XXVIII. Gesetzgebungsperiode · Nationalrat

13. Sitzung des Nationalrats

26. März 2025

6Beschlüsse
5Angenommen
1Abgelehnt
13. Nationalratssitzung

Bericht zur gesundheitlichen Situation und Versorgung von Menschen mit Behinderungen in Österreich

42 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 102/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜR

Zusammenfassung

Der Nationalrat nimmt eine Entschließung an, die die Bundesregierung auffordert, einen Bericht zur gesundheitlichen Situation und Versorgung von Menschen mit Behinderungen in Österreich zu erstellen. Der Bericht soll insbesondere Barrieren und den Stand der Barrierefreiheit im Gesundheitswesen erfassen und als Grundlage für Verbesserungen dienen.

Betroffen sind Menschen mit Behinderungen sowie Gesundheitsanbieter (Arztpraxen, Krankenhäuser, Ambulatorien) und die zuständigen Stellen, die Daten zur Barrierefreiheit und Versorgung erheben und auswerten sollen.

Dokumente

Bericht zur gesundheitlichen Situation und Versorgung von Menschen mit Behinderungen in Österreich

Ausgangslage und Begriffsverständnis

  • Menschen mit Behinderungen sind laut UN-Behindertenrechtskonvention Personen mit langfristigen körperlichen, psychischen, intellektuellen oder Sinnesbeeinträchtigungen, die in Wechselwirkung mit Barrieren an voller, wirksamer und gleichberechtigter Teilhabe an der Gesellschaft gehindert werden können.
  • Eine medizinische Diagnose ist häufig Ausgangspunkt für ein Leben mit Behinderung; zugleich wird das österreichische Gesundheitssystem im Umgang mit Behinderungen als überfordert beschrieben.

Zahlen zur Betroffenheit in Österreich

  • Nach Statistik Austria erleben rund 25% der Bevölkerung Beeinträchtigungen im Alltag aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation (hochgerechnet ca. 1,9 Mio. Menschen).
  • Rund 570.000 Menschen sind im Alltag aufgrund ihres Gesundheitszustands stark beeinträchtigt.

Barrieren und Versorgungsprobleme im Gesundheitssystem (Erfahrungsberichte)

  • Mangel an barrierefreien Arztpraxen für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.
  • Zu geringe Zeitressourcen für Behandlungen, wenn Untersuchungen aufgrund einer Behinderung länger dauern; dadurch können Untersuchungen unterbleiben oder Patientinnen und Patienten abgewiesen werden.
  • Kommunikationsbarrieren: Personen, die Gebärdensprache verwenden oder non-verbal kommunizieren, werden häufig nicht verstanden; gesundheitliche Probleme werden dadurch verspätet oder gar nicht behandelt.
  • Menschen mit Behinderungen, insbesondere mit intellektuellen Beeinträchtigungen, werden häufig nicht ernst genommen; Beschwerden werden oft nicht erkannt.

Erhöhte gesundheitliche Belastungen und Gründe

  • Menschen mit Behinderungen haben im Durchschnitt häufiger gesundheitliche Probleme als Menschen ohne Behinderungen und benötigen daher tendenziell mehr Behandlungen.
  • Ursachen: Grunderkrankungen, die zu Behinderungen beitragen, sowie Hinweise aus internationalen Studien, dass schlechte sozioökonomische Bedingungen (z.B. Armut, geringe Bildung) und Barrieren im Gesundheitssystem selbst zu höheren gesundheitlichen Belastungen führen.

Internationale Evidenz zu Komorbiditäten (insbesondere intellektuelle Beeinträchtigung)

  • Für Österreich werden keine eigenen Erhebungen genannt; internationale Studien liefern Hinweise.
  • Das Risiko, neben einer Behinderung auch mit einer weiteren chronischen Erkrankung zu leben, ist bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung laut angeführten Studien etwa 10-mal höher als bei Menschen ohne Beeinträchtigung.
  • Beispiel Epilepsie: ca. 18% bei Personen mit intellektueller Beeinträchtigung vs. 0,8% in der nichtbehinderten Bevölkerung.
  • Schlechter Zahnstatus bzw. Zahnlosigkeit: bis zu 30% bei Menschen mit intellektuellen Behinderungen.

Internationale Evidenz zu Mortalität und Lebenserwartung

  • Internationale Studien zeigen, dass Barrieren in Gesundheitssystemen dazu führen, dass insbesondere bei Menschen mit intellektuellen Behinderungen die Mortalitätsrate in allen Altersgruppen höher ist als bei Menschen ohne Behinderungen.
  • Dies wird mit einer im Durchschnitt um etwa 20 Jahre geringeren Lebenserwartung in Verbindung gebracht.
  • Todesursachen seien dabei häufig durch Prävention und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung vermeidbar.
  • Für Österreich liegen keine vergleichbaren Studien vor.

Daten- und Wissenslücken in Österreich

  • Es gibt keinen umfassenden Überblick über die Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen in Österreich.
  • Es fehlen flächendeckende Informationen zur baulichen Barrierefreiheit bzw. barrierefreien Ausstattung von Arztpraxen im niedergelassenen Bereich sowie von Krankenhäusern und Ambulatorien.

Bezug zum NAP Behinderung 2022–2030 und geplante Erhebung

  • Im Nationalen Aktionsplan (NAP) Behinderung 2022–2030 ist mit Maßnahme 321 vorgesehen, bis Ende 2025 eine Ist-Stand-Erhebung zu „Barrierefreies Gesundheitswesen“ durchzuführen.

Zielsetzung: Regelmäßiger Bericht und erwarteter Nutzen

  • Ein eigener Bericht zur gesundheitlichen Situation und Versorgung von Menschen mit Behinderungen, der in regelmäßigen Abständen erstellt wird, soll eine Grundlage für gesundheitspolitische Arbeit schaffen.
  • Solche Berichte (z.B. in Bereichen Frauen oder Gender) hätten in der Vergangenheit wertvolle Informationen geliefert.
  • Ein regelmäßiger Bericht könnte wesentlich zur mittel- und langfristigen Verbesserung der Versorgungssituation beitragen und ein inklusives, barrierefreies Gesundheitssystem unterstützen.

Bericht zur gesundheitlichen Situation und Versorgung von Menschen mit Behinderungen in Österreich

~46 min Lesezeit
Dafür: FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen:
FPÖ Gerhard Kaniak

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Gesundheitsministerin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Ja, es trifft sich sehr gut, dass wir heute hier zur Primetime, am Vormittag, in dieser ersten regulären Nationalratssitzung das Thema Gesundheit auf der Tagesordnung haben. Wir haben im letzten Gesundheitsausschuss mehrere Themen, auch große Anträge, diskutiert, leider hat es nur ein einziger Antrag bis ins Plenum geschafft, und das ist ein Entschließungsantrag, dass es in Zukunft einen Bericht über die Versorgungssituation von Menschen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen in unserem Gesundheitswesen geben soll. Dem haben wir natürlich zugestimmt. Allerdings möchte ich schon auch sagen, dass diese Menschen, diese Personengruppe unter genau denselben Problemen wie alle anderen Versicherten in Österreich leidet: Wir haben von oben bis unten im gesamten österreichischen Gesundheitssystem ein riesiges Versorgungsproblem. Ich möchte mit dem Spitalsbereich anfangen. Das Thema hat ja eine hohe Aktualität. In den letzten Tagen wurde eine neue Spitalsärztestudie veröffentlicht, und die Ergebnisse, Frau Ministerin, Frau Staatssekretärin, waren erschütternd. Mittlerweile ist es so, dass mehr als sechs von zehn Spitalsärzten die Meinung vertreten und es erleben, dass die Zustände in den öffentlichen Spitälern schlechter sind als vor fünf Jahren und der Trend ein negativer ist. Es ist so weit, dass jeder fünfte Arzt sagt, er würde gar nicht mehr im Spital anfangen, wenn er es sich noch einmal aussuchen könnte. Die Kritikpunkte, die da vorgebracht werden, sind altbekannt. Es wird aber von Jahr zu Jahr schlechter statt besser. Überschießende bürokratische Auflagen, mehr Zeit am Schreibtisch als bei den Patienten, personelle Unterbesetzung, Dienstpläne, die nicht halten, Ungerechtigkeiten und unattraktive Arbeitszeiten – all das kennt man schon seit Jahren. Dieser Trend hat sich in der Studie vor fünf Jahren bereits im Wesentlichen abgezeichnet, jetzt hat er sich noch verschlimmert. Das ist ein gigantischer Handlungsauftrag an Sie, an die neue Mannschaft im Gesundheitsministerium, da einzugreifen und neue Rahmenbedingungen zu schaffen. Allerdings muss ich feststellen, ich finde diese Ansätze in Ihrem Regierungsprogramm noch nicht. Da gibt es ja Forderungen, die von Ihren Fraktionen beziehungsweise von der neuen Regierung vorgebracht worden sind, wie zum Beispiel den Vollzeitbonus und die Überstundenpauschalierung, damit zumindest die Leistungsträger, die vorhanden sind, finanzielle Anreize erhalten, sich mehr einzubringen. Da geht es um die Weiterbeschäftigung im pensionsfähigen Alter oder darum, die demografische Lücke, von der wir wissen, dass sie im ärztlichen und im pflegerischen Bereich gigantisch ist, nicht zu groß werden zu lassen. Es finden sich auch keine Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Der Herr Staatssekretär für Deregulierung hat uns leider gerade wieder verlassen, dabei wäre er gerade bei diesem Tagesordnungspunkt höchst gefragt. Wenn wir es nicht schaffen, das Arbeitsumfeld und die bürokratischen Auflagen zu reduzieren, dann werden wir auch nicht mehr Beschäftigte in den Spitälern finden und dann bleiben die Operationssäle geschlossen, wie aktuell in Innsbruck. Dort sind laut Berichterstattung 20 Prozent der OPs wegen Pflegekräftemangel einfach geschlossen; Ärzte wären in dem Fall sogar genügend da. So wachsen die Wartelisten im Spitalsbereich natürlich an. Wichtige Operationen werden immer weiter verschoben, und die Menschen kommen nicht zu ihrer verdienten Versorgung, für die sie auch ihre Steuern und Beiträge zahlen – das darf man ja an dieser Stelle nicht vergessen. Wenn Sie dann als einen der Lösungsansätze richtigerweise ansprechen: Wir müssen die Spitäler, vor allem die Spitalsambulanzen, entlasten!, und: Die Patienten gehören eigentlich in den niedergelassenen Bereich!, dann muss ich Ihnen leider sagen, dass die Situation dort ähnlich katastrophal ist. Allein in meinem Heimatbundesland Oberösterreich sind, wenn man es auf den Österreichschnitt hochrechnen würde, 200 Kassenstellen zu schaffen, 80 sind unbesetzt, 200 würden wir brauchen, um in der Versorgung auf den Bundesschnitt zu kommen. Österreichweit reden wir von mindestens 800 bis 1 000 Kassenstellen, die wir zusätzlich bräuchten. Da ist es keine Lösung, drei Kassenstellen in ein PVZ zusammenzuziehen, denn es bleibt halt bei nur drei Kassenstellen. Die Versorgung im ländlichen Bereich wird dadurch unter Umständen sogar weiter geschwächt. Wenn die drei zusammen an einem Standort sind, dann haben zwei Gemeinden rundherum in vielen Fällen keinen Hausarzt mehr. Das heißt, wir brauchen da andere Lösungen, und die können nicht darin ausarten, dass wir den Ärzten noch mehr bürokratische Auflagen machen. Die können auch nicht so aussehen, dass wir Parallelstrukturen im Bereich der Sozialversicherungen aufbauen und ausländische Drittstaatsärzte importieren. Wir müssen schauen, dass wir einen neuen Verteilungsschlüssel schaffen, neue Vorgaben machen, die Ausbildung evaluieren, zusätzliche Ausbildungsstellen im System schaffen, damit das nicht auf die Planstellen geht. Wir müssen wirklich bedarfsorientiert ausbilden, um diese Lücken zu füllen. Natürlich müssen wir dann auch schauen, dass die Arbeitsbedingungen passend sind, die Arbeitsbelastung passend ist. Das heißt, es darf keine zusätzlichen bürokratischen Auflagen, keine weiteren verpflichtende Meldungen geben, kein weiterer Druck über ökonomische Verordnungsrichtlinien ausgeübt werden, die im Endeffekt nichts anderes als Eingriffe in die Therapiefreiheit und Therapieauswahl des Arztes sind. Da rede ich noch gar nicht von Themen wie dem Zwang für Wahlärzte, Behandlungen zum Kassentarif durchzuführen oder den ganzen Einmeldungsverpflichtungen. Momentan kommt unheimlich viel Bürokratisches auf die Ärzte zu. Betreffend Entlastung über andere Gesundheitsberufe, über die diplomierte Pflege, über Rettungs- und Notfallsanitäter, aber auch über die öffentlichen Apotheken: Dahin gehend könnten wir auch im Bereich der Berufsgesetze noch sehr viel machen und sehr viel gemeinsam beschließen, damit das Leistungsspektrum im niedergelassenen Bereich auch tatsächlich von den niedergelassenen Ärzten erbracht werden kann, dass die Verlagerung der Patienten in den niedergelassenen Bereich auch tatsächlich funktioniert, dass die, so wie wir sagen, wohnortnahe Versorgung, die sich jeder Österreicher verdient hat und die auch den Marsch in die Spitäler unterbrechen würde, auch ohne zusätzliche Zwänge oder Ambulanzgebühren funktioniert. (👏 FPÖ) Einen letzten Punkt möchte ich noch ansprechen, weil mir das auch sehr wichtig ist: den Bereich der Arzneimittelversorgung. Wir haben viel zu wenig Zeit, um das zu diskutieren – auch meine Redezeit neigt sich dem Ende zu –, aber wenn Sie glauben, dass das Festhalten an einem Bewertungsboard, das wieder nur ökonomische Gesichtspunkte betrachtet, und eine Ausweitung der ökonomischen Verordnungsrichtlinien die Arzneimittelversorgung der Menschen in diesem Land verbessert, dann sind Sie auf einem Holzweg. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir brauchen die richtigen innovativen, lebensrettenden Therapien möglichst frühzeitig, aber auch richtig eingesetzt, das spart im System Kosten. Und wenn wir dann schauen, dass nicht für die Nebenwirkung der Nebenwirkung das dritte und vierte und fünfte und sechste Medikament verordnet wird, sondern wenn wir zum Beispiel ein flächendeckendes Medikationsmanagement einführen, dann sparen wir uns viel mehr Kosten, als uns diese Dienstleistung kostet, und fördern schlagartig die Gesundheit der Menschen und den sicheren Umgang mit Arzneimitteln. Da könnten wir viel sparen, aber bitte nicht mit plumpem Preisdumping und ökonomischen Abgaberichtlinien, so wie wir das im Ausschuss jetzt diskutiert haben, denn das würde nur die Versorgung weiter gefährden. Wir müssen – ganz im Gegenteil – die österreichischen Versorgungsstrukturen stärken, denn die sind am Limit, die sind durch die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre am Limit. Und da brauchen wir dann auch noch, das haben Sie ja auch angesprochen, Notfallvorbereitungen nicht nur für die nächste Pandemie, sondern wir brauchen Vorbereitungen auch für wieder aufkommende Lieferengpässe und Versorgungsengpässe. Wir brauchen da erweiterte Notfallparagrafen und andere Regelungen, die diesen Wust und diese Flut an bürokratischen Auflagen und Dokumentationspflichten und Abgabebestimmungen dort aufheben, wo es zwingend notwendig ist, um die Versorgung sicherzustellen, damit die Menschen ihre lebensnotwendigen und gesundheitsschützenden Arzneimittel auch tatsächlich bekommen. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Silvan. Eingestellte Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Rudolf Silvan

Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Mein Vorredner hat es schon betont: Wir haben in der zweiten Sitzung des Gesundheitsausschusses neben sechs Anträgen auch eine Aussprache mit Ihnen beiden ( in Richtung Bundesministerin Schumann und Staatssekretärin Königsberger-Ludwig ) gehabt, und ich möchte hier die Gelegenheit wahrnehmen, Ihnen recht herzlich zu danken für Ihre Offenheit, dafür, dass Sie die Probleme im Gesundheitsbereich ohne Beschönigungen offen angesprochen haben – dafür auch ein herzliches Dankeschön von meiner Seite. Ich glaube, es war eine sehr sachliche Diskussion in der letzten Sitzung des Gesundheitsausschusses, danke dafür. (👏 ÖVP, SPÖ) Bei dieser Aussprache ist es auch um das Thema Frauengesundheit gegangen, wir haben auch den letzten Frauengesundheitsbericht kurz diskutiert. Wir wissen, dass die Lebenserwartung bei Frauen stagniert, dass die gesunden Jahre bei Frauen weniger werden. Wir haben die Kindergesundheit angesprochen. Beides findet sich ja im Regierungsprogramm. Die Versorgung von Kindern ist in Österreich momentan nicht sehr gut. Es gibt einen massiven Mangel an Kinderärzten mit Kassenvertrag. Wir haben die finanzielle Situation der Österreichischen Gesundheitskasse angesprochen – Kollege Koza hat es vorher auch gesagt. Es gibt ein Defizit der Gesundheitskasse durch die Reform, die nicht wirklich eine Reform war. Wir brauchen also in Wirklichkeit einen gesundheitspolitischen Kassasturz beziehungsweise, wenn Sie so wollen, eine gesundheitspolitische Bestandsaufnahme. Und dazu gehört auch, dass wir über die gesundheitliche Situation aller Bevölkerungsteile Bescheid wissen. Und deswegen unterstützen wir auch den Antrag der Grünen, von Kollegen Schallmeiner, dass es hier einen Bericht über die gesundheitliche Situation und Versorgung von Menschen mit Behinderung geben soll, dass ein solcher zu erarbeiten und dem Nationalrat vorzulegen ist. In der Begründung des Antrages gibt es einiges an Informationen: Wir wissen aus anderen Ländern, aus Studien von anderen Ländern, dass das Risiko von Menschen mit intellektuellen Behinderungen, an einer weiteren chronischen Erkrankung zu leiden, zehnmal höher ist als bei Menschen ohne intellektuelle Behinderung, dass der Zahnstatus bei diesen Menschen um 30 Prozent schlechter ist als bei Menschen ohne intellektuelle Behinderung, dass es in Österreich Mängel bei Arztpraxen gibt, dass diese keine Barrierefreiheit aufweisen, und so weiter und so fort. Ich möchte in diesem Zusammenhang aber auch erwähnen, dass wir – alle drei Regierungsparteien – uns auch darauf geeinigt haben, dass wir Oppositionsanträge nicht automatisch vertagen oder ablehnen, nur weil sie von der Opposition kommen. Das muss ein Ende haben! (👏 ÖVP, SPÖ) Das bringt nämlich niemandem etwas, und die Bevölkerung hat an solchen parteitaktischen Spielchen überhaupt kein Interesse. Und gerade in der jetzigen Situation, ob das die budgetäre Situation oder die gesundheitspolitische Situation betrifft, ist es wichtig, dass wir gemeinsam ruhig und sachlich die Probleme lösen. Tun wir jetzt das Richtige! – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet: Frau Abgeordnete Bogner-Strauß. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

ÖVP Juliane Bogner-Strauß

Danke, Herr Präsident! Werte Frau Ministerin! Frau Staatssekretärin! Sehr geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Plenum! Aber vor allem werte Zuseherinnen und Zuseher hier im Hohen Haus und zu Hause oder wo auch immer Sie unserer Sitzung folgen! Laut WHO sterben Menschen mit Behinderung bis zu 20 Jahre früher. Menschen mit Behinderung sind eine gesundheitlich hoch belastete Gruppe, und unser Gesundheitssystem ist noch nicht – noch nicht, das möchte ich betonen – ausreichend darauf vorbereitet, Menschen mit Behinderung ausreichend zu versorgen. Deshalb freue ich mich, es wurde schon erwähnt: Wir haben im Gesundheitsausschuss den einstimmigen Beschluss gefasst, einen Bericht über die gesundheitliche Versorgung und die gesundheitliche Situation von Menschen mit Behinderung in Österreich erarbeiten und vorlegen zu lassen. Natürlich darf dieser Bericht nur ein erster Schritt sein, denn es geht darum, daraus folgend die richtigen Maßnahmen abzuleiten und zu setzen. (👏 ÖVP) Wozu braucht es den Bericht? – Um den Status quo zu erheben, um die Herausforderungen darzustellen. Wahrscheinlich kennt jede, jeder von uns eine Geschichte, wie mühsam es ist, wenn man eine Behinderung hat – sei es körperlicher Art, sei es intellektueller Art –, einen Arzttermin zu finden und dort adäquat versorgt zu werden. Und es geht vor allem darum, über diesen Bericht dann Maßnahmen abzuleiten. Wir müssen das Rad nicht unbedingt neu erfinden, wir können über die Grenzen schauen. In Deutschland zum Beispiel gibt es schon Gesundheitszentren für erwachsene Menschen mit Behinderung, die wunderbar funktionieren und sich gut eingespielt haben. Als Steirerin darf ich natürlich auch stolz darauf sein, dass wir in der Steiermark bereits einen solchen Bericht gelegt haben. Das heißt, wenn wir den österreichweiten Bericht legen, können wir schon schauen, was Bundesländer gemacht haben. Dieser steirische Bericht mündet natürlich in Maßnahmen und diese Maßnahmen sind bis 2027 umzusetzen. Vieles ist bekannt, wurde von meinem Kollegen schon erwähnt: Menschen mit Behinderung sind viel häufiger von chronischen Erkrankungen betroffen, sind viel häufiger zum Beispiel von Epilepsie betroffen, sind viel häufiger von Zahnproblemen betroffen, sind viel häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen. Und woher rührt diese Ungleichbehandlung im Gesundheitssystem? – Es gibt strukturelle Barrieren. Viele Arztpraxen, viele Ambulanzen sind nicht so barrierefrei, wie wir es uns wünschen. Und da rede ich nicht nur von baulichen Maßnahmen, sondern da rede ich auch davon, wie die Homepage ausschaut: Mit welcher Sprache werden hier Patientinnen und Patienten gelenkt? Wie geht man auf Patientinnen und Patienten zu? Natürlich fehlt oft auch das fachliche Wissen in den Gesundheitsberufen. Das heißt, auch die Menschen in den Gesundheitsberufen müssen darauf vorbereitet werden, mit Menschen mit Behinderung in einer adäquaten Weise umzugehen. Und es gibt natürlich personelle Barrieren, das wurde schon angesprochen. Wir stehen hier im gesamten Gesundheitssystem vor Herausforderungen, und da gilt es natürlich auch genau hinzuschauen und vor allem für alle Menschen, die bei uns im Gesundheitssystem arbeiten, entsprechend gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. (👏 ÖVP, SPÖ) Was brauchen wir? – Wir brauchen den Bericht, wir brauchen entsprechende Maßnahmen, wir brauchen die entsprechende Kommunikation, wir brauchen ein entsprechendes Verständnis. Und wie gesagt, ich freue mich darüber, dass es hoffentlich heute auch im Plenarsaal zu einer Einstimmigkeit kommt, wenn es darum geht, diesen Bericht zu beschließen, aber noch mehr würde ich mich darüber freuen, wenn wir nicht mehr über Inklusion sprechen müssten: nämlich deshalb, weil sie erreicht ist. Und Inklusion ist tatsächlich erst dann erreicht, wenn sie selbstverständlich ist – und darauf wollen wir gemeinsam hinarbeiten. – Danke schön.

ÖVP Strasser (Zwischenruf)

Bravo!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Fiedler. Eingestellte Redezeit: 5 Minuten.

NEOS Fiona Fiedler

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier und zu Hause! ( Die Begrüßung auch in Gebärdensprache ausführend: ) Liebe gehörlose Menschen! Es ist meine erste Rede in der neuen Gesetzgebungsperiode und es freut mich besonders, dass ich sie zum Thema Menschen mit Behinderungen halten darf. Es geht konkret um den Entschließungsantrag des Kollegen Schallmeiner, der die Erstellung eines Berichtes zur gesundheitlichen Situation und Versorgung von Menschen mit Behinderungen zum Inhalt hat. Es freut mich auch besonders, dass wir diesen Antrag im Gesundheitsausschuss einstimmig angenommen haben, gleichzeitig sehe ich das auch als Auftakt zur konstruktiven Zusammenarbeit im Gesundheitsausschuss und insbesondere im Bereich von Menschen mit Behinderungen. Was ist offensichtlich? – Die Datenlage zu Menschen mit Behinderungen in Österreich ist schlecht. Sie ist auch in vergleichbaren Ländern in Europa schlecht. Wir haben zu wenige gesicherte Daten über die Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderungen. Das ist eine gut dokumentierte Tatsache, das steht in den beiden Nationalen Aktionsplänen Behinderung, das kommt aber auch in Stellungnahmen von Stakeholdern immer wieder vor. Das kommt im Bericht des Rechnungshofes immer wieder vor und zuletzt auch in der Staatenprüfung von 2023, bei der wir wirklich sehr schlecht abgeschnitten haben. Auch ich habe mich in der Vergangenheit für die Verbesserung der Datenlage von Menschen mit Behinderungen eingesetzt. Umso mehr freut es mich, dass das jetzt auch im Regierungsprogramm verankert worden ist. Denn was bedeutet eine schlechte Datenlage? – Sie wissen das alle, wir kennen das auch aus vielen anderen Bereichen. Ich möchte es mit einer Metapher kurz wiedergeben: Hinsichtlich der Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Menschen mit Behinderungen fahren wir im dichten Nebel auf Sicht, und es geht zu langsam voran. Man sieht, dass es sehr langsam geht, weil wir die UN-Behindertenrechtskonvention vor schon bald 17 Jahren ratifiziert haben und sich noch nicht alles so gestaltet, wie es da drinnen gefordert wird. Zum Kollegen Kaniak möchte ich nur kurz sagen, weil er vorhin gesagt hat, Menschen mit Behinderungen leiden im Gesundheitssystem wie alle anderen: Da möchte ich ein bisschen widersprechen, weil Menschen mit Behinderungen extrem viele Barrieren vorfinden, die sie noch mehr leiden lassen. Ich sehe, wir haben viele Baustellen im Gesundheitssystem, wir haben darüber auch im Gesundheitsausschuss gesprochen, wir sind uns der Baustellen alle bewusst. Trotzdem möchte ich den Fokus hier jetzt auf Menschen mit Behinderungen lenken, denn es betrifft konkret, wie die Kollegin vorher schon gesagt hat, den barrierefreien Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und zu Gesundheitsdienstleistungen und da den umfassenden barrierefreien Zugang. Das heißt, ich spreche auch als Arzt nicht über den Patienten, sondern mit dem Patienten, was enorm wichtig ist, weil der Patient selber der Profi ist in dem, was ihm fehlt, und das auch ausdrücken können muss. Es geht um Bedarfe in der Sozialversicherung, es geht um die Betroffenheit von mehrfach chronisch erkrankten Menschen. Es geht um höhere Mortalitätsraten, um eine geringere Lebenserwartung. Es geht aber auch um die Lage spezifischer Gruppen wie Frauengesundheit bei Frauen mit Behinderungen, aber auch Gesundheit bei Geflüchteten mit Behinderungen und vieles, vieles mehr. Es ist so ein breites Thema. Ich möchte schon auch anmerken, dass die Datenerhebung der letzten Regierung einiges in Bewegung gebracht hat, insbesondere das Pilotprojekt zwischen dem Ministerium und der Statistik Austria, aber das ist nicht genug. Um wirklich progressive inklusive Gesundheitspolitik machen zu können, braucht es detaillierte repräsentative Daten. In Bezug darauf möchte ich auch noch abschließend festhalten: Wer gesund ist, soll arbeiten gehen können und dürfen. Menschen mit Behinderungen können und wollen arbeiten, und wir dürfen diesen Arbeitsmarkt nicht außer Acht lassen. (👏 ÖVP, NEOS) Mit der Teilarbeitsfähigkeit werden wir Möglichkeiten schaffen, insbesondere Menschen mit Behinderungen und auch Menschen mit chronischen Erkrankungen eine Rutsche zu legen, wieder in den ersten oder in den anderen Arbeitsmarkt einzutreten. Das ist ein wichtiger Aspekt in diesem Bereich. Ich danke für die Zustimmung zu diesem Entschließungsantrag. – ( Den Dank auch in Gebärdensprache ausführend: ) Danke. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Schallmeiner. Eingestellte Redezeit: 5 Minuten.

GRÜNE Ralph Schallmeiner

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Als sich diese Regierung gefunden hat, haben wir Grüne ja angekündigt, konstruktive Oppositionsarbeit leisten zu wollen – konstruktiv im Sinne von: wir wollen uns einbringen, wir wollen nicht kritisieren um der Kritik willen, sondern wir wollen eben auch mit konkreten Ideen, mit konkreten Vorschlägen kommen. Das hat man ja auch im letzten Gesundheitsausschuss gesehen: Wir sind mit fünf Anträgen hineingegangen, einen davon können wir heute hier hoffentlich einstimmig, so wie im Gesundheitsausschuss, zu einem guten Ende bringen. Das ist aus unserer Sicht ein Angebot und das ist aus unserer Sicht konstruktive Oppositionsarbeit. (👏) Ich möchte mich da auch gleich bedanken. Liebe Kolleginnen und Kollegen: Danke dafür, dass Sie diesem Antrag heute hier zustimmen. Danke auch dafür, dass das eben keine große Debatte oder keine große Diskussion war, sondern dass wir uns da eigentlich sehr, sehr schnell einigen konnten und dass wir bei diesem Thema, bei diesem sehr wichtigen Thema, sehr, sehr schnell auf einen grünen Zweig gekommen sind, um gemeinsam die Situation in unserem Gesundheitswesen für Menschen mit Behinderung in diesem Land zu verbessern. Kollegin Fiedler hat es gerade schon sehr umfangreich, finde ich, ausgeführt, was es bedeutet, wenn man in Österreich ein Mensch ist, der behindert ist, in unserem Gesundheitswesen Hilfe suchend unterwegs ist und eben ganz oft auf Barrieren stößt – Barrieren jetzt nicht nur in der Zugänglichkeit zur Ordination, sondern beispielsweise vielleicht auch dahin gehend, als Frau im Rollstuhl einen Gynäkologen oder eine Gynäkologin zu finden. Das ist eine Herausforderung. Als Mensch im Rollstuhl einen Zahnarzt zu finden, der ein Panoramaröntgen des Gebisses machen kann und deshalb dann auch Präventionsarbeit leisten kann, ist eine Herausforderung. Das ist in Wien wirklich sehr, sehr schwierig, wie ich schon von mehreren Personen vernommen habe. Diese Dinge gehören angeschaut. Genauso geht es auch um die Art und Weise: Wie wird mit den Patientinnen und Patienten gesprochen, wie wird mit ihnen umgegangen? Redet man mit ihnen oder redet man eher mit den Begleitpersonen, die mit diesen Menschen mit Behinderung mitgehen? Nimmt man diese Menschen überhaupt wahr oder tut man so, als ob eh der andere der eigentlich viel wichtigere ist? Gibt man den Menschen auch die Würde, die ihnen zusteht? Auch das ist es, was wir uns anschauen müssen. Diese Berichte haben in der Vergangenheit immer sehr gut funktioniert. Ich erinnere beispielsweise an den Frauengesundheitsbericht, der ja auch Eingang in Ihr Regierungsprogramm gefunden hat, der bereits zu konkreten Verbesserungen geführt hat. Das ist auch meine Erwartungshaltung, dass uns dieser Bericht, wenn er dann von der GÖG vorliegt, die blinden Flecken entsprechend aufzeigt, uns aber auch gleichzeitig hilft, Verbesserungen herbeizuführen. Das ist unser Ansinnen, darum geht es uns mit diesem Antrag. Wie schon gesagt: Ich hoffe heute auch hier auf die entsprechende einstimmige Zustimmung, so wie es auch im Ausschuss der Fall war. Das ist konstruktive Oppositionsarbeit. Zur Oppositionsarbeit gehört aber eben auch dazu, dass man die Finger in die Wunden legt, so wie es auch die letzten fünf Jahre bei uns, als wir in Regierungsverantwortung waren, gemacht wurde. Das kann man auch zu Recht machen. Ich sage es Ihnen auch ganz offen und ehrlich: Wir kennen natürlich die Mechanismen hinter einer Koalitionsregierung. Wir kennen natürlich auch die Mechanismen dahinter, die zu der einen oder anderen Vertagung eines Antrages führen. Wie schon eingangs gesagt: Wir haben fünf Anträge gestellt, einer wird heute hier behandelt, das heißt, vier Anträge wurden vertagt. Um es mit den Worten des Klubobmannes der NEOS zu sagen: Ich bin natürlich hochgradig enttäuscht, nämlich über die Vertagung eines ganz bestimmten Antrages, von dem zum Impfen in Apotheken – ein Antrag, der, wäre er angenommen worden und würden wir ihn heute hier auch behandeln, dazu geführt hätte, dass wir auf einen Schlag über 2 000 Menschen im System hätten, die impfen dürften. Wir hätten über 1 400 zusätzliche Stellen in Österreich, die Impfungen vornehmen dürften, und zwar indem wir den Apotheken diese Möglichkeit geben. Jetzt weiß ich schon, es gibt immer diese Aussage: Ja, es ist so unsicher! – Das behauptet nämlich die Ärztekammer immer ganz gerne. Die sagt immer: Es ist so unsicher, wenn das jemand anderer macht als wir! – Stimmt nicht: Hunderttausende Menschen in Europa lassen sich wöchentlich, lassen sich tagtäglich Impfungen von Apothekerinnen und Apothekern verabreichen und sind der beste Gegenbeweis dafür, dass das in Wirklichkeit ein Gschichtl einer Lobbyistentruppe ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, vielleicht schaffen wir es ja, dass ihr euch aus dieser Umklammerung der Ärztekammer befreit, vielleicht schaffen wir es im nächsten Gesundheitsausschuss, dass wir in dieser Sache einen positiven Beschluss herbringen – wir haben ja eine vollständige Legistik eingebracht; das war ja nicht nur ein Entschließungsantrag, den wir da eingebracht haben –, dass wir das gemeinsam auf den Weg bringen. Die Frau Ministerin hat ja zu Recht am Abend nach dem Gesundheitsausschuss in der „ZIB 2“ bei Armin Wolf, als sie darauf hingewiesen hat, wie wichtig Prävention ist, gesagt, wie wichtig das Impfen ist. Wenn wir zusätzliche Impfmöglichkeiten in diesem Land hätten, dann würde uns das allen miteinander etwas bringen, würde es den Menschen etwas bringen und würde es das Gesundheitssystem deutlich verbessern. – Auch das ist konstruktive Oppositionsarbeit. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Wurm. Eingestellte Redezeit: 4 Minuten.

FPÖ Peter Wurm

Danke, Herr Präsident! Frau Minister! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Werte Zuseher! Bevor ich ins Thema Gesundheit einsteige, vielleicht ein kleiner Hinweis, der doch ein Bild dieser Regierung zeichnet: Wenn Sie links und rechts schauen ( auf die Regierungsbank weisend ), werden Sie feststellen, dass die Sessel, die wir bei der Angelobung hatten, wieder ausgetauscht wurden. Wir haben hier jetzt wieder 18 Sessel, und wir haben 21 Regierungsmitglieder. Ich glaube, das ist ein typisches Tarnen, Täuschen, Schwindeln. Keiner will auf den harten Sesseln sitzen …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist eine bahnbrechende Rede, Peter!

FPÖ Peter Wurm

… und jetzt haben wir wieder die weichen, bequemen – nur, offensichtlich hat diese Regierung nicht vor, mit 21 Regierungsmitgliedern hier im Hohen Haus aufzutauchen.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Die für die Gesundheit Zuständigen sind da!

FPÖ Peter Wurm

… Das ist eine Missachtung des Parlaments und ein kleiner Hinweis darauf, wie Sie agieren. Die zweite Geschichte: Wir hatten den ersten Gesundheitsausschuss …

NEOS von Künsberg Sarre (Zwischenruf)

Schau einmal, dass deine Leute da sind!

FPÖ Peter Wurm

… und der hat genau 2 Stunden gedauert. Ich bin jetzt schon lange Mitglied im Gesundheitsausschuss, üblicherweise dauert der 5, 6 Stunden, in Coronazeiten auch 8 Stunden. 2 Stunden, und das Ergebnis war …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Die Reihen bei euch sind auch sehr licht!

FPÖ Peter Wurm

… No na, wir machen einen Bericht, einen Arbeitskreis: Situation von Menschen mit Behinderungen im Gesundheitsbereich. Ich kann Ihnen jetzt schon sagen, was rauskommt: Das ist für Menschen mit Behinderungen genauso schlecht – oder noch schlechter – wie für alle Österreicher derzeit, weil das Gesundheitssystem kollabiert ist, wie alle wissen, die das Gesundheitssystem brauchen.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Danke, Hartinger-Klein! – Abg. Lindner [SPÖ]: Danke, FPÖ! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.

FPÖ Peter Wurm

… Das ist also bitte schön nicht der Speed, den ich mir von einer Regierung im Bereich Gesundheit und Pflege erwarte: 2 Stunden Ausschuss, und dann kommt nichts raus.

SPÖ Lindner (Zwischenruf)

Wo ist denn eure Patientenmilliarde?!

FPÖ Peter Wurm

… Wie lange wollt ihr warten, bis etwas passiert? (👏 FPÖ) Ich habe mir heute in der Früh auch Ex-Vizekanzler Kogler angehört: Sie haben überhaupt kein Bewusstsein für Selbstkritik, zu sagen: Okay, wir haben es versemmelt, wir haben kein Geld mehr, keine Ressourcen! Wir sind schuld! – Das hört man von euch vier nie. Ihr seid eine nette Einheitspartei, jetzt halt in neuer Konstellation. Eine Selbstanklage oder ein Eingeständnis des Versagens aber höre ich nicht , sehe ich nicht.

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Ah, die FPÖ hat Schuld, da hast du recht!

FPÖ Peter Wurm

… Ganz im Gegenteil: Alle sind schuld, die Russen sind schuld und ich weiß nicht wer, aber ihr selber seid nie am Kollaps des Gesundheitssystems schuld. (👏 FPÖ) ÖGK, Österreichische Gesundheitskasse, die wichtigste für die Österreicherinnen und Österreicher: 1,7 Milliarden Euro Verlust 2024/2025. Das heißt, wir sind pleite. Alles, was Sie da an netten Ideen haben: Ich weiß nicht, woher das Geld kommen soll. Jetzt müssen Sie noch einmal 6 Milliarden Euro neue Schulden, die Sie gefunden haben, irgendwo hereinbekommen. Wie wollen Sie also das Gesundheitssystem wirklich nachhaltig für die Österreicher verbessern? Da wäre ich neugierig. Ich hoffe, dass der nächste Gesundheitsausschuss 6 oder 8 Stunden dauert, mit konkreten Vorhaben der Regierung. Ich bin schon sehr gespannt. Wir werden auf alle Fälle nicht lockerlassen. Das, was man auch der Bevölkerung sagen sollte – und da muss man jetzt genau hinschauen und hinhören –: Offensichtlich wollen jetzt alle vier, SPÖ, NEOS, Grüne und ÖVP sowieso, digital, ah, ambulant vor stationär. ( Heiterkeit bei Abgeordneten der SPÖ. ) Diese Nummer 1450, die wir seit Coronazeiten kennen, soll die erste Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger in Österreich sein. Jetzt kann man das mögen, mit einem Chatbot zu telefonieren oder dort anzurufen, wenn das die Zukunft ist, aber man muss es nicht mögen. Sie haben das Gesundheitssystem in den letzten zehn, 15 Jahren derart ruiniert , dass wir uns alle offensichtlich darauf einstellen können ( Ruf bei der SPÖ: Marketinggag! ), bei gesundheitlichen Problemen zum Telefonhörer zu greifen oder ein E-Mail zu schreiben, anstatt eine anständige Versorgung zu erhalten, und das kann es bitte nicht sein. Wir haben es Ihnen schon seit vielen, vielen Jahren gesagt: Es wird halt nicht funktionieren, wenn Sie jedem auf der ganzen Welt eine E-Card in die Hand drücken, die die Österreicherinnen und Österreicher zahlen müssen, und die Gesundheitsversorgung für alle gratis ist, für Zuwanderer, Asylanten, Ukraineflüchtlinge. Alle bekommen alles gratis, aber keiner finanziert es mehr. Das heißt – die Conclusio ist relativ simpel –: Wir haben a) kein Geld und b), noch schlimmer, auch keine Ressourcen mehr im Gesundheitssystem. Jetzt können Sie die Augen vor beiden Problemstellungen verschließen, aber das wird das Problem für die Bürger nicht lösen. Wir werden mehr Geld brauchen. Wir werden Ressourcen einschränken müssen, und zwar für jene in Österreich, die das System auch über Jahre und Jahrzehnte erhalten. Das ist die Wahrheit, auch wenn es Ihnen wehtut. – Danke. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Nussbaum. Eingestellte Redezeit: 3 Minuten.

SPÖ Verena Nussbaum

Danke, Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Kollege Wurm, ich sage nur drei Stichwörter: Das eine Stichwort ist die Patientenmilliarde, die zu einem Marketinggag geworden ist – unter Hartinger-Klein als Bundesministerin für Gesundheit. Ich möchte nur darauf hinweisen: In der Steiermark gibt es, seitdem die FPÖ Landeshauptmannpartei ist, Einschränkungen, geschlossen ist die Akutambulanz Bruck, Einschränkungen gibt es in Voitsberg.

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Das sind Altlasten, Frau Kollegin! Altlasten!

SPÖ Verena Nussbaum

… Das heißt, wie das Gesundheitssystem jetzt dasteht, das hat, würde ich jetzt einmal sagen, sehr viel mit dem Einfluss der FPÖ (Abg. Wurm [FPÖ] – erheitert –: Ach ja, freilich!) in den letzten Jahren im Gesundheitsbereich zu tun gehabt. Bezeichnend ist auch, dass Sie lieber über Sessel als über Menschen mit Behinderungen reden, um die es in diesem Tagesordnungspunkt eigentlich geht. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich möchte zu Beginn wirklich betonen, dass ich sehr froh bin, dass Kollege Schallmeiner diese Initiative gestartet hat, um diesen Bericht bezüglich der Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen erstellen zu lassen, und dass wir das einstimmig beschlossen haben. Ich glaube, das ist wirklich ein wichtiger Schritt, um Grundlagen zu bekommen, um die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen sicherstellen und auch fairer gestalten zu können. Wir wissen, unser solidarisch finanziertes Gesundheitssystem ist weltweit sehr geschätzt und geachtet, trotzdem gibt es einige Schwachstellen und Probleme. Besonders viele Probleme treffen Menschen mit Behinderungen. Wir wissen – als Beispiel möchte ich einige anführen –, viele Gesundheitseinrichtungen, Arztpraxen sind nicht barrierefrei. Es gibt keine Rampe, es gibt keinen Zugang für Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen. Es gibt aber auch viele Probleme, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, zum Beispiel eine fehlende Barrierefreiheit auch bei der Terminvergabe, die oft nur telefonisch möglich ist. Da braucht man eine Unterstützung auf einem zweiten Kommunikationsweg, denn für gehörlose oder schwerhörige Menschen ist es sonst nicht möglich, selbstständig einen Termin zu vereinbaren. Wichtig ist aber auch: Das Gesundheitspersonal ist nicht im Umgang mit Menschen mit Behinderungen geschult. Es geht darum, dass man bei Behandlungen leichte Sprache verwendet, um die Behandlungen, die Diagnosen und so weiter gut darstellen zu können. Wir müssen dahin gehend die Gesundheitsversorgung nicht komplett neu denken, sondern es geht darum, dass wir sie so umgestalten, dass sie für alle sehr gut zugänglich ist. Ich möchte da noch einige Maßnahmen nennen, die bereits im Regierungsprogramm zu finden sind. Die Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, generell bauliche und digitale Barrierefreiheit voranzutreiben. Arztpraxen und Gesundheitseinrichtungen sollen so gestaltet werden, dass sie für alle Menschen zugänglich sind. Auch eine bessere Verfügbarkeit von Gebärdensprachdolmetschern in den Praxen und Gesundheitseinrichtungen soll eingeführt werden. Ich denke, die Bundesregierung und wir werden gemeinsam gute und wichtige Ziele setzen, um die Gesundheitsversorgung für alle Menschen, aber mit besonderem Fokus auf Menschen mit Behinderungen zu verbessern. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei den anderen Bereichssprecher:innen für Menschen mit Behinderungen bedanken. Wir haben bisher eigentlich immer sehr gut parlamentarisch zusammengefunden, und ich hoffe, dass dies, um Inklusion in Österreich fortzusetzen, auch in Zukunft möglich sein wird. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Diesner-Wais. Eingestellte Redezeit: 3 Minuten.

ÖVP Martina Diesner-Wais

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesminister! Frau Staatssekretärin! Meine Damen und Herren hier im Plenum, aber vor allem auch liebe Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Stellen Sie sich vor, Sie brauchen dringend ärztliche Hilfe, und Sie stehen vor der Ordinationstür, die zu schmal ist, sodass Sie mit dem Rollstuhl nicht hineinkommen! Oder stellen Sie sich vor, Sie haben Schmerzen, doch man versteht Sie einfach nicht und nimmt Sie nicht ernst! ( Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Wir reden heute über das Thema Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen. 1,9 Millionen Menschen in Österreich leben mit einer Einschränkung ihrer Aktivität im normalen Alltag, und 570 000 sind sogar stark eingeschränkt. Unser Gesundheitssystem hat eben viele Barrieren: Auf der einen Seite haben wir zu wenig barrierefreie Arztpraxen, auf der anderen Seite haben wir zu wenig Zeit für Untersuchungen, zu wenig Verständnis für alternative Kommunikationsformen und manche Beschwerden werden zu wenig ernst genommen. Menschen mit Behinderungen haben oft mehr gesundheitliche Probleme, und sie bekommen nicht die dafür notwendigen Behandlungen. Wenn ich ein Beispiel anführen darf: Menschen mit Spastik können oft ihren Mund nicht so lange offen halten, und daher ist es ein Problem, einen Zahnarzt zu finden, der ein Röntgen macht. Dieses Problem haben wir aber nicht nur in Österreich, sondern dieses Problem gibt es auch in anderen Ländern. Internationale Studien zeigen uns, dass Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen ein zehnmal höheres Risiko haben, chronisch krank zu werden, und dass die Lebenserwartung im Durchschnitt um 20 Jahre geringer ist. Eine bessere Versorgung ist möglich, und das zeigt ein Ambulatorium in Niederösterreich, in Sankt Pölten: das Ambulatorium Sonnenschein. Es bietet wirklich spezialisierte, barrierefreie medizinische Versorgung für Kinder mit Behinderungen, denn Barrierefreiheit bedeutet nicht nur eine Rampe oder einen Aufzug, sondern es heißt Verständnis, Sprechen in einer Sprache, die verstanden wird, Zeit im Gespräch und vor allem Respekt für die Behinderung und die Bedürfnisse der Patienten. Unser Gesundheitssystem inklusiver zu machen, ist, was wir brauchen und was wir wollen. Dafür brauchen wir Daten, und die gibt uns dieser Bericht, den wir im Ausschuss einstimmig – über alle Parteien – beschlossen haben und den es nun in Zukunft geben muss. Es ist ein erster Schritt zu mehr Barrierefreiheit, dahin gehend müssen natürlich noch mehrere folgen. Lassen Sie uns gemeinsam den Weg zu einer Gesundheitsversorgung gehen, die für alle da ist! (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christoph Steiner . Die Redezeit habe ich auf 4 Minuten eingestellt.

FPÖ Christoph Steiner

Danke, Herr Präsident. – Nur ganz kurz zu Kollegin Nussbaum – das sei schon noch gesagt –: Sie stellt sich hier heraus und sagt, seit Kunasek in der Steiermark Landeshauptmann ist, gibt es Spitalsschließungen – oder was Sie da dahergeredet haben. Also nur ganz kurz zur Auffrischung Ihrer sozialistischen Gedankengänge: Die Spitalsschließungen in der Steiermark sind schon unter ÖVP und SPÖ und …

SPÖ Moitzi (Zwischenruf)

Glauben Sie nicht die eigene Propaganda! – Zwischenruf des Abg. Della Rossa [SPÖ]

FPÖ Christoph Steiner

… zuhören, ich bin noch nicht fertig! – unter dem roten Landesrat für Gesundheit Dörflinger, der ja jetzt im Aufsichtsrat der KAGes sitzt …

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Nicht mehr!

FPÖ Christoph Steiner

… und die KAGes hat ja das Programm der Schließungen ausgearbeitet –, passiert. Das hat also einmal überhaupt nichts mit dem freiheitlichen Landeshauptmann in der Steiermark zu tun, das ist aufgrund der sozialistischen Politik der letzten Jahre in der Steiermark passiert.

SPÖ Moitzi (Zwischenruf)

Lesen Sie einmal nach!

FPÖ Christoph Steiner

… Ja, wenn ihr eure Eigenen verleugnet, kann ich auch nichts dafür, aber das waren eure Landesräte, die das in der Steiermark aufgeführt haben, wir baden es jetzt aus. Jetzt aber zum Antrag der Grünen für bessere Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen, Menschen mit Behinderungen in den Ambulanzen, in Spitälern, im niedergelassenen Bereich: Es sei schon gesagt, das sind Probleme, massive Probleme, aber die haben wir nicht seit heute oder seit gestern. Ich habe einen leisen Verdacht, Frau Minister und Frau Staatssekretär: Wir holen jetzt einen Bericht ein, was denn da die Probleme sind, aber angesichts des Budgets, das uns jetzt dann bald präsentiert wird, glaube ich, dass es bei dem Bericht bleiben wird. Hoffentlich wird dem nicht so sein. Ich will den Grünen schon noch eines sagen: Jetzt bringen Sie den Antrag ein, aber nach einem Gesundheitsminister Anschober, nach einem Gesundheitsminister Mückstein – der war ja sowieso Wahnsinn, wir erinnern uns zurück – und nach Gesundheitsminister Rauch …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Der war auch sehr gut!

FPÖ Christoph Steiner

… die uns das in den letzten fünf Jahren alles eingebrockt haben, ist es so, dass man mittlerweile viel länger auf Behandlungen – und ich rede nur von Wien, da haben wir ganz aktuelle Zahlen, von 2000 bis 2025 sind die Vergleichszeiträume – wartet: In Penzing wartet man auf eine Hüftoperation statt 80 Tagen jetzt 130 Tage. In der Klinik Landstraße wartet man auf eine Bandscheiben-OP statt 19 Tagen im Jahr 2020 jetzt 133 Tage. Am Standort Penzing wartet man auf einen Knieersatz statt 120 Tagen 200 Tage! …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Über was redest du denn eigentlich jetzt? – Abg. Kassegger [FPÖ]: Danke, Ludwig!

FPÖ Christoph Steiner

… Was ist in den letzten fünf Jahren passiert? – In den letzten fünf Jahren wurde Politik gemacht, die mitverursacht hat, dass unsere Patienten – und da reden wir nicht nur von Patienten mit Beeinträchtigung …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Das ist der falsche Textbaustein!

FPÖ Christoph Steiner

… sondern auch von Patienten, die keine Beeinträchtigungen haben – keine Termine, keine Operationstermine mehr kriegen. Das habt ihr als Gesundheitsministerpartei in diesem Land verursacht. (👏 FPÖ) Frau Kollegin Schumann, wir waren ja lange gemeinsam im Bundesrat …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Kompetenzverteilung soll der Bundesrat wissen?

FPÖ Christoph Steiner

… ich war ja der Obmann des Gesundheitsausschusses, und mir schwant Böses, denn von Ihnen ist in Sachen Gesundheit in den letzten Jahren nicht viel gekommen, außer der frenetischen Zustimmung und dem frenetischen Applaus Ihrerseits …

NEOS Shetty (Zwischenruf)

Man kann sich seine Kollegen nicht aussuchen!

FPÖ Christoph Steiner

… als Sie damals im Bundesrat mitgeholfen haben, die Impfpflicht einzuführen. Also, liebe Österreicher, es wird nicht besser mit dieser Frau Minister und auch nicht mit dieser Staatssekretärin. Es wird weit schlechter, denn wer frenetisch für eine Impfpflicht applaudiert hat, wird Österreich in den nächsten Jahren gesundheitspolitisch sicher nicht weiterbringen, sondern weiter in den Abgrund führen. Hoffentlich dauert es nicht allzu lang, bis Sie wieder weg sind! …

NEOS Oberhofer (Zwischenruf)

Dieser Zillertaler Charme! – Abg. Steiner [FPÖ] – auf dem Weg zu seinem Sitzplatz –: Charmeoffensive! – Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Die Rede war nicht durch Sachverstand getrübt!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Elisabeth Scheucher-Pichler . Die Redezeit habe ich auf 3 Minuten eingestellt.

ÖVP Elisabeth Scheucher-Pichler

Danke, Herr Präsident, für das Wort. Frau Bundesministerin! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Zuhörer:innen! ( Unruhe im Saal. – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Kommen wir wieder zurück zum Inhalt dieses Tagesordnungspunktes und zu einem konstruktiven Miteinander: Gesundheit ohne Barrieren, meine Damen und Herren, inklusive chancengleiche Versorgung von Menschen mit Behinderung, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Da gebe ich meiner Kollegin Bogner-Strauß recht, die das sehr gut ausgeführt hat. Wir haben da Defizite, nicht nur in Österreich, aber auch das soll kein Trost sein. Bei einer Fachkonferenz des Österreichischen Behindertenrates im Vorjahr wurde ganz klar festgestellt, dass Handlungsbedarf herrscht, dass wir barrierefreier und diskriminierungsfreier werden müssen und dass wir auch auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen noch konkreter eingehen und sie hören müssen. Medizinische Versorgung, medizinische Angebote, Informationsmaterialien, Onlineanmeldungen, Broschüren – alles in diesem Bereich muss so gestaltet sein, dass es Menschen mit Behinderungen gerecht wird. Daher ist es wichtig und sinnvoll, dass wir diesen Bericht erstellen und dass wir dazu hier auch einen einstimmigen Beschluss haben. Es wird aber auch wichtig sein, nicht nur die Analyse des Istzustands zu studieren, sondern dann auch möglichst rasch entsprechende Maßnahmen zu setzen und Schlüsse zu ziehen. Frau Bundesministerin und Frau Staatssekretärin, ich wünsche Ihnen für Ihre neuen Aufgaben alles Gute. Ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Ich war positiv gestimmt, weil wir diesen Antrag im Gesundheitsausschuss einstimmig beschlossen haben. Ich würde mir wünschen, dass wir das öfter schaffen und dass wir, gerade wenn es um Gesundheitsfragen, um Sozialthemen, um Menschen mit Behinderungen geht, zusammen an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten. Alles Gute Ihnen für Ihre Arbeit! (👏 ÖVP, NEOS) Ich sehe drei große Bereiche: Die physische Barrierefreiheit in Arztpraxen, in Krankenanstalten wurde ja schon angesprochen. Ich höre das in meiner Arbeit im Hilfswerk immer wieder: Wir brauchen da mehr rollstuhlgerechte Einrichtungen, spezielle Behandlungsräume; es gibt Probleme bei gynäkologischen Untersuchungen, in der Zahnmedizin. Ich höre in der letzten Zeit auch des Öfteren, dass zum Beispiel Assistenzhunde von Blinden und sehbeeinträchtigten Menschen zu Rehamaßnahmen, zu medizinischen Maßnahmen nicht mitgenommen werden können, und vieles, vieles mehr. Auch Röntgenuntersuchungen sind immer wieder ein Thema. Der zweite große Bereich: Wir müssen mehr im Bereich der Schulungen und der Sensibilisierung tun, da muss beim medizinischen Personal und vielleicht auch in der Ausbildung der Mediziner noch mehr hingeschaut werden. Der dritte Bereich ist die digitale Barrierefreiheit. Da bin ich nicht der Meinung des Kollegen Wurm, der die gesamte Digitalisierung und die technischen Möglichkeiten eher negativ beurteilt. Ich glaube, das ist ein wichtiger Bereich. Viele, viele Menschen mit Behinderung nützen diese digitalen und technischen Möglichkeiten und haben dadurch viele große Chancen, die es vorher nicht gab. Ich möchte ein besonderes Projekt nennen, ein barrierefreies, zukunftsorientiertes inklusives Musterprojekt: das Patientenportal Hallo Gesundheit der Vinzenz-Gruppe. Schauen Sie es sich an, es ist wirklich großartig! Das ist barrierefrei und das zeigt, dass digitale Barrierefreiheit Inklusion schafft. Und da gibt es viele weitere Chancen. So wurde kürzlich hier bei einer Auftaktveranstaltung zur großen internationalen Zero-Project-Konferenz – einige von Ihnen waren dabei – ein tolles Kommunikationsprojekt vorgestellt: ein Kommunikationsroboter, ein Avatar – man kann das auch in einem ORF-Bericht nachschauen –, der viele Möglichkeiten der Kommunikation und der Sprache bringt. Gerade für Menschen mit Behinderung wird das auch in der medizinischen Versorgung wichtig sein, wenn es um die Anamnese, um die Diagnosefindung geht. Auch da gibt es viele, viele Chancen. Wir müssen diese Chancen stärker nützen. Sie bringen Menschen mit Behinderung viele, viele Verbesserungen und Möglichkeiten. Wir müssen mehr Bewusstsein, mehr Sensibilisierung in diesem Bereich in der Gesellschaft insgesamt schaffen. Das ist es, was wir brauchen, um Inklusion selbstverständlich zu machen, und ich denke, das wünschen wir uns alle. Ich bedanke mich bei allen, die bereit sind, dazu einen Beitrag zu leisten. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Marie-Christine Giuliani-Sterrer . – Ich habe die Redezeit auf 4 Minuten eingestellt.

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

Sehr geehrte Anwesende! Herr Präsident! Vor allem: Liebe Zuschauer zu Hause, ich freue mich sehr, Ihnen auf diesem Weg wieder zu begegnen! Und herzlich willkommen an all die jungen Leute, die hier oben ganz genau beobachten, wie wir hier tun! Ich finde es sehr schön, dass der Bericht betreffend Behinderte Zustimmung gefunden hat. Das ist sehr erfreulich, denn ich denke, die Grundlage für eine gesunde Gesellschaft ist es, auf die Bedürfnisse aller einzugehen und diese zu berücksichtigen. Das Motto einer Gesellschaft, damit sie funktioniert, muss sein: Niemand wird zurückgelassen – no one’s left behind! – keiner, Menschen mit Behinderung nicht, absolut niemand. Das ist mein Motto. In unserem Gesundheitsausschuss gab es aber noch andere Themen, die genau das betroffen haben. Gesundheit ist ein Balanceakt, und man sollte immer versuchen, das Gleichgewicht zu halten, das nie aufzugeben, man sollte immer weiter daran arbeiten. Und ein Thema, das meiner Meinung nach im Gesundheitsausschuss angesprochen werden muss, ist das Thema Corona. Ich weiß, es ist für viele, die hier sitzen, ein absolutes Reizwort, aber es ist nicht vorbei, es ist für viele Menschen überhaupt nicht vorbei. Die gesundheitliche Situation nach Corona wäre also mein Thema, ich würde den Finger in diese Wunde legen. Ich möchte euch ersuchen, die RKI-Files zu lesen – die Robert-Koch-Institut-Files – und auch Notiz von den zahlreichen Erkenntnissen zu nehmen, die die Fehlentscheidungen, die getroffen wurden, heute wirklich breit belegen. Wenn ich die Namen Anschober und Mückstein höre, dann denke ich an die Zeit, in der ich selbst von draußen hereingeschaut habe. Ich saß vor dem Fernseher und habe mir die Nationalratssitzungen von daheim aus angesehen, und da habe ich erstmals verstanden, wie wichtig es ist, hier gut vertreten zu werden – vor allem in schwierigen Zeiten. Die Entscheidungen, die Sie damals getroffen haben, haben unser Leben draußen radikal verändert: Lockdowns, völlig verwirrende Maßnahmen; Vereinsamung ist dadurch entstanden, Trennung von Familien …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Ihr seid ... in einer Gemeinschaft!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Angst, Hysterie, Sterben alleine, ohne die Hand der Familie spüren zu dürfen – all das haben Sie verursacht; weiters Hass und Spaltung. (👏 FPÖ) Das sind die Konsequenzen Ihrer Entscheidungen gewesen. Viele gab es, die das längst gesehen haben, die gewarnt haben, die differenziert haben. Diese Menschen wurden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, man hat ihnen nicht zugehört. Die Ärzte wurden mit Disziplinarverfahren eingedeckt und ihre Existenzen zerstört.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Nein! – Ruf bei den Grünen: Zur Sache! – Abg. Michael Hammer [ÖVP]: Wurbel-Schwurbel!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Ich habe die Frage nach Corona und einer Aufarbeitung im Gesundheitsausschuss der Ministerin gestellt. Mit einem routiniert-freundlichen Gesicht hat sie die Frage nach einer Aufarbeitung abgeschmettert. Ich finde, das ist nicht genug.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... eine Erstrede ...!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Viele sind nach den Impfungen schwer erkrankt, sie haben alle möglichen Nebenwirkungen, angefangen von Fatigue Chronique über Thrombosen und Autoimmunerkrankungen. Sie liegen zu Hause und können sich nicht helfen. – Ich würde Sie, Frau Ministerin, bitten, in Zukunft keine Impfempfehlungen auszusprechen, denn dafür haben Sie keine Ausbildung! …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Doch!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Das sollten Sie Ärzten überlassen. (👏 FPÖ) Bis Ende 2023 wurden 2 251 Anträge nach dem Impfschadengesetz in Österreich gestellt.

ÖVP Bogner-Strauß (Zwischenruf)

Zur Sache!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Nur 340 wurden anerkannt. – Verdrängung ist ein Problem des Gehirns – lassen Sie mich ausreden, Sie werden es aushalten! – Danke. (👏 FPÖ) 340 Anträge wurden angenommen. Nur so wenige Menschen da draußen bekommen eine kleine Unterstützung aus dem Gesundheitssystem …

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Sie sind auch keine Ärztin! – weitere Zwischenrufe bei der SPÖ – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… und das ist ein Skandal. Viele Ärzte, die mit offenen Augen behandeln, sehen laufend die Probleme und führen sie auf die Impfungen zurück.

SPÖ Schroll (Zwischenruf)

Eine sehr schlechte Rede!

FPÖ Marie-Christine Giuliani-Sterrer

… Die Zahlen und Daten sind vorhanden, und sie werden nicht zur Überprüfung freigegeben – natürlich anonymisiert, das ist ja klar. Man braucht einen Zugang zu den anonymisierten Einzelfällen, den Daten aus dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen! Sie sind nicht zugänglich. – Wieso? Wir wollen doch für den nächsten Extremfall lernen. Wieso kann da von den Medizinern und Ärzten nicht gelernt werden? Sie wissen es wahrscheinlich nicht, aber das Diagnosemanual der Ärzte heißt ICD-10. Dort finden Sie seit Jänner 2021 von der WHO eingegeben die Diagnose „U12.9 Unerwünschte Nebenwirkungen bei der Anwendung von COVID-19-Impfstoffen, nicht näher bezeichnet“. – Das ist ein Fakt! Ich würde euch ersuchen, anzufangen, da aufzuarbeiten. Man kann nicht zur Tagesordnung übergehen, wenn da draußen so viele Menschen sind, die leiden. Ich habe mit Unzähligen Interviews gemacht. Sie haben Namen, Familien, sie hatten ein Leben, einen Beruf, sie hatten Wünsche – und jetzt haben sie teilweise gar nichts mehr. Hier drüben ( in Richtung FPÖ weisend ) saßen die, die die Reden gehalten haben, die ich vor fünf Jahren gehört habe, bei denen ich mir gedacht habe: Die haben es behirnt!, und ich bin sehr stolz darauf, heute hier stehen zu dürfen und Ihnen endlich das sagen zu dürfen, was ich mir seit fünf Jahren denke. Ich war zutiefst schockiert, und ich würde euch bitten, anzufangen, eure Arbeit zu machen! …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Wurbel-Schwurbel, Schwurbel!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Heike Eder .

ÖVP Heike Eder

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Frau Minister! Liebe Frau Staatssekretärin! Lieber Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! ( Unruhe im Saal. – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier im Plenarsaal – insbesondere die 7. Klasse des Gymnasiums in Gleisdorf! Herzlich willkommen! ( Allgemeiner Beifall. ) Liebe Zuseher daheim vor dem Bildschirm! Zurück zum Thema: Meine Damen und Herren, stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Arzt, und vor Ihnen sehen Sie eine hohe Empfangstheke! Als Rollstuhlfahrer können Sie weder den Empfang noch die Empfangskraft sehen; geschweige denn können Sie Ihre E-Card über den Tresen reichen. Genau das war meine Realität, als ich im Alter von 18 Jahren einen Skiunfall hatte und einige Jahre im Rollstuhl lebte. Meine Damen und Herren, genau das ist auch nach wie vor die Realität vieler Menschen mit Behinderung, die tagtäglich mit solchen Barrieren konfrontiert sind. Doch dieses Beispiel, das ich eben gebracht habe, zeigt nur einen Aspekt von Barrieren. Es geht nicht nur um physische Barrieren, die den Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdienstleistungen erschweren, es geht auch um strukturelle Herausforderungen, die viele Menschen mit Behinderungen im Gesundheitswesen erleben. Diese Barrieren werden oft nicht wahrgenommen und unterschätzt. Auch das ist ein Problem, denn ohne eine gute und genaue Bestandsaufnahme wissen wir nicht, wo die größten Barrieren sind, geschweige denn können wir diese Barrieren auch beseitigen. Lassen Sie mich aber jetzt nochmals zurück zu diesen Arztpraxen kommen: Die Empfangstheke, ja, sie mag vielleicht für viele als kleines Hindernis erscheinen, aber es hat große Auswirkungen auf das Gefühl, ernst genommen zu werden, auf die Kommunikation und auch auf die ganz praktischen Abläufe eines Arztbesuches, denn wer nicht gesehen wird, der fühlt sich auch nicht ernst genommen. Es geht also nicht nur um Rampen oder breite Türen, es geht auch um das, was uns als Gesellschaft auszeichnet. Es geht um Respekt, es geht um Chancengleichheit und es geht auch um Inklusion. Wenn wir heute diesen Tagesordnungspunkt zum Thema Menschen mit Behinderungen haben, dann ist es wichtig, dass wir zu diesem Tagesordnungspunkt auch sprechen. Und wenn ich mir dann die Kollegen der Freiheitlichen Partei, insbesondere Kollegen Kaniak, aber auch Steiner und meine Vorrednerin, die kaum ein Wort über Menschen mit Behinderungen sagen, ansehe, dann möchte ich sagen, dass auch das eine Form des Respekts gegenüber Menschen mit Behinderung ist. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Meine Damen und Herren, es geht in diesem Beschluss auch darum, dass niemand aufgrund seiner Beeinträchtigung schlechtergestellt wird oder Schwierigkeiten hat, Zugang zu den grundlegenden Dienstleistungen zu bekommen. Deshalb freue ich mich sehr über diesen einstimmigen Beschluss heute, der diesem Ziel ein Stück weit näher kommt. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Christian Ragger .

FPÖ Christian Ragger

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Lieber Herr Minister! Ich möchte ein bisschen breiter ausholen: Zunächst einmal bin ich dankbar, dass wir in dieser Gesetzgebungsperiode relativ schnell damit beginnen, Menschen mit Beeinträchtigung klar besserzustellen. Wir müssen aber auch wissen, was wir in der Lage sind, in diesem Regierungsprogramm bei Ihnen und auch in unseren Verhandlungen umzusetzen. Ich möchte da ein bisschen ausholen, denn ich sitze hier in der dritten Periode, war vorher Soziallandesrat, war zehn Jahre im Landesparlament, und ich höre immer wieder die gleiche Leier, wir treten immer am Stand. Deswegen bin ich heute sehr dankbar, dass auch der Herr Finanzminister da ist. Wir müssen uns vor Augen führen, was wir machen wollen. Wir wollen ein ehrliches Bekenntnis zu Menschen mit Behinderungen haben, darüber sind wir uns hier, glaube ich, einig. Auch die Ministerin wird das später in ihren anschließenden Worten sicherlich dementsprechend zum Ausdruck bringen. Faktum ist aber, dass wir heute einen massiven Rückstand bei der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans hinsichtlich Menschen mit Beeinträchtigung haben. Da müssen wir auch die einzelnen Ländervertreter heranziehen. Ich würde sie auch höflich ersuchen, dass sie endlich ihre Mitarbeit in dieser Republik einbringen, denn wenn die Volksanwaltschaft neun Bundesländer einlädt und dann nur vier Bundesländer kommen, weil sie es nicht wertschätzen, was Menschen mit Beeinträchtigung und die Volksanwaltschaft in ihrer Initiative zur Vereinheitlichung einer Behindertenpolitik umgesetzt haben wollen, dann wissen wir, wo wir Problemfelder in dieser Republik haben. Wir müssen auch so ehrlich sein, zu sagen, dass wir ja nur einen Teil dieses Bereiches betreffend Menschen mit Beeinträchtigung hier in diesem Haus regeln können. Nehmen Sie die Gelegenheit wahr – und ich möchte Sie nicht anleiten, sondern ich möchte mit Ihnen ein Stück des Weges gehen –, auch die Länder einzuladen und sie vielleicht zu einer 15a-B-VG-Vereinbarung zu bringen! Wenn das nicht möglich ist, dann müssen halt wir als Gesetzgeber hier einmal eingreifen, so wie wir es in der Mindestsicherung gemacht haben, und es vereinheitlichen. Wir haben in dieser Republik auch neun unterschiedliche Standards in der Behindertenpolitik, weil jedes Bundesland seine eigene Suppe kocht. Daher wird das vielleicht der erste Part sein, den Sie in Ihrer Sektion zur Umsetzung bringen müssen, und als Zweites auch ganz klar die Bekenntnisse, die sowohl die Sozialdemokratie als auch die ÖVP als auch wir in unseren Regierungsverhandlungen abgegeben haben – daran werde ich Sie messen, das fordere ich ein –, und das ist: Lohn statt Taschengeld. Das wird der erste Bereich sein. Dieser Teilbereich, den wir heute umsetzen, ist gut und recht, er ist längst überfällig. Dieser Bericht ist nichts anderes als die Feststellung des Status quo, den wir längst schon in jedem Bundesland und in dieser Republik wissen. Faktum ist aber, und das ist der zweite Teil: Wir brauchen auch für diese Umsetzung Geld. Da kann ich nur an Sie, Herr Finanzminister, appellieren: Für Menschen mit Behinderung muss Geld da sein! (👏 FPÖ) Wir waren uns mit der ÖVP einig, wir sind uns auch mit dem Behindertenbeirat einig, wir sind uns auch mit der SPÖ einig, daher braucht es einen Inklusionsfonds, über den wir diese Gelder auch zweckgewidmet einsetzen können. Daher appelliere ich, das auch bei den Verhandlungen jetzt schon zu berücksichtigen. Es muss nicht die erste Summe die große Summe sein, aber es muss ein Bekenntnis dieser Republik sein, damit wir das umsetzen. Daher darf ich folgenden Entschließungsantrag einbringen: Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Christian Ragger , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Einrichtung eines Inklusionsfonds“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesministerin für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz wird aufgefordert, einen Inklusionsfonds für mehr Teilhabe und -nahme von Menschen mit Behinderungen einzurichten, der folgenden Anforderungen entspricht: Der Inklusionsfonds soll ab dem Jahr 2025 mit mindestens 500 Millionen Euro jährlich ausgestattet sein. Der Inklusionsfonds soll eine unbürokratische und vereinfachte Handhabe für die Gewährung und direkte Auszahlung von finanziellen Mitteln bieten. Der Inklusionsfonds umfasst im Besonderen Leistungen der Persönlichen Assistenz im Bereich Schule und Beruf.“ Ich bitte Sie: Nehmen Sie uns mit! Wir sind bereit, hier diese Maßnahmen gemeinsam umzusetzen und mitzutragen. Daher würde ich mir erwarten, dass wir diesen Schritt gemeinsam für die Menschen mit Beeinträchtigung setzen. – Danke. (👏 FPÖ) 11.26 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/31.1 Einrichtung eines Inklusionsfonds (21/UEA) Präsident Peter Haubner : Danke. Der angesprochene Antrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit in Verhandlung. Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich die Frau Bundes- - ( Bundesministerin Schumann schüttelt den Kopf. ) – Entschuldigung. Herr Abgeordneter Mario Lindner , bitte, Sie gelangen vorher noch zu Wort.

SPÖ Mario Lindner

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Man kann die Ausführungen der Kollegen Wurm und Giuliani nicht unkommentiert lassen. Liebe Österreicherinnen und Österreicher, die Freiheitliche Partei Österreichs ist eine Gesundheitsgefährderin in diesem Land. (👏 SPÖ) Ihr habt in eurer Regierungsverantwortung das Gesundheitssystem zusammengeschossen. Wo war denn die Patientenmilliarde? …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Meine Güte! In eineinhalb Jahren! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: In eineinhalb Jahren!

SPÖ Mario Lindner

… Ja, die hat es eh gegeben, aber nicht im Plus, sondern im Minus. Ihr habt die Krankenkassen in diesem Land ruiniert! (👏 SPÖ) Ich erinnere daran: Wie schaut es denn mit Operationsterminen aus? Die Österreicherinnen und Österreicher warten in diesem Land darauf, weil ihr das Gesundheitssystem zusammengeschossen habt – Wartezeiten auf OP-Termine! …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie ist das in Wien?

SPÖ Mario Lindner

… Dann stellt ihr euch auch noch hierher und habt nicht einmal den Mumm, dass ihr euch bei den Tausenden Österreicherinnen und Österreichern, die jetzt im Gesundheitssystem das Nachsehen haben, entschuldigt. Schämt euch, ÖVP! (👏 ÖVP, FPÖ) – Schämt euch, FPÖ! ( Heiterkeit des Redners. ) Herr Klubobmann ( in Richtung Abg. Wöginger ), das nehme ich natürlich zurück. Schämt euch, FPÖ! ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Kollegin Giuliani stellt sich dann heraus und hetzt gegen Schutzimpfungen, die Hepatitis-A- und -B-Impfung oder zum Beispiel die Masernimpfung? Die Masern wären in Österreich ausgerottet gewesen, wenn man da noch viel mehr investiert hätte! Ihr hetzt gegen die HPV-Impfung oder gegen die Grippeimpfung – liebe FPÖ, schämt euch! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesministerin Korinna Schumann . – Bitte, Frau Ministerin.

Gesetzliches Budgetprovisorium 2025 und Bundesfinanzrahmengesetz 2024 bis 2027

46 d.B. · Antrag vonÖVPSPÖNEOS · Initiativantrag 123/AVon Abgeordneten direkt eingebrachter Gesetzesantrag ohne Regierungsbeteiligung.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Das Gesetzliche Budgetprovisorium 2025 wird geändert, um die Vollziehung des Bundesfinanzgesetzes 2024 während der Provisoriumsphase an die Kompetenzverschiebungen der Bundesministeriengesetz-Novelle 2025 anzupassen. Zudem wird das Bundesfinanzrahmengesetz 2024 bis 2027 entsprechend geändert.

Betroffen sind die Zuständigkeiten und Budgetzuordnungen der Bundesministerien sowie die betroffenen Budgetkapitel im Bundeshaushalt 2024/2025 und im Finanzrahmen 2024–2027.

Dokumente

Gesetzliches Budgetprovisorium 2025 und Bundesfinanzrahmengesetz 2024 bis 2027

Gegenstand des Berichts

  • Behandlung eines Initiativantrags betreffend ein Bundesgesetz, mit dem (1) das Gesetzliche Budgetprovisorium 2025 (Bundesgesetz über eine vorläufige Vorsorge für das Finanzjahr 2025) sowie (2) das Bundesfinanzrahmengesetz 2024 bis 2027 geändert werden.

Begründung und Ziel der Änderungen

  • Auslöser sind Kompetenzverschiebungen durch die Bundesministeriengesetz-Novelle 2025, die Anpassungen in budgetrechtlichen Grundlagen erforderlich machen.
  • Ziel ist die budgetrechtliche Klarstellung und Anpassung der Vollziehung an die geänderte Ressortzuständigkeit.

Artikel 1: Änderungen zum Gesetzlichen Budgetprovisorium 2025 / Vollzug des Bundesfinanzgesetzes 2024

  • Die Bundesministeriengesetz-Novelle 2025 macht Anpassungen des Bundesfinanzgesetzes 2024 notwendig, weil dieses während der Geltung des Gesetzlichen Budgetprovisoriums 2025 zu vollziehen ist.
  • Durch einen neu eingefügten § 1a wird klargestellt, dass der Vollzug des Bundesfinanzgesetzes 2024 während des Budgetprovisoriums 2025 entsprechend den Kompetenzverschiebungen zu erfolgen hat.

Artikel 2: Änderungen zum Bundesfinanzrahmengesetz 2024 bis 2027

  • Auch im Bundesfinanzrahmengesetz 2024 bis 2027 sind aufgrund der Kompetenzverschiebungen der Bundesministeriengesetz-Novelle 2025 Änderungen erforderlich.
  • Die Anpassungen dienen der Abbildung der geänderten Zuständigkeiten im Finanzrahmen 2024–2027.

Ergebnis der Ausschussberatung (inhaltlich)

  • Der Ausschuss empfiehlt, dem angeschlossenen Gesetzentwurf die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen.

Gesetzliches Budgetprovisorium 2025 und Bundesfinanzrahmengesetz 2024 bis 2027

~43 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOS Dagegen: FPÖGRÜNE
FPÖ Hubert Fuchs

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Finanzminister! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Diese Bundesregierung hat die österreichische Bevölkerung bereits mit der Präsentation des Regierungsprogramms am 27. Februar getäuscht und hinters Licht geführt. Ich darf aus dem Regierungsprogramm zitieren: „Uns eint jedenfalls das Ziel, ein Defizitverfahren zu verhindern.“ – Nur drei Wochen später sind Sie, Frau Staatssekretärin, ausgerückt und haben gemeint, ein EU-Defizitverfahren wäre eh nicht so schlimm und tragisch, und Sie, Herr Finanzminister, haben ein Defizitverfahren ohnehin nie als problematisch gesehen – Sie vertreten wenigstens eine konstante und geradlinige Meinung. Der rote Vizekanzler sieht in der Debatte überhaupt nur eine hypothetische Diskussion und findet Ihre Aussagen, Herr Finanzminister, sympathisch. Da kann man eigentlich nur mehr den Kopf schütteln. (👏 FPÖ) Was ist ein Regierungsprogramm wert, wenn es bereits drei Wochen nach der Unterschrift in einer seiner zentralsten Aussagen gebrochen wird? – Nichts. Ehrlicherweise hätten Sie ins Regierungsprogramm schreiben müssen: ÖVP, SPÖ und NEOS eint jedenfalls das Ziel, ein EU-Defizitverfahren nicht zu verhindern. – Das wäre die Wahrheit gewesen. Das Verbreiten von Budgetunwahrheiten hat aber bereits unter dem damaligen Finanzminister Brunner begonnen. Wir erinnern uns: Nur vier Tage nach der Nationalratswahl hat der damalige Finanzminister die echten und dramatischen Budgetzahlen auf den Tisch gelegt, die vorher den Wählern bewusst verschwiegen wurden. Bereits damals wäre es eigentlich die Aufgabe des amtierenden ÖVP-Finanzministers gewesen, alles erdenklich Mögliche zu tun, um ein EU-Defizitverfahren abzuwenden. Schwarz-Grün hat aber den Kopf in den Sand gesteckt und auf eine Erholung der Wirtschaft gehofft, die nicht eingetreten ist, was aber bereits damals absehbar war. Als besonders skandalös empfinde ich, dass ÖVP, SPÖ und NEOS in der ersten Regierungsverhandlungsperiode Ende 2024/Anfang 2025 keine Sekunde daran gearbeitet haben, ein EU-Defizitverfahren abzuwenden. Nur durch die tatkräftige Unterstützung und das entschlossene Einschreiten der FPÖ konnte im Jänner 2025 vorerst ein EU-Defizitverfahren abgewendet werden. (👏 FPÖ) Wir Freiheitliche haben aber die Arbeit mit der einstweiligen Abwendung des EU-Defizitverfahrens nicht eingestellt. Das heißt, wir haben nicht aufgehört, zu arbeiten, als wir die 6,39 Milliarden Euro gefunden haben. Wir haben uns mit der ÖVP weiter besprochen und an der Budgetsanierung gearbeitet, und zwar aus folgendem Grund: Es war bereits damals, im Jänner, absehbar, dass die Wirtschaft sich nicht verbessern wird. Und, Herr Finanzminister, wenn jetzt jeder so überrascht tut, als ob die Wirtschaftsprognosen schlechter wären, als wir das damals gewusst haben, dann ist das einfach die Unwahrheit: Bereits im Jänner wussten wir, dass sich die Wirtschaftsprognosen massiv verschlechtern werden, und daher sind wir auch mit Gust Wöginger, der jetzt nicht da ist, weiter zusammengesessen, weil wir damals gewusst haben: Die 6,39 Milliarden Euro werden nicht reichen. Und was habt ihr gemacht? – Ihr habt überhaupt nichts gemacht! Ihr habt euch mit der 6,39-Milliarden-Liste, die wir gemeinsam mit der ÖVP ausgearbeitet haben, zufriedengegeben. Wir haben auch aus dem Grund an dieser Liste gearbeitet, weil wir wussten: Wenn wir nicht weitere Einsparungen treffen, dann werden wir die Wahlversprechen, die wir beide vor der Nationalratswahl gemacht haben, nicht einlösen können. Das heißt, wir haben gearbeitet, ihr habt die Hände in den Schoß gelegt; und das nicht nur damals, sondern auch in der zweiten Regierungsverhandlungsperiode. Die Bundesregierung hat sich selbst bereits budgetär aufgegeben und die Budgethoheit der Republik auf dem EU-Altar in Brüssel geopfert. Die Bundesregierung verteilt mittlerweile nur mehr Beruhigungspillen an die Bevölkerung und verharmlost das EU-Defizitverfahren. Im Ausschuss haben wir gehört, es haben eh acht andere Mitgliedstaaten auch ein EU-Defizitverfahren. – Ja eh, aber wollen wir uns an diesen orientieren? Wir nicht! Im Gegensatz zu Schwarz-Rot-Pink und auch Grün wollen wir Freiheitliche keine Besachwalterung durch Brüssel. In Wirklichkeit hat sich weder die schwarz-grüne Vorgängerregierung noch die aktuelle Bundesregierung jemals ernsthaft um eine Budgetsanierung gekümmert. Es wurde viel Zeit mit Nichtstun verplempert; wertvolle Zeit, die uns jetzt bei der Budgetsanierung fehlt. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Kai Jan Krainer .

SPÖ Kai Jan Krainer

Danke, Herr Präsident! Zunächst einmal zur Sache: Wir beschließen hier das gesetzliche Budgetprovisorium, das im Wesentlichen die veränderte Ministeriumszuständigkeit regelt. Es wandern circa 1 Milliarde Euro und etwas weniger als 1 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von einem Ressort ins andere. Viel mehr passiert da ja nicht. Ich muss aber hier trotzdem einen gesamtändernden Abänderungsantrag der Abgeordneten Hanger, Krainer, Doppelbauer, Kolleginnen und Kollegen einbringen, der genau das detailliert auflistet. An diesem Punkt auch vielen Dank an alle Fraktionen hier im Haus im Budgetausschuss, auch für die Geduld, dass diese Materialien unter diesem Zeitdruck, unter dem wir stehen, vorgestern und gestern übermittelt wurden, und vor allem auch vielen Dank an den Budgetdienst, der uns gestern noch eine Aufbereitung übermittelt hat, damit wir als Abgeordnete auch von einer regierungsunabhängigen Stelle Zahlen, Daten und Fakten haben. Ich denke, man kann dem problemlos zustimmen, weil da ja weder mehr noch weniger Personal beschlossen wird, sondern nur eine Verschiebung stattfindet, damit die Regierung arbeitsfähig bleibt, was die Zuständigkeit der neuen Ressorts betrifft. Zur Frage, die Kollege Fuchs hier aufgeworfen hat, nämlich: Wie ist das jetzt mit dem Budgetdefizit und so weiter? Der Startpunkt für diese neue Bundesregierung ist ja einfach die Frage, wie hoch das Defizit letztes Jahr war, und dieses Defizit hat sich eigentlich von Monat zu Monat verändert, zumindest was die offiziellen Zahlen betrifft. Wir haben hier zum Beispiel im Jänner eine Debatte geführt, als ich gesagt habe, es wird wohl über 4 Prozent liegen; der damalige Finanzminister war der Meinung, es wird bei 3,5 Prozent liegen. – Nächsten Montag werden wir es wissen, weil am Montag die Statistik Austria die offiziellen Zahlen zum Defizit letztes Jahr auf den Punkt legt.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Da geht’s ja um keine genaue Zahl, Herr Kollege!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Da geht es darum: Das ist die Startlinie, von der aus diese Regierung beginnt.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Da geht’s um eine Richtung!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Ja, die Richtung ist relativ einfach: Das Defizit wurde von Monat zu Monat schlechter, und damit wurden die Zahlen immer schlechter.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Und Sie glauben noch immer, dass ... verbessern kann, oder?

SPÖ Kai Jan Krainer

… Ich gehe davon aus - - …

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Die verbessern sich nächste Woche?!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Nein, die verbessern sich überhaupt nicht …

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Aber Sie warten, bis Sie konkrete Zahlen haben!

SPÖ Kai Jan Krainer

… aber das ist ja ein Blick zurück, was mit 31. Dezember letzten Jahres das Defizit war.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Das wissen wir seit Jänner!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Da gab es diese Bundesregierung nicht, da waren Sie auch noch gar nicht in Verhandlungen.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Sie wollten einen Kassasturz, Herr Kollege! Warum wollten Sie einen Kassasturz?

SPÖ Kai Jan Krainer

… Sie haben selber auf Basis der damaligen Zahlen ein 6,4-Milliarden-Euro-Paket beschlossen. Das haben wir nicht eins zu eins übernommen, nein, wir haben eine soziale Handschrift dort reingebracht. Die hat nämlich gefehlt, solange Sie das verhandelt haben! …

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Warum wollten Sie einen Kassasturz? – Abg. Kaniak [FPÖ]: Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge der Pensionisten, ist das auch eine soziale Handschrift? – Abg. Fuchs [FPÖ]: Pensionisten werden geschröpft, Herr Krainer, von Ihnen! So sozial sind Sie!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Wir haben dafür gesorgt, dass Banken, Energiekonzerne, Stiftungen et cetera genauso einen Beitrag leisten. Das war Ihnen egal; uns war es wichtig, dass es eine soziale Handschrift bei dieser Budgetkonsolidierung gibt. (👏 SPÖ) Aber das weiß Österreich eh: Wenn man eine soziale Handschrift will, dann kann man sich nicht auf die Freiheitlichen verlassen …

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Ja, und deswegen kürzt ihr die Pensionen!

SPÖ Kai Jan Krainer

… dafür braucht es in diesem Land noch immer die Sozialdemokratie, dafür stehen wir, und dafür genieren wir uns auch nicht. (👏 SPÖ) So. Das Defizit wird wahrscheinlich über 4 Prozent liegen. Das bedeutet aber, um heuer unter 3 Prozent zu bleiben, müssten wir nicht diese 6,4, sondern, man weiß es nicht, 10, 11, 12, 13 Milliarden Euro einsparen. Alle Wirtschaftsforscher dieses Landes sagen: keine gute Idee, weil wir damit die Wirtschaft zerstören und noch schlechter machen und damit automatisch auch wieder das Defizit vergrößern. Diesen Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Budget kann ich Ihnen gerne einmal am Gang erklären …

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Herr Krainer, das wussten wir im Jänner!

SPÖ Kai Jan Krainer

… und auch diese Spirale, dass man sich da immer tiefer in die Krise reinspart. Nein, alle Wirtschaftsforscher sagen: Tut es bitte nicht! Am Montag werden die Zahlen vorliegen …

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Das war im Jänner bekannt, nicht nächste Woche!

SPÖ Kai Jan Krainer

… da wird man wissen, was die Startlinie ist. Dann wissen wir, wie hoch uns das Wasser steht. Es wird deutlich über dem Kopf sein. Die Frage wird sein: Fehlt uns ein halber Meter zur Luft oder ein Meter oder zwei Meter? In diesem Bereich wird das wohl liegen. Dann werden wir wissen, was für einen Weg wir einschlagen, um erstens einmal das Budget dorthin zu bringen, wo es war, bevor Sie in die Regierung gekommen sind, 2017, nämlich ein strukturell ausgeglichener Haushalt; denn Sie haben ja bereits aufgehört, gegenzufinanzieren.

FPÖ Fuchs (Zwischenruf)

Stimmt ja nicht!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Das wissen Sie selber, dass Sie Milliarden ausgegeben haben und nie gegenfinanziert hatten.

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

Wird nicht richtiger, wenn man immer wieder das Falsche sagt!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Das Zweite, was wir machen werden, ist, zu schauen, dass wir die Wirtschaft zum Laufen bringen, dass wir sie nicht abwürgen. Das ist ein genauso wichtiger Punkt. Der dritte Bereich, der auch wesentlich ist, ist, dass wir auch Spielräume haben, um in Österreich die Systeme besser zu machen, um das Bildungssystem fitter zu machen, das Gesundheitssystem fitter zu machen.

FPÖ Brückl (Zwischenruf)

Ihr sperrt Schulen zu! Der Minister ...!

SPÖ Kai Jan Krainer

… Gerade vorhin, bei der Gesundheitsdebatte, haben Sie selber ja gesagt, wir müssen das Gesundheitssystem für Behinderte besser machen. Ja, dafür wird es auch Geld brauchen, und das wird die Aufgabe dieser Bundesregierung sein: das Budget zu sanieren, die Wirtschaft zum Laufen zu bringen und Geld zu haben, um Österreich besser zu machen. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) 11.50 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/37.1 Gesetzliches Budgetprovisorium 2025 und Bundesfinanzrahmengesetz 2024 bis 2027 (AA-9) Präsident Peter Haubner : Ich gebe bekannt, dass der soeben in seinen Kernpunkten erläuterte Abänderungsantrag auch schriftlich überreicht wurde und ausreichend unterstützt ist. Er wurde verteilt und steht somit mit in Verhandlung. Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Kollege Hubert Fuchs gemeldet. – Sie kennen die Bedingungen.

FPÖ Hubert Fuchs

Vielen Dank, Herr Präsident! Abgeordneter Krainer hat gemeint, dass wir nichts gegenfinanziert haben. – Das ist falsch. Richtig ist, dass wir im Jahr 2018 einen ausgeglichenen Budgethaushalt hatten, dass wir 2019 einen Überschuss von rund 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet haben, dass die Finanzschulden während unserer Regierungszeit gesunken sind.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Was?

FPÖ Hubert Fuchs

… Wenn man Eigenkapital hat, Herr Kollege, dann braucht man nicht gegenzufinanzieren.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Das ist halt falsch!

FPÖ Hubert Fuchs

… Ich werde Ihnen am Gang einmal erklären, was der Unterschied zwischen Eigenkapital und Fremdkapital ist.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Ich glaub’, das ist nicht so kompliziert!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Alma Zadić . Ich habe ihre Redezeit auf 4 Minuten eingestellt. – Bitte, Frau Abgeordnete.

GRÜNE Alma Zadić

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Wir diskutieren hier das Budgetprovisorium, das an die neue Aufteilung nach dem Bundesministeriengesetz angepasst werden soll. Wir haben schon öfter darüber diskutiert, dass die Regierungsbank bei Vollbesetzung eigentlich recht gedrängt ist – sogar neue Bestuhlung hat es ja gebraucht. Da frage ich mich schon, ob es wirklich notwendig war, bereits existierende Zuständigkeiten, die eigentlich inhärent zusammengehören, zu zerschlagen, auseinanderzureißen. Und warum? – Nicht zur Steigerung der Effizienz, sondern um Einzelinteressen, Parteiinteressen zu bedienen. Denken wir beispielsweise an das ehemalige Klimaschutzministerium, das die neue Regierung auseinandergerissen hat. ( Ruf bei der ÖVP: Geh! ) Was bisher mit Leonore Gewessler eine Frau gemacht hat, machen jetzt drei Männer.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Sauber! – Ruf bei der ÖVP: Na ja! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP. – Abg. Kogler [Grüne]: Reißt euch zusammen! – Abg. Kassegger [FPÖ]: Vielleicht machen sie es billiger! Die hat eh so viel verbraucht wie drei Männer! So ein Kabinett!

GRÜNE Alma Zadić

… Genau so weit, wie diese drei Minister auf der Regierungsbank voneinander entfernt sitzen, liegen auch ihre Schwerpunkte auseinander.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Geht auch günstiger als die Frau Gewessler!

GRÜNE Alma Zadić

… Ich zähle sie einmal auf: Die Energieagenden wandern ins Wirtschaftsministerium …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sehr gescheit!

GRÜNE Alma Zadić

… das uns früher immer wieder in die Abhängigkeit von russischem Gas getrieben hat. Es ist zu befürchten, dass das so weitergeht. Umwelt- und Klimaschutz werden im Landwirtschaftsministerium …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist auch gescheit, ja!

GRÜNE Alma Zadić

… wieder lästige Anhängsel werden. ( Ruf bei der ÖVP: Manche waren in Abhängigkeit vom Pilz! ) Und anstatt die Mobilität als Schlüssel für den Klimaschutz zu sehen – was auch mit dem Klimaticket gelungen ist –, steuert das Verkehrsministerium mit Vollgas zurück ins Betonzeitalter. Verkehrsminister Peter Hanke klammert sich weiter am Lobautunnel fest …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das kommt eh am Nachmittag nochmals!

GRÜNE Alma Zadić

… und will ernsthaft dieses Projekt prüfen. Die Wissenschaft, Herr Minister – er ist leider nicht anwesend –, hat längst eine Absage erteilt , weil es um ein Naturjuwel geht. Es geht um ein Naturjuwel, das durch den Lobautunnel für immer zerstört würde. Was gibt es da zu prüfen, Herr Minister? (👏) Der eigentliche Umweltminister Totschnig will dieses fossile Projekt aus dem letzten Jahrtausend nicht verhindern.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sehr vernünftig!

GRÜNE Alma Zadić

… Man sieht, die Volkspartei und die Sozialdemokraten sind sich einig, wenn es um die Natur geht. Unseren Kindern soll auch das letzte Fleckchen unberührter Natur genommen werden. Auf der einen Seite zerschlägt die neue Regierung ein Ministerium und macht mehrere dafür zuständig. Auf der anderen Seite führt sie ein neues Staatssekretariat für Deregulierung ein. Mehr Verwaltung für weniger Bürokratie. Wie soll diese Rechnung aufgehen? (👏) Der Aufgabenbereich des neuen Staatssekretärs, der ausgerechnet im Außenministerium sitzt, umfasst Angelegenheiten der Deregulierung und Entbürokratisierung, soweit sie nicht den Wirkungsbereich anderer Ministerien betreffen. ( Heiterkeit bei den Grünen. ) Ich bin gespannt, was genau denn der eigene Wirkungsbereich sein soll.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

New York! Kulturinstitut in New York! – Weitere Zwischenrufe der Abgeordneten Lukas Hammer [Grüne] und Disoski [Grüne].

GRÜNE Alma Zadić

… Aber: Es soll ja jährlich einen Bericht dazu geben, und ich bin gespannt, ob dieser tatsächlich zur Vereinfachung in der Verwaltung führt. Das ist schon etwas Gutes; ob es aber tatsächlich zu einer Vereinfachung der Verwaltung kommt, bleibt abzuwarten. ( Ruf bei der ÖVP: Gespannt wie ein Gummiringerl! ) Eines kann wohl niemand in diesem Land nachvollziehen, und da komme ich zum dritten Kritikpunkt: Nach 159 Tagen langwieriger Verhandlungen wurde die Bundesregierung im März endlich angelobt – und erst im April tritt das Bundesministeriengesetz in Kraft. Einen ganzen Monat lang hatten einzelne Minister:innen gar kein Aufgabengebiet und konnten so ihrer Arbeit eigentlich nicht ordentlich nachgehen. In Zeiten wie diesen erwarten sich die Menschen zu Recht, dass die Regierung für sie arbeitet und keine Zeit vergeudet. In diesem Sinne appelliere ich noch einmal an die Bundesregierung: Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und arbeiten Sie für die Zukunft unserer Kinder! – Vielen Dank. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Andreas Hanger . – Bitte sehr, Herr Abgeordneter.

ÖVP Andreas Hanger

Danke, Herr Präsident! Herr Finanzminister! Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Vor allem natürlich auch liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte einleitend noch einmal ganz kurz den Abänderungsantrag erläutern, der zur Beschlussfassung vorliegt: Ganz prinzipiell ist es so, dass wir immer am Ende eines Jahres das Budget für das Folgejahr beschließen, inklusive des Bundesfinanzrahmens. Aufgrund der Nationalratswahl kam es nicht zu dieser Beschlussfassung; wir hatten ein automatisches Budgetprovisorium. Dieses automatische Budgetprovisorium wurde in der letzten Sitzung des Nationalrates in ein gesetzliches Budgetprovisorium übergeleitet. Das liefert die Grundlage dafür, dass wir die finanzielle Stabilität der Republik sicherstellen können. Jetzt gibt es ein neues Bundesministeriengesetz, und daher ist es ganz einfach notwendig, die neuen Zuständigkeiten in diesem neuen gesetzlichen Budgetprovisorium abzubilden. Das ist etwas sehr Technisches, und ich bin durchaus der Meinung, da kann man zustimmen. Ich möchte auch wirklich danken ( an die Regierungsbank gerichtet ), es wurde mit Hochdruck gearbeitet, weil das viele, viele Detailfragen sind, die zu klären sind, in Abstimmung mit den jeweiligen Ministerien. Kollege Krainer hat es schon gesagt; auch ich möchte mich ausdrücklich beim Budgetdienst bedanken. Die Abänderung ist sehr spät gekommen; auch da ersuche ich noch einmal um Verständnis, weil der Budgetdienst in kürzester Zeit, auch für uns alle hier im Haus, noch einmal eine Analyse durchgeführt hat. In dieser Kürze ist das sehr beachtlich – und das verdient durchaus einen Applaus. Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS) Zur Debatte betreffend Budgetdefizit ein paar Klarstellungen aus meiner Sicht: Zuallererst ist dieser Konsolidierungsbedarf seit Monaten bekannt. Alle, die sich mit dem Zahlenmaterial der Republik auseinandersetzen, die die Vollzugsberichte lesen, die lesen, wie die Wirtschaftsentwicklung ist, haben gesehen, dass es Konsolidierungsbedarf gibt. Wieso gibt es Konsolidierungsbedarf? – Zuallererst ist zu nennen, dass wir leider derzeit im dritten Jahr in einer Rezession sind. Wir haben kein Wirtschaftswachstum. Da komme ich schon auf einen ganz wichtigen Punkt zu sprechen. Ich glaube, die zentrale Aufgabenstellung, vor der wir stehen, ist diese: konsolidieren – ja, wir bekennen uns dazu, gar keine Frage. Wir haben aber sehr sorgsam damit umzugehen, weil wir natürlich unsere Wirtschaft stimulieren müssen. Wir brauchen dringend Wirtschaftswachstum. Das hat Auswirkungen auf die Steuereinnahmen, auf den Arbeitsmarkt. Diesen Spagat – ich darf das einmal salopp so nennen – müssen wir schaffen. Wir dürfen nicht nur konsolidieren, sondern wir müssen auch entsprechende Wachstumsimpulse setzen. Der zweite Punkt – dieser ist mir auch sehr wichtig; das wird immer auch ein bisschen übersehen –: Wir haben eine stark steigende Sparquote in der Republik. Im Jahr 2024 wurden 7 Milliarden Euro mehr gespart. Ein kleines Gedankenexperiment: Wenn diese 7 Milliarden Euro in Investitionen oder in den Konsum geflossen wären, hätten wir 1,4 Milliarden Euro mehr Mehrwertsteuer. Da rede ich noch gar nicht von anderen Effekten. Das heißt, auch ein ganz wichtiger Aspekt ist dieser: Wenn wir vorwärtskommen wollen – und das ist ein Appell an alle Parteien, die hier im Parlament sitzen –, dann brauchen wir Mut, Zuversicht und Optimismus (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS); denn ein Unternehmer wird nur dann investieren, wenn er auch an die Zukunft glaubt. Es wird dann konsumiert werden, wenn eine gute Stimmung im Land ist. Das ist, glaube ich, unser gemeinsamer Auftrag, an dem wir arbeiten müssen. Ein dritter Punkt, der mir mindestens so wichtig ist – das wird immer ein bisschen verwechselt –: Ja, wir diskutieren natürlich den Konsolidierungsbedarf auf Bundesebene, aber für die Fiskalregeln, die wir einhalten wollen – übrigens gibt es dazu ein ganz klares Bekenntnis; egal ob es jetzt ein ÜD-Verfahren gibt oder nicht, wollen wir uns natürlich an die 3 Prozent Maastrichtdefizit halten –, sind alle Gebietskörperschaften in der Verantwortung. Wir im Bund: ja. Übrigens richte ich bei der Gelegenheit schon auch einen Dank an die FPÖ aus: Diese 6,4 Milliarden Euro wurden ganz wesentlich von euch mitgestaltet! Das muss man auch einmal sagen. Ich finde es schon wichtig, zu den Dingen zu stehen, die man mitverhandelt hat. Kollege Schiefer hat zum Beispiel gesagt, er bringe sich bei konstruktiven Vorschlägen dazu, wie wir einen weiteren Konsolidierungsbedarf darstellen können, jederzeit gerne ein. Es gibt aber natürlich auch einen Konsolidierungsbedarf auf Länderebene. Ich möchte daran erinnern: Im Rahmen des neuen Finanzausgleichs geben wir den Ländern 3,4 Milliarden Euro pro Jahr mehr. Wir sehen aber – die genauen Zahlen werden wir dann am Montag wissen –: Auch die Länder haben Konsolidierungsbedarf und auch die Sozialversicherungsträger haben Konsolidierungsbedarf. Das heißt, das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Ich darf mit einem politischen Appell schließen: Da sind zum Beispiel auch die freiheitlichen Mitglieder der Landesregierungen gefordert, da ist die Steiermark gefordert. Wir hören aus der Steiermark zum Beispiel – ja, Montag werden wir es wissen –: deutliche Defizite. Auch da braucht es Anstrengungen, daher möchte ich einen Appell an Sie richten: Wir müssen den Gesamtstaat finanziell in Ordnung bringen. Das ist eine Aufgabe hier im Parlament, das ist eine Aufgabe aller politischen Parteien in den Landesregierungen, das ist eine Aufgabe des Gemeindebundes. Mit dieser gemeinsamen Kraftanstrengung werden wir es schaffen: einerseits zu konsolidieren, aber auch in die Zukunft zu investieren. Das ist enorm wichtig. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Maximilian Linder .

FPÖ Maximilian Linder

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Frau Staatssekretärin! Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Kollege Hanger, ja, der Konsolidierungsbedarf ist bekannt. Die Zahlen sind bekannt. Einzig und allein ihr von der Regierung habt euch bis heute noch keine Gedanken dazu gemacht, wie man über diese 6,3 Milliarden Euro hinaus weitere Maßnahmen setzt.

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Hast du nicht aufgepasst?

FPÖ Maximilian Linder

… Du stellst dich her und sagst „im dritten Jahr“ der „Rezession“: Wer hat das verschuldet? – Andere EU-Länder sind wesentlich besser dran. Einzig und allein ihr seid schon seit 37, 38 Jahren in der Regierung, und ihr habt es nicht geschafft, Gegenmaßnahmen zu setzen; andere Länder in der EU haben das sehr wohl geschafft. Noch eines: Kollege Krainer und du, ihr stellt euch heraus und bedankt euch vollmundig für die Geduld betreffend die Anträge. Da habe ich schon das Anliegen, den Bürgern und den Zuhörern einmal zu sagen, wie ihr mit Oppositionsparteien umspringt und wie ernst ihr die Arbeit mit den anderen Parteien hier im Parlament nehmt.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Ihr nehmt euch ja selber nicht ernst!

FPÖ Maximilian Linder

… Ein Antrag sollte ausformuliert sein, wenn er in die Ausschusssitzung kommt. Wenn die Einladung zur Ausschusssitzung ausgesendet wird, sollte ein fertiger Antrag mit allen Themen, die darin sind, vorliegen. Wenn das nicht gelingt, versuchen die Regierungsparteien, Platzhalter – sogenannte Trägerraketen – zu formulieren, um diesen Punkt einfach freizuhalten. Allerdings ist es wichtig, dass ein fertiger Antrag vorliegt, wenn die Ausschusssitzung kommt. In der letzten Zeit, in der letzten Regierungsperiode hat es sich leider eingebürgert, dass die Regierungsparteien immer öfter erst ein paar Stunden vor der Ausschusssitzung oder – noch schlimmer – wirklich erst im letzten Augenblick vor der Plenarsitzung, vor der Nationalratssitzung den Abänderungsantrag eingebracht haben. Die Oppositionsparteien haben keine Chance, sich darauf vorzubereiten, sich wirklich einzulesen. Sie haben es jetzt gerade erlebt: Erst vor ein paar Minuten wurde der Antrag hier eingebracht, und uns bleibt eigentlich fast keine Zeit, uns darauf vorzubereiten. In der letzten Regierungsperiode hat man immer den Grünen die Schuld gegeben und gesagt: Na ja, die Grünen blockieren, die Grünen unterschreiben nicht! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Schuld sind immer die Grünen! Das ist ja logisch!

FPÖ Maximilian Linder

… In der jetzigen Periode geht das aber ganz gleich weiter. Die Grünen sind nicht mehr in der Regierung, und es zeigt sich immer mehr, dass die ÖVP die Partei ist, die die Abgeordnetenrechte der Opposition mit Füßen tritt und im letzten Augenblick, in den letzten Minuten Anträge vorlegt. Was den aktuellen Ausschuss betrifft – das ist schon das Schöne –: Geplant war die Ausschusssitzung für Donnerstag, den 20. März. Dann hat man gesagt: Na, die Sitzung kann nicht stattfinden, weil der Antrag noch nicht fertig ist, wir verschieben sie auf Montag, den 24. März! Da hat Abgeordneter Hanger dann auf einmal im Ausschuss gesagt: Na ja, es ist sich nicht ausgegangen, wir haben keinen fertigen Antrag! Liebe Kollegen, ich glaube, dass wir vom Budgetausschuss kein Feitelverein sind, der aus ganz Österreich eingeladen wird, um dann vom Abgeordneten Hanger im Ausschuss mit treuherzigem Blick zu hören: Na ja, Rot und NEOS haben zwar schon unterschrieben, aber wir müssen noch eine Qualitätskontrolle vornehmen, wir können euch nichts vorlegen! – Liebe Kollegen, so geht man mit Oppositionsparteien nicht um. Deshalb ist es ganz wichtig, dass das in Zukunft nicht mehr der Fall ist.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Dann hättet ihr in die Regierung gehen müssen! – Ruf bei der ÖVP: Ihr hattet die Möglichkeit, zu regieren! Das habt ihr verbockt!

FPÖ Maximilian Linder

… Mir ist es dabei ganz wichtig, zu sagen: Gegen diese Maßnahmen haben sich SPÖ und NEOS in der Vergangenheit massivst beschwert, immer wieder, und liebe Kollegen von den Roten und von den NEOS, binnen kürzester Zeit seid ihr ein Teil dieses Systems. Ihr tragt das mit, ihr macht das mit. Habt ihr vergessen, wie man mit Oppositionsparteien umgesprungen ist? …

ÖVP Lindinger (Zwischenruf)

Die übernehmen halt auch Verantwortung! Das habt ihr nicht geschafft!

FPÖ Maximilian Linder

… Die Verliererampel von ÖVP, SPÖ und NEOS hat die größte, wirklich die größte, Regierung aller Zeiten – 21 Minister und Staatssekretäre –, und ihr schafft es nicht, fristgerecht Anträge vorzulegen. Das ist peinlich, wirklich peinlich! …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Ja, aber du kennst schon den Unterschied zwischen Regierung und Parlament?

FPÖ Maximilian Linder

… Und genauso wenig, wie ihr willens seid, fristgerecht Anträge vorzulegen, fristgerecht die Opposition zu informieren, genauso wenig seid ihr willens, Maßnahmen zu setzen …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das ist aber wurscht, ihr stimmt sowieso nie zu!

FPÖ Maximilian Linder

… Strukturreformen in der Republik Österreich zu setzen, damit dieses Budgetloch zu flicken ist oder auch der Wirtschaft Perspektiven für die Zukunft gegeben werden. Ihr wollt nicht verändern. Für euch gibt es nur eines: weiter wie bisher.

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Einen Versuch wär’s wert!

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Karin Doppelbauer . – Bitte, Frau Abgeordnete.

NEOS Karin Doppelbauer

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Ich möchte nur ganz kurz auf Kollegen Linder und auch auf Herrn Kollegen Fuchs eingehen: Ich möchte daran erinnern, dass das schon ein bisschen wie eine Kindesweglegung ist, was ihr da betreibt. Ihr habt in der letzten Legislaturperiode bei 72 Milliarden Euro Ausgaben mitgestimmt. Wir haben uns das durchgerechnet. (👏 ÖVP, NEOS) Im Vergleich: NEOS waren bei 20 Milliarden Euro. Das also bitte auch beachten, wenn man sich da sozusagen einsetzt. Ich wollte auch noch erwähnen: Wer hat’s erfunden – das Programm, das nach Brüssel gekommen ist? Also uns ist es schon auch ein wenig bekannt vorgekommen, was wir da in diesen Zeilen gelesen haben, denn wir haben ja auch nicht ganz umsonst vorher mitverhandelt. Das wollte ich auch nur noch einmal kurz anmerken. (👏 NEOS) Und dann vielleicht noch etwas: Zum Thema Deregulierung ist doch ein bisschen Häme von den Grünen gekommen, und das wundert mich ein bisschen. Ja, da gibt es diesen Zusatz, das ist aber ein üblicher Zusatz, der bei jedem Ministerium dabeisteht; das war auch in der Vergangenheit schon so. Und ganz ehrlich: Let Sepp cook! – Ja, lassen wir ihn einmal probieren! Wir sind die Ersten, die das probieren und tun, und das möchte ich auch hier einmal anmerken und durchaus auch respektiert wissen, denn die Grünen haben sich in der letzten Legislaturperiode nicht um Deregulierung gekümmert.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wer weiß, ob das so gescheit ist!

NEOS Karin Doppelbauer

… Aber es stimmt schon; ich meine, ich habe als Budgetsprecherin auch immer darauf hingewiesen – und zwar seit 2017 –, dass diese Republik viel zu viel Geld ausgibt und das Geld nicht immer zielgerichtet ausgibt. Jetzt haben wir als Ergebnis eine verheerende budgetäre Lage – und ja, wir sind jetzt in der Bundesregierung, ja, wir werden das gemeinsam mit den Kollegen von ÖVP und SPÖ angehen und die Dinge, die wir versprochen haben, sehr, sehr ernsthaft und sehr, sehr seriös durcharbeiten. Ich bin überzeugt, dass es sein muss, und ich möchte mich aber auch – da verstehe ich Kollegen Linder – für das entschuldigen, was im Budgetausschuss passiert ist. Ja, wir müssen da in bessere Prozesse kommen und wir brauchen ein ruhigeres Fahrwasser, damit die Opposition natürlich auch die Gelegenheit hat, solche Anträge zu prüfen. Wir werden uns das vornehmen und ich werde gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen ganz massiv darauf achten. – Jetzt haben wir das auch besprochen. Ich bin da bei Ihnen. Zur Sache – weil es nämlich um das gesetzliche Budgetprovisorium geht –: Es geht in Wahrheit nur darum, dass wir die Änderungen der Ministerien und der Aufgabenstruktur anpassen. Das ist ein ganz üblicher Vorgang, das werden wir machen. Da hoffen wir auch, dass wir viel Unterstützung bekommen, und dann wird ja im Juni das neue Budget diskutiert werden, da werden dann sowieso die großen Brocken auf uns zukommen. Und parallel zu diesem nationalen Budgetprozess gibt es ja auch den Fiskalstrukturplan, der gerade erarbeitet wird. Weil ich heute auch schon mehrmals gehört habe, wir hätten keine Reformen und wir kürzen nur: Das Gegenteil ist der Fall, und ich möchte noch einmal erwähnen, welche großen Reformen wir uns vorgenommen haben, die tatsächlich Einsparungen und Effizienzen bringen werden. Da geht es im ersten Bereich darum, das Förderwesen zu redimensionieren und die Effizienzen zu heben. Es geht darum, das faktische Pensionsalter anzuheben und mit einem eigenen Paket auch wirklich weitere Verbesserungen auf dem Beschäftigungsmarkt der Älteren zu haben. Wir werden im Gesundheitswesen sehr viel effizienter werden, wir werden uns da alle Bereiche gemeinsam anschauen. Wir werden in der Verwaltung große Konsolidierungsbeiträge in allen Ministerien fordern und diese auch gemeinsam umsetzen. Wird es reichen? – Das wissen wir alle jetzt noch nicht. Tatsächlich ist es die Aufgabe der Europäischen Kommission, das zu entscheiden, und es wird auf der EU-rechtlichen Grundlage entschieden werden, ob es reicht oder ob es nicht reicht. Was wir tun, ist, das Maximum herauszuholen und jeden Cent, den wir ausgeben werden, dreimal umzudrehen. Darauf können wir uns definitiv verständigen, und Sie können sich dabei auf uns verlassen. (👏 SPÖ, NEOS) Ich möchte auch noch einmal betonen, dass ich das wichtig finde. Ich finde, die Vorgaben der Europäischen Union sind richtig und wichtig, weil wir in einem geeinten Europa darauf achten müssen, dass alle solidarisch einen sauberen und einen wirklich guten Haushalt führen. Es geht nicht darum, eine sorglose Haushaltsführung zu unterstützen. Das gehört – aus zwei Gründen – angeschaut. Der eine Grund ist, dass es wirklich die Europäische Union schwächt. Eine sorglose Haushaltsführung von einzelnen Mitgliedstaaten schwächt die Union, und das wollen wir nicht. (👏 NEOS) Der zweite Punkt, der genauso wichtig ist: Wir wollen natürlich nicht auf Kosten unserer Kinder leben, und deswegen haben wir das auch aufzuräumen und zu tun. Ein ganz, ganz wichtiger Punkt, den Kollege Hanger schon angesprochen hat: Das eine ist der Bund und die Frage, wie der Bund mit dem Vermögen und mit den Haushaltsregeln umgeht, das andere aber sind die Länder, die Gemeinden und die Sozialversicherungen. Ganz ehrlich, ich finde es wirklich lächerlich, dass uns Abgeordneten und dem Finanzminister von den Ländern keine aktuellen Zahlen vorliegen. Das ist ehrlich gesagt im Jahr 2025 wirklich nicht zu akzeptieren, wir brauchen da ganz, ganz schnell eine Lösung. Es gibt ja im Rahmen des Stabilitätspaktes die Möglichkeit, das nachzuverhandeln, und ich glaube, wir sollten uns alle dafür einsetzen, dass wir zeitnahe auch die richtigen Daten von Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern bekommen …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das sag’ ich auch schon seit ein paar Jahren!

NEOS Karin Doppelbauer

… um da auch besser agieren und planen zu können. (👏 NEOS) Ja, wir wissen, wir sind in einer unglaublich verzwickten Lage. Es ist nicht leicht, es wird nicht leichter werden, aber: Geht nicht, gibt’s nicht – und somit werden wir es angehen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich Herr Bundesminister Markus Marterbauer . – Bitte, Herr Bundesminister.

FPÖ Michael Oberlechner

Danke, Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Vizekanzler und Wohnbauminister Babler hat angekündigt, den Wohnbau ohne Belastung des ohnehin maroden Budgets mit 1,1 Milliarden Euro zu unterstützen. Ich frage Sie, Herr Finanzminister: Wie soll das ohne zusätzliche Belastung abgehen? Ich frage Sie: Wie soll das gehen, dass am Ende des Tages nicht wiederum die Menschen draufzahlen? …

ÖVP Hanger (Zwischenruf)

Zur Sache!

FPÖ Michael Oberlechner

… Bereits in der letzten Sitzung haben wir über die sogenannte Mietpreisbremse abgestimmt, aber diese, da werden Sie (in Richtung Vizekanzler Babler) mir vielleicht zustimmen, ist nichts anderes als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die SPÖ und vor allem der Vizekanzler haben sich als Helden der Mieter abgefeiert; aber nein, werte Genossinnen und Genossen der SPÖ, die Mieten sinken durch dieses Mietpreisbremserl nicht. Was das betrifft, haben Sie in den Medien Fake News verbreitet. Vielleicht wären ein bisschen mehr wohnrechtliche Fachliteratur und ein bisschen weniger Lenin oder Marx angebracht. (👏 FPÖ) Denn was bedeutet diese Mietpreisbremse denn tatsächlich? …

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Habt ihr den Applaus einstudiert? – Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP.

FPÖ Michael Oberlechner

… Gut, oder? …

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Sehr aufgesetzt!

FPÖ Michael Oberlechner

… Sie bedeutet, dass die Mieten auf historischem Höchstniveau eingefroren werden und dass im Bereich der freien Miete nichts passiert. Sie bedeutet, dass Wiener Wohnen mit seinen 220 000 Gemeindewohnungen der große Gewinner der Mietenexplosion der letzten Jahre bleibt. Vizekanzler und Minister für Wohnen Andreas Babler hat den größten Futtertrog des roten Wiens erfolgreich verteidigt, während alle Gebühren, die die Mieter stemmen müssen, ständig erhöht werden. Es wird weiter „Animal Farm“ gespielt. Die Mieter zahlen die Zeche und der Gemeindebau verfällt trotzdem.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Was reden Sie? ... in Wien beim Gemeindebau steigt ja die Miete schon seit über einem Jahr nicht!

FPÖ Michael Oberlechner

… Ich weiß, Herr Kollege, Sie hören es nicht gern, aber wenn die Stadt Wien pleite geht, dann betrifft das das Budget. – …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

... falsch!

FPÖ Michael Oberlechner

… Ja, Sie hören es nicht gerne.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Es ist nur falsch, was Sie sagen! – Abg. Steiner [FPÖ]: Es ist die erste Rede! Es ist die erste Rede! – Ruf bei der SPÖ: Es ist ein Schwachsinn! – Abg. Krainer [SPÖ]: Es ist realitätsbefreit! – Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen.

FPÖ Michael Oberlechner

… Wir Freiheitliche haben eine Lösung. Wir fordern ein Senken der Gemeindebaumieten im ausfinanzierten Bereich auf das Niveau von Genossenschaftswohnungen. Das würde im Schnitt nämlich ein Drittel Mietzinssenkung bringen, und das wäre eine echte Entlastung für die Menschen. Wenn jetzt Wiener Wohnen mit dem Budget der Stadt Wien, das genauso kaputt und marod ist wie Ihr Budget im Bund, sehr geehrter Herr Finanzminister, die Anlagen endlich total saniert – und seien wir ehrlich, da sind de facto drei Viertel sanierungsbedürftig, wie auch der Rechnungshof nachweist –, dann könnte für 30 Jahre wieder die ursprüngliche Miete eingehoben werden. Das wäre soziale Wohnpolitik, das wäre ein Konjunkturimpuls, und genau da machen Sie leider nicht mit. (Abg. Michael Hammer [ÖVP] – in Richtung FPÖ –: Applaus! – Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP. ) Sie sichern lieber schwarzen Zinshausbesitzern ihre Gewinne. Sie degradieren sich selbst zu billigen Jakobs schwarzer Klientelpolitik und lassen die Menschen im Regen stehen, und das langfristig! (👏 FPÖ) Ihre Bemühungen im Bereich Wohnen zeigen sich wie folgt: schwarze Hausherrenmentalität gepaart mit roter Inkompetenz und einem rosaroten neoliberalen Guss darüber.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Übers Impfen musst du ...! – Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP.

FPÖ Michael Oberlechner

… Ihr Mietenstopp schützt gut die Hälfte der Mieter innerhalb des mietrechtlichen Vollanwendungsbereiches nämlich nicht verlässlich vor Steigerungen des Mietzinses. Nur unter erheblicher Rechtsunsicherheit und mit immensen Prozesskosten wäre das für die Betroffenen vielleicht zu erreichen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Prozesskosten ...!

FPÖ Michael Oberlechner

… Wie sollen sich das die Menschen in diesem Land, die ohnehin unter Ihrer hausgemachten Teuerung leiden, denn leisten können, meine sehr geehrten Damen und Herren? …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Zugabe!

FPÖ Michael Oberlechner

… Wir brauchen eine erste Reparatur des 4. Mietrechtlichen Inflationslinderungsgesetzes, nämlich im Sinne des leistbaren Wohnens und im Sinne der Rechtssicherheit für Mieter und Vermieter. Daher bringe ich folgenden Antrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Michael Oberlechner , MA, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Mietpreisbremse wie versprochen umsetzen!“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat umgehend eine Regierungsvorlage zuzuleiten, um die ‚Mietpreisbremse‘ im versprochenen Umfang umzusetzen und das Aussetzen der Richtwerterhöhung einheitlich zu behandeln.“ Abschließend lassen Sie mich sagen: Ihre erste Maßnahme im Bereich Wohnen ist nicht der große Wurf, wie sie es so gerne feiern, sondern sie ist nichts anderes als ein Anbiederungsversuch an das rote Wien und Ihren Genossen Bürgermeister Ludwig. Aber ich sage Ihnen, am 27. April werden Sie die Rechnung bei der Wienwahl präsentiert bekommen, wenn Dominik Nepp dafür sorgen wird, dass der sozialistische Wohnbau wieder ein sozialer Wohnbau wird! …

ÖVP Höfinger (Zwischenruf)

Ah, die Werbeeinschaltung!

FPÖ Michael Oberlechner

… 12.23 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/44.1 Mietpreisbremse wie versprochen umsetzen! (22/UEA) Präsident Peter Haubner : Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Julia Herr zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Herr Oberlechner hat soeben behauptet, dass der Mietpreisdeckel keine Wirkung entfalten wird. Ich darf tatsächlich berichtigen – er hat auch das Beispiel Gemeindebau angesprochen –: Es wird beispielsweise in Wien, aber auch überall sonst, im Gemeindebau heuer die Miete um null Euro steigen. Im Übrigen ist sie auch letztes Jahr um null Euro gestiegen. Das sind die Tatsachen. – Vielen Dank.

FPÖ Stefan (Zwischenruf)

Hat er ja gesagt!

PräsidiumPeter Haubner

Der von Kollegen Oberlechner eingebrachte Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht und steht somit mit in Verhandlung. Als Nächste ist Frau Abgeordnete Barbara Teiber zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Abgeordnete.

SPÖ Barbara Teiber

Vielen Dank, Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geschätzter Minister! Frau Staatssekretärin! Liebe Zuseher, liebe Zuseherinnen! Zuerst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich da reingerufen habe – es war Ihre Erstrede, Herr Abgeordneter Oberlechner –, aber, Julia Herr hat es gesagt, man ist wirklich fassungslos. Man kann ja nachlesen, was Sie als FPÖ mit der ÖVP paktiert hätten. Und dann stellen Sie sich hierher? Wir haben es geschafft, die Mieter und Mieterinnen zu entlasten. Sie hätten nichts zusammengebracht! (👏 SPÖ) Der Vergleich macht sicher, kann ich nur sagen. Als Opposition Kritik zu üben, ist schön und gut, aber das lässt einen wirklich fassungslos zurück, denn Sie hätten nichts zusammengebracht und kritisieren uns, die wir das erste Mal für Mieter und Mieterinnen, gerade im Gemeindebau, gerade im sozialen Wohnbau, etwas weiterbringen! Wirklich, so geht es nicht! (👏 SPÖ) Aber zur Sache, zum vorliegenden Budgetprovisorium: Wir vollziehen ja hier die Änderungen im Bundesministeriengesetz quasi auch auf budgetärer Ebene. Wir legen fest, dass die Mitglieder der Bundesregierung für ihre Häuser jenes Budget vorfinden, das den Kompetenzverschiebungen entspricht. Zur Kompetenzverschiebung darf ich sagen, dass es mich als Gewerkschafterin wirklich besonders freut, dass jetzt die Arbeitsagenden wieder dort angesiedelt sind, wo sie hingehören, nämlich im Sozialministerium. Da Abgeordnete Zadić, die ja der Vorgängerregierung angehört hat, die neuen Agenden beziehungsweise die Kompetenzverschiebungen kritisiert hat, möchte ich sagen: Frau Kollegin Zadić, das ist schon auch in Ihrer Regierungsperiode passiert, dass nämlich der Wirtschaftsminister zum Arbeitsminister gemacht wurde. Rausgekommen sind dabei beispielsweise Angriffe auf Teilzeitbeschäftigte. Da wurde von einer Bestrafung von Teilzeitbeschäftigten gesprochen, und aus meiner Sicht haben sich das die Teilzeitbeschäftigten nicht verdient. Auch in meiner Familie gibt es Teilzeitbeschäftigte, die im Supermarkt arbeiten, die seit Jahren aufstocken wollen, denen das aber nicht möglich ist. Darum geht es jetzt unter der neuen Regierung auch darum, zu schauen, wie man ein Mehr-Arbeiten ermöglichen kann. Da gibt es viele Vorschläge, und das ist jetzt das neue Programm, auch im Sozialministerium, im Arbeitsministerium, und das ist gut so. (👏 SPÖ) An diesem Beispiel beziehungsweise an diesen unterschiedlichen Zugängen zu Dingen sieht man, dass es eben einen Interessengegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gibt, bei aller Abhängigkeit voneinander. Da hat man aus den Ereignissen in der Zwischenkriegszeit gelernt, dass es einen Ausgleich des Interessengegensatzes braucht. Diesen sehen wir in Form der Sozialpartnerschaft als gegeben, aber auch dadurch, dass die Agenden Wirtschaft und Arbeit – Gott sei Dank – wieder getrennt wurden. Ganz besonders freut es mich, dass dafür Korinna Schumann zuständig ist, eine wirklich gestandene Gewerkschafterin, die bisherige Vizepräsidentin des ÖGB, die weiß, wo der Schuh drückt. Ein weiteres aktuelles Thema, das anzugehen ist, ist der Ausstieg von Lieferando aus dem Kollektivvertrag für Essenszusteller. Da, denke ich, ist es ganz wichtig, dass wir im neuen Regierungsprogramm vereinbart haben, dass es jetzt möglich sein soll/muss, dass Kollektivverträge auch für arbeitnehmerähnliche Personen zur Anwendung kommen. (👏 SPÖ) Und ein Letztes: Unser neuer Finanzminister hat erwähnt, wie wichtig es in dieser schwierigen Zeit, im dritten Jahr der schlechten Konjunktur, ist, nicht nur zu sparen, sondern auch zu investieren, nämlich in Offensivmaßnahmen. Ich möchte noch einmal das Mehr an Geld für das AMS für die aktive Arbeitsmarktpolitik herausstreichen: 230 Millionen Euro mehr – auch das hätten Sie nicht zusammengebracht. Das ist gerade jetzt, in einer Zeit steigender Arbeitslosigkeit, in der wir mit Insolvenzen konfrontiert sind, besonders wichtig, um Perspektiven zu geben. Diese Investitionen in den Arbeitsmarkt sind immens wichtig. Es sind auch Investitionen in die Wirtschaft, in die zukünftige Leistungsfähigkeit und Produktivität unserer Wirtschaft. Darum ist es wichtig, dass das Thema Arbeit für diese neue Regierung wirklich zentral ist. Das ist gut so, für die Krisenbewältigung und für uns alle! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumPeter Haubner

Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abgeordnete Nina Tomaselli zu Wort gemeldet. – Sie kennen die Bestimmungen.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Ich stehe hier zu einer tatsächlichen Berichtigung. Kollegin Teiber meinte gerade, diese Bundesregierung macht zum ersten Mal etwas für die Mieter:innen. – Ich berichtige tatsächlich – Sie haben da wohl nicht so gut aufgepasst in der letzten Legislaturperiode –: Es gibt bereits eine Mietpreisbremse, die Sie nachgeschärft haben, es gibt ein milliardenschweres Wohnbaupaket und, nicht zu vergessen, endlich, endlich wurde die Abschaffung der unfairen Maklerprovision beschlossen. Das alles ist ganz im Sinne der Mieter:innen passiert. – Danke. (👏)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Gabriel Obernosterer .

ÖVP Gabriel Obernosterer

Danke vielmals, Herr Präsident! Herr Finanzminister! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen und liebe Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Bevor ich zu Tagesordnungspunkt 3 ein paar Worte zu sagen habe, darf ich die Gemeindevertretung aus Dorfbeuern mit Bürgermeister Hinterhauser recht herzlich begrüßen. Ein recht herzliches Grüßgott, schön, dass ihr auch da seid! ( Allgemeiner Beifall. ) Um noch einmal auf den Punkt zu kommen: Worum geht es bei diesem Tagesordnungspunkt 3, bei dem, was wir jetzt beschließen? – Es geht um das Budgetprovisorium. Es geht jetzt im Grunde genommen darum, das Gesetz dafür zu schaffen, dass diese Regierung sich den Schwerpunkt setzt, dass da alles normal weiterläuft, so, wie es im Budget 2024 gewesen ist, dass es keinen Finanzierungsengpass gibt, dass es keine Probleme gibt und dass Sie, Herr Finanzminister, mit der Staatssekretärin und natürlich mit der gesamten Regierung einfach in die Zukunft arbeiten und dieses Budget in eine gute Richtung bringen können. Wir haben ja gehört, dass es ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist. Ich muss ich aber auch dazusagen, Österreich ist keine Insel der Seligen. Schauen wir nach Europa: Wenn ihr heute in der Früh die Zeitung aufgeschlagen habt, dann habt ihr auch gelesen, dass die anderen Staaten rund um Österreich herum im Grunde genommen mit dem Gleichen zu kämpfen haben. Wir brauchen uns das, was ist, nicht schönzureden. Eines muss man auch sagen, wenn man glaubt, dass Österreich jetzt ein armes Land geworden ist: Bitte schön, habt ein bisschen mehr Zuversicht! Wir wissen wirklich, wo wir daheim sind. Wir haben eine Verschuldung von 83 Prozent des BIPs, das wissen wir. Wenn man zum Vergleich alle EU-Länder anschaut: Die liegen bei 88 Prozent, das ist auch nicht schön. Die Deutschen sind ein bisschen weiter herunten. Schaut euch aber unsere Infrastruktur an, in die in Österreich investiert worden ist …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Richtig!

ÖVP Gabriel Obernosterer

… und schaut euch die Infrastruktur in Deutschland draußen an! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Bravo!

ÖVP Gabriel Obernosterer

… Das sind Fakten. Der Finanzminister, die Staatssekretärin und die anderen Ministerien sind sich – wie wir alle – wirklich der Lage bewusst, der wir uns stellen müssen: Es muss einfach gespart werden! Oft haben die Leute gesagt, wir haben zu viel Geld ausgegeben. – Ja, vielleicht haben wir zu viel ausgegeben, ja, sicher haben wir zu viel ausgegeben, sonst würden wir jetzt nicht dort stehen, wo wir stehen. Das ist aber nicht irgendwo beim Fenster hinausgeschmissen worden, sondern es ist an die Bevölkerung hinausgegangen. Wo kommen denn die 8 Milliarden Euro oder zumindest 7 Milliarden Euro her, um die im letzten Jahr im Privatbereich mehr gespart worden ist? Jetzt müssen wir halt wie gesagt schauen, dass wir selber im Staat das wieder enger machen und den Leuten Zuversicht geben. Wir können stolz sein, in Österreich zu sein. Es geht uns nicht so schlecht, wie gejammert wird. Die Zuversicht entscheidet, ob das Glas halb leer oder halb voll ist, ihr wisst das genau. Es geht im Grunde genommen darum, dass wir das Geld wieder auf den Markt hinausbringen. Ich glaube, darum geht es. Sie ( in Richtung Bundesminister Marterbauer ) werden am 13. Mai – ein bekannter Tag: Maria Theresia wurde an einem 13. Mai geboren, nur damit wir das auch wissen; es gibt ein paar Abgeordnete, die auch an einem 13. Mai geboren wurden – Ihre Budgetrede halten, dann werden wir hören, wo die Reise hingeht. Zu dem, was da gesagt worden ist: Diese Regierung, Herr Kollege Linder, lehnt sich nicht zurück – weil Sie davon geredet haben –, da wird Tag und Nacht gearbeitet. Ich habe volles Verständnis dafür, dass die Opposition – das sage ich dazu – das nicht alles gutheißt. Ich will das nicht alles aufzählen. Wir haben miteinander das Paket mit den 6,3 Milliarden Euro unterschrieben und nach Brüssel geschickt. Es tut mir als Kärntner aber fast leid, das sagen zu müssen, Herr Kollege Linder, wenn Sie uns erklären wollen, wie ein Budget läuft, obwohl Sie einer Partei angehören, die in Kärnten 13 Jahre lang den Landeshauptmann und hauptsächlich auch die Finanzreferenten gestellt hat und die in dieser Zeit Kärnten zum am höchsten verschuldeten Bundesland Österreichs gemacht hat: Sie sollten sich in Zukunft ein bisschen zurückhalten! – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Peter Manfred Harrer . – Bitte.

ÖVP Klaus Lindinger

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Minister! Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Wenn wir hier heute das Budgetprovisorium und das Bundesministeriengesetz verhandeln oder debattieren, dann möchte ich ein paar Punkte klarstellen. Es ist erfreulich, dass wir uns hier im Hohen Haus alle einig sind, dass wir das Budget über die nächsten Jahre hinweg sanieren müssen. Es ist erfreulich, dass wir in den Verhandlungen mit den Freiheitlichen zu einer Einigung gekommen sind, wie wir die 6,4 Milliarden Euro – ja, wir wissen, jetzt ist es etwas mehr …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Es ist doppelt so viel, nicht etwas mehr! Doppelt so viel!

ÖVP Klaus Lindinger

… aufbringen können, und dass das jetzt auch von allen Parteien grundsätzlich mitgetragen wird. Jetzt sind wir in einer Talsohle, was die Konjunktur und die Wirtschaft betrifft. Man muss wissen: Wenn die Konjunktur um 1 Prozent zurückgeht, erhöht das automatisch das Maastrichtdefizit um ein halbes Prozent. Ja, es ist eine schwierige Situation. Wir haben mit den Sparplänen hier schon versucht, nachhaltig so zu sparen, dass wir, was die Auswirkungen auf die Menschen betrifft, nicht zu intensiv eingreifen, und ich kann Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Angst nehmen: Wir versuchen, mit gezielten Maßnahmen so zu sparen, dass wir auch nachhaltig die Wirtschaft unterstützen, dass wir aus dieser Talsohle wieder herauskommen, damit die Konjunktur wieder belebt wird und uns das dann auch beim Defizit dementsprechend hilft. Und, meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, nicht nur eine Aufgabe hier im Bund. Da müssen Sozialversicherungsträger, Länder und Gemeinden auch entsprechend mithelfen, weil wir alle in einem Boot sitzen und auch dementsprechend an einem Strang ziehen müssen. Das heißt, meine sehr geehrten Damen und Herren: Es genügt nicht – wie es die Freiheitlichen machen –, sich herauszustellen und zu sagen: Das und das ist alles zu wenig. – Meine sehr geehrten Damen und Herren, ihr wart bei den Verhandlungen dabei, ihr habt dahin gehend viel mitverhandelt und könnt dann auch, wenn ihr Rückgrat beweist …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Was heißt das? – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Geht’s dir eigentlich? Wir haben mehr Rückgrat als ...!

ÖVP Klaus Lindinger

… diesen Sparmaßnahmen dementsprechend zustimmen. Das heißt, meine sehr geehrten Damen und Herren: Es ist wichtig, den Spagat zu schaffen und zum einen das Budget zu sanieren – der Herr Finanzminister und die Frau Staatssekretärin arbeiten da an einem dementsprechenden Programm –, aber auf der anderen Seite die Wirtschaft so anzukurbeln, dass wir die Arbeitsplätze erhalten können …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Worthülseninferno! Das nächste Worthülseninferno!

ÖVP Klaus Lindinger

… damit wir diesen Budgetpfad einhalten und einem Defizitverfahren möglichst ausweichen können. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Noch abschließend, weil wir beim Bundesministeriengesetz sind: Es freut mich, dass die Agenden Familie und Jugend bei Ministerin Plakolm liegen. Ich freue mich, dass auch der ganze Bereich des Ehrenamtes, bei dem in der letzten Periode viel passiert ist, von diesem Ministerium umfasst ist, und als Sprecher für Jugend und Ehrenamt bin ich davon überzeugt, dass wir – meine Kolleginnen und Kollegen – uns hier einigen, dass wir das Ehrenamt, das die tragende Säule in der Gesellschaft ist, in Österreich weiter stärken können. Man muss wissen, dass jede und jeder Zweite sich ehrenamtlich engagiert, egal ob im Kulturbereich, im Sportbereich, im Brauchtumsbereich und nicht zuletzt bei den Einsatzorganisationen, und diese Stärkung wird es auch in Zukunft brauchen. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Wolfgang Kocevar . – Bitte, Herr Abgeordneter.

SPÖ Wolfgang Kocevar

Danke vielmals, Herr Präsident! Geschätzter Herr Finanzminister! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, Zuhörerinnen und Zuhörer zu Hause und hier im Haus! Herr Bundesminister Marterbauer hat gleich am Anfang seiner Rede heute von schlechteren – von deutlich schlechteren – Zahlen gesprochen, als wir alle erwartet haben. Das ist natürlich einerseits schlecht für Österreich, aber es ist natürlich auch schlecht für die knapp 2 100 Städte und Gemeinden. Sie sind letztendlich die Zentren unseres täglichen Lebens, sie sind aber auch Arbeitgeber, Wohnort und natürlich auch Lebensraum und Kommunikationszentren in Österreich, und geht es den Gemeinden nicht gut, dann haben wir natürlich effektiv ein Problem: Das ist für die Wirtschaft schlecht, das ist – als größte Arbeitgeber – natürlich auch für die Regionen schlecht. Daher ist es umso wichtiger, Zuversicht auszustrahlen. Der Herr Finanzminister hat es gesagt: Wir sollen das Land nicht schlechtreden, wir sollen die Leute, die Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinden auch motivieren, wieder zuversichtlich in die Zukunft zu schauen, auch wieder zu investieren. Gleichzeitig – und erlauben Sie mir, auch das zu sagen – ist das aber natürlich schon eine dramatische Situation für die österreichischen Gemeinden und Städte, die letztendlich immer mehr in die Verantwortung kommen. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister – es sind ja auch einige hier im Haus – haben in den letzten Jahren gezeigt, wie man mit Krisen umgehen kann. Sie haben auch gewusst, wo man den Hebel in den Gemeinden ansetzen kann. (👏 SPÖ, NEOS) Wenn Professor Badelt letztens auch gesagt hat, die Gemeinden müssen sparen, dann kann ich ihm, Ihnen und allen versichern: Die Gemeinden sparen bereits seit Jahren an allen Ecken und Enden und versuchen, jeden Euro zweimal umzudrehen. Fakt ist aber, dass die Schere immer weiter auseinandergeht: Die Einnahmen werden immer weniger – ich darf an die Vorgängerregierung erinnern, denn durch die Senkung der KöSt sind allein den Gemeinden Millionenbeträge abhandengekommen; beispielsweise verliert eine 12 000-Einwohner-Stadt durch die KöSt-Senkung 144 000 Euro –, gleichzeitig haben wir Millionenausgaben im Gesundheitswesen – wir zahlen horrende Summen ins Gesundheitssystem ein und haben keine Möglichkeit, mitzureden, was mit diesen Geldern passiert. Und das letzte Thema ist natürlich das Thema der Förderungen: Die Gemeinden warten oft jahrelang auf zugesagte Förderungen, müssen diese auch noch zwischenfinanzieren und kommen damit zusätzlich in die Bredouille. Trotz allem versuche auch ich, mich den positiven Worten unseres Finanzministers anzuschließen, weil ich bei all seinen Aussagen spüre, dass er wirklich ein Kenner der Materie ist. – Es ist ein wirklicher Wohlgenuss, dir zuzuhören und auch zu wissen, dass das Budget bei dir in hervorragenden Händen ist. (👏 SPÖ) Ich bin überzeugt, dass ( in Richtung Bundesminister Marterbauer und Staatssekretärin Eibinger-Miedl ) ihr beide das in diesem Sinn hervorragend machen werdet, aber – und auch das stimmt mich positiv – wir haben darüber hinaus in dieser Bundesregierung tatsächlich eine kommunale Kompetenz wie selten zuvor: Wir haben einen Vizekanzler, der jahrelang erfolgreicher Bürgermeister einer Großstadt in Niederösterreich war, und wir haben einen Bundeskanzler, der Vizebürgermeister einer der größten Städte Österreichs war. Daher gibt es auch dieses Verständnis für die Gemeinden, für die Kommunen, und wir werden dranbleiben, dass die Gemeinden auch weiterhin jene Unterstützung kriegen, die sie so dringend brauchen. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumPeter Haubner

Danke. Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Änderung des Vertrages mit dem Fürstentum Liechtenstein zur Feststellung der Staatsgrenze und Erhaltung der Grenzzeichen

43 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 23 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR
FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll den Abschluss des Staatsvertrags zur Änderung des Grenzvertrags mit Liechtenstein gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG genehmigen. Ein zusätzlicher Erfüllungsbeschluss nach Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG ist nicht erforderlich, da der Vertrag unmittelbar anwendbar ist.

Betroffen ist die Staatsgrenze Österreich–Liechtenstein im Bereich des Egelsees (Vorarlberg), inklusive Grenzurkundenwerk, Grenzzeichenregelungen und des freizuhaltenden Geländestreifens.

Dokumente

Änderung des Vertrages mit dem Fürstentum Liechtenstein zur Feststellung der Staatsgrenze und Erhaltung der Grenzzeichen

Gegenstand und verfassungsrechtliche Einordnung

  • Behandelt wird ein Staatsvertrag zur Änderung des Grenzvertrages zwischen Österreich und Liechtenstein (Ausgangsvertrag 17. März 1960, geändert am 3. Mai 1990) zur Feststellung der Staatsgrenze und Erhaltung der Grenzzeichen.
  • Der Änderungsvertrag hat gesetzändernden bzw. gesetzesergänzenden Inhalt und bedarf daher der Genehmigung des Nationalrates gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.
  • Der Vertrag hat keinen politischen Charakter.
  • Eine Beschlussfassung nach Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG (Ausschluss der unmittelbaren Anwendung; Erfüllung durch Gesetze) ist nicht erforderlich, da der Vertrag der unmittelbaren Anwendung im innerstaatlichen Rechtsbereich zugänglich ist.
  • Eine Zustimmung des Bundesrates gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 2 B-VG ist nicht erforderlich, weil keine Angelegenheiten des selbständigen Wirkungsbereichs der Länder geregelt werden.
  • Da der Vertrag eine Änderung der Bundesgrenze betrifft, ist gemäß Art. 3 Abs. 2 B-VG die Zustimmung des betroffenen Landes erforderlich; diese Zustimmung wurde für Vorarlberg eingeholt.
  • Da es sich um eine Grenzbereinigung handelt, sind gemäß Art. 3 Abs. 4 B-VG keine besonderen Quoren für den Beschluss des Nationalrates erforderlich.

Bisherige Rechtsgrundlagen und Rolle der Grenzkommission

  • Der Verlauf der Staatsgrenze ist bislang durch den Grenzvertrag 1960 (BGBl. Nr. 228/1960) und dessen Änderungsvertrag 1990 (BGBl. Nr. 43/1991) bestimmt.
  • Mit dem Vertrag von 1990 wurde eine Ständige Österreichisch-Liechtensteinische Grenzkommission eingesetzt.
  • Die Grenzkommission erarbeitete einen Entwurf für die nunmehrige Vertragsänderung samt Anlagen (neues Grenzurkundenwerk) und genehmigte diesen Entwurf einschließlich Anlagen.

Grenzbereinigung im Bereich Egelsee

  • Im Bereich des Egelsees verlief die Staatsgrenze ursprünglich in der Mitte eines Grabens.
  • An der betreffenden Stelle befindet sich nun ein See (Rückhalteweiher), wodurch der Grenzverlauf vor Ort nicht mehr erkennbar ist.
  • Der Vertrag legt den Grenzverlauf daher geradlinig im See fest.
  • Die auszutauschenden Gebietsteile sind flächenmäßig gleichwertig; das betroffene Ausmaß ist marginal (ca. 240 m²), weshalb von einer Grenzbereinigung im Sinn des Art. 3 Abs. 4 B-VG ausgegangen wird.

Neues Grenzurkundenwerk und technische Modernisierung

  • Es tritt ein neues Grenzurkundenwerk auf Basis von ETRS89-Koordinaten in Kraft; die rund sechzig Jahre alten Grenzurkunden werden durch moderne Urkunden ersetzt.
  • Die neuen Grenzurkunden enthalten keine textuellen Beschreibungen des Grenzverlaufs.
  • Auf eine Neuerstellung der Karteiblätter der Grenzzeichen wird verzichtet, da Grenzkarte und Koordinatenverzeichnis den Grenzverlauf hinreichend genau festlegen und ausreichend beschreiben.

Weitere materielle Regelungen

  • Die Breite des freizuhaltenden Geländestreifens entlang der Grenze wird von 10 Metern auf 1 Meter reduziert.
  • Für Streitigkeiten über Auslegung oder Anwendung des Änderungsvertrages ist die Schiedsgerichtsklausel des bestehenden Grenzvertrages (Artikel 15) anzuwenden (Verweisregelung).

Kosten und Budget

  • Die mit der Durchführung des Vertrages verbundenen Kosten werden in den Budgets der zuständigen Ressorts bedeckt.

Sky Shield - jetzt muss Europa zusammenstehen und gemeinsame Verteidigung aufbauen. Österreich muss seinen Beitrag dazu leisten!

39 d.B. · Antrag vonGRÜNE · Entschließungsantrag 115/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat bekennt sich zur weiteren Verfolgung der European Sky Shield Initiative (ESSI) unter Einhaltung der neutralitätsrechtlichen Pflichten Österreichs. Zugleich wird festgehalten, dass zur Kontrolle der einschlägigen Beschaffungsvorhaben bereits eine unabhängige Expertenkommission im Verteidigungsministerium auf Basis des Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetzes eingerichtet ist, die jährlich Arbeitsprogramm und Bericht erstellt.

Betroffen sind Österreichs Beteiligung an ESSI sowie die Beschaffungs- und Kontrollprozesse im Bundesministerium für Landesverteidigung (insbesondere die von der Kommission begleiteten Rüstungs- und Kooperationsvorhaben).

Dokumente

Sky Shield - jetzt muss Europa zusammenstehen und gemeinsame Verteidigung aufbauen. Österreich muss seinen Beitrag dazu leisten!

Ausgangslage und sicherheitspolitische Begründung

  • Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt die Dringlichkeit einer leistungsfähigen und abgestimmten europäischen Verteidigungsfähigkeit.
  • Russland setzt moderne Waffensysteme ein (u.a. unbemannte Drohnen, ballistische Raketen, Marschflugkörper, Hyperschallwaffen), wodurch sich die Bedrohungslage für Europa verändert und eine Weiterentwicklung der Verteidigungsstrukturen erforderlich wird.

European Sky Shield Initiative (ESSI): Ziel und Ansatz

  • Mit der European Sky Shield Initiative (ESSI) haben sich bislang 21 europäische Staaten zusammengeschlossen, um die Luftverteidigung gemeinsam zu verbessern.
  • Ziel ist es, bestehende Fähigkeiten zu erweitern, Fähigkeitslücken zu schließen und durch koordinierte Beschaffung sowie gemeinsame Nutzung von Systemen eine effizientere und wirkungsvollere Luftverteidigung zu erreichen.

Österreichs Rolle, Verantwortung und Nutzen

  • Österreich wird als geographisches Zentrum Europas in einer besonderen Verantwortung gesehen, zu einer gesicherten Luftraumverteidigung beizutragen.
  • Ein geschützter europäischer Luftraum wird als zentral für die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur dargestellt; Solidarität und Sicherheit in Europa bedeuten für Österreich mehr Stabilität, Schutz und Planbarkeit.
  • Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und veränderter transatlantischer Dynamiken soll Europa stärker in die eigene Sicherheit investieren und die Zusammenarbeit intensivieren; ESSI wird als bedeutender Schritt hin zu einer stärkeren, unabhängigen und handlungsfähigeren europäischen Sicherheitsstruktur bewertet.
  • Österreich soll sich dabei nicht hinter der Neutralität „verstecken“, sondern aktiv an der Sicherung mitwirken und ESSI konsequent weiterverfolgen, um den Schutz des eigenen Luftraums und jenen der europäischen Gemeinschaft zu gewährleisten.

Neutralitätsrechtliche Einordnung und Grenzen der Beteiligung

  • Eine Beteiligung Österreichs an ESSI wird als neutralitätsrechtlich möglich dargestellt, sofern sie sich auf gemeinsame Beschaffungs- und Ausbildungsmaßnahmen beschränkt; operative Maßnahmen sind nicht vorgesehen.
  • Ausdrücklich ausgeschlossen werden Maßnahmen, die als Teilnahme an einem Militärbündnis oder als Zulassen von Stützpunkten auf österreichischem Territorium gewertet werden könnten.
  • Österreich soll die Kooperation im Falle eines bewaffneten internationalen Konflikts im Einklang mit den Verpflichtungen aus der dauernden Neutralität beenden können.

Transparenz, demokratische Legitimation und parlamentarische Kontrolle (Forderungen des ursprünglichen Antrags)

  • ESSI wird als umfassendes Verteidigungsprojekt beschrieben, das transparent und effizient gestaltet werden müsse.
  • Gefordert wird die Einrichtung einer parlamentarischen Kontrollkommission mit Einblick in alle relevanten Beschaffungen, Aufträge und Industriekooperationen, um sachgerechten Mitteleinsatz und Beschaffungsentscheidungen im Interesse der Republik sicherzustellen.
  • Zusätzlich wird gefordert, dass alle bisher getroffenen Verträge und Vereinbarungen im Zusammenhang mit ESSI dem Nationalrat vorgelegt werden, um Vertrauen in die sicherheitspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung zu schaffen.
  • Ziel ist, Österreichs Engagement effizient, nachhaltig und demokratisch legitimiert abzusichern.

Wesentliche inhaltliche Anpassung durch den Abänderungsantrag (Regierungsprogramm und bestehende Kommission)

  • Es wird darauf verwiesen, dass die Bundesregierung im Regierungsprogramm festgelegt hat, die Bestrebungen zu Sky Shield unter Einhaltung der neutralitätsrechtlichen Pflichten weiterzuführen.
  • Es wird festgehalten, dass gemäß § 2 Abs. 3 Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz (LV-FinG) beim Bundesministerium für Landesverteidigung eine Kommission auf Grundlage von § 8 Abs. 1 Bundesministeriengesetz (BMG) eingerichtet wurde.
  • Zweck dieser Kommission ist die Sicherstellung einer gesetzmäßigen Vollziehung sowie einer sparsamen und zweckmäßigen Gebarung der im LV-FinG genannten Beschaffungsvorhaben.
  • In dieser Kommission beraten Fachexperten die Bundesministerin für Landesverteidigung zu den vom gesetzlichen Auftrag erfassten Geschäftsfällen.
  • Die Kommission berät selbständig und unabhängig sowie auch auf Ersuchen der Bundesministerin bzw. des Bundesministers.
  • Die Kommission erstellt ein jährliches Arbeitsprogramm und einen Jahresbericht.

Sky Shield - jetzt muss Europa zusammenstehen und gemeinsame Verteidigung aufbauen. Österreich muss seinen Beitrag dazu leisten!

~36 min Lesezeit
Dafür: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE Dagegen: FPÖ
FPÖ Volker Reifenberger

Hohes Haus! Frau Bundesministerin Tanner! Sie werden jetzt wahrscheinlich von mir erwarten, dass ich Ihnen zum wiederholten Male erkläre, dass der Beitritt zu Sky Shield gegen unsere Neutralität verstößt, weil es sich dabei um ein Militärbündnis handelt, und dass der Zweck von Sky Shield ist, die europäische Säule der Nato zu stärken. Aber das wissen Sie bereits, das habe ich Ihnen schon oft genug erklärt, und Sie wissen auch, Frau Bundesminister, dass wir Freiheitliche zwei völkerrechtliche Gutachten veröffentlicht haben, die genau das kritisieren. Jetzt verlangen die Grünen und die drei Regierungsfraktionen mit dem vorliegenden Entschließungsantrag eine Kontrolle von Sky Shield durch die sogenannte Beschaffungs-Prüfkommission. Das ist aber nichts Neues, denn das darf diese Kommission bereits jetzt nach der geltenden Rechtslage. Dieses Verlangen ist daher nichts anderes als eine reine Show. Da Sie, Frau Bundesminister, bereits vor langer Zeit medial angekündigt haben, dass die Beschaffung im Rahmen von Sky Shield unter Aufsicht der Beschaffungs-Prüfkommission erfolgen wird, erwarte ich, dass diese Kommission Sky Shield ohnedies prüft oder vielleicht schon geprüft hat und ganz sicher auch in Zukunft prüfen wird. Für mich stellt sich daher eher die Frage: Warum wurde der Bericht der Kommission nicht längst diesem Hohen Haus vorgelegt? Kollege Laimer von der SPÖ hat Ihnen, Frau Bundesminister, selbstverständlich vor der Wahl, völlig zu Recht vorgeworfen, dass Sie bei Sky Shield im Alleingang agiert haben und dadurch einen Mangel an Transparenz hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen, der Auswirkungen auf die österreichische Neutralität und der Kosten verursacht haben. Frau Bundesminister, wird der Bericht der Kommission diesen Vorwurf vielleicht bestätigen und ist er deshalb noch nicht dem Hohen Haus vorgelegt worden? Frau Bundesminister …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Du brauchst keine Pausen machen! Die klatschen heute nicht! – Abg. Kogler [Grüne]: Da ist auch nichts zum Klatschen!

FPÖ Volker Reifenberger

… Sie wollen uns auch immer einreden, Sky Shield sei nichts anderes als eine Beschaffungskooperation, eine Einkaufsplattform. Stimmt das, Frau Bundesminister? Gebe ich hier Ihre Argumentation richtig wieder? – Ich werte Ihr Schweigen einmal als Ja; außerdem ist es überall nachlesbar. Aber: Wenn Sky Shield also eine Einkaufsplattform ist, dann ist doch die Idee dahinter, dass sich mehrere Staaten zusammentun, um durch die Bestellung einer größeren Stückzahl einen günstigeren Preis zu erzielen.

ÖVP Ofenauer (Zwischenruf)

So ist es!

FPÖ Volker Reifenberger

… Habe ich Sie da richtig verstanden, Frau Bundesminister? – Ich werte auch das als ein Ja. Jetzt stelle ich mir aber die Frage: Wie soll denn das praktisch und auch rechtlich funktionieren? Die Idee dahinter funktioniert ja nur dann, wenn möglichst alle Sky-Shield-Mitgliedsländer auch das gleiche Produkt kaufen. Daher haben Sie, Frau Bundesminister, im September 2023 gemeinsam mit dem Air Chief eine Pressekonferenz abgehalten und haben dort großspurig verkündet: Wir kaufen jetzt vier Kurzstreckensysteme, vier Mittelstreckensysteme, jeweils à drei Werfer, des Produktes Iris-T vom deutschen Hersteller Diehl. Abgesehen davon, dass ich mir, wenn ich der Verkaufsleiter der Firma Diehl wäre, ins Fäustchen lachen und Ihnen erklären würde: Worüber wollen Sie mit mir jetzt eigentlich noch verhandeln?, Ich weiß schon, dass Sie bei mir kaufen, ich weiß, wie viel Sie kaufen, daher bitte einmal hier unterschreiben, denn über den Preis brauchen wir jetzt nicht mehr zu verhandeln! – also verhandlungstaktisch vielleicht keine ganz so schlaue Vorgehensweise –, frage ich mich aber: Wie geht das überhaupt mit einem objektiven Vergabeverfahren zusammen, in dem der Bestbieter ermittelt werden soll? Wird das damit ausgehebelt und findet gar kein Vergabeverfahren statt? – Ganz so dürfte es wohl nicht sein, denn Sie sind dann nach Ihrer Pressekonferenz zurückgerudert. Sie haben anscheinend kalte Füße bekommen und Ihre eigenen Aussagen revidiert, wonach die Typenentscheidung für Iris-T bereits gefallen sei. Plötzlich heißt es, die Typenfrage ist wieder völlig offen. Ich frage mich also, wie aufgrund Ihrer medialen Äußerungen jetzt überhaupt noch ein objektives Vergabeverfahren durchgeführt werden kann. Im Lagezentrum des Verteidigungsministeriums hängen schon die Fotos von Iris-T an der Lagekarte. Aber vielleicht wird Sie die Firma Diehl genauso noch kennenlernen wie die Firma Airbus. Was mich auch noch interessieren würde: Bekommen eigentlich alle Sky-Shield-Mitgliedsländer den gleichen günstigen Preis? Oder stimmt das, was Medienberichte nahelegen, dass zum Beispiel Slowenien deutlich weniger für das gleiche Produkt zahlen wird als Österreich? Wenn dem so ist, dann ist diese Einkaufsplattform vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Es ist doch nicht das Lagerhaus! – Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ.

FPÖ Volker Reifenberger

… Nehmen wir einmal an, dass – was ich mir zwar als gelernter Österreicher kaum vorstellen kann – im Beschaffungsvorgang doch ein anderer Produzent als die Firma Diehl als Bestbieter herauskommt. Was ist dann? Treten Sie dann aus Sky Shield wieder aus und sagen Sie den Deutschen: Danke für eure Einkaufsplattform, aber wir kaufen jetzt doch ein Konkurrenzprodukt!? Oder sagen Sie dann: Wir kaufen zwar woanders, wollen aber trotzdem bei Sky Shield mitmachen!? – Das wäre dann der Beweis dafür, dass Sky Shield doch weit mehr ist als eine Einkaufsplattform. Frau Bundesminister, spielen Sie endlich mit offenen Karten! Das Parlament hat es sich verdient, in Ihre Pläne eingeweiht zu werden. Öffnen Sie diese Blackbox! Daher bringe ich hiermit folgenden Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Mag. Volker Reifenberger , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Nein zum Militärbündnis ‚Sky Shield‘“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, den Beitritt zur European Sky Shield Initiative (ESSI) nicht weiterzuverfolgen und die bisherigen Vereinbarungen aufzukündigen. Zur Sicherstellung der Luftverteidigung soll der Generalstab mit der Ausarbeitung neutralitätskonformer Alternativen beauftragt werden.“ (👏 FPÖ) 13.15 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/62.1 Nein zum Militärbündnis Sky Shield (23/UEA) Präsidentin Doris Bures : Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung. Nächster Redner: Herr Abgeordneter Friedrich Ofenauer .

ÖVP Friedrich Ofenauer

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Meine sehr verehrten Zuseherinnen und Zuseher! Die Ausführungen von Kollegen Reifenberger waren im Grunde so, wie seine Ausführungen zum Thema Beschaffungsinitiative Sky Shield und Nato – und was auch immer – immer sind: eine Fülle von Fragen, die vermeintliche Unklarheiten zutage bringen sollen, die Verunsicherung schüren sollen, die aber nichts anderes sind als eine Vernebelung von Dingen, die eigentlich ganz klar sind. Das ist so die Strategie: immer irgendwelche Fragen zu stellen, etwas zu vermuten dahin gehend, dass irgendetwas nicht ganz richtig verläuft. Ja, die Intention ist eine solche: dass verunsichert werden soll, dass nicht aufgeklärt werden soll …

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Weg mit dem Interpellationsrecht!

ÖVP Friedrich Ofenauer

… und nicht Sicherheit gegeben werden soll, sondern dass immer etwas anderes vermittelt werden soll, als tatsächlich vorliegt. Tatsache ist, meine sehr verehrten Damen und Herren, Sky Shield ist natürlich kein Militärbündnis. Das weiß auch die FPÖ, und das weiß auch Kollege Reifenberger, weil er auch Milizsoldat ist; er weiß, was ein Militärbündnis ist. Eine Beschaffungsinitiative wie Sky Shield ist es nicht (👏 ÖVP), denn: Es gibt keine gemeinsame Kommandostruktur; es gibt keine Verpflichtung zu gemeinsamen Einsätzen; es gibt keine Stationierung fremder Truppen auf dem Boden – deswegen ist Essi, die European Sky Shield Initiative, auch kein Militärbündnis. Die Entscheidungshoheit über den Einsatz allfälliger Abwehrraketen liegt in österreichischer Hand, bleibt in österreichischer Hand. Das wurde im Rahmen des vertraglichen Neutralitätsvorbehalts, der so wie von der Schweiz auch von Österreich unterzeichnet wurde, von unserer Bundesministerin Klaudia Tanner sichergestellt. Das heißt, wir bleiben bei unserer Luftabwehr eigenständig. Eine Kooperation in diesem Fall bedeutet, dass wir günstiger einkaufen können. Und ja, meine Damen und Herren – dies nur der Vollständigkeit halber –, dieser Beschaffungsprozess ist natürlich noch nicht abgeschlossen. Das heißt, man kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, welches System tatsächlich beschafft werden soll. Tatsache ist nur: Gemeinsame Beschaffungen sparen Geld und sparen auch Zeit – Zeit, die wir nicht haben. Das will die FPÖ offensichtlich verhindern, und sie spielt damit mit der Sicherheit Österreichs. Meine Damen und Herren! Wir begehen in diesem Jahr, 2025, viele Jubiläen: 70 Jahre Staatsvertrag, 70 Jahre Neutralitätsgesetz, 70 Jahre Beitritt zur UNO – 70 Jahre schon! –, 30 Jahre Beitritt zur Europäischen Union – alles Jubiläen, die einen Bezug zur Freiheit, zur Sicherheit und zur Souveränität Österreichs und zur Unverletzlichkeit unseres Staatsgebietes haben. Das ist auch der Grund, warum sowohl die Neutralität als auch die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union in unserer Bundesverfassung tief verankert sind. Der Staatsvertrag hat uns die Freiheit gebracht. Die Frage ist angesichts der aktuellen geopolitischen Situation, inwieweit uns Neutralität heute noch Sicherheit bringt, denn sie schützt nur dann, wenn sie von anderen respektiert wird. Und der Hauptpunkt ist, dass wir uns in unserem Neutralitätsgesetz auch verpflichtet haben, unsere Neutralität und die Unverletzlichkeit unseres Staatsgebietes mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Und ja, in den letzten Jahrzehnten haben sich aufgrund der Friedensdividende, aufgrund des Aufbrauchens der Friedensdividende Fähigkeitslücken im österreichischen Bundesheer aufgetan, Fähigkeitslücken, die vor allem auch die Luftabwehr betreffen. Wir haben daher vor allem auch in diesem Bereich unsere Verteidigungsfähigkeit zu verbessern und beteiligen uns deswegen an der Beschaffungsinitiative Sky Shield – denn derzeit sind wir schutzlos, weitgehend schutzlos vor Angriffen von Drohnen und Raketen, wie wir sie ja leider tagtäglich auf den Bildern aus dem Ukrainekrieg sehen können. Wir können oder könnten diese Drohnen und diese Raketen kommen sehen, aber wir können nichts dagegen tun. Selbst wenn Österreich nicht direkt angegriffen wird: Wir sehen, was passieren kann, so wie vor einigen Monaten in Zagreb, wo eine fehlgeleitete Drohne einschlug. Wir können sie zwar kommen sehen, aber wir können nichts dagegen tun. Wir haben Lücken in unserer Luftverteidigung, die wir sukzessive schließen müssen, indem wir in die Luftverteidigung investieren, und das auch zu günstigeren Konditionen; denn Sie wissen: Wer gemeinsam einkauft, der kauft billiger. Die FPÖ kommt immer mit der Neutralitätskeule, aber Sky Shield, diese Beschaffungsinitiative, ist mit unserer Neutralität kompatibel. Nochmals: Wir haben genauso wie die Schweiz in unserer Neutralitätsklausel festgehalten, dass wir uns nicht an operativen Maßnahmen beteiligen. Wir beteiligen uns nicht an einem Militärbündnis. Die Entscheidungshoheit bleibt nach wie vor bei uns. Natürlich soll auch die Industrie, vor allem auch die österreichische Verteidigungsindustrie, vom allgemeinen Wiederaufbau der Verteidigungskapazitäten profitieren. Wichtig ist dabei nur, dass diese Beschaffungen transparent und korrekt ablaufen, deswegen gibt es die Beschaffungs-Prüfkommission. Mit diesem Entschließungsantrag bekräftigen wir nochmals, dass sich die Beschaffungs-Prüfkommission konkret auch mit diesem Beschaffungsprozess im Rahmen der Beschaffungsinitiative Sky Shield befassen muss, denn, meine Damen und Herren, es ist notwendig, Fähigkeitslücken in der Landesverteidigung zu schließen – für unsere Freiheit, für unsere Sicherheit und für Österreich. – Danke sehr. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christian Schandor .

FPÖ Christian Schandor

Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus! Werte Zuseher auf der Zusehergalerie und zu Hause! „Sky Shield – jetzt muss Europa zusammenstehen und gemeinsame Verteidigung aufbauen. Österreich muss seinen Beitrag dazu leisten!“, so lautet Tagesordnungspunkt 5. Österreich muss aber seine Hausaufgaben machen, bevor es einen Beitrag in Europa leisten kann. Damit das österreichische Bundesheer seinen verfassungsmäßigen Auftrag zum Schutz der österreichischen Bevölkerung voll erfüllen und auf Bedrohungen unserer Sicherheit wirksam reagieren kann, sind folgende Maßnahmen notwendig – Frau Bundesminister, einige dieser Punkte wurden ja bereits eingeleitet, Sie werden mir da durchaus Zustimmung erteilen –: die Erhöhung des Verteidigungsbudgets, der sukzessive Abbau des vorhandenen Investitionsrückstaus bedingt durch die Zeit nach dem Mauerfall, also der letzten 30 Jahre, im Hinblick auf die Friedensdividende, die Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit unserer Miliz. Das Bundesheer ist ja nach den Grundsätzen eines Milizsystems einzurichten und drei Viertel des mobil gemachten Bundesheeres besteht ja aus Miliz. Fazit: Ohne Miliz ist das Bundesheer auch nicht in der Lage, eine Schutzoperation, geschweige denn eine Abwehroperation durchzuführen. Dies bedingt natürlich auch die Rückkehr zum Grundwehrdienst mit einer Dauer von zumindest acht Monaten mit verpflichtenden Milizübungen. Wir wissen aus den Medien, dass eine Expertenkommission geplant ist, um das zu prüfen. Es ist ein Fokus auf den Schutz vor hybriden Bedrohungen und Cyberangriffen, auf die Weiterentwicklung der umfassenden Landesverteidigung, die Fortsetzung der Teilnahme des Bundesheeres an friedenserhaltenden Missionen unter UN-Mandat sowie die schrittweise Erhöhung des Personalstands zu legen. Wenn man sich den Aufbauplan 2032 anschaut, sieht man, wir sprechen von einem Aufwuchs von 55 000 auf nahezu oder über 90 000 Soldaten. Es muss eine unverzügliche Entscheidung über die Ausgestaltung der Luftraumsicherung beziehungsweise Luftraumverteidigung getroffen werden. Dass die Behauptung des Luftraums eine Selbstverständlichkeit für einen souveränen Staat ist, brauche ich hier eigentlich nicht zu erwähnen. Wir müssen die erforderlichen und auch zeitgemäßen Mittel für luft- und bodengestützte Systeme sicherstellen, das heißt, für eine umfangreiche Nachrüstung oder Ausstattungsanpassung unserer Abfangjäger, möglicherweise auch für eine Neubeschaffung sorgen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Dann seid ihr für Sky Shield?

FPÖ Christian Schandor

… Wir haben aber auch bei der bodengebundenen Luftabwehr Handlungsbedarf. Wir werden zusätzliche Feuereinheiten unterschiedlicher Reichweite und Wirkung benötigen. Die Beschaffung von Luftabwehrsystemen kurzer und mittlerer Reichweite ist auch im Aufbauplan so abgebildet. Nicht abgebildet und budgetär auch nicht abgedeckt ist aber ein Lenkwaffensystem längerer Reichweite. Daher stellt sich mir die Frage, wie denn die Prioritätenfestlegung in der Landesverteidigung ausschaut – gerade im Hinblick auf das zu beschließende Doppelbudget, den Sparzwang, der, so wie ich höre, jetzt auch das Bundesministerium für Landesverteidigung betreffen wird. Wie lässt sich das mit den Forderungen aus dem Weißbuch Bereitschaft 2030 zur europäischen Verteidigung und dem dazugehörigen Finanzplan Rearm Europe der EU, der mit 800 Milliarden Euro dotiert sein soll, in Einklang bringen? Bis 2030, meine Damen und Herren, sollen die EU-Mitgliedstaaten den Zustand der vollen Einsatzbereitschaft ihrer Verteidigungsfähigkeit erreichen. Wir sprechen in Österreich von 2032, die EU von 2030.

NEOS Hoyos-Trauttmansdorff (Zwischenruf)

Bis 34! – Abg. Stögmüller [Grüne]: 2034!

FPÖ Christian Schandor

… Verzeihen Sie mir, mir fehlt der Glaube, dass die Bundesregierung willens ist, das für Österreich umzusetzen. Wie so oft muss man sich die Frage stellen: Wie viel ist uns unsere Sicherheit wert? Schließen möchte ich mit einem Zitat des Oberbefehlshabers: „Fehlende Ressourcen“, meine Damen und Herren, „gefährden nicht nur die Aufgabenerfüllung, sondern auch das Leben“ der Soldaten im Einsatz. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Robert Laimer .

SPÖ Robert Laimer

Danke, Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Im Fokus der heutigen Debatte steht der Schutz unserer Bevölkerung vor Gefahren und Bedrohungen aus der Luft. Es handelt sich um die Luftverteidigung Österreichs im Rahmen der sogenannten European-Sky-Shield-Initiative. Formal geht es heute primär um die größtmögliche Transparenz bei der Beschaffung der Luftabwehrsysteme, und dabei ist die Kontrolle durch den Nationalrat von grundsätzlicher Bedeutung. Kontrolle ist wichtig, damit wir als demokratisch legitimierte Volksvertreterinnen und Volksvertreter und dadurch auch die Wählerinnen und Wähler, also die Steuerzahler, stets die Aufsicht darüber haben, wie die gesamte Beschaffung erfolgt. Eine unabhängige Beschaffungs-Prüfkommission wird dem Parlament jährlich einen Bericht über die Korrektheit des gesamten Beschaffungsvorgangs inklusive Verträge vorlegen, Stichwort Transparenz. Eines ist klar, Investitionen in die Sicherheit, in die eigene Sicherheit müssen strengen Kriterien entsprechen. Wir haben alle aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Die Entwicklungen in Europa sind leider ungewiss. In diesem Sinne braucht Österreich als neutraler Staat im Herzen Europas entsprechende Vorkehrungen. Die Investition in eine moderne Luftraumverteidigung erfüllt im Wesentlichen drei zentrale Ziele: erstens, der Schutz unserer Bevölkerung muss zu jeder Zeit gegeben sein; zweitens, unsere Souveränität und territoriale Unversehrtheit zu garantieren; und, drittens, unsere immerwährende Neutralität muss – im Sinne der wehrhaften Neutralität – im Notfall auch militärisch verteidigt werden. Ein funktionierendes Luftverteidigungssystem schützt daher nicht nur die Bevölkerung und unsere Freiheit, sondern sichert vielmehr auch unseren neutralen Staat Österreich. (👏 ÖVP, SPÖ) Die Sozialdemokratie hat sich von Anbeginn der Debatte hinsichtlich Sky Shield für den umfassenden Schutz der Bevölkerung ausgesprochen. Jedoch wurde auch stets die Vereinbarkeit mit unserer Neutralität eingefordert, und das bleibt auch in Zukunft so, meine Damen und Herren. Der Aufbau von Sky Shield erfolgt in mehreren Schritten, und es wird genau auf die Einhaltung im Sinne des Neutralitätsgesetzes, des diesbezüglichen Verfassungsgesetzes, geachtet. In der ersten Phase ist Sky Shield ein Programm für gemeinsame Beschaffungen mit anderen Staaten, um Kosten zu sparen. In der zweiten Phase wird eine Systematik der Umsetzung zum Schutz der Bevölkerung implementiert. Dabei wird streng darauf geachtet, dass keine Abhängigkeiten von der Nato oder gar Verpflichtungen daraus entstehen, die unsere oder die Schweizer Neutralität verletzen würden. In der dritten Phase sollte sich Sky Shield optimalerweise in der EU ganz im Sinne der strategischen Autonomie einfügen. Gerade in der Trump-Ära ist das ein Gebot der Stunde. Klar ist, Österreich muss sich darauf konzentrieren, was unsere Neutralität ausmacht, und gleichzeitig im europäischen Kontext der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik Verantwortung übernehmen. Nutzen wir diese Chance, halten wir unsere Neutralität lebendig und unsere Friedenshaltung stark, denn deren Zeit wird noch kommen! – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Gmeindl .

FPÖ Michael Gmeindl

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Vor allem aber: werte Österreicherinnen und Österreicher! Heute stehen wir hier, um eine klare Botschaft zu senden: Die Teilnahme an der European Sky Shield Initiative ist mit der Neutralität Österreichs nicht vereinbar.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wer ist „wir“?

FPÖ Michael Gmeindl

… Es ist unbestritten, dass die Sicherung unseres Luftraumes eine zentrale Aufgabe des Staates ist. Luftabwehr ist essenziell, um die Souveränität unseres Landes zu schützen, doch Sky Shield bringt uns nicht mehr Sicherheit, sondern stellt einen tiefen Eingriff in unsere Neutralität dar. Bereits in der Vergangenheit wurde Österreichs Neutralität schrittweise ausgehöhlt, nun droht mit Sky Shield eine weitere Aushöhlung unserer eigenständigen Verteidigungspolitik und immerwährenden Neutralität. Wir fordern deshalb die sofortige Aufkündigung der bisherigen Vereinbarungen und ein klares Bekenntnis zur nationalstaatlichen Souveränität. (👏 FPÖ) Unser Land darf sich nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis zu anderen Staaten begeben, da das im Krisenfall schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Eine starke eigenständige Luftverteidigung ist der richtige Weg, deswegen unterstützen wir den Aufbauplan 2032 plus, der den Ausbau der bodengebundenen Luftabwehr kurzer und mittlerer Reichweite vorsieht. Gegen gemeinsame Beschaffung und Ausbildungskooperationen mit anderen Staaten haben wir grundsätzlich nichts einzuwenden, doch der Betrieb dieser Systeme muss in österreichischer Hand bleiben. Die Weitergabe von Daten zum Zwecke der bodengebundenen Luftabwehr an Mitgliedsländer der ESSI darf nicht erfolgen. Unsere Verteidigungspolitik muss allein in der Verantwortung Österreichs bleiben. (👏 FPÖ) Wir dürfen nicht zulassen, dass durch die Teilnahme an Sky Shield eine Hintertür für eine indirekte Nato-Integration geschaffen wird. Die Österreicherinnen und Österreicher wünschen sich, dass Österreich ein neutraler Staat ist, somit ist es unsere Pflicht, dieses Versprechen einzuhalten. (👏 FPÖ) Zu diesem Thema möchte ich von der Website des deutschen Bundesministeriums der Verteidigung zitieren: „Mit der European Sky Shield Initiative – kurz ESSI – wollen sich die europäischen NATO-Staaten besser gegen Angriffe durch Geschosse, Flugkörper oder Luftfahrzeuge wappnen. Ziel der Initiative ist also die Stärkung des europäischen Pfeilers in der gemeinsamen Luftverteidigung der NATO. [...] Mit ESSI wird der europäische Pfeiler in der NATO gestärkt. Es ist beabsichtigt, die ausgebauten oder neu geschaffenen Fähigkeiten der gemeinsame Beschaffungsinitiative in die vom NATO - Befehlshaber für Europa geführten Luftverteidigung des NATO-Gebietes einzubinden.“ Wir fordern daher die sofortige Aufkündigung der bisherigen Vereinbarungen zu Sky Shield und das Unterlassen der Weitergabe von Luftabwehrdaten an ESSI-Mitgliedsländer. Ausbau und Betrieb der bodengebundenen Luftabwehr haben eigenständig, also nationalstaatlich zu erfolgen. Neutralität ist kein Relikt der Vergangenheit – sie ist der Grundstein unserer Außen- und Sicherheitspolitik und ein zentrales Element unserer Identität. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass dies auch so bleibt! – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Hoyos-Trauttmansdorff.

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

Danke, Frau Präsidentin! Hohes Haus! Werte Besucherinnen und Besucher auf der Galerie und vor den Fernsehern! Wir haben ja das Thema Sky Shield hier nicht zum ersten Mal, sondern es ist ein Thema, das immer wieder kommt, aber eigentlich ist die Perspektive, die wir einnehmen müssen, glaube ich, eine etwas größere. Im Endeffekt ist die Aufgabe, die uns Abgeordneten und der Frau Bundesministerin obliegt, ganz klar jene, die aus der Verfassung hervorgeht: die Bürgerinnen und Bürger und alle, die in Österreich leben, zu schützen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Jetzt haben wir die Situation, dass sich in den letzten Monaten und Jahren sicherheitspolitisch einiges geändert hat. Wir haben aber auch die Situation, dass sich bei der Form der Angriffe einiges geändert hat: Es war früher sehr oft der Panzer, die Panzerschlacht – und wir sehen im Ukrainekonflikt, dass es die nach wie vor gibt, das heißt, natürlich müssen wir auch in diesen Bereichen gut aufgestellt sein –, aber wir sehen durchaus auch eine internationale Dynamik, die viel stärker Richtung Luftraum, Richtung Raketen, Richtung Drohnen geht. Das sehen wir, egal ob wir in die Ukraine schauen oder ob wir in den Nahen Osten schauen, in allen Kriegs- und Konfliktgebieten ist es eine ähnliche Situation. Wir haben die Aufgabe, die Bevölkerung zu schützen, wir haben aber auch die Aufgabe, die Soldatinnen und Soldaten im österreichischen Bundesheer zu schützen, und dafür müssen wir aktive Schritte beim Thema Luftraum setzen, dafür müssen wir schauen, wie wir den Luftraum sichern können, und zwar nicht nur im Sinne der Fliegerabwehr, sondern auch darüber hinaus, mit Blick auf Raketen, Drohnen und ähnliche Dinge, die auch in Zukunft auf uns zukommen werden. Wir müssen Schritt halten können. Schritt halten, da kann man natürlich sagen: Na ja, machen wir das alles isoliert, alleine! – Da sage ich Ihnen nur, dann gibt es ein ganz großes Problem. Erstens kommen wir zum Thema Daten: Wir können den Luftraum nicht alleine überwachen, denn man braucht das internationale Netzwerk, um auch früh genug reagieren zu können. Die Bundeshauptstadt Wien ist viel zu nahe an den Grenzen, als dass es sich ausginge, wenn man sagt, man schaut nur bis zur eigenen Grenze und nicht darüber hinaus, wenn dann die Rakete Richtung Wien startet und man dann erst einmal startet. Das geht sich zeitlich nicht aus, meine Damen und Herren. Ein bisschen Realitätssinn ist da notwendig, um auch die geografische Logik zu verstehen.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Du weißt schon, wie weit wir mit der Goldhaube in den Osten schauen?

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Kollege Reifenberger hat übrigens heute hier einen sehr sachlichen Beitrag gebracht, den ich eigentlich in vielen Punkten loben wollte, erstaunlich sachlich für die Haltung der FPÖ. Aber da sieht man halt, dass Herr Kickl nicht da ist und dann vielleicht die militärische Vernunft in dir ein bisschen durchkommt.

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Die ist schon weg!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Weil du aber das Thema Goldhaube angesprochen hast: Da sind wir ja beim Thema Daten! Jetzt ist von drei, vier eurer Redner das Thema gekommen, wir dürfen unsere Daten nicht weitergeben: Wir tun das ja jetzt schon, meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Wir tauschen uns jetzt schon international aus, auf europäischer Ebene und darüber hinaus.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

In einer anderen Qualität!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Das hat übrigens unter eurem ehemaligen Minister Mario Kunasek genauso stattgefunden, weil es notwendig ist, sicherheitspolitisch zusammenzuarbeiten.

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Das sind aber andere Daten!

NEOS Douglas Hoyos-Trauttmansdorff

… Es ist notwendig, Synergien zu nutzen. Es ist notwendig, dafür zu sorgen, dass die Sicherheit in Österreich gewährleistet ist, und das geht nur durch Austausch und Partnerschaft. Das sehen wir in allen Bereichen, egal ob es die Landesverteidigung oder die innere Sicherheit ist. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wenn wir beim Thema Sicherheit und Datenaustausch sind, dann seien wir uns doch ehrlich: Das geht ein bisschen vom Thema Landesverteidigung weg, aber etwa Terrorismusbekämpfung ist ein Gebiet, in dem alle zusammenarbeiten, die Nachrichtendienste der Frau Bundesministerin – beziehungsweise Ihres Hauses, sie gehören ja nicht Ihnen – ebenso wie die Zuständigen im Innenministerium. Da gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ressorts. Wir wissen auch, dass beispielsweise das geplante Attentat auf das Taylor-Swift-Konzert durch internationale Zusammenarbeit verhindert wurde. Und ein Raketenangriff ist nichts anderes. Es gilt daher, die Sicherheit zu gewährleisten, dafür braucht es diese Zusammenarbeit auf allen Ebenen, und ich würde nicht darüber diskutieren wollen, diese wegzulassen. Ein zweiter Punkt betrifft die Frage der gemeinsamen Beschaffung: Auch das passiert bereits! Wir haben jetzt schon gemeinsame Beschaffungen, übrigens auch unter dem angesprochenen Mario Kunasek gab es gemeinsame Beschaffungen und die Notwendigkeit, Synergien zu nutzen. Warum ist das notwendig? – Wir sehen die Vielzahl an Waffensystemen, die wir in Europa haben, die inkompatibel sind, und natürlich ist es, wenn wir den gemeinsamen Schutz unserer Werte, unserer eigenen europäischen Identität für wichtig erachten – und die halte ich für wesentlich, und wir sehen auch, wie sie angegriffen wird –, notwendig, zusammenarbeiten zu können. Eine gemeinsame Beschaffung, eine gemeinsame Rüstung und Aufrüstung von Europa sind daher auch wesentlich, um diese Synergien zu nutzen und dann auch gemeinsam agieren zu können. Sie sind wesentlich, um im Endeffekt Österreich zu schützen, um im Endeffekt österreichische Soldaten und Soldatinnen zu schützen, um im Endeffekt die österreichische Bevölkerung zu schützen. Deswegen ist es wesentlich, möglichst bald weitere Schritte im Bereich Sky Shield zu setzen, aber auch darüber hinaus mehr auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten, um wirklich langfristig Sicherheit in Österreich gewährleisten zu können. (👏 ÖVP, NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter David Stögmüller .

GRÜNE David Stögmüller

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, werte Damen und Herren! Ich glaube, eines ist klar: Europa steht verteidigungspolitisch vor einer Zeitenwende – das ist in den vergangenen Wochen auch unmissverständlich klar geworden. Russland führt weiterhin einen Krieg gegen Europa, nicht nur einen blutigen Angriffskrieg gegen Europa in der Ukraine, sondern auch – wie uns diese Woche wieder in Erinnerung gerufen worden ist – einen hybriden Krieg gegen Europa, auch hier bei uns in Österreich. Gleichzeitig zieht sich Amerika aus seiner historischen Rolle als verlässlicher Sicherheitspartner zurück und fällt Verbündeten in den Rücken – meiner Meinung nach eine historische Fehlentscheidung von Trump, die Putin für seine mörderische Invasion de facto belohnt und auch ein klares Zeichen an uns sendet: Europa steht alleine da! Damit beginnt aber auch für Europa eine neue Ära: eine neue Ära der Unsicherheit, eine Ära der Aufrüstung …

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Die Grünen! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Jetzt habt ihr gerade abgerüstet!

GRÜNE David Stögmüller

… aber auch eine Ära, die Möglichkeiten bringt.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Man glaubt es nicht!

GRÜNE David Stögmüller

… Wir haben uns diese Zeitenwende nicht ausgesucht, Herr Kollege Kickl; wir haben sie nicht ausgesucht.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Na, ihr seid schon wieder hintennach!

GRÜNE David Stögmüller

… Vielleicht haben Sie darauf gehofft, dass Russland angreift, aber das ist nicht so; wir haben uns diese Zeitenwende nicht ausgesucht. Es ist aber wie gesagt auch eine Ära der Möglichkeiten, und wir können daraus etwas machen. Die Frage ist: Was machen wir als Europa daraus? – Für die FPÖ ist die Antwort eh klar …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wo hast denn du deinen Grundwehrdienst gemacht?

GRÜNE David Stögmüller

… die FPÖ sagt: Wir isolieren uns – Isolation ist euer neues Lieblingswort …

FPÖ Reifenberger (Zwischenruf)

Souveränität! Du verwechselst da etwas!

GRÜNE David Stögmüller

… und sagen den internationalen Partnern – außer euren Freunden –: Geht uns eh alles nichts an, da wollen wir gar nicht mitmachen! Wir leugnen unsere gemeinsame europäische Verantwortung oder biedern uns sogar unseren Aggressoren an. – Das ist das, was ihr wollt und was ihr macht …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wo hast du deinen Grundwehrdienst geleistet? Wo warst du eingerückt?

GRÜNE David Stögmüller

… aber sicherlich nicht mit uns.

FPÖ Kickl (Zwischenruf)

Rückst du auch noch ein?

GRÜNE David Stögmüller

… Für uns ist das eine Möglichkeit. Wir verstecken uns nicht, wir fürchten uns nicht vor dieser neuen prekären Lage …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Du warst nicht eingerückt! Und jetzt gescheit reden!

GRÜNE David Stögmüller

… sondern ganz im Gegenteil: Wir sehen da eine Gelegenheit, eine Gelegenheit, unsere europäische Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen, eine Gelegenheit, unsere Nachrede bei unseren Partnerstaaten, bei unseren Kolleginnen und Kollegen wiederherzustellen, das Ansehen Österreichs in der internationalen Friedensdiplomatie wieder aufzuwerten.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Selber nicht einrücken und sich wichtigmachen!

GRÜNE David Stögmüller

… Weil ihr da immer so schreit: Wo sind denn eure Anträge zur Friedensdiplomatie? …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Wo warst du eingerückt, Herr Kollege, wo?

GRÜNE David Stögmüller

… Wo sind die? – Es sind keine da. Es ist auch eine Gelegenheit, unsere Neutralität zu wahren und gleichzeitig neu, aktiv zu denken, zu überlegen, wo Österreichs Platz in diesem neuen Europa voller Solidarität und Zusammenarbeit liegt und wie wir als neutraler Staat sehr wohl einen Beitrag leisten können, der diesem Europa auch einen Mehrwert bringt. Das sollt ihr euch fragen. Die EU hat das bereits als eine Gelegenheit begriffen und ein historisches 800 Milliarden Euro schweres Investitionspaket auf den Weg gebracht, das die territoriale Sicherheit des Kontinents wieder herstellt – ein doch wichtiger Schritt, ein großer Schritt auch für Europa. Auch wir setzen einen großen ersten Schritt hier im Haus, indem wir mit unserer Teilnahme an der Sky-Shield-Initiative ein für alle Mal signalisieren: Österreich wird ein verlässlicher Partner im Rahmen der kollektiven Sicherheit Europas bleiben!, und daran kann auch die FPÖ nicht rütteln. Uns bleibt die enge parlamentarische Kontrolle – na no, na na –, gerade bei den Rüstungsausgaben, und die ist wichtiger denn je. Und ich sage eines auch klar: Die parlamentarische Aufsicht ist keine Hürde für das österreichische Bundesheer, sondern sehr wohl eine Stütze. Die Beschaffungs-Prüfkommission, die wir in der letzten Gesetzgebungsperiode eingeführt haben, stellt gemeinsam mit diesem Haus sicher – so steht es im Antrag –, dass Investitionen in die Sicherheit Österreichs kosteneffizient und transparent vorgenommen werden und die Qualität der Geräte – das ist auch der Anspruch – den Bedürfnissen des Bundesheeres entspricht. Auf der einen Seite steht die Handlungsfähigkeit des Bundesheeres, und auf der anderen Seite bringen Transparenz und Effizienz auch bei Sky Shield Transparenz und Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger. Wir haben diesen Antrag initiiert, weil wir das sicherstellen wollen, weil wir Transparenz haben wollen, weil wir haben wollen, dass die Bürgerinnen und Bürger sicher sein können, dass Steuergeld für die besten Geräte ausgegeben wird und nicht irgendwo hintenherum verschwindet. (👏) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir diese Gelegenheit wirklich ergreifen wollen und sofern zumindest unter vier der fünf Parteien hier im Haus Konsens herrscht, dass wir unsere europäischen Partner nicht im Stich lassen, können wir nicht bei Sky Shield haltmachen – Punkt. Das spielt es nicht. Österreichs Rolle kann und muss die eines verlässlichen Partners in Europa sein. Es kann nicht sein, dass wir einfach als Trittbrettfahrer unterwegs sind, das links liegen lassen, sondern wir müssen gemeinsam daran arbeiten, wir müssen zusammenarbeiten. Es ist die Zeit gekommen, größer zu denken. Diskussionen, wie unsere Neutralität im 21. Jahrhundert aussehen soll, spuken in diesem Haus schon seit drei Jahren herum. Jetzt muss die Regierung endlich einen offenen, breiten öffentlichen Diskurs führen. Es geht dabei nicht um etwas Unwichtiges, nicht um irgendwelche akademischen Debatten, Frau Verteidigungsminister, wie Sie letzte Woche im „Standard“ gesagt haben, sondern ganz im Gegenteil, das ist eine Grundsatzfrage. Es geht um die Rolle, die Österreich in Europa in diesem neuen Zeitalter einnehmen soll. Das ist durchaus konkret und wichtig. Zentral ist, dass diese Debatte in der Öffentlichkeit stattfindet, nicht auf Verwaltungsebene, sondern sehr wohl politisch – mit der Zivilgesellschaft, mit der Opposition. Diese Zukunftsfrage müssen wir uns gemeinsam mit der österreichischen Bevölkerung stellen. Natürlich – ich höre schon wieder Herrn Kickl mit seinen Zwischenrufen …

FPÖ Kaniak (Zwischenruf)

... Wahnvorstellungen oder was? – Heiterkeit bei der FPÖ

GRÜNE David Stögmüller

… ist solch ein Umdenken auch möglich, ohne die Verfassung zu verletzen. Wir müssen nicht die Verfassung verletzen, sondern das Gegenteil ist der Fall. Die Frage ist: Was will unsere Neutralität, was wollen wir? Und dazu kommt ja nichts von Ihnen. Wo sind denn Ihre Anträge dahin gehend, dass Österreich Vorreiter in der internationalen Rüstungskontrolle wird? Wo sind denn diese Entwürfe, wo sind denn eure Friedensinitiativen? Ihr redet da draußen, aber hier im Parlament macht ihr nichts, genau null. Die Neutralitätssprecherin sitzt hier vorne – null Anträge, nichts kommt! Das ist genau der Punkt. Österreich hat den Unoda-Sitz in Wien, der Irandeal 2015 wurde hier unterzeichnet, wir haben die Vienna Declaration and Programme of Action , gehören zu den Unterzeichnerstaaten des Atomwaffenverbotsvertrages. Genau an diese diplomatischen Erfolge müssen wir anknüpfen, da müssen wir weiterarbeiten, auch daran, die Neutralität Österreichs als Asset zu sehen. Genau bei diesen Punkten müssen wir weiterarbeiten und dürfen uns nicht irgendwie als rhetorischer Schutzschirm von Putin verstehen, dafür missbraucht werden. Genau das ist die große Herausforderung. Überlassen wir unsere Neutralität wirklich denen, die mit einem Diktator einen Freundschaftsvertrag unterzeichnet haben, während dieser auf österreichischem Boden FSB-Agenten herumschickt? – Nein, sage ich. Überlassen wir es einem Diskurs, wie wir diese Neutralität aktiv gestalten, wie wir Diplomatie ausbauen! Arbeiten wir enger mit den Partnerstaaten in Europa zusammen, bauen wir gemeinsam ein Sicherheitsgefüge von morgen auf, und setzen wir Österreich wieder in das Zentrum der globalen Friedensdiplomatie! – Vielen Dank. (👏 NEOS)

PräsidiumDoris Bures

Nun hat sich Frau Bundesministerin Klaudia Tanner zu Wort gemeldet. – Bitte, Frau Ministerin.

ÖVP Michael Hammer

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sind heute wieder Zeuge dessen geworden – und es ist gut, dass wir im Bereich Landesverteidigung nicht nur im Landesverteidigungsausschuss diskutieren, sondern auch Plenardebatten durchführen –: Es hat sich heute in den Redebeiträgen das erste Mal gezeigt, dass sich die neue Sitzordnung im Plenum bewährt hat, weil man sich, von da beginnend ( auf die ÖVP-Reihen weisend und eine Handbewegung nach links machend ), rot-weiß-rot wirklich mit der Sicherheit des Landes und den Interessen des Landes auseinandersetzt, auch bereit ist, die Neutralität zu verteidigen und das nicht nur als Schlagwort hinzuwerfen, aber dann, wenn es um konkrete Maßnahmen geht, nämlich genau diese Neutralität und die Souveränität des Staates zu verteidigen, nicht dabei ist. Also das ist heute sehr eindrucksvoll vor Augen geführt worden. (👏 ÖVP) Ganz allgemein gewinnt man im sicherheits- und verteidigungspolitischen Bereich ja den Eindruck, dass ihr ( in Richtung FPÖ ) ein bisschen wie ein Geisterschiff unterwegs seid, das im Übrigen eure Freunde aus Moskau auch sehr häufig einsetzen, das unter irgendwelchen Flaggen fährt, aber sicher nicht unter einer rot-weiß-roten, und irgendwann überdribbelt ihr euch selbst in euren Argumentationen. Ihr seid zum einen dafür – und das wurde von der Frau Bundesminister auch gelobt –, dass man mit der Mission vorwärts, mit dem Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetz konkret den Weg des Aufwuchses geht, wenn aber dann im Europäischen Parlament darüber abgestimmt wird, die Verteidigungsausgaben auf europäischer Ebene deutlich zu erhöhen, stimmt ihr dagegen. Wenn es um die Sky-Shield-Initiative geht, seid ihr dagegen. Wenn es um die Rearm-Initiative der Europäischen Kommission geht: Wer ist dagegen? – Die Freiheitliche Partei. Wofür seid ihr in Wirklichkeit? All das schützt unsere Souveränität und unser Land nicht. Wir brauchen ganz konsequent diesen Weg, die Landesverteidigung aufzustocken, auszubauen. Da ist auch von eurer Seite die Bereitschaft zu gewährleisten, dass wir das gemeinsam umsetzen. Es ist – das wurde auch von vielen Vorrednern angesprochen – halt leider weltpolitisch und auch in Europa nicht mehr so, dass wir da ohne Schutz sein können. Wir müssen uns selber auf die eigenen Füße stellen. Wenn man sich die Initiativen und die Chats auch aus Amerika anschaut, so ist die Conclusio, dass wir am Ende des Tages selbst für unsere Verteidigung sorgen müssen. All die Initiativen, die da auf europäischer und auf nationaler Ebene gesetzt werden, werden von euch konterkariert. Ihr seid – das haben wir immer gesagt und dabei bleibt es auch – ein sicherheitspolitisches Risiko und ein Risiko für dieses Land. Ich bin froh, dass es hier herinnen eine breite Koalition, eine breite Mehrheit für die Verteidigung, die Landesverteidigung und unser Bundesheer gibt. – Danke. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Petra Oberrauner .

SPÖ Petra Oberrauner

Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie! Ich möchte noch einmal klarlegen, warum wir den Antrag zu Sky Shield eingebracht haben. Österreich muss sich wirksam gegen Bedrohungen aus der Luft schützen können. Sky Shield ist notwendig, weil diese Initiative die Sicherheit verbessert, und sie ist mit der Neutralität vereinbar. Es geht auch um Effizienz, eine kostengünstige Beschaffung durch Kooperation – ich glaube, das wird jedem einleuchten –, und der Antrag sichert natürlich auch Transparenz und Kontrolle. Kommen wir zu den Argumentationen: Auch die Bedrohungen aus der Luft nehmen zu. Es gibt Drohnen, Raketen, feindliche Staaten, Terroristen und fehlgeleitete Drohnen rund um uns herum. Die Situation ist nicht mehr so sicher, wie sie früher war. Zum Thema Trump muss man sagen: Er ist ein Sicherheitsrisiko für Europa. (👏 SPÖ) Die Neutralität bleibt selbstverständlich gewahrt. Österreich entscheidet souverän über den Einsatz, und die strikte Einhaltung von verfassungs- und neutralitätsrechtlichen Bestimmungen ist natürlich gewährleistet. Kooperation heißt nicht Aufgabe der Neutralität. Eine gemeinsame Beschaffung ist militärisch und wirtschaftlich sinnvoll. Alleine hätten wir höhere Kosten und längere Wartezeiten. Vorteile sind auch bessere Konditionen, effiziente Wartung und schnellere Einsatzfähigkeit. Zur Transparenz und Kontrolle kann man sagen, dass es eine Beschaffungs-Prüfkommission geben wird, die alle Ausgaben und die Projekte dazu prüft. Das Parlament wird regelmäßig informiert. Der Antrag stärkt also die Sicherheit, wahrt die Neutralität und gewährleistet Transparenz. Ich möchte noch einen Satz dazu sagen, weil die FPÖ immer gewisse Dinge vermischt, die eigentlich nicht zu vermischen sind. Ich glaube nicht, dass Sie in einer Festung Bedrohungen aus der Luft abwehren können. Ich glaube auch nicht, dass wir die kleineren Parteien sind, denn wenn Sie sich die Ergebnisse anschauen: 64,7 Prozent sind noch immer mehr als 28,8 Prozent. Ich glaube auch, dass Sie in diesem Fall, bei dem es um den Schutz der Bevölkerung geht, wirklich kooperativ vorgehen könnten und auch einmal das Recht der Bevölkerung und nicht nur Ihr eigenes Ego im Auge haben sollten. – Danke. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort gelangt nun Abgeordneter Johann Höfinger .

ÖVP Mst. Johann Höfinger

Geschätzte Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es wurde von vielen meiner Vorredner sehr ausführlich skizziert, worum es denn inhaltlich in dieser Debatte geht. Es geht darum, sowohl die Neutralität – und das ist uns durch die Verfassung auch vorgegeben – als auch unseren unmittelbaren Luftraum zu schützen; und das können wir nicht mit herkömmlichen Mitteln. Die technischen Anforderungen haben sich weiterentwickelt. Da muss ich natürlich die Frage stellen: Wollen wir das in Zukunft auch gewährleisten und können wir das? – Da kann man nur mit aller Deutlichkeit sagen: Ja, wir wollen das unbedingt und wir können das. Wir sind dazu zum Schutze unserer Bevölkerung verpflichtet. Die Frage ist: Können wir das alleine tun? – In Wirklichkeit müssen wir da sagen: Nein, es ist ein riesiges Projekt, so einen Schutzschild aufzubauen, und das geht nur in Kooperation mit anderen, denn die technischen Voraussetzungen, die dafür notwendig sind, sind so umfassend und teuer, das könnten wir alleine nicht aufbauen. Daher schon ein Widerspruch zu dem, was ein freiheitlicher Kollege hier gemeint hat: Na ja, das können oder sollten wir alleine tun. – Das geht nicht. Ist das mit unserer Neutralität vereinbar? – Ja. Die Schweiz ist vor einem Jahr, am 10. April 2024, Sky Shield beigetreten. Die Schweiz wird so oft wie eine heilige Monstranz vorangetragen, wenn es um die Neutralität geht, und auch die Schweiz ist mit dabei. Daher gilt auch dieses Argument nicht. Die Frage ist: Haben wir bisher schon Kooperationen mit anderen, die uns bei der Verteidigung Österreichs helfen? – Ja, haben wir auch schon. In vielen Teilen des Luftverkehrs, des militärischen Luftverkehrs, der Luftabwehr und darüber hinaus, auch was die Bodentruppen betrifft, geht es immer wieder um Navigationssysteme, auf die wir angewiesen sind. Heute wurde auch schon erwähnt: Auch die Goldhaube arbeitet international. Es geht um GNSS, um das globale Navigationssatellitensystem, auf das wir angewiesen sind, und wie Sie vielleicht auch von den Freiheitlichen wissen: Wir sind noch kein Staat mit Satelliten, wir haben noch keine eigenen Satelliten, die wir um die Welt schicken, um unsere eigenen Navigationssysteme darauf aufbauen zu können. Es gibt vier große, weltweite Navigationssysteme, zwei im Westen, GPS und Galileo, und zwei im Osten, Glonass von den Russen und auch noch eines von den Chinesen. Und da denke ich: Wo sollten wir auch in Zukunft mitbeteiligt sein? – Ich denke, bei den Russen und Chinesen nicht. Daher: Kooperationen gibt es bisher schon, das ist nichts Neues. Es ist auch eine Kostenfrage, wenn wir uns daran beteiligen. Wie gesagt, wir sollten das alle gemeinsam mittragen. Es ist sehr auffällig, dass es hier vier Partner gibt, die in dieser Frage Hand in Hand gehen – nur die Freiheitlichen nicht. Die Frage ist dann für mich: Was ist denn eure Antwort für den Schutz Österreichs? Was ist denn eure ernsthafte Antwort für den Schutz der Neutralität? Ich habe von euch immer nur fadenscheinige Fragen gehört, aber keine einzige Antwort, und das ist die aktuelle Situation der Politik. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Frau Bundesminister, vielen herzlichen Dank für diese Initiative. Ich denke, das ist ein wichtiges Projekt, das wir in der Verantwortung für die Bevölkerung dieses Landes alle gemeinsam mittragen sollten. – Danke schön. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumDoris Bures

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Manfred Hofinger .

ÖVP Manfred Hofinger

Danke, Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich darf zu Beginn im Namen von Abgeordnetem Hechenberger eine Seniorengruppe aus Tirol recht herzlich begrüßen, die Seniorengruppe aus Radfeld, Rattenberg. – Herzlich willkommen im Hohen Haus! ( Allgemeiner Beifall. ) Geschätzte Damen und Herren, die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich aufgrund des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine und des Verhaltens der USA maßgeblich verändert. Das führt dazu, dass wir die Verteidigung selbst in die Hand nehmen müssen. Dass die Sicherheit Geld kostet, ist, glaube ich, uns allen bewusst. Wir haben in der vergangenen Regierungsperiode auch viel Geld in die Hand genommen. Wir haben 2024 insgesamt 4,2 Milliarden Euro investiert. Wir kommen somit unserem Ziel, 2 Prozent des BIPs für unsere Verteidigung auszugeben, immer näher. – Herzlichen Dank, Frau Bundesminister, dass das möglich geworden ist. Es ist aber auch in der neuen Bundesregierung ein wichtiges Ziel, in diesem Bereich Investitionen voranzutreiben, in die Mobilität, aber genauso in die Infrastruktur zu investieren. Wir kaufen 36 Hubschrauber an, wir investieren in 225 Pandur-Panzer, und es werden vier Transportmaschinen angekauft. Wo das aber am meisten sichtbar wird, ist bei Investitionen in die Infrastruktur, in die Kasernen. Da möchte ich die Kaserne in meiner Umgebung, die Zehner-Kaserne in Ried, anführen, anhand derer die Modernität der Kasernen und der Mobilität sichtbar wird, was maßgeblich zur Motivation der Truppe beiträgt und in weiterer Folge für die Rekrutierung von Soldatinnen und Soldaten wichtig ist. Geschätzte Damen und Herren, zur Sky-Shield-Initiative möchte ich eines sagen: Die Bedrohungen haben sich verändert, es wird sehr viel mit Drohnen angegriffen. Die Luftraumverteidigung in Österreich ist auf die Probe gestellt. Wir müssen uns auch einem Abwehrsystem anschließen – einem Abwehrsystem, aber keinem Angriffssystem. Es bietet sich die Sky-Shield-Initiative besonders gut an, die in keinem Widerspruch zu unserer Neutralität steht. Meine Damen und Herren von der FPÖ, bitte verunsichern Sie nicht die Österreicherinnen und Österreicher, indem Sie zum Beispiel Aussagen tätigen wie jene, dass eine verbesserte Selbstverteidigung Österreichs die Republik in einen Krieg mit Russland führen könnte. – Was ist das für eine Verunsicherung? Bitte, geschätzte Damen und Herren, das haben sich die Österreicherinnen und Österreicher nicht verdient! …

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Schau einmal im Wörterbuch nach, was Legitimate Target heißt! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.

ÖVP Manfred Hofinger

… Zusammenfassend möchte ich noch einmal sagen: Wir brauchen diese Initiative Sky Shield, um die verfassungsmäßige Verteidigung Österreichs zu gewähren und unser schönes Österreich zu verteidigen. – Herzlichen Dank. (👏 ÖVP)

PräsidiumDoris Bures

Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. Damit ist diese Debatte geschlossen. Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Änderung 6 des Europäischen Übereinkommens über die Arbeit des im internationalen Straßenverkehr beschäftigten Fahrpersonals (AETR)

44 d.B. · Regierungsvorlage · Regierungsvorlage 24 d.B.Offizieller Gesetzentwurf der Bundesregierung, der dem Nationalrat zur Beschlussfassung zugeleitet wurde.
DAFÜR
FPÖÖVPSPÖNEOSGRÜNE

Zusammenfassung

Der Nationalrat soll gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG den Abschluss des Staatsvertrags „Änderung 6“ zum AETR genehmigen. Eine gesonderte Beschlussfassung nach Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG wird als nicht erforderlich angesehen, da die Bestimmungen unmittelbar anwendbar sind.

Betroffen sind Berufskraftfahrer und Verkehrsunternehmen im internationalen Straßenverkehr sowie die Kontroll- und Vollzugsbehörden, insbesondere durch angepasste Lenk- und Ruhezeiten, Kontrollsysteme und neue Musterformulare.

Dokumente

Änderung 6 des Europäischen Übereinkommens über die Arbeit des im internationalen Straßenverkehr beschäftigten Fahrpersonals (AETR)

Ausgangslage und Zweck der Änderung

  • Gegenstand ist die „Änderung 6“ des Europäischen Übereinkommens über die Arbeit des im internationalen Straßenverkehr beschäftigten Fahrpersonals (AETR) zum Übereinkommen vom 1. Juli 1970 (BGBl. Nr. 518/1975; zuletzt geändert BGBl. III Nr. 69/2010).
  • Das AETR wurde bisher fünfmal geändert; die Änderungen dienen der Berücksichtigung des technischen Fortschritts sowie der Übereinstimmung und des Zusammenhangs mit europarechtlichen Vorschriften.
  • Die Änderung 6 ist am 20. September 2010 in Kraft getreten (ECE/TRANS/SC.1/386/Add.1).

Bisherige Änderungen (Überblick)

  • „Änderung 2“ trat am 24. April 1992 in Kraft und wurde von Österreich 1993 angenommen (BGBl. Nr. 203/1993).
  • Österreich nahm 2010 (BGBl. III Nr. 69/2010) drei weitere Änderungen an: „Änderung 3“ (Art. 10 und 13 sowie Anhang; in Kraft seit 28. Februar 1995), „Änderung 4“ (Art. 12; in Kraft seit 27. Februar 2004) sowie die „Änderung betreffend digitale Tachographen“/„Änderung 5“ (Art. 10, 13, 21, 22, 22 bis sowie Anhang samt Anlagen; in Kraft seit 16. Juni 2006).

Inhaltliche Schwerpunkte der Änderung 6

  • Regelungen zu Lenk- und Ruhezeiten.
  • Ergänzung und Präzisierung von Definitionen.
  • Regelungen zur Verbesserung des Kontrollsystems.
  • Pflichten der Verkehrsunternehmen.
  • Einführung neuer Musterformulare.

Zielsetzung und Einordnung im Verhältnis zum EU-Recht

  • Die Änderungen dienen der Angleichung des AETR an die in der Europäischen Union bestehenden Rechtsvorschriften über Lenk- und Ruhezeiten von Berufskraftfahrern.
  • Ziel ist die Einheitlichkeit der für den internationalen Straßenverkehr geltenden Vorschriften in allen Ländern der UNECE sowie eine Verbesserung der Verkehrssicherheit.
  • Die Änderung 6 wird als Zwischenanpassung dargestellt, weil die Verhandlungen zur vollständigen Angleichung an EU-Vorschriften zu Fahrtenschreibern/Kontrollgeräten (VO (EU) Nr. 165/2014) und zu Lenk- und Ruhezeiten/Sozialvorschriften (VO (EG) Nr. 561/2006) noch nicht endgültig abgeschlossen sind.

Betroffene Bestimmungen und Umsetzungsumfang im AETR

  • Erforderlich sind Änderungen und Ergänzungen des Hauptteils des AETR, konkret der Artikel: Art. 1, 2, 3, 6, 7, 8, 8 bis, 9, 11, 12, 12 bis, 13 bis und 22 ter.
  • Zusätzlich sind Anpassungen des Anhangs zum AETR erforderlich.
  • Weiters sind die Anlagen zum Anhang betroffen, einschließlich der Anlagen 1 und 2 sowie der neuen Anlage 3.

Verfassungsrechtliche und innerstaatliche Umsetzung

  • Der Staatsvertrag hat gesetzändernden bzw. gesetzesergänzenden Charakter und bedarf daher der Genehmigung durch den Nationalrat gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.
  • Er wird als nicht politischer Staatsvertrag eingeordnet und gilt als der unmittelbaren Anwendung im innerstaatlichen Rechtsbereich zugänglich; daher ist eine Erlassung von Gesetzen gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG nicht erforderlich.
  • Eine Zustimmung des Bundesrates gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 2 B-VG ist nicht erforderlich, da keine Angelegenheiten des selbständigen Wirkungsbereichs der Länder geregelt werden.

Sprachfassungen

  • Der Staatsvertrag ist in englischer und französischer Sprache authentisch.
  • Dem Nationalrat werden die authentischen englische und französische Sprachfassung sowie eine deutsche Übersetzung vorgelegt (Art. 50 Abs. 2 Z 3 B-VG).

Empfehlung/Antrag an den Nationalrat (inhaltlich)

  • Empfohlen wird die Genehmigung des Abschlusses des Staatsvertrages „Änderung 6 des AETR“ gemäß Art. 50 Abs. 1 Z 1 B-VG.
  • Festgehalten wird, dass die Bestimmungen für die unmittelbare Anwendung im innerstaatlichen Bereich ausreichend determiniert sind, sodass ein Beschluss gemäß Art. 50 Abs. 2 Z 4 B-VG zur Erfüllung des Staatsvertrages entbehrlich ist.

Abschaffung der CO2-Steuer

45 d.B. · Antrag vonFPÖ · Entschließungsantrag 84/A(E)Von Abgeordneten eingebrachter, nicht bindender Antrag, mit dem der Nationalrat die Bundesregierung zu bestimmten Maßnahmen auffordert.
DAFÜRDAGEGEN

Zusammenfassung

Der Nationalrat lehnte den Entschließungsantrag ab, die CO2-Bepreisung (CO2-Steuer) abzuschaffen. Damit bleibt die bestehende CO2-Abgabe samt der vorgesehenen stufenweisen Erhöhungen weiterhin in Kraft.

Betroffen sind vor allem Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen, die fossile Kraft- und Brennstoffe nutzen, insbesondere im Verkehrsbereich (Benzin und Diesel).

Ziel des Antrags war es, die CO2-Steuer zu streichen, um Mobilitäts- und Energiekosten zu senken und damit Haushalte zu entlasten sowie inflationstreibende Effekte zu reduzieren.

Dokumente

Abschaffung der CO2-Steuer

Gegenstand des Berichts

  • Behandelt wird ein Entschließungsantrag (84/A(E)) der Abgeordneten Christian Hafenecker, MA, und weiterer Abgeordneter mit dem Ziel der Abschaffung der CO2-Steuer in Österreich.
  • Der Antrag wird damit begründet, dass die CO2-Bepreisung (Einführung und fortgesetzte Ausweitung) Mobilität verteuere und die Inflation anheize.

Kritik an der CO2-Steuer und an der Fortführung durch die Bundesregierung

  • Die Antragsteller kritisieren die Einführung der CO2-Steuer durch die frühere schwarz-grüne Bundesregierung sowie die Fortführung („Prolongierung“) durch die aktuelle Regierung aus ÖVP, NEOS und SPÖ.
  • Es wird angeführt, dass mit Beginn 2025 eine automatische, vorgesehene Erhöhung der CO2-Steuer umgesetzt worden sei.

Einnahmen aus der CO2-Steuer und erwartete Mehrbelastung

  • Bis Ende 2024 seien aus der CO2-Steuer Einnahmen von über 1 Mrd. EUR pro Jahr erzielt worden.
  • Durch die Anhebung ab 2025 werde ein weiteres Ansteigen der Einnahmen erwartet, was nach Darstellung der Antragsteller mit einer wachsenden finanziellen Belastung der Bevölkerung einhergehe.

Auswirkungen auf Treibstoffpreise und konkrete Mehrkosten

  • Die CO2-Steuer erhöhe u.a. die Benzin- und Dieselpreise; durch die jährliche, stufenweise Erhöhung steige 2025 der Preis an den Zapfsäulen auf 15 Cent je Liter Diesel (inkl. MwSt.) und 16,5 Cent je Liter Benzin (inkl. MwSt.).
  • Als konkrete Beispiele werden Mehrkosten für eine 50-Liter-Tankfüllung genannt: für Dieselfahrzeuge +8 Euro, für Benzinfahrzeuge +7,5 Euro.

Inflation und Lebenshaltungskosten als zentrale Begründung für die Abschaffung

  • Statt weiterer Belastungen solle die Bevölkerung „massiv entlastet“ werden; die CO2-Steuer werde als Faktor dargestellt, der die Inflation nach oben treibe.
  • Es wird behauptet, dass auch 2025 die Inflation und damit die Lebenshaltungskosten wieder steigen würden.
  • Besonders stark im Steigen begriffen seien u.a. die Energiepreise; die CO2-Steuer allgemein und insbesondere deren Erhöhung werde als erheblicher Treiber der Inflation bezeichnet.

Abschaffung der CO2-Steuer

~89 min Lesezeit
Dafür: FPÖ Dagegen: ÖVPSPÖNEOSGRÜNE
GRÜNE Leonore Gewessler

Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Verkehrsminister! ( Die Rednerin stellt eine Tafel mit der Aufschrift „Lobau schützen“ und einem durchgestrichenen illustrierten Bagger auf das Redner:innenpult. Die Tafel fällt herunter. ) – Ich übe das noch am Rednerpult. Wir machen das jetzt so ( die Tafel mit der Hand in die Höhe haltend ), denn darum geht es uns heute. Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Verkehrsminister, lieber Peter! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Wir Grüne haben diese Dringliche Anfrage heute eingebracht und an den Verkehrsminister gerichtet, weil diese Regierung vor einer grundlegenden verkehrspolitischen Fehlentscheidung steht. Deshalb stehe ich heute hier: um mich entschieden gegen den Bau der Lobauautobahn und des Lobautunnels mitten durch den Nationalpark auszusprechen. Die Lobauautobahn ist derzeit das mit Abstand teuerste, das mit Abstand umweltschädlichste, das mit Abstand größte Autobahnbauvorhaben Österreichs; ein Milliardengrab aus dem letzten Jahrtausend, für das Österreichs Steuerzahlerinnen und Steuerzahler vom Bodensee bis zum Neusiedler See eine bittere Zeche zahlen werden. Deswegen steht diese Dringliche Anfrage auch unter genau diesem Motto Lobau schützen. (👏) Es sind die zukünftigen Generationen, denen dann das Geld für die Zukunftsinvestitionen fehlt, und es sind jene zukünftigen Generationen, die für die Milliardenschulden haften, die die Asfinag im Fall einer Realisierung aufnehmen und langfristig bedienen müsste. Wenn dieser Tunnel gebaut wird, schütten wir Zukunft mit Beton zu! Das wissen Sie genau, denn die Fakten liegen auf der Hand. Hier wird ein Bauprojekt, ein Betonprojekt, aus der Mottenkiste geholt, in der es schon gut drinnen war – und das wirklich gegen jeden Sachverstand und gegen die eindeutige Empfehlung der Wissenschaft. Lieber Herr Verkehrsminister, deswegen gibt es heute diese Dringliche Anfrage. Ich erwarte mir, dass Sie heute hier auch Farbe bekennen und ehrlich sind, denn die Fakten liegen auf dem Tisch. (👏) Sie planen mit diesem Projekt nichts weniger, als den Nationalpark der Wienerinnen und Wiener, den Haus-und-Hof-Nationalpark der Wienerinnen und Wiener, auf Druck Ihrer Wiener Parteikollegen zu zerstören. Aber gehen wir es der Reihe nach durch, denn die umfangreichen Untersuchungen der letzten Jahre geben uns ja ein gutes Handwerkszeug dafür. Es ist völlig klar – die Wissenschaft ist sich da sehr einig –, die Lobauautobahn gefährdet die Klimaziele der Stadt Wien und bringt darüber hinaus mehr Verkehr statt der versprochenen und oft behaupteten Verkehrsentlastung, erhöht die Feinstaub- und Lärmemissionen, zerstört Unmengen an natürlichem grünen Boden, betoniert eine Fläche in der Größe eines Wiener Bezirks zu, gefährdet den Nationalpark und kostet Milliarden, die wir anderswo besser brauchen können. (👏) Ich würde es jetzt gerne Punkt für Punkt durchgehen, diese Möglichkeit bietet ja die Dringliche Anfrage. Beginnen wir mit der Verkehrsbelastung. Ganz banale Erkenntnis: Mehr Straßen führen zu mehr Verkehr. Das ist immer und immer wieder bewiesen worden. Ein Autobahnprojekt, das zu weniger Verkehr führt, gibt es nicht. Es wird immer zuerst von Verkehrsentlastung geredet, und dann am Ende stehen die Menschen auf einer Spur mehr im Stau. Was führt zu weniger Verkehrsbelastung? – Mehr Öffiverkehr führt zu weniger Verkehrsbelastung. Eine gescheite Verkehrslenkung führt zu weniger Verkehrsbelastung. Eine Infrastruktur fürs Radfahren und Zufußgehen führt zu weniger Verkehrsbelastung. Vieles davon hat die Stadt Wien in den letzten Jahren umgesetzt, auch unterstützt durch die Förderungen aus dem Bund. Deshalb hat sich der Verkehr in Wien verändert …

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Privatjets führen zu weniger Verkehrsbelastung!

GRÜNE Leonore Gewessler

… und zwar so, dass die Prognosen, auf denen diese Autobahn beruht, schlicht und ergreifend falsch und veraltet sind.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Und die Leute, die dort leben, haben keine Bedürfnisse?!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Also bitte festhalten: Wir wollen da Milliarden Euro in eine Autobahn schütten, die nicht auf aktuellen Zahlen beruht. Es gibt aktuell überhaupt nicht so viel Verkehr, wie dort angenommen wurde, um die Notwendigkeit dieser Autobahn zu begründen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Dann stellen Sie sich bitte jeden Tag in der Früh auf die ...brücke!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Lassen Sie sich das bitte auf der Zunge zergehen! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das ist zynisch den Pendlern gegenüber!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Deswegen sollen wir diesen Weg weitergehen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Na und den Bewohnern!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Ich komme schon noch zu Ihrem Zwischenruf, Herr Hafenecker.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Zynisch! Pendler und Bewohner!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Daran festzuhalten, heißt nämlich, genau die Menschen im Regen stehen zu lassen, für die Sie sich jetzt gerade aussprechen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Das ist wissenschaftsfeindlich, was Sie da machen! – Abg. Zarits [ÖVP] – erheitert –: Das sagst du!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Es gibt überhaupt keinen Grund, diesen erfolgreichen Weg, den es die letzten Jahre in der Verkehrsentwicklung in Wien gegeben hat, nicht weiterzugehen. Und das hat sich ja die Stadt Wien auch vorgenommen: Sie will die Zahl der Einpendlerinnen und Einpendler halbieren. Das ist erreichbar und möglich …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Wie? Wie soll das funktionieren?

GRÜNE Leonore Gewessler

… aber es ist unter Garantie unerreichbar und unmöglich, wenn man den Tunnel baut.

FPÖ Darmann (Zwischenruf)

Werden Arbeitsplätze vernichtet! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Wer soll dann die U-Bahn-Steuer zahlen?

GRÜNE Leonore Gewessler

… Auch da: Mehr Straßen heißt mehr Verkehr, mehr Dreck in der Luft, mehr Klimazerstörung, also das Gegenteil von dem, was wir gerade brauchen.

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Und wer zahlt dann die U-Bahn-Steuer?

GRÜNE Leonore Gewessler

… Zweiter Punkt, die Emissionen – ich habe ja gesagt, ich kann die Anfrage Punkt für Punkt durchgehen –: Wir haben eine ziemlich große Herausforderung bei den Emissionen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Das ist super, wenn man im Stau steht, die Emissionen! Grandios!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Der Verkehr ist nach wie vor der größte Emittent von klimaschädlichen Treibhausgasen. Rund 30 Prozent der gesamten Emissionen gehen auf das Konto des Verkehrs. Weil Kai Jan Krainer vorhin Wien gelobt hat: In Wien sind es 36 Prozent der Emissionen, die sind auch um ein Viertel höher als noch 1990.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Es wohnen auch mehr Menschen in dieser Stadt!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Also tut mir leid, die Verkehrswende in Wien war in dem Fall noch eine Rückwärtswende. Deswegen ist es ja so dringend, dass wir umdenken. (👏) Deswegen ist es so dringend, dass wir umdenken, und deswegen müssen auch Sie, lieber Herr Minister Hanke, in dieser neuen Aufgabe, in dieser großen neuen Aufgabe dringend umdenken, denn mit dem Lobautunnel erreichen wir genau das Gegenteil: mehr Verkehr, mehr Autos, mehr Lkw und damit auch mehr CO 2 -Emissionen. Anstatt den Verkehr nachhaltig und umweltfreundlich zu gestalten, wird an einer Lösung festgehalten, die alles andere als zukunftsfähig ist. Dem nicht genug; dritter Punkt, Umwelt und Nationalpark: Auch da liegt die große Gefahr dieses wirklichen Vergangenheitsprojekts. Die Bundesregierung will nämlich allen Ernstes einen Tunnel mitten durch einen einzigartigen Naturraum bauen, der unersetzlich für die Artenvielfalt ist, durch den Haus-und-Hof-Nationalpark der Wienerinnen und Wiener. Autobahn und Nationalpark, das – da schaue ich jetzt in die Richtung ( in Richtung FPÖ ) – sagt mir schon der Hausverstand, der ja hier so oft zitiert wird: Das geht nicht zusammen. (👏) Der Bau dieses Tunnels, auch da sind die Experten sehr, sehr klar, würde das Ökosystem massiv beeinträchtigen, zahlreiche Tierarten und Lebensräume unwiederbringlich zerstören; auch die Luftqualität und der Lärm in der Region würden sich dramatisch verschlechtern. Schon jetzt sind die Schadstoffwerte in Wien und Umgebung problematisch, und ein solches Projekt treibt sie noch weiter in die Höhe. Womit der Lobautunnel auch nicht zusammengeht, da schaue ich jetzt in diese Richtung ( in Richtung NEOS ), das ist das Bekenntnis dieser neuen Bundesregierung zum Bodenschutz. Jetzt passiert offensichtlich genau das, was man schon befürchten konnte: Lippenbekenntnisse beim Bodenschutz – ja; konkrete Maßnahmen und tatsächlich Boden schützen – nein. (👏) Sie machen mit diesem Projekt genau das Gegenteil und bleiben bei Ihrer im wahrsten Sinne des Wortes fossilen Politik. Die Lobauautobahn ist das Projekt mit der allergrößten Bodenzerstörung. Es werden wertvolle landwirtschaftliche Flächen zerstört – ein Thema, das normalerweise der ÖVP sehr, sehr wichtig ist. Auch das Jahrtausendhochwasser, wie man es nennen muss, des letzten Jahres war ein deutliches Warnsignal. Wir müssen auf unsere Böden aufpassen. Wir brauchen gesunde Böden, die Wasser aufnehmen können. Den Abrissbagger in einem Naturschutzgebiet auffahren zu lassen und dieses unter Tonnen an Asphalt zu begraben, das ist nicht nur unvernünftig, das ist in Zeiten der Klimakrise fahrlässig. (👏) Viele dieser Dinge liegen auf der Hand. Alle diese Dinge sind gut geprüft, denn es gibt einen umfassenden Klimacheck aller Autobahnprojekte in Österreich. Dort ist die Lobauautobahn Ende 2021 bei einer fachlichen Prüfung durchgefallen. Bei genauen Untersuchungen ist deswegen herausgekommen, dass dieses Projekt nicht weiterverfolgt wird, weil es zu viel Natur zerstört, weil es zu viel Boden versiegelt, weil es unserem Klima in einem wirklich unverträglichen Ausmaß schadet, und – auf das lege ich Wert – weil es 2025 verkehrspolitischer Unsinn ist. (👏) Der Klimacheck hat nämlich nicht nur die ökologischen Aspekte, sondern auch verkehrsplanerische und wirtschaftliche Aspekte untersucht – die sind wichtig, die gehören dazu; das haben wir in der Debatte vorhin gehört, das haben auch Sie, Herr Minister, gerade gesagt –, aber auch dabei schneidet diese Autobahn schlecht ab, weil wir eben im Jahr 2025 leben und nicht mehr im Jahr 1980. Noch deutlicher wird der Umweltbericht, den Sie kennen, er liegt Ihrem Ministerium vor. Der Umweltbericht zur strategischen Prüfung im Verkehrsbereich ist eine Untersuchung von Umweltbundesamt, TU Graz, TU Wien und schlussfolgert: Die Lobauautobahn ist die schlechteste aller untersuchten Möglichkeiten. Sie ist die schlechteste aller Möglichkeiten für ein zukunftsfähiges Verkehrssystem und damit auch für die Menschen in dieser Stadt. (👏) Das ist die schlechtestmögliche Lösung, weil sie den Klima- und Verkehrszielen widerspricht – auch denen, die sich Wien und Niederösterreich gegeben haben. Diesen Bericht gilt es ernst zu nehmen. Wie gesagt, Herr Minister Hanke, er liegt bei Ihnen im Ministerium und deswegen: Seien Sie ehrlich und ziehen Sie daraus die nötigen Konsequenzen, verfolgen Sie dieses Projekt nicht aus Ideologie weiter, nicht gegen den Rat der Expertinnen und Experten, sondern ziehen Sie die notwendigen Konsequenzen aus dieser SP-V! Es kommt noch ein weiterer schwerwiegender Punkt aus den letzten Wochen dazu, als wäre all das nicht schon genug. Es liegen noch nicht alle Genehmigungen vor, aber jetzt hat auch das Bundesverwaltungsgericht Zweifel angemeldet. Die EU verlangt eine strategische Umweltprüfung, wenn ein Projekt derart weitreichende Auswirkungen auf die Umwelt hat. Beim Lobautunnel wurde diese Prüfung jedoch nicht ordnungsgemäß durchgeführt. Der Europäische Gerichtshof hat schon 2020 klargestellt, dass solche Prüfungen unerlässlich sind und dass das Projekt aufgrund dieser versäumten Prüfung auch vor Gericht gekippt werden kann.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Ja, Sie waren ja Minister! Sie haben versäumt! Sie haben nicht versäumt, Sie haben es blockiert! Blockiert haben Sie es! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Jetzt ist irgendwann Schluss mit der Blockade mit dem Projekt!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Deshalb wendet sich das Bundesverwaltungsgericht an den EuGH und bittet ihn um Prüfung. Auch auf rechtlicher Basis, auch aus rechtlicher Sicht steht dieses Projekt also auf tönernen Füßen. Auch das ist ein unmissverständlicher Hinweis darauf, sich jetzt um Alternativen zu kümmern und die Alternativen auch tatsächlich umzusetzen.

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Privatjet für jeden, oder was?

GRÜNE Leonore Gewessler

… Zu guter Letzt die Kosten …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Genau!

GRÜNE Leonore Gewessler

… wir haben heute sehr, sehr viel darüber diskutiert, wir haben das in einer Aktuellen Stunde gehabt, wir haben es in vielen, vielen weiteren Anträgen gehabt –: Die Kosten sollen nämlich gerade in der aktuellen Situation nicht unter den Tisch fallen, denn die Milliarden Euro, die wir da vergraben, können wir viel, viel vernünftiger anderswo einsetzen. Der Lobautunnel ist nämlich nicht nur die umweltschädlichste Variante, nicht nur die verkehrspolitisch unsinnigste Variante, er ist auch mit Abstand die teuerste Variante. Während also bei den Klimaförderungen – mit denen man die Menschen dabei unterstützen kann, in eine gute Zukunft zu gehen – gekürzt wird, halten Sie, Herr Minister, an einer Milliardeninvestition für die aktive Zerstörung unserer Natur fest. Das geht nicht zusammen. (👏) Das geht auch nicht zusammen mit der Budgetpolitik, die Herr Marterbauer vorschlägt. Die Asfinag Milliarden an Schulden machen zu lassen, gleichzeitig die Asfinag-Dividende zur Budgetsanierung zurate zu ziehen, das geht sich schlicht und ergreifend nicht aus und ist zukunftsvergessen. (👏) Das Fazit aus all diesen Punkten ist eindeutig. Dieses Projekt ist aus der Zeit gefallen; dieses Projekt ist kontraproduktiv auf so, so viele Arten und Weisen. Aber natürlich: Bessere Mobilität und Entlastung der Menschen vor Ort, ja, die braucht es. Die Menschen erwarten sich von uns Lösungen. Genau deswegen möchte ich das Augenmerk auch auf diese Alternativen legen. Die Alternativen liegen nämlich vor – genau in dem Umweltbericht, den ich gerade zitiert habe, genau in dem Umweltbericht, der in Ihrem Ministerium liegt. Der Umweltbericht sagt nämlich genau, was zu tun ist: Ausbau der Schieneninfrastruktur, mehr Straßenbahnlinien, günstigere und klimafreundliche Mobilität ohne neue Transitrouten. Das ist die sogenannte „Alternative III“, die in dieser Anfrage vorkommt: die Kombination aus Schieneninfrastruktur, öffentlichen Verkehrsmitteln, gezieltem Verkehrsmanagement. Das ist eine Lösung, die weitaus umweltfreundlicher ist, die weitaus effizienter ist und die weitaus günstiger ist als das geplante Milliardengrab an Tunnel. (👏) Das sind Lösungen, die den Verkehr reduzieren – für die Menschen vor Ort. Das sind Lösungen, die die Mobilität verbessern – für die Menschen vor Ort. Das sind Lösungen, die die Umweltqualität und die Lebensqualität für die Menschen vor Ort verbessern. Das ist zukunftsfähige Politik – das wäre zukunftsfähige Politik, aber sie ist möglich. Meine Damen und Herren, wir haben als Politikerinnen und Politiker Verantwortung. Diese Verantwortung betrifft nicht nur die Menschen, die heute in diesem Land leben, diese Verantwortung betrifft vor allem auch zukünftige Generationen, unsere Kinder, unsere Enkel. In diesem Sinne ist diese Autobahn ein doppelt unsinniges Projekt.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

So ist es!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Es nimmt nicht nur den Menschen heute den unberührten Nationalpark vor der Tür, es macht es für zukünftige Generationen schwieriger, ihre Klimaziele zu erreichen, und es macht es noch schwieriger, dass sie eine intakte, unberührte Natur vorfinden. Lieber Herr Verkehrsminister, wenn Sie mir das nicht glauben, dann lade ich Sie zu einem Spaziergang in die Lobau ein, in diesen einzigartigen Nationalpark. ( Die Rednerin stellt eine Tafel mit der Aufschrift „Lobau schützen“ und der durchgestrichenen Illustration eines Baggers auf das Redner:innenpult. ) Der Frühling ist vielleicht gerade eine sehr gute Zeit für so einen Spaziergang. Da beginnt alles, zu wachsen, die Bäume werden grün, das Licht spiegelt sich wunderbar im Wasser der Lobau. Da können Sie sich diesen einzigartigen Schatz, den die Stadt Wien hat, vor Ort anschauen. Man braucht auch gar kein Dienstauto, um dort hinzukommen. Da können wir vor dem Parlament einsteigen, Öffi, Fahrradl, am Weg in die Lobau.

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Zeigt dann, wo die Autobahn ist! Wirklich!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Sprechen Sie dort mit den vielen Wienerinnen und Wienern, die diesen Platz nützen, lieben, schätzen, was die Lobau für sie bedeutet! Die Lobau bedeutet Erholungsraum. Die Lobau bedeutet frische Luft zum Atmen. Die Lobau bedeutet wunderbare Natur, ist ein Ort, an dem man aus der Stadt hinauskommt – aus dem Alltag, aus dem Stress –, wo man ohne Abgase, ohne Lärm sein kann. Es ist ein einzigartiges Privileg, in dieser wunderbaren Stadt den Nationalpark vor der Haustüre zu haben. Einen Nationalpark in einer Großstadt zu haben, das werden Sie sonst kaum irgendwo finden.

SPÖ Oxonitsch (Zwischenruf)

Peter Hanke lädt dann zum Spaziergang nach dem Bau ein! – Abg. Kogler [Grüne]: He! – Weiterer Zwischenruf des Abg. Oxonitsch [SPÖ].

GRÜNE Leonore Gewessler

… Was ich mir wünsche, ist: Wenn Sie dort mit den Menschen vor Ort Gespräche führen, wenn Sie mit den Wienerinnen und Wienern dort Gespräche führen, dann sagen Sie ihnen bitte: Ich schicke euch die Bagger, ich schicke euch die Betonmischer, ich schicke euch die Planierraupen! Mir gefällt eine Autobahn besser als ein Nationalpark und offensichtlich ist mir eine neue Transitroute wichtiger als der Erholungsraum der Wienerinnen und Wiener! Ich möchte lieber Milliarden vergraben, anstatt damit sinnvolle Verkehrslösungen für die Zukunft zu entwickeln! – Ich glaube, das, lieber Herr Verkehrsminister, versteht jedes Kind: Wenn dort einmal ein Bagger steht, dann ist dort keine unberührte Natur mehr, dann ist von diesem Nationalpark nicht mehr das übrig, was er jetzt ist.

FPÖ Martin Graf (Zwischenruf)

Bitte!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Das wird allen – ich lade Sie alle ein – und auch Ihnen in der Lobau klar. (👏) Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe in meiner Zeit als Ministerin immer eine klare Linie verfolgt. Es gilt, wissenschaftliche Fakten ernst zu nehmen. Wir Politikerinnen und Politiker arbeiten nicht nur für uns selbst, wir arbeiten für das Land und auch für die zukünftigen Generationen. Mir war immer wichtig, das nicht aus den Augen zu verlieren, damit – auch das ist in der Debatte schon gefallen – auch unsere Kinder, unsere Kindeskinder noch in einer guten, in einer behüteten, in einer blühenden Umgebung aufwachsen können. Ich habe zwei Nichten, das haben Sie von mir auch schon öfter gehört, die mittlerweile gar nicht mehr so klein sind. Für ihr Leben – genauso wie für Ihre Kinder, Nichten, Enkerl, Neffen – gibt es eine Verantwortung, haben wir alle gemeinsam eine Verantwortung. Die sollen auch noch Natur haben und nicht nur Beton. (👏) Deswegen, sehr geehrter Herr Verkehrsminister, habe ich es immer so gehalten. Wenn mich diese Kinder, wenn mich meine zwei Nichten fragen: Was hast denn du damals gemacht, als diese Frage zur Beantwortung gestanden ist …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

Österreich zerstört und die Schulden verursacht! – Heiterkeit der Abg. Belakowitsch [FPÖ]. – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Für die nächsten Generationen! Schuldenfalle! – Abg. Belakowitsch [FPÖ]: Sie hat keine Kinder! Ich hätte gerne, dass meine Kinder, wenn sie zufällig in den 22. Bezirk kommen ...!

GRÜNE Leonore Gewessler

… hast du alles gemacht, was in deiner Macht stand, um diese Zerstörung zu verhindern?, dann möchte ich Ja sagen können, ihnen die Antwort geben können: Ich habe alles gegeben, was in meiner Macht steht …

FPÖ Belakowitsch (Zwischenruf)

Ja, und die müssen das dann alles abzahlen, was Sie alles in Ihrer Macht Stehende getan haben! Privatjetflüge! Privatjetbelastung!

GRÜNE Leonore Gewessler

… um für die jungen Menschen in dieser Republik, für die jungen Menschen in dieser Stadt noch eine gute Zukunft zu ermöglichen! …

FPÖ Hafenecker (Zwischenruf)

12 Milliarden Defizit!

GRÜNE Leonore Gewessler

… Für diese Entscheidungen braucht es Mut. Und ja, das stimmt: Man muss Dinge anders machen, als man sie noch vor Jahren oder Jahrzehnten gemacht hat. Wir leben 2025 und nicht mehr 1980. Und ja, das haben wir bereits erledigt. Wir haben gesagt: Lobau schützen! Diesen Nationalpark der Wienerinnen und Wiener zu schützen, ist aus ganz, ganz vielen Gründen wichtig. An Sie, lieber Herr Verkehrsminister, appelliere ich heute mit dieser Dringlichen Anfrage: Schenken Sie den Menschen in dieser Stadt, schenken Sie den Menschen in diesem Land reinen Wein ein! Der Lobautunnel ist ein Relikt aus der Vergangenheit, er kostet Milliarden, die wir anderswo brauchen können, er ruiniert den Nationalpark unserer Hauptstadt. Deswegen: Nehmen Sie die Fakten ernst! Dieser Tunnel ist die schlechteste aller möglichen Ideen und Alternativen. Das sagen Ihnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten unseres Landes. Deswegen: Lassen Sie diese Mottenkiste zu! Es ist an der Zeit, in die Zukunft zu investieren. Dort sind die Milliarden gut aufgehoben, und die Entscheidung, genau das zu tun, die Entscheidung, diese Autobahn zu stoppen, liegt jetzt in Ihrer Hand, Herr Minister. Treffen Sie eine Entscheidung für die Zukunft und nicht für ein Milliardengrab aus der Vergangenheit! – Herzlichen Dank. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Zur Beantwortung der Anfrage hat sich Herr Bundesminister Peter Hanke gemeldet. Seine Redezeit soll 20 Minuten nicht übersteigen.

GRÜNE Lukas Hammer

Danke, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister, ich muss sagen, ich bin ein bisschen enttäuscht von Ihren Ausführungen. Sie haben vorhin davon gesprochen, dass es nicht darum gehe, Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen, dass es nicht um das Ausspielen von Mobilität und Umweltschutz gehe. – Ja, es geht darum, mutige Entscheidungen zu treffen. Darum geht es! Ihre Vorgängerin hat vorgemacht, wie so etwas funktionieren kann. (👏) Sie haben weiters gesagt, es geht um intelligente Standortinvestitionen. Da gebe ich Ihnen recht, aber ich glaube – meine Kollegin hat es gerade in 20 Minuten ausgeführt und der Umweltbericht, der Ihnen vorliegt, zeigt es auf 500 Seiten –, dass das eben keine intelligente Standortinvestition ist, wenn man in die Lobauautobahn investiert. (👏) Natürlich müssen wir diese Debatte sachlich führen, und dieser Umweltbericht, diese strategische Prüfung im Verkehrsbereich, die, wie gesagt, schon viel früher hätte vollzogen werden müssen, ist genau der Beitrag, den wir für eine sachliche Debatte brauchen. Auf 500 Seiten haben sich Expertinnen und Experten der TU, vom Umweltbundesamt und anderen Institutionen ganz genau angeschaut, was die besten Alternativen für die Herausforderungen, die wir in dieser Region haben, sind, und – Leonore Gewessler hat es ausgeführt – die Lobauautobahn ist die mit Abstand schlechteste Alternative – wenn wir das sachlich angehen. (👏) Es wird immer so hingestellt, als sei die Lobauautobahn alternativlos. Wir wissen aber aus vielen Beispielen auf der ganzen Welt, dass es eine falsche Ideologie ist, Verkehrsprobleme – also wenn irgendwo ein Stau ist – immer damit zu beantworten, dass wir eine neue Autobahn oder größere Straßen bauen: One more lane will fix it! – Das ist eine veraltete Ideologie aus dem letzten Jahrtausend, die durch Empirie und die Wissenschaft hundertfach widerlegt ist. (👏) Also hören Sie bitte auf – und da schaue ich in den gesamten Raum –, den Leuten, den Menschen, die Sie im 21. und 22. Bezirk in Wien kennen – die ich auch kenne –, vorzugaukeln, dass der Bau der Lobauautobahn ihnen irgendetwas bringen würde! Sie bringt mehr Verkehr und nicht weniger. (👏) Es wird immer gesagt, es gibt keine Alternative, oder es wurden keine Alternativen vorgelegt. Das, was die ehemalige Bundesministerin gemacht hat, und das, was wir hier auch beschlossen haben, ist, erstmals eine Möglichkeit für große Ballungsräume zu schaffen. So können Stadtregionalbahnen gebaut werden oder es können mittels Kofinanzierung länderüberschreitende und gemeindeüberschreitende Projekte ermöglicht werden, wie Straßenbahn- und Schnellbahnlinien zu bauen. Linz hat es gemacht, Graz hat es gemacht, Innsbruck hat es gemacht. Und was haben Wien und Niederösterreich gemacht? – Die haben dieses Angebot verweigert. Sie haben es ausgeschlagen, denn: Es muss ja unbedingt eine Autobahn sein, und es kann nicht sein, dass es eine Lösung gibt, die nebenbei 4,5 Milliarden Euro weniger kostet! – Das ist die Wahrheit, und das, muss ich sagen, ist auch ein bisschen perfide.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... SP-V ... !

GRÜNE Lukas Hammer

… Es gibt Alternativen. Und: Wo sonst können wir 4,5 Milliarden oder 5 Milliarden Euro einsparen und damit bessere Ergebnisse erzielen, ohne einen Nationalpark zu zerstören, und Mobilitätsziele besser erreichen? Das können wir, das zeigt der Umweltbericht; und ich bitte Sie wirklich, den auch selbst zu lesen. Wenn wir Öffiverbindungen ausbauen, wenn wir die gesamte Infrastruktur, die schon besteht, verbessern und bessere Verkehrsplanung machen, dann erreichen wir das auch. Es wurde heute viel von Konsolidierungsbedarf gesprochen. Wir haben betreffend Mobilität – leider, muss ich sagen – einen Vorgeschmack bekommen, was das für diese neue Koalition heißt: dass Menschen, die sich entscheiden, klimabewusster und umweltfreundlicher unterwegs zu sein, jetzt mehr zahlen. Wenn man heute ein E-Auto hat oder ein E-Auto kaufen will, dann zahlt man durch die Einführung einer neuen Steuer bis zu 1 000 Euro mehr im Jahr.

ÖVP Ottenschläger (Zwischenruf)

Entschuldigung, es ist einfach so unseriös! Ihr wisst es ganz genau!

GRÜNE Lukas Hammer

… Okay, es wird jeder Euro umgedreht und alle müssen sparen. Nur, es scheint, wenn es um Autobahnen geht, dass wir in einem Paralleluniversum leben, dann ist das Geld einfach abgeschafft: Es macht ja eh die Asfinag! Wir haben sehr detaillierte Fragen nach den Kosten dieser Lobauautobahn gestellt, und Sie, Herr Minister, stellen sich hierher – tut mir leid – und sagen: Wir wissen nicht, wie viel es kostet, wir wissen es nicht! – Es gibt natürlich Zahlen. Ich kann mich erinnern, dass die jetzige Außenministerin Beate Meinl-Reisinger vor mehreren Jahren schon von 4,5 Milliarden Euro gesprochen hat. Es gab eine Inflation, es gab eine Projektänderung: Dieses Projekt wird mindestens 5 bis maximal 6 Milliarden Euro kosten – für eine naturzerstörerische Autobahn! Und die Asfinag ist, vergessen wir das nicht, jetzt schon mit 10 Milliarden Euro in den Miesen. Ich frage mich, warum in dieser Koalition bis jetzt niemand darüber diskutiert hat, auch nur 1 Kilometer Autobahn einzusparen – niemand, es kommt einfach nicht vor! Und das ist ideologisch, das ist faktenbefreit! …

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Er kennt sich wirklich mit Finanzierung nicht aus, der Kollege Hammer!

GRÜNE Lukas Hammer

… Ich hätte mir von Ihnen als neuer Minister deutlichere Ansagen gewünscht, nämlich die Ansagen, die Sie auch medial gemacht haben. Ich darf Sie noch einmal bitten, den Umweltbericht zu lesen. Ich habe gehört, dass Sie gerne in die Lobau gehen.

SPÖ Erasim (Zwischenruf)

Das ist unredlich!

GRÜNE Lukas Hammer

… Ich habe auch ein Gedicht an die Lobau von Ihnen gefunden. ( Der Redner hält eine Tafel mit einem Foto von Bundesminister Hanke und dem Text „ Peter Hanke , 59, ist Stadtrat der Wiener Stadtwerke.“, „22., Die Klänge der Lobau“ in die Höhe. ) Das kennen Sie, das kann man im Internet finden. Da sagen Sie: „Liebste Lobau, ich kenne dich, seit ich ein kleiner Bub war, lief damals noch wild und ungestüm durch deine Wälder. Jedes Mal ein großer Spaß! Heute genieße ich dich achtsamer, zurückhaltender. Ich hör dir gern zu, deinen Tieren, deinem Wasser, dem Wind, wenn er wie aus dem Nichts kommt und wieder geht. Bleib, wie du bist. Für die Jungen und auch für mich. Dein Peter.“ Ich finde das sehr schön! (👏 SPÖ) Lieber Herr Minister, wenn Sie die Lobau für die Jungen, für sich selbst und für uns alle erhalten wollen, dann schützen Sie sie gemeinsam mit uns! Deswegen bringe ich erneut den Antrag ein, den wir bereits im Ausschuss eingebracht haben: Entschließungsantrag der Abgeordneten Lukas Hammer , Kolleginnen und Kollegen betreffend „‚Lobauautobahn‘: Umsetzung der Erkenntnisse aus der Strategischen Prüfung Verkehr zur S 1“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung und insbesondere der Bundesminister für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie werden aufgefordert, dem Nationalrat in Anerkennung der Rechtslage und in Umsetzung der Empfehlung aus der Strategischen Prüfung Verkehr zur S 1 Wiener Außenring Schnellstraße Schwechat-Süßenbrunn (Lobau-Autobahn mit Lobau-Tunnel) zügig eine Regierungsvorlage mit dem Inhalt einer Streichung dieser hochrangigen Straße aus dem Bundesstraßengesetz bzw. dessen Verzeichnis 2 zuzuleiten.“ Liebe Kolleginnen und Kollegen von NEOS und SPÖ, heute habt ihr die Möglichkeit, Farbe zu bekennen. Ich weiß, manche haben da dieselbe Position wie die Kolleginnen und Kollegen von ÖVP und FPÖ, aber ich weiß, dass es viele unter euch gibt, die den Klimaschutz und eine Verkehrswende ernst nehmen. Ich weiß, dass es solche Kollegen auch bei den NEOS gibt. Mit diesem Antrag geben wir euch die Möglichkeit, heute Farbe zu bekennen, zu zeigen, ob euren Worten – Stichwort Bodenschutz, Verkehrswende und Klimaschutz – auch konkrete Taten folgen. Ich hoffe, dass Sie uns nicht enttäuschen. – Danke schön. (👏) 15.42 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/96.1 „Lobauautobahn: Umsetzung der Erkenntnisse aus der Strategischen Prüfung Verkehr zur S 1 (24/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben eingebrachte Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht, ausreichend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung. Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Abgeordnetem Hafenecker. Eingemeldete Redezeit: 7 Minuten.

FPÖ Christian Hafenecker

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! In einem Punkt haben Sie vorhin wohl recht gehabt: Das dürfte eine Dringliche Anfrage sein, die tatsächlich dem Wiener Wahlkampf geschuldet ist. Ich meine, mir und uns könnte es ja grundsätzlich egal sein, denn für uns gibt es nichts Besseres, als wenn sich die beiden linken Parteien in Wien jetzt kannibalisieren und darüber streiten, was in Zukunft passieren wird. Der wichtige Punkt, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist aber, dass die Grünen nach der Regierungsbeteiligung offensichtlich so eine Art Phantomschmerz verspüren. Die Frau Minister – ah, außer Dienst – steht noch immer da und weiß nicht so recht, wie sie das rechtfertigen soll, was sie mit unserem Budget und auch mit den Zukunftschancen unserer Kinder aufgeführt hat. Das wird dann noch zu einem späteren Zeitpunkt kommen. Wissen Sie, Frau Bundesminister – ah ja, jetzt schon wieder, ich erwische mich immer wieder dabei, ich muss den Titel ändern –, Frau Gewessler, was der springende Punkt ist? – Sie sind vorhin hier gestanden und haben von der Lobau gesprochen. Es ist uns allen klar, dass ein Nationalpark wichtig ist, was Sie aber nicht dazugesagt haben, ist, wie viele wertvolle, wichtige und schöne Flecken Sie mit Ihren Windrädern schon zerstört haben, wie viel Boden Sie mit Ihren Fotovoltaikanlagen versiegelt haben. Das haben Sie nicht dazugesagt. Und übrigens: Dass in dem Nationalpark, den Sie, Frau Gewessler, jetzt schützen wollen, auch das OMV-Zentrallager steht, für das Sie ja zumindest über die Bande auch zuständig gewesen sind, haben Sie auch nicht dazugesagt. Also lassen Sie bitte die Kirche im Dorf! …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Deine Kirche ist eh nicht bedroht vom Tunnel!

FPÖ Christian Hafenecker

… Wir sind uns aber darüber einig, dass, wenn diese Autobahn hoffentlich bald gebaut wird, man natürlich auch Rücksicht auf die Ökologie dort nehmen muss. Sie sprechen davon, dass es auch ein Budgetproblem sein wird: Gerade Sie müssten wissen – sonst würde ich mich nämlich fragen, was Sie die letzten Jahre als Ministerin gemacht haben –, dass der Bau von Autobahnen nutzerfinanziert ist und dass das überhaupt nichts mit dem Bundesbudget zu tun hat …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Blödsinn, ...!

FPÖ Christian Hafenecker

… Frau Gewessler, das nur nebenbei gesagt und vielleicht auch für Sie zur Nachhilfe.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Dilettant!

FPÖ Christian Hafenecker

… Worum geht es eigentlich? – Es geht um die Paradedisziplin der Grünen, es geht ums Verhindern.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

... merken!

FPÖ Christian Hafenecker

… Sie verhindern alles, vor allem das, was uns wirtschaftlich voranbringt. Ich weiß nicht, was Sie glauben, wie in Zukunft ihre ganzen Bobo-Siedlungen finanziert werden sollen, wie in Zukunft die Straßenbahn bei Ihnen vorbeifahren soll und wie man in Zukunft eine U-Bahn verlängern wird. Das wissen Sie ja nicht. – Dafür wird es Leute geben müssen, die nach Wien einpendeln. Und da Sie vorhin hier gestanden sind und zynischerweise mehr oder weniger ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen haben, dass eh keine Pendler mehr kommen , sage ich Ihnen eines, Frau Gewessler: Der springende Punkt ist der: Wenn keine Pendler mehr kommen, dann gibt es keine Wirtschaft mehr. Wenn es keine Wirtschaft und keine Pendler mehr gibt, dann wird niemand mehr U-Bahn-Steuer bezahlen und dann müssen auch Sie zu Fuß gehen. Das sollten Sie vielleicht auch einmal zur Kenntnis nehmen. (👏 FPÖ) Sie haben da einen wirklichen Schaden angerichtet. Seit Jahrzehnten wird geplant, es gibt zwei aufrechte Nationalratsbeschlüsse, die Sie nicht eingehalten, sondern sogar ignoriert haben, und Sie versuchen heute noch immer ihr Verhalten von damals zu rechtfertigen. Es war nichts anderes als ein Willkürakt, den Sie da gesetzt haben. Das wissen Sie ganz genau! Und wissen Sie, genau deswegen ist es mir und uns Freiheitlichen wichtig, dass man natürlich auch die Verantwortung für den volkswirtschaftlichen Schaden übernimmt, der da angerichtet worden ist. Das betrifft ja nicht nur die Lobauautobahn, sondern auch die Marchfeld-Schnellstraße, die Traisental-Schnellstraße oder den Ausbau der Pyhrn-Autobahn. Da stellt sich natürlich die Frage: Wer hat diesen Schaden verursacht und zu verantworten? Und Sie wissen ja auch eines – ich denke, damit haben Sie sich vertraut gemacht, als Sie aus dem Amt ausgeschieden sind –, Frau Gewessler: Die Ministeranklage ist auch sechs Monate nach dem Ausscheiden aus dem Amt noch möglich. Genau deswegen wird sie auch in diesen Minuten wieder eingebracht. Ich appelliere wirklich – vielleicht ist sie ja noch vorhanden – an die Vernunft der ÖVP, dass sie dazu ihre Zustimmung erteilt, denn Frau Gewessler ist auch Ihnen in der aufrechten Koalition mehrfach auf der Nase herumgetanzt. Daran werden Sie sich vielleicht noch erinnern. Ich erinnere mich an die ÖVP-Landeshauptleute, die diese Straßen unbedingt wollten. Ich erinnere übrigens auch an den Bürgermeister von Wien, der Lobauautobahn unbedingt wollte. Das heißt, auch die SPÖ hätte allen Grund, der Ministeranklage gegenüber Frau Gewessler zuzustimmen. Ich bin sehr gespannt, ob diese Nagelprobe funktionieren wird. (👏 FPÖ) Und vielleicht noch für die ÖVP: Wenn ich Sie jetzt schon fast so weit habe, zuzustimmen, dann gebe ich Ihnen noch ein Stichwort, das ist Renaturierungsverordnung. Vielleicht geht es dann, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich muss natürlich auch einige Kritik an die SPÖ richten. Herr Bundesminister, Sie wissen, dass ihr Bürgermeister ein Befürworter des Lobautunnels und der Lobauautobahn gewesen ist. Er hat da immer den starken Mann gespielt und hat gesagt, der Tunnel muss gebaut werden. Dass man jetzt so herumzaudert, ist, glaube ich, zu einem gewissen Grad dem Wahlkampf geschuldet. Ich glaube, weil Sie im Prinzip auch die grünen Stimmen haben wollen, haben Sie den Tunnel schon längst über Bord geworfen. Sie trauen sich nur nicht, es zu sagen, weil Sie nämlich den Pendlern und all jenen, die jenseits der Donau wohnen, sozusagen keinen Grund geben wollen, sich politisch anders zu orientieren und vielleicht auch eine andere Partei zu wählen. Herr Bundesminister, ich erwarte mir hier von Ihnen wirklich Ehrlichkeit und nicht das Spielchen, das andere hier herinnen schon zur Genüge gespielt haben, nämlich dass man sagt, man evaluiert. Sie sind lange genug in der Politik, Sie wissen ganz genau, was das Wort evaluieren heißt: Das ist ein Begräbnis erster Klasse. Seien Sie zumindest so ehrlich, Herr Bundesminister und sagen Sie gleich – Sie können sich ja noch einmal zu Wort melden –, für Sie ist das Projekt Lobautunnel nicht mehr wichtig, Ihnen sind die Pendler nicht mehr wichtig, Ihnen sind die Staus in Wien egal! Sagen Sie es bitte ehrlich, dann wissen die Wiener und Wienerinnen zumindest, was sie in Zukunft, was sie bei der Landtagswahl wählen sollen! Meine sehr geehrten Damen und Herren, natürlich ist das ein politisches Schauspiel, das der Wiener Wahl geschuldet ist. Die Grünen und die Roten matchen sich um Stimmen. Fakt ist aber, dass die Menschen auf der Strecke bleiben, und zwar nicht nur die Wienerinnen und Wiener, die von dieser Verkehrshölle betroffen sind, sondern natürlich auch all jene Menschen, die nach Wien kommen, um zu arbeiten und – nicht vergessen! – Steuern zu zahlen. Abschließend: Frau Minister Gewessler – außer Dienst –, Sie haben vorhin gemeint, was Sie denn Ihren Nichten später antworten sollen, wenn sie fragen, was Sie getan haben. Ich kann das mit einer Gegenfrage beantworten: Was soll ich meinen drei Kindern sagen, wenn sie mich fragen: Warum müssen wir die Schulden der Frau Gewessler und der ÖVP bezahlen? Warum müssen das kommende Generationen bezahlen? Und was ist, wenn meine beiden Söhne mich fragen: Was machen wir eigentlich an der ukrainischen Grenze? – Denken Sie einmal darüber nach! (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Ottenschläger. Eingemeldete Redezeit: 5 Minuten.

ÖVP Andreas Ottenschläger

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Also ich möchte einmal vorausschicken: Ich habe natürlich immer Respekt vor der Meinung, vor den Argumenten anderer, und es ist total legitim, dass man über ein solches Projekt diskutiert, Wiener Wahlkampf hin oder her. Sich hier darüber auszutauschen und den Zuseherinnen und Zusehern, den Zuhörern die jeweiligen Argumente dazulegen, ist grundsätzlich ja durchaus sehr in Ordnung und sehr wichtig. Ich glaube, wir haben das ja in der letzten Legislaturperiode, als wir noch gemeinsam in einer Regierung waren, zu diesem Thema auch getan, und ich habe immer vorangestellt: We agree to disagree. Ich bin nicht unbedingt bekannt dafür, wahnsinnig scharf zu formulieren, aber ich glaube, nachdem ich diese Dringliche Anfrage sehr genau gelesen habe, muss ich das in meiner Kritik heute tun. Frau Kollegin Gewessler, Kollege Hammer von der grünen Fraktion, ich bin wirklich sehr erstaunt über diese Dringliche Anfrage, nicht über den Inhalt, nicht darüber, dass wir darüber diskutieren, ob der Lobautunnel gut oder nicht gut ist, sondern über die Art und Weise, wie Sie beispielsweise mit dem neuen Verkehrsminister in der Begründung umgehen. Es ist für mich befremdlich und sehr bemerkenswert, was Sie da alles hineinschreiben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich habe die Anmerkungen zu dieser Dringlichen Anfrage ( ein Schriftstück in die Höhe haltend ) extra in Grün markiert und werde jetzt versuchen, im Stakkato durchzugehen, was daran aus meiner, aus unserer Sicht einfach nicht den Fakten entspricht. Sie sprechen im Übrigen – und da sind wir gleich bei den ersten Fakten – von der Wissenschaft. Das ist alles richtig, aber es gibt auch andere Zweige der Wissenschaft, beispielsweise die Wirtschaftswissenschaften, die Sozialwissenschaften, und auch dort gibt es berechtigte Argumente, die dafür sprechen, dass wir eine ordentliche Infrastruktur in der Ostregion brauchen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Die Agrarwissenschaften sprechen dagegen!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Das ist der erste Punkt. (👏 ÖVP) Der zweite Punkt ist – und das stört mich wirklich massiv, weil Sie es wissen; Frau Bundesministerin außer Dienst, Sie waren Eigentümervertreterin der Asfinag –: Sie verkaufen den Leuten, es gehe um Steuergeld, das ausgegeben wird. Kollege Hafenecker hat es schon gesagt: Es bezahlen die Nutzerinnen und Nutzer, die Autofahrer mit ihrer Pkw-Vignette. Die Lkw-Maut ist die größte Einnahmequelle der Asfinag. Es geht da nicht ums Budget, es geht nicht um Steuergeld. Das sei einmal richtiggestellt. (👏 ÖVP, SPÖ) Das ärgert mich nämlich wirklich, weil es eine unseriöse Argumentation ist. Das muss man klarstellen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Dann dürft ihr aber auch keine Dividenden ...! – Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Mit wie viel Dividende plant ihr?

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Der nächste Punkt: Sie unterstellen dem Herrn Verkehrsminister mehr oder weniger so, wie Sie es da formulieren, rechtsstaatlich betrachtet interessante Ansätze und so weiter. Ich habe es damals schon immer gesagt: Das, was Sie gemacht haben, war mehr, als eine Grauzone zu betreten. Sie haben zuerst davon gesprochen, dass Sie das Projekt absagen. Dann sind Sie draufgekommen, dass Sie das gar nicht können, weil es im Gesetz drinnen steht. Gesetz ist Gesetz, und solange es hier in diesem Haus keine Mehrheit gibt, bleibt es auch im Gesetz. Deswegen finde ich es sehr bemerkenswert und sehr unfair gegenüber dem neuen Minister ( Rufe bei den Grünen: Oh! ), dass Sie solche Unterstellungen verbreiten. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich muss ein paar Seiten überblättern, weil sonst die Redezeit nicht mehr reicht.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Kommt eigentlich ein inhaltliches Argument auch?

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Ich komme jetzt zu Ihren Fragen. Der Herr Bundesminister hat es ja in seiner sehr ruhigen und sachlichen Art in der Beantwortung schon erläutert. Ich bin wirklich sehr erstaunt.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ah, schon wieder!

ÖVP Andreas Ottenschläger

… Sie stellen da Fragen – und Sie waren bis vor wenigen Wochen amtierende Ministerin –, auf die Sie die Antworten allesamt natürlich genau wissen. ( Ruf bei den Grünen: Ja, aber es soll ja die Öffentlichkeit erfahren! ) Sie fragen nach den Kosten. Sie wissen alles: Sie kennen die Verkehrszahlen und die Kosten. Also das ist nur Showpolitik für Wien und sonst nichts. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Moitzi. Eingestellte Redezeit: 5 Minuten.

SPÖ Wolfgang Moitzi

Werter Herr Präsident! …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

100 Millionen in der Steiermark für Straßen!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Ja, Sigi …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Eine Milliarde Defizit!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… es ist bei euch ziemlich schnell gegangen, muss man sagen. Vor Kurzem habt ihr uns noch ausgerichtet, dass ihr eine konstruktive Opposition sein und die Regierung unterstützen werdet. Wenn das konstruktiv ist, dann bin ich gerne unkonstruktiv, muss ich ehrlicherweise sagen. – Das war ein Zwischenruf, bevor ich überhaupt ein Wort gesagt habe. Also wirklich, konstruktive Oppositionsarbeit schaut nicht so aus. Wir haben das im Verkehrsausschuss vor Kurzem diskutiert – der Herr Minister ist seit der Regierungserklärung im Nationalrat ganze 18 Tage im Amt; Leonore Gewessler hat, glaube ich, insgesamt ein paar Jahre lang evaluiert –, und wir haben im Verkehrsausschuss etwas nicht ganz Unwesentliches gesagt. Euch ist es natürlich unbenommen, eine Dringliche Anfrage einzubringen, aber wenn man die Ausschüsse in der parlamentarischen Arbeit ernst nimmt, dann hätte man auf das Argument hören können …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Habt ihr irgendeinen inhaltlichen Beitrag?

SPÖ Wolfgang Moitzi

… dass bis zum 21.3. Stellungnahmen möglich waren. Diese Stellungnahmen werden jetzt eingearbeitet. Heute eine Dringliche Anfrage zu machen, ist euer gutes Recht, aber es ist nicht mehr als eine Wiener Wahlkampfshow. (👏 SPÖ) Der rechtliche Status des Projektes hat sich in den vergangen fünf Jahren unter einer Bundesministerin Leonore Gewessler nicht geändert, und er hat sich überraschenderweise auch nicht in den ersten Tagen unter einem Bundesminister Hanke geändert. Ehrlicherweise haben wir jetzt im Regierungsprogramm formuliert – und der Minister hat es in seiner Anfragebeantwortung ausgeführt –, dass es eine unbefangene und sachliche Überprüfung der Projekte geben soll. Ich denke, es ist das gute Recht eines jeden neuen Ministers, dass er sich geplante Projekte anschaut, sich selbst ein Bild macht und dann zu seinen Entscheidungen kommt. Diese Zeit sollte man einem neuen Minister oder einer neuen Ministerin auch geben. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Ich will aber gar nicht nur über den Lobautunnel reden. Weil uns unterstellt wird, dass wir nicht hinter der Mobilitätswende stehen, möchte ich nur kurz aufzählen, was alles in dem Regierungsprogramm drinsteht. In diesem Regierungsprogramm sind Sachen verankert, die unter einer grünen Regierungsbeteiligung nicht möglich waren: Klimaneutralität 2040, ein Klimaschutzgesetz nach den einzelnen Sektoren. Das sind alles Dinge, die wir in dieser Koalition umsetzen werden. Wir werden auch umsetzen, dass die Regionalbahnen, die Neben- und Privatbahnen gescheit abgesichert und ausgebaut werden. Wir werden weiter mit dem Bundesminister den Rahmenplan und den Zielplan umsetzen, damit der öffentliche Verkehr gestärkt wird, und wir werden natürlich auch schauen, dass die Weiterentwicklung des Automotivecluster im öffentlichen Bereich zum Mobilitätscluster passieren wird. All das sind Punkte, die, glaube ich, sinnbildlich dafür stehen, dass wir die Mobilitätswende umsetzen. Vielleicht auch noch kurz ein Wort zur FPÖ, weil die FPÖ, muss man ehrlich sagen, da ja oftmals eher unehrlich argumentiert: Das erste Projekt in der Steiermark war zum Beispiel, dass die steirische Verkehrslandesrätin beim Ausbau der Radwege gekürzt hat und alles gestoppt hat. Ein letztes Wort noch zu Ihnen, Frau Gewessler: Ehrlicherweise habe ich mich schon ein paarmal gefragt, woher immer dieser Lobautunnel kommt – wenn es nicht um den Wiener Wahlkampf gehen würde. Wo waren die Proteste von Grünen, als es um die S 10, die Mühlviertler Schnellstraße – 346 Millionen Euro –, gegangen ist? Ich habe mich damals sehr gefreut, dass bei der S 36 von Ihrem Ministerium, weil sie für viele in der Obersteiermark eine Entlastung ist, die UVP eingereicht wurde.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Weil wir sachgerecht geprüft haben!

SPÖ Wolfgang Moitzi

… Bei der S 7 war es dasselbe, auch bei den Fahrspurerweiterungen auf der A 4, der Ost-Autobahn. Also ich glaube, das alles zeigt, dass es jetzt um den Wiener Wahlkampf geht. Geben wir dem Minister Zeit dafür, dass er die Projekte evaluiert! Dann diskutieren wir noch einmal darüber. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Oberhofer. Eingemeldete Redezeit: 7 Minuten. ( Anhaltende Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von Grünen und SPÖ. ) – Der Herr Abgeordnete ist am Wort.

NEOS Dominik Oberhofer

Sehr geehrter Herr Präsident! Wenn sich der grüne Klub einmal beruhigt, dann könnte ich auch beginnen. Sehr geehrte Frau Ministerin a. D. Gewessler, Sie haben jetzt hier heraußen ein blühendes Plädoyer für Nachhaltigkeit, für Umwelt, für Klimaschutz gehalten, und ich gebe Ihnen bei allem, was Sie gesagt haben, vollkommen recht.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Machen tut er das Gegenteil!

NEOS Dominik Oberhofer

… Aber: Ich, aus Tirol kommend, hätte mir den gleichen Einsatz von Ihnen, Frau Minister a. D., gewünscht, als es bei uns um die Entscheidung gegangen ist, ob wir die Luegbrücke neu bauen oder den Luegtunnel bauen. Wir in Tirol hätten uns - - …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Verkehrssicherheit!

NEOS Dominik Oberhofer

… Sie tun jetzt so! Das ist ein deutliches Signal, dass Ihnen der Westen Österreichs völlig schnurzegal – völlig schnurzegal! – ist.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Nein! Das stimmt nicht!

NEOS Dominik Oberhofer

… Wissen Sie, Frau Kollegin Gewessler, bei uns in Tirol hat sich die Frage gestellt: Können wir ein ganzes Tal, nämlich das Wipptal, wieder renaturieren, indem wir einen kleinen Tunnel bauen? Wir Tirolerinnen und Tiroler hätten uns diesen Tunnel gewünscht, und Sie sind einfach drübergefahren und haben gesagt: Das ist mir wurscht, ich baue diese Luegbrücke neu! – Der einzige Grund, warum Sie diese Luegbrücke neu gebaut haben, war: weil Sie in Zukunft auf der Brenner-Autobahn dreispurig fahren wollten – Sie, als Ministerin für Klimaschutz.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das stimmt aber nicht! Das stimmt einfach nicht!

NEOS Dominik Oberhofer

… Sie wollten dreispurig auf der Brenner-Autobahn fahren – mehr Transit nach und durch Tirol. Ich bin ein Tiroler Abgeordneter und ich schaue Ihnen ins Gesicht und sage Ihnen ganz klipp und klar: Das war eine schlechte Show, die Sie hier abgeliefert haben! (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS) Wenn es Ihnen um Renaturierung, um Bodenversiegelung geht, dann diskutieren wir nicht nur den Lobautunnel, sondern dann diskutieren wir am Ende des Tages auch den Luegtunnel.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte! Nur weil zwei Sachen Tunnel heißen sind sie immer noch unterschiedliche Sachen! Das ist sogar ein unterschiedlicher Berg!

NEOS Dominik Oberhofer

… Sehr geehrte Frau Kollegin Gewessler, es geht Ihnen in dieser ganzen Debatte nicht ein einziges Mal um Ehrlichkeit, denn Sie sagen andauernd in den Medien: Ich habe den Lobautunnel gestoppt. – Gestoppt haben Sie gar nichts, gar nichts haben Sie gestoppt! ( Ruf: Verzögert! ) Sie haben etwas hinausgezögert, ja, Sie haben etwas verzögert, aber es hat Ihnen vor allem der Mut gefehlt, etwas zu stoppen. Das haben Sie nicht durchgebracht in Ihrer Regierungszeit.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wir warten jetzt ja auf euch!

NEOS Dominik Oberhofer

… Das muss man Ihnen einmal ganz deutlich hier an diesem Ort ins Gesicht sagen. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS) Sehr geehrter Herr Kogler, Herr Vizekanzler a. D., weil Sie sich gerade so aufregen: Ich habe auch noch niemanden gefunden, der ein Fan vom Lobautunnel ist. Ich komme als Tiroler Abgeordneter nach Wien, kenne mich zugegebenermaßen in der Wiener Verkehrspolitik nicht so gut aus wie der neue Herr Verkehrsminister, der viel Expertise mitbringt, habe mich aber natürlich erkundigt. Ich habe niemanden gefunden – weder bei der FPÖ, noch bei der ÖVP, bei den Sozialdemokraten, bei den Grünen und bei den NEOS schon gar nicht –, der für den Lobautunnel ist.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Nicht?

NEOS Dominik Oberhofer

… Aber am Ende des Tages geht es ja darum, dass man evidenzbasierte Entscheidungen treffen muss …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Ja eben! Ja eben!

NEOS Dominik Oberhofer

… dass man die Probleme, die man hat, in den Griff kriegen muss. Ich habe mir das selbst vor Ort angeschaut. Wenn ich mir das anschaue, dann denke ich mir oft: Na ja, bei uns in Tirol wären die Leute schon auf der Straße, wenn es so losginge, wenn es tagtäglich diesen Lkw-Verkehr gäbe, wenn es tagtäglich diesen Transitverkehr gäbe! …

FPÖ Steiner (Zwischenruf)

Den gibt es ja auch seit 20 Jahren!

NEOS Dominik Oberhofer

… Sie haben in fünf Jahren Regierung nichts gestoppt, Sie haben auch keine Lösung präsentiert (👏 ÖVP, FPÖ, NEOS), und jetzt geht es uns einfach darum, dass wir diese Lösungskompetenz in die Regierung einbringen wollen, weil wir evidenzbasierte Politik in diesem Land vorantreiben wollen. Evidenzbasiert heißt, dass wir diesen ( das Wort auf der ersten Silbe betonend: ) Lobautunnel ( Rufe bei den Grünen – auf der zweiten Silbe betonend –: Lobau! ) noch einmal genau detailliert untersucht haben wollen, was die Wirtschaftlichkeit, die Nachhaltigkeit, die Effizienz anbelangt. Deshalb ist in unserem - - …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

... wollen sich anketten!

NEOS Dominik Oberhofer

… Sehr geehrte Frau Ministerin a. D., ich glaube, Sie haben unser Regierungsabkommen kein einziges Mal gelesen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Doch, leider!

NEOS Dominik Oberhofer

… das die drei Parteien zusammengetragen haben, denn da steht das wortwörtlich drinnen. Ich darf es Ihnen deshalb noch einmal sagen: Wir werden eine klare und schnelle Entscheidung anhand evidenzbasierter Daten treffen, die am Ende des Tages als Studie vorliegen werden.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

500 Seiten! – Abg. Maurer [Grüne]: 500 Seiten Studie!

NEOS Dominik Oberhofer

… Wenn Sie sagen, dass Sie die Glaskugel haben und im Vorfeld schon immer wissen, was rauskommt, dann verstehe ich ja überhaupt nicht, warum Sie so nervös sind, denn dann wird dieser Lobautunnel sicherlich nicht gebaut werden. Wenn Sie recht haben, dann werden die Fakten eine deutliche Sprache sprechen, da braucht man nicht nervös zu werden. – Danke vielmals für die Aufmerksamkeit. (👏 ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Voglauer. Gemeldete Redezeit: 4 Minuten.

GRÜNE Olga Voglauer

Spoštovana Visoka Hiša! Verehrtes Hohes Haus! Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Spoštovani kolegi in kolegice! Spoštovani poslušalci! Ich möchte zunächst eine Gruppe des Bildungsinnovationsdialogs begrüßen, da ist auch unsere ehemalige Kollegin Sibylle Hamann dabei. – Recht herzlich willkommen im österreichischen Parlament und im Nationalrat! ( Allgemeiner Beifall. ) Reden wir über das, was heute schon zitiert wurde, nämlich ihr wunderschönes Gedicht, Herr Minister, über die Lobau. Das lässt ja unser Herz höher schlagen: diese wunderschöne Oase, dieses Naturjuwel, das Lebensgrundlage für eine massiv breite und große Artenvielfalt ist. Wir haben heute schon oft gehört, wie viel Beton da verbaut wird. Befassen wir uns einmal damit, was wir alles verlieren werden, was die Lobau, was der Nationalpark Donau-Auen am Ende des Tages an Rückzugsgebieten schafft, wie wir sie sehr selten in Europa, ja, auf unserem gesamten Planeten vorfinden! Ich möchte beispielhaft die Rotbauchunke und die Sumpfschildkröte nennen. Sie sind zwei Vertreterinnen für einen Lebensraum, in dem wir auch eine intakte Pflanzenvielfalt vorfinden, die wir sonst weit weg suchen müssen. Das Überleben dieser Arten, dieser intakten Natur ist abhängig davon, ob wir dieses sensible Grundwassersystem erhalten, denn dieses Grundwassersystem ist letztendlich auch die Grundlage dafür, dass wir diese Oase, Herr Minister, vorfinden, dass wir als Menschen uns dort erholen können, dass wir sehen, was dieses Ökosystem leistet. Da muss man sich schon fragen: Warum wollen wir dort jetzt die Bagger auffahren lassen? Warum werfen wir dort den Betonmischer an? Für wen, für was? – Es gab keine einzige Antwort heute hier, für wen oder für was das passiert, und kein einziges Argument dafür, uns diese Oase nehmen zu lassen. Am Ende des Tages geht es anscheinend nur darum, dass ein paar Politiker sagen können: Uga, uga, ich habe einen Tunnel gebaut! (👏) Wissen Sie was? – Das ist Politik für die Vergangenheit, das ist eine Politik, die in die Sandkiste gehört. Sie ist so zukunftsverdrossen, dass ich es gar nicht argumentieren kann. (👏) Sie können Klima nicht mehr hören, wir die Rotbauchunke. Darum geht es nämlich auch, es geht um unsere intakte Natur und dieses Feuchtgebiet der Donauauen, das nicht nur Lebensgrundlage vieler Arten, die wir nicht einmal alle benennen können, sondern auch Lebensgrundlage für die Landwirtschaft in dieser Region ist. Wer einmal in dieser Region war und ein bisschen an den Rand der Donauauen gegangen ist, der sieht: Auf mehr als 170 Hektar wächst dort Gemüse, es wachsen dort Obst und Wein, dort befindet sich ein Ackerbaugebiet. Diese 170 Hektar, die ihr dort verbauen wollt – etwas, das ihr noch immer prüfen wollt, obwohl es einfach nur zum Absagen ist –, zählen zu den fruchtbarsten Böden Österreichs – und Sie wollen das zubetonieren! Ich kann mich nicht erinnern, dass wir, als ich auf der Boku studiert habe, in Agrarwissenschaften gelernt hätten, Beton wäre eine Fruchtfolge. Liebe Kolleginnen und Kollegen vom Bauernbund, erklärt mir, warum ihr euch heute nicht hierherstellt und für die Bäuerinnen und Bauern vor Ort eure Stimme erhebt. Jedes Mal können wir uns anhören, wie sehr es um Ernährungssouveränität geht, warum es um unsere Lebensgrundlage geht, aber heute, wenn es um den Betonmischer geht, kommt ihr nicht raus. Es wäre Zeit, dass ihr euch auch endlich einmal für den Bodenschutz einsetzt! (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Berger. – Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

FPÖ Ricarda Berger

Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Geschätzte Kollegen! Sehr geehrte Zuseher hier auf der Galerie und vor den Bildschirmen zu Hause! Seit Jahren warten die Menschen in der Donaustadt und im gesamten Osten Wiens auf eine echte Verkehrsentlastung. Der Lobautunnel ist seit Langem das zentrale Projekt, ein Projekt, das für Verkehrsentlastung und für wirtschaftliche Entwicklung steht, meine Damen und Herren. Und was erleben wir? – Ideologie statt Vernunft und Blockade statt Fortschritt, ein Projekt, das rein aus ideologischen Gründen mutwillig blockiert worden ist, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏 FPÖ) Der Lobautunnel ist eine dringend notwendige Verkehrsverbindung, unterirdisch geführt, um genau das zu tun, was Umweltschutz nämlich verlangt: Natur oben schonen und schützen und den Verkehr unten führen. Aus Sicht der Freiheitlichen war der politische Wille immer da. Wir sagen ganz klar: Der Lobautunnel muss gebaut werden – nicht irgendwann, sondern jetzt! (👏 FPÖ) Vielleicht erinnern Sie sich: Unter der türkis-blauen Bundesregierung war der Lobautunnel politisch gewollt. Die FPÖ und insbesondere unser damaliger Verkehrsminister Norbert Hofer hat sich für das Projekt ausgesprochen. Die Planungen liefen, das Projekt war Teil einer durchdachten und langfristigen Verkehrsstrategie …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

War: Mitvergangenheit, abgeschlossen!

FPÖ Ricarda Berger

… und wir als FPÖ haben uns damals schon für die Entlastung der Donaustadt und für die Anbindung des Wirtschaftsraums Ostösterreich und für die Lebensqualität der Anrainer starkgemacht. (👏 FPÖ) Aber schauen wir nach Wien, ein paar Meter weiter: In Wien haben wir seit fünf Jahren eine rot-pinke Stadtregierung. Die SPÖ behauptet, sie wolle den Tunnel, lässt sich aber von den NEOS, die das Projekt ja grundsätzlich ablehnen, auf der Nase herumtanzen. Und was kommt dabei heraus, meine sehr geehrten Damen und Herren? – Baustellen ohne Konzept, Stadtentwicklung ohne Infrastruktur, Lärm und Staub statt Entlastung. Schauen wir in den Bund: Was ist da von Schwarz-Grün die letzten fünf Jahre gemacht worden? Was habt ihr gemacht? – Ja, ihr habt den Tunnel auf Eis gelegt. Da hat sich die ÖVP von den Grünen ein halbes Jahrzehnt lang auf der Nase herumtanzen lassen.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Schau, wie praktisch! Mit ... Prozent ...!

FPÖ Ricarda Berger

… Ich frage mich ernsthaft, wenn ich mir diese Dringliche Anfrage hier durchlese: Wie soll der Nahversorger beliefert werden – mit dem Lastenfahrrad? Wie soll der Installateur auf die Baustelle kommen – mit dem E-Scooter? Oder bringt die Marchfelder Bäuerin ihre Produkte mit der Bim nach Favoriten? – Jetzt einmal ganz ehrlich! Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist keine Zukunft, das ist Träumerei auf Kosten der Realität. Gehen wir jetzt in die Gegenwart: Jetzt haben wir eine neue Bundesregierung, und wie schaut es da aus? – Leider wieder nur Lippenbekenntnisse zum Lobautunnel, so wie es ausschaut. Herr Verkehrsminister Peter Hanke von der SPÖ spricht vom Bau als notwendigen Schritt, Fakt ist aber, es wird wieder nur ein Zögern, Zaudern und Blockieren werden. Wer den Tunnel wirklich will, muss ihn jetzt umsetzen und nicht wieder nur permanent ankündigen. Wir Freiheitliche sagen seit Jahren: Der Lobautunnel ist nicht nur ein Straßenprojekt, er ist ein Infrastrukturprojekt, nämlich für Menschen, für Familien, für Pendler, für Unternehmer und für alle, die tagtäglich arbeiten gehen. (👏 FPÖ) Echte Umweltpolitik heißt nicht, den Menschen das Autofahren zu verbieten …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Das will ja niemand!

FPÖ Ricarda Berger

… sondern Verkehr intelligent zu lenken.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Alternative III! Alternative III!

FPÖ Ricarda Berger

… Echte soziale Politik heißt nicht, Millionen für Radwege zu verpulvern, die kaum jemand nutzt, so wie in Wien, sondern für jene zu planen, die jeden Tag arbeiten gehen und dabei auch auf das Auto angewiesen sind. (👏 FPÖ) Für uns ist ganz klar: Wir stehen auf der Seite der Anwohner, wir stehen für eine Politik mit Hausverstand, für eine Infrastruktur, die funktioniert. Und ja, wir sagen ganz klar Ja zum Lobautunnel, Ja zur Entlastung der Donaustadt, Ja zu Mobilität, Freiheit und Lebensqualität. – Vielen Dank. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Kugler. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

ÖVP Gudrun Kugler

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Die Grünen wollen also weiterhin den Lobautunnel verhindern.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Ja!

ÖVP Gudrun Kugler

… Da habe ich doch einige Fragen, die auftauchen. ( Rufe bei den Grünen: Nein! ) Sagt, Grüne, wie haltet ihr es denn mit der Entlastung der Menschen, mit den Bedürfnissen und den Nöten der Menschen? …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Wie hältst du es mit der ...?

ÖVP Gudrun Kugler

… Denn wir in der Donaustadt wissen, was es bedeutet, im Stau zu stehen, die Verkehrsbelastung, das Verkehrschaos dort aushalten zu müssen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Alternative III!

ÖVP Gudrun Kugler

… und in einem Flächenbezirk – anders als in innerstädtischen Gebieten – gibt es Menschen, die auf das Auto angewiesen sind. Was ist Ihre Antwort? – Ihre Antwort ist: Na, denen bauen wir keine Straße!, und das schafft Ungleichheit. (👏 ÖVP) Aber da haben wir noch andere Fragen: Sagt, Grüne, wie haltet ihr es denn mit der Mobilität? – Denn Mobilität ist eine Errungenschaft. Die Zeiten sind vorbei, in denen man einfach nur in seinem Vorgarten Karotten angesetzt hat und sonst nichts gemacht hat. Mobilität ist Teilhabe, und wir wollen diesen Bereich von Wien nicht von der Teilhabe …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Lieber ... Schöpfungsverantwortung!

ÖVP Gudrun Kugler

… am gesellschaftlichen Leben in der Stadt abschneiden. (👏 ÖVP) Oder sagt, liebe Grüne, wie haltet ihr es denn mit der Wirtschaft? ( Ruf bei den Grünen: Aha! ) – Denn die Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen eine Möglichkeit, die Donau zu überqueren. Wir brauchen Arbeitsplätze in der Donaustadt und in Floridsdorf, denn die Donaustadt darf zum Beispiel nicht nur reine Schlafstadt sein. Die Arbeitsplätze kommen nicht von selbst, und wenn Unternehmer weder Dienstleistungen noch Waren auf die andere Seite der Donau bringen können, weil sie nicht wissen, wie lang sie dorthin brauchen werden, dann funktioniert das nicht. Um die Unternehmer zu unterstützen, brauchen wir den Lobautunnel.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Die Versorgung mit der Straßenbahn ...! Puh!

ÖVP Gudrun Kugler

… Aber sagt, liebe Grüne, wie haltet ihr es denn mit der ökologischen Vernunft? – Denn wer im Stau steht, produziert Stauabgase …

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Ja, und dann kommt noch mehr Stau!

ÖVP Gudrun Kugler

… und die sind bekanntlich hoch. Diese ökologische Vernunft könnt ihr so nicht auf dem Rücken der Menschen in der Donaustadt austragen. Und was haben wir davon, wenn ein Lkw aus Nordeuropa zum Hafen nach Triest fahren muss …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Nordeuropa ...!

ÖVP Gudrun Kugler

… und dann nur durch die Donaustadt fahren kann und dort stehen bleibt und nicht weiterkommt? Wie kommen denn die Donaustädterinnen und Donaustädter dazu? …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ja, nachher fahren ja noch mehr! Das ist ja das Problem und nicht die Lösung! Das ist ja der Punkt!

ÖVP Gudrun Kugler

… Es handelt sich beim Lobautunnel um den Schluss einer Lücke …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Sie fördern ja den Transitverkehr, wenn Sie so argumentieren! Das ist ja unglaublich!

ÖVP Gudrun Kugler

… und wenn wir ein modernes Verkehrssystem in Europa haben wollen, dann geht es nur mit dem Lobautunnel. (👏 ÖVP) Aber ich habe noch eine Frage an die Grünen. Sagt, wie haltet ihr es denn mit der Rechtsstaatlichkeit? – Denn wir haben den Lobautunnel hier im Parlament beschlossen. Wie haltet ihr es mit dem Parlamentarismus? Und wie haltet ihr es denn mit der Demokratie, wenn eine Ministerin – jetzt außer Dienst – im Alleingang ein hier beschlossenes Projekt – zumindest für eine gewisse Zeit – verhindert? Das ist eine Frage der Rechtsstaatlichkeit …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Geh bitte!

ÖVP Gudrun Kugler

… und des demokratischen Verständnisses. (👏 ÖVP) So sagt, liebe Grüne, wie haltet ihr es mit der Entlastung der Menschen …

GRÜNE Stögmüller (Zwischenruf)

Und wie hältst es du mit Kirche und Politik? – Heiterkeit bei den Grünen

ÖVP Gudrun Kugler

… mit der Mobilität, mit der Wirtschaft, mit der ökologischen Vernunft und mit der Rechtsstaatlichkeit? Man kann Politik nicht nur durch eine ideologische Brille machen und man darf Ideologie nicht über die Bedürfnisse der Menschen stellen. Deshalb, glaube ich, sollten wir hier in diesem Parlament mit einem neuen Ceterum-censeo beginnen, nämlich dass der Bau des Lobautunnels schleunigst beginnen muss.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Na Habidere! Ja, mit der Wortmeldung sind Sie wirklich ...!

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Erasim. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Melanie Erasim

Vielen Dank, Herr Präsident! Geschätzter Herr Bundesminister! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Worum geht es hier in dieser Debatte eigentlich? Geht es um einen ehrlichen Austausch, welche Infrastrukturneubauprojekte sinnvoll sind und welche nicht? Geht es um ganzheitlich verknüpften Verkehr, um ganzheitlich verknüpfte Mobilität? – Nein, geschätzte Zuseherinnen und Zuseher, ich muss Sie leider enttäuschen: Sie alle sind hier Zeugen eines Wienwahlkampfauftaktes seitens der Grünen …

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Nein, den haben wir gestern ...! Den haben wir schon gehabt!

SPÖ Melanie Erasim

… bei dem die blaue Fraktion noch mit einpascht.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ja, dann geben Sie ja selber zu, dass ein großer Teil der Wiener das gar nicht will!

SPÖ Melanie Erasim

… Ich bin sehr glücklich darüber, nach über acht Jahren – nach über acht Jahren! – endlich wieder einen Verkehrsminister auf dieser Regierungsbank arbeiten zu sehen, der aufgrund seiner Erfahrung und seines Weitblicks Mobilität als Gesamtes versteht. (👏 ÖVP, SPÖ) Mobilität bedeutet Wohlstand, Mobilität bedeutet Teilhabe, Mobilität bedeutet Freiheit. Weder die 150-km/h-Autopolitik der Blauen noch die Straßenbahnbauverhinderungspolitik der Grünen ist und war für die Menschen in dieser Republik von Vorteil. ( Ruf bei den Grünen: Wer verhindert Straßenbahnen? ) Die Geschichte des Lobautunnels ist eine lange – so lange, dass sich anscheinend manche Grüne nicht mehr ganz erinnern können, wie die Idee zum Bau dieses Tunnels überhaupt zustande gekommen ist. Ich darf Sie, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, erinnern: Der Vorschlag zum Bau dieses Lobautunnels war ein Kompromissvorschlag der damaligen grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou.

GRÜNE Disoski (Zwischenruf)

Ja, das war die ... Stadtstraße!

SPÖ Melanie Erasim

… Weiter zu den Fakten: Wien samt Speckgürtel in Niederösterreich gehört zu den am schnellsten wachsenden Metropolregionen Europas. Unzählige Pendlerinnen und Pendler sind von einer guten Anbindung abhängig. Ebenso haben wir eine große Verantwortung für künftige Generationen.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ja, genau!

SPÖ Melanie Erasim

… Das ist ein Spannungsfeld, in dem Weitblick, aber auch das Erkennen grundlegender Bedürfnisse der Bevölkerung unabdingbar sind. Trotz dieser multiplen Bedürfnisse oder gerade deshalb habe ich auch als politische Vertreterin Niederösterreichs und des Weinviertels …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ah!

SPÖ Melanie Erasim

… vollstes Vertrauen in Bundesminister Peter Hanke und die Regierungsfraktionen, dass bei der Verkehrs- und Infrastrukturplanung auf den stark wachsenden Osten des Landes nicht vergessen wird. Der Raum rund um Wien, besonders Niederösterreich und das gesamte Weinviertel sowie das Marchfeld …

FPÖ Ragger (Zwischenruf)

Der Süden muss ausgebaut werden!

SPÖ Melanie Erasim

… brauchen zukunftsfitte Lösungen, Lösungen, die Umwelt, Bevölkerung und Wirtschaft gleichermaßen berücksichtigen. (👏 SPÖ) Wir stehen zu einer nachhaltigen Entwicklung des Verkehrs, aber es geht uns zumindest gleichermaßen um Fairness für die Ostregion, ihre Einwohnerinnen und Einwohner, insbesondere für die vielen fleißigen Pendlerinnen und Pendler, die auf ihr Auto angewiesen sind …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Denen streichts ihr gerade den Klimabonus! Liebe Grüße vom Klimabonus!

SPÖ Melanie Erasim

… und es sich nicht aussuchen können, ob sie mit der Straßenbahn oder mit der U-Bahn in die Arbeit fahren. Es geht beim Transport nicht nur um Personen, sondern auch um Waren. Frau Gewessler, es ist schön, wenn Sie mit der Straßenbahn die nächsten Billa-Filialen füllen wollen, aber bitte, das ist anscheinend Ihr Kaffee.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Also bei mir kommt der Lkw!

SPÖ Melanie Erasim

… Eines finde ich schon bemerkenswert: Bundesministerin Gewessler hat fünf Jahre nichts anderes gemacht, als in ihrem ideologischen Sinne …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Öffis ausgebaut, Radverkehr ausgebaut ...!

SPÖ Melanie Erasim

… Projekt für Projekt zu evaluieren. Dem vor drei Wochen frisch angelobten Bundesminister Peter Hanke gibt man nicht einmal fünf Wochen Zeit, um dies zu tun.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Entschuldige, Melanie, wie lang habts ihr gebraucht für die Regierungsbildung? – Zwischenruf der Abg. Neßler [Grüne].

SPÖ Melanie Erasim

… Deshalb appelliere ich an alle, die ernsthaft an einer intelligenten Mobilitätswende gepaart mit wirtschaftsankurbelnden Maßnahmen mitarbeiten wollen, sich einen Schritt vom Wahlkampfmodus zu entfernen und dem Minister ein paar Wochen Einarbeitungszeit zu gewähren und in künftige gute Entscheidungen auch zu vertrauen.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Wie lang habts ihr verhandelt, fünf Monate? Und jetzt wollts ihr wie lang Aufschub?

SPÖ Melanie Erasim

… In diesem Sinne bringe ich einen Entschließungsantrag ein: Entschließungsantrag der Abgeordneten Joachim Schnabel , Kolleginnen und Kollegen betreffend „Prüfung der ASFINAG-Neubauprojekte“ Der Nationalrat wolle beschließen: „Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, wird aufgefordert, dem Regierungsprogramm entsprechend zeitnah die noch nicht genehmigten Neubauprojekte der ASFINAG hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Effizienz und volkswirtschaftlichen Impulssetzung zu prüfen sowie eine entsprechende Priorisierung durchzuführen.“ In diesem Sinne: Weg vom Wahlkampfmodus hin zum Arbeiten und zu einer Lösung …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Danke, das gibt’s schon!

SPÖ Melanie Erasim

… für Menschen und Umwelt gleichermaßen! – Danke schön.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Das gibt’s schon!

SPÖ Melanie Erasim

… 16.23 Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar: RN/104.1 Prüfung der ASFINAG-Neubauprojekte (25/UEA) Präsident Dr. Walter Rosenkranz : Der soeben vorgetragene Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und ausreichend unterstützt. Er steht damit auch in Verhandlung. Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Bernhard. Eingemeldete Redezeit: 7 Minuten.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Michael, wir klatschen auch für dich!

NEOS Michael Bernhard

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Man merkt, die Debatte ist tatsächlich sehr aufgeheizt und sehr emotional. Ich möchte vielleicht, weil wir auch mehrfach angesprochen worden sind, mit ein paar aus unserer Sicht allgemeinen Punkten beginnen: Ja, wir haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass wir als NEOS keine großen Fans des Lobautunnels sind. Das ist, glaube ich, weitestgehend bekannt. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Probleme, die es im Bereich Mobilität gibt, in der Verbindung zwischen Wien auf dieser Seite und auf der anderen Seite der Donau und natürlich auch im Bereich des Transitverkehrs, nicht anerkennen. Die Frage ist nur: Wie gehen wir damit um? Wie gehen wir mit einem Problem um, das seit Jahrzehnten heiß diskutiert wird und das sich halt noch immer in einem Verkehrsinfarkt äußert? Das ist ein faktisches Problem. Wir haben in der Betrachtung immer gesagt, dass es mehrere Themen gibt. Das eine ist: Der vorliegende Plan für den Lobautunnel ist nicht nur aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll, sondern ist auch aus verkehrlicher Sicht eine sehr ineffiziente Lösung. Das sagen nicht wir als NEOS – wir sind jetzt nicht per se Verkehrsplaner und auch keine Ingenieure –, sondern zu der Erkenntnis kamen ja die TU Wien, die TU Graz und auch das Umweltbundesamt. (👏) Also es gibt da ja tatsächlich Evidenz, dass der Tunnel in der vorliegenden Form nicht das Gelbe vom Ei ist. ( Abg. Gewessler [Grüne] macht mit beiden Händen das Daumen-hoch-Zeichen. ) Die Sache ist nur – und die Frage muss man sich dann natürlich auch gefallen lassen, Leonore Gewessler , nach fünf Jahren als Verkehrsministerin –: Die Erkenntnis, dass der Tunnel nicht optimal ist, ist nicht ausreichend. Man muss ja ein Problem auch lösen können. ( Abg. Gewessler [Grüne] nickt. ) Wir als Wiener Landesregierung – also NEOS Wien und natürlich SPÖ Wien, das ist der Größe nach dann umgekehrt aufzuzählen – haben uns tatsächlich sehr wohl mit der Frage beschäftigt: Wie kann man dem begegnen? Und wir haben beispielsweise mit dem Ausbau von U2 und U5 einen Bereich betreten, der tatsächlich ein Teil der Problemlösung sein kann. Wir haben ja auch den Vorschlag des S-Bahn-Rings, der geprüft wurde und in dieses Baukonzept aufgenommen worden ist, als Lösungsteil mitgebracht, auch die Einführung des Zwölfers und des 18ers – es wird schon sehr Wienerisch, das zu betrachten, aber es sind ganz konkrete Bereiche im öffentlichen Verkehr, die auch tatsächlich ausgebaut werden. Nur: Es reicht das alleine nicht. Der öffentliche Verkehr wird das Problem auch mittelfristig nicht lösen. Und man muss ehrlicherweise sagen: Die Prüfung, die vonseiten des BMK angestoßen worden ist, ist natürlich schon ernst zu nehmen, aber es hatte durch die politischen Auftritte immer den schalen Beigeschmack, dass es einen politischen Willen gibt, der den Tunnel nicht will und der Alternativen auch nicht will.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Da unterstellst du jetzt aber ... Parteilichkeit!

NEOS Michael Bernhard

… Daher haben wir auch eingedenk dessen, was uns der Herr Bundespräsident damals aufgetragen hat, nämlich den Kompromiss zu suchen …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Dann hören wir wieder auf zum Klatschen!

NEOS Michael Bernhard

… und etwas zu finden, was die drei Parteien eint, gesagt, wir brauchen Evidenz und eine solide Entscheidung. Was wir gemacht haben, was auch Kollegin Erasim gerade vorgetragen hat und was im Regierungsprogramm drinnen steht, ist, dass wir tatsächlich die Fragestellung erweitert haben. Die Fragestellung des BMK war damals ein Klimacheck, nämlich: Ist es die ökologisch sinnvollste Variante? Was wir jetzt in dieser erweiterten Prüfung machen – ich darf das noch einmal auch tatsächlich zitieren –, ist, dass wir eben alle Neubauprojekte, deren Prüfungen noch nicht abgeschlossen sind – und da fehlt ja noch die Wasserrechtsprüfung –, tatsächlich hinsichtlich der „Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Effizienz und volkswirtschaftlichen Impulssetzung“ – das ist übrigens im Moment auch nicht so unwichtig – prüfen …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Öffibau!

NEOS Michael Bernhard

… sodass in dieser Viererfragestellung tatsächlich auch alles Bisherige miteinbezogen wird und dann rasch entschieden wird. Auch wenn wir der Überzeugung sind, dass der Tunnel nicht die richtige Lösung ist, glauben wir schon zwei Dinge. Das eine ist: Wir brauchen jetzt einmal eine abschließende Entscheidung.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Genau!

NEOS Michael Bernhard

… Wir wollen nicht noch einmal 20 Jahre über etwas diskutieren. Und: Es braucht die Bevölkerung und auch die Wirtschaft auf beiden Seiten Wiens Klarheit, und die wollen wir so schnell wie möglich geben. Wir wollen nicht wieder mit einem politischen Geplänkel und reiner Leidenschaft den Menschen keine Perspektive für die Zukunft geben. (👏 NEOS) Abschließend möchte ich schon noch einmal eines sagen, weil das uns als NEOS wichtig ist: Wir respektieren natürlich die Beschlüsse, die dieses Hohe Haus gemacht hat. Es gibt derzeit ein Bundesstraßengesetz, in diesem Bundesstraßengesetz ist die Querung vorgesehen, es gab nie einen anderen Mehrheitsbeschluss.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

SP-V als Voraussetzung!

NEOS Michael Bernhard

… Wenn wir auch unsere Meinung hier kundtun, werden wir uns jetzt nicht in irgendeiner Form dazu versteigen und das machen, was zumindest sprachlich in der Vergangenheit von der grünen Seite gekommen ist: dass wir sagen, dass wir von Ministerinnen oder Ministern erwarten, dass sie Parlamentsbeschlüsse ignorieren oder sogar in irgendeiner Form bekämpfen.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Das Parlament soll was Neues beschließen, nicht was ignorieren!

NEOS Michael Bernhard

… Sigi Maurer, bevor du reinschreist, kannst du dich auch gerne zu Wort melden. Es ist Parlamentarismus, die Mehrheitsmeinung und Beschüsse zu respektieren.

GRÜNE Maurer (Zwischenruf)

Aber wir können Anträge stellen, bitte! Wir sind das Parlament! Was soll das?

NEOS Michael Bernhard

… Nur weil euch eine Mehrheitsmeinung nicht passt, können wir doch nicht so lange abstimmen, bis eine grüne Meinung herauskommt, Herrgott noch einmal! (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) Wir suchen evidenzbasiert die beste Lösung, eine Problemlösung. Wir bauen auf Studien auf, die es schon gibt, aber wir werden uns deswegen sicherlich nicht dazu verleiten lassen, einfach weitere Jahre nichts zu tun …

GRÜNE Koza (Zwischenruf)

Ihr drückts euch einfach vor einer klaren Position!

NEOS Michael Bernhard

… weil das offensichtlich die schlechteste Lösung für alle Beteiligten ist. – Vielen Dank. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Disoski. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

GRÜNE Meri Disoski

Danke, Herr Präsident! Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Kollegin Kugler hat in ihrer Rede gefragt, wie wir Grüne es mit der ökologischen Vernunft halten. – Kollegin Kugler, ich glaube, die Antwort kennst du: Wir haben uns aus ökologischer Vernunft gegründet, und das, was wir tun, ist, dass wir ökologische Verantwortung für unsere Generation und für die nächsten Generationen übernehmen. Und, Kollege Bernhard, das tun wir nicht aus einer parteipolitischen Diskussion heraus, sondern deshalb, weil wir ein Naturschutzgebiet und damit eine Lebensgrundlage erhalten wollen. Darum geht es heute hier. (👏) Ich bin als in Wien gewählte Abgeordnete sehr viel unterwegs in der Stadt, gerade auch jetzt. Ich bin mit sehr vielen Wienerinnen und Wienern in Gesprächen, in Kontakt und bekomme da sehr viel mit, was die Menschen bewegt. Wissen Sie, was die Menschen in der Stadt Wien gerade bewegt? – Das ist einerseits der schlechte Zustand unserer Kindergärten und Schulen, das ist andererseits der sehr, sehr schleppende Ausbau – und da muss ich Sie tatsächlich kritisieren, Herr Minister –, der sehr, sehr schleppende Ausbau von Öffis in Wien.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Geh bitte! – Abg. Herr [SPÖ]: Wo ist es denn leicht besser? – Abg. Krainer [SPÖ]: Wo in Wien sind Sie unterwegs?

GRÜNE Meri Disoski

… Und eines brennt den Wienerinnen und Wienern unter den Nägeln, nämlich die explodierenden Mieten in dieser Stadt. – Ich verstehe die Aufregung, sie besteht zu Recht, ja, ich bin bei euch: Er ist schleppend, er hätte besser gehen können, aber das habt ihr halt nicht gemacht. Aber wisst ihr, was den Menschen hier wirklich unter den Nägeln brennt? – Das sind die explodierenden Mieten in der Stadt. (👏) Und da fragt sich doch jeder: Wieso verweigert die rot-pinke Stadtregierung, endlich die Einführung dieser Leerstandsabgabe umzusetzen? Das sind die Probleme, die die Wienerinnen und Wiener bewegen.

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Zur Sache!

GRÜNE Meri Disoski

… Ich komme gern zur Sache, Frau Kollegin Herr, aber lass es mich doch herleiten, denn das ist es, was die Menschen in der Stadt bewegt.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Ja, es ist Wahlkampf, wir wissen es eh!

GRÜNE Meri Disoski

… Wenn du Wahlkampf machen willst, kannst du das gerne tun.

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

Nein, ich beobachte nur! Ich beobachte den Versuch!

GRÜNE Meri Disoski

… Wissen Sie, was keine einzige Wienerin, kein einziger Wiener zu mir gesagt hat? – Ja, wann kommt er denn endlich, dieser Lobautunnel? Wann vergraben wir endlich 6 Milliarden Euro unter einem Naturschutzgebiet? Wann kommt das endlich? Keine einzige Wienerin, kein einziger Wiener hat mich das gefragt. (👏) Kollegin Erasim hat darauf hingewiesen, dass diese Diskussion, der Streit um den Lobautunnel schon seit über 20 Jahren geht. Sie hat aber fälschlicherweise behauptet, dass die Grünen für den Lobautunnel gewesen wären. Das stimmt nicht. Wir haben immer eine sehr klar ablehnende Haltung zu diesem Projekt, zu diesem Monsterprojekt aus dem vorigen Jahrhundert gehabt. Deswegen machen wir es heute hier auch zum Thema, denn das kann doch wirklich nicht ernst gemeint sein: Wie kann man es denn ernsthaft im Jahr 2025 überhaupt auch nur in Erwägung ziehen, eine Autobahn durch ein Naturschutzgebiet bauen zu wollen, durch ein sensibles Ökosystem, das in Europa einmalig ist, nämlich gegen jede wissenschaftliche Evidenz, gegen Empfehlungen von zahlreichen Expertinnen und Experten?! Wie geht das? (👏) Herr Minister! Ich habe ein Interview mit Ihnen in der Vorwoche gelesen, in dem Sie angekündigt haben, Sie wollen das Projekt Lobautunnel aufarbeiten, Sie wollen es prüfen. Aber ich frage Sie allen Ernstes: Was gibt es denn da noch zu prüfen? Die Fakten liegen doch auf dem Tisch! Wir wissen, welche fatalen Auswirkungen dieses Projekt haben würde. Wir kennen auch die besseren, die umweltfreundlicheren Alternativen. Und wir wissen auch, dass diese Alternativen, die auf dem Tisch liegen, die Mobilitätsbedürfnisse der Zukunft viel besser abdecken können, als das ein fossiles Monsterprojekt aus dem vorigen Jahrhundert auch nur ansatzweise könnte. (👏) Es wäre höchste Zeit, dass diese Erkenntnis auch zu den Vertreterinnen und Vertretern der Betonfraktion, Ihrer ( in Richtung Bundesminister Hanke ) Partei und natürlich auch der ÖVP, endlich durchdringt. Und ich würde Sie wirklich bitten: Wenn Sie sich evidenzbasierter Politik verpflichtet fühlen, dann dürfen Sie diesen Lobautunnel nicht noch einmal prüfen und ihn sich noch einmal anschauen oder gar, im Gegenteil, vorantreiben. Dieser Tunnel darf einfach nicht ge graben werden, er muss endlich be graben werden! (👏) Diese Betonmentalität von ÖVP und SPÖ kennen wir schon, das ist nichts Neues, aber wissen Sie, was ich als Grüne wirklich extrem enttäuschend finde? – Ich bin wirklich sehr enttäuscht von diesem Flipflopverhalten der NEOS. Wir haben es jetzt auch sehr wortreich von Kollegen Bernhard gehört, der es nicht geschafft hat, sich hier klar zu positionieren, der sich sehr wortreich vor einer klaren Positionierung gedrückt hat. Noch 2021 hat er gesagt, ich zitiere das: „Wenn die SPÖ oder die Asfinag die Bagger trotz massivem Schaden für die Umwelt auffahren lässt, dann setze ich mich davor.“ – So tönte der Klimaschutzsprecher von NEOS noch im Jahr 2021. Als die grüne Klimaschutzministerin 2021 den Lobautunnel abgesagt hat, haben NEOS diese Entscheidung noch bejubelt. Aber kaum sitzen sie in der Regierung, fallen sie im Stehen um. Ich bin wirklich extrem enttäuscht von euch! (👏) Wir sehen, der Klimaschutz der NEOS ist nichts anderes als Green Painting, aber grün angemalte Pinke sind und bleiben halt einmal grün angemalte Pinke, und der pinke Klimaschutz erschöpft sich in Sonntagsreden, in Plenarreden. Wir sehen jetzt leider einmal mehr: Ohne Grüne fällt der Klimaschutz auf Bundesebene unter den Tisch. Das ist unverantwortlich, das ist zukunftsvergessen, das ist mutlos. Wir Grüne sind aber entgegen dem voller Mut und voller Entschlossenheit, und genau so werden wir uns weiterhin gegen dieses fossile Milliardengrab stellen und für die Lobau kämpfen. Wir laden Sie, Herr Bundesminister, herzlich dazu ein, gemeinsam mit uns die Lobau zu schützen, statt für ein fossiles Verkehrsprojekt aus dem vorigen Jahrtausend 6 Milliarden Euro unwiederbringlich zu vergraben. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Weinzierl. Eingemeldete Redezeit: 3 Minuten.

FPÖ Maximilian Weinzierl

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Hohes Haus! Sehr geehrte Zuseher! Willkommen in Wien – der einzigen Hauptstadt Europas, in der Verkehrsplanung rückwärts gedacht wird! Während andere Metropolen neue Brücken bauen, neue Tunnel bohren, predigt man hier lieber das große Weniger: weniger Straßen, weniger Infrastruktur, weniger Fortschritt.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Sie sind nicht viel im Ausland! Fahren Sie einmal nach Paris!

FPÖ Maximilian Weinzierl

… Das Ergebnis ist mehr Stau, mehr Stillstand. Die Stadt versinkt im Verkehr, und was macht die Bundesregierung? – Sie blockiert ein dringend benötigtes Infrastrukturprojekt. Die Autofahrer sind ein Feindbild der Grünen, die mit ihrer Mobilitätsfantasie wieder einmal in einer Sackgasse sind. Und wer steckt darin fest? – Es sind die arbeitende Bevölkerung, die Wirtschaft und auch die Familien. (👏 FPÖ) Wer Straßen blockiert, produziert nicht weniger Verkehr, nein, er ist ein Verursacher von Chaos. Während Sie mit Ihrem Nein zum Lobautunnel das letzte Teilstück des Umfahrungsrings in Wien blockieren, werden zum Beispiel in Norwegen Autobahnen durch Fjorde gebaut, werden in den Niederlanden Schnellstraßen unter Wasser gebaut, und ja, auch in der Schweiz werden Bergregionen mit neuen Tunneln wieder vernetzt. Aber hier in Wien glaubt man, mit mehr Ampeln und weniger Straßen das Verkehrsnetz besser gestalten zu können. Der Lobautunnel ist eine Investition in eine wachsende Stadt, eine noch wirtschaftlich starke Region und eine mobile Bevölkerung. Jetzt soll der Tunnel neu geprüft oder evaluiert werden – nach 20 Jahren, in denen er schon geprüft worden ist, nach unzähligen Gutachten, Berechnungen und Studien, die bis jetzt schon 100 Millionen Euro gekostet haben. Was gibt es denn da noch zu prüfen, Herr Minister? Ob die Autos vielleicht in der Zukunft wieder verschwinden werden, wenn wir lange genug warten? Herr Hanke, hören Sie auf, zu prüfen, entscheiden Sie endlich! Entweder Sie sorgen für eine Stadt, die funktioniert, oder die Stadt versinkt im Stillstand. (👏 FPÖ) Wir Freiheitliche stehen jedenfalls für eine Stadt, die funktionieren soll, für eine Politik, die Probleme löst, anstatt neue zu schaffen. (👏 FPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Herr Abgeordneter Schnabel. 4 Minuten eingemeldete Redezeit.

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Es ist wahrlich eine Wahlkampfshow, so wie das hier schon mehrfach tituliert wurde, die wir hier erleben. Interessant ist, dass sich die Frau Bundesminister außer Dienst oder die gewesene Minister Gewessler hier an die Spitze stellt, einen Monat nachdem sie dieses Amt nicht mehr innehat, und sich eigentlich alle ihre Fragen ja schon selbst hätte beantworten können. Aber ich möchte noch ein bisschen weiter zurückgehen: Am 13. Februar 2022 war die Ministerin außer Dienst – sie ist jetzt nicht mehr da – bei uns in der Region und hat dort eines gemacht: Sie ist durch einen Tunnel durchgefahren, nämlich durch den Koralmtunnel. Irgendwie bin ich irritiert von diesem Bild, das Frau Gewessler hier in die Höhe gehalten hat, mit dem Bagger drauf. Wir sprechen hier nämlich von einem Tunnel, und wenn ich mir alle Planungsperspektiven anschaue, dann komme ich zum Schluss, es ist so, wie es damals beim Koralmtunnel war: Es gibt eine Eingangsbaustelle, eine Ausgangsbaustelle, und dazwischen wird ein Tunnel gegraben, und zwar nach der österreichischen Tunnelbaumethode. Das ist ein Exportgut, es wird weltweit nach unserer Tunnelbaumethode gegraben, und da kann man nicht davon sprechen, dass wir ein Naturschutzgut zubetonieren, wenn wir unterirdisch etwas bauen. Gerade Frau Gewessler müsste wissen, wie ein Tunnel aussieht. (👏 ÖVP) Das Zweite, und ich bezeichne es jetzt wirklich als Denkfehler, auch in Richtung Lukas Hammer : Wir waren noch im Ausweichquartier, da haben wir zu Beginn der letzten GP darüber gesprochen, wie wir mit dem Verkehr umgehen. Kollege Hammer hat seinerzeit gesagt – das war für mich ein etwas erhellender Moment, aber ich habe damals noch nicht die ganze Auswirkung nachvollziehen können –: Es wird nicht so sein, dass wir einen Antrieb, nämlich den jetzigen fossilen Antrieb, mit einem neuen tauschen. Das wird nicht die Mobilitätswende sein. – Da habe ich mir gedacht: Aha, wie meint er das jetzt? Das wurde dann aber von Frau Gewessler wirklich sanktioniert, denn während wir schon mit Technologieoffenheit und neuer Technologie die CO 2 -Reduktion vorantreiben wollen, gibt es immer wieder das Narrativ: neue Straßen, neuer Verkehr, neue CO 2 -Emissionen; es wird aber nicht miteinbezogen, nicht miteingerechnet, dass es neue Technologien gibt, die auch CO 2 -freie, CO 2 -reduzierte Mobilität erlauben.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Ihr habt euch an den Verbrenner gekettet!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Das wird vonseiten der Grünen überhaupt nicht berücksichtigt. Das führt ja auch dazu – und jetzt komme ich zu dem Prozess, der mich in den letzten Jahren dazu geführt hat –: Es hat als Erstes diesen Mobilitätsmasterplan ( das genannte Dokument in die Höhe haltend ) von Frau Gewessler gegeben. Dieser hat nicht den Ministerrat passiert, weil darin Dinge festgehalten sind oder auch parametrisiert sind, die nicht die Zustimmung der ÖVP gefunden haben. Da ist davon gesprochen worden, dass Kreislaufwirtschaft das Mobilitätsverhalten massiv verändern wird, dass es nur mehr Regionalität geben wird, dass wir uns darauf zurückbesinnen müssen. Und auf Grundlage dieser Annahmen sind dann die Berechnungen erfolgt.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wenn wir bis 2040 wo hinkommen wollen!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Masterplan: Dieser Masterplan ( das Dokument neuerlich in die Höhe haltend ), der nur aus dem BMK gekommen ist und ein rein grünes Machwerk ist, war dann die Grundlage der Evaluierung des Bauprogrammes ( das genannte Dokument in die Höhe haltend ) – 220 Seiten stark. Auf Seite 6 steht, der Masterplan bildet unter anderem die Basis dieser Evaluierung. Also mit Ihren Annahmen, die Sie hier festgehalten haben, haben Sie dann die Evaluierung gemacht und dann in weiterer Folge die Aussetzung der Errichtung des Lobautunnels umgesetzt. Das war die Herangehensweise und das war die Chronologie, und das muss man fairerweise hier auch ausführen. Jetzt komme ich dann schon zum Entschließungsantrag, und den finde ich ganz besonders interessant, nämlich auf der Seite 2 – und Sie haben heute schon mehrfach das Thema Universitäten angeschnitten, die dementsprechende Expertise liefern. In der Steiermark hat man ja in den letzten Jahren mit wirklich sehr unterschiedlichen Zugängen über die Spurerweiterung, also die dritte Spur, der A 9 diskutiert. In Abstimmung zuerst mit dem BMK, und dann ist das BMK ausgestiegen, haben wir die TU Graz beauftragt, dazu eine Studie zu machen, und diese ist zum Schluss gekommen, es braucht die Spurerweiterung. Was wurde damals vonseiten der grünen Partei gesagt? – Das ist nicht richtig, nicht zielführend, kann nicht stimmen.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wir haben gesagt, wir machen unsere Studie fertig!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Also jetzt wird diese Expertise auf einmal gut genug sein, und damals hat es nicht gepasst.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Wir machen unsere Studie fertig, haben wir gesagt! Das stimmt doch so nicht!

ÖVP Mst. Joachim Schnabel

… Ich glaube, Sie ziehen Ihre Schlüsse so, wie Sie wollen, und man kann darauf nicht aufbauen. (👏 ÖVP) Was ist aus unserer Sicht, aus Sicht der ÖVP wichtig? – Das haben wir in den letzten Jahren ganz, ganz oft hier ausgesprochen, und das gilt für uns auch in Zukunft: Alle genehmigten Projekte des Bundesstraßengesetzes sind umzusetzen. Das inkludiert auch den Lobautunnel. Es ist für uns ganz, ganz wichtig, dass hier dementsprechend eine wirtschaftliche Entwicklung stattfinden kann. Ich komme aus einer Region, die sich wirtschaftlich gut entwickelt hat – weil es dort seit 40 Jahren eine Autobahn gibt. Das wird genauso wichtig sein für die Seestadt und alle anderen Wiener Bezirke und auch für das niederösterreichische Umland, damit das auch dort geschieht. Es ist wichtig, die S 36 und die S 37, Herr Minister, voranzutreiben, und auch die Spurzulegungen, wie sie da und dort ante portas stehen, relativ rasch umzusetzen. Das ist aus unserer Sicht wichtig: Straßenbau in Verbindung mit einer CO 2 -Reduktion durch Technologieoffenheit und neue Mobilitätsformen. (👏 ÖVP, SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Nächste Wortmeldung: Frau Abgeordnete Neßler. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

GRÜNE Barbara Neßler

Danke, Herr Präsident! Geschätzte Kollegen und Kolleginnen! Ich habe leider nicht so viel Redezeit. Ich müsste da so viel richtigstellen, das geht sich aber nicht aus. Nur zwei Sachen: Erstens: Natürlich zahlen die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen das Geld dafür, denn sie haften natürlich für die riesigen Schulden der Asfinag. Und zum Zweiten, Kollege Ottenschläger und Kollege Schnabel: Wenn die frühere Ministerin alle Zahlen gehabt hätte, dann frage ich mich schon, wieso der neue Minister vorhin bei der Beantwortung gerade erklärt hat, dass er die Zahl nicht vorliegen hat. – Sie merken da schon etwas, oder? (👏) Ich habe es heute schon mehrfach gehört, und ich weiß nicht, wie oft Politiker und Politikerinnen hier im Hohen Haus es schon gesagt haben: Die Jugend ist uns so wichtig, die Jugend ist unsere Zukunft. ( Ruf bei der ÖVP: Richtig! ) Aber was bedeutet das? Was bedeutet das Ihnen, was bedeutet das der neuen Regierung? Nehmen Sie die Zukunft junger Menschen wirklich ernst? ( Ruf bei der ÖVP: Ja, sicher! ) Wird ihre Zukunft wirklich ernst genommen, wenn viele, viele junge Menschen ihre Freizeit opfern und die Lobaubaustelle besetzen …

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Das sind lauter Grüne!

GRÜNE Barbara Neßler

… weil sie zu Recht Angst haben vor dem, was kommt? Heißt das, die Jugend zählt nur, wenn sie gerade nicht im Weg steht? Die Antwort der Bundesregierung: Egal, wie sehr die Erde brennt, wir betonieren weiter! Und der Lobautunnel ist ein Symbol dafür, was in der Verkehrspolitik alles falsch läuft. Um aus „Star Wars“ zu zitieren: „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl.“ – Ein fossiles Milliardengrab soll erschaffen werden – obwohl klar ist, dass es bessere Alternativen gibt –, für bis zu 6 Milliarden Euro: Geld, das in der Gesundheit fehlt, Geld, das in der Bildung fehlt. Warum wird dieses Geld nicht genommen, um in die Menschen zu investieren? Das verstehe ich nicht. Niemand braucht den Lobautunnel. (👏) Niemand braucht den Lobautunnel, aber die neue Regierung hat sich entschieden – gegen die Jugend, gegen die Bevölkerung, gegen die Natur, aber dafür mit Vollgas, volle Kraft voraus – für die Autobahn- und Betonlobby. Dieses alte Denken hört leider nicht in Wien auf: Als Tiroler Abgeordnete sehe ich jeden Tag, was es heißt, wenn Verkehrspolitik auf Kosten der Menschen passiert. Wir haben Tirol zur Transitdrehscheibe Europas gemacht, und das spüren die Menschen jeden Tag. Da reden wir nicht nur von ein bisschen Stau, sondern da geht es um eine massive Beeinträchtigung der Luftqualität und Lärmbelästigungen, die gravierende Folgen für die Gesundheit der Menschen haben. Die Menschen vor Ort sind es, die die Kosten dafür tragen, die die Kosten dafür zahlen – mit ihrer Gesundheit und mit ihrer Lebensqualität. Und zu ( in Richtung Abg. Oberhofer [NEOS] ) Kollegen Dominik, zum Lueg: Du weißt ganz genau, dass es keine dritte Spur gibt. Es gibt einen Pannenstreifen für die Sicherheit – und das weißt du, und ich verstehe auch nicht, wieso hier Unwahrheiten verbreitet werden. Ich hoffe nicht, dass das der neue Stil der Regierung ist. (👏) Aber schauen wir uns einmal an, was die jetzige Bundesregierung geplant hat, um die Tiroler und die Tirolerinnen zu entlasten! Wie schaut es da aus? – Sie hält weiter am Dieselprivileg fest, obwohl wir wissen: Solange das Dieselprivileg aufrecht bleibt, bleibt auch der unnötige Transit. Dosierungen alleine reichen nicht. Und während Tirol weiter unter dem Transit leidet, fehlen im Regierungsübereinkommen zentrale Maßnahmen: kein Fernpassbahntunnel, keine verbindliche Transitstrategie, keine klare Finanzierung, und Kürzungen beim Bahnausbau stehen im Raum. Die neue Regierung ist kaum im Amt, und enttäuschenderweise muss man sagen, die Mobilität der Vergangenheit wird gepusht: Steuererleichterung für teure Dienstwägen, Hürden für E-Mobilität und der Bau von mehr Straßen, die mehr Belastung und nicht weniger bedeuten – eine Verkehrswende zurück in die fossile Vergangenheit. Herzlichen Glückwunsch zur Politik von gestern! (👏) Hören Sie bitte auf, von der Zukunft der jungen Menschen zu sprechen, wenn genau diese Zukunft verbaut werden soll! Solange Sie Milliarden in gestrige Projekte investieren und nicht in zukunftsfitte Öffis, solange Sie an fossilen Förderungen festhalten und gleichzeitig den Klimabonus streichen und den Menschen das Geld wegnehmen, solange Sie beim Klimaschutz mit dem Abrissbagger auffahren und somit Chancen begraben, so lange sollten Sie nicht davon sprechen, wie wichtig Ihnen die Jugend ist. (👏)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Vorläufig letzter Redner: Herr Abgeordneter Graf. 5 Minuten werden eingestellt.

FPÖ Martin Graf

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Ja, das war oder das ist wieder ein beredtes Beispiel dafür, was Zuwanderung – und damit bezeichne ich jetzt die meisten von jenen, die heute hier gesprochen haben und die hierher nach Wien zugezogen sind – alles so anrichten kann, wenn man sich in dieser Gegend nicht auskennt. Das ist mir heute ganz deutlich vor Augen geführt worden. Die meisten haben von etwas gesprochen, das sie wahrscheinlich selbst noch nie gesehen haben, so wie wahrscheinlich auch die Frau Bundesminister außer Dienst Gewessler. Herr Bundesminister ( in Richtung Bundesminister Hanke ), Sie wissen das ein bisschen besser, Sie sind ja schon einmal mit dem Fahrrad dort gefahren, haben Sie gesagt. Ich bin dort geboren und kenne das seit bald 66 Jahren, oder 65 – ich darf mich nicht älter machen. Wir sprechen in Wirklichkeit von der Oberen Lobau, denn die Lobau teilt sich in zwei Teile, in die Obere Lobau und die Untere Lobau. Die Obere Lobau wurde in den Neunzigerjahren – da war ich selbst Zeuge hier im Parlament –, Mitte der Neunzigerjahre kraft Gesetzes zum Nationalpark erklärt, sie hat international aber überhaupt keine Relevanz gehabt, weil die Obere Lobau ein Industriegebiet ist. Wenn Frau Gewessler einmal mit dem Radl dort hinfährt, dann würde sie dort fahren, wo auch der Herr Bundesminister gefahren sein wird, nämlich über die Industriestraße oder über die Raffineriestraße – denn wie wollen Sie sonst von Wien dorthin kommen? –, und die Raffineriestraße geht auch durch die Obere Lobau. Jetzt kann man sich natürlich fragen: Warum heißt das dort, in einem Nationalpark, Industriestraße und Raffineriestraße? Was habe ich von der Frau Bundesminister außer Dienst gehört? – Von einem einzigartigen Naturraum, einem Naturschutzgebiet und Ähnlichem mehr wurde da gesprochen. Ja, es ist ein einzigartiger Naturraum in dieser Oberen Lobau. Zur Trassenführung des Tunnels, so er kommt: Mir ist das eigentlich wurscht, ob ein Tunnel oder eine andere Alternative dort kommt, ich brauche eine Querung, aber wenn ein Tunnel kommt, führt er unterhalb des Ölhafens Lobau durch. Das muss man sich einmal vorstellen: 1 100 Tanker sind es jedes Jahr, die dort beladen werden! Ein Stück weiter kommt man dann zum Öltanklager Lobau, das eine etwas neuere Struktur ist, neben dem Industriepark Lobau, wo die Chemieindustrie und vieles andere mehr angesiedelt ist. Man kommt vorbei am Kraftwerk Freudenau, ein Kraftwerk in einem Nationalpark – eben nur kraft Gesetzes –, und gelangt dann zum Kraftwerk Donaustadt; das ist das Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk. Wenn man mit dem Rad fährt, sieht man hinter den Bäumen dann den 150 Meter hohen Schornstein. Das steht dort mittendrin, und darunter soll ein Tunnel hinkommen – das ist das Schutzgebiet, von dem Sie sprechen! Aber es ist ja noch nicht aus: Den Ölhafen habe ich schon genannt, 1 100 Tankschiffe sind es pro Jahr. Eine Raffinerie gibt es dort ebenso wie eine Schmiermittelfabrik. Dort sind das Lukoil-Tanklager, das OMV-Tanklager und vieles andere mehr. Abgesehen von diesem Industriegebiet, unter dem ja dieser Tunnel durchführen soll, wenn man sich die Trasse einmal genau anschaut, gibt es noch ein paar andere erwähnenswerte Dinge. Ich würde mich freuen, wenn die Grünen etwa einmal über die Altlastensanierung reden würden. Seit dem Bombentreffer 1945 ist die größte Altlastenkatastrophe in dieser Oberen Lobau eingehüttelt durch Sperrbrunnen und Dichtwände – Beton ohne Ende; unter der Erde, ist ja vollkommen egal! –, damit das verschmutzte, kontaminierte Erdreich, der große Ölschaden – 1,5 Quadratkilometer groß in einer Tiefe von 8 bis 15, 20 Meter – nicht die Trinkwasserversorgung von Wien gefährden kann.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Damit das Grundwasser geschützt bleibt!

FPÖ Martin Graf

… Ob sich das in den nächsten Jahren ausgeht, wissen wir nicht. Die letzte Sanierung war in den Nullerjahren – vielleicht sollte man diese Altlast mit dem Bau des Lobautunnels sanieren, da hätten wir wenigstens etwas Gutes getan, und man hätte die Trinkwasserversorgung von dieser Seite auf Dauer sichergestellt.

FPÖ Kassegger (Zwischenruf)

Gute Idee!

FPÖ Martin Graf

… Einen „einzigartigen Naturraum“ haben Sie das genannt – Sie reden wie ein Blinder von der Farbe, muss ich wirklich sagen, Sie kennen sich nicht aus! Dass die Lobaublockierer dort auch demonstriert haben: Es war ja nicht dort – es war neben der größten Mülldeponie Österreichs, weil neben der größten Mülldeponie Österreichs am Rautenweg diese Zubringerstraße hätte errichtet werden sollen! ( Heiterkeit bei der FPÖ. ) Die haben Sie ein Jahr lang verhindert, jetzt kommt sie Gott sei Dank. Wenn man nämlich nicht einmal mehr Zufahrtsstraßen oder Straßen neben der größten Mülldeponie – ich glaube, sie ist sogar Europas größte Mülldeponie – bauen kann, dann kenne ich mich nicht mehr aus. (Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. ) Außerdem haben wir eine Bevölkerungsentwicklung von 56 000 Einwohnern, die in meinem Geburtsjahr 1960 nur in Donaustadt gewohnt haben, auf heute 230 000 Einwohner – bei genau gleich vielen Straßenbrücken wie damals. Dass sich das nicht ausgeht, ist klar, und auch der Nachbarbezirk hat noch einmal in etwa auch 110 000 Einwohner. Aufgrund der tollen Migrationspolitik, die die SPÖ in Wien zu verantworten hat, ziehen ja auch viele von außerhalb Österreichs zu, auch in meinen Bezirk, und verdrängen dort dann sehr viele in die Umlandgemeinden, wo die Bevölkerungszahlen explodieren. Das heißt, es gibt in dieser Region Ost nördlich der Donau 350 000 Einwohner mehr, bei immer noch gleich vielen Straßenbrücken. Nicht die Tangente zieht den Verkehr an, sondern Sie schaffen ein Nadelöhr, siedeln die Menschen dort an, siedeln Industriebetriebe dort an, und dann schaffen Sie keine Donauquerung! Aber zur Beruhigung: Es gibt vier Fahrradbrücken über die Donau; das sind mehr, als es Straßenbrücken gibt. Alternativen? – Herr Bundesminister, beim Donaukraftwerk Freudenau – das habe ich hier im Parlament schon vor rund 25 Jahren …

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

So lange sind Sie schon da, Sie sind ja ein Systempolitiker! – Heiterkeit bei SPÖ und Grünen

FPÖ Martin Graf

… gesagt, als das Kraftwerk errichtet wurde – führt eine Betriebsstraße hinüber: Wir haben damals schon gefordert, dass das eine Mautstraße für Taxi-, Busverkehr und Ähnliches werden soll. Das kann man ja machen, sogar der Hoover-Damm ist für den Personenverkehr befahrbar – warum geht das in Wien nicht? Die Brücke ist ja da, nämlich die Betriebsbrücke, und mit wenigen Verstärkungen könnte man dort schon etwas bewirken. Wie gesagt, das alles sind Dinge, die da mitspielen.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Wie schaut es denn eigentlich mit der Redezeit aus?

FPÖ Martin Graf

… Ihnen ist außerdem entgangen, dass der Eiserne Vorhang gefallen ist und dass auf der riesigen Spange Prag, Pressburg/Bratislava, Wien und Budapest vier Hauptstädte so nahe wie sonst auf keinem Flecken dieser Erde liegen – das ist ein Ballungsraum mit in Summe 7 bis 8 Millionen Menschen – vier Hauptstädte, die in Wirklichkeit jeweils innerhalb von 1 Stunde erreichbar sind.

GRÜNE Voglauer (Zwischenruf)

Mit dem Zug!

FPÖ Martin Graf

… Diese Menschen wollen natürlich auch vielleicht einmal in den Süden, nicht nur die Gewerbetreibenden und Ähnliche, und das verursacht nun einmal Verkehr. Frau Minister außer Dienst, nicht die strategische Umweltprüfung wurde versäumt, wie Sie gesagt haben, sondern Sie haben das blockiert! Das ist ein Unterschied, Sie haben es blockiert! …

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Ich habe sie gemacht! – Abg. Schallmeiner [Grüne]: Tom Turbo hätte seine Freude!

FPÖ Martin Graf

… Herr Bundesminister, als – neuerdings – Freund der Transatlantiker sage ich, wir sollten aufhören, zu evaluieren. Ich sage Ihnen: Drill, baby, drill! Bauen Sie den Tunnel endlich! ( Heiterkeit und Beifall bei der FPÖ. )

PräsidiumWalter Rosenkranz

Weiters zu Wort gemeldet hat sich jetzt Frau Abgeordnete Herr. Eingemeldete Redezeit: 4 Minuten.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

Vielen Dank, Herr Präsident! Hohes Haus! Spätestens jetzt weiß, glaube ich, jeder hier im Raum, dass am 27. April die Wienwahl stattfindet. Die Wienwahl wirft schon einen langen Schatten voraus, und deshalb wurde da heute viel diskutiert, auch über die Stadt Wien, und es wurde auch vieles behauptet – von Menschen, die gar nicht in Wien wohnen. Die haben uns dann erklärt, wie es in Wien zugeht. Da muss ich jetzt fast einiges richtigstellen. Unter anderem hat eine Kollegin von den Grünen behauptet, beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs in Wien gehe so wenig weiter. Da will ich nur kurz die Frage aufwerfen: Wo gibt es denn das größte Klimaschutzbauprogramm in ganz Europa? Wo ist denn die aktuell größte U-Bahn-Baustelle in ganz Europa? – Ach so, die ist in Wien! Aha, da werden nämlich gerade die U5 und die U2 gebaut. (👏 ÖVP, SPÖ) Da spreche ich jetzt noch gar nicht von den Straßenbahnlinien 12, 18 und 27 oder von den neuen Busverbindungen. Ich kürze es ab: Da geschieht ganz viel, und allein im Jahr 2024 sind da 850 Millionen Euro investiert worden! Das ist nicht nichts, denke ich, denn zeigen Sie mir bitte eine andere Stadt in Österreich, wo es besser wäre.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Attnang-Puchheim!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Die wird man nicht finden. (👏 SPÖ) – Ja, da kann man auch klatschen. Ich mache weiter mit dem Thema Verkehr: Wissen Sie eigentlich, in welchem Bundesland in Österreich der CO 2 -Ausstoß beim Verkehr pro Kopf am niedrigsten ist? …

SPÖ Krainer (Zwischenruf)

In Wien!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Ah, das ist auch Wien, ach so, und mit Abstand noch dazu! Falls jetzt jemand sagt: Na ja, aber das ist eine Stadt, das könne man nicht mit dem ländlichen Raum vergleichen, dann nenne ich Ihnen noch eine Zahl: In Wien sinkt dieser Wert pro Kopf auch seit 2005 von allen Bundesländern am allerstärksten, was den Verkehr betrifft, weil dort einfach ganz viel geschieht. (👏 SPÖ) Es werden laufend Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung gesetzt, und es wird natürlich viel mehr Geld in den öffentlichen Verkehr investiert als in jegliches Straßenbauprojekt, um auch das noch einmal gesagt zu haben. Nächster Punkt, der nächste Vorwurf, der aufgekommen ist, der Bodenverbrauch: Welche ist denn eigentlich die grünste Metropole der Welt? – Mit 53 Prozent Grünanteil ist das die Stadt Wien! – Aha, ach so, okay! …

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Wenn Sie den Wienerwald ...! – Zwischenruf der Abg. Gewessler [Grüne].

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Schauen wir uns das an mit dem Bodenverbrauch: Wien hat im Schnitt ein Fünftel des Bodenverbrauchs pro Kopf im Vergleich zum Rest Österreichs! …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Gut gearbeitet, Mary Vassilakou!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Ja, ja, dazu komme ich schon noch, das hebe ich mir auf. Alleine in den letzten 15 Jahren ist Wien um 300 000 Einwohner:innen gewachsen, das ist in etwa die Größe von Graz. So viel neuen Zuzug nach Wien hat es gegeben, ganz viele Menschen aus den Bundesländern, und trotzdem ist der Bodenverbrauch in Wien am niedrigsten. Ich meine, das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. (👏 SPÖ) Und Sie kommen hier heraus und beklagen sich über den Bodenverbrauch – nicht in den anderen Bundesländern, nein, in Wien.

GRÜNE Lukas Hammer (Zwischenruf)

Julia, wann sagst du was zur Lobauautobahn?

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Ich mache aber vielleicht einfach gleich weiter. Sie sagen: Ja, danke, dass das in Wien alles so super ist, das ist nur aufgrund der Grünen so! …

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Ja! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Wissen Sie, wann der erste Klimaschutzplan der Stadt Wien beschlossen worden ist? – 1999! Da war nix Grüne. (👏 SPÖ) Seit Jahrzehnten verfolgt die SPÖ die Strategie einer lebenswerten Stadt, und das bedeutet auch, Klimaschutz für alle Bewohner:innen zu machen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Danke, Bernhard Görg! – Abg. Gewessler [Grüne]: Wie haltet es die SPÖ mit der Lobau? – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Noch ein Punkt: Es wurde hier ausgeführt: Wie soll es für die SPÖ Wien, wie soll es für die Stadt Wien generell, wie soll es möglich sein, die Klimaneutralität einzuhalten? Auch das war ein Punkt. Ich würde Sie gerne fragen: Wo ist denn eigentlich die Klimaneutralität beschlossen? Im letzten Regierungsprogramm war es nämlich immer nur eine Ankündigung, und dann hat es keine einzige gesetzliche Maßnahme gegeben, mit der das 2040-Ziel beschlossen worden ist. Wo es beschlossen worden ist, ist in Wien, als einzigem Bundesland. Im Wiener Gemeinderat wurde das 2040-Ziel tatsächlich beschlossen. (👏 SPÖ, NEOS) Wien ist im Übrigen auch das einzige Bundesland, in dem es ein Klimagesetz gibt. Das hat die letzte Bundesregierung leider auch nicht zustande gebracht; Wien hat es gemacht – danke, Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky.

GRÜNE Gewessler (Zwischenruf)

Mich würde es noch interessieren, wie es mit der Lobau steht!

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Und ein weiterer Punkt: Wo in ganz Österreich gibt es denn eigentlich ein Klimabudget? ( Ruf bei den Grünen: Na ja, ihr streicht es gerade! ) – Ich glaube, in Wien. Das war der damalige Finanzstadtrat Hanke. – Vielen Dank. Es gibt nur in Wien ein Klimabudget, sonst gibt es das übrigens nirgends. (👏 SPÖ, NEOS) Ich habe hier jetzt noch so viele Fakten ausgeführt, aber meine Redezeit ist schon vorbei. Ich könnte Sie jetzt auch fragen: Wo ist denn das meiste passiert für die Sonnenstromoffensive? – Ach so, in Wien. Wo entsteht denn die größte Wärmepumpe Europas? – Ach so ( Rufe bei der SPÖ: In Wien! ), in Wien. ( Heiterkeit und Beifall bei SPÖ und NEOS sowie der Abg. Edtstadler [ÖVP]. ) Ich könnte diese Liste noch sehr lange weiterführen. Im Übrigen ist auch der Energieverbrauch pro Kopf, wenn wir uns beispielsweise diesen anschauen, am niedrigsten in Wien, aber ich will ja den Bogen nicht überspannen.

GRÜNE Schallmeiner (Zwischenruf)

Wie schaut es aus mit der Lobau ...?

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Es ist auch so, dass die Gesamt-CO 2 -Emissionen pro Kopf in Wien am allerallerniedrigsten sind, auch das wiederum mit Abstand.

GRÜNE Schwarz (Zwischenruf)

Weil wir eine so starke Opposition machen! – Beifall bei Abgeordneten der Grünen. – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.

SPÖ Julia Elisabeth Herr

… Ich spreche jetzt auch nicht darüber, wie viele Radwege wir in dieser Legislaturperiode in Wien gebaut haben: nämlich mehr als zuvor, als die Grünen mit in der Regierung waren. – Aber ich sehe, Sie sind emotional schon sehr aufgeregt. Ich höre jetzt auf, denn das wird für Sie nur schwierig. (👏 ÖVP, SPÖ, NEOS) In diesem Sinne: Wenn Sie all diese Kennzahlen ignorieren und trotzdem versuchen, hier so zu tun, als wäre Wien ein Stiefkind, was den Klimaschutz betrifft, dann werden Sie scheitern. Es wird der neue Herr Finanz- -, ah, Verkehrsminister ganz genau prüfen ( Heiterkeit bei der ÖVP ), wie es mit den Straßenbauprojekten weitergeht. Ich habe vollstes Vertrauen, dass das gut gelingen wird. Beruhigen Sie sich – ich weiß, der 27. April kommt bald. Wer in Wien Klimaschutz haben will und wer will, dass dieser in Wien weiterhin so erfolgreich verläuft, der hat keinen Grund der Welt, nicht die SPÖ zu wählen. Wer aber Klimaschutz und leistbares Wohnen und sichere Arbeitsplätze und gute Bildung haben will, der wird die SPÖ wahrscheinlich wählen müssen. – Vielen Dank. (👏 SPÖ)

PräsidiumWalter Rosenkranz

Als vorerst letzte Wortmeldung dazu: Frau Abgeordnete Tomaselli. – Restredezeit Ihrer Fraktion: 4 Minuten. Ich stelle diese auch ein.

GRÜNE Nina Tomaselli

Danke, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Ich bin mir ganz sicher – Kollegin Herr, ich habe Ihnen zugehört, ich bin mir daher jetzt sehr, sehr sicher –: Gott hat Wien am siebten Tag erschaffen. ( Heiterkeit und Beifall bei den Grünen. – Präsident Haubner übernimmt den Vorsitz. ) Ich habe Ihnen sehr genau zugehört. Wir haben jetzt sehr, sehr viel über Wien gehört – Sie sind offenbar auch im Wahlkampf, ist eh legitim –, aber das, was ich nicht gehört habe, Kollegin Herr: Was ist denn jetzt Ihre Position zum Lobauneubau? …

SPÖ Herr (Zwischenruf)

Die wird geprüft! Haben Sie nicht zugehört?

GRÜNE Nina Tomaselli

… Nein, nicht prüfen, sagen Sie, was Sie machen wollen! Sagen Sie es transparent den Bürgerinnen und Bürgern! Ich sage Ihnen eines: Sie sagen es mit Absicht nicht, weil Sie genau wissen, dass die Mehrheit der Wiener Bevölkerung nicht hinter diesem Projekt steht! (👏) Ich kann Ihnen auch sagen, ich fühle mich, wenn ich bei dieser Lobaudiskussion zuhöre, total erinnert an ein Straßenprojekt in Vorarlberg. Auch dort versucht man, eine Straße mitten durch ein Natura-2000-Gebiet zu machen. Wissen Sie, was ich da so ärgerlich finde …

ÖVP Egger (Zwischenruf)

Aber die Vorarlbergwahl ist vorbei!

GRÜNE Nina Tomaselli

… auch wenn ich Kollegin Kugler zuhöre, die sagt: Nein, die Menschen brauchen Entlastung!? – Ja, die Menschen brauchen Entlastung, aber wie alt sind die Lobaupläne? – Über 20 Jahre! Wie alt sind die S-18-Pläne in Lustenau? – Älter als ich! Kurze Einschaltung: Ich bin 40 Jahre alt. ( Heiterkeit bei den Grünen. ) Verstehen Sie? – Diese monströsen Projekte lassen sich nicht in einer adäquaten Zeit umsetzen, und das ist doch das Gemeine gegenüber der Bevölkerung. Sie gehen her – politisch –, halten das wie eine Karotte hin, und das verhindert am Ende des Tages jegliche vernünftige Diskussion und damit auch eine vernünftige Alternative.

GRÜNE Kogler (Zwischenruf)

Richtig!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Das ist nicht zukunftsweisend. Das ist Politik von gestern, meine sehr geehrten Damen und Herren. (👏) Und was mich auch aufregt: Gerade von der SPÖ hören wir tagein, tagaus: Wir müssen den budgetären Scherbenhaufen der Vorgängerregierung aufräumen! ( Rufe bei der SPÖ: Ja! ) – Ja, okay, das Sparprogramm ist hart, aber wie kann ich dann gleichzeitig hergehen und sagen: Ich verbuddle 6 Milliarden Euro in ein fossiles Tunnelprojekt!? Wie passt denn das zusammen? Das geht doch nicht. (👏) Der Lobautunnel ist nicht nur unökologisch, er ist auch sauteuer. Und, Kollege Ottenschläger, wenn Sie sagen: Das ist ja gar kein Steuergeld, das da fließt!, dann glauben Sie das doch selber nicht! Ich bitte Sie, Herr Kollege Ottenschläger! …

ÖVP Ottenschläger (Zwischenruf)

Ich weiß es! Ich weiß es! – Abg. Scherak [NEOS]: Das ist keine Frage von Glauben!

GRÜNE Nina Tomaselli

… Bitte, liebe Bürgerinnen und Bürger, lassen Sie sich keinen Sand in die Augen streuen! Ich sage Ihnen jetzt: Gehen Sie nicht davon aus, dass solch ein Milliardenstraßenprojekt ohne Folgen für Sie bleibt! Und weil Sie jetzt mit dem Vorarlberger Projekt kommen ( Ruf bei der ÖVP: ... für alle Pendler! ): In Vorarlberg wird in meiner Heimatstadt gerade jetzt ein monströses Tunnelprojekt um 600 Millionen Euro gebaut. ( Ruf bei der FPÖ: Ein Entlastungsprojekt! ) Es wird vom Land finanziert, und die schwarz-blaue Landesregierung will den Tunnel unbedingt bauen. Und wissen Sie, was die Folge ist? – In der Sekunde, nur für heuer – die folgenden Jahre kommen noch – sind die Gesamtschulden um 50 Prozent gestiegen.

ÖVP Michael Hammer (Zwischenruf)

Sagt wer?

GRÜNE Nina Tomaselli

… Nicht die Neuverschuldung, die Gesamtschulden sind um 50 Prozent gestiegen, und das ist doch völlig zukunftsvergessen. (👏) Und jetzt wird gespart, und was macht die dortige schwarz-blaue Landesregierung? – 10 000 sozialpsychiatrische Therapiestunden für Kinder werden gestrichen. Einer Wildtierhilfe werden drei Viertel der ihr zugesagten Förderungen einfach so gestrichen. Was passiert dann mit den verletzten Tieren? Was passiert mit den Kindern? – All das ist egal, Hauptsache, man baut einen Tunnel. (👏) Ich sage Ihnen, das ist einfach Politik von gestern. Das ist unökologisch, das ist teuer und es ist zutiefst unsozial – und Sie alle wissen das. ( Präsident Haubner gibt das Glockenzeichen. ) Ich schaue hier gerade in die Reihen der NEOS – das ist mein Schlusssatz –: Sie wissen ganz genau, dass wir recht haben. Aber jetzt braucht es mutige Entscheidungen. Es reicht nicht, Mut nur auf das Plakat zu schreiben, sondern es müssen wirklich mutige Entscheidungen getroffen werden. – Danke schön.

PräsidiumPeter Haubner

Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.