die Hälfte des Anpassungsfaktors. Das war eine unendliche Geschichte in den letzten Jahren, auch hier im Hohen Haus. Auch der Nachhaltigkeitsmechanismus wird Teil des gesamten Paketes sein.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, schön, toll! Erklär einmal den Nachhaltigkeitsmechanismus!

ÖVP August Wöginger

… Die Teilpension und auch eine Neuregelung bei der Altersteilzeit werden es ermöglichen, dass das faktische Antrittsalter stärker an das gesetzliche Antrittsalter herangeführt wird. Es ist notwendig, meine Damen und Herren, das zu tun, weil natürlich auch die Ausgaben in diesem Bereich steigen, weil wir eine älter werdende Gesellschaft sind, weil wir auch der älteren Generation Respekt und Anerkennung und Wertschätzung zollen wollen, aber auch eine Nachhaltigkeit im Pensionssystem verankern wollen. Zum Bereich Reformen darf ich auch noch auf etwas verweisen, was es in Österreich lange nicht gegeben hat, nämlich die Reformpartnerschaft Österreich, die im Rahmen der Landeshauptleutekonferenz vor wenigen Tagen in Salzburg unterschrieben wurde, und zwar von der Spitze der Bundesregierung, vom Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz Wilfried Haslauer , vom Vorsitzenden des Städtebundes und des Gemeindebundes. Man will da in den Bereichen der Energie, der Bildung, der Gesundheit und der Verwaltung in den kommenden Monaten Maßnahmen setzen, um auch da die Reformansätze zu zeigen und diese auch umzusetzen. Das ist Politik, die Verantwortung übernimmt. Das ist Politik für die Zukunft unseres Landes. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Wachsen, meine Damen und Herren: Eigentlich sollte es ja einen Schulterschluss dafür geben, dass man dieses zarte Pflänzchen, das es jetzt am Ende des Horizonts gibt – auch bestätigt durch die Oesterreichische Nationalbank; auch das Wifo sieht ein leichtes Wachstum, wenn es auch nicht viel ist, aber es geht in die richtige Richtung –, unterstützen sollte als politischer Verantwortungsträger, egal ob man in der Regierung oder in der Opposition ist. Wir versuchen, das mit zahlreichen Offensivmaßnahmen auch anzukurbeln. Da ist zum Beispiel die 1 000-Euro-Mitarbeiterprämie, die steuerfrei gestellt ist, oder auch – für jene, die ein Fahrzeug brauchen oder weiter weg sind vom Arbeitsplatz – die Verdreifachung des Pendlereuros von 2 auf 6 Euro. Die Maßnahme zum Arbeiten im Alter: Es ärgert ja viele Menschen, wenn sie bis zum gesetzlichen Pensionsantritt gearbeitet haben und dann aber sagen: Ich fühle mich noch fit und gesund und will weiterarbeiten!, dass dann eine Steuernachzahlung von 2 000, 3 000 oder 4 000 Euro kommt. Dass das nicht passiert, das setzen wir ab dem Jahr 2026 auch um. Das ist eine wichtige Maßnahme. (👏 ÖVP) Dazu gehört auch, dass wir die kleine und mittlere Wirtschaft unterstützen, wie mit der Befreiung von der NoVA bei diesen Kastenwägen – wenn der Mitarbeiter, der Elektriker von einer Baustelle zur anderen fährt und am Abend nach Hause und am nächsten Tag wieder auf die Baustelle, dass er auch vom Sachbezug befreit ist und dass das Auto in der Anschaffung keine NoVA beinhaltet. Oder auch der Kostendeckel bei den Rezeptgebühren für jene, die niedrigere Pensionen haben, dass auch eine soziale Handschrift hinterlassen wird; das zweite Kindergartenjahr, das vom Bund mitfinanziert wird; die Deutschförderung und das Gemeindepaket in der Höhe von insgesamt 880 Millionen Euro in den nächsten Jahren. Das, meine Damen und Herren, ist verantwortungsvolle Politik. Das heißt nicht nur Sparen um jeden Preis, sondern Prioritäten setzen – und das mit Hausverstand. Wir tun das Richtige mit diesem Doppelbudget für Österreich. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Michael Schnedlitz . – Ich habe Ihre Redezeit auf 8 Minuten eingestellt.

FPÖ Michael Schnedlitz

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vor allem geschätzte Damen und Herren Zuhörer, um deren Zukunft es jetzt geht! Wir haben ein Budget der Ampelregierung vorliegen, bei dem der Plan lautet: ein Belastungsbudget für die Menschen, verlorene Jahre für die Wirtschaft, in den finanziellen Untergang der Republik Österreich. Da können meine Vorredner behaupten, was sie wollen. Sie alle wissen: Zahlen lügen nicht. Im Übrigen: Auch Excel-Listen lügen nicht, Herr Kollege. Die Menschen wissen und können nachvollziehen – sogar im Internet –, dass die Liste, die während der Verhandlung von FPÖ und ÖVP von Herbert Kickl unterschrieben nach Brüssel geschickt wurde, mit keinem Wort diese Pensionskürzungen enthält …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Yannick hat ein Taferl!

FPÖ Michael Schnedlitz

… die Sie jetzt gemeinsam mit der Ampel beschlossen haben. Vielleicht auch noch als Anmerkung, denn das war ja nicht das Einzige, was mein Vorredner behauptet hat; er hat ja auch behauptet, auch Herbert Kickl habe einen teuren Dienstwagen: Sehr geehrte Damen und Herren, das ist unrichtig. Die Wahrheit lautet auch da: Das ist kein Dienstwagen der Republik Österreich. Die Freiheitliche Partei bezahlt diesen Dienstwagen selber.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

Aus der privaten ...! – Ruf bei der ÖVP: Unternehmensberatung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Im Übrigen - - ( Unruhe im Saal. ) Im Übrigen hat die Freiheitliche Partei im Vergleich zur Republik Österreich keine Schulden ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und sie hat auch im Vergleich zur Österreichischen Volkspartei keine Schulden. Wir wissen, wie man wirtschaftet. (👏 FPÖ) Und dann hat mein Vorredner von der Österreichischen Volkspartei, weil er gerade so in Fahrt war , auch noch behauptet, diese Bundesregierung sei quasi der Schutzpatron der Neutralität und man spreche mit beiden – ich glaube nicht, dass er den amerikanischen Ex-Präsidenten gemeint hat, er meinte: beide Seiten –, aber am heutigen Tag ist nur eine Seite hier, nur eine Seite eingeladen, und nur eine Seite bekommt von Ihnen die Finanzhilfen. Sie sprechen nicht mit beiden Seiten, Sie opfern unsere Neutralität, und die Menschen zu Hause vor den Bildschirmen wissen das. (👏 FPÖ) Ich weiß ja nicht, was in einem vorgeht, wenn man glaubt, mit solchen Aussagen die Menschen zu Hause vor den Bildschirmen und hier auf der Galerie für dumm verkaufen zu können. Glaubt man wirklich, man kommt damit durch? – Das haben sich die Menschen von meinem Vorredner anhören müssen, aber kein Wort zur Sicherheit, kein Wort zum Kahlschlag bei der Polizei. Da sieht man, wie wichtig die Polizei und das Innenministerium der Österreichischen Volkspartei in Wahrheit sind, und gleichzeitig sieht man, wie wichtig es gewesen wäre, dass das Innenministerium endlich in verantwortungsvolle Hände, nämlich in freiheitliche, gelangt. (👏 FPÖ) Mit diesem Budget haben wir jetzt einen Plan vorliegen, der die nächsten Jahre abbildet, und es war noch nie so offensichtlich, dass es nicht um die Republik Österreich oder um das Wohlergehen der österreichischen Bevölkerung geht, sondern um Posten. Das sieht man alleine schon, wenn man hier zu meiner Linken und zu meiner Rechten auf die größte und teuerste Regierungsmannschaft aller Zeiten blickt: Das manifestiert sich auch in einem Kanzlerposten für die abgewählte Österreichische Volkspartei, in einem Vizekanzlerposten für Andreas Babler , in einem Ministerposten für Meinl-Reisinger und in ein paar anderen Posten. Dafür haben Sie der Republik Österreich einen Bärendienst erwiesen, und im Budget schreiben Sie den jetzt fest. Dafür haben Sie gleichzeitig Ihre Parteien, Ihre Funktionäre und Ihre Wähler verkauft. Sie haben alle Ihre Ziele über Bord geworfen, und ich werde Ihnen jetzt die Beweise dafür liefern. Wo werden die Ziele von Parteien und die Versprechen an die Wähler festgeschrieben? – Ich würde einmal sagen: auf Wahlplakaten. Und wo wird die Umsetzung gesammelt festgeschrieben? – Im Budget. Jetzt schauen wir uns das an: Die NEOS haben plakatiert: „Reformkraft“. – Was ist von dieser Reformkraft geblieben? – Ein Steigbügel für die Österreichische Volkspartei und Sepp Schellhorn. Der Rest ist ja zurzeit gerade nicht da. – Viel mehr muss man dazu gar nicht sagen. Was hat die SPÖ, die Sozialdemokratie plakatiert? – Das Gesicht von Andreas Babler und daneben den Satz – ich zitiere –: „Mit“ Herz „+Hirn“, „Für deine Pension.“ ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ. ) Eine ältere Dame war auch auf dem Plakat. Sogar mehr noch: In einem von der SPÖ selbst geführten Interview wurde Andreas Babler von der SPÖ gefragt: „Was meinst du, wenn du von einer Pensionsgarantie sprichst?“ – Andreas Babler hat geantwortet: „Die Sozialdemokratie ist Garantin dafür, dass man von der gesetzlichen Pension, für die man jahrzehntelang eingezahlt hat, gut leben kann. Faire und sichere Pensionen schützen vor Altersarmut.“ – Und jetzt kommt es –: „Mit der SPÖ wird es keine Pensionskürzungen und keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters geben.“ …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Alles wurscht!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Dann hat er noch im selben Satz dazugesagt - - (👏 SPÖ) Da klatschen die noch, obwohl sie jetzt gerade mit diesem Ersten des Monats die Pension gekürzt haben! (👏 FPÖ) Na geht denn mehr Hohn gegenüber der Bevölkerung? Geht’s euch noch gut? Da klatscht ihr noch! Gleichzeitig, im selben Absatz, hat Andreas Babler auch versprochen: Pensionssystem in der Verfassung, Arbeitszeitverkürzung und ein Bankomat an jeder Ecke – darauf gehe ich jetzt gar nicht ein. Da aber zu klatschen, das zu plakatieren und dann die Pensionen zu kürzen, obwohl Sie den Pensionisten eine Garantie gegeben haben: Sie haben den Pensionisten eine Garantie gegeben, die haben Ihnen vertraut, und viele haben Ihnen dann auch ihre Wählerstimme anvertraut. Dann herzugehen und die Pensionen zu kürzen, erinnert mich – das sage ich Ihnen – an den Enkeltrick. Da geht es auch darum, zuerst Vertrauen aufzubauen, und dann bleibt kein Geld übrig. Genau das haben Sie in dieser Regierung zustande gebracht. (👏 FPÖ) Schlussendlich hat die Österreichische Volkspartei plakatiert: „Karl Nehammer“, und daneben: „Stabilität“. – Ja, jetzt könnte man sagen, es wäre das Mindestmaß an Stabilität gewesen, wenn der, der plakatiert wird und antritt, dann auch in die Regierung eintreten würde, aber damit will ich mich jetzt gar nicht aufhalten. Der hat jetzt eh einen Job bekommen – das funktioniert ja bei Ihnen sehr stabil –, mit über 30 000 Euro brutto im Monat als EU-Banker ohne Ausbildung, während Sie die Pensionen kürzen. In diesen Schachzügen und in diesen Winkelzügen ist die ÖVP stabil. Schauen wir uns das Ganze aber auch fachlich an! Sie plakatieren Stabilität, Sie stellen jetzt den Kanzler, und das Budget zeigt das genaue Gegenteil von Stabilität. Wenn man nämlich ein Budget macht – egal ob das ein Haushaltsbudget oder ein Budget in einem Unternehmen oder eben ein Budget für die Republik ist –, dann weiß der normal denkende Bürger, man geht her und schaut sich an: Wo komme ich her, wie stehe ich da – eine Lagebeurteilung –, und wo will ich hin? Das Wo-will-ich-hin schreibt man dann im Budget fest, und das gehen wir jetzt der Reihe nach durch: Wo kommen Sie her und wo stehen Sie beim Thema Stabilität? – Österreich ist das einzige EU-Land mit negativem Wirtschaftswachstum. Dann stellt sich der Kogler raus und sagt: Wir stehen wirtschaftlich gut da. – Letzter Platz beim Wirtschaftswachstum, letzter Platz beim Wirtschaftswachstum! In anderen Bereichen, zum Beispiel bei der Steuerlast, sind wir zwar nicht Letzter, aber es geht den Österreichern am drittschlechtesten von allen europäischen OECD-Ländern. Schlechter geht es nur noch den Menschen in Frankreich und in Belgien. Besonders schlecht, was die Abgabenbelastung betrifft, geht es einem Österreicher oder einer österreichischen Familie übrigens dann, wenn sie zwei Kinder hat. Da hat uns dann nämlich sogar Frankreich mit der Abgabenbelastung überholt, und nur noch Belgien steht schlechter da und man muss für sein Arbeiten mehr Abgaben bezahlen. – Das würde ewig so weitergehen, betreffend Inflation, öffentlicher Schuldenstand und, und, und. Zusammenfassen kann man: Wirtschaft kaputt, Standort kaputt – das sind die Analyse und die ehrliche Lagebeurteilung kurz zusammengefasst zum Zeitpunkt heute. Jetzt planen wir das Budget. Besserung in Sicht? – Nein. Man braucht den Budgetplan – der liegt ja schwarz auf weiß auf dem Tisch – nur zu öffnen und zu lesen: keine Investitionen, keine Trendwende, kein Befreiungsschlag für die Wirtschaft, kein Befreiungsschlag im Steuersystem, kein Befreiungsschlag für den Standort. Jetzt würde man normalerweise hergehen und sagen: Aber dafür sanieren sie wenigstens das Budget. – Nein, sehr geehrte Damen und Herren, das Budget wird auch nicht saniert. Österreich bekommt ein Defizitverfahren. Warum bekommt Österreich ein Defizitverfahren? – Weil die Europäische Union – nicht die Freiheitliche Partei unter Kickl – über dieses Budget sagt: Totalschaden, Note: untauglich; untauglich, um das Budget zu sanieren. Deshalb bekommt Österreich jetzt ein Defizitverfahren. Das ist übrigens auch der Unterschied zwischen dieser Ampelregierung und einer Regierung unter einem Kanzler Kickl. Den schreiben nicht wir fest, den hat die Europäische Union festgeschrieben.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Es gibt keinen Kanzler Kickl!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Weil Sie so gern die Frage stellen: Was ist die Unterschrift von Herbert Kickl wert? ( Ruf bei der ÖVP: Nichts! ) – Die Europäische Union hat das beantwortet: Ein Plan innerhalb von drei Tagen, eine Unterschrift von Herbert Kickl , die Aussicht auf Kanzler Kickl, seine Durchsetzungskraft und Glaubwürdigkeit, und die Europäische Union hat gesagt: kein Defizitverfahren. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP. ) – Das haben wir jetzt schwarz auf weiß. Da können Sie jetzt machen, was Sie wollen. (👏 FPÖ) Dann kommt die Ampel mit der ÖVP als Seniorpartner daher, und da braucht jetzt die ÖVP gar nicht zu lachen. Wenn die ÖVP während der Verhandlungen mit den Freiheitlichen, als sie der Juniorpartner war, ausschlaggebend gewesen wäre, dass es zu keinem Defizitverfahren kommt, und jetzt – neben mir sitzt der Kanzler – den Seniorpartner stellt, warum gibt es denn dann jetzt ein Defizitverfahren? – Sie können den Menschen draußen nicht erzählen, dass Sie damals das Defizitverfahren abgewendet haben, wenn Sie vom Juniorpartner zum Seniorpartner mutiert sind und jetzt das Defizitverfahren kommt. Sie in der Österreichischen Volkspartei sind der Garant für ein Defizitverfahren. – So einfach ist unterm Strich die Rechnung. (👏 FPÖ) Die EU sagt mit einem Blick auf dieses Budget: Wir kennen jetzt Ihren Plan, wir kennen Ihre Glaubwürdigkeit, und das Ergebnis ist, wir leiten ein Defizitverfahren ein. – Bravo, sehr geehrte Damen und Herren von der Österreichischen Volkspartei! Wundern darf das Ganze niemanden. Die ÖVP-Grüne-Vorgängerregierung hat bei Corona 88 Milliarden Euro Defizit gemacht, hat aber kein Geheimnis daraus gemacht, sondern hat gesagt: „Koste es, was es wolle“, wir hauen jetzt diese 88 Milliarden Euro Defizit hinaus. – Wie gesagt, kein Geheimnis, der Stil war jedem bekannt. Die jetzige Regierung – links und rechts von mir, die Ampelregierung – kürzt die Pensionen, erhöht die Gebühren, streicht Leistungen, spart bei Familien, investiert nichts in die Wirtschaft, investiert nicht in den Standort – und jetzt kommt es –: trotzdem kein Nulldefizit, sondern 82 Milliarden Euro Defizit. Das ist fast dasselbe wie in den letzten fünf Jahren, mit einem großen Unterschied: Der Unterschied sind nicht das Defizit und das Minus, sondern der Unterschied ist, dass diese Ampelregierung den Leuten in die Tasche greift, während die Vorgängerregierung das Motto gelebt hat: „Koste es, was es wolle“. Das zeigt den Plan für den Untergang dieser Republik, den Sie hier mit diesem Budget auf den Tisch legen. (👏 FPÖ) Das muss man sich nämlich vorstellen: Trotz aller Einschnitte, trotz aller Belastungen ist es dasselbe Ergebnis wie das, das uns an den Rand des Zusammenbruchs geführt hat. Genau deshalb sagt ja die EU zu Recht, wenn sie auf dieses Budget schaut: Na, wir müssen ein Defizitverfahren einleiten; das passt ja nimmer, was die uns vorlegen. Wenn die als Unternehmer so arbeiten würden, dann würde es ja auch heißen: Sanierungsverfahren gescheitert! – Da findet man sich wahrscheinlich dann schon auf einer Ebene mit René Benko, wenn man so etwas vorlegt. Das ist das, was jetzt auf dem Tisch liegt, und Klubobmann Kickl hat ein gutes Beispiel genannt, das ich nur eine Spur weiterdenken darf. Klubobmann Kickl hat gesagt, es ist ja eigentlich ein Wahnsinn, man würde ja auch nicht zu einem Arzt gehen, der einen verpfuscht hat, damit er einen ein zweites Mal behandelt. – Ich darf das eine Spur weiterdenken: Die österreichische Bevölkerung ist nicht zu Ihnen gegangen. Die hat Sie entlassen, die hat Sie abgewählt – und was ist Ihre Conclusio daraus? Sie wenden sogar dieselbe Behandlung an: wieder Schulden, wieder ein Defizit über 80 Milliarden! Es ist sogar dieselbe Behandlung, mit der Sie uns, die Republik Österreich, da hingebracht haben, wo wir jetzt stehen. Nur die Nebenwirkungen sind mehr: Pensionen kürzen, Steuern erhöhen, Gebühren erhöhen, und so weiter. – Das ist das Ergebnis dieser Ampelregierung. Wie gesagt, wenn Sie als Unternehmer so arbeiten würden oder wenn irgendein Unternehmer so arbeiten würde, dann wäre das Defizitverfahren mit dem heutigen Tag gescheitert. Dieses Budget belegt schwarz auf weiß: Diese Ampel, dieses Verliererkonstrukt, dieses letzte Aufgebot ist mit diesem Budget gescheitert und funktionsunfähig. (👏 FPÖ) Ich komme eigentlich als Freiheitlicher nicht oder selten in die Verlegenheit, dass ich sage: Das sagt auch die EU richtig!, aber die EU ist es …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Seit wann bist denn du so EU-hörig?

FPÖ Michael Schnedlitz

… die Ihnen für dieses Budget mit dem Defizitverfahren, das sie einleitet, höchstpersönlich den Stecker aus der Ampel zieht. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung ist Abgeordneter Nico Marchetti zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Richtlinien. Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Nico Marchetti

Kollege Schnedlitz hat behauptet, dass das Dienstauto von Herbert Kickl nicht von der Republik Österreich bezahlt wird. Ich berichtige tatsächlich: Der teuerste Dienstwagen der Republik, der fette S-Klasse-Mercedes von Herbert Kickl , wird von der FPÖ bezahlt, die Parteienförderung bekommt – und Parteienförderung kommt vom Steuerzahler …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... was ihr machts ...!

ÖVP Nico Marchetti

… und nicht aus dem Privatportemonnaie …

FPÖ Ragger (Zwischenruf)

... von der Wirtschaftskammer ...!

ÖVP Nico Marchetti

… von Herbert Kickl . Sie ist öffentliches Geld.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Abgeordneter Yannick Shetty . – Ich habe Ihre Redezeit auf 6 Minuten eingestellt.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Herr Finanzminister! Vertreter, Vertreterinnen der Bundesregierung! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich darf zu Beginn stellvertretend für meine Kollegin Doppelbauer die Schulklasse des BG/BRG Wels Gymnasium Dr. Schauerstraße begrüßen. – Schön, dass ihr heute bei dieser wichtigen Debatte dabei seid. ( Allgemeiner Beifall. ) Ich möchte, bevor ich zum Budget komme, noch kurz an das anschließen, was Kollege Marchetti soeben gesagt hat. Warum? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

... Schellhorn ... Autos kaufen ... Parteikassa!

NEOS Yannick Shetty

… Weil es so viel über das Selbstverständnis der FPÖ und ihrer Vertreter aussagt. Herr Kollege Schnedlitz hat hier gesagt, den Dienstwagen – und ich möchte jetzt den Dienstwagen gar nicht beurteilen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Seids nicht so nervös! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Schellhorn, der hat sogar zwei!

NEOS Yannick Shetty

… des Parteichefs zahlen nicht der Steuerzahler und die Steuerzahlerin. Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Dienstwagen ist – so wie all das, was die Parteien finanzieren …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wenn ihr es mit den NEOS zahlts, könnts dem Schellhorn einen Hubschrauber kaufen!

NEOS Yannick Shetty

… natürlich von Ihnen, von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern, finanziert, und deswegen hat es ja damals auch so wehgetan, als Ihre Partei, als Ihr ehemaliger Parteichef Candy Crush für sein Handy, die Reinigungskraft für sein Privathaus, die Miete für seine Privatvilla mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wo ist denn der Strache jetzt? – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Wo ist denn der Strache jetzt?

NEOS Yannick Shetty

… mit dem Geld der FPÖ bezahlt hat. Das ist nicht Ihr Geld, das ist das Geld der Menschen, die jeden Tag hart dafür arbeiten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Den gibts ja nicht einmal mehr! – Abg. Kickl [FPÖ]: Ist das der Strache, den die SPÖ in Wien unterstützt hat beim Unterschriftensammeln, ist das der?

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren in den kommenden Tagen das Doppelbudget, das erste Budget dieser Bundesregierung, und ich will vielleicht, gerade weil ja einige Schülerinnen und Schüler da sind, erklären, worum es in diesem Budget für die Regierung und für das Parlament geht. Am Ende des Tages regeln wir damit, was mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler passiert, wofür es ausgegeben werden soll, wofür mehr und wofür weniger ausgegeben werden soll. Wenn die Ausgaben deutlich stärker steigen als die Einnahmen, dann kommt dieses Budget in ein Ungleichgewicht, und genau vor dieser Herausforderung ist diese Bundesregierung gestanden. Deswegen war die erste Aufgabe …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Gescheitert!

NEOS Yannick Shetty

… dieser Regierung, zu konsolidieren, das heißt, das Budget – also das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben – wieder in ein Gleichgewicht zu bringen; und das heißt auch ganz klar, die Stopptaste …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das gelingt euch aber nicht, weder heuer noch die nächsten fünf Jahre!

NEOS Yannick Shetty

… für die Gießkannenpolitik der letzten Jahre zu drücken. Damit ist jetzt endlich Schluss.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ah so? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Nein, das stimmt ja nicht! Erzählen Sie keine Märchen, Herr Kollege!

NEOS Yannick Shetty

… Die letzten Regierungen haben in unterschiedlichen Konstellationen über ihre Verhältnisse gelebt und in Zeiten voller Kassen Geld ausgegeben, als gäbe es kein Morgen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, und ihr macht weiter!

NEOS Yannick Shetty

… Damit machen wir jetzt Schluss, aber klar ist auch, dieses Doppelbudget ist erst der Anfang dafür und kann auch noch nicht das Ende sein, weil der Reformweg dieser Regierung erst begonnen hat.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, aber der Plan steht ja schon bis 29, der Schuldenplan!

NEOS Yannick Shetty

… Wir als NEOS sind in die Regierung gegangen, um Verantwortung zu übernehmen – in einer schwierigen Zeit, Herr Kickl, in der Sie nicht bereit waren …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Der Schuldenplan steht ja schon bis 29! Na, so kann es ein jeder! So kann’s jeder!

NEOS Yannick Shetty

… Verantwortung zu übernehmen, obwohl Sie Ihren Wählerinnen und Wählern etwas anderes versprochen haben. Wir tun das, weil wir glauben, dass dieses Land dringend Reformen braucht, auch wenn es schwierig ist. Deswegen reicht es auch nicht, jetzt zu konsolidieren, jetzt zu sparen, sondern wir müssen in die maroden Strukturen dieses Landes hineingehen, endlich mutig reformieren, damit wieder mehr Spielraum für Investitionen, für unsere Familien …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wo ist das konkret? Beispiele? Beispiel, Beispiel? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

NEOS Yannick Shetty

… für die Unternehmen und für unseren Standort bleibt. Deswegen ist dieses Doppelbudget nicht das Ende, sondern der Anfang eines langen Reformprozesses, das verspreche ich Ihnen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Gibt es ein Beispiel?

NEOS Yannick Shetty

… Ein Beispiel wofür, Herr Kollege Stefan? …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Dass Sie in den Strukturen sparen!

NEOS Yannick Shetty

… Ja, das sage ich Ihnen jetzt gleich, aber da müssen Sie mir vielleicht die volle Redezeit geben, dann kann ich Ihre Fragen beantworten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, das müssts euch klubintern ausmachen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... reduzieren!

NEOS Yannick Shetty

… Wenn die FPÖ immer ab Minute eins – Frau Belakowitsch ist auch schon wieder bereit – reinbrüllt, dann kann man halt nicht die Antworten bekommen, nach denen man fragt. Was sind die Reformen, die wir angehen? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Oder hast du keine Argumente mehr?

NEOS Yannick Shetty

… Erstens: Wir starten eine Reformpartnerschaft mit Ländern und Gemeinden …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wow! Der nächste Papierflieger! – Zwischenruf des Abg. Schiefer [FPÖ]

NEOS Yannick Shetty

… und das ist historisch, weil wir es das erste Mal geschafft haben, alle an einen Tisch zu holen, Bund, Länder und Gemeinden …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist alles schon durchgedacht! – Rufe bei der FPÖ: ... ein Arbeitskreis! Das ist ja keine Strukturreform, das ist ein Arbeitskreis!

NEOS Yannick Shetty

… um zu schauen, wo wir - - Ja, natürlich, Herr Kollege, natürlich ist das ein Arbeitskreis, der jetzt beginnt, sich Gedanken darüber zu machen, aber genau das ist ja das Problem. Sie versprechen den Menschen immer die Lösungen, das Blaue vom Himmel, dass alles von heute auf morgen geht. Wenn man Reformen ernst meint, dann muss man sich mit allen Beteiligten hinsetzen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ja alles schon durchgedacht, von vorn bis hinten, zehnmal!

NEOS Yannick Shetty

… und hart an Lösungen arbeiten – und ja, das verspreche ich Ihnen, das werden wir mit diesem Reformprozess jetzt tun. (👏 NEOS) Wir haben aber sogar schon begonnen – und nicht nur in Arbeitsgruppen, die für größere Probleme notwendig sind. Wir reden nicht nur darüber, wie wir nachhaltige Reformen sicherstellen, sondern haben jetzt schon Ergebnisse geliefert, und zwar insbesondere in der Bildung und in der Integration. Wir führen mit Gesetzesbeschlüssen noch vor dem Sommer die Orientierungsklassen ein, also die Möglichkeit, dass Flüchtlingskinder, die ohne Deutschkenntnisse in die Schule kommen, dort Orientierung …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Damit ihr das Budget saniert?

NEOS Yannick Shetty

… Deutsch und Werte vermittelt bekommen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das kostet ja noch mehr!

NEOS Yannick Shetty

… Wir verdoppeln die Anzahl der Deutschförderkräfte. Wir schaffen 4 000 neue Ausbildungsplätze pro Jahr in der Elementarpädagogik.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das kostet ja alles mehr!

NEOS Yannick Shetty

… Wir entlasten Lehrerinnen und Lehrer von Bürokratie, mit einem Bürokratieabbau in der Schule, den es noch nie gegeben hat, und wir starten auch künftig mit Integration ab Tag eins. Deutsch wird zur Pflicht, damit auch der Weg ins Arbeitsleben gelingt. Wer sich integriert, bekommt alle Chancen. Wer sich verweigert, muss mit Sanktionen rechnen, und damit schaffen wir auch den Zugang, dass Zuwanderer Steuern zahlen können und nicht Steuern kosten müssen. – Das ist der Zugang dieser Regierung im Bereich der Integration. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Drittens: Wir machen Tempo beim Thema Entbürokratisierung.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Kommission eingesetzt, oder?

NEOS Yannick Shetty

… Wir haben in den ersten 100 Tagen eine Entbürokratisierungsstelle geschaffen – und zwar nicht als PR-Gag, so wie in der Vergangenheit unter Ihrer Regierung zum Beispiel …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Staatssekretär im Außenministerium, das ist ...!

NEOS Yannick Shetty

… als Sie über Entbürokratisierung geredet haben, aber die Bürokratie für die Bevölkerung immer nur mehr geworden ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie viel kostet denn das?

NEOS Yannick Shetty

… sondern mit dem Ziel, den Förderdschungel und den Bürokratismus in Österreich endlich zu reduzieren, weil die Menschen das brauchen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wo ist das im Budget?

NEOS Yannick Shetty

… um wieder mehr Luft zum Atmen zu haben. Das betrifft die Schulen und die Unternehmerinnen und Unternehmer, und auch damit haben wir jetzt schon gestartet. Und wenn man sich hier die Redebeiträge der Opposition anhört, dann weiß ich nicht, wo ich da am besten anfangen soll. Zu den Grünen – ich weiß nicht, ob Kollegin Gewessler noch reden wird –: Schauen Sie, die letzten fünf Jahre waren eine schwierige Zeit. Niemand bestreitet, dass es notwendig war, dass der Staat Geld in die Hand genommen hat, aber so üppig und so intransparent und so mit der Gießkanne, wie Sie es gemacht haben, ist es gut, dass damit Schluss ist. Es ist nicht in Ordnung – auch in Richtung der Grünen gesagt –, das zu verantworten und sich dann hierher zu stellen und wie immer bei den Grünen mit dem moralischen Zeigefinger auf alle zu zeigen. Das ist nicht in Ordnung, liebe Grüne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und noch eine Bemerkung zur FPÖ und zu den Kollegen Kickl und Schnedlitz, die hier gesagt haben – oder irgendjemand hat gefragt; ich weiß nicht mehr, wer genau es aufgebracht hat –: Was haben denn die NEOS im Bereich der Kammern weitergebracht? – Ja, ich gestehe zu, da steht im Regierungsprogramm nicht drin, was wir und auch Sie wollen. Ich frage in eine andere Richtung: Was war denn der Verhandlungsstand zwischen FPÖ und ÖVP beim Thema Kammern? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Fragt die ÖVP!

NEOS Yannick Shetty

… Was haben Sie denn, während Sie regiert haben, also die Möglichkeit hatten, im Bereich der Zwangsmitgliedschaft bei den Kammern umgesetzt? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ah! Whataboutism heißt das, oder?

NEOS Yannick Shetty

… Und wissen Sie, was? Ich bin nicht so polemisch, Herr Kickl, Ihnen das vorzuhalten, denn wir leben in einer Demokratie, und in einer Demokratie zu leben, heißt, dass man Mehrheiten für Anliegen suchen muss. Was glauben Sie, was eine Mehrheit ist? Mit 29 Prozent allen anderen, nämlich der Mehrheit, vorzuschreiben, was sie zu machen haben und was nicht, ist nicht Demokratie, Herr Kickl, und das sollten Sie auch einmal verstehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Abschließend möchte ich sagen, die Menschen erwarten sich zu Recht, dass diese Regierung Reformen angeht, und ich möchte auch, dass Sie uns daran messen, ob wir das zustande bringen oder nicht. Da ist der Weg noch ein langer, ein harter. Wir haben erste Schritte gesetzt, aber es ist nur der Anfang, ein Startschuss für echte Strukturreformen in diesem Land. Und ich freue mich, wenn alle hier im Haus sich konstruktiv daran beteiligen, weil ich glaube, dass die Menschen das gerade bei der Frage der Strukturreformen auch erwarten. – Vielen Dank.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und kein Wort zur Sicherheit, kein Wort!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundeskanzler. – Bitte, Herr Bundeskanzler.

GRÜNE Leonore Gewessler

Herr Präsident, herzlichen Dank! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Budget ist in Zahlen gegossene Politik oder in Zahlen gegossene politische Haltung, wie der Herr Vizekanzler gerade noch gesagt hat, und ja, in diesem Budget findet man Punkte, die man für gut befinden kann: zwei Jahre Bankenabgabe – Werner Kogler hat es gesagt, mehr wäre schön, aber das kann man für gut befinden –; es gibt sicher noch ein paar andere. Diese Punkte können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Budget eines ist: Dieses Budget ist in Zahlen gegossene politische Mutlosigkeit. Das ist ein Budget der vertanen Chancen …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ihr habt die Chance für Generationen vertan mit dem letzten Budget!

GRÜNE Leonore Gewessler

… es ist ein Budget der Rückschritte beim sozialen Zusammenhalt, und es ist ein Budget, in dem der Klimaschutz zum Nebenschauplatz wird. (👏) Diese Regierung friert Familien- und Sozialleistungen ein in einer Zeit, in der alles nach wie vor teurer wird. Diese Regierung schafft das soziale Drittel der kalten Progression ab – den Teil, mit dem man die Geringstverdiener unterstützen konnte. Der Klimabonus wird abgeschafft. Gerade jene, die es ohnehin schwer haben – Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende, Mindestpensionist:innen, Frauen mit Teilzeitjobs –, zahlen jetzt drauf. (👏) Budgetsanierung „auf dem Rücken von Frauen“! – Das ist nicht mein Zitat – der liebe Philip Kucher ist jetzt nicht da –, sondern vom Momentum-Institut. Yannick Shetty ist jetzt auch nicht da, aber falls er sich benachteiligt fühlt, kann er gerne bei der Agenda Austria nachlesen. Die beiden stellen nämlich aus ihren Perspektiven genau dieselbe Frage, die ich hier auch stelle: Was bitte ist das für eine politische Prioritätensetzung? Darum geht es bei einem Budget! Was ist das für eine politische Prioritätensetzung? (👏) Bei den Superreichen, bei den Konzernen, bei den fossilen Privilegien bleibt alles beim Alten. Die starken und breiten Schultern, von denen die SPÖ geredet hat, sind ein bissl schmächtig geraten, und das Aufräumen bei den fossilen Subventionen, das die NEOS versprochen haben, sehe ich nicht. ( Ruf bei den NEOS: Kommt noch! ) Also ich muss sagen: viel versprochen, wenig gehalten in diesem Budget! (👏) Beim Klimaschutz und bei der Energiewende – der Herr Energieminister ist jetzt nicht mehr da –: leider Rückschritt pur. Das, was wir mit den Unternehmen aufgebaut haben, mit den Menschen in diesem Land aufgebaut haben, wird gekürzt, zurückgefahren – sei es bei der Förderung für den Heizungstausch, bei den Investitionen in Solarstrom und in Gebäudesanierungen: gekappt; der Öffiausbau auf Eis gelegt. Man kürzt genau dort, wo Investitionen in die Zukunft notwendig wären: bei der Mobilität, bei der Energie, bei Gebäuden, bei der Klimaanpassung. Das ist tatsächlich eine Herausforderung für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, für die Versorgungssicherheit und, ja, natürlich auch für die Klimaziele, die wir EU-rechtlich verpflichtend erfüllen müssen. Die Bundesregierung streicht dort, wo man investieren müsste – in die Zukunft –, aber sie zieht den Stecker nicht dort, wo man noch viel Geld verbrennt. Was ist mit den fossilen Subventionen? Dienstwagenprivileg, Dieselprivileg – die Liste kann man noch lange weiterführen, das wisst ihr. ( Abg. Shetty [NEOS] geht zu seinem Sitzplatz. ) – Jetzt ist er wieder da, Yannick Shetty , er weiß das: Nichts ist passiert! Schluss mit Milliarden für den Straßenbau, für noch einmal die x-te Straße, die wir mit einem Überangebot an Straßen in Österreich eh schon haben! Statt Kürzungen bei den Ärmsten, tatsächlich faire Beiträge bei den Reichsten – das wäre das, was wir jetzt brauchen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Welt besteht aus mehr als dem Lobautunnel!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Ja, dieses Budget, das spüren die Menschen in diesem Land ganz konkret. Ich bin gerade viel in Wirtshäusern unterwegs, zuletzt am Samstag in Söding in der Steiermark; da fährt man mit der GKB hin. Da trifft man dann die Pendlerin, die sich jetzt sagt: Super, meine Bahnstrecke, da kann ich auf die Modernisierung und die Elektrifizierung wieder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten! – Da redet man mit dieser Pendlerin, die sich fragt, wie sie mit dem Klimaticket weiter tut, weil für diese Frau 200 Euro mehr wirklich viel Geld sind; und vielleicht ist das ja nur der Anfang, vielleicht wird es ja noch einmal teurer. Da trifft man dann den Techniker von einem Biomassehersteller, einem Kesselhersteller, der aus voller Überzeugung in der Branche arbeitet, sich aber jetzt sagt: Vielleicht muss ich die Branche wechseln! – Warum? – Weil die Stimmung in der Branche noch nie so schlecht war wie jetzt: 220 Mitarbeiter waren sie, 150 sind es jetzt; 70 hoch qualifizierte Menschen ohne Job.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

... das Geld den Menschen aus der Tasche gezogen! Eine Verdoppelung hat die Förderung gebracht, obwohl ...!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Dorthin, das hat nämlich die Förderung finanziert. Das ist das, wie sich dieses Budget anfühlt. Das ist das, wie dieses Budget für die Menschen und ihre ganz konkrete Lebensrealität in diesem Land ausschaut. So sieht es aus, wenn man bei der Zukunft streicht und Milliarden in die Vergangenheit buttert. (👏) Budget ist in Zahlen gegossene Politik, aber auch ganz konkrete Lebensrealität. Dieses Budget geht in wichtigen Schritten einen Schritt nach dem nächsten zurück in die Vergangenheit, aber die Menschen in diesem Land wünschen sich eine Zukunft, auf die man sich verlassen kann. Genau dafür kämpfen wir Grüne bei diesem Budget und auch bei jedem weiteren. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Julia Herr. – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt, Frau Kollegin.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrtes Hohes Haus! Diese Woche ist es jetzt so weit, wir beschließen ein Budget für 2025 und 2026, aber ich will heute eine andere Rede dazu halten. Es ist in den letzten Wochen, aber auch heute schon sehr viel darüber gesprochen worden, was nicht im Budget enthalten ist und wo in Zukunft gespart werden muss; das haben wir jetzt Woche für Woche diskutiert. Es ist auch gar kein Wunder, denn die Vorgängerregierung hat uns das größte Budgetdesaster seit dem Zweiten Weltkrieg hinterlassen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Koza [Grüne]: Das stimmt nicht! Das ist falsch!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Deshalb, Frau Abgeordnete Gewessler, wenn Sie fragen: Was ist das für ein Budget?, dann sage ich: Es ist ein Budget, mit dem saniert werden muss, mit dem wir hinter Ihnen aufräumen müssen – das ist ganz einfach das Budget. (👏 SPÖ) Auf Deutsch: Es ist einfach kein Geld mehr da, ganz im Gegenteil: Das, was in den letzten Jahren gewachsen ist, sind die Schuldenberge, und dementsprechend muss jetzt gespart werden. Das ist eine äußerst schwierige Aufgabe, die jetzt rein rechnerisch einmal gelungen ist. Es werden heuer mehr als 6 Milliarden Euro eingespart. Jetzt kommt es aber – ich habe angekündigt, dass ich eine etwas andere Rede halten will –: Ich will darüber sprechen, was es trotz – trotz! – dieser wirklich unglaublich schwierigen Budgetsituation in unser Doppelbudget hineingeschafft hat. Ich beginne einmal beim Thema Bildung, weil es heute leider schon Thema war, und es ist aktueller denn je: dass es für alle Kinder und Jugendlichen endlich mehr psychosoziale Therapieangebote gibt. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. (👏 ÖVP, SPÖ) Es ist wichtig, dass es für alle jungen Eltern – mich betrifft das gerade persönlich – endlich das zweite kostenfreie, verpflichtende Kindergartenjahr gibt, ein besseres Betreuungsangebot für alle Kinder in diesem Land; dass es aber auch für alle Kinder unabhängig vom finanziellen Hintergrund ihrer Eltern endlich eine gesunde Jause im Kindergarten gibt. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, den wir jahrelang gefordert haben. (👏 SPÖ) Auch ist wichtig, dass es für alle Kinder, für alle Schüler und Schülerinnen, die nicht Deutsch als Erstsprache haben, endlich ausreichend Deutschförderung gibt. Da werden alleine heuer 55 Millionen Euro und dann kommendes Jahr 90 Millionen Euro zusätzlich investiert werden. Das ist enorm viel. Ich mache aber gleich bei den Lehrlingen weiter: Für die gibt es jetzt endlich einen Lückenschluss, was das Top-Jugendticket angeht. Lehrlinge, die im Rahmen ihrer Lehre über Bundesländergrenzen hinweg in die Arbeit gegangen sind, haben bisher das Top-Jugendticket nicht bekommen. Ich mache weiter bei den Studierenden: Die Studienbeihilfe wird erhöht; der Mensabonus wird aufgestockt. Es gibt ganz viele verschiedene Maßnahmen, und ich mache einfach weiter beim Arbeitsmarkt – auch ein ganz wichtiges Thema –: Für die älteren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gibt es mit der Aktion 55 plus endlich eine Unterstützung bei der Jobsuche. Man hört immer, die Menschen sollen alle länger arbeiten. Jetzt sorgen wir aber dafür, dass sie dann auch tatsächlich einen Arbeitsplatz finden, wenn sie in einer gewissen Altersklasse sind. Das ist nämlich oft das Problem. (👏 SPÖ) Eine ganz konkrete Maßnahme – für all jene, die jetzt zum Beispiel vor dem Fernseher sitzen und uns zuschauen –, von der auch Unternehmer, Unternehmerinnen profitieren, die oft wirklich dringend nach Fachkräften suchen: Jetzt gibt es eine Fachkraftoffensive, beispielsweise auch für Green Jobs; es wird ab 2026 auch die Umweltstiftung wieder geben, sodass man sich in ganz zentralen Bereichen wie dem Klimaschutz fortbilden kann. Es wird auch eine Ausbildungsoffensive im Eisenbahnsektor geben, weil die grüne Transformation auch die entsprechenden Arbeitskräfte braucht. Ich mache bei der Frauenpolitik weiter. Die Liste ist nicht kurz, aber es ist notwendig, das hier aufzuzählen. Bei der Frauenpolitik ist endlich – endlich! – gerade für Frauengesundheit mehr Budget da. Da geht es zum Beispiel um Krankheiten, die nur Frauen betreffen, beispielsweise Endometriose. Dafür gibt es endlich mehr budgetäre Mittel, und das ist enorm wichtig. Eine Maßnahme für Alleinerzieherinnen – das sind in unserem Land eben hauptsächlich Frauen –: Es gibt endlich die Unterhaltsgarantie.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Das stimmt doch nicht!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Wie lange ist die schon versprochen worden, wie viele Jahre haben wir schon gehört, dass es sie braucht? Dafür stehen jetzt endlich ganz konkret 35 Millionen Euro mehr im Budget drinnen, schwarz auf weiß, sodass wir diese Frauen nicht alleine lassen. (👏 SPÖ) Es wird mit dem Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen aber auch die Sicherheit für Frauen erhöht. Das ist ein Thema, das auch endlich angegangen werden muss. So, ich blättere jetzt weiter, springe über einige Frauenpunkte drüber und mache im Medienbereich weiter. Kritischer Journalismus wird endlich unterstützt. Das Meine-Zeitung-Abo soll kommen, sodass auch jüngere Menschen Zugang zu kritischen Medien bekommen und nicht nur zu dem ganzen Blödsinn, der im Internet oft steht. Für Pensionist:innen kommt der Rezeptpreisdeckel. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Zum Beispiel wird Erna aus Penzing, die jedes Monat Hunderte Euros ausgibt, weil sie Blutdruckpulverl braucht, davon profitieren. Für alle im Eigenheim - - …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Aber erst irgendwann einmal! 2027, 2030! – Abg. Greiner [SPÖ]: Ja, ihr habt so viel weitergebracht, gell! – Ruf bei den Grünen: Man kann auch anders sparen!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Ihr hattet fünf Jahre lang Zeit, all das anzugehen, habt es aber fünf Jahre nicht zustande gebracht, und jetzt, nach ein paar Wochen, beschwert ihr euch …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wir haben ein bissl mehr zusammengebracht, viel, viel mehr! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Gar nichts habt ihr zusammengebracht!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… nachdem fünf Jahre nichts gekommen ist, dass es ein bisschen zu lange dauert. Wirklich, wirklich? Bei den Mietern und Mieterinnen mache ich weiter. Für alle, die in Miete wohnen, gibt es einen Mietpreisstopp – ganz konkret heuer, 2025. Für alle im Eigenheim, die zum Beispiel den Heizkessel tauschen wollen, gibt es ab 2026 wieder frisches Geld, nämlich mehr als 300 Millionen Euro pro Jahr, und zwar bis 2030. Das werden insgesamt 1,8 Milliarden Euro sein, die ganz konkret in Klimaschutzmaßnahmen investiert werden. In den Städten wird es wieder mehr Polizei für die Ballungszentren geben, am Land wieder mehr Maßnahmen für eine ambulante Versorgung, die ausgebaut werden muss, ganz konkret 50 Millionen Euro mehr für Erstversorgungsambulanzen. Auch da mache ich jetzt einen Punkt, denn es sind ja nicht nur die Gesundheits-, nicht nur die Bildungs-, nicht nur die Frauen-, nicht nur die Arbeitsmarktpunkte.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Aber die Grünen haben immer recht, auch wenn sie unrecht haben! – Abg. Kogler [Grüne]: So ein Blödsinn!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Für Polizist:innen wird in bessere Schutzausrüstungen investiert. Für alle, die sich, wenn sie zum Beispiel auf dem Weg in die Arbeit sind, über die Lkw-Kolonnen ärgern – ich tue das auch sehr oft –, gibt es endlich im Rahmen der Offensive sauberes Österreich 30 Millionen Euro mehr für die Verlagerung vom Warentransport weg vom Lkw, hin auf die Schiene.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das wird am Land sicher funktionieren! Ihr träumt ja von warmen Eislutschern, das ist ja unglaublich! In der Landgemeinde fährt keine Bahn!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Auch das ist übrigens Klimaschutz. (👏 SPÖ) Gleichzeitig steigt die Lkw-Maut, damit klimaschädliches Verhalten eben auch einen besseren Preis, einen teureren Preis bekommt. Ich mache schon Schluss: Ist das genug? – Nein, natürlich nicht. Das waren erstens nur die Maßnahmen, für die ich jetzt ohnehin schon meine Redezeit gesprengt habe, und zweitens würden mir natürlich ganz viele Punkte einfallen, die wir darüber hinaus noch gerne hätten – ganz viele! Es ist aber angesichts des größten Budgetlochs der Zweiten Republik nicht alles möglich. In diesem Sinne wurde unter schwierigsten Umständen wirklich viel herausgeholt, und das muss man einfach ehrlich benennen. Das ist ganz einfach so. (👏 SPÖ) Gelungen ist das, weil alle einen fairen Beitrag leisten, nämlich auch die Banken mit einer höheren Bankenabgabe, auch die Energiekonzerne, die so viele Gewinne geschöpft haben, auch die Glücksspielkonzerne, die stärker besteuert werden, die Stiftungen, bei denen härter angesetzt wird. Fette Immobiliendeals werden endlich gerecht besteuert. Es ist ein guter Mix aus Ausgaben und Einnahmen. Es leisten wirklich alle einen Beitrag – dafür hat die Sozialdemokratie gesorgt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Hallo!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Gratulation an unseren Finanzminister Markus Marterbauer , ich denke wirklich, kein anderer hätte es geschafft …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Doch, doch, der Markus hätte das auch geschafft mit ... Milliarden Defizit!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… in dieser schwierigen Situation die soziale Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Noch einmal: Wir sparen nicht, weil wir wollen, wir sparen, weil wir müssen – und wir sanieren jetzt und räumen jetzt auf, um in Zukunft dann noch mehr investieren zu können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung auf die Ausführungen von Abgeordneter Gewessler hat sich Herr Kollege Dominik Oberhofer zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bedingungen der tatsächlichen Berichtigung. Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrtes Plenum! Frau Kollegin Gewessler hat behauptet, die Bundesregierung erhöhe massiv die Förderungen für den Straßenausbau. – Das ist selbstverständlich unrichtig.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was? Das habe ich ja nicht gesagt! – Abg. Disoski [Grüne]: Das hat sie nicht behauptet! – Abg. Kogler [Grüne]: Das hat ja niemand gesagt!

NEOS Dominik Oberhofer

… Richtig ist, dass die Asfinag zur Budgetsanierung eine Sonderdividende in Höhe von 50 Millionen Euro an die Bundesregierung ausschütten wird. ( Widerspruch bei den Grünen. ) Frau Kollegin Gewessler hat in ihrer Rede auch behauptet …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Man kann nicht paraphrasieren bei einer tatsächlichen Berichtigung!

NEOS Dominik Oberhofer

… dass der Öffiausbau in Österreich gestoppt wird – wortwörtliches Zitat von ihr. Tatsache ist, dass keine Regierung zuvor so viel Geld in den Ausbau …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Entschuldige, das ist faktisch falsch!

NEOS Dominik Oberhofer

… des öffentlichen Verkehrs investiert hat wie diese …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist ja eine tatsächliche weitere Verfälschung!

NEOS Dominik Oberhofer

… alleine 2025 um 14 Prozent mehr als 2024. Das wird auch mit Ihren Zwischenrufen nicht besser, Frau Kollegin. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Arnold Schiefer . – Ich habe Ihre freiwillige Redezeit auf 8 Minuten eingestellt, Herr Kollege.

FPÖ Arnold Schiefer

Hohes Haus! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Kollegin Belakowitsch ist nicht da, wenn du redest!

FPÖ Arnold Schiefer

… Sehr geehrte Damen und Herren! Zuvor möchte ich die 7. Schulstufe der Mittelschule Oberndorf an der Melk begrüßen und ersuche die Kollegen um einen kurzen Applaus. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Es ist eigentlich ganz einfach. Der vorliegende Budgetentwurf wurde in den letzten Wochen in den Ausschüssen intensiv diskutiert, viele Stunden und Tage. Viele Fragen und Anregungen der Opposition und der Experten wurden diskutiert. Wie eigentlich offensichtlich traditionell üblich, wird ja in den Ausschüssen nichts von der Opposition angenommen, sondern man bleibt da natürlich auf dem Kurs des Regierungsvorschlags.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Euer Vorschlag ist zu 90 Prozent angenommen worden! – Abg. Lukas Hammer [Grüne] – erheitert –: Das ist ja das Problem!

FPÖ Arnold Schiefer

… Das heißt, eigentlich war die Devise dort irgendwie: Augen zu und durch! – Kollege Hanger, ich komme gleich dazu. – Wolfgang Schüssel hat einmal dazu gesagt, ein Zitat eines großen Vorsitzenden: „Jeder Krämer lobt seine Ware“ – und natürlich muss die Bundesregierung jetzt auch ihr Budget loben. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Aber seien wir ein bisschen ehrlich und realistisch …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ein bissl was von eurer Ware ist eh auch dabei!

FPÖ Arnold Schiefer

… in Anbetracht der Frage, was dieses Budget ist: Es ist ein mühsamer politischer Kompromiss zur Bildung einer Dreierkoalition. Es ist keine Kurswende und kein großer Wurf, sondern es ist halt das, was irgendwie möglich war, mehr nicht. (👏 FPÖ) Irgendwann muss man sich in der Regierungsgruppe auch entscheiden: Ist es jetzt zu 90 Prozent ein FPÖ-Budget, oder ist es der große Wurf des neuen Finanzministers? – Also irgendeine Linie müsst ihr dazu finden …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Ihr auch!

FPÖ Arnold Schiefer

… denn so ist es natürlich nicht sehr glaubwürdig.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das gilt für euch aber auch, gell!

FPÖ Arnold Schiefer

… Wir haben dazu die Erklärung, dass für uns diese Liste, die ihr da verwendet habt, nur dazu da war, um einen Brief nach Brüssel zu schicken. Das war weit weg von einem vollständigen Budget …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Na geh!

FPÖ Arnold Schiefer

… mit einer vollständigen Zahlenbasis. Zu unserer Zeit haben wir geglaubt, dass wir mit 6,4 Milliarden Euro am Ende der Fahnenstange sind.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

... das habt ihr so angepriesen! Ihr habt eine Einigung, habts ihr gesagt! Ganz stolz warts!

FPÖ Arnold Schiefer

… Dass das Loch noch viel größer war, haben wir erst danach gesehen. Aber wenn wir vielleicht ein bisschen innehalten, eine Sekunde: Während wir hier reden und unser Budget loben, macht der Fiskalrat gerade eine Pressekonferenz und sagt: Das reicht eh hinten und vorne nicht! – Ich sage es nur – lest ein bisschen in der APA! –, also das ist nicht die Meinung der bösen FPÖ oder meine Meinung, sondern das ist die Meinung der Experten, und viele der Experten in den Budgetberatungen haben dasselbe gesagt. Die wohlwollendsten Experten haben noch gesagt: Es ist ein erster Schritt, den man irgendwie zur Kenntnis nehmen muss, aber es ist kein großer Wurf. – Und warum ist es kein großer Wurf? – Weil man nicht weiß, wo man mit diesem ersten Schritt hinwill. Es ist also kein Sanierungsbudget, weil, wie schon die Vorredner gesagt haben, ungefähr gleich viele Schulden aufgebaut werden, wie wir sie unter Corona und unter der Energiekrise aufgebaut haben. – Also eine Sanierung kann das nicht sein. Wir haben uns ein Defizitverfahren eingehandelt, und wenn wir so weitermachen – der Fiskalrat hat das heute auch klar bestätigt –, wird das noch Generationen von Regierungen begleiten. Da kommen wir nämlich aus dem Loch nie wieder heraus, schon gar nicht in dieser Regierungsperiode. Zu den Zinsen und Ratings, die jetzt alle schöngeredet werden: Fitch hat letzte Woche schon wieder mit einem Rating reagiert. Noch rutscht es nicht, warum? – Weil sie nicht unser Budget bewerten, sondern weil der private Sektor und die Unternehmen, die Gott sei Dank teilweise noch eine gute Basis haben, mit dabei sind und die Gesamtsituation des Ratings noch nicht rutscht. Ich behaupte aber – und das können wir ruhig in zwei, drei Jahren aus dem Protokoll herausziehen –: Dieses Rating wird uns sehr wohl mittelfristig ordentlich auf den Kopf fallen. Und es ist noch etwas in diesem Budget nicht drinnen: keinerlei stärkende Impulse für Leistungsträger oder Unternehmen. Die notwendigen Strukturreformen – das haben wir heute schon geklärt – hat man in eine Verwaltungsreformarbeitsgruppe ausgelagert. In 18 Monaten, also Ende 2026, soll diese Verwaltungsreformarbeitsgruppe liefern. Dann gibt es noch die Industriestrategiearbeitsgruppe, die Standortarbeitsgruppe, die Steuerbetrugsarbeitsgruppe, die Arbeitsgruppe zur Optimierung der Förderlandschaft – und alle sollen jetzt in den Jahren 2025, 2026 liefern. Es entsteht ein bisschen der Eindruck, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass das wichtigste Ziel der ÖVP im Moment ist, Zeit zu gewinnen, dass alles einmal auf das Jahr 2026 hingetrimmt wird und man dann halt schaut, wie weit man mit dem Budget kommt. Man hofft auf positive Konjunktureffekte, man hofft, dass der Ukrainekrieg vorbei ist – das hoffen wir alle –, wir hoffen, dass weitere Kriege keine Auswirkungen auf uns haben – Stichwort Iran und Israel –, und wir hoffen, dass die Zollpolitik auch für uns irgendwie positiv ausgeht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist ja euer Freund, der Trump!

FPÖ Arnold Schiefer

… Und wir hoffen, dass diese Arbeitsgruppen in 18 Monaten so viele Milliarden zusammengesammelt haben, dass wir 2027/2028 überhaupt wieder ein Budget zusammenbringen. Und was ist, wenn nicht? – Ich kenne das Konzept der SPÖ und der Arbeiterkammer in der Schublade bereits: Dann gibt es halt 2027 neue Steuern und eine ordentliche Diskussion. Und die ÖVP hofft wahrscheinlich, dass, falls die Diskussion 2027 kommt, man Ende 2026 zumindest wahlkampfbereit sein kann, einen neuen Spitzenkandidaten hat oder vielleicht gleich einen neuen Kanzler. Das ist das Prinzip Hoffnung in diesem Budget.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Rede könnte von Gerda Rogers auch sein!

FPÖ Arnold Schiefer

… Nein, nein! Hoffen ist wichtig, hoffen ist gut, und ich möchte hier eine amerikanische Sängerin, nämlich Vivian Greene, zitieren, die sagt: Im Leben geht es aber nicht darum, zu hoffen und zu warten, bis der Sturm vorüberzieht, sondern dass man im Regen tanzen lernt.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ach so?

FPÖ Arnold Schiefer

… So, und jetzt geht es eigentlich darum, dass wir unseren Bürgern sagen müssen: Diese Regierung, dieses Budget wird die Probleme nicht lösen. Wir müssen es schaffen, den Menschen zu sagen, dass sie ohne Leistung aus dieser Krise nicht herauskommen werden. Wir müssen ihnen klar sagen, dass Arbeitsplätze nicht von der Republik geschaffen werden – zumindest keine produktiven und wettbewerbsfähigen Arbeitsplätze –, sondern nur von Unternehmen, also müssen wir den mündigen und leistungsbereiten Bürgern hier Rahmenbedingungen schaffen, damit sie wieder ihren Weg zum Eigentum gehen können, denn Eigentum ist eigentlich auch die beste Altersvorsorge, wenn wir schon über das Thema Pension reden. Wir sollten den Menschen also die Wahrheit sagen, nämlich dass wir im Moment mit diesem Beschluss gar nichts lösen, dass die nächsten zwei, drei Jahre in Europa, auf der ganzen Welt schwierig sind, dass jeder angehalten ist, sein eigenes Leistungsniveau zu erhöhen – dafür kommen viele unangenehme Diskussionen auf uns zu –, und dass wir uns alles, was wir glauben, uns leisten zu können, nicht leisten werden. Und Umverteilung ist nicht die Lösung, das sage ich auch gleich dazu. (👏 FPÖ) Leider ist jetzt mein oberösterreichischer Kollege, Herr Bundesminister Hattmannsdorfer, nicht im Saal, denn ich habe ein bisschen die Sorge, dass es auch bei anderen Dingen weitergeht wie bisher. Ich kann mich erinnern – im Budgetausschuss haben wir es diskutiert –: Zwei Wochen vor der Wahl – wir reden ja schon gar nicht mehr von Finanzminister Brunner; darüber reden wir nicht mehr, davon hat jeder sein Bild –, am 19. September, haben „Kronen Zeitung“, „Oe24“, haben alle getitelt: Nehammer holt 500 Millionen Euro aus Brüssel für die Hochwasseropfer. – Wir haben das im Budgetausschuss diskutiert: Von den 500 Millionen Euro sind jetzt – wahrscheinlich – um die 40, 42 Millionen Euro übrig geblieben; und Herr Hattmannsdorfer hat angekündigt, er wird 150 Millionen Euro Energiebonus für die Industrie schaffen. – Ausgezeichnet! Nur: Herr Bundesminister Marterbauer hat gesagt, im Budget ist das nicht drinnen, also das gibt es im Budget nicht …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Tanja Graf [ÖVP]: ... eigenen Ministerium! Aus dem eigenen Ministerium!

FPÖ Arnold Schiefer

… das muss er erst finden. Das muss er erst finden: Es ist nicht drinnen! Das kann der Herr Minister dann gleich bestätigen. So, jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, meine Herren und Damen: Die erste Möglichkeit ist, dass man im Wirtschaftsministerium ganz leicht 150 Millionen Euro finden kann – na dann sucht ein bisschen weiter und findet vielleicht noch 100 Millionen Euro mehr für Investitionsfreibeträge, für ein bisschen Entlastung bei den Überstunden, das fehlt nämlich auch –, oder es läuft wieder auf das Übliche hinaus, nämlich auf einen Kuhhandel, also 150 Millionen Euro für die ÖVP, für die Wirtschaft, 150 Millionen Euro für die SPÖ, und in Zukunft kriegen dann halt die NEOS wahrscheinlich auch noch 30 oder 50 Millionen Euro für ihre Wünsche – und dann ist das Budget wieder jenseits von Gut und Böse.

ÖVP Tanja Graf (Zwischenruf)

Das hängt ein bisschen schief, Herr Schiefer!

FPÖ Arnold Schiefer

… Darum, meine Damen und Herren, sage ich ganz klar: Dieses Budget ist natürlich um einen Hauch besser, als der Trend grundsätzlich war, denn wir wären ja auf 5,7 Prozent losradiert – das heißt, die ÖVP hat jegliche Kontrolle über die Finanzen verloren; ich habe eh schon einmal diskutiert, was an Wirtschaftskompetenz übrig bleibt –, aber es ist natürlich noch lange kein Kurswechsel, es ist maximal ein Pflasterl auf eine große, blutende Wunde. Die Valorisierungen und die Kosten werden uns davonlaufen, und mit diesem Budget haben wir in spätestens zwei Jahren eine noch viel größere Diskussion. Es wird nichts gelöst, und wir können nur hoffen, dass die Rahmenbedingungen ein bisschen besser werden, als wir glauben. – Herzlichen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Hanger. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

ÖVP Andreas Hanger

Danke, Herr Präsident! Werte Mitglieder der österreichischen Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Wir freuen uns immer über Besuch im österreichischen Parlament, und ich darf heute stellvertretend für meine Kollegin Tanja Graf den Seniorenbund St. Koloman aus Salzburg ganz herzlich bei uns begrüßen. ( Allgemeiner Beifall. ) Wir führen die Generaldebatte zum Doppelbudget 2025/2026 und zum mittelfristigen Finanzplan bis 2029, und ich glaube, das ist schon eine gute Gelegenheit, die wirtschaftliche Lage der Republik, unserer Volkswirtschaft einmal einzuordnen, denn wenn ich da manche Redebeiträge höre – Desaster, und: Alles ist verrückt –, dann bin ich sehr dafür, einmal die Fakten sprechen zu lassen: Die wirtschaftliche Stärke einer Volkswirtschaft lässt sich ganz einfach am Bruttoinlandsprodukt messen, an den Waren und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft zu produzieren in der Lage ist. Und – siehe da – wenn man sich die Fakten anschaut, kommt man drauf, dass wir in Österreich in etwa ein Bruttoinlandsprodukt von 500 Milliarden Euro haben, gesamthaft zusammengezählt. Das dividiert man dann durch die Bevölkerungszahl, macht auch noch eine Kaufkraftbereinigung, damit man es auch international vergleichen kann, und – siehe da –: Wir sind und gehören zu den reichsten und besten Volkswirtschaften auf der ganzen Welt. Wir gehören zu den Top fünf europaweit, Top ten weltweit.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Tendenz sinkend, ja!

ÖVP Andreas Hanger

… Bei all den Debatten, die man führen kann, ist das ein Faktum, das man auch nicht vergessen sollte. Und weil gerade eine Seniorenbundgruppe da ist: Ich glaube, das ist auch eine gute Gelegenheit, genau Ihrer Generation einmal ein aufrichtiges Danke zu sagen. Es ist schon Ihre Generation, die unser Land zu dem Reichtum geführt hat, nämlich mit der Einstellung, die man dafür braucht, der Leistungsbereitschaft, selbst auch etwas beitragen zu wollen, dass es uns gut geht, und diese Geisteshaltung, glaube ich, brauchen wir vielleicht auch in Zukunft wieder mehr. Aber – und ich möchte schon auch differenziert argumentieren – die Entwicklungen in den letzten Jahren bereiten uns auch Sorge, keine Frage. Wir sind, was das Wachstum unserer Volkswirtschaft betrifft, in den letzten Jahren nicht erfolgreich gewesen, so offen muss man das sagen, wobei man – umgekehrt – immer vergisst: Wir hatten 2021 noch 4,8 Prozent Wachstum, 2022 5,3, 2023 und 2024 leider ein Negativwachstum, und genau das führt uns ja auch zu dieser Situation, die wir haben: Wir müssen unser Budget konsolidieren.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Sag’s noch dazu, dass es das einzige Land ist, wo das BIP sinkt in Europa!

ÖVP Andreas Hanger

… Jetzt haben wir schon einen sehr langen Budgetberatungsprozess. In dieser Kürze dieses beachtliche Projekt, möchte ich fast sagen, auf den Tisch zu legen, das verdient aus meiner Sicht schon Anerkennung. Es wird konsolidiert, ja, in Summe 15 Milliarden Euro: sehr stark ausgabenseitig, aber natürlich auch einnahmenseitig. Ich möchte aber auch die zentralen Herausforderungen, die wir haben, nicht verhehlen: Es ist zwar erfreulich, dass wir in den letzten Jahren die Einkommen haben stabilisieren können – das heißt, die Haushaltseinkommen sind real gestiegen, das ist erfreulich, gerade in den unteren Einkommensbereichen –, aber wir müssen auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft sehen; das heißt, wir müssen uns auf internationalen Märkten beweisen. Wir haben eine Exportquote von über 60 Prozent, da brauchen wir natürlich auch eine entsprechende Wettbewerbsfähigkeit. Die zweite große Herausforderung ist die hohe Sparquote. Dass die Einkommen steigen, hilft uns wenig, wenn diese Einkommen dann gespart werden. Damit komme ich schon zum wichtigsten Punkt und zur zentralen Botschaft, die ich in der Generaldebatte anbringen möchte: Das Allerwichtigste ist, wir brauchen Optimismus in der Republik. Wir haben auch Grund dafür: Die OeNB – der Herr Bundeskanzler hat es schon erwähnt – hat jetzt erstmals die Wachstumsprognose wieder gedreht – ein zartes Pflänzchen, noch keine Trendumkehr, aber auf Basis dieses Optimismus brauchen wir Optimismus in den privaten Haushalten, damit konsumiert wird, brauchen wir Optimismus in den Unternehmen, damit investiert wird. Eine ganz wichtige Botschaft zum Schluss: Die Sanierung der Haushalte ist eine gesamtstaatliche Aufgabe – das möchte ich immer wieder betonen. Da braucht es den Bund – der Bund hat da eine sehr starke Vorbildfunktion –, es braucht die Länder, es braucht die Gemeinden, und es braucht die Sozialversicherungsträger. Und es ist ganz wichtig, zu betonen: Da haben alle Parteien Verantwortung, weil wir alle gemeinsam in den unterschiedlichsten Gebietskörperschaften Verantwortung tragen. Liebe Kollegen von der Freiheitlichen Partei! Es ist zu wenig, nur zu kritisieren. Es wäre ganz wichtig, auch konkrete Vorschläge auf den Tisch zu legen – nur so kann man die Budgets entsprechend entwickeln. Diesen Zusammenhalt wünsche ich mir, das möchte ich auch als Appell formulieren : Alle sind gefordert, sich konstruktiv in die Debatte einzubringen. Und mit ein bisschen Optimismus dazu – davon bin ich sehr überzeugt – werden wir sehr rasch wieder ein entsprechendes Wirtschaftswachstum haben. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundesminister für Finanzen. – Bitte.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Sehr geehrter Herr Finanzminister, bei aller Wertschätzung, aber das Budget ist, was es ist: Es ist ein Budget, das einen Rückschritt in der Armutsbekämpfung und einen Rückschritt bei den sozialen Errungenschaften bedeutet. Da hilft kein Hin-und-her-Deuten, es ist einfach so. (👏) Wenn Sie natürlich davon sprechen, dass es da und dort immer wieder Offensivmaßnahmen im zweistelligen Millionenbereich gibt, die auch einkommensschwachen Haushalten, auch den Familien nutzen, ja, dann ist das gut – aber das macht nicht die enormen Verluste für die Familien, für die Haushalte, für die Einkommensarmen, für die Alleinerzieher:innen wett. Wenn ich mir nämlich allein den Klimabonus anschaue, bei dem den Familien ungefähr 1,9 Milliarden Euro gestrichen werden, wenn ich mir anschaue, wie die Valorisierung für Familienleistungen, für Sozialleistungen ausgesetzt wird, wenn ich mir anschaue, wie das soziale Drittel ausgesetzt wird, dann sind das Beträge, die jenseits von Gut und Böse sind und die nicht durch diese kleineren Beträge wettzumachen sind, die im Budget einen sogenannten Ausgleich schaffen sollen. Nein, die Regierungspolitik verursacht soziale Härten im Rahmen dieser Budgetkonsolidierung, soziale Härten, die aber nicht einmal notwendig wären – denn natürlich ginge Budgetkonsolidierung auch anders. Das zeigen wir heute auch mit unserem Abänderungsantrag, mit unserem sehr umfassenden Abänderungsantrag, den wir zum Budgetbegleitgesetz eingebracht haben. Lassen Sie mich ein paar wesentliche Punkte aus sozialpolitischer Sicht kurz erläutern: Die Regierung schafft den Zuverdienst bei den Arbeitslosen ab. Das erzeugt Armut, das erzeugt Armutsgefährdung, das nimmt den Arbeitslosen ein Standbein in der Arbeitswelt. Es gibt auch keine einzige Sozialorganisation – mir ist zumindest keine bekannt –, die das unterstützt, die das gut findet. Nein, die lehnen das alle ab. Es bringt in Wirklichkeit auch keine Ersparnis. In Wirklichkeit bringt es Mehrkosten für die Sozialhilfe. Das sagen die Länder, da haben die Länder die Befürchtung. Das sagen nicht nur wir, das ist einfach so. (👏) Was wäre eine sinnvolle, eine gute Alternative? – Wir haben diesen Vorschlag dazu gemacht: In den ersten 100 Tagen der Arbeitslosigkeit lassen wir noch keinen Zuverdienst zu, damit die Leute möglichst rasch vermittelt werden. Dafür erhöhen wir aber für die Menschen, die ein niedriges Arbeitslosengeld haben, in diesen 100 Tagen das Arbeitslosengeld ein bisschen. Das hat die Sozialdemokratie auch schon immer wieder gefordert. Natürlich muss es auch Ausnahmen geben: Ausnahmen für die, die einen Zuverdienst unbedingt brauchen, Alleinerzieher:innen beispielsweise – in euren arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, in eurem Gesetzentwurf ist das ja gar nicht berücksichtigt –, für Menschen, die in einem Entschuldungsverfahren sind, und auch für Kunstschaffende, denn gerade Kunstschaffende wären von diesem Zuverdienstverbot dermaßen stark betroffen, dass es schon existenzbedrohend wäre. In diesen 100 Tagen lässt man halt die Zuverdienstmöglichkeiten für diese Gruppen einfach wieder zu, damit die Leute einen Fuß in der Arbeitswelt haben und damit wir Armut bekämpfen. Das wäre sozial und fair. Was die Regierung dagegen vorlegt, ist Politik der sozialen Härte. Das kennen wir von der ÖVP; dass da die SPÖ mitmacht, ist unverständlich. Unverständlich ist auch, dass in einem Doppelbudget kein einziger Euro – kein einziger Euro! – für Kindergrundsicherung vorgesehen ist. Im Gegenteil, Familien wird das Geld noch gekürzt – so wie vorhin besprochen. Darum schlagen wir vor, dass wir im Rahmen der Abgeltung der kalten Progression beim oberen Einkommen nur die halbe Inflationsrate ausgleichen und die dadurch frei werdenden Mittel für einen Ausbau der Kindergrundsicherung verwenden.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo!

GRÜNE Markus Koza

… 60 Euro Kinderzuschlag – auch für Haushalte mit Doppelverdienern, die aber ein niedriges Einkommen haben. Das wäre ein wichtiger Lückenschluss im Kampf gegen die Kinderarmut. Zuletzt: Erhöhung des effektiven Pensionsantrittsalters – ja, unterstützenswert, sinnvoll! Aber: Da muss man auch dafür sorgen, dass Arbeitnehmer:innen länger in Beschäftigung bleiben können. Da müssen die Betriebe in die Pflicht genommen werden. Darum braucht es auch ein Bonus-Malus-System, weil es die logische und notwendige Ergänzung zur Anhebung des Antrittsalters für die Korridorpension ist. Ich bringe daher folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird ersucht, dem Nationalrat zeitnah zur Anhebung des Zugangsalters zur Korridorpension einen Gesetzesvorschlag für ein Bonus-Malus-System zur Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter vorzulegen. Das Bonus-Malus-System besteht aus Beiträgen von Unternehmen, die unterdurchschnittlich wenige Menschen in den letzten zehn Jahren vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter beschäftigen, sowie aus Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen.“ Herausforderungen solidarisch lösen statt neue soziale Härten schaffen: Das ist Politik mit Herz und Verstand. Stimmen Sie für diese Politik! (👏) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Herr Abgeordneter, ganz kurz, vielleicht wollen Sie das machen: Sie haben auf einen Abänderungsantrag hingewiesen, formal haben Sie diesen noch nicht ausreichend eingebracht, weil Sie ihn in den Grundzügen nicht erörtert haben. Sie haben nur gesagt, es gibt einen Abänderungsantrag. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Das war das soziale Drittel - - Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Wird dieser Abänderungsantrag von jemand anderem eingebracht? Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Er ist eingebracht. Das soziale Drittel ist in diesem Abänderungsantrag drinnen, also die Kindergrundsicherung, und auch die 100 Tage Zuverdienstmöglichkeit. Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Sie haben ihn hinterlegt, er wurde auch verteilt, aber das enthebt Sie nicht der Aufgabe, zumindest in Grundzügen darauf hinzuweisen. ( Ruf bei den Grünen: Hat er ja! ) Sie haben nicht einmal erwähnt: Ich bringe daher folgenden Abänderungsantrag ein – nicht einmal diese Präambel ist dabei. Es ist eine Formalität. Ob Sie das jetzt im Rahmen Ihrer Redezeit, die Sie noch haben, machen oder einer Ihrer Kollegen - - Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Ich habe noch 21 Sekunden, oder? Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Sie haben mehr. Sie haben noch viel, viel mehr bis zu den 20 Minuten. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): 21 bleiben noch über von meiner vorigen Rede? …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Red ganz einfach!

GRÜNE Markus Koza

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Gut. Ich bringe daher einen Abänderungsantrag der grünen Fraktion zum Budgetbegleitgesetz ein, der unter anderem die Zuverdienstmöglichkeiten beim Arbeitslosengeld sowie das soziale Drittel zum Ausbau der Kindergrundsicherung umfasst. Auf weitere Einzelheiten werden Kolleg:innen noch eingehen. – Danke. 13.27 Der Gesamtwortlaut der Anträge ist unter folgenden Links abrufbar: RN/38.1 Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters (53/UEA) RN/38.2 Budgetbegleitgesetz 2025 (AA-16) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Danke. Der zuerst eingebrachte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht in Verhandlung. Der soeben in Grundzügen erörterte und den Abgeordneten vorliegende Abänderungsantrag ist ebenfalls ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht ebenfalls mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Doppelbauer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Ich glaube, die Verwirrung hätten wir jetzt vielleicht schneller lösen können, denn fast alles, was Kollege Koza gesagt und gefordert hat, haben wir ja eigentlich auch im Regierungsprogramm stehen und wird schon kommen.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Bravo! – Widerspruch bei den Grünen. – Abg. Gewessler [Grüne]: Nicht im Budget! Beim Budget machts das Gegenteil!

NEOS Karin Doppelbauer

… Aber um aufs Budget einzugehen: Wir diskutieren diese Woche ja im Parlament, was wir mit dem Geld machen, das uns die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler überlassen, dem Staat überlassen, um es hier gut für gemeinschaftliche Aufgaben auszugeben. Das geht von der Kinderbetreuung angefangen bis hin zu einem qualitativ hochwertigen Gesundheitssystem und zu nachhaltigen, fairen Pensionen. Und ja, dieses Budget, das wir hier heute beschließen, ist deswegen auch als eine Trendwende zu sehen. Warum eine Trendwende? – Weil es nicht mehr ein Koste-es-was-es-wolle ist, sondern weil es tatsächlich zum ersten Mal darum geht, mit Steuergeld sorgfältiger umzugehen. Wir machen das, meine Damen und Herren, in einem der größten Wirtschafts- und Haushaltskrisenzeitalter, in einer Phase, in der die Krise so groß ist, wie sie Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich noch nie gesehen hat. Wenn ich Trendwende sage, dann meine ich auch das, was der Herr Finanzminister gesagt hat: Es ist ein Anfang gemacht. Es ist ein Anfang gemacht nach dem Motto: Sanieren, Reformieren und Modernisieren, aber es braucht noch ganz viele weitere Schritte. So wie es der Herr Finanzminister auch schon ausgeführt hat, hat Prof. Badelt dazu in seiner heutigen Pressekonferenz gesagt: Ja, es wird besser werden, aber es braucht noch mehr, um wirklich auch unter diese 3 Prozent zu kommen. Es ist einfach notwendig, dass wir hier diese Maßnahmen, die wir noch nicht beschließen konnten, die auch Kollege Schiefer schon angesprochen hat, jetzt rasch auf den Weg bringen. Ich möchte noch einmal daran erinnern, in welcher Position wir übernommen haben: 4,7 Prozent Maastrichtdefizit im Jahr 2024. Ohne die ersten Sanierungsmaßnahmen heuer wären wir tatsächlich auf 5,8 Prozent, steigend auf 5,9 Prozent, und schon in den nächsten Jahren wäre die Zinsbelastung von Österreich an die 10 Milliarden Euro pro Jahr. Nur einmal im Vergleich: Unser Bildungsbudget beträgt 12 Milliarden Euro. Es ist also tatsächlich an der Zeit, etwas zu tun, um gegenzusteuern. Und ja, jetzt sagen manche Kritiker, das könnte schneller gehen, das könnte härter gehen, wir könnten viel mehr konsolidieren: Ganz ehrlich, meine Damen und Herren, ich persönlich gebe denen auch recht. Wir haben aber eine sehr schwierige konjunkturelle Lage, wir werden uns nicht durch Geld herauswirtschaften können. Das heißt, es braucht eine wirkliche Sensibilität, um wirtschaftliche Abwärtsrisiken gut einschätzen zu können. So wie es halt beim Regieren ist: Es ist die Kunst des Machbaren. Mit diesem Budget haben wir jetzt einen gemeinsamen Pfad gefunden, der zwar aus meiner Sicht weit entfernt davon ist, ideal zu sein, aber er spiegelt einen breiten politischen Konsens wider. Wir werden in wichtige Bereiche wie in die Bildung, in die Energiewende, in den Standort – also in die Zukunft – investieren. Wir bringen erste echte Reformen jetzt auch einmal auf den Weg. Wir werden viele Details, vor allem auch im Pensionsbereich, noch diskutieren. Eines ist mir persönlich wichtig, wenn es immer wieder darum geht – der Austausch findet im Augenblick auf vielen Ebenen statt –, wenn es immer wieder heißt: Sparen heißt, den Menschen etwas wegnehmen, und man müsse das Budget eher einnahmenseitig sanieren. – Ja, meine lieben Freunde, wenn der Staat etwas einnimmt, dann nimmt er das auch schon jemandem weg! (👏 NEOS) Wir haben in diesem Land die höchste – oder eine der höchsten – Steuer- und Abgabenquoten, und die wird steigen. Wir haben also schon eine der höchsten Wegnehmquoten, die es überhaupt in der Europäischen Union gibt, und darauf müssen wir uns auch verständigen. Deswegen werden wir NEOS auch immer darauf pochen, dass wir Betriebe und Menschen von Bürokratie, aber auch von unnötigen Steuern entlasten, die es im Augenblick einfach gibt. Dass die Arbeitskosten, so wie wir das heute gesehen haben, im OECD-Vergleich inzwischen in Österreich am höchsten liegen – im Sinne der Arbeitskosten haben wir von allen OECD-Ländern die höchsten …

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Ja, dann tun Sie was dagegen, Sie sind in der Regierung!

NEOS Karin Doppelbauer

… heißt tatsächlich, dass es massive Maßnahmen braucht, um diese Entlastungen für die Menschen und für die Unternehmen jetzt auch auf den Weg zu bringen. (👏 NEOS) Ich glaube, es ist auch überhaupt kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wir NEOS keinen Nanny-Staat wollen und dass die Vollkaskomentalität für uns nicht denkbar ist – wir müssen von diesen Gedanken weg. Wir haben in diesem Doppelbudget auch keinen politischen Aktionismus drinnen, und das finde ich auch gut, aber es ist die Trendumkehr. Was aber klar ist: Wir stehen ganz am Anfang dieser Reformagenda, und die werden wir jetzt mit ruhiger Hand weiter begleiten und einleiten. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Fuchs. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ Hubert Fuchs

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die schwarz-grüne Vorgängerregierung hat in den Jahren 2020 bis 2024 in Summe Budgetdefizite von gigantischen 88 Milliarden Euro verursacht. Hauptkostenfaktor für diese 88 Milliarden Euro Budgetdefizite waren Auszahlungen aufgrund der Coronakrise in Höhe von 46,6 Milliarden Euro. Die nicht evidenzbasierte und wirtschaftsfeindliche Coronapolitik der schwarz-grünen Vorgängerregierung hat die Steuerzahler und die zukünftigen Generationen viele Milliarden Euro gekostet. Die jetzt regierende Verliererampel ist aber in der Lage, fast genauso viel Defizit zu erwirtschaften wie die schwarz-grüne Vorgängerregierung, und das ohne Coronakrise – das muss man sich einmal vorstellen. (👏 FPÖ) Diese Verliererampel wird ohne Coronakrise Budgetdefizite von insgesamt 82 Milliarden Euro bis 2029 verursachen. Das sind nur 6 Milliarden Euro weniger Budgetdefizit trotz eines irrsinnigen Belastungspakets für die Arbeitnehmer, Pensionisten und Familien, und noch dazu, ohne wesentliche Impulse für den Wirtschaftsstandort zu setzen. Hauptverursacher des budgetären Scherbenhaufens ist die ehemalige Wirtschaftspartei ÖVP, und dieses größte Budgetloch aller Zeiten soll nun durch den Hauptverursacher, der ÖVP, mit Unterstützung der größten Schuldenmacherpartei der Zweiten Republik, der SPÖ, saniert werden. Das kann nicht funktionieren.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Und ihr habts bei 72 Prozent mitgestimmt!

FPÖ Hubert Fuchs

… Der Finanzminister hat in seiner Budgetrede betont, dass die Verteilungsgerechtigkeit bei der Budgetsanierung besonders wichtig ist, obwohl uns eh allen klar ist, dass mit diesem Doppelbudget keine Sanierung des Bundeshaushalts möglich ist. Wie sieht diese Verteilungsgerechtigkeit nun im Konkreten aus? – Der budgetäre Beitrag der Banken für die Jahre 2025 bis 2029 beträgt 850 Millionen Euro. Dem gegenüber kassiert der Finanzminister durch die Wiedereinführung der kalten Progression beim letzten Entlastungsdrittel bis 2029 über 3,8 Milliarden Euro von den Arbeitnehmern, von den Pensionisten, und da insbesondere von den Geringverdienern. Bei den Pensionisten wird aber nicht nur durch die Wiedereinführung der kalten Progression abkassiert, sondern auch durch eine Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge von 5,1 auf 6 Prozent. Bis 2029 werden den Pensionisten dadurch rund 3,3 Milliarden Euro weggenommen. Abgerundet wird dieses unsoziale Doppelbudget durch die Nichtvalorisierung der Sozial- und Familienleistungen für die nächsten zwei Jahre, was real eine dauerhafte Kürzung der Sozial- und Familienleistungen ist. In Summe erspart sich der Finanzminister dadurch bis 2029 rund 1,3 Milliarden Euro an Sozial- und Familienleistungen. Das heißt, im Ergebnis ist die Belastung der Arbeitnehmer, der Pensionisten und der Familien zehnmal so hoch wie die der Banken – 8,4 Milliarden Euro bis 2029 zulasten der Arbeitnehmer, zulasten der Pensionisten und zulasten der Familien. Ergänzend muss man dazusagen, dass wir seit 2022 Steuergelder in Höhe von über 4,5 Milliarden Euro in die Ukraine überwiesen haben. Das müssen Sie Ihren Wählern einmal erklären, warum Sie die Pensionisten abkassieren und gleichzeitig aber 4,5 Milliarden Euro für die Ukraine haben! (👏 FPÖ) Dieses Doppelbudget ist weder ausgeglichen noch ist es sozial gerecht. Es belastet die Arbeitnehmer, die Pensionisten und die Familien in einem unverhältnismäßig hohen Ausmaß. Wo bleiben denn die Einsparungen im Asyl- und Migrationsbereich? Wo bleiben die echten Einsparungen im System? Wo bleiben die massiven Einsparungen bei den Förderungen? Wo bleiben die echten Strukturreformen? Wo bleibt der Beitrag der Kammern, Herr Staatssekretär im Außenministerium? Wir haben immer noch ein massives Ausgabenproblem, aber ganz sicher kein Einnahmenproblem. Mit diesem unsozialen Doppelbudget ist eine nachhaltige Budgetsanierung nicht möglich, genau das Gegenteil ist der Fall. Die Kreditwürdigkeit der Republik wurde bereits von der Ratingagentur Fitch herabgestuft. Dieser Vertrauensverlust durch eine Ratingagentur bedeutet selbstverständlich mittelfristig auch höhere Ausgaben für Zinsen. Die 82 Milliarden Euro Defizit, die verursacht werden, die bekommen wir nicht zinsenlos, Herr Finanzminister. Die von der Einheitspartei verursachte Einleitung eines Defizitverfahrens durch die EU bedeutet auch eine Besachwaltung durch Brüssel, was das Vertrauen der Finanzmärkte in die Republik Österreich ganz sicher nicht fördern wird.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Verstehen Sie es nicht oder wollen Sie es Ihrer Bevölkerung bewusst falsch erzählen? – Abg. Stefan [FPÖ]: Er versteht ein bissl mehr als Sie, keine Angst!

FPÖ Hubert Fuchs

… Frau Kollegin, Sie verstehen es nicht , weil Sie dann, wenn Sie es verstehen würden, die Freiheitliche Partei Österreichs wählen würden. (👏 FPÖ) Sie würden dann wissen, Frau Kollegin, eine nachhaltige und echte Budgetsanierung der Republik ist nur mit einem Volkskanzler Herbert Kickl möglich. – Vielen Dank.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ausgerechnet die Erasim! – Heiterkeit bei der FPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von SPÖ und FPÖ. – Abg. Steiner [FPÖ]: Die Wirtschaftskompetenz der SPÖ: Erasim!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Krainer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident. – Ja, es war gerade ein Vertreter der Freiheitlichen hier am Pult, und wenn man sich das Budget anschaut, vor allem das Budget für heuer, dann weiß man ja, dass die Freiheitlichen mit der ÖVP ein 6,4-Milliarden-Euro-Paket vereinbart haben. Es war eine der Bedingungen der ÖVP, als es dann wieder Gespräche mit den NEOS und mit der SPÖ gegeben hat, dass das Teil der Sanierung sein soll. Das heißt, wenn sich Herr Fuchs hier über Kürzungen beklagt, na dann muss er sich bei sich selber beklagen, denn er hat sie selber auf einer Pressekonferenz im Jänner vorgestellt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das Einzige, das wirklich der große Unterschied ist: Bei seinem Paket hat die soziale Handschrift gefehlt, denn da gab es keinen Beitrag der Banken, da gab es keinen Beitrag der Energiekonzerne, da gab es keinen Beitrag der Stiftungen, da gab es keinen Beitrag von Immofirmen wie zum Beispiel von Benko und Signa. Das gab es alles nicht, das ist dazugekommen. Und: Es gab keine Offensivmaßnahmen. Es gab kein zweites Gratiskindergartenjahr, es gab nicht die gesunde Jause, es gab nicht die Investitionen im Bildungsbereich, es gab nicht die Investitionen im Gesundheitsbereich. Das heißt, das, was Herr Fuchs hier macht, ist: Er beklagt sich über seine eigenen Vorschläge und er kritisiert dann die soziale Handschrift, die die SPÖ in dieses Programm reingebracht hat. (👏 SPÖ) Das ist eigentlich eine interessante Kritik und eine, mit der ich sehr gut leben kann. Aber man darf nicht vergessen, dass dieses neu gewählte Parlament und auch diese neue Bundesregierung natürlich vor ganz, ganz schwierigen Aufgaben stehen. Wir haben die schlechteste Wirtschaftsentwicklung seit 80 Jahren. Das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern das ist natürlich Ergebnis der Politik der Vorgängerregierungen – einer hat übrigens auch Herr Fuchs persönlich angehört. Das ist erstens einmal die schlechte Wirtschaftspolitik, und da vor allem die wirklich verfehlte Politik bei der Inflationsbekämpfung. Das sagen in der Zwischenzeit alle Experten …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Wir haben einen Überschuss erwirtschaftet, Herr Kollege Krainer!

SPÖ Kai Jan Krainer

… dass das ein Riesenproblem war: die Art und Weise, wie wir in Österreich mit der Inflation umgegangen sind. Das hat nämlich dazu geführt – und das ist ja das Einzige, das ich von den Freiheitlichen heute an Richtigem gehört habe –, dass Österreich durchgereicht wurde von der Tabellenspitze, wo wir eigentlich hingehören, unter den top drei bis fünf, bis zum Schlusslicht und wir nach diesen fünf Jahren unter den schlechtesten fünf gelandet sind. Die Arbeit, die jetzt vor uns, vor dieser Bundesregierung liegt, ist, uns von diesen schlechtesten fünf in Europa wieder dorthin zu bringen, wo wir hingehören, nämlich unter die top fünf. An dem werden wir arbeiten, an dem wollen wir auch gemessen werden nach den fünf Jahren: ob es uns gelungen ist, wieder aufzusteigen, anstatt unten herumzugrundeln, wie es jetzt der Fall gewesen ist, als wir die Bundesregierung übernommen haben. (👏 SPÖ) Und ja, es stimmt, in den 106 Tagen, die jetzt, glaube ich, diese Bundesregierung im Amt ist, ist nicht die gesamte Arbeit erledigt. Nein, es sind in den 106 Tagen wesentliche Schritte gelungen, aber es liegt noch ganz, ganz viel Arbeit vor uns, nämlich auch viele Sachen im Budget, ein Bundesfinanzrahmen, wo jetzt einmal Zahlen drinstehen, ein Steuerbetrugsbekämpfungspaket, das auch noch mit Leben zu erfüllen ist – der Herr Finanzminister hat es erwähnt –, damit dann auch die konkreten Maßnahmen beschlossen werden können, die ab 1. Jänner nächsten Jahres gelten sollen. Insofern darf ich trotzdem alle hier einladen, diesen Weg weiter mit uns zu gehen, nämlich Österreich wieder auf Kurs zu bringen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Zadić. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister, geschätzter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Staatssekretär:innen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte kurz auf drei Punkte im Bereich Justiz eingehen, die im Budgetbegleitgesetz geregelt sind. Zunächst einmal Lob: Ich kann nur sagen, ich freue mich, dass es wirklich gelungen ist, dass die Fußfessel, der elektronisch überwachte Hausarrest, ausgeweitet wurde, und ich finde es gut, dass die ÖVP da endlich zugestimmt hat. Diese Maßnahme war schon länger vorbereitet, bringt einiges an Ersparnis, weil die Leute kürzer in Haft sind, und trägt auch stärker zur Resozialisierung bei. Es ist uns nicht gelungen, die ÖVP zu überzeugen, dass das eine sinnvolle Maßnahme ist, insofern finde ich es gut, dass es dieser Bundesregierung und der Justizministerin offensichtlich gelungen ist, dass die ÖVP dem zustimmt. (👏 SPÖ) Kritisieren muss ich aber zwei Punkte: Die Verkürzung der Gerichtspraxis finde ich ehrlicherweise fatal. Nach dem Studienabschluss ist die Gerichtspraxis für viele Rechtsberufe eine Voraussetzung, aber auch da wird gespart; 4 Millionen Euro werden gespart, und damit leidet die Qualität, wenn man diese Gerichtspraxis von sieben auf fünf Monate verkürzt – augenscheinlich eine Sparmaßnahme, aber in Wirklichkeit leidet die Qualität. Der zweite Punkt ist das Erwachsenenschutzrecht. Auch da muss ich leider sagen, dass es zu einer Verschlechterung kommt, nämlich einer Verschlechterung für Menschen mit Behinderung. Die Expert:innengruppe, die im Justizministerium tagt, wurde bei dieser Maßnahme nicht eingebunden, sondern abrupt beendet. Ich halte es daher für wichtig, dass wir zu dieser Praxis zurückkehren, dass die Expertinnen und Experten, gerade wenn es um Rechte von Menschen mit Behinderungen geht, auch gehört werden. Außerdem werden Rechtsanwält:innen wieder vom Gericht verpflichtet, als Erwachsenenvertreter:innen zu agieren. Das ist eine Praxis, die abgeschafft wurde und jetzt wieder eingeführt werden soll – auch das halte ich für falsch. Aus diesem Grund bringe ich folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Ralph Schallmeiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Justiz, wird aufgefordert, die Expert:innengruppe zum Thema Erwachsenenschutz unverzüglich wiedereinzusetzen und mit ihnen Schritte zur qualitätsvollen Weiterentwicklung des Erwachsenenschutzrechts zu erarbeiten, sowie künftig von Alleingängen ohne Einbindung der Expert:innen abzusehen. Die Änderungen sollen das ursprüngliche Niveau der garantierten Selbstbestimmungsrechte und Schutzvorkehrungen wiederherstellen und gleichzeitig die Vollziehung vereinfachen.“ Vielen Dank. (👏) 13.47 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/42.1 Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz (54/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ottenschläger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Andreas Ottenschläger

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte mich zu Beginn meines Redebeitrags vielleicht gleich einem Thema widmen, zu dem ich auch einen Abänderungsantrag einbringen werde. Es geht nämlich im Zuge dieser Debatte auch um die Abschaffung der sogenannten NoVA, der Normverbrauchsabgabe. Dabei geht es darum, dass wir für Teile der Wirtschaft, insbesondere eben für Handwerker, beispielsweise Elektriker, Installateure und andere, wieder eine Steuererleichterung für die Anschaffung von Fahrzeugen, die sie benötigen – ich bezeichne sie immer als deren Arbeitsgeräte –, einführen. Diesbezüglich darf ich gleich zu Beginn einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen einbringen. – Herr Präsident, es ist dieser Abänderungsantrag im Sitzungssaal verteilt worden …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Eine Steuerbefreiung! – Abg. Kogler [Grüne]: Antrag zur umweltschädlichen Subvention!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… deswegen werde ich ihn nur in den Grundzügen erläutern. Es geht in dem Abänderungsantrag im Prinzip auch um die Klarstellung, was die Beschaffenheit der Fahrzeuge betrifft, die eben von dieser NoVA befreit werden sollen, um eine genauere Definition der Maße et cetera und auch um die Frage, welche dieser Fahrzeuge mit einfacher Ausstattung versehen sein müssen. Darüber hinaus geht es im zweiten Teil um Übergangsbestimmungen, die wir brauchen, damit diese Neuregelung auch entsprechende Rechtssicherheit hat: Auf Kraftfahrzeuge, für die ein Kaufvertrag bis zum 30. Juni 2025 abgeschlossen wird beziehungsweise deren Lieferung bis Ende des Jahres erfolgt, kann die derzeit geltende Rechtslage angewendet werden. Damit wird auch entsprechende Rechtssicherheit für die Unternehmerinnen und Unternehmer gewährleistet. Das ist der eine Teil, das heißt eine gute Nachricht für viele Handwerkerbetriebe in Österreich, dass wir da eine Erleichterung schaffen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich ganz grundsätzlich noch zwei Dinge erwähnen. Das eine ist: Ich habe die Beiträge der meisten Rednerinnen und Redner gehört. Ich denke, dass es ganz grundsätzlich von entscheidender Bedeutung ist, dass wir tatsächlich einen Schulterschuss herbeiführen, was die Frage der Budgetkonsolidierung insgesamt betrifft. Ich merke hier immer, es wird sehr schnell mit den Fingern auf andere gezeigt. Ich glaube, es gibt da eine gesamtstaatliche Verantwortung – es wurde auch schon erwähnt –: Es ist ja nicht nur – unter Anführungszeichen – „der Bund“ betroffen, sondern Gleiches gilt eben auch für die Budgets von Ländern, Gemeinden und der Sozialversicherung. Wenn ich jetzt an die Bundesländer denke, dann denke ich schon daran, dass eigentlich alle hier im Parlament vertretenen Fraktionen auch entsprechend Verantwortung in den Bundesländern tragen und in den letzten Jahren getragen haben. Auch da gibt es also eine gemeinsame Verantwortung. Ich finde es auch nicht richtig – egal ob Opposition oder auch unsere Koalitionspartner –, dass man immer sehr schnell mit dem Finger auf andere zeigt, sondern ich glaube wie gesagt, es ist wirklich von entscheidender Bedeutung, dass wir jetzt alle gemeinsam …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Verantwortung zu übernehmen!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… diese notwendigen Reformen angehen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Verantwortung übernehmen! Wer hat jetzt Verantwortung übernommen?

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Es ist auch die FPÖ betroffen, denn ihr sitzt in einigen Landesregierungen, und auch dort wird man darüber reden müssen. Die vernünftigen Kräfte der FPÖ wissen, dass man in den Bundesländern einen entsprechenden Beitrag wird leisten müssen, damit wir – das muss ja am Ende das Ziel sein – darauf achten, dass das Steuergeld möglichst effizient an den richtigen Stellen eingesetzt wird. Das, glaube ich, ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, der sich keine Partei hier entziehen sollte. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Schluss, meine Damen und Herren – weil ich der Rede von Herrn Klubobmann Kickl natürlich auch zugehört habe –: Er hat von der Schweiz als Vorbild gesprochen. Tatsächlich kann die Schweiz in einigen Bereichen zum Vorbild genommen werden, wie andere Staaten – Dänemark zum Beispiel – auch, auch was ihre Budgetpolitik betrifft. Eines möchte ich aber schon sagen, weil ja die EU-Beiträge, die Österreich leistet, kritisiert wurden: Es heißt, Österreich bezahlt quasi Mitgliedsbeiträge an die Europäische Union, einerseits damit es ein EU-Budget gibt, aber andererseits eben auch, damit gewisse Ungleichheiten ausgeglichen werden. Das Interessante ist, meine Damen und Herren von den Freiheitlichen und werte Zuseherinnen und Zuseher: Die Schweiz, die nicht Mitglied der Europäischen Union ist, bezahlt netto mehr als Österreich. Wir bezahlten 2024 etwa 3,1 Milliarden Euro sozusagen an die EU, wir haben aber auch Rückflüsse in deutlicher Höhe.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Die nehmen aber massiv ab! – Abg. Stefan [FPÖ]: Die Schweiz sponsert die Europäische Union!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Ja, wir haben einen Nettosaldo, stimmt, wir sind Nettozahler, aber wissen Sie, wie viel die Schweiz bezahlt? – Die Schweiz bezahlt aus ihrem Budget 1,7 Milliarden Franken, etwa 1,8 Milliarden Euro, an die Europäische Union und bekommt keine Rückflüsse – das sollte nur einmal gesagt werden.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Weil sie voll nett sind! Aus Freundlichkeit!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Für eine exportorientierte Wirtschaft, wie wir es sind – und wenn wir über das Budget reden, ist das von entscheidender Bedeutung –: Mauern und Festungen zu bauen, wird den Staatshaushalt nicht sanieren – im Gegenteil, es wird ihn gefährden, es gefährdet unser Wirtschaftswachstum. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir müssen doch dafür Sorge tragen – Sie wissen es eh selber auch …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ich sag’ eh gleich was dazu!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… wie viel wir im Ausland verdienen, insbesondere in der Europäischen Union, und deswegen ist es so wichtig, dass wir auch mitreden können. Das unterscheidet uns nämlich in diesem Fall positiv von der Schweiz …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die können überhaupt nicht mitreden! Nicht so wie wir! Wir können das alles mitbestimmen!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Die zahlen mehr, aber wir können wenigstens mitreden. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 13.53 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/43.1 Normverbrauchsabgabegesetz, Bundesimmobiliengesetz, Reisegebührenvorschrift 1955 und Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen (AA-18) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der Abänderungsantrag wurde in den Grundzügen erörtert. Er ist an die Abgeordneten verteilt worden, er ist ausreichend unterstützt, ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Kassegger. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Kollege Ottenschläger, mit dem Vergleich mit der Schweiz begeben Sie sich auf ganz dünnes Eis. Die Frage ist: Was ist bei der Schweiz anders, was macht die Schweiz anders? – Die Antwort ist: Die Schweiz hat seit Jahren eine wesentlich bessere Regierung als die Regierung hier in Österreich. Schauen Sie sich die Fundamentaldaten an: Ich hätte auch gern nur 40 Prozent Staatsverschuldung; ich hätte auch gern ein BIP, das fast das Doppelte von unserem ist; ich hätte auch gern eine Währung, die in den letzten sieben, acht Jahren im Vergleich zum Euro um 60 Prozent zugelegt hat. – Also da brauchen wir nicht zu reden, was die bessere Lösung ist.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

... für die Lohnstückkosten eigentlich bedeutet?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ich habe, da ich jetzt bei den Budgetdiskussionen, Budgetdebatten wahrscheinlich öfter reden werde …

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Bitte nicht! – Abg. Egger [ÖVP]: Na geh!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… da ein Ceterum-censeo: Dieses Doppelbudget und insbesondere der Rahmen bis 2028 ist ein Weiter-wie-bisher, ist ein Beharren in Irrwegen – dem Irrweg der Klimapolitik, der Sanktionspolitik, der Kriegswirtschaft und der Migration –, bringt weitere Belastungen für die eigenen Leute, bringt keine positiven Impulse für die schwer angeschlagene österreichische Wirtschaft. Das trifft allerdings meine Erwartung, die war nämlich bei wenig bis null. Sie können jetzt noch so oft von einer Konsolidierung reden, Sie können noch so oft von einem Kurswechsel reden – die Fakten und Zahlen des Budgets beziehungsweise des Bundesfinanzrahmenplans sprechen dagegen. Man kann doch nicht ernsthaft von einer Konsolidierung sprechen: Wir haben schon erwähnt oder gehört, dass die Regierung aus ÖVP und Grünen katastrophale Budgetdaten und eine riesige Überschuldung mit einer Neuverschuldung von 88 Milliarden Euro geliefert hat. Ihr Konsolidierungspfad bis 2028 schaut so aus: Wir machen in Summe nur mehr 82 Milliarden Euro neue Schulden. – Das hat doch mit Konsolidierung nichts zu tun, das ist ein Weiter-wie-bisher. (👏 FPÖ) Die ÖVP verwendet hier auch den Begriff „Stabilität“. – Ja, aber das ist eine Stabilität, die wir genau nicht haben wollen, nämlich eine Stabilität in einer vollkommen falschen Wirtschafts- und Budgetpolitik. Der Herr Bundesminister für Finanzen hat es ja vollkommen richtig erkannt und auch mehrmals in den Ausschüssen erwähnt: Die Zinsen sind ein massives Problem. Das ist ja sinnloses Geld, das wir für die Fehler der Vergangenheit – nämlich dafür, dass die Regierungen der Vergangenheit vollkommen über ihre Verhältnisse gelebt und Schulden ohne Ende aufgenommen haben – zahlen. Da reden wir von Milliardenbeträgen – 8, 9 Milliarden Euro –, die wir jetzt schon bezahlen. – Herr Finanzminister, ich sehe jetzt aber kein Signal, wie Sie die Zinsbelastung in den nächsten Jahren abbauen wollen. Also da fehlt mir jetzt irgendwie die Logik: Durch Neuaufnahme weiterer 82 Milliarden Euro wird das nicht gelingen, sondern die Zinsbelastung wird noch steigen. Im Übrigen wissen Sie ja auch, dass man natürlich refinanzieren muss; da kommen wir auch in eine Schieflage, weil wir natürlich jetzt zehnjährige Anleihen refinanzieren müssen, die niedrig verzinst sind. Das wird also noch eine höchst unangenehme Sache. In Ihrer Budgetrede war in Wahrheit kein Wort von wesentlichen, dringend notwendigen Entlastungsschritten für die Wirtschaft, und da rede ich jetzt nicht vom Tausender, den man den Mitarbeitern steuerfrei als Prämie geben kann, sondern ich rede von einer Senkung der Steuerlast: von einer Senkung der Körperschaftsteuer, der Kapitalertragsteuer, der Einkommensteuer, der Lohnnebenkosten – eine Nullmeldung in diesem Bereich –, von einer Senkung der CO₂-Steuer, die ja immer teurer wird, von einer Redimensionierung des extrem teuren Zertifikatehandels, der ja massiv unsere Wirtschaft angreift und schädigt. Was Ihnen einfällt, ist die Jagd nach den Steuerbetrügern. Das klingt gut, mir gefällt das aber nicht besonders gut. Ich glaube auch nicht, dass Ihre zusätzlichen Steuereinnahmen von 270 Millionen Euro beziehungsweise 450 Millionen Euro, die Sie da haben wollen, überhaupt hereinkommen. In der täglichen Arbeit – reden Sie einmal mit Steuerberatern und Unternehmern! –, da schwant mir schon Übles: dieser Generalverdacht, dass jeder Unternehmer in Österreich de facto ein Steuerbetrüger sei. Es gibt kein Wort, was den Abbau des Bürokratieirrsinns betrifft, kein Wort zu den Irrwegen der Europäischen Union, die ja in vielen Bereichen leider – das muss man sagen – Politik zum Schaden der Österreicher macht. Die ganze Klimapolitik, die Jagd nach dem CO₂, die Sie im Übrigen noch Gold-platen: Das 2050-Ziel reduzieren Sie noch auf das 2040-Ziel, was in weiterer Folge massive, negative Effekte hat, zum Beispiel auf die Investitionserfordernisse von Energieversorgungsunternehmen, was das Netz betrifft; die können das ja von der Liquidität her fast nicht derheben. Es gibt weiter kein kritisches Wort zur Migrationspolitik. Wir schaffen das – das wird ungehindert oder ungebremst weitergemacht. Sanktionspolitik, Kriegspolitik, Rüstungstreiberei: echte Strukturreformen null, ich sehe keine. In Wirklichkeit feiern SPÖ und ÖVP fröhliche Urständ. Das ist das Wiederaufleben des 20. Jahrhunderts – der Siebziger-, Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts – mit den Kammern, mit den Parallelwelten – da schaue ich auch Sepp Schellhorn an –, mit den Sozialversicherungsträgern et cetera. Das ist 20. Jahrhundert, mit einem kleinen Unterschied: Damals haben Sie 95 Prozent der Wähler gewählt, heute wählen Sie nur mehr 40 Prozent. (👏 FPÖ) Sie könnten das gar nicht weitermachen, wenn Sie nicht die NEOS als Steigbügelhalter hätten – die NEOS, die mit diesem Schritt meines Erachtens ihre grundsätzliche DNA aufgegeben haben. Ich erinnere mich noch an Matthias Strolz: die neue Partei, die genau diese alten Systeme – wir erinnern uns, die „Fürsten der Finsternis“ hat er den ineffizienten Föderalismus genannt –, die Kammern und so weiter, aufbrechen will. Was machen Sie jetzt? – Sie sind der Steigbügelhalter für dieses alte System, das aber schon lange keine demokratische Legitimierung durch das Volk mehr hat. Wir werden uns das also leider anschauen müssen, hoffentlich relativ kurz bis zu den nächsten Wahlen. Ich sehe weder im Doppelbudget noch im Bundesfinanzrahmen einen echten Kurswechsel. Ich sehe ein Weiter-wie-bisher. Ich sehe auch ein Weiter bei Ausgaben ohne Ende, bei Milliarden für die EU, für die Ukraine, für die Entwicklungshilfe, für die Migration, für ein ineffizientes Gesundheitssystem, für ein ineffizientes Bildungssystem, also alles andere als einen Kurswechsel, alles andere als eine echte Konsolidierung, denn wir machen immer noch Schulden ohne Ende, bis zum Jahr 2028. Es ist ein Beharren in den Irrwegen – alles andere als eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Österreich und für die Menschen in Österreich. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster in der Rednerliste: Abgeordneter Hofer; 3 Minuten eingestellte Redezeit.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher- und Zuhörer:innen hier im Saal und zu Hause an den digitalen Endgeräten! Es klingt immer so einfach, als ob man ein Budget mit ein, zwei Schraubendrehungen wieder verändern könnte – und das von allen Seiten, wo doch alle in der letzten Dekade in einer Regierung waren und Budgets erstellt haben. Vielleicht kurz zu Ihnen, Herr Kollege Kassegger, zu dem Thema: Ist es jetzt so, dass die Unternehmer alle als Betrüger dargestellt werden? So haben Sie es insinuiert. – Genau das Gegenteil ist im Regierungsprogramm der Fall: Es ist unternehmensfreundlich und wird genau dort hinsehen, wo es zu Betrug kommt. Zweitens: Bei Ihrem Wort sehen sind wir beim richtigen Wort. Sie haben ja gesagt, wir werden das sehen. – Ich lade Sie ein, nicht nur in der ersten Reihe fußfrei zuzusehen, sondern an den Veränderungen mitzuwirken – mitzuwirken an den Veränderungen, die es brauchen wird …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer ist in der Regierung? Sind wir in der Regierung? Ist das unsere Aufgabe?

NEOS Markus Hofer

… denn eines muss klar sein: Ein Budget ist eher ein Supertanker, und er bewegt sich ständig und mit viel Kraft. Ein Bundesbudget braucht aber Vorhersehbarkeit und eine längere Zeit, um eine Kurskorrektur darzustellen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr seid eher ...!

NEOS Markus Hofer

… In Wirklichkeit ist es nämlich so, dass dieser Supertanker in Richtung eines Eisbergs gesteuert wäre, eine Kollision in Kauf genommen worden wäre : eine Kollision mit der Realität, eine Kollision mit der Generationengerechtigkeit, eine Kollision mit dem Standort Österreich; und diese Bundesregierung hat vor wenigen Wochen, vom ersten Tag an, das Steuer in die Hand genommen, um den Kurs zu korrigieren. Wir vermeiden den Eisberg; aber sind wir schon mit voller Kraft in die richtige Richtung unterwegs, sind wir schon mit voller Kraft unterwegs? ( Ruf bei der FPÖ: Und die Kapelle spielt weiter! ) – Nein, noch nicht. Was aber wäre geschehen? Was wäre geschehen, wenn wir diese Kurskorrektur nicht eingeleitet hätten? – Wir hätten eine Staatsverschuldung, die bei fast 100 Prozent gewesen wäre. Mit diesen Kurskorrekturen ist sie um 12 Prozentpunkte niedriger. Wir hätten es nicht geschafft, dass wir innerhalb von zwei Jahren von 4,7 auf 4,2 Prozent an Neuverschuldung kommen. Aber Sie merken dadurch auch, wie lange es dauert, um solche Änderungen vorzunehmen. Wir hätten es nicht geschafft, dass wir die Planstellensteigerungen im öffentlichen Dienst, die über Jahre vorgenommen wurden, gestoppt hätten. Eine Umkehrung ist noch nicht der Fall. Wären wir nicht gemeinsam in dieser Regierung, mit den NEOS als Reformkraft, hätten wir manche Blockaden nicht gelöst – hätten wir die Blockaden in Richtung eines Starts zu einer Pensionsreform nicht gelöst, hätten wir die Blockaden in Richtung Bürokratieentlastung, vor allem für Klein- und Mittelunternehmen, nicht gelöst und hätten wir die Blockaden bei einer Aufholjagd in der Bildung nicht gelöst. Gesamtstaatlicher Reformwille ist aber notwendig. Sie haben über die „Fürsten der Finsternis“ gesprochen, haben sich beim Zitieren schwergetan. Die Wahrheit ist, dass jetzt die verschiedenen Gebietskörperschaften – Bund, Länder und Gemeinden – zusammensitzen, um diesen Reformwillen zu zeigen, und ich glaube daran, dass wir da Reformen schaffen werden, denn es braucht weitere strukturelle Maßnahmen, um die Konsolidierung zu schaffen und um den Standort zu sichern. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Lassen Sie uns gemeinsam weiterarbeiten, denn es geht nicht nur um das Hier und Jetzt, es geht um die Zukunft Österreichs, um die Zukunft dieses Landes. Ein Kurswechsel ist eingeleitet. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass wir diesen schaffen, für Österreich! – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Schwarz. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

GRÜNE Jakob Schwarz

Danke schön, Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Das Doppelbudget, das wir am Mittwoch beschließen werden, ist im Wesentlichen – schon vielfach diskutiert – vom Sparpaket geprägt. Im Kern ist es ein blau-schwarzes Sparpaket, und es muss gespart werden, das stimmt, aber es muss sinnvoll gespart werden. Das passiert nicht in ausreichendem Maße, sondern es wird umweltschädlich, wirtschaftsfeindlich und sozial ungerecht gekürzt. Liebe Regierungsfraktionen, dass gespart werden muss, das kann man dem hohen Defizit in die Schuhe schieben, das stimmt. Wo und wie aber gespart wird, das ist schon eure Entscheidung und nicht die der Grünen oder von sonst irgendjemandem; und dass ihr das so macht, dass es nicht zukunftsverträglich und sozial verträglich ist, sondern dass die Ärmsten im Land viermal so viel zum Sparpaket beitragen wie die Reichsten, das entscheidet schon noch ihr und nicht wir. (👏) Damit zu den wahren Ursachen dieser Budgetkrise. Natürlich gibt es immer mehrere Faktoren, aber eine von zwei wesentlichen Ursachen ist die wirtschaftliche Strukturkrise, in der wir uns befinden, nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland. Am Ende des letzten Jahres ist die Industrieproduktion 10 Prozent unter der Industrieproduktion des Vorjahres gelegen, und jetzt würde man ja annehmen, die Regierung, insbesondere die Wirtschaftspartei ÖVP, würde ihre Offensivmaßnahmen dafür nutzen, dieses Kernproblem des Defizitproblems anzugehen und dort volle Kanne reinzuinvestieren und Initiativen zu setzen. Stattdessen wird das Geld genommen und für Sinnlosmaßnahmen wie beispielsweise diese NoVA-Befreiung für Pick-ups ausgegeben. Das ist auf so vielen Ebenen falsch; einerseits natürlich budgetär, denn wir müssen sparen und nicht Geld rausschmeißen; zweitens klimapolitisch, denn eine Förderung, die zweckgewidmet ist, nicht nur für Autos, sondern nur für fossile Autos, und nicht nur für fossile Autos, sondern für große fossile Autos, eine nur dafür zweckgewidmete Förderung ist doch vollkommen die falsche Richtung und nicht jene, in die wir gehen sollten …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Der kleine Handwerker sagt Danke! Den kennst du aber nicht!

GRÜNE Jakob Schwarz

… und auch verteilungspolitisch, denn ich kann mir sehr schlecht vorstellen, dass die Geringverdienenden die großen Profiteure einer NoVA-Befreiung für Geländewägen sein werden. Vor allem aber: Wie soll das bitte die Wirtschaftsstrukturkrise lösen? Das betrifft ja auch Ihre anderen Maßnahmen, ich denke daran: Inwiefern soll die Wettbewerbsfähigkeit der Voest oder von Andritz gestärkt werden, wenn man in der Betriebskantine keine Kassazettel ausdruckt, oder auch, wenn man einen Kastenwagen jetzt ohne NoVA kaufen kann? Das hilft ja nichts! Stattdessen gäbe es viel zu tun: Wir hätten die Strompreiskompensation zu verlängern. Minister Hattmansdorfer – vorhin ist er noch dagesessen – hat es zwar angekündigt, aber im Budget, dass wir übermorgen beschließen, ist es nicht drinnen. Das heißt, entweder gibt es kein Geld dafür, dann kommt es auch nicht, oder das Geld wird halt woanders eingespart, wahrscheinlich wieder auf Kosten der Industrie. Oder: Wo sind die Energiegesetze, die Frau Ministerin Gewessler schon auf den Weg gebracht hat? Diese gehören endlich beschlossen, um die Energieproduktion auszubauen und die Netzkosten zu senken. Letzter Punkt: Transformationsfonds. Dieser gehört auch ausgebaut, vielleicht in Details verbessert – stattdessen wird gekürzt. Die erste wesentliche Ursache, die Strukturkrise unserer Wirtschaft, wird mit diesem Budget also nicht nur nicht angegangen, sondern zum Teil vielleicht sogar verschärft. (👏) Die zweite wesentliche Ursache liegt in der Konsumzurückhaltung. Das hat der Finanzminister auch schon anerkannt. Ich hätte eine These dafür, woher diese kommen könnte: Wir haben zu Zeiten der Vorgängerregierung vonseiten der SPÖ monatelang gehört, dass die Teuerungshilfen alle zu wenig und zu langsam wären, und: Alles nur Einmalzahlungen, die verpuffen!, die Einmalzahlung hat es in der Dauerschleife gegeben. – Ja da kann ich mir schon vorstellen, dass die Leute, die es irgendwie schaffen, ihr verfügbares Einkommen zu sparen, das dann halt auch sparen und nicht ausgeben. Und jetzt, ups, kommt auch die SPÖ drauf, dass die Sparquote nach oben gegangen ist, und spricht jetzt davon, dass man Zuversicht geben muss, damit die Leute das Geld wieder ausgeben. Da frage ich mich eines: Den Menschen, für die das in der Vergangenheit immer alles zu wenig war, streicht man jetzt den Klimabonus; man streicht die Valorisierung der Sozialleistungen; man macht überhaupt ein Sparpaket, das in Summe die Geringstverdienenden viermal so stark trifft wie die Reichsten. Und jetzt haben die alle plötzlich genug Geld, um den Konsum anzustoßen? – Das geht sich ja nicht aus. (👏) Insofern: Leider geht dieses Budget die zwei wesentlichen Punkte nicht an, und deshalb ist es auch nicht zustimmungswürdig. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Teiber. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es geht um das Budget, und wir haben in dieser Budgetdebatte jetzt ja schon einiges gehört; von den Grünen Kritik, aber auch vereinzeltes Lob – da auch ein Danke für die Differenzierung. Von der FPÖ kam nur Kritik – man kennt Sie ja auch nur so, aber es ist schon ein Stück weit skurril, denn vor allem die schwierigen Maßnahmen in diesem Budget, die durchaus viele belasten, sind auf Ihrem Mist gewachsen, das ist Ihnen eingefallen …

FPÖ Petschnig (Zwischenruf)

Aber ihr beschließt es!

SPÖ Barbara Teiber

… das haben Sie mit der ÖVP vereinbart …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Was jetzt konkret? Kann man ein bisschen konkreter werden?

SPÖ Barbara Teiber

… und nach Brüssel geschickt! Insofern ist diese Kritik wirklich mehr als seltsam. (👏 SPÖ) Ich denke mir, worüber wir uns aber in diesem Plenum einig sind, ist, dass die Ausgangslage eine mehr als schwierige ist: leere Kassen, ein strukturelles Budgetdefizit in einem noch nie dagewesenen Ausmaß, unzählige politische Projekte – auch durchaus gute – von der schwarz-grünen Vorgängerregierung sind ohne langfristige Finanzierung, für diese ist nicht gesorgt worden. Darum werde ich als Sozialdemokratin noch immer gefragt, warum wir uns das antun, mitzuhelfen, diesen finanziellen Scherbenhaufen, den wir nicht verursacht haben …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr habt überall mitgestimmt!

SPÖ Barbara Teiber

… jetzt in dieser Bundesregierung aufzuräumen. Anders als Klubobmann Kickl, anders als die FPÖ übernehmen wir Verantwortung.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Euch hat aber niemand gewählt! – Abg. Stefan [FPÖ]: Wir werden darauf zurückkommen!

SPÖ Barbara Teiber

… Sie beschränken sich immer allein auf billigen Populismus. Das ist man von Ihnen gewohnt: Nur kritisieren und keine Verantwortung übernehmen. Wir übernehmen Verantwortung für Österreich und die Menschen in unserem Land! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Euch hat niemand gewählt, um Verantwortung zu übernehmen!

SPÖ Barbara Teiber

… Darum muss man sagen, es ist wirklich eine Leistung, dass es dem Herrn Finanzminister und der Regierung in Rekordzeit gelungen ist, dieses Doppelbudget vorzulegen. Dieses Budget zeigt, soweit das bei einem Sparpaket möglich ist, auch soziale Handschrift – durch Mehreinnahmen von Banken, von der Energiewirtschaft, von Stiftungen, von der Immobilienwirtschaft –, und trotz des Spardrucks ist es aufgrund dieser Mehreinnahmen möglich, zu investieren: in Bildung, in Gesundheit, in Pflege und in Beschäftigung, weil gute Arbeit der Schlüssel für soziale Sicherheit ist. Ganz entscheidend ist es, dass die SPÖ Teil der Regierung ist, wenn es um das Thema Pensionen geht. Da verhindern wir, dass es zu einem Kahlschlag bei den Pensionen kommt, wie es sich manche Industriellenvertreter vorstellen. Ein IV-Präsident, der von Arbeiten bis 70 spricht – das ist purer Zynismus. Da hat jemand keine Ahnung von den Realitäten am Arbeitsmarkt! (👏 SPÖ) Worauf wir hinarbeiten werden, ist, dass das faktische Pensionsantrittsalter steigt. Was dazu umgesetzt wird, ist eine Änderung bei der Korridorpension: eine schrittweise Anhebung auf 63 Jahre, und perspektivisch sind dafür 42 Versicherungsjahre notwendig. Was uns jetzt in Verhandlungen noch gelungen ist, ist – und ich weiß als Gewerkschafterin, wie wichtig das für viele betroffene Kolleginnen und Kollegen ist –, dass für die Altersteilzeitvereinbarungen, die bis heute, bis 16. Juni, wirksam geworden sind, die bisher geltenden Anspruchsvoraussetzungen für die Inanspruchnahme einer Korridorpension weiter anwendbar bleiben. Dazu bringe ich einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Ottenschläger, Krainer, Hofer, Kolleginnen und Kollegen zum Budgetbegleitgesetz 2025, 100 der Beilagen, ein, der die erwähnte Bestimmung im Allgemeinen Pensionsgesetz ändert. Weiters gibt es redaktionelle Änderungen im Gehaltsgesetz, im Vertragsbedienstetengesetz und im steuerrechtlichen Teil. – Vielen Dank. (👏 SPÖ) 14.14 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/47.1 Budgetbegleitgesetz 2025 (AA-17) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der angesprochene Abänderungsantrag ist aufgrund seiner Komplexität verteilt worden. Er wurde in seinen Grundzügen erörtert, ist daher ordnungsgemäß eingebracht und auch ausreichend unterstützt. Er steht damit mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Kolm. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Barbara Kolm

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Sehr geehrte Delegation der Freiheitlichen Partei aus Graz! Geschätzte Damen und Herren zu Hause! Österreich ist auf dem falschen Weg, und ich darf meine Rede mit einem seltsamen Praxisbeispiel dafür beginnen, wie das Budgetbegleitgesetz dazu missbraucht wird, Dinge zu beschließen, die in Wirklichkeit mit dem Budget nichts oder nur sehr wenig zu tun haben. Im vorliegenden BBG soll beschlossen werden, dass beispielsweise die Rechtsanwälte in der Erwachsenenvertretung weit über das rechtsanwältliche Maß hinaus mit der Pflegebetreuung, psychosozialen Betreuung, aber auch der Betreuung von Erwachsenen betraut werden. Es stellt sich hier die kritische Frage: Warum sollen das die Rechtsanwälte machen und warum sollen es nicht Ärzte oder Richter machen, warum sollen nicht sie zu diesem sogenannten Zwangsdienst verpflichtet werden? Wie erfolgt die Entschädigung, wenn der Besachwaltete beispielsweise vermögenslos ist? Im vorliegenden Gesetz ist dazu nichts geregelt. Warum also ausgerechnet die politisch unbequemen Freiberufler wieder einmal belasten? Ist das der neue Stil der Budgetkonsolidierung, dass Freiberufler zu unbezahltem Sozialdienst eingeteilt werden? – Das und viele andere Dinge werden in dem hier vorliegenden Gesetz behandelt. (👏 FPÖ) Dieses Budget und dieses BBG führen Österreich weiter und noch tiefer in die Sackgasse. Wir reden heute nicht nur über Zahlen, wir sprechen über Prinzipien, über Verantwortung und darüber, welchen Weg wir für unser Land künftig einschlagen wollen: Wollen wir weiter in die Abhängigkeit von Schulden, Staatsintervention und EU-Diktaten oder endlich in Richtung Freiheit, Eigenverantwortung und Marktwirtschaft? Das Doppelbudget der schwarz-rot-pinken Koalition zeigt erschreckend deutlich: Diese Regierung hat kein Konzept und – wie zu erkennen war, wenn ich mir manche Vorredner vorhin angehört habe – auch keine Ahnung von wirtschaftlicher Grundeinstellung. Sie betreibt Zahlenkosmetik statt Sanierung, ideologische Umverteilung statt Angebotsreformen und Krisenverschleierung statt mutiger Konsolidierung. Das ist kein Wendepunkt für Österreich, sondern das ist more of the same. Zahlen entlarven und legen die Täuschung offen: Das Defizit liegt bei 4,5 Prozent des BIPs trotz – trotz! – massiver Steuerbelastungen, die Ausgabenquote bei 56,8 Prozent – im EU-27-Schnitt sind es meistens um 10 Prozent weniger. Die Regierung plant bis 2029 weitere 90 Milliarden Euro Schulden, und laut Zahlen des Fiskalrates von heute wird die Schuldenquote von heuer 84,6 Prozent bis 2029 auf 91,1 Prozent ansteigen. Das ist keine Konsolidierung, das ist nur ein Schuldenkarussell, das sich weiter dreht. Die Sanierung ist Mythos, und wenn man sich die Definitionen von Sanierung im „Oxford Dictionary“ oder im „Gabler Wirtschaftslexikon“ überlegt, aber natürlich auch im „Lexikon der öffentlichen Haushalts- und Finanzwirtschaft“ ansieht, dann weiß man ganz genau: Minus! Die Aufgaben sind nicht gemacht, und man hat nicht verstanden, was zu tun ist. Schade, dass der Herr Finanzminister gerade gegangen ist. Die Sanierung ist eben ein Mythos. Und was passiert wirklich? – Noch mehr Ausgaben, Belastung gerade von Mindestpensionisten durch höhere Krankenkassenbeiträge und weitere Belastungen im Bereich der Pensionen, keine Incentivierung, eine Form von Augenauswischerei – die angeblichen Einsparungen der Fördertaskforce betragen gerade einmal 150 Millionen Euro bei einem Ausgabenvolumen von 100 Milliarden Euro; das ist eine Augenauswischerei –, keine Strukturreformen bei Bürokratie, Föderalismus oder Verwaltung. Und wenn dann Kollege Shetty meint, das wird passieren: Na ja, wenn ich 18 Monate darüber nachdenke, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es ein vernünftiges Ergebnis gibt! (👏 FPÖ) Zum Defizitverfahren – wie gesagt schade, dass der Herr Finanzminister nicht da ist –: Das bedeutet Österreich ist im Würgegriff, im politischen Würgegriff der EU, Verlust politischer Souveränität, Brüssel übernimmt, Zinsaufschläge auf Kredite, auch für Private, schlechtere Ratings und damit auch noch höhere Staatsausgaben und noch weniger Gestaltungsspielraum für Reformen. – Das sind nicht die Lösungen. (👏 FPÖ) Widerspruch wird in Brüssel nämlich nicht geduldet. Den freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die Brüssel als Belastung für uns plant, muss zugestimmt werden. Wir haben es beispielsweise bei der Bargeldobergrenze gesehen, da hat der vergangene Finanzminister zugestimmt, ohne mit der Wimper zu zucken, und Sie werden dem digitalen Euro wahrscheinlich auch zustimmen, ohne mit der Wimper zu zucken, und das bedeutet auch eine weitere Belastung und einen Entzug unserer individuellen Freiheit. Von wegen Offensivmaßnahmen und Standortpakete: Auch da hat die Politik versagt. Das ist nämlich keine Standortpolitik – schade, dass Kollege Hattmannsdorfer nicht da ist. Schlüsseltechnologien werden politisch ausgewählt, ohne Marktprüfung. Subventionen verzerren bekanntlich den Wettbewerb und schaffen nur Mitnahmeeffekte, anstatt dass man die Instrumente der Garantien weiter ausweitet. Staatsnahe Betriebe werden ausgeschlachtet, um Budgetlöcher zu stopfen. – Das ist keine Wirtschaftspolitik, die den Standort nach vorne bringt. (👏 FPÖ) Anstelle von Mut zur Wahrheit und Mut zur Freiheit geht man den Weg in die Knechtschaft, egal ob von Brüssel oder ob man die nächsten Generationen verknechtet. – So darf das nicht sein. Das ist nicht die Lösung für Österreich. Man sollte dem Bürger vertrauen, den Unternehmern vertrauen und sie nicht unter Generalverdacht stellen. Man muss das Wort Freiheit und Freiheit als höchstes Gut wirklich wieder in den Vordergrund stellen. Nur so kann ein Arbeits- und Wirtschaftsstandort nachhaltig saniert werden, und das geht nur mit niedrigen Steuern, mit weniger Abgaben und mit viel Freiheit. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Strasser. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Georg Strasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Ja, zweifellos, es liegen fünf schwierige Jahre hinter uns, in denen die vergangene Regierung die Kaufkraft gestärkt hat, Arbeitsplätze und Wirtschaft unterstützt hat und die Sozialleistungen deutlich gesteigert hat. Die Vorzeichen haben sich geändert. Ich möchte schon dazusagen: In den letzten fünf Jahren hat auch die Opposition viele Forderungen gestellt, die die Regierung umgesetzt hat, und viele Forderungen sind weit über das Maß, das heute zu sehen ist, hinausgegangen. Jetzt sind wir aber an einem Wendepunkt, und was es braucht, ist ein Schulterschluss. Warum? – Weil alle Bevölkerungsgruppen, alle Berufsgruppen dieses Sparpaket spüren werden, und wir werben für einen Schulterschluss. Wir werden zum einen sanieren; sanieren heißt: zwei Drittel im Bereich der Ausgaben, ein Drittel im Bereich der Einnahmen. Wir werden reformieren. Ich möchte den Schulterschluss zwischen den Gemeinden, den Städten, den Bundesländern und dem Bund in den Bereichen Energie, Bildung, Gesundheit und Verwaltung hervorheben. Da werden wir die Kosteneffizienz steigern und letztendlich auch einen Beitrag zur Budgetsanierung liefern. Das alles ist aber noch auszuarbeiten. Wir werden weiter wachsen, und zum Wachsen braucht es Investitionen in die Zukunft. Ich möchte zum einen jetzt die Leistungen der österreichischen Bäuerinnen und Bauern ein wenig vor den Vorhang holen. Wir, ich und meine Kolleginnen und Kollegen, liefern Lebensmittel, Landschaft, Rohstoffe und Energie. Es ist gut, dass die Leistungsabgeltungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik stabil gehalten werden können, weil wir, die Bäuerinnen und Bauern Österreichs, dann auch weiter unseren Job machen können und unsere betrieblichen Einkommen und die Familieneinkommen damit zum Teil abgesichert sind. Der zweite Bereich: Es gilt die Wirtschaft anzukurbeln. Dabei spielt die Energie eine ganz wichtige Rolle. Es geht um die Kosten, es geht um die Wettbewerbsfähigkeit und es geht um die Verfügbarkeit – drei ganz wichtige Themen. Auch da kann die Landwirtschaft, kann die Forstwirtschaft einen gewissen Teil liefern, und zwar über das Thema Biogas und Biomasse. So kann man sehr elegant Strom und Wärme erzeugen, mit Reststoffen für das Biogas und für die Biomasse aus dem Wald. Letztendlich sind diese Investitionen also notwendig, um uns eine Spur autonomer zu machen und die regionale Wirtschaft zu fördern und um uns auch eine bessere Klimabilanz zu verleihen. Ich komme zum Schluss: Wir sanieren, wir reformieren und wir werden weiter wachsen, und ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen, weil wir an dieses Land glauben. Was macht die FPÖ? – Sie verstrickt sich in Widersprüche. Ich habe da am Nachmittag zugehört. Kollege Fuchs hat sogar eine Aussendung vorgelegt: Dieses Budget ist unsozial!; Kollegin Kolm, die ja für ihren wirtschaftsliberalen Zugang bekannt ist, sagt: Oje, diese ideologische Umverteilung! – also ein schwerer Widerspruch. Die FPÖ begeht nicht nur Kindesweglegung, siehe Brief nach Brüssel, sondern sie verstrickt sich auch in Widersprüche in der eigenen Argumentation in der gleichen Debatte.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Wo ist da der Widerspruch? – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].

ÖVP Georg Strasser

… Wir sagen, dieses Budget ist sozial, dieses Budget ist ausgewogen und es wird uns zum Erfolg führen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Götze. Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten.

GRÜNE Elisabeth Götze

Danke, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Radfahren, Fußwege, Begrünung in den Orten, gute Kinderbetreuung und auch eine zeitgemäße Infrastruktur : Wir wissen, dass all das die Zufriedenheit der Bevölkerung maßgeblich beeinflusst, dass all das beeinflusst, wie gut es uns vor Ort geht. Aber auch das Vertrauen in die Demokratie wird, das wissen wir aus zahlreichen Studien, gestärkt, wenn die Orte gut funktionieren. Dafür gab es die Gemeindepakete mit einer ganz einfachen Antragsmöglichkeit – das weiß ich aus Erfahrung – und Transparenz, auf der BMF-Seite einfach abrufbar. Noch vor einem Jahr hat das Bundeskanzleramt auf der Website geschrieben, das kommunale Investitionsprogramm sei ein bewährtes Instrument, und für 2025 wurde ein neues angekündigt, mit einer Bundesförderung von 80 Prozent. All das wird jetzt leider abgedreht.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Stimmt ja nicht! – Abg. Schroll [SPÖ]: Stimmt ja nicht, Frau Kollegin!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Es kommt ein Rückschritt, weil es jetzt den Gemeinden überlassen bleibt, was sie mit diesem Geld machen. Sie bekommen das Geld als Gieß- - – Hören Sie mir zu, liebe Kolleginnen und Kollegen! (👏) Es kommt eine Gießkannenförderung und die Gemeinden entscheiden, was sie damit tun.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Ja, Gott sei Dank! – Abg. Schroll [SPÖ]: Ihr werdet doch nicht gegen die Gemeinden reden!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Das heißt aber auch, dass die Gemeinden, denen es finanziell schlecht geht, das Geld nützen werden, um Löcher zu stopfen.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Das geht ja nicht! – Rufe bei der ÖVP: Das geht ja nicht! – Abg. Kogler [Grüne]: Das haben wir ja vorher auch gehabt!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Es ist keine zielgerichtete Förderung mehr für Kinderbetreuung und für sonstige Investitionen, die wichtig für die Zukunft sind; man wird das Dringliche machen. (👏) Nur die reichen Gemeinden werden es sich leisten können, die langfristigen Zukunftsinvestitionen zu tätigen. Auch die Transparenz ist Vergangenheit, weil das BMF, das Finanzministerium, wohl nicht 2 000 Gemeindeseiten durchschauen wird, welche Investitionen gerade getätigt werden ; das ist nämlich die Vorgabe, es dort zu veröffentlichen. Zusammenfassend: ein Bärendienst für die Gemeinden, für die Steuerzahlenden, nämlich alle Bürger:innen, und eine vertane Chance für den Klimaschutz. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete von Künsberg Sarre. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Herr Präsident! Werte Mitglieder auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer! Es ist immer wieder schön, wie die Grünen sich wegducken und immer so tun, als ob sie mit dieser angespannten Budgetsituation überhaupt nichts zu tun hätten.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Ihr unterstellts das dauernd!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Die letzten fünf Jahre – und da waren die Grünen ganz, ganz vorne dabei – waren geprägt von einer Gießkannenpolitik …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

... den Schellhorn die nächsten fünf Jahre ...!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und einer Politik: Koste es, was es wolle! – Deswegen sind wir in dieser Situation. (👏 NEOS) Für uns NEOS ist ganz klar, dass es notwendig ist, das Budget zu konsolidieren. Das darf aber gleichzeitig nicht Stillstand bedeuten, sondern es geht darum, sich endlich Zeit für echte Reformen zu nehmen. – Offensichtlich fühlen Sie sich ja so angesprochen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Amüsiert!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Es ist wirklich schön, dass Sie da mit Ihrer Gießkanne einfach nicht durchgekommen sind. Für uns NEOS steht im Vordergrund dieses Budgets und auch des Bildungsbudgets: Sanieren, Reformieren und Investieren.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo ist das im Budget?

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Der Schwerpunkt der Bundesregierung – und es ist natürlich keine große Überraschung, dass es unter NEOS-Beteiligung so ist – ist, dass die Bildungspolitik endlich ein Schwerpunktthema für die Regierung geworden ist und dass ein ganz großer Fokus darauf liegt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wo sieht man das im Budget?

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Viel zu wenig wurden im Bildungsbereich die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft angegangen, viel zu lange wurden sie nicht angegangen. Wir haben mit dieser Regierung und mit diesem Budget eine Aufholjagd in der Bildung gestartet …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, umgefallen! Nein, Sie sind umgefallen!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und vor allem – und das ist ganz wichtig, an die Grünen gerichtet – einen Paradigmenwechsel eingeleitet – einen Paradigmenwechsel! –: Wir gehen nämlich weg von der Gießkanne, ja, und unsere Investitionen im Bildungsbereich sind zielgerichtet, bedarfsorientiert und dadurch auch treffsicherer.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

... auch schon wieder an der eigenen Propaganda!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Im Bildungsbereich stehen fast 12 Milliarden Euro zur Verfügung, so viel wie noch nie, und mit diesen 12 Milliarden wollen wir auch Reformen anstoßen. Ganz kurz: Elementarpädagogik, massive Investitionen in Angebot und in Qualität, diese werden verbessert, 10 Millionen Euro stehen allein heuer für neue Ausbildungsplätze – 4 000 an der Zahl – zur Verfügung; Deutschförderung als Chancenöffner , 2025/2026 stehen 1 300 Stellen für Deutschförderung zur Verfügung, das ist eine Verdoppelung; ab 2026 kommt die verpflichtende Sommerschule für alle außerordentlichen Schülerinnen und Schüler zur Unterstützung; der Chancenbonus – von den Grünen in der letzten Regierung ( Ruf bei den Grünen: Begonnen! ) eher verhalten begonnen, aber sehr verhalten – wird jetzt endlich österreichweit ab 2026/2027 umgesetzt ; digitale Lernmedien werden den Unterricht stärken und ihn spannender machen, allein für das Schuljahr 2025/2026 stehen 20 Millionen Euro zur Verfügung. Und: Der Bildungsminister hat bereits eine große Entbürokratisierungsoffensive im Schulbereich angekündigt, damit Lehrkräfte endlich von irgendwelchen unnötigen Papieren und irgendwelchen Einmeldungen, die sie an die Bildungsdirektionen und an das Bildungsministerium abliefern müssen, freigespielt werden, damit endlich die Arbeit mit den Kindern im Vordergrund steht und Lehrerinnen und Lehrer diese begleiten können. (👏 ÖVP, NEOS) 2025 stehen insgesamt 120 Millionen Euro und 2026 320 Millionen Euro als zusätzliche Offensivmittel zur Verfügung und mit diesen Offensivmitteln werden die wichtigen und innovativen Projekte endlich auf den Weg gebracht und auch umgesetzt. Zum Schluss noch eine sehr, sehr gute Nachricht: Die NEOS sind der Garant dafür, dass die Mittel treffsicher und zielgerichtet eingesetzt werden.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Herbert. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ Werner Herbert

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Minister, Ministerinnen und Staatssekretäre auf der Regierungsbank! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörer! Seit dem Vormittag erleben wir hier, dass seitens der Bundesregierung versucht wird, das vorliegende Budget irgendwie zu rechtfertigen, was ihr eigentlich nicht wirklich gelingt, denn die Erkenntnis oder die Conclusio aus den bisherigen Debattenbeiträgen ist klar: Dieses Budget hat keine Vision, dieses Budget hat keinen Weitblick und schon gar nicht ist es die – wie von Klubobmann Shetty zuvor angepriesene – Budgetkonsolidierung. Ich werde versuchen, Ihnen an drei Beispielen darzulegen, warum das Budget nicht das ist, was Sie vorgeben, das es ist, und werde auf meinen Bereich, nämlich den öffentlichen Dienst, in den ich als Bereichssprecher meiner Fraktion einen relativ guten Einblick habe ( Ruf bei der ÖVP: „Relativ“! ), eingehen. Der erste Punkt ist die heute schon mehrfach gehörte Kritik: Sie sparen bei der Bevölkerung, aber nicht bei sich selbst. Das ist die größte, die teuerste und personell umfassendste Regierung, die wir je in Österreich gehabt haben, nicht nur, was die Anzahl der Minister und Staatssekretäre betrifft ( Ruf bei den NEOS: Stimmt ja nicht! ), sondern auch, was die Mitarbeiter betrifft. Man bläst in den Ministerien aber auch die einzelnen Bereiche unnötigerweise und im Widerspruch zu dem, was bisher gesagt wurde, auf. Beispiel BMI: Im Jahr 2022 wurde dort unter dem Aspekt, eine neue Gruppe zu gründen, die Funktion des Generalsekretärs abgeschafft. Der Hintergrund oder die Argumentation damals war: Das ist kostenneutral, wir brauchen keinen Generalsekretär, aber es ist wichtig, die Gruppe Bundespolizei zu errichten. Ein Blick in das heurige Budget sagt uns: Alles Lug und Trug! Jetzt haben wir eine Bundespolizei und einen Generalsekretär, dessen Funktion samt einem entsprechenden Stab in diesem Budget mit guten Planstellen verhaftet ist und der die Geschicke lenken wird. Zweites Beispiel: Seit Jahren gibt es das ungelöste Problem der Anrechnung von Vordienstzeiten von Bediensteten des öffentlichen Dienstes. Davon sind insbesondere jene Bediensteten betroffen, die viele Überstunden leisten, aber auch viele Nebengebühren haben, beispielsweise die Exekutive, aber auch das Bundesheer ist davon sehr stark betroffen und teilweise auch der Gesundheitsbereich. Seit 2008 gibt es eine EuGH-Entscheidung, die sagt: Dienstzeiten, die erbracht, aber nicht abgegolten wurden, sind für den sogenannten Vorrückungsstichtag neu zu bewerten und anzurechnen – seit 2008! Was haben die Bundesregierungen bisher zustande gebracht? – Nichts. Was bringt diese neue Bundesregierung zustande? – Auch nichts.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das nennt man Stabilität!

FPÖ Werner Herbert

… Findet man einen Budgetansatz? – Nein, negativ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Deswegen Stabilität!

FPÖ Werner Herbert

… Das heißt: Die betroffenen Bediensteten werden weiterhin durch die Finger schauen. Und ich wage schon die vielleicht ein bisschen zynische Vermutung: Man setzt hier eher auf die tickende biologische Uhr, sodass man sich vielleicht im Laufe der Zeit wieder etliche Millionen ersparen wird. (👏 FPÖ) Drittes Beispiel: Sie setzen das Funktionieren des Staates und seiner Einrichtungen in unverantwortlicher Weise und leichtfertig aufs Spiel, indem Sie widersprüchliche und divergierende Maßnahmen setzen. Auf der einen Seite wissen wir aufgrund einer Expertise aus dem Jahr 2008, dass wir uns derzeit in einem Umbruch befinden, in einer Zeit, in der viele Bedienstete im öffentlichen Dienst bereits in Pension gegangen sind und auch noch in den nächsten Jahren gehen werden, gleichzeitig sparen wir auf der anderen Seite bei den Planstellen – überhaupt ein Widerspruch in sich – und Überstunden sparen wir auch ein. Da stellt sich die Frage: Wie wollen wir den öffentlichen Dienst aufrechterhalten, insbesondere in den Bereichen, die wir unbedingt brauchen: Sicherheit – ein wichtiger Faktor, das haben wir heute Vormittag schon angesprochen; das traurige Ereignis in Graz, das möchte ich hier nicht unbedingt noch einmal ausbreiten –, aber es gibt auch noch andere Bereiche: Landesverteidigung, Bildung, Gesundheit. Ich frage mich, wie der Kreis sich schließen soll, wenn einerseits langgediente Beamte und Vertragsbedienstete in Pension gehen werden, wir aber Planstellen einsparen und gleichzeitig keine Überstunden gemacht werden dürfen? Gute Nacht, Österreich!, kann ich da nur sagen – auch jedem, der Hilfe braucht von Polizei, im Gesundheitsbereich, vielleicht auch in einem Katastropheneinsatz durch die Landesverteidigung oder auch im Bildungsbereich. Da stehen uns düstere Zeiten bevor. (👏 FPÖ) So gesehen ist es eigentlich unverantwortlich, dass Sie milliardenschwere Projekte im Bereich von Nato-Beschaffungen umsetzen wollen oder auch fragwürdige Auslandsinvestitionen tätigen, aber die heimische Bevölkerung und vor allem unsere Bediensteten die eigentlich Leidtragenden sind, weil die letzte Regierung derart mies gewirtschaftet hat, dass man unseren Bediensteten nicht einmal eine Lohnerhöhung von 0,3 Prozent für das nächste Jahr gewähren will – 0,3 Prozent will man nicht gewähren, weil der Staat sparen muss! Und warum muss der Staat sparen? – Weil die alte Regierung versagt hat. Ihr habt ein Milliardendesaster hinterlassen und das zum Nachteil auch der Bediensteten, die im öffentlichen Dienst arbeiten. (👏 FPÖ) So gesehen ist es eigentlich nicht wirklich überraschend, dass Sie das Vertrauen der österreichischen Bevölkerung im Vorfeld schon verspielt haben, bevor Sie überhaupt mit einem Budget richtig begonnen haben. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Hanel-Torsch. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich im Namen meines Kollegen Haitzer sehr herzlich die Berufsschule St. Johann im Pongau bei uns im Hohen Haus begrüßen. Herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt ja grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie wir von der Bundesebene aus für leistbares Wohnen sorgen können: einerseits nämlich durch die Zurverfügungstellung von finanziellen Mitteln, die zusätzlich ausgegeben werden können, und andererseits durch gesetzliche Bestimmungen, die helfen können, die Wohnkosten zu senken und den Wohnungsneubau wieder anzukurbeln. Der erste Weg ist uns leider durch die Budgetpolitik unserer Vorgängerregierung versperrt worden. Es gibt nämlich kein Geld mehr, das wir zusätzlich in diesen Bereich investieren können. Milliarden von Euro sind in den vergangenen Jahren ausgegeben worden – für Maßnahmen, die leider weder besonders nachhaltig noch sozial gerecht waren. Es gab beispielsweise eine Förderung für den Heizungstausch, wir haben es gehört. Mittlerweile wissen wir, wer davon profitiert hat: vor allem die Wohlhabenden in diesem Land. Und was kam noch dazu? – Der Klimabonus, der auch an Spitzenverdiener:innen ausgezahlt worden ist. Angesichts dessen finde ich es wirklich besonders interessant, dass die Grünen heute hier von einer Gießkannenpolitik sprechen, die Grünen, die diesen Klimabonus einfach – nicht sozial treffsicher – an alle Menschen in diesem Land ausgezahlt haben. Es war damals tatsächlich so, dass sich viele von den Reichen gewundert haben, dass sie diese Gutschrift bekommen haben, viele haben das Geld auch gespendet. Das war ein gutes Beispiel dafür, wie eine Budget- und Klimapolitik nicht funktionieren sollte, denn sie war unsozial, sie war nicht treffsicher und sie war noch dazu sehr, sehr teuer.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Deswegen streicht ihr es jetzt den Ärmsten!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… Das Erbe, das die letzte Bundesregierung unserem Finanzminister hinterlassen hat, ist leider kein gutes Erbe. In den meisten Familien würde man ein solches Erbe wohl nicht antreten, aber die SPÖ ist da halt anders. Sie war immer da, wenn es um die Republik gegangen ist und wenn es um Verantwortung geht. Immer dann, wenn der Hut brennt, ist die Sozialdemokratie da. Wir haben auch damals schon, im Jahr 2007, als wir vor den Trümmern standen, die uns Blau-Schwarz I mit Korruptionsskandalen, mit den Bankenpleiten et cetera hinterlassen hat, aufgeräumt und wir sind auch jetzt wieder da, um aufzuräumen und Verantwortung zu übernehmen. Wir sind jetzt nach dieser Party, bei der das Geld rausgeschmissen worden ist, da und räumen auf. (👏 SPÖ) Zu diesem Aufräumen gehört auch, dass wir erstmalig einen nachhaltigen Mechanismus geschaffen haben, der die Mieterinnen und Mieter wirklich entlastet. Sie profitieren vom beschlossenen Mietpreisstopp. Wir arbeiten jetzt auch an Lösungen für den ungeregelten Bereich, dass auch diese Mieterinnen und Mieter entlastet werden. Wir werden die Mindestbefristungsdauer verlängern, weil auch das hilft, Geld zu sparen, wenn man nicht regelmäßig umziehen muss. Und wir werden auch dafür sorgen, dass die Zweckwidmung bei der Wohnbauförderung wieder eingeführt wird, damit den Bundesländern wieder mehr Geld zur Verfügung steht, das sie auch für den Wohnbau verwenden müssen. Das alles sind wichtige Akzente, die den Privathaushalten helfen, wieder Luft zum Atmen zu bekommen, und die den Konsum wieder ankurbeln werden. Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum entsteht nämlich nicht durch Förderungsgeschenke an die Reichen, sondern durch die Entlastung der kleinen und mittleren Einkommensgruppen und durch die von uns geplanten Offensivmaßnahmen in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt und Gesundheit. Wir übernehmen Verantwortung und wir bringen Österreich wieder auf Kurs! (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Lukas Hammer . Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in den letzten fünf Jahren endlich in jenem Ausmaß in den Klimaschutz investiert, das in dieser existenziellen Krise angemessen war. Und was hat es gebracht? – Gemeinsam mit zusätzlichen Maßnahmen waren wir erstmals auf Zielerreichungspfad in Bezug auf unsere Klimaziele. (👏) Wenn man hier in den letzten Stunden zugehört hat – und das war auch in den vergangenen Wochen schon so –, dann muss man sagen, es wird jetzt eigentlich von allen Parteien so getan, als ob ausschließlich die Investitionen in Klimaschutz, in unsere Zukunft, in die Energiewende für das Budgetdefizit verantwortlich wären. Von der FPÖ kennen wir das schon lange, aber dass Sie das übernehmen, diesen Schmäh, wider besseres Wissen, das ist schon unwürdig, liebe Kolleginnen und Kollegen. (👏) Was kommt heraus? – Dieses Budget ist eine klimapolitische Geisterfahrt, weil es in die falsche Richtung geht und weil es gefährlich ist. Weniger Investitionen in Klimaschutz, kein Abbau von klimaschädlichen Subventionen und keine Gesetze zum Ausgleich, um das zu kompensieren, was mit den fehlenden Klimaschutzgeldern sonst passieren würde. Nichts! Und darüber hinaus, und das ist auch noch nicht angesprochen worden, wird die Investition in erneuerbare Energien, die uns dann langfristig günstigere Strompreise sichern, insbesondere für die Industrie durch den Energiekrisenbeitrag auch noch verteuert. Ich frage mich schon: Wie soll sich das ausgehen? Wie soll sich das ausgehen, dass wir unsere Klimaziele erreichen? Wie soll sich das ausgehen, dass wir dann eben nicht Milliarden für Strafzahlungen und Zertifikate ausgeben müssen? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das haben Sie vereinbart!

GRÜNE Lukas Hammer

… Das hat mir von Ihnen noch niemand beantworten können. (👏) Bei der FPÖ muss ich mich schon wundern: Ihr regt euch künstlich über dieses Budget auf, betreibt Kindesweglegung, sagt: Wir haben ja nur einen Zettel nach Brüssel geschickt!, und die SPÖ verteidigt dieses Budget, als ob es ihr eigenes wäre. Da hat die Kindesweglegung offensichtlich gut funktioniert. Das finde ich schon spannend. Zum Abschluss noch: Der Klimabonus war euch zu unsozial, liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr habt gefragt, was denn die Mieterinnen und Mieter im Gemeindebau, die sich ihre Heizung nicht aussuchen können, bekommen. Jetzt streicht ihr den Klimabonus, als Ersatz gibt es, wahrscheinlich von der ÖVP gewollt, einen Ausgleich für Pendlerinnen und Pendler. Und was gibt es für die Mieterinnen und Mieter, die auf ihrer Gasheizung sitzen bleiben? – Nichts, gar nichts! Wo ist das sozial, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ? Abschließend: Es wurde schon erwähnt, die klimaschädlichsten und dreckigsten Autos werden jetzt beim Kauf billiger und gleichzeitig werden alle Elektroautos durch eine neue Strafsteuer verteuert. Das ist keine Klimapolitik und das ist langfristig auch keine Budgetpolitik. – Danke schön.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo Lukas!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Brandweiner. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Lukas Brandweiner

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Österreicherinnen und Österreicher auf der Galerie, aber auch zu Hause vor den Bildschirmen! Reiner Wein statt schöne Worte, das ist heute gefragt. Österreich steht vor großen Herausforderungen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, aber auch geopolitisch. Die Lage ist ernst, aber sicherlich nicht aussichtslos, wenn wir jetzt auch Verantwortung tragen und übernehmen. Dieses Doppelbudget 2025/2026 ist kein Wunschkonzert. Es ist ein realistischer, verantwortungsvoller Kurs, nicht bequem, nicht populär, aber notwendig. Wir konsolidieren, wir reformieren, aber wir investieren auch. 2025 sparen wir 6,4 Milliarden Euro ein, 2026 sind es sogar 8,7 Milliarden Euro, und trotzdem investieren wir gezielt in Bildung, Arbeit, Gesundheit, Sicherheit und Digitalisierung, denn Zukunft entsteht dort, wo man sie auch möglich macht. Jeder gesparte Euro ist Vorsorge für morgen gegen neue Schulden, steigende Zinsen und kommende Krisen. Unser Kurs folgt dabei drei klaren Prinzipien: Sparen bei Asyl, aber nicht bei der Sicherheit, Leistung statt Gratismentalität und Investitionen in die Zukunft statt Gießkanne. Ja, dieser Weg verlangt uns allen etwas ab, aber die Alternativen wären steigende Schulden, weniger Jobs und gefährdete Sozialleistungen. Wir als ÖVP stehen zu einem leistungsfreundlichen, modernen Sozialstaat, darum unterstützen wir jene, die arbeiten, die Verantwortung übernehmen und sich anstrengen, um einen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. Wir investieren in den ländlichen Raum etwa mit dem Pendlereuro, der verdreifacht wird, in Entlastungen für Handwerksbetriebe, in den Ausbau regionaler Infrastruktur. Wir investieren in Familie und Bildung mit einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr, mit Deutschförderung und Chancenbonus. Wir investieren in Beschäftigung mit Weiterbildungszeit, Aktion 55 plus und steuerlichen Anreizen wie der steuerfreien Mitarbeiterprämie bis zu 1 000 Euro. Geschätzte Damen und Herren! Wir brauchen keine populistischen Scheinlösungen, sondern einen klaren Kurs mit Mut und Ehrlichkeit, denn wenn wir heute das Richtige tun, sichern wir die Chancen von morgen für unsere Kinder, für unsere Regionen und für den sozialen Zusammenhalt. Werte Kolleginnen und Kollegen, bringen wir Österreich gemeinsam wieder auf Erfolgskurs! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Linder. 6 Minuten eingemeldete Redezeit.

FPÖ Maximilian Linder

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Mit Blick auf diesen Bundesvoranschlag hat es heute immer wieder Diskussionen über die Vertrauenswürdigkeit von Politikern gegeben. Ich glaube, zwei Dinge soll man schon noch einmal in Erinnerung rufen: Das eine waren die Ankündigungen des letzten Finanzministers Brunner, der gesagt hat: Das Budget ist eh in Ordnung, das wird halten! – Drei Tage nach der Wahl wurden wir eines anderen belehrt. Das Zweite – und das hat mich eigentlich schon auch persönlich ein bisschen betroffen – war in Hinblick auf die Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich, als sich der damalige Bundeskanzler Nehammer kurz vor der Wahl vor die Medien hingestellt hat. Er hat gesagt: 500 Millionen Euro habe ich in Brüssel erreicht, 500 Millionen bekommen wir für die Unwetteropfer. – Jubel in den Medien, große Freude, Bundeskanzler Nehammer hat sich damals sogar bei Kommissionspräsidentin von der Leyen mit den Worten bedankt: Es ist wichtig, zu zeigen, dass die EU nicht nur der Ukraine schnell hilft, sondern auch den Mitgliedsländern. Meine Damen und Herren, bei der letzten Sitzung des Budgetausschusses haben wir erfahren, dass bei diesen 500 Millionen lediglich über 40 Millionen verhandelt wird, und auch die sind noch nicht fix.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ist ein Wahnsinn!

FPÖ Maximilian Linder

… Das, glaube ich, ist bezeichnend, wenn man sich kurz vor der Wahl vor Unwetteropfer hinstellt und sagt: Ich habe für euch alles erreicht!, um dann hinterher zugeben zu müssen, dass es eigentlich gar nichts war. Da frage ich mich, wer ehrlich ist und wer vertrauenswürdig ist. (👏 FPÖ) Zum Bundesvoranschlag, zu den Expertenaussagen im Ausschuss: Prof. Badelt, der Experte von der ÖVP, hat ganz klar gesagt: Der Budgetkonsolidierungspfad ist eingeleitet, doch die Dynamik ist noch nicht erreicht. Noch sind wir bei Weitem nicht dort. – Wenn man seinen Medienauftritt hernimmt, dann wissen wir, dass die Zahlen, die heute im Budget drinnen sind, aus seiner Sicht bei Weitem nicht halten werden, dass wir niemals auf unter 4 Prozent Defizit herunterkommen werden und dass die Schuldenquote auf sage und schreibe 91 Prozent ansteigen wird. Deshalb, glaube ich, ist das der nächste Beweis, wie sehr wir dieser Regierung trauen können beziehungsweise wo wir hinters Licht geführt werden. (👏 FPÖ) Ganz spannend für mich ist, dass der Experte der SPÖ, Herr Mag. Feigl, gesagt hat: Die öffentliche Hand ist ein wichtiger Arbeitgeber. Da dürfen wir auf gar keinen Fall sparen, denn das würde die Arbeitslosenrate noch schlechter dastehen lassen. – Ich glaube, ich brauche Ihnen nicht zu erklären, dass die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst einzig und allein von den Menschen, die in der Wirtschaft arbeiten, mitfinanziert werden müssen. Für mich ist es ein bisschen eine Chuzpe, dass genau die Partei NEOS, die so für einen schlanken Staat gekämpft hat und immer ganz massiv darauf hingewiesen hat, wie wichtig das ist , heute mit einer Partei in der Koalition sitzt, die eigentlich den öffentlichen Dienst aufblasen will, damit wir die Arbeitslosenraten schönen. Liebe Kollegen von der Partei NEOS, ihr habt wirklich viele Ideale von euch verkauft. Sparen geht nur, indem man das System verschlankt und vereinfacht. Ein schönes Beispiel dafür ist unser freiheitlicher Bürgermeister Andreas Rabl in Wels, der im Laufe der Jahre in der Verwaltung 30 Prozent der Stellen eingespart hat und dafür heute 130 Millionen Euro Rücklagen am Konto hat. (👏 FPÖ) Anders ist natürlich der Unterrichtsminister Wiederkehr – ich bringe so gerne diese Beispiele – von NEOS, der hergeht und sagt: Wir müssen sparen, indem wir keine Schulen sanieren. Die Sanierungen hinausschieben, hinauszögern und ja nicht bei den Investitionen etwas weiterbringen – das ist nicht sparen. Sparen heißt, das System zu verschlanken, zu vereinfachen. Das ist nicht einfach. Man schafft sich damit nicht immer Freunde. Aber wichtig ist, dass man, wenn man das will, selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Diese Koalition tut genau das Gegenteil. Sie selbst hat sich die größte und teuerste Regierung gegönnt, verlangt aber im gleichen Atemzug von den Bürgern, dass sie sparen müssen, dass sie reduzieren müssen. Sparen aus Sicht der NEOS heißt, dass Frau Bundesminister Meinl-Reisinger durch die Welt fährt, Millionen verteilt. Staatssekretär Schellhorn richtet sich eine Koordinierungsstelle von jährlich 1,6 Millionen Euro ein. Vielleicht noch ein Wort dazu: Den Gemeinden geht es wirklich nicht gut. Auch da werden Reformen notwendig sein. Aber NEOS haben ein ganz interessantes Konzept vorgestellt. Die Expertin Köppl-Turyna hat gesagt, wir müssten die Kommunalsteuer streichen und dafür die Grundsteuer verdoppeln. Ein kleines Beispiel anhand meiner Gemeinde: Die Grundsteuer macht 110 000 Euro aus, die Kommunalsteuer 220 000 Euro. Wenn ich das kompensieren will, müsste die Grundsteuer verdreifacht werden. Das heißt, ein Einfamilienhausbesitzer zahlt dann nicht mehr 400 oder 500 Euro Grundsteuer, sondern 1 500 Euro. Das heißt: Wir selber bei uns sparen nicht – so ist euer Denken, liebe Regierungsleute – aber die Leute draußen müssen wir strafen und kaputtsparen. Diese Koalition lebt nach wie vor nach dem Grundsatz weiter wie bisher, aber nur, damit Sie weiterhin Ihre eigenen Posten halten können. Sie sind nicht bereit, diesen Staat nachhaltig zu sanieren.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das war nix, Max!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Gasser. 3 Minuten sind Ihre Redezeit; wenn Sie wirklich bis 15 Uhr fertig sind? (Abg. Gasser [NEOS] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Ich versuche es!) Es würde sich ausgehen bis zur Dringlichen. – Danke.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ich glaube, manchen hier im Saal tut vielleicht ein bisschen ein Realitätscheck gut, weil immer wieder vom sozialen Kahlschlag durch dieses Budget gesprochen wurde. Ich möchte in Erinnerung rufen: Österreich ist nicht nur Europameister bei den Sozialausgaben, wir sind von allen westlichen Industrienationen Platz eins, was die Sozialausgaben angeht.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Warum wohl?

NEOS Johannes Gasser

… 31,8 Prozent unseres BIPs gehen in den Sozialbereich. Ich kann Ihnen versprechen: Wir werden auch nach der Budgetsanierung weiterhin im Spitzenfeld sein. Ob das eine gute oder schlechte Sache ist, sei jetzt dahingestellt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Gibt’s da so viele arme Leute, oder was?

NEOS Johannes Gasser

… Aber ich möchte schon auch eines dazusagen, wenn Sie hier beklagen, dass wir NEOS nicht für den schlanken Staat sorgen: Die FPÖ ist die letzte Partei, die genau bei diesem Ausgabenbereich, bei diesen 31,8 Prozent Sozialquote, überhaupt bereit ist, auch nur darüber zu sprechen, wie man das generationengerechter, treffsicherer oder leistungsgerechter machen kann. Wir NEOS sind ein Garant dafür, dass das in der Bundesregierung auch passieren wird. (👏 NEOS) Ich möchte da auch kurz auf ein paar Themen aus dem Budgetbegleitgesetz eingehen, weil wir mit dem Budgetbegleitgesetz eine Trendumkehr setzen, gerade in der Generationengerechtigkeit: Mit der Einschränkung bei der Korridorpension werden wir es schaffen, das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, weil wir eines klarstellen: Ja, 45 Versicherungsjahre sind vorerst einmal genug, um in Pension zu gehen. Aber 40 Versicherungsjahre, wie wir sie bei der Korridorpension haben, reichen einfach nicht aus, um in Zukunft das Pensionssystem nachhaltig abzusichern. Dieser kleine Schritt, den wir jetzt gehen, wird nicht reichen, damit wir für Generationen die Pensionen abgesichert haben, aber es ist ein erster Beitrag, die langfristige Finanzierbarkeit sicherzustellen. (👏 ÖVP, NEOS) Wir gehen auch die Treffsicherheit im Sozialbereich an. Wir stellen sozusagen auch die grüne Gießkanne aus dem Sozialministerium zur Seite und werden mit dem Armutsbekämpfungsfonds und dem Unterhaltsgarantiefonds das Geld treffsicherer zu den Familien und zu den Armutsbetroffenen bringen – und es nicht mit der Gießkanne über den Klimabonus und viele andere Maßnahmen verteilen. Treffsicher werden wir auch beim Arbeitslosengeld werden, weil das Arbeitslosengeld vor allem dafür da ist, Menschen so lange zu unterstützen, bis sie wieder in eine Vollzeitbeschäftigung zurückkehren können. Mit der Einschränkung des geringfügigen Zuverdiensts schaffen wir genau das, weil der geringfügige Zuverdienst zu oft nicht zum Sprungbrett, sondern zu einer Hürde in eine Vollzeitbeschäftigung geworden ist. Auch das hat mit Leistungsgerechtigkeit zu tun. Leistungsgerechtigkeit ist nämlich etwas, was im Sozialbereich dringend notwendig ist, damit wir sicherstellen, dass sich Mehrarbeit, Vollzeitarbeit und die Rückkehr in eine volle Beschäftigung immer auszahlen. Wir NEOS sind der Garant dafür, dass das auch in den nächsten Jahren umgesetzt werden wird. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS) 14.59 Dringliche Anfrage, 30. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:59

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! ( Auf den Plätzen der FPÖ-Abgeordneten stehen Tafeln mit der Aufschrift „Zeit für Frieden“ und „Zeit für Neutralität“. ) Diese Woche haben wir jetzt hier von Montag bis Mittwoch die Budgetdebatte, eine der wichtigsten Plenarsitzungen jeder Gesetzgebungsperiode, und ich richte mich gerade an Sie, sehr geehrte Damen und Herren. Besonders für Sie ist es interessant, da es ja um Ihr Geld geht, um das Steuergeld, welches Ihnen im Rekordausmaß abgenommen wird, von ÖVP und Grünen vernichtet wurde und auch von dieser Bundesregierung nun für Dinge ausgegeben wird, die nicht in Ihrem Interesse, nicht im Interesse Österreichs liegen. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Um all das aber zu diskutieren, was mit dem Geld geschieht, ist diese Budgetdebatte hier angesetzt. Parallel dazu einen Staatsbesuch zu organisieren, der die mediale Aufmerksamkeit zu einem guten Teil auf sich zieht, ist für diese Bundesregierung natürlich sehr, sehr praktisch – praktisch, um vom Budgetdesaster abzulenken, von den unfairen Belastungen für Kinder und Pensionisten abzulenken. Es ist aber dennoch ein Bruch der Tradition, dass man die Plenartage freihält, es ist eine Abwertung der Plenarsitzungen, und es ist auch überheblich gegenüber den Bürgern, die Anspruch darauf haben, die ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben, was mit ihrem Geld passiert. (👏 FPÖ) Um beim Budget zu bleiben: Der Staatsbesuch, die Einladung an den ukrainischen Präsidenten Selenskyj – die näheren Umstände erklären Sie uns vielleicht dann in der Beantwortung der Fragen – ist auch budgetrelevant, denn ein nicht unerheblicher Teil des österreichischen Steuergeldes wandert in die Ukraine, sodass man schon fast das Gefühl hat, unsere Politiker sind mehr für die Ukraine da als für die eigenen Bürger. (👏 FPÖ) Da sitzen die Millionen locker, aber nicht nur die Millionen, sondern der ORF, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, berichtet vor zwei Monaten: Österreich unterstützt die Ukraine bisher mit 3 Milliarden Euro. – 3 Milliarden Euro, die hier in Österreich ganz dringend benötigt würden. Die Österreicher haben sich nicht dafür entschieden, dieses Geld in die Ukraine zu schicken, wo man nicht weiß, wo es landet. (👏 FPÖ) Das Außenministerium vergibt direkt bilateral 300 Millionen Euro, auch die neue Außenministerin bringt bei jeder Reise Millionen Euro mit, die Europäische Friedensfazilität – der Name ist grotesk angesichts dessen, was mit dem Geld gemacht wird! – 160 Millionen Euro, und der große Brocken der 3 Milliarden Euro fließt über Brüssel in die Ukraine. Die EU selbst hat schon bis zu 100 Milliarden Euro aufgebracht, zweimal 50 Milliarden Euro lockergemacht. Wo geht das Geld hin, was passiert mit dem Geld? Wer glaubt, das kommt einem guten Zweck zugute, zumindest der ukrainischen Zivilbevölkerung, und wird vor allem für die Beilegung, die Entschärfung des Konflikts verwendet, zum Ansetzen diplomatischer Verhandlungen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Zeit für Frieden, sehr gescheit!

FPÖ Susanne Fürst

… der irrt. Nein, wird es nicht, es wird kaum ein Cent dieser Abermilliarden für die Lösung des Konflikts aufgebracht, diese Zweckwidmung gibt es nicht. Es gibt auch keine Kontrolle gegen die Korruption, die natürlich weit verbreitet ist. Wofür ist das Geld bestimmt? – Sogar das Außenministerium schreibt es völlig ungeniert – ich weiß nicht, ob es der Frau Ministerin bekannt ist –, auch jetzt noch, drei Jahre nach Kriegsbeginn, steht das auf der Homepage: Die Ukraine wird in die Lage versetzt, ihre Souveränität und territoriale Integrität gegen Russland zu verteidigen. ( Ruf bei der ÖVP: Ja, das ist eh richtig! ) Das muss man sich vorstellen. Was heißt das übersetzt? – Das heißt, nach drei Jahren gilt immer noch der Spruch, man muss die Ukraine in eine Verhandlungsposition bringen, damit sie dann aus guter Position, aus der Stärke verhandeln kann. Jetzt weiß man nach drei Jahren, dass es immer schlechter für die Ukraine geworden ist. Sie hätte im April 2022 eine gute Verhandlungslösung erreicht, doch gerade der Westen hat die Ukraine aufgefordert, zu kämpfen. Nun, drei Jahre später – oder man weiß es nicht, wann – wird es eine viel, viel schlechtere Lösung für die Ukraine geben. ( Ruf bei den NEOS: Putins Sprachrohr! ) Vor allen Dingen, was bereits Fakt ist, was auch immer dann herauskommen wird: Es sind Hunderttausende auf beiden Seiten tot, in der Ukraine, wird jetzt schon geschätzt, sind es bis zu einer Million.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Radio Moskau!

FPÖ Susanne Fürst

… Millionen Vertriebene, das Land wird geleert. – Interessiert niemanden. Es steht immer noch auf der Homepage, die Ukraine muss kämpfen, sie muss die Lösung auf dem Schlachtfeld suchen, gegen einen übermächtigen Gegner.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist Putin-TV! – Abg. Kogler [Grüne]: Richtig!

FPÖ Susanne Fürst

… Die Ukraine muss gewinnen, heißt es immer noch von der Regierung, von der EU-Kommission, was nichts anderes heißt als: Die Ukraine muss sterben.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Sie haben wohl Ihr Sponsorschild vergessen! Freundlich finanziert vom Kreml! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das sagst du auch nur da herinnen!

FPÖ Susanne Fürst

… Sie wird gerade vom Westen, von der EU dazu gedrängt. Warum? – Weil sich die europäischen Politiker, Sie inklusive, in ihrer totalen Fehleinschätzung festgefahren haben, eingegraben haben, weil sie nicht zugeben wollen, wie unrecht sie hatten, und weil es natürlich auch um viel Geld geht, denn es geht in der Ukraine um viel, aber nicht um unsere Freiheit. (👏 FPÖ) Da wird Eskalation und Sterben in Kauf genommen. Man redet auch immer noch vom Nato-Beitritt der Ukraine, wohl wissend, dass es Russland nie akzeptieren wird. Was immer man davon hält, es ist eine rote Linie, es ist Realität, verlängert den Krieg. Abgesehen von den unglaublichen finanziellen Belastungen, von den Milliarden, die dahin fliegen, die in der EU fehlen, die in Österreich fehlen, die irgendwo versickern, ist das sicherheitspolitische Risiko, welches auch das Verhalten der Bundesregierung bringt, noch viel größer. Wir haben alle die Gedenkfeiern 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs gerade hinter uns gebracht, all die Veranstaltungen zur Erinnerung an den Abschluss des Staatsvertrags vor 70 Jahren, all das hat offensichtlich bei Ihnen nichts bewirkt. Kommenden 26. Oktober 2025 feiern wir 70 Jahre Neutralitätsgesetz. Vielleicht erinnern Sie sich da dann: Da war doch irgendetwas! Es ist eine Verpflichtung und eine Berechtigung zur immerwährenden Neutralität. Das war essenzieller Bestandteil unserer Befreiung von den Besatzungsmächten, Teil der Erlangung unserer Unabhängigkeit und Souveränität. (👏 FPÖ) Es ist eine verfassungsgesetzliche Verpflichtung, Österreich hat sich verpflichtet: „Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität“ und „wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.“ Das ist Verpflichtung und außenpolitische Vorgabe für jede Bundesregierung. Es steht nicht im Belieben der Regierung, darüber zu verfügen, wie man das auslegt oder wie man das lebt. Es ist Verpflichtung. Es ist eine völkerrechtliche Verpflichtung, die auch durch den EU-Beitritt nicht abgeändert wurde.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Natürlich wurde sie abgeändert!

FPÖ Susanne Fürst

… Es ist nicht zuletzt und vor allen Dingen eine Verpflichtung gegenüber der österreichischen Bevölkerung, die zu einem ganz überwiegenden Teil zu Recht hinter diesem Grundprinzip, das es für unseren Staat und unsere Verfassung geworden ist, steht. (👏 FPÖ) Sie will keine Änderung. Über all das setzt man sich seit über drei Jahren, seit Kriegsausbruch hinweg. Es ist ja in Friedenszeiten nicht schwer, sich zur Neutralität zu bekennen, aber als man sich beim Belastungstest – natürlich auch einem Charaktertest für die regierenden Politiker – beweisen hätte müssen, wurde dieser nicht nur verfehlt, sondern wirklich spektakulär nicht bestanden. Es braucht natürlich auch Persönlichkeit, die Neutralität zu leben, zu verkörpern und nicht im Rudel mitzuschwimmen. (👏 FPÖ) ÖVP und Grüne haben versagt, die neue Ampelregierung setzt dies fort. Wir Freiheitliche haben uns von Anfang an, seit Februar 2022 dagegengestellt. Wir wurden dafür unterirdisch angefeindet, aber es ist selbstverständlich. Wir bleiben seit drei Jahren und auch weiterhin dabei – aufgrund der Verpflichtungen, die ich gerade aufgezählt habe, aufgrund der Vernunft und des Realitätssinnes und aus Verantwortung gegenüber Österreich. (👏 FPÖ) Man muss nicht müde werden, dazu zu bemerken, dass Ihr Kurs der Ukraine nicht geholfen hat, sondern im Gegenteil für sie ins Verderben führt. Nun, was sind die Möglichkeiten eines kleinen Landes in Mitteleuropa mit neutralem Status im Falle eines Kriegsausbruchs; wie hätte man sich verhalten können? – Es gibt durch unsere Verpflichtungen einen ganz klaren außenpolitischen, geopolitischen Kompass. Die Regierung – auch Sie, Herr Staatssekretär Schellhorn, der jetzt hinausgeht – wäre verpflichtet, uns aus dem Krieg herauszuhalten und die österreichische Bevölkerung vor allen nachteiligen Folgen zu schützen. Und dann fragt man sich: Was kann man zur Beilegung des Konflikts beitragen? Wie kann man irgendeine Lösung unterstützen, sofern möglich? Und das Dritte ist: Wie kann ich helfen? Da sind wir bei der Aufnahme von Flüchtlingen und humanitärer Hilfe. Das Gegenteil wurde gemacht. Der Krieg wurde von Tag eins zu unserem erklärt. Man gefährdet die europäische und die österreichische Bevölkerung. ( Ruf bei den Grünen: Putin gefährdet ...! ) Es wurde jede Diskussion unterbunden, Kriegsursachen geleugnet – denn dann wäre ja klar, dass es nicht unser Krieg ist. Das will man nicht. Man kommt mit der Moralkeule. Es ist in höchstem Ausmaß verantwortungslos und es ist schwach, da sofort jedem Druck nachzugeben. (👏 FPÖ) Nichts, gar nichts hat man zur Entschärfung des Konflikts getan. Durch das Nachplappern von Floskeln und Plattitüden wurde nichts beigetragen. Die EU-Floskel, die Ukraine muss siegen, führt ins Verderben. Man hat den Konflikt nur angeheizt. Hier haben wir den Flüchtlingen natürlich geholfen, aber ohne jede Kontrolle …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... Trump ... der schon gemacht!

FPÖ Susanne Fürst

… werden nun Milliarden Euro hingeschickt. Die Bundesregierung erklärt: Wir sind neutral, wir beteiligen uns an keinen Waffenkäufen! – Na, wir schicken nur das Geld nach Brüssel und dort werden Waffen und Munition gekauft, damit der Krieg verlängert wird. Die Bundesregierung und vor allen Dingen auch die Außenministerin Meinl-Reisinger erklären uns laufend: Wir sind neutral, aber die Neutralität alleine schützt nicht. – Das ist richtig. Man braucht auch verantwortungsvolle Persönlichkeiten in der Politik …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Frau Kneissl zum Beispiel!

FPÖ Susanne Fürst

… die eben Neutralitätspolitik leben können (👏 FPÖ) und die das Rückgrat dazu haben. Eine Garantie gibt es nicht, aber die Neutralität …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

War die Frau Kneissl eine verantwortungsvolle Person?

FPÖ Susanne Fürst

… so wie Sie sie verkörpern, die schützt uns nicht, weil sie da nur mehr eine hohle Phrase ist.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Die ehemalige Außenministerin sitzt bei Putin auf dem Schoß! Speichellecker!

FPÖ Susanne Fürst

… Vorgesehen ist Neutralität aber als rechtliche und völkerrechtliche Stellung, und die zweite Seite der Medaille ist eine starke eigene Verteidigung. Man muss von Provokationen der Regierungspolitiker absehen; mit zurückhaltender Rhetorik wird man Sitz von internationalen Organisationen und man profiliert sich bei humanitärer Hilfe. Das nennt man umfassende Neutralität – aber man kann nicht die bedingungslose Solidarität mit einer Kriegspartei und eine totale gemeinsame Verschränkung erklären.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das darf sie nicht sagen!

FPÖ Susanne Fürst

… Wie die aktuelle Aussendung von heute von Vizekanzler Babler aussieht, ist das offensichtlich auch ein intellektuelles Problem. Darum habe ich mir jetzt die Mühe gemacht, unsere Neutralität hier zu erklären, denn Vizekanzler Babler erklärt uns, nachdem diese Einladung ausgesprochen worden ist, unter der Erklärung, dass man bedingungslos auf einer Seite im Krieg stehe , er möchte bei dieser Einladung und im Gespräch mit Präsidenten Selenskyj Wien als neutralen Austragungsort für Friedenskonferenzen anbieten.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

So, wie es oft war!

FPÖ Susanne Fürst

… Ich meine, das war oft , als unsere Politiker aller Parteien noch imstande waren, die Neutralität zu leben (👏 FPÖ) – aber jetzt? Nach diesen drei Jahren ist das Geschichte. Sie haben sie totgetrampelt, sie muss erst wiederbelebt werden. Man fragt sich schon: Kriegt dieser Mann irgendetwas mit oder kriegen auch die Einlader jetzt da irgendetwas mit, dass wir uns nicht in einer Phase der Deeskalation befinden, in einer Phase der Beruhigung des Konfliktes? Ganz im Gegenteil, wir sind jetzt nach über drei Jahren in einer total gefährlichen Eskalationsstufe, womöglich haben wir nach dieser totalen Offensive auf beiden Seiten und auch mit Einbeziehung der nuklearen Komponente …

ÖVP Gerstl (Zwischenruf)

... Russland ... Drohne ...!

FPÖ Susanne Fürst

… den bisher wirklich gefährlichsten Zeitpunkt …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Haben Sie vielleicht ein kritisches Wort über Putin auch?

FPÖ Susanne Fürst

… des Krieges erreicht. Man fragt sich: Kriegen Sie das mit? – Offensichtlich nicht. Denn was machen Sie genau zu diesem Zeitpunkt der totalen Eskalation? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... Putin ... grad zu diesem Zeitpunkt?

FPÖ Susanne Fürst

… Sie laden den Präsidenten einer Kriegspartei zum Staatsbesuch hierher ein.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Haben Sie ... im Völkerrecht nachgeschaut? Wer ist hier überfallen und wer ist der Aggressor?

FPÖ Susanne Fürst

… Die gesamte Regierungsspitze, die Staatsspitze, die Bundesregierung, der Bundespräsident als Vertreter eines kleinen neutralen Landes laden den Präsidenten einer Kriegspartei hierher ein und feiern ihn mit vollen militärischen Ehren.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das ist unfassbar, dass das im österreichischen Nationalrat gesagt wird! Sie haben keine Ahnung von der Neutralität, keine Ahnung!

FPÖ Susanne Fürst

… Das ist verantwortungslos.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Halt den Mund, Werner!

FPÖ Susanne Fürst

… Dann reden Sie auch noch davon, Vertrauen aufzubauen, damit wir hier Friedenskonferenzen abhalten.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Opfer-Täter-Umkehr, das können Sie! Das ist Ihre Kernkompetenz! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

FPÖ Susanne Fürst

… Vertrauen aufzubauen, zu beiden Seiten? Es ist unglaublich …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Putin-Partei! – Abg. Erasim [SPÖ]: Na, vielleicht ... Taferl schreibt ...!

FPÖ Susanne Fürst

… dass Sie glauben, auf diese Weise zu beiden Parteien Vertrauen aufzubauen. Wie gesagt, ich halte Ihnen zugute, dass es auch ein intellektuelles Problem ist. (👏 FPÖ) Ich hoffe – das ist der beste Fall –, dass wir international eher als Lachnummer herauskommen und dass das alles nicht ernst genommen wird. Ich bin auch gespannt, ob Sie uns dann berichten, worüber mit dem ukrainischen Staatschef gesprochen wird: über die Todeslisten, die es ja immer noch gibt , was das Thema Gaslieferungen betrifft , wie man verhindert, dass die vielen Milliarden versickern …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Die Gaslieferungen haben uns erst das Wirtschaftsproblem eingebrockt!

FPÖ Susanne Fürst

… wie die Kontrolle funktioniert und wie man aus dem Konflikt heraus will. (Abg. Kickl [FPÖ] – in Richtung Abg. Kogler [Grüne] –: Na, da wo wir alle gegangen sind, habts ihr ...!) Wie gesagt: Es ist eben nicht lustig, was Sie machen, es ist hochgefährlich, und die Bundesregierung rückt Österreich ins Blickfeld. Sie machen uns hier gar nicht mehr so indirekt zur Kriegspartei. Sie exponieren Österreich und die österreichische Bevölkerung, und das ist unverantwortlich. (👏 FPÖ) Sie möchten offensichtlich die russischen Pfeile und die Aggression mit aller Gewalt auf uns richten. Was brauchen Sie eigentlich noch? Was brauchen diese neutralitätsmüden Politiker und Moralisten eigentlich noch , damit sie verstehen, in welcher Lage wir uns befinden, und damit sie verstehen, was ihre Aufgabe ist, nämlich Österreich und die Bevölkerung zu schützen? (👏 FPÖ) Warum immer Sie das machen – Eitelkeit, Wichtigtuerei, schöne Fotos, EU-Hörigkeit, vom innenpolitischen Desaster abzulenken –, es ist nicht in Ordnung, es ist eine politmediale Inszenierung, die dem Eigennutz dient, aber sicher nicht Österreich. Wenn Sie dann daherkommen und diesen ganzen Besuch auch damit erklären, dass ja Österreich beim Wiederaufbau so viele Milliarden verdienen will, nur eine Anmerkung dazu: Das finde ich wiederum wirklich unmoralisch. Da ist noch nicht einmal Frieden, da wird jeden Tag noch zerstört, jeden Tag sterben in der Ukraine die Soldaten – und hier redet man vom Wiederaufbau und davon, was es da alles zu holen gibt. Es wird dabei auch nicht zu einer Belebung unserer Wirtschaft kommen – das zu glauben, es Ihnen, sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher, zu erklären, ist mehr als naiv. Glauben Sie das ja nicht! Der gesamte Staatshaushalt der Ukraine wird bereits von den USA und von der EU bezahlt, künftig wird er nur mehr von der Europäischen Union bezahlt werden, und alles, was österreichische Unternehmen dort vielleicht verdienen, kommt von unserem Geld, das Ganze ist maximal ein Nullsummenspiel. (👏 FPÖ) Wer glaubt, dass wir da wirklich einen Löwenanteil bekommen: Bitte erzählen Sie den Österreichern da keine Märchen! Großbritannien hat schon solche Verträge, den USA gehört sowieso ein beträchtlicher Teil der Ukraine – und glauben Sie mir, die Ukraine hat in die türkische und in die chinesische Baubranche wesentlich mehr Vertrauen als in die europäische. Die haben nämlich nicht solche bürokratischen ( Ruf bei der ÖVP: Das wissen Sie alles, ja? ) und klimapolitischen Auflagen, sondern die können einen Flughafen und Straßen noch in sehr kurzer Zeit bauen, wir nicht mehr. Es ist leider nicht zum Lachen. Wir sehen es ja im eigenen Land, was Sie angerichtet haben. Die Neutralität schützt nicht, behaupten Sie hier und behauptet unsere Bundesregierung laufend. Sie schützt sicher nicht absolut, aber sie ist die beste Lösung von allen für Österreich.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

... Sie’s einfach dem Volk vor, ganz einfach!

FPÖ Susanne Fürst

… Ich habe gerade eine Schlagzeile in einer Schweizer Zeitung gelesen, auf die Schweiz gemünzt: Wenn man glaubhaft neutral ist, reduziert dies die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs in der Zukunft erheblich. Ich würde sagen, das ist schon etwas, und das gilt für Österreich genauso. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Aber das Vorgehen dieser Bundesregierung bewirkt das Gegenteil. (👏 SPÖ, FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zur Beantwortung der Anfrage hat sich Herr Staatssekretär Alexander Pröll zu Wort gemeldet. Die Redezeit soll 20 Minuten nicht überschreiten. – Herr Staatssekretär, Sie gelangen zu Wort.

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Herr Präsident. – Ich möchte eingangs die Klassen 3a und 3d der neuen Mittelschule Rechnitz hier im Haus begrüßen. (👏 ÖVP, FPÖ) Erlauben Sie mir vielleicht noch eine ganz kurze Aussage zu den Ausführungen von Frau Kollegin Maurer, die die Regeln des Hauses da jetzt immer wieder beschwört, und das in sehr, sehr oftmaliger Art und Weise! – Frau Kollegin Maurer, Sie sind die einzige Abgeordnete hier herinnen, die hier einmal Hausverbot hatte, weil Sie sich genau nicht an die Regeln gehalten haben …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Nicht als Abgeordnete!

FPÖ Christian Hafenecker

… interessant, welche Wendung Sie da hingelegt haben. (👏 FPÖ) Aber, Frau Kollegin Maurer, ich sage Ihnen gleich noch etwas dazu – ich möchte mit einem Zitat beginnen –: „Kaum wo wird da die Position vertreten, dass die Annexion der Krim im März 2014 auch eine Vorgeschichte hatte, nämlich verantwortungsloses Gerede von einem Nato-Beitritt der Ukraine, womit Russland vom Schwarzen Meer praktisch abgeschnitten gewesen wäre. Glaubte wirklich jemand, Wladimir Putin würde dem tatenlos zusehen? Wer Kritik an der ukrainischen Regierung übt, wird sofort als ‚Putin-Versteher‘ abgestempelt.“ – Wissen Sie, wer das in seinem Buch geschrieben hat? – Herr Bundespräsident Van der Bellen, der heute Herrn Selenskyj eingeladen hat, meine Damen und Herren von den Grünen! Das ist Ihr ehemaliger Parteichef. (👏 FPÖ) Wenn das der Herr Bundespräsident ein Jahr nach der Annexion der Krim in ein Buch schreibt, ist das in Ordnung, da verlieren Sie kein Wort darüber, aber wenn wir Freiheitliche uns zu Recht Sorgen um die Neutralität und um die Zukunft des Kontinents machen und wenn wir der Kriegstreiberei nicht auch noch Beistand leisten wollen, dann wird es kritisiert. Das ist verräterisch, was hier in diesem Haus geübt wird! (👏 FPÖ) Apropos verräterisch: Verräterisch ist auch der Umgang der Bundesregierung mit der aktuellen Debatte: Wir haben die größte Bundesregierung aller Zeiten und der Herr Bundeskanzler findet es nicht der Mühe wert, persönlich zu kommen, weil er lieber Fotos mit Herrn Selenskyj macht. Mir ist jetzt klar, warum wir drei Staatssekretäre hier sitzen haben: Weil sich die Regierung ja nicht einmal zum Arbeiten herbequemt, sondern sich immer vertreten lässt. Herr Pröll, ich habe nicht gewusst, was Ihre Funktion in dieser Bundesregierung, in diesem Kabinett überhaupt ist, jetzt weiß ich es: Sie müssen immer dann den Kopf hinhalten, wenn Ihre Minister zu feige sind, sich selber zu erklären. Es ist ein bezeichnendes Bild, das die ÖVP hier abgibt. (👏 FPÖ) Und weil ich vorhin von einem verräterischen Bild gesprochen habe: Ja, das findet auch statt. Warum? – Es war früher Usus, es war Common Sense im Hohen Haus, dass die Regierung zumindest ein Mal im Monat, wenn der Nationalrat tagt, auf Spezialmaßnahmen verzichtet. Das war früher ein Zeichen des Respekts der Exekutive vor der Legislative, und Sie haben gemeinsam mit den Grünen in den letzten fünf Jahren damit begonnen, das mit Füßen zu treten. Und wenn es Debatten hier im Haus gibt, die Ihnen unangenehm und unbequem sind, dann versuchen Sie das mit irgendwelchen Nebelgranaten zuzudecken, zum Beispiel das Budgetdesaster, das Sie jetzt drei Tage lang vor der Bevölkerung verantworten müssen oder sollten. Was machen Sie? – Sie covern die ganze Diskussion damit ab, dass Sie Herrn Selenskyj einladen. Sie haben ganz genau gewusst, dass heute die wichtigste Sitzung des Jahres stattfindet. Was wird denn in den Medien stehen? – Das, was von der Verliererkoalition bei der Generaldebatte hier herumgeeiert worden ist, oder das, was gerade beim Bundespräsidenten stattfindet? Das ist doch eine gezielte Sabotage des parlamentarischen Betriebs! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie wollen einfach nicht, dass in den Medien transportiert wird, was hier herinnen passiert.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du hast mittlerweile ein bissl einen Verfolgungswahn! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist ja nicht einmal eine Verschwörungstheorie, das ist ein Verschwörungstopfen!

FPÖ Christian Hafenecker

… Und es geht ja so weiter: Sie müssen drei Tage überbrücken, drei Tage, in denen wir über das Budget sprechen. Drei Tage müssen Sie überbrücken. Und was machen Sie dann am Mittwoch noch? – Na, da machen wir noch schnell einen Ministerrat und dann ändern wir noch das Waffenrecht! – Na, was, glauben Sie, wird am Mittwoch in den Medien sein? Sie benutzen tatsächlich das alles, um vom eigentlichen Desaster, von Ihrem Budget, abzulenken, und dazu ist Ihnen wirklich kein Mittel zu dumm. Das muss man hier auch einmal ganz klar sagen! Ja, aber sei’s drum. Die Frage ist aber trotzdem, woher Sie eigentlich die Legitimation für Ihre Ukrainepolitik nehmen. Die Frage ist: Haben Sie mit der Bevölkerung darüber gesprochen, ob Österreich sich bedingungslos an die Seite der Ukraine stellen soll und damit Verfassungsbruch begeht, weil wir nämlich unsere Neutralität damit zum Teufel jagen? …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Christian Hafenecker

… Haben Sie die Bevölkerung dazu befragt? – Offensichtlich nicht. Sie haben es aber indirekt gemacht, Sie haben es nur nicht verstanden – vielleicht ist auch das ein intellektuelles Problem, das da und dort vorherrscht. Wissen Sie, dass sich die Bevölkerung gegen diesen Kurs entschieden hat? Und wissen Sie, woran man das festmachen kann? – Daran, dass die ehemaligen Großparteien mittlerweile bei 20 Prozent herumgrundeln. Die Bevölkerung hat Ihnen am Wahltag schon gesagt, was sie von Ihrer Politik hält. Sie haben die Bevölkerung auch nicht dahin gehend befragt, ob sie es haben möchte, dass Österreich direkt und indirekt 3 Milliarden Euro, nämlich jene 3 Milliarden Euro, die uns jetzt im Budget noch fehlen, taxfrei in die Ukraine verschiebt; auch das haben Sie sie nicht gefragt. Und Sie haben die Bevölkerung auch nicht dazu befragt, ob Herr Selenskyj heute bei uns Politik machen soll oder nicht. Genau das ist Ihnen am Wahltag auf den Kopf gefallen, und das tut es noch immer. (👏 FPÖ) Die Neutralität ist eine der wichtigsten Angelegenheiten für die Österreicher, und gerade in einem Gedenk- und Jubiläumsjahr sollte man eben nicht das machen, was Sie hier gerade treiben, nämlich die Neutralität mit Füßen zu treten. Wenn man diese aus dem Blick, aus dem Herr Kanzler Figl und Herr Kanzler Kreisky sie noch gesehen hatten, verloren hat, dann sollte man das Jubiläumsjahr dazu nutzen, um sich vielleicht noch einmal neu zu fokussieren und darüber nachzudenken, ob man jetzt richtig handelt. Ganz ehrlich, eine militärische Neutralität oder die Aufklärung betreffend Neutralitätsbegriffe ist doch vom Verfassungsgeber nicht vorgesehen gewesen, sonst hätte er es nämlich hineingeschrieben. Das ist eine nachträgliche Erfindung von Ihnen, dass man die Neutralität jetzt auch schon zersprageln kann. Das, was Sie uns jeden Tag weismachen, das stimmt doch so nicht! Die österreichische Bevölkerung steht mit einer großen Mehrheit hinter der Neutralität, und gerade deswegen sollten wir dem auch Rechnung tragen! (👏 FPÖ) Übrigens: Ich weiß auch nicht, ob die österreichische Bevölkerung 700 000 Euro für Gendergerechtigkeit in der Ukraine mitbeschlossen hat – auch das ist eine Frage. Und wenn wir schon beim Geld sind: Ich habe gestern eine interessante Anfragebeantwortung von Frau Minister Meinl-Reisinger bekommen. Sie von der Bundesregierung – jetzt Frau Meinl-Reisinger, zuletzt war es Herr ehemaliger Bundeskanzler Nehammer, der jetzt zum Banker mutiert ist – sind es doch, die immer mit Geld zu Herrn Selenskyj in die Ukraine fahren. Da stelle ich schon die Frage – nach Informationen aus dem Innenministerium –, warum diese Minister und Bundeskanzler immer dermaßen viel Personenschutz mit sich brauchen. Wissen Sie, was man da hört? – Dass sie mit den Geldkoffern dorthin fahren und diese dem Herrn Präsidenten in die Hand drücken.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Du verwechselst da was, das mit der Sporttasche war dein Chef! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen. – Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Ihr seid die Sporttaschenpartei!

FPÖ Christian Hafenecker

… Die Antwort, die ich von Frau Meinl-Reisinger diesbezüglich bekommen habe, ist: Na, es gibt eh einen Vertrag dazu. – Ich bin gespannt, wie dieser Vertrag aussieht und ob Sie den auch vorlegen werden. Ich habe andere Informationen, ich bin gespannt, wie Sie das rechtfertigen werden. Übrigens: 4 Millionen Euro dort, 20 Millionen Euro da – auch das ist vom Steuerzahler so nicht genehmigt worden! (👏 FPÖ) Leider läuft mir schon die Zeit davon, aber ich möchte nur noch ganz kurz antizipieren, was heute wohl nicht besprochen wird: Es wird wohl heute nicht darüber gesprochen werden, dass österreichische Politiker und österreichische Journalisten auf ukrainischen Todeslisten stehen. Ich glaube, darüber wird man heute nicht sprechen. Es wird nicht darüber gesprochen werden, dass man mit der Sprengung der Nord Stream das Energierückgrat ganz Europas sabotiert, wo übrigens Österreich, der österreichische Steuerzahler mit 1 Milliarde Euro mit dabei ist. Es wird wohl nicht darüber diskutiert werden, dass in der ukrainischen Botschaft in Österreich Söldner rekrutiert worden sind – auch das unter Ihren Augen, unter den Augen der Bundesregierung; auch das wird nicht besprochen. Das Einzige, was man macht, ist, dass man versucht, den Konflikt zu verlängern, um die Verhandlungsposition der Ukraine zu verschlechtern und um möglichst großen Schaden anzurichten. Dann kommt das, was Herr Staatssekretär Pröll gerade gesagt hat: Dann werden wir uns am Wiederaufbau beteiligen. Ich kann Ihnen sagen, wie die Geschichte ausgehen wird: Man macht jetzt möglichst viel kaputt, dann wird das Giebelkreuz alles Mögliche finanzieren, damit man dort wieder alles herrichtet, was man zuerst mit unserem Geld zerstört hat. Am Ende des Tages wird auch Herr Haselsteiner noch ein paar Aufträge bekommen, damit er die NEOS weiterhin sponsern kann. Das ist die Politik, die Sie nachvollziehen. Das ist die Politik, die Sie machen. Das ist aber nicht die Politik, die man sich in Österreich wünscht! ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Andreas Minnich . – Ich habe Ihre Redezeit auf 6 Minuten eingestellt.

ÖVP Andreas Minnich

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Staatssekretäre! Werte Abgeordnetenkollegen hier im Hohen Haus! Geschätzte Österreicherinnen und Österreicher vor den Fernsehbildschirmen und auch hier auf der Galerie! Ja, das, was Sie gerade von meinen Vorrednern, Kollegin Fürst und Kollegen Hafenecker, gehört haben, das kann eigentlich direkt aus Radio Moskau stammen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das sind die Worte aus dem Paralleluniversum unserer FPÖ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wieso horchen Sie so oft Radio Moskau? – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wo liegt denn der Staatsvertrag, den Sie feiern? Wo liegt denn der?

ÖVP Andreas Minnich

… Wenn man schon über Geschichte spricht …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Fragen Sie Minnich, der Minnich weiß es!

ÖVP Andreas Minnich

… ja, Herr Kollege Lausch –: Es gibt einen Bundeskanzler in der Geschichte, der schon gesagt hat: Lernen Sie Geschichte! Um Ihnen einen kurzen Exkurs zu geben, möchte ich Ihnen jetzt schon noch eines sagen, weil Sie das angesprochen haben, Frau Kollegin Fürst: vor 70 Jahren, 1955, der Staatsvertrag, die immerwährende Neutralität Österreichs. Wissen Sie, was ein Jahr später passiert ist? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Warum trauen sich der Kanzler und die Außenministerin nicht her? Weil sie euch lieber ins Feuer schicken?

ÖVP Andreas Minnich

… 1956 wurde der Ungarnaufstand von der Sowjetarmee blutigst niedergeschlagen. Panzer überrollten Menschen, viele Tausende Tote, über Zehntausende wurden verschleppt und nach Sibirien deportiert.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wer hat die Waffen zahlt?

ÖVP Andreas Minnich

… Über 200 000 Menschen sind damals geflüchtet, 180 000 Ungarn sind nach Österreich geflüchtet, die hier aufgenommen worden sind. Wissen Sie, was die Gründerväter der Neutralität, des Staatsvertrages 1956 gemacht haben? – Sie haben hier eine Resolution und einen Entschließungsantrag gegen den Einmarsch der Sowjetarmee in Ungarn gemacht. Sie haben hier im Hohen Haus Resolutionen gegen die Verbrechen der Sowjetunion mit einem Allparteienbeschluss verabschiedet. Und wissen Sie, wer damals die Parteien waren, wer die Allparteienriege für diesen Beschluss gegen die Verbrechen Russlands war? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die ehemalige ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das war die UdSSR, Sie verwechseln da ein bissel was! Lesen bildet!

ÖVP Andreas Minnich

… Alle Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, inklusive der KPÖ. 1956 gab es nämlich schon die FPÖ, also können Sie sich hier auch nicht aus dieser Verantwortung stehlen. ( Ruf bei der FPÖ: Was will er uns sagen? ) Wenn Sie damals gesagt haben, Österreich ist militärisch neutral …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

..., wir wollen Frieden verhandeln! Sie wollen Krieg führen!

ÖVP Andreas Minnich

… aber nicht in der Meinung und nicht in unseren Werten, dann stehen Sie doch bitte heute auch dazu! Auch 1968 haben Sie es wieder genauso gehalten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie haben es irgendwie nicht verstanden, gell? – Ruf bei der FPÖ: Jetzt haben wir die Taferl extra ..., aber noch immer zu komplex!

ÖVP Andreas Minnich

… In diesem Sinne muss man sich schon fragen: Wie ehrlich meint es die FPÖ? ( Abg. Steiner [FPÖ] hält die Tafel mit der Aufschrift „FPÖ“, „die soziale Heimatpartei“, „Zeit für Neutralität“ in die Höhe. ) Gibt es überhaupt einen einzigen Abgeordneten in der Riege der FPÖ, der das benennen kann, was sich Putin mit größter Aggressivität in der Ukraine leistet? ( Ruf bei der FPÖ: Wir dürfen es ja nicht sagen! ) Angriff auf ein souveränes Land, Bruch des Völkerrechts …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Habts ihr vorgestern nicht zugehört? – w eiterer Ruf bei der FPÖ: Redet und sagt nichts!

ÖVP Andreas Minnich

… Vergewaltigung Zigtausender Frauen und Einsatz dessen als Waffe im Krieg …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wir haben das sofort verurteilt! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ – Abg. Wurm [FPÖ]: Hast du geschlafen oder ...? – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wir haben das sofort verurteilt!

ÖVP Andreas Minnich

… über 19 000 entführte und verschleppte Kinder – und so weiter und so fort, jeden Tag neue kriminelle Handlungen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Der Unterschied zu Ihnen ist: Wir verurteilen das überall! Überall! – Abg. Höfinger [ÖVP]: Doppelmoral! Doppelzüngigkeit und Doppelmoral!

ÖVP Andreas Minnich

… ja, Kriegsverbrechen, die man jetzt aufgrund der so großen Anzahl gar nicht mehr wirklich beziffern kann. Ich finde es wirklich beschämend, dass hier von Ihnen nicht ein einziges Mal ein Satz dazu kommt, was hier wirklich passiert.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Hast du geschlafen drei Jahre lang oder was, Kollege?

ÖVP Andreas Minnich

… Aber die größte Unverfrorenheit ist eigentlich, wenn man sich hier herausstellt und dann redliche Friedensbemühungen - - …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo sind redliche Friedensbemühungen? – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Hast du deinem eigenen Staatssekretär nicht zugehört?

ÖVP Andreas Minnich

… Herr Vizekanzler Babler hat heute hier vorgeschlagen, dass man Wien als Ort von Friedensgesprächen einbringt, und Sie reden das schlecht und klein.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Beim gleichzeitigen Haftbefehl für den, mit dem Sie verhandeln wollen! Großartig! – Abg. Wurm [FPÖ]: Ihr seids komplett daneben mittlerweile! So weit daneben! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Andreas Minnich

… Ja wie bemühen Sie sich denn um den Frieden? Haben Sie schon mit Herrn Putin telefoniert? Sie haben ja den Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Sowjetunion gibt’s schon seit ... nicht mehr! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Die Sowjetunion gibt’s nicht, noch einmal! Ich sag’s Ihnen noch einmal!

ÖVP Andreas Minnich

… Nachfolgestaat Russland, abgeschlossen. Also man muss sich ja wirklich fragen: Was ist Ihr Beitrag zum Krieg, ah zum - - Was ist Ihr Beitrag zum Frieden? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Da leisten wir keinen Beitrag! Sie haben es richtig gesagt! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: Das war jetzt die Wahrheit!

ÖVP Andreas Minnich

… Ja, genau! Ihr Beitrag zum Krieg ist, dass Sie jeden Tag diese Radio-Moskau-Litaneien veranstalten.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Jetzt habt ihr die Wahrheit durchblicken lassen!

ÖVP Andreas Minnich

… Es ist Zeit für Frieden, genau, aber da müssen Sie sich auch einmal redlich dafür einsetzen und redlich darum kümmern.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das war ein Freud’scher Versprecher! Genau so denken Sie!

ÖVP Andreas Minnich

… Wenn hier gesagt wird, mit dem Besuch Selenskyjs sei die Neutralität Österreichs gefährdet, dann muss man schon dazusagen: Selenskyj hat jedes Land in Europa besucht, die neutrale Schweiz mehrfach besucht, für Friedenskonsultationen. ( Ruf bei der FPÖ: Bussi-Bussi, ja! ) Da muss man wirklich sagen: Es stimmt einfach nicht, so wie Sie hier an das Thema herangehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ändern Sie Ihren Kurs, überdenken Sie, wer der Aggressor, wer der Angreifer ist, wer es redlich meint, wer es ehrlich meint …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ihr lernt es nie mehr!

ÖVP Andreas Minnich

… wer völkerverbindend ist, wer für den Frieden ist.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wenn Sie Friedensverhandlungen führen, na dann ...!

ÖVP Andreas Minnich

… Überdenken Sie diesen Standpunkt, setzen Sie sich dafür ein, dass Wien zukünftig für Friedensgespräche zur Verfügung stehen kann. – Vielen Dank.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

War ja super erfolgreich, eure Taktik! Die Taktik war erfolgreich, oder, nach drei Jahren?

PräsidiumPeter Haubner

Da jetzt mehrere Abgeordnete der FPÖ die Tafeln in die Höhe gehalten haben, würde ich jetzt um Folgendes ersuchen: Wir haben ja an und für sich die bestehende Praxis, Schilder nach 30 Sekunden wegzuräumen. Ich habe Sie zuerst eingeladen, dass Sie der Usance des Hauses gerecht werden. Ich würde Sie noch einmal ersuchen, die Tafeln wegzuräumen (Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wenn die Grünen den ganzen Tag mit einem Button am Pullover dahocken, ist es wurscht!), damit wir die Diskussion dann weiter fortführen können. ( Die Abgeordneten der FPÖ stellen die Tafeln unter die Pulte. ) – Danke vielmals. Frau Abgeordnete Bayr, Sie gelangen als Nächste zu Wort. Die freiwillige Redezeitbeschränkung beträgt 7 Minuten.

SPÖ Petra Bayr

Vielen Dank. – Sehr geehrte Damen und Herren! Was ist das für ein eigentümliches Verständnis von Neutralität, wenn so getan wird, als würde sie außer Kraft gesetzt, wenn ein Präsident eines anderen souveränen Landes zu Gast ist? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Haben Sie den Schrebergarten schon verkauft?

SPÖ Petra Bayr

… Kollegin Fürst hat am Ende ihrer Rede die Schweiz erwähnt. – Ja, das ist, glaube ich, ein ganz guter Gradmesser. Selenskyj war am 14. Juni 2024 – also ziemlich genau vor einem Jahr – in der Schweiz, auf dem Bürgenstock. Wenn die Neutralität der Schweiz seither in sich zusammengebrochen oder sonst irgendetwas Dramatisches passiert wäre, könnte man das nach einem Jahr schon feststellen – ich sehe aber nichts dergleichen. Ich verstehe also wirklich nicht, woher Sie diese Annahme haben, dass das irgendein Problem sein könnte. Wenn es nicht Raum für Debatten gibt, wenn es nicht Raum dafür gibt, darüber zu diskutieren, wie denn auch Österreich als neutrales Land zum Entstehen von Frieden beitragen kann, ja was denn dann? Was denn sonst soll unsere Aufgabe, was denn sonst soll unser Beitrag zu einem möglichen Frieden sein, frage ich mich.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Vor fünf Monaten haben Sie das Wort Frieden noch nicht einmal rausgebracht!

SPÖ Petra Bayr

… Also das ist wirklich vollkommen verrückt, wie Sie das darstellen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Lassen Sie mich klarstellen: Österreich steht natürlich seit Tag eins dieses völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der Russischen Föderation auf der Seite der Ukraine, und gerade als neutraler Staat leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Menschen in der Ukraine – für die Menschen –, indem wir bislang 327 Millionen Euro an Unterstützung geleistet haben – an die Ukraine selbst, aber auch an die Nachbarstaaten, in die die Menschen aufgrund dieses brutalen Krieges fliehen mussten. Dieser Krieg verursacht weiterhin großes Leid, extremes Leid, und damit bleibt auch der Bedarf an humanitärer Hilfe enorm. Gerade im humanitären Bereich ist Österreichs Engagement, weil wir eben neutral sind, auch wirklich beachtlich und sehr breit getragen, von sehr vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen: von Nachbar in Not, der Caritas, von freiwilligen Feuerwehren bis hin zu vielen, vielen Gemeinden, die Hilfslieferungen organisieren und Spitalsbetten, OP-Material oder Schulmöbel spenden. Ich habe vor wenigen Wochen auch involviert sein dürfen, als beispielsweise der Samariterbund ein Rettungsauto für Charkiw gespendet hat und die Ukrainehilfe diese Überstellung abgewickelt hat. All das hilft den Menschen vor Ort, all das ist für Menschen in der Ukraine momentan wirklich lebenswichtig, überlebenswichtig, und wir werden uns das von niemandem schlecht- oder kleinreden lassen – ganz sicher nicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Darüber hinaus ist ein anderer ganz wichtiger Aspekt unserer Unterstützung die Entminung, die zivile Entminung. Wir haben bis jetzt 12 Millionen Euro dafür ausgegeben. Da geht es darum, dass große landwirtschaftliche Flächen entmint werden, denn wir wissen genau, diese Landminen sind, wenn sie vergraben sind, vergraben bleiben, eine unglaubliche Gefahr für Zivilistinnen und Zivilisten, ganz besonders für spielende Kinder, aber natürlich auch für die Landwirte. Wir wissen, dass die Ukraine ein großer Agrarproduzent, ein großer Agrarexporteur ist, gerade auch für den globalen Süden, by the way, sehr wichtig. Indem wir beim Entminen helfen, leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau der Ukraine – und das tun wir als neutrales Land. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Österreichische Unternehmen haben schon vor Ausbruch des Krieges – und tun es in großem Ausmaß auch noch weiterhin – Arbeitsplätze in der Ukraine geschaffen, etwa 25 000, und sie leisten auch einen großen Beitrag für die Wertschöpfung im Land. Natürlich wird der Wiederaufbau eine Mammutaufgabe sein. Natürlich ist es uns ein großes Anliegen, dass davon nicht einige wenige profitieren, sondern dass dieser Wiederaufbau wirklich breiten Bevölkerungsschichten zugutekommt. Ich freue mich sehr, dass es ziemlich sicher eine österreichische Organisation sein wird, die ganz vielen kleinen Gemeinden, die zu klein sind, um große EU-Töpfe mit über 50 Millionen Euro ansprechen zu können, dabei helfen wird, dass sie in der Lage sein werden, genau dieses Geld vonseiten der Europäischen Union abzuholen, für einen Wiederaufbau des Wohnbaus, der durch den russischen Angriff zerstört worden ist. Das ist etwas, durch das Menschen dann wirklich wieder ein Dach über dem Kopf haben, das ist ausgesprochen wichtig, und ich freue mich, dass da eine österreichische Organisation so erfolgreich dabei ist. Das ist wunderbar. Natürlich, was zum Wiederaufbau, zum Neuaufbau der Ukraine auch dazugehört, ist die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit der Ukraine und die Bekämpfung der Korruption. Nur so wird es auch einen Weg in Richtung Europäische Union geben. Und – es ist schon gesagt worden – es wird keine Shortcuts geben oder keine augenzwinkernden Zugeständnisse, sondern nein, natürlich wird auch die Ukraine alle Erfordernisse erfüllen müssen, die notwendig sind, um beizutreten. Österreich wird sich mit allen diplomatischen internationalen und nationalen Möglichkeiten für einen gerechten, für einen umfassenden und dauerhaften Frieden in der Ukraine einsetzen – alles andere verdient das Wort Frieden nicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das Angebot, Wien als eine solche Plattform für Gespräche anzubieten, herzunehmen, ist wahrscheinlich wesentlich effektiver als irgendwelche Kniefälle ehemaliger freiheitlicher Außenministerinnen vor Herrn Putin, da bin ich mir ziemlich sicher.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nein, die gehört schon noch der ÖVP! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Glauben Sie, hat der Herr Gusenbauer auch Kontakte zu den Russen gehabt? Hat der ... Geld her? ... Schrebergarten gekauft?

SPÖ Petra Bayr

… Um zum Ende zu kommen: Es gilt aus meiner Sicht einmal mehr, dass die Rolle Wiens auch als Sitz der OSZE in diesem Zusammenhang Platz greift – wir werden ja im Dezember dieses Jahres ein Ministerkomitee ausrichten. Ich weiß, dass es auch während des Kalten Krieges, wenn Wien Austragungsort von bilateralen oder trilateralen Gesprächen war, sehr oft belächelt worden ist, nach dem Motto: Haha, wie schön! Die OSZE ist aber eine der wenigen Organisationen, bei denen Russland immer noch Mitglied ist, wo es auch eine Möglichkeit der Auseinandersetzung auf Augenhöhe gibt, und ich bin mir sicher, dass dieser Ministerrat – zwar unter finnischer Präsidentschaft, aber in Wien ausgetragen – im Dezember Möglichkeiten bieten wird, da entscheidende Schritte vorwärtszugehen, entscheidende Schritte – wie auch immer die Situation dann aussehen wird, aber jedenfalls entscheidende Schritte – als Wien, auch als Österreich, auch als österreichische Bundesregierung zu gehen. Das Schöne ist, dass ich weiß, dass die Bevölkerung Österreichs sich diesen Frieden wünscht und auch bei allem, was wir tun, hinter uns steht. – Danke sehr. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . Eingestellte Redezeit: 7 Minuten.

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Herren Staatssekretäre! Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich finde, es ist nicht zu ertragen, dass manche an einem Tag wie heute so schnell zurück in die Parteipolitik verfallen. (👏 ÖVP, NEOS) Eigentlich hätte ich gedacht, dass wir heute ein gemeinsames Verständnis haben, dass heute etwas anderes im Zentrum steht: Die Erinnerung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was denn?

NEOS Yannick Shetty

… Frau Belakowitsch, ich sage es Ihnen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ihr macht uns nicht zur Einheitspartei! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Die Pride-Parade?

NEOS Yannick Shetty

… an die Opfer von Graz …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Habt ihr ... bei der Pride-Parade? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Die Pride-Parade hat ja auch stattgefunden! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ich habe schon geglaubt, ...! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

NEOS Yannick Shetty

… die gemeinsame Trauer, das Mitgefühl, das, was der Herr Klubobmann der FPÖ heute Früh auch angesprochen hat. Ich habe dem zugestimmt und trotz aller inhaltlichen Differenzen, die es zwischen unseren Parteien gibt, auch Beifall bekundet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, Herr Shetty, es hätte auch der Bildungsminister sprechen können! Der wäre zuständig gewesen!

NEOS Yannick Shetty

… Vor allem sollte im Zentrum stehen: der feste Wille, alles zu tun, damit so etwas nie wieder in einem österreichischen Klassenzimmer geschieht.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Und deswegen laden wir Selenskyj ein!?

NEOS Yannick Shetty

… Doch leider gibt es Kräfte in diesem Haus, denen selbst dieser Moment der Einigkeit nicht heilig ist. Ich glaube, es gibt etwas, was uns Österreicherinnen und Österreicher ausmacht, quer durch alle Bundesländer, Generationen und quer durch alle Parteien: dass wir in der Krise zusammenstehen, Schulter an Schulter. Genau das erwarten sich jetzt auch die Menschen von uns als Politik: dass wir uns als politische Vertreterinnen und Vertreter an einen Tisch setzen, gemeinsam Verantwortung übernehmen, Lösungen erarbeiten. Und es gibt ja auch andere Teile der Opposition – ich denke an Klubobmann Kogler, der hier ganz konkrete Vorschläge gemacht hat. Auch wir als Bundesregierung haben ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgestellt und werden es diese Woche auch noch zur Beschlussfassung im Ministerrat bringen. Was kommt von der FPÖ? – Keine Lösungen, keine Verantwortung, nur ein parteitaktisches Schauspiel mitten in einer der sensibelsten Sitzungen dieses Parlaments in dieser Gesetzgebungsperiode. (👏 ÖVP, NEOS) Zeitgleich, als der Herr Bundeskanzler hier am Rednerpult stand und der Opfer gedacht hat, und während Sie, Herr Kickl, hier am Rednerpult staatspolitische Verantwortung einforderten, wanderten ihre Abgeordnetenkollegen still und leise zur Nationalratskanzlei und haben diese Dringliche Anfrage eingebracht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nicht das - -! ... Parlamentarismus! Na hallo, jetzt reicht es aber dann! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: ... Parlamentarismus habt ihr ...!

NEOS Yannick Shetty

… Das ist nichts anderes als eine blanke Provokation, eine weitere populistische Scheindebatte über die Neutralität.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Keine Anfragen, keinen U-Ausschuss, ...!

NEOS Yannick Shetty

… Es ist ein durchsichtiges populistisches Manöver mit nur einem Ziel: spalten, spalten, spalten. (👏 ÖVP, NEOS) Herr Klubobmann Kickl, Abgeordnete Fürst hat mit ihrer Dringlichen Anfrage, mit ihrer Begründung alle Ihre Appelle zum Zusammenhalt zur Makulatur gemacht …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Reden Sie doch nicht so einen Blödsinn daher!

NEOS Yannick Shetty

… weil sie heute alles in den Schatten gestellt hat, was Sie heute Früh eingefordert haben.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Für die falsche Sache werden wir nie zu gewinnen sein, nie!

NEOS Yannick Shetty

… Die Menschen erwarten sich nach diesem Amoklauf von Graz, dass wir Konsequenzen ziehen in der Sicherheitspolitik, in der Gewaltprävention …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie ziehen da eine Löwinger-Bühne ab und beschweren sich, dass Parlamentarismus auch noch stattfindet!

NEOS Yannick Shetty

… im Schutz unserer Schulen, in der Stärkung der psychischen Gesundheit der jungen Menschen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Haben Sie heute in der Früh nichts zu sagen gehabt?

NEOS Yannick Shetty

… Und sie erwarten sich gerade nicht, dass sich die Politiker in solchen Momenten auseinanderdividieren lassen, sondern dass sie im Gedenken an die Opfer zusammenrücken.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Die Opfer missbrauchen, dass man eure Kriegstreiberei mitträgt! Also tiefer geht ja nicht! – Weitere Rufe bei der FPÖ: Tiefer geht eh nicht! Tiefer geht nicht!

NEOS Yannick Shetty

… Und was machen Sie, was machen die Vertreter der FPÖ? – Herr Präsident, ich kann schon weiterreden, ich habe eh das Mikrofon und man hört sie nicht reinbrüllen, aber ich finde es nicht in Ordnung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, Sie sind nicht in Ordnung!

NEOS Yannick Shetty

… dass sie jede Debatte auf diese Art und Weise stören müssen. Was macht die FPÖ? – Sie spaltet, sie provoziert …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie provozieren!

NEOS Yannick Shetty

… und Sie betreiben damit Polemik und Parteitaktik in einem Moment, in dem wir genau darauf verzichten sollten. Und Frau Fürst, man hat bei Ihnen auch das Gefühl, Sie halten es einfach nicht aus, wenn in dieser polarisierten Welt einmal für wenige Tage das Gemeinsame vor das Trennende gestellt wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich habe das Gefühl, man hat das Gefühl, dass Ihre Parteistrategen dann so richtig nervös werden, denn in der Spaltung liegt Ihre Chance. Das ist Ihr Geschäftsmodell, und deswegen treten Sie hier die Flucht nach vorne an und machen genau das, was Sie gut können, nämlich das Trennende vor das Gemeinsame stellen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich mache jetzt den Psychologen beim Humboldt!

NEOS Yannick Shetty

… so wie wir es heute auch in dieser Debatte gesehen haben. (👏 ÖVP, NEOS) RN/67.1 Ich möchte aber auch in der Sache noch eine Anmerkung zum Inhalt Ihrer Dringlichen Anfrage machen, Frau Fürst. Darf ich Sie fragen, Frau Fürst, ob Sie schon einmal in der Ukraine waren? Oder Herr Hafenecker? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich war zweimal ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist keine Fragestunde! Halten Sie die Rede und setzen Sie sich ...!

NEOS Yannick Shetty

… Frau Fürst, ich war in der Ukraine, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der anderen Parteien …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was soll denn das überhaupt?

NEOS Yannick Shetty

… in meinem Fall eine Delegation mit Kollegen von der ÖVP und von den Grünen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich habe sogar gesehen, unter welchen Umständen der Herr Selenskyj gewählt worden ist!

NEOS Yannick Shetty

… Sie waren jedes Mal auch eingeladen; Sie haben sich geweigert, teilzunehmen. Wir waren in Kiew, wir waren in Butscha …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Schön für euch!

NEOS Yannick Shetty

… wir haben dort die Massengräber gesehen, wir haben dort mit Angehörigen jener Menschen gesprochen, deren Kinder nach Russland …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da habt ihr viel Spaß gehabt dabei, gell?

NEOS Yannick Shetty

… verschleppt wurden.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Nein, das ist kein Spaß! – Ruf: Das ist ja unfassbar! – Ruf: Was seid ihr für Leute? – Unruhe im Saal.

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren, Sie wissen, glaube ich, nicht, was die FPÖ hier alles Widerliches zwischenruft. Nein, wir haben keinen Spaß dabei gehabt, als wir uns das angeschaut haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... Kriegstouristen! Das ist Kriegstourismus!

NEOS Yannick Shetty

… Wir haben das gemacht, um uns ein Bild zu machen, ein objektives Bild ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und ich sage Ihnen: Ich schäme mich dafür, dass sich Abgeordnete hier herausstellen und russische Propaganda vom Feinsten propagieren. Das ist unerträglich! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja unglaublich so etwas!

NEOS Yannick Shetty

… Abschließend: Sie kennen unsere Meinung, Sie kennen unsere Haltung …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wie reden Sie über den Bundespräsidenten und sein Buch?

NEOS Yannick Shetty

… weil wir lange genug Oppositionsarbeit in diesem Haus gemacht haben: In diesem Parlament soll nicht nur, es muss gestritten werden. Aber ich bin der Meinung, wir sind der Meinung, es gibt Tage, an denen muss die Parteitaktik zurückrücken.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na dann tritt doch zurück!

NEOS Yannick Shetty

… Es gibt noch andere Tage hier im Parlament, an denen man diese Fragen, die Sie heute vorgebracht haben …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und wann soll man streiten, wenn da von dir aus kein ...?

NEOS Yannick Shetty

… diskutieren kann. Heute ist kein solcher Tag. Ich finde das enttäuschend, und ich sage Ihnen auch ganz ehrlich: Ich schäme mich für dieses unser Hohes Haus, dass Sie diese Abmachungen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Abmachung?

NEOS Yannick Shetty

… dass Sie diese Art und Weise so vorsätzlich missachten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Werner Kogler . Die Redezeit habe ich für 8 Minuten eingestellt. – Bitte.

GRÜNE Werner Kogler

Danke schön, Herr Präsident. – Falls Sie es nicht gehört haben, verwende ich gerne eine Minute der Redezeit darauf: Es ist unfassbar, was in dem Haus schon passiert und möglich ist. Abgeordneter Shetty hat vor wenigen Minuten an dieser Stelle ausgeführt – Bezug nehmend auf Ihre ( in Richtung FPÖ ) Fraktion; Sie hätten in die Ukraine mitfahren sollen –, wie er an den Massengräbern von Butscha gestanden ist. Und von da ( in Richtung FPÖ weisend ) kam der Zwischenruf einer Kollegin – das ist so unglaublich, dass ich gleich den Namen weglasse –, er hätte dabei Spaß gehabt. – So weit sind Sie ( in Richtung FPÖ ) hier gekommen, so weit ist es gekommen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

So war es ja gar nicht! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ]

GRÜNE Werner Kogler

… und, Herr Präsident, das können wir – ich sage es noch einmal – nicht durchgehen lassen! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

So war es ja gar nicht! So war das gar nicht! So war es gar nicht!

GRÜNE Werner Kogler

… Das hat mit einer normalen parlamentarischen Debatte nichts zu tun, das ist die Desavouierung von allem und jedem! Das ist das Prinzip, das Sie ( in Richtung FPÖ ) hier anwenden, die ganze Show da.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Schauen Sie bitte die Fotos in den sozialen Medien der NEOS an, wie sie dort dreinschauen!

GRÜNE Werner Kogler

… Ich bin zwar ein bisschen anderer Meinung als Abgeordneter Shetty, dass man an einem Tag, an dem Selenskyj kommt, das schon thematisieren kann – ich werde schon darauf eingehen, ich werde es auch machen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Der Innenminister lacht Sie aus, ...! Wenn ihr solche Fotos produziert, braucht ihr euch nicht zu wundern!

GRÜNE Werner Kogler

… ein bisschen anders –, aber das ist so unterirdisch, das ist unter jeder nicht nur Würde des Hauses, das ist unter allem, was den letzten Grundkonsens noch zusammenhält. Genau darum geht es Ihnen ja die ganze Zeit schon: das zu zerstören – deshalb werden sich die anderen Fraktionen überlegen müssen, wie hier ein Umgang zu finden ist –, nur erstens werden wir es uns nicht gefallen lassen, und zweitens werden wir es erzählen. Es sollen genug hören. Wir haben es gehört, was Abgeordnetem Shetty hier vorgehalten wird. Da ist man ja schon wieder sprachlos.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Rücktritt eigentlich!

GRÜNE Werner Kogler

… Das ist ja unfassbar, was Sie hier aufführen! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) So! Ja, es wäre ja viel zu diskutieren, wenn Sie nicht dauernd alles umdrehen würden wie Ihre Vorbilder Putin und Trump. Man ist sich hier herinnen eh fast vorgekommen wie beim Putin-Sender, aber am Rednerpult darf man ja viel , das geht sich ja noch aus.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie erinnern manchmal an den Herrn Jelzin!

GRÜNE Werner Kogler

… Zeit für Frieden“ ( in Richtung FPÖ weisend ); nehmen wir das: „Zeit für Frieden“. Also erstens einmal bin ich unheimlich dankbar, muss ich fast sagen, der Bundesregierungsspitze – ich nenne Sie ganz bewusst zuerst …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was sagen Sie zum Buch des Bundespräsidenten, Herr Klubobmann?

GRÜNE Werner Kogler

… und dann den Bundespräsidenten, der uns ja nähersteht –, dass Sie Präsident Selenskyj empfangen; damit das einmal klar ist, denn das haben Sie auch alles hineingerührt in Ihren krausen Verschwörungstopfen, den Sie da aufführen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Als ob Selenskyj genau deshalb jetzt nach Wien kommen würde, damit Sie nicht irgendwo eine Zeitungsmeldung mehr haben mit Ihren Tagesauftritten – das ist so absurd …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was dominiert die Medien jetzt? – Abg. Shetty [NEOS]: Er schaut nicht den ganzen Tag FPÖ-TV!

GRÜNE Werner Kogler

… das können Sie ja nicht einmal mehr auf Ihrem komischen AUF-Sender verkaufen, selbst dort biegen sich die Antennen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Der Plenartag wird auf ORF III verräumt, für den Herrn Selenskyj gibt es eine Sondersendung! So schaut’s aus! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wo ist denn die Bundesregierung? – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

GRÜNE Werner Kogler

… Zeit für Frieden“: Jetzt sage ich Ihnen einmal, wo Sie da immer schiefliegen. Es ist gut, dass wir einmal über Frieden und Neutralität reden. „Zeit für Frieden“: Wissen Sie, wir hatten eine Zeitenwende, eine große: 1989/90/91 – das hatte große Auswirkungen auf die Sowjetunion. Die Länder dort, sage ich jetzt einmal salopp, haben sich zum Teil verselbstständigt. Die meisten Atomwaffen der UdSSR standen auf ukrainischem Gebiet. Die sich herauskristallisierende Ukraine hat gegen eine Sicherheitsgarantie eingewilligt, dass die dann Russische Föderation den Zugriff auf die Atomwaffen – nicht ganz ausschließlich, aber in allererster Linie – erhält; gegen eine Sicherheitsgarantie! Es war immer noch Zeit für Frieden, alle haben daran geglaubt. 2000/2001/2002: eine legendäre, eine fast berühmte – aber nur fast! – Rede Putins im Deutschen Bundestag: schalmeienhaft, friedensversprechend. Mittlerweile ist es eine berüchtigte Rede, eine der größten Irreführungen der Geschichte, mit Anlauf – mit Anlauf! –, und da wäre auch immer noch Zeit für Frieden gewesen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

... Corona ...!

GRÜNE Werner Kogler

… Und die Sache geht weiter. Es sind nicht mehr viele Jahre vergangen, und der Angriff auf den Kaukasus und auf die Länder dort ist unter unglaublichen Gräueln erfolgt. 2014 – wir haben es damals schon gesagt – war auch die Beteiligung Russlands an der Tragödie, die sich in Syrien abgespielt hat, nachvollziehbar: Fassbomben, Chemiewaffeneinsatz; wir haben die Berichte im Ausschuss gehabt, ich war damals auch Abgeordneter. Es ist bis heute zum Heulen, was es da für Schilderungen gab. Ich sage nicht, dass all das die russische Truppe selber gemacht hat – sie hat sich an den Bombenangriffen beteiligt –, aber sie hat das geduldet und mit herbeigeführt. Das war im Übrigen, wie sich herausgestellt hat und erkennbar wird, Teil einer kommenden hybriden Kriegsführung, weil die damals schon Flüchtlingsströme nach Europa mit befeuern wollten. Das war die Spielanlage. Das ist Ihr Freund Putin, das ist der, mit dem Sie einen Freundschaftsvertrag haben. Jemand, der mit einem Massenmörder einen Freundschaftsvertrag abschließt, braucht uns nicht zu erklären …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unglaublich! Unglaublich!

GRÜNE Werner Kogler

… was der Staatsvertrag in Sachen Neutralität bedeutet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die Frau Edtstadler klatscht, die mit ihm durch Wien defiliert ist, zum selben Zeitpunkt! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Die Frau Edtstadler hat sogar russische Farben angehabt! Gibt’s auch Fotos!

GRÜNE Werner Kogler

… Deshalb ist es ja so wichtig und richtig, dass das Augenmerk auf das gerichtet wird, was eigentlich die Vorgänge rund um die Ukraine sind. Also für mich ist es immer noch so, dass die Bevölkerung, auch die politische Führung im Übrigen – weil Sie die ja dauernd angreifen – größten Respekt verdienen, weil dort – und man kann es gar nicht oft genug sagen – auch die europäischen Werte verteidigt werden. Es ist ein Angriff auf Europa, der dort passiert, und wenn dem nicht Einhalt geboten wird, wird Putin keine Ruhe geben. Das ist der Unterschied. So, und was heißt jetzt Frieden? Welcher Frieden? – Es braucht einen wahrhaftigen, es braucht einen gerechten Frieden, aber doch kein Diktat und keine Unterwerfung. Das ist es. Es stimmte noch immer, bis dorthin war Frieden – und all die Sinnsprüche, die da gekommen sind, sind wahrer denn je: Stell dir vor, es ist Frieden und einer macht alles hin! …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Was ist aus den Grünen geworden, Werner?

GRÜNE Werner Kogler

… Das sage ich zu Ihrem Friedenstaferl. Das ist passiert, und deshalb müssen wir uns hinstellen und sagen, von welchem Frieden wir überhaupt reden. Es wäre gut, wenn heute die Gelegenheiten ausgelotet werden würden. Österreich könnte vielleicht einen kleinen Beitrag für einen vorläufigen Waffenstillstand und dann für einen gerechten Frieden leisten. Das wäre gut und richtig; da verschließen wir uns ja nicht, man muss ja immer mit jedem reden …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aha! Aha! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ah so, mit jedem!

GRÜNE Werner Kogler

… ja, trotzdem ist meine Analyse von vorhin richtig. Das ist es, worum es geht. Man kann nicht wegschauen und sich – das war Ihr zweites Taferl – auf die Neutralität berufen, wenn es um Massenmord, um Massenvergewaltigung …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, wenn das nur überall gelten würde, Herr Kogler! Überall! – Ruf bei der ÖVP: Das gilt überall!

GRÜNE Werner Kogler

… um Kinderverschleppung und um Folter geht. Das ist die Konsequenz von dem, was Sie hier verbreiten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist das Problem!

GRÜNE Werner Kogler

… Ja, das mag woanders auch gelten, okay …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja eh, aber da hör ich nix von Ihnen! Da gibt’s auch andere Konflikte, jetzt, gegenwärtig: Schweigen im Wald!

GRÜNE Werner Kogler

… aber da sollten wir auch eine eindeutige Haltung haben. Also uns brauchen Sie das nicht vorzuwerfen. Dass es nicht so sei, da würde ich Ihnen recht geben, aber das ist ein überflüssiger Zwischenruf.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, das ist nicht überflüssig! – Abg. Wurm [FPÖ]: Das ist die Wahrheit, Werner!

GRÜNE Werner Kogler

… Eigentlich geht es – noch einmal – ums Völkerrecht, wenn wir über die Neutralität reden. Es ist ein völlig völkerrechtswidriger Aggressionsangriff auf die Ukraine – das ist alles eindeutig –, und es muss Schluss sein mit dieser Täter-Opfer-Umkehr, die da laufend betrieben wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sie sind ja ärger als Trump. Das Völkerrecht gibt die Selbstverteidigung her, und in diesem Zusammenhang ist die Neutralität zu interpretieren. Im Übrigen, was unsere Beteiligung über die Europäische Union betrifft – der Staatssekretär hat es ja ausgeführt; das war der Kompromiss in unserer Regierung, diese Linie zu machen –: Es würde neutralitätskonform noch mehr gehen. Ich sage das in aller Bewusstheit, nur weil da falsche Bilder verbreitet werden. Es würde sogar noch mehr gehen, sowohl nach dem Völkerrecht als auch nach unseren Neutralitätsbestimmungen und erst recht, was unsere gemeinsame Verpflichtung im Rahmen der Union betrifft; damit wir das auch noch einmal gesagt haben. Es wird auch noch gegen die Sanktionen aufgetreten: Das halte ich für den nächsten Blödsinn. Tatsächlich wirken sie langsamer und nicht so direkt, weil sie auch sehr oft umgangen werden, aber es ist gerade für Neutrale sinnvoll, richtig und wichtig, dass es auch diese Instrumente gibt, weil das eine Reaktion ist, die nicht militärisch ist, und zwar per definitionem. Würden Sie einfach sagen: Super, machen wir weiter mit dem Massenmörder superlustige Geschäfte!? Es gibt eh immer noch zu viele …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Raiffeisen macht ...!

GRÜNE Werner Kogler

… und deshalb sollten wir eigentlich die Umgehungen bekämpfen und nicht die Sanktionen; das muss doch jedem Aufrichtigen klar sein.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ihr Koalitionspartner, der Herr Schüssel, hat sich auch schwergetan, seinen Beratervertrag und sein Aufsichtsratsmandat zurückzulegen!

GRÜNE Werner Kogler

… Und apropos: Leider, leider – auch da mussten wir Kompromisse machen; und so schließt sich im Übrigen der Kreis zur morgendlichen Budgetdebatte – ist es so, dass eine der Hauptursachen für die Krise Österreichs die 90-prozentige Gasabhängigkeit von Russland war; da rede ich aber nur vom ethischen Problem, das da drinnen steckt. Bis heute – es ist weniger, Gott sei Dank, aber immer noch; vorher war es viel mehr – wurden Milliarden überwiesen, offensichtlich genau für diesen Kriegszweck, auch von Österreich. Das ist, finde ich, nicht in Ordnung. Wir konnten nicht gleich aussteigen, wir mussten über den nächsten Winter kommen – ein Wunder, dass das alles geglückt ist! Erinnern wir uns: Vor drei Jahren sind wir dagestanden und haben nicht gewusst, ob die Voest zugedreht wird, die Spitäler, die Kindergärten oder ob es daheim kalt ist.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ah, da haben Sie schon alle eingesperrt gehabt vor drei Jahren!

GRÜNE Werner Kogler

… Das war doch die Situation – damit wir einmal wissen, von welchen Krisen wir gesprochen haben.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Da waren die Kindergärten schon geschlossen! Von Ihnen!

GRÜNE Werner Kogler

… Putin setzt das als Waffe ein, und da gehören wir raus. Ich sage Ihnen, Leonore Gewessler hat ein ganzes Paket an Gesetzen, an anderen Bestimmungen, Möglichkeiten und wirtschaftlichen Anreizen geschaffen, damit wir da bis 2027 rauskommen. Selbst auf die Gefahr hin, dass es dort oder da um ein paar Cent teurer wird: Wenn Sie das langfristig rechnen, auch volkswirtschaftlich, ist es deshalb günstiger, weil dieses Bedrohungspotenzial wegfällt …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie haben ganz Österreich zugesperrt vor drei Jahren!

GRÜNE Werner Kogler

… wenn Sie diesen Risikofaktor einpreisen. Es ist deshalb sowohl unsere wirtschaftliche Pflicht – im Übrigen auch, wenn man so will, unsere ökologische Pflicht, aber das steht jetzt nicht an erster Stelle – und erst recht unsere moralische Pflicht, von dieser Drogennadel, vom russischen Gas möglichst rasch wegzukommen. Das ist wirklich nicht mehr einzusehen. Wir wissen, dass mehrere daran beteiligt waren, dass es so weit gekommen ist – gegen unsere Warnungen, seit, weiß ich nicht, neun Jahren oder elf Jahren; seit 2014. Auch das sollten wir uns – abschließend – zu Herzen nehmen; ich muss das leider bei aller sonstigen Einigkeit mit den Regierungsparteien kritisch anmerken. Lassen wir die Vergangenheit in dieser Minute ruhen – Sie kennen meine Zitate –, aber wenigstens für die Zukunft sollten wir es schaffen, zumindest ab 2027/28; für diese Jahre wäre alles hergerichtet. Ich hoffe also darauf, dass Sie das einlösen, gerade vor dem Hintergrund der jetzigen Debatte. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Herr Abgeordneter Kogler, ich habe den von Ihnen angeführten Zwischenruf nicht wahrgenommen, aus diesem Grunde habe ich das Protokoll angefordert; ich werde mir das dann zeitgerecht anschauen. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Axel Kassegger . – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich habe mir jetzt vorgenommen, bei aller Emotionalität dieses Themas meine Rede möglichst sachlich, faktenbasiert und faktenorientiert zu gestalten, muss aber, bevor ich damit beginne, schon auf das eingehen, was Kollege Shetty als Vorvorredner gesagt hat. Erster Punkt: Die Freiheitliche Partei hat Herrn Selenskyj nicht eingeladen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das hat niemand behauptet!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Zweiter Punkt: Die Freiheitliche Partei hat nicht dafür gesorgt, dass die Generaldebatte zum Budget auf den Vormittag verlegt wurde und damit viel, viel näher zur Trauerminute – weil Sie beklagt haben: So nahe bei der Trauerminute beschäftigen wir uns jetzt mit derartigen Dingen. – Das ist im Übrigen Parlamentarismus, Herr Kollege Shetty. (👏 FPÖ) Wenn Sie Tendenzen hier auf den Weg geben, als Klubobmann einer 9-Prozent-Partei zu bestimmen, was wir als 30-Prozent-Oppositionspartei tun dürfen und was nicht, dann geht das erstens in die falsche Richtung und hat zweitens nichts mit dem zu tun, womit NEOS im Jahr 2013 angetreten sind, nämlich als liberale, offene Partei des Parlamentarismus (👏 FPÖ), sondern Sie haben da in einer sehr, sehr schnellen Geschwindigkeit eine Metamorphose zu einem Verteidiger des Systems gemacht, das eben diese Freiheitsgrade und den Parlamentarismus einschränkt. Da würde ich Sie bitten, einmal darüber nachzudenken.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das war wohl ein Dollfuß-Seminar, was Sie gemacht haben, Kollege Shetty!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das geht in die falsche Richtung. Ich bin ein Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs. Die Freiheitliche Partei Österreichs hat eine oberste Maxime, nämlich die Zuwendung zum eigenen Volk und die Vertretung der Interessen der Österreicher. Ich ersuche Sie jetzt, das ganze Thema unter diesem Schirm zu sehen. Wir wollen die Interessen der Österreicher vertreten. Das ist unser Auftrag, und zwar sowohl ökonomisch als auch sicherheitsbezogen, die innere Sicherheit und die äußere Sicherheit betreffend. Hinsichtlich der äußeren Sicherheit hat das Modell der Neutralität seit 1955 als Schutzschirm der äußeren Sicherheit ausgezeichnete Arbeit geleistet, und wir sehen nicht den geringsten Anlass, so etwas Bewährtes zu gefährden oder gar abzuschaffen. Das ist unsere Grundlinie. (👏 FPÖ) Wenn man sich jetzt das gesamte große Bild anschaut, ohne jetzt historische Abrisse vom Zusammenbruch der Sowjetunion zu geben, sehen wir mehrere Felder. Wir haben einen Krieg, wir haben Profiteure, wir haben – ich sage es einmal – Zahler, und wir haben den Bereich der Neutralität. Das hängt ja alles miteinander zusammen. Wir haben einen furchtbaren Krieg in Europa, in dem Europäer sich gegenseitig umbringen. Wir haben bis vor Kurzem hier Parteien gehabt, deren einzige Idee es war: Kämpfen bis zum Sieg und Waffen liefern, bis der Sieg gelungen! …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Geh!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Wir als Freiheitliche Partei haben relativ rasch, im 2022er-Jahr schon, gesagt: Das ist eine vollkommen falsche Lagebeurteilung.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Das hat nichts mit der Realität zu tun!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das ist ein Irrweg, das werden wir nicht gewinnen. Was wir in den nächsten Jahren haben werden, sind Milliarden an Kosten und Hunderttausende von Toten. Das wollen wir verhindern, vermeiden. Jetzt höre ich von der Außenministerin, aber auch hier, erstmalig auch von der ÖVP, das Wort Frieden, für das wir als Freiheitliche Partei als Putin-Freunde beschimpft worden sind.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was heißt „erstmalig“? – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Auf diese Absurditäten gehe ich gar nicht ein. Ein Neutraler ist äquidistant. Äquidistant heißt: gleicher Abstand zu - - Wir sind äquidistant. (👏 FPÖ) Wenn Sie auch hundertmal sagen, wir haben eine Nähe zu dem und dem – das stimmt nicht! Also: Dieser Krieg hätte schon längst beendet werden können. Vielleicht hat der Wechsel in Amerika, in den USA, etwas damit zu tun, von der Biden-Administration zur Trump-Administration. Das finden wir gut, das gehört weiter verfolgt. Schauen wir uns die Profiteure an: Das sind nicht die Österreicher, das ist nicht die österreichische Bevölkerung. Was da seit drei Jahren stattfindet, ist doch eine brutale Ausweitung der Rüstungsindustrie. Die ganz großen Profiteure sind die Rüstungskonzerne. Das ist eigentlich ganz komisch, Kollege Kogler, dass du jetzt da offensichtlich bewusst oder unbewusst der größte Proponent und Förderer der Übergewinne der Rüstungskonzerne wirst. Also das muss einmal einer verstehen! Wir sind das nicht, denn wir sind keine Aktionäre von Rheinmetall oder sonst jemandem. Unsere Verantwortung besteht darin, die Interessen der Österreicher zu vertreten. Da sind wir jetzt beim Zahler. In diesem großen Feld sehe ich die Österreicher als große Zahler. Wo ist da der Nutzen? Wir haben jetzt die Budgetsitzungen, es geht uns eh das Geld hinten und vorne aus. Wir machen - - Oder nicht wir, sondern Sie als Regierung machen ja Budgetdefizite ohne Ende, aber das ist trotzdem egal. Wir zahlen 3,7 Milliarden Euro an die Ukraine. Der Schmäh mit: Wir finanzieren keinen Krieg, die Friedensfazilität – im Übrigen ein sehr eigenartiger Ausdruck für Waffenfinanzierungen –, damit zahlen wir ja keine Waffen!, zieht nicht. Das ist so, wie wenn ich sage: Der österreichische Beitrag ist jetzt ein Glas hier (ein halb volles Wasserglas in die Höhe haltend) , das sind 3 Milliarden Euro, das schütten wir in ein Schwimmbad rein, dann kommt die EU, nimmt einen Kübel Wasser heraus und kauft damit 1 000 Panzer. Wie wollen Sie denn das feststellen? Natürlich sind da österreichische Tropfen dabei. Das ist doch absurd, eine Kleinkinderlogik, zu sagen: Wir zahlen keine Waffen, mit unserem Geld werden nur Entminungen und Ähnliches bezahlt. – Das stimmt ja so nicht. Die Österreicher zahlen 3,7 Milliarden Euro – das ist viel, viel Geld. Der vierte Bereich: die Neutralität. Noch einmal: Das ist ein Erfolgsmodell seit 1955. Das ist sehr wohl ein Schutzschild betreffend die äußere Sicherheit. Allerdings haben wir als Österreich schwer versagt – und da schaue ich jetzt Kollegen Volker Reifenberger an –, was die eigene Verteidigungsfähigkeit betrifft. Da haben wir 25 Jahre oder noch länger unsere eigene Verteidigungsfähigkeit strengstens oder schärfstens vernachlässigt.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

ÖVP-Verteidigungsminister!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Wir sehen es nicht als dienlich.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Kunasek!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die Neutralität ist im Übrigen, das wissen Sie, völkerrechtlich keine Einbahnstraße. Das ist ja nicht so: Ich erkläre mich jetzt als neutral und mache dann permanent als Regierung Handlungen, die mit der Neutralität nicht vereinbar sind beziehungsweise von den Staaten als nicht mit der Neutralität vereinbar empfunden werden – dann war es das mit der Neutralität! Das beruht doch auf Reziprozität! …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Welche Staaten empfinden das?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die Gefahr, in die wir uns da begeben, ist ja auch klar: dass wir in einem Konflikt legitimes Ziel werden, Legitimate Target, wenn wir diese Neutralität international aufgeben. Jetzt erzählen Sie mir nicht, dass die Tatsache, dass die Frau Außenministerin bei ihrem ersten Besuch nach Kiew fährt, 20 Millionen Euro zusätzlich mitnimmt, dass die Tatsache, dass Präsident Selenskyj nach Österreich eingeladen wird, in das neutrale Österreich, der internationalen Rezeption unserer Neutralität dienlich ist – ganz im Gegenteil –, und dann – da wird es ja noch absurder – reden Sie irgendetwas von: Wien sollte dann Ort der Verhandlungen sein. – Das wird so nicht stattfinden. Da muss man die Dinge zu Ende denken. Das kann sich nicht ausgehen. Das ist nicht logisch. Es wird Genf werden, es wird Istanbul werden et cetera. Das heißt, bei Ihnen klaffen Wunsch und Realität vollkommen auseinander. Das Einzige, was wir wollen, ist eine realitätsbezogene Politik im Interesse unserer eigenen Landsleute, nicht mehr und nicht weniger. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Gudrun Kugler . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

ÖVP Gudrun Kugler

Danke, Herr Präsident! Werte Regierungsmitglieder! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben jetzt 40 Minuten lang Reden von den Freiheitlichen gehört und keine einzige Sekunde, kein einziger Halbsatz war eine Verurteilung des brutalen Angriffskriegs, der Eskalation und der zivilen Opfer. Und als Kollege Minnich über die Kriegsverbrechen gesprochen hat und über die Vergewaltigungen, da haben einige von Ihnen schallend gelacht.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Also bitte!

ÖVP Gudrun Kugler

… Ja, diese Seite, in der Mitte Kollege Lausch – ich sitze direkt daneben –, hat schallend gelacht.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Der ist nicht einmal da!

ÖVP Gudrun Kugler

… Stattdessen, statt einer Verurteilung der Kriegsverbrechen, hören wir von Kollegen Kassegger: Äquidistanz gegenüber Russland, dem Angreifer, und der Ukraine. Wir hören von Frau Kollegin Fürst: Wir packen die „Moralkeule“ aus. – Das ist eine falsch verstandene Neutralitätspolitik. (👏 ÖVP) Wir haben eine diplomatische Verantwortung, und die Übernahme derselben bedeutet keine Gefährdung der Neutralität. Auch andere Länder sehen das so. Wir haben bereits über die Schweiz gesprochen. Ein Beispiel, das nicht gefallen ist, ist der Vatikan. Auch dort war Selenskyj auf Besuch. Ich sage Ihnen noch etwas: Sie meinen vielleicht, wir nehmen – einseitig – Seiten ein und treffen nur die einen. Wir würden mit allen reden. Bei der OSZE, in der parlamentarischen Versammlung – das ist das beste Beispiel –, haben sich die österreichischen Abgeordneten quer über alle Parteien für einen Verbleib Russlands in der parlamentarischen Versammlung eingesetzt, weil wir an den Dialog glauben. Der heutige Besuch ist eine Manifestation eines solchen Dialogs. Frau Kollegin Fürst: Ja, die Ukraine geht uns schon etwas an. Sie wissen vielleicht, von Wien bis zu Grenze der Ukraine sind es nur 400 Kilometer. Wie sollen wir hier in Frieden leben, wenn in unserer unmittelbaren Nachbarschaft die Bomben fliegen? ( Ruf bei der FPÖ: Darum wollen wir ja Frieden in der Ukraine! ) Herr Kollege Hafenecker, Sie haben gesagt: Ja, die Österreicher wollen das nicht, weil die FPÖ ein gutes Wahlresultat hatte! – Ich sage Ihnen etwas: 71 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben nicht die FPÖ gewählt, und diese Leute setzen sich sehr wohl für den Frieden ein.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber nicht alle! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Gudrun Kugler

… Die Meinungsumfragen sagen auch ganz eindeutig, dass drei Viertel der Österreicher …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das sind aber drei ...!

ÖVP Gudrun Kugler

… für eine Unterstützung der Ukraine sind.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, man könnte ja die Bevölkerung ...! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Wenn das die Wahlanalyse ist, ist klar, warum wir jetzt schon bei knapp 40 Prozent liegen!

ÖVP Gudrun Kugler

… Es gibt schon so etwas wie eine Wertegemeinschaft in Europa. Da gehören zum Beispiel die Menschenrechte dazu, aber da gehört auch die territoriale Integrität dazu. Und was hören wir an Vorschlägen von der FPÖ? – Der Stärkere soll es sich richten können. Das ist kein Miteinander-Lösungen-Finden und das ist kein dauerhafter und kein gerechter Friede. Was wir heute gesehen haben, nämlich wie sie mit der Taferlfrage umgegangen sind, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Sie Miteinander verstehen. Wir haben einen Konsens im Parlament, dass die Taferl nur kurz stehen. Sie lassen sie 30 Minuten dort, und der Präsident muss mehrfach freundlich bitten, dass Sie sich an die gemeinsamen Usancen halten. Das ist nicht Respekt, das ist Pubertät. Herr Kollege Kassegger hat gesagt: Also von Frieden haben wir von der ÖVP noch nie etwas gehört! – Entschuldigung: Zuhören könnte vielleicht helfen! Wir sprechen von Tag eins an von Frieden. ( Rufe bei der FPÖ: Nein! Nein! ) Wissen Sie - - …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Nein, Frau Kollegin! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Ihr eigener Staatssekretär heute nicht! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Gudrun Kugler

… Alleine, wenn Sie sich meine Postings dazu anschauen: von Tag eins. Ein Weg zum Frieden hat mit Dialog zu tun. Ich sage Ihnen, wir sehen das an vielen Beispielen. Im Dialog können Fortschritte gemacht werden. Der Gefangenenabtausch und die Fortschritte bei den Verhandlungen für die Rückkehr entführter Kinder: Das sind kleine Schritte, aber es sind wichtige Schritte, und wir werden an diesem Dialog festhalten. (👏 ÖVP, SPÖ) Mehr als drei Jahre illegaler Angriffskrieg Putins auf die Ukraine, jeden Tag weit mehr als tausend Tote: Österreich kann und muss einen Beitrag leisten, und ja, das beginnt bei der humanitären Hilfe. Alleine das Beispiel Entminung wurde schon gebracht, Entminung, die wiederum für die Kinder so wichtig ist, die einen Lebensraum brauchen. Wir werden uns weiterhin für diesen Frieden einsetzen, weil wir Solidarität richtig verstehen, und uns für den Frieden auf Basis einer richtig verstandenen Neutralität einsetzen. Nur dann und nur so erreichen wir einen Frieden, der dauerhaft und gerecht ist. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Klaus Seltenheim . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

SPÖ Klaus Seltenheim

Herr Präsident! Geschätzte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause vor den Bildschirmen und auf der Besuchergalerie! Schade, dass es der FPÖ immer nur um Inszenierung geht. Ich habe mir ein bisschen schwergetan, wie man am heutigen Tag mit dieser Dringlichen Anfrage umgeht. ( Ruf bei der FPÖ: Ja, das glaube ich! ) Einerseits haben wir die Budgetdebatte, andererseits – Kollege Shetty hat es schon angesprochen – blicken wir natürlich auch immer noch in Richtung Graz. Die Tischdeko der FPÖ, aber vor allem auch das Eingangsstatement der Kollegin Fürst haben es dann ein bisschen leichter gemacht. Man muss, glaube ich, ein paar Dinge einordnen: Neutralität bedeutet vor allem Unabhängigkeit von allen Machtblöcken. Die FPÖ will uns heute mit ihrer Dringlichen weismachen, dass der Besuch von Präsident Selenskyj unsere Neutralität gefährde. Tatsächlich versucht die FPÖ mit dieser Inszenierung, von ihrem eigenen Kurs abzulenken …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Frieden ist ein böses Wort, haben wir gelernt, das ist nämlich draufgestanden!

SPÖ Klaus Seltenheim

… der eigentlich seit Jahrzehnten die Neutralität in diesem Land aushöhlt und immer mehr die Interessen Putins bedient. Ich möchte Sie da ganz kurz auf eine Zeitreise mitnehmen. Diese Zeitreise veranschaulicht ganz gut, wie die SPÖ – ein Freud’scher Versprecher, hopsi …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, ihr habt ja wirklich die Butter ganz dicht da oben! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Das wird selber ein Freud’scher Versprecher gewesen sein!

SPÖ Klaus Seltenheim

… wie die FPÖ die österreichische Neutralität sieht …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Vielleicht weiß er nicht, was ein Freud’scher ist!

SPÖ Klaus Seltenheim

… nämlich immer nur als innenpolitischen Spielball; wenig überraschend, denn auf Bundesebene steht die FPÖ ja wenig für Ernsthaftigkeit und schon gar nicht für Verantwortung.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Entweder er weiß wirklich nicht, was ein Freud’scher ist, oder er hat sich jetzt wirklich offenbart!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Am 26. Oktober 1955 stimmte der VDU, die Vorgängerorganisation der FPÖ, als einzige Fraktion in diesem Haus gegen das Neutralitätsgesetz. 1997 brachte Jörg Haider einen Entschließungsantrag ein, um Verhandlungen über einen Nato-Beitritt von Österreich zu beginnen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

War nicht alles gscheit!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Die FPÖ erklärte damals die Neutralität für obsolet. Jörg Haider, der Übervater der FPÖ, wollte Österreich in die Nato führen.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wer war da Generalsekretär? – Abg. Kickl [FPÖ]: War nicht alles gscheit!

SPÖ Klaus Seltenheim

… 2014 entsandte die FPÖ Spitzenfunktionäre als Wahlbeobachter auf die bereits von Russland besetzte Krim.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da war der Gusenbauer noch Chefberater drüben!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Sie erklärte das Scheinreferendum für legitim und stellte sich offen an Putins Seite. Am 19. Dezember 2016 unterzeichnete die Parteiführung einen Freundschaftsvertrag mit Putins Partei Einiges Russland …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Da war Putin Staatsgast von Van der Bellen

SPÖ Klaus Seltenheim

… und erst unter öffentlichem Druck 2024 begann sie, diesen zu relativieren. Seit Oktober 2022 fordert die FPÖ eine Volksbefragung zur Aufhebung aller EU-Sanktionen gegen Russland. Das alles zeigt sehr schön: Die FPÖ ist nicht Beschützerin, sondern Gefährderin der Neutralität. (👏 ÖVP, SPÖ) Sie ist einmal Vorkämpfer der Nato, dann Kreml-Sprachrohr – ein Schelm, wer dabei Böses denkt! Seit Kriegsbeginn unterstützt Österreich die Ukraine mit humanitärer Hilfe, streng kontrolliert über UNO, das Rote Kreuz und die Caritas. Das ist gelebte Neutralität: Wir liefern keine Waffen, wir retten Leben und lindern Leid! (👏 SPÖ) So wie eingangs schon gesagt: Neutralität bedeutet die Unabhängigkeit von Machtblöcken, nicht die Abhängigkeit von Moskaus Propaganda. Wer Freundschaftsverträge mit Putins Partei unterschreibt, Scheinreferenden legitimiert und Sanktionen torpediert, kann sich nicht zum Schutzpatron der Neutralität erklären. (👏 SPÖ) Die SPÖ steht für das Völkerrecht, das Russland vehement bricht, und für Neutralität mit Rückgrat. Darum sage ich, die FPÖ ist Österreichs größte Sicherheitslücke. Unser Platz bleibt an der Seite der Demokratie, von Völkerrecht und Neutralität. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Veit Valentin Dengler . – Ihre freiwillige Redezeit beträgt 5 Minuten. Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Veit Valentin Dengler

So, also auch an diesem Tag, an dem wir eigentlich an Graz denken sollten und an dem Herr Präsident Selenskyj zu Besuch ist, müssen wir uns mit dem Psychodrama der FPÖ beschäftigen. Dann tun wir das.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie müssen nicht, Sie können sich auch wieder niedersetzen!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Na, na, ich tue es gern, Herr Kickl, ich tue es gern. Wir wissen inzwischen auch, wie lange Sie eine staatsmännische Pose durchhalten: ungefähr 2 Stunden – von Ihrer ersten Rede, die sehr vernünftig klang, bis dann zu dem Selenskyj-Besuch.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Halbwertszeit! – Abg. Kickl [FPÖ]: Oberlehrer und Chefpsychologe!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Ich frage mich hier oft, warum Sie das tun, warum Sie so stark für Russland Partei ergreifen. Ich glaube, die erste Frage ist: Tun Sie das? – Diese Dringliche Anfrage wird für die Historiker ein interessantes Beispiel sein, wie sehr Sie in der Tasche Moskaus stecken. Ich fange einmal mit der Frage Nummer 4 an: „Wird Präsident Selenskyj mit allen protokollarischen Ehren empfangen – und wenn ja, auf welcher rechtlichen Grundlage?“ – Es ist ein offizieller Besuch. Der Herr Bundespräsident lädt ein. Der Herr Bundespräsident ist auch Oberbefehlshaber des Heeres, wie Sie wissen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und das wissen wir seit der Beantwortung der Frage 1!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Das heißt, ein Begrüßungsakt ist Routine, wie er es für alle anderen Staatsoberhäupter auch ist. „Welche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wird Selenskyj im Rahmen seines Besuchs treffen [...]?“ – Sie fragen dann auch in Frage 24: „Warum wurde der Hauptausschuss des Nationalrats nicht im Vorfeld über den Besuch und dessen Inhalte informiert?“ – Wir leben in einer Demokratie, weder Einladungen noch Besuche durch den Herrn Bundespräsidenten müssen irgendwie vorher vom Parlament behandelt, geschweige denn genehmigt werden. Ich glaube, das zeigt schon, was für ein - - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Der ist auch nicht informiert worden, wie die Kneissl geheiratet hat! – Abg. Kickl [FPÖ]: Da waren aber mehr von euch dabei als von uns!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Was aber wirklich interessant für mich ist, ist dann die Frage 36: „Ist dem Bundeskanzler bekannt, dass auf den Seiten ‚Mirotworez‘ und ‚Molfar‘ zahlreiche österreichische Staatsbürger, darunter Journalisten und Politiker, namentlich als ‚Staatsfeinde‘ gelistet werden?“ Für die von uns, die diese Websites nicht kennen: Das sind sogenannte Osint-Seiten, also Open Source Intelligence, offen gesourcte Nachrichten. Myrotworez ist übrigens von einem Poroschenko-Minister gegründet worden, also von der jetzigen Opposition zu Selenskyj, und Molfar ist eine klassische Osint-Seite, wie wir sie kennen. Und da gibt es tatsächlich einen Tab „Feinde der Ukraine“, und wenn Sie dort draufklicken – das ist sehr interessant –, dann sehen Sie verschiedene Kategorien, nämlich „Russische Kriegsverbrecher“, wo versucht wird, Kriegsverbrecher zu identifizieren, „FSB“-Agenten, die auch durch Osint-Methoden zu identifizieren versucht werden, und dann gibt es die sogenannten „Ausländischen Propagandisten“ für Russland. Wenn man da auf Österreich draufklickt, kommen zehn Namen. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie mich auf diese Fährte gebracht haben, ich hätte mir das sonst nicht so angeschaut. Die zehn Namen, die da unter Österreich zu finden sind, sind sehr interessant: zuerst Ulrike Guérot und Ulrike Reisner, zwei Publizistinnen, die ein bissel falsch abgebogen sind, dann Irina Moutchkina – die kennen Sie vielleicht, die ist von der Vereinigung der Russen in Österreich – und Oleg Ksenofontov – das ist der Leiter des Russischen Kulturinstituts –, weiters Stefan Magnet – das ist der Gründer von „AUF1“, kennen Sie sicher gut – und Alexander Markovics, der Gründer der Identitären Bewegung in Österreich. Weiters finden Sie da Werner Murgg von der KPÖ – den kennen wir leider alle, die Steirer von uns auf jeden Fall –, und drei FPÖ-Politiker: Harald Vilimsky , Herbert Kickl und Robert Stelzl.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Das ist aber nicht lustig! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Und das finden Sie witzig? – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Eine Todesliste!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Als Frage 37 schreiben Sie: „Welche Schritte hat die Bundesregierung [...] unternommen, um gegen die Veröffentlichung personenbezogener Daten österreichischer Staatsbürger auf diesen Seiten vorzugehen?“ Wissen Sie, was auf dieser Seite drauf ist? – Da ist drauf Ihr Instagram-Handle, da ist drauf Ihr Twitter-Handle, und es sind drei oder vier Zitate zu finden, was Sie so zur Ukraine geschrieben oder gesagt haben. That’s it! Und wenn Sie das so schmerzt, wenn Sie sich deswegen solche Sorgen machen, dann sollten Sie sich vielleicht einmal überlegen: Warum wollen Sie eigentlich ausländische Propagandisten für Russland sein? – Das wäre meine Frage dazu.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Kennen Sie überhaupt die Bedrohungslage der Leute, über die Sie da reden?

NEOS Veit Valentin Dengler

… Und dann müssen wir natürlich jedes Mal über Ihr Heiligtum reden, das ist die Neutralität. Lustigerweise war mein Vater Legationssekretär in den Fünfzigerjahren und am Rande an den Verhandlungen über die Neutralität beteiligt. Mein Großvater war mit Figl bekannt, und der hat damals ganz klar gesagt: Die Neutralität ist die Kröte, die wir für unsere Unabhängigkeit schlucken müssen. Und wie schon gesagt: Die FPÖ war ja immer gegen die Neutralität. Frau Fürst, Sie haben zwei Sätze aus dem Neutralitätsgesetz vorgelesen. Wissen Sie, wie lang das Neutralitätsgesetz ist? – Es ist drei Sätze lang. Sie haben nur den dritten Satz nicht vorgelesen, und wenn Sie den vorgelesen hätten, wüssten Sie auch, was drinsteht, nämlich dass wir keinem militärischen Bündnis beitreten werden und dass es keine fremden Truppen in Österreich geben soll.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Das ist es. Das ist unsere Verpflichtung nach dem Neutralitätsgesetz. Alles andere ist irgendein Popanz, den Sie dazuerfinden, was Sie gerne hätten oder was Moskau gerne hätte.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nein, das ist ein bisschen komplizierter! – Abg. Reifenberger [FPÖ]: Neutralität ist völkerrechtlich definiert!

NEOS Veit Valentin Dengler

… So, und jetzt komme ich zurück auf das Thema des Motivs, denn was mich immer beschäftigt, ist: Warum ist die FPÖ unbedingt immer auf der Linie von Moskau? Wenn man Ihre Rhetorik liest: Ich war Student in den Achtzigerjahren, wissen Sie, welche Partei damals so geredet hat, immer über Frieden geredet hat – Frieden, Frieden, Frieden? – Die KPÖ, nicht die FPÖ; die FPÖ war für den Nato-Beitritt. Die KPÖ hat immer über Frieden geredet: Wir sind für den Frieden!, hat Friedensdemonstrationen organisiert und so weiter. In der DDR, wie Sie ja auch wissen, gab es mehrere Parteien. Da gab es ja Liberale und Christdemokraten und so weiter in der DDR-Volkskammer. Sie wissen auch, wie die hießen, das waren die sogenannten Blockflöten, weil die halt immer nachgeflötet haben, was die Kommunistische Partei vorgegeben hat. Sie geben sich so gern als Patrioten, und die Frage, die ich Ihnen stelle: Für welches Land sind Sie Patrioten?, denn Blockflöten sind keine Patrioten.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Meri Disoski . Als Redezeit habe ich 5 Minuten eingestellt.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Sehr geschätzte Staatssekretärin! Sehr geschätzte Herren Staatssekretäre! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Jetzt haben wir es schon gehört: Präsident Selenskyj besucht heute Österreich. Jetzt wissen es alle, vielleicht auch dank der Dringlichen der FPÖ. Er ist Präsident eines Landes, das seit drei Jahren gegen diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, den Russland führt, kämpft, die Bevölkerung leidet. Und der FPÖ fällt heute einmal mehr nichts anderes ein, als eine Dringliche Anfrage einzubringen, die ein weiteres Kapitel in ihrer langen, langen, langen Geschichte der politischen Anbiederung an den Kreml darstellt. Diese Dringliche Anfrage, Kolleginnen und Kollegen, ist kein Ausdruck von Sorge um unsere Verfassung oder um unsere Neutralität, sie ist ein politischer Kniefall vor Russland, und das nicht zum ersten Mal in Ihrer Geschichte. (👏 ÖVP, NEOS) Wir haben es heute schon ein paarmal gehört, ich erinnere gerne nochmals daran: Der Knicks Ihrer Außenministerin Karin Kneissl vor Wladimir Putin auf ihrer eigenen Hochzeit vor den Augen der Weltöffentlichkeit, das war nicht einfach nur irgendein diplomatischer Fauxpas, das war ein sichtbares Zeichen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Der Äquidistanz!

GRÜNE Meri Disoski

… blauer Unterwerfung unter einen Autokraten – das war es. Und heute setzen Sie mit dieser Dringlichen dieses Knicksen auf einem anderen Weg, auf eine andere Art und Weise fort, mit einer Dringlichen, in der Sie versuchen, die Verantwortung umzukehren. Sie versuchen, den Täter zum Opfer zu machen. Sie versuchen, einen Präsidenten, der um den Fortbestand, um das Überleben seines Landes kämpft, zu einer Provokation zu erklären, während Sie gegenüber dem Kriegsverbrecher schweigen. Sie tun so, als würde ein Besuch von Selenskyj Österreichs Neutralität gefährden, und da widerspreche ich Ihnen mit großer Vehemenz. Nein, Neutralität bedeutet ganz sicher nicht, ganz, ganz sicher nicht, dass wir nicht wissen, auf welcher Seite wir stehen, wenn Unrecht passiert. Neutralität heißt nicht, dass wir gegenüber Kriegsverbrechern und Kriegsverbrechen gleichgültig sind. Wir dürfen niemals gleichgültig sein, wenn wir an Butscha oder an Irpin denken, so wie es auch Klubobmann Shetty vorhin ausgeführt hat: Dort wurden Zivilistinnen, Zivilisten auf offener Straße exekutiert, mit gefesselten Händen, mit Einschusswunden am Hinterkopf. Das sind keine tragischen Begleiterscheinungen eines Krieges, das sind systematische Kriegsverbrechen, das ist staatlich organisierter Terror.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Jawohl! So ist es!

GRÜNE Meri Disoski

… Und wer angesichts dessen Neutralität einfordert, relativiert das Unvorstellbare! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo!

GRÜNE Meri Disoski

… Und wenn Sie, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, angesichts zerbombter Geburtskliniken, vergewaltigter Frauen und Tausender verschleppter Kinder einer österreichischen Regierung tatsächlich Kritik entgegenstellen, weil sie der Ukraine die Hand reicht, dann stehen Sie nicht auf dem Boden der österreichischen Verfassung, sondern auf dem dünnen Eis politischer Verirrung. Deshalb sage ich Ihnen heute nochmals hier mit aller Eindeutigkeit, und wir haben die Reden auch der vorherigen Fraktionen gehört: Vier Fraktionen in diesem Haus stehen an der Seite der Ukraine, nur eine Fraktion, eine Partei steht regelmäßig an der Seite Russlands …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein!

GRÜNE Meri Disoski

… und das sind Sie, die FPÖ.

FPÖ Pracher-Hilander (Zwischenruf)

Nein, das stimmt nicht!

GRÜNE Meri Disoski

… Sie erweisen mit Ihrer Dringlichen Anfrage Österreich keinen Dienst. Sie stellen sich vielmehr in den Dienst eines Regimes, das die Pressefreiheit abschafft, das Menschenrechte missachtet und das einen brutalen völkerrechtswidrigen Eroberungskrieg führt. Das ist, was Sie heute machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Ja, Österreich hat seit Kriegsbeginn die Ukraine unterstützt: finanziell, humanitär, medizinisch, strukturell. Das war notwendig, das war richtig, und das ist es auch weiterhin. Deshalb – bei allem Konsens, den es hier mit den anderen Parteien gibt – muss ich trotzdem anmerken und kritisieren, dass in diesem aktuellen Budget, das beschlossen werden soll, gerade bei der humanitären Hilfe gekürzt wird. Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien, das ist sehr problematisch, und wir erachten das als falsch, weil klar ist: Solidarität kürzt man nicht. Solidarität lebt man vor allem in Krisenzeiten. (👏 SPÖ) Für uns ist auch klar: Hilfe ist mehr als Geld. Hilfe heißt auch, dass man politische Verantwortung übernimmt. Die Ukraine will in die Europäische Union, das haben wir schon vorhin gehört, da gehört sie auch hin – vielleicht nicht gleich morgen, aber in Zukunft. Das ist der Weg, den die Ukraine nehmen soll: in die Europäische Union, und unsere Aufgabe hier als österreichische Parlamentarier:innen, auch der österreichischen Regierung ist es, sie bei jedem Schritt dorthin zu unterstützen, wo und wie wir nur können, so wie das in der Vergangenheit auch unsere Ministerinnen Gewessler und Zadić gemacht haben, beispielsweise bei der interministeriellen Zusammenarbeit. Wir hoffen sehr und sind sehr zuversichtlich, dass auch die jetzige Regierung diesen Weg fortschreiben wird. Eine Sache ist auch noch klar – ich glaube, Kollegin Bayr hat das ein bisschen in den Raum gestellt –: Auch Europa selber muss sich handlungsfähiger machen, muss handlungsfähiger werden. Deswegen setzen wir Grüne uns auf europäischer Ebene dafür ein, dass das Einstimmigkeitsprinzip in der EU-Außenpolitik fällt, weil wir in der Vergangenheit gesehen haben, wie nationale Vetos Europa lähmen und wie das genau jenen nutzt, die Europa von innen heraus schwächen wollen. Es ist ja kein Zufall, dass diejenigen, die den Rechtsstaat, die Pressefreiheit, die Minderheitenrechte aushöhlen wollen, häufig auch dieselben sind, die die Nähe zu Putin suchen. Das sind, Herr Kickl, Ihre guten Freunde, ob sie Orbán oder Fico heißen, die kennen Sie sehr gut. Sie bezeichnen sie ja auch als Ihre Vorbilder. Ich möchte aber abschließend noch zu dieser Dringlichen Anfrage kommen, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ. Ich habe mir die letzte Frage hier hervorgehoben, Frage Nummer 45, da fragen Sie: „Sind in den nächsten Monaten (bis Ende 2025) weitere Besuche österreichischer Politiker in der Ukraine geplant? [...] Wenn ja, wer wird in die Ukraine reisen?“ – Ich hätte da eine Gegenfrage an Sie: Plant denn die FPÖ in nächster Zeit Besuche in Russland? Wenn ja, wer reist und wer zahlt? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Nein, weil wir unsere Neutralität nicht opfern wie Sie! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

GRÜNE Meri Disoski

… Gibt es dann vielleicht wieder ein Selfie vor dem Kreml und einen neuen Freundschaftsvertrag, aber diesmal abgeschlossen mit einem Mann, gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen vorliegt? (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Martin Graf . Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt. (Abg. Shetty [NEOS]: Jetzt bin ich gespannt, weil die Russlandfreundlichkeit passt eigentlich nicht ins Weltbild! – Abg. Kogler [Grüne]: Hauptsache durcheinander!)

FPÖ Martin Graf

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Herren Staatssekretäre! Seien Sie nicht ungehalten, wenn ich in diese bellizistische Runde vielleicht ein bisschen eine andere Meinung einbringe – das wird im Parlament in diesem Zusammenhang vielleicht noch gestattet sein. Ich repliziere nur auf ein paar Themen: Frau Kollegin Bayr, ich kann vieles von Ihren Inhalten teilen. Sie haben den „Raum für Debatten“ gefordert. – Ja, wir wollen auch Raum für Debatten in der Ukrainefrage …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ist eh okay!

FPÖ Martin Graf

… in den Zahlungsverpflichtungen, die wir eingehen, in der Kriegsangelegenheit hier im Parlament.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Wer verweigert Ihnen die Debatte?

FPÖ Martin Graf

… Die Einzigen, die dafür sorgen, dass es hier im Parlament – hier im Plenum – überhaupt zu Debatten kommt, sind die Abgeordneten der Freiheitlichen Partei. (👏 FPÖ) Ich sage das nur dazu, damit auch über die nicht öffentlichen Ausschüsse hinaus die Bevölkerung über die Standpunkte informiert wird. Das ist Aufgabe eines Abgeordneten, und diesen Standpunkt und dieses Thema lassen wir uns auch nicht wegnehmen. Sie sagen immer wieder: Wir kämpfen für einen „gerechten Frieden“. – Kollege Kogler, ja, ich auch, wir alle. Kennen Sie einen gerechten Frieden in den letzten 200 Jahren auf dieser Welt? – Ich kenne keinen. Das, was ich kenne, sind Waffenstillstände. Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Korea? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Dünnes Eis ist das jetzt! – Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Martin Graf

… Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Zypern? …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Das zeigt Ihr Geschichtsverständnis! – Zwischenruf des Abg. Schallmeiner [Grüne]. – Abg. Shetty [NEOS]: Kein gerechter Frieden in den letzten 200 Jahren!

FPÖ Martin Graf

… Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Bosnien? Sie tun ja so, als ob in Europa – auf dem Boden Europas – in den letzten Jahren und Jahrzehnten nie ein Krieg stattgefunden hätte. Das ist ja unwahr. Wir haben ständig Krieg, leider – weil wir viel zu viele Bellizisten haben …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Ein bissl zu viel „AUF1“ geschaut!

FPÖ Martin Graf

… und da gehören Sie mittlerweile ganz, ganz stark dazu, meine sehr geehrten Damen und Herren.

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Jetzt kann man sich aber ein bissl einbremsen auch!

FPÖ Martin Graf

… Wissen Sie was? Ich kämpfe und setze mich auch dafür ein, dass wir einmal zu einem Waffenstillstand kommen, damit dieses Töten und Morden auf beiden Seiten aufhört. Ich glaube, die ukrainische Bevölkerung, aber letztlich auch die russische Bevölkerung haben sich verdient, dass das Töten aufhört.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Sagen Sie das dem Putin! – Abg. Schallmeiner [Grüne]: ... Moskau!

FPÖ Martin Graf

… Um nichts anderes geht es in diesem Punkt. Ja, ich will gar nicht darauf eingehen, wer aller Lobeshymnen auf Putin gehalten hat. Sie können das in der Debatte gerne auch uns vorwerfen. Nur sind die Eigenwahrnehmung und die Außenwahrnehmung ja in Wirklichkeit diametral anders. Das heißt, die Bevölkerung, unser Volk glaubt Ihnen das ja alles nicht mehr.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wie viele Völker haben wir denn, Herr Kollege?

FPÖ Martin Graf

… Weit über unseren Wählerkreis hinaus vertreten wir Menschen in diesem Land, und das ist gut und richtig so, finde ich, weil in diesem Punkt auch noch eine Lanze für den Frieden gebrochen werden muss. Wenn ich dann von Herrn Kollegen Veit Dengler, der wieder viel Gratismut bewiesen hat, sehe oder höre, wie er sich denn nicht einsetzt, und wenn er uns dann dafür geißelt, wer sich aller je mit Putin getroffen hat: Nehmen Sie sich bei der Nase! Kollegin Edtstadler ist gerade weggegangen. Sie hat bis vor Kurzem auf ihrem Account noch gehabt: einer der schönsten Tage ihres Lebens, als sie die Kranzniederlegung anlässlich des Staatsbesuches mit Putin gemacht hat – bei der übrigens Herbert Kickl es verweigert hat, dort hinzugehen, und sie als Staatssekretärin hat es sich nicht nehmen lassen. Ich sage es nur dazu. Vielleicht fangen Sie einmal an, vor der eigenen Türe zu kehren …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Die ÖVP ...!

FPÖ Martin Graf

… und darüber nachzudenken, wer aller dort wirklich Geschäfte gemacht hat – und führen nicht irgendwelche Scheindebatten, weil vielleicht ein paar frühere Freiheitliche kurze Zeit einen Irrweg gegangen sind. Wir sind nie in einer gemeinsamen Fraktion mit russischen Kriegstreibern gesessen – das waren schon Sie, Herr Kogler, im Europarat mit den Sozialisten und vielen anderen, die dort in einer Fraktion gesessen sind, und die ÖVP in der EVP genauso. Schirinowski ist im Europarat gemeinsam mit Van der Bellen in einer Fraktion gesessen – haben Sie das vergessen? Wir sind es nie gewesen. Sie haben nie eine Vereinbarung mit Putin gebraucht, weil Sie in Koalition mit ihm gewesen sind – das ist der Unterschied. Meine sehr geehrten Damen und Herren , Sie kennen das vielleicht noch: kurz nach Amtsantritt von Donald Trump …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... die Frau Fürst bei ihm, ja!

FPÖ Martin Graf

… die Jubelnachricht von einem herausragenden Mainstream-Journalisten, Elmar Theveßen. Können Sie sich noch erinnern, was er in der Nacht, als die Angelobung war, gesagt hat? – Er hat gesagt: „Die gute Nachricht ist, es wird nicht am ersten Tag schon der Frieden ausbrechen in dieser Region.“ Das ist Ihre Grundhaltung: Die gute Nachricht ist, es wird nicht Frieden ausbrechen – in diesem Irrtum verharren Sie. Sie glauben immer noch, dass man diesen Krieg gewinnen kann – einen Krieg gegen eine Atommacht. Nicht einmal gegen Israel wird irgendjemand einen Krieg gewinnen, weil es auch eine Atommacht ist.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Red weiter, red weiter!

FPÖ Martin Graf

… Da kann man machen, was man will, man muss Realitäten auch zur Kenntnis nehmen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wenn Sie noch ein bisschen reden ...!

FPÖ Martin Graf

… Dass Sie sich permanent an ewige Irrtümer klammern, wissen nicht nur wir Freiheitliche, sondern auch unsere Bevölkerung und unser Volk. Seien es Coronapolitik, Fiskalpolitik, Migrationspolitik, Klimapolitik, Budgetpolitik, Sanktionspolitik – alles Irrtümer, an die Sie sich klammern, und vieles andere mehr. Ich mache heute eine kurze Analyse und sage: Hier befindet sich heute nicht gerade das Hauptquartier des gesunden Menschenverstandes. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Herr Kollege Graf, Sie haben den Begriff „Bellizisten“ und „bellizistische Runde“ verwendet. Ich glaube, Ihnen ist bekannt, was die Begrifflichkeit bedeutet: Man kann sie mit Kriegshetzer oder Kriegstreiber gleichsetzen, und Sie haben uns alle als solche bezeichnet. Ich ersuche Sie, diesen Begriff zurückzunehmen. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ich nehme ihn zurück und sage halt Kriegsfreunde! – Die Abgeordneten Greiner [SPÖ] und Krainer [SPÖ]: Sag einmal! – Abg. Michael Hammer [ÖVP]: ... geht’s echt nicht mehr! – Ruf bei der ÖVP: Ordnungsruf! ) – Gut, danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Ich habe mir inzwischen das Protokoll kommen lassen, und in diesem Protokoll habe ich auch diesen Zwischenruf von Abgeordneter Belakowitsch gesehen. – Sie wissen, was Sie gesagt haben? (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich habe hier eine Frage gestellt, ob er viel Spaß gehabt hat ...!) – Na ja, es ist darum gegangen, dass Kollege Shetty gesagt hat ( Ruf bei der FPÖ: Der war in Kiew! ): Wir sind an den Massengräbern gestanden, „wir haben dort mit Angehörigen jener Menschen gesprochen, deren Kinder nach Russland verschleppt wurden“, und Sie haben gesagt: „Da habt ihr viel Spaß gehabt [...], gell?“ – „Da habt ihr viel Spaß gehabt“ – es gibt das Protokoll. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ist ja unpackbar!) Ich erteile Ihnen dafür einen Ordnungsruf, Frau Kollegin. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Henrike Brandstötter . 4 Minuten Redezeit habe ich eingestellt.

NEOS Henrike Brandstötter

Danke, Herr Präsident. – Gleich einmal zu Beginn ein Wort an Kollegen Graf – ein gutes Beispiel dafür, dass lebenslanges Lernen wirklich wichtig ist –, der die Frage gestellt hat, welcher Krieg denn jemals durch einen Waffenstillstand beendet wurde.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

... falsch zitiert! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ. – Abg. Kickl [FPÖ]: Die hören dauernd irgendwas, was keiner gesagt hat!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das war der Koreakrieg, das war der Jom-Kippur-Krieg, das war der Bürgerkrieg in Bosnien und das war der Erste Weltkrieg. Der ukrainische Präsident Selenskyi kommt nach Wien und die FPÖ hyperventiliert …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wenn es nach denen ihrem Frieden ginge, wären wir heute noch im Tausendjährigen Krieg!

NEOS Henrike Brandstötter

… neutralitätszersetzender Staatsbesuch! – Die FPÖ fährt auch nach Russland und unterschreibt einen Freundschaftsvertrag mit Moskau. Meine Damen und Herren, das ist die Außenpolitik der FPÖ: nicht konsistent, aber konsistent auf der falschen Seite! (👏 ÖVP, NEOS) Die FPÖ spricht von Neutralitätsverletzungen und von Propaganda, aber was sie wirklich meint, ist: Sie will keine Solidarität mit der Ukraine, sie will einen Putin-nahen Kurs gegen die europäische Wertegemeinschaft, gegen den Westen, gegen die Freiheit. Die FPÖ nennt den Besuch auch eine Provokation, und ich nenne die Haltung der FPÖ eine Schande! (👏 ÖVP, NEOS) Die FPÖ hat kein Problem mit Diktatoren, kein Problem mit Putin, kein Problem mit Gewalt, aber ein riesiges Problem mit europäischer Solidarität, ein riesiges Problem mit westlichen Werten und offenbar ein riesiges Problem mit jeder Form von Mitgefühl.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die westlichen Werte!

NEOS Henrike Brandstötter

… Neutralität, meine Damen und Herren, heißt nicht Gleichgültigkeit. Neutralität heißt, dass wir nicht schweigen, wenn ein demokratisches Land von einem autoritären Regime überfallen wird. Neutralität heißt nicht, dass wir einen Präsidenten, der für die Freiheit seines Volkes kämpft, und zwar mit Mut, mit Haltung und mit einem enormen menschlichen Preis, nicht empfangen. Die FPÖ will Österreich aus dieser europäischen Solidarität herausbrechen, sie will uns isolieren, will Kriegsverbrechen relativieren, und sie stellt sich ganz klar auf die Seite des Aggressors.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Nein! Wir wollen uns in keinen Krieg hineinziehen lassen!

NEOS Henrike Brandstötter

… Und die FPÖ inszeniert sich auch ganz gerne als die Stimme des Volkes, aber ich frage mich: Ist das die Stimme eines Volkes, das zwei Weltkriege erlebt hat, eines Volkes, das weiß, wohin Schweigen und Wegschauen führt? Ist das die Stimme eines Volkes, das für Demokratie, Frieden und Menschenrechte steht? – Ich denke nicht! Neutralität ist für euch kein Prinzip, sie ist eine Ausrede – eine Ausrede fürs Wegschauen, eine Ausrede fürs Ducken und eine Ausrede dafür, sich politisch und moralisch einfach feige davonzustehlen. Ich war vor wenigen Wochen selber in der Ukraine, in Kiew, in Butscha und in Charkiw an der Front …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Kämpfen, oder?

NEOS Henrike Brandstötter

… und ich habe gesehen, was es bedeutet, wenn Kinder 10 Meter unter der Erde unterrichtet werden müssen, wenn sie nicht in einer Schule sein können, die sonnen- und lichtdurchflutet ist. Ich habe mit dem Staatsanwalt einen Schrottplatz besucht, wo Überreste von Raketen und Drohnen gesammelt werden, als Beweise für die Kriegsverbrechen, für die Aggressionen gegen Zivilistinnen und Zivilisten. Ich habe in Charkiw ein Stadtviertel besucht, wo es tags zuvor eine Rakete in der Luft zerrissen hat. Sie ist nicht eingeschlagen, deswegen gab es nur einen kleinen Schaden von 5 000 zerbrochenen Fenstern und Balkontüren; 5 000 Fenster und Türen – und wäre diese Rakete eingeschlagen, hätte es deutlich mehr Tote gegeben als jenen bedauernswerten Mann, der durch das Schrapnell gestorben ist. Ich habe Stadtviertel besucht, die belagert und kaputtgeschossen worden sind, Stadtviertel, wo Zivilistinnen und Zivilisten leben. Ich habe Butscha besucht, wo russische Besatzer in wenigen Wochen 419 Menschen gefoltert, vergewaltigt, erschlagen und umgebracht haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja eh!

NEOS Henrike Brandstötter

… Ich habe die Auswirkungen dieses Verbrechens mit eigenen Augen gesehen, und niemand sollte, so wie Sie, von der gemütlichen, von Putin finanzierten Couch aus hier Maulheld spielen und gerne dann auch gratis Mut verteilen. (Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz.) Wir stehen ganz klar an der Seite der Ukraine, weil wir wissen, was es heißt, die Freiheit zu verlieren, und weil wir wissen, dass man sie verteidigen muss – mit Haltung! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Steiner. Die Restredezeit Ihrer Fraktion beträgt 3 Minuten. Diese ist auch eingestellt.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Jetzt hat sich die Einheitspartei die ganze Zeit über unsere Schilder beschwert, wir haben sie dann eh weggenommen. ( Der Redner stellt eine der Tafeln mit der Aufschrift „FPÖ“, „die soziale Heimatpartei“, „Zeit für Neutralität“ auf das Redner:innenpult. ) Ich weiß nur nicht, und das sollte man uns vielleicht noch erklären, was an den zwei Worten – auf dem anderen Taferl ist „Frieden“ gestanden und auf diesem steht jetzt „Neutralität“ – so schlimm ist; aber das müsst ihr uns erklären. Wir stehen klar für Frieden und Neutralität, leider Gottes als einzige Partei in diesem Haus! (👏 FPÖ) Frau Kollegin, weil Sie vorhin etwas erwähnt haben: Wir wollen uns als Freiheitliche Partei nicht in einen Krieg hineinziehen lassen und wir wollen auch nicht österreichische Soldaten in diesem Krieg wissen – mit Sicherheit nicht! (👏 FPÖ) Zur Russlandnähe, zu „Radio Moskau“ und was heute alles gefallen ist – was denn die Freiheitliche Partei hätte – will ich nur kurz in Erinnerung rufen: Wir sind nicht die, die von Russland Jahre und Jahrzehnte zuvor wirtschaftlich profitiert haben. Ich sage es nur kurz. Wer war bei Lukoil? – Schüssel. Gazprom? – Schelling, Beratervertrag, ehemaliger Finanzminister. Ganze WKO-Delegationen waren noch 2022 in Sankt Petersburg – ehemaliger WKO-Präsident Leitl, ein Best Buddy von Putin: ÖVPler.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Der ist eh auch Teil des Problems! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist leider wahr!

FPÖ Christoph Steiner

… Die Raiffeisen-Bank macht immer noch Geschäfte mit Russland. 2019 sind wir aus der Regierung ausgetreten, wer hat die Außenministerin behalten? – Es war die ÖVP! Ihr habt übrigens auch den Grasser behalten, nur so am Rande. Und die SPÖ sollte ganz ruhig sein, wenn es um dieses Thema geht, ganz, ganz ruhig mit ihrem Gusenbauer, und die NEOS mit ihrem Haselsteiner. Also ihr habt alle ganz, ganz, ganz viele Steine im Glashaus – Kollege Shetty von den NEOS hat es letztens erwähnt –, also: Ganz, ganz ruhig bei diesem Thema! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Ah, ah! – Abg. Shetty [NEOS]: Also der Haselsteiner ist uns zuzurechnen, aber die Kneissl euch nicht? Das ist schon eine interessante Logik!

FPÖ Christoph Steiner

… Wenn man sich die Neutralität einmal richtig in Erinnerung ruft – ich glaube, das ist notwendig –: Bundesverfassungsgesetz, 26. Oktober 1955, Artikel 1 – gut zuhören, denn das erklärt vieles –, „Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität. Österreich wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.“ …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Redezeit ist gleich vorbei, weil Martin Graf so lange geredet hat!

FPÖ Christoph Steiner

… Nur, dies funktioniert weder mit dieser Regierung noch mit dieser skandalösen Außenministerin. Das muss man auch einmal ganz klar benennen. (👏 FPÖ) Es lohnt sich jedenfalls, um unsere Neutralität zu kämpfen, und die Freiheitliche Partei wird das tun, egal auf welcher Ebene, egal in welchem Parlament – ob das in Landesparlamenten ist, ob das hier im Parlament ist, ob das im Bundesrat ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Warum wolltet ihr dann der Nato beitreten?

FPÖ Christoph Steiner

… Wir werden nicht müde, die Neutralität gegen euch zu verteidigen – gegen die Sozialisten, gegen die Grünen, gegen die NEOS und gegen die ÖVP! Schlusssatz: Darauf könnt ihr euch einstellen, denn es lohnt sich, für die Neutralität zu kämpfen, weil wir keine österreichischen Toten in irgendeinem Krieg beklagen wollen und schon gar nicht österreichischen Kinder! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das nächste Mal wird er zum Tourismus ...! – Ruf bei der ÖVP: Mehr hat er nicht drauf! Ist leider so!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Debattenredner: Herr Abgeordneter Oberhofer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Staatssekretäre! Hohes Plenum! Sehr geehrter Herr Kickl, das ist ja eine Premiere für uns beide! Sie haben mich noch nie reden gehört, ich Sie schon sehr, sehr oft.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mir ist nichts abgegangen! – Heiterkeit bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich habe Sie hier am Pult auch oft gesucht. Wir zwei feiern eine Premiere, und deshalb habe ich heute auch ein Taferl mit, denn das Taferl von der FPÖ hat ja geheißen: „Zeit für Neutralität“. – Ich würde gerne sagen: Zeit für Ehrlichkeit – dass wir einmal sehen, wo denn wirklich die Neutralität ist. (Der Redner stellt eine Tafel, auf der die vor Wladimir Putin knicksende Karin Kneissl zu sehen ist, auf das Redner:innenpult. – Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und Grünen.) – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, meine Damen und Herren, ein Bild sagt mehr als 1 000 Worte! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist die Äquidistanz, Herr Klubobmann!

NEOS Dominik Oberhofer

… Das ist die ehemalige Außenministerin der FPÖ ( Rufe bei der FPÖ: ÖVP! ), und wie heute schon öfters hier diskutiert - - …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

War unabhängige Außenministerin, die ihr euch behalten habt! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Also: Das ist die FPÖ-Ministerin, die sich heute in Sankt Petersburg befindet. Mir ist schon klar, dass Sie damit nichts mehr zu tun haben, deshalb habe ich auch ein anderes Bild mit. Aber vorab möchte ich noch einmal Frau Kollegin Fürst zitieren: Frau Kollegin Fürst hat in ihrer ersten Rede hier heute gesagt, es brauche Persönlichkeiten, die Österreichs Neutralität verteidigen. – Ja, Frau Fürst, aber da denkt niemand an Sie und vor allem auch nicht an Frau Kneissl , denn vor einer Woche, Frau Fürst, waren Sie in Frankreich, waren Sie bei Le Pen bei einer Wahlkampfveranstaltung. Und dieses Bild ( eine Tafel mit einem Foto, auf dem Susanne Fürst in Großaufnahme zwischen mehreren Personen zu sehen ist, sowie einem Foto, das Susanne Fürst neben Viktor Orbán und Andrej Babiš hinter der an einem Redner:innenpult sprechenden Marine Le Pen sitzend zeigt, auf das Redner:innenpult stellend ) zeigt Sie dort auf der Bühne , mit Ihren Freunden und Freundinnen, mit Ihren Patrioten …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer ist denn das?

NEOS Dominik Oberhofer

… Staats- und Regierungschefs. (👏 FPÖ) – Die FPÖ klatscht! Sehr gut, sehr gut! Jetzt stellen wir uns einmal vor, meine Damen und Herren, bei uns in Österreich würden für den Wahlkampf von Parteien Staats- und Regierungschefs eingesetzt! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, kommen ja eh immer wieder! Es ist ja so! – Abg. Kaniak [FPÖ]: Ist ja eh so! Was passiert denn da, was ist da mit dem Scholz gewesen?

NEOS Dominik Oberhofer

… Dann gäbe das eine Diskussion, dann würde man sagen: Um Gottes willen, unsere Neutralität ist gefährdet! – Sie wollen ja nicht einmal einen Staatsbesuch eines Präsidenten aus Europa bei uns in Österreich zulassen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oh je, oh je! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Am Ende des Tages, sehr geehrte Frau Fürst, haben Sie sich mit Ihrem Zitat hier heraußen im Prinzip selber geoutet ( die Tafel mit den beiden Fotos in die Höhe haltend ): Es ist eine verräterische , politische und mediale Inszenierung. Ja, Sie haben vollkommen recht: Das ist Ihr Stil. (👏 ÖVP, NEOS) Aber, sehr geehrte Frau Fürst, wo sind Sie denn da ( die zuletzt gezeigte Tafel neuerlich in die Höhe haltend ) gelandet? – Schauen wir uns das einmal an: Sie sind gelandet bei Frau Le Pen. Frau Le Pen hat bis vor wenigen Monaten noch einen Kredit über 9,4 Millionen Euro für ihre Partei bei der großen russischen First Czech-Russian Bank gehabt, weil sie, wie sie selber vor einem Untersuchungsausschuss der französischen Nationalversammlung gesagt hat, keine andere Möglichkeit gehabt hat; sie habe ja keinen Kredit in Europa bekommen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, das wird so sein!

NEOS Dominik Oberhofer

… sie musste ja zu einer russischen Bank gehen. – Und da sagen Sie, Frau Belakowitsch: Ja, super! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

... dass wir noch in einer Demokratie leben ...!

NEOS Dominik Oberhofer

… Ja, ganz einfach: weil das ein unbesicherter Kredit war. Kriegen Sie einmal in Europa einen Kredit über 9,4 Millionen Euro ohne Sicherheiten! Das wird niemand zusammenbringen, auch nicht Frau Le Pen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Meine Güte! – Ruf bei der FPÖ: Der Benko hat das nur so gemacht! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Das war der einzige Grund, warum sie ihr Geld in Russland geholt hat, und erst am 22. – ich habe es herausgesucht: am 22.4.2023; im Prinzip war der Krieg in der Ukraine schon zwei Jahre ins Land gezogen – hat man diesen Kredit getilgt. Das sind Ihre Freunde, und da reden Sie hier heraußen an diesem Pult noch von Neutralität? – Dass Sie sich nicht schämen! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Auf den Scheiterhaufen mit Le Pen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ] – erheitert –: Das ist unpackbar!

NEOS Dominik Oberhofer

… Herr Kassegger hat über Äquidistanz gesprochen. Jetzt steht es mir nicht an, Ihnen das zu erklären – wir haben Herrn Prof. Taschner hier im Saal, der Ihnen das wahrscheinlich genau erklären kann –, aber eines ist sicher: dass all Ihre Freunde – Salvini, Orbán, Le Pen – zwei Dinge gemeinsam haben: erstens, Finanzierungsquellen in Moskau für ihre Wahlkämpfe in Europa – die Patrioten –, und auf der anderen Seite hat jede dieser Parteien genau das Gleiche wie Sie, nämlich einen Freundschaftsvertrag mit Einiges Russland.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Haselsteiner? Haselsteiner?

NEOS Dominik Oberhofer

… Und um das jetzt einmal den Bürgerinnen und Bürgern zu sagen: Das ist der wahre Grund, warum Sie hier in dieser Sache nicht neutral sind …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Deine Partei gäbe es nicht ohne russisches Geld!

NEOS Dominik Oberhofer

… sondern eindeutig auf einer Seite stehen, nämlich auf der Seite des Angreifers, auf der Seite von Putin, auf der Seite des Aggressors. Der Rest der Österreicherinnen und Österreicher steht ganz sicher nicht dort. – Danke.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Hat sich nicht ausgezahlt, dass ich da war!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 2-4, 30. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 17:12

SPÖ Reinhold Binder

Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie! Werte Zuseherinnen und Zuseher vor den Fernsehschirmen! Wir sind mitten in der Budgetdebatte. Die Budgetlage, die wir zu Beginn dieser Legislaturperiode vorgefunden haben, war katastrophal. Ein eklatantes Haushaltsloch, hinterlassen von der Vorgängerregierung, drohte unsere sozialen Errungenschaften zu gefährden und wichtige Investitionen unmöglich zu machen. Eine massive Lücke, höherer Konsolidierungsdruck und berechtigte Erwartungen der Bevölkerung, dass es gerade in sensiblen Bereichen wie Pensionen, Gesundheit und Bildung keine spürbaren Leistungskürzungen geben soll, all das stellte uns vor enorme Herausforderungen. Hier hat Finanzminister Markus Marterbauer Verantwortung übernommen und in Rekordzeit ein solides Doppelbudget vorgelegt. Dabei wird trotz notwendiger Sparmaßnahmen darauf geachtet, die Lasten sozial gerecht zu verteilen und gleichzeitig wichtige Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen. (👏 SPÖ) Mit der Erhöhung der Bankenabgabe werden wir jährlich über 500 Millionen Euro mobilisieren. Dank dieser Maßnahmen waren harte Einschnitte bei Pensionen oder anderen sozialen Leistungen nicht erforderlich. Wir werden keine existenzbedrohenden Pensionskürzungen verabschieden. Im Gegenteil, wir beschließen Entlastungen für Pensionistinnen und Pensionisten, etwa eine Preisbremse bei Rezeptgebühren. Gleichzeitig sichern wir gezielte Investitionen in Gesundheit, Pflege, Beschäftigung und Bildung. So legen wir das Fundament für nachhaltiges Wachstum und soziale Sicherheit. Darüber hinaus haben wir mit dem am 1. April in Kraft getretenen Mietpreisstopp eine wirksame Maßnahme gegen die Inflation gesetzt. Dank Mietpreisstopp ersparen sich die Mieterinnen und Mieter von mehr als einer Million Wohnungen in ganz Österreich allein heuer rund 138 Millionen Euro. Außerdem stärken wir die Planbarkeit bei Energiepreisen durch einen transparenten Preismechanismus, der Preisspitzen abfedert. Mit den österreichischen Infrastrukturunternehmen setzen wir gemeinsam einen weitreichenden Meilenstein. Bis 2030 werden rund 50 Milliarden Euro in die kritische Infrastruktur investiert. Das bedeutet Investitionen in Energie, Mobilität und Digitalisierung, um damit die Aufholjagd zu ermöglichen, die nötig ist, um ins europäische Spitzenfeld zurückzukehren – für Beschäftigung und für regionale Wertschöpfung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es war eine enorme Herausforderung, dieses Budgetloch zu schließen. Dank kluger Prioritätensetzung und eines Beitrags der breiten Schultern haben wir ein sicheres Budget erarbeitet. Mit Blick auf unsere nächsten Ziele bleiben wir entschlossen, soziale Gerechtigkeit weiter voranzutreiben. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Hofinger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten über das Doppelbudget 2025/2026, aus dem eines klar hervorgeht: Wir übernehmen Verantwortung für heute und für die zukünftigen Generationen. In den vergangenen Jahren haben wir in großen Krisen rasch und entschlossen geholfen. Wir haben gezielt unterstützt, dort, wo Hilfe nötig war. Jetzt ist die Zeit gekommen, zu konsolidieren. Es braucht mutige Reformen, klare Prioritäten und, ja, auch den Mut zum Sparen. Jetzt heißt es, das Richtige zu tun. 15 Milliarden Euro Einsparungen in zwei Jahren schaffen Spielräume für morgen. Das ist keine Kürzungspolitik, das ist Vorsorgepolitik. Wir investieren in Bildung, in Sicherheit und in einen Bereich, der uns alle miteinander betrifft, das sind unsere Städte und Gemeinden. Sie sind das Rückgrat unseres Landes, unserer Gesellschaft und unserer Demokratie. Sie brauchen momentan dringend unsere Unterstützung. Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sagen mir offen: Wir kommen finanziell an unsere Grenzen. Steigende Personalkosten, hohe Zinsen, immer mehr Aufgaben – die Lage ist angespannt. Deshalb setzt die Bundesregierung ein klares Zeichen mit 880 Millionen Euro für kommunale Investitionen in den nächsten drei Jahren. Damit werden Projekte vor Ort umgesetzt, wie neue Spielplätze, es werden Schulen saniert, Straßen gebaut, es wird in Feuerwehren investiert und so weiter. Das verbessert das Leben und die Lebensqualität der Menschen vor Ort und stärkt gleichzeitig unsere regionale Wirtschaft (👏 ÖVP), denn unsere Gemeinden sind die größten Auftraggeber in den Regionen, und unsere Wirtschaft braucht es dringend. Klar ist aber: Zuschüsse allein lösen keine strukturellen Probleme. Wir brauchen langfristige Lösungen, und die gibt es nur mit System: Erstens, eine Aufgabenreform im Finanzausgleich 2028. Diese ist Teil des Inhalts der Regierungsverhandlungen gewesen. Wir werden hierzu eine Arbeitsgruppe einrichten. Wer Aufgaben übernimmt, muss dafür Mittel bekommen. Zweitens, eine intelligente Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, dort, wo es Sinn macht – bei Verwaltung, bei Bauhöfen, bei Infrastruktur –, was schon jetzt gelebt wird, wo es aber noch Potenzial gibt. Ich bin aber ganz klar gegen eine Zwangszusammenlegung. Das ruft Widerstand hervor und bringt keine Entlastung. Drittens, eine starke Wirtschaft – denn wenn die Wirtschaft läuft, profitieren unsere Gemeinden über die Steuereinnahmen direkt, und das sichert kommunale Handlungsfähigkeit. Dieses Doppelbudget ist ein klarer Schritt in die richtige Richtung: für Stabilität, für Investitionen, für ein starkes, handlungsfähiges Land. Abschließend: Herzlichen Dank an alle, die bei diesen Budgets mitgearbeitet haben, in den Kabinetten und beim Budgetdienst. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Moitzi. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Es war jetzt ein bisschen ein Bruch nach der vorigen Debatte. Wir beschließen mit den Budgets in den nächsten Tagen auch den weiteren Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und den ÖBB-Rahmenplan. Nicht nur wird jeder, der in den letzten Monaten und Jahren mit dem Zug durch Österreich gefahren ist, subjektiv gemerkt haben, dass alle Züge voll sind, sondern es zeigt sich auch objektiv, dass die ÖBB im letzten Jahr mit über 511 Millionen Fahrgästen zum Glück einen Fahrgastrekord gehabt haben. Deshalb müssen wir die Verdoppelung der Leistungsfähigkeit des Systems Bahn in den kommenden Jahren angehen, und dazu gehören Rekordinvestitionen von 20 Milliarden Euro im Rahmenplan. Die Grünen tun jetzt immer so, als ob es eine Kürzung des ÖBB-Rahmenplanes gäbe. Nichts davon stimmt. Die Wahrheit ist: Wir werden in den kommenden Jahren von 2025 bis 2030 die höchsten Ausgaben jemals im ÖBB-Rahmenplan verbauen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was ist in den letzten Jahren passiert? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Rahmenplan 2024: 21 Milliarden Euro!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Frau Gewessler ruft eh dazwischen. – Es hat zwar immer wieder schöne Budgetzahlen gegeben, die vielleicht eingemeldet worden sind, aber man kann sich jetzt im Nachhinein die Realität anschauen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Und du redest jetzt über Investitionen? In drei Jahren ...!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Ist das, was im Budget an Geld dagewesen wäre, auch wirklich verbaut worden? – Die Antwort ist Nein.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Entschuldigung!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Was nützt es, wenn im Budget steht, dass das Geld vorhanden wäre, wenn es nicht verbaut worden ist?! So ist in den Jahren 2023 und 2024 um 380 Millionen Euro weniger verbaut worden, als eigentlich budgetiert war. Der Unterschied ist: Wir werden das Geld, das budgetiert ist, auch effektiv verbauen und deshalb so viel für den öffentlichen Verkehr ausgeben wie noch nie.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... oder in Oberösterreich!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Was ist damit auch die Konsequenz? – Es wird zum Glück mehr und besser abgestimmte Baustellen, mehr Qualität für die Kundinnen und Kunden der ÖBB und weniger Verspätungen geben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

So kann man sich die Kürzung schönreden!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Es sind im jetzigen Rahmenplan auch neue Projekte aufgenommen worden, zum Beispiel – was mich als Steirer extrem freut – der viergleisige Ausbau Richtung Graz und Bruck an der Mur – ein extrem wichtiges Projekt …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Gewessler [Grüne]: Den haben wir ja schon lang geplant!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… oder – für die obersteirische Industrie und für die oberösterreichische Industrie extrem wichtig – der Bosrucktunnel neu. Wir haben zum ersten Mal auch eine klimaresiliente Bahninfrastruktur aufgenommen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Da musst du ja selber lachen drüber!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… 40 Millionen Euro zusätzlich, damit die Bahninfrastruktur auch wirklich klimaresilient wird. Ich glaube, das ist extrem wichtig. Wir zeigen damit – mit diesem Geld – nicht nur, dass wir den Umweltschutz ernst nehmen, sondern mit dem ÖBB-Rahmenplan geht auch ein Beschäftigungsmotor einher. Mit den geplanten Investitionen von 3,3 Milliarden Euro im Jahr sichern wir ungefähr 27 000 Arbeitsplätze, und ich glaube, das ist in Zeiten, in denen die Konjunktur ohnehin in einer Flaute ist, extrem wichtig. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir mit dem Beschluss heute auch den Bahnausbau weiter vorantreiben, Beschäftigung sichern und den Umweltschutz ernst nehmen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Eder. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Heike Eder

Danke, Herr Präsident! Liebe Frauen Ministerinnen! Lieber Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher daheim und via Livestream! Ich habe dieser Budgetdebatte aufmerksam zugehört. Ich möchte gerne auf ein paar Vorrednerinnen oder Vorredner replizieren, insbesondere auf die Kolleginnen und Kollegen von der Freiheitlichen Partei. Ihr nennt das Budget für die Österreicherinnen und Österreicher ein „Armutszeugnis“. Ein Kollege hat gesagt, es ist der soziale „Untergang der Republik“. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die jetzt noch in den Reihen sitzen: Was genau meint ihr bitte damit? Meint ihr vielleicht die steuerfreie Mitarbeiterprämie von 1 000 Euro pro Jahr für unsere Leistungsträgerinnen und Leistungsträger oder vielleicht auch die neue Teilpension, die flexibles Arbeiten im Alter ermöglicht? Oder meint ihr vielleicht diese 94 Millionen Euro, die wir im Asylbereich einsparen? Oder sind es vielleicht auch die Investitionen im Bereich Sicherheit? Oder meint ihr vielleicht, dass wir trotz der Aussetzung der Inflationsanpassung der Familienleistungen noch immer Europameister sind, was Geldleistungen für Familien anbelangt? Oder ist es vielleicht auch das Pflegegeld, das weiterhin valorisiert wird? Oder geht es euch vielleicht auch um die Budgetmittel für Frauen und das Thema Gleichstellung? Was genau meint ihr, liebe FPÖ? – Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist: Wer pauschal alles schlechtredet und selbst keine Vorschläge liefert, der stellt nicht das Budget, sondern eher seine eigene Glaubwürdigkeit infrage.

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Wenn es uns nicht geben würde ...!

ÖVP Heike Eder

… Wenn euer Klubobmann, Herr Kickl, ständig von Verantwortung redet, dann könnte er sich ruhig auch einmal dorthin setzen, wo sie getragen wird: nämlich hier, im Plenarsaal. Das macht er natürlich nicht! Wir alle wissen, dass Herr Kickl lieber vor der Verantwortung davonläuft, als sich ihr zu stellen.

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Wo ist der Wöginger? Wo ist der Stocker?

ÖVP Heike Eder

… Verantwortung ist halt auch leichter zu kritisieren, wenn man ihr konsequent aus dem Weg geht.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Der Kickl trifft den Selenskyj! – Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung FPÖ –: Aber das Problem beim Kickl ist ja nicht, dass er jetzt gerade nicht da ist, sondern dass er nie da ist! Das ist das Problem!

ÖVP Heike Eder

… Meine Damen und Herren, wir sanieren, wir reformieren und wir wachsen. Und ja, das bedeutet auch: Wir müssen sparen. Jeder Österreicher und jede Österreicherin hat statistisch gesehen Schulden in der Höhe von 43 000 Euro. Da gibt es auch überhaupt nichts schönzureden. Wir müssen in allen Bereichen verantwortungsvoll wirtschaften. Mein fünfjähriger Sohn hat mich am Wochenende gefragt: Mama, ist unser Budget krank?, und: Welches Medikament hilft? – Meine Antwort war: Österreich war immer dann besonders stark und ist immer dann erfolgreich aus Krisen hervorgekommen, wenn wir zusammengehalten haben, wenn wir als Team aufgetreten sind. Und, meine Damen und Herren, genau diesen Teamgeist braucht es jetzt auch, damit wir schaffen, was wir uns vorgenommen haben, nämlich einen soliden Staatshaushalt für morgen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Stark. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Christoph Stark

Herr Präsident! Liebe Ministerinnen! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Es geht jetzt wieder um das Doppelbudget 2025/2026, zu dem es naturgemäß hier im Hause unterschiedliche Auffassungen gibt: zu sozial, zu wenig sozial, zu viel Klimaschutz, zu wenig Klimaschutz, viel zu sparsam, zu wenig sparsam. – Es liegt in der Natur der Sache, dass es hier im Hause eben unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Klar ist aber, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen: Wenn es in den nächsten Monaten und Jahren mehr oder etwas anderes braucht, dann werden wir uns hier wieder versammeln, um auch diese Änderungen in die Wege zu leiten und zu beschließen. Jetzt geht es einmal darum, das Richtige zu tun. Und: Es ist keine bloße Fortschreibung, sondern, wie unser Bundeskanzler Stocker heute schon gesagt hat, ein Wendepunkt. Es ist ein Wendepunkt in der österreichischen Budgetpolitik. Dieses Budget steht unter dem Motto dieser drei großen Begriffe: Reformieren, Sanieren und Wachsen. Es geht um nicht weniger als um 15 Milliarden Euro an Einsparungen und um 2 Milliarden Euro an Offensivmaßnahmen. Lassen Sie mich kurz ein paar wenige Beispiele zu diesen drei großen Begriffen nennen. Ich fange beim Reformieren an: Da haben wir zum Beispiel die auch von Kollegin Eder bereits genannte Teilpension. Das ist ein völlig neuer Schritt in der Arbeitsmarktpolitik, damit wir Menschen länger auf dem Arbeitsmarkt halten, diese aber gleichzeitig auch die Vorzüge der Pension genießen können. Es geht aber auch – und das ist vielleicht ein kleines Beispiel – um die Abschaffung der Belegpflicht unter 35 Euro. Wir alle kennen es, dass Tag für Tag in Österreich Tausende dieser kleinen Zettel weggeworfen werden, weil man sie eh nicht braucht; also fangen wir damit an, sparen das effektiv ein und unterstützen damit auch die Wirtschaft. Dann zum Thema Sanieren: Ja, wir werden den Klimabonus abschaffen, weil der Klimabonus erstens einmal budgettechnisch wahnsinnig viel bringt. Auf der anderen Seite stammt er aus einer Zeit, in der er dringend notwendig war, aber eine Dauerförderung in diesem Ausmaß kann sich ein Staat einfach nicht leisten. Darum sind da jetzt auch wichtige Maßnahmen erforderlich. Zum Schluss das Thema Wachsen: Es geht – es wurde heute hier schon mehrfach genannt – um eine Neuordnung des kommunalen Investitionsprogramms. Geschätzte Damen und Herren, das ist ein Paradigmenwechsel, der uns Gemeinden wirklich hilft. Die Gemeinden sind die größten Investoren des Landes, und wenn die Gemeinden nicht mehr investieren können, dann geht das zulasten der heimischen Wirtschaft. Investitionen – ich betone: Investitionen – in Straßen, Kindergärten und so weiter sind Investitionen für die Menschen in unserem Land. Darum ist es wichtig, dass wir diesen Beschluss auch fassen. Überdies wird auch der Breitband-Call nicht aufgehoben, sondern nur ein wenig aufgeschoben, wofür ich sehr dankbar bin. In Summe: Beachten wir diese drei großen Ziele – Reformieren, Sanieren und Wachsen – und, darum bitte ich Sie, stimmen wir dem Budget 2025/2026 zu! (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Zarits. Ebenfalls 3 Minuten eingestellte Redezeit.

ÖVP Christoph Zarits

Geschätzter Herr Präsident! Meine geschätzten Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen und alle, die Sie heute hier noch zuschauen oder zu Hause via Fernsehgeräte! Wir behandeln heute das Budgetbegleitgesetz, Budget 2025/2026; ein Budget, das auch einen klaren Leitspruch hat, nämlich: Der Leistungsgedanke soll wieder im Vordergrund stehen. Wir haben in den letzten fünf Jahren sicherlich Zeiten erlebt, in denen wir in einem Ausnahmezustand waren, und jetzt gilt es, mit den Budgets 2025 und 2026 wieder in die Normalität zu starten. Und für uns als Volkspartei ist eines ganz klar: Diese Vollkaskomentalität der letzten fünf Jahre und diese Gratismentalität müssen ein Ende haben und wir stellen die Leistung wieder in den Vordergrund. (👏 ÖVP) Die Pendlerinnen und Pendler, jeder, der in der Früh aufsteht, der Leistung erbringt und dazu beiträgt, dass unsere Sozialsysteme, dass unsere Systeme in Österreich besser funktionieren als in anderen Ländern, bekommen jetzt beim Pendlereuro mehr, nämlich statt 2 Euro 6 Euro. Ich glaube, das ist wichtig und auch richtig. Wir führen auch wieder die Mitarbeiterprämie ein; auch ein wichtiger Punkt. Eines ist auch noch wichtig: Wir schaffen ab, dass man zum Arbeitslosengeld geringfügig dazuverdienen kann. Ich glaube, es ist Gift für eine Gesellschaft, wenn jemand, der von Sozialleistungen lebt, mehr im Geldbörsl hat als jemand, der von Arbeit lebt. Und das müssen wir in Zukunft entsprechend ändern. Wir investieren in die Sicherheit: mehr Budget für das Bundesheer, mehr Budget auch für die Polizei. Wir wollen mit dem Budget, mit dem Mehrbudget für das Bundesheer natürlich auch unsere Neutralität stärken. (👏 ÖVP) Kollege Hofinger als unser Gemeindesprecher hat es schon betont – ich bin selbst Gemeinderat einer kleinen Gemeinde –: Für die 2 093 Gemeinden in ganz Österreich werden bis zum Jahr 2028 insgesamt 880 Millionen Euro durch das sogenannte kommunale Investitionspaket leichter und auch antragslos zur Verfügung stehen. Für die 171 Gemeinden in meinem Heimatbundesland, dem Burgenland, bedeutet das 32 Millionen Euro. Die Gemeinden brauchen dieses Geld gerade jetzt, in dieser Zeit, die sehr, sehr herausfordernd ist. Wir investieren, wir reformieren – das ist heute ein Punkt, bei dem wir nicht nur auf heute, sondern auch auf morgen schauen, für die nächsten Generationen. Wir sind es der nächsten Generation schuldig, ein Land zu hinterlassen, in dem sie gut aufwachsen kann. Es wird nur mit Leistung gehen, ohne Leistung gibt es keinen Wohlstand. Ich bitte Sie um Zustimmung zum Budget 2025/2026. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Lindinger. 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Klaus Lindinger

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Österreich steht vor großen Herausforderungen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, geopolitisch. Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos, wie es manche der Kolleginnen und Kollegen hier im Hohen Haus bezeichnen. Es ist nicht aussichtslos, wenn wir jetzt die Verantwortung übernehmen. Mit diesem Doppelbudget 2025/2026, das mit Sicherheit kein Wunschkonzert ist – es ist eher ein realistischer, verantwortungsvoller Kurs in Richtung Budgetkonsolidierung, in Richtung Budgetsanierung; es ist nicht bequem, es ist nicht populär, aber notwendig –, sanieren wir, reformieren wir und investieren wir. Was sanieren wir? – Wir haben für 2025 einen Sparkurs mit Einsparungen in der Höhe von 6,4 Milliarden Euro, es ist bereits erwähnt worden, und 2026 von 8,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig investieren wir in diesen beiden Jahren über 2 Milliarden Euro gezielt in Bildung, Arbeit, Gesundheit, Sicherheit und Digitalisierung, denn Zukunft entsteht dort, wo man sie auch möglich macht. Jeder heute gesparte Euro ist eine Vorsorge für morgen gegen neue Schulden, gegen steigende Zinsen und gegen kommende Krisen. Mit unserem Kurs verfolgen wir dabei klare Prinzipien: Leistung belohnen statt Gratismentalität, sparen bei Asyl und nicht bei Sicherheit und Investitionen in die Zukunft statt Gießkanne. Ja, dieser Weg verlangt uns allen etwas ab, aber die Alternative wären steigende Schulden, weniger Jobs, gefährdete Sozialleistungen. Wir als Volkspartei stehen zu einem leistungsfreundlichen modernen Sozialstaat. Darum unterstützen wir jene, die arbeiten, die Verantwortung übernehmen und sich anstrengen, einen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. (👏 ÖVP) Meine Damen und Herren! Ein paar Punkte, wo wir konkret investieren: Ein Bereich ist mir ganz wichtig: der ländliche Raum. Wir unterstützen viele Pendlerinnen und Pendler, indem wir den Pendlereuro erhöhen. Wir unterstützen die Handwerksbetriebe, die Klein- und Mittelunternehmen, indem wir die NoVA-Befreiung für Kastenwägen hier mit im Boot haben. Und wir schauen auch, dass wir die Infrastruktur in den Regionen ausbauen. Eines darf ich als Regionalpolitiker da auch kritisch anmerken, da wir in Oberösterreich einige Regionalbahnen haben und deren Einstellung zur Debatte steht: Ich sage ganz klipp und klar, das betrachten wir mit großer Sorge. Wir haben in den letzten Jahren seitens des Landes und auch des Bundes in diese Regionalbahnen investiert, damit die Schülerinnen und Schüler, die Pendlerinnen und Pendler und die Betriebe in der Region eine wichtige Verbindung haben, mit der sie tagtäglich von A nach B kommen. Es ist in den letzten Jahren investiert worden, und ich erwarte mir da auch vom Infrastrukturminister, dass wir hier klar dazu stehen, dass wir gerade diese Verbindungen in die ländlichen Regionen, die wir in den letzten Jahren ausgebaut haben, weiterhin entsprechend unterstützen. (👏 ÖVP) Wir investieren in die Familien und in die Bildung. Und eines darf ich auch klar festhalten, da die Oppositionsparteien immer behaupten, dass wir bei den Familien und Sozialleistungen sparen: Nein, es ist zwar nicht populär, dass wir diese einfrieren, aber es gibt keine Kürzungen. Der Betrag, auf den wir in den letzten Jahren schon massiv erhöht haben, eben auch an die Inflation angepasst haben, wird beibehalten, da wird nicht gekürzt. Wir investieren in die Beschäftigung und nicht zuletzt, unser Gemeindesprecher Manfred Hofinger hat es schon gesagt, in die Gemeinden. Genau diese Unterstützung für die Gemeinden, die wieder in die regionale Wirtschaft investieren, brauchen wir auch. Also bitte, liebe Opposition, ihr schreit nur, ihr bringt keine kreativen Vorschläge, keine konstruktiven Maßnahmen, wie wir das Budget sanieren können – das schaffen wir als Regierung. Wir brauchen keine populistischen Scheinlösungen, sondern einen klaren Kurs und Mut zu Ehrlichkeit für unsere Kinder, für unsere Regionen, für den sozialen Zusammenhalt, dann schaffen wir es auch, Österreich in der Zukunft wieder auf die Überholspur zu bringen. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Baumgartner. Ebenfalls 3 Minuten eingestellte Redezeit.

ÖVP Angela Baumgartner

Danke schön, Herr Präsident! Meine Damen Bundesministerinnen! Meine Staatssekretärin! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, die letzten Jahre waren von Krisen geprägt und zu deren Abfederung hat die Bundesregierung sehr viel Geld in die Hand genommen und das war richtig so. Ich möchte schon erwähnen: Es gab in dieser Zeit viele einstimmige beziehungsweise mit breiter Mehrheit gefasste Beschlüsse …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Kurzarbeit!

ÖVP Angela Baumgartner

… und vor allem wurde auch von allen Parteien schnelle finanzielle Unterstützung gefordert. Heute aber hat man den Eindruck, alle Parteien hätten das vergessen. (👏 ÖVP, SPÖ) Natürlich muss der Staat reagieren, wenn ganze Wirtschaftszweige gefährdet sind und Kaufkraft und Lebensgrundlage der Menschen infrage gestellt werden. Und klar ist, dass solche Krisen Spuren in unserem Staatsbudget hinterlassen. Unser Bundeskanzler hat es heute schon gesagt: Dieses Doppelbudget verspricht nicht das Unmögliche, es ist ein ehrliches Budget. Es verspricht keine Wohltaten, die wir uns nicht leisten können. Es beschönigt nicht die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Mit dieser Budgetsanierung schaffen wir neuen Handlungsspielraum für Investitionen, die unsere Wirtschaft stärken, die unseren Standort sichern und die Lebensqualität der Menschen erhöhen. (👏 ÖVP, SPÖ) Dazu zählt natürlich auch, dass wir unsere Gemeinden und Städte als starke Partner unterstützen. Ich habe das von diesem Rednerpult aus schon so oft gesagt: Wir Gemeinden sind der Wirtschaftsmotor Nummer eins. Wir sorgen für funktionierende Infrastruktur und wir sichern mit unseren Investitionen regionale Arbeitsplätze. Mit dem kommunalen Investitionspaket haben wir dafür die Grundlage geschaffen, nun gehen wir einen Schritt weiter: Die in der Vergangenheit mit Bürokratie und Eigenmitteln verbundenen Zweckzuschüsse werden nun in direkte Finanzzuweisungen umgewandelt. Was bedeutet das? – Über 880 Millionen Euro fließen bis 2028 unbürokratisch und gezielt in unsere Gemeinden, ohne verpflichtende Kofinanzierung. Dieses Vorgehen entlastet insbesondere kleine Gemeinden und erleichtert die Umsetzung dringend notwendiger Investitionen in Infrastruktur, Energieeffizienz und soziale Einrichtungen. Im Budgetausschuss wurde die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die Auszahlungen nun doch viel zu unbürokratisch seien und vielleicht zu wenig in energieeffiziente Maßnahmen investiert wird, deshalb mein Ersuchen: Bitte vertrauen Sie uns Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, bitte vertrauen Sie uns Gemeinden, wir wissen genau, was eine Gemeinde braucht, und wir setzen das auch um! (👏 ÖVP) Die Budgetsanierung ist kein einfacher Weg, aber er ist der richtige für die Menschen und für unsere Zukunft. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Pöttinger. Ebenfalls 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Die letzten Jahre waren nicht einfach. Es waren Jahre der Krisen, und ja, wir leben in extrem herausfordernden Zeiten. Es ist besonders wichtig, dass man jetzt das Richtige tut: Konsolidieren, reformieren und vernünftig investieren, das ist jetzt das Gebot der Stunde. Das Doppelbudget enthält neben vielen Sparmaßnahmen auch wichtige Impulse, die insbesondere den Wirtschaftsmotor wieder ankurbeln werden. Einige dieser wichtigen Impulse, die mir besonders am Herzen liegen und für die ich mich auch persönlich stark eingesetzt habe, möchte ich erwähnen. Bereits in wenigen Tagen, ab 1. Juli, tritt die NoVA-Befreiung für Pritschen- und Kastenwägen in Kraft. Diese leichten Nutzfahrzeuge sind überwiegend bei Handwerksbetrieben im Einsatz. Es war aus meiner Sicht ein Fehler, dass wir diese Abgabe im Jahr 2021 eingeführt haben. Ich habe damals in Gesprächen mit den Grünen versucht, die Einführung der NoVA für diese Nutzfahrzeuge zu verhindern. Es gibt – und es gab diese auch damals nicht – keine brauchbare und leistbare Alternative. Eines zu diesen Nutzfahrzeugen: Das Wort sagt es schon, es sind Nutzfahrzeuge. Diese Arbeitsgeräte, die zum Transport von Waren, Werkzeugen und oft auch zum Ziehen von Anhängern gebraucht werden, sind speziell und sehr oft für Handwerker im Einsatz. Da gibt es – und das weiß ich aus eigener Erfahrung – leider immer noch keine brauchbaren Alternativen. Diese Fahrzeuge wurden durch die NoVA fast unleistbar, und so kam es dann, dass uralte Fahrzeuge mit einem wesentlich höheren CO 2 -Ausstoß im Einsatz waren – kontraproduktiv zur eigentlich gut gemeinten Klimaverbesserung. Ich selber fahre mit meinem Pkw sehr gerne und seit mittlerweile sechs Jahren rein elektrisch …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Na bitte! Es geht!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… aber aus dem eigenen Betrieb weiß ich, dass es nicht möglich ist, diese Nutzfahrzeuge durch leistbare, brauchbare Geräte zu ersetzen. – Kollege Hammer, du weißt das genau aus den Gesprächen 2021, Ralph Schallmeiner , du weißt es auch: Wir haben am Tag vor der Abstimmung noch ausgemacht, wir nehmen sie raus, und am nächsten Tag hast du zu mir gesagt: Leider nein, sie sind drinnen. So ist die NoVA für diese Fahrzeuge fällig geworden. Das war ein Fehler, den wir jetzt korrigieren. Es ist wichtig, richtig und es ist eine Maßnahme der ÖVP und der neuen Regierung.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das war kein Fehler!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es ist ein gravierender Standortnachteil auch für unsere Betriebe. Diese Maßnahme entlastet nun die Wirtschaft und wirkt positiv auf die Preise für unsere Konsumenten. Einen weiteren wichtigen Impuls setzen wir mit einem steuerfreien Leistungsbonus von bis zu 1 000 Euro pro Jahr. Das ist wichtig und richtig und das gibt den Betrieben die Möglichkeit, dass man, wenn es gut läuft, die Mitarbeiter auch einmal belohnt und sagt: So, jetzt können wir einen gewissen Bonus auszahlen. – Das, finde ich, ist auch eine gute und wichtige Maßnahme. Wir müssen Leistung neu denken und stärkere Anreize dafür setzen. Ich kann euch betreffend die geringfügige Beschäftigung in Verbindung mit dem Arbeitslosengeld sagen – und darüber bin ich sehr froh –, dass wir diese abschaffen. Ich sage es, wie es ist: Kein Mensch hat das verstanden, auch meine Mitarbeiter nicht. Wenn jemand Arbeitslosengeld bezieht und dann noch geringfügig arbeitet und dazuverdient und das zum Geschäfts- oder Einkommensmodell macht, dann ist es wichtig, dass wir hier eingreifen. Leistung muss sich lohnen und wird sich in Zukunft lohnen! Lassen Sie mich noch einen Satz oder zwei, drei Sätze zum Verdienen im Alter in der Regelpension sagen: Ich finde es großartig, dass wir in unserem Regierungsprogramm beim Zuverdienst im Alter in der Regelpension die Möglichkeit einer Flattax im Ausmaß von 25 Prozent geschaffen haben. Das heißt, von 1 000 Euro bleiben dann netto 750 Euro. Es wird nicht mehr zusammengerechnet, es gibt keine Nachverrechnungen. Das ist großartig, das wird unsere Wirtschaft auch beflügeln. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Taschner; eingemeldet sind gleichfalls 3 Minuten.

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Als letzter Redner meiner Fraktion zur Generaldebatte habe ich Ihnen diese Tafel mitgebracht ( eine Tafel, auf der einzelne Budgetposten, unterschiedlich eingefärbt, aufgelistet sind, in die Höhe haltend und im weiteren Verlauf beschreibend ): 123 233 400 000 Euro, wie Sie hier sehen, das ist der Budgetrahmen des Jahres 2025. Sie sehen hier – Sie können es nicht lesen, aber die Farben sprechen für sich –, unterlegt in verschiedenen Rottönen, das Sozialbudget; eine riesige Säule: die Pensionen. Hier sehen Sie in Grün die Wirtschaft, die Mobilität, die Industrie; hier in verschiedenen Gelbtönen die Verwaltung und die Polizei, das Militär. All das ist das Budget, das wir jetzt, in der Gegenwart, bedienen müssen. Also Rot, Grün, Gelb, das ist die Gegenwart. Dann sehen Sie hier – der Drucker war etwas schlecht, er hat das blau gedruckt, an sich gehört das türkis – Bildung, Wissenschaft, Forschung. Das ist die Zukunft, meine sehr verehrten Damen und Herren; nicht so groß, wie sie sein sollte, aber, und das ist die gute Nachricht, sie bleibt gleich beziehungsweise wird sogar etwas größer, als sie vorher war, denn das ist die Zukunft, die wir brauchen. Nebenbei gesagt, meine sehr verehrten Damen und Herren, hier unten sehen Sie die Vergangenheit. Das ist der graue Bereich; leider recht groß, das ist nämlich das Geld für die Zinsen, die wir zahlen müssen. Das ist verbranntes Geld, das ist weg. Das ist auch das Problem. Wir könnten ja sagen: Machen wir diesen Rahmen einfach größer! Deutschland macht das ja, plötzlich werden 1 000 Milliarden Euro von Deutschland aufgenommen. Das ist ein Risiko, denn: Macht man den Rahmen größer, wird diese Vergangenheit, dieser graue Bereich, vielleicht exponentiell wachsen, und davor müssen wir uns schützen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir sehen anhand dieser roten Säule auch, wie groß das demografische Problem ist, dem wir gegenüberstehen. Wir haben also noch einiges zu tun. Das ist erst der Anfang, aber dass wir das so aufbereitet haben, dass wir dieses Budget jetzt vorliegen haben, das ist eine gute Arbeit des Finanzministers, der Staatssekretärin, ja, der gesamten Regierung gewesen. Wir müssen diesen türkisen Bereich stärken. Türkis muss einfach größer werden, das ist die Botschaft.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist aber blau! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Blau muss stärker werden, ja! Türkis ist gar nicht drauf, Türkis gibt es nicht mehr!

ÖVP Rudolf Taschner

… Ein Druckerfehler, glauben Sie mir. Es ist ein Druckerfehler. – Es ist also noch einiges zu tun. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Aufgabe, die Sie jetzt haben werden, ist – es werden noch einige zu Ihnen kommen und sagen: Wir brauchen da eine Vergrößerung der Fläche und dort eine Vergrößerung der Fläche! –: Sie werden leider oft Nein sagen müssen. Sie müssen oft Nein sagen, aber wir müssen auch oft Ja sagen, wenn wir dann die Wirtschaft wachsen sehen, denn wenn die Wirtschaft wächst, dann können wir uns erlauben, dass wir den Rahmen sogar noch vergrößern werden. Das brauchen wir auch, weil das Rote bleiben muss. Das brauchen wir auch, weil das Blaue – Entschuldigung –, das Türkise noch mehr wachsen muss. In diesem Sinne glaube ich, dass wir ein gutes Budget haben. Beachten Sie diese Tafel: Das sind 123 233 400 000 Euro. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Oberhofer. 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Ministerinnen! Frau Staatssekretärin! Hoher österreichischer Nationalrat! Sehr geehrte Frau Kollegin Gewessler ( Ruf bei den Grünen: Schon wieder! Meine Güte! ) , ich verstehe die Grünen einfach nicht.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Sie redet doch eh so schön Deutsch!

NEOS Dominik Oberhofer

… Eigentlich müssten Sie ja, die Grünen, heute besonders stolz sein, weil in diesem Budget ja wirkliche Errungenschaften von Ihnen sind, die weitergeführt werden – wie zum Beispiel der Ausbau der Schiene. Den haben Sie vorangetrieben als Ministerin und wir tragen ihn weiter mit dem Budget. Ich bin ja da persönlich sogar sehr verwundert, dass Herr Bundesminister Hanke wahrscheinlich einen sehr guten Draht zum Herrn Finanzminister hatte, denn man muss sich das einmal vorstellen: Diese neue österreichische Bundesregierung gibt 12,6 Prozent mehr für den Ausbau der Schiene in diesem Jahr aus als letztes Jahr unter Ihnen, 2024.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Nein, ihr budgetiert nicht mehr!

NEOS Dominik Oberhofer

… Und das ist noch nicht einmal alles. Im Doppelbudget sind für 2026, nächstes Jahr, noch einmal 9,3 Prozent on top für den Ausbau der Schiene vorgesehen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Hast du dir meinen Rahmenplan angeschaut?

NEOS Dominik Oberhofer

… Da muss man wirklich sagen, diese Regierung steht hinter diesem Rahmenplan. Warum? – Aus zwei Gründen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das war ein sechsjähriger Rahmenplan!

NEOS Dominik Oberhofer

… Weil wir wissen, dass die Zukunft des öffentlichen Verkehrs vor allem auf der Schiene ist. Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass Österreich nicht nur Bahnland Nummer eins ist, was die gefahrenen Kilometer der Passagiere anbelangt, sondern wir produzieren das Zeug sogar. Ich habe es persönlich nicht gewusst …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja, ich schon!

NEOS Dominik Oberhofer

… dass Österreich die viertgrößte Nation bei der Bahnindustrie weltweit ist. Das ist ein unfassbares Wachstumspotenzial in Österreich, und deshalb investieren wir jetzt mit dem Rahmenplan wieder 19,3 Milliarden Euro in die Schiene. – Das wäre einen Applaus wert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Frau Kollegin von den Grünen, weil Sie andauernd vom Klimaticket reden. Das Klimaticket wird teurer, da haben Sie vollkommen recht. Niemand bedauert das mehr als ich selbst. Aber am Ende des Tages muss man ganz klipp und klar sagen, dass wir als Bundesregierung dieses Jahr, 2025, 24,5 Prozent mehr in das Klimaticket investieren, nämlich 156 Millionen Euro zusätzlich, on top, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger das Klimaticket konsumieren …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Aber die Bürgerinnen und Bürger kaufen es ja!

NEOS Dominik Oberhofer

… und damit reisen, und das ist ja ein großartiger Erfolg.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was ist da bitte jetzt euer Erfolg?

NEOS Dominik Oberhofer

… Wir brauchen aber auch Geld, um den Ausbau der Schiene, der Kapazität weiter voranzutreiben. Liebe Konsumentinnen und Konsumenten, seien Sie versichert, dass das Geld, das Sie heute mehr für das Klimaticket bezahlen, eins zu eins in bessere Infrastruktur, von der Sie profitieren, investiert wird. – Danke für Ihre Unterstützung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tomaselli. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten, wobei ich darauf aufmerksam mache, dass die Restredezeit Ihrer Fraktion insgesamt 5 Minuten beträgt. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe Ihnen jetzt stundenlang geduldig zugehört …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Na, du warst schon ein bisschen draußen auch!

GRÜNE Nina Tomaselli

… und was mir schon richtig auf die Nerven geht, sind diese falschen Unterstellungen, dass die Grünen das Budgetdesaster quasi mit dem Klimaticket, mit dem Raus-aus-Öl-Bonus im Alleingang selbst verursacht haben.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Das sagt aber keiner!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Da möchte ich Ihnen jetzt etwas sagen, das Sie wahrscheinlich sehr, sehr aufregt ( allgemeine Heiterkeit ): Jede Regierung ist für ihr Budgetdefizit selber verantwortlich.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Ja, das ist tatsächlich so.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nur die Grünen nicht!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Jede Regierung ist für ihr Budgetdefizit fast alleine verantwortlich.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Es gibt eine Ausnahme für die Grünen, die sind nämlich nie für etwas verantwortlich!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Die Rechnungen von Einnahmen und Ausgaben – hören Sie zu, da kann man noch etwas lernen – beginnen jedes Jahr von vorne. In den letzten Jahren hat es erhöhte Ausgaben gegeben – ja, zur Bewältigung einer Pandemie, ja, zur Bewältigung einer Energiekrise, ja, dafür sind Schulden gemacht worden, ja, dafür zahlt man jetzt auch Zinsen. Das erklärt aber bitte nicht das veranschlagte Defizit von 4 Prozent.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Das erklärt nicht, dass Sie weiter Schulden machen und dass die Schuldenquote auf 85 Prozent steigt – und das bei einer Abgabenquote von 45 Prozent. Das ist ein Rekordhoch, meine sehr geehrten Damen und Herren! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ich glaube, der Herr Klubobmann würde das als Voodoo-Ökonomie bezeichnen!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Diese Zahlen schauen genau so aus, weil Sie sich dafür entschieden haben. Das ist eine politische Entscheidung, die Sie getroffen haben.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Es ist eine politische Entscheidung, dass Sie das Klimaticket teurer machen, während Sie die SUV-Pendler:innen subventionieren. Es ist eine politische Entscheidung, dass Sie die Familienleistungen kürzen, während Sie Pick-ups mit Steuergeld sponsern. Und es ist Ihre verdammte Entscheidung, dass die Reichen schon wieder keinen fairen Beitrag leisten. (👏) Dafür können Sie niemand anderen verantwortlich machen und schon gar nicht die Grünen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Also, das Beste kommt heute nicht zum Schluss!

GRÜNE Nina Tomaselli

… denn es ist nicht ökologisch und – wenn Sie die „Standard“-Umfrage sehen, merken Sie nämlich, das geht den Leuten auch am Zipf – es ist überhaupt nicht gerecht, und das klage ich an. (👏) Ich habe Ihre ganzen Budgetvorträge auch aus den letzten Jahren noch ganz deutlich und laut in den Ohren – und dann legen Sie bitte ein Budgetbegleitgesetz mit einer Umwidmungsabgabe vor, die vorsieht: Je höher der Gewinn, desto weniger ist die anteilige Steuer. ( Heiterkeit der Rednerin. ) Das ist doch bitte Husch-Pfusch! In diesem Budgetbegleitgesetz steht auch ein super, super Spaßname für: Wir sparen im System. Sie setzen die Wertsicherung für die Mieten bei der Bundesimmobiliengesellschaft aus. Aber das Beste ist: Das spart nicht einmal, sondern das kostet 70 Millionen Euro in den nächsten Jahren – 70 Millionen Euro Mehrkosten! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Das ist ( erheitert ) Loch auf, Loch zu und hat nichts mit umsichtiger Budgetpolitik zu tun. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, würde ich mir wünschen …

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Dass die Rede aus ist, wünsche ich mir!

GRÜNE Nina Tomaselli

… dass Sie nicht an Ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Damit eine besondere Gemeinheit nicht unerwähnt bleibt, welche völlig unsachlichen Gesetze sich auch in diesem Budgetbegleitgesetz verstecken: Diese Regierung, die ja auch besonders transparent sein wollte, legt im Budgetbegleitgesetz – das hat natürlich nichts mit dem Budget zu tun – auch noch fest, dass die Parteien zukünftig nicht mehr vierteljährlich die Spenden einmelden müssen, sondern nur noch einmal jährlich. ( Rufe bei den Grünen: Uiuiui! Oh! – Rufe bei der FPÖ: Oh! ) Damit dieser Rückschritt wieder zurückgedreht wird, bringen wir auch einen entsprechenden Antrag ein , und da bin ich schon sehr gespannt, was dann die – vielleicht ehemals – Transparenzpartei NEOS macht, wie ihr euch da entscheidet.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Bin enttäuscht!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Krainer. 3 Minuten eingemeldete Redezeit. (Abg. Shetty [NEOS]: Wie kann man in 2 Minuten 5 Minuten berichtigen?)

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kollegin Tomaselli, Sie haben der Zunft der Volkswirte, der Nationalökonomen gerade keinen guten Dienst erwiesen, sondern Sie haben eigentlich das Gegenteil getan. ( Widerspruch bei den Grünen. ) Natürlich ist jede Regierung für das Defizit, das sie verursacht, verantwortlich, aber es ist eine Regierung auch verantwortlich für das Defizit, das sie der nächsten Regierung hinterlässt …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Na geh!

SPÖ Kai Jan Krainer

… und das ist auch Ihre Verantwortung. (👏 SPÖ) Nicht alleine – niemand sagt, dass Sie das Defizit alleine verursacht haben …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Na, Gott sei Dank waren wir 2000 nicht so empfindlich!

SPÖ Kai Jan Krainer

… aber Sie waren Teil einer Bundesregierung. Natürlich könnte man, wie die Grünen das gemacht haben, sich hier herstellen und sagen, wir haben ein maastrichtkonformes Budget mit 2,7 Prozent beschlossen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Schau!

SPÖ Kai Jan Krainer

… es wurden halt 4,7 am Ende des Tages, und heuer würden wir 5,8 Prozent Defizit machen – das ist es, was Sie hinterlassen haben …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

3,8 Milliarden ...!

SPÖ Kai Jan Krainer

… 5,8 Prozent. Ehrlich gesagt ist das so, wie wenn Eltern nach dem verlängerten Wochenende nach Hause kommen und die Kinder eine Party gefeiert haben. Ist es schön? – Nein , aber die Eltern dafür verantwortlich zu machen, dass man zusammenräumt – es ist schon sehr dreist, was Sie da verlangen. (👏 SPÖ, NEOS) Was Sie für ein budgetäres Desaster hinterlassen, das ist jenseitig – und der Unterschied zu allen anderen Budgetsituationen, die wir hatten: Das ist kein externer Effekt wie eine Bankenkrise, das ist auch keine Pandemie, die vorbeigeht, sondern das sind strukturell hausgemachte Probleme …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aha!

SPÖ Kai Jan Krainer

… ungedeckte Schecks, leere Versprechungen. Für die tragen Sie die Verantwortung nicht alleine, aber mit Ihrem damaligen Koalitionspartner gemeinsam.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, ja!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Und wir sind zum Aufräumen hinter Ihnen ( Heiterkeit bei den Grünen ), uns können Sie das nicht umhängen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist niemand mehr dazu gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Ich sehe, das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/93.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Entwurf betreffend Budgetbegleitgesetz 2025 in 100 der Beilagen. Hiezu liegen ein Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen sowie ein Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über die von den erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsanträgen sowie vom Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile, der Systematik des Gesetzentwurfes folgend, und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 1 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mehrheitlich angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 2 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 3 und Artikel 7 sowie Art. 10 Z 1 bis 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 10 Z 5. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über Art. 11 Z 1 bis 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist ebenfalls die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 11 Z 5. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über Artikel 13 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 16 und 17 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diese Teile des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über die Artikel 23 bis 27 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 28 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 32 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 40 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 41 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 42 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 44 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 45 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 47 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 51 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 55 sowie Art. 56 Z 1 und 5 in der Fassung des Ausschussberichtes. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 56, Einfügung einer neuen Z 7a sowie Änderung der Z 8, eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 56 Z 8. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 57, Art. 58 Z 1 und 4, Artikel 59, Artikel 60 sowie Art. 61 Z 1 bis 5 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 61 Z 6. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Art. 63 bis 66 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 68 und 69 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 70, 72 und 73 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 74 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Der Gesetzentwurf ist somit auch in der dritten Lesung angenommen. RN/93.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/93.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Ralph Schallmeiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/93.4 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Normverbrauchsabgabegesetz, das Bundesimmobiliengesetz, die Reisegebührenvorschrift und das Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen geändert werden, in 101 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht. Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Abänderungsantrag sowie vom Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile, der Systematik des Gesetzentwurfes folgend, und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 1 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich ebenfalls um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/93.5 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Begründung von Vorbelastungen durch den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur genehmigt wird, samt Titel und Eingang in 88 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Normverbrauchsabgabegesetz, Bundesimmobiliengesetz, Reisegebührenvorschrift 1955 und Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen

101 d.B.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Die NoVA wird ab 1.7.2025 wieder auf Fahrzeuge zur Personenbeförderung fokussiert; Fahrzeuge zur Güterbeförderung (Klasse N1 bis 3,5 t) werden grundsätzlich ausgenommen, mit klaren Abgrenzungsregeln und Evaluierung. Zudem werden Mietzinsanpassungen bei bestimmten BIG-Bundesmietverhältnissen für 2026 ausgesetzt, das amtliche Kilometergeld für Motorräder/Mopeds und Fahrräder auf 0,25 € gesenkt und der Handwerkerbonus unionsrechtskonform auf EU/EWR-Unternehmen als Leistungserbringer erweitert sowie organisatorisch/terminologisch angepasst.

Betroffen sind Käufer/Importeure und Halter bestimmter Kfz (v.a. N1 vs. M1), Bundesdienststellen bzw. Rechtsnachfolger in BIG-Mietverhältnissen, Dienstreisende im öffentlichen Dienst sowie Förderwerber und ausführende Handwerksbetriebe im Rahmen des Handwerkerbonus (nun auch EU/EWR).

Dokumente

Normverbrauchsabgabegesetz, Bundesimmobiliengesetz, Reisegebührenvorschrift 1955 und Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen

Ausgangslage und Gegenstand des Ausschussberichts

  • Der Budgetausschuss legt dem Nationalrat einen Selbständigen Antrag vor, der vier getrennte Novellen umfasst: zum Normverbrauchsabgabegesetz (NoVAG), zum Bundesimmobiliengesetz (BIG), zur Reisegebührenvorschrift 1955 (RGV) sowie zum Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen (Handwerkerbonus).
  • Die Novellen wurden im Zuge der Beratungen zum Budgetbegleitgesetz 2025 initiiert und sollen gezielte Anpassungen in den genannten Materien umsetzen.

Änderung des Normverbrauchsabgabegesetzes (NoVA) – Rückführung auf Personenbeförderung

  • Ziel ist, den Anwendungsbereich der NoVA wieder auf Kraftfahrzeuge zu beschränken, die der Personenbeförderung dienen; Kraftfahrzeuge, die hauptsächlich zur Güterbeförderung bestimmt sind, sollen als standortpolitische Maßnahme nicht mehr von der NoVA erfasst werden.
  • Historischer Bezug: Bis 1. Juli 2021 unterlagen im Wesentlichen nur Personenkraftwagen bzw. überwiegend zur Personenbeförderung bestimmte Fahrzeuge der NoVA (Einordnung nach Kombinierter Nomenklatur). Ab 1. Juli 2021 wurden zusätzlich Güterbeförderungsfahrzeuge bis 3.500 kg (Klasse N1) einbezogen und die Einordnung auf die kraftfahrrechtliche Klasseneinteilung (KFG 1967 bzw. VO (EU) 2018/858) umgestellt.
  • Die Rückführung auf den Zustand vor 1. Juli 2021 soll erfolgen, wobei die Anknüpfung an die kraftfahrrechtliche Einordnung beibehalten wird (zur Vermeidung von Auslegungsproblemen und aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung).
  • Regelungsbedarf wegen Spielraum der Hersteller bei der Zuordnung M1 vs. N1 nach VO (EU) 2018/858: Fahrzeuge, die nicht als M1 eingestuft sind, aber mehr als drei Sitzplätze haben, sollen grundsätzlich weiterhin in den NoVA-Anwendungsbereich fallen, um den früheren Zustand und eine verfassungskonforme Gleichbehandlung sicherzustellen (insbesondere Kleinbusse/ähnliche Fahrzeuge; Gleichbehandlung mit vergleichbaren M1-Fahrzeugen wie „Family Vans“).
  • Klarstellung zur Abgrenzung: Durch Begrenzung auf Fahrzeuge mit weniger als zehn Sitzplätzen wird klargestellt, dass Omnibusse/Autobusse (Klassen M2 und M3) nicht erfasst sind.
  • Es wird eine gesetzliche Vermutung anhand eines einfachen, augenscheinlichen Kriteriums (Sitzplatzanzahl) vorgesehen.
  • Ausnahmen für Fahrzeuge mit mehr als drei Sitzplätzen, bei denen die Güterbeförderung überwiegt, werden (ähnlich wie vor 1. Juli 2021) geschaffen; die Abgrenzung erfolgt je nach Aufbauart anhand pauschalierter, augenscheinlicher Kriterien, orientiert an EuGH-/VwGH-Judikatur und kraftfahrrechtlichen Vorschriften (z.B. klimadichte Trennwand, Ladefläche wie bei Lkw, Längenverhältnis Ladefläche zu Radstand).
  • Fahrassistenzsysteme, die der Verkehrssicherheit dienen, stehen dem Kriterium einer „einfachen Ausstattung“ nicht entgegen.
  • Die Ausnahmen sollen nicht über eine NoVA-Vergütung, sondern bereits beim steuerbaren Vorgang berücksichtigt werden; daher werden sie in die Definition der erfassten Kraftfahrzeuge integriert.
  • Folgeanpassungen im Tarifrecht: Tarifbestimmungen für Güterbeförderungsfahrzeuge (Klasse N1) entfallen (insbesondere in § 6 Abs. 3 und 5); Verweise auf § 6 Abs. 3 in Abs. 7 entfallen; Verweise auf N1 in § 6 Abs. 6 Z 2 und Abs. 8 entfallen.

NoVA – Inkrafttreten und Evaluierung

  • Inkrafttreten der Änderungen mit 1. Juli 2025; Anwendung auf NoVA-Tatbestände, die nach dem 30. Juni 2025 verwirklicht werden.
  • Vorgesehen ist eine Evaluierung im Hinblick auf die politische Zielsetzung einer Befreiung von „Handwerkerautos“ sowie hinsichtlich budgetärer Effekte und Steuerungswirkung.

Änderung des Bundesimmobiliengesetzes – Aussetzung bevorstehender Mietzinsanpassungen (Wertsicherung) 2026

  • Aufgrund langjähriger, dauernder Hauptmietverhältnisse des Bundes bzw. eingetretener Rechtsträger (seit rund 33 Jahren auf Basis der Fruchtnießung nach BIG-Gesetz 1992 bzw. seit 24 Jahren auf Basis eines Generalmietvertrags) wird eine spezielle gesetzliche Grundlage geschaffen, um die bevorstehenden Mietzinsanpassungen (Wertsicherung) zum 1. Jänner 2026 auszusetzen.
  • Mechanismus: Für die künftige Berechnung der Wertsicherung der im Jänner 2026 bzw. Juni 2026 zu entrichtenden Hauptmieten werden die für diese Monate verlautbarten Indexzahlen der vereinbarten Verbraucherpreisindizes als neue Ausgangsbasis festgelegt; in die Wertsicherungsvereinbarungen wird im Übrigen nicht eingegriffen.
  • Quantifizierung/Einordnung: Auf Basis veröffentlichter Unterlagen der BIG aus dem Geschäftsbericht 2024 wird der einmalige Effekt der Aussetzung der Wertsicherung mit rund „xxx %“ des Gesamtmietertragsvolumens 2024 (rund 1.170 Mio. Euro) beschrieben; für die Berechnung wurde nur der Anteil der Mietverhältnisse iSd § 19 BIG herangezogen.
  • Regelungsinhalt im Detail: Für das Jahr 2026 wird anstelle der bisher vereinbarten Wertsicherungsbasis eine neue Ausgangsbasis gesetzlich normiert.
  • Für Mietverhältnisse nach § 19 Abs. 1 BIG wird die für Jänner 2026 verlautbarte Indexzahl des Verbraucherpreisindex 1996 als neue Ausgangsbasis für die Indexierung 2026 festgelegt.
  • Für Mietverhältnisse nach § 19 Abs. 3 BIG wird die für Juni 2026 verlautbarte Indexzahl des Verbraucherpreisindex 1986 als neue Ausgangsbasis für die Indexierung 2026 festgelegt.
  • Der Anwendungsbereich wird auch auf Rechtsnachfolger des Bundes und der BIG in Mietverhältnissen nach § 19 Abs. 1 und 3 erweitert.

Änderung der Reisegebührenvorschrift 1955 – Anpassung des amtlichen Kilometergeldes

  • Ausgangslage: Durch das Progressionsabgeltungsgesetz 2025 wurde die besondere Entschädigung („amtliches Kilometergeld“) wegen gestiegener Spritpreise und Erhaltungskosten auf 0,50 € erhöht; zur Verwaltungsvereinfachung wurden damals gleiche Sätze auch für Motorfahrräder und Motorräder eingeführt; ebenso wurde das Kilometergeld für die Benützung des eigenen Fahrrads auf 0,50 € erhöht.
  • Neuregelung im Sinne sparsamer, wirtschaftlicher und zweckmäßiger Verwaltung und entsprechend dem Regierungsprogramm: Die besondere Entschädigung unterscheidet wieder zwischen Personen- und Kombinationskraftwagen einerseits sowie Motorfahrrädern und Motorrädern andererseits.
  • Für Motorfahrräder und Motorräder wird ein Betrag von 0,25 € festgesetzt.
  • Das Kilometergeld für die Benützung von Fahrrädern wird ebenfalls auf 0,25 € festgesetzt.
  • Es wird eine Inkrafttretensregelung vorgesehen.

Änderung des Bundesgesetzes über die Förderung von Handwerkerleistungen (Handwerkerbonus) – EU/EWR-Öffnung und Folgeanpassungen

  • Kernpunkt ist die Erweiterung des Kreises der Leistungserbringer: Künftig sollen auch Unternehmen mit Sitz oder Niederlassung innerhalb der Europäischen Union oder des EWR als Leistungserbringer zulässig sein.
  • Hintergrund ist ein Austausch zwischen Europäischer Kommission und Österreich nach einer Beschwerde (u.a. Handwerkskammer für München und Oberbayern) wegen unionsrechtlicher Bedenken (insbesondere Dienstleistungsfreiheit); die Novelle soll diese Bedenken ausräumen, indem § 2 Abs. 2 entsprechend angepasst wird.
  • Bezug zur Budgetbegleitgesetz-Systematik: Der Handwerkerbonus ist eine budgetwirksame Maßnahme; Anpassungen sollen Rechtssicherheit für Förderwerber und abwickelnde Stellen gewährleisten.
  • Inhaltliche Änderungen im Überblick: Festlegung der EU/EWR-Anforderung für den Leistungserbringer; terminologische Anpassungen; Anpassung der Fördervoraussetzungen des Förderwerbers; weitere terminologische Anpassungen.
  • Organisations-/Zuständigkeitsanpassungen: Mehrere Bestimmungen werden an Änderungen durch die Bundesministeriengesetz-Novelle 2025 angepasst (insbesondere Zuständigkeits- und Bezeichnungsanpassungen).
  • Entfall einer Bestimmung: § 6 Abs. 2 Z 5 kann entfallen, weil § 13 Buchhaltungsagenturgesetz bereits regelt, dass der vom Bundesminister festgestellte Jahresabschluss in den Bundesrechnungsabschluss aufzunehmen und beim Firmenbuch einzureichen ist.
  • Entfall einer weiteren Bestimmung: § 6 Abs. 7 kann entfallen, weil die Kontrolle der Abwicklungsstelle durch den Rechnungshof bereits durch § 6 Abs. 6 geregelt ist.
  • Weitere Anpassungen: grammatikalische Anpassung; Präzisierung des Begriffs der Meldebehörden; Anpassung der Datenverarbeitungsbefugnis der Abwicklungsstelle samt terminologischer Ausbesserung; Präzisierung des Begriffs der Unternehmen.
  • Vollzugsklausel: Anpassung, da künftig hauptsächlich der Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus das Gesetz vollziehen soll.

Normverbrauchsabgabegesetz, Bundesimmobiliengesetz, Reisegebührenvorschrift 1955 und Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen

~283 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Herbert Kickl

Danke schön, Herr Präsident! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Ja, Generaldebatte Budget, zweite Lesung: Ich würde sagen, es ist ein gewisser Bruch, trotz dieser kurzen zeitlichen Unterbrechung, zur vorhergehenden Diskussion, vor allem atmosphärisch, aber natürlich auch inhaltlicher Art. Man muss ja dazusagen, dass die Generaldebatte heute eigentlich auch erst für den Nachmittag vorgesehen war. Es hat dann eine Planänderung gegeben. Man muss nämlich wissen, dass unsere Bundesregierung am Nachmittag freigespielt sein muss. Sie braucht ihre Zeit und sie braucht die volle Aufmerksamkeit und Konzentration für das nächste Kapitel ihres Zerstörungswerks gegen die österreichische Neutralität.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Na bravo!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich rede vom Staatsbesuch – ( auf die Redezeitanzeige am Redner:innenpult weisend: ) vielleicht kann man mir die Uhr da richtig einstellen – des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, und ich sage Ihnen klipp und klar, dass dieser Besuch genauso wie die Ukrainepolitik dieser Bundesregierung insgesamt nicht nur völkerrechtlich und sicherheitspolitisch absolut unverantwortlich ist für ein Land, das die Neutralität in seiner Verfassung festgeschrieben hat. Was Sie sich privat denken, das ist Ihre Angelegenheit, aber diese Verpflichtung, das ist eigentlich die Eintrittskarte in eine Bundesregierung oder umgekehrt ist es ein K.o.-Kriterium, wenn man es nicht durchhalten kann.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Dann bist du eh weg! – Abg. Gewessler [Grüne]: Genau!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist die eine Komponente. Das Zweite ist, dass diese einseitige Politik, dieses Nato-Vasallentum natürlich auch ein Vermögen kostet. So ist es tatsächlich so, dass in den letzten Jahren Milliarden an Steuergeld aus Österreich direkt oder indirekt in diese Ukraine geflossen sind, zur Verlängerung eines sinnlosen Krieges, eines sinnlosen Sterbens …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Zur Sicherstellung der Energieversorgung für die Bevölkerung!

FPÖ Herbert Kickl

… und damit eines Konflikts, der nicht der unsere ist – ich sage das auch in dieser Deutlichkeit! Zugleich fehlt dieses Geld in Österreich, und zwar an allen Ecken und Enden. Es fehlt unter anderem auch in der Sicherheit, im Sicherheitsbereich in diesem Land, dort, wo es um den Schutz der eigenen Bevölkerung vor Gewalt und vor Kriminalität, die ja immer mehr wird, geht. Und da zu investieren, ist im Unterschied zur ersten Ausgabe, die Sie jetzt tätigen, unsere tatsächliche Zuständigkeit. (👏 FPÖ) Herr Bundeskanzler, warum erzählen Sie denn den Österreichern nicht, dass die Sicherheit unserer Bevölkerung nicht mehr gegeben ist? Warum erzählen Sie das nicht? Das ist nämlich die traurige Wahrheit. Sie reden davon, dass alles unternommen wird, dass sich Ereignisse wie in Graz nicht wiederholen. Das klingt super, aber während Sie das sagen, bringen Sie ein Budget auf den Weg, mit dem Sie die Überstunden der Polizei so radikal zusammenkürzen, dass die notwendigen Einsätze nicht mehr gemacht werden können, weil viel zu wenige Polizisten im Einsatz sind und weil dieses ganze System seit Jahren eigentlich nur auf Überstundenleistungen beruht. Das trifft also die Polizeiinspektionen, die jetzt in der Nacht oder am Sonntag zusperren. Das trifft die Streifen, die dann entweder gar nicht mehr oder in viel zu großen Intervallen über Land fahren, und es trifft im Übrigen auch die Spezialeinheiten wie die Cobra, weil diese nämlich aufgrund dieser Überstundenstreichungen die Personenkontingente nicht mehr zustande bringen, die sie aber brauchen, um einen entsprechenden, robusten Einsatz durchführen zu können. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Ich erhalte jeden Tag verzweifelte Hilferufe von Polizisten, die mir berichten, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können. Sie sagen mir, dass sie niedergemacht werden, wenn sie diesen Wahnsinn intern in den entsprechenden Besprechungen kritisieren. Sie sagen mir, dass ihnen gedroht wird und dass ihnen der Mund verboten wird, wenn sie da Kritik üben oder wenn sie mehr Überstunden verbrauchen, als ihnen der Wasserkopf in der Zentrale – das heißt ( in Richtung Bundesminister Karner ) Sie, Herr Minister – dann auf irgendwelchen Zetteln bürokratischerweise vorgibt. (👏 FPÖ) Wissen Sie, Sie putzen sich damit an denjenigen, die den Kopf für uns alle hinhalten, ab.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

...! Das ist ja unglaublich!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist keine Wertschätzung gegenüber der österreichischen Polizei. Im Übrigen ist es auch keine Wertschätzung gegenüber der eigenen Bevölkerung, und damit bin ich ohnehin beim passenden Stichwort für dieses Budget insgesamt: Sie alle, die Verliererampel, die Systemparteien, Sie alle haben schwer gesündigt – eine politische Todsünde nach der anderen. Jetzt sind Sie natürlich mit sich selbst gnädig, da erteilen Sie sich locker die Absolution, und die Buße für Ihre Untaten, für Ihre Todsünden, die hängen Sie der eigenen Bevölkerung um, in Form eines gigantischen Belastungshammers: Milliardenbelastungen durch höhere Steuern, durch höhere Gebühren und durch Leistungskürzungen. Und ich kann mir schon denken, was jetzt kommt – erste Anklänge habe ich ja schon gehört –, weil es immer so ist, kann man sagen. Die Vertreter der ÖVP, vom nicht gewählten Bundeskanzler abwärts, werden dann sagen: Ja bitte schön, das ist ja unerhört, dass der das sagt, denn die Freiheitliche Partei wollte ja keine Verantwortung übernehmen! Und die roten und die rosaroten Steigbügelhalter, die plappern dieses Satzerl dann brav nach wie die Papageien, wobei ja jeder weiß, dass die Papageien ja gerne plappern, aber dann den Inhalt nicht verstehen …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was ist das für ein Vergleich?

FPÖ Herbert Kickl

… den sie von sich geben.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Rede hört sich aber auch wie eine Papageienrede an!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich greife die Gelegenheit aber gerne auf. Dann reden wir über Verantwortung! Ich frage Sie: Wie schaut denn das aus? Wie schaut denn das aus, was Sie Regierungsverantwortung nennen? Wie schaut denn das aus, wofür Sie als großartige Verantwortungsträger der Verliererampel sich immer loben? Der grüne Regierungsblinddarm, der Sie jetzt sind, der kann sich gleich mit betroffen fühlen, weil Sie bis vor Kurzem ja mittendrin statt nur dabei waren. Ich sage Ihnen, wie diese Verantwortung ausschaut: Die größten wirtschaftlichen und die größten budgetären Schadensverursacher – in der Bevölkerung draußen nennt man so etwas Blindgänger – werden für ihre Nichtleistungen belohnt – belohnt und nicht bestraft! –, mit Orden für Verdienste um die Republik, mit einem Luxusposten als Banker für einen Karl Nehammer, 300 000 Euro im Jahr als Dank und Anerkennung für Hunderttausende neue Völkerwanderer in den letzten Jahren und für das Einpeitschen des Coronaregimes, mit einem Spitzenposten in der Nationalbank für den ehemaligen Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher – den Herrn soll man bitte nicht vergessen – als Dank und Anerkennung für die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg – das dritte Jahr in Folge werden wir immer ärmer, und wir sind von der Tabellenspitze bis an den Schluss durchgereicht worden – und natürlich mit der Beförderung zum EU-Kommissar für einen Herrn Magnus Brunner als Dank und Anerkennung für den größten Schuldenhaufen der Zweiten Republik, für eine gigantische Geldentwertung, für die Versorgung von ÖVP-Freunden aus Coronafördertöpfen und für das Frisieren und für das Fälschen von Bilanzen und Prognosen vor der Wahl.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

„Fälschen“? Wer hat etwas gefälscht? Das geht nicht!

FPÖ Herbert Kickl

… Dieser Herr Brunner war so etwas Ähnliches wie der Bremsfallschirm für den freien Fall der Österreichischen Volkspartei vor dieser Wahl. So schaut es aus. Das ist Ihre Art der Interpretation von Verantwortung.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, genau!

FPÖ Herbert Kickl

… Und da, da haben Sie recht, möchte ich nicht einmal anstreifen, meine Damen und Herren! (👏 FPÖ) Oder, nächster Akt Ihres angeblichen Wahrnehmens der Verantwortung – Herr Taschner kann Ihnen helfen –: Es gibt ein logisches Gesetz, das heißt: keine Wirkung ohne Ursache und umgekehrt. Das gilt natürlich auch im Zusammenhang mit diesem budgetären Scherbenhaufen. Jetzt stellt sich die Frage: Was ist denn die Ursache für diesen budgetären Scherbenhaufen? Die Ursache ist ganz einfach zu erklären: dass Sie allesamt falsch entschieden, falsch gehandelt haben – nicht ein Mal, sondern in Serie, bei allen großen Fragen. Unbelehrbar, Wiederholungstäter würde man so etwas nennen. Sie haben sich für eine Massenvölkerwanderung unter dem Motto „Wir schaffen das“ entschieden, mit Schäden in Milliarden-Euro-Höhe. Sie haben sich für einen Coronawahnsinn entschieden, länger und exzessiver als sonst irgendwo in der zivilisierten Welt, mit Milliardenschäden. Sie haben sich für einen fanatischen Klimafanatismus entschieden, mit Milliardenkosten, für Russlandsanktionen mit Milliardenkosten und zuletzt für einen Rüstungswahnsinn, durch den die nächsten Milliarden verbraten werden. Das läppert sich natürlich zusammen. Ihr viel gepriesenes Wahrnehmen der Verantwortung schaut dann so aus, dass Sie sich abputzen und sagen: Aber eigentlich können wir nichts dafür, ist eh alles super gelaufen, und dort, wo es nicht so gut gelaufen ist, bitte da waren es die anderen, da haben wir nur alternativlos das gemacht, was alle anderen auch gemacht haben. Natürlich können Sie etwas dafür! Wir haben Sie vor alledem gewarnt, vor allen diesen Fehlentwicklungen, mehrmals, um unser Land, um die Steuerzahler, um den Wirtschaftsstandort, unsere Freiheit und unseren Wohlstand zu schützen, Sie wollten nur nicht hören. Ein schönes Wahrnehmen von Verantwortung ist das. (👏 FPÖ) Oder: Ihr viel gepriesenes Wahrnehmen von Verantwortung besteht dann darin, dass Sie der Bevölkerung erklären, dass Sie jetzt sparen und dass Sie das Budget, den Staatshaushalt, sanieren. Das klingt auch gut, aber wenn man genauer hinschaut, stimmt es halt leider nicht. Denn das Problem ist, dass nicht nur in den letzten paar Jahren 88 Milliarden Euro neue Schulden gemacht wurden, sondern auch in den kommenden Jahren bis 2027 wieder 82 Milliarden Euro neue Schulden dazukommen. Das heißt, trotz Rekordeinnahmen wird weiter mehr ausgegeben, als eingenommen wird, und da ist noch nicht einmal irgendein wirtschaftlicher Impuls dabei. Was heißt denn da sparen und was heißt denn da sanieren? Dann gibt es obendrauf als Zugabe auch noch das Defizitverfahren, also die Besachwaltung durch die Europäische Union; das ist das, wo Sie unter dem Titel „[...] das Richtige tun“ in Ihr Regierungsprogramm hineingeschrieben haben, dass Sie es nicht haben wollen. Jetzt ist „das Richtige tun“, dieses Defizitverfahren schönzureden. Das ist eine schöne Form von Wahrnehmen von Verantwortung. (👏 FPÖ) Ich garantiere Ihnen, meine Damen und Herren, es wird so sein: Im Herbst kommt dann der nächste Belastungshammer und da besteht dann das Wahrnehmen der Verantwortung durch die Regierung darin, dass Sie sagen: Also bitte, uns sind die Hände gebunden, denn das wird jetzt von der Europäischen Union vorgegeben, wir können nichts dafür! Verantwortung übernehmen heißt für die Verliererampel aber vor allem, die zentralen Wahlversprechen zu brechen. Das Budget ist ja der Beweis dafür. Also diejenigen, von denen Sie – ÖVP, SPÖ, NEOS – vor der Wahl gesagt haben, dass sie Ihnen ganz besonders am Herzen liegen, das sind diejenigen, die jetzt verraten werden. Schauen wir zurück zur vorhergegangenen Debatte: Sie verraten die Familien, die Kinder, die Ihnen vorhin gerade noch so wichtig gewesen sind. Sie treffen voll das Herzstück der Gesellschaft und unsere Zukunft mit Ihren Kürzungen der Familienleistungen und mit den Gebührenerhöhungen und allem, was daherkommt – und Sie wissen ganz genau, dass vor allem die unteren Einkommensschichten überproportional betroffen sind. Sie strafen und verraten die Pensionisten mit Pensionskürzungen, die ein Leben lang negativ nachwirken. Meine Damen und Herren, das ist jene Generation, die tatsächlich Verantwortung übernommen hat, nicht nur für sich, sondern auch für andere, für unsere Heimat, die den Wohlstand erwirtschaftet hat, den Sie binnen kürzester Zeit verjuxt haben. (👏 FPÖ) Sie verraten die Leistungsträger durch die Rückkehr des Raubes der kalten Progression, durch ein höheres Pensionsantrittsalter, aber dafür gibt es dann eine immer kleinere Pension. Na toll ist das, ein toller Anreiz; so wie überhaupt Entlastungen und Anreize für Leistungsträger in Ihrem Budget verzweifelt gesucht werden, und von positiven Investitionen in den Wirtschaftsstandort brauchen wir ja gar nicht zu reden. Mit Ihrer Erhöhung der E-Card-Kosten treffen Sie voll und ganz die Kranken, aber im Gesundheitssystem wird gar nichts besser. Und Sie treffen und verraten das Pflegepersonal, dem Sie vorgaukeln, dass es da für alle eine Art Hacklerpension geben wird. Wenn man dann genauer nachschaut, kommt man aber drauf, dass man da 67 oder 68 Jahre alt ist, wenn das schlagend wird. So etwas kann nur jemand beschließen, der keine Ahnung von der Pflegepraxis hat, denn bis dahin sind die Leute schon zwei-, drei-, viermal ausgebrannt und kaputt. (👏 FPÖ) Im Vergleich dazu eine kleine Liste von dem, was Ihnen wichtig ist, von dem, was Sie sich natürlich weiter leisten wollen, wo Sie sogar noch mehr Geld ausgeben – der Kontrast macht es ja immer aus, das ist ja dann das Spannende –: Sie schreiben zum Beispiel das System fort, nach dem Asylantenfamilien ohne jede Leistung für dieses Land bis zu 9 000 Euro im Monat kassieren aus Mindestsicherung und diversen anderen Zutaten, während eben Pensionisten in diesem Land mit 15 Euro am Tag auskommen müssen. Das heißt, mit diesem Budget geht der All-inclusive-Klub für Völkerwanderer in Österreich weiter. Sie leisten sich milliardenteure Rüstungsausgaben, den Wahnsinn von Sky Shield, 6 Milliarden Euro, und in der Warteschleife bereits die nächste Anschaffung: Flugzeuge, die nächste Milliarde. Sie erhöhen das EU-Budget, den österreichischen Beitrag zur Europäischen Union, auf 4 Milliarden Euro, plus eine Milliarde. Sie finanzieren weiter die Kriegstreiberei in der Ukraine, 300 Millionen Euro bisher sind Ihnen noch nicht genug. Insgesamt, also mit den indirekten Zahlungen über die EU, waren es eh schon 3 Milliarden Euro. Jetzt kommen wieder 200 Millionen Euro dazu. Sie fördern die Elektromobilität, obwohl Sie das Gegenteil ankündigen: plus 173 Millionen Euro. Es geht weiter mit den sogenannten internationalen Hilfszahlungen, zum Beispiel – nur ein Beispiel – 20 Millionen Euro für das Kopfabschneiderregime in Syrien. Oder, ganz, ganz wichtig, aber auch die kleinen Summen machen es aus: 1 Million Euro für Nussbauern in Burkina Faso – na ja. Sie geben Geld für Sinnlosprojekte aus wie 20 Millionen Euro für eine Werbekampagne dafür, dass wir zeitlich befristet einen Sitz im UN-Sicherheitsrat haben. Ja, wozu, frage ich mich, wenn Sie ohnehin immer das Gleiche sagen wie der Mainstream? Das braucht es doch alles gar nicht, dieses Geld können Sie sich sparen. (👏 FPÖ) Mehr Geld gibt es für den Bundespräsidenten und seine Präsidentschaftskanzlei, Steuerzuckerl für den Österreichischen Rundfunk, 93 Millionen Euro. Eine 30-Millionen-Euro-Babler-Spezialförderung für die sogenannten Qualitätsmedien, also für Ihre Coronalautsprecher der Vergangenheit; diese Qualitätsmedien sind diejenigen, die jetzt die Clint-Eastwood-Interviews erfinden oder geschockte Menschen in Graz quasi vor die Kamera und vor das Mikrofon zerren, anstatt sie zu schützen. Das alles nennen Sie Wahrnehmen von Verantwortung – ich nicht. (👏 FPÖ) Ein ganz zentrales Gustostück Ihrer Verantwortungsübernahme möchte ich Ihnen auch noch servieren: Sie arbeiten nicht, um aus der Misere herauszukommen, nein, Sie machen etwas ganz anderes: Sie hoffen – hoffen! Sie sind Trittbrettfahrer, Sie hoffen eigentlich nur, dass Sie irgendwie bei einer Aufwärtsentwicklung in Europa, in Deutschland, irgendwo international, mit dabei sein können und ein bisschen mitprofitieren können. Das ist eigentlich der zentrale Plan Ihres finanziellen Zukunftskonzepts. Also: Die Probleme sind so groß, dass sie viel zu groß sind, dass wir im eigenen Land etwas unternehmen können, wir müssen auf die großen Lösungen setzen, das ist ja Ihr Credo und Ihre Dauerausrede in allen Bereichen. Aber diese Hoffnung ist auf Sand gebaut, da brauchen Sie sich nur die jetzige Energiepreisentwicklung bei Öl und Gas im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen und Mittleren Osten anzuschauen. Im Übrigen wissen wir alle auch aus der Vergangenheit, dass diese großen Lösungen im Gleichschritt mit den Einheitsbruderparteien in Berlin und in Brüssel ja in der Vergangenheit immer in die Hose gegangen sind; Stichwort Schuldenunion, Stichwort „Wir schaffen das“, Stichwort Klimakommunismus, Stichwort Russlandsanktionen. Ja lernen Sie denn überhaupt nichts dazu? Haben Sie sich noch nie in einer ruhigen Minute vielleicht einmal gefragt, warum es der kleinen Schweiz eigentlich so viel besser geht als Österreich? (👏 FPÖ) Sie haben keine Vision, Sie haben keine Ideale, Sie haben kein Feuer der Begeisterung für dieses Land und für die Bevölkerung. Sie haben keinen Glauben an dieses Österreich. Es geht um Macht, es geht um Posten, es geht um Einfluss und es geht um Verteilungsmöglichkeit. Das Einzige, wovon Sie wirklich haben – und das ist besonders problematisch –, das ist Angst; Angst haben Sie im Überfluss. Diese Verliererampel ist nämlich nichts anderes als eine Angstgeburt, geboren aus panischer Angst vor Neuwahlen, damit verbunden vor dem Machtverlust, damit verbunden vor echter Veränderung, damit verbunden vor dem Wähler. Es ist ein einziges Misstrauensvotum gegenüber der Bevölkerung, gegenüber dem Souverän. Die Verkörperung davon, das ist diese Verliererampel. Die Menschen spüren das ganz genau und die Menschen wissen das ganz genau, und das ist auch der Grund, warum von Ihnen nichts zur Bevölkerung überspringt. Ich sage Ihnen abschließend noch etwas: Die Österreicher sind durchaus bereit, sich einzubringen und ihren Beitrag zu leisten, mitzuziehen, den Gürtel enger zu schnallen, Verständnis zu entwickeln, das Land aus dem Dreck zu ziehen und damit ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen – aber nur unter folgenden Voraussetzungen: Erstens: Es dürfen logischerweise nicht dieselben Parteien den Kurs vorgeben, die das Land zuvor mit ihren Weisheiten gegen die Wand gefahren haben. Es würde sich doch niemand mehr genau jenem Arzt anvertrauen, der einen vorher verpfuscht hat. Das ist doch das Normalste auf der Welt. (👏 FPÖ) Zweitens: Es muss an den großen Schrauben gedreht werden. Das heißt: komplette Systemänderung in Sachen Völkerwanderung; totale Abkehr von der Unterwürfigkeit gegenüber Brüssel, der Kriegstreiberei, dem Rüstungsirrsinn; Streichen dieser ganzen sinnlosen internationalen Gelder; eine Energiepolitik inklusive Öl, Gas und Kohle, Ausnutzung der eigenen Ressourcen. Und es braucht ein Hineinschneiden in den eigenen Systemspeck – Stichwort Kammern, Herr Shetty, was ist mit den Kammern, wo ist der Beitrag der Kammern im Übrigen bei all diesen Dingen? Die sitzen alle auf einem Vermögen und ziehen sich fein aus der Affäre.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was haben denn Sie ausverhandelt gehabt?!

FPÖ Herbert Kickl

… Es braucht ein Hineinschneiden in die ganze Verwaltungsbürokratie, das ganze Sozialpartnerbonzentum. Und die Menschen erwarten sich natürlich auch ein Vorangehen mit einem guten Beispiel und kein Regierungsmonstrum mit 21 Ministern, Staatssekretären und etlichen Sonderbeauftragten noch obendrein. – So weit der zweite Punkt. Drittens: Es braucht den Glauben an die eigene Heimat, an die eigene Kraft und den unbedingten Willen zur Souveränität und zur Selbstbestimmung und zur Neutralität. Und es braucht das Vertrauen und die Wertschätzung für die eigene Bevölkerung und die volle Konzentration auf die Familie Österreich. Wenn das erfüllt ist, dann übernehmen die Bürger und Steuerzahler auch gerne ihren Teil der Verantwortung, dann ziehen sie gerne mit, denn dann kommt etwas mit ins Spiel, das Sie ihnen nicht geben können: Sinn. Dann macht das Ganze einen Sinn, damit am Ende nämlich nicht das Gleiche herauskommt wie das, was uns in die Katastrophe geführt hat, sondern etwas Neues, etwas Besseres und etwas Gerechteres. Genau so wie die Bevölkerung, meine sehr geehrten Damen und Herren, sehen wir das auch, und das verbindet uns mit den Menschen draußen und trennt uns von Ihnen. Diese Verbindung mit der Bevölkerung und nicht mit dem System, das ist echte Verantwortung. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Diese positive Kraft ist das, was dieses Land eigentlich bräuchte, aber nicht Ihren herzlosen und fantasielosen Kahlschlag. ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumPeter Haubner

Ich habe Sie jetzt bewusst während der Rede nicht unterbrochen, aber ich möchte darauf hinweisen, dass Tiervergleiche und strafrechtlich relevante Vorwürfe in Reden nichts verloren haben, und ich bitte Sie, das bei den nächsten zu berücksichtigen. – Danke vielmals. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Kollege Kucher.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Ich habe jetzt zum Schluss fast ein bisschen schmunzeln müssen, Herbert Kickl . Ich habe lange Zeit überlegt, was ich zu deiner Rede sagen soll. Du hast das dann aufgeladen und zum Schluss gesagt: Dann macht das alles einen Sinn. – Also mir würde viel zu deiner Rede einfallen, aber: Sinn?! Einen roten Faden dahinter zu erkennen, das war nicht wirklich mit dabei. Das war durchaus eine bemerkenswerte Rede. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Der Film ist jetzt ungefähr 30 Jahre alt, aber ich muss mir wirklich noch einmal die Zeit nehmen und mir diesen Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ anschauen, ob darin nicht irgendwo ein junger Herbert Kickl mit Brille vorgekommen ist, denn in Wahrheit habe ich schon sehr viel Dauerschleife bei dir erlebt: Egal was man macht, Herbert Kickl ist natürlich immer dagegen. Und was jetzt doppelt spannend war: Er ist nicht nur gegen alles, was die Regierung macht, sondern er ist auch gegen das, was er selbst beschlossen hat. Er ist gegen das, was er selbst in einem Brieferl nach Brüssel geschickt hat. Das ist ja ganz, ganz spannend. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Herbert, wenn du so viele sinnvolle Ideen hast, wie man angeblich hätte sparen können: Was hat dich denn daran gehindert, diese während der Regierungsverhandlungen einzubringen? Das Einzige, was dir in der Phase eingefallen ist, lieber Herr Briefschreiber, das Einzige, was dir in der Phase eingefallen ist, waren Massenkürzungen für die breite Masse. Wir haben das Gegenteil gemacht! Wir haben geschaut, dass Banken, Energiekonzerne und Stiftungen einen fairen Beitrag leisten, und haben damit die blauen Giftzähne gezogen. Das ist der Unterschied – wenn wir schon von Sinn reden. Das ist der Sinn. (👏 SPÖ) Aber du bist nicht nur gegen alles, du bist ja gleichzeitig auch dafür. Ich würde jetzt meinen, ein großer Philosoph wirst du nach dieser Rede keiner werden, aber vielleicht wirst du noch ein ganz Großer in der Quantenmechanik – Professor Taschner ist hier im Saal –, du bist ja fast ein bisschen so etwas wie Schrödingers Katze der Innenpolitik in Österreich: gegen alles und gleichzeitig auch dafür. Einerseits müssen wir sparen, andererseits aber darf man dann doch nicht sparen. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Du bist gegen die böse, böse Regierung, bist aber bombastisch gescheitert mit den eigenen Regierungsverhandlungen. Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen, was du gemacht hast. Du bist gegen Kürzungen bei der breiten Masse, hast die aber selbst nach Brüssel geschickt, lieber Herr Briefschreiber, und sagst gleichzeitig in Bezug auf einen gerechten Beitrag von Banken, Energiekonzernen und Stiftungen, dass dir das auch nicht taugt. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Dagegen sein auf der einen Seite, dafür sein auf der anderen Seite – und dann behauptest du, das Ganze ist sinnvoll?! Das passt nicht zusammen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir hätten es uns in dieser schwierigen Situation ganz leicht machen können – das betrifft die NEOS und die Sozialdemokratie gleichermaßen –, die SPÖ hat unter Christian Kern ein saniertes Budget hinterlassen. Natürlich ist das ein dramatischer Scherbenhaufen, den wir jetzt haben. Wir hätten es uns so leicht machen können wie Herbert Kickl : erste Reihe fußfrei sagen, was man alles macht. Eine hat schon viel dazugelernt, das ist Leonore Gewessler , die als Ministerin ja durchaus einige Sachen verabschiedet hat, die in Ordnung waren, aber sich jetzt die ganze Zeit hinzustellen und Haltungsnoten zu verteilen, das passt halt auch nicht, wenn man monatelang, jahrelang in der Regierung war, Milliarden mit beiden Händen beim Fenster rausgeschmissen hat und dann hier herinnen immer wieder die Debatte führt: Wo sind denn die Milliarden? (Die Abgeordneten Gewessler [Grüne] und Maurer [Grüne]: Bei den Menschen!) Die Frage darf ich zurückgeben. Liebe Leonore Gewessler , das ist schon ein ordentlicher Scherbenhaufen, den wir hier alle miteinander aufräumen müssen. (👏 SPÖ, NEOS) Ich weiß, dass man für das Verhindern von schlimmeren Dingen keinen Schönheitspreis gewinnt, aber da geht es eben um echte Verantwortung, Herbert Kickl , um Verantwortung für Hunderttausende, für Millionen Menschen in diesem Land, für deren Leben es schon einen Unterschied macht, ob die Sozialdemokratie genau für diese Gerechtigkeit kämpft. Das ist der Unterschied: Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, auch wenn wir nicht dafür verantwortlich sind. Die Leute haben natürlich schon den Unterschied erlebt. Es gibt keine pauschale Erhöhung des Pensionsantrittsalters, indem man drüberfährt, völlig egal, ob die Leute überhaupt Arbeit haben, ob die Leute überhaupt gesund sind und arbeiten können. Nein, wir setzen mit Reformen dagegen und schauen, dass vor allem ältere Menschen auch Arbeit haben. Wir schauen, dass es finanziell eben zu keinen Massenkürzungen bei Pensionistinnen und Pensionisten kommt, womit du sozusagen spekuliert hast und was du bereits nach Brüssel gesendet hast. Für diese Menschen macht es einen Unterschied – weil wir miteinander bereit waren, Kompromisse zu schließen. Ich weiß noch, wie es dem Gust gegangen ist, dem Yannick, das waren durchaus intensive Debatten, die ÖVP, SPÖ und NEOS geführt haben. Eine Zeit lang war es, glaube ich, gut, alle freuten sich auf den Sommer, um sozusagen wieder ein bisschen Abstand voneinander nehmen zu können, aber wir haben gesagt, es geht um Österreich, da braucht es gute Kompromisse für die Menschen. Und diese Kompromisse können sich sehen lassen! Wir haben darauf abgezielt, dass wir neben den Einsparungen einen gerechten Beitrag der breiten Schultern herbeiführen und dass es in ganz zentralen Bereichen keine Kürzungen geben wird. Ich habe das Bild noch vor mir: Dort auf der Regierungsbank ist er ganz vorne gesessen, Herbert Kickl , und hat fast mit Herzerln in den Augen Hartinger-Klein als Gesundheitsministerin angeschaut und hat applaudiert, als sie die Patientenmilliarde – angeblich – beschlossen hat. Was haben wir in Wahrheit jetzt übernommen? – Fast 1 Milliarde Euro Minus bei der Krankenkasse. Das ist die blaue Hinterlassenschaft gewesen. (👏 SPÖ) Ich will, dass in Zukunft die Menschen, die krank sind, wieder innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne einen Arzttermin bekommen. Wir sparen auch nicht im Bereich der Bildung – weil gerade die neue Mittelschule aus Ebreichsdorf hier ist –, wir wollen, dass jeder junge Mensch in diesem Land die besten Chancen hat. Im Gesundheitsbereich, im Bildungsbereich, bei der Beschäftigung wird trotz dieser schwierigen Zeiten jede Menge Geld investiert. Abschließend darf ich wirklich alle Fraktionen hier in diesem Haus bitten: Es ist keine einfache Zeit, aber es ist ein so großartiges Land, und es ist unsere Aufgabe, dass wir dieses starke Land auch gemeinsam wieder auf Kurs bringen. Wir haben es geschafft, die blauen Giftzähne zu ziehen, wir haben es geschafft, den blau-schwarzen Rasenmäher, der geplant war, sozusagen zu stoppen, und es gibt in Wahrheit auch die grüne Gießkanne nicht mehr. Wir schauen über alle Parteigrenzen hinweg, um miteinander das Land wieder auf Kurs zu bringen. Der Beitrag der Sozialdemokratie dabei ist es, zu schauen, dass das notwendige soziale Fingerspitzengefühl erhalten bleibt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Kommt im Herbst was nach?

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Werner Kogler . Ich habe die Redezeit auf 7 Minuten eingestellt.

GRÜNE Werner Kogler

Danke schön, Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Finanzminister! Kolleginnen und Kollegen auf der Regierungsbank! Ja, ich möchte den Appell von Kollegen Dengler aufgreifen und mich einer moderaten Wortwahl bedienen oder dies zumindest versuchen. Richtig ist, was das Budget jetzt betrifft – und ich schließe da bei etwas sehr Positivem an, das der Finanzminister in seiner Budgetrede gesagt hat –, dass Österreich trotz aller Schwierigkeiten – und wir haben massive Schwierigkeiten, das soll nicht geleugnet werden, die sich im Übrigen schon lange aufgebaut haben, im wirtschaftlichen Bereich, und deshalb hat ja das Budget Probleme und nicht zwingend umgekehrt; das ist alles richtig – immer noch sehr gut dasteht, von den Voraussetzungen her. Es geht auf der schiefen Ebene nach unten, das stimmt, aber hinsichtlich bestimmter Voraussetzungen für den Wirtschaftsstandort – was die Ausbildung der Arbeitskräfte betrifft, was viel Know-how betrifft, die Fähigkeiten, die es hier gibt, und auch, was völlig unterschätzt wird, aber zu Recht betont wurde, den sozialen Zusammenhalt, der im Wesentlichen trotz anderweitiger Bemühungen noch gegeben ist – sollte man für so eine Volkswirtschaft wie Österreich nicht unterschätzen, was das für eine Bedeutung hat. Das sind zwei super Voraussetzungen. Ja, und alles ist ein bisschen angeknabbert und geht nach unten. Alle können wir uns fragen, was wann richtiger gewesen wäre, das reicht aber schon viel länger zurück. Ich sage nur: Föderalismusreformdebatten. Seit wie lange? – Seit ich den Fernseher einschalte, und das ist lange, das war noch in Schwarz-Weiß. Also so herum möchte ich es einmal einleiten, aber es geht tatsächlich dann darum – diese Worte habe auch nicht ich erfunden, aber ich hätte es jetzt einmal so aufgegliedert –: ums Konsolidieren in dieser Situation, ums Sanieren und dann aber, oder mehr oder weniger gleichzeitig beginnend – dazu sage ich dann noch etwas –, ums Reformieren, das ist völlig richtig. Und das, und auch da wissen wir uns mit dem Finanzminister eins, muss so viel Spielraum lassen, gerade noch, dass wir auch noch investieren können. Also: konsolidieren, sanieren, reformieren – Fragezeichen –, aber auch investieren. Wir sagen ja selber vom ersten Tag weg, bitte das zu berücksichtigen – Jakob Schwarz und ich investieren da tatsächlich, und das ist im Übrigen auch nachzurechnen –: Wo muss dann, dann aber sinnvoll, gespart werden, wenn wir bestimmte Ziele der Budgetsanierung erreichen wollen? Und ich bin selber der Meinung und ich glaube, vom Grundsatzpfad her, dass wir bis zum Ende der Legislaturperiode wieder die europäischen Regeln relativ gut einhalten, da würden wir übereinstimmen. Wenn das aber schon einmal der Konsens ist, dann kann man bei den Einnahmen und Ausgaben schauen. Und die Grünen machen es sich nicht leicht. Immer wenn wir etwas kritisieren, sagen wir, wo sonst das Geld in der Welt läge, damit der Pfad passt, damit das passt, dass wir auf diesen europäischen Konsolidierungskurs kommen und gleichzeitig aber Ursache und Wirkung nicht verwechseln – und Ursache der Budgetmisere ist eben die Wirtschaftskrise, und deshalb muss man schauen, wie wir dort ansetzen. Und jetzt habe ich schon das Thema – um das durchzugehen –, dass es – nicht überall, es gibt auch gute Geschichten, nicht überall, aber in wesentlichen Teilen oder in einzelnen Teilen, je nachdem –, gemessen an den Alternativen, die es immer noch gibt, hier umweltschädlich zugeht, phasenweise aus gleichen Gründen wirtschaftsfeindlich und da oder dort gar nicht zu knapp sozial ungerecht. So, und das ist völlig verkehrt herum, und wir werden immer nachweisen, wie wir das Geld sonst aufstellen wollen. Wenn wir uns zum Beispiel im sozialen Bereich – damit ich eines herausgreife – anschauen, dass gerade die Familien – apropos Familienpartei ÖVP – mit den meisten Kindern, mit den geringsten Einkommen und die, die am entlegensten wohnen, nicht nur relativ, sondern phasenweise auch absolut die größten Kürzungen haben, dann geht das auch anders. Wenn man schon bei der kalten Progression hingreift – was ich ja verstehe, denn das war immer ein günstiges Körberlgeld, und wir sind auch darauf aufmerksam gemacht worden, dass es Schwierigkeiten geben könnte, wenn man das abschafft, ohne eine Gegenfinanzierung vorzusehen, sage ich dazu und verweise da auf Prof. Badelt –, dann greife ich doch so hin, dass ich nicht das soziale Drittel – das heißt im Übrigen schon so – angreife, weil dort die Chance Kindergrundsicherung – das ist ja das Programm der SPÖ, da decken wir uns weitgehend – verankert ist. Das ist ja bis jetzt gelungen – im Übrigen, grosso modo hat der Sozialstaat ja gehalten –, und jetzt soll es dort aber weitergehen. Deshalb könnte man – ja, das muss ich an dieser Stelle selber eingestehen – das vielleicht von oben herum machen – da sind wir sogar noch innerhalb des gleichen Prinzips: Rücknahme der Abschaffung der kalten Progression – oder auch an anderer Stelle dort. Bei den Abgaben haben Sie ja auch nicht alles ausgeschöpft. Die Bankenkiste könnte man entweder erhöhen oder länger laufen lassen. Die haben zur Stunde erst die Hälfte abgetragen von dem, was der Finanzsektor in der Finanzkrise verursacht hat. 5 Milliarden Euro sind noch offen. Wir wissen, wovon wir da reden. Ich würde auch einmal den Gemeindebundpräsidenten, der durchaus konstruktive Ansätze hat, erhören und den Gemeinden die Möglichkeit geben, dass sie bei der Grundsteuer etwas tun. Warum passiert das nicht? Ansonsten will ich mich wieder auf die Ausgabenseite konzentrieren, und da kommen wir zur Umweltfrage, die mit der Wirtschaftsfrage verbunden ist. Da wird wirklich viel Unsinn verbreitet. Ich weiß schon, dass wir da in Konkurrenz stehen, aber zu sagen, nur weil ich gestern in der „Pressestunde“ war – Kolleg:innen von den Sozialdemokraten, seid mir nicht böse –, die SPÖ müsse jetzt zusammenräumen, was die Grünen im Klimaschutz nicht zusammengebracht haben: Also da wünsche ich Ihnen viel Vergnügen. Da gehen Sie einmal auf Österreichtour und diskutieren Sie das durch! Und wir sind dann eh auch schon wieder da. Aber das geht sich ja hinten und vorne nicht aus! Richtig ist, dass einige Milliarden zusätzlich in die Hand genommen wurden für verschiedenste Fördersystematiken. Das ist richtig. Aber um was zu befördern? – Um Investitionen zu befördern. Von denen reden wir ja: Investitionen! Und das kann man einmal so und einmal so machen, aber grosso modo passt es. Die haben im Übrigen sehr viel gebracht für die österreichische Volkswirtschaft, auch die Wirtschaftskammer erkennt das. Hätten wir das nicht gemacht, wäre die Wirtschaftsmisere und damit die Budgetmisere noch größer. Es ist ja klar, dass jetzt die Installateure, die Monteure und alle herumrennen und sagen: He, wo führt denn das hin? – Das, glaube ich, sollte man daher nicht in dieser Form streichen, sondern anders machen, denn sonst haben wir am Schluss die Strafzahlungen. Na da mache ich die Rechnung auf: Der Rechnungshof sagt, zwischen 5 und möglicherweise 9 Milliarden Euro wären es im Jahr 2030. Wir haben umweltschädliche Subventionen. Apropos Förderungen: Die anderen haben wenigstens einen Sinn, die für etwas sind. Aber diese nicht anzugreifen, wenn es so knapp ist? Ja, wir haben auch nicht alles weggebracht, das ist richtig, aber wir hatten auch nicht diese Budgetsituation. Das ist das, was sich nicht ausgeht, finde ich: Wir haben mehrere Milliarden – ich habe es gestern vorgerechnet –, die völlig in die falsche Richtung gehen. Und das sollten Sie sich schon zu Herzen nehmen in all diesen Bereichen. Und wenn dann rauskommt, dass wir am Schluss noch mehr umweltschädliche Subventionen machen statt weniger, und zwar in Milliardenhöhe, dann sieht man da die Dimension. Wir könnten alles aufrechterhalten, wenn wir es anders zuteilen – das ist ja zum Teil eine Geschmacksfrage –, aber man muss es nicht streichen. Das kann man von mir aus besser machen – beweisen Sie das! Und was die Dimension von dem Ganzen betrifft – weil Sie so tun, und das ist ja der größte Blödsinn, Kollege Kucher, seid mir nicht böse, dass das im Großen irgendetwas auslösen würde –: Wenn wir die letzten fünf Jahre hernehmen, machen diese zusätzlichen Umweltförderungen plus/minus ein halbes Prozent von der Wirtschaftsleistung aus. Rechnen Sie endlich einmal nach! Das würde ich allen empfehlen: nachzurechnen. (👏) Und für dieses halbe Prozent wurde so viel erreicht und ausgelöst: neue Firmen, neue Arbeitsplätze in den Zukunftsbereichen – und die Emissionen sinken! Von diesen Maßnahmen werden Sie noch jahrelang profitieren. Jetzt fallen aber die Entscheidungen dafür, wie es 2027 bis 2030 mit den Emissionsreduktionen aussieht. Daran werden Sie auch gemessen. Auch das ist Wirtschaft und auch das sind Arbeitsplätze. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter August Wöginger . – Ich habe Ihre Zeit auf 6 Minuten eingestellt.

ÖVP August Wöginger

Danke, Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es ist notwendig, zu Beginn ein paar Worte auf Klubobmann Kickl zu replizieren, weil er immer Ehrlichkeit einfordert, dass man sich an die Wahrheit hält und dass ehrliche Politik betrieben wird. Herr Klubobmann Kickl, ich habe ein paar Dinge herausgehört. Da ich Klubobmann Kickl ja auch schon längere Zeit kenne, möchte ich hier ein paar Dinge klarstellen; das gehört auch zur Wahrheit dazu. Das hat nicht immer nur die eine Seite, das hat auch die andere. Zur Coronapolitik: Es war immerhin Herbert Kickl , der den ersten Lockdown gefordert hat – noch drei Tage vor der Bundesregierung, im März 2020.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und wer war der Erste, der gesagt hat: Weg damit!?

ÖVP August Wöginger

… Zu den Privilegien: Herr Kollege Kickl, das fetteste Auto, das von einem Politiker in Österreich gefahren wird, das hast du selber. Das ist eine Mercedes S-Klasse. (👏 ÖVP) Zum Innenminister Kickl: Was ist geblieben vom Innenminister Kickl? – Nichts! Der blaue Teppich ist weg, die Rösser sind weg und die Bilanz ist schlecht. Wir wissen jetzt genau, dass die Bilanz schlecht ist, weil zurzeit um 12 000 Menschen weniger in der Grundversorgung sind, als das im April 2019 unter Innenminister Kickl der Fall war. Wir haben jetzt unter Innenminister Karner um 12 000 Menschen weniger in der Grundversorgung als unter Herbert Kickl . Das ist auch die Wahrheit, Herr Klubobmann. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zu guter Letzt, und dann kann ich auch zum Budget überleiten: Wir haben ja gemeinsam verhandelt. Kickl hätte natürlich Bundeskanzler der Republik werden können. Er wollte es aber nicht. Er wollte es aber nicht – wahrscheinlich zu anstrengend, sieben Tage, 24 Stunden, da kann man nicht mehr Bergkraxeln gehen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das tät’ dir gar nicht schaden ein bissl!

ÖVP August Wöginger

… Das wird alles dazugehören. Er wollte es nicht. Das ist auch die Wahrheit. Zum Budget: Das haben wir ja wirklich ausverhandelt gehabt, genau die 6,4 Milliarden Euro; zu 90 Prozent ident. Da sind sicher ein paar Abweichungen dabei …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Die Pensionen zum Beispiel!

ÖVP August Wöginger

… im kulturellen Bereich und dass man die Fahrradfahrer nicht entlasten will. Da sind Forderungen der FPÖ im kleinen Bereich drinnen. Zu 90 Prozent aber sind die 6,4 Milliarden Euro ident so, wie wir es jetzt in diesem Budget vorfinden – auch was die Pensionen anbelangt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mit oder ohne Defizitverfahren? – Abg. Kaniak [FPÖ]: ... Pensionistensprecherin ist dabeigesessen und hat gesagt, dass man das nicht macht!

ÖVP August Wöginger

… Auch wenn es wieder 100 tatsächliche Berichtigungen gibt, es ist nicht die Wahrheit! Es ist einfach falsch. Wir haben die Veränderungen bei der Korridorpension ausgemacht gehabt und wir haben die Erhöhung des Krankenversicherungsbeitrages um 0,9 Prozent ausgemacht gehabt. Die beiden Parteiobleute Kickl und Stocker haben das auch unterschrieben und gemeinsam nach Brüssel geschickt. Das ist die Wahrheit, meine sehr geehrten Damen und Herren.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich glaube, du hast ein allgemeines Wahrheitsproblem!

ÖVP August Wöginger

… Dass die Erstellung dieses Budgets in Zeiten wie diesen nicht einfach ist, ja, das ist richtig. Wir haben seit drei Jahren Rezession. Wir haben mehrere Jahre verschiedener Krisen hinter uns …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die ÖVP hat überhaupt nichts damit zu tun ...!

ÖVP August Wöginger

… die Pandemie, natürlich auch die Kriegssituation wieder auf europäischem Boden. Da siehst du ( in Richtung Abg. Kickl [FPÖ] ) ja auch nur die eine Seite. Natürlich: Wenn man mit Russland so verbandelt ist, wie das die FPÖ ist – mit Verträgen und weiß der Teufel, was da noch alles dazugehört …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist dermaßen ...! – neuerlicher Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ]

ÖVP August Wöginger

… dann ist die Situation der FPÖ schon klar.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das glaubt ja eh keiner mehr!

ÖVP August Wöginger

… Dass man mit beiden spricht, um endlich Frieden herbeizuführen, das ist unsere Antwort darauf …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Seit wann? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Seit wann denn? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ – Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS

ÖVP August Wöginger

… nicht die Einseitigkeit, die die FPÖ von sich gibt, die nur Russland sieht und nicht das andere auch.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wann kommt der Putin auf Staatsbesuch?

ÖVP August Wöginger

… Dann hat es die Teuerung gegeben. Dann hat es die Inflation gegeben. Das alles wird von der FPÖ weggewischt, als hätte es in dieser Republik nicht stattgefunden. Wir haben die Veränderungen, die es natürlich auch im globalen Umfeld gibt: die Zollpolitik von Präsident Trump …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die ist jetzt schuld fürs Defizit, oder was?

ÖVP August Wöginger

… jetzt auch die Kriegssituation erneut im Nahen Osten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mein Gott, ist das peinlich!

ÖVP August Wöginger

… All das geht ja nicht spurlos auch an uns vorüber.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Würde mich ja mal interessieren, wer da eigentlich der Aggressor ist!

ÖVP August Wöginger

… Dennoch können wir als Bundesregierung – und auch wir als die drei Koalitionsparteien hier im Parlament – dieses Budget in den nächsten Tagen nicht nur diskutieren, sondern am Mittwoch auch beschließen: ein Budget, das nichts beschönigt und keine Wohltaten verspricht; ein Budget, das vor allem einen neuen Weg einleitet; einen Weg, der nicht einfach ist, aber der beste Weg für Österreich ist – mit dem Dreiklang aus Sanieren, Reformieren und Wachsen. Das ist der Weg der Verantwortung, meine Damen und Herren, den wir hiermit gehen. Ein Wort zu diesen drei Punkten. Sanieren: Wir haben ein Gesamtsanierungsvolumen in den beiden Jahren von 17 Milliarden Euro, denn es ist ja das eine die Sanierung und das andere auch die Offensivmaßnahmen, die gesetzt werden können. Im heurigen Jahr sind es insgesamt 7 Milliarden Euro, 6,4 Milliarden für die Konsolidierung. Im kommenden Jahr sind es 10,3 Milliarden Euro, 8,7 Milliarden für die Konsolidierung und gut 1,5 Milliarden für Offensivmaßnahmen. Was sind denn die Maßnahmen? Noch dazu: Das ist nicht nichts. In den letzten Jahrzehnten wurde ein derartiges Budget in diesem Haus nicht beschlossen, notwendigerweise.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Historisch! Ist so!

ÖVP August Wöginger

… Aber wenn man fragt: Wo ist denn da die Konsolidierung? – Die ist da, meine Damen und Herren. Die ist nachweislich da.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Für die nächsten fünf Jahre!

ÖVP August Wöginger

… Die ist niedergeschrieben. Es ist auch notwendig, das in der jetzigen Zeit zu tun. Das betrifft den Klimabonus. Das betrifft die Bildungskarenz. Das betrifft das gesamte Förderungswesen. Das betrifft auch die Verwaltung mit über 1 Milliarde Euro. Das betrifft auch steuerliche Maßnahmen, die gesetzt werden, damit dieses Budget saniert wird.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was wird da saniert? Neue Verschuldung!

ÖVP August Wöginger

… Das ist der Weg, der notwendig ist, und diesen Weg gehen wir auch, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Reformieren: Die Pensionen habe ich erwähnt; mit der FPÖ vereinbart und ausgemacht. Wir haben neben der Korridorpension- Änderung auch die Aliquotierung mit 50 Prozent festgehalten. Wenn man also heuer in Pension geht, bekommt man im nächsten Jahr die Hälfte des Anpassungsfaktors. Das war eine unendliche Geschichte in den letzten Jahren, auch hier im Hohen Haus. Auch der Nachhaltigkeitsmechanismus wird Teil des gesamten Paketes sein.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, schön, toll! Erklär einmal den Nachhaltigkeitsmechanismus!

ÖVP August Wöginger

… Die Teilpension und auch eine Neuregelung bei der Altersteilzeit werden es ermöglichen, dass das faktische Antrittsalter stärker an das gesetzliche Antrittsalter herangeführt wird. Es ist notwendig, meine Damen und Herren, das zu tun, weil natürlich auch die Ausgaben in diesem Bereich steigen, weil wir eine älter werdende Gesellschaft sind, weil wir auch der älteren Generation Respekt und Anerkennung und Wertschätzung zollen wollen, aber auch eine Nachhaltigkeit im Pensionssystem verankern wollen. Zum Bereich Reformen darf ich auch noch auf etwas verweisen, was es in Österreich lange nicht gegeben hat, nämlich die Reformpartnerschaft Österreich, die im Rahmen der Landeshauptleutekonferenz vor wenigen Tagen in Salzburg unterschrieben wurde, und zwar von der Spitze der Bundesregierung, vom Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz Wilfried Haslauer , vom Vorsitzenden des Städtebundes und des Gemeindebundes. Man will da in den Bereichen der Energie, der Bildung, der Gesundheit und der Verwaltung in den kommenden Monaten Maßnahmen setzen, um auch da die Reformansätze zu zeigen und diese auch umzusetzen. Das ist Politik, die Verantwortung übernimmt. Das ist Politik für die Zukunft unseres Landes. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Wachsen, meine Damen und Herren: Eigentlich sollte es ja einen Schulterschluss dafür geben, dass man dieses zarte Pflänzchen, das es jetzt am Ende des Horizonts gibt – auch bestätigt durch die Oesterreichische Nationalbank; auch das Wifo sieht ein leichtes Wachstum, wenn es auch nicht viel ist, aber es geht in die richtige Richtung –, unterstützen sollte als politischer Verantwortungsträger, egal ob man in der Regierung oder in der Opposition ist. Wir versuchen, das mit zahlreichen Offensivmaßnahmen auch anzukurbeln. Da ist zum Beispiel die 1 000-Euro-Mitarbeiterprämie, die steuerfrei gestellt ist, oder auch – für jene, die ein Fahrzeug brauchen oder weiter weg sind vom Arbeitsplatz – die Verdreifachung des Pendlereuros von 2 auf 6 Euro. Die Maßnahme zum Arbeiten im Alter: Es ärgert ja viele Menschen, wenn sie bis zum gesetzlichen Pensionsantritt gearbeitet haben und dann aber sagen: Ich fühle mich noch fit und gesund und will weiterarbeiten!, dass dann eine Steuernachzahlung von 2 000, 3 000 oder 4 000 Euro kommt. Dass das nicht passiert, das setzen wir ab dem Jahr 2026 auch um. Das ist eine wichtige Maßnahme. (👏 ÖVP) Dazu gehört auch, dass wir die kleine und mittlere Wirtschaft unterstützen, wie mit der Befreiung von der NoVA bei diesen Kastenwägen – wenn der Mitarbeiter, der Elektriker von einer Baustelle zur anderen fährt und am Abend nach Hause und am nächsten Tag wieder auf die Baustelle, dass er auch vom Sachbezug befreit ist und dass das Auto in der Anschaffung keine NoVA beinhaltet. Oder auch der Kostendeckel bei den Rezeptgebühren für jene, die niedrigere Pensionen haben, dass auch eine soziale Handschrift hinterlassen wird; das zweite Kindergartenjahr, das vom Bund mitfinanziert wird; die Deutschförderung und das Gemeindepaket in der Höhe von insgesamt 880 Millionen Euro in den nächsten Jahren. Das, meine Damen und Herren, ist verantwortungsvolle Politik. Das heißt nicht nur Sparen um jeden Preis, sondern Prioritäten setzen – und das mit Hausverstand. Wir tun das Richtige mit diesem Doppelbudget für Österreich. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Michael Schnedlitz . – Ich habe Ihre Redezeit auf 8 Minuten eingestellt.

FPÖ Michael Schnedlitz

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vor allem geschätzte Damen und Herren Zuhörer, um deren Zukunft es jetzt geht! Wir haben ein Budget der Ampelregierung vorliegen, bei dem der Plan lautet: ein Belastungsbudget für die Menschen, verlorene Jahre für die Wirtschaft, in den finanziellen Untergang der Republik Österreich. Da können meine Vorredner behaupten, was sie wollen. Sie alle wissen: Zahlen lügen nicht. Im Übrigen: Auch Excel-Listen lügen nicht, Herr Kollege. Die Menschen wissen und können nachvollziehen – sogar im Internet –, dass die Liste, die während der Verhandlung von FPÖ und ÖVP von Herbert Kickl unterschrieben nach Brüssel geschickt wurde, mit keinem Wort diese Pensionskürzungen enthält …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Yannick hat ein Taferl!

FPÖ Michael Schnedlitz

… die Sie jetzt gemeinsam mit der Ampel beschlossen haben. Vielleicht auch noch als Anmerkung, denn das war ja nicht das Einzige, was mein Vorredner behauptet hat; er hat ja auch behauptet, auch Herbert Kickl habe einen teuren Dienstwagen: Sehr geehrte Damen und Herren, das ist unrichtig. Die Wahrheit lautet auch da: Das ist kein Dienstwagen der Republik Österreich. Die Freiheitliche Partei bezahlt diesen Dienstwagen selber.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

Aus der privaten ...! – Ruf bei der ÖVP: Unternehmensberatung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Im Übrigen - - ( Unruhe im Saal. ) Im Übrigen hat die Freiheitliche Partei im Vergleich zur Republik Österreich keine Schulden ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und sie hat auch im Vergleich zur Österreichischen Volkspartei keine Schulden. Wir wissen, wie man wirtschaftet. (👏 FPÖ) Und dann hat mein Vorredner von der Österreichischen Volkspartei, weil er gerade so in Fahrt war , auch noch behauptet, diese Bundesregierung sei quasi der Schutzpatron der Neutralität und man spreche mit beiden – ich glaube nicht, dass er den amerikanischen Ex-Präsidenten gemeint hat, er meinte: beide Seiten –, aber am heutigen Tag ist nur eine Seite hier, nur eine Seite eingeladen, und nur eine Seite bekommt von Ihnen die Finanzhilfen. Sie sprechen nicht mit beiden Seiten, Sie opfern unsere Neutralität, und die Menschen zu Hause vor den Bildschirmen wissen das. (👏 FPÖ) Ich weiß ja nicht, was in einem vorgeht, wenn man glaubt, mit solchen Aussagen die Menschen zu Hause vor den Bildschirmen und hier auf der Galerie für dumm verkaufen zu können. Glaubt man wirklich, man kommt damit durch? – Das haben sich die Menschen von meinem Vorredner anhören müssen, aber kein Wort zur Sicherheit, kein Wort zum Kahlschlag bei der Polizei. Da sieht man, wie wichtig die Polizei und das Innenministerium der Österreichischen Volkspartei in Wahrheit sind, und gleichzeitig sieht man, wie wichtig es gewesen wäre, dass das Innenministerium endlich in verantwortungsvolle Hände, nämlich in freiheitliche, gelangt. (👏 FPÖ) Mit diesem Budget haben wir jetzt einen Plan vorliegen, der die nächsten Jahre abbildet, und es war noch nie so offensichtlich, dass es nicht um die Republik Österreich oder um das Wohlergehen der österreichischen Bevölkerung geht, sondern um Posten. Das sieht man alleine schon, wenn man hier zu meiner Linken und zu meiner Rechten auf die größte und teuerste Regierungsmannschaft aller Zeiten blickt: Das manifestiert sich auch in einem Kanzlerposten für die abgewählte Österreichische Volkspartei, in einem Vizekanzlerposten für Andreas Babler , in einem Ministerposten für Meinl-Reisinger und in ein paar anderen Posten. Dafür haben Sie der Republik Österreich einen Bärendienst erwiesen, und im Budget schreiben Sie den jetzt fest. Dafür haben Sie gleichzeitig Ihre Parteien, Ihre Funktionäre und Ihre Wähler verkauft. Sie haben alle Ihre Ziele über Bord geworfen, und ich werde Ihnen jetzt die Beweise dafür liefern. Wo werden die Ziele von Parteien und die Versprechen an die Wähler festgeschrieben? – Ich würde einmal sagen: auf Wahlplakaten. Und wo wird die Umsetzung gesammelt festgeschrieben? – Im Budget. Jetzt schauen wir uns das an: Die NEOS haben plakatiert: „Reformkraft“. – Was ist von dieser Reformkraft geblieben? – Ein Steigbügel für die Österreichische Volkspartei und Sepp Schellhorn. Der Rest ist ja zurzeit gerade nicht da. – Viel mehr muss man dazu gar nicht sagen. Was hat die SPÖ, die Sozialdemokratie plakatiert? – Das Gesicht von Andreas Babler und daneben den Satz – ich zitiere –: „Mit“ Herz „+Hirn“, „Für deine Pension.“ ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ. ) Eine ältere Dame war auch auf dem Plakat. Sogar mehr noch: In einem von der SPÖ selbst geführten Interview wurde Andreas Babler von der SPÖ gefragt: „Was meinst du, wenn du von einer Pensionsgarantie sprichst?“ – Andreas Babler hat geantwortet: „Die Sozialdemokratie ist Garantin dafür, dass man von der gesetzlichen Pension, für die man jahrzehntelang eingezahlt hat, gut leben kann. Faire und sichere Pensionen schützen vor Altersarmut.“ – Und jetzt kommt es –: „Mit der SPÖ wird es keine Pensionskürzungen und keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters geben.“ …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Alles wurscht!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Dann hat er noch im selben Satz dazugesagt - - (👏 SPÖ) Da klatschen die noch, obwohl sie jetzt gerade mit diesem Ersten des Monats die Pension gekürzt haben! (👏 FPÖ) Na geht denn mehr Hohn gegenüber der Bevölkerung? Geht’s euch noch gut? Da klatscht ihr noch! Gleichzeitig, im selben Absatz, hat Andreas Babler auch versprochen: Pensionssystem in der Verfassung, Arbeitszeitverkürzung und ein Bankomat an jeder Ecke – darauf gehe ich jetzt gar nicht ein. Da aber zu klatschen, das zu plakatieren und dann die Pensionen zu kürzen, obwohl Sie den Pensionisten eine Garantie gegeben haben: Sie haben den Pensionisten eine Garantie gegeben, die haben Ihnen vertraut, und viele haben Ihnen dann auch ihre Wählerstimme anvertraut. Dann herzugehen und die Pensionen zu kürzen, erinnert mich – das sage ich Ihnen – an den Enkeltrick. Da geht es auch darum, zuerst Vertrauen aufzubauen, und dann bleibt kein Geld übrig. Genau das haben Sie in dieser Regierung zustande gebracht. (👏 FPÖ) Schlussendlich hat die Österreichische Volkspartei plakatiert: „Karl Nehammer“, und daneben: „Stabilität“. – Ja, jetzt könnte man sagen, es wäre das Mindestmaß an Stabilität gewesen, wenn der, der plakatiert wird und antritt, dann auch in die Regierung eintreten würde, aber damit will ich mich jetzt gar nicht aufhalten. Der hat jetzt eh einen Job bekommen – das funktioniert ja bei Ihnen sehr stabil –, mit über 30 000 Euro brutto im Monat als EU-Banker ohne Ausbildung, während Sie die Pensionen kürzen. In diesen Schachzügen und in diesen Winkelzügen ist die ÖVP stabil. Schauen wir uns das Ganze aber auch fachlich an! Sie plakatieren Stabilität, Sie stellen jetzt den Kanzler, und das Budget zeigt das genaue Gegenteil von Stabilität. Wenn man nämlich ein Budget macht – egal ob das ein Haushaltsbudget oder ein Budget in einem Unternehmen oder eben ein Budget für die Republik ist –, dann weiß der normal denkende Bürger, man geht her und schaut sich an: Wo komme ich her, wie stehe ich da – eine Lagebeurteilung –, und wo will ich hin? Das Wo-will-ich-hin schreibt man dann im Budget fest, und das gehen wir jetzt der Reihe nach durch: Wo kommen Sie her und wo stehen Sie beim Thema Stabilität? – Österreich ist das einzige EU-Land mit negativem Wirtschaftswachstum. Dann stellt sich der Kogler raus und sagt: Wir stehen wirtschaftlich gut da. – Letzter Platz beim Wirtschaftswachstum, letzter Platz beim Wirtschaftswachstum! In anderen Bereichen, zum Beispiel bei der Steuerlast, sind wir zwar nicht Letzter, aber es geht den Österreichern am drittschlechtesten von allen europäischen OECD-Ländern. Schlechter geht es nur noch den Menschen in Frankreich und in Belgien. Besonders schlecht, was die Abgabenbelastung betrifft, geht es einem Österreicher oder einer österreichischen Familie übrigens dann, wenn sie zwei Kinder hat. Da hat uns dann nämlich sogar Frankreich mit der Abgabenbelastung überholt, und nur noch Belgien steht schlechter da und man muss für sein Arbeiten mehr Abgaben bezahlen. – Das würde ewig so weitergehen, betreffend Inflation, öffentlicher Schuldenstand und, und, und. Zusammenfassen kann man: Wirtschaft kaputt, Standort kaputt – das sind die Analyse und die ehrliche Lagebeurteilung kurz zusammengefasst zum Zeitpunkt heute. Jetzt planen wir das Budget. Besserung in Sicht? – Nein. Man braucht den Budgetplan – der liegt ja schwarz auf weiß auf dem Tisch – nur zu öffnen und zu lesen: keine Investitionen, keine Trendwende, kein Befreiungsschlag für die Wirtschaft, kein Befreiungsschlag im Steuersystem, kein Befreiungsschlag für den Standort. Jetzt würde man normalerweise hergehen und sagen: Aber dafür sanieren sie wenigstens das Budget. – Nein, sehr geehrte Damen und Herren, das Budget wird auch nicht saniert. Österreich bekommt ein Defizitverfahren. Warum bekommt Österreich ein Defizitverfahren? – Weil die Europäische Union – nicht die Freiheitliche Partei unter Kickl – über dieses Budget sagt: Totalschaden, Note: untauglich; untauglich, um das Budget zu sanieren. Deshalb bekommt Österreich jetzt ein Defizitverfahren. Das ist übrigens auch der Unterschied zwischen dieser Ampelregierung und einer Regierung unter einem Kanzler Kickl. Den schreiben nicht wir fest, den hat die Europäische Union festgeschrieben.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Es gibt keinen Kanzler Kickl!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Weil Sie so gern die Frage stellen: Was ist die Unterschrift von Herbert Kickl wert? ( Ruf bei der ÖVP: Nichts! ) – Die Europäische Union hat das beantwortet: Ein Plan innerhalb von drei Tagen, eine Unterschrift von Herbert Kickl , die Aussicht auf Kanzler Kickl, seine Durchsetzungskraft und Glaubwürdigkeit, und die Europäische Union hat gesagt: kein Defizitverfahren. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP. ) – Das haben wir jetzt schwarz auf weiß. Da können Sie jetzt machen, was Sie wollen. (👏 FPÖ) Dann kommt die Ampel mit der ÖVP als Seniorpartner daher, und da braucht jetzt die ÖVP gar nicht zu lachen. Wenn die ÖVP während der Verhandlungen mit den Freiheitlichen, als sie der Juniorpartner war, ausschlaggebend gewesen wäre, dass es zu keinem Defizitverfahren kommt, und jetzt – neben mir sitzt der Kanzler – den Seniorpartner stellt, warum gibt es denn dann jetzt ein Defizitverfahren? – Sie können den Menschen draußen nicht erzählen, dass Sie damals das Defizitverfahren abgewendet haben, wenn Sie vom Juniorpartner zum Seniorpartner mutiert sind und jetzt das Defizitverfahren kommt. Sie in der Österreichischen Volkspartei sind der Garant für ein Defizitverfahren. – So einfach ist unterm Strich die Rechnung. (👏 FPÖ) Die EU sagt mit einem Blick auf dieses Budget: Wir kennen jetzt Ihren Plan, wir kennen Ihre Glaubwürdigkeit, und das Ergebnis ist, wir leiten ein Defizitverfahren ein. – Bravo, sehr geehrte Damen und Herren von der Österreichischen Volkspartei! Wundern darf das Ganze niemanden. Die ÖVP-Grüne-Vorgängerregierung hat bei Corona 88 Milliarden Euro Defizit gemacht, hat aber kein Geheimnis daraus gemacht, sondern hat gesagt: „Koste es, was es wolle“, wir hauen jetzt diese 88 Milliarden Euro Defizit hinaus. – Wie gesagt, kein Geheimnis, der Stil war jedem bekannt. Die jetzige Regierung – links und rechts von mir, die Ampelregierung – kürzt die Pensionen, erhöht die Gebühren, streicht Leistungen, spart bei Familien, investiert nichts in die Wirtschaft, investiert nicht in den Standort – und jetzt kommt es –: trotzdem kein Nulldefizit, sondern 82 Milliarden Euro Defizit. Das ist fast dasselbe wie in den letzten fünf Jahren, mit einem großen Unterschied: Der Unterschied sind nicht das Defizit und das Minus, sondern der Unterschied ist, dass diese Ampelregierung den Leuten in die Tasche greift, während die Vorgängerregierung das Motto gelebt hat: „Koste es, was es wolle“. Das zeigt den Plan für den Untergang dieser Republik, den Sie hier mit diesem Budget auf den Tisch legen. (👏 FPÖ) Das muss man sich nämlich vorstellen: Trotz aller Einschnitte, trotz aller Belastungen ist es dasselbe Ergebnis wie das, das uns an den Rand des Zusammenbruchs geführt hat. Genau deshalb sagt ja die EU zu Recht, wenn sie auf dieses Budget schaut: Na, wir müssen ein Defizitverfahren einleiten; das passt ja nimmer, was die uns vorlegen. Wenn die als Unternehmer so arbeiten würden, dann würde es ja auch heißen: Sanierungsverfahren gescheitert! – Da findet man sich wahrscheinlich dann schon auf einer Ebene mit René Benko, wenn man so etwas vorlegt. Das ist das, was jetzt auf dem Tisch liegt, und Klubobmann Kickl hat ein gutes Beispiel genannt, das ich nur eine Spur weiterdenken darf. Klubobmann Kickl hat gesagt, es ist ja eigentlich ein Wahnsinn, man würde ja auch nicht zu einem Arzt gehen, der einen verpfuscht hat, damit er einen ein zweites Mal behandelt. – Ich darf das eine Spur weiterdenken: Die österreichische Bevölkerung ist nicht zu Ihnen gegangen. Die hat Sie entlassen, die hat Sie abgewählt – und was ist Ihre Conclusio daraus? Sie wenden sogar dieselbe Behandlung an: wieder Schulden, wieder ein Defizit über 80 Milliarden! Es ist sogar dieselbe Behandlung, mit der Sie uns, die Republik Österreich, da hingebracht haben, wo wir jetzt stehen. Nur die Nebenwirkungen sind mehr: Pensionen kürzen, Steuern erhöhen, Gebühren erhöhen, und so weiter. – Das ist das Ergebnis dieser Ampelregierung. Wie gesagt, wenn Sie als Unternehmer so arbeiten würden oder wenn irgendein Unternehmer so arbeiten würde, dann wäre das Defizitverfahren mit dem heutigen Tag gescheitert. Dieses Budget belegt schwarz auf weiß: Diese Ampel, dieses Verliererkonstrukt, dieses letzte Aufgebot ist mit diesem Budget gescheitert und funktionsunfähig. (👏 FPÖ) Ich komme eigentlich als Freiheitlicher nicht oder selten in die Verlegenheit, dass ich sage: Das sagt auch die EU richtig!, aber die EU ist es …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Seit wann bist denn du so EU-hörig?

FPÖ Michael Schnedlitz

… die Ihnen für dieses Budget mit dem Defizitverfahren, das sie einleitet, höchstpersönlich den Stecker aus der Ampel zieht. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung ist Abgeordneter Nico Marchetti zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Richtlinien. Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Nico Marchetti

Kollege Schnedlitz hat behauptet, dass das Dienstauto von Herbert Kickl nicht von der Republik Österreich bezahlt wird. Ich berichtige tatsächlich: Der teuerste Dienstwagen der Republik, der fette S-Klasse-Mercedes von Herbert Kickl , wird von der FPÖ bezahlt, die Parteienförderung bekommt – und Parteienförderung kommt vom Steuerzahler …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... was ihr machts ...!

ÖVP Nico Marchetti

… und nicht aus dem Privatportemonnaie …

FPÖ Ragger (Zwischenruf)

... von der Wirtschaftskammer ...!

ÖVP Nico Marchetti

… von Herbert Kickl . Sie ist öffentliches Geld.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Abgeordneter Yannick Shetty . – Ich habe Ihre Redezeit auf 6 Minuten eingestellt.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Herr Finanzminister! Vertreter, Vertreterinnen der Bundesregierung! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich darf zu Beginn stellvertretend für meine Kollegin Doppelbauer die Schulklasse des BG/BRG Wels Gymnasium Dr. Schauerstraße begrüßen. – Schön, dass ihr heute bei dieser wichtigen Debatte dabei seid. ( Allgemeiner Beifall. ) Ich möchte, bevor ich zum Budget komme, noch kurz an das anschließen, was Kollege Marchetti soeben gesagt hat. Warum? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

... Schellhorn ... Autos kaufen ... Parteikassa!

NEOS Yannick Shetty

… Weil es so viel über das Selbstverständnis der FPÖ und ihrer Vertreter aussagt. Herr Kollege Schnedlitz hat hier gesagt, den Dienstwagen – und ich möchte jetzt den Dienstwagen gar nicht beurteilen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Seids nicht so nervös! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Schellhorn, der hat sogar zwei!

NEOS Yannick Shetty

… des Parteichefs zahlen nicht der Steuerzahler und die Steuerzahlerin. Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Dienstwagen ist – so wie all das, was die Parteien finanzieren …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wenn ihr es mit den NEOS zahlts, könnts dem Schellhorn einen Hubschrauber kaufen!

NEOS Yannick Shetty

… natürlich von Ihnen, von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern, finanziert, und deswegen hat es ja damals auch so wehgetan, als Ihre Partei, als Ihr ehemaliger Parteichef Candy Crush für sein Handy, die Reinigungskraft für sein Privathaus, die Miete für seine Privatvilla mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wo ist denn der Strache jetzt? – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Wo ist denn der Strache jetzt?

NEOS Yannick Shetty

… mit dem Geld der FPÖ bezahlt hat. Das ist nicht Ihr Geld, das ist das Geld der Menschen, die jeden Tag hart dafür arbeiten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Den gibts ja nicht einmal mehr! – Abg. Kickl [FPÖ]: Ist das der Strache, den die SPÖ in Wien unterstützt hat beim Unterschriftensammeln, ist das der?

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren in den kommenden Tagen das Doppelbudget, das erste Budget dieser Bundesregierung, und ich will vielleicht, gerade weil ja einige Schülerinnen und Schüler da sind, erklären, worum es in diesem Budget für die Regierung und für das Parlament geht. Am Ende des Tages regeln wir damit, was mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler passiert, wofür es ausgegeben werden soll, wofür mehr und wofür weniger ausgegeben werden soll. Wenn die Ausgaben deutlich stärker steigen als die Einnahmen, dann kommt dieses Budget in ein Ungleichgewicht, und genau vor dieser Herausforderung ist diese Bundesregierung gestanden. Deswegen war die erste Aufgabe …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Gescheitert!

NEOS Yannick Shetty

… dieser Regierung, zu konsolidieren, das heißt, das Budget – also das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben – wieder in ein Gleichgewicht zu bringen; und das heißt auch ganz klar, die Stopptaste …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das gelingt euch aber nicht, weder heuer noch die nächsten fünf Jahre!

NEOS Yannick Shetty

… für die Gießkannenpolitik der letzten Jahre zu drücken. Damit ist jetzt endlich Schluss.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ah so? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Nein, das stimmt ja nicht! Erzählen Sie keine Märchen, Herr Kollege!

NEOS Yannick Shetty

… Die letzten Regierungen haben in unterschiedlichen Konstellationen über ihre Verhältnisse gelebt und in Zeiten voller Kassen Geld ausgegeben, als gäbe es kein Morgen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, und ihr macht weiter!

NEOS Yannick Shetty

… Damit machen wir jetzt Schluss, aber klar ist auch, dieses Doppelbudget ist erst der Anfang dafür und kann auch noch nicht das Ende sein, weil der Reformweg dieser Regierung erst begonnen hat.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, aber der Plan steht ja schon bis 29, der Schuldenplan!

NEOS Yannick Shetty

… Wir als NEOS sind in die Regierung gegangen, um Verantwortung zu übernehmen – in einer schwierigen Zeit, Herr Kickl, in der Sie nicht bereit waren …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Der Schuldenplan steht ja schon bis 29! Na, so kann es ein jeder! So kann’s jeder!

NEOS Yannick Shetty

… Verantwortung zu übernehmen, obwohl Sie Ihren Wählerinnen und Wählern etwas anderes versprochen haben. Wir tun das, weil wir glauben, dass dieses Land dringend Reformen braucht, auch wenn es schwierig ist. Deswegen reicht es auch nicht, jetzt zu konsolidieren, jetzt zu sparen, sondern wir müssen in die maroden Strukturen dieses Landes hineingehen, endlich mutig reformieren, damit wieder mehr Spielraum für Investitionen, für unsere Familien …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wo ist das konkret? Beispiele? Beispiel, Beispiel? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

NEOS Yannick Shetty

… für die Unternehmen und für unseren Standort bleibt. Deswegen ist dieses Doppelbudget nicht das Ende, sondern der Anfang eines langen Reformprozesses, das verspreche ich Ihnen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Gibt es ein Beispiel?

NEOS Yannick Shetty

… Ein Beispiel wofür, Herr Kollege Stefan? …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Dass Sie in den Strukturen sparen!

NEOS Yannick Shetty

… Ja, das sage ich Ihnen jetzt gleich, aber da müssen Sie mir vielleicht die volle Redezeit geben, dann kann ich Ihre Fragen beantworten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, das müssts euch klubintern ausmachen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... reduzieren!

NEOS Yannick Shetty

… Wenn die FPÖ immer ab Minute eins – Frau Belakowitsch ist auch schon wieder bereit – reinbrüllt, dann kann man halt nicht die Antworten bekommen, nach denen man fragt. Was sind die Reformen, die wir angehen? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Oder hast du keine Argumente mehr?

NEOS Yannick Shetty

… Erstens: Wir starten eine Reformpartnerschaft mit Ländern und Gemeinden …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wow! Der nächste Papierflieger! – Zwischenruf des Abg. Schiefer [FPÖ]

NEOS Yannick Shetty

… und das ist historisch, weil wir es das erste Mal geschafft haben, alle an einen Tisch zu holen, Bund, Länder und Gemeinden …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist alles schon durchgedacht! – Rufe bei der FPÖ: ... ein Arbeitskreis! Das ist ja keine Strukturreform, das ist ein Arbeitskreis!

NEOS Yannick Shetty

… um zu schauen, wo wir - - Ja, natürlich, Herr Kollege, natürlich ist das ein Arbeitskreis, der jetzt beginnt, sich Gedanken darüber zu machen, aber genau das ist ja das Problem. Sie versprechen den Menschen immer die Lösungen, das Blaue vom Himmel, dass alles von heute auf morgen geht. Wenn man Reformen ernst meint, dann muss man sich mit allen Beteiligten hinsetzen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ja alles schon durchgedacht, von vorn bis hinten, zehnmal!

NEOS Yannick Shetty

… und hart an Lösungen arbeiten – und ja, das verspreche ich Ihnen, das werden wir mit diesem Reformprozess jetzt tun. (👏 NEOS) Wir haben aber sogar schon begonnen – und nicht nur in Arbeitsgruppen, die für größere Probleme notwendig sind. Wir reden nicht nur darüber, wie wir nachhaltige Reformen sicherstellen, sondern haben jetzt schon Ergebnisse geliefert, und zwar insbesondere in der Bildung und in der Integration. Wir führen mit Gesetzesbeschlüssen noch vor dem Sommer die Orientierungsklassen ein, also die Möglichkeit, dass Flüchtlingskinder, die ohne Deutschkenntnisse in die Schule kommen, dort Orientierung …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Damit ihr das Budget saniert?

NEOS Yannick Shetty

… Deutsch und Werte vermittelt bekommen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das kostet ja noch mehr!

NEOS Yannick Shetty

… Wir verdoppeln die Anzahl der Deutschförderkräfte. Wir schaffen 4 000 neue Ausbildungsplätze pro Jahr in der Elementarpädagogik.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das kostet ja alles mehr!

NEOS Yannick Shetty

… Wir entlasten Lehrerinnen und Lehrer von Bürokratie, mit einem Bürokratieabbau in der Schule, den es noch nie gegeben hat, und wir starten auch künftig mit Integration ab Tag eins. Deutsch wird zur Pflicht, damit auch der Weg ins Arbeitsleben gelingt. Wer sich integriert, bekommt alle Chancen. Wer sich verweigert, muss mit Sanktionen rechnen, und damit schaffen wir auch den Zugang, dass Zuwanderer Steuern zahlen können und nicht Steuern kosten müssen. – Das ist der Zugang dieser Regierung im Bereich der Integration. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Drittens: Wir machen Tempo beim Thema Entbürokratisierung.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Kommission eingesetzt, oder?

NEOS Yannick Shetty

… Wir haben in den ersten 100 Tagen eine Entbürokratisierungsstelle geschaffen – und zwar nicht als PR-Gag, so wie in der Vergangenheit unter Ihrer Regierung zum Beispiel …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Staatssekretär im Außenministerium, das ist ...!

NEOS Yannick Shetty

… als Sie über Entbürokratisierung geredet haben, aber die Bürokratie für die Bevölkerung immer nur mehr geworden ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie viel kostet denn das?

NEOS Yannick Shetty

… sondern mit dem Ziel, den Förderdschungel und den Bürokratismus in Österreich endlich zu reduzieren, weil die Menschen das brauchen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wo ist das im Budget?

NEOS Yannick Shetty

… um wieder mehr Luft zum Atmen zu haben. Das betrifft die Schulen und die Unternehmerinnen und Unternehmer, und auch damit haben wir jetzt schon gestartet. Und wenn man sich hier die Redebeiträge der Opposition anhört, dann weiß ich nicht, wo ich da am besten anfangen soll. Zu den Grünen – ich weiß nicht, ob Kollegin Gewessler noch reden wird –: Schauen Sie, die letzten fünf Jahre waren eine schwierige Zeit. Niemand bestreitet, dass es notwendig war, dass der Staat Geld in die Hand genommen hat, aber so üppig und so intransparent und so mit der Gießkanne, wie Sie es gemacht haben, ist es gut, dass damit Schluss ist. Es ist nicht in Ordnung – auch in Richtung der Grünen gesagt –, das zu verantworten und sich dann hierher zu stellen und wie immer bei den Grünen mit dem moralischen Zeigefinger auf alle zu zeigen. Das ist nicht in Ordnung, liebe Grüne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und noch eine Bemerkung zur FPÖ und zu den Kollegen Kickl und Schnedlitz, die hier gesagt haben – oder irgendjemand hat gefragt; ich weiß nicht mehr, wer genau es aufgebracht hat –: Was haben denn die NEOS im Bereich der Kammern weitergebracht? – Ja, ich gestehe zu, da steht im Regierungsprogramm nicht drin, was wir und auch Sie wollen. Ich frage in eine andere Richtung: Was war denn der Verhandlungsstand zwischen FPÖ und ÖVP beim Thema Kammern? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Fragt die ÖVP!

NEOS Yannick Shetty

… Was haben Sie denn, während Sie regiert haben, also die Möglichkeit hatten, im Bereich der Zwangsmitgliedschaft bei den Kammern umgesetzt? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ah! Whataboutism heißt das, oder?

NEOS Yannick Shetty

… Und wissen Sie, was? Ich bin nicht so polemisch, Herr Kickl, Ihnen das vorzuhalten, denn wir leben in einer Demokratie, und in einer Demokratie zu leben, heißt, dass man Mehrheiten für Anliegen suchen muss. Was glauben Sie, was eine Mehrheit ist? Mit 29 Prozent allen anderen, nämlich der Mehrheit, vorzuschreiben, was sie zu machen haben und was nicht, ist nicht Demokratie, Herr Kickl, und das sollten Sie auch einmal verstehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Abschließend möchte ich sagen, die Menschen erwarten sich zu Recht, dass diese Regierung Reformen angeht, und ich möchte auch, dass Sie uns daran messen, ob wir das zustande bringen oder nicht. Da ist der Weg noch ein langer, ein harter. Wir haben erste Schritte gesetzt, aber es ist nur der Anfang, ein Startschuss für echte Strukturreformen in diesem Land. Und ich freue mich, wenn alle hier im Haus sich konstruktiv daran beteiligen, weil ich glaube, dass die Menschen das gerade bei der Frage der Strukturreformen auch erwarten. – Vielen Dank.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und kein Wort zur Sicherheit, kein Wort!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundeskanzler. – Bitte, Herr Bundeskanzler.

GRÜNE Leonore Gewessler

Herr Präsident, herzlichen Dank! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Budget ist in Zahlen gegossene Politik oder in Zahlen gegossene politische Haltung, wie der Herr Vizekanzler gerade noch gesagt hat, und ja, in diesem Budget findet man Punkte, die man für gut befinden kann: zwei Jahre Bankenabgabe – Werner Kogler hat es gesagt, mehr wäre schön, aber das kann man für gut befinden –; es gibt sicher noch ein paar andere. Diese Punkte können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Budget eines ist: Dieses Budget ist in Zahlen gegossene politische Mutlosigkeit. Das ist ein Budget der vertanen Chancen …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ihr habt die Chance für Generationen vertan mit dem letzten Budget!

GRÜNE Leonore Gewessler

… es ist ein Budget der Rückschritte beim sozialen Zusammenhalt, und es ist ein Budget, in dem der Klimaschutz zum Nebenschauplatz wird. (👏) Diese Regierung friert Familien- und Sozialleistungen ein in einer Zeit, in der alles nach wie vor teurer wird. Diese Regierung schafft das soziale Drittel der kalten Progression ab – den Teil, mit dem man die Geringstverdiener unterstützen konnte. Der Klimabonus wird abgeschafft. Gerade jene, die es ohnehin schwer haben – Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende, Mindestpensionist:innen, Frauen mit Teilzeitjobs –, zahlen jetzt drauf. (👏) Budgetsanierung „auf dem Rücken von Frauen“! – Das ist nicht mein Zitat – der liebe Philip Kucher ist jetzt nicht da –, sondern vom Momentum-Institut. Yannick Shetty ist jetzt auch nicht da, aber falls er sich benachteiligt fühlt, kann er gerne bei der Agenda Austria nachlesen. Die beiden stellen nämlich aus ihren Perspektiven genau dieselbe Frage, die ich hier auch stelle: Was bitte ist das für eine politische Prioritätensetzung? Darum geht es bei einem Budget! Was ist das für eine politische Prioritätensetzung? (👏) Bei den Superreichen, bei den Konzernen, bei den fossilen Privilegien bleibt alles beim Alten. Die starken und breiten Schultern, von denen die SPÖ geredet hat, sind ein bissl schmächtig geraten, und das Aufräumen bei den fossilen Subventionen, das die NEOS versprochen haben, sehe ich nicht. ( Ruf bei den NEOS: Kommt noch! ) Also ich muss sagen: viel versprochen, wenig gehalten in diesem Budget! (👏) Beim Klimaschutz und bei der Energiewende – der Herr Energieminister ist jetzt nicht mehr da –: leider Rückschritt pur. Das, was wir mit den Unternehmen aufgebaut haben, mit den Menschen in diesem Land aufgebaut haben, wird gekürzt, zurückgefahren – sei es bei der Förderung für den Heizungstausch, bei den Investitionen in Solarstrom und in Gebäudesanierungen: gekappt; der Öffiausbau auf Eis gelegt. Man kürzt genau dort, wo Investitionen in die Zukunft notwendig wären: bei der Mobilität, bei der Energie, bei Gebäuden, bei der Klimaanpassung. Das ist tatsächlich eine Herausforderung für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, für die Versorgungssicherheit und, ja, natürlich auch für die Klimaziele, die wir EU-rechtlich verpflichtend erfüllen müssen. Die Bundesregierung streicht dort, wo man investieren müsste – in die Zukunft –, aber sie zieht den Stecker nicht dort, wo man noch viel Geld verbrennt. Was ist mit den fossilen Subventionen? Dienstwagenprivileg, Dieselprivileg – die Liste kann man noch lange weiterführen, das wisst ihr. ( Abg. Shetty [NEOS] geht zu seinem Sitzplatz. ) – Jetzt ist er wieder da, Yannick Shetty , er weiß das: Nichts ist passiert! Schluss mit Milliarden für den Straßenbau, für noch einmal die x-te Straße, die wir mit einem Überangebot an Straßen in Österreich eh schon haben! Statt Kürzungen bei den Ärmsten, tatsächlich faire Beiträge bei den Reichsten – das wäre das, was wir jetzt brauchen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Welt besteht aus mehr als dem Lobautunnel!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Ja, dieses Budget, das spüren die Menschen in diesem Land ganz konkret. Ich bin gerade viel in Wirtshäusern unterwegs, zuletzt am Samstag in Söding in der Steiermark; da fährt man mit der GKB hin. Da trifft man dann die Pendlerin, die sich jetzt sagt: Super, meine Bahnstrecke, da kann ich auf die Modernisierung und die Elektrifizierung wieder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten! – Da redet man mit dieser Pendlerin, die sich fragt, wie sie mit dem Klimaticket weiter tut, weil für diese Frau 200 Euro mehr wirklich viel Geld sind; und vielleicht ist das ja nur der Anfang, vielleicht wird es ja noch einmal teurer. Da trifft man dann den Techniker von einem Biomassehersteller, einem Kesselhersteller, der aus voller Überzeugung in der Branche arbeitet, sich aber jetzt sagt: Vielleicht muss ich die Branche wechseln! – Warum? – Weil die Stimmung in der Branche noch nie so schlecht war wie jetzt: 220 Mitarbeiter waren sie, 150 sind es jetzt; 70 hoch qualifizierte Menschen ohne Job.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

... das Geld den Menschen aus der Tasche gezogen! Eine Verdoppelung hat die Förderung gebracht, obwohl ...!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Dorthin, das hat nämlich die Förderung finanziert. Das ist das, wie sich dieses Budget anfühlt. Das ist das, wie dieses Budget für die Menschen und ihre ganz konkrete Lebensrealität in diesem Land ausschaut. So sieht es aus, wenn man bei der Zukunft streicht und Milliarden in die Vergangenheit buttert. (👏) Budget ist in Zahlen gegossene Politik, aber auch ganz konkrete Lebensrealität. Dieses Budget geht in wichtigen Schritten einen Schritt nach dem nächsten zurück in die Vergangenheit, aber die Menschen in diesem Land wünschen sich eine Zukunft, auf die man sich verlassen kann. Genau dafür kämpfen wir Grüne bei diesem Budget und auch bei jedem weiteren. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Julia Herr. – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt, Frau Kollegin.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrtes Hohes Haus! Diese Woche ist es jetzt so weit, wir beschließen ein Budget für 2025 und 2026, aber ich will heute eine andere Rede dazu halten. Es ist in den letzten Wochen, aber auch heute schon sehr viel darüber gesprochen worden, was nicht im Budget enthalten ist und wo in Zukunft gespart werden muss; das haben wir jetzt Woche für Woche diskutiert. Es ist auch gar kein Wunder, denn die Vorgängerregierung hat uns das größte Budgetdesaster seit dem Zweiten Weltkrieg hinterlassen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Koza [Grüne]: Das stimmt nicht! Das ist falsch!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Deshalb, Frau Abgeordnete Gewessler, wenn Sie fragen: Was ist das für ein Budget?, dann sage ich: Es ist ein Budget, mit dem saniert werden muss, mit dem wir hinter Ihnen aufräumen müssen – das ist ganz einfach das Budget. (👏 SPÖ) Auf Deutsch: Es ist einfach kein Geld mehr da, ganz im Gegenteil: Das, was in den letzten Jahren gewachsen ist, sind die Schuldenberge, und dementsprechend muss jetzt gespart werden. Das ist eine äußerst schwierige Aufgabe, die jetzt rein rechnerisch einmal gelungen ist. Es werden heuer mehr als 6 Milliarden Euro eingespart. Jetzt kommt es aber – ich habe angekündigt, dass ich eine etwas andere Rede halten will –: Ich will darüber sprechen, was es trotz – trotz! – dieser wirklich unglaublich schwierigen Budgetsituation in unser Doppelbudget hineingeschafft hat. Ich beginne einmal beim Thema Bildung, weil es heute leider schon Thema war, und es ist aktueller denn je: dass es für alle Kinder und Jugendlichen endlich mehr psychosoziale Therapieangebote gibt. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. (👏 ÖVP, SPÖ) Es ist wichtig, dass es für alle jungen Eltern – mich betrifft das gerade persönlich – endlich das zweite kostenfreie, verpflichtende Kindergartenjahr gibt, ein besseres Betreuungsangebot für alle Kinder in diesem Land; dass es aber auch für alle Kinder unabhängig vom finanziellen Hintergrund ihrer Eltern endlich eine gesunde Jause im Kindergarten gibt. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, den wir jahrelang gefordert haben. (👏 SPÖ) Auch ist wichtig, dass es für alle Kinder, für alle Schüler und Schülerinnen, die nicht Deutsch als Erstsprache haben, endlich ausreichend Deutschförderung gibt. Da werden alleine heuer 55 Millionen Euro und dann kommendes Jahr 90 Millionen Euro zusätzlich investiert werden. Das ist enorm viel. Ich mache aber gleich bei den Lehrlingen weiter: Für die gibt es jetzt endlich einen Lückenschluss, was das Top-Jugendticket angeht. Lehrlinge, die im Rahmen ihrer Lehre über Bundesländergrenzen hinweg in die Arbeit gegangen sind, haben bisher das Top-Jugendticket nicht bekommen. Ich mache weiter bei den Studierenden: Die Studienbeihilfe wird erhöht; der Mensabonus wird aufgestockt. Es gibt ganz viele verschiedene Maßnahmen, und ich mache einfach weiter beim Arbeitsmarkt – auch ein ganz wichtiges Thema –: Für die älteren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gibt es mit der Aktion 55 plus endlich eine Unterstützung bei der Jobsuche. Man hört immer, die Menschen sollen alle länger arbeiten. Jetzt sorgen wir aber dafür, dass sie dann auch tatsächlich einen Arbeitsplatz finden, wenn sie in einer gewissen Altersklasse sind. Das ist nämlich oft das Problem. (👏 SPÖ) Eine ganz konkrete Maßnahme – für all jene, die jetzt zum Beispiel vor dem Fernseher sitzen und uns zuschauen –, von der auch Unternehmer, Unternehmerinnen profitieren, die oft wirklich dringend nach Fachkräften suchen: Jetzt gibt es eine Fachkraftoffensive, beispielsweise auch für Green Jobs; es wird ab 2026 auch die Umweltstiftung wieder geben, sodass man sich in ganz zentralen Bereichen wie dem Klimaschutz fortbilden kann. Es wird auch eine Ausbildungsoffensive im Eisenbahnsektor geben, weil die grüne Transformation auch die entsprechenden Arbeitskräfte braucht. Ich mache bei der Frauenpolitik weiter. Die Liste ist nicht kurz, aber es ist notwendig, das hier aufzuzählen. Bei der Frauenpolitik ist endlich – endlich! – gerade für Frauengesundheit mehr Budget da. Da geht es zum Beispiel um Krankheiten, die nur Frauen betreffen, beispielsweise Endometriose. Dafür gibt es endlich mehr budgetäre Mittel, und das ist enorm wichtig. Eine Maßnahme für Alleinerzieherinnen – das sind in unserem Land eben hauptsächlich Frauen –: Es gibt endlich die Unterhaltsgarantie.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Das stimmt doch nicht!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Wie lange ist die schon versprochen worden, wie viele Jahre haben wir schon gehört, dass es sie braucht? Dafür stehen jetzt endlich ganz konkret 35 Millionen Euro mehr im Budget drinnen, schwarz auf weiß, sodass wir diese Frauen nicht alleine lassen. (👏 SPÖ) Es wird mit dem Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen aber auch die Sicherheit für Frauen erhöht. Das ist ein Thema, das auch endlich angegangen werden muss. So, ich blättere jetzt weiter, springe über einige Frauenpunkte drüber und mache im Medienbereich weiter. Kritischer Journalismus wird endlich unterstützt. Das Meine-Zeitung-Abo soll kommen, sodass auch jüngere Menschen Zugang zu kritischen Medien bekommen und nicht nur zu dem ganzen Blödsinn, der im Internet oft steht. Für Pensionist:innen kommt der Rezeptpreisdeckel. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Zum Beispiel wird Erna aus Penzing, die jedes Monat Hunderte Euros ausgibt, weil sie Blutdruckpulverl braucht, davon profitieren. Für alle im Eigenheim - - …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Aber erst irgendwann einmal! 2027, 2030! – Abg. Greiner [SPÖ]: Ja, ihr habt so viel weitergebracht, gell! – Ruf bei den Grünen: Man kann auch anders sparen!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Ihr hattet fünf Jahre lang Zeit, all das anzugehen, habt es aber fünf Jahre nicht zustande gebracht, und jetzt, nach ein paar Wochen, beschwert ihr euch …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wir haben ein bissl mehr zusammengebracht, viel, viel mehr! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Gar nichts habt ihr zusammengebracht!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… nachdem fünf Jahre nichts gekommen ist, dass es ein bisschen zu lange dauert. Wirklich, wirklich? Bei den Mietern und Mieterinnen mache ich weiter. Für alle, die in Miete wohnen, gibt es einen Mietpreisstopp – ganz konkret heuer, 2025. Für alle im Eigenheim, die zum Beispiel den Heizkessel tauschen wollen, gibt es ab 2026 wieder frisches Geld, nämlich mehr als 300 Millionen Euro pro Jahr, und zwar bis 2030. Das werden insgesamt 1,8 Milliarden Euro sein, die ganz konkret in Klimaschutzmaßnahmen investiert werden. In den Städten wird es wieder mehr Polizei für die Ballungszentren geben, am Land wieder mehr Maßnahmen für eine ambulante Versorgung, die ausgebaut werden muss, ganz konkret 50 Millionen Euro mehr für Erstversorgungsambulanzen. Auch da mache ich jetzt einen Punkt, denn es sind ja nicht nur die Gesundheits-, nicht nur die Bildungs-, nicht nur die Frauen-, nicht nur die Arbeitsmarktpunkte.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Aber die Grünen haben immer recht, auch wenn sie unrecht haben! – Abg. Kogler [Grüne]: So ein Blödsinn!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Für Polizist:innen wird in bessere Schutzausrüstungen investiert. Für alle, die sich, wenn sie zum Beispiel auf dem Weg in die Arbeit sind, über die Lkw-Kolonnen ärgern – ich tue das auch sehr oft –, gibt es endlich im Rahmen der Offensive sauberes Österreich 30 Millionen Euro mehr für die Verlagerung vom Warentransport weg vom Lkw, hin auf die Schiene.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das wird am Land sicher funktionieren! Ihr träumt ja von warmen Eislutschern, das ist ja unglaublich! In der Landgemeinde fährt keine Bahn!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Auch das ist übrigens Klimaschutz. (👏 SPÖ) Gleichzeitig steigt die Lkw-Maut, damit klimaschädliches Verhalten eben auch einen besseren Preis, einen teureren Preis bekommt. Ich mache schon Schluss: Ist das genug? – Nein, natürlich nicht. Das waren erstens nur die Maßnahmen, für die ich jetzt ohnehin schon meine Redezeit gesprengt habe, und zweitens würden mir natürlich ganz viele Punkte einfallen, die wir darüber hinaus noch gerne hätten – ganz viele! Es ist aber angesichts des größten Budgetlochs der Zweiten Republik nicht alles möglich. In diesem Sinne wurde unter schwierigsten Umständen wirklich viel herausgeholt, und das muss man einfach ehrlich benennen. Das ist ganz einfach so. (👏 SPÖ) Gelungen ist das, weil alle einen fairen Beitrag leisten, nämlich auch die Banken mit einer höheren Bankenabgabe, auch die Energiekonzerne, die so viele Gewinne geschöpft haben, auch die Glücksspielkonzerne, die stärker besteuert werden, die Stiftungen, bei denen härter angesetzt wird. Fette Immobiliendeals werden endlich gerecht besteuert. Es ist ein guter Mix aus Ausgaben und Einnahmen. Es leisten wirklich alle einen Beitrag – dafür hat die Sozialdemokratie gesorgt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Hallo!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Gratulation an unseren Finanzminister Markus Marterbauer , ich denke wirklich, kein anderer hätte es geschafft …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Doch, doch, der Markus hätte das auch geschafft mit ... Milliarden Defizit!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… in dieser schwierigen Situation die soziale Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Noch einmal: Wir sparen nicht, weil wir wollen, wir sparen, weil wir müssen – und wir sanieren jetzt und räumen jetzt auf, um in Zukunft dann noch mehr investieren zu können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung auf die Ausführungen von Abgeordneter Gewessler hat sich Herr Kollege Dominik Oberhofer zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bedingungen der tatsächlichen Berichtigung. Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrtes Plenum! Frau Kollegin Gewessler hat behauptet, die Bundesregierung erhöhe massiv die Förderungen für den Straßenausbau. – Das ist selbstverständlich unrichtig.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was? Das habe ich ja nicht gesagt! – Abg. Disoski [Grüne]: Das hat sie nicht behauptet! – Abg. Kogler [Grüne]: Das hat ja niemand gesagt!

NEOS Dominik Oberhofer

… Richtig ist, dass die Asfinag zur Budgetsanierung eine Sonderdividende in Höhe von 50 Millionen Euro an die Bundesregierung ausschütten wird. ( Widerspruch bei den Grünen. ) Frau Kollegin Gewessler hat in ihrer Rede auch behauptet …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Man kann nicht paraphrasieren bei einer tatsächlichen Berichtigung!

NEOS Dominik Oberhofer

… dass der Öffiausbau in Österreich gestoppt wird – wortwörtliches Zitat von ihr. Tatsache ist, dass keine Regierung zuvor so viel Geld in den Ausbau …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Entschuldige, das ist faktisch falsch!

NEOS Dominik Oberhofer

… des öffentlichen Verkehrs investiert hat wie diese …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist ja eine tatsächliche weitere Verfälschung!

NEOS Dominik Oberhofer

… alleine 2025 um 14 Prozent mehr als 2024. Das wird auch mit Ihren Zwischenrufen nicht besser, Frau Kollegin. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Arnold Schiefer . – Ich habe Ihre freiwillige Redezeit auf 8 Minuten eingestellt, Herr Kollege.

FPÖ Arnold Schiefer

Hohes Haus! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Kollegin Belakowitsch ist nicht da, wenn du redest!

FPÖ Arnold Schiefer

… Sehr geehrte Damen und Herren! Zuvor möchte ich die 7. Schulstufe der Mittelschule Oberndorf an der Melk begrüßen und ersuche die Kollegen um einen kurzen Applaus. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Es ist eigentlich ganz einfach. Der vorliegende Budgetentwurf wurde in den letzten Wochen in den Ausschüssen intensiv diskutiert, viele Stunden und Tage. Viele Fragen und Anregungen der Opposition und der Experten wurden diskutiert. Wie eigentlich offensichtlich traditionell üblich, wird ja in den Ausschüssen nichts von der Opposition angenommen, sondern man bleibt da natürlich auf dem Kurs des Regierungsvorschlags.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Euer Vorschlag ist zu 90 Prozent angenommen worden! – Abg. Lukas Hammer [Grüne] – erheitert –: Das ist ja das Problem!

FPÖ Arnold Schiefer

… Das heißt, eigentlich war die Devise dort irgendwie: Augen zu und durch! – Kollege Hanger, ich komme gleich dazu. – Wolfgang Schüssel hat einmal dazu gesagt, ein Zitat eines großen Vorsitzenden: „Jeder Krämer lobt seine Ware“ – und natürlich muss die Bundesregierung jetzt auch ihr Budget loben. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Aber seien wir ein bisschen ehrlich und realistisch …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ein bissl was von eurer Ware ist eh auch dabei!

FPÖ Arnold Schiefer

… in Anbetracht der Frage, was dieses Budget ist: Es ist ein mühsamer politischer Kompromiss zur Bildung einer Dreierkoalition. Es ist keine Kurswende und kein großer Wurf, sondern es ist halt das, was irgendwie möglich war, mehr nicht. (👏 FPÖ) Irgendwann muss man sich in der Regierungsgruppe auch entscheiden: Ist es jetzt zu 90 Prozent ein FPÖ-Budget, oder ist es der große Wurf des neuen Finanzministers? – Also irgendeine Linie müsst ihr dazu finden …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Ihr auch!

FPÖ Arnold Schiefer

… denn so ist es natürlich nicht sehr glaubwürdig.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das gilt für euch aber auch, gell!

FPÖ Arnold Schiefer

… Wir haben dazu die Erklärung, dass für uns diese Liste, die ihr da verwendet habt, nur dazu da war, um einen Brief nach Brüssel zu schicken. Das war weit weg von einem vollständigen Budget …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Na geh!

FPÖ Arnold Schiefer

… mit einer vollständigen Zahlenbasis. Zu unserer Zeit haben wir geglaubt, dass wir mit 6,4 Milliarden Euro am Ende der Fahnenstange sind.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

... das habt ihr so angepriesen! Ihr habt eine Einigung, habts ihr gesagt! Ganz stolz warts!

FPÖ Arnold Schiefer

… Dass das Loch noch viel größer war, haben wir erst danach gesehen. Aber wenn wir vielleicht ein bisschen innehalten, eine Sekunde: Während wir hier reden und unser Budget loben, macht der Fiskalrat gerade eine Pressekonferenz und sagt: Das reicht eh hinten und vorne nicht! – Ich sage es nur – lest ein bisschen in der APA! –, also das ist nicht die Meinung der bösen FPÖ oder meine Meinung, sondern das ist die Meinung der Experten, und viele der Experten in den Budgetberatungen haben dasselbe gesagt. Die wohlwollendsten Experten haben noch gesagt: Es ist ein erster Schritt, den man irgendwie zur Kenntnis nehmen muss, aber es ist kein großer Wurf. – Und warum ist es kein großer Wurf? – Weil man nicht weiß, wo man mit diesem ersten Schritt hinwill. Es ist also kein Sanierungsbudget, weil, wie schon die Vorredner gesagt haben, ungefähr gleich viele Schulden aufgebaut werden, wie wir sie unter Corona und unter der Energiekrise aufgebaut haben. – Also eine Sanierung kann das nicht sein. Wir haben uns ein Defizitverfahren eingehandelt, und wenn wir so weitermachen – der Fiskalrat hat das heute auch klar bestätigt –, wird das noch Generationen von Regierungen begleiten. Da kommen wir nämlich aus dem Loch nie wieder heraus, schon gar nicht in dieser Regierungsperiode. Zu den Zinsen und Ratings, die jetzt alle schöngeredet werden: Fitch hat letzte Woche schon wieder mit einem Rating reagiert. Noch rutscht es nicht, warum? – Weil sie nicht unser Budget bewerten, sondern weil der private Sektor und die Unternehmen, die Gott sei Dank teilweise noch eine gute Basis haben, mit dabei sind und die Gesamtsituation des Ratings noch nicht rutscht. Ich behaupte aber – und das können wir ruhig in zwei, drei Jahren aus dem Protokoll herausziehen –: Dieses Rating wird uns sehr wohl mittelfristig ordentlich auf den Kopf fallen. Und es ist noch etwas in diesem Budget nicht drinnen: keinerlei stärkende Impulse für Leistungsträger oder Unternehmen. Die notwendigen Strukturreformen – das haben wir heute schon geklärt – hat man in eine Verwaltungsreformarbeitsgruppe ausgelagert. In 18 Monaten, also Ende 2026, soll diese Verwaltungsreformarbeitsgruppe liefern. Dann gibt es noch die Industriestrategiearbeitsgruppe, die Standortarbeitsgruppe, die Steuerbetrugsarbeitsgruppe, die Arbeitsgruppe zur Optimierung der Förderlandschaft – und alle sollen jetzt in den Jahren 2025, 2026 liefern. Es entsteht ein bisschen der Eindruck, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass das wichtigste Ziel der ÖVP im Moment ist, Zeit zu gewinnen, dass alles einmal auf das Jahr 2026 hingetrimmt wird und man dann halt schaut, wie weit man mit dem Budget kommt. Man hofft auf positive Konjunktureffekte, man hofft, dass der Ukrainekrieg vorbei ist – das hoffen wir alle –, wir hoffen, dass weitere Kriege keine Auswirkungen auf uns haben – Stichwort Iran und Israel –, und wir hoffen, dass die Zollpolitik auch für uns irgendwie positiv ausgeht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist ja euer Freund, der Trump!

FPÖ Arnold Schiefer

… Und wir hoffen, dass diese Arbeitsgruppen in 18 Monaten so viele Milliarden zusammengesammelt haben, dass wir 2027/2028 überhaupt wieder ein Budget zusammenbringen. Und was ist, wenn nicht? – Ich kenne das Konzept der SPÖ und der Arbeiterkammer in der Schublade bereits: Dann gibt es halt 2027 neue Steuern und eine ordentliche Diskussion. Und die ÖVP hofft wahrscheinlich, dass, falls die Diskussion 2027 kommt, man Ende 2026 zumindest wahlkampfbereit sein kann, einen neuen Spitzenkandidaten hat oder vielleicht gleich einen neuen Kanzler. Das ist das Prinzip Hoffnung in diesem Budget.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Rede könnte von Gerda Rogers auch sein!

FPÖ Arnold Schiefer

… Nein, nein! Hoffen ist wichtig, hoffen ist gut, und ich möchte hier eine amerikanische Sängerin, nämlich Vivian Greene, zitieren, die sagt: Im Leben geht es aber nicht darum, zu hoffen und zu warten, bis der Sturm vorüberzieht, sondern dass man im Regen tanzen lernt.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ach so?

FPÖ Arnold Schiefer

… So, und jetzt geht es eigentlich darum, dass wir unseren Bürgern sagen müssen: Diese Regierung, dieses Budget wird die Probleme nicht lösen. Wir müssen es schaffen, den Menschen zu sagen, dass sie ohne Leistung aus dieser Krise nicht herauskommen werden. Wir müssen ihnen klar sagen, dass Arbeitsplätze nicht von der Republik geschaffen werden – zumindest keine produktiven und wettbewerbsfähigen Arbeitsplätze –, sondern nur von Unternehmen, also müssen wir den mündigen und leistungsbereiten Bürgern hier Rahmenbedingungen schaffen, damit sie wieder ihren Weg zum Eigentum gehen können, denn Eigentum ist eigentlich auch die beste Altersvorsorge, wenn wir schon über das Thema Pension reden. Wir sollten den Menschen also die Wahrheit sagen, nämlich dass wir im Moment mit diesem Beschluss gar nichts lösen, dass die nächsten zwei, drei Jahre in Europa, auf der ganzen Welt schwierig sind, dass jeder angehalten ist, sein eigenes Leistungsniveau zu erhöhen – dafür kommen viele unangenehme Diskussionen auf uns zu –, und dass wir uns alles, was wir glauben, uns leisten zu können, nicht leisten werden. Und Umverteilung ist nicht die Lösung, das sage ich auch gleich dazu. (👏 FPÖ) Leider ist jetzt mein oberösterreichischer Kollege, Herr Bundesminister Hattmannsdorfer, nicht im Saal, denn ich habe ein bisschen die Sorge, dass es auch bei anderen Dingen weitergeht wie bisher. Ich kann mich erinnern – im Budgetausschuss haben wir es diskutiert –: Zwei Wochen vor der Wahl – wir reden ja schon gar nicht mehr von Finanzminister Brunner; darüber reden wir nicht mehr, davon hat jeder sein Bild –, am 19. September, haben „Kronen Zeitung“, „Oe24“, haben alle getitelt: Nehammer holt 500 Millionen Euro aus Brüssel für die Hochwasseropfer. – Wir haben das im Budgetausschuss diskutiert: Von den 500 Millionen Euro sind jetzt – wahrscheinlich – um die 40, 42 Millionen Euro übrig geblieben; und Herr Hattmannsdorfer hat angekündigt, er wird 150 Millionen Euro Energiebonus für die Industrie schaffen. – Ausgezeichnet! Nur: Herr Bundesminister Marterbauer hat gesagt, im Budget ist das nicht drinnen, also das gibt es im Budget nicht …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Tanja Graf [ÖVP]: ... eigenen Ministerium! Aus dem eigenen Ministerium!

FPÖ Arnold Schiefer

… das muss er erst finden. Das muss er erst finden: Es ist nicht drinnen! Das kann der Herr Minister dann gleich bestätigen. So, jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, meine Herren und Damen: Die erste Möglichkeit ist, dass man im Wirtschaftsministerium ganz leicht 150 Millionen Euro finden kann – na dann sucht ein bisschen weiter und findet vielleicht noch 100 Millionen Euro mehr für Investitionsfreibeträge, für ein bisschen Entlastung bei den Überstunden, das fehlt nämlich auch –, oder es läuft wieder auf das Übliche hinaus, nämlich auf einen Kuhhandel, also 150 Millionen Euro für die ÖVP, für die Wirtschaft, 150 Millionen Euro für die SPÖ, und in Zukunft kriegen dann halt die NEOS wahrscheinlich auch noch 30 oder 50 Millionen Euro für ihre Wünsche – und dann ist das Budget wieder jenseits von Gut und Böse.

ÖVP Tanja Graf (Zwischenruf)

Das hängt ein bisschen schief, Herr Schiefer!

FPÖ Arnold Schiefer

… Darum, meine Damen und Herren, sage ich ganz klar: Dieses Budget ist natürlich um einen Hauch besser, als der Trend grundsätzlich war, denn wir wären ja auf 5,7 Prozent losradiert – das heißt, die ÖVP hat jegliche Kontrolle über die Finanzen verloren; ich habe eh schon einmal diskutiert, was an Wirtschaftskompetenz übrig bleibt –, aber es ist natürlich noch lange kein Kurswechsel, es ist maximal ein Pflasterl auf eine große, blutende Wunde. Die Valorisierungen und die Kosten werden uns davonlaufen, und mit diesem Budget haben wir in spätestens zwei Jahren eine noch viel größere Diskussion. Es wird nichts gelöst, und wir können nur hoffen, dass die Rahmenbedingungen ein bisschen besser werden, als wir glauben. – Herzlichen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Hanger. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

ÖVP Andreas Hanger

Danke, Herr Präsident! Werte Mitglieder der österreichischen Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Wir freuen uns immer über Besuch im österreichischen Parlament, und ich darf heute stellvertretend für meine Kollegin Tanja Graf den Seniorenbund St. Koloman aus Salzburg ganz herzlich bei uns begrüßen. ( Allgemeiner Beifall. ) Wir führen die Generaldebatte zum Doppelbudget 2025/2026 und zum mittelfristigen Finanzplan bis 2029, und ich glaube, das ist schon eine gute Gelegenheit, die wirtschaftliche Lage der Republik, unserer Volkswirtschaft einmal einzuordnen, denn wenn ich da manche Redebeiträge höre – Desaster, und: Alles ist verrückt –, dann bin ich sehr dafür, einmal die Fakten sprechen zu lassen: Die wirtschaftliche Stärke einer Volkswirtschaft lässt sich ganz einfach am Bruttoinlandsprodukt messen, an den Waren und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft zu produzieren in der Lage ist. Und – siehe da – wenn man sich die Fakten anschaut, kommt man drauf, dass wir in Österreich in etwa ein Bruttoinlandsprodukt von 500 Milliarden Euro haben, gesamthaft zusammengezählt. Das dividiert man dann durch die Bevölkerungszahl, macht auch noch eine Kaufkraftbereinigung, damit man es auch international vergleichen kann, und – siehe da –: Wir sind und gehören zu den reichsten und besten Volkswirtschaften auf der ganzen Welt. Wir gehören zu den Top fünf europaweit, Top ten weltweit.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Tendenz sinkend, ja!

ÖVP Andreas Hanger

… Bei all den Debatten, die man führen kann, ist das ein Faktum, das man auch nicht vergessen sollte. Und weil gerade eine Seniorenbundgruppe da ist: Ich glaube, das ist auch eine gute Gelegenheit, genau Ihrer Generation einmal ein aufrichtiges Danke zu sagen. Es ist schon Ihre Generation, die unser Land zu dem Reichtum geführt hat, nämlich mit der Einstellung, die man dafür braucht, der Leistungsbereitschaft, selbst auch etwas beitragen zu wollen, dass es uns gut geht, und diese Geisteshaltung, glaube ich, brauchen wir vielleicht auch in Zukunft wieder mehr. Aber – und ich möchte schon auch differenziert argumentieren – die Entwicklungen in den letzten Jahren bereiten uns auch Sorge, keine Frage. Wir sind, was das Wachstum unserer Volkswirtschaft betrifft, in den letzten Jahren nicht erfolgreich gewesen, so offen muss man das sagen, wobei man – umgekehrt – immer vergisst: Wir hatten 2021 noch 4,8 Prozent Wachstum, 2022 5,3, 2023 und 2024 leider ein Negativwachstum, und genau das führt uns ja auch zu dieser Situation, die wir haben: Wir müssen unser Budget konsolidieren.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Sag’s noch dazu, dass es das einzige Land ist, wo das BIP sinkt in Europa!

ÖVP Andreas Hanger

… Jetzt haben wir schon einen sehr langen Budgetberatungsprozess. In dieser Kürze dieses beachtliche Projekt, möchte ich fast sagen, auf den Tisch zu legen, das verdient aus meiner Sicht schon Anerkennung. Es wird konsolidiert, ja, in Summe 15 Milliarden Euro: sehr stark ausgabenseitig, aber natürlich auch einnahmenseitig. Ich möchte aber auch die zentralen Herausforderungen, die wir haben, nicht verhehlen: Es ist zwar erfreulich, dass wir in den letzten Jahren die Einkommen haben stabilisieren können – das heißt, die Haushaltseinkommen sind real gestiegen, das ist erfreulich, gerade in den unteren Einkommensbereichen –, aber wir müssen auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft sehen; das heißt, wir müssen uns auf internationalen Märkten beweisen. Wir haben eine Exportquote von über 60 Prozent, da brauchen wir natürlich auch eine entsprechende Wettbewerbsfähigkeit. Die zweite große Herausforderung ist die hohe Sparquote. Dass die Einkommen steigen, hilft uns wenig, wenn diese Einkommen dann gespart werden. Damit komme ich schon zum wichtigsten Punkt und zur zentralen Botschaft, die ich in der Generaldebatte anbringen möchte: Das Allerwichtigste ist, wir brauchen Optimismus in der Republik. Wir haben auch Grund dafür: Die OeNB – der Herr Bundeskanzler hat es schon erwähnt – hat jetzt erstmals die Wachstumsprognose wieder gedreht – ein zartes Pflänzchen, noch keine Trendumkehr, aber auf Basis dieses Optimismus brauchen wir Optimismus in den privaten Haushalten, damit konsumiert wird, brauchen wir Optimismus in den Unternehmen, damit investiert wird. Eine ganz wichtige Botschaft zum Schluss: Die Sanierung der Haushalte ist eine gesamtstaatliche Aufgabe – das möchte ich immer wieder betonen. Da braucht es den Bund – der Bund hat da eine sehr starke Vorbildfunktion –, es braucht die Länder, es braucht die Gemeinden, und es braucht die Sozialversicherungsträger. Und es ist ganz wichtig, zu betonen: Da haben alle Parteien Verantwortung, weil wir alle gemeinsam in den unterschiedlichsten Gebietskörperschaften Verantwortung tragen. Liebe Kollegen von der Freiheitlichen Partei! Es ist zu wenig, nur zu kritisieren. Es wäre ganz wichtig, auch konkrete Vorschläge auf den Tisch zu legen – nur so kann man die Budgets entsprechend entwickeln. Diesen Zusammenhalt wünsche ich mir, das möchte ich auch als Appell formulieren : Alle sind gefordert, sich konstruktiv in die Debatte einzubringen. Und mit ein bisschen Optimismus dazu – davon bin ich sehr überzeugt – werden wir sehr rasch wieder ein entsprechendes Wirtschaftswachstum haben. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundesminister für Finanzen. – Bitte.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Sehr geehrter Herr Finanzminister, bei aller Wertschätzung, aber das Budget ist, was es ist: Es ist ein Budget, das einen Rückschritt in der Armutsbekämpfung und einen Rückschritt bei den sozialen Errungenschaften bedeutet. Da hilft kein Hin-und-her-Deuten, es ist einfach so. (👏) Wenn Sie natürlich davon sprechen, dass es da und dort immer wieder Offensivmaßnahmen im zweistelligen Millionenbereich gibt, die auch einkommensschwachen Haushalten, auch den Familien nutzen, ja, dann ist das gut – aber das macht nicht die enormen Verluste für die Familien, für die Haushalte, für die Einkommensarmen, für die Alleinerzieher:innen wett. Wenn ich mir nämlich allein den Klimabonus anschaue, bei dem den Familien ungefähr 1,9 Milliarden Euro gestrichen werden, wenn ich mir anschaue, wie die Valorisierung für Familienleistungen, für Sozialleistungen ausgesetzt wird, wenn ich mir anschaue, wie das soziale Drittel ausgesetzt wird, dann sind das Beträge, die jenseits von Gut und Böse sind und die nicht durch diese kleineren Beträge wettzumachen sind, die im Budget einen sogenannten Ausgleich schaffen sollen. Nein, die Regierungspolitik verursacht soziale Härten im Rahmen dieser Budgetkonsolidierung, soziale Härten, die aber nicht einmal notwendig wären – denn natürlich ginge Budgetkonsolidierung auch anders. Das zeigen wir heute auch mit unserem Abänderungsantrag, mit unserem sehr umfassenden Abänderungsantrag, den wir zum Budgetbegleitgesetz eingebracht haben. Lassen Sie mich ein paar wesentliche Punkte aus sozialpolitischer Sicht kurz erläutern: Die Regierung schafft den Zuverdienst bei den Arbeitslosen ab. Das erzeugt Armut, das erzeugt Armutsgefährdung, das nimmt den Arbeitslosen ein Standbein in der Arbeitswelt. Es gibt auch keine einzige Sozialorganisation – mir ist zumindest keine bekannt –, die das unterstützt, die das gut findet. Nein, die lehnen das alle ab. Es bringt in Wirklichkeit auch keine Ersparnis. In Wirklichkeit bringt es Mehrkosten für die Sozialhilfe. Das sagen die Länder, da haben die Länder die Befürchtung. Das sagen nicht nur wir, das ist einfach so. (👏) Was wäre eine sinnvolle, eine gute Alternative? – Wir haben diesen Vorschlag dazu gemacht: In den ersten 100 Tagen der Arbeitslosigkeit lassen wir noch keinen Zuverdienst zu, damit die Leute möglichst rasch vermittelt werden. Dafür erhöhen wir aber für die Menschen, die ein niedriges Arbeitslosengeld haben, in diesen 100 Tagen das Arbeitslosengeld ein bisschen. Das hat die Sozialdemokratie auch schon immer wieder gefordert. Natürlich muss es auch Ausnahmen geben: Ausnahmen für die, die einen Zuverdienst unbedingt brauchen, Alleinerzieher:innen beispielsweise – in euren arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, in eurem Gesetzentwurf ist das ja gar nicht berücksichtigt –, für Menschen, die in einem Entschuldungsverfahren sind, und auch für Kunstschaffende, denn gerade Kunstschaffende wären von diesem Zuverdienstverbot dermaßen stark betroffen, dass es schon existenzbedrohend wäre. In diesen 100 Tagen lässt man halt die Zuverdienstmöglichkeiten für diese Gruppen einfach wieder zu, damit die Leute einen Fuß in der Arbeitswelt haben und damit wir Armut bekämpfen. Das wäre sozial und fair. Was die Regierung dagegen vorlegt, ist Politik der sozialen Härte. Das kennen wir von der ÖVP; dass da die SPÖ mitmacht, ist unverständlich. Unverständlich ist auch, dass in einem Doppelbudget kein einziger Euro – kein einziger Euro! – für Kindergrundsicherung vorgesehen ist. Im Gegenteil, Familien wird das Geld noch gekürzt – so wie vorhin besprochen. Darum schlagen wir vor, dass wir im Rahmen der Abgeltung der kalten Progression beim oberen Einkommen nur die halbe Inflationsrate ausgleichen und die dadurch frei werdenden Mittel für einen Ausbau der Kindergrundsicherung verwenden.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo!

GRÜNE Markus Koza

… 60 Euro Kinderzuschlag – auch für Haushalte mit Doppelverdienern, die aber ein niedriges Einkommen haben. Das wäre ein wichtiger Lückenschluss im Kampf gegen die Kinderarmut. Zuletzt: Erhöhung des effektiven Pensionsantrittsalters – ja, unterstützenswert, sinnvoll! Aber: Da muss man auch dafür sorgen, dass Arbeitnehmer:innen länger in Beschäftigung bleiben können. Da müssen die Betriebe in die Pflicht genommen werden. Darum braucht es auch ein Bonus-Malus-System, weil es die logische und notwendige Ergänzung zur Anhebung des Antrittsalters für die Korridorpension ist. Ich bringe daher folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird ersucht, dem Nationalrat zeitnah zur Anhebung des Zugangsalters zur Korridorpension einen Gesetzesvorschlag für ein Bonus-Malus-System zur Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter vorzulegen. Das Bonus-Malus-System besteht aus Beiträgen von Unternehmen, die unterdurchschnittlich wenige Menschen in den letzten zehn Jahren vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter beschäftigen, sowie aus Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen.“ Herausforderungen solidarisch lösen statt neue soziale Härten schaffen: Das ist Politik mit Herz und Verstand. Stimmen Sie für diese Politik! (👏) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Herr Abgeordneter, ganz kurz, vielleicht wollen Sie das machen: Sie haben auf einen Abänderungsantrag hingewiesen, formal haben Sie diesen noch nicht ausreichend eingebracht, weil Sie ihn in den Grundzügen nicht erörtert haben. Sie haben nur gesagt, es gibt einen Abänderungsantrag. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Das war das soziale Drittel - - Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Wird dieser Abänderungsantrag von jemand anderem eingebracht? Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Er ist eingebracht. Das soziale Drittel ist in diesem Abänderungsantrag drinnen, also die Kindergrundsicherung, und auch die 100 Tage Zuverdienstmöglichkeit. Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Sie haben ihn hinterlegt, er wurde auch verteilt, aber das enthebt Sie nicht der Aufgabe, zumindest in Grundzügen darauf hinzuweisen. ( Ruf bei den Grünen: Hat er ja! ) Sie haben nicht einmal erwähnt: Ich bringe daher folgenden Abänderungsantrag ein – nicht einmal diese Präambel ist dabei. Es ist eine Formalität. Ob Sie das jetzt im Rahmen Ihrer Redezeit, die Sie noch haben, machen oder einer Ihrer Kollegen - - Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Ich habe noch 21 Sekunden, oder? Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Sie haben mehr. Sie haben noch viel, viel mehr bis zu den 20 Minuten. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): 21 bleiben noch über von meiner vorigen Rede? …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Red ganz einfach!

GRÜNE Markus Koza

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Gut. Ich bringe daher einen Abänderungsantrag der grünen Fraktion zum Budgetbegleitgesetz ein, der unter anderem die Zuverdienstmöglichkeiten beim Arbeitslosengeld sowie das soziale Drittel zum Ausbau der Kindergrundsicherung umfasst. Auf weitere Einzelheiten werden Kolleg:innen noch eingehen. – Danke. 13.27 Der Gesamtwortlaut der Anträge ist unter folgenden Links abrufbar: RN/38.1 Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters (53/UEA) RN/38.2 Budgetbegleitgesetz 2025 (AA-16) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Danke. Der zuerst eingebrachte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht in Verhandlung. Der soeben in Grundzügen erörterte und den Abgeordneten vorliegende Abänderungsantrag ist ebenfalls ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht ebenfalls mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Doppelbauer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Ich glaube, die Verwirrung hätten wir jetzt vielleicht schneller lösen können, denn fast alles, was Kollege Koza gesagt und gefordert hat, haben wir ja eigentlich auch im Regierungsprogramm stehen und wird schon kommen.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Bravo! – Widerspruch bei den Grünen. – Abg. Gewessler [Grüne]: Nicht im Budget! Beim Budget machts das Gegenteil!

NEOS Karin Doppelbauer

… Aber um aufs Budget einzugehen: Wir diskutieren diese Woche ja im Parlament, was wir mit dem Geld machen, das uns die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler überlassen, dem Staat überlassen, um es hier gut für gemeinschaftliche Aufgaben auszugeben. Das geht von der Kinderbetreuung angefangen bis hin zu einem qualitativ hochwertigen Gesundheitssystem und zu nachhaltigen, fairen Pensionen. Und ja, dieses Budget, das wir hier heute beschließen, ist deswegen auch als eine Trendwende zu sehen. Warum eine Trendwende? – Weil es nicht mehr ein Koste-es-was-es-wolle ist, sondern weil es tatsächlich zum ersten Mal darum geht, mit Steuergeld sorgfältiger umzugehen. Wir machen das, meine Damen und Herren, in einem der größten Wirtschafts- und Haushaltskrisenzeitalter, in einer Phase, in der die Krise so groß ist, wie sie Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich noch nie gesehen hat. Wenn ich Trendwende sage, dann meine ich auch das, was der Herr Finanzminister gesagt hat: Es ist ein Anfang gemacht. Es ist ein Anfang gemacht nach dem Motto: Sanieren, Reformieren und Modernisieren, aber es braucht noch ganz viele weitere Schritte. So wie es der Herr Finanzminister auch schon ausgeführt hat, hat Prof. Badelt dazu in seiner heutigen Pressekonferenz gesagt: Ja, es wird besser werden, aber es braucht noch mehr, um wirklich auch unter diese 3 Prozent zu kommen. Es ist einfach notwendig, dass wir hier diese Maßnahmen, die wir noch nicht beschließen konnten, die auch Kollege Schiefer schon angesprochen hat, jetzt rasch auf den Weg bringen. Ich möchte noch einmal daran erinnern, in welcher Position wir übernommen haben: 4,7 Prozent Maastrichtdefizit im Jahr 2024. Ohne die ersten Sanierungsmaßnahmen heuer wären wir tatsächlich auf 5,8 Prozent, steigend auf 5,9 Prozent, und schon in den nächsten Jahren wäre die Zinsbelastung von Österreich an die 10 Milliarden Euro pro Jahr. Nur einmal im Vergleich: Unser Bildungsbudget beträgt 12 Milliarden Euro. Es ist also tatsächlich an der Zeit, etwas zu tun, um gegenzusteuern. Und ja, jetzt sagen manche Kritiker, das könnte schneller gehen, das könnte härter gehen, wir könnten viel mehr konsolidieren: Ganz ehrlich, meine Damen und Herren, ich persönlich gebe denen auch recht. Wir haben aber eine sehr schwierige konjunkturelle Lage, wir werden uns nicht durch Geld herauswirtschaften können. Das heißt, es braucht eine wirkliche Sensibilität, um wirtschaftliche Abwärtsrisiken gut einschätzen zu können. So wie es halt beim Regieren ist: Es ist die Kunst des Machbaren. Mit diesem Budget haben wir jetzt einen gemeinsamen Pfad gefunden, der zwar aus meiner Sicht weit entfernt davon ist, ideal zu sein, aber er spiegelt einen breiten politischen Konsens wider. Wir werden in wichtige Bereiche wie in die Bildung, in die Energiewende, in den Standort – also in die Zukunft – investieren. Wir bringen erste echte Reformen jetzt auch einmal auf den Weg. Wir werden viele Details, vor allem auch im Pensionsbereich, noch diskutieren. Eines ist mir persönlich wichtig, wenn es immer wieder darum geht – der Austausch findet im Augenblick auf vielen Ebenen statt –, wenn es immer wieder heißt: Sparen heißt, den Menschen etwas wegnehmen, und man müsse das Budget eher einnahmenseitig sanieren. – Ja, meine lieben Freunde, wenn der Staat etwas einnimmt, dann nimmt er das auch schon jemandem weg! (👏 NEOS) Wir haben in diesem Land die höchste – oder eine der höchsten – Steuer- und Abgabenquoten, und die wird steigen. Wir haben also schon eine der höchsten Wegnehmquoten, die es überhaupt in der Europäischen Union gibt, und darauf müssen wir uns auch verständigen. Deswegen werden wir NEOS auch immer darauf pochen, dass wir Betriebe und Menschen von Bürokratie, aber auch von unnötigen Steuern entlasten, die es im Augenblick einfach gibt. Dass die Arbeitskosten, so wie wir das heute gesehen haben, im OECD-Vergleich inzwischen in Österreich am höchsten liegen – im Sinne der Arbeitskosten haben wir von allen OECD-Ländern die höchsten …

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Ja, dann tun Sie was dagegen, Sie sind in der Regierung!

NEOS Karin Doppelbauer

… heißt tatsächlich, dass es massive Maßnahmen braucht, um diese Entlastungen für die Menschen und für die Unternehmen jetzt auch auf den Weg zu bringen. (👏 NEOS) Ich glaube, es ist auch überhaupt kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wir NEOS keinen Nanny-Staat wollen und dass die Vollkaskomentalität für uns nicht denkbar ist – wir müssen von diesen Gedanken weg. Wir haben in diesem Doppelbudget auch keinen politischen Aktionismus drinnen, und das finde ich auch gut, aber es ist die Trendumkehr. Was aber klar ist: Wir stehen ganz am Anfang dieser Reformagenda, und die werden wir jetzt mit ruhiger Hand weiter begleiten und einleiten. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Fuchs. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ Hubert Fuchs

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die schwarz-grüne Vorgängerregierung hat in den Jahren 2020 bis 2024 in Summe Budgetdefizite von gigantischen 88 Milliarden Euro verursacht. Hauptkostenfaktor für diese 88 Milliarden Euro Budgetdefizite waren Auszahlungen aufgrund der Coronakrise in Höhe von 46,6 Milliarden Euro. Die nicht evidenzbasierte und wirtschaftsfeindliche Coronapolitik der schwarz-grünen Vorgängerregierung hat die Steuerzahler und die zukünftigen Generationen viele Milliarden Euro gekostet. Die jetzt regierende Verliererampel ist aber in der Lage, fast genauso viel Defizit zu erwirtschaften wie die schwarz-grüne Vorgängerregierung, und das ohne Coronakrise – das muss man sich einmal vorstellen. (👏 FPÖ) Diese Verliererampel wird ohne Coronakrise Budgetdefizite von insgesamt 82 Milliarden Euro bis 2029 verursachen. Das sind nur 6 Milliarden Euro weniger Budgetdefizit trotz eines irrsinnigen Belastungspakets für die Arbeitnehmer, Pensionisten und Familien, und noch dazu, ohne wesentliche Impulse für den Wirtschaftsstandort zu setzen. Hauptverursacher des budgetären Scherbenhaufens ist die ehemalige Wirtschaftspartei ÖVP, und dieses größte Budgetloch aller Zeiten soll nun durch den Hauptverursacher, der ÖVP, mit Unterstützung der größten Schuldenmacherpartei der Zweiten Republik, der SPÖ, saniert werden. Das kann nicht funktionieren.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Und ihr habts bei 72 Prozent mitgestimmt!

FPÖ Hubert Fuchs

… Der Finanzminister hat in seiner Budgetrede betont, dass die Verteilungsgerechtigkeit bei der Budgetsanierung besonders wichtig ist, obwohl uns eh allen klar ist, dass mit diesem Doppelbudget keine Sanierung des Bundeshaushalts möglich ist. Wie sieht diese Verteilungsgerechtigkeit nun im Konkreten aus? – Der budgetäre Beitrag der Banken für die Jahre 2025 bis 2029 beträgt 850 Millionen Euro. Dem gegenüber kassiert der Finanzminister durch die Wiedereinführung der kalten Progression beim letzten Entlastungsdrittel bis 2029 über 3,8 Milliarden Euro von den Arbeitnehmern, von den Pensionisten, und da insbesondere von den Geringverdienern. Bei den Pensionisten wird aber nicht nur durch die Wiedereinführung der kalten Progression abkassiert, sondern auch durch eine Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge von 5,1 auf 6 Prozent. Bis 2029 werden den Pensionisten dadurch rund 3,3 Milliarden Euro weggenommen. Abgerundet wird dieses unsoziale Doppelbudget durch die Nichtvalorisierung der Sozial- und Familienleistungen für die nächsten zwei Jahre, was real eine dauerhafte Kürzung der Sozial- und Familienleistungen ist. In Summe erspart sich der Finanzminister dadurch bis 2029 rund 1,3 Milliarden Euro an Sozial- und Familienleistungen. Das heißt, im Ergebnis ist die Belastung der Arbeitnehmer, der Pensionisten und der Familien zehnmal so hoch wie die der Banken – 8,4 Milliarden Euro bis 2029 zulasten der Arbeitnehmer, zulasten der Pensionisten und zulasten der Familien. Ergänzend muss man dazusagen, dass wir seit 2022 Steuergelder in Höhe von über 4,5 Milliarden Euro in die Ukraine überwiesen haben. Das müssen Sie Ihren Wählern einmal erklären, warum Sie die Pensionisten abkassieren und gleichzeitig aber 4,5 Milliarden Euro für die Ukraine haben! (👏 FPÖ) Dieses Doppelbudget ist weder ausgeglichen noch ist es sozial gerecht. Es belastet die Arbeitnehmer, die Pensionisten und die Familien in einem unverhältnismäßig hohen Ausmaß. Wo bleiben denn die Einsparungen im Asyl- und Migrationsbereich? Wo bleiben die echten Einsparungen im System? Wo bleiben die massiven Einsparungen bei den Förderungen? Wo bleiben die echten Strukturreformen? Wo bleibt der Beitrag der Kammern, Herr Staatssekretär im Außenministerium? Wir haben immer noch ein massives Ausgabenproblem, aber ganz sicher kein Einnahmenproblem. Mit diesem unsozialen Doppelbudget ist eine nachhaltige Budgetsanierung nicht möglich, genau das Gegenteil ist der Fall. Die Kreditwürdigkeit der Republik wurde bereits von der Ratingagentur Fitch herabgestuft. Dieser Vertrauensverlust durch eine Ratingagentur bedeutet selbstverständlich mittelfristig auch höhere Ausgaben für Zinsen. Die 82 Milliarden Euro Defizit, die verursacht werden, die bekommen wir nicht zinsenlos, Herr Finanzminister. Die von der Einheitspartei verursachte Einleitung eines Defizitverfahrens durch die EU bedeutet auch eine Besachwaltung durch Brüssel, was das Vertrauen der Finanzmärkte in die Republik Österreich ganz sicher nicht fördern wird.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Verstehen Sie es nicht oder wollen Sie es Ihrer Bevölkerung bewusst falsch erzählen? – Abg. Stefan [FPÖ]: Er versteht ein bissl mehr als Sie, keine Angst!

FPÖ Hubert Fuchs

… Frau Kollegin, Sie verstehen es nicht , weil Sie dann, wenn Sie es verstehen würden, die Freiheitliche Partei Österreichs wählen würden. (👏 FPÖ) Sie würden dann wissen, Frau Kollegin, eine nachhaltige und echte Budgetsanierung der Republik ist nur mit einem Volkskanzler Herbert Kickl möglich. – Vielen Dank.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ausgerechnet die Erasim! – Heiterkeit bei der FPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von SPÖ und FPÖ. – Abg. Steiner [FPÖ]: Die Wirtschaftskompetenz der SPÖ: Erasim!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Krainer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident. – Ja, es war gerade ein Vertreter der Freiheitlichen hier am Pult, und wenn man sich das Budget anschaut, vor allem das Budget für heuer, dann weiß man ja, dass die Freiheitlichen mit der ÖVP ein 6,4-Milliarden-Euro-Paket vereinbart haben. Es war eine der Bedingungen der ÖVP, als es dann wieder Gespräche mit den NEOS und mit der SPÖ gegeben hat, dass das Teil der Sanierung sein soll. Das heißt, wenn sich Herr Fuchs hier über Kürzungen beklagt, na dann muss er sich bei sich selber beklagen, denn er hat sie selber auf einer Pressekonferenz im Jänner vorgestellt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das Einzige, das wirklich der große Unterschied ist: Bei seinem Paket hat die soziale Handschrift gefehlt, denn da gab es keinen Beitrag der Banken, da gab es keinen Beitrag der Energiekonzerne, da gab es keinen Beitrag der Stiftungen, da gab es keinen Beitrag von Immofirmen wie zum Beispiel von Benko und Signa. Das gab es alles nicht, das ist dazugekommen. Und: Es gab keine Offensivmaßnahmen. Es gab kein zweites Gratiskindergartenjahr, es gab nicht die gesunde Jause, es gab nicht die Investitionen im Bildungsbereich, es gab nicht die Investitionen im Gesundheitsbereich. Das heißt, das, was Herr Fuchs hier macht, ist: Er beklagt sich über seine eigenen Vorschläge und er kritisiert dann die soziale Handschrift, die die SPÖ in dieses Programm reingebracht hat. (👏 SPÖ) Das ist eigentlich eine interessante Kritik und eine, mit der ich sehr gut leben kann. Aber man darf nicht vergessen, dass dieses neu gewählte Parlament und auch diese neue Bundesregierung natürlich vor ganz, ganz schwierigen Aufgaben stehen. Wir haben die schlechteste Wirtschaftsentwicklung seit 80 Jahren. Das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern das ist natürlich Ergebnis der Politik der Vorgängerregierungen – einer hat übrigens auch Herr Fuchs persönlich angehört. Das ist erstens einmal die schlechte Wirtschaftspolitik, und da vor allem die wirklich verfehlte Politik bei der Inflationsbekämpfung. Das sagen in der Zwischenzeit alle Experten …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Wir haben einen Überschuss erwirtschaftet, Herr Kollege Krainer!

SPÖ Kai Jan Krainer

… dass das ein Riesenproblem war: die Art und Weise, wie wir in Österreich mit der Inflation umgegangen sind. Das hat nämlich dazu geführt – und das ist ja das Einzige, das ich von den Freiheitlichen heute an Richtigem gehört habe –, dass Österreich durchgereicht wurde von der Tabellenspitze, wo wir eigentlich hingehören, unter den top drei bis fünf, bis zum Schlusslicht und wir nach diesen fünf Jahren unter den schlechtesten fünf gelandet sind. Die Arbeit, die jetzt vor uns, vor dieser Bundesregierung liegt, ist, uns von diesen schlechtesten fünf in Europa wieder dorthin zu bringen, wo wir hingehören, nämlich unter die top fünf. An dem werden wir arbeiten, an dem wollen wir auch gemessen werden nach den fünf Jahren: ob es uns gelungen ist, wieder aufzusteigen, anstatt unten herumzugrundeln, wie es jetzt der Fall gewesen ist, als wir die Bundesregierung übernommen haben. (👏 SPÖ) Und ja, es stimmt, in den 106 Tagen, die jetzt, glaube ich, diese Bundesregierung im Amt ist, ist nicht die gesamte Arbeit erledigt. Nein, es sind in den 106 Tagen wesentliche Schritte gelungen, aber es liegt noch ganz, ganz viel Arbeit vor uns, nämlich auch viele Sachen im Budget, ein Bundesfinanzrahmen, wo jetzt einmal Zahlen drinstehen, ein Steuerbetrugsbekämpfungspaket, das auch noch mit Leben zu erfüllen ist – der Herr Finanzminister hat es erwähnt –, damit dann auch die konkreten Maßnahmen beschlossen werden können, die ab 1. Jänner nächsten Jahres gelten sollen. Insofern darf ich trotzdem alle hier einladen, diesen Weg weiter mit uns zu gehen, nämlich Österreich wieder auf Kurs zu bringen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Zadić. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister, geschätzter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Staatssekretär:innen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte kurz auf drei Punkte im Bereich Justiz eingehen, die im Budgetbegleitgesetz geregelt sind. Zunächst einmal Lob: Ich kann nur sagen, ich freue mich, dass es wirklich gelungen ist, dass die Fußfessel, der elektronisch überwachte Hausarrest, ausgeweitet wurde, und ich finde es gut, dass die ÖVP da endlich zugestimmt hat. Diese Maßnahme war schon länger vorbereitet, bringt einiges an Ersparnis, weil die Leute kürzer in Haft sind, und trägt auch stärker zur Resozialisierung bei. Es ist uns nicht gelungen, die ÖVP zu überzeugen, dass das eine sinnvolle Maßnahme ist, insofern finde ich es gut, dass es dieser Bundesregierung und der Justizministerin offensichtlich gelungen ist, dass die ÖVP dem zustimmt. (👏 SPÖ) Kritisieren muss ich aber zwei Punkte: Die Verkürzung der Gerichtspraxis finde ich ehrlicherweise fatal. Nach dem Studienabschluss ist die Gerichtspraxis für viele Rechtsberufe eine Voraussetzung, aber auch da wird gespart; 4 Millionen Euro werden gespart, und damit leidet die Qualität, wenn man diese Gerichtspraxis von sieben auf fünf Monate verkürzt – augenscheinlich eine Sparmaßnahme, aber in Wirklichkeit leidet die Qualität. Der zweite Punkt ist das Erwachsenenschutzrecht. Auch da muss ich leider sagen, dass es zu einer Verschlechterung kommt, nämlich einer Verschlechterung für Menschen mit Behinderung. Die Expert:innengruppe, die im Justizministerium tagt, wurde bei dieser Maßnahme nicht eingebunden, sondern abrupt beendet. Ich halte es daher für wichtig, dass wir zu dieser Praxis zurückkehren, dass die Expertinnen und Experten, gerade wenn es um Rechte von Menschen mit Behinderungen geht, auch gehört werden. Außerdem werden Rechtsanwält:innen wieder vom Gericht verpflichtet, als Erwachsenenvertreter:innen zu agieren. Das ist eine Praxis, die abgeschafft wurde und jetzt wieder eingeführt werden soll – auch das halte ich für falsch. Aus diesem Grund bringe ich folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Ralph Schallmeiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Justiz, wird aufgefordert, die Expert:innengruppe zum Thema Erwachsenenschutz unverzüglich wiedereinzusetzen und mit ihnen Schritte zur qualitätsvollen Weiterentwicklung des Erwachsenenschutzrechts zu erarbeiten, sowie künftig von Alleingängen ohne Einbindung der Expert:innen abzusehen. Die Änderungen sollen das ursprüngliche Niveau der garantierten Selbstbestimmungsrechte und Schutzvorkehrungen wiederherstellen und gleichzeitig die Vollziehung vereinfachen.“ Vielen Dank. (👏) 13.47 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/42.1 Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz (54/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ottenschläger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Andreas Ottenschläger

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte mich zu Beginn meines Redebeitrags vielleicht gleich einem Thema widmen, zu dem ich auch einen Abänderungsantrag einbringen werde. Es geht nämlich im Zuge dieser Debatte auch um die Abschaffung der sogenannten NoVA, der Normverbrauchsabgabe. Dabei geht es darum, dass wir für Teile der Wirtschaft, insbesondere eben für Handwerker, beispielsweise Elektriker, Installateure und andere, wieder eine Steuererleichterung für die Anschaffung von Fahrzeugen, die sie benötigen – ich bezeichne sie immer als deren Arbeitsgeräte –, einführen. Diesbezüglich darf ich gleich zu Beginn einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen einbringen. – Herr Präsident, es ist dieser Abänderungsantrag im Sitzungssaal verteilt worden …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Eine Steuerbefreiung! – Abg. Kogler [Grüne]: Antrag zur umweltschädlichen Subvention!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… deswegen werde ich ihn nur in den Grundzügen erläutern. Es geht in dem Abänderungsantrag im Prinzip auch um die Klarstellung, was die Beschaffenheit der Fahrzeuge betrifft, die eben von dieser NoVA befreit werden sollen, um eine genauere Definition der Maße et cetera und auch um die Frage, welche dieser Fahrzeuge mit einfacher Ausstattung versehen sein müssen. Darüber hinaus geht es im zweiten Teil um Übergangsbestimmungen, die wir brauchen, damit diese Neuregelung auch entsprechende Rechtssicherheit hat: Auf Kraftfahrzeuge, für die ein Kaufvertrag bis zum 30. Juni 2025 abgeschlossen wird beziehungsweise deren Lieferung bis Ende des Jahres erfolgt, kann die derzeit geltende Rechtslage angewendet werden. Damit wird auch entsprechende Rechtssicherheit für die Unternehmerinnen und Unternehmer gewährleistet. Das ist der eine Teil, das heißt eine gute Nachricht für viele Handwerkerbetriebe in Österreich, dass wir da eine Erleichterung schaffen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich ganz grundsätzlich noch zwei Dinge erwähnen. Das eine ist: Ich habe die Beiträge der meisten Rednerinnen und Redner gehört. Ich denke, dass es ganz grundsätzlich von entscheidender Bedeutung ist, dass wir tatsächlich einen Schulterschuss herbeiführen, was die Frage der Budgetkonsolidierung insgesamt betrifft. Ich merke hier immer, es wird sehr schnell mit den Fingern auf andere gezeigt. Ich glaube, es gibt da eine gesamtstaatliche Verantwortung – es wurde auch schon erwähnt –: Es ist ja nicht nur – unter Anführungszeichen – „der Bund“ betroffen, sondern Gleiches gilt eben auch für die Budgets von Ländern, Gemeinden und der Sozialversicherung. Wenn ich jetzt an die Bundesländer denke, dann denke ich schon daran, dass eigentlich alle hier im Parlament vertretenen Fraktionen auch entsprechend Verantwortung in den Bundesländern tragen und in den letzten Jahren getragen haben. Auch da gibt es also eine gemeinsame Verantwortung. Ich finde es auch nicht richtig – egal ob Opposition oder auch unsere Koalitionspartner –, dass man immer sehr schnell mit dem Finger auf andere zeigt, sondern ich glaube wie gesagt, es ist wirklich von entscheidender Bedeutung, dass wir jetzt alle gemeinsam …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Verantwortung zu übernehmen!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… diese notwendigen Reformen angehen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Verantwortung übernehmen! Wer hat jetzt Verantwortung übernommen?

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Es ist auch die FPÖ betroffen, denn ihr sitzt in einigen Landesregierungen, und auch dort wird man darüber reden müssen. Die vernünftigen Kräfte der FPÖ wissen, dass man in den Bundesländern einen entsprechenden Beitrag wird leisten müssen, damit wir – das muss ja am Ende das Ziel sein – darauf achten, dass das Steuergeld möglichst effizient an den richtigen Stellen eingesetzt wird. Das, glaube ich, ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, der sich keine Partei hier entziehen sollte. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Schluss, meine Damen und Herren – weil ich der Rede von Herrn Klubobmann Kickl natürlich auch zugehört habe –: Er hat von der Schweiz als Vorbild gesprochen. Tatsächlich kann die Schweiz in einigen Bereichen zum Vorbild genommen werden, wie andere Staaten – Dänemark zum Beispiel – auch, auch was ihre Budgetpolitik betrifft. Eines möchte ich aber schon sagen, weil ja die EU-Beiträge, die Österreich leistet, kritisiert wurden: Es heißt, Österreich bezahlt quasi Mitgliedsbeiträge an die Europäische Union, einerseits damit es ein EU-Budget gibt, aber andererseits eben auch, damit gewisse Ungleichheiten ausgeglichen werden. Das Interessante ist, meine Damen und Herren von den Freiheitlichen und werte Zuseherinnen und Zuseher: Die Schweiz, die nicht Mitglied der Europäischen Union ist, bezahlt netto mehr als Österreich. Wir bezahlten 2024 etwa 3,1 Milliarden Euro sozusagen an die EU, wir haben aber auch Rückflüsse in deutlicher Höhe.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Die nehmen aber massiv ab! – Abg. Stefan [FPÖ]: Die Schweiz sponsert die Europäische Union!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Ja, wir haben einen Nettosaldo, stimmt, wir sind Nettozahler, aber wissen Sie, wie viel die Schweiz bezahlt? – Die Schweiz bezahlt aus ihrem Budget 1,7 Milliarden Franken, etwa 1,8 Milliarden Euro, an die Europäische Union und bekommt keine Rückflüsse – das sollte nur einmal gesagt werden.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Weil sie voll nett sind! Aus Freundlichkeit!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Für eine exportorientierte Wirtschaft, wie wir es sind – und wenn wir über das Budget reden, ist das von entscheidender Bedeutung –: Mauern und Festungen zu bauen, wird den Staatshaushalt nicht sanieren – im Gegenteil, es wird ihn gefährden, es gefährdet unser Wirtschaftswachstum. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir müssen doch dafür Sorge tragen – Sie wissen es eh selber auch …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ich sag’ eh gleich was dazu!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… wie viel wir im Ausland verdienen, insbesondere in der Europäischen Union, und deswegen ist es so wichtig, dass wir auch mitreden können. Das unterscheidet uns nämlich in diesem Fall positiv von der Schweiz …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die können überhaupt nicht mitreden! Nicht so wie wir! Wir können das alles mitbestimmen!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Die zahlen mehr, aber wir können wenigstens mitreden. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 13.53 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/43.1 Normverbrauchsabgabegesetz, Bundesimmobiliengesetz, Reisegebührenvorschrift 1955 und Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen (AA-18) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der Abänderungsantrag wurde in den Grundzügen erörtert. Er ist an die Abgeordneten verteilt worden, er ist ausreichend unterstützt, ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Kassegger. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Kollege Ottenschläger, mit dem Vergleich mit der Schweiz begeben Sie sich auf ganz dünnes Eis. Die Frage ist: Was ist bei der Schweiz anders, was macht die Schweiz anders? – Die Antwort ist: Die Schweiz hat seit Jahren eine wesentlich bessere Regierung als die Regierung hier in Österreich. Schauen Sie sich die Fundamentaldaten an: Ich hätte auch gern nur 40 Prozent Staatsverschuldung; ich hätte auch gern ein BIP, das fast das Doppelte von unserem ist; ich hätte auch gern eine Währung, die in den letzten sieben, acht Jahren im Vergleich zum Euro um 60 Prozent zugelegt hat. – Also da brauchen wir nicht zu reden, was die bessere Lösung ist.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

... für die Lohnstückkosten eigentlich bedeutet?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ich habe, da ich jetzt bei den Budgetdiskussionen, Budgetdebatten wahrscheinlich öfter reden werde …

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Bitte nicht! – Abg. Egger [ÖVP]: Na geh!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… da ein Ceterum-censeo: Dieses Doppelbudget und insbesondere der Rahmen bis 2028 ist ein Weiter-wie-bisher, ist ein Beharren in Irrwegen – dem Irrweg der Klimapolitik, der Sanktionspolitik, der Kriegswirtschaft und der Migration –, bringt weitere Belastungen für die eigenen Leute, bringt keine positiven Impulse für die schwer angeschlagene österreichische Wirtschaft. Das trifft allerdings meine Erwartung, die war nämlich bei wenig bis null. Sie können jetzt noch so oft von einer Konsolidierung reden, Sie können noch so oft von einem Kurswechsel reden – die Fakten und Zahlen des Budgets beziehungsweise des Bundesfinanzrahmenplans sprechen dagegen. Man kann doch nicht ernsthaft von einer Konsolidierung sprechen: Wir haben schon erwähnt oder gehört, dass die Regierung aus ÖVP und Grünen katastrophale Budgetdaten und eine riesige Überschuldung mit einer Neuverschuldung von 88 Milliarden Euro geliefert hat. Ihr Konsolidierungspfad bis 2028 schaut so aus: Wir machen in Summe nur mehr 82 Milliarden Euro neue Schulden. – Das hat doch mit Konsolidierung nichts zu tun, das ist ein Weiter-wie-bisher. (👏 FPÖ) Die ÖVP verwendet hier auch den Begriff „Stabilität“. – Ja, aber das ist eine Stabilität, die wir genau nicht haben wollen, nämlich eine Stabilität in einer vollkommen falschen Wirtschafts- und Budgetpolitik. Der Herr Bundesminister für Finanzen hat es ja vollkommen richtig erkannt und auch mehrmals in den Ausschüssen erwähnt: Die Zinsen sind ein massives Problem. Das ist ja sinnloses Geld, das wir für die Fehler der Vergangenheit – nämlich dafür, dass die Regierungen der Vergangenheit vollkommen über ihre Verhältnisse gelebt und Schulden ohne Ende aufgenommen haben – zahlen. Da reden wir von Milliardenbeträgen – 8, 9 Milliarden Euro –, die wir jetzt schon bezahlen. – Herr Finanzminister, ich sehe jetzt aber kein Signal, wie Sie die Zinsbelastung in den nächsten Jahren abbauen wollen. Also da fehlt mir jetzt irgendwie die Logik: Durch Neuaufnahme weiterer 82 Milliarden Euro wird das nicht gelingen, sondern die Zinsbelastung wird noch steigen. Im Übrigen wissen Sie ja auch, dass man natürlich refinanzieren muss; da kommen wir auch in eine Schieflage, weil wir natürlich jetzt zehnjährige Anleihen refinanzieren müssen, die niedrig verzinst sind. Das wird also noch eine höchst unangenehme Sache. In Ihrer Budgetrede war in Wahrheit kein Wort von wesentlichen, dringend notwendigen Entlastungsschritten für die Wirtschaft, und da rede ich jetzt nicht vom Tausender, den man den Mitarbeitern steuerfrei als Prämie geben kann, sondern ich rede von einer Senkung der Steuerlast: von einer Senkung der Körperschaftsteuer, der Kapitalertragsteuer, der Einkommensteuer, der Lohnnebenkosten – eine Nullmeldung in diesem Bereich –, von einer Senkung der CO₂-Steuer, die ja immer teurer wird, von einer Redimensionierung des extrem teuren Zertifikatehandels, der ja massiv unsere Wirtschaft angreift und schädigt. Was Ihnen einfällt, ist die Jagd nach den Steuerbetrügern. Das klingt gut, mir gefällt das aber nicht besonders gut. Ich glaube auch nicht, dass Ihre zusätzlichen Steuereinnahmen von 270 Millionen Euro beziehungsweise 450 Millionen Euro, die Sie da haben wollen, überhaupt hereinkommen. In der täglichen Arbeit – reden Sie einmal mit Steuerberatern und Unternehmern! –, da schwant mir schon Übles: dieser Generalverdacht, dass jeder Unternehmer in Österreich de facto ein Steuerbetrüger sei. Es gibt kein Wort, was den Abbau des Bürokratieirrsinns betrifft, kein Wort zu den Irrwegen der Europäischen Union, die ja in vielen Bereichen leider – das muss man sagen – Politik zum Schaden der Österreicher macht. Die ganze Klimapolitik, die Jagd nach dem CO₂, die Sie im Übrigen noch Gold-platen: Das 2050-Ziel reduzieren Sie noch auf das 2040-Ziel, was in weiterer Folge massive, negative Effekte hat, zum Beispiel auf die Investitionserfordernisse von Energieversorgungsunternehmen, was das Netz betrifft; die können das ja von der Liquidität her fast nicht derheben. Es gibt weiter kein kritisches Wort zur Migrationspolitik. Wir schaffen das – das wird ungehindert oder ungebremst weitergemacht. Sanktionspolitik, Kriegspolitik, Rüstungstreiberei: echte Strukturreformen null, ich sehe keine. In Wirklichkeit feiern SPÖ und ÖVP fröhliche Urständ. Das ist das Wiederaufleben des 20. Jahrhunderts – der Siebziger-, Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts – mit den Kammern, mit den Parallelwelten – da schaue ich auch Sepp Schellhorn an –, mit den Sozialversicherungsträgern et cetera. Das ist 20. Jahrhundert, mit einem kleinen Unterschied: Damals haben Sie 95 Prozent der Wähler gewählt, heute wählen Sie nur mehr 40 Prozent. (👏 FPÖ) Sie könnten das gar nicht weitermachen, wenn Sie nicht die NEOS als Steigbügelhalter hätten – die NEOS, die mit diesem Schritt meines Erachtens ihre grundsätzliche DNA aufgegeben haben. Ich erinnere mich noch an Matthias Strolz: die neue Partei, die genau diese alten Systeme – wir erinnern uns, die „Fürsten der Finsternis“ hat er den ineffizienten Föderalismus genannt –, die Kammern und so weiter, aufbrechen will. Was machen Sie jetzt? – Sie sind der Steigbügelhalter für dieses alte System, das aber schon lange keine demokratische Legitimierung durch das Volk mehr hat. Wir werden uns das also leider anschauen müssen, hoffentlich relativ kurz bis zu den nächsten Wahlen. Ich sehe weder im Doppelbudget noch im Bundesfinanzrahmen einen echten Kurswechsel. Ich sehe ein Weiter-wie-bisher. Ich sehe auch ein Weiter bei Ausgaben ohne Ende, bei Milliarden für die EU, für die Ukraine, für die Entwicklungshilfe, für die Migration, für ein ineffizientes Gesundheitssystem, für ein ineffizientes Bildungssystem, also alles andere als einen Kurswechsel, alles andere als eine echte Konsolidierung, denn wir machen immer noch Schulden ohne Ende, bis zum Jahr 2028. Es ist ein Beharren in den Irrwegen – alles andere als eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Österreich und für die Menschen in Österreich. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster in der Rednerliste: Abgeordneter Hofer; 3 Minuten eingestellte Redezeit.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher- und Zuhörer:innen hier im Saal und zu Hause an den digitalen Endgeräten! Es klingt immer so einfach, als ob man ein Budget mit ein, zwei Schraubendrehungen wieder verändern könnte – und das von allen Seiten, wo doch alle in der letzten Dekade in einer Regierung waren und Budgets erstellt haben. Vielleicht kurz zu Ihnen, Herr Kollege Kassegger, zu dem Thema: Ist es jetzt so, dass die Unternehmer alle als Betrüger dargestellt werden? So haben Sie es insinuiert. – Genau das Gegenteil ist im Regierungsprogramm der Fall: Es ist unternehmensfreundlich und wird genau dort hinsehen, wo es zu Betrug kommt. Zweitens: Bei Ihrem Wort sehen sind wir beim richtigen Wort. Sie haben ja gesagt, wir werden das sehen. – Ich lade Sie ein, nicht nur in der ersten Reihe fußfrei zuzusehen, sondern an den Veränderungen mitzuwirken – mitzuwirken an den Veränderungen, die es brauchen wird …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer ist in der Regierung? Sind wir in der Regierung? Ist das unsere Aufgabe?

NEOS Markus Hofer

… denn eines muss klar sein: Ein Budget ist eher ein Supertanker, und er bewegt sich ständig und mit viel Kraft. Ein Bundesbudget braucht aber Vorhersehbarkeit und eine längere Zeit, um eine Kurskorrektur darzustellen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr seid eher ...!

NEOS Markus Hofer

… In Wirklichkeit ist es nämlich so, dass dieser Supertanker in Richtung eines Eisbergs gesteuert wäre, eine Kollision in Kauf genommen worden wäre : eine Kollision mit der Realität, eine Kollision mit der Generationengerechtigkeit, eine Kollision mit dem Standort Österreich; und diese Bundesregierung hat vor wenigen Wochen, vom ersten Tag an, das Steuer in die Hand genommen, um den Kurs zu korrigieren. Wir vermeiden den Eisberg; aber sind wir schon mit voller Kraft in die richtige Richtung unterwegs, sind wir schon mit voller Kraft unterwegs? ( Ruf bei der FPÖ: Und die Kapelle spielt weiter! ) – Nein, noch nicht. Was aber wäre geschehen? Was wäre geschehen, wenn wir diese Kurskorrektur nicht eingeleitet hätten? – Wir hätten eine Staatsverschuldung, die bei fast 100 Prozent gewesen wäre. Mit diesen Kurskorrekturen ist sie um 12 Prozentpunkte niedriger. Wir hätten es nicht geschafft, dass wir innerhalb von zwei Jahren von 4,7 auf 4,2 Prozent an Neuverschuldung kommen. Aber Sie merken dadurch auch, wie lange es dauert, um solche Änderungen vorzunehmen. Wir hätten es nicht geschafft, dass wir die Planstellensteigerungen im öffentlichen Dienst, die über Jahre vorgenommen wurden, gestoppt hätten. Eine Umkehrung ist noch nicht der Fall. Wären wir nicht gemeinsam in dieser Regierung, mit den NEOS als Reformkraft, hätten wir manche Blockaden nicht gelöst – hätten wir die Blockaden in Richtung eines Starts zu einer Pensionsreform nicht gelöst, hätten wir die Blockaden in Richtung Bürokratieentlastung, vor allem für Klein- und Mittelunternehmen, nicht gelöst und hätten wir die Blockaden bei einer Aufholjagd in der Bildung nicht gelöst. Gesamtstaatlicher Reformwille ist aber notwendig. Sie haben über die „Fürsten der Finsternis“ gesprochen, haben sich beim Zitieren schwergetan. Die Wahrheit ist, dass jetzt die verschiedenen Gebietskörperschaften – Bund, Länder und Gemeinden – zusammensitzen, um diesen Reformwillen zu zeigen, und ich glaube daran, dass wir da Reformen schaffen werden, denn es braucht weitere strukturelle Maßnahmen, um die Konsolidierung zu schaffen und um den Standort zu sichern. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Lassen Sie uns gemeinsam weiterarbeiten, denn es geht nicht nur um das Hier und Jetzt, es geht um die Zukunft Österreichs, um die Zukunft dieses Landes. Ein Kurswechsel ist eingeleitet. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass wir diesen schaffen, für Österreich! – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Schwarz. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

GRÜNE Jakob Schwarz

Danke schön, Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Das Doppelbudget, das wir am Mittwoch beschließen werden, ist im Wesentlichen – schon vielfach diskutiert – vom Sparpaket geprägt. Im Kern ist es ein blau-schwarzes Sparpaket, und es muss gespart werden, das stimmt, aber es muss sinnvoll gespart werden. Das passiert nicht in ausreichendem Maße, sondern es wird umweltschädlich, wirtschaftsfeindlich und sozial ungerecht gekürzt. Liebe Regierungsfraktionen, dass gespart werden muss, das kann man dem hohen Defizit in die Schuhe schieben, das stimmt. Wo und wie aber gespart wird, das ist schon eure Entscheidung und nicht die der Grünen oder von sonst irgendjemandem; und dass ihr das so macht, dass es nicht zukunftsverträglich und sozial verträglich ist, sondern dass die Ärmsten im Land viermal so viel zum Sparpaket beitragen wie die Reichsten, das entscheidet schon noch ihr und nicht wir. (👏) Damit zu den wahren Ursachen dieser Budgetkrise. Natürlich gibt es immer mehrere Faktoren, aber eine von zwei wesentlichen Ursachen ist die wirtschaftliche Strukturkrise, in der wir uns befinden, nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland. Am Ende des letzten Jahres ist die Industrieproduktion 10 Prozent unter der Industrieproduktion des Vorjahres gelegen, und jetzt würde man ja annehmen, die Regierung, insbesondere die Wirtschaftspartei ÖVP, würde ihre Offensivmaßnahmen dafür nutzen, dieses Kernproblem des Defizitproblems anzugehen und dort volle Kanne reinzuinvestieren und Initiativen zu setzen. Stattdessen wird das Geld genommen und für Sinnlosmaßnahmen wie beispielsweise diese NoVA-Befreiung für Pick-ups ausgegeben. Das ist auf so vielen Ebenen falsch; einerseits natürlich budgetär, denn wir müssen sparen und nicht Geld rausschmeißen; zweitens klimapolitisch, denn eine Förderung, die zweckgewidmet ist, nicht nur für Autos, sondern nur für fossile Autos, und nicht nur für fossile Autos, sondern für große fossile Autos, eine nur dafür zweckgewidmete Förderung ist doch vollkommen die falsche Richtung und nicht jene, in die wir gehen sollten …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Der kleine Handwerker sagt Danke! Den kennst du aber nicht!

GRÜNE Jakob Schwarz

… und auch verteilungspolitisch, denn ich kann mir sehr schlecht vorstellen, dass die Geringverdienenden die großen Profiteure einer NoVA-Befreiung für Geländewägen sein werden. Vor allem aber: Wie soll das bitte die Wirtschaftsstrukturkrise lösen? Das betrifft ja auch Ihre anderen Maßnahmen, ich denke daran: Inwiefern soll die Wettbewerbsfähigkeit der Voest oder von Andritz gestärkt werden, wenn man in der Betriebskantine keine Kassazettel ausdruckt, oder auch, wenn man einen Kastenwagen jetzt ohne NoVA kaufen kann? Das hilft ja nichts! Stattdessen gäbe es viel zu tun: Wir hätten die Strompreiskompensation zu verlängern. Minister Hattmansdorfer – vorhin ist er noch dagesessen – hat es zwar angekündigt, aber im Budget, dass wir übermorgen beschließen, ist es nicht drinnen. Das heißt, entweder gibt es kein Geld dafür, dann kommt es auch nicht, oder das Geld wird halt woanders eingespart, wahrscheinlich wieder auf Kosten der Industrie. Oder: Wo sind die Energiegesetze, die Frau Ministerin Gewessler schon auf den Weg gebracht hat? Diese gehören endlich beschlossen, um die Energieproduktion auszubauen und die Netzkosten zu senken. Letzter Punkt: Transformationsfonds. Dieser gehört auch ausgebaut, vielleicht in Details verbessert – stattdessen wird gekürzt. Die erste wesentliche Ursache, die Strukturkrise unserer Wirtschaft, wird mit diesem Budget also nicht nur nicht angegangen, sondern zum Teil vielleicht sogar verschärft. (👏) Die zweite wesentliche Ursache liegt in der Konsumzurückhaltung. Das hat der Finanzminister auch schon anerkannt. Ich hätte eine These dafür, woher diese kommen könnte: Wir haben zu Zeiten der Vorgängerregierung vonseiten der SPÖ monatelang gehört, dass die Teuerungshilfen alle zu wenig und zu langsam wären, und: Alles nur Einmalzahlungen, die verpuffen!, die Einmalzahlung hat es in der Dauerschleife gegeben. – Ja da kann ich mir schon vorstellen, dass die Leute, die es irgendwie schaffen, ihr verfügbares Einkommen zu sparen, das dann halt auch sparen und nicht ausgeben. Und jetzt, ups, kommt auch die SPÖ drauf, dass die Sparquote nach oben gegangen ist, und spricht jetzt davon, dass man Zuversicht geben muss, damit die Leute das Geld wieder ausgeben. Da frage ich mich eines: Den Menschen, für die das in der Vergangenheit immer alles zu wenig war, streicht man jetzt den Klimabonus; man streicht die Valorisierung der Sozialleistungen; man macht überhaupt ein Sparpaket, das in Summe die Geringstverdienenden viermal so stark trifft wie die Reichsten. Und jetzt haben die alle plötzlich genug Geld, um den Konsum anzustoßen? – Das geht sich ja nicht aus. (👏) Insofern: Leider geht dieses Budget die zwei wesentlichen Punkte nicht an, und deshalb ist es auch nicht zustimmungswürdig. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Teiber. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es geht um das Budget, und wir haben in dieser Budgetdebatte jetzt ja schon einiges gehört; von den Grünen Kritik, aber auch vereinzeltes Lob – da auch ein Danke für die Differenzierung. Von der FPÖ kam nur Kritik – man kennt Sie ja auch nur so, aber es ist schon ein Stück weit skurril, denn vor allem die schwierigen Maßnahmen in diesem Budget, die durchaus viele belasten, sind auf Ihrem Mist gewachsen, das ist Ihnen eingefallen …

FPÖ Petschnig (Zwischenruf)

Aber ihr beschließt es!

SPÖ Barbara Teiber

… das haben Sie mit der ÖVP vereinbart …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Was jetzt konkret? Kann man ein bisschen konkreter werden?

SPÖ Barbara Teiber

… und nach Brüssel geschickt! Insofern ist diese Kritik wirklich mehr als seltsam. (👏 SPÖ) Ich denke mir, worüber wir uns aber in diesem Plenum einig sind, ist, dass die Ausgangslage eine mehr als schwierige ist: leere Kassen, ein strukturelles Budgetdefizit in einem noch nie dagewesenen Ausmaß, unzählige politische Projekte – auch durchaus gute – von der schwarz-grünen Vorgängerregierung sind ohne langfristige Finanzierung, für diese ist nicht gesorgt worden. Darum werde ich als Sozialdemokratin noch immer gefragt, warum wir uns das antun, mitzuhelfen, diesen finanziellen Scherbenhaufen, den wir nicht verursacht haben …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr habt überall mitgestimmt!

SPÖ Barbara Teiber

… jetzt in dieser Bundesregierung aufzuräumen. Anders als Klubobmann Kickl, anders als die FPÖ übernehmen wir Verantwortung.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Euch hat aber niemand gewählt! – Abg. Stefan [FPÖ]: Wir werden darauf zurückkommen!

SPÖ Barbara Teiber

… Sie beschränken sich immer allein auf billigen Populismus. Das ist man von Ihnen gewohnt: Nur kritisieren und keine Verantwortung übernehmen. Wir übernehmen Verantwortung für Österreich und die Menschen in unserem Land! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Euch hat niemand gewählt, um Verantwortung zu übernehmen!

SPÖ Barbara Teiber

… Darum muss man sagen, es ist wirklich eine Leistung, dass es dem Herrn Finanzminister und der Regierung in Rekordzeit gelungen ist, dieses Doppelbudget vorzulegen. Dieses Budget zeigt, soweit das bei einem Sparpaket möglich ist, auch soziale Handschrift – durch Mehreinnahmen von Banken, von der Energiewirtschaft, von Stiftungen, von der Immobilienwirtschaft –, und trotz des Spardrucks ist es aufgrund dieser Mehreinnahmen möglich, zu investieren: in Bildung, in Gesundheit, in Pflege und in Beschäftigung, weil gute Arbeit der Schlüssel für soziale Sicherheit ist. Ganz entscheidend ist es, dass die SPÖ Teil der Regierung ist, wenn es um das Thema Pensionen geht. Da verhindern wir, dass es zu einem Kahlschlag bei den Pensionen kommt, wie es sich manche Industriellenvertreter vorstellen. Ein IV-Präsident, der von Arbeiten bis 70 spricht – das ist purer Zynismus. Da hat jemand keine Ahnung von den Realitäten am Arbeitsmarkt! (👏 SPÖ) Worauf wir hinarbeiten werden, ist, dass das faktische Pensionsantrittsalter steigt. Was dazu umgesetzt wird, ist eine Änderung bei der Korridorpension: eine schrittweise Anhebung auf 63 Jahre, und perspektivisch sind dafür 42 Versicherungsjahre notwendig. Was uns jetzt in Verhandlungen noch gelungen ist, ist – und ich weiß als Gewerkschafterin, wie wichtig das für viele betroffene Kolleginnen und Kollegen ist –, dass für die Altersteilzeitvereinbarungen, die bis heute, bis 16. Juni, wirksam geworden sind, die bisher geltenden Anspruchsvoraussetzungen für die Inanspruchnahme einer Korridorpension weiter anwendbar bleiben. Dazu bringe ich einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Ottenschläger, Krainer, Hofer, Kolleginnen und Kollegen zum Budgetbegleitgesetz 2025, 100 der Beilagen, ein, der die erwähnte Bestimmung im Allgemeinen Pensionsgesetz ändert. Weiters gibt es redaktionelle Änderungen im Gehaltsgesetz, im Vertragsbedienstetengesetz und im steuerrechtlichen Teil. – Vielen Dank. (👏 SPÖ) 14.14 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/47.1 Budgetbegleitgesetz 2025 (AA-17) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der angesprochene Abänderungsantrag ist aufgrund seiner Komplexität verteilt worden. Er wurde in seinen Grundzügen erörtert, ist daher ordnungsgemäß eingebracht und auch ausreichend unterstützt. Er steht damit mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Kolm. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Barbara Kolm

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Sehr geehrte Delegation der Freiheitlichen Partei aus Graz! Geschätzte Damen und Herren zu Hause! Österreich ist auf dem falschen Weg, und ich darf meine Rede mit einem seltsamen Praxisbeispiel dafür beginnen, wie das Budgetbegleitgesetz dazu missbraucht wird, Dinge zu beschließen, die in Wirklichkeit mit dem Budget nichts oder nur sehr wenig zu tun haben. Im vorliegenden BBG soll beschlossen werden, dass beispielsweise die Rechtsanwälte in der Erwachsenenvertretung weit über das rechtsanwältliche Maß hinaus mit der Pflegebetreuung, psychosozialen Betreuung, aber auch der Betreuung von Erwachsenen betraut werden. Es stellt sich hier die kritische Frage: Warum sollen das die Rechtsanwälte machen und warum sollen es nicht Ärzte oder Richter machen, warum sollen nicht sie zu diesem sogenannten Zwangsdienst verpflichtet werden? Wie erfolgt die Entschädigung, wenn der Besachwaltete beispielsweise vermögenslos ist? Im vorliegenden Gesetz ist dazu nichts geregelt. Warum also ausgerechnet die politisch unbequemen Freiberufler wieder einmal belasten? Ist das der neue Stil der Budgetkonsolidierung, dass Freiberufler zu unbezahltem Sozialdienst eingeteilt werden? – Das und viele andere Dinge werden in dem hier vorliegenden Gesetz behandelt. (👏 FPÖ) Dieses Budget und dieses BBG führen Österreich weiter und noch tiefer in die Sackgasse. Wir reden heute nicht nur über Zahlen, wir sprechen über Prinzipien, über Verantwortung und darüber, welchen Weg wir für unser Land künftig einschlagen wollen: Wollen wir weiter in die Abhängigkeit von Schulden, Staatsintervention und EU-Diktaten oder endlich in Richtung Freiheit, Eigenverantwortung und Marktwirtschaft? Das Doppelbudget der schwarz-rot-pinken Koalition zeigt erschreckend deutlich: Diese Regierung hat kein Konzept und – wie zu erkennen war, wenn ich mir manche Vorredner vorhin angehört habe – auch keine Ahnung von wirtschaftlicher Grundeinstellung. Sie betreibt Zahlenkosmetik statt Sanierung, ideologische Umverteilung statt Angebotsreformen und Krisenverschleierung statt mutiger Konsolidierung. Das ist kein Wendepunkt für Österreich, sondern das ist more of the same. Zahlen entlarven und legen die Täuschung offen: Das Defizit liegt bei 4,5 Prozent des BIPs trotz – trotz! – massiver Steuerbelastungen, die Ausgabenquote bei 56,8 Prozent – im EU-27-Schnitt sind es meistens um 10 Prozent weniger. Die Regierung plant bis 2029 weitere 90 Milliarden Euro Schulden, und laut Zahlen des Fiskalrates von heute wird die Schuldenquote von heuer 84,6 Prozent bis 2029 auf 91,1 Prozent ansteigen. Das ist keine Konsolidierung, das ist nur ein Schuldenkarussell, das sich weiter dreht. Die Sanierung ist Mythos, und wenn man sich die Definitionen von Sanierung im „Oxford Dictionary“ oder im „Gabler Wirtschaftslexikon“ überlegt, aber natürlich auch im „Lexikon der öffentlichen Haushalts- und Finanzwirtschaft“ ansieht, dann weiß man ganz genau: Minus! Die Aufgaben sind nicht gemacht, und man hat nicht verstanden, was zu tun ist. Schade, dass der Herr Finanzminister gerade gegangen ist. Die Sanierung ist eben ein Mythos. Und was passiert wirklich? – Noch mehr Ausgaben, Belastung gerade von Mindestpensionisten durch höhere Krankenkassenbeiträge und weitere Belastungen im Bereich der Pensionen, keine Incentivierung, eine Form von Augenauswischerei – die angeblichen Einsparungen der Fördertaskforce betragen gerade einmal 150 Millionen Euro bei einem Ausgabenvolumen von 100 Milliarden Euro; das ist eine Augenauswischerei –, keine Strukturreformen bei Bürokratie, Föderalismus oder Verwaltung. Und wenn dann Kollege Shetty meint, das wird passieren: Na ja, wenn ich 18 Monate darüber nachdenke, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es ein vernünftiges Ergebnis gibt! (👏 FPÖ) Zum Defizitverfahren – wie gesagt schade, dass der Herr Finanzminister nicht da ist –: Das bedeutet Österreich ist im Würgegriff, im politischen Würgegriff der EU, Verlust politischer Souveränität, Brüssel übernimmt, Zinsaufschläge auf Kredite, auch für Private, schlechtere Ratings und damit auch noch höhere Staatsausgaben und noch weniger Gestaltungsspielraum für Reformen. – Das sind nicht die Lösungen. (👏 FPÖ) Widerspruch wird in Brüssel nämlich nicht geduldet. Den freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die Brüssel als Belastung für uns plant, muss zugestimmt werden. Wir haben es beispielsweise bei der Bargeldobergrenze gesehen, da hat der vergangene Finanzminister zugestimmt, ohne mit der Wimper zu zucken, und Sie werden dem digitalen Euro wahrscheinlich auch zustimmen, ohne mit der Wimper zu zucken, und das bedeutet auch eine weitere Belastung und einen Entzug unserer individuellen Freiheit. Von wegen Offensivmaßnahmen und Standortpakete: Auch da hat die Politik versagt. Das ist nämlich keine Standortpolitik – schade, dass Kollege Hattmannsdorfer nicht da ist. Schlüsseltechnologien werden politisch ausgewählt, ohne Marktprüfung. Subventionen verzerren bekanntlich den Wettbewerb und schaffen nur Mitnahmeeffekte, anstatt dass man die Instrumente der Garantien weiter ausweitet. Staatsnahe Betriebe werden ausgeschlachtet, um Budgetlöcher zu stopfen. – Das ist keine Wirtschaftspolitik, die den Standort nach vorne bringt. (👏 FPÖ) Anstelle von Mut zur Wahrheit und Mut zur Freiheit geht man den Weg in die Knechtschaft, egal ob von Brüssel oder ob man die nächsten Generationen verknechtet. – So darf das nicht sein. Das ist nicht die Lösung für Österreich. Man sollte dem Bürger vertrauen, den Unternehmern vertrauen und sie nicht unter Generalverdacht stellen. Man muss das Wort Freiheit und Freiheit als höchstes Gut wirklich wieder in den Vordergrund stellen. Nur so kann ein Arbeits- und Wirtschaftsstandort nachhaltig saniert werden, und das geht nur mit niedrigen Steuern, mit weniger Abgaben und mit viel Freiheit. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Strasser. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Georg Strasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Ja, zweifellos, es liegen fünf schwierige Jahre hinter uns, in denen die vergangene Regierung die Kaufkraft gestärkt hat, Arbeitsplätze und Wirtschaft unterstützt hat und die Sozialleistungen deutlich gesteigert hat. Die Vorzeichen haben sich geändert. Ich möchte schon dazusagen: In den letzten fünf Jahren hat auch die Opposition viele Forderungen gestellt, die die Regierung umgesetzt hat, und viele Forderungen sind weit über das Maß, das heute zu sehen ist, hinausgegangen. Jetzt sind wir aber an einem Wendepunkt, und was es braucht, ist ein Schulterschluss. Warum? – Weil alle Bevölkerungsgruppen, alle Berufsgruppen dieses Sparpaket spüren werden, und wir werben für einen Schulterschluss. Wir werden zum einen sanieren; sanieren heißt: zwei Drittel im Bereich der Ausgaben, ein Drittel im Bereich der Einnahmen. Wir werden reformieren. Ich möchte den Schulterschluss zwischen den Gemeinden, den Städten, den Bundesländern und dem Bund in den Bereichen Energie, Bildung, Gesundheit und Verwaltung hervorheben. Da werden wir die Kosteneffizienz steigern und letztendlich auch einen Beitrag zur Budgetsanierung liefern. Das alles ist aber noch auszuarbeiten. Wir werden weiter wachsen, und zum Wachsen braucht es Investitionen in die Zukunft. Ich möchte zum einen jetzt die Leistungen der österreichischen Bäuerinnen und Bauern ein wenig vor den Vorhang holen. Wir, ich und meine Kolleginnen und Kollegen, liefern Lebensmittel, Landschaft, Rohstoffe und Energie. Es ist gut, dass die Leistungsabgeltungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik stabil gehalten werden können, weil wir, die Bäuerinnen und Bauern Österreichs, dann auch weiter unseren Job machen können und unsere betrieblichen Einkommen und die Familieneinkommen damit zum Teil abgesichert sind. Der zweite Bereich: Es gilt die Wirtschaft anzukurbeln. Dabei spielt die Energie eine ganz wichtige Rolle. Es geht um die Kosten, es geht um die Wettbewerbsfähigkeit und es geht um die Verfügbarkeit – drei ganz wichtige Themen. Auch da kann die Landwirtschaft, kann die Forstwirtschaft einen gewissen Teil liefern, und zwar über das Thema Biogas und Biomasse. So kann man sehr elegant Strom und Wärme erzeugen, mit Reststoffen für das Biogas und für die Biomasse aus dem Wald. Letztendlich sind diese Investitionen also notwendig, um uns eine Spur autonomer zu machen und die regionale Wirtschaft zu fördern und um uns auch eine bessere Klimabilanz zu verleihen. Ich komme zum Schluss: Wir sanieren, wir reformieren und wir werden weiter wachsen, und ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen, weil wir an dieses Land glauben. Was macht die FPÖ? – Sie verstrickt sich in Widersprüche. Ich habe da am Nachmittag zugehört. Kollege Fuchs hat sogar eine Aussendung vorgelegt: Dieses Budget ist unsozial!; Kollegin Kolm, die ja für ihren wirtschaftsliberalen Zugang bekannt ist, sagt: Oje, diese ideologische Umverteilung! – also ein schwerer Widerspruch. Die FPÖ begeht nicht nur Kindesweglegung, siehe Brief nach Brüssel, sondern sie verstrickt sich auch in Widersprüche in der eigenen Argumentation in der gleichen Debatte.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Wo ist da der Widerspruch? – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].

ÖVP Georg Strasser

… Wir sagen, dieses Budget ist sozial, dieses Budget ist ausgewogen und es wird uns zum Erfolg führen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Götze. Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten.

GRÜNE Elisabeth Götze

Danke, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Radfahren, Fußwege, Begrünung in den Orten, gute Kinderbetreuung und auch eine zeitgemäße Infrastruktur : Wir wissen, dass all das die Zufriedenheit der Bevölkerung maßgeblich beeinflusst, dass all das beeinflusst, wie gut es uns vor Ort geht. Aber auch das Vertrauen in die Demokratie wird, das wissen wir aus zahlreichen Studien, gestärkt, wenn die Orte gut funktionieren. Dafür gab es die Gemeindepakete mit einer ganz einfachen Antragsmöglichkeit – das weiß ich aus Erfahrung – und Transparenz, auf der BMF-Seite einfach abrufbar. Noch vor einem Jahr hat das Bundeskanzleramt auf der Website geschrieben, das kommunale Investitionsprogramm sei ein bewährtes Instrument, und für 2025 wurde ein neues angekündigt, mit einer Bundesförderung von 80 Prozent. All das wird jetzt leider abgedreht.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Stimmt ja nicht! – Abg. Schroll [SPÖ]: Stimmt ja nicht, Frau Kollegin!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Es kommt ein Rückschritt, weil es jetzt den Gemeinden überlassen bleibt, was sie mit diesem Geld machen. Sie bekommen das Geld als Gieß- - – Hören Sie mir zu, liebe Kolleginnen und Kollegen! (👏) Es kommt eine Gießkannenförderung und die Gemeinden entscheiden, was sie damit tun.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Ja, Gott sei Dank! – Abg. Schroll [SPÖ]: Ihr werdet doch nicht gegen die Gemeinden reden!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Das heißt aber auch, dass die Gemeinden, denen es finanziell schlecht geht, das Geld nützen werden, um Löcher zu stopfen.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Das geht ja nicht! – Rufe bei der ÖVP: Das geht ja nicht! – Abg. Kogler [Grüne]: Das haben wir ja vorher auch gehabt!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Es ist keine zielgerichtete Förderung mehr für Kinderbetreuung und für sonstige Investitionen, die wichtig für die Zukunft sind; man wird das Dringliche machen. (👏) Nur die reichen Gemeinden werden es sich leisten können, die langfristigen Zukunftsinvestitionen zu tätigen. Auch die Transparenz ist Vergangenheit, weil das BMF, das Finanzministerium, wohl nicht 2 000 Gemeindeseiten durchschauen wird, welche Investitionen gerade getätigt werden ; das ist nämlich die Vorgabe, es dort zu veröffentlichen. Zusammenfassend: ein Bärendienst für die Gemeinden, für die Steuerzahlenden, nämlich alle Bürger:innen, und eine vertane Chance für den Klimaschutz. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete von Künsberg Sarre. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Herr Präsident! Werte Mitglieder auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer! Es ist immer wieder schön, wie die Grünen sich wegducken und immer so tun, als ob sie mit dieser angespannten Budgetsituation überhaupt nichts zu tun hätten.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Ihr unterstellts das dauernd!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Die letzten fünf Jahre – und da waren die Grünen ganz, ganz vorne dabei – waren geprägt von einer Gießkannenpolitik …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

... den Schellhorn die nächsten fünf Jahre ...!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und einer Politik: Koste es, was es wolle! – Deswegen sind wir in dieser Situation. (👏 NEOS) Für uns NEOS ist ganz klar, dass es notwendig ist, das Budget zu konsolidieren. Das darf aber gleichzeitig nicht Stillstand bedeuten, sondern es geht darum, sich endlich Zeit für echte Reformen zu nehmen. – Offensichtlich fühlen Sie sich ja so angesprochen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Amüsiert!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Es ist wirklich schön, dass Sie da mit Ihrer Gießkanne einfach nicht durchgekommen sind. Für uns NEOS steht im Vordergrund dieses Budgets und auch des Bildungsbudgets: Sanieren, Reformieren und Investieren.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo ist das im Budget?

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Der Schwerpunkt der Bundesregierung – und es ist natürlich keine große Überraschung, dass es unter NEOS-Beteiligung so ist – ist, dass die Bildungspolitik endlich ein Schwerpunktthema für die Regierung geworden ist und dass ein ganz großer Fokus darauf liegt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wo sieht man das im Budget?

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Viel zu wenig wurden im Bildungsbereich die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft angegangen, viel zu lange wurden sie nicht angegangen. Wir haben mit dieser Regierung und mit diesem Budget eine Aufholjagd in der Bildung gestartet …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, umgefallen! Nein, Sie sind umgefallen!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und vor allem – und das ist ganz wichtig, an die Grünen gerichtet – einen Paradigmenwechsel eingeleitet – einen Paradigmenwechsel! –: Wir gehen nämlich weg von der Gießkanne, ja, und unsere Investitionen im Bildungsbereich sind zielgerichtet, bedarfsorientiert und dadurch auch treffsicherer.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

... auch schon wieder an der eigenen Propaganda!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Im Bildungsbereich stehen fast 12 Milliarden Euro zur Verfügung, so viel wie noch nie, und mit diesen 12 Milliarden wollen wir auch Reformen anstoßen. Ganz kurz: Elementarpädagogik, massive Investitionen in Angebot und in Qualität, diese werden verbessert, 10 Millionen Euro stehen allein heuer für neue Ausbildungsplätze – 4 000 an der Zahl – zur Verfügung; Deutschförderung als Chancenöffner , 2025/2026 stehen 1 300 Stellen für Deutschförderung zur Verfügung, das ist eine Verdoppelung; ab 2026 kommt die verpflichtende Sommerschule für alle außerordentlichen Schülerinnen und Schüler zur Unterstützung; der Chancenbonus – von den Grünen in der letzten Regierung ( Ruf bei den Grünen: Begonnen! ) eher verhalten begonnen, aber sehr verhalten – wird jetzt endlich österreichweit ab 2026/2027 umgesetzt ; digitale Lernmedien werden den Unterricht stärken und ihn spannender machen, allein für das Schuljahr 2025/2026 stehen 20 Millionen Euro zur Verfügung. Und: Der Bildungsminister hat bereits eine große Entbürokratisierungsoffensive im Schulbereich angekündigt, damit Lehrkräfte endlich von irgendwelchen unnötigen Papieren und irgendwelchen Einmeldungen, die sie an die Bildungsdirektionen und an das Bildungsministerium abliefern müssen, freigespielt werden, damit endlich die Arbeit mit den Kindern im Vordergrund steht und Lehrerinnen und Lehrer diese begleiten können. (👏 ÖVP, NEOS) 2025 stehen insgesamt 120 Millionen Euro und 2026 320 Millionen Euro als zusätzliche Offensivmittel zur Verfügung und mit diesen Offensivmitteln werden die wichtigen und innovativen Projekte endlich auf den Weg gebracht und auch umgesetzt. Zum Schluss noch eine sehr, sehr gute Nachricht: Die NEOS sind der Garant dafür, dass die Mittel treffsicher und zielgerichtet eingesetzt werden.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Herbert. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ Werner Herbert

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Minister, Ministerinnen und Staatssekretäre auf der Regierungsbank! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörer! Seit dem Vormittag erleben wir hier, dass seitens der Bundesregierung versucht wird, das vorliegende Budget irgendwie zu rechtfertigen, was ihr eigentlich nicht wirklich gelingt, denn die Erkenntnis oder die Conclusio aus den bisherigen Debattenbeiträgen ist klar: Dieses Budget hat keine Vision, dieses Budget hat keinen Weitblick und schon gar nicht ist es die – wie von Klubobmann Shetty zuvor angepriesene – Budgetkonsolidierung. Ich werde versuchen, Ihnen an drei Beispielen darzulegen, warum das Budget nicht das ist, was Sie vorgeben, das es ist, und werde auf meinen Bereich, nämlich den öffentlichen Dienst, in den ich als Bereichssprecher meiner Fraktion einen relativ guten Einblick habe ( Ruf bei der ÖVP: „Relativ“! ), eingehen. Der erste Punkt ist die heute schon mehrfach gehörte Kritik: Sie sparen bei der Bevölkerung, aber nicht bei sich selbst. Das ist die größte, die teuerste und personell umfassendste Regierung, die wir je in Österreich gehabt haben, nicht nur, was die Anzahl der Minister und Staatssekretäre betrifft ( Ruf bei den NEOS: Stimmt ja nicht! ), sondern auch, was die Mitarbeiter betrifft. Man bläst in den Ministerien aber auch die einzelnen Bereiche unnötigerweise und im Widerspruch zu dem, was bisher gesagt wurde, auf. Beispiel BMI: Im Jahr 2022 wurde dort unter dem Aspekt, eine neue Gruppe zu gründen, die Funktion des Generalsekretärs abgeschafft. Der Hintergrund oder die Argumentation damals war: Das ist kostenneutral, wir brauchen keinen Generalsekretär, aber es ist wichtig, die Gruppe Bundespolizei zu errichten. Ein Blick in das heurige Budget sagt uns: Alles Lug und Trug! Jetzt haben wir eine Bundespolizei und einen Generalsekretär, dessen Funktion samt einem entsprechenden Stab in diesem Budget mit guten Planstellen verhaftet ist und der die Geschicke lenken wird. Zweites Beispiel: Seit Jahren gibt es das ungelöste Problem der Anrechnung von Vordienstzeiten von Bediensteten des öffentlichen Dienstes. Davon sind insbesondere jene Bediensteten betroffen, die viele Überstunden leisten, aber auch viele Nebengebühren haben, beispielsweise die Exekutive, aber auch das Bundesheer ist davon sehr stark betroffen und teilweise auch der Gesundheitsbereich. Seit 2008 gibt es eine EuGH-Entscheidung, die sagt: Dienstzeiten, die erbracht, aber nicht abgegolten wurden, sind für den sogenannten Vorrückungsstichtag neu zu bewerten und anzurechnen – seit 2008! Was haben die Bundesregierungen bisher zustande gebracht? – Nichts. Was bringt diese neue Bundesregierung zustande? – Auch nichts.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das nennt man Stabilität!

FPÖ Werner Herbert

… Findet man einen Budgetansatz? – Nein, negativ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Deswegen Stabilität!

FPÖ Werner Herbert

… Das heißt: Die betroffenen Bediensteten werden weiterhin durch die Finger schauen. Und ich wage schon die vielleicht ein bisschen zynische Vermutung: Man setzt hier eher auf die tickende biologische Uhr, sodass man sich vielleicht im Laufe der Zeit wieder etliche Millionen ersparen wird. (👏 FPÖ) Drittes Beispiel: Sie setzen das Funktionieren des Staates und seiner Einrichtungen in unverantwortlicher Weise und leichtfertig aufs Spiel, indem Sie widersprüchliche und divergierende Maßnahmen setzen. Auf der einen Seite wissen wir aufgrund einer Expertise aus dem Jahr 2008, dass wir uns derzeit in einem Umbruch befinden, in einer Zeit, in der viele Bedienstete im öffentlichen Dienst bereits in Pension gegangen sind und auch noch in den nächsten Jahren gehen werden, gleichzeitig sparen wir auf der anderen Seite bei den Planstellen – überhaupt ein Widerspruch in sich – und Überstunden sparen wir auch ein. Da stellt sich die Frage: Wie wollen wir den öffentlichen Dienst aufrechterhalten, insbesondere in den Bereichen, die wir unbedingt brauchen: Sicherheit – ein wichtiger Faktor, das haben wir heute Vormittag schon angesprochen; das traurige Ereignis in Graz, das möchte ich hier nicht unbedingt noch einmal ausbreiten –, aber es gibt auch noch andere Bereiche: Landesverteidigung, Bildung, Gesundheit. Ich frage mich, wie der Kreis sich schließen soll, wenn einerseits langgediente Beamte und Vertragsbedienstete in Pension gehen werden, wir aber Planstellen einsparen und gleichzeitig keine Überstunden gemacht werden dürfen? Gute Nacht, Österreich!, kann ich da nur sagen – auch jedem, der Hilfe braucht von Polizei, im Gesundheitsbereich, vielleicht auch in einem Katastropheneinsatz durch die Landesverteidigung oder auch im Bildungsbereich. Da stehen uns düstere Zeiten bevor. (👏 FPÖ) So gesehen ist es eigentlich unverantwortlich, dass Sie milliardenschwere Projekte im Bereich von Nato-Beschaffungen umsetzen wollen oder auch fragwürdige Auslandsinvestitionen tätigen, aber die heimische Bevölkerung und vor allem unsere Bediensteten die eigentlich Leidtragenden sind, weil die letzte Regierung derart mies gewirtschaftet hat, dass man unseren Bediensteten nicht einmal eine Lohnerhöhung von 0,3 Prozent für das nächste Jahr gewähren will – 0,3 Prozent will man nicht gewähren, weil der Staat sparen muss! Und warum muss der Staat sparen? – Weil die alte Regierung versagt hat. Ihr habt ein Milliardendesaster hinterlassen und das zum Nachteil auch der Bediensteten, die im öffentlichen Dienst arbeiten. (👏 FPÖ) So gesehen ist es eigentlich nicht wirklich überraschend, dass Sie das Vertrauen der österreichischen Bevölkerung im Vorfeld schon verspielt haben, bevor Sie überhaupt mit einem Budget richtig begonnen haben. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Hanel-Torsch. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich im Namen meines Kollegen Haitzer sehr herzlich die Berufsschule St. Johann im Pongau bei uns im Hohen Haus begrüßen. Herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt ja grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie wir von der Bundesebene aus für leistbares Wohnen sorgen können: einerseits nämlich durch die Zurverfügungstellung von finanziellen Mitteln, die zusätzlich ausgegeben werden können, und andererseits durch gesetzliche Bestimmungen, die helfen können, die Wohnkosten zu senken und den Wohnungsneubau wieder anzukurbeln. Der erste Weg ist uns leider durch die Budgetpolitik unserer Vorgängerregierung versperrt worden. Es gibt nämlich kein Geld mehr, das wir zusätzlich in diesen Bereich investieren können. Milliarden von Euro sind in den vergangenen Jahren ausgegeben worden – für Maßnahmen, die leider weder besonders nachhaltig noch sozial gerecht waren. Es gab beispielsweise eine Förderung für den Heizungstausch, wir haben es gehört. Mittlerweile wissen wir, wer davon profitiert hat: vor allem die Wohlhabenden in diesem Land. Und was kam noch dazu? – Der Klimabonus, der auch an Spitzenverdiener:innen ausgezahlt worden ist. Angesichts dessen finde ich es wirklich besonders interessant, dass die Grünen heute hier von einer Gießkannenpolitik sprechen, die Grünen, die diesen Klimabonus einfach – nicht sozial treffsicher – an alle Menschen in diesem Land ausgezahlt haben. Es war damals tatsächlich so, dass sich viele von den Reichen gewundert haben, dass sie diese Gutschrift bekommen haben, viele haben das Geld auch gespendet. Das war ein gutes Beispiel dafür, wie eine Budget- und Klimapolitik nicht funktionieren sollte, denn sie war unsozial, sie war nicht treffsicher und sie war noch dazu sehr, sehr teuer.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Deswegen streicht ihr es jetzt den Ärmsten!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… Das Erbe, das die letzte Bundesregierung unserem Finanzminister hinterlassen hat, ist leider kein gutes Erbe. In den meisten Familien würde man ein solches Erbe wohl nicht antreten, aber die SPÖ ist da halt anders. Sie war immer da, wenn es um die Republik gegangen ist und wenn es um Verantwortung geht. Immer dann, wenn der Hut brennt, ist die Sozialdemokratie da. Wir haben auch damals schon, im Jahr 2007, als wir vor den Trümmern standen, die uns Blau-Schwarz I mit Korruptionsskandalen, mit den Bankenpleiten et cetera hinterlassen hat, aufgeräumt und wir sind auch jetzt wieder da, um aufzuräumen und Verantwortung zu übernehmen. Wir sind jetzt nach dieser Party, bei der das Geld rausgeschmissen worden ist, da und räumen auf. (👏 SPÖ) Zu diesem Aufräumen gehört auch, dass wir erstmalig einen nachhaltigen Mechanismus geschaffen haben, der die Mieterinnen und Mieter wirklich entlastet. Sie profitieren vom beschlossenen Mietpreisstopp. Wir arbeiten jetzt auch an Lösungen für den ungeregelten Bereich, dass auch diese Mieterinnen und Mieter entlastet werden. Wir werden die Mindestbefristungsdauer verlängern, weil auch das hilft, Geld zu sparen, wenn man nicht regelmäßig umziehen muss. Und wir werden auch dafür sorgen, dass die Zweckwidmung bei der Wohnbauförderung wieder eingeführt wird, damit den Bundesländern wieder mehr Geld zur Verfügung steht, das sie auch für den Wohnbau verwenden müssen. Das alles sind wichtige Akzente, die den Privathaushalten helfen, wieder Luft zum Atmen zu bekommen, und die den Konsum wieder ankurbeln werden. Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum entsteht nämlich nicht durch Förderungsgeschenke an die Reichen, sondern durch die Entlastung der kleinen und mittleren Einkommensgruppen und durch die von uns geplanten Offensivmaßnahmen in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt und Gesundheit. Wir übernehmen Verantwortung und wir bringen Österreich wieder auf Kurs! (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Lukas Hammer . Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in den letzten fünf Jahren endlich in jenem Ausmaß in den Klimaschutz investiert, das in dieser existenziellen Krise angemessen war. Und was hat es gebracht? – Gemeinsam mit zusätzlichen Maßnahmen waren wir erstmals auf Zielerreichungspfad in Bezug auf unsere Klimaziele. (👏) Wenn man hier in den letzten Stunden zugehört hat – und das war auch in den vergangenen Wochen schon so –, dann muss man sagen, es wird jetzt eigentlich von allen Parteien so getan, als ob ausschließlich die Investitionen in Klimaschutz, in unsere Zukunft, in die Energiewende für das Budgetdefizit verantwortlich wären. Von der FPÖ kennen wir das schon lange, aber dass Sie das übernehmen, diesen Schmäh, wider besseres Wissen, das ist schon unwürdig, liebe Kolleginnen und Kollegen. (👏) Was kommt heraus? – Dieses Budget ist eine klimapolitische Geisterfahrt, weil es in die falsche Richtung geht und weil es gefährlich ist. Weniger Investitionen in Klimaschutz, kein Abbau von klimaschädlichen Subventionen und keine Gesetze zum Ausgleich, um das zu kompensieren, was mit den fehlenden Klimaschutzgeldern sonst passieren würde. Nichts! Und darüber hinaus, und das ist auch noch nicht angesprochen worden, wird die Investition in erneuerbare Energien, die uns dann langfristig günstigere Strompreise sichern, insbesondere für die Industrie durch den Energiekrisenbeitrag auch noch verteuert. Ich frage mich schon: Wie soll sich das ausgehen? Wie soll sich das ausgehen, dass wir unsere Klimaziele erreichen? Wie soll sich das ausgehen, dass wir dann eben nicht Milliarden für Strafzahlungen und Zertifikate ausgeben müssen? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das haben Sie vereinbart!

GRÜNE Lukas Hammer

… Das hat mir von Ihnen noch niemand beantworten können. (👏) Bei der FPÖ muss ich mich schon wundern: Ihr regt euch künstlich über dieses Budget auf, betreibt Kindesweglegung, sagt: Wir haben ja nur einen Zettel nach Brüssel geschickt!, und die SPÖ verteidigt dieses Budget, als ob es ihr eigenes wäre. Da hat die Kindesweglegung offensichtlich gut funktioniert. Das finde ich schon spannend. Zum Abschluss noch: Der Klimabonus war euch zu unsozial, liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr habt gefragt, was denn die Mieterinnen und Mieter im Gemeindebau, die sich ihre Heizung nicht aussuchen können, bekommen. Jetzt streicht ihr den Klimabonus, als Ersatz gibt es, wahrscheinlich von der ÖVP gewollt, einen Ausgleich für Pendlerinnen und Pendler. Und was gibt es für die Mieterinnen und Mieter, die auf ihrer Gasheizung sitzen bleiben? – Nichts, gar nichts! Wo ist das sozial, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ? Abschließend: Es wurde schon erwähnt, die klimaschädlichsten und dreckigsten Autos werden jetzt beim Kauf billiger und gleichzeitig werden alle Elektroautos durch eine neue Strafsteuer verteuert. Das ist keine Klimapolitik und das ist langfristig auch keine Budgetpolitik. – Danke schön.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo Lukas!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Brandweiner. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Lukas Brandweiner

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Österreicherinnen und Österreicher auf der Galerie, aber auch zu Hause vor den Bildschirmen! Reiner Wein statt schöne Worte, das ist heute gefragt. Österreich steht vor großen Herausforderungen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, aber auch geopolitisch. Die Lage ist ernst, aber sicherlich nicht aussichtslos, wenn wir jetzt auch Verantwortung tragen und übernehmen. Dieses Doppelbudget 2025/2026 ist kein Wunschkonzert. Es ist ein realistischer, verantwortungsvoller Kurs, nicht bequem, nicht populär, aber notwendig. Wir konsolidieren, wir reformieren, aber wir investieren auch. 2025 sparen wir 6,4 Milliarden Euro ein, 2026 sind es sogar 8,7 Milliarden Euro, und trotzdem investieren wir gezielt in Bildung, Arbeit, Gesundheit, Sicherheit und Digitalisierung, denn Zukunft entsteht dort, wo man sie auch möglich macht. Jeder gesparte Euro ist Vorsorge für morgen gegen neue Schulden, steigende Zinsen und kommende Krisen. Unser Kurs folgt dabei drei klaren Prinzipien: Sparen bei Asyl, aber nicht bei der Sicherheit, Leistung statt Gratismentalität und Investitionen in die Zukunft statt Gießkanne. Ja, dieser Weg verlangt uns allen etwas ab, aber die Alternativen wären steigende Schulden, weniger Jobs und gefährdete Sozialleistungen. Wir als ÖVP stehen zu einem leistungsfreundlichen, modernen Sozialstaat, darum unterstützen wir jene, die arbeiten, die Verantwortung übernehmen und sich anstrengen, um einen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. Wir investieren in den ländlichen Raum etwa mit dem Pendlereuro, der verdreifacht wird, in Entlastungen für Handwerksbetriebe, in den Ausbau regionaler Infrastruktur. Wir investieren in Familie und Bildung mit einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr, mit Deutschförderung und Chancenbonus. Wir investieren in Beschäftigung mit Weiterbildungszeit, Aktion 55 plus und steuerlichen Anreizen wie der steuerfreien Mitarbeiterprämie bis zu 1 000 Euro. Geschätzte Damen und Herren! Wir brauchen keine populistischen Scheinlösungen, sondern einen klaren Kurs mit Mut und Ehrlichkeit, denn wenn wir heute das Richtige tun, sichern wir die Chancen von morgen für unsere Kinder, für unsere Regionen und für den sozialen Zusammenhalt. Werte Kolleginnen und Kollegen, bringen wir Österreich gemeinsam wieder auf Erfolgskurs! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Linder. 6 Minuten eingemeldete Redezeit.

FPÖ Maximilian Linder

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Mit Blick auf diesen Bundesvoranschlag hat es heute immer wieder Diskussionen über die Vertrauenswürdigkeit von Politikern gegeben. Ich glaube, zwei Dinge soll man schon noch einmal in Erinnerung rufen: Das eine waren die Ankündigungen des letzten Finanzministers Brunner, der gesagt hat: Das Budget ist eh in Ordnung, das wird halten! – Drei Tage nach der Wahl wurden wir eines anderen belehrt. Das Zweite – und das hat mich eigentlich schon auch persönlich ein bisschen betroffen – war in Hinblick auf die Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich, als sich der damalige Bundeskanzler Nehammer kurz vor der Wahl vor die Medien hingestellt hat. Er hat gesagt: 500 Millionen Euro habe ich in Brüssel erreicht, 500 Millionen bekommen wir für die Unwetteropfer. – Jubel in den Medien, große Freude, Bundeskanzler Nehammer hat sich damals sogar bei Kommissionspräsidentin von der Leyen mit den Worten bedankt: Es ist wichtig, zu zeigen, dass die EU nicht nur der Ukraine schnell hilft, sondern auch den Mitgliedsländern. Meine Damen und Herren, bei der letzten Sitzung des Budgetausschusses haben wir erfahren, dass bei diesen 500 Millionen lediglich über 40 Millionen verhandelt wird, und auch die sind noch nicht fix.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ist ein Wahnsinn!

FPÖ Maximilian Linder

… Das, glaube ich, ist bezeichnend, wenn man sich kurz vor der Wahl vor Unwetteropfer hinstellt und sagt: Ich habe für euch alles erreicht!, um dann hinterher zugeben zu müssen, dass es eigentlich gar nichts war. Da frage ich mich, wer ehrlich ist und wer vertrauenswürdig ist. (👏 FPÖ) Zum Bundesvoranschlag, zu den Expertenaussagen im Ausschuss: Prof. Badelt, der Experte von der ÖVP, hat ganz klar gesagt: Der Budgetkonsolidierungspfad ist eingeleitet, doch die Dynamik ist noch nicht erreicht. Noch sind wir bei Weitem nicht dort. – Wenn man seinen Medienauftritt hernimmt, dann wissen wir, dass die Zahlen, die heute im Budget drinnen sind, aus seiner Sicht bei Weitem nicht halten werden, dass wir niemals auf unter 4 Prozent Defizit herunterkommen werden und dass die Schuldenquote auf sage und schreibe 91 Prozent ansteigen wird. Deshalb, glaube ich, ist das der nächste Beweis, wie sehr wir dieser Regierung trauen können beziehungsweise wo wir hinters Licht geführt werden. (👏 FPÖ) Ganz spannend für mich ist, dass der Experte der SPÖ, Herr Mag. Feigl, gesagt hat: Die öffentliche Hand ist ein wichtiger Arbeitgeber. Da dürfen wir auf gar keinen Fall sparen, denn das würde die Arbeitslosenrate noch schlechter dastehen lassen. – Ich glaube, ich brauche Ihnen nicht zu erklären, dass die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst einzig und allein von den Menschen, die in der Wirtschaft arbeiten, mitfinanziert werden müssen. Für mich ist es ein bisschen eine Chuzpe, dass genau die Partei NEOS, die so für einen schlanken Staat gekämpft hat und immer ganz massiv darauf hingewiesen hat, wie wichtig das ist , heute mit einer Partei in der Koalition sitzt, die eigentlich den öffentlichen Dienst aufblasen will, damit wir die Arbeitslosenraten schönen. Liebe Kollegen von der Partei NEOS, ihr habt wirklich viele Ideale von euch verkauft. Sparen geht nur, indem man das System verschlankt und vereinfacht. Ein schönes Beispiel dafür ist unser freiheitlicher Bürgermeister Andreas Rabl in Wels, der im Laufe der Jahre in der Verwaltung 30 Prozent der Stellen eingespart hat und dafür heute 130 Millionen Euro Rücklagen am Konto hat. (👏 FPÖ) Anders ist natürlich der Unterrichtsminister Wiederkehr – ich bringe so gerne diese Beispiele – von NEOS, der hergeht und sagt: Wir müssen sparen, indem wir keine Schulen sanieren. Die Sanierungen hinausschieben, hinauszögern und ja nicht bei den Investitionen etwas weiterbringen – das ist nicht sparen. Sparen heißt, das System zu verschlanken, zu vereinfachen. Das ist nicht einfach. Man schafft sich damit nicht immer Freunde. Aber wichtig ist, dass man, wenn man das will, selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Diese Koalition tut genau das Gegenteil. Sie selbst hat sich die größte und teuerste Regierung gegönnt, verlangt aber im gleichen Atemzug von den Bürgern, dass sie sparen müssen, dass sie reduzieren müssen. Sparen aus Sicht der NEOS heißt, dass Frau Bundesminister Meinl-Reisinger durch die Welt fährt, Millionen verteilt. Staatssekretär Schellhorn richtet sich eine Koordinierungsstelle von jährlich 1,6 Millionen Euro ein. Vielleicht noch ein Wort dazu: Den Gemeinden geht es wirklich nicht gut. Auch da werden Reformen notwendig sein. Aber NEOS haben ein ganz interessantes Konzept vorgestellt. Die Expertin Köppl-Turyna hat gesagt, wir müssten die Kommunalsteuer streichen und dafür die Grundsteuer verdoppeln. Ein kleines Beispiel anhand meiner Gemeinde: Die Grundsteuer macht 110 000 Euro aus, die Kommunalsteuer 220 000 Euro. Wenn ich das kompensieren will, müsste die Grundsteuer verdreifacht werden. Das heißt, ein Einfamilienhausbesitzer zahlt dann nicht mehr 400 oder 500 Euro Grundsteuer, sondern 1 500 Euro. Das heißt: Wir selber bei uns sparen nicht – so ist euer Denken, liebe Regierungsleute – aber die Leute draußen müssen wir strafen und kaputtsparen. Diese Koalition lebt nach wie vor nach dem Grundsatz weiter wie bisher, aber nur, damit Sie weiterhin Ihre eigenen Posten halten können. Sie sind nicht bereit, diesen Staat nachhaltig zu sanieren.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das war nix, Max!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Gasser. 3 Minuten sind Ihre Redezeit; wenn Sie wirklich bis 15 Uhr fertig sind? (Abg. Gasser [NEOS] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Ich versuche es!) Es würde sich ausgehen bis zur Dringlichen. – Danke.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ich glaube, manchen hier im Saal tut vielleicht ein bisschen ein Realitätscheck gut, weil immer wieder vom sozialen Kahlschlag durch dieses Budget gesprochen wurde. Ich möchte in Erinnerung rufen: Österreich ist nicht nur Europameister bei den Sozialausgaben, wir sind von allen westlichen Industrienationen Platz eins, was die Sozialausgaben angeht.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Warum wohl?

NEOS Johannes Gasser

… 31,8 Prozent unseres BIPs gehen in den Sozialbereich. Ich kann Ihnen versprechen: Wir werden auch nach der Budgetsanierung weiterhin im Spitzenfeld sein. Ob das eine gute oder schlechte Sache ist, sei jetzt dahingestellt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Gibt’s da so viele arme Leute, oder was?

NEOS Johannes Gasser

… Aber ich möchte schon auch eines dazusagen, wenn Sie hier beklagen, dass wir NEOS nicht für den schlanken Staat sorgen: Die FPÖ ist die letzte Partei, die genau bei diesem Ausgabenbereich, bei diesen 31,8 Prozent Sozialquote, überhaupt bereit ist, auch nur darüber zu sprechen, wie man das generationengerechter, treffsicherer oder leistungsgerechter machen kann. Wir NEOS sind ein Garant dafür, dass das in der Bundesregierung auch passieren wird. (👏 NEOS) Ich möchte da auch kurz auf ein paar Themen aus dem Budgetbegleitgesetz eingehen, weil wir mit dem Budgetbegleitgesetz eine Trendumkehr setzen, gerade in der Generationengerechtigkeit: Mit der Einschränkung bei der Korridorpension werden wir es schaffen, das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, weil wir eines klarstellen: Ja, 45 Versicherungsjahre sind vorerst einmal genug, um in Pension zu gehen. Aber 40 Versicherungsjahre, wie wir sie bei der Korridorpension haben, reichen einfach nicht aus, um in Zukunft das Pensionssystem nachhaltig abzusichern. Dieser kleine Schritt, den wir jetzt gehen, wird nicht reichen, damit wir für Generationen die Pensionen abgesichert haben, aber es ist ein erster Beitrag, die langfristige Finanzierbarkeit sicherzustellen. (👏 ÖVP, NEOS) Wir gehen auch die Treffsicherheit im Sozialbereich an. Wir stellen sozusagen auch die grüne Gießkanne aus dem Sozialministerium zur Seite und werden mit dem Armutsbekämpfungsfonds und dem Unterhaltsgarantiefonds das Geld treffsicherer zu den Familien und zu den Armutsbetroffenen bringen – und es nicht mit der Gießkanne über den Klimabonus und viele andere Maßnahmen verteilen. Treffsicher werden wir auch beim Arbeitslosengeld werden, weil das Arbeitslosengeld vor allem dafür da ist, Menschen so lange zu unterstützen, bis sie wieder in eine Vollzeitbeschäftigung zurückkehren können. Mit der Einschränkung des geringfügigen Zuverdiensts schaffen wir genau das, weil der geringfügige Zuverdienst zu oft nicht zum Sprungbrett, sondern zu einer Hürde in eine Vollzeitbeschäftigung geworden ist. Auch das hat mit Leistungsgerechtigkeit zu tun. Leistungsgerechtigkeit ist nämlich etwas, was im Sozialbereich dringend notwendig ist, damit wir sicherstellen, dass sich Mehrarbeit, Vollzeitarbeit und die Rückkehr in eine volle Beschäftigung immer auszahlen. Wir NEOS sind der Garant dafür, dass das auch in den nächsten Jahren umgesetzt werden wird. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS) 14.59 Dringliche Anfrage, 30. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:59

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! ( Auf den Plätzen der FPÖ-Abgeordneten stehen Tafeln mit der Aufschrift „Zeit für Frieden“ und „Zeit für Neutralität“. ) Diese Woche haben wir jetzt hier von Montag bis Mittwoch die Budgetdebatte, eine der wichtigsten Plenarsitzungen jeder Gesetzgebungsperiode, und ich richte mich gerade an Sie, sehr geehrte Damen und Herren. Besonders für Sie ist es interessant, da es ja um Ihr Geld geht, um das Steuergeld, welches Ihnen im Rekordausmaß abgenommen wird, von ÖVP und Grünen vernichtet wurde und auch von dieser Bundesregierung nun für Dinge ausgegeben wird, die nicht in Ihrem Interesse, nicht im Interesse Österreichs liegen. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Um all das aber zu diskutieren, was mit dem Geld geschieht, ist diese Budgetdebatte hier angesetzt. Parallel dazu einen Staatsbesuch zu organisieren, der die mediale Aufmerksamkeit zu einem guten Teil auf sich zieht, ist für diese Bundesregierung natürlich sehr, sehr praktisch – praktisch, um vom Budgetdesaster abzulenken, von den unfairen Belastungen für Kinder und Pensionisten abzulenken. Es ist aber dennoch ein Bruch der Tradition, dass man die Plenartage freihält, es ist eine Abwertung der Plenarsitzungen, und es ist auch überheblich gegenüber den Bürgern, die Anspruch darauf haben, die ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben, was mit ihrem Geld passiert. (👏 FPÖ) Um beim Budget zu bleiben: Der Staatsbesuch, die Einladung an den ukrainischen Präsidenten Selenskyj – die näheren Umstände erklären Sie uns vielleicht dann in der Beantwortung der Fragen – ist auch budgetrelevant, denn ein nicht unerheblicher Teil des österreichischen Steuergeldes wandert in die Ukraine, sodass man schon fast das Gefühl hat, unsere Politiker sind mehr für die Ukraine da als für die eigenen Bürger. (👏 FPÖ) Da sitzen die Millionen locker, aber nicht nur die Millionen, sondern der ORF, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, berichtet vor zwei Monaten: Österreich unterstützt die Ukraine bisher mit 3 Milliarden Euro. – 3 Milliarden Euro, die hier in Österreich ganz dringend benötigt würden. Die Österreicher haben sich nicht dafür entschieden, dieses Geld in die Ukraine zu schicken, wo man nicht weiß, wo es landet. (👏 FPÖ) Das Außenministerium vergibt direkt bilateral 300 Millionen Euro, auch die neue Außenministerin bringt bei jeder Reise Millionen Euro mit, die Europäische Friedensfazilität – der Name ist grotesk angesichts dessen, was mit dem Geld gemacht wird! – 160 Millionen Euro, und der große Brocken der 3 Milliarden Euro fließt über Brüssel in die Ukraine. Die EU selbst hat schon bis zu 100 Milliarden Euro aufgebracht, zweimal 50 Milliarden Euro lockergemacht. Wo geht das Geld hin, was passiert mit dem Geld? Wer glaubt, das kommt einem guten Zweck zugute, zumindest der ukrainischen Zivilbevölkerung, und wird vor allem für die Beilegung, die Entschärfung des Konflikts verwendet, zum Ansetzen diplomatischer Verhandlungen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Zeit für Frieden, sehr gescheit!

FPÖ Susanne Fürst

… der irrt. Nein, wird es nicht, es wird kaum ein Cent dieser Abermilliarden für die Lösung des Konflikts aufgebracht, diese Zweckwidmung gibt es nicht. Es gibt auch keine Kontrolle gegen die Korruption, die natürlich weit verbreitet ist. Wofür ist das Geld bestimmt? – Sogar das Außenministerium schreibt es völlig ungeniert – ich weiß nicht, ob es der Frau Ministerin bekannt ist –, auch jetzt noch, drei Jahre nach Kriegsbeginn, steht das auf der Homepage: Die Ukraine wird in die Lage versetzt, ihre Souveränität und territoriale Integrität gegen Russland zu verteidigen. ( Ruf bei der ÖVP: Ja, das ist eh richtig! ) Das muss man sich vorstellen. Was heißt das übersetzt? – Das heißt, nach drei Jahren gilt immer noch der Spruch, man muss die Ukraine in eine Verhandlungsposition bringen, damit sie dann aus guter Position, aus der Stärke verhandeln kann. Jetzt weiß man nach drei Jahren, dass es immer schlechter für die Ukraine geworden ist. Sie hätte im April 2022 eine gute Verhandlungslösung erreicht, doch gerade der Westen hat die Ukraine aufgefordert, zu kämpfen. Nun, drei Jahre später – oder man weiß es nicht, wann – wird es eine viel, viel schlechtere Lösung für die Ukraine geben. ( Ruf bei den NEOS: Putins Sprachrohr! ) Vor allen Dingen, was bereits Fakt ist, was auch immer dann herauskommen wird: Es sind Hunderttausende auf beiden Seiten tot, in der Ukraine, wird jetzt schon geschätzt, sind es bis zu einer Million.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Radio Moskau!

FPÖ Susanne Fürst

… Millionen Vertriebene, das Land wird geleert. – Interessiert niemanden. Es steht immer noch auf der Homepage, die Ukraine muss kämpfen, sie muss die Lösung auf dem Schlachtfeld suchen, gegen einen übermächtigen Gegner.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist Putin-TV! – Abg. Kogler [Grüne]: Richtig!

FPÖ Susanne Fürst

… Die Ukraine muss gewinnen, heißt es immer noch von der Regierung, von der EU-Kommission, was nichts anderes heißt als: Die Ukraine muss sterben.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Sie haben wohl Ihr Sponsorschild vergessen! Freundlich finanziert vom Kreml! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das sagst du auch nur da herinnen!

FPÖ Susanne Fürst

… Sie wird gerade vom Westen, von der EU dazu gedrängt. Warum? – Weil sich die europäischen Politiker, Sie inklusive, in ihrer totalen Fehleinschätzung festgefahren haben, eingegraben haben, weil sie nicht zugeben wollen, wie unrecht sie hatten, und weil es natürlich auch um viel Geld geht, denn es geht in der Ukraine um viel, aber nicht um unsere Freiheit. (👏 FPÖ) Da wird Eskalation und Sterben in Kauf genommen. Man redet auch immer noch vom Nato-Beitritt der Ukraine, wohl wissend, dass es Russland nie akzeptieren wird. Was immer man davon hält, es ist eine rote Linie, es ist Realität, verlängert den Krieg. Abgesehen von den unglaublichen finanziellen Belastungen, von den Milliarden, die dahin fliegen, die in der EU fehlen, die in Österreich fehlen, die irgendwo versickern, ist das sicherheitspolitische Risiko, welches auch das Verhalten der Bundesregierung bringt, noch viel größer. Wir haben alle die Gedenkfeiern 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs gerade hinter uns gebracht, all die Veranstaltungen zur Erinnerung an den Abschluss des Staatsvertrags vor 70 Jahren, all das hat offensichtlich bei Ihnen nichts bewirkt. Kommenden 26. Oktober 2025 feiern wir 70 Jahre Neutralitätsgesetz. Vielleicht erinnern Sie sich da dann: Da war doch irgendetwas! Es ist eine Verpflichtung und eine Berechtigung zur immerwährenden Neutralität. Das war essenzieller Bestandteil unserer Befreiung von den Besatzungsmächten, Teil der Erlangung unserer Unabhängigkeit und Souveränität. (👏 FPÖ) Es ist eine verfassungsgesetzliche Verpflichtung, Österreich hat sich verpflichtet: „Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität“ und „wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.“ Das ist Verpflichtung und außenpolitische Vorgabe für jede Bundesregierung. Es steht nicht im Belieben der Regierung, darüber zu verfügen, wie man das auslegt oder wie man das lebt. Es ist Verpflichtung. Es ist eine völkerrechtliche Verpflichtung, die auch durch den EU-Beitritt nicht abgeändert wurde.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Natürlich wurde sie abgeändert!

FPÖ Susanne Fürst

… Es ist nicht zuletzt und vor allen Dingen eine Verpflichtung gegenüber der österreichischen Bevölkerung, die zu einem ganz überwiegenden Teil zu Recht hinter diesem Grundprinzip, das es für unseren Staat und unsere Verfassung geworden ist, steht. (👏 FPÖ) Sie will keine Änderung. Über all das setzt man sich seit über drei Jahren, seit Kriegsausbruch hinweg. Es ist ja in Friedenszeiten nicht schwer, sich zur Neutralität zu bekennen, aber als man sich beim Belastungstest – natürlich auch einem Charaktertest für die regierenden Politiker – beweisen hätte müssen, wurde dieser nicht nur verfehlt, sondern wirklich spektakulär nicht bestanden. Es braucht natürlich auch Persönlichkeit, die Neutralität zu leben, zu verkörpern und nicht im Rudel mitzuschwimmen. (👏 FPÖ) ÖVP und Grüne haben versagt, die neue Ampelregierung setzt dies fort. Wir Freiheitliche haben uns von Anfang an, seit Februar 2022 dagegengestellt. Wir wurden dafür unterirdisch angefeindet, aber es ist selbstverständlich. Wir bleiben seit drei Jahren und auch weiterhin dabei – aufgrund der Verpflichtungen, die ich gerade aufgezählt habe, aufgrund der Vernunft und des Realitätssinnes und aus Verantwortung gegenüber Österreich. (👏 FPÖ) Man muss nicht müde werden, dazu zu bemerken, dass Ihr Kurs der Ukraine nicht geholfen hat, sondern im Gegenteil für sie ins Verderben führt. Nun, was sind die Möglichkeiten eines kleinen Landes in Mitteleuropa mit neutralem Status im Falle eines Kriegsausbruchs; wie hätte man sich verhalten können? – Es gibt durch unsere Verpflichtungen einen ganz klaren außenpolitischen, geopolitischen Kompass. Die Regierung – auch Sie, Herr Staatssekretär Schellhorn, der jetzt hinausgeht – wäre verpflichtet, uns aus dem Krieg herauszuhalten und die österreichische Bevölkerung vor allen nachteiligen Folgen zu schützen. Und dann fragt man sich: Was kann man zur Beilegung des Konflikts beitragen? Wie kann man irgendeine Lösung unterstützen, sofern möglich? Und das Dritte ist: Wie kann ich helfen? Da sind wir bei der Aufnahme von Flüchtlingen und humanitärer Hilfe. Das Gegenteil wurde gemacht. Der Krieg wurde von Tag eins zu unserem erklärt. Man gefährdet die europäische und die österreichische Bevölkerung. ( Ruf bei den Grünen: Putin gefährdet ...! ) Es wurde jede Diskussion unterbunden, Kriegsursachen geleugnet – denn dann wäre ja klar, dass es nicht unser Krieg ist. Das will man nicht. Man kommt mit der Moralkeule. Es ist in höchstem Ausmaß verantwortungslos und es ist schwach, da sofort jedem Druck nachzugeben. (👏 FPÖ) Nichts, gar nichts hat man zur Entschärfung des Konflikts getan. Durch das Nachplappern von Floskeln und Plattitüden wurde nichts beigetragen. Die EU-Floskel, die Ukraine muss siegen, führt ins Verderben. Man hat den Konflikt nur angeheizt. Hier haben wir den Flüchtlingen natürlich geholfen, aber ohne jede Kontrolle …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... Trump ... der schon gemacht!

FPÖ Susanne Fürst

… werden nun Milliarden Euro hingeschickt. Die Bundesregierung erklärt: Wir sind neutral, wir beteiligen uns an keinen Waffenkäufen! – Na, wir schicken nur das Geld nach Brüssel und dort werden Waffen und Munition gekauft, damit der Krieg verlängert wird. Die Bundesregierung und vor allen Dingen auch die Außenministerin Meinl-Reisinger erklären uns laufend: Wir sind neutral, aber die Neutralität alleine schützt nicht. – Das ist richtig. Man braucht auch verantwortungsvolle Persönlichkeiten in der Politik …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Frau Kneissl zum Beispiel!

FPÖ Susanne Fürst

… die eben Neutralitätspolitik leben können (👏 FPÖ) und die das Rückgrat dazu haben. Eine Garantie gibt es nicht, aber die Neutralität …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

War die Frau Kneissl eine verantwortungsvolle Person?

FPÖ Susanne Fürst

… so wie Sie sie verkörpern, die schützt uns nicht, weil sie da nur mehr eine hohle Phrase ist.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Die ehemalige Außenministerin sitzt bei Putin auf dem Schoß! Speichellecker!

FPÖ Susanne Fürst

… Vorgesehen ist Neutralität aber als rechtliche und völkerrechtliche Stellung, und die zweite Seite der Medaille ist eine starke eigene Verteidigung. Man muss von Provokationen der Regierungspolitiker absehen; mit zurückhaltender Rhetorik wird man Sitz von internationalen Organisationen und man profiliert sich bei humanitärer Hilfe. Das nennt man umfassende Neutralität – aber man kann nicht die bedingungslose Solidarität mit einer Kriegspartei und eine totale gemeinsame Verschränkung erklären.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das darf sie nicht sagen!

FPÖ Susanne Fürst

… Wie die aktuelle Aussendung von heute von Vizekanzler Babler aussieht, ist das offensichtlich auch ein intellektuelles Problem. Darum habe ich mir jetzt die Mühe gemacht, unsere Neutralität hier zu erklären, denn Vizekanzler Babler erklärt uns, nachdem diese Einladung ausgesprochen worden ist, unter der Erklärung, dass man bedingungslos auf einer Seite im Krieg stehe , er möchte bei dieser Einladung und im Gespräch mit Präsidenten Selenskyj Wien als neutralen Austragungsort für Friedenskonferenzen anbieten.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

So, wie es oft war!

FPÖ Susanne Fürst

… Ich meine, das war oft , als unsere Politiker aller Parteien noch imstande waren, die Neutralität zu leben (👏 FPÖ) – aber jetzt? Nach diesen drei Jahren ist das Geschichte. Sie haben sie totgetrampelt, sie muss erst wiederbelebt werden. Man fragt sich schon: Kriegt dieser Mann irgendetwas mit oder kriegen auch die Einlader jetzt da irgendetwas mit, dass wir uns nicht in einer Phase der Deeskalation befinden, in einer Phase der Beruhigung des Konfliktes? Ganz im Gegenteil, wir sind jetzt nach über drei Jahren in einer total gefährlichen Eskalationsstufe, womöglich haben wir nach dieser totalen Offensive auf beiden Seiten und auch mit Einbeziehung der nuklearen Komponente …

ÖVP Gerstl (Zwischenruf)

... Russland ... Drohne ...!

FPÖ Susanne Fürst

… den bisher wirklich gefährlichsten Zeitpunkt …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Haben Sie vielleicht ein kritisches Wort über Putin auch?

FPÖ Susanne Fürst

… des Krieges erreicht. Man fragt sich: Kriegen Sie das mit? – Offensichtlich nicht. Denn was machen Sie genau zu diesem Zeitpunkt der totalen Eskalation? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... Putin ... grad zu diesem Zeitpunkt?

FPÖ Susanne Fürst

… Sie laden den Präsidenten einer Kriegspartei zum Staatsbesuch hierher ein.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Haben Sie ... im Völkerrecht nachgeschaut? Wer ist hier überfallen und wer ist der Aggressor?

FPÖ Susanne Fürst

… Die gesamte Regierungsspitze, die Staatsspitze, die Bundesregierung, der Bundespräsident als Vertreter eines kleinen neutralen Landes laden den Präsidenten einer Kriegspartei hierher ein und feiern ihn mit vollen militärischen Ehren.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das ist unfassbar, dass das im österreichischen Nationalrat gesagt wird! Sie haben keine Ahnung von der Neutralität, keine Ahnung!

FPÖ Susanne Fürst

… Das ist verantwortungslos.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Halt den Mund, Werner!

FPÖ Susanne Fürst

… Dann reden Sie auch noch davon, Vertrauen aufzubauen, damit wir hier Friedenskonferenzen abhalten.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Opfer-Täter-Umkehr, das können Sie! Das ist Ihre Kernkompetenz! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

FPÖ Susanne Fürst

… Vertrauen aufzubauen, zu beiden Seiten? Es ist unglaublich …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Putin-Partei! – Abg. Erasim [SPÖ]: Na, vielleicht ... Taferl schreibt ...!

FPÖ Susanne Fürst

… dass Sie glauben, auf diese Weise zu beiden Parteien Vertrauen aufzubauen. Wie gesagt, ich halte Ihnen zugute, dass es auch ein intellektuelles Problem ist. (👏 FPÖ) Ich hoffe – das ist der beste Fall –, dass wir international eher als Lachnummer herauskommen und dass das alles nicht ernst genommen wird. Ich bin auch gespannt, ob Sie uns dann berichten, worüber mit dem ukrainischen Staatschef gesprochen wird: über die Todeslisten, die es ja immer noch gibt , was das Thema Gaslieferungen betrifft , wie man verhindert, dass die vielen Milliarden versickern …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Die Gaslieferungen haben uns erst das Wirtschaftsproblem eingebrockt!

FPÖ Susanne Fürst

… wie die Kontrolle funktioniert und wie man aus dem Konflikt heraus will. (Abg. Kickl [FPÖ] – in Richtung Abg. Kogler [Grüne] –: Na, da wo wir alle gegangen sind, habts ihr ...!) Wie gesagt: Es ist eben nicht lustig, was Sie machen, es ist hochgefährlich, und die Bundesregierung rückt Österreich ins Blickfeld. Sie machen uns hier gar nicht mehr so indirekt zur Kriegspartei. Sie exponieren Österreich und die österreichische Bevölkerung, und das ist unverantwortlich. (👏 FPÖ) Sie möchten offensichtlich die russischen Pfeile und die Aggression mit aller Gewalt auf uns richten. Was brauchen Sie eigentlich noch? Was brauchen diese neutralitätsmüden Politiker und Moralisten eigentlich noch , damit sie verstehen, in welcher Lage wir uns befinden, und damit sie verstehen, was ihre Aufgabe ist, nämlich Österreich und die Bevölkerung zu schützen? (👏 FPÖ) Warum immer Sie das machen – Eitelkeit, Wichtigtuerei, schöne Fotos, EU-Hörigkeit, vom innenpolitischen Desaster abzulenken –, es ist nicht in Ordnung, es ist eine politmediale Inszenierung, die dem Eigennutz dient, aber sicher nicht Österreich. Wenn Sie dann daherkommen und diesen ganzen Besuch auch damit erklären, dass ja Österreich beim Wiederaufbau so viele Milliarden verdienen will, nur eine Anmerkung dazu: Das finde ich wiederum wirklich unmoralisch. Da ist noch nicht einmal Frieden, da wird jeden Tag noch zerstört, jeden Tag sterben in der Ukraine die Soldaten – und hier redet man vom Wiederaufbau und davon, was es da alles zu holen gibt. Es wird dabei auch nicht zu einer Belebung unserer Wirtschaft kommen – das zu glauben, es Ihnen, sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher, zu erklären, ist mehr als naiv. Glauben Sie das ja nicht! Der gesamte Staatshaushalt der Ukraine wird bereits von den USA und von der EU bezahlt, künftig wird er nur mehr von der Europäischen Union bezahlt werden, und alles, was österreichische Unternehmen dort vielleicht verdienen, kommt von unserem Geld, das Ganze ist maximal ein Nullsummenspiel. (👏 FPÖ) Wer glaubt, dass wir da wirklich einen Löwenanteil bekommen: Bitte erzählen Sie den Österreichern da keine Märchen! Großbritannien hat schon solche Verträge, den USA gehört sowieso ein beträchtlicher Teil der Ukraine – und glauben Sie mir, die Ukraine hat in die türkische und in die chinesische Baubranche wesentlich mehr Vertrauen als in die europäische. Die haben nämlich nicht solche bürokratischen ( Ruf bei der ÖVP: Das wissen Sie alles, ja? ) und klimapolitischen Auflagen, sondern die können einen Flughafen und Straßen noch in sehr kurzer Zeit bauen, wir nicht mehr. Es ist leider nicht zum Lachen. Wir sehen es ja im eigenen Land, was Sie angerichtet haben. Die Neutralität schützt nicht, behaupten Sie hier und behauptet unsere Bundesregierung laufend. Sie schützt sicher nicht absolut, aber sie ist die beste Lösung von allen für Österreich.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

... Sie’s einfach dem Volk vor, ganz einfach!

FPÖ Susanne Fürst

… Ich habe gerade eine Schlagzeile in einer Schweizer Zeitung gelesen, auf die Schweiz gemünzt: Wenn man glaubhaft neutral ist, reduziert dies die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs in der Zukunft erheblich. Ich würde sagen, das ist schon etwas, und das gilt für Österreich genauso. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Aber das Vorgehen dieser Bundesregierung bewirkt das Gegenteil. (👏 SPÖ, FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zur Beantwortung der Anfrage hat sich Herr Staatssekretär Alexander Pröll zu Wort gemeldet. Die Redezeit soll 20 Minuten nicht überschreiten. – Herr Staatssekretär, Sie gelangen zu Wort.

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Herr Präsident. – Ich möchte eingangs die Klassen 3a und 3d der neuen Mittelschule Rechnitz hier im Haus begrüßen. (👏 ÖVP, FPÖ) Erlauben Sie mir vielleicht noch eine ganz kurze Aussage zu den Ausführungen von Frau Kollegin Maurer, die die Regeln des Hauses da jetzt immer wieder beschwört, und das in sehr, sehr oftmaliger Art und Weise! – Frau Kollegin Maurer, Sie sind die einzige Abgeordnete hier herinnen, die hier einmal Hausverbot hatte, weil Sie sich genau nicht an die Regeln gehalten haben …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Nicht als Abgeordnete!

FPÖ Christian Hafenecker

… interessant, welche Wendung Sie da hingelegt haben. (👏 FPÖ) Aber, Frau Kollegin Maurer, ich sage Ihnen gleich noch etwas dazu – ich möchte mit einem Zitat beginnen –: „Kaum wo wird da die Position vertreten, dass die Annexion der Krim im März 2014 auch eine Vorgeschichte hatte, nämlich verantwortungsloses Gerede von einem Nato-Beitritt der Ukraine, womit Russland vom Schwarzen Meer praktisch abgeschnitten gewesen wäre. Glaubte wirklich jemand, Wladimir Putin würde dem tatenlos zusehen? Wer Kritik an der ukrainischen Regierung übt, wird sofort als ‚Putin-Versteher‘ abgestempelt.“ – Wissen Sie, wer das in seinem Buch geschrieben hat? – Herr Bundespräsident Van der Bellen, der heute Herrn Selenskyj eingeladen hat, meine Damen und Herren von den Grünen! Das ist Ihr ehemaliger Parteichef. (👏 FPÖ) Wenn das der Herr Bundespräsident ein Jahr nach der Annexion der Krim in ein Buch schreibt, ist das in Ordnung, da verlieren Sie kein Wort darüber, aber wenn wir Freiheitliche uns zu Recht Sorgen um die Neutralität und um die Zukunft des Kontinents machen und wenn wir der Kriegstreiberei nicht auch noch Beistand leisten wollen, dann wird es kritisiert. Das ist verräterisch, was hier in diesem Haus geübt wird! (👏 FPÖ) Apropos verräterisch: Verräterisch ist auch der Umgang der Bundesregierung mit der aktuellen Debatte: Wir haben die größte Bundesregierung aller Zeiten und der Herr Bundeskanzler findet es nicht der Mühe wert, persönlich zu kommen, weil er lieber Fotos mit Herrn Selenskyj macht. Mir ist jetzt klar, warum wir drei Staatssekretäre hier sitzen haben: Weil sich die Regierung ja nicht einmal zum Arbeiten herbequemt, sondern sich immer vertreten lässt. Herr Pröll, ich habe nicht gewusst, was Ihre Funktion in dieser Bundesregierung, in diesem Kabinett überhaupt ist, jetzt weiß ich es: Sie müssen immer dann den Kopf hinhalten, wenn Ihre Minister zu feige sind, sich selber zu erklären. Es ist ein bezeichnendes Bild, das die ÖVP hier abgibt. (👏 FPÖ) Und weil ich vorhin von einem verräterischen Bild gesprochen habe: Ja, das findet auch statt. Warum? – Es war früher Usus, es war Common Sense im Hohen Haus, dass die Regierung zumindest ein Mal im Monat, wenn der Nationalrat tagt, auf Spezialmaßnahmen verzichtet. Das war früher ein Zeichen des Respekts der Exekutive vor der Legislative, und Sie haben gemeinsam mit den Grünen in den letzten fünf Jahren damit begonnen, das mit Füßen zu treten. Und wenn es Debatten hier im Haus gibt, die Ihnen unangenehm und unbequem sind, dann versuchen Sie das mit irgendwelchen Nebelgranaten zuzudecken, zum Beispiel das Budgetdesaster, das Sie jetzt drei Tage lang vor der Bevölkerung verantworten müssen oder sollten. Was machen Sie? – Sie covern die ganze Diskussion damit ab, dass Sie Herrn Selenskyj einladen. Sie haben ganz genau gewusst, dass heute die wichtigste Sitzung des Jahres stattfindet. Was wird denn in den Medien stehen? – Das, was von der Verliererkoalition bei der Generaldebatte hier herumgeeiert worden ist, oder das, was gerade beim Bundespräsidenten stattfindet? Das ist doch eine gezielte Sabotage des parlamentarischen Betriebs! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie wollen einfach nicht, dass in den Medien transportiert wird, was hier herinnen passiert.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du hast mittlerweile ein bissl einen Verfolgungswahn! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist ja nicht einmal eine Verschwörungstheorie, das ist ein Verschwörungstopfen!

FPÖ Christian Hafenecker

… Und es geht ja so weiter: Sie müssen drei Tage überbrücken, drei Tage, in denen wir über das Budget sprechen. Drei Tage müssen Sie überbrücken. Und was machen Sie dann am Mittwoch noch? – Na, da machen wir noch schnell einen Ministerrat und dann ändern wir noch das Waffenrecht! – Na, was, glauben Sie, wird am Mittwoch in den Medien sein? Sie benutzen tatsächlich das alles, um vom eigentlichen Desaster, von Ihrem Budget, abzulenken, und dazu ist Ihnen wirklich kein Mittel zu dumm. Das muss man hier auch einmal ganz klar sagen! Ja, aber sei’s drum. Die Frage ist aber trotzdem, woher Sie eigentlich die Legitimation für Ihre Ukrainepolitik nehmen. Die Frage ist: Haben Sie mit der Bevölkerung darüber gesprochen, ob Österreich sich bedingungslos an die Seite der Ukraine stellen soll und damit Verfassungsbruch begeht, weil wir nämlich unsere Neutralität damit zum Teufel jagen? …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Christian Hafenecker

… Haben Sie die Bevölkerung dazu befragt? – Offensichtlich nicht. Sie haben es aber indirekt gemacht, Sie haben es nur nicht verstanden – vielleicht ist auch das ein intellektuelles Problem, das da und dort vorherrscht. Wissen Sie, dass sich die Bevölkerung gegen diesen Kurs entschieden hat? Und wissen Sie, woran man das festmachen kann? – Daran, dass die ehemaligen Großparteien mittlerweile bei 20 Prozent herumgrundeln. Die Bevölkerung hat Ihnen am Wahltag schon gesagt, was sie von Ihrer Politik hält. Sie haben die Bevölkerung auch nicht dahin gehend befragt, ob sie es haben möchte, dass Österreich direkt und indirekt 3 Milliarden Euro, nämlich jene 3 Milliarden Euro, die uns jetzt im Budget noch fehlen, taxfrei in die Ukraine verschiebt; auch das haben Sie sie nicht gefragt. Und Sie haben die Bevölkerung auch nicht dazu befragt, ob Herr Selenskyj heute bei uns Politik machen soll oder nicht. Genau das ist Ihnen am Wahltag auf den Kopf gefallen, und das tut es noch immer. (👏 FPÖ) Die Neutralität ist eine der wichtigsten Angelegenheiten für die Österreicher, und gerade in einem Gedenk- und Jubiläumsjahr sollte man eben nicht das machen, was Sie hier gerade treiben, nämlich die Neutralität mit Füßen zu treten. Wenn man diese aus dem Blick, aus dem Herr Kanzler Figl und Herr Kanzler Kreisky sie noch gesehen hatten, verloren hat, dann sollte man das Jubiläumsjahr dazu nutzen, um sich vielleicht noch einmal neu zu fokussieren und darüber nachzudenken, ob man jetzt richtig handelt. Ganz ehrlich, eine militärische Neutralität oder die Aufklärung betreffend Neutralitätsbegriffe ist doch vom Verfassungsgeber nicht vorgesehen gewesen, sonst hätte er es nämlich hineingeschrieben. Das ist eine nachträgliche Erfindung von Ihnen, dass man die Neutralität jetzt auch schon zersprageln kann. Das, was Sie uns jeden Tag weismachen, das stimmt doch so nicht! Die österreichische Bevölkerung steht mit einer großen Mehrheit hinter der Neutralität, und gerade deswegen sollten wir dem auch Rechnung tragen! (👏 FPÖ) Übrigens: Ich weiß auch nicht, ob die österreichische Bevölkerung 700 000 Euro für Gendergerechtigkeit in der Ukraine mitbeschlossen hat – auch das ist eine Frage. Und wenn wir schon beim Geld sind: Ich habe gestern eine interessante Anfragebeantwortung von Frau Minister Meinl-Reisinger bekommen. Sie von der Bundesregierung – jetzt Frau Meinl-Reisinger, zuletzt war es Herr ehemaliger Bundeskanzler Nehammer, der jetzt zum Banker mutiert ist – sind es doch, die immer mit Geld zu Herrn Selenskyj in die Ukraine fahren. Da stelle ich schon die Frage – nach Informationen aus dem Innenministerium –, warum diese Minister und Bundeskanzler immer dermaßen viel Personenschutz mit sich brauchen. Wissen Sie, was man da hört? – Dass sie mit den Geldkoffern dorthin fahren und diese dem Herrn Präsidenten in die Hand drücken.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Du verwechselst da was, das mit der Sporttasche war dein Chef! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen. – Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Ihr seid die Sporttaschenpartei!

FPÖ Christian Hafenecker

… Die Antwort, die ich von Frau Meinl-Reisinger diesbezüglich bekommen habe, ist: Na, es gibt eh einen Vertrag dazu. – Ich bin gespannt, wie dieser Vertrag aussieht und ob Sie den auch vorlegen werden. Ich habe andere Informationen, ich bin gespannt, wie Sie das rechtfertigen werden. Übrigens: 4 Millionen Euro dort, 20 Millionen Euro da – auch das ist vom Steuerzahler so nicht genehmigt worden! (👏 FPÖ) Leider läuft mir schon die Zeit davon, aber ich möchte nur noch ganz kurz antizipieren, was heute wohl nicht besprochen wird: Es wird wohl heute nicht darüber gesprochen werden, dass österreichische Politiker und österreichische Journalisten auf ukrainischen Todeslisten stehen. Ich glaube, darüber wird man heute nicht sprechen. Es wird nicht darüber gesprochen werden, dass man mit der Sprengung der Nord Stream das Energierückgrat ganz Europas sabotiert, wo übrigens Österreich, der österreichische Steuerzahler mit 1 Milliarde Euro mit dabei ist. Es wird wohl nicht darüber diskutiert werden, dass in der ukrainischen Botschaft in Österreich Söldner rekrutiert worden sind – auch das unter Ihren Augen, unter den Augen der Bundesregierung; auch das wird nicht besprochen. Das Einzige, was man macht, ist, dass man versucht, den Konflikt zu verlängern, um die Verhandlungsposition der Ukraine zu verschlechtern und um möglichst großen Schaden anzurichten. Dann kommt das, was Herr Staatssekretär Pröll gerade gesagt hat: Dann werden wir uns am Wiederaufbau beteiligen. Ich kann Ihnen sagen, wie die Geschichte ausgehen wird: Man macht jetzt möglichst viel kaputt, dann wird das Giebelkreuz alles Mögliche finanzieren, damit man dort wieder alles herrichtet, was man zuerst mit unserem Geld zerstört hat. Am Ende des Tages wird auch Herr Haselsteiner noch ein paar Aufträge bekommen, damit er die NEOS weiterhin sponsern kann. Das ist die Politik, die Sie nachvollziehen. Das ist die Politik, die Sie machen. Das ist aber nicht die Politik, die man sich in Österreich wünscht! ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Andreas Minnich . – Ich habe Ihre Redezeit auf 6 Minuten eingestellt.

ÖVP Andreas Minnich

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Staatssekretäre! Werte Abgeordnetenkollegen hier im Hohen Haus! Geschätzte Österreicherinnen und Österreicher vor den Fernsehbildschirmen und auch hier auf der Galerie! Ja, das, was Sie gerade von meinen Vorrednern, Kollegin Fürst und Kollegen Hafenecker, gehört haben, das kann eigentlich direkt aus Radio Moskau stammen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das sind die Worte aus dem Paralleluniversum unserer FPÖ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wieso horchen Sie so oft Radio Moskau? – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wo liegt denn der Staatsvertrag, den Sie feiern? Wo liegt denn der?

ÖVP Andreas Minnich

… Wenn man schon über Geschichte spricht …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Fragen Sie Minnich, der Minnich weiß es!

ÖVP Andreas Minnich

… ja, Herr Kollege Lausch –: Es gibt einen Bundeskanzler in der Geschichte, der schon gesagt hat: Lernen Sie Geschichte! Um Ihnen einen kurzen Exkurs zu geben, möchte ich Ihnen jetzt schon noch eines sagen, weil Sie das angesprochen haben, Frau Kollegin Fürst: vor 70 Jahren, 1955, der Staatsvertrag, die immerwährende Neutralität Österreichs. Wissen Sie, was ein Jahr später passiert ist? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Warum trauen sich der Kanzler und die Außenministerin nicht her? Weil sie euch lieber ins Feuer schicken?

ÖVP Andreas Minnich

… 1956 wurde der Ungarnaufstand von der Sowjetarmee blutigst niedergeschlagen. Panzer überrollten Menschen, viele Tausende Tote, über Zehntausende wurden verschleppt und nach Sibirien deportiert.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wer hat die Waffen zahlt?

ÖVP Andreas Minnich

… Über 200 000 Menschen sind damals geflüchtet, 180 000 Ungarn sind nach Österreich geflüchtet, die hier aufgenommen worden sind. Wissen Sie, was die Gründerväter der Neutralität, des Staatsvertrages 1956 gemacht haben? – Sie haben hier eine Resolution und einen Entschließungsantrag gegen den Einmarsch der Sowjetarmee in Ungarn gemacht. Sie haben hier im Hohen Haus Resolutionen gegen die Verbrechen der Sowjetunion mit einem Allparteienbeschluss verabschiedet. Und wissen Sie, wer damals die Parteien waren, wer die Allparteienriege für diesen Beschluss gegen die Verbrechen Russlands war? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die ehemalige ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das war die UdSSR, Sie verwechseln da ein bissel was! Lesen bildet!

ÖVP Andreas Minnich

… Alle Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, inklusive der KPÖ. 1956 gab es nämlich schon die FPÖ, also können Sie sich hier auch nicht aus dieser Verantwortung stehlen. ( Ruf bei der FPÖ: Was will er uns sagen? ) Wenn Sie damals gesagt haben, Österreich ist militärisch neutral …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

..., wir wollen Frieden verhandeln! Sie wollen Krieg führen!

ÖVP Andreas Minnich

… aber nicht in der Meinung und nicht in unseren Werten, dann stehen Sie doch bitte heute auch dazu! Auch 1968 haben Sie es wieder genauso gehalten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie haben es irgendwie nicht verstanden, gell? – Ruf bei der FPÖ: Jetzt haben wir die Taferl extra ..., aber noch immer zu komplex!

ÖVP Andreas Minnich

… In diesem Sinne muss man sich schon fragen: Wie ehrlich meint es die FPÖ? ( Abg. Steiner [FPÖ] hält die Tafel mit der Aufschrift „FPÖ“, „die soziale Heimatpartei“, „Zeit für Neutralität“ in die Höhe. ) Gibt es überhaupt einen einzigen Abgeordneten in der Riege der FPÖ, der das benennen kann, was sich Putin mit größter Aggressivität in der Ukraine leistet? ( Ruf bei der FPÖ: Wir dürfen es ja nicht sagen! ) Angriff auf ein souveränes Land, Bruch des Völkerrechts …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Habts ihr vorgestern nicht zugehört? – w eiterer Ruf bei der FPÖ: Redet und sagt nichts!

ÖVP Andreas Minnich

… Vergewaltigung Zigtausender Frauen und Einsatz dessen als Waffe im Krieg …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wir haben das sofort verurteilt! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ – Abg. Wurm [FPÖ]: Hast du geschlafen oder ...? – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wir haben das sofort verurteilt!

ÖVP Andreas Minnich

… über 19 000 entführte und verschleppte Kinder – und so weiter und so fort, jeden Tag neue kriminelle Handlungen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Der Unterschied zu Ihnen ist: Wir verurteilen das überall! Überall! – Abg. Höfinger [ÖVP]: Doppelmoral! Doppelzüngigkeit und Doppelmoral!

ÖVP Andreas Minnich

… ja, Kriegsverbrechen, die man jetzt aufgrund der so großen Anzahl gar nicht mehr wirklich beziffern kann. Ich finde es wirklich beschämend, dass hier von Ihnen nicht ein einziges Mal ein Satz dazu kommt, was hier wirklich passiert.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Hast du geschlafen drei Jahre lang oder was, Kollege?

ÖVP Andreas Minnich

… Aber die größte Unverfrorenheit ist eigentlich, wenn man sich hier herausstellt und dann redliche Friedensbemühungen - - …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo sind redliche Friedensbemühungen? – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Hast du deinem eigenen Staatssekretär nicht zugehört?

ÖVP Andreas Minnich

… Herr Vizekanzler Babler hat heute hier vorgeschlagen, dass man Wien als Ort von Friedensgesprächen einbringt, und Sie reden das schlecht und klein.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Beim gleichzeitigen Haftbefehl für den, mit dem Sie verhandeln wollen! Großartig! – Abg. Wurm [FPÖ]: Ihr seids komplett daneben mittlerweile! So weit daneben! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Andreas Minnich

… Ja wie bemühen Sie sich denn um den Frieden? Haben Sie schon mit Herrn Putin telefoniert? Sie haben ja den Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Sowjetunion gibt’s schon seit ... nicht mehr! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Die Sowjetunion gibt’s nicht, noch einmal! Ich sag’s Ihnen noch einmal!

ÖVP Andreas Minnich

… Nachfolgestaat Russland, abgeschlossen. Also man muss sich ja wirklich fragen: Was ist Ihr Beitrag zum Krieg, ah zum - - Was ist Ihr Beitrag zum Frieden? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Da leisten wir keinen Beitrag! Sie haben es richtig gesagt! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: Das war jetzt die Wahrheit!

ÖVP Andreas Minnich

… Ja, genau! Ihr Beitrag zum Krieg ist, dass Sie jeden Tag diese Radio-Moskau-Litaneien veranstalten.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Jetzt habt ihr die Wahrheit durchblicken lassen!

ÖVP Andreas Minnich

… Es ist Zeit für Frieden, genau, aber da müssen Sie sich auch einmal redlich dafür einsetzen und redlich darum kümmern.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das war ein Freud’scher Versprecher! Genau so denken Sie!

ÖVP Andreas Minnich

… Wenn hier gesagt wird, mit dem Besuch Selenskyjs sei die Neutralität Österreichs gefährdet, dann muss man schon dazusagen: Selenskyj hat jedes Land in Europa besucht, die neutrale Schweiz mehrfach besucht, für Friedenskonsultationen. ( Ruf bei der FPÖ: Bussi-Bussi, ja! ) Da muss man wirklich sagen: Es stimmt einfach nicht, so wie Sie hier an das Thema herangehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ändern Sie Ihren Kurs, überdenken Sie, wer der Aggressor, wer der Angreifer ist, wer es redlich meint, wer es ehrlich meint …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ihr lernt es nie mehr!

ÖVP Andreas Minnich

… wer völkerverbindend ist, wer für den Frieden ist.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wenn Sie Friedensverhandlungen führen, na dann ...!

ÖVP Andreas Minnich

… Überdenken Sie diesen Standpunkt, setzen Sie sich dafür ein, dass Wien zukünftig für Friedensgespräche zur Verfügung stehen kann. – Vielen Dank.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

War ja super erfolgreich, eure Taktik! Die Taktik war erfolgreich, oder, nach drei Jahren?

PräsidiumPeter Haubner

Da jetzt mehrere Abgeordnete der FPÖ die Tafeln in die Höhe gehalten haben, würde ich jetzt um Folgendes ersuchen: Wir haben ja an und für sich die bestehende Praxis, Schilder nach 30 Sekunden wegzuräumen. Ich habe Sie zuerst eingeladen, dass Sie der Usance des Hauses gerecht werden. Ich würde Sie noch einmal ersuchen, die Tafeln wegzuräumen (Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wenn die Grünen den ganzen Tag mit einem Button am Pullover dahocken, ist es wurscht!), damit wir die Diskussion dann weiter fortführen können. ( Die Abgeordneten der FPÖ stellen die Tafeln unter die Pulte. ) – Danke vielmals. Frau Abgeordnete Bayr, Sie gelangen als Nächste zu Wort. Die freiwillige Redezeitbeschränkung beträgt 7 Minuten.

SPÖ Petra Bayr

Vielen Dank. – Sehr geehrte Damen und Herren! Was ist das für ein eigentümliches Verständnis von Neutralität, wenn so getan wird, als würde sie außer Kraft gesetzt, wenn ein Präsident eines anderen souveränen Landes zu Gast ist? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Haben Sie den Schrebergarten schon verkauft?

SPÖ Petra Bayr

… Kollegin Fürst hat am Ende ihrer Rede die Schweiz erwähnt. – Ja, das ist, glaube ich, ein ganz guter Gradmesser. Selenskyj war am 14. Juni 2024 – also ziemlich genau vor einem Jahr – in der Schweiz, auf dem Bürgenstock. Wenn die Neutralität der Schweiz seither in sich zusammengebrochen oder sonst irgendetwas Dramatisches passiert wäre, könnte man das nach einem Jahr schon feststellen – ich sehe aber nichts dergleichen. Ich verstehe also wirklich nicht, woher Sie diese Annahme haben, dass das irgendein Problem sein könnte. Wenn es nicht Raum für Debatten gibt, wenn es nicht Raum dafür gibt, darüber zu diskutieren, wie denn auch Österreich als neutrales Land zum Entstehen von Frieden beitragen kann, ja was denn dann? Was denn sonst soll unsere Aufgabe, was denn sonst soll unser Beitrag zu einem möglichen Frieden sein, frage ich mich.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Vor fünf Monaten haben Sie das Wort Frieden noch nicht einmal rausgebracht!

SPÖ Petra Bayr

… Also das ist wirklich vollkommen verrückt, wie Sie das darstellen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Lassen Sie mich klarstellen: Österreich steht natürlich seit Tag eins dieses völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der Russischen Föderation auf der Seite der Ukraine, und gerade als neutraler Staat leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Menschen in der Ukraine – für die Menschen –, indem wir bislang 327 Millionen Euro an Unterstützung geleistet haben – an die Ukraine selbst, aber auch an die Nachbarstaaten, in die die Menschen aufgrund dieses brutalen Krieges fliehen mussten. Dieser Krieg verursacht weiterhin großes Leid, extremes Leid, und damit bleibt auch der Bedarf an humanitärer Hilfe enorm. Gerade im humanitären Bereich ist Österreichs Engagement, weil wir eben neutral sind, auch wirklich beachtlich und sehr breit getragen, von sehr vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen: von Nachbar in Not, der Caritas, von freiwilligen Feuerwehren bis hin zu vielen, vielen Gemeinden, die Hilfslieferungen organisieren und Spitalsbetten, OP-Material oder Schulmöbel spenden. Ich habe vor wenigen Wochen auch involviert sein dürfen, als beispielsweise der Samariterbund ein Rettungsauto für Charkiw gespendet hat und die Ukrainehilfe diese Überstellung abgewickelt hat. All das hilft den Menschen vor Ort, all das ist für Menschen in der Ukraine momentan wirklich lebenswichtig, überlebenswichtig, und wir werden uns das von niemandem schlecht- oder kleinreden lassen – ganz sicher nicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Darüber hinaus ist ein anderer ganz wichtiger Aspekt unserer Unterstützung die Entminung, die zivile Entminung. Wir haben bis jetzt 12 Millionen Euro dafür ausgegeben. Da geht es darum, dass große landwirtschaftliche Flächen entmint werden, denn wir wissen genau, diese Landminen sind, wenn sie vergraben sind, vergraben bleiben, eine unglaubliche Gefahr für Zivilistinnen und Zivilisten, ganz besonders für spielende Kinder, aber natürlich auch für die Landwirte. Wir wissen, dass die Ukraine ein großer Agrarproduzent, ein großer Agrarexporteur ist, gerade auch für den globalen Süden, by the way, sehr wichtig. Indem wir beim Entminen helfen, leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau der Ukraine – und das tun wir als neutrales Land. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Österreichische Unternehmen haben schon vor Ausbruch des Krieges – und tun es in großem Ausmaß auch noch weiterhin – Arbeitsplätze in der Ukraine geschaffen, etwa 25 000, und sie leisten auch einen großen Beitrag für die Wertschöpfung im Land. Natürlich wird der Wiederaufbau eine Mammutaufgabe sein. Natürlich ist es uns ein großes Anliegen, dass davon nicht einige wenige profitieren, sondern dass dieser Wiederaufbau wirklich breiten Bevölkerungsschichten zugutekommt. Ich freue mich sehr, dass es ziemlich sicher eine österreichische Organisation sein wird, die ganz vielen kleinen Gemeinden, die zu klein sind, um große EU-Töpfe mit über 50 Millionen Euro ansprechen zu können, dabei helfen wird, dass sie in der Lage sein werden, genau dieses Geld vonseiten der Europäischen Union abzuholen, für einen Wiederaufbau des Wohnbaus, der durch den russischen Angriff zerstört worden ist. Das ist etwas, durch das Menschen dann wirklich wieder ein Dach über dem Kopf haben, das ist ausgesprochen wichtig, und ich freue mich, dass da eine österreichische Organisation so erfolgreich dabei ist. Das ist wunderbar. Natürlich, was zum Wiederaufbau, zum Neuaufbau der Ukraine auch dazugehört, ist die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit der Ukraine und die Bekämpfung der Korruption. Nur so wird es auch einen Weg in Richtung Europäische Union geben. Und – es ist schon gesagt worden – es wird keine Shortcuts geben oder keine augenzwinkernden Zugeständnisse, sondern nein, natürlich wird auch die Ukraine alle Erfordernisse erfüllen müssen, die notwendig sind, um beizutreten. Österreich wird sich mit allen diplomatischen internationalen und nationalen Möglichkeiten für einen gerechten, für einen umfassenden und dauerhaften Frieden in der Ukraine einsetzen – alles andere verdient das Wort Frieden nicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das Angebot, Wien als eine solche Plattform für Gespräche anzubieten, herzunehmen, ist wahrscheinlich wesentlich effektiver als irgendwelche Kniefälle ehemaliger freiheitlicher Außenministerinnen vor Herrn Putin, da bin ich mir ziemlich sicher.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nein, die gehört schon noch der ÖVP! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Glauben Sie, hat der Herr Gusenbauer auch Kontakte zu den Russen gehabt? Hat der ... Geld her? ... Schrebergarten gekauft?

SPÖ Petra Bayr

… Um zum Ende zu kommen: Es gilt aus meiner Sicht einmal mehr, dass die Rolle Wiens auch als Sitz der OSZE in diesem Zusammenhang Platz greift – wir werden ja im Dezember dieses Jahres ein Ministerkomitee ausrichten. Ich weiß, dass es auch während des Kalten Krieges, wenn Wien Austragungsort von bilateralen oder trilateralen Gesprächen war, sehr oft belächelt worden ist, nach dem Motto: Haha, wie schön! Die OSZE ist aber eine der wenigen Organisationen, bei denen Russland immer noch Mitglied ist, wo es auch eine Möglichkeit der Auseinandersetzung auf Augenhöhe gibt, und ich bin mir sicher, dass dieser Ministerrat – zwar unter finnischer Präsidentschaft, aber in Wien ausgetragen – im Dezember Möglichkeiten bieten wird, da entscheidende Schritte vorwärtszugehen, entscheidende Schritte – wie auch immer die Situation dann aussehen wird, aber jedenfalls entscheidende Schritte – als Wien, auch als Österreich, auch als österreichische Bundesregierung zu gehen. Das Schöne ist, dass ich weiß, dass die Bevölkerung Österreichs sich diesen Frieden wünscht und auch bei allem, was wir tun, hinter uns steht. – Danke sehr. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . Eingestellte Redezeit: 7 Minuten.

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Herren Staatssekretäre! Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich finde, es ist nicht zu ertragen, dass manche an einem Tag wie heute so schnell zurück in die Parteipolitik verfallen. (👏 ÖVP, NEOS) Eigentlich hätte ich gedacht, dass wir heute ein gemeinsames Verständnis haben, dass heute etwas anderes im Zentrum steht: Die Erinnerung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was denn?

NEOS Yannick Shetty

… Frau Belakowitsch, ich sage es Ihnen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ihr macht uns nicht zur Einheitspartei! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Die Pride-Parade?

NEOS Yannick Shetty

… an die Opfer von Graz …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Habt ihr ... bei der Pride-Parade? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Die Pride-Parade hat ja auch stattgefunden! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ich habe schon geglaubt, ...! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

NEOS Yannick Shetty

… die gemeinsame Trauer, das Mitgefühl, das, was der Herr Klubobmann der FPÖ heute Früh auch angesprochen hat. Ich habe dem zugestimmt und trotz aller inhaltlichen Differenzen, die es zwischen unseren Parteien gibt, auch Beifall bekundet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, Herr Shetty, es hätte auch der Bildungsminister sprechen können! Der wäre zuständig gewesen!

NEOS Yannick Shetty

… Vor allem sollte im Zentrum stehen: der feste Wille, alles zu tun, damit so etwas nie wieder in einem österreichischen Klassenzimmer geschieht.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Und deswegen laden wir Selenskyj ein!?

NEOS Yannick Shetty

… Doch leider gibt es Kräfte in diesem Haus, denen selbst dieser Moment der Einigkeit nicht heilig ist. Ich glaube, es gibt etwas, was uns Österreicherinnen und Österreicher ausmacht, quer durch alle Bundesländer, Generationen und quer durch alle Parteien: dass wir in der Krise zusammenstehen, Schulter an Schulter. Genau das erwarten sich jetzt auch die Menschen von uns als Politik: dass wir uns als politische Vertreterinnen und Vertreter an einen Tisch setzen, gemeinsam Verantwortung übernehmen, Lösungen erarbeiten. Und es gibt ja auch andere Teile der Opposition – ich denke an Klubobmann Kogler, der hier ganz konkrete Vorschläge gemacht hat. Auch wir als Bundesregierung haben ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgestellt und werden es diese Woche auch noch zur Beschlussfassung im Ministerrat bringen. Was kommt von der FPÖ? – Keine Lösungen, keine Verantwortung, nur ein parteitaktisches Schauspiel mitten in einer der sensibelsten Sitzungen dieses Parlaments in dieser Gesetzgebungsperiode. (👏 ÖVP, NEOS) Zeitgleich, als der Herr Bundeskanzler hier am Rednerpult stand und der Opfer gedacht hat, und während Sie, Herr Kickl, hier am Rednerpult staatspolitische Verantwortung einforderten, wanderten ihre Abgeordnetenkollegen still und leise zur Nationalratskanzlei und haben diese Dringliche Anfrage eingebracht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nicht das - -! ... Parlamentarismus! Na hallo, jetzt reicht es aber dann! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: ... Parlamentarismus habt ihr ...!

NEOS Yannick Shetty

… Das ist nichts anderes als eine blanke Provokation, eine weitere populistische Scheindebatte über die Neutralität.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Keine Anfragen, keinen U-Ausschuss, ...!

NEOS Yannick Shetty

… Es ist ein durchsichtiges populistisches Manöver mit nur einem Ziel: spalten, spalten, spalten. (👏 ÖVP, NEOS) Herr Klubobmann Kickl, Abgeordnete Fürst hat mit ihrer Dringlichen Anfrage, mit ihrer Begründung alle Ihre Appelle zum Zusammenhalt zur Makulatur gemacht …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Reden Sie doch nicht so einen Blödsinn daher!

NEOS Yannick Shetty

… weil sie heute alles in den Schatten gestellt hat, was Sie heute Früh eingefordert haben.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Für die falsche Sache werden wir nie zu gewinnen sein, nie!

NEOS Yannick Shetty

… Die Menschen erwarten sich nach diesem Amoklauf von Graz, dass wir Konsequenzen ziehen in der Sicherheitspolitik, in der Gewaltprävention …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie ziehen da eine Löwinger-Bühne ab und beschweren sich, dass Parlamentarismus auch noch stattfindet!

NEOS Yannick Shetty

… im Schutz unserer Schulen, in der Stärkung der psychischen Gesundheit der jungen Menschen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Haben Sie heute in der Früh nichts zu sagen gehabt?

NEOS Yannick Shetty

… Und sie erwarten sich gerade nicht, dass sich die Politiker in solchen Momenten auseinanderdividieren lassen, sondern dass sie im Gedenken an die Opfer zusammenrücken.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Die Opfer missbrauchen, dass man eure Kriegstreiberei mitträgt! Also tiefer geht ja nicht! – Weitere Rufe bei der FPÖ: Tiefer geht eh nicht! Tiefer geht nicht!

NEOS Yannick Shetty

… Und was machen Sie, was machen die Vertreter der FPÖ? – Herr Präsident, ich kann schon weiterreden, ich habe eh das Mikrofon und man hört sie nicht reinbrüllen, aber ich finde es nicht in Ordnung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, Sie sind nicht in Ordnung!

NEOS Yannick Shetty

… dass sie jede Debatte auf diese Art und Weise stören müssen. Was macht die FPÖ? – Sie spaltet, sie provoziert …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie provozieren!

NEOS Yannick Shetty

… und Sie betreiben damit Polemik und Parteitaktik in einem Moment, in dem wir genau darauf verzichten sollten. Und Frau Fürst, man hat bei Ihnen auch das Gefühl, Sie halten es einfach nicht aus, wenn in dieser polarisierten Welt einmal für wenige Tage das Gemeinsame vor das Trennende gestellt wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich habe das Gefühl, man hat das Gefühl, dass Ihre Parteistrategen dann so richtig nervös werden, denn in der Spaltung liegt Ihre Chance. Das ist Ihr Geschäftsmodell, und deswegen treten Sie hier die Flucht nach vorne an und machen genau das, was Sie gut können, nämlich das Trennende vor das Gemeinsame stellen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich mache jetzt den Psychologen beim Humboldt!

NEOS Yannick Shetty

… so wie wir es heute auch in dieser Debatte gesehen haben. (👏 ÖVP, NEOS) RN/67.1 Ich möchte aber auch in der Sache noch eine Anmerkung zum Inhalt Ihrer Dringlichen Anfrage machen, Frau Fürst. Darf ich Sie fragen, Frau Fürst, ob Sie schon einmal in der Ukraine waren? Oder Herr Hafenecker? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich war zweimal ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist keine Fragestunde! Halten Sie die Rede und setzen Sie sich ...!

NEOS Yannick Shetty

… Frau Fürst, ich war in der Ukraine, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der anderen Parteien …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was soll denn das überhaupt?

NEOS Yannick Shetty

… in meinem Fall eine Delegation mit Kollegen von der ÖVP und von den Grünen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich habe sogar gesehen, unter welchen Umständen der Herr Selenskyj gewählt worden ist!

NEOS Yannick Shetty

… Sie waren jedes Mal auch eingeladen; Sie haben sich geweigert, teilzunehmen. Wir waren in Kiew, wir waren in Butscha …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Schön für euch!

NEOS Yannick Shetty

… wir haben dort die Massengräber gesehen, wir haben dort mit Angehörigen jener Menschen gesprochen, deren Kinder nach Russland …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da habt ihr viel Spaß gehabt dabei, gell?

NEOS Yannick Shetty

… verschleppt wurden.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Nein, das ist kein Spaß! – Ruf: Das ist ja unfassbar! – Ruf: Was seid ihr für Leute? – Unruhe im Saal.

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren, Sie wissen, glaube ich, nicht, was die FPÖ hier alles Widerliches zwischenruft. Nein, wir haben keinen Spaß dabei gehabt, als wir uns das angeschaut haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... Kriegstouristen! Das ist Kriegstourismus!

NEOS Yannick Shetty

… Wir haben das gemacht, um uns ein Bild zu machen, ein objektives Bild ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und ich sage Ihnen: Ich schäme mich dafür, dass sich Abgeordnete hier herausstellen und russische Propaganda vom Feinsten propagieren. Das ist unerträglich! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja unglaublich so etwas!

NEOS Yannick Shetty

… Abschließend: Sie kennen unsere Meinung, Sie kennen unsere Haltung …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wie reden Sie über den Bundespräsidenten und sein Buch?

NEOS Yannick Shetty

… weil wir lange genug Oppositionsarbeit in diesem Haus gemacht haben: In diesem Parlament soll nicht nur, es muss gestritten werden. Aber ich bin der Meinung, wir sind der Meinung, es gibt Tage, an denen muss die Parteitaktik zurückrücken.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na dann tritt doch zurück!

NEOS Yannick Shetty

… Es gibt noch andere Tage hier im Parlament, an denen man diese Fragen, die Sie heute vorgebracht haben …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und wann soll man streiten, wenn da von dir aus kein ...?

NEOS Yannick Shetty

… diskutieren kann. Heute ist kein solcher Tag. Ich finde das enttäuschend, und ich sage Ihnen auch ganz ehrlich: Ich schäme mich für dieses unser Hohes Haus, dass Sie diese Abmachungen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Abmachung?

NEOS Yannick Shetty

… dass Sie diese Art und Weise so vorsätzlich missachten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Werner Kogler . Die Redezeit habe ich für 8 Minuten eingestellt. – Bitte.

GRÜNE Werner Kogler

Danke schön, Herr Präsident. – Falls Sie es nicht gehört haben, verwende ich gerne eine Minute der Redezeit darauf: Es ist unfassbar, was in dem Haus schon passiert und möglich ist. Abgeordneter Shetty hat vor wenigen Minuten an dieser Stelle ausgeführt – Bezug nehmend auf Ihre ( in Richtung FPÖ ) Fraktion; Sie hätten in die Ukraine mitfahren sollen –, wie er an den Massengräbern von Butscha gestanden ist. Und von da ( in Richtung FPÖ weisend ) kam der Zwischenruf einer Kollegin – das ist so unglaublich, dass ich gleich den Namen weglasse –, er hätte dabei Spaß gehabt. – So weit sind Sie ( in Richtung FPÖ ) hier gekommen, so weit ist es gekommen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

So war es ja gar nicht! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ]

GRÜNE Werner Kogler

… und, Herr Präsident, das können wir – ich sage es noch einmal – nicht durchgehen lassen! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

So war es ja gar nicht! So war das gar nicht! So war es gar nicht!

GRÜNE Werner Kogler

… Das hat mit einer normalen parlamentarischen Debatte nichts zu tun, das ist die Desavouierung von allem und jedem! Das ist das Prinzip, das Sie ( in Richtung FPÖ ) hier anwenden, die ganze Show da.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Schauen Sie bitte die Fotos in den sozialen Medien der NEOS an, wie sie dort dreinschauen!

GRÜNE Werner Kogler

… Ich bin zwar ein bisschen anderer Meinung als Abgeordneter Shetty, dass man an einem Tag, an dem Selenskyj kommt, das schon thematisieren kann – ich werde schon darauf eingehen, ich werde es auch machen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Der Innenminister lacht Sie aus, ...! Wenn ihr solche Fotos produziert, braucht ihr euch nicht zu wundern!

GRÜNE Werner Kogler

… ein bisschen anders –, aber das ist so unterirdisch, das ist unter jeder nicht nur Würde des Hauses, das ist unter allem, was den letzten Grundkonsens noch zusammenhält. Genau darum geht es Ihnen ja die ganze Zeit schon: das zu zerstören – deshalb werden sich die anderen Fraktionen überlegen müssen, wie hier ein Umgang zu finden ist –, nur erstens werden wir es uns nicht gefallen lassen, und zweitens werden wir es erzählen. Es sollen genug hören. Wir haben es gehört, was Abgeordnetem Shetty hier vorgehalten wird. Da ist man ja schon wieder sprachlos.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Rücktritt eigentlich!

GRÜNE Werner Kogler

… Das ist ja unfassbar, was Sie hier aufführen! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) So! Ja, es wäre ja viel zu diskutieren, wenn Sie nicht dauernd alles umdrehen würden wie Ihre Vorbilder Putin und Trump. Man ist sich hier herinnen eh fast vorgekommen wie beim Putin-Sender, aber am Rednerpult darf man ja viel , das geht sich ja noch aus.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie erinnern manchmal an den Herrn Jelzin!

GRÜNE Werner Kogler

… Zeit für Frieden“ ( in Richtung FPÖ weisend ); nehmen wir das: „Zeit für Frieden“. Also erstens einmal bin ich unheimlich dankbar, muss ich fast sagen, der Bundesregierungsspitze – ich nenne Sie ganz bewusst zuerst …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was sagen Sie zum Buch des Bundespräsidenten, Herr Klubobmann?

GRÜNE Werner Kogler

… und dann den Bundespräsidenten, der uns ja nähersteht –, dass Sie Präsident Selenskyj empfangen; damit das einmal klar ist, denn das haben Sie auch alles hineingerührt in Ihren krausen Verschwörungstopfen, den Sie da aufführen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Als ob Selenskyj genau deshalb jetzt nach Wien kommen würde, damit Sie nicht irgendwo eine Zeitungsmeldung mehr haben mit Ihren Tagesauftritten – das ist so absurd …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was dominiert die Medien jetzt? – Abg. Shetty [NEOS]: Er schaut nicht den ganzen Tag FPÖ-TV!

GRÜNE Werner Kogler

… das können Sie ja nicht einmal mehr auf Ihrem komischen AUF-Sender verkaufen, selbst dort biegen sich die Antennen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Der Plenartag wird auf ORF III verräumt, für den Herrn Selenskyj gibt es eine Sondersendung! So schaut’s aus! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wo ist denn die Bundesregierung? – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

GRÜNE Werner Kogler

… Zeit für Frieden“: Jetzt sage ich Ihnen einmal, wo Sie da immer schiefliegen. Es ist gut, dass wir einmal über Frieden und Neutralität reden. „Zeit für Frieden“: Wissen Sie, wir hatten eine Zeitenwende, eine große: 1989/90/91 – das hatte große Auswirkungen auf die Sowjetunion. Die Länder dort, sage ich jetzt einmal salopp, haben sich zum Teil verselbstständigt. Die meisten Atomwaffen der UdSSR standen auf ukrainischem Gebiet. Die sich herauskristallisierende Ukraine hat gegen eine Sicherheitsgarantie eingewilligt, dass die dann Russische Föderation den Zugriff auf die Atomwaffen – nicht ganz ausschließlich, aber in allererster Linie – erhält; gegen eine Sicherheitsgarantie! Es war immer noch Zeit für Frieden, alle haben daran geglaubt. 2000/2001/2002: eine legendäre, eine fast berühmte – aber nur fast! – Rede Putins im Deutschen Bundestag: schalmeienhaft, friedensversprechend. Mittlerweile ist es eine berüchtigte Rede, eine der größten Irreführungen der Geschichte, mit Anlauf – mit Anlauf! –, und da wäre auch immer noch Zeit für Frieden gewesen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

... Corona ...!

GRÜNE Werner Kogler

… Und die Sache geht weiter. Es sind nicht mehr viele Jahre vergangen, und der Angriff auf den Kaukasus und auf die Länder dort ist unter unglaublichen Gräueln erfolgt. 2014 – wir haben es damals schon gesagt – war auch die Beteiligung Russlands an der Tragödie, die sich in Syrien abgespielt hat, nachvollziehbar: Fassbomben, Chemiewaffeneinsatz; wir haben die Berichte im Ausschuss gehabt, ich war damals auch Abgeordneter. Es ist bis heute zum Heulen, was es da für Schilderungen gab. Ich sage nicht, dass all das die russische Truppe selber gemacht hat – sie hat sich an den Bombenangriffen beteiligt –, aber sie hat das geduldet und mit herbeigeführt. Das war im Übrigen, wie sich herausgestellt hat und erkennbar wird, Teil einer kommenden hybriden Kriegsführung, weil die damals schon Flüchtlingsströme nach Europa mit befeuern wollten. Das war die Spielanlage. Das ist Ihr Freund Putin, das ist der, mit dem Sie einen Freundschaftsvertrag haben. Jemand, der mit einem Massenmörder einen Freundschaftsvertrag abschließt, braucht uns nicht zu erklären …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unglaublich! Unglaublich!

GRÜNE Werner Kogler

… was der Staatsvertrag in Sachen Neutralität bedeutet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die Frau Edtstadler klatscht, die mit ihm durch Wien defiliert ist, zum selben Zeitpunkt! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Die Frau Edtstadler hat sogar russische Farben angehabt! Gibt’s auch Fotos!

GRÜNE Werner Kogler

… Deshalb ist es ja so wichtig und richtig, dass das Augenmerk auf das gerichtet wird, was eigentlich die Vorgänge rund um die Ukraine sind. Also für mich ist es immer noch so, dass die Bevölkerung, auch die politische Führung im Übrigen – weil Sie die ja dauernd angreifen – größten Respekt verdienen, weil dort – und man kann es gar nicht oft genug sagen – auch die europäischen Werte verteidigt werden. Es ist ein Angriff auf Europa, der dort passiert, und wenn dem nicht Einhalt geboten wird, wird Putin keine Ruhe geben. Das ist der Unterschied. So, und was heißt jetzt Frieden? Welcher Frieden? – Es braucht einen wahrhaftigen, es braucht einen gerechten Frieden, aber doch kein Diktat und keine Unterwerfung. Das ist es. Es stimmte noch immer, bis dorthin war Frieden – und all die Sinnsprüche, die da gekommen sind, sind wahrer denn je: Stell dir vor, es ist Frieden und einer macht alles hin! …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Was ist aus den Grünen geworden, Werner?

GRÜNE Werner Kogler

… Das sage ich zu Ihrem Friedenstaferl. Das ist passiert, und deshalb müssen wir uns hinstellen und sagen, von welchem Frieden wir überhaupt reden. Es wäre gut, wenn heute die Gelegenheiten ausgelotet werden würden. Österreich könnte vielleicht einen kleinen Beitrag für einen vorläufigen Waffenstillstand und dann für einen gerechten Frieden leisten. Das wäre gut und richtig; da verschließen wir uns ja nicht, man muss ja immer mit jedem reden …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aha! Aha! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ah so, mit jedem!

GRÜNE Werner Kogler

… ja, trotzdem ist meine Analyse von vorhin richtig. Das ist es, worum es geht. Man kann nicht wegschauen und sich – das war Ihr zweites Taferl – auf die Neutralität berufen, wenn es um Massenmord, um Massenvergewaltigung …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, wenn das nur überall gelten würde, Herr Kogler! Überall! – Ruf bei der ÖVP: Das gilt überall!

GRÜNE Werner Kogler

… um Kinderverschleppung und um Folter geht. Das ist die Konsequenz von dem, was Sie hier verbreiten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist das Problem!

GRÜNE Werner Kogler

… Ja, das mag woanders auch gelten, okay …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja eh, aber da hör ich nix von Ihnen! Da gibt’s auch andere Konflikte, jetzt, gegenwärtig: Schweigen im Wald!

GRÜNE Werner Kogler

… aber da sollten wir auch eine eindeutige Haltung haben. Also uns brauchen Sie das nicht vorzuwerfen. Dass es nicht so sei, da würde ich Ihnen recht geben, aber das ist ein überflüssiger Zwischenruf.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, das ist nicht überflüssig! – Abg. Wurm [FPÖ]: Das ist die Wahrheit, Werner!

GRÜNE Werner Kogler

… Eigentlich geht es – noch einmal – ums Völkerrecht, wenn wir über die Neutralität reden. Es ist ein völlig völkerrechtswidriger Aggressionsangriff auf die Ukraine – das ist alles eindeutig –, und es muss Schluss sein mit dieser Täter-Opfer-Umkehr, die da laufend betrieben wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sie sind ja ärger als Trump. Das Völkerrecht gibt die Selbstverteidigung her, und in diesem Zusammenhang ist die Neutralität zu interpretieren. Im Übrigen, was unsere Beteiligung über die Europäische Union betrifft – der Staatssekretär hat es ja ausgeführt; das war der Kompromiss in unserer Regierung, diese Linie zu machen –: Es würde neutralitätskonform noch mehr gehen. Ich sage das in aller Bewusstheit, nur weil da falsche Bilder verbreitet werden. Es würde sogar noch mehr gehen, sowohl nach dem Völkerrecht als auch nach unseren Neutralitätsbestimmungen und erst recht, was unsere gemeinsame Verpflichtung im Rahmen der Union betrifft; damit wir das auch noch einmal gesagt haben. Es wird auch noch gegen die Sanktionen aufgetreten: Das halte ich für den nächsten Blödsinn. Tatsächlich wirken sie langsamer und nicht so direkt, weil sie auch sehr oft umgangen werden, aber es ist gerade für Neutrale sinnvoll, richtig und wichtig, dass es auch diese Instrumente gibt, weil das eine Reaktion ist, die nicht militärisch ist, und zwar per definitionem. Würden Sie einfach sagen: Super, machen wir weiter mit dem Massenmörder superlustige Geschäfte!? Es gibt eh immer noch zu viele …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Raiffeisen macht ...!

GRÜNE Werner Kogler

… und deshalb sollten wir eigentlich die Umgehungen bekämpfen und nicht die Sanktionen; das muss doch jedem Aufrichtigen klar sein.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ihr Koalitionspartner, der Herr Schüssel, hat sich auch schwergetan, seinen Beratervertrag und sein Aufsichtsratsmandat zurückzulegen!

GRÜNE Werner Kogler

… Und apropos: Leider, leider – auch da mussten wir Kompromisse machen; und so schließt sich im Übrigen der Kreis zur morgendlichen Budgetdebatte – ist es so, dass eine der Hauptursachen für die Krise Österreichs die 90-prozentige Gasabhängigkeit von Russland war; da rede ich aber nur vom ethischen Problem, das da drinnen steckt. Bis heute – es ist weniger, Gott sei Dank, aber immer noch; vorher war es viel mehr – wurden Milliarden überwiesen, offensichtlich genau für diesen Kriegszweck, auch von Österreich. Das ist, finde ich, nicht in Ordnung. Wir konnten nicht gleich aussteigen, wir mussten über den nächsten Winter kommen – ein Wunder, dass das alles geglückt ist! Erinnern wir uns: Vor drei Jahren sind wir dagestanden und haben nicht gewusst, ob die Voest zugedreht wird, die Spitäler, die Kindergärten oder ob es daheim kalt ist.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ah, da haben Sie schon alle eingesperrt gehabt vor drei Jahren!

GRÜNE Werner Kogler

… Das war doch die Situation – damit wir einmal wissen, von welchen Krisen wir gesprochen haben.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Da waren die Kindergärten schon geschlossen! Von Ihnen!

GRÜNE Werner Kogler

… Putin setzt das als Waffe ein, und da gehören wir raus. Ich sage Ihnen, Leonore Gewessler hat ein ganzes Paket an Gesetzen, an anderen Bestimmungen, Möglichkeiten und wirtschaftlichen Anreizen geschaffen, damit wir da bis 2027 rauskommen. Selbst auf die Gefahr hin, dass es dort oder da um ein paar Cent teurer wird: Wenn Sie das langfristig rechnen, auch volkswirtschaftlich, ist es deshalb günstiger, weil dieses Bedrohungspotenzial wegfällt …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie haben ganz Österreich zugesperrt vor drei Jahren!

GRÜNE Werner Kogler

… wenn Sie diesen Risikofaktor einpreisen. Es ist deshalb sowohl unsere wirtschaftliche Pflicht – im Übrigen auch, wenn man so will, unsere ökologische Pflicht, aber das steht jetzt nicht an erster Stelle – und erst recht unsere moralische Pflicht, von dieser Drogennadel, vom russischen Gas möglichst rasch wegzukommen. Das ist wirklich nicht mehr einzusehen. Wir wissen, dass mehrere daran beteiligt waren, dass es so weit gekommen ist – gegen unsere Warnungen, seit, weiß ich nicht, neun Jahren oder elf Jahren; seit 2014. Auch das sollten wir uns – abschließend – zu Herzen nehmen; ich muss das leider bei aller sonstigen Einigkeit mit den Regierungsparteien kritisch anmerken. Lassen wir die Vergangenheit in dieser Minute ruhen – Sie kennen meine Zitate –, aber wenigstens für die Zukunft sollten wir es schaffen, zumindest ab 2027/28; für diese Jahre wäre alles hergerichtet. Ich hoffe also darauf, dass Sie das einlösen, gerade vor dem Hintergrund der jetzigen Debatte. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Herr Abgeordneter Kogler, ich habe den von Ihnen angeführten Zwischenruf nicht wahrgenommen, aus diesem Grunde habe ich das Protokoll angefordert; ich werde mir das dann zeitgerecht anschauen. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Axel Kassegger . – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich habe mir jetzt vorgenommen, bei aller Emotionalität dieses Themas meine Rede möglichst sachlich, faktenbasiert und faktenorientiert zu gestalten, muss aber, bevor ich damit beginne, schon auf das eingehen, was Kollege Shetty als Vorvorredner gesagt hat. Erster Punkt: Die Freiheitliche Partei hat Herrn Selenskyj nicht eingeladen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das hat niemand behauptet!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Zweiter Punkt: Die Freiheitliche Partei hat nicht dafür gesorgt, dass die Generaldebatte zum Budget auf den Vormittag verlegt wurde und damit viel, viel näher zur Trauerminute – weil Sie beklagt haben: So nahe bei der Trauerminute beschäftigen wir uns jetzt mit derartigen Dingen. – Das ist im Übrigen Parlamentarismus, Herr Kollege Shetty. (👏 FPÖ) Wenn Sie Tendenzen hier auf den Weg geben, als Klubobmann einer 9-Prozent-Partei zu bestimmen, was wir als 30-Prozent-Oppositionspartei tun dürfen und was nicht, dann geht das erstens in die falsche Richtung und hat zweitens nichts mit dem zu tun, womit NEOS im Jahr 2013 angetreten sind, nämlich als liberale, offene Partei des Parlamentarismus (👏 FPÖ), sondern Sie haben da in einer sehr, sehr schnellen Geschwindigkeit eine Metamorphose zu einem Verteidiger des Systems gemacht, das eben diese Freiheitsgrade und den Parlamentarismus einschränkt. Da würde ich Sie bitten, einmal darüber nachzudenken.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das war wohl ein Dollfuß-Seminar, was Sie gemacht haben, Kollege Shetty!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das geht in die falsche Richtung. Ich bin ein Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs. Die Freiheitliche Partei Österreichs hat eine oberste Maxime, nämlich die Zuwendung zum eigenen Volk und die Vertretung der Interessen der Österreicher. Ich ersuche Sie jetzt, das ganze Thema unter diesem Schirm zu sehen. Wir wollen die Interessen der Österreicher vertreten. Das ist unser Auftrag, und zwar sowohl ökonomisch als auch sicherheitsbezogen, die innere Sicherheit und die äußere Sicherheit betreffend. Hinsichtlich der äußeren Sicherheit hat das Modell der Neutralität seit 1955 als Schutzschirm der äußeren Sicherheit ausgezeichnete Arbeit geleistet, und wir sehen nicht den geringsten Anlass, so etwas Bewährtes zu gefährden oder gar abzuschaffen. Das ist unsere Grundlinie. (👏 FPÖ) Wenn man sich jetzt das gesamte große Bild anschaut, ohne jetzt historische Abrisse vom Zusammenbruch der Sowjetunion zu geben, sehen wir mehrere Felder. Wir haben einen Krieg, wir haben Profiteure, wir haben – ich sage es einmal – Zahler, und wir haben den Bereich der Neutralität. Das hängt ja alles miteinander zusammen. Wir haben einen furchtbaren Krieg in Europa, in dem Europäer sich gegenseitig umbringen. Wir haben bis vor Kurzem hier Parteien gehabt, deren einzige Idee es war: Kämpfen bis zum Sieg und Waffen liefern, bis der Sieg gelungen! …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Geh!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Wir als Freiheitliche Partei haben relativ rasch, im 2022er-Jahr schon, gesagt: Das ist eine vollkommen falsche Lagebeurteilung.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Das hat nichts mit der Realität zu tun!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das ist ein Irrweg, das werden wir nicht gewinnen. Was wir in den nächsten Jahren haben werden, sind Milliarden an Kosten und Hunderttausende von Toten. Das wollen wir verhindern, vermeiden. Jetzt höre ich von der Außenministerin, aber auch hier, erstmalig auch von der ÖVP, das Wort Frieden, für das wir als Freiheitliche Partei als Putin-Freunde beschimpft worden sind.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was heißt „erstmalig“? – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Auf diese Absurditäten gehe ich gar nicht ein. Ein Neutraler ist äquidistant. Äquidistant heißt: gleicher Abstand zu - - Wir sind äquidistant. (👏 FPÖ) Wenn Sie auch hundertmal sagen, wir haben eine Nähe zu dem und dem – das stimmt nicht! Also: Dieser Krieg hätte schon längst beendet werden können. Vielleicht hat der Wechsel in Amerika, in den USA, etwas damit zu tun, von der Biden-Administration zur Trump-Administration. Das finden wir gut, das gehört weiter verfolgt. Schauen wir uns die Profiteure an: Das sind nicht die Österreicher, das ist nicht die österreichische Bevölkerung. Was da seit drei Jahren stattfindet, ist doch eine brutale Ausweitung der Rüstungsindustrie. Die ganz großen Profiteure sind die Rüstungskonzerne. Das ist eigentlich ganz komisch, Kollege Kogler, dass du jetzt da offensichtlich bewusst oder unbewusst der größte Proponent und Förderer der Übergewinne der Rüstungskonzerne wirst. Also das muss einmal einer verstehen! Wir sind das nicht, denn wir sind keine Aktionäre von Rheinmetall oder sonst jemandem. Unsere Verantwortung besteht darin, die Interessen der Österreicher zu vertreten. Da sind wir jetzt beim Zahler. In diesem großen Feld sehe ich die Österreicher als große Zahler. Wo ist da der Nutzen? Wir haben jetzt die Budgetsitzungen, es geht uns eh das Geld hinten und vorne aus. Wir machen - - Oder nicht wir, sondern Sie als Regierung machen ja Budgetdefizite ohne Ende, aber das ist trotzdem egal. Wir zahlen 3,7 Milliarden Euro an die Ukraine. Der Schmäh mit: Wir finanzieren keinen Krieg, die Friedensfazilität – im Übrigen ein sehr eigenartiger Ausdruck für Waffenfinanzierungen –, damit zahlen wir ja keine Waffen!, zieht nicht. Das ist so, wie wenn ich sage: Der österreichische Beitrag ist jetzt ein Glas hier (ein halb volles Wasserglas in die Höhe haltend) , das sind 3 Milliarden Euro, das schütten wir in ein Schwimmbad rein, dann kommt die EU, nimmt einen Kübel Wasser heraus und kauft damit 1 000 Panzer. Wie wollen Sie denn das feststellen? Natürlich sind da österreichische Tropfen dabei. Das ist doch absurd, eine Kleinkinderlogik, zu sagen: Wir zahlen keine Waffen, mit unserem Geld werden nur Entminungen und Ähnliches bezahlt. – Das stimmt ja so nicht. Die Österreicher zahlen 3,7 Milliarden Euro – das ist viel, viel Geld. Der vierte Bereich: die Neutralität. Noch einmal: Das ist ein Erfolgsmodell seit 1955. Das ist sehr wohl ein Schutzschild betreffend die äußere Sicherheit. Allerdings haben wir als Österreich schwer versagt – und da schaue ich jetzt Kollegen Volker Reifenberger an –, was die eigene Verteidigungsfähigkeit betrifft. Da haben wir 25 Jahre oder noch länger unsere eigene Verteidigungsfähigkeit strengstens oder schärfstens vernachlässigt.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

ÖVP-Verteidigungsminister!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Wir sehen es nicht als dienlich.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Kunasek!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die Neutralität ist im Übrigen, das wissen Sie, völkerrechtlich keine Einbahnstraße. Das ist ja nicht so: Ich erkläre mich jetzt als neutral und mache dann permanent als Regierung Handlungen, die mit der Neutralität nicht vereinbar sind beziehungsweise von den Staaten als nicht mit der Neutralität vereinbar empfunden werden – dann war es das mit der Neutralität! Das beruht doch auf Reziprozität! …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Welche Staaten empfinden das?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die Gefahr, in die wir uns da begeben, ist ja auch klar: dass wir in einem Konflikt legitimes Ziel werden, Legitimate Target, wenn wir diese Neutralität international aufgeben. Jetzt erzählen Sie mir nicht, dass die Tatsache, dass die Frau Außenministerin bei ihrem ersten Besuch nach Kiew fährt, 20 Millionen Euro zusätzlich mitnimmt, dass die Tatsache, dass Präsident Selenskyj nach Österreich eingeladen wird, in das neutrale Österreich, der internationalen Rezeption unserer Neutralität dienlich ist – ganz im Gegenteil –, und dann – da wird es ja noch absurder – reden Sie irgendetwas von: Wien sollte dann Ort der Verhandlungen sein. – Das wird so nicht stattfinden. Da muss man die Dinge zu Ende denken. Das kann sich nicht ausgehen. Das ist nicht logisch. Es wird Genf werden, es wird Istanbul werden et cetera. Das heißt, bei Ihnen klaffen Wunsch und Realität vollkommen auseinander. Das Einzige, was wir wollen, ist eine realitätsbezogene Politik im Interesse unserer eigenen Landsleute, nicht mehr und nicht weniger. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Gudrun Kugler . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

ÖVP Gudrun Kugler

Danke, Herr Präsident! Werte Regierungsmitglieder! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben jetzt 40 Minuten lang Reden von den Freiheitlichen gehört und keine einzige Sekunde, kein einziger Halbsatz war eine Verurteilung des brutalen Angriffskriegs, der Eskalation und der zivilen Opfer. Und als Kollege Minnich über die Kriegsverbrechen gesprochen hat und über die Vergewaltigungen, da haben einige von Ihnen schallend gelacht.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Also bitte!

ÖVP Gudrun Kugler

… Ja, diese Seite, in der Mitte Kollege Lausch – ich sitze direkt daneben –, hat schallend gelacht.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Der ist nicht einmal da!

ÖVP Gudrun Kugler

… Stattdessen, statt einer Verurteilung der Kriegsverbrechen, hören wir von Kollegen Kassegger: Äquidistanz gegenüber Russland, dem Angreifer, und der Ukraine. Wir hören von Frau Kollegin Fürst: Wir packen die „Moralkeule“ aus. – Das ist eine falsch verstandene Neutralitätspolitik. (👏 ÖVP) Wir haben eine diplomatische Verantwortung, und die Übernahme derselben bedeutet keine Gefährdung der Neutralität. Auch andere Länder sehen das so. Wir haben bereits über die Schweiz gesprochen. Ein Beispiel, das nicht gefallen ist, ist der Vatikan. Auch dort war Selenskyj auf Besuch. Ich sage Ihnen noch etwas: Sie meinen vielleicht, wir nehmen – einseitig – Seiten ein und treffen nur die einen. Wir würden mit allen reden. Bei der OSZE, in der parlamentarischen Versammlung – das ist das beste Beispiel –, haben sich die österreichischen Abgeordneten quer über alle Parteien für einen Verbleib Russlands in der parlamentarischen Versammlung eingesetzt, weil wir an den Dialog glauben. Der heutige Besuch ist eine Manifestation eines solchen Dialogs. Frau Kollegin Fürst: Ja, die Ukraine geht uns schon etwas an. Sie wissen vielleicht, von Wien bis zu Grenze der Ukraine sind es nur 400 Kilometer. Wie sollen wir hier in Frieden leben, wenn in unserer unmittelbaren Nachbarschaft die Bomben fliegen? ( Ruf bei der FPÖ: Darum wollen wir ja Frieden in der Ukraine! ) Herr Kollege Hafenecker, Sie haben gesagt: Ja, die Österreicher wollen das nicht, weil die FPÖ ein gutes Wahlresultat hatte! – Ich sage Ihnen etwas: 71 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben nicht die FPÖ gewählt, und diese Leute setzen sich sehr wohl für den Frieden ein.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber nicht alle! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Gudrun Kugler

… Die Meinungsumfragen sagen auch ganz eindeutig, dass drei Viertel der Österreicher …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das sind aber drei ...!

ÖVP Gudrun Kugler

… für eine Unterstützung der Ukraine sind.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, man könnte ja die Bevölkerung ...! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Wenn das die Wahlanalyse ist, ist klar, warum wir jetzt schon bei knapp 40 Prozent liegen!

ÖVP Gudrun Kugler

… Es gibt schon so etwas wie eine Wertegemeinschaft in Europa. Da gehören zum Beispiel die Menschenrechte dazu, aber da gehört auch die territoriale Integrität dazu. Und was hören wir an Vorschlägen von der FPÖ? – Der Stärkere soll es sich richten können. Das ist kein Miteinander-Lösungen-Finden und das ist kein dauerhafter und kein gerechter Friede. Was wir heute gesehen haben, nämlich wie sie mit der Taferlfrage umgegangen sind, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Sie Miteinander verstehen. Wir haben einen Konsens im Parlament, dass die Taferl nur kurz stehen. Sie lassen sie 30 Minuten dort, und der Präsident muss mehrfach freundlich bitten, dass Sie sich an die gemeinsamen Usancen halten. Das ist nicht Respekt, das ist Pubertät. Herr Kollege Kassegger hat gesagt: Also von Frieden haben wir von der ÖVP noch nie etwas gehört! – Entschuldigung: Zuhören könnte vielleicht helfen! Wir sprechen von Tag eins an von Frieden. ( Rufe bei der FPÖ: Nein! Nein! ) Wissen Sie - - …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Nein, Frau Kollegin! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Ihr eigener Staatssekretär heute nicht! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Gudrun Kugler

… Alleine, wenn Sie sich meine Postings dazu anschauen: von Tag eins. Ein Weg zum Frieden hat mit Dialog zu tun. Ich sage Ihnen, wir sehen das an vielen Beispielen. Im Dialog können Fortschritte gemacht werden. Der Gefangenenabtausch und die Fortschritte bei den Verhandlungen für die Rückkehr entführter Kinder: Das sind kleine Schritte, aber es sind wichtige Schritte, und wir werden an diesem Dialog festhalten. (👏 ÖVP, SPÖ) Mehr als drei Jahre illegaler Angriffskrieg Putins auf die Ukraine, jeden Tag weit mehr als tausend Tote: Österreich kann und muss einen Beitrag leisten, und ja, das beginnt bei der humanitären Hilfe. Alleine das Beispiel Entminung wurde schon gebracht, Entminung, die wiederum für die Kinder so wichtig ist, die einen Lebensraum brauchen. Wir werden uns weiterhin für diesen Frieden einsetzen, weil wir Solidarität richtig verstehen, und uns für den Frieden auf Basis einer richtig verstandenen Neutralität einsetzen. Nur dann und nur so erreichen wir einen Frieden, der dauerhaft und gerecht ist. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Klaus Seltenheim . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

SPÖ Klaus Seltenheim

Herr Präsident! Geschätzte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause vor den Bildschirmen und auf der Besuchergalerie! Schade, dass es der FPÖ immer nur um Inszenierung geht. Ich habe mir ein bisschen schwergetan, wie man am heutigen Tag mit dieser Dringlichen Anfrage umgeht. ( Ruf bei der FPÖ: Ja, das glaube ich! ) Einerseits haben wir die Budgetdebatte, andererseits – Kollege Shetty hat es schon angesprochen – blicken wir natürlich auch immer noch in Richtung Graz. Die Tischdeko der FPÖ, aber vor allem auch das Eingangsstatement der Kollegin Fürst haben es dann ein bisschen leichter gemacht. Man muss, glaube ich, ein paar Dinge einordnen: Neutralität bedeutet vor allem Unabhängigkeit von allen Machtblöcken. Die FPÖ will uns heute mit ihrer Dringlichen weismachen, dass der Besuch von Präsident Selenskyj unsere Neutralität gefährde. Tatsächlich versucht die FPÖ mit dieser Inszenierung, von ihrem eigenen Kurs abzulenken …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Frieden ist ein böses Wort, haben wir gelernt, das ist nämlich draufgestanden!

SPÖ Klaus Seltenheim

… der eigentlich seit Jahrzehnten die Neutralität in diesem Land aushöhlt und immer mehr die Interessen Putins bedient. Ich möchte Sie da ganz kurz auf eine Zeitreise mitnehmen. Diese Zeitreise veranschaulicht ganz gut, wie die SPÖ – ein Freud’scher Versprecher, hopsi …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, ihr habt ja wirklich die Butter ganz dicht da oben! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Das wird selber ein Freud’scher Versprecher gewesen sein!

SPÖ Klaus Seltenheim

… wie die FPÖ die österreichische Neutralität sieht …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Vielleicht weiß er nicht, was ein Freud’scher ist!

SPÖ Klaus Seltenheim

… nämlich immer nur als innenpolitischen Spielball; wenig überraschend, denn auf Bundesebene steht die FPÖ ja wenig für Ernsthaftigkeit und schon gar nicht für Verantwortung.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Entweder er weiß wirklich nicht, was ein Freud’scher ist, oder er hat sich jetzt wirklich offenbart!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Am 26. Oktober 1955 stimmte der VDU, die Vorgängerorganisation der FPÖ, als einzige Fraktion in diesem Haus gegen das Neutralitätsgesetz. 1997 brachte Jörg Haider einen Entschließungsantrag ein, um Verhandlungen über einen Nato-Beitritt von Österreich zu beginnen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

War nicht alles gscheit!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Die FPÖ erklärte damals die Neutralität für obsolet. Jörg Haider, der Übervater der FPÖ, wollte Österreich in die Nato führen.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wer war da Generalsekretär? – Abg. Kickl [FPÖ]: War nicht alles gscheit!

SPÖ Klaus Seltenheim

… 2014 entsandte die FPÖ Spitzenfunktionäre als Wahlbeobachter auf die bereits von Russland besetzte Krim.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da war der Gusenbauer noch Chefberater drüben!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Sie erklärte das Scheinreferendum für legitim und stellte sich offen an Putins Seite. Am 19. Dezember 2016 unterzeichnete die Parteiführung einen Freundschaftsvertrag mit Putins Partei Einiges Russland …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Da war Putin Staatsgast von Van der Bellen

SPÖ Klaus Seltenheim

… und erst unter öffentlichem Druck 2024 begann sie, diesen zu relativieren. Seit Oktober 2022 fordert die FPÖ eine Volksbefragung zur Aufhebung aller EU-Sanktionen gegen Russland. Das alles zeigt sehr schön: Die FPÖ ist nicht Beschützerin, sondern Gefährderin der Neutralität. (👏 ÖVP, SPÖ) Sie ist einmal Vorkämpfer der Nato, dann Kreml-Sprachrohr – ein Schelm, wer dabei Böses denkt! Seit Kriegsbeginn unterstützt Österreich die Ukraine mit humanitärer Hilfe, streng kontrolliert über UNO, das Rote Kreuz und die Caritas. Das ist gelebte Neutralität: Wir liefern keine Waffen, wir retten Leben und lindern Leid! (👏 SPÖ) So wie eingangs schon gesagt: Neutralität bedeutet die Unabhängigkeit von Machtblöcken, nicht die Abhängigkeit von Moskaus Propaganda. Wer Freundschaftsverträge mit Putins Partei unterschreibt, Scheinreferenden legitimiert und Sanktionen torpediert, kann sich nicht zum Schutzpatron der Neutralität erklären. (👏 SPÖ) Die SPÖ steht für das Völkerrecht, das Russland vehement bricht, und für Neutralität mit Rückgrat. Darum sage ich, die FPÖ ist Österreichs größte Sicherheitslücke. Unser Platz bleibt an der Seite der Demokratie, von Völkerrecht und Neutralität. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Veit Valentin Dengler . – Ihre freiwillige Redezeit beträgt 5 Minuten. Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Veit Valentin Dengler

So, also auch an diesem Tag, an dem wir eigentlich an Graz denken sollten und an dem Herr Präsident Selenskyj zu Besuch ist, müssen wir uns mit dem Psychodrama der FPÖ beschäftigen. Dann tun wir das.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie müssen nicht, Sie können sich auch wieder niedersetzen!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Na, na, ich tue es gern, Herr Kickl, ich tue es gern. Wir wissen inzwischen auch, wie lange Sie eine staatsmännische Pose durchhalten: ungefähr 2 Stunden – von Ihrer ersten Rede, die sehr vernünftig klang, bis dann zu dem Selenskyj-Besuch.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Halbwertszeit! – Abg. Kickl [FPÖ]: Oberlehrer und Chefpsychologe!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Ich frage mich hier oft, warum Sie das tun, warum Sie so stark für Russland Partei ergreifen. Ich glaube, die erste Frage ist: Tun Sie das? – Diese Dringliche Anfrage wird für die Historiker ein interessantes Beispiel sein, wie sehr Sie in der Tasche Moskaus stecken. Ich fange einmal mit der Frage Nummer 4 an: „Wird Präsident Selenskyj mit allen protokollarischen Ehren empfangen – und wenn ja, auf welcher rechtlichen Grundlage?“ – Es ist ein offizieller Besuch. Der Herr Bundespräsident lädt ein. Der Herr Bundespräsident ist auch Oberbefehlshaber des Heeres, wie Sie wissen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und das wissen wir seit der Beantwortung der Frage 1!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Das heißt, ein Begrüßungsakt ist Routine, wie er es für alle anderen Staatsoberhäupter auch ist. „Welche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wird Selenskyj im Rahmen seines Besuchs treffen [...]?“ – Sie fragen dann auch in Frage 24: „Warum wurde der Hauptausschuss des Nationalrats nicht im Vorfeld über den Besuch und dessen Inhalte informiert?“ – Wir leben in einer Demokratie, weder Einladungen noch Besuche durch den Herrn Bundespräsidenten müssen irgendwie vorher vom Parlament behandelt, geschweige denn genehmigt werden. Ich glaube, das zeigt schon, was für ein - - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Der ist auch nicht informiert worden, wie die Kneissl geheiratet hat! – Abg. Kickl [FPÖ]: Da waren aber mehr von euch dabei als von uns!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Was aber wirklich interessant für mich ist, ist dann die Frage 36: „Ist dem Bundeskanzler bekannt, dass auf den Seiten ‚Mirotworez‘ und ‚Molfar‘ zahlreiche österreichische Staatsbürger, darunter Journalisten und Politiker, namentlich als ‚Staatsfeinde‘ gelistet werden?“ Für die von uns, die diese Websites nicht kennen: Das sind sogenannte Osint-Seiten, also Open Source Intelligence, offen gesourcte Nachrichten. Myrotworez ist übrigens von einem Poroschenko-Minister gegründet worden, also von der jetzigen Opposition zu Selenskyj, und Molfar ist eine klassische Osint-Seite, wie wir sie kennen. Und da gibt es tatsächlich einen Tab „Feinde der Ukraine“, und wenn Sie dort draufklicken – das ist sehr interessant –, dann sehen Sie verschiedene Kategorien, nämlich „Russische Kriegsverbrecher“, wo versucht wird, Kriegsverbrecher zu identifizieren, „FSB“-Agenten, die auch durch Osint-Methoden zu identifizieren versucht werden, und dann gibt es die sogenannten „Ausländischen Propagandisten“ für Russland. Wenn man da auf Österreich draufklickt, kommen zehn Namen. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie mich auf diese Fährte gebracht haben, ich hätte mir das sonst nicht so angeschaut. Die zehn Namen, die da unter Österreich zu finden sind, sind sehr interessant: zuerst Ulrike Guérot und Ulrike Reisner, zwei Publizistinnen, die ein bissel falsch abgebogen sind, dann Irina Moutchkina – die kennen Sie vielleicht, die ist von der Vereinigung der Russen in Österreich – und Oleg Ksenofontov – das ist der Leiter des Russischen Kulturinstituts –, weiters Stefan Magnet – das ist der Gründer von „AUF1“, kennen Sie sicher gut – und Alexander Markovics, der Gründer der Identitären Bewegung in Österreich. Weiters finden Sie da Werner Murgg von der KPÖ – den kennen wir leider alle, die Steirer von uns auf jeden Fall –, und drei FPÖ-Politiker: Harald Vilimsky , Herbert Kickl und Robert Stelzl.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Das ist aber nicht lustig! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Und das finden Sie witzig? – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Eine Todesliste!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Als Frage 37 schreiben Sie: „Welche Schritte hat die Bundesregierung [...] unternommen, um gegen die Veröffentlichung personenbezogener Daten österreichischer Staatsbürger auf diesen Seiten vorzugehen?“ Wissen Sie, was auf dieser Seite drauf ist? – Da ist drauf Ihr Instagram-Handle, da ist drauf Ihr Twitter-Handle, und es sind drei oder vier Zitate zu finden, was Sie so zur Ukraine geschrieben oder gesagt haben. That’s it! Und wenn Sie das so schmerzt, wenn Sie sich deswegen solche Sorgen machen, dann sollten Sie sich vielleicht einmal überlegen: Warum wollen Sie eigentlich ausländische Propagandisten für Russland sein? – Das wäre meine Frage dazu.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Kennen Sie überhaupt die Bedrohungslage der Leute, über die Sie da reden?

NEOS Veit Valentin Dengler

… Und dann müssen wir natürlich jedes Mal über Ihr Heiligtum reden, das ist die Neutralität. Lustigerweise war mein Vater Legationssekretär in den Fünfzigerjahren und am Rande an den Verhandlungen über die Neutralität beteiligt. Mein Großvater war mit Figl bekannt, und der hat damals ganz klar gesagt: Die Neutralität ist die Kröte, die wir für unsere Unabhängigkeit schlucken müssen. Und wie schon gesagt: Die FPÖ war ja immer gegen die Neutralität. Frau Fürst, Sie haben zwei Sätze aus dem Neutralitätsgesetz vorgelesen. Wissen Sie, wie lang das Neutralitätsgesetz ist? – Es ist drei Sätze lang. Sie haben nur den dritten Satz nicht vorgelesen, und wenn Sie den vorgelesen hätten, wüssten Sie auch, was drinsteht, nämlich dass wir keinem militärischen Bündnis beitreten werden und dass es keine fremden Truppen in Österreich geben soll.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Das ist es. Das ist unsere Verpflichtung nach dem Neutralitätsgesetz. Alles andere ist irgendein Popanz, den Sie dazuerfinden, was Sie gerne hätten oder was Moskau gerne hätte.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nein, das ist ein bisschen komplizierter! – Abg. Reifenberger [FPÖ]: Neutralität ist völkerrechtlich definiert!

NEOS Veit Valentin Dengler

… So, und jetzt komme ich zurück auf das Thema des Motivs, denn was mich immer beschäftigt, ist: Warum ist die FPÖ unbedingt immer auf der Linie von Moskau? Wenn man Ihre Rhetorik liest: Ich war Student in den Achtzigerjahren, wissen Sie, welche Partei damals so geredet hat, immer über Frieden geredet hat – Frieden, Frieden, Frieden? – Die KPÖ, nicht die FPÖ; die FPÖ war für den Nato-Beitritt. Die KPÖ hat immer über Frieden geredet: Wir sind für den Frieden!, hat Friedensdemonstrationen organisiert und so weiter. In der DDR, wie Sie ja auch wissen, gab es mehrere Parteien. Da gab es ja Liberale und Christdemokraten und so weiter in der DDR-Volkskammer. Sie wissen auch, wie die hießen, das waren die sogenannten Blockflöten, weil die halt immer nachgeflötet haben, was die Kommunistische Partei vorgegeben hat. Sie geben sich so gern als Patrioten, und die Frage, die ich Ihnen stelle: Für welches Land sind Sie Patrioten?, denn Blockflöten sind keine Patrioten.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Meri Disoski . Als Redezeit habe ich 5 Minuten eingestellt.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Sehr geschätzte Staatssekretärin! Sehr geschätzte Herren Staatssekretäre! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Jetzt haben wir es schon gehört: Präsident Selenskyj besucht heute Österreich. Jetzt wissen es alle, vielleicht auch dank der Dringlichen der FPÖ. Er ist Präsident eines Landes, das seit drei Jahren gegen diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, den Russland führt, kämpft, die Bevölkerung leidet. Und der FPÖ fällt heute einmal mehr nichts anderes ein, als eine Dringliche Anfrage einzubringen, die ein weiteres Kapitel in ihrer langen, langen, langen Geschichte der politischen Anbiederung an den Kreml darstellt. Diese Dringliche Anfrage, Kolleginnen und Kollegen, ist kein Ausdruck von Sorge um unsere Verfassung oder um unsere Neutralität, sie ist ein politischer Kniefall vor Russland, und das nicht zum ersten Mal in Ihrer Geschichte. (👏 ÖVP, NEOS) Wir haben es heute schon ein paarmal gehört, ich erinnere gerne nochmals daran: Der Knicks Ihrer Außenministerin Karin Kneissl vor Wladimir Putin auf ihrer eigenen Hochzeit vor den Augen der Weltöffentlichkeit, das war nicht einfach nur irgendein diplomatischer Fauxpas, das war ein sichtbares Zeichen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Der Äquidistanz!

GRÜNE Meri Disoski

… blauer Unterwerfung unter einen Autokraten – das war es. Und heute setzen Sie mit dieser Dringlichen dieses Knicksen auf einem anderen Weg, auf eine andere Art und Weise fort, mit einer Dringlichen, in der Sie versuchen, die Verantwortung umzukehren. Sie versuchen, den Täter zum Opfer zu machen. Sie versuchen, einen Präsidenten, der um den Fortbestand, um das Überleben seines Landes kämpft, zu einer Provokation zu erklären, während Sie gegenüber dem Kriegsverbrecher schweigen. Sie tun so, als würde ein Besuch von Selenskyj Österreichs Neutralität gefährden, und da widerspreche ich Ihnen mit großer Vehemenz. Nein, Neutralität bedeutet ganz sicher nicht, ganz, ganz sicher nicht, dass wir nicht wissen, auf welcher Seite wir stehen, wenn Unrecht passiert. Neutralität heißt nicht, dass wir gegenüber Kriegsverbrechern und Kriegsverbrechen gleichgültig sind. Wir dürfen niemals gleichgültig sein, wenn wir an Butscha oder an Irpin denken, so wie es auch Klubobmann Shetty vorhin ausgeführt hat: Dort wurden Zivilistinnen, Zivilisten auf offener Straße exekutiert, mit gefesselten Händen, mit Einschusswunden am Hinterkopf. Das sind keine tragischen Begleiterscheinungen eines Krieges, das sind systematische Kriegsverbrechen, das ist staatlich organisierter Terror.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Jawohl! So ist es!

GRÜNE Meri Disoski

… Und wer angesichts dessen Neutralität einfordert, relativiert das Unvorstellbare! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo!

GRÜNE Meri Disoski

… Und wenn Sie, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, angesichts zerbombter Geburtskliniken, vergewaltigter Frauen und Tausender verschleppter Kinder einer österreichischen Regierung tatsächlich Kritik entgegenstellen, weil sie der Ukraine die Hand reicht, dann stehen Sie nicht auf dem Boden der österreichischen Verfassung, sondern auf dem dünnen Eis politischer Verirrung. Deshalb sage ich Ihnen heute nochmals hier mit aller Eindeutigkeit, und wir haben die Reden auch der vorherigen Fraktionen gehört: Vier Fraktionen in diesem Haus stehen an der Seite der Ukraine, nur eine Fraktion, eine Partei steht regelmäßig an der Seite Russlands …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein!

GRÜNE Meri Disoski

… und das sind Sie, die FPÖ.

FPÖ Pracher-Hilander (Zwischenruf)

Nein, das stimmt nicht!

GRÜNE Meri Disoski

… Sie erweisen mit Ihrer Dringlichen Anfrage Österreich keinen Dienst. Sie stellen sich vielmehr in den Dienst eines Regimes, das die Pressefreiheit abschafft, das Menschenrechte missachtet und das einen brutalen völkerrechtswidrigen Eroberungskrieg führt. Das ist, was Sie heute machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Ja, Österreich hat seit Kriegsbeginn die Ukraine unterstützt: finanziell, humanitär, medizinisch, strukturell. Das war notwendig, das war richtig, und das ist es auch weiterhin. Deshalb – bei allem Konsens, den es hier mit den anderen Parteien gibt – muss ich trotzdem anmerken und kritisieren, dass in diesem aktuellen Budget, das beschlossen werden soll, gerade bei der humanitären Hilfe gekürzt wird. Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien, das ist sehr problematisch, und wir erachten das als falsch, weil klar ist: Solidarität kürzt man nicht. Solidarität lebt man vor allem in Krisenzeiten. (👏 SPÖ) Für uns ist auch klar: Hilfe ist mehr als Geld. Hilfe heißt auch, dass man politische Verantwortung übernimmt. Die Ukraine will in die Europäische Union, das haben wir schon vorhin gehört, da gehört sie auch hin – vielleicht nicht gleich morgen, aber in Zukunft. Das ist der Weg, den die Ukraine nehmen soll: in die Europäische Union, und unsere Aufgabe hier als österreichische Parlamentarier:innen, auch der österreichischen Regierung ist es, sie bei jedem Schritt dorthin zu unterstützen, wo und wie wir nur können, so wie das in der Vergangenheit auch unsere Ministerinnen Gewessler und Zadić gemacht haben, beispielsweise bei der interministeriellen Zusammenarbeit. Wir hoffen sehr und sind sehr zuversichtlich, dass auch die jetzige Regierung diesen Weg fortschreiben wird. Eine Sache ist auch noch klar – ich glaube, Kollegin Bayr hat das ein bisschen in den Raum gestellt –: Auch Europa selber muss sich handlungsfähiger machen, muss handlungsfähiger werden. Deswegen setzen wir Grüne uns auf europäischer Ebene dafür ein, dass das Einstimmigkeitsprinzip in der EU-Außenpolitik fällt, weil wir in der Vergangenheit gesehen haben, wie nationale Vetos Europa lähmen und wie das genau jenen nutzt, die Europa von innen heraus schwächen wollen. Es ist ja kein Zufall, dass diejenigen, die den Rechtsstaat, die Pressefreiheit, die Minderheitenrechte aushöhlen wollen, häufig auch dieselben sind, die die Nähe zu Putin suchen. Das sind, Herr Kickl, Ihre guten Freunde, ob sie Orbán oder Fico heißen, die kennen Sie sehr gut. Sie bezeichnen sie ja auch als Ihre Vorbilder. Ich möchte aber abschließend noch zu dieser Dringlichen Anfrage kommen, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ. Ich habe mir die letzte Frage hier hervorgehoben, Frage Nummer 45, da fragen Sie: „Sind in den nächsten Monaten (bis Ende 2025) weitere Besuche österreichischer Politiker in der Ukraine geplant? [...] Wenn ja, wer wird in die Ukraine reisen?“ – Ich hätte da eine Gegenfrage an Sie: Plant denn die FPÖ in nächster Zeit Besuche in Russland? Wenn ja, wer reist und wer zahlt? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Nein, weil wir unsere Neutralität nicht opfern wie Sie! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

GRÜNE Meri Disoski

… Gibt es dann vielleicht wieder ein Selfie vor dem Kreml und einen neuen Freundschaftsvertrag, aber diesmal abgeschlossen mit einem Mann, gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen vorliegt? (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Martin Graf . Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt. (Abg. Shetty [NEOS]: Jetzt bin ich gespannt, weil die Russlandfreundlichkeit passt eigentlich nicht ins Weltbild! – Abg. Kogler [Grüne]: Hauptsache durcheinander!)

FPÖ Martin Graf

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Herren Staatssekretäre! Seien Sie nicht ungehalten, wenn ich in diese bellizistische Runde vielleicht ein bisschen eine andere Meinung einbringe – das wird im Parlament in diesem Zusammenhang vielleicht noch gestattet sein. Ich repliziere nur auf ein paar Themen: Frau Kollegin Bayr, ich kann vieles von Ihren Inhalten teilen. Sie haben den „Raum für Debatten“ gefordert. – Ja, wir wollen auch Raum für Debatten in der Ukrainefrage …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ist eh okay!

FPÖ Martin Graf

… in den Zahlungsverpflichtungen, die wir eingehen, in der Kriegsangelegenheit hier im Parlament.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Wer verweigert Ihnen die Debatte?

FPÖ Martin Graf

… Die Einzigen, die dafür sorgen, dass es hier im Parlament – hier im Plenum – überhaupt zu Debatten kommt, sind die Abgeordneten der Freiheitlichen Partei. (👏 FPÖ) Ich sage das nur dazu, damit auch über die nicht öffentlichen Ausschüsse hinaus die Bevölkerung über die Standpunkte informiert wird. Das ist Aufgabe eines Abgeordneten, und diesen Standpunkt und dieses Thema lassen wir uns auch nicht wegnehmen. Sie sagen immer wieder: Wir kämpfen für einen „gerechten Frieden“. – Kollege Kogler, ja, ich auch, wir alle. Kennen Sie einen gerechten Frieden in den letzten 200 Jahren auf dieser Welt? – Ich kenne keinen. Das, was ich kenne, sind Waffenstillstände. Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Korea? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Dünnes Eis ist das jetzt! – Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Martin Graf

… Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Zypern? …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Das zeigt Ihr Geschichtsverständnis! – Zwischenruf des Abg. Schallmeiner [Grüne]. – Abg. Shetty [NEOS]: Kein gerechter Frieden in den letzten 200 Jahren!

FPÖ Martin Graf

… Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Bosnien? Sie tun ja so, als ob in Europa – auf dem Boden Europas – in den letzten Jahren und Jahrzehnten nie ein Krieg stattgefunden hätte. Das ist ja unwahr. Wir haben ständig Krieg, leider – weil wir viel zu viele Bellizisten haben …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Ein bissl zu viel „AUF1“ geschaut!

FPÖ Martin Graf

… und da gehören Sie mittlerweile ganz, ganz stark dazu, meine sehr geehrten Damen und Herren.

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Jetzt kann man sich aber ein bissl einbremsen auch!

FPÖ Martin Graf

… Wissen Sie was? Ich kämpfe und setze mich auch dafür ein, dass wir einmal zu einem Waffenstillstand kommen, damit dieses Töten und Morden auf beiden Seiten aufhört. Ich glaube, die ukrainische Bevölkerung, aber letztlich auch die russische Bevölkerung haben sich verdient, dass das Töten aufhört.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Sagen Sie das dem Putin! – Abg. Schallmeiner [Grüne]: ... Moskau!

FPÖ Martin Graf

… Um nichts anderes geht es in diesem Punkt. Ja, ich will gar nicht darauf eingehen, wer aller Lobeshymnen auf Putin gehalten hat. Sie können das in der Debatte gerne auch uns vorwerfen. Nur sind die Eigenwahrnehmung und die Außenwahrnehmung ja in Wirklichkeit diametral anders. Das heißt, die Bevölkerung, unser Volk glaubt Ihnen das ja alles nicht mehr.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wie viele Völker haben wir denn, Herr Kollege?

FPÖ Martin Graf

… Weit über unseren Wählerkreis hinaus vertreten wir Menschen in diesem Land, und das ist gut und richtig so, finde ich, weil in diesem Punkt auch noch eine Lanze für den Frieden gebrochen werden muss. Wenn ich dann von Herrn Kollegen Veit Dengler, der wieder viel Gratismut bewiesen hat, sehe oder höre, wie er sich denn nicht einsetzt, und wenn er uns dann dafür geißelt, wer sich aller je mit Putin getroffen hat: Nehmen Sie sich bei der Nase! Kollegin Edtstadler ist gerade weggegangen. Sie hat bis vor Kurzem auf ihrem Account noch gehabt: einer der schönsten Tage ihres Lebens, als sie die Kranzniederlegung anlässlich des Staatsbesuches mit Putin gemacht hat – bei der übrigens Herbert Kickl es verweigert hat, dort hinzugehen, und sie als Staatssekretärin hat es sich nicht nehmen lassen. Ich sage es nur dazu. Vielleicht fangen Sie einmal an, vor der eigenen Türe zu kehren …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Die ÖVP ...!

FPÖ Martin Graf

… und darüber nachzudenken, wer aller dort wirklich Geschäfte gemacht hat – und führen nicht irgendwelche Scheindebatten, weil vielleicht ein paar frühere Freiheitliche kurze Zeit einen Irrweg gegangen sind. Wir sind nie in einer gemeinsamen Fraktion mit russischen Kriegstreibern gesessen – das waren schon Sie, Herr Kogler, im Europarat mit den Sozialisten und vielen anderen, die dort in einer Fraktion gesessen sind, und die ÖVP in der EVP genauso. Schirinowski ist im Europarat gemeinsam mit Van der Bellen in einer Fraktion gesessen – haben Sie das vergessen? Wir sind es nie gewesen. Sie haben nie eine Vereinbarung mit Putin gebraucht, weil Sie in Koalition mit ihm gewesen sind – das ist der Unterschied. Meine sehr geehrten Damen und Herren , Sie kennen das vielleicht noch: kurz nach Amtsantritt von Donald Trump …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... die Frau Fürst bei ihm, ja!

FPÖ Martin Graf

… die Jubelnachricht von einem herausragenden Mainstream-Journalisten, Elmar Theveßen. Können Sie sich noch erinnern, was er in der Nacht, als die Angelobung war, gesagt hat? – Er hat gesagt: „Die gute Nachricht ist, es wird nicht am ersten Tag schon der Frieden ausbrechen in dieser Region.“ Das ist Ihre Grundhaltung: Die gute Nachricht ist, es wird nicht Frieden ausbrechen – in diesem Irrtum verharren Sie. Sie glauben immer noch, dass man diesen Krieg gewinnen kann – einen Krieg gegen eine Atommacht. Nicht einmal gegen Israel wird irgendjemand einen Krieg gewinnen, weil es auch eine Atommacht ist.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Red weiter, red weiter!

FPÖ Martin Graf

… Da kann man machen, was man will, man muss Realitäten auch zur Kenntnis nehmen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wenn Sie noch ein bisschen reden ...!

FPÖ Martin Graf

… Dass Sie sich permanent an ewige Irrtümer klammern, wissen nicht nur wir Freiheitliche, sondern auch unsere Bevölkerung und unser Volk. Seien es Coronapolitik, Fiskalpolitik, Migrationspolitik, Klimapolitik, Budgetpolitik, Sanktionspolitik – alles Irrtümer, an die Sie sich klammern, und vieles andere mehr. Ich mache heute eine kurze Analyse und sage: Hier befindet sich heute nicht gerade das Hauptquartier des gesunden Menschenverstandes. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Herr Kollege Graf, Sie haben den Begriff „Bellizisten“ und „bellizistische Runde“ verwendet. Ich glaube, Ihnen ist bekannt, was die Begrifflichkeit bedeutet: Man kann sie mit Kriegshetzer oder Kriegstreiber gleichsetzen, und Sie haben uns alle als solche bezeichnet. Ich ersuche Sie, diesen Begriff zurückzunehmen. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ich nehme ihn zurück und sage halt Kriegsfreunde! – Die Abgeordneten Greiner [SPÖ] und Krainer [SPÖ]: Sag einmal! – Abg. Michael Hammer [ÖVP]: ... geht’s echt nicht mehr! – Ruf bei der ÖVP: Ordnungsruf! ) – Gut, danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Ich habe mir inzwischen das Protokoll kommen lassen, und in diesem Protokoll habe ich auch diesen Zwischenruf von Abgeordneter Belakowitsch gesehen. – Sie wissen, was Sie gesagt haben? (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich habe hier eine Frage gestellt, ob er viel Spaß gehabt hat ...!) – Na ja, es ist darum gegangen, dass Kollege Shetty gesagt hat ( Ruf bei der FPÖ: Der war in Kiew! ): Wir sind an den Massengräbern gestanden, „wir haben dort mit Angehörigen jener Menschen gesprochen, deren Kinder nach Russland verschleppt wurden“, und Sie haben gesagt: „Da habt ihr viel Spaß gehabt [...], gell?“ – „Da habt ihr viel Spaß gehabt“ – es gibt das Protokoll. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ist ja unpackbar!) Ich erteile Ihnen dafür einen Ordnungsruf, Frau Kollegin. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Henrike Brandstötter . 4 Minuten Redezeit habe ich eingestellt.

NEOS Henrike Brandstötter

Danke, Herr Präsident. – Gleich einmal zu Beginn ein Wort an Kollegen Graf – ein gutes Beispiel dafür, dass lebenslanges Lernen wirklich wichtig ist –, der die Frage gestellt hat, welcher Krieg denn jemals durch einen Waffenstillstand beendet wurde.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

... falsch zitiert! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ. – Abg. Kickl [FPÖ]: Die hören dauernd irgendwas, was keiner gesagt hat!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das war der Koreakrieg, das war der Jom-Kippur-Krieg, das war der Bürgerkrieg in Bosnien und das war der Erste Weltkrieg. Der ukrainische Präsident Selenskyi kommt nach Wien und die FPÖ hyperventiliert …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wenn es nach denen ihrem Frieden ginge, wären wir heute noch im Tausendjährigen Krieg!

NEOS Henrike Brandstötter

… neutralitätszersetzender Staatsbesuch! – Die FPÖ fährt auch nach Russland und unterschreibt einen Freundschaftsvertrag mit Moskau. Meine Damen und Herren, das ist die Außenpolitik der FPÖ: nicht konsistent, aber konsistent auf der falschen Seite! (👏 ÖVP, NEOS) Die FPÖ spricht von Neutralitätsverletzungen und von Propaganda, aber was sie wirklich meint, ist: Sie will keine Solidarität mit der Ukraine, sie will einen Putin-nahen Kurs gegen die europäische Wertegemeinschaft, gegen den Westen, gegen die Freiheit. Die FPÖ nennt den Besuch auch eine Provokation, und ich nenne die Haltung der FPÖ eine Schande! (👏 ÖVP, NEOS) Die FPÖ hat kein Problem mit Diktatoren, kein Problem mit Putin, kein Problem mit Gewalt, aber ein riesiges Problem mit europäischer Solidarität, ein riesiges Problem mit westlichen Werten und offenbar ein riesiges Problem mit jeder Form von Mitgefühl.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die westlichen Werte!

NEOS Henrike Brandstötter

… Neutralität, meine Damen und Herren, heißt nicht Gleichgültigkeit. Neutralität heißt, dass wir nicht schweigen, wenn ein demokratisches Land von einem autoritären Regime überfallen wird. Neutralität heißt nicht, dass wir einen Präsidenten, der für die Freiheit seines Volkes kämpft, und zwar mit Mut, mit Haltung und mit einem enormen menschlichen Preis, nicht empfangen. Die FPÖ will Österreich aus dieser europäischen Solidarität herausbrechen, sie will uns isolieren, will Kriegsverbrechen relativieren, und sie stellt sich ganz klar auf die Seite des Aggressors.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Nein! Wir wollen uns in keinen Krieg hineinziehen lassen!

NEOS Henrike Brandstötter

… Und die FPÖ inszeniert sich auch ganz gerne als die Stimme des Volkes, aber ich frage mich: Ist das die Stimme eines Volkes, das zwei Weltkriege erlebt hat, eines Volkes, das weiß, wohin Schweigen und Wegschauen führt? Ist das die Stimme eines Volkes, das für Demokratie, Frieden und Menschenrechte steht? – Ich denke nicht! Neutralität ist für euch kein Prinzip, sie ist eine Ausrede – eine Ausrede fürs Wegschauen, eine Ausrede fürs Ducken und eine Ausrede dafür, sich politisch und moralisch einfach feige davonzustehlen. Ich war vor wenigen Wochen selber in der Ukraine, in Kiew, in Butscha und in Charkiw an der Front …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Kämpfen, oder?

NEOS Henrike Brandstötter

… und ich habe gesehen, was es bedeutet, wenn Kinder 10 Meter unter der Erde unterrichtet werden müssen, wenn sie nicht in einer Schule sein können, die sonnen- und lichtdurchflutet ist. Ich habe mit dem Staatsanwalt einen Schrottplatz besucht, wo Überreste von Raketen und Drohnen gesammelt werden, als Beweise für die Kriegsverbrechen, für die Aggressionen gegen Zivilistinnen und Zivilisten. Ich habe in Charkiw ein Stadtviertel besucht, wo es tags zuvor eine Rakete in der Luft zerrissen hat. Sie ist nicht eingeschlagen, deswegen gab es nur einen kleinen Schaden von 5 000 zerbrochenen Fenstern und Balkontüren; 5 000 Fenster und Türen – und wäre diese Rakete eingeschlagen, hätte es deutlich mehr Tote gegeben als jenen bedauernswerten Mann, der durch das Schrapnell gestorben ist. Ich habe Stadtviertel besucht, die belagert und kaputtgeschossen worden sind, Stadtviertel, wo Zivilistinnen und Zivilisten leben. Ich habe Butscha besucht, wo russische Besatzer in wenigen Wochen 419 Menschen gefoltert, vergewaltigt, erschlagen und umgebracht haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja eh!

NEOS Henrike Brandstötter

… Ich habe die Auswirkungen dieses Verbrechens mit eigenen Augen gesehen, und niemand sollte, so wie Sie, von der gemütlichen, von Putin finanzierten Couch aus hier Maulheld spielen und gerne dann auch gratis Mut verteilen. (Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz.) Wir stehen ganz klar an der Seite der Ukraine, weil wir wissen, was es heißt, die Freiheit zu verlieren, und weil wir wissen, dass man sie verteidigen muss – mit Haltung! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Steiner. Die Restredezeit Ihrer Fraktion beträgt 3 Minuten. Diese ist auch eingestellt.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Jetzt hat sich die Einheitspartei die ganze Zeit über unsere Schilder beschwert, wir haben sie dann eh weggenommen. ( Der Redner stellt eine der Tafeln mit der Aufschrift „FPÖ“, „die soziale Heimatpartei“, „Zeit für Neutralität“ auf das Redner:innenpult. ) Ich weiß nur nicht, und das sollte man uns vielleicht noch erklären, was an den zwei Worten – auf dem anderen Taferl ist „Frieden“ gestanden und auf diesem steht jetzt „Neutralität“ – so schlimm ist; aber das müsst ihr uns erklären. Wir stehen klar für Frieden und Neutralität, leider Gottes als einzige Partei in diesem Haus! (👏 FPÖ) Frau Kollegin, weil Sie vorhin etwas erwähnt haben: Wir wollen uns als Freiheitliche Partei nicht in einen Krieg hineinziehen lassen und wir wollen auch nicht österreichische Soldaten in diesem Krieg wissen – mit Sicherheit nicht! (👏 FPÖ) Zur Russlandnähe, zu „Radio Moskau“ und was heute alles gefallen ist – was denn die Freiheitliche Partei hätte – will ich nur kurz in Erinnerung rufen: Wir sind nicht die, die von Russland Jahre und Jahrzehnte zuvor wirtschaftlich profitiert haben. Ich sage es nur kurz. Wer war bei Lukoil? – Schüssel. Gazprom? – Schelling, Beratervertrag, ehemaliger Finanzminister. Ganze WKO-Delegationen waren noch 2022 in Sankt Petersburg – ehemaliger WKO-Präsident Leitl, ein Best Buddy von Putin: ÖVPler.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Der ist eh auch Teil des Problems! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist leider wahr!

FPÖ Christoph Steiner

… Die Raiffeisen-Bank macht immer noch Geschäfte mit Russland. 2019 sind wir aus der Regierung ausgetreten, wer hat die Außenministerin behalten? – Es war die ÖVP! Ihr habt übrigens auch den Grasser behalten, nur so am Rande. Und die SPÖ sollte ganz ruhig sein, wenn es um dieses Thema geht, ganz, ganz ruhig mit ihrem Gusenbauer, und die NEOS mit ihrem Haselsteiner. Also ihr habt alle ganz, ganz, ganz viele Steine im Glashaus – Kollege Shetty von den NEOS hat es letztens erwähnt –, also: Ganz, ganz ruhig bei diesem Thema! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Ah, ah! – Abg. Shetty [NEOS]: Also der Haselsteiner ist uns zuzurechnen, aber die Kneissl euch nicht? Das ist schon eine interessante Logik!

FPÖ Christoph Steiner

… Wenn man sich die Neutralität einmal richtig in Erinnerung ruft – ich glaube, das ist notwendig –: Bundesverfassungsgesetz, 26. Oktober 1955, Artikel 1 – gut zuhören, denn das erklärt vieles –, „Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität. Österreich wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.“ …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Redezeit ist gleich vorbei, weil Martin Graf so lange geredet hat!

FPÖ Christoph Steiner

… Nur, dies funktioniert weder mit dieser Regierung noch mit dieser skandalösen Außenministerin. Das muss man auch einmal ganz klar benennen. (👏 FPÖ) Es lohnt sich jedenfalls, um unsere Neutralität zu kämpfen, und die Freiheitliche Partei wird das tun, egal auf welcher Ebene, egal in welchem Parlament – ob das in Landesparlamenten ist, ob das hier im Parlament ist, ob das im Bundesrat ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Warum wolltet ihr dann der Nato beitreten?

FPÖ Christoph Steiner

… Wir werden nicht müde, die Neutralität gegen euch zu verteidigen – gegen die Sozialisten, gegen die Grünen, gegen die NEOS und gegen die ÖVP! Schlusssatz: Darauf könnt ihr euch einstellen, denn es lohnt sich, für die Neutralität zu kämpfen, weil wir keine österreichischen Toten in irgendeinem Krieg beklagen wollen und schon gar nicht österreichischen Kinder! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das nächste Mal wird er zum Tourismus ...! – Ruf bei der ÖVP: Mehr hat er nicht drauf! Ist leider so!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Debattenredner: Herr Abgeordneter Oberhofer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Staatssekretäre! Hohes Plenum! Sehr geehrter Herr Kickl, das ist ja eine Premiere für uns beide! Sie haben mich noch nie reden gehört, ich Sie schon sehr, sehr oft.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mir ist nichts abgegangen! – Heiterkeit bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich habe Sie hier am Pult auch oft gesucht. Wir zwei feiern eine Premiere, und deshalb habe ich heute auch ein Taferl mit, denn das Taferl von der FPÖ hat ja geheißen: „Zeit für Neutralität“. – Ich würde gerne sagen: Zeit für Ehrlichkeit – dass wir einmal sehen, wo denn wirklich die Neutralität ist. (Der Redner stellt eine Tafel, auf der die vor Wladimir Putin knicksende Karin Kneissl zu sehen ist, auf das Redner:innenpult. – Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und Grünen.) – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, meine Damen und Herren, ein Bild sagt mehr als 1 000 Worte! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist die Äquidistanz, Herr Klubobmann!

NEOS Dominik Oberhofer

… Das ist die ehemalige Außenministerin der FPÖ ( Rufe bei der FPÖ: ÖVP! ), und wie heute schon öfters hier diskutiert - - …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

War unabhängige Außenministerin, die ihr euch behalten habt! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Also: Das ist die FPÖ-Ministerin, die sich heute in Sankt Petersburg befindet. Mir ist schon klar, dass Sie damit nichts mehr zu tun haben, deshalb habe ich auch ein anderes Bild mit. Aber vorab möchte ich noch einmal Frau Kollegin Fürst zitieren: Frau Kollegin Fürst hat in ihrer ersten Rede hier heute gesagt, es brauche Persönlichkeiten, die Österreichs Neutralität verteidigen. – Ja, Frau Fürst, aber da denkt niemand an Sie und vor allem auch nicht an Frau Kneissl , denn vor einer Woche, Frau Fürst, waren Sie in Frankreich, waren Sie bei Le Pen bei einer Wahlkampfveranstaltung. Und dieses Bild ( eine Tafel mit einem Foto, auf dem Susanne Fürst in Großaufnahme zwischen mehreren Personen zu sehen ist, sowie einem Foto, das Susanne Fürst neben Viktor Orbán und Andrej Babiš hinter der an einem Redner:innenpult sprechenden Marine Le Pen sitzend zeigt, auf das Redner:innenpult stellend ) zeigt Sie dort auf der Bühne , mit Ihren Freunden und Freundinnen, mit Ihren Patrioten …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer ist denn das?

NEOS Dominik Oberhofer

… Staats- und Regierungschefs. (👏 FPÖ) – Die FPÖ klatscht! Sehr gut, sehr gut! Jetzt stellen wir uns einmal vor, meine Damen und Herren, bei uns in Österreich würden für den Wahlkampf von Parteien Staats- und Regierungschefs eingesetzt! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, kommen ja eh immer wieder! Es ist ja so! – Abg. Kaniak [FPÖ]: Ist ja eh so! Was passiert denn da, was ist da mit dem Scholz gewesen?

NEOS Dominik Oberhofer

… Dann gäbe das eine Diskussion, dann würde man sagen: Um Gottes willen, unsere Neutralität ist gefährdet! – Sie wollen ja nicht einmal einen Staatsbesuch eines Präsidenten aus Europa bei uns in Österreich zulassen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oh je, oh je! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Am Ende des Tages, sehr geehrte Frau Fürst, haben Sie sich mit Ihrem Zitat hier heraußen im Prinzip selber geoutet ( die Tafel mit den beiden Fotos in die Höhe haltend ): Es ist eine verräterische , politische und mediale Inszenierung. Ja, Sie haben vollkommen recht: Das ist Ihr Stil. (👏 ÖVP, NEOS) Aber, sehr geehrte Frau Fürst, wo sind Sie denn da ( die zuletzt gezeigte Tafel neuerlich in die Höhe haltend ) gelandet? – Schauen wir uns das einmal an: Sie sind gelandet bei Frau Le Pen. Frau Le Pen hat bis vor wenigen Monaten noch einen Kredit über 9,4 Millionen Euro für ihre Partei bei der großen russischen First Czech-Russian Bank gehabt, weil sie, wie sie selber vor einem Untersuchungsausschuss der französischen Nationalversammlung gesagt hat, keine andere Möglichkeit gehabt hat; sie habe ja keinen Kredit in Europa bekommen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, das wird so sein!

NEOS Dominik Oberhofer

… sie musste ja zu einer russischen Bank gehen. – Und da sagen Sie, Frau Belakowitsch: Ja, super! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

... dass wir noch in einer Demokratie leben ...!

NEOS Dominik Oberhofer

… Ja, ganz einfach: weil das ein unbesicherter Kredit war. Kriegen Sie einmal in Europa einen Kredit über 9,4 Millionen Euro ohne Sicherheiten! Das wird niemand zusammenbringen, auch nicht Frau Le Pen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Meine Güte! – Ruf bei der FPÖ: Der Benko hat das nur so gemacht! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Das war der einzige Grund, warum sie ihr Geld in Russland geholt hat, und erst am 22. – ich habe es herausgesucht: am 22.4.2023; im Prinzip war der Krieg in der Ukraine schon zwei Jahre ins Land gezogen – hat man diesen Kredit getilgt. Das sind Ihre Freunde, und da reden Sie hier heraußen an diesem Pult noch von Neutralität? – Dass Sie sich nicht schämen! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Auf den Scheiterhaufen mit Le Pen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ] – erheitert –: Das ist unpackbar!

NEOS Dominik Oberhofer

… Herr Kassegger hat über Äquidistanz gesprochen. Jetzt steht es mir nicht an, Ihnen das zu erklären – wir haben Herrn Prof. Taschner hier im Saal, der Ihnen das wahrscheinlich genau erklären kann –, aber eines ist sicher: dass all Ihre Freunde – Salvini, Orbán, Le Pen – zwei Dinge gemeinsam haben: erstens, Finanzierungsquellen in Moskau für ihre Wahlkämpfe in Europa – die Patrioten –, und auf der anderen Seite hat jede dieser Parteien genau das Gleiche wie Sie, nämlich einen Freundschaftsvertrag mit Einiges Russland.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Haselsteiner? Haselsteiner?

NEOS Dominik Oberhofer

… Und um das jetzt einmal den Bürgerinnen und Bürgern zu sagen: Das ist der wahre Grund, warum Sie hier in dieser Sache nicht neutral sind …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Deine Partei gäbe es nicht ohne russisches Geld!

NEOS Dominik Oberhofer

… sondern eindeutig auf einer Seite stehen, nämlich auf der Seite des Angreifers, auf der Seite von Putin, auf der Seite des Aggressors. Der Rest der Österreicherinnen und Österreicher steht ganz sicher nicht dort. – Danke.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Hat sich nicht ausgezahlt, dass ich da war!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 2-4, 30. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 17:12

SPÖ Reinhold Binder

Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie! Werte Zuseherinnen und Zuseher vor den Fernsehschirmen! Wir sind mitten in der Budgetdebatte. Die Budgetlage, die wir zu Beginn dieser Legislaturperiode vorgefunden haben, war katastrophal. Ein eklatantes Haushaltsloch, hinterlassen von der Vorgängerregierung, drohte unsere sozialen Errungenschaften zu gefährden und wichtige Investitionen unmöglich zu machen. Eine massive Lücke, höherer Konsolidierungsdruck und berechtigte Erwartungen der Bevölkerung, dass es gerade in sensiblen Bereichen wie Pensionen, Gesundheit und Bildung keine spürbaren Leistungskürzungen geben soll, all das stellte uns vor enorme Herausforderungen. Hier hat Finanzminister Markus Marterbauer Verantwortung übernommen und in Rekordzeit ein solides Doppelbudget vorgelegt. Dabei wird trotz notwendiger Sparmaßnahmen darauf geachtet, die Lasten sozial gerecht zu verteilen und gleichzeitig wichtige Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen. (👏 SPÖ) Mit der Erhöhung der Bankenabgabe werden wir jährlich über 500 Millionen Euro mobilisieren. Dank dieser Maßnahmen waren harte Einschnitte bei Pensionen oder anderen sozialen Leistungen nicht erforderlich. Wir werden keine existenzbedrohenden Pensionskürzungen verabschieden. Im Gegenteil, wir beschließen Entlastungen für Pensionistinnen und Pensionisten, etwa eine Preisbremse bei Rezeptgebühren. Gleichzeitig sichern wir gezielte Investitionen in Gesundheit, Pflege, Beschäftigung und Bildung. So legen wir das Fundament für nachhaltiges Wachstum und soziale Sicherheit. Darüber hinaus haben wir mit dem am 1. April in Kraft getretenen Mietpreisstopp eine wirksame Maßnahme gegen die Inflation gesetzt. Dank Mietpreisstopp ersparen sich die Mieterinnen und Mieter von mehr als einer Million Wohnungen in ganz Österreich allein heuer rund 138 Millionen Euro. Außerdem stärken wir die Planbarkeit bei Energiepreisen durch einen transparenten Preismechanismus, der Preisspitzen abfedert. Mit den österreichischen Infrastrukturunternehmen setzen wir gemeinsam einen weitreichenden Meilenstein. Bis 2030 werden rund 50 Milliarden Euro in die kritische Infrastruktur investiert. Das bedeutet Investitionen in Energie, Mobilität und Digitalisierung, um damit die Aufholjagd zu ermöglichen, die nötig ist, um ins europäische Spitzenfeld zurückzukehren – für Beschäftigung und für regionale Wertschöpfung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es war eine enorme Herausforderung, dieses Budgetloch zu schließen. Dank kluger Prioritätensetzung und eines Beitrags der breiten Schultern haben wir ein sicheres Budget erarbeitet. Mit Blick auf unsere nächsten Ziele bleiben wir entschlossen, soziale Gerechtigkeit weiter voranzutreiben. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Hofinger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten über das Doppelbudget 2025/2026, aus dem eines klar hervorgeht: Wir übernehmen Verantwortung für heute und für die zukünftigen Generationen. In den vergangenen Jahren haben wir in großen Krisen rasch und entschlossen geholfen. Wir haben gezielt unterstützt, dort, wo Hilfe nötig war. Jetzt ist die Zeit gekommen, zu konsolidieren. Es braucht mutige Reformen, klare Prioritäten und, ja, auch den Mut zum Sparen. Jetzt heißt es, das Richtige zu tun. 15 Milliarden Euro Einsparungen in zwei Jahren schaffen Spielräume für morgen. Das ist keine Kürzungspolitik, das ist Vorsorgepolitik. Wir investieren in Bildung, in Sicherheit und in einen Bereich, der uns alle miteinander betrifft, das sind unsere Städte und Gemeinden. Sie sind das Rückgrat unseres Landes, unserer Gesellschaft und unserer Demokratie. Sie brauchen momentan dringend unsere Unterstützung. Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sagen mir offen: Wir kommen finanziell an unsere Grenzen. Steigende Personalkosten, hohe Zinsen, immer mehr Aufgaben – die Lage ist angespannt. Deshalb setzt die Bundesregierung ein klares Zeichen mit 880 Millionen Euro für kommunale Investitionen in den nächsten drei Jahren. Damit werden Projekte vor Ort umgesetzt, wie neue Spielplätze, es werden Schulen saniert, Straßen gebaut, es wird in Feuerwehren investiert und so weiter. Das verbessert das Leben und die Lebensqualität der Menschen vor Ort und stärkt gleichzeitig unsere regionale Wirtschaft (👏 ÖVP), denn unsere Gemeinden sind die größten Auftraggeber in den Regionen, und unsere Wirtschaft braucht es dringend. Klar ist aber: Zuschüsse allein lösen keine strukturellen Probleme. Wir brauchen langfristige Lösungen, und die gibt es nur mit System: Erstens, eine Aufgabenreform im Finanzausgleich 2028. Diese ist Teil des Inhalts der Regierungsverhandlungen gewesen. Wir werden hierzu eine Arbeitsgruppe einrichten. Wer Aufgaben übernimmt, muss dafür Mittel bekommen. Zweitens, eine intelligente Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, dort, wo es Sinn macht – bei Verwaltung, bei Bauhöfen, bei Infrastruktur –, was schon jetzt gelebt wird, wo es aber noch Potenzial gibt. Ich bin aber ganz klar gegen eine Zwangszusammenlegung. Das ruft Widerstand hervor und bringt keine Entlastung. Drittens, eine starke Wirtschaft – denn wenn die Wirtschaft läuft, profitieren unsere Gemeinden über die Steuereinnahmen direkt, und das sichert kommunale Handlungsfähigkeit. Dieses Doppelbudget ist ein klarer Schritt in die richtige Richtung: für Stabilität, für Investitionen, für ein starkes, handlungsfähiges Land. Abschließend: Herzlichen Dank an alle, die bei diesen Budgets mitgearbeitet haben, in den Kabinetten und beim Budgetdienst. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Moitzi. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Es war jetzt ein bisschen ein Bruch nach der vorigen Debatte. Wir beschließen mit den Budgets in den nächsten Tagen auch den weiteren Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und den ÖBB-Rahmenplan. Nicht nur wird jeder, der in den letzten Monaten und Jahren mit dem Zug durch Österreich gefahren ist, subjektiv gemerkt haben, dass alle Züge voll sind, sondern es zeigt sich auch objektiv, dass die ÖBB im letzten Jahr mit über 511 Millionen Fahrgästen zum Glück einen Fahrgastrekord gehabt haben. Deshalb müssen wir die Verdoppelung der Leistungsfähigkeit des Systems Bahn in den kommenden Jahren angehen, und dazu gehören Rekordinvestitionen von 20 Milliarden Euro im Rahmenplan. Die Grünen tun jetzt immer so, als ob es eine Kürzung des ÖBB-Rahmenplanes gäbe. Nichts davon stimmt. Die Wahrheit ist: Wir werden in den kommenden Jahren von 2025 bis 2030 die höchsten Ausgaben jemals im ÖBB-Rahmenplan verbauen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was ist in den letzten Jahren passiert? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Rahmenplan 2024: 21 Milliarden Euro!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Frau Gewessler ruft eh dazwischen. – Es hat zwar immer wieder schöne Budgetzahlen gegeben, die vielleicht eingemeldet worden sind, aber man kann sich jetzt im Nachhinein die Realität anschauen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Und du redest jetzt über Investitionen? In drei Jahren ...!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Ist das, was im Budget an Geld dagewesen wäre, auch wirklich verbaut worden? – Die Antwort ist Nein.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Entschuldigung!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Was nützt es, wenn im Budget steht, dass das Geld vorhanden wäre, wenn es nicht verbaut worden ist?! So ist in den Jahren 2023 und 2024 um 380 Millionen Euro weniger verbaut worden, als eigentlich budgetiert war. Der Unterschied ist: Wir werden das Geld, das budgetiert ist, auch effektiv verbauen und deshalb so viel für den öffentlichen Verkehr ausgeben wie noch nie.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... oder in Oberösterreich!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Was ist damit auch die Konsequenz? – Es wird zum Glück mehr und besser abgestimmte Baustellen, mehr Qualität für die Kundinnen und Kunden der ÖBB und weniger Verspätungen geben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

So kann man sich die Kürzung schönreden!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Es sind im jetzigen Rahmenplan auch neue Projekte aufgenommen worden, zum Beispiel – was mich als Steirer extrem freut – der viergleisige Ausbau Richtung Graz und Bruck an der Mur – ein extrem wichtiges Projekt …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Gewessler [Grüne]: Den haben wir ja schon lang geplant!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… oder – für die obersteirische Industrie und für die oberösterreichische Industrie extrem wichtig – der Bosrucktunnel neu. Wir haben zum ersten Mal auch eine klimaresiliente Bahninfrastruktur aufgenommen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Da musst du ja selber lachen drüber!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… 40 Millionen Euro zusätzlich, damit die Bahninfrastruktur auch wirklich klimaresilient wird. Ich glaube, das ist extrem wichtig. Wir zeigen damit – mit diesem Geld – nicht nur, dass wir den Umweltschutz ernst nehmen, sondern mit dem ÖBB-Rahmenplan geht auch ein Beschäftigungsmotor einher. Mit den geplanten Investitionen von 3,3 Milliarden Euro im Jahr sichern wir ungefähr 27 000 Arbeitsplätze, und ich glaube, das ist in Zeiten, in denen die Konjunktur ohnehin in einer Flaute ist, extrem wichtig. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir mit dem Beschluss heute auch den Bahnausbau weiter vorantreiben, Beschäftigung sichern und den Umweltschutz ernst nehmen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Eder. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Heike Eder

Danke, Herr Präsident! Liebe Frauen Ministerinnen! Lieber Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher daheim und via Livestream! Ich habe dieser Budgetdebatte aufmerksam zugehört. Ich möchte gerne auf ein paar Vorrednerinnen oder Vorredner replizieren, insbesondere auf die Kolleginnen und Kollegen von der Freiheitlichen Partei. Ihr nennt das Budget für die Österreicherinnen und Österreicher ein „Armutszeugnis“. Ein Kollege hat gesagt, es ist der soziale „Untergang der Republik“. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die jetzt noch in den Reihen sitzen: Was genau meint ihr bitte damit? Meint ihr vielleicht die steuerfreie Mitarbeiterprämie von 1 000 Euro pro Jahr für unsere Leistungsträgerinnen und Leistungsträger oder vielleicht auch die neue Teilpension, die flexibles Arbeiten im Alter ermöglicht? Oder meint ihr vielleicht diese 94 Millionen Euro, die wir im Asylbereich einsparen? Oder sind es vielleicht auch die Investitionen im Bereich Sicherheit? Oder meint ihr vielleicht, dass wir trotz der Aussetzung der Inflationsanpassung der Familienleistungen noch immer Europameister sind, was Geldleistungen für Familien anbelangt? Oder ist es vielleicht auch das Pflegegeld, das weiterhin valorisiert wird? Oder geht es euch vielleicht auch um die Budgetmittel für Frauen und das Thema Gleichstellung? Was genau meint ihr, liebe FPÖ? – Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist: Wer pauschal alles schlechtredet und selbst keine Vorschläge liefert, der stellt nicht das Budget, sondern eher seine eigene Glaubwürdigkeit infrage.

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Wenn es uns nicht geben würde ...!

ÖVP Heike Eder

… Wenn euer Klubobmann, Herr Kickl, ständig von Verantwortung redet, dann könnte er sich ruhig auch einmal dorthin setzen, wo sie getragen wird: nämlich hier, im Plenarsaal. Das macht er natürlich nicht! Wir alle wissen, dass Herr Kickl lieber vor der Verantwortung davonläuft, als sich ihr zu stellen.

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Wo ist der Wöginger? Wo ist der Stocker?

ÖVP Heike Eder

… Verantwortung ist halt auch leichter zu kritisieren, wenn man ihr konsequent aus dem Weg geht.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Der Kickl trifft den Selenskyj! – Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung FPÖ –: Aber das Problem beim Kickl ist ja nicht, dass er jetzt gerade nicht da ist, sondern dass er nie da ist! Das ist das Problem!

ÖVP Heike Eder

… Meine Damen und Herren, wir sanieren, wir reformieren und wir wachsen. Und ja, das bedeutet auch: Wir müssen sparen. Jeder Österreicher und jede Österreicherin hat statistisch gesehen Schulden in der Höhe von 43 000 Euro. Da gibt es auch überhaupt nichts schönzureden. Wir müssen in allen Bereichen verantwortungsvoll wirtschaften. Mein fünfjähriger Sohn hat mich am Wochenende gefragt: Mama, ist unser Budget krank?, und: Welches Medikament hilft? – Meine Antwort war: Österreich war immer dann besonders stark und ist immer dann erfolgreich aus Krisen hervorgekommen, wenn wir zusammengehalten haben, wenn wir als Team aufgetreten sind. Und, meine Damen und Herren, genau diesen Teamgeist braucht es jetzt auch, damit wir schaffen, was wir uns vorgenommen haben, nämlich einen soliden Staatshaushalt für morgen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Stark. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Christoph Stark

Herr Präsident! Liebe Ministerinnen! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Es geht jetzt wieder um das Doppelbudget 2025/2026, zu dem es naturgemäß hier im Hause unterschiedliche Auffassungen gibt: zu sozial, zu wenig sozial, zu viel Klimaschutz, zu wenig Klimaschutz, viel zu sparsam, zu wenig sparsam. – Es liegt in der Natur der Sache, dass es hier im Hause eben unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Klar ist aber, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen: Wenn es in den nächsten Monaten und Jahren mehr oder etwas anderes braucht, dann werden wir uns hier wieder versammeln, um auch diese Änderungen in die Wege zu leiten und zu beschließen. Jetzt geht es einmal darum, das Richtige zu tun. Und: Es ist keine bloße Fortschreibung, sondern, wie unser Bundeskanzler Stocker heute schon gesagt hat, ein Wendepunkt. Es ist ein Wendepunkt in der österreichischen Budgetpolitik. Dieses Budget steht unter dem Motto dieser drei großen Begriffe: Reformieren, Sanieren und Wachsen. Es geht um nicht weniger als um 15 Milliarden Euro an Einsparungen und um 2 Milliarden Euro an Offensivmaßnahmen. Lassen Sie mich kurz ein paar wenige Beispiele zu diesen drei großen Begriffen nennen. Ich fange beim Reformieren an: Da haben wir zum Beispiel die auch von Kollegin Eder bereits genannte Teilpension. Das ist ein völlig neuer Schritt in der Arbeitsmarktpolitik, damit wir Menschen länger auf dem Arbeitsmarkt halten, diese aber gleichzeitig auch die Vorzüge der Pension genießen können. Es geht aber auch – und das ist vielleicht ein kleines Beispiel – um die Abschaffung der Belegpflicht unter 35 Euro. Wir alle kennen es, dass Tag für Tag in Österreich Tausende dieser kleinen Zettel weggeworfen werden, weil man sie eh nicht braucht; also fangen wir damit an, sparen das effektiv ein und unterstützen damit auch die Wirtschaft. Dann zum Thema Sanieren: Ja, wir werden den Klimabonus abschaffen, weil der Klimabonus erstens einmal budgettechnisch wahnsinnig viel bringt. Auf der anderen Seite stammt er aus einer Zeit, in der er dringend notwendig war, aber eine Dauerförderung in diesem Ausmaß kann sich ein Staat einfach nicht leisten. Darum sind da jetzt auch wichtige Maßnahmen erforderlich. Zum Schluss das Thema Wachsen: Es geht – es wurde heute hier schon mehrfach genannt – um eine Neuordnung des kommunalen Investitionsprogramms. Geschätzte Damen und Herren, das ist ein Paradigmenwechsel, der uns Gemeinden wirklich hilft. Die Gemeinden sind die größten Investoren des Landes, und wenn die Gemeinden nicht mehr investieren können, dann geht das zulasten der heimischen Wirtschaft. Investitionen – ich betone: Investitionen – in Straßen, Kindergärten und so weiter sind Investitionen für die Menschen in unserem Land. Darum ist es wichtig, dass wir diesen Beschluss auch fassen. Überdies wird auch der Breitband-Call nicht aufgehoben, sondern nur ein wenig aufgeschoben, wofür ich sehr dankbar bin. In Summe: Beachten wir diese drei großen Ziele – Reformieren, Sanieren und Wachsen – und, darum bitte ich Sie, stimmen wir dem Budget 2025/2026 zu! (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Zarits. Ebenfalls 3 Minuten eingestellte Redezeit.

ÖVP Christoph Zarits

Geschätzter Herr Präsident! Meine geschätzten Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen und alle, die Sie heute hier noch zuschauen oder zu Hause via Fernsehgeräte! Wir behandeln heute das Budgetbegleitgesetz, Budget 2025/2026; ein Budget, das auch einen klaren Leitspruch hat, nämlich: Der Leistungsgedanke soll wieder im Vordergrund stehen. Wir haben in den letzten fünf Jahren sicherlich Zeiten erlebt, in denen wir in einem Ausnahmezustand waren, und jetzt gilt es, mit den Budgets 2025 und 2026 wieder in die Normalität zu starten. Und für uns als Volkspartei ist eines ganz klar: Diese Vollkaskomentalität der letzten fünf Jahre und diese Gratismentalität müssen ein Ende haben und wir stellen die Leistung wieder in den Vordergrund. (👏 ÖVP) Die Pendlerinnen und Pendler, jeder, der in der Früh aufsteht, der Leistung erbringt und dazu beiträgt, dass unsere Sozialsysteme, dass unsere Systeme in Österreich besser funktionieren als in anderen Ländern, bekommen jetzt beim Pendlereuro mehr, nämlich statt 2 Euro 6 Euro. Ich glaube, das ist wichtig und auch richtig. Wir führen auch wieder die Mitarbeiterprämie ein; auch ein wichtiger Punkt. Eines ist auch noch wichtig: Wir schaffen ab, dass man zum Arbeitslosengeld geringfügig dazuverdienen kann. Ich glaube, es ist Gift für eine Gesellschaft, wenn jemand, der von Sozialleistungen lebt, mehr im Geldbörsl hat als jemand, der von Arbeit lebt. Und das müssen wir in Zukunft entsprechend ändern. Wir investieren in die Sicherheit: mehr Budget für das Bundesheer, mehr Budget auch für die Polizei. Wir wollen mit dem Budget, mit dem Mehrbudget für das Bundesheer natürlich auch unsere Neutralität stärken. (👏 ÖVP) Kollege Hofinger als unser Gemeindesprecher hat es schon betont – ich bin selbst Gemeinderat einer kleinen Gemeinde –: Für die 2 093 Gemeinden in ganz Österreich werden bis zum Jahr 2028 insgesamt 880 Millionen Euro durch das sogenannte kommunale Investitionspaket leichter und auch antragslos zur Verfügung stehen. Für die 171 Gemeinden in meinem Heimatbundesland, dem Burgenland, bedeutet das 32 Millionen Euro. Die Gemeinden brauchen dieses Geld gerade jetzt, in dieser Zeit, die sehr, sehr herausfordernd ist. Wir investieren, wir reformieren – das ist heute ein Punkt, bei dem wir nicht nur auf heute, sondern auch auf morgen schauen, für die nächsten Generationen. Wir sind es der nächsten Generation schuldig, ein Land zu hinterlassen, in dem sie gut aufwachsen kann. Es wird nur mit Leistung gehen, ohne Leistung gibt es keinen Wohlstand. Ich bitte Sie um Zustimmung zum Budget 2025/2026. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Lindinger. 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Klaus Lindinger

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Österreich steht vor großen Herausforderungen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, geopolitisch. Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos, wie es manche der Kolleginnen und Kollegen hier im Hohen Haus bezeichnen. Es ist nicht aussichtslos, wenn wir jetzt die Verantwortung übernehmen. Mit diesem Doppelbudget 2025/2026, das mit Sicherheit kein Wunschkonzert ist – es ist eher ein realistischer, verantwortungsvoller Kurs in Richtung Budgetkonsolidierung, in Richtung Budgetsanierung; es ist nicht bequem, es ist nicht populär, aber notwendig –, sanieren wir, reformieren wir und investieren wir. Was sanieren wir? – Wir haben für 2025 einen Sparkurs mit Einsparungen in der Höhe von 6,4 Milliarden Euro, es ist bereits erwähnt worden, und 2026 von 8,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig investieren wir in diesen beiden Jahren über 2 Milliarden Euro gezielt in Bildung, Arbeit, Gesundheit, Sicherheit und Digitalisierung, denn Zukunft entsteht dort, wo man sie auch möglich macht. Jeder heute gesparte Euro ist eine Vorsorge für morgen gegen neue Schulden, gegen steigende Zinsen und gegen kommende Krisen. Mit unserem Kurs verfolgen wir dabei klare Prinzipien: Leistung belohnen statt Gratismentalität, sparen bei Asyl und nicht bei Sicherheit und Investitionen in die Zukunft statt Gießkanne. Ja, dieser Weg verlangt uns allen etwas ab, aber die Alternative wären steigende Schulden, weniger Jobs, gefährdete Sozialleistungen. Wir als Volkspartei stehen zu einem leistungsfreundlichen modernen Sozialstaat. Darum unterstützen wir jene, die arbeiten, die Verantwortung übernehmen und sich anstrengen, einen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. (👏 ÖVP) Meine Damen und Herren! Ein paar Punkte, wo wir konkret investieren: Ein Bereich ist mir ganz wichtig: der ländliche Raum. Wir unterstützen viele Pendlerinnen und Pendler, indem wir den Pendlereuro erhöhen. Wir unterstützen die Handwerksbetriebe, die Klein- und Mittelunternehmen, indem wir die NoVA-Befreiung für Kastenwägen hier mit im Boot haben. Und wir schauen auch, dass wir die Infrastruktur in den Regionen ausbauen. Eines darf ich als Regionalpolitiker da auch kritisch anmerken, da wir in Oberösterreich einige Regionalbahnen haben und deren Einstellung zur Debatte steht: Ich sage ganz klipp und klar, das betrachten wir mit großer Sorge. Wir haben in den letzten Jahren seitens des Landes und auch des Bundes in diese Regionalbahnen investiert, damit die Schülerinnen und Schüler, die Pendlerinnen und Pendler und die Betriebe in der Region eine wichtige Verbindung haben, mit der sie tagtäglich von A nach B kommen. Es ist in den letzten Jahren investiert worden, und ich erwarte mir da auch vom Infrastrukturminister, dass wir hier klar dazu stehen, dass wir gerade diese Verbindungen in die ländlichen Regionen, die wir in den letzten Jahren ausgebaut haben, weiterhin entsprechend unterstützen. (👏 ÖVP) Wir investieren in die Familien und in die Bildung. Und eines darf ich auch klar festhalten, da die Oppositionsparteien immer behaupten, dass wir bei den Familien und Sozialleistungen sparen: Nein, es ist zwar nicht populär, dass wir diese einfrieren, aber es gibt keine Kürzungen. Der Betrag, auf den wir in den letzten Jahren schon massiv erhöht haben, eben auch an die Inflation angepasst haben, wird beibehalten, da wird nicht gekürzt. Wir investieren in die Beschäftigung und nicht zuletzt, unser Gemeindesprecher Manfred Hofinger hat es schon gesagt, in die Gemeinden. Genau diese Unterstützung für die Gemeinden, die wieder in die regionale Wirtschaft investieren, brauchen wir auch. Also bitte, liebe Opposition, ihr schreit nur, ihr bringt keine kreativen Vorschläge, keine konstruktiven Maßnahmen, wie wir das Budget sanieren können – das schaffen wir als Regierung. Wir brauchen keine populistischen Scheinlösungen, sondern einen klaren Kurs und Mut zu Ehrlichkeit für unsere Kinder, für unsere Regionen, für den sozialen Zusammenhalt, dann schaffen wir es auch, Österreich in der Zukunft wieder auf die Überholspur zu bringen. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Baumgartner. Ebenfalls 3 Minuten eingestellte Redezeit.

ÖVP Angela Baumgartner

Danke schön, Herr Präsident! Meine Damen Bundesministerinnen! Meine Staatssekretärin! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, die letzten Jahre waren von Krisen geprägt und zu deren Abfederung hat die Bundesregierung sehr viel Geld in die Hand genommen und das war richtig so. Ich möchte schon erwähnen: Es gab in dieser Zeit viele einstimmige beziehungsweise mit breiter Mehrheit gefasste Beschlüsse …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Kurzarbeit!

ÖVP Angela Baumgartner

… und vor allem wurde auch von allen Parteien schnelle finanzielle Unterstützung gefordert. Heute aber hat man den Eindruck, alle Parteien hätten das vergessen. (👏 ÖVP, SPÖ) Natürlich muss der Staat reagieren, wenn ganze Wirtschaftszweige gefährdet sind und Kaufkraft und Lebensgrundlage der Menschen infrage gestellt werden. Und klar ist, dass solche Krisen Spuren in unserem Staatsbudget hinterlassen. Unser Bundeskanzler hat es heute schon gesagt: Dieses Doppelbudget verspricht nicht das Unmögliche, es ist ein ehrliches Budget. Es verspricht keine Wohltaten, die wir uns nicht leisten können. Es beschönigt nicht die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Mit dieser Budgetsanierung schaffen wir neuen Handlungsspielraum für Investitionen, die unsere Wirtschaft stärken, die unseren Standort sichern und die Lebensqualität der Menschen erhöhen. (👏 ÖVP, SPÖ) Dazu zählt natürlich auch, dass wir unsere Gemeinden und Städte als starke Partner unterstützen. Ich habe das von diesem Rednerpult aus schon so oft gesagt: Wir Gemeinden sind der Wirtschaftsmotor Nummer eins. Wir sorgen für funktionierende Infrastruktur und wir sichern mit unseren Investitionen regionale Arbeitsplätze. Mit dem kommunalen Investitionspaket haben wir dafür die Grundlage geschaffen, nun gehen wir einen Schritt weiter: Die in der Vergangenheit mit Bürokratie und Eigenmitteln verbundenen Zweckzuschüsse werden nun in direkte Finanzzuweisungen umgewandelt. Was bedeutet das? – Über 880 Millionen Euro fließen bis 2028 unbürokratisch und gezielt in unsere Gemeinden, ohne verpflichtende Kofinanzierung. Dieses Vorgehen entlastet insbesondere kleine Gemeinden und erleichtert die Umsetzung dringend notwendiger Investitionen in Infrastruktur, Energieeffizienz und soziale Einrichtungen. Im Budgetausschuss wurde die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die Auszahlungen nun doch viel zu unbürokratisch seien und vielleicht zu wenig in energieeffiziente Maßnahmen investiert wird, deshalb mein Ersuchen: Bitte vertrauen Sie uns Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, bitte vertrauen Sie uns Gemeinden, wir wissen genau, was eine Gemeinde braucht, und wir setzen das auch um! (👏 ÖVP) Die Budgetsanierung ist kein einfacher Weg, aber er ist der richtige für die Menschen und für unsere Zukunft. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Pöttinger. Ebenfalls 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Die letzten Jahre waren nicht einfach. Es waren Jahre der Krisen, und ja, wir leben in extrem herausfordernden Zeiten. Es ist besonders wichtig, dass man jetzt das Richtige tut: Konsolidieren, reformieren und vernünftig investieren, das ist jetzt das Gebot der Stunde. Das Doppelbudget enthält neben vielen Sparmaßnahmen auch wichtige Impulse, die insbesondere den Wirtschaftsmotor wieder ankurbeln werden. Einige dieser wichtigen Impulse, die mir besonders am Herzen liegen und für die ich mich auch persönlich stark eingesetzt habe, möchte ich erwähnen. Bereits in wenigen Tagen, ab 1. Juli, tritt die NoVA-Befreiung für Pritschen- und Kastenwägen in Kraft. Diese leichten Nutzfahrzeuge sind überwiegend bei Handwerksbetrieben im Einsatz. Es war aus meiner Sicht ein Fehler, dass wir diese Abgabe im Jahr 2021 eingeführt haben. Ich habe damals in Gesprächen mit den Grünen versucht, die Einführung der NoVA für diese Nutzfahrzeuge zu verhindern. Es gibt – und es gab diese auch damals nicht – keine brauchbare und leistbare Alternative. Eines zu diesen Nutzfahrzeugen: Das Wort sagt es schon, es sind Nutzfahrzeuge. Diese Arbeitsgeräte, die zum Transport von Waren, Werkzeugen und oft auch zum Ziehen von Anhängern gebraucht werden, sind speziell und sehr oft für Handwerker im Einsatz. Da gibt es – und das weiß ich aus eigener Erfahrung – leider immer noch keine brauchbaren Alternativen. Diese Fahrzeuge wurden durch die NoVA fast unleistbar, und so kam es dann, dass uralte Fahrzeuge mit einem wesentlich höheren CO 2 -Ausstoß im Einsatz waren – kontraproduktiv zur eigentlich gut gemeinten Klimaverbesserung. Ich selber fahre mit meinem Pkw sehr gerne und seit mittlerweile sechs Jahren rein elektrisch …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Na bitte! Es geht!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… aber aus dem eigenen Betrieb weiß ich, dass es nicht möglich ist, diese Nutzfahrzeuge durch leistbare, brauchbare Geräte zu ersetzen. – Kollege Hammer, du weißt das genau aus den Gesprächen 2021, Ralph Schallmeiner , du weißt es auch: Wir haben am Tag vor der Abstimmung noch ausgemacht, wir nehmen sie raus, und am nächsten Tag hast du zu mir gesagt: Leider nein, sie sind drinnen. So ist die NoVA für diese Fahrzeuge fällig geworden. Das war ein Fehler, den wir jetzt korrigieren. Es ist wichtig, richtig und es ist eine Maßnahme der ÖVP und der neuen Regierung.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das war kein Fehler!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es ist ein gravierender Standortnachteil auch für unsere Betriebe. Diese Maßnahme entlastet nun die Wirtschaft und wirkt positiv auf die Preise für unsere Konsumenten. Einen weiteren wichtigen Impuls setzen wir mit einem steuerfreien Leistungsbonus von bis zu 1 000 Euro pro Jahr. Das ist wichtig und richtig und das gibt den Betrieben die Möglichkeit, dass man, wenn es gut läuft, die Mitarbeiter auch einmal belohnt und sagt: So, jetzt können wir einen gewissen Bonus auszahlen. – Das, finde ich, ist auch eine gute und wichtige Maßnahme. Wir müssen Leistung neu denken und stärkere Anreize dafür setzen. Ich kann euch betreffend die geringfügige Beschäftigung in Verbindung mit dem Arbeitslosengeld sagen – und darüber bin ich sehr froh –, dass wir diese abschaffen. Ich sage es, wie es ist: Kein Mensch hat das verstanden, auch meine Mitarbeiter nicht. Wenn jemand Arbeitslosengeld bezieht und dann noch geringfügig arbeitet und dazuverdient und das zum Geschäfts- oder Einkommensmodell macht, dann ist es wichtig, dass wir hier eingreifen. Leistung muss sich lohnen und wird sich in Zukunft lohnen! Lassen Sie mich noch einen Satz oder zwei, drei Sätze zum Verdienen im Alter in der Regelpension sagen: Ich finde es großartig, dass wir in unserem Regierungsprogramm beim Zuverdienst im Alter in der Regelpension die Möglichkeit einer Flattax im Ausmaß von 25 Prozent geschaffen haben. Das heißt, von 1 000 Euro bleiben dann netto 750 Euro. Es wird nicht mehr zusammengerechnet, es gibt keine Nachverrechnungen. Das ist großartig, das wird unsere Wirtschaft auch beflügeln. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Taschner; eingemeldet sind gleichfalls 3 Minuten.

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Als letzter Redner meiner Fraktion zur Generaldebatte habe ich Ihnen diese Tafel mitgebracht ( eine Tafel, auf der einzelne Budgetposten, unterschiedlich eingefärbt, aufgelistet sind, in die Höhe haltend und im weiteren Verlauf beschreibend ): 123 233 400 000 Euro, wie Sie hier sehen, das ist der Budgetrahmen des Jahres 2025. Sie sehen hier – Sie können es nicht lesen, aber die Farben sprechen für sich –, unterlegt in verschiedenen Rottönen, das Sozialbudget; eine riesige Säule: die Pensionen. Hier sehen Sie in Grün die Wirtschaft, die Mobilität, die Industrie; hier in verschiedenen Gelbtönen die Verwaltung und die Polizei, das Militär. All das ist das Budget, das wir jetzt, in der Gegenwart, bedienen müssen. Also Rot, Grün, Gelb, das ist die Gegenwart. Dann sehen Sie hier – der Drucker war etwas schlecht, er hat das blau gedruckt, an sich gehört das türkis – Bildung, Wissenschaft, Forschung. Das ist die Zukunft, meine sehr verehrten Damen und Herren; nicht so groß, wie sie sein sollte, aber, und das ist die gute Nachricht, sie bleibt gleich beziehungsweise wird sogar etwas größer, als sie vorher war, denn das ist die Zukunft, die wir brauchen. Nebenbei gesagt, meine sehr verehrten Damen und Herren, hier unten sehen Sie die Vergangenheit. Das ist der graue Bereich; leider recht groß, das ist nämlich das Geld für die Zinsen, die wir zahlen müssen. Das ist verbranntes Geld, das ist weg. Das ist auch das Problem. Wir könnten ja sagen: Machen wir diesen Rahmen einfach größer! Deutschland macht das ja, plötzlich werden 1 000 Milliarden Euro von Deutschland aufgenommen. Das ist ein Risiko, denn: Macht man den Rahmen größer, wird diese Vergangenheit, dieser graue Bereich, vielleicht exponentiell wachsen, und davor müssen wir uns schützen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir sehen anhand dieser roten Säule auch, wie groß das demografische Problem ist, dem wir gegenüberstehen. Wir haben also noch einiges zu tun. Das ist erst der Anfang, aber dass wir das so aufbereitet haben, dass wir dieses Budget jetzt vorliegen haben, das ist eine gute Arbeit des Finanzministers, der Staatssekretärin, ja, der gesamten Regierung gewesen. Wir müssen diesen türkisen Bereich stärken. Türkis muss einfach größer werden, das ist die Botschaft.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist aber blau! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Blau muss stärker werden, ja! Türkis ist gar nicht drauf, Türkis gibt es nicht mehr!

ÖVP Rudolf Taschner

… Ein Druckerfehler, glauben Sie mir. Es ist ein Druckerfehler. – Es ist also noch einiges zu tun. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Aufgabe, die Sie jetzt haben werden, ist – es werden noch einige zu Ihnen kommen und sagen: Wir brauchen da eine Vergrößerung der Fläche und dort eine Vergrößerung der Fläche! –: Sie werden leider oft Nein sagen müssen. Sie müssen oft Nein sagen, aber wir müssen auch oft Ja sagen, wenn wir dann die Wirtschaft wachsen sehen, denn wenn die Wirtschaft wächst, dann können wir uns erlauben, dass wir den Rahmen sogar noch vergrößern werden. Das brauchen wir auch, weil das Rote bleiben muss. Das brauchen wir auch, weil das Blaue – Entschuldigung –, das Türkise noch mehr wachsen muss. In diesem Sinne glaube ich, dass wir ein gutes Budget haben. Beachten Sie diese Tafel: Das sind 123 233 400 000 Euro. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Oberhofer. 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Ministerinnen! Frau Staatssekretärin! Hoher österreichischer Nationalrat! Sehr geehrte Frau Kollegin Gewessler ( Ruf bei den Grünen: Schon wieder! Meine Güte! ) , ich verstehe die Grünen einfach nicht.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Sie redet doch eh so schön Deutsch!

NEOS Dominik Oberhofer

… Eigentlich müssten Sie ja, die Grünen, heute besonders stolz sein, weil in diesem Budget ja wirkliche Errungenschaften von Ihnen sind, die weitergeführt werden – wie zum Beispiel der Ausbau der Schiene. Den haben Sie vorangetrieben als Ministerin und wir tragen ihn weiter mit dem Budget. Ich bin ja da persönlich sogar sehr verwundert, dass Herr Bundesminister Hanke wahrscheinlich einen sehr guten Draht zum Herrn Finanzminister hatte, denn man muss sich das einmal vorstellen: Diese neue österreichische Bundesregierung gibt 12,6 Prozent mehr für den Ausbau der Schiene in diesem Jahr aus als letztes Jahr unter Ihnen, 2024.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Nein, ihr budgetiert nicht mehr!

NEOS Dominik Oberhofer

… Und das ist noch nicht einmal alles. Im Doppelbudget sind für 2026, nächstes Jahr, noch einmal 9,3 Prozent on top für den Ausbau der Schiene vorgesehen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Hast du dir meinen Rahmenplan angeschaut?

NEOS Dominik Oberhofer

… Da muss man wirklich sagen, diese Regierung steht hinter diesem Rahmenplan. Warum? – Aus zwei Gründen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das war ein sechsjähriger Rahmenplan!

NEOS Dominik Oberhofer

… Weil wir wissen, dass die Zukunft des öffentlichen Verkehrs vor allem auf der Schiene ist. Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass Österreich nicht nur Bahnland Nummer eins ist, was die gefahrenen Kilometer der Passagiere anbelangt, sondern wir produzieren das Zeug sogar. Ich habe es persönlich nicht gewusst …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja, ich schon!

NEOS Dominik Oberhofer

… dass Österreich die viertgrößte Nation bei der Bahnindustrie weltweit ist. Das ist ein unfassbares Wachstumspotenzial in Österreich, und deshalb investieren wir jetzt mit dem Rahmenplan wieder 19,3 Milliarden Euro in die Schiene. – Das wäre einen Applaus wert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Frau Kollegin von den Grünen, weil Sie andauernd vom Klimaticket reden. Das Klimaticket wird teurer, da haben Sie vollkommen recht. Niemand bedauert das mehr als ich selbst. Aber am Ende des Tages muss man ganz klipp und klar sagen, dass wir als Bundesregierung dieses Jahr, 2025, 24,5 Prozent mehr in das Klimaticket investieren, nämlich 156 Millionen Euro zusätzlich, on top, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger das Klimaticket konsumieren …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Aber die Bürgerinnen und Bürger kaufen es ja!

NEOS Dominik Oberhofer

… und damit reisen, und das ist ja ein großartiger Erfolg.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was ist da bitte jetzt euer Erfolg?

NEOS Dominik Oberhofer

… Wir brauchen aber auch Geld, um den Ausbau der Schiene, der Kapazität weiter voranzutreiben. Liebe Konsumentinnen und Konsumenten, seien Sie versichert, dass das Geld, das Sie heute mehr für das Klimaticket bezahlen, eins zu eins in bessere Infrastruktur, von der Sie profitieren, investiert wird. – Danke für Ihre Unterstützung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tomaselli. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten, wobei ich darauf aufmerksam mache, dass die Restredezeit Ihrer Fraktion insgesamt 5 Minuten beträgt. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe Ihnen jetzt stundenlang geduldig zugehört …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Na, du warst schon ein bisschen draußen auch!

GRÜNE Nina Tomaselli

… und was mir schon richtig auf die Nerven geht, sind diese falschen Unterstellungen, dass die Grünen das Budgetdesaster quasi mit dem Klimaticket, mit dem Raus-aus-Öl-Bonus im Alleingang selbst verursacht haben.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Das sagt aber keiner!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Da möchte ich Ihnen jetzt etwas sagen, das Sie wahrscheinlich sehr, sehr aufregt ( allgemeine Heiterkeit ): Jede Regierung ist für ihr Budgetdefizit selber verantwortlich.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Ja, das ist tatsächlich so.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nur die Grünen nicht!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Jede Regierung ist für ihr Budgetdefizit fast alleine verantwortlich.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Es gibt eine Ausnahme für die Grünen, die sind nämlich nie für etwas verantwortlich!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Die Rechnungen von Einnahmen und Ausgaben – hören Sie zu, da kann man noch etwas lernen – beginnen jedes Jahr von vorne. In den letzten Jahren hat es erhöhte Ausgaben gegeben – ja, zur Bewältigung einer Pandemie, ja, zur Bewältigung einer Energiekrise, ja, dafür sind Schulden gemacht worden, ja, dafür zahlt man jetzt auch Zinsen. Das erklärt aber bitte nicht das veranschlagte Defizit von 4 Prozent.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Das erklärt nicht, dass Sie weiter Schulden machen und dass die Schuldenquote auf 85 Prozent steigt – und das bei einer Abgabenquote von 45 Prozent. Das ist ein Rekordhoch, meine sehr geehrten Damen und Herren! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ich glaube, der Herr Klubobmann würde das als Voodoo-Ökonomie bezeichnen!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Diese Zahlen schauen genau so aus, weil Sie sich dafür entschieden haben. Das ist eine politische Entscheidung, die Sie getroffen haben.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Es ist eine politische Entscheidung, dass Sie das Klimaticket teurer machen, während Sie die SUV-Pendler:innen subventionieren. Es ist eine politische Entscheidung, dass Sie die Familienleistungen kürzen, während Sie Pick-ups mit Steuergeld sponsern. Und es ist Ihre verdammte Entscheidung, dass die Reichen schon wieder keinen fairen Beitrag leisten. (👏) Dafür können Sie niemand anderen verantwortlich machen und schon gar nicht die Grünen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Also, das Beste kommt heute nicht zum Schluss!

GRÜNE Nina Tomaselli

… denn es ist nicht ökologisch und – wenn Sie die „Standard“-Umfrage sehen, merken Sie nämlich, das geht den Leuten auch am Zipf – es ist überhaupt nicht gerecht, und das klage ich an. (👏) Ich habe Ihre ganzen Budgetvorträge auch aus den letzten Jahren noch ganz deutlich und laut in den Ohren – und dann legen Sie bitte ein Budgetbegleitgesetz mit einer Umwidmungsabgabe vor, die vorsieht: Je höher der Gewinn, desto weniger ist die anteilige Steuer. ( Heiterkeit der Rednerin. ) Das ist doch bitte Husch-Pfusch! In diesem Budgetbegleitgesetz steht auch ein super, super Spaßname für: Wir sparen im System. Sie setzen die Wertsicherung für die Mieten bei der Bundesimmobiliengesellschaft aus. Aber das Beste ist: Das spart nicht einmal, sondern das kostet 70 Millionen Euro in den nächsten Jahren – 70 Millionen Euro Mehrkosten! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Das ist ( erheitert ) Loch auf, Loch zu und hat nichts mit umsichtiger Budgetpolitik zu tun. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, würde ich mir wünschen …

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Dass die Rede aus ist, wünsche ich mir!

GRÜNE Nina Tomaselli

… dass Sie nicht an Ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Damit eine besondere Gemeinheit nicht unerwähnt bleibt, welche völlig unsachlichen Gesetze sich auch in diesem Budgetbegleitgesetz verstecken: Diese Regierung, die ja auch besonders transparent sein wollte, legt im Budgetbegleitgesetz – das hat natürlich nichts mit dem Budget zu tun – auch noch fest, dass die Parteien zukünftig nicht mehr vierteljährlich die Spenden einmelden müssen, sondern nur noch einmal jährlich. ( Rufe bei den Grünen: Uiuiui! Oh! – Rufe bei der FPÖ: Oh! ) Damit dieser Rückschritt wieder zurückgedreht wird, bringen wir auch einen entsprechenden Antrag ein , und da bin ich schon sehr gespannt, was dann die – vielleicht ehemals – Transparenzpartei NEOS macht, wie ihr euch da entscheidet.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Bin enttäuscht!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Krainer. 3 Minuten eingemeldete Redezeit. (Abg. Shetty [NEOS]: Wie kann man in 2 Minuten 5 Minuten berichtigen?)

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kollegin Tomaselli, Sie haben der Zunft der Volkswirte, der Nationalökonomen gerade keinen guten Dienst erwiesen, sondern Sie haben eigentlich das Gegenteil getan. ( Widerspruch bei den Grünen. ) Natürlich ist jede Regierung für das Defizit, das sie verursacht, verantwortlich, aber es ist eine Regierung auch verantwortlich für das Defizit, das sie der nächsten Regierung hinterlässt …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Na geh!

SPÖ Kai Jan Krainer

… und das ist auch Ihre Verantwortung. (👏 SPÖ) Nicht alleine – niemand sagt, dass Sie das Defizit alleine verursacht haben …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Na, Gott sei Dank waren wir 2000 nicht so empfindlich!

SPÖ Kai Jan Krainer

… aber Sie waren Teil einer Bundesregierung. Natürlich könnte man, wie die Grünen das gemacht haben, sich hier herstellen und sagen, wir haben ein maastrichtkonformes Budget mit 2,7 Prozent beschlossen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Schau!

SPÖ Kai Jan Krainer

… es wurden halt 4,7 am Ende des Tages, und heuer würden wir 5,8 Prozent Defizit machen – das ist es, was Sie hinterlassen haben …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

3,8 Milliarden ...!

SPÖ Kai Jan Krainer

… 5,8 Prozent. Ehrlich gesagt ist das so, wie wenn Eltern nach dem verlängerten Wochenende nach Hause kommen und die Kinder eine Party gefeiert haben. Ist es schön? – Nein , aber die Eltern dafür verantwortlich zu machen, dass man zusammenräumt – es ist schon sehr dreist, was Sie da verlangen. (👏 SPÖ, NEOS) Was Sie für ein budgetäres Desaster hinterlassen, das ist jenseitig – und der Unterschied zu allen anderen Budgetsituationen, die wir hatten: Das ist kein externer Effekt wie eine Bankenkrise, das ist auch keine Pandemie, die vorbeigeht, sondern das sind strukturell hausgemachte Probleme …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aha!

SPÖ Kai Jan Krainer

… ungedeckte Schecks, leere Versprechungen. Für die tragen Sie die Verantwortung nicht alleine, aber mit Ihrem damaligen Koalitionspartner gemeinsam.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, ja!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Und wir sind zum Aufräumen hinter Ihnen ( Heiterkeit bei den Grünen ), uns können Sie das nicht umhängen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist niemand mehr dazu gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Ich sehe, das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/93.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Entwurf betreffend Budgetbegleitgesetz 2025 in 100 der Beilagen. Hiezu liegen ein Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen sowie ein Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über die von den erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsanträgen sowie vom Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile, der Systematik des Gesetzentwurfes folgend, und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 1 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mehrheitlich angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 2 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 3 und Artikel 7 sowie Art. 10 Z 1 bis 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 10 Z 5. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über Art. 11 Z 1 bis 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist ebenfalls die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 11 Z 5. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über Artikel 13 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 16 und 17 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diese Teile des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über die Artikel 23 bis 27 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 28 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 32 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 40 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 41 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 42 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 44 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 45 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 47 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 51 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 55 sowie Art. 56 Z 1 und 5 in der Fassung des Ausschussberichtes. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 56, Einfügung einer neuen Z 7a sowie Änderung der Z 8, eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 56 Z 8. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 57, Art. 58 Z 1 und 4, Artikel 59, Artikel 60 sowie Art. 61 Z 1 bis 5 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 61 Z 6. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Art. 63 bis 66 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 68 und 69 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 70, 72 und 73 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 74 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Der Gesetzentwurf ist somit auch in der dritten Lesung angenommen. RN/93.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/93.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Ralph Schallmeiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/93.4 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Normverbrauchsabgabegesetz, das Bundesimmobiliengesetz, die Reisegebührenvorschrift und das Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen geändert werden, in 101 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht. Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Abänderungsantrag sowie vom Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile, der Systematik des Gesetzentwurfes folgend, und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 1 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich ebenfalls um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/93.5 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Begründung von Vorbelastungen durch den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur genehmigt wird, samt Titel und Eingang in 88 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Begründung von Vorbelastungen durch den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

102 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 88 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat genehmigt per Bundesgesetz die haushaltsrechtliche Ermächtigung, dass der Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur für Zuschussverträge mit der ÖBB-Infrastruktur AG Vorbelastungen eingehen darf. Damit können für 2026–2030 Vorbelastungen bis insgesamt 62,204 Mrd. Euro (u.a. Annuitäten bis 54,243 Mrd. Euro und Zuschüsse bis 7,961 Mrd. Euro inkl. Vorsorgen) begründet und eine bisherige Ermächtigung (BGBl. I Nr. 150/2023) abgelöst werden.

Betroffen sind die Finanzierung und der Betrieb, die Instandhaltung sowie Planung und der Bau der Schieneninfrastruktur der ÖBB-Infrastruktur AG (Rahmenplan 2025–2030) und damit die Bundesbudgets der Jahre 2026 bis 2030 sowie langfristige Annuitätenverpflichtungen bis 2079.

Dokumente

Begründung von Vorbelastungen durch den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

Zielsetzung und politischer Kontext (Regierungsprogramm 2025–2030)

  • Bekenntnis zum bestehenden Schienen-Infrastruktur-Finanzierungsmodell (Rahmenplan, Zuschussverträge, Budgetvorbelastungen) und Sicherung der kontinuierlichen Finanzierung des ÖBB-Rahmenplans für Ausbau und Erhalt der ÖBB-Infrastruktur.
  • Sicherung von Mitteln zur Krisenresilienz des laufenden Betriebs und der kritischen Bahninfrastruktur.
  • Ziel, Österreich als zentrale Schnittstelle im europäischen Bahnverkehr zu positionieren, um wirtschaftliche Vorteile und bessere Anbindungen zu realisieren.
  • Zielnetz 2040 soll hinsichtlich Wirksamkeit für Bürger:innen, Effektivität der Mittelverwendung sowie Krisen- und Klimaresilienz evaluiert, weiterentwickelt und beschlossen werden.
  • Weitere Ziele: weiterer Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Qualitätsverbesserungen; senioren- und familiengerechte Infrastrukturplanung unter besonderer Berücksichtigung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen; Beschleunigung des österreichweiten ETCS-Ausbaus zur raschen Kapazitätssteigerung.

Rechtlicher Rahmen: Zuschussverträge nach Bundesbahngesetz (§ 42)

  • Nach § 42 Abs. 3 Bundesbahngesetz sind zwei getrennte Zuschussverträge mit jeweils sechsjähriger Laufzeit abzuschließen: (1) Zuschüsse zum Betrieb der Schieneninfrastruktur und deren Bereitstellung (§ 42 Abs. 1) und (2) Zuschüsse zur Instandhaltung, Planung und zum Bau von Schieneninfrastruktur (§ 42 Abs. 2).
  • Diese Verträge sind jährlich um ein Jahr zu ergänzen und auf einen neuen sechsjährigen Zeitraum anzupassen.
  • Die Verträge umfassen auch Zuschüsse, die nicht die Rahmenplanfinanzierung betreffen, sondern für Betrieb und Bereitstellung der Schieneninfrastruktur an Nutzer geleistet werden.
  • Die Einbeziehung dieser Zuschüsse in Vorbelastungen (wie in früheren einschlägigen Bundesgesetzen) dient Planungssicherheit für die ÖBB-Infrastruktur AG und der Transparenz der Bundeshaushaltsführung.

Haushaltsrechtliche Notwendigkeit: Vorbelastungen und gesetzliche Ermächtigung (BHG)

  • Für Verpflichtungen des Bundes aus Zuschüssen an die ÖBB-Infrastruktur AG ist nach haushaltsrechtlichen Bestimmungen Vorsorge zu treffen.
  • Eine Vorbelastung darf nach § 60 Abs. 4 Z 1 BHG nur aufgrund bundesgesetzlicher Ermächtigung erfolgen, wenn die zugehörigen jährlichen Auszahlungen in zumindest einem folgenden Finanzjahr 10% der Auszahlungsobergrenze der jeweiligen Untergliederung im zuletzt kundgemachten Bundesfinanzrahmengesetz überschreiten.
  • Für die Untergliederung 41 „Mobilität“ beträgt die BFRG-Auszahlungsobergrenze 2025 6.227,230 Mio. Euro; die 10%-Schwelle liegt damit bei rund 622,723 Mio. Euro pro Jahr.
  • Für die erforderlichen Vorbelastungen 2026–2030 betreffend § 42 Abs. 1 und 2 Bundesbahngesetz ist daher eine bundesgesetzliche Ermächtigung einzuholen.
  • Der Gesetzentwurf geht davon aus, dass Vorbelastungen, die gemäß § 90 BHG innerhalb des Vertragszeitraums bis 2030 als Verbindlichkeit bzw. Obligo zu verrechnen sind, einer Ermächtigung nach § 60 Abs. 4 Z 1 BHG bedürfen.
  • Folge: § 1 des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 150/2023 tritt mit Inkrafttreten des gegenständlichen Bundesgesetzes außer Kraft.

Ermächtigung für investitionsinduzierte Annuitäten (bis 2079) auf Basis Rahmenplan 2025–2030

  • Der Gesetzentwurf schafft die haushaltsrechtliche Ermächtigung zur Begründung jener Vorbelastungen, die durch Investitionen bis 2030 und die dadurch induzierten Annuitäten über den Zeitraum bis 2079 entstehen (diese Vorbelastungen sind zu verrechnen).
  • Die Investitionen basieren auf dem Rahmenplan 2025–2030.
  • Zinsannahmen: ausgehend von Planzinssätzen (Stand Sommer 2024) wird zur Berücksichtigung des Zinsänderungsrisikos in der volatilen Zinssituation ein möglicher Zinsanstieg um 100 Basispunkte als zusätzliche Vorsorge berücksichtigt.
  • Ermächtigung zur Begründung von Vorbelastungen für Annuitäten in Höhe von 54,243 Mrd. Euro in den Finanzjahren 2026–2030.

Zusammensetzung der Annuitäten-Vorbelastung (54,243 Mrd. Euro)

  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2007: rd. 680 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2008: rd. 874 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2009: rd. 1.173 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2010: rd. 1.153 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2011: rd. 1.253 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2012: rd. 1.015 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2013: rd. 1.075 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2014: rd. 1.070 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2015: rd. 1.095 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2016: rd. 1.237 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2017: rd. 1.299 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2018: rd. 1.546 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2019: rd. 1.731 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2020: rd. 1.997 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2021: rd. 1.947 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2022: rd. 2.279 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2023: rd. 3.140 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2024: rd. 3.228 Mio. Euro.
  • Annuitäten ab 2026 aus Investitionen 2025: rd. 3.537 Mio. Euro.
  • Annuitäten aus Investitionen 2026: rd. 3.498 Mio. Euro.
  • Annuitäten aus Investitionen 2027: rd. 3.887 Mio. Euro.
  • Annuitäten aus Investitionen 2028: rd. 3.941 Mio. Euro.
  • Annuitäten aus Investitionen 2029: rd. 4.036 Mio. Euro.
  • Annuitäten aus Investitionen 2030: rd. 4.270 Mio. Euro.
  • Zusätzliche Vorsorge für Reinvestitionen nach Naturkatastrophen: 230 Mio. Euro (sachlich geboten aufgrund von Erfahrungen insbesondere 2013 und 2024).
  • Zusätzliche Vorsorge für steigende Annuitätenzinsen: rd. 3.051 Mio. Euro.
  • Gesamtsumme Annuitäten inkl. Vorsorgen: 54,243 Mrd. Euro.

Ermächtigung für Vorbelastungen aus Zuschussverträgen (§ 42 Abs. 1 und 2) 2026–2030

  • Zusätzlich zur Annuitäten-Ermächtigung soll der Gesetzentwurf (in Kontinuität zu früheren einschlägigen Bundesgesetzen) ermächtigen, im Zusammenhang mit den Zuschussverträgen nach § 42 Abs. 1 (Betrieb) und § 42 Abs. 2 (Instandhaltung, Nutzungsentgelt) Vorbelastungen für 2026–2030 zu begründen.
  • Höhe dieser Vorbelastungen: 7,961 Mrd. Euro.
  • Enthaltene Vorsorge für zusätzliche Zuschüsse bei Steigerungen des Zinsaufwandes: rund 300 Mio. Euro (sachlich geboten wegen volatiler Zinssituation).
  • Enthaltene Vorsorge für Instandhaltungsaufwendungen nach Naturkatastrophen: 200 Mio. Euro (sachlich geboten aufgrund von Erfahrungen insbesondere 2013 und 2024).
  • Die Ermächtigung schafft die haushaltsrechtliche Grundlage zum Abschluss der Zuschussverträge 2025–2030 gemäß § 42 Bundesbahngesetz.

Voraussetzungen für den tatsächlichen Vertragsabschluss

  • Der Abschluss der Zuschussverträge setzt neben dem Einvernehmen zwischen dem Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur und dem Bundesministerium für Finanzen voraus, dass die erforderlichen Ausgaben durch die in den jeweiligen Bundesfinanzrahmengesetzen festgelegten Ausgabenobergrenzen abgedeckt sind.

Rahmenplan 2025–2030: wesentliche Änderungen und Brenner Basistunnel

  • Wesentliche Änderungen gegenüber dem Rahmenplan 2024–2029: Anpassung der Investitionsquoten an den aktuellen Stand der Projekt- und Preisentwicklung.
  • Für den Brenner Basistunnel (BBT) werden auf Basis aktualisierter Kostenkalkulation (inkl. Risikobewertung und Risikovorsorgen) Errichtungskosten von rd. 9,73 Mrd. Euro (Preisbasis 2024) zugrunde gelegt.
  • Dies entspricht rd. 10,52 Mrd. Euro zu laufenden Preisen (inkl. Vorausvalorisierung).

Gesamtermächtigung und Umfang der Vorbelastungen 2026–2030

  • Der Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur wird im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Finanzen ermächtigt, für Verträge mit der ÖBB-Infrastruktur AG die erforderlichen Vorbelastungen bis zu 62,204 Mrd. Euro für den Zeitraum 2026–2030 zu begründen.
  • Der Betrag umfasst die Annuitäten-Vorbelastungen (54,243 Mrd. Euro) sowie die Vorbelastungen aus den Zuschussverträgen nach § 42 Abs. 1 und 2 (7,961 Mrd. Euro).

Begründung von Vorbelastungen durch den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

~283 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Herbert Kickl

Danke schön, Herr Präsident! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Ja, Generaldebatte Budget, zweite Lesung: Ich würde sagen, es ist ein gewisser Bruch, trotz dieser kurzen zeitlichen Unterbrechung, zur vorhergehenden Diskussion, vor allem atmosphärisch, aber natürlich auch inhaltlicher Art. Man muss ja dazusagen, dass die Generaldebatte heute eigentlich auch erst für den Nachmittag vorgesehen war. Es hat dann eine Planänderung gegeben. Man muss nämlich wissen, dass unsere Bundesregierung am Nachmittag freigespielt sein muss. Sie braucht ihre Zeit und sie braucht die volle Aufmerksamkeit und Konzentration für das nächste Kapitel ihres Zerstörungswerks gegen die österreichische Neutralität.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Na bravo!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich rede vom Staatsbesuch – ( auf die Redezeitanzeige am Redner:innenpult weisend: ) vielleicht kann man mir die Uhr da richtig einstellen – des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, und ich sage Ihnen klipp und klar, dass dieser Besuch genauso wie die Ukrainepolitik dieser Bundesregierung insgesamt nicht nur völkerrechtlich und sicherheitspolitisch absolut unverantwortlich ist für ein Land, das die Neutralität in seiner Verfassung festgeschrieben hat. Was Sie sich privat denken, das ist Ihre Angelegenheit, aber diese Verpflichtung, das ist eigentlich die Eintrittskarte in eine Bundesregierung oder umgekehrt ist es ein K.o.-Kriterium, wenn man es nicht durchhalten kann.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Dann bist du eh weg! – Abg. Gewessler [Grüne]: Genau!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist die eine Komponente. Das Zweite ist, dass diese einseitige Politik, dieses Nato-Vasallentum natürlich auch ein Vermögen kostet. So ist es tatsächlich so, dass in den letzten Jahren Milliarden an Steuergeld aus Österreich direkt oder indirekt in diese Ukraine geflossen sind, zur Verlängerung eines sinnlosen Krieges, eines sinnlosen Sterbens …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Zur Sicherstellung der Energieversorgung für die Bevölkerung!

FPÖ Herbert Kickl

… und damit eines Konflikts, der nicht der unsere ist – ich sage das auch in dieser Deutlichkeit! Zugleich fehlt dieses Geld in Österreich, und zwar an allen Ecken und Enden. Es fehlt unter anderem auch in der Sicherheit, im Sicherheitsbereich in diesem Land, dort, wo es um den Schutz der eigenen Bevölkerung vor Gewalt und vor Kriminalität, die ja immer mehr wird, geht. Und da zu investieren, ist im Unterschied zur ersten Ausgabe, die Sie jetzt tätigen, unsere tatsächliche Zuständigkeit. (👏 FPÖ) Herr Bundeskanzler, warum erzählen Sie denn den Österreichern nicht, dass die Sicherheit unserer Bevölkerung nicht mehr gegeben ist? Warum erzählen Sie das nicht? Das ist nämlich die traurige Wahrheit. Sie reden davon, dass alles unternommen wird, dass sich Ereignisse wie in Graz nicht wiederholen. Das klingt super, aber während Sie das sagen, bringen Sie ein Budget auf den Weg, mit dem Sie die Überstunden der Polizei so radikal zusammenkürzen, dass die notwendigen Einsätze nicht mehr gemacht werden können, weil viel zu wenige Polizisten im Einsatz sind und weil dieses ganze System seit Jahren eigentlich nur auf Überstundenleistungen beruht. Das trifft also die Polizeiinspektionen, die jetzt in der Nacht oder am Sonntag zusperren. Das trifft die Streifen, die dann entweder gar nicht mehr oder in viel zu großen Intervallen über Land fahren, und es trifft im Übrigen auch die Spezialeinheiten wie die Cobra, weil diese nämlich aufgrund dieser Überstundenstreichungen die Personenkontingente nicht mehr zustande bringen, die sie aber brauchen, um einen entsprechenden, robusten Einsatz durchführen zu können. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Ich erhalte jeden Tag verzweifelte Hilferufe von Polizisten, die mir berichten, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können. Sie sagen mir, dass sie niedergemacht werden, wenn sie diesen Wahnsinn intern in den entsprechenden Besprechungen kritisieren. Sie sagen mir, dass ihnen gedroht wird und dass ihnen der Mund verboten wird, wenn sie da Kritik üben oder wenn sie mehr Überstunden verbrauchen, als ihnen der Wasserkopf in der Zentrale – das heißt ( in Richtung Bundesminister Karner ) Sie, Herr Minister – dann auf irgendwelchen Zetteln bürokratischerweise vorgibt. (👏 FPÖ) Wissen Sie, Sie putzen sich damit an denjenigen, die den Kopf für uns alle hinhalten, ab.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

...! Das ist ja unglaublich!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist keine Wertschätzung gegenüber der österreichischen Polizei. Im Übrigen ist es auch keine Wertschätzung gegenüber der eigenen Bevölkerung, und damit bin ich ohnehin beim passenden Stichwort für dieses Budget insgesamt: Sie alle, die Verliererampel, die Systemparteien, Sie alle haben schwer gesündigt – eine politische Todsünde nach der anderen. Jetzt sind Sie natürlich mit sich selbst gnädig, da erteilen Sie sich locker die Absolution, und die Buße für Ihre Untaten, für Ihre Todsünden, die hängen Sie der eigenen Bevölkerung um, in Form eines gigantischen Belastungshammers: Milliardenbelastungen durch höhere Steuern, durch höhere Gebühren und durch Leistungskürzungen. Und ich kann mir schon denken, was jetzt kommt – erste Anklänge habe ich ja schon gehört –, weil es immer so ist, kann man sagen. Die Vertreter der ÖVP, vom nicht gewählten Bundeskanzler abwärts, werden dann sagen: Ja bitte schön, das ist ja unerhört, dass der das sagt, denn die Freiheitliche Partei wollte ja keine Verantwortung übernehmen! Und die roten und die rosaroten Steigbügelhalter, die plappern dieses Satzerl dann brav nach wie die Papageien, wobei ja jeder weiß, dass die Papageien ja gerne plappern, aber dann den Inhalt nicht verstehen …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was ist das für ein Vergleich?

FPÖ Herbert Kickl

… den sie von sich geben.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Rede hört sich aber auch wie eine Papageienrede an!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich greife die Gelegenheit aber gerne auf. Dann reden wir über Verantwortung! Ich frage Sie: Wie schaut denn das aus? Wie schaut denn das aus, was Sie Regierungsverantwortung nennen? Wie schaut denn das aus, wofür Sie als großartige Verantwortungsträger der Verliererampel sich immer loben? Der grüne Regierungsblinddarm, der Sie jetzt sind, der kann sich gleich mit betroffen fühlen, weil Sie bis vor Kurzem ja mittendrin statt nur dabei waren. Ich sage Ihnen, wie diese Verantwortung ausschaut: Die größten wirtschaftlichen und die größten budgetären Schadensverursacher – in der Bevölkerung draußen nennt man so etwas Blindgänger – werden für ihre Nichtleistungen belohnt – belohnt und nicht bestraft! –, mit Orden für Verdienste um die Republik, mit einem Luxusposten als Banker für einen Karl Nehammer, 300 000 Euro im Jahr als Dank und Anerkennung für Hunderttausende neue Völkerwanderer in den letzten Jahren und für das Einpeitschen des Coronaregimes, mit einem Spitzenposten in der Nationalbank für den ehemaligen Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher – den Herrn soll man bitte nicht vergessen – als Dank und Anerkennung für die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg – das dritte Jahr in Folge werden wir immer ärmer, und wir sind von der Tabellenspitze bis an den Schluss durchgereicht worden – und natürlich mit der Beförderung zum EU-Kommissar für einen Herrn Magnus Brunner als Dank und Anerkennung für den größten Schuldenhaufen der Zweiten Republik, für eine gigantische Geldentwertung, für die Versorgung von ÖVP-Freunden aus Coronafördertöpfen und für das Frisieren und für das Fälschen von Bilanzen und Prognosen vor der Wahl.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

„Fälschen“? Wer hat etwas gefälscht? Das geht nicht!

FPÖ Herbert Kickl

… Dieser Herr Brunner war so etwas Ähnliches wie der Bremsfallschirm für den freien Fall der Österreichischen Volkspartei vor dieser Wahl. So schaut es aus. Das ist Ihre Art der Interpretation von Verantwortung.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Ja, genau!

FPÖ Herbert Kickl

… Und da, da haben Sie recht, möchte ich nicht einmal anstreifen, meine Damen und Herren! (👏 FPÖ) Oder, nächster Akt Ihres angeblichen Wahrnehmens der Verantwortung – Herr Taschner kann Ihnen helfen –: Es gibt ein logisches Gesetz, das heißt: keine Wirkung ohne Ursache und umgekehrt. Das gilt natürlich auch im Zusammenhang mit diesem budgetären Scherbenhaufen. Jetzt stellt sich die Frage: Was ist denn die Ursache für diesen budgetären Scherbenhaufen? Die Ursache ist ganz einfach zu erklären: dass Sie allesamt falsch entschieden, falsch gehandelt haben – nicht ein Mal, sondern in Serie, bei allen großen Fragen. Unbelehrbar, Wiederholungstäter würde man so etwas nennen. Sie haben sich für eine Massenvölkerwanderung unter dem Motto „Wir schaffen das“ entschieden, mit Schäden in Milliarden-Euro-Höhe. Sie haben sich für einen Coronawahnsinn entschieden, länger und exzessiver als sonst irgendwo in der zivilisierten Welt, mit Milliardenschäden. Sie haben sich für einen fanatischen Klimafanatismus entschieden, mit Milliardenkosten, für Russlandsanktionen mit Milliardenkosten und zuletzt für einen Rüstungswahnsinn, durch den die nächsten Milliarden verbraten werden. Das läppert sich natürlich zusammen. Ihr viel gepriesenes Wahrnehmen der Verantwortung schaut dann so aus, dass Sie sich abputzen und sagen: Aber eigentlich können wir nichts dafür, ist eh alles super gelaufen, und dort, wo es nicht so gut gelaufen ist, bitte da waren es die anderen, da haben wir nur alternativlos das gemacht, was alle anderen auch gemacht haben. Natürlich können Sie etwas dafür! Wir haben Sie vor alledem gewarnt, vor allen diesen Fehlentwicklungen, mehrmals, um unser Land, um die Steuerzahler, um den Wirtschaftsstandort, unsere Freiheit und unseren Wohlstand zu schützen, Sie wollten nur nicht hören. Ein schönes Wahrnehmen von Verantwortung ist das. (👏 FPÖ) Oder: Ihr viel gepriesenes Wahrnehmen von Verantwortung besteht dann darin, dass Sie der Bevölkerung erklären, dass Sie jetzt sparen und dass Sie das Budget, den Staatshaushalt, sanieren. Das klingt auch gut, aber wenn man genauer hinschaut, stimmt es halt leider nicht. Denn das Problem ist, dass nicht nur in den letzten paar Jahren 88 Milliarden Euro neue Schulden gemacht wurden, sondern auch in den kommenden Jahren bis 2027 wieder 82 Milliarden Euro neue Schulden dazukommen. Das heißt, trotz Rekordeinnahmen wird weiter mehr ausgegeben, als eingenommen wird, und da ist noch nicht einmal irgendein wirtschaftlicher Impuls dabei. Was heißt denn da sparen und was heißt denn da sanieren? Dann gibt es obendrauf als Zugabe auch noch das Defizitverfahren, also die Besachwaltung durch die Europäische Union; das ist das, wo Sie unter dem Titel „[...] das Richtige tun“ in Ihr Regierungsprogramm hineingeschrieben haben, dass Sie es nicht haben wollen. Jetzt ist „das Richtige tun“, dieses Defizitverfahren schönzureden. Das ist eine schöne Form von Wahrnehmen von Verantwortung. (👏 FPÖ) Ich garantiere Ihnen, meine Damen und Herren, es wird so sein: Im Herbst kommt dann der nächste Belastungshammer und da besteht dann das Wahrnehmen der Verantwortung durch die Regierung darin, dass Sie sagen: Also bitte, uns sind die Hände gebunden, denn das wird jetzt von der Europäischen Union vorgegeben, wir können nichts dafür! Verantwortung übernehmen heißt für die Verliererampel aber vor allem, die zentralen Wahlversprechen zu brechen. Das Budget ist ja der Beweis dafür. Also diejenigen, von denen Sie – ÖVP, SPÖ, NEOS – vor der Wahl gesagt haben, dass sie Ihnen ganz besonders am Herzen liegen, das sind diejenigen, die jetzt verraten werden. Schauen wir zurück zur vorhergegangenen Debatte: Sie verraten die Familien, die Kinder, die Ihnen vorhin gerade noch so wichtig gewesen sind. Sie treffen voll das Herzstück der Gesellschaft und unsere Zukunft mit Ihren Kürzungen der Familienleistungen und mit den Gebührenerhöhungen und allem, was daherkommt – und Sie wissen ganz genau, dass vor allem die unteren Einkommensschichten überproportional betroffen sind. Sie strafen und verraten die Pensionisten mit Pensionskürzungen, die ein Leben lang negativ nachwirken. Meine Damen und Herren, das ist jene Generation, die tatsächlich Verantwortung übernommen hat, nicht nur für sich, sondern auch für andere, für unsere Heimat, die den Wohlstand erwirtschaftet hat, den Sie binnen kürzester Zeit verjuxt haben. (👏 FPÖ) Sie verraten die Leistungsträger durch die Rückkehr des Raubes der kalten Progression, durch ein höheres Pensionsantrittsalter, aber dafür gibt es dann eine immer kleinere Pension. Na toll ist das, ein toller Anreiz; so wie überhaupt Entlastungen und Anreize für Leistungsträger in Ihrem Budget verzweifelt gesucht werden, und von positiven Investitionen in den Wirtschaftsstandort brauchen wir ja gar nicht zu reden. Mit Ihrer Erhöhung der E-Card-Kosten treffen Sie voll und ganz die Kranken, aber im Gesundheitssystem wird gar nichts besser. Und Sie treffen und verraten das Pflegepersonal, dem Sie vorgaukeln, dass es da für alle eine Art Hacklerpension geben wird. Wenn man dann genauer nachschaut, kommt man aber drauf, dass man da 67 oder 68 Jahre alt ist, wenn das schlagend wird. So etwas kann nur jemand beschließen, der keine Ahnung von der Pflegepraxis hat, denn bis dahin sind die Leute schon zwei-, drei-, viermal ausgebrannt und kaputt. (👏 FPÖ) Im Vergleich dazu eine kleine Liste von dem, was Ihnen wichtig ist, von dem, was Sie sich natürlich weiter leisten wollen, wo Sie sogar noch mehr Geld ausgeben – der Kontrast macht es ja immer aus, das ist ja dann das Spannende –: Sie schreiben zum Beispiel das System fort, nach dem Asylantenfamilien ohne jede Leistung für dieses Land bis zu 9 000 Euro im Monat kassieren aus Mindestsicherung und diversen anderen Zutaten, während eben Pensionisten in diesem Land mit 15 Euro am Tag auskommen müssen. Das heißt, mit diesem Budget geht der All-inclusive-Klub für Völkerwanderer in Österreich weiter. Sie leisten sich milliardenteure Rüstungsausgaben, den Wahnsinn von Sky Shield, 6 Milliarden Euro, und in der Warteschleife bereits die nächste Anschaffung: Flugzeuge, die nächste Milliarde. Sie erhöhen das EU-Budget, den österreichischen Beitrag zur Europäischen Union, auf 4 Milliarden Euro, plus eine Milliarde. Sie finanzieren weiter die Kriegstreiberei in der Ukraine, 300 Millionen Euro bisher sind Ihnen noch nicht genug. Insgesamt, also mit den indirekten Zahlungen über die EU, waren es eh schon 3 Milliarden Euro. Jetzt kommen wieder 200 Millionen Euro dazu. Sie fördern die Elektromobilität, obwohl Sie das Gegenteil ankündigen: plus 173 Millionen Euro. Es geht weiter mit den sogenannten internationalen Hilfszahlungen, zum Beispiel – nur ein Beispiel – 20 Millionen Euro für das Kopfabschneiderregime in Syrien. Oder, ganz, ganz wichtig, aber auch die kleinen Summen machen es aus: 1 Million Euro für Nussbauern in Burkina Faso – na ja. Sie geben Geld für Sinnlosprojekte aus wie 20 Millionen Euro für eine Werbekampagne dafür, dass wir zeitlich befristet einen Sitz im UN-Sicherheitsrat haben. Ja, wozu, frage ich mich, wenn Sie ohnehin immer das Gleiche sagen wie der Mainstream? Das braucht es doch alles gar nicht, dieses Geld können Sie sich sparen. (👏 FPÖ) Mehr Geld gibt es für den Bundespräsidenten und seine Präsidentschaftskanzlei, Steuerzuckerl für den Österreichischen Rundfunk, 93 Millionen Euro. Eine 30-Millionen-Euro-Babler-Spezialförderung für die sogenannten Qualitätsmedien, also für Ihre Coronalautsprecher der Vergangenheit; diese Qualitätsmedien sind diejenigen, die jetzt die Clint-Eastwood-Interviews erfinden oder geschockte Menschen in Graz quasi vor die Kamera und vor das Mikrofon zerren, anstatt sie zu schützen. Das alles nennen Sie Wahrnehmen von Verantwortung – ich nicht. (👏 FPÖ) Ein ganz zentrales Gustostück Ihrer Verantwortungsübernahme möchte ich Ihnen auch noch servieren: Sie arbeiten nicht, um aus der Misere herauszukommen, nein, Sie machen etwas ganz anderes: Sie hoffen – hoffen! Sie sind Trittbrettfahrer, Sie hoffen eigentlich nur, dass Sie irgendwie bei einer Aufwärtsentwicklung in Europa, in Deutschland, irgendwo international, mit dabei sein können und ein bisschen mitprofitieren können. Das ist eigentlich der zentrale Plan Ihres finanziellen Zukunftskonzepts. Also: Die Probleme sind so groß, dass sie viel zu groß sind, dass wir im eigenen Land etwas unternehmen können, wir müssen auf die großen Lösungen setzen, das ist ja Ihr Credo und Ihre Dauerausrede in allen Bereichen. Aber diese Hoffnung ist auf Sand gebaut, da brauchen Sie sich nur die jetzige Energiepreisentwicklung bei Öl und Gas im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen und Mittleren Osten anzuschauen. Im Übrigen wissen wir alle auch aus der Vergangenheit, dass diese großen Lösungen im Gleichschritt mit den Einheitsbruderparteien in Berlin und in Brüssel ja in der Vergangenheit immer in die Hose gegangen sind; Stichwort Schuldenunion, Stichwort „Wir schaffen das“, Stichwort Klimakommunismus, Stichwort Russlandsanktionen. Ja lernen Sie denn überhaupt nichts dazu? Haben Sie sich noch nie in einer ruhigen Minute vielleicht einmal gefragt, warum es der kleinen Schweiz eigentlich so viel besser geht als Österreich? (👏 FPÖ) Sie haben keine Vision, Sie haben keine Ideale, Sie haben kein Feuer der Begeisterung für dieses Land und für die Bevölkerung. Sie haben keinen Glauben an dieses Österreich. Es geht um Macht, es geht um Posten, es geht um Einfluss und es geht um Verteilungsmöglichkeit. Das Einzige, wovon Sie wirklich haben – und das ist besonders problematisch –, das ist Angst; Angst haben Sie im Überfluss. Diese Verliererampel ist nämlich nichts anderes als eine Angstgeburt, geboren aus panischer Angst vor Neuwahlen, damit verbunden vor dem Machtverlust, damit verbunden vor echter Veränderung, damit verbunden vor dem Wähler. Es ist ein einziges Misstrauensvotum gegenüber der Bevölkerung, gegenüber dem Souverän. Die Verkörperung davon, das ist diese Verliererampel. Die Menschen spüren das ganz genau und die Menschen wissen das ganz genau, und das ist auch der Grund, warum von Ihnen nichts zur Bevölkerung überspringt. Ich sage Ihnen abschließend noch etwas: Die Österreicher sind durchaus bereit, sich einzubringen und ihren Beitrag zu leisten, mitzuziehen, den Gürtel enger zu schnallen, Verständnis zu entwickeln, das Land aus dem Dreck zu ziehen und damit ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen – aber nur unter folgenden Voraussetzungen: Erstens: Es dürfen logischerweise nicht dieselben Parteien den Kurs vorgeben, die das Land zuvor mit ihren Weisheiten gegen die Wand gefahren haben. Es würde sich doch niemand mehr genau jenem Arzt anvertrauen, der einen vorher verpfuscht hat. Das ist doch das Normalste auf der Welt. (👏 FPÖ) Zweitens: Es muss an den großen Schrauben gedreht werden. Das heißt: komplette Systemänderung in Sachen Völkerwanderung; totale Abkehr von der Unterwürfigkeit gegenüber Brüssel, der Kriegstreiberei, dem Rüstungsirrsinn; Streichen dieser ganzen sinnlosen internationalen Gelder; eine Energiepolitik inklusive Öl, Gas und Kohle, Ausnutzung der eigenen Ressourcen. Und es braucht ein Hineinschneiden in den eigenen Systemspeck – Stichwort Kammern, Herr Shetty, was ist mit den Kammern, wo ist der Beitrag der Kammern im Übrigen bei all diesen Dingen? Die sitzen alle auf einem Vermögen und ziehen sich fein aus der Affäre.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Was haben denn Sie ausverhandelt gehabt?!

FPÖ Herbert Kickl

… Es braucht ein Hineinschneiden in die ganze Verwaltungsbürokratie, das ganze Sozialpartnerbonzentum. Und die Menschen erwarten sich natürlich auch ein Vorangehen mit einem guten Beispiel und kein Regierungsmonstrum mit 21 Ministern, Staatssekretären und etlichen Sonderbeauftragten noch obendrein. – So weit der zweite Punkt. Drittens: Es braucht den Glauben an die eigene Heimat, an die eigene Kraft und den unbedingten Willen zur Souveränität und zur Selbstbestimmung und zur Neutralität. Und es braucht das Vertrauen und die Wertschätzung für die eigene Bevölkerung und die volle Konzentration auf die Familie Österreich. Wenn das erfüllt ist, dann übernehmen die Bürger und Steuerzahler auch gerne ihren Teil der Verantwortung, dann ziehen sie gerne mit, denn dann kommt etwas mit ins Spiel, das Sie ihnen nicht geben können: Sinn. Dann macht das Ganze einen Sinn, damit am Ende nämlich nicht das Gleiche herauskommt wie das, was uns in die Katastrophe geführt hat, sondern etwas Neues, etwas Besseres und etwas Gerechteres. Genau so wie die Bevölkerung, meine sehr geehrten Damen und Herren, sehen wir das auch, und das verbindet uns mit den Menschen draußen und trennt uns von Ihnen. Diese Verbindung mit der Bevölkerung und nicht mit dem System, das ist echte Verantwortung. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Diese positive Kraft ist das, was dieses Land eigentlich bräuchte, aber nicht Ihren herzlosen und fantasielosen Kahlschlag. ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumPeter Haubner

Ich habe Sie jetzt bewusst während der Rede nicht unterbrochen, aber ich möchte darauf hinweisen, dass Tiervergleiche und strafrechtlich relevante Vorwürfe in Reden nichts verloren haben, und ich bitte Sie, das bei den nächsten zu berücksichtigen. – Danke vielmals. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Kollege Kucher.

SPÖ Philip Kucher

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Ich habe jetzt zum Schluss fast ein bisschen schmunzeln müssen, Herbert Kickl . Ich habe lange Zeit überlegt, was ich zu deiner Rede sagen soll. Du hast das dann aufgeladen und zum Schluss gesagt: Dann macht das alles einen Sinn. – Also mir würde viel zu deiner Rede einfallen, aber: Sinn?! Einen roten Faden dahinter zu erkennen, das war nicht wirklich mit dabei. Das war durchaus eine bemerkenswerte Rede. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Der Film ist jetzt ungefähr 30 Jahre alt, aber ich muss mir wirklich noch einmal die Zeit nehmen und mir diesen Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ anschauen, ob darin nicht irgendwo ein junger Herbert Kickl mit Brille vorgekommen ist, denn in Wahrheit habe ich schon sehr viel Dauerschleife bei dir erlebt: Egal was man macht, Herbert Kickl ist natürlich immer dagegen. Und was jetzt doppelt spannend war: Er ist nicht nur gegen alles, was die Regierung macht, sondern er ist auch gegen das, was er selbst beschlossen hat. Er ist gegen das, was er selbst in einem Brieferl nach Brüssel geschickt hat. Das ist ja ganz, ganz spannend. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Herbert, wenn du so viele sinnvolle Ideen hast, wie man angeblich hätte sparen können: Was hat dich denn daran gehindert, diese während der Regierungsverhandlungen einzubringen? Das Einzige, was dir in der Phase eingefallen ist, lieber Herr Briefschreiber, das Einzige, was dir in der Phase eingefallen ist, waren Massenkürzungen für die breite Masse. Wir haben das Gegenteil gemacht! Wir haben geschaut, dass Banken, Energiekonzerne und Stiftungen einen fairen Beitrag leisten, und haben damit die blauen Giftzähne gezogen. Das ist der Unterschied – wenn wir schon von Sinn reden. Das ist der Sinn. (👏 SPÖ) Aber du bist nicht nur gegen alles, du bist ja gleichzeitig auch dafür. Ich würde jetzt meinen, ein großer Philosoph wirst du nach dieser Rede keiner werden, aber vielleicht wirst du noch ein ganz Großer in der Quantenmechanik – Professor Taschner ist hier im Saal –, du bist ja fast ein bisschen so etwas wie Schrödingers Katze der Innenpolitik in Österreich: gegen alles und gleichzeitig auch dafür. Einerseits müssen wir sparen, andererseits aber darf man dann doch nicht sparen. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Du bist gegen die böse, böse Regierung, bist aber bombastisch gescheitert mit den eigenen Regierungsverhandlungen. Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen, was du gemacht hast. Du bist gegen Kürzungen bei der breiten Masse, hast die aber selbst nach Brüssel geschickt, lieber Herr Briefschreiber, und sagst gleichzeitig in Bezug auf einen gerechten Beitrag von Banken, Energiekonzernen und Stiftungen, dass dir das auch nicht taugt. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Dagegen sein auf der einen Seite, dafür sein auf der anderen Seite – und dann behauptest du, das Ganze ist sinnvoll?! Das passt nicht zusammen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir hätten es uns in dieser schwierigen Situation ganz leicht machen können – das betrifft die NEOS und die Sozialdemokratie gleichermaßen –, die SPÖ hat unter Christian Kern ein saniertes Budget hinterlassen. Natürlich ist das ein dramatischer Scherbenhaufen, den wir jetzt haben. Wir hätten es uns so leicht machen können wie Herbert Kickl : erste Reihe fußfrei sagen, was man alles macht. Eine hat schon viel dazugelernt, das ist Leonore Gewessler , die als Ministerin ja durchaus einige Sachen verabschiedet hat, die in Ordnung waren, aber sich jetzt die ganze Zeit hinzustellen und Haltungsnoten zu verteilen, das passt halt auch nicht, wenn man monatelang, jahrelang in der Regierung war, Milliarden mit beiden Händen beim Fenster rausgeschmissen hat und dann hier herinnen immer wieder die Debatte führt: Wo sind denn die Milliarden? (Die Abgeordneten Gewessler [Grüne] und Maurer [Grüne]: Bei den Menschen!) Die Frage darf ich zurückgeben. Liebe Leonore Gewessler , das ist schon ein ordentlicher Scherbenhaufen, den wir hier alle miteinander aufräumen müssen. (👏 SPÖ, NEOS) Ich weiß, dass man für das Verhindern von schlimmeren Dingen keinen Schönheitspreis gewinnt, aber da geht es eben um echte Verantwortung, Herbert Kickl , um Verantwortung für Hunderttausende, für Millionen Menschen in diesem Land, für deren Leben es schon einen Unterschied macht, ob die Sozialdemokratie genau für diese Gerechtigkeit kämpft. Das ist der Unterschied: Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, auch wenn wir nicht dafür verantwortlich sind. Die Leute haben natürlich schon den Unterschied erlebt. Es gibt keine pauschale Erhöhung des Pensionsantrittsalters, indem man drüberfährt, völlig egal, ob die Leute überhaupt Arbeit haben, ob die Leute überhaupt gesund sind und arbeiten können. Nein, wir setzen mit Reformen dagegen und schauen, dass vor allem ältere Menschen auch Arbeit haben. Wir schauen, dass es finanziell eben zu keinen Massenkürzungen bei Pensionistinnen und Pensionisten kommt, womit du sozusagen spekuliert hast und was du bereits nach Brüssel gesendet hast. Für diese Menschen macht es einen Unterschied – weil wir miteinander bereit waren, Kompromisse zu schließen. Ich weiß noch, wie es dem Gust gegangen ist, dem Yannick, das waren durchaus intensive Debatten, die ÖVP, SPÖ und NEOS geführt haben. Eine Zeit lang war es, glaube ich, gut, alle freuten sich auf den Sommer, um sozusagen wieder ein bisschen Abstand voneinander nehmen zu können, aber wir haben gesagt, es geht um Österreich, da braucht es gute Kompromisse für die Menschen. Und diese Kompromisse können sich sehen lassen! Wir haben darauf abgezielt, dass wir neben den Einsparungen einen gerechten Beitrag der breiten Schultern herbeiführen und dass es in ganz zentralen Bereichen keine Kürzungen geben wird. Ich habe das Bild noch vor mir: Dort auf der Regierungsbank ist er ganz vorne gesessen, Herbert Kickl , und hat fast mit Herzerln in den Augen Hartinger-Klein als Gesundheitsministerin angeschaut und hat applaudiert, als sie die Patientenmilliarde – angeblich – beschlossen hat. Was haben wir in Wahrheit jetzt übernommen? – Fast 1 Milliarde Euro Minus bei der Krankenkasse. Das ist die blaue Hinterlassenschaft gewesen. (👏 SPÖ) Ich will, dass in Zukunft die Menschen, die krank sind, wieder innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne einen Arzttermin bekommen. Wir sparen auch nicht im Bereich der Bildung – weil gerade die neue Mittelschule aus Ebreichsdorf hier ist –, wir wollen, dass jeder junge Mensch in diesem Land die besten Chancen hat. Im Gesundheitsbereich, im Bildungsbereich, bei der Beschäftigung wird trotz dieser schwierigen Zeiten jede Menge Geld investiert. Abschließend darf ich wirklich alle Fraktionen hier in diesem Haus bitten: Es ist keine einfache Zeit, aber es ist ein so großartiges Land, und es ist unsere Aufgabe, dass wir dieses starke Land auch gemeinsam wieder auf Kurs bringen. Wir haben es geschafft, die blauen Giftzähne zu ziehen, wir haben es geschafft, den blau-schwarzen Rasenmäher, der geplant war, sozusagen zu stoppen, und es gibt in Wahrheit auch die grüne Gießkanne nicht mehr. Wir schauen über alle Parteigrenzen hinweg, um miteinander das Land wieder auf Kurs zu bringen. Der Beitrag der Sozialdemokratie dabei ist es, zu schauen, dass das notwendige soziale Fingerspitzengefühl erhalten bleibt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Kommt im Herbst was nach?

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Werner Kogler . Ich habe die Redezeit auf 7 Minuten eingestellt.

GRÜNE Werner Kogler

Danke schön, Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Finanzminister! Kolleginnen und Kollegen auf der Regierungsbank! Ja, ich möchte den Appell von Kollegen Dengler aufgreifen und mich einer moderaten Wortwahl bedienen oder dies zumindest versuchen. Richtig ist, was das Budget jetzt betrifft – und ich schließe da bei etwas sehr Positivem an, das der Finanzminister in seiner Budgetrede gesagt hat –, dass Österreich trotz aller Schwierigkeiten – und wir haben massive Schwierigkeiten, das soll nicht geleugnet werden, die sich im Übrigen schon lange aufgebaut haben, im wirtschaftlichen Bereich, und deshalb hat ja das Budget Probleme und nicht zwingend umgekehrt; das ist alles richtig – immer noch sehr gut dasteht, von den Voraussetzungen her. Es geht auf der schiefen Ebene nach unten, das stimmt, aber hinsichtlich bestimmter Voraussetzungen für den Wirtschaftsstandort – was die Ausbildung der Arbeitskräfte betrifft, was viel Know-how betrifft, die Fähigkeiten, die es hier gibt, und auch, was völlig unterschätzt wird, aber zu Recht betont wurde, den sozialen Zusammenhalt, der im Wesentlichen trotz anderweitiger Bemühungen noch gegeben ist – sollte man für so eine Volkswirtschaft wie Österreich nicht unterschätzen, was das für eine Bedeutung hat. Das sind zwei super Voraussetzungen. Ja, und alles ist ein bisschen angeknabbert und geht nach unten. Alle können wir uns fragen, was wann richtiger gewesen wäre, das reicht aber schon viel länger zurück. Ich sage nur: Föderalismusreformdebatten. Seit wie lange? – Seit ich den Fernseher einschalte, und das ist lange, das war noch in Schwarz-Weiß. Also so herum möchte ich es einmal einleiten, aber es geht tatsächlich dann darum – diese Worte habe auch nicht ich erfunden, aber ich hätte es jetzt einmal so aufgegliedert –: ums Konsolidieren in dieser Situation, ums Sanieren und dann aber, oder mehr oder weniger gleichzeitig beginnend – dazu sage ich dann noch etwas –, ums Reformieren, das ist völlig richtig. Und das, und auch da wissen wir uns mit dem Finanzminister eins, muss so viel Spielraum lassen, gerade noch, dass wir auch noch investieren können. Also: konsolidieren, sanieren, reformieren – Fragezeichen –, aber auch investieren. Wir sagen ja selber vom ersten Tag weg, bitte das zu berücksichtigen – Jakob Schwarz und ich investieren da tatsächlich, und das ist im Übrigen auch nachzurechnen –: Wo muss dann, dann aber sinnvoll, gespart werden, wenn wir bestimmte Ziele der Budgetsanierung erreichen wollen? Und ich bin selber der Meinung und ich glaube, vom Grundsatzpfad her, dass wir bis zum Ende der Legislaturperiode wieder die europäischen Regeln relativ gut einhalten, da würden wir übereinstimmen. Wenn das aber schon einmal der Konsens ist, dann kann man bei den Einnahmen und Ausgaben schauen. Und die Grünen machen es sich nicht leicht. Immer wenn wir etwas kritisieren, sagen wir, wo sonst das Geld in der Welt läge, damit der Pfad passt, damit das passt, dass wir auf diesen europäischen Konsolidierungskurs kommen und gleichzeitig aber Ursache und Wirkung nicht verwechseln – und Ursache der Budgetmisere ist eben die Wirtschaftskrise, und deshalb muss man schauen, wie wir dort ansetzen. Und jetzt habe ich schon das Thema – um das durchzugehen –, dass es – nicht überall, es gibt auch gute Geschichten, nicht überall, aber in wesentlichen Teilen oder in einzelnen Teilen, je nachdem –, gemessen an den Alternativen, die es immer noch gibt, hier umweltschädlich zugeht, phasenweise aus gleichen Gründen wirtschaftsfeindlich und da oder dort gar nicht zu knapp sozial ungerecht. So, und das ist völlig verkehrt herum, und wir werden immer nachweisen, wie wir das Geld sonst aufstellen wollen. Wenn wir uns zum Beispiel im sozialen Bereich – damit ich eines herausgreife – anschauen, dass gerade die Familien – apropos Familienpartei ÖVP – mit den meisten Kindern, mit den geringsten Einkommen und die, die am entlegensten wohnen, nicht nur relativ, sondern phasenweise auch absolut die größten Kürzungen haben, dann geht das auch anders. Wenn man schon bei der kalten Progression hingreift – was ich ja verstehe, denn das war immer ein günstiges Körberlgeld, und wir sind auch darauf aufmerksam gemacht worden, dass es Schwierigkeiten geben könnte, wenn man das abschafft, ohne eine Gegenfinanzierung vorzusehen, sage ich dazu und verweise da auf Prof. Badelt –, dann greife ich doch so hin, dass ich nicht das soziale Drittel – das heißt im Übrigen schon so – angreife, weil dort die Chance Kindergrundsicherung – das ist ja das Programm der SPÖ, da decken wir uns weitgehend – verankert ist. Das ist ja bis jetzt gelungen – im Übrigen, grosso modo hat der Sozialstaat ja gehalten –, und jetzt soll es dort aber weitergehen. Deshalb könnte man – ja, das muss ich an dieser Stelle selber eingestehen – das vielleicht von oben herum machen – da sind wir sogar noch innerhalb des gleichen Prinzips: Rücknahme der Abschaffung der kalten Progression – oder auch an anderer Stelle dort. Bei den Abgaben haben Sie ja auch nicht alles ausgeschöpft. Die Bankenkiste könnte man entweder erhöhen oder länger laufen lassen. Die haben zur Stunde erst die Hälfte abgetragen von dem, was der Finanzsektor in der Finanzkrise verursacht hat. 5 Milliarden Euro sind noch offen. Wir wissen, wovon wir da reden. Ich würde auch einmal den Gemeindebundpräsidenten, der durchaus konstruktive Ansätze hat, erhören und den Gemeinden die Möglichkeit geben, dass sie bei der Grundsteuer etwas tun. Warum passiert das nicht? Ansonsten will ich mich wieder auf die Ausgabenseite konzentrieren, und da kommen wir zur Umweltfrage, die mit der Wirtschaftsfrage verbunden ist. Da wird wirklich viel Unsinn verbreitet. Ich weiß schon, dass wir da in Konkurrenz stehen, aber zu sagen, nur weil ich gestern in der „Pressestunde“ war – Kolleg:innen von den Sozialdemokraten, seid mir nicht böse –, die SPÖ müsse jetzt zusammenräumen, was die Grünen im Klimaschutz nicht zusammengebracht haben: Also da wünsche ich Ihnen viel Vergnügen. Da gehen Sie einmal auf Österreichtour und diskutieren Sie das durch! Und wir sind dann eh auch schon wieder da. Aber das geht sich ja hinten und vorne nicht aus! Richtig ist, dass einige Milliarden zusätzlich in die Hand genommen wurden für verschiedenste Fördersystematiken. Das ist richtig. Aber um was zu befördern? – Um Investitionen zu befördern. Von denen reden wir ja: Investitionen! Und das kann man einmal so und einmal so machen, aber grosso modo passt es. Die haben im Übrigen sehr viel gebracht für die österreichische Volkswirtschaft, auch die Wirtschaftskammer erkennt das. Hätten wir das nicht gemacht, wäre die Wirtschaftsmisere und damit die Budgetmisere noch größer. Es ist ja klar, dass jetzt die Installateure, die Monteure und alle herumrennen und sagen: He, wo führt denn das hin? – Das, glaube ich, sollte man daher nicht in dieser Form streichen, sondern anders machen, denn sonst haben wir am Schluss die Strafzahlungen. Na da mache ich die Rechnung auf: Der Rechnungshof sagt, zwischen 5 und möglicherweise 9 Milliarden Euro wären es im Jahr 2030. Wir haben umweltschädliche Subventionen. Apropos Förderungen: Die anderen haben wenigstens einen Sinn, die für etwas sind. Aber diese nicht anzugreifen, wenn es so knapp ist? Ja, wir haben auch nicht alles weggebracht, das ist richtig, aber wir hatten auch nicht diese Budgetsituation. Das ist das, was sich nicht ausgeht, finde ich: Wir haben mehrere Milliarden – ich habe es gestern vorgerechnet –, die völlig in die falsche Richtung gehen. Und das sollten Sie sich schon zu Herzen nehmen in all diesen Bereichen. Und wenn dann rauskommt, dass wir am Schluss noch mehr umweltschädliche Subventionen machen statt weniger, und zwar in Milliardenhöhe, dann sieht man da die Dimension. Wir könnten alles aufrechterhalten, wenn wir es anders zuteilen – das ist ja zum Teil eine Geschmacksfrage –, aber man muss es nicht streichen. Das kann man von mir aus besser machen – beweisen Sie das! Und was die Dimension von dem Ganzen betrifft – weil Sie so tun, und das ist ja der größte Blödsinn, Kollege Kucher, seid mir nicht böse, dass das im Großen irgendetwas auslösen würde –: Wenn wir die letzten fünf Jahre hernehmen, machen diese zusätzlichen Umweltförderungen plus/minus ein halbes Prozent von der Wirtschaftsleistung aus. Rechnen Sie endlich einmal nach! Das würde ich allen empfehlen: nachzurechnen. (👏) Und für dieses halbe Prozent wurde so viel erreicht und ausgelöst: neue Firmen, neue Arbeitsplätze in den Zukunftsbereichen – und die Emissionen sinken! Von diesen Maßnahmen werden Sie noch jahrelang profitieren. Jetzt fallen aber die Entscheidungen dafür, wie es 2027 bis 2030 mit den Emissionsreduktionen aussieht. Daran werden Sie auch gemessen. Auch das ist Wirtschaft und auch das sind Arbeitsplätze. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter August Wöginger . – Ich habe Ihre Zeit auf 6 Minuten eingestellt.

ÖVP August Wöginger

Danke, Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es ist notwendig, zu Beginn ein paar Worte auf Klubobmann Kickl zu replizieren, weil er immer Ehrlichkeit einfordert, dass man sich an die Wahrheit hält und dass ehrliche Politik betrieben wird. Herr Klubobmann Kickl, ich habe ein paar Dinge herausgehört. Da ich Klubobmann Kickl ja auch schon längere Zeit kenne, möchte ich hier ein paar Dinge klarstellen; das gehört auch zur Wahrheit dazu. Das hat nicht immer nur die eine Seite, das hat auch die andere. Zur Coronapolitik: Es war immerhin Herbert Kickl , der den ersten Lockdown gefordert hat – noch drei Tage vor der Bundesregierung, im März 2020.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und wer war der Erste, der gesagt hat: Weg damit!?

ÖVP August Wöginger

… Zu den Privilegien: Herr Kollege Kickl, das fetteste Auto, das von einem Politiker in Österreich gefahren wird, das hast du selber. Das ist eine Mercedes S-Klasse. (👏 ÖVP) Zum Innenminister Kickl: Was ist geblieben vom Innenminister Kickl? – Nichts! Der blaue Teppich ist weg, die Rösser sind weg und die Bilanz ist schlecht. Wir wissen jetzt genau, dass die Bilanz schlecht ist, weil zurzeit um 12 000 Menschen weniger in der Grundversorgung sind, als das im April 2019 unter Innenminister Kickl der Fall war. Wir haben jetzt unter Innenminister Karner um 12 000 Menschen weniger in der Grundversorgung als unter Herbert Kickl . Das ist auch die Wahrheit, Herr Klubobmann. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zu guter Letzt, und dann kann ich auch zum Budget überleiten: Wir haben ja gemeinsam verhandelt. Kickl hätte natürlich Bundeskanzler der Republik werden können. Er wollte es aber nicht. Er wollte es aber nicht – wahrscheinlich zu anstrengend, sieben Tage, 24 Stunden, da kann man nicht mehr Bergkraxeln gehen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das tät’ dir gar nicht schaden ein bissl!

ÖVP August Wöginger

… Das wird alles dazugehören. Er wollte es nicht. Das ist auch die Wahrheit. Zum Budget: Das haben wir ja wirklich ausverhandelt gehabt, genau die 6,4 Milliarden Euro; zu 90 Prozent ident. Da sind sicher ein paar Abweichungen dabei …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Die Pensionen zum Beispiel!

ÖVP August Wöginger

… im kulturellen Bereich und dass man die Fahrradfahrer nicht entlasten will. Da sind Forderungen der FPÖ im kleinen Bereich drinnen. Zu 90 Prozent aber sind die 6,4 Milliarden Euro ident so, wie wir es jetzt in diesem Budget vorfinden – auch was die Pensionen anbelangt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mit oder ohne Defizitverfahren? – Abg. Kaniak [FPÖ]: ... Pensionistensprecherin ist dabeigesessen und hat gesagt, dass man das nicht macht!

ÖVP August Wöginger

… Auch wenn es wieder 100 tatsächliche Berichtigungen gibt, es ist nicht die Wahrheit! Es ist einfach falsch. Wir haben die Veränderungen bei der Korridorpension ausgemacht gehabt und wir haben die Erhöhung des Krankenversicherungsbeitrages um 0,9 Prozent ausgemacht gehabt. Die beiden Parteiobleute Kickl und Stocker haben das auch unterschrieben und gemeinsam nach Brüssel geschickt. Das ist die Wahrheit, meine sehr geehrten Damen und Herren.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich glaube, du hast ein allgemeines Wahrheitsproblem!

ÖVP August Wöginger

… Dass die Erstellung dieses Budgets in Zeiten wie diesen nicht einfach ist, ja, das ist richtig. Wir haben seit drei Jahren Rezession. Wir haben mehrere Jahre verschiedener Krisen hinter uns …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die ÖVP hat überhaupt nichts damit zu tun ...!

ÖVP August Wöginger

… die Pandemie, natürlich auch die Kriegssituation wieder auf europäischem Boden. Da siehst du ( in Richtung Abg. Kickl [FPÖ] ) ja auch nur die eine Seite. Natürlich: Wenn man mit Russland so verbandelt ist, wie das die FPÖ ist – mit Verträgen und weiß der Teufel, was da noch alles dazugehört …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist dermaßen ...! – neuerlicher Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ]

ÖVP August Wöginger

… dann ist die Situation der FPÖ schon klar.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das glaubt ja eh keiner mehr!

ÖVP August Wöginger

… Dass man mit beiden spricht, um endlich Frieden herbeizuführen, das ist unsere Antwort darauf …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Seit wann? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Seit wann denn? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ – Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS

ÖVP August Wöginger

… nicht die Einseitigkeit, die die FPÖ von sich gibt, die nur Russland sieht und nicht das andere auch.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wann kommt der Putin auf Staatsbesuch?

ÖVP August Wöginger

… Dann hat es die Teuerung gegeben. Dann hat es die Inflation gegeben. Das alles wird von der FPÖ weggewischt, als hätte es in dieser Republik nicht stattgefunden. Wir haben die Veränderungen, die es natürlich auch im globalen Umfeld gibt: die Zollpolitik von Präsident Trump …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die ist jetzt schuld fürs Defizit, oder was?

ÖVP August Wöginger

… jetzt auch die Kriegssituation erneut im Nahen Osten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Mein Gott, ist das peinlich!

ÖVP August Wöginger

… All das geht ja nicht spurlos auch an uns vorüber.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Würde mich ja mal interessieren, wer da eigentlich der Aggressor ist!

ÖVP August Wöginger

… Dennoch können wir als Bundesregierung – und auch wir als die drei Koalitionsparteien hier im Parlament – dieses Budget in den nächsten Tagen nicht nur diskutieren, sondern am Mittwoch auch beschließen: ein Budget, das nichts beschönigt und keine Wohltaten verspricht; ein Budget, das vor allem einen neuen Weg einleitet; einen Weg, der nicht einfach ist, aber der beste Weg für Österreich ist – mit dem Dreiklang aus Sanieren, Reformieren und Wachsen. Das ist der Weg der Verantwortung, meine Damen und Herren, den wir hiermit gehen. Ein Wort zu diesen drei Punkten. Sanieren: Wir haben ein Gesamtsanierungsvolumen in den beiden Jahren von 17 Milliarden Euro, denn es ist ja das eine die Sanierung und das andere auch die Offensivmaßnahmen, die gesetzt werden können. Im heurigen Jahr sind es insgesamt 7 Milliarden Euro, 6,4 Milliarden für die Konsolidierung. Im kommenden Jahr sind es 10,3 Milliarden Euro, 8,7 Milliarden für die Konsolidierung und gut 1,5 Milliarden für Offensivmaßnahmen. Was sind denn die Maßnahmen? Noch dazu: Das ist nicht nichts. In den letzten Jahrzehnten wurde ein derartiges Budget in diesem Haus nicht beschlossen, notwendigerweise.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Historisch! Ist so!

ÖVP August Wöginger

… Aber wenn man fragt: Wo ist denn da die Konsolidierung? – Die ist da, meine Damen und Herren. Die ist nachweislich da.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Für die nächsten fünf Jahre!

ÖVP August Wöginger

… Die ist niedergeschrieben. Es ist auch notwendig, das in der jetzigen Zeit zu tun. Das betrifft den Klimabonus. Das betrifft die Bildungskarenz. Das betrifft das gesamte Förderungswesen. Das betrifft auch die Verwaltung mit über 1 Milliarde Euro. Das betrifft auch steuerliche Maßnahmen, die gesetzt werden, damit dieses Budget saniert wird.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was wird da saniert? Neue Verschuldung!

ÖVP August Wöginger

… Das ist der Weg, der notwendig ist, und diesen Weg gehen wir auch, meine Damen und Herren. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Reformieren: Die Pensionen habe ich erwähnt; mit der FPÖ vereinbart und ausgemacht. Wir haben neben der Korridorpension- Änderung auch die Aliquotierung mit 50 Prozent festgehalten. Wenn man also heuer in Pension geht, bekommt man im nächsten Jahr die Hälfte des Anpassungsfaktors. Das war eine unendliche Geschichte in den letzten Jahren, auch hier im Hohen Haus. Auch der Nachhaltigkeitsmechanismus wird Teil des gesamten Paketes sein.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, schön, toll! Erklär einmal den Nachhaltigkeitsmechanismus!

ÖVP August Wöginger

… Die Teilpension und auch eine Neuregelung bei der Altersteilzeit werden es ermöglichen, dass das faktische Antrittsalter stärker an das gesetzliche Antrittsalter herangeführt wird. Es ist notwendig, meine Damen und Herren, das zu tun, weil natürlich auch die Ausgaben in diesem Bereich steigen, weil wir eine älter werdende Gesellschaft sind, weil wir auch der älteren Generation Respekt und Anerkennung und Wertschätzung zollen wollen, aber auch eine Nachhaltigkeit im Pensionssystem verankern wollen. Zum Bereich Reformen darf ich auch noch auf etwas verweisen, was es in Österreich lange nicht gegeben hat, nämlich die Reformpartnerschaft Österreich, die im Rahmen der Landeshauptleutekonferenz vor wenigen Tagen in Salzburg unterschrieben wurde, und zwar von der Spitze der Bundesregierung, vom Vorsitzenden der Landeshauptleutekonferenz Wilfried Haslauer , vom Vorsitzenden des Städtebundes und des Gemeindebundes. Man will da in den Bereichen der Energie, der Bildung, der Gesundheit und der Verwaltung in den kommenden Monaten Maßnahmen setzen, um auch da die Reformansätze zu zeigen und diese auch umzusetzen. Das ist Politik, die Verantwortung übernimmt. Das ist Politik für die Zukunft unseres Landes. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Wachsen, meine Damen und Herren: Eigentlich sollte es ja einen Schulterschluss dafür geben, dass man dieses zarte Pflänzchen, das es jetzt am Ende des Horizonts gibt – auch bestätigt durch die Oesterreichische Nationalbank; auch das Wifo sieht ein leichtes Wachstum, wenn es auch nicht viel ist, aber es geht in die richtige Richtung –, unterstützen sollte als politischer Verantwortungsträger, egal ob man in der Regierung oder in der Opposition ist. Wir versuchen, das mit zahlreichen Offensivmaßnahmen auch anzukurbeln. Da ist zum Beispiel die 1 000-Euro-Mitarbeiterprämie, die steuerfrei gestellt ist, oder auch – für jene, die ein Fahrzeug brauchen oder weiter weg sind vom Arbeitsplatz – die Verdreifachung des Pendlereuros von 2 auf 6 Euro. Die Maßnahme zum Arbeiten im Alter: Es ärgert ja viele Menschen, wenn sie bis zum gesetzlichen Pensionsantritt gearbeitet haben und dann aber sagen: Ich fühle mich noch fit und gesund und will weiterarbeiten!, dass dann eine Steuernachzahlung von 2 000, 3 000 oder 4 000 Euro kommt. Dass das nicht passiert, das setzen wir ab dem Jahr 2026 auch um. Das ist eine wichtige Maßnahme. (👏 ÖVP) Dazu gehört auch, dass wir die kleine und mittlere Wirtschaft unterstützen, wie mit der Befreiung von der NoVA bei diesen Kastenwägen – wenn der Mitarbeiter, der Elektriker von einer Baustelle zur anderen fährt und am Abend nach Hause und am nächsten Tag wieder auf die Baustelle, dass er auch vom Sachbezug befreit ist und dass das Auto in der Anschaffung keine NoVA beinhaltet. Oder auch der Kostendeckel bei den Rezeptgebühren für jene, die niedrigere Pensionen haben, dass auch eine soziale Handschrift hinterlassen wird; das zweite Kindergartenjahr, das vom Bund mitfinanziert wird; die Deutschförderung und das Gemeindepaket in der Höhe von insgesamt 880 Millionen Euro in den nächsten Jahren. Das, meine Damen und Herren, ist verantwortungsvolle Politik. Das heißt nicht nur Sparen um jeden Preis, sondern Prioritäten setzen – und das mit Hausverstand. Wir tun das Richtige mit diesem Doppelbudget für Österreich. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Michael Schnedlitz . – Ich habe Ihre Redezeit auf 8 Minuten eingestellt.

FPÖ Michael Schnedlitz

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vor allem geschätzte Damen und Herren Zuhörer, um deren Zukunft es jetzt geht! Wir haben ein Budget der Ampelregierung vorliegen, bei dem der Plan lautet: ein Belastungsbudget für die Menschen, verlorene Jahre für die Wirtschaft, in den finanziellen Untergang der Republik Österreich. Da können meine Vorredner behaupten, was sie wollen. Sie alle wissen: Zahlen lügen nicht. Im Übrigen: Auch Excel-Listen lügen nicht, Herr Kollege. Die Menschen wissen und können nachvollziehen – sogar im Internet –, dass die Liste, die während der Verhandlung von FPÖ und ÖVP von Herbert Kickl unterschrieben nach Brüssel geschickt wurde, mit keinem Wort diese Pensionskürzungen enthält …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Yannick hat ein Taferl!

FPÖ Michael Schnedlitz

… die Sie jetzt gemeinsam mit der Ampel beschlossen haben. Vielleicht auch noch als Anmerkung, denn das war ja nicht das Einzige, was mein Vorredner behauptet hat; er hat ja auch behauptet, auch Herbert Kickl habe einen teuren Dienstwagen: Sehr geehrte Damen und Herren, das ist unrichtig. Die Wahrheit lautet auch da: Das ist kein Dienstwagen der Republik Österreich. Die Freiheitliche Partei bezahlt diesen Dienstwagen selber.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

Aus der privaten ...! – Ruf bei der ÖVP: Unternehmensberatung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Im Übrigen - - ( Unruhe im Saal. ) Im Übrigen hat die Freiheitliche Partei im Vergleich zur Republik Österreich keine Schulden ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und sie hat auch im Vergleich zur Österreichischen Volkspartei keine Schulden. Wir wissen, wie man wirtschaftet. (👏 FPÖ) Und dann hat mein Vorredner von der Österreichischen Volkspartei, weil er gerade so in Fahrt war , auch noch behauptet, diese Bundesregierung sei quasi der Schutzpatron der Neutralität und man spreche mit beiden – ich glaube nicht, dass er den amerikanischen Ex-Präsidenten gemeint hat, er meinte: beide Seiten –, aber am heutigen Tag ist nur eine Seite hier, nur eine Seite eingeladen, und nur eine Seite bekommt von Ihnen die Finanzhilfen. Sie sprechen nicht mit beiden Seiten, Sie opfern unsere Neutralität, und die Menschen zu Hause vor den Bildschirmen wissen das. (👏 FPÖ) Ich weiß ja nicht, was in einem vorgeht, wenn man glaubt, mit solchen Aussagen die Menschen zu Hause vor den Bildschirmen und hier auf der Galerie für dumm verkaufen zu können. Glaubt man wirklich, man kommt damit durch? – Das haben sich die Menschen von meinem Vorredner anhören müssen, aber kein Wort zur Sicherheit, kein Wort zum Kahlschlag bei der Polizei. Da sieht man, wie wichtig die Polizei und das Innenministerium der Österreichischen Volkspartei in Wahrheit sind, und gleichzeitig sieht man, wie wichtig es gewesen wäre, dass das Innenministerium endlich in verantwortungsvolle Hände, nämlich in freiheitliche, gelangt. (👏 FPÖ) Mit diesem Budget haben wir jetzt einen Plan vorliegen, der die nächsten Jahre abbildet, und es war noch nie so offensichtlich, dass es nicht um die Republik Österreich oder um das Wohlergehen der österreichischen Bevölkerung geht, sondern um Posten. Das sieht man alleine schon, wenn man hier zu meiner Linken und zu meiner Rechten auf die größte und teuerste Regierungsmannschaft aller Zeiten blickt: Das manifestiert sich auch in einem Kanzlerposten für die abgewählte Österreichische Volkspartei, in einem Vizekanzlerposten für Andreas Babler , in einem Ministerposten für Meinl-Reisinger und in ein paar anderen Posten. Dafür haben Sie der Republik Österreich einen Bärendienst erwiesen, und im Budget schreiben Sie den jetzt fest. Dafür haben Sie gleichzeitig Ihre Parteien, Ihre Funktionäre und Ihre Wähler verkauft. Sie haben alle Ihre Ziele über Bord geworfen, und ich werde Ihnen jetzt die Beweise dafür liefern. Wo werden die Ziele von Parteien und die Versprechen an die Wähler festgeschrieben? – Ich würde einmal sagen: auf Wahlplakaten. Und wo wird die Umsetzung gesammelt festgeschrieben? – Im Budget. Jetzt schauen wir uns das an: Die NEOS haben plakatiert: „Reformkraft“. – Was ist von dieser Reformkraft geblieben? – Ein Steigbügel für die Österreichische Volkspartei und Sepp Schellhorn. Der Rest ist ja zurzeit gerade nicht da. – Viel mehr muss man dazu gar nicht sagen. Was hat die SPÖ, die Sozialdemokratie plakatiert? – Das Gesicht von Andreas Babler und daneben den Satz – ich zitiere –: „Mit“ Herz „+Hirn“, „Für deine Pension.“ ( Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ. ) Eine ältere Dame war auch auf dem Plakat. Sogar mehr noch: In einem von der SPÖ selbst geführten Interview wurde Andreas Babler von der SPÖ gefragt: „Was meinst du, wenn du von einer Pensionsgarantie sprichst?“ – Andreas Babler hat geantwortet: „Die Sozialdemokratie ist Garantin dafür, dass man von der gesetzlichen Pension, für die man jahrzehntelang eingezahlt hat, gut leben kann. Faire und sichere Pensionen schützen vor Altersarmut.“ – Und jetzt kommt es –: „Mit der SPÖ wird es keine Pensionskürzungen und keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters geben.“ …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Alles wurscht!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Dann hat er noch im selben Satz dazugesagt - - (👏 SPÖ) Da klatschen die noch, obwohl sie jetzt gerade mit diesem Ersten des Monats die Pension gekürzt haben! (👏 FPÖ) Na geht denn mehr Hohn gegenüber der Bevölkerung? Geht’s euch noch gut? Da klatscht ihr noch! Gleichzeitig, im selben Absatz, hat Andreas Babler auch versprochen: Pensionssystem in der Verfassung, Arbeitszeitverkürzung und ein Bankomat an jeder Ecke – darauf gehe ich jetzt gar nicht ein. Da aber zu klatschen, das zu plakatieren und dann die Pensionen zu kürzen, obwohl Sie den Pensionisten eine Garantie gegeben haben: Sie haben den Pensionisten eine Garantie gegeben, die haben Ihnen vertraut, und viele haben Ihnen dann auch ihre Wählerstimme anvertraut. Dann herzugehen und die Pensionen zu kürzen, erinnert mich – das sage ich Ihnen – an den Enkeltrick. Da geht es auch darum, zuerst Vertrauen aufzubauen, und dann bleibt kein Geld übrig. Genau das haben Sie in dieser Regierung zustande gebracht. (👏 FPÖ) Schlussendlich hat die Österreichische Volkspartei plakatiert: „Karl Nehammer“, und daneben: „Stabilität“. – Ja, jetzt könnte man sagen, es wäre das Mindestmaß an Stabilität gewesen, wenn der, der plakatiert wird und antritt, dann auch in die Regierung eintreten würde, aber damit will ich mich jetzt gar nicht aufhalten. Der hat jetzt eh einen Job bekommen – das funktioniert ja bei Ihnen sehr stabil –, mit über 30 000 Euro brutto im Monat als EU-Banker ohne Ausbildung, während Sie die Pensionen kürzen. In diesen Schachzügen und in diesen Winkelzügen ist die ÖVP stabil. Schauen wir uns das Ganze aber auch fachlich an! Sie plakatieren Stabilität, Sie stellen jetzt den Kanzler, und das Budget zeigt das genaue Gegenteil von Stabilität. Wenn man nämlich ein Budget macht – egal ob das ein Haushaltsbudget oder ein Budget in einem Unternehmen oder eben ein Budget für die Republik ist –, dann weiß der normal denkende Bürger, man geht her und schaut sich an: Wo komme ich her, wie stehe ich da – eine Lagebeurteilung –, und wo will ich hin? Das Wo-will-ich-hin schreibt man dann im Budget fest, und das gehen wir jetzt der Reihe nach durch: Wo kommen Sie her und wo stehen Sie beim Thema Stabilität? – Österreich ist das einzige EU-Land mit negativem Wirtschaftswachstum. Dann stellt sich der Kogler raus und sagt: Wir stehen wirtschaftlich gut da. – Letzter Platz beim Wirtschaftswachstum, letzter Platz beim Wirtschaftswachstum! In anderen Bereichen, zum Beispiel bei der Steuerlast, sind wir zwar nicht Letzter, aber es geht den Österreichern am drittschlechtesten von allen europäischen OECD-Ländern. Schlechter geht es nur noch den Menschen in Frankreich und in Belgien. Besonders schlecht, was die Abgabenbelastung betrifft, geht es einem Österreicher oder einer österreichischen Familie übrigens dann, wenn sie zwei Kinder hat. Da hat uns dann nämlich sogar Frankreich mit der Abgabenbelastung überholt, und nur noch Belgien steht schlechter da und man muss für sein Arbeiten mehr Abgaben bezahlen. – Das würde ewig so weitergehen, betreffend Inflation, öffentlicher Schuldenstand und, und, und. Zusammenfassen kann man: Wirtschaft kaputt, Standort kaputt – das sind die Analyse und die ehrliche Lagebeurteilung kurz zusammengefasst zum Zeitpunkt heute. Jetzt planen wir das Budget. Besserung in Sicht? – Nein. Man braucht den Budgetplan – der liegt ja schwarz auf weiß auf dem Tisch – nur zu öffnen und zu lesen: keine Investitionen, keine Trendwende, kein Befreiungsschlag für die Wirtschaft, kein Befreiungsschlag im Steuersystem, kein Befreiungsschlag für den Standort. Jetzt würde man normalerweise hergehen und sagen: Aber dafür sanieren sie wenigstens das Budget. – Nein, sehr geehrte Damen und Herren, das Budget wird auch nicht saniert. Österreich bekommt ein Defizitverfahren. Warum bekommt Österreich ein Defizitverfahren? – Weil die Europäische Union – nicht die Freiheitliche Partei unter Kickl – über dieses Budget sagt: Totalschaden, Note: untauglich; untauglich, um das Budget zu sanieren. Deshalb bekommt Österreich jetzt ein Defizitverfahren. Das ist übrigens auch der Unterschied zwischen dieser Ampelregierung und einer Regierung unter einem Kanzler Kickl. Den schreiben nicht wir fest, den hat die Europäische Union festgeschrieben.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Es gibt keinen Kanzler Kickl!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Weil Sie so gern die Frage stellen: Was ist die Unterschrift von Herbert Kickl wert? ( Ruf bei der ÖVP: Nichts! ) – Die Europäische Union hat das beantwortet: Ein Plan innerhalb von drei Tagen, eine Unterschrift von Herbert Kickl , die Aussicht auf Kanzler Kickl, seine Durchsetzungskraft und Glaubwürdigkeit, und die Europäische Union hat gesagt: kein Defizitverfahren. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP. ) – Das haben wir jetzt schwarz auf weiß. Da können Sie jetzt machen, was Sie wollen. (👏 FPÖ) Dann kommt die Ampel mit der ÖVP als Seniorpartner daher, und da braucht jetzt die ÖVP gar nicht zu lachen. Wenn die ÖVP während der Verhandlungen mit den Freiheitlichen, als sie der Juniorpartner war, ausschlaggebend gewesen wäre, dass es zu keinem Defizitverfahren kommt, und jetzt – neben mir sitzt der Kanzler – den Seniorpartner stellt, warum gibt es denn dann jetzt ein Defizitverfahren? – Sie können den Menschen draußen nicht erzählen, dass Sie damals das Defizitverfahren abgewendet haben, wenn Sie vom Juniorpartner zum Seniorpartner mutiert sind und jetzt das Defizitverfahren kommt. Sie in der Österreichischen Volkspartei sind der Garant für ein Defizitverfahren. – So einfach ist unterm Strich die Rechnung. (👏 FPÖ) Die EU sagt mit einem Blick auf dieses Budget: Wir kennen jetzt Ihren Plan, wir kennen Ihre Glaubwürdigkeit, und das Ergebnis ist, wir leiten ein Defizitverfahren ein. – Bravo, sehr geehrte Damen und Herren von der Österreichischen Volkspartei! Wundern darf das Ganze niemanden. Die ÖVP-Grüne-Vorgängerregierung hat bei Corona 88 Milliarden Euro Defizit gemacht, hat aber kein Geheimnis daraus gemacht, sondern hat gesagt: „Koste es, was es wolle“, wir hauen jetzt diese 88 Milliarden Euro Defizit hinaus. – Wie gesagt, kein Geheimnis, der Stil war jedem bekannt. Die jetzige Regierung – links und rechts von mir, die Ampelregierung – kürzt die Pensionen, erhöht die Gebühren, streicht Leistungen, spart bei Familien, investiert nichts in die Wirtschaft, investiert nicht in den Standort – und jetzt kommt es –: trotzdem kein Nulldefizit, sondern 82 Milliarden Euro Defizit. Das ist fast dasselbe wie in den letzten fünf Jahren, mit einem großen Unterschied: Der Unterschied sind nicht das Defizit und das Minus, sondern der Unterschied ist, dass diese Ampelregierung den Leuten in die Tasche greift, während die Vorgängerregierung das Motto gelebt hat: „Koste es, was es wolle“. Das zeigt den Plan für den Untergang dieser Republik, den Sie hier mit diesem Budget auf den Tisch legen. (👏 FPÖ) Das muss man sich nämlich vorstellen: Trotz aller Einschnitte, trotz aller Belastungen ist es dasselbe Ergebnis wie das, das uns an den Rand des Zusammenbruchs geführt hat. Genau deshalb sagt ja die EU zu Recht, wenn sie auf dieses Budget schaut: Na, wir müssen ein Defizitverfahren einleiten; das passt ja nimmer, was die uns vorlegen. Wenn die als Unternehmer so arbeiten würden, dann würde es ja auch heißen: Sanierungsverfahren gescheitert! – Da findet man sich wahrscheinlich dann schon auf einer Ebene mit René Benko, wenn man so etwas vorlegt. Das ist das, was jetzt auf dem Tisch liegt, und Klubobmann Kickl hat ein gutes Beispiel genannt, das ich nur eine Spur weiterdenken darf. Klubobmann Kickl hat gesagt, es ist ja eigentlich ein Wahnsinn, man würde ja auch nicht zu einem Arzt gehen, der einen verpfuscht hat, damit er einen ein zweites Mal behandelt. – Ich darf das eine Spur weiterdenken: Die österreichische Bevölkerung ist nicht zu Ihnen gegangen. Die hat Sie entlassen, die hat Sie abgewählt – und was ist Ihre Conclusio daraus? Sie wenden sogar dieselbe Behandlung an: wieder Schulden, wieder ein Defizit über 80 Milliarden! Es ist sogar dieselbe Behandlung, mit der Sie uns, die Republik Österreich, da hingebracht haben, wo wir jetzt stehen. Nur die Nebenwirkungen sind mehr: Pensionen kürzen, Steuern erhöhen, Gebühren erhöhen, und so weiter. – Das ist das Ergebnis dieser Ampelregierung. Wie gesagt, wenn Sie als Unternehmer so arbeiten würden oder wenn irgendein Unternehmer so arbeiten würde, dann wäre das Defizitverfahren mit dem heutigen Tag gescheitert. Dieses Budget belegt schwarz auf weiß: Diese Ampel, dieses Verliererkonstrukt, dieses letzte Aufgebot ist mit diesem Budget gescheitert und funktionsunfähig. (👏 FPÖ) Ich komme eigentlich als Freiheitlicher nicht oder selten in die Verlegenheit, dass ich sage: Das sagt auch die EU richtig!, aber die EU ist es …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Seit wann bist denn du so EU-hörig?

FPÖ Michael Schnedlitz

… die Ihnen für dieses Budget mit dem Defizitverfahren, das sie einleitet, höchstpersönlich den Stecker aus der Ampel zieht. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung ist Abgeordneter Nico Marchetti zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Richtlinien. Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Nico Marchetti

Kollege Schnedlitz hat behauptet, dass das Dienstauto von Herbert Kickl nicht von der Republik Österreich bezahlt wird. Ich berichtige tatsächlich: Der teuerste Dienstwagen der Republik, der fette S-Klasse-Mercedes von Herbert Kickl , wird von der FPÖ bezahlt, die Parteienförderung bekommt – und Parteienförderung kommt vom Steuerzahler …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

... was ihr machts ...!

ÖVP Nico Marchetti

… und nicht aus dem Privatportemonnaie …

FPÖ Ragger (Zwischenruf)

... von der Wirtschaftskammer ...!

ÖVP Nico Marchetti

… von Herbert Kickl . Sie ist öffentliches Geld.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Abgeordneter Yannick Shetty . – Ich habe Ihre Redezeit auf 6 Minuten eingestellt.

NEOS Yannick Shetty

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Herr Finanzminister! Vertreter, Vertreterinnen der Bundesregierung! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich darf zu Beginn stellvertretend für meine Kollegin Doppelbauer die Schulklasse des BG/BRG Wels Gymnasium Dr. Schauerstraße begrüßen. – Schön, dass ihr heute bei dieser wichtigen Debatte dabei seid. ( Allgemeiner Beifall. ) Ich möchte, bevor ich zum Budget komme, noch kurz an das anschließen, was Kollege Marchetti soeben gesagt hat. Warum? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

... Schellhorn ... Autos kaufen ... Parteikassa!

NEOS Yannick Shetty

… Weil es so viel über das Selbstverständnis der FPÖ und ihrer Vertreter aussagt. Herr Kollege Schnedlitz hat hier gesagt, den Dienstwagen – und ich möchte jetzt den Dienstwagen gar nicht beurteilen …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Seids nicht so nervös! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Schellhorn, der hat sogar zwei!

NEOS Yannick Shetty

… des Parteichefs zahlen nicht der Steuerzahler und die Steuerzahlerin. Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Dienstwagen ist – so wie all das, was die Parteien finanzieren …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wenn ihr es mit den NEOS zahlts, könnts dem Schellhorn einen Hubschrauber kaufen!

NEOS Yannick Shetty

… natürlich von Ihnen, von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern, finanziert, und deswegen hat es ja damals auch so wehgetan, als Ihre Partei, als Ihr ehemaliger Parteichef Candy Crush für sein Handy, die Reinigungskraft für sein Privathaus, die Miete für seine Privatvilla mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wo ist denn der Strache jetzt? – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Wo ist denn der Strache jetzt?

NEOS Yannick Shetty

… mit dem Geld der FPÖ bezahlt hat. Das ist nicht Ihr Geld, das ist das Geld der Menschen, die jeden Tag hart dafür arbeiten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Den gibts ja nicht einmal mehr! – Abg. Kickl [FPÖ]: Ist das der Strache, den die SPÖ in Wien unterstützt hat beim Unterschriftensammeln, ist das der?

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren in den kommenden Tagen das Doppelbudget, das erste Budget dieser Bundesregierung, und ich will vielleicht, gerade weil ja einige Schülerinnen und Schüler da sind, erklären, worum es in diesem Budget für die Regierung und für das Parlament geht. Am Ende des Tages regeln wir damit, was mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler passiert, wofür es ausgegeben werden soll, wofür mehr und wofür weniger ausgegeben werden soll. Wenn die Ausgaben deutlich stärker steigen als die Einnahmen, dann kommt dieses Budget in ein Ungleichgewicht, und genau vor dieser Herausforderung ist diese Bundesregierung gestanden. Deswegen war die erste Aufgabe …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Gescheitert!

NEOS Yannick Shetty

… dieser Regierung, zu konsolidieren, das heißt, das Budget – also das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben – wieder in ein Gleichgewicht zu bringen; und das heißt auch ganz klar, die Stopptaste …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das gelingt euch aber nicht, weder heuer noch die nächsten fünf Jahre!

NEOS Yannick Shetty

… für die Gießkannenpolitik der letzten Jahre zu drücken. Damit ist jetzt endlich Schluss.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ah so? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Nein, das stimmt ja nicht! Erzählen Sie keine Märchen, Herr Kollege!

NEOS Yannick Shetty

… Die letzten Regierungen haben in unterschiedlichen Konstellationen über ihre Verhältnisse gelebt und in Zeiten voller Kassen Geld ausgegeben, als gäbe es kein Morgen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, und ihr macht weiter!

NEOS Yannick Shetty

… Damit machen wir jetzt Schluss, aber klar ist auch, dieses Doppelbudget ist erst der Anfang dafür und kann auch noch nicht das Ende sein, weil der Reformweg dieser Regierung erst begonnen hat.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, aber der Plan steht ja schon bis 29, der Schuldenplan!

NEOS Yannick Shetty

… Wir als NEOS sind in die Regierung gegangen, um Verantwortung zu übernehmen – in einer schwierigen Zeit, Herr Kickl, in der Sie nicht bereit waren …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Der Schuldenplan steht ja schon bis 29! Na, so kann es ein jeder! So kann’s jeder!

NEOS Yannick Shetty

… Verantwortung zu übernehmen, obwohl Sie Ihren Wählerinnen und Wählern etwas anderes versprochen haben. Wir tun das, weil wir glauben, dass dieses Land dringend Reformen braucht, auch wenn es schwierig ist. Deswegen reicht es auch nicht, jetzt zu konsolidieren, jetzt zu sparen, sondern wir müssen in die maroden Strukturen dieses Landes hineingehen, endlich mutig reformieren, damit wieder mehr Spielraum für Investitionen, für unsere Familien …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wo ist das konkret? Beispiele? Beispiel, Beispiel? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

NEOS Yannick Shetty

… für die Unternehmen und für unseren Standort bleibt. Deswegen ist dieses Doppelbudget nicht das Ende, sondern der Anfang eines langen Reformprozesses, das verspreche ich Ihnen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Gibt es ein Beispiel?

NEOS Yannick Shetty

… Ein Beispiel wofür, Herr Kollege Stefan? …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Dass Sie in den Strukturen sparen!

NEOS Yannick Shetty

… Ja, das sage ich Ihnen jetzt gleich, aber da müssen Sie mir vielleicht die volle Redezeit geben, dann kann ich Ihre Fragen beantworten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, das müssts euch klubintern ausmachen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: ... reduzieren!

NEOS Yannick Shetty

… Wenn die FPÖ immer ab Minute eins – Frau Belakowitsch ist auch schon wieder bereit – reinbrüllt, dann kann man halt nicht die Antworten bekommen, nach denen man fragt. Was sind die Reformen, die wir angehen? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Oder hast du keine Argumente mehr?

NEOS Yannick Shetty

… Erstens: Wir starten eine Reformpartnerschaft mit Ländern und Gemeinden …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wow! Der nächste Papierflieger! – Zwischenruf des Abg. Schiefer [FPÖ]

NEOS Yannick Shetty

… und das ist historisch, weil wir es das erste Mal geschafft haben, alle an einen Tisch zu holen, Bund, Länder und Gemeinden …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist alles schon durchgedacht! – Rufe bei der FPÖ: ... ein Arbeitskreis! Das ist ja keine Strukturreform, das ist ein Arbeitskreis!

NEOS Yannick Shetty

… um zu schauen, wo wir - - Ja, natürlich, Herr Kollege, natürlich ist das ein Arbeitskreis, der jetzt beginnt, sich Gedanken darüber zu machen, aber genau das ist ja das Problem. Sie versprechen den Menschen immer die Lösungen, das Blaue vom Himmel, dass alles von heute auf morgen geht. Wenn man Reformen ernst meint, dann muss man sich mit allen Beteiligten hinsetzen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ja alles schon durchgedacht, von vorn bis hinten, zehnmal!

NEOS Yannick Shetty

… und hart an Lösungen arbeiten – und ja, das verspreche ich Ihnen, das werden wir mit diesem Reformprozess jetzt tun. (👏 NEOS) Wir haben aber sogar schon begonnen – und nicht nur in Arbeitsgruppen, die für größere Probleme notwendig sind. Wir reden nicht nur darüber, wie wir nachhaltige Reformen sicherstellen, sondern haben jetzt schon Ergebnisse geliefert, und zwar insbesondere in der Bildung und in der Integration. Wir führen mit Gesetzesbeschlüssen noch vor dem Sommer die Orientierungsklassen ein, also die Möglichkeit, dass Flüchtlingskinder, die ohne Deutschkenntnisse in die Schule kommen, dort Orientierung …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Damit ihr das Budget saniert?

NEOS Yannick Shetty

… Deutsch und Werte vermittelt bekommen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das kostet ja noch mehr!

NEOS Yannick Shetty

… Wir verdoppeln die Anzahl der Deutschförderkräfte. Wir schaffen 4 000 neue Ausbildungsplätze pro Jahr in der Elementarpädagogik.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das kostet ja alles mehr!

NEOS Yannick Shetty

… Wir entlasten Lehrerinnen und Lehrer von Bürokratie, mit einem Bürokratieabbau in der Schule, den es noch nie gegeben hat, und wir starten auch künftig mit Integration ab Tag eins. Deutsch wird zur Pflicht, damit auch der Weg ins Arbeitsleben gelingt. Wer sich integriert, bekommt alle Chancen. Wer sich verweigert, muss mit Sanktionen rechnen, und damit schaffen wir auch den Zugang, dass Zuwanderer Steuern zahlen können und nicht Steuern kosten müssen. – Das ist der Zugang dieser Regierung im Bereich der Integration. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Drittens: Wir machen Tempo beim Thema Entbürokratisierung.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Kommission eingesetzt, oder?

NEOS Yannick Shetty

… Wir haben in den ersten 100 Tagen eine Entbürokratisierungsstelle geschaffen – und zwar nicht als PR-Gag, so wie in der Vergangenheit unter Ihrer Regierung zum Beispiel …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Staatssekretär im Außenministerium, das ist ...!

NEOS Yannick Shetty

… als Sie über Entbürokratisierung geredet haben, aber die Bürokratie für die Bevölkerung immer nur mehr geworden ist …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie viel kostet denn das?

NEOS Yannick Shetty

… sondern mit dem Ziel, den Förderdschungel und den Bürokratismus in Österreich endlich zu reduzieren, weil die Menschen das brauchen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wo ist das im Budget?

NEOS Yannick Shetty

… um wieder mehr Luft zum Atmen zu haben. Das betrifft die Schulen und die Unternehmerinnen und Unternehmer, und auch damit haben wir jetzt schon gestartet. Und wenn man sich hier die Redebeiträge der Opposition anhört, dann weiß ich nicht, wo ich da am besten anfangen soll. Zu den Grünen – ich weiß nicht, ob Kollegin Gewessler noch reden wird –: Schauen Sie, die letzten fünf Jahre waren eine schwierige Zeit. Niemand bestreitet, dass es notwendig war, dass der Staat Geld in die Hand genommen hat, aber so üppig und so intransparent und so mit der Gießkanne, wie Sie es gemacht haben, ist es gut, dass damit Schluss ist. Es ist nicht in Ordnung – auch in Richtung der Grünen gesagt –, das zu verantworten und sich dann hierher zu stellen und wie immer bei den Grünen mit dem moralischen Zeigefinger auf alle zu zeigen. Das ist nicht in Ordnung, liebe Grüne. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Und noch eine Bemerkung zur FPÖ und zu den Kollegen Kickl und Schnedlitz, die hier gesagt haben – oder irgendjemand hat gefragt; ich weiß nicht mehr, wer genau es aufgebracht hat –: Was haben denn die NEOS im Bereich der Kammern weitergebracht? – Ja, ich gestehe zu, da steht im Regierungsprogramm nicht drin, was wir und auch Sie wollen. Ich frage in eine andere Richtung: Was war denn der Verhandlungsstand zwischen FPÖ und ÖVP beim Thema Kammern? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Fragt die ÖVP!

NEOS Yannick Shetty

… Was haben Sie denn, während Sie regiert haben, also die Möglichkeit hatten, im Bereich der Zwangsmitgliedschaft bei den Kammern umgesetzt? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ah! Whataboutism heißt das, oder?

NEOS Yannick Shetty

… Und wissen Sie, was? Ich bin nicht so polemisch, Herr Kickl, Ihnen das vorzuhalten, denn wir leben in einer Demokratie, und in einer Demokratie zu leben, heißt, dass man Mehrheiten für Anliegen suchen muss. Was glauben Sie, was eine Mehrheit ist? Mit 29 Prozent allen anderen, nämlich der Mehrheit, vorzuschreiben, was sie zu machen haben und was nicht, ist nicht Demokratie, Herr Kickl, und das sollten Sie auch einmal verstehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Abschließend möchte ich sagen, die Menschen erwarten sich zu Recht, dass diese Regierung Reformen angeht, und ich möchte auch, dass Sie uns daran messen, ob wir das zustande bringen oder nicht. Da ist der Weg noch ein langer, ein harter. Wir haben erste Schritte gesetzt, aber es ist nur der Anfang, ein Startschuss für echte Strukturreformen in diesem Land. Und ich freue mich, wenn alle hier im Haus sich konstruktiv daran beteiligen, weil ich glaube, dass die Menschen das gerade bei der Frage der Strukturreformen auch erwarten. – Vielen Dank.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und kein Wort zur Sicherheit, kein Wort!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundeskanzler. – Bitte, Herr Bundeskanzler.

GRÜNE Leonore Gewessler

Herr Präsident, herzlichen Dank! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Budget ist in Zahlen gegossene Politik oder in Zahlen gegossene politische Haltung, wie der Herr Vizekanzler gerade noch gesagt hat, und ja, in diesem Budget findet man Punkte, die man für gut befinden kann: zwei Jahre Bankenabgabe – Werner Kogler hat es gesagt, mehr wäre schön, aber das kann man für gut befinden –; es gibt sicher noch ein paar andere. Diese Punkte können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Budget eines ist: Dieses Budget ist in Zahlen gegossene politische Mutlosigkeit. Das ist ein Budget der vertanen Chancen …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ihr habt die Chance für Generationen vertan mit dem letzten Budget!

GRÜNE Leonore Gewessler

… es ist ein Budget der Rückschritte beim sozialen Zusammenhalt, und es ist ein Budget, in dem der Klimaschutz zum Nebenschauplatz wird. (👏) Diese Regierung friert Familien- und Sozialleistungen ein in einer Zeit, in der alles nach wie vor teurer wird. Diese Regierung schafft das soziale Drittel der kalten Progression ab – den Teil, mit dem man die Geringstverdiener unterstützen konnte. Der Klimabonus wird abgeschafft. Gerade jene, die es ohnehin schwer haben – Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende, Mindestpensionist:innen, Frauen mit Teilzeitjobs –, zahlen jetzt drauf. (👏) Budgetsanierung „auf dem Rücken von Frauen“! – Das ist nicht mein Zitat – der liebe Philip Kucher ist jetzt nicht da –, sondern vom Momentum-Institut. Yannick Shetty ist jetzt auch nicht da, aber falls er sich benachteiligt fühlt, kann er gerne bei der Agenda Austria nachlesen. Die beiden stellen nämlich aus ihren Perspektiven genau dieselbe Frage, die ich hier auch stelle: Was bitte ist das für eine politische Prioritätensetzung? Darum geht es bei einem Budget! Was ist das für eine politische Prioritätensetzung? (👏) Bei den Superreichen, bei den Konzernen, bei den fossilen Privilegien bleibt alles beim Alten. Die starken und breiten Schultern, von denen die SPÖ geredet hat, sind ein bissl schmächtig geraten, und das Aufräumen bei den fossilen Subventionen, das die NEOS versprochen haben, sehe ich nicht. ( Ruf bei den NEOS: Kommt noch! ) Also ich muss sagen: viel versprochen, wenig gehalten in diesem Budget! (👏) Beim Klimaschutz und bei der Energiewende – der Herr Energieminister ist jetzt nicht mehr da –: leider Rückschritt pur. Das, was wir mit den Unternehmen aufgebaut haben, mit den Menschen in diesem Land aufgebaut haben, wird gekürzt, zurückgefahren – sei es bei der Förderung für den Heizungstausch, bei den Investitionen in Solarstrom und in Gebäudesanierungen: gekappt; der Öffiausbau auf Eis gelegt. Man kürzt genau dort, wo Investitionen in die Zukunft notwendig wären: bei der Mobilität, bei der Energie, bei Gebäuden, bei der Klimaanpassung. Das ist tatsächlich eine Herausforderung für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, für die Versorgungssicherheit und, ja, natürlich auch für die Klimaziele, die wir EU-rechtlich verpflichtend erfüllen müssen. Die Bundesregierung streicht dort, wo man investieren müsste – in die Zukunft –, aber sie zieht den Stecker nicht dort, wo man noch viel Geld verbrennt. Was ist mit den fossilen Subventionen? Dienstwagenprivileg, Dieselprivileg – die Liste kann man noch lange weiterführen, das wisst ihr. ( Abg. Shetty [NEOS] geht zu seinem Sitzplatz. ) – Jetzt ist er wieder da, Yannick Shetty , er weiß das: Nichts ist passiert! Schluss mit Milliarden für den Straßenbau, für noch einmal die x-te Straße, die wir mit einem Überangebot an Straßen in Österreich eh schon haben! Statt Kürzungen bei den Ärmsten, tatsächlich faire Beiträge bei den Reichsten – das wäre das, was wir jetzt brauchen! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Welt besteht aus mehr als dem Lobautunnel!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Ja, dieses Budget, das spüren die Menschen in diesem Land ganz konkret. Ich bin gerade viel in Wirtshäusern unterwegs, zuletzt am Samstag in Söding in der Steiermark; da fährt man mit der GKB hin. Da trifft man dann die Pendlerin, die sich jetzt sagt: Super, meine Bahnstrecke, da kann ich auf die Modernisierung und die Elektrifizierung wieder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten! – Da redet man mit dieser Pendlerin, die sich fragt, wie sie mit dem Klimaticket weiter tut, weil für diese Frau 200 Euro mehr wirklich viel Geld sind; und vielleicht ist das ja nur der Anfang, vielleicht wird es ja noch einmal teurer. Da trifft man dann den Techniker von einem Biomassehersteller, einem Kesselhersteller, der aus voller Überzeugung in der Branche arbeitet, sich aber jetzt sagt: Vielleicht muss ich die Branche wechseln! – Warum? – Weil die Stimmung in der Branche noch nie so schlecht war wie jetzt: 220 Mitarbeiter waren sie, 150 sind es jetzt; 70 hoch qualifizierte Menschen ohne Job.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

... das Geld den Menschen aus der Tasche gezogen! Eine Verdoppelung hat die Förderung gebracht, obwohl ...!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Dorthin, das hat nämlich die Förderung finanziert. Das ist das, wie sich dieses Budget anfühlt. Das ist das, wie dieses Budget für die Menschen und ihre ganz konkrete Lebensrealität in diesem Land ausschaut. So sieht es aus, wenn man bei der Zukunft streicht und Milliarden in die Vergangenheit buttert. (👏) Budget ist in Zahlen gegossene Politik, aber auch ganz konkrete Lebensrealität. Dieses Budget geht in wichtigen Schritten einen Schritt nach dem nächsten zurück in die Vergangenheit, aber die Menschen in diesem Land wünschen sich eine Zukunft, auf die man sich verlassen kann. Genau dafür kämpfen wir Grüne bei diesem Budget und auch bei jedem weiteren. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Julia Herr. – Ich habe Ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt, Frau Kollegin.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrtes Hohes Haus! Diese Woche ist es jetzt so weit, wir beschließen ein Budget für 2025 und 2026, aber ich will heute eine andere Rede dazu halten. Es ist in den letzten Wochen, aber auch heute schon sehr viel darüber gesprochen worden, was nicht im Budget enthalten ist und wo in Zukunft gespart werden muss; das haben wir jetzt Woche für Woche diskutiert. Es ist auch gar kein Wunder, denn die Vorgängerregierung hat uns das größte Budgetdesaster seit dem Zweiten Weltkrieg hinterlassen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Koza [Grüne]: Das stimmt nicht! Das ist falsch!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Deshalb, Frau Abgeordnete Gewessler, wenn Sie fragen: Was ist das für ein Budget?, dann sage ich: Es ist ein Budget, mit dem saniert werden muss, mit dem wir hinter Ihnen aufräumen müssen – das ist ganz einfach das Budget. (👏 SPÖ) Auf Deutsch: Es ist einfach kein Geld mehr da, ganz im Gegenteil: Das, was in den letzten Jahren gewachsen ist, sind die Schuldenberge, und dementsprechend muss jetzt gespart werden. Das ist eine äußerst schwierige Aufgabe, die jetzt rein rechnerisch einmal gelungen ist. Es werden heuer mehr als 6 Milliarden Euro eingespart. Jetzt kommt es aber – ich habe angekündigt, dass ich eine etwas andere Rede halten will –: Ich will darüber sprechen, was es trotz – trotz! – dieser wirklich unglaublich schwierigen Budgetsituation in unser Doppelbudget hineingeschafft hat. Ich beginne einmal beim Thema Bildung, weil es heute leider schon Thema war, und es ist aktueller denn je: dass es für alle Kinder und Jugendlichen endlich mehr psychosoziale Therapieangebote gibt. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. (👏 ÖVP, SPÖ) Es ist wichtig, dass es für alle jungen Eltern – mich betrifft das gerade persönlich – endlich das zweite kostenfreie, verpflichtende Kindergartenjahr gibt, ein besseres Betreuungsangebot für alle Kinder in diesem Land; dass es aber auch für alle Kinder unabhängig vom finanziellen Hintergrund ihrer Eltern endlich eine gesunde Jause im Kindergarten gibt. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, den wir jahrelang gefordert haben. (👏 SPÖ) Auch ist wichtig, dass es für alle Kinder, für alle Schüler und Schülerinnen, die nicht Deutsch als Erstsprache haben, endlich ausreichend Deutschförderung gibt. Da werden alleine heuer 55 Millionen Euro und dann kommendes Jahr 90 Millionen Euro zusätzlich investiert werden. Das ist enorm viel. Ich mache aber gleich bei den Lehrlingen weiter: Für die gibt es jetzt endlich einen Lückenschluss, was das Top-Jugendticket angeht. Lehrlinge, die im Rahmen ihrer Lehre über Bundesländergrenzen hinweg in die Arbeit gegangen sind, haben bisher das Top-Jugendticket nicht bekommen. Ich mache weiter bei den Studierenden: Die Studienbeihilfe wird erhöht; der Mensabonus wird aufgestockt. Es gibt ganz viele verschiedene Maßnahmen, und ich mache einfach weiter beim Arbeitsmarkt – auch ein ganz wichtiges Thema –: Für die älteren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gibt es mit der Aktion 55 plus endlich eine Unterstützung bei der Jobsuche. Man hört immer, die Menschen sollen alle länger arbeiten. Jetzt sorgen wir aber dafür, dass sie dann auch tatsächlich einen Arbeitsplatz finden, wenn sie in einer gewissen Altersklasse sind. Das ist nämlich oft das Problem. (👏 SPÖ) Eine ganz konkrete Maßnahme – für all jene, die jetzt zum Beispiel vor dem Fernseher sitzen und uns zuschauen –, von der auch Unternehmer, Unternehmerinnen profitieren, die oft wirklich dringend nach Fachkräften suchen: Jetzt gibt es eine Fachkraftoffensive, beispielsweise auch für Green Jobs; es wird ab 2026 auch die Umweltstiftung wieder geben, sodass man sich in ganz zentralen Bereichen wie dem Klimaschutz fortbilden kann. Es wird auch eine Ausbildungsoffensive im Eisenbahnsektor geben, weil die grüne Transformation auch die entsprechenden Arbeitskräfte braucht. Ich mache bei der Frauenpolitik weiter. Die Liste ist nicht kurz, aber es ist notwendig, das hier aufzuzählen. Bei der Frauenpolitik ist endlich – endlich! – gerade für Frauengesundheit mehr Budget da. Da geht es zum Beispiel um Krankheiten, die nur Frauen betreffen, beispielsweise Endometriose. Dafür gibt es endlich mehr budgetäre Mittel, und das ist enorm wichtig. Eine Maßnahme für Alleinerzieherinnen – das sind in unserem Land eben hauptsächlich Frauen –: Es gibt endlich die Unterhaltsgarantie.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Das stimmt doch nicht!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Wie lange ist die schon versprochen worden, wie viele Jahre haben wir schon gehört, dass es sie braucht? Dafür stehen jetzt endlich ganz konkret 35 Millionen Euro mehr im Budget drinnen, schwarz auf weiß, sodass wir diese Frauen nicht alleine lassen. (👏 SPÖ) Es wird mit dem Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen aber auch die Sicherheit für Frauen erhöht. Das ist ein Thema, das auch endlich angegangen werden muss. So, ich blättere jetzt weiter, springe über einige Frauenpunkte drüber und mache im Medienbereich weiter. Kritischer Journalismus wird endlich unterstützt. Das Meine-Zeitung-Abo soll kommen, sodass auch jüngere Menschen Zugang zu kritischen Medien bekommen und nicht nur zu dem ganzen Blödsinn, der im Internet oft steht. Für Pensionist:innen kommt der Rezeptpreisdeckel. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Zum Beispiel wird Erna aus Penzing, die jedes Monat Hunderte Euros ausgibt, weil sie Blutdruckpulverl braucht, davon profitieren. Für alle im Eigenheim - - …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Aber erst irgendwann einmal! 2027, 2030! – Abg. Greiner [SPÖ]: Ja, ihr habt so viel weitergebracht, gell! – Ruf bei den Grünen: Man kann auch anders sparen!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Ihr hattet fünf Jahre lang Zeit, all das anzugehen, habt es aber fünf Jahre nicht zustande gebracht, und jetzt, nach ein paar Wochen, beschwert ihr euch …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wir haben ein bissl mehr zusammengebracht, viel, viel mehr! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Gar nichts habt ihr zusammengebracht!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… nachdem fünf Jahre nichts gekommen ist, dass es ein bisschen zu lange dauert. Wirklich, wirklich? Bei den Mietern und Mieterinnen mache ich weiter. Für alle, die in Miete wohnen, gibt es einen Mietpreisstopp – ganz konkret heuer, 2025. Für alle im Eigenheim, die zum Beispiel den Heizkessel tauschen wollen, gibt es ab 2026 wieder frisches Geld, nämlich mehr als 300 Millionen Euro pro Jahr, und zwar bis 2030. Das werden insgesamt 1,8 Milliarden Euro sein, die ganz konkret in Klimaschutzmaßnahmen investiert werden. In den Städten wird es wieder mehr Polizei für die Ballungszentren geben, am Land wieder mehr Maßnahmen für eine ambulante Versorgung, die ausgebaut werden muss, ganz konkret 50 Millionen Euro mehr für Erstversorgungsambulanzen. Auch da mache ich jetzt einen Punkt, denn es sind ja nicht nur die Gesundheits-, nicht nur die Bildungs-, nicht nur die Frauen-, nicht nur die Arbeitsmarktpunkte.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Aber die Grünen haben immer recht, auch wenn sie unrecht haben! – Abg. Kogler [Grüne]: So ein Blödsinn!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Für Polizist:innen wird in bessere Schutzausrüstungen investiert. Für alle, die sich, wenn sie zum Beispiel auf dem Weg in die Arbeit sind, über die Lkw-Kolonnen ärgern – ich tue das auch sehr oft –, gibt es endlich im Rahmen der Offensive sauberes Österreich 30 Millionen Euro mehr für die Verlagerung vom Warentransport weg vom Lkw, hin auf die Schiene.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das wird am Land sicher funktionieren! Ihr träumt ja von warmen Eislutschern, das ist ja unglaublich! In der Landgemeinde fährt keine Bahn!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Auch das ist übrigens Klimaschutz. (👏 SPÖ) Gleichzeitig steigt die Lkw-Maut, damit klimaschädliches Verhalten eben auch einen besseren Preis, einen teureren Preis bekommt. Ich mache schon Schluss: Ist das genug? – Nein, natürlich nicht. Das waren erstens nur die Maßnahmen, für die ich jetzt ohnehin schon meine Redezeit gesprengt habe, und zweitens würden mir natürlich ganz viele Punkte einfallen, die wir darüber hinaus noch gerne hätten – ganz viele! Es ist aber angesichts des größten Budgetlochs der Zweiten Republik nicht alles möglich. In diesem Sinne wurde unter schwierigsten Umständen wirklich viel herausgeholt, und das muss man einfach ehrlich benennen. Das ist ganz einfach so. (👏 SPÖ) Gelungen ist das, weil alle einen fairen Beitrag leisten, nämlich auch die Banken mit einer höheren Bankenabgabe, auch die Energiekonzerne, die so viele Gewinne geschöpft haben, auch die Glücksspielkonzerne, die stärker besteuert werden, die Stiftungen, bei denen härter angesetzt wird. Fette Immobiliendeals werden endlich gerecht besteuert. Es ist ein guter Mix aus Ausgaben und Einnahmen. Es leisten wirklich alle einen Beitrag – dafür hat die Sozialdemokratie gesorgt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Hallo!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Gratulation an unseren Finanzminister Markus Marterbauer , ich denke wirklich, kein anderer hätte es geschafft …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Doch, doch, der Markus hätte das auch geschafft mit ... Milliarden Defizit!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… in dieser schwierigen Situation die soziale Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Noch einmal: Wir sparen nicht, weil wir wollen, wir sparen, weil wir müssen – und wir sanieren jetzt und räumen jetzt auf, um in Zukunft dann noch mehr investieren zu können. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung auf die Ausführungen von Abgeordneter Gewessler hat sich Herr Kollege Dominik Oberhofer zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bedingungen der tatsächlichen Berichtigung. Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrtes Plenum! Frau Kollegin Gewessler hat behauptet, die Bundesregierung erhöhe massiv die Förderungen für den Straßenausbau. – Das ist selbstverständlich unrichtig.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was? Das habe ich ja nicht gesagt! – Abg. Disoski [Grüne]: Das hat sie nicht behauptet! – Abg. Kogler [Grüne]: Das hat ja niemand gesagt!

NEOS Dominik Oberhofer

… Richtig ist, dass die Asfinag zur Budgetsanierung eine Sonderdividende in Höhe von 50 Millionen Euro an die Bundesregierung ausschütten wird. ( Widerspruch bei den Grünen. ) Frau Kollegin Gewessler hat in ihrer Rede auch behauptet …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Man kann nicht paraphrasieren bei einer tatsächlichen Berichtigung!

NEOS Dominik Oberhofer

… dass der Öffiausbau in Österreich gestoppt wird – wortwörtliches Zitat von ihr. Tatsache ist, dass keine Regierung zuvor so viel Geld in den Ausbau …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Entschuldige, das ist faktisch falsch!

NEOS Dominik Oberhofer

… des öffentlichen Verkehrs investiert hat wie diese …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Das ist keine tatsächliche Berichtigung! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist ja eine tatsächliche weitere Verfälschung!

NEOS Dominik Oberhofer

… alleine 2025 um 14 Prozent mehr als 2024. Das wird auch mit Ihren Zwischenrufen nicht besser, Frau Kollegin. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Arnold Schiefer . – Ich habe Ihre freiwillige Redezeit auf 8 Minuten eingestellt, Herr Kollege.

FPÖ Arnold Schiefer

Hohes Haus! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Kollegin Belakowitsch ist nicht da, wenn du redest!

FPÖ Arnold Schiefer

… Sehr geehrte Damen und Herren! Zuvor möchte ich die 7. Schulstufe der Mittelschule Oberndorf an der Melk begrüßen und ersuche die Kollegen um einen kurzen Applaus. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Es ist eigentlich ganz einfach. Der vorliegende Budgetentwurf wurde in den letzten Wochen in den Ausschüssen intensiv diskutiert, viele Stunden und Tage. Viele Fragen und Anregungen der Opposition und der Experten wurden diskutiert. Wie eigentlich offensichtlich traditionell üblich, wird ja in den Ausschüssen nichts von der Opposition angenommen, sondern man bleibt da natürlich auf dem Kurs des Regierungsvorschlags.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Euer Vorschlag ist zu 90 Prozent angenommen worden! – Abg. Lukas Hammer [Grüne] – erheitert –: Das ist ja das Problem!

FPÖ Arnold Schiefer

… Das heißt, eigentlich war die Devise dort irgendwie: Augen zu und durch! – Kollege Hanger, ich komme gleich dazu. – Wolfgang Schüssel hat einmal dazu gesagt, ein Zitat eines großen Vorsitzenden: „Jeder Krämer lobt seine Ware“ – und natürlich muss die Bundesregierung jetzt auch ihr Budget loben. ( Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz. ) Aber seien wir ein bisschen ehrlich und realistisch …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ein bissl was von eurer Ware ist eh auch dabei!

FPÖ Arnold Schiefer

… in Anbetracht der Frage, was dieses Budget ist: Es ist ein mühsamer politischer Kompromiss zur Bildung einer Dreierkoalition. Es ist keine Kurswende und kein großer Wurf, sondern es ist halt das, was irgendwie möglich war, mehr nicht. (👏 FPÖ) Irgendwann muss man sich in der Regierungsgruppe auch entscheiden: Ist es jetzt zu 90 Prozent ein FPÖ-Budget, oder ist es der große Wurf des neuen Finanzministers? – Also irgendeine Linie müsst ihr dazu finden …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Ihr auch!

FPÖ Arnold Schiefer

… denn so ist es natürlich nicht sehr glaubwürdig.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das gilt für euch aber auch, gell!

FPÖ Arnold Schiefer

… Wir haben dazu die Erklärung, dass für uns diese Liste, die ihr da verwendet habt, nur dazu da war, um einen Brief nach Brüssel zu schicken. Das war weit weg von einem vollständigen Budget …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Na geh!

FPÖ Arnold Schiefer

… mit einer vollständigen Zahlenbasis. Zu unserer Zeit haben wir geglaubt, dass wir mit 6,4 Milliarden Euro am Ende der Fahnenstange sind.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

... das habt ihr so angepriesen! Ihr habt eine Einigung, habts ihr gesagt! Ganz stolz warts!

FPÖ Arnold Schiefer

… Dass das Loch noch viel größer war, haben wir erst danach gesehen. Aber wenn wir vielleicht ein bisschen innehalten, eine Sekunde: Während wir hier reden und unser Budget loben, macht der Fiskalrat gerade eine Pressekonferenz und sagt: Das reicht eh hinten und vorne nicht! – Ich sage es nur – lest ein bisschen in der APA! –, also das ist nicht die Meinung der bösen FPÖ oder meine Meinung, sondern das ist die Meinung der Experten, und viele der Experten in den Budgetberatungen haben dasselbe gesagt. Die wohlwollendsten Experten haben noch gesagt: Es ist ein erster Schritt, den man irgendwie zur Kenntnis nehmen muss, aber es ist kein großer Wurf. – Und warum ist es kein großer Wurf? – Weil man nicht weiß, wo man mit diesem ersten Schritt hinwill. Es ist also kein Sanierungsbudget, weil, wie schon die Vorredner gesagt haben, ungefähr gleich viele Schulden aufgebaut werden, wie wir sie unter Corona und unter der Energiekrise aufgebaut haben. – Also eine Sanierung kann das nicht sein. Wir haben uns ein Defizitverfahren eingehandelt, und wenn wir so weitermachen – der Fiskalrat hat das heute auch klar bestätigt –, wird das noch Generationen von Regierungen begleiten. Da kommen wir nämlich aus dem Loch nie wieder heraus, schon gar nicht in dieser Regierungsperiode. Zu den Zinsen und Ratings, die jetzt alle schöngeredet werden: Fitch hat letzte Woche schon wieder mit einem Rating reagiert. Noch rutscht es nicht, warum? – Weil sie nicht unser Budget bewerten, sondern weil der private Sektor und die Unternehmen, die Gott sei Dank teilweise noch eine gute Basis haben, mit dabei sind und die Gesamtsituation des Ratings noch nicht rutscht. Ich behaupte aber – und das können wir ruhig in zwei, drei Jahren aus dem Protokoll herausziehen –: Dieses Rating wird uns sehr wohl mittelfristig ordentlich auf den Kopf fallen. Und es ist noch etwas in diesem Budget nicht drinnen: keinerlei stärkende Impulse für Leistungsträger oder Unternehmen. Die notwendigen Strukturreformen – das haben wir heute schon geklärt – hat man in eine Verwaltungsreformarbeitsgruppe ausgelagert. In 18 Monaten, also Ende 2026, soll diese Verwaltungsreformarbeitsgruppe liefern. Dann gibt es noch die Industriestrategiearbeitsgruppe, die Standortarbeitsgruppe, die Steuerbetrugsarbeitsgruppe, die Arbeitsgruppe zur Optimierung der Förderlandschaft – und alle sollen jetzt in den Jahren 2025, 2026 liefern. Es entsteht ein bisschen der Eindruck, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass das wichtigste Ziel der ÖVP im Moment ist, Zeit zu gewinnen, dass alles einmal auf das Jahr 2026 hingetrimmt wird und man dann halt schaut, wie weit man mit dem Budget kommt. Man hofft auf positive Konjunktureffekte, man hofft, dass der Ukrainekrieg vorbei ist – das hoffen wir alle –, wir hoffen, dass weitere Kriege keine Auswirkungen auf uns haben – Stichwort Iran und Israel –, und wir hoffen, dass die Zollpolitik auch für uns irgendwie positiv ausgeht.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist ja euer Freund, der Trump!

FPÖ Arnold Schiefer

… Und wir hoffen, dass diese Arbeitsgruppen in 18 Monaten so viele Milliarden zusammengesammelt haben, dass wir 2027/2028 überhaupt wieder ein Budget zusammenbringen. Und was ist, wenn nicht? – Ich kenne das Konzept der SPÖ und der Arbeiterkammer in der Schublade bereits: Dann gibt es halt 2027 neue Steuern und eine ordentliche Diskussion. Und die ÖVP hofft wahrscheinlich, dass, falls die Diskussion 2027 kommt, man Ende 2026 zumindest wahlkampfbereit sein kann, einen neuen Spitzenkandidaten hat oder vielleicht gleich einen neuen Kanzler. Das ist das Prinzip Hoffnung in diesem Budget.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Rede könnte von Gerda Rogers auch sein!

FPÖ Arnold Schiefer

… Nein, nein! Hoffen ist wichtig, hoffen ist gut, und ich möchte hier eine amerikanische Sängerin, nämlich Vivian Greene, zitieren, die sagt: Im Leben geht es aber nicht darum, zu hoffen und zu warten, bis der Sturm vorüberzieht, sondern dass man im Regen tanzen lernt.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ach so?

FPÖ Arnold Schiefer

… So, und jetzt geht es eigentlich darum, dass wir unseren Bürgern sagen müssen: Diese Regierung, dieses Budget wird die Probleme nicht lösen. Wir müssen es schaffen, den Menschen zu sagen, dass sie ohne Leistung aus dieser Krise nicht herauskommen werden. Wir müssen ihnen klar sagen, dass Arbeitsplätze nicht von der Republik geschaffen werden – zumindest keine produktiven und wettbewerbsfähigen Arbeitsplätze –, sondern nur von Unternehmen, also müssen wir den mündigen und leistungsbereiten Bürgern hier Rahmenbedingungen schaffen, damit sie wieder ihren Weg zum Eigentum gehen können, denn Eigentum ist eigentlich auch die beste Altersvorsorge, wenn wir schon über das Thema Pension reden. Wir sollten den Menschen also die Wahrheit sagen, nämlich dass wir im Moment mit diesem Beschluss gar nichts lösen, dass die nächsten zwei, drei Jahre in Europa, auf der ganzen Welt schwierig sind, dass jeder angehalten ist, sein eigenes Leistungsniveau zu erhöhen – dafür kommen viele unangenehme Diskussionen auf uns zu –, und dass wir uns alles, was wir glauben, uns leisten zu können, nicht leisten werden. Und Umverteilung ist nicht die Lösung, das sage ich auch gleich dazu. (👏 FPÖ) Leider ist jetzt mein oberösterreichischer Kollege, Herr Bundesminister Hattmannsdorfer, nicht im Saal, denn ich habe ein bisschen die Sorge, dass es auch bei anderen Dingen weitergeht wie bisher. Ich kann mich erinnern – im Budgetausschuss haben wir es diskutiert –: Zwei Wochen vor der Wahl – wir reden ja schon gar nicht mehr von Finanzminister Brunner; darüber reden wir nicht mehr, davon hat jeder sein Bild –, am 19. September, haben „Kronen Zeitung“, „Oe24“, haben alle getitelt: Nehammer holt 500 Millionen Euro aus Brüssel für die Hochwasseropfer. – Wir haben das im Budgetausschuss diskutiert: Von den 500 Millionen Euro sind jetzt – wahrscheinlich – um die 40, 42 Millionen Euro übrig geblieben; und Herr Hattmannsdorfer hat angekündigt, er wird 150 Millionen Euro Energiebonus für die Industrie schaffen. – Ausgezeichnet! Nur: Herr Bundesminister Marterbauer hat gesagt, im Budget ist das nicht drinnen, also das gibt es im Budget nicht …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Tanja Graf [ÖVP]: ... eigenen Ministerium! Aus dem eigenen Ministerium!

FPÖ Arnold Schiefer

… das muss er erst finden. Das muss er erst finden: Es ist nicht drinnen! Das kann der Herr Minister dann gleich bestätigen. So, jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, meine Herren und Damen: Die erste Möglichkeit ist, dass man im Wirtschaftsministerium ganz leicht 150 Millionen Euro finden kann – na dann sucht ein bisschen weiter und findet vielleicht noch 100 Millionen Euro mehr für Investitionsfreibeträge, für ein bisschen Entlastung bei den Überstunden, das fehlt nämlich auch –, oder es läuft wieder auf das Übliche hinaus, nämlich auf einen Kuhhandel, also 150 Millionen Euro für die ÖVP, für die Wirtschaft, 150 Millionen Euro für die SPÖ, und in Zukunft kriegen dann halt die NEOS wahrscheinlich auch noch 30 oder 50 Millionen Euro für ihre Wünsche – und dann ist das Budget wieder jenseits von Gut und Böse.

ÖVP Tanja Graf (Zwischenruf)

Das hängt ein bisschen schief, Herr Schiefer!

FPÖ Arnold Schiefer

… Darum, meine Damen und Herren, sage ich ganz klar: Dieses Budget ist natürlich um einen Hauch besser, als der Trend grundsätzlich war, denn wir wären ja auf 5,7 Prozent losradiert – das heißt, die ÖVP hat jegliche Kontrolle über die Finanzen verloren; ich habe eh schon einmal diskutiert, was an Wirtschaftskompetenz übrig bleibt –, aber es ist natürlich noch lange kein Kurswechsel, es ist maximal ein Pflasterl auf eine große, blutende Wunde. Die Valorisierungen und die Kosten werden uns davonlaufen, und mit diesem Budget haben wir in spätestens zwei Jahren eine noch viel größere Diskussion. Es wird nichts gelöst, und wir können nur hoffen, dass die Rahmenbedingungen ein bisschen besser werden, als wir glauben. – Herzlichen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Hanger. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

ÖVP Andreas Hanger

Danke, Herr Präsident! Werte Mitglieder der österreichischen Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Wir freuen uns immer über Besuch im österreichischen Parlament, und ich darf heute stellvertretend für meine Kollegin Tanja Graf den Seniorenbund St. Koloman aus Salzburg ganz herzlich bei uns begrüßen. ( Allgemeiner Beifall. ) Wir führen die Generaldebatte zum Doppelbudget 2025/2026 und zum mittelfristigen Finanzplan bis 2029, und ich glaube, das ist schon eine gute Gelegenheit, die wirtschaftliche Lage der Republik, unserer Volkswirtschaft einmal einzuordnen, denn wenn ich da manche Redebeiträge höre – Desaster, und: Alles ist verrückt –, dann bin ich sehr dafür, einmal die Fakten sprechen zu lassen: Die wirtschaftliche Stärke einer Volkswirtschaft lässt sich ganz einfach am Bruttoinlandsprodukt messen, an den Waren und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft zu produzieren in der Lage ist. Und – siehe da – wenn man sich die Fakten anschaut, kommt man drauf, dass wir in Österreich in etwa ein Bruttoinlandsprodukt von 500 Milliarden Euro haben, gesamthaft zusammengezählt. Das dividiert man dann durch die Bevölkerungszahl, macht auch noch eine Kaufkraftbereinigung, damit man es auch international vergleichen kann, und – siehe da –: Wir sind und gehören zu den reichsten und besten Volkswirtschaften auf der ganzen Welt. Wir gehören zu den Top fünf europaweit, Top ten weltweit.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Tendenz sinkend, ja!

ÖVP Andreas Hanger

… Bei all den Debatten, die man führen kann, ist das ein Faktum, das man auch nicht vergessen sollte. Und weil gerade eine Seniorenbundgruppe da ist: Ich glaube, das ist auch eine gute Gelegenheit, genau Ihrer Generation einmal ein aufrichtiges Danke zu sagen. Es ist schon Ihre Generation, die unser Land zu dem Reichtum geführt hat, nämlich mit der Einstellung, die man dafür braucht, der Leistungsbereitschaft, selbst auch etwas beitragen zu wollen, dass es uns gut geht, und diese Geisteshaltung, glaube ich, brauchen wir vielleicht auch in Zukunft wieder mehr. Aber – und ich möchte schon auch differenziert argumentieren – die Entwicklungen in den letzten Jahren bereiten uns auch Sorge, keine Frage. Wir sind, was das Wachstum unserer Volkswirtschaft betrifft, in den letzten Jahren nicht erfolgreich gewesen, so offen muss man das sagen, wobei man – umgekehrt – immer vergisst: Wir hatten 2021 noch 4,8 Prozent Wachstum, 2022 5,3, 2023 und 2024 leider ein Negativwachstum, und genau das führt uns ja auch zu dieser Situation, die wir haben: Wir müssen unser Budget konsolidieren.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Sag’s noch dazu, dass es das einzige Land ist, wo das BIP sinkt in Europa!

ÖVP Andreas Hanger

… Jetzt haben wir schon einen sehr langen Budgetberatungsprozess. In dieser Kürze dieses beachtliche Projekt, möchte ich fast sagen, auf den Tisch zu legen, das verdient aus meiner Sicht schon Anerkennung. Es wird konsolidiert, ja, in Summe 15 Milliarden Euro: sehr stark ausgabenseitig, aber natürlich auch einnahmenseitig. Ich möchte aber auch die zentralen Herausforderungen, die wir haben, nicht verhehlen: Es ist zwar erfreulich, dass wir in den letzten Jahren die Einkommen haben stabilisieren können – das heißt, die Haushaltseinkommen sind real gestiegen, das ist erfreulich, gerade in den unteren Einkommensbereichen –, aber wir müssen auch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft sehen; das heißt, wir müssen uns auf internationalen Märkten beweisen. Wir haben eine Exportquote von über 60 Prozent, da brauchen wir natürlich auch eine entsprechende Wettbewerbsfähigkeit. Die zweite große Herausforderung ist die hohe Sparquote. Dass die Einkommen steigen, hilft uns wenig, wenn diese Einkommen dann gespart werden. Damit komme ich schon zum wichtigsten Punkt und zur zentralen Botschaft, die ich in der Generaldebatte anbringen möchte: Das Allerwichtigste ist, wir brauchen Optimismus in der Republik. Wir haben auch Grund dafür: Die OeNB – der Herr Bundeskanzler hat es schon erwähnt – hat jetzt erstmals die Wachstumsprognose wieder gedreht – ein zartes Pflänzchen, noch keine Trendumkehr, aber auf Basis dieses Optimismus brauchen wir Optimismus in den privaten Haushalten, damit konsumiert wird, brauchen wir Optimismus in den Unternehmen, damit investiert wird. Eine ganz wichtige Botschaft zum Schluss: Die Sanierung der Haushalte ist eine gesamtstaatliche Aufgabe – das möchte ich immer wieder betonen. Da braucht es den Bund – der Bund hat da eine sehr starke Vorbildfunktion –, es braucht die Länder, es braucht die Gemeinden, und es braucht die Sozialversicherungsträger. Und es ist ganz wichtig, zu betonen: Da haben alle Parteien Verantwortung, weil wir alle gemeinsam in den unterschiedlichsten Gebietskörperschaften Verantwortung tragen. Liebe Kollegen von der Freiheitlichen Partei! Es ist zu wenig, nur zu kritisieren. Es wäre ganz wichtig, auch konkrete Vorschläge auf den Tisch zu legen – nur so kann man die Budgets entsprechend entwickeln. Diesen Zusammenhalt wünsche ich mir, das möchte ich auch als Appell formulieren : Alle sind gefordert, sich konstruktiv in die Debatte einzubringen. Und mit ein bisschen Optimismus dazu – davon bin ich sehr überzeugt – werden wir sehr rasch wieder ein entsprechendes Wirtschaftswachstum haben. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Bundesminister für Finanzen. – Bitte.

GRÜNE Markus Koza

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Sehr geehrter Herr Finanzminister, bei aller Wertschätzung, aber das Budget ist, was es ist: Es ist ein Budget, das einen Rückschritt in der Armutsbekämpfung und einen Rückschritt bei den sozialen Errungenschaften bedeutet. Da hilft kein Hin-und-her-Deuten, es ist einfach so. (👏) Wenn Sie natürlich davon sprechen, dass es da und dort immer wieder Offensivmaßnahmen im zweistelligen Millionenbereich gibt, die auch einkommensschwachen Haushalten, auch den Familien nutzen, ja, dann ist das gut – aber das macht nicht die enormen Verluste für die Familien, für die Haushalte, für die Einkommensarmen, für die Alleinerzieher:innen wett. Wenn ich mir nämlich allein den Klimabonus anschaue, bei dem den Familien ungefähr 1,9 Milliarden Euro gestrichen werden, wenn ich mir anschaue, wie die Valorisierung für Familienleistungen, für Sozialleistungen ausgesetzt wird, wenn ich mir anschaue, wie das soziale Drittel ausgesetzt wird, dann sind das Beträge, die jenseits von Gut und Böse sind und die nicht durch diese kleineren Beträge wettzumachen sind, die im Budget einen sogenannten Ausgleich schaffen sollen. Nein, die Regierungspolitik verursacht soziale Härten im Rahmen dieser Budgetkonsolidierung, soziale Härten, die aber nicht einmal notwendig wären – denn natürlich ginge Budgetkonsolidierung auch anders. Das zeigen wir heute auch mit unserem Abänderungsantrag, mit unserem sehr umfassenden Abänderungsantrag, den wir zum Budgetbegleitgesetz eingebracht haben. Lassen Sie mich ein paar wesentliche Punkte aus sozialpolitischer Sicht kurz erläutern: Die Regierung schafft den Zuverdienst bei den Arbeitslosen ab. Das erzeugt Armut, das erzeugt Armutsgefährdung, das nimmt den Arbeitslosen ein Standbein in der Arbeitswelt. Es gibt auch keine einzige Sozialorganisation – mir ist zumindest keine bekannt –, die das unterstützt, die das gut findet. Nein, die lehnen das alle ab. Es bringt in Wirklichkeit auch keine Ersparnis. In Wirklichkeit bringt es Mehrkosten für die Sozialhilfe. Das sagen die Länder, da haben die Länder die Befürchtung. Das sagen nicht nur wir, das ist einfach so. (👏) Was wäre eine sinnvolle, eine gute Alternative? – Wir haben diesen Vorschlag dazu gemacht: In den ersten 100 Tagen der Arbeitslosigkeit lassen wir noch keinen Zuverdienst zu, damit die Leute möglichst rasch vermittelt werden. Dafür erhöhen wir aber für die Menschen, die ein niedriges Arbeitslosengeld haben, in diesen 100 Tagen das Arbeitslosengeld ein bisschen. Das hat die Sozialdemokratie auch schon immer wieder gefordert. Natürlich muss es auch Ausnahmen geben: Ausnahmen für die, die einen Zuverdienst unbedingt brauchen, Alleinerzieher:innen beispielsweise – in euren arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, in eurem Gesetzentwurf ist das ja gar nicht berücksichtigt –, für Menschen, die in einem Entschuldungsverfahren sind, und auch für Kunstschaffende, denn gerade Kunstschaffende wären von diesem Zuverdienstverbot dermaßen stark betroffen, dass es schon existenzbedrohend wäre. In diesen 100 Tagen lässt man halt die Zuverdienstmöglichkeiten für diese Gruppen einfach wieder zu, damit die Leute einen Fuß in der Arbeitswelt haben und damit wir Armut bekämpfen. Das wäre sozial und fair. Was die Regierung dagegen vorlegt, ist Politik der sozialen Härte. Das kennen wir von der ÖVP; dass da die SPÖ mitmacht, ist unverständlich. Unverständlich ist auch, dass in einem Doppelbudget kein einziger Euro – kein einziger Euro! – für Kindergrundsicherung vorgesehen ist. Im Gegenteil, Familien wird das Geld noch gekürzt – so wie vorhin besprochen. Darum schlagen wir vor, dass wir im Rahmen der Abgeltung der kalten Progression beim oberen Einkommen nur die halbe Inflationsrate ausgleichen und die dadurch frei werdenden Mittel für einen Ausbau der Kindergrundsicherung verwenden.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo!

GRÜNE Markus Koza

… 60 Euro Kinderzuschlag – auch für Haushalte mit Doppelverdienern, die aber ein niedriges Einkommen haben. Das wäre ein wichtiger Lückenschluss im Kampf gegen die Kinderarmut. Zuletzt: Erhöhung des effektiven Pensionsantrittsalters – ja, unterstützenswert, sinnvoll! Aber: Da muss man auch dafür sorgen, dass Arbeitnehmer:innen länger in Beschäftigung bleiben können. Da müssen die Betriebe in die Pflicht genommen werden. Darum braucht es auch ein Bonus-Malus-System, weil es die logische und notwendige Ergänzung zur Anhebung des Antrittsalters für die Korridorpension ist. Ich bringe daher folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird ersucht, dem Nationalrat zeitnah zur Anhebung des Zugangsalters zur Korridorpension einen Gesetzesvorschlag für ein Bonus-Malus-System zur Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter vorzulegen. Das Bonus-Malus-System besteht aus Beiträgen von Unternehmen, die unterdurchschnittlich wenige Menschen in den letzten zehn Jahren vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter beschäftigen, sowie aus Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen.“ Herausforderungen solidarisch lösen statt neue soziale Härten schaffen: Das ist Politik mit Herz und Verstand. Stimmen Sie für diese Politik! (👏) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Herr Abgeordneter, ganz kurz, vielleicht wollen Sie das machen: Sie haben auf einen Abänderungsantrag hingewiesen, formal haben Sie diesen noch nicht ausreichend eingebracht, weil Sie ihn in den Grundzügen nicht erörtert haben. Sie haben nur gesagt, es gibt einen Abänderungsantrag. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Das war das soziale Drittel - - Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Wird dieser Abänderungsantrag von jemand anderem eingebracht? Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Er ist eingebracht. Das soziale Drittel ist in diesem Abänderungsantrag drinnen, also die Kindergrundsicherung, und auch die 100 Tage Zuverdienstmöglichkeit. Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Sie haben ihn hinterlegt, er wurde auch verteilt, aber das enthebt Sie nicht der Aufgabe, zumindest in Grundzügen darauf hinzuweisen. ( Ruf bei den Grünen: Hat er ja! ) Sie haben nicht einmal erwähnt: Ich bringe daher folgenden Abänderungsantrag ein – nicht einmal diese Präambel ist dabei. Es ist eine Formalität. Ob Sie das jetzt im Rahmen Ihrer Redezeit, die Sie noch haben, machen oder einer Ihrer Kollegen - - Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Ich habe noch 21 Sekunden, oder? Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Sie haben mehr. Sie haben noch viel, viel mehr bis zu den 20 Minuten. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): 21 bleiben noch über von meiner vorigen Rede? …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Red ganz einfach!

GRÜNE Markus Koza

… Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Bitte. Abgeordneter Mag. Markus Koza (fortsetzend): Gut. Ich bringe daher einen Abänderungsantrag der grünen Fraktion zum Budgetbegleitgesetz ein, der unter anderem die Zuverdienstmöglichkeiten beim Arbeitslosengeld sowie das soziale Drittel zum Ausbau der Kindergrundsicherung umfasst. Auf weitere Einzelheiten werden Kolleg:innen noch eingehen. – Danke. 13.27 Der Gesamtwortlaut der Anträge ist unter folgenden Links abrufbar: RN/38.1 Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters (53/UEA) RN/38.2 Budgetbegleitgesetz 2025 (AA-16) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Danke. Der zuerst eingebrachte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht in Verhandlung. Der soeben in Grundzügen erörterte und den Abgeordneten vorliegende Abänderungsantrag ist ebenfalls ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht ebenfalls mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Doppelbauer. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Ich glaube, die Verwirrung hätten wir jetzt vielleicht schneller lösen können, denn fast alles, was Kollege Koza gesagt und gefordert hat, haben wir ja eigentlich auch im Regierungsprogramm stehen und wird schon kommen.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Bravo! – Widerspruch bei den Grünen. – Abg. Gewessler [Grüne]: Nicht im Budget! Beim Budget machts das Gegenteil!

NEOS Karin Doppelbauer

… Aber um aufs Budget einzugehen: Wir diskutieren diese Woche ja im Parlament, was wir mit dem Geld machen, das uns die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler überlassen, dem Staat überlassen, um es hier gut für gemeinschaftliche Aufgaben auszugeben. Das geht von der Kinderbetreuung angefangen bis hin zu einem qualitativ hochwertigen Gesundheitssystem und zu nachhaltigen, fairen Pensionen. Und ja, dieses Budget, das wir hier heute beschließen, ist deswegen auch als eine Trendwende zu sehen. Warum eine Trendwende? – Weil es nicht mehr ein Koste-es-was-es-wolle ist, sondern weil es tatsächlich zum ersten Mal darum geht, mit Steuergeld sorgfältiger umzugehen. Wir machen das, meine Damen und Herren, in einem der größten Wirtschafts- und Haushaltskrisenzeitalter, in einer Phase, in der die Krise so groß ist, wie sie Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich noch nie gesehen hat. Wenn ich Trendwende sage, dann meine ich auch das, was der Herr Finanzminister gesagt hat: Es ist ein Anfang gemacht. Es ist ein Anfang gemacht nach dem Motto: Sanieren, Reformieren und Modernisieren, aber es braucht noch ganz viele weitere Schritte. So wie es der Herr Finanzminister auch schon ausgeführt hat, hat Prof. Badelt dazu in seiner heutigen Pressekonferenz gesagt: Ja, es wird besser werden, aber es braucht noch mehr, um wirklich auch unter diese 3 Prozent zu kommen. Es ist einfach notwendig, dass wir hier diese Maßnahmen, die wir noch nicht beschließen konnten, die auch Kollege Schiefer schon angesprochen hat, jetzt rasch auf den Weg bringen. Ich möchte noch einmal daran erinnern, in welcher Position wir übernommen haben: 4,7 Prozent Maastrichtdefizit im Jahr 2024. Ohne die ersten Sanierungsmaßnahmen heuer wären wir tatsächlich auf 5,8 Prozent, steigend auf 5,9 Prozent, und schon in den nächsten Jahren wäre die Zinsbelastung von Österreich an die 10 Milliarden Euro pro Jahr. Nur einmal im Vergleich: Unser Bildungsbudget beträgt 12 Milliarden Euro. Es ist also tatsächlich an der Zeit, etwas zu tun, um gegenzusteuern. Und ja, jetzt sagen manche Kritiker, das könnte schneller gehen, das könnte härter gehen, wir könnten viel mehr konsolidieren: Ganz ehrlich, meine Damen und Herren, ich persönlich gebe denen auch recht. Wir haben aber eine sehr schwierige konjunkturelle Lage, wir werden uns nicht durch Geld herauswirtschaften können. Das heißt, es braucht eine wirkliche Sensibilität, um wirtschaftliche Abwärtsrisiken gut einschätzen zu können. So wie es halt beim Regieren ist: Es ist die Kunst des Machbaren. Mit diesem Budget haben wir jetzt einen gemeinsamen Pfad gefunden, der zwar aus meiner Sicht weit entfernt davon ist, ideal zu sein, aber er spiegelt einen breiten politischen Konsens wider. Wir werden in wichtige Bereiche wie in die Bildung, in die Energiewende, in den Standort – also in die Zukunft – investieren. Wir bringen erste echte Reformen jetzt auch einmal auf den Weg. Wir werden viele Details, vor allem auch im Pensionsbereich, noch diskutieren. Eines ist mir persönlich wichtig, wenn es immer wieder darum geht – der Austausch findet im Augenblick auf vielen Ebenen statt –, wenn es immer wieder heißt: Sparen heißt, den Menschen etwas wegnehmen, und man müsse das Budget eher einnahmenseitig sanieren. – Ja, meine lieben Freunde, wenn der Staat etwas einnimmt, dann nimmt er das auch schon jemandem weg! (👏 NEOS) Wir haben in diesem Land die höchste – oder eine der höchsten – Steuer- und Abgabenquoten, und die wird steigen. Wir haben also schon eine der höchsten Wegnehmquoten, die es überhaupt in der Europäischen Union gibt, und darauf müssen wir uns auch verständigen. Deswegen werden wir NEOS auch immer darauf pochen, dass wir Betriebe und Menschen von Bürokratie, aber auch von unnötigen Steuern entlasten, die es im Augenblick einfach gibt. Dass die Arbeitskosten, so wie wir das heute gesehen haben, im OECD-Vergleich inzwischen in Österreich am höchsten liegen – im Sinne der Arbeitskosten haben wir von allen OECD-Ländern die höchsten …

FPÖ Linder (Zwischenruf)

Ja, dann tun Sie was dagegen, Sie sind in der Regierung!

NEOS Karin Doppelbauer

… heißt tatsächlich, dass es massive Maßnahmen braucht, um diese Entlastungen für die Menschen und für die Unternehmen jetzt auch auf den Weg zu bringen. (👏 NEOS) Ich glaube, es ist auch überhaupt kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wir NEOS keinen Nanny-Staat wollen und dass die Vollkaskomentalität für uns nicht denkbar ist – wir müssen von diesen Gedanken weg. Wir haben in diesem Doppelbudget auch keinen politischen Aktionismus drinnen, und das finde ich auch gut, aber es ist die Trendumkehr. Was aber klar ist: Wir stehen ganz am Anfang dieser Reformagenda, und die werden wir jetzt mit ruhiger Hand weiter begleiten und einleiten. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Fuchs. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ Hubert Fuchs

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die schwarz-grüne Vorgängerregierung hat in den Jahren 2020 bis 2024 in Summe Budgetdefizite von gigantischen 88 Milliarden Euro verursacht. Hauptkostenfaktor für diese 88 Milliarden Euro Budgetdefizite waren Auszahlungen aufgrund der Coronakrise in Höhe von 46,6 Milliarden Euro. Die nicht evidenzbasierte und wirtschaftsfeindliche Coronapolitik der schwarz-grünen Vorgängerregierung hat die Steuerzahler und die zukünftigen Generationen viele Milliarden Euro gekostet. Die jetzt regierende Verliererampel ist aber in der Lage, fast genauso viel Defizit zu erwirtschaften wie die schwarz-grüne Vorgängerregierung, und das ohne Coronakrise – das muss man sich einmal vorstellen. (👏 FPÖ) Diese Verliererampel wird ohne Coronakrise Budgetdefizite von insgesamt 82 Milliarden Euro bis 2029 verursachen. Das sind nur 6 Milliarden Euro weniger Budgetdefizit trotz eines irrsinnigen Belastungspakets für die Arbeitnehmer, Pensionisten und Familien, und noch dazu, ohne wesentliche Impulse für den Wirtschaftsstandort zu setzen. Hauptverursacher des budgetären Scherbenhaufens ist die ehemalige Wirtschaftspartei ÖVP, und dieses größte Budgetloch aller Zeiten soll nun durch den Hauptverursacher, der ÖVP, mit Unterstützung der größten Schuldenmacherpartei der Zweiten Republik, der SPÖ, saniert werden. Das kann nicht funktionieren.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Und ihr habts bei 72 Prozent mitgestimmt!

FPÖ Hubert Fuchs

… Der Finanzminister hat in seiner Budgetrede betont, dass die Verteilungsgerechtigkeit bei der Budgetsanierung besonders wichtig ist, obwohl uns eh allen klar ist, dass mit diesem Doppelbudget keine Sanierung des Bundeshaushalts möglich ist. Wie sieht diese Verteilungsgerechtigkeit nun im Konkreten aus? – Der budgetäre Beitrag der Banken für die Jahre 2025 bis 2029 beträgt 850 Millionen Euro. Dem gegenüber kassiert der Finanzminister durch die Wiedereinführung der kalten Progression beim letzten Entlastungsdrittel bis 2029 über 3,8 Milliarden Euro von den Arbeitnehmern, von den Pensionisten, und da insbesondere von den Geringverdienern. Bei den Pensionisten wird aber nicht nur durch die Wiedereinführung der kalten Progression abkassiert, sondern auch durch eine Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge von 5,1 auf 6 Prozent. Bis 2029 werden den Pensionisten dadurch rund 3,3 Milliarden Euro weggenommen. Abgerundet wird dieses unsoziale Doppelbudget durch die Nichtvalorisierung der Sozial- und Familienleistungen für die nächsten zwei Jahre, was real eine dauerhafte Kürzung der Sozial- und Familienleistungen ist. In Summe erspart sich der Finanzminister dadurch bis 2029 rund 1,3 Milliarden Euro an Sozial- und Familienleistungen. Das heißt, im Ergebnis ist die Belastung der Arbeitnehmer, der Pensionisten und der Familien zehnmal so hoch wie die der Banken – 8,4 Milliarden Euro bis 2029 zulasten der Arbeitnehmer, zulasten der Pensionisten und zulasten der Familien. Ergänzend muss man dazusagen, dass wir seit 2022 Steuergelder in Höhe von über 4,5 Milliarden Euro in die Ukraine überwiesen haben. Das müssen Sie Ihren Wählern einmal erklären, warum Sie die Pensionisten abkassieren und gleichzeitig aber 4,5 Milliarden Euro für die Ukraine haben! (👏 FPÖ) Dieses Doppelbudget ist weder ausgeglichen noch ist es sozial gerecht. Es belastet die Arbeitnehmer, die Pensionisten und die Familien in einem unverhältnismäßig hohen Ausmaß. Wo bleiben denn die Einsparungen im Asyl- und Migrationsbereich? Wo bleiben die echten Einsparungen im System? Wo bleiben die massiven Einsparungen bei den Förderungen? Wo bleiben die echten Strukturreformen? Wo bleibt der Beitrag der Kammern, Herr Staatssekretär im Außenministerium? Wir haben immer noch ein massives Ausgabenproblem, aber ganz sicher kein Einnahmenproblem. Mit diesem unsozialen Doppelbudget ist eine nachhaltige Budgetsanierung nicht möglich, genau das Gegenteil ist der Fall. Die Kreditwürdigkeit der Republik wurde bereits von der Ratingagentur Fitch herabgestuft. Dieser Vertrauensverlust durch eine Ratingagentur bedeutet selbstverständlich mittelfristig auch höhere Ausgaben für Zinsen. Die 82 Milliarden Euro Defizit, die verursacht werden, die bekommen wir nicht zinsenlos, Herr Finanzminister. Die von der Einheitspartei verursachte Einleitung eines Defizitverfahrens durch die EU bedeutet auch eine Besachwaltung durch Brüssel, was das Vertrauen der Finanzmärkte in die Republik Österreich ganz sicher nicht fördern wird.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Verstehen Sie es nicht oder wollen Sie es Ihrer Bevölkerung bewusst falsch erzählen? – Abg. Stefan [FPÖ]: Er versteht ein bissl mehr als Sie, keine Angst!

FPÖ Hubert Fuchs

… Frau Kollegin, Sie verstehen es nicht , weil Sie dann, wenn Sie es verstehen würden, die Freiheitliche Partei Österreichs wählen würden. (👏 FPÖ) Sie würden dann wissen, Frau Kollegin, eine nachhaltige und echte Budgetsanierung der Republik ist nur mit einem Volkskanzler Herbert Kickl möglich. – Vielen Dank.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ausgerechnet die Erasim! – Heiterkeit bei der FPÖ. – Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von SPÖ und FPÖ. – Abg. Steiner [FPÖ]: Die Wirtschaftskompetenz der SPÖ: Erasim!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Krainer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident. – Ja, es war gerade ein Vertreter der Freiheitlichen hier am Pult, und wenn man sich das Budget anschaut, vor allem das Budget für heuer, dann weiß man ja, dass die Freiheitlichen mit der ÖVP ein 6,4-Milliarden-Euro-Paket vereinbart haben. Es war eine der Bedingungen der ÖVP, als es dann wieder Gespräche mit den NEOS und mit der SPÖ gegeben hat, dass das Teil der Sanierung sein soll. Das heißt, wenn sich Herr Fuchs hier über Kürzungen beklagt, na dann muss er sich bei sich selber beklagen, denn er hat sie selber auf einer Pressekonferenz im Jänner vorgestellt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das Einzige, das wirklich der große Unterschied ist: Bei seinem Paket hat die soziale Handschrift gefehlt, denn da gab es keinen Beitrag der Banken, da gab es keinen Beitrag der Energiekonzerne, da gab es keinen Beitrag der Stiftungen, da gab es keinen Beitrag von Immofirmen wie zum Beispiel von Benko und Signa. Das gab es alles nicht, das ist dazugekommen. Und: Es gab keine Offensivmaßnahmen. Es gab kein zweites Gratiskindergartenjahr, es gab nicht die gesunde Jause, es gab nicht die Investitionen im Bildungsbereich, es gab nicht die Investitionen im Gesundheitsbereich. Das heißt, das, was Herr Fuchs hier macht, ist: Er beklagt sich über seine eigenen Vorschläge und er kritisiert dann die soziale Handschrift, die die SPÖ in dieses Programm reingebracht hat. (👏 SPÖ) Das ist eigentlich eine interessante Kritik und eine, mit der ich sehr gut leben kann. Aber man darf nicht vergessen, dass dieses neu gewählte Parlament und auch diese neue Bundesregierung natürlich vor ganz, ganz schwierigen Aufgaben stehen. Wir haben die schlechteste Wirtschaftsentwicklung seit 80 Jahren. Das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern das ist natürlich Ergebnis der Politik der Vorgängerregierungen – einer hat übrigens auch Herr Fuchs persönlich angehört. Das ist erstens einmal die schlechte Wirtschaftspolitik, und da vor allem die wirklich verfehlte Politik bei der Inflationsbekämpfung. Das sagen in der Zwischenzeit alle Experten …

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Wir haben einen Überschuss erwirtschaftet, Herr Kollege Krainer!

SPÖ Kai Jan Krainer

… dass das ein Riesenproblem war: die Art und Weise, wie wir in Österreich mit der Inflation umgegangen sind. Das hat nämlich dazu geführt – und das ist ja das Einzige, das ich von den Freiheitlichen heute an Richtigem gehört habe –, dass Österreich durchgereicht wurde von der Tabellenspitze, wo wir eigentlich hingehören, unter den top drei bis fünf, bis zum Schlusslicht und wir nach diesen fünf Jahren unter den schlechtesten fünf gelandet sind. Die Arbeit, die jetzt vor uns, vor dieser Bundesregierung liegt, ist, uns von diesen schlechtesten fünf in Europa wieder dorthin zu bringen, wo wir hingehören, nämlich unter die top fünf. An dem werden wir arbeiten, an dem wollen wir auch gemessen werden nach den fünf Jahren: ob es uns gelungen ist, wieder aufzusteigen, anstatt unten herumzugrundeln, wie es jetzt der Fall gewesen ist, als wir die Bundesregierung übernommen haben. (👏 SPÖ) Und ja, es stimmt, in den 106 Tagen, die jetzt, glaube ich, diese Bundesregierung im Amt ist, ist nicht die gesamte Arbeit erledigt. Nein, es sind in den 106 Tagen wesentliche Schritte gelungen, aber es liegt noch ganz, ganz viel Arbeit vor uns, nämlich auch viele Sachen im Budget, ein Bundesfinanzrahmen, wo jetzt einmal Zahlen drinstehen, ein Steuerbetrugsbekämpfungspaket, das auch noch mit Leben zu erfüllen ist – der Herr Finanzminister hat es erwähnt –, damit dann auch die konkreten Maßnahmen beschlossen werden können, die ab 1. Jänner nächsten Jahres gelten sollen. Insofern darf ich trotzdem alle hier einladen, diesen Weg weiter mit uns zu gehen, nämlich Österreich wieder auf Kurs zu bringen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Zadić. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesminister, geschätzter Herr Bundesminister! Sehr geehrte Staatssekretär:innen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte kurz auf drei Punkte im Bereich Justiz eingehen, die im Budgetbegleitgesetz geregelt sind. Zunächst einmal Lob: Ich kann nur sagen, ich freue mich, dass es wirklich gelungen ist, dass die Fußfessel, der elektronisch überwachte Hausarrest, ausgeweitet wurde, und ich finde es gut, dass die ÖVP da endlich zugestimmt hat. Diese Maßnahme war schon länger vorbereitet, bringt einiges an Ersparnis, weil die Leute kürzer in Haft sind, und trägt auch stärker zur Resozialisierung bei. Es ist uns nicht gelungen, die ÖVP zu überzeugen, dass das eine sinnvolle Maßnahme ist, insofern finde ich es gut, dass es dieser Bundesregierung und der Justizministerin offensichtlich gelungen ist, dass die ÖVP dem zustimmt. (👏 SPÖ) Kritisieren muss ich aber zwei Punkte: Die Verkürzung der Gerichtspraxis finde ich ehrlicherweise fatal. Nach dem Studienabschluss ist die Gerichtspraxis für viele Rechtsberufe eine Voraussetzung, aber auch da wird gespart; 4 Millionen Euro werden gespart, und damit leidet die Qualität, wenn man diese Gerichtspraxis von sieben auf fünf Monate verkürzt – augenscheinlich eine Sparmaßnahme, aber in Wirklichkeit leidet die Qualität. Der zweite Punkt ist das Erwachsenenschutzrecht. Auch da muss ich leider sagen, dass es zu einer Verschlechterung kommt, nämlich einer Verschlechterung für Menschen mit Behinderung. Die Expert:innengruppe, die im Justizministerium tagt, wurde bei dieser Maßnahme nicht eingebunden, sondern abrupt beendet. Ich halte es daher für wichtig, dass wir zu dieser Praxis zurückkehren, dass die Expertinnen und Experten, gerade wenn es um Rechte von Menschen mit Behinderungen geht, auch gehört werden. Außerdem werden Rechtsanwält:innen wieder vom Gericht verpflichtet, als Erwachsenenvertreter:innen zu agieren. Das ist eine Praxis, die abgeschafft wurde und jetzt wieder eingeführt werden soll – auch das halte ich für falsch. Aus diesem Grund bringe ich folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Ralph Schallmeiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Justiz, wird aufgefordert, die Expert:innengruppe zum Thema Erwachsenenschutz unverzüglich wiedereinzusetzen und mit ihnen Schritte zur qualitätsvollen Weiterentwicklung des Erwachsenenschutzrechts zu erarbeiten, sowie künftig von Alleingängen ohne Einbindung der Expert:innen abzusehen. Die Änderungen sollen das ursprüngliche Niveau der garantierten Selbstbestimmungsrechte und Schutzvorkehrungen wiederherstellen und gleichzeitig die Vollziehung vereinfachen.“ Vielen Dank. (👏) 13.47 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/42.1 Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz (54/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Ottenschläger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Andreas Ottenschläger

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte mich zu Beginn meines Redebeitrags vielleicht gleich einem Thema widmen, zu dem ich auch einen Abänderungsantrag einbringen werde. Es geht nämlich im Zuge dieser Debatte auch um die Abschaffung der sogenannten NoVA, der Normverbrauchsabgabe. Dabei geht es darum, dass wir für Teile der Wirtschaft, insbesondere eben für Handwerker, beispielsweise Elektriker, Installateure und andere, wieder eine Steuererleichterung für die Anschaffung von Fahrzeugen, die sie benötigen – ich bezeichne sie immer als deren Arbeitsgeräte –, einführen. Diesbezüglich darf ich gleich zu Beginn einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen einbringen. – Herr Präsident, es ist dieser Abänderungsantrag im Sitzungssaal verteilt worden …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Eine Steuerbefreiung! – Abg. Kogler [Grüne]: Antrag zur umweltschädlichen Subvention!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… deswegen werde ich ihn nur in den Grundzügen erläutern. Es geht in dem Abänderungsantrag im Prinzip auch um die Klarstellung, was die Beschaffenheit der Fahrzeuge betrifft, die eben von dieser NoVA befreit werden sollen, um eine genauere Definition der Maße et cetera und auch um die Frage, welche dieser Fahrzeuge mit einfacher Ausstattung versehen sein müssen. Darüber hinaus geht es im zweiten Teil um Übergangsbestimmungen, die wir brauchen, damit diese Neuregelung auch entsprechende Rechtssicherheit hat: Auf Kraftfahrzeuge, für die ein Kaufvertrag bis zum 30. Juni 2025 abgeschlossen wird beziehungsweise deren Lieferung bis Ende des Jahres erfolgt, kann die derzeit geltende Rechtslage angewendet werden. Damit wird auch entsprechende Rechtssicherheit für die Unternehmerinnen und Unternehmer gewährleistet. Das ist der eine Teil, das heißt eine gute Nachricht für viele Handwerkerbetriebe in Österreich, dass wir da eine Erleichterung schaffen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich ganz grundsätzlich noch zwei Dinge erwähnen. Das eine ist: Ich habe die Beiträge der meisten Rednerinnen und Redner gehört. Ich denke, dass es ganz grundsätzlich von entscheidender Bedeutung ist, dass wir tatsächlich einen Schulterschuss herbeiführen, was die Frage der Budgetkonsolidierung insgesamt betrifft. Ich merke hier immer, es wird sehr schnell mit den Fingern auf andere gezeigt. Ich glaube, es gibt da eine gesamtstaatliche Verantwortung – es wurde auch schon erwähnt –: Es ist ja nicht nur – unter Anführungszeichen – „der Bund“ betroffen, sondern Gleiches gilt eben auch für die Budgets von Ländern, Gemeinden und der Sozialversicherung. Wenn ich jetzt an die Bundesländer denke, dann denke ich schon daran, dass eigentlich alle hier im Parlament vertretenen Fraktionen auch entsprechend Verantwortung in den Bundesländern tragen und in den letzten Jahren getragen haben. Auch da gibt es also eine gemeinsame Verantwortung. Ich finde es auch nicht richtig – egal ob Opposition oder auch unsere Koalitionspartner –, dass man immer sehr schnell mit dem Finger auf andere zeigt, sondern ich glaube wie gesagt, es ist wirklich von entscheidender Bedeutung, dass wir jetzt alle gemeinsam …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Verantwortung zu übernehmen!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… diese notwendigen Reformen angehen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Verantwortung übernehmen! Wer hat jetzt Verantwortung übernommen?

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Es ist auch die FPÖ betroffen, denn ihr sitzt in einigen Landesregierungen, und auch dort wird man darüber reden müssen. Die vernünftigen Kräfte der FPÖ wissen, dass man in den Bundesländern einen entsprechenden Beitrag wird leisten müssen, damit wir – das muss ja am Ende das Ziel sein – darauf achten, dass das Steuergeld möglichst effizient an den richtigen Stellen eingesetzt wird. Das, glaube ich, ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, der sich keine Partei hier entziehen sollte. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Zum Schluss, meine Damen und Herren – weil ich der Rede von Herrn Klubobmann Kickl natürlich auch zugehört habe –: Er hat von der Schweiz als Vorbild gesprochen. Tatsächlich kann die Schweiz in einigen Bereichen zum Vorbild genommen werden, wie andere Staaten – Dänemark zum Beispiel – auch, auch was ihre Budgetpolitik betrifft. Eines möchte ich aber schon sagen, weil ja die EU-Beiträge, die Österreich leistet, kritisiert wurden: Es heißt, Österreich bezahlt quasi Mitgliedsbeiträge an die Europäische Union, einerseits damit es ein EU-Budget gibt, aber andererseits eben auch, damit gewisse Ungleichheiten ausgeglichen werden. Das Interessante ist, meine Damen und Herren von den Freiheitlichen und werte Zuseherinnen und Zuseher: Die Schweiz, die nicht Mitglied der Europäischen Union ist, bezahlt netto mehr als Österreich. Wir bezahlten 2024 etwa 3,1 Milliarden Euro sozusagen an die EU, wir haben aber auch Rückflüsse in deutlicher Höhe.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Die nehmen aber massiv ab! – Abg. Stefan [FPÖ]: Die Schweiz sponsert die Europäische Union!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Ja, wir haben einen Nettosaldo, stimmt, wir sind Nettozahler, aber wissen Sie, wie viel die Schweiz bezahlt? – Die Schweiz bezahlt aus ihrem Budget 1,7 Milliarden Franken, etwa 1,8 Milliarden Euro, an die Europäische Union und bekommt keine Rückflüsse – das sollte nur einmal gesagt werden.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Weil sie voll nett sind! Aus Freundlichkeit!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Für eine exportorientierte Wirtschaft, wie wir es sind – und wenn wir über das Budget reden, ist das von entscheidender Bedeutung –: Mauern und Festungen zu bauen, wird den Staatshaushalt nicht sanieren – im Gegenteil, es wird ihn gefährden, es gefährdet unser Wirtschaftswachstum. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir müssen doch dafür Sorge tragen – Sie wissen es eh selber auch …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Ich sag’ eh gleich was dazu!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… wie viel wir im Ausland verdienen, insbesondere in der Europäischen Union, und deswegen ist es so wichtig, dass wir auch mitreden können. Das unterscheidet uns nämlich in diesem Fall positiv von der Schweiz …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die können überhaupt nicht mitreden! Nicht so wie wir! Wir können das alles mitbestimmen!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Die zahlen mehr, aber wir können wenigstens mitreden. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 13.53 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/43.1 Normverbrauchsabgabegesetz, Bundesimmobiliengesetz, Reisegebührenvorschrift 1955 und Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen (AA-18) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der Abänderungsantrag wurde in den Grundzügen erörtert. Er ist an die Abgeordneten verteilt worden, er ist ausreichend unterstützt, ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Kassegger. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Kollege Ottenschläger, mit dem Vergleich mit der Schweiz begeben Sie sich auf ganz dünnes Eis. Die Frage ist: Was ist bei der Schweiz anders, was macht die Schweiz anders? – Die Antwort ist: Die Schweiz hat seit Jahren eine wesentlich bessere Regierung als die Regierung hier in Österreich. Schauen Sie sich die Fundamentaldaten an: Ich hätte auch gern nur 40 Prozent Staatsverschuldung; ich hätte auch gern ein BIP, das fast das Doppelte von unserem ist; ich hätte auch gern eine Währung, die in den letzten sieben, acht Jahren im Vergleich zum Euro um 60 Prozent zugelegt hat. – Also da brauchen wir nicht zu reden, was die bessere Lösung ist.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

... für die Lohnstückkosten eigentlich bedeutet?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Ich habe, da ich jetzt bei den Budgetdiskussionen, Budgetdebatten wahrscheinlich öfter reden werde …

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Bitte nicht! – Abg. Egger [ÖVP]: Na geh!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… da ein Ceterum-censeo: Dieses Doppelbudget und insbesondere der Rahmen bis 2028 ist ein Weiter-wie-bisher, ist ein Beharren in Irrwegen – dem Irrweg der Klimapolitik, der Sanktionspolitik, der Kriegswirtschaft und der Migration –, bringt weitere Belastungen für die eigenen Leute, bringt keine positiven Impulse für die schwer angeschlagene österreichische Wirtschaft. Das trifft allerdings meine Erwartung, die war nämlich bei wenig bis null. Sie können jetzt noch so oft von einer Konsolidierung reden, Sie können noch so oft von einem Kurswechsel reden – die Fakten und Zahlen des Budgets beziehungsweise des Bundesfinanzrahmenplans sprechen dagegen. Man kann doch nicht ernsthaft von einer Konsolidierung sprechen: Wir haben schon erwähnt oder gehört, dass die Regierung aus ÖVP und Grünen katastrophale Budgetdaten und eine riesige Überschuldung mit einer Neuverschuldung von 88 Milliarden Euro geliefert hat. Ihr Konsolidierungspfad bis 2028 schaut so aus: Wir machen in Summe nur mehr 82 Milliarden Euro neue Schulden. – Das hat doch mit Konsolidierung nichts zu tun, das ist ein Weiter-wie-bisher. (👏 FPÖ) Die ÖVP verwendet hier auch den Begriff „Stabilität“. – Ja, aber das ist eine Stabilität, die wir genau nicht haben wollen, nämlich eine Stabilität in einer vollkommen falschen Wirtschafts- und Budgetpolitik. Der Herr Bundesminister für Finanzen hat es ja vollkommen richtig erkannt und auch mehrmals in den Ausschüssen erwähnt: Die Zinsen sind ein massives Problem. Das ist ja sinnloses Geld, das wir für die Fehler der Vergangenheit – nämlich dafür, dass die Regierungen der Vergangenheit vollkommen über ihre Verhältnisse gelebt und Schulden ohne Ende aufgenommen haben – zahlen. Da reden wir von Milliardenbeträgen – 8, 9 Milliarden Euro –, die wir jetzt schon bezahlen. – Herr Finanzminister, ich sehe jetzt aber kein Signal, wie Sie die Zinsbelastung in den nächsten Jahren abbauen wollen. Also da fehlt mir jetzt irgendwie die Logik: Durch Neuaufnahme weiterer 82 Milliarden Euro wird das nicht gelingen, sondern die Zinsbelastung wird noch steigen. Im Übrigen wissen Sie ja auch, dass man natürlich refinanzieren muss; da kommen wir auch in eine Schieflage, weil wir natürlich jetzt zehnjährige Anleihen refinanzieren müssen, die niedrig verzinst sind. Das wird also noch eine höchst unangenehme Sache. In Ihrer Budgetrede war in Wahrheit kein Wort von wesentlichen, dringend notwendigen Entlastungsschritten für die Wirtschaft, und da rede ich jetzt nicht vom Tausender, den man den Mitarbeitern steuerfrei als Prämie geben kann, sondern ich rede von einer Senkung der Steuerlast: von einer Senkung der Körperschaftsteuer, der Kapitalertragsteuer, der Einkommensteuer, der Lohnnebenkosten – eine Nullmeldung in diesem Bereich –, von einer Senkung der CO₂-Steuer, die ja immer teurer wird, von einer Redimensionierung des extrem teuren Zertifikatehandels, der ja massiv unsere Wirtschaft angreift und schädigt. Was Ihnen einfällt, ist die Jagd nach den Steuerbetrügern. Das klingt gut, mir gefällt das aber nicht besonders gut. Ich glaube auch nicht, dass Ihre zusätzlichen Steuereinnahmen von 270 Millionen Euro beziehungsweise 450 Millionen Euro, die Sie da haben wollen, überhaupt hereinkommen. In der täglichen Arbeit – reden Sie einmal mit Steuerberatern und Unternehmern! –, da schwant mir schon Übles: dieser Generalverdacht, dass jeder Unternehmer in Österreich de facto ein Steuerbetrüger sei. Es gibt kein Wort, was den Abbau des Bürokratieirrsinns betrifft, kein Wort zu den Irrwegen der Europäischen Union, die ja in vielen Bereichen leider – das muss man sagen – Politik zum Schaden der Österreicher macht. Die ganze Klimapolitik, die Jagd nach dem CO₂, die Sie im Übrigen noch Gold-platen: Das 2050-Ziel reduzieren Sie noch auf das 2040-Ziel, was in weiterer Folge massive, negative Effekte hat, zum Beispiel auf die Investitionserfordernisse von Energieversorgungsunternehmen, was das Netz betrifft; die können das ja von der Liquidität her fast nicht derheben. Es gibt weiter kein kritisches Wort zur Migrationspolitik. Wir schaffen das – das wird ungehindert oder ungebremst weitergemacht. Sanktionspolitik, Kriegspolitik, Rüstungstreiberei: echte Strukturreformen null, ich sehe keine. In Wirklichkeit feiern SPÖ und ÖVP fröhliche Urständ. Das ist das Wiederaufleben des 20. Jahrhunderts – der Siebziger-, Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts – mit den Kammern, mit den Parallelwelten – da schaue ich auch Sepp Schellhorn an –, mit den Sozialversicherungsträgern et cetera. Das ist 20. Jahrhundert, mit einem kleinen Unterschied: Damals haben Sie 95 Prozent der Wähler gewählt, heute wählen Sie nur mehr 40 Prozent. (👏 FPÖ) Sie könnten das gar nicht weitermachen, wenn Sie nicht die NEOS als Steigbügelhalter hätten – die NEOS, die mit diesem Schritt meines Erachtens ihre grundsätzliche DNA aufgegeben haben. Ich erinnere mich noch an Matthias Strolz: die neue Partei, die genau diese alten Systeme – wir erinnern uns, die „Fürsten der Finsternis“ hat er den ineffizienten Föderalismus genannt –, die Kammern und so weiter, aufbrechen will. Was machen Sie jetzt? – Sie sind der Steigbügelhalter für dieses alte System, das aber schon lange keine demokratische Legitimierung durch das Volk mehr hat. Wir werden uns das also leider anschauen müssen, hoffentlich relativ kurz bis zu den nächsten Wahlen. Ich sehe weder im Doppelbudget noch im Bundesfinanzrahmen einen echten Kurswechsel. Ich sehe ein Weiter-wie-bisher. Ich sehe auch ein Weiter bei Ausgaben ohne Ende, bei Milliarden für die EU, für die Ukraine, für die Entwicklungshilfe, für die Migration, für ein ineffizientes Gesundheitssystem, für ein ineffizientes Bildungssystem, also alles andere als einen Kurswechsel, alles andere als eine echte Konsolidierung, denn wir machen immer noch Schulden ohne Ende, bis zum Jahr 2028. Es ist ein Beharren in den Irrwegen – alles andere als eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Österreich und für die Menschen in Österreich. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster in der Rednerliste: Abgeordneter Hofer; 3 Minuten eingestellte Redezeit.

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher- und Zuhörer:innen hier im Saal und zu Hause an den digitalen Endgeräten! Es klingt immer so einfach, als ob man ein Budget mit ein, zwei Schraubendrehungen wieder verändern könnte – und das von allen Seiten, wo doch alle in der letzten Dekade in einer Regierung waren und Budgets erstellt haben. Vielleicht kurz zu Ihnen, Herr Kollege Kassegger, zu dem Thema: Ist es jetzt so, dass die Unternehmer alle als Betrüger dargestellt werden? So haben Sie es insinuiert. – Genau das Gegenteil ist im Regierungsprogramm der Fall: Es ist unternehmensfreundlich und wird genau dort hinsehen, wo es zu Betrug kommt. Zweitens: Bei Ihrem Wort sehen sind wir beim richtigen Wort. Sie haben ja gesagt, wir werden das sehen. – Ich lade Sie ein, nicht nur in der ersten Reihe fußfrei zuzusehen, sondern an den Veränderungen mitzuwirken – mitzuwirken an den Veränderungen, die es brauchen wird …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer ist in der Regierung? Sind wir in der Regierung? Ist das unsere Aufgabe?

NEOS Markus Hofer

… denn eines muss klar sein: Ein Budget ist eher ein Supertanker, und er bewegt sich ständig und mit viel Kraft. Ein Bundesbudget braucht aber Vorhersehbarkeit und eine längere Zeit, um eine Kurskorrektur darzustellen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr seid eher ...!

NEOS Markus Hofer

… In Wirklichkeit ist es nämlich so, dass dieser Supertanker in Richtung eines Eisbergs gesteuert wäre, eine Kollision in Kauf genommen worden wäre : eine Kollision mit der Realität, eine Kollision mit der Generationengerechtigkeit, eine Kollision mit dem Standort Österreich; und diese Bundesregierung hat vor wenigen Wochen, vom ersten Tag an, das Steuer in die Hand genommen, um den Kurs zu korrigieren. Wir vermeiden den Eisberg; aber sind wir schon mit voller Kraft in die richtige Richtung unterwegs, sind wir schon mit voller Kraft unterwegs? ( Ruf bei der FPÖ: Und die Kapelle spielt weiter! ) – Nein, noch nicht. Was aber wäre geschehen? Was wäre geschehen, wenn wir diese Kurskorrektur nicht eingeleitet hätten? – Wir hätten eine Staatsverschuldung, die bei fast 100 Prozent gewesen wäre. Mit diesen Kurskorrekturen ist sie um 12 Prozentpunkte niedriger. Wir hätten es nicht geschafft, dass wir innerhalb von zwei Jahren von 4,7 auf 4,2 Prozent an Neuverschuldung kommen. Aber Sie merken dadurch auch, wie lange es dauert, um solche Änderungen vorzunehmen. Wir hätten es nicht geschafft, dass wir die Planstellensteigerungen im öffentlichen Dienst, die über Jahre vorgenommen wurden, gestoppt hätten. Eine Umkehrung ist noch nicht der Fall. Wären wir nicht gemeinsam in dieser Regierung, mit den NEOS als Reformkraft, hätten wir manche Blockaden nicht gelöst – hätten wir die Blockaden in Richtung eines Starts zu einer Pensionsreform nicht gelöst, hätten wir die Blockaden in Richtung Bürokratieentlastung, vor allem für Klein- und Mittelunternehmen, nicht gelöst und hätten wir die Blockaden bei einer Aufholjagd in der Bildung nicht gelöst. Gesamtstaatlicher Reformwille ist aber notwendig. Sie haben über die „Fürsten der Finsternis“ gesprochen, haben sich beim Zitieren schwergetan. Die Wahrheit ist, dass jetzt die verschiedenen Gebietskörperschaften – Bund, Länder und Gemeinden – zusammensitzen, um diesen Reformwillen zu zeigen, und ich glaube daran, dass wir da Reformen schaffen werden, denn es braucht weitere strukturelle Maßnahmen, um die Konsolidierung zu schaffen und um den Standort zu sichern. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Lassen Sie uns gemeinsam weiterarbeiten, denn es geht nicht nur um das Hier und Jetzt, es geht um die Zukunft Österreichs, um die Zukunft dieses Landes. Ein Kurswechsel ist eingeleitet. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass wir diesen schaffen, für Österreich! – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Schwarz. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

GRÜNE Jakob Schwarz

Danke schön, Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Das Doppelbudget, das wir am Mittwoch beschließen werden, ist im Wesentlichen – schon vielfach diskutiert – vom Sparpaket geprägt. Im Kern ist es ein blau-schwarzes Sparpaket, und es muss gespart werden, das stimmt, aber es muss sinnvoll gespart werden. Das passiert nicht in ausreichendem Maße, sondern es wird umweltschädlich, wirtschaftsfeindlich und sozial ungerecht gekürzt. Liebe Regierungsfraktionen, dass gespart werden muss, das kann man dem hohen Defizit in die Schuhe schieben, das stimmt. Wo und wie aber gespart wird, das ist schon eure Entscheidung und nicht die der Grünen oder von sonst irgendjemandem; und dass ihr das so macht, dass es nicht zukunftsverträglich und sozial verträglich ist, sondern dass die Ärmsten im Land viermal so viel zum Sparpaket beitragen wie die Reichsten, das entscheidet schon noch ihr und nicht wir. (👏) Damit zu den wahren Ursachen dieser Budgetkrise. Natürlich gibt es immer mehrere Faktoren, aber eine von zwei wesentlichen Ursachen ist die wirtschaftliche Strukturkrise, in der wir uns befinden, nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland. Am Ende des letzten Jahres ist die Industrieproduktion 10 Prozent unter der Industrieproduktion des Vorjahres gelegen, und jetzt würde man ja annehmen, die Regierung, insbesondere die Wirtschaftspartei ÖVP, würde ihre Offensivmaßnahmen dafür nutzen, dieses Kernproblem des Defizitproblems anzugehen und dort volle Kanne reinzuinvestieren und Initiativen zu setzen. Stattdessen wird das Geld genommen und für Sinnlosmaßnahmen wie beispielsweise diese NoVA-Befreiung für Pick-ups ausgegeben. Das ist auf so vielen Ebenen falsch; einerseits natürlich budgetär, denn wir müssen sparen und nicht Geld rausschmeißen; zweitens klimapolitisch, denn eine Förderung, die zweckgewidmet ist, nicht nur für Autos, sondern nur für fossile Autos, und nicht nur für fossile Autos, sondern für große fossile Autos, eine nur dafür zweckgewidmete Förderung ist doch vollkommen die falsche Richtung und nicht jene, in die wir gehen sollten …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Der kleine Handwerker sagt Danke! Den kennst du aber nicht!

GRÜNE Jakob Schwarz

… und auch verteilungspolitisch, denn ich kann mir sehr schlecht vorstellen, dass die Geringverdienenden die großen Profiteure einer NoVA-Befreiung für Geländewägen sein werden. Vor allem aber: Wie soll das bitte die Wirtschaftsstrukturkrise lösen? Das betrifft ja auch Ihre anderen Maßnahmen, ich denke daran: Inwiefern soll die Wettbewerbsfähigkeit der Voest oder von Andritz gestärkt werden, wenn man in der Betriebskantine keine Kassazettel ausdruckt, oder auch, wenn man einen Kastenwagen jetzt ohne NoVA kaufen kann? Das hilft ja nichts! Stattdessen gäbe es viel zu tun: Wir hätten die Strompreiskompensation zu verlängern. Minister Hattmansdorfer – vorhin ist er noch dagesessen – hat es zwar angekündigt, aber im Budget, dass wir übermorgen beschließen, ist es nicht drinnen. Das heißt, entweder gibt es kein Geld dafür, dann kommt es auch nicht, oder das Geld wird halt woanders eingespart, wahrscheinlich wieder auf Kosten der Industrie. Oder: Wo sind die Energiegesetze, die Frau Ministerin Gewessler schon auf den Weg gebracht hat? Diese gehören endlich beschlossen, um die Energieproduktion auszubauen und die Netzkosten zu senken. Letzter Punkt: Transformationsfonds. Dieser gehört auch ausgebaut, vielleicht in Details verbessert – stattdessen wird gekürzt. Die erste wesentliche Ursache, die Strukturkrise unserer Wirtschaft, wird mit diesem Budget also nicht nur nicht angegangen, sondern zum Teil vielleicht sogar verschärft. (👏) Die zweite wesentliche Ursache liegt in der Konsumzurückhaltung. Das hat der Finanzminister auch schon anerkannt. Ich hätte eine These dafür, woher diese kommen könnte: Wir haben zu Zeiten der Vorgängerregierung vonseiten der SPÖ monatelang gehört, dass die Teuerungshilfen alle zu wenig und zu langsam wären, und: Alles nur Einmalzahlungen, die verpuffen!, die Einmalzahlung hat es in der Dauerschleife gegeben. – Ja da kann ich mir schon vorstellen, dass die Leute, die es irgendwie schaffen, ihr verfügbares Einkommen zu sparen, das dann halt auch sparen und nicht ausgeben. Und jetzt, ups, kommt auch die SPÖ drauf, dass die Sparquote nach oben gegangen ist, und spricht jetzt davon, dass man Zuversicht geben muss, damit die Leute das Geld wieder ausgeben. Da frage ich mich eines: Den Menschen, für die das in der Vergangenheit immer alles zu wenig war, streicht man jetzt den Klimabonus; man streicht die Valorisierung der Sozialleistungen; man macht überhaupt ein Sparpaket, das in Summe die Geringstverdienenden viermal so stark trifft wie die Reichsten. Und jetzt haben die alle plötzlich genug Geld, um den Konsum anzustoßen? – Das geht sich ja nicht aus. (👏) Insofern: Leider geht dieses Budget die zwei wesentlichen Punkte nicht an, und deshalb ist es auch nicht zustimmungswürdig. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Teiber. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Barbara Teiber

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es geht um das Budget, und wir haben in dieser Budgetdebatte jetzt ja schon einiges gehört; von den Grünen Kritik, aber auch vereinzeltes Lob – da auch ein Danke für die Differenzierung. Von der FPÖ kam nur Kritik – man kennt Sie ja auch nur so, aber es ist schon ein Stück weit skurril, denn vor allem die schwierigen Maßnahmen in diesem Budget, die durchaus viele belasten, sind auf Ihrem Mist gewachsen, das ist Ihnen eingefallen …

FPÖ Petschnig (Zwischenruf)

Aber ihr beschließt es!

SPÖ Barbara Teiber

… das haben Sie mit der ÖVP vereinbart …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Was jetzt konkret? Kann man ein bisschen konkreter werden?

SPÖ Barbara Teiber

… und nach Brüssel geschickt! Insofern ist diese Kritik wirklich mehr als seltsam. (👏 SPÖ) Ich denke mir, worüber wir uns aber in diesem Plenum einig sind, ist, dass die Ausgangslage eine mehr als schwierige ist: leere Kassen, ein strukturelles Budgetdefizit in einem noch nie dagewesenen Ausmaß, unzählige politische Projekte – auch durchaus gute – von der schwarz-grünen Vorgängerregierung sind ohne langfristige Finanzierung, für diese ist nicht gesorgt worden. Darum werde ich als Sozialdemokratin noch immer gefragt, warum wir uns das antun, mitzuhelfen, diesen finanziellen Scherbenhaufen, den wir nicht verursacht haben …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Ihr habt überall mitgestimmt!

SPÖ Barbara Teiber

… jetzt in dieser Bundesregierung aufzuräumen. Anders als Klubobmann Kickl, anders als die FPÖ übernehmen wir Verantwortung.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Euch hat aber niemand gewählt! – Abg. Stefan [FPÖ]: Wir werden darauf zurückkommen!

SPÖ Barbara Teiber

… Sie beschränken sich immer allein auf billigen Populismus. Das ist man von Ihnen gewohnt: Nur kritisieren und keine Verantwortung übernehmen. Wir übernehmen Verantwortung für Österreich und die Menschen in unserem Land! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Euch hat niemand gewählt, um Verantwortung zu übernehmen!

SPÖ Barbara Teiber

… Darum muss man sagen, es ist wirklich eine Leistung, dass es dem Herrn Finanzminister und der Regierung in Rekordzeit gelungen ist, dieses Doppelbudget vorzulegen. Dieses Budget zeigt, soweit das bei einem Sparpaket möglich ist, auch soziale Handschrift – durch Mehreinnahmen von Banken, von der Energiewirtschaft, von Stiftungen, von der Immobilienwirtschaft –, und trotz des Spardrucks ist es aufgrund dieser Mehreinnahmen möglich, zu investieren: in Bildung, in Gesundheit, in Pflege und in Beschäftigung, weil gute Arbeit der Schlüssel für soziale Sicherheit ist. Ganz entscheidend ist es, dass die SPÖ Teil der Regierung ist, wenn es um das Thema Pensionen geht. Da verhindern wir, dass es zu einem Kahlschlag bei den Pensionen kommt, wie es sich manche Industriellenvertreter vorstellen. Ein IV-Präsident, der von Arbeiten bis 70 spricht – das ist purer Zynismus. Da hat jemand keine Ahnung von den Realitäten am Arbeitsmarkt! (👏 SPÖ) Worauf wir hinarbeiten werden, ist, dass das faktische Pensionsantrittsalter steigt. Was dazu umgesetzt wird, ist eine Änderung bei der Korridorpension: eine schrittweise Anhebung auf 63 Jahre, und perspektivisch sind dafür 42 Versicherungsjahre notwendig. Was uns jetzt in Verhandlungen noch gelungen ist, ist – und ich weiß als Gewerkschafterin, wie wichtig das für viele betroffene Kolleginnen und Kollegen ist –, dass für die Altersteilzeitvereinbarungen, die bis heute, bis 16. Juni, wirksam geworden sind, die bisher geltenden Anspruchsvoraussetzungen für die Inanspruchnahme einer Korridorpension weiter anwendbar bleiben. Dazu bringe ich einen Abänderungsantrag der Abgeordneten Ottenschläger, Krainer, Hofer, Kolleginnen und Kollegen zum Budgetbegleitgesetz 2025, 100 der Beilagen, ein, der die erwähnte Bestimmung im Allgemeinen Pensionsgesetz ändert. Weiters gibt es redaktionelle Änderungen im Gehaltsgesetz, im Vertragsbedienstetengesetz und im steuerrechtlichen Teil. – Vielen Dank. (👏 SPÖ) 14.14 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/47.1 Budgetbegleitgesetz 2025 (AA-17) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der angesprochene Abänderungsantrag ist aufgrund seiner Komplexität verteilt worden. Er wurde in seinen Grundzügen erörtert, ist daher ordnungsgemäß eingebracht und auch ausreichend unterstützt. Er steht damit mit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Kolm. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

FPÖ Barbara Kolm

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Sehr geehrte Delegation der Freiheitlichen Partei aus Graz! Geschätzte Damen und Herren zu Hause! Österreich ist auf dem falschen Weg, und ich darf meine Rede mit einem seltsamen Praxisbeispiel dafür beginnen, wie das Budgetbegleitgesetz dazu missbraucht wird, Dinge zu beschließen, die in Wirklichkeit mit dem Budget nichts oder nur sehr wenig zu tun haben. Im vorliegenden BBG soll beschlossen werden, dass beispielsweise die Rechtsanwälte in der Erwachsenenvertretung weit über das rechtsanwältliche Maß hinaus mit der Pflegebetreuung, psychosozialen Betreuung, aber auch der Betreuung von Erwachsenen betraut werden. Es stellt sich hier die kritische Frage: Warum sollen das die Rechtsanwälte machen und warum sollen es nicht Ärzte oder Richter machen, warum sollen nicht sie zu diesem sogenannten Zwangsdienst verpflichtet werden? Wie erfolgt die Entschädigung, wenn der Besachwaltete beispielsweise vermögenslos ist? Im vorliegenden Gesetz ist dazu nichts geregelt. Warum also ausgerechnet die politisch unbequemen Freiberufler wieder einmal belasten? Ist das der neue Stil der Budgetkonsolidierung, dass Freiberufler zu unbezahltem Sozialdienst eingeteilt werden? – Das und viele andere Dinge werden in dem hier vorliegenden Gesetz behandelt. (👏 FPÖ) Dieses Budget und dieses BBG führen Österreich weiter und noch tiefer in die Sackgasse. Wir reden heute nicht nur über Zahlen, wir sprechen über Prinzipien, über Verantwortung und darüber, welchen Weg wir für unser Land künftig einschlagen wollen: Wollen wir weiter in die Abhängigkeit von Schulden, Staatsintervention und EU-Diktaten oder endlich in Richtung Freiheit, Eigenverantwortung und Marktwirtschaft? Das Doppelbudget der schwarz-rot-pinken Koalition zeigt erschreckend deutlich: Diese Regierung hat kein Konzept und – wie zu erkennen war, wenn ich mir manche Vorredner vorhin angehört habe – auch keine Ahnung von wirtschaftlicher Grundeinstellung. Sie betreibt Zahlenkosmetik statt Sanierung, ideologische Umverteilung statt Angebotsreformen und Krisenverschleierung statt mutiger Konsolidierung. Das ist kein Wendepunkt für Österreich, sondern das ist more of the same. Zahlen entlarven und legen die Täuschung offen: Das Defizit liegt bei 4,5 Prozent des BIPs trotz – trotz! – massiver Steuerbelastungen, die Ausgabenquote bei 56,8 Prozent – im EU-27-Schnitt sind es meistens um 10 Prozent weniger. Die Regierung plant bis 2029 weitere 90 Milliarden Euro Schulden, und laut Zahlen des Fiskalrates von heute wird die Schuldenquote von heuer 84,6 Prozent bis 2029 auf 91,1 Prozent ansteigen. Das ist keine Konsolidierung, das ist nur ein Schuldenkarussell, das sich weiter dreht. Die Sanierung ist Mythos, und wenn man sich die Definitionen von Sanierung im „Oxford Dictionary“ oder im „Gabler Wirtschaftslexikon“ überlegt, aber natürlich auch im „Lexikon der öffentlichen Haushalts- und Finanzwirtschaft“ ansieht, dann weiß man ganz genau: Minus! Die Aufgaben sind nicht gemacht, und man hat nicht verstanden, was zu tun ist. Schade, dass der Herr Finanzminister gerade gegangen ist. Die Sanierung ist eben ein Mythos. Und was passiert wirklich? – Noch mehr Ausgaben, Belastung gerade von Mindestpensionisten durch höhere Krankenkassenbeiträge und weitere Belastungen im Bereich der Pensionen, keine Incentivierung, eine Form von Augenauswischerei – die angeblichen Einsparungen der Fördertaskforce betragen gerade einmal 150 Millionen Euro bei einem Ausgabenvolumen von 100 Milliarden Euro; das ist eine Augenauswischerei –, keine Strukturreformen bei Bürokratie, Föderalismus oder Verwaltung. Und wenn dann Kollege Shetty meint, das wird passieren: Na ja, wenn ich 18 Monate darüber nachdenke, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es ein vernünftiges Ergebnis gibt! (👏 FPÖ) Zum Defizitverfahren – wie gesagt schade, dass der Herr Finanzminister nicht da ist –: Das bedeutet Österreich ist im Würgegriff, im politischen Würgegriff der EU, Verlust politischer Souveränität, Brüssel übernimmt, Zinsaufschläge auf Kredite, auch für Private, schlechtere Ratings und damit auch noch höhere Staatsausgaben und noch weniger Gestaltungsspielraum für Reformen. – Das sind nicht die Lösungen. (👏 FPÖ) Widerspruch wird in Brüssel nämlich nicht geduldet. Den freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die Brüssel als Belastung für uns plant, muss zugestimmt werden. Wir haben es beispielsweise bei der Bargeldobergrenze gesehen, da hat der vergangene Finanzminister zugestimmt, ohne mit der Wimper zu zucken, und Sie werden dem digitalen Euro wahrscheinlich auch zustimmen, ohne mit der Wimper zu zucken, und das bedeutet auch eine weitere Belastung und einen Entzug unserer individuellen Freiheit. Von wegen Offensivmaßnahmen und Standortpakete: Auch da hat die Politik versagt. Das ist nämlich keine Standortpolitik – schade, dass Kollege Hattmannsdorfer nicht da ist. Schlüsseltechnologien werden politisch ausgewählt, ohne Marktprüfung. Subventionen verzerren bekanntlich den Wettbewerb und schaffen nur Mitnahmeeffekte, anstatt dass man die Instrumente der Garantien weiter ausweitet. Staatsnahe Betriebe werden ausgeschlachtet, um Budgetlöcher zu stopfen. – Das ist keine Wirtschaftspolitik, die den Standort nach vorne bringt. (👏 FPÖ) Anstelle von Mut zur Wahrheit und Mut zur Freiheit geht man den Weg in die Knechtschaft, egal ob von Brüssel oder ob man die nächsten Generationen verknechtet. – So darf das nicht sein. Das ist nicht die Lösung für Österreich. Man sollte dem Bürger vertrauen, den Unternehmern vertrauen und sie nicht unter Generalverdacht stellen. Man muss das Wort Freiheit und Freiheit als höchstes Gut wirklich wieder in den Vordergrund stellen. Nur so kann ein Arbeits- und Wirtschaftsstandort nachhaltig saniert werden, und das geht nur mit niedrigen Steuern, mit weniger Abgaben und mit viel Freiheit. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Strasser. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Georg Strasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Ja, zweifellos, es liegen fünf schwierige Jahre hinter uns, in denen die vergangene Regierung die Kaufkraft gestärkt hat, Arbeitsplätze und Wirtschaft unterstützt hat und die Sozialleistungen deutlich gesteigert hat. Die Vorzeichen haben sich geändert. Ich möchte schon dazusagen: In den letzten fünf Jahren hat auch die Opposition viele Forderungen gestellt, die die Regierung umgesetzt hat, und viele Forderungen sind weit über das Maß, das heute zu sehen ist, hinausgegangen. Jetzt sind wir aber an einem Wendepunkt, und was es braucht, ist ein Schulterschluss. Warum? – Weil alle Bevölkerungsgruppen, alle Berufsgruppen dieses Sparpaket spüren werden, und wir werben für einen Schulterschluss. Wir werden zum einen sanieren; sanieren heißt: zwei Drittel im Bereich der Ausgaben, ein Drittel im Bereich der Einnahmen. Wir werden reformieren. Ich möchte den Schulterschluss zwischen den Gemeinden, den Städten, den Bundesländern und dem Bund in den Bereichen Energie, Bildung, Gesundheit und Verwaltung hervorheben. Da werden wir die Kosteneffizienz steigern und letztendlich auch einen Beitrag zur Budgetsanierung liefern. Das alles ist aber noch auszuarbeiten. Wir werden weiter wachsen, und zum Wachsen braucht es Investitionen in die Zukunft. Ich möchte zum einen jetzt die Leistungen der österreichischen Bäuerinnen und Bauern ein wenig vor den Vorhang holen. Wir, ich und meine Kolleginnen und Kollegen, liefern Lebensmittel, Landschaft, Rohstoffe und Energie. Es ist gut, dass die Leistungsabgeltungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik stabil gehalten werden können, weil wir, die Bäuerinnen und Bauern Österreichs, dann auch weiter unseren Job machen können und unsere betrieblichen Einkommen und die Familieneinkommen damit zum Teil abgesichert sind. Der zweite Bereich: Es gilt die Wirtschaft anzukurbeln. Dabei spielt die Energie eine ganz wichtige Rolle. Es geht um die Kosten, es geht um die Wettbewerbsfähigkeit und es geht um die Verfügbarkeit – drei ganz wichtige Themen. Auch da kann die Landwirtschaft, kann die Forstwirtschaft einen gewissen Teil liefern, und zwar über das Thema Biogas und Biomasse. So kann man sehr elegant Strom und Wärme erzeugen, mit Reststoffen für das Biogas und für die Biomasse aus dem Wald. Letztendlich sind diese Investitionen also notwendig, um uns eine Spur autonomer zu machen und die regionale Wirtschaft zu fördern und um uns auch eine bessere Klimabilanz zu verleihen. Ich komme zum Schluss: Wir sanieren, wir reformieren und wir werden weiter wachsen, und ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen, weil wir an dieses Land glauben. Was macht die FPÖ? – Sie verstrickt sich in Widersprüche. Ich habe da am Nachmittag zugehört. Kollege Fuchs hat sogar eine Aussendung vorgelegt: Dieses Budget ist unsozial!; Kollegin Kolm, die ja für ihren wirtschaftsliberalen Zugang bekannt ist, sagt: Oje, diese ideologische Umverteilung! – also ein schwerer Widerspruch. Die FPÖ begeht nicht nur Kindesweglegung, siehe Brief nach Brüssel, sondern sie verstrickt sich auch in Widersprüche in der eigenen Argumentation in der gleichen Debatte.

FPÖ Nemeth (Zwischenruf)

Wo ist da der Widerspruch? – Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].

ÖVP Georg Strasser

… Wir sagen, dieses Budget ist sozial, dieses Budget ist ausgewogen und es wird uns zum Erfolg führen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Götze. Eingemeldete Redezeit: 2 Minuten.

GRÜNE Elisabeth Götze

Danke, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Radfahren, Fußwege, Begrünung in den Orten, gute Kinderbetreuung und auch eine zeitgemäße Infrastruktur : Wir wissen, dass all das die Zufriedenheit der Bevölkerung maßgeblich beeinflusst, dass all das beeinflusst, wie gut es uns vor Ort geht. Aber auch das Vertrauen in die Demokratie wird, das wissen wir aus zahlreichen Studien, gestärkt, wenn die Orte gut funktionieren. Dafür gab es die Gemeindepakete mit einer ganz einfachen Antragsmöglichkeit – das weiß ich aus Erfahrung – und Transparenz, auf der BMF-Seite einfach abrufbar. Noch vor einem Jahr hat das Bundeskanzleramt auf der Website geschrieben, das kommunale Investitionsprogramm sei ein bewährtes Instrument, und für 2025 wurde ein neues angekündigt, mit einer Bundesförderung von 80 Prozent. All das wird jetzt leider abgedreht.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Stimmt ja nicht! – Abg. Schroll [SPÖ]: Stimmt ja nicht, Frau Kollegin!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Es kommt ein Rückschritt, weil es jetzt den Gemeinden überlassen bleibt, was sie mit diesem Geld machen. Sie bekommen das Geld als Gieß- - – Hören Sie mir zu, liebe Kolleginnen und Kollegen! (👏) Es kommt eine Gießkannenförderung und die Gemeinden entscheiden, was sie damit tun.

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Ja, Gott sei Dank! – Abg. Schroll [SPÖ]: Ihr werdet doch nicht gegen die Gemeinden reden!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Das heißt aber auch, dass die Gemeinden, denen es finanziell schlecht geht, das Geld nützen werden, um Löcher zu stopfen.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Das geht ja nicht! – Rufe bei der ÖVP: Das geht ja nicht! – Abg. Kogler [Grüne]: Das haben wir ja vorher auch gehabt!

GRÜNE Elisabeth Götze

… Es ist keine zielgerichtete Förderung mehr für Kinderbetreuung und für sonstige Investitionen, die wichtig für die Zukunft sind; man wird das Dringliche machen. (👏) Nur die reichen Gemeinden werden es sich leisten können, die langfristigen Zukunftsinvestitionen zu tätigen. Auch die Transparenz ist Vergangenheit, weil das BMF, das Finanzministerium, wohl nicht 2 000 Gemeindeseiten durchschauen wird, welche Investitionen gerade getätigt werden ; das ist nämlich die Vorgabe, es dort zu veröffentlichen. Zusammenfassend: ein Bärendienst für die Gemeinden, für die Steuerzahlenden, nämlich alle Bürger:innen, und eine vertane Chance für den Klimaschutz. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete von Künsberg Sarre. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Herr Präsident! Werte Mitglieder auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer! Es ist immer wieder schön, wie die Grünen sich wegducken und immer so tun, als ob sie mit dieser angespannten Budgetsituation überhaupt nichts zu tun hätten.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Ihr unterstellts das dauernd!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Die letzten fünf Jahre – und da waren die Grünen ganz, ganz vorne dabei – waren geprägt von einer Gießkannenpolitik …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

... den Schellhorn die nächsten fünf Jahre ...!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und einer Politik: Koste es, was es wolle! – Deswegen sind wir in dieser Situation. (👏 NEOS) Für uns NEOS ist ganz klar, dass es notwendig ist, das Budget zu konsolidieren. Das darf aber gleichzeitig nicht Stillstand bedeuten, sondern es geht darum, sich endlich Zeit für echte Reformen zu nehmen. – Offensichtlich fühlen Sie sich ja so angesprochen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Amüsiert!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Es ist wirklich schön, dass Sie da mit Ihrer Gießkanne einfach nicht durchgekommen sind. Für uns NEOS steht im Vordergrund dieses Budgets und auch des Bildungsbudgets: Sanieren, Reformieren und Investieren.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Wo ist das im Budget?

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Der Schwerpunkt der Bundesregierung – und es ist natürlich keine große Überraschung, dass es unter NEOS-Beteiligung so ist – ist, dass die Bildungspolitik endlich ein Schwerpunktthema für die Regierung geworden ist und dass ein ganz großer Fokus darauf liegt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wo sieht man das im Budget?

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Viel zu wenig wurden im Bildungsbereich die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft angegangen, viel zu lange wurden sie nicht angegangen. Wir haben mit dieser Regierung und mit diesem Budget eine Aufholjagd in der Bildung gestartet …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nein, umgefallen! Nein, Sie sind umgefallen!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und vor allem – und das ist ganz wichtig, an die Grünen gerichtet – einen Paradigmenwechsel eingeleitet – einen Paradigmenwechsel! –: Wir gehen nämlich weg von der Gießkanne, ja, und unsere Investitionen im Bildungsbereich sind zielgerichtet, bedarfsorientiert und dadurch auch treffsicherer.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

... auch schon wieder an der eigenen Propaganda!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Im Bildungsbereich stehen fast 12 Milliarden Euro zur Verfügung, so viel wie noch nie, und mit diesen 12 Milliarden wollen wir auch Reformen anstoßen. Ganz kurz: Elementarpädagogik, massive Investitionen in Angebot und in Qualität, diese werden verbessert, 10 Millionen Euro stehen allein heuer für neue Ausbildungsplätze – 4 000 an der Zahl – zur Verfügung; Deutschförderung als Chancenöffner , 2025/2026 stehen 1 300 Stellen für Deutschförderung zur Verfügung, das ist eine Verdoppelung; ab 2026 kommt die verpflichtende Sommerschule für alle außerordentlichen Schülerinnen und Schüler zur Unterstützung; der Chancenbonus – von den Grünen in der letzten Regierung ( Ruf bei den Grünen: Begonnen! ) eher verhalten begonnen, aber sehr verhalten – wird jetzt endlich österreichweit ab 2026/2027 umgesetzt ; digitale Lernmedien werden den Unterricht stärken und ihn spannender machen, allein für das Schuljahr 2025/2026 stehen 20 Millionen Euro zur Verfügung. Und: Der Bildungsminister hat bereits eine große Entbürokratisierungsoffensive im Schulbereich angekündigt, damit Lehrkräfte endlich von irgendwelchen unnötigen Papieren und irgendwelchen Einmeldungen, die sie an die Bildungsdirektionen und an das Bildungsministerium abliefern müssen, freigespielt werden, damit endlich die Arbeit mit den Kindern im Vordergrund steht und Lehrerinnen und Lehrer diese begleiten können. (👏 ÖVP, NEOS) 2025 stehen insgesamt 120 Millionen Euro und 2026 320 Millionen Euro als zusätzliche Offensivmittel zur Verfügung und mit diesen Offensivmitteln werden die wichtigen und innovativen Projekte endlich auf den Weg gebracht und auch umgesetzt. Zum Schluss noch eine sehr, sehr gute Nachricht: Die NEOS sind der Garant dafür, dass die Mittel treffsicher und zielgerichtet eingesetzt werden.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Herbert. Eingemeldete Redezeit: 6 Minuten.

FPÖ Werner Herbert

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Minister, Ministerinnen und Staatssekretäre auf der Regierungsbank! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörer! Seit dem Vormittag erleben wir hier, dass seitens der Bundesregierung versucht wird, das vorliegende Budget irgendwie zu rechtfertigen, was ihr eigentlich nicht wirklich gelingt, denn die Erkenntnis oder die Conclusio aus den bisherigen Debattenbeiträgen ist klar: Dieses Budget hat keine Vision, dieses Budget hat keinen Weitblick und schon gar nicht ist es die – wie von Klubobmann Shetty zuvor angepriesene – Budgetkonsolidierung. Ich werde versuchen, Ihnen an drei Beispielen darzulegen, warum das Budget nicht das ist, was Sie vorgeben, das es ist, und werde auf meinen Bereich, nämlich den öffentlichen Dienst, in den ich als Bereichssprecher meiner Fraktion einen relativ guten Einblick habe ( Ruf bei der ÖVP: „Relativ“! ), eingehen. Der erste Punkt ist die heute schon mehrfach gehörte Kritik: Sie sparen bei der Bevölkerung, aber nicht bei sich selbst. Das ist die größte, die teuerste und personell umfassendste Regierung, die wir je in Österreich gehabt haben, nicht nur, was die Anzahl der Minister und Staatssekretäre betrifft ( Ruf bei den NEOS: Stimmt ja nicht! ), sondern auch, was die Mitarbeiter betrifft. Man bläst in den Ministerien aber auch die einzelnen Bereiche unnötigerweise und im Widerspruch zu dem, was bisher gesagt wurde, auf. Beispiel BMI: Im Jahr 2022 wurde dort unter dem Aspekt, eine neue Gruppe zu gründen, die Funktion des Generalsekretärs abgeschafft. Der Hintergrund oder die Argumentation damals war: Das ist kostenneutral, wir brauchen keinen Generalsekretär, aber es ist wichtig, die Gruppe Bundespolizei zu errichten. Ein Blick in das heurige Budget sagt uns: Alles Lug und Trug! Jetzt haben wir eine Bundespolizei und einen Generalsekretär, dessen Funktion samt einem entsprechenden Stab in diesem Budget mit guten Planstellen verhaftet ist und der die Geschicke lenken wird. Zweites Beispiel: Seit Jahren gibt es das ungelöste Problem der Anrechnung von Vordienstzeiten von Bediensteten des öffentlichen Dienstes. Davon sind insbesondere jene Bediensteten betroffen, die viele Überstunden leisten, aber auch viele Nebengebühren haben, beispielsweise die Exekutive, aber auch das Bundesheer ist davon sehr stark betroffen und teilweise auch der Gesundheitsbereich. Seit 2008 gibt es eine EuGH-Entscheidung, die sagt: Dienstzeiten, die erbracht, aber nicht abgegolten wurden, sind für den sogenannten Vorrückungsstichtag neu zu bewerten und anzurechnen – seit 2008! Was haben die Bundesregierungen bisher zustande gebracht? – Nichts. Was bringt diese neue Bundesregierung zustande? – Auch nichts.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das nennt man Stabilität!

FPÖ Werner Herbert

… Findet man einen Budgetansatz? – Nein, negativ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Deswegen Stabilität!

FPÖ Werner Herbert

… Das heißt: Die betroffenen Bediensteten werden weiterhin durch die Finger schauen. Und ich wage schon die vielleicht ein bisschen zynische Vermutung: Man setzt hier eher auf die tickende biologische Uhr, sodass man sich vielleicht im Laufe der Zeit wieder etliche Millionen ersparen wird. (👏 FPÖ) Drittes Beispiel: Sie setzen das Funktionieren des Staates und seiner Einrichtungen in unverantwortlicher Weise und leichtfertig aufs Spiel, indem Sie widersprüchliche und divergierende Maßnahmen setzen. Auf der einen Seite wissen wir aufgrund einer Expertise aus dem Jahr 2008, dass wir uns derzeit in einem Umbruch befinden, in einer Zeit, in der viele Bedienstete im öffentlichen Dienst bereits in Pension gegangen sind und auch noch in den nächsten Jahren gehen werden, gleichzeitig sparen wir auf der anderen Seite bei den Planstellen – überhaupt ein Widerspruch in sich – und Überstunden sparen wir auch ein. Da stellt sich die Frage: Wie wollen wir den öffentlichen Dienst aufrechterhalten, insbesondere in den Bereichen, die wir unbedingt brauchen: Sicherheit – ein wichtiger Faktor, das haben wir heute Vormittag schon angesprochen; das traurige Ereignis in Graz, das möchte ich hier nicht unbedingt noch einmal ausbreiten –, aber es gibt auch noch andere Bereiche: Landesverteidigung, Bildung, Gesundheit. Ich frage mich, wie der Kreis sich schließen soll, wenn einerseits langgediente Beamte und Vertragsbedienstete in Pension gehen werden, wir aber Planstellen einsparen und gleichzeitig keine Überstunden gemacht werden dürfen? Gute Nacht, Österreich!, kann ich da nur sagen – auch jedem, der Hilfe braucht von Polizei, im Gesundheitsbereich, vielleicht auch in einem Katastropheneinsatz durch die Landesverteidigung oder auch im Bildungsbereich. Da stehen uns düstere Zeiten bevor. (👏 FPÖ) So gesehen ist es eigentlich unverantwortlich, dass Sie milliardenschwere Projekte im Bereich von Nato-Beschaffungen umsetzen wollen oder auch fragwürdige Auslandsinvestitionen tätigen, aber die heimische Bevölkerung und vor allem unsere Bediensteten die eigentlich Leidtragenden sind, weil die letzte Regierung derart mies gewirtschaftet hat, dass man unseren Bediensteten nicht einmal eine Lohnerhöhung von 0,3 Prozent für das nächste Jahr gewähren will – 0,3 Prozent will man nicht gewähren, weil der Staat sparen muss! Und warum muss der Staat sparen? – Weil die alte Regierung versagt hat. Ihr habt ein Milliardendesaster hinterlassen und das zum Nachteil auch der Bediensteten, die im öffentlichen Dienst arbeiten. (👏 FPÖ) So gesehen ist es eigentlich nicht wirklich überraschend, dass Sie das Vertrauen der österreichischen Bevölkerung im Vorfeld schon verspielt haben, bevor Sie überhaupt mit einem Budget richtig begonnen haben. – Danke schön. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Hanel-Torsch. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Zunächst möchte ich im Namen meines Kollegen Haitzer sehr herzlich die Berufsschule St. Johann im Pongau bei uns im Hohen Haus begrüßen. Herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt ja grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie wir von der Bundesebene aus für leistbares Wohnen sorgen können: einerseits nämlich durch die Zurverfügungstellung von finanziellen Mitteln, die zusätzlich ausgegeben werden können, und andererseits durch gesetzliche Bestimmungen, die helfen können, die Wohnkosten zu senken und den Wohnungsneubau wieder anzukurbeln. Der erste Weg ist uns leider durch die Budgetpolitik unserer Vorgängerregierung versperrt worden. Es gibt nämlich kein Geld mehr, das wir zusätzlich in diesen Bereich investieren können. Milliarden von Euro sind in den vergangenen Jahren ausgegeben worden – für Maßnahmen, die leider weder besonders nachhaltig noch sozial gerecht waren. Es gab beispielsweise eine Förderung für den Heizungstausch, wir haben es gehört. Mittlerweile wissen wir, wer davon profitiert hat: vor allem die Wohlhabenden in diesem Land. Und was kam noch dazu? – Der Klimabonus, der auch an Spitzenverdiener:innen ausgezahlt worden ist. Angesichts dessen finde ich es wirklich besonders interessant, dass die Grünen heute hier von einer Gießkannenpolitik sprechen, die Grünen, die diesen Klimabonus einfach – nicht sozial treffsicher – an alle Menschen in diesem Land ausgezahlt haben. Es war damals tatsächlich so, dass sich viele von den Reichen gewundert haben, dass sie diese Gutschrift bekommen haben, viele haben das Geld auch gespendet. Das war ein gutes Beispiel dafür, wie eine Budget- und Klimapolitik nicht funktionieren sollte, denn sie war unsozial, sie war nicht treffsicher und sie war noch dazu sehr, sehr teuer.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Deswegen streicht ihr es jetzt den Ärmsten!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… Das Erbe, das die letzte Bundesregierung unserem Finanzminister hinterlassen hat, ist leider kein gutes Erbe. In den meisten Familien würde man ein solches Erbe wohl nicht antreten, aber die SPÖ ist da halt anders. Sie war immer da, wenn es um die Republik gegangen ist und wenn es um Verantwortung geht. Immer dann, wenn der Hut brennt, ist die Sozialdemokratie da. Wir haben auch damals schon, im Jahr 2007, als wir vor den Trümmern standen, die uns Blau-Schwarz I mit Korruptionsskandalen, mit den Bankenpleiten et cetera hinterlassen hat, aufgeräumt und wir sind auch jetzt wieder da, um aufzuräumen und Verantwortung zu übernehmen. Wir sind jetzt nach dieser Party, bei der das Geld rausgeschmissen worden ist, da und räumen auf. (👏 SPÖ) Zu diesem Aufräumen gehört auch, dass wir erstmalig einen nachhaltigen Mechanismus geschaffen haben, der die Mieterinnen und Mieter wirklich entlastet. Sie profitieren vom beschlossenen Mietpreisstopp. Wir arbeiten jetzt auch an Lösungen für den ungeregelten Bereich, dass auch diese Mieterinnen und Mieter entlastet werden. Wir werden die Mindestbefristungsdauer verlängern, weil auch das hilft, Geld zu sparen, wenn man nicht regelmäßig umziehen muss. Und wir werden auch dafür sorgen, dass die Zweckwidmung bei der Wohnbauförderung wieder eingeführt wird, damit den Bundesländern wieder mehr Geld zur Verfügung steht, das sie auch für den Wohnbau verwenden müssen. Das alles sind wichtige Akzente, die den Privathaushalten helfen, wieder Luft zum Atmen zu bekommen, und die den Konsum wieder ankurbeln werden. Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum entsteht nämlich nicht durch Förderungsgeschenke an die Reichen, sondern durch die Entlastung der kleinen und mittleren Einkommensgruppen und durch die von uns geplanten Offensivmaßnahmen in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt und Gesundheit. Wir übernehmen Verantwortung und wir bringen Österreich wieder auf Kurs! (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Lukas Hammer . Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in den letzten fünf Jahren endlich in jenem Ausmaß in den Klimaschutz investiert, das in dieser existenziellen Krise angemessen war. Und was hat es gebracht? – Gemeinsam mit zusätzlichen Maßnahmen waren wir erstmals auf Zielerreichungspfad in Bezug auf unsere Klimaziele. (👏) Wenn man hier in den letzten Stunden zugehört hat – und das war auch in den vergangenen Wochen schon so –, dann muss man sagen, es wird jetzt eigentlich von allen Parteien so getan, als ob ausschließlich die Investitionen in Klimaschutz, in unsere Zukunft, in die Energiewende für das Budgetdefizit verantwortlich wären. Von der FPÖ kennen wir das schon lange, aber dass Sie das übernehmen, diesen Schmäh, wider besseres Wissen, das ist schon unwürdig, liebe Kolleginnen und Kollegen. (👏) Was kommt heraus? – Dieses Budget ist eine klimapolitische Geisterfahrt, weil es in die falsche Richtung geht und weil es gefährlich ist. Weniger Investitionen in Klimaschutz, kein Abbau von klimaschädlichen Subventionen und keine Gesetze zum Ausgleich, um das zu kompensieren, was mit den fehlenden Klimaschutzgeldern sonst passieren würde. Nichts! Und darüber hinaus, und das ist auch noch nicht angesprochen worden, wird die Investition in erneuerbare Energien, die uns dann langfristig günstigere Strompreise sichern, insbesondere für die Industrie durch den Energiekrisenbeitrag auch noch verteuert. Ich frage mich schon: Wie soll sich das ausgehen? Wie soll sich das ausgehen, dass wir unsere Klimaziele erreichen? Wie soll sich das ausgehen, dass wir dann eben nicht Milliarden für Strafzahlungen und Zertifikate ausgeben müssen? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das haben Sie vereinbart!

GRÜNE Lukas Hammer

… Das hat mir von Ihnen noch niemand beantworten können. (👏) Bei der FPÖ muss ich mich schon wundern: Ihr regt euch künstlich über dieses Budget auf, betreibt Kindesweglegung, sagt: Wir haben ja nur einen Zettel nach Brüssel geschickt!, und die SPÖ verteidigt dieses Budget, als ob es ihr eigenes wäre. Da hat die Kindesweglegung offensichtlich gut funktioniert. Das finde ich schon spannend. Zum Abschluss noch: Der Klimabonus war euch zu unsozial, liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr habt gefragt, was denn die Mieterinnen und Mieter im Gemeindebau, die sich ihre Heizung nicht aussuchen können, bekommen. Jetzt streicht ihr den Klimabonus, als Ersatz gibt es, wahrscheinlich von der ÖVP gewollt, einen Ausgleich für Pendlerinnen und Pendler. Und was gibt es für die Mieterinnen und Mieter, die auf ihrer Gasheizung sitzen bleiben? – Nichts, gar nichts! Wo ist das sozial, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ? Abschließend: Es wurde schon erwähnt, die klimaschädlichsten und dreckigsten Autos werden jetzt beim Kauf billiger und gleichzeitig werden alle Elektroautos durch eine neue Strafsteuer verteuert. Das ist keine Klimapolitik und das ist langfristig auch keine Budgetpolitik. – Danke schön.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo Lukas!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Brandweiner. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Lukas Brandweiner

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Österreicherinnen und Österreicher auf der Galerie, aber auch zu Hause vor den Bildschirmen! Reiner Wein statt schöne Worte, das ist heute gefragt. Österreich steht vor großen Herausforderungen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, aber auch geopolitisch. Die Lage ist ernst, aber sicherlich nicht aussichtslos, wenn wir jetzt auch Verantwortung tragen und übernehmen. Dieses Doppelbudget 2025/2026 ist kein Wunschkonzert. Es ist ein realistischer, verantwortungsvoller Kurs, nicht bequem, nicht populär, aber notwendig. Wir konsolidieren, wir reformieren, aber wir investieren auch. 2025 sparen wir 6,4 Milliarden Euro ein, 2026 sind es sogar 8,7 Milliarden Euro, und trotzdem investieren wir gezielt in Bildung, Arbeit, Gesundheit, Sicherheit und Digitalisierung, denn Zukunft entsteht dort, wo man sie auch möglich macht. Jeder gesparte Euro ist Vorsorge für morgen gegen neue Schulden, steigende Zinsen und kommende Krisen. Unser Kurs folgt dabei drei klaren Prinzipien: Sparen bei Asyl, aber nicht bei der Sicherheit, Leistung statt Gratismentalität und Investitionen in die Zukunft statt Gießkanne. Ja, dieser Weg verlangt uns allen etwas ab, aber die Alternativen wären steigende Schulden, weniger Jobs und gefährdete Sozialleistungen. Wir als ÖVP stehen zu einem leistungsfreundlichen, modernen Sozialstaat, darum unterstützen wir jene, die arbeiten, die Verantwortung übernehmen und sich anstrengen, um einen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. Wir investieren in den ländlichen Raum etwa mit dem Pendlereuro, der verdreifacht wird, in Entlastungen für Handwerksbetriebe, in den Ausbau regionaler Infrastruktur. Wir investieren in Familie und Bildung mit einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr, mit Deutschförderung und Chancenbonus. Wir investieren in Beschäftigung mit Weiterbildungszeit, Aktion 55 plus und steuerlichen Anreizen wie der steuerfreien Mitarbeiterprämie bis zu 1 000 Euro. Geschätzte Damen und Herren! Wir brauchen keine populistischen Scheinlösungen, sondern einen klaren Kurs mit Mut und Ehrlichkeit, denn wenn wir heute das Richtige tun, sichern wir die Chancen von morgen für unsere Kinder, für unsere Regionen und für den sozialen Zusammenhalt. Werte Kolleginnen und Kollegen, bringen wir Österreich gemeinsam wieder auf Erfolgskurs! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Linder. 6 Minuten eingemeldete Redezeit.

FPÖ Maximilian Linder

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Mit Blick auf diesen Bundesvoranschlag hat es heute immer wieder Diskussionen über die Vertrauenswürdigkeit von Politikern gegeben. Ich glaube, zwei Dinge soll man schon noch einmal in Erinnerung rufen: Das eine waren die Ankündigungen des letzten Finanzministers Brunner, der gesagt hat: Das Budget ist eh in Ordnung, das wird halten! – Drei Tage nach der Wahl wurden wir eines anderen belehrt. Das Zweite – und das hat mich eigentlich schon auch persönlich ein bisschen betroffen – war in Hinblick auf die Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich, als sich der damalige Bundeskanzler Nehammer kurz vor der Wahl vor die Medien hingestellt hat. Er hat gesagt: 500 Millionen Euro habe ich in Brüssel erreicht, 500 Millionen bekommen wir für die Unwetteropfer. – Jubel in den Medien, große Freude, Bundeskanzler Nehammer hat sich damals sogar bei Kommissionspräsidentin von der Leyen mit den Worten bedankt: Es ist wichtig, zu zeigen, dass die EU nicht nur der Ukraine schnell hilft, sondern auch den Mitgliedsländern. Meine Damen und Herren, bei der letzten Sitzung des Budgetausschusses haben wir erfahren, dass bei diesen 500 Millionen lediglich über 40 Millionen verhandelt wird, und auch die sind noch nicht fix.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ist ein Wahnsinn!

FPÖ Maximilian Linder

… Das, glaube ich, ist bezeichnend, wenn man sich kurz vor der Wahl vor Unwetteropfer hinstellt und sagt: Ich habe für euch alles erreicht!, um dann hinterher zugeben zu müssen, dass es eigentlich gar nichts war. Da frage ich mich, wer ehrlich ist und wer vertrauenswürdig ist. (👏 FPÖ) Zum Bundesvoranschlag, zu den Expertenaussagen im Ausschuss: Prof. Badelt, der Experte von der ÖVP, hat ganz klar gesagt: Der Budgetkonsolidierungspfad ist eingeleitet, doch die Dynamik ist noch nicht erreicht. Noch sind wir bei Weitem nicht dort. – Wenn man seinen Medienauftritt hernimmt, dann wissen wir, dass die Zahlen, die heute im Budget drinnen sind, aus seiner Sicht bei Weitem nicht halten werden, dass wir niemals auf unter 4 Prozent Defizit herunterkommen werden und dass die Schuldenquote auf sage und schreibe 91 Prozent ansteigen wird. Deshalb, glaube ich, ist das der nächste Beweis, wie sehr wir dieser Regierung trauen können beziehungsweise wo wir hinters Licht geführt werden. (👏 FPÖ) Ganz spannend für mich ist, dass der Experte der SPÖ, Herr Mag. Feigl, gesagt hat: Die öffentliche Hand ist ein wichtiger Arbeitgeber. Da dürfen wir auf gar keinen Fall sparen, denn das würde die Arbeitslosenrate noch schlechter dastehen lassen. – Ich glaube, ich brauche Ihnen nicht zu erklären, dass die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst einzig und allein von den Menschen, die in der Wirtschaft arbeiten, mitfinanziert werden müssen. Für mich ist es ein bisschen eine Chuzpe, dass genau die Partei NEOS, die so für einen schlanken Staat gekämpft hat und immer ganz massiv darauf hingewiesen hat, wie wichtig das ist , heute mit einer Partei in der Koalition sitzt, die eigentlich den öffentlichen Dienst aufblasen will, damit wir die Arbeitslosenraten schönen. Liebe Kollegen von der Partei NEOS, ihr habt wirklich viele Ideale von euch verkauft. Sparen geht nur, indem man das System verschlankt und vereinfacht. Ein schönes Beispiel dafür ist unser freiheitlicher Bürgermeister Andreas Rabl in Wels, der im Laufe der Jahre in der Verwaltung 30 Prozent der Stellen eingespart hat und dafür heute 130 Millionen Euro Rücklagen am Konto hat. (👏 FPÖ) Anders ist natürlich der Unterrichtsminister Wiederkehr – ich bringe so gerne diese Beispiele – von NEOS, der hergeht und sagt: Wir müssen sparen, indem wir keine Schulen sanieren. Die Sanierungen hinausschieben, hinauszögern und ja nicht bei den Investitionen etwas weiterbringen – das ist nicht sparen. Sparen heißt, das System zu verschlanken, zu vereinfachen. Das ist nicht einfach. Man schafft sich damit nicht immer Freunde. Aber wichtig ist, dass man, wenn man das will, selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Diese Koalition tut genau das Gegenteil. Sie selbst hat sich die größte und teuerste Regierung gegönnt, verlangt aber im gleichen Atemzug von den Bürgern, dass sie sparen müssen, dass sie reduzieren müssen. Sparen aus Sicht der NEOS heißt, dass Frau Bundesminister Meinl-Reisinger durch die Welt fährt, Millionen verteilt. Staatssekretär Schellhorn richtet sich eine Koordinierungsstelle von jährlich 1,6 Millionen Euro ein. Vielleicht noch ein Wort dazu: Den Gemeinden geht es wirklich nicht gut. Auch da werden Reformen notwendig sein. Aber NEOS haben ein ganz interessantes Konzept vorgestellt. Die Expertin Köppl-Turyna hat gesagt, wir müssten die Kommunalsteuer streichen und dafür die Grundsteuer verdoppeln. Ein kleines Beispiel anhand meiner Gemeinde: Die Grundsteuer macht 110 000 Euro aus, die Kommunalsteuer 220 000 Euro. Wenn ich das kompensieren will, müsste die Grundsteuer verdreifacht werden. Das heißt, ein Einfamilienhausbesitzer zahlt dann nicht mehr 400 oder 500 Euro Grundsteuer, sondern 1 500 Euro. Das heißt: Wir selber bei uns sparen nicht – so ist euer Denken, liebe Regierungsleute – aber die Leute draußen müssen wir strafen und kaputtsparen. Diese Koalition lebt nach wie vor nach dem Grundsatz weiter wie bisher, aber nur, damit Sie weiterhin Ihre eigenen Posten halten können. Sie sind nicht bereit, diesen Staat nachhaltig zu sanieren.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das war nix, Max!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Gasser. 3 Minuten sind Ihre Redezeit; wenn Sie wirklich bis 15 Uhr fertig sind? (Abg. Gasser [NEOS] – auf dem Weg zum Redner:innenpult –: Ich versuche es!) Es würde sich ausgehen bis zur Dringlichen. – Danke.

NEOS Johannes Gasser

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ich glaube, manchen hier im Saal tut vielleicht ein bisschen ein Realitätscheck gut, weil immer wieder vom sozialen Kahlschlag durch dieses Budget gesprochen wurde. Ich möchte in Erinnerung rufen: Österreich ist nicht nur Europameister bei den Sozialausgaben, wir sind von allen westlichen Industrienationen Platz eins, was die Sozialausgaben angeht.

FPÖ Schartel (Zwischenruf)

Warum wohl?

NEOS Johannes Gasser

… 31,8 Prozent unseres BIPs gehen in den Sozialbereich. Ich kann Ihnen versprechen: Wir werden auch nach der Budgetsanierung weiterhin im Spitzenfeld sein. Ob das eine gute oder schlechte Sache ist, sei jetzt dahingestellt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Gibt’s da so viele arme Leute, oder was?

NEOS Johannes Gasser

… Aber ich möchte schon auch eines dazusagen, wenn Sie hier beklagen, dass wir NEOS nicht für den schlanken Staat sorgen: Die FPÖ ist die letzte Partei, die genau bei diesem Ausgabenbereich, bei diesen 31,8 Prozent Sozialquote, überhaupt bereit ist, auch nur darüber zu sprechen, wie man das generationengerechter, treffsicherer oder leistungsgerechter machen kann. Wir NEOS sind ein Garant dafür, dass das in der Bundesregierung auch passieren wird. (👏 NEOS) Ich möchte da auch kurz auf ein paar Themen aus dem Budgetbegleitgesetz eingehen, weil wir mit dem Budgetbegleitgesetz eine Trendumkehr setzen, gerade in der Generationengerechtigkeit: Mit der Einschränkung bei der Korridorpension werden wir es schaffen, das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, weil wir eines klarstellen: Ja, 45 Versicherungsjahre sind vorerst einmal genug, um in Pension zu gehen. Aber 40 Versicherungsjahre, wie wir sie bei der Korridorpension haben, reichen einfach nicht aus, um in Zukunft das Pensionssystem nachhaltig abzusichern. Dieser kleine Schritt, den wir jetzt gehen, wird nicht reichen, damit wir für Generationen die Pensionen abgesichert haben, aber es ist ein erster Beitrag, die langfristige Finanzierbarkeit sicherzustellen. (👏 ÖVP, NEOS) Wir gehen auch die Treffsicherheit im Sozialbereich an. Wir stellen sozusagen auch die grüne Gießkanne aus dem Sozialministerium zur Seite und werden mit dem Armutsbekämpfungsfonds und dem Unterhaltsgarantiefonds das Geld treffsicherer zu den Familien und zu den Armutsbetroffenen bringen – und es nicht mit der Gießkanne über den Klimabonus und viele andere Maßnahmen verteilen. Treffsicher werden wir auch beim Arbeitslosengeld werden, weil das Arbeitslosengeld vor allem dafür da ist, Menschen so lange zu unterstützen, bis sie wieder in eine Vollzeitbeschäftigung zurückkehren können. Mit der Einschränkung des geringfügigen Zuverdiensts schaffen wir genau das, weil der geringfügige Zuverdienst zu oft nicht zum Sprungbrett, sondern zu einer Hürde in eine Vollzeitbeschäftigung geworden ist. Auch das hat mit Leistungsgerechtigkeit zu tun. Leistungsgerechtigkeit ist nämlich etwas, was im Sozialbereich dringend notwendig ist, damit wir sicherstellen, dass sich Mehrarbeit, Vollzeitarbeit und die Rückkehr in eine volle Beschäftigung immer auszahlen. Wir NEOS sind der Garant dafür, dass das auch in den nächsten Jahren umgesetzt werden wird. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS) 14.59 Dringliche Anfrage, 30. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:59

FPÖ Susanne Fürst

Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! ( Auf den Plätzen der FPÖ-Abgeordneten stehen Tafeln mit der Aufschrift „Zeit für Frieden“ und „Zeit für Neutralität“. ) Diese Woche haben wir jetzt hier von Montag bis Mittwoch die Budgetdebatte, eine der wichtigsten Plenarsitzungen jeder Gesetzgebungsperiode, und ich richte mich gerade an Sie, sehr geehrte Damen und Herren. Besonders für Sie ist es interessant, da es ja um Ihr Geld geht, um das Steuergeld, welches Ihnen im Rekordausmaß abgenommen wird, von ÖVP und Grünen vernichtet wurde und auch von dieser Bundesregierung nun für Dinge ausgegeben wird, die nicht in Ihrem Interesse, nicht im Interesse Österreichs liegen. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Um all das aber zu diskutieren, was mit dem Geld geschieht, ist diese Budgetdebatte hier angesetzt. Parallel dazu einen Staatsbesuch zu organisieren, der die mediale Aufmerksamkeit zu einem guten Teil auf sich zieht, ist für diese Bundesregierung natürlich sehr, sehr praktisch – praktisch, um vom Budgetdesaster abzulenken, von den unfairen Belastungen für Kinder und Pensionisten abzulenken. Es ist aber dennoch ein Bruch der Tradition, dass man die Plenartage freihält, es ist eine Abwertung der Plenarsitzungen, und es ist auch überheblich gegenüber den Bürgern, die Anspruch darauf haben, die ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben, was mit ihrem Geld passiert. (👏 FPÖ) Um beim Budget zu bleiben: Der Staatsbesuch, die Einladung an den ukrainischen Präsidenten Selenskyj – die näheren Umstände erklären Sie uns vielleicht dann in der Beantwortung der Fragen – ist auch budgetrelevant, denn ein nicht unerheblicher Teil des österreichischen Steuergeldes wandert in die Ukraine, sodass man schon fast das Gefühl hat, unsere Politiker sind mehr für die Ukraine da als für die eigenen Bürger. (👏 FPÖ) Da sitzen die Millionen locker, aber nicht nur die Millionen, sondern der ORF, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, berichtet vor zwei Monaten: Österreich unterstützt die Ukraine bisher mit 3 Milliarden Euro. – 3 Milliarden Euro, die hier in Österreich ganz dringend benötigt würden. Die Österreicher haben sich nicht dafür entschieden, dieses Geld in die Ukraine zu schicken, wo man nicht weiß, wo es landet. (👏 FPÖ) Das Außenministerium vergibt direkt bilateral 300 Millionen Euro, auch die neue Außenministerin bringt bei jeder Reise Millionen Euro mit, die Europäische Friedensfazilität – der Name ist grotesk angesichts dessen, was mit dem Geld gemacht wird! – 160 Millionen Euro, und der große Brocken der 3 Milliarden Euro fließt über Brüssel in die Ukraine. Die EU selbst hat schon bis zu 100 Milliarden Euro aufgebracht, zweimal 50 Milliarden Euro lockergemacht. Wo geht das Geld hin, was passiert mit dem Geld? Wer glaubt, das kommt einem guten Zweck zugute, zumindest der ukrainischen Zivilbevölkerung, und wird vor allem für die Beilegung, die Entschärfung des Konflikts verwendet, zum Ansetzen diplomatischer Verhandlungen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Zeit für Frieden, sehr gescheit!

FPÖ Susanne Fürst

… der irrt. Nein, wird es nicht, es wird kaum ein Cent dieser Abermilliarden für die Lösung des Konflikts aufgebracht, diese Zweckwidmung gibt es nicht. Es gibt auch keine Kontrolle gegen die Korruption, die natürlich weit verbreitet ist. Wofür ist das Geld bestimmt? – Sogar das Außenministerium schreibt es völlig ungeniert – ich weiß nicht, ob es der Frau Ministerin bekannt ist –, auch jetzt noch, drei Jahre nach Kriegsbeginn, steht das auf der Homepage: Die Ukraine wird in die Lage versetzt, ihre Souveränität und territoriale Integrität gegen Russland zu verteidigen. ( Ruf bei der ÖVP: Ja, das ist eh richtig! ) Das muss man sich vorstellen. Was heißt das übersetzt? – Das heißt, nach drei Jahren gilt immer noch der Spruch, man muss die Ukraine in eine Verhandlungsposition bringen, damit sie dann aus guter Position, aus der Stärke verhandeln kann. Jetzt weiß man nach drei Jahren, dass es immer schlechter für die Ukraine geworden ist. Sie hätte im April 2022 eine gute Verhandlungslösung erreicht, doch gerade der Westen hat die Ukraine aufgefordert, zu kämpfen. Nun, drei Jahre später – oder man weiß es nicht, wann – wird es eine viel, viel schlechtere Lösung für die Ukraine geben. ( Ruf bei den NEOS: Putins Sprachrohr! ) Vor allen Dingen, was bereits Fakt ist, was auch immer dann herauskommen wird: Es sind Hunderttausende auf beiden Seiten tot, in der Ukraine, wird jetzt schon geschätzt, sind es bis zu einer Million.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Radio Moskau!

FPÖ Susanne Fürst

… Millionen Vertriebene, das Land wird geleert. – Interessiert niemanden. Es steht immer noch auf der Homepage, die Ukraine muss kämpfen, sie muss die Lösung auf dem Schlachtfeld suchen, gegen einen übermächtigen Gegner.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist Putin-TV! – Abg. Kogler [Grüne]: Richtig!

FPÖ Susanne Fürst

… Die Ukraine muss gewinnen, heißt es immer noch von der Regierung, von der EU-Kommission, was nichts anderes heißt als: Die Ukraine muss sterben.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Sie haben wohl Ihr Sponsorschild vergessen! Freundlich finanziert vom Kreml! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das sagst du auch nur da herinnen!

FPÖ Susanne Fürst

… Sie wird gerade vom Westen, von der EU dazu gedrängt. Warum? – Weil sich die europäischen Politiker, Sie inklusive, in ihrer totalen Fehleinschätzung festgefahren haben, eingegraben haben, weil sie nicht zugeben wollen, wie unrecht sie hatten, und weil es natürlich auch um viel Geld geht, denn es geht in der Ukraine um viel, aber nicht um unsere Freiheit. (👏 FPÖ) Da wird Eskalation und Sterben in Kauf genommen. Man redet auch immer noch vom Nato-Beitritt der Ukraine, wohl wissend, dass es Russland nie akzeptieren wird. Was immer man davon hält, es ist eine rote Linie, es ist Realität, verlängert den Krieg. Abgesehen von den unglaublichen finanziellen Belastungen, von den Milliarden, die dahin fliegen, die in der EU fehlen, die in Österreich fehlen, die irgendwo versickern, ist das sicherheitspolitische Risiko, welches auch das Verhalten der Bundesregierung bringt, noch viel größer. Wir haben alle die Gedenkfeiern 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs gerade hinter uns gebracht, all die Veranstaltungen zur Erinnerung an den Abschluss des Staatsvertrags vor 70 Jahren, all das hat offensichtlich bei Ihnen nichts bewirkt. Kommenden 26. Oktober 2025 feiern wir 70 Jahre Neutralitätsgesetz. Vielleicht erinnern Sie sich da dann: Da war doch irgendetwas! Es ist eine Verpflichtung und eine Berechtigung zur immerwährenden Neutralität. Das war essenzieller Bestandteil unserer Befreiung von den Besatzungsmächten, Teil der Erlangung unserer Unabhängigkeit und Souveränität. (👏 FPÖ) Es ist eine verfassungsgesetzliche Verpflichtung, Österreich hat sich verpflichtet: „Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität“ und „wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.“ Das ist Verpflichtung und außenpolitische Vorgabe für jede Bundesregierung. Es steht nicht im Belieben der Regierung, darüber zu verfügen, wie man das auslegt oder wie man das lebt. Es ist Verpflichtung. Es ist eine völkerrechtliche Verpflichtung, die auch durch den EU-Beitritt nicht abgeändert wurde.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

Natürlich wurde sie abgeändert!

FPÖ Susanne Fürst

… Es ist nicht zuletzt und vor allen Dingen eine Verpflichtung gegenüber der österreichischen Bevölkerung, die zu einem ganz überwiegenden Teil zu Recht hinter diesem Grundprinzip, das es für unseren Staat und unsere Verfassung geworden ist, steht. (👏 FPÖ) Sie will keine Änderung. Über all das setzt man sich seit über drei Jahren, seit Kriegsausbruch hinweg. Es ist ja in Friedenszeiten nicht schwer, sich zur Neutralität zu bekennen, aber als man sich beim Belastungstest – natürlich auch einem Charaktertest für die regierenden Politiker – beweisen hätte müssen, wurde dieser nicht nur verfehlt, sondern wirklich spektakulär nicht bestanden. Es braucht natürlich auch Persönlichkeit, die Neutralität zu leben, zu verkörpern und nicht im Rudel mitzuschwimmen. (👏 FPÖ) ÖVP und Grüne haben versagt, die neue Ampelregierung setzt dies fort. Wir Freiheitliche haben uns von Anfang an, seit Februar 2022 dagegengestellt. Wir wurden dafür unterirdisch angefeindet, aber es ist selbstverständlich. Wir bleiben seit drei Jahren und auch weiterhin dabei – aufgrund der Verpflichtungen, die ich gerade aufgezählt habe, aufgrund der Vernunft und des Realitätssinnes und aus Verantwortung gegenüber Österreich. (👏 FPÖ) Man muss nicht müde werden, dazu zu bemerken, dass Ihr Kurs der Ukraine nicht geholfen hat, sondern im Gegenteil für sie ins Verderben führt. Nun, was sind die Möglichkeiten eines kleinen Landes in Mitteleuropa mit neutralem Status im Falle eines Kriegsausbruchs; wie hätte man sich verhalten können? – Es gibt durch unsere Verpflichtungen einen ganz klaren außenpolitischen, geopolitischen Kompass. Die Regierung – auch Sie, Herr Staatssekretär Schellhorn, der jetzt hinausgeht – wäre verpflichtet, uns aus dem Krieg herauszuhalten und die österreichische Bevölkerung vor allen nachteiligen Folgen zu schützen. Und dann fragt man sich: Was kann man zur Beilegung des Konflikts beitragen? Wie kann man irgendeine Lösung unterstützen, sofern möglich? Und das Dritte ist: Wie kann ich helfen? Da sind wir bei der Aufnahme von Flüchtlingen und humanitärer Hilfe. Das Gegenteil wurde gemacht. Der Krieg wurde von Tag eins zu unserem erklärt. Man gefährdet die europäische und die österreichische Bevölkerung. ( Ruf bei den Grünen: Putin gefährdet ...! ) Es wurde jede Diskussion unterbunden, Kriegsursachen geleugnet – denn dann wäre ja klar, dass es nicht unser Krieg ist. Das will man nicht. Man kommt mit der Moralkeule. Es ist in höchstem Ausmaß verantwortungslos und es ist schwach, da sofort jedem Druck nachzugeben. (👏 FPÖ) Nichts, gar nichts hat man zur Entschärfung des Konflikts getan. Durch das Nachplappern von Floskeln und Plattitüden wurde nichts beigetragen. Die EU-Floskel, die Ukraine muss siegen, führt ins Verderben. Man hat den Konflikt nur angeheizt. Hier haben wir den Flüchtlingen natürlich geholfen, aber ohne jede Kontrolle …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... Trump ... der schon gemacht!

FPÖ Susanne Fürst

… werden nun Milliarden Euro hingeschickt. Die Bundesregierung erklärt: Wir sind neutral, wir beteiligen uns an keinen Waffenkäufen! – Na, wir schicken nur das Geld nach Brüssel und dort werden Waffen und Munition gekauft, damit der Krieg verlängert wird. Die Bundesregierung und vor allen Dingen auch die Außenministerin Meinl-Reisinger erklären uns laufend: Wir sind neutral, aber die Neutralität alleine schützt nicht. – Das ist richtig. Man braucht auch verantwortungsvolle Persönlichkeiten in der Politik …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Frau Kneissl zum Beispiel!

FPÖ Susanne Fürst

… die eben Neutralitätspolitik leben können (👏 FPÖ) und die das Rückgrat dazu haben. Eine Garantie gibt es nicht, aber die Neutralität …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

War die Frau Kneissl eine verantwortungsvolle Person?

FPÖ Susanne Fürst

… so wie Sie sie verkörpern, die schützt uns nicht, weil sie da nur mehr eine hohle Phrase ist.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Die ehemalige Außenministerin sitzt bei Putin auf dem Schoß! Speichellecker!

FPÖ Susanne Fürst

… Vorgesehen ist Neutralität aber als rechtliche und völkerrechtliche Stellung, und die zweite Seite der Medaille ist eine starke eigene Verteidigung. Man muss von Provokationen der Regierungspolitiker absehen; mit zurückhaltender Rhetorik wird man Sitz von internationalen Organisationen und man profiliert sich bei humanitärer Hilfe. Das nennt man umfassende Neutralität – aber man kann nicht die bedingungslose Solidarität mit einer Kriegspartei und eine totale gemeinsame Verschränkung erklären.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das darf sie nicht sagen!

FPÖ Susanne Fürst

… Wie die aktuelle Aussendung von heute von Vizekanzler Babler aussieht, ist das offensichtlich auch ein intellektuelles Problem. Darum habe ich mir jetzt die Mühe gemacht, unsere Neutralität hier zu erklären, denn Vizekanzler Babler erklärt uns, nachdem diese Einladung ausgesprochen worden ist, unter der Erklärung, dass man bedingungslos auf einer Seite im Krieg stehe , er möchte bei dieser Einladung und im Gespräch mit Präsidenten Selenskyj Wien als neutralen Austragungsort für Friedenskonferenzen anbieten.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

So, wie es oft war!

FPÖ Susanne Fürst

… Ich meine, das war oft , als unsere Politiker aller Parteien noch imstande waren, die Neutralität zu leben (👏 FPÖ) – aber jetzt? Nach diesen drei Jahren ist das Geschichte. Sie haben sie totgetrampelt, sie muss erst wiederbelebt werden. Man fragt sich schon: Kriegt dieser Mann irgendetwas mit oder kriegen auch die Einlader jetzt da irgendetwas mit, dass wir uns nicht in einer Phase der Deeskalation befinden, in einer Phase der Beruhigung des Konfliktes? Ganz im Gegenteil, wir sind jetzt nach über drei Jahren in einer total gefährlichen Eskalationsstufe, womöglich haben wir nach dieser totalen Offensive auf beiden Seiten und auch mit Einbeziehung der nuklearen Komponente …

ÖVP Gerstl (Zwischenruf)

... Russland ... Drohne ...!

FPÖ Susanne Fürst

… den bisher wirklich gefährlichsten Zeitpunkt …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Haben Sie vielleicht ein kritisches Wort über Putin auch?

FPÖ Susanne Fürst

… des Krieges erreicht. Man fragt sich: Kriegen Sie das mit? – Offensichtlich nicht. Denn was machen Sie genau zu diesem Zeitpunkt der totalen Eskalation? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... Putin ... grad zu diesem Zeitpunkt?

FPÖ Susanne Fürst

… Sie laden den Präsidenten einer Kriegspartei zum Staatsbesuch hierher ein.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Haben Sie ... im Völkerrecht nachgeschaut? Wer ist hier überfallen und wer ist der Aggressor?

FPÖ Susanne Fürst

… Die gesamte Regierungsspitze, die Staatsspitze, die Bundesregierung, der Bundespräsident als Vertreter eines kleinen neutralen Landes laden den Präsidenten einer Kriegspartei hierher ein und feiern ihn mit vollen militärischen Ehren.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das ist unfassbar, dass das im österreichischen Nationalrat gesagt wird! Sie haben keine Ahnung von der Neutralität, keine Ahnung!

FPÖ Susanne Fürst

… Das ist verantwortungslos.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Halt den Mund, Werner!

FPÖ Susanne Fürst

… Dann reden Sie auch noch davon, Vertrauen aufzubauen, damit wir hier Friedenskonferenzen abhalten.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Opfer-Täter-Umkehr, das können Sie! Das ist Ihre Kernkompetenz! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

FPÖ Susanne Fürst

… Vertrauen aufzubauen, zu beiden Seiten? Es ist unglaublich …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Putin-Partei! – Abg. Erasim [SPÖ]: Na, vielleicht ... Taferl schreibt ...!

FPÖ Susanne Fürst

… dass Sie glauben, auf diese Weise zu beiden Parteien Vertrauen aufzubauen. Wie gesagt, ich halte Ihnen zugute, dass es auch ein intellektuelles Problem ist. (👏 FPÖ) Ich hoffe – das ist der beste Fall –, dass wir international eher als Lachnummer herauskommen und dass das alles nicht ernst genommen wird. Ich bin auch gespannt, ob Sie uns dann berichten, worüber mit dem ukrainischen Staatschef gesprochen wird: über die Todeslisten, die es ja immer noch gibt , was das Thema Gaslieferungen betrifft , wie man verhindert, dass die vielen Milliarden versickern …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Die Gaslieferungen haben uns erst das Wirtschaftsproblem eingebrockt!

FPÖ Susanne Fürst

… wie die Kontrolle funktioniert und wie man aus dem Konflikt heraus will. (Abg. Kickl [FPÖ] – in Richtung Abg. Kogler [Grüne] –: Na, da wo wir alle gegangen sind, habts ihr ...!) Wie gesagt: Es ist eben nicht lustig, was Sie machen, es ist hochgefährlich, und die Bundesregierung rückt Österreich ins Blickfeld. Sie machen uns hier gar nicht mehr so indirekt zur Kriegspartei. Sie exponieren Österreich und die österreichische Bevölkerung, und das ist unverantwortlich. (👏 FPÖ) Sie möchten offensichtlich die russischen Pfeile und die Aggression mit aller Gewalt auf uns richten. Was brauchen Sie eigentlich noch? Was brauchen diese neutralitätsmüden Politiker und Moralisten eigentlich noch , damit sie verstehen, in welcher Lage wir uns befinden, und damit sie verstehen, was ihre Aufgabe ist, nämlich Österreich und die Bevölkerung zu schützen? (👏 FPÖ) Warum immer Sie das machen – Eitelkeit, Wichtigtuerei, schöne Fotos, EU-Hörigkeit, vom innenpolitischen Desaster abzulenken –, es ist nicht in Ordnung, es ist eine politmediale Inszenierung, die dem Eigennutz dient, aber sicher nicht Österreich. Wenn Sie dann daherkommen und diesen ganzen Besuch auch damit erklären, dass ja Österreich beim Wiederaufbau so viele Milliarden verdienen will, nur eine Anmerkung dazu: Das finde ich wiederum wirklich unmoralisch. Da ist noch nicht einmal Frieden, da wird jeden Tag noch zerstört, jeden Tag sterben in der Ukraine die Soldaten – und hier redet man vom Wiederaufbau und davon, was es da alles zu holen gibt. Es wird dabei auch nicht zu einer Belebung unserer Wirtschaft kommen – das zu glauben, es Ihnen, sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher, zu erklären, ist mehr als naiv. Glauben Sie das ja nicht! Der gesamte Staatshaushalt der Ukraine wird bereits von den USA und von der EU bezahlt, künftig wird er nur mehr von der Europäischen Union bezahlt werden, und alles, was österreichische Unternehmen dort vielleicht verdienen, kommt von unserem Geld, das Ganze ist maximal ein Nullsummenspiel. (👏 FPÖ) Wer glaubt, dass wir da wirklich einen Löwenanteil bekommen: Bitte erzählen Sie den Österreichern da keine Märchen! Großbritannien hat schon solche Verträge, den USA gehört sowieso ein beträchtlicher Teil der Ukraine – und glauben Sie mir, die Ukraine hat in die türkische und in die chinesische Baubranche wesentlich mehr Vertrauen als in die europäische. Die haben nämlich nicht solche bürokratischen ( Ruf bei der ÖVP: Das wissen Sie alles, ja? ) und klimapolitischen Auflagen, sondern die können einen Flughafen und Straßen noch in sehr kurzer Zeit bauen, wir nicht mehr. Es ist leider nicht zum Lachen. Wir sehen es ja im eigenen Land, was Sie angerichtet haben. Die Neutralität schützt nicht, behaupten Sie hier und behauptet unsere Bundesregierung laufend. Sie schützt sicher nicht absolut, aber sie ist die beste Lösung von allen für Österreich.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

... Sie’s einfach dem Volk vor, ganz einfach!

FPÖ Susanne Fürst

… Ich habe gerade eine Schlagzeile in einer Schweizer Zeitung gelesen, auf die Schweiz gemünzt: Wenn man glaubhaft neutral ist, reduziert dies die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs in der Zukunft erheblich. Ich würde sagen, das ist schon etwas, und das gilt für Österreich genauso. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Aber das Vorgehen dieser Bundesregierung bewirkt das Gegenteil. (👏 SPÖ, FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zur Beantwortung der Anfrage hat sich Herr Staatssekretär Alexander Pröll zu Wort gemeldet. Die Redezeit soll 20 Minuten nicht überschreiten. – Herr Staatssekretär, Sie gelangen zu Wort.

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Herr Präsident. – Ich möchte eingangs die Klassen 3a und 3d der neuen Mittelschule Rechnitz hier im Haus begrüßen. (👏 ÖVP, FPÖ) Erlauben Sie mir vielleicht noch eine ganz kurze Aussage zu den Ausführungen von Frau Kollegin Maurer, die die Regeln des Hauses da jetzt immer wieder beschwört, und das in sehr, sehr oftmaliger Art und Weise! – Frau Kollegin Maurer, Sie sind die einzige Abgeordnete hier herinnen, die hier einmal Hausverbot hatte, weil Sie sich genau nicht an die Regeln gehalten haben …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Nicht als Abgeordnete!

FPÖ Christian Hafenecker

… interessant, welche Wendung Sie da hingelegt haben. (👏 FPÖ) Aber, Frau Kollegin Maurer, ich sage Ihnen gleich noch etwas dazu – ich möchte mit einem Zitat beginnen –: „Kaum wo wird da die Position vertreten, dass die Annexion der Krim im März 2014 auch eine Vorgeschichte hatte, nämlich verantwortungsloses Gerede von einem Nato-Beitritt der Ukraine, womit Russland vom Schwarzen Meer praktisch abgeschnitten gewesen wäre. Glaubte wirklich jemand, Wladimir Putin würde dem tatenlos zusehen? Wer Kritik an der ukrainischen Regierung übt, wird sofort als ‚Putin-Versteher‘ abgestempelt.“ – Wissen Sie, wer das in seinem Buch geschrieben hat? – Herr Bundespräsident Van der Bellen, der heute Herrn Selenskyj eingeladen hat, meine Damen und Herren von den Grünen! Das ist Ihr ehemaliger Parteichef. (👏 FPÖ) Wenn das der Herr Bundespräsident ein Jahr nach der Annexion der Krim in ein Buch schreibt, ist das in Ordnung, da verlieren Sie kein Wort darüber, aber wenn wir Freiheitliche uns zu Recht Sorgen um die Neutralität und um die Zukunft des Kontinents machen und wenn wir der Kriegstreiberei nicht auch noch Beistand leisten wollen, dann wird es kritisiert. Das ist verräterisch, was hier in diesem Haus geübt wird! (👏 FPÖ) Apropos verräterisch: Verräterisch ist auch der Umgang der Bundesregierung mit der aktuellen Debatte: Wir haben die größte Bundesregierung aller Zeiten und der Herr Bundeskanzler findet es nicht der Mühe wert, persönlich zu kommen, weil er lieber Fotos mit Herrn Selenskyj macht. Mir ist jetzt klar, warum wir drei Staatssekretäre hier sitzen haben: Weil sich die Regierung ja nicht einmal zum Arbeiten herbequemt, sondern sich immer vertreten lässt. Herr Pröll, ich habe nicht gewusst, was Ihre Funktion in dieser Bundesregierung, in diesem Kabinett überhaupt ist, jetzt weiß ich es: Sie müssen immer dann den Kopf hinhalten, wenn Ihre Minister zu feige sind, sich selber zu erklären. Es ist ein bezeichnendes Bild, das die ÖVP hier abgibt. (👏 FPÖ) Und weil ich vorhin von einem verräterischen Bild gesprochen habe: Ja, das findet auch statt. Warum? – Es war früher Usus, es war Common Sense im Hohen Haus, dass die Regierung zumindest ein Mal im Monat, wenn der Nationalrat tagt, auf Spezialmaßnahmen verzichtet. Das war früher ein Zeichen des Respekts der Exekutive vor der Legislative, und Sie haben gemeinsam mit den Grünen in den letzten fünf Jahren damit begonnen, das mit Füßen zu treten. Und wenn es Debatten hier im Haus gibt, die Ihnen unangenehm und unbequem sind, dann versuchen Sie das mit irgendwelchen Nebelgranaten zuzudecken, zum Beispiel das Budgetdesaster, das Sie jetzt drei Tage lang vor der Bevölkerung verantworten müssen oder sollten. Was machen Sie? – Sie covern die ganze Diskussion damit ab, dass Sie Herrn Selenskyj einladen. Sie haben ganz genau gewusst, dass heute die wichtigste Sitzung des Jahres stattfindet. Was wird denn in den Medien stehen? – Das, was von der Verliererkoalition bei der Generaldebatte hier herumgeeiert worden ist, oder das, was gerade beim Bundespräsidenten stattfindet? Das ist doch eine gezielte Sabotage des parlamentarischen Betriebs! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Geh bitte!

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie wollen einfach nicht, dass in den Medien transportiert wird, was hier herinnen passiert.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Du hast mittlerweile ein bissl einen Verfolgungswahn! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist ja nicht einmal eine Verschwörungstheorie, das ist ein Verschwörungstopfen!

FPÖ Christian Hafenecker

… Und es geht ja so weiter: Sie müssen drei Tage überbrücken, drei Tage, in denen wir über das Budget sprechen. Drei Tage müssen Sie überbrücken. Und was machen Sie dann am Mittwoch noch? – Na, da machen wir noch schnell einen Ministerrat und dann ändern wir noch das Waffenrecht! – Na, was, glauben Sie, wird am Mittwoch in den Medien sein? Sie benutzen tatsächlich das alles, um vom eigentlichen Desaster, von Ihrem Budget, abzulenken, und dazu ist Ihnen wirklich kein Mittel zu dumm. Das muss man hier auch einmal ganz klar sagen! Ja, aber sei’s drum. Die Frage ist aber trotzdem, woher Sie eigentlich die Legitimation für Ihre Ukrainepolitik nehmen. Die Frage ist: Haben Sie mit der Bevölkerung darüber gesprochen, ob Österreich sich bedingungslos an die Seite der Ukraine stellen soll und damit Verfassungsbruch begeht, weil wir nämlich unsere Neutralität damit zum Teufel jagen? …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Christian Hafenecker

… Haben Sie die Bevölkerung dazu befragt? – Offensichtlich nicht. Sie haben es aber indirekt gemacht, Sie haben es nur nicht verstanden – vielleicht ist auch das ein intellektuelles Problem, das da und dort vorherrscht. Wissen Sie, dass sich die Bevölkerung gegen diesen Kurs entschieden hat? Und wissen Sie, woran man das festmachen kann? – Daran, dass die ehemaligen Großparteien mittlerweile bei 20 Prozent herumgrundeln. Die Bevölkerung hat Ihnen am Wahltag schon gesagt, was sie von Ihrer Politik hält. Sie haben die Bevölkerung auch nicht dahin gehend befragt, ob sie es haben möchte, dass Österreich direkt und indirekt 3 Milliarden Euro, nämlich jene 3 Milliarden Euro, die uns jetzt im Budget noch fehlen, taxfrei in die Ukraine verschiebt; auch das haben Sie sie nicht gefragt. Und Sie haben die Bevölkerung auch nicht dazu befragt, ob Herr Selenskyj heute bei uns Politik machen soll oder nicht. Genau das ist Ihnen am Wahltag auf den Kopf gefallen, und das tut es noch immer. (👏 FPÖ) Die Neutralität ist eine der wichtigsten Angelegenheiten für die Österreicher, und gerade in einem Gedenk- und Jubiläumsjahr sollte man eben nicht das machen, was Sie hier gerade treiben, nämlich die Neutralität mit Füßen zu treten. Wenn man diese aus dem Blick, aus dem Herr Kanzler Figl und Herr Kanzler Kreisky sie noch gesehen hatten, verloren hat, dann sollte man das Jubiläumsjahr dazu nutzen, um sich vielleicht noch einmal neu zu fokussieren und darüber nachzudenken, ob man jetzt richtig handelt. Ganz ehrlich, eine militärische Neutralität oder die Aufklärung betreffend Neutralitätsbegriffe ist doch vom Verfassungsgeber nicht vorgesehen gewesen, sonst hätte er es nämlich hineingeschrieben. Das ist eine nachträgliche Erfindung von Ihnen, dass man die Neutralität jetzt auch schon zersprageln kann. Das, was Sie uns jeden Tag weismachen, das stimmt doch so nicht! Die österreichische Bevölkerung steht mit einer großen Mehrheit hinter der Neutralität, und gerade deswegen sollten wir dem auch Rechnung tragen! (👏 FPÖ) Übrigens: Ich weiß auch nicht, ob die österreichische Bevölkerung 700 000 Euro für Gendergerechtigkeit in der Ukraine mitbeschlossen hat – auch das ist eine Frage. Und wenn wir schon beim Geld sind: Ich habe gestern eine interessante Anfragebeantwortung von Frau Minister Meinl-Reisinger bekommen. Sie von der Bundesregierung – jetzt Frau Meinl-Reisinger, zuletzt war es Herr ehemaliger Bundeskanzler Nehammer, der jetzt zum Banker mutiert ist – sind es doch, die immer mit Geld zu Herrn Selenskyj in die Ukraine fahren. Da stelle ich schon die Frage – nach Informationen aus dem Innenministerium –, warum diese Minister und Bundeskanzler immer dermaßen viel Personenschutz mit sich brauchen. Wissen Sie, was man da hört? – Dass sie mit den Geldkoffern dorthin fahren und diese dem Herrn Präsidenten in die Hand drücken.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Du verwechselst da was, das mit der Sporttasche war dein Chef! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen. – Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Ihr seid die Sporttaschenpartei!

FPÖ Christian Hafenecker

… Die Antwort, die ich von Frau Meinl-Reisinger diesbezüglich bekommen habe, ist: Na, es gibt eh einen Vertrag dazu. – Ich bin gespannt, wie dieser Vertrag aussieht und ob Sie den auch vorlegen werden. Ich habe andere Informationen, ich bin gespannt, wie Sie das rechtfertigen werden. Übrigens: 4 Millionen Euro dort, 20 Millionen Euro da – auch das ist vom Steuerzahler so nicht genehmigt worden! (👏 FPÖ) Leider läuft mir schon die Zeit davon, aber ich möchte nur noch ganz kurz antizipieren, was heute wohl nicht besprochen wird: Es wird wohl heute nicht darüber gesprochen werden, dass österreichische Politiker und österreichische Journalisten auf ukrainischen Todeslisten stehen. Ich glaube, darüber wird man heute nicht sprechen. Es wird nicht darüber gesprochen werden, dass man mit der Sprengung der Nord Stream das Energierückgrat ganz Europas sabotiert, wo übrigens Österreich, der österreichische Steuerzahler mit 1 Milliarde Euro mit dabei ist. Es wird wohl nicht darüber diskutiert werden, dass in der ukrainischen Botschaft in Österreich Söldner rekrutiert worden sind – auch das unter Ihren Augen, unter den Augen der Bundesregierung; auch das wird nicht besprochen. Das Einzige, was man macht, ist, dass man versucht, den Konflikt zu verlängern, um die Verhandlungsposition der Ukraine zu verschlechtern und um möglichst großen Schaden anzurichten. Dann kommt das, was Herr Staatssekretär Pröll gerade gesagt hat: Dann werden wir uns am Wiederaufbau beteiligen. Ich kann Ihnen sagen, wie die Geschichte ausgehen wird: Man macht jetzt möglichst viel kaputt, dann wird das Giebelkreuz alles Mögliche finanzieren, damit man dort wieder alles herrichtet, was man zuerst mit unserem Geld zerstört hat. Am Ende des Tages wird auch Herr Haselsteiner noch ein paar Aufträge bekommen, damit er die NEOS weiterhin sponsern kann. Das ist die Politik, die Sie nachvollziehen. Das ist die Politik, die Sie machen. Das ist aber nicht die Politik, die man sich in Österreich wünscht! ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Andreas Minnich . – Ich habe Ihre Redezeit auf 6 Minuten eingestellt.

ÖVP Andreas Minnich

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Staatssekretäre! Werte Abgeordnetenkollegen hier im Hohen Haus! Geschätzte Österreicherinnen und Österreicher vor den Fernsehbildschirmen und auch hier auf der Galerie! Ja, das, was Sie gerade von meinen Vorrednern, Kollegin Fürst und Kollegen Hafenecker, gehört haben, das kann eigentlich direkt aus Radio Moskau stammen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das sind die Worte aus dem Paralleluniversum unserer FPÖ.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wieso horchen Sie so oft Radio Moskau? – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wo liegt denn der Staatsvertrag, den Sie feiern? Wo liegt denn der?

ÖVP Andreas Minnich

… Wenn man schon über Geschichte spricht …

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Fragen Sie Minnich, der Minnich weiß es!

ÖVP Andreas Minnich

… ja, Herr Kollege Lausch –: Es gibt einen Bundeskanzler in der Geschichte, der schon gesagt hat: Lernen Sie Geschichte! Um Ihnen einen kurzen Exkurs zu geben, möchte ich Ihnen jetzt schon noch eines sagen, weil Sie das angesprochen haben, Frau Kollegin Fürst: vor 70 Jahren, 1955, der Staatsvertrag, die immerwährende Neutralität Österreichs. Wissen Sie, was ein Jahr später passiert ist? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Warum trauen sich der Kanzler und die Außenministerin nicht her? Weil sie euch lieber ins Feuer schicken?

ÖVP Andreas Minnich

… 1956 wurde der Ungarnaufstand von der Sowjetarmee blutigst niedergeschlagen. Panzer überrollten Menschen, viele Tausende Tote, über Zehntausende wurden verschleppt und nach Sibirien deportiert.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Wer hat die Waffen zahlt?

ÖVP Andreas Minnich

… Über 200 000 Menschen sind damals geflüchtet, 180 000 Ungarn sind nach Österreich geflüchtet, die hier aufgenommen worden sind. Wissen Sie, was die Gründerväter der Neutralität, des Staatsvertrages 1956 gemacht haben? – Sie haben hier eine Resolution und einen Entschließungsantrag gegen den Einmarsch der Sowjetarmee in Ungarn gemacht. Sie haben hier im Hohen Haus Resolutionen gegen die Verbrechen der Sowjetunion mit einem Allparteienbeschluss verabschiedet. Und wissen Sie, wer damals die Parteien waren, wer die Allparteienriege für diesen Beschluss gegen die Verbrechen Russlands war? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die ehemalige ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das war die UdSSR, Sie verwechseln da ein bissel was! Lesen bildet!

ÖVP Andreas Minnich

… Alle Parteien: SPÖ, ÖVP, FPÖ, inklusive der KPÖ. 1956 gab es nämlich schon die FPÖ, also können Sie sich hier auch nicht aus dieser Verantwortung stehlen. ( Ruf bei der FPÖ: Was will er uns sagen? ) Wenn Sie damals gesagt haben, Österreich ist militärisch neutral …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

..., wir wollen Frieden verhandeln! Sie wollen Krieg führen!

ÖVP Andreas Minnich

… aber nicht in der Meinung und nicht in unseren Werten, dann stehen Sie doch bitte heute auch dazu! Auch 1968 haben Sie es wieder genauso gehalten.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie haben es irgendwie nicht verstanden, gell? – Ruf bei der FPÖ: Jetzt haben wir die Taferl extra ..., aber noch immer zu komplex!

ÖVP Andreas Minnich

… In diesem Sinne muss man sich schon fragen: Wie ehrlich meint es die FPÖ? ( Abg. Steiner [FPÖ] hält die Tafel mit der Aufschrift „FPÖ“, „die soziale Heimatpartei“, „Zeit für Neutralität“ in die Höhe. ) Gibt es überhaupt einen einzigen Abgeordneten in der Riege der FPÖ, der das benennen kann, was sich Putin mit größter Aggressivität in der Ukraine leistet? ( Ruf bei der FPÖ: Wir dürfen es ja nicht sagen! ) Angriff auf ein souveränes Land, Bruch des Völkerrechts …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Habts ihr vorgestern nicht zugehört? – w eiterer Ruf bei der FPÖ: Redet und sagt nichts!

ÖVP Andreas Minnich

… Vergewaltigung Zigtausender Frauen und Einsatz dessen als Waffe im Krieg …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wir haben das sofort verurteilt! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ – Abg. Wurm [FPÖ]: Hast du geschlafen oder ...? – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wir haben das sofort verurteilt!

ÖVP Andreas Minnich

… über 19 000 entführte und verschleppte Kinder – und so weiter und so fort, jeden Tag neue kriminelle Handlungen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Der Unterschied zu Ihnen ist: Wir verurteilen das überall! Überall! – Abg. Höfinger [ÖVP]: Doppelmoral! Doppelzüngigkeit und Doppelmoral!

ÖVP Andreas Minnich

… ja, Kriegsverbrechen, die man jetzt aufgrund der so großen Anzahl gar nicht mehr wirklich beziffern kann. Ich finde es wirklich beschämend, dass hier von Ihnen nicht ein einziges Mal ein Satz dazu kommt, was hier wirklich passiert.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Hast du geschlafen drei Jahre lang oder was, Kollege?

ÖVP Andreas Minnich

… Aber die größte Unverfrorenheit ist eigentlich, wenn man sich hier herausstellt und dann redliche Friedensbemühungen - - …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wo sind redliche Friedensbemühungen? – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Hast du deinem eigenen Staatssekretär nicht zugehört?

ÖVP Andreas Minnich

… Herr Vizekanzler Babler hat heute hier vorgeschlagen, dass man Wien als Ort von Friedensgesprächen einbringt, und Sie reden das schlecht und klein.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Beim gleichzeitigen Haftbefehl für den, mit dem Sie verhandeln wollen! Großartig! – Abg. Wurm [FPÖ]: Ihr seids komplett daneben mittlerweile! So weit daneben! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Andreas Minnich

… Ja wie bemühen Sie sich denn um den Frieden? Haben Sie schon mit Herrn Putin telefoniert? Sie haben ja den Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Sowjetunion gibt’s schon seit ... nicht mehr! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Die Sowjetunion gibt’s nicht, noch einmal! Ich sag’s Ihnen noch einmal!

ÖVP Andreas Minnich

… Nachfolgestaat Russland, abgeschlossen. Also man muss sich ja wirklich fragen: Was ist Ihr Beitrag zum Krieg, ah zum - - Was ist Ihr Beitrag zum Frieden? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Da leisten wir keinen Beitrag! Sie haben es richtig gesagt! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: Das war jetzt die Wahrheit!

ÖVP Andreas Minnich

… Ja, genau! Ihr Beitrag zum Krieg ist, dass Sie jeden Tag diese Radio-Moskau-Litaneien veranstalten.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Jetzt habt ihr die Wahrheit durchblicken lassen!

ÖVP Andreas Minnich

… Es ist Zeit für Frieden, genau, aber da müssen Sie sich auch einmal redlich dafür einsetzen und redlich darum kümmern.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das war ein Freud’scher Versprecher! Genau so denken Sie!

ÖVP Andreas Minnich

… Wenn hier gesagt wird, mit dem Besuch Selenskyjs sei die Neutralität Österreichs gefährdet, dann muss man schon dazusagen: Selenskyj hat jedes Land in Europa besucht, die neutrale Schweiz mehrfach besucht, für Friedenskonsultationen. ( Ruf bei der FPÖ: Bussi-Bussi, ja! ) Da muss man wirklich sagen: Es stimmt einfach nicht, so wie Sie hier an das Thema herangehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ändern Sie Ihren Kurs, überdenken Sie, wer der Aggressor, wer der Angreifer ist, wer es redlich meint, wer es ehrlich meint …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ihr lernt es nie mehr!

ÖVP Andreas Minnich

… wer völkerverbindend ist, wer für den Frieden ist.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Wenn Sie Friedensverhandlungen führen, na dann ...!

ÖVP Andreas Minnich

… Überdenken Sie diesen Standpunkt, setzen Sie sich dafür ein, dass Wien zukünftig für Friedensgespräche zur Verfügung stehen kann. – Vielen Dank.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

War ja super erfolgreich, eure Taktik! Die Taktik war erfolgreich, oder, nach drei Jahren?

PräsidiumPeter Haubner

Da jetzt mehrere Abgeordnete der FPÖ die Tafeln in die Höhe gehalten haben, würde ich jetzt um Folgendes ersuchen: Wir haben ja an und für sich die bestehende Praxis, Schilder nach 30 Sekunden wegzuräumen. Ich habe Sie zuerst eingeladen, dass Sie der Usance des Hauses gerecht werden. Ich würde Sie noch einmal ersuchen, die Tafeln wegzuräumen (Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wenn die Grünen den ganzen Tag mit einem Button am Pullover dahocken, ist es wurscht!), damit wir die Diskussion dann weiter fortführen können. ( Die Abgeordneten der FPÖ stellen die Tafeln unter die Pulte. ) – Danke vielmals. Frau Abgeordnete Bayr, Sie gelangen als Nächste zu Wort. Die freiwillige Redezeitbeschränkung beträgt 7 Minuten.

SPÖ Petra Bayr

Vielen Dank. – Sehr geehrte Damen und Herren! Was ist das für ein eigentümliches Verständnis von Neutralität, wenn so getan wird, als würde sie außer Kraft gesetzt, wenn ein Präsident eines anderen souveränen Landes zu Gast ist? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Haben Sie den Schrebergarten schon verkauft?

SPÖ Petra Bayr

… Kollegin Fürst hat am Ende ihrer Rede die Schweiz erwähnt. – Ja, das ist, glaube ich, ein ganz guter Gradmesser. Selenskyj war am 14. Juni 2024 – also ziemlich genau vor einem Jahr – in der Schweiz, auf dem Bürgenstock. Wenn die Neutralität der Schweiz seither in sich zusammengebrochen oder sonst irgendetwas Dramatisches passiert wäre, könnte man das nach einem Jahr schon feststellen – ich sehe aber nichts dergleichen. Ich verstehe also wirklich nicht, woher Sie diese Annahme haben, dass das irgendein Problem sein könnte. Wenn es nicht Raum für Debatten gibt, wenn es nicht Raum dafür gibt, darüber zu diskutieren, wie denn auch Österreich als neutrales Land zum Entstehen von Frieden beitragen kann, ja was denn dann? Was denn sonst soll unsere Aufgabe, was denn sonst soll unser Beitrag zu einem möglichen Frieden sein, frage ich mich.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Vor fünf Monaten haben Sie das Wort Frieden noch nicht einmal rausgebracht!

SPÖ Petra Bayr

… Also das ist wirklich vollkommen verrückt, wie Sie das darstellen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Lassen Sie mich klarstellen: Österreich steht natürlich seit Tag eins dieses völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der Russischen Föderation auf der Seite der Ukraine, und gerade als neutraler Staat leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Menschen in der Ukraine – für die Menschen –, indem wir bislang 327 Millionen Euro an Unterstützung geleistet haben – an die Ukraine selbst, aber auch an die Nachbarstaaten, in die die Menschen aufgrund dieses brutalen Krieges fliehen mussten. Dieser Krieg verursacht weiterhin großes Leid, extremes Leid, und damit bleibt auch der Bedarf an humanitärer Hilfe enorm. Gerade im humanitären Bereich ist Österreichs Engagement, weil wir eben neutral sind, auch wirklich beachtlich und sehr breit getragen, von sehr vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen: von Nachbar in Not, der Caritas, von freiwilligen Feuerwehren bis hin zu vielen, vielen Gemeinden, die Hilfslieferungen organisieren und Spitalsbetten, OP-Material oder Schulmöbel spenden. Ich habe vor wenigen Wochen auch involviert sein dürfen, als beispielsweise der Samariterbund ein Rettungsauto für Charkiw gespendet hat und die Ukrainehilfe diese Überstellung abgewickelt hat. All das hilft den Menschen vor Ort, all das ist für Menschen in der Ukraine momentan wirklich lebenswichtig, überlebenswichtig, und wir werden uns das von niemandem schlecht- oder kleinreden lassen – ganz sicher nicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Darüber hinaus ist ein anderer ganz wichtiger Aspekt unserer Unterstützung die Entminung, die zivile Entminung. Wir haben bis jetzt 12 Millionen Euro dafür ausgegeben. Da geht es darum, dass große landwirtschaftliche Flächen entmint werden, denn wir wissen genau, diese Landminen sind, wenn sie vergraben sind, vergraben bleiben, eine unglaubliche Gefahr für Zivilistinnen und Zivilisten, ganz besonders für spielende Kinder, aber natürlich auch für die Landwirte. Wir wissen, dass die Ukraine ein großer Agrarproduzent, ein großer Agrarexporteur ist, gerade auch für den globalen Süden, by the way, sehr wichtig. Indem wir beim Entminen helfen, leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau der Ukraine – und das tun wir als neutrales Land. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Österreichische Unternehmen haben schon vor Ausbruch des Krieges – und tun es in großem Ausmaß auch noch weiterhin – Arbeitsplätze in der Ukraine geschaffen, etwa 25 000, und sie leisten auch einen großen Beitrag für die Wertschöpfung im Land. Natürlich wird der Wiederaufbau eine Mammutaufgabe sein. Natürlich ist es uns ein großes Anliegen, dass davon nicht einige wenige profitieren, sondern dass dieser Wiederaufbau wirklich breiten Bevölkerungsschichten zugutekommt. Ich freue mich sehr, dass es ziemlich sicher eine österreichische Organisation sein wird, die ganz vielen kleinen Gemeinden, die zu klein sind, um große EU-Töpfe mit über 50 Millionen Euro ansprechen zu können, dabei helfen wird, dass sie in der Lage sein werden, genau dieses Geld vonseiten der Europäischen Union abzuholen, für einen Wiederaufbau des Wohnbaus, der durch den russischen Angriff zerstört worden ist. Das ist etwas, durch das Menschen dann wirklich wieder ein Dach über dem Kopf haben, das ist ausgesprochen wichtig, und ich freue mich, dass da eine österreichische Organisation so erfolgreich dabei ist. Das ist wunderbar. Natürlich, was zum Wiederaufbau, zum Neuaufbau der Ukraine auch dazugehört, ist die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit der Ukraine und die Bekämpfung der Korruption. Nur so wird es auch einen Weg in Richtung Europäische Union geben. Und – es ist schon gesagt worden – es wird keine Shortcuts geben oder keine augenzwinkernden Zugeständnisse, sondern nein, natürlich wird auch die Ukraine alle Erfordernisse erfüllen müssen, die notwendig sind, um beizutreten. Österreich wird sich mit allen diplomatischen internationalen und nationalen Möglichkeiten für einen gerechten, für einen umfassenden und dauerhaften Frieden in der Ukraine einsetzen – alles andere verdient das Wort Frieden nicht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Das Angebot, Wien als eine solche Plattform für Gespräche anzubieten, herzunehmen, ist wahrscheinlich wesentlich effektiver als irgendwelche Kniefälle ehemaliger freiheitlicher Außenministerinnen vor Herrn Putin, da bin ich mir ziemlich sicher.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nein, die gehört schon noch der ÖVP! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Glauben Sie, hat der Herr Gusenbauer auch Kontakte zu den Russen gehabt? Hat der ... Geld her? ... Schrebergarten gekauft?

SPÖ Petra Bayr

… Um zum Ende zu kommen: Es gilt aus meiner Sicht einmal mehr, dass die Rolle Wiens auch als Sitz der OSZE in diesem Zusammenhang Platz greift – wir werden ja im Dezember dieses Jahres ein Ministerkomitee ausrichten. Ich weiß, dass es auch während des Kalten Krieges, wenn Wien Austragungsort von bilateralen oder trilateralen Gesprächen war, sehr oft belächelt worden ist, nach dem Motto: Haha, wie schön! Die OSZE ist aber eine der wenigen Organisationen, bei denen Russland immer noch Mitglied ist, wo es auch eine Möglichkeit der Auseinandersetzung auf Augenhöhe gibt, und ich bin mir sicher, dass dieser Ministerrat – zwar unter finnischer Präsidentschaft, aber in Wien ausgetragen – im Dezember Möglichkeiten bieten wird, da entscheidende Schritte vorwärtszugehen, entscheidende Schritte – wie auch immer die Situation dann aussehen wird, aber jedenfalls entscheidende Schritte – als Wien, auch als Österreich, auch als österreichische Bundesregierung zu gehen. Das Schöne ist, dass ich weiß, dass die Bevölkerung Österreichs sich diesen Frieden wünscht und auch bei allem, was wir tun, hinter uns steht. – Danke sehr. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Yannick Shetty . Eingestellte Redezeit: 7 Minuten.

NEOS Yannick Shetty

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Herren Staatssekretäre! Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich finde, es ist nicht zu ertragen, dass manche an einem Tag wie heute so schnell zurück in die Parteipolitik verfallen. (👏 ÖVP, NEOS) Eigentlich hätte ich gedacht, dass wir heute ein gemeinsames Verständnis haben, dass heute etwas anderes im Zentrum steht: Die Erinnerung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was denn?

NEOS Yannick Shetty

… Frau Belakowitsch, ich sage es Ihnen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ihr macht uns nicht zur Einheitspartei! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Die Pride-Parade?

NEOS Yannick Shetty

… an die Opfer von Graz …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Habt ihr ... bei der Pride-Parade? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Die Pride-Parade hat ja auch stattgefunden! – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ich habe schon geglaubt, ...! – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

NEOS Yannick Shetty

… die gemeinsame Trauer, das Mitgefühl, das, was der Herr Klubobmann der FPÖ heute Früh auch angesprochen hat. Ich habe dem zugestimmt und trotz aller inhaltlichen Differenzen, die es zwischen unseren Parteien gibt, auch Beifall bekundet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, Herr Shetty, es hätte auch der Bildungsminister sprechen können! Der wäre zuständig gewesen!

NEOS Yannick Shetty

… Vor allem sollte im Zentrum stehen: der feste Wille, alles zu tun, damit so etwas nie wieder in einem österreichischen Klassenzimmer geschieht.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Und deswegen laden wir Selenskyj ein!?

NEOS Yannick Shetty

… Doch leider gibt es Kräfte in diesem Haus, denen selbst dieser Moment der Einigkeit nicht heilig ist. Ich glaube, es gibt etwas, was uns Österreicherinnen und Österreicher ausmacht, quer durch alle Bundesländer, Generationen und quer durch alle Parteien: dass wir in der Krise zusammenstehen, Schulter an Schulter. Genau das erwarten sich jetzt auch die Menschen von uns als Politik: dass wir uns als politische Vertreterinnen und Vertreter an einen Tisch setzen, gemeinsam Verantwortung übernehmen, Lösungen erarbeiten. Und es gibt ja auch andere Teile der Opposition – ich denke an Klubobmann Kogler, der hier ganz konkrete Vorschläge gemacht hat. Auch wir als Bundesregierung haben ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgestellt und werden es diese Woche auch noch zur Beschlussfassung im Ministerrat bringen. Was kommt von der FPÖ? – Keine Lösungen, keine Verantwortung, nur ein parteitaktisches Schauspiel mitten in einer der sensibelsten Sitzungen dieses Parlaments in dieser Gesetzgebungsperiode. (👏 ÖVP, NEOS) Zeitgleich, als der Herr Bundeskanzler hier am Rednerpult stand und der Opfer gedacht hat, und während Sie, Herr Kickl, hier am Rednerpult staatspolitische Verantwortung einforderten, wanderten ihre Abgeordnetenkollegen still und leise zur Nationalratskanzlei und haben diese Dringliche Anfrage eingebracht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nicht das - -! ... Parlamentarismus! Na hallo, jetzt reicht es aber dann! – Weiterer Ruf bei der FPÖ: ... Parlamentarismus habt ihr ...!

NEOS Yannick Shetty

… Das ist nichts anderes als eine blanke Provokation, eine weitere populistische Scheindebatte über die Neutralität.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Keine Anfragen, keinen U-Ausschuss, ...!

NEOS Yannick Shetty

… Es ist ein durchsichtiges populistisches Manöver mit nur einem Ziel: spalten, spalten, spalten. (👏 ÖVP, NEOS) Herr Klubobmann Kickl, Abgeordnete Fürst hat mit ihrer Dringlichen Anfrage, mit ihrer Begründung alle Ihre Appelle zum Zusammenhalt zur Makulatur gemacht …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Reden Sie doch nicht so einen Blödsinn daher!

NEOS Yannick Shetty

… weil sie heute alles in den Schatten gestellt hat, was Sie heute Früh eingefordert haben.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Für die falsche Sache werden wir nie zu gewinnen sein, nie!

NEOS Yannick Shetty

… Die Menschen erwarten sich nach diesem Amoklauf von Graz, dass wir Konsequenzen ziehen in der Sicherheitspolitik, in der Gewaltprävention …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie ziehen da eine Löwinger-Bühne ab und beschweren sich, dass Parlamentarismus auch noch stattfindet!

NEOS Yannick Shetty

… im Schutz unserer Schulen, in der Stärkung der psychischen Gesundheit der jungen Menschen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Haben Sie heute in der Früh nichts zu sagen gehabt?

NEOS Yannick Shetty

… Und sie erwarten sich gerade nicht, dass sich die Politiker in solchen Momenten auseinanderdividieren lassen, sondern dass sie im Gedenken an die Opfer zusammenrücken.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Die Opfer missbrauchen, dass man eure Kriegstreiberei mitträgt! Also tiefer geht ja nicht! – Weitere Rufe bei der FPÖ: Tiefer geht eh nicht! Tiefer geht nicht!

NEOS Yannick Shetty

… Und was machen Sie, was machen die Vertreter der FPÖ? – Herr Präsident, ich kann schon weiterreden, ich habe eh das Mikrofon und man hört sie nicht reinbrüllen, aber ich finde es nicht in Ordnung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, Sie sind nicht in Ordnung!

NEOS Yannick Shetty

… dass sie jede Debatte auf diese Art und Weise stören müssen. Was macht die FPÖ? – Sie spaltet, sie provoziert …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sie provozieren!

NEOS Yannick Shetty

… und Sie betreiben damit Polemik und Parteitaktik in einem Moment, in dem wir genau darauf verzichten sollten. Und Frau Fürst, man hat bei Ihnen auch das Gefühl, Sie halten es einfach nicht aus, wenn in dieser polarisierten Welt einmal für wenige Tage das Gemeinsame vor das Trennende gestellt wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich habe das Gefühl, man hat das Gefühl, dass Ihre Parteistrategen dann so richtig nervös werden, denn in der Spaltung liegt Ihre Chance. Das ist Ihr Geschäftsmodell, und deswegen treten Sie hier die Flucht nach vorne an und machen genau das, was Sie gut können, nämlich das Trennende vor das Gemeinsame stellen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich mache jetzt den Psychologen beim Humboldt!

NEOS Yannick Shetty

… so wie wir es heute auch in dieser Debatte gesehen haben. (👏 ÖVP, NEOS) RN/67.1 Ich möchte aber auch in der Sache noch eine Anmerkung zum Inhalt Ihrer Dringlichen Anfrage machen, Frau Fürst. Darf ich Sie fragen, Frau Fürst, ob Sie schon einmal in der Ukraine waren? Oder Herr Hafenecker? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich war zweimal ...! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist keine Fragestunde! Halten Sie die Rede und setzen Sie sich ...!

NEOS Yannick Shetty

… Frau Fürst, ich war in der Ukraine, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der anderen Parteien …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was soll denn das überhaupt?

NEOS Yannick Shetty

… in meinem Fall eine Delegation mit Kollegen von der ÖVP und von den Grünen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ich habe sogar gesehen, unter welchen Umständen der Herr Selenskyj gewählt worden ist!

NEOS Yannick Shetty

… Sie waren jedes Mal auch eingeladen; Sie haben sich geweigert, teilzunehmen. Wir waren in Kiew, wir waren in Butscha …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Schön für euch!

NEOS Yannick Shetty

… wir haben dort die Massengräber gesehen, wir haben dort mit Angehörigen jener Menschen gesprochen, deren Kinder nach Russland …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Da habt ihr viel Spaß gehabt dabei, gell?

NEOS Yannick Shetty

… verschleppt wurden.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Nein, das ist kein Spaß! – Ruf: Das ist ja unfassbar! – Ruf: Was seid ihr für Leute? – Unruhe im Saal.

NEOS Yannick Shetty

… Sehr geehrte Damen und Herren, Sie wissen, glaube ich, nicht, was die FPÖ hier alles Widerliches zwischenruft. Nein, wir haben keinen Spaß dabei gehabt, als wir uns das angeschaut haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... Kriegstouristen! Das ist Kriegstourismus!

NEOS Yannick Shetty

… Wir haben das gemacht, um uns ein Bild zu machen, ein objektives Bild ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen ), und ich sage Ihnen: Ich schäme mich dafür, dass sich Abgeordnete hier herausstellen und russische Propaganda vom Feinsten propagieren. Das ist unerträglich! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja unglaublich so etwas!

NEOS Yannick Shetty

… Abschließend: Sie kennen unsere Meinung, Sie kennen unsere Haltung …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wie reden Sie über den Bundespräsidenten und sein Buch?

NEOS Yannick Shetty

… weil wir lange genug Oppositionsarbeit in diesem Haus gemacht haben: In diesem Parlament soll nicht nur, es muss gestritten werden. Aber ich bin der Meinung, wir sind der Meinung, es gibt Tage, an denen muss die Parteitaktik zurückrücken.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na dann tritt doch zurück!

NEOS Yannick Shetty

… Es gibt noch andere Tage hier im Parlament, an denen man diese Fragen, die Sie heute vorgebracht haben …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und wann soll man streiten, wenn da von dir aus kein ...?

NEOS Yannick Shetty

… diskutieren kann. Heute ist kein solcher Tag. Ich finde das enttäuschend, und ich sage Ihnen auch ganz ehrlich: Ich schäme mich für dieses unser Hohes Haus, dass Sie diese Abmachungen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche Abmachung?

NEOS Yannick Shetty

… dass Sie diese Art und Weise so vorsätzlich missachten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Werner Kogler . Die Redezeit habe ich für 8 Minuten eingestellt. – Bitte.

GRÜNE Werner Kogler

Danke schön, Herr Präsident. – Falls Sie es nicht gehört haben, verwende ich gerne eine Minute der Redezeit darauf: Es ist unfassbar, was in dem Haus schon passiert und möglich ist. Abgeordneter Shetty hat vor wenigen Minuten an dieser Stelle ausgeführt – Bezug nehmend auf Ihre ( in Richtung FPÖ ) Fraktion; Sie hätten in die Ukraine mitfahren sollen –, wie er an den Massengräbern von Butscha gestanden ist. Und von da ( in Richtung FPÖ weisend ) kam der Zwischenruf einer Kollegin – das ist so unglaublich, dass ich gleich den Namen weglasse –, er hätte dabei Spaß gehabt. – So weit sind Sie ( in Richtung FPÖ ) hier gekommen, so weit ist es gekommen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

So war es ja gar nicht! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ]

GRÜNE Werner Kogler

… und, Herr Präsident, das können wir – ich sage es noch einmal – nicht durchgehen lassen! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

So war es ja gar nicht! So war das gar nicht! So war es gar nicht!

GRÜNE Werner Kogler

… Das hat mit einer normalen parlamentarischen Debatte nichts zu tun, das ist die Desavouierung von allem und jedem! Das ist das Prinzip, das Sie ( in Richtung FPÖ ) hier anwenden, die ganze Show da.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Schauen Sie bitte die Fotos in den sozialen Medien der NEOS an, wie sie dort dreinschauen!

GRÜNE Werner Kogler

… Ich bin zwar ein bisschen anderer Meinung als Abgeordneter Shetty, dass man an einem Tag, an dem Selenskyj kommt, das schon thematisieren kann – ich werde schon darauf eingehen, ich werde es auch machen …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Der Innenminister lacht Sie aus, ...! Wenn ihr solche Fotos produziert, braucht ihr euch nicht zu wundern!

GRÜNE Werner Kogler

… ein bisschen anders –, aber das ist so unterirdisch, das ist unter jeder nicht nur Würde des Hauses, das ist unter allem, was den letzten Grundkonsens noch zusammenhält. Genau darum geht es Ihnen ja die ganze Zeit schon: das zu zerstören – deshalb werden sich die anderen Fraktionen überlegen müssen, wie hier ein Umgang zu finden ist –, nur erstens werden wir es uns nicht gefallen lassen, und zweitens werden wir es erzählen. Es sollen genug hören. Wir haben es gehört, was Abgeordnetem Shetty hier vorgehalten wird. Da ist man ja schon wieder sprachlos.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Rücktritt eigentlich!

GRÜNE Werner Kogler

… Das ist ja unfassbar, was Sie hier aufführen! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) So! Ja, es wäre ja viel zu diskutieren, wenn Sie nicht dauernd alles umdrehen würden wie Ihre Vorbilder Putin und Trump. Man ist sich hier herinnen eh fast vorgekommen wie beim Putin-Sender, aber am Rednerpult darf man ja viel , das geht sich ja noch aus.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie erinnern manchmal an den Herrn Jelzin!

GRÜNE Werner Kogler

… Zeit für Frieden“ ( in Richtung FPÖ weisend ); nehmen wir das: „Zeit für Frieden“. Also erstens einmal bin ich unheimlich dankbar, muss ich fast sagen, der Bundesregierungsspitze – ich nenne Sie ganz bewusst zuerst …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was sagen Sie zum Buch des Bundespräsidenten, Herr Klubobmann?

GRÜNE Werner Kogler

… und dann den Bundespräsidenten, der uns ja nähersteht –, dass Sie Präsident Selenskyj empfangen; damit das einmal klar ist, denn das haben Sie auch alles hineingerührt in Ihren krausen Verschwörungstopfen, den Sie da aufführen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Als ob Selenskyj genau deshalb jetzt nach Wien kommen würde, damit Sie nicht irgendwo eine Zeitungsmeldung mehr haben mit Ihren Tagesauftritten – das ist so absurd …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Was dominiert die Medien jetzt? – Abg. Shetty [NEOS]: Er schaut nicht den ganzen Tag FPÖ-TV!

GRÜNE Werner Kogler

… das können Sie ja nicht einmal mehr auf Ihrem komischen AUF-Sender verkaufen, selbst dort biegen sich die Antennen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Der Plenartag wird auf ORF III verräumt, für den Herrn Selenskyj gibt es eine Sondersendung! So schaut’s aus! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wo ist denn die Bundesregierung? – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

GRÜNE Werner Kogler

… Zeit für Frieden“: Jetzt sage ich Ihnen einmal, wo Sie da immer schiefliegen. Es ist gut, dass wir einmal über Frieden und Neutralität reden. „Zeit für Frieden“: Wissen Sie, wir hatten eine Zeitenwende, eine große: 1989/90/91 – das hatte große Auswirkungen auf die Sowjetunion. Die Länder dort, sage ich jetzt einmal salopp, haben sich zum Teil verselbstständigt. Die meisten Atomwaffen der UdSSR standen auf ukrainischem Gebiet. Die sich herauskristallisierende Ukraine hat gegen eine Sicherheitsgarantie eingewilligt, dass die dann Russische Föderation den Zugriff auf die Atomwaffen – nicht ganz ausschließlich, aber in allererster Linie – erhält; gegen eine Sicherheitsgarantie! Es war immer noch Zeit für Frieden, alle haben daran geglaubt. 2000/2001/2002: eine legendäre, eine fast berühmte – aber nur fast! – Rede Putins im Deutschen Bundestag: schalmeienhaft, friedensversprechend. Mittlerweile ist es eine berüchtigte Rede, eine der größten Irreführungen der Geschichte, mit Anlauf – mit Anlauf! –, und da wäre auch immer noch Zeit für Frieden gewesen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

... Corona ...!

GRÜNE Werner Kogler

… Und die Sache geht weiter. Es sind nicht mehr viele Jahre vergangen, und der Angriff auf den Kaukasus und auf die Länder dort ist unter unglaublichen Gräueln erfolgt. 2014 – wir haben es damals schon gesagt – war auch die Beteiligung Russlands an der Tragödie, die sich in Syrien abgespielt hat, nachvollziehbar: Fassbomben, Chemiewaffeneinsatz; wir haben die Berichte im Ausschuss gehabt, ich war damals auch Abgeordneter. Es ist bis heute zum Heulen, was es da für Schilderungen gab. Ich sage nicht, dass all das die russische Truppe selber gemacht hat – sie hat sich an den Bombenangriffen beteiligt –, aber sie hat das geduldet und mit herbeigeführt. Das war im Übrigen, wie sich herausgestellt hat und erkennbar wird, Teil einer kommenden hybriden Kriegsführung, weil die damals schon Flüchtlingsströme nach Europa mit befeuern wollten. Das war die Spielanlage. Das ist Ihr Freund Putin, das ist der, mit dem Sie einen Freundschaftsvertrag haben. Jemand, der mit einem Massenmörder einen Freundschaftsvertrag abschließt, braucht uns nicht zu erklären …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unglaublich! Unglaublich!

GRÜNE Werner Kogler

… was der Staatsvertrag in Sachen Neutralität bedeutet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die Frau Edtstadler klatscht, die mit ihm durch Wien defiliert ist, zum selben Zeitpunkt! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Die Frau Edtstadler hat sogar russische Farben angehabt! Gibt’s auch Fotos!

GRÜNE Werner Kogler

… Deshalb ist es ja so wichtig und richtig, dass das Augenmerk auf das gerichtet wird, was eigentlich die Vorgänge rund um die Ukraine sind. Also für mich ist es immer noch so, dass die Bevölkerung, auch die politische Führung im Übrigen – weil Sie die ja dauernd angreifen – größten Respekt verdienen, weil dort – und man kann es gar nicht oft genug sagen – auch die europäischen Werte verteidigt werden. Es ist ein Angriff auf Europa, der dort passiert, und wenn dem nicht Einhalt geboten wird, wird Putin keine Ruhe geben. Das ist der Unterschied. So, und was heißt jetzt Frieden? Welcher Frieden? – Es braucht einen wahrhaftigen, es braucht einen gerechten Frieden, aber doch kein Diktat und keine Unterwerfung. Das ist es. Es stimmte noch immer, bis dorthin war Frieden – und all die Sinnsprüche, die da gekommen sind, sind wahrer denn je: Stell dir vor, es ist Frieden und einer macht alles hin! …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Was ist aus den Grünen geworden, Werner?

GRÜNE Werner Kogler

… Das sage ich zu Ihrem Friedenstaferl. Das ist passiert, und deshalb müssen wir uns hinstellen und sagen, von welchem Frieden wir überhaupt reden. Es wäre gut, wenn heute die Gelegenheiten ausgelotet werden würden. Österreich könnte vielleicht einen kleinen Beitrag für einen vorläufigen Waffenstillstand und dann für einen gerechten Frieden leisten. Das wäre gut und richtig; da verschließen wir uns ja nicht, man muss ja immer mit jedem reden …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aha! Aha! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ah so, mit jedem!

GRÜNE Werner Kogler

… ja, trotzdem ist meine Analyse von vorhin richtig. Das ist es, worum es geht. Man kann nicht wegschauen und sich – das war Ihr zweites Taferl – auf die Neutralität berufen, wenn es um Massenmord, um Massenvergewaltigung …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, wenn das nur überall gelten würde, Herr Kogler! Überall! – Ruf bei der ÖVP: Das gilt überall!

GRÜNE Werner Kogler

… um Kinderverschleppung und um Folter geht. Das ist die Konsequenz von dem, was Sie hier verbreiten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist das Problem!

GRÜNE Werner Kogler

… Ja, das mag woanders auch gelten, okay …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja eh, aber da hör ich nix von Ihnen! Da gibt’s auch andere Konflikte, jetzt, gegenwärtig: Schweigen im Wald!

GRÜNE Werner Kogler

… aber da sollten wir auch eine eindeutige Haltung haben. Also uns brauchen Sie das nicht vorzuwerfen. Dass es nicht so sei, da würde ich Ihnen recht geben, aber das ist ein überflüssiger Zwischenruf.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, das ist nicht überflüssig! – Abg. Wurm [FPÖ]: Das ist die Wahrheit, Werner!

GRÜNE Werner Kogler

… Eigentlich geht es – noch einmal – ums Völkerrecht, wenn wir über die Neutralität reden. Es ist ein völlig völkerrechtswidriger Aggressionsangriff auf die Ukraine – das ist alles eindeutig –, und es muss Schluss sein mit dieser Täter-Opfer-Umkehr, die da laufend betrieben wird. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sie sind ja ärger als Trump. Das Völkerrecht gibt die Selbstverteidigung her, und in diesem Zusammenhang ist die Neutralität zu interpretieren. Im Übrigen, was unsere Beteiligung über die Europäische Union betrifft – der Staatssekretär hat es ja ausgeführt; das war der Kompromiss in unserer Regierung, diese Linie zu machen –: Es würde neutralitätskonform noch mehr gehen. Ich sage das in aller Bewusstheit, nur weil da falsche Bilder verbreitet werden. Es würde sogar noch mehr gehen, sowohl nach dem Völkerrecht als auch nach unseren Neutralitätsbestimmungen und erst recht, was unsere gemeinsame Verpflichtung im Rahmen der Union betrifft; damit wir das auch noch einmal gesagt haben. Es wird auch noch gegen die Sanktionen aufgetreten: Das halte ich für den nächsten Blödsinn. Tatsächlich wirken sie langsamer und nicht so direkt, weil sie auch sehr oft umgangen werden, aber es ist gerade für Neutrale sinnvoll, richtig und wichtig, dass es auch diese Instrumente gibt, weil das eine Reaktion ist, die nicht militärisch ist, und zwar per definitionem. Würden Sie einfach sagen: Super, machen wir weiter mit dem Massenmörder superlustige Geschäfte!? Es gibt eh immer noch zu viele …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Die Raiffeisen macht ...!

GRÜNE Werner Kogler

… und deshalb sollten wir eigentlich die Umgehungen bekämpfen und nicht die Sanktionen; das muss doch jedem Aufrichtigen klar sein.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ihr Koalitionspartner, der Herr Schüssel, hat sich auch schwergetan, seinen Beratervertrag und sein Aufsichtsratsmandat zurückzulegen!

GRÜNE Werner Kogler

… Und apropos: Leider, leider – auch da mussten wir Kompromisse machen; und so schließt sich im Übrigen der Kreis zur morgendlichen Budgetdebatte – ist es so, dass eine der Hauptursachen für die Krise Österreichs die 90-prozentige Gasabhängigkeit von Russland war; da rede ich aber nur vom ethischen Problem, das da drinnen steckt. Bis heute – es ist weniger, Gott sei Dank, aber immer noch; vorher war es viel mehr – wurden Milliarden überwiesen, offensichtlich genau für diesen Kriegszweck, auch von Österreich. Das ist, finde ich, nicht in Ordnung. Wir konnten nicht gleich aussteigen, wir mussten über den nächsten Winter kommen – ein Wunder, dass das alles geglückt ist! Erinnern wir uns: Vor drei Jahren sind wir dagestanden und haben nicht gewusst, ob die Voest zugedreht wird, die Spitäler, die Kindergärten oder ob es daheim kalt ist.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Ah, da haben Sie schon alle eingesperrt gehabt vor drei Jahren!

GRÜNE Werner Kogler

… Das war doch die Situation – damit wir einmal wissen, von welchen Krisen wir gesprochen haben.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Da waren die Kindergärten schon geschlossen! Von Ihnen!

GRÜNE Werner Kogler

… Putin setzt das als Waffe ein, und da gehören wir raus. Ich sage Ihnen, Leonore Gewessler hat ein ganzes Paket an Gesetzen, an anderen Bestimmungen, Möglichkeiten und wirtschaftlichen Anreizen geschaffen, damit wir da bis 2027 rauskommen. Selbst auf die Gefahr hin, dass es dort oder da um ein paar Cent teurer wird: Wenn Sie das langfristig rechnen, auch volkswirtschaftlich, ist es deshalb günstiger, weil dieses Bedrohungspotenzial wegfällt …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Sie haben ganz Österreich zugesperrt vor drei Jahren!

GRÜNE Werner Kogler

… wenn Sie diesen Risikofaktor einpreisen. Es ist deshalb sowohl unsere wirtschaftliche Pflicht – im Übrigen auch, wenn man so will, unsere ökologische Pflicht, aber das steht jetzt nicht an erster Stelle – und erst recht unsere moralische Pflicht, von dieser Drogennadel, vom russischen Gas möglichst rasch wegzukommen. Das ist wirklich nicht mehr einzusehen. Wir wissen, dass mehrere daran beteiligt waren, dass es so weit gekommen ist – gegen unsere Warnungen, seit, weiß ich nicht, neun Jahren oder elf Jahren; seit 2014. Auch das sollten wir uns – abschließend – zu Herzen nehmen; ich muss das leider bei aller sonstigen Einigkeit mit den Regierungsparteien kritisch anmerken. Lassen wir die Vergangenheit in dieser Minute ruhen – Sie kennen meine Zitate –, aber wenigstens für die Zukunft sollten wir es schaffen, zumindest ab 2027/28; für diese Jahre wäre alles hergerichtet. Ich hoffe also darauf, dass Sie das einlösen, gerade vor dem Hintergrund der jetzigen Debatte. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Herr Abgeordneter Kogler, ich habe den von Ihnen angeführten Zwischenruf nicht wahrgenommen, aus diesem Grunde habe ich das Protokoll angefordert; ich werde mir das dann zeitgerecht anschauen. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Axel Kassegger . – Bitte, Herr Abgeordneter.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich habe mir jetzt vorgenommen, bei aller Emotionalität dieses Themas meine Rede möglichst sachlich, faktenbasiert und faktenorientiert zu gestalten, muss aber, bevor ich damit beginne, schon auf das eingehen, was Kollege Shetty als Vorvorredner gesagt hat. Erster Punkt: Die Freiheitliche Partei hat Herrn Selenskyj nicht eingeladen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das hat niemand behauptet!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Zweiter Punkt: Die Freiheitliche Partei hat nicht dafür gesorgt, dass die Generaldebatte zum Budget auf den Vormittag verlegt wurde und damit viel, viel näher zur Trauerminute – weil Sie beklagt haben: So nahe bei der Trauerminute beschäftigen wir uns jetzt mit derartigen Dingen. – Das ist im Übrigen Parlamentarismus, Herr Kollege Shetty. (👏 FPÖ) Wenn Sie Tendenzen hier auf den Weg geben, als Klubobmann einer 9-Prozent-Partei zu bestimmen, was wir als 30-Prozent-Oppositionspartei tun dürfen und was nicht, dann geht das erstens in die falsche Richtung und hat zweitens nichts mit dem zu tun, womit NEOS im Jahr 2013 angetreten sind, nämlich als liberale, offene Partei des Parlamentarismus (👏 FPÖ), sondern Sie haben da in einer sehr, sehr schnellen Geschwindigkeit eine Metamorphose zu einem Verteidiger des Systems gemacht, das eben diese Freiheitsgrade und den Parlamentarismus einschränkt. Da würde ich Sie bitten, einmal darüber nachzudenken.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das war wohl ein Dollfuß-Seminar, was Sie gemacht haben, Kollege Shetty!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das geht in die falsche Richtung. Ich bin ein Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs. Die Freiheitliche Partei Österreichs hat eine oberste Maxime, nämlich die Zuwendung zum eigenen Volk und die Vertretung der Interessen der Österreicher. Ich ersuche Sie jetzt, das ganze Thema unter diesem Schirm zu sehen. Wir wollen die Interessen der Österreicher vertreten. Das ist unser Auftrag, und zwar sowohl ökonomisch als auch sicherheitsbezogen, die innere Sicherheit und die äußere Sicherheit betreffend. Hinsichtlich der äußeren Sicherheit hat das Modell der Neutralität seit 1955 als Schutzschirm der äußeren Sicherheit ausgezeichnete Arbeit geleistet, und wir sehen nicht den geringsten Anlass, so etwas Bewährtes zu gefährden oder gar abzuschaffen. Das ist unsere Grundlinie. (👏 FPÖ) Wenn man sich jetzt das gesamte große Bild anschaut, ohne jetzt historische Abrisse vom Zusammenbruch der Sowjetunion zu geben, sehen wir mehrere Felder. Wir haben einen Krieg, wir haben Profiteure, wir haben – ich sage es einmal – Zahler, und wir haben den Bereich der Neutralität. Das hängt ja alles miteinander zusammen. Wir haben einen furchtbaren Krieg in Europa, in dem Europäer sich gegenseitig umbringen. Wir haben bis vor Kurzem hier Parteien gehabt, deren einzige Idee es war: Kämpfen bis zum Sieg und Waffen liefern, bis der Sieg gelungen! …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Geh!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Wir als Freiheitliche Partei haben relativ rasch, im 2022er-Jahr schon, gesagt: Das ist eine vollkommen falsche Lagebeurteilung.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Das hat nichts mit der Realität zu tun!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Das ist ein Irrweg, das werden wir nicht gewinnen. Was wir in den nächsten Jahren haben werden, sind Milliarden an Kosten und Hunderttausende von Toten. Das wollen wir verhindern, vermeiden. Jetzt höre ich von der Außenministerin, aber auch hier, erstmalig auch von der ÖVP, das Wort Frieden, für das wir als Freiheitliche Partei als Putin-Freunde beschimpft worden sind.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Was heißt „erstmalig“? – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Auf diese Absurditäten gehe ich gar nicht ein. Ein Neutraler ist äquidistant. Äquidistant heißt: gleicher Abstand zu - - Wir sind äquidistant. (👏 FPÖ) Wenn Sie auch hundertmal sagen, wir haben eine Nähe zu dem und dem – das stimmt nicht! Also: Dieser Krieg hätte schon längst beendet werden können. Vielleicht hat der Wechsel in Amerika, in den USA, etwas damit zu tun, von der Biden-Administration zur Trump-Administration. Das finden wir gut, das gehört weiter verfolgt. Schauen wir uns die Profiteure an: Das sind nicht die Österreicher, das ist nicht die österreichische Bevölkerung. Was da seit drei Jahren stattfindet, ist doch eine brutale Ausweitung der Rüstungsindustrie. Die ganz großen Profiteure sind die Rüstungskonzerne. Das ist eigentlich ganz komisch, Kollege Kogler, dass du jetzt da offensichtlich bewusst oder unbewusst der größte Proponent und Förderer der Übergewinne der Rüstungskonzerne wirst. Also das muss einmal einer verstehen! Wir sind das nicht, denn wir sind keine Aktionäre von Rheinmetall oder sonst jemandem. Unsere Verantwortung besteht darin, die Interessen der Österreicher zu vertreten. Da sind wir jetzt beim Zahler. In diesem großen Feld sehe ich die Österreicher als große Zahler. Wo ist da der Nutzen? Wir haben jetzt die Budgetsitzungen, es geht uns eh das Geld hinten und vorne aus. Wir machen - - Oder nicht wir, sondern Sie als Regierung machen ja Budgetdefizite ohne Ende, aber das ist trotzdem egal. Wir zahlen 3,7 Milliarden Euro an die Ukraine. Der Schmäh mit: Wir finanzieren keinen Krieg, die Friedensfazilität – im Übrigen ein sehr eigenartiger Ausdruck für Waffenfinanzierungen –, damit zahlen wir ja keine Waffen!, zieht nicht. Das ist so, wie wenn ich sage: Der österreichische Beitrag ist jetzt ein Glas hier (ein halb volles Wasserglas in die Höhe haltend) , das sind 3 Milliarden Euro, das schütten wir in ein Schwimmbad rein, dann kommt die EU, nimmt einen Kübel Wasser heraus und kauft damit 1 000 Panzer. Wie wollen Sie denn das feststellen? Natürlich sind da österreichische Tropfen dabei. Das ist doch absurd, eine Kleinkinderlogik, zu sagen: Wir zahlen keine Waffen, mit unserem Geld werden nur Entminungen und Ähnliches bezahlt. – Das stimmt ja so nicht. Die Österreicher zahlen 3,7 Milliarden Euro – das ist viel, viel Geld. Der vierte Bereich: die Neutralität. Noch einmal: Das ist ein Erfolgsmodell seit 1955. Das ist sehr wohl ein Schutzschild betreffend die äußere Sicherheit. Allerdings haben wir als Österreich schwer versagt – und da schaue ich jetzt Kollegen Volker Reifenberger an –, was die eigene Verteidigungsfähigkeit betrifft. Da haben wir 25 Jahre oder noch länger unsere eigene Verteidigungsfähigkeit strengstens oder schärfstens vernachlässigt.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

ÖVP-Verteidigungsminister!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Wir sehen es nicht als dienlich.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Kunasek!

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die Neutralität ist im Übrigen, das wissen Sie, völkerrechtlich keine Einbahnstraße. Das ist ja nicht so: Ich erkläre mich jetzt als neutral und mache dann permanent als Regierung Handlungen, die mit der Neutralität nicht vereinbar sind beziehungsweise von den Staaten als nicht mit der Neutralität vereinbar empfunden werden – dann war es das mit der Neutralität! Das beruht doch auf Reziprozität! …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Welche Staaten empfinden das?

FPÖ MMMag. Dr. Axel Kassegger

… Die Gefahr, in die wir uns da begeben, ist ja auch klar: dass wir in einem Konflikt legitimes Ziel werden, Legitimate Target, wenn wir diese Neutralität international aufgeben. Jetzt erzählen Sie mir nicht, dass die Tatsache, dass die Frau Außenministerin bei ihrem ersten Besuch nach Kiew fährt, 20 Millionen Euro zusätzlich mitnimmt, dass die Tatsache, dass Präsident Selenskyj nach Österreich eingeladen wird, in das neutrale Österreich, der internationalen Rezeption unserer Neutralität dienlich ist – ganz im Gegenteil –, und dann – da wird es ja noch absurder – reden Sie irgendetwas von: Wien sollte dann Ort der Verhandlungen sein. – Das wird so nicht stattfinden. Da muss man die Dinge zu Ende denken. Das kann sich nicht ausgehen. Das ist nicht logisch. Es wird Genf werden, es wird Istanbul werden et cetera. Das heißt, bei Ihnen klaffen Wunsch und Realität vollkommen auseinander. Das Einzige, was wir wollen, ist eine realitätsbezogene Politik im Interesse unserer eigenen Landsleute, nicht mehr und nicht weniger. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Gudrun Kugler . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Frau Abgeordnete.

ÖVP Gudrun Kugler

Danke, Herr Präsident! Werte Regierungsmitglieder! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben jetzt 40 Minuten lang Reden von den Freiheitlichen gehört und keine einzige Sekunde, kein einziger Halbsatz war eine Verurteilung des brutalen Angriffskriegs, der Eskalation und der zivilen Opfer. Und als Kollege Minnich über die Kriegsverbrechen gesprochen hat und über die Vergewaltigungen, da haben einige von Ihnen schallend gelacht.

FPÖ Mölzer (Zwischenruf)

Also bitte!

ÖVP Gudrun Kugler

… Ja, diese Seite, in der Mitte Kollege Lausch – ich sitze direkt daneben –, hat schallend gelacht.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Der ist nicht einmal da!

ÖVP Gudrun Kugler

… Stattdessen, statt einer Verurteilung der Kriegsverbrechen, hören wir von Kollegen Kassegger: Äquidistanz gegenüber Russland, dem Angreifer, und der Ukraine. Wir hören von Frau Kollegin Fürst: Wir packen die „Moralkeule“ aus. – Das ist eine falsch verstandene Neutralitätspolitik. (👏 ÖVP) Wir haben eine diplomatische Verantwortung, und die Übernahme derselben bedeutet keine Gefährdung der Neutralität. Auch andere Länder sehen das so. Wir haben bereits über die Schweiz gesprochen. Ein Beispiel, das nicht gefallen ist, ist der Vatikan. Auch dort war Selenskyj auf Besuch. Ich sage Ihnen noch etwas: Sie meinen vielleicht, wir nehmen – einseitig – Seiten ein und treffen nur die einen. Wir würden mit allen reden. Bei der OSZE, in der parlamentarischen Versammlung – das ist das beste Beispiel –, haben sich die österreichischen Abgeordneten quer über alle Parteien für einen Verbleib Russlands in der parlamentarischen Versammlung eingesetzt, weil wir an den Dialog glauben. Der heutige Besuch ist eine Manifestation eines solchen Dialogs. Frau Kollegin Fürst: Ja, die Ukraine geht uns schon etwas an. Sie wissen vielleicht, von Wien bis zu Grenze der Ukraine sind es nur 400 Kilometer. Wie sollen wir hier in Frieden leben, wenn in unserer unmittelbaren Nachbarschaft die Bomben fliegen? ( Ruf bei der FPÖ: Darum wollen wir ja Frieden in der Ukraine! ) Herr Kollege Hafenecker, Sie haben gesagt: Ja, die Österreicher wollen das nicht, weil die FPÖ ein gutes Wahlresultat hatte! – Ich sage Ihnen etwas: 71 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben nicht die FPÖ gewählt, und diese Leute setzen sich sehr wohl für den Frieden ein.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber nicht alle! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Gudrun Kugler

… Die Meinungsumfragen sagen auch ganz eindeutig, dass drei Viertel der Österreicher …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das sind aber drei ...!

ÖVP Gudrun Kugler

… für eine Unterstützung der Ukraine sind.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, man könnte ja die Bevölkerung ...! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Wenn das die Wahlanalyse ist, ist klar, warum wir jetzt schon bei knapp 40 Prozent liegen!

ÖVP Gudrun Kugler

… Es gibt schon so etwas wie eine Wertegemeinschaft in Europa. Da gehören zum Beispiel die Menschenrechte dazu, aber da gehört auch die territoriale Integrität dazu. Und was hören wir an Vorschlägen von der FPÖ? – Der Stärkere soll es sich richten können. Das ist kein Miteinander-Lösungen-Finden und das ist kein dauerhafter und kein gerechter Friede. Was wir heute gesehen haben, nämlich wie sie mit der Taferlfrage umgegangen sind, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Sie Miteinander verstehen. Wir haben einen Konsens im Parlament, dass die Taferl nur kurz stehen. Sie lassen sie 30 Minuten dort, und der Präsident muss mehrfach freundlich bitten, dass Sie sich an die gemeinsamen Usancen halten. Das ist nicht Respekt, das ist Pubertät. Herr Kollege Kassegger hat gesagt: Also von Frieden haben wir von der ÖVP noch nie etwas gehört! – Entschuldigung: Zuhören könnte vielleicht helfen! Wir sprechen von Tag eins an von Frieden. ( Rufe bei der FPÖ: Nein! Nein! ) Wissen Sie - - …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Nein, Frau Kollegin! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Ihr eigener Staatssekretär heute nicht! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Gudrun Kugler

… Alleine, wenn Sie sich meine Postings dazu anschauen: von Tag eins. Ein Weg zum Frieden hat mit Dialog zu tun. Ich sage Ihnen, wir sehen das an vielen Beispielen. Im Dialog können Fortschritte gemacht werden. Der Gefangenenabtausch und die Fortschritte bei den Verhandlungen für die Rückkehr entführter Kinder: Das sind kleine Schritte, aber es sind wichtige Schritte, und wir werden an diesem Dialog festhalten. (👏 ÖVP, SPÖ) Mehr als drei Jahre illegaler Angriffskrieg Putins auf die Ukraine, jeden Tag weit mehr als tausend Tote: Österreich kann und muss einen Beitrag leisten, und ja, das beginnt bei der humanitären Hilfe. Alleine das Beispiel Entminung wurde schon gebracht, Entminung, die wiederum für die Kinder so wichtig ist, die einen Lebensraum brauchen. Wir werden uns weiterhin für diesen Frieden einsetzen, weil wir Solidarität richtig verstehen, und uns für den Frieden auf Basis einer richtig verstandenen Neutralität einsetzen. Nur dann und nur so erreichen wir einen Frieden, der dauerhaft und gerecht ist. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Klaus Seltenheim . – Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt, Herr Abgeordneter.

SPÖ Klaus Seltenheim

Herr Präsident! Geschätzte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause vor den Bildschirmen und auf der Besuchergalerie! Schade, dass es der FPÖ immer nur um Inszenierung geht. Ich habe mir ein bisschen schwergetan, wie man am heutigen Tag mit dieser Dringlichen Anfrage umgeht. ( Ruf bei der FPÖ: Ja, das glaube ich! ) Einerseits haben wir die Budgetdebatte, andererseits – Kollege Shetty hat es schon angesprochen – blicken wir natürlich auch immer noch in Richtung Graz. Die Tischdeko der FPÖ, aber vor allem auch das Eingangsstatement der Kollegin Fürst haben es dann ein bisschen leichter gemacht. Man muss, glaube ich, ein paar Dinge einordnen: Neutralität bedeutet vor allem Unabhängigkeit von allen Machtblöcken. Die FPÖ will uns heute mit ihrer Dringlichen weismachen, dass der Besuch von Präsident Selenskyj unsere Neutralität gefährde. Tatsächlich versucht die FPÖ mit dieser Inszenierung, von ihrem eigenen Kurs abzulenken …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Frieden ist ein böses Wort, haben wir gelernt, das ist nämlich draufgestanden!

SPÖ Klaus Seltenheim

… der eigentlich seit Jahrzehnten die Neutralität in diesem Land aushöhlt und immer mehr die Interessen Putins bedient. Ich möchte Sie da ganz kurz auf eine Zeitreise mitnehmen. Diese Zeitreise veranschaulicht ganz gut, wie die SPÖ – ein Freud’scher Versprecher, hopsi …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, ihr habt ja wirklich die Butter ganz dicht da oben! – Abg. Schnedlitz [FPÖ]: Das wird selber ein Freud’scher Versprecher gewesen sein!

SPÖ Klaus Seltenheim

… wie die FPÖ die österreichische Neutralität sieht …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Vielleicht weiß er nicht, was ein Freud’scher ist!

SPÖ Klaus Seltenheim

… nämlich immer nur als innenpolitischen Spielball; wenig überraschend, denn auf Bundesebene steht die FPÖ ja wenig für Ernsthaftigkeit und schon gar nicht für Verantwortung.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Entweder er weiß wirklich nicht, was ein Freud’scher ist, oder er hat sich jetzt wirklich offenbart!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Am 26. Oktober 1955 stimmte der VDU, die Vorgängerorganisation der FPÖ, als einzige Fraktion in diesem Haus gegen das Neutralitätsgesetz. 1997 brachte Jörg Haider einen Entschließungsantrag ein, um Verhandlungen über einen Nato-Beitritt von Österreich zu beginnen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

War nicht alles gscheit!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Die FPÖ erklärte damals die Neutralität für obsolet. Jörg Haider, der Übervater der FPÖ, wollte Österreich in die Nato führen.

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Wer war da Generalsekretär? – Abg. Kickl [FPÖ]: War nicht alles gscheit!

SPÖ Klaus Seltenheim

… 2014 entsandte die FPÖ Spitzenfunktionäre als Wahlbeobachter auf die bereits von Russland besetzte Krim.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da war der Gusenbauer noch Chefberater drüben!

SPÖ Klaus Seltenheim

… Sie erklärte das Scheinreferendum für legitim und stellte sich offen an Putins Seite. Am 19. Dezember 2016 unterzeichnete die Parteiführung einen Freundschaftsvertrag mit Putins Partei Einiges Russland …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Da war Putin Staatsgast von Van der Bellen

SPÖ Klaus Seltenheim

… und erst unter öffentlichem Druck 2024 begann sie, diesen zu relativieren. Seit Oktober 2022 fordert die FPÖ eine Volksbefragung zur Aufhebung aller EU-Sanktionen gegen Russland. Das alles zeigt sehr schön: Die FPÖ ist nicht Beschützerin, sondern Gefährderin der Neutralität. (👏 ÖVP, SPÖ) Sie ist einmal Vorkämpfer der Nato, dann Kreml-Sprachrohr – ein Schelm, wer dabei Böses denkt! Seit Kriegsbeginn unterstützt Österreich die Ukraine mit humanitärer Hilfe, streng kontrolliert über UNO, das Rote Kreuz und die Caritas. Das ist gelebte Neutralität: Wir liefern keine Waffen, wir retten Leben und lindern Leid! (👏 SPÖ) So wie eingangs schon gesagt: Neutralität bedeutet die Unabhängigkeit von Machtblöcken, nicht die Abhängigkeit von Moskaus Propaganda. Wer Freundschaftsverträge mit Putins Partei unterschreibt, Scheinreferenden legitimiert und Sanktionen torpediert, kann sich nicht zum Schutzpatron der Neutralität erklären. (👏 SPÖ) Die SPÖ steht für das Völkerrecht, das Russland vehement bricht, und für Neutralität mit Rückgrat. Darum sage ich, die FPÖ ist Österreichs größte Sicherheitslücke. Unser Platz bleibt an der Seite der Demokratie, von Völkerrecht und Neutralität. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Veit Valentin Dengler . – Ihre freiwillige Redezeit beträgt 5 Minuten. Bitte, Herr Abgeordneter.

NEOS Veit Valentin Dengler

So, also auch an diesem Tag, an dem wir eigentlich an Graz denken sollten und an dem Herr Präsident Selenskyj zu Besuch ist, müssen wir uns mit dem Psychodrama der FPÖ beschäftigen. Dann tun wir das.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie müssen nicht, Sie können sich auch wieder niedersetzen!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Na, na, ich tue es gern, Herr Kickl, ich tue es gern. Wir wissen inzwischen auch, wie lange Sie eine staatsmännische Pose durchhalten: ungefähr 2 Stunden – von Ihrer ersten Rede, die sehr vernünftig klang, bis dann zu dem Selenskyj-Besuch.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Halbwertszeit! – Abg. Kickl [FPÖ]: Oberlehrer und Chefpsychologe!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Ich frage mich hier oft, warum Sie das tun, warum Sie so stark für Russland Partei ergreifen. Ich glaube, die erste Frage ist: Tun Sie das? – Diese Dringliche Anfrage wird für die Historiker ein interessantes Beispiel sein, wie sehr Sie in der Tasche Moskaus stecken. Ich fange einmal mit der Frage Nummer 4 an: „Wird Präsident Selenskyj mit allen protokollarischen Ehren empfangen – und wenn ja, auf welcher rechtlichen Grundlage?“ – Es ist ein offizieller Besuch. Der Herr Bundespräsident lädt ein. Der Herr Bundespräsident ist auch Oberbefehlshaber des Heeres, wie Sie wissen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und das wissen wir seit der Beantwortung der Frage 1!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Das heißt, ein Begrüßungsakt ist Routine, wie er es für alle anderen Staatsoberhäupter auch ist. „Welche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wird Selenskyj im Rahmen seines Besuchs treffen [...]?“ – Sie fragen dann auch in Frage 24: „Warum wurde der Hauptausschuss des Nationalrats nicht im Vorfeld über den Besuch und dessen Inhalte informiert?“ – Wir leben in einer Demokratie, weder Einladungen noch Besuche durch den Herrn Bundespräsidenten müssen irgendwie vorher vom Parlament behandelt, geschweige denn genehmigt werden. Ich glaube, das zeigt schon, was für ein - - …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Der ist auch nicht informiert worden, wie die Kneissl geheiratet hat! – Abg. Kickl [FPÖ]: Da waren aber mehr von euch dabei als von uns!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Was aber wirklich interessant für mich ist, ist dann die Frage 36: „Ist dem Bundeskanzler bekannt, dass auf den Seiten ‚Mirotworez‘ und ‚Molfar‘ zahlreiche österreichische Staatsbürger, darunter Journalisten und Politiker, namentlich als ‚Staatsfeinde‘ gelistet werden?“ Für die von uns, die diese Websites nicht kennen: Das sind sogenannte Osint-Seiten, also Open Source Intelligence, offen gesourcte Nachrichten. Myrotworez ist übrigens von einem Poroschenko-Minister gegründet worden, also von der jetzigen Opposition zu Selenskyj, und Molfar ist eine klassische Osint-Seite, wie wir sie kennen. Und da gibt es tatsächlich einen Tab „Feinde der Ukraine“, und wenn Sie dort draufklicken – das ist sehr interessant –, dann sehen Sie verschiedene Kategorien, nämlich „Russische Kriegsverbrecher“, wo versucht wird, Kriegsverbrecher zu identifizieren, „FSB“-Agenten, die auch durch Osint-Methoden zu identifizieren versucht werden, und dann gibt es die sogenannten „Ausländischen Propagandisten“ für Russland. Wenn man da auf Österreich draufklickt, kommen zehn Namen. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie mich auf diese Fährte gebracht haben, ich hätte mir das sonst nicht so angeschaut. Die zehn Namen, die da unter Österreich zu finden sind, sind sehr interessant: zuerst Ulrike Guérot und Ulrike Reisner, zwei Publizistinnen, die ein bissel falsch abgebogen sind, dann Irina Moutchkina – die kennen Sie vielleicht, die ist von der Vereinigung der Russen in Österreich – und Oleg Ksenofontov – das ist der Leiter des Russischen Kulturinstituts –, weiters Stefan Magnet – das ist der Gründer von „AUF1“, kennen Sie sicher gut – und Alexander Markovics, der Gründer der Identitären Bewegung in Österreich. Weiters finden Sie da Werner Murgg von der KPÖ – den kennen wir leider alle, die Steirer von uns auf jeden Fall –, und drei FPÖ-Politiker: Harald Vilimsky , Herbert Kickl und Robert Stelzl.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Das ist aber nicht lustig! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Und das finden Sie witzig? – Abg. Martin Graf [FPÖ]: Eine Todesliste!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Als Frage 37 schreiben Sie: „Welche Schritte hat die Bundesregierung [...] unternommen, um gegen die Veröffentlichung personenbezogener Daten österreichischer Staatsbürger auf diesen Seiten vorzugehen?“ Wissen Sie, was auf dieser Seite drauf ist? – Da ist drauf Ihr Instagram-Handle, da ist drauf Ihr Twitter-Handle, und es sind drei oder vier Zitate zu finden, was Sie so zur Ukraine geschrieben oder gesagt haben. That’s it! Und wenn Sie das so schmerzt, wenn Sie sich deswegen solche Sorgen machen, dann sollten Sie sich vielleicht einmal überlegen: Warum wollen Sie eigentlich ausländische Propagandisten für Russland sein? – Das wäre meine Frage dazu.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Kennen Sie überhaupt die Bedrohungslage der Leute, über die Sie da reden?

NEOS Veit Valentin Dengler

… Und dann müssen wir natürlich jedes Mal über Ihr Heiligtum reden, das ist die Neutralität. Lustigerweise war mein Vater Legationssekretär in den Fünfzigerjahren und am Rande an den Verhandlungen über die Neutralität beteiligt. Mein Großvater war mit Figl bekannt, und der hat damals ganz klar gesagt: Die Neutralität ist die Kröte, die wir für unsere Unabhängigkeit schlucken müssen. Und wie schon gesagt: Die FPÖ war ja immer gegen die Neutralität. Frau Fürst, Sie haben zwei Sätze aus dem Neutralitätsgesetz vorgelesen. Wissen Sie, wie lang das Neutralitätsgesetz ist? – Es ist drei Sätze lang. Sie haben nur den dritten Satz nicht vorgelesen, und wenn Sie den vorgelesen hätten, wüssten Sie auch, was drinsteht, nämlich dass wir keinem militärischen Bündnis beitreten werden und dass es keine fremden Truppen in Österreich geben soll.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Veit Valentin Dengler

… Das ist es. Das ist unsere Verpflichtung nach dem Neutralitätsgesetz. Alles andere ist irgendein Popanz, den Sie dazuerfinden, was Sie gerne hätten oder was Moskau gerne hätte.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein, nein, das ist ein bisschen komplizierter! – Abg. Reifenberger [FPÖ]: Neutralität ist völkerrechtlich definiert!

NEOS Veit Valentin Dengler

… So, und jetzt komme ich zurück auf das Thema des Motivs, denn was mich immer beschäftigt, ist: Warum ist die FPÖ unbedingt immer auf der Linie von Moskau? Wenn man Ihre Rhetorik liest: Ich war Student in den Achtzigerjahren, wissen Sie, welche Partei damals so geredet hat, immer über Frieden geredet hat – Frieden, Frieden, Frieden? – Die KPÖ, nicht die FPÖ; die FPÖ war für den Nato-Beitritt. Die KPÖ hat immer über Frieden geredet: Wir sind für den Frieden!, hat Friedensdemonstrationen organisiert und so weiter. In der DDR, wie Sie ja auch wissen, gab es mehrere Parteien. Da gab es ja Liberale und Christdemokraten und so weiter in der DDR-Volkskammer. Sie wissen auch, wie die hießen, das waren die sogenannten Blockflöten, weil die halt immer nachgeflötet haben, was die Kommunistische Partei vorgegeben hat. Sie geben sich so gern als Patrioten, und die Frage, die ich Ihnen stelle: Für welches Land sind Sie Patrioten?, denn Blockflöten sind keine Patrioten.

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Meri Disoski . Als Redezeit habe ich 5 Minuten eingestellt.

GRÜNE Meri Disoski

Danke für das Wort, Herr Präsident! Sehr geschätzte Staatssekretärin! Sehr geschätzte Herren Staatssekretäre! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Jetzt haben wir es schon gehört: Präsident Selenskyj besucht heute Österreich. Jetzt wissen es alle, vielleicht auch dank der Dringlichen der FPÖ. Er ist Präsident eines Landes, das seit drei Jahren gegen diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, den Russland führt, kämpft, die Bevölkerung leidet. Und der FPÖ fällt heute einmal mehr nichts anderes ein, als eine Dringliche Anfrage einzubringen, die ein weiteres Kapitel in ihrer langen, langen, langen Geschichte der politischen Anbiederung an den Kreml darstellt. Diese Dringliche Anfrage, Kolleginnen und Kollegen, ist kein Ausdruck von Sorge um unsere Verfassung oder um unsere Neutralität, sie ist ein politischer Kniefall vor Russland, und das nicht zum ersten Mal in Ihrer Geschichte. (👏 ÖVP, NEOS) Wir haben es heute schon ein paarmal gehört, ich erinnere gerne nochmals daran: Der Knicks Ihrer Außenministerin Karin Kneissl vor Wladimir Putin auf ihrer eigenen Hochzeit vor den Augen der Weltöffentlichkeit, das war nicht einfach nur irgendein diplomatischer Fauxpas, das war ein sichtbares Zeichen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Der Äquidistanz!

GRÜNE Meri Disoski

… blauer Unterwerfung unter einen Autokraten – das war es. Und heute setzen Sie mit dieser Dringlichen dieses Knicksen auf einem anderen Weg, auf eine andere Art und Weise fort, mit einer Dringlichen, in der Sie versuchen, die Verantwortung umzukehren. Sie versuchen, den Täter zum Opfer zu machen. Sie versuchen, einen Präsidenten, der um den Fortbestand, um das Überleben seines Landes kämpft, zu einer Provokation zu erklären, während Sie gegenüber dem Kriegsverbrecher schweigen. Sie tun so, als würde ein Besuch von Selenskyj Österreichs Neutralität gefährden, und da widerspreche ich Ihnen mit großer Vehemenz. Nein, Neutralität bedeutet ganz sicher nicht, ganz, ganz sicher nicht, dass wir nicht wissen, auf welcher Seite wir stehen, wenn Unrecht passiert. Neutralität heißt nicht, dass wir gegenüber Kriegsverbrechern und Kriegsverbrechen gleichgültig sind. Wir dürfen niemals gleichgültig sein, wenn wir an Butscha oder an Irpin denken, so wie es auch Klubobmann Shetty vorhin ausgeführt hat: Dort wurden Zivilistinnen, Zivilisten auf offener Straße exekutiert, mit gefesselten Händen, mit Einschusswunden am Hinterkopf. Das sind keine tragischen Begleiterscheinungen eines Krieges, das sind systematische Kriegsverbrechen, das ist staatlich organisierter Terror.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Jawohl! So ist es!

GRÜNE Meri Disoski

… Und wer angesichts dessen Neutralität einfordert, relativiert das Unvorstellbare! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo!

GRÜNE Meri Disoski

… Und wenn Sie, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, angesichts zerbombter Geburtskliniken, vergewaltigter Frauen und Tausender verschleppter Kinder einer österreichischen Regierung tatsächlich Kritik entgegenstellen, weil sie der Ukraine die Hand reicht, dann stehen Sie nicht auf dem Boden der österreichischen Verfassung, sondern auf dem dünnen Eis politischer Verirrung. Deshalb sage ich Ihnen heute nochmals hier mit aller Eindeutigkeit, und wir haben die Reden auch der vorherigen Fraktionen gehört: Vier Fraktionen in diesem Haus stehen an der Seite der Ukraine, nur eine Fraktion, eine Partei steht regelmäßig an der Seite Russlands …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Nein!

GRÜNE Meri Disoski

… und das sind Sie, die FPÖ.

FPÖ Pracher-Hilander (Zwischenruf)

Nein, das stimmt nicht!

GRÜNE Meri Disoski

… Sie erweisen mit Ihrer Dringlichen Anfrage Österreich keinen Dienst. Sie stellen sich vielmehr in den Dienst eines Regimes, das die Pressefreiheit abschafft, das Menschenrechte missachtet und das einen brutalen völkerrechtswidrigen Eroberungskrieg führt. Das ist, was Sie heute machen. (👏 ÖVP, SPÖ) Ja, Österreich hat seit Kriegsbeginn die Ukraine unterstützt: finanziell, humanitär, medizinisch, strukturell. Das war notwendig, das war richtig, und das ist es auch weiterhin. Deshalb – bei allem Konsens, den es hier mit den anderen Parteien gibt – muss ich trotzdem anmerken und kritisieren, dass in diesem aktuellen Budget, das beschlossen werden soll, gerade bei der humanitären Hilfe gekürzt wird. Kolleginnen und Kollegen der Regierungsparteien, das ist sehr problematisch, und wir erachten das als falsch, weil klar ist: Solidarität kürzt man nicht. Solidarität lebt man vor allem in Krisenzeiten. (👏 SPÖ) Für uns ist auch klar: Hilfe ist mehr als Geld. Hilfe heißt auch, dass man politische Verantwortung übernimmt. Die Ukraine will in die Europäische Union, das haben wir schon vorhin gehört, da gehört sie auch hin – vielleicht nicht gleich morgen, aber in Zukunft. Das ist der Weg, den die Ukraine nehmen soll: in die Europäische Union, und unsere Aufgabe hier als österreichische Parlamentarier:innen, auch der österreichischen Regierung ist es, sie bei jedem Schritt dorthin zu unterstützen, wo und wie wir nur können, so wie das in der Vergangenheit auch unsere Ministerinnen Gewessler und Zadić gemacht haben, beispielsweise bei der interministeriellen Zusammenarbeit. Wir hoffen sehr und sind sehr zuversichtlich, dass auch die jetzige Regierung diesen Weg fortschreiben wird. Eine Sache ist auch noch klar – ich glaube, Kollegin Bayr hat das ein bisschen in den Raum gestellt –: Auch Europa selber muss sich handlungsfähiger machen, muss handlungsfähiger werden. Deswegen setzen wir Grüne uns auf europäischer Ebene dafür ein, dass das Einstimmigkeitsprinzip in der EU-Außenpolitik fällt, weil wir in der Vergangenheit gesehen haben, wie nationale Vetos Europa lähmen und wie das genau jenen nutzt, die Europa von innen heraus schwächen wollen. Es ist ja kein Zufall, dass diejenigen, die den Rechtsstaat, die Pressefreiheit, die Minderheitenrechte aushöhlen wollen, häufig auch dieselben sind, die die Nähe zu Putin suchen. Das sind, Herr Kickl, Ihre guten Freunde, ob sie Orbán oder Fico heißen, die kennen Sie sehr gut. Sie bezeichnen sie ja auch als Ihre Vorbilder. Ich möchte aber abschließend noch zu dieser Dringlichen Anfrage kommen, Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ. Ich habe mir die letzte Frage hier hervorgehoben, Frage Nummer 45, da fragen Sie: „Sind in den nächsten Monaten (bis Ende 2025) weitere Besuche österreichischer Politiker in der Ukraine geplant? [...] Wenn ja, wer wird in die Ukraine reisen?“ – Ich hätte da eine Gegenfrage an Sie: Plant denn die FPÖ in nächster Zeit Besuche in Russland? Wenn ja, wer reist und wer zahlt? …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Nein, weil wir unsere Neutralität nicht opfern wie Sie! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

GRÜNE Meri Disoski

… Gibt es dann vielleicht wieder ein Selfie vor dem Kreml und einen neuen Freundschaftsvertrag, aber diesmal abgeschlossen mit einem Mann, gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen vorliegt? (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Martin Graf . Ich habe Ihre Redezeit auf 5 Minuten eingestellt. (Abg. Shetty [NEOS]: Jetzt bin ich gespannt, weil die Russlandfreundlichkeit passt eigentlich nicht ins Weltbild! – Abg. Kogler [Grüne]: Hauptsache durcheinander!)

FPÖ Martin Graf

Danke, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Herren Staatssekretäre! Seien Sie nicht ungehalten, wenn ich in diese bellizistische Runde vielleicht ein bisschen eine andere Meinung einbringe – das wird im Parlament in diesem Zusammenhang vielleicht noch gestattet sein. Ich repliziere nur auf ein paar Themen: Frau Kollegin Bayr, ich kann vieles von Ihren Inhalten teilen. Sie haben den „Raum für Debatten“ gefordert. – Ja, wir wollen auch Raum für Debatten in der Ukrainefrage …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ist eh okay!

FPÖ Martin Graf

… in den Zahlungsverpflichtungen, die wir eingehen, in der Kriegsangelegenheit hier im Parlament.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Wer verweigert Ihnen die Debatte?

FPÖ Martin Graf

… Die Einzigen, die dafür sorgen, dass es hier im Parlament – hier im Plenum – überhaupt zu Debatten kommt, sind die Abgeordneten der Freiheitlichen Partei. (👏 FPÖ) Ich sage das nur dazu, damit auch über die nicht öffentlichen Ausschüsse hinaus die Bevölkerung über die Standpunkte informiert wird. Das ist Aufgabe eines Abgeordneten, und diesen Standpunkt und dieses Thema lassen wir uns auch nicht wegnehmen. Sie sagen immer wieder: Wir kämpfen für einen „gerechten Frieden“. – Kollege Kogler, ja, ich auch, wir alle. Kennen Sie einen gerechten Frieden in den letzten 200 Jahren auf dieser Welt? – Ich kenne keinen. Das, was ich kenne, sind Waffenstillstände. Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Korea? …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Dünnes Eis ist das jetzt! – Zwischenrufe bei den Grünen.

FPÖ Martin Graf

… Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Zypern? …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Das zeigt Ihr Geschichtsverständnis! – Zwischenruf des Abg. Schallmeiner [Grüne]. – Abg. Shetty [NEOS]: Kein gerechter Frieden in den letzten 200 Jahren!

FPÖ Martin Graf

… Meinen Sie gerechten Frieden so wie in Bosnien? Sie tun ja so, als ob in Europa – auf dem Boden Europas – in den letzten Jahren und Jahrzehnten nie ein Krieg stattgefunden hätte. Das ist ja unwahr. Wir haben ständig Krieg, leider – weil wir viel zu viele Bellizisten haben …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Ein bissl zu viel „AUF1“ geschaut!

FPÖ Martin Graf

… und da gehören Sie mittlerweile ganz, ganz stark dazu, meine sehr geehrten Damen und Herren.

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Jetzt kann man sich aber ein bissl einbremsen auch!

FPÖ Martin Graf

… Wissen Sie was? Ich kämpfe und setze mich auch dafür ein, dass wir einmal zu einem Waffenstillstand kommen, damit dieses Töten und Morden auf beiden Seiten aufhört. Ich glaube, die ukrainische Bevölkerung, aber letztlich auch die russische Bevölkerung haben sich verdient, dass das Töten aufhört.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Sagen Sie das dem Putin! – Abg. Schallmeiner [Grüne]: ... Moskau!

FPÖ Martin Graf

… Um nichts anderes geht es in diesem Punkt. Ja, ich will gar nicht darauf eingehen, wer aller Lobeshymnen auf Putin gehalten hat. Sie können das in der Debatte gerne auch uns vorwerfen. Nur sind die Eigenwahrnehmung und die Außenwahrnehmung ja in Wirklichkeit diametral anders. Das heißt, die Bevölkerung, unser Volk glaubt Ihnen das ja alles nicht mehr.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wie viele Völker haben wir denn, Herr Kollege?

FPÖ Martin Graf

… Weit über unseren Wählerkreis hinaus vertreten wir Menschen in diesem Land, und das ist gut und richtig so, finde ich, weil in diesem Punkt auch noch eine Lanze für den Frieden gebrochen werden muss. Wenn ich dann von Herrn Kollegen Veit Dengler, der wieder viel Gratismut bewiesen hat, sehe oder höre, wie er sich denn nicht einsetzt, und wenn er uns dann dafür geißelt, wer sich aller je mit Putin getroffen hat: Nehmen Sie sich bei der Nase! Kollegin Edtstadler ist gerade weggegangen. Sie hat bis vor Kurzem auf ihrem Account noch gehabt: einer der schönsten Tage ihres Lebens, als sie die Kranzniederlegung anlässlich des Staatsbesuches mit Putin gemacht hat – bei der übrigens Herbert Kickl es verweigert hat, dort hinzugehen, und sie als Staatssekretärin hat es sich nicht nehmen lassen. Ich sage es nur dazu. Vielleicht fangen Sie einmal an, vor der eigenen Türe zu kehren …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Die ÖVP ...!

FPÖ Martin Graf

… und darüber nachzudenken, wer aller dort wirklich Geschäfte gemacht hat – und führen nicht irgendwelche Scheindebatten, weil vielleicht ein paar frühere Freiheitliche kurze Zeit einen Irrweg gegangen sind. Wir sind nie in einer gemeinsamen Fraktion mit russischen Kriegstreibern gesessen – das waren schon Sie, Herr Kogler, im Europarat mit den Sozialisten und vielen anderen, die dort in einer Fraktion gesessen sind, und die ÖVP in der EVP genauso. Schirinowski ist im Europarat gemeinsam mit Van der Bellen in einer Fraktion gesessen – haben Sie das vergessen? Wir sind es nie gewesen. Sie haben nie eine Vereinbarung mit Putin gebraucht, weil Sie in Koalition mit ihm gewesen sind – das ist der Unterschied. Meine sehr geehrten Damen und Herren , Sie kennen das vielleicht noch: kurz nach Amtsantritt von Donald Trump …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... die Frau Fürst bei ihm, ja!

FPÖ Martin Graf

… die Jubelnachricht von einem herausragenden Mainstream-Journalisten, Elmar Theveßen. Können Sie sich noch erinnern, was er in der Nacht, als die Angelobung war, gesagt hat? – Er hat gesagt: „Die gute Nachricht ist, es wird nicht am ersten Tag schon der Frieden ausbrechen in dieser Region.“ Das ist Ihre Grundhaltung: Die gute Nachricht ist, es wird nicht Frieden ausbrechen – in diesem Irrtum verharren Sie. Sie glauben immer noch, dass man diesen Krieg gewinnen kann – einen Krieg gegen eine Atommacht. Nicht einmal gegen Israel wird irgendjemand einen Krieg gewinnen, weil es auch eine Atommacht ist.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Red weiter, red weiter!

FPÖ Martin Graf

… Da kann man machen, was man will, man muss Realitäten auch zur Kenntnis nehmen.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Wenn Sie noch ein bisschen reden ...!

FPÖ Martin Graf

… Dass Sie sich permanent an ewige Irrtümer klammern, wissen nicht nur wir Freiheitliche, sondern auch unsere Bevölkerung und unser Volk. Seien es Coronapolitik, Fiskalpolitik, Migrationspolitik, Klimapolitik, Budgetpolitik, Sanktionspolitik – alles Irrtümer, an die Sie sich klammern, und vieles andere mehr. Ich mache heute eine kurze Analyse und sage: Hier befindet sich heute nicht gerade das Hauptquartier des gesunden Menschenverstandes. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Herr Kollege Graf, Sie haben den Begriff „Bellizisten“ und „bellizistische Runde“ verwendet. Ich glaube, Ihnen ist bekannt, was die Begrifflichkeit bedeutet: Man kann sie mit Kriegshetzer oder Kriegstreiber gleichsetzen, und Sie haben uns alle als solche bezeichnet. Ich ersuche Sie, diesen Begriff zurückzunehmen. (Abg. Martin Graf [FPÖ]: Ich nehme ihn zurück und sage halt Kriegsfreunde! – Die Abgeordneten Greiner [SPÖ] und Krainer [SPÖ]: Sag einmal! – Abg. Michael Hammer [ÖVP]: ... geht’s echt nicht mehr! – Ruf bei der ÖVP: Ordnungsruf! ) – Gut, danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Ich habe mir inzwischen das Protokoll kommen lassen, und in diesem Protokoll habe ich auch diesen Zwischenruf von Abgeordneter Belakowitsch gesehen. – Sie wissen, was Sie gesagt haben? (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ich habe hier eine Frage gestellt, ob er viel Spaß gehabt hat ...!) – Na ja, es ist darum gegangen, dass Kollege Shetty gesagt hat ( Ruf bei der FPÖ: Der war in Kiew! ): Wir sind an den Massengräbern gestanden, „wir haben dort mit Angehörigen jener Menschen gesprochen, deren Kinder nach Russland verschleppt wurden“, und Sie haben gesagt: „Da habt ihr viel Spaß gehabt [...], gell?“ – „Da habt ihr viel Spaß gehabt“ – es gibt das Protokoll. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ist ja unpackbar!) Ich erteile Ihnen dafür einen Ordnungsruf, Frau Kollegin. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Henrike Brandstötter . 4 Minuten Redezeit habe ich eingestellt.

NEOS Henrike Brandstötter

Danke, Herr Präsident. – Gleich einmal zu Beginn ein Wort an Kollegen Graf – ein gutes Beispiel dafür, dass lebenslanges Lernen wirklich wichtig ist –, der die Frage gestellt hat, welcher Krieg denn jemals durch einen Waffenstillstand beendet wurde.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

... falsch zitiert! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ. – Abg. Kickl [FPÖ]: Die hören dauernd irgendwas, was keiner gesagt hat!

NEOS Henrike Brandstötter

… Das war der Koreakrieg, das war der Jom-Kippur-Krieg, das war der Bürgerkrieg in Bosnien und das war der Erste Weltkrieg. Der ukrainische Präsident Selenskyi kommt nach Wien und die FPÖ hyperventiliert …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wenn es nach denen ihrem Frieden ginge, wären wir heute noch im Tausendjährigen Krieg!

NEOS Henrike Brandstötter

… neutralitätszersetzender Staatsbesuch! – Die FPÖ fährt auch nach Russland und unterschreibt einen Freundschaftsvertrag mit Moskau. Meine Damen und Herren, das ist die Außenpolitik der FPÖ: nicht konsistent, aber konsistent auf der falschen Seite! (👏 ÖVP, NEOS) Die FPÖ spricht von Neutralitätsverletzungen und von Propaganda, aber was sie wirklich meint, ist: Sie will keine Solidarität mit der Ukraine, sie will einen Putin-nahen Kurs gegen die europäische Wertegemeinschaft, gegen den Westen, gegen die Freiheit. Die FPÖ nennt den Besuch auch eine Provokation, und ich nenne die Haltung der FPÖ eine Schande! (👏 ÖVP, NEOS) Die FPÖ hat kein Problem mit Diktatoren, kein Problem mit Putin, kein Problem mit Gewalt, aber ein riesiges Problem mit europäischer Solidarität, ein riesiges Problem mit westlichen Werten und offenbar ein riesiges Problem mit jeder Form von Mitgefühl.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die westlichen Werte!

NEOS Henrike Brandstötter

… Neutralität, meine Damen und Herren, heißt nicht Gleichgültigkeit. Neutralität heißt, dass wir nicht schweigen, wenn ein demokratisches Land von einem autoritären Regime überfallen wird. Neutralität heißt nicht, dass wir einen Präsidenten, der für die Freiheit seines Volkes kämpft, und zwar mit Mut, mit Haltung und mit einem enormen menschlichen Preis, nicht empfangen. Die FPÖ will Österreich aus dieser europäischen Solidarität herausbrechen, sie will uns isolieren, will Kriegsverbrechen relativieren, und sie stellt sich ganz klar auf die Seite des Aggressors.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Nein! Wir wollen uns in keinen Krieg hineinziehen lassen!

NEOS Henrike Brandstötter

… Und die FPÖ inszeniert sich auch ganz gerne als die Stimme des Volkes, aber ich frage mich: Ist das die Stimme eines Volkes, das zwei Weltkriege erlebt hat, eines Volkes, das weiß, wohin Schweigen und Wegschauen führt? Ist das die Stimme eines Volkes, das für Demokratie, Frieden und Menschenrechte steht? – Ich denke nicht! Neutralität ist für euch kein Prinzip, sie ist eine Ausrede – eine Ausrede fürs Wegschauen, eine Ausrede fürs Ducken und eine Ausrede dafür, sich politisch und moralisch einfach feige davonzustehlen. Ich war vor wenigen Wochen selber in der Ukraine, in Kiew, in Butscha und in Charkiw an der Front …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Kämpfen, oder?

NEOS Henrike Brandstötter

… und ich habe gesehen, was es bedeutet, wenn Kinder 10 Meter unter der Erde unterrichtet werden müssen, wenn sie nicht in einer Schule sein können, die sonnen- und lichtdurchflutet ist. Ich habe mit dem Staatsanwalt einen Schrottplatz besucht, wo Überreste von Raketen und Drohnen gesammelt werden, als Beweise für die Kriegsverbrechen, für die Aggressionen gegen Zivilistinnen und Zivilisten. Ich habe in Charkiw ein Stadtviertel besucht, wo es tags zuvor eine Rakete in der Luft zerrissen hat. Sie ist nicht eingeschlagen, deswegen gab es nur einen kleinen Schaden von 5 000 zerbrochenen Fenstern und Balkontüren; 5 000 Fenster und Türen – und wäre diese Rakete eingeschlagen, hätte es deutlich mehr Tote gegeben als jenen bedauernswerten Mann, der durch das Schrapnell gestorben ist. Ich habe Stadtviertel besucht, die belagert und kaputtgeschossen worden sind, Stadtviertel, wo Zivilistinnen und Zivilisten leben. Ich habe Butscha besucht, wo russische Besatzer in wenigen Wochen 419 Menschen gefoltert, vergewaltigt, erschlagen und umgebracht haben.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja eh!

NEOS Henrike Brandstötter

… Ich habe die Auswirkungen dieses Verbrechens mit eigenen Augen gesehen, und niemand sollte, so wie Sie, von der gemütlichen, von Putin finanzierten Couch aus hier Maulheld spielen und gerne dann auch gratis Mut verteilen. (Präsident Rosenkranz übernimmt den Vorsitz.) Wir stehen ganz klar an der Seite der Ukraine, weil wir wissen, was es heißt, die Freiheit zu verlieren, und weil wir wissen, dass man sie verteidigen muss – mit Haltung! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Steiner. Die Restredezeit Ihrer Fraktion beträgt 3 Minuten. Diese ist auch eingestellt.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Jetzt hat sich die Einheitspartei die ganze Zeit über unsere Schilder beschwert, wir haben sie dann eh weggenommen. ( Der Redner stellt eine der Tafeln mit der Aufschrift „FPÖ“, „die soziale Heimatpartei“, „Zeit für Neutralität“ auf das Redner:innenpult. ) Ich weiß nur nicht, und das sollte man uns vielleicht noch erklären, was an den zwei Worten – auf dem anderen Taferl ist „Frieden“ gestanden und auf diesem steht jetzt „Neutralität“ – so schlimm ist; aber das müsst ihr uns erklären. Wir stehen klar für Frieden und Neutralität, leider Gottes als einzige Partei in diesem Haus! (👏 FPÖ) Frau Kollegin, weil Sie vorhin etwas erwähnt haben: Wir wollen uns als Freiheitliche Partei nicht in einen Krieg hineinziehen lassen und wir wollen auch nicht österreichische Soldaten in diesem Krieg wissen – mit Sicherheit nicht! (👏 FPÖ) Zur Russlandnähe, zu „Radio Moskau“ und was heute alles gefallen ist – was denn die Freiheitliche Partei hätte – will ich nur kurz in Erinnerung rufen: Wir sind nicht die, die von Russland Jahre und Jahrzehnte zuvor wirtschaftlich profitiert haben. Ich sage es nur kurz. Wer war bei Lukoil? – Schüssel. Gazprom? – Schelling, Beratervertrag, ehemaliger Finanzminister. Ganze WKO-Delegationen waren noch 2022 in Sankt Petersburg – ehemaliger WKO-Präsident Leitl, ein Best Buddy von Putin: ÖVPler.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Der ist eh auch Teil des Problems! – Abg. Kogler [Grüne]: Das ist leider wahr!

FPÖ Christoph Steiner

… Die Raiffeisen-Bank macht immer noch Geschäfte mit Russland. 2019 sind wir aus der Regierung ausgetreten, wer hat die Außenministerin behalten? – Es war die ÖVP! Ihr habt übrigens auch den Grasser behalten, nur so am Rande. Und die SPÖ sollte ganz ruhig sein, wenn es um dieses Thema geht, ganz, ganz ruhig mit ihrem Gusenbauer, und die NEOS mit ihrem Haselsteiner. Also ihr habt alle ganz, ganz, ganz viele Steine im Glashaus – Kollege Shetty von den NEOS hat es letztens erwähnt –, also: Ganz, ganz ruhig bei diesem Thema! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Ah, ah! – Abg. Shetty [NEOS]: Also der Haselsteiner ist uns zuzurechnen, aber die Kneissl euch nicht? Das ist schon eine interessante Logik!

FPÖ Christoph Steiner

… Wenn man sich die Neutralität einmal richtig in Erinnerung ruft – ich glaube, das ist notwendig –: Bundesverfassungsgesetz, 26. Oktober 1955, Artikel 1 – gut zuhören, denn das erklärt vieles –, „Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität. Österreich wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.“ …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Die Redezeit ist gleich vorbei, weil Martin Graf so lange geredet hat!

FPÖ Christoph Steiner

… Nur, dies funktioniert weder mit dieser Regierung noch mit dieser skandalösen Außenministerin. Das muss man auch einmal ganz klar benennen. (👏 FPÖ) Es lohnt sich jedenfalls, um unsere Neutralität zu kämpfen, und die Freiheitliche Partei wird das tun, egal auf welcher Ebene, egal in welchem Parlament – ob das in Landesparlamenten ist, ob das hier im Parlament ist, ob das im Bundesrat ist.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Warum wolltet ihr dann der Nato beitreten?

FPÖ Christoph Steiner

… Wir werden nicht müde, die Neutralität gegen euch zu verteidigen – gegen die Sozialisten, gegen die Grünen, gegen die NEOS und gegen die ÖVP! Schlusssatz: Darauf könnt ihr euch einstellen, denn es lohnt sich, für die Neutralität zu kämpfen, weil wir keine österreichischen Toten in irgendeinem Krieg beklagen wollen und schon gar nicht österreichischen Kinder! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das nächste Mal wird er zum Tourismus ...! – Ruf bei der ÖVP: Mehr hat er nicht drauf! Ist leider so!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Debattenredner: Herr Abgeordneter Oberhofer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Staatssekretäre! Hohes Plenum! Sehr geehrter Herr Kickl, das ist ja eine Premiere für uns beide! Sie haben mich noch nie reden gehört, ich Sie schon sehr, sehr oft.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mir ist nichts abgegangen! – Heiterkeit bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Ich habe Sie hier am Pult auch oft gesucht. Wir zwei feiern eine Premiere, und deshalb habe ich heute auch ein Taferl mit, denn das Taferl von der FPÖ hat ja geheißen: „Zeit für Neutralität“. – Ich würde gerne sagen: Zeit für Ehrlichkeit – dass wir einmal sehen, wo denn wirklich die Neutralität ist. (Der Redner stellt eine Tafel, auf der die vor Wladimir Putin knicksende Karin Kneissl zu sehen ist, auf das Redner:innenpult. – Beifall bei den NEOS sowie bei Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und Grünen.) – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, meine Damen und Herren, ein Bild sagt mehr als 1 000 Worte! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist die Äquidistanz, Herr Klubobmann!

NEOS Dominik Oberhofer

… Das ist die ehemalige Außenministerin der FPÖ ( Rufe bei der FPÖ: ÖVP! ), und wie heute schon öfters hier diskutiert - - …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

War unabhängige Außenministerin, die ihr euch behalten habt! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Also: Das ist die FPÖ-Ministerin, die sich heute in Sankt Petersburg befindet. Mir ist schon klar, dass Sie damit nichts mehr zu tun haben, deshalb habe ich auch ein anderes Bild mit. Aber vorab möchte ich noch einmal Frau Kollegin Fürst zitieren: Frau Kollegin Fürst hat in ihrer ersten Rede hier heute gesagt, es brauche Persönlichkeiten, die Österreichs Neutralität verteidigen. – Ja, Frau Fürst, aber da denkt niemand an Sie und vor allem auch nicht an Frau Kneissl , denn vor einer Woche, Frau Fürst, waren Sie in Frankreich, waren Sie bei Le Pen bei einer Wahlkampfveranstaltung. Und dieses Bild ( eine Tafel mit einem Foto, auf dem Susanne Fürst in Großaufnahme zwischen mehreren Personen zu sehen ist, sowie einem Foto, das Susanne Fürst neben Viktor Orbán und Andrej Babiš hinter der an einem Redner:innenpult sprechenden Marine Le Pen sitzend zeigt, auf das Redner:innenpult stellend ) zeigt Sie dort auf der Bühne , mit Ihren Freunden und Freundinnen, mit Ihren Patrioten …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Wer ist denn das?

NEOS Dominik Oberhofer

… Staats- und Regierungschefs. (👏 FPÖ) – Die FPÖ klatscht! Sehr gut, sehr gut! Jetzt stellen wir uns einmal vor, meine Damen und Herren, bei uns in Österreich würden für den Wahlkampf von Parteien Staats- und Regierungschefs eingesetzt! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, kommen ja eh immer wieder! Es ist ja so! – Abg. Kaniak [FPÖ]: Ist ja eh so! Was passiert denn da, was ist da mit dem Scholz gewesen?

NEOS Dominik Oberhofer

… Dann gäbe das eine Diskussion, dann würde man sagen: Um Gottes willen, unsere Neutralität ist gefährdet! – Sie wollen ja nicht einmal einen Staatsbesuch eines Präsidenten aus Europa bei uns in Österreich zulassen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oh je, oh je! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Am Ende des Tages, sehr geehrte Frau Fürst, haben Sie sich mit Ihrem Zitat hier heraußen im Prinzip selber geoutet ( die Tafel mit den beiden Fotos in die Höhe haltend ): Es ist eine verräterische , politische und mediale Inszenierung. Ja, Sie haben vollkommen recht: Das ist Ihr Stil. (👏 ÖVP, NEOS) Aber, sehr geehrte Frau Fürst, wo sind Sie denn da ( die zuletzt gezeigte Tafel neuerlich in die Höhe haltend ) gelandet? – Schauen wir uns das einmal an: Sie sind gelandet bei Frau Le Pen. Frau Le Pen hat bis vor wenigen Monaten noch einen Kredit über 9,4 Millionen Euro für ihre Partei bei der großen russischen First Czech-Russian Bank gehabt, weil sie, wie sie selber vor einem Untersuchungsausschuss der französischen Nationalversammlung gesagt hat, keine andere Möglichkeit gehabt hat; sie habe ja keinen Kredit in Europa bekommen …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, das wird so sein!

NEOS Dominik Oberhofer

… sie musste ja zu einer russischen Bank gehen. – Und da sagen Sie, Frau Belakowitsch: Ja, super! …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

... dass wir noch in einer Demokratie leben ...!

NEOS Dominik Oberhofer

… Ja, ganz einfach: weil das ein unbesicherter Kredit war. Kriegen Sie einmal in Europa einen Kredit über 9,4 Millionen Euro ohne Sicherheiten! Das wird niemand zusammenbringen, auch nicht Frau Le Pen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Meine Güte! – Ruf bei der FPÖ: Der Benko hat das nur so gemacht! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

NEOS Dominik Oberhofer

… Das war der einzige Grund, warum sie ihr Geld in Russland geholt hat, und erst am 22. – ich habe es herausgesucht: am 22.4.2023; im Prinzip war der Krieg in der Ukraine schon zwei Jahre ins Land gezogen – hat man diesen Kredit getilgt. Das sind Ihre Freunde, und da reden Sie hier heraußen an diesem Pult noch von Neutralität? – Dass Sie sich nicht schämen! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Auf den Scheiterhaufen mit Le Pen! – Abg. Belakowitsch [FPÖ] – erheitert –: Das ist unpackbar!

NEOS Dominik Oberhofer

… Herr Kassegger hat über Äquidistanz gesprochen. Jetzt steht es mir nicht an, Ihnen das zu erklären – wir haben Herrn Prof. Taschner hier im Saal, der Ihnen das wahrscheinlich genau erklären kann –, aber eines ist sicher: dass all Ihre Freunde – Salvini, Orbán, Le Pen – zwei Dinge gemeinsam haben: erstens, Finanzierungsquellen in Moskau für ihre Wahlkämpfe in Europa – die Patrioten –, und auf der anderen Seite hat jede dieser Parteien genau das Gleiche wie Sie, nämlich einen Freundschaftsvertrag mit Einiges Russland.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Haselsteiner? Haselsteiner?

NEOS Dominik Oberhofer

… Und um das jetzt einmal den Bürgerinnen und Bürgern zu sagen: Das ist der wahre Grund, warum Sie hier in dieser Sache nicht neutral sind …

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Deine Partei gäbe es nicht ohne russisches Geld!

NEOS Dominik Oberhofer

… sondern eindeutig auf einer Seite stehen, nämlich auf der Seite des Angreifers, auf der Seite von Putin, auf der Seite des Aggressors. Der Rest der Österreicherinnen und Österreicher steht ganz sicher nicht dort. – Danke.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Hat sich nicht ausgezahlt, dass ich da war!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Fortsetzung der Tagesordnung TOP 2-4, 30. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 17:12

SPÖ Reinhold Binder

Herr Präsident! Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie! Werte Zuseherinnen und Zuseher vor den Fernsehschirmen! Wir sind mitten in der Budgetdebatte. Die Budgetlage, die wir zu Beginn dieser Legislaturperiode vorgefunden haben, war katastrophal. Ein eklatantes Haushaltsloch, hinterlassen von der Vorgängerregierung, drohte unsere sozialen Errungenschaften zu gefährden und wichtige Investitionen unmöglich zu machen. Eine massive Lücke, höherer Konsolidierungsdruck und berechtigte Erwartungen der Bevölkerung, dass es gerade in sensiblen Bereichen wie Pensionen, Gesundheit und Bildung keine spürbaren Leistungskürzungen geben soll, all das stellte uns vor enorme Herausforderungen. Hier hat Finanzminister Markus Marterbauer Verantwortung übernommen und in Rekordzeit ein solides Doppelbudget vorgelegt. Dabei wird trotz notwendiger Sparmaßnahmen darauf geachtet, die Lasten sozial gerecht zu verteilen und gleichzeitig wichtige Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen. (👏 SPÖ) Mit der Erhöhung der Bankenabgabe werden wir jährlich über 500 Millionen Euro mobilisieren. Dank dieser Maßnahmen waren harte Einschnitte bei Pensionen oder anderen sozialen Leistungen nicht erforderlich. Wir werden keine existenzbedrohenden Pensionskürzungen verabschieden. Im Gegenteil, wir beschließen Entlastungen für Pensionistinnen und Pensionisten, etwa eine Preisbremse bei Rezeptgebühren. Gleichzeitig sichern wir gezielte Investitionen in Gesundheit, Pflege, Beschäftigung und Bildung. So legen wir das Fundament für nachhaltiges Wachstum und soziale Sicherheit. Darüber hinaus haben wir mit dem am 1. April in Kraft getretenen Mietpreisstopp eine wirksame Maßnahme gegen die Inflation gesetzt. Dank Mietpreisstopp ersparen sich die Mieterinnen und Mieter von mehr als einer Million Wohnungen in ganz Österreich allein heuer rund 138 Millionen Euro. Außerdem stärken wir die Planbarkeit bei Energiepreisen durch einen transparenten Preismechanismus, der Preisspitzen abfedert. Mit den österreichischen Infrastrukturunternehmen setzen wir gemeinsam einen weitreichenden Meilenstein. Bis 2030 werden rund 50 Milliarden Euro in die kritische Infrastruktur investiert. Das bedeutet Investitionen in Energie, Mobilität und Digitalisierung, um damit die Aufholjagd zu ermöglichen, die nötig ist, um ins europäische Spitzenfeld zurückzukehren – für Beschäftigung und für regionale Wertschöpfung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es war eine enorme Herausforderung, dieses Budgetloch zu schließen. Dank kluger Prioritätensetzung und eines Beitrags der breiten Schultern haben wir ein sicheres Budget erarbeitet. Mit Blick auf unsere nächsten Ziele bleiben wir entschlossen, soziale Gerechtigkeit weiter voranzutreiben. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Hofinger. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten über das Doppelbudget 2025/2026, aus dem eines klar hervorgeht: Wir übernehmen Verantwortung für heute und für die zukünftigen Generationen. In den vergangenen Jahren haben wir in großen Krisen rasch und entschlossen geholfen. Wir haben gezielt unterstützt, dort, wo Hilfe nötig war. Jetzt ist die Zeit gekommen, zu konsolidieren. Es braucht mutige Reformen, klare Prioritäten und, ja, auch den Mut zum Sparen. Jetzt heißt es, das Richtige zu tun. 15 Milliarden Euro Einsparungen in zwei Jahren schaffen Spielräume für morgen. Das ist keine Kürzungspolitik, das ist Vorsorgepolitik. Wir investieren in Bildung, in Sicherheit und in einen Bereich, der uns alle miteinander betrifft, das sind unsere Städte und Gemeinden. Sie sind das Rückgrat unseres Landes, unserer Gesellschaft und unserer Demokratie. Sie brauchen momentan dringend unsere Unterstützung. Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sagen mir offen: Wir kommen finanziell an unsere Grenzen. Steigende Personalkosten, hohe Zinsen, immer mehr Aufgaben – die Lage ist angespannt. Deshalb setzt die Bundesregierung ein klares Zeichen mit 880 Millionen Euro für kommunale Investitionen in den nächsten drei Jahren. Damit werden Projekte vor Ort umgesetzt, wie neue Spielplätze, es werden Schulen saniert, Straßen gebaut, es wird in Feuerwehren investiert und so weiter. Das verbessert das Leben und die Lebensqualität der Menschen vor Ort und stärkt gleichzeitig unsere regionale Wirtschaft (👏 ÖVP), denn unsere Gemeinden sind die größten Auftraggeber in den Regionen, und unsere Wirtschaft braucht es dringend. Klar ist aber: Zuschüsse allein lösen keine strukturellen Probleme. Wir brauchen langfristige Lösungen, und die gibt es nur mit System: Erstens, eine Aufgabenreform im Finanzausgleich 2028. Diese ist Teil des Inhalts der Regierungsverhandlungen gewesen. Wir werden hierzu eine Arbeitsgruppe einrichten. Wer Aufgaben übernimmt, muss dafür Mittel bekommen. Zweitens, eine intelligente Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, dort, wo es Sinn macht – bei Verwaltung, bei Bauhöfen, bei Infrastruktur –, was schon jetzt gelebt wird, wo es aber noch Potenzial gibt. Ich bin aber ganz klar gegen eine Zwangszusammenlegung. Das ruft Widerstand hervor und bringt keine Entlastung. Drittens, eine starke Wirtschaft – denn wenn die Wirtschaft läuft, profitieren unsere Gemeinden über die Steuereinnahmen direkt, und das sichert kommunale Handlungsfähigkeit. Dieses Doppelbudget ist ein klarer Schritt in die richtige Richtung: für Stabilität, für Investitionen, für ein starkes, handlungsfähiges Land. Abschließend: Herzlichen Dank an alle, die bei diesen Budgets mitgearbeitet haben, in den Kabinetten und beim Budgetdienst. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Moitzi. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Es war jetzt ein bisschen ein Bruch nach der vorigen Debatte. Wir beschließen mit den Budgets in den nächsten Tagen auch den weiteren Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und den ÖBB-Rahmenplan. Nicht nur wird jeder, der in den letzten Monaten und Jahren mit dem Zug durch Österreich gefahren ist, subjektiv gemerkt haben, dass alle Züge voll sind, sondern es zeigt sich auch objektiv, dass die ÖBB im letzten Jahr mit über 511 Millionen Fahrgästen zum Glück einen Fahrgastrekord gehabt haben. Deshalb müssen wir die Verdoppelung der Leistungsfähigkeit des Systems Bahn in den kommenden Jahren angehen, und dazu gehören Rekordinvestitionen von 20 Milliarden Euro im Rahmenplan. Die Grünen tun jetzt immer so, als ob es eine Kürzung des ÖBB-Rahmenplanes gäbe. Nichts davon stimmt. Die Wahrheit ist: Wir werden in den kommenden Jahren von 2025 bis 2030 die höchsten Ausgaben jemals im ÖBB-Rahmenplan verbauen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Was ist in den letzten Jahren passiert? …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Rahmenplan 2024: 21 Milliarden Euro!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Frau Gewessler ruft eh dazwischen. – Es hat zwar immer wieder schöne Budgetzahlen gegeben, die vielleicht eingemeldet worden sind, aber man kann sich jetzt im Nachhinein die Realität anschauen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Und du redest jetzt über Investitionen? In drei Jahren ...!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Ist das, was im Budget an Geld dagewesen wäre, auch wirklich verbaut worden? – Die Antwort ist Nein.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Entschuldigung!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Was nützt es, wenn im Budget steht, dass das Geld vorhanden wäre, wenn es nicht verbaut worden ist?! So ist in den Jahren 2023 und 2024 um 380 Millionen Euro weniger verbaut worden, als eigentlich budgetiert war. Der Unterschied ist: Wir werden das Geld, das budgetiert ist, auch effektiv verbauen und deshalb so viel für den öffentlichen Verkehr ausgeben wie noch nie.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... oder in Oberösterreich!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Was ist damit auch die Konsequenz? – Es wird zum Glück mehr und besser abgestimmte Baustellen, mehr Qualität für die Kundinnen und Kunden der ÖBB und weniger Verspätungen geben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

So kann man sich die Kürzung schönreden!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Es sind im jetzigen Rahmenplan auch neue Projekte aufgenommen worden, zum Beispiel – was mich als Steirer extrem freut – der viergleisige Ausbau Richtung Graz und Bruck an der Mur – ein extrem wichtiges Projekt …

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Gewessler [Grüne]: Den haben wir ja schon lang geplant!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… oder – für die obersteirische Industrie und für die oberösterreichische Industrie extrem wichtig – der Bosrucktunnel neu. Wir haben zum ersten Mal auch eine klimaresiliente Bahninfrastruktur aufgenommen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Da musst du ja selber lachen drüber!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… 40 Millionen Euro zusätzlich, damit die Bahninfrastruktur auch wirklich klimaresilient wird. Ich glaube, das ist extrem wichtig. Wir zeigen damit – mit diesem Geld – nicht nur, dass wir den Umweltschutz ernst nehmen, sondern mit dem ÖBB-Rahmenplan geht auch ein Beschäftigungsmotor einher. Mit den geplanten Investitionen von 3,3 Milliarden Euro im Jahr sichern wir ungefähr 27 000 Arbeitsplätze, und ich glaube, das ist in Zeiten, in denen die Konjunktur ohnehin in einer Flaute ist, extrem wichtig. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir mit dem Beschluss heute auch den Bahnausbau weiter vorantreiben, Beschäftigung sichern und den Umweltschutz ernst nehmen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Eder. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Heike Eder

Danke, Herr Präsident! Liebe Frauen Ministerinnen! Lieber Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher daheim und via Livestream! Ich habe dieser Budgetdebatte aufmerksam zugehört. Ich möchte gerne auf ein paar Vorrednerinnen oder Vorredner replizieren, insbesondere auf die Kolleginnen und Kollegen von der Freiheitlichen Partei. Ihr nennt das Budget für die Österreicherinnen und Österreicher ein „Armutszeugnis“. Ein Kollege hat gesagt, es ist der soziale „Untergang der Republik“. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die jetzt noch in den Reihen sitzen: Was genau meint ihr bitte damit? Meint ihr vielleicht die steuerfreie Mitarbeiterprämie von 1 000 Euro pro Jahr für unsere Leistungsträgerinnen und Leistungsträger oder vielleicht auch die neue Teilpension, die flexibles Arbeiten im Alter ermöglicht? Oder meint ihr vielleicht diese 94 Millionen Euro, die wir im Asylbereich einsparen? Oder sind es vielleicht auch die Investitionen im Bereich Sicherheit? Oder meint ihr vielleicht, dass wir trotz der Aussetzung der Inflationsanpassung der Familienleistungen noch immer Europameister sind, was Geldleistungen für Familien anbelangt? Oder ist es vielleicht auch das Pflegegeld, das weiterhin valorisiert wird? Oder geht es euch vielleicht auch um die Budgetmittel für Frauen und das Thema Gleichstellung? Was genau meint ihr, liebe FPÖ? – Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist: Wer pauschal alles schlechtredet und selbst keine Vorschläge liefert, der stellt nicht das Budget, sondern eher seine eigene Glaubwürdigkeit infrage.

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Wenn es uns nicht geben würde ...!

ÖVP Heike Eder

… Wenn euer Klubobmann, Herr Kickl, ständig von Verantwortung redet, dann könnte er sich ruhig auch einmal dorthin setzen, wo sie getragen wird: nämlich hier, im Plenarsaal. Das macht er natürlich nicht! Wir alle wissen, dass Herr Kickl lieber vor der Verantwortung davonläuft, als sich ihr zu stellen.

FPÖ Spalt (Zwischenruf)

Wo ist der Wöginger? Wo ist der Stocker?

ÖVP Heike Eder

… Verantwortung ist halt auch leichter zu kritisieren, wenn man ihr konsequent aus dem Weg geht.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Der Kickl trifft den Selenskyj! – Abg. Shetty [NEOS] – in Richtung FPÖ –: Aber das Problem beim Kickl ist ja nicht, dass er jetzt gerade nicht da ist, sondern dass er nie da ist! Das ist das Problem!

ÖVP Heike Eder

… Meine Damen und Herren, wir sanieren, wir reformieren und wir wachsen. Und ja, das bedeutet auch: Wir müssen sparen. Jeder Österreicher und jede Österreicherin hat statistisch gesehen Schulden in der Höhe von 43 000 Euro. Da gibt es auch überhaupt nichts schönzureden. Wir müssen in allen Bereichen verantwortungsvoll wirtschaften. Mein fünfjähriger Sohn hat mich am Wochenende gefragt: Mama, ist unser Budget krank?, und: Welches Medikament hilft? – Meine Antwort war: Österreich war immer dann besonders stark und ist immer dann erfolgreich aus Krisen hervorgekommen, wenn wir zusammengehalten haben, wenn wir als Team aufgetreten sind. Und, meine Damen und Herren, genau diesen Teamgeist braucht es jetzt auch, damit wir schaffen, was wir uns vorgenommen haben, nämlich einen soliden Staatshaushalt für morgen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Stark. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Christoph Stark

Herr Präsident! Liebe Ministerinnen! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Es geht jetzt wieder um das Doppelbudget 2025/2026, zu dem es naturgemäß hier im Hause unterschiedliche Auffassungen gibt: zu sozial, zu wenig sozial, zu viel Klimaschutz, zu wenig Klimaschutz, viel zu sparsam, zu wenig sparsam. – Es liegt in der Natur der Sache, dass es hier im Hause eben unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Klar ist aber, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen: Wenn es in den nächsten Monaten und Jahren mehr oder etwas anderes braucht, dann werden wir uns hier wieder versammeln, um auch diese Änderungen in die Wege zu leiten und zu beschließen. Jetzt geht es einmal darum, das Richtige zu tun. Und: Es ist keine bloße Fortschreibung, sondern, wie unser Bundeskanzler Stocker heute schon gesagt hat, ein Wendepunkt. Es ist ein Wendepunkt in der österreichischen Budgetpolitik. Dieses Budget steht unter dem Motto dieser drei großen Begriffe: Reformieren, Sanieren und Wachsen. Es geht um nicht weniger als um 15 Milliarden Euro an Einsparungen und um 2 Milliarden Euro an Offensivmaßnahmen. Lassen Sie mich kurz ein paar wenige Beispiele zu diesen drei großen Begriffen nennen. Ich fange beim Reformieren an: Da haben wir zum Beispiel die auch von Kollegin Eder bereits genannte Teilpension. Das ist ein völlig neuer Schritt in der Arbeitsmarktpolitik, damit wir Menschen länger auf dem Arbeitsmarkt halten, diese aber gleichzeitig auch die Vorzüge der Pension genießen können. Es geht aber auch – und das ist vielleicht ein kleines Beispiel – um die Abschaffung der Belegpflicht unter 35 Euro. Wir alle kennen es, dass Tag für Tag in Österreich Tausende dieser kleinen Zettel weggeworfen werden, weil man sie eh nicht braucht; also fangen wir damit an, sparen das effektiv ein und unterstützen damit auch die Wirtschaft. Dann zum Thema Sanieren: Ja, wir werden den Klimabonus abschaffen, weil der Klimabonus erstens einmal budgettechnisch wahnsinnig viel bringt. Auf der anderen Seite stammt er aus einer Zeit, in der er dringend notwendig war, aber eine Dauerförderung in diesem Ausmaß kann sich ein Staat einfach nicht leisten. Darum sind da jetzt auch wichtige Maßnahmen erforderlich. Zum Schluss das Thema Wachsen: Es geht – es wurde heute hier schon mehrfach genannt – um eine Neuordnung des kommunalen Investitionsprogramms. Geschätzte Damen und Herren, das ist ein Paradigmenwechsel, der uns Gemeinden wirklich hilft. Die Gemeinden sind die größten Investoren des Landes, und wenn die Gemeinden nicht mehr investieren können, dann geht das zulasten der heimischen Wirtschaft. Investitionen – ich betone: Investitionen – in Straßen, Kindergärten und so weiter sind Investitionen für die Menschen in unserem Land. Darum ist es wichtig, dass wir diesen Beschluss auch fassen. Überdies wird auch der Breitband-Call nicht aufgehoben, sondern nur ein wenig aufgeschoben, wofür ich sehr dankbar bin. In Summe: Beachten wir diese drei großen Ziele – Reformieren, Sanieren und Wachsen – und, darum bitte ich Sie, stimmen wir dem Budget 2025/2026 zu! (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Zarits. Ebenfalls 3 Minuten eingestellte Redezeit.

ÖVP Christoph Zarits

Geschätzter Herr Präsident! Meine geschätzten Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen und alle, die Sie heute hier noch zuschauen oder zu Hause via Fernsehgeräte! Wir behandeln heute das Budgetbegleitgesetz, Budget 2025/2026; ein Budget, das auch einen klaren Leitspruch hat, nämlich: Der Leistungsgedanke soll wieder im Vordergrund stehen. Wir haben in den letzten fünf Jahren sicherlich Zeiten erlebt, in denen wir in einem Ausnahmezustand waren, und jetzt gilt es, mit den Budgets 2025 und 2026 wieder in die Normalität zu starten. Und für uns als Volkspartei ist eines ganz klar: Diese Vollkaskomentalität der letzten fünf Jahre und diese Gratismentalität müssen ein Ende haben und wir stellen die Leistung wieder in den Vordergrund. (👏 ÖVP) Die Pendlerinnen und Pendler, jeder, der in der Früh aufsteht, der Leistung erbringt und dazu beiträgt, dass unsere Sozialsysteme, dass unsere Systeme in Österreich besser funktionieren als in anderen Ländern, bekommen jetzt beim Pendlereuro mehr, nämlich statt 2 Euro 6 Euro. Ich glaube, das ist wichtig und auch richtig. Wir führen auch wieder die Mitarbeiterprämie ein; auch ein wichtiger Punkt. Eines ist auch noch wichtig: Wir schaffen ab, dass man zum Arbeitslosengeld geringfügig dazuverdienen kann. Ich glaube, es ist Gift für eine Gesellschaft, wenn jemand, der von Sozialleistungen lebt, mehr im Geldbörsl hat als jemand, der von Arbeit lebt. Und das müssen wir in Zukunft entsprechend ändern. Wir investieren in die Sicherheit: mehr Budget für das Bundesheer, mehr Budget auch für die Polizei. Wir wollen mit dem Budget, mit dem Mehrbudget für das Bundesheer natürlich auch unsere Neutralität stärken. (👏 ÖVP) Kollege Hofinger als unser Gemeindesprecher hat es schon betont – ich bin selbst Gemeinderat einer kleinen Gemeinde –: Für die 2 093 Gemeinden in ganz Österreich werden bis zum Jahr 2028 insgesamt 880 Millionen Euro durch das sogenannte kommunale Investitionspaket leichter und auch antragslos zur Verfügung stehen. Für die 171 Gemeinden in meinem Heimatbundesland, dem Burgenland, bedeutet das 32 Millionen Euro. Die Gemeinden brauchen dieses Geld gerade jetzt, in dieser Zeit, die sehr, sehr herausfordernd ist. Wir investieren, wir reformieren – das ist heute ein Punkt, bei dem wir nicht nur auf heute, sondern auch auf morgen schauen, für die nächsten Generationen. Wir sind es der nächsten Generation schuldig, ein Land zu hinterlassen, in dem sie gut aufwachsen kann. Es wird nur mit Leistung gehen, ohne Leistung gibt es keinen Wohlstand. Ich bitte Sie um Zustimmung zum Budget 2025/2026. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Lindinger. 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Klaus Lindinger

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Österreich steht vor großen Herausforderungen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, geopolitisch. Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos, wie es manche der Kolleginnen und Kollegen hier im Hohen Haus bezeichnen. Es ist nicht aussichtslos, wenn wir jetzt die Verantwortung übernehmen. Mit diesem Doppelbudget 2025/2026, das mit Sicherheit kein Wunschkonzert ist – es ist eher ein realistischer, verantwortungsvoller Kurs in Richtung Budgetkonsolidierung, in Richtung Budgetsanierung; es ist nicht bequem, es ist nicht populär, aber notwendig –, sanieren wir, reformieren wir und investieren wir. Was sanieren wir? – Wir haben für 2025 einen Sparkurs mit Einsparungen in der Höhe von 6,4 Milliarden Euro, es ist bereits erwähnt worden, und 2026 von 8,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig investieren wir in diesen beiden Jahren über 2 Milliarden Euro gezielt in Bildung, Arbeit, Gesundheit, Sicherheit und Digitalisierung, denn Zukunft entsteht dort, wo man sie auch möglich macht. Jeder heute gesparte Euro ist eine Vorsorge für morgen gegen neue Schulden, gegen steigende Zinsen und gegen kommende Krisen. Mit unserem Kurs verfolgen wir dabei klare Prinzipien: Leistung belohnen statt Gratismentalität, sparen bei Asyl und nicht bei Sicherheit und Investitionen in die Zukunft statt Gießkanne. Ja, dieser Weg verlangt uns allen etwas ab, aber die Alternative wären steigende Schulden, weniger Jobs, gefährdete Sozialleistungen. Wir als Volkspartei stehen zu einem leistungsfreundlichen modernen Sozialstaat. Darum unterstützen wir jene, die arbeiten, die Verantwortung übernehmen und sich anstrengen, einen Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten. (👏 ÖVP) Meine Damen und Herren! Ein paar Punkte, wo wir konkret investieren: Ein Bereich ist mir ganz wichtig: der ländliche Raum. Wir unterstützen viele Pendlerinnen und Pendler, indem wir den Pendlereuro erhöhen. Wir unterstützen die Handwerksbetriebe, die Klein- und Mittelunternehmen, indem wir die NoVA-Befreiung für Kastenwägen hier mit im Boot haben. Und wir schauen auch, dass wir die Infrastruktur in den Regionen ausbauen. Eines darf ich als Regionalpolitiker da auch kritisch anmerken, da wir in Oberösterreich einige Regionalbahnen haben und deren Einstellung zur Debatte steht: Ich sage ganz klipp und klar, das betrachten wir mit großer Sorge. Wir haben in den letzten Jahren seitens des Landes und auch des Bundes in diese Regionalbahnen investiert, damit die Schülerinnen und Schüler, die Pendlerinnen und Pendler und die Betriebe in der Region eine wichtige Verbindung haben, mit der sie tagtäglich von A nach B kommen. Es ist in den letzten Jahren investiert worden, und ich erwarte mir da auch vom Infrastrukturminister, dass wir hier klar dazu stehen, dass wir gerade diese Verbindungen in die ländlichen Regionen, die wir in den letzten Jahren ausgebaut haben, weiterhin entsprechend unterstützen. (👏 ÖVP) Wir investieren in die Familien und in die Bildung. Und eines darf ich auch klar festhalten, da die Oppositionsparteien immer behaupten, dass wir bei den Familien und Sozialleistungen sparen: Nein, es ist zwar nicht populär, dass wir diese einfrieren, aber es gibt keine Kürzungen. Der Betrag, auf den wir in den letzten Jahren schon massiv erhöht haben, eben auch an die Inflation angepasst haben, wird beibehalten, da wird nicht gekürzt. Wir investieren in die Beschäftigung und nicht zuletzt, unser Gemeindesprecher Manfred Hofinger hat es schon gesagt, in die Gemeinden. Genau diese Unterstützung für die Gemeinden, die wieder in die regionale Wirtschaft investieren, brauchen wir auch. Also bitte, liebe Opposition, ihr schreit nur, ihr bringt keine kreativen Vorschläge, keine konstruktiven Maßnahmen, wie wir das Budget sanieren können – das schaffen wir als Regierung. Wir brauchen keine populistischen Scheinlösungen, sondern einen klaren Kurs und Mut zu Ehrlichkeit für unsere Kinder, für unsere Regionen, für den sozialen Zusammenhalt, dann schaffen wir es auch, Österreich in der Zukunft wieder auf die Überholspur zu bringen. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Baumgartner. Ebenfalls 3 Minuten eingestellte Redezeit.

ÖVP Angela Baumgartner

Danke schön, Herr Präsident! Meine Damen Bundesministerinnen! Meine Staatssekretärin! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, die letzten Jahre waren von Krisen geprägt und zu deren Abfederung hat die Bundesregierung sehr viel Geld in die Hand genommen und das war richtig so. Ich möchte schon erwähnen: Es gab in dieser Zeit viele einstimmige beziehungsweise mit breiter Mehrheit gefasste Beschlüsse …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Kurzarbeit!

ÖVP Angela Baumgartner

… und vor allem wurde auch von allen Parteien schnelle finanzielle Unterstützung gefordert. Heute aber hat man den Eindruck, alle Parteien hätten das vergessen. (👏 ÖVP, SPÖ) Natürlich muss der Staat reagieren, wenn ganze Wirtschaftszweige gefährdet sind und Kaufkraft und Lebensgrundlage der Menschen infrage gestellt werden. Und klar ist, dass solche Krisen Spuren in unserem Staatsbudget hinterlassen. Unser Bundeskanzler hat es heute schon gesagt: Dieses Doppelbudget verspricht nicht das Unmögliche, es ist ein ehrliches Budget. Es verspricht keine Wohltaten, die wir uns nicht leisten können. Es beschönigt nicht die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Mit dieser Budgetsanierung schaffen wir neuen Handlungsspielraum für Investitionen, die unsere Wirtschaft stärken, die unseren Standort sichern und die Lebensqualität der Menschen erhöhen. (👏 ÖVP, SPÖ) Dazu zählt natürlich auch, dass wir unsere Gemeinden und Städte als starke Partner unterstützen. Ich habe das von diesem Rednerpult aus schon so oft gesagt: Wir Gemeinden sind der Wirtschaftsmotor Nummer eins. Wir sorgen für funktionierende Infrastruktur und wir sichern mit unseren Investitionen regionale Arbeitsplätze. Mit dem kommunalen Investitionspaket haben wir dafür die Grundlage geschaffen, nun gehen wir einen Schritt weiter: Die in der Vergangenheit mit Bürokratie und Eigenmitteln verbundenen Zweckzuschüsse werden nun in direkte Finanzzuweisungen umgewandelt. Was bedeutet das? – Über 880 Millionen Euro fließen bis 2028 unbürokratisch und gezielt in unsere Gemeinden, ohne verpflichtende Kofinanzierung. Dieses Vorgehen entlastet insbesondere kleine Gemeinden und erleichtert die Umsetzung dringend notwendiger Investitionen in Infrastruktur, Energieeffizienz und soziale Einrichtungen. Im Budgetausschuss wurde die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die Auszahlungen nun doch viel zu unbürokratisch seien und vielleicht zu wenig in energieeffiziente Maßnahmen investiert wird, deshalb mein Ersuchen: Bitte vertrauen Sie uns Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, bitte vertrauen Sie uns Gemeinden, wir wissen genau, was eine Gemeinde braucht, und wir setzen das auch um! (👏 ÖVP) Die Budgetsanierung ist kein einfacher Weg, aber er ist der richtige für die Menschen und für unsere Zukunft. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Pöttinger. Ebenfalls 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Laurenz Pöttinger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Die letzten Jahre waren nicht einfach. Es waren Jahre der Krisen, und ja, wir leben in extrem herausfordernden Zeiten. Es ist besonders wichtig, dass man jetzt das Richtige tut: Konsolidieren, reformieren und vernünftig investieren, das ist jetzt das Gebot der Stunde. Das Doppelbudget enthält neben vielen Sparmaßnahmen auch wichtige Impulse, die insbesondere den Wirtschaftsmotor wieder ankurbeln werden. Einige dieser wichtigen Impulse, die mir besonders am Herzen liegen und für die ich mich auch persönlich stark eingesetzt habe, möchte ich erwähnen. Bereits in wenigen Tagen, ab 1. Juli, tritt die NoVA-Befreiung für Pritschen- und Kastenwägen in Kraft. Diese leichten Nutzfahrzeuge sind überwiegend bei Handwerksbetrieben im Einsatz. Es war aus meiner Sicht ein Fehler, dass wir diese Abgabe im Jahr 2021 eingeführt haben. Ich habe damals in Gesprächen mit den Grünen versucht, die Einführung der NoVA für diese Nutzfahrzeuge zu verhindern. Es gibt – und es gab diese auch damals nicht – keine brauchbare und leistbare Alternative. Eines zu diesen Nutzfahrzeugen: Das Wort sagt es schon, es sind Nutzfahrzeuge. Diese Arbeitsgeräte, die zum Transport von Waren, Werkzeugen und oft auch zum Ziehen von Anhängern gebraucht werden, sind speziell und sehr oft für Handwerker im Einsatz. Da gibt es – und das weiß ich aus eigener Erfahrung – leider immer noch keine brauchbaren Alternativen. Diese Fahrzeuge wurden durch die NoVA fast unleistbar, und so kam es dann, dass uralte Fahrzeuge mit einem wesentlich höheren CO 2 -Ausstoß im Einsatz waren – kontraproduktiv zur eigentlich gut gemeinten Klimaverbesserung. Ich selber fahre mit meinem Pkw sehr gerne und seit mittlerweile sechs Jahren rein elektrisch …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Na bitte! Es geht!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… aber aus dem eigenen Betrieb weiß ich, dass es nicht möglich ist, diese Nutzfahrzeuge durch leistbare, brauchbare Geräte zu ersetzen. – Kollege Hammer, du weißt das genau aus den Gesprächen 2021, Ralph Schallmeiner , du weißt es auch: Wir haben am Tag vor der Abstimmung noch ausgemacht, wir nehmen sie raus, und am nächsten Tag hast du zu mir gesagt: Leider nein, sie sind drinnen. So ist die NoVA für diese Fahrzeuge fällig geworden. Das war ein Fehler, den wir jetzt korrigieren. Es ist wichtig, richtig und es ist eine Maßnahme der ÖVP und der neuen Regierung.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das war kein Fehler!

ÖVP Laurenz Pöttinger

… Es ist ein gravierender Standortnachteil auch für unsere Betriebe. Diese Maßnahme entlastet nun die Wirtschaft und wirkt positiv auf die Preise für unsere Konsumenten. Einen weiteren wichtigen Impuls setzen wir mit einem steuerfreien Leistungsbonus von bis zu 1 000 Euro pro Jahr. Das ist wichtig und richtig und das gibt den Betrieben die Möglichkeit, dass man, wenn es gut läuft, die Mitarbeiter auch einmal belohnt und sagt: So, jetzt können wir einen gewissen Bonus auszahlen. – Das, finde ich, ist auch eine gute und wichtige Maßnahme. Wir müssen Leistung neu denken und stärkere Anreize dafür setzen. Ich kann euch betreffend die geringfügige Beschäftigung in Verbindung mit dem Arbeitslosengeld sagen – und darüber bin ich sehr froh –, dass wir diese abschaffen. Ich sage es, wie es ist: Kein Mensch hat das verstanden, auch meine Mitarbeiter nicht. Wenn jemand Arbeitslosengeld bezieht und dann noch geringfügig arbeitet und dazuverdient und das zum Geschäfts- oder Einkommensmodell macht, dann ist es wichtig, dass wir hier eingreifen. Leistung muss sich lohnen und wird sich in Zukunft lohnen! Lassen Sie mich noch einen Satz oder zwei, drei Sätze zum Verdienen im Alter in der Regelpension sagen: Ich finde es großartig, dass wir in unserem Regierungsprogramm beim Zuverdienst im Alter in der Regelpension die Möglichkeit einer Flattax im Ausmaß von 25 Prozent geschaffen haben. Das heißt, von 1 000 Euro bleiben dann netto 750 Euro. Es wird nicht mehr zusammengerechnet, es gibt keine Nachverrechnungen. Das ist großartig, das wird unsere Wirtschaft auch beflügeln. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Taschner; eingemeldet sind gleichfalls 3 Minuten.

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Als letzter Redner meiner Fraktion zur Generaldebatte habe ich Ihnen diese Tafel mitgebracht ( eine Tafel, auf der einzelne Budgetposten, unterschiedlich eingefärbt, aufgelistet sind, in die Höhe haltend und im weiteren Verlauf beschreibend ): 123 233 400 000 Euro, wie Sie hier sehen, das ist der Budgetrahmen des Jahres 2025. Sie sehen hier – Sie können es nicht lesen, aber die Farben sprechen für sich –, unterlegt in verschiedenen Rottönen, das Sozialbudget; eine riesige Säule: die Pensionen. Hier sehen Sie in Grün die Wirtschaft, die Mobilität, die Industrie; hier in verschiedenen Gelbtönen die Verwaltung und die Polizei, das Militär. All das ist das Budget, das wir jetzt, in der Gegenwart, bedienen müssen. Also Rot, Grün, Gelb, das ist die Gegenwart. Dann sehen Sie hier – der Drucker war etwas schlecht, er hat das blau gedruckt, an sich gehört das türkis – Bildung, Wissenschaft, Forschung. Das ist die Zukunft, meine sehr verehrten Damen und Herren; nicht so groß, wie sie sein sollte, aber, und das ist die gute Nachricht, sie bleibt gleich beziehungsweise wird sogar etwas größer, als sie vorher war, denn das ist die Zukunft, die wir brauchen. Nebenbei gesagt, meine sehr verehrten Damen und Herren, hier unten sehen Sie die Vergangenheit. Das ist der graue Bereich; leider recht groß, das ist nämlich das Geld für die Zinsen, die wir zahlen müssen. Das ist verbranntes Geld, das ist weg. Das ist auch das Problem. Wir könnten ja sagen: Machen wir diesen Rahmen einfach größer! Deutschland macht das ja, plötzlich werden 1 000 Milliarden Euro von Deutschland aufgenommen. Das ist ein Risiko, denn: Macht man den Rahmen größer, wird diese Vergangenheit, dieser graue Bereich, vielleicht exponentiell wachsen, und davor müssen wir uns schützen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir sehen anhand dieser roten Säule auch, wie groß das demografische Problem ist, dem wir gegenüberstehen. Wir haben also noch einiges zu tun. Das ist erst der Anfang, aber dass wir das so aufbereitet haben, dass wir dieses Budget jetzt vorliegen haben, das ist eine gute Arbeit des Finanzministers, der Staatssekretärin, ja, der gesamten Regierung gewesen. Wir müssen diesen türkisen Bereich stärken. Türkis muss einfach größer werden, das ist die Botschaft.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Das ist aber blau! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Blau muss stärker werden, ja! Türkis ist gar nicht drauf, Türkis gibt es nicht mehr!

ÖVP Rudolf Taschner

… Ein Druckerfehler, glauben Sie mir. Es ist ein Druckerfehler. – Es ist also noch einiges zu tun. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Aufgabe, die Sie jetzt haben werden, ist – es werden noch einige zu Ihnen kommen und sagen: Wir brauchen da eine Vergrößerung der Fläche und dort eine Vergrößerung der Fläche! –: Sie werden leider oft Nein sagen müssen. Sie müssen oft Nein sagen, aber wir müssen auch oft Ja sagen, wenn wir dann die Wirtschaft wachsen sehen, denn wenn die Wirtschaft wächst, dann können wir uns erlauben, dass wir den Rahmen sogar noch vergrößern werden. Das brauchen wir auch, weil das Rote bleiben muss. Das brauchen wir auch, weil das Blaue – Entschuldigung –, das Türkise noch mehr wachsen muss. In diesem Sinne glaube ich, dass wir ein gutes Budget haben. Beachten Sie diese Tafel: Das sind 123 233 400 000 Euro. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Oberhofer. 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Ministerinnen! Frau Staatssekretärin! Hoher österreichischer Nationalrat! Sehr geehrte Frau Kollegin Gewessler ( Ruf bei den Grünen: Schon wieder! Meine Güte! ) , ich verstehe die Grünen einfach nicht.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Sie redet doch eh so schön Deutsch!

NEOS Dominik Oberhofer

… Eigentlich müssten Sie ja, die Grünen, heute besonders stolz sein, weil in diesem Budget ja wirkliche Errungenschaften von Ihnen sind, die weitergeführt werden – wie zum Beispiel der Ausbau der Schiene. Den haben Sie vorangetrieben als Ministerin und wir tragen ihn weiter mit dem Budget. Ich bin ja da persönlich sogar sehr verwundert, dass Herr Bundesminister Hanke wahrscheinlich einen sehr guten Draht zum Herrn Finanzminister hatte, denn man muss sich das einmal vorstellen: Diese neue österreichische Bundesregierung gibt 12,6 Prozent mehr für den Ausbau der Schiene in diesem Jahr aus als letztes Jahr unter Ihnen, 2024.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Nein, ihr budgetiert nicht mehr!

NEOS Dominik Oberhofer

… Und das ist noch nicht einmal alles. Im Doppelbudget sind für 2026, nächstes Jahr, noch einmal 9,3 Prozent on top für den Ausbau der Schiene vorgesehen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Hast du dir meinen Rahmenplan angeschaut?

NEOS Dominik Oberhofer

… Da muss man wirklich sagen, diese Regierung steht hinter diesem Rahmenplan. Warum? – Aus zwei Gründen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das war ein sechsjähriger Rahmenplan!

NEOS Dominik Oberhofer

… Weil wir wissen, dass die Zukunft des öffentlichen Verkehrs vor allem auf der Schiene ist. Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass Österreich nicht nur Bahnland Nummer eins ist, was die gefahrenen Kilometer der Passagiere anbelangt, sondern wir produzieren das Zeug sogar. Ich habe es persönlich nicht gewusst …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ja, ich schon!

NEOS Dominik Oberhofer

… dass Österreich die viertgrößte Nation bei der Bahnindustrie weltweit ist. Das ist ein unfassbares Wachstumspotenzial in Österreich, und deshalb investieren wir jetzt mit dem Rahmenplan wieder 19,3 Milliarden Euro in die Schiene. – Das wäre einen Applaus wert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Frau Kollegin von den Grünen, weil Sie andauernd vom Klimaticket reden. Das Klimaticket wird teurer, da haben Sie vollkommen recht. Niemand bedauert das mehr als ich selbst. Aber am Ende des Tages muss man ganz klipp und klar sagen, dass wir als Bundesregierung dieses Jahr, 2025, 24,5 Prozent mehr in das Klimaticket investieren, nämlich 156 Millionen Euro zusätzlich, on top, dass noch mehr Bürgerinnen und Bürger das Klimaticket konsumieren …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Aber die Bürgerinnen und Bürger kaufen es ja!

NEOS Dominik Oberhofer

… und damit reisen, und das ist ja ein großartiger Erfolg.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Was ist da bitte jetzt euer Erfolg?

NEOS Dominik Oberhofer

… Wir brauchen aber auch Geld, um den Ausbau der Schiene, der Kapazität weiter voranzutreiben. Liebe Konsumentinnen und Konsumenten, seien Sie versichert, dass das Geld, das Sie heute mehr für das Klimaticket bezahlen, eins zu eins in bessere Infrastruktur, von der Sie profitieren, investiert wird. – Danke für Ihre Unterstützung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tomaselli. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten, wobei ich darauf aufmerksam mache, dass die Restredezeit Ihrer Fraktion insgesamt 5 Minuten beträgt. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe Ihnen jetzt stundenlang geduldig zugehört …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Na, du warst schon ein bisschen draußen auch!

GRÜNE Nina Tomaselli

… und was mir schon richtig auf die Nerven geht, sind diese falschen Unterstellungen, dass die Grünen das Budgetdesaster quasi mit dem Klimaticket, mit dem Raus-aus-Öl-Bonus im Alleingang selbst verursacht haben.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Das sagt aber keiner!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Da möchte ich Ihnen jetzt etwas sagen, das Sie wahrscheinlich sehr, sehr aufregt ( allgemeine Heiterkeit ): Jede Regierung ist für ihr Budgetdefizit selber verantwortlich.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Ja, das ist tatsächlich so.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Nur die Grünen nicht!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Jede Regierung ist für ihr Budgetdefizit fast alleine verantwortlich.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Es gibt eine Ausnahme für die Grünen, die sind nämlich nie für etwas verantwortlich!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Die Rechnungen von Einnahmen und Ausgaben – hören Sie zu, da kann man noch etwas lernen – beginnen jedes Jahr von vorne. In den letzten Jahren hat es erhöhte Ausgaben gegeben – ja, zur Bewältigung einer Pandemie, ja, zur Bewältigung einer Energiekrise, ja, dafür sind Schulden gemacht worden, ja, dafür zahlt man jetzt auch Zinsen. Das erklärt aber bitte nicht das veranschlagte Defizit von 4 Prozent.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Das erklärt nicht, dass Sie weiter Schulden machen und dass die Schuldenquote auf 85 Prozent steigt – und das bei einer Abgabenquote von 45 Prozent. Das ist ein Rekordhoch, meine sehr geehrten Damen und Herren! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ich glaube, der Herr Klubobmann würde das als Voodoo-Ökonomie bezeichnen!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Diese Zahlen schauen genau so aus, weil Sie sich dafür entschieden haben. Das ist eine politische Entscheidung, die Sie getroffen haben.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Es ist eine politische Entscheidung, dass Sie das Klimaticket teurer machen, während Sie die SUV-Pendler:innen subventionieren. Es ist eine politische Entscheidung, dass Sie die Familienleistungen kürzen, während Sie Pick-ups mit Steuergeld sponsern. Und es ist Ihre verdammte Entscheidung, dass die Reichen schon wieder keinen fairen Beitrag leisten. (👏) Dafür können Sie niemand anderen verantwortlich machen und schon gar nicht die Grünen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Also, das Beste kommt heute nicht zum Schluss!

GRÜNE Nina Tomaselli

… denn es ist nicht ökologisch und – wenn Sie die „Standard“-Umfrage sehen, merken Sie nämlich, das geht den Leuten auch am Zipf – es ist überhaupt nicht gerecht, und das klage ich an. (👏) Ich habe Ihre ganzen Budgetvorträge auch aus den letzten Jahren noch ganz deutlich und laut in den Ohren – und dann legen Sie bitte ein Budgetbegleitgesetz mit einer Umwidmungsabgabe vor, die vorsieht: Je höher der Gewinn, desto weniger ist die anteilige Steuer. ( Heiterkeit der Rednerin. ) Das ist doch bitte Husch-Pfusch! In diesem Budgetbegleitgesetz steht auch ein super, super Spaßname für: Wir sparen im System. Sie setzen die Wertsicherung für die Mieten bei der Bundesimmobiliengesellschaft aus. Aber das Beste ist: Das spart nicht einmal, sondern das kostet 70 Millionen Euro in den nächsten Jahren – 70 Millionen Euro Mehrkosten! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, genau!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Das ist ( erheitert ) Loch auf, Loch zu und hat nichts mit umsichtiger Budgetpolitik zu tun. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, würde ich mir wünschen …

ÖVP Zarits (Zwischenruf)

Dass die Rede aus ist, wünsche ich mir!

GRÜNE Nina Tomaselli

… dass Sie nicht an Ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Damit eine besondere Gemeinheit nicht unerwähnt bleibt, welche völlig unsachlichen Gesetze sich auch in diesem Budgetbegleitgesetz verstecken: Diese Regierung, die ja auch besonders transparent sein wollte, legt im Budgetbegleitgesetz – das hat natürlich nichts mit dem Budget zu tun – auch noch fest, dass die Parteien zukünftig nicht mehr vierteljährlich die Spenden einmelden müssen, sondern nur noch einmal jährlich. ( Rufe bei den Grünen: Uiuiui! Oh! – Rufe bei der FPÖ: Oh! ) Damit dieser Rückschritt wieder zurückgedreht wird, bringen wir auch einen entsprechenden Antrag ein , und da bin ich schon sehr gespannt, was dann die – vielleicht ehemals – Transparenzpartei NEOS macht, wie ihr euch da entscheidet.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Bin enttäuscht!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Krainer. 3 Minuten eingemeldete Redezeit. (Abg. Shetty [NEOS]: Wie kann man in 2 Minuten 5 Minuten berichtigen?)

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kollegin Tomaselli, Sie haben der Zunft der Volkswirte, der Nationalökonomen gerade keinen guten Dienst erwiesen, sondern Sie haben eigentlich das Gegenteil getan. ( Widerspruch bei den Grünen. ) Natürlich ist jede Regierung für das Defizit, das sie verursacht, verantwortlich, aber es ist eine Regierung auch verantwortlich für das Defizit, das sie der nächsten Regierung hinterlässt …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Na geh!

SPÖ Kai Jan Krainer

… und das ist auch Ihre Verantwortung. (👏 SPÖ) Nicht alleine – niemand sagt, dass Sie das Defizit alleine verursacht haben …

ÖVP Wöginger (Zwischenruf)

Na, Gott sei Dank waren wir 2000 nicht so empfindlich!

SPÖ Kai Jan Krainer

… aber Sie waren Teil einer Bundesregierung. Natürlich könnte man, wie die Grünen das gemacht haben, sich hier herstellen und sagen, wir haben ein maastrichtkonformes Budget mit 2,7 Prozent beschlossen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Schau!

SPÖ Kai Jan Krainer

… es wurden halt 4,7 am Ende des Tages, und heuer würden wir 5,8 Prozent Defizit machen – das ist es, was Sie hinterlassen haben …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

3,8 Milliarden ...!

SPÖ Kai Jan Krainer

… 5,8 Prozent. Ehrlich gesagt ist das so, wie wenn Eltern nach dem verlängerten Wochenende nach Hause kommen und die Kinder eine Party gefeiert haben. Ist es schön? – Nein , aber die Eltern dafür verantwortlich zu machen, dass man zusammenräumt – es ist schon sehr dreist, was Sie da verlangen. (👏 SPÖ, NEOS) Was Sie für ein budgetäres Desaster hinterlassen, das ist jenseitig – und der Unterschied zu allen anderen Budgetsituationen, die wir hatten: Das ist kein externer Effekt wie eine Bankenkrise, das ist auch keine Pandemie, die vorbeigeht, sondern das sind strukturell hausgemachte Probleme …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Aha!

SPÖ Kai Jan Krainer

… ungedeckte Schecks, leere Versprechungen. Für die tragen Sie die Verantwortung nicht alleine, aber mit Ihrem damaligen Koalitionspartner gemeinsam.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja, ja!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Und wir sind zum Aufräumen hinter Ihnen ( Heiterkeit bei den Grünen ), uns können Sie das nicht umhängen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist niemand mehr dazu gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Ich sehe, das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/93.1 Wir kommen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 2: Entwurf betreffend Budgetbegleitgesetz 2025 in 100 der Beilagen. Hiezu liegen ein Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen sowie ein Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über die von den erwähnten Zusatz- beziehungsweise Abänderungsanträgen sowie vom Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile, der Systematik des Gesetzentwurfes folgend, und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 1 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mehrheitlich angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 2 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 3 und Artikel 7 sowie Art. 10 Z 1 bis 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 10 Z 5. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über Art. 11 Z 1 bis 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist ebenfalls die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 11 Z 5. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen zur getrennten Abstimmung über Artikel 13 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 16 und 17 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diese Teile des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über die Artikel 23 bis 27 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 28 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 32 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 40 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 41 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 42 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 44 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 45 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 47 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 51 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 55 sowie Art. 56 Z 1 und 5 in der Fassung des Ausschussberichtes. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Zusatz- beziehungsweise Abänderungsantrag betreffend Artikel 56, Einfügung einer neuen Z 7a sowie Änderung der Z 8, eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 56 Z 8. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 57, Art. 58 Z 1 und 4, Artikel 59, Artikel 60 sowie Art. 61 Z 1 bis 5 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über den Abänderungsantrag der Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen betreffend Art. 61 Z 6. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Art. 63 bis 66 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 68 und 69 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 70, 72 und 73 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Die Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 74 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über diesen Teil des Gesetzentwurfes in der Fassung des Ausschussberichtes. Ich ersuche jene Mitglieder des Hohen Hauses, die hiefür sind, um ein zustimmendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Der Gesetzentwurf ist somit auch in der dritten Lesung angenommen. RN/93.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Markus Koza , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Bonus-Malus-System zur Förderung der Beschäftigung von Menschen in den letzten zehn Jahren vor Erreichung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/93.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Ralph Schallmeiner , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Rücknahme der geplanten Änderungen im Erwachsenenschutzrecht und Wiedereinsetzung der Expert:innengruppen zum Thema Erwachsenenschutz“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/93.4 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 3: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Normverbrauchsabgabegesetz, das Bundesimmobiliengesetz, die Reisegebührenvorschrift und das Bundesgesetz über die Förderung von Handwerkerleistungen geändert werden, in 101 der Beilagen. Hiezu haben die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen einen Abänderungsantrag eingebracht. Weiters liegt ein Verlangen auf getrennte Abstimmung der Abgeordneten Mag. Dr. Jakob Schwarz , Kolleginnen und Kollegen vor. Ich werde daher zunächst über die vom erwähnten Abänderungsantrag sowie vom Verlangen auf getrennte Abstimmung betroffenen Teile, der Systematik des Gesetzentwurfes folgend, und schließlich über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes abstimmen lassen. Die Abgeordneten Andreas Ottenschläger , Kai Jan Krainer , MMag. Markus Hofer , Kolleginnen und Kollegen haben einen Abänderungsantrag betreffend Artikel 1 eingebracht. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Wir gelangen zur getrennten Abstimmung über Artikel 4 in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich ebenfalls um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist mit Mehrheit angenommen. Schließlich kommen wir zur Abstimmung über die restlichen, noch nicht abgestimmten Teile des Gesetzentwurfes samt Titel und Eingang in der Fassung des Ausschussberichtes. Wer hiefür ist, den ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen. RN/93.5 Wir gelangen zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 4: Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Begründung von Vorbelastungen durch den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur genehmigt wird, samt Titel und Eingang in 88 der Beilagen. Ich ersuche jene Damen und Herren, die für diesen Gesetzentwurf sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. Wir kommen sogleich zur dritten Lesung. Ich bitte jene Damen und Herren, die dem vorliegenden Gesetzentwurf auch in dritter Lesung ihre Zustimmung erteilen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist die Mehrheit. Der Gesetzentwurf ist somit auch in dritter Lesung angenommen.

Universitätsgesetz 2002 und Bildungsdokumentationsgesetz 2020

103 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 96 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Universitätsgesetz 2002 und das Bildungsdokumentationsgesetz 2020 werden geändert, um gemeinsame Studienprogramme in europäischen Hochschulallianzen zu erleichtern und die Digitalisierung der Hochschulverwaltung voranzutreiben. Dafür werden der Datenverbund der Universitäten und Hochschulen (DVUH) an den Register- und Systemverbund (RSV) angebunden, ein Studierendenregister zur Datenbereitstellung geschaffen und die Einführung eines einheitlichen digitalen Studierendenausweises über die eAusweise-Plattform ermöglicht (Inkrafttreten per Verordnung nach technischen Anpassungen).

Betroffen sind österreichische Universitäten und Hochschulen, Studierende (insbesondere in gemeinsamen internationalen Studienprogrammen) sowie Verwaltungsstellen, die über RSV/Studierendenregister auf definierte Studierendendaten zugreifen.

Dokumente

Universitätsgesetz 2002 und Bildungsdokumentationsgesetz 2020

Ausgangslage und Ziel der Novelle

  • Seit der letzten größeren Novelle des Universitätsgesetzes 2002 (UG) durch das Hochschulrechtspaket 2024 besteht in mehreren Bereichen weiterer Änderungsbedarf im Universitätsrecht.
  • Zentrale Ziele sind (1) Erleichterungen für gemeinsame Studienprogramme im Rahmen europäischer Hochschulallianzen sowie (2) die Weiterentwicklung digitaler Verwaltungsprozesse durch Ausbau des Datenverbundes der Universitäten und Hochschulen (DVUH) inklusive Studierendenregister und Grundlage für einen einheitlichen digitalen Studierendenausweis.

Gemeinsame Studienprogramme (European Universities Initiative) – Erleichterung beim Mindestumfang

  • Allianzen auf Basis der „European Universities Initiative“ (2018 von der Europäischen Kommission gestartet) entwickeln gemeinsame Studienprogramme mit zahlreichen Partnerhochschulen.
  • In vielen Mitgliedstaaten (auch Österreich) gibt es Vorgaben zum Mindestumfang an Studienleistungen, die an der Heimat- bzw. Partnerinstitution zu erbringen sind, damit ein staatlich anerkanntes Diplom bzw. eine (gemeinsame) Urkunde über die Verleihung eines akademischen Grades ausgestellt werden darf.
  • Diese Mindestumfangsvorgaben können nachteilig wirken, weil trotz Beteiligung einer Partnerhochschule Diplome für gemeinsame Programme nicht ausgestellt werden können.
  • Für österreichische Universitäten, die an einem gemeinsamen Studienprogramm mit mindestens drei Partnerhochschulen beteiligt sind, darunter eine oder mehrere ausländische Partnerhochschulen, wird eine Erleichterung hinsichtlich des Mindestumfangs der zu erbringenden Studienleistungen geschaffen.

Digitalisierung im Hochschulbereich – DVUH, Studierendenregister und grenzüberschreitende Anwendungen

  • Die fortschreitende Digitalisierung administrativer Prozesse im österreichischen Hochschulbereich und im Europäischen Hochschulraum ermöglicht zunehmend vereinfachte, transparente Online-Verfahren für Studierende und Hochschulen.
  • Die Weiterentwicklung des DVUH – einschließlich der Etablierung eines Studierendenregisters – wird als wesentliche Voraussetzung gesehen, um weitere Digitalisierungsprozesse voranzutreiben.
  • Durch diese Weiterentwicklung sollen (a) bestimmte Studierendendaten anderen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden können, (b) ein amtlicher digitaler Studierendenausweis umgesetzt werden können und (c) auch grenzüberschreitende Anwendungsfälle ermöglicht werden.

Anbindung an den Register- und Systemverbund (RSV) und Bereitstellung von Studierendendaten

  • Im DVUH werden auf Grundlage des Bildungsdokumentationsgesetzes 2020 zahlreiche Studierendendaten verarbeitet.
  • Der DVUH wird an den Register- und Systemverbund (RSV) bei der Bundesrechenzentrum GmbH über eine Schnittstelle angebunden.
  • Über diese Anbindung werden bestimmte Studierendendaten zur Verfügung gestellt (Studierendenregister).
  • Der RSV fungiert als zentrale Datendrehscheibe der öffentlichen Verwaltung und liefert bei Vorliegen einer rechtlichen Grundlage Daten an anfragende Verwaltungsinstitutionen über eine zentrale Schnittstelle.
  • Zielwirkungen: Reduktion von Zeit- und Kostenaufwänden, Beschleunigung der Antragsbearbeitung, Sicherstellung höchster Datenqualität und Fälschungssicherheit.
  • Es wird kein neues Register geschaffen; vielmehr werden bestimmte Daten aus dem bestehenden DVUH oder direkt aus den Verwaltungssystemen der Universitäten bereitgestellt.

Änderungsdienst zu ZMR-Daten als rechtlicher Rahmen

  • Auf gesetzlicher Ebene wurden bereits Rahmenbedingungen für einen Änderungsdienst für Berechtigte in § 16c Abs. 2 und 3 MeldeG geschaffen (BGBl. I Nr. 104/2018).
  • Rechtsträger sollen dadurch die Möglichkeit haben, über Änderungen bestimmter im Zentralen Melderegister (ZMR) gespeicherter Daten verständigt zu werden, soweit sie dabei in Vollziehung von Gesetzen handeln.

Einheitlicher digitaler Studierendenausweis – eAusweise-Plattform und Datenquellen

  • Für einen österreichweiten digitalen Studierendenausweis soll die eAusweise-Plattform des Bundes genutzt werden.
  • Die dafür erforderlichen Daten sollen aus dem Studierendenregister stammen; zusätzlich sollen die erforderlichen Attribute über den RSV gemäß § 1 Abs. 3 Z 2 USPG bereitgestellt werden.
  • Die Novelle ermöglicht die Einführung eines einheitlichen digitalen Studierendenausweises für österreichische Hochschulen.
  • Die Materiengesetze werden so angepasst, dass die Verwendung eines digitalen Studierendenausweises möglich wird; die notwendige Novelle des Hochschulgesetzes 2005 soll in einem gesonderten Schritt erfolgen.

Klarstellung zum Inkraft-/Anwendungszeitpunkt der Bestimmungen zum digitalen Studierendenausweis (Änderung BilDokG 2020 § 22 Abs. 6)

  • Aufgrund erforderlicher Anpassungen in der Ausweisplattform des Bundes kann die Anwendung der Bestimmungen zum digitalen Studierendenausweis erst nach Abschluss dieser Anpassungen erfolgen.
  • Zur Gewährleistung der Rechtssicherheit ist der Zeitpunkt der Anwendbarkeit durch die Bundesministerin oder den Bundesminister für Frauen, Wissenschaft und Forschung im Einvernehmen mit der Bundeskanzlerin oder dem Bundeskanzler sowie der Bundesministerin oder dem Bundesminister für Bildung per Verordnung im Bundesgesetzblatt kundzumachen.
  • Das Einvernehmen wird ausdrücklich auch mit der Bundesministerin oder dem Bundesminister für Bildung hergestellt.

Kompetenzgrundlage

  • Die Kompetenz für Regelungen im UG und im Bildungsdokumentationsgesetz 2020 ergibt sich insbesondere aus Art. 10 Abs. 1 Z 12a B-VG („Universitäts- und Hochschulwesen“).

Normerzeugungsverfahren (Konsultationsmechanismus/Stabilitätspakt)

  • Der Gesetzentwurf unterliegt der Vereinbarung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden über einen Konsultationsmechanismus und einen künftigen Stabilitätspakt der Gebietskörperschaften (BGBl. I Nr. 35/1999).

Finanzielle Auswirkungen

  • Für den Bundeshaushalt ergeben sich finanzielle Auswirkungen, insbesondere durch die Erweiterung des Datenverbundes sowie die Anbindung an die eAusweise-Plattform des Bundes.
  • Die detaillierte Auflistung der finanziellen Auswirkungen ist den wirkungsorientierten Folgenabschätzungen zu entnehmen.
  • Für Länder und Gemeinden ergeben sich keine finanziellen Auswirkungen.