XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

19. Sitzung des Nationalrats

25. April 2025

14Beschlüsse
6Angenommen
8Abgelehnt
19. Nationalratssitzung

Nationalen Bildungsbericht Österreich 2024

71 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage III-91 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den vom Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung vorgelegten Nationalen Bildungsbericht Österreich 2024 (III-91/71 d.B.) zur Kenntnis. Damit wird der Bericht samt Bildungscontrolling-Teil und erstmals beigefügten Schulqualitätsberichten der Bildungsdirektionen offiziell behandelt, ohne weitere inhaltliche Beschlussfassung.

Betroffen sind das österreichische Bildungssystem und seine Steuerung/Qualitätssicherung, insbesondere BMBWF, IQS, Bildungsdirektionen sowie Schulen und bildungspolitische Entscheidungsträger:innen.

Dokumente

Nationalen Bildungsbericht Österreich 2024

Gegenstand und Einordnung des Berichts

  • Behandelt wird der „Nationale Bildungsbericht Österreich 2024“, vorgelegt vom Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung.
  • Der Nationale Bildungsbericht wird damit zum sechsten Mal vorgelegt; frühere Berichte (2009, 2012, 2015, 2018) wurden unter Koordination des BIFIE in zwei Bänden erstellt.
  • Seit 2021 wird der Nationale Bildungsbericht unter Gesamtkoordination und Herausgabe des BMBWF veröffentlicht; das IQS wirkt als Nachfolgeorganisation des BIFIE weiterhin wesentlich an der Erstellung mit.
  • Der Bildungsbericht 2024 ist der zweite Bericht in der seit 2021 geltenden neuen Struktur.

Rechtlicher und struktureller Rahmen seit 2021

  • Mit dem Inkrafttreten des Bildungsdirektionen-Einrichtungsgesetzes (BD-EG) änderten sich die Anforderungen an den Nationalen Bildungsbericht.
  • Seit 2021 umfasst der Bericht einen nationalen Bildungscontrolling-Bericht.
  • 2024 umfasst der Bericht erstmals beigefügte Schulqualitätsberichte der Bildungsdirektionen (BD-EG § 5 Abs. 3).
  • Die Struktur des Berichts gliedert sich seit 2021 in drei Teile: (1) Bildungscontrolling-Bericht, (2) Bildungsindikatoren, (3) Ausgewählte Entwicklungsfelder.

Teil 1 – Bildungscontrolling-Bericht: Zweck und Inhalte

  • Teil 1 bilanziert den aktuellen Stand der Umsetzung der Elemente des Bildungscontrollings.
  • Erfasst werden wesentliche Entwicklungen im Bildungsbereich systematisch, insbesondere Weiterentwicklung des Schulsystems, Umsetzung von Reformen und Fortschritt wesentlicher Projekte.
  • Berichtet wird über den Fortschritt des Qualitätsrahmens für Schulen, des Bildungsmonitorings, des Kompetenzmessungsinstruments iKMPLUS, der internen Schulevaluation sowie der externen Schulevaluation.
  • Teil 1 enthält Ergebnisse aus dem Bildungscontrolling zum Fortschritt bei der Erreichung der EU-Zielvorgaben für allgemeine und berufliche Bildung.
  • Teil 1 umfasst zudem Wirkungsinformationen des BMBWF.

Schulqualitätsberichte der Bildungsdirektionen (Bestandteil von Teil 1)

  • Die Schulqualitätsberichte der Bildungsdirektionen sind ein wesentlicher Bestandteil des Bildungscontrolling-Berichts.
  • Im abschließenden Kapitel von Teil 1 werden die Schulqualitätsberichte allgemein erläutert.
  • Im Anhang sind die einzelnen Schulqualitätsberichte der Bildungsdirektionen dargestellt.
  • Die Berichte bieten einen Überblick über wesentliche Kennzahlen aus den Bundesländern.
  • Sie ermöglichen den Bildungsdirektionen, zu zwei ausgewählten Zielen (gemeinsam mit dem BMBWF im Rahmen der Ressourcen-, Ziel- und Leistungspläne vereinbart) die im jeweiligen Bundesland umgesetzten Maßnahmen zu beschreiben.

Teil 2 – Bildungsindikatoren: Zweck und Charakter

  • Teil 2 stellt Indikatoren zu Daten des österreichischen Bildungssystems dar.
  • Er bildet wesentliche Entwicklungen des Bildungssystems durch eine umfassende und differenzierte quantitative Darstellung wichtiger Aspekte des Schul- und Bildungswesens ab.
  • Im Unterschied zu Teil 1 (Überprüfung/Bewertung der Realisierung gesetzter Maßnahmen) zielt Teil 2 darauf ab, aktuelle Entwicklungen und den Status quo zu beleuchten.
  • Teil 2 erhebt weniger einen Bewertungsanspruch, sondern bietet Akteurinnen und Akteuren sowie der Öffentlichkeit eine transparente Informationsgrundlage.

Teil 3 – Ausgewählte Entwicklungsfelder: Zielsetzung und Aufbau

  • Teil 3 betrachtet vier ausgewählte Entwicklungsfelder als bildungspolitisch relevante Herausforderungen und Problemstellungen.
  • Die Entwicklungsfelder werden im Zusammenhang mit dem aktuellen Forschungsstand, bereits umgesetzten politischen Maßnahmen und daraus resultierenden Forschungsbedarfen beleuchtet.
  • Ziel ist die wissenschaftliche Aufarbeitung ausgewählter bildungspolitisch relevanter Themen, eine Zusammenschau vorhandener Forschungserkenntnisse sowie das Aufzeigen von Forschungsbedarfen und die Anregung weiterer Forschung.
  • Nach den Beiträgen der Autorinnen und Autoren wird jeweils der Standpunkt des BMBWF zum Thema kurz dargestellt.
  • Ein abschließender Beitrag des Qualitätsrats (fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler) betrachtet die Themen in einer Zusammenschau und reflektiert zentrale Herausforderungen und Empfehlungen.

Zielgruppen des Nationalen Bildungsberichts

  • Alle drei Teile dienen der Information der bildungspolitisch interessierten Öffentlichkeit.
  • Teil 1 (Bildungscontrolling-Bericht inkl. Schulqualitätsberichte) dient als Informationsquelle für den Nationalrat und die Bildungsverwaltung und gibt Einblick in Komponenten und Ergebnisse des Bildungscontrollings.
  • Teil 2 (Bildungsindikatoren) bietet eine umfassende Gesamtschau des Datenbestands zum Bildungsbereich und liefert Informationen für Bildungsverwaltung, Bildungsforschung sowie Stakeholderinnen und Stakeholder bildungsnaher Bereiche.
  • Teil 3 (Ausgewählte Entwicklungsfelder) schafft eine Informationsquelle für die Bildungsforschung und bietet eine evidenzbasierte Grundlage für bildungspolitische Entscheidungsprozesse.

Mitwirkende und Erstellung: Rollen von BMBWF, IQS und weiteren Institutionen

  • Die Gesamtkoordination des Nationalen Bildungsberichts 2024 lag beim BMBWF.
  • Die Koordination von Teil 2 und Teil 3 erfolgte vorwiegend durch das IQS.
  • Teil 1 (Bildungscontrolling-Bericht) wurde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BMBWF erstellt.
  • Teil 2 (Bildungsindikatoren) wurde vom IQS verfasst.
  • Bei einzelnen Indikatoren wirkte das IHS mit; bei Statistik Austria wurden Sonderauswertungen beauftragt.
  • Für Teil 3 wurden ausgewählte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und anderen Institutionen beauftragt.

Qualitätssicherung von Teil 3

  • Für Teil 3 wurden Reviews von externen Gutachterinnen und Gutachtern im Doppelblindverfahren erstellt.
  • Ein Qualitätsrat aus fünf in der österreichischen Bildungsforschungslandschaft etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wurde eingerichtet.
  • Der Qualitätsrat begleitete als unabhängige Schnittstelle zwischen Herausgeber und Autorinnen/Autoren den Prozess.
  • Aufgaben des Qualitätsrats: Sicherung der wissenschaftlichen Qualität, Einhaltung wissenschaftlicher Standards für Teil 3 sowie Erstellung einer abschließenden Synthese.
  • Das IQS koordinierte die Erstellung von Teil 3 und fungierte als Kommunikationsschnittstelle zwischen Autorinnen/Autoren, Gutachterinnen/Gutachtern und Qualitätsrat.

Nationalen Bildungsbericht Österreich 2024

~37 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Hermann Brückl

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Wir besprechen diesen Nationalen Bildungsbericht – einen Bildungsbericht, der seit 2009 alle drei Jahre aufgelegt beziehungsweise veröffentlicht wird. Er zeigt die Entwicklung in unserem Schulsystem in den vergangenen Jahren auf und soll auch Zahlen und Daten für Entscheidungen zur Weiterentwicklung unseres Bildungssystems liefern. Vor allem aber, Hohes Haus, tut dieser Nationale Bildungsbericht eines: Er zeigt uns völlig unverblümt auf: Wenn wir in Österreich so weitermachen wie bisher, dann geht das in den Graben, dann wird es nichts mehr mit unserem Schulsystem (👏 FPÖ), dann schaut es ganz, ganz dunkel und finster für die Zukunft unserer Kinder und unseres Landes aus. In ganz vielen Kapiteln bestätigt dieser Nationale Bildungsbericht uns Freiheitliche auch dahin gehend, was wir in den letzten Jahren immer wieder gesagt haben, wofür wir angegriffen, teilweise angegriffen und verurteilt wurden – aber er bestätigt uns. So sagt uns der Bericht beispielsweise, dass die Zahl jener Kinder, die am Ende ihrer Schullaufbahn Probleme in den Grundkompetenzen haben, Jahr für Jahr steigt. Das ist jetzt kein Geheimnis, aber es kommt ganz klar zum Ausdruck, das kann auch niemand mehr bestreiten: Ein Viertel der 15-Jährigen hat Probleme in den Grundkompetenzen, das heißt, die durchlaufen acht, neun Schuljahre, und am Ende des Tages haben 24,9 Prozent der Schüler, der Jugendlichen Probleme in Mathematik, 25,3 Prozent beim Lesen, 22,7 Prozent in den Naturwissenschaften, und jeder siebente 15-jährige Schüler schafft nicht einmal mehr die Kompetenzstufe 2. Und das, Hohes Haus, sehr geehrte Damen und Herren, obwohl wir in Österreich – und das geht auch aus dem Bericht hervor – die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben im Schulsystem im internationalen Vergleich haben. Da stimmt etwas nicht, Hohes Haus, das passt nicht zusammen! Da gibt es zwischen Input und Output viel zu große Unterschiede. (👏 FPÖ) Ein anderes Thema, geschätzte Damen und Herren: die Deutschkenntnisse. Jedes dritte bis vierte Wiener Volksschulkind – Herr Bundesminister, Sie wissen es, Sie waren ja in den letzten Jahren in Wien aktiv – kann dem Unterricht nicht folgen, weil es nicht ausreichend Deutsch kann. Da sage ich Ihnen, Herr Bundesminister, da Sie jetzt vorhaben, die Deutschförderungen auszubauen: Ja, soll man machen, ist gut so, aber ich sage Ihnen auch, Sie gehen hier einen falschen Weg, denn Sie übertragen die Verantwortung in Zukunft auf die Schulen, Sie wälzen Verantwortung unter dem Begriff der Flexibilisierung, unter dem Begriff der Schulautonomie auf die Schulen ab. Und am Ende des Tages wird es so sein, dass die Schüler, die nicht Deutsch können, wiederum am Regelunterricht teilnehmen. Das ist nicht unser Zugang. Kinder, die nicht ausreichend Deutsch können, können am Regelunterricht nicht teilnehmen. (👏 FPÖ) Herr Bundesminister, wie schaut es mit dem Konfliktmanagement aus? Gerade aus Wien – wie gesagt wissen Sie es, weil Sie ja in den letzten Jahren dafür verantwortlich waren – hören wir und lesen wir nahezu tagtäglich von Zuständen, die wir allesamt nicht haben wollen: von Mobbing, von Gewalt, von Respektlosigkeit, von Disziplinlosigkeiten. Gestern, Herr Bundesminister, hatten wir ein Gespräch – es waren die Bildungssprecher aller Parteien dabei – mit pädagogischen Führungskräften. Quintessenz daraus waren meiner Meinung nach zwei ganz wichtige Punkte. Der erste Punkt: Diese Führungskräfte, Direktoren der verschiedensten Schultypen, leiden unter einer unglaublichen Bürokratie. Vor allem die Bildungsdirektionen sind Bürokratiemonster, das muss man ganz offen sagen, das Schulqualitätsmanagement funktioniert nicht mehr. Der zweite Punkt: Sie berichteten uns darüber, dass Religionskonflikte in den Schulen aufzubrechen beginnen, und zwar auch in den Volksschulen, nicht nur in den höheren Klassen, auch in den Volksschulen. Herr Bundesminister, wir haben einen Neunpunkteplan, den legen wir seit Jahren vor – die ÖVP hat diesem Neunpunkteplan ja auch einmal zugestimmt –, darin ist eine klare Lösung enthalten, wie wir diese Konflikte angehen können, wie wir sie lösen können. Das ist ein ganz klarer Weg, der da aufgezeigt wird. Die Bildungsdirektionen – dieses Bürokratiemonster, das wirklich auf den Schulen, auf den Lehrern, auf den Direktoren, auch auf den Eltern lastet – müssen zu Servicestellen umorganisiert werden, Herr Bundesminister. Das kann nicht so bleiben! Ich denke, das sind Lösungsansätze, Lösungswege, die Sie gehen müssen. Zum Ende kommend: Herr Bundesminister, Sie haben sehr medienwirksam vor einigen Wochen ein Handyverbot angekündigt; das ist gut so, kann man machen. Aber Sie wissen selbst auch, Sie lösen kein einziges Problem, das wir im Bildungsbereich haben, mit diesem Handyverbot. Das ist ganz einfach so. Schauen Sie, wir können hier ein Loch stopfen, wir können dort ein Loch stopfen. Am Ende des Tages liegt die Lösung all der Probleme, die wir im Bildungs- und im Schulbereich haben, darin, dass wir die Zuwanderung nach Österreich unter dem Titel des Asyls endlich stoppen. (👏 FPÖ) Herr Bundesminister, Sie haben als Mitglied der Bundesregierung dazu den Schlüssel in der Hand. Nutzen Sie ihn und setzen Sie ihn ein! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete von Künsberg Sarre. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Martina von Künsberg Sarre

Herr Präsident! Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Wir diskutieren heute den Nationalen Bildungsbericht 2024 hier im Plenum. Das ist auch eine Neuerung, denn wir haben so einen Bericht normalerweise immer im Ausschuss enderledigt, der Bildungsbericht ist gar nicht ins Plenum gekommen und wurde hier auch nicht diskutiert. Dass wir ihn jetzt hier diskutieren, zeigt, wie bedeutsam der Bildungsbereich für diese Bundesregierung ist. Viel Zahlenmaterial, Datenmaterial et cetera ist da drinnen, 500 Seiten hat der Bericht, aber man kann natürlich auch sehr, sehr viel aus ihm und auch aus den vielen anderen Studien, Erhebungen, die es im Bildungsbereich gibt, lernen. Was ist es? – Kollege Brückl hat es schon aufgezeigt. – Ja, es gibt massive Herausforderungen im Bildungsbereich. Ja, und die sind auch nicht neu, jeder weiß das seit Jahren und Jahrzehnten. Die früheren Regierungen haben leider einen großen Bogen um den Bildungsbereich gemacht, sonst wären wir jetzt nicht in dieser Situation. Die letzte Regierung hat das Geld mit beiden Händen ausgegeben, als gäbe es kein Morgen ( Rufe bei den Grünen: Ah! ), aber auch da wurde das Geld nicht für den Bildungsbereich ausgegeben, nicht für die Kinder und auch nicht für die Pädagogen.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Für die Elementarpädagogik, für die zusätzliche Assistenz, die ... in Wien hätte einsetzen können, was er nicht gemacht hat! – Zwischenruf des Abg. Koza [Grüne].

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Wir haben große Herausforderungen. Um einige zu nennen: 25 Prozent der 15-Jährigen können nicht sinnerfassend lesen, das ist eine Katastrophe; zu viele sprechen nicht Deutsch, Kollege Brückl hat es ja auch erwähnt; und um die Chancengerechtigkeit in Österreich steht es im Vergleich zu anderen Ländern sehr, sehr schlecht. Kollege Brückl kann jetzt ganz oft aufzählen, was die Probleme sind. Ja, das sind Probleme und große Herausforderungen, und all diese Rückstände werden wir nicht von heute auf morgen lösen können. Das wird dauern, aber diese Bundesregierung unter NEOS-Beteiligung hat endlich die Bildung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt, und das ist ja das Wesentliche, dass wir jetzt Themen und Probleme angehen und nicht nur immer darüber reden und sie nicht lösen. (👏 NEOS) Wir haben im Bildungsbereich eine Aufholjagd gestartet, eine riesengroße Aufholjagd …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

In Wien auch schon?

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und ich lade alle ein, denen Bildung so wahnsinnig wichtig ist, an der Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen mitzuarbeiten, konstruktiv mitzuarbeiten und auch lösungsorientiert mitzuarbeiten. Wir haben viele Schwerpunkte in den nächsten Jahren: Der Kindergarten wird endlich zur ersten Bildungseinrichtung für die Kinder gemacht, mit einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr, mit einem Ressourcenpaket. Die Schulen sollen wieder ein Ort des Lebens und Lernens werden. Die Grundkompetenzen sollen selbstverständlich alle Kinder erwerben. Es wird einen Fokus auf Spracherwerb geben, auf Deutschförderung, und auch das Thema Demokratiebildung, das ja auch im Bildungsbericht angesprochen wird, wird groß abgebildet werden. Neu im Regierungsprogramm ist, dass es überhaupt einmal bundesweit einheitliche Qualitätsstandards im Kindergarten geben wird, die rechtlich verbindlich sein werden. Es wird einen verbindlichen Stufenplan für kleinere Gruppen geben, was wir auch in den letzten Jahren sehr, sehr oft von der vorigen Regierung gefordert haben, was aber leider nicht passiert ist. Es wird ein grundständiges Bachelorstudium für die Elementarbildung geben. Es wird der Chancenbonus für Schulen mit besonderen Herausforderungen eingeführt werden, nicht nur als kleines Projekt, sondern flächendeckend für ganz Österreich. Das mittlere Management für Schulen soll kommen und Schulleiter:innen und Lehrkräfte unterstützen. Es wird ein Ressourcenpaket für digitale Lernformen und eine Reform der Schulbuchaktion geben – auch längst notwendig. Und was wir auch in den letzten Jahren gefordert haben, setzen wir jetzt um: das Recht auf ein elftes und zwölftes Schuljahr für Kinder mit Behinderungen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Diese Regierung ist zwar erst ein paar Wochen im Amt, aber im Bildungsbereich ist so viel auf den Weg gebracht worden wie in den letzten Jahren nicht.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Geh, so ein Blödsinn! ... Handyverbot und die Verlängerung von der Ukrainehilfe ...!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Ich weiß, es tut weh, das zu hören, ich verstehe das, ich kann nachvollziehen, dass es Ihnen so geht. Wir haben die handyfreie Schule bis zur achten Schulstufe …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wow! – Weitere Rufe bei den Grünen: Wow!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… die Einführung von Orientierungsklassen, den Ausbau der Deutschförderung, Aufstockung der Deutschförderkräfte …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Das sind die Ukrainemittel, fünf zusätzliche Millionen!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… und die Einrichtung eines Schulleiterbeirats, weil Schulleitungen einfach eine zentrale Rolle für das gute Gelingen an der Schule sind.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Ein Beirat, so viel wie ... ein Beirat! – Abg. Shetty [NEOS]: In fünf Wochen mehr als ihr in fünf Jahren!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Der Bildungsminister hat bereits angekündigt, dass 80 Prozent der bürokratischen Vorgaben abgebaut werden sollen, also es gibt einen riesigen Bürokratieabbau. (👏 ÖVP, NEOS) Ich kann Ihnen versprechen, wir werden in diesem Tempo auch weitermachen. Wir werden Punkt für Punkt dieses Regierungsprogramm abarbeiten , und es wird eine Verbesserung für Kinder, Jugendliche, Pädagog:innen und Eltern geben, weil uns der Bildungsbereich wichtig ist. Und wie gesagt noch einmal eine herzliche Einladung, nicht nur immer Analyse zu betreiben und zu sagen, was eigentlich alles zu tun wäre …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Dann dürfts unsere Anträge nicht vertagen! Vertagt unsere Anträge nicht!

NEOS Martina von Künsberg Sarre

… Sie können beim nächsten Tagesordnungspunkt gerne mitstimmen und konstruktiv mitarbeiten! Es geht nicht darum, dass Sie uns, der Bundesregierung, einen Gefallen tun, wenn Sie mitstimmen, sondern darum, dass Sie für Kinder und Jugendliche etwas verbessern – und das ist ja das Ziel von uns allen, denke ich. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Marchetti. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

ÖVP Nico Marchetti

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bildungsminister! Ich darf zuerst einmal eine Gruppe aus Kramsach mit dem Vizebürgermeister Markus Vögele im Namen meines Kollegen Hechenberger begrüßen – willkommen im Hohen Haus! (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Der Nationale Bildungsbericht ist, wie schon gesagt wurde, eine Vermessung des österreichischen Bildungssystems und eine gute Grundlage, um sich über Reformen im Bildungssystem zu unterhalten. Bevor ich darüber spreche, möchte ich schon sagen, dass es vor allem auch die Menschen sind, die im Bildungssystem arbeiten, die wirklich Großartiges leisten, die es auch verdienen, erwähnt zu werden. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang wirklich bei allen Pädagoginnen und Pädagogen bedanken, die in den Klassenzimmern stehen und die Ideen, die wir da überall haben, auch in die Realität umsetzen. Ich glaube, die haben sich auch einmal einen großen Applaus verdient. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ja, es gibt natürlich Probleme im Bildungssystem, was ganz klar ist, weil die Klassenzimmer in Österreich natürlich auch ein Abbild der Gesellschaft und aller Herausforderungen sind, die es in der Gesellschaft gibt. In der Integration zum Beispiel haben wir gesehen, dass eine gewisse Zuspitzung auch im Bildungssystem da ist. Wir haben natürlich immer wieder gute Vorschläge gehabt, was man in Wien besser machen kann, in Wien gab es immer gute Vorschläge, was man im Bund besser machen kann, und ich sehe es als Chance, dass wir jetzt gemeinsam diese guten Vorschläge matchen können und insgesamt sinnvolle Maßnahmen setzen, die fürs ganze Land, für alle Bundesländer etwas bringen. (👏 ÖVP, NEOS) Ein Punkt, um Berechenbarkeit ins Bildungssystem hineinzubringen, war für uns, dass wir jetzt auch den Stopp des Familiennachzugs beschlossen haben. ( Ruf bei der FPÖ: Boah! ) Man hat gesehen, dass durch den Familiennachzug einfach teilweise in einem Monat ganze Schulen nach Österreich gekommen sind. Das war organisatorisch kaum stemmbar, es war auch für die Kinder und Jugendlichen nicht gut. Wir ziehen da jetzt eine Notbremse und sagen: Wir brauchen Berechenbarkeit im System, wir brauchen keine Containerklassen auf Sportplätzen, wir brauchen keine Überforderung der Pädagoginnen und Pädagogen, wir wollen Qualität im Bildungssystem! Deswegen machen wir das jetzt, es ist einmal die erste richtige Maßnahme, um im Bildungssystem eine Entlastung zu schaffen. (👏 ÖVP, NEOS) Und weil es mir um die Sache geht, möchte ich auch sagen: Ich verstehe natürlich, was die Kollegin vor mir gesagt hat, aber wir haben auch in der letzten Legislaturperiode sinnvolle Dinge fürs Bildungssystem gemacht, zum Beispiel die Assistenzkräfte in der Primarstufe, auch das Paket zum Ausbau der Elementarpädagogik gemeinsam mit den Bundesländern. Das sind schon einige Dinge, auch der Quereinstieg und die Aufwertung des Lehrerberufs, diese Initiative, dass wir Lehrer für den Beruf anwerben, das waren gute Dinge, die wirken und die sicher helfen, um die Herausforderungen im Bildungssystem zu bewältigen. (👏 ÖVP) Die Reformen, die wir jetzt im Regierungsprogramm im Bildungsbereich paktiert haben, sind große Reformen. Sie werden viel Einsatz brauchen und sie werden auch die Einbindung der Bundesländer und die Einbindung der Schulpartner brauchen, das ist uns als ÖVP immer sehr wichtig und dafür stehen wir bereit. Das wollen wir machen, und wir wollen, dass das Bildungssystem besser wird. Wir freuen uns – mit Kollegen Brückl habe ich immer einen sehr guten Austausch, auch im Bildungsausschuss –, wenn wir gemeinsam in der Analyse exakt sind, aber dann auch bei der Umsetzung der Lösungen einen guten Willen zeigen und gemeinsam an einem Strang ziehen. Das Bildungssystem geht uns alle etwas an, das ist für die Zukunft dieses Landes unerlässlich, und ich glaube, dass wir bei vielen Dingen, die im Regierungsprogramm stehen, Konsens finden können, auch mit den Oppositionsparteien. Ich freue mich, wenn wir da, aus dem Bildungsbericht abgeleitet, wissen, was zu tun ist, aber – da bin ich bei Ihnen, Frau Kollegin Künsberg Sarre – das dann auch tun. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Himmer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Heinrich Himmer

Einen schönen guten Morgen! Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und liebe Besucher! Liebe Zuseherinnen und liebe Zuseher! Ich habe auch einmal mitgebracht, wovon wir ja jetzt schon seit ein paar Minuten reden, nämlich diesen Nationalen Bildungsbericht. ( Der Redner hält den genannten Bericht in die Höhe. ) Man sieht, das ist ein sehr umfassendes Werk, und Kollege Brückl hat vollkommen recht, er zeigt – und das kann man, glaube ich, hier schon außer Streit stellen, genauso wie im Ausschuss – ganz offen, ohne Vorbehalte und ohne in irgendeine Richtung etwas schönzureden oder schlechtzureden, den Zustand in Segmenten des Bildungssystems. Dass es diesen Bildungsbericht seit mittlerweile vielen, vielen Jahren gibt, ist also ein großer Vorteil und eine große Chance, etwas zu tun, was nicht immer selbstverständlich ist, gerade wenn ich in Richtung der FPÖ schaue, nämlich evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen, Entscheidungen zu treffen, die die Wissenschaft für richtig hält – und nicht aus dem Bauch heraus zum Beispiel über das Können oder Nichtkönnen von Schülerinnen und Schülern zu reden. Genauso wie Kollege Marchetti - - (👏 SPÖ) – Herzlichen Dank. Genauso wie Kollege Marchetti möchte auch ich ganz zu Beginn jene in den Mittelpunkt stellen, um die es geht: nämlich nicht um die fast 600 Seiten hier (den Bericht neuerlich zeigend) , sondern um die über eine Million Schülerinnen und Schüler, um die über 100 000 Pädagoginnen und Pädagogen, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jeden Tag unser Bildungssystem gestalten – in den Kindergärten, in den Schulen, an den Universitäten und Hochschulen. Es sind die Menschen, die das, was wir hier beschließen, in die Wirklichkeit bringen sollen, und dass sie dabei Unterstützung brauchen, ist auch nicht neu. Das betrifft uns seit vielen Jahrzehnten. Dass Bildung noch immer vererbt wird, ist auch keine Überraschung; auch nicht, dass auch in diesem Bericht deutlich herauskommt, dass wir uns um die einzelnen Kinder, die einzelnen Jugendlichen, die einzelne Lehrerin, den einzelnen Lehrer zu wenig kümmern. Wir reden uns immer ein, dass wir über die, die nicht Deutsch sprechen, reden, über die, die eine andere Religion haben – wir reden nie über das einzelne Kind, und um das geht es. Wie können wir dem einzelnen Kind dabei helfen, ein besseres Leben zu gestalten? (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind uns alle ja in vielen Punkten – und das ist ja auch erfreulich – einig, dass unser Bildungssystem ganz sicher mehr Unterstützung braucht, und ich bin auch der Bundesregierung, dir, lieber Herr Minister, sehr dankbar dafür, dass man einen ganz wichtigen Schritt, nämlich die Deutschförderung, ganz zu Beginn in den Mittelpunkt stellt und sagt: Wir machen nicht das, was in der Vergangenheit üblich war, nämlich jedes einzelne Kind nicht gleich wert und wichtig zu nehmen. So bin ich froh darüber – und das hast du ja auch präsentiert –, dass alle Kinder in Österreich in Zukunft, wenn es um die Deutschförderung geht, gleich viel wert sind, egal ob sie in Tirol oder in Wien sind. Es wird für jedes Kind gleich viel an Deutschförderung unterstützend hergegeben. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist ein ganz wichtiger Punkt, das macht unser System chancengerechter und hilft tatsächlich den Pädagoginnen, den Pädagogen bei der Arbeit, aber ganz besonders den Schülerinnen und Schülern, Deutsch zu lernen. Dass Deutsch eine Voraussetzung ist, um Erfolg beim Bildungsabschluss zu haben, darüber sind wir uns alle einig, und daher ist es auch zentral, dass wir die Menschen dabei unterstützen. Ich bin auch froh darüber, dass unser Regierungsprogramm da viele weitere Schritte vorsieht, nämlich zum Beispiel die frühe Trennung oder auch die Separierung in Deutschförderklassen autonomer zu gestalten. Ich bin sehr dankbar darüber, dass man Evaluierungsberichte, die ja schon länger existieren, nun tatsächlich in Wirklichkeit bringt. Abschließend möchte ich daher sagen, dass uns dieser Nationale Bildungsbericht vermutlich auch in den nächsten Jahren – er erscheint ja alle drei Jahre – dabei begleiten wird, dass wir gemeinsam das, was wir heute hier diskutieren, auch tun, nämlich die Wissenschaft und die wissenschaftlichen Ergebnisse ernst zu nehmen und dabei jedes einzelne Kind, jeden einzelnen Elternteil, jede einzelne Pädagogin und jeden einzelnen Pädagogen gleich wichtig zu nehmen. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Maurer. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

GRÜNE Sigrid Maurer

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren den Nationalen Bildungsbericht und die Kolleg:innen haben es schon gesagt, es ist ein sehr dicker Bericht mit sehr vielen Zahlen, aber es ist das Abbild unserer Gesellschaft und des Bildungssystems in Österreich. Leider gibt es eine zentrale Erkenntnis dieses Bildungsberichtes, die in jedem Nationalen Bildungsbericht, seitdem er veröffentlicht wird, immer und immer wieder belegt wird, und diese ist, dass in Österreich die Chancen für Kinder eben nicht gleich sind, sondern dass in Österreich Bildung nach wie vor vererbt wird. (👏) Es ist nicht egal, ob ich in einen Haushalt geboren werde, der reich ist, in dem die Eltern gut verdienen oder wo die Eltern selber ein Hochschulstudium gemacht haben, oder ob ich migrantische Eltern habe, sondern es ist leider so, dass genau diese Faktoren hauptsächlich ausschlaggebend dafür sind, wie meine weitere Bildungskarriere verläuft – und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, können wir nicht akzeptieren. (👏) Jedes Kind, egal wer seine Eltern sind, egal wo es geboren wurde, hat das Recht auf eine gute Bildung, auf eine gute Bildungskarriere und auf Chancengerechtigkeit! (👏) Das, diese Chancengerechtigkeit, liefert unser Bildungssystem seit Jahrzehnten nicht. Nein, im Gegenteil, die Ungerechtigkeit wird weiter einzementiert. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren Vorarbeiten geleistet, auf denen diese Bundesregierung nun aufbauen wird, Stichwort Chancenindex. Wir haben sehr wohl in den vergangenen fünf Jahren – Frau Kollegin, ich komme noch zu Ihren Bewertungen der ersten Regierungswochen – den Chancenindex mit dem Projekt 100 Schulen – 1 000 Chancen begonnen, er liegt im Ministerium vor und er kann umgesetzt werden, und ich werde dazu hier auch einen Antrag einbringen. Worum geht es beim Chancenindex? – Es geht darum, dass wir im Schulsystem die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen für die Kinder ausgleichen, dass wir Kinder, die mehr Unterstützung brauchen, weil sie zu Hause nicht zwei Akademikereltern haben, die ihnen schon im Kindergarten das Lesen beibringen können, besser unterstützen, sodass sie genauso wie die anderen Kinder beispielsweise Lesen und Deutsch lernen. Es geht darum, dass wir Kindern mit Behinderung dieselben Chancen geben. Es geht darum, dass superbegabte Kinder die Förderung bekommen, die sie brauchen, damit sie nicht vor Langeweile in der Schule auf blöde Gedanken kommen. Das sind Unterstützungsmaßnahmen, die unser Schulsystem leisten muss, und der Chancenindex bietet die Möglichkeit dafür, die Berechnungen für die Ressourcenverteilung so zu machen, dass genau das möglich ist. (👏) Ich komme zu Kollegin Künsberg Sarre: Ich freue mich ja wahnsinnig über die Begeisterung über die eigene Arbeit in diesen ersten Wochen – und Herr Minister ( in Richtung Bundesminister Wiederkehr ), ich wünsche Ihnen von Herzen, wirklich von riesigem Herzen, das Allerallerbeste, und Sie haben meine gesamte riesige Unterstützung für diese Arbeit.

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Ein authentischer Wunsch!

GRÜNE Sigrid Maurer

… Ich bin tatsächlich froh, dass jemand an dieser Stelle steht, dem ich glaubwürdig abkaufe, dass er an gleichen Chancen für alle Kinder interessiert ist (👏 NEOS), aber bis jetzt ist das alles Ankündigung und überhaupt nichts umgesetzt. Eine Handyverbotsverordnung ändert noch überhaupt nichts, das haben die Schulen vorher selber gemacht, und die angekündigten Deutschfördermittel – und es ist super, dass das Verteilungssystem geändert wird – sind dieselben 60 Millionen Euro, die wir vorher für die Ukraine hatten, das haben Sie in Ihrer eigenen Aussendung selber gesagt. Es waren 57 Millionen Euro für die Ukraineunterstützung, jetzt sind es 62 Millionen Euro für die Deutschförderung. Das ist gut, aber es wird nicht reichen, und wir werden uns sehr genau anschauen, wie die Gesamtbilanz bei den Deutschförderkräften dann zum Schluss ausschaut. In Wien ist es bei den Ankündigungen geblieben. Sie waren zuständiger Stadtrat in Wien.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Na bitte, nicht wieder Wiener Wahlkampf! So gut gestartet!

GRÜNE Sigrid Maurer

… Wir haben Pakete für Schulsozialarbeiter:innen geschnürt. Sie haben versprochen, dass es in jeder Schule einen geben wird, Sie haben es nicht geschafft. Elementarpädagogik: viele Versprechen, nicht geschafft. Ich wünsche mir das von Herzen, wirklich: Ich bin seit 20 Jahren in der Bildungspolitik und ich wünsche mir nichts dringlicher als einen Minister, der das wirklich schafft …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist so glaubwürdig, dieser Wunsch!

GRÜNE Sigrid Maurer

… aber diesen Beweis müssen Sie erst antreten, Herr Minister. Meine Unterstützung haben Sie dafür. Ich bringe noch den Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Maurer, Kolleginnen und Kollegen betreffend „einer zügigen Umsetzung einer indexbasierten, bedarfsgerechten Mittelverteilung (Chancenindex)“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Der Bundesminister für Bildung wird aufgefordert, einen Chancenindex für bedarfsgerechte Mittelverteilung für Schulen umzusetzen. Schulstandorte mit besonderen Herausforderungen – insbesondere jene mit sozialer Benachteiligung, sprachlichen Hürden oder hoher Diversität – sollen entsprechend ihres Bedarfs verstärkt mit finanziellen Mitteln und zusätzlichem Personal ausgestattet werden. Diese Mittel sollen den Schulen flexibel und zur schulautonomen Verwendung zur Verfügung stehen.“ Vielen Dank. 10.49 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/20.1 einer zügigen Umsetzung einer indexbasierten, bedarfsgerechten Mittelverteilung (Chancenindex (34/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung. Es hat sich der Herr Bundesminister, den ich sehr herzlich in unserer Mitte begrüße, zu einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Bundesminister.

FPÖ Wendelin Mölzer

Ja, danke, Herr Präsident! Herr Minister! Hohes Haus! Es ist spannend, Sie fordern von uns, von der Opposition Lösungsvorschläge ein, geschätzte Kolleginnen und Kollegen von den Regierungsparteien, haben aber im Ausschuss alle unsere vernünftigen Lösungsansätze simpel vertagt oder in veränderter Form hier ins Plenum gebracht. Also so sieht konstruktive Arbeit unserer Ansicht nach nicht aus. Herr Minister, ich muss sagen, Sie sprechen von einer Aufholjagd – ja, die ist definitiv notwendig! –, das sind viele schöne Töne, die Sie da an den Tag legen. Ich finde es aber spannend, dass just Sie, der Sie fünf Jahre lang als Bildungslandesrat beziehungsweise Bildungsstadtrat im Hauptproblemfeld, nämlich Wien, offensichtlich nicht in der Lage waren, Herr der Lage zu werden oder irgendetwas zum Besseren zu wenden, derjenige sind, der das Ganze im Bund richten will. Ich glaube, das wird sich nicht ganz ausgehen. (👏 FPÖ) Keine Frage, die Problemfelder sind wirklich mannigfaltig – heute schon erwähnt: Bürokratieprobleme, Strukturprobleme in den Schulen; wir wissen, wir pumpen eben viel Geld hinein und kommen trotzdem auf einen mittelmäßigen Output et cetera pp. Ein Beispiel, wenn wir von Wien reden: Es gibt die Flucht in die Privatschulen. Wir wissen, dass in Österreich jedes zehnte Kind, also rund 10 Prozent österreichweit, eine Privatschule besucht, in Wien sind es 30 Prozent, die eine Privatschule besuchen müssen. Das ist wirklich bezeichnend, und ich fürchte, das wird noch mehr werden. Wir leben in einem Land mit einer der höchsten Steuerquoten, und trotzdem muss ich dafür sorgen, dass meine Kinder, vorausgesetzt ich habe das Geld, die Bildung sozusagen privat finanziert kriegen. Das ist wirklich ein Witz, insofern als natürlich genau die – und da sind wir bei der Chancengerechtigkeit – unter die Räder kommen, die sich das eben nicht leisten können. Da gibt es dann Chancengerechtigkeit in Wahrheit nur mehr in ländlichen Bereichen und nicht mehr in den städtischen, urbanen Bereichen, was aber natürlich dringend notwendig wäre. (👏 FPÖ) Keine Frage, so kann es definitiv nicht weitergehen. Ich finde es spannend, dass wir zwar über viele Dinge sprechen – entsprechende Fördermaßnahmen, Milliönchen dort, Milliönchen da, Posten da, neue Posten dort –, aber immer um das Kernproblem in dieser Sache herumreden; dass Sie da um den heißen Brei herumreden. Was ist ein Hauptproblem? – Das sprechen wir immer wieder an: Es ist die Massenmigration, die unser Bildungssystem überlastet – nicht nur das Gesundheitssystem und andere Dinge, sondern konkret das Bildungssystem – und an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Ich glaube nicht, dass es etwas bringt, noch mehr Millionen und Milliarden in Integrationsmaßnahmen zu stecken, zumal offensichtlich bei vielen dieser Zuwanderer, die wir im Land haben, der Integrationswille einfach nicht da ist. Daraus muss man dann natürlich entsprechende Ableitungen ziehen. Wir haben einen Lösungsansatz – ich weiß, es ist nur ein Teil der Lösung, aber vielleicht ein wesentlicher Teil der Lösung –: dass man das Übel an der Wurzel packt und dass man jenen, die diesen Integrationswillen nicht haben, nahelegt, das Land zu verlassen. Ich würde auch zum Thema Familiennachzug sagen: Familiennachzug ja, aber nicht bei uns in Österreich, sondern in Herkunftsländern. (👏 FPÖ) Da wären wir dann insofern schon um einiges weiter und könnten jene Probleme, die es dann immer noch gibt, um einiges leichter lösen. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Fiedler. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

NEOS Fiona Fiedler

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier und vor den Bildschirmen zu Hause! ( Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend: ) Liebe gehörlose Menschen! Auch ich möchte mich zuallererst für den sehr ausführlichen Bericht bedanken, weil es gerade für uns in der Politik wichtig ist, wissenschaftliches Fundament zu haben; das ist unverzichtbar für gute Politik, die wir hier machen wollen. Ich möchte den Fokus gleich auf den Inklusionsbereich legen. Was sagt uns da der vorliegende Nationale Bildungsbericht? Ein paar trockene Fakten vorweg: Die Zahl der Schüler:innen mit SPF in der Primarstufe ist zwischen 2009 und 2015 angestiegen und zwischen den Schuljahren 2015/16 und 2018/19 wieder gesunken. Mittlerweile befinden wir uns fast wieder auf dem Stand von 2009; und ja, es gibt im Erhebungszeitraum zwischen 2006 und 2023 bedeutsame Fortschritte hinsichtlich Inklusionsquote, aber das Gros davon entfällt auf den Zeitraum bis 2013/14, und seither treten wir auf der Stelle. Was ist da also wirklich relevant? – Österreich tritt nicht einheitlich auf der Stelle. Wir sehen nennenswerte Fortschritte etwa in der Steiermark, in Kärnten oder in Oberösterreich, wo die Integrationsquote noch im oberen Drittel liegt; in der Steiermark bei 84 Prozent. „Noch“ sage ich deswegen, weil wir gleichzeitig auch Rückschritte sehen, nämlich da, wo FPÖ-Landesregierungen wieder verstärkt auf Sonderschulen setzen. Die FPÖ macht da Probleme wieder groß, weil sie genau davon lebt. – Lösungen finden können Sie nicht. Rückschritte könnt ihr (👏) gut.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Das ist absolut unwahr! Das ist eine absolute Unwahrheit!

NEOS Fiona Fiedler

… Ein inklusives Bildungssystem ist aber kein Nice-to-have, es ist nicht karitativ, es ist auch nicht das Anliegen weniger unter vielen, sondern vielmehr – gestützt auf Erkenntnisse der Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften – der einzige Weg nach vorne. Es ist nicht nur unmoralisch, sondern auch sinnlos, wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft willkürlich aufs Abstellgleis zu stellen. Ich freue mich deshalb besonders, dass wir nun endlich einen Bildungsminister haben, der sich dieser Aufgabe bewusst ist und mit beiden Händen anpackt. Mit unseren Partnern in der Regierung, hoffentlich aber auch mit den Oppositionsparteien werden wir durch die Verankerung eines Rechtsanspruches auf das elfte und zwölfte Schuljahr und durch eine Überarbeitung der Vergabe und Deckelung des SPF, des sonderpädagogischen Förderbedarfes – um nur zwei dieser Kernanliegen zu nennen –, konkrete Verbesserungen im Schulbereich schaffen. ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Was nämlich auch evident ist, ist, dass mit der besten Bildung auch alle Kinder und Jugendlichen später eine echte Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Mit Segregation schließen wir Menschen, die arbeiten wollen und können, vom Arbeitsmarkt aus, die wir dort ja so dringend benötigen. Wir setzen zukunftsträchtige Maßnahmen, dank derer wir endlich näher in Richtung Bundeseinheitlichkeit bei der inklusive Bildung fahren, sodass wir mit Freude die nächsten Bildungsberichte erwarten können. Abschließend darf ich an dieser Stelle – wie vor ein paar Minuten erfahren – meinen heute Früh neugeborenen Neffen Raphael Michael auf dieser Welt begrüßen. – ( Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend: ) Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Rudolf Taschner .

ÖVP Rudolf Taschner

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Ich erlaube mir – gerade zu diesem Thema passend – eine Klasse der Mittelschule Harland zu begrüßen. Wir haben ja in unserem Bildungssystem verschiedenste Arten von Schulen, Mittelschulen sind ein wichtiger Bestandteil. Es ist auch gut, dass diese jungen Leute hier das Parlament in voller Aktion erleben und auch sehen, wie wir über Bildung verhandeln, über diesen Nationalen Bildungsbericht. Schon Kollege Himmer hat gezeigt, welchen Umfang dieser besitzt: 577 Seiten. Auf Seite 272 habe ich Folgendes gelesen, Herr Bundesminister: „Klassen mit mehrheitlich Schülerinnen und Schülern, die Deutsch als Alltagssprache haben, stellen bundesweit die Mehrheit dar. In Wien sind sie – mit Ausnahme der AHS-Unterstufe – in der Minderheit.“ – Das ist ein wirkliches Wiener Problem. Das ist in diesem Bericht auch dargestellt worden. Ich möchte kurz nur darauf zu sprechen kommen: Es ist wirklich das, was wir kurzfristig jetzt schnell möglichst gut lösen müssen. Vor allem sehe ich da in der Elementarpädagogik, gerade bei den Kindergärten, die Aufgabe, dass man dafür sorgt, dass die Kinder, die dann in die Schulen kommen, volksschulreif sind und die deutsche Sprache beherrschen – gleich von Anfang an die deutsche Sprache beherrschen. Das ist wirklich der Anfangspunkt von all dem, was notwendig ist, sodass wir Lehrern, die in der Volksschule unterrichten – welchen Geschlechts auch immer natürlich – nicht zumuten, dass sie vor Kindern stehen, die sie überhaupt nicht verstehen können. Das geht einfach nicht! Die Kinder müssen von Anfang an Deutsch beherrschen, und ich hoffe, dass das auch in den Kindergärten so geschieht und dass auch in der Kindergartenpädagogik Aktionen gesetzt werden, damit dies so verlaufen kann. Sie haben auch gesagt, dass mit der Kenntnis der Sprache natürlich auch die Kenntnis der Lebenskultur in diesem Lande mit einhergeht. Es wurde auch die Idee vorgebracht, dass man diese Lebenskultur in sozusagen einer Art Demokratiebildungsfach mehr vertiefen sollte; wobei ich das Wort Demokratie da vielleicht ein bisschen falsch verwendet sehe: Ich weiß nicht, was Demokratie da soll. Demokratie ist vielleicht das „Schlagwort“, so hat Burger gesagt, „das so verwahrlost ist“ wie kein anderes sonst. Alles ist undemokratisch, was einem nicht passt. Dass Demokratie wirklich gelingt, das hängt von Voraussetzungen ab, die sie selbst an sich nicht schaffen kann. Was sind diese Voraussetzungen? – Das Leben und das Leben-Lassen, das das österreichische Wesen, die Lebensart des Österreichischen darstellt. Dass man das in den Schulen den Kindern beibringt, das wäre das Wesentliche. Dafür gibt es viele Fächer. Ich bringe nur ein Beispiel, in dem dieses Leben und Leben-Lassen zu finden ist: „Die Welt von Gestern“ von Stefan Zweig. Das ist Deutsch – nicht wahr? –, in das Fach Deutsch kann ich all das hineinbringen. Ich kann das sogar in Mathematik hineinbringen, in jedes Fach. Das gelingt also schon in den bestehenden Fächern. Ich weiß nicht, ob dafür wirklich ein neues Fach notwendig ist. Das ist mehr eine Frage der Persönlichkeit der Lehrerinnen und Lehrer als der Fächer selbst. Auf die Persönlichkeiten der Lehrerinnen und Lehrer kommt es auch an, und darum ist es auch gut, finde ich, dass ( in Richtung Bundesminister Wiederkehr ) Sie die Verantwortung über die Lehramtsausbildung in den pädagogischen Hochschulen selbst übernommen haben, dass Sie das beaufsichtigen. Ich glaube, dass wir bei den pädagogischen Hochschulen wirklich neue Akzente setzen sollten. Ich weiß nicht, ob diese Schools of Education, die da geplant sind – eine strukturelle Lösung –, das Zaubermittel darstellen werden, um das zu verbessern. Ich glaube vielmehr, dass man da in die persönliche Sphäre hineingehen muss, dass es auf die Persönlichkeiten ankommt, die das machen, und dass man diese stärken müsste. Das alles wird sich aber zeigen. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der nächste Nationale Bildungsbericht, der kommen wird, wird dann auch feststellen, dass in den Schulen nicht alles schrecklich ist, wie manchmal behauptet wird. Es wird gut unterrichtet, wir könnten aber natürlich anhand der Probleme, die wir da haben – und das Deutschproblem ist das allervorderste, so würde ich es sehen –, zeigen, dass Sie, Herr Bundesminister, neue Marksteine setzen. Wenn der neue Bildungsbericht, der dann kommen wird, sagen wird, dass in den letzten drei Jahren Marksteine gesetzt worden sind, dass damit die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden konnte und durch diese jungen Menschen, die dann neu herangebildet werden, auch die Kraft des österreichischen Staates gestärkt wird, dann haben wir wirklich gut gewonnen. – Ich wünsche Ihnen dafür alles Gute. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christian Oxonitsch .

SPÖ Christian Oxonitsch

Danke schön, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Ich habe in einer der vergangenen Reden zum Thema Bildungsbereich die Evidenzbasiertheit eingefordert, nämlich durchaus auch, diese aktuellen 600 Seiten ( ein Exemplar des Nationalen Bildungsberichtes in die Höhe haltend ) tatsächlich für wirkliche Maßnahmen im bildungspolitischen Bereich heranzuziehen. Das haben wir das letzte Mal auch schon eingefordert, das ist aber in den letzten vier Jahren nicht so ganz gelungen, muss man sagen. Ich habe die Hoffnung, dass man die vielen, vielen Empfehlungen, die es da drinnen gibt, tatsächlich auch in Umsetzung bringt. Gleichzeitig ist bei so einem dicken Band ein Problem immer, dass jeder behauptet, dass etwas drinnen steht, aber dass es sich dann, wenn man nachschaut, so nirgends findet. Zum Beispiel zum Bereich der Bildungsausgaben wurde vom Erstredner gesagt: Ja, der Bericht belegt ja eindeutig, wir haben die höchsten Bildungsausgaben in der Europäischen Union! – So ist es, glaube ich, gesagt worden. Das findet sich in dieser Art und Weise überhaupt nicht. Schauen wir es uns an: Wenn man zum Beispiel – und darauf weist der Bericht ja durchaus hin – die Forschung, den Forschungsbereich abzieht, liegen wir schon unter dem OECD-Schnitt, und wenn man dann noch den tertiären Bereich herausrechnet …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Dann haben Sie einen anderen Bericht gelesen!

SPÖ Christian Oxonitsch

… dann liegen wir im Bereich der Elementarpädagogik und im schulischen Bereich unter dem OECD-Schnitt.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Das war ein anderer Bericht!

SPÖ Christian Oxonitsch

… Das ist also immer das Problem bei so dicken Werken, dass jeder irgendetwas herausnehmen kann – und es ist schwer zu überprüfen, ob er recht hat oder nicht. Was mich freut, ist – und das hoffe ich –, dass wir durch die Schaffung der Zuständigkeit für den Bereich der Elementarpädagogik im Bildungsministerium jetzt tatsächlich auch dem elementarpädagogischen Bereich wirklich entsprechende Impulse geben können, wofür es ja schon seit 2009 in allen Bildungsberichten immer wieder entsprechende Empfehlungen gibt. Es geht letztendlich um die Verbesserung, nämlich um eine zeitgemäße Ausbildung für Elementarpädagog:innen, um den Bereich der Diversität, um interkulturelle Kompetenzen, die in der Ausbildung eine größere Rolle spielen müssen, aber natürlich auch um die Deutschförderung. Da ist es in einem aufgrund des Föderalismus natürlich sowieso nicht ganz einfachen bildungspolitischen System ja zumindest einmal gelungen, den elementarpädagogischen Bereich und den schulischen Bereich tatsächlich zusammenzuführen. Ich glaube, das schafft neue Möglichkeiten. Wir wissen, dass das föderale System durchaus ein Problem ist, nämlich letztendlich auch ein Problem in der sachlichen Diskussion hier herinnen. Kollege Taschner hat vorhin gesagt: Na ja, das ist ein Wienproblem! – Nein, wir haben das Problem in Linz, in Graz, wir haben es in anderen Städten genauso. Das Problem ist nur, die einzige Millionenstadt in Österreich ist halt Wien, und die kleineren Städte, die diese Probleme auch haben, gehen im Bundesländersprech einfach unter. Nehmen wir zur Kenntnis – ich glaube, das wäre ein wesentlicher Impuls für den nächsten Bericht –, dass man einmal herausarbeiten muss, ob der Unterschied zwischen dem Most- und dem Waldviertel – zwei verschiedene Bundesländer – bildungspolitisch tatsächlich so groß wie zwischen dem Mostviertel und Linz ist! Ich glaube, darüber, wo der Unterschied liegt, werden wir uns alle rasch einig werden. Das heißt, wir sollten diesen Bericht gemeinsam hernehmen, um tatsächlich entsprechende gemeinsame Maßnahmen umzusetzen. Ein wesentlicher Bereich ist auch – und das ist im Regierungsübereinkommen verhandelt – der Chancenindex. Daher brauchen wir dafür jetzt keinen Antrag. Ein wesentlicher Bereich für uns war im Projekt 100 Schulen – 1 000 Chancen ja auch, dass es eine entsprechende Evaluierung gibt. Das ist ein bisschen ein österreichisches Phänomen: Pilotprojekte gehen immer gleich automatisch in den Regelbetrieb über, keiner fragt nach, ob sie sich bewährt haben oder nicht, man sagt: Macht es dann gleich flächendeckend! – Wir wollen dieses Projekt tatsächlich evaluieren, die richtigen Schlüsse ziehen, um dann den Chancenindex in Österreich, eine wesentliche Forderung letztendlich auch der Sozialdemokratie, umsetzen zu können. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Totter .

ÖVP Agnes Totter

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Geschätzte Abgeordnete! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause! Als ausgebildete Pädagogin und noch immer im Schulbereich Tätige möchte ich insbesondere aus dieser Perspektive den Blick auf diesen Nationalen Bildungsbericht richten und auf einige Inhalte näher eingehen. Das Parlament und die Bundesregierung haben in der letzten Gesetzgebungsperiode – und da muss ich Kollegin Künsberg Sarre deutlich widersprechen – zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um die Rahmenbedingungen im Bildungsbereich optimal zu gestalten. (👏 ÖVP) Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang das Vorhaben zur Unterstützung der Pflichtschulen durch die Einführung der administrativen Assistenz. Meine Damen und Herren, das, was im Bundesschulbereich immer schon vorhanden war, nämlich Sekretariate und Administratoren, wurde nun auch in der Pflichtschule zur Entlastung aller eingeführt. Ich bin stolz darauf, dass in meinem Bezirk, in der Bildungsregion Südoststeiermark, 87 Prozent der Pflichtschulen Sekretariate haben. – Herr Minister, ich bitte Sie, setzen Sie sich gemeinsam mit uns dafür ein, dass diese wichtige Errungenschaft flächendeckend auf alle Pflichtschulen ausgeweitet wird! (👏 ÖVP) Im kommenden Schuljahr wird es an den Pflichtschulen zusätzlich zur administrativen Assistenz erstmals auch Ressourcen für pädagogisch-administrative Stunden für Lehrkräfte geben. Was uns aber keinesfalls passieren darf, ist, dass gleichzeitig zur Einführung der pädagogisch-administrativen Stunden Ressourcen – zum Beispiel durch Senkung des Schülerfaktors – eingespart werden. Durch die Steigerung im Bildungsbudget in den letzten drei Jahren konnten auch unsere Schulen im ländlichen Raum gut mit Ressourcen ausgestattet werden – Ressourcen, die auch dringend gebraucht werden, um die täglichen Herausforderungen gut meistern zu können. Meine Damen und Herren, ich denke, es ist klar erkennbar, dass im Bildungsbereich in den letzten Jahren viel Positives erreicht wurde. Dennoch sind noch viele Herausforderungen zu meistern. Dazu möchte ich auf für mich drei wesentliche Inhalte eingehen: Die Attraktivierung des Lehrberufs wird weiterhin unsere Aufgabe sein, und wir müssen auch dafür sorgen, dass die Position der Schulleitung aufgewertet wird und sich dadurch mehr Personen finden, die diese wichtige Aufgabe übernehmen wollen. Pädagoginnen und Pädagogen müssen weiter entlastet werden, damit sie sich auf ihr Kerngeschäft, den Unterricht, konzentrieren können. Es darf nämlich nicht sein, dass sie mehr Zeit für Testungen, Fragebögen und Vergleiche aufwenden als für den Unterricht selbst. Ich weiß, dass das Ministerium Daten braucht, aber Evaluierungen und Tests müssen im Rahmen bleiben und müssen so eingesetzt werden, dass auch die Lehrkräfte die Ergebnisse entsprechend verwerten können. IKM-plus-Testungen werden mittlerweile sowohl in der 3. als auch in der 4. Klasse der Volksschule und der Sekundarstufe I durchgeführt, was für die Schulen einen enormen Aufwand bedeutet. Während die Ergebnisse dieser Testungen in der 3. Klasse von den unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrern gut verwertet werden können, weil sie die Kinder in der nächsthöheren Schulstufe weiterhin unterrichten, laufen die Ergebnisse der Testungen in den 4. Klassen sehr häufig ins Leere; die Kinder sind dann schon längst an anderen Schulen. Mein Vorschlag wäre daher, auf die IKM-Testungen in den 4. Klassen wirklich zu verzichten. (👏 ÖVP) Ich halte es da mit Konrad Paul Liessmann, der diesbezüglich gesagt hat: Vom dauernden Wiegen wird die Sau auch nicht fett. Was wir hingegen weiterhin ausbauen müssen, ist die Schulautonomie. Schulen müssen die Möglichkeit haben, selbstverantwortlich und eigenständig ihre pädagogischen Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Sie kennen die Bedürfnisse der eigenen Schülerinnen und Schüler, der Pädagoginnen und Pädagogen und der Region am besten und brauchen daher mehr Entscheidungsspielräume, um den eigenen Schulstandort optimal gestalten zu können. Das hat viel mit Vertrauen zu tun, ich bin aber davon überzeugt, dass Schulen das mit einer niederschwelligen Unterstützung und guter Servicierung durch die SQM gut meistern können. Unbedingt möchte ich an dieser Stelle noch eine langjährige Forderung des Lehrerbundes Steiermark erwähnen: Wir brauchen an den Volksschulen dringend mehr Unterstützung, ein Zweilehrersystem wäre optimal, zumindest auf der Grundstufe I. Da in der Steiermark die Vorschulen abgeschafft wurden, bleiben jene Kinder, die rückgestuft werden, im Klassenverband und werden mit den Kindern der 1. Klasse gemeinsam von einer einzigen Lehrperson nach unterschiedlichen Lehrplänen unterrichtet. Das ist für die betroffenen Pädagoginnen und Pädagogen eine enorme Belastung. Meine Damen und Herren, wir haben viel zu tun. Packen wir es an! Herr Minister, ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinne aller im Bildungsbereich. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Abgeordneter Brückl zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter, Sie kennen die Bedingungen.

FPÖ Hermann Brückl

Vielen Dank, Herr Präsident. Herr Abgeordneter Kollege Oxonitsch hat in seiner Rede behauptet, ich hätte die Unwahrheit gesagt, indem ich behauptet hätte, die Bildungsausgaben in Österreich wären im internationalen Vergleich die höchsten; das wäre nicht richtig. Ich berichtige tatsächlich: Die Bildungsausgaben pro Kopf im internationalen Vergleich, und das geht aus dem Bericht auf Seite 230 hervor, sind in Österreich sowohl im Primarbereich als auch im Sekundarbereich als auch im Tertiärbereich und in allen anderen Bildungsbereichen im internationalen Vergleich pro Kopf am höchsten. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Deutsch vor Schuleintritt

72 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 64/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN
FPÖ
ÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht zum ursprünglichen Entschließungsantrag „Deutsch vor Schuleintritt“ (64/A(E)) zur Kenntnis; dieser Antrag fand im Ausschuss keine Mehrheit. Angenommen wird stattdessen eine Entschließung, die den Ausbau der Deutschförderung in Kindergarten und Schule vorsieht, inklusive früher Sprachstandserhebungen, Orientierungsklassen, Weiterentwicklung/Ausbau von Deutschförderklassen und Ausbau bzw. verpflichtender Sommerschule für Kinder mit Förderbedarf.

Betroffen sind Kinder und Jugendliche mit unzureichenden Deutschkenntnissen (insbesondere vor Schuleintritt und bei unterjährigem Quereinstieg), deren Eltern/Erziehungsberechtigte sowie Kindergärten und Schulen, die Sprachstandserhebungen und Fördermaßnahmen umsetzen sollen.

Dokumente

Deutsch vor Schuleintritt

Ausgangslage und Problembegründung

  • In Wien fehlen laut angeführten Medienberichten vielen Volksschulkindern ausreichende Deutschkenntnisse, um dem Unterricht zu folgen; bei Erstklässlern spreche ein großer Anteil nicht Deutsch, wobei ein erheblicher Teil dieser Kinder in Österreich geboren sei.
  • Ohne ausreichende Deutschkenntnisse könnten Bildungsziele nicht erreicht werden; auch erfolgreiche Integration gelinge ohne Unterrichtssprache nicht.
  • Der Nationale Bildungsbericht 2024 wird als Beleg herangezogen, dass das Verstehen der Unterrichtssprache (überwiegend Deutsch) ein wesentlicher Faktor für Bildungserfolg ist.
  • Für 2022/23 werden Anteile nach Alltagssprache in der Primarstufe angeführt: Mehrheit ausschließlich Deutsch, ein kleinerer Teil Deutsch plus weitere Sprache(n), und mehr als ein Viertel ausschließlich andere Alltagssprache(n).
  • Der Anteil nicht deutschsprachiger Kinder variiere stark nach Region/Urbanität: in dünn besiedelten Gemeinden deutlich niedriger, in dicht besiedelten deutlich höher; Wien liege nochmals darüber, Kärnten habe einen der niedrigsten Werte.
  • Es wird auf eine Verdichtung von Risikomerkmalen bei Kindern mit Migrationshintergrund hingewiesen (nichtdeutsche Alltagssprache, niedriger Berufsstatus, niedrige formale Bildung der Eltern), die mit Risiken für den Bildungserfolg verbunden sei.

Maßnahmenpaket „Deutsch vor Schuleintritt“ (Inhalt des ursprünglichen Antrags)

  • Verpflichtende, standardisierte und harmonisierte Sprachstandserhebungen bereits zwei Jahre vor Schuleintritt im Kindergarten.
  • Implementierung genauer sprachlicher Standards in der Schulreifeverordnung, um daraus einen Kriterienkatalog für die Schulreife abzuleiten.
  • Verpflichtender Besuch einer Vorschulklasse bei nicht ausreichendem deutschem Sprachniveau, bevor der Eintritt in den Regelschulbetrieb erfolgt.
  • Einrichtung von Orientierungsklassen für unterjährig neu eintretende Schülerinnen und Schüler mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen, mit gezielter Sprachförderung.
  • Ausbau von Deutschförderangeboten im Pflichtschulbereich.
  • Ausweitung der Sommerschule; für Schülerinnen und Schüler mit Deutschförderbedarf soll eine ausgeweitete Sommerschule verpflichtend werden.

Begründung und Zielrichtung des beschlossenen Antrags „Deutschförderung in Schule und Kindergarten ausbauen“

  • Mangelnde Deutschkenntnisse bei Kindern und Jugendlichen werden als besondere Herausforderung für das österreichische Bildungssystem beschrieben.
  • Bei Kindern aus anderen Kulturkreisen werden zusätzlich zu Sprachdefiziten teils fehlende Vorerfahrungen mit stabilen Bildungssystemen, fehlende soziale Grundkompetenzen, (Teil-)Analphabetismus sowie (schwere) Traumatisierungen als Problemlagen genannt.
  • Einrichtung von Orientierungsklassen: Quereinsteigende Schülerinnen und Schüler mit unzureichender Schulerfahrung und Sprachkenntnissen sollen über einen bestimmten Zeitraum auf den Schulbesuch in Österreich vorbereitet werden; Vermittlung erster Sprachkenntnisse und Wertevermittlung sind vorgesehen.
  • Orientierungsklassen sollen auch die Arbeit mit Eltern/Erziehungsberechtigten verstärken: Information über Regeln der Gesellschaft, Pflichten im schulischen Kontext sowie über das österreichische (Schul-)system.
  • Die Vorbereitung in Orientierungsklassen soll Schulen bei der Integration neu aufzunehmender Schülerinnen und Schüler unterstützen.
  • Sprachliche Förderung soll bereits in der frühkindlichen Bildung gestärkt werden; vor Schuleintritt soll die Sprachkompetenz erhoben werden, um bei Bedarf zusätzliche Fördermaßnahmen zu setzen.
  • Deutschförderklassen sollen weiter ausgebaut und im Rahmen der Schulautonomie weiterentwickelt werden.
  • Sommerschulen sollen für Kinder mit Sprachförderbedarf ausgebaut werden; für diese ist eine verpflichtende Teilnahme vorgesehen.
  • Ziel ist, ausreichende Deutschkenntnisse als verbindliche gemeinsame Basis für jeglichen Unterricht für alle Kinder sicherzustellen; dafür wird ein gemeinschaftliches Bemühen zur Umsetzung der Maßnahmen betont.

Umsetzung des Qualitätsrahmens zur "Steigerung der Qualität in der frühkindlichen Bildung"

73 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 186/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN
FPÖ
ÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht zur Kenntnis und lehnt den ursprünglichen Entschließungsantrag 186/A(E) zur Umsetzung des Qualitätsrahmenplans ab. Stattdessen wird eine einstimmige Entschließung für eine Qualitäts- und Ausbauoffensive in der Elementarpädagogik angenommen, inklusive zusätzlicher Bundesmittel, bundesweiter verbindlicher Qualitätsstandards (mit Übergangsfristen) sowie Stufenplänen zur Senkung der Gruppengrößen und zur schrittweisen Garantie ganztägiger und ganzjähriger Betreuungsplätze.

Betroffen sind die Elementarpädagogik in Österreich (Kindergärten, Kleinkindbetreuung, Tageseltern, betriebliche Angebote) sowie Länder, Gemeinden, Träger, pädagogisches Personal und Familien/Kinder.

Dokumente

Umsetzung des Qualitätsrahmens zur "Steigerung der Qualität in der frühkindlichen Bildung"

Ausgangslage und Zielsetzung: Qualität in der frühkindlichen Bildung

  • Elementarpädagogik wird als Fundament des Bildungssystems dargestellt; in den ersten Lebensjahren werden zentrale Weichen für die Entwicklung von Kindern gestellt.
  • Qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung fördert individuelle Fähigkeiten, soziale Integration sowie chancengerechte Teilhabe.
  • Ziel ist „höchste Qualität“ und gleiche Bedingungen für alle Kinder in Österreich – unabhängig vom Wohnort; bundesweit verbindliche Mindeststandards sollen gelten.
  • Besonderer Bedarf wird für Kinder mit anderer Erstsprache als Deutsch betont: frühe Sprachförderung und Unterstützung im Kindergarten erfordern ausreichend Personal und gute Rahmenbedingungen.

Strukturen zur Standardentwicklung: Beirat für Elementarpädagogik

  • Unter der türkis-grünen Vorgängerregierung wurde ein Beirat für Elementarpädagogik eingerichtet.
  • Der Beirat bringt Expert:innen aus Bund, Ländern und Gemeinden sowie aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft regelmäßig zusammen.
  • Damit wurden Kompetenzen verschiedener politischer und pädagogischer Akteure gebündelt, um gemeinsame, verbindliche österreichweite Standards für frühkindliche Bildung zu erarbeiten.

TSI-Projekt und QualitätsRahmenPlan (Personal in elementaren Bildungseinrichtungen)

  • Im Rahmen des EU-Förderprogramms „Instrumente für technische Unterstützung (TSI)“ wurde ein Vorhaben gestartet, das die Rahmenbedingungen für das Personal zur Steigerung der Qualität in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Österreich verbessern sollte.
  • Begründungslogik: Gute Bildung braucht gute Rahmen- und Arbeitsbedingungen für jene, die Kinder täglich begleiten.
  • Im Zuge des Projekts wurde 2024 der „QualitätsRahmenPlan für das Personal in elementaren Bildungseinrichtungen in Österreich“ erarbeitet.
  • Der Plan wurde nach einer parlamentarischen Anfrage der Grünen im Jänner 2025 öffentlich zugänglich.
  • Der QualitätsRahmenPlan enthält konkrete Empfehlungen in sieben zentralen Bereichen, u.a.: faire Gehälter, kleinere Gruppen, besserer Fachkraft-Kind-Schlüssel, Verbesserungen bei Aus-, Fort- und Weiterbildung, Nennung eines Kollektivvertrags, Empfehlungen zur Datenerfassung für bessere Qualitätssicherung.
  • Kernaussage: Die entscheidenden Parameter für qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung liegen vor; es brauche politischen Willen, den Qualitätsrahmenplan zu verwirklichen und die empfohlenen Schritte zügig umzusetzen.

Politische Forderung: bundesweit verbindliche Mindeststandards und Gleichwertigkeit

  • Es soll nicht vom Wohnort abhängen, welche Rahmenbedingungen Kinder im Kindergarten vorfinden; Unterschiede „links oder rechts einer Bundeslandgrenze“ werden als nicht nachvollziehbar kritisiert.
  • Leitprinzip: Jedes Kind ist gleich viel wert und soll die besten Chancen von Anfang an erhalten.

Qualitäts- und Ausbauoffensive Elementarpädagogik (selbständiger Entschließungsantrag)

  • Die neue Bundesregierung erklärt eine Qualitäts- und Ausbauoffensive im Bereich der Elementarpädagogik (Kinderbildung und -betreuung) als besonderes Anliegen.
  • Im Regierungsprogramm ist vereinbart, dass der Bund ein zusätzliches Ressourcenpaket bereitstellt.
  • Dieses Ressourcenpaket soll gekoppelt sein an: hohe bundesweite Qualitätsstandards (mit Übergangsfristen), einen Stufenplan zur schrittweisen Senkung der Gruppengrößen, sowie einen Stufenplan zur schrittweisen Umsetzung hin zu einer Garantie auf Vermittlung eines ganztägigen und ganzjährigen Kinderbildungs- und -betreuungsplatzes.
  • Qualitätsstandards und Stufenpläne sollen rechtlich verbindlich festgehalten werden.
  • Zur Zielerreichung können Bundesländer sowie Gemeinde- und Städtebund die Mittel je nach Ausgangslage vorrangig einsetzen für: Ausbau des Angebots, laufende Finanzierung des bestehenden Angebots und/oder Bildungsqualität sowie Maßnahmen zur Behebung des pädagogischen Fachkräftemangels.
  • Das elementarpädagogische Angebot soll ganzheitlich weiterentwickelt werden und umfasst neben Kindergärten auch Kleinkindbetreuung, Tageseltern, Betriebskindergärten/Betriebstageseltern und andere Betreuungsformen – orientiert an den Bedürfnissen von Kindern und Eltern.
  • Zusätzlich vorgesehen ist eine Verbesserung der Förderung von Plätzen in (betriebsübergreifenden) Betriebskindergärten, bei Betriebstageseltern und in Krippen.

Asylgesetz 2005

77 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 167/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Asylgesetz 2005 wird um Sonderbestimmungen ergänzt, die bei per Verordnung der Bundesregierung (im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss) festgestellter Gefährdung der öffentlichen Ordnung/inneren Sicherheit den Fristenlauf und die Entscheidungspflicht über Einreiseanträge nach § 35 (Familiennachzug) bis zum Ende der Verordnung hemmen. Ausnahmen sind vorzusehen, wenn eine Entscheidung innerhalb der regulären Frist aus Gründen des Art. 8 EMRK (Familienleben/Kindeswohl) dringend geboten ist; die Regelung ist befristet bis Ende September 2026 und enthält Übergangs- und Informationspflichten (Merkblatt).

Betroffen sind vor allem Familienangehörige von in Österreich asyl- oder subsidiär Schutzberechtigten, die Einreiseanträge im Familiennachzug stellen, sowie die zuständigen Vertretungsbehörden und das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl im Einreiseverfahren.

Dokumente

Asylgesetz 2005

Ausgangslage und Ziel der Novelle

  • Im Asylgesetz 2005 wurde 2016 (BGBl. I Nr. 24/2016) im 4. Hauptstück ein 5. Abschnitt (§§ 36–41) mit Sonderbestimmungen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und zum Schutz der inneren Sicherheit geschaffen.
  • Diese Sonderbestimmungen erlauben – wenn die Bundesregierung im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss des Nationalrates per Verordnung eine Gefährdung feststellt – während der Geltungsdauer von Binnengrenzkontrollen von einzelnen Vorgaben des sekundären EU-Asylrechts abzuweichen.
  • Rechtsgrundlage ist Art. 72 AEUV (Kompetenzvorbehalt für öffentliche Ordnung und innere Sicherheit): Abweichungen sind zulässig, wenn die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bzw. der Schutz der nationalen Sicherheit nicht anders gewährleistet werden kann; ein bereits eingetretener Notstand oder Systemzusammenbruch ist dafür nicht Voraussetzung.
  • Der Vorbehalt gilt gegenüber allen unter Titel V AEUV fallenden Regelungen, somit auch gegenüber Sekundärrechtsakten zu Asyl-, Fremden-, Grenzkontroll- und Aufenthaltsrecht (Art. 77–79 AEUV).
  • Unter Bezug auf EuGH-Rechtsprechung wird ausgeführt, dass bei Überforderung gesellschaftlicher Systeme insbesondere zur Bewältigung einer Notlage und zur Wiederherstellung eines geregelten Zustands eine Fristhemmung als Instrument zulässig sein kann.
  • Ziel der Novelle ist die Ergänzung des 5. Abschnitts um eine Sonderbestimmung, die für die Dauer einer Verordnung nach § 36 AsylG 2005 insbesondere eine Hemmung der Entscheidungsfrist über Einreiseanträge nach § 35 AsylG 2005 (Familienangehörige) ermöglicht.
  • Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes wird auf Art. 10 Abs. 1 Z 3 B-VG („Asyl“) gestützt.

Anpassungen im Aufbau des Gesetzes (Inhaltsverzeichnis und Abschnittsüberschrift)

  • Aufgrund des neuen § 36a ist das Inhaltsverzeichnis anzupassen.
  • Die Überschrift des 5. Abschnitts des 4. Hauptstücks wird angepasst, weil die neue Sonderbestimmung zum Einreiseverfahren (§ 35 AsylG 2005 bzw. § 26 FPG) auch dann anwendbar sein soll, wenn Binnengrenzkontrollen gar nicht oder nur an einzelnen Grenzabschnitten stattfinden.

§ 36 AsylG 2005 – Erweiterung der Verordnungsvoraussetzungen und Begründungspflichten

  • Bisherige Systematik: Für die Anwendbarkeit des 5. Abschnitts sind nach § 36 Abs. 1 zwei kumulative Voraussetzungen vorgesehen: (1) Verordnung der Bundesregierung im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss über die Gefährdung von öffentlicher Ordnung/innerer Sicherheit; (2) Grenzkontrollen an sämtlichen Abschnitten der Binnengrenze aufgrund einer oder mehrerer Verordnungen des BMI nach § 10 Abs. 2 Grenzkontrollgesetz (GrekoG).
  • Neuer § 36 Abs. 1a schafft für die Sonderbestimmung zum Einreiseverfahren (§ 35) eine Ausnahme vom Erfordernis flächendeckender Binnengrenzkontrollen: Die Verordnung nach § 36 Abs. 1 kann auch erlassen werden, wenn Binnengrenzkontrollen gar nicht oder nur an einzelnen Grenzabschnitten stattfinden; in diesem Fall soll konsequenterweise nur § 36a (Sonderregeln für Einreiseverfahren von Familienangehörigen) anwendbar sein.
  • In der Verordnung ist jedenfalls festzulegen, welche Bestimmungen des 5. Abschnitts während ihrer Geltungsdauer anzuwenden sind; wenn nur § 36a in Betracht kommt, ist dies ausdrücklich festzuhalten.
  • Das Vorliegen einer Verordnung der Bundesregierung nach § 36 Abs. 1 lässt keine Rückschlüsse darauf zu, ob die Voraussetzungen für eine Verordnung des BMI nach § 10 Abs. 2 oder 3 GrekoG vorliegen.
  • § 36 Abs. 2 (Begründung gegenüber dem Hauptausschuss): Nach geltender Rechtslage ist die Feststellung der Gefährdung schriftlich zu begründen, insbesondere unter Bezug auf die Anzahl der Antragsteller auf internationalen Schutz und auf jene staatlichen Systeme, deren Funktionieren beeinträchtigt wird; aufgrund der neuen Sonderregelungen ist im Text des Abs. 2 auch auf nach § 35 gestellte Einreiseanträge Bezug zu nehmen.
  • Welche staatlichen Systeme im Sinne des Art. 72 AEUV beeinträchtigt sind, hängt laut Bericht von den jeweils aktuellen Migrationsbewegungen ab.

§ 36a AsylG 2005 – Sonderbestimmungen zum Einreiseverfahren (§ 35) bei Gefährdungslage

  • § 36a Abs. 1 (Hemmung von Frist und Entscheidungspflicht): Der Lauf der Entscheidungsfrist über Einreiseanträge nach § 35 (Frist mangels Sonderregel aus § 73 Abs. 1 AVG) und die korrespondierende Entscheidungspflicht der Vertretungsbehörde werden bis zum Ablauf der Geltungsdauer einer Verordnung der Bundesregierung nach § 36 Abs. 1 gehemmt; während dieses Zeitraums tritt keine Säumnis der Vertretungsbehörde ein.
  • Die Hemmung ist als „Fortlaufhemmung“ ausgestaltet: Die Geltungsdauer der Verordnung wird in die Frist nicht eingerechnet; nach Ende der Verordnung wird der Fristenlauf wieder aufgenommen und fortgesetzt.
  • Die Hemmung steht unter dem Vorbehalt, dass nach Abs. 2 aus Gründen des Art. 8 EMRK eine frühere Erledigung zwingend/dringend geboten ist.
  • Die Regelung wird als verhältnismäßig dargestellt, weil sie im Vergleich zu Alternativen (z.B. Aussetzung mit Zurückweisung dennoch gestellter Anträge) am wenigsten in die Rechtsposition der Antragsteller eingreife.
  • Als unionsrechtliche Abweichung wird insbesondere Art. 5 Abs. 4 der RL 2003/86/EG (Familienzusammenführung) genannt, der eine Entscheidungsfrist von höchstens neun Monaten vorsieht; die Hemmung kann faktisch zu einer Verlängerung über neun Monate hinaus führen.
  • Fristverlängerungen werden als im EU-Asyl- und Fremdenrecht anerkanntes Instrument zur Bewältigung systemischer Herausforderungen beschrieben (Beispiel: Art. 6 Abs. 5 RL 2013/32/EU zur Verlängerung der Frist für die Registrierung von Asylanträgen).
  • Abs. 1 normiert kein Erledigungsverbot: Entscheidungen können insbesondere bei klar fehlenden Voraussetzungen nach § 35 auch während der Geltungsdauer der Verordnung getroffen werden; auch Sachverhaltsermittlungen zur raschen Entscheidung nach Ende der Hemmung bleiben zulässig.
  • Die Weiterleitung eines bei der Vertretungsbehörde eingelangten Antrags an das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) zur Einholung der nach § 35 Abs. 4 erforderlichen Stellungnahme/Prognose ist von der Hemmung nicht berührt und wird als (jedenfalls) zulässig bzw. im geänderten Konzept als geboten dargestellt.
  • Die Hemmung greift nur bei Vorliegen einer Verordnung nach § 36; diese setzt eine Gefährdung im Sinne des Art. 72 AEUV voraus und soll damit ein hinreichend schwerwiegendes öffentliches Interesse als Rechtfertigung des Eingriffs begründen.
  • § 36a Abs. 2 (Ausnahme aus Art. 8 EMRK/Art. 7 GRC): Trotz Art. 72 AEUV sind primär-, völker- und verfassungsrechtliche Garantien (insb. GRC, EMRK, GFK) einzuhalten; daher tritt die Hemmung nicht ein, wenn eine Erledigung innerhalb der regulären Sechsmonatsfrist (§ 73 Abs. 1 AVG) aus Gründen des Art. 8 EMRK zwingend/dringend geboten ist.
  • Die Beurteilung erfolgt durch Abwägung der Umstände des Einzelfalls nach ständiger Rechtsprechung der Höchstgerichte und des EGMR.
  • Als mögliche Kriterien für eine frühere Erledigung werden genannt: dass von einer früheren Stattgabe keine zusätzliche Störung jener staatlichen Teilsysteme zu erwarten ist, die Anlass für die Verordnung waren (z.B. ausreichende Deutschkenntnisse des Antragstellers oder der Bezugsperson; erwartbar geringe Inanspruchnahme von Integrationsmaßnahmen; Teilnahme am Schulbetrieb ohne/mit nur geringfügigen Fördermaßnahmen).
  • Bei minderjährigen Familienangehörigen werden beispielhaft Konstellationen genannt, in denen das Interesse an einer Entscheidung innerhalb der Regelfrist überwiegen kann: wenn der im Ausland verbliebene Elternteil die einzige in Betracht kommende Bezugsperson des in Österreich schutzberechtigten Kindes ist; oder wenn ein minderjähriger Antragsteller im Herkunftsstaat keine taugliche Bezugsperson hat (z.B. weil diese verstorben ist).
  • Dem Kindeswohl kommt aufgrund Art. 1 BVG über die Rechte von Kindern besonderes Gewicht zu.
  • Für die Abwägung ist nicht nur die Situation des Antragstellers, sondern auch das familiäre Umfeld in Österreich relevant (z.B. Integration der in Österreich schutzberechtigten Bezugsperson).
  • Verfahrensorganisation: Im Mitteilungsverfahren nach § 35 Abs. 4 ist auch eine Einschätzung des BFA einzuholen, ob ausreichende Gründe für den Entfall der Hemmung vorliegen; die Vertretungsbehörde bleibt formal entscheidungszuständig und ist nicht strikt an die Einschätzung gebunden, diese ist aber zentrale Entscheidungsgrundlage.
  • Akteneinsicht nach § 17 AVG ermöglicht dem Antragsteller, den Stand der BFA-Stellungnahme und die Frage der Ausnahme zu verfolgen.
  • Rechtsschutz: Als gerichtlicher Rechtsschutz wird die Säumnisbeschwerde (Art. 130 Abs. 1 Z 3 B-VG) genannt; gegen Zurück- oder Abweisung steht der Rechtsmittelweg zu den Gerichtshöfen des öffentlichen Rechts offen.
  • § 36a Abs. 3 (Obliegenheit zur Darlegung): Gründe, die für den Entfall der Hemmung sprechen, sind vom Antragsteller initiativ darzulegen und bereits im Einreiseantrag genau zu bezeichnen; dies soll die Ermittlungspflichten der Vertretungsbehörde nicht überspannen.
  • Begründung: Vertretungsbehörden haben im Empfangsstaat keine hoheitlichen Ermittlungsbefugnisse (z.B. keine Anordnung/Erzwingung von Beweismitteln, keine Zeugenbefragungen) und sind daher stärker auf Kooperation angewiesen; die Sachverhaltsermittlungspflicht (vgl. § 35 Abs. 3) und die Manuduktionspflicht gegenüber unvertretenen Antragstellern (§ 13a AVG) bleiben unberührt.
  • Für bereits vor Inkrafttreten der Verordnung gestellte und noch anhängige Anträge ist diese Obliegenheit im Antrag naturgemäß nicht erfüllbar; dafür werden Übergangsregeln vorgesehen (siehe § 75 Abs. 28).
  • § 36a Abs. 4 (Minderjährigkeit der Bezugsperson): Um Nachteile durch während der Hemmung eintretende Volljährigkeit zu vermeiden, ist bei Anträgen eines Elternteils nach § 35 Abs. 5 erster Fall die Minderjährigkeit der im Bundesgebiet aufhältigen Bezugsperson nach dem Zeitpunkt der Antragstellung des Nachziehenden zu beurteilen; eine spätere Volljährigkeit der Bezugsperson führt nicht zur Abweisung.
  • Für den umgekehrten Fall (minderjähriges lediges Kind stellt Antrag) wird keine zusätzliche Regelung benötigt, weil § 35 Abs. 5 (dritter Fall) bereits auf den Zeitpunkt der Antragstellung abstellt.
  • § 36a Abs. 5 (Merkblatt): Aus Gründen der Rechtssicherheit und Vorhersehbarkeit ist dem Antragsteller bei Antragstellung ein Merkblatt auszuhändigen, das auf die Hemmung (Abs. 1), die Voraussetzungen für den Entfall (Abs. 2) sowie die Obliegenheit zur Darlegung (Abs. 3) bzw. bei bereits anhängigen Verfahren auf die Übergangsregel (§ 75 Abs. 28) hinweist.

Inkrafttreten, Außerkrafttreten und Folgeverfahren (§ 73 Abs. 27)

  • § 73 Abs. 27 regelt das In- und Außerkrafttreten der vorgeschlagenen Regelungen; das Außerkrafttreten ist mit Ende September 2026 vorgesehen.
  • Mit dem Außerkrafttreten sollen auch der Eintrag im Inhaltsverzeichnis zu § 36a entfallen sowie die Überschrift des 5. Abschnitts, der entsprechende Inhaltsverzeichniseintrag und § 36 Abs. 2 wieder in die Fassung vor der Novelle zurückkehren; daher wird vorgesehen, dass die Änderungen des Inhaltsverzeichnisses als solche außer Kraft treten.
  • Mit dem Außerkrafttreten der gesetzlichen Grundlage tritt auch eine allfällige Verordnung der Bundesregierung, die die Anwendbarkeit des § 36a bewirkt, außer Kraft.
  • Als weiterer politischer/gesetzgeberischer Ausblick wird genannt, dass – entsprechend dem Regierungsprogramm – die Erarbeitung eines Kontingentsystems unter Berücksichtigung der Aufnahmekapazitäten staatlicher Systeme bei gleichzeitiger Wahrung der durch die EMRK verfassungsgesetzlich gewährleisteten Rechte geprüft und angegangen werden soll.

Übergangs- und Informationsbestimmungen (§ 75 Abs. 28–30)

  • § 75 Abs. 28 (anhängige Verfahren bei Inkrafttreten der Verordnung): Für Antragsteller nach § 35, deren Verfahren bei Inkrafttreten der Verordnung der Bundesregierung nach § 36 Abs. 1 bereits anhängig war, gilt ergänzend/abweichend zu § 36a Abs. 3: Sie sollen spätestens bis zur Erhebung einer Säumnisbeschwerde Zeit haben, die für den Entfall der Fristenhemmung maßgeblichen Gründe in dieser Beschwerde geltend zu machen.
  • Bei unvertretenen Antragstellern setzt eine ordnungsgemäße Darlegung dieser Gründe die Manuduktionspflicht der Behörde (§ 13a AVG) voraus; die zur Ermittlungspflicht der Vertretungsbehörde ausgeführten Grundsätze gelten sinngemäß auch im Säumnisbeschwerdeverfahren.
  • Im Verfahren über die Säumnisbeschwerde kann das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung des familiären Umfeldes im Bundesgebiet Amtshilfe (Art. 22 B-VG) des BFA in Anspruch nehmen.
  • § 75 Abs. 29 (Information bereits anhängiger Antragsteller): Es wird sichergestellt, dass auch Antragsteller mit bei Inkrafttreten der Verordnung bereits anhängigen Einreiseverfahren über die Hemmung (§ 36a Abs. 1), die Ausnahmen (Abs. 2) und die Notwendigkeit der Darlegung von Gründen informiert werden; dazu ist das Merkblatt nach § 36a Abs. 5 diesen Personen ohne unnötigen Aufschub zur Verfügung zu stellen.
  • § 75 Abs. 30 (Fortwirkung der Minderjährigkeitsregel): Die Beurteilung der Minderjährigkeit der im Bundesgebiet aufhältigen Bezugsperson nach dem Zeitpunkt der Antragstellung des Nachziehenden gilt auch dann, wenn über den Antrag infolge der Hemmung erst nach Außerkrafttreten der Verordnung nach § 36 oder nach dem 30. September 2026 (Außerkrafttreten des § 36a) entschieden wird.

Asylgesetz 2005

~79 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Gernot Darmann

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Nach Ansicht der Freiheitlichen braucht Österreich nicht erst ab heute einen absoluten, ja generellen Stopp dieser unkontrollierten illegalen Massen-, ja Messerzuwanderung nach Österreich, einschließlich eines generellen Stopps, und dies permanent, im Bereich des Familiennachzugs. (👏 FPÖ) Genau aus diesem Grund – genau aus diesem Grund! – wird die FPÖ diese dreiste, irreführende Täuschung des österreichischen Volkes seitens der Regierungskoalition hinsichtlich eines angeblichen Stopps des Familiennachzugs nicht unterstützen (👏 FPÖ): Es ist kein Stopp des Familiennachzugs, der dringendst geboten wäre, es ist nach den Ankündigungen zunächst eines Stopps, dann einer Aussetzung nunmehr eine Verschiebung des Familiennachzugs geworden, eine Hemmung, mit einer Anleitung in dieser Gesetzesinitiative, wie man diese Verschiebung bestmöglich umgehen kann. Das ist schlussendlich nichts anderes als eine Frotzelei unserer Bevölkerung in Österreich, die es satt hat, über Jahre hinweg ungerecht behandelt zu werden, noch dazu als Staatsbürger ungerecht behandelt zu werden, durch die Vorgängerregierung, durch die neue Ampelregierung – vor allem in dem Wissen, dass Personen aus aller Herren Länder weiterhin über unsere Grenzen stolpern können, über Tausende Kilometer durch sichere andere Staaten reisen können, um sich hier in die soziale Hängematte zu legen. Das kann und darf es nicht sein, es darf kein Weiter-wie-bisher geben, werte Kolleginnen und Kollegen! (👏 FPÖ) Spannend ist ja, dass sich diese Täuschung durch die Bundesregierung auch sehr gut inhaltlich argumentieren lässt. Denn, werte Kolleginnen und Kollegen, es ist ja nicht nur vorgesehen, hier praktisch eine Umgehung zu ermöglichen, indem man sich auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention, Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, beruft, was sogar noch als Umgehung in dieses Gesetz hineingeschrieben wurde, als Anleitung für die Asylmafia, die damit wieder gute Geschäfte machen wird, nein, man hat darüber hinaus im Regierungsprogramm auch Orientierungskurse und Deutschkurse auf Steuerzahlerkosten im Herkunftsland dieser Familiennachzügler vorgesehen. Aus den einzelnen Puzzleteilen kann man sich ein schönes Bild zusammensetzen, dass nämlich diese Regierungskoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS samt dem Beiwagerl der Grünen nicht gewillt ist, diesen notwendigen Schritt zu setzen, endlich diese unkontrollierte Massenzuwanderung zu stoppen, so wie es sich unsere Bevölkerung verdient hätte und auch erwartet (👏 FPÖ); erwartet von Volksvertretern, die gewählt wurden, um unsere Heimat zu schützen, um ein Fortkommen unserer eigenen Bürger möglich zu machen, um die Sicherheit unserer eigenen Bürger, von Jung bis Alt, zu gewährleisten. Aber all das scheint tatsächlich vollkommen egal zu sein, wenn man nur das Geschäft der Asylindustrie ermöglicht. Und dieses ermöglicht diese Regierungskoalition. Gratulation dazu! Österreich kann sich davon aber leider nichts abschneiden, und das ist die schlimme Wahrheit, die es hier auszusprechen gilt. Das heißt, werte Kolleginnen und Kollegen, diese Koalition, ihr als Abgeordnete dieser Regierungskoalition habt es nicht nur verabsäumt, der generellen Massenmigration einen Riegel vorzuschieben, so wie es sich gehört hätte und gehören würde, nein, ihr habt es sogar am Nebenschauplatz des Familiennachzugs nicht zustande gebracht, einen absoluten und permanenten Familiennachzugsstopp in diesem Gesetzesvorschlag, der jetzt hier diskutiert wird, festzumachen, und deswegen auch unsere Ablehnung. (👏 FPÖ) Spannend ist ja umso mehr die Argumentation zu diesem Verschieben des Familiennachzugs seitens des Innenministers, auch diese muss man sich vergegenwärtigen. Er sagt und die Abgeordneten der Koalitionsregierung meinen, man müsse diesen Familiennachzug im Sinne der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Österreich verschieben. Diese Argumentation hat schon etwas für sich, denn es ist unbestritten ein massiver Schaden an der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Österreich durch die Politiker, die in den letzten Jahren in Regierungsfunktion waren, angerichtet worden. Aber wer hindert euch, diese Fehlentwicklung zu ändern? Wer hindert euch daran – außer ihr euch selbst, fehlender Mut, fehlende Visionslosigkeit und fehlendes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen Bevölkerung? In Wahrheit müsste doch genau diese Argumentation einer in Schwierigkeiten, in Schieflage geratenen öffentlichen Ordnung und Sicherheit dazu führen, nicht nur sehr salopp und nebenbei den Familiennachzug irgendwie einmal zu streicheln und nicht wirklich zu beenden, nein, diese Argumentation müsste doch dazu führen, Herr Innenminister, ein generelles Verbot eines Ausnutzens unserer Gastfreundschaft unter dem Deckmantel des Asyls zu verordnen – ist gleich eine Asylquote null für all jene Personen, die durch sichere Staaten nach Österreich reisen, und das ist nun einmal Lebensrealität. (👏 FPÖ) Es ist Lebensrealität, dass jeder, der nach Österreich kommt oder in den letzten Jahren, seit 2015 gekommen ist, über sichere Staaten nach Österreich eingereist ist und eben in den Staaten rund um Österreich, von denen aus er eingereist ist, niemals verfolgt war, deswegen auch niemals hätte ein Flüchtling sein können, niemals hätte unserer Bevölkerung auf der Tasche liegen dürfen, niemals hätte das Sozialsystem ausnützen dürfen, auch nicht unser Gesundheitssystem, und schlussendlich niemals auch noch unsere Sicherheit gefährden dürfen. Das alles ist Ihnen zu verdanken, Ihren Fehlentscheidungen. Aber Sie haben nichts daraus gelernt und werden, da Sie auch weiterhin darauf beharren, den EU-Asyl- und Migrationspakt in voller Ausführung umzusetzen, nach Punkt und Beistrich, wie es bei Ihnen im Regierungsprogramm steht, diese Fehlentwicklungen auch nicht korrigieren wollen. Aus diesem Grund bringen die Freiheitlichen folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Gernot Darmann , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Ausstieg aus dem EU-Asylrecht“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, sich im Rahmen der Institutionen der Europäischen Union mit Vehemenz und Nachdruck für einen Ausstieg Österreichs aus dem EU-Asylrecht einzusetzen.“ (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen! Da ich nunmehr diesen Entschließungsantrag der Freiheitlichen eingebracht habe, versuche ich jetzt auf eine Art und Weise an euch heranzutreten, die wohl die einzige sein wird, mit der ich vielleicht ein wenig euer Gewissen ansprechen kann: Ich bin lang genug in der Politik, um zu wissen, dass es Klubsitzungen gibt, dass ihr eure Linie festgemacht habt, dass ich euch nicht unbedingt hier mit meinen Worten überreden werde, endlich in die Vollen zu gehen und auf Österreich zu schauen, aber: Ihr seid so wie ich Staatsbürger. Ich bin Vater, viele von euch sind Väter, Mütter, Onkel, Tanten, Omas, Opas. Ihr habt Kinder, zumindest im Familienverband, ob auf direktem Wege oder im Umfeld, und es gilt für uns alle – und ich gehe felsenfest davon aus, dass viele von euch vielleicht doch ähnlich denken könnten –, diesen Kindern eine Heimat zu sichern, einen Ort zu sichern, an dem man sich sicher nach einer entsprechenden Bildung selbst weiterentwickeln kann, an dem man vielleicht in Zukunft auch selbst in einem deutschsprachigen Raum unter christlichen Werten eine eigene Familie wird gründen können. Aber das alles setzt voraus – ich möchte die Menschen hier herinnen ansprechen und nicht die Abgeordneten –, dass wir den Mut haben, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und hier auch, wenn es notwendig ist, Konflikte mit der Europäischen Union, mit NGOs, mit Medien und allen Möglichen auszutragen, weil es hier um nichts weniger als um die Verantwortung für die Zukunft unseres Heimatlandes geht. (👏 FPÖ) Ich ersuche euch wirklich inständig, das zu beherzigen, auch wenn es heute bei diesem Tagesordnungspunkt für euch vielleicht nicht möglich sein wird. Aber es wird notwendig sein, und das ehestmöglich, die Fehler der Vergangenheit zumindest in dieser Hinsicht ein wenig zu korrigieren, indem jetzt umgehend ein absoluter Asylstopp in Österreich verhängt wird, um tatsächlich in weiterer Folge all jene außer Landes zu bringen, die hier nichts mehr verloren haben, denn es geht um Gerechtigkeit für die Österreicher. – Danke schön. (👏 FPÖ) 12.47 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/53.1 Ausstieg aus dem EU-Asylrecht (35/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag des Kollegen Darmann wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Ernst Gödl . – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehbildschirmen! Die Regierung steht gerade einmal etwas mehr als sechs Wochen im Dienst und schon beschließen wir etwas, was wir auch ganz zu Beginn versprochen haben und was richtungsweisend für unser Land ist, nämlich den Stopp des Familiennachzugs. Wir stehen zu unserer Verantwortung, Herr Kollege Darmann, wie Sie es auch eingefordert haben.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist aber kein Stopp! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Kein Stopp! – Abg. Egger [ÖVP]: Hört einfach einmal zu!

ÖVP Ernst Gödl

… Verantwortung in diesem Fall heißt aber auch, realistisch zu sein und machbare Lösungen zu finden, die natürlich auf Basis des Rechtsstaates zu erfolgen haben. Und eine solche Lösung, meine geschätzten Damen und Herren, legen wir heute vor. (👏 ÖVP, NEOS) Es gibt nichts zu relativieren und auch nichts zu beschönigen, Österreich war in den letzten Jahren mit sehr hohen Zahlen von schutzsuchenden Menschen konfrontiert …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer war denn der Innenminister?

ÖVP Ernst Gödl

… insbesondere aus Syrien und Afghanistan, und in der Folge kam es eben zu besagtem Familiennachzug …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer war denn der Innenminister?

ÖVP Ernst Gödl

… allein in den Jahren 2023 und 2024 in Summe etwa 17 000 Menschen, davon 12 000 minderjährige Kinder. Dies hat tatsächlich zu einer Überforderung mancher unserer staatlichen Systeme geführt – im Bereich der Bildung, im Bereich der Gesundheit, im Bereich des Sozialstaates und auch im Bereich der Sicherheit, Stichwort Jugendkriminalität. Unsere Verantwortung ist es, und die nehmen wir wahr, diese staatlichen Systeme vor einer dauerhaften Überforderung zu schützen. (👏 ÖVP, NEOS) In nur zwei Jahren sind also etwa 12 000 Schülerinnen und Schüler, also minderjährige Personen, zu uns gekommen, viele davon ohne Deutschkenntnisse, ohne Vorbildung. Das bringt das Bildungssystem an die Grenzen. In vielen Klassenzimmern – das wurde heute schon angesprochen –, gerade auch in Wien und in städtischen Bereichen, ist ein regulärer Unterricht nur schwer möglich. Die Pädagoginnen und Pädagogen sind extrem gefordert und stoßen vielerorts an ihre Grenzen. Ja, es braucht Entlastung für die Schulen, für die Pädagoginnen und Pädagogen und vor allem auch für die Kinder, die dort lernen. So, und was bringen wir jetzt auf den Weg? – Wir ändern das Asylgesetz, das übrigens aus 2005 stammt. Sie wissen, wer 2005 an der Regierung beteiligt war, nämlich die FPÖ, die damals gemeinsam mit uns ein neues, modernes Asylgesetz geschaffen hat. Wir fügen nun einen Paragrafen ein, mit dem wir es auf rechtsstaatlicher Basis möglich machen, dass der Innenminister, übrigens im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss, also dem Parlament, eine Verordnung erlassen kann, um den Familiennachzug zu stoppen. Das ist ungefähr eine gleichartige Maßnahme wie zum Beispiel jene, mit der wir auch weiterhin Grenzkontrollen ermöglichen. Dabei ist es wichtig zu betonen: Ja, für Härtefälle ist ein Ausnahmetatbestand im Sinne des Artikels 8 der Menschenrechtskonvention vorgesehen. Das gehört auch zu einem funktionierenden und richtigen Rechtsstaat. Diese Regelungen passieren jetzt nicht auf schnellen Zuruf. Es gab auch eine Ausschussbegutachtung. Es gab Stellungnahmen von verschiedenen Stellen, auch von Universitätsprofessoren, die sagen – auch an die grüne Fraktion gerichtet, weil die das ja komplett anders sieht, diametral anders als die Freiheitlichen –: Ja, das ist zulässig in dieser Situation, öffentliche Einrichtungen, im Besonderen das Bildungswesen, bedürfen eines besonderen Schutzes, es ist rechtlich gerechtfertigt, solche Maßnahmen zu ergreifen. Es war unser Innenminister, der schon in den letzten Monaten und Jahren sehr massiv gegen die illegale Migration insgesamt und gegen den Familiennachzug angekämpft hat. Das sieht man bereits an den Zahlen, die sehr stark zurückgegangen sind. In den ersten drei Monaten des Vorjahres waren es etwa 2 000 Menschen, die über den Familiennachzug nach Österreich gekommen sind, jetzt waren es etwa um die 160. Ich würde euch bitten, liebe Kolleginnen und Kollegen der FPÖ: Messen Sie uns an den Zahlen! Schauen Sie sich die Zahlen an, und Sie werden sehen, dass die Zahlen sehr niedrig sind. Sie sind übrigens um einiges niedriger als zur Zeit eines Innenministers Herbert Kickl . (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich weiß schon, für Sie von der FPÖ ist es heute kein guter Tag, weil Sie ja kein Interesse daran haben, dass wir Lösungen finden.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wo ist da die Lösung? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wo ist die Lösung?

ÖVP Ernst Gödl

… Sie haben Interesse daran, dass die Probleme aufrechterhalten werden. Sie als Will-nicht-Regierungspartei und als Will-nicht-Volkskanzler haben natürlich kein Interesse daran, dass es Lösungen gibt – aber wir sind hier angetreten, um Lösungen zu schaffen, und die schaffen wir, die schaffen wir mit der Änderung des Asylgesetzes. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es ist schon eine besondere Chuzpe, meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen der FPÖ, wirklich ein besonderes Vermächtnis, das Sie heute unserer Bevölkerung hinterlassen, wenn Sie weder beim Ausbau der Deutschförderung mitgestimmt haben noch jetzt mitstimmen, wenn wir eine gesetzliche Grundlage schaffen, um den Familiennachzug zu stoppen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist kein Stopp!

ÖVP Ernst Gödl

… Das müssen Sie erst einmal der Bevölkerung erklären, dass Sie nur reden, aber dann, wenn es um konkrete Lösungen geht, nie mit an Bord sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das sind nur leere Worte, Herr Kollege!

ÖVP Ernst Gödl

… Das ist nämlich keine Symbolpolitik, meine Damen und Herren, sondern das ist eine wirksame Steuerung, die im Bereich des Familiennachzugs notwendig ist und die wir mit dieser gesetzlichen Grundlage jetzt auch ermöglichen. Wir tun das nicht, um Integration zu verhindern, sondern um die Systeme zu sichern, um die Integration zu verbessern: geordnet, planbar und machbar. Der Familiennachzug kann kein Automatismus sein, sondern muss im Interesse aller Beteiligten gut gesteuert werden. Die Menschen in unserem Land erwarten von uns allen zu Recht ordentliche, machbare, vertretbare Lösungen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist eine Täuschung!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie erwarten von uns zu Recht, dass wir für Stabilität sorgen, bevor es zur Überlastung kommt. Und sie erwarten von uns, dass wir handlungsfähig bleiben, dass wir Lösungen suchen und Lösungen hier beschließen. Deswegen: Gehen Sie noch einmal in sich, liebe Kollegen der FPÖ, und stimmen Sie dieser Änderung des Asylgesetzes zu, weil wir damit eben den Familiennachzug stoppen können! Das, was Sie immer gefordert haben: nicht nur reden, sondern auch handeln! – das tut diese Bundesregierung und das tun wir auch hier im Parlament. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer .

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, wir sind gegen dieses Gesetz – aber nicht, weil wir nicht auch der Ansicht wären, dass alles getan werden muss, um die Schulen zu entlasten, um die Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen, die tagtäglich ihr Bestes geben, um allen Kindern das beizubringen, was sie für ihren künftigen Lebensweg brauchen. Im Gegenteil: Wir sind der Meinung, dass das dringend geboten ist und gemacht werden muss. Aber diese Aussetzung der Familienzusammenführungen, wie sie die Regierungsparteien hier planen, ändert an der Situation in den Schulen genau gar nichts, während sie gleichzeitig aber europarechtlich und menschenrechtlich höchst fragwürdig ist. (👏) Uns war aber klar, dass diese Regelung auf Biegen und Brechen durchgepeitscht werden wird – trotz aller Bedenken unterschiedlichster Expertinnen und Experten in dem doch noch durchgeführten Pro-forma-Minibegutachtungsverfahren, trotz erwartbarer vollkommener Wirkungslosigkeit. Sie muss durchgepeitscht werden, und zwar aus dem einzigen Grund: dass der Herr Innenminister dringend eine neue Nebelgranate braucht, um von dem jahrelangen Versagen der ÖVP auf dem Gebiet der Integration abzulenken. (👏) Das ist genau die Taktik: Problem sehen – Nebelgranate zünden – durchtauchen. Weil das zu erwarten war, haben wir schon im Vorfeld einen Antrag eingebracht, um damit die Regierung aufzufordern, sich zumindest an die Verfassung zu halten. Wir haben gefordert, „die Bundesregierung solle [...] die angekündigten Maßnahmen im Bereich der Familienzusammenführung ausschließlich im Einklang mit der Rechtsprechung des EuGH setzen und respektieren, dass eine mitgliedsstaatliche Kompetenzermächtigung eine tatsächliche, gegenwärtige und erhebliche Gefahr voraussetzt, die ein Grundinteresse der österreichischen Bevölkerung berührt, [...] und [...] jedenfalls auch alle primär- bzw. völkerrechtlichen Garantien, wie insbesondere die Grundrechte-Charta der Union [...] und insofern auch die EMRK, die Kinderrechtekonvention und die Genfer Flüchtlingskonvention, ausnahmslos einzuhalten sind.“ (👏) Diesen Antrag haben alle Regierungsparteien abgelehnt. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Sie haben abgelehnt, dass Sie sich an die Verfassung halten wollen.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Eine Schande!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Dass die ÖVP da manchmal Probleme hat, das wissen wir, denn da geht es einfach um die populistische Symbolpolitik für die rechte Wähler:innenschaft. Das muss man verstehen. Dass die SPÖ sich nicht immer ganz leicht tut, da wirkungsvoll dagegenzuhalten, wie wir das in der Vergangenheit immer getan haben ( Widerspruch bei der SPÖ ), das haben wir fast befürchtet. Wir hätten aber trotzdem gehofft, dass da mehr passiert. Dass aber auch die NEOS da mitgehen und auf die Grundrechte und auf rechtsstaatliche Prinzipien verzichten können, das überrascht mich tatsächlich. (👏) Diese Regelung ist europarechtlich, grundrechtlich und rechtsstaatlich höchst bedenklich. Das ist Ihnen dann auch in der Debatte im Ausschuss einigermaßen klar geworden. Deshalb gibt es heute auch einen Abänderungsantrag dazu, nämlich dergestalt – das muss man einmal gut durchdenken –, dass man einen weiteren Antrag stellen kann, während der ursprüngliche Antrag nicht bearbeitet wird, mit dem man die Feststellung beantragen kann, dass die Behörde den ursprünglichen Antrag doch bearbeiten soll. – Superrechtsschutzinstrument. Keiner versteht es, und es wird zu einem erheblichen Mehraufwand beim Bundesverwaltungsgericht führen. Gratuliere! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das ist was für den Bürokratieabbau! – Abg. Disoski [Grüne]: Genau! – Sepp, was machst du? – Abg. Koza [Grüne]: Der Schellhorn wird’s schon richten!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Und dieses Bürokratieungetüm ressortiert in dem Ministerium, in dem der neue pinke Deregulierungsstaatssekretär entbürokratisieren will. – Gratulation! …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Postenschacherei ist das! – Abg. Koza [Grüne]: Bildets einen Arbeitskreis dazu!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Wir wissen, dass wir diese absurde Regelung nicht verhindern können, aber wir möchten zur Lösung der echten Probleme beitragen und bringen daher folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Integrationsbarometer“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres und die Bundesministerin für Europa, Integration und Familie, werden aufgefordert, zur adäquaten Beurteilung der Notwendigkeit einer Verordnung gemäß § 36 AsylG fakten- und evidenzbasiert vorzugehen. In diesem Sinne soll dem ohnehin bereits angekündigten Integrationsbarometer nicht vorgegriffen werden, welches die Bundesregierung ja erst in die Lage versetzen wird, die Belastung und Auswirkungen der einzelnen Systeme (u.a. Inneres, Bildung, Gesundheit, Soziales, Wohnen, Arbeitsmarkt, Wirtschaft sowie demographische Parameter) und diesbezügliche Belastungen auf den Staatshaushalt im Hinblick auf den Erhalt des sozialen Friedens und der öffentlichen Ordnung in Österreich hinreichend abzubilden.“ Beschließt bitte wenigstens das! – Vielen Dank. (👏) 12.59 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/55.1 Integrationsbarometer (36/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner .

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, die Anwesenheit der beiden Regierungsmitglieder ist schon ein Zeichen des Verantwortungsbewusstseins, denn wir sind nicht nur angetreten, um über die großen Herausforderungen zu reden, sondern vor allem sind wir angetreten, um die Probleme in unserem Land zu lösen – und das tun wir heute. (👏 ÖVP, SPÖ) Vielleicht werfen wir aber vorher einen kurzen Blick zurück: Die Bevölkerung hat uns bei der Nationalratswahl 2024 unmissverständlich mitgeteilt, in welchen Bereichen sie sich Lösungen erwartet. Das waren zum einen die Bereiche der Teuerung und natürlich auch der Bereich Sicherheit, Asyl, Migration und Integration.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Bei beiden Bereichen ...!

SPÖ Maximilian Köllner

… Das sind Hausaufgaben, die uns die Bevölkerung mitgegeben hat, und wie auch in der Schule sind Hausaufgaben da, um erledigt zu werden – und das tun wir nun. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Gegen die Teuerung haben wir bereits mit dem Mietpreisstopp eingegriffen (👏 SPÖ), und mit der heutigen Änderung des Asylgesetzes sorgen wir dafür, dass die Kapazitäten unserer Systeme vor Überlastung geschützt werden. Wir haben gesehen, dass die Integration nicht mit der Migration Schritt hält …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Asyl ist jetzt Migration, oder wie?

SPÖ Maximilian Köllner

… Migration muss sich also an der Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft orientieren. Das sind wir schuldig: Ihnen, liebe Österreicherinnen und Österreicher; den Lehrerinnen und Lehrern, die an der Belastungsgrenze sind; den Schülerinnen und Schülern, die eine gute Zukunft brauchen; und natürlich auch jenen Menschen, die Schutz brauchen vor Verfolgung oder Tod und mit Aufenthaltstiteln in unser Land kommen. Auf der anderen Seite geht es aber nicht – und das möchte ich auch in aller Deutlichkeit sagen –, dass Österreich Jahr für Jahr an seine Grenzen geht, während sich andere Länder wie beispielsweise Ungarn aus der Verantwortung stehlen. Daher müssen und werden wir tun, was wir als Bundesregierung nationalstaatlich tun können. Wir werden uns natürlich auch weiterhin auf europäischer Ebene für Lösungen einsetzen und auch für Lösungen starkmachen, aber jetzt ist unser Job, nationalstaatlich für Lösungen zu sorgen, solange es eben keine europäischen Lösungen gibt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Aussetzung des Familiennachzugs ist eben eine solche Maßnahme, mit der wir das Steuer in die Hand nehmen. Und wir machen das unaufgeregt, wir machen das sachlich, wir machen das ohne Populismus und ohne die Wähler zu täuschen, Kollege Darmann, denn die Einzigen, die die Wähler täuschen, sind Sie. Denn wenn es nach Ihnen geht, machen wir Gesetze, die im Prinzip wertlos sind …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Hä?

SPÖ Maximilian Köllner

… wir hingegen machen Gesetze im Rahmen des Rechts, wir machen Gesetze, die halten. (👏 ÖVP, SPÖ) Aus eurer langen Liste der Anträge und auch eurer Skandale geht klar hervor, dass ihr das nicht könnt – und vor allem, dass Gesetze für alle gelten sollen, nur nicht für euch selbst. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ihr legt hier immer wieder bewusst Dinge auf den Tisch, die mit Garantie von Gerichtshöfen zurückgeschmissen werden. Der Grund ist relativ simpel, aber durchaus traurig: Ihr wollt von Problemen leben, wir wollen sie lösen. (👏 ÖVP, SPÖ) Ihr wollt mit Hass und Hetze Menschen gegeneinander ausspielen, wir wollen mit Rechtsstaatlichkeit, mit Ordnung, aber auch mit Menschlichkeit für ein friedliches Miteinander in Österreich sorgen. Der zweite wesentliche Unterschied zur FPÖ ist folgender: Unser heutiger Beschluss ist auch ein klares Signal: ein Signal an die Europäische Union , ein Signal an einige Nachbarländer, denn es geht auch nicht, dass zum Beispiel – und damit sind wir bei eurem Freund, bei Kollegen Orbán – Ungarn hergeht und auf der einen Seite die Hand aufhält, wenn es um EU-Förderungen geht, und mit der anderen Hand quasi die Menschen nach Österreich durchwinkt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist das Modell ..., glaube ich!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir werden Kollegen wie Herrn Orbán die Stirn bieten müssen und nicht vor ihnen einen Knicks machen, weil wir so definitiv nicht weiterkommen. (👏 SPÖ) Sie treffen sich ja regelmäßig – Sie, der Nationalratspräsident, Klubobmann Kickl, haben ihn auch hier im Hohen Haus hofiert –: Ich wäre neugierig, was Sie sich da gegenseitig ins Freundschaftsbuch hineinschreiben. Ich glaube, wichtig wäre, ihm zu sagen – was Sie nämlich offensichtlich nicht machen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Na redet halt einmal selber mit ihm!

SPÖ Maximilian Köllner

… dass er auch einen - - …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wäre das vielleicht eine Idee?

SPÖ Maximilian Köllner

… Er ist ja Ihr Freund! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber Ihr Nachbar im Burgenland! Mit dem würde ich mich gut stellen!

SPÖ Maximilian Köllner

… Sagen Sie ihm einfach, er soll auch seinen Beitrag leisten. Ich sage Ihnen auch, warum er seinen Beitrag leisten soll: Weil er unser Steuergeld als Nettoempfänger haben möchte, und genau deswegen sollten Sie ihm vielleicht auch einmal einen Satz ins Stammbuch schreiben. (👏 SPÖ) Beispielsweise hält er sich nicht an die Dublin-Verordnung, das könnten Sie ihm auch sagen. Wenn die Dublin-Verordnung funktionieren würde, hätten wir hier unsere Probleme nicht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ein Schmarrn! Das ist ein Blödsinn!

SPÖ Maximilian Köllner

… Das müssten Sie ihm sagen, weil er dafür verantwortlich ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ein Blödsinn!

SPÖ Maximilian Köllner

… Sie können schon stolz sein, solche Freunde zu haben. Wir kommen noch zum dritten Unterschied. Für uns ist ganz klar: Für uns ist Integration Pflicht von Tag eins an: Deutschkurse, Wertekurse, Qualifizierungsmaßnahmen und die Menschen rasch in Beschäftigung bringen. Uns ist nämlich lieber, dass diese Menschen Steuern zahlen, als dass sie uns Steuern kosten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da könnt ihr lange warten!

SPÖ Maximilian Köllner

… In eurer Welt sollen Deutschkurse gestrichen werden, auf der anderen Seite sollen sie Deutsch sprechen können. Wie soll das funktionieren? Ihr wollt Qualifizierungsmaßnahmen verhindern und beschwert euch, wenn wir die Leute nicht am Arbeitsmarkt unterbringen. Ihr sagt – da sind wir uns, glaube ich, ja einig –, wir brauchen Fachkräfte, und gleichzeitig wollt ihr nicht, dass wir die Zuwanderer in Beschäftigung bringen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Heute tun wir wieder vermischen: Zuwanderung und Asyl! Na, euch ist nicht mehr zu helfen! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Ihr löst einfach keine Probleme, ihr wollt von den Problemen einfach nur leben. (👏 SPÖ) Schauen Sie, Kollege Darmann: Tun wir nichts, sagen Sie: Wir tun nichts …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Du vermischst gerade Zuwanderung und Asyl! Halt einmal die zwei Begriffe auseinander: Zuwanderung und Asyl! Kennst du die Unterscheidung?

SPÖ Maximilian Köllner

… tun wir etwas, passt es Ihnen auch nicht in den Kram, weil wir die Probleme dann lösen. Das ist genau das Problem. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Wir tun jetzt etwas – und Sie regen sich auf.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... eine Alibihandlung!

SPÖ Maximilian Köllner

… Also ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, was ich noch zu Ihnen sagen soll. Wir sind auf jeden Fall angetreten, um Probleme zu lösen, die andere hinterlassen haben. Das tun wir jetzt, und wir machen das mit Augenmaß, wir machen das mit Verantwortungsbewusstsein …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ihr wart ja selber die Willkommensklatscher!

SPÖ Maximilian Köllner

… und vor allem auf dem Fundament des Rechtsstaates, denn wenn wir Politik so machen würden, wie Sie es tun, dann haben wir keinen Rechtsstaat, sondern Anarchie.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, dann wäre es ...!

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Bundesminister Gerhard Karner zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Minister.

FPÖ Reinhold Maier

Geschätzte Frau Präsidentin! Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Das Thema Familiennachzug ist ein sehr wichtiges und auch sehr emotionales Thema, das wirklich sehr, sehr viele Problemstellungen mit sich bringt und wirklich dringend Veränderungen braucht, aber mir fehlt bei diesem Gesetzentwurf der Glaube, dass die Regierungsparteien das auch wirklich umsetzen wollen.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Nein, wir beschließen es jetzt ...! – Heiterkeit bei der ÖVP.

FPÖ Reinhold Maier

… Da muss ich dir, lieber Herr Innenminister, und meinen Vorrednern, Kollegen Gödl und Köllner, wirklich widersprechen. Bei den Grünen muss ich sagen, dass es wirklich ideologische Unterschiede gibt, und deshalb wundert mich das auch nicht. Ich habe aber bereits in der letzten Sitzung des Innenausschusses deutlich gemacht, dass die ÖVP mit Innenminister Karner einmal mehr nur durch große Ankündigungen auffällt, diesen jedoch kaum beziehungsweise selten Taten folgen lässt, denn die ÖVP hat im Wahlprogramm zwar großmundig eine Aussetzung des Familiennachzugs gefordert – Kollege Gödl hat jetzt sogar „versprochen“ gesagt – und somit auch – das muss man auch immer wieder sagen – unsere Themen, Themen der FPÖ, vor Wahlen kopiert …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ha!

FPÖ Reinhold Maier

… doch nun ist im vorliegenden Gesetzentwurf davon wirklich kaum noch etwas zu sehen. Das ist wirklich ein sehr abgeschwächter Kompromiss, der übrig geblieben ist. Ich würde sogar sagen, das ist eine Mogelpackung. (👏 FPÖ) Statt eines wirklich klaren Stopps, wie er jetzt immer angekündigt wird, sieht der Entwurf lediglich vor, die Antragstellung auf Familiennachzug bis zum 30. September 2026 zu hemmen. Das Wort hemmen sagt das ja eigentlich schon: Das ist eine Verschiebung des Problems und keine Beendigung beziehungsweise Stopp des Problems. (👏 FPÖ) Das bestätigt auch die gerade von dir ( in Richtung Bundesminister Karner ) erwähnte veröffentlichte Kriminalitätsstatistik, in der die Zahlen schon wieder gestiegen sind, und das ist wirklich dein Erbe. Du hast es auch angesprochen: Die Jugendkriminalität ist das Problem, und da haben wir hauptsächlich Täter mit Migrationshintergrund. Es kommt aber noch besser: Es wird eine weitreichende Ausnahmeregelung geschaffen. Wenn Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention angewendet wird, also das „Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens“, greift die Regelung nicht. Das konterkariert einen tatsächlichen Stopp des Familiennachzugs und führt diesen von den Regierungsparteien eingebrachten Gesetzentwurf eigentlich ad absurdum. Weiters ist im Regierungsprogramm auch eine Kontingentierung für den Familiennachzug vorgesehen, was uns der Herr Innenminister ja auch im Innenausschuss bestätigt hat …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Reinhold Maier

… und sie beginnt nicht erst mit 30. September 2026, sondern sie soll schon nach einem Jahr beginnen. Damit wissen wir eigentlich eh, in welche Richtung es mit dieser Bundesregierung geht: zu einem Weiter-wie-bisher. Genau dieses Weiter-wie-bisher wollen wir nicht, Herr Innenminister.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Reinhold, messt uns an den Zahlen!

FPÖ Reinhold Maier

… Außerdem – auch für dich, Kollege Gödl – befindet sich Österreich ausschließlich inmitten sicherer Drittstaaten. Jeder Asylwerber, der bei uns an den Grenzen ankommt, ausgenommen natürlich auf den Flughäfen, hat sichere Länder durchquert. Warum wenden wir nicht die Dublin-III-Verordnung an? Es kann doch nicht sein, dass sich Asylwerber das Zielland wie Touristen und nach der Höhe der Sozialleistungen aussuchen können. Da sei speziell auch gesagt: Wien ist ja da Spitzenreiter mit unserem Bürgermeister Ludwig und auch Staatssekretär – nicht Staatssekretär, sondern Stadtrat – Hacker (Abg. Kickl [FPÖ] – in Richtung Staatssekretär Leichtfried –: Na jetzt hast du noch mal Glück gehabt!), der ja noch mehr Geld in das Sozialsystem bringen will. Besorgniserregend für uns ist auch die geplante Umsetzung des EU-Migrationspaktes, der einen verpflichtenden Verteilungsmechanismus vorsieht. Dieser Migrationspakt, Herr Innenminister, wird die illegale Migration nach Europa nicht reduzieren, im Gegenteil: Er verfestigt die bestehende Fehlentwicklung und fördert die Zuwanderung. Man muss auch sagen, die Bundesregierung bekennt sich ja zu diesem EU-Migrationspakt. Unser Sozialsystem, unser Bildungssystem und unser Gesundheitssystem, aber auch zum Beispiel meine Kollegen von der Polizei sind bereits jetzt an ihren Belastungsgrenzen angelangt. Ein Weiter-wie-bisher ist deshalb unverantwortlich und nicht mehr tragbar, Herr Innenminister.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Deshalb beschließen wir ja das Gesetz!

FPÖ Reinhold Maier

… Wir halten daher fest: Wir fordern einen sofortigen und dauerhaften Stopp des Familiennachzugs und keine Placebo- und Showpolitik, wie das die Bundesregierung mit diesem Gesetzentwurf wiederholt zum Nachteil der österreichischen Bevölkerung macht, denn wir wollen das Problem nicht verwalten, so wie ihr das wollt, liebe Bundesregierung, wir wollen es ein für alle Mal beseitigen. Das ist der Unterschied zwischen Ihrem Antrag und dem Antrag des Kollegen Gernot Darmann . (👏 FPÖ) Abschließend möchte ich noch sagen: Wir sind ja nicht für Familienzusammenführung – Kollege Mölzer hat es heute in einem Redebeitrag schon gesagt –, aber bitte, wenn Familienzusammenführungen gemacht werden: nicht bei uns in Österreich, bitte im Herkunftsland! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke ans Wort. – Bitte.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Innenminister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Der Stopp des Familiennachzugs ist kein Weiter-wie-bisher. Wir haben einen ausgewogenen Gesetzesvorschlag, der es einerseits schafft, die Fakten, die Realitäten in Österreich anzuerkennen und Besserung zu bringen, und andererseits auch, den rechtlichen Rahmen zu beachten. Wenn ich mir die Debatte anhöre, dann bestärkt mich vor allem eines bei diesem Vorhaben, und das sind die Wortmeldungen der Opposition. Das sind auf der einen Seite die Grünen, die verkennen, was die faktische Situation in Österreich ist, wie es um unser Bildungssystem bestellt ist, die sich hierherstellen und sagen, es verbessere sich nichts, aber nicht darüber nachdenken, ob es denn vielleicht nicht noch schlimmer werden könnte ; und es sind auf der anderen Seite die Freiheitlichen, die entgegen dem geltenden Recht, entgegen dem Verfassungsrecht, dem EU-Recht, Mal für Mal Vorschlag um Vorschlag bringen, die einfach nicht halten werden, die die Gerichte aufheben werden. Die Frontalopposition von beiden Seiten macht sicher, dass wir als Regierung auf dem richtigen Weg sind , einem Weg der Mitte, einem Weg der Fakten und einem Weg der tatsächlichen Lösungen. Wir machen nicht die Probleme groß, wir liefern wirklich die Lösungen, und diese sind auch dringend nötig.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Du musst auch noch am Boden der Realität ankommen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie sind dringend nötig – mit Blick auf die Grünen. Einmal zur Realität der Lage in Österreich: Unsere Schulen sind überlastet, die Lehrer:innen schaffen das nicht mehr. Der Unterricht, so wie er zu meinen Zeiten stattfinden konnte, kann zu oft nicht mehr stattfinden, mangels der nötigen Deutschkenntnisse, auch wegen anderer Werte, auch weil Frauen anders behandelt werden, und hier zu sagen, Österreich sei selbst schuld, wir hätten das Bildungssystem früher ändern können, hat nichts mit der Realität in Österreich zu tun.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Deshalb braucht es den absoluten Asylstopp!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… 60 Prozent der Volksschulkinder in Wien sprechen kein Deutsch, in Graz 55, in Linz 50, in Salzburg 55 Prozent.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Sie hetzen ja dauernd, Frau Kollegin! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist aber billige Polemik! Populistisch!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das ist keine Lage, die mit Änderungen im Bildungssystem zu verbessern ist. Wir müssen dafür sorgen, dass Migration nur in dem Maße stattfindet, in dem Integration auch möglich ist …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das hat aber nichts mit Asyl zu tun! – Ruf bei der FPÖ: Null!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… und nur so werden wir es schaffen, dass wir die Aufholjagd an unseren Schulen endlich starten und auch erfolgreich beenden.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Rasend schnell!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Und mit Blick auf die FPÖ: Sie sind schon nervös – keine Sorge, kopieren werden wir nichts, wir wollen, dass die Dinge langfristig halten. Das, was Sie hier machen, ist blanker Populismus.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ja, ich weiß eh! Genau!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie stellen Antrag für Antrag. Menschenrechte einfach aushebeln …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Genau! Da haben auch wir recht gehabt!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… einfach streichen, das geht nicht, das wissen Sie eigentlich, das hält vor keinem Gericht. Eine vollständige Abschaffung des Familiennachzugs ist EU-rechtswidrig. Das wissen Sie! …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Erzählen Sie das mal den Polen und den Esten, was die alles machen, wie EU-rechtswidrig das ist!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das hält vor keinem Gericht, aber es geht Ihnen auch nicht darum, Lösungen zu bringen, es geht Ihnen nicht darum, Gesetze zu machen, die halten. Ihnen geht es darum, über die Probleme zu reden, und je größer die Probleme, umso größer Ihre Kundschaft.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele Vertragsverletzungsverfahren haben wir denn eigentlich?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das ist die traurige Realität dieser FPÖ. (👏 ÖVP, NEOS) Die Bundesregierung hingegen schafft es, die Probleme in Österreich als das anzuerkennen, was sie sind, und auch die Lösungen zu bringen ( Rufe bei der FPÖ: Ja! Wo sind die Lösungen? ), die es dringend braucht, und die Lösungen im rechtlichen Rahmen zu bringen. Ich bin sehr dankbar, dass wir einen Gesetzentwurf vorlegen konnten, bei dem wir extra noch in die Begutachtung gegangen sind, der rechtskonform ist, der im Einklang mit EU-Recht und mit unserer Verfassung ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das wird sich auch erst weisen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… In Anbetracht der Stellungnahmen der Richtervereinigung und auch des Bundesverwaltungsgerichtes haben wir außerdem – es wurde bereits angesprochen – noch eine letzte Änderung hinzugefügt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

...-mal verbessert und es ist noch immer nichts Gescheites herausgekommen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Worum geht es? – Uns geht es darum, dass wir den Aufwand, die Arbeit beim Bundesverwaltungsgericht klein halten und auf der anderen Seite das Recht auf wirksame Beschwerde wahren. Daher stelle ich folgenden Antrag: Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilan Köllner, MA, Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der oben bezeichnete Antrag [...] in der Fassung des Berichtes des Ausschusses für innere Angelegenheiten wird wie folgt geändert: 1. In der Z 6 [...] wird dem § 36a Abs. 3 folgender Satz angefügt: „Auf gesonderten Antrag des Fremden hat die Vertretungsbehörde binnen acht Wochen mit Feststellungsbescheid zu entscheiden, ob die Voraussetzungen des Abs. 2 erster Satz vorliegen. Ein solcher Antrag, eine gegen dessen Zurück- oder Abweisung erhobene Beschwerde und eine wegen dessen nicht rechtzeitiger Erledigung erhobene Säumnisbeschwerde werden gegenstandslos, sobald über den Antrag auf Einreise gemäß § 35 entschieden ist.“ 2. In der Z 6 [...] wird in § 36a Abs. 5 nach dem Wort „Obliegenheit“ die Wortfolge „und seinem Antragsrecht“ - - Präsidentin Doris Bures : Frau Abgeordnete, ich ersuche Sie, den genauen Wortlaut dieses Abänderungsantrages noch einmal zu verlesen. Dem war jetzt nicht so.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oje! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das war schon einmal ziemlich zach!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ich nehme an, Sie haben den Text vor sich liegen? ( Abg. Wotschke [NEOS] nickt. ) – Gut, ich gebe Ihnen meinen Ausdruck, bitte ab „Der Nationalrat wolle [...] beschließen“.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber Sie müssen ja mitlesen, sonst können Sie ja nicht genau kontrollieren!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Abgeordnete Mag. Sophie Marie Wotschke (fortsetzend): Sicher ist sicher. Der oben bezeichnete Antrag [...] in der Fassung des Berichtes des Ausschusses für innere Angelegenheiten wird wie folgt geändert: 1. In der Z 6 [...] wird dem § 36a Abs. 3 folgender Satz angefügt: „Auf gesonderten Antrag des Fremden hat die Vertretungsbehörde binnen acht Wochen mit Feststellungsbescheid zu entscheiden, ob die Voraussetzungen des Abs. 2 erster Satz vorliegen. Ein solcher Antrag, eine gegen dessen Zurück- oder Abweisung erhobene Beschwerde und eine wegen dessen nicht rechtzeitiger Erledigung erhobene Säumnisbeschwerde werden gegenstandslos, sobald über den Antrag auf Einreise gemäß § 35 entschieden ist.“ 2. In der Z 6 [...] wird in § 36a Abs. 5 nach dem Wort „Obliegenheit“ die Wortfolge „und seinem Antrag[...]“ eingefügt. Danke schön.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja nicht das, was da steht! Das hat jetzt aber gar nicht gepasst! Es ist wurscht! Wir haben es eh da liegen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ich bitte um Zustimmung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 13.27 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/59.1 Asylgesetz 2005 (AA-12) Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Dieser Abänderungsantrag ist nun ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Irene Eisenhut .

FPÖ Irene Eisenhut

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier im Saal und zu Hause! Ich möchte als Erstes einmal Kollegen Gödl kurz ansprechen, weil es mich gestern schon geärgert hat, dass so vollmundig verkündet wird, dass unter Innenminister Karner die Zahlen so stark sinken. Dazu Zahlen, die eigentlich für jeden ganz klar verständlich sind: Asylanträge 2022: 112 272; 2024 – weil gerade die Kritik gekommen ist, es sei schon so lange her –: knappe 25 000 …

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Das ist aber schon ein bisschen ...!

FPÖ Irene Eisenhut

… in der Ära des Innenministers Kickl waren das 2018 (Abg. Höfinger [ÖVP] – erheitert –: Ha!): 13 746; 2019: 12 886.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Das ist keine Ära!

FPÖ Irene Eisenhut

… Ich glaube, daran kann man erkennen, wann in Bezug auf Asyl wirklich gute Arbeit geleistet wurde. (👏 FPÖ) Und nun zum heutigen Antrag, der Änderung des Asylgesetzes 2005. Das ist nichts anderes als ein fauler Kompromiss zwischen den Regierungsparteien und ein Etikettenschwindel gegenüber der österreichischen Bevölkerung. (👏 FPÖ) Die darin enthaltene Hemmung bis September 2026 zögert sämtliche Probleme nur hinaus. Es ist keine Lösung und doch zusätzlich mit einer ganz besonderen Serviceleistung verbunden. Diese Serviceleistung wird im neuen § 36a Asylgesetz gleich als Handlungsanweisung für die Antragsteller mitgeliefert, sich auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention zu berufen. Artikel 8 lautet: „Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens“ – und nicht: Recht auf Familienzusammenführung. Ich möchte das heruntergebrochen ganz kurz erklären …

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Nein, bitte nicht!

FPÖ Irene Eisenhut

… und zwar anhand eines Beispiels im Familienbereich ( Ruf bei den Grünen: ... ist das genauso! ): Es gibt eine Familie, die zwei Kinder hat und sich eines Pflegekindes annimmt. Das ist großartig. Jetzt wird die Situation vielleicht ein bisschen schwierig, und finanzielle Schwierigkeiten kommen dazu. Was macht die Familie? – Sie nimmt drei weitere Pflegekinder auf, weil ihr halt die Kinder so sehr leidtun. Jetzt gibt es noch Geschwister von diesen Pflegekindern, und auch diese nimmt die Familie auf, um Gutes zu tun. Jetzt kommt die Familie aber mit der Situation überhaupt nicht mehr zurecht und bittet Freunde, Bekannte, das gesamte Umfeld, sich um die Kinder zu kümmern. Die Schulden werden immer größer, und aus diesem Grund sollen diese Menschen auch noch einen Teil ihres Einkommens solidarisch abgeben. Jetzt frage ich Sie hier im Saal wirklich: Würde das irgendjemand im privaten Bereich so machen? Würde irgendjemand von uns so handeln? …

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Das gibt’s ja auch nicht!

FPÖ Irene Eisenhut

… Jeder würde sagen: Das ist völlig verantwortungslos, wie da gehandelt wird! (👏 FPÖ) Genau so aber agiert diese Regierung. Die ÖVP macht weiter wie bisher, Hauptsache, es gibt eine tolle Schlagzeile. Ich habe es heute in der Früh auf der Fahrt hierher schon im Radio gehört: Der Stopp des Familiennachzuges wird heute beschlossen! …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Ja, das stimmt auch! – Zwischenruf des Abg. Höfinger [ÖVP].

FPÖ Irene Eisenhut

… Das ist mitnichten so. Der SPÖ tun alle leid – wir wollen ja der ganzen Welt helfen –, und die NEOS sind halt auch mit dabei. RN/60.1 Meine sehr geehrten Damen und Herren, diese neue Regelung im Asylrecht ist, wie so vieles, was ich in meinen bisher über 30 Jahren Tätigkeit im Bereich des Innenministeriums kennengelernt habe, ein Für-dumm-Verkaufen der Bevölkerung. (👏 FPÖ) Diese Änderung ist gänzlich ungeeignet, Familiennachzug zu stoppen. Sie ist durch den Verweis auf Artikel 8 EMRK nicht einmal geeignet, ihn zu hemmen, und sie ist schon gar nicht geeignet, Migration und die damit verbundenen Sicherheitsprobleme – auf die sich ja diese Hemmung, die Sie da heute beschließen, eigentlich gründet – zu stoppen. – Danke. (👏 FPÖ) 13.32

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete, für den Ausdruck Dumm-Verkaufen der Bevölkerung erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Für die Wahrheit muss man sich nicht schämen! – Weitere Zwischenrufe und Heiterkeit bei der FPÖ. – Abg. Kickl [FPÖ]: Das ist der Ort der freien Rede!) Nun gelangt Frau Abgeordnete Maria Neumann zu Wort.

FPÖ Michael Schilchegger

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Kollege Gödl, selbstverständlich messen wir Ihre Politik an den Zahlen, und genau deshalb sind wir ja gegen Ihre Politik. (👏 FPÖ) Wie ist denn der Familiennachzug von Fremden derzeit überhaupt geregelt? Ich glaube, es ist wichtig, an dieser Stelle der Debatte auch einmal innezuhalten und zu schauen: Wo stehen wir denn?, damit man in weiterer Folge sehen kann, wo man überhaupt hinwill. Wenn Sie heute als österreichischer Staatsbürger beantragen, dass Ihre Ehefrau mit einer anderen Staatsbürgerschaft hierherziehen kann, damit Sie gemeinsam hier in Österreich mit ihr zusammenleben können, dann müssen Sie mehrere Dinge nachweisen: dass Sie bereits über eine angemessen große Wohnung verfügen, wo Sie gemeinsam leben können, dass keine Leistungen der Sozialhilfe in Anspruch genommen werden, die eine Gebietskörperschaft belasten. ( Ruf bei der FPÖ: Ha, ha! ) Sie müssen nachweisen, dass Ihre Ehefrau auch in Österreich krankenversichert ist, dass Sie keine Scheinehe führen und dass keine kriminellen oder terroristischen Aktivitäten von Ihrer Ehefrau zu erwarten sind. – Das ist geltendes Recht. Sonst gibt es für Sie keinen Familiennachzug und für Ihre Ehefrau auch nicht. Für – und das ist jetzt der Punkt – Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte, also alle, die über die Asylschiene eingewandert sind, gelten diese Voraussetzungen nicht. Recherchieren Sie das gerne selbst nach, zum Beispiel auch auf der Website des Bundeskanzleramts oder auf der des Vereins Asylkoordination Österreich – einer NGO, übrigens gefördert mit Steuergeld von der Stadt Wien –, der die diesbezügliche Rechtslage vollkommen richtig zitiert: „Innerhalb von drei Monaten nach Zuerkennung von Asyl müssen Familienangehörige, die im Ausland geblieben sind, den Antrag bei der österreichischen Botschaft stellen. Wer diese Frist versäumt, muss weitere Voraussetzungen erfüllen, z. B. ausreichendes Einkommen, ortsübliche Wohnung, Krankenversicherung“ und so weiter. – Zitatende. Das ist die aktuelle Gesetzeslage, also jene laut Asylgesetz für die Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigten auf der einen Seite und § 11 Abs. 2 des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes mit den strengen Kriterien für alle anderen. Über diese Zweiklassengesellschaft reden wir also. Und weil Sie jetzt in der Debatte wiederholt immer wieder auf das Menschenrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäß Artikel 8 EMRK hingewiesen haben – und das haben Sie ja auch in Ihrer Gesetzesvorlage als Ausnahmetatbestand erwähnt; ich zitiere: die Hemmung, die Sie haben wollen, „tritt nicht ein, wenn eine Erledigung [...] gemäß Art. 8 EMRK [...] dringend geboten ist“ –, frage ich Sie jetzt eines, meine Damen und Herren: Gibt es also zwei Menschenrechte, die unterschiedlich wirksam sind? Auf der einen Seite haben wir offenbar ein hochwirksames Menschenrecht auf Nachzug von Familie ohne Einschränkungen für Asylzuwanderer, und auf der anderen Seite haben wir ein mehr oder weniger unwirksames Menschenrecht mit massiven Beschränkungen beim Nachzug für Familienmitglieder, wenn es um Österreicher oder Unionsbürger geht. Was ist jetzt mit den Menschenrechten? Gelten die Menschenrechte auf einmal doch nicht universell? Gelten sie doch nicht für alle gleich? – Sie können es nicht erklären, nicht einmal im Rahmen Ihrer eigenen Argumentationslogik. (👏 FPÖ) Aber eines erklärt das schon: Das ist nämlich der wirkliche Grund, warum Sie Anträge gemäß Ihrer Beschlussvorlage nur für ein Jahr hemmen wollen, denn würden Sie die Antragstellung wirklich unbürokratisch stoppen, würden die Asyleinwanderer das von Ihnen geschaffene Privileg nicht mehr nutzen können, weil nämlich dann die gesetzliche Dreimonatsfrist bei späterer Antragstellung bereits abgelaufen wäre. Und wo kämen wir denn dann hin, wenn Privilegien der Asylzuwanderung zugunsten einer systematisch logischen, gerechten und allgemein geltenden Fremdenrechtsordnung ersetzt werden? Das kann es doch nicht sein, das wollen zwar wir Freiheitliche, aber das wollen Sie ganz bestimmt nicht, meine Damen und Herren! (👏 FPÖ) Meine Vorredner von der SPÖ und den NEOS, wenn Sie in Ihren Reden behaupten, wir Freiheitliche hätten überhaupt kein Interesse daran, das Problem selbst zu lösen, dann bitte: Erklären Sie mir, warum Sie am vergangenen Dienstag im Innenausschuss unseren beschlussreifen freiheitlichen Gesetzesantrag zur Umsetzung eines Aslystopps blockiert haben. Und gleichzeitig erlauben Sie Asylanträge von Einwanderern von 1 000 Kilometern entfernten Staaten, für die Österreich als europäischer Binnenstaat ja gar nicht zuständig ist. Es müsste genau umgekehrt sein: Unseren Anträgen müssten Sie zustimmen und diese Anträge von Asyleinwanderern müssten Sie stoppen. (👏 FPÖ) Was sagen eigentlich Institutionen zu Ihrer Gesetzesnovelle? Lesen Sie einmal die Stellungnahmen aus dem Begutachtungsverfahren. Der Verein Asylkoordination Österreich – ich habe es schon erwähnt – und auch die Diakonie Österreich kommen zum selben Ergebnis: Sie nennen das Ganze „verwaltungsverfahrensrechtlich bizarr“. Der Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt ist ein bisschen subtiler. Er sagt: „Eine Überprüfung und Klarstellung wird angeregt.“ ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die Richtervereinigung und auch das Bundesverwaltungsgericht weisen darauf hin: Selbst bei einer vorsichtigen Schätzung ist „mit einer Verdopplung dieser Fallzahlen zu rechnen“.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das ist eine ... Pleite!

FPÖ Michael Schilchegger

… Das heißt, es bringt mindestens 600 zusätzlich besonders aufwendige Verfahren jährlich. Und das bringt die ohnehin schon belasteten Richter und die dortigen Mitarbeiter am Bundesverwaltungsgericht an ihre Kapazitätsgrenzen. Zusammenfassend zeigt also Ihre Beschlussvorlage kein Stoppschild, sondern es ist eine Art Bodenwelle auf der Straße, um die Zuwanderung durch Familienangehörige von Asylwerbern etwas zu verlangsamen. Und wenn man ganz ehrlich ist, ist es auch nicht eine sonderlich effektive Bodenwelle, denn sie ist nur auf einer einzigen Fahrspur angebracht und auf der anderen Fahrspur gilt weiterhin – leider – freie und ungebremste Fahrt für Asylzuwanderung nach Österreich. Und wenn man noch ehrlicher ist, dann ist es eigentlich auch keine fest im Boden verankerte Bodenwelle, sondern mehr eine Art provisorischer Leitkegel, so eine Art orangefarbenes Baustellenhütchen, denn Sie schreiben ja das Ende dieses Unsinns jetzt schon in Ihrem Gesetzestext mit dem 30. September 2026 fest. Also es müssen wirklich sehr böswillige Menschen sein, die zu dem Schluss kommen, dass ein Stopp des Familiennachzugs, wie Sie ihn großspurig angekündigt haben, nicht wirklich als treffende Zusammenfassung Ihrer Beschlussvorlage bezeichnet werden kann. ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Melanie Erasim .

SPÖ Melanie Erasim

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Danke an die FPÖ für den Eingangsapplaus! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Zuseherinnen und Zuseher! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ziemliche Pleite, oder?

SPÖ Melanie Erasim

… Kaum ein Themenbereich löst so viele Emotionen aus wie der Bereich des Asylwesens: von Empathie bis Angst, von unglaublicher Hilfsbereitschaft bis zu großer Unsicherheit. Angesichts dieser Tatsache ist es enorm wichtig, dass wir als Politikerinnen und Politiker sachlich an diese Thematik herangehen. Die Zahl der Anträge auf Familiennachzug ist rückläufig …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wir sind ja da meilenweit voraus! Wir sind ja da meilenweit voraus! – Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ

SPÖ Melanie Erasim

… und hat sich im Jahr 2024 auf 8 200 Anträge belaufen. Sie sehen, werte Zuseherinnen und Zuseher, selbst das Wort sachlich löst große Emotionen in der Fraktion der Freiheitlichen aus. (👏 SPÖ, FPÖ) Also wenn ein Wort schon so viel Angst schüren kann, dann kann die Bevölkerung sehr, sehr froh sein, dass Sie weiterhin auf der Oppositionsbank sitzen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wir sind ja da meilenweit überlegen, Frau Kollegin! Meilenweit!

SPÖ Melanie Erasim

… Bei rund 7 000 Anträgen sind seitens des BFA positive Prognoseentscheidungen abgegeben worden, 62 Prozent der Antragsteller:innen waren Frauen und Mädchen. 89 Prozent davon entfielen auf syrische Staatsangehörige. – So weit die Zahlen, Daten, Fakten. Zusätzlich zu diesen Fakten ist es aber auch Fakt, dass in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft Überforderungen zu verzeichnen sind, wie etwa im Bildungsbereich oder auch im Sozial- und im Gesundheitssystem. Aufbauend auf diese Sachlage, aber auch aufbauend auf die höchst persönlichen Wahrnehmungen, die wir ja alle haben, müssen Lösungen gefunden werden – Lösungen, die fest auf nationalem Recht, aber auch auf Unionsrecht fußen müssen. Und das unterscheidet uns immens von der populistischen Hetzparolenpolitik der Freiheitlichen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Also wer da zuhört bei der Debatte, der weiß, was gespielt wird! Das ist sagenhaft! Da muss man sich ja genieren!

SPÖ Melanie Erasim

… Wie wenig Ihnen an einer wirklichen Lösung von Problemen im Asylbereich liegt, zeigt ja auch Ihr Abstimmungsverhalten: Sie stimmen heute gegen unseren Antrag, sind aber gleichzeitig im Ausschuss für den Antrag der Grünen gewesen, in dem es darum geht, dass die beschlossenen Hemmnisse im Familiennachzug abgelehnt werden. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind Ihnen ja ohnehin nicht ganz so wichtig.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Sie haben jetzt wirklich nicht dem Kollegen Schilchegger zugehört!

SPÖ Melanie Erasim

… Ich musste ja in den vergangenen Regierungsperioden, in denen Sie auch Mitglied in der Regierung waren, mitverfolgen: Unzählige Gesetze sind seitens der Höchstgerichte ausgehoben worden.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wie schafft man so eine Rede? Wie schafft man das?

SPÖ Melanie Erasim

… Da haben Sie gezeigt, dass Sie es ohnehin nicht können.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Am Welser Wesen wird auch die SPÖ irgendwann genesen! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Melanie Erasim

… Würden Sie sich ernsthaft für Lösungen interessieren, wären Sie nie vom Verhandlungstisch aufgestanden. Aber, geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, ich kann Ihnen erklären, warum jede Stimme für Rechtspopulisten eine verlorene Stimme ist, vor allem auch wenn es darum geht, Lösungen im Asylbereich zu erreichen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

34 Prozent, Frau Kollegin! 34 Prozent!

SPÖ Melanie Erasim

… Sie sind keine Löscher, Sie brauchen sich hier nicht als Löscher zu präsentieren. ( Ruf bei der FPÖ: Und Sie sind ..., Frau Kollegin! ) Sie sind Zündler, denn auf der verbrannten Erde, die Sie hinterlassen …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Zündeln und Feuer würde ich nach der Ansprache von einem ... SPÖ-Landesparteiobmann nicht in den Mund nehmen!

SPÖ Melanie Erasim

… genau da gedeihen Ihre Wählerinnen und Wähler und Ihre menschenverachtende Politik, die mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun hat. (👏 SPÖ) In fünf Bundesländern könnten Sie zeigen, wie gelungene Integrationsmaßnahmen funktionieren, aber kein einziger Vorschlag, keine einzige Maßnahme, die auch nur einen kleinen Beitrag dazu leisten würde, dass Integration gelingt, kommt von Ihrer Seite , kein einziger Vorschlag, der den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken würde. Ganz im Gegenteil! Jede verbindende Maßnahme wird bekämpft, damit Ihnen Ihr einziges politisches Thema, die Hetze gegen Minderheiten, nicht ausgeht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ist eigentlich das Wort ...: „Hetze“? Gibt es dafür keinen Ordnungsruf? Für dumm verkaufen darf man nicht sagen, aber Hetze schon?

SPÖ Melanie Erasim

… Sehr geehrte Damen und Herren, ich lade Sie alle ein, diesen Weg weiterhin mit uns zu gehen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Mit euch geht schon keiner mehr den Weg!

SPÖ Melanie Erasim

… Uns sind die Probleme bewusst. Wir handeln auf Grundlage von Rechtsstaatlichkeit. Es ist uns bewusst, dass funktionierende Integration Verhältnismäßigkeit braucht. Dieses Gesetz …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Setzt das Chaos fort!

SPÖ Melanie Erasim

… ist ein erster Schritt in Richtung dieser Verhältnismäßigkeit. Wir schauen nicht weg, nur wir benutzen beim Hinschauen eine Brille …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die rosarote Brille, ja!

SPÖ Melanie Erasim

… die Menschlichkeit, Rechtssicherheit und Sicherheit vereint.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Die Brille gehört einmal geputzt!

SPÖ Melanie Erasim

… Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried . – Sie haben das Wort. Bitte.

NEOS Michael Bernhard

Danke, Frau Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen und geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe ja das große Privileg, dass ich mittlerweile einer der längstdienenden NEOS-Abgeordneten in diesem Haus sein darf, und daher habe ich auch schon unterschiedliche Konstellationen von Bundesregierungen erlebt , von Schwarz-Rot über Schwarz-Blau bis zu Schwarz-Grün. Während all dieser gab es natürlich entsprechende Begutachtungsprozesse von Gesetzesvorhaben und die hatten meistens ein Gemeinsames: Man konnte alles Mögliche bei der Begutachtung einmelden, aber beinahe nichts davon wurde berücksichtigt, weil – und das war sozusagen die politische Annahme in diesem Hohen Haus – schon der Aushandlungsprozess davor so mühsam war, weil sich zwei Parteien etwas ausmachen mussten, sodass man danach das Paket nicht mehr aufmachen wollte. – Das war die politische Realität. Deswegen finde ich es tatsächlich sehr erstaunlich und auch sehr schön, dass es uns jetzt in dieser neuen Konstellation erstmals – zumindest in meiner Erfahrungswelt – gelingt, dass dieser Begutachtungsprozess zu dem wird, wie er auch ursprünglich gedacht worden ist, dass nämlich in diesem Hohen Haus auch Gesetzesvorlagen, die vonseiten der Bundesregierung kommen, tatsächlich einer Begutachtung unterzogen werden und kritische Punkte, so sie nachvollziehbar sind, eingearbeitet werden. Ich möchte da zwei Dinge herausstreichen – ich werde dann auch inhaltlich auf das eingehen, was Kollege Schilchegger von der FPÖ gesagt hat –: Natürlich wäre es jetzt recht leicht und wahrscheinlich auch ein bisschen dreist, zu sagen, in dieser Dreierkoalition sind die NEOS dazugekommen und deswegen ist alles so passiert. – Das sage ich aber sehr bewusst nicht, weil ich glaube, dass es tatsächlich noch ein viel größerer Akt der Stärke ist, wenn man sich als Partei einen Schritt weiterentwickelt und diese Begutachtung stärker als in der Vergangenheit zulässt. Daher möchte ich an dieser Stelle ganz klar zum Ausdruck bringen, dass ich dankbar bin, dass wir gemeinsam in der Dreierkoalition diese Veränderung wahrnehmen und den Begutachtungsprozess im parlamentarischen Sinne deutlich gestärkt haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Inhaltlich wurde schon sehr vieles gesagt, und da gibt es auch viel Berufenere als mich. Ich möchte nur auf einen Punkt eingehen, der selbst für mich als Laie sehr verständlich ist: Kollege Schilchegger von der FPÖ hat unter anderem die Stellungnahmen des Bundesverwaltungsgerichts und der Richtervereinigung genannt und gesagt, er gehe aufgrund dieser kritischen Stellungnahmen davon aus, dass unser Vorhaben ohnehin nicht lange von Bestand ist, dass wir die Verwaltung überlasten werden. Er hat aber einen wesentlichen Teil vergessen, mit hinzuzufügen: nämlich dass wir diese Stellungnahmen berücksichtigt haben. Wir haben ja mit beiden Stellungnahmen tatsächlich gearbeitet, sowohl mit jener der Richtervereinigung wie auch mit jener des Bundesverwaltungsgerichts. Was haben wir denn ganz konkret gemacht? – Wir haben beispielsweise das Thema Informationspflichten in unserem Gesetzesvorhaben entsprechend hervorgehoben, wir haben in die Erläuterungen die eingemahnte Ermittlungspflicht mit aufgenommen, und das Wesentlichste ist, dass wir betreffend den Feststellungsbescheid eine Entscheidungsfrist von acht Wochen mit aufgenommen haben, was dazu führt, dass die Beschwerden gar nicht zum Bundesverwaltungsgericht gehen, sondern bereits davor auf Behördenebene erledigt werden können. Alles in allem: Es wurde inhaltlich viel gesagt. Wir gehen den Weg der Mitte, wir wollen nicht mit Blick auf das Problem laut schreien, sondern wir wollen auch Lösungen liefern. Ich bin als Parlamentarier heute sehr froh und sehr stolz, dass wir nicht nur unsere eigene Meinung hören, sondern auch die anderen, vor allem die kritischen, Meinungen in unseren Gesetzesvorhaben berücksichtigen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Romana Deckenbacher .

ÖVP Romana Deckenbacher

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Wien als Bundeshauptstadt und größter Ballungsraum in Österreich steht im Zentrum der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Familienzusammenführung. Erlauben Sie mir, dass ich als Wiener Abgeordnete besonders die Situation in Wien ein bisschen genauer betrachte, weil es einfach, glaube ich, wichtig ist, noch einmal aufzuzeigen, warum, natürlich auf gesetzlicher Grundlage, der Stopp der Familienzusammenführung ein notwendiger Schritt ist. Wir haben es heute schon gehört: Das Erste ist natürlich die Überlastung unseres Bildungssystems. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit nicht deutscher Alltagssprache an Wiener Pflichtschulen liegt bei 70 Prozent. Wir haben heute schon von einigen Wiener Gemeindebezirken gehört. Mein Wohnbezirk ist davon auch betroffen: Wir haben über 62 Prozent Kinder, die nicht Deutsch können. Ich habe mit einer Elementarpädagogin aus meinem Bezirk gesprochen, die sagt, dass sie in einer Gruppe 16 Herkunftssprachen hat. Das ist grundsätzlich etwas Positives, es bedeutet aber auch große Herausforderungen, sowohl für die Pädagoginnen und Pädagogen als auch für die Kinder, für die wir alle Verantwortung tragen. Das Zweite ist, dass Parallelgesellschaften in einigen Teilen Wiens leider einfach zur Realität gehören. Ich weiß das aus meinem eigenen Umfeld, dass es Unsicherheitszonen vor allem im Bereich von U-Bahn-Stationen, aber auch in Parkanlagen gibt und dass – der Herr Minister hat es heute schon erwähnt – auch die Kriminalität, die Bandenkriminalität in Parkanlagen zunimmt. Fehlendes Verständnis unserer Werte und unseres Rechtssystems erschweren Integration, fördern aber auch kulturelle Abschottung, und ich sage Ihnen ehrlich: Das können wir alle miteinander nicht wollen. Wir haben schon viel gemacht. Zum Unterschied von der FPÖ zeichnen wir uns mit Erfolg durch eine wichtige Maßnahme aus: Wir tun. Wir haben im letzten Jahr durch bereits gesetzte Maßnahmen wie verstärkte DNA-Tests und intensive Dokumentenprüfungen zahlreiche Missbräuche im Familiennachzug aufgedeckt und verhindern können. Dazu zählen Scheinadoptionen, aber auch gefälschte Verwandtschaftsverhältnisse. Das war Fakt. Diese Maßnahmen haben illegale Nachholungen deutlich reduziert und waren notwendige Schritte zum Schutz unseres Systems. Ja, wir bekennen uns klar zu einem vorübergehenden Stopp beziehungsweise zur Begrenzung des Familiennachzugs zum Schutz des Bildungssystems, damit Schulen effizient arbeiten können und Kinder echte Bildungschancen haben. Wir bekennen uns klar zur Entlastung des Sozialsystems, damit Hilfe dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird. Wir bekennen uns klar zur Wahrung von Sicherheit und Ordnung, indem wir kontrollieren, wer zuwandert und unter welchen Bedingungen, denn Integration beginnt nicht allein mit dem Flugticket nach Wien, sondern mit Deutschkenntnissen, Arbeitsbereitschaft und Respekt vor unseren Werten. Eine funktionierende Gesellschaft braucht Regeln, braucht Grenzen, braucht klare Orientierung. Unser soziales Österreich soll weiterhin für alle, die hier leben und sich einbringen wollen, funktionieren. Dafür stehen wir als Österreichische Volkspartei, dafür steht unsere Bundesregierung. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Robert Laimer zu Wort. – Bitte.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Frau Präsidentin! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren, die unsere Sitzung verfolgen! Wir müssen der Realität ins Auge blicken: Unser Land – und auch Europa – ist an einem Punkt angekommen, an dem Zuwanderung neu gedacht wird. In den letzten Jahren sind Hunderttausende Menschen nach Österreich gekommen. Unsere Schulen, unsere Spitäler, das dortige Personal, unsere Wohnraumsituation, sie alle geraten an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Wir haben eine Dreiviertelmillion mehr Einwohner in Österreich als noch vor zehn Jahren. – So viel zum Thema Personalnot. Und nicht zuletzt spüren wir alle: Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird brüchiger, er bekommt Risse. Meine Damen und Herren! Ich stehe hier als Sozialdemokrat, und Solidarität liegt in unserer DNA. Solidarität funktioniert aber dann am besten, wenn sie auf einem Fundament der Gerechtigkeit aufbaut. Gerechtigkeit bedeutet gerade auch Verantwortung gegenüber jenen, die hier leben, die hier arbeiten, die hier ihre Kinder erziehen und die dieses Land täglich am Laufen halten.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wieso lebts ihr diese Gerechtigkeit dann nicht?!

SPÖ Robert Laimer

… Diese Menschen erwarten sich zu Recht, dass die Politik bei Problemen nicht wegschaut, sondern handelt. Wir beschließen die temporäre Aussetzung des Familiennachzuges nicht aus Hartherzigkeit, sondern aus Notwendigkeit – weil Integration nur dann funktioniert, wenn die Verhältnismäßigkeit stimmt. Ziel muss es bleiben, dass Menschen, die bei uns Schutz finden, auch mit ihren Familien leben, aber der Weg dorthin muss auch gestaltet werden können. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich eine Gesellschaft überfordert fühlt. Es geht um Verhältnismäßigkeit, es geht um das Maß. Es geht darum, dass wir jenen helfen, die hier sind und die wir mit Chancen und Zuversicht in unsere Gesellschaft aufnehmen können. Integration vor Zuzug ist eine sozialdemokratische Losung.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Das war mal eine freiheitliche Losung!

SPÖ Robert Laimer

… Es ist keine Überschrift. Es ist eine Notwendigkeit, wenn wir den sozialen Frieden auch nachhaltig absichern wollen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das sagen die Willkommensklatscher!

SPÖ Robert Laimer

… Und ja, diese Entscheidung ist durchaus hart, aber sie ist notwendig. Eine Gesellschaft, die überfordert wird, wird keine offene Gesellschaft bleiben können. Eine überforderte Gesellschaft verschließt sich, sie verengt sich. Wer das übersieht, riskiert, dass sich die Risse vertiefen. Ich sage Ihnen ganz offen, ich will keinen Kulturkampf in Österreich …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

... schon!

SPÖ Robert Laimer

… keine Ghettos, keine Hoffnungslosigkeit. Ich will ein Österreich, in dem Integration gelingt, weil wir Integration gestalten können, ja gestalten müssen. Ich will, dass zugewanderte Kinder integriert in Österreich aufwachsen und ein Teil, ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind. Die Aussetzung des Familiennachzuges schafft die Möglichkeit, den Fristenlauf für Einreiseanträge im Familiennachzug temporär zu hemmen – so wie jetzt, wenn staatliche Systeme an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Aus integrationspolitischer Sicht ist das entscheidend. Nur so kann verhindert werden, dass der Zuzug bestehende Integrationsstrukturen überfordert und Neuankommende gegenüber hier lebenden Schutzberechtigten benachteiligt werden. Integration gelingt nicht im Überlastungsmodus. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, muss ihn auch absichern, und das bedeutet, Überforderung zu verhindern – ein wichtiges Signal auch gegenüber der EU. Wir müssen nicht allen gefallen, aber wir müssen für alle da sein.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Müssen für Österreich da sein!

SPÖ Robert Laimer

… Das ist unsere Verantwortung, und unserer Verantwortung, mit Maß und Ziel in sozialdemokratischer Haltung den sozialen Frieden abzusichern, stellen wir uns. Zu guter Letzt: Wenn es den Grünen zu viel und den Blauen zu wenig ist, dann liegen wir genau richtig, nämlich in der gesellschaftlichen Mitte. – Danke.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wenn das alles ist, was ihr brauchts, können wir uns das ja ausmachen mit den Grünen!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Klubobmann Herbert Kickl zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Klubobmann. (Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Das ist ein komischer moralischer Kompass!)

FPÖ Herbert Kickl

Danke schön, Frau Präsidentin! Meine Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Wer ist das da vorne? Den habe ich noch nie gesehen!

FPÖ Herbert Kickl

… Der Redebeitrag des Kollegen Laimer und sein Abschluss veranlassen mich dazu, mit einem bekannten Spruch zu antworten: In Gefahr und in der Not ist der Mittelweg der Tod. (👏 FPÖ) Ich habe mich deshalb noch einmal zu Wort gemeldet, weil wir jetzt in diesen Redebeiträgen vonseiten der Einheitspartei – der Regierungspartei und ihrer grünen Sekundanten – gehört haben, dass es da eine exklusive Zuständigkeit darin gibt, Probleme in diesem Land zu lösen. Nun, ein Blick auf die Geschichte und auf die Geschichte der letzten Jahre zeigt uns, dass das Gegenteil der Fall ist: Sie haben keinerlei Kompetenz, wenn es darum geht, Probleme zu lösen. Sie sind aber höchst kompetent, wenn es darum geht, Probleme zu erzeugen, Probleme für die österreichische Bevölkerung. Und Sie sind genauso kompetent, wenn es darum geht, die eigene Bevölkerung hinters Licht zu führen und über den wahren Sachverhalt zu täuschen – und der heutige Tag und dieser Beschluss sind keine Ausnahme. (👏 FPÖ) Wir können ja gleich beim Thema bleiben und eine kurze Rückblende auf das Jahr 2015 geben. Was haben Sie denn der österreichischen Bevölkerung damals angesichts des Grenzsturms erzählt? Was haben Sie denn den Menschen erzählt, die dort gesehen haben, wie Polizisten hilflos an der Grenze gestanden und von einem Massenansturm überrollt worden sind, während die österreichische Regierung – damals eine rot-schwarze Konstellation, so wie heute, unter umgekehrten Vorzeichen – die weiße Fahne hinausgehängt hat? Was haben Sie den Leuten erzählt? – Nicht die Wahrheit. Sie haben die Menschen getäuscht. Sie haben ihnen gesagt, das Wahre, Gute und Schöne kommt da über unsere Grenzen. Es kommen Facharbeiter. Es kommen diejenigen Leute, die unser soziales Sicherungssystem in Zukunft garantieren und absichern werden. – Das waren die Erklärungsmuster, die wir von Ihnen gehört haben, aber das ist nicht das, was Tatsache ist. (👏 FPÖ) Sie haben die Menschen getäuscht, ein paar Jahre später im Zusammenhang mit Corona, indem Sie ihnen eingeredet haben, dass Sie die beste aller möglichen Politiken machen, um Not und gesundheitlichen Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. Bis zuletzt haben Sie das behauptet und bis heute sind Sie stolz auf Ihre Leistung, die Österreich viel, viel schlechter dastehen lässt als viele, viele andere Länder, die auf Ihre Repressalien verzichtet haben. Auch da haben Sie die Menschen getäuscht. (👏 FPÖ) Rücken wir ein bisschen näher in Richtung Gegenwart: Sie haben die Menschen im Zusammenhang mit dem österreichischen Budget getäuscht – ja, selbstverständlich. Einen kleinen Schnupfen haben wir, haben wir vor der Wahl gehört, alles in bester Ordnung. Die Deutschen mögen eine Grippe haben, bei uns ist es ein Schnupfen, das kuriert sich alles von selber aus. Macht euch keine Sorgen, das Budget ist in bester Ordnung! – Das nächste große Täuschungsmanöver, und die Menschen wissen das. Sie haben die Bevölkerung im Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung dieses Landes getäuscht, als Sie gesagt haben: Keine Rede von einer Wirtschaftskrise, keine Rede von einem negativen Wachstum! – In der Zwischenzeit wissen wir, dass wir das dritte Jahr in Folge immer ärmer werden – die nächste Täuschung, eine ärger als die andere. Und jetzt schließt sich der Kreis zu 2015 wieder und jetzt sind wir bei der nächsten Täuschung, beim sogenannten Stopp des Familiennachzugs. – Sie montieren an der Vordertür ein großes Schild, wo draufsteht: Geschlossen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da sind Sie Experte bei den Schildern! – Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP.

FPÖ Herbert Kickl

… Das kann man aus einer gewissen Distanz lesen, und wenn man dann näher hingeht und sich dieses Taferl anschaut , dann sieht man, dass dort druntersteht: vorübergehend bis zum 30.9.2026. Und wenn man noch genauer hinschaut, dann findet man die Umleitungstaferln auf die Rückseite des Gebäudes.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Ich glaube, mit Taferln haben Sie ... ! ... ein paar falsche Taferln irgendwo aufgehängt haben! Der Taferlexperte! Der Taferlkanzler!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist dann die berühmte Ausnahme mit dem Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention. (👏 FPÖ) Das ist das sogenannte Recht auf Familienzusammenführung. Also: Die Familienzusammenführung wird ausgesetzt, außer jemand beruft sich auf das Recht auf Familienzusammenführung, nicht?! ( Ruf bei den NEOS: Nein! ) Das ist die Kurzfassung dieses Gesetzes. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Ja was ist denn der Sinn der Familienzusammenführung, wenn nicht die Inanspruchnahme des angeblichen Rechts auf Familienzusammenführung? Das finde ich ja spannend.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wie war denn das mit den Spesen vom Herrn Strache eigentlich? Wie haben S denn das als Generalsekretär gemacht? Das täte mich interessieren!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist ein besonders dreistes Täuschungsmanöver. Jetzt sage ich Ihnen noch etwas dazu: Dieser Artikel 8 der Menschenrechtskonvention, das ist auch so eine Sache, da geht es um das Recht auf Familienleben. Das ist etwas, was uns allen sehr wichtig ist.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

So wie die Kindermädchen, die ihr zahlts auf Staatskosten!

FPÖ Herbert Kickl

… Das war Ihnen vollkommen wurscht bei Corona, das ist Ihnen wurscht, wenn es um die Frühsexualisierung der Kinder geht. Da ist Ihnen das alles egal, aber wenn es darum geht, einen Artikel zum Menschenrechtsschutz, der im Grunde genommen darauf angelegt ist, unsere Familien vor einer übergriffigen Obrigkeit – wie zum Beispiel einem Staat in Coronazeiten – zu schützen, wenn es darum geht, das durch eine Richterclique auf europäischer Ebene dahin gehend auszuweiten, dass man es zu einem Recht auf Familiennachzug von überall her aus dieser Welt pervertiert, dann sind Sie mit dabei. Das hat mit Menschenrechten nichts zu tun, das ist eine Pervertierung davon. (👏 FPÖ) Zweiter Punkt: Sie reden von einer Überforderung, ja von einer Überbelastung der Systeme.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Überfordert ist vor allem der Innenminister!

FPÖ Herbert Kickl

… Da gebe ich Ihnen sogar recht: eine Überbelastung im Bereich der Verwaltung, im Bereich der Gerichte, im Bereich des Gesundheitssystems, im Bereich der Bildung, natürlich auch im Bereich der Sicherheit. – Ja, selbstverständlich! Wenn es aber eine Überbelastung gibt, dann ist das doch eine Frage der Zahl! Die Überbelastung hängt damit zusammen, dass die Zahl zu groß ist. Wenn die Zahl der Fremden, die in dieses Land kommen, zu groß ist, dann dürfen Sie nicht nur an einer Stellschraube drehen, sondern dann müssen Sie an allen Stellschrauben drehen, die Sie drehen können, um diese Zahlen zu reduzieren. Jetzt bin ich bei dem, was wir haben wollen. Das bedeutet dann nämlich: keinen neuen Asylantrag annehmen, weil wir von sicheren Staaten umgeben sind. So einfach ist das. Das ist vollkommen kompatibel mit dem international geltenden Recht. Das ist die Quote null, von der wir reden. Das Zweite, was ganz, ganz wichtig ist: keinen Übergang zur Staatsbürgerschaft. – Ja, selbstverständlich! Sie von der ÖVP waren doch immer diejenigen, die gesagt haben, wir müssen ganz streng zwischen Asyl und Zuwanderung trennen. Heute wurde das in allen Redebeiträgen vonseiten der SPÖ, die sich dieses Gesetz schönredet, miteinander vermischt und de facto gleichgesetzt. Was ist jetzt, liebe ÖVP, mit diesem Grundbekenntnis dazu, dass Asyl und Zuwanderung getrennt werden müssen? ( Ruf bei der FPÖ: Da seids ruhig! ) Ich verstehe Sie nicht.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Sie waren ja nicht einmal im Raum die gesamte Debatte über!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich verstehe Sie im Übrigen auch nicht im Zusammenhang mit Ihrer Politik, was die Ukraineflüchtlinge betrifft. Sie sind uns die Antwort auf diese Frage immer noch schuldig: Was sind denn die jungen Männer aus der Ukraine jetzt: Sind das Flüchtlinge oder Wehrdienstverweigerer? Was sind diese Herren: Sind sie anerkannte Flüchtlinge, die aus einer Notsituation heraus bei uns Schutz suchen, oder sind sie Leute, die den Kampf mit der Waffe zur Verteidigung der Werte des Westens verweigern? …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das sind Frauen und Kinder ...!

FPÖ Herbert Kickl

… Was ist es? – Nicht einmal das können Sie beantworten! (👏 FPÖ) An noch einer weiteren Stellschraube wollen Sie nicht drehen, nämlich am Kappen des Zugangs zur Mindestsicherung. Wenn das stimmt, was die ÖVP immer behauptet hat, dass es keine Zuwanderung ins Sozialsystem geben darf, dann gibt es nur eine logische Konsequenz; dann heißt das, den Zugang für Zuwanderer zu Sozialleistungen zu kappen – ganz einfach. Alle anderen, die kommen, kommen, um zu arbeiten; das sind die, die wir brauchen. Die erwerben sich aber über ihre Arbeit Anspruch auf Versicherungsleistungen und die sind nicht unser Problem. Also wenn Sie an den Stellschrauben drehen wollen, dann müssen Sie auch den Zugang für Asylanten, was die Mindestsicherung betrifft, kappen. (👏 FPÖ) Dritter Punkt: die Rechtsstaatlichkeit. Alles, was wir Freiheitliche wollen, ist gegen den Rechtsstaat gerichtet. – Ich darf Sie erinnern, meine Herren und Damen von der SPÖ, dass Sie da mit einer Partei in Koalition sind, deren Klubobmann vor Kurzem noch eine Überarbeitung der Genfer Konvention oder der Menschenrechtskonvention wollte. Das Gleiche gilt für die künftige Salzburger Landeshauptfrau – nur zur Erinnerung. RN/69.1 Ich sage Ihnen aber noch etwas dazu: Wollen Sie mit der Behauptung, dass unsere Forderungen mit Rechtsstaatlichkeit nicht kompatibel sind, sagen, dass Australien kein Rechtsstaat ist? Wollen Sie das damit sagen? Wollen Sie damit sagen, dass Dänemark kein Rechtsstaat ist? Die Dänen sagen nämlich ganz offen, sie bekennen sich zu einer Quote null und werden keine Ruhe geben, bevor sie diese Quote null erreicht haben. Wollen Sie damit sagen, dass Holland möglicherweise kein Rechtsstaat ist, weil die Holländer sich auf europäischer Ebene darum bemühen, aus diesem irrsinnigen europäischen Asylsystem auszusteigen? …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das heißt Niederlande! Weiß nicht einmal, wie das Land heißt!

FPÖ Herbert Kickl

… Wollen Sie damit vielleicht sagen, dass die Briten, denen Sie jetzt seit der Ukrainegeschichte hinterherrennen wie ein kleines Hündchen seinem Herrn, dass diejenigen, die den Brexit betrieben haben, weil sie Herren im eigenen Haus sein wollten, unter anderem in der Asylfrage ( Ruf bei der ÖVP: Gescheitert sind! ), auch keinen Rechtsstaat haben? – Also hören Sie doch bitte mit diesem dummen Nichtargument auf. (👏 FPÖ) Wenn wir von Rechtsstaatlichkeit reden, gleich noch etwas: Was ist denn eigentlich das Fundament der Rechtsstaatlichkeit? Was ist das Fundament der Rechtsstaatlichkeit? – Die Verfassung ist das Fundament der Rechtsstaatlichkeit. Gut. Jetzt gebe ich Ihnen einen Tipp. Diejenigen Herrschaften, allen voran ein gewisser Herr Kelsen, der diese Verfassung konzipiert hat, auf die Sie sich immer berufen, haben eines ganz zentral mitgedacht: Die wesentlichen Teile dieser Verfassung, die allerheikelsten Probleme, können von wem gelöst und geändert werden? Von wem? – Vom Souverän, vom Volk, genau ( Ruf: Und Sie glauben, dass Sie der Souverän sind?! ), von derjenigen Instanz, die wir respektieren und vor der Sie offenbar ganz, ganz panische Angst haben. Ich gebe Ihnen einen Tipp – dann sind Sie vollkommen kompatibel mit der Rechtsstaatlichkeit ist gleich mit unserer Verfassung –: Fragen Sie einfach die österreichische Bevölkerung, was sie haben will, ob sie eine Asylquote null haben will oder nicht! Lassen Sie den Souverän abstimmen und Sie werden die Antwort bekommen! (👏 FPÖ) Die Menschen wissen nämlich eines ganz genau: Das Problem ist ganz einfach zu lösen. Es gibt keine Überforderung im Bildungssystem, im Gesundheitssystem, für die Verwaltung und auch nicht im Bereich der Sicherheit, beginnend bei Belästigungen im Traiskirchner Schwimmbad bis hin zu Terroranschlägen oder Mordattacken à la Villach. Es gäbe diese ganzen Probleme nicht, wenn diese Leute nicht im Land wären. – So einfach, so logisch ist das. (👏 FPÖ) Also erwartet man sich, dass sich eine Regierung auf die Hinterfüße stellt und alle Hebel in Bewegung setzt, um genau diesen Zustand zu bewirken, weil Hüten besser ist als Heilen. Wenn wir das gemacht haben, dann kümmern wir uns in weiterer Folge um die Frage: Wie gehen wir mit denjenigen um, die schon hier sind und die eigentlich kein Recht darauf haben, sich in unserem Land aufzuhalten? Das ist aber erst die zweitbeste Lösung, denn Sie wissen genauso gut wie ich, Herr Minister – Sie haben ja die Anfragen beantwortet –, dass es de facto ein Vermögen kostet, Leute außer Landes zu bringen. Wir zahlen Unsummen dafür, um zum Beispiel 22 Leute in den Irak – nach Hause – zu bringen. Das kostet uns Hunderttausende Euro. Bei einzelnen Abschiebungen – zwei Personen nach Südamerika – sind wir bei 40 000, 50 000, 60 000 Euro. Finden Sie nicht, dass es schade um das Geld ist, angesichts Ihres budgetären Zustands? Es muss doch in Ihrem eigenen Interesse sein, sich dieses Geld dadurch zu sparen, dass wir verhindern, dass die Menschen, die bei uns nichts verloren haben, überhaupt ins Land kommen. (👏 FPÖ) Das hat nichts mit Unmenschlichkeit zu tun – nichts! –, das hat nur mit der Frage der Zuständigkeit zu tun. Österreich hat eine gute Tradition, was die humanitäre Hilfe betrifft, aber sie betrifft unseren eigenen Kontinent: Sie betrifft unsere Nachbarschaft, Sie betrifft unsere erweiterte Nachbarschaft. Es gibt aber keine Zuständigkeit Österreichs für Syrien und Afghanistan. Da sind andere Regionen auf dieser Welt zuständig, alle – ganz nebenbei – dort in der Region stinkreich durch Erdöl. Die können sich das locker leisten, die haben keine solchen Budgetlöcher wie Sie. (👏 FPÖ) Jetzt noch etwas, weil Sie Ungarn angesprochen haben – die bösen, bösen Ungarn –: Das verstehe ich ja von einem Burgenländer überhaupt gar nicht. Sie müssten ja eigentlich um gute nachbarschaftliche Kontakte bemüht sein, das wäre ja eigentlich angebracht. Bei Viktor Orbán ist es aber immer so: Alle reden über ihn, aber keiner redet mit ihm. ( Rufe bei der SPÖ: Ist das keiner? Dein Freund ist das! ) Das ist ein bisschen das Problem.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Wir nehmen zur Kenntnis: Herr Rosenkranz ist keiner für den Herrn Kickl!

FPÖ Herbert Kickl

… Vielleicht sollten Sie sich einmal mit ihm zusammensetzen, da könnten Sie im Zusammenhang mit Asyl- und Migrationspolitik einiges – einiges! – lernen. Das, was Sie ihm vorwerfen, ist nämlich die Anwendung von geltendem europäischen Recht. Er ist nämlich derjenige, der die Dublinverordnung anwendet. Wenn Sie Viktor Orbán fragen, warum er die Leute nicht in sein Asylsystem hineinlässt, dann sagt er: Das ist ganz einfach: weil sie aus EU-Ländern kommen! – Sie kommen aus Rumänien, sie kommen aus Bulgarien oder sie kommen aus Griechenland …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Deswegen schickt er sie nach Österreich weiter?!

FPÖ Herbert Kickl

… und damit liegt die Zuständigkeit für diese Leute nicht in Budapest und nicht in Ungarn, sondern in Athen oder in Rumänien, in Bulgarien, in der Slowakei oder wie auch immer. Das ist die eine Komponente …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Was ist die zweite? Was ist die zweite?

FPÖ Herbert Kickl

… der ungarischen Grenzen – nicht kritisieren, sondern genauso machen! (👏 FPÖ) Dann gibt es einen zweiten Teil der ungarischen Grenze, das ist der, wo Ungarn Außengrenze der Europäischen Union ist, gegenüber Serbien. Was hat Viktor Orbán dort gemacht? – Einen Zaun hat er gemacht und Transitzonen hat er gemacht. Er hat damit das gemacht, was die Europäische Union ankündigt, machen zu wollen, weil es gescheit und vernünftig ist, nämlich die EU-Außengrenzen zu schützen. Er war also in gewisser Weise seiner Zeit voraus, weil dieser Grenzschutz ja jetzt im von Ihnen verabsolutierten EU-Asyl-und-Migrationspakt drinnen steht. Er hat das getan. Was war die Konsequenz der Europäischen Union? – Die Konsequenz der Europäischen Union war nicht, dass man gesagt hat: Sehr gut, lieber Viktor Orbán, so gehört es gemacht, wir unterstützen dich dabei!, sondern Ungarn muss jetzt Milliardenstrafen dafür zahlen , dass es die Außengrenzen der Europäischen Union schützt, so wie die Europäische Union selber sagt, dass sie geschützt werden müssen. Das muss einmal irgendjemand verstehen, logisch ist das nicht! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

So ein Zeitdieb!

FPÖ Herbert Kickl

… Also: Es ist im Grunde genommen ganz einfach. Sie brauchen sich auch gar nicht für Ihre sinkenden Asylzahlen auf die Schultern zu klopfen, wenn Sie im gleichen Atemzug dem Asyl- und Migrationspakt der Europäischen Union zustimmen, der als zentrales Element was drinnen hat? Was denn? – Die Verteilung von Asylwerbern quer über den Kontinent, wenn anderswo die Belastung groß ist. RN/69.2 Das ist ja das Nächste: Jetzt kämpfen wir dann darum, mit unseren Möglichkeiten die Asylzahlen nach unten zu bringen, andere lassen aber einen Schlendrian zu und dann kommen die über einen anderen Eingang herein und werden erst recht wieder nach Österreich verteilt.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Sei net so nervös!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist doch hirnrissig – das ist doch hirnrissig! Wir brauchen etwas ganz anderes, wir brauchen ein Ende dieser Flickschusterei, wir brauchen ein Ende dieser Reparaturmentalität …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Enttäuschend!

FPÖ Herbert Kickl

… wir müssen das Problem bei der Wurzel packen, das ist der Punkt. Das wird so funktionieren: indem wir eine Festung Ungarn, eine Festung Österreich, eine Festung Slowakei, eine Festung Holland, eine Festung Deutschland haben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Bau dir eine Lego-Festung!

FPÖ Herbert Kickl

… Dann wird es ein Umdenken geben. Dann wird es ein Umdenken auf europäischer Ebene geben und dann wird Europa zu der Festung werden, die es sein soll, um dem gerecht zu werden, was die Menschen sich von Europa und von ihren Regierungen erwarten. Alles andere ist eine Augenauswischerei. 14.20

PräsidiumDoris Bures

Herr Klubobmann Kickl, es ist Ihnen unbenommen, in der Debatte Argumente zu teilen oder nicht zu teilen. Herabwürdigungen von anderen Argumenten ziehen einen Ordnungsruf nach sich, wie die Aussagen, es sei ein dummes Nichtargument und „hirnrissig“. Daher erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf. Sie können das im Protokoll nachlesen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Für Frau Abgeordnete Belakowitsch wiederhole ich es jetzt gerne: Herr Klubobmann Kickl, es ist Ihnen unbenommen, während parlamentarischer Debatten die Argumente der Kolleginnen und Kollegen zu teilen oder auch nicht zu teilen. (Abg. Kickl [FPÖ]: Danke! – Ruf bei der FPÖ: Gott sei Dank! ) Was nicht geht, ist, sie herabzuwürdigen, weil das einen Ordnungsruf nach sich zieht. (Abg. Stefan [FPÖ]: Und wir dürfen Hetzer genannt werden?!) Deshalb erteile ich Ihnen für die Ausdrücke „hirnrissig“ und dummes Nichtargument einen Ordnungsruf. Jetzt haben Sie es auch. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Herr Abgeordneter Bernhard Herzog , Sie gelangen zu Wort. ( Rufe bei der FPÖ: Na, Geschäftsordnung! He! Unglaublich! Frau Präsidentin! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wenn Sie doch immer so aufmerksam wären!)

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer! Das Thema Familiennachzug ist ein sensibles, es ist kein Schwarz-Weiß-Thema: Es berührt rechtliche, soziale, bildungspolitische Fragen und vor allem menschliche Schicksale. Als Sozialdemokrat stehe ich für einen Zugang, der Menschlichkeit mit Ordnung verbindet (👏 SPÖ, NEOS), für einen Zugang, der die Realität anerkennt und die Verantwortung des Staates ernst nimmt. Meine Heimatstadt Wien und viele andere Städte in Österreich, urbane Zentren, sind durch die Familienzusammenführungen ganz besonders gefordert worden. Rund 80 Prozent der Menschen, die durch Familiennachzug nach Österreich gekommen sind, leben in Wien. Seit 2022 verzeichnen die Volksschulen jährlich rund 4 000 zusätzliche Kinder, viele davon mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Die Stadt Wien hat aber umfassend und sehr engagiert darauf reagiert: Es wurden neue Schulplätze geschaffen, neue Kindergartengruppen und zusätzliche mobile Klassenräume eingerichtet. Integration in so kurzer Zeit ist aber eine Herausforderung für die Kinder, für die Lehrkräfte, für das gesamte System. Diese hohe Anzahl an relativ zeitnahen Familiennachzügen ist schwierig zu stemmen und führt wirklich zu Ausnahmesituationen, die dann auch für niemanden gut sind. Ich sehe jetzt in diesem zu beschließenden Gesetz einen guten Zugang, diesen Familiennachzug zu staffeln, sodass wir Kindern und Familien helfen, sich besser zu integrieren, dass die Kinder besser eingeschult werden können, dass ordentlich Deutsch gelernt werden kann. Mit dem heutigen Beschluss ziehen wir eine Lehre aus der Vergangenheit, wir schaffen ein Werkzeug für die Zukunft, das auch sogleich seine Wirkung entfalten kann. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist auch keine Anlassgesetzgebung, denn die Zahlen sind ja aktuell sogar rückläufig und niedrig, sondern wir beugen einer außergewöhnlichen Ballung in Bezug auf Familiennachzug vor, denn der Staat braucht die Möglichkeit, gesteuert und rechtskonform zu reagieren. Österreich ist ein hilfsbereites Land, wir haben geholfen und wir helfen weiterhin. Wir müssen aber alle einen Beitrag leisten, Österreich kann nicht jedes Jahr an die Grenzen gehen, während andere sich aus der Verantwortung stehlen. Da blicke ich sehr, sehr bewusst nach Ungarn. Und weil ja in der FPÖ die großen Ungarnfreundinnen und -freunde sind: Ich habe bei meinen vielen Gesprächen, die ich mit vielen Wienerinnen und Wienern geführt habe, noch niemanden erlebt, der gesagt hat: Ungarn, genau so wie die Ungarn müssen wir es machen! (👏 SPÖ) – Das habe ich nicht erlebt. Da seid ihr also, glaube ich, auf einem Irrweg. Die Freiheitlichen fordern ja auch den Austritt aus dem EU-Asylpakt. Das passt ein bisschen zu euren Ideen – Herr Kickl hat das ja auch ausgeführt –, ihr verräumt ja nur zu gerne die Europafahne. Jeder, mit dem ich spreche, gibt mir da aber zu 100 Prozent recht und das ist eine Wahrheit: Wir werden es nicht mit weniger internationaler Zusammenarbeit schaffen, dieses große Problemfeld der Migration zu lösen, sondern wir brauchen mehr Zusammenarbeit, mehr Europa, mehr europäische Zusammenarbeit. (👏 ÖVP, SPÖ) Es ist ja spannend, hier nach Herrn Kickl zu reden. Schön, Sie hier auch einmal zu sehen, denn viel sieht man Sie ja am Stephansplatz, aber hier während der letzten Sitzungen wenig.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Magst ein Autogramm?

SPÖ Bernhard Herzog

… Mich würde interessieren, wie es Ihnen dabei geht, wenn Sie auf diesen Platz neben mir schauen – Bundeskanzler steht da –, denn da könnten Sie sitzen. Das Ganze ist aber ein bisschen traurig, denn durch dieses Reinschreien von der Seite werden Sie ewig in der Opposition bleiben. ( Ruf bei der FPÖ: Den Babler haben wir schon tagelang nicht mehr gesehen! ) Eine wenig konstruktive Art, das ist Ihre Art von Politik, die aber nur zu einem führt: dass Sie ständig von der Seite traurig zuschauen werden. Diese Art von Politik führt zu nichts. Die SPÖ hat da einen anderen Zugang, einen realistischen Zugang …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die SPÖ: „Mache alles, öffne nackt“! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

SPÖ Bernhard Herzog

… Wir sehen die Belastung, aber wir sehen auch die betroffenen Menschen und ihre Schicksale. Wir verlangen Ordnung, aber wir verteidigen auch die Menschlichkeit. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ) 14.27

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Innenminister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe mir jetzt diese Debatte angehört und ich musste mich einfach zu Wort melden. Ich finde es unverantwortlich – ich finde es unverantwortlich! –, dass hier auf dem Rücken der Kinder und der Familien Politik gemacht wird (👏), dass vor dem Hintergrund der Wienwahl die ÖVP glaubt, mit dieser Showpolitik der FPÖ das Wasser abgraben zu können. Das ist unverantwortlich. (👏) Warum ist das Showpolitik? – Es ist Showpolitik, weil sich damit und mit diesem Gesetz, das wir heute beschließen, nichts ändern wird. Wir reden die ganze Zeit davon – ich habe mir das angehört: die ganze Zeit reden wir davon! –, dass das Bildungssystem überfordert ist, dass der Bildungsnotstand ausgerufen werden musste. Glauben Sie mir, ich bin Wienerin, ich sehe das: Ich sehe überforderte Lehrerinnen und Lehrer; ich sehe, dass die Schulen unzureichend Unterstützung haben; ich sehe Kinderpädagoginnen und -pädagogen, die überfordert sind; ich sehe ein überfordertes Bildungssystem.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber?

GRÜNE Alma Zadić

… Warum wurde nichts gemacht? Warum wurde in Wien vom Bildungsstadtrat, der für Bildung und Integration zuständig ist, in diesem Bereich nichts gemacht? (👏) Wir haben die Daten. Wir wissen, dass 2015 viele Menschen nach Österreich gekommen sind. Wir wissen auch, dass einige von ihnen ihre Familie nachholen werden. Warum wurde nichts gemacht? – Sehenden Auges reitet man in ein Bildungsversagen. Gerade die NEOS wissen ganz genau, was es braucht. – Ich habe mir eure Forderungen angehört. Ich weiß ganz genau, dass ihr vor zehn Jahren genau die richtigen Maßnahmen gefordert habt: Es braucht mehr Lehrer:innen, es braucht mehr Pädagog:innen, Sozialarbeiter:innen, Personen, die den Kindern Deutsch beibringen. Das habt ihr gefordert. Fünf Jahre lang hattet ihr in Wien die Verantwortung für genau diesen Bereich …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Und ihr im Bund!

GRÜNE Alma Zadić

… und nichts ist passiert. Nichts ist passiert! (👏) Was macht man jetzt, um davon abzulenken? – Um von diesem Bildungsversagen abzulenken, macht ihr NEOS jetzt bei dem Gesetz mit – und die SPÖ genauso. Ihr geht bei einem Gesetz mit, das grundrechtlich und verfassungsrechtlich schlicht und ergreifend, um es schön zu sagen, bedenklich ist. Es wird genauso aufgehoben werden wie die Indexierung der Familienbeihilfe, weil es schlicht und ergreifend nicht verfassungsrechtlich korrekt ist. (👏) Ich glaube, Sie verstehen nicht, was Sie mit diesem Gesetz machen. Es macht mich fassungslos, weil es reiner Populismus ist. Mit dieser generellen und allgemeinen Aussetzung der Familienzusammenführung machen Sie genau eines: Sie ändern nichts am Bildungsversagen, sondern ganz im Gegenteil, Sie zerstören Familien! (👏) Es macht mich fassungslos und wütend, dass ich einen afghanischen Vater trösten muss, der seit einigen Jahren hier hart arbeitet, um genug Geld zu verdienen, damit er seine Frau und seine zwei Kinder nachholen kann, der jedes Jahr aufs Neue zittern muss, weil er im Unsicheren ist, ob er jemals wieder mit seiner Familie zusammenleben können wird. Es macht mich fassungslos, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, dass wir so unsere Werte über Bord werfen. Es macht mich wütend, denn hätten wir 1994 – und damals hatten wir genau die gleichen Probleme; ich weiß es, weil ich im 15. Bezirk an einer Brennpunktschule war, wo viele Kinder nicht Deutsch gesprochen haben – die Familienzusammenführung ausgesetzt, würde ich heute hier nicht stehen! (👏) Die zehnjährige Alma Zadić hätte 1994 ihren Vater nicht gesehen. Das ist die Politik, die Sie machen. Kümmern Sie sich um das Bildungsversagen und zerstören Sie nicht Familien! ( Anhaltender Beifall bei den Grünen. – Rufe bei den Grünen: Bravo! )

PräsidiumDoris Bures

Ein zweites Mal hat sich Herr Abgeordneter Ernst Gödl zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Frau Präsidentin! Und danke ( an die anhaltenden Beifall spendende Fraktion der Grünen ) für den Auftrittsapplaus! Es war gut zu sehen, dass man, glaube ich, mit dem Thema an sich in der Mitte steht, wenn wir das gehört haben, was Kollegin Zadić jetzt gesagt hat.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Da haben Sie nicht zugehört! – Ruf bei den Grünen: Geh! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

ÖVP Ernst Gödl

… Man kann aber ein paar Dinge, die Herr Klubobmann Kickl von sich gegeben hat, nicht so stehen lassen. Herr Klubobmann Kickl, Sie haben bei der letzten Nationalratswahl die Mehrheit der Stimmen erreicht und folgerichtig vom Bundespräsidenten den Regierungsbildungsauftrag bekommen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und Sie haben’s torpediert! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Ernst Gödl

… Aber Sie sind kläglich gescheitert, weil Sie bewiesen haben, dass Sie gar kein Interesse daran haben, Verantwortung für Österreich zu übernehmen! (👏 ÖVP) Hätten Sie Interesse, dann hätten Sie ernsthaft verhandelt. Sie kennen die Geschichte von den 8 Stunden – oder es waren vielleicht noch weniger. Sie hatten kein Interesse ( Ruf bei der FPÖ: So ein Blödsinn! ), denn Regieren bedeutet eben, Kompromisse zu suchen. Und wenn Sie jetzt einwenden würden: Wir hätten regiert, wenn wir alles durchsetzen hätten können, was wir uns vorgenommen hätten! – 28 Prozent ist nicht die Mehrheit. Man braucht Kompromisse. So wie wir hier Kompromisse suchen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Leider schlechte Kompromisse! Schlechte Kompromisse!

ÖVP Ernst Gödl

… haben wir damals, als wir mit Ihnen regiert haben, mit Strache damals an der Spitze, mit Ihnen als Innenminister, Kompromisse gesucht und auch gefunden. (👏 ÖVP) Sie haben es nicht ernst genommen und wollen jetzt mit der Fundamentalopposition die gute Arbeit …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche gute Arbeit? Wo ist die gute Arbeit? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

ÖVP Ernst Gödl

… der neuen Bundesregierung konterkarieren. Sie sind ein Will-nicht-Kanzler! Sie sind ein Will-nicht-Kanzler und Sie sind ein Kann-nicht-Kanzler! Um auch ein paar Dinge ins richtige Licht zu rücken: Sie sind natürlich so und legen Ihre Politik von vornherein so an, dass Sie immer in Fundamentalopposition gehen. Weil Sie auch das Thema Corona angesprochen haben: Sie waren damals der Erste, der einen Coronalockdown gefordert hat.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich bin auch der Erste, der gescheiter geworden ist!

ÖVP Ernst Gödl

… Als dann die Regierung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... die wir nicht mehr gebraucht haben!

ÖVP Ernst Gödl

… damals Schwarz-Grün, den Lockdown verordnet hat, sind Sie umgeschwenkt …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, weil man gesehen hat, dass es anders auch geht! So [die Arme seitlich nach oben streckend]! Nicht so [die Hände wie Scheuklappen an die Schläfen haltend]!

ÖVP Ernst Gödl

… weil es nicht Ihrer DNA entspricht, irgendwo mitzuarbeiten, sondern es Ihrer DNA entspricht, immer in die Fundamentalopposition zu gehen. Ich erinnere Sie auch, Sie waren Innenminister …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

War eine gute Zeit!

ÖVP Ernst Gödl

… Gab es da eine Asylquote von null? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das war mein Ziel, ihr habt gejault!

ÖVP Ernst Gödl

… Das ist eine gute Frage, nicht? Sie propagieren immer die Asylquote null.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Doch, das habe ich öffentlich gesagt!

ÖVP Ernst Gödl

… Es gab nämlich keine Asylquote von null, denn damals – und folgerichtig – haben auch Sie als Minister geltende Gesetze angewendet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das habe ich öffentlich gesagt, in aufrechter Koalition!

ÖVP Ernst Gödl

… Ich erinnere Sie daran: Im Jahr 2018 – man höre jetzt gut zu! – waren Sie Innenminister, und – ich mache Ihnen das nicht zum Vorwurf; nur damit man der Bevölkerung zeigt, was Sie hier reden und wie Sie handeln, wenn Sie selbst Verantwortung haben; und Sie hatten als Innenminister Verantwortung – im Jahr 2018 gab es 7 400 Schutzgewährungen für afghanische Flüchtlinge.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele davon waren vorm Verwaltungsgericht?

ÖVP Ernst Gödl

… Im Vorjahr gab es übrigens 2 900. Auch zu Ihrer Zeit gab es also nie eine Asylquote null, weil Sie sich an geltendes Recht gehalten haben …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele davon vorm Verwaltungsgericht? Und wer war Justizminister?

ÖVP Ernst Gödl

… und deswegen ist es unredlich und unlauter, wenn Sie hier Dinge fordern, die Sie selbst gar nie erfüllt haben und gar nie gelebt haben! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Deswegen kann man das so nicht stehen lassen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Gerichtsentscheidungen! ÖVP! Verwaltungsgericht!

ÖVP Ernst Gödl

… Dass Sie, Herr Kickl, als beleidigter Will-nicht- und Kann-nicht-Kanzler, immer nur herausgehen und alles verurteilen und sich auch im Ton vergreifen – wir haben das ja gerade gehört mit dem Ordnungsruf …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da braucht es in der Zwischenzeit schon gar nichts mehr dafür!

ÖVP Ernst Gödl

… das können wir so nicht stehen lassen. Wir, unser Innenminister, der Staatssekretär, unsere Bundesregierung , unser Herr Bundeskanzler und wir als Regierungsparteien, versuchen unser Bestes, wir machen unser Bestes, und wir hätten uns gerade im Bereich des Asylrechts ein bisschen seriöse Unterstützung von Ihnen gewünscht. Sie haben heute gegen Deutschförderung gestimmt …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie kommen so nicht weiter!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie stimmen jetzt offensichtlich auch gegen die Änderung des Asylgesetzes. Das ist nicht das, was Österreich von führenden Politiker:innen und Politikern an ernsthafter Arbeit erwarten darf.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie kommen so nicht weiter!

ÖVP Ernst Gödl

… Deswegen, Herr Kollege Kickl: so sicher nicht! Wir übernehmen Verantwortung, Sie haben sie verweigert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Jetzt ist Abgeordneter Michael Schnedlitz zu Wort gemeldet. – Bitte. ( Ruf bei der ÖVP: Jessas Maria! – Ruf bei der SPÖ: Geh! – Weitere Rufe: Oh! Ah! Oje! – Abg. Shetty [NEOS]: Für den versöhnlichen Abschluss!)

FPÖ Michael Schnedlitz

Da sieht man ja schon, bevor ich das erste Wort gesagt habe, wie viele Fans ich in den Sektoren der Einheitspartei habe. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Dabei wissen Sie noch gar nicht, was ich sagen will. Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Gestehen Sie mir trotzdem zu, dass ich mich ein bisschen äußere, um einfach festzuhalten, wie kaputt der Parlamentarismus mittlerweile in Österreich und hier herinnen, in diesem Haus, ist – wie kaputt. (👏 FPÖ) Wissen Sie, wir debattieren hier einen wichtigen Punkt. Wir debattieren darüber, dass das System überlastet und überfordert ist, angefangen vom Bildungssystem bis zum Gesundheitssystem, zum Sozialsystem. Und ein Innenminister, der nicht weniger, sondern wahrscheinlich noch mehr überfordert ist als diese Systeme, versucht, der Bevölkerung vorzumachen, dass er irgendetwas macht, was aber in Wahrheit gar nicht stimmt. Der Parlamentarismus hier herinnen ist aber so kaputt, dass, wenn der Bevölkerung von vorne bis hinten etwas vorgemacht wird, ein Redner hier heraußen nicht sagen darf, dass das, was hier passiert, eine Lüge ist – denn sonst bekommt er einen Ordnungsruf. Wie kaputt muss ein System sein, dass eine Regierung und Politiker so etwas nötig haben? …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Lies einmal die Geschäftsordnung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Wie kaputt muss man sein? Wenn dann auch etwas passiert, was nicht klug ist – also da gibt es ein Wort dafür; das heißt dann, dass etwas dumm ist –, und wenn man das gegenüber der Bevölkerung zu Hause ausspricht, dann bekommt man einen Ordnungsruf.

ÖVP Tanja Graf (Zwischenruf)

... vom Thema ab! Ablenkung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Wie kaputt kann und muss ein System sein, damit es das nötig hat – als Schutz vor der Wahrheit in diesem Haus und innerhalb einer vernünftigen Debatte? Außer natürlich, es geht um einen Vorwurf gegenüber der Freiheitlichen Partei oder gegenüber Klubobmann Kickl, dann kann man beleidigen, ihn als Person als Möchtegernkanzler und so weiter bezeichnen. Man kann sogar strafrechtliche Vorwürfe wie die der Hetze machen, dann wird hinter mir ( in Richtung Präsidium weisend ) ignoriert, da halten Sie zusammen – ( in Richtung Präsidium weisend ) hinten am Regierungsausguck und ( in Richtung Plenum weisend ) hier in der Einheitspartei. Wie kaputt muss man sein, dass man glaubt, dass das den Menschen zu Hause nicht auffällt? Wie kaputt muss man sein? (👏 FPÖ) Machen Sie ruhig so weiter, machen Sie weiter! Die Menschen zu Hause haben das längst durchschaut. Geben Sie uns Ordnungsrufe, geben Sie sich selbst keine, beschützen Sie sich gegenseitig , weil Sie den Menschen zu Hause etwas vormachen. Die lassen sich von Ihnen trotzdem nicht weiter für blöd und für dumm verkaufen , sondern durchschauen, wie hier herinnen gearbeitet wird und wie kaputt Sie mittlerweile wirklich sind.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Ablenkungsmanöver!

PräsidiumDoris Bures

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich werde jetzt einige Minuten die Sitzung unterbrechen und ersuche, zu einer Stehpräsidiale zu mir zu kommen. Die Sitzung ist unterbrochen. Sitzungsunterbrechung, 19. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:40

Sofortiger und permanenter Stopp des Familiennachzugs

78 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 83/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag abgelehnt, der einen sofortigen und dauerhaften Stopp des Familiennachzugs forderte. Damit gibt es keinen parlamentarischen Auftrag an die Bundesregierung, den Familiennachzug generell und unbefristet auszusetzen.

Betroffen wären insbesondere Familienangehörige von Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten sowie die zuständigen Asyl- und Fremdenbehörden.

Ziel des Antrags war es, den Familiennachzug nach Österreich sofort und dauerhaft zu beenden, um Zuzug und migrationspolitische Folgewirkungen zu reduzieren.

Dokumente

Sofortiger und permanenter Stopp des Familiennachzugs

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag, der einen sofortigen und permanenten Stopp des Familiennachzugs nach Österreich fordert.

Begründung und zentrale Argumentationslinien des Antrags

  • Kritik am ÖVP-Wahlprogramm 2024: Zwar werde „Familiennachzug aussetzen“ gefordert, dies werde jedoch im Programm relativiert, indem eine nur temporäre Aussetzung oder Kontingentierung „mit Blick auf die EU-Notfallklausel“ in Aussicht gestellt werde; dies sei keine stringente Asyl- und Migrationspolitik.
  • Grundverständnis von Asyl: Asyl bedeute Schutz auf Zeit für Personen, die individuelle Verfolgung nachweisen können; dieser Schutz solle nicht automatisch auf die gesamte Familie ausgedehnt werden.
  • Einzelfallprüfung: Die Gewährung von Asyl müsse stets auf einer Einzelfallprüfung beruhen; Pauschalisierungen seien abzulehnen.
  • Sichere Drittstaaten: Österreich sei von sicheren Staaten umgeben; Migranten an Österreichs Grenzen hätten mehrere sichere Drittstaaten durchquert, in denen ihnen keine Verfolgung drohe.
  • Ausnahmefall Flughafen: Als Ausnahme werden Einzelfallprüfungen an Flughäfen genannt, wenn Migranten direkt aus ihren Herkunftsländern nach Österreich einreisen würden.
  • Zahlen zum Familiennachzug: Für 2023 werden 9.254 Personen über Familiennachzug genannt, für das Vorjahr 7.760; dies wird als „immens“ und als zu unterbindender Zuzug dargestellt.
  • Kritik an der Bundesregierung: Der Regierung wird „Placebo-“ bzw. „Show-Politik“ vorgeworfen, weil im Regierungsprogramm ein nur vorübergehender Stopp des Familiennachzugs angekündigt werde.
  • Kritik an Verweis auf Art. 8 EMRK: Der Verweis auf Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) und der temporäre Charakter würden einen „tatsächlichen Stopp“ ad absurdum führen; die Maßnahme sei eine Scheinmaßnahme.
  • Unbestimmte Befristung: Es wird kritisiert, dass die zeitliche Befristung nicht konkretisiert werde.
  • Kritik am EU-Migrationspakt: Die Bundesregierung wolle den EU-Migrationspakt „vehement“ umsetzen, inklusive Verteilungsmechanismus; der Pakt beende illegale Migration nicht, sondern zementiere aus Sicht der Antragsteller die Fortführung von „Massenmigration“ unter dem Deckmantel von Asyl samt Familiennachzug zum Nachteil Österreichs.
  • Kritik an weiteren geplanten Maßnahmen: Als Indiz für ein „Weiter wie bisher“ werden ein geplanter Migrationsfonds zur Finanzierung von Migrationsmaßnahmen im Ausland sowie geplante, vom Steuerzahler finanzierte Deutsch- und Orientierungskurse für Familienangehörige von Asylanten und subsidiär Schutzberechtigten im Ausland angeführt.

Sofortiger und permanenter Stopp des Familiennachzugs

~79 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Gernot Darmann

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Nach Ansicht der Freiheitlichen braucht Österreich nicht erst ab heute einen absoluten, ja generellen Stopp dieser unkontrollierten illegalen Massen-, ja Messerzuwanderung nach Österreich, einschließlich eines generellen Stopps, und dies permanent, im Bereich des Familiennachzugs. (👏 FPÖ) Genau aus diesem Grund – genau aus diesem Grund! – wird die FPÖ diese dreiste, irreführende Täuschung des österreichischen Volkes seitens der Regierungskoalition hinsichtlich eines angeblichen Stopps des Familiennachzugs nicht unterstützen (👏 FPÖ): Es ist kein Stopp des Familiennachzugs, der dringendst geboten wäre, es ist nach den Ankündigungen zunächst eines Stopps, dann einer Aussetzung nunmehr eine Verschiebung des Familiennachzugs geworden, eine Hemmung, mit einer Anleitung in dieser Gesetzesinitiative, wie man diese Verschiebung bestmöglich umgehen kann. Das ist schlussendlich nichts anderes als eine Frotzelei unserer Bevölkerung in Österreich, die es satt hat, über Jahre hinweg ungerecht behandelt zu werden, noch dazu als Staatsbürger ungerecht behandelt zu werden, durch die Vorgängerregierung, durch die neue Ampelregierung – vor allem in dem Wissen, dass Personen aus aller Herren Länder weiterhin über unsere Grenzen stolpern können, über Tausende Kilometer durch sichere andere Staaten reisen können, um sich hier in die soziale Hängematte zu legen. Das kann und darf es nicht sein, es darf kein Weiter-wie-bisher geben, werte Kolleginnen und Kollegen! (👏 FPÖ) Spannend ist ja, dass sich diese Täuschung durch die Bundesregierung auch sehr gut inhaltlich argumentieren lässt. Denn, werte Kolleginnen und Kollegen, es ist ja nicht nur vorgesehen, hier praktisch eine Umgehung zu ermöglichen, indem man sich auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention, Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, beruft, was sogar noch als Umgehung in dieses Gesetz hineingeschrieben wurde, als Anleitung für die Asylmafia, die damit wieder gute Geschäfte machen wird, nein, man hat darüber hinaus im Regierungsprogramm auch Orientierungskurse und Deutschkurse auf Steuerzahlerkosten im Herkunftsland dieser Familiennachzügler vorgesehen. Aus den einzelnen Puzzleteilen kann man sich ein schönes Bild zusammensetzen, dass nämlich diese Regierungskoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS samt dem Beiwagerl der Grünen nicht gewillt ist, diesen notwendigen Schritt zu setzen, endlich diese unkontrollierte Massenzuwanderung zu stoppen, so wie es sich unsere Bevölkerung verdient hätte und auch erwartet (👏 FPÖ); erwartet von Volksvertretern, die gewählt wurden, um unsere Heimat zu schützen, um ein Fortkommen unserer eigenen Bürger möglich zu machen, um die Sicherheit unserer eigenen Bürger, von Jung bis Alt, zu gewährleisten. Aber all das scheint tatsächlich vollkommen egal zu sein, wenn man nur das Geschäft der Asylindustrie ermöglicht. Und dieses ermöglicht diese Regierungskoalition. Gratulation dazu! Österreich kann sich davon aber leider nichts abschneiden, und das ist die schlimme Wahrheit, die es hier auszusprechen gilt. Das heißt, werte Kolleginnen und Kollegen, diese Koalition, ihr als Abgeordnete dieser Regierungskoalition habt es nicht nur verabsäumt, der generellen Massenmigration einen Riegel vorzuschieben, so wie es sich gehört hätte und gehören würde, nein, ihr habt es sogar am Nebenschauplatz des Familiennachzugs nicht zustande gebracht, einen absoluten und permanenten Familiennachzugsstopp in diesem Gesetzesvorschlag, der jetzt hier diskutiert wird, festzumachen, und deswegen auch unsere Ablehnung. (👏 FPÖ) Spannend ist ja umso mehr die Argumentation zu diesem Verschieben des Familiennachzugs seitens des Innenministers, auch diese muss man sich vergegenwärtigen. Er sagt und die Abgeordneten der Koalitionsregierung meinen, man müsse diesen Familiennachzug im Sinne der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Österreich verschieben. Diese Argumentation hat schon etwas für sich, denn es ist unbestritten ein massiver Schaden an der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Österreich durch die Politiker, die in den letzten Jahren in Regierungsfunktion waren, angerichtet worden. Aber wer hindert euch, diese Fehlentwicklung zu ändern? Wer hindert euch daran – außer ihr euch selbst, fehlender Mut, fehlende Visionslosigkeit und fehlendes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen Bevölkerung? In Wahrheit müsste doch genau diese Argumentation einer in Schwierigkeiten, in Schieflage geratenen öffentlichen Ordnung und Sicherheit dazu führen, nicht nur sehr salopp und nebenbei den Familiennachzug irgendwie einmal zu streicheln und nicht wirklich zu beenden, nein, diese Argumentation müsste doch dazu führen, Herr Innenminister, ein generelles Verbot eines Ausnutzens unserer Gastfreundschaft unter dem Deckmantel des Asyls zu verordnen – ist gleich eine Asylquote null für all jene Personen, die durch sichere Staaten nach Österreich reisen, und das ist nun einmal Lebensrealität. (👏 FPÖ) Es ist Lebensrealität, dass jeder, der nach Österreich kommt oder in den letzten Jahren, seit 2015 gekommen ist, über sichere Staaten nach Österreich eingereist ist und eben in den Staaten rund um Österreich, von denen aus er eingereist ist, niemals verfolgt war, deswegen auch niemals hätte ein Flüchtling sein können, niemals hätte unserer Bevölkerung auf der Tasche liegen dürfen, niemals hätte das Sozialsystem ausnützen dürfen, auch nicht unser Gesundheitssystem, und schlussendlich niemals auch noch unsere Sicherheit gefährden dürfen. Das alles ist Ihnen zu verdanken, Ihren Fehlentscheidungen. Aber Sie haben nichts daraus gelernt und werden, da Sie auch weiterhin darauf beharren, den EU-Asyl- und Migrationspakt in voller Ausführung umzusetzen, nach Punkt und Beistrich, wie es bei Ihnen im Regierungsprogramm steht, diese Fehlentwicklungen auch nicht korrigieren wollen. Aus diesem Grund bringen die Freiheitlichen folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Gernot Darmann , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Ausstieg aus dem EU-Asylrecht“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, sich im Rahmen der Institutionen der Europäischen Union mit Vehemenz und Nachdruck für einen Ausstieg Österreichs aus dem EU-Asylrecht einzusetzen.“ (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen! Da ich nunmehr diesen Entschließungsantrag der Freiheitlichen eingebracht habe, versuche ich jetzt auf eine Art und Weise an euch heranzutreten, die wohl die einzige sein wird, mit der ich vielleicht ein wenig euer Gewissen ansprechen kann: Ich bin lang genug in der Politik, um zu wissen, dass es Klubsitzungen gibt, dass ihr eure Linie festgemacht habt, dass ich euch nicht unbedingt hier mit meinen Worten überreden werde, endlich in die Vollen zu gehen und auf Österreich zu schauen, aber: Ihr seid so wie ich Staatsbürger. Ich bin Vater, viele von euch sind Väter, Mütter, Onkel, Tanten, Omas, Opas. Ihr habt Kinder, zumindest im Familienverband, ob auf direktem Wege oder im Umfeld, und es gilt für uns alle – und ich gehe felsenfest davon aus, dass viele von euch vielleicht doch ähnlich denken könnten –, diesen Kindern eine Heimat zu sichern, einen Ort zu sichern, an dem man sich sicher nach einer entsprechenden Bildung selbst weiterentwickeln kann, an dem man vielleicht in Zukunft auch selbst in einem deutschsprachigen Raum unter christlichen Werten eine eigene Familie wird gründen können. Aber das alles setzt voraus – ich möchte die Menschen hier herinnen ansprechen und nicht die Abgeordneten –, dass wir den Mut haben, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und hier auch, wenn es notwendig ist, Konflikte mit der Europäischen Union, mit NGOs, mit Medien und allen Möglichen auszutragen, weil es hier um nichts weniger als um die Verantwortung für die Zukunft unseres Heimatlandes geht. (👏 FPÖ) Ich ersuche euch wirklich inständig, das zu beherzigen, auch wenn es heute bei diesem Tagesordnungspunkt für euch vielleicht nicht möglich sein wird. Aber es wird notwendig sein, und das ehestmöglich, die Fehler der Vergangenheit zumindest in dieser Hinsicht ein wenig zu korrigieren, indem jetzt umgehend ein absoluter Asylstopp in Österreich verhängt wird, um tatsächlich in weiterer Folge all jene außer Landes zu bringen, die hier nichts mehr verloren haben, denn es geht um Gerechtigkeit für die Österreicher. – Danke schön. (👏 FPÖ) 12.47 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/53.1 Ausstieg aus dem EU-Asylrecht (35/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag des Kollegen Darmann wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Ernst Gödl . – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehbildschirmen! Die Regierung steht gerade einmal etwas mehr als sechs Wochen im Dienst und schon beschließen wir etwas, was wir auch ganz zu Beginn versprochen haben und was richtungsweisend für unser Land ist, nämlich den Stopp des Familiennachzugs. Wir stehen zu unserer Verantwortung, Herr Kollege Darmann, wie Sie es auch eingefordert haben.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist aber kein Stopp! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Kein Stopp! – Abg. Egger [ÖVP]: Hört einfach einmal zu!

ÖVP Ernst Gödl

… Verantwortung in diesem Fall heißt aber auch, realistisch zu sein und machbare Lösungen zu finden, die natürlich auf Basis des Rechtsstaates zu erfolgen haben. Und eine solche Lösung, meine geschätzten Damen und Herren, legen wir heute vor. (👏 ÖVP, NEOS) Es gibt nichts zu relativieren und auch nichts zu beschönigen, Österreich war in den letzten Jahren mit sehr hohen Zahlen von schutzsuchenden Menschen konfrontiert …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer war denn der Innenminister?

ÖVP Ernst Gödl

… insbesondere aus Syrien und Afghanistan, und in der Folge kam es eben zu besagtem Familiennachzug …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer war denn der Innenminister?

ÖVP Ernst Gödl

… allein in den Jahren 2023 und 2024 in Summe etwa 17 000 Menschen, davon 12 000 minderjährige Kinder. Dies hat tatsächlich zu einer Überforderung mancher unserer staatlichen Systeme geführt – im Bereich der Bildung, im Bereich der Gesundheit, im Bereich des Sozialstaates und auch im Bereich der Sicherheit, Stichwort Jugendkriminalität. Unsere Verantwortung ist es, und die nehmen wir wahr, diese staatlichen Systeme vor einer dauerhaften Überforderung zu schützen. (👏 ÖVP, NEOS) In nur zwei Jahren sind also etwa 12 000 Schülerinnen und Schüler, also minderjährige Personen, zu uns gekommen, viele davon ohne Deutschkenntnisse, ohne Vorbildung. Das bringt das Bildungssystem an die Grenzen. In vielen Klassenzimmern – das wurde heute schon angesprochen –, gerade auch in Wien und in städtischen Bereichen, ist ein regulärer Unterricht nur schwer möglich. Die Pädagoginnen und Pädagogen sind extrem gefordert und stoßen vielerorts an ihre Grenzen. Ja, es braucht Entlastung für die Schulen, für die Pädagoginnen und Pädagogen und vor allem auch für die Kinder, die dort lernen. So, und was bringen wir jetzt auf den Weg? – Wir ändern das Asylgesetz, das übrigens aus 2005 stammt. Sie wissen, wer 2005 an der Regierung beteiligt war, nämlich die FPÖ, die damals gemeinsam mit uns ein neues, modernes Asylgesetz geschaffen hat. Wir fügen nun einen Paragrafen ein, mit dem wir es auf rechtsstaatlicher Basis möglich machen, dass der Innenminister, übrigens im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss, also dem Parlament, eine Verordnung erlassen kann, um den Familiennachzug zu stoppen. Das ist ungefähr eine gleichartige Maßnahme wie zum Beispiel jene, mit der wir auch weiterhin Grenzkontrollen ermöglichen. Dabei ist es wichtig zu betonen: Ja, für Härtefälle ist ein Ausnahmetatbestand im Sinne des Artikels 8 der Menschenrechtskonvention vorgesehen. Das gehört auch zu einem funktionierenden und richtigen Rechtsstaat. Diese Regelungen passieren jetzt nicht auf schnellen Zuruf. Es gab auch eine Ausschussbegutachtung. Es gab Stellungnahmen von verschiedenen Stellen, auch von Universitätsprofessoren, die sagen – auch an die grüne Fraktion gerichtet, weil die das ja komplett anders sieht, diametral anders als die Freiheitlichen –: Ja, das ist zulässig in dieser Situation, öffentliche Einrichtungen, im Besonderen das Bildungswesen, bedürfen eines besonderen Schutzes, es ist rechtlich gerechtfertigt, solche Maßnahmen zu ergreifen. Es war unser Innenminister, der schon in den letzten Monaten und Jahren sehr massiv gegen die illegale Migration insgesamt und gegen den Familiennachzug angekämpft hat. Das sieht man bereits an den Zahlen, die sehr stark zurückgegangen sind. In den ersten drei Monaten des Vorjahres waren es etwa 2 000 Menschen, die über den Familiennachzug nach Österreich gekommen sind, jetzt waren es etwa um die 160. Ich würde euch bitten, liebe Kolleginnen und Kollegen der FPÖ: Messen Sie uns an den Zahlen! Schauen Sie sich die Zahlen an, und Sie werden sehen, dass die Zahlen sehr niedrig sind. Sie sind übrigens um einiges niedriger als zur Zeit eines Innenministers Herbert Kickl . (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich weiß schon, für Sie von der FPÖ ist es heute kein guter Tag, weil Sie ja kein Interesse daran haben, dass wir Lösungen finden.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wo ist da die Lösung? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wo ist die Lösung?

ÖVP Ernst Gödl

… Sie haben Interesse daran, dass die Probleme aufrechterhalten werden. Sie als Will-nicht-Regierungspartei und als Will-nicht-Volkskanzler haben natürlich kein Interesse daran, dass es Lösungen gibt – aber wir sind hier angetreten, um Lösungen zu schaffen, und die schaffen wir, die schaffen wir mit der Änderung des Asylgesetzes. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es ist schon eine besondere Chuzpe, meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen der FPÖ, wirklich ein besonderes Vermächtnis, das Sie heute unserer Bevölkerung hinterlassen, wenn Sie weder beim Ausbau der Deutschförderung mitgestimmt haben noch jetzt mitstimmen, wenn wir eine gesetzliche Grundlage schaffen, um den Familiennachzug zu stoppen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist kein Stopp!

ÖVP Ernst Gödl

… Das müssen Sie erst einmal der Bevölkerung erklären, dass Sie nur reden, aber dann, wenn es um konkrete Lösungen geht, nie mit an Bord sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das sind nur leere Worte, Herr Kollege!

ÖVP Ernst Gödl

… Das ist nämlich keine Symbolpolitik, meine Damen und Herren, sondern das ist eine wirksame Steuerung, die im Bereich des Familiennachzugs notwendig ist und die wir mit dieser gesetzlichen Grundlage jetzt auch ermöglichen. Wir tun das nicht, um Integration zu verhindern, sondern um die Systeme zu sichern, um die Integration zu verbessern: geordnet, planbar und machbar. Der Familiennachzug kann kein Automatismus sein, sondern muss im Interesse aller Beteiligten gut gesteuert werden. Die Menschen in unserem Land erwarten von uns allen zu Recht ordentliche, machbare, vertretbare Lösungen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist eine Täuschung!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie erwarten von uns zu Recht, dass wir für Stabilität sorgen, bevor es zur Überlastung kommt. Und sie erwarten von uns, dass wir handlungsfähig bleiben, dass wir Lösungen suchen und Lösungen hier beschließen. Deswegen: Gehen Sie noch einmal in sich, liebe Kollegen der FPÖ, und stimmen Sie dieser Änderung des Asylgesetzes zu, weil wir damit eben den Familiennachzug stoppen können! Das, was Sie immer gefordert haben: nicht nur reden, sondern auch handeln! – das tut diese Bundesregierung und das tun wir auch hier im Parlament. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer .

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, wir sind gegen dieses Gesetz – aber nicht, weil wir nicht auch der Ansicht wären, dass alles getan werden muss, um die Schulen zu entlasten, um die Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen, die tagtäglich ihr Bestes geben, um allen Kindern das beizubringen, was sie für ihren künftigen Lebensweg brauchen. Im Gegenteil: Wir sind der Meinung, dass das dringend geboten ist und gemacht werden muss. Aber diese Aussetzung der Familienzusammenführungen, wie sie die Regierungsparteien hier planen, ändert an der Situation in den Schulen genau gar nichts, während sie gleichzeitig aber europarechtlich und menschenrechtlich höchst fragwürdig ist. (👏) Uns war aber klar, dass diese Regelung auf Biegen und Brechen durchgepeitscht werden wird – trotz aller Bedenken unterschiedlichster Expertinnen und Experten in dem doch noch durchgeführten Pro-forma-Minibegutachtungsverfahren, trotz erwartbarer vollkommener Wirkungslosigkeit. Sie muss durchgepeitscht werden, und zwar aus dem einzigen Grund: dass der Herr Innenminister dringend eine neue Nebelgranate braucht, um von dem jahrelangen Versagen der ÖVP auf dem Gebiet der Integration abzulenken. (👏) Das ist genau die Taktik: Problem sehen – Nebelgranate zünden – durchtauchen. Weil das zu erwarten war, haben wir schon im Vorfeld einen Antrag eingebracht, um damit die Regierung aufzufordern, sich zumindest an die Verfassung zu halten. Wir haben gefordert, „die Bundesregierung solle [...] die angekündigten Maßnahmen im Bereich der Familienzusammenführung ausschließlich im Einklang mit der Rechtsprechung des EuGH setzen und respektieren, dass eine mitgliedsstaatliche Kompetenzermächtigung eine tatsächliche, gegenwärtige und erhebliche Gefahr voraussetzt, die ein Grundinteresse der österreichischen Bevölkerung berührt, [...] und [...] jedenfalls auch alle primär- bzw. völkerrechtlichen Garantien, wie insbesondere die Grundrechte-Charta der Union [...] und insofern auch die EMRK, die Kinderrechtekonvention und die Genfer Flüchtlingskonvention, ausnahmslos einzuhalten sind.“ (👏) Diesen Antrag haben alle Regierungsparteien abgelehnt. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Sie haben abgelehnt, dass Sie sich an die Verfassung halten wollen.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Eine Schande!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Dass die ÖVP da manchmal Probleme hat, das wissen wir, denn da geht es einfach um die populistische Symbolpolitik für die rechte Wähler:innenschaft. Das muss man verstehen. Dass die SPÖ sich nicht immer ganz leicht tut, da wirkungsvoll dagegenzuhalten, wie wir das in der Vergangenheit immer getan haben ( Widerspruch bei der SPÖ ), das haben wir fast befürchtet. Wir hätten aber trotzdem gehofft, dass da mehr passiert. Dass aber auch die NEOS da mitgehen und auf die Grundrechte und auf rechtsstaatliche Prinzipien verzichten können, das überrascht mich tatsächlich. (👏) Diese Regelung ist europarechtlich, grundrechtlich und rechtsstaatlich höchst bedenklich. Das ist Ihnen dann auch in der Debatte im Ausschuss einigermaßen klar geworden. Deshalb gibt es heute auch einen Abänderungsantrag dazu, nämlich dergestalt – das muss man einmal gut durchdenken –, dass man einen weiteren Antrag stellen kann, während der ursprüngliche Antrag nicht bearbeitet wird, mit dem man die Feststellung beantragen kann, dass die Behörde den ursprünglichen Antrag doch bearbeiten soll. – Superrechtsschutzinstrument. Keiner versteht es, und es wird zu einem erheblichen Mehraufwand beim Bundesverwaltungsgericht führen. Gratuliere! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das ist was für den Bürokratieabbau! – Abg. Disoski [Grüne]: Genau! – Sepp, was machst du? – Abg. Koza [Grüne]: Der Schellhorn wird’s schon richten!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Und dieses Bürokratieungetüm ressortiert in dem Ministerium, in dem der neue pinke Deregulierungsstaatssekretär entbürokratisieren will. – Gratulation! …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Postenschacherei ist das! – Abg. Koza [Grüne]: Bildets einen Arbeitskreis dazu!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Wir wissen, dass wir diese absurde Regelung nicht verhindern können, aber wir möchten zur Lösung der echten Probleme beitragen und bringen daher folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Integrationsbarometer“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres und die Bundesministerin für Europa, Integration und Familie, werden aufgefordert, zur adäquaten Beurteilung der Notwendigkeit einer Verordnung gemäß § 36 AsylG fakten- und evidenzbasiert vorzugehen. In diesem Sinne soll dem ohnehin bereits angekündigten Integrationsbarometer nicht vorgegriffen werden, welches die Bundesregierung ja erst in die Lage versetzen wird, die Belastung und Auswirkungen der einzelnen Systeme (u.a. Inneres, Bildung, Gesundheit, Soziales, Wohnen, Arbeitsmarkt, Wirtschaft sowie demographische Parameter) und diesbezügliche Belastungen auf den Staatshaushalt im Hinblick auf den Erhalt des sozialen Friedens und der öffentlichen Ordnung in Österreich hinreichend abzubilden.“ Beschließt bitte wenigstens das! – Vielen Dank. (👏) 12.59 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/55.1 Integrationsbarometer (36/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner .

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, die Anwesenheit der beiden Regierungsmitglieder ist schon ein Zeichen des Verantwortungsbewusstseins, denn wir sind nicht nur angetreten, um über die großen Herausforderungen zu reden, sondern vor allem sind wir angetreten, um die Probleme in unserem Land zu lösen – und das tun wir heute. (👏 ÖVP, SPÖ) Vielleicht werfen wir aber vorher einen kurzen Blick zurück: Die Bevölkerung hat uns bei der Nationalratswahl 2024 unmissverständlich mitgeteilt, in welchen Bereichen sie sich Lösungen erwartet. Das waren zum einen die Bereiche der Teuerung und natürlich auch der Bereich Sicherheit, Asyl, Migration und Integration.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Bei beiden Bereichen ...!

SPÖ Maximilian Köllner

… Das sind Hausaufgaben, die uns die Bevölkerung mitgegeben hat, und wie auch in der Schule sind Hausaufgaben da, um erledigt zu werden – und das tun wir nun. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Gegen die Teuerung haben wir bereits mit dem Mietpreisstopp eingegriffen (👏 SPÖ), und mit der heutigen Änderung des Asylgesetzes sorgen wir dafür, dass die Kapazitäten unserer Systeme vor Überlastung geschützt werden. Wir haben gesehen, dass die Integration nicht mit der Migration Schritt hält …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Asyl ist jetzt Migration, oder wie?

SPÖ Maximilian Köllner

… Migration muss sich also an der Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft orientieren. Das sind wir schuldig: Ihnen, liebe Österreicherinnen und Österreicher; den Lehrerinnen und Lehrern, die an der Belastungsgrenze sind; den Schülerinnen und Schülern, die eine gute Zukunft brauchen; und natürlich auch jenen Menschen, die Schutz brauchen vor Verfolgung oder Tod und mit Aufenthaltstiteln in unser Land kommen. Auf der anderen Seite geht es aber nicht – und das möchte ich auch in aller Deutlichkeit sagen –, dass Österreich Jahr für Jahr an seine Grenzen geht, während sich andere Länder wie beispielsweise Ungarn aus der Verantwortung stehlen. Daher müssen und werden wir tun, was wir als Bundesregierung nationalstaatlich tun können. Wir werden uns natürlich auch weiterhin auf europäischer Ebene für Lösungen einsetzen und auch für Lösungen starkmachen, aber jetzt ist unser Job, nationalstaatlich für Lösungen zu sorgen, solange es eben keine europäischen Lösungen gibt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Aussetzung des Familiennachzugs ist eben eine solche Maßnahme, mit der wir das Steuer in die Hand nehmen. Und wir machen das unaufgeregt, wir machen das sachlich, wir machen das ohne Populismus und ohne die Wähler zu täuschen, Kollege Darmann, denn die Einzigen, die die Wähler täuschen, sind Sie. Denn wenn es nach Ihnen geht, machen wir Gesetze, die im Prinzip wertlos sind …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Hä?

SPÖ Maximilian Köllner

… wir hingegen machen Gesetze im Rahmen des Rechts, wir machen Gesetze, die halten. (👏 ÖVP, SPÖ) Aus eurer langen Liste der Anträge und auch eurer Skandale geht klar hervor, dass ihr das nicht könnt – und vor allem, dass Gesetze für alle gelten sollen, nur nicht für euch selbst. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ihr legt hier immer wieder bewusst Dinge auf den Tisch, die mit Garantie von Gerichtshöfen zurückgeschmissen werden. Der Grund ist relativ simpel, aber durchaus traurig: Ihr wollt von Problemen leben, wir wollen sie lösen. (👏 ÖVP, SPÖ) Ihr wollt mit Hass und Hetze Menschen gegeneinander ausspielen, wir wollen mit Rechtsstaatlichkeit, mit Ordnung, aber auch mit Menschlichkeit für ein friedliches Miteinander in Österreich sorgen. Der zweite wesentliche Unterschied zur FPÖ ist folgender: Unser heutiger Beschluss ist auch ein klares Signal: ein Signal an die Europäische Union , ein Signal an einige Nachbarländer, denn es geht auch nicht, dass zum Beispiel – und damit sind wir bei eurem Freund, bei Kollegen Orbán – Ungarn hergeht und auf der einen Seite die Hand aufhält, wenn es um EU-Förderungen geht, und mit der anderen Hand quasi die Menschen nach Österreich durchwinkt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist das Modell ..., glaube ich!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir werden Kollegen wie Herrn Orbán die Stirn bieten müssen und nicht vor ihnen einen Knicks machen, weil wir so definitiv nicht weiterkommen. (👏 SPÖ) Sie treffen sich ja regelmäßig – Sie, der Nationalratspräsident, Klubobmann Kickl, haben ihn auch hier im Hohen Haus hofiert –: Ich wäre neugierig, was Sie sich da gegenseitig ins Freundschaftsbuch hineinschreiben. Ich glaube, wichtig wäre, ihm zu sagen – was Sie nämlich offensichtlich nicht machen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Na redet halt einmal selber mit ihm!

SPÖ Maximilian Köllner

… dass er auch einen - - …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wäre das vielleicht eine Idee?

SPÖ Maximilian Köllner

… Er ist ja Ihr Freund! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber Ihr Nachbar im Burgenland! Mit dem würde ich mich gut stellen!

SPÖ Maximilian Köllner

… Sagen Sie ihm einfach, er soll auch seinen Beitrag leisten. Ich sage Ihnen auch, warum er seinen Beitrag leisten soll: Weil er unser Steuergeld als Nettoempfänger haben möchte, und genau deswegen sollten Sie ihm vielleicht auch einmal einen Satz ins Stammbuch schreiben. (👏 SPÖ) Beispielsweise hält er sich nicht an die Dublin-Verordnung, das könnten Sie ihm auch sagen. Wenn die Dublin-Verordnung funktionieren würde, hätten wir hier unsere Probleme nicht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ein Schmarrn! Das ist ein Blödsinn!

SPÖ Maximilian Köllner

… Das müssten Sie ihm sagen, weil er dafür verantwortlich ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ein Blödsinn!

SPÖ Maximilian Köllner

… Sie können schon stolz sein, solche Freunde zu haben. Wir kommen noch zum dritten Unterschied. Für uns ist ganz klar: Für uns ist Integration Pflicht von Tag eins an: Deutschkurse, Wertekurse, Qualifizierungsmaßnahmen und die Menschen rasch in Beschäftigung bringen. Uns ist nämlich lieber, dass diese Menschen Steuern zahlen, als dass sie uns Steuern kosten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da könnt ihr lange warten!

SPÖ Maximilian Köllner

… In eurer Welt sollen Deutschkurse gestrichen werden, auf der anderen Seite sollen sie Deutsch sprechen können. Wie soll das funktionieren? Ihr wollt Qualifizierungsmaßnahmen verhindern und beschwert euch, wenn wir die Leute nicht am Arbeitsmarkt unterbringen. Ihr sagt – da sind wir uns, glaube ich, ja einig –, wir brauchen Fachkräfte, und gleichzeitig wollt ihr nicht, dass wir die Zuwanderer in Beschäftigung bringen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Heute tun wir wieder vermischen: Zuwanderung und Asyl! Na, euch ist nicht mehr zu helfen! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Ihr löst einfach keine Probleme, ihr wollt von den Problemen einfach nur leben. (👏 SPÖ) Schauen Sie, Kollege Darmann: Tun wir nichts, sagen Sie: Wir tun nichts …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Du vermischst gerade Zuwanderung und Asyl! Halt einmal die zwei Begriffe auseinander: Zuwanderung und Asyl! Kennst du die Unterscheidung?

SPÖ Maximilian Köllner

… tun wir etwas, passt es Ihnen auch nicht in den Kram, weil wir die Probleme dann lösen. Das ist genau das Problem. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Wir tun jetzt etwas – und Sie regen sich auf.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... eine Alibihandlung!

SPÖ Maximilian Köllner

… Also ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, was ich noch zu Ihnen sagen soll. Wir sind auf jeden Fall angetreten, um Probleme zu lösen, die andere hinterlassen haben. Das tun wir jetzt, und wir machen das mit Augenmaß, wir machen das mit Verantwortungsbewusstsein …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ihr wart ja selber die Willkommensklatscher!

SPÖ Maximilian Köllner

… und vor allem auf dem Fundament des Rechtsstaates, denn wenn wir Politik so machen würden, wie Sie es tun, dann haben wir keinen Rechtsstaat, sondern Anarchie.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, dann wäre es ...!

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Bundesminister Gerhard Karner zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Minister.

FPÖ Reinhold Maier

Geschätzte Frau Präsidentin! Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Das Thema Familiennachzug ist ein sehr wichtiges und auch sehr emotionales Thema, das wirklich sehr, sehr viele Problemstellungen mit sich bringt und wirklich dringend Veränderungen braucht, aber mir fehlt bei diesem Gesetzentwurf der Glaube, dass die Regierungsparteien das auch wirklich umsetzen wollen.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Nein, wir beschließen es jetzt ...! – Heiterkeit bei der ÖVP.

FPÖ Reinhold Maier

… Da muss ich dir, lieber Herr Innenminister, und meinen Vorrednern, Kollegen Gödl und Köllner, wirklich widersprechen. Bei den Grünen muss ich sagen, dass es wirklich ideologische Unterschiede gibt, und deshalb wundert mich das auch nicht. Ich habe aber bereits in der letzten Sitzung des Innenausschusses deutlich gemacht, dass die ÖVP mit Innenminister Karner einmal mehr nur durch große Ankündigungen auffällt, diesen jedoch kaum beziehungsweise selten Taten folgen lässt, denn die ÖVP hat im Wahlprogramm zwar großmundig eine Aussetzung des Familiennachzugs gefordert – Kollege Gödl hat jetzt sogar „versprochen“ gesagt – und somit auch – das muss man auch immer wieder sagen – unsere Themen, Themen der FPÖ, vor Wahlen kopiert …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ha!

FPÖ Reinhold Maier

… doch nun ist im vorliegenden Gesetzentwurf davon wirklich kaum noch etwas zu sehen. Das ist wirklich ein sehr abgeschwächter Kompromiss, der übrig geblieben ist. Ich würde sogar sagen, das ist eine Mogelpackung. (👏 FPÖ) Statt eines wirklich klaren Stopps, wie er jetzt immer angekündigt wird, sieht der Entwurf lediglich vor, die Antragstellung auf Familiennachzug bis zum 30. September 2026 zu hemmen. Das Wort hemmen sagt das ja eigentlich schon: Das ist eine Verschiebung des Problems und keine Beendigung beziehungsweise Stopp des Problems. (👏 FPÖ) Das bestätigt auch die gerade von dir ( in Richtung Bundesminister Karner ) erwähnte veröffentlichte Kriminalitätsstatistik, in der die Zahlen schon wieder gestiegen sind, und das ist wirklich dein Erbe. Du hast es auch angesprochen: Die Jugendkriminalität ist das Problem, und da haben wir hauptsächlich Täter mit Migrationshintergrund. Es kommt aber noch besser: Es wird eine weitreichende Ausnahmeregelung geschaffen. Wenn Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention angewendet wird, also das „Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens“, greift die Regelung nicht. Das konterkariert einen tatsächlichen Stopp des Familiennachzugs und führt diesen von den Regierungsparteien eingebrachten Gesetzentwurf eigentlich ad absurdum. Weiters ist im Regierungsprogramm auch eine Kontingentierung für den Familiennachzug vorgesehen, was uns der Herr Innenminister ja auch im Innenausschuss bestätigt hat …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Reinhold Maier

… und sie beginnt nicht erst mit 30. September 2026, sondern sie soll schon nach einem Jahr beginnen. Damit wissen wir eigentlich eh, in welche Richtung es mit dieser Bundesregierung geht: zu einem Weiter-wie-bisher. Genau dieses Weiter-wie-bisher wollen wir nicht, Herr Innenminister.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Reinhold, messt uns an den Zahlen!

FPÖ Reinhold Maier

… Außerdem – auch für dich, Kollege Gödl – befindet sich Österreich ausschließlich inmitten sicherer Drittstaaten. Jeder Asylwerber, der bei uns an den Grenzen ankommt, ausgenommen natürlich auf den Flughäfen, hat sichere Länder durchquert. Warum wenden wir nicht die Dublin-III-Verordnung an? Es kann doch nicht sein, dass sich Asylwerber das Zielland wie Touristen und nach der Höhe der Sozialleistungen aussuchen können. Da sei speziell auch gesagt: Wien ist ja da Spitzenreiter mit unserem Bürgermeister Ludwig und auch Staatssekretär – nicht Staatssekretär, sondern Stadtrat – Hacker (Abg. Kickl [FPÖ] – in Richtung Staatssekretär Leichtfried –: Na jetzt hast du noch mal Glück gehabt!), der ja noch mehr Geld in das Sozialsystem bringen will. Besorgniserregend für uns ist auch die geplante Umsetzung des EU-Migrationspaktes, der einen verpflichtenden Verteilungsmechanismus vorsieht. Dieser Migrationspakt, Herr Innenminister, wird die illegale Migration nach Europa nicht reduzieren, im Gegenteil: Er verfestigt die bestehende Fehlentwicklung und fördert die Zuwanderung. Man muss auch sagen, die Bundesregierung bekennt sich ja zu diesem EU-Migrationspakt. Unser Sozialsystem, unser Bildungssystem und unser Gesundheitssystem, aber auch zum Beispiel meine Kollegen von der Polizei sind bereits jetzt an ihren Belastungsgrenzen angelangt. Ein Weiter-wie-bisher ist deshalb unverantwortlich und nicht mehr tragbar, Herr Innenminister.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Deshalb beschließen wir ja das Gesetz!

FPÖ Reinhold Maier

… Wir halten daher fest: Wir fordern einen sofortigen und dauerhaften Stopp des Familiennachzugs und keine Placebo- und Showpolitik, wie das die Bundesregierung mit diesem Gesetzentwurf wiederholt zum Nachteil der österreichischen Bevölkerung macht, denn wir wollen das Problem nicht verwalten, so wie ihr das wollt, liebe Bundesregierung, wir wollen es ein für alle Mal beseitigen. Das ist der Unterschied zwischen Ihrem Antrag und dem Antrag des Kollegen Gernot Darmann . (👏 FPÖ) Abschließend möchte ich noch sagen: Wir sind ja nicht für Familienzusammenführung – Kollege Mölzer hat es heute in einem Redebeitrag schon gesagt –, aber bitte, wenn Familienzusammenführungen gemacht werden: nicht bei uns in Österreich, bitte im Herkunftsland! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke ans Wort. – Bitte.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Innenminister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Der Stopp des Familiennachzugs ist kein Weiter-wie-bisher. Wir haben einen ausgewogenen Gesetzesvorschlag, der es einerseits schafft, die Fakten, die Realitäten in Österreich anzuerkennen und Besserung zu bringen, und andererseits auch, den rechtlichen Rahmen zu beachten. Wenn ich mir die Debatte anhöre, dann bestärkt mich vor allem eines bei diesem Vorhaben, und das sind die Wortmeldungen der Opposition. Das sind auf der einen Seite die Grünen, die verkennen, was die faktische Situation in Österreich ist, wie es um unser Bildungssystem bestellt ist, die sich hierherstellen und sagen, es verbessere sich nichts, aber nicht darüber nachdenken, ob es denn vielleicht nicht noch schlimmer werden könnte ; und es sind auf der anderen Seite die Freiheitlichen, die entgegen dem geltenden Recht, entgegen dem Verfassungsrecht, dem EU-Recht, Mal für Mal Vorschlag um Vorschlag bringen, die einfach nicht halten werden, die die Gerichte aufheben werden. Die Frontalopposition von beiden Seiten macht sicher, dass wir als Regierung auf dem richtigen Weg sind , einem Weg der Mitte, einem Weg der Fakten und einem Weg der tatsächlichen Lösungen. Wir machen nicht die Probleme groß, wir liefern wirklich die Lösungen, und diese sind auch dringend nötig.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Du musst auch noch am Boden der Realität ankommen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie sind dringend nötig – mit Blick auf die Grünen. Einmal zur Realität der Lage in Österreich: Unsere Schulen sind überlastet, die Lehrer:innen schaffen das nicht mehr. Der Unterricht, so wie er zu meinen Zeiten stattfinden konnte, kann zu oft nicht mehr stattfinden, mangels der nötigen Deutschkenntnisse, auch wegen anderer Werte, auch weil Frauen anders behandelt werden, und hier zu sagen, Österreich sei selbst schuld, wir hätten das Bildungssystem früher ändern können, hat nichts mit der Realität in Österreich zu tun.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Deshalb braucht es den absoluten Asylstopp!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… 60 Prozent der Volksschulkinder in Wien sprechen kein Deutsch, in Graz 55, in Linz 50, in Salzburg 55 Prozent.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Sie hetzen ja dauernd, Frau Kollegin! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist aber billige Polemik! Populistisch!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das ist keine Lage, die mit Änderungen im Bildungssystem zu verbessern ist. Wir müssen dafür sorgen, dass Migration nur in dem Maße stattfindet, in dem Integration auch möglich ist …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das hat aber nichts mit Asyl zu tun! – Ruf bei der FPÖ: Null!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… und nur so werden wir es schaffen, dass wir die Aufholjagd an unseren Schulen endlich starten und auch erfolgreich beenden.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Rasend schnell!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Und mit Blick auf die FPÖ: Sie sind schon nervös – keine Sorge, kopieren werden wir nichts, wir wollen, dass die Dinge langfristig halten. Das, was Sie hier machen, ist blanker Populismus.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ja, ich weiß eh! Genau!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie stellen Antrag für Antrag. Menschenrechte einfach aushebeln …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Genau! Da haben auch wir recht gehabt!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… einfach streichen, das geht nicht, das wissen Sie eigentlich, das hält vor keinem Gericht. Eine vollständige Abschaffung des Familiennachzugs ist EU-rechtswidrig. Das wissen Sie! …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Erzählen Sie das mal den Polen und den Esten, was die alles machen, wie EU-rechtswidrig das ist!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das hält vor keinem Gericht, aber es geht Ihnen auch nicht darum, Lösungen zu bringen, es geht Ihnen nicht darum, Gesetze zu machen, die halten. Ihnen geht es darum, über die Probleme zu reden, und je größer die Probleme, umso größer Ihre Kundschaft.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele Vertragsverletzungsverfahren haben wir denn eigentlich?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das ist die traurige Realität dieser FPÖ. (👏 ÖVP, NEOS) Die Bundesregierung hingegen schafft es, die Probleme in Österreich als das anzuerkennen, was sie sind, und auch die Lösungen zu bringen ( Rufe bei der FPÖ: Ja! Wo sind die Lösungen? ), die es dringend braucht, und die Lösungen im rechtlichen Rahmen zu bringen. Ich bin sehr dankbar, dass wir einen Gesetzentwurf vorlegen konnten, bei dem wir extra noch in die Begutachtung gegangen sind, der rechtskonform ist, der im Einklang mit EU-Recht und mit unserer Verfassung ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das wird sich auch erst weisen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… In Anbetracht der Stellungnahmen der Richtervereinigung und auch des Bundesverwaltungsgerichtes haben wir außerdem – es wurde bereits angesprochen – noch eine letzte Änderung hinzugefügt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

...-mal verbessert und es ist noch immer nichts Gescheites herausgekommen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Worum geht es? – Uns geht es darum, dass wir den Aufwand, die Arbeit beim Bundesverwaltungsgericht klein halten und auf der anderen Seite das Recht auf wirksame Beschwerde wahren. Daher stelle ich folgenden Antrag: Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilan Köllner, MA, Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der oben bezeichnete Antrag [...] in der Fassung des Berichtes des Ausschusses für innere Angelegenheiten wird wie folgt geändert: 1. In der Z 6 [...] wird dem § 36a Abs. 3 folgender Satz angefügt: „Auf gesonderten Antrag des Fremden hat die Vertretungsbehörde binnen acht Wochen mit Feststellungsbescheid zu entscheiden, ob die Voraussetzungen des Abs. 2 erster Satz vorliegen. Ein solcher Antrag, eine gegen dessen Zurück- oder Abweisung erhobene Beschwerde und eine wegen dessen nicht rechtzeitiger Erledigung erhobene Säumnisbeschwerde werden gegenstandslos, sobald über den Antrag auf Einreise gemäß § 35 entschieden ist.“ 2. In der Z 6 [...] wird in § 36a Abs. 5 nach dem Wort „Obliegenheit“ die Wortfolge „und seinem Antragsrecht“ - - Präsidentin Doris Bures : Frau Abgeordnete, ich ersuche Sie, den genauen Wortlaut dieses Abänderungsantrages noch einmal zu verlesen. Dem war jetzt nicht so.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oje! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das war schon einmal ziemlich zach!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ich nehme an, Sie haben den Text vor sich liegen? ( Abg. Wotschke [NEOS] nickt. ) – Gut, ich gebe Ihnen meinen Ausdruck, bitte ab „Der Nationalrat wolle [...] beschließen“.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber Sie müssen ja mitlesen, sonst können Sie ja nicht genau kontrollieren!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Abgeordnete Mag. Sophie Marie Wotschke (fortsetzend): Sicher ist sicher. Der oben bezeichnete Antrag [...] in der Fassung des Berichtes des Ausschusses für innere Angelegenheiten wird wie folgt geändert: 1. In der Z 6 [...] wird dem § 36a Abs. 3 folgender Satz angefügt: „Auf gesonderten Antrag des Fremden hat die Vertretungsbehörde binnen acht Wochen mit Feststellungsbescheid zu entscheiden, ob die Voraussetzungen des Abs. 2 erster Satz vorliegen. Ein solcher Antrag, eine gegen dessen Zurück- oder Abweisung erhobene Beschwerde und eine wegen dessen nicht rechtzeitiger Erledigung erhobene Säumnisbeschwerde werden gegenstandslos, sobald über den Antrag auf Einreise gemäß § 35 entschieden ist.“ 2. In der Z 6 [...] wird in § 36a Abs. 5 nach dem Wort „Obliegenheit“ die Wortfolge „und seinem Antrag[...]“ eingefügt. Danke schön.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja nicht das, was da steht! Das hat jetzt aber gar nicht gepasst! Es ist wurscht! Wir haben es eh da liegen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ich bitte um Zustimmung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 13.27 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/59.1 Asylgesetz 2005 (AA-12) Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Dieser Abänderungsantrag ist nun ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Irene Eisenhut .

FPÖ Irene Eisenhut

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier im Saal und zu Hause! Ich möchte als Erstes einmal Kollegen Gödl kurz ansprechen, weil es mich gestern schon geärgert hat, dass so vollmundig verkündet wird, dass unter Innenminister Karner die Zahlen so stark sinken. Dazu Zahlen, die eigentlich für jeden ganz klar verständlich sind: Asylanträge 2022: 112 272; 2024 – weil gerade die Kritik gekommen ist, es sei schon so lange her –: knappe 25 000 …

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Das ist aber schon ein bisschen ...!

FPÖ Irene Eisenhut

… in der Ära des Innenministers Kickl waren das 2018 (Abg. Höfinger [ÖVP] – erheitert –: Ha!): 13 746; 2019: 12 886.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Das ist keine Ära!

FPÖ Irene Eisenhut

… Ich glaube, daran kann man erkennen, wann in Bezug auf Asyl wirklich gute Arbeit geleistet wurde. (👏 FPÖ) Und nun zum heutigen Antrag, der Änderung des Asylgesetzes 2005. Das ist nichts anderes als ein fauler Kompromiss zwischen den Regierungsparteien und ein Etikettenschwindel gegenüber der österreichischen Bevölkerung. (👏 FPÖ) Die darin enthaltene Hemmung bis September 2026 zögert sämtliche Probleme nur hinaus. Es ist keine Lösung und doch zusätzlich mit einer ganz besonderen Serviceleistung verbunden. Diese Serviceleistung wird im neuen § 36a Asylgesetz gleich als Handlungsanweisung für die Antragsteller mitgeliefert, sich auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention zu berufen. Artikel 8 lautet: „Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens“ – und nicht: Recht auf Familienzusammenführung. Ich möchte das heruntergebrochen ganz kurz erklären …

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Nein, bitte nicht!

FPÖ Irene Eisenhut

… und zwar anhand eines Beispiels im Familienbereich ( Ruf bei den Grünen: ... ist das genauso! ): Es gibt eine Familie, die zwei Kinder hat und sich eines Pflegekindes annimmt. Das ist großartig. Jetzt wird die Situation vielleicht ein bisschen schwierig, und finanzielle Schwierigkeiten kommen dazu. Was macht die Familie? – Sie nimmt drei weitere Pflegekinder auf, weil ihr halt die Kinder so sehr leidtun. Jetzt gibt es noch Geschwister von diesen Pflegekindern, und auch diese nimmt die Familie auf, um Gutes zu tun. Jetzt kommt die Familie aber mit der Situation überhaupt nicht mehr zurecht und bittet Freunde, Bekannte, das gesamte Umfeld, sich um die Kinder zu kümmern. Die Schulden werden immer größer, und aus diesem Grund sollen diese Menschen auch noch einen Teil ihres Einkommens solidarisch abgeben. Jetzt frage ich Sie hier im Saal wirklich: Würde das irgendjemand im privaten Bereich so machen? Würde irgendjemand von uns so handeln? …

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Das gibt’s ja auch nicht!

FPÖ Irene Eisenhut

… Jeder würde sagen: Das ist völlig verantwortungslos, wie da gehandelt wird! (👏 FPÖ) Genau so aber agiert diese Regierung. Die ÖVP macht weiter wie bisher, Hauptsache, es gibt eine tolle Schlagzeile. Ich habe es heute in der Früh auf der Fahrt hierher schon im Radio gehört: Der Stopp des Familiennachzuges wird heute beschlossen! …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Ja, das stimmt auch! – Zwischenruf des Abg. Höfinger [ÖVP].

FPÖ Irene Eisenhut

… Das ist mitnichten so. Der SPÖ tun alle leid – wir wollen ja der ganzen Welt helfen –, und die NEOS sind halt auch mit dabei. RN/60.1 Meine sehr geehrten Damen und Herren, diese neue Regelung im Asylrecht ist, wie so vieles, was ich in meinen bisher über 30 Jahren Tätigkeit im Bereich des Innenministeriums kennengelernt habe, ein Für-dumm-Verkaufen der Bevölkerung. (👏 FPÖ) Diese Änderung ist gänzlich ungeeignet, Familiennachzug zu stoppen. Sie ist durch den Verweis auf Artikel 8 EMRK nicht einmal geeignet, ihn zu hemmen, und sie ist schon gar nicht geeignet, Migration und die damit verbundenen Sicherheitsprobleme – auf die sich ja diese Hemmung, die Sie da heute beschließen, eigentlich gründet – zu stoppen. – Danke. (👏 FPÖ) 13.32

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete, für den Ausdruck Dumm-Verkaufen der Bevölkerung erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Für die Wahrheit muss man sich nicht schämen! – Weitere Zwischenrufe und Heiterkeit bei der FPÖ. – Abg. Kickl [FPÖ]: Das ist der Ort der freien Rede!) Nun gelangt Frau Abgeordnete Maria Neumann zu Wort.

FPÖ Michael Schilchegger

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Kollege Gödl, selbstverständlich messen wir Ihre Politik an den Zahlen, und genau deshalb sind wir ja gegen Ihre Politik. (👏 FPÖ) Wie ist denn der Familiennachzug von Fremden derzeit überhaupt geregelt? Ich glaube, es ist wichtig, an dieser Stelle der Debatte auch einmal innezuhalten und zu schauen: Wo stehen wir denn?, damit man in weiterer Folge sehen kann, wo man überhaupt hinwill. Wenn Sie heute als österreichischer Staatsbürger beantragen, dass Ihre Ehefrau mit einer anderen Staatsbürgerschaft hierherziehen kann, damit Sie gemeinsam hier in Österreich mit ihr zusammenleben können, dann müssen Sie mehrere Dinge nachweisen: dass Sie bereits über eine angemessen große Wohnung verfügen, wo Sie gemeinsam leben können, dass keine Leistungen der Sozialhilfe in Anspruch genommen werden, die eine Gebietskörperschaft belasten. ( Ruf bei der FPÖ: Ha, ha! ) Sie müssen nachweisen, dass Ihre Ehefrau auch in Österreich krankenversichert ist, dass Sie keine Scheinehe führen und dass keine kriminellen oder terroristischen Aktivitäten von Ihrer Ehefrau zu erwarten sind. – Das ist geltendes Recht. Sonst gibt es für Sie keinen Familiennachzug und für Ihre Ehefrau auch nicht. Für – und das ist jetzt der Punkt – Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte, also alle, die über die Asylschiene eingewandert sind, gelten diese Voraussetzungen nicht. Recherchieren Sie das gerne selbst nach, zum Beispiel auch auf der Website des Bundeskanzleramts oder auf der des Vereins Asylkoordination Österreich – einer NGO, übrigens gefördert mit Steuergeld von der Stadt Wien –, der die diesbezügliche Rechtslage vollkommen richtig zitiert: „Innerhalb von drei Monaten nach Zuerkennung von Asyl müssen Familienangehörige, die im Ausland geblieben sind, den Antrag bei der österreichischen Botschaft stellen. Wer diese Frist versäumt, muss weitere Voraussetzungen erfüllen, z. B. ausreichendes Einkommen, ortsübliche Wohnung, Krankenversicherung“ und so weiter. – Zitatende. Das ist die aktuelle Gesetzeslage, also jene laut Asylgesetz für die Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigten auf der einen Seite und § 11 Abs. 2 des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes mit den strengen Kriterien für alle anderen. Über diese Zweiklassengesellschaft reden wir also. Und weil Sie jetzt in der Debatte wiederholt immer wieder auf das Menschenrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäß Artikel 8 EMRK hingewiesen haben – und das haben Sie ja auch in Ihrer Gesetzesvorlage als Ausnahmetatbestand erwähnt; ich zitiere: die Hemmung, die Sie haben wollen, „tritt nicht ein, wenn eine Erledigung [...] gemäß Art. 8 EMRK [...] dringend geboten ist“ –, frage ich Sie jetzt eines, meine Damen und Herren: Gibt es also zwei Menschenrechte, die unterschiedlich wirksam sind? Auf der einen Seite haben wir offenbar ein hochwirksames Menschenrecht auf Nachzug von Familie ohne Einschränkungen für Asylzuwanderer, und auf der anderen Seite haben wir ein mehr oder weniger unwirksames Menschenrecht mit massiven Beschränkungen beim Nachzug für Familienmitglieder, wenn es um Österreicher oder Unionsbürger geht. Was ist jetzt mit den Menschenrechten? Gelten die Menschenrechte auf einmal doch nicht universell? Gelten sie doch nicht für alle gleich? – Sie können es nicht erklären, nicht einmal im Rahmen Ihrer eigenen Argumentationslogik. (👏 FPÖ) Aber eines erklärt das schon: Das ist nämlich der wirkliche Grund, warum Sie Anträge gemäß Ihrer Beschlussvorlage nur für ein Jahr hemmen wollen, denn würden Sie die Antragstellung wirklich unbürokratisch stoppen, würden die Asyleinwanderer das von Ihnen geschaffene Privileg nicht mehr nutzen können, weil nämlich dann die gesetzliche Dreimonatsfrist bei späterer Antragstellung bereits abgelaufen wäre. Und wo kämen wir denn dann hin, wenn Privilegien der Asylzuwanderung zugunsten einer systematisch logischen, gerechten und allgemein geltenden Fremdenrechtsordnung ersetzt werden? Das kann es doch nicht sein, das wollen zwar wir Freiheitliche, aber das wollen Sie ganz bestimmt nicht, meine Damen und Herren! (👏 FPÖ) Meine Vorredner von der SPÖ und den NEOS, wenn Sie in Ihren Reden behaupten, wir Freiheitliche hätten überhaupt kein Interesse daran, das Problem selbst zu lösen, dann bitte: Erklären Sie mir, warum Sie am vergangenen Dienstag im Innenausschuss unseren beschlussreifen freiheitlichen Gesetzesantrag zur Umsetzung eines Aslystopps blockiert haben. Und gleichzeitig erlauben Sie Asylanträge von Einwanderern von 1 000 Kilometern entfernten Staaten, für die Österreich als europäischer Binnenstaat ja gar nicht zuständig ist. Es müsste genau umgekehrt sein: Unseren Anträgen müssten Sie zustimmen und diese Anträge von Asyleinwanderern müssten Sie stoppen. (👏 FPÖ) Was sagen eigentlich Institutionen zu Ihrer Gesetzesnovelle? Lesen Sie einmal die Stellungnahmen aus dem Begutachtungsverfahren. Der Verein Asylkoordination Österreich – ich habe es schon erwähnt – und auch die Diakonie Österreich kommen zum selben Ergebnis: Sie nennen das Ganze „verwaltungsverfahrensrechtlich bizarr“. Der Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt ist ein bisschen subtiler. Er sagt: „Eine Überprüfung und Klarstellung wird angeregt.“ ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die Richtervereinigung und auch das Bundesverwaltungsgericht weisen darauf hin: Selbst bei einer vorsichtigen Schätzung ist „mit einer Verdopplung dieser Fallzahlen zu rechnen“.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das ist eine ... Pleite!

FPÖ Michael Schilchegger

… Das heißt, es bringt mindestens 600 zusätzlich besonders aufwendige Verfahren jährlich. Und das bringt die ohnehin schon belasteten Richter und die dortigen Mitarbeiter am Bundesverwaltungsgericht an ihre Kapazitätsgrenzen. Zusammenfassend zeigt also Ihre Beschlussvorlage kein Stoppschild, sondern es ist eine Art Bodenwelle auf der Straße, um die Zuwanderung durch Familienangehörige von Asylwerbern etwas zu verlangsamen. Und wenn man ganz ehrlich ist, ist es auch nicht eine sonderlich effektive Bodenwelle, denn sie ist nur auf einer einzigen Fahrspur angebracht und auf der anderen Fahrspur gilt weiterhin – leider – freie und ungebremste Fahrt für Asylzuwanderung nach Österreich. Und wenn man noch ehrlicher ist, dann ist es eigentlich auch keine fest im Boden verankerte Bodenwelle, sondern mehr eine Art provisorischer Leitkegel, so eine Art orangefarbenes Baustellenhütchen, denn Sie schreiben ja das Ende dieses Unsinns jetzt schon in Ihrem Gesetzestext mit dem 30. September 2026 fest. Also es müssen wirklich sehr böswillige Menschen sein, die zu dem Schluss kommen, dass ein Stopp des Familiennachzugs, wie Sie ihn großspurig angekündigt haben, nicht wirklich als treffende Zusammenfassung Ihrer Beschlussvorlage bezeichnet werden kann. ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Melanie Erasim .

SPÖ Melanie Erasim

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Danke an die FPÖ für den Eingangsapplaus! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Zuseherinnen und Zuseher! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ziemliche Pleite, oder?

SPÖ Melanie Erasim

… Kaum ein Themenbereich löst so viele Emotionen aus wie der Bereich des Asylwesens: von Empathie bis Angst, von unglaublicher Hilfsbereitschaft bis zu großer Unsicherheit. Angesichts dieser Tatsache ist es enorm wichtig, dass wir als Politikerinnen und Politiker sachlich an diese Thematik herangehen. Die Zahl der Anträge auf Familiennachzug ist rückläufig …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wir sind ja da meilenweit voraus! Wir sind ja da meilenweit voraus! – Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ

SPÖ Melanie Erasim

… und hat sich im Jahr 2024 auf 8 200 Anträge belaufen. Sie sehen, werte Zuseherinnen und Zuseher, selbst das Wort sachlich löst große Emotionen in der Fraktion der Freiheitlichen aus. (👏 SPÖ, FPÖ) Also wenn ein Wort schon so viel Angst schüren kann, dann kann die Bevölkerung sehr, sehr froh sein, dass Sie weiterhin auf der Oppositionsbank sitzen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wir sind ja da meilenweit überlegen, Frau Kollegin! Meilenweit!

SPÖ Melanie Erasim

… Bei rund 7 000 Anträgen sind seitens des BFA positive Prognoseentscheidungen abgegeben worden, 62 Prozent der Antragsteller:innen waren Frauen und Mädchen. 89 Prozent davon entfielen auf syrische Staatsangehörige. – So weit die Zahlen, Daten, Fakten. Zusätzlich zu diesen Fakten ist es aber auch Fakt, dass in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft Überforderungen zu verzeichnen sind, wie etwa im Bildungsbereich oder auch im Sozial- und im Gesundheitssystem. Aufbauend auf diese Sachlage, aber auch aufbauend auf die höchst persönlichen Wahrnehmungen, die wir ja alle haben, müssen Lösungen gefunden werden – Lösungen, die fest auf nationalem Recht, aber auch auf Unionsrecht fußen müssen. Und das unterscheidet uns immens von der populistischen Hetzparolenpolitik der Freiheitlichen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Also wer da zuhört bei der Debatte, der weiß, was gespielt wird! Das ist sagenhaft! Da muss man sich ja genieren!

SPÖ Melanie Erasim

… Wie wenig Ihnen an einer wirklichen Lösung von Problemen im Asylbereich liegt, zeigt ja auch Ihr Abstimmungsverhalten: Sie stimmen heute gegen unseren Antrag, sind aber gleichzeitig im Ausschuss für den Antrag der Grünen gewesen, in dem es darum geht, dass die beschlossenen Hemmnisse im Familiennachzug abgelehnt werden. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind Ihnen ja ohnehin nicht ganz so wichtig.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Sie haben jetzt wirklich nicht dem Kollegen Schilchegger zugehört!

SPÖ Melanie Erasim

… Ich musste ja in den vergangenen Regierungsperioden, in denen Sie auch Mitglied in der Regierung waren, mitverfolgen: Unzählige Gesetze sind seitens der Höchstgerichte ausgehoben worden.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wie schafft man so eine Rede? Wie schafft man das?

SPÖ Melanie Erasim

… Da haben Sie gezeigt, dass Sie es ohnehin nicht können.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Am Welser Wesen wird auch die SPÖ irgendwann genesen! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Melanie Erasim

… Würden Sie sich ernsthaft für Lösungen interessieren, wären Sie nie vom Verhandlungstisch aufgestanden. Aber, geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, ich kann Ihnen erklären, warum jede Stimme für Rechtspopulisten eine verlorene Stimme ist, vor allem auch wenn es darum geht, Lösungen im Asylbereich zu erreichen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

34 Prozent, Frau Kollegin! 34 Prozent!

SPÖ Melanie Erasim

… Sie sind keine Löscher, Sie brauchen sich hier nicht als Löscher zu präsentieren. ( Ruf bei der FPÖ: Und Sie sind ..., Frau Kollegin! ) Sie sind Zündler, denn auf der verbrannten Erde, die Sie hinterlassen …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Zündeln und Feuer würde ich nach der Ansprache von einem ... SPÖ-Landesparteiobmann nicht in den Mund nehmen!

SPÖ Melanie Erasim

… genau da gedeihen Ihre Wählerinnen und Wähler und Ihre menschenverachtende Politik, die mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun hat. (👏 SPÖ) In fünf Bundesländern könnten Sie zeigen, wie gelungene Integrationsmaßnahmen funktionieren, aber kein einziger Vorschlag, keine einzige Maßnahme, die auch nur einen kleinen Beitrag dazu leisten würde, dass Integration gelingt, kommt von Ihrer Seite , kein einziger Vorschlag, der den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken würde. Ganz im Gegenteil! Jede verbindende Maßnahme wird bekämpft, damit Ihnen Ihr einziges politisches Thema, die Hetze gegen Minderheiten, nicht ausgeht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ist eigentlich das Wort ...: „Hetze“? Gibt es dafür keinen Ordnungsruf? Für dumm verkaufen darf man nicht sagen, aber Hetze schon?

SPÖ Melanie Erasim

… Sehr geehrte Damen und Herren, ich lade Sie alle ein, diesen Weg weiterhin mit uns zu gehen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Mit euch geht schon keiner mehr den Weg!

SPÖ Melanie Erasim

… Uns sind die Probleme bewusst. Wir handeln auf Grundlage von Rechtsstaatlichkeit. Es ist uns bewusst, dass funktionierende Integration Verhältnismäßigkeit braucht. Dieses Gesetz …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Setzt das Chaos fort!

SPÖ Melanie Erasim

… ist ein erster Schritt in Richtung dieser Verhältnismäßigkeit. Wir schauen nicht weg, nur wir benutzen beim Hinschauen eine Brille …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die rosarote Brille, ja!

SPÖ Melanie Erasim

… die Menschlichkeit, Rechtssicherheit und Sicherheit vereint.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Die Brille gehört einmal geputzt!

SPÖ Melanie Erasim

… Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried . – Sie haben das Wort. Bitte.

NEOS Michael Bernhard

Danke, Frau Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen und geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe ja das große Privileg, dass ich mittlerweile einer der längstdienenden NEOS-Abgeordneten in diesem Haus sein darf, und daher habe ich auch schon unterschiedliche Konstellationen von Bundesregierungen erlebt , von Schwarz-Rot über Schwarz-Blau bis zu Schwarz-Grün. Während all dieser gab es natürlich entsprechende Begutachtungsprozesse von Gesetzesvorhaben und die hatten meistens ein Gemeinsames: Man konnte alles Mögliche bei der Begutachtung einmelden, aber beinahe nichts davon wurde berücksichtigt, weil – und das war sozusagen die politische Annahme in diesem Hohen Haus – schon der Aushandlungsprozess davor so mühsam war, weil sich zwei Parteien etwas ausmachen mussten, sodass man danach das Paket nicht mehr aufmachen wollte. – Das war die politische Realität. Deswegen finde ich es tatsächlich sehr erstaunlich und auch sehr schön, dass es uns jetzt in dieser neuen Konstellation erstmals – zumindest in meiner Erfahrungswelt – gelingt, dass dieser Begutachtungsprozess zu dem wird, wie er auch ursprünglich gedacht worden ist, dass nämlich in diesem Hohen Haus auch Gesetzesvorlagen, die vonseiten der Bundesregierung kommen, tatsächlich einer Begutachtung unterzogen werden und kritische Punkte, so sie nachvollziehbar sind, eingearbeitet werden. Ich möchte da zwei Dinge herausstreichen – ich werde dann auch inhaltlich auf das eingehen, was Kollege Schilchegger von der FPÖ gesagt hat –: Natürlich wäre es jetzt recht leicht und wahrscheinlich auch ein bisschen dreist, zu sagen, in dieser Dreierkoalition sind die NEOS dazugekommen und deswegen ist alles so passiert. – Das sage ich aber sehr bewusst nicht, weil ich glaube, dass es tatsächlich noch ein viel größerer Akt der Stärke ist, wenn man sich als Partei einen Schritt weiterentwickelt und diese Begutachtung stärker als in der Vergangenheit zulässt. Daher möchte ich an dieser Stelle ganz klar zum Ausdruck bringen, dass ich dankbar bin, dass wir gemeinsam in der Dreierkoalition diese Veränderung wahrnehmen und den Begutachtungsprozess im parlamentarischen Sinne deutlich gestärkt haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Inhaltlich wurde schon sehr vieles gesagt, und da gibt es auch viel Berufenere als mich. Ich möchte nur auf einen Punkt eingehen, der selbst für mich als Laie sehr verständlich ist: Kollege Schilchegger von der FPÖ hat unter anderem die Stellungnahmen des Bundesverwaltungsgerichts und der Richtervereinigung genannt und gesagt, er gehe aufgrund dieser kritischen Stellungnahmen davon aus, dass unser Vorhaben ohnehin nicht lange von Bestand ist, dass wir die Verwaltung überlasten werden. Er hat aber einen wesentlichen Teil vergessen, mit hinzuzufügen: nämlich dass wir diese Stellungnahmen berücksichtigt haben. Wir haben ja mit beiden Stellungnahmen tatsächlich gearbeitet, sowohl mit jener der Richtervereinigung wie auch mit jener des Bundesverwaltungsgerichts. Was haben wir denn ganz konkret gemacht? – Wir haben beispielsweise das Thema Informationspflichten in unserem Gesetzesvorhaben entsprechend hervorgehoben, wir haben in die Erläuterungen die eingemahnte Ermittlungspflicht mit aufgenommen, und das Wesentlichste ist, dass wir betreffend den Feststellungsbescheid eine Entscheidungsfrist von acht Wochen mit aufgenommen haben, was dazu führt, dass die Beschwerden gar nicht zum Bundesverwaltungsgericht gehen, sondern bereits davor auf Behördenebene erledigt werden können. Alles in allem: Es wurde inhaltlich viel gesagt. Wir gehen den Weg der Mitte, wir wollen nicht mit Blick auf das Problem laut schreien, sondern wir wollen auch Lösungen liefern. Ich bin als Parlamentarier heute sehr froh und sehr stolz, dass wir nicht nur unsere eigene Meinung hören, sondern auch die anderen, vor allem die kritischen, Meinungen in unseren Gesetzesvorhaben berücksichtigen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Romana Deckenbacher .

ÖVP Romana Deckenbacher

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Wien als Bundeshauptstadt und größter Ballungsraum in Österreich steht im Zentrum der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Familienzusammenführung. Erlauben Sie mir, dass ich als Wiener Abgeordnete besonders die Situation in Wien ein bisschen genauer betrachte, weil es einfach, glaube ich, wichtig ist, noch einmal aufzuzeigen, warum, natürlich auf gesetzlicher Grundlage, der Stopp der Familienzusammenführung ein notwendiger Schritt ist. Wir haben es heute schon gehört: Das Erste ist natürlich die Überlastung unseres Bildungssystems. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit nicht deutscher Alltagssprache an Wiener Pflichtschulen liegt bei 70 Prozent. Wir haben heute schon von einigen Wiener Gemeindebezirken gehört. Mein Wohnbezirk ist davon auch betroffen: Wir haben über 62 Prozent Kinder, die nicht Deutsch können. Ich habe mit einer Elementarpädagogin aus meinem Bezirk gesprochen, die sagt, dass sie in einer Gruppe 16 Herkunftssprachen hat. Das ist grundsätzlich etwas Positives, es bedeutet aber auch große Herausforderungen, sowohl für die Pädagoginnen und Pädagogen als auch für die Kinder, für die wir alle Verantwortung tragen. Das Zweite ist, dass Parallelgesellschaften in einigen Teilen Wiens leider einfach zur Realität gehören. Ich weiß das aus meinem eigenen Umfeld, dass es Unsicherheitszonen vor allem im Bereich von U-Bahn-Stationen, aber auch in Parkanlagen gibt und dass – der Herr Minister hat es heute schon erwähnt – auch die Kriminalität, die Bandenkriminalität in Parkanlagen zunimmt. Fehlendes Verständnis unserer Werte und unseres Rechtssystems erschweren Integration, fördern aber auch kulturelle Abschottung, und ich sage Ihnen ehrlich: Das können wir alle miteinander nicht wollen. Wir haben schon viel gemacht. Zum Unterschied von der FPÖ zeichnen wir uns mit Erfolg durch eine wichtige Maßnahme aus: Wir tun. Wir haben im letzten Jahr durch bereits gesetzte Maßnahmen wie verstärkte DNA-Tests und intensive Dokumentenprüfungen zahlreiche Missbräuche im Familiennachzug aufgedeckt und verhindern können. Dazu zählen Scheinadoptionen, aber auch gefälschte Verwandtschaftsverhältnisse. Das war Fakt. Diese Maßnahmen haben illegale Nachholungen deutlich reduziert und waren notwendige Schritte zum Schutz unseres Systems. Ja, wir bekennen uns klar zu einem vorübergehenden Stopp beziehungsweise zur Begrenzung des Familiennachzugs zum Schutz des Bildungssystems, damit Schulen effizient arbeiten können und Kinder echte Bildungschancen haben. Wir bekennen uns klar zur Entlastung des Sozialsystems, damit Hilfe dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird. Wir bekennen uns klar zur Wahrung von Sicherheit und Ordnung, indem wir kontrollieren, wer zuwandert und unter welchen Bedingungen, denn Integration beginnt nicht allein mit dem Flugticket nach Wien, sondern mit Deutschkenntnissen, Arbeitsbereitschaft und Respekt vor unseren Werten. Eine funktionierende Gesellschaft braucht Regeln, braucht Grenzen, braucht klare Orientierung. Unser soziales Österreich soll weiterhin für alle, die hier leben und sich einbringen wollen, funktionieren. Dafür stehen wir als Österreichische Volkspartei, dafür steht unsere Bundesregierung. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Robert Laimer zu Wort. – Bitte.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Frau Präsidentin! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren, die unsere Sitzung verfolgen! Wir müssen der Realität ins Auge blicken: Unser Land – und auch Europa – ist an einem Punkt angekommen, an dem Zuwanderung neu gedacht wird. In den letzten Jahren sind Hunderttausende Menschen nach Österreich gekommen. Unsere Schulen, unsere Spitäler, das dortige Personal, unsere Wohnraumsituation, sie alle geraten an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Wir haben eine Dreiviertelmillion mehr Einwohner in Österreich als noch vor zehn Jahren. – So viel zum Thema Personalnot. Und nicht zuletzt spüren wir alle: Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird brüchiger, er bekommt Risse. Meine Damen und Herren! Ich stehe hier als Sozialdemokrat, und Solidarität liegt in unserer DNA. Solidarität funktioniert aber dann am besten, wenn sie auf einem Fundament der Gerechtigkeit aufbaut. Gerechtigkeit bedeutet gerade auch Verantwortung gegenüber jenen, die hier leben, die hier arbeiten, die hier ihre Kinder erziehen und die dieses Land täglich am Laufen halten.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wieso lebts ihr diese Gerechtigkeit dann nicht?!

SPÖ Robert Laimer

… Diese Menschen erwarten sich zu Recht, dass die Politik bei Problemen nicht wegschaut, sondern handelt. Wir beschließen die temporäre Aussetzung des Familiennachzuges nicht aus Hartherzigkeit, sondern aus Notwendigkeit – weil Integration nur dann funktioniert, wenn die Verhältnismäßigkeit stimmt. Ziel muss es bleiben, dass Menschen, die bei uns Schutz finden, auch mit ihren Familien leben, aber der Weg dorthin muss auch gestaltet werden können. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich eine Gesellschaft überfordert fühlt. Es geht um Verhältnismäßigkeit, es geht um das Maß. Es geht darum, dass wir jenen helfen, die hier sind und die wir mit Chancen und Zuversicht in unsere Gesellschaft aufnehmen können. Integration vor Zuzug ist eine sozialdemokratische Losung.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Das war mal eine freiheitliche Losung!

SPÖ Robert Laimer

… Es ist keine Überschrift. Es ist eine Notwendigkeit, wenn wir den sozialen Frieden auch nachhaltig absichern wollen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das sagen die Willkommensklatscher!

SPÖ Robert Laimer

… Und ja, diese Entscheidung ist durchaus hart, aber sie ist notwendig. Eine Gesellschaft, die überfordert wird, wird keine offene Gesellschaft bleiben können. Eine überforderte Gesellschaft verschließt sich, sie verengt sich. Wer das übersieht, riskiert, dass sich die Risse vertiefen. Ich sage Ihnen ganz offen, ich will keinen Kulturkampf in Österreich …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

... schon!

SPÖ Robert Laimer

… keine Ghettos, keine Hoffnungslosigkeit. Ich will ein Österreich, in dem Integration gelingt, weil wir Integration gestalten können, ja gestalten müssen. Ich will, dass zugewanderte Kinder integriert in Österreich aufwachsen und ein Teil, ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind. Die Aussetzung des Familiennachzuges schafft die Möglichkeit, den Fristenlauf für Einreiseanträge im Familiennachzug temporär zu hemmen – so wie jetzt, wenn staatliche Systeme an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Aus integrationspolitischer Sicht ist das entscheidend. Nur so kann verhindert werden, dass der Zuzug bestehende Integrationsstrukturen überfordert und Neuankommende gegenüber hier lebenden Schutzberechtigten benachteiligt werden. Integration gelingt nicht im Überlastungsmodus. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, muss ihn auch absichern, und das bedeutet, Überforderung zu verhindern – ein wichtiges Signal auch gegenüber der EU. Wir müssen nicht allen gefallen, aber wir müssen für alle da sein.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Müssen für Österreich da sein!

SPÖ Robert Laimer

… Das ist unsere Verantwortung, und unserer Verantwortung, mit Maß und Ziel in sozialdemokratischer Haltung den sozialen Frieden abzusichern, stellen wir uns. Zu guter Letzt: Wenn es den Grünen zu viel und den Blauen zu wenig ist, dann liegen wir genau richtig, nämlich in der gesellschaftlichen Mitte. – Danke.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wenn das alles ist, was ihr brauchts, können wir uns das ja ausmachen mit den Grünen!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Klubobmann Herbert Kickl zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Klubobmann. (Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Das ist ein komischer moralischer Kompass!)

FPÖ Herbert Kickl

Danke schön, Frau Präsidentin! Meine Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Wer ist das da vorne? Den habe ich noch nie gesehen!

FPÖ Herbert Kickl

… Der Redebeitrag des Kollegen Laimer und sein Abschluss veranlassen mich dazu, mit einem bekannten Spruch zu antworten: In Gefahr und in der Not ist der Mittelweg der Tod. (👏 FPÖ) Ich habe mich deshalb noch einmal zu Wort gemeldet, weil wir jetzt in diesen Redebeiträgen vonseiten der Einheitspartei – der Regierungspartei und ihrer grünen Sekundanten – gehört haben, dass es da eine exklusive Zuständigkeit darin gibt, Probleme in diesem Land zu lösen. Nun, ein Blick auf die Geschichte und auf die Geschichte der letzten Jahre zeigt uns, dass das Gegenteil der Fall ist: Sie haben keinerlei Kompetenz, wenn es darum geht, Probleme zu lösen. Sie sind aber höchst kompetent, wenn es darum geht, Probleme zu erzeugen, Probleme für die österreichische Bevölkerung. Und Sie sind genauso kompetent, wenn es darum geht, die eigene Bevölkerung hinters Licht zu führen und über den wahren Sachverhalt zu täuschen – und der heutige Tag und dieser Beschluss sind keine Ausnahme. (👏 FPÖ) Wir können ja gleich beim Thema bleiben und eine kurze Rückblende auf das Jahr 2015 geben. Was haben Sie denn der österreichischen Bevölkerung damals angesichts des Grenzsturms erzählt? Was haben Sie denn den Menschen erzählt, die dort gesehen haben, wie Polizisten hilflos an der Grenze gestanden und von einem Massenansturm überrollt worden sind, während die österreichische Regierung – damals eine rot-schwarze Konstellation, so wie heute, unter umgekehrten Vorzeichen – die weiße Fahne hinausgehängt hat? Was haben Sie den Leuten erzählt? – Nicht die Wahrheit. Sie haben die Menschen getäuscht. Sie haben ihnen gesagt, das Wahre, Gute und Schöne kommt da über unsere Grenzen. Es kommen Facharbeiter. Es kommen diejenigen Leute, die unser soziales Sicherungssystem in Zukunft garantieren und absichern werden. – Das waren die Erklärungsmuster, die wir von Ihnen gehört haben, aber das ist nicht das, was Tatsache ist. (👏 FPÖ) Sie haben die Menschen getäuscht, ein paar Jahre später im Zusammenhang mit Corona, indem Sie ihnen eingeredet haben, dass Sie die beste aller möglichen Politiken machen, um Not und gesundheitlichen Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. Bis zuletzt haben Sie das behauptet und bis heute sind Sie stolz auf Ihre Leistung, die Österreich viel, viel schlechter dastehen lässt als viele, viele andere Länder, die auf Ihre Repressalien verzichtet haben. Auch da haben Sie die Menschen getäuscht. (👏 FPÖ) Rücken wir ein bisschen näher in Richtung Gegenwart: Sie haben die Menschen im Zusammenhang mit dem österreichischen Budget getäuscht – ja, selbstverständlich. Einen kleinen Schnupfen haben wir, haben wir vor der Wahl gehört, alles in bester Ordnung. Die Deutschen mögen eine Grippe haben, bei uns ist es ein Schnupfen, das kuriert sich alles von selber aus. Macht euch keine Sorgen, das Budget ist in bester Ordnung! – Das nächste große Täuschungsmanöver, und die Menschen wissen das. Sie haben die Bevölkerung im Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung dieses Landes getäuscht, als Sie gesagt haben: Keine Rede von einer Wirtschaftskrise, keine Rede von einem negativen Wachstum! – In der Zwischenzeit wissen wir, dass wir das dritte Jahr in Folge immer ärmer werden – die nächste Täuschung, eine ärger als die andere. Und jetzt schließt sich der Kreis zu 2015 wieder und jetzt sind wir bei der nächsten Täuschung, beim sogenannten Stopp des Familiennachzugs. – Sie montieren an der Vordertür ein großes Schild, wo draufsteht: Geschlossen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da sind Sie Experte bei den Schildern! – Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP.

FPÖ Herbert Kickl

… Das kann man aus einer gewissen Distanz lesen, und wenn man dann näher hingeht und sich dieses Taferl anschaut , dann sieht man, dass dort druntersteht: vorübergehend bis zum 30.9.2026. Und wenn man noch genauer hinschaut, dann findet man die Umleitungstaferln auf die Rückseite des Gebäudes.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Ich glaube, mit Taferln haben Sie ... ! ... ein paar falsche Taferln irgendwo aufgehängt haben! Der Taferlexperte! Der Taferlkanzler!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist dann die berühmte Ausnahme mit dem Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention. (👏 FPÖ) Das ist das sogenannte Recht auf Familienzusammenführung. Also: Die Familienzusammenführung wird ausgesetzt, außer jemand beruft sich auf das Recht auf Familienzusammenführung, nicht?! ( Ruf bei den NEOS: Nein! ) Das ist die Kurzfassung dieses Gesetzes. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Ja was ist denn der Sinn der Familienzusammenführung, wenn nicht die Inanspruchnahme des angeblichen Rechts auf Familienzusammenführung? Das finde ich ja spannend.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wie war denn das mit den Spesen vom Herrn Strache eigentlich? Wie haben S denn das als Generalsekretär gemacht? Das täte mich interessieren!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist ein besonders dreistes Täuschungsmanöver. Jetzt sage ich Ihnen noch etwas dazu: Dieser Artikel 8 der Menschenrechtskonvention, das ist auch so eine Sache, da geht es um das Recht auf Familienleben. Das ist etwas, was uns allen sehr wichtig ist.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

So wie die Kindermädchen, die ihr zahlts auf Staatskosten!

FPÖ Herbert Kickl

… Das war Ihnen vollkommen wurscht bei Corona, das ist Ihnen wurscht, wenn es um die Frühsexualisierung der Kinder geht. Da ist Ihnen das alles egal, aber wenn es darum geht, einen Artikel zum Menschenrechtsschutz, der im Grunde genommen darauf angelegt ist, unsere Familien vor einer übergriffigen Obrigkeit – wie zum Beispiel einem Staat in Coronazeiten – zu schützen, wenn es darum geht, das durch eine Richterclique auf europäischer Ebene dahin gehend auszuweiten, dass man es zu einem Recht auf Familiennachzug von überall her aus dieser Welt pervertiert, dann sind Sie mit dabei. Das hat mit Menschenrechten nichts zu tun, das ist eine Pervertierung davon. (👏 FPÖ) Zweiter Punkt: Sie reden von einer Überforderung, ja von einer Überbelastung der Systeme.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Überfordert ist vor allem der Innenminister!

FPÖ Herbert Kickl

… Da gebe ich Ihnen sogar recht: eine Überbelastung im Bereich der Verwaltung, im Bereich der Gerichte, im Bereich des Gesundheitssystems, im Bereich der Bildung, natürlich auch im Bereich der Sicherheit. – Ja, selbstverständlich! Wenn es aber eine Überbelastung gibt, dann ist das doch eine Frage der Zahl! Die Überbelastung hängt damit zusammen, dass die Zahl zu groß ist. Wenn die Zahl der Fremden, die in dieses Land kommen, zu groß ist, dann dürfen Sie nicht nur an einer Stellschraube drehen, sondern dann müssen Sie an allen Stellschrauben drehen, die Sie drehen können, um diese Zahlen zu reduzieren. Jetzt bin ich bei dem, was wir haben wollen. Das bedeutet dann nämlich: keinen neuen Asylantrag annehmen, weil wir von sicheren Staaten umgeben sind. So einfach ist das. Das ist vollkommen kompatibel mit dem international geltenden Recht. Das ist die Quote null, von der wir reden. Das Zweite, was ganz, ganz wichtig ist: keinen Übergang zur Staatsbürgerschaft. – Ja, selbstverständlich! Sie von der ÖVP waren doch immer diejenigen, die gesagt haben, wir müssen ganz streng zwischen Asyl und Zuwanderung trennen. Heute wurde das in allen Redebeiträgen vonseiten der SPÖ, die sich dieses Gesetz schönredet, miteinander vermischt und de facto gleichgesetzt. Was ist jetzt, liebe ÖVP, mit diesem Grundbekenntnis dazu, dass Asyl und Zuwanderung getrennt werden müssen? ( Ruf bei der FPÖ: Da seids ruhig! ) Ich verstehe Sie nicht.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Sie waren ja nicht einmal im Raum die gesamte Debatte über!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich verstehe Sie im Übrigen auch nicht im Zusammenhang mit Ihrer Politik, was die Ukraineflüchtlinge betrifft. Sie sind uns die Antwort auf diese Frage immer noch schuldig: Was sind denn die jungen Männer aus der Ukraine jetzt: Sind das Flüchtlinge oder Wehrdienstverweigerer? Was sind diese Herren: Sind sie anerkannte Flüchtlinge, die aus einer Notsituation heraus bei uns Schutz suchen, oder sind sie Leute, die den Kampf mit der Waffe zur Verteidigung der Werte des Westens verweigern? …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das sind Frauen und Kinder ...!

FPÖ Herbert Kickl

… Was ist es? – Nicht einmal das können Sie beantworten! (👏 FPÖ) An noch einer weiteren Stellschraube wollen Sie nicht drehen, nämlich am Kappen des Zugangs zur Mindestsicherung. Wenn das stimmt, was die ÖVP immer behauptet hat, dass es keine Zuwanderung ins Sozialsystem geben darf, dann gibt es nur eine logische Konsequenz; dann heißt das, den Zugang für Zuwanderer zu Sozialleistungen zu kappen – ganz einfach. Alle anderen, die kommen, kommen, um zu arbeiten; das sind die, die wir brauchen. Die erwerben sich aber über ihre Arbeit Anspruch auf Versicherungsleistungen und die sind nicht unser Problem. Also wenn Sie an den Stellschrauben drehen wollen, dann müssen Sie auch den Zugang für Asylanten, was die Mindestsicherung betrifft, kappen. (👏 FPÖ) Dritter Punkt: die Rechtsstaatlichkeit. Alles, was wir Freiheitliche wollen, ist gegen den Rechtsstaat gerichtet. – Ich darf Sie erinnern, meine Herren und Damen von der SPÖ, dass Sie da mit einer Partei in Koalition sind, deren Klubobmann vor Kurzem noch eine Überarbeitung der Genfer Konvention oder der Menschenrechtskonvention wollte. Das Gleiche gilt für die künftige Salzburger Landeshauptfrau – nur zur Erinnerung. RN/69.1 Ich sage Ihnen aber noch etwas dazu: Wollen Sie mit der Behauptung, dass unsere Forderungen mit Rechtsstaatlichkeit nicht kompatibel sind, sagen, dass Australien kein Rechtsstaat ist? Wollen Sie das damit sagen? Wollen Sie damit sagen, dass Dänemark kein Rechtsstaat ist? Die Dänen sagen nämlich ganz offen, sie bekennen sich zu einer Quote null und werden keine Ruhe geben, bevor sie diese Quote null erreicht haben. Wollen Sie damit sagen, dass Holland möglicherweise kein Rechtsstaat ist, weil die Holländer sich auf europäischer Ebene darum bemühen, aus diesem irrsinnigen europäischen Asylsystem auszusteigen? …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das heißt Niederlande! Weiß nicht einmal, wie das Land heißt!

FPÖ Herbert Kickl

… Wollen Sie damit vielleicht sagen, dass die Briten, denen Sie jetzt seit der Ukrainegeschichte hinterherrennen wie ein kleines Hündchen seinem Herrn, dass diejenigen, die den Brexit betrieben haben, weil sie Herren im eigenen Haus sein wollten, unter anderem in der Asylfrage ( Ruf bei der ÖVP: Gescheitert sind! ), auch keinen Rechtsstaat haben? – Also hören Sie doch bitte mit diesem dummen Nichtargument auf. (👏 FPÖ) Wenn wir von Rechtsstaatlichkeit reden, gleich noch etwas: Was ist denn eigentlich das Fundament der Rechtsstaatlichkeit? Was ist das Fundament der Rechtsstaatlichkeit? – Die Verfassung ist das Fundament der Rechtsstaatlichkeit. Gut. Jetzt gebe ich Ihnen einen Tipp. Diejenigen Herrschaften, allen voran ein gewisser Herr Kelsen, der diese Verfassung konzipiert hat, auf die Sie sich immer berufen, haben eines ganz zentral mitgedacht: Die wesentlichen Teile dieser Verfassung, die allerheikelsten Probleme, können von wem gelöst und geändert werden? Von wem? – Vom Souverän, vom Volk, genau ( Ruf: Und Sie glauben, dass Sie der Souverän sind?! ), von derjenigen Instanz, die wir respektieren und vor der Sie offenbar ganz, ganz panische Angst haben. Ich gebe Ihnen einen Tipp – dann sind Sie vollkommen kompatibel mit der Rechtsstaatlichkeit ist gleich mit unserer Verfassung –: Fragen Sie einfach die österreichische Bevölkerung, was sie haben will, ob sie eine Asylquote null haben will oder nicht! Lassen Sie den Souverän abstimmen und Sie werden die Antwort bekommen! (👏 FPÖ) Die Menschen wissen nämlich eines ganz genau: Das Problem ist ganz einfach zu lösen. Es gibt keine Überforderung im Bildungssystem, im Gesundheitssystem, für die Verwaltung und auch nicht im Bereich der Sicherheit, beginnend bei Belästigungen im Traiskirchner Schwimmbad bis hin zu Terroranschlägen oder Mordattacken à la Villach. Es gäbe diese ganzen Probleme nicht, wenn diese Leute nicht im Land wären. – So einfach, so logisch ist das. (👏 FPÖ) Also erwartet man sich, dass sich eine Regierung auf die Hinterfüße stellt und alle Hebel in Bewegung setzt, um genau diesen Zustand zu bewirken, weil Hüten besser ist als Heilen. Wenn wir das gemacht haben, dann kümmern wir uns in weiterer Folge um die Frage: Wie gehen wir mit denjenigen um, die schon hier sind und die eigentlich kein Recht darauf haben, sich in unserem Land aufzuhalten? Das ist aber erst die zweitbeste Lösung, denn Sie wissen genauso gut wie ich, Herr Minister – Sie haben ja die Anfragen beantwortet –, dass es de facto ein Vermögen kostet, Leute außer Landes zu bringen. Wir zahlen Unsummen dafür, um zum Beispiel 22 Leute in den Irak – nach Hause – zu bringen. Das kostet uns Hunderttausende Euro. Bei einzelnen Abschiebungen – zwei Personen nach Südamerika – sind wir bei 40 000, 50 000, 60 000 Euro. Finden Sie nicht, dass es schade um das Geld ist, angesichts Ihres budgetären Zustands? Es muss doch in Ihrem eigenen Interesse sein, sich dieses Geld dadurch zu sparen, dass wir verhindern, dass die Menschen, die bei uns nichts verloren haben, überhaupt ins Land kommen. (👏 FPÖ) Das hat nichts mit Unmenschlichkeit zu tun – nichts! –, das hat nur mit der Frage der Zuständigkeit zu tun. Österreich hat eine gute Tradition, was die humanitäre Hilfe betrifft, aber sie betrifft unseren eigenen Kontinent: Sie betrifft unsere Nachbarschaft, Sie betrifft unsere erweiterte Nachbarschaft. Es gibt aber keine Zuständigkeit Österreichs für Syrien und Afghanistan. Da sind andere Regionen auf dieser Welt zuständig, alle – ganz nebenbei – dort in der Region stinkreich durch Erdöl. Die können sich das locker leisten, die haben keine solchen Budgetlöcher wie Sie. (👏 FPÖ) Jetzt noch etwas, weil Sie Ungarn angesprochen haben – die bösen, bösen Ungarn –: Das verstehe ich ja von einem Burgenländer überhaupt gar nicht. Sie müssten ja eigentlich um gute nachbarschaftliche Kontakte bemüht sein, das wäre ja eigentlich angebracht. Bei Viktor Orbán ist es aber immer so: Alle reden über ihn, aber keiner redet mit ihm. ( Rufe bei der SPÖ: Ist das keiner? Dein Freund ist das! ) Das ist ein bisschen das Problem.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Wir nehmen zur Kenntnis: Herr Rosenkranz ist keiner für den Herrn Kickl!

FPÖ Herbert Kickl

… Vielleicht sollten Sie sich einmal mit ihm zusammensetzen, da könnten Sie im Zusammenhang mit Asyl- und Migrationspolitik einiges – einiges! – lernen. Das, was Sie ihm vorwerfen, ist nämlich die Anwendung von geltendem europäischen Recht. Er ist nämlich derjenige, der die Dublinverordnung anwendet. Wenn Sie Viktor Orbán fragen, warum er die Leute nicht in sein Asylsystem hineinlässt, dann sagt er: Das ist ganz einfach: weil sie aus EU-Ländern kommen! – Sie kommen aus Rumänien, sie kommen aus Bulgarien oder sie kommen aus Griechenland …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Deswegen schickt er sie nach Österreich weiter?!

FPÖ Herbert Kickl

… und damit liegt die Zuständigkeit für diese Leute nicht in Budapest und nicht in Ungarn, sondern in Athen oder in Rumänien, in Bulgarien, in der Slowakei oder wie auch immer. Das ist die eine Komponente …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Was ist die zweite? Was ist die zweite?

FPÖ Herbert Kickl

… der ungarischen Grenzen – nicht kritisieren, sondern genauso machen! (👏 FPÖ) Dann gibt es einen zweiten Teil der ungarischen Grenze, das ist der, wo Ungarn Außengrenze der Europäischen Union ist, gegenüber Serbien. Was hat Viktor Orbán dort gemacht? – Einen Zaun hat er gemacht und Transitzonen hat er gemacht. Er hat damit das gemacht, was die Europäische Union ankündigt, machen zu wollen, weil es gescheit und vernünftig ist, nämlich die EU-Außengrenzen zu schützen. Er war also in gewisser Weise seiner Zeit voraus, weil dieser Grenzschutz ja jetzt im von Ihnen verabsolutierten EU-Asyl-und-Migrationspakt drinnen steht. Er hat das getan. Was war die Konsequenz der Europäischen Union? – Die Konsequenz der Europäischen Union war nicht, dass man gesagt hat: Sehr gut, lieber Viktor Orbán, so gehört es gemacht, wir unterstützen dich dabei!, sondern Ungarn muss jetzt Milliardenstrafen dafür zahlen , dass es die Außengrenzen der Europäischen Union schützt, so wie die Europäische Union selber sagt, dass sie geschützt werden müssen. Das muss einmal irgendjemand verstehen, logisch ist das nicht! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

So ein Zeitdieb!

FPÖ Herbert Kickl

… Also: Es ist im Grunde genommen ganz einfach. Sie brauchen sich auch gar nicht für Ihre sinkenden Asylzahlen auf die Schultern zu klopfen, wenn Sie im gleichen Atemzug dem Asyl- und Migrationspakt der Europäischen Union zustimmen, der als zentrales Element was drinnen hat? Was denn? – Die Verteilung von Asylwerbern quer über den Kontinent, wenn anderswo die Belastung groß ist. RN/69.2 Das ist ja das Nächste: Jetzt kämpfen wir dann darum, mit unseren Möglichkeiten die Asylzahlen nach unten zu bringen, andere lassen aber einen Schlendrian zu und dann kommen die über einen anderen Eingang herein und werden erst recht wieder nach Österreich verteilt.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Sei net so nervös!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist doch hirnrissig – das ist doch hirnrissig! Wir brauchen etwas ganz anderes, wir brauchen ein Ende dieser Flickschusterei, wir brauchen ein Ende dieser Reparaturmentalität …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Enttäuschend!

FPÖ Herbert Kickl

… wir müssen das Problem bei der Wurzel packen, das ist der Punkt. Das wird so funktionieren: indem wir eine Festung Ungarn, eine Festung Österreich, eine Festung Slowakei, eine Festung Holland, eine Festung Deutschland haben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Bau dir eine Lego-Festung!

FPÖ Herbert Kickl

… Dann wird es ein Umdenken geben. Dann wird es ein Umdenken auf europäischer Ebene geben und dann wird Europa zu der Festung werden, die es sein soll, um dem gerecht zu werden, was die Menschen sich von Europa und von ihren Regierungen erwarten. Alles andere ist eine Augenauswischerei. 14.20

PräsidiumDoris Bures

Herr Klubobmann Kickl, es ist Ihnen unbenommen, in der Debatte Argumente zu teilen oder nicht zu teilen. Herabwürdigungen von anderen Argumenten ziehen einen Ordnungsruf nach sich, wie die Aussagen, es sei ein dummes Nichtargument und „hirnrissig“. Daher erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf. Sie können das im Protokoll nachlesen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Für Frau Abgeordnete Belakowitsch wiederhole ich es jetzt gerne: Herr Klubobmann Kickl, es ist Ihnen unbenommen, während parlamentarischer Debatten die Argumente der Kolleginnen und Kollegen zu teilen oder auch nicht zu teilen. (Abg. Kickl [FPÖ]: Danke! – Ruf bei der FPÖ: Gott sei Dank! ) Was nicht geht, ist, sie herabzuwürdigen, weil das einen Ordnungsruf nach sich zieht. (Abg. Stefan [FPÖ]: Und wir dürfen Hetzer genannt werden?!) Deshalb erteile ich Ihnen für die Ausdrücke „hirnrissig“ und dummes Nichtargument einen Ordnungsruf. Jetzt haben Sie es auch. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Herr Abgeordneter Bernhard Herzog , Sie gelangen zu Wort. ( Rufe bei der FPÖ: Na, Geschäftsordnung! He! Unglaublich! Frau Präsidentin! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wenn Sie doch immer so aufmerksam wären!)

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer! Das Thema Familiennachzug ist ein sensibles, es ist kein Schwarz-Weiß-Thema: Es berührt rechtliche, soziale, bildungspolitische Fragen und vor allem menschliche Schicksale. Als Sozialdemokrat stehe ich für einen Zugang, der Menschlichkeit mit Ordnung verbindet (👏 SPÖ, NEOS), für einen Zugang, der die Realität anerkennt und die Verantwortung des Staates ernst nimmt. Meine Heimatstadt Wien und viele andere Städte in Österreich, urbane Zentren, sind durch die Familienzusammenführungen ganz besonders gefordert worden. Rund 80 Prozent der Menschen, die durch Familiennachzug nach Österreich gekommen sind, leben in Wien. Seit 2022 verzeichnen die Volksschulen jährlich rund 4 000 zusätzliche Kinder, viele davon mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Die Stadt Wien hat aber umfassend und sehr engagiert darauf reagiert: Es wurden neue Schulplätze geschaffen, neue Kindergartengruppen und zusätzliche mobile Klassenräume eingerichtet. Integration in so kurzer Zeit ist aber eine Herausforderung für die Kinder, für die Lehrkräfte, für das gesamte System. Diese hohe Anzahl an relativ zeitnahen Familiennachzügen ist schwierig zu stemmen und führt wirklich zu Ausnahmesituationen, die dann auch für niemanden gut sind. Ich sehe jetzt in diesem zu beschließenden Gesetz einen guten Zugang, diesen Familiennachzug zu staffeln, sodass wir Kindern und Familien helfen, sich besser zu integrieren, dass die Kinder besser eingeschult werden können, dass ordentlich Deutsch gelernt werden kann. Mit dem heutigen Beschluss ziehen wir eine Lehre aus der Vergangenheit, wir schaffen ein Werkzeug für die Zukunft, das auch sogleich seine Wirkung entfalten kann. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist auch keine Anlassgesetzgebung, denn die Zahlen sind ja aktuell sogar rückläufig und niedrig, sondern wir beugen einer außergewöhnlichen Ballung in Bezug auf Familiennachzug vor, denn der Staat braucht die Möglichkeit, gesteuert und rechtskonform zu reagieren. Österreich ist ein hilfsbereites Land, wir haben geholfen und wir helfen weiterhin. Wir müssen aber alle einen Beitrag leisten, Österreich kann nicht jedes Jahr an die Grenzen gehen, während andere sich aus der Verantwortung stehlen. Da blicke ich sehr, sehr bewusst nach Ungarn. Und weil ja in der FPÖ die großen Ungarnfreundinnen und -freunde sind: Ich habe bei meinen vielen Gesprächen, die ich mit vielen Wienerinnen und Wienern geführt habe, noch niemanden erlebt, der gesagt hat: Ungarn, genau so wie die Ungarn müssen wir es machen! (👏 SPÖ) – Das habe ich nicht erlebt. Da seid ihr also, glaube ich, auf einem Irrweg. Die Freiheitlichen fordern ja auch den Austritt aus dem EU-Asylpakt. Das passt ein bisschen zu euren Ideen – Herr Kickl hat das ja auch ausgeführt –, ihr verräumt ja nur zu gerne die Europafahne. Jeder, mit dem ich spreche, gibt mir da aber zu 100 Prozent recht und das ist eine Wahrheit: Wir werden es nicht mit weniger internationaler Zusammenarbeit schaffen, dieses große Problemfeld der Migration zu lösen, sondern wir brauchen mehr Zusammenarbeit, mehr Europa, mehr europäische Zusammenarbeit. (👏 ÖVP, SPÖ) Es ist ja spannend, hier nach Herrn Kickl zu reden. Schön, Sie hier auch einmal zu sehen, denn viel sieht man Sie ja am Stephansplatz, aber hier während der letzten Sitzungen wenig.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Magst ein Autogramm?

SPÖ Bernhard Herzog

… Mich würde interessieren, wie es Ihnen dabei geht, wenn Sie auf diesen Platz neben mir schauen – Bundeskanzler steht da –, denn da könnten Sie sitzen. Das Ganze ist aber ein bisschen traurig, denn durch dieses Reinschreien von der Seite werden Sie ewig in der Opposition bleiben. ( Ruf bei der FPÖ: Den Babler haben wir schon tagelang nicht mehr gesehen! ) Eine wenig konstruktive Art, das ist Ihre Art von Politik, die aber nur zu einem führt: dass Sie ständig von der Seite traurig zuschauen werden. Diese Art von Politik führt zu nichts. Die SPÖ hat da einen anderen Zugang, einen realistischen Zugang …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die SPÖ: „Mache alles, öffne nackt“! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

SPÖ Bernhard Herzog

… Wir sehen die Belastung, aber wir sehen auch die betroffenen Menschen und ihre Schicksale. Wir verlangen Ordnung, aber wir verteidigen auch die Menschlichkeit. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ) 14.27

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Innenminister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe mir jetzt diese Debatte angehört und ich musste mich einfach zu Wort melden. Ich finde es unverantwortlich – ich finde es unverantwortlich! –, dass hier auf dem Rücken der Kinder und der Familien Politik gemacht wird (👏), dass vor dem Hintergrund der Wienwahl die ÖVP glaubt, mit dieser Showpolitik der FPÖ das Wasser abgraben zu können. Das ist unverantwortlich. (👏) Warum ist das Showpolitik? – Es ist Showpolitik, weil sich damit und mit diesem Gesetz, das wir heute beschließen, nichts ändern wird. Wir reden die ganze Zeit davon – ich habe mir das angehört: die ganze Zeit reden wir davon! –, dass das Bildungssystem überfordert ist, dass der Bildungsnotstand ausgerufen werden musste. Glauben Sie mir, ich bin Wienerin, ich sehe das: Ich sehe überforderte Lehrerinnen und Lehrer; ich sehe, dass die Schulen unzureichend Unterstützung haben; ich sehe Kinderpädagoginnen und -pädagogen, die überfordert sind; ich sehe ein überfordertes Bildungssystem.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber?

GRÜNE Alma Zadić

… Warum wurde nichts gemacht? Warum wurde in Wien vom Bildungsstadtrat, der für Bildung und Integration zuständig ist, in diesem Bereich nichts gemacht? (👏) Wir haben die Daten. Wir wissen, dass 2015 viele Menschen nach Österreich gekommen sind. Wir wissen auch, dass einige von ihnen ihre Familie nachholen werden. Warum wurde nichts gemacht? – Sehenden Auges reitet man in ein Bildungsversagen. Gerade die NEOS wissen ganz genau, was es braucht. – Ich habe mir eure Forderungen angehört. Ich weiß ganz genau, dass ihr vor zehn Jahren genau die richtigen Maßnahmen gefordert habt: Es braucht mehr Lehrer:innen, es braucht mehr Pädagog:innen, Sozialarbeiter:innen, Personen, die den Kindern Deutsch beibringen. Das habt ihr gefordert. Fünf Jahre lang hattet ihr in Wien die Verantwortung für genau diesen Bereich …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Und ihr im Bund!

GRÜNE Alma Zadić

… und nichts ist passiert. Nichts ist passiert! (👏) Was macht man jetzt, um davon abzulenken? – Um von diesem Bildungsversagen abzulenken, macht ihr NEOS jetzt bei dem Gesetz mit – und die SPÖ genauso. Ihr geht bei einem Gesetz mit, das grundrechtlich und verfassungsrechtlich schlicht und ergreifend, um es schön zu sagen, bedenklich ist. Es wird genauso aufgehoben werden wie die Indexierung der Familienbeihilfe, weil es schlicht und ergreifend nicht verfassungsrechtlich korrekt ist. (👏) Ich glaube, Sie verstehen nicht, was Sie mit diesem Gesetz machen. Es macht mich fassungslos, weil es reiner Populismus ist. Mit dieser generellen und allgemeinen Aussetzung der Familienzusammenführung machen Sie genau eines: Sie ändern nichts am Bildungsversagen, sondern ganz im Gegenteil, Sie zerstören Familien! (👏) Es macht mich fassungslos und wütend, dass ich einen afghanischen Vater trösten muss, der seit einigen Jahren hier hart arbeitet, um genug Geld zu verdienen, damit er seine Frau und seine zwei Kinder nachholen kann, der jedes Jahr aufs Neue zittern muss, weil er im Unsicheren ist, ob er jemals wieder mit seiner Familie zusammenleben können wird. Es macht mich fassungslos, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, dass wir so unsere Werte über Bord werfen. Es macht mich wütend, denn hätten wir 1994 – und damals hatten wir genau die gleichen Probleme; ich weiß es, weil ich im 15. Bezirk an einer Brennpunktschule war, wo viele Kinder nicht Deutsch gesprochen haben – die Familienzusammenführung ausgesetzt, würde ich heute hier nicht stehen! (👏) Die zehnjährige Alma Zadić hätte 1994 ihren Vater nicht gesehen. Das ist die Politik, die Sie machen. Kümmern Sie sich um das Bildungsversagen und zerstören Sie nicht Familien! ( Anhaltender Beifall bei den Grünen. – Rufe bei den Grünen: Bravo! )

PräsidiumDoris Bures

Ein zweites Mal hat sich Herr Abgeordneter Ernst Gödl zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Frau Präsidentin! Und danke ( an die anhaltenden Beifall spendende Fraktion der Grünen ) für den Auftrittsapplaus! Es war gut zu sehen, dass man, glaube ich, mit dem Thema an sich in der Mitte steht, wenn wir das gehört haben, was Kollegin Zadić jetzt gesagt hat.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Da haben Sie nicht zugehört! – Ruf bei den Grünen: Geh! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

ÖVP Ernst Gödl

… Man kann aber ein paar Dinge, die Herr Klubobmann Kickl von sich gegeben hat, nicht so stehen lassen. Herr Klubobmann Kickl, Sie haben bei der letzten Nationalratswahl die Mehrheit der Stimmen erreicht und folgerichtig vom Bundespräsidenten den Regierungsbildungsauftrag bekommen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und Sie haben’s torpediert! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Ernst Gödl

… Aber Sie sind kläglich gescheitert, weil Sie bewiesen haben, dass Sie gar kein Interesse daran haben, Verantwortung für Österreich zu übernehmen! (👏 ÖVP) Hätten Sie Interesse, dann hätten Sie ernsthaft verhandelt. Sie kennen die Geschichte von den 8 Stunden – oder es waren vielleicht noch weniger. Sie hatten kein Interesse ( Ruf bei der FPÖ: So ein Blödsinn! ), denn Regieren bedeutet eben, Kompromisse zu suchen. Und wenn Sie jetzt einwenden würden: Wir hätten regiert, wenn wir alles durchsetzen hätten können, was wir uns vorgenommen hätten! – 28 Prozent ist nicht die Mehrheit. Man braucht Kompromisse. So wie wir hier Kompromisse suchen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Leider schlechte Kompromisse! Schlechte Kompromisse!

ÖVP Ernst Gödl

… haben wir damals, als wir mit Ihnen regiert haben, mit Strache damals an der Spitze, mit Ihnen als Innenminister, Kompromisse gesucht und auch gefunden. (👏 ÖVP) Sie haben es nicht ernst genommen und wollen jetzt mit der Fundamentalopposition die gute Arbeit …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche gute Arbeit? Wo ist die gute Arbeit? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

ÖVP Ernst Gödl

… der neuen Bundesregierung konterkarieren. Sie sind ein Will-nicht-Kanzler! Sie sind ein Will-nicht-Kanzler und Sie sind ein Kann-nicht-Kanzler! Um auch ein paar Dinge ins richtige Licht zu rücken: Sie sind natürlich so und legen Ihre Politik von vornherein so an, dass Sie immer in Fundamentalopposition gehen. Weil Sie auch das Thema Corona angesprochen haben: Sie waren damals der Erste, der einen Coronalockdown gefordert hat.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich bin auch der Erste, der gescheiter geworden ist!

ÖVP Ernst Gödl

… Als dann die Regierung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... die wir nicht mehr gebraucht haben!

ÖVP Ernst Gödl

… damals Schwarz-Grün, den Lockdown verordnet hat, sind Sie umgeschwenkt …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, weil man gesehen hat, dass es anders auch geht! So [die Arme seitlich nach oben streckend]! Nicht so [die Hände wie Scheuklappen an die Schläfen haltend]!

ÖVP Ernst Gödl

… weil es nicht Ihrer DNA entspricht, irgendwo mitzuarbeiten, sondern es Ihrer DNA entspricht, immer in die Fundamentalopposition zu gehen. Ich erinnere Sie auch, Sie waren Innenminister …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

War eine gute Zeit!

ÖVP Ernst Gödl

… Gab es da eine Asylquote von null? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das war mein Ziel, ihr habt gejault!

ÖVP Ernst Gödl

… Das ist eine gute Frage, nicht? Sie propagieren immer die Asylquote null.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Doch, das habe ich öffentlich gesagt!

ÖVP Ernst Gödl

… Es gab nämlich keine Asylquote von null, denn damals – und folgerichtig – haben auch Sie als Minister geltende Gesetze angewendet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das habe ich öffentlich gesagt, in aufrechter Koalition!

ÖVP Ernst Gödl

… Ich erinnere Sie daran: Im Jahr 2018 – man höre jetzt gut zu! – waren Sie Innenminister, und – ich mache Ihnen das nicht zum Vorwurf; nur damit man der Bevölkerung zeigt, was Sie hier reden und wie Sie handeln, wenn Sie selbst Verantwortung haben; und Sie hatten als Innenminister Verantwortung – im Jahr 2018 gab es 7 400 Schutzgewährungen für afghanische Flüchtlinge.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele davon waren vorm Verwaltungsgericht?

ÖVP Ernst Gödl

… Im Vorjahr gab es übrigens 2 900. Auch zu Ihrer Zeit gab es also nie eine Asylquote null, weil Sie sich an geltendes Recht gehalten haben …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele davon vorm Verwaltungsgericht? Und wer war Justizminister?

ÖVP Ernst Gödl

… und deswegen ist es unredlich und unlauter, wenn Sie hier Dinge fordern, die Sie selbst gar nie erfüllt haben und gar nie gelebt haben! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Deswegen kann man das so nicht stehen lassen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Gerichtsentscheidungen! ÖVP! Verwaltungsgericht!

ÖVP Ernst Gödl

… Dass Sie, Herr Kickl, als beleidigter Will-nicht- und Kann-nicht-Kanzler, immer nur herausgehen und alles verurteilen und sich auch im Ton vergreifen – wir haben das ja gerade gehört mit dem Ordnungsruf …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da braucht es in der Zwischenzeit schon gar nichts mehr dafür!

ÖVP Ernst Gödl

… das können wir so nicht stehen lassen. Wir, unser Innenminister, der Staatssekretär, unsere Bundesregierung , unser Herr Bundeskanzler und wir als Regierungsparteien, versuchen unser Bestes, wir machen unser Bestes, und wir hätten uns gerade im Bereich des Asylrechts ein bisschen seriöse Unterstützung von Ihnen gewünscht. Sie haben heute gegen Deutschförderung gestimmt …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie kommen so nicht weiter!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie stimmen jetzt offensichtlich auch gegen die Änderung des Asylgesetzes. Das ist nicht das, was Österreich von führenden Politiker:innen und Politikern an ernsthafter Arbeit erwarten darf.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie kommen so nicht weiter!

ÖVP Ernst Gödl

… Deswegen, Herr Kollege Kickl: so sicher nicht! Wir übernehmen Verantwortung, Sie haben sie verweigert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Jetzt ist Abgeordneter Michael Schnedlitz zu Wort gemeldet. – Bitte. ( Ruf bei der ÖVP: Jessas Maria! – Ruf bei der SPÖ: Geh! – Weitere Rufe: Oh! Ah! Oje! – Abg. Shetty [NEOS]: Für den versöhnlichen Abschluss!)

FPÖ Michael Schnedlitz

Da sieht man ja schon, bevor ich das erste Wort gesagt habe, wie viele Fans ich in den Sektoren der Einheitspartei habe. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Dabei wissen Sie noch gar nicht, was ich sagen will. Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Gestehen Sie mir trotzdem zu, dass ich mich ein bisschen äußere, um einfach festzuhalten, wie kaputt der Parlamentarismus mittlerweile in Österreich und hier herinnen, in diesem Haus, ist – wie kaputt. (👏 FPÖ) Wissen Sie, wir debattieren hier einen wichtigen Punkt. Wir debattieren darüber, dass das System überlastet und überfordert ist, angefangen vom Bildungssystem bis zum Gesundheitssystem, zum Sozialsystem. Und ein Innenminister, der nicht weniger, sondern wahrscheinlich noch mehr überfordert ist als diese Systeme, versucht, der Bevölkerung vorzumachen, dass er irgendetwas macht, was aber in Wahrheit gar nicht stimmt. Der Parlamentarismus hier herinnen ist aber so kaputt, dass, wenn der Bevölkerung von vorne bis hinten etwas vorgemacht wird, ein Redner hier heraußen nicht sagen darf, dass das, was hier passiert, eine Lüge ist – denn sonst bekommt er einen Ordnungsruf. Wie kaputt muss ein System sein, dass eine Regierung und Politiker so etwas nötig haben? …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Lies einmal die Geschäftsordnung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Wie kaputt muss man sein? Wenn dann auch etwas passiert, was nicht klug ist – also da gibt es ein Wort dafür; das heißt dann, dass etwas dumm ist –, und wenn man das gegenüber der Bevölkerung zu Hause ausspricht, dann bekommt man einen Ordnungsruf.

ÖVP Tanja Graf (Zwischenruf)

... vom Thema ab! Ablenkung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Wie kaputt kann und muss ein System sein, damit es das nötig hat – als Schutz vor der Wahrheit in diesem Haus und innerhalb einer vernünftigen Debatte? Außer natürlich, es geht um einen Vorwurf gegenüber der Freiheitlichen Partei oder gegenüber Klubobmann Kickl, dann kann man beleidigen, ihn als Person als Möchtegernkanzler und so weiter bezeichnen. Man kann sogar strafrechtliche Vorwürfe wie die der Hetze machen, dann wird hinter mir ( in Richtung Präsidium weisend ) ignoriert, da halten Sie zusammen – ( in Richtung Präsidium weisend ) hinten am Regierungsausguck und ( in Richtung Plenum weisend ) hier in der Einheitspartei. Wie kaputt muss man sein, dass man glaubt, dass das den Menschen zu Hause nicht auffällt? Wie kaputt muss man sein? (👏 FPÖ) Machen Sie ruhig so weiter, machen Sie weiter! Die Menschen zu Hause haben das längst durchschaut. Geben Sie uns Ordnungsrufe, geben Sie sich selbst keine, beschützen Sie sich gegenseitig , weil Sie den Menschen zu Hause etwas vormachen. Die lassen sich von Ihnen trotzdem nicht weiter für blöd und für dumm verkaufen , sondern durchschauen, wie hier herinnen gearbeitet wird und wie kaputt Sie mittlerweile wirklich sind.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Ablenkungsmanöver!

PräsidiumDoris Bures

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich werde jetzt einige Minuten die Sitzung unterbrechen und ersuche, zu einer Stehpräsidiale zu mir zu kommen. Die Sitzung ist unterbrochen. Sitzungsunterbrechung, 19. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:40

Familienzusammenführung

79 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 162/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, der die Bundesregierung zu einem rechts- und grundrechtskonformen Vorgehen beim Familiennachzug auffordern sollte. Damit gibt es keinen parlamentarischen Auftrag, einen pauschalen Stopp der Familienzusammenführung zu unterlassen bzw. nur nach Einzelfallprüfung im Einklang mit EU-Recht und Art. 8 EMRK vorzugehen.

Betroffen sind Drittstaatsangehörige mit Anspruch auf Familienzusammenführung sowie ihre Familienangehörigen und die zuständigen österreichischen Behörden im Asyl- und Fremdenwesen.

Ziel war, einen angekündigten pauschalen Stopp des Familiennachzugs zurückzuweisen und sicherzustellen, dass Familienzusammenführung nur auf Basis bestehender Rechtsgrundlagen und nach individueller Prüfung im Einklang mit EU-Recht und Art. 8 EMRK geregelt wird.

Dokumente

Familienzusammenführung

Ausgangslage und Bedeutung der Familienzusammenführung

  • Maßnahmen zur Familienzusammenführung sind im Einklang mit der völkerrechtlichen Verpflichtung zum Schutz der Familie und zur Achtung des Familienlebens zu treffen.
  • Familienzusammenführung wird als notwendige Voraussetzung für die Möglichkeit eines Familienlebens dargestellt.
  • Sie wird als Beitrag zu soziokultureller Stabilität beschrieben, die die Integration von Drittstaatsangehörigen erleichtert, und als förderlich für wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt.

Rechtsgrundlagen (Europa- und innerstaatliches Recht)

  • Das Recht auf Familienzusammenführung wird u.a. aus Art. 8 EMRK (Achtung des Privat- und Familienlebens) abgeleitet.
  • Unionsrechtlicher Rahmen: Richtlinie 2003/86/EG des Rates vom 22. September 2003 über das Recht auf Familienzusammenführung.
  • Innerstaatliche Umsetzung wird in § 35 AsylG (Anträge auf Einreise bei Vertretungsbehörden) verortet.

Angekündigte Maßnahme der Bundesregierung: vorübergehender Stopp des Familiennachzugs

  • Im Regierungsprogramm wird angekündigt, den Familiennachzug „mit sofortiger Wirkung vorübergehend und im Einklang mit Art. 8 EMRK“ zu stoppen.
  • Der Bundeskanzler bekräftigt öffentlich, für diese Forderung zu kämpfen.
  • Der Innenminister kündigt die Maßnahme ebenfalls an und kommuniziert sie in einem „Brief an Brüssel“.

Kritik an einem pauschalen Stopp im Lichte der Familienzusammenführungsrichtlinie und Art. 8 EMRK

  • Die Richtlinie 2003/86/EG sieht zwar Ablehnungsgründe vor, diese erfordern jedoch im Einklang mit Art. 8 EMRK eine Einzelfallprüfung.
  • Der Zweck der Ausnahmebestimmungen wird darin gesehen, Personen von der Einreise im Wege der Familienzusammenführung auszuschließen, die z.B. schwerwiegende Straftaten begangen haben oder internationalen Terrorismus unterstützen.
  • Aus den Ausnahmebestimmungen lasse sich keine pauschale Ermächtigung ableiten, die Familienzusammenführung als solche auszusetzen.

Argumentationslinie der Bundesregierung über Art. 72 AEUV (EU-Notfallklausel) und deren Bewertung

  • Die Bundesregierung versucht den angekündigten Stopp des Familiennachzugs mit Art. 72 AEUV zu begründen.
  • Begründungsansatz: Familienzusammenführung gefährde die Funktionsfähigkeit der Einrichtungen des österreichischen Staates und seiner wichtigsten öffentlichen Dienste.
  • Daraus leite die Bundesregierung ab, gezwungen zu sein, die Bedingungen für die Ausübung des Rechts auf Familienzusammenführung durch rechtmäßig aufhältige Drittstaatsangehörige entgegen dem unionsrechtlichen Rechtsbestand selbst festzulegen.
  • Diese Vorgehensweise wird als grund- und europarechtlich wenig erfolgversprechend bewertet.
  • Es wird ausgeführt, dass der EuGH bislang in keinem Mitgliedstaat eine Art.-72-AEUV-konforme Gefährdung der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und des Schutzes der inneren Sicherheit anerkannt habe, die eine entsprechende Zuständigkeit eines Mitgliedstaats begründet hätte.
  • Unter Verweis auf EuGH-Judikatur wird betont, dass für die Berufung auf eine Störung der öffentlichen Ordnung nicht jede Gesetzesverletzung ausreicht, sondern eine „tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt“, erforderlich ist.

Innerstaatliche Rechtslage und angekündigte nationale/EU-Schritte

  • Es wird festgehalten, dass für einen sofortigen Stopp der Familienzusammenführung auch innerstaatlich die Rechtsgrundlage fehle.
  • Das Asylgesetz biete derzeit keine ausreichende Verordnungsermächtigung für den geplanten Stopp.
  • Per Ministerratsvortrag wird beschlossen, alle notwendigen Schritte auf EU- und nationaler Ebene zu setzen, einschließlich Anpassungen nationaler gesetzlicher Regelungen unter Berücksichtigung der EuGH-Rechtsprechung, um den Familiennachzug mit sofortiger Wirkung vorübergehend zu stoppen und so die öffentliche Ordnung sicherzustellen.
  • Es wird als aktuell völlig unklar dargestellt, wie ein solcher Stopp grund- und europarechtskonform umgesetzt werden könne.

Befürchtete Folgen und grundrechtliche/unionrechtliche Risiken

  • Eine Aussage des Innenministers, Reaktionen aus Brüssel seien ihm relativ egal, wird als Hinweis gewertet, dass die Bundesregierung bewusst einen Bruch des Unionsrechts und letztlich eine Verletzung von Grundrechten billigend in Kauf nehmen könnte.

Familienzusammenführung

~79 min Lesezeit
Dafür: GRÜNE Dagegen: FPÖÖVPSPÖNEOS
FPÖ Gernot Darmann

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Nach Ansicht der Freiheitlichen braucht Österreich nicht erst ab heute einen absoluten, ja generellen Stopp dieser unkontrollierten illegalen Massen-, ja Messerzuwanderung nach Österreich, einschließlich eines generellen Stopps, und dies permanent, im Bereich des Familiennachzugs. (👏 FPÖ) Genau aus diesem Grund – genau aus diesem Grund! – wird die FPÖ diese dreiste, irreführende Täuschung des österreichischen Volkes seitens der Regierungskoalition hinsichtlich eines angeblichen Stopps des Familiennachzugs nicht unterstützen (👏 FPÖ): Es ist kein Stopp des Familiennachzugs, der dringendst geboten wäre, es ist nach den Ankündigungen zunächst eines Stopps, dann einer Aussetzung nunmehr eine Verschiebung des Familiennachzugs geworden, eine Hemmung, mit einer Anleitung in dieser Gesetzesinitiative, wie man diese Verschiebung bestmöglich umgehen kann. Das ist schlussendlich nichts anderes als eine Frotzelei unserer Bevölkerung in Österreich, die es satt hat, über Jahre hinweg ungerecht behandelt zu werden, noch dazu als Staatsbürger ungerecht behandelt zu werden, durch die Vorgängerregierung, durch die neue Ampelregierung – vor allem in dem Wissen, dass Personen aus aller Herren Länder weiterhin über unsere Grenzen stolpern können, über Tausende Kilometer durch sichere andere Staaten reisen können, um sich hier in die soziale Hängematte zu legen. Das kann und darf es nicht sein, es darf kein Weiter-wie-bisher geben, werte Kolleginnen und Kollegen! (👏 FPÖ) Spannend ist ja, dass sich diese Täuschung durch die Bundesregierung auch sehr gut inhaltlich argumentieren lässt. Denn, werte Kolleginnen und Kollegen, es ist ja nicht nur vorgesehen, hier praktisch eine Umgehung zu ermöglichen, indem man sich auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention, Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, beruft, was sogar noch als Umgehung in dieses Gesetz hineingeschrieben wurde, als Anleitung für die Asylmafia, die damit wieder gute Geschäfte machen wird, nein, man hat darüber hinaus im Regierungsprogramm auch Orientierungskurse und Deutschkurse auf Steuerzahlerkosten im Herkunftsland dieser Familiennachzügler vorgesehen. Aus den einzelnen Puzzleteilen kann man sich ein schönes Bild zusammensetzen, dass nämlich diese Regierungskoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS samt dem Beiwagerl der Grünen nicht gewillt ist, diesen notwendigen Schritt zu setzen, endlich diese unkontrollierte Massenzuwanderung zu stoppen, so wie es sich unsere Bevölkerung verdient hätte und auch erwartet (👏 FPÖ); erwartet von Volksvertretern, die gewählt wurden, um unsere Heimat zu schützen, um ein Fortkommen unserer eigenen Bürger möglich zu machen, um die Sicherheit unserer eigenen Bürger, von Jung bis Alt, zu gewährleisten. Aber all das scheint tatsächlich vollkommen egal zu sein, wenn man nur das Geschäft der Asylindustrie ermöglicht. Und dieses ermöglicht diese Regierungskoalition. Gratulation dazu! Österreich kann sich davon aber leider nichts abschneiden, und das ist die schlimme Wahrheit, die es hier auszusprechen gilt. Das heißt, werte Kolleginnen und Kollegen, diese Koalition, ihr als Abgeordnete dieser Regierungskoalition habt es nicht nur verabsäumt, der generellen Massenmigration einen Riegel vorzuschieben, so wie es sich gehört hätte und gehören würde, nein, ihr habt es sogar am Nebenschauplatz des Familiennachzugs nicht zustande gebracht, einen absoluten und permanenten Familiennachzugsstopp in diesem Gesetzesvorschlag, der jetzt hier diskutiert wird, festzumachen, und deswegen auch unsere Ablehnung. (👏 FPÖ) Spannend ist ja umso mehr die Argumentation zu diesem Verschieben des Familiennachzugs seitens des Innenministers, auch diese muss man sich vergegenwärtigen. Er sagt und die Abgeordneten der Koalitionsregierung meinen, man müsse diesen Familiennachzug im Sinne der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Österreich verschieben. Diese Argumentation hat schon etwas für sich, denn es ist unbestritten ein massiver Schaden an der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Österreich durch die Politiker, die in den letzten Jahren in Regierungsfunktion waren, angerichtet worden. Aber wer hindert euch, diese Fehlentwicklung zu ändern? Wer hindert euch daran – außer ihr euch selbst, fehlender Mut, fehlende Visionslosigkeit und fehlendes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen Bevölkerung? In Wahrheit müsste doch genau diese Argumentation einer in Schwierigkeiten, in Schieflage geratenen öffentlichen Ordnung und Sicherheit dazu führen, nicht nur sehr salopp und nebenbei den Familiennachzug irgendwie einmal zu streicheln und nicht wirklich zu beenden, nein, diese Argumentation müsste doch dazu führen, Herr Innenminister, ein generelles Verbot eines Ausnutzens unserer Gastfreundschaft unter dem Deckmantel des Asyls zu verordnen – ist gleich eine Asylquote null für all jene Personen, die durch sichere Staaten nach Österreich reisen, und das ist nun einmal Lebensrealität. (👏 FPÖ) Es ist Lebensrealität, dass jeder, der nach Österreich kommt oder in den letzten Jahren, seit 2015 gekommen ist, über sichere Staaten nach Österreich eingereist ist und eben in den Staaten rund um Österreich, von denen aus er eingereist ist, niemals verfolgt war, deswegen auch niemals hätte ein Flüchtling sein können, niemals hätte unserer Bevölkerung auf der Tasche liegen dürfen, niemals hätte das Sozialsystem ausnützen dürfen, auch nicht unser Gesundheitssystem, und schlussendlich niemals auch noch unsere Sicherheit gefährden dürfen. Das alles ist Ihnen zu verdanken, Ihren Fehlentscheidungen. Aber Sie haben nichts daraus gelernt und werden, da Sie auch weiterhin darauf beharren, den EU-Asyl- und Migrationspakt in voller Ausführung umzusetzen, nach Punkt und Beistrich, wie es bei Ihnen im Regierungsprogramm steht, diese Fehlentwicklungen auch nicht korrigieren wollen. Aus diesem Grund bringen die Freiheitlichen folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Gernot Darmann , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Ausstieg aus dem EU-Asylrecht“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, sich im Rahmen der Institutionen der Europäischen Union mit Vehemenz und Nachdruck für einen Ausstieg Österreichs aus dem EU-Asylrecht einzusetzen.“ (👏 FPÖ) Werte Kolleginnen und Kollegen! Da ich nunmehr diesen Entschließungsantrag der Freiheitlichen eingebracht habe, versuche ich jetzt auf eine Art und Weise an euch heranzutreten, die wohl die einzige sein wird, mit der ich vielleicht ein wenig euer Gewissen ansprechen kann: Ich bin lang genug in der Politik, um zu wissen, dass es Klubsitzungen gibt, dass ihr eure Linie festgemacht habt, dass ich euch nicht unbedingt hier mit meinen Worten überreden werde, endlich in die Vollen zu gehen und auf Österreich zu schauen, aber: Ihr seid so wie ich Staatsbürger. Ich bin Vater, viele von euch sind Väter, Mütter, Onkel, Tanten, Omas, Opas. Ihr habt Kinder, zumindest im Familienverband, ob auf direktem Wege oder im Umfeld, und es gilt für uns alle – und ich gehe felsenfest davon aus, dass viele von euch vielleicht doch ähnlich denken könnten –, diesen Kindern eine Heimat zu sichern, einen Ort zu sichern, an dem man sich sicher nach einer entsprechenden Bildung selbst weiterentwickeln kann, an dem man vielleicht in Zukunft auch selbst in einem deutschsprachigen Raum unter christlichen Werten eine eigene Familie wird gründen können. Aber das alles setzt voraus – ich möchte die Menschen hier herinnen ansprechen und nicht die Abgeordneten –, dass wir den Mut haben, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und hier auch, wenn es notwendig ist, Konflikte mit der Europäischen Union, mit NGOs, mit Medien und allen Möglichen auszutragen, weil es hier um nichts weniger als um die Verantwortung für die Zukunft unseres Heimatlandes geht. (👏 FPÖ) Ich ersuche euch wirklich inständig, das zu beherzigen, auch wenn es heute bei diesem Tagesordnungspunkt für euch vielleicht nicht möglich sein wird. Aber es wird notwendig sein, und das ehestmöglich, die Fehler der Vergangenheit zumindest in dieser Hinsicht ein wenig zu korrigieren, indem jetzt umgehend ein absoluter Asylstopp in Österreich verhängt wird, um tatsächlich in weiterer Folge all jene außer Landes zu bringen, die hier nichts mehr verloren haben, denn es geht um Gerechtigkeit für die Österreicher. – Danke schön. (👏 FPÖ) 12.47 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/53.1 Ausstieg aus dem EU-Asylrecht (35/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag des Kollegen Darmann wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Ernst Gödl . – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehbildschirmen! Die Regierung steht gerade einmal etwas mehr als sechs Wochen im Dienst und schon beschließen wir etwas, was wir auch ganz zu Beginn versprochen haben und was richtungsweisend für unser Land ist, nämlich den Stopp des Familiennachzugs. Wir stehen zu unserer Verantwortung, Herr Kollege Darmann, wie Sie es auch eingefordert haben.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist aber kein Stopp! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Kein Stopp! – Abg. Egger [ÖVP]: Hört einfach einmal zu!

ÖVP Ernst Gödl

… Verantwortung in diesem Fall heißt aber auch, realistisch zu sein und machbare Lösungen zu finden, die natürlich auf Basis des Rechtsstaates zu erfolgen haben. Und eine solche Lösung, meine geschätzten Damen und Herren, legen wir heute vor. (👏 ÖVP, NEOS) Es gibt nichts zu relativieren und auch nichts zu beschönigen, Österreich war in den letzten Jahren mit sehr hohen Zahlen von schutzsuchenden Menschen konfrontiert …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer war denn der Innenminister?

ÖVP Ernst Gödl

… insbesondere aus Syrien und Afghanistan, und in der Folge kam es eben zu besagtem Familiennachzug …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer war denn der Innenminister?

ÖVP Ernst Gödl

… allein in den Jahren 2023 und 2024 in Summe etwa 17 000 Menschen, davon 12 000 minderjährige Kinder. Dies hat tatsächlich zu einer Überforderung mancher unserer staatlichen Systeme geführt – im Bereich der Bildung, im Bereich der Gesundheit, im Bereich des Sozialstaates und auch im Bereich der Sicherheit, Stichwort Jugendkriminalität. Unsere Verantwortung ist es, und die nehmen wir wahr, diese staatlichen Systeme vor einer dauerhaften Überforderung zu schützen. (👏 ÖVP, NEOS) In nur zwei Jahren sind also etwa 12 000 Schülerinnen und Schüler, also minderjährige Personen, zu uns gekommen, viele davon ohne Deutschkenntnisse, ohne Vorbildung. Das bringt das Bildungssystem an die Grenzen. In vielen Klassenzimmern – das wurde heute schon angesprochen –, gerade auch in Wien und in städtischen Bereichen, ist ein regulärer Unterricht nur schwer möglich. Die Pädagoginnen und Pädagogen sind extrem gefordert und stoßen vielerorts an ihre Grenzen. Ja, es braucht Entlastung für die Schulen, für die Pädagoginnen und Pädagogen und vor allem auch für die Kinder, die dort lernen. So, und was bringen wir jetzt auf den Weg? – Wir ändern das Asylgesetz, das übrigens aus 2005 stammt. Sie wissen, wer 2005 an der Regierung beteiligt war, nämlich die FPÖ, die damals gemeinsam mit uns ein neues, modernes Asylgesetz geschaffen hat. Wir fügen nun einen Paragrafen ein, mit dem wir es auf rechtsstaatlicher Basis möglich machen, dass der Innenminister, übrigens im Einvernehmen mit dem Hauptausschuss, also dem Parlament, eine Verordnung erlassen kann, um den Familiennachzug zu stoppen. Das ist ungefähr eine gleichartige Maßnahme wie zum Beispiel jene, mit der wir auch weiterhin Grenzkontrollen ermöglichen. Dabei ist es wichtig zu betonen: Ja, für Härtefälle ist ein Ausnahmetatbestand im Sinne des Artikels 8 der Menschenrechtskonvention vorgesehen. Das gehört auch zu einem funktionierenden und richtigen Rechtsstaat. Diese Regelungen passieren jetzt nicht auf schnellen Zuruf. Es gab auch eine Ausschussbegutachtung. Es gab Stellungnahmen von verschiedenen Stellen, auch von Universitätsprofessoren, die sagen – auch an die grüne Fraktion gerichtet, weil die das ja komplett anders sieht, diametral anders als die Freiheitlichen –: Ja, das ist zulässig in dieser Situation, öffentliche Einrichtungen, im Besonderen das Bildungswesen, bedürfen eines besonderen Schutzes, es ist rechtlich gerechtfertigt, solche Maßnahmen zu ergreifen. Es war unser Innenminister, der schon in den letzten Monaten und Jahren sehr massiv gegen die illegale Migration insgesamt und gegen den Familiennachzug angekämpft hat. Das sieht man bereits an den Zahlen, die sehr stark zurückgegangen sind. In den ersten drei Monaten des Vorjahres waren es etwa 2 000 Menschen, die über den Familiennachzug nach Österreich gekommen sind, jetzt waren es etwa um die 160. Ich würde euch bitten, liebe Kolleginnen und Kollegen der FPÖ: Messen Sie uns an den Zahlen! Schauen Sie sich die Zahlen an, und Sie werden sehen, dass die Zahlen sehr niedrig sind. Sie sind übrigens um einiges niedriger als zur Zeit eines Innenministers Herbert Kickl . (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich weiß schon, für Sie von der FPÖ ist es heute kein guter Tag, weil Sie ja kein Interesse daran haben, dass wir Lösungen finden.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wo ist da die Lösung? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wo ist die Lösung?

ÖVP Ernst Gödl

… Sie haben Interesse daran, dass die Probleme aufrechterhalten werden. Sie als Will-nicht-Regierungspartei und als Will-nicht-Volkskanzler haben natürlich kein Interesse daran, dass es Lösungen gibt – aber wir sind hier angetreten, um Lösungen zu schaffen, und die schaffen wir, die schaffen wir mit der Änderung des Asylgesetzes. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es ist schon eine besondere Chuzpe, meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen der FPÖ, wirklich ein besonderes Vermächtnis, das Sie heute unserer Bevölkerung hinterlassen, wenn Sie weder beim Ausbau der Deutschförderung mitgestimmt haben noch jetzt mitstimmen, wenn wir eine gesetzliche Grundlage schaffen, um den Familiennachzug zu stoppen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist kein Stopp!

ÖVP Ernst Gödl

… Das müssen Sie erst einmal der Bevölkerung erklären, dass Sie nur reden, aber dann, wenn es um konkrete Lösungen geht, nie mit an Bord sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das sind nur leere Worte, Herr Kollege!

ÖVP Ernst Gödl

… Das ist nämlich keine Symbolpolitik, meine Damen und Herren, sondern das ist eine wirksame Steuerung, die im Bereich des Familiennachzugs notwendig ist und die wir mit dieser gesetzlichen Grundlage jetzt auch ermöglichen. Wir tun das nicht, um Integration zu verhindern, sondern um die Systeme zu sichern, um die Integration zu verbessern: geordnet, planbar und machbar. Der Familiennachzug kann kein Automatismus sein, sondern muss im Interesse aller Beteiligten gut gesteuert werden. Die Menschen in unserem Land erwarten von uns allen zu Recht ordentliche, machbare, vertretbare Lösungen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das ist eine Täuschung!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie erwarten von uns zu Recht, dass wir für Stabilität sorgen, bevor es zur Überlastung kommt. Und sie erwarten von uns, dass wir handlungsfähig bleiben, dass wir Lösungen suchen und Lösungen hier beschließen. Deswegen: Gehen Sie noch einmal in sich, liebe Kollegen der FPÖ, und stimmen Sie dieser Änderung des Asylgesetzes zu, weil wir damit eben den Familiennachzug stoppen können! Das, was Sie immer gefordert haben: nicht nur reden, sondern auch handeln! – das tut diese Bundesregierung und das tun wir auch hier im Parlament. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer .

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Ja, wir sind gegen dieses Gesetz – aber nicht, weil wir nicht auch der Ansicht wären, dass alles getan werden muss, um die Schulen zu entlasten, um die Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen, die tagtäglich ihr Bestes geben, um allen Kindern das beizubringen, was sie für ihren künftigen Lebensweg brauchen. Im Gegenteil: Wir sind der Meinung, dass das dringend geboten ist und gemacht werden muss. Aber diese Aussetzung der Familienzusammenführungen, wie sie die Regierungsparteien hier planen, ändert an der Situation in den Schulen genau gar nichts, während sie gleichzeitig aber europarechtlich und menschenrechtlich höchst fragwürdig ist. (👏) Uns war aber klar, dass diese Regelung auf Biegen und Brechen durchgepeitscht werden wird – trotz aller Bedenken unterschiedlichster Expertinnen und Experten in dem doch noch durchgeführten Pro-forma-Minibegutachtungsverfahren, trotz erwartbarer vollkommener Wirkungslosigkeit. Sie muss durchgepeitscht werden, und zwar aus dem einzigen Grund: dass der Herr Innenminister dringend eine neue Nebelgranate braucht, um von dem jahrelangen Versagen der ÖVP auf dem Gebiet der Integration abzulenken. (👏) Das ist genau die Taktik: Problem sehen – Nebelgranate zünden – durchtauchen. Weil das zu erwarten war, haben wir schon im Vorfeld einen Antrag eingebracht, um damit die Regierung aufzufordern, sich zumindest an die Verfassung zu halten. Wir haben gefordert, „die Bundesregierung solle [...] die angekündigten Maßnahmen im Bereich der Familienzusammenführung ausschließlich im Einklang mit der Rechtsprechung des EuGH setzen und respektieren, dass eine mitgliedsstaatliche Kompetenzermächtigung eine tatsächliche, gegenwärtige und erhebliche Gefahr voraussetzt, die ein Grundinteresse der österreichischen Bevölkerung berührt, [...] und [...] jedenfalls auch alle primär- bzw. völkerrechtlichen Garantien, wie insbesondere die Grundrechte-Charta der Union [...] und insofern auch die EMRK, die Kinderrechtekonvention und die Genfer Flüchtlingskonvention, ausnahmslos einzuhalten sind.“ (👏) Diesen Antrag haben alle Regierungsparteien abgelehnt. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Sie haben abgelehnt, dass Sie sich an die Verfassung halten wollen.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Eine Schande!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Dass die ÖVP da manchmal Probleme hat, das wissen wir, denn da geht es einfach um die populistische Symbolpolitik für die rechte Wähler:innenschaft. Das muss man verstehen. Dass die SPÖ sich nicht immer ganz leicht tut, da wirkungsvoll dagegenzuhalten, wie wir das in der Vergangenheit immer getan haben ( Widerspruch bei der SPÖ ), das haben wir fast befürchtet. Wir hätten aber trotzdem gehofft, dass da mehr passiert. Dass aber auch die NEOS da mitgehen und auf die Grundrechte und auf rechtsstaatliche Prinzipien verzichten können, das überrascht mich tatsächlich. (👏) Diese Regelung ist europarechtlich, grundrechtlich und rechtsstaatlich höchst bedenklich. Das ist Ihnen dann auch in der Debatte im Ausschuss einigermaßen klar geworden. Deshalb gibt es heute auch einen Abänderungsantrag dazu, nämlich dergestalt – das muss man einmal gut durchdenken –, dass man einen weiteren Antrag stellen kann, während der ursprüngliche Antrag nicht bearbeitet wird, mit dem man die Feststellung beantragen kann, dass die Behörde den ursprünglichen Antrag doch bearbeiten soll. – Superrechtsschutzinstrument. Keiner versteht es, und es wird zu einem erheblichen Mehraufwand beim Bundesverwaltungsgericht führen. Gratuliere! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das ist was für den Bürokratieabbau! – Abg. Disoski [Grüne]: Genau! – Sepp, was machst du? – Abg. Koza [Grüne]: Der Schellhorn wird’s schon richten!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Und dieses Bürokratieungetüm ressortiert in dem Ministerium, in dem der neue pinke Deregulierungsstaatssekretär entbürokratisieren will. – Gratulation! …

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Postenschacherei ist das! – Abg. Koza [Grüne]: Bildets einen Arbeitskreis dazu!

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Wir wissen, dass wir diese absurde Regelung nicht verhindern können, aber wir möchten zur Lösung der echten Probleme beitragen und bringen daher folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Integrationsbarometer“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Inneres und die Bundesministerin für Europa, Integration und Familie, werden aufgefordert, zur adäquaten Beurteilung der Notwendigkeit einer Verordnung gemäß § 36 AsylG fakten- und evidenzbasiert vorzugehen. In diesem Sinne soll dem ohnehin bereits angekündigten Integrationsbarometer nicht vorgegriffen werden, welches die Bundesregierung ja erst in die Lage versetzen wird, die Belastung und Auswirkungen der einzelnen Systeme (u.a. Inneres, Bildung, Gesundheit, Soziales, Wohnen, Arbeitsmarkt, Wirtschaft sowie demographische Parameter) und diesbezügliche Belastungen auf den Staatshaushalt im Hinblick auf den Erhalt des sozialen Friedens und der öffentlichen Ordnung in Österreich hinreichend abzubilden.“ Beschließt bitte wenigstens das! – Vielen Dank. (👏) 12.59 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/55.1 Integrationsbarometer (36/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Köllner .

SPÖ Maximilian Köllner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, die Anwesenheit der beiden Regierungsmitglieder ist schon ein Zeichen des Verantwortungsbewusstseins, denn wir sind nicht nur angetreten, um über die großen Herausforderungen zu reden, sondern vor allem sind wir angetreten, um die Probleme in unserem Land zu lösen – und das tun wir heute. (👏 ÖVP, SPÖ) Vielleicht werfen wir aber vorher einen kurzen Blick zurück: Die Bevölkerung hat uns bei der Nationalratswahl 2024 unmissverständlich mitgeteilt, in welchen Bereichen sie sich Lösungen erwartet. Das waren zum einen die Bereiche der Teuerung und natürlich auch der Bereich Sicherheit, Asyl, Migration und Integration.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Bei beiden Bereichen ...!

SPÖ Maximilian Köllner

… Das sind Hausaufgaben, die uns die Bevölkerung mitgegeben hat, und wie auch in der Schule sind Hausaufgaben da, um erledigt zu werden – und das tun wir nun. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Gegen die Teuerung haben wir bereits mit dem Mietpreisstopp eingegriffen (👏 SPÖ), und mit der heutigen Änderung des Asylgesetzes sorgen wir dafür, dass die Kapazitäten unserer Systeme vor Überlastung geschützt werden. Wir haben gesehen, dass die Integration nicht mit der Migration Schritt hält …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Asyl ist jetzt Migration, oder wie?

SPÖ Maximilian Köllner

… Migration muss sich also an der Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft orientieren. Das sind wir schuldig: Ihnen, liebe Österreicherinnen und Österreicher; den Lehrerinnen und Lehrern, die an der Belastungsgrenze sind; den Schülerinnen und Schülern, die eine gute Zukunft brauchen; und natürlich auch jenen Menschen, die Schutz brauchen vor Verfolgung oder Tod und mit Aufenthaltstiteln in unser Land kommen. Auf der anderen Seite geht es aber nicht – und das möchte ich auch in aller Deutlichkeit sagen –, dass Österreich Jahr für Jahr an seine Grenzen geht, während sich andere Länder wie beispielsweise Ungarn aus der Verantwortung stehlen. Daher müssen und werden wir tun, was wir als Bundesregierung nationalstaatlich tun können. Wir werden uns natürlich auch weiterhin auf europäischer Ebene für Lösungen einsetzen und auch für Lösungen starkmachen, aber jetzt ist unser Job, nationalstaatlich für Lösungen zu sorgen, solange es eben keine europäischen Lösungen gibt. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Die Aussetzung des Familiennachzugs ist eben eine solche Maßnahme, mit der wir das Steuer in die Hand nehmen. Und wir machen das unaufgeregt, wir machen das sachlich, wir machen das ohne Populismus und ohne die Wähler zu täuschen, Kollege Darmann, denn die Einzigen, die die Wähler täuschen, sind Sie. Denn wenn es nach Ihnen geht, machen wir Gesetze, die im Prinzip wertlos sind …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Hä?

SPÖ Maximilian Köllner

… wir hingegen machen Gesetze im Rahmen des Rechts, wir machen Gesetze, die halten. (👏 ÖVP, SPÖ) Aus eurer langen Liste der Anträge und auch eurer Skandale geht klar hervor, dass ihr das nicht könnt – und vor allem, dass Gesetze für alle gelten sollen, nur nicht für euch selbst. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ihr legt hier immer wieder bewusst Dinge auf den Tisch, die mit Garantie von Gerichtshöfen zurückgeschmissen werden. Der Grund ist relativ simpel, aber durchaus traurig: Ihr wollt von Problemen leben, wir wollen sie lösen. (👏 ÖVP, SPÖ) Ihr wollt mit Hass und Hetze Menschen gegeneinander ausspielen, wir wollen mit Rechtsstaatlichkeit, mit Ordnung, aber auch mit Menschlichkeit für ein friedliches Miteinander in Österreich sorgen. Der zweite wesentliche Unterschied zur FPÖ ist folgender: Unser heutiger Beschluss ist auch ein klares Signal: ein Signal an die Europäische Union , ein Signal an einige Nachbarländer, denn es geht auch nicht, dass zum Beispiel – und damit sind wir bei eurem Freund, bei Kollegen Orbán – Ungarn hergeht und auf der einen Seite die Hand aufhält, wenn es um EU-Förderungen geht, und mit der anderen Hand quasi die Menschen nach Österreich durchwinkt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist das Modell ..., glaube ich!

SPÖ Maximilian Köllner

… Wir werden Kollegen wie Herrn Orbán die Stirn bieten müssen und nicht vor ihnen einen Knicks machen, weil wir so definitiv nicht weiterkommen. (👏 SPÖ) Sie treffen sich ja regelmäßig – Sie, der Nationalratspräsident, Klubobmann Kickl, haben ihn auch hier im Hohen Haus hofiert –: Ich wäre neugierig, was Sie sich da gegenseitig ins Freundschaftsbuch hineinschreiben. Ich glaube, wichtig wäre, ihm zu sagen – was Sie nämlich offensichtlich nicht machen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Na redet halt einmal selber mit ihm!

SPÖ Maximilian Köllner

… dass er auch einen - - …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wäre das vielleicht eine Idee?

SPÖ Maximilian Köllner

… Er ist ja Ihr Freund! …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber Ihr Nachbar im Burgenland! Mit dem würde ich mich gut stellen!

SPÖ Maximilian Köllner

… Sagen Sie ihm einfach, er soll auch seinen Beitrag leisten. Ich sage Ihnen auch, warum er seinen Beitrag leisten soll: Weil er unser Steuergeld als Nettoempfänger haben möchte, und genau deswegen sollten Sie ihm vielleicht auch einmal einen Satz ins Stammbuch schreiben. (👏 SPÖ) Beispielsweise hält er sich nicht an die Dublin-Verordnung, das könnten Sie ihm auch sagen. Wenn die Dublin-Verordnung funktionieren würde, hätten wir hier unsere Probleme nicht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ein Schmarrn! Das ist ein Blödsinn!

SPÖ Maximilian Köllner

… Das müssten Sie ihm sagen, weil er dafür verantwortlich ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das ist ein Blödsinn!

SPÖ Maximilian Köllner

… Sie können schon stolz sein, solche Freunde zu haben. Wir kommen noch zum dritten Unterschied. Für uns ist ganz klar: Für uns ist Integration Pflicht von Tag eins an: Deutschkurse, Wertekurse, Qualifizierungsmaßnahmen und die Menschen rasch in Beschäftigung bringen. Uns ist nämlich lieber, dass diese Menschen Steuern zahlen, als dass sie uns Steuern kosten.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da könnt ihr lange warten!

SPÖ Maximilian Köllner

… In eurer Welt sollen Deutschkurse gestrichen werden, auf der anderen Seite sollen sie Deutsch sprechen können. Wie soll das funktionieren? Ihr wollt Qualifizierungsmaßnahmen verhindern und beschwert euch, wenn wir die Leute nicht am Arbeitsmarkt unterbringen. Ihr sagt – da sind wir uns, glaube ich, ja einig –, wir brauchen Fachkräfte, und gleichzeitig wollt ihr nicht, dass wir die Zuwanderer in Beschäftigung bringen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Heute tun wir wieder vermischen: Zuwanderung und Asyl! Na, euch ist nicht mehr zu helfen! – Zwischenruf der Abg. Belakowitsch [FPÖ].

SPÖ Maximilian Köllner

… Ihr löst einfach keine Probleme, ihr wollt von den Problemen einfach nur leben. (👏 SPÖ) Schauen Sie, Kollege Darmann: Tun wir nichts, sagen Sie: Wir tun nichts …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Du vermischst gerade Zuwanderung und Asyl! Halt einmal die zwei Begriffe auseinander: Zuwanderung und Asyl! Kennst du die Unterscheidung?

SPÖ Maximilian Köllner

… tun wir etwas, passt es Ihnen auch nicht in den Kram, weil wir die Probleme dann lösen. Das ist genau das Problem. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Wir tun jetzt etwas – und Sie regen sich auf.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... eine Alibihandlung!

SPÖ Maximilian Köllner

… Also ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, was ich noch zu Ihnen sagen soll. Wir sind auf jeden Fall angetreten, um Probleme zu lösen, die andere hinterlassen haben. Das tun wir jetzt, und wir machen das mit Augenmaß, wir machen das mit Verantwortungsbewusstsein …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ihr wart ja selber die Willkommensklatscher!

SPÖ Maximilian Köllner

… und vor allem auf dem Fundament des Rechtsstaates, denn wenn wir Politik so machen würden, wie Sie es tun, dann haben wir keinen Rechtsstaat, sondern Anarchie.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na, dann wäre es ...!

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Herr Bundesminister Gerhard Karner zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Minister.

FPÖ Reinhold Maier

Geschätzte Frau Präsidentin! Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Das Thema Familiennachzug ist ein sehr wichtiges und auch sehr emotionales Thema, das wirklich sehr, sehr viele Problemstellungen mit sich bringt und wirklich dringend Veränderungen braucht, aber mir fehlt bei diesem Gesetzentwurf der Glaube, dass die Regierungsparteien das auch wirklich umsetzen wollen.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Nein, wir beschließen es jetzt ...! – Heiterkeit bei der ÖVP.

FPÖ Reinhold Maier

… Da muss ich dir, lieber Herr Innenminister, und meinen Vorrednern, Kollegen Gödl und Köllner, wirklich widersprechen. Bei den Grünen muss ich sagen, dass es wirklich ideologische Unterschiede gibt, und deshalb wundert mich das auch nicht. Ich habe aber bereits in der letzten Sitzung des Innenausschusses deutlich gemacht, dass die ÖVP mit Innenminister Karner einmal mehr nur durch große Ankündigungen auffällt, diesen jedoch kaum beziehungsweise selten Taten folgen lässt, denn die ÖVP hat im Wahlprogramm zwar großmundig eine Aussetzung des Familiennachzugs gefordert – Kollege Gödl hat jetzt sogar „versprochen“ gesagt – und somit auch – das muss man auch immer wieder sagen – unsere Themen, Themen der FPÖ, vor Wahlen kopiert …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ha!

FPÖ Reinhold Maier

… doch nun ist im vorliegenden Gesetzentwurf davon wirklich kaum noch etwas zu sehen. Das ist wirklich ein sehr abgeschwächter Kompromiss, der übrig geblieben ist. Ich würde sogar sagen, das ist eine Mogelpackung. (👏 FPÖ) Statt eines wirklich klaren Stopps, wie er jetzt immer angekündigt wird, sieht der Entwurf lediglich vor, die Antragstellung auf Familiennachzug bis zum 30. September 2026 zu hemmen. Das Wort hemmen sagt das ja eigentlich schon: Das ist eine Verschiebung des Problems und keine Beendigung beziehungsweise Stopp des Problems. (👏 FPÖ) Das bestätigt auch die gerade von dir ( in Richtung Bundesminister Karner ) erwähnte veröffentlichte Kriminalitätsstatistik, in der die Zahlen schon wieder gestiegen sind, und das ist wirklich dein Erbe. Du hast es auch angesprochen: Die Jugendkriminalität ist das Problem, und da haben wir hauptsächlich Täter mit Migrationshintergrund. Es kommt aber noch besser: Es wird eine weitreichende Ausnahmeregelung geschaffen. Wenn Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention angewendet wird, also das „Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens“, greift die Regelung nicht. Das konterkariert einen tatsächlichen Stopp des Familiennachzugs und führt diesen von den Regierungsparteien eingebrachten Gesetzentwurf eigentlich ad absurdum. Weiters ist im Regierungsprogramm auch eine Kontingentierung für den Familiennachzug vorgesehen, was uns der Herr Innenminister ja auch im Innenausschuss bestätigt hat …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Ja!

FPÖ Reinhold Maier

… und sie beginnt nicht erst mit 30. September 2026, sondern sie soll schon nach einem Jahr beginnen. Damit wissen wir eigentlich eh, in welche Richtung es mit dieser Bundesregierung geht: zu einem Weiter-wie-bisher. Genau dieses Weiter-wie-bisher wollen wir nicht, Herr Innenminister.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Reinhold, messt uns an den Zahlen!

FPÖ Reinhold Maier

… Außerdem – auch für dich, Kollege Gödl – befindet sich Österreich ausschließlich inmitten sicherer Drittstaaten. Jeder Asylwerber, der bei uns an den Grenzen ankommt, ausgenommen natürlich auf den Flughäfen, hat sichere Länder durchquert. Warum wenden wir nicht die Dublin-III-Verordnung an? Es kann doch nicht sein, dass sich Asylwerber das Zielland wie Touristen und nach der Höhe der Sozialleistungen aussuchen können. Da sei speziell auch gesagt: Wien ist ja da Spitzenreiter mit unserem Bürgermeister Ludwig und auch Staatssekretär – nicht Staatssekretär, sondern Stadtrat – Hacker (Abg. Kickl [FPÖ] – in Richtung Staatssekretär Leichtfried –: Na jetzt hast du noch mal Glück gehabt!), der ja noch mehr Geld in das Sozialsystem bringen will. Besorgniserregend für uns ist auch die geplante Umsetzung des EU-Migrationspaktes, der einen verpflichtenden Verteilungsmechanismus vorsieht. Dieser Migrationspakt, Herr Innenminister, wird die illegale Migration nach Europa nicht reduzieren, im Gegenteil: Er verfestigt die bestehende Fehlentwicklung und fördert die Zuwanderung. Man muss auch sagen, die Bundesregierung bekennt sich ja zu diesem EU-Migrationspakt. Unser Sozialsystem, unser Bildungssystem und unser Gesundheitssystem, aber auch zum Beispiel meine Kollegen von der Polizei sind bereits jetzt an ihren Belastungsgrenzen angelangt. Ein Weiter-wie-bisher ist deshalb unverantwortlich und nicht mehr tragbar, Herr Innenminister.

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Deshalb beschließen wir ja das Gesetz!

FPÖ Reinhold Maier

… Wir halten daher fest: Wir fordern einen sofortigen und dauerhaften Stopp des Familiennachzugs und keine Placebo- und Showpolitik, wie das die Bundesregierung mit diesem Gesetzentwurf wiederholt zum Nachteil der österreichischen Bevölkerung macht, denn wir wollen das Problem nicht verwalten, so wie ihr das wollt, liebe Bundesregierung, wir wollen es ein für alle Mal beseitigen. Das ist der Unterschied zwischen Ihrem Antrag und dem Antrag des Kollegen Gernot Darmann . (👏 FPÖ) Abschließend möchte ich noch sagen: Wir sind ja nicht für Familienzusammenführung – Kollege Mölzer hat es heute in einem Redebeitrag schon gesagt –, aber bitte, wenn Familienzusammenführungen gemacht werden: nicht bei uns in Österreich, bitte im Herkunftsland! (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke ans Wort. – Bitte.

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Innenminister! Geschätzter Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Der Stopp des Familiennachzugs ist kein Weiter-wie-bisher. Wir haben einen ausgewogenen Gesetzesvorschlag, der es einerseits schafft, die Fakten, die Realitäten in Österreich anzuerkennen und Besserung zu bringen, und andererseits auch, den rechtlichen Rahmen zu beachten. Wenn ich mir die Debatte anhöre, dann bestärkt mich vor allem eines bei diesem Vorhaben, und das sind die Wortmeldungen der Opposition. Das sind auf der einen Seite die Grünen, die verkennen, was die faktische Situation in Österreich ist, wie es um unser Bildungssystem bestellt ist, die sich hierherstellen und sagen, es verbessere sich nichts, aber nicht darüber nachdenken, ob es denn vielleicht nicht noch schlimmer werden könnte ; und es sind auf der anderen Seite die Freiheitlichen, die entgegen dem geltenden Recht, entgegen dem Verfassungsrecht, dem EU-Recht, Mal für Mal Vorschlag um Vorschlag bringen, die einfach nicht halten werden, die die Gerichte aufheben werden. Die Frontalopposition von beiden Seiten macht sicher, dass wir als Regierung auf dem richtigen Weg sind , einem Weg der Mitte, einem Weg der Fakten und einem Weg der tatsächlichen Lösungen. Wir machen nicht die Probleme groß, wir liefern wirklich die Lösungen, und diese sind auch dringend nötig.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Du musst auch noch am Boden der Realität ankommen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie sind dringend nötig – mit Blick auf die Grünen. Einmal zur Realität der Lage in Österreich: Unsere Schulen sind überlastet, die Lehrer:innen schaffen das nicht mehr. Der Unterricht, so wie er zu meinen Zeiten stattfinden konnte, kann zu oft nicht mehr stattfinden, mangels der nötigen Deutschkenntnisse, auch wegen anderer Werte, auch weil Frauen anders behandelt werden, und hier zu sagen, Österreich sei selbst schuld, wir hätten das Bildungssystem früher ändern können, hat nichts mit der Realität in Österreich zu tun.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Deshalb braucht es den absoluten Asylstopp!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… 60 Prozent der Volksschulkinder in Wien sprechen kein Deutsch, in Graz 55, in Linz 50, in Salzburg 55 Prozent.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Sie hetzen ja dauernd, Frau Kollegin! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das ist aber billige Polemik! Populistisch!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das ist keine Lage, die mit Änderungen im Bildungssystem zu verbessern ist. Wir müssen dafür sorgen, dass Migration nur in dem Maße stattfindet, in dem Integration auch möglich ist …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das hat aber nichts mit Asyl zu tun! – Ruf bei der FPÖ: Null!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… und nur so werden wir es schaffen, dass wir die Aufholjagd an unseren Schulen endlich starten und auch erfolgreich beenden.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Rasend schnell!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Und mit Blick auf die FPÖ: Sie sind schon nervös – keine Sorge, kopieren werden wir nichts, wir wollen, dass die Dinge langfristig halten. Das, was Sie hier machen, ist blanker Populismus.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Ja, ich weiß eh! Genau!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Sie stellen Antrag für Antrag. Menschenrechte einfach aushebeln …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Genau! Da haben auch wir recht gehabt!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… einfach streichen, das geht nicht, das wissen Sie eigentlich, das hält vor keinem Gericht. Eine vollständige Abschaffung des Familiennachzugs ist EU-rechtswidrig. Das wissen Sie! …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Erzählen Sie das mal den Polen und den Esten, was die alles machen, wie EU-rechtswidrig das ist!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das hält vor keinem Gericht, aber es geht Ihnen auch nicht darum, Lösungen zu bringen, es geht Ihnen nicht darum, Gesetze zu machen, die halten. Ihnen geht es darum, über die Probleme zu reden, und je größer die Probleme, umso größer Ihre Kundschaft.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele Vertragsverletzungsverfahren haben wir denn eigentlich?

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Das ist die traurige Realität dieser FPÖ. (👏 ÖVP, NEOS) Die Bundesregierung hingegen schafft es, die Probleme in Österreich als das anzuerkennen, was sie sind, und auch die Lösungen zu bringen ( Rufe bei der FPÖ: Ja! Wo sind die Lösungen? ), die es dringend braucht, und die Lösungen im rechtlichen Rahmen zu bringen. Ich bin sehr dankbar, dass wir einen Gesetzentwurf vorlegen konnten, bei dem wir extra noch in die Begutachtung gegangen sind, der rechtskonform ist, der im Einklang mit EU-Recht und mit unserer Verfassung ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das wird sich auch erst weisen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… In Anbetracht der Stellungnahmen der Richtervereinigung und auch des Bundesverwaltungsgerichtes haben wir außerdem – es wurde bereits angesprochen – noch eine letzte Änderung hinzugefügt.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

...-mal verbessert und es ist noch immer nichts Gescheites herausgekommen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Worum geht es? – Uns geht es darum, dass wir den Aufwand, die Arbeit beim Bundesverwaltungsgericht klein halten und auf der anderen Seite das Recht auf wirksame Beschwerde wahren. Daher stelle ich folgenden Antrag: Abänderungsantrag der Abgeordneten Mag. Ernst Gödl , Maximilan Köllner, MA, Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen Der Nationalrat wolle in zweiter Lesung beschließen: Der oben bezeichnete Antrag [...] in der Fassung des Berichtes des Ausschusses für innere Angelegenheiten wird wie folgt geändert: 1. In der Z 6 [...] wird dem § 36a Abs. 3 folgender Satz angefügt: „Auf gesonderten Antrag des Fremden hat die Vertretungsbehörde binnen acht Wochen mit Feststellungsbescheid zu entscheiden, ob die Voraussetzungen des Abs. 2 erster Satz vorliegen. Ein solcher Antrag, eine gegen dessen Zurück- oder Abweisung erhobene Beschwerde und eine wegen dessen nicht rechtzeitiger Erledigung erhobene Säumnisbeschwerde werden gegenstandslos, sobald über den Antrag auf Einreise gemäß § 35 entschieden ist.“ 2. In der Z 6 [...] wird in § 36a Abs. 5 nach dem Wort „Obliegenheit“ die Wortfolge „und seinem Antragsrecht“ - - Präsidentin Doris Bures : Frau Abgeordnete, ich ersuche Sie, den genauen Wortlaut dieses Abänderungsantrages noch einmal zu verlesen. Dem war jetzt nicht so.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oje! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Das war schon einmal ziemlich zach!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ich nehme an, Sie haben den Text vor sich liegen? ( Abg. Wotschke [NEOS] nickt. ) – Gut, ich gebe Ihnen meinen Ausdruck, bitte ab „Der Nationalrat wolle [...] beschließen“.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber Sie müssen ja mitlesen, sonst können Sie ja nicht genau kontrollieren!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Abgeordnete Mag. Sophie Marie Wotschke (fortsetzend): Sicher ist sicher. Der oben bezeichnete Antrag [...] in der Fassung des Berichtes des Ausschusses für innere Angelegenheiten wird wie folgt geändert: 1. In der Z 6 [...] wird dem § 36a Abs. 3 folgender Satz angefügt: „Auf gesonderten Antrag des Fremden hat die Vertretungsbehörde binnen acht Wochen mit Feststellungsbescheid zu entscheiden, ob die Voraussetzungen des Abs. 2 erster Satz vorliegen. Ein solcher Antrag, eine gegen dessen Zurück- oder Abweisung erhobene Beschwerde und eine wegen dessen nicht rechtzeitiger Erledigung erhobene Säumnisbeschwerde werden gegenstandslos, sobald über den Antrag auf Einreise gemäß § 35 entschieden ist.“ 2. In der Z 6 [...] wird in § 36a Abs. 5 nach dem Wort „Obliegenheit“ die Wortfolge „und seinem Antrag[...]“ eingefügt. Danke schön.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist ja nicht das, was da steht! Das hat jetzt aber gar nicht gepasst! Es ist wurscht! Wir haben es eh da liegen!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Ich bitte um Zustimmung. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 13.27 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/59.1 Asylgesetz 2005 (AA-12) Präsidentin Doris Bures : Danke vielmals. Dieser Abänderungsantrag ist nun ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Irene Eisenhut .

FPÖ Irene Eisenhut

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Innenminister! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher hier im Saal und zu Hause! Ich möchte als Erstes einmal Kollegen Gödl kurz ansprechen, weil es mich gestern schon geärgert hat, dass so vollmundig verkündet wird, dass unter Innenminister Karner die Zahlen so stark sinken. Dazu Zahlen, die eigentlich für jeden ganz klar verständlich sind: Asylanträge 2022: 112 272; 2024 – weil gerade die Kritik gekommen ist, es sei schon so lange her –: knappe 25 000 …

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Das ist aber schon ein bisschen ...!

FPÖ Irene Eisenhut

… in der Ära des Innenministers Kickl waren das 2018 (Abg. Höfinger [ÖVP] – erheitert –: Ha!): 13 746; 2019: 12 886.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Das ist keine Ära!

FPÖ Irene Eisenhut

… Ich glaube, daran kann man erkennen, wann in Bezug auf Asyl wirklich gute Arbeit geleistet wurde. (👏 FPÖ) Und nun zum heutigen Antrag, der Änderung des Asylgesetzes 2005. Das ist nichts anderes als ein fauler Kompromiss zwischen den Regierungsparteien und ein Etikettenschwindel gegenüber der österreichischen Bevölkerung. (👏 FPÖ) Die darin enthaltene Hemmung bis September 2026 zögert sämtliche Probleme nur hinaus. Es ist keine Lösung und doch zusätzlich mit einer ganz besonderen Serviceleistung verbunden. Diese Serviceleistung wird im neuen § 36a Asylgesetz gleich als Handlungsanweisung für die Antragsteller mitgeliefert, sich auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention zu berufen. Artikel 8 lautet: „Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens“ – und nicht: Recht auf Familienzusammenführung. Ich möchte das heruntergebrochen ganz kurz erklären …

GRÜNE Tomaselli (Zwischenruf)

Nein, bitte nicht!

FPÖ Irene Eisenhut

… und zwar anhand eines Beispiels im Familienbereich ( Ruf bei den Grünen: ... ist das genauso! ): Es gibt eine Familie, die zwei Kinder hat und sich eines Pflegekindes annimmt. Das ist großartig. Jetzt wird die Situation vielleicht ein bisschen schwierig, und finanzielle Schwierigkeiten kommen dazu. Was macht die Familie? – Sie nimmt drei weitere Pflegekinder auf, weil ihr halt die Kinder so sehr leidtun. Jetzt gibt es noch Geschwister von diesen Pflegekindern, und auch diese nimmt die Familie auf, um Gutes zu tun. Jetzt kommt die Familie aber mit der Situation überhaupt nicht mehr zurecht und bittet Freunde, Bekannte, das gesamte Umfeld, sich um die Kinder zu kümmern. Die Schulden werden immer größer, und aus diesem Grund sollen diese Menschen auch noch einen Teil ihres Einkommens solidarisch abgeben. Jetzt frage ich Sie hier im Saal wirklich: Würde das irgendjemand im privaten Bereich so machen? Würde irgendjemand von uns so handeln? …

ÖVP Schmuckenschlager (Zwischenruf)

Das gibt’s ja auch nicht!

FPÖ Irene Eisenhut

… Jeder würde sagen: Das ist völlig verantwortungslos, wie da gehandelt wird! (👏 FPÖ) Genau so aber agiert diese Regierung. Die ÖVP macht weiter wie bisher, Hauptsache, es gibt eine tolle Schlagzeile. Ich habe es heute in der Früh auf der Fahrt hierher schon im Radio gehört: Der Stopp des Familiennachzuges wird heute beschlossen! …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Ja, das stimmt auch! – Zwischenruf des Abg. Höfinger [ÖVP].

FPÖ Irene Eisenhut

… Das ist mitnichten so. Der SPÖ tun alle leid – wir wollen ja der ganzen Welt helfen –, und die NEOS sind halt auch mit dabei. RN/60.1 Meine sehr geehrten Damen und Herren, diese neue Regelung im Asylrecht ist, wie so vieles, was ich in meinen bisher über 30 Jahren Tätigkeit im Bereich des Innenministeriums kennengelernt habe, ein Für-dumm-Verkaufen der Bevölkerung. (👏 FPÖ) Diese Änderung ist gänzlich ungeeignet, Familiennachzug zu stoppen. Sie ist durch den Verweis auf Artikel 8 EMRK nicht einmal geeignet, ihn zu hemmen, und sie ist schon gar nicht geeignet, Migration und die damit verbundenen Sicherheitsprobleme – auf die sich ja diese Hemmung, die Sie da heute beschließen, eigentlich gründet – zu stoppen. – Danke. (👏 FPÖ) 13.32

PräsidiumDoris Bures

Frau Abgeordnete, für den Ausdruck Dumm-Verkaufen der Bevölkerung erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf. (Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Für die Wahrheit muss man sich nicht schämen! – Weitere Zwischenrufe und Heiterkeit bei der FPÖ. – Abg. Kickl [FPÖ]: Das ist der Ort der freien Rede!) Nun gelangt Frau Abgeordnete Maria Neumann zu Wort.

FPÖ Michael Schilchegger

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Kollege Gödl, selbstverständlich messen wir Ihre Politik an den Zahlen, und genau deshalb sind wir ja gegen Ihre Politik. (👏 FPÖ) Wie ist denn der Familiennachzug von Fremden derzeit überhaupt geregelt? Ich glaube, es ist wichtig, an dieser Stelle der Debatte auch einmal innezuhalten und zu schauen: Wo stehen wir denn?, damit man in weiterer Folge sehen kann, wo man überhaupt hinwill. Wenn Sie heute als österreichischer Staatsbürger beantragen, dass Ihre Ehefrau mit einer anderen Staatsbürgerschaft hierherziehen kann, damit Sie gemeinsam hier in Österreich mit ihr zusammenleben können, dann müssen Sie mehrere Dinge nachweisen: dass Sie bereits über eine angemessen große Wohnung verfügen, wo Sie gemeinsam leben können, dass keine Leistungen der Sozialhilfe in Anspruch genommen werden, die eine Gebietskörperschaft belasten. ( Ruf bei der FPÖ: Ha, ha! ) Sie müssen nachweisen, dass Ihre Ehefrau auch in Österreich krankenversichert ist, dass Sie keine Scheinehe führen und dass keine kriminellen oder terroristischen Aktivitäten von Ihrer Ehefrau zu erwarten sind. – Das ist geltendes Recht. Sonst gibt es für Sie keinen Familiennachzug und für Ihre Ehefrau auch nicht. Für – und das ist jetzt der Punkt – Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte, also alle, die über die Asylschiene eingewandert sind, gelten diese Voraussetzungen nicht. Recherchieren Sie das gerne selbst nach, zum Beispiel auch auf der Website des Bundeskanzleramts oder auf der des Vereins Asylkoordination Österreich – einer NGO, übrigens gefördert mit Steuergeld von der Stadt Wien –, der die diesbezügliche Rechtslage vollkommen richtig zitiert: „Innerhalb von drei Monaten nach Zuerkennung von Asyl müssen Familienangehörige, die im Ausland geblieben sind, den Antrag bei der österreichischen Botschaft stellen. Wer diese Frist versäumt, muss weitere Voraussetzungen erfüllen, z. B. ausreichendes Einkommen, ortsübliche Wohnung, Krankenversicherung“ und so weiter. – Zitatende. Das ist die aktuelle Gesetzeslage, also jene laut Asylgesetz für die Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigten auf der einen Seite und § 11 Abs. 2 des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes mit den strengen Kriterien für alle anderen. Über diese Zweiklassengesellschaft reden wir also. Und weil Sie jetzt in der Debatte wiederholt immer wieder auf das Menschenrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemäß Artikel 8 EMRK hingewiesen haben – und das haben Sie ja auch in Ihrer Gesetzesvorlage als Ausnahmetatbestand erwähnt; ich zitiere: die Hemmung, die Sie haben wollen, „tritt nicht ein, wenn eine Erledigung [...] gemäß Art. 8 EMRK [...] dringend geboten ist“ –, frage ich Sie jetzt eines, meine Damen und Herren: Gibt es also zwei Menschenrechte, die unterschiedlich wirksam sind? Auf der einen Seite haben wir offenbar ein hochwirksames Menschenrecht auf Nachzug von Familie ohne Einschränkungen für Asylzuwanderer, und auf der anderen Seite haben wir ein mehr oder weniger unwirksames Menschenrecht mit massiven Beschränkungen beim Nachzug für Familienmitglieder, wenn es um Österreicher oder Unionsbürger geht. Was ist jetzt mit den Menschenrechten? Gelten die Menschenrechte auf einmal doch nicht universell? Gelten sie doch nicht für alle gleich? – Sie können es nicht erklären, nicht einmal im Rahmen Ihrer eigenen Argumentationslogik. (👏 FPÖ) Aber eines erklärt das schon: Das ist nämlich der wirkliche Grund, warum Sie Anträge gemäß Ihrer Beschlussvorlage nur für ein Jahr hemmen wollen, denn würden Sie die Antragstellung wirklich unbürokratisch stoppen, würden die Asyleinwanderer das von Ihnen geschaffene Privileg nicht mehr nutzen können, weil nämlich dann die gesetzliche Dreimonatsfrist bei späterer Antragstellung bereits abgelaufen wäre. Und wo kämen wir denn dann hin, wenn Privilegien der Asylzuwanderung zugunsten einer systematisch logischen, gerechten und allgemein geltenden Fremdenrechtsordnung ersetzt werden? Das kann es doch nicht sein, das wollen zwar wir Freiheitliche, aber das wollen Sie ganz bestimmt nicht, meine Damen und Herren! (👏 FPÖ) Meine Vorredner von der SPÖ und den NEOS, wenn Sie in Ihren Reden behaupten, wir Freiheitliche hätten überhaupt kein Interesse daran, das Problem selbst zu lösen, dann bitte: Erklären Sie mir, warum Sie am vergangenen Dienstag im Innenausschuss unseren beschlussreifen freiheitlichen Gesetzesantrag zur Umsetzung eines Aslystopps blockiert haben. Und gleichzeitig erlauben Sie Asylanträge von Einwanderern von 1 000 Kilometern entfernten Staaten, für die Österreich als europäischer Binnenstaat ja gar nicht zuständig ist. Es müsste genau umgekehrt sein: Unseren Anträgen müssten Sie zustimmen und diese Anträge von Asyleinwanderern müssten Sie stoppen. (👏 FPÖ) Was sagen eigentlich Institutionen zu Ihrer Gesetzesnovelle? Lesen Sie einmal die Stellungnahmen aus dem Begutachtungsverfahren. Der Verein Asylkoordination Österreich – ich habe es schon erwähnt – und auch die Diakonie Österreich kommen zum selben Ergebnis: Sie nennen das Ganze „verwaltungsverfahrensrechtlich bizarr“. Der Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt ist ein bisschen subtiler. Er sagt: „Eine Überprüfung und Klarstellung wird angeregt.“ ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die Richtervereinigung und auch das Bundesverwaltungsgericht weisen darauf hin: Selbst bei einer vorsichtigen Schätzung ist „mit einer Verdopplung dieser Fallzahlen zu rechnen“.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Das ist eine ... Pleite!

FPÖ Michael Schilchegger

… Das heißt, es bringt mindestens 600 zusätzlich besonders aufwendige Verfahren jährlich. Und das bringt die ohnehin schon belasteten Richter und die dortigen Mitarbeiter am Bundesverwaltungsgericht an ihre Kapazitätsgrenzen. Zusammenfassend zeigt also Ihre Beschlussvorlage kein Stoppschild, sondern es ist eine Art Bodenwelle auf der Straße, um die Zuwanderung durch Familienangehörige von Asylwerbern etwas zu verlangsamen. Und wenn man ganz ehrlich ist, ist es auch nicht eine sonderlich effektive Bodenwelle, denn sie ist nur auf einer einzigen Fahrspur angebracht und auf der anderen Fahrspur gilt weiterhin – leider – freie und ungebremste Fahrt für Asylzuwanderung nach Österreich. Und wenn man noch ehrlicher ist, dann ist es eigentlich auch keine fest im Boden verankerte Bodenwelle, sondern mehr eine Art provisorischer Leitkegel, so eine Art orangefarbenes Baustellenhütchen, denn Sie schreiben ja das Ende dieses Unsinns jetzt schon in Ihrem Gesetzestext mit dem 30. September 2026 fest. Also es müssen wirklich sehr böswillige Menschen sein, die zu dem Schluss kommen, dass ein Stopp des Familiennachzugs, wie Sie ihn großspurig angekündigt haben, nicht wirklich als treffende Zusammenfassung Ihrer Beschlussvorlage bezeichnet werden kann. ( Anhaltender Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Melanie Erasim .

SPÖ Melanie Erasim

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Danke an die FPÖ für den Eingangsapplaus! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Werte Zuseherinnen und Zuseher! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ziemliche Pleite, oder?

SPÖ Melanie Erasim

… Kaum ein Themenbereich löst so viele Emotionen aus wie der Bereich des Asylwesens: von Empathie bis Angst, von unglaublicher Hilfsbereitschaft bis zu großer Unsicherheit. Angesichts dieser Tatsache ist es enorm wichtig, dass wir als Politikerinnen und Politiker sachlich an diese Thematik herangehen. Die Zahl der Anträge auf Familiennachzug ist rückläufig …

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wir sind ja da meilenweit voraus! Wir sind ja da meilenweit voraus! – Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ

SPÖ Melanie Erasim

… und hat sich im Jahr 2024 auf 8 200 Anträge belaufen. Sie sehen, werte Zuseherinnen und Zuseher, selbst das Wort sachlich löst große Emotionen in der Fraktion der Freiheitlichen aus. (👏 SPÖ, FPÖ) Also wenn ein Wort schon so viel Angst schüren kann, dann kann die Bevölkerung sehr, sehr froh sein, dass Sie weiterhin auf der Oppositionsbank sitzen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Wir sind ja da meilenweit überlegen, Frau Kollegin! Meilenweit!

SPÖ Melanie Erasim

… Bei rund 7 000 Anträgen sind seitens des BFA positive Prognoseentscheidungen abgegeben worden, 62 Prozent der Antragsteller:innen waren Frauen und Mädchen. 89 Prozent davon entfielen auf syrische Staatsangehörige. – So weit die Zahlen, Daten, Fakten. Zusätzlich zu diesen Fakten ist es aber auch Fakt, dass in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft Überforderungen zu verzeichnen sind, wie etwa im Bildungsbereich oder auch im Sozial- und im Gesundheitssystem. Aufbauend auf diese Sachlage, aber auch aufbauend auf die höchst persönlichen Wahrnehmungen, die wir ja alle haben, müssen Lösungen gefunden werden – Lösungen, die fest auf nationalem Recht, aber auch auf Unionsrecht fußen müssen. Und das unterscheidet uns immens von der populistischen Hetzparolenpolitik der Freiheitlichen.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Also wer da zuhört bei der Debatte, der weiß, was gespielt wird! Das ist sagenhaft! Da muss man sich ja genieren!

SPÖ Melanie Erasim

… Wie wenig Ihnen an einer wirklichen Lösung von Problemen im Asylbereich liegt, zeigt ja auch Ihr Abstimmungsverhalten: Sie stimmen heute gegen unseren Antrag, sind aber gleichzeitig im Ausschuss für den Antrag der Grünen gewesen, in dem es darum geht, dass die beschlossenen Hemmnisse im Familiennachzug abgelehnt werden. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind Ihnen ja ohnehin nicht ganz so wichtig.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Sie haben jetzt wirklich nicht dem Kollegen Schilchegger zugehört!

SPÖ Melanie Erasim

… Ich musste ja in den vergangenen Regierungsperioden, in denen Sie auch Mitglied in der Regierung waren, mitverfolgen: Unzählige Gesetze sind seitens der Höchstgerichte ausgehoben worden.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wie schafft man so eine Rede? Wie schafft man das?

SPÖ Melanie Erasim

… Da haben Sie gezeigt, dass Sie es ohnehin nicht können.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Am Welser Wesen wird auch die SPÖ irgendwann genesen! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

SPÖ Melanie Erasim

… Würden Sie sich ernsthaft für Lösungen interessieren, wären Sie nie vom Verhandlungstisch aufgestanden. Aber, geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, ich kann Ihnen erklären, warum jede Stimme für Rechtspopulisten eine verlorene Stimme ist, vor allem auch wenn es darum geht, Lösungen im Asylbereich zu erreichen.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

34 Prozent, Frau Kollegin! 34 Prozent!

SPÖ Melanie Erasim

… Sie sind keine Löscher, Sie brauchen sich hier nicht als Löscher zu präsentieren. ( Ruf bei der FPÖ: Und Sie sind ..., Frau Kollegin! ) Sie sind Zündler, denn auf der verbrannten Erde, die Sie hinterlassen …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Zündeln und Feuer würde ich nach der Ansprache von einem ... SPÖ-Landesparteiobmann nicht in den Mund nehmen!

SPÖ Melanie Erasim

… genau da gedeihen Ihre Wählerinnen und Wähler und Ihre menschenverachtende Politik, die mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun hat. (👏 SPÖ) In fünf Bundesländern könnten Sie zeigen, wie gelungene Integrationsmaßnahmen funktionieren, aber kein einziger Vorschlag, keine einzige Maßnahme, die auch nur einen kleinen Beitrag dazu leisten würde, dass Integration gelingt, kommt von Ihrer Seite , kein einziger Vorschlag, der den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken würde. Ganz im Gegenteil! Jede verbindende Maßnahme wird bekämpft, damit Ihnen Ihr einziges politisches Thema, die Hetze gegen Minderheiten, nicht ausgeht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Ist eigentlich das Wort ...: „Hetze“? Gibt es dafür keinen Ordnungsruf? Für dumm verkaufen darf man nicht sagen, aber Hetze schon?

SPÖ Melanie Erasim

… Sehr geehrte Damen und Herren, ich lade Sie alle ein, diesen Weg weiterhin mit uns zu gehen.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Mit euch geht schon keiner mehr den Weg!

SPÖ Melanie Erasim

… Uns sind die Probleme bewusst. Wir handeln auf Grundlage von Rechtsstaatlichkeit. Es ist uns bewusst, dass funktionierende Integration Verhältnismäßigkeit braucht. Dieses Gesetz …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Setzt das Chaos fort!

SPÖ Melanie Erasim

… ist ein erster Schritt in Richtung dieser Verhältnismäßigkeit. Wir schauen nicht weg, nur wir benutzen beim Hinschauen eine Brille …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die rosarote Brille, ja!

SPÖ Melanie Erasim

… die Menschlichkeit, Rechtssicherheit und Sicherheit vereint.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Die Brille gehört einmal geputzt!

SPÖ Melanie Erasim

… Danke schön. (👏 SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Herr Staatssekretär Jörg Leichtfried . – Sie haben das Wort. Bitte.

NEOS Michael Bernhard

Danke, Frau Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Werte Kolleginnen und Kollegen und geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe ja das große Privileg, dass ich mittlerweile einer der längstdienenden NEOS-Abgeordneten in diesem Haus sein darf, und daher habe ich auch schon unterschiedliche Konstellationen von Bundesregierungen erlebt , von Schwarz-Rot über Schwarz-Blau bis zu Schwarz-Grün. Während all dieser gab es natürlich entsprechende Begutachtungsprozesse von Gesetzesvorhaben und die hatten meistens ein Gemeinsames: Man konnte alles Mögliche bei der Begutachtung einmelden, aber beinahe nichts davon wurde berücksichtigt, weil – und das war sozusagen die politische Annahme in diesem Hohen Haus – schon der Aushandlungsprozess davor so mühsam war, weil sich zwei Parteien etwas ausmachen mussten, sodass man danach das Paket nicht mehr aufmachen wollte. – Das war die politische Realität. Deswegen finde ich es tatsächlich sehr erstaunlich und auch sehr schön, dass es uns jetzt in dieser neuen Konstellation erstmals – zumindest in meiner Erfahrungswelt – gelingt, dass dieser Begutachtungsprozess zu dem wird, wie er auch ursprünglich gedacht worden ist, dass nämlich in diesem Hohen Haus auch Gesetzesvorlagen, die vonseiten der Bundesregierung kommen, tatsächlich einer Begutachtung unterzogen werden und kritische Punkte, so sie nachvollziehbar sind, eingearbeitet werden. Ich möchte da zwei Dinge herausstreichen – ich werde dann auch inhaltlich auf das eingehen, was Kollege Schilchegger von der FPÖ gesagt hat –: Natürlich wäre es jetzt recht leicht und wahrscheinlich auch ein bisschen dreist, zu sagen, in dieser Dreierkoalition sind die NEOS dazugekommen und deswegen ist alles so passiert. – Das sage ich aber sehr bewusst nicht, weil ich glaube, dass es tatsächlich noch ein viel größerer Akt der Stärke ist, wenn man sich als Partei einen Schritt weiterentwickelt und diese Begutachtung stärker als in der Vergangenheit zulässt. Daher möchte ich an dieser Stelle ganz klar zum Ausdruck bringen, dass ich dankbar bin, dass wir gemeinsam in der Dreierkoalition diese Veränderung wahrnehmen und den Begutachtungsprozess im parlamentarischen Sinne deutlich gestärkt haben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Inhaltlich wurde schon sehr vieles gesagt, und da gibt es auch viel Berufenere als mich. Ich möchte nur auf einen Punkt eingehen, der selbst für mich als Laie sehr verständlich ist: Kollege Schilchegger von der FPÖ hat unter anderem die Stellungnahmen des Bundesverwaltungsgerichts und der Richtervereinigung genannt und gesagt, er gehe aufgrund dieser kritischen Stellungnahmen davon aus, dass unser Vorhaben ohnehin nicht lange von Bestand ist, dass wir die Verwaltung überlasten werden. Er hat aber einen wesentlichen Teil vergessen, mit hinzuzufügen: nämlich dass wir diese Stellungnahmen berücksichtigt haben. Wir haben ja mit beiden Stellungnahmen tatsächlich gearbeitet, sowohl mit jener der Richtervereinigung wie auch mit jener des Bundesverwaltungsgerichts. Was haben wir denn ganz konkret gemacht? – Wir haben beispielsweise das Thema Informationspflichten in unserem Gesetzesvorhaben entsprechend hervorgehoben, wir haben in die Erläuterungen die eingemahnte Ermittlungspflicht mit aufgenommen, und das Wesentlichste ist, dass wir betreffend den Feststellungsbescheid eine Entscheidungsfrist von acht Wochen mit aufgenommen haben, was dazu führt, dass die Beschwerden gar nicht zum Bundesverwaltungsgericht gehen, sondern bereits davor auf Behördenebene erledigt werden können. Alles in allem: Es wurde inhaltlich viel gesagt. Wir gehen den Weg der Mitte, wir wollen nicht mit Blick auf das Problem laut schreien, sondern wir wollen auch Lösungen liefern. Ich bin als Parlamentarier heute sehr froh und sehr stolz, dass wir nicht nur unsere eigene Meinung hören, sondern auch die anderen, vor allem die kritischen, Meinungen in unseren Gesetzesvorhaben berücksichtigen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Romana Deckenbacher .

ÖVP Romana Deckenbacher

Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Wien als Bundeshauptstadt und größter Ballungsraum in Österreich steht im Zentrum der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Familienzusammenführung. Erlauben Sie mir, dass ich als Wiener Abgeordnete besonders die Situation in Wien ein bisschen genauer betrachte, weil es einfach, glaube ich, wichtig ist, noch einmal aufzuzeigen, warum, natürlich auf gesetzlicher Grundlage, der Stopp der Familienzusammenführung ein notwendiger Schritt ist. Wir haben es heute schon gehört: Das Erste ist natürlich die Überlastung unseres Bildungssystems. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit nicht deutscher Alltagssprache an Wiener Pflichtschulen liegt bei 70 Prozent. Wir haben heute schon von einigen Wiener Gemeindebezirken gehört. Mein Wohnbezirk ist davon auch betroffen: Wir haben über 62 Prozent Kinder, die nicht Deutsch können. Ich habe mit einer Elementarpädagogin aus meinem Bezirk gesprochen, die sagt, dass sie in einer Gruppe 16 Herkunftssprachen hat. Das ist grundsätzlich etwas Positives, es bedeutet aber auch große Herausforderungen, sowohl für die Pädagoginnen und Pädagogen als auch für die Kinder, für die wir alle Verantwortung tragen. Das Zweite ist, dass Parallelgesellschaften in einigen Teilen Wiens leider einfach zur Realität gehören. Ich weiß das aus meinem eigenen Umfeld, dass es Unsicherheitszonen vor allem im Bereich von U-Bahn-Stationen, aber auch in Parkanlagen gibt und dass – der Herr Minister hat es heute schon erwähnt – auch die Kriminalität, die Bandenkriminalität in Parkanlagen zunimmt. Fehlendes Verständnis unserer Werte und unseres Rechtssystems erschweren Integration, fördern aber auch kulturelle Abschottung, und ich sage Ihnen ehrlich: Das können wir alle miteinander nicht wollen. Wir haben schon viel gemacht. Zum Unterschied von der FPÖ zeichnen wir uns mit Erfolg durch eine wichtige Maßnahme aus: Wir tun. Wir haben im letzten Jahr durch bereits gesetzte Maßnahmen wie verstärkte DNA-Tests und intensive Dokumentenprüfungen zahlreiche Missbräuche im Familiennachzug aufgedeckt und verhindern können. Dazu zählen Scheinadoptionen, aber auch gefälschte Verwandtschaftsverhältnisse. Das war Fakt. Diese Maßnahmen haben illegale Nachholungen deutlich reduziert und waren notwendige Schritte zum Schutz unseres Systems. Ja, wir bekennen uns klar zu einem vorübergehenden Stopp beziehungsweise zur Begrenzung des Familiennachzugs zum Schutz des Bildungssystems, damit Schulen effizient arbeiten können und Kinder echte Bildungschancen haben. Wir bekennen uns klar zur Entlastung des Sozialsystems, damit Hilfe dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird. Wir bekennen uns klar zur Wahrung von Sicherheit und Ordnung, indem wir kontrollieren, wer zuwandert und unter welchen Bedingungen, denn Integration beginnt nicht allein mit dem Flugticket nach Wien, sondern mit Deutschkenntnissen, Arbeitsbereitschaft und Respekt vor unseren Werten. Eine funktionierende Gesellschaft braucht Regeln, braucht Grenzen, braucht klare Orientierung. Unser soziales Österreich soll weiterhin für alle, die hier leben und sich einbringen wollen, funktionieren. Dafür stehen wir als Österreichische Volkspartei, dafür steht unsere Bundesregierung. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nun gelangt Herr Abgeordneter Robert Laimer zu Wort. – Bitte.

SPÖ Robert Laimer

Danke, Frau Präsidentin! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren, die unsere Sitzung verfolgen! Wir müssen der Realität ins Auge blicken: Unser Land – und auch Europa – ist an einem Punkt angekommen, an dem Zuwanderung neu gedacht wird. In den letzten Jahren sind Hunderttausende Menschen nach Österreich gekommen. Unsere Schulen, unsere Spitäler, das dortige Personal, unsere Wohnraumsituation, sie alle geraten an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Wir haben eine Dreiviertelmillion mehr Einwohner in Österreich als noch vor zehn Jahren. – So viel zum Thema Personalnot. Und nicht zuletzt spüren wir alle: Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird brüchiger, er bekommt Risse. Meine Damen und Herren! Ich stehe hier als Sozialdemokrat, und Solidarität liegt in unserer DNA. Solidarität funktioniert aber dann am besten, wenn sie auf einem Fundament der Gerechtigkeit aufbaut. Gerechtigkeit bedeutet gerade auch Verantwortung gegenüber jenen, die hier leben, die hier arbeiten, die hier ihre Kinder erziehen und die dieses Land täglich am Laufen halten.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Wieso lebts ihr diese Gerechtigkeit dann nicht?!

SPÖ Robert Laimer

… Diese Menschen erwarten sich zu Recht, dass die Politik bei Problemen nicht wegschaut, sondern handelt. Wir beschließen die temporäre Aussetzung des Familiennachzuges nicht aus Hartherzigkeit, sondern aus Notwendigkeit – weil Integration nur dann funktioniert, wenn die Verhältnismäßigkeit stimmt. Ziel muss es bleiben, dass Menschen, die bei uns Schutz finden, auch mit ihren Familien leben, aber der Weg dorthin muss auch gestaltet werden können. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich eine Gesellschaft überfordert fühlt. Es geht um Verhältnismäßigkeit, es geht um das Maß. Es geht darum, dass wir jenen helfen, die hier sind und die wir mit Chancen und Zuversicht in unsere Gesellschaft aufnehmen können. Integration vor Zuzug ist eine sozialdemokratische Losung.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Das war mal eine freiheitliche Losung!

SPÖ Robert Laimer

… Es ist keine Überschrift. Es ist eine Notwendigkeit, wenn wir den sozialen Frieden auch nachhaltig absichern wollen.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Das sagen die Willkommensklatscher!

SPÖ Robert Laimer

… Und ja, diese Entscheidung ist durchaus hart, aber sie ist notwendig. Eine Gesellschaft, die überfordert wird, wird keine offene Gesellschaft bleiben können. Eine überforderte Gesellschaft verschließt sich, sie verengt sich. Wer das übersieht, riskiert, dass sich die Risse vertiefen. Ich sage Ihnen ganz offen, ich will keinen Kulturkampf in Österreich …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

... schon!

SPÖ Robert Laimer

… keine Ghettos, keine Hoffnungslosigkeit. Ich will ein Österreich, in dem Integration gelingt, weil wir Integration gestalten können, ja gestalten müssen. Ich will, dass zugewanderte Kinder integriert in Österreich aufwachsen und ein Teil, ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind. Die Aussetzung des Familiennachzuges schafft die Möglichkeit, den Fristenlauf für Einreiseanträge im Familiennachzug temporär zu hemmen – so wie jetzt, wenn staatliche Systeme an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Aus integrationspolitischer Sicht ist das entscheidend. Nur so kann verhindert werden, dass der Zuzug bestehende Integrationsstrukturen überfordert und Neuankommende gegenüber hier lebenden Schutzberechtigten benachteiligt werden. Integration gelingt nicht im Überlastungsmodus. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, muss ihn auch absichern, und das bedeutet, Überforderung zu verhindern – ein wichtiges Signal auch gegenüber der EU. Wir müssen nicht allen gefallen, aber wir müssen für alle da sein.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Müssen für Österreich da sein!

SPÖ Robert Laimer

… Das ist unsere Verantwortung, und unserer Verantwortung, mit Maß und Ziel in sozialdemokratischer Haltung den sozialen Frieden abzusichern, stellen wir uns. Zu guter Letzt: Wenn es den Grünen zu viel und den Blauen zu wenig ist, dann liegen wir genau richtig, nämlich in der gesellschaftlichen Mitte. – Danke.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wenn das alles ist, was ihr brauchts, können wir uns das ja ausmachen mit den Grünen!

PräsidiumDoris Bures

Nun ist Herr Klubobmann Herbert Kickl zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Klubobmann. (Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Das ist ein komischer moralischer Kompass!)

FPÖ Herbert Kickl

Danke schön, Frau Präsidentin! Meine Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Wer ist das da vorne? Den habe ich noch nie gesehen!

FPÖ Herbert Kickl

… Der Redebeitrag des Kollegen Laimer und sein Abschluss veranlassen mich dazu, mit einem bekannten Spruch zu antworten: In Gefahr und in der Not ist der Mittelweg der Tod. (👏 FPÖ) Ich habe mich deshalb noch einmal zu Wort gemeldet, weil wir jetzt in diesen Redebeiträgen vonseiten der Einheitspartei – der Regierungspartei und ihrer grünen Sekundanten – gehört haben, dass es da eine exklusive Zuständigkeit darin gibt, Probleme in diesem Land zu lösen. Nun, ein Blick auf die Geschichte und auf die Geschichte der letzten Jahre zeigt uns, dass das Gegenteil der Fall ist: Sie haben keinerlei Kompetenz, wenn es darum geht, Probleme zu lösen. Sie sind aber höchst kompetent, wenn es darum geht, Probleme zu erzeugen, Probleme für die österreichische Bevölkerung. Und Sie sind genauso kompetent, wenn es darum geht, die eigene Bevölkerung hinters Licht zu führen und über den wahren Sachverhalt zu täuschen – und der heutige Tag und dieser Beschluss sind keine Ausnahme. (👏 FPÖ) Wir können ja gleich beim Thema bleiben und eine kurze Rückblende auf das Jahr 2015 geben. Was haben Sie denn der österreichischen Bevölkerung damals angesichts des Grenzsturms erzählt? Was haben Sie denn den Menschen erzählt, die dort gesehen haben, wie Polizisten hilflos an der Grenze gestanden und von einem Massenansturm überrollt worden sind, während die österreichische Regierung – damals eine rot-schwarze Konstellation, so wie heute, unter umgekehrten Vorzeichen – die weiße Fahne hinausgehängt hat? Was haben Sie den Leuten erzählt? – Nicht die Wahrheit. Sie haben die Menschen getäuscht. Sie haben ihnen gesagt, das Wahre, Gute und Schöne kommt da über unsere Grenzen. Es kommen Facharbeiter. Es kommen diejenigen Leute, die unser soziales Sicherungssystem in Zukunft garantieren und absichern werden. – Das waren die Erklärungsmuster, die wir von Ihnen gehört haben, aber das ist nicht das, was Tatsache ist. (👏 FPÖ) Sie haben die Menschen getäuscht, ein paar Jahre später im Zusammenhang mit Corona, indem Sie ihnen eingeredet haben, dass Sie die beste aller möglichen Politiken machen, um Not und gesundheitlichen Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. Bis zuletzt haben Sie das behauptet und bis heute sind Sie stolz auf Ihre Leistung, die Österreich viel, viel schlechter dastehen lässt als viele, viele andere Länder, die auf Ihre Repressalien verzichtet haben. Auch da haben Sie die Menschen getäuscht. (👏 FPÖ) Rücken wir ein bisschen näher in Richtung Gegenwart: Sie haben die Menschen im Zusammenhang mit dem österreichischen Budget getäuscht – ja, selbstverständlich. Einen kleinen Schnupfen haben wir, haben wir vor der Wahl gehört, alles in bester Ordnung. Die Deutschen mögen eine Grippe haben, bei uns ist es ein Schnupfen, das kuriert sich alles von selber aus. Macht euch keine Sorgen, das Budget ist in bester Ordnung! – Das nächste große Täuschungsmanöver, und die Menschen wissen das. Sie haben die Bevölkerung im Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung dieses Landes getäuscht, als Sie gesagt haben: Keine Rede von einer Wirtschaftskrise, keine Rede von einem negativen Wachstum! – In der Zwischenzeit wissen wir, dass wir das dritte Jahr in Folge immer ärmer werden – die nächste Täuschung, eine ärger als die andere. Und jetzt schließt sich der Kreis zu 2015 wieder und jetzt sind wir bei der nächsten Täuschung, beim sogenannten Stopp des Familiennachzugs. – Sie montieren an der Vordertür ein großes Schild, wo draufsteht: Geschlossen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da sind Sie Experte bei den Schildern! – Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP.

FPÖ Herbert Kickl

… Das kann man aus einer gewissen Distanz lesen, und wenn man dann näher hingeht und sich dieses Taferl anschaut , dann sieht man, dass dort druntersteht: vorübergehend bis zum 30.9.2026. Und wenn man noch genauer hinschaut, dann findet man die Umleitungstaferln auf die Rückseite des Gebäudes.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Ich glaube, mit Taferln haben Sie ... ! ... ein paar falsche Taferln irgendwo aufgehängt haben! Der Taferlexperte! Der Taferlkanzler!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist dann die berühmte Ausnahme mit dem Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention. (👏 FPÖ) Das ist das sogenannte Recht auf Familienzusammenführung. Also: Die Familienzusammenführung wird ausgesetzt, außer jemand beruft sich auf das Recht auf Familienzusammenführung, nicht?! ( Ruf bei den NEOS: Nein! ) Das ist die Kurzfassung dieses Gesetzes. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Ja was ist denn der Sinn der Familienzusammenführung, wenn nicht die Inanspruchnahme des angeblichen Rechts auf Familienzusammenführung? Das finde ich ja spannend.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Wie war denn das mit den Spesen vom Herrn Strache eigentlich? Wie haben S denn das als Generalsekretär gemacht? Das täte mich interessieren!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist ein besonders dreistes Täuschungsmanöver. Jetzt sage ich Ihnen noch etwas dazu: Dieser Artikel 8 der Menschenrechtskonvention, das ist auch so eine Sache, da geht es um das Recht auf Familienleben. Das ist etwas, was uns allen sehr wichtig ist.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

So wie die Kindermädchen, die ihr zahlts auf Staatskosten!

FPÖ Herbert Kickl

… Das war Ihnen vollkommen wurscht bei Corona, das ist Ihnen wurscht, wenn es um die Frühsexualisierung der Kinder geht. Da ist Ihnen das alles egal, aber wenn es darum geht, einen Artikel zum Menschenrechtsschutz, der im Grunde genommen darauf angelegt ist, unsere Familien vor einer übergriffigen Obrigkeit – wie zum Beispiel einem Staat in Coronazeiten – zu schützen, wenn es darum geht, das durch eine Richterclique auf europäischer Ebene dahin gehend auszuweiten, dass man es zu einem Recht auf Familiennachzug von überall her aus dieser Welt pervertiert, dann sind Sie mit dabei. Das hat mit Menschenrechten nichts zu tun, das ist eine Pervertierung davon. (👏 FPÖ) Zweiter Punkt: Sie reden von einer Überforderung, ja von einer Überbelastung der Systeme.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Überfordert ist vor allem der Innenminister!

FPÖ Herbert Kickl

… Da gebe ich Ihnen sogar recht: eine Überbelastung im Bereich der Verwaltung, im Bereich der Gerichte, im Bereich des Gesundheitssystems, im Bereich der Bildung, natürlich auch im Bereich der Sicherheit. – Ja, selbstverständlich! Wenn es aber eine Überbelastung gibt, dann ist das doch eine Frage der Zahl! Die Überbelastung hängt damit zusammen, dass die Zahl zu groß ist. Wenn die Zahl der Fremden, die in dieses Land kommen, zu groß ist, dann dürfen Sie nicht nur an einer Stellschraube drehen, sondern dann müssen Sie an allen Stellschrauben drehen, die Sie drehen können, um diese Zahlen zu reduzieren. Jetzt bin ich bei dem, was wir haben wollen. Das bedeutet dann nämlich: keinen neuen Asylantrag annehmen, weil wir von sicheren Staaten umgeben sind. So einfach ist das. Das ist vollkommen kompatibel mit dem international geltenden Recht. Das ist die Quote null, von der wir reden. Das Zweite, was ganz, ganz wichtig ist: keinen Übergang zur Staatsbürgerschaft. – Ja, selbstverständlich! Sie von der ÖVP waren doch immer diejenigen, die gesagt haben, wir müssen ganz streng zwischen Asyl und Zuwanderung trennen. Heute wurde das in allen Redebeiträgen vonseiten der SPÖ, die sich dieses Gesetz schönredet, miteinander vermischt und de facto gleichgesetzt. Was ist jetzt, liebe ÖVP, mit diesem Grundbekenntnis dazu, dass Asyl und Zuwanderung getrennt werden müssen? ( Ruf bei der FPÖ: Da seids ruhig! ) Ich verstehe Sie nicht.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Sie waren ja nicht einmal im Raum die gesamte Debatte über!

FPÖ Herbert Kickl

… Ich verstehe Sie im Übrigen auch nicht im Zusammenhang mit Ihrer Politik, was die Ukraineflüchtlinge betrifft. Sie sind uns die Antwort auf diese Frage immer noch schuldig: Was sind denn die jungen Männer aus der Ukraine jetzt: Sind das Flüchtlinge oder Wehrdienstverweigerer? Was sind diese Herren: Sind sie anerkannte Flüchtlinge, die aus einer Notsituation heraus bei uns Schutz suchen, oder sind sie Leute, die den Kampf mit der Waffe zur Verteidigung der Werte des Westens verweigern? …

ÖVP Gödl (Zwischenruf)

Das sind Frauen und Kinder ...!

FPÖ Herbert Kickl

… Was ist es? – Nicht einmal das können Sie beantworten! (👏 FPÖ) An noch einer weiteren Stellschraube wollen Sie nicht drehen, nämlich am Kappen des Zugangs zur Mindestsicherung. Wenn das stimmt, was die ÖVP immer behauptet hat, dass es keine Zuwanderung ins Sozialsystem geben darf, dann gibt es nur eine logische Konsequenz; dann heißt das, den Zugang für Zuwanderer zu Sozialleistungen zu kappen – ganz einfach. Alle anderen, die kommen, kommen, um zu arbeiten; das sind die, die wir brauchen. Die erwerben sich aber über ihre Arbeit Anspruch auf Versicherungsleistungen und die sind nicht unser Problem. Also wenn Sie an den Stellschrauben drehen wollen, dann müssen Sie auch den Zugang für Asylanten, was die Mindestsicherung betrifft, kappen. (👏 FPÖ) Dritter Punkt: die Rechtsstaatlichkeit. Alles, was wir Freiheitliche wollen, ist gegen den Rechtsstaat gerichtet. – Ich darf Sie erinnern, meine Herren und Damen von der SPÖ, dass Sie da mit einer Partei in Koalition sind, deren Klubobmann vor Kurzem noch eine Überarbeitung der Genfer Konvention oder der Menschenrechtskonvention wollte. Das Gleiche gilt für die künftige Salzburger Landeshauptfrau – nur zur Erinnerung. RN/69.1 Ich sage Ihnen aber noch etwas dazu: Wollen Sie mit der Behauptung, dass unsere Forderungen mit Rechtsstaatlichkeit nicht kompatibel sind, sagen, dass Australien kein Rechtsstaat ist? Wollen Sie das damit sagen? Wollen Sie damit sagen, dass Dänemark kein Rechtsstaat ist? Die Dänen sagen nämlich ganz offen, sie bekennen sich zu einer Quote null und werden keine Ruhe geben, bevor sie diese Quote null erreicht haben. Wollen Sie damit sagen, dass Holland möglicherweise kein Rechtsstaat ist, weil die Holländer sich auf europäischer Ebene darum bemühen, aus diesem irrsinnigen europäischen Asylsystem auszusteigen? …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das heißt Niederlande! Weiß nicht einmal, wie das Land heißt!

FPÖ Herbert Kickl

… Wollen Sie damit vielleicht sagen, dass die Briten, denen Sie jetzt seit der Ukrainegeschichte hinterherrennen wie ein kleines Hündchen seinem Herrn, dass diejenigen, die den Brexit betrieben haben, weil sie Herren im eigenen Haus sein wollten, unter anderem in der Asylfrage ( Ruf bei der ÖVP: Gescheitert sind! ), auch keinen Rechtsstaat haben? – Also hören Sie doch bitte mit diesem dummen Nichtargument auf. (👏 FPÖ) Wenn wir von Rechtsstaatlichkeit reden, gleich noch etwas: Was ist denn eigentlich das Fundament der Rechtsstaatlichkeit? Was ist das Fundament der Rechtsstaatlichkeit? – Die Verfassung ist das Fundament der Rechtsstaatlichkeit. Gut. Jetzt gebe ich Ihnen einen Tipp. Diejenigen Herrschaften, allen voran ein gewisser Herr Kelsen, der diese Verfassung konzipiert hat, auf die Sie sich immer berufen, haben eines ganz zentral mitgedacht: Die wesentlichen Teile dieser Verfassung, die allerheikelsten Probleme, können von wem gelöst und geändert werden? Von wem? – Vom Souverän, vom Volk, genau ( Ruf: Und Sie glauben, dass Sie der Souverän sind?! ), von derjenigen Instanz, die wir respektieren und vor der Sie offenbar ganz, ganz panische Angst haben. Ich gebe Ihnen einen Tipp – dann sind Sie vollkommen kompatibel mit der Rechtsstaatlichkeit ist gleich mit unserer Verfassung –: Fragen Sie einfach die österreichische Bevölkerung, was sie haben will, ob sie eine Asylquote null haben will oder nicht! Lassen Sie den Souverän abstimmen und Sie werden die Antwort bekommen! (👏 FPÖ) Die Menschen wissen nämlich eines ganz genau: Das Problem ist ganz einfach zu lösen. Es gibt keine Überforderung im Bildungssystem, im Gesundheitssystem, für die Verwaltung und auch nicht im Bereich der Sicherheit, beginnend bei Belästigungen im Traiskirchner Schwimmbad bis hin zu Terroranschlägen oder Mordattacken à la Villach. Es gäbe diese ganzen Probleme nicht, wenn diese Leute nicht im Land wären. – So einfach, so logisch ist das. (👏 FPÖ) Also erwartet man sich, dass sich eine Regierung auf die Hinterfüße stellt und alle Hebel in Bewegung setzt, um genau diesen Zustand zu bewirken, weil Hüten besser ist als Heilen. Wenn wir das gemacht haben, dann kümmern wir uns in weiterer Folge um die Frage: Wie gehen wir mit denjenigen um, die schon hier sind und die eigentlich kein Recht darauf haben, sich in unserem Land aufzuhalten? Das ist aber erst die zweitbeste Lösung, denn Sie wissen genauso gut wie ich, Herr Minister – Sie haben ja die Anfragen beantwortet –, dass es de facto ein Vermögen kostet, Leute außer Landes zu bringen. Wir zahlen Unsummen dafür, um zum Beispiel 22 Leute in den Irak – nach Hause – zu bringen. Das kostet uns Hunderttausende Euro. Bei einzelnen Abschiebungen – zwei Personen nach Südamerika – sind wir bei 40 000, 50 000, 60 000 Euro. Finden Sie nicht, dass es schade um das Geld ist, angesichts Ihres budgetären Zustands? Es muss doch in Ihrem eigenen Interesse sein, sich dieses Geld dadurch zu sparen, dass wir verhindern, dass die Menschen, die bei uns nichts verloren haben, überhaupt ins Land kommen. (👏 FPÖ) Das hat nichts mit Unmenschlichkeit zu tun – nichts! –, das hat nur mit der Frage der Zuständigkeit zu tun. Österreich hat eine gute Tradition, was die humanitäre Hilfe betrifft, aber sie betrifft unseren eigenen Kontinent: Sie betrifft unsere Nachbarschaft, Sie betrifft unsere erweiterte Nachbarschaft. Es gibt aber keine Zuständigkeit Österreichs für Syrien und Afghanistan. Da sind andere Regionen auf dieser Welt zuständig, alle – ganz nebenbei – dort in der Region stinkreich durch Erdöl. Die können sich das locker leisten, die haben keine solchen Budgetlöcher wie Sie. (👏 FPÖ) Jetzt noch etwas, weil Sie Ungarn angesprochen haben – die bösen, bösen Ungarn –: Das verstehe ich ja von einem Burgenländer überhaupt gar nicht. Sie müssten ja eigentlich um gute nachbarschaftliche Kontakte bemüht sein, das wäre ja eigentlich angebracht. Bei Viktor Orbán ist es aber immer so: Alle reden über ihn, aber keiner redet mit ihm. ( Rufe bei der SPÖ: Ist das keiner? Dein Freund ist das! ) Das ist ein bisschen das Problem.

SPÖ Bayr (Zwischenruf)

Wir nehmen zur Kenntnis: Herr Rosenkranz ist keiner für den Herrn Kickl!

FPÖ Herbert Kickl

… Vielleicht sollten Sie sich einmal mit ihm zusammensetzen, da könnten Sie im Zusammenhang mit Asyl- und Migrationspolitik einiges – einiges! – lernen. Das, was Sie ihm vorwerfen, ist nämlich die Anwendung von geltendem europäischen Recht. Er ist nämlich derjenige, der die Dublinverordnung anwendet. Wenn Sie Viktor Orbán fragen, warum er die Leute nicht in sein Asylsystem hineinlässt, dann sagt er: Das ist ganz einfach: weil sie aus EU-Ländern kommen! – Sie kommen aus Rumänien, sie kommen aus Bulgarien oder sie kommen aus Griechenland …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Deswegen schickt er sie nach Österreich weiter?!

FPÖ Herbert Kickl

… und damit liegt die Zuständigkeit für diese Leute nicht in Budapest und nicht in Ungarn, sondern in Athen oder in Rumänien, in Bulgarien, in der Slowakei oder wie auch immer. Das ist die eine Komponente …

SPÖ Köllner (Zwischenruf)

Was ist die zweite? Was ist die zweite?

FPÖ Herbert Kickl

… der ungarischen Grenzen – nicht kritisieren, sondern genauso machen! (👏 FPÖ) Dann gibt es einen zweiten Teil der ungarischen Grenze, das ist der, wo Ungarn Außengrenze der Europäischen Union ist, gegenüber Serbien. Was hat Viktor Orbán dort gemacht? – Einen Zaun hat er gemacht und Transitzonen hat er gemacht. Er hat damit das gemacht, was die Europäische Union ankündigt, machen zu wollen, weil es gescheit und vernünftig ist, nämlich die EU-Außengrenzen zu schützen. Er war also in gewisser Weise seiner Zeit voraus, weil dieser Grenzschutz ja jetzt im von Ihnen verabsolutierten EU-Asyl-und-Migrationspakt drinnen steht. Er hat das getan. Was war die Konsequenz der Europäischen Union? – Die Konsequenz der Europäischen Union war nicht, dass man gesagt hat: Sehr gut, lieber Viktor Orbán, so gehört es gemacht, wir unterstützen dich dabei!, sondern Ungarn muss jetzt Milliardenstrafen dafür zahlen , dass es die Außengrenzen der Europäischen Union schützt, so wie die Europäische Union selber sagt, dass sie geschützt werden müssen. Das muss einmal irgendjemand verstehen, logisch ist das nicht! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

So ein Zeitdieb!

FPÖ Herbert Kickl

… Also: Es ist im Grunde genommen ganz einfach. Sie brauchen sich auch gar nicht für Ihre sinkenden Asylzahlen auf die Schultern zu klopfen, wenn Sie im gleichen Atemzug dem Asyl- und Migrationspakt der Europäischen Union zustimmen, der als zentrales Element was drinnen hat? Was denn? – Die Verteilung von Asylwerbern quer über den Kontinent, wenn anderswo die Belastung groß ist. RN/69.2 Das ist ja das Nächste: Jetzt kämpfen wir dann darum, mit unseren Möglichkeiten die Asylzahlen nach unten zu bringen, andere lassen aber einen Schlendrian zu und dann kommen die über einen anderen Eingang herein und werden erst recht wieder nach Österreich verteilt.

FPÖ Lausch (Zwischenruf)

Sei net so nervös!

FPÖ Herbert Kickl

… Das ist doch hirnrissig – das ist doch hirnrissig! Wir brauchen etwas ganz anderes, wir brauchen ein Ende dieser Flickschusterei, wir brauchen ein Ende dieser Reparaturmentalität …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Enttäuschend!

FPÖ Herbert Kickl

… wir müssen das Problem bei der Wurzel packen, das ist der Punkt. Das wird so funktionieren: indem wir eine Festung Ungarn, eine Festung Österreich, eine Festung Slowakei, eine Festung Holland, eine Festung Deutschland haben.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Bau dir eine Lego-Festung!

FPÖ Herbert Kickl

… Dann wird es ein Umdenken geben. Dann wird es ein Umdenken auf europäischer Ebene geben und dann wird Europa zu der Festung werden, die es sein soll, um dem gerecht zu werden, was die Menschen sich von Europa und von ihren Regierungen erwarten. Alles andere ist eine Augenauswischerei. 14.20

PräsidiumDoris Bures

Herr Klubobmann Kickl, es ist Ihnen unbenommen, in der Debatte Argumente zu teilen oder nicht zu teilen. Herabwürdigungen von anderen Argumenten ziehen einen Ordnungsruf nach sich, wie die Aussagen, es sei ein dummes Nichtargument und „hirnrissig“. Daher erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf. Sie können das im Protokoll nachlesen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Für Frau Abgeordnete Belakowitsch wiederhole ich es jetzt gerne: Herr Klubobmann Kickl, es ist Ihnen unbenommen, während parlamentarischer Debatten die Argumente der Kolleginnen und Kollegen zu teilen oder auch nicht zu teilen. (Abg. Kickl [FPÖ]: Danke! – Ruf bei der FPÖ: Gott sei Dank! ) Was nicht geht, ist, sie herabzuwürdigen, weil das einen Ordnungsruf nach sich zieht. (Abg. Stefan [FPÖ]: Und wir dürfen Hetzer genannt werden?!) Deshalb erteile ich Ihnen für die Ausdrücke „hirnrissig“ und dummes Nichtargument einen Ordnungsruf. Jetzt haben Sie es auch. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Herr Abgeordneter Bernhard Herzog , Sie gelangen zu Wort. ( Rufe bei der FPÖ: Na, Geschäftsordnung! He! Unglaublich! Frau Präsidentin! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Wenn Sie doch immer so aufmerksam wären!)

SPÖ Bernhard Herzog

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer! Das Thema Familiennachzug ist ein sensibles, es ist kein Schwarz-Weiß-Thema: Es berührt rechtliche, soziale, bildungspolitische Fragen und vor allem menschliche Schicksale. Als Sozialdemokrat stehe ich für einen Zugang, der Menschlichkeit mit Ordnung verbindet (👏 SPÖ, NEOS), für einen Zugang, der die Realität anerkennt und die Verantwortung des Staates ernst nimmt. Meine Heimatstadt Wien und viele andere Städte in Österreich, urbane Zentren, sind durch die Familienzusammenführungen ganz besonders gefordert worden. Rund 80 Prozent der Menschen, die durch Familiennachzug nach Österreich gekommen sind, leben in Wien. Seit 2022 verzeichnen die Volksschulen jährlich rund 4 000 zusätzliche Kinder, viele davon mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Die Stadt Wien hat aber umfassend und sehr engagiert darauf reagiert: Es wurden neue Schulplätze geschaffen, neue Kindergartengruppen und zusätzliche mobile Klassenräume eingerichtet. Integration in so kurzer Zeit ist aber eine Herausforderung für die Kinder, für die Lehrkräfte, für das gesamte System. Diese hohe Anzahl an relativ zeitnahen Familiennachzügen ist schwierig zu stemmen und führt wirklich zu Ausnahmesituationen, die dann auch für niemanden gut sind. Ich sehe jetzt in diesem zu beschließenden Gesetz einen guten Zugang, diesen Familiennachzug zu staffeln, sodass wir Kindern und Familien helfen, sich besser zu integrieren, dass die Kinder besser eingeschult werden können, dass ordentlich Deutsch gelernt werden kann. Mit dem heutigen Beschluss ziehen wir eine Lehre aus der Vergangenheit, wir schaffen ein Werkzeug für die Zukunft, das auch sogleich seine Wirkung entfalten kann. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist auch keine Anlassgesetzgebung, denn die Zahlen sind ja aktuell sogar rückläufig und niedrig, sondern wir beugen einer außergewöhnlichen Ballung in Bezug auf Familiennachzug vor, denn der Staat braucht die Möglichkeit, gesteuert und rechtskonform zu reagieren. Österreich ist ein hilfsbereites Land, wir haben geholfen und wir helfen weiterhin. Wir müssen aber alle einen Beitrag leisten, Österreich kann nicht jedes Jahr an die Grenzen gehen, während andere sich aus der Verantwortung stehlen. Da blicke ich sehr, sehr bewusst nach Ungarn. Und weil ja in der FPÖ die großen Ungarnfreundinnen und -freunde sind: Ich habe bei meinen vielen Gesprächen, die ich mit vielen Wienerinnen und Wienern geführt habe, noch niemanden erlebt, der gesagt hat: Ungarn, genau so wie die Ungarn müssen wir es machen! (👏 SPÖ) – Das habe ich nicht erlebt. Da seid ihr also, glaube ich, auf einem Irrweg. Die Freiheitlichen fordern ja auch den Austritt aus dem EU-Asylpakt. Das passt ein bisschen zu euren Ideen – Herr Kickl hat das ja auch ausgeführt –, ihr verräumt ja nur zu gerne die Europafahne. Jeder, mit dem ich spreche, gibt mir da aber zu 100 Prozent recht und das ist eine Wahrheit: Wir werden es nicht mit weniger internationaler Zusammenarbeit schaffen, dieses große Problemfeld der Migration zu lösen, sondern wir brauchen mehr Zusammenarbeit, mehr Europa, mehr europäische Zusammenarbeit. (👏 ÖVP, SPÖ) Es ist ja spannend, hier nach Herrn Kickl zu reden. Schön, Sie hier auch einmal zu sehen, denn viel sieht man Sie ja am Stephansplatz, aber hier während der letzten Sitzungen wenig.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Magst ein Autogramm?

SPÖ Bernhard Herzog

… Mich würde interessieren, wie es Ihnen dabei geht, wenn Sie auf diesen Platz neben mir schauen – Bundeskanzler steht da –, denn da könnten Sie sitzen. Das Ganze ist aber ein bisschen traurig, denn durch dieses Reinschreien von der Seite werden Sie ewig in der Opposition bleiben. ( Ruf bei der FPÖ: Den Babler haben wir schon tagelang nicht mehr gesehen! ) Eine wenig konstruktive Art, das ist Ihre Art von Politik, die aber nur zu einem führt: dass Sie ständig von der Seite traurig zuschauen werden. Diese Art von Politik führt zu nichts. Die SPÖ hat da einen anderen Zugang, einen realistischen Zugang …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die SPÖ: „Mache alles, öffne nackt“! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

SPÖ Bernhard Herzog

… Wir sehen die Belastung, aber wir sehen auch die betroffenen Menschen und ihre Schicksale. Wir verlangen Ordnung, aber wir verteidigen auch die Menschlichkeit. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ) 14.27

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Innenminister! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe mir jetzt diese Debatte angehört und ich musste mich einfach zu Wort melden. Ich finde es unverantwortlich – ich finde es unverantwortlich! –, dass hier auf dem Rücken der Kinder und der Familien Politik gemacht wird (👏), dass vor dem Hintergrund der Wienwahl die ÖVP glaubt, mit dieser Showpolitik der FPÖ das Wasser abgraben zu können. Das ist unverantwortlich. (👏) Warum ist das Showpolitik? – Es ist Showpolitik, weil sich damit und mit diesem Gesetz, das wir heute beschließen, nichts ändern wird. Wir reden die ganze Zeit davon – ich habe mir das angehört: die ganze Zeit reden wir davon! –, dass das Bildungssystem überfordert ist, dass der Bildungsnotstand ausgerufen werden musste. Glauben Sie mir, ich bin Wienerin, ich sehe das: Ich sehe überforderte Lehrerinnen und Lehrer; ich sehe, dass die Schulen unzureichend Unterstützung haben; ich sehe Kinderpädagoginnen und -pädagogen, die überfordert sind; ich sehe ein überfordertes Bildungssystem.

FPÖ Wurm (Zwischenruf)

Aber?

GRÜNE Alma Zadić

… Warum wurde nichts gemacht? Warum wurde in Wien vom Bildungsstadtrat, der für Bildung und Integration zuständig ist, in diesem Bereich nichts gemacht? (👏) Wir haben die Daten. Wir wissen, dass 2015 viele Menschen nach Österreich gekommen sind. Wir wissen auch, dass einige von ihnen ihre Familie nachholen werden. Warum wurde nichts gemacht? – Sehenden Auges reitet man in ein Bildungsversagen. Gerade die NEOS wissen ganz genau, was es braucht. – Ich habe mir eure Forderungen angehört. Ich weiß ganz genau, dass ihr vor zehn Jahren genau die richtigen Maßnahmen gefordert habt: Es braucht mehr Lehrer:innen, es braucht mehr Pädagog:innen, Sozialarbeiter:innen, Personen, die den Kindern Deutsch beibringen. Das habt ihr gefordert. Fünf Jahre lang hattet ihr in Wien die Verantwortung für genau diesen Bereich …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Und ihr im Bund!

GRÜNE Alma Zadić

… und nichts ist passiert. Nichts ist passiert! (👏) Was macht man jetzt, um davon abzulenken? – Um von diesem Bildungsversagen abzulenken, macht ihr NEOS jetzt bei dem Gesetz mit – und die SPÖ genauso. Ihr geht bei einem Gesetz mit, das grundrechtlich und verfassungsrechtlich schlicht und ergreifend, um es schön zu sagen, bedenklich ist. Es wird genauso aufgehoben werden wie die Indexierung der Familienbeihilfe, weil es schlicht und ergreifend nicht verfassungsrechtlich korrekt ist. (👏) Ich glaube, Sie verstehen nicht, was Sie mit diesem Gesetz machen. Es macht mich fassungslos, weil es reiner Populismus ist. Mit dieser generellen und allgemeinen Aussetzung der Familienzusammenführung machen Sie genau eines: Sie ändern nichts am Bildungsversagen, sondern ganz im Gegenteil, Sie zerstören Familien! (👏) Es macht mich fassungslos und wütend, dass ich einen afghanischen Vater trösten muss, der seit einigen Jahren hier hart arbeitet, um genug Geld zu verdienen, damit er seine Frau und seine zwei Kinder nachholen kann, der jedes Jahr aufs Neue zittern muss, weil er im Unsicheren ist, ob er jemals wieder mit seiner Familie zusammenleben können wird. Es macht mich fassungslos, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, dass wir so unsere Werte über Bord werfen. Es macht mich wütend, denn hätten wir 1994 – und damals hatten wir genau die gleichen Probleme; ich weiß es, weil ich im 15. Bezirk an einer Brennpunktschule war, wo viele Kinder nicht Deutsch gesprochen haben – die Familienzusammenführung ausgesetzt, würde ich heute hier nicht stehen! (👏) Die zehnjährige Alma Zadić hätte 1994 ihren Vater nicht gesehen. Das ist die Politik, die Sie machen. Kümmern Sie sich um das Bildungsversagen und zerstören Sie nicht Familien! ( Anhaltender Beifall bei den Grünen. – Rufe bei den Grünen: Bravo! )

PräsidiumDoris Bures

Ein zweites Mal hat sich Herr Abgeordneter Ernst Gödl zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Ernst Gödl

Danke, Frau Präsidentin! Und danke ( an die anhaltenden Beifall spendende Fraktion der Grünen ) für den Auftrittsapplaus! Es war gut zu sehen, dass man, glaube ich, mit dem Thema an sich in der Mitte steht, wenn wir das gehört haben, was Kollegin Zadić jetzt gesagt hat.

GRÜNE Zorba (Zwischenruf)

Da haben Sie nicht zugehört! – Ruf bei den Grünen: Geh! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

ÖVP Ernst Gödl

… Man kann aber ein paar Dinge, die Herr Klubobmann Kickl von sich gegeben hat, nicht so stehen lassen. Herr Klubobmann Kickl, Sie haben bei der letzten Nationalratswahl die Mehrheit der Stimmen erreicht und folgerichtig vom Bundespräsidenten den Regierungsbildungsauftrag bekommen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und Sie haben’s torpediert! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Ernst Gödl

… Aber Sie sind kläglich gescheitert, weil Sie bewiesen haben, dass Sie gar kein Interesse daran haben, Verantwortung für Österreich zu übernehmen! (👏 ÖVP) Hätten Sie Interesse, dann hätten Sie ernsthaft verhandelt. Sie kennen die Geschichte von den 8 Stunden – oder es waren vielleicht noch weniger. Sie hatten kein Interesse ( Ruf bei der FPÖ: So ein Blödsinn! ), denn Regieren bedeutet eben, Kompromisse zu suchen. Und wenn Sie jetzt einwenden würden: Wir hätten regiert, wenn wir alles durchsetzen hätten können, was wir uns vorgenommen hätten! – 28 Prozent ist nicht die Mehrheit. Man braucht Kompromisse. So wie wir hier Kompromisse suchen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Leider schlechte Kompromisse! Schlechte Kompromisse!

ÖVP Ernst Gödl

… haben wir damals, als wir mit Ihnen regiert haben, mit Strache damals an der Spitze, mit Ihnen als Innenminister, Kompromisse gesucht und auch gefunden. (👏 ÖVP) Sie haben es nicht ernst genommen und wollen jetzt mit der Fundamentalopposition die gute Arbeit …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Welche gute Arbeit? Wo ist die gute Arbeit? – weitere Zwischenrufe bei der FPÖ

ÖVP Ernst Gödl

… der neuen Bundesregierung konterkarieren. Sie sind ein Will-nicht-Kanzler! Sie sind ein Will-nicht-Kanzler und Sie sind ein Kann-nicht-Kanzler! Um auch ein paar Dinge ins richtige Licht zu rücken: Sie sind natürlich so und legen Ihre Politik von vornherein so an, dass Sie immer in Fundamentalopposition gehen. Weil Sie auch das Thema Corona angesprochen haben: Sie waren damals der Erste, der einen Coronalockdown gefordert hat.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ich bin auch der Erste, der gescheiter geworden ist!

ÖVP Ernst Gödl

… Als dann die Regierung …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

... die wir nicht mehr gebraucht haben!

ÖVP Ernst Gödl

… damals Schwarz-Grün, den Lockdown verordnet hat, sind Sie umgeschwenkt …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, weil man gesehen hat, dass es anders auch geht! So [die Arme seitlich nach oben streckend]! Nicht so [die Hände wie Scheuklappen an die Schläfen haltend]!

ÖVP Ernst Gödl

… weil es nicht Ihrer DNA entspricht, irgendwo mitzuarbeiten, sondern es Ihrer DNA entspricht, immer in die Fundamentalopposition zu gehen. Ich erinnere Sie auch, Sie waren Innenminister …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

War eine gute Zeit!

ÖVP Ernst Gödl

… Gab es da eine Asylquote von null? …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das war mein Ziel, ihr habt gejault!

ÖVP Ernst Gödl

… Das ist eine gute Frage, nicht? Sie propagieren immer die Asylquote null.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Doch, das habe ich öffentlich gesagt!

ÖVP Ernst Gödl

… Es gab nämlich keine Asylquote von null, denn damals – und folgerichtig – haben auch Sie als Minister geltende Gesetze angewendet.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das habe ich öffentlich gesagt, in aufrechter Koalition!

ÖVP Ernst Gödl

… Ich erinnere Sie daran: Im Jahr 2018 – man höre jetzt gut zu! – waren Sie Innenminister, und – ich mache Ihnen das nicht zum Vorwurf; nur damit man der Bevölkerung zeigt, was Sie hier reden und wie Sie handeln, wenn Sie selbst Verantwortung haben; und Sie hatten als Innenminister Verantwortung – im Jahr 2018 gab es 7 400 Schutzgewährungen für afghanische Flüchtlinge.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele davon waren vorm Verwaltungsgericht?

ÖVP Ernst Gödl

… Im Vorjahr gab es übrigens 2 900. Auch zu Ihrer Zeit gab es also nie eine Asylquote null, weil Sie sich an geltendes Recht gehalten haben …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie viele davon vorm Verwaltungsgericht? Und wer war Justizminister?

ÖVP Ernst Gödl

… und deswegen ist es unredlich und unlauter, wenn Sie hier Dinge fordern, die Sie selbst gar nie erfüllt haben und gar nie gelebt haben! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Deswegen kann man das so nicht stehen lassen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Gerichtsentscheidungen! ÖVP! Verwaltungsgericht!

ÖVP Ernst Gödl

… Dass Sie, Herr Kickl, als beleidigter Will-nicht- und Kann-nicht-Kanzler, immer nur herausgehen und alles verurteilen und sich auch im Ton vergreifen – wir haben das ja gerade gehört mit dem Ordnungsruf …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, da braucht es in der Zwischenzeit schon gar nichts mehr dafür!

ÖVP Ernst Gödl

… das können wir so nicht stehen lassen. Wir, unser Innenminister, der Staatssekretär, unsere Bundesregierung , unser Herr Bundeskanzler und wir als Regierungsparteien, versuchen unser Bestes, wir machen unser Bestes, und wir hätten uns gerade im Bereich des Asylrechts ein bisschen seriöse Unterstützung von Ihnen gewünscht. Sie haben heute gegen Deutschförderung gestimmt …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie kommen so nicht weiter!

ÖVP Ernst Gödl

… Sie stimmen jetzt offensichtlich auch gegen die Änderung des Asylgesetzes. Das ist nicht das, was Österreich von führenden Politiker:innen und Politikern an ernsthafter Arbeit erwarten darf.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie kommen so nicht weiter!

ÖVP Ernst Gödl

… Deswegen, Herr Kollege Kickl: so sicher nicht! Wir übernehmen Verantwortung, Sie haben sie verweigert. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Jetzt ist Abgeordneter Michael Schnedlitz zu Wort gemeldet. – Bitte. ( Ruf bei der ÖVP: Jessas Maria! – Ruf bei der SPÖ: Geh! – Weitere Rufe: Oh! Ah! Oje! – Abg. Shetty [NEOS]: Für den versöhnlichen Abschluss!)

FPÖ Michael Schnedlitz

Da sieht man ja schon, bevor ich das erste Wort gesagt habe, wie viele Fans ich in den Sektoren der Einheitspartei habe. ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Dabei wissen Sie noch gar nicht, was ich sagen will. Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Gestehen Sie mir trotzdem zu, dass ich mich ein bisschen äußere, um einfach festzuhalten, wie kaputt der Parlamentarismus mittlerweile in Österreich und hier herinnen, in diesem Haus, ist – wie kaputt. (👏 FPÖ) Wissen Sie, wir debattieren hier einen wichtigen Punkt. Wir debattieren darüber, dass das System überlastet und überfordert ist, angefangen vom Bildungssystem bis zum Gesundheitssystem, zum Sozialsystem. Und ein Innenminister, der nicht weniger, sondern wahrscheinlich noch mehr überfordert ist als diese Systeme, versucht, der Bevölkerung vorzumachen, dass er irgendetwas macht, was aber in Wahrheit gar nicht stimmt. Der Parlamentarismus hier herinnen ist aber so kaputt, dass, wenn der Bevölkerung von vorne bis hinten etwas vorgemacht wird, ein Redner hier heraußen nicht sagen darf, dass das, was hier passiert, eine Lüge ist – denn sonst bekommt er einen Ordnungsruf. Wie kaputt muss ein System sein, dass eine Regierung und Politiker so etwas nötig haben? …

ÖVP Reiter (Zwischenruf)

Lies einmal die Geschäftsordnung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Wie kaputt muss man sein? Wenn dann auch etwas passiert, was nicht klug ist – also da gibt es ein Wort dafür; das heißt dann, dass etwas dumm ist –, und wenn man das gegenüber der Bevölkerung zu Hause ausspricht, dann bekommt man einen Ordnungsruf.

ÖVP Tanja Graf (Zwischenruf)

... vom Thema ab! Ablenkung!

FPÖ Michael Schnedlitz

… Wie kaputt kann und muss ein System sein, damit es das nötig hat – als Schutz vor der Wahrheit in diesem Haus und innerhalb einer vernünftigen Debatte? Außer natürlich, es geht um einen Vorwurf gegenüber der Freiheitlichen Partei oder gegenüber Klubobmann Kickl, dann kann man beleidigen, ihn als Person als Möchtegernkanzler und so weiter bezeichnen. Man kann sogar strafrechtliche Vorwürfe wie die der Hetze machen, dann wird hinter mir ( in Richtung Präsidium weisend ) ignoriert, da halten Sie zusammen – ( in Richtung Präsidium weisend ) hinten am Regierungsausguck und ( in Richtung Plenum weisend ) hier in der Einheitspartei. Wie kaputt muss man sein, dass man glaubt, dass das den Menschen zu Hause nicht auffällt? Wie kaputt muss man sein? (👏 FPÖ) Machen Sie ruhig so weiter, machen Sie weiter! Die Menschen zu Hause haben das längst durchschaut. Geben Sie uns Ordnungsrufe, geben Sie sich selbst keine, beschützen Sie sich gegenseitig , weil Sie den Menschen zu Hause etwas vormachen. Die lassen sich von Ihnen trotzdem nicht weiter für blöd und für dumm verkaufen , sondern durchschauen, wie hier herinnen gearbeitet wird und wie kaputt Sie mittlerweile wirklich sind.

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Ablenkungsmanöver!

PräsidiumDoris Bures

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich werde jetzt einige Minuten die Sitzung unterbrechen und ersuche, zu einer Stehpräsidiale zu mir zu kommen. Die Sitzung ist unterbrochen. Sitzungsunterbrechung, 19. Sitzung, XXVIII. GP des NR, 14:40

Verbot politisch motivierter Kontokündigungen (Debanking

55 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 25/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag auf ein Verbot politisch motivierter Kontokündigungen („Debanking“) abgelehnt. Damit gibt es keinen Auftrag an die Bundesregierung, entsprechende gesetzliche Maßnahmen oder Schutzvorgaben gegen solche Kontokündigungen zu erarbeiten.

Betroffen wären Banken sowie Personen, Unternehmen und insbesondere Medien, deren Bankkonten aus politischen Gründen gekündigt werden könnten.

Ziel des Antrags war es, politisch motivierte Kontokündigungen zu untersagen und damit wirtschaftliche Ausgrenzung sowie Eingriffe in Meinungs- und Pressefreiheit zu verhindern.

Dokumente

Verbot politisch motivierter Kontokündigungen (Debanking

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag mit dem Ziel, politisch motivierte Kündigungen von Bankkonten („Debanking“) zu verbieten.
  • Der Antrag stellt „Debanking“ als willkürliche Kontokündigung politisch unbequemer Personen, Unternehmen oder Medien dar und bewertet dies als Bedrohung grundlegender Rechte.

Begründung: Bedeutung von Meinungs- und Pressefreiheit

  • Meinungsäußerungsfreiheit und Pressefreiheit werden als zentrale Pfeiler einer demokratischen Gesellschaft hervorgehoben.
  • „Debanking“ wird als Instrument beschrieben, um unliebsame Stimmen wirtschaftlich zu treffen und dadurch mundtot zu machen.

Begründung: Beispiele für behauptetes „Debanking“

  • Als Beispiel wird die Kündigung des Bankkontos des konservativ-freiheitlichen Magazins „FREILICH“ durch die Steiermärkische Sparkasse genannt.
  • Als weiteres Beispiel wird eine durch eine linke Kampagne forcierte Kündigung des Kontos des „Heimatkurier“ durch die Bank N26 angeführt.

Begründung: „Debanking“ als Angriff auf die Pressefreiheit

  • Die Kündigung von Konten politisch nicht konformer Medien wird als mehr als wirtschaftliche Schikane dargestellt, nämlich als direkter Angriff auf die Pressefreiheit.
  • Es wird eine Strategie behauptet, patriotische Medien „wirtschaftlich ausbluten“ zu lassen, um kritische Berichterstattung zu unterbinden und alternative Meinungen zu unterdrücken.
  • Es wird als untragbar bezeichnet, dass Banken als für die wirtschaftliche Grundversorgung essenziell zu Instrumenten politischer Diskriminierung werden könnten.
  • Als Folge wird eine Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz betroffener Medien sowie eine Einschränkung der Pluralität der Berichterstattung und der freien Meinungsbildung in Österreich behauptet.

Begründung: Demokratische Grundrechte und Einordnung in aktuelle Entwicklungen

  • Der Eingriff wird in eine Reihe freiheitsbeschränkender Maßnahmen auf EU- und nationaler Ebene eingeordnet.
  • Der „Digital Services Act“ wird als Beispiel genannt, wonach soziale Plattformen zur Zensur verpflichtet würden.
  • Gesetze gegen „Desinformation“ werden als Beispiel genannt, mit denen politisch missliebige Stimmen delegitimiert würden.
  • „Debanking“ wird als weitergehender Schritt beschrieben, weil es betroffenen Akteuren die wirtschaftliche Grundlage entziehe und damit gegen elementare Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat verstoße.

Begründung: Vertragsfreiheit vs. gesellschaftliche Teilhabe

  • Als Gegenargument wird die Vertragsfreiheit von Banken erwähnt, die von Befürwortern solcher Maßnahmen ins Treffen geführt werde.
  • Dieses Argument wird zurückgewiesen mit der Begründung, dass ein Bankkonto heute Grundvoraussetzung für gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe sei.
  • Ohne Bankverbindung sei eine Teilnahme am Geschäftsleben faktisch unmöglich.
  • Eine einseitige Kontokündigung aus politischen Motiven wird als Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung und damit als Menschenrechtsverstoß bewertet.

Verbot politisch motivierter Kontokündigungen (Debanking

~21 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ Elisabeth Heiß

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Stellen Sie sich vor, Sie organisieren eine Petition für den Erhalt des Bargeldes, kurz darauf wird Ihr Konto von der Bank gekündigt, und die Bank muss Ihnen nicht einmal erklären, warum sie das getan hat. – Das ist keine erfundene Geschichte, genau das ist vor Kurzem einer Frau passiert. Und so etwas kann jedem hier passieren, nicht nur den echten, objektiven Medien wie „Report24“, „AUF1“, den Magazinen „Freilich“ und „Heimatkurier“ – die werden nämlich jetzt bestraft, weil ihre kritischen Stimmen unangenehme Fragen aufwerfen. (👏 FPÖ) Wissen Sie, wie man so etwas noch nennt? – Zensur, meine Damen und Herren! Die Kündigung von Bankkonten von politisch nicht konformen Medien ist nicht nur eine wirtschaftliche Schikane, sondern das ist ein direkter Angriff auf die Pressefreiheit. (👏 FPÖ) Es ist ein Wahnsinn, dass in einer Demokratie unsere Banken für einen derartigen politischen Machtmissbrauch verwendet werden können. Die Möglichkeit, ein Bankkonto zu führen, ist doch ein Grundrecht. Ohne Konto ist man quasi handlungsunfähig, und die Menschen, die das betrifft, sind keine Verbrecher, sind keine Geldwäscher – das sind unbescholtene Bürger, die als Verbrecher gebrandmarkt werden. Die Banken haben ja bereits ein System der Prävention, um einer eventuellen Geldwäsche entgegenzuwirken, die sogenannte Haltefrist. Da entfallen jegliche Argumentationen, dass diesen Personen im Vorhinein das Konto verwehrt wird oder nach Vertragsabschluss gekündigt wird, ausgenommen, die bekommen vielleicht Druck von der EZB. Zur Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Frau Lagarde Christine, die öffentliche Gelder veruntreut hat und verurteilt wurde: Sie wurde nicht bestraft – wegen ihrer Persönlichkeit, sagt man. Trotzdem ist sie jetzt Vorsitzende der Europäischen Zentralbank. Das sind doch eigenartige Beförderungsmethoden! (👏 FPÖ) Im Übrigen dürfen sogar Insassen einer Justizhaftanstalt eine Art Konto besitzen, also sollte jeder ein Recht auf ein Konto haben, alles andere wäre gegen den Gleichheitsgrundsatz. Wenn die absolute Digitalisierung kommt, was machen dann diese Menschen, die kein Konto haben? – Sie sind ja für die Digitalisierung …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Ich nicht!

FPÖ Elisabeth Heiß

… Sie wollen ja das Ganze fördern, weil ja der Fortschritt so wichtig ist, aber gleichzeitig berauben Sie die wahrheitsgetreuen Berichterstatter ihrer Lebensgrundlage.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Buschtrommeln!

FPÖ Elisabeth Heiß

… Was macht man ohne Konto in einer digitalen Welt? Was sind denn diese Menschen? – Personae non gratae. Bedenken Sie: Vielleicht betrifft es eines Tages Sie, weil Sie etwas Falsches gesagt haben oder weil Ihre Kinder etwas Falsches gesagt haben, und plötzlich kündigt man Ihnen das Konto. – Na da wäre der Aufschrei von Ihnen aber groß. Die Argumentation der ÖVP bei der letzten Ausschusssitzung, dass wir jede Bank, die diesen Menschen das Konto gekündigt hat, anrufen sollen, ist ja utopisch, bitte. Sie sagen, dass wir mit diesem Gesetzesantrag in die Vertragsfreiheit eingreifen. Also wenn ich jetzt anrufe und jede einzelne Bank darum bitte …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Da müssen Sie aber das Gespräch vorher beenden!

FPÖ Elisabeth Heiß

… dass sie die Konten wieder zur Verfügung stellt, dann greife ich ja auch in die Vertragsfreiheit ein. Also Sie haben keine Lösung für dieses Problem, aber Hauptsache, Brandmauer FPÖ und immer schön dagegenstimmen! (👏 FPÖ) Sehen Sie doch jede kritische Berichterstattung als Spiegelbild Ihrer Parteien und lernen Sie daraus! Denken Sie doch endlich einmal an das Wohl der österreichischen Bevölkerung und vernichten Sie nicht noch mehr Existenzen! Deshalb: Stimmen Sie unserem Antrag zu, dass politisch motivierte Kontokündigungen verboten werden! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Kugler. 5 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Gudrun Kugler

Danke, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte, bevor ich mit meiner Rede beginne, im Namen meines Kollegen Josef Hechenberger eine Gruppe aus Reith im schönen Alpbachtal begrüßen, an der Spitze Hansjörg Leitner. – Herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Wir sprechen über das Debanking. Ihr habt gerade Frau Kollegin Heiß zugehört, und ich möchte jetzt in ein paar Punkten ausführen, wo wir ihr zustimmen können, wo wir meinen, dass der Antrag zu kurz greift, wo wir nicht zustimmen können und um welche Grundrechtsabwägung es eigentlich geht, und dann vielleicht auch sagen, was das für Österreich bedeutet und warum wir diesem Antrag jetzt nicht zustimmen. Debanking – viele kennen nicht einmal den Begriff. Debanking heißt, dass eine Bank aus politischen Motiven einen Kunden nicht annimmt oder kündigt. Im Antrag sind einige Beispiele angeführt, Beispiele aus dem FPÖ-Umfeld. Ich gestehe Ihnen zu, dass diese Fälle echt sind, und ich kenne auch persönlich Menschen, denen das widerfahren ist. Es gibt in ganz Europa Fälle – sehr berühmt: Nigel Farage, dem wurde auch das Konto gekündigt. Die Bank hat sich dann entschuldigen müssen, und die Vorsitzende ist zurückgetreten. Weiters: die Teilnehmer des Trucker-Protests in Kanada, dort gab es 76 Bankkontenkündigungen; diese hat dort ein Bundesgericht dann als rechtswidrig wieder aufgehoben. Und es betrifft auch linke Organisationen, zum Beispiel in Holland eine feministische Organisation mit dem Namen – das spreche ich jetzt wahrscheinlich nicht richtig aus – Voorzij, der auch das Konto gekündigt wurde. Also: Debanking gibt es, es bedroht die Meinungsfreiheit. Wenn Banken darüber entscheiden, welche Organisationen und Personen akzeptabel sind, dann überschreiten sie ihren Auftrag. – Darin kann ich Frau Kollegin Heiß zustimmen und danke auch für die Initiative. Jetzt habe ich aber einen ersten Kritikpunkt: Frau Kollegin Heiß, Sie haben auf ein wichtiges Thema vergessen, das in diesem Kontext genannt werden muss, und das ist das Deplatforming. Das heißt, es gibt ja auch Onlinesysteme, zum Beispiel auch Bezahlsysteme, aber auch andere Plattformen, bei denen es ähnliche Dinge gibt, von denen Menschen oder Organisationen ausgeschlossen werden. Das betrifft, ja, das FPÖ-Umfeld, das betrifft auch Konservative, das betrifft auch feministische Organisationen und es betrifft Journalisten, und dafür gibt es einige Beispiele in der internationalen Debatte. Also Debanking muss man sich anschauen, aber auch Deplatforming muss man sich anschauen. Wie ist das zu bewerten? – Handlungsfreiheit ist ein Grundrecht, das wurde ja hier auch schon gesagt. Das betrifft natürliche und juristische Personen und die Teilnahme am öffentlichen Leben, die freie Meinungsäußerung. Auch die freie Meinungsäußerung ohne Angst vor Repressalien ist etwas, was wir schützen müssen, und etwas, worauf wir hier in Europa stolz sein können. Öffentliches Leben, Meinungsfreiheit ohne Angst vor Repressalien – das kommt allen zu, links wie rechts, und wir brauchen dafür von links und von rechts ein Commitment. Was heißt das aber jetzt für Ihren Antrag, und was heißt das für Österreich und unsere Debatte? – Wir haben es bei privaten Unternehmen mit dem Grundrecht der unternehmerischen Freiheit zu tun. – Frau Heiß, nach dem, wie Sie sich jetzt gerade über diese unternehmerischen Freiheiten geäußert haben, kann ich Ihnen das Grundrechtsengagement auch nicht ganz abnehmen. Das heißt, wir müssen hier Grundrechte abwägen und dürfen nicht sagen: Das eine ist ganz wichtig und das andere zählt gar nichts. Die Situation in Österreich bezüglich Banken ist so: Wir haben erstens ein Recht auf ein Basiskonto, gesetzlich verankert – das heißt, es darf ein Kunde nicht abgelehnt werden, es sei denn, er hat ganz schlimme Verbrechen begangen und so weiter, das kann man sich vorstellen; aber wir haben dieses Grundrecht auf ein Basiskonto –, und zweitens gibt es in Österreich 450 Bankinstitute – da wird man ja hoffentlich eines finden –, und im EU-Binnenmarkt kommen noch weitere dazu. Das heißt, wenn die FPÖ jetzt einen Kontrahierungszwang fordert, dann ist das überschießend. Es gibt gelindere Mittel, und als Politiker sind wir verpflichtet, gelindere Mittel auszunützen, bevor wir mit der Gesetzeskeule auf Private und private Unternehmungen auf diese Weise losgehen. Und über diese gelinderen Mittel, Frau Kollegin Heiß, sollte man sich auch nicht lustig machen. Ich möchte daher die Bankinstitute auffordern, dass man auf das, was in Österreich vereinzelt vorkommt und in Europa vereinzelt vorkommt, ganz genau hinschaut, dass das nicht mehr gemacht wird, und ich möchte, dass wir auch vonseiten der Politik sagen, wir schauen uns das an und hoffen, ein gutes Miteinander und Auskommen zu finden, denn wenn wir dieses Auskommen nicht finden, dann müssen wir Maßnahmen setzen. Aber ich glaube, dass wir in Österreich weit davon entfernt sind, mit solchen Gesetzeskeulen auf unsere Unternehmen loszugehen. Egal ob es sich um linke Gruppen oder um rechte Gruppen handelt: Banken in Anspruch zu nehmen, am öffentlichen Leben teilzunehmen, ist ein Grundrecht, und wir werden sicherstellen, dass wir dieses Grundrecht in Österreich schützen und nicht verletzen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Wieninger. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Pia Maria Wieninger

Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Beim vorliegenden Antrag sind ja zwei Aspekte interessant: erstens, welche Medien von der FPÖ in ihrem vorliegenden Antrag als Opfer inszeniert werden, und zweitens, was die Vertragskündigung zwischen zwei privatwirtschaftlichen Unternehmen laut FPÖ mit Menschenrechten zu tun hat. Widmen wir uns zunächst einmal dem ersten Punkt und schauen wir uns an, welche Medien laut FPÖ diskriminiert werden. Das Thema Debanking – wir haben es schon gehört –, also das Entziehen von Bankdienstleistungen, ist ja kein neues in Österreich. Es gab in den letzten Jahren beispielsweise auch Fälle, in denen Klimaschutz-NGOs oder beispielsweise muslimische Vereine von willkürlichen Kontokündigungen berichtet haben. Interessanterweise gab es da keinen Aufschrei von der FPÖ, aber wie wir in der vorherigen Debatte auch schon gesehen haben, greift die FPÖ ja immer nur dann auf die Menschenrechte zurück, wenn es in ihre politische Agenda passt – wie im vorliegenden Antrag, bei dem es sich um zwei sogenannte alternative Medien handelt. Was sind das für Medien? – Das Magazin „Freilich“ ist der direkte Nachfolger des 2018 eingestellten rechtsextremen Magazins „Aula“. Der „Heimatkurier“ wird im Verfassungsschutzbericht der Neuen Rechten zugeordnet, die – ich zitiere – „mit der Etablierung und Stärkung von alternativen Medien gezielt zur Verbreitung von rechtsextremistischen Narrativen und Propaganda“ beiträgt, „die nicht nach journalistischen Kriterien überprüft wird“. Ein weiteres zentrales Merkmal der inhaltlichen und personellen Ausrichtung dieser Medien ist die Nähe zu völkischen Studentenverbindungen, Burschenschaften und der Identitären Bewegung, sprich: Es handelt sich bei den hier genannten Medien um einschlägig rechtsextreme Medien, die mit Menschenrechten nicht sehr viel am Hut haben. Ganz im Gegenteil (👏 SPÖ): Diese Medien hetzen gegen Minderheiten, gegen Volksgruppen und berichten wohlwollend von Identitären-Aktionen zur Abschaffung der Europäischen Menschenrechtskonvention.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Alles Lug und Trug!

SPÖ Pia Maria Wieninger

… Abgesehen von den fragwürdigen Inhalten dieser alternativen Medien: Kann man, wenn Privatunternehmen von ihrer Bank gekündigt werden, vom Verletzen von Menschenrechten oder der Pressefreiheit sprechen? Oder vermischt die FPÖ hier bewusst privatwirtschaftliches Handeln mit staatlichen Eingriffen, um ihre politische Agenda zu bedienen? Denn: Wenn einem Unternehmen wie in diesem Fall das Konto gekündigt wird, stellt das keine Zensurmaßnahme durch den Staat dar. Es handelt sich um eine privatrechtliche Geschäftsentscheidung eines Unternehmens, nicht um ein behördliches Verbot von Meinungsäußerungen. Die Pressefreiheit wird nicht tangiert, die Medien erscheinen ja auch weiterhin. Fakt ist: Der Antrag bezieht sich auf zwei Vertragskündigungen zwischen juristischen Personen, also Unternehmen, und schweigt sich im Übrigen über den tatsächlichen Kündigungsgrund aus. Die Kritik der FPÖ am Gesetzgeber geht daher hier ins Leere. (👏 ÖVP, SPÖ) Menschenrechte sind schließlich dazu da, um Menschen zu schützen, daher ist für Privatpersonen in diesem Bereich in den letzten Jahren auch einiges passiert. Wir haben es schon gehört: Seit 2016 besteht in Österreich ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf ein Basiskonto für alle Menschen, also natürliche Personen. Das Verbraucherzahlungskontogesetz schützt Inhaber:innen eines Basiskontos vor willkürlicher Kündigung unter anderem aufgrund der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, sprich: Die geltende Gesetzeslage ist ausreichend. (👏 SPÖ) Was bleibt, ist: Die FPÖ vermischt in ihrem Antrag bewusst staatliche Eingriffe mit privatwirtschaftlichem Handeln, um wie so oft ihre politische Agenda zu bedienen. Und zweitens: Alle Menschen in Österreich haben bereits ein Recht auf ein Konto. Das heißt, eine Notwendigkeit für eine Gesetzesänderung wie mit diesem Antrag intendiert ist aus unserer Sicht nicht erkennbar. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster: Herr Abgeordneter Pramhofer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

NEOS Christoph Pramhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Was die FPÖ hier macht, das ist schon ein bisschen eigenartig, weil man suggeriert, dass in Österreich willkürlich jeder Menge Privatpersonen das Konto gekündigt werde. Wir haben es ja von Kollegin Heiß gehört. Das ist natürlich in der Realität nicht der Fall, und auch jede Kontokündigung ist nicht automatisch Debanking. Es gibt ganz, ganz viele Gründe, warum man Kontobeziehungen kündigen kann. Einer könnte vielleicht sein, dass die AML-Bestimmungen immer strenger werden und dass man sich dann überlegt, ob man nicht bei politischen Akteuren besonders genau hinschauen sollte, was da die Hintergründe sind. Das ist aber nur eine Vermutung.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Sie hören den Vertreter einer liberalen Partei!

NEOS Christoph Pramhofer

… Was Sie da aber tatsächlich fordern, ist ein tiefer, tiefer Eingriff in die Vertragsfreiheit, meine Damen und Herren, und das hat nichts mit Menschenrechten zu tun, weil, wie die Kolleginnen und Kollegen schon ausgeführt haben, es in Österreich seit 2016 das Recht auf ein sogenanntes Basiskonto gibt. Sie können da auf der Homepage der FMA nachschauen, dort ist beschrieben: Jeder Österreicher, jede Privatperson hat, unabhängig von der politischen Weltanschauung, ein Recht auf dieses Konto. Was bleibt über? – Es bleiben, kurz zusammengefasst, Unternehmen, Vereine, juristische Personen über, und da gelten andere Maßstäbe, da gelten auch keine Menschenrechte in diesem Sinn.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ist ja auch kein Mensch – ist ein Monster!

NEOS Christoph Pramhofer

… Wir NEOS stehen ganz klar auf dem Standpunkt, es muss jedem Unternehmen und damit auch jeder Bank möglich sein, sich selbst die Geschäftspartner auszusuchen. (👏 SPÖ, NEOS) Das ist nämlich die Vertragsfreiheit, das ist ein Grund- - …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wirklich? Ist das so? Stehen Sie dazu?

NEOS Christoph Pramhofer

… Ja, das ist die Basis unserer freien Wirtschaftsordnung.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Antidiskriminierung und so gibt es nicht?

NEOS Christoph Pramhofer

… Ja, da komme ich gleich dazu. Warten Sie 1 Minute, ich komme dazu! …

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Ihr seid nur mehr eine linke Partei!

NEOS Christoph Pramhofer

… In unserer marktwirtschaftlichen freien Wirtschaftsordnung ist es so, dass es keinen Kontrahierungszwang gibt, aber vielen Dank. Es freut mich, dass es noch nicht angesprochen wurde, jetzt komme ich dazu: Diskriminierungsschutz. Den gibt es im privaten Bereich, nämlich genau dann, wenn es um Herkunft, Religion und Geschlecht geht. Alles andere wäre Levelling-up, meine Damen und Herren, und das ist das, wogegen Sie sich jedes Mal aussprechen, wenn es um das Thema Levelling-up im Privatbereich geht, aber da wären Sie plötzlich da.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Superidee! Sie wissen nicht, was wirklich passiert! Sie haben keine Ahnung, was wirklich läuft!

NEOS Christoph Pramhofer

… Also Sie müssen sich schon entscheiden, was Sie wollen. Sie können dann gern noch einmal rauskommen und Ihre Meinung hier darlegen. Am Schluss auch noch ein Wort dazu: Dass gerade Sie, die Sie permanent vom Bargeld in der Verfassung, bei jeder zweiten Pressekonferenz vom Bargeld sprechen, Banken ja ohnehin als globalistische Weltverschwörung darstellen …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ah so, Geld hat nichts mit Banken zu tun?

NEOS Christoph Pramhofer

… sich da jetzt beklagen, dass jemandem die Bankdienstleistung verwehrt wird, das ist schon ein bissel paradox. Zusammengefasst: Wir brauchen keinen Pseudoschutz für politische Vereine.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Redezeit!

NEOS Christoph Pramhofer

… Wir brauchen Rechtssicherheit und wirtschaftliche Freiheit – alles gut. (👏 NEOS) Der Antrag selber ist widersprüchlich, und die Freiheit, von der Sie da sprechen, hat nichts mit der tatsächlichen Meinungsfreiheit zu tun. – Vielen Dank.

FPÖ Deimek (Zwischenruf)

Der nächste linke Mühlviertler! – Heiterkeit bei der FPÖ.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Prammer. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank. – Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Es ist ein bissel eine eigenartige Debatte, weil sehr, sehr oft, wenn wir hier über Banken reden, denen dann vorgeworfen wird, dass sie unethisch, unmoralisch handeln würden. Jetzt handeln sie einmal ethisch, und dann wird es ihnen auch vorgeworfen. Diese Regelung, die Sie hier fordern, ist, wie jetzt eh schon mehrmals gesagt wurde, eine massive Einschränkung der Vertragsfreiheit, und es muss ja wohl nicht ausdrücklich erklärt werden, dass es diese Vertragsfreiheit logischerweise geben muss. Genau das ist der Unterschied zu der Regelung, die es für die natürlichen Personen gibt: Bei denen hängt die Existenz, hängt die Möglichkeit, zu arbeiten, hängt die Möglichkeit, am sozialen Leben teilzunehmen, daran, dass man ein Bankkonto hat. Das ist heutzutage so. Das ist nicht so, wenn man Geschäfte macht, denn dort steht es jedem Geschäftspartner frei, sich auf den anderen einzulassen oder es eben nicht zu tun. Um nichts anderes geht es hier, und deshalb ist auch dieser Antrag nicht zulässig …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Ist nicht zulässig? Seit wann ist der nicht zulässig?

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… und deshalb kann man für diesen Antrag auch nicht sein.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Entscheidest du, ob ein Antrag zulässig ist?

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

… Und im Übrigen – wenn man es sich einmal genau durchdenkt – ist das eine Position, die gerade zu euch nicht passt, denn ihr hattet eigentlich einmal eine starke liberale Tendenz von eurer Grundaufstellung her. Dieser liberale Teil ist euch aber offensichtlich im Laufe der Geschichte abhandengekommen – er ist zunächst einmal so ein bisschen hellblau geworden, jetzt sitzt da Pink in der Regierung, und bei euch ist davon nichts mehr übrig. Das ist okay, aber beruft euch dabei doch nicht auf Grundrechte! Das ist wieder eine Verzerrung von Grundrechten, wie ihr sie die ganze Zeit ausübt. Deshalb wird dieser Antrag natürlich abgelehnt. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich der Herr Staatssekretär. – Bitte. (Abg. Darmann [FPÖ]: Unsere Linie unterstützen, danke ...!)

ÖVP Johann Weber

Vielen Dank, Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie beziehungsweise zu Hause vor den Bildschirmen! Im gegenständlichen Antrag wird gefordert, dass natürliche und juristische Personen ein Recht auf ein Bankkonto haben sollen. Im gleichen vorliegenden Antrag ist nun auch die Rede davon, dass – und ich zitiere jetzt – politisch nicht konformen Medien das Konto gekündigt werde. Frau Kollegin Wieninger hat darauf Bezug genommen und Beispiele angeführt – ich klammere das jetzt aus. Schauen wir uns das Ganze daher ein bisschen genauer an! Man muss da unterscheiden zwischen juristischen und natürlichen Personen, also zwischen Menschen und auch zwischen etwa Unternehmen. Jetzt zum Recht auf ein Konto für natürlichen Personen, also uns Menschen – wir haben das auch schon von den Vorrednern gehört –: Seit 2016 hat jeder Verbraucher bei uns das Recht auf ein Basiskonto. Geregelt ist das in § 23 Verbraucherzahlungskontogesetz. Das heißt jetzt aber auch, dass grundsätzlich alle Banken in Österreich verpflichtet sind, dieses Produkt zu führen. Alle Menschen, die sonst kein Konto bekommen, können somit ein Konto mit grundlegenden Funktionen bekommen, das bedeutet, Einzahlungen sowie Barabhebungen am Schalter oder auch irgendwo beim Bankomat zu tätigen, und das auch innerhalb der EU. Das Kreditinstitut kann den Antrag auf ein Basiskonto nur dann ablehnen, wenn der Verbraucher eine gerichtlich strafbare Handlung gegen die Bank oder gegen einen Mitarbeiter der Bank begangen hat. Es ist also klar geregelt, wann man ablehnen kann. Gehen wir einmal davon aus, dass kein Mensch strafbare Handlungen gegen alle – ich betone: alle – Banken oder deren Mitarbeiter setzt: Es wird also immer Banken geben, bei denen man ein Basiskonto bekommen kann. Ein Mensch darf grundsätzlich auch nicht wegen seiner Staatsangehörigkeit, seiner Weltanschauung oder wegen politischer oder sonstiger Anschauungen von einer Bank diskriminiert werden. Das heißt, jeder Mensch bei uns in Österreich bekommt ein Konto. (👏 ÖVP, NEOS) Jetzt noch zu juristischen Personen: Da ist es ein bisschen problematischer. Niemand soll im Geschäftsleben gezwungen werden – das haben wir auch gehört –, mit einer juristischen Person – einer Firma, einem Verein, einer Organisation – Bankgeschäfte zu machen. Das soll frei sein, da sollen die freien Kräfte spielen. Wie sieht es da aber in der Realität aus? – In Österreich, das haben wir heute auch schon einmal gehört, gibt es mehr als 450 Banken. In Fällen, bei denen Geschäftsbeziehungen gekündigt werden – aus welchen Gründen und warum auch immer –, finden sich immer wieder andere Banken, die neue Kunden gerne annehmen. Meine geschätzten Damen und Herren, ich komme zum Schluss: Was sehen wir daraus? – Wir sehen, dieser Antrag, der hier Gegenstand der Diskussion ist, geht grundsätzlich ins Leere, und daher lehnen wir ihn ab. – Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Hanel-Torsch. Eingestellte Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Es ist jetzt bereits viel gesagt worden, aber ich möchte vielleicht noch ein bisschen darauf eingehen, warum der FPÖ die zwei Fälle, die im Antrag angeführt worden sind, denn so wichtig sind. Das ist eigentlich ganz leicht erklärt: Es handelt sich nicht um irgendwelche Magazine, sondern es geht nämlich um das Magazin „Freilich“ und um den „Heimatkurier“. Da geht es nicht um journalistische Freiheit, um Meinungsfreiheit, sondern da geht es um die Verbreitung von extrem rechten Inhalten und extrem rechten Gesinnungen – das muss hier auch einmal gesagt werden. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Die Kollegin hat es schon angesprochen: Das Magazin „Freilich“ ist der Nachfolger des publizistischen Flaggschiffs der Rechtsextremen in Österreich – das war die „Aula“. ( Ruf bei der FPÖ: Endlich pflegt jemand eine ordentliche Verbotskultur! ) Dass die FPÖ die extrem Rechten permanent verteidigt, ist ja mittlerweile wohl hinlänglich bekannt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die extrem Linken werden Vizekanzler!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… Schauen wir uns aber auch noch ein bisschen die Strukturen dieses Magazins an, um den Antrag vielleicht noch ein wenig besser zu verstehen: Wer ist denn der Geschäftsführer des Verlagshauses Freilich Medien GmbH? – Das ist der Grazer FPÖ-Gemeinderat Heinrich Sickl, aus den Medien vielen wegen seiner rechten Gesinnung und den Verbindungen zu den Identitären bekannt. Das Team des Magazins ist überwiegend männlich dominiert – das verwundert jetzt auch nicht wirklich, aber dass überwiegend Leute aus der Bundesrepublik dort publizieren, sollten die Wähler:innen der FPÖ schon wissen, denn sonst reden Sie immer von der großen Heimatliebe, aber dort schreiben die Deutschen, und zwar welche Deutschen? – Die extrem rechten Deutschen. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ist einmal Fred Duswald, vielleicht manchen noch bekannt: Er hat KZ-Häftlinge aus Mauthausen als Landplage und Kriminelle beschimpft. ( Ruf bei der FPÖ: Er hat eine rechte Gesinnung, Konto sperren! ) Ich meine, da kann man sich schon einmal die Frage stellen, welche Leute dort schriftstellerisch tätig sind. ( Ruf bei der FPÖ: Dann kriegt er noch ein Konto, das ist ja unglaublich! ) Dann noch sein Enkel, „N.N.“: Der ist auch Burschenschafter bei der Danubia in München und Aktivist bei den Identitären.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Einsperren, alle einsperren!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… Sie wollen es nicht hören, aber so ist es. Diese Aufzählung könnte ich endlos weiterführen. (👏 SPÖ) Nun frage ich mich echt: Sollen wir aufgrund dieser beiden Fälle eine Gesetzesänderung herbeiführen? – Wir sagen Nein, es gibt keine Notwendigkeit. Es gibt unzählige Banken, zu denen sie vielleicht hingehen können, bei denen sie ein Konto eröffnen können. Für die natürlichen Personen – wir haben es heute schon mehrfach gehört – besteht ohnehin das Recht auf ein Konto. – Vielen Dank.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Endlich wieder eine totalitäre Gesinnung hier herinnen!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Höfler. 3 Minuten eingemeldete Redezeit.

SPÖ Bernhard Höfler

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Am Beginn sollte ich festhalten, dass ich mit einer unglaublich großen Ehre und Demut heute hier stehen darf. Es ist bekannterweise meine erste Rede. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Als Tiroler braucht man ein bisschen länger, damit man sich im schönen roten Wien akklimatisieren kann, aber ich glaube, dass ich die verlängerte Probezeit jetzt ganz gut überstanden habe. ( Heiterkeit bei der SPÖ. – Ruf bei der FPÖ: ... du in deinem Porsche! ) – Genau. Ich habe heute die Möglichkeit, zum Thema Menschenrechte zu sprechen. Ich glaube, am Beginn sollten wir in diesem Hohen Haus festhalten, dass Menschen- und Grundrechte nicht verhandelbar sind, keine Gnade des Staates sind und ein unveräußerliches, sogar essenzielles Fundament unserer freien Demokratie darstellen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Es ist aber auch unsere gemeinsame Verantwortung hier im Hohen Haus, mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, mit Niveau und mit einem gewissen Grundsatz in einer pragmatischen Art und Weise zu den Freiheits- und Grundrechten zu sprechen und nicht immer mit einem politischen Kalkül oder Schlagzeilenlogik. Wir haben auch im Ausschuss besprochen, dass dieser Antrag der Freiheitlichen Partei leider intendiert, dass dieses politische Kalkül im Hintergrund natürlich ganz andere Schritte oder politische Herausforderungen mit sich bringen sollte. Er dramatisiert Einzelfälle und behauptet oder suggeriert damit, dass es in unserer Republik politisch motivierte Kontokündigungen in Massen geben könnte, und zwar, ohne den Beweis anzutreten. Gemäß § 22 des Verbraucherzahlungskontogesetzes – das wurde auch schon von meinen Vorredner:innen angesprochen – hat jede natürliche Person mit rechtmäßigem Aufenthalt in der Europäischen Union Anspruch auf ein Zahlungskonto, und das diskriminierungsfrei. Was hier betrieben wird, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ: Hier wird versucht, ein politisches Schauspiel zu betreiben, die typische Rosinentheorie umzusetzen – ich picke mir immer Dinge aus der Verfassung, aus dem Recht heraus –, um schlussendlich frei nach Pippi Langstrumpf zu handeln: „Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Aus diesem Grund lehnen wir diesen Antrag ab. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumWalter Rosenkranz

Wir gelangen nun zur Abstimmung über den Antrag des Ausschusses für Menschenrechte und Volksanwaltschaft, seinen Bericht 55 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit und damit angenommen.

Bericht der Bundesministerin für Justiz über die in den Jahren 2017 bis 2023 erteilten Weisungen

50 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage III-90 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR
FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht der Bundesministerin für Justiz über die in den Jahren 2017 bis 2023 erteilten ministeriellen Weisungen (nach Abschluss der jeweiligen Verfahren) zur Kenntnis. Damit wird der Bericht formell angenommen, ohne inhaltliche Änderungen oder weitere Maßnahmen zu beschließen.

Betroffen sind die Berichts- und Kontrollpflichten des Justizministeriums zu erteilten Weisungen im ministeriellen Weisungsbereich (inklusive eines Falls, in dem der Weisungsrat im Ergebnis nicht berücksichtigt wurde).

Dokumente

Bericht der Bundesministerin für Justiz über die in den Jahren 2017 bis 2023 erteilten Weisungen

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird der Bericht der Bundesministerin für Justiz über ministerielle Weisungen in den Jahren 2017 bis 2023, jeweils erst nachdem das der Weisung zugrundeliegende Verfahren beendet wurde.
  • Der Bericht umfasst insgesamt 16 Weisungsfälle (Fälle Nr. 1 bis 16).
  • Unter den 16 Fällen ist ein Fall enthalten, der unter die besondere Berichtspflicht fällt, wenn der Äußerung des Beirates für den ministeriellen Weisungsbereich („Weisungsrat“) im Ergebnis nicht Rechnung getragen wird (Fall Nr. 16).

Rechtsgrundlagen und Berichtspflichten

  • Gemäß § 29a Abs. 3 StAG besteht eine Pflicht der Bundesministerin für Justiz, dem Nationalrat und dem Bundesrat über von ihr erteilte Weisungen zu berichten, sobald das zugrundeliegende Verfahren beendet ist.
  • Gemäß § 29c Abs. 3 zweiter Satz StAG besteht zusätzlich eine Berichtspflicht über jene Fälle, in denen die Bundesministerin der Äußerung des Weisungsrates im Ergebnis nicht Rechnung trägt, ebenfalls nach Verfahrensbeendigung.

Inhaltliche Kernaussage/Ergebnis

  • Der Ausschussbericht zielt darauf ab, die parlamentarische Kenntnisnahme des vorgelegten ministeriellen Weisungsberichts (III-90 der Beilagen) zu ermöglichen.

Bericht über den Rechtsextremismus in Österreich 2023 (unter Berücksichtigung der Jahre 2020 bis 2022

51 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage III-126 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜRDAGEGEN
ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
FPÖ

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den „Bericht über den Rechtsextremismus in Österreich 2023“ (Zeitraum 2020–2022) zur Kenntnis. Der Justizausschuss empfiehlt diese Kenntnisnahme mit Stimmenmehrheit; der Bericht gilt aufgrund eines Verlangens des Grünen Klubs gemäß § 28b Abs. 4 GOG-NR als nicht enderledigt.

Betroffen ist die parlamentarische Behandlung des von der Justizministerin vorgelegten Rechtsextremismusberichts (erstellt vom DÖW im Auftrag von BMJ und BMI) sowie die damit befassten staatlichen Stellen und die Öffentlichkeit.

Dokumente

Bericht über den Rechtsextremismus in Österreich 2023 (unter Berücksichtigung der Jahre 2020 bis 2022

Gegenstand und inhaltlicher Fokus des Berichts

  • Der Bericht behandelt den Rechtsextremismus in Österreich und widmet sich den maßgeblichen Akteur*innen, ihren Ideen und Aktivitäten.
  • Er analysiert Vernetzungen rechtsextremer Akteur*innen auf nationaler und internationaler Ebene.

Zeitraum und Einordnung

  • Der Bericht berücksichtigt die Jahre 2020 bis 2023.

Erstellung und Auftrag

  • Der Bericht wurde vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) verfasst.
  • Die Erstellung erfolgte im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz und des Bundesministeriums für Inneres.

Parlamentarische Behandlung und Status

  • Der Bericht wurde im Justizausschuss behandelt.
  • Aufgrund eines Verlangens des Grünen Klubs im Parlament wird der Bericht gemäß § 28b Abs. 4 GOG-NR nicht enderledigt.

Herabsetzung der Strafmündigkeit

52 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 29/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, die Strafmündigkeit (Deliktsfähigkeit) in Österreich herabzusetzen. Damit bleibt die Strafmündigkeit weiterhin bei 14 Jahren; es werden keine neuen strafrechtlichen Maßnahmen für 12- bis 13-Jährige eingeführt.

Betroffen wären vor allem Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren (insbesondere 12- bis 13-Jährige) sowie das Jugendstrafrecht und die zuständigen Gerichte und Betreuungseinrichtungen.

Ziel war, auf steigende Kinder- und Jugendkriminalität zu reagieren, indem bereits ab 12 Jahren strafrechtlich relevante Verantwortlichkeit mit gestuften, überwiegend pädagogisch-therapeutischen Maßnahmen ermöglicht wird.

Dokumente

Herabsetzung der Strafmündigkeit

Ausgangslage und Problemwahrnehmung

  • Der Antrag stellt einen Zusammenhang zwischen mangelnder Bildung, gescheiterter Integration und steigender Jugendkriminalität her.
  • Es wird von einer stark zunehmenden Kinder- und Jugendkriminalität gesprochen, insbesondere unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
  • Einzelmaßnahmen wie Gesamtschule, Streetworker und eine „milde Justiz“ würden nach Ansicht der Antragsteller nicht ausreichen, um Gesellschaft und junge Menschen zu schützen.

Zielrichtung: umfassender Aktionsplan und Schwerpunktsetzung

  • Gefordert wird ein umfassender Aktionsplan zur Eindämmung von Jugendkriminalität.
  • Im Vordergrund stehen sollen: qualitativ hochwertige Ausbildung, Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sowie gezielte Präventionsmaßnahmen.
  • Um wirksam zu sein, müsse bei Minderjährigen unter 14 Jahren angesetzt werden.

Begründung mit Kriminalitätsentwicklung (Statistikangaben)

  • Es wird ein Anstieg der Zahl unter-14-jähriger Tatverdächtiger von 9.101 (2021) auf 11.983 (2023) und 12.442 (2024) angeführt.
  • Daraus wird ein Anstieg um 36,7 % zwischen 2021 und 2024 abgeleitet.
  • Als längerfristiger Trend wird genannt: registrierte Straftaten von Kindern zwischen 10 und 14 Jahren seien von 4.800 (2013) auf 10.000 (2023) gestiegen (mehr als Verdoppelung).

Argumentation zur Herabsetzung der Strafmündigkeit und Verantwortungszuschreibung

  • Die Entwicklung, jungen Menschen mehr Eigenverantwortung zuzugestehen, solle sich auch im Strafrecht bzw. im Jugendgerichtsgesetz widerspiegeln.
  • Als Vergleichspunkte werden genannt: Beginn der Wehrpflicht mit 17 Jahren sowie die auf 17 Jahre gesenkte Altersvoraussetzung für den Führerschein; Fahrschulausbildung ab 15½ Jahren, Führerschein mit 17 bei bestandener Prüfung.
  • Es wird behauptet, unmündige Minderjährige seien sich in der Regel ihrer Handlungen bewusst.
  • Als Beispiel wird der Fall der in Deutschland ermordeten 12-jährigen Luise angeführt, bei dem eine Täterin im Internet recherchiert habe, ab welchem Alter Strafmündigkeit gilt.

Vorgeschlagene Absenkung und Grundprinzipien der Umsetzung

  • Angestrebt wird, die Deliktsfähigkeit/Strafmündigkeit für strafrechtsrelevante Handlungen speziell ab 12 Jahren einzuführen bzw. auf 12 Jahre herabzusetzen.
  • Es wird ein mehrstufiges Konzept gefordert, in dem Inhaftierung nur als letzte Möglichkeit vorgesehen ist.
  • Statt einer pauschalen Annahme soll konkret nachgewiesen werden, ob die betroffene Person das Unrecht der Tat erkennen kann (Diskretionsfähigkeit) und bewusst eine unrechte Handlung begeht (Dispositionsfähigkeit).

Begleit- und Interventionsmaßnahmen (pädagogisch/therapeutisch/sozial)

  • Begleitende Maßnahmen sollen entwickelt werden, um betroffenen jungen Menschen mit sozialer und psychologischer Betreuung zu ermöglichen, einen selbst gewählten oder durch Einfluss älterer Personen eingeschlagenen falschen Weg zu verlassen.
  • Als mögliche Maßnahmen werden genannt: richterlich angeordnete, betreute „Schnupperhaft“, Gespräche mit Gefängnisinsassen sowie gemeinnützige Arbeit.
  • Ziel dieser Maßnahmen ist, jungen Menschen die Folgen kriminellen Handelns bewusst zu machen und sie zu einer Rückkehr in ein gutes Umfeld zu motivieren.

Eingeholte/angeführte externe Einschätzung

  • Ein Zitat des Gerichtspsychiaters Reinhard Haller wird angeführt: Straftaten von Zehn- bis 14-Jährigen sollten „irgendwelche Folgen“ haben; es brauche kontrollierte pädagogische Maßnahmen, nicht sofort Gefängnis, sondern therapeutische Sanktionierungen.

Herabsetzung der Strafmündigkeit

~31 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
SPÖ Muna Duzdar

Herr Präsident! Sehr geehrte und geschätzte Frau Justizministerin! Es geht unter anderem um den FPÖ-Antrag auf Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre. Sie, werte Kollegen von der FPÖ, behaupten, dass mit der Herabsetzung der Strafmündigkeit oder mit der Senkung der Altersgrenze die Kriminalität sinken würde. Das ist falsch, und ich möchte versuchen, Sie davon zu überzeugen, dass Sie falsch liegen. Herr Kollege Stefan, Sie haben heute das Schweizer Modell angeführt. Ich glaube, es ist wichtig, dass ich Ihnen einmal sage, dass der Vergleich mit dem Schweizer Modell einfach hinkt. ( In Richtung des mit Abg. Brückl [FPÖ] sprechenden Abg. Stefan [FPÖ]: ) Hören Sie mir zu? Herr Kollege Stefan! ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Herr Kollege Stefan, ich repliziere auf das, was Sie in Ihrer Rede zum Schweizer Modell gesagt haben. ( Ruf bei der SPÖ: Das interessiert ihn nicht! ) Ich möchte Ihnen hier in aller Deutlichkeit sagen, dass der Vergleich hinkt – aus einem bestimmten Grund.

SPÖ Greiner (Zwischenruf)

Sehr höflich ... persönlich angesprochen! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Vielleicht ist es ihm wurscht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ist ja wurscht, was sie sagt! Wer ist sie?

SPÖ Muna Duzdar

… Ich möchte nämlich mit diesen Märchengeschichten über das Schweizer Modell aufräumen. ( Ruf bei der SPÖ: Der kriegt das gar nicht mit! ) Es ist zwar richtig, dass die Strafmündigkeit in der Schweiz bei zehn Jahren liegt, aber wir sollten alle wissen, dass jugendliche Straftäter erst ab dem Alter von 15 Jahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden können. Und: Das Schweizer Modell ist ganz anders als das österreichische Strafrechtsmodell. Dort besteht die Staatsanwaltschaft nicht nur aus Juristen, sondern das ist ein Kollegium, das aus Psychologen, aus Pädagogen und, und, und besteht. Ich glaube, dass man mit diesem Vergleich einmal aufräumen muss. (👏 SPÖ) Werte Kollegen und Kolleginnen! Dieses Thema ist mir ein wirklich besonderes Anliegen, und ich hätte so liebend gerne mehr Zeit dafür; aber ich möchte Ihnen eines sagen: Seit 96 Jahren liegt in Österreich die Altersgrenze für die Strafmündigkeit bei 14 Jahren – seit 96 Jahren, seit 1929, als das Jugendgerichtsgesetz geschaffen wurde und das Prinzip, dass gerade bei jungen Menschen der Grundsatz der Erziehung dem Grundsatz der Strafe vorgehen muss, gesetzlich verankert wurde. Selbst als die Jugendkriminalität in Österreich auf einem Höhepunkt stand, nämlich 1959 mit der höchsten Zahl von strafrechtlichen Verurteilungen, die neunmal so hoch wie heute war, 1976, als sie fünfmal so hoch wie heute war, kam man nicht auf die Idee, die Strafmündigkeit herabzusetzen. Worum geht es in unserem österreichischen Strafrecht? – Der Erfolg der österreichischen Strafrechtsordnung besteht ja darin, ob eine Resozialisierung gelingt. Die Bevölkerung muss geschützt werden, aber auch junge Menschen, die einmal kriminell werden, müssen davon abgehalten werden, rückfällig zu werden. Daran misst sich in Wirklichkeit der Erfolg einer strafrechtlichen Maßnahme. Sehr geehrte Damen und Herren! Was soll ich jetzt sagen? Die Redezeit ist aus.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Man kann aber auch Wahlen gewinnen!

SPÖ Muna Duzdar

… Ich möchte Ihnen vielleicht zum Abschluss nur sagen: Sie ( in Richtung FPÖ ) führen immer die Kriminalstatistik an. Ja, bei der Kriminalstatistik muss man wirklich genau hinschauen. In Wirklichkeit ist es so, dass die Zahl der strafrechtlichen Verurteilungen bei Jugendlichen zurückgegangen ist. Was tatsächlich angestiegen ist, ist nämlich die Zahl der angezeigten Taten. Die Zahl der angezeigten Taten ist wirklich gestiegen, das ist richtig. Aber wissen Sie, zum Abschluss möchte ich Ihnen eines sagen: Wenn bei Politikern die Unschuldsvermutung gilt, dann gilt sie auch bei jungen Menschen. Ich möchte jetzt abschließend einen Entschließungsantrag einbringen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Selma Yildirim , Mag. Klaus Fürlinger , Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Justiz und der Bundesminister für Inneres, wird ersucht, dem Nationalrat ehestmöglich eine Regierungsvorlage zuzuleiten, mit der alle im Regierungsprogramm vereinbarten Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendkriminalität umgesetzt werden, um den Behörden und zuständigen Organisationen effektive Mittel zur Eindämmung der Jugendkriminalität zur Verfügung zu stellen.“ Danke sehr. (👏 SPÖ) 18.11 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/130.1 Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität (37/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Markus Tschank .

FPÖ Markus Tschank

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Nennen wir das Kind bitte beim Namen: Österreich hat ein Problem mit importierter Ausländerkriminalität. Zahlen, Daten, Fakten lassen sich nicht einfach wegwischen. Werfen Sie bitte einen Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik des Jahres 2024: Die Zahl der nicht österreichischen Tatverdächtigen stieg innerhalb der letzten zehn Jahre von 90 000 im Jahr 2015 auf 160 000 im Jahr 2024. Der Anteil von Nichtösterreichern an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen erhöhte sich von 37 Prozent auf knapp 47 Prozent. 53 Prozent der in Österreich einsitzenden Häftlinge sind nicht Österreicher. Straffällige Ausländer werden jünger, sind teilweise unter 14 Jahre alt. Das, sehr geehrte Damen und Herren, ist das Ergebnis einer völlig gescheiterten Asyl- und Migrationspolitik. (👏 FPÖ) Eine Schubumkehr, sehr geehrte Damen und Herren, ist nicht in Sicht. Der Europäische Gerichtshof hat erst im Herbst letzten Jahres ausgesprochen, dass pauschal alle afghanischen Frauen in Europa ein potenzielles Asylrecht haben. Sehr geehrte Damen und Herren, das sind über 20 Millionen Menschen, die der Europäische Gerichtshof einlädt, zu uns nach Europa zu kommen. In Kombination mit dem Recht auf Familienzusammenführung ist das ein migrationspolitischer Tsunami, der sich auf Europa zubewegt. Dass ein Höchstgericht solche Entscheidungen trifft, ungeachtet dessen, ob dies mit unserer Sicherheit, mit unserem Sozialsystem, unserem Bildungssystem, unserem Arbeitsmarkt, unserem Pensionssystem vereinbar ist, interessiert die europäischen Institutionen nicht. Dass dies die kulturelle Statik unseres Kontinents massiv bedroht, dass sich unsere Zivilisation kulturell stark verändern wird, wird billigend in Kauf genommen. Transkontinentales Asyl ist mittlerweile Realität, sehr geehrte Damen und Herren, und dieses transkontinentale Asyl richtet diesen Kontinent Schritt für Schritt zugrunde. (👏 FPÖ) Seit Jahren fordert die FPÖ, die Grenzen zu schließen und eine Nullzuwanderung umzusetzen. Orbán hat es in Ungarn vorgezeigt. Es geht letztlich um Abschreckungsmaßnahmen. Es geht letztlich darum, dass man den Menschen auf einem anderen Kontinent signalisiert, dass sie nicht ohne Weiteres zu uns kommen und sich bei uns niederlassen können. Polen macht es vor, Dänemark macht es vor. Polen wird von einer liberalen Regierung unter Donald Tusk geführt, hat seine Grenzen geschlossen, macht Pushbacks, eine Nullquote im Asylbereich. Dänemark wird sozialistisch regiert und setzt auf Asylabschreckung. Es gibt Ausreisezentren, es gibt wirkungsvolle Maßnahmen von Regierungen, die liberal und sozialdemokratisch geführt werden. Daran, sehr geehrte Damen und Herren, sollten Sie sich ein Vorbild nehmen. Nehmen Sie sich ein Vorbild an diesen liberalen Regierungen, an diesen sozialistischen Regierungen, die jene Inhalte umsetzen, die wir als FPÖ eigentlich jahre- und jahrzehntelang bereits gefordert haben! (👏 FPÖ) Wien, sehr geehrte Damen und Herren, unsere Bundeshauptstadt, ist ein Modellfall für gescheiterte Asyl- und Migrationspolitik. Brennpunktschulen, hohe Ausländerkriminalität, keine Integrationsbereitschaft, soziale Hängematte: All dies zeigt uns, dass in Wahrheit in Wien letztlich massive Fehler in der Asyl- und Zuwanderungspolitik begangen worden sind. Es bedarf daher einer Politik der Abschreckung, genau so, wie das in Polen fabriziert wird, genau so, wie das in Dänemark gemacht wird, eines deutlichen Signals in die Welt: Wir wollen diese Form der illegalen Zuwanderung nicht haben, wir wollen kein transkontinentales Asyl, wir wollen unsere europäische und österreichische Identität behalten. (👏 FPÖ) Das heutige Maßnahmenpaket, sehr geehrte Damen und Herren, bezieht sich auf drei Bereiche. In aller Kürze: Die Senkung der Strafmündigkeit und Deliktsfähigkeit wurde bereits von Kollegen Stefan angesprochen und ausführlich erörtert. Die anderen beiden Gesetzesmaßnahmen betreffen einerseits den Kampf gegen die Schlepperei. Jede unerlaubte Einreise in das österreichische Staatsgebiet soll unter Strafe gestellt werden. Geschleppte Personen, die für ihren Schlepper bezahlen und sich illegal ins Land einschleusen lassen, sollen genauso bestraft werden wie die Schlepper selbst. Schlepper sollen natürlich darüber hinaus auch härter bestraft werden. Schutzberechtigte sollen straffrei bleiben, wenn sie sich unverzüglich bei österreichischen Behörden melden. Die letzte Maßnahme, die wir vorschlagen: Ausländerkriminalität soll ein Erschwerungsgrund im Strafgesetzbuch werden. Jemand, der als Fremder in unser Land kommt, unsere Wohltaten erhält, unser soziales Sicherungssystem genießt, ohne jemals dafür eingezahlt zu haben, und dann eine Straftat begeht, soll entsprechend härter bestraft werden können. Warum? – Weil es dafür auch eine sachliche Rechtfertigung gibt: Knapp 50 Prozent der Tatverdächtigen in Österreich sind Ausländer. 53 Prozent der Insassen in Gefängnissen sind Ausländer. Wenn von einer bestimmten Gruppe – wie hier der Fall – nachweislich eine erhöhte Kriminalität ausgeht und eine höhere Gefahr für das Gemeinwohl besteht, ist es Ihre Pflicht, sehr geehrte Damen und Herren, eine höhere Bestrafung dieser Gruppe entsprechend sicherzustellen. Dies nennt man Generalprävention. In diesem Sinne: Für das Wohl Österreichs ersuche ich Sie um die Zustimmung zu diesem Antrag. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Johanna Jachs .

ÖVP Johanna Jachs

Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor wenigen Tagen wurde die neue Kriminalitätsstatistik präsentiert, und ja, da bereitet es Bauchweh, wenn wir sehen, dass die Jugendkriminalität steigt. Da liegt es natürlich dann auch nahe, dass wir generell die Idee diskutieren, die Strafmündigkeit zu senken, was wir jetzt auch machen, weil wir ja auch den entsprechenden Antrag der FPÖ jetzt diskutieren. Was aber auch zur Wahrheit gehört, ist, dass uns wahrscheinlich gerade kein zwölf- bis 14-jähriges Kind zuhören wird oder später in der „ZIB“ nachschaut, dass wir hier herinnen über eine mögliche Senkung des Strafmündigkeitsalters diskutiert haben. Es wird sich wahrscheinlich auch kein zwölf- bis 14-jähriges Kind deswegen denken: Puh, da stelle ich jetzt lieber nichts mehr an! ( Heiterkeit bei Abgeordneten der Grünen. ) Was die Kriminalstatistik aber auch zeigt, ist, dass das Gott sei Dank kein Massenphänomen ist. Es wurde schon angesprochen: Man muss sich vorstellen, dass es ein paar wenige Systemsprenger gibt. Das sind Intensivtäter, Wiederholungstäter, das ist ein Trio, von dem jeder teilweise über 1 000 Straftaten begeht. Das ist eine immense Zahl, das muss man sich einmal vorstellen. Da ist es auch wichtig, dass wir unseren Behörden die Werkzeuge in die Hand geben, gegen diese Intensivtäter, gegen diese Wiederholungstäter, gegen diese nicht strafmündigen Systemsprenger wirklich vorzugehen. Darum ist auch wichtig, was Herr Bundesminister Karner gesagt hat: Er hat vorgeschlagen, Ausgangsbeschränkungen im Heimaufenthaltsgesetz zu schaffen, sodass Behörden eben genau gegen diese Intensivtäter vorgehen können. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, ihr schlagt ja auch immer das Schweizer Modell vor. Ich bin wirklich dankbar, liebe Kollegin Duzdar, dass du vorhin auch angesprochen hast, dass das System in der Schweiz ganz, ganz anders ist, auch wenn man dort schon ab zehn strafbar ist. Und es ist auch Fakt, dass unsere Justizanstalten derzeit gar nicht darauf ausgerichtet wären, auf die Bedürfnisse von Kindern, auf Zwölf- bis 14-Jährige, einzugehen. Darum ist es meiner Meinung nach auch wirklich effizienter und praktikabler, Behörden eben Maßnahmen und Werkzeuge in die Hand zu geben, um effektiv vorzugehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Dann sollen sie lieber Straftaten begehen! – Abg. Lausch [FPÖ]: Wie sich das alles ändern kann! Bei den Verhandlungen war das Konsens!

ÖVP Johanna Jachs

… Sehr geehrte Damen und Herren, es gibt ja auch jetzt schon die Möglichkeit, Intensivtäter, Wiederholungstäter in Wohngemeinschaften oder anderen sozialen Einrichtungen unterzubringen, wenn sie nicht durch ihre Eltern betreut werden können. Da braucht es dann eben auch Ausgangsbeschränkungen, damit diese von der Begehung weiterer Straftaten abgehalten werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Also zuerst müssen sie ein paar Mal rückfällig werden! Wiederholungstäter!

ÖVP Johanna Jachs

… Wir müssen uns, glaube ich, generell die Frage stellen: Wollen wir, dass in Zukunft härter bestraft wird, oder wollen wir, dass weniger Straftaten begangen werden? – Ich glaube, es ist auch ganz legitim, beides zu wollen, das ist ganz wichtig. Es braucht aber einfach eine klarere Abstufung und auch andere Lösungsvorschläge im Vollzug, denn es kann nicht sein, dass wir einfach mehr Kinder ins Gefängnis stecken. Und ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich weiß, auch wir haben im Wahlkampf noch die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters gefordert.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das war vor der Wahl! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Aber was kümmert Sie Ihr Geschwätz von gestern?

ÖVP Johanna Jachs

… Jetzt ist es so, dass das Regierungsprogramm von breiter Verantwortung getragen wird und ein guter Kompromiss ist. Darum sind gute und sinnvolle Maßnahmen drinnen, die auch wir wirklich gerne unterstützen, weil es da um Prävention und Erziehung geht. Das ist gescheit, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich erwähne nur ein Beispiel: Es soll Normverdeutlichungsgespräche geben. Das heißt, gerade Kinder, die unsere Kultur, unsere Regeln nicht kennen und die sie auch nicht von ihren Eltern vermittelt bekommen können, sollen einfach zu Gesprächen eingeladen werden. Denen soll verdeutlicht werden, wie bei uns gelebt werden muss.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und im Religionsunterricht wird man religiös! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Johanna Jachs

… Die Ausgangsbeschränkungen habe ich erwähnt. Fallkonferenzen, verpflichtende Fallkonferenzen - - Liebe Kollegen und Kolleginnen von der FPÖ, wenn ihr mir ein bisschen zuhören würdet, dann würdet ihr das, was ich da vorne sage, vielleicht auch verstehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sicher nicht bei dem Blödsinn!

ÖVP Johanna Jachs

… Es ist auch ganz, ganz wichtig, dass es verpflichtende Fallkonferenzen, mehr Präventionsmaßnahmen gibt. Es steht außer Frage, dass die ganz, ganz zentral und bedeutend sind. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Kinder sind unsere Zukunft. Ich glaube schon, dass es eine ganz, ganz große Aufgabe von uns ist, den Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen, weil sie einfach unsere Ressource sind. Darum müssen wir dafür sorgen, dass Kinder gar nicht erst in die Situation kommen, Straftaten zu begehen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, das wäre das Allerbeste!

ÖVP Johanna Jachs

… Wir müssen sie dann aber auch dabei unterstützen, sollte es so sein, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Das halte ich wirklich für eine zentrale und ganz wichtige Aufgabe der Politik. Jetzt, im Hinblick auf die Intensivtäter, ist es gescheit und wichtig und drängend, dass wir da Ausgangsbeschränkungen schaffen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das erzählen S’ einmal der Mutter von dem vergewaltigten Mädel!

ÖVP Johanna Jachs

… Ich hoffe, dass wir das noch vor dem Sommer schaffen können. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn Kinder – ja, es sind Kinder – schwere Straftaten begehen, dann bestürzt uns das alle. Und ja, darauf müssen wir reagieren, aber wir müssen mit Vernunft reagieren. Die politische Antwort darauf kann nicht sein, dass wir Kinder aufgeben, aber genau das wäre eine Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die Schweiz ...!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Strafrechtliche Sanktionen – das zeigen Studien – sind an diesem Punkt enorm schädlich für die Entwicklung. Sie zementieren Fehlentwicklung, sie machen es nicht besser.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die haben bis dahin keine gesunde Entwicklung gehabt!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Kinder werden im Gefängnis nicht verantwortungsbewusster – im Gegenteil: Sie lernen dort genau das, was sie nicht machen sollen. Kein zwölfjähriges Kind kommt ins Gefängnis und geht dann besser, verantwortungsvoller heraus. Es ist ganz klar, es ist belegt: Frühzeitiger Kontakt mit dem Strafvollzug erhöht das Risiko für Rückfälle, Schulabbrüche und für soziale Ausgrenzung. Sie haben es angesprochen: Es gibt Länder, in denen das Alter herabgesetzt wurde, aber dazu gab es auch Studien, und die Evidenz der Studien zeigt ganz klar, dass das keine gute Idee ist, denn die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters hat keine abschreckende Wirkung. Die Herabsetzung führt nicht zu einem Rückgang der Jugendkriminalität bei unter 14-Jährigen – Generalprävention: Fehlanzeige –, es gibt auch eine erhöhte Rückfallquote – Spezialprävention: ebenso Fehlanzeige. Die Kinder, die ins Gefängnis kommen, sind nachher nicht weniger geneigt, Straftaten zu begehen – im Gegenteil: Sie werden es nachher viel, viel wahrscheinlicher tun. Und dann gibt es noch negative Auswirkungen auf die Bildung, weil wir einfach sehen, dass ein Kontakt mit dem Strafvollzug eines erhöht: das Risiko, die Schule frühzeitig abzubrechen, und das kann nicht unser Ziel sein. Wir müssen diese Kinder da nehmen, wo sie sind, und wir müssen auch darauf eingehen, dass diesen Kindern eines fehlt: Perspektiven und auch Struktur in ihrem Alltag. Genau darauf setzt diese Bundesregierung mit dem Vorschlag – Bürgermeister Ludwig hat es bereits angesprochen – von Jugend-WGs: dass diese Kinder, die in einem Milieu aufwachsen, in dem ihnen nicht die nötigen Perspektiven, Türen und Strukturen gegeben werden, in Einrichtungen mit multiprofessionellen Teams, mit verbindlichen Regeln und mit Struktur kommen, dass wir ihnen langfristig im Leben Chancen und Perspektiven öffnen, aber eben auch Konsequenzen aufzeigen können. Genau dieser Weg ist der pädagogisch sinnvolle, genau dieser Weg ist es, der uns auf der einen Seite helfen wird, die Jugendkriminalität runterzubringen, und auf der anderen Seite, darauf zu schauen, dass diese Kinder später besser werden. Wer heute die Strafmündigkeit senkt, verbaut morgen den Kindern die Zukunft. Genau das wollen wir nicht. Wir wollen diese Kinder wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückholen – mit Jugend-WGs. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Das Thema Jugendkriminalität ist natürlich emotional, das verstehe ich. Wie meine Vorredner und -rednerinnen aber schon gesagt haben: Es macht halt keinen Sinn, da schnell, reflexartig zu entscheiden, quasi: Wenn Kinder Probleme machen, dann sperren wir sie ein; aus den Augen, aus dem Sinn. – Das funktioniert einfach nicht. Probleme verschwinden nicht, nur weil wir wegschauen. Darum müssen wir, im Gegenteil, ganz genau hinschauen – und das müssen wir auch bei Social Media machen. Denn: Nein, das ist nicht einfach nur ein bloßes Scrollen am Handy und nur schnell auf Tiktok schauen, sondern das ist mehr. Haben Sie beispielsweise die Serie „Adolescence“, die gerade boomt, gesehen? – Dann wissen Sie, was ich meine. Zwölf-, 13-Jährige, die eine App öffnen, und was sehen Sie? – Hass, Krieg, Bodyshaming, Frauenverachtung, Verschwörung. Alles das würde man auf einem Pausenhof in der Schule niemals zulassen, aber online schauen wir weg. Mädchen, die anfangen, ihren Körper zu hassen, weil der Algorithmus sagt, wie sie auszuschauen haben; Burschen, die in toxische Männlichkeitsbilder eintauchen, weil sie hoffen, dass sie dort Antworten finden; Jugendliche, die mit Bildern von Hass, Blut, Krieg konfrontiert sind und damit alleingelassen werden: Das sind keine Ausnahmen, sondern das ist das, was jeden Tag passiert – jeden Tag. Das können wir nicht länger ignorieren. Genau deshalb fordern wir ein Mindestalter von 16 für Social Media (👏), verlässliche Alterskontrollen und klare gesetzliche Regeln für Plattformen, denn auch die Plattformen, die mit diesen Inhalten Milliarden verdienen, müssen für den Druck, den sie erzeugen, und für die Schäden, die sie hinterlassen, in die Verantwortung genommen werden. Mit dieser Forderung stehen wir auch nicht alleine da. Die neuste Jugendstudie zeigt ganz genau, ganz deutlich, dass 85 Prozent dieser jungen Menschen – also genau die, die es betrifft – sagen, sie wollen auch eine Altersbegrenzung von 16 Jahren, weil sie den Druck merken, weil sie die Gewalt merken. Auch viele Eltern, die verständlicherweise völlig überfordert sind, schreiben uns; sie schreiben, dass da endlich etwas passieren muss. Sie fühlen sich alleingelassen, denn es gibt keine Regeln, um diese Kinder zu schützen. Wir haben eine Altersbegrenzung beim Tabak, beim Alkohol, beim Glücksspiel, sogar bei Filmen, aber dort, wo Kinder jeden Tag unterwegs sind, stundenlang online, ungefiltert, unreguliert, da regeln wir nichts. Die FPÖ wirft uns via Aussendung vor, wir betreiben Meinungsdiktatur, weil wir Kinder vor Gewalt, vor Frauenhass, vor Extremismus schützen wollen. – Leute, das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun! Da geht es darum, Kinder vor einer Industrie zu schützen, die Milliarden damit verdient, dass sie die Köpfe unserer jungen Menschen vergiftet. Wenn die FPÖ Social Media zur ideologischen Kampfarena erklärt, dann hat das nichts mit Freiheit zu tun, sondern das ist politischer Missbrauch von Schutzlosen. (👏) Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, und daher bringe ich folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum“. Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Familie, Jugend, EU und Integration im Bundeskanzleramt wird aufgefordert sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass Social Media Plattformen die Verpflichtung auferlegt wird, ihre Services Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nicht anzubieten und dazu Altersverifikationen durchzuführen, wobei die Altersverifikation über die e-ID erfolgen sollte, und zwar ohne Weitergabe von personenbezogenen Daten außer der Information, dass die Person das 16. Lebensjahr vollendet hat.“ Ich gehe von breiter Zustimmung aus. (👏) 18.31 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/134.1 Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum (38/UEA) Präsident Peter Haubner : Danke. – Der Antrag wurde ordnungsgemäß eingebracht, dieser Entschließungsantrag steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch . – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Jede Straftat ist eine zu viel, und zwar unabhängig davon, von wem sie begangen wurde. Ich hoffe, darüber herrscht in diesem Haus Einigkeit. (👏 SPÖ) Selbstverständlich muss man auch bei der Jugendkriminalität ein wachsames Auge haben und Maßnahmen ergreifen. Die beantragte Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre ist aber wieder einmal nichts anders als purer Populismus, der nichts ändern wird. Schauen wir uns zunächst einmal die Fakten an, denn wenn man seriöse Politik betreiben möchte, dann sind Fakten das Wichtigste: Im Jahr 2023 wurden insgesamt 12 895 Anzeigen gegen unter 14-Jährige eingebracht. Was macht die Kriminalstatistik? – Sie führt eine Zählung nach Anzeigen durch. Das heißt, ein Delikt, an dem mehrere Täter:innen beteiligt sind, fließt auch mehrfach in diese Zählung ein. 30 Personen unter 14 haben 2023 insgesamt 60 Prozent aller Anzeigen erhalten, und weil die Delikte oft in ähnlichen Gruppen verübt werden, kommt es im Zuge einer Straftat auch oft zu mehrfachen Zählungen. Wir haben es heute schon gehört: Drei Personen unter 14 haben insgesamt 28 Prozent der Anzeigen zu verantworten. Es kann also gesagt werden, dass ein Großteil der Straftaten von ein paar wenigen Systemsprengern durchgeführt wird, und die haben meist selbst Gewalterfahrung oder Traumatisierungen. Sie verfügen über wenig Tagesstruktur und sind oft auch gemeinsam in Einrichtungen untergebracht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Interessiert die Opfer aber nicht!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… Würde es aber das Problem lösen, wenn man jetzt die Strafmündigkeit heruntersetzt? – Nein, das würde es nicht. Das sagen sämtliche Expert:innen, das sagt uns aber auch der Menschenverstand, weil Kinder ins Gefängnis zu stecken – Sie sagen jetzt zwar, das wollen Sie nicht, aber im Ausschuss haben Sie von Schnupperhaft et cetera gesprochen …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wir?

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… diese Kinder nicht zu besseren Menschen machen wird, sondern das wird sie unter Umständen noch weiter auf den falschen Weg führen. Kinder ins Gefängnis zu stecken, verhindert keine künftigen Straftaten, es verbessert auch nicht deren Umfeld, wenn sie wieder rauskommen, und es befreit sie nicht aus der Täter-Opfer-Spirale, in der sie oft selbst stecken. Was braucht es? – Es braucht mehr Prävention; es braucht rechtliche Möglichkeiten, sie anhalten zu können; es braucht multiprofessionelle Teams, die Kinder intensiv betreuen können. Das Regierungsprogramm sieht diese Maßnahmen vor. Die Bundesregierung arbeitet wie immer unaufgeregt und professionell an Lösungen. Wir bringen Österreich wieder auf Kurs, und zwar durch Arbeiten und nicht durch das Trommeln von populistischen Parolen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Thomas Elian . – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Thomas Elian

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Werte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich spreche über einen Antrag der FPÖ betreffend die strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich. Das ist ein Antrag, der nicht nur rechtlich sehr fragwürdig ist, sondern in der Praxis auch vollkommen untauglich. Anstatt konstruktive Vorschläge zur Steuerung von Migration zu unterbreiten, wird seitens der FPÖ einmal mehr auf reine Symbolpolitik, die weder praktikabel noch zielführend ist, gesetzt.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Was tätet ihr machen, wenn es uns nicht gäbe?

ÖVP Thomas Elian

… Schauen wir uns die Fakten an: Die Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm bereits klar zum Kampf gegen Schlepperei bekannt, mit konkreten Maßnahmen, die längst in Umsetzung sind. Wer es mit der Bekämpfung illegaler Migration ernst meint, sollte sich mit diesen Maßnahmen einmal auseinandersetzen, anstatt populistische Verschärfungen, die realitätsfern und wirkungslos sind, zu fordern. Der Antrag beruht auf einer grundlegenden Fehleinschätzung: Ein illegaler Grenzübertritt ist nicht automatisch ein Asylantrag.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber eine Straftat schon!

ÖVP Thomas Elian

… Auch die Aufgriffszahlen sprechen eine klare Sprache.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was ist das dann: ein illegaler Grenzübertritt?

ÖVP Thomas Elian

… Sehen wir uns die Zahlen im Burgenland an: 2022 waren es 82 000 Aufgriffe, 2023 knapp 30 000 und 2024 rund 5 100. Diese Zahlen zeigen uns eines klar und deutlich: Die Situation ist unter Kontrolle. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Sie beweisen, dass die Maßnahmen der Bundesregierung, allen voran die entschlossene Linie unseres Innenministers, Wirkung zeigen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unfassbar! Alles gut im Land! – Abg. Stefan [FPÖ]: Alles bestens!

ÖVP Thomas Elian

… Wer jetzt aber trotzdem weiter Stimmung gegen Schutzsuchende macht, verfolgt keine Lösungen, sondern betreibt billigen Populismus auf dem Rücken von Menschen in Not.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Stimmung gegen Schutzsuchende! Für die Zuschauer: Der Mann ist von der ÖVP, das ist kein Grüner!

ÖVP Thomas Elian

… Anstatt auf rasche und rechtlich saubere Rückführungen zu setzen, fordert man ein bürokratisches Monstrum. Rufen wir uns den heutigen Redebeitrag zur Änderung des Asylgesetzes von unserem Herrn Will-nicht-Kanzler Kickl noch einmal ins Gedächtnis ( Ruf bei den Grünen: Kann-nicht-Kanzler! ): Er fordert in diesem Punkt mehr Bürokratie ein. Aber was soll das nun bringen – mehr Bürokratie, wenn wir diesen Antrag umsetzen? – Das kann einfach nicht funktionieren, denn dieser Antrag bringt nichts.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ihre Rede bringt auch nicht viel weiter!

ÖVP Thomas Elian

… Er bringt keine besseren Kontrollen, keine schnelleren Verfahren und keine effizienten Rückführungen. Stattdessen bringt er mehr Bürokratie, mehr Verunsicherung und ein gefährliches Signal, das unseren internationalen Verpflichtungen ebenso widerspricht wie dem gesunden Menschenverstand.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist die Zukunftshoffnung der ÖVP Niederösterreich!

ÖVP Thomas Elian

… Die Bundesregierung hat eine klare Linie: schnelle und effiziente Asylverfahren und eine konsequente Rückkehrpolitik. Was wir nicht brauchen, ist Symbolpolitik, die keinerlei Beitrag zur Lösung leistet. Wir lehnen diesen Antrag daher mit aller Deutlichkeit ab. Österreich braucht Lösungen und keine Schlagzeilen – für Sicherheit mit Haltung, für Ordnung mit Vernunft für unser Österreich. – Vielen Dank.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mich wundert’s, dass überhaupt noch einer kommt, nachdem ihr die Balkanroute geschlossen habt!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer . – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Natürlich ist Jugendkriminalität gerade das Thema, und zwar aus zwei verschiedenen Gründen: Zunächst aus einem sehr, sehr wichtigen Grund: Jeder und jede Jugendliche, den oder die man nicht rechtzeitig davor bewahrt, auf den falschen Weg zu kommen, ist eine:r zu viel. Das ist doch selbstverständlich und vollkommen klar. Es ist aber noch aus einem anderen Grund ein sehr, sehr wichtiges Thema: Bei jeder Straftat beziehungsweise überall dort, wo es einen Täter gibt, gibt es auch ein Opfer. In den meisten Fällen sind das ebenso Kinder und Jugendliche. Und es geht doch vor allem darum, dass man Straftaten verhindert, damit eben Kinder und Jugendliche nicht Opfer von Straftaten werden. Es gab jetzt schon unterschiedliche Redebeiträge, in denen über verschiedene Zugänge gesprochen wurde, wie man es schafft, Kinder und Jugendliche nicht kriminell werden zu lassen beziehungsweise diese kriminellen Karrieren zu beenden, bevor sie richtig starten. Ich glaube, das Wesentlichste und das, was alle, die sich wissenschaftlich, mit einem forschenden Hintergrund damit beschäftigen, sagen, ist, dass es wichtig ist, im erzieherischen Bereich einzugreifen, im Besserungsbereich. So heißt das Prinzip zum Beispiel auch in der Schweiz: Besserung. Das ist halt der Schweizer Begriff, aber es ist genau das, was dieser aussagt: Besserung. Die Kinder sollen besser werden, sollen sich verbessern, sollen ihre Einstellung zu Recht und Ordnung verbessern. Durch staatliche Maßnahmen soll nachgeholt werden, was im Zuhause, in der Familie nicht funktioniert hat. Kein Kind, kein einziges Kind kann irgendetwas dafür, wie es aufwächst, in welche Familie es kommt und in welchen Umständen es aufwächst. Deshalb ist es wichtig, dass wir hier Maßnahmen setzen. Es ist wichtig, dass wir die Kinder- und Jugendhilfe ordentlich ausstatten, und es ist vor allem wichtig, dass man diese Ausstattungen vereinheitlicht. Das ist auch Inhalt unseres Antrages, den ich hiermit einbringen möchte – er ist schon verteilt worden, ist schon schriftlich eingebracht worden –, in dem wir massive Verstärkungen in diesem Bereich fordern. Wenn es nicht funktioniert, die Maßnahmen der Länder untereinander abzustimmen, wenn es nicht funktioniert, die Länder dazu zu bringen, gemeinsame Vereinbarungen hinsichtlich der Standards in der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Bund abzuschließen, dann hilft es nichts, dann muss man diese Kompetenz wieder zum Bund zurückholen und sie dort vereinheitlichen. Man braucht wieder einen Jugendgerichtshof, denn dieses Instrument hat sehr, sehr gute Arbeit geleistet, und man braucht vor allem interdisziplinäre Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Jedes Kind ist unsere Zukunft, und wir können uns aussuchen, welche Art Zukunft diese Kinder für uns darstellen werden. – Vielen Dank. (👏) 18.41 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/137.1 echtes Maßnahmenpaket gegen Kriminalität statt Symbolpolitik auf dem Rücken junger Menschen (39/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde verteilt, jetzt in seinen Eckpunkten erläutert und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Manfred Sams . – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, es ist nicht das erste Mal, dass die FPÖ mit einem ihrer populistischen Anträge versucht, unseren Rechtsstaat auszuhöhlen und unser Strafrecht nach Herkunft und Staatsbürgerschaft zu spalten. Heute geht es um nichts weniger als um den Versuch, eine Zweiklassenjustiz in Österreich einzuführen, und das lehnen wir von der Sozialdemokratie entschieden ab. (👏 SPÖ) Die FPÖ will, dass Menschen für dieselbe Straftat unterschiedlich behandelt werden, je nachdem, ob sie als Fremde – wie es im Antrag steht – oder als Inländer gelten. Ich frage Sie: Was ist das anderes als eine eiskalte Attacke auf den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz?! Wollen wir wirklich eine Justiz, die nicht nach der Tat, sondern nach der Herkunft urteilt? Das ist nicht nur moralisch verwerflich und menschenfeindlich, sondern auch absolut gleichheitswidrig und verfassungswidrig.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie ist das dann beim Wahlrecht?

SPÖ Manfred Sams

… Die österreichische Verfassung und die Europäische Menschenrechtskonvention garantieren Gleichbehandlung vor Gericht. Wer diesen FPÖ-Antrag unterstützt, tritt diese Grundprinzipien mit Füßen, denn unser Strafrecht bemisst sich nicht danach, wo jemand geboren wurde, sondern nach Schuld und Verantwortung. Genau das ist der Punkt: Die FPÖ versucht wieder einmal, Angst zu schüren, anstatt echte Lösungen für die Sicherheit in unserem Land zu liefern. (👏 SPÖ) Wer Straftaten begeht, muss bestraft werden, das aber nach geltendem Recht und nicht nach einem ideologischen Sonderrecht für bestimmte Gruppen. Wir haben klare rechtliche Konsequenzen für Straftäter. Die Gerichte berücksichtigen zahlreiche Erschwerungs- und Milderungsgründe, aber eben nicht den fremdenfeindlichen Populismus einer Partei, die es nicht lassen kann, Sündenböcke zu konstruieren. (👏 SPÖ) Im Übrigen treffen Täter, die mit dem FPÖ-Antrag gemeint sind, schon nach geltendem Recht zusätzlich zur Strafe auch fremdenpolizeiliche Konsequenzen. Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Antrag ist nicht nur unnötig, sondern dieser Antrag ist vor allem eines, nämlich brandgefährlich. Dieser Antrag würde das Vertrauen in unseren Rechtsstaat untergraben, und genau deshalb werden wir ihn selbstverständlich ablehnen. Wir Sozialdemokrat:innen stehen für ein Strafrecht, das für alle gleich gilt, ohne politische Willkür, ohne Diskriminierung, ohne Zweiklassenjustiz. Das ist Rechtsstaatlichkeit, das ist Gerechtigkeit, und das ist es, wofür wir kämpfen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als nächste Rednerin ist Abgeordnete Bettina Zopf zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, die vielleicht zu Hause noch zuschauen! Den Vorwurf der Opposition, dass ihre Anträge und Ideen immer vertagt und sozusagen nur vom Tisch gewischt werden, können wir heute ganz klar zurückweisen. Wir diskutieren diese Anträge heute hier im Parlament, weil wir sie ablehnen. Wir überprüfen alle Anträge aller Parteien, aber – wenn ich das einmal so erklären darf; und auch ich habe schon viele gute Ideen gehabt – sie müssen auch umsetzbar sein und brauchen eine Mehrheit. Wir tragen eben die Verantwortung, und in diesem Fall, sehr geehrter Herr Mag. Harald Stefan , der Sie seitens der FPÖ diesen Antrag gestellt haben, ist der Zweifel an der Umsetzbarkeit sehr groß. Sie möchten Fremde, also all jene, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft haben, höher bestrafen als österreichische Staatsbürger. Ihr Antrag widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz. Das heißt nicht, dass wir das Problem nicht erkennen, deshalb setzen wir seitens der Regierung auch Maßnahmen – vor allem aber auch, um die Ursachen zu bekämpfen. Als Bäuerin weiß ich, dass Unkraut nicht verschwindet, wenn man es nur oberflächlich abschneidet …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oh, oh, oh, oh, oh! Haben Sie jetzt Menschen als Unkraut bezeichnet?

ÖVP Bettina Zopf

… sondern man muss die Wurzel entfernen und den Boden so aufbereiten, dass das Gute wächst.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Haben Sie jetzt Menschen als Unkraut bezeichnet?

ÖVP Bettina Zopf

… Nur so kann man es nachhaltig bekämpfen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unkraut bekämpfen, na servas! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Sie trauen sich aber was, Frau Kollegin! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das sollten wir vielleicht auch in der Präsidiale besprechen!

ÖVP Bettina Zopf

… Vorverurteilen, abstempeln, ungleich behandeln – das ist wohl kein guter Nährboden für gute Integration. Unser überparteiliches Ziel muss sein, Menschen, die nach Österreich kommen, sofort und bestmöglich zu integrieren. Damit bekämpfen wir die Ursache, und dafür setzen wir folgende Maßnahmen: Menschen, die in Österreich kein Bleiberecht haben, sollen konsequent und zügig abgeschoben werden. All jene, die legal in Österreich leben und ein Bleiberecht besitzen, müssen wir – um es noch einmal deutlich zu wiederholen – in unsere Systeme und in unsere Gesellschaft integrieren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer sagt denn das?

ÖVP Bettina Zopf

… Wir stoppen den Familiennachzug, was nun bis September 2026 beschlossen wurde. Damit wird sich automatisch die Anzahl und zum Teil auch der Anreiz, nach Österreich zu kommen, reduzieren. Unser Ziel ist, so auf ein vertretbares Ausmaß zu kommen. Heute in der Früh habe ich mit meiner 24-jährigen Tochter telefoniert und mit ihr über diesen Antrag gesprochen, weil mir ihre Meinung auch sehr wichtig ist. Ihre Aussage war: Egal wer eine Straftat begeht, ob Österreicher oder Fremder, es muss immer die Tat beurteilt werden und nicht die Herkunft.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Hat die Tochter gesagt, ach so! – Abg. Stefan [FPÖ]: Also nicht die Motivation! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das Motiv spielt ... eine Rolle! – Abg. Stefan [FPÖ]: Da haben wir dann ein Flexsystem!

ÖVP Bettina Zopf

… Auch sie hält somit den Gleichheitsgrundsatz, der bei uns in der Verfassung geregelt ist, für völlig richtig. Geschätzter Mag. Harald Stefan , der Sie diesen FPÖ-Antrag formuliert haben, mir ist klar, dass es Ihnen als Opposition anscheinend egal ist, dass dieser Antrag verfassungswidrig und meiner Meinung nach auch menschlich bedenklich ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber von Unkraut reden! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Menschen mit Unkraut vergleichen!

ÖVP Bettina Zopf

… Er würde auch nicht die Ursache bekämpfen. Im Gegenteil, er würde schon bestehende Probleme noch verstärken. Wir brauchen nicht noch mehr Häftlinge und schon gar nicht noch längere Haftstrafen als jetzt und keine überfüllten Gefängnisse, die viel kosten …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, lassen wir sie lieber heraußen! Ist eh klar!

ÖVP Bettina Zopf

… sondern wir müssen uns darum kümmern, Straftaten zu verhindern.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP Bettina Zopf

… Es würde mich freuen, wenn ihr eurer politisch-demokratischen Verantwortung nachkommt und überparteilich ernsthaft und fair mitwirkt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

So ernst wie Ihre Rede!

ÖVP Bettina Zopf

… Aber im Gegensatz zur ÖVP, bei der das V auch unser Verantwortungsbewusstsein in unserem Parteinamen widerspiegelt …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

„Volk“ darf man nicht mehr sagen, oder?

ÖVP Bettina Zopf

… steht bei euch von der FPÖ das F wohl für Flucht: für Flucht vor der Verantwortung. Abschließend noch ein Versprechen und eine Bitte – mit dem Versprechen, dass wir eure Anträge auch weiterhin ernsthaft auf deren Machbarkeit überprüfen werden, nun folgende Bitte an euch: Überlegt, ob nicht auch ihr trotz Opposition auf mehr Verantwortung statt auf Flucht vor Verantwortung setzen solltet. Das wäre dann auch zum Vorteil der Bevölkerung, würde auch uns allen in der Politik guttun, und euer F würde dann vielleicht für fair stehen. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/140.1 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 52 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/140.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Selma Yildirim , Mag. Klaus Fürlinger , Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. ( 18/E ) RN/140.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Antrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/140.4 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „echtes Maßnahmenpaket gegen Kriminalität statt Symbolpolitik auf dem Rücken junger Menschen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/140.5 Weiters gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 53 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/140.6 Schließlich kommen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 54 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

die strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich

53 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 70/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat hat den Entschließungsantrag abgelehnt, den illegalen Grenzübertritt nach Österreich als eigenen Straftatbestand in das Strafgesetzbuch aufzunehmen. Damit gibt es keine neue strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts aufgrund dieses Antrags.

Betroffen wären Personen gewesen, die ohne Einhaltung der Einreisebestimmungen illegal nach Österreich einreisen, sowie die Strafverfolgungs- und Grenzbehörden.

Ziel war es, den illegalen Grenzübertritt strafrechtlich zu erfassen, um die Durchsetzung der Einreisebestimmungen zu stärken und die innere Sicherheit bzw. den Grenzschutz zu erhöhen.

Dokumente

die strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich

Gegenstand des Ausschussberichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag (70/A(E)) zur strafrechtlichen Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich.
  • Zielrichtung des Antrags ist, den illegalen Grenzübertritt als eigenen Straftatbestand in das Strafgesetzbuch (StGB) aufzunehmen.

Begründung: Bedeutung der Grenzkontrolle und behauptete Gefährdungslage

  • Die Kontrolle der Staatsgrenzen wird als essenziell für die Wahrung der inneren Sicherheit, die Durchsetzung der österreichischen Rechtsordnung und den Schutz der Bevölkerung dargestellt.
  • Der illegale Grenzübertritt wird als Umgehung geltender Einreisebestimmungen beschrieben und als Gefährdung von Sicherheit sowie Integrität des österreichischen Staatsgebiets bewertet.

Begründung: Zusammenhang mit Kriminalität (angeführte Statistikwerte)

  • Es wird ein signifikanter Anstieg der Kriminalität in den letzten Jahren behauptet, der auch mit illegaler Migration in Zusammenhang stehe.
  • Für 2023 werden folgende Anteile genannt: 45,6% der Tatverdächtigen, 45,1% der Verurteilten und 59,6% der neu Inhaftierten seien Ausländer gewesen.
  • Demgegenüber wird der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung mit etwa 19% angegeben.

Begründung: Entwicklung der Asylantragszahlen seit 2015 (angeführte Zahlen)

  • Es wird auf eine seit 2015 erhebliche Anzahl von Asylanträgen in Österreich verwiesen.
  • Genannte Werte: 2015: 88.340; 2016: 42.285.
  • Weitere Entwicklung laut Aufzählung: 2017: 24.735; 2018: 13.746; 2019: 12.886; 2020: 14.775; 2021: 39.930; 2022: 112.272; 2023: 59.232; 2024: 24.941.

Begründung: Gesetzgeberischer Handlungsbedarf und Zielsetzung

  • Die genannten Entwicklungen werden als Beleg für die Notwendigkeit gewertet, den illegalen Grenzübertritt als Straftatbestand in das StGB aufzunehmen.
  • Damit sollen bestehende „Lücken“ in der Rechtsordnung geschlossen und die Durchsetzung der Einreisebestimmungen sichergestellt werden.
  • Es wird eine rasche gesetzgeberische Maßnahme gefordert, um die österreichischen Grenzen zu schützen, die innere Sicherheit zu gewährleisten und die Einreisebestimmungen durchzusetzen.

Im Bericht angeführte Quellenhinweise

  • BMI-Statistikseite (Innenministerium) als Quelle für kriminalitätsbezogene Kennzahlen.
  • Statista-Auswertung als Quelle für Asylantragszahlen.
  • BMI-Asylstatistik Dezember 2024 als Quelle für den Wert 2024.

die strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich

~31 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
SPÖ Muna Duzdar

Herr Präsident! Sehr geehrte und geschätzte Frau Justizministerin! Es geht unter anderem um den FPÖ-Antrag auf Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre. Sie, werte Kollegen von der FPÖ, behaupten, dass mit der Herabsetzung der Strafmündigkeit oder mit der Senkung der Altersgrenze die Kriminalität sinken würde. Das ist falsch, und ich möchte versuchen, Sie davon zu überzeugen, dass Sie falsch liegen. Herr Kollege Stefan, Sie haben heute das Schweizer Modell angeführt. Ich glaube, es ist wichtig, dass ich Ihnen einmal sage, dass der Vergleich mit dem Schweizer Modell einfach hinkt. ( In Richtung des mit Abg. Brückl [FPÖ] sprechenden Abg. Stefan [FPÖ]: ) Hören Sie mir zu? Herr Kollege Stefan! ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Herr Kollege Stefan, ich repliziere auf das, was Sie in Ihrer Rede zum Schweizer Modell gesagt haben. ( Ruf bei der SPÖ: Das interessiert ihn nicht! ) Ich möchte Ihnen hier in aller Deutlichkeit sagen, dass der Vergleich hinkt – aus einem bestimmten Grund.

SPÖ Greiner (Zwischenruf)

Sehr höflich ... persönlich angesprochen! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Vielleicht ist es ihm wurscht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ist ja wurscht, was sie sagt! Wer ist sie?

SPÖ Muna Duzdar

… Ich möchte nämlich mit diesen Märchengeschichten über das Schweizer Modell aufräumen. ( Ruf bei der SPÖ: Der kriegt das gar nicht mit! ) Es ist zwar richtig, dass die Strafmündigkeit in der Schweiz bei zehn Jahren liegt, aber wir sollten alle wissen, dass jugendliche Straftäter erst ab dem Alter von 15 Jahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden können. Und: Das Schweizer Modell ist ganz anders als das österreichische Strafrechtsmodell. Dort besteht die Staatsanwaltschaft nicht nur aus Juristen, sondern das ist ein Kollegium, das aus Psychologen, aus Pädagogen und, und, und besteht. Ich glaube, dass man mit diesem Vergleich einmal aufräumen muss. (👏 SPÖ) Werte Kollegen und Kolleginnen! Dieses Thema ist mir ein wirklich besonderes Anliegen, und ich hätte so liebend gerne mehr Zeit dafür; aber ich möchte Ihnen eines sagen: Seit 96 Jahren liegt in Österreich die Altersgrenze für die Strafmündigkeit bei 14 Jahren – seit 96 Jahren, seit 1929, als das Jugendgerichtsgesetz geschaffen wurde und das Prinzip, dass gerade bei jungen Menschen der Grundsatz der Erziehung dem Grundsatz der Strafe vorgehen muss, gesetzlich verankert wurde. Selbst als die Jugendkriminalität in Österreich auf einem Höhepunkt stand, nämlich 1959 mit der höchsten Zahl von strafrechtlichen Verurteilungen, die neunmal so hoch wie heute war, 1976, als sie fünfmal so hoch wie heute war, kam man nicht auf die Idee, die Strafmündigkeit herabzusetzen. Worum geht es in unserem österreichischen Strafrecht? – Der Erfolg der österreichischen Strafrechtsordnung besteht ja darin, ob eine Resozialisierung gelingt. Die Bevölkerung muss geschützt werden, aber auch junge Menschen, die einmal kriminell werden, müssen davon abgehalten werden, rückfällig zu werden. Daran misst sich in Wirklichkeit der Erfolg einer strafrechtlichen Maßnahme. Sehr geehrte Damen und Herren! Was soll ich jetzt sagen? Die Redezeit ist aus.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Man kann aber auch Wahlen gewinnen!

SPÖ Muna Duzdar

… Ich möchte Ihnen vielleicht zum Abschluss nur sagen: Sie ( in Richtung FPÖ ) führen immer die Kriminalstatistik an. Ja, bei der Kriminalstatistik muss man wirklich genau hinschauen. In Wirklichkeit ist es so, dass die Zahl der strafrechtlichen Verurteilungen bei Jugendlichen zurückgegangen ist. Was tatsächlich angestiegen ist, ist nämlich die Zahl der angezeigten Taten. Die Zahl der angezeigten Taten ist wirklich gestiegen, das ist richtig. Aber wissen Sie, zum Abschluss möchte ich Ihnen eines sagen: Wenn bei Politikern die Unschuldsvermutung gilt, dann gilt sie auch bei jungen Menschen. Ich möchte jetzt abschließend einen Entschließungsantrag einbringen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Selma Yildirim , Mag. Klaus Fürlinger , Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Justiz und der Bundesminister für Inneres, wird ersucht, dem Nationalrat ehestmöglich eine Regierungsvorlage zuzuleiten, mit der alle im Regierungsprogramm vereinbarten Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendkriminalität umgesetzt werden, um den Behörden und zuständigen Organisationen effektive Mittel zur Eindämmung der Jugendkriminalität zur Verfügung zu stellen.“ Danke sehr. (👏 SPÖ) 18.11 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/130.1 Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität (37/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Markus Tschank .

FPÖ Markus Tschank

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Nennen wir das Kind bitte beim Namen: Österreich hat ein Problem mit importierter Ausländerkriminalität. Zahlen, Daten, Fakten lassen sich nicht einfach wegwischen. Werfen Sie bitte einen Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik des Jahres 2024: Die Zahl der nicht österreichischen Tatverdächtigen stieg innerhalb der letzten zehn Jahre von 90 000 im Jahr 2015 auf 160 000 im Jahr 2024. Der Anteil von Nichtösterreichern an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen erhöhte sich von 37 Prozent auf knapp 47 Prozent. 53 Prozent der in Österreich einsitzenden Häftlinge sind nicht Österreicher. Straffällige Ausländer werden jünger, sind teilweise unter 14 Jahre alt. Das, sehr geehrte Damen und Herren, ist das Ergebnis einer völlig gescheiterten Asyl- und Migrationspolitik. (👏 FPÖ) Eine Schubumkehr, sehr geehrte Damen und Herren, ist nicht in Sicht. Der Europäische Gerichtshof hat erst im Herbst letzten Jahres ausgesprochen, dass pauschal alle afghanischen Frauen in Europa ein potenzielles Asylrecht haben. Sehr geehrte Damen und Herren, das sind über 20 Millionen Menschen, die der Europäische Gerichtshof einlädt, zu uns nach Europa zu kommen. In Kombination mit dem Recht auf Familienzusammenführung ist das ein migrationspolitischer Tsunami, der sich auf Europa zubewegt. Dass ein Höchstgericht solche Entscheidungen trifft, ungeachtet dessen, ob dies mit unserer Sicherheit, mit unserem Sozialsystem, unserem Bildungssystem, unserem Arbeitsmarkt, unserem Pensionssystem vereinbar ist, interessiert die europäischen Institutionen nicht. Dass dies die kulturelle Statik unseres Kontinents massiv bedroht, dass sich unsere Zivilisation kulturell stark verändern wird, wird billigend in Kauf genommen. Transkontinentales Asyl ist mittlerweile Realität, sehr geehrte Damen und Herren, und dieses transkontinentale Asyl richtet diesen Kontinent Schritt für Schritt zugrunde. (👏 FPÖ) Seit Jahren fordert die FPÖ, die Grenzen zu schließen und eine Nullzuwanderung umzusetzen. Orbán hat es in Ungarn vorgezeigt. Es geht letztlich um Abschreckungsmaßnahmen. Es geht letztlich darum, dass man den Menschen auf einem anderen Kontinent signalisiert, dass sie nicht ohne Weiteres zu uns kommen und sich bei uns niederlassen können. Polen macht es vor, Dänemark macht es vor. Polen wird von einer liberalen Regierung unter Donald Tusk geführt, hat seine Grenzen geschlossen, macht Pushbacks, eine Nullquote im Asylbereich. Dänemark wird sozialistisch regiert und setzt auf Asylabschreckung. Es gibt Ausreisezentren, es gibt wirkungsvolle Maßnahmen von Regierungen, die liberal und sozialdemokratisch geführt werden. Daran, sehr geehrte Damen und Herren, sollten Sie sich ein Vorbild nehmen. Nehmen Sie sich ein Vorbild an diesen liberalen Regierungen, an diesen sozialistischen Regierungen, die jene Inhalte umsetzen, die wir als FPÖ eigentlich jahre- und jahrzehntelang bereits gefordert haben! (👏 FPÖ) Wien, sehr geehrte Damen und Herren, unsere Bundeshauptstadt, ist ein Modellfall für gescheiterte Asyl- und Migrationspolitik. Brennpunktschulen, hohe Ausländerkriminalität, keine Integrationsbereitschaft, soziale Hängematte: All dies zeigt uns, dass in Wahrheit in Wien letztlich massive Fehler in der Asyl- und Zuwanderungspolitik begangen worden sind. Es bedarf daher einer Politik der Abschreckung, genau so, wie das in Polen fabriziert wird, genau so, wie das in Dänemark gemacht wird, eines deutlichen Signals in die Welt: Wir wollen diese Form der illegalen Zuwanderung nicht haben, wir wollen kein transkontinentales Asyl, wir wollen unsere europäische und österreichische Identität behalten. (👏 FPÖ) Das heutige Maßnahmenpaket, sehr geehrte Damen und Herren, bezieht sich auf drei Bereiche. In aller Kürze: Die Senkung der Strafmündigkeit und Deliktsfähigkeit wurde bereits von Kollegen Stefan angesprochen und ausführlich erörtert. Die anderen beiden Gesetzesmaßnahmen betreffen einerseits den Kampf gegen die Schlepperei. Jede unerlaubte Einreise in das österreichische Staatsgebiet soll unter Strafe gestellt werden. Geschleppte Personen, die für ihren Schlepper bezahlen und sich illegal ins Land einschleusen lassen, sollen genauso bestraft werden wie die Schlepper selbst. Schlepper sollen natürlich darüber hinaus auch härter bestraft werden. Schutzberechtigte sollen straffrei bleiben, wenn sie sich unverzüglich bei österreichischen Behörden melden. Die letzte Maßnahme, die wir vorschlagen: Ausländerkriminalität soll ein Erschwerungsgrund im Strafgesetzbuch werden. Jemand, der als Fremder in unser Land kommt, unsere Wohltaten erhält, unser soziales Sicherungssystem genießt, ohne jemals dafür eingezahlt zu haben, und dann eine Straftat begeht, soll entsprechend härter bestraft werden können. Warum? – Weil es dafür auch eine sachliche Rechtfertigung gibt: Knapp 50 Prozent der Tatverdächtigen in Österreich sind Ausländer. 53 Prozent der Insassen in Gefängnissen sind Ausländer. Wenn von einer bestimmten Gruppe – wie hier der Fall – nachweislich eine erhöhte Kriminalität ausgeht und eine höhere Gefahr für das Gemeinwohl besteht, ist es Ihre Pflicht, sehr geehrte Damen und Herren, eine höhere Bestrafung dieser Gruppe entsprechend sicherzustellen. Dies nennt man Generalprävention. In diesem Sinne: Für das Wohl Österreichs ersuche ich Sie um die Zustimmung zu diesem Antrag. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Johanna Jachs .

ÖVP Johanna Jachs

Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor wenigen Tagen wurde die neue Kriminalitätsstatistik präsentiert, und ja, da bereitet es Bauchweh, wenn wir sehen, dass die Jugendkriminalität steigt. Da liegt es natürlich dann auch nahe, dass wir generell die Idee diskutieren, die Strafmündigkeit zu senken, was wir jetzt auch machen, weil wir ja auch den entsprechenden Antrag der FPÖ jetzt diskutieren. Was aber auch zur Wahrheit gehört, ist, dass uns wahrscheinlich gerade kein zwölf- bis 14-jähriges Kind zuhören wird oder später in der „ZIB“ nachschaut, dass wir hier herinnen über eine mögliche Senkung des Strafmündigkeitsalters diskutiert haben. Es wird sich wahrscheinlich auch kein zwölf- bis 14-jähriges Kind deswegen denken: Puh, da stelle ich jetzt lieber nichts mehr an! ( Heiterkeit bei Abgeordneten der Grünen. ) Was die Kriminalstatistik aber auch zeigt, ist, dass das Gott sei Dank kein Massenphänomen ist. Es wurde schon angesprochen: Man muss sich vorstellen, dass es ein paar wenige Systemsprenger gibt. Das sind Intensivtäter, Wiederholungstäter, das ist ein Trio, von dem jeder teilweise über 1 000 Straftaten begeht. Das ist eine immense Zahl, das muss man sich einmal vorstellen. Da ist es auch wichtig, dass wir unseren Behörden die Werkzeuge in die Hand geben, gegen diese Intensivtäter, gegen diese Wiederholungstäter, gegen diese nicht strafmündigen Systemsprenger wirklich vorzugehen. Darum ist auch wichtig, was Herr Bundesminister Karner gesagt hat: Er hat vorgeschlagen, Ausgangsbeschränkungen im Heimaufenthaltsgesetz zu schaffen, sodass Behörden eben genau gegen diese Intensivtäter vorgehen können. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, ihr schlagt ja auch immer das Schweizer Modell vor. Ich bin wirklich dankbar, liebe Kollegin Duzdar, dass du vorhin auch angesprochen hast, dass das System in der Schweiz ganz, ganz anders ist, auch wenn man dort schon ab zehn strafbar ist. Und es ist auch Fakt, dass unsere Justizanstalten derzeit gar nicht darauf ausgerichtet wären, auf die Bedürfnisse von Kindern, auf Zwölf- bis 14-Jährige, einzugehen. Darum ist es meiner Meinung nach auch wirklich effizienter und praktikabler, Behörden eben Maßnahmen und Werkzeuge in die Hand zu geben, um effektiv vorzugehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Dann sollen sie lieber Straftaten begehen! – Abg. Lausch [FPÖ]: Wie sich das alles ändern kann! Bei den Verhandlungen war das Konsens!

ÖVP Johanna Jachs

… Sehr geehrte Damen und Herren, es gibt ja auch jetzt schon die Möglichkeit, Intensivtäter, Wiederholungstäter in Wohngemeinschaften oder anderen sozialen Einrichtungen unterzubringen, wenn sie nicht durch ihre Eltern betreut werden können. Da braucht es dann eben auch Ausgangsbeschränkungen, damit diese von der Begehung weiterer Straftaten abgehalten werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Also zuerst müssen sie ein paar Mal rückfällig werden! Wiederholungstäter!

ÖVP Johanna Jachs

… Wir müssen uns, glaube ich, generell die Frage stellen: Wollen wir, dass in Zukunft härter bestraft wird, oder wollen wir, dass weniger Straftaten begangen werden? – Ich glaube, es ist auch ganz legitim, beides zu wollen, das ist ganz wichtig. Es braucht aber einfach eine klarere Abstufung und auch andere Lösungsvorschläge im Vollzug, denn es kann nicht sein, dass wir einfach mehr Kinder ins Gefängnis stecken. Und ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich weiß, auch wir haben im Wahlkampf noch die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters gefordert.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das war vor der Wahl! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Aber was kümmert Sie Ihr Geschwätz von gestern?

ÖVP Johanna Jachs

… Jetzt ist es so, dass das Regierungsprogramm von breiter Verantwortung getragen wird und ein guter Kompromiss ist. Darum sind gute und sinnvolle Maßnahmen drinnen, die auch wir wirklich gerne unterstützen, weil es da um Prävention und Erziehung geht. Das ist gescheit, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich erwähne nur ein Beispiel: Es soll Normverdeutlichungsgespräche geben. Das heißt, gerade Kinder, die unsere Kultur, unsere Regeln nicht kennen und die sie auch nicht von ihren Eltern vermittelt bekommen können, sollen einfach zu Gesprächen eingeladen werden. Denen soll verdeutlicht werden, wie bei uns gelebt werden muss.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und im Religionsunterricht wird man religiös! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Johanna Jachs

… Die Ausgangsbeschränkungen habe ich erwähnt. Fallkonferenzen, verpflichtende Fallkonferenzen - - Liebe Kollegen und Kolleginnen von der FPÖ, wenn ihr mir ein bisschen zuhören würdet, dann würdet ihr das, was ich da vorne sage, vielleicht auch verstehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sicher nicht bei dem Blödsinn!

ÖVP Johanna Jachs

… Es ist auch ganz, ganz wichtig, dass es verpflichtende Fallkonferenzen, mehr Präventionsmaßnahmen gibt. Es steht außer Frage, dass die ganz, ganz zentral und bedeutend sind. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Kinder sind unsere Zukunft. Ich glaube schon, dass es eine ganz, ganz große Aufgabe von uns ist, den Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen, weil sie einfach unsere Ressource sind. Darum müssen wir dafür sorgen, dass Kinder gar nicht erst in die Situation kommen, Straftaten zu begehen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, das wäre das Allerbeste!

ÖVP Johanna Jachs

… Wir müssen sie dann aber auch dabei unterstützen, sollte es so sein, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Das halte ich wirklich für eine zentrale und ganz wichtige Aufgabe der Politik. Jetzt, im Hinblick auf die Intensivtäter, ist es gescheit und wichtig und drängend, dass wir da Ausgangsbeschränkungen schaffen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das erzählen S’ einmal der Mutter von dem vergewaltigten Mädel!

ÖVP Johanna Jachs

… Ich hoffe, dass wir das noch vor dem Sommer schaffen können. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn Kinder – ja, es sind Kinder – schwere Straftaten begehen, dann bestürzt uns das alle. Und ja, darauf müssen wir reagieren, aber wir müssen mit Vernunft reagieren. Die politische Antwort darauf kann nicht sein, dass wir Kinder aufgeben, aber genau das wäre eine Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die Schweiz ...!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Strafrechtliche Sanktionen – das zeigen Studien – sind an diesem Punkt enorm schädlich für die Entwicklung. Sie zementieren Fehlentwicklung, sie machen es nicht besser.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die haben bis dahin keine gesunde Entwicklung gehabt!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Kinder werden im Gefängnis nicht verantwortungsbewusster – im Gegenteil: Sie lernen dort genau das, was sie nicht machen sollen. Kein zwölfjähriges Kind kommt ins Gefängnis und geht dann besser, verantwortungsvoller heraus. Es ist ganz klar, es ist belegt: Frühzeitiger Kontakt mit dem Strafvollzug erhöht das Risiko für Rückfälle, Schulabbrüche und für soziale Ausgrenzung. Sie haben es angesprochen: Es gibt Länder, in denen das Alter herabgesetzt wurde, aber dazu gab es auch Studien, und die Evidenz der Studien zeigt ganz klar, dass das keine gute Idee ist, denn die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters hat keine abschreckende Wirkung. Die Herabsetzung führt nicht zu einem Rückgang der Jugendkriminalität bei unter 14-Jährigen – Generalprävention: Fehlanzeige –, es gibt auch eine erhöhte Rückfallquote – Spezialprävention: ebenso Fehlanzeige. Die Kinder, die ins Gefängnis kommen, sind nachher nicht weniger geneigt, Straftaten zu begehen – im Gegenteil: Sie werden es nachher viel, viel wahrscheinlicher tun. Und dann gibt es noch negative Auswirkungen auf die Bildung, weil wir einfach sehen, dass ein Kontakt mit dem Strafvollzug eines erhöht: das Risiko, die Schule frühzeitig abzubrechen, und das kann nicht unser Ziel sein. Wir müssen diese Kinder da nehmen, wo sie sind, und wir müssen auch darauf eingehen, dass diesen Kindern eines fehlt: Perspektiven und auch Struktur in ihrem Alltag. Genau darauf setzt diese Bundesregierung mit dem Vorschlag – Bürgermeister Ludwig hat es bereits angesprochen – von Jugend-WGs: dass diese Kinder, die in einem Milieu aufwachsen, in dem ihnen nicht die nötigen Perspektiven, Türen und Strukturen gegeben werden, in Einrichtungen mit multiprofessionellen Teams, mit verbindlichen Regeln und mit Struktur kommen, dass wir ihnen langfristig im Leben Chancen und Perspektiven öffnen, aber eben auch Konsequenzen aufzeigen können. Genau dieser Weg ist der pädagogisch sinnvolle, genau dieser Weg ist es, der uns auf der einen Seite helfen wird, die Jugendkriminalität runterzubringen, und auf der anderen Seite, darauf zu schauen, dass diese Kinder später besser werden. Wer heute die Strafmündigkeit senkt, verbaut morgen den Kindern die Zukunft. Genau das wollen wir nicht. Wir wollen diese Kinder wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückholen – mit Jugend-WGs. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Das Thema Jugendkriminalität ist natürlich emotional, das verstehe ich. Wie meine Vorredner und -rednerinnen aber schon gesagt haben: Es macht halt keinen Sinn, da schnell, reflexartig zu entscheiden, quasi: Wenn Kinder Probleme machen, dann sperren wir sie ein; aus den Augen, aus dem Sinn. – Das funktioniert einfach nicht. Probleme verschwinden nicht, nur weil wir wegschauen. Darum müssen wir, im Gegenteil, ganz genau hinschauen – und das müssen wir auch bei Social Media machen. Denn: Nein, das ist nicht einfach nur ein bloßes Scrollen am Handy und nur schnell auf Tiktok schauen, sondern das ist mehr. Haben Sie beispielsweise die Serie „Adolescence“, die gerade boomt, gesehen? – Dann wissen Sie, was ich meine. Zwölf-, 13-Jährige, die eine App öffnen, und was sehen Sie? – Hass, Krieg, Bodyshaming, Frauenverachtung, Verschwörung. Alles das würde man auf einem Pausenhof in der Schule niemals zulassen, aber online schauen wir weg. Mädchen, die anfangen, ihren Körper zu hassen, weil der Algorithmus sagt, wie sie auszuschauen haben; Burschen, die in toxische Männlichkeitsbilder eintauchen, weil sie hoffen, dass sie dort Antworten finden; Jugendliche, die mit Bildern von Hass, Blut, Krieg konfrontiert sind und damit alleingelassen werden: Das sind keine Ausnahmen, sondern das ist das, was jeden Tag passiert – jeden Tag. Das können wir nicht länger ignorieren. Genau deshalb fordern wir ein Mindestalter von 16 für Social Media (👏), verlässliche Alterskontrollen und klare gesetzliche Regeln für Plattformen, denn auch die Plattformen, die mit diesen Inhalten Milliarden verdienen, müssen für den Druck, den sie erzeugen, und für die Schäden, die sie hinterlassen, in die Verantwortung genommen werden. Mit dieser Forderung stehen wir auch nicht alleine da. Die neuste Jugendstudie zeigt ganz genau, ganz deutlich, dass 85 Prozent dieser jungen Menschen – also genau die, die es betrifft – sagen, sie wollen auch eine Altersbegrenzung von 16 Jahren, weil sie den Druck merken, weil sie die Gewalt merken. Auch viele Eltern, die verständlicherweise völlig überfordert sind, schreiben uns; sie schreiben, dass da endlich etwas passieren muss. Sie fühlen sich alleingelassen, denn es gibt keine Regeln, um diese Kinder zu schützen. Wir haben eine Altersbegrenzung beim Tabak, beim Alkohol, beim Glücksspiel, sogar bei Filmen, aber dort, wo Kinder jeden Tag unterwegs sind, stundenlang online, ungefiltert, unreguliert, da regeln wir nichts. Die FPÖ wirft uns via Aussendung vor, wir betreiben Meinungsdiktatur, weil wir Kinder vor Gewalt, vor Frauenhass, vor Extremismus schützen wollen. – Leute, das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun! Da geht es darum, Kinder vor einer Industrie zu schützen, die Milliarden damit verdient, dass sie die Köpfe unserer jungen Menschen vergiftet. Wenn die FPÖ Social Media zur ideologischen Kampfarena erklärt, dann hat das nichts mit Freiheit zu tun, sondern das ist politischer Missbrauch von Schutzlosen. (👏) Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, und daher bringe ich folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum“. Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Familie, Jugend, EU und Integration im Bundeskanzleramt wird aufgefordert sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass Social Media Plattformen die Verpflichtung auferlegt wird, ihre Services Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nicht anzubieten und dazu Altersverifikationen durchzuführen, wobei die Altersverifikation über die e-ID erfolgen sollte, und zwar ohne Weitergabe von personenbezogenen Daten außer der Information, dass die Person das 16. Lebensjahr vollendet hat.“ Ich gehe von breiter Zustimmung aus. (👏) 18.31 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/134.1 Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum (38/UEA) Präsident Peter Haubner : Danke. – Der Antrag wurde ordnungsgemäß eingebracht, dieser Entschließungsantrag steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch . – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Jede Straftat ist eine zu viel, und zwar unabhängig davon, von wem sie begangen wurde. Ich hoffe, darüber herrscht in diesem Haus Einigkeit. (👏 SPÖ) Selbstverständlich muss man auch bei der Jugendkriminalität ein wachsames Auge haben und Maßnahmen ergreifen. Die beantragte Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre ist aber wieder einmal nichts anders als purer Populismus, der nichts ändern wird. Schauen wir uns zunächst einmal die Fakten an, denn wenn man seriöse Politik betreiben möchte, dann sind Fakten das Wichtigste: Im Jahr 2023 wurden insgesamt 12 895 Anzeigen gegen unter 14-Jährige eingebracht. Was macht die Kriminalstatistik? – Sie führt eine Zählung nach Anzeigen durch. Das heißt, ein Delikt, an dem mehrere Täter:innen beteiligt sind, fließt auch mehrfach in diese Zählung ein. 30 Personen unter 14 haben 2023 insgesamt 60 Prozent aller Anzeigen erhalten, und weil die Delikte oft in ähnlichen Gruppen verübt werden, kommt es im Zuge einer Straftat auch oft zu mehrfachen Zählungen. Wir haben es heute schon gehört: Drei Personen unter 14 haben insgesamt 28 Prozent der Anzeigen zu verantworten. Es kann also gesagt werden, dass ein Großteil der Straftaten von ein paar wenigen Systemsprengern durchgeführt wird, und die haben meist selbst Gewalterfahrung oder Traumatisierungen. Sie verfügen über wenig Tagesstruktur und sind oft auch gemeinsam in Einrichtungen untergebracht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Interessiert die Opfer aber nicht!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… Würde es aber das Problem lösen, wenn man jetzt die Strafmündigkeit heruntersetzt? – Nein, das würde es nicht. Das sagen sämtliche Expert:innen, das sagt uns aber auch der Menschenverstand, weil Kinder ins Gefängnis zu stecken – Sie sagen jetzt zwar, das wollen Sie nicht, aber im Ausschuss haben Sie von Schnupperhaft et cetera gesprochen …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wir?

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… diese Kinder nicht zu besseren Menschen machen wird, sondern das wird sie unter Umständen noch weiter auf den falschen Weg führen. Kinder ins Gefängnis zu stecken, verhindert keine künftigen Straftaten, es verbessert auch nicht deren Umfeld, wenn sie wieder rauskommen, und es befreit sie nicht aus der Täter-Opfer-Spirale, in der sie oft selbst stecken. Was braucht es? – Es braucht mehr Prävention; es braucht rechtliche Möglichkeiten, sie anhalten zu können; es braucht multiprofessionelle Teams, die Kinder intensiv betreuen können. Das Regierungsprogramm sieht diese Maßnahmen vor. Die Bundesregierung arbeitet wie immer unaufgeregt und professionell an Lösungen. Wir bringen Österreich wieder auf Kurs, und zwar durch Arbeiten und nicht durch das Trommeln von populistischen Parolen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Thomas Elian . – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Thomas Elian

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Werte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich spreche über einen Antrag der FPÖ betreffend die strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich. Das ist ein Antrag, der nicht nur rechtlich sehr fragwürdig ist, sondern in der Praxis auch vollkommen untauglich. Anstatt konstruktive Vorschläge zur Steuerung von Migration zu unterbreiten, wird seitens der FPÖ einmal mehr auf reine Symbolpolitik, die weder praktikabel noch zielführend ist, gesetzt.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Was tätet ihr machen, wenn es uns nicht gäbe?

ÖVP Thomas Elian

… Schauen wir uns die Fakten an: Die Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm bereits klar zum Kampf gegen Schlepperei bekannt, mit konkreten Maßnahmen, die längst in Umsetzung sind. Wer es mit der Bekämpfung illegaler Migration ernst meint, sollte sich mit diesen Maßnahmen einmal auseinandersetzen, anstatt populistische Verschärfungen, die realitätsfern und wirkungslos sind, zu fordern. Der Antrag beruht auf einer grundlegenden Fehleinschätzung: Ein illegaler Grenzübertritt ist nicht automatisch ein Asylantrag.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber eine Straftat schon!

ÖVP Thomas Elian

… Auch die Aufgriffszahlen sprechen eine klare Sprache.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was ist das dann: ein illegaler Grenzübertritt?

ÖVP Thomas Elian

… Sehen wir uns die Zahlen im Burgenland an: 2022 waren es 82 000 Aufgriffe, 2023 knapp 30 000 und 2024 rund 5 100. Diese Zahlen zeigen uns eines klar und deutlich: Die Situation ist unter Kontrolle. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Sie beweisen, dass die Maßnahmen der Bundesregierung, allen voran die entschlossene Linie unseres Innenministers, Wirkung zeigen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unfassbar! Alles gut im Land! – Abg. Stefan [FPÖ]: Alles bestens!

ÖVP Thomas Elian

… Wer jetzt aber trotzdem weiter Stimmung gegen Schutzsuchende macht, verfolgt keine Lösungen, sondern betreibt billigen Populismus auf dem Rücken von Menschen in Not.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Stimmung gegen Schutzsuchende! Für die Zuschauer: Der Mann ist von der ÖVP, das ist kein Grüner!

ÖVP Thomas Elian

… Anstatt auf rasche und rechtlich saubere Rückführungen zu setzen, fordert man ein bürokratisches Monstrum. Rufen wir uns den heutigen Redebeitrag zur Änderung des Asylgesetzes von unserem Herrn Will-nicht-Kanzler Kickl noch einmal ins Gedächtnis ( Ruf bei den Grünen: Kann-nicht-Kanzler! ): Er fordert in diesem Punkt mehr Bürokratie ein. Aber was soll das nun bringen – mehr Bürokratie, wenn wir diesen Antrag umsetzen? – Das kann einfach nicht funktionieren, denn dieser Antrag bringt nichts.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ihre Rede bringt auch nicht viel weiter!

ÖVP Thomas Elian

… Er bringt keine besseren Kontrollen, keine schnelleren Verfahren und keine effizienten Rückführungen. Stattdessen bringt er mehr Bürokratie, mehr Verunsicherung und ein gefährliches Signal, das unseren internationalen Verpflichtungen ebenso widerspricht wie dem gesunden Menschenverstand.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist die Zukunftshoffnung der ÖVP Niederösterreich!

ÖVP Thomas Elian

… Die Bundesregierung hat eine klare Linie: schnelle und effiziente Asylverfahren und eine konsequente Rückkehrpolitik. Was wir nicht brauchen, ist Symbolpolitik, die keinerlei Beitrag zur Lösung leistet. Wir lehnen diesen Antrag daher mit aller Deutlichkeit ab. Österreich braucht Lösungen und keine Schlagzeilen – für Sicherheit mit Haltung, für Ordnung mit Vernunft für unser Österreich. – Vielen Dank.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mich wundert’s, dass überhaupt noch einer kommt, nachdem ihr die Balkanroute geschlossen habt!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer . – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Natürlich ist Jugendkriminalität gerade das Thema, und zwar aus zwei verschiedenen Gründen: Zunächst aus einem sehr, sehr wichtigen Grund: Jeder und jede Jugendliche, den oder die man nicht rechtzeitig davor bewahrt, auf den falschen Weg zu kommen, ist eine:r zu viel. Das ist doch selbstverständlich und vollkommen klar. Es ist aber noch aus einem anderen Grund ein sehr, sehr wichtiges Thema: Bei jeder Straftat beziehungsweise überall dort, wo es einen Täter gibt, gibt es auch ein Opfer. In den meisten Fällen sind das ebenso Kinder und Jugendliche. Und es geht doch vor allem darum, dass man Straftaten verhindert, damit eben Kinder und Jugendliche nicht Opfer von Straftaten werden. Es gab jetzt schon unterschiedliche Redebeiträge, in denen über verschiedene Zugänge gesprochen wurde, wie man es schafft, Kinder und Jugendliche nicht kriminell werden zu lassen beziehungsweise diese kriminellen Karrieren zu beenden, bevor sie richtig starten. Ich glaube, das Wesentlichste und das, was alle, die sich wissenschaftlich, mit einem forschenden Hintergrund damit beschäftigen, sagen, ist, dass es wichtig ist, im erzieherischen Bereich einzugreifen, im Besserungsbereich. So heißt das Prinzip zum Beispiel auch in der Schweiz: Besserung. Das ist halt der Schweizer Begriff, aber es ist genau das, was dieser aussagt: Besserung. Die Kinder sollen besser werden, sollen sich verbessern, sollen ihre Einstellung zu Recht und Ordnung verbessern. Durch staatliche Maßnahmen soll nachgeholt werden, was im Zuhause, in der Familie nicht funktioniert hat. Kein Kind, kein einziges Kind kann irgendetwas dafür, wie es aufwächst, in welche Familie es kommt und in welchen Umständen es aufwächst. Deshalb ist es wichtig, dass wir hier Maßnahmen setzen. Es ist wichtig, dass wir die Kinder- und Jugendhilfe ordentlich ausstatten, und es ist vor allem wichtig, dass man diese Ausstattungen vereinheitlicht. Das ist auch Inhalt unseres Antrages, den ich hiermit einbringen möchte – er ist schon verteilt worden, ist schon schriftlich eingebracht worden –, in dem wir massive Verstärkungen in diesem Bereich fordern. Wenn es nicht funktioniert, die Maßnahmen der Länder untereinander abzustimmen, wenn es nicht funktioniert, die Länder dazu zu bringen, gemeinsame Vereinbarungen hinsichtlich der Standards in der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Bund abzuschließen, dann hilft es nichts, dann muss man diese Kompetenz wieder zum Bund zurückholen und sie dort vereinheitlichen. Man braucht wieder einen Jugendgerichtshof, denn dieses Instrument hat sehr, sehr gute Arbeit geleistet, und man braucht vor allem interdisziplinäre Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Jedes Kind ist unsere Zukunft, und wir können uns aussuchen, welche Art Zukunft diese Kinder für uns darstellen werden. – Vielen Dank. (👏) 18.41 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/137.1 echtes Maßnahmenpaket gegen Kriminalität statt Symbolpolitik auf dem Rücken junger Menschen (39/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde verteilt, jetzt in seinen Eckpunkten erläutert und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Manfred Sams . – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, es ist nicht das erste Mal, dass die FPÖ mit einem ihrer populistischen Anträge versucht, unseren Rechtsstaat auszuhöhlen und unser Strafrecht nach Herkunft und Staatsbürgerschaft zu spalten. Heute geht es um nichts weniger als um den Versuch, eine Zweiklassenjustiz in Österreich einzuführen, und das lehnen wir von der Sozialdemokratie entschieden ab. (👏 SPÖ) Die FPÖ will, dass Menschen für dieselbe Straftat unterschiedlich behandelt werden, je nachdem, ob sie als Fremde – wie es im Antrag steht – oder als Inländer gelten. Ich frage Sie: Was ist das anderes als eine eiskalte Attacke auf den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz?! Wollen wir wirklich eine Justiz, die nicht nach der Tat, sondern nach der Herkunft urteilt? Das ist nicht nur moralisch verwerflich und menschenfeindlich, sondern auch absolut gleichheitswidrig und verfassungswidrig.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie ist das dann beim Wahlrecht?

SPÖ Manfred Sams

… Die österreichische Verfassung und die Europäische Menschenrechtskonvention garantieren Gleichbehandlung vor Gericht. Wer diesen FPÖ-Antrag unterstützt, tritt diese Grundprinzipien mit Füßen, denn unser Strafrecht bemisst sich nicht danach, wo jemand geboren wurde, sondern nach Schuld und Verantwortung. Genau das ist der Punkt: Die FPÖ versucht wieder einmal, Angst zu schüren, anstatt echte Lösungen für die Sicherheit in unserem Land zu liefern. (👏 SPÖ) Wer Straftaten begeht, muss bestraft werden, das aber nach geltendem Recht und nicht nach einem ideologischen Sonderrecht für bestimmte Gruppen. Wir haben klare rechtliche Konsequenzen für Straftäter. Die Gerichte berücksichtigen zahlreiche Erschwerungs- und Milderungsgründe, aber eben nicht den fremdenfeindlichen Populismus einer Partei, die es nicht lassen kann, Sündenböcke zu konstruieren. (👏 SPÖ) Im Übrigen treffen Täter, die mit dem FPÖ-Antrag gemeint sind, schon nach geltendem Recht zusätzlich zur Strafe auch fremdenpolizeiliche Konsequenzen. Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Antrag ist nicht nur unnötig, sondern dieser Antrag ist vor allem eines, nämlich brandgefährlich. Dieser Antrag würde das Vertrauen in unseren Rechtsstaat untergraben, und genau deshalb werden wir ihn selbstverständlich ablehnen. Wir Sozialdemokrat:innen stehen für ein Strafrecht, das für alle gleich gilt, ohne politische Willkür, ohne Diskriminierung, ohne Zweiklassenjustiz. Das ist Rechtsstaatlichkeit, das ist Gerechtigkeit, und das ist es, wofür wir kämpfen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als nächste Rednerin ist Abgeordnete Bettina Zopf zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, die vielleicht zu Hause noch zuschauen! Den Vorwurf der Opposition, dass ihre Anträge und Ideen immer vertagt und sozusagen nur vom Tisch gewischt werden, können wir heute ganz klar zurückweisen. Wir diskutieren diese Anträge heute hier im Parlament, weil wir sie ablehnen. Wir überprüfen alle Anträge aller Parteien, aber – wenn ich das einmal so erklären darf; und auch ich habe schon viele gute Ideen gehabt – sie müssen auch umsetzbar sein und brauchen eine Mehrheit. Wir tragen eben die Verantwortung, und in diesem Fall, sehr geehrter Herr Mag. Harald Stefan , der Sie seitens der FPÖ diesen Antrag gestellt haben, ist der Zweifel an der Umsetzbarkeit sehr groß. Sie möchten Fremde, also all jene, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft haben, höher bestrafen als österreichische Staatsbürger. Ihr Antrag widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz. Das heißt nicht, dass wir das Problem nicht erkennen, deshalb setzen wir seitens der Regierung auch Maßnahmen – vor allem aber auch, um die Ursachen zu bekämpfen. Als Bäuerin weiß ich, dass Unkraut nicht verschwindet, wenn man es nur oberflächlich abschneidet …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oh, oh, oh, oh, oh! Haben Sie jetzt Menschen als Unkraut bezeichnet?

ÖVP Bettina Zopf

… sondern man muss die Wurzel entfernen und den Boden so aufbereiten, dass das Gute wächst.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Haben Sie jetzt Menschen als Unkraut bezeichnet?

ÖVP Bettina Zopf

… Nur so kann man es nachhaltig bekämpfen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unkraut bekämpfen, na servas! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Sie trauen sich aber was, Frau Kollegin! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das sollten wir vielleicht auch in der Präsidiale besprechen!

ÖVP Bettina Zopf

… Vorverurteilen, abstempeln, ungleich behandeln – das ist wohl kein guter Nährboden für gute Integration. Unser überparteiliches Ziel muss sein, Menschen, die nach Österreich kommen, sofort und bestmöglich zu integrieren. Damit bekämpfen wir die Ursache, und dafür setzen wir folgende Maßnahmen: Menschen, die in Österreich kein Bleiberecht haben, sollen konsequent und zügig abgeschoben werden. All jene, die legal in Österreich leben und ein Bleiberecht besitzen, müssen wir – um es noch einmal deutlich zu wiederholen – in unsere Systeme und in unsere Gesellschaft integrieren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer sagt denn das?

ÖVP Bettina Zopf

… Wir stoppen den Familiennachzug, was nun bis September 2026 beschlossen wurde. Damit wird sich automatisch die Anzahl und zum Teil auch der Anreiz, nach Österreich zu kommen, reduzieren. Unser Ziel ist, so auf ein vertretbares Ausmaß zu kommen. Heute in der Früh habe ich mit meiner 24-jährigen Tochter telefoniert und mit ihr über diesen Antrag gesprochen, weil mir ihre Meinung auch sehr wichtig ist. Ihre Aussage war: Egal wer eine Straftat begeht, ob Österreicher oder Fremder, es muss immer die Tat beurteilt werden und nicht die Herkunft.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Hat die Tochter gesagt, ach so! – Abg. Stefan [FPÖ]: Also nicht die Motivation! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das Motiv spielt ... eine Rolle! – Abg. Stefan [FPÖ]: Da haben wir dann ein Flexsystem!

ÖVP Bettina Zopf

… Auch sie hält somit den Gleichheitsgrundsatz, der bei uns in der Verfassung geregelt ist, für völlig richtig. Geschätzter Mag. Harald Stefan , der Sie diesen FPÖ-Antrag formuliert haben, mir ist klar, dass es Ihnen als Opposition anscheinend egal ist, dass dieser Antrag verfassungswidrig und meiner Meinung nach auch menschlich bedenklich ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber von Unkraut reden! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Menschen mit Unkraut vergleichen!

ÖVP Bettina Zopf

… Er würde auch nicht die Ursache bekämpfen. Im Gegenteil, er würde schon bestehende Probleme noch verstärken. Wir brauchen nicht noch mehr Häftlinge und schon gar nicht noch längere Haftstrafen als jetzt und keine überfüllten Gefängnisse, die viel kosten …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, lassen wir sie lieber heraußen! Ist eh klar!

ÖVP Bettina Zopf

… sondern wir müssen uns darum kümmern, Straftaten zu verhindern.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP Bettina Zopf

… Es würde mich freuen, wenn ihr eurer politisch-demokratischen Verantwortung nachkommt und überparteilich ernsthaft und fair mitwirkt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

So ernst wie Ihre Rede!

ÖVP Bettina Zopf

… Aber im Gegensatz zur ÖVP, bei der das V auch unser Verantwortungsbewusstsein in unserem Parteinamen widerspiegelt …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

„Volk“ darf man nicht mehr sagen, oder?

ÖVP Bettina Zopf

… steht bei euch von der FPÖ das F wohl für Flucht: für Flucht vor der Verantwortung. Abschließend noch ein Versprechen und eine Bitte – mit dem Versprechen, dass wir eure Anträge auch weiterhin ernsthaft auf deren Machbarkeit überprüfen werden, nun folgende Bitte an euch: Überlegt, ob nicht auch ihr trotz Opposition auf mehr Verantwortung statt auf Flucht vor Verantwortung setzen solltet. Das wäre dann auch zum Vorteil der Bevölkerung, würde auch uns allen in der Politik guttun, und euer F würde dann vielleicht für fair stehen. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/140.1 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 52 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/140.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Selma Yildirim , Mag. Klaus Fürlinger , Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. ( 18/E ) RN/140.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Antrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/140.4 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „echtes Maßnahmenpaket gegen Kriminalität statt Symbolpolitik auf dem Rücken junger Menschen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/140.5 Weiters gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 53 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/140.6 Schließlich kommen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 54 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

Strafgesetzbuch - StGB

54 d.B. · Antrag vonFPÖ · Initiativantrag 144/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Initiativantrag 144/A zur Änderung des Strafgesetzbuchs ab. Damit wird kein neuer besonderer Erschwerungsgrund für Straftaten von Migranten eingeführt.

Betroffen wäre die Strafzumessung nach dem StGB bei Straftaten von Personen, die in Österreich Schutz bzw. Aufenthalt erhalten und dieses „Gastrecht“ durch Delikte missbrauchen.

Ziel war, den „Missbrauch des Gastrechts“ als besonderen Erschwerungsgrund zu verankern, um strengere Strafen, Abschreckung und eine stärkere Sanktionierung straffälliger Migranten zu erreichen.

Dokumente

Strafgesetzbuch - StGB

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Initiativantrag (144/A) auf Änderung des Strafgesetzbuches (StGB), BGBl. Nr. 60/1974.
  • Zielrichtung des Antrags ist die Ergänzung bzw. ausdrückliche Berücksichtigung eines besonderen Erschwerungsgrundes im StGB im Zusammenhang mit Straftaten von Migranten, die als „Missbrauch des Gastrechts“ verstanden werden.

Ausgangslage laut Antrag

  • Die im StGB enthaltene Aufzählung besonderer Erschwerungsgründe wird als bloß demonstrativ (nicht abschließend) beschrieben.
  • Ein spezieller Erschwerungsgrund für „kriminelle Migranten“ sei bisher nicht enthalten, weil der Gesetzgeber ursprünglich davon ausgegangen sei, dass fremdenpolizeiliche Maßnahmen (Fremdenpolizeigesetz) zur Sanktionierung von „Missbrauch des Gastrechts“ ausreichen.
  • Diese Annahme habe sich nach Darstellung der Antragsteller als unzutreffend erwiesen, weil angemessene Reaktionen wie Abschiebungen aufgrund völkerrechtlicher Bindungen häufig rechtlich unzulässig seien.

Begründung: Migrations- und Sicherheitslage (Darstellung im Antrag)

  • Österreich habe vielen Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten Zuflucht gewährt; in den letzten Jahren sei es im Zuge von „Flüchtlingswellen“ zu zahlreichen Grenzübertritten gekommen (teils Schutzsuche, teils Durchreise).
  • Insbesondere seit 2015 seien die Aufnahmekapazitäten Österreichs überstrapaziert worden.
  • Auch während der „Corona-Pandemie“ sei der Zustrom an Migranten nach Darstellung des Antrags nicht abgerissen; die Zahl der Asylanträge habe nicht abgenommen.
  • Mit der steigenden Zahl illegaler und legaler Migranten habe sich nach Darstellung des Antrags auch die Zahl der von diesen begangenen Straftaten erhöht; genannt werden insbesondere Delikte nach dem Suchtmittelgesetz sowie Straftaten gegen Leib und Leben, gegen fremdes Vermögen und gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung.

Begründung: Herangezogene Kriminalitätsdaten (Darstellung im Antrag)

  • Unter Bezugnahme auf die Polizeiliche Kriminalstatistik 2023 des Bundeskriminalamts werden 528.010 Anzeigen genannt (Anstieg um 8% gegenüber dem Vorjahr).
  • Als besonders besorgniserregend wird eine Zunahme schwerer Gewaltverbrechen angeführt; genannt werden 1.296 Vergewaltigungen im Jahr 2023.
  • Es werden 20 registrierte Morde genannt, darunter zehn Frauenmorde.
  • Als „alarmierend“ wird eine hohe Zahl an Messerattacken bzw. Fällen schwerer oder gefährlicher Körperverletzung genannt (8.951 Fälle).
  • Verstöße gegen das Suchtmittelgesetz werden als deutlich gestiegen dargestellt; genannt werden 3.359 Fälle im Jahr 2023.
  • Es wird behauptet, dass ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Personen mit Migrationshintergrund als Tätergruppe vorliege; als Beispiel wird Wien genannt, wo der Anteil fremder Tatverdächtiger 2023 bei 55,3% gelegen habe.

Bewertung und Zielsetzung der beantragten StGB-Änderung (Darstellung im Antrag)

  • Das massenhafte Auftreten der genannten Straftaten gefährde nach Darstellung des Antrags die Sicherheit und den gesellschaftlichen Frieden.
  • Der „Missbrauch des Gastrechts“ wird als besonders verwerflich bezeichnet und soll entsprechend sanktioniert werden.
  • Die angestrebte Gesetzesänderung wird als notwendig zum Schutz der österreichischen Gesellschaft und des friedlichen Zusammenlebens dargestellt.
  • Die Regelung solle die besondere Unwertbedeutung des strafbaren Verhaltens hervorheben, zur Unterlassung solcher Taten beitragen und dem gesetzestreuen Einzelnen durch Abwehr von Gewalt und Willkür Freiheit verschaffen.
  • Sie solle durch verstärkte Einwirkung auf den Täter dessen Besserung fördern und weitere Verbrechen verhindern sowie durch Abschreckung Rechtsbewusstsein und Rechtstreue von Migranten stärken.
  • Es wird betont, dass beim Unrechtsgehalt nicht auf die Herkunft abgestellt werde, sondern auf ein besonders verwerfliches Verhalten unter Ausnutzung des vom Staat gewährten Schutzes.

Strafgesetzbuch - StGB

~31 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
SPÖ Muna Duzdar

Herr Präsident! Sehr geehrte und geschätzte Frau Justizministerin! Es geht unter anderem um den FPÖ-Antrag auf Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre. Sie, werte Kollegen von der FPÖ, behaupten, dass mit der Herabsetzung der Strafmündigkeit oder mit der Senkung der Altersgrenze die Kriminalität sinken würde. Das ist falsch, und ich möchte versuchen, Sie davon zu überzeugen, dass Sie falsch liegen. Herr Kollege Stefan, Sie haben heute das Schweizer Modell angeführt. Ich glaube, es ist wichtig, dass ich Ihnen einmal sage, dass der Vergleich mit dem Schweizer Modell einfach hinkt. ( In Richtung des mit Abg. Brückl [FPÖ] sprechenden Abg. Stefan [FPÖ]: ) Hören Sie mir zu? Herr Kollege Stefan! ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Herr Kollege Stefan, ich repliziere auf das, was Sie in Ihrer Rede zum Schweizer Modell gesagt haben. ( Ruf bei der SPÖ: Das interessiert ihn nicht! ) Ich möchte Ihnen hier in aller Deutlichkeit sagen, dass der Vergleich hinkt – aus einem bestimmten Grund.

SPÖ Greiner (Zwischenruf)

Sehr höflich ... persönlich angesprochen! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Vielleicht ist es ihm wurscht! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Ist ja wurscht, was sie sagt! Wer ist sie?

SPÖ Muna Duzdar

… Ich möchte nämlich mit diesen Märchengeschichten über das Schweizer Modell aufräumen. ( Ruf bei der SPÖ: Der kriegt das gar nicht mit! ) Es ist zwar richtig, dass die Strafmündigkeit in der Schweiz bei zehn Jahren liegt, aber wir sollten alle wissen, dass jugendliche Straftäter erst ab dem Alter von 15 Jahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden können. Und: Das Schweizer Modell ist ganz anders als das österreichische Strafrechtsmodell. Dort besteht die Staatsanwaltschaft nicht nur aus Juristen, sondern das ist ein Kollegium, das aus Psychologen, aus Pädagogen und, und, und besteht. Ich glaube, dass man mit diesem Vergleich einmal aufräumen muss. (👏 SPÖ) Werte Kollegen und Kolleginnen! Dieses Thema ist mir ein wirklich besonderes Anliegen, und ich hätte so liebend gerne mehr Zeit dafür; aber ich möchte Ihnen eines sagen: Seit 96 Jahren liegt in Österreich die Altersgrenze für die Strafmündigkeit bei 14 Jahren – seit 96 Jahren, seit 1929, als das Jugendgerichtsgesetz geschaffen wurde und das Prinzip, dass gerade bei jungen Menschen der Grundsatz der Erziehung dem Grundsatz der Strafe vorgehen muss, gesetzlich verankert wurde. Selbst als die Jugendkriminalität in Österreich auf einem Höhepunkt stand, nämlich 1959 mit der höchsten Zahl von strafrechtlichen Verurteilungen, die neunmal so hoch wie heute war, 1976, als sie fünfmal so hoch wie heute war, kam man nicht auf die Idee, die Strafmündigkeit herabzusetzen. Worum geht es in unserem österreichischen Strafrecht? – Der Erfolg der österreichischen Strafrechtsordnung besteht ja darin, ob eine Resozialisierung gelingt. Die Bevölkerung muss geschützt werden, aber auch junge Menschen, die einmal kriminell werden, müssen davon abgehalten werden, rückfällig zu werden. Daran misst sich in Wirklichkeit der Erfolg einer strafrechtlichen Maßnahme. Sehr geehrte Damen und Herren! Was soll ich jetzt sagen? Die Redezeit ist aus.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Man kann aber auch Wahlen gewinnen!

SPÖ Muna Duzdar

… Ich möchte Ihnen vielleicht zum Abschluss nur sagen: Sie ( in Richtung FPÖ ) führen immer die Kriminalstatistik an. Ja, bei der Kriminalstatistik muss man wirklich genau hinschauen. In Wirklichkeit ist es so, dass die Zahl der strafrechtlichen Verurteilungen bei Jugendlichen zurückgegangen ist. Was tatsächlich angestiegen ist, ist nämlich die Zahl der angezeigten Taten. Die Zahl der angezeigten Taten ist wirklich gestiegen, das ist richtig. Aber wissen Sie, zum Abschluss möchte ich Ihnen eines sagen: Wenn bei Politikern die Unschuldsvermutung gilt, dann gilt sie auch bei jungen Menschen. Ich möchte jetzt abschließend einen Entschließungsantrag einbringen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Selma Yildirim , Mag. Klaus Fürlinger , Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Justiz und der Bundesminister für Inneres, wird ersucht, dem Nationalrat ehestmöglich eine Regierungsvorlage zuzuleiten, mit der alle im Regierungsprogramm vereinbarten Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendkriminalität umgesetzt werden, um den Behörden und zuständigen Organisationen effektive Mittel zur Eindämmung der Jugendkriminalität zur Verfügung zu stellen.“ Danke sehr. (👏 SPÖ) 18.11 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/130.1 Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität (37/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Markus Tschank .

FPÖ Markus Tschank

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Nennen wir das Kind bitte beim Namen: Österreich hat ein Problem mit importierter Ausländerkriminalität. Zahlen, Daten, Fakten lassen sich nicht einfach wegwischen. Werfen Sie bitte einen Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik des Jahres 2024: Die Zahl der nicht österreichischen Tatverdächtigen stieg innerhalb der letzten zehn Jahre von 90 000 im Jahr 2015 auf 160 000 im Jahr 2024. Der Anteil von Nichtösterreichern an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen erhöhte sich von 37 Prozent auf knapp 47 Prozent. 53 Prozent der in Österreich einsitzenden Häftlinge sind nicht Österreicher. Straffällige Ausländer werden jünger, sind teilweise unter 14 Jahre alt. Das, sehr geehrte Damen und Herren, ist das Ergebnis einer völlig gescheiterten Asyl- und Migrationspolitik. (👏 FPÖ) Eine Schubumkehr, sehr geehrte Damen und Herren, ist nicht in Sicht. Der Europäische Gerichtshof hat erst im Herbst letzten Jahres ausgesprochen, dass pauschal alle afghanischen Frauen in Europa ein potenzielles Asylrecht haben. Sehr geehrte Damen und Herren, das sind über 20 Millionen Menschen, die der Europäische Gerichtshof einlädt, zu uns nach Europa zu kommen. In Kombination mit dem Recht auf Familienzusammenführung ist das ein migrationspolitischer Tsunami, der sich auf Europa zubewegt. Dass ein Höchstgericht solche Entscheidungen trifft, ungeachtet dessen, ob dies mit unserer Sicherheit, mit unserem Sozialsystem, unserem Bildungssystem, unserem Arbeitsmarkt, unserem Pensionssystem vereinbar ist, interessiert die europäischen Institutionen nicht. Dass dies die kulturelle Statik unseres Kontinents massiv bedroht, dass sich unsere Zivilisation kulturell stark verändern wird, wird billigend in Kauf genommen. Transkontinentales Asyl ist mittlerweile Realität, sehr geehrte Damen und Herren, und dieses transkontinentale Asyl richtet diesen Kontinent Schritt für Schritt zugrunde. (👏 FPÖ) Seit Jahren fordert die FPÖ, die Grenzen zu schließen und eine Nullzuwanderung umzusetzen. Orbán hat es in Ungarn vorgezeigt. Es geht letztlich um Abschreckungsmaßnahmen. Es geht letztlich darum, dass man den Menschen auf einem anderen Kontinent signalisiert, dass sie nicht ohne Weiteres zu uns kommen und sich bei uns niederlassen können. Polen macht es vor, Dänemark macht es vor. Polen wird von einer liberalen Regierung unter Donald Tusk geführt, hat seine Grenzen geschlossen, macht Pushbacks, eine Nullquote im Asylbereich. Dänemark wird sozialistisch regiert und setzt auf Asylabschreckung. Es gibt Ausreisezentren, es gibt wirkungsvolle Maßnahmen von Regierungen, die liberal und sozialdemokratisch geführt werden. Daran, sehr geehrte Damen und Herren, sollten Sie sich ein Vorbild nehmen. Nehmen Sie sich ein Vorbild an diesen liberalen Regierungen, an diesen sozialistischen Regierungen, die jene Inhalte umsetzen, die wir als FPÖ eigentlich jahre- und jahrzehntelang bereits gefordert haben! (👏 FPÖ) Wien, sehr geehrte Damen und Herren, unsere Bundeshauptstadt, ist ein Modellfall für gescheiterte Asyl- und Migrationspolitik. Brennpunktschulen, hohe Ausländerkriminalität, keine Integrationsbereitschaft, soziale Hängematte: All dies zeigt uns, dass in Wahrheit in Wien letztlich massive Fehler in der Asyl- und Zuwanderungspolitik begangen worden sind. Es bedarf daher einer Politik der Abschreckung, genau so, wie das in Polen fabriziert wird, genau so, wie das in Dänemark gemacht wird, eines deutlichen Signals in die Welt: Wir wollen diese Form der illegalen Zuwanderung nicht haben, wir wollen kein transkontinentales Asyl, wir wollen unsere europäische und österreichische Identität behalten. (👏 FPÖ) Das heutige Maßnahmenpaket, sehr geehrte Damen und Herren, bezieht sich auf drei Bereiche. In aller Kürze: Die Senkung der Strafmündigkeit und Deliktsfähigkeit wurde bereits von Kollegen Stefan angesprochen und ausführlich erörtert. Die anderen beiden Gesetzesmaßnahmen betreffen einerseits den Kampf gegen die Schlepperei. Jede unerlaubte Einreise in das österreichische Staatsgebiet soll unter Strafe gestellt werden. Geschleppte Personen, die für ihren Schlepper bezahlen und sich illegal ins Land einschleusen lassen, sollen genauso bestraft werden wie die Schlepper selbst. Schlepper sollen natürlich darüber hinaus auch härter bestraft werden. Schutzberechtigte sollen straffrei bleiben, wenn sie sich unverzüglich bei österreichischen Behörden melden. Die letzte Maßnahme, die wir vorschlagen: Ausländerkriminalität soll ein Erschwerungsgrund im Strafgesetzbuch werden. Jemand, der als Fremder in unser Land kommt, unsere Wohltaten erhält, unser soziales Sicherungssystem genießt, ohne jemals dafür eingezahlt zu haben, und dann eine Straftat begeht, soll entsprechend härter bestraft werden können. Warum? – Weil es dafür auch eine sachliche Rechtfertigung gibt: Knapp 50 Prozent der Tatverdächtigen in Österreich sind Ausländer. 53 Prozent der Insassen in Gefängnissen sind Ausländer. Wenn von einer bestimmten Gruppe – wie hier der Fall – nachweislich eine erhöhte Kriminalität ausgeht und eine höhere Gefahr für das Gemeinwohl besteht, ist es Ihre Pflicht, sehr geehrte Damen und Herren, eine höhere Bestrafung dieser Gruppe entsprechend sicherzustellen. Dies nennt man Generalprävention. In diesem Sinne: Für das Wohl Österreichs ersuche ich Sie um die Zustimmung zu diesem Antrag. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Johanna Jachs .

ÖVP Johanna Jachs

Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor wenigen Tagen wurde die neue Kriminalitätsstatistik präsentiert, und ja, da bereitet es Bauchweh, wenn wir sehen, dass die Jugendkriminalität steigt. Da liegt es natürlich dann auch nahe, dass wir generell die Idee diskutieren, die Strafmündigkeit zu senken, was wir jetzt auch machen, weil wir ja auch den entsprechenden Antrag der FPÖ jetzt diskutieren. Was aber auch zur Wahrheit gehört, ist, dass uns wahrscheinlich gerade kein zwölf- bis 14-jähriges Kind zuhören wird oder später in der „ZIB“ nachschaut, dass wir hier herinnen über eine mögliche Senkung des Strafmündigkeitsalters diskutiert haben. Es wird sich wahrscheinlich auch kein zwölf- bis 14-jähriges Kind deswegen denken: Puh, da stelle ich jetzt lieber nichts mehr an! ( Heiterkeit bei Abgeordneten der Grünen. ) Was die Kriminalstatistik aber auch zeigt, ist, dass das Gott sei Dank kein Massenphänomen ist. Es wurde schon angesprochen: Man muss sich vorstellen, dass es ein paar wenige Systemsprenger gibt. Das sind Intensivtäter, Wiederholungstäter, das ist ein Trio, von dem jeder teilweise über 1 000 Straftaten begeht. Das ist eine immense Zahl, das muss man sich einmal vorstellen. Da ist es auch wichtig, dass wir unseren Behörden die Werkzeuge in die Hand geben, gegen diese Intensivtäter, gegen diese Wiederholungstäter, gegen diese nicht strafmündigen Systemsprenger wirklich vorzugehen. Darum ist auch wichtig, was Herr Bundesminister Karner gesagt hat: Er hat vorgeschlagen, Ausgangsbeschränkungen im Heimaufenthaltsgesetz zu schaffen, sodass Behörden eben genau gegen diese Intensivtäter vorgehen können. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ, ihr schlagt ja auch immer das Schweizer Modell vor. Ich bin wirklich dankbar, liebe Kollegin Duzdar, dass du vorhin auch angesprochen hast, dass das System in der Schweiz ganz, ganz anders ist, auch wenn man dort schon ab zehn strafbar ist. Und es ist auch Fakt, dass unsere Justizanstalten derzeit gar nicht darauf ausgerichtet wären, auf die Bedürfnisse von Kindern, auf Zwölf- bis 14-Jährige, einzugehen. Darum ist es meiner Meinung nach auch wirklich effizienter und praktikabler, Behörden eben Maßnahmen und Werkzeuge in die Hand zu geben, um effektiv vorzugehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Dann sollen sie lieber Straftaten begehen! – Abg. Lausch [FPÖ]: Wie sich das alles ändern kann! Bei den Verhandlungen war das Konsens!

ÖVP Johanna Jachs

… Sehr geehrte Damen und Herren, es gibt ja auch jetzt schon die Möglichkeit, Intensivtäter, Wiederholungstäter in Wohngemeinschaften oder anderen sozialen Einrichtungen unterzubringen, wenn sie nicht durch ihre Eltern betreut werden können. Da braucht es dann eben auch Ausgangsbeschränkungen, damit diese von der Begehung weiterer Straftaten abgehalten werden.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Also zuerst müssen sie ein paar Mal rückfällig werden! Wiederholungstäter!

ÖVP Johanna Jachs

… Wir müssen uns, glaube ich, generell die Frage stellen: Wollen wir, dass in Zukunft härter bestraft wird, oder wollen wir, dass weniger Straftaten begangen werden? – Ich glaube, es ist auch ganz legitim, beides zu wollen, das ist ganz wichtig. Es braucht aber einfach eine klarere Abstufung und auch andere Lösungsvorschläge im Vollzug, denn es kann nicht sein, dass wir einfach mehr Kinder ins Gefängnis stecken. Und ja, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich weiß, auch wir haben im Wahlkampf noch die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters gefordert.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das war vor der Wahl! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Aber was kümmert Sie Ihr Geschwätz von gestern?

ÖVP Johanna Jachs

… Jetzt ist es so, dass das Regierungsprogramm von breiter Verantwortung getragen wird und ein guter Kompromiss ist. Darum sind gute und sinnvolle Maßnahmen drinnen, die auch wir wirklich gerne unterstützen, weil es da um Prävention und Erziehung geht. Das ist gescheit, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich erwähne nur ein Beispiel: Es soll Normverdeutlichungsgespräche geben. Das heißt, gerade Kinder, die unsere Kultur, unsere Regeln nicht kennen und die sie auch nicht von ihren Eltern vermittelt bekommen können, sollen einfach zu Gesprächen eingeladen werden. Denen soll verdeutlicht werden, wie bei uns gelebt werden muss.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Und im Religionsunterricht wird man religiös! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Johanna Jachs

… Die Ausgangsbeschränkungen habe ich erwähnt. Fallkonferenzen, verpflichtende Fallkonferenzen - - Liebe Kollegen und Kolleginnen von der FPÖ, wenn ihr mir ein bisschen zuhören würdet, dann würdet ihr das, was ich da vorne sage, vielleicht auch verstehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Sicher nicht bei dem Blödsinn!

ÖVP Johanna Jachs

… Es ist auch ganz, ganz wichtig, dass es verpflichtende Fallkonferenzen, mehr Präventionsmaßnahmen gibt. Es steht außer Frage, dass die ganz, ganz zentral und bedeutend sind. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Kinder sind unsere Zukunft. Ich glaube schon, dass es eine ganz, ganz große Aufgabe von uns ist, den Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen, weil sie einfach unsere Ressource sind. Darum müssen wir dafür sorgen, dass Kinder gar nicht erst in die Situation kommen, Straftaten zu begehen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Ja, das wäre das Allerbeste!

ÖVP Johanna Jachs

… Wir müssen sie dann aber auch dabei unterstützen, sollte es so sein, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Das halte ich wirklich für eine zentrale und ganz wichtige Aufgabe der Politik. Jetzt, im Hinblick auf die Intensivtäter, ist es gescheit und wichtig und drängend, dass wir da Ausgangsbeschränkungen schaffen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Das erzählen S’ einmal der Mutter von dem vergewaltigten Mädel!

ÖVP Johanna Jachs

… Ich hoffe, dass wir das noch vor dem Sommer schaffen können. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Sophie Marie Wotschke .

NEOS Sophie Marie Wotschke

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn Kinder – ja, es sind Kinder – schwere Straftaten begehen, dann bestürzt uns das alle. Und ja, darauf müssen wir reagieren, aber wir müssen mit Vernunft reagieren. Die politische Antwort darauf kann nicht sein, dass wir Kinder aufgeben, aber genau das wäre eine Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Die Schweiz ...!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Strafrechtliche Sanktionen – das zeigen Studien – sind an diesem Punkt enorm schädlich für die Entwicklung. Sie zementieren Fehlentwicklung, sie machen es nicht besser.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Die haben bis dahin keine gesunde Entwicklung gehabt!

NEOS Sophie Marie Wotschke

… Kinder werden im Gefängnis nicht verantwortungsbewusster – im Gegenteil: Sie lernen dort genau das, was sie nicht machen sollen. Kein zwölfjähriges Kind kommt ins Gefängnis und geht dann besser, verantwortungsvoller heraus. Es ist ganz klar, es ist belegt: Frühzeitiger Kontakt mit dem Strafvollzug erhöht das Risiko für Rückfälle, Schulabbrüche und für soziale Ausgrenzung. Sie haben es angesprochen: Es gibt Länder, in denen das Alter herabgesetzt wurde, aber dazu gab es auch Studien, und die Evidenz der Studien zeigt ganz klar, dass das keine gute Idee ist, denn die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters hat keine abschreckende Wirkung. Die Herabsetzung führt nicht zu einem Rückgang der Jugendkriminalität bei unter 14-Jährigen – Generalprävention: Fehlanzeige –, es gibt auch eine erhöhte Rückfallquote – Spezialprävention: ebenso Fehlanzeige. Die Kinder, die ins Gefängnis kommen, sind nachher nicht weniger geneigt, Straftaten zu begehen – im Gegenteil: Sie werden es nachher viel, viel wahrscheinlicher tun. Und dann gibt es noch negative Auswirkungen auf die Bildung, weil wir einfach sehen, dass ein Kontakt mit dem Strafvollzug eines erhöht: das Risiko, die Schule frühzeitig abzubrechen, und das kann nicht unser Ziel sein. Wir müssen diese Kinder da nehmen, wo sie sind, und wir müssen auch darauf eingehen, dass diesen Kindern eines fehlt: Perspektiven und auch Struktur in ihrem Alltag. Genau darauf setzt diese Bundesregierung mit dem Vorschlag – Bürgermeister Ludwig hat es bereits angesprochen – von Jugend-WGs: dass diese Kinder, die in einem Milieu aufwachsen, in dem ihnen nicht die nötigen Perspektiven, Türen und Strukturen gegeben werden, in Einrichtungen mit multiprofessionellen Teams, mit verbindlichen Regeln und mit Struktur kommen, dass wir ihnen langfristig im Leben Chancen und Perspektiven öffnen, aber eben auch Konsequenzen aufzeigen können. Genau dieser Weg ist der pädagogisch sinnvolle, genau dieser Weg ist es, der uns auf der einen Seite helfen wird, die Jugendkriminalität runterzubringen, und auf der anderen Seite, darauf zu schauen, dass diese Kinder später besser werden. Wer heute die Strafmündigkeit senkt, verbaut morgen den Kindern die Zukunft. Genau das wollen wir nicht. Wir wollen diese Kinder wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückholen – mit Jugend-WGs. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Barbara Neßler .

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Das Thema Jugendkriminalität ist natürlich emotional, das verstehe ich. Wie meine Vorredner und -rednerinnen aber schon gesagt haben: Es macht halt keinen Sinn, da schnell, reflexartig zu entscheiden, quasi: Wenn Kinder Probleme machen, dann sperren wir sie ein; aus den Augen, aus dem Sinn. – Das funktioniert einfach nicht. Probleme verschwinden nicht, nur weil wir wegschauen. Darum müssen wir, im Gegenteil, ganz genau hinschauen – und das müssen wir auch bei Social Media machen. Denn: Nein, das ist nicht einfach nur ein bloßes Scrollen am Handy und nur schnell auf Tiktok schauen, sondern das ist mehr. Haben Sie beispielsweise die Serie „Adolescence“, die gerade boomt, gesehen? – Dann wissen Sie, was ich meine. Zwölf-, 13-Jährige, die eine App öffnen, und was sehen Sie? – Hass, Krieg, Bodyshaming, Frauenverachtung, Verschwörung. Alles das würde man auf einem Pausenhof in der Schule niemals zulassen, aber online schauen wir weg. Mädchen, die anfangen, ihren Körper zu hassen, weil der Algorithmus sagt, wie sie auszuschauen haben; Burschen, die in toxische Männlichkeitsbilder eintauchen, weil sie hoffen, dass sie dort Antworten finden; Jugendliche, die mit Bildern von Hass, Blut, Krieg konfrontiert sind und damit alleingelassen werden: Das sind keine Ausnahmen, sondern das ist das, was jeden Tag passiert – jeden Tag. Das können wir nicht länger ignorieren. Genau deshalb fordern wir ein Mindestalter von 16 für Social Media (👏), verlässliche Alterskontrollen und klare gesetzliche Regeln für Plattformen, denn auch die Plattformen, die mit diesen Inhalten Milliarden verdienen, müssen für den Druck, den sie erzeugen, und für die Schäden, die sie hinterlassen, in die Verantwortung genommen werden. Mit dieser Forderung stehen wir auch nicht alleine da. Die neuste Jugendstudie zeigt ganz genau, ganz deutlich, dass 85 Prozent dieser jungen Menschen – also genau die, die es betrifft – sagen, sie wollen auch eine Altersbegrenzung von 16 Jahren, weil sie den Druck merken, weil sie die Gewalt merken. Auch viele Eltern, die verständlicherweise völlig überfordert sind, schreiben uns; sie schreiben, dass da endlich etwas passieren muss. Sie fühlen sich alleingelassen, denn es gibt keine Regeln, um diese Kinder zu schützen. Wir haben eine Altersbegrenzung beim Tabak, beim Alkohol, beim Glücksspiel, sogar bei Filmen, aber dort, wo Kinder jeden Tag unterwegs sind, stundenlang online, ungefiltert, unreguliert, da regeln wir nichts. Die FPÖ wirft uns via Aussendung vor, wir betreiben Meinungsdiktatur, weil wir Kinder vor Gewalt, vor Frauenhass, vor Extremismus schützen wollen. – Leute, das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun! Da geht es darum, Kinder vor einer Industrie zu schützen, die Milliarden damit verdient, dass sie die Köpfe unserer jungen Menschen vergiftet. Wenn die FPÖ Social Media zur ideologischen Kampfarena erklärt, dann hat das nichts mit Freiheit zu tun, sondern das ist politischer Missbrauch von Schutzlosen. (👏) Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, und daher bringe ich folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum“. Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Familie, Jugend, EU und Integration im Bundeskanzleramt wird aufgefordert sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass Social Media Plattformen die Verpflichtung auferlegt wird, ihre Services Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nicht anzubieten und dazu Altersverifikationen durchzuführen, wobei die Altersverifikation über die e-ID erfolgen sollte, und zwar ohne Weitergabe von personenbezogenen Daten außer der Information, dass die Person das 16. Lebensjahr vollendet hat.“ Ich gehe von breiter Zustimmung aus. (👏) 18.31 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/134.1 Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum (38/UEA) Präsident Peter Haubner : Danke. – Der Antrag wurde ordnungsgemäß eingebracht, dieser Entschließungsantrag steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elke Hanel-Torsch . – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Elke Hanel-Torsch

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Jede Straftat ist eine zu viel, und zwar unabhängig davon, von wem sie begangen wurde. Ich hoffe, darüber herrscht in diesem Haus Einigkeit. (👏 SPÖ) Selbstverständlich muss man auch bei der Jugendkriminalität ein wachsames Auge haben und Maßnahmen ergreifen. Die beantragte Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre ist aber wieder einmal nichts anders als purer Populismus, der nichts ändern wird. Schauen wir uns zunächst einmal die Fakten an, denn wenn man seriöse Politik betreiben möchte, dann sind Fakten das Wichtigste: Im Jahr 2023 wurden insgesamt 12 895 Anzeigen gegen unter 14-Jährige eingebracht. Was macht die Kriminalstatistik? – Sie führt eine Zählung nach Anzeigen durch. Das heißt, ein Delikt, an dem mehrere Täter:innen beteiligt sind, fließt auch mehrfach in diese Zählung ein. 30 Personen unter 14 haben 2023 insgesamt 60 Prozent aller Anzeigen erhalten, und weil die Delikte oft in ähnlichen Gruppen verübt werden, kommt es im Zuge einer Straftat auch oft zu mehrfachen Zählungen. Wir haben es heute schon gehört: Drei Personen unter 14 haben insgesamt 28 Prozent der Anzeigen zu verantworten. Es kann also gesagt werden, dass ein Großteil der Straftaten von ein paar wenigen Systemsprengern durchgeführt wird, und die haben meist selbst Gewalterfahrung oder Traumatisierungen. Sie verfügen über wenig Tagesstruktur und sind oft auch gemeinsam in Einrichtungen untergebracht.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Interessiert die Opfer aber nicht!

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… Würde es aber das Problem lösen, wenn man jetzt die Strafmündigkeit heruntersetzt? – Nein, das würde es nicht. Das sagen sämtliche Expert:innen, das sagt uns aber auch der Menschenverstand, weil Kinder ins Gefängnis zu stecken – Sie sagen jetzt zwar, das wollen Sie nicht, aber im Ausschuss haben Sie von Schnupperhaft et cetera gesprochen …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Wir?

SPÖ Elke Hanel-Torsch

… diese Kinder nicht zu besseren Menschen machen wird, sondern das wird sie unter Umständen noch weiter auf den falschen Weg führen. Kinder ins Gefängnis zu stecken, verhindert keine künftigen Straftaten, es verbessert auch nicht deren Umfeld, wenn sie wieder rauskommen, und es befreit sie nicht aus der Täter-Opfer-Spirale, in der sie oft selbst stecken. Was braucht es? – Es braucht mehr Prävention; es braucht rechtliche Möglichkeiten, sie anhalten zu können; es braucht multiprofessionelle Teams, die Kinder intensiv betreuen können. Das Regierungsprogramm sieht diese Maßnahmen vor. Die Bundesregierung arbeitet wie immer unaufgeregt und professionell an Lösungen. Wir bringen Österreich wieder auf Kurs, und zwar durch Arbeiten und nicht durch das Trommeln von populistischen Parolen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Thomas Elian . – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Thomas Elian

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Werte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich spreche über einen Antrag der FPÖ betreffend die strafrechtliche Sanktionierung des illegalen Grenzübertritts nach Österreich. Das ist ein Antrag, der nicht nur rechtlich sehr fragwürdig ist, sondern in der Praxis auch vollkommen untauglich. Anstatt konstruktive Vorschläge zur Steuerung von Migration zu unterbreiten, wird seitens der FPÖ einmal mehr auf reine Symbolpolitik, die weder praktikabel noch zielführend ist, gesetzt.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Was tätet ihr machen, wenn es uns nicht gäbe?

ÖVP Thomas Elian

… Schauen wir uns die Fakten an: Die Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm bereits klar zum Kampf gegen Schlepperei bekannt, mit konkreten Maßnahmen, die längst in Umsetzung sind. Wer es mit der Bekämpfung illegaler Migration ernst meint, sollte sich mit diesen Maßnahmen einmal auseinandersetzen, anstatt populistische Verschärfungen, die realitätsfern und wirkungslos sind, zu fordern. Der Antrag beruht auf einer grundlegenden Fehleinschätzung: Ein illegaler Grenzübertritt ist nicht automatisch ein Asylantrag.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Aber eine Straftat schon!

ÖVP Thomas Elian

… Auch die Aufgriffszahlen sprechen eine klare Sprache.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Was ist das dann: ein illegaler Grenzübertritt?

ÖVP Thomas Elian

… Sehen wir uns die Zahlen im Burgenland an: 2022 waren es 82 000 Aufgriffe, 2023 knapp 30 000 und 2024 rund 5 100. Diese Zahlen zeigen uns eines klar und deutlich: Die Situation ist unter Kontrolle. ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Sie beweisen, dass die Maßnahmen der Bundesregierung, allen voran die entschlossene Linie unseres Innenministers, Wirkung zeigen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist unfassbar! Alles gut im Land! – Abg. Stefan [FPÖ]: Alles bestens!

ÖVP Thomas Elian

… Wer jetzt aber trotzdem weiter Stimmung gegen Schutzsuchende macht, verfolgt keine Lösungen, sondern betreibt billigen Populismus auf dem Rücken von Menschen in Not.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Stimmung gegen Schutzsuchende! Für die Zuschauer: Der Mann ist von der ÖVP, das ist kein Grüner!

ÖVP Thomas Elian

… Anstatt auf rasche und rechtlich saubere Rückführungen zu setzen, fordert man ein bürokratisches Monstrum. Rufen wir uns den heutigen Redebeitrag zur Änderung des Asylgesetzes von unserem Herrn Will-nicht-Kanzler Kickl noch einmal ins Gedächtnis ( Ruf bei den Grünen: Kann-nicht-Kanzler! ): Er fordert in diesem Punkt mehr Bürokratie ein. Aber was soll das nun bringen – mehr Bürokratie, wenn wir diesen Antrag umsetzen? – Das kann einfach nicht funktionieren, denn dieser Antrag bringt nichts.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ihre Rede bringt auch nicht viel weiter!

ÖVP Thomas Elian

… Er bringt keine besseren Kontrollen, keine schnelleren Verfahren und keine effizienten Rückführungen. Stattdessen bringt er mehr Bürokratie, mehr Verunsicherung und ein gefährliches Signal, das unseren internationalen Verpflichtungen ebenso widerspricht wie dem gesunden Menschenverstand.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist die Zukunftshoffnung der ÖVP Niederösterreich!

ÖVP Thomas Elian

… Die Bundesregierung hat eine klare Linie: schnelle und effiziente Asylverfahren und eine konsequente Rückkehrpolitik. Was wir nicht brauchen, ist Symbolpolitik, die keinerlei Beitrag zur Lösung leistet. Wir lehnen diesen Antrag daher mit aller Deutlichkeit ab. Österreich braucht Lösungen und keine Schlagzeilen – für Sicherheit mit Haltung, für Ordnung mit Vernunft für unser Österreich. – Vielen Dank.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Mich wundert’s, dass überhaupt noch einer kommt, nachdem ihr die Balkanroute geschlossen habt!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Agnes Sirkka Prammer . – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Agnes Sirkka Prammer

Vielen Dank, sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Natürlich ist Jugendkriminalität gerade das Thema, und zwar aus zwei verschiedenen Gründen: Zunächst aus einem sehr, sehr wichtigen Grund: Jeder und jede Jugendliche, den oder die man nicht rechtzeitig davor bewahrt, auf den falschen Weg zu kommen, ist eine:r zu viel. Das ist doch selbstverständlich und vollkommen klar. Es ist aber noch aus einem anderen Grund ein sehr, sehr wichtiges Thema: Bei jeder Straftat beziehungsweise überall dort, wo es einen Täter gibt, gibt es auch ein Opfer. In den meisten Fällen sind das ebenso Kinder und Jugendliche. Und es geht doch vor allem darum, dass man Straftaten verhindert, damit eben Kinder und Jugendliche nicht Opfer von Straftaten werden. Es gab jetzt schon unterschiedliche Redebeiträge, in denen über verschiedene Zugänge gesprochen wurde, wie man es schafft, Kinder und Jugendliche nicht kriminell werden zu lassen beziehungsweise diese kriminellen Karrieren zu beenden, bevor sie richtig starten. Ich glaube, das Wesentlichste und das, was alle, die sich wissenschaftlich, mit einem forschenden Hintergrund damit beschäftigen, sagen, ist, dass es wichtig ist, im erzieherischen Bereich einzugreifen, im Besserungsbereich. So heißt das Prinzip zum Beispiel auch in der Schweiz: Besserung. Das ist halt der Schweizer Begriff, aber es ist genau das, was dieser aussagt: Besserung. Die Kinder sollen besser werden, sollen sich verbessern, sollen ihre Einstellung zu Recht und Ordnung verbessern. Durch staatliche Maßnahmen soll nachgeholt werden, was im Zuhause, in der Familie nicht funktioniert hat. Kein Kind, kein einziges Kind kann irgendetwas dafür, wie es aufwächst, in welche Familie es kommt und in welchen Umständen es aufwächst. Deshalb ist es wichtig, dass wir hier Maßnahmen setzen. Es ist wichtig, dass wir die Kinder- und Jugendhilfe ordentlich ausstatten, und es ist vor allem wichtig, dass man diese Ausstattungen vereinheitlicht. Das ist auch Inhalt unseres Antrages, den ich hiermit einbringen möchte – er ist schon verteilt worden, ist schon schriftlich eingebracht worden –, in dem wir massive Verstärkungen in diesem Bereich fordern. Wenn es nicht funktioniert, die Maßnahmen der Länder untereinander abzustimmen, wenn es nicht funktioniert, die Länder dazu zu bringen, gemeinsame Vereinbarungen hinsichtlich der Standards in der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Bund abzuschließen, dann hilft es nichts, dann muss man diese Kompetenz wieder zum Bund zurückholen und sie dort vereinheitlichen. Man braucht wieder einen Jugendgerichtshof, denn dieses Instrument hat sehr, sehr gute Arbeit geleistet, und man braucht vor allem interdisziplinäre Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Jedes Kind ist unsere Zukunft, und wir können uns aussuchen, welche Art Zukunft diese Kinder für uns darstellen werden. – Vielen Dank. (👏) 18.41 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/137.1 echtes Maßnahmenpaket gegen Kriminalität statt Symbolpolitik auf dem Rücken junger Menschen (39/UEA) Präsident Peter Haubner : Der Entschließungsantrag wurde verteilt, jetzt in seinen Eckpunkten erläutert und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Manfred Sams . – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Manfred Sams

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, es ist nicht das erste Mal, dass die FPÖ mit einem ihrer populistischen Anträge versucht, unseren Rechtsstaat auszuhöhlen und unser Strafrecht nach Herkunft und Staatsbürgerschaft zu spalten. Heute geht es um nichts weniger als um den Versuch, eine Zweiklassenjustiz in Österreich einzuführen, und das lehnen wir von der Sozialdemokratie entschieden ab. (👏 SPÖ) Die FPÖ will, dass Menschen für dieselbe Straftat unterschiedlich behandelt werden, je nachdem, ob sie als Fremde – wie es im Antrag steht – oder als Inländer gelten. Ich frage Sie: Was ist das anderes als eine eiskalte Attacke auf den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz?! Wollen wir wirklich eine Justiz, die nicht nach der Tat, sondern nach der Herkunft urteilt? Das ist nicht nur moralisch verwerflich und menschenfeindlich, sondern auch absolut gleichheitswidrig und verfassungswidrig.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Wie ist das dann beim Wahlrecht?

SPÖ Manfred Sams

… Die österreichische Verfassung und die Europäische Menschenrechtskonvention garantieren Gleichbehandlung vor Gericht. Wer diesen FPÖ-Antrag unterstützt, tritt diese Grundprinzipien mit Füßen, denn unser Strafrecht bemisst sich nicht danach, wo jemand geboren wurde, sondern nach Schuld und Verantwortung. Genau das ist der Punkt: Die FPÖ versucht wieder einmal, Angst zu schüren, anstatt echte Lösungen für die Sicherheit in unserem Land zu liefern. (👏 SPÖ) Wer Straftaten begeht, muss bestraft werden, das aber nach geltendem Recht und nicht nach einem ideologischen Sonderrecht für bestimmte Gruppen. Wir haben klare rechtliche Konsequenzen für Straftäter. Die Gerichte berücksichtigen zahlreiche Erschwerungs- und Milderungsgründe, aber eben nicht den fremdenfeindlichen Populismus einer Partei, die es nicht lassen kann, Sündenböcke zu konstruieren. (👏 SPÖ) Im Übrigen treffen Täter, die mit dem FPÖ-Antrag gemeint sind, schon nach geltendem Recht zusätzlich zur Strafe auch fremdenpolizeiliche Konsequenzen. Sehr geehrte Damen und Herren! Dieser Antrag ist nicht nur unnötig, sondern dieser Antrag ist vor allem eines, nämlich brandgefährlich. Dieser Antrag würde das Vertrauen in unseren Rechtsstaat untergraben, und genau deshalb werden wir ihn selbstverständlich ablehnen. Wir Sozialdemokrat:innen stehen für ein Strafrecht, das für alle gleich gilt, ohne politische Willkür, ohne Diskriminierung, ohne Zweiklassenjustiz. Das ist Rechtsstaatlichkeit, das ist Gerechtigkeit, und das ist es, wofür wir kämpfen. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als nächste Rednerin ist Abgeordnete Bettina Zopf zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

ÖVP Bettina Zopf

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, die vielleicht zu Hause noch zuschauen! Den Vorwurf der Opposition, dass ihre Anträge und Ideen immer vertagt und sozusagen nur vom Tisch gewischt werden, können wir heute ganz klar zurückweisen. Wir diskutieren diese Anträge heute hier im Parlament, weil wir sie ablehnen. Wir überprüfen alle Anträge aller Parteien, aber – wenn ich das einmal so erklären darf; und auch ich habe schon viele gute Ideen gehabt – sie müssen auch umsetzbar sein und brauchen eine Mehrheit. Wir tragen eben die Verantwortung, und in diesem Fall, sehr geehrter Herr Mag. Harald Stefan , der Sie seitens der FPÖ diesen Antrag gestellt haben, ist der Zweifel an der Umsetzbarkeit sehr groß. Sie möchten Fremde, also all jene, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft haben, höher bestrafen als österreichische Staatsbürger. Ihr Antrag widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz. Das heißt nicht, dass wir das Problem nicht erkennen, deshalb setzen wir seitens der Regierung auch Maßnahmen – vor allem aber auch, um die Ursachen zu bekämpfen. Als Bäuerin weiß ich, dass Unkraut nicht verschwindet, wenn man es nur oberflächlich abschneidet …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Oh, oh, oh, oh, oh! Haben Sie jetzt Menschen als Unkraut bezeichnet?

ÖVP Bettina Zopf

… sondern man muss die Wurzel entfernen und den Boden so aufbereiten, dass das Gute wächst.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Haben Sie jetzt Menschen als Unkraut bezeichnet?

ÖVP Bettina Zopf

… Nur so kann man es nachhaltig bekämpfen.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Unkraut bekämpfen, na servas! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Sie trauen sich aber was, Frau Kollegin! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das sollten wir vielleicht auch in der Präsidiale besprechen!

ÖVP Bettina Zopf

… Vorverurteilen, abstempeln, ungleich behandeln – das ist wohl kein guter Nährboden für gute Integration. Unser überparteiliches Ziel muss sein, Menschen, die nach Österreich kommen, sofort und bestmöglich zu integrieren. Damit bekämpfen wir die Ursache, und dafür setzen wir folgende Maßnahmen: Menschen, die in Österreich kein Bleiberecht haben, sollen konsequent und zügig abgeschoben werden. All jene, die legal in Österreich leben und ein Bleiberecht besitzen, müssen wir – um es noch einmal deutlich zu wiederholen – in unsere Systeme und in unsere Gesellschaft integrieren.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wer sagt denn das?

ÖVP Bettina Zopf

… Wir stoppen den Familiennachzug, was nun bis September 2026 beschlossen wurde. Damit wird sich automatisch die Anzahl und zum Teil auch der Anreiz, nach Österreich zu kommen, reduzieren. Unser Ziel ist, so auf ein vertretbares Ausmaß zu kommen. Heute in der Früh habe ich mit meiner 24-jährigen Tochter telefoniert und mit ihr über diesen Antrag gesprochen, weil mir ihre Meinung auch sehr wichtig ist. Ihre Aussage war: Egal wer eine Straftat begeht, ob Österreicher oder Fremder, es muss immer die Tat beurteilt werden und nicht die Herkunft.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Hat die Tochter gesagt, ach so! – Abg. Stefan [FPÖ]: Also nicht die Motivation! – Abg. Kickl [FPÖ]: Das Motiv spielt ... eine Rolle! – Abg. Stefan [FPÖ]: Da haben wir dann ein Flexsystem!

ÖVP Bettina Zopf

… Auch sie hält somit den Gleichheitsgrundsatz, der bei uns in der Verfassung geregelt ist, für völlig richtig. Geschätzter Mag. Harald Stefan , der Sie diesen FPÖ-Antrag formuliert haben, mir ist klar, dass es Ihnen als Opposition anscheinend egal ist, dass dieser Antrag verfassungswidrig und meiner Meinung nach auch menschlich bedenklich ist.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Aber von Unkraut reden! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Menschen mit Unkraut vergleichen!

ÖVP Bettina Zopf

… Er würde auch nicht die Ursache bekämpfen. Im Gegenteil, er würde schon bestehende Probleme noch verstärken. Wir brauchen nicht noch mehr Häftlinge und schon gar nicht noch längere Haftstrafen als jetzt und keine überfüllten Gefängnisse, die viel kosten …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Nein, lassen wir sie lieber heraußen! Ist eh klar!

ÖVP Bettina Zopf

… sondern wir müssen uns darum kümmern, Straftaten zu verhindern.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, eh!

ÖVP Bettina Zopf

… Es würde mich freuen, wenn ihr eurer politisch-demokratischen Verantwortung nachkommt und überparteilich ernsthaft und fair mitwirkt.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

So ernst wie Ihre Rede!

ÖVP Bettina Zopf

… Aber im Gegensatz zur ÖVP, bei der das V auch unser Verantwortungsbewusstsein in unserem Parteinamen widerspiegelt …

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

„Volk“ darf man nicht mehr sagen, oder?

ÖVP Bettina Zopf

… steht bei euch von der FPÖ das F wohl für Flucht: für Flucht vor der Verantwortung. Abschließend noch ein Versprechen und eine Bitte – mit dem Versprechen, dass wir eure Anträge auch weiterhin ernsthaft auf deren Machbarkeit überprüfen werden, nun folgende Bitte an euch: Überlegt, ob nicht auch ihr trotz Opposition auf mehr Verantwortung statt auf Flucht vor Verantwortung setzen solltet. Das wäre dann auch zum Vorteil der Bevölkerung, würde auch uns allen in der Politik guttun, und euer F würde dann vielleicht für fair stehen. (👏 ÖVP)

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wird seitens der Berichterstattung ein Schlusswort gewünscht? – Das ist nicht der Fall.

PräsidiumPeter Haubner

Wir kommen zur Abstimmung, die ich über jeden Ausschussantrag getrennt vornehme. RN/140.1 Wir gelangen nun zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 10: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 52 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/140.2 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Selma Yildirim , Mag. Klaus Fürlinger , Mag. Sophie Marie Wotschke , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Bekämpfung von Jugendkriminalität“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Mehrheit, angenommen. ( 18/E ) RN/140.3 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Barbara Neßler , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Gesetzliche Einführung eines Mindestalters von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media-Plattformen sowie verbindliche Alterskontrollen zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für diesen Antrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/140.4 Wir gelangen nunmehr zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Agnes Sirkka Prammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „echtes Maßnahmenpaket gegen Kriminalität statt Symbolpolitik auf dem Rücken junger Menschen“. Ich bitte jene Damen und Herren, die für den Entschließungsantrag sind, um ein Zeichen der Zustimmung. – Das ist die Minderheit, abgelehnt. RN/140.5 Weiters gelangen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 11: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 53 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen. RN/140.6 Schließlich kommen wir zur Abstimmung über Tagesordnungspunkt 12: Antrag des Justizausschusses, seinen Bericht 54 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte jene Damen und Herren, die hiezu ihre Zustimmung geben, um ein entsprechendes Zeichen. – Das ist die Mehrheit, angenommen.

Tätigkeitsbericht 2024 des Rechnungshofes – Reihe BUND 2025/3

75 d.B. · Regierungsvorlage III-100 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Tätigkeitsbericht 2024 des Rechnungshofes (Reihe BUND 2025/3) zur Kenntnis. Damit wird der Bericht formell angenommen, ohne inhaltliche Gesetzesänderungen zu beschließen.

Betroffen ist der Rechnungshof und seine Berichterstattung an den Nationalrat sowie die parlamentarische Behandlung der darin dargestellten Prüftätigkeiten und Ergebnisse.

Dokumente

Tätigkeitsbericht 2024 des Rechnungshofes – Reihe BUND 2025/3

Gegenstand und Vorlage

  • Behandelt wird der „Tätigkeitsbericht 2024 des Rechnungshofes – Reihe BUND 2025/3“ (III-100 der Beilagen).
  • Der Tätigkeitsbericht 2024 des Rechnungshofes wurde dem Nationalrat gemäß Art. 126d Abs. 1 B-VG vorgelegt.

Ausschussbehandlung und Beratungsverlauf

  • Der Rechnungshofausschuss nahm den Bericht zur Fristwahrung in Verhandlung.
  • Nach der Berichterstattung durch Abgeordnete Mag. Karin Greiner wurden die Beratungen zunächst vertagt.
  • In einer weiteren Sitzung wurde der Bericht erneut behandelt und debattiert; an der Debatte beteiligten sich mehrere Abgeordnete sowie die Rechnungshofpräsidentin Dr. Margit Kraker.

Inhaltliche Empfehlung/Ergebnis der Beratungen

  • Der Rechnungshofausschuss empfiehlt dem Nationalrat, den Tätigkeitsbericht 2024 des Rechnungshofes zur Kenntnis zu nehmen.
  • Antrag: Der Nationalrat wolle beschließen, dass der Tätigkeitsbericht 2024 des Rechnungshofes – Reihe BUND 2025/3 (III-100 der Beilagen) zur Kenntnis genommen wird.

Tätigkeitsbericht 2024 des Rechnungshofes – Reihe BUND 2025/3

~33 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Wolfgang Zanger

Danke, Herr Präsident! Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Zur Diskussion steht der Tätigkeitsbericht aus dem Vorjahr, und dieser beginnt schon sehr spannend – wenn man ihn liest, stellt man das fest –, nämlich mit einer wirklich bemerkenswerten Einleitung, die Sie verfasst haben, Frau Rechnungshofpräsidentin, und erlauben Sie mir, dass ich mich daran ein bisschen anlehne und daraus zitiere. Sie schreiben gleich in den ersten Absätzen: „In einer aufgeklärten Gesellschaft können wir aus unserer Erfahrung lernen. Dafür brauchen wir eine entsprechende Fehlerkultur. Es genügt nicht, unangenehme Entwicklungen zu verdrängen. Im Gegenteil: Wir müssen sie gut aufarbeiten.“ – Dem ist nichts hinzuzufügen, Frau Präsidentin. Das liest sich ja fast so oder hätte auch eine Präambel in einem freiheitlichen Regierungsprogramm sein können, denn genau diese Punkte wollten wir angehen.

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Ich glaube, genau das wollte die Präsidentin ...!

FPÖ Wolfgang Zanger

… Das war halt der ÖVP wieder sehr unangenehm, und sie hat sich wieder einbetoniert, so wie immer. Ein paar Punkte daraus: Aufzuarbeiten wäre die Zeit um Corona, all die Zwangsmaßnahmen, den Freiheitsentzug, der stattgefunden hat, die Einschränkung der Meinungsfreiheit und viele andere Sauereien, die damals passiert sind. Mit der Freiheitlichen Partei in der Regierung hätte es echte Maßnahmen gegen illegale Einwanderung gegeben und keine Märchenerzählungen, so wie ihr es uns die ganze Zeit vormacht mit euren Pendants, den Roten und den Pinken. (👏 FPÖ) Es hätte mit einer freiheitlichen Regierungsbeteiligung tatsächlich strukturelle Änderungen im Gesundheitsbereich, im Pflegebereich , in der Verwaltung gegeben, Bürokratieabbau; die Verfahrenslängen und Verfahrensdauern, die es gibt, sind ja ein Wahnsinn. Mit uns wäre das gegangen – mit Schwarz-Rot-Pink ist das unmöglich. Eines hätte es mit uns auch noch gegeben, und das ist mit euch noch undenkbarer: eine vernünftige Reform des ORF, der ebenfalls für Milliardengagen bekannt ist – zum Einkommensbericht kommen wir ja noch unter einem anderen Tagesordnungspunkt.

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Wer hat das alles eigentlich platzen lassen außer euch? Jetzt jammern darüber?!

FPÖ Wolfgang Zanger

… Die Frau Präsidentin schreibt weiters: „Aktuell sind Staat und Gesellschaft mit vielen Herausforderungen und Krisen konfrontiert. Die Antworten darauf sind nicht einfach. Für Vieles muss ein Umdenken stattfinden.“ – Auch dem ist nichts hinzuzufügen. Was tut aber diese Regierung gleich als Allererstes? – Sie leistet sich – und lastet unserem Staat und unseren Bürgern auf – die teuerste und zahlenmäßig größte Regierung, die es jemals gegeben hat …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Das stimmt nicht! – Abg. Oxonitsch [SPÖ]: Wer war der teuerste Minister? Der Herr Kickl! Dort sitzt der teuerste Minister aller Zeiten! Das teuerste Ministerbüro!

FPÖ Wolfgang Zanger

… 21 Regierungsämter – einen Kanzler, einen Vizekanzler, zwölf Minister und sieben unnötige Staatssekretäre. Das Ganze kostet uns pro Jahr knapp 6 Millionen Euro. Mit uns hätte es viel weniger gegeben – 25 Prozent Einsparungen, und das ist eine Zahl, die als Vorgabe für euch und für alle hier zu nehmen wäre. Und welche Leute da drinnen sind! Es ist gestern schon kurz angesprochen worden: Wo bleibt Berufserfahrung, wo bleibt Lebenserfahrung? Ein bisschen ein Studium, ein bisschen Obmannschaft bei der Sozialistischen Jugend, bei der Jungen Generation, bei der Jungen ÖVP oder bei der Landjugend, das reicht jetzt als Basis dafür, dass man so viel Erfahrung hat, dass man Minister oder Staatssekretär werden oder ein anderes Regierungsamt bekleiden kann. Das geht nur bei Rot, Schwarz und Pink! Ihr alle seid in eurem politischen Sumpf, in eurem Parteisumpf aufgewachsen …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Was war der Kickl? Was war der Kickl?

FPÖ Wolfgang Zanger

… und verfault wahrscheinlich auch noch drinnen. Das soll schon sein. Präsident Peter Haubner (das Glockenzeichen gebend): Herr Kollege, darf ich Sie bitten, sich mit Ihrer Sprache ein wenig der Würde des Hauses anzupassen? – Danke. Abgeordneter Wolfgang Zanger (fortsetzend): Und ich frage mich dann, wie so jemand noch Verständnis für die Anliegen, Sorgen und Probleme unserer Bürger haben soll. Null Lebenserfahrung, keine Berufserfahrung, dafür ist man mit 25 Jahren im Nationalrat und mit 28 Jahren Staatssekretär – also das geht in meinen Kopf nicht hinein.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Was ist mit eurer ...?

FPÖ Wolfgang Zanger

… Mit dem, was diese Leute in der Regierung verdienen, macht ihr euch selbst politische Geschenke. Die Frau Präsidentin schreibt das vielleicht in einem ein bisschen anderen Zusammenhang, aber doch …

NEOS Scherak (Zwischenruf)

Aber nur ein bisschen!

FPÖ Wolfgang Zanger

… Partikularinteressen oder vermeintliche ‚politische Geschenke‘ haben hier nichts verloren.“ – Auch dem ist nichts hinzuzufügen, Frau Präsidentin. Ihr steckt euch das Geld in eure Taschen, saugt die Bürger aus, und diese kämpfen auf der Straße ums Überleben. Das ist euch alles wurscht! (👏 FPÖ) Des Weiteren schreiben Sie, Frau Präsidentin, ganz zum Schluss – und das gefällt mir besonders gut –: „Unsere Demokratie muss geschützt werden“.

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Vor euch! Vor euch!

FPÖ Wolfgang Zanger

… Das größte Gut unseres Staates ist die Demokratie. Vertrauen ist die Grundvoraussetzung einer stabilen Demokratie.“ Dieses Vertrauen habt ihr bei den Bürgern verloren, und zwar weil es sehr komisch anmutet, wenn sich drei Wahlverlierer auf einmal durch Zusammenrechnen der Ergebnisse zu einem Sieger erklären. Also das ist ja wirklich ein Wahnsinn, eine Verdrehung der Tatsachen …

SPÖ Silvan (Zwischenruf)

Ihr habt die Möglichkeit gehabt! – Ruf bei der SPÖ: Wollt ihr einen Misstrauensantrag gegen den Kickl oder was? – weitere Zwischenrufe bei SPÖ und ÖVP

FPÖ Wolfgang Zanger

… und ihr braucht euch nicht zu wundern, wenn ihr das nächste Mal die Rechnung präsentiert kriegt.

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Das musst du dir mit deinem Bundesparteiobmann ausmachen!

FPÖ Wolfgang Zanger

… Frau Präsidentin, ich hätte noch gerne ein bisschen länger geredet, aber das lässt die Zeit nicht zu, ich muss ein bisschen fair zu meinen Kollegen sein.

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Eine Rede für Herbert Kickl !

FPÖ Wolfgang Zanger

… Abschließend: Der Rechnungshof hat sich zum Ziel gesetzt, auf die Demokratie zu achten.

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Unglaublich!

FPÖ Wolfgang Zanger

… Frau Präsidentin, das ist ein hehres Ziel, und ich verspreche Ihnen, mit uns haben Sie einen Partner dafür. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Jakob Grüner . – Bitte, Herr Abgeordneter.

ÖVP Jakob Grüner

Herr Präsident! Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Nur ein Satz vorneweg: Ich lasse mir, Herr Kollege Zanger, von Ihnen nicht gern vorwerfen, dass ich mir das Geld der Bürger in die Taschen stecke. So haben Sie es gesagt. Das möchte ich hier nur festgehalten haben. Ich werde auch meinen Ton ein bisschen mäßigen, nicht schreien und versuchen, normal zu sprechen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Sehr geehrte Damen und Herren! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Frau Rechnungshofpräsidentin, es ist zitiert worden: Sie sehen Kritik nicht als Selbstzweck – so oder so ähnlich steht es auch im Vorwort des aktuellen Tätigkeitsberichtes des Rechnungshofes drinnen. Ich denke, das ist auch das, was die Bedeutung des Rechnungshofes für die Abgeordneten ausmacht. Ich habe es immer so gesehen: Der Rechnungshof ist wie in einem Unternehmen die interne Revision, nur dass in diesem Fall halt das Unternehmen der Staat, die Republik Österreich ist. Wichtig ist dabei, diese Findings, die Kritikpunkte für die politische Arbeit auch entsprechend zu nützen, sich die Kritik anzusehen und zu schauen, was man in Zukunft besser machen kann. Insofern, Frau Präsidentin, erfüllt der Rechnungshof diese Funktion der internen Revision aus meiner Sicht in beeindruckendem Maß. ( Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz. ) Insgesamt hat es im letzten Jahr 49 Berichte und 10 Follow-up-Berichte gegeben, an denen man sehr gut erkennen kann, dass sehr vieles, was der Rechnungshof empfiehlt, in der Folge auch umgesetzt wird und dass in den kritisierten Bereichen Verbesserungen stattfinden. Meine Damen und Herren, ich erlaube mir, mich an dieser Stelle auch bei den Beamtinnen und Beamten in der Republik Österreich zu bedanken. Ich weiß aus meiner früheren Zeit beim Land Tirol, dass diese sich durch hohe Loyalität und Fleiß auszeichnen. – Herzlichen Dank dafür! Ich erlaube mir aber auch, eine kleine Kritik anzubringen: Ich glaube, es wäre dringend notwendig, wie bei uns hier im Hohen Haus auch, dass der Servicegedanke in der Beamtenschaft wieder mehr in den Vordergrund tritt. Ein Unternehmen könnte ohne Kundinnen und Kunden nicht überleben. Wer sind die Kunden des Staates und der Republik? – Die Bürgerinnen und Bürger. Sehr geehrte Frau Präsidentin! „Vertrauen in den Staat“, dieses Motto will sich der Rechnungshof bei den kommenden Prüfungen in den folgenden Jahren geben. Ich glaube, das ist ein sehr gut gewähltes Motto. Wir alle müssen versuchen, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Staat wieder zurückzubekommen. Wir wissen, es hat sich in den letzten Jahren in der Gesellschaft einiges verschoben, aus einem Miteinander ist vielfach ein Gegeneinander geworden. Sind Fehler passiert? – Ja, es sind Fehler passiert. Haben die handelnden Personen in der jeweiligen Situation auf Basis des jeweiligen individuellen Wissens nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen getroffen? – Ja, auch das ist so, und das muss man an dieser Stelle auch einmal deutlich erwähnen. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, zum Abschluss: Es ist schon klar, ich bin einer der dienstjüngsten Abgeordneten hier im Haus, ich möchte mir auch gar nichts anmaßen, und Sie werden keine Ratschläge von mir annehmen, aber ich habe einen kleinen Wunsch, und den möchte ich gerne äußern. Ich würde mir sehr wünschen – und da spreche ich alle Fraktionen an –, dass wir es vielleicht gemeinsam schaffen, dass die Politik wieder mehr Respekt vor sich selbst hat. Dazu ist es notwendig, dass wir mehr Respekt voreinander haben. Ich sage es Ihnen ganz ehrlich, meinen Kindern zu Hause würde ich verbieten, so zu sprechen, wie wir es untereinander tun. Der Umgang hier in den letzten Tagen, gestern und heute, ist zum Schämen. Mein Sohn hatte gestern Geburtstag, ich habe ihm nicht gesagt: Schalt den Fernseher ein und schau uns zu!, weil ich mich einfach dafür schäme, wie wir miteinander umgehen. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Vielleicht noch eines: Ein Zuviel an Emotionen und ein Mangel oder ein Garnichts an sachlicher Kritik schaden letzten Endes – das weiß ich aus meinem Brotberuf – den Mandanten. Unsere Mandanten sind die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit einer ganz strikten und strengen Kontrolle durch die Opposition – das ist auch die Aufgabe der Opposition und das ist gut so – würde ich mir wünschen, dass wir wieder mehr sachliche Kritik aneinander üben und aufhören, dauernd mit Schmutz zu werfen, weil es nur darum geht, Reichweite im Internet zu erreichen. Das ist mein Wunsch. – Die Worte Schmutz werfen, Frau Präsidentin, nehme ich hiermit wieder zurück. – Dann gelingt es vielleicht auch, dass wir in Zukunft gemeinsame Vorhaben auf den Weg bringen, und dafür, glaube ich – davon bin ich überzeugt –, muss niemand seine Rolle verlassen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner .

SPÖ Karin Greiner

Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Für alle, die gerade jetzt eingestiegen sind: Wir diskutieren den Tätigkeitsbericht 2024, den der Rechnungshof in bewährter Weise vorgelegt hat: sachlich fundiert aufbereitet. Welche Schwerpunkte hat der Rechnungshof in diesem Bericht aufgegriffen? – 2024 war ein starkes Wahljahr. Demzufolge kommt der Aufgabe des Rechnungshofes, die Einhaltung des Parteiengesetzes zu überprüfen, viel Bedeutung zu. Ein weiterer Fokus liegt auf der Schuldenentwicklung, geht es doch um einen nachhaltig einzuschlagenden Budgetpfad. Er thematisiert auch eine sichere, nachhaltige und vor allem leistbare Energieversorgung – ein ganz wesentlicher Punkt für viele Familien, für die Österreicherinnen und Österreicher. Ein weiterer Schwerpunkt sei auch erwähnt: Die Frau Rechnungshofpräsidentin ist Generalsekretärin der Intosai, einer Vereinigung internationaler Prüfstellen, und da liegt der Schwerpunkt im Moment auf künstlicher Intelligenz. Welche Zuständigkeiten hat der Rechnungshof? – Er überprüft Unternehmen mit zumindest 50-prozentiger Beteiligung der öffentlichen Hand auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene sowie Sozialversicherungsträger und Kammern. In welchen Bereichen hat der Rechnungshof in diesem Bericht konkrete Empfehlungen abgegeben und Verbesserungsvorschläge formuliert? – Ein wesentlicher Themenbereich ist der Bereich der Subventionen. Worum geht es da? – Es geht darum, festzustellen und klarzumachen, ob diese Subventionen zielgerichtet ausgeschüttet, zielgerichtet verwendet und transparent dargestellt worden sind – angesichts der budgetären Situation ein wesentlicher Punkt. Er spricht auch die Kompetenzentflechtung zwischen den Gebietskörperschaften an. Er spricht von Strukturverbesserungen im Gesundheitssystem. Es ist uns allen bekannt, dass man da wirklich noch einiges zu tun hat. Er greift auch einen Bereich auf, der ganz wesentlich ist: das Bildungssystem. Da spreche ich einen konkreten Punkt an: Der Rechnungshof formuliert die Notwendigkeit des Ausbaus der ganztägigen Schulen. Warum betone ich das? – Es ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass Kleinkinder möglichst früh in einem professionellen Bildungssystem gut aufgehoben sind. Das ist auch ein sehr wichtiger Aspekt für die Frauen, nämlich insofern, als sie nach einer Karenzzeit so schnell wie möglich wieder in das Erwerbsleben einsteigen können, und zwar möglichst in Form der Vollzeit. Da erlaube ich mir jetzt, einen kleinen Vorgriff auf den kommenden Tagesordnungspunkt zu tätigen, bei dem es dann um den Einkommensbericht geht. Uns ist aufgrund des Berichtes bekannt, dass 51 Prozent der Frauen in Teilzeitbeschäftigung tätig sind. Es sei nur nebenbei erwähnt: nur 12 Prozent der Männer. Was bedeutet das für diese Frauen, die Teilzeit arbeiten? – Es bedeutet weniger Einkommen, es bedeutet weniger Beiträge für die Pension, und es erhöht die Gefahr, im Alter in die Armut abzugleiten. Gibt es jetzt ein Mittel dagegen – abgesehen davon, dass man weiß, dass es gut wäre, möglichst viele Frauen in Vollzeitbeschäftigung zu haben, Ganztagsschulen auszubauen et cetera? – Ja, es gibt noch ein wesentliches Mittel.

FPÖ Schnedlitz (Zwischenruf)

Ihr erhöht jetzt die Krankenversicherungsbeiträge für Teilzeitbeschäftigte! Das ist jetzt die Lösung!

SPÖ Karin Greiner

… Hören Sie gut zu, lieber Kollege, vielleicht ziehen Sie mit! – Ein wesentliches Mittel ist die Lohntransparenz. (👏 SPÖ) Worum geht es da? – Da geht es darum, dass Unternehmen öffentlich machen, wie viel sie bezahlen, sodass die Frauen auch wissen, wie viel die männlichen Kollegen verdienen. Und ich wiederhole das immer wieder gerne: Es ist ein wesentliches Mittel für die Frauen bei bevorstehenden Gehaltsverhandlungen, wenn sie wissen, wie viel ihre männlichen Kollegen für die gleiche Arbeit verdienen. Das muss ich wissen, dann gehe ich ganz anders in Verhandlungen. (👏 SPÖ) Die Lohntransparenzrichtlinie auf EU-Ebene ist verabschiedet, und jetzt geht es darum, das wirklich auf nationaler Ebene schnell umzusetzen. Das wird mit dieser Regierung auch passieren, und da kann sich Österreich ja einige Vorbilder hernehmen. Welche Staaten sind das zum Beispiel? – Norwegen, Schweden, Finnland, und das beste Beispiel ist Island. Island handelt nach dem sogenannten Equal Pay Act, das heißt, man hat quasi per Gesetz geregelt, dass gleiche Löhne zu bezahlen sind. Passiert das in Unternehmen nicht, gibt es Sanktionen , nämlich Strafzahlungen von bis zu 400 Euro pro Tag. Die Einkommen sind dort nur zu einem Anteil von 9 Prozent ungleich – bei privaten Unternehmen, wohlgemerkt! In Österreich haben wir eine Einkommensschere von 18 Prozent, das ist ein sehr hoher Betrag. Der EU-Durchschnitt liegt bei 12 Prozent. Es wäre also wirklich wichtig, das schnell umzusetzen und sich Island als Vorbild zu nehmen. (👏 SPÖ) Herzlichen Dank für den fundierten Bericht! Es ist wichtig, dass wir auf Basis von Zahlen, Daten, Fakten entsprechend wichtige politische Entscheidungen treffen können. – Ich danke Ihnen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Hofer .

NEOS Markus Hofer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Rechnungshofpräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich darf mich, bevor ich mich diesem wichtigen Thema zuwende, 45 Sekunden lang an Kollegen Zanger richten – ich weiß nicht, ob er noch unter uns wohnt ( Heiterkeit des Abg. Egger [ÖVP] ) –: Sie haben ja gemeint, dass die NEOS-Politiker nur in der Polit-Bubble hochgekommen sind und nichts anderes gesehen haben. Ich habe mich einmal so ganz kurz umgedreht, und da habe ich gesehen: Frau Kollegin Doppelbauer, 19 Jahre bei Dell in einem internationalen Unternehmen; Kollegen Michael Bernhard , 25 Jahre in der Privatwirtschaft, 19 Jahre davon im eigenen Unternehmen; Kollegen Pramhofer, der 16 Jahre lang im Banking tätig ist; Frau Kollegin Oberzaucher, 23 Jahre Unternehmerin; Herrn Kollegen Juvan, 17 Jahre in der Privatwirtschaft, sechs Jahre davon im eigenen Unternehmen; Kollege Dengler ist 30 Jahre lang in der Privatwirtschaft; Kollege Oberhofer: 18 Jahre Hotelier, und ich war 25 Jahre lang im Industriebereich als Führungskraft tätig. – Das in aller Kürze. Da gibt es Biografien.

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Uh!

NEOS Markus Hofer

… Das Hohe Haus stellt uns Biografien zur Verfügung – kurz einmal hineinzuschauen, hilft.

FPÖ Zanger (Zwischenruf)

Und Klubobmann Shetty? – Abg. Höfinger [ÖVP]: Na und eurer? – Beifall bei NEOS, ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen sowie Heiterkeit und Beifall bei der SPÖ. – Unruhe im Saal.

NEOS Markus Hofer

… Von jedem Klubobmann, Herr Kollege Zanger, steht die Biografie dort, von jedem. – Danke dafür. (👏 NEOS) Zum Wichtigen: Ich entschuldige mich dafür, Frau Präsidentin, und ich möchte zuallererst auch im Namen des Vorsitzenden des Rechnungshofausschusses, meines Kollegen Douglas Hoyos-Trauttmansdorff , die allerhöchste Hochachtung für Ihre Arbeit ausdrücken. Er entschuldigt sich, er konnte leider heute nicht hier sein. Die Arbeit des Rech- - ( Der Redner bemerkt, dass Abg. Hoyos-Trauttmansdorff [NEOS] auf seinem Sitzplatz sitzt. ) Ah, da ist - - Er hat mich gebeten, die Rede zu übernehmen – offensichtlich hat er das unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gemacht. (👏 NEOS) Wir wollen uns – und ich mich auch persönlich – für die hervorragende Arbeit und für die exzellente Zusammenarbeit bedanken. Ich möchte auch für die Menschen, die uns zuhören, kurz zum Ausdruck bringen, warum der Rechnungshof für uns so wichtig ist: Neben dem Interpellationsrecht, neben dem Recht für uns als Abgeordnete, die Regierung zu befragen, gibt uns auch Ihre tolle Arbeit die Möglichkeit, unsere Kontrollfunktion auszuüben. Wir lernen damit, wie man mit Steuermitteln effizient umgeht, wir sehen damit, wie man Förderungen zweckgerichteter einsetzt, und gerade in einer Phase, in der der Konsolidierungsbedarf so hoch ist, gibt uns das einen ganz wichtigen Anhaltspunkt. Wie effektiv Ihre Arbeit ist, zeigt sich am Wirkungsgrad. Sie weisen den Wirkungsgrad ja auch aus, und mit einem Wirkungsgrad von fast 84 Prozent sehen wir, dass Ihre Empfehlungen umgesetzt werden; bei den Follow-up-Überprüfungen sind es fast 70 Prozent. Ich darf Sie auch wirklich beglückwünschen betreffend die Schwerpunktsetzung für die Folgejahre: Mit dem Thema Vertrauen in den Staat greifen Sie ein ganz sensibles und wichtiges Thema auf, und das, denke ich, wird Menschen begeistern, wieder Vertrauen in die Politik zu haben, unsere Arbeit zu schätzen, mehr, als man es derzeit tut. Ich glaube, das ist unsere Verantwortung. Wir NEOS werden uns auch im kommenden Jahr darauf freuen, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Wir werden auch in der Zeit, in der wir nicht mehr in Opposition, sondern auf den Regierungsbänken und in den Regierungsklubs sind, Ihre Arbeit genauso wichtig nehmen, bedanken uns dafür und freuen uns auf die Zusammenarbeit. – Besten Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nina Tomaselli .

GRÜNE Nina Tomaselli

Liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Und vor allem: Liebe Frau Kraker! Auch von unserer Fraktion einen herzlichen Dank für Ihre wichtige Arbeit – der Rechnungshof ist eine tragende Säule unserer parlamentarischen Demokratie, und davon zeugt vor allem auch dieser Tätigkeitsbericht, den wir heute diskutieren. Sie sind für uns im Parlament eine echte Unterstützung. Sie unterstützen uns bei der Wahrnehmung der Kontrollfunktion, Sie unterstützen uns dabei, eine gute Fehlerkultur zu haben, damit man Dinge auch einfach besser macht. Der Rechnungshof ist aber mehr als ein Prüforgan: Er ist auch ein Schutzmechanismus gegen Machtmissbrauch und Intransparenz, und man kann gar nicht hoch genug schätzen, was für ein Wert das ist in einer Zeit, in der das Vertrauen in staatliche Institutionen leidet. Sie leisten einen zentralen Beitrag zur Stärkung dieses Vertrauens und damit auch zur Stabilität unserer Demokratie. – Herzlichen Dank! (👏) Es ist aber natürlich auch unser Anliegen, möchte ich sagen, dass wir Sie als Rechnungshof bei Ihrer Tätigkeit unterstützen. Auch den Grünen ist Effizienz wichtig, auch den Grünen ist es wichtig, einen Beitrag zur Verwaltungsvereinfachung zu leisten, und da ist uns aufgefallen, dass eine Sache, die erledigt werden muss, noch offen ist. Sie alle können sich vielleicht noch erinnern – ich war recht verwundert, aber nicht nur ich, sondern, ich denke, auch die halbe Republik –, dass Anfang Jänner, am 5. Jänner, der ÖVP-Bundesparteivorstand im Bundeskanzleramt getagt hat. ( Ruf bei den Grünen: Aha! ) Und jetzt wissen Sie ja, dass das nach dem Parteiengesetz natürlich ganz klar verboten ist. Eine staatliche Institution darf an eine Partei nichts spenden, und zu den Spenden gehört natürlich auch eine geldwerte Leistung – Sachspenden, insbesondere Raummieten, das hat auch der Rechnungshof bisher immer kritisiert. Jetzt geben wir Ihnen heute die Möglichkeit, diesen Fehler zu korrigieren, und ich bringe damit auch gleich einen Unselbständigen Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Nina Tomaselli , Kolleginnen und Kollegen betreffend „illegale Parteispende - ÖVP-Vorstand im Kanzleramt: Bundeskanzler soll ÖVP-Obmann zur Zahlung auffordern“. Der Nationalrat möge beschließen: „Der Bundeskanzler wird aufgefordert, den ÖVP-Bundesparteiobmann schriftlich zur Zahlung der Miete für die Abhaltung des ÖVP-Bundesparteivorstands am 5. Jänner 2025 im Bundeskanzleramt unter Setzung einer 14-tägigen Zahlungsfrist aufzufordern.“ (👏) Das wäre nur würdig, es wäre auch recht: Dann könnten wir das gleich abhandeln, denn Sie wissen, wenn das Ganze zum Rechnungshof kommt, kann man sich sicher sein, dass das alles wieder zurückkommt. Sie müssen es eh zurückzahlen und dann auch noch eine Strafe leisten. Diesbezüglich würde ich gerne dazuschauen, dass Sie dem entgehen können.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Danke, Nina!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Und abschließend, weil mir das jetzt auch wichtig ist – ich habe allen Vorredner:innen sehr genau zugehört –: Es ist in Ordnung, wenn man hier heraußen steht und den Rechnungshof zu Recht für die Tätigkeit lobt. Wenn es euch aber so wichtig ist, liebe Regierungsparteien, dass es hier auch eine gute Zusammenarbeit gibt, dann gehört im Übrigen auch dazu, dass ein Minister oder eine Ministerin im Rechnungshofausschuss auftaucht und sich auch zu den Berichten, die der Rechnungshof gemacht hat, befragen lässt. Wir haben wegen der überlangen Regierungsverhandlungen über 90 Rechnungshofberichte aufzuarbeiten, und wir müssen jetzt ins Tun kommen. Und just am ersten Termin, an dem der Rechnungshofausschuss tätig werden will, soll es nicht möglich sein, dass eine:r von 14 Ministern und Ministerinnen Zeit hat? – Das ist kein guter Beginn für eine gute Zusammenarbeit. (👏) 19.19 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/146.1 illegale Parteispende - ÖVP-Vorstand im Kanzleramt: Bundeskanzler soll ÖVP-Obmann zur Zahlung auffordern (40/UEA) Präsidentin Doris Bures : Nun hat sich Frau Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker gemeldet. – Bitte, Frau Präsidentin.

Präsidiumdes Rechnungshofes Dr. Margit Kraker

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr - - Präsidentin Doris Bures : Entschuldigung, Frau Präsidentin! Frau Präsidentin, darf ich Sie nur kurz unterbrechen? Ich muss den Entschließungsantrag auch noch für ordnungsgemäß eingebracht erklären, was ich hiermit tue. Ich erteile Ihnen jetzt das Wort. Präsidentin des Rechnungshofes Dr. Margit Kraker (fortsetzend): Ja, Entschuldigung! – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Hohes Haus! Ich freue mich wirklich darüber, dass heute auch noch die Arbeit des Rechnungshofes zur Sprache kommt. Es ist dies ja das erste Mal in dieser Legislaturperiode, dass die Arbeit des Rechnungshofes auch hier im Plenum aufgerufen wird und ich Ihnen kurz ein paar Worte zur Arbeit des österreichischen Rechnungshofes sagen kann. Ich möchte das jetzt doch ein wenig ausführen, weil wir am Beginn einer Legislaturperiode stehen. Wie Sie alle wissen, sind wir als gesamtstaatliches Organ eingerichtet. Der Rechnungshof ist zur Kontrolle jedes finanziell wirksamen Handelns der öffentlichen Hand berufen. Damit möchte ich hier einfach etwas, das oft ein Missverständnis ist, auch entsprechend aufklären: Da geht es nicht nur um den Budgetvollzug, sondern es geht um alle Handlungen der prüfungsunterworfenen Rechtsträger, die finanzielle oder vermögensrelevante Auswirkungen haben. Ich füge auch hinzu: Wir sind keine interne Revision des Staates, sondern wir sind die externe Finanzkontrolle der Republik, und das eben gesamtstaatlich, einmal funktional für den Nationalrat und ein anderes Mal für die Landtage, wenn wir in Länderangelegenheiten arbeiten. Unserer Prüfzuständigkeit unterliegen 5 800 Rechtsträger. Das sind die Hoheits- und Privatwirtschaftsverwaltung von Bund, Ländern und Gemeinden über 10 000 Einwohnern ebenso wie Unternehmen mit einer öffentlichen Beteiligung von mindestens 50 Prozent sowie die Träger der Sozialversicherungen und Kammern. Sie sehen also, wir haben ein breites Prüfungsportfolio. Wir prüfen nach den Gesichtspunkten der Rechtmäßigkeit, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Wir üben sachliche Kritik, objektive Kritik, sprechen Empfehlungen aus und wünschen uns, dass diese Empfehlungen von Ihnen hier in den allgemeinen Vertretungskörpern auch unterstützt werden. Die kann man dann aufgreifen und für die Politikgestaltung nutzen. Wir haben jetzt den Tätigkeitsbericht, der auf der Tagesordnung steht, in dem die Aktivitäten des Jahres 2024 beschrieben werden, vorliegen. Wir zeigen Ihnen darin die Schwerpunkte unserer Prüfarbeit auf, wir beschreiben unseren Wirkungsgrad, wir informieren über die umfassenden Sonderaufgaben des Rechnungshofes – das ist eine breite Palette –, und wir stellen auch die internationale Arbeit des österreichischen Rechnungshofes dar. Wie gesagt, wir setzen uns auch alle drei Jahre einen Schwerpunkt für unsere Prüftätigkeit. Das sind sogenannte Schwerpunktprüfungen, neben allen anderen Prüfungsarten – Querschnittprüfungen, Stichprobenprüfungen, Follow-up-Prüfungen. Wir hatten in den letzten drei Jahren, von 2022 bis 2024, einen Prüfschwerpunkt: Next Generation Austria – Überlassen wir der nächsten Generation mehr als Schulden?, also ein mehr als relevantes Thema. Es geht um die Mittelverwendung durch die öffentliche Hand im Sinne der Generationengerechtigkeit. Dabei thematisieren wir zentrale Herausforderungen, wie das Thema der nachhaltigen öffentlichen Finanzen, das Thema von Reformnotwendigkeiten und die Sicherstellung eines handlungsfähigen Staates mit starken Institutionen. Dieser Schwerpunkt umfasst inhaltlich eine breite Palette an Themen. Da geht es um die Bereiche Bildung, Gesundheit, Pensionen, Pflege, Klima, Migration, et cetera. Im Rahmen des jährlichen Bundesrechnungsabschlusses haben wir seit 2022 auch einen eigenen Schuldenbericht verfasst, der den Stand und die Entwicklung der bundes- und gesamtstaatlichen Verschuldung in Österreich darstellt. Für die kommenden drei Jahre – ab dem Jahr 2025 – gibt es einen neuen Prüfungsschwerpunkt, der lautet: Vertrauen in den Staat. Wie zukunftsfähig ist die öffentliche Verwaltung in Österreich? – Eine Frage, die wir uns gestellt haben, lautet: Wie leistungsfähig, wie anpassungsfähig, wie verlässlich ist die öffentliche Verwaltung in einem sich rasch verändernden Umfeld? Österreich steht, wie viele andere Staaten auch, vor tiefgreifenden Herausforderungen. Wir erleben den technologischen Wandel, demografische Veränderungen, wir haben klima- und sicherheitspolitischen Druck. Der Rechnungshof prüft daher unter anderem, ob neue Aufgaben mit den bestehenden Strukturen bewältigt werden können, ob digitale Systeme effizient und inklusiv eingesetzt werden, ob Investitionen strategisch und nachhaltig erfolgen und wie das öffentliche Personalmanagement gestaltet ist: Arbeiten wir da auch vorausschauend? Es geht um die Frage, wie die Verwaltung auch unter diesen komplexen Bedingungen, unter diesen schwierigen Bedingungen Vertrauen schaffen kann. Es geht um Krisenfestigkeit und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, es geht um Rechenschaft, und es geht um die Frage, ob die Verwaltung den Anforderungen der Bevölkerung für die Zukunft gerecht wird. Mit unseren Prüfungen wollen wir sichtbar machen, wo Reformbedarf besteht und wo bereits gute Lösungen gefunden wurden. Wir machen das immer in einer ausgewogenen Art und Weise: Wir sagen, was ist, wir üben Kritik, aber wir leiten daraus auch handlungsleitende Empfehlungen ab. Im vorigen Jahr haben wir 49 Prüfberichte vorgelegt. Ein weiterer Bericht, eine weitere Prüfung betraf den Jahresabschluss der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Das wurde auch von Österreich sehr stark unterstützt. Dieses Prüfmandat, das auf drei Jahre ausgerichtet ist, ist auch ein Zeichen für die internationale Anerkennung der Arbeit des österreichischen Rechnungshofes. Ich glaube, das ist für Österreich als Amtssitz der OSZE auch wichtig. Die übrigen Berichte zeigen eben die inhaltliche Breite unserer Themen: von der Staatsverschuldung über Energieversorgung, Bildung, Gesundheit, Pensionen, Pflege bis hin zu Klima- und Umweltschutz. Beispielhaft möchte ich nur einige Berichte aus dem Vorjahr hier erwähnen. Da geht es um Prüfungen zur Kostentransparenz bei der Medienarbeit des Bundes, es geht um das Management der IT-Sicherheit, es geht um Resozialisierungsmaßnahmen in der Justiz, um den Achtpunkteplan für eine digitale Schule, um die Einführung von Smartmetern in ganz Österreich, um die Rot-Weiß-Rot-Karte oder um die Elektronische Gesundheitsakte Elga. Nicht zu vergessen sind natürlich die Berichte zum Klimaschutz in Österreich und zu den Maßnahmen zur Klimawandelanpassung in einzelnen Städten. Sie finden das alles in unserem Tätigkeitsbericht. Ich freue mich daher auf die gute Zusammenarbeit mit Ihnen allen in dieser Gesetzgebungsperiode, darauf, dass wir im Rechnungshofausschuss sozusagen intensiv die Berichte diskutieren. Im Rechnungshofausschuss liegen aktuell 74 Berichte zur Verhandlung. Es geht darum, dass wir miteinander die öffentlichen Themenbereiche zukunftsfit gestalten, dass wir es auch wagen, manche Dinge neu zu denken, Tabus anzugreifen, wenn wir wissen, dass wir freie Ressourcen brauchen, um die Probleme von heute im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu lösen. Ich lade auch alle Damen und Herren hier ein, den akuten Spardruck für strukturelle Reformen zu nutzen (👏 NEOS), damit wir die begrenzten öffentlichen Mittel sinnvoll und nachhaltig einsetzen können. Wir brauchen angesichts der demografischen Entwicklung eine Strategie für den Umgang mit den altersbezogenen Staatsausgaben, ein zielgerichtetes, finanzierbares Förderwesen und eine Bereinigung der zersplitterten Zuständigkeiten bei Gesundheit, Klimaschutz, Energieversorgung und Bildung. (👏 NEOS) Wir müssen bei den Investitionen in die Sicherheit und in die Landesverteidigung strategisch richtig ansetzen, denn es geht darum, dass wir den öffentlichen Mitteleinsatz auch jederzeit überprüfbar machen. Zu den Staatsfinanzen – das wissen Sie alle, und Sie kennen die Herausforderungen –: Es geht um die Entwicklung der öffentlichen Finanzen. Ende 2024 beliefen sich die gesamtstaatlichen Schulden auf rund 394 Milliarden Euro, das entsprach 81,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das bedeutete natürlich gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Anstieg. Damit gab es eben keinen Anlass für einen Budgetoptimismus; die budgetäre Ausgangslage für die aktuelle Gesetzgebungsperiode hat sich immer weiter verschlechtert. Das gesamtstaatliche Defizit hat sich spürbar verschärft: Mit 4,7 Prozent des BIP im Jahr 2024 lag es deutlich über der Maastrichtgrenze von 3 Prozent. Nach Berechnungen der Statistik Austria hätte Österreich im vergangenen Jahr rund 8 Milliarden Euro weniger ausgeben dürfen, um diese Grenze einzuhalten. Als Gründe für das höhere Defizit wurde auf der einen Seite aber auch die Entwicklung bei Ländern, Gemeinden und ausgegliederten Einheiten genannt – diese wurde bei den bisherigen Prognosen nicht ausreichend berücksichtigt –, und andererseits hat sich auch die wirtschaftliche Lage deutlich schlechter entwickelt als erwartet. Derzeit wird intensiv an den Budgets für die Jahre 2025 und 2026 gearbeitet. Das sind zwei Jahre, in Wirklichkeit müssen wir aber für die gesamte Periode einen strikten Konsolidierungskurs einschlagen. Um das Budget wieder auf den richtigen Pfad zu bringen, werden viele Jahre notwendig sein. Wir müssen daher auf so manche Annehmlichkeiten verzichten. Wichtig ist, dass die Bundesregierung einen überzeugenden Reformplan für die Staatsfinanzen entwickelt, der gerecht, fair und glaubwürdig ist, dann wird und soll ein Aufschwung möglich sein. Unabhängig von den Vorgaben auf Ebene der EU ist eines klar: Nur mit stabilen und nachhaltigen öffentlichen Finanzen sind die Voraussetzungen für künftige Handlungsspielräume gegeben. Diesbezüglich brauchen wir Ambitionen auf allen Ebenen. Der Rechnungshof wird seine Verantwortung in diesem Bereich daher mit noch mehr Nachdruck wahrnehmen, mit dem Ziel, dass wir Fehlentwicklungen frühzeitig sichtbar machen und für Sie auch die Grundlagen für tragfähige Entscheidungen liefern. Wir arbeiten ja derzeit auch am Bundesrechnungsabschluss, der Ende Juni, also nahezu zeitgleich mit dem Budgetbeschluss für die nächsten zwei Jahre, veröffentlicht werden muss. Eine weitere Sonderaufgabe des Rechnungshofes sind die Aufgaben im Zusammenhang mit dem Parteiengesetz. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass wir da sehr viel mehr Aufgaben erhalten haben. Wir haben zehn Rechenschaftsberichte aus dem Jahr 2023 und zwölf Wahlwerbungsberichte zur EU-Wahl und zur Nationalratswahl zu überprüfen, zu kontrollieren. Der Umfang und die Aussagekraft der Rechenschaftsberichte wurden mit der Novelle zum Parteiengesetz ab dem Berichtsjahr 2023 wesentlich erweitert, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Auch die inhaltliche Tiefe der Kontrolle wurde erweitert. Die Parteien müssen nun erstmals eine Bilanz und eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung nach unternehmensrechtlichem Vorbild vorlegen. Darüber hinaus möchte ich auch sagen, dass wir diesbezüglich auch viele Spendenmeldungen veröffentlichen, dass wir unzulässige Spenden nach einer öffentlichen Beteiligung auch weitergeleitet haben, diesmal an Obdachloseneinrichtungen. Ich glaube, dass der Rechnungshof mit seiner Zuständigkeit im Zusammenhang mit dem Parteiengesetz auch einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie leistet. Was den Rechnungshof intern betrifft, geht es auch da um gute Strukturen, um gute Abläufe. Wir haben 317 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 83 Prozent im Prüfdienst. Der Frauenanteil liegt bei insgesamt 51,4 Prozent, das ist mehr als der Durchschnitt sonst im öffentlichen Dienst. (👏 SPÖ) Unser Ziel ist es, dass wir den Personalstand von 295 Vollbeschäftigungsäquivalenten stabilisieren können. Das ist notwendig, damit wir unser Aufgabenportfolio auch gut erfüllen können. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Prüferinnen und Prüfern und bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rechnungshofes bedanken, die Tag für Tag an den Prüfungen arbeiten und versuchen, qualitätsvolle Berichte zu erarbeiten. Diesbezüglich haben wir auch einen Lehrgang für ein Prüfmanagement intern erarbeitet. Das ist wichtig, damit die Prüfungsleiter:innen gut ausgebildet sind. Auch künstliche Intelligenz ist ein Thema, das wir im Rechnungshof aufgreifen und in unsere Schulungsprogramme einbeziehen. Was ich noch sagen möchte, ist, dass wir international stark aufgestellt sind. Der österreichische Rechnungshof ist das Generalsekretariat der Intosai, und wir haben in diesem Jahr wieder einen Kongress abzuwickeln. Dieser wird in Ägypten stattfinden. Das Thema wird die Rolle der Rechnungshöfe in Finanz- und Wirtschaftskrisen sowie der Einsatz von KI-Verfahren im Prüfungswesen sein. Wir machen auch parallele Prüfungen mit anderen Rechnungshöfen. So haben wir zum Beispiel mit dem deutschen Bundesrechnungshof die Europäische Investitionsbank geprüft und die Frage gestellt, wie es dort mit den Kontrollmechanismen ausschaut. Wir haben natürlich bemerkt, dass weder die nationalen Rechnungshöfe noch der Europäische Rechnungshof umfassende Prüfrechte haben. Diesbezüglich müsste auf europäischer Ebene noch etwas gemacht werden. Wenn Sie die Frage stellen, wer die Prüfer selbst prüft, dann kann ich Ihnen sagen, dass wir im Rechnungshof momentan eine Peer-Review anhängig haben, das ist eine externe Überprüfung durch andere Rechnungshöfe. Und zwar prüfen der deutsche Bundesrechnungshof und das britische NAO in diesem Jahr die Qualität unseres Prüfprozesses von der Planung bis zur Berichterstattung. Wir hoffen, dass wir Ihnen nach dieser unabhängigen Außensicht dann auch noch Verbesserungen präsentieren können. Die Ergebnisse werden Ende dieses Jahres vorliegen. Ohne das Parlament können wir nicht wirksam sein. Deshalb ersuche ich Sie, sich mit unseren Empfehlungen und Berichten auseinanderzusetzen. Wir haben einen hohen Wirkungsgrad, aber mit Ihrer Unterstützung könnte es gelingen, diesen Wirkungsgrad noch weiter zu erhöhen. – Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) 19.36 Präsidentin Doris Bures : Vielen Dank, Frau Präsidentin Kraker. Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Johann Höfinger .

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Sehr geehrte Frau Nationalratspräsidentin! Frau Rechnungshofpräsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Eigentlich wollte man ja so etwas in Wirklichkeit nicht kommentieren, eigentlich wollte man so etwas nicht hören, wie es die Rede von Kollegen Zanger hier vorhin war.

FPÖ Zanger (Zwischenruf)

Wegen was denn?

ÖVP Mst. Johann Höfinger

… Dieser Auftritt war unglaublich …

FPÖ Zanger (Zwischenruf)

Du bist unglaublich!

ÖVP Mst. Johann Höfinger

… sowohl wie du dich gebärdet hast als auch was den Inhalt betrifft. Das war dieses Hauses absolut unwürdig.

FPÖ Zanger (Zwischenruf)

Die ÖVP ist unglaublich!

ÖVP Mst. Johann Höfinger

… Es ist bezeichnend dafür, wie ihr als freiheitliche Fraktion in den letzten zwei Tagen aufgetreten seid.

FPÖ Zanger (Zwischenruf)

Die ÖVP ist nicht nur unglaublich, sie ist auch unglaubwürdig!

ÖVP Mst. Johann Höfinger

… Frau Präsidentin, vielen herzlichen Dank für diesen umfassenden Bericht am Beginn dieser Legislaturperiode, der sich nicht nur auf die Prüfung des Jahres 2024 bezogen hat, sondern in dem Sie auch dargestellt haben, was denn die Aufgaben und die Verantwortlichkeiten des Rechnungshofes sind. Es sind beeindruckende Zahlen, die Sie da vorgelegt haben, die man aber auch in diversen Unterlagen und Berichten des Rechnungshofes nachlesen kann. „Rechnungshöfe funktionieren dann gut, wenn sie weder auf Beifall noch auf politische Umstände Rücksicht nehmen müssen“ – das ist ein Zitat von Ihnen, und ich denke, das ist in dieser Zeit mehr als treffend. Es wurde dargestellt, dass der Rechnungshof frei in seinen Entscheidungen, was die Prüftätigkeiten betrifft, agieren kann, aber auch, was seine Verantwortlichkeiten sind, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm gewachsen sind – der Rechnungshof ist ja eine Institution, die auf eine jahrhundertelange Tradition zurückgreifen und zurückblicken kann –, dass es mehr als professionell war, wie man sich den aktuellen Umständen immer wieder angepasst hat und den Herausforderungen, den sehr volatilen und flexiblen Herausforderungen, denen wir im politischen, im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen Umfeld tagtäglich gegenüberstehen, immer auch mit großem Verständnis, aber auch mit großer Sachkenntnis begegnet und gerecht geworden ist. Von unserer Seite vielen herzlichen Dank für diese Tätigkeit. Die Betonung liegt darauf, dass da nicht nur geprüft und dann auch berichtet wird, sondern dass es ja auch Empfehlungen, Beratungstätigkeit und Handlungsanleitungen gibt. Ich denke, das ist etwas sehr Essenzielles für alle Einrichtungen unseres Staates, dass auf dieser Grundlage auch wirklich agiert werden kann, wenn es um die Fragen geht: Wie kann man sich verbessern, wie kann man effizienter, wie kann man sparsamer werden?, und um all diese Bereiche, die Sie genannt haben, in denen ja das Ergebnis Ihrer Prüfungstätigkeit auch wirklich zugrunde gelegt wird. In diesem Sinne: Vielen herzlichen Dank und auch ein Dank allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Ihrem Haus! Ich denke, in dieser neuen Legislaturperiode freuen wir uns auf eine gute Zusammenarbeit. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Harald Thau .

FPÖ Harald Thau

Sehr geehrte Frau Präsident! …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Präsidentin!

FPÖ Harald Thau

… Sehr geehrte Frau Präsident des Rechnungshofes! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Rechnungshof hat, wie man in seinem Tätigkeitsbericht gut erkennt, eine Vielzahl an Themenbereichen geprüft, wofür ich mich an dieser Stelle bei Ihnen, Frau Präsident ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ ), auch sehr herzlich bedanken möchte. Sicherheit ist eine Kernaufgabe des Staates, doch sie gelingt nur mit klaren Konzepten, funktionierenden Strukturen und engagierten, auch freiwilligen Einsatzkräften. Der Rechnungshof kritisiert in einem aktuellen Bericht zur Blackout-Vorsorge, dass Österreich im Fall eines großflächigen Stromausfalles organisatorisch weiterhin schlecht aufgestellt ist. So warnt der Rechnungshof davor, dass Einsatzorganisationen im Ernstfall nicht ausreichend vorbereitet sind. Das liegt aber nicht an den Einsatzorganisationen, sondern an den mangelhaften Rahmenbedingungen des Staates. Feuerwehren, Rettung und alle anderen Einsatzorganisationen agieren oft unter schwierigsten Bedingungen. Unsere Einsatzkräfte sind belastbar und engagiert, aber häufig durch mangelnde übergeordnete Strukturen und Ressourcen ausgebremst. Besonders die freiwilligen Feuerwehren mit über 250 000 Einsätzen im Jahr 2024 halten das System am Laufen – und das in ihrer Freizeit und unentgeltlich. Diese Leistung müssen wir endlich politisch und gesetzlich würdigen und vor allem nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen. Und wenn wir schon bei Unterstützung sind: Die jetzige Regierung unterstützt die Anliegen der Freiwilligeneinsatzorganisationen nicht, sondern stellt ihnen noch zusätzliche Hürden in den Weg. Ein Beispiel dafür ( Ruf bei der SPÖ: Zum Beispiel? ) – lassen Sie mich ausreden, Herr Kollege! –: die höchst bürokratische Regelung zur Entnahme von Wasser aus Bächen und Teichen bei Feuerwehrübungen. Für diese Übungen müssen zeitaufwendig kostenintensive Genehmigungen eingeholt werden, das heißt, dass freiwillige Feuerwehrleute Übungen langfristig planen müssen, bürokratische Anträge schreiben müssen, zu Behördenverhandlungen laufen müssen und sich dafür auch oft Urlaub nehmen müssen. Und weil das noch nicht genug ist, müssen die Bescheide auch aus den Kassen der freiwilligen Feuerwehren bezahlt werden. Das hemmt die Schlagkraft – und das völlig ohne Nutzen und vor allem ohne Not. Deswegen haben wir im letzten Plenum einen Antrag eingebracht, der auf die Änderung des Wasserrechtsgesetzes abzielt: Wir wollen, dass Feuerwehren unbürokratisch auch zu Übungszwecken Wasser aus Bächen und Teichen entnehmen dürfen. ÖVP, SPÖ und NEOS haben diesem Antrag im Umweltausschuss nicht zugestimmt, obwohl er von der Praxis her dringend notwendig wäre. Das Lustige an der ganzen Übung ist aber, dass die ÖVP in einer Resolution im Oberösterreichischen Landtag mit unterschrieben hat, genau diese Gesetzesänderung vorzunehmen. Und hier im Hohen Haus wissen Sie nichts mehr davon. (👏 FPÖ) Wir als FPÖ lassen uns nicht beirren, wir stehen uneingeschränkt zur Arbeit der freiwilligen Feuerwehren und aller anderen Einsatzorganisationen. Der Rechnungshof zeigt jedes Jahr aufs Neue, wo es krankt; doch anstatt zu handeln, wird vertagt, gezögert und verwaltet. Deswegen fordere ich volle Rückendeckung für unsere Feuerwehren, den Abbau bürokratischer Hemmnisse und eine Sicherheitsstrategie, die ihren Namen verdient. Sicherheit und Unterstützung der Ehrenamtlichen darf keine leere Worthülse sein, sie braucht Struktur, Mut zur Reform und echte politische Verantwortung. Die freiwilligen Feuerwehren leisten täglich ihren Beitrag in unserem Land; jetzt sind wir am Zug, unseren Beitrag zur Unterstützung der Feuerwehren zu leisten und deren Arbeit nicht als selbstverständlich anzusehen. – Herzlichen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist die Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Allgemeiner Einkommensbericht 2024 – Reihe Einkommen 2024/1

76 d.B. · Regierungsvorlage III-75 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR
FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt den Bericht des Rechnungshofes „Allgemeiner Einkommensbericht 2024 – Reihe Einkommen 2024/1“ (III-75) zur Kenntnis. Damit wird der Bericht formell angenommen, ohne dass damit unmittelbar neue Rechtsvorschriften beschlossen werden.

Betroffen sind die evidenzbasierte Politik- und Verwaltungsarbeit sowie die Analyse der Einkommensentwicklung in Österreich, insbesondere nach Geschlecht, Beschäftigungsform (Voll-/Teilzeit) und Erwerbsstatus (unselbstständig, selbstständig, Pensionist:innen).

Dokumente

Allgemeiner Einkommensbericht 2024 – Reihe Einkommen 2024/1

Gegenstand und Rechtsgrundlage

  • Behandelt wird der Bericht des Rechnungshofes „Allgemeiner Einkommensbericht 2024 – Reihe Einkommen 2024/1“.
  • Der Rechnungshof erstellt und übermittelt den „Allgemeinen Einkommensbericht“ entsprechend seinem gesetzlichen Auftrag gemäß Art. 1 § 8 Bezügebegrenzungsgesetz.
  • Der Bericht wird alle zwei Jahre dem Nationalrat, dem Bundesrat und den Landtagen vorgelegt.

Zweck und Nutzen des Berichts

  • Der Bericht liefert faktenbasierte Informationen.
  • Er dient als Grundlage für evidenzbasierte Politikgestaltung.
  • Er ist eine Grundlage für empirische Forschung.

Schwerpunkt, Berichtsjahre und Ausgabe

  • Es handelt sich um die 13. Auflage des Allgemeinen Einkommensberichts.
  • Schwerpunktmäßig werden die Berichtsjahre 2022 und 2023 behandelt.

Inhaltliche Schwerpunkte und Analysen

  • Besonderes Augenmerk liegt auf der Analyse geschlechtsspezifischer Einkommensunterschiede.
  • Eingehend analysiert werden die Entwicklungen von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung.

Datenbasis und Zeitreihen (Einkommen unselbständig Erwerbstätiger)

  • Die Entwicklung der Einkommen unselbständig Erwerbstätiger wird grundsätzlich ab 1998 dargestellt, dem ersten Jahr einer einheitlichen Datenbasis.
  • Für die Entwicklung der Einkommen der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten werden Daten ab dem ersten Berichtsjahr 2004 analysiert.
  • Für die Entwicklung nach der arbeitsrechtlichen Stellung werden Daten ab dem ersten Berichtsjahr 2004 analysiert.

Weitere behandelte Personengruppen

  • Die Einkommen der Pensionistinnen und Pensionisten werden im Zeitvergleich beschrieben.
  • Die Einkommen der selbständig Erwerbstätigen werden im Zeitvergleich beschrieben.

Ergebnis der Ausschussberatungen (inhaltlich)

  • Der Ausschuss empfiehlt dem Nationalrat die Kenntnisnahme des Berichts.